Nr. 56 Erstes Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 7. Mr; 1929 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertag». Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreis sürrwochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanlchlüfse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: granlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VN'S imd verlor! vrühl'sche Unlverslttlr.vuch. und Stelndnickerel R. Lange in Sieben. Lchristleitnng UN» SeschSsirftelle: ichulltrabe 7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspjennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrist 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THynot; für den übrigen Tetl Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. fämUich in Gießen. Sttesemanns große Wndecheitenrede vor dem Völkerbundsmt. Oer Reichsaußenminister schlägt Oeffentlichkeit des Verfahrens und Einsetzung einer (Studienkommission vor. - Freiheit für Sprache, Seele und Glaube. Ein großer Tag in Genf. Genf, 6. März. (WTD.) Die Hülle und die Wandelgänge des Dölkerbundssekrelariats find überfüllt Journalisten und Politi.'ec dieses internationalen Milieus diskutieren in eifrigem Gespräch den voraussichtlichen Gang der bevorstehenden Debatte. Selbstverständlich sind zu der bevorstehenden grundsätzlichen Auseinander- sehung über die Minderheitenfrage auch namhafte Vertreter der Minderheitenbcwegung aller Länder hier eingetroffen, darunter der Pr.sident des nationalen Minderheitentongresses, der Slo- vene Dr. Wilfan (Triest). Kurz nach l/912 Ahr trat der Rat in die öffentlicheSihung ein. Die öffentliche Sitzung zeigt das Bild eines ganz großen Tages. Der auf Vorschlag des deutschen Ratsmitgliedes im vergangenen Sommer für die Feit der Ratstagungen um_ das Doppelte erweiterte große GlaSsaal des Völkerbundssekretariats ist bis auf den letzten Platz beseht. Die Mitglieder der Delegationen, die dieses Mal ohnehin stärker als sonst nach Genf gekommen sinü, wohnen fast vollzählig der Sitzung bei. Auch das Personal des V ö l - kerbundsfekretariats ist in dieser geschichtlichen Stunde des Rückblickes auf eines der wich.igften Tätlgkeitegebiele des Völkerbundes stärker vertreten als sonst. Da» kanadische Ralsmilgtted Dandurand begann sofort mit der Begründung feiner bekannten Anträge zur Verbesserung des Verfahrens bei der Behandlung von Minderheitenbeschwerden. In gedrängter Form gab er zunächst eine Wieder- holung der in feiner Denkschrift enthaltenen Begründung und betonte zum Schluß: G e recht ig- keitsfinn und Pflichtgefühl gegenüber dem Völkerbund haben mich zu meinen Vorschlägen veranlaßt. Zweifellos hat der Völkerbund auf dem Gebiete der Minderheitenfragen schon manches gute Werk getan. Das Dunkel und das Schweigen, das feine Beratungen über die Minderheitenfragen umgibt, haben aber den Glauben aufkommen lassen können, daß er feine Pflicht nicht in vollem Maße erfüllt. Um jede Art von Verschleierung zu verhindern und den Befürchtungen von Minderheiten jede Berechtigung und jeden Anschein einer Berechtigung zt? nehmen, hat Kanada diesem Problem seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt und seine Anträge eingebracht. Dap Geringste, das die Minderheiten vom Söfterbunb’ erwarten können, ist, daß allen Ratsmitgliedern Mittel und Wege zur Verfügung stehen, um sich über die Lage der Minder- Herten im Falle von Beschwerden zu unterrichten. — Unter angespanntester Aufmerksamkeit des gesamten Saales ergriff hierauf kurz nach 11.45 Uhr das deutsche Ratsmitglied, Reichsaußen- minifter Dr. Stresemann, das Wort, um zur Begründung seines Antrages über die Völkerbundsgarantie zum Minderheitenschutz die folgenden grundsätzlichen Ausführungen zu machen. Stresemann spricht. Schon während der letzten Bundesversammlung klang aus verschiedenen Reden die Erkenntnis, daß in der Entwicklung der Völkerbundstätigkeit der Zeitpunkt gekommen ist, an dem es von Nutzen fein wird, auf die bisherige Behandlung der Minderheitenprobleme einen Rückblick zu werfen. Nicht darum geht.es mir, die Schicksale und Verhältnisse bestimmter einzelner Minderheiten bei dieser Gesamterörterung in den Mittelpunkt zu stellen. Worauf es mir ankommt, das ist die Situation, die sich ergibt durch die geltenden Verträge und Erklärungen, durch die dem Völkerbund übertragene Garantie, und seine aus diesen Garantien zu folgernden Rechte und Pflichten. Es ist die Aufgabe des Völkerbundes, der Menschheit zu zei- gen, daß es eine Entwicklung im Dölkerleben gibt, die nach aufwärts strebt und nicht untergeht in Resignation und Pessimismus, die niemals stärker werden als dann, wenn ein klaffender Widerspruch zwischen den Verheißungen und den Taten besteht. Dr. Stresemann erklärte, wenn er mit den prinzipiellen Grundlagen die Praxis zusammenhalle, so könne er sich nicht des Gefühls erwehren, daß Theorie und Praxis nicht immer im Einklang miteinander geblieben sind. Die Minderheiten selbst feien im sehr weiten Maße von diesem Gefühl und den sich daraus ergebenden Sor« gen um ihr kulturelles Schicksal beherrscht. Dr. Stresemann erinnerte an die Erklärung des früheren Berichterstatters im Rat aus dem Jahre 1920. Hier finden sich Steuerungen grundsätzlicher Art über den Zweck der Mindcrheitenschutzbesiim- muvgen und über den Zweck der Garantie des Völkerbundes, die nicht so gedeutet werden fön« nen, als ob cs sich bei diesen Bestimmungen um eine Art von Uebergangsregime handelt, das schließlich dahin zu führen hat, daß die Minderheiten als -solche verschwinden, d. h. sie in der Majorität der Staatsbevölkerung aufgehen zu lasten. Wenn jene 2lcugerungen im Sinne einer Art Assimilationstheorie zu verstehen sein sollten, worauf manche in späteren Ratssitzungen gelegentlich abgegebenen Erklärungen hinzudeuten scheinen, so muß ich dem zu meinem Teil auf da» bestimmteste widersprechen. Line solche Theorie steht im Gegen s a tz zu dem bei Begründung des neuen Winderheilenschuhes in aller Klarheit festgestellten Gedanken, daß dieser Schuh ein dauernder und nicht nur ein Uebergangsregime zum Zwecke der Erleichterung vorübergehender Schwierigkeiten sein sollte. Im Zusammenhang hiermit steht ein anderer Punkt von grundsätzlicher Bedeutung. Im wesentlichen beschränkt sich das bestehende Verfahren auf die Erledigung der beim Völkerbund eingegangenen Petitionen. Es sind keinerlei Einrichtungen oder Verfahrensarten vorgesehen, um die dem Völkerbund in ganz allgemeiner Form übertragene Garantie auch außerhalb des Gebietes der Petitionen zu realisieren. In den bereits von mir erwähnten grundsätzlichen Beratungen vom Jahre 1920 kommt aber zum Ausdruck, daß der Völkerbund die Verpflichtung habe, sich der fortdauernden Durchführung der Minderheltenschuhbestimmungen zu vergewissern. Die Praxis habe sich dahin entwickelt, daß die Vehandlung der Petitionen in den Komitees das gesamte Verfahren in der Regel abfchließe, ohne daß die nicht im Komitee vertretenen Ratsmitglieder irgendetwas darüber erfahren. Eine selbstverständliche Folge deS ursprünglich mit der Einrichtung der Komitees beabsichtigten Zweckes sollte aber fein, daß diese auf jeden Fall das Ergebnis ihrer Arbeiten den Ratsmitgliedern vorlegen, damit diese sich darüber schlüssig werden können, ob sie die Angelegenheit weiter verfolgen wollen. Zur Herbeiführung einer größeren Publizität des ganzen Verfahrens wäre z. B. zu erwägen, ob es nicht angebracht fei, dem alljährlich der Bundes- verfammlung zu erstattenden Bericht über dieTätigkeitbesRates eine listenmähige Rachweisung aller eingegangenen und in den Komitees behandelten Defchwerden beizufügen. Außerdem könnte das Verfahren durch eine Vorprüfung außerhalb der Ratstagungen beschleunigt und die Arbeit der Komitees dadurch verlieft werden, daß ihnen die Möglichkeit gegeben wird, nicht nur wie bisher mit der Regierung der Minderheit in Verbindung zu treten, sondern auch nach Lage des Falles von berufenen Vertretern der Minderheit selbst oder von anderen Sachkundigen ergänzende Mitteilungen einzufordern. Dr. Stresemann befaßte sich dann mit dem Plan der Einrichtung einer ständigen Minderheiten- fommiffion, der von so weittragender Bedeutung sei, daß er genauester Prüfung bedürfe. Erst das Studium der mit seiner Derwirllichung zusammenhängenden Einzelfragen, insbesondere das Studium der Frage, welche Funktion einem solchen Organismus im Verhältnis zur Tätigkeit des Rates selbst zuzuweisen wäre, werde eine bestimmtere Stellungnahme dazu ermöglichen. Wie indes das formale Verfahren künftig auch zu gestalten sein möge, unerläßlich fei volle Klarheit darüber, welchen Zwecken die dem Völkerbund übertragene Garantie letzten Endes zu dienen habe und von welchem Geiste ihre Durchführung getragen sein müsse. Aus den angeführten Erwägungen komme ich, so erklärte Dr. Stresemann, zu folgenden Schluß« folgerungen: Was ich wünsche und dem Rate dringend zur Erwägung stelle, ist einmal -eine sorgfältige Durchprüfung der Möglichkeiten, die für eine Besserung des formalen Verfahrens bei der Behandlung von Petitionen gegeben sind. Zweitens bitte ich, in Aussicht zu nehmen, d i e bisher geübte Ausschaltung der beteiligten Nationen durch Ihre Hinzu- Ziehung zu ersetzen. Drittens wäre zu prüfen, in welcher Weise der Völkerbund seiner Goran t i e p f l i ch t außerhalb des Gebie- tes der Petitionen zu genügen hat. Endlich liegt mir daran, daß in der oon mir ausgesprochenen Weise eine Klärung der grundsätzlichen Seite der Dölkerbundsgarantie herbeigeführt wird. Ich bin mir darüber klar, daß die Aufgabe, die sich hieraus ergibt, zu umfangreich und auch zu wichtig ist, als daß sie oon uns während der gegenwärtigen Ratssitzung bewältigt werden könnte. Wohl aber können wir die zu bewältigende Arbeit in Gong bringen. Als dos beste Mittel dazu erscheint mir die Einsetzung einer besonderen Studienkommission. Sie wäre so zu- fammenzusehen, daß sie über die notwendige Autorität und Sachkunde verfügt. Ich kenne in dieser Frage nicht einen Unter- schied zwischen an diesen Fragen interessierten und nichtinteressierten Rationen. Denn die Frage, die wir behandeln, ist eine Frage, die den Völkerbund in seiner Gesamtheit interessieren muß. Die Idee, die zu der Begründung des Völkerbundes und zu den von ihm übernommenen Garantien für die Minderheiten geführt hat, sehe ich gerade darin, daß er den Ausgleich schaffen wollte zwischen den Spannungen, die die neuen Verhältnisse naturgemäß schaffen und zurücklassen mußten, durch eine gerechte Handhabung gegenüber den Menschen anderer Rasse, anderer Religion und anderer Sprache. Den Frieden auf Ewigkeit zu sichern, ist ein Ideal, dem die Menschen zustreben, ohne daß irgend jemand würde behaupten können, daß die Menschheit dieses Ideal je erreichen wird. Wir können nur alles, was in unseren Kräften steht, dazu tun, um die Voraussetzungen für einen solchen Frieden zu schaffen. Eine dieser Voraussetzungen ist der kulturelle Friede der Völker unter einander, und stärker, als Paragraphen und Bindungen es für die Ewigkeit vermögen, wird der Friede gesichert werden können durch die Ausübung der Gerechtigkeit gegenüber jedem, der für das ihm gegebene Lebensrecht feiner Sprache, feiner Seele und seines Glaubens eintritt. Oie Oebaiie. Zaleski, Chamberlain und Briand. In der weiteren grundsätzlichen Aussprache über das Minderheitenproblem verlas der polnische Außenminister Zaleski eine Erklärung, in der u. a. ausgeführt wird, bah das jetzige Verfahren zur Behandlung der Minderheitenbeschwerden in den Minderheitenverträgen nicht vorgesehen sei. Es sei deshalb außerhalb der Verträge entstanden und vom Völker- bundsrat in Uebereinftimmung mit den ©Ignatar- ftaaten der Minderheitsverträge ausgearbeitet worden, ohne deren Zustimmung es nicht funktionieren könne. Wiederholt fei von diesen Staaten erklärt worden, daß es ihnen unmöglich wäre, jeder Abänderung des gegenwärtigen Regimes zuzustimmen, wenn sie nur für diese Staaten allein verpflichtend wäre. Es müsse daher zunächst untersucht werden, ob die Vorschläge Dandurands ein neues Verfahren dar- stellen derart, daß durch ihre Verwirklichung die in den Minderheitenverträgen enthaltenen Verpflichtungen der Signatar st aalen a b g e ä n • dert würden. Er beantrage daher, daß der Rat einen Berichterstatter ernenne, der mit älntcrstützung von zwei anderen Ratsmitglied^.n zunächst diese Vorfrage prüfe. — Das rumänische Ratsmitgfied Titule scu schloß sich dem polnischen Anträge an, dessen Zweck darin bestehe, festzustellen, ob die vorgeschlagenen Abänderungen die heute geltenden Verpflichtungen überschreiten oder nicht. Als dritter Redner gab sodann der englische Außenminister Chamberlain eine grundsätzliche Würdigung des gegenwärtigen Minderheitenverfahrens, wobei er vor allem auf zwei Mängel hinwies für die, wenn möglich, Abhilfe geschaffen werden sollte, nämlich die Publizität, die in Zukunft in größerem Ausmaße verwirklicht werden sollte, weil dadurch ein großer Tell der bei den Minderheiten vorhandenen Befürchtungen hinfällig werden und zweitens sollte das Tempo des Verfahrens bei der Behandlung von Minderheitenfragen beschleunigt werden. Zur grundsätzlichen Seite der Angelegenheit erklärte Chamberlain: Das Wort Briande von den heiligen Rechten der Minderheiten könne nicht genug unterstrichen werden es müsse aber ergänzt werden durch die Betonung der Rotwendigkeit der Loyalität der M i n^ derheiten gegenüber dem Staate, zr dem sie gehören. Auch er sei überzeugt, daß di« Beratung dieser komplizierten und heiklen Frag« nicht in einer einzigen Art abgeschlossen Werder könne, und empfehle daher, sämtliche Anregungen und Vorschläge sowohl die des deutschen und bei kanadischen Ratsmitgliedes zur Verbesserung bei Minderheitenverfahrens wie auch die von den polnischen und dem rumänischen Vertreter erwähnten bestehenden Verpflichtungen durch einer Bericht auf breitester Grundlage einer gründ- lichenundumfafsendenPrüfung durch einen Berichterstatter unter Hinzuziehung weiterer Ratsmitglieder zu unterziehen. Gegen Ende der Sitzung erklärte der französisch« Außenminister Briand: In bezug auf die g e h e i- ligten Rechte der Minderheiten gebi es am Ratstisch keine geteilte Meinung. Auch habe der Völkerbund niemals versucht, sich diese Aufgabe zu entziehen. Der Grundsatz der 6 o u. beränltät der Völkerbundsstaatel beenge jedoch die Tätigkeit des Döllerbundes so daß es notwendig sei, den Gedanken det Schutzes der Minderheiten in das möglich- Verhältnis zum Gedanken der Souveränllä zu bringen. So wenig eS die Aufgabe bet M Verbundes fein könne, die Minderheiten zi afhmilieren und zu nivellieren, so wenig bürf- et S den Minderheiten einen Block ber Um Airfth >enen werden lassen. Er habe aber nicht» dagegen, daß man sich nach Möglichkeit bemühe um duS heutige Verfahren eventuell zu verbes fern; auf keinen Fall dürfe man eine über nationale Jurisdiktion zur Behandlung voi Minderheitenbefchwerden schaffen. — Die toei tere Diskussion brachte eine kurze Replik bei Reichsministers Dr. Stresemann und ein- Duvlik Chamberlains, ferner grundsätzlich« Erklärungen des finnischen Ministers Pro c o p e , und deS kanadischen RatsmitglledeS Dan durand. Aadatchi (Japan) erhlell bei Auftrag, dem Rat, ber Donnerstag zu ein« öffentlichen Sitzung 8ufammentritt, einen Ent! schliehungsentwurs zu unterbreiten, bd Anträge über die Zusammensetzung des voi Chamberlain vorgeschlagenen Dertchterstat t e r k o m i t e e S enthält. Hessen und die Reichsreform. Eine Oenkschrifi des Staatspräsidenten Or. Adelung. Darmstadt, 6. März. Auf eine demokratische Anfrage über d ie Haltung der Regierung auf der Länderkonferenz, und ob die Regierung bereit sei, mit allem Rachdruck für die Schaffung deS dezentralisierten deutschen Einheitsstaates einzutreten, erwiderte Staatspräsident D r. Adelung nach einem Rückblick über die bisherigen Ergebnisse der Länderkonferenz und die von ihren beiden älnterausschüssen gefaßten Entschließungen u. a.: Ohne den Arbeiten des älnlerausschusses vorgreifen zu wollen, darf gesagt werden, daß für die Bildung und Abgrenzung der Länder wirtschaftlicheGesichts- punkte wesentlich bestimmend sein werden; dabei wird es schon aus praktischen Gründen geboten sein, bestehende Länderorganisationen der zu erstrebenden Reugliederung dienstbar zu machen. Cs bedarf hier keiner Ausführungen, daß das Land Hessen mit der preußischen Provinz Hessen-Rasiau, insbesondere mit den Gebieten um Frankfurt und Wiesbaden, wirtschaftlich eng verflochten ist. Geht man mit der Entschließung des Ausschusses der Länderkonferenz davon aus, daß neben ber Aufrechterhaltung leistungsfähiger Länder auch neue Länderzu schaffen sind, und stimmt man auch dem Gedanken zu, daß die Abgrenzung dieser Länder in erster Linie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erfolgen hat, so wird man auch zugeben müssen, daß bei Timgliederung Deutschlands Hessen und die angrenzenden Gebiete an Mittelrhein und ilntermain zusammenzufafsen sind. Der Staatspräsident zitiert dann die Auffassung des Reichsministers Koch-Wes er, der in feiner Schrift ^Einheitsstaat und Selbstverwaltung" u. a. schreibt: »Das souveräne Reich, das die Lebensaufgaben der Ration fest in feiner Hand hält, und unter dem Reich g u t gegliederte und zweckmäßig organi- flerte Länder, Kreise und Gemeinden, die vom Reich zur Mitarbeit und zur Ausführung feiner Ausgaben in möglichst weitgehendem Umfange herangrzogen werden^ und die einen möglichst weitgestreckten Kreis eigener Aufgaben in voller Selbstverwaltung erledigen.' Aus solchen Gedankengängen heraus würde sj fuhr der Staatspräsident fort, ein Auf gehe? Heffens in Preußen nicht auf dem Weg liegen, der für eine Reichsform allein in Frag kommt. Aus dem gleichen Grunde wird in bef Denkschrift von Staatspräsident Dr. Adelung aud der Reformvorschlag des Bundes fü* die Erneuerung deS Reichs abgelehnt, d! die darin vorgeschlagene Bildung eines zen tralistisch organisierten Reichslandes nich einem dezentralisiert regierten sondern zentra listischen Gesamtdeutschland den Weg ebne: würde. Andererseits wird aber auch von Preußen nich verlangt werden können, daß es, solange es all Staat besteht, wichtige Teile seines Staatsgebiet» ausgliedert. Es darf eben nicht verkannt werden daß die deutsche Mission Preußen» noch nicht zu Ende ist, da das Reich öa< starke preußische Staatsgefüge, das den ganze» deutschen Rorden vom Rheinland bis nach Ost Preußen fest umtlammert, noch nicht entbehre» kann. Es ist aber auch klar, daß eine Reichs reform in dezentralisiertem Sinne nicht möglich ist, ohne daß der staalliche Aufbau Preußem wesentlich aufgelockert wird. Diese Auf lockerung Preußens wird indessen kaum durö einen einmaligen Akt erreicht werden können vielmehr kann es sich hier nur um eine I ä n gere Entwicklung handeln. Diese Entwick lung, die in dem preußischen Gebiet die neue» Länder territorial und verfassungsrechtlich sicht bar machen muß, wird durch die in Aussich genommenen Reichsau ftragsverwaltun gen gefördert werden können. Bei Einführunz einer Reichsauftragsverwaltung wird es nicht zi umgehen sein, an Gebietsteile Preußens, fei ei direkt, sei es auf dem Wege über die preußisch Staatsregierung, Derwaltungsaufträae zu ertei len. Damit wäre auch die Möglichkeit gegeben deutsche Länder, die sich in räumlicher Derflech tung mit preußischen Gebieten befinden, mit dei angrenzenden preußischen Gebietstellen für dies. Rerchsauftragsverwaltungen zus a mmenzu fassen, ohne sie in die preußische CBertnaiiu». einzugliebern. In diesen so zunächst nur für die Verwaltung bestimmter Reichsaufgaben zusarn- mengefaßten Gebieten würde zweifellos allmählich ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, das besonders dann, wenn die geforderte Angleichung des Behördenaufbaues aller deutschen Länder durchgeführt w^rde, auch ein Zusammengehen auf dem Gebiet der länder- ägenen Verwaltung begünstigen mühte. Eine so.che Entwicklung aber würde dazu f-hren, auch der zweckmäßigeren territorialen Gliederung Deutschlands in diesen Gebieten den Weg zu bereiten. Dieser im Rahmen einer gesamtdeutschen Lösung der Reichsreform gesehene Weg würde auch für die Entwicklung der Verhältnisse in dem wirtschaftlich eng oerfloa,tenen rhein-mainischen Gebiet von größter Bedeutung sein. Auch h.er könnte so die Bildung eines neuen Landes vorbereitet werden, wobei sowohl die Ausgliederung preußischen Gebiets, als auch die Einbeziehung H.ssens in die preußische Verwaltung vermieden würde. Es wird Aufgabe der Länder.onferenz sein, zu untersuchen, ob die hier für Preußen und die mit preußischen Gebietsteilen räumlich verflochtenen Länder vorgeschlagene Lösung im Rahmen der gesamten Reichsreform möglich erscheint. Bejaht man diese Frage, so wird es nicht von Hessen allein abhängen, Pd er angedeutete Wcg auch im rhein-mainischen Gebiet zu praktischen Ergebnissen führen kann. Die hessische Regierung ist jedenfalls bereit, in Erkent- nis der Wichtigkeit und Dringlichkeit des Problems der Reichsreform in der Länderkonferenz vorbehaltlos mitzuarbeiten und jeder Lösung zuzustimmen, die zu c ncm einheitlichen, zweckmäßiger gegliederten und wahrhaft dezentralisierten Deutschland führt. Hessischer Landtag. Darmstadt, 6.März. Präsident Delp eröffnet die Sitzung bei spärlick) besetzten Tribünen. Minister K o r e l l erklärt auf eine kommunistische Anfrage, daß Schuld an der verzögerten Auszahlung der Arbeitslose nunter- ftÜbungen die in kürzesten Zeitabschnitten eingetretene Verschlechterung des Arbeitsmarktes trage. Er habe sich zwecks Abstellung dieses Mangels schon vor Wochen mit dem Landesarbeitsamt Hessen in Verbindung gesetzt. Viele Gemeinden gewährten schon seither Arbeitslosen, über deren Anspruch auf versicherungsmäßige Unterstützung und Krisenunterstützung noch nicht entschieden war, einen Vorschuß, der später wieder vom Arbeitsamt ersetzt wurde. In einem Ausschreiben habe er die Bezirksfürsorgestel- len auf die Zweckmäßigkeit dieses Verfahrens hin- geroiefen. Auf einen Zentrumsantrog erklärt die Reaierung, daß die bestehenden Vorschriften über den Besuch von Kinos durch Jugendliche von der Polizei durch Stichproben dauernd beobachtet würden. Für die Ausstellung „Der schöne Mensch in der n e u e n K u n st 1 929" auf ber Mathilden- höhe in Darmstadt verlangt die Regierung 8500 Mark Zuschuß. Abg. Dr. Keller (D. 23p.) erklärt für einen Teil feiner Freunde Zustimmung. Er könne sich allerdings gewissen Bedenken nicht verschließen, daß der Mensch nicht nur in feiner keuschen Nacktheit gezeigt werde, sondern daß Dinge gezeigt werden, die andere als Karikaturen oder die als züchtig in seinem Sinne nicht mehr anzusprechen seien. Bei der Lotterie Künstlerhilfe an Weihnachten feien Gewinne auegcgeben worden, die er als Lehrer lieber den Kindern nicht in die Hand gegeben hätte, um sie nach Hause zu bringen. Abg. Leuchtgens (Bbd.), Prof. A x t (Vrp.), Frau H a t t e m e r (Zentr.) und Dr. Böhm (Dnll.) lehnen aus finanziellen und prinzipiellen Gründen ab, während Staatspräsident Adelung in warmen Worten für eine Linderung der Not der freien Künstler eintritt, wobei die Abg. Kaul (Soz.) und Reiber (Dem.) ihm zustimmen. Man habe der Landwirtschaft und anderen Kreisen mit erheblichen Beträgen geholfen und dürfe auch die schaffenden Künstler nicht verhungern lassen. Die 8500 Mark werden gegen Zentrum, Deutschnationale, Bauernbund und Dolksrechtpartei bewilligt. Vordringliche A.Forderungen für oas Landestheater und die Landesbibliothek werden — durch Zuefallsmehrheit — bis zur Budgetberatung zurückgestellt. Ohne Debatte werden 19 300 Mark für den Neubau der D e t e r i - närklinik für Geburtshilfe in Gießen bewilligt. Die Regierungsvorlage, das Anwesen der Firma Wehner & Fahr, Darmstadt, zur .Unterbringung des Eichamtes und der Chemischen Prüfungsstation für das Gewerbe zum Preise von 300 000 Mark zu erwerben, wird von dem Abg. Leuchtgens (Bbd.) abgelehnt, der sich gegen den Ankauf dieses alten Hauses wendet und aus Zweckmäßigkeitsgründen einen Neubau für vorteilhafter hält. Habe es eine Rolle für die Entscheidung der Regierung gespielt, daß auf dem Anwesen eine Hypothek der Landesbank von 70 000 Mark ruhe? Die Haltung der Regierung sei hier sehr merkwürdig. Munster K o r e l l stellt fest, daß diese Hypothek in keiner Weise eine Rolle gespielt habe. Abg. Haury (D. V.) glaubt, daß die im Anwesen der Firma notwendigen inneren Umbauten und Einrichtungen zweckmäßig und billig erfolgen könnten. Er stimmt daher der Vorlage zu. Das Haus nimmt die Vorlage an. Ein Antrag der Demokraten, Ausführungsbestimmungen über die im Volksschulgesetz vorgesehene schulärztliche Fürsorge zu erlassen, wird durch die zusagende Regierunasant- wort für erledigt erklärt. Abg. Reiber (Dem.) verlangt die Ausdehnung der Fürsorge auf alle hessischen Schulen. Abg. Ham mann (Korn.) bemängelt, daß in den acht Jahren seit Erlaß deS Volksschulge.setzes die Fürsorge noch nicht allgemein durchgeführt sei. Welchen Wert habe es, wenn ein Schularzt in zwei Stunden 200 Schulkinder untersuche, und später noch die Heilbehandlung auS Mangel an Mitteln nicht durchgeführt werden könne. Er verlangt Schulkinderspeisung der Erwerbslosenkinder und Einrichtung eines Kinderheims in Bad-Nauheim. Die Regierung soll auf kommunistischen Antrag bet der Rei^san.ta» für Aroe.tdMien^ersicherung veranlassen, daß d'.e Kontrolle der Arbeitslosen in ihren Wohnorten erfolgt Der Ausschuß mat dem Antrag nach zusagender Regierungsantwort zugestimmt - Minister Korell stc.lt fest, daß er lediglich bei der Selbstverwaltung der Dersich rungsanstalt Vorstellungen erheben könne und das energisch getan habe, daß er selbst aber die Macht zur Abstellung der Mißstärlle nicht habe. — Abg. WeSp (Zentr.) stellt fest, daß tatsächlich wegen ber Betreuung der Arbeitslosen groß? Unzufriedenheit herrsche. Es gehe nicht an, daß alte Ein Zentralorgan für die Verwaltung der Reparationen. Oie technische Lösung der ReparaLionsfrage auf der pariser SachverstLndigen- konferenz. Paris, 6.März. (1BB.) 3n der Vollsitzung des Reparalionssachverständigenausschusies, die nur eine Stunde dauerte, ist der in englischer Sprache abge- fahle große Bericht vorgelegt worden, der be- zweckt, die von den UnterauLfchüssen ins Auge gefaßten Organifalionen i a einer Organisation 3 u vereinigen. 11m den Delegationen Gelegenheit zu geben, das umsangreiche Dokument zu übersehen und zu studieren, sand eine Diskussion über den Inhalt selbst nicht statt. Dem neuen zentralen Organismus sollen nach dem Bericht zusallen: die Kommerzialisierung, die Mobilisierung, die Annahme der Zahlungen von Deutschland, die Weitergabe an die Gläubiger, der Transfer- schuh, die Verfügung über den Teil der Zahlungen, der in Deutschland bei der Reichsbank liegen bleibt, sowie dessen Anlegung, damit auch dieser Teil Zinsen bringt, das weitere Funktionieren der Kontrolle über die Sachlieferungen, die Verteilung der Sachlieferunaen. Diese Institution, die nur im Entwurf vorhanden ist, soll einen bankahnlichenLharakter erhallen. Diese Notwendigkeit ergibt sich ganz natürlich aus ihrer Tätigkeit durch ikbernaljme der Ausgabe der Bonds. Dem neuen Organismus sollen also mehr Befugnisse zugestanden werden als der Reparationskommission. Der neue Organismus wird vorübergehend auch über eine große Anzahl von Devisen oerfügen und infolgedessen einen Einfluß nicht nur auf den Mechselmarkt haben, fondern auch dem ganzen Welthandel einen großen Auftrieb geben können, weil es sich um Beträge handelt, wie sie bisher von keiner zentralen Stelle auch nur vorübergehend in biefem Umfange in Händen gehalten wurden. D'.efe Organisation führt zwangsläufig zu einem noch stärkeren Z n - jammenarbeiten der Notenbanken, das sich feit Kriegsende infolge des Reparationsproblems und der interalliierten Schulden an sich schon entwickelt Hal. Die neue Stelle kann natürlich weder auf Kosten der ©läubigernaf.onen noch auf Kosten der Schuldnernationen arbeiten, fondern muh sich nach prioatwirtschaft- lich en Grundjähen selbst erhalten. Sie wird dazu beitragen, alle Politik aus den Reparationen auszufchalten. und sie wird das gesamte Problem der Weltwirtschaft ans einer geschäftlichen Grundlage umstellen. Heber die öffentlich-rechtliche Stellung des Unternehmens ist noch nichts bekannt. Sie wird sich nach dem Recht des Landes richten, in dem es seine Niederlage Hal. Es wird feinen Sih vermutlich in einem an den Reparationszahlungen nicht interessierten Lande haben. Der „pet.t Par ficn“ will auch wissen, daß man in gewissen Kreisen der Reparationskonserenz zwar nicht die Ausdehnung der Lefugnige des Zentralorganismus, den das Blatt ein Clearing House nennt, auf die alliierten Schulden bei Amerika angebeutet habe, dah aber die Sachverständigen zweifellos damit rechneten, bah eines Tags, wenn b'.efer Organismus zur Befrieblgung aller Funktionäre, Amerika einwilligen werbe, ihm auch die Verwaltung der interalliierten Zahlungen zur Befriedigung Amerikas anzuverlrauen. Schwere Kämpfe in Mexiko. No\ w \ v*5 Mexiko < Orital Bürgerkrieg in Mexiko? -----*4----f 0 wo <00^-------\ X 5ten die Temperatur an o-e Urnen eeromden Ort# out gicicncÄ •d ■Mtrewfrau umerr». 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März 1929. ftn der Sitzung der NreiSverireier und b.errocuettenUrot).- Vorstandes a. Sams- tat, dem f*. Mir«, im Blaenba'rnholel Hop- leid, spricht nachm. von 4 4 Ubr ab Herr Landtalsabfieonlneter Böhm (Rheinhessen) über »Hessische Politik« Alle Varieirnl glie- der sind herAlich ein- ttflmn mn Höherer 2/UlUl.Lchiilbildiing zum (Lin. ritt als Laborantin- Schülerin IN klinisches Inültut gefuch,. Zuschr. mii selbstgefchr. Gebens- lau» unter 01091 an den (9>en. '21 tu. beim Einkauf von % Pfd.Kaffee oder % Pfd.Tee 173882,1 Weinglas, oder 1 Gummiball! Die Zugaben erhalten Sie als Werbegeschenk, um unseren Umsatz zu vergrößern. Im Vertrauen auf unsere gute Ware und billigen Preise machen wir unsere Reklame mit dem Werbegeschenk: Zufriedene Dauerkunden lohnen unsere Mühe und Unkosten. Am 6. März, vormittags 10 Uhr, entschlief sanft und unerwartet mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Großvater und Urgroßvater Herr Konrad Münster im Alter von 83 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Katharine Münster geb. Erb. Hattenrod, Burkhardsfelden, den 7-, März 1929. Die Beerdigung findet Freitag, den 8. März 1929, Semitin, 9. BIm, 21 Uhr: Monats- vcrsammlungtnder „Stöbt Vito". Ebenda ab 20 Uhr: Vor- ttrndSsitzuna. Voll- AähUge» Erscheinen erbeten. «mD [ l w,| S. III. 8'/, Uhr Unterh.-Abend. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Vertust, den ich erlitten habe, sowie für die vielen Kranzspenden spreche ich hiermit meinen aufrichtigen Dank aus. Besonderen Dank Herrn Pfarrer Krämer für die trostvollen Worte am Grabe. Die trauernde Hinterbliebene: Katharine Euler. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser lieber Kamerad und Ebrenkolonnenführer Heinrich Balser am Montag abend durch einen sanften Tod aus unseren Reiheu geschieden ist. Die Beerdigung findet am Samstag, dem 9. März, vormittags um 11 Uhr statt. 2J58D Die Führerschaft. taiern sucht sich nach Giehen zu verändern in Warenhaus oder Lichtbühne. Schrntl. Anaeb. unter 01093 an d. Gieh.Anz. erb. Heute abend 11 Uhr entschlief sanft nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter. Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fran Katharine Weller heb. Stephan im 60. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Job. Ludwig Weller. Wieseck, Hausen, Reichenbach L O-, Neuhaus, den 5. März 1929. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 8. März, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbebaus (Kornblumenstraße 39) aus statt Freitag, den 8. März 1929, nachm ab 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28: 1 Äufetl (modern), 2 DerfikoS, Kleider- schränke, 3 Sofas, 4 Sessel, 6 Polsterstühle, 1 Kommode, Nachtschränkchen, 1 Trumeau- spiegel, 2 Küchenschränke, 1 Wäscheschrank, 1 Kinderbett, i Liegestuhl, Nähmaschinen, 2 Handwagen, Damenräder, 1 langen Tisch, Kaffee, 1 Ofen, 1 Herd u. n. v. a. zoöjd Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Frdr.Teipel £2 Sol., i. 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Noch Eotlesdienstet stille, die kau murmel der '■ henscht ein I sich öffentlich khor usw. 3: hammedaner. ktrahenmulik dus ihrerseit dannn vor. duistischen ' schlachten. Q fessor ßübei heute nach Indien nicht sind die ll dessen Ende jüngsten Cre leider allzu Wir sagte lchen Hindm nur von rel Politifdje daß ein foId die Lage s sch ast im S eine Ansicht, mit Äösicht schüren. 5 Teiverkschafte Beziehung ir Damen zu n Indiens hati von Akadem Der Seheir ®Q.nnJtanö , starrte i rausten to. 6m kalter E>aus Uatlbaume tz Der alte Q ®ei”« «all :Jtn geneigt o6“ ou«. al vor. S'e bei K $ jedoch e -?kuben im 'ürvat,ei Z'L'i anoet, Qu Teilung sicher Me er dT lvnnle ui*?1’ ft lie^nsch heftig 7 den Cr !_ farnrr ^ürde^Ee, ’uS ba bei dem d do Fes. "Here hast L° das l«n '»'«t I *ut Samstag rstraße 12 chenk, um i auf unsere wir unsere ene Dauer- )sten. ^Pfd.Tee nmiball! lund Tee I Tee rate! ei: ft m ,S' rv :ef ver Sitzung dn flniwrneirr unb derwr","?"LL' 8flriMnbtfa.li« in dm • Mri' ® giiabiidom Itf* leid spricht nachm. k0nN>UtzrabH"l LatitatsabfteortoeteT über »Hessische Politik« i»ssg r&ä Sbitth# ; m«#, ' Lul'Ä^'zjeroauer Nr. 56 Zweites Blatt Donnerstag, 7. März 1929 Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Das indische Problem. Don E Mulden. Die blutigen Ereignisse in Bombay lenken wieder einmal die Aufmerksamkeit der Welt auf das indische Problem. Der Gegensatz zwi - s ch en Hindus und Mohammedanern in Indien interessiert natürlich auch vom politischen Standpunkt aus. Die politischen Beobachter, die das Land in letzter Zeit bereisten, haben jedoch die Frage nach der Möglichkeit der Versöhnung dieser beiden großen Elemente der indischen Bevölkerung verschieden beantwortet. Die deutsche Gewerkschafts-Delegation z. B., die zusammen mit der britischen etwa vor l1/» Jahren Indien besuchte, bejahte durchaus die Möglichkeit der Einigung zwischen Hindus und Mohammedanern, die ja beide an der Äeber- windung der englischen Oberherrschaft interes iert seien. Ganz anders beleuchtete d as Problem der berannte Sanskrit-Forscher der Berliner Universität Professor Lüders, erst kürzlich in der Preußischen Akademie der Wissen'cha'ten. Seine Ausführungen waren nur eine Bestätigung für die Erkenntnis, die jetzt in Bombay einen so blutigen Beweis erfuhr' daß nämlich die Religion in Asien auch heute noch etwas ganz anderes ist als in Europa. Dabei muß 1 besonders ins Auge gefaßt werden, wie dicht gerade in Bombay Mohammedaner und Hindus i zusammen wohnen. So hat hier der. religiöse | Gegensatz immer wieder die Möglichkeit, sich in seiner ganzen Schärfe zu zeigen. Während der Islam eine streng monotheistische i Religion ist, zeigt der Hinduismus eine ausgesprochene Aeigung zum Pantheismus. Dieser । Gegensatz bleibt aber nicht etwa nur in der i inneren Weltanschauung stecken, sondern pro- 1 jiziert sich immer wieder nach außen. Der Mo- , hammedaner erkennt die Majestät des Todes an; für den Hindu ist der Tod nur eine Körperverwandlung; die Bestattungszeremonie ist bei den i Mohammedanern von feierlichem Ernst, bei den Hindus von einem schaulustigen Gepränge umgeben. Roch aufreizender ist der Gegensatz des Gottesdienstes. In den Moscheen herrscht Grabesstille, die kaum gestört wird von dem leisen Gemurmel der Betenden; in den indischen Tempeln herrscht ein buntes Treiben: die Büßer kasteien i sich öffentlich, Lehrer und Schüler studieren im Chor usw. Immer wieder beklagen sich die Mohammedaner, daß ihr Gottesdienst von der Strahenmnlik der Hindus gestört wird; die Hindus ihrerseits aber werfen es den Mohammedanern vor, daß sie die Kuh, die nach der hinduistischen Auffassung ein heiliges Tier ist, schlachten. Alle diese Gegensätze, so faßte Professor Lüders sein Urteil zusammen, trennen heute noch Mohammedaner und Hindus in Indien nicht weniger als vor Jahrhunderten und find die Ursachen eines tagtäglichen Streites, dessen Ende gegenwärtig nicht abzusehen ist. Die jüngsten Ereignisse in Indien haben diesem Urteil leider allzu schnell eine Bestätigung gegeben. Wir sagten es aber schon, der Gegensatz zwischen Hindus und Moslems in Indien ist nicht nur von religiöser, sondern auch von eminenter I politischer Bedeutung. Denn es ist klar, I daß ein solcher Zwiesp Ut in der Bevölkerung die Lage für die englische Oberherrschaft im Lande erleichtert. 3a, es gibt eine Ansicht, die dahin geht, daß die Engländer mit Absicht die erwähnten religiösen Gegensätze schüren. Die Mitglieder der vorher genannten Gewerkschafts-Delegation führen einen in dieser Beziehung interessanten Fall an, ohne allerdings ! Ramen zu nennen. In einer der größten Städte Indiens hatte sich eine Bereinigung hauptsächlich ! von Akademikern gebildet, und zwar sowohl aus Oie Liebe derBn'giita Hollermann Roman von Elisabeth Ney. | Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). Nachdruck verboten. Der Geheime Sanitätsrat Bernhard Holler» mann stand am Fenster seines Sprechzimmers, und starrte unverwandt in den Park hinaus. Draußen war es bereits dunkel. Ein kalter Rovemberwind heulte unheimlich um die Hausecken, und bog die Aefte der alten Parkbäume bis tief zur Erde hinab. Der alte Arzt stand regungslos. Seine stattliche, breite Gestalt war tief nach vorn geneigt, als drücke ihn eine schwere Last, oder auch, als lausche er angestrengt auf etwas. Schon vor einer Stunde war er von der Abend- I Visite bei seinen Patienten zurückgekehrt, ohne | sich jedoch entschließen zu können, in seine der h Klinik angegliederte Billa hinüberzugehen. Drüben im Speisezimmer brannte Licht. Die Seinen warteten wohl schon mit dem Abendessen auf ihn. Ein schwerer, gequälter Seufzer hob jetzt seine Brust, und leise knirschten die Zähne aufetn- ander, als unterdrücke er nur mit Gewalt eine ungeheure Erregung. Plötzlich aber warf er den Kopf, wie im Trotz, wild zurück, und allmählich bekam sein Körper wieder die selbstbewußte, aufrechte Haltung. Brüsk wandte er sich vom Fenster ab, und trat an seinen Schreibtisch. Mit merkwürdig-scheuem Blick streifte er die daraufstehende kleine Standuhr, und tupfte unsicher dicke Schweißperlen fort, die auf feiner Stirn waren. „Jetzt, jetzt muß es vorüber fein/ murmelte er dann erbleichend. „Gott ist mein Zeuge, ich konnte nicht anders handeln, er wird mich nicht verdammen, daß ich den Aermsten von namenloser Qual befreite." Ein herrisches, lautes Klopfen an der Zimmertür ließ den Geheimen Sanitätsrat Hollermann heftig zufammenzucken. Er wußte, was ihm jetzt gemeldet werden würde, er hatte es schon seit einer Stunde gewußt, und doch schwankte seine Stimme merklich bei dem „Herein!", das er jetzt rief. Fest umklammerte er dann die Lehne seines Sessels, so daß die Knöchel der Finger schmerzhaft gerötet hervorquollen, und versuchte Fassung zu gewinnen. Langsam, unendlich langsam, so schien es ihm, wurde die Tür geöffnet. Hindus wie aus Mohammedanern mit der Aufgabe, die, wie wir oben zeigten, so wichtige Ruhe in den Moscheen zu beschützen. Zu diesem Zweck stellte die Bereinigung Wachen an verschiedenen Moscheen der Stadt auf. Diese Wachen wurden aber von der britischen Polizei aufgelöst, während dieselbe Polizei die lärmende Straßen- mu ik der Hindus ruhig weiter an den Moscheen vorbeizi.hen lieh ... Auf der anderen Seite kennen wir Beispiele, wo leitende britische Politiker — es sei nur Lord Irving erwähnt — Hindus und Mohammedaner in Indien.von öf- fentl cher Tribüne herab zur Versöhnung aufforderten. Eine solche Versöhnung wurde aber auch von den indischen Rationalisten selbst, die ja die ganze politische Schädlichkeit des Gegensatzes zu den Mohammedanern wohl begreifen, insbesondere feit dem "Beginn der Agitation Mahatma Gandis angestrebt. Wie weit diese Ver- söhnungsbestrebungen von indischer Seite gehen, ersieht man insbesondere auch aus dem sog. Rehru-Entwurf, d. h. dem Verfassungs- Entwurf, den die Komission der indischen Rationalisten unter der Führung von Pandit Motilal Rehru als Gegenstück zu der britischen Simon-Kommission aufgestellt hat. Rehrus Ver- falsungs-Entwurf schaltet nämlich das religiöse Moment völlig aus; es soll weder eine Staatsreligion in Indien geben, noch soll irgendein Glaubensbekenntnis durch öffentliche Mittel unterstützt, noch darf jemand um seiner Religion willen vom indischen Staatsdienst ausgeschlossen werden. Wie verhalten sich nun aber auf der anderen Seite die Mohammedaner zu der indischen Llnabhängigkeitebcwegung, mit anderen Worten zu E^g and? Die indischen Mohammedaner haben in dieser Beziehung seit dem Weltkrieg eine verschiedenartige Entwicklung durchgemacht. Das sogenannte Kalifatskomitee, das dem Panislamismus auf seine Fahne geschrieben hat, stellte sich konsequenterweise in einen schroffen Gegensatz zu England. Rachher ist diese Bewegung aber stark abgeebbt und die Mohammedanische Liga Indiens zeigt neuerdings immer mehr Tendenzen zu einem Ausgleich mit England. Bekanntlich tagte im Anfang des lau enden Jahres in Kalkutta der Indische Rationalkongreß und nahm mit großer Stimmenmehrheit Ghandis Entschließung an, welche bic Dvminialver- f a f f u n g für Indien als die gegebene bezeichnet, vorausgesetzt, daß sie von dem britischen Parlament noch im Laufe dieses Jahres gewährt werde. Gleichzeitig mit diesem Allindischen Kongreß wurde unter dem Vorsitz Aga-Khans eine Allmohammedanische Konferenz abgehalten, die sich gleichfalls eingehend mit der Frage der Reform der indischen Verfassung beschäftigte. Im Endergebnis lehnte aber diese Konferenz es ab, zu den Fragen des Dominium-Status oder der absoluten Llnabhängig'eit Indiens, ja ebenso wenig zu den Arbeiten der Simon-Kommission oder zu dem oben erwähnten Rehru-Entwurf Stellung zu nehmen. Alle Resolutionen, die auf dieser mohammedanischen Konferenz gefaßt wurden, verlangen vielmehr in der Hauptsache nur eine durchaus gleichberechtig te Vertretung d er mohammedanischen Interessen bei jeder Reform der indischen Derfa'sung und e'.nen entsprechenden Schuh des kulturellen und sprachlichen Eigenlebens der Mohammedaner in Indien. Wir sehen: eine England gegenüber außerordentlich versöhnliche Politik und zugleich gegenüber der indischen Rationalbewegung eine Haltung der "Neutralität. Alles in allem genommen, sehen wir im Lager der indischen Politiker, sowohl hinduistischer als islamitischer Herkunft, Bestrebungen, die auf gegenseitige Befriedung anzielen. Aber zwischen den Politikern und den einfachen Volk — das zeigen gerade die Ereignisse von Bombay — besteht noch eine groste Kluft und die Aufgabe der Politiker wird es sein, die Weiterentwicklung hier ebensowohl in kultureller als in politischer Hinsicht aufmerksam zu verfolgen. Der „Tag des Buches. Gedanken und Anregungen. Vom Hessischen Staatsministerium wird mitgeteilt: Zwei Quellen sind es, die heute das künstlerische und vielfach auch das geistige Bedürfnis großer Teile unseres Volkes stillen: Rundfunk und Kino. Beide sind Kinder unserer Zeit in ihrem Wesen und in ihrer Ausdrucks, orm; sie bringen den ständigen Wechsel und die Vielseitigkeit; sie wenden sich an Massen, wie sie größer oder gleichgroß durch keine andere künstlerische oder geistige Darbietung erfaßt werden können; sie fordern nicht mehr als die Aufmerksamkeit und Konzentration weniger Minuten oder Stunden. Daher ihre Bedeutung und ihre Beliebtheit in einer Zeit, die mit der Stoppuhr gemessen, und in einer Welt, deren Raum durch Auto, Flugzeug und Elektrizität dem Raum eines kleinen Landes aus früheren Jahrhunderten gleichzusehen ist. Die Gründe aber für die hohe Bedeutung von Kino und Radio und für ihre großen kulturellen Aufgaben gegenüber der Gesamtheit der Menschen sind zugleich auch die Gründe für die Gefahr, die sie bei einseitiger Inanspruchnahme jür den Einzelmenschen bergen. Für die Gesamtheit mögen Zeiteinteilungen nach der Stoppuhr und Raumabmessungen nach dem Leistungsvermögen der Flugzeuge Rotwendigkeiten bedeuten, für den einzelnen ist jedoch d i e Besinnlichkeit das Moment, das ihn allein zu sich selbst führen kann, ist Besinnlichkeit Lebensüberprüfung, gibt Besinnlichkeit die einzige Mög- Vor ihm stand fein erster Assistenzarzt Doktor Fritz Beilinger. Ein langer, rotblonder Mensch, mit unschönen, brutalen Gesichtszügen, die ein Spitzbart etwas milderte. Auge in Auge standen sich die beiden Aerzte einen Moment gegenüber. Dann klang es schwer, wie wuchtige Hammerschläge, mit seltsam betonten Worten vom Mund des Assistenten: „Herr Geheimrat, ich wollte Ihnen nur melden, daß der Patient Erich Blessen auf Zimmer sechs soeben ganz unerwartet verschieden ist." Geheimrat Hollermann senkte zum Zeichen, daß et die Nachricht vernommen habe, das Haupt. So sah er nicht das bösartige Ausblihen in des anderen Augen. „Haben Sie mir noch etwas zu melden, Herr Kollege?" fragte jetzt der alte Arzt mit schwerer Zunge, da der Assistent keine Miene machte, das Zimmer wieder zu verlassen. „Richt direkt, Herr Geheimrat," klang es eigentümlich-langsam von dessen Lippen. „Doch finden Sie nicht auch, daß der Tod des Patienten ein gar zu plötzlicher ist, so daß man ihn kaum als natürlich bezeichnen kann?" „Wie meinen Sie das?" fragte der Geheimrat, scharf aufblickend, wobei sich plötzlich jeder Muskel in seinem edelgeformten Gesicht spannte, als fühlte er, daß ein Feind vor ihm stand, der ihn bedrohte. „Der Patient starb nicht an feiner unheilbaren Krankheit, Herr Geheimrat. Rach meiner Diagnose hätte er mindestens noch zwei bis drei Wochen zu leben gehabt," „Zu leiden, wollten Sie wohl sagen, entsetzlich, unmenschlich zu leiden!" brach es wild aus der Brust des alten Arztes. „Danken wir doch Gott, lieber Kollege, daß er eher erlöst wurde, und fragen wir nicht nach dem wodurch! Ein Tier tötet man aus Barmherzigkeit, wenn es leidet, einem Menschen aber hilft man aus Pflichtgefühl nach besten Kräften, fein Leiden zu verlängern. Blessen ist tot, ihm ist wohl! Gute Rächt, Kvl- lege, ich werde nochmals persönlich nach dem Entschlafenen sehen." „Ich brauche noch etwas Veronal für Zimmer Rümmer eins. Schwester Martha kann es im Gistschrank nicht finden. Haben Sie es zufällig an sich genommen, Herr Geheimrat?" Geheimrat Hollermanns Stimme schwankte, als er jetzt antwortete: „Gehen Sie bitte hinüber ins Laboratorium, ich ließ er dort leider aus Vergeßlichkeit liegen. Wenn Schwester Martha sich wundern sollte, daß ein ziemliches Quantum davon fehlt, so bestellen Sie ihr, daß ich es verschüttete. Run nochmals: Gute Rächt." „Gute Rocht, Herr Geheimrat. Wenn Sie nach dem Toten sehen, so betrachten Sie bitte besonders die Augäpfel, ich glaube nämlich, es liegt lichkeit, das Tempo soweit zu verringern, daß man dem Leben prüfend und wägend ins Auge sehen kann. Cs gibt natürlich auch heut: noch viele Menschen, denen Besinnlichkeit in großem Maße eignet; der größere Teil aber wohl stellt Besinnlichkeit auf die gleiche Stufe wie Zeitverschwen- dung. Der Wechsel, das Tempo, die Sensation geben unserer Zeit den Rhythmus. Dinge, deren Wert, Bedeutung und kulturelle Aufgabe an sich feststeht — man denke hier vor allem auch an den Sport — passen sich diesen Zeitforderungen an. Ruhe, Gelassenheit, Besinnlichkeit mochte man am liebsten als erledigt und unzeitgemäß abtun, man beschränkt sich in künstlerischen, geistigen und sportlichen Dingen auf die Passivität. Diese Entwicklung wurde zum stärksten Feind des Buches. Das Buch — e? ist natürlich hier nur die Rede vom guten, künstlerisch und literarisch einwandfreien Buche — lebt von der Besinnlichkeit der Menschen. Wenn dem Menschen Zeit und innere Einstellung zu ihm mangeln, muh das Buch in dem auch im Künstlerischen und Geistigen sehr harten Gegenwartskampf unterliegen, ilnö tatsächlich ist die Position des guten Buches heute erschüttert, tatsächlich spielt es bei weitem nicht mehr die Rolle, die ihm seiner Bedeutung nach im Leben einer Kulturnation vom Range und mit der Tradition der deutschen zu- kommen müßte. Es wäre Täuschung, die Gründe dafür allein in den gegenüber der Vorkriegszeit veränderten Vermögensverhältnissen zu suchen. eine Deronolvergiftung vor. Der Teufel weih, wie er dazu gekommen ist! Oder können Sie es vielleicht erklären, Herr Geheimrat?" entgegnete Doktor Beilinger höhnisch, und verlieh das Zimmer. Stöhnend brach Geheimrat Hollermann auf seinem Schreibtischsessel zusammen. „Verraten!" stöhnte er, „verraten, und noch dazu an Beilinger. Gott steh' mir bei!“ Als Geheimrat Hollermann eine halbe Stunde später im Kreise feiner Familie erschien, hatte er sich bereits so weit in der Gewalt, dah ihm äuherlich nichts anzumerken war. Seine Frau begrüßte ihn, wie immer, mit ungerechten Vorwürfen über sein unpünktliches Erscheinen. Sie hatte sich in ihrer zwanzigjährigen Ehe immer noch nicht daran gewöhnen können, dah für einen gewissenhaften Arzt zuerst die Patienten kommen, und dann erst die eigene Familie. Frau Evelyn, eine geborene von Treulih, war mit ihren dreiundvierzig Jahren eine überaus schöne Frau, die sich durch rauschende Vergnügungen an ihrem sonst einsamen Leben schadlos hielt. „Du bist sehr bläh, liebes Väterchen!" sagte jetzt seine älteste Tochter Vrigitta, sich zum Kuh über des Vaters feine Gelehrtenhand beugend. Seltsam, der alte Herr entzog ihr heute diese Hand mit beinahe heftiger Bewegung, und ein gequälter Ausdruck kam dabei in fein Gesicht. Schnell fuhr er feiner jüngsten Tochter, der siebzehnjährigen Isa, über den rotblonden Buben- kopf; dann setzte er sich zu Tisch. Das Gespräch drehte sich um die diesjährige erste große Gesellschaft, die im Hause des Geheimrats Hüllermann stattfinden sollte. Mutter und Tochter berieten eifrig über die Tischordnung, während der Geheimrat, entgegen sonstiger Icbhaster Anteilnahme an solchen Haus- festlichkeiten, heute gar keine Rotiz davon nahm. „Weshalb bist du denn so abwesend, Bernhard? Denkst du denn immer noch an die dummen Patienten? So höre doch endlich! Die Mädels streiten sich um die Tischherrn. Vielleicht sprichst du ein Machtwort. Wer fort Brigitta und wer Isa zu Tisch führen?" „Isa mag meinetwegen meinen zweiten Assistenten, Doktor Eggenbrecht, zum Tischherrn haben, während es mir erwünscht wäre, daß Brigitta Doktor Beilinger als T.schherr zugeteilt wird " „Beilinger? Vater, das ist nicht dein Ernst!" rief Brigitta Hollermann erschrocken aus. „Du weißt, daß ich ihn nicht ausstehen kann!" „Daraus kann nichts werden, liebes Kind. Doktor Beilinger ist mein erster Assistent und meine sogenannte rechte Hand. Ihm gebührt die Ehre, die älteste Tochter des Hauses zu Sie liegen tiefer, sie liegen im Wesen unfe^ r e r Zeit, und ihnen nachzugehen und sie nach Möglichkeit zu beseitigen, ist Sinn und Aufgabe des „Tages des Buche s". Tiefer „Tag des Buches" findet auf Anregung des Reichsministers des Innern am 21. und 22. März 1929 im gesamten deutschen Sprachgebiet statt. Träger sind die Kulturministerien sämtlicher deutscher Länder unter Führung eines beim Reichsinnenministerium eingesetzten Arbeitsausschusses, dem die öffentlichen Körperschaften für Volksbildung und Büchereiwesen, die Vereinigungen der Buchhändler, Verleger, Dichter. Schriftsteller, der Lehrer, der Jugendverbände u. a. angehören. Es handelt sich dabei — wie oben schon gesagt — um die Festigung der Position des guten Buches. Keines- Wegs soll der „Tag des Buches" etwa eine Gegenaktion gegen Radio. Kino oder Sport sein. Diese Beschäftigungen sind an sich nicht Gegner des Buches, und das Buch ist nicht ihr Gegner. Es soll vielmehr durch den „Tag des Buches" versucht werden, dem Menschen unserer Zeit das gute Buch wieder näher zu bringen, fei es durch Bild oder Wort, fei es durch ein kleines Duch- geschenk, fei es durch eine öffentliche Veranstaltung. Also nicht Gegnerschaft gegen siegreiche Zivilisations- und Kulturerrungenschasten, sondern erneute Schließung des zeitgegebenen Kulturkreises durch Einfügung des ältesten Mittlers deutschen Geistesgutes: des Buches. Jedenfalls wird der „Tag des Buches" nur dann so recht seine Aufgabe erfüllen, wenn er in jedem Lande, in jeder Gemeinde durch besondere Veranstaltungen begangen wird und damit in jedem Menschen den Gedanken an die kulturelle Bedeutung des guten Buches wachruft. Vielleicht ist auf diese Art auch eine wirksame Bekämpfung des heutigen Schlagertums und der Schmutz- und Schundliteratur zu erreichen, indem allmählich wieder in den Menschen das Empfinden für eine gewisse Besinnlichkeit wachgerufen wird, die die Beschäftigung mit dem Buche ja zwangsläufig verlangt. Die Anreger und Förderer des deutschen Buchtages geben sich natürlich nicht dem Optimismus hin, zu glauben, daß mit diesen Veranstaltungen nun mit einem Schlage völliger Wandel geschaffen und Buch und deutsches Schrifttum damit gerettet seien, aber sie knüpfen daran die Hoffnung, daß es doch gelingen werde, das gute Buch wieder mehr als seither in den Brennpunkt der kulturellen Bedürfnisse und Bestrebungen zu rücken, daß mit diesem Tag die Verbreiterung seines Lebensrcmmes wieder angebahnt werde. Diese Hoffnung ihrer Verwirklichung entgegenzuführen, dazu seien alle Freunde des guten Buches aufgerufen. Aus der proviuzialhaupistadt. Gießen, den 7. März 1929. Oer Zahrzeugverlehr auf den oberhessischen Landstraßen. Die Provinzialdirektion Oberßeffen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine Polizeiverordnung über den Fahrzeugverkehr c\uf den oberhessischen Landstraßen. In der am 1. April in Kraft tretenden Verordnung wird folgendes bestimmt: Es ist verboten, Straßen, die von der Provinzialdirektion gesperrt sind, zu befaß r e n. Ein Straßenzug gilt als gesperrt, wenn die Sperrung durch Sperrschilder kenntlich gemacht ist. Auch das Betreten des Straßenzuges ist verboten, wenn dies auf den Sperrschildern besonders zum Ausdruck gebracht ist. Faßrzeuge, deren Radkränze oder sonstige den Boden berührende Flächen Unebenheiten Tisch zu führen, er würde sich sonst mit Recht zurückgeseht fühlen." „So mag er doch! Was kümmert's mich!" tief Brigitta ans. „Schon seit Wochen verfolgt er mich und schickt mir Blumen." „Ich möchte ihn auf keinen Fall beleidigen, und nun verlieren wir wohl kein Wort mehr über solche Kleinigkeiten, es bleibt dabei. Ich habe Interesse daran, daß Doktor Beilinger vielleicht überhaupt als Mitinhaber in meine Klinik eintritt. Er ist reich, und sucht eine ähnliche Sache. Ihr alle wißt recht gut, daß mich dieser kostspielige Villenbau und die letzten schlechten Jahre beinah arm gemacht haben. Da ihr euch alle in keiner Weise einschränkt, so muß eben andere Hilfe werden." „Aber liebster Bernhard, ich glaube, du siehst zu schwarz. Du hast ja schon fast das ganze Jahr die Klinik voll belegt. Du verdienst doch Unsummen," warf Frau Evelyn ärgerlich ein. „llnfummen,“ sagte der Geheimrat leise, und lächelte dabei seltsam. Riemand wußte ja, daß er ein Arzt der Armen war, daß beinah die Hälfte seiner Patienten arme notleidende Menschen waren, die er kostenlos operierte und gesund pflegte und füttern ließ. Oft hatte er versucht, hart zu werden und es seinen anderen Kollegen gleich zu tun. Dann freilich wäre er schon längst ein steinreicher Mann gewesen. Aber konnte ein Arzt, der ein Gewissen hatte, und stets da hals, wo geholfen sein mußte, den Patienten erst fragen, ob er auch für diese Hilfe bezahlen könne? Daran dachte der alte Arzt ja nie, wenn er Menschenleid sah, und somit war er in dieses Dilemma geraten. Rur eine Assoziation mit einem anderen Arzt konnte ihn retten. Zeitig verabschiedete sich der Geheimrat von den Seinen. Er gab an, noch einmal nach einem feiner Patienten sehen zu müssen, und verließ das Zimmer. Lange stand er dann an dem Totenbett Erich Dlessens, eines alten, rüdenmarLranlen Menschen, der Tag und Rächt wie ein Tier in wildem Schmerz geschrien hatte. „Tötet, o tötet mich!" Langsam wandte er sich bann, und verließ das Zimmer. „Du bist ein Mörder!" klang es in ihm. „Du bist fein Mörder!" „Vein, nein, das ist ja sinnlos. Ich bin fein Befreier." murmelte Ceh imrat Holl rmmn. „Herr Gott, was quäle ich mich denn so? Ist cs dem Aermsten jetzt nicht wohl? Hatte er mich nicht wochenlang um diesen letzten Liebesdienst cm- gefleht, und mit Tränen gedankt, al3 ich. endlich weich werdend, ihm Erfüllung versvrach?" Wie aus der Erde gewachsen stand Doktor Beilinger plötzlich vor dem Geheimrat. (Fortsetzung folgt.) aufweisen, die geeignet sind, die Fahrbahn zu beschädigen, dürfen auf den Provinzia-strahen nicht verkehren. Die Provinzialdirektion kann in besonderen Fällen Ausnahmen, gegebenenfalls unter Auferlegung von Bedingungen, gestalten. Bauhölzer, Baumstämme und andere Lasten dürfen auf den Provinzialstraßen weder geschleift, noch auf Schleifen fort- bewegt werden: ihre Beförderung ist nur zulässig, wenn sie auf Fahrzeuge verladen oder auf Räder gesetzt sind. Das gleiche gilt für Acker- g e r ä t e und Geschirrteile, die vermöge ihres Gewichtes, ihrer Form oder sonstiger Eigenschaften geeignet sind, die Fahrbahn zu beschädigen. Die Provinzialdirektion kann in besonderen Fällen Ausnahmen zulassen und diese an die Erfüllung von Bedingungen knüpfen. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden, soweit nach den allgemeinen Strafgesetzen keine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafen bis zu 150 Mk., im Falle der Uneinbringlichkeit mit entsprechender Haftstrafe geahndet. Diese Verordnung tritt am 1. April 1929 in Kraft. Mit diesem Tage treten alle in der Provinz Oberhessen noch gültigen polizeilichen Bestimmungen insoweit außer Kraft, als sie mit den Bestimmungen dieser Polizeiverordnung in Widerspruch stehen oder die g'eiche Angelegenheit zum Gegenstand einer polizeilichen Regelung gemacht haben. Hausbesiherverein Gießen. Dieser Tage hielt der Hausbesitzer-Verein im Cafe Leib seine 2 2.Hauptver samm- lung ab. Der erste Vorsitzende, Stadtv. L a u n s p a ch, führte — wie man uns berichtet — zu Beginn der Versammlung u. a. aus: Das Jahr 1923 war alles andere, als ein gutes Jahr: die Zukunft liegt dunkel und trübe vor uns. Mit bleierner Schwere lasten dieReparationsverpflihtungen auf der Wirtschaft, die steuerlichen Lasten, die die Wirtschaft zu tragen hat, sind bis zur Lln- erlraglichkeit gestiegen. Die dauernde Stagnation des Kapitalmarktes und der immer noch stockende Zahlungseingang sind hinreichende Symp ome, um zu zeigen, wie schwer die Wirtschaft um ihre Existenz zu ringen hat. Dazu kommt noch die Vergiftung der wirtschaftlichen Atmosphäre durch die politische. 3m neuen Jahre drohen dem Hausbesitz neue Gefahren durch die Vorlage eines sozialen, oder besser gesagt Zwangsmietrehtes. Aber nicht nur daS Mietrecht soll dem Zwang unterworfen bleiben, auch das Dodenrecht soll mit einer Zwangsjacke durch das in Aussicht gestellte Damschkelche Dodenreformrecht bedacht werden. Beide Entwürfe sind vom Staats- sozialismus durchtränkte, befi'zfeindliche Entwürfe. Wenn der Hausbesih nicht in aller Kürze zum Erliegen kommen soll, müssen wir mit aller Kraft der hausbesitzrrfeindlichen Bewegung entgegentreten und Schulter an Schulter mit den bürgerlich gesinnten Volksgenossen gegen diese sozialistischen Bestrebungen kämpfen. Als weitere steuerliche Entwürfe stehen im Reichstag zur Beratung das Steuervereinheitlichkcitsgeseh und dos Sondersteuergcsetz, wobei letzteres unter dem Ra- men „Werterhaltungs- und Gebäudcentschul» dungssteuer" erscheinen soll. Dah hierbei für den Hausbesih nichts herausfpringen kann, weih jeder, der nur einigermaßen über die Bestrebungen der Bodenreform orientiert ist. Gegen alle diese besihfeindlichen Machenschaften kämpft der Zentralverband der Hausbesitzer schon seit 3ahr und Tag. Welche Gefahren dem Hausbesitz drohen, wenn nicht die Mittel zur Aufklärung und zum Kampfe bereitgestellt werden, ist den Hausbesitzern zur Genüge bekannt. 3m Mittelpunkt der vorsährigen Verbandstagungen stand der Kampf und die Stellungnahme gegen die Zwangswirtschaft und die steuerlichen Lasten. Alle unsere Anträge haben bei der hessischen Regierung keinen Anklang gefunden. Der Freistaat Hessen ist in bezug auf die Lockerung der Zwangswirtschaft der einzige Staat in Deutschland, der bis jetzt noch restlos an der Zwangswirtschaft festhält, obgleich in Hessen die Wohnungsverhält- nissc nicht schlechter sind als in allen übrigen Staaten Deutschlands. Welch' ungünstigen Einfluß die Zwangswirtschaft auf das Wohnungswesen ausübt, zeigen nachstehende Zahlen aus Gießen. Am 1. 3uli 1914 befanden sich in Gießen 2228 Gebäude mit zusammen 7181 Woh- Gießener GtaSttheater. Herman Heijcrmans: „Hoffnung aufSegen" 3m 3ahre 1900 erschien das erfolgreichste und bekannteste Dühnenwerk des Holländers H e i j e r- mans: »Op Hoop van Zeegen". Sieben Jahre zuvor waren bei uns die »Weber" von Gerhart Hauptmann zum ersten Male gegeben worden. Wie dort die schlesischen Leineweber gegen die großen Fabrikanten standen, so stehen hier die niederländischen Fischer ihren Reedern gegenüber. Ein Stück unter Seeleuten also: ein soziales Stück: und ein Stück Raturalismus. Es magLeute geben, die die Ansicht vertreten, daß die Menschen, um die es sich hier handelt, uns fern stehen, dah ihre Sorgen und Röte uns wenig bedeuten können. Lind es bedarf keiner Erörterung mehr über den Raturalismus als Kunstform, der die vorige Generation beschäftigte und erregte. Es ist aber verfehlt, aus einer überwundenen Form auf ein überwundenes Problem zu schlichen. Es gibt Menschen, Landschaften und Zeitalter, die uns weit ferner stehen als die Fischer in Holland und die Weber in Schlesien. Lind doch gehen sie uns — künstlerisch und menschlich — auch heute noch etwas an. Ratürlich ist das Stück heute noch ebenso Tendenz wie vor dreißig Jahren. Aber gerade auf die Tendenz kommt es ja hier an. Soziale Probleme sind von jeher bis zur Stunde aktuell gewesen. Lind dieses Problem steht durchaus im Vordergrund — als solches: nicht die Schilderung einzelner Schicksale, die damit verknüpft sind. (Man könnte in diesem Zusammenhang, um den angedeuteten Fehlschlüssen vorzubcugen, etwa daran erinnern, daß ein allerjüngstes Werk gegenwärtigen Schrifttums, eine mit dem letzten Kleistpreise ausgezeichnete Rovelle von Anna SegherS, ganz ähnliche Motive behandelt.) • Wir übersehen dabei keineswegs, was der Raturalismus, die Tendenz und der Blick fürs Theater an dem Stück verdorben haben. Wenn ein Fischerboot beim Fang mit Mann und Maus untergeht, so ist das ein schwere« und tief bedauerliches Llnglück, aber nur in ganz seltenen Fällen eine Tragödie. (Als Beispiel für einen ästhetischen Grundirrtum der naturalistischen Kunstweise.) nungen bei einer BevölkerungSzahl von 33 623. Die Zahl der Haushaltungen betrug damals 7100. Die Wohndichte betrug 4,85 Prozent. Dabei standen an Wohnungen leer 251. Am 10. Oktober 1927 betrug die Zahl der Haushaltungen 8378, mithin eine Zunahme seit 1914 von 1278. Von 1918 bis Ende deS 3ahreS 1928 sind an Rcubauwohnungen 1048 entstanden. Hierzu die 7181 Wohnungen von 1914, gibt zusammen 8229. Durch Lim- und Einbauten, sowie durch Beschlagnahme von Mansarden wurden bis zum Jahre 1924 an Kleinwohnungen geschaffen 247. Rechnet man für Abgang durch baufällige Häuser und Rückgabe der beschlagnahmten Mansarden wieder 147 ab, so verbleiben noch 100 derartige Wohnungen, so daß sich ein Bestand von 8229 vorhandenen Wohnungen ergibt. Mithin ist ein rechnerischer Fehlbetrag von 49 Wohnungen vorhanden. Run besteht aber eine wesentliche Differenz zwischen meiner Aufstellung und der vom Wohnungsamt geführten Wo nungs iste, und eS ist somit nachzuforschen, wodurch eine solche Differenz entstehen kann. Rach der Liste des Wohnungsamtes sollen €97 Familien ohne Wohnung fein, nach meiner Aufstellung fehlen 49 Wohnungen. Bei dieser Aufstellung nicht mit einbegriffen sind 182 im Bau begriffene Wohnungen, die im Laufe dieses Sommers bezugZserlig werden. Ob diese Wohnungen alle vermietet werden können, erscheint sehr zweifelhaft. Mo er ko nmt nun diese Differenz ? 1. 3n die amtliche Wo^nungsliste kann sich jeder eintragen lassen, ob von hier oder auswärts. 2. Ein großer Teil von den ohne Wohnung Gemeldeten denkt aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht daran, eine eigene Wohnung zu besitzen. 3. Dutzende von Wohnungen sind im Besitze von Einzelpersonen, die sich gar nicht in ihrer Wohnung befinden und die durch Llnter- vermieten ein glänzendes Geschäft machen, während alle Llntermieter als Wohnungslose zählen. Durch diese Tatsache wird eine Wohnungsnot hervorgerufen, die in Wirklichkeit gar nicht besteht, zumal die Einwohnerzahl seit 1914 von 33 628 bis zum 1. 3anuar 1928 auf 33 344 gesunken ist und sich seit dieser Zeit noch in weiterem Sinken befindet. Die Wohndichte ist also seit 1914 von 4,85 Prozent auf 4 Prozent zurückgegangen. Zugegeben muß werden, daß eine gewisse Anzahl von Kleinwohnungen fehlt. Aber Bedarf an derartigen Wohnungen bestand schon vor 1914, besteht heute, und es wird auch in Zukunft damit nicht anders werden, selbst nicht bei Beibehaltung der Zwangswirtschaft. Aus all dem geht hervor, dah nur durch die Zwangswirtschaft die Wohnungsnot hervorgerufen worden ist, und sie auch nie behoben werden wird, solange die Zwangswirtschaft besteht. Rur auf dem Wege der freien Wirtschaft wird es möglich sein, die fehlende Wohngelegenheit zu beschaffen, und damit wird auch das Gespenst der Wohnungsnot verschwinden. Aus dem Kassenbericht, der von Bauinspektor Matheis erstattet wurde, ging hervor, daß die Kasse des Vereins wiederum ein Plus aufzuweisen hat. Kasse und Bücher wurden von den gewählten Revisoren Herbert und Götz eingehend geprüft und in bester Ordnung befunden. Bei der Wahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden diese durch Zuruf wiedergewählt. Anschließend hielt Rechtsanwalt Dr. K a h einen Vortrag über das Thema: »Die ungünstige Einwirkung der Zwangswirtschaft auf den WohnungSmarkt". 3n eingehender Weise legte der Redner die Gründe dar, die dafür sprechen, daß durch die Zwangswirtschaft dem gesamten Volke großer Schaden zugefüqt wird, da nicht nur der Hausbesitzer und die Wohnungssuchenden, sondern auch die ganze Wirtschaft geschädigt werde. Es sei höchste Zeit, mit dem Abbau der Zwangswirtschaft zu beginnen. Rach gründlicher Aussprache wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden mit der Aufforderung zu festem Zusammenhalten aller Hausbesitzer geschlossen. Daten für Freitag, 8. Marz. Sonnenaufgang 6.31 Uhr, Sonnenuntergang 17.52 Ufjr. — Mondaufgang 5.57 Uhr, Monduntergang 14.10 Uhr. 1858: der Maler Hans Herrmann in Berlin geboren: — 1858: der Komponist Ruggiero Leon» caoallo in Neapel geboren: — 1917: Graf Ferdinand Zeppelin in Berlin gestorben. Lind wenn im dritten Akt die Fischerweiber, Witwen und Dräute, bei Rächt und Sturm und schwerem Seegang beisammensitzen und sich unheimliche Geschichten vom Meer, von Schiffbruch und Seemannstod erzählen, an ihre Toten denken und um ihre Lebendigen bangen: so ist das eine Zustandsschilderuna, ein LebenSausschniit, ein Stück Roman vielleicht, eine realistische Theater- szene auf jeden Fall — nur kein Drama. Aber: wenn die beiden letzten Männer au- einer Familie, die bisher vom Meer verschont wurden (der eine widerstrebend, in Todesangst und von roher Gewalt gezwungen) aus ein Schiff zum Fang müssen —, und der Reeder, der im Trocknen sitzt und den Gewinn einstreicht, weih, dah das Schiff ein morscher Seelenverkäufer, aber hoch versichert ist —, und wenn bann das Schiff unterzeht mit der ganzen De- satzuna: dann .sind die Fische schwer bezahlt". Lind dann geht uns das Ganze genau so viel o^r^. wenig an wie die Hauptmannschen » Rur dah Hauptmann der größere Künstler ist. DaS Fischcrstück erinnert in einzelnen Motiven und Szenen so stark an daS Weberstück, daß die literarischen Einflüsse kaum von der Hand zu weisen sind. Aber die .Weber'' sind — abgesehen von ihrer sozialen Tendenz — eine Dichtung: die .Hoffnung" ist (außer ihrer Tendenz) ein Theaterstück. Richt so objektiv vor allem wie das deutsche Schauspiel, welches bemüht bleibt, das Problem von beiden Parteien auS zu betrachten, das auch dem Fabrikanten sein Recht zugesteht und darauf verzichtet, einfach einen gemeinen Verbrecher aus ihm zu machen. Bei Heifermans kommt das Gegenspiel zu kurz, überwuchern die Teilmotive und Einzelschicksale (über deren Ausbau und Häufung, in diesem Zu- sammenhang, gestritten werden darf), überwuchert Milieu und Zustand die Dramatik, Tendenz das menschliche Schicksal. Theater die Tragik. Bestehen bleibt — auch in anderem Gewände, auf anderem Schauplatz — das soziale Problem, die Aufrechnung und Tecteilung von Gewinn und Verlust und Risiko, der Einsatz an Menschenleben und Geldwerten. • Bestehen bleibt auch die Frage, ob man daS Stück hervorgeholt hätte, wenn es minder büh. Zur Förderung der Vogelkunde. DieTierpsychologischeDeobachtuna»- station Gießen bittet um Auskunft über folgende Fragen: 1. Welche Dögel wurden in diesem Winter z. B. an den Futterplätzen beobachtet? Verhielten sie sich anders als in weniger kalten Jahren? 2. Haben die Dögel an den Futterplätzen während der Kälte abgenommen? 3. Wie steht es mit der Häufigkeit der Meisen? 3. Wo wurden diese Beobachtungen gemacht (Dors, in Gießen, Straße)? 5. Wurden in diesem Winter Nebelkrähen (grau, Kopf, Flügel und Schwanz schwarz) beobachtet? 6. Liegen bemerkenswerte Beobachtungen über Raubvögel vor? Mitteilungen hierüber sind au richten an Professor Henneberg, Gießen, Anatomisches Institut, Bahnhofstraße. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 biS 183, Matte 30 bis 35, Wirsing 40 bis 50. Weißkraut 30 bis 35, Rotkraut 35 bis 40. gelbe Rüben 20 biS 25, rote Rüben 20 bis 25, Spinat 80, Llnter-Kohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 45 bis 50, Rosenkohl 75 bis 80. Feldsalat 253 biS 330, Tomaten 80 bis 93, Zwiebeln 25, Meerrettich 53 bis 123, Schwarzwurzeln 90 bis 100, Kartoffeln 7. Aepfel 30 bis 40. Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner ICO bis 120, Tauben 80 bis 85. Rüsse 70 bis 83. Endivien 150 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Eier 20 bis 22, Blumenkohl 80 bis 160. Salat 40 bis 45, Lauch 25 bis 50, Rettich 20 bis 30. Sellerie 23 bis 100 Pf. das Stück: Radieschen 40 Pf. das Bund: Kartoffeln 6,5 Mk. der Zentner. • * Sitzung des Provinzialausschusses. Am nächsten Samstag, 9. März, vormittags 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Die Entwässerung der Hofreite der Wilhelm Seipp Wwe. In Albach: hier: Klage der Genannten gegen den Polizeibefehl des Kreisdirektors des Kreises Gießen vom 5. Februar 1929. — 2. Klage der Gießener Studentenhilfe e. D. in Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt Friedrich Engisch in Gießen, gegen die Stadt Gießen, vertreten durch den Oberbürgermeister, wegen Strahenkostenbeitragsleistung. — 3. Die Wasserleitung in Ober-Wöllstädt: hier: Berufung des H. F. Diel in Ober-Wöllstadt gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Friedberg vom 10. Mai 1928. — 4. Klage des Bez.rksfürsorae- verbandes der Stadt Gießen gegen den Bezirksfur- forgeoerbanb des Kreises Büdingen auf Ersatz von Fürsorgeaufwendungen für Karoline Weber aus Atzbach. — 5. Klage des August Adolph in Gedern gegen das Kreisamt Schotten wegen Versagung eines Wandergewerbescheins. ** Forftpersonalie. Der Amtsvorstand des Forstamts Schotten, Oberforstmeister Dr. Baader zu Schotten, wurde in gleicyer Diensteigenschast in das Forstamt Darmstadt versetzt. •• Frühjahrs-Pferoemarkt in Gießen. Am Mittwoch, 20. März, findet in unserer Stadt der Frühjahrs-Pferde- und Fohlen- markt statt. Mit dem Markte ist eine Prämiierung verbunden, für die über 2000 Mk. zur Verfügung stehen. Der Landwirtschaftskammer- Ausschuß für Oberhessen hat für diese Prämiierung 300 Mk. gestiftet, der Hessische Landes- Pserdezuchtverein gab zu dem gleichen Zwecke 100 Mk. *• Starke Inanspruchnahme der Sanitätskolonne. Die Gießener Freiwillige Sanitäskolonne vom Roten Kreuz wird seit Tagen durch Krankentransporle aller Art sowohl aus Gießen, wie auch aus der näheren und weiteren Umgebung — bis weit m die benachbarten preußischen Kreise hinein — stark in Anspruch genommen. Die beiden Sanitäts- autos mit ihren Begleitmannschaften sind nahezu den ganzen Tag unterwegs, um Kranke — meist handelt es sich dabei um schwerere Fälle von Grippeerkrankungen mit Lungenentzündung — den hiesigen Kliniken und Krankenhäusern zuzuführen. Trotz der Häufigkeit ihres Auftretens nimmt die Grippe aber erfreulicherweise immer noch einen Verlauf, der zu Beunruhigungen nenwirksam und mit weniger dankbaren Rollen versehen wäre. Raturalistiiche Stücke und soziale Stücke haben wir selber genug, und bessere obendrein. Die Aufführung ist von Oberspielleiter Tan- nert inszeniert. Sie war ausführlich, sorgfältig betont, sehr deutlich und sehr wirksam. Für unsern Geschmack zu viel Theater im letzten Akt. Zu schleppend im dritten, der ohnehin dramatisch der schwächste ist (wiewohl gerade hier ein gutes Ensemble am Werk war). Lieberhaupt war nichts gemildert, nichts gedämpft, nicht die kleinste Schwäch« verdeckt. Aber vielleicht kann keine Aufführung verhindern, dah manches nicht nachdenklich. sondern quälend wirkt, daß vieles nicht ins Blut geht, sondern auf die Rerven fällt. (Bei Hauptmann fallt einem in fünf langen Akten nichts auf die Rerven: daS ist kein Zufall.) Llebri- genS war das Milieu stilgerecht getroffen. Kleine Dialektunsicherheiten fielen kaum auf. Die Bemalung des äußeren Bühnenrahmens schien uns wenig glücklich: auch eine realistische Aufführung sollte man nicht mit Kinoplakaten verzieren. — .Die Besetzung war recht gut Die alte Fischer- Witwe Kniertje gab Auguste Prasch-Gre- venberg. Wenn man wiederholl die „alte Schule" in ihrer Darstellung betont, so kann daS nur im Tone besonderer Anerkennung geschehen. (Manchem jungen Schauspieler täte heute ein Wenig alte Schule nur gut und oft bitter not.) Die Rolle war vor allem in den ersten Auszügen mit viel Gefühl, fein und nuanciert und sehr lebendig gespielt. Das schließt nicht auS, daß der Darstellerin andere Ausgaben u. E. besser liegen, und dah uns die gesteigerte Theatralik des Schlußaktes, die teilweise auch die Verständlichkeit des Textes beeinträchtigte, übertrieben vorkam. e Von den beiden Söhnen gab K n u r mit kräs- ligen Te,nperammtSauS rächen — gelegentlich ein trenlg traft und überlaut —• den revolutionären Heißsporn Geert, W e f e n e r eine geschickt ab» aelönte und richtig empfundene Kontrastfigur, den felgen, verstockten und von Ahnungen heimgesuchten Barend. Don den Fischermädchen vor allem die Io der Trude Heß mit einer unverbrauchten Ursprünglichkeit, obschckn Im äußern keinerlei Anlaß gibt. Die Bevölkerung wird jedoch bei dem gegenwärtigen Liebergangswetter im Falle von Erkältungskrankhrilen gut tun. vorsichtig zu sein und rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. •* Unfall auf oem Schulwege. Gestern vormittag verunglückte auf dem Wege zur Schule eine Schülerin der Studienanstalt auf dem Bürgersteig der Dammstraße. Das Mädchen glitt auf dem vereisten Trottoir aus und kam dabei so unglücklich zu Fall, dah eS den rechten Unterschenkel brach. Rach erster Hilfeleistung durch Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde das bedauernswerte Mädchen der elterlichen Wohnung zugeführt. •* Sic kirchenmusikalifchePaffionS- andacht des Posaunenchors Lang- Göns am Sonntagabend In der Stadtkirche war für alle eine wirlliche Feiexstunde. Unter dem Leitgedanken »Das Wort vom Kreuz" bot der gut geschulte Chor unter der ruhigen, bestimmten Leitung von Chormeister Boller beste kirchliche Musik, die in drei Teilen redete von Kreuzes- und von Sterbensleid, von Christi Tat und Barmherzigkeit, von Fried und Freud in Ewigkeit. Bon den 16 Rummern waren allein 8 von Johann Sebastian Bach. Das bedeutet eine große Aufgabe, und darum war S eine be sondere Freude, zu bemerken, mit wieviel Der ständnis und gutem technischen Können auch der Chor die Gaben des großen Meisters kirchlicher Musik darbot. »DaS klingt fast wie eine Orgel", sagte ein junger Mcnsck, der wie wir anderen davon innerllch ergrijen war. Diese Wirkuna der Musik war aber wohl nur möglich durch die feinsinnige Darbietung der Texte. Frau Dr. Aubel sprach vor jedem Musikstück die Textworte und stimmte so mit großem Geschick die Herzen der Hörer auf die Sprache der MusU, ein edles Zusammenwirken von Wort und Musik. Die Begleitung der gemeinsam gelungenen Choräle hatte Stadtorganist Simon in freundlicher Weise übernommen. Trotz der vielen Veranstaltungen ähnlicher Art in der letzten Zeit und auch am Sonntag war doch eine stattliche Gemeinde zusammengekommen, und kein Besucher wird ohne Dank gewesen sein für diese Stunde innerer Bereicherung und Erbauung. •• Der hessische Philologen verein halt am 11. und 12. April in Bad-Nauheim feine diesjährige Hauptversammlung ab. In der öffentlichen Festversammlung spricht der Heidelberger Universitätsprofessor Hoffmann über „Pädagogischer Humanismus in den romanischen und germanischen Ländern". ee Der Verband „Deutsche grauen* kultur", Ortsgruppe Giehen, veranstaltete im Gasthaus .Hindenburg" einen Tee- Abend für Mitglieder und Gäste. Dr. gibt!« sprach in überzeugender Weise über die Rot- wendigkeit eines gut ausgebauten RetzeS von Jugendherbergen für die Ertüchtigung der deutschen Jugend, und zeigte in schönen Lichtbildern Ser bergen aller Art und ihre verschiedensten inrichtungen. Der VollS-TanzkreiS Gießen führte in jugendlich frischer Art eine ganze Reihe schöner aller Volkstänze vor. "Auftrieb auf bem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt. Färsen 1, Kühe 1, Kälber 1275, Schafe 266. Schweine 776. Oberheffen. Landkreis Gießen. $ Alten-Duseck, 6. März. Daß man beim Ausstellen von eisernen Fallen nicht vorsichtig genug sein kann, beweist folgend«! Vorfall. Der deutsche Schäferhund eines hresiaen Einwohners war. als er vorübergehend von der Kette befreit wurde, durch eine Spalierlücke in den nahegelegenen Garten eines anderen Einwohners gelangt. Hierbei geriet er mit den Vorderbeinen in eine bei der Lücke aufgestellte eiserne Schlagfalle. Die gerade anwesende Schwägerin des HundebesitzerS befreit« mit großer Mühe das vor Schmerzen laut schreiende Tier aus seiner gefährlichen Lage, wobei sie jedoch von dem wie wütend um sich beißenden Hunde derart am Bein verletzt wurde, daß sie sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. V Mainzlar. 6. März. Bei der am Montag im Gemeindewald stattgehabten zweiten Brennholzversteigerung bewegten sich Bilde zu wenig robust für die Rolle. Don den übrigen Fischerfrauen ist in erster Reche die TruS der Maria K o ch zu nennen, die ihre kurze Szene im drillen Akt ausgezeichnet zur Geltung brachte. Ebert-Grassow hatte die wenig dankbare Aufgabe, den Reeder BoS auf die Deine zu bringen: im ersten Akt am gelungensten: mit überlegener Zurückhaltung und nicht ohne eine gewisse sympathische Menschlichkeit: zuletzt die ausreizende Tendenzfigur: mit möglichster Reserve. — Sehr hübsch ausgetüftelte Chargen bolen die beiden uralten HäuSler (Dast 6, 2 in fr mann) und der deutlich von Hauptmann her- kommende Buchhalter Kaps (Ritter): auch feien die Damen Krahmer und Jüngling, in kleineren Aufgaben, nicht Dergeffen. — Die Aufführung fand einen lebhaften Publl- kumSerfolg. Dr. Th. Der englische Baron Münchhausen. Zu ASbury-Park im Staat« Rew Jersey wurde dieser Tage Dr. Edwin Py« Turner O S b a l d i- ston erschossen auf gefunden, mü einem Revolver in feiner Hand. Dieser Mann, der die amerikanisch« Oefsentlichkeit vielfach beschäftigt hat, wurde „der englische Baron Münchhausen" genannt, weil er so tolle Geschichten zu erzählen wußte, wie der berühmte „Lügenbaron'. der durch seine Schnurren und Aufschneidereien un» sterblich geworden ist. Schon über dem Aller OsbaldistonS schwebte ein geheimnisvolles Dunkel. 2llS er vor drei Jahren angeklaat und verhaftet wurde, weil er in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Pferd gestohlen haben sollte, da erklärte er vor Gericht, daß er 94 Iah« all fei. Später aber meinte er, er habe sich „zu jung" gemacht und fei damals schon 97 Jahr« all gewesen, so daß er sich also jetzt alS 100- jähriger das Leben genommen hätte. Bon seinen Schicksalen wußte er die Abenteuerlichsten Dinge zu berichten. Er gab an, daß er aus einer angesehenen englischen Familie stamme und bereits im Ärim-Äriej mllgefochten habe: außerdem erzählte er gern von seinen Kriegstaten unter Garibaldi und im Durenkriege. Eine seiner Geschichten handelt von einem Zweckamps, den er in Deutschland auSgefochten habe: die S.rafe dafür sei ihm durch einen besonderen Gnadenerlaß Wilhelms II. geschenkt worden. rott 5:a«l«®® o$ ”1*j iden, -nu' hie «g. »SH .??LS ^Md°ÄÄ^ ' iinjL daher,sch j ®€t7, « W W I eint« 91 ,*S&*zS t&tet: in. S stanze aub«^ 5flin Eegs< w'>« s> , * Msr ÄUiL‘U Mm l”|l«I| grf *.“' 8i>ult LLZLL ’Scfö^rt. 1 "Ichors 'n°"S- * Änftft ffff W -ter der n., ?”te Io mit gZ auf die Sprache ki&"’«bn ’“•'«■ «ölte Stadtoroanist übernommen. uwngen ähnlicher Art ^-ch am Sonntag war -de zusammengctommen, tze Dan/ gewesen sein -«reichcrung und Er« ^ilologenverein in Lod-Nauheim leine ml ad. 3n der öffent« hi der Heidelberger Uni« ’ n über „Pädagogischer Ifdjen und germanischen leutsche grauen« e Tiehen, veran« nbenbutfl“ einen Tee» b Gäste. Dr. Slötlc Weise über die Lot« ^gebauten Lehe« von Ertüchtigung der beul- in schonen Lichtbildern nl> ihre verschiedensten «llS-Tan-knis Sichen >t Art eine ganze Leihe vor. m heutigen Sraul« ! h m a r k t. Färsen 1, Hase 266, Schweine 776. essen. Gieße«. Därh. Soft mW Mm irm Rallen nicht mn, beweist svlguwn । >äserhund eine« hiesigen vorübergehend von der rch eint ösasterlücke -n :cn eint« anderen 6in- ei geriet er mit den's m bei der Lücke * .falle. Die ger^eaw 's*™“8 MH»! j mi 6»W" "e net M»» m Vie vutenö im Mj, am Dein verleßt,! ÄW»*** tzri der am Don« '"/. S« brachte. net M hanfbare atte dl-vEA« i0 1g und nifii * . du lenschi-^^^ .Aaff 2e*' ir: w'i..fÄtiö fefe- die Preise auf der seitherigen Höhe. ES kosteten Duchenscheiter 36—38 Ml., Buchenknüppel 28 biS 34 Mk.. Fichlenknüppel 16—22 OHL und Fichten- Stöcke 4—6 Mk. je 2 Saummeter. Duchenreiser tarnen auf 16—20 Mk., Eichenreiser auf 10 biS 15 Wk. und Fichtennutzreifer 3—450 Mk. je fünf Saummeter. t 21 u 9 dem ßumbatal, 6. Marz. 3n fast allen Gemeinden unseres Tales haben in der letzten Zeit Holzverfteigerungen ftattgcfunben. Als bemerkenswerte Tatsache konnte man dabei feststellen, daß die Preise hauptsächlich für Brennholz 50 bis 80 und mehr Prozent über denen des Vorjahres lagen. Diese steigende Tendenz liegt darin begründet, daß in jedem Haushalt die Vorräte an Brennmaterial, das meist noch aus Holz besteht, durch die monatelang dauernde Kälte sehr stark verringert worden sind und ein Grundstock für den kommenden Winter unbedingt wieder geschaffen werden muß. Ls. Langsdorf, 6. M^rz. Saajöera kürzlich stud. rer. pol. Hapvich (Gießen) im Auftrag der Liga zum Schutze der deutschen Sx u 11 ur über das Thema. „ Freie und gebundene Wirtschaft" gesprochen hatte, erklärte er sich zu einem weiteren Vortrage über „Sassen und Staat" bereit, der am Montag stattfand. In seinem ersten Vorträge gab der Redner einen längeren geschichtlichen Rückblick über die Entstehung des Handwerks und Handels, über seine Formen in den verschiedenen Zeiten, und beleuchtete alsdann, wohin allmählich der Kurs führt, nämlich zu einem allmählichen Verschwinden der Kleinbetriebe, zur Vertrustung. In seinem zweiten Tortreg: skizzierte dar Sedner die Sassen, wie sie in der Hauptsache in Europa und speziell in Deutschland vorkommen. Er stellte die charakteristischen Merkmale In Kopfform und Körperbau, sowie die geistigen Eigenschaften jeder einzelnen Saffe heraus und sprach dabei von vier charakteristischen Sassen, nämlich dem nordischen, dem ostischen, dem dinarischen und westischen Menschen. Wir Deutsche sind nach den Darlegungen des Vortragenden heute eine Mischung der drei erstgenannten Sassen, behaftet mit allen guten und weniger guten Eigenschaften derselben. Die Sassenfrage, die heute hier und da die Gemüter bewege, dürfe nie dahin führen, daß wir Menschen wegen ihrer Sassenzugehöriskeit hassen, Der Staat als solcher, so führte der Sedner aus, habe sich um die SassenzugeHörigkeit seiner "Bürget nicht zu kümmern, sondern kenne nur Staatsbürger. Tie Vorträge des Herrn H a p p t ch fanden hier guten Anklang und Interesse, waS auch die steigende Besucherzahl — wohl der beste Dank für den Sedner — beweist. Für die Zeit zwischen Heu- und Fruchternte hat Herr Happich daS Wiederkommen versprochen, was dankbar begrüßt wurde. KrciS Friedberg. Pb. D u tz b a ch, 6. März. Die hiesige Fasel- markt-Gesells ch a f t hat heute beschlossen, den auf den 14. März festgesetzten Fasel-, Pferde-, Schweine-, Ziegen- und Zuchtvieh-Markt wegen deS ungünstigen Wetters erst am 21. März abzuhalten. Ebenso wird die Verlosung, sowie das vom Seit- und Fahrverein Butzbach und Umgegend geplante Seit-Turnier auf diesen Tag verlegt. — Gestern sand an der Weidig-Obertealschule unter Vorsitz des Oberstudiendirektors Dr. V i nze l die diesjährige Abiturienten-Prüfung statt. Sämtliche Prüflinge, 14 an der Zahl, bestanden. Kreis Schotten. # Fretenseen, 6 März. Erst jetzt zeigen sich unter den Wildbeständen die Folgen des überaus st rengenWinters. Ein Gang durch unsere benachbarten Waldungen führt allenthalben zu Rudeln von Hoch- und Rehwild, die jegliche Scheu vor den Menschen überwinden und alle sonst geübte Vorsicht außer acht lasten. Sie treten aus dem Dickicht hervor und suchen die meistbegangenen Waldstraßen und Wege auf, gleichsam bei den Menschen Hilfe suchend. Die meisten Tiere sind derart ermattet, daß sie nicht selten am Wegrand liegen und kaum vom Fleck weichen. So wurde dieser Tage ein entkräftetes Reh auf der Suche nach Nahrung in der Nähe der Schreinersmühle von Schulkindern angetroffen. Sie konnten sich ihm nähern, streichelten es und trugen es zu Vieren ins benachbarte Forsthaus Glashütte. Die Fütterung blieb ohne Erfolg, am nächsten Tage war es verendet. Es handelt sich hier keineswegs um eine Einzelerscheinung. Nicht gering scheint die Zahl der Hirsche und Rehe zu fein, die in nächster Nähe der Mühlen unseres Seengrundes ein O p f e r der Kälte wurden. Bis jetzt wurden vier Rehe und drei Hirsche aufgefunden, die dem ebenfalls hungernden Raubgetier eine willkommene Beute geworden waren Es ist anzunehmen, daß die reichen Wildbestände unserer Wälder trotz ausgiebiger Fütterung beträchtlich gelitten haben, so daß SchonungdesWilde» unbedingt geboten ist. Kreis Alsfeld. te* AlSfeld. 6.März. Stadtvorstands- f i h u n g : In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung wurde zunächst die Vergebung deS RuhholzeS aus der Holzernte 19 2 9 vorgenommen. ES lagen hierzu vier Angebote vor. Der Zuschlag wurde den Höchstbietenden Schreinermeister Valentin Weppler zu Alsfeld und Genoffen za ihrem Angebot von 4259,61 Mk. erteilt. Wie das Forstamt mitteilt, ist bei der Submission die Taxe nahezu erreicht worden, und der Durchschnittspreis von 2955 Mk. pro Festmeter unter Berücksichtigung der diesjährigen Holzpreife als gut zu bezeichnen. — I Der Erlaß einer Verkehrspolizei- verordnung für öle Stadt AlSfeld, der in dieser Sitzung zur Erörterung stand, hat die Versammlung schon mehrfach beschäftigt. In dem ersten Entwurf war für verschiedene Straßen das Einbahnstraßensystem vorgesehen. Der Stadtvorstand erhob jedoch gegen diese beabsichtigte Regelung Einspruch, da er darin eine schwere Schädigung der Geschästsinteressen der Gewerbetreibenden erblickte. Das Kreisamt hat nun einen neuen Entwurf vorgelegt, worin die Regelung der Einbahnstraße fallen gelassen ist. Die Versammlung stimmte dem neuen Entwurf zu, wonach eine ganze Anzahl enger Gassen in der Altstadt für den Kraitjahr- und Radsahrver- kehr gesperrt werden. Allgemein bedauert wurde, daß in der neuen DerkehrSordnung nicht dem Wunsche der Stadt Rechnung getragen wird, daß die Höchstgeschwindigkeit für Kraft,ahrzeuge 20 Kilometer nicht übersteigen darf. — Der von dem Stadtbauamt vorgelegte Bebauungsplan für den Stadtteil in der Siedlung Sambach wurde auf Grund der vorgelegten Pläne genehmigt, dabei wurde an zwei Straßen eine Verbreiterung von 8 Meter beschlossen. — Eine längere Aussprache entfesselte der Punkt der Erhebung eines Zuschlags zum Wassergeld für daS RechnungSiahr 1 9 2 9. Die Finanzkommifjion beantragte, wie seither in den drei letzten vorausgegangenen Jahren, wiederum einen Zuschlag von 50 Prozent zu dem nach Einschätzung und Wassermesser festgesetzten Wassergeld zu erheben, um dadurch eine übermäßige Anspannung der Umlagen zu vermeiden. Die Linke protestierte gegen diese Absicht und wollte den Betrag auf Die Umlagen ausgeschla- gen haben. Rach eingehender Debatte wurde der Antrag der Finanzkomrnission auf Weitererhebung deS 50prozentigen Zuschlag« gegen die Stimmen der Linken angenommen. Ein von sozialdemokratischer Seite gestellter Antrag, die Erwerbslosen, Klein- und Sozialrentner und die OrtSarmen von der Erhebung des Zuschlag- auSzunehmen, wurde abgelehnt. — Unter Mitteilungen ergab der Vorsitzende die von der Finanzkommission vorgenommene Regelung der besonderen Beihilfe für die Brennstoffversorgung für Minderbemittelte bekannt. Darnach erhielten alle Fürsorgeempfänger einen Gutschein in Höhe von 10 Mk., auf Grund dessen Brennstoffmaterial im entsprechenden Werte auf Kosten der Stadt verabfolgt wurde. Die Regelung erfolgte im Rahmen der bereits bewilligten Winterbeihilfe. An die öffentliche Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Beratung an. -jahraus jahrein immer nur dieselben Marken anzubieten haben. Nicht wahr; das klingt unwahrschein- Es gibt wirklich solche Raucher, REUERBUR6, . , WWM die immer nur das Allerneuste rauchen wollen. Sie,, wissen, dass jede neu- kissneR HSSN erscheinende Zigarette zuerst gut ist, dass lieh und ist es auch in derTat.Entweder sie aber nach kurzer Zeit schlechter wird. kann der Fabrikant eine gute Zigarette Das muss man eben rechtzeitig erkennen,so sagen sie, und sich dann wieder fabrizieren-, dann wird er diese Qualität auch durchhalten und sie sogar noctu nach etwas Neuem umsehen. Dürfen wir diese Raucher einmal bitten, k. itisch zu denken ? Sollte es wirklich Faverbessern. Oder er kann es nicht, dann werden auch die neuen Marken nicht besser sein. Zudem verursachen Neu- brikanten geben, die zwar eine gute Zigarette zu fabrizieren verstehen, die aber nach kurzer Zeit die Qualität absichtlich verschlechtern und sich damit ihre Kundschaft wieder verscherzen ?Und wie schlecht müssten erst jene Fabrikanten berateru sein, die-wie zum Beispiel haus Neuerburg Einführungen ganz erhebliche Kosten. Wer es irgend kann, vermeidet sie und verwendet alle Ersparnisse auf die Vervollkommnung seiner alten Marken. So pflegen wir es zu halten, und wir glauben, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Kunden dabei gut gefahren sind • O • H • G • 0 Für den Herrn Für den Herrn Für die Dame Für d e Dame Herren-Unterjacken 1 7k makofarbig, Größe 4—6 li I V Phantasie-Socken j| CK besonders kräftig......... 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Io bei der S und lasser alten beu; lohnte bi Bebneri. Hierauf ■Die P! fUten 1 steLe zuni und wie ' «rßcn Lei täglichen Sruhri u treue dir beherrscht sich bei Lüftung. deren ® Kirche lichen '2k lende Pf. ihrer 2lu äße in di niS dörfli gäbe mutz der börj Plärrer u meinte berechtigte lieben len lönnen, chi auixubaue Kfß.wB, Ein pey<*o*nalytt*di« Film te 4 Akten ■ |HQBHUESS mit Begleit-ortrefl ee4 musikalischer Illastratiew Darsteller. S Werner Krause. Ruth Weyher, üka M fljH Orflntat- !•<* Tresor. Pawel Pawlow W Zelt. Gegen wart In unserer Zeit Ut fest feder Mensch H N nenSe oder hysterisch und oft so- ■ 2«, in seinen Handlungen. Nelgun- ■ Sen and Wünschen unberechenbar. W Die Vorgänge des Films sind einem ■ ■ tatsächlichen Fall entnommen. Der H M Kranke wird ronWernerKrauss gespielt ■ Begleitvortrag: Frau Lona Grundig Schriftstellerin. Berlin Orcbesterleitung: Kapellmeibter K. 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G/ESSEN*MAU6ßURG ICf _____________ 2O3JA Nr. 56 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Donnerstag. 7. März 1929 Dorfkirchentagung in Gießen. Am Dienstag veranstal'ete die D o r f k i rch e n» Vereinigung für die Kreise Gießen. Wetzlar und Rachbargebiete im 3o- hqnnessaal in Gießen eine Tagung für Pfarrer und Lehrer. Pfarrer Mahr, Gießen, eröffnete die Versammlung mit herzlichen Degrühungs- worten und dankte für das rege Interesse, das der Tagung entgegengebracht würde. Er begrüßte u a. den Vertreter der Universität. Professor D. Dr. Cordier, und den Vertreter des Kreis- schulamtes Gicßen. Stadtschulrat Professor Dr. Alles. Der Superintendent für Oberhessen. Oberkirchenrat Wagner. Gießen, war wegen Teilnahme an einer kirchlichen Tagung in Erfurt ve-hindert. der Gießener Tagung beizuwohnen. Sodann ergriff. Lehrer Messerschmidt Groß-Rechtenbach. das Wort zu dem Vortrag: ..Die Pflege derchristlichen Dorfsitte durch die Schul e“. Er führte ungefähr folgendes aus: Aach dem Krieg hat der Heirnat- gedanke Eingang in unseren Schulen gefunden und wurde zum wichtigen Unterrichtsprinzip. Auch der Volkskunde wird heute in Volks- und höheren Schulen großes Interesse entgegengebracht. Unsere christlichen Dolkssitten sind eng verbunden mit Heimatgedanke und Volkskunde. Unsere Schule hat großes Interesse an der Erhaltung unserer christlichen Dolkssitten. Eingehend ging der Redner sodann auf die Entstehung unserer christlichen Dolkssitten ein und pries die Verdienste der Drüder Grimm als Anreger für Erhaltung der deutschen Volkssitten. Die Pflege der christlichen Volkssitten muß auch Unterrichtsprinzip unserer Schulen werden. Volkssitten können besonders gepflegt werden in Dotanik (bei der Erklärung des Ursprungs vieler Pflanzen- naraen), in Geschichte, im Deutschunterricht und namentlich in der Lektüre. Halten wir fest an den noch bestehenden alten christlichen Volks- ftiten, so beim Erntedankfest, bei Deerdigungen, bei der Sonntagsheiligung, beim Kirchgang u. a.. und lassen wir uns erst.selbst wieder am echten alten deutschen Wesen genesen. Reicher Deifall lohnte die vortrefflichen Ausführungen des Redners. Hierauf sprach Pfarrer Mahr (Gießen) über „Die Pflege der christlichen Volks- stäten durch die Kirche". Der Redner stellte zunächst die Frage: Was ist eigentlich Sitte und wie äußert sie sich? Er beantwortete den ersten Teil der Frage durch Beispiele aus dem täglichen Leben und sprach von der Sitte des Grußes und der Sitte guter Aachbarschaft, die Treue bis zum Tod hält. Die christliche Sitte beherrscht das ganze öffentliche Leben und äußert sich bei Trauungen, beim Kirchgang, bei der Rüstung zum Sonn- und Feiertag und vielen anderen Gelegenheiten. Wie soll sich nun die Kirche bei der Pflege und Erhaltung der christlichen Dolkssllte einstellen? Junge, ins Anri tretende Pfarrer und Lehrer kommen heute infolge ihrer Ausbildung auf den höheren Schulen, die alle in den S'ädtcn liegen, vielfach ohne Kenntnis dörflicher Sitte hinaus ins Amt. Ihre Aufgabe muß es. sein, sich unbedingt mit den Sitten der dörflichen Gemeinschaft bekanntzumachen. Pfarrer und Lehrer dürfen nicht über ihrer Gemeinde stehen wollen, sondern müssen als gleichberechtigte Glieder die Dorfkultur kennen und liehen lernen, um dann in der Lage fein zu können, christliche Sitten erhalten zu helfen und auSzubauen. Auch die Schaffung neuer Sitten Das große Grauen. Vornan von H. A. von Byern. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau. L3 Fortsetzung Nachdruck verboten „Kis-Erdö, am Aeujahrstag 1901. llnb nun ist die Entscheidung gefallen . . . Ich soll 3um Onkel Franz ziehen nach Keresz-Erdö . . . . Wie schwer mir der Abschied wird, wie bitterschwer! Tin schon ein recht undankbares Geschöpf, mühte froh sein, daß alles so gekommen ist. und doch ... ich hänge an der Heimat, an jedem Baum, jedem Strauch, kann nun nicht mehr täglich an die Gräber der Eltern gehen, mich ausweinen und träumen . . . Die Heimat soll mir erhalten bleiben, meint der Onkel, aber allein könnte ich hier nicht wohnen. Mein Wald, mein lieber, lieber Wald und mein Wild! Heut war ich noch einmal draußen, habe Abschied genommen . . . Torheit, wenn ich mir den „Emir" satteln lasse, bin ich in zwei Stunden daheim. Daheim?! Fremd wird mir alles werden, und sehnen werde ich mich — sehnen . . „Keresz-Erdö, am Tage von Mariä Lichtmeß 1901. Da habe ich mich nun gebangt vor dem neuen Leben, habe mir das Herz schwer gemacht und schäme mich fast meines Kleinmuts. Der hebe, gute Onkel! War das eine Ueberraschung, als ich in mein Zimmer trat! Jedes Stück, das mir lieb und wert ist, stand an seinem Platz, die Bilder meiner Eltern, der Gewehrschrank, der kleine Schreibtisch, jeder Stuhl, und an den Wänden alle meine Geweihe und Dehkronen, die Riedingec- schen Kupferstiche . . . selbst meine erste Jagdbeute, eine ausgestopste, schon etwas ruppig gewordene Krähe, stand auf einer Konsole, und überall Blumen, Blumen. Onkel und Tante verwöhnen mich. Tie . Tante frei.ich ist schweigsam, hat häufig ihre Migräne, aber mit dem Onkel reite ich oft aus, gar keine Respektsperson ist er, eher ein guter Kamerad. llnö — freie Büchse hat er mir gegeben! Das werde ich mir nicht zweimal sagen lassen!" „Am 2. März 1901. Heute habe ich meine erste Dublette auf den Doge! mit dem langen Gesicht gemacht! An der Grenze nach dem kaiserlichen Leibrevier zu hatte ich mich angestellt, grat) vor einem kleinen Erlen- bruch. So weich war die Luft, und von dem ockergelben Horizont hoben sich die Erlenäste wie feinstes Filigran ab. Kein La ll, nur eine Schwarzamsel schwang sich auf der höchsten Spitze einer Fichte ein und sang ihr süßes, sehnsüchtiges Wendlied. Dann blinkte im Osten der Schnepfenstern, glimmerte in glitzerndem G'anze an dem dunkler werdenden Firmament. Ein ganz leiser Ton - zwei graubraune Schatten geistern über die Wipfel. „Ps—wst! - Ps—wst!" Und nun gedankenschnell zwei Schüsse - ein dumpfer Fall auf weichem Waldmoos — noch einer .. sei empfohlen. Es ist dies möglich aus Anlaß des Erntedankfestes und bei der Ausgestaltung des VollStrauertages Der Redner gab zum Schlüsse noch einige Winke, wie man den ein- gerissenen Unsitten (z. D. bei den noch üblichen Leichenmahlen) entgegentreten kann. Pfarrer (Biermann (Ebersgöns) sprach unter dem Deifall der Zuhörer beiden Rednern den Dank der Dersammlun'' aus. s An der fo'genden Aussprache beteiligten sich Universitätsprofessor D. Dr. Cordier (Gießen), der die Grüße der Theologischen Fakultät der Gießener Universität überbrachte, ferner Pfarrer Ködding (Eberstadt bei Lich), Rektor Loos (Gießen), der Worte über die Erstarkung der Fami.te sprach. Pfarrer Staubet (Watzenborn S einberg) und Junglehrer Kammer von der Volkshochschule Hohensolms. Letzterer erzählte von der Arbeit an Iungbauern, die jetzt nach Beendigung eines Kurses wieder in ihre dörf. liche Gemeinschaft zurückgekehrt sind. Pfarrer B i e r m a n n schloß die Tagung mit herzlichen Dankesworten an alle Teilnehmer. Wild und Winter in Hessen. Von Professor K. Zimmer, Präsident des Hessischen Zagdklubs. Der außerordentlich lange und anhaltende Winter hat unser heimisches Wild in große Rot gebracht. So sehr das zu bedauern ist. so ist auf der anderen Seite doch erfreulich die lebhafte Anteilnahme, die weite Kreise des Dolkes an dem Schicksal der Bewohner unserer Wälder und Felder nehmen. Ueberall in den Gemeinden fordern die Aaturfreunde Maßnahmen zur Linderung der Rot, und helfende Hände bieten sich selbst an, um rettend einzugreifen. Leicht wird allerdings hierbei über das Ziel hinausgeschossen, und Zweck dieser Zeilen soll es fein, Aufklärung zu bringen in alle interessierten Kreise, damit man nicht meint, diejenigen, die es in erster Linie angeht, das sind die Pächter und Besitzer der Jagdreviere, legten die Hände müßig in den Schoß und warteten auf besseres Wetter. Wie mir nicht nur aus eigener Anschauung, sondern auch aus offiziellen Mitteilungen bekannt ist, hat die S t a a t S r e g i e r u n g. soweit es sich um Staatsjagden handelt, weitgehende Dor- sorge getroffen, um die Rot des Wildes zu lindern. Richt nur, daß die für die Fütterung bereitgestellten Kredite völlig aufgebraucht worden sind, auch darüber hinaus ist geholfen worden und wird noch geholfen. Dor allen Dingen hat das Forstperfonal auch Weich- Hölzer gekappt und da, wo Ginster, Efeu und Brombeeren vorhanden sind, diese offengelegt, um dem Wild Zutritt dazu zu verschaffen. Alles was an Eicheln im Herbst gesammelt worden war und als Saateicheln nicht unbedingt reserviert werden mußte, wird zur Wild- f ü 11 e r u n g verbraucht. Dort, wo Eichel- oder Buchelmast vorhanden war, ist gesorgt worhen, daß das Wild die Mast ausnehmen kann. Auch die privaten Revierinhaber sind von den Gemeinden, wo es nötig war — weidgerechte Iagdpächter haben natürlich ganz von selbst alles getan, was notwendig war —, zur Fütterung aufgeforbert worden. Wie sehr dies überall in weiten Kreisen beherzigt worden ist, geht daraus hervor, daß allein durch den über ganz Hessen und darüber hinaus verbreiteten Hessischen Iagdklub weit über 1000 Zentner Futtereicheln vermittelt worden sind. Daß die Futterstellen an ganz versteckten Plätzen angelegt werden, ist die allere-fte Bedingung. Deshalb treten sie nicht in Erscheinung, denn dann würden sie ihren Zweck völlig verfehlen. Selbstverständlich kommt auch das Wild alljährlich in die Gärten und in die Tläfye von Ortschaften. wo Reste von Gemüseanbau zu finden sind. Wie sehr aber mißverstandene Hilfsbereitschaft schaden kann, geht daraus hervor, daß ungeeignete Futtermit - t e l, wie Kartoffeln, Rüben und dergleichen zum alsbaldigen Eingehen der ausnehmenden Stücke führen. In Betracht kommt neben Körner- futter nur Kleeheu, das aus Lagern stammt, die völlig getrennt sind von Stallungen, so daß dem Heu keinerlei Witterung etwa nach Ziegen oder sonstigen Haustieren anhaftet. Unbedingt strafbar aber ist das Aufnehmen van schwachem BLlb, auch um es zu hause wieder herzuskellen. Diese Dersuche mißglücken stets: schon nach wenigen Tagen gehen die Stücke trotz sorgfältigster Pflege ein. Die Betreffenden aber machen sich einer Übertretung der Jagdgesetze schuldig und werden gerichtlich bestraft. Was das Will) vor allem benötigt in diesen Zeiten der Rot, ist völlige Ruhe. Deshalb sollte jede Belästigung des Wildes, sei es durch Spaziergänger oder namentlich auch durch Skiläufer oder Hunde unter allen Umständen vermieden werden, denn daß bei dem entkräfteten Wild die Möglichkeit des Entkommens nicht mehr wie in guten Tagen besteht, ist selbstverständlich. Das Kreisamt Darmstadt veröffentlicht soeben eine aktuelle Bekanntmachung, wonach außerhalb der Ortsausgänge und gcfchlossener Gehöfte sämtliche Hunoe auf die Dauer von vier Wochen an der Leine zu führen sind bei Meidung einer Geldstrafe von 90 Mark für jeden Fall der Zuwiderhandlung. Was nun die Verluste betrifft, die bis jetzt zu konstatieren find, so hat der Hessische Iagdklub sich bei einer großen Anzahl gut geleiteter Reviere in verschiedenen Teilen des Landes erkundigt und genaue Rachrichten darüber erhalten. Don Rehwild sind eigentlich bis jetzt nur geringe Stücke der Witterung zum Opfer gefallen, die vielleicht in einem milden Winter durchgekommen wären. Es handelt sich fast ausschließlich um Kitze, höchstens einmal um ein geringes Schmalreh. Die Hasen haben relativ gut durchgehalten, wo nicht Seuchen aufgetreten sind, die ja natürlich verheerender wirken, wenn die einzelnen Stücke weniger widerstandsfähig sind. Bei den Hühnern und Fasanen sind die D e r l u st e durch Raubzeug größer als durch die Win- tersnot, aber auch da ist von den meisten Revier» inhabern durch Anlage von Dorngehegen, unter »Dars ich suchen helfen, Gräfin?" Ich fahre herum — drüben, am Grenzgraben, steht der Oberförster von Mansar, kommt langsam näher. »Weidmannsheil!" „Weidmannsdank!" gebe ich vergnügt zurück. „Eie kommen wie gerufen — oh — und Ihren Kurzhaarigen haben Sie auch mit!" Den Herrn von Mansar k:nne ich schon seit einem Jahr, damals wurde er aus Beließe hierher versetzt, machte in Kis-Erdö Besuch und verkehrt auch öfters bei Onkel und Tante. Es war schon gut, daß wir nicht selbst die Rachsuche auszunchmen brauchten: denn bei der Dunkelheit hätten wir die Schnepfen, von denen die eine nur geflügelt war, schwerlich gefunden. Aber „Sylvan" machte seine Sache famos, und nachher hat mich Herr von Mansar noch ein Stückchen begleitet.“ Ich blätterte die Seiten um und mußte unwillkürlich lächeln. War das wirklich das Tagebuch eines jungen Mädchens? Kein Wort von all dem, was sonst wohl die Phantasie einer achtzehnjährigen jungen Dame beschäftigt, nur immer eines: Jagd, Jagd. Jagd! Dazwischen kurze, flüchtig hin-'eworfene Rotizen: ein Picknick, eine Abendgesellschaft, Besuche von Gutsna-'ibam — „zu fad', nun kann ich heut' abend nicht auf den Bock am Erlenschlag birschen . . .“ Und endlich die Auszeichnung: „Kis-Erdö, am 27. Dezember 1901. In einer Wochen wollen wir nach Budapest übersiedeln. Onkel meint, das Trauerjahr sei nun vorüber, ich müsse „ausgeführt" werden ..., als ob mir daran etwas gelegen wäre! Taufendmal lieber bliebe ich hier in dem verzauberten Win» terwcld, Menschen langweilen mich, aber — Onkels Machtwort ist entscheidend, und meine Freundinnen beneiden mich, gerade als ob das Glück darin bestände, daß man kostbare Toiletten trägt, sich mit Schmuck behängt und den Hof machen läßt ...“ „Am Tage danach. Heute war der Oberförster von Mansar zum Besuch hier. Tante lag mit ihrer Migräne sest. und Onkel hatte in TemeSvar zu tun. Habe ich also den Herrn von Mansar empfangen. Ratür» lich hatte er schon von unserer bevorstehenden Abreise gehört. „Werden Sie mich auch nicht ganz vergessen. Gräfin?" Die Frage war ein wenig heikel, und ich antwortete mit einem Scherz. Ueberhaupt, fast will es mir scheinen, als führe den Herrn Oberförster noch ein anderes als rein nachbarliches Interesse so ost nach Kis-Erdö. ... Das sollte mir leid tun: denn ich habe in ihm immer einen guten Kameraden gesehen — mehr nicht, und es wäre schade, wenn er sich Hoffnungen machte, die ich weder erfüllen kann noch will. ...“ Einen Augenblick lang hielt ich inne — so also hatte es angefangen damals ...! Die nächsten Blätter waren fluchtig bekritzelt. „Budapest, Margit Korut, am 20. Jänner 1902. Wieder ein verlorener Tag! Und den zweiten Heiratsantrag in nicht ganz drei Wochen! Onkel und Xante waren ganz außer sich — eine solche Partie auszuschlagen! Aber ich will nicht, toid nicht! Und wenn ich mich einmal verlobe, dann muh es eine Liebe sein, die über mich kommt wie ein Sturmwind, die alles andere zum Schweigen bringt — verkaufen werde ich mich nicht!" „Kis-Erdö, am 1. März 1902. Gott sei Dank! Run sitze ich wieder in meinem lieben, trauten Zimmer, atme Öen würzigen, herben Hauch des erwachenden Frühlings und blicke hinaus auf die endlos weite Pußta, den fern in bläulichem Dämmer liegenden Waidstreif, brauchte mich nicht mehr mit faden Gesprächen und noch faderen Schmeicheleien langweilen zu lassen. „Gleich am ersten Tag nach unserer Rückkehr ist der Oberförster von Mansar herübergekommen — ganz zufällig natürlich, wie er behauptet. Ob er sich wirklich Hoffnung macht?" Ein paar leere Seiten folgten, zwischen denen Lichtbilder lagen, Wildaufnahmen: ein fegender Bock, eine brütende Schnepfe, zwei Kolbenhirsche. Dann kamen wieder kurze Bemerkungen, Alltägliches, Dinge, die auf den Haushalt, die Wirtschaft Bezug nahmen, hin und wieder ein kleines Stimmungsbild von einem Ausritt, einem Dirsch- gang. Das ging so bis Ende Juli. Ich war ein wenig enttäuscht, hätte am liebsten weitergeblättert. Und nun: „Kis-Erdö, am 4. August 1902. Ein Erlebnis — und was für eines!! Din wieder einmal dem alten, heimlichen Grenzbock zu Gefallen gegangen — natürlich umsonst. Am Wildacker bei Jagen 16 hatte ich mich angeseht. Eine Ricke mit zwei Kitzen zog zur Aesung, ein Schmalreh — sonst nichts. Doch dann! Irgendwo im Unterholz ein ganz leises Knacken, Anstreichen, rot schimmert es zwischen den Stangen — ein Geweihter, noch im Bast, aber ein Hirsch, wie ich noch keinen sah! Das Geweih!! Sechzehn k ar vereck e Enden, wundervolle Becher» kronen und eine Stangenstärke ...!! Das Herz schlug mir bis zum Halse, breit und frei stano der Kapitale auf kaum vierzig Gänge, zog ganz langsam und vertraut über den Grenzgraben hinüber ins Feindliche ... Jawohl „Feindliche": denn den Hirsch gönne ich keinem — keinem!" „Am 8. August. Ich habe „ihn" wieder gesehen, „ihn", den Traum meiner Träume, den hochkapitalen Sech- zehnender! Aber — er stand drüben, im Staatlichen, hatte auch noch nicht gefegt. ... Ob Herr von Mansar etwas ahnt?! Dielleicht wäre es am besten, wenn ich einmal ganz offen mit ihm reden würde — ich glaube, eS gibt kaum einen Wunsch, den er mir abschlägt. Wenn ich nur nicht fürchten müßte, daß er aus meiner Dertrauenssel gkcit Kapital schlagen will! Zweimal habe ich mich verleugnen lassen, als er zu Besuch kam, Tante machte mir dann Vorwürfe, ale, O lei m.i t:: „Geh', laß d' Sopherl in Ruh', hätt, eh' lein' Zweck a Espusi mit dem Herrn von Mansar!" Onkel Franz läßt mir überhaupt jeden Willen, verzieht mich, und — fast will's mir scheinen, als ob Tante etwas eifersüchtig sei, sie sähe es Wohl nicht ungern, wenn ich einmal „Ernst machte". Da kann sie freilich warten...!" denen das Futter gereicht wird, Dorsorge getroffen worden. Am schlimmsten gelitten hat das Wassergeflügel, denn die meisten Bäche und Flüsse waren bereift, und mit der Fütterung ist da leider am wenigsten getan worden. Es ist anzunehmen, daß die Hauptverluste erst ein treten, wenn der Schnee beseitigt ist und da- Wild auf die grüne Saat geht. Erfahrungsgemäß ist Salz gegen diese Der 1 uste das beste Mittel. Der Hessische Iagdklub hält deshalb bedeutende Mengen von Salzpfannen st einen, die auch Kalk enthalten, für die Revierinhaber bereit, und hat bereits mit der Versendung an die Besteller begonnen, so daß Aussicht besteht, auch hier, soweit menschliche Hilfe in Frage kommt, wirksam eingreifen zu können. Dieses Mittel ist so billig — der ganze Zentner lostet 5 Ml. —, daß es im weitesten Maße angewendet werden kann. Gerade bei der hessischen Jägerei besteht übrigens ein gesunder Sinn und Opferfreude für ihre Jagden. Das geht daraus hervor, daß jetzt schon ganz bedeutende Sendungen böhmischen Wildes durch die Vermittelung des Hessischen Jagd- Hubs an seine Mitglieder gelangt find, die zur Dlutauffrischung und Stärlung der heimischen Bestände ausgesetzt wurden. Die außerordentlich anerkennenswerte Verordnung des Herrn Ministers des Innern, die vor kurzer Zeit erlassen wurde, und in der den Pächtern der Gemeindejagden eine weidgerechte Hege und P'lege des Wildes noch einmal besonders zur Pflicht gemacht worden ist, ist von der gesamten hessischen Jägerei mit großem Bei- fall begrüßt worden. Gefälligkeits-Inserate. TF. Es gibt im Inseratwesen manchen Unfug, der das Ansehen der Anzeigenwerbung schwer fchädigt. Erinnert sei nur an die meist nutzlosen Inserate in Festprogrammen. Katalcgm, De.eins- heften, Jubiläumsbüchern usw. Hierhin gehören auch die sich ständig mehrenden Anforderungen an die Inserenten in der Industrie, wie im Handel und Gewerbe, sich an allen möglichen Ausstellungen, Gra.istagen Wohttällgkellslotterien, Dereinsjubiläen usw. durch Spenden zu beteiligen. Sehr häufig wird hierbei der Umweg über das Inserat gewählt, das nicht nur die Festschrift, das Festprogramm, Den Führer oder sonst irgendein Druckerzeugnis von zweifelhaftem Wert finanzieren, sondern auch noch für den Veranstalter und Herausgeber Verdienst abwerfen soll. Daß das für derartige Inserate abgegebene Geld einfach zum Fenster hinausgeworfen ist, well die Werbewirkung dieser Anzeigen gleich Rull ist, ist zwar mittlerweile fast jedem denkenden Kaufmann klar geworden, aber nur wenige bringen den Mut auf, in all diesen Fällen mit einem kategorischen „Rein" zu antworten, weil sie ge- fchästlichc Schädigungen befürchten, die in manchen Fällen als Druckmittel oft sogar angekündigt werden. Man sagt sich eben, das hier nutzlos ausgegebene Geld bei der regelrechten Insertion wieder einsparen zu wollen, und bedenkt nicht, daß man sein Geschäft dadurch doppelt schädigt. Es ist bei dieser Sachlage erfreulich, daß die Verbände von Industrie und Handel immer energischer gegen öiefen Inseratenfang unberufener Stellen vorgehen, um endlich diesem Unfug ein „Am 15. August. Und nun ist es doch zu einer Aussprache gekommen. ... Seit ich den Sechzehnender zum erstenmal gesehen habe, bin ich Abend für Abend an der Grenze gewesen — auch heute wieder. Am Vormittag hatte es geregnet, und ich wollte erst mal abfährten, ob der Geweihte vielleicht schon ausgewechselt sei. Da hör' ich plötzlich meinen Ramen rufen: „Servus, Gräfin, ja, was tun Sie denn da? Haben Sie 's am Ende gar auf meinen Kapitalen abgesehen?" — „Guten Abend, Herr von Mansar," sag ich, „Ihren Kapitalen?!" „Ja, freilich, der Hirsch steht drüben bei mir, bummelt nur gelegentlich einmal über die Grenze, vor einer Viertelstunde hab' ich mich an ihn herangebirscht, muß doch Wechsel und Einstand genau bestätigen: denn im Oktober will ihn der Erzherzog Franz Ferdinand abschießen. ..." Mir war 's, als hält' mir einer einen Schlag ins Gesicht verseht: „Den ... den Sechzehnender?!" „Freilich, hab' schon Order von Wien, ehe nicht der Kapitale auf der Decke liegt, darf kein anderer Schuh im Reviere fallen!“ — „So! Und ... wenn ich Ihnen nun zuvorkomme?!" „Wenn!" Der Oberförster von Mansar lächelt ein ganz klein wenig: „Morgen soll die ganze Grenze verlappt werden, sechs Waldhüter, die alle acht Stunden abgelöst werden, müssen Wache halten. ..." „Unsinn! Sie wollen mich bloß necken!" „Aber — bitt' schön, Gräfin, hier!" Damit zieht er einen Umschlag aus der Tasche, reicht ihn mir herüber: „K.K. Hofjagdamt ..." es stimmt, stimmt wirklich! — „Danke," sag' ich und gebe das Schreiben zurück, „ich habe noch gar nicht gewußt, daß Sie so ... ehrgeizig sind, Herr Forstmeister „in spe", und ein buntes Ordensbandei wird wohl auch noch abfallen!“ Blutrot ist er geworden: „Gräfin!" Ich aber nickte ihm nur flüchtig zu: „Guten Abend, Herr von Mansar!" Einen Tag später. Hab mir 's doch fast gedacht! Gleich nach der Jause rollt ein leichtes Korbwägelchen auf den Hof, der Onkel tritt ans Fenster: „Iessas, der Herr von Mansar! — Schon wieder!“ Und dabei schaut er mich so von der Srit'n an: „Ra, So- Pherl, läufst heut' nimmer fort?" Da bin ich g rab mit Fleiß geblieben . . . Der Herr Oberförster hat auch gar nix weiter gewollt als Nachfragen, ob der Onkel vielleicht Saatgut zu verkaufen hält' für die Wildäcker. — Ist freilich noch ein bisseri früh, aber — man muß sich halt rechtzellig eindecken. Die Herren rauchen ihre Papyros, trinken ein Glas Wein, dann greift der Herr von Mansar wie beiläufig in die Tasche: „Hab auch noch etwas für Sie, Gräfin . . . und hä! mir ein Lichtbild hin . . . eine Photograph: deS Kapitalen: „Der holl sich mal in Dudapc' den ersten Schlld!“ So war 's also gemeint! Am Abend bin ich richtig wieder draußen gewesen bei Schlag 16 .. Rber da hingen an der ganzen Grenze entlang vier Reihen weiße, rote, gelbe und blaue Lappen übereinander, patrouillierte ein Waldhüter, schnarrt mit einer Ratsch'n — zum Lachen war 's, wenn mir das Weinen nicht näher aetoefen wäre .. (Fortsetzung folgt.) . Ende zu bereiten. So beschloß auch der Verband Deutscher Ä:föfa'r"fcn en (Ccl e.-Vcröar.d) e. V. aus seiner kürzlich in Nürnberg abgehaltenen Hauptversammlung, geme'msam mit anderen 3n- dustrieverbänden diele 2ln orlerungen Unberufener an die Industrie energisch abzulehnen. Ein Molkere Projekt im Vogelsberg. ♦ Grebenhain, 6. März. Hier fand unter dem Vorsitz unseres Bürgermeisters Lind eine sehr gut besucht: Versammlung von Landwirten von hier und ou5 den benachbarten Orten deS Vogelsbergs statt, die sich mit dem.Yrojekt einer Sammelmollerei für den südöstlichen Vogelsberg beschästigte. Di: Versammlung gab einhellig der Meinung Ausdruck, daß die Schaffung einer solchen Molkerei bringend notwendig sei. Vci der Besprechung der Frage deS OrteS der Molkerei, d. h. ob Grebenhain oder Hartmannshain, ergab sich, daß sehr wichtige wirtscha t'iche Gründe dafür s:r:ch:n, die Molkerei in Grebenhain zu errichten^ da die Milch- onliefcruna nach Grebenhain für die weitaus große Mehrzahl aller interessierten Orte günstiger und wirtschaftlicher ist. als die Anfuhr nach Hartmanrshain. Schließ ich wurde eine Ent^chl'.e- ßung angenommen, in der zum AuS.ruck gebracht wird, das) die zah'.r.ich versammelte Ladwirte aus Grebenhain und Umg'g^nd die Gründung einer Gencss:nschast)molk r i für dm südöstlichen Vogelsberg zur besseren Verwertung der Milch als dringende Notwendigkeit ansehen, das) sie mangels eigener Kapitalstärke zu dieser Gründung die Unt'r'ü rnz d s Hess schcn (s t:cteZ erbitten, und diese Hilse bald kommen müsse. 2m Hinblick darauf, daß die Hess. Negierung die landwirtscha t'iche Umstellung in Vogelsb.rg mit den Gemeinden Greüenhain-Lrain'ech. Vaitshain und Niedcr-Moos beginnen will, in deren Gemarkungen g genw'rtig daZ Feldbe einigungs- verfahren im Gange ist, wird die Regierung gebeten, zu gleicher Zeit auch die Gründung der projektierten Sammelmo'kerci mit Ve chlrunigung in die Wege zu leiten. Die Wünsche der beteiligten Gemeinden sollen durch den Landtags- abgeerdneten Jost (IermutSha.n) der Regierung umgehend übermittelt werden. Preußen. Zur Neubesetzung des Wetzlarer Landratspostens. Wie der ..Wetzlarer Anzeiger" von amtlicher Stelle härt, tnfft es zu, daß — w e der „Gießener Anzeiger" schon am Dienstag berichtete — der Bezirks- sekretär Mies aus Köln als Landrat für den Kreis Wetzlar In Aussicht genommen ist. Mies sicht im 48 Lebensjahre, ift M.tglied der Sozial- demokratischen Partei und Abgeordneter des Rheinischen Provinziallandtags. Er wird fein Amt am 1. April antreten. Wirtschaft. Oie Gasversoroung Hessen-Nassaus. Wie WTB.-Handelcdienst erfährt, hat sich der BezirksverbandWiesbaden an derSud - w e st d e u t s ch e n G a s - A. - G., Frankfurt am Main (der Gemeinschaftegründung der Frankfurter Gasgesellschaft und der Stadt Mannheim) mit bis zu 10 v. S), des Aktienkapitals, das nunmehr von 500 000 Mark auf eine Million Mark erhöht wo den ist, beteiligt, um gemeinsam mit der Südwestdeutschen Gas - A G. die Gasversorgung Hessen-Nassaus durchzuführen. Wie bereits gestern gemeldet, hat sich der Bezirksoerband Wiesbaden aber auch an der der Thüringer Gasgefell- fchaft nahestehenden Hessen-Nassauischen Eas-A.-G., Frankfurt a. M.-Höchst mit 256 000 ,Mark beteiligt, um den Einfluß der öffentlichen Hand in diesem rein privaten Unternehmen etwas zu stärken. Wie wir weiter erfahren, ist in nächster Zeit auch mit dem Beitritt der Stadt W i e s b a d e n zu der Südwestdeutschen Gas-A.-G- zu rechnen. Der SeMst- absch uß der Neu scheu Sank. Die Deutsche Bank konnte im Geschäftsjahre 1928 ihren Gesamtumsatz um 8,3 v.H. auf 225,1 Milliarden Mark (im Vorjahre 207,8 Milliarden) erhöhen. Der Geschäftsabschluß weist eine Jahres- ei nn ahme von 128 09 (129,12) Mill. Mark aus, und zwar erbrachten Zinsen und Wechsel 50 (47,94) Mill., was bei der wesentlichen Vergrößerung des Geschäfts eine relativ sehr geringe Zunahme bedeutet und sich aus dem erheblichen Rückgang der Zins- fpanns erklärt: Gebühren 72 06 (68,88) Mill., Sorten- und Ztnsfcheine 0,75 (0,82) Milliarden Mark. Einnahmen aus Wertpapieren werden mit 1,50 (3,51) Mill., aus Gemeinschaftsgeschäften gleichfalls mit 1,50 (5,95) Mill, ausgewiesen, und zwar nach erheblichen Rückstellungen für stille Reserven In den dauernden Beteiligungen mit 2,28 (2,01) Mill, sind erst die Dividenden für 1927 enthalten. Die Handlungsunkosten gingen auf 82,14 (83,47) leicht zurück: für Steuern und Abgaben wurden 13,74 (13.23) Mill., für Wohlfahrtseinrichtungen. Pensionen usw. 8,02 (7,67) Mill, verausgabt. Nach Ab« setzung der Abschreibungen auf Bankgebäude usw. von 0,32 (1,17) Mill, ergibt sich somit ein Rein, gewinn von 23,88 (23,58) Mill, und unter Einrechnung des Vortrages von 25,79 (25,52) Mill. Mk. Der Aufsichtsrat beantragt, hieraus wieder 10 v. H. Dividende zu verteilen: 5,00 (2,50) Mill, der Reserve, 1 58 (0,72) dem Siemcns-Wohlfahrts-Fonds zuzuweisen, 1,50 (1,50) Mill, auf den Grundbesitz abzuschreiben und 2,03 (1,91) Mill, auf neue Rechnung vorzutraqen. Ferner sollen 7,50 Mill. Mark von den 13 Mill. Mark in Amerika sreigegebenen Geldern der Bank der Reserve zugesührt werden, die nach Annahme dieser Anträge mit 90 Mill. Mk. 60 v. H. des Aktienkapitals betragen wird. Die Zahl der Kunden stieg auf 422 694 (375 889). Der Personalbestand wurde auf 13 341 (13 856) vermindert. Uebcr die Aussichten des laufenden Geschäftsjahres kann bei der ungeklärten politischen und wirtschaftlichen Lag« nichts gesagt werden. * Frankfurter Bank. Di: gestrige G.-V. genehmigt: den bekannten Abschluß mit 7 Proz. Dividende und beschloß Erhöhung drs Aktienkapitals um 2 auf 6 Mill. Mark. Die Durchführung der Kapitalerhihung, die bis spätestens 30. Juni 1931 erfolgt fein muß. wurde dem Aufsicht^rat überlassen. Das gesetzliche Bezugsrecht wird ausgeschlossen: die Ausgabe der neuen Aktien kann zum Nennwert oder darüber erfolgen. Ein evtl. Nutzen wir) dem Reservefonds zugeführt. Ferner wurde eine Statutenänderung beschlossen, wonach in Zukunft, wenn gesetzlich zu'äfsig, Bcschlü se mit einfacher, statt wie seither mit Dreiviertel-Mehrheit ge aßt werden können. • Schramm Lack- und Farbenfabriken A.-G, Offenbach a.M. Der Aufsichtsrat schlägt der auf den 5, April einzuberusenden Generalversammlung vor, aus dem nach 82 989 (69 000) Mk. Abschreibungen verbleibenden Reingewinn von 217 452 (159 003) Mk. wieder 10 '• ro'ent Dividende zu verteilen. (1,6 Millionen Mark Ak ienkapital.) ’* Zusammenschluß führender Tex- tilcinkaufsverbände. Zur Wehrnchmung gemeinsamer Interessen gegenüber Konventionsbestrebungen, sowie einseitigen Bestimmungen der Lieferer haben sich sechs führende Textileinkaufsverbände unter dem Namen „Bereinigte Textilei:. kaufZverbände E. T. Berlin' zusammengeschlof- sen. Dem neuen Verein gehören an: Handelszentrale deutscher Kaufhüuser-Derlin-Ehemnitz, Deutsche EinkaufsgenosseNlchaft für Textilwaren- Erfurt, Einkaufsrcrband Norden-Hamburg, Tex- lil-Großhandels A.-G. Texag (Einkaufsverband Mitteldeutscher Manufakturisten)-Teelin. Einkaufsverein Merkur A.-G.-Dvrtmund. A.-G. Westdeutscher Einkaufs erbän^e-Düsseldoef. Dem neuen Unternehmen gehören insgesamt über 19)0 Textileinzelhandelsfirmen mit einem Jahresumsatz von 408 Mill. Mk. an. Eine Zusammenfassung des Einkaufs ist nicht beabsichtigt. Der neue Verband will vielmehr entsprechend der Konsumkraft und Zahlungsfähigkeit der hinter ihm stehenden Cinzelhandelssirmen erreichen, daß diesen keine ungünstigeren Lieferungsbedingungen eingeräumt werden, als anderen Großabnehmern. * Norddeutscher Lloyd, Bremen. Nachdem die Abschlußzisfern bereits mitgeteilt worden sind, legt die Gesellschaft nunmehr den Geschäftsbericht vor, in dem u. a. ausgeführt wird, daß die Detriebsergeünisse durch die allgemein beklagte Entwickelungstendenz der durch Steuerbedarf, Sondcr'vclaftung für Aeparatlons- zwecke und Sozialpolitik beeinflußten Unkosten- fafiorcn in einem Ausmaß beeinträchtigt worden seien, welches zu warnenden Feststellungen zwinge. Gleichwohl könne infolge der vorsichtigen Dewertungsmethoden angefi;t3 eines wenigstens mcngenmt.ßig befriedigenden Geschäftsganges an der Dividendenhöhe des Vorjahres sestgehalten werden. Die Gesellschaft ft hte sich dazu im Interesse ihrer Aktionäre um so mehr berechtigt und verpflichtet, als auch in der vorliegenden Bilanz davon abgesehen worden ist. irgendwelche Eingänge aus der Freigabe der Vermögenswerte in Amerika in Rücksicht zu ziehen, als weiter von einer Belastung der Anlagekonten mit einem Bauzinscnausgleich trotz der Höhe der Anzahlungen aus noch nicht werbende Neubauten auch für 1928 abgesehen werden könnte und als endlich davon ausgegangen werden dürfte, daß die nunmehr für den Sommer d, 3. in Aussicht genommene Indienststellung der Großbauten das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben wesentlich verbessern werde, • Ford in Belgien. Die neue Fordgesell- schaft in Belgien wurle mit einem Kapital von 100 Mill. Fr. in Brüssel errichtet. 199803 S.ück Aktien zu je 500 Fr. werden am 18. und 19. März zur Zeichnung an der Brüsseler Börse aufgelegt. Den Derwa.tungsrat der Fvrd Motor Companie (Belgien) firmierenden Gefellscha t bilden P. L. Verdurst, Präsident der Fprd Motor Co. Ltd. (älSA.). Baron Moncheur (Belgien). Comte Adrien van der Durch- (Belgien), I. T. Davies von der 6; ^--Kanal-Gesellschaft. M. S. C. Griswold (Belgien). Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 7. März. Tendenz: erholt. Die etwas freundlichere Stimmung an der gestrigen Abendbörse, die in der Hauptsache durch Interventionen einzelner Banken hervorgerufen wurde, konnte sich zu Beginn des heutigen Marktes weiter fortsetzen. Eino starke Anregung bot vor allem die Vermutung, daß doch mit einem günstigen Endergebnis der Reparation^ Verhandlungen gerechnet werden könne. Von dieser Tatsache ausgehend zeigte die Spekulation verschiedentlich U n t e r n e h - mungslust, zumal noch gleich nach Beginn der Börse Orders von Publikumsseite und auch vom Auslande in größerem Umfange eintrafen. Die Tendenz erfuhr eine allgemeine Befesti- gung, und das Geschäft nahm in versch «denen Aktien recht lebhafte Formen an. Der schwache Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse begründete den stark gesteigerten Grldsatz am dortigen Platze. Bei den meisten Werten gingen die Gewinne gegenüber der gestrigen Abendbörse bis zu 35 v.H., verein- zelte Papiere überschritten auch noch diese Grenze. So waren vor allem Karstadt mit plus 10v.H. stark gefragt, der Grund hierfür war nicht zu erfahren. Auch für Kaliaktien bestand größeres Interesse. Hier wurden Ri ckkäufe vorgenommen, upd die gestrige Meldung, wonach der Kaliabsatz im Februar stark zurückgegangen fei, trat ganz in den Hintergrund. Aschersleben konnten 55 p. H. und Westeregeln 5v.H. gewinnen. Von Elektrowerten waren Siemens mit 3,5 o. H., Schlickert mit plus 2,25 v. H., Licht8- Kraft mit plus 2,60 v.H., Bergmann plus 25v.H. gefragt, A.E. G. und Gesfürek, die geringfügig gebessert waren, fanden nur wenig Beachtung. Der Chemiemarkt konnte sich der allgemeinen Aufwärtsbewegung anschließen, Farben eröffneten bei geringem Geschäft 1,75 v. H. und Scheideanstalt Id.f). höher. Auch Montanaktien bei minimalem Geschäft konnten sich der Bewegung anschließen. Besonders Rheinische Braunkohlen standen im Vordergründe und profitierten 3 o. H. Hier regten in erster Linie die gesteigerten Braun- kohlenpreise an. Kupsexwerte fanden heute weniger Beachtung. Von Bankaktien waren Reichsbank mit plus 2,5 v. H. und Deutsche Bank plus 1 o. H. reger gefragt. Renten still. Im Versaufe blieb die Hal, turg freundlich, das Geschäft schränkte sich jedoch er- beblich ein. D.e Kurse blieben gut behauptet. Am Geldmarkt erfuhr Tagecgeld mit 6,5 v. H. eine Entspannung. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4 2163, gegen Pfund 20 456, London geeen Kabel 4 8518, gegen Paris 124 25, gegen Mailand 92 68, gegen Madrid 32,85, schwach, gegen Holland 12,1125. Berliner Börse. Berlin. 7. März. Trotz der schwachen Neu- Yorker Börse und der ungünstigen Geldmarkt- verhältnisfe drüben eröffnet: der heutige Verkehr in ziemlich freundlicher Verfassung. 2lls auch einig: Auälandkaufauft.kg: b-rkgen, schritt die Spekulation fast a.r al en Märten zu Deckungskäufen. Die gestrige Rede Strcfe- manns trat hinter den Meldungen aus Paris etwas zurück, auch die neuen Besprechungen mit dem Zentrum wurden kaum beachtet. Die in den letzten Tagen gehegten Ge'dbefürchtungen sind verschwunden, man g a .bt nicht mehr, dah Qon* don noch eine Diskonterh hung vornehmen könnte. Bon wenigen Pa'neren abgesehen (Deutsche Kabel und Schlesische Textil) brachten die m e i st e n Papiere Kursgewinne, Die bei Werten wie Kunstseide. S ritatt en, Hamburger Elektrizität, Siemens und I.-G,-Farben bis zu 3.5 Proz. betrugen. Bei letzteren soll eine amerikanische Kau'ordep Vorgelegen haben. Die Steigerung soll bei einer Nachfrage von 30 033 Mk. etr.g?tr;t?n sein. Deut ch: Anl.ihen vuh'g. Ausländer uneinheitlich. Mexikaner b.s 0,5 Proz. niedriger. Bosnier 0,5 Prpz. fester. Pfandbrief- markt g--halten. Rcntrnpsandbriefe gesucht. Der Geldmarkt war wenig v'rändert. Tagesgel) 7 bis 9 Proz.. Monatsgeld 7 bis 8 Proz., Waren- wechsel etwa 6.5 Proz. Auch im Verlaufe blieb der Grundton freundlich, dis Kurie waren leich^ tcn Schwankungen unterworsen und bewegten sich bis zu 1 Proz. um Anfangsniveau, Das Geschäft ließ, da neue Orders fehlten, später wieher nach. Svenska verloren 2,50 Mk„ Karstadt gingen 1,5 Proz. zurück. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. März. (Drahtbericht des ..Gieß. Anz.") Am Produktenmarkt war hie Geschäftstätigkeit minimal. Es herrschte ein: gewisse Lustlosigkeit und Zurückhaltung. Dio. Preise konnten sich behaupten. Eine Abschwächung trat für südd. Weizenmehl ein. das 0,25 Mk. nachgab. Im übrigen ergaben sich feine Veränderungen. Es wurden notiert: Weizen 2103. Roggen 23.75, Sommergerste 24/5—24.50, Ha'er (int) 21.53 bis 24.75, Mais 2150, Weizenmehl (südd. Spezial 0) 33.75—31/0, Roggenmehl 33.75—31.75, Weizen- klcie 14.25—14.75, Roggenkleie 13.25, — Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtvie^markt. Frankfurt a.M., 7.März. Austrieb. 93 Rinder, 1375 Kälber. 233 Schafe. 773 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälter 70 bis 74 W'.; mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69: geringe Kälber 57 his 63. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Weide , ast) 56 bis 60: mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmek und gut genährte Schafe 50 bis 55: fleischiges Schafvieh 42 his 49. —- Schweine: pollfleisch ge Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 77 bis 79: von etwa 160 bis 210 Pfund 73 bis 80: fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 76 bis 78 Mk. — Marktverlauf: Schweine rege, Kä'ber ruh'g, Schafe lebhaft: alle Diehgattungen ausverkauft. Nundfunkprogramm. Freitag, 8. März, 6.30: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: Neuestes. 15.05 his 15.35: Stunde der Iugcnd. J5.55 bis 13 03: Hausfrauendlcnst. 16.35 bis 17.15: Hausfrauen-Nachmittag. veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. 17.15 bis 17.45: Von Kassel: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Nassau: .Zehn It/re Politisch« Gleichoereckttigung der Frauen", Vprtrag von Johanna Waescher, Kassel, 17.45 bis 18 05: Q3pn Stuttga t: Ko: z rt des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lefestunde. 18.30 bis 18.45: .Das Rundfur.kgymnastikbuch", Vor'esungen und Pkau- öereicn von Dr. Paul Laven. 18.45 his 19.15: Stenographischer Fortbildungskurfus für Anfänger und Fortgeschrittene (Distat von 63 Silben aufwärts). 19.15 bis 19.35: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.35 bis 19.45: Film-Wochenschau. 19.45 hiS 21.30: Von Stuttgart: „Indien", ein Hörsism nach Werken von Waldemar Dönsels. Hans Heinz Ewers, Dhan Gopal Mukerdschi, Rudyard Kipling, Rabindranath Tagore u. a. Als Intermezzo: „Halsentzündung", Grvtske von Mark Twain. 21.30: Nach Köln und Stuttgart: Zweit« Rundfunk-Singstunde von Professor Fritz Jod«. Anschließend: Schallplattenkonzert: Fortsetzung des Wunschkonzertes, „Wünschen Sie, wir wünschen auch" Samstag, 9. IHäq. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13.15: Schulfunk: Musik, vorgetragen von Studienrätin Eilig Geis: „Die Suite". 13,15: Schallplattenkonzert: Duntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Liederkranze, Liedervorträge Frankfurter Schulen: Fxöbelschule. Chorleiter: Lehrer Müller. 15.55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rundfunkorchesters: Neue Tanzmusik. 18,33 bis 18,45: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund: „Lieber fri hölührnde Stauden und Sträucher", Vortrag von Gartenbau- dircklor Karl Hinze. 18,45 bis 19: Der Briefkasten. 19 bis 19,15: Esperanto-Unterricht. 19,15 bis 19,45: Stunde des Frankfurter Bundes sü? Volksbildung: , Ziele und Methoden der Volksbildung". Vortrag von Studienrat Dr. Majer- Leonhard. 19.45 bis 20,15: Unterhaltungsmusik des Rundfunkorchesters. 20.15: Von Stuttgart: Ol-Ol, Szenen aus dem Studentenleben nach einem Drama von L. Andrejew (Deutsch von R. St. Hoffmann), Musik von Alexander Tscherepnm. Anschließend: Bunter Abend. Daraus bi» 0,30: Von Berlin: Tanzmusik. Kirchliche Nachrichten. Israelitische «eligionsgesellfchafl. Sabbatfeier den 9. März. Freitag abend 5.50 Uhr: Samstag vormlt» tag 8.30: Predigt: nachmittags 3.30; Sabbatauß» gang 7.05. Wochengottesdienst morgen« 7; abend« 5.30 Uhr. Israelitische Religionsgemeinbe, Gottesdienst in der Synagoge (Hüdanlage). Samstag, den 9. März, Vorabend 6 Uhr; morgens 9; Predigt: abend« 6 25 und 7.05 Uhr. Geld Berlin. 6- Marz Banknoten Devisenmarkt Derlin^ Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. faanffuri a M. I Berlin Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angesührien Ziffern neben die Höhe der zuletzt beldiloHenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 Prozent, Lombardzinsfuß 7,5 Prozent. H.tUNöiisHe Wotcn . . . . «oUanötf®c Noten...... ,.t lieniskbe Nasen ...... 'Norwegische Noten...... T.-u, sch Ocsterr, ä 100 Kronen Nnmgnische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Ttch.choilomakische Noten . . Ungarisch« Noten . . . . Frankfurt a. | Berlin Slkilub» Kurs i-Unr. Sure Lchlub- Llirs Anfang Surr Datum 'uyi-ipj •vu.jutann ..••••' Heioclbeiger Zement.... V Gement Kallstadt......f Liaqß & .Zreilag......10 LchultheiS Patzenhosxr ... !■' Oftroerle.........1- Ber. Glanrstoff......U Aemberg.........X* 3dlftoff Waldhot.....Vc AellNoss Asckassenburg ... 12 Chorlolienburger fallet . . . ' Icliauer Gas...... . k Daimler Motoren ...... 0 Demag ..........O Adlerwerke Kleve«......6 Lubw,Loew« • ...... 1° tiiat. Aulomohll.......0 Crrnttein & Koppel Leonhard Iley.......6 .Vranls. Maichinev......f Griyncr...... 1’ HegligenNaedt .....< sfunghanS. Älaintrastwecke.......f Miag...........V Welariulmer........»• Beters Union........k Gebr. Roeder ....... F1 tllolQt 4 Saeffitc« ...... f Lüdd. Zucker........k 6.3. “T2T $ 129,5 256,75 186 57,25 56 l 100 15 72 113 119.25 142,5 26,25 103,5 127-5 212 144 * 53 S - Z Illi a 1 1 I 1 1 1 S I 4 4 ■! 1 Zn 1 8 1 1 1 3 1 1 1 1 « i S I ’ 63; 12).5 128,5 282 236,5 427 369 259,6 184,9 120 214.5 57,5 51,75 55,75 210.5 33.5 87 265.5 60,5 100,25 73 143 26 103,5 213 144 1 3- 124,25 285 240 431 372 262 121 215 57.75 51.75 57.75 212.5 35 A 142,5 ."vranfiuri a M. Berlin SdiluK- 1 U^ SchlublAnsang »ure Sure Siu re Kurs Datum 6.3. 7.3. 6.3. 73. 167 1679 •67,2b 167, ff Bergmann . ....... l 205 207,5 205 206 tilehr, vklftungen..... V1 — VT 162.5 163 Licht und Krall......IO 207.4 210 208 209,5 falten 4 Guilleaume.....6 137,5 IT 137.25 V-T Qe|. f. ttleUr. Untern.. ... IO 228.5 229 228 228.6 Hgmv. ßleltr. Werke .... W •T* — — 149,25 Rhein. 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Jahr 127 • 27 126 127 Riebeck Montan......7, — — — Bereinigte Stahiw......1 93.75 nr 94 94 CtoDi yiinen .....9 s -V 69 69,4 ft all Aicheröleben.....1 204,5 210 205 211 Kali Westeregeln......> dO 214 210,5 215 naliwerk Salzdetinrth ... t.' 304 305,5 311 I. K. fzarven-Jnbustrl« . . . 1 248 249,75 247,25 .49,5 VT — —y — 70,5 171.5 -V Golülchmiot ........k £9 -T 38,25 89 RlllgerSwerke ....... f 93 w 92,13 93 ........................ 190 i6.4> ' ”T675r 168.33 168,01 22.11 22,19 111,98 12.42 59.07 59.21 2,48 2.50 >12.18 112.62 80,97 81.29 64,26 64,54 1244 12,5. 73,43 73,19 Schluß- Kurs • um ft ii re Schluß An sang Sure ft •• re Da. um 6.3. 73. 6 3. 7.3. -96 DI. Steichsaiileihe ). «Oy. D>. Anl.-Ablol.-Lchulo mit Aus 87.3 er 87,5 .Df..öied)ien 53,75 w 53,75 53,8 13,1 S«vol. ohne Auvloi.-Rechte 7% faanlf. Hyp. Li. ÜJolbpf. un 13 ** 13 kündbar bis 1032 *V'% Rheiniidie Hyp.-Bank Clou 90 — Ä-Ivvl. Sl.E.G. aba. BorkriegS-Obligation 81,6 —- — rüdzahlöar IU93 66 W- • — 4% Schweiz. Bunbesv -Ani.. — — d T* 4% Cefteneldilldie Goione.. . 31 — 31,13 er 4,20% £ eilen. Silberne. 2,ff 3 -w 4"., Gerterrcid). einljeirl. Rte —T V 4% Ungarische fflolbrte. 25.1 — 25,1 25,25 4% Ungarhdw Staatsr. v- 1910 4'/s% beegl. von 1913 21,6 —V 21.6 vr 22.75 22,6 irr 4% llnflanidic ftronenrtr.. ■ 2.15 •V 2,13 2,2 4% Türk. Zollanleihe v. 1011 4% rurkiicve^ Bagbadbahn-Anl. 11.25 10,7 11.5 Serie 1 10.5 er» 10,9 ww 4% bcogl. Serie N 10.7 vrr 10,7 wr d,-o Rumänen cvnvcn. Nie. 8,8 — — ee- 4 Rumänen Äoldanl. von 1913 19.15 19,3 klllg. Deuftche Eilenbahn . . 4h • — Hamburg-Ämerila Paket . . . b Homd.-SOdam. Tampllch. . . 8 Hansa Damp||chisj . . 10 128,75 129 128,25 129 •W — 191,75 168,5 —1- v- W» w Korddeutsdier Lloyd .... 8 127,5 V* ■27,25 127,4 vlltg. Deutsche Eredlianst. . . LO .39,75 140 • 4u Barmer Bankverein ■ • • 1° 141 '41,5 141,5 Berliner Handelegelellsch. 12 <29,5 w 239 231,5 Eommerz- und Privot-Bonk >> 96,5 197.25 • 96,5 197,25 Darmrt. u. 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