Uber benVertieiL ^nmarVS? ®or«i ^heren !B0‘®aten Alu ; ^öä(f)er ftiÄ; * «> n>inus u*" h’4!*’!, iQ"i tef L Hiebriaer r.s unb ummi mitm nt er "Her nus 3 n ?'nus < o.h °h 4taÄ”i *«n\isV"r* estandtoeiterfr/A Qb8i' Befierung WK n nilr m . ^ursniveau KrLL MSS ; n « ’ t8en Paris M ”* «* Börse. uen Kurseinbutzen gestern ^ruch der IHtijbanf in ierte JRudgang der Aku- Droermangel ließen di« igen nach einer noch un. er werben. Las Angebot i.roo- genügte aber, um bei 3 ke bis zu 6 v.§. zirka 'ar über die Festigkeit bog - war sich aber klar bar. t bauern müsse, bis sich auswirken tonne. Sonst i Anregungen. Ts lag ein rtiwr Handelsgesellichast Ufrlmartt her ein junlturrüdgangs :n nicht unireunblid) ge. 'ch Minus-Minuszeichen chsalls mit Minus-Minus, ab Schlesische tertil. MH. issener Steinkohse, hohen- i-Attien, Farben, Deutsche iettromerte, Bemberg, Ost. i zu den Papieren gehörten, n, lagen Siemens (minus is 8 o. H.), Thabe (minus ch 20,75, Schlesische lerlil 55 nad) 163,25 besonders egtlufive Qioibenbe (10,8 Anleihen glatt behauptet. x und Mazebamer etwas r meist behauptet zu sein, -ränbert. Tagesgelb 8 bis (,75 bis 10 o.j).; Waren, lach den ersten Kursen gab z geringen Umsätzen meist eniberg verloren erneut |e jj. Angeblich hat London gemeldet. n in Mm. ;nligCnHWt6m«»k- , und Jungvieh UN- M > Milchkühe und MJ» t waren, war Ser Mdel schleppenö, Ce«Mf sS sitbet i- M e6t ,p-t bwnbtl lnoten. iing lin^L *19 12-13 |2,16 2,32 ),5Ü 21.92 ,480 ,185 16,49 1,125 59.43 2,024 >15 58,86 12,93 1AM 73,15 3.030 ”'S 8'Z 1,98» 5.425 4,12? 4.161 58.28 111.65 20,342 18," 158-9 21,8» 111-73 58,55 2,472 HL?? 80,74 59.25 12,32 72,83 iM 1,0 58,52 112-1 112.0 122.33 10.51 21,905 0.404, 4.1825, 18.475 81.0? 58,51 2,012- 0,489 58.83 l”38? 7,40 73-14 3.02» 18> Sb" 1,984 5,40? 4,11 4,0*4 20:933 168.43 1,733 58,40 111.«? 111,8? 112- 10.4? 21,865 20.364 4.1745 16.45 80.93 58,39 ,008 0.487 58.7' 12,3g 1X 73.00 3,017 iS-?? «1,4» !.Ä 5.399 4,05 20,893 58,52 112.« 20,422 16,50 169,01 21.9 112-17 58,79 2.492 112,34 81.06 59.4? 12.38 73.13 UtKjJE— 5 Novcmder^ 0eio Rr. 26' Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 6. November 1929 Eriche inl läglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giestener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugsprelr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig |ür Tröger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. §ernfvrechanschlüsse anterSümmeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten i Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: firantfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrLhl'sche UniversilSls-vuch- und Zleindruckerel U. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Thefredakleur: Dr. Friede Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Ma? Filter, sämtlich in Diesten. prinzMaxvonBadenI*. o n ft a n 3, 6. Roo. (1VTB. Funkspruch.) Prinz 2Nax von Baden, der letzte kaiserliche Reichskanzler, ist heute früh um 5.45 Uhr gestorben. lieber das letzte Krankheitsstadium hatten die behandelnden Aerzte am Dienstag folgenden Bericht ausgegeben: „Aus einem vor 3% Jahren erlittenen Schlaganfall entwickelte sich bei dem Prinzen ein klinisches inneres Leiden, und feit dem 1. November bildete sich bei dem Prinzen, der aus einem anderen Grunde das Krankenhaus aufsuchen mutzte, ein uretischer Zustand (Harnleiden) infolge völligen versagens der Nieren heraus. 3n diesem Zustand zunächst völliger, später halber Bewußt- l o s i g k e i t traten Schwankungen ein, da die Herztätigkeit sich im ganzen gut hielt. 3m Lause der Tage ist aber eine zunehmende Abnahme der Kräste eingetreten." • Prinz May von Baden, der achte und zugleich der letzte Kanzler des kaiserlichen Deutschland, ist eine tragische Figur gewesen. Ein Mann reinsten Charakters und ehrlichsten Wollens, der aber an den Verhältnissen und an seinen Energien scheiterte. Das Hamlet-Problem, das Goethe einmal in die Formel gotz, „eine Last auf Schultern gelegt, die für diese Last zu schwach waren". Hat sich auch an ihm erfüllt. Dabei ist er sich der eigenen äl nzulänglich kett sicherlich bewutzt gewesen. Er hat sich gesträubt, das undankbare Amt zu übernehmen, und ist schließlich in die Bresche gesprungen in der Hoffnung, wenigstens noch Einiges retten zu können, um dann am Schlutz die traurige Bilanz ziehen zu müssen, daß er alles verloren hat. Dabei ist zuzugeben, daß er eine unheilvolle Erbschaft übernahm. 3m Sommer 1918 zeigte sich immer mehr, daß Deutschland die innere Widerstandskraft gegen den feindlichen Ansturm verlor. Graf Hertling mußte gehen. Schon bei der Auswahl von Michaelis hatte sich die ganze Schwäche der kaiserlichen Menschenkenntnis bewiesen. Bun sollten die Bersäumnisse vieler 3ahre innenpolitisch nachgeholt werden in einem Augenblick, wo der Zusammenbruch an der Front unmittelbar bevorzustehen schien. Merkwürdig genug, daß man ausgerechnet auf den Prinzen Mar von Baden verfiel. Deutschland sollte die ersten Gehversuche nach dem parlamentarischem System machen, und zum Kanzler wurde ein deutscher Prinz geholt, der gleichzeitig der Erbe der badischen Krone war. Die Sozialdemokraten akzeptierten ihn, obwohl sie von ihm nicht viel mehr wußten, als daß er einige Reden gehalten hatte, die allerdings deutlich bewiesen, daß er sich von dem alten System sehr weit entfernt hatte. Er war dem überschwenglichen Kreise des Geistesreformers und Weltverbesserers Johannes Müller nahe gekommen, der auf ihn und seine Denkweise einen nachhaltigen Eindruck machte und ihn vielleicht zum Monarchen eines neuen Kurses, vielleicht auch zu einem guten Kanzler in friedlichen Zeitläuften befähigt hätte. Aber seine Kraft reichte nicht annähernd aus, dem Rad in die Speichen zu fallen und den rollenden Wagen aufzuhalten. So mutzte er am Tage seines Amtsantrittes das Waffenstill st sndsgesuch hinaus» gehen lassen, über dessen unheilvolle auhenpoli- tische und militärische Folgen er sich klar war, er mutzte im Innern durch überstürzte Reformen die Sozialdemokraten bei der Stange zu halten suchen. Daran zerrieb er sich 3n den kurzen Wochen vom 3. Oktober bis zum 9. Rovember, wo er die Geschäfte führte, drängten sich Ereignisse von weltumstürzender Bedeutung zusammen, Die ihn einfach zu Boden warfen, so daß er gerade in den kritischen Tagen auch körperlich behindert war. Er wollte die Monarchie schützen, aber er lieferte sie tatsächlich der Revolution aus. Er wollte den Zusammenbruch vermeiden und führte Deutschland auf den Weg nach Versailles. Daß er zuletzt die Abdankung des deutschen Kaisers bekannt gab, bevor sie feststand, war die letzte Hemmung, die der Revolution noch im Wege stand. In seinen 1927 erschienenen „Erinnerungen und Dokumenten" hat er manches Unbegreifliche zu erklären versucht und wenigstens einiges menschlich verständlich gemacht. Aber das geschichtliche Urteil konnte er nicht mehr beeinflussen. Lebensdaien. Prinz Max von Baden wurde 1876 als Sohn des Prinzen Wilhelm, eines Bruders des Groß- Herzogs Friedinch I., in Baden-Baden geboren. Seine Mutter war die Prinzessin Marie, geb. Romanowsky, Herzogin von Leuchtenberg. Prinz Max studierte in Heidelberg und Freiburg Rechtswissenschaften und promovierte zum Dr. jur. Er tat dann Militärdienst beim Garde- Kürafiierregiment in Berlin, war später auch Kommandeur des badischen Leib-Dragonerregi- ments, nahm dann aber seit 1908 kein Kommando mehr an. Um so regeren Anteil nahm er dafür an dem politischen Leben in Baden als Präsident der badischen Ersten Kammer. Am 3. Oktober 1918 wurde er als Rachfolger des Grafen Hertling der achte Kanzler des Deutschen Reiches und gleichzeitig Ministerpräsident in Preußen. Jedoch schon bald schlug ihm die Revolution vom 9. Rovember 1918 das Heft aus der Hand. Prinz Max führte noch die Koalitionskrisis um die Ehescheidungsresorm. Oie Zentrumsabgeordneten verlassen den Rechtsausschuß. — Ein Warnungssignal der katholischen Parteien. Wir sind ja in den letzten Jahren an schwierige parlamentarische Lagen nachgerade gewöhnt, aber o verworren wie diesmal haben die Verhältnisse doch selten gelegen. Wir haben eine Koalition, d i e eigentlich keine Koalition mehr ist, wir haben eine Regierung, die nur zusammengchalten wird aus außenpolitischen Gründen, in der Außenpolitik aber nicht nur durch die französische Kabinettskrise zum Warten verurteilt ist, und infolgedessen die dringend notwendige innerpolitische Reform nicht glaubt ankurbeln zu können. Wir hätten zwei Mehrheiten im Reichstag, von denen aber die eine durch Einstellung der Deutschnationalen ausgeschlossen ist, so daß tatsächlich nur die Mehrheit der Großen Koalition bleibt, die aber in sich wieder so zerfallen ist, daß tatsächlich ein Zu- fammenregieren kaum denkbar erscheint. Das geht zur Rot gut, solange der Reichstag nicht beisammen ist, und solange auch die Lösung der lebenswichtigen Probleme hinausgeschoben wird. Sobald aber praktische Arbeit verlangt wird, versagt auch biefe Mehrheit, oder sie erzielt bestenfalls — siehe die Arbeitslosenversicherung — Notkompromisse, bei denen nicht nur nicht die Parteien, sondern auch der Staat nicht auf ihre Kosten kommen. Angenehme Aussichten für den Winter! Denn was wir hier aufzuzeichnen versucht haben, ist ja nur eine ganz rohe Skizze, die fast ganz schwarz in schwarz wird, sobald man den Dingen noch näher auf den Leib rückt: in dem Willen, vorbehaltlich der Ergebnisse der Haager Schlußkonferenz den Poung- Plan anzunehmen, sind die Regierungsparteien einig. Sie sind auch einig in der Erkenntnis, daß dieses Experiment nur gewagt werden kann, wenn nun endlich mit der Finanzreform Ernst gemacht wird. Aber wie diese Finanzreform aus- sehen soll, darüber gehen wieder die Meinungen sehr weit auseinander. Die Sozialdemokraten sind sehr für eine Finanzresorm auf Kosten der Bürgerlichen. Sie scheuen sich davor, ihren Anhängern begreiflich zu machen, dah ja auch der deutsche Arbeiter den Krieg verloren hat und zu seinem Teil ebenso zahlen muh, wie jeder andere Bürger. Es ist deshalb mehr als nur eine Vermutung, dah die Sozialdemokraten zwar den Voung-Plan annehmen helfen, dann aber sich aus der Regierung drücken möchten, um als Oppositionspartei den neuen Wahlkampf zu führen. Die bürgerlichen Parteien denken selbstverständlich nicht daran, sie unter so günstigen Bedingungen aus der Allgemeinverhaftung zu entlassen, und es ist deshalb ganz gut, wenn der Führer der Bayrischen Dolkspartei, Prälat Leicht, daS ganz offen gesagt HLt. Er gilt mit Recht als ein sehr kluger und vorsichtiger Politiker, und die Drohung, die er jetzt in Bamberg ausgesprochen hat, sollte von den Sozialdemokraten nich tüberhört werden. Für Heerrn Leicht kommt freilich noch etwas Besonderes hinzu; für ihn ebenso wie für das ganze Zentrum: die Ehescheidung ist ein Problem, an das beide Parteien nur vom religiösen Gesichtspunkt aus herantreten. Deshalb wollte das Zentrum ja auch das Justizministerium abgeben, und wenn nun im Reichstag eine Mehrheit für eine gründliche Reform des Ehescheidungsrechts eintritt, dann kann von hier aus auch eine Lage geschaffen werden, die einen Abmarsch des Zentrums wie der Bayern möglich macht. Der gestrige Exodus der Zentrumsmitglieder aus dem Rechtsausschuh gibt dafür schon einen Vorgeschmack. 3m Rechtsausschuß. Berlin, 5. Rov. (DDZ.) Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde die Ehescheidungsreform weiterberaten. Abg. Hanemann (Dnl.) erklärte: Die Deutschnationale Volkspartei verschließt sich durchaus nicht der Rotwendigkeit, das Ehescheidungsrecht so umzugestalten, daß es nicht mehr mit gewissen sittlichen Grundsätzen in Widerspruch steht. Sie halte eS aber für notwendig, gleichzeitig die anderen mit der Frage der Ehescheidung im sachlichen Zusammenhang stehenden Fragen in die Aenlerung einzubeziehen, und zwar besonders mit Rücksicht aus die zukünftige Stellung der Frau in der Ehe. Die Deutschnationale DolkSpartei lehnt jede Telllösung ab. Abg. Pfleger (BVP.) erklärte, dah für ihn und seine politischen Freunde die Frage der Erleichterung der Ehes^eidung eine so schwerwiegende politische Frage sei, dah nach seiner Auffassung weder im Reiche noch in einem Lande ein Mitglied seiner Partei einer Regierungskoali ti on an gehören könne, deren Mehrheit sich für Erleichterung der Ehescheidung ausspreche. Wenn er sich trotzdem an der Weiterberatung der vorliegenden Anträge beteilige, so geschehe das, um Verbesserungen der Anträge zur Annahme zu verhelfen. Im übrigen werde die politische Seite der Frage zweckmäßig nach Abschluß der ersten Lesung des Entwurfes im Ausschuß zu erledigen sein. Abg. Bell (Zentr.) gab hierauf namenS der Zentrumsmitglieder des Rechtsausschusses folgende Erklärung ab: »Wir find bei der Reichsregierung wegen der Behandlung der Eherechtsreform im Rechtsausschutz vorstellig geworden. Heber das Ergebnis haben wir bisher von der Reichsregierung keine Mitteilung erhalten. Solange wir darüber nicht unterrichtet sind, können wir an den Sitzungen des Dechtsausschusses nicht teilneh- men.“ — Hierauf verliehen die Zentrumsmitglieder geschlossen den Saal. Abg. Dr. Kahl (DDP.) gab dem Ausschuß Kenntnis davon, datz der Reichskanzler ihm mitgeteilt habe, es seien neuerdings von zwei Parteien schwerste Bedenken gegen die Behandlung der Ehescheidungsreform im Ausschuh geltend gemacht worden, und dah er, der Reichskanzler, dem Vorsitzenden anheimgestellt habe, die weitere Entscheidung zu treffen. Er und der ftellDertretcnbe Vorsitzende Abg. Dr. Landsberg (Soz.) seien einmütig zu der Auffassung gelangt, dah es nicht ihre Sache fei, die Ehescheidungsresorm von dem Arbeitsplan des Dechtsausschusses abzusehen, sondern dah lediglich und ganz allein der RechtSausschutz selbst hierüber zu entscheiden habe. Abg. Dr. Bredt (WP.) erllarte: Die Wirtschaftspartei legt den größten Wert auf die Erhaltung der Familie und steht den B e st r e * Bungen auf eine Erleichterung der Ehescheidung grundsätzlich ablehnend gegenüber. Sie kann aber ihre Teilnahme an den Beratungen nicht versagen. Mit einem Verlassen des Saales ist der Sache nicht gedient. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) hob hervor, nur Befreiung vorn Zwang zum Lügen erstrebten die Sozialdemokraten mit ihrer Forderung nach der Ehescheidungsresorm. Rach dreijährigem Getrenntleben der Eheleute sollte auf Verlangen eines Teiles die Scheidung ausgesprochen werden. Der Redner betont die Einsetzung eines älnterausschusses. Abg. Ehlermann (Dem.) erllärte, dah bei dem großen Wandel der Auffassungen über die Ehe jetzt endlich die lang erstrebte Ehescheidungsreform kommen müsse. Der koalitionsbedrohenden Erklärung der Bayerischen Dolkspartei könne man vielleicht begegnen, indem man die Reform nicht Erleichterung der Ehescheidung, sondern Verbesserung der Ehescheidung nenne. Die Reform sei vor allem im Interesse der Sittlichkeit und der Wahrhaftigkeit notwendig. Hierauf beschloß der Ausschuß, die Anträge zur Ehescheidungsreform einem älnteraus- schu tz für die weitere Beratung zu überweisen. Am Mittwoch wird der Rechtsausschutz sich mit der rechtlichen Stellung der unehelichen Kinder beschäftigen. Die Beteiligung amVollsbegehren Baden "rlerlfö W Beteiligung in Prozenten: mm unter 5 Prozent ui iwijjr )Derbayern-( Sdiwaüenj | fl Holstein Abdankung des Kaisers herbei und übergab das Amt des Reichskanzlers in die Hände des sozialdemokratischen Parteiführers Friedrich Ebert. Er zog sich dann auf seine oberbadische Besitzung Salem am Bodensee zurück. Prinz Max, der mit dem Großherzog Friedrich II. von Baden am 22. Rovember 1918 ausdrücklich für sich und seine Rachkommenschaft den Thronverzicht erklärte, ist seit 1900 mit einer Tochter des verstorbenen Herzogs Ernst August von Cumberland, der Prinzessin Marie Luise, verheiratet. Deren Bruder ist der frühere Herzog Ernst August von Braunschweig. Dieser Ehe ist die Prinzessin Marie Alexandra entsprossen, die 1924 den Prinzen Wolfgang von Hessen heiratete; ferner der 1906 geborene Prinz Berthold von Baden. rrauerfeierfürdenJürsienVülow Altona, 5. Rov. (WTB.) Mit einer ein- drucksvollen Trauerfeier nahmen heute in der Elbparkvilla in Klein-Flottbeck die Angehörigen, die Vertreter des offiziellen Deutschlands und ein großer Kreis von Freunden und Verehrern Abschied von Fürst Bülow. In Hamburg, Altona und den Elbevororten hatten neben den amtlichen viele private Gebäude H a l b st o ck geflaggt Auch die deutschen Schiffe im Hasen zeigten die Flaggen Halbmast. In den dunkel verhangenen, mit einer äleberfülle von Blumen und Kränzen geschmückten Räumen der Villa fand sich in den ersten Rachmittagsstunden die Trauergemeinde ein. Zu Häupten des Sarges erhob sich ein Kreuz, umgeben von Lorbeer- und Palmenbäumen. Dor dem mit weihen Chrysanthemen bedeckten Sarge waren neben den Kränzen der Familie, des Königs von Italien und des früheren Kaisers die Kranzspenden des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und der Reichsregierung, deS Reichstages, des Auswärtigen Amtes und der Reichskanzlei niedergelegt. Reiche Blumenspenden im Dorgarten zeigen die Liebe und Dereh- rung, welche der Fürst in Deutschland und in der Heimat seiner Gattin, Italien, genoß. Bei der Trauerfeier hatte die Vertretung der Reichsregierung Reichskanzler Müller persönlich übernommen und dabei einen Kranz mit Schleife mit der Inschrift «Der Reichskanzler und die Reichsregierung" niedergelegt. Reichstagspräsident L ö b e war ebenfalls erschienen und überbrachte für den Reichs tag einen Kranz. Auch die drei Reichs- und Staatsbehörden, denen der Verstorbene in seinem amtlichen Wirken besonders nahegestcrnden hatte, waren vertreten, und zwar das Auswärtige Amt durch Staatssekretär Dr. v. Schubert. das srreuhische Staatsministerium durch Staatssekretär Dr. Weismann und die Reichskanzlei durch Staatssekretär Dr. Pünder; Erster Bürgermeister Dr. Petersen als Vertreter des hamburgischen Senates; weiter Vertreter der Bankwelt, Industrie, Schiffahrt, des Handels, des Gewerbes und Handwerks. Ein Streichquartett leitete den Trauerakt ein. Pastor ChalibäuS legte seiner Ansprache das Wort zugrunde: «Ich bin dein Pilgrim und dein Bürger, wie alle meine Väter", das sich der Entschlafene selbst für seinen Grabstein gewählt hatte. Weitere Ansprachen wurden nach dem testamentarisch geäußerten Wunsche des Verstorbenen nicht mehr gehalten. Rach dem gemeinsamen Gesang des Liedes «Jerusalem, du hochgebaute Stadt" sagnete der Geistliche die Leiche ein. Ein Sängerchor sang das Lied «äleber den Sternen". Dann zog die Trauergemeinde nochmals an dem Sarge vorüber. Die irdische Hülle deS Fürsten Bülow wurde später nach dem Krematorium in Hamburg-Ohlsdorf übergeführt, wo sich in Anwesenheit nur der nächsten Familienmitglieder die Einäscherung vollzog. Fürst Bülow hat dem hamburgischen Staat seine erlesene Bibliothek für die Staats- und älniversitätsbücherei und mehrere Bilder für die Kunsthalle vermacht Echo -er presse. Rückwirkungen auf die Koalition. Berlin, 6. Rov. (SH.) Zum Auszug der Vertreter des Zentrums aus dem Rechtsausschuh des Reichstages schreibt die „Germania": Die Zentrumspartei habe ebenso wie die Bayrische Tvlkspartei keinen Zweifel offengelassen, daß sie die Erleichterung der Ehescheidung, wie sie von der Mehrheit der Regierungsparteien gewollt wird, nicht mitmachen könne, und nicht mitmachen werde. Sie habe den Kanzler über diese ihre Grundhaltung zu keiner Zeit im Linklaren gelassen und vor allen Dingen in den letzten Wochen ernstlich auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die durch die etwaige Forcierung der Entscheidung in dieser Weltanschauungsfrage heraufbeschworen werden mühten. Der Kanzler hätte also damit rechnen müssen, dah durch die Abwälzung der Verantwortung auch die unzweifelhafte Mehrheit des Rechtsausschusses den Forderungen der Zentrumspartei nicht Rechnung getragen werden könne. Deshalb sei es höchst überflüssig gewesen, die Regierungskoalition im jetzigen Augenblick mit dieser Auseinandersetzung zu belasten. Der Protest der Zentrumsmitglieder des Rechtsausschusses sei ein sehr ernstes Warnung s s i g n a l. Er sei ebensowenig ein bloßer Formalalt wie eine offene Kampfansage. Soviel aber stehe fest: Das Zentrum kämpfe mit aller Klarheit für die Llnantastbarkeit einer weltanschaulichen Position. Eine Verschärfung der politischen Gegensätze würde nicht zuletzt auf Zentrumsseite der drängenden staatspolitischen Aufgaben wegen auf das tiefste bedauert werden. Die Verantwortung müsse in diesem Falle den Kreisen bleiben, die die weltanschauliche Tragweite ihrer Bestrebungen offenbar unterschätz tew Der „Vorwärts" sagt, es dränge sich der Eindruck auf, als ob das Zentrum diesen Weg eingeschlagen habe, um seine Forderung nach einer Umgruppierung innerhalb des Kabinetts zu unterstreichen. Es wünsche das Wirtschaftsministerium gegen das Iustiz- ministerium einzutauschen, teils mit Rücksicht eben auf die Ehescheidungsreform, mit der es sich bzw. Herirn v. Guörard nicht belasten möchte, teils weil es das Wirtschaftsministerium für wichtiger halte. Eine Erfüllung seiner Wünsche liege aber kaum im Bereich der Möglichkeit, da ein Tausch möglicherweise weitere Folgen nach sich ziehen würde. Die „D. A. Z." meint unter Hinweis auf die schlechten Finanzverhältnisse des Reiches, dah für das Zentrum und die Bayrische Volkspartei das Zusammenleben mit der Sozialdemokratie ohnehin seinen Reiz verloren habe. Der Konflikt sei unausbleiblich. Rur der Termin, der durch die ungesunden Oppositionsverhältnisse schon mehrfach künstlich hinausgeschoben worden sei, stehe noch nicht fest. Für die Deutsche Volkspartei, die ebenfalls Grund genug habe, mit der heutigen Koalition unzufrieden zu sein, sind diese Strömungen in den Rachbarparteien deshalb so bedeutsam, weil sie ihren Forderungen nach organischer Finanz- und Wirtschaftsreform Unterstützung und Rachdruck geben könnten. Die Risse in der Koalition etwa dadurch verkitten zu helfen, dah man eigene wohlerworbene Rechte hinsichtlich des Bestandes an Ministerien preis- vebe, wäre für die Volkspartei unter diesen Llmständen ein sehr schlechtes Geschäft. Die „Dörsenzeitung" begrüßt den Vorst oh des Zentrums, weil der neue Koalitionskonflikt, wie er sich auch entwickele, keineswegs zu einer Stärkung des sozialdemokratischen Einflusses, sondern im Gegenteil zu einer Erschütterung der in der Tat bereits unerträglich gewordenen marxistischen Vorherrschaft führen werde. Geknebelte Opposition in Polen. Der Sejm durch Dekret des Staatspräsidenten vertagt. .Berlin, 6. Aov. (Priv.-Tel.) P i l f u d f k i ist in dem Kampf mit dem Parlament aufs neue der Stärkere geblieben: er hat beim Staatspräsidenten ein Dekret durchgesetzt, wonach d i e Eröffnungssitzung des Sejm um dreißig Tage hinausgeschoben worden ist. Mit anderen Worten, es ist ihm gelungen, die lästige Opposition wieder einen Monat mundtot zu machen, deren Absicht es war, einen Mißtrauensantrag gegen den Marschall einzubringen und im übrigen mit dem gegenwärtigen Regierungssystem abzurechnen. Schon vor einigen Tagen sollte der Sturmlauf einsehen: Pilsudski hatte aber etwa hundert Offiziere in das Sejmgebäude geschickt, die durch ihre Anwesenheit eine Vertagung der Sitzung erzwangen, was dann zu einem heftigen persönlichen Wortwechsel zwischen dem Sejmmarschall Das- zynski und Pilsudski selbst führte. Daszynski hatte nach diesem Auftritt dem Staatspräsidenten entweder die Parlamentsauflösung oder den Rücktritt der Regieurng vorgeschlagen. Aber weder das eine noch das andere Ereig- n i s trat ein, eben weil Pilsudski gar nicht daran denkt, auf irgendwelche Anregungen des Paria- ments einzugehen. Wie sich die Dinge nun weiter entwickeln werden, weih vorläufig noch kein Mensch. Die Möglichkeit einer Diktatur Pil- sudski besteht zwar, aber der Marchsall scheint es doch vorzuziehen, am gegenwärtigen System festzuhalten, dabei aber stets den Sejm auszu- schalten, wenn er es für nötig befindet. Aus dem petitionsausschuß des Hessischen Landtages. - ? a 5- Aov. Der Petitionsausschuh des Hessischen Landtages ersuchte auf einen Antrag des Abgeordneten Wolf (Landbund) wegen Beseitigung von Mißständen auf dem Bahn- -'Al°ckheim die Regierung, sich bei der Aeichsbahndirektron Frankfurt a. M. dafür zu verwenden dah die Lieberdachung des Bahn- stelges 2 als vordringlich in den Bauplan der Reichsbahn eingestellt wird. Wegen der von sozialdemokratischer Seite gerügten Verhältnisse auf der Eisenbahnlinien Reinheim — Selshe im und der daran entlang führenden Provlnzialstraßen wird die Regierung aufgefordert, sich weiter mit der Süddeutschen Eisenbahngefellschaft um die Verbesserung der Verhältnisse zu bemühen. Die Straßenfragen können zum Teil aber erst mit der vorzunehmenden Feldbereinigung gelöst werden. Der Antrag Donat (Demokrat), der bei LI e b e r s ch rei - tung der Verkaufszeit in ländlichen Ladengeschäften auch die Bestrafung der Käufer anregt, wird für erledigt erklärt, da die Regierung mitteilt, dah die gesetzlichen Bestimmungen eine solche Bestrafung nicht zulassen. 3m neuen Arbeitsschutzgesey sei auch nur die Strafbarkeit des Arbeitgebers und seiner Beauftragten vorgesehen. Folgenschwerer Vulkanausbruch in Mttelamerika. 3n Guatemala sind die Städte Jinca und El p a k r o c i n i o mit ihrer gesamten Bevölkerung von der Lava und der glühenden Asche des Vulkans Santa Maria begraben worden. Die Rettungsarbeiten des Militärs, des Roten Kreuzes und der Freiwilligen Feuerwehr wurden durch den starken Regen sehr behindert. Die Ausbrüche des Vulkans sollen auherordentlich stark gewesen sein. 3n Quezaltenango verursachte der Ausbruch eine große Panik. Die Einwohner hielten sich zur Räumung der Stadt bereit, die vor 27 Jahren bei dem letzten Ausbruch des Vulkans gänzlich zerstört wurde. Nachdem die Tätigkeit des Vulkans Santa Maria am Abend etwas nachgelassen hatte, erfolgte am Dienstagmorgen ein neuer starker Ausbruch. Man nimmt an, daß bisher etwa 3 0 0 Personen getötet und 200 verletzt wurden. 37 Leichen konnten erst geborgen werden. Infolge der riesigen Hitze in der Umgebung des Kraters und der ausgedehnten Lavaströme ist es unmöglich, den genauen Sachschaden festzustellen, viele Leichen werden von den Lavaströmen fortge. schwemmt. Der guatemalische Geschäftsträger in Mexiko erhielt Berichte aus Guatemala, nach denen die Bewohner von Mazatenango am Samstag durch ein dumpfes unterirdifches Grollen aufgeschreckt wurden, dem ein Erdbeben und vulkanische Ausbrüche folgten. Ein Laoastrom ergoß sich über die ganze Gegend, zerstörte alles in seiner Bahn und überholte zahlreiche Flüchtlinge. Die gesamte Vulkanzone des Gebietes von Suchitepeguez ist mit Asche bedeckt, die stellenweise eine zwei Meter hohe Decke bildet. Tausende von Menschen sind obdachlos. Die Kaffee-Ernte und andere Ernten des Departements find vernichtet. Die Außenpolitik des Labourkabinetts. Macdonald berichtet über seine Amerikareise. — Oie Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland. — Ein Sieg der Arbeiterregierung. London, 5. Rov. (WTB.) Premierminister Macdonald brachte im Linterhaus einen Vertagungsantrag ein, um eine Erklärung über seine Reise nach den Vereinigten Staaten und Kanada abzugeben. Sein Besuch sei das Ergebnis der Besprechungen mit General Dawes gewesen. Die Vereinigten Staaten verfolgten mit wachsamer Eifersucht ihre historische Politik, sich von den Verwicklungen der alten Welt freizuhalten und befänden sich daher nicht im Völkerbund. England sei im Völkerbund und habe Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund übernommen, demgegenüber es loyal bleiben werde. Hoover habe einige der größeren historischen strittigen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien, wie z. B. die Rechte der Kriegführenden, sog. befestigte Basen usw. aufgeworsen, und sie seien übereingekommen, sie in der Hoffnung auf ein Einvernehmen zu prüfen. Der Führer der Opposition Baldwin erkannte an, daß Macdonald in den Vereinigten Staaten als Premierminister des Vereinigten Königreiches und nicht als Parteiführer gehandelt habe, und erklärte, der Premierminister habe die Dankbarkeit aller Parteien für diese Haltung verdient. Auch Lloyd George beglückwünschte Macdonald zu seiner Reise. Macdonald habe die Atmosphäre der Verstimmung zwischen den Vereinigten Staaten und England geklärt und für größere Herzlichkeit in dem Verhältnis beider Länder gesorgt. Für England sei es notwendig, hinsichtlich des Themas „Freiheit der Meere" sehr vorsichtig in bezug auf die Preisgabe irgendwelcher englischer Rechte, vorzugehen. „Ich nehme an“, so fuhr er fort, „dah wir gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten keinerlei Verpflichtungen eingegangen sind, und dah für alle Fragen die Möglichkeit weiterer Prüfung offen bleibt?" Macdonald beantwortete die Frage des Redners mit einem zustimmenden Kopfnicken. 3n der Frage der Rechte der Kriegführenden sei keinerlei Verpflichtung eingegangen worden, man habe nur verabredet, dah das Problem Gegenstand weiterer Erwägungen sein werde. Die Frage, ob und welche Enterst ü h u n g die Vereinigten Staaten der englischen Regierung in der Frage der allgemeinen Abrüstung angedeihen lassen könnten, sei von ihm in Amerika nicht aufgeworfen worden. Schon die Vorbereitung der Fünfmächte k on f e r e nz, die sich doch lediglich auf die Abrüstung zur See beschränke, habe Mühe genug gekostet. Der Staatssekretär des Aeußeren, Henderson, brachte dann den Antrag ein, daß das Linker- haus sich mit der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland einverstanden erklären möge. Er verwahrte sich entschieden gegen den Vorwurf, daß er bei den Verhandlungen mit Dow- galewski „kapituliert" habe. Es sei ihm gelungen, eine Vereinbarung über die Unter» la f Jung der Propaganda zu erzielen. Wirtschaftlich betrachtet sei es zwar richtig, daß die Sowjetunion ohne Vorhandensein diplomatischer Beziehungen in England Einkäufe machen könne. Tatsächlich aber mache sie ihre Einkäufe in den Vereinigten Staaten und habe seit dem Abbruch der Beziehungen ihre Einkäufe in England erheblich vermindert. Die geplante Politik gegenüber Rußland liege im Interesse des europmschen Friedens. Hierauf brachte Baldwin einen Abänderungsantrag ein, worin der Regierung vorgeworfen wird, sie habe die seinerzeit bekannt- gegobenen Vorbedingungen für eine Wiederaufnahme der Beziehungen nicht eingehalten. Es sei zu verlangen, daß diese Bedingungen vor Wiederaufnahme der Beziehungen erfüllt werden. Henderson habe sich zu einer Kapitulation bereitgefunden. Was gedenke die Regierung zu tun, wenn die russische Regierung ihr Versprechen bezüglich der Propaganda nicht einhalten würde, und ob in diesem Falle die Beziehungen wiederum abgebrochen werden? Ein Abkommen mit Leuten, die nach wie vor fanatisch an die kommende Weltrevolution glauben, ist das Papier nicht teert, auf das es geschrieben ist. In Indien und China ist die russische Propaganda besonders gefährlich. Der Führer der Liberalen, Lloyd George, sagte u. a., mit der russischen Propaganda habe es nicht viel auf sich, beim bei den Parlaments- Wahlen hätten die Kommunisten in England so schlecht abgeschlossen, wie in keinem anderen Lande der Welt. In Deutschland gebe es eine kommunistische Partei von drei ‘ bis vier Millionen. Trotzdem habe Deutschland diplomatische Beziehungen mit Rußland. Es werde in Europa keine Abrüstung geben, bevor Rußland in die Organisation der Rationen hineingebracht sei. Vor diesem Zeitpunkt könnten weder Polen noch die Tschechoslowakei, noch Rumänien abrüsten. Das Llnterhaus hat darauf den Abänderungsantrag Baldwins abgelehnt und den Regierungsantrag mit 324 gegen 199 Stimmen angenommen. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------:_____________________________________________________________________________ Dir Voruntersuchung im Sklarekskandal Eine Erklärung -es Oberbürgermeisters Böß. Berlin, 5. Rov. (WB.) Das Rachrichtenamt der Stadt Berlin veröffentlicht folgende Erklärung des Oberbürgermeisters D ö h: »Die ungeheuerlichen, ehrverletzenden Angriffe, die in meiner Abwesenheit, ohne daß ich davon Kenntnis erhielt und mich dagegen wehren konnte, gegen mich erhoben worden sind, haben mich aufs tiefste erschüttert. Lim so schwerer habe ich es empfunden, daß ich mich auch nach meiner Rückkehr nicht sofort öffentlich dazu äußern durfte, da ich verpflichtet war, vorher die Vernehmung in dem von mir beantragten Disziplinarverfahren abzuwarten. Rach- dem diese heute nachmittag erfolgt ist, gebe ich folgende Erklärung ab: 1. Die meiner Frau von den Gebrüdern Skla- rek gelieferte Pelzjacke ist ihr als ein besonders günstiger Einkauf von Pelzfellen auf gedrängt worden. Rach Lieferung der Jacke habe ich die Liebersendung der Rechnung verlangt. Da mir der Rechnungsbetrag z u niedrig erschien, ich mich anderseits mit den Gebrüdern Sklarek nicht in Verhandlungen über den Preis einzulassen wünschte, habe ich mich der peinlichen Erörterung dadurch entziehen wollen, dah ich einen Betrag zur Linderung von Rot verwandte und die Gebrüder Sklarek hiervon benachrichtigte. Ich erkenne natürlich heute, zumal nach den jetzigen Aufklärungen über die Persönlichkeit der Verkäufer und den Wert der Pelzjacke, daß es u n - vorsichtig gewesen ist, den Pelzkauf zu dulden, und — entgegen meinem ursprünglichen Gefühl — die Pelzjacke nicht zurückzugeben Emer rechtlichen und sittlichen Schuld bin ich mir nicht bewußt. Die Pelzjacke ist wenige Stunden nach meiner Rückkehr dem Konkursverwalter der Firma Sllarek zurVerfügunggestellt worden. Andere Pelzsachen habe ich und meine üamilie von den Gebrüdern Sklarek nicht bezogen. Konto „Böß j u n.“ gehabt hat. Ich und meine Familie haben vor mehreren Jahren vereinzelt Bekleidungsstücke von der Firma Sklarek bezogen und nach Lieferung ordnungsmäßig bezahlt. Dah ich überhaupt Waren von der Firma Sklarek genommen habe, erklärt sich aus der Llebernahme der städtischen K.V.G. durch die Gebrüder Sklarek. 3. Zwischen den Gebrüdern Sklarek und mir oder meiner Familie Huben niemals persönliche oder gesellschaftliche Be- zieh ungen irgendwelcher Art bestanden. Ich und -meine Familie sind niemals bei ihnen zu Gast gewesen, ebensowenig wie die Gebrüder Sklarek bei uns. 4. Eine Begünstigung der Gebrüder Sklarek durch mich ist niemals erfolgt und auch niemals in Frage gekommen. Ich habe niemals auf ihre Lieferungsgefchäfte oder Kreditgeschäfte Einfluß genommen oder auch nur Einfluß zu nehmen versucht. Rach der Dezernatsverteilung und der bestehenden Organisation habe ich mit den Lieferungs- und den Kreditgeschäften zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadt nichts zu tun gehabt. 5. Es ist mir niemals gemeldet worden, daß die Gebrüder Sklarek hohe Millionenkredite von der Stadtbank erhalten haben. Ich habe von den hohen Millionenkrediten der Gebrüder Sklarek erst während der zweiten Hälfte meiner Amerikareise erfahren. Ich bin von jeher grundsätzlich gegen hohe Kredite her Stadtbank an private Unternehmen gewesen. Ich habe bereits im Jahre 1925 mit dem damaligen Stadtkämmerer und dem Geschäftsführer Schmitt von der Berliner Stadtbank ausdrücklich vereinbart, dah hohe Kredite der Stadtbank an Private nicht gegeben werden sollen. 6. Ich verurteile aufs schärfste, dah zwischen den Gebrüdern Sklarek und der Stadt Berlin ein Monopolvertrag ohne die städtischen Körperschaften abgeschlossen worden ist. Ich habe von diesem Dertragsabschluh erst in Amerika gehört. 2. Es ist unrichtig, daß eins meiner Äin- cer bei der Firma Sllarek ein besonderes _ Alle Behauptungen, die mit den vorstehenden Erklärungen nicht übereinstimmen, sowie alle sonstigen über mich aufgestellten Behauptungen, 1 * 3 4 5 6 die darauf hinauslaufen, daß ich unerlaubte Vorteile irgendwelcher Art in Anspruch genommen habe, sind unwahr und werden von mir gerichtlich verfolgt werden. (gez.): Böß, Oberbürgermeister." Der Llntersuchungskommissar des Oberpräsidenten hat dem Oberbürgermeister mitgeteilt, dah das Geheimkonto „Gustav" nach dem Ergebnis der Ermittlungen nichts mit seiner Person zu tun hat. Die verräterischen Geheimlonten Berlin, 5.Rov. (WTB. Amtlich.) Unter Vorhalt der vorgefundenen Kassenbelege und der unter Decknamen geführten Konten wurden heute durch die Staatsanwaltschaft I der Bürgermeister Schneider, die Stadträte D e g e n e r und Gaebel, Direktor S ch ü n i n g und Stadtamts- rat Sakolofski vernommen. Nachdem auch die Gebrüder Sklarek vernommen waren, hat die Staatsanwaltschaft I die Eröffnung der Voruntersuchung gegen die zuerst genannten fünf Personen wegen passiver Bestechung und gegen die Gebrüder Sklarek wegen aktiver Bestechung beantragt. Der Erlaß eines Haftbefehls gegen die Stadträte Otto Gaebel und Gustav Degener, die beide der Kommunistischen Partei angchörten, wird auf die Entdeckung der Geheimkonten zurückgeführt, aus denen sich u. a. ergibt, dah Gaebel etwa 30 000 Mk. im Jahre von den Sklareks erhalten hat, die nur als Bestechungsgelder bezeichnet werden können. Gaebel und Degner haben ferner ihre Garderobe ohne Gegenleistung bei der Kleiderverwertungsgesellschaft anfertigen lassen. Dem Stadtrat Gaebel wurden häufig für Sonntagsausflüge Mietautos zur Verfügung gestellt, wobei die Rechnung des Fuhrunternehmers sich häufig auf etwa 100 Qliart belief. Gaebel soll seinen Einfluh dahin geltend gemacht haben, dah in der kommunistischen Presse Angriffe gegen die Firma Sklarek unterblieben. Beide sollen noch gestern in der Form einer Berichtigung abge ft ritten haben, von den Gebrüdern Sklarek Zuwendungen erhalten zu haben. Die Voruntersuchung wegen Bestechung wurde auch auf den Generaldirektor der Berliner Hafen- und Lagerhallen-Gesellschaft (Behal), S ch ü n i n g, ausgedehnt. Schüning war in den Jahren 1924/25 Stadtrat-Dezernent für die Berliner Anschaffungsgesellschaft. In diese Periode seiner Tätigkeit fallen d i e ersten Vertragsabschlüsse zwischen den Sklareks und der Stadtverwaltung. Er soll noch bis in die letzte Zeit günstige Auskünfte über die Sklareks erteilt und ihnen Empfehlungen an amtliche Stellen gegeben haben. Bürgermeister Walker in Aeuyork wiedergewählt. Die Dürgermeisterwahlen haben den erwarteten Sieg des bisherigen Bürgermeisters, Jimmy Walker, ergeben. Abgesehen von den gegen Mitternacht noch ausstehenden 121 Wahldistrikten erhielten: Walker 340 000, der Republikaner La Guardia 360 000, der Sozialist Thomas 167 000 und der frühere Polizeipräsident Enright 6000 Stimmen. Die bemerkenswerte Zunahme der sozialistischen Stimmen bildet die Sensation des Wahltages. Die bisher höchste Stimmenzahl von 145 000 hatte der sozialistische Kandidat Hillquit im Jahre 1917 erreicht. Oie Wetterlage. Oienstaa, C. rarntovrrih 1QOQ -7h n-KAr--------- Jan rtayei Köst' Seydfefiord yrjnKt nyrCoruna HA 5 ZS) ög vj J^rmont Genf . Shimm WZ1 L Owoixenios. Q neuer, onaio DedecKt.® wonug q oeaeciti «ssegr^ »Schnee a Graupeln - Nebel KGe«/itter.(§)Uinastilie.^>, sehr «■enter Ost massige» SOdsodwesu q stürmischer nordwest Oie »feile fliegen mit dem Winde. Pie oei den Stationen stenenden Zah» len gehen die Temperatur an. Die Ulmen verbinden Orte mit gleichen} •nf ««eresmveau umoereehnelen Luftdruce Wettervoraussage. 2ly der Südseite der kräftigen Islandströmung, die sich in ihrem Kerngebiet etwas auffüllt und langsam nordostwärts weiterbewegt, hat sich ein Ausläufer entwickelt, der über Frankreich bis zu den Pyrenäen vorgreift. Er wird seinen Einfluß auf unsere Wetterlage geltend machen, o daß zunächst etwas Erwärmung und vorübergehend auch stärkere Bewölkung mit einzelnen Riederschlägen zu erwarten sind. Jedoch wird alsbald der durch die Strömung zusliehende Kaltluststrom wieder ein Auflösen der Wolkendecke herbeiführen, so daß für später bei nächtlichem Aufklaren wieder die Nachtfrostgefahr zunimmt. Voraussage für Donnerstag: Rach vorübergehend etwas milderem, wolkigem Wetter mit einzelnen Riederschlägen wieder Temperaturrückgang, teils wolkig, teils aufheiternd. Aussichten für Freitag: Rachtfrostgefahr, wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung. Lufttemperaturen am 5. November: mittags 4,4 Grad Celsius, abends 1,6 Grad: am 6. November: morgens 3,6 Grad. Maximum 4,3 Grad, Minimum 1,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 5. November: abends 4,6 Grad: am 6. November: morgens 4,8 Grad Celsius. MSI eWfr Tanz und Gymnastik Neue Kurse 07149 für Erwachsene u. Kinder Ilse Graef Friedrichstraße 28 Telephon Nummer 3962 Zu sprechen täglich von 8-/410 und von %1-2 Uhr Kndergakim LudwWraßell SSÄ"* »Mt UOffi SlflÖFt llv. Honorar monatlich cm sch l. Heizung Mk. 9. , für 07,S) Geichwlster'Mk. 13.-. Geonnet von 9-12 u. 2*/,-5 Uhr. GßsellsGhansverßin e.V. (Klub) Die Wiedereröffnung und gleichzeitig die Besichtigung der neukatalogisierten Bibliothek findet am 9108V Dounerötag, dem 7. November 1929, nachmittags 4 Ubr pünktlich, statt. Ich bitte freundl. um aefl. zahlreiche Teilnahme. Die Ausnabe von Büchern erfolgt, wie bisher, Montags u. Donnerstags, nachm. von 4—6 Ubr. Ter Bibliothekar: V. Gros. Klaviere 5= | SarinvllüM werd, sachgemäß 1 il preiswert ge- t stimmt u. revar. | G.EVNlm'.L Gletzell.p!oMlll Telephon 2403. Verkanl v. neuen u. gebt. Klao. Unterstützt das Handwerk Bei Neuanfertigung und Aufarbeiten von Polstermöbeln und Matratzen alier Art wollen Sie das selbständige Handwerk berücksichtigen! Fachgemäße und preiswerte Bedienung sind Ihnen hier am besten gewährleistet! Die Polsterer-,Tapezierer- u.Sattler-Innung für Stadt und Kreis Gießen Drucksachen aller Art ftattung stilrein und^ preiswert Ue vrübl'sche Unioerfitätr-Vnickrrei. H. Lange. Siesten. Schulstr. Z. Ittrtaqe. rfe«" säs8*** Ull»VCt jrauöia9c' 5mung träftig^SfuIlt und gebiet eta5 hat sich A rgrcift 61machen- e!>fun& vorub-r yttDärniung ^lnen Sen SS- i Grad.01 Blumenzwiebeln Hyazinthen, einfache und gefüllte Tulpen, Narzissen, Crocus,Schneeglöckchen, Scilla usw. für Jimmertreiberel, feine Gartenbeete und Gräberschmuck in gesunden, blühbaren Knollen empfiehlt preiswert Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße Ecke Wolkengasse Telephon 3403 Herbst-Preisliste kostenlos zu DienstenI 9I37A HANDSCHUHE Wenn Sie mit © Ihr Geschirr abwaschen, bleibt kein Schleierhauch zurück! Kreuzplatz 6 wa04 Sehen Sie sich bitte einmal mit Q) gesäuberte Geschirre an. Wie sie funkeln, glitzern, gleißen und blinkerrl Sie glauben denGlanz edlerStelnezusehen. Dasliegt eben daran, daß Q restlos alles Fett auflöst und beseitigt, daß © nicht das geringste Tipfelchen, nicht den leisesten Hauch zurückläßt. All die Hunderte Sachen 1 ESiöHelQaul 10 Liter he.Oes Wasser -- ein Eimer.so erg.e- b-g u. sparsam । Ihres Geschirrschatzes aus Glas, Porzei- Ian,Kristall.Metall, Holz und Stein sind im Augenblick kiarund rein. Überall die leuchtende Frischei Wie © aber die schmutzigsten Hausgeräte und Gegenstände (Spülbecken. Wannen, Fensterrahmen, Scheiben. Spiegel, Fußböden, Putz-und Bohner- tücher, Mops usw.) erneuert, das müssen Sie selbst erproben, Sie leisten sich selbst den besten Dienstl um dann geben Sie sie bitte spätestens Im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf Ilker in Aeuyorl wählt. en haben den erwoiteien Bürgermeisters, Jimmy iesehen von den gegen enden 121 Wahldisttitien 030, der Aepublilaner der Sozialist Thomas Polizeipräsident Cnright irfenstocrte Zunahme der stldet die Sensation des jöchste Stimmenzahl von iifche Ranbibat Sjülquit willige Gaben angewiesen bleiben, vor allem, austerordentliche Ausgaben für dringend notwendige Wiederherstellungs- und Erwei» Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll Die Bakterien sind überall die Feinde unserer Gesundheit, das ist allgemein bekannt. Unbekannt ist aber, daß die Qual der Hämorrhoidalerkrankungen durch die Darmbakterien verursacht wird. Das ist das Ergebnis der neuesten bakteriologischen Forschungen. Wer sich diese Entdeckung zunutze macht, wird bei Hämorrhoidalbeschwerden jeder Art nur das Posterisan anwenden. Dieses enthalt die spezifischen Gegengifte gegen die Darmbakterien und bewirkt schon nach kurzer Anwendungsdauer eine wesentliche Besse- rung des lästigen Leidens. Aufklärende Broschüre über das Posterisan ist in allen Apotheken kostenlos erhältlich. — Originalpackung Posterisan-Salbe: RM. 1,75; — Posterisan-Zäpfchen: RM. 2,65. (8772v Lungenfürsorgestelle. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. ** Preust. - S üddeu tsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zur zweiten Klasse mutz spätestens bis zum 8. November, 18 Mr, bet Verlust des Anrechts geschehen. Die Beachtung dieser Frist wird dringend empfohlen, da über die nicht rechtzeitig erneuerten Lose anderweit verfügt werden kann. ** Neue 50-93 f.» und Markstücke. Am 1. Dezember verlieren bekanntlich die 50-Pf.- Stücke aus Aluminium-Bronze (die sog. gelben Fünfziger) ihre Gültigkeit, und ihre Einlösung erfolgt von da ab nur mehr an den öffentlichen Kassen. Als Ersah werden 274 Millionen neue 50°Pf.-Stücke in den Verkehr gebracht, mit deren Ausprägung die deutschen Münzanstalten zur Zeit beschäftigt sind. Die neuen 50-Pf.-Stücke bestehen aus reinem Nickel. Zur Zeit befinden sich 126 Millionen Münzen in Umlauf, so dast also nach Inverkehrssetzung der 274 Millionen neuen 50-Pf.-Stücke im ganzen 400 Millionen 50-Pf.-Stücke in Verkehr fein werden Eingezogen sollen auch die 1- und 3-Markstücke des IahreS 1924 werden, deren Prägung teilweise nicht einwandfrei ist. Die eingezvgenen Stücke werden durch neue, erstklassig ausgeführte Stücke ersetzt werden. Die alten 50 Pf.-Stücke aus Alurninium- terungsbauten durchführen zu können. Deshalb sei dieses Liebeswerk aus Anlab der HauS- sarninlung den Bewohnern von Gießen von neuem herzlich empfohlen Der Sammler ist mit Ausweis und behördlich genehmigtem Kollekten- buch versehen Berliner Börse. Berlin, 6. Nov. (WTB. Funkspruch.) Da auch die gestrigen Auslandbörsen, soweit sie nicht, wie Neuyork, geschlossen waren, schwache Veranlagung zeigten, fehlten auch dem heutigen Frühverkehr An- regungen von dieser Seite. Die Tendenz war daher vorläufig geschäftslos, und Kurse wurden noch nicht genannt. Am Devisenmarkt Härte man London gegen Paris 123,8350, London gegen Mailand 93,14, London gegen Spanien 34,75, London gegen Kabel 4,8785, London gegen Berlin 20,3850 zu 20,3875, (Schluh des redaktionellen Teils.) Aus der Provinzialhauptstadt. Diesten, den 6. November 1929. Oie richtige Antwort. In Gesprächen, Neben, Vorträgen usw. kommen oft überraschende Ausdrücke und Vorwürfe, auf die man gern gleich das richtige Wort, bte paffende Antwort hätte, Und tote selten fällt sie uns ein! 3a, nach einiger Zeit, wenn wir die Sache noch einmal überdenken, wenn wir unS vielleicht noch einmal an die Vorwürfe erinnern, dann wissen wir sofort die richtige Entgegnung, dann fangen unsere Sähe an: Hält ich —... Der Volksmund c/bcp- lacht uns aus mit feinem Sprichwort: Der Hätt-ich und der Wann-ich ist einer wie der andere,' der Hab-ich ist ein Kerll Es ist jedenfalls eine große Kunst, in schwierigen Augenblicken sofort zu erkennen, was gesagt werden must. Einmal gehört ein bißchen Anlage dazu, zum größten Teil aber hat gute Schlagfertigkeit in Wort und Schrift zur Dor aussehung, daß das menschliche Gehirn schnell und leicht arbeitet, mit Sicherheit die Lage erfaßt und dementsprechend handelt. 3ch habe da schon oft Versammlungsleiter bewundert, wenn es anfing, brenzlig zu werden. Die schwierigsten Sachen wurden vom Vorstandstisch geschickt, manchmal ganz wundervoll, in das rechte Licht gestellt, die Nebensache zur Hauptsache gemacht, und der gewünschte Erfolg war da. Daß hierbei sehr oft wihige Antworten am meisten wirken, weiß jeder, der Versammlungen beigewohnt hat. Kurz und knapp, aber scheinbar den Nagel auf den Kopf treffend, müssen solche Sähe fein. Ganz nebensächlich ist es, wenn sich dann später herausstellt, daß die Entgegnung ja nicht viel mehr war, als ein Wih. Die Hauptsache ist der wirkungsvolle Einschlag. Aber auch im Alltagsleben haben wir oft Gelegenheit, schlagfertige Antworten zu hören. Manchmal sieht es ja aus, als ob sich zwei Freunde nur necken wollten. Aber hinter den wihigen Andeutungen steckt doch oft ein bitterer Ernst. 3n solchen Zwiegesprächen können die Besserwisser nicht mit; denn da werden Schläge ausgeteilt, denen sie nicht gewachsen sind. Ich war einmal Zeuge einer solchen Fehde, in der eine Vielschwäherin so in die Enge getrieben wurde, dast sie sich zum Schluß — allerdings zu ihrem Glück — nur mit dem Sah helfen konnte: „Was gebe ich auf mein schlechtes Geschwätz!" Damit hatte sie, wenigstens vorläufig, ihre schlimme Lage gerettet. Vielleicht darf ich hier noch ein eigenes Erlebnis ansühren. Vor einigen Jahren bin ich einmal mit Bekannten in letzter Minute — nach einem strammen Lauf — in den Zug gestürzt. Abgehetzt, luftschnappend ließen wir uns auf die Sitze fallen. In dem Abteil sahen schon zwei Damen. Als wir noch einmal über unfern Lauf seufzten und die Schweißtropfen wischten, mischte sich eine Dame in unser Gespräch und sagte: „Das kann natürlich nur Herren passieren!" Gewiß eine starke Erklärung, die da die Dame von sich gab. Ich ärgerte mich im ersten Augenblick und wollte etwas erwidern, lieh es aber dann sein. Im Laufe der Fahrt tarnen wir — wie immer bei Reifenden — auch auf unsere Wanderungen zu sprechen. Die Damen waren im Harz gewesen und schilderten nun ihre Erlebnisse. •■‘MS I?e6ei|ülonfen nS«lÄek<6'1 «11« Konten Äunb £ tat«, D^MMier £n0U1Ä; und "uen. 6ie 6rö||S 6al 6« Segen Jet t8‘",Mli6et$,'5L«- vklarek h?™ ’ ^g btrate fwu m 4ast, de der Knebel und A!t.L7"r rsSL ne O^genhij^1 MZ MB J ^.der kvmmuMWn Sinna ©tlarel unter- Som Hutten haben, von hÄ"9en "halten zu hung wegen Desiechuna eneralöireftor der 2er- illen°Gefelifchastf2ehal) ■ 6d>unmg war in den ^Zernent für die 2er- $aft• 3n diese Periode e ersten Vertrags, öen SNarels und der I noch bis in die letzte unfte über die Skla« Empfehlungen an leben haben. Bronze werden im übrigen noch zwei Jahre lang von den Reichs- und Landeskaffen in Zahlung genommen und dann endgültig eingezogen. ** Hilfe den Hilfsbedürftigen. Wie in jedem Jahve, so läßt auch jetzt wieder die Anstalt für Epileptische in Nieder-Ramstadt durch ihren beauftragten Sammler die behördlich genehmigte Hauskollekte in der Stadt Gießen erheben. 258 zumeist sehr kranke Fallsüchtige haben im Iayre 1928 ihre Pflege erfahren. Unter Einfchlust der Abteilung für.Halbe Kräfte", des hessischen Krüppelheims und mit dem neu eröffnetes Krnppellehrlingsheim waren es insgesamt 373 Pflegebefohlene, die in 107 123 Pflegetagen von den Nieder-Namstädter Anstalten betreut wurden. Wie in früheren Zeiten, so wird auch im laufenden Jahre dieses Werk der Liebe an den Aerinsten der Armen auf die verständnisvolle Unterstützung durch frei- 11. a. erwähnten sie auch eine Tour, die sie über den Brocken und noch viel weiter geführt hätte, daß sie abends vollständig geschlagen und ausgepumpt in ihrem Hotel angekommen wären. Sie hätten sich zu viel zugemutet. Nun gab ich ihnen die richtige Antwort. Ich sagte nämlich lächelnd: „Das kann natürlich nur Damen passieren!" Sie hatten verstanden, lachten, und das war gut so. 2n vielen Lebenslagen aber, wenn die Anspielungen knüppeldick kommen, hilft eine andere „richtige Antwort" am allerbesten: Das Schweigen! Und wem nicht gleich ein treffendes Wort einfallen will, der halte lieber still. Keine Antwort ist auch eine Antwort I W. Daten für Donnerstag, 7. November. 1810: der Dichter Fritz Reuter in Stavenhagen geboren (gestorben 1874); — 1818: der Naturforscher E. Du Bois-Reymond in Berlin geboren (gestorben 1896); — 1867: die Physikerin Marie Curie in War- schau geboren; — 1913: der englische Naturforscher Alfred Russell Wallace in Old Orchard gestorben (geboren 1822); — 1924: der Maler Hans Thoma in Karlsruhe gestorben (geboren 1839). Bornotizen. — T ageskalender für Mittwoch. Ctadttheater: „Hellseherei", 20 bis 22 Uhr. — Arbeitsamt Gießen: Vorträge betr. Berufsberatung, 19,30 Uhr, im Goethe-Gchulhaus. — 117er: Monatsverfammluna. 20 Uhr, bei Kam. Emil Steck. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Skandal in Baden-Baden" und .Die blaue Maus". — Astoria-Lichtspiele: .Das brennende Schiff" und .Wenn zwei sich lieben“. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung .Hellseherei, Gesellschaftsspiel in drei Akten von Georg Kaiser (Spielleitung Intendant Dr. Prasch) beginnt um 20 Uhr. — Am Freitag, 8. November, gastiert Hermine Körner mit ihrem Ensemble in Scribes Lustspiel .Das Glas Wasser" und in .Weihnachtseinkäufe" von Schnitzler. Das Publikum hat der Körner überall, wo sie ihr reiches Können zeigte, begeistert zugejubelt. Hermine Körner legt Wert darauf, durchweg gute Schaufpielkräfte in ihrem Ensemble zu haben. Um vielen Anfragen zu antworten, teilt die Intendanz mit, daß das Gastspiel .Hermine Körner" als Abonnementsvorstellung stattfindet. Tie Freitagscchonnenten zahlen keinen Aufschlag. — Gesellschaftsverein (Klub). Morgen nachmittag, 4 Uhr, findet die Wiedereröffnung der Bibliothek mit Katalogausgabe statt. (Siehe heutige Anzeige.) — „DieWunder des Film s", ein Wer klied von der Arbeit am Kulturfilm, ist ein Filmvortrag betitelt, der am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße stattfinden wird. Vortragende ist die Schriftstellerin Frau Lona Grundig aus Berlin, zu deren Ausführungen der von Dr. Edgar Behfutz geschaffene Film zur Vorführung kommt. Dr. Beyfutz ist der Be gründer und Direktor der deutschen Schulfilm- Organisation und früherer langjähriger Abteilungsleiter der Ufa. Ulan darf diesem Filmwerk, das in vielen anderen Städten mit grvtzem Erfolg, gezeigt wurde, mit Interesse entgegensetzen. (Näheres in der morgigen Anzeige.) •* Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung der Verbindung zwischen der Hammstraße und der Westanlage im Zuge der Rodheimer Straße und Neustadt ist wieder aufgehoben worden. *• Vom Gießener Wochenmarkt. Der Verkauf von Kraut, Kartoffeln und Obst auf Wagenladungen findet am nächsten Samstag nochmals auf Oswaldsgartcn statt. •• Schulpersonalie. Ernannt wurde der Lehrer Ernst Lotz zu Höingen, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Nieder-Gemün- den, Kreis Alsfeld, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts ab. •• Wichtig für Lungenkranke. Die Sprechstunden der Fürsorge stelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen jeden Montagnachmittag von 4 b i s 5 llhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer lieberweisung ihres Arztes an die (ACDIDINIUMDEHIVAT) 6R9PPE Donnefcldts ’ ist und bleibt V das beste Morgen-und Abendgetrank, Henkels Aufwasch-Spül-und Reinigungsmittel für Haus-und Küchengerät aller Art Hergestellt in den Persilwerken ■ • ■. ■ •_________________________________' _____________________________________________________________ 3°° 340 580 650 680 Nowack-Qualitäten sind die besten Nowack-Auswahl ist die größte Nowack-Preise sind die billigsten! Als ganz besonders günstig bieten wir an: Crepe de Chine Kunstseide, 85 cm breit Schweizer Fabrikat, alle Ballfarben..................... Taffet Kunstseide, 80 85 cm breit, alle mod. Abendfarben, 5.50, Fulgurant Seide mit Kunstseide, Ersatz für Cröpe Satin, alle modernen Farben für Tee und Tanz.....6.50, Georgette Bemberg einfarbig, 100 cm br., letzte aparte Neuheit für elegante Abend- und Ballkleider Crepe de Chine reine Seide, 100 cm breit, in nur allerbester Kleiderware, 200 Farben lagernd... .8.80, InVelour-Chiffon.Moirö sowie bedrucktem Crepe de Chine Crepe Satin und Marocain stets Eingang von Neuheiten ___________________________________________________ 9138A N Ullstein-Schnitte — Ullstein-Alben| owack L!LL?ü M WWW! Älusriabmeiage vom io.—20. November Rhein-Weine alS Spezialität in reicher Auswahl! Feinste Fisch-Filets von Seelachs, Kabliau, onse Goldbarsch und Schellfisch Fischhaus Cuxhaven MarktstraOe 14 Telephon 2417. Ferner 07059 Mosel- und Vordeaur-Weine Nur während dieser Zeil 10 Prozent Rabatt! Verlangen Sie umgebend Preisliste! W. Wolkewih, Weinbau Qvveubeim am Nbein.______ Nächste Woche! W Seid-lotterte wR 11250011 Isoooll 5OOOII L 104 H Porto u. Liste 304 B f L F. Ohnacker r» Darmstadt, Schulstr. 10 u. K I die durch Plakate kennt- Kl liehen VerkaüfsddlanjKl «oaaV la Feldbrandsteine Aufnahme In die neubegonnenen flurfe noch bis Ansang Tonernber möglich. Logische Handelsschulen ■ Gießen + Herborn M Verlangen W! November ionntag, 10. November er Geschäfte und Anstrah- Universität, Maus, alte ihnhof • Abgabe von GnU* n (Fragen und AntwoMV lber: 20.10 Uiu Stadtsäle« „^».«UhiSudtsälei Verein isen üi ÖL' >n 7 . 2i. sche 1)« sch 50 PI. \W SO PI. rlne 1,00 el oW I! P,5/7 •- Mittwoch, 6. November 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Nr. 261 Zweiter Blatt Von Briand zu Tardieu. Tiefere Ursachen der französischen Kabinettskrisis. Don unserem v. 2. T.-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, November 1929. Krieg und Revolution haben uns neben vielen anderen modernen Errungenschaften, über deren Wert man ebenso ernstliche Zweifel hegen kann, auch die wochenlangen Regierungskrisen in Deutschland beschert, dre in offener oder latenter Form für den Staat von nicht zu unterschätzendem Nachteil sind, da sie sein Ansehen herabsehen. Auch Frankreich, das bisher, wie die meisten parlamentarischen auherdeutschen Staaten, nur kurze Kabinettskrisen kannte, hat sich heute an Deutschland anscheinend ein Beispiel genommen. In früheren Jahren wurden die Regierungskrisen in Frankreich meist sehr schnell gelöst. Die Kammern waren unter einer bestimmten Parole gewählt worden. Die letzte lautete auf den Namen Po ine ar 6, der mit Recht als der Retter Frankreichs aus dem finanziellen Ruin galt. Ein Kabinett Poincare ließ sich daher ohne. Müh« auch nach der letzten Wahl bilden und wäre sicherlich noch jahrelang ohne allzugrohe Veränderung am Ruöer geblieben, wenn Poincare nicht durch seine Krankheit zum Rücktritt gezwungen worden wäre. Seinem Nachfolger Briand gelang es, die Mehrheit der Kammer und damit auch die Mehrheit der Regierung bei einem festen Programm zusammenzuhalten, das ausschließlich der Annahme des Boung-Planes mit allen seinen Folgen galt. Der einzige, rein außenpolitische Punkt der Briandschen ^Regierungserklärung schloß von vornherein alle anderen innerpolitischen Streitfragen aus. Die Einigkeit im Kabinett hielt jedoch nur bis zum Schluß der ersten Haager Konferenz vor, dann erwies es sich sehr schnell, daß nicht nur die Kammermehrheit, sondern auch die Minister in allen wichtigen außenpolitischen Fragen völlig entgegengesetzter Auffassung waren und auch zu dem Ergebnis der Haager Berhandlungen keineswegs die gleiche Einstellung hatten. In zwei öffentlichen Reden gab der Kolonialminister M a g i n o t den Haager Abmachungen «ine Auslegung, die mit der Auffassung Driands und der von ihm verfolgten Außenpolitik keineswegs übereinstimmte. Doch schwieg Briand hartnäckig bis zum Tage der Kammereröffnung, die ihn und seine Regierung stürzte. Es war auffällig, wie wenig Briand daran gelegen schien, sein Kabinett zu retten. Hatte er die SiNation nicht richtig beurteilt, den Ernst der Lage nicht richtig eingeschäht? Er antwortete seinen Gegnern mehrfach, jedesmal eine Nuance gereizter, wobei er sich auf keinerlei Einzelheiten über die außenpolitischen Verhandlungen einlietz. Baute er da • auf. daß man es im radikalen und sozialistische.! Lager nicht zum äußersten treiben werde, nachdem gerade diese beiden linksstehenden Parteien seine Außenpo.itik im wesentlichen billigten? Oder war Briand tatsächlich a m t s m ü d e, wie viele seiner Freunde behaupteten, und hoffte er, auf diese Weise sich von den Lasten wenigstens der Ministcrpräsidentschaft zu befreien, die ihm neben den Pflichten als Außenminister zu viel wurden? Briands Freunde wissen, daß die beiden letzten Jahre nicht spurlos an ihm vorübergingen. Man erinnert sich der schweren Krankheit, die ihn wochenlang ans Bett fesselte, die von seinen Aerzten sehr ernst beurteilt wurde. Seine beiden treuesten internationalen Freunde und Mitarbeiter Stresemann und Chamberlain hat er verloren — den ersteren durch den Tod. Chamberlain, .-der monatelang krank war, konnte sich wohl erholen, erlag aber dann bei den Wahlen mit der Konservativen Partei dem Ansturm der Arbeiter. Auch unter Briands früheren politischen Weggenossen herrscht viel Krankheit: Cle- menceaus Gesundheit ist schwer erschüttert und auch von Poincare glaubt man nicht, daß er in dos politische Leben zurückkehren werde. Man sagt, daß Briand durch diese Krankheiten so vieler namhafter Politiker ernstlich beunruhigt sei und selbst die La st en des Alters zu spüren beginne. Zweifellos sehnt er sich nach Ruh«, nach Ausspannung, nachdem er jahrelang ohne Unterbrechung an höchst verantwortlicher Stelle Frankreichs Außenpolitik leitete. Aber ebenso wie Stresemann, den sein früher Tod daran hinderte, hätte auch er sein außenpolitisches Programm gern erfüllt, durch die Regelung des Reparationsprogramms diejenigen Fragen aus dem Wege geräumt, die auch nach seiner Auffassung der europäischen Politik aufs schwerste belasten. Er wußte, daß nur er allein sie lösen konnte, daß ihm jedoch die Zusammensetzung seines Kabinetts hinderlich war. Die Widerstände der Leute um Maginot waren zu stark. Er vermied es daher, Maginot nach seinen beiden Rheinlandreden öffentlich zurechtzuweisen. Er schwieg und wartete — wartete so lange, bis sich ihm die Gelegenheit bot. sich von Maginot zu trennen. Beim Zu- fommentritt der Kammer stellte er die Vertrauensfrage: entweder sollte ihm die Kammer das vorbehaltlose Vertrauen aussprechen, das sie ihm nach öem Haag auf den Weg mitgegeben hatten oder er ging. Unö er mußte gehen, nicht schweren Herzens. Als man ihn am Abend nach dem Sturz seiner Regierung fragte, ob er dos neue Kabinett bilden wolle, da lehnte er lachend ab: „Hm Gottes willen nichtI“ Die Tage kommen und gehen. Der Präsident der Republik hatte es diesmal nicht eilig mit der Regierungsbildung. Er befragte einige ihm persönlich befreundete Senatoren und Abgeordnete. die Vorsitzenden der großen Kammerkom» missionen. Fast alle stimmten darin überein, daß Briands Widerkehr die beste Lösung sei. Doch Briand selbst hielt sich völlig abseits. Am Tage nach seinem Sturz fuhr er nach Schloß Rambouillet, wo jeden Herbst für die ausländischen Diplomaten die große Jagd stattfindet, und vertrat in seiner liebenswürdigen und geistreichen Art den durch die Kabinettbildung ferngehaltenen Staatspräsidenten Doumergue. Er soll selten so freundlich wie gerade an diesem Tage gewesen sein. Hinter den Kulissen des Parlaments wurde unterdessen eifrig beraten und verhandelt. Die meisten Parteien hielten sich zurück. Die politische Lage sei zu verworren und unklar, um handelnd eingreisen zu können. Aber allmählich wird es den meisten klar, warum Briand ging: er konnte mit dieser Regierung seine Außenpolitik nicht durchsetzen: er wäre gezwungen gewesen, von dem Wege, den er gehen wollte, abzuweichen. Wie kann die Briandsche Politik, die zur Zeit von der Mehrheit des fran- ?>ösjschen Volkes geteilt wird, fortgesetzt werden? Die Opposition erschien zu schwach und zu heterogen. um die Leitung der Staalsgeschäfte zu übernehmen. Trotzdem entschloß sich der Präsident Doumergue, nachdem der radikalsozialistische Kongreß in Reims sich für die Beteiligung an der Regierung ausgesprochen hat, den Vorsitzenden D a l a d i e r mit dieser zu betrauen. Nach tagelangen Bemühungen mißglückte Daladiers Versuch und der linksradikale Senator Clemente! wurde mit der Regierungsbildung beauftragt. Hinter Clementel tauchte bereits der Schatten des großen Mannes auf. von dem man noch vor acht Tagen glaubte, daß ihn die Krankheit an jeder politischen Tätigkeit hindern werde: Poincare. Langsam brach sich die Auffassung Dahn — nachdem man weiß, daß Poincarö in zwei Monaten wieder hcrgestellt fein dürste — ob es nicht richtig sei. mit den nationalen Kräften bis zu seiner Rückkehr Haus zu halten und in der Zwischenzeit einem Linlskabinett di« Möglichkeit zu lassen, sich so schlecht oder so gut es kann, vor dem Lande die Sporen zu erwerben oder sich zu blamieren. Es sollte anders kommen: auch Clementel scheiterte, und Tardieu mußte heran, der fast augenblicklich mit seiner Ministerliste auszuwarten vermochte. Man hat nicht auf die Gesundung des großen kranken Mannes politische Kräfte gespart, man hat den aus diese Gelegenheit schon lange wartenden Tardieu losgelassen, der das Zeug zu einem neuen Poincare zu hoben glaubt, Und Driands großer Plan zur Defreiung seiner Außenpolitik von untragbaren Kräften? Dieser Pian ist völlig gescheitert: Maginot kehrt zurück und seine Leute auch. Driand wird es nicht leicht haben! Aus der prvvinzialhauptstadt. Gießen, den 6. November 1929. Aben^feier der Katholischen Epie'gemeinschast und des siammerorchestcrs der Volkshochschule Oöerheisen. Ein seiner Abend für je^en, der ihn miterlebte. Was diese Abendse'.er so wertvoll machte, war ihre geschlossene Einheit, Soweit mir bekannt ist, war das ein erstes Zusammenarbeiten der beiden. Beide Gruppen sehr fähig und ihre Leitung in guten, ausgesch.os.enen Händen. Cs ist ein ehrlicher Wunsch, daß Beide in gemeinsamem, frohem Schaffen uns noch ähnliche | Abende schenken. Bachs brandenburgisches Konzert wurde vom Kammerorchester formvollendet ge'p'.elt. Es war eine Freude, diesem Mu,izieren zuzuhören. Ohne Dirigenten, auseinander abgefd.i.mt und eingespielt, waren die drei Sähe ein Guß. Cs sind eben Menschen in diesem Kreis, die sich musikalisch verstehen. Die Bühnenmusik zum Cal- deronspiel ward ebenso gut und genau besorgt. In klaren, tiefgründigen Worten führte der Leiter der Spie.gemeinschast, H. H. Kaplan Gremm, in Calderons Welt und Gedankenbild ein: Das Christentum Cal. erons war der von Trient aus reubeiebte Kaihe.izidmus d.r schwungvolle Katholizismus des Barock. Di« brennenden Themen damaliger Zeit, Gnade, Willensfreiheit usw. gehen deut.ich durch seine Wer^e und finden ihre höchste, zeitgemäße Formung. Natur und Gnade sind d i c Prob.eme. die er immer wieder aufgreift, namentlich in seinen geistlichen Dramen. Man muß sich wundern, daß Calderons Dramen, die doch stark zeitbedingt geschrieben wurden, uns heuti-e.r Menschen so viel geben. Cs lebt etwas vom Transzendenten in ihnen, und das gibt ihnen den Lebenskeim. „Das Nachtmahl des Bathasar" knapp im Aufbau, groß in der Linie, satt in der Sprache. Die Idee des Stückes war vom Spielleiter klar herausgearbeitet. Das Spiel war gewachsen, nicht gemacht und gestellt. Der Zielce anke nicht in Tendenz verbogen. Die Besetzung" i er einzelnen Rollen war sehr glücklich und die Aufführung wirklich Gemeinscha tsspiel. Die Farbgebung dec dreigeteilten Vorhangbühne war glücklich gewählt. Der Hoch eitszug dec Abgötterei kommt durch dea Zuschauerraum. Das kommt den Bestrebungen der Laiensvielbcwegung entgegen, die Wand zwischen Spielern und Zuschauern zu brechen. Eisigkalt konnte einem werden, wenn der Tod durch den Saal kommt, während auf der Bühne ein bunter Re:gen _ben König Balthasar bezaubert. Der Reigen dürft« gelockerter, leichter sein. Die Leistungen der Sp-e- ler standen alle über dem Durchschnitt. Ganze Leistungen, die kaum einen Wunsch offen liehen, waren vor allem der König Balthasar. Sehr gelungen war die nicht leichte Sterbeszene. Dann der Tod. Sein« Worte fielen oft w.e Cisspitzen in die ergriffene Zuschau rrmenge. Sehr gut war auch der Gedan e des Königs. 5>rr Prophet Daniel fand erfchütlernde Töne, die Rot Israels zur seinigen zu machen. 26>göttevei und ©ite3cit waren das, was sie sein sollten. Vielleicht dürsten sie manchmal etwas freier, lebendiger sein. Gut durchgearbeitet und sehr lebendig war die Gastmahlsszen«. Man svürle es immer wieder: begeislerungSfrohe Spieler, gründliche Proben- aroeit, Ehrfurcht vor dem Dichtwerk. Dem Kammerorckester. den Spielern und den treuen Helfern des technischen Apparates war der Abend ein Feiertag. Sie alle spielten nicht um irgendeines Zweckes, sondern nur um der Freude willen, die sie sich und anderen bereiten durften. X. Elternabend und Ausstellung im Fröbel-Seminar. Das Fröbel-Seminar veranstaltete am Montagabend in seinen Räumen für die Eltern der Kinder aus den Kindergärten Gartenstraße und Grabenstraße einen wohlg lu-genen Elternabend mit anschließender De, icht gung einer Ausstellung von Advents- und Weihnachtsarbeiten. Die Beransta't.mg war außerordentlich gut besucht, ein Zeichen dafür, daß sowohl für den Vortrag, als auch für die Ausstellung großes Interesse vorhanden war. Frau Dr. Flörke sprach in anregendster Weise über die „Erziehung im frühen Kindesalter". Sie betont: u. a.. daß jeder, der ein eigenes oder fremdes Kind erzieht, sich selbst prüfen soll, ob er nicht durch sein eigenes Dei- spiel. oder durch falsche Erziehung selbst schuld ist an dem, was er an dem Kind zu rügen hat. Frau Dr. Flörke sprach ferner über die Ursachen der Kinderlügen, über Hemmungen und Minderwertigkeitsgefühle. über sexuelle Regungen im frühen Kindesalter u. a. m. Wegen Mangel an Zeit sand keine Aussprache statt, die dafür auf einen späteren Abend verlegt ist. Dann begann di« Besichtigung der Ausstellung, deren Zusammenstellung von dem Leitmotiv ausging: „Was kann ich tun, um meinem Kind die Adventszeit so zu gestalten, daß diese Tage vor Weihnachten ihm zu einem Erlebnis werden?' Die Ausstellung zeigte, daß man das Ziel auf zweifachem Wege erreichen kann. Einmal dadurch, daß man Gegenstände für das Kind herstellt, und zum anderen, daß man das Kind selbst kleine Weihnachtsgeschenk« anfertigen läßt und damit zugleich auch seiner Schaffensfreude Rechnung trägt. Die Eltern erhielten durch die Ausstellung Anregung, mit geringem Kostenaufwand für ihre Kinder Sachen herzustellen, die in irgend einer Beziehung zum Weihnachtsfest stehen. So sah man verschiedene Weihnachts- Uhren, -Kalender, Adventshäuschen, Wunschzettel u. v. m. Cs wurde ferner gezeigt, auf wie mannigfaltige Weise man Weihnachtskrippen Herstellen kann, nämlich als Transparent sowohl, als auch figürlich aus Holz, Stoff oder aus Tannenzapfen, Eicheln und Lindensamen. Weihnachtsschmuck aus gefalteten und geklebtem Papier fehlte ebensowenig, wie ein großer Adventskranz und geschmackvoller Tischschmuck aus Tanne und Aepfeln, die als Kerzenleuchter Verwendung finden. Ein großer Tisch, zeigte di« verschiedensten Geschenke, hergestellt von Kinderhand. Besondere Erwähnung verdienen ferner zwei, ganz reizend gedeckte Kindertischchen: das eine ist bestimmt für eine Adventsfeier, das andere für den Nikolaustag. Hinzugefügt soll Der Gleichlauf beim Fernsehen. Don Max Fischer. Nachdruck verboten! Die meisten Fernsehapparate verwenden beim Sender und beim Empfänger eine Lochscheibe. Die Lochscheibe des Senders hat die Aufgabe, das zu sendende Bild abzutasten, das heißt, es in Streisen zu zerlegen, und diese Streifen aneinanderzureihen. Die Lochscheibe des Empfängers muß diese aneinanderg riihten St.e.sen wieder nebeneinanderlegen, so daß man durch sie hindurch das Bild sieht. Nun müssen natürlich die beiden Scheiben, die des Senders u b die des Empfängers oder der Empfänger, alle gleich schnell umlaufen, denn sonst wird das Bild nicht richtig zusammengesetzt. Dicser Gleich lau s macht heute noch die größten Schwierigkeiten: wenn man ihn nicht auf einfache Weise erreichen kann, so werden die Fernsehapparate dadurch verwickelt und teuer, während alle ihre anderen Teile von einer geradezu verblüffenden Einfachheit sind. Dieselben Schwi.rigkeiten best h.n auf vielen anderen Gebieten, z. D. bei allen Typendruck- telegravhen und auch bei unseren Uhren, weil sich Fehler fortgesetzt vergrößern. Eine gewöhnliche Gebrauchsuhr. die z. D. an einem Tage 10 Sekunden nachg hl, kann man nicht ais schlecht bezeichnen, denn diese 10 Sekunden bemerkt man ja kaum. Schlimm ist nur, daß eine solche Uhr am zweiten Sage um 20 Sekunden und nach 6 Tagen eine Minute nachgeht, im Monat also um 5 Minuten. Aehnlich liegt es bei den Typendrucktelegraphen, die bei kleinen F.h- lern im Gleichlauf erst nach mehreren Um- drehungen des Typenr^des einen falschen Buchstaben liefern. Bei den Typendruckt legraphen hat man das Drucken falfcher Buchstaben n.uerRngs zur Vermeidung verwickelter Vorrichtungen, die den Gleichlauf erzwingen, durch den Bau sogenannter Springschreiber vermieden. Bei dre en Springschrcibern läßt man das Typen.ad zum Abdruck eines Buchstabens immer nur eine Umdrehung machen und hält es dann an. Cs springt also immer nur einmal herum: die Fehler können sich dabei nicht vergrößern, weil es immer wieder neu anfängi, sich zu drehen. Man kann natürlich bei einer einzigen Umdrehung die Fehler m so engen Grenzen halten, daß kein falscher Buchstabe gedruckt wird. Nun gibt es zur Erzielung des Gleichlaufs eine sehr einfache Vorrichtung, nämlich den sogenannten Synchronmotor. Wenn man einen solchen Motor an ein Wechfelstromneh anschließt, so steht die Zahl seiner Umdrehungen in einem ganz bestimmten Verhältnis zur Zahl der Stromwechsel. Unsere deutschen Netze haben fast durchweg 100 Wechsel in der Sekunde. Bisher kam es nun auf die ganz genaue Einhaltung dieser Wechselzahl nicht an; es ging schließlich ebensogut mit 99 und 101 Wechseln, und kein Verbraucher hatte irgendwelche Nachteile von einer solchen Abweichung: er bemerkte sie gar nicht. Nun kam man auf den Gedanken, Uhren durch einen aus dem Wechselstromneh angetriebenen Synchronmotor anzutreiben. Solche Uhren sind außerordentlich einfach und brauchen nicht mehr aufgezogen zu werden, da sie ja durch den elektrischen Strom angetrieben werden. Aber der Versuch mißlang aus zwei Gründen. Wenn nämlich das Elektrizitätswerk, wie es die Regel war, die Wechselzahl nicht genau einhielt, so gingen die Uhren falsch. Blieb der Strom einmal aus, so blieben die Uhren stehen, liefen beim Wiedcreinsehen des Stromes weiter und gingen bann natürlich nach, ohne daß es der Besitzer immer gleich bemerkte. Darin ist nun neuerdings Wandel geschaffen worden: zahlreiche Etektrizi- tätswerke sind dazu übergegangen, die Wechselzahl ganz genau einzuhalten, das heißt in der Sekunde 100, in der Minute 6000, in der Stunde also 360 000,'somit am Tage ganz genau 8 610COO Wechsel zu geben. Dies wird dadurch erreicht, daß fie zwei Uhren haben, von denen die eine von einem Uhrwerk gitrieben nach Stemtoarten- zeit geht, während die andere mit einem Syn- chronmotör aus dem Netz angetrieben wird. Eilt diese Uhr etwas vor, so wird die Wechselzahl vermindert, geht sie nach, so wird die Wechselzahl erhöht, bis die Uhren wieder die gleiche Zeit zeigen. An diese Netze kann man also Synchronuhren anhängen, die dann ganz genau gehen, ohne daß man sie jemals einzustellen braucht. Bleibt der Strom einmal aus. so erscheint eine rote Fallscheibe. Man weih dann, daß die Uhr nachgeht, und daß man sie nach der Ansage im Rundfunk oder nach dem Nauener Zeitzeichen berichtigen muß. An solche Netze mit geregeltem Gleichlauf, die dieselbe Wechselzahl Haven wie der Sender, kann man nun auch ohne weiteres Ferns e h - apparat« anhängen, die dann auh rordentl.ch einfach und billig werden, weil sie keine Synchronisiervorrichtung, sondern nur zu ih em Antrieb einen kleinen Synchronmotor brauchen, der für wenig Geld zu haben ist. Noch haben sich nicht alle Elektrizitätswerke dazu entschlossen, ihre Wechselzahl genau einzuhalten; die, die es noch nicht getan haben, werden aber durch die Entwicklung dazu gezwungen werden. es zu tun, schon deshalb, damit ihre Kunden elektrische Uhren mit Synchronmctoren benutzen können und ihre Uhren weder auszuziehen noch sich sonst um sie zu kümmern brauchen. Davon wird dann auch der Fernseher Nutzen haben, indem man ihn eben auch an das Wechselstromnetz anhängen kann, ohne daß er einer Synchroni- sicrvorrichtung bedarf. Darüber hinaus aber werden sich noch viele Gelegenheiten ergeben, den Gleichlauf der Netze auszunuhen. Cs ist z. B. eine trotz des Springschreibers noch nicht so recht befriedigend gelöste Aufgabe, dem Fernsprechteilnehmer neben seinen Fernsprecher eine Fernschreibmaschine zu stellen, mit der er jedem anderen Teilnehmer auf einfache Weise Nachrichten zudrucken kann. Auch die Lösung dieser Aufgabe würde bei Durchführung des Gleichlaufs ungemein erleichtert und vereinfacht. Als ich vor vielen Jahren eine allgemeine Synchronisierung forderte, bin ich ausgelacht worden. Cs zeigt sich aber doch, daß der Gedanke marschiert, wenn auch langsam. Vor einiger Zeit hat auch Professor Korn, ein Pionier der Dildtelegraphie, d^n Gedanken einer allgcmci en Synchronisierung in der Oessentlichkeit vertreten und verlangt, daß irgendwo auf der Erde eine Leitstelle zum Geben des Taktes eingerichtet werde. Auch Professor Karolus, mit dem ich mich kürzlich über diese Frage unterhielt, ist der gleichen Ansicht Es scheint mir nun an der Zeit zu sein, daß auf diesem Gebiete Entscheidendes geschieht, damit wirklich einfache und billige Fernsehgeräte geschaffen uni) die Vorteile einer allgemeinen Synchronisierung für viele andere Zwecke ausgenutzt toercen können. Dies ist um so mehr nötig, als die Schaffung billiger Fernsehgeräte nur noch an dieser Frage hängt, denn über alle anderen Fragen haben sich die verschiedenen Erfinder unter Führung des Reichspostzentralamtes geeinigt. Lochschulnachrichten. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den Professor Dr. Alfred Magnus in Frankfurt beauftragt, auch im Wintersemester 1929 30 die Vertretung der durch den Tod von Professor Richard Lorenz frei gewordenen Professur für physikalische Chemie ebenda zu übernehmen. Der durch die Emeritierung des Profestors M. Löhr an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der alttestamentlichen Wissenschaft ist dem Privatdozenten Lio. theol. Martin NothinLeip - z i g angeboten worden. — Der Privatdozent Dr. Leo S a n t i f a 11 e r an der Universität Berlin hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte in Breslau als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats Franz Kämpers erhalten. — Der o. Professor D. Karl Barth in M ü n st e r ist mit Wirkung vom 1. April 1930 zum ordentlichen Professor in der evangelisch theologischen Fakultät der Universität Bonn ernannt worden. Dr. Barth wird in Bonn Nachfolger des Geheimen Konsistorial- rats L). Ritscht auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie und Dogmengeschichte. 1OO Dollar mal zweihundert und vier. Von Hans Riebau. In Defnisbay fing man an. heftiger zu atmen. In Defnisbay rann das Blut schneller durch die Adern. In Desnisbay wurden die Stimmbänder länger, die Lippen trocken, und die Revolver sahen lose in den Taschen: in Defnisbay wurde der Distriktsgouverneur gewählt. „Hört mal zu, Jungs", sagte am Vorabend Mr. Fellows, der Farmer, zu seinen Arbeitern. „Brinks muh gewählt werden. Habt ihr verstanden? Brinks muß gewählt werden. Keine Stimme Johnson, dem Prahler. Brinks ist ein Freund der Farmer. Brinks ist auch mein Freund. Wenn Brinks Distriltsgouverneur ist, habe ich Vorteile davon. Das gebe ich zu, Jungs. Aber wenn ich Vorteile habe, hat auch die Farm Vorteile, und wenn die Farm Vorteile hat, dann habt auch ihr welche. Und weil das so ist, Jungs, habe ich beschlossen, jedem von euch 100 Dollar zu schenken, wenn im ganzen Farmbezirk alle Stimmen, hört ihr, alle Stimmen, für Brinks abgegeben werden. Also geht hin und wählt." Die Farmarbeiter hörten zu. Die Farmarbeiter kratzten sich die Köpfe. Brinks war ihr Feind. Johnson war ihr Freund. Aber 100 Dollar waren 100 Dollar. Und Mr. Fellows, der Farmer, ein Mann, der sein Wort hielt. Und so beschlossen die Arbeiter, Brinks zu wählen, ihren Feind, und jeden zu vertrimmen, der es sich etwa einfallen liehe, den Geist über die Materie und die Politik über die Wirtschaft zu stellen. Am nächsten Abend wurden die Stimmen im Farmbezirk gezählt. Aus zweihundert und vier Zetteln stand: „Brinks." Auf einem aber — „Johnson". Und aus war es mit den 100 Dollar. Da fingen die Farmarbeiter an, mit den Zähnen zu knirschen, warsen die letzten Cents zusammen und bestellten einen Detektiv. Der Detektiv war ein tüchtiger Mann. Schon am nächsten Mittag hatte er heraus, wer den Zettel für Johnson abgegeben hatte. Es war Mr. Fellows, der Farmer, selbst. Tv Hi Oie Jagd im November. Nun klingen die Hörner, läuten die Hunde und knallen die Büchsen im herbstlichen Wald. Die Brunft des Rotwildes wie auch des Damwildes ging zu Ende. D e stark abgekommenen Hirsche werden in pfleglich behandelten Revieren vom Abschuß nach der Feiste und Brunft ausgeschlossen, und dec Hauptaugenmerk gilt dem richtigen Wahlabschuh unter dem Kahlwild. Pürsch und Anstand sind auch hier die besten Methoden, während die Treibjagd stets dem Gedanken einer Hege mit der Büchse zuwiderläuft. Das Schwarzwild ist feist. 3m Wald bieten Bucheckern oder Eicheln ihm reiche Mast. Fehlt es aber daran, so werden draußen auf den Feldern» die schon abgeernteten Kartoffeläcker immer' wieder umgebrochen. Sobald die erste Reue fällt, wird mit dem Kreisen und Belagen begonnen. Das Rehwild trägt sein graues Winterkleid und steht in warmen Dickungen. Der Dock- abschuh dürfte für dieses 3ahr beendet sein. Der Wahlabschuß der Ricken sollte nur auf Pürsch- gang und Anstand erfolgen. Rur so kann dec Abschuß in wirtschaftlich richtiger Weise erledigt werden, wenn gleich es auch bequemer ist, den Abschuß auf der Treibjagd vorzunehmen. Rur über das Schicksal der mit Schrot angeblich gefehlten Rehe gibt man sich nicht gern Rechenschaft. Wieviel tragen die Schrote als-Hcsache langsamen Krankens und Verendens in sich. Qualvolles Ende und wirtschaftlicher Verlust sind das Endergebnis. Das gesamte Rehwild hat in Hessen noch bis zum 30. November Schuhzeit. 3n Preußen dagegen begann am 1. Rovember die Schonzeit des Bockes, so daß durch die Verkürzung der Rickenschuhzeit (nur Dezember) dort im Novenber alles Rehwild Schonzeit hat. Eine Ausnahme macht die Rheinprovinz (ohne den Kreis Wetzlar!). Hier spielt die Politik in den Rehw.ld- abschuh hinein. Denn die Besatzung befürchtete, vor der Räunrung ihre 3agden nicht mehr aus- schiehen zu können. Deswegen begann dort die Schuhzeit schon am 1. Rovember. Armes Rehwild! Der Hase steckt im Holz, solange es auf den Feldern noch unruhig ist. Allerdings rückt er gern aus, wenn das Laub fällt. Auf alten Sturzäckern, am Dachufer, in Wintersaaten hat er dann seine Sasse. Zur wirtschaftlichen Deja- gung des Hasen eignet sich am besten die Treibjagd, und zwar am meisten das Standtreiben. Die Suchjagd mit der Verleitung zu schlechten Weitschüssen und Schüssen von hinten sowie mit ihrer Hnruhe, wenn sie häufig ausgeübt wird, sollte man auf kleine Revierteile mit „Küchen- hasen" beschränken, wenn der Hasenbesatz einigermaßen eine Treibjagd lohnt. Die Rebhühnerjagd ist vorüber. 3m Wald liegen Zugschnepfen, die mit kurz suchendem Hund gejagt werden können. Dald werden sich nun auch nordische Enten einstellen. Die 3agd auf unsere heimatlichen war infolge des letzten Winters fast gleich Rull. Auf Flüssen und Dächen fallen sie ein. Eeeblänken und überschwemmte Wiesen üben eine besondere Anziehungskraft auf die Dreitschnäbel aus. Auch Gänse stellen sich meist ein, wenn es kälter geworden ist. Die sinkende Temperatur wirkt auch günstig auf den F u ch s b a l g ein, der nun beginnt, eine willkommene Deute zu werden. Grimbart, der Dachs, ist feist und lohnt das Graben, wenn er nicht in dachsarmen Revieren geschont werden soll. So bietet das Weidwerk im Rovember dem 3äger Freude genug. Doch darf er darüber nicht vergessen, daß ihn jeder Tag dem Winter näher bringt. Wer weih, wie er werden mag. Wer es gut meint mit seinem Wild, der baut vor. Die Futterplätze sind e.nzurichten und soweit zu beschicken, daß das Wild sich daran gewöhnt und weih, wo es etwas findet, wenn die Rot kommt. Desonders wichtig ist diese Mahnahme bei Fasanen, die gern verstreichen, wenn sie nicht bald etwas finden, wenn die Aesung knapp wird. Desonders sei auch auf die Vorbereitung von Hühnerfütterungen hingewiesen. Es hat keinen Sinn, alljährlich über schlechte Hühnerjagd zu klagen, wenn man nichts zu ihrer Hebung tut Die Ursachen ihre^ Rückganges mögen mancherlei Art sein. Sicher -st, daß Fütterungen auf freiem, deckungsarmem FeU), die dem Huhn Schuh und Nahrung geben, ausgezeichnet sind und eines der besten Mittel zur Erhaltung und Hebung des Hühnerbesahes. Für Rehwild und Rotwild sei besonders an die Erneuerung der Salzlecken, die nur wenig kosten und glänzend wirken, erinnert. Sie fesseln das Wild an bestimmte Revierteile, halten es von den Grenzen fern und locken es zu den Fütterungen, wenn es nottut. Heber aller Freude am Weidwerk steht der Spruch: „Kein Heger — kein 3äger!" . Hubertus. noch werden, bah sämtliche Ausstellungsgegenstände — ausgenommen die Kinderarbeiten — von Mitgliedern der Berufsorganisation der Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Zugendleiterinnen, Ortsgruppe Gießen, angefertigt sind. Die Ausstellung war Montag bis Mittwoch geöffnet und fand allgemeinen reichen Beifall. ** Für den 7. November gesperrt. Der Stcaßenübergang km 1,215 dec Bahnstrecke Gießen— Gelnhausen (2l u l w e g) wird für den 7. November von 8 bis 17 Uhr wegen Einbaues einer neuen Schrankenanlage nebst Straßenkanal für den Verkehr von Fahrzeugen aller Art gesperrt. *’ Oeffentliche Düchechnlle. 3m Oktober wurden 1190 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: erzählende Literatur 813, Zeitschriften 34, 3ugendschriften 91, Gedichte und Dramen 12, Länder- und Völkerkunde, 47, Kulturgeschichte 7, Geschichte und Biographien 83, Kunstgeschichte 20, Raturwissenschaft und Technologie 31, Heer- und Seewesen 8, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 6, Religion und Philosophie 7, Staatswissenfchaft 13, Sport 2, Fremdsprachliches 8 Bände. Rach auswärts kamen 6 Bände. — Zugang neuer (z.T. gestifteter) Bücher in Auswahl: Romane: H. Dlunck: Die Weibsmühle: F. Dostojewski: Die Brüder Karamasow: Kl. Hofer: Sonja Kowalewsky: 3. Laufs: Peodje Puhl: G. Renker: Stadt der 3ugenb; Heilige Berge: II. Sinclair: Wallstreet: H. Stegemann: Ende des Grasen Krall: Klara Diebig: Die mit den 1000 Kindern: F. Werfel: Tod des Kleinbürgers. Reisen: F. Doflein: Ostasiensahrt: K. Kirchäss: Meine Weltumseg- lung: G. Pfeffer: Die weihe Mah: 3. Wiese: Gustav Rachtigal. Heimatkunde: Der Gleiberg in Ratur und Geschichte. Erziehung: C. Spranger: Psychologie des 3ugendalters. Staat und Recht: Marianne Weber: Ehefrau und Mutter in der Dechtsentwicklung: Staat und Recht im neuen Deutschland. Herausgegeben von B. Harms (ein zweibändiges Sammelwerk). Lebensbeschreibung: Marie dAgoult: Memoiren: F. Dostojewski, geschildert von seiner Tochter Aimee: 3ugendbriefe von Emile Dubois- Regmond: Wilhelm Kahl, von M. Alsberg: R. Presber: Aus der 3ugendz?it: Theodor Storm, ein Bild seines Lebens, von G. Storm: Maria Zanders, das Leben einer bergischen Frau, von Anna Casparh. Der Weltkrieg: E. Dwinger: Die Armee hinter Stacheldraht: F. Raucheisen: Westfront: L. Renn: Krieg. Raturwissen- schaft und Technik: R. Pohl: Einführung in die Elektrizitätslehre: 3os. Plaßmann: Himmelsbeobachtungen ohne Fernrohr: 3oh. Walther: Bau und Bildung der Erde: Deng-Berg: Tockem, der See der wilden Schwäne: Otto Willi Gail: Mit Raketenkraft ins Weltall. Viele 3ugendschriften. ** Heber „Automobikbau und Verkehr s o r d n u n g" hielt am Sonntagvormitttag vor einem Kreise geladener Personen der Automobilvertreter und Fahrlehrer Hrch. Appel in seinem Ceschäftslokal einen sehr instruktiven Vortrag. Herr Appel machte die Zuhörer unter Demonstrationen an einem von der Karosserie freigemachten AutomobilfahrgesteU zunächst eingehend mit den technischen Dingen des Automobilbaues bekannt. Sehr aufschlußreich erläuterte er die Funktionen des Diertakt- und des Zweitaktmotores, besprach den Gang des ganzen Getriebes, der Bremsen, Kuppelungen usw. Auf Grund seiner fachmännischen Erfahrungen betonte er unter Hinweis auf die motorische Leistungskraft, daß ein Kraftfahrer, der mit seinem Fahrzeug eine Geschwindigkeit von mehr als 60 Kilometern in der Stunde entwickele, die Herrschaft über den Wagen nicht mehr in der Hand habe, denn ein mit mehr als 60 Kilometer fahrendes Auto brauche einen Bremsweg von etwa 70 Meter, und da sei es einleuchtend, daß bei einer solchen Geschwindigkeit und Reichweite des Abbremsens der HnglücksfaU greifbar naheliege. Liebe in Ketten. Roman von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). 31 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Dann betraten sie den Park und schritten auf den wohlgepflegten Wegen dahin. Diesmal war es kein Zufall, daß Felix Turnau in den Pfad einbog, der zu dem Lieblingsplah seiner Frau unter dem alten Ruhbaum führte. Ganz insgeheim hoffte er, Käthe dort zu finden, und immer schneller schritt er aus: aber er suchte auch den Klang feiner Schritte immer mehr zu dämpfen, um sie desto sicherer überraschen zu können. Seine Augen strahlten, als er schon von weitem durch die Zweige ein Helles Kleid schimmern sah. Er hielt Bodenstein zurück, der ahnungslos weiterschritt. „Käthe!" murmelte er. „Dort sitzt sie am liebstem Wie wird sie sich freuen! Wir wollen sie überraschen. Still! Ganz leise!" Bodenstein lächelte. Er sah doch, wie diese beiden Menschen einander liebten. Ec freute sich dessen um Käthes willen — aus einer ganz bestimmten Hrsache, die bisher ihm allein bekannt war, und so schritt er leise neben dem Freunde her, bis dieser plötzlich stehenblieb, erblassenden Gesichts und die Finger seiner linken Hand in den rechten Arm Bodensteins krampfte. Auch dieser war stehengeblieben. 3n der lautlosen Stille, die sie umgab, hörten sie eine Frauenstimme, halblaut nur; aber sie hörten auch die heftige Erregung aus ihr Hingen. Dann antwortete eine Männerstimme, merkwürdig ruhig. Sie wußten im gleichen Augenblick, wer sich Dort ein Stelldichein gab. „3solde von Kletten!" raunte Felix Turnau. Hnd Bodenstein ergänzte: „Mit Herrn Klausen!" Keiner fragte, was die beiden miteinander haben konnten, warum sie sich heimlich hier trafen. Sie wichen unter Vermeidung jedes Geräusch so weit zurück, bis sie nicht mehr ge- sehen und ihre Schritte nicht mehr gehört werden konnten. Aber sie waren beide sehr blaß, und Turnaus Atem ging keuchend, so sehr er sich auch bemühte, seiner Erregung Herr au werden. Sie waren dem Schlosse schon ganz nahe, als er nochmals stehenblieb und sagte: „Herr von Dodenstein, ich muß Sie bitten, von diesem Erlebnis zu schweigen." „Was ich ohne weiteres verspreche," lautete die Antwort. Weiter besprach Herr Appel mit Sachkunde die Vorschriften der Ver^ehrscrdnung im allgemeinen und die Verkehrsvorschriften in der Stadt Gießen im besonderen. Hierbei betonte er. daß es erforderlich sei, für eine gute Ausbildung der Fahrer sowohl hinsichtlich der Motorenkenntnis, wie auch der Beherrschung der DerkeHrsvorschriften eine Ausbildungszeit von mindestens drei Wochen sestzusehen, damit die berechtigten Anforderungen an die Verkehrssicherheit gewährleistet seien. Weiter wies er darauf hin, daß das Sperrschild am Selterstor der besseren Hebersicht halber auf der rechten Straßenseite anzubringen sei, da es jetzt zu hoch hänge und vielfach nicht gesehen werde: an der Kaplansgafse müsse eine Aendcrung des Fahrzeichens dahingehend erfolgen, daß die Möglichkeit des Linkseinbiegens nach dem Kreuzplatz zu ohne weiteres erkennbar fei; in der Kirchstraße, beim Ausgang von dec Pestalozzi- schule her, fehle das Warnungsschild „Schule"; ferner sei es notwendig, den Hnterschied zwischen Haupt- und Rebenstraßen durch besondere Zeichen deutlich sichtbar kenntlich zu machen. Der sehr instruktive Vortrag fand bei den an den Da drückte Felix Turnau ihm dankbar die Hand, und beide schritten einen Gang entlang, dessen weicher Teppich jeden Laut verschlang. „Hier!" flüsterte Felix Turnau, vor einer Tür stehenbleibend. Das Herz klopfte ihm, als toofite es ihm die Brust sprengen: aber er wußte nicht, ob vor Freude oder aus welchem Grunde sonst. Marterte ihn nicht auch eine heimliche Angst? Er hob die Hand, klopfte leise und öffnete, trotzdem ihm keine Antwort wurde. Er trat ein und sah seine Frau an einem der Fenster sitzen, ein weißes Etwas auf dem Schoße, an dem sie genäht haben mochte. Aber jetzt hatte sie den Kops auf einen Arm gestützt und schaute sinnend, sehnsuchtsvoll und träumend ins Blaue. Sie hörte nicht das Gehen der Tür, das Rahen der Schritte: aber als Felix zu ihr treten wollte, wandte sie sich ihm zu, und Dodenstein, der am Eingang stehengeblieben war, sah, wie das holde Gesicht der schönen Frau von einem Schimmer tiefinnerer Freude überstrahlt wurde, wie sie schweigend beide Arme ausbreitete, und wie sein Freund — sein glücklicher Freund — an ihre Drust sank. Weiter sah er nichts, hörte nichts: denn er war wieder hinausgegangen und hatte die Tür leise, ganz leise hinter sich eingeklinkt. „Fe.ix! Mein Felix!" flüsterte Käthe, dem Geliebten in die Augen blickend. „Du bist wieder da!" Sie brauchte nicht zu bekennen, wie sie sich nach ihm gesehnt hatte, er las es in ihren Wicken, und aus ihren Armen ließ er sich vor ihr nieder und küßte demütig ihre Hände. Demütig und verehrungsvoll, als kniete er vor einer Heiligen: denn er sah. daß das winzige weiße Stückchen Linnen ein Hemdchen war. Für fein Kind. Käthe aber legte ihm eine ihrer Hände aufs Haupt, und so blieben die beiden minutenlang während ihre Gedanken in die Zukunft schweiften, die erfüllt war vom Sonnenschein hehrsten Glücks'. Alle die schwarzen Wolken, die jemals ihren Himmel verdunkelt hatten, wichen weit zurück in diesem seligen Augenblick, und erst als Käthe ihren Gatten sanft zu sich emporzog, besann er sich auf Dodenstein und raunte ihr zu: „Käthe, ich habe immer an dich denken müssen, während ich fort war, und gesonnen, wie ich dich erfreuen könnte, und ich habe dir etwas mitgebracht." Er eilte zur Tür, ehe Käthe fragen konnte, und öffnete sie und sah seinen Freund draußen stehen. Er winkte ihm zu und kehrte mit ihm ins Zimmer zurück. Käthe hatte sich erhoben und stand, vom her- einfallenden Abendschein übergossen, am Fenster, der ihr blondes Haar in eine Gloriole verwandelte, die ihr Haupt umgab. Derkehrsfragen besonders intereffiarten Herren mit Recht lebhafte Anerkennung. •• Deruf skundlicher Vortragsabend. Am Montag fand der erste Vortragsabend der von der Derussberatungsstelle des Arbeitsamts Gießen veranstalteten berufskund- lichen Vortragsreihe statt, der sehr gut besucht war. Berufsberater Dr. Rottenbacher hielt zuerst einen Cinführungsvortrag über die Berufswahl und wies darauf hin, wie wichtig und bedeutungsvoll dieser Schritt im Leben jedes jungen Menschen ist. Durch die starke 3ndu- strialisierung und Rationalisierung unserer Zeit ist es dem Laien kaum mehr möglich, sich über die Anforderungen, die die einzelnen Berufe stellen, selbst zu orientieren, um so wichtiger ist es deshalb, daß eine Stelle besteht, die über alle Fragen, die die Berufswahl betreffen, Aufschluß geben kann. Reizung, Eignung und wirtschaftliche Forderungen sind die Hauptpunkte, auf denen die Berufswahl aufgebaut werden muh. Als zweiter Redner sprach Herr Riederhausen, Gießen, über den Beruf des Kaufmanns. An Hand eines aufgestellten Gliederungsschemas der kaufmännischen Verwaltung Sie erkannte Vodenstein. Tiefe Glut übergoß ihr Antlitz, als sie ihm entgegeneilte und seine Hände erfaßte. „Freund, lieber Freund!" hauchte sie. „Wie ich mich freue!“ Die beiden standen einander gegenüber, und Dodenstein sah, daß sie sich wahrhaft freute. Er schaute auf Felix, dessen Augen ebenfalls strahlten und der nun zu ihnen trat. »Habe ich es recht gemacht. Käthe?" „Oh. du!" erwiderte sie, schmiegte sich an ihn. Da küßte er sie, gab sie frei und sagte froh: „So will ich deine Freude voll machen und dich allein lassen mit deinem Desucher!" Er ging hinaus, und die beiden waren allein, öie wußten, daß eines des anderen wahrer Freund war, und die nun nebeneinander saßen, stumme Zwiesprache haltend, bis auf einmal Käthe sich erinnerte, daß sie gerade an diesem Sage so oft an Herrn von Dodenstein gedacht und ihn herbeigewünscht hatte. Rur ihn konnte sie ja fragen nach dem, was ihr auf der Seele brannte. Hnb sie sagte ihm offen, daß sie ihn herbeigesehnt hatte, worauf er ihr schilderte, wie et Felix getroffen hatte. »2eht weiß ich, daß es kein Zufall war." sagte er. „Es war Fügung. Hnb nun sprechen Sie aus, was Sie drückt, gnädige Frau!" Sie sah ihn fast betrafen an. „Was mich drückt?" w.edecholte sie, aber als sie seinen Blick gewahrte, senkte sie errötend die Lider. 3eht, jetzt mußte sie sprechen, mußte ihm auch das letzte noch offenbaren, das Furchtbare. Hnd er würde ihr Helsen. Ganz sicher. Oder wußte er schon? Sie öffnete den Mund zum Sprechen, zum Bekenntnis — und doch brachte sie es nicht heraus. Sie konnte nicht, wahrhaftig, sie konnte nicht. 3eht nicht. Hnd so fragte sie nur ganz leise: „Herr von Dodenstein, wissen Sie, wie groß mein väterliches Erbteil ist?" Er erstaunte durchaus nicht über diese Frage, wie es doch nur natürlich gewesen wäre. Er antwortete ohne Zögern: „3ch weiß es nicht, weiß nur, daß es ziemlich beträchtlich fein soll." Käthe schwieg einen Augenblick, ehe sie weiterfragte: »Hnb ich darf frei darüber verfügen?" „Olein,“ erwiderte er. „Sie sind mxh nicht volljährig. Sie müßten die Zustimmung 3hres Gatten haben, der 3hr natürlicher Vormund geworden ist." Da preßte Käthe Turnau erblassend die Hand aufs Herz, und leise kam es übet ihre Lippen: „O weh!" eines großen Fabrikbetriebes schilderte er in interessanter, sachlicher Weise die Spezialzweige, die im kaufmännischen Deruf bestehen, und die Tätigkeit dieser „Spezialisten". Der Redner betonte, daß bei der Wahl des kaufmännischen Berufes nicht die Art der Schulbildung, Volks-, Mittel- oder höhere Schule, ausschlaggebend ist, sondern ein kluger, klar denkender Kopf die beste Voraussetzung für einen - guten Kaufmann sei. Betriebsoberingenieur Haase, Gießen, gab sodann ein sehr anschauliches Bild über den Maschinenschlosser- sowie über den Dreherberuf und zeigte an Beispielen aus der Praxis, welche hohen Anforderungen in diesen Berufen heute in bezug auf Präzisionsarbeit gestellt werden. Die interessanten Ausführungen wurden noch durch Lichtbilder, zu denen der Referent die nötigen Erklärungen gab, ergänzt. Der Vortragsabend fand bei der Zuhörerschaft starken Anklang. ** Die Freiwillige Gai 1 sche Feuerwehr feierte am Samstagabend im Cafe Leib das Fest ihres 74jährigen Bestehens, das bei außerordentlich starker Beteiligung in schönster Weise verlief. Ramens des Vorstandes der Wehr begrüßte Kamerad Bouffier die E.schienenen, darunter den Chef der Wehr, Dc. Gail, dabei auf die hohen 3deale der Feuerwehr hinweisend. Stadtbranddirektor Braubach übermittelte die Grüße des Kreisamtes, der Stadtverwaltung und der Gießener Freiwilligen Feuerwehr. Weiter überreichte er im Auftrage des Ministeriums des 3nnern dem Kamerad Karl Franz das Ehrei^eichen für 25jährige Zugehörigkeit zur Gailschen Feuerwehr. Kamerad Goß übermittelte dem 3ubilar namens des Steigerzuges ein Geschenk. Das Hnterhaltungsprogramm war recht reichhaltig. Die Kapelle Wekler-Einbrod wartete mit einer Reihe gut zum Vortrag gebrachter Musikstücke auf. Der Gesangverein „Heiterkeit" hatte sich in den Dienst der Sack>e gestellt und erfreute unter der Leitung feistes Dirigenten, Musiklehrer Schüttler, durch eine Reihe eindrucksvoller Lieder. Recht ansprechend waren auch die von den Mitgliedern dieses Vereins, Übe und Früher vorgetragenen Duette. Desgleichen trugen die Darbietungen des Vereins „Wandervogel Höhenflug" wesentlich zur Verschönerung des Abends bei. Besondere Anerkennung verdienen noch die von Mitgliedern der Freiwilligen Gailschen Feuerwehr gestellten Leiter-Pyramiden, die an Exaktheit nichts zu wünschen übrig ließen. Den Schluß dec Veranstaltung bildete ein schön verlaufener Ball. Kirche und Schule. X Wieseck, 4. Rov. Am Reformationsfest brachte der erste Gemeindeabend dieses Herbstes u. a. in einer Filmosto-Monats- scha u 50 Bilder aus Deutschland, Oesterreich, der Schweiz, 3talicn, Spanien, England, Dänemark, Üngam, Rumänien, Afrika Persien. China, 3apan und Nordamerika vom Monat Oktober, dabei auch eine Reihe in diesem Monat ein- geweihter Kriegerdenkmäler. Den größeren Teil des Abends nahm die Vorführung einer Bild- reihe über „Meißen, bie tausendjährige Stadt an der Elbe" in Anspruch. Die 54 trefflichen Bilder erläuterte der Octsgeist- liche: bei Einbruch der Dämmerung vereinigte eine Lichtbildstunde etwa 250 Schulkinder in der Kirche. Freudig überrascht wurde die Gemeinde von der Nachricht, daß einer ihrer Söhne, Generaldirektor Dr. 3akob Hildebrand in Ziller- thal (Riesengebirge) einen Lichtbildschirm stiften wird. Aus öetn Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 8 1 vom 5. November enthält: Dierteljahrs- ausweis der 'Provinz Oberhessen. — Die Wahlvorschläge zum Provinzialtag und Kreistag. — Dienstnach richten. Bodenstein aber schien das nicht gehört zu haben. Er fragte auch nicht, warum sie diese Auskunft von ihm verlangt hatte: er lächelte und sagte: „Sie sollten sich mit solchen Dingen nicht beschäftigen, Frau Käthe. Sie sind häßlich und beschmutzen nur die Seele." „3a, das tun sie," murmelte Käthe, die sich alle Mühe gab, ihre tiefe Enttäuschung zu verbergen: 3n ihr flammte die Frage auf: „Wie soll ich mich nun freikaufen von ihm? 3ch kann doch Felix nicht bitten, mir das Geld zu geben — ich kann nicht!" Eben noch so glücklich, war sie nun sehr, sehr traurig, und obwohl sie noch einmal daran dachte, daß es das Beste fein würde, wenn sie alles, alles dem Manne vor ihr beichtete. Obwohl sie seines Schweigens sicher war, brachte sie die Kraft zu dem Entschluß nicht auf. „Wir wollen zu Felix gehen," sagte sie. Sie erhoben sich und schritten den Gang hinab. Als sie zu Turnau tarnen, meinte dieser: »3ch werde dir Dodenstein für einige Stunden entführen, um mit ihm zu Altberg zu fahren. Wir können vielleicht um acht Hhr speisen und den Grafen mitbringen.“ »Ruch Derty, Felix! Sie ist so lange nicht bei mir gewesen," bat Küche, und ihr war auf einmal, als würde die treue Freundin ihr auch heute wieder Helsen können. Diese Zuversicht machte sie wieder froh, und Felix ahnte nicht, wie sie sich sorgte, als sie ihm einen Gruß an die Altbergs auf trug und chn mahnte, ja beide mitzubringen. Er versprach es und Küthe kehrte in ihr Zimmer zurück, von dessen einem Fenster aus sie in den Hof hinabschaute und den Davonfahrenden nachwinkte. Dann trat sie an ihren Schreibtisch und öffnete das Fach, in dem sie ihr Geld verwahrte. Felix hatte es selbst hineingelegt, damit sie es stündig zur Verfügung hatte, und sie wußte, daß er nie fragen würde, wozu sie es verwendet hatte. Dieses Geld konnte sie Derndt Klausen geben und den Ring dafür zurückkausen. Aber das andere? Ach, sie wollte jetzt nicht daran denken. Sie wollte erst diese eine Sorge los werden und Derndt bitten, unter irgendeinem Vorwand das Schloß zu verlassen, auch nicht zu Gras Altberg zurückzukehren. Vielleicht wußte er selbst einen Rat, wie sie das Geld bekommen konnte. Sie wollte ihn deshalb fragen. Sie zählte die Scheine und fand, daß es wirklich genau zehntausend Mark waren, schob sie in einen Hmschlag und steckte diesen zu sich. (Fortsetzung folgt.) -er Ä' Von (5^1 6 Aon $ÜI Ain l.Q &*,a. Zeit »ur ; werde". & gcs Grunds Jung vorn Ne Kc.d Deschlub d Leben trat fabth-ut- die bei 3.0 Gesetzgeber für die?r Derhältn:ss im Falle d sowie der -y als dies f die besiehe! Ne Äug' und 3nstai anfängliche scheu Ange daß im die W richtilngu muh. Dar wirtschaft der Enste Berufsunf blicbenen auf der 2 neu. Frei dah die C noch nicht 3m Weser ftation fef mvgensver W-fügt h, dah die junge T Es ergil mähe und Leiftun kann, ßie lich gctei ausgeht, i Grundlag stungcn v Grund so: gewährt t in seinen : auf dieser Mnschen finanziere fung der nen, fori in der t antreten mit ihn werden i Die a tigen, der 2ln dem jetzt Marl bt hin reicher wesentlich Um zu eines wei müllen di kurz beleu technischen ousgemach! üu Beginn «n derfich Milliarden fall uingei rund 22 1 (Handw "Kraft rnuhunge, gab das rens. fei, Mttociii, 'Momme ** nc iverksrech, P unan, M das K Sä iyg &• °>ese ge|. » Ä °"e nlch Ä-ster ^legte. Einige Sm Seiffragen des Mittelstandes ent- 46 834 Witwen» und 30 793 Waisenrenten, gründ tsdeckungs> Errichtung das QI n to a r zugesprochen, deren Höhe im Verhandlungswege festzusehen ist. Die Aufsicht wird nicht mehr einem besonderen Staatskommissar, sondern Handwerksorganisationen, wobei man allerdings i auch wieder einzelne Korperschaftsformen aus- ____c.i x:Ä hnn fvinr>Vrx*Tf• 1 genommen Hat, die Heranziehung von Handwerk' verfahren als Grundlage für die Bemessung der Beiträge und Leistungen festgelegt. Aach der Inflation, die, wie erwähnt, auch für die von von Die die zum tag, genüber Ende 1924 von 21344 Witwen- 19 197 Waisenrenten. des Abschnittes III. Abschnitt IV behandelt die Innungsverbände und regelt unter Belassung der früheren Vorschriften eine genauere Abgrenzung der Gebiete. Aeu ist Titel VI a, der die Einführung der Handwerksrolle bringt, worüber nachstehend ein besonderer Aufsatz nähere Aufklärung gibt. Das Handwerk wird sich mit diesem Gesetz, das besonders den Handwerkskammern eine starke Arbeitsbelastung und großen Kostenaufwand bringt, abfinden müssen. Cs betrachtet das Gesetz aber nur als eine Abschlagszahlung auf seine Forderungen, und es wird weiter die volle Erfüllung seiner Wünsche anstreben. der Landeszentralbehörde wahrgenommen, seither schon bestehenden Vorschriften über Zusammenfassung der Handwerkskammern deutschen Handwerks- und Gewerbe kamrner- sowie dessen Funktionen bilden den Schluß 1 Cchule. 2ün AeformalionsW eindeabend dieses lmosto-Monats- 'eutschsand, Oesterreich, Men, England, Däne- Afrika Persien, Ehina, Vvm Manat Oktober, in diesem Monat ein- ter. Den grösseren Teil Vorführung einer Aild- die tausendjäh- 5lbe" in Anspruch. Die 'läuterte der Ortsgeist- Dämmerung vereinigte 250 Schulkinder in der >t wurde die Gemeinde ler ihrer Söhne, Genc- ldebrand in Mer« x Lichtbildschim stiften rkündigungsblati. rkündigungsblatt er enthält: Aierteljahrr- derhessen. - Die Dahl- ialtag und Kreistag. - das Gesetz den Versicherten jetzt versprochenen Leistungen gesichert sein sollen. In diese Berechnungen sind die ab 1. März d. 3. erfolgten Leistungsverbesserungen (Verkürzung der Wartezeit auf 60 Deitragsmonate, sowie Herab ehung der QlltarSgrenze aus 60 Iahre für stellungslose und nicht mehr aus der Arbeitslosenversicherung unterstützte Angestellte) noch nicht einbezogen. Diese Belastung verschlechtert die versicherungstechnisch« Bilanz wieder etwas. Die Zahl der Rentenempfänger steigt in der A. f. QI. von Iahr zu Iahr erheblich an. Ende 1924 belief sich einschließlich der bei der Aeichstnappschast getroffenen Festsetzungen die Gesamtzahl der Ruhegeldempfänger auf 24 656, Ende 1927 62 302, und 74 796 Ende 1928. Ende 1933 beträgt die Zahl 126 372, Ende 1938 173 642, Ende 1948 265 000. Im Januar 1924 wurden 600 000 Mk. für Renten verausgabt, im Ianuar 1926 3 500 000 Mark, und im Iuli 1929 11 160 000 Mk. Aus diesen Zahlen ist erkennbar, daß sich in Kürze die notwendigen Rentenausza langen vervielfachen, weil die Zahl der Rentenberechtigten erheblich wächst. In der Angestelltenversicherung war bei ihrer verändert geblieben, abgesehen davon, daß die Wahlberechtigung mit der Vollendung des 21. Lebensjahres analog den Wahlvorschriften zum Reichstag usw. erworben toixb. Die Zuwahl von verdienten Personen zur Handwerkskammer ist auf % des Mitgliederbestandes erhöht und auch in gleichem Maße dem Gesellenausschuß, der an sich in der seither üblichen Form gewählt wird, wgebilligt worden. Die Wahl selbst wird auf Grund einer vom Reich erlassenen Wahlordnung von der Handwerkskammer durchgeführt, die hierfür die Kosten zu tragen hat. Der Aufgabenkreis der Kammern bleibt unverändert und bringt die Erweiterung auf Bestellung und QJereibigung von Sachverständigen. Gleich unverändert blieb das ilmlageüer« fahren. Auch weiterhin sind die Gemeinden zur Tragung der Umlagen verpflichtet, die sie wieder von den ansässigen Betrieben zurückerheben können. Hierfür wird ihnen eine Hebegebühr Die Hinlerbliebenen-Renten wickelten sich wie folgt: Es liefen Ende 1928 Angestelltenversicherung große Kapitalien vernichtet hat, mußte man notgedrungen im wesentlichen aus das in der Invalidenversicherung angewandte Umlageverfahren zurückgehen, das man mit dem Kapitaldeckungsverfahren kombinierte. Das Umlageverfahren sichert die Leistungen immer nur für verhältnismäßig wenig Iahre. Dann muß man sich entweder entschließen, die Beiträge zu erhöhen oder die Leistungen abzubauen, weil die Zahl der Rentenempfänger gestiegen und der Anspruch auf Rente gewachsen ist. Rur das Anwartschastsdeckungs- versahren sichert die Gewährung der Leistungen in der gesetzlich festgelegten Höhe dem einzelnen Versicherten auch für die ferne Zukunft. Dieses AnwartschastsdeckungSversahren gilt es, für die R. f. QI. wieder herzustellen. An ihm hat die Gesamtheit der Angestellten das größte Interesse. Freilich kann es nicht durch die an und für sich notwendige Beitragserhöhung von 22 Prozent geschehen, weil die ganze Gehaltslage der Angestellten zur Zeit eine weitere soziale Beitragsbelastung nicht gestattet. Was aber geschehen kann, um die völlige Leistungssicherung allmählich wieder herbeizuführen, ist die Verhinderung eines s olche n Leistungsau'baues der Angestelltenversicherung, der das versicherungs- tochnische Defizit größer machen müßte. Erst wenn eine neue versicherungstechnische Bilanz, die zunächst gesetzmäßig alle 5 Iahre zu ziehen (ist, ausweisen würde, daß die bisherigen Leistungen gesichert sind, würde man an eine weitere Leistungsverbesserung heranzugehen haben. Diejenigen Angestelltenverbände, welch« diese Ausbaupolitik der Angestelltenversicherung, ver- In manchem Handwerksbetrieb kann leider festgestellt werden, daß trotz guter .Qualität der Leistungen und trotz angemessener Preise der eine oder der andere Kunde unerwartet ausbleibt. Forscht der Handwerksmeister nach dem Grunde dieses Ausbleibens, so ergibt sich häufig, daß der Kunde verärgert ist und es deshalb vorzieht, bei einem anderen Handwerker zu kaufen, Und warum? Weil der Handwerksmeister seine versprochenen Termine nicht eingehalten hatl Häufig wäre es dem Kunden an und für sich gleichgültig, ob sich die Fertigstellung der Leistung noch um ein paar Tage hinauszögert oder nicht. Qlber nachdem der Meister einen bestimmten Te rm in genannt hat, richtet sich der Kunde darauf ein. Unpünktlichkeit in der Arbeitslieferung muß selbstverständlich jeden Kunden verärgern. Eine gute Terminwirtschaft ist daher zur Erhaltung der Kundschaft notwendig und ist gleichzeitig eine wichtige Grundlage für jede Kundenwerbung. Dies ist aber nicht der einzige Grund für die Roiwendigkeit einer guten Terrninwirtfchaft im Handwerksbetrieb. Auch die innerbetriebliche Ordnung erforber.1 sie! Denn je besser die Zeiteinteilung in einem Betriebe ist, desto wirtschaftlicher wird die Leistungsfähigkeit sein können. Leider gibt es immer noch Handwerksbetriebe, in denen eine „vorbedachte Detriebs- füßrung“ unbekannt ist. Daraus ergeben sich Stockungen im Detriebsablauf, denn — da keine genauen Termine für die einzelnen Arbeiten festgelegt sind — stauen diese sich unter Umständen an verschiedenen Arbeitsplätzen, z. B. wenn mehrere Gesellen zu der gleichen Zeit eine Maschine benötigen usw. Wie steht es nun im praktischen Handwerksbetrieb mit der Pslege der Terminwirtschaft? Da diese Frage für die Rentabilität des Betriebes von enftcheidener Bedeutung ist, sollte sich jeder Handwerksmeister über deren Auswirkung und Ausgaben genaue Rechnung ablegen. Dabei ist auf folgendes zu achten: Aus Grund einer guten Terminwirtschaft muß der Handwerksmeister jedem Kunden den genauen Fertig st ellungstermin der von ihm gewünschten Leistung nennen können. Gleichzeitig muß die Terminwirtschaft für die Betriebs- dispositionen einen genauenUeber- blick darüber geben, mit welchen Aufträgen jeder Geselle, jeder Lehrling zur Zeit beschäftigt ist, bzw. welche Arbeiten für die nächsten Tage Einige weitere Fragen, wohl weniger von grundsätzlicher Bedeutung, wie z. D. die Ber- leihung des Rechtes zur Bestellung von beeidigten Sachverständigen seitens der Handwerks» fammem, der Wegfall des Staatskommissars, die Einbeziehung juristischer Personen in die Bessere Termimvirischast! Dom Deutschen Handwerksinstitut, Abteilung kaufmännische Äetriebswirtschast, Äonn. WK Htenöet ifl’ üulen $Q*f* hefte Me, 0ip>nn |ei den Druden Ma- II Men. D ° W-ben noch \ reni Licht, r Erkiz. '>'« An*'nb '°"d ®QilÜe die ^ehr Ib Ka?l Rrmfietlum8 ^eigerzuges ein De. Dortrag gc, tn .^gliedern diese« borgetragenen ,n.>.®artietungeJ de8 Vilich zur bei Drsvndere An- ho« von Mitgliedern n Erwehr gestellten m Exaktheit nichts iu Kn Schluß der Aer- Hon verlaufener Dali. ches Rätsel zu lösen geben. Im wesentlichen sind hiermit die Qlenderungen der Paragraphen, die sich auf die Innungsgesehgebung beziehen, behandelt, soweit dies im Rahmen eines kurzen kritischen Aufsatzes möglich ist. Durchgreifende Aenderungen brachte der III. Ab.schnitt der Rovelle, der von den Han-d- Werkskammern handelt. Seither waren die Mitglieder und Ersatzmänner der Handwerkskammer im sog. korporativen Wahlrecht von den handwerklichen Organisationen (Wahlgruppe I Innungen. Wahlgruppe II Ortsgewerbe-Dereini- gungert, soweit die Mitgliedschaft aus mehr als cer Hälfte Handwerkern besteht) zu wählen. Die Handwerkskammer stellte, streng genommen, nur di« Vertretung des organischen Handwerks dar. Runmehr ist das allgemeine, gleiche und geheime direkte Wahlrecht eingeführt, das jedem wahlberechtigten Handwerker die Stimmenabgabe zuerlannt und einen berufs ständischen Aufbau der Handwerkskammer sichert. Schwierigkeiten wird § 103 a bereiten, der die Zahl der Kammermitglieder und deren Verteilung auf Handwerkszweige und Bezirke dem Statut überläßt. Lange Verhandlungen im Reichstagsausschuß konnten zu keiner befriedigenden Lösung dieser heiklen Frage führen, die man dann den Handwerkskammern zuwies. Es ist zu bedauern, daß das Gesetz die Qkrteilung lediglich auf Handwerkszweige und Bezirke vorsieht und nicht auch die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Kraft festlegt. Eingehender, vomDer- ständigungswillen 'getragener Verhandlungen wird es bedürfen, um diese Klippe zu umschiffen und eine für alle Handwerksgruppen zufriedenstellende Lösung zu finden. Um einer möglichst großen Zahl von Handwerksgruppen die Qkr- tretung in der Kammer zu sichern, hat der Vorstand der Hessischen Handwerkskammer die Mitgliederzahl auf 45 erhöht, und er tritt mit sorgfältig vorbereitetem statistischen Material in die OZerhandlungen mit den Fachverbänden ein. Die Bestimmungen über Wahlberechtigung und Wählbarkeit, sowie über Annahme und Ablehnung der Wahl sind im allgemeinen un- 0er Ausbau -er Angestellienversicherung. Don Heinrich Auerbach, Frankfurt am Main, Gauvorsteher im Deutschnationalen Hanblungsgehilfen-Derdand. Mitt« Iuli d. I. hat der Reichsarbeitsminister einen Gefetzentwurs zum Ausbau der Angestelltenversicherung dem Reichsrat zugeleitet. Es ist anzunehmen, daß noch im kommenden Winter sich auch der Reichstag mit diesem Gesetzentwurf beschäftigt. Dabei wird voraussichtlich von den politischen Parteien auch grundsätzlich wieder zu den verschiedenen Problemen, die hinsichtlich der Angestelltendersicherung seit längerer Zeit zur Debatte stehen, Stellung genommen werden. Cs erscheint deshalb zweckmäßig, einiges Grundsätzliche zu der Angestetttenversiche- rung vorauszuschicken. D.« Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, kurz R. f. QI. genannt, die durch einstimmigen Beschluß des Reichstages am 1. Januar 1913 ins Leben trat, also rund 16 Iahre besteht, erfaßt heute etwa 3 300 000 versicherte Angestellte, die bei 320 000 Arbeitgebern beschäftigt find. Der Gesetzgeber ging feiner Zeit davon aus, daß für die Privatangestellten ein« ihren besonderen Verhältnissen entsprechend« bessere Versorgung im Falle der Derussunfähigkeit und des Alters, sowie der Hinterbliebenen geschaffen werden sollte, als dies für den gewerblichen Arbeiter durch die bestehende Invalidenversicherung möglich ist. Die Angestelltenversicherung bat sich trotz Krieg und Inflation recht gut entwickelt und über ihre anfänglichen Versprechungen hinaus für die deutschen Angestellten ganz wesentliches geleistet, sodaß im Interesse der deutschen Angestellten die R. f. QI. als selbständige Versicherungseinrichtung unter allen Umständen erhalten bleiben muß. Daran hat ferner unsere gesamt« Volkswirtschaft ein erhebliches Interesse, denn mit der Eristenzsicherung der Privatangestellten bei Berufsunfähigkeit, im Alter oder der Hinterbliebenen ist eine wichtige Grundlage geschaffen, auf der Arbeits- und Dcrufsfreude wachsen können. Freilich sind sich alle Kreise darüber klar, daß die Efistenzsicherung heute in der R. f. QI. noch nicht in ausreichendem Maß« gegeben ist. Im wesentlichen sind daran Krieg und Inflation schuld, die der QL f. QI. einen Ver- mögensverlust von rund 1,6 Milliarden RM. zugefügt haben. Im übrigen aber ist zu beachten, daß die R. f. QI. noch eine verhältnismäßig junge Versiehe rungSeinrich tu ng ist. Cs ergibt sich nun die Frage, in welchem Ausmaße und mit welcher Schnelligkeit der weitere Leistungsausbau der R.f.A. vor sich gehen kann. Hierüber sind di« Meinungen außerordentlich geteilt. Wenn man von dem Gesichtspunkt ausgeht, daß für eine auf versicherungslechnischer Grundlage ruhende soziale Einrichtung keine Leistungen versprochen werden können, di« nicht auf Grund sorgfältiger Berechnungen tatsächlich auch gewährt werden können, so muß man sich auch ui seinen Ansprüchen gegenüber der Versicherung auf dieser Basis bewegen. Für diesen Kreis von Menschen wird nicht der augenblickliche finanziell« Zustand der R.f.A. für die Bernes- sung der Leistungen ausschlaggebend sein können, sondern die Frage, welch« Verpflichtungen in der kommenden Zeit an di« R.f.A. her« antreten werden und ob sie diesen Verpflichtungen mit ihren voraussichtlichen Einnahmen gerecht werden kann. Die andere Meinung, welche «inen sofortigen, umfassenden weiteren Leistungsausbau der Angestelltenversicherung fordert, fußt auf dem jetzt vorhandenen größeren, über 1 Milliarde Mark betragenden Vermögen der R.f.A., das hinreichende Bürgschaft dafür böte, die Renten wesentlich zu erhöhen. Um zu einem Urteil über die Tragfähigkeit eines weiteren Leistungsausbaues zu gelangen, müssen die finanziellen Verhältnisse der R.f.A. kurz beleuchtet werden. Rach der versicherungs- technischen Bilanz, die für den 1. Ianuar 1928 ausgemacht war und die in der Zwischenzeit bis zu Beginn d. I. ergänzt wurde, hat die R.f.A. ein versicherungstechnisches Defizit von rund 1.6 Milliarden Mark. Auf das notwendige Beitrags» soli umgerechnet, ist eine Beitragserhöhung von rund 22 Prozent erforderlich, wenn alle durch treten, haben sich im f(»genannten HauptauS- schuß für die Privatversicherung der Angestellten zusammengefchlossen: ihm gehören alle bürgerlichen Angestcl'.tenverbände an. Roch in der Sitzung des Derwaltungsrates der R. f. QL vom 29. Mai d. 3. haben die Mitglieder dieser Hauptaus ^ußverbänd« einstimmig den Beschluß gefaßt, daß sie einer Erhöhung des Steigerungs- satzes von 15 auf 20 Proz. nicht zusti m - men können, tocil dieses Ausmaß einer Lei» stungserhöhuna die Leistungsfähigkeit der Angeste lltenvcrsicherung bedroht. Wesentlich für die Schaltung der Selbständigkeit der Angcstelltenver.icherung uüd ihren Ausbau auf der vorgezeichneten Grundlage ist ferner die Frage, in welchem Ausmaße die Selbstverwaltung der R.f.A. ausgebaut wird. Da es sich bei den Kapitalien, die die Angestelltenversicherung verwaltet, im Gegensatz zur Invalidenversicherung ausschließ'ich um die Beiträge der Angestellten und ihrer Arbeitgeber handelt, so muß verlangt werden, daß die QInge* stelltenversicherung von diesen Wirtscha iskreisen auch selbständig verwaltet und dem Staat im wesentlichen nur das Ueberwachungsrecht ein» geräumt wird. Demgemäß muß ihm auch das Recht bestritten werden, in die Dcrwci t mg der Angestelltenversicherung in so weitgehendem Maße «inzugrcifcn. wie es jetzt geschieht. Die eingangs erwähnte Gesetzesnovelle bringt nicht nur Vorschläge für den weiteren Le.stungs- ausbau, sondern zugleich auch Vorschläge sür die Reuordnung der Selbstverwaltung. Zum Teil stellen aber diese Aenderungen eine Verschlechterung gegenüber dem bisherigen Zustande dar, die auch aus Gründen der größeren Verantwortlichmachung der Versicherten zurückzuweisen sind. Rach unserer Auffassung genügt es, wenn der Reichsarbeita-minister eine allgemein« Aufsicht darüber ausübt, daß das Gesetz in dem vom Gesetzgeber gewollten Sinne durchgeführt wird. Die einzige Verbesserung deS Selbstverwaltungsrechtes besteht darin, daß die planmäßigen Beamten des höheren Dienstes in Zukunft vom Verwaltungsrat zu ernennen sind, während bisher die Ernennung durch denReichs- präsidenten nach Vorschlägen des Reichsrates vorgenommen wurde und der Derwaltungsrat nur zu hören war. Für die Ernennung der beamteten Direktoren soll es aber bei der bisherigen Benennung bleiben. Dieser Unterschied ist durch nichts gerechtfertigt. Eine direkte Der schlechte rung gegenüber dem heutigen Gesetz ist die Bestimmung, daß die Anstellungs- und Dienstverhältnisse der Angestellten und Beamten der R. f. QI. durch eine Besoldungs- und Dienstordnung geregelt werden sollen, für die die Verwaltung die Zustimmung des Reichsarbeitsmini- sters bedarf. Auch wird eine Erweiterung der behördlichen Befugnisse bei der Festsetzung des Haushaltes vorgeschlagen. Hier soll sogar die Reichsregierung ihre Zustimmung geben müssen. Das bedeutet eine ganz wesentliche Einschränkung des Selbstverwaltungsrechtes. Auch für den Vorschlag, die Zahl der ehrenamtlichen Direktions- Mitglieder von drei auf vier zu erhöhen, besteht kein zwingender Anlaß. Verwunderlich ist ferner, daß der Regierungsentwurf erneut die Urwahl für den Verwaltungsrat vorsieht, während jetzt der Verwaltungsrat durch die Vertrauensmänner der R. f. QI. gewählt wird. 3ndirekte Wahlen bestehen ja in der 3nvaliden-, Kranken-, Unfall» und Kncchpschaftsversicherung in ähnlichem Umfange, wie in der Angestelltenversicherung. Wird bei der letzteren eine Qlcnberung dieses Selbstverwaltungssystems für notwendig gehalten, so müßte das gesamte Problem der sozialen Wahlen angepackt werden. Ein Ausnahmerecht für die Angestelltenversicherung muß abgelehnt werden. Hinsichtlich der Leistungsänderungen soll eine Witwenrente für schuldlos geschiedene Witwen eingeführt werden. Dem ist zuzustimmen. Die vorgesehene DedürftigkeitSprüfung müßte dagegen abgelehnt werden, da diese dem Versicherungsgedanken widerspricht. Ferner ist die Einführung $iner Elternrente nach dem Tode des Versicherten geplant, wenn kein Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente besteht. Diese Elternrente wird in der Hauptsache weiblichen Versicherten zugute kommen. Beim Heilverfahren ist eine andere Berechnung des Hausgeldes vorgesehen, mit der man sich grundsätzlich einverstanden erklären kann, wenn eine zu erfüllen sind. Rur, wenn der Meister weiß, welche Aufträge zur Zeit in Arbeit sind, wieviel Zeit ihre Erledigung voraussichtlich beansprucht, wieviel Aufträge er schon für die nächsten Tage oder Wochen übernommen hat, ist es möglich, zu beurteilen, wann jede einzelne Bestellung ausgesührt und abgeschlossen werden kann. Erhält der Handwerksmeister einen eiligen Auftrag und werden dadurch Verschiebungen in der vorgesehenen Arbeitseinteilung notwendig, so können häusig di« versprochenen Liefertermine nicht eingehalten werden. 3n solchen Fällen sollte der Handwerksmeister den Kunden benachrichtigen und ihn über die Ursache der Verzögerung veiständigen. Voraussetzung für eine solche Verschiebung des Liefertermins für den erst übernommenen Auftrag ist aber selbstverständlich, daß der Handwerksmeister bestimmt weiß, daß der erste Kunde durch das Richteinhalten des mit ihm vereinbarten Termins nicht geschädigt wird. Eine gute Terminwirtschaft läßt sich nicht durch ab und zu gemachte Eintragungen auf einen Kalender erzielen. Solche Eintragungen werden zum Teil nur lückenhaft gemacht, zum Teil wird nur der Ablieferungstermin notiert, so daß die Arbeit — auf Grund der Eintragungen — nicht rechtzeitig in Angriff genommen wird. Außerdem ergeben solche Aufzeichnungen keinen Ueberblick darüber, mit welcher Arbeit jeder Geselle, jeder Lehrling beschäftigt ist. Deshalb verwendet man zur Durchführung einer besseren Terminwirtschaft ein geeignetes Formular, dem die geschilderten Mängel nicht anhaften. Wird dieses Formular richtig geführt, so kann der Handwerksmeister mit einem Blick übersehen. wie_ seine Mitarbeiter gegenwärtig und in den nächsten Tagen beschäftigt find, so daß er dem Kunden sofort einen Fertigstellungstermin angeben kann, den er auch wirtlich einhalten kann. Erfüllt der Meister dieses Versprechen, so wird dadurch das OZerlrauen des Kunden in die Lei- stungssähigkeit des Geschäftes nur erhöht werden. Ist der Kunde mit den Arbeiten des Handwerksmeisters nicht nur hinsichtlich der Qualität, sondern auch hinsichtlich der Ablieferung bzw. Fertigstellung restlos zufrieden, so wird er — trotz verlockender Reklame für industrielle Masfen- toare — auf die gute handwerklich« Arbeit nicht verzichten wollenl Darum bessere Terminwirtschafti Des Handwerks neues Recht. Von Handwerkskammer-Direktor Schüttler. Am 1. April d. 3. ist das Gesetz zur Abände- rung ^er Titel VI und VI a der Gewerbeordnung (Handwerksnovelle) vom 11. Februar 1929 in Kraft getreten. Um nach jahrelangen Bemühungen zunächst wenigstens etwas zu erreichen, gab das Handwerk, wenn auch schweren Herzens. seine Zustimmung zu diesem Gesetz, unter einstweiliger Verzichtleistung auf di« pflichtmäßige Zusammenfassung aller Standeszugehörigen. Das neue Gesetz läßt im Grund« das Hand- werksrecht und den Qlufbau seiner Organisationen unangetastet. Grundsätzlich wurden geändert die Zusammensetzung der Handwerkskammern und das Wahlrecht für die Kammermitglieder. Die Begründung sagt hierzu, daß die rasch fortschreitende, technische, wirtschaftlich« und politisch« Entwicklung der letzten Iahre auch tm Handwerk große Veränderungen hervorgerufen habe, denen durch gesetzliche Maßnahmen Rechnung getragen werden mußte. Die Führung einer Handwerksrolle ist den Handwerkskammern zur Pflicht gemacht, hauptsächlich um eine gesetzliche Gruickrlage zur Behebung der Streitigkeiten wegen der Zugehörigkeit von ^betrieben zum Handwerk ober zur Industrie zu gewährleisten. So anerkennenswert diese gesetzliche Regelung an sich ist, so ist es doch bedauerlich, daß man dieser sog. Handwerks» rolle nicht die Rechte eines Handwerker» reg ist er s, ähnlich wie dem Handelsregister, beilegte. ■n das nicht gehört fit, warum sie dick Ju»' ■ hatte: er lMeuni . bitten, nut das w» war sie nun Wj ’lie noch einmal daran ? -in wärt«, tpcnn h stein für eE, fahren. si* §eL ^. r;, es ltan' Si° S--S4- •"* .B ** * ® « »iri- liehen Rebenbetrieben des Handels und . der I Großindustrie usw. stellen Wohl QZerbesserungen | bar. Das. was das Handwerk aber erstrebt«, nämlich eine grundlegende Zusammenfassung seiner 0>erusszugehörigen, ist nicht erreicht worden. So sehen wir denn in den ersten Bestimmungen des Gesetzes, die von den Innungen usw. handeln die Reuerun^ daß juristische Personen, sowie handwerlliche Rebenbetriebe von Großunternehmungen. die organisatorisch eine gewisse Selbständigkeit innerhalb des Gesamtbetriebs be- fihen, die Jnnungsmitgliedschaft erwerben können bzw. bei Zwangs-Innungen hierzu verpflichtet sind. Die mündet,ichcre Anlegung etwaiger überflüssiger Innungsgelder ist ebenfalls gegenüber den alten Bestimmungen eine Qleuerung. Eine Qlcnberung stellt nach § 95 c dar, daß die Mitglieder des Gesellenausschusses auch Dann ihr Qlmt, jedoch, bis höchstens ein Iahr behalten, wenn sie nicht mehr bei Innungsmitgliedern beschäftigt werden. Für die Bildung von Zwangs-Innungen ist eine gewiss« Erschwerung eingetreten, da nach § 100 a die höheren OZerwaltungsbehörden die beteiligten Gewerbetreibenden bei der Feststellung, ob die Mehrzahl der Errichtung einer Zwangs-Innung zustimmt, durch besondere Mitteilung zur Qleuße- rung aufzufordern haben. Allerdings unterliegt die Fonn der besonderen Aufforderung dem Ermessen der Behörde. Maßgebend zur Jnnungs- zugehörigkeit und damit wieder gewissermaßen eine Erleichterung, ist die Bestimmung in § 100 f, wonach der Zwangs-Innung alle Personen an- zugehörcn haben, die in die von der Handwerkskammer zu führende Handwerksrolle eingetragen sind. Herausgenommen von der Pflichtmitgliedschaft gegen früher sind die Hausgewe r b« - treibenden, die jedoch nach § 106 g wieder berechtigt sind, einer Zwangs-Innung freiwillig beizutreten. Wer Hausgewerbetreibender ist, und .ob er in di« Hnndwerksrolle einzutragen und damit als Haridwerker anzusehen ist, das ist Tatbestandsfrage. Immerhin dürfte diese Frage für einzelne Handwerkszweige von Bedeutung I sein und auch den Handwerkskammern noch man- PM- i MK! ’ pW V'^v ajM1?' r/ M r •p -• wrl i J Benachteiligung der in den höheren Klassen Versicherten vermieden wird. Die Llmänderung des prozentualen Steigerungssatzes (der jetzt 15 Prozent beträgt) in feste Beträge dürfte im Interesse der Versicherten liegen. Außer diesen wichtigen Abänderungen sieht der Gesetzentwurf noch eine Fülle kleinerer Aenderun- gen vor, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Das wesentlichste für eine günstige Gestaltung der Angestelltenversicherung ist die absolute Sicherung der gesetzlich fest gelegten Leistungen, dir Verbesserung des , Gesetzes in all den Fällen, wo ohne Gefährdung | dieses Grundsatzes der Leistungsausbau vorgenommen werden kann, und endlich die ohne materielle Lasten einführbare volle Selbstverwaltung der R. f. A. Wenn nach diesen Grundsätzen die Aussprache um den Ausbau und die künftige Gestaltung der Angestelltenversicherung geführt wird und entsprechende Beschlüsse erfolgen, dann würde damit nicht nur für die deutsche Angestelltenschaft segensreich gewirkt, sondern im Gesamtinteresse unseres Volkes und unserer Wirtschaft eine soziale Tat von höchster Bedeutung geleistet werden. Oie Handwerksrolle. Don Handwerkskammer-Syndikus Rudolf Röhr, Gießen. In der Handwerksnovelle vom 11. Februar 1929 ist von ganz besonderer Bedeutung der im Titel IVa als neue Bestimmung in die Gewerbeordnung eingefügte § 104 o. Der Zweck dieser Bestimmung wird im allgemeinen Teil der Begründung des Gesetzes wie folgt angegeben: „Cs handelt sich darum, Listen aufzustellen, in die olle selbständigen Handwerksbetriebe einzutragen sind, um unter gleichzeitiger Eindämmung der Streitigkeiten zwischen Handwerkskammern einerseits, Industrie- und Handelskammern andererseits nicht nur eine organisatorische Klärung der berufsständischen Zugehörigkeit einzelner Betriebe, sondern auch die Grundlagen für die Wahlen zu den Handwerkskammern, sowie für statistische Erhebungen über den Umfang und die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks zu ermöglichen." § 104 o der Gewerbeordnung bestimmt folgendes: „Die Handwerkskammer hat ein Verzeichnis zu führen, in das diejenigen Gewerbetreibenden einzutragen sind, die in dem Bezirk der Handwerkskammer selbständig ein Handwerk als stehendes Gewerbe ausüben (Handwerksrolle). Ein Handwerksbetrieb, der mit einem Unternehmen der Industrie, des Handels oder der Landwirtschaft verbunden ist, wird nur dann in die Handwerksrolle eingetragen, wenn er dem Gesamtunternehmen gegenüber insoweit selbständig ist, daß in ihm nicht überwiegend Reuanfertigungen, Aenderungen und Reparaturen für das Gesamtunternehmen ausgeführt, sondern überwiegend Waren zum Absatz an Dritte auf Bestellung her- gestellt, oder handwerkliche Leistungen auf Bestellung Dritter bewirkt werden. Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien werden nicht in die Handwerksrolle eingetragen, es sei denn, daß es sich um Rebenbetriebe handelt, die nach Absatz 2 einzutragen sind. Die Einsicht in die Handwerksrolle ist jedem gestattet. Die Reichsregierung erläßt mit Zustimmung des Reichsrats Vorschriften darüber, wie die Handwerksrolle einzurichten ist." In den Bestimmungen der §§ 104 p bis einschließlich 1041 GO. ist das Verfahren der Eintragung nach der ersten Anlegung der Handwerksrolle, sowie das Rechtsmittelverfahren, das demjenigen zu Gebote steht, der sich zu Unrecht in die Handwerksrolle eingetragen glaubt, enthalten. § 104 u enthält die Vorschrift, die es jedem, der ein Handwerk selbständig betreibt, zur Pflicht macht, den Beginn und die Beendigung feines Betriebs, sowie die Bestellung oder Abberufung von Bevollmächtigten nad) § 103 bei der zuständigen Handwerkskammer anzuzeigen. (Die Unterlassung dieser Anzeige ist unter Strafe gestellt.) Die seitens der Reichsregierung erlassenen Vorschriften über die erste Anlegung der Handwerksrolle sind in § 1 der Liebergangsbestimmungen zum Gesetz vom 11. Februar 1929 (Handwerksrolle) enthalten, und besagen, daß die Vorschriften des § 104 p nur mit folgender Maßgabe gelten: „Die Handwerkskammer hat ein alphabetisches Verzeichnis derjenigen Gewerbetreibenden, die sie in die Handwerksrolle einzutragen .beabsichtigt, während eines Monats öffentlich auszulegen und die Auslegung mit dem Hinweis dreimal öffentlich bekanntzugeben, daß die Eintragung in die Handwerksrolle erfolgen werde, wenn nicht binnen einer Frist von drei Monaten seit der Beendigung der Auslegung Einspruch bei der Handwerkskammer eingelegt werde. Das Verzeichnis ist den gesetzlichen Berufsvertretungen von Industrie und Handel, deren Bezirk sich ganz oder zum Teil mit dem Bezirke der Handwerkskammer deckt, mitzuteilen. Das Einverständnis der gesetzlichen Derufsvertretung von Industrie und Handel mit der Eintragung gilt als erklärt, wenn innerhalb einer Frist von drei Monaten seit Mitteilung des Verzeichnisses kein Einspruch bei der Handwerkskammer eingelegt worden ist. Die Reichsregierung erläßt mit Zustimmung des Reichsrats die erforderlichen Ausführungsbestimmungen." Die Llebergangs- und Aussührungsbestimmun- gen zu § 104 o GO. stellen ein beschleunigtes Verfahren für die erstmalige Anlegung der Handwerksrolle dar. In den Amtsverkündigungsblät- tern der Kreise ist bestimmt worden, daß das Verzeichnis der Betriebe, deren Eintragung in die Handwerksrolle beabsichtigt ist, bei der Hand- werkskammer-Rebenstelle in Gießen, Kirchstr aße 16, zur Einsichtnahme offenliegt. Die Osfenlegungssrist lief vom 1. Oktober bis 31. Oktober 1929. Die Einspruchsfrist läuft vom l.Rovember 1929 bis 31. Ianuar 1930. Einsprüche gegen die Eintragung in die Handwerksrolle sind spätestens bis zum 31. Ianuar 1930 an die Hessische Handwerkskammer in Darmstadt, oder an die Handwerkskammer-Rebenstelle in Gießen einzureichen. Erkennt die Handwerkskammer den Einspruch nicht als begründet an, so entscheiden auf Antrag der Handwerkskammer die von der Lan- des^entralbehörde bestimmten Behörden. Als beteiligt in dem Verfahren gelten der Gewerbetreibende, die Handwerkskammer und die. gesetzliche Berufsvertretung von Industrie und Handel. Gegen die Entscheidung der zuständigen Landesbehörde in letzter Instanz steht jedem Beteiligten binnen vier Wochen seit Bekanntgabe der Entscheidung an ihn die Beschwerde an das Reichsverwaltungsgericht zu, das endgültig entscheidet. Die Beschwerde kann nur darauf gestützt werden, daß eine Rechtsfrage oder eine andere Frage von grundsätzlicher Bedeutung nicht oder nicht zutr^fend entschieden worden ist. Spätere Eintragungen, die die Handwerkskammer vorzunehmen beabsichtigt, hat sie ben in Frage kommenden Gewerbetreibenden, sowie der zuständigen Industrie- und Handelskammer mitzuteilen. In diesem Falle beträgt dann die Einspruchsfrist zwei Monate nach Zustellung der Mitteilung. Ist ein Gewerbetreibender in die Handwerksrolle eingetragen, ohne daß er fristgemäß Einspruch gegen seine Eintragung erhoben hat, so kann er oder die gesetzliche Berufsvertretung von Industrie und Handel bei der Handwerkskammer eine Löschung aus dem Grunde, daß der eingetragene Betrieb kein Handwerksbetrieb Ist, erst nach Ablauf eines Iahres feit der Eintragung beantragen. Gegen die Ablehnung des Antrags kann der Antragsteller binnen einer Frist von zwei Monaten seit der Zustellung des ablehnenden Bescheids bei der Handwerkskammer Einspruch einlegen. Das Einspruchsverfahren regelt sich nach den gesetzlichen Bestimmungen wie oben berichtet. Für das Löschungsverfahren sind die gleichen Rechtsmittel gegeben wie für das Verfahren der Eintragung. Tie Reichsregierung bestimmt den Zeitpunkt, in dem die Handwerksrolle als angelegt gilt. Gchweinemarkt in Gießen. Der heutige Schweinemarkt war mit 110 Ferkeln und Läufern beschickt. Der Handel anfangs etwas schleppend, lebte später aber etwas auf, so daß fast kein Heberftanö verblieb. Sechs bis acht Wochen alte Ferkel wurden mit 35 bis 42 Mk„ acht bis dreizehn Wochen alte mit 40 bis 48 Mk; Läufer mit 65 bis 75 Mk.. Einleger mit 130 bis 140 Mk. je Stück gehandelt. Der nächste Markt findet am 4. Dezember statt. Wirtschaft. Ruhrgas AG. und Hekoga. Rach der „Kölnischen Volkszeitung" sollen die langwierigen Verhandlungen zwischen der R u h r- gas A. ° G. und der H e k o g a nunmehr, nach einer Mitteilung von beteiligter Seite, soweit gediehen sein, daß lediglich die Llnterschristen des Vertragswerks noch ausstehen. Beabsichtigt ist danach die Gründung einer G. m. b. H. mit einem Stammkapital von mehreren Millionen Mark, worgn je zur Hälfte die Hekoga als Abnehmer und die Lieferanten beteiligt fein werden. Weiter sei die Aufnahme der Stadt Frankfurt am Main im Vertrag, und zwar auf der Seite der Hekoga, vorgesehen. * Herabsetzung des Produktionsprogramms des Internationalen Stahlkartells. Wie das ft Journal" aus Luxemburg meldet, hat der Vorstand des Internationalen Stahlkartells angesichts der wirtschaftlichen Lage einstimmig beschlossen, vom 1. Rovember ab das Produktionsprogramm um 10 Prozent herabzusetzen, also von 32 295 770 Tonnen auf 29 066 190 Tonnen. • Reue Berliner Kraftdroschkengesellschaft unter Beteiligung von R S LI. Unter maßgeblicher Beteiligung der RSL1. Automobil Ai°G., Heilbronn ist dieser Tage in Berlin eine neue Droschken-Gesellschaft unter der Firma Kraftag Groß-Berliner Kraftdroschken A.°G. mit einem voll eingezahlten Grundkapital von 2,5 Mill. Mark gegründet worden. * A. - G. für Zellstoffs und Papierfabrikation, Aschaffenburg. In der in München abgehaltenen Aufsichtsratssihung wurde berichtet, daß das Ergebnis des ersten Halbjahres 1929 befriedigend fei und daß die Werke des Konzerns sämtlick) mit ausreichenden Aufträgen versehen seien, so daß auch für das zweite Halbjahr mit einem angemessenen Gewinn gerechnet werden tonne! Frankfurter Börse. Frankfurt, 6. Rov. Tendenz: lustlos. — Die heutige Börse eröffnete in lustloser Haltung. Rachteilige Momente waren nicht vorhanden, aber trotzdem entwickelte das Geschäft nur zögernd und bewegte sich in den denkbar engsten Grenzen. Der Ausfall der gestrigen Reuyorker Börse ließ auch die letzte Anregung fallen. Die Tendenz neigte infolge der anhaltenden Orderlosigkeit und der zumeist schwächeren Auslandbörsen zur Schwäche. Das Angebot nahm heute fein größeres Ausmaß an, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse nur ganz geringe Abschwächungen eintraten. Am Elektromarkt gaben AEG. 1 Proz., Siemens ebenfalls 1 Proz. Pund Schuckert 2 Proz. nach. Farben eröffneten 1,25 Proz. schwächer. Trotz des höheren Kali- absahes im Oktober gegen den Vormonat waren Kaliwerte bis 2 Prczmt gedrückt. Montanwerte gaben bis 1,5 Proz. nach. Rur Gelsenkirchen machten eine Ausnahme und gewannen 1 Proz. Banken lagen von 0,6 bis 2,5 Proz. niedriger. Von Kunstseidenwerten gewannen Aku^ nachdem das Angebot nachgelassen hatte, 1 Proz. Auch Renten konnten sich der Allgemeintendenz nicht entziehen. Im Verlaufe war das Geschäft äußerst klein, doch waren allgemein, wenn auch geringfügige, Erhöhungen zu verzeichnen. Einiges Interesse machte sich für Spezialwerte geltend. Es traten Besserungen bis zu 1 Proz. ein. Siemens konnten vorübergehend 3 Proz. gewinnen. Die Goldabflüsse der Bank von England machten nicht den geringsten Eindruck. Da aber Aufträge immer noch nicht ein- trafen, so mußten fast alle Werte von ihrem Anfangsgewinn wieder etwas hergeben, da die Spekulation sich weiter reserviert verhielt. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Proz. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1796, gegen Pfund 20.386, London gegen Kabel 4.8786, gegen Paris 123.88, gegen Mailand 93.15, gegen Madrid mit 24.84 weiter schwach, gegen Holland 12.085, gegen Schweiz 25.1750. Berliner Börse. Berlin, 6. Rov. Da für heute besondere Anregungen nicht vorhanden waren, hatte schon der Dormittagsverkehr bei starker Zurückhaltung der Spekulation größere Unsicherheit aufzuweisen, zumal auch die Auslandbörsen gestern schwächere Kurse gemeldet hatten. Die Börse in Reuyork war gestern geschlossen. Beachtung fanden die innerpolitischen Bedenken die schon in den letzten Tagen vorhanden waren, es verstimmten ferner die Zunahme der Arbeitslosigkeit und ein stagnierender Kohlenabsah. Mit den anhaltenden Goldverlusten Englands an Frankreich scheint man sich im übrigen abgefunden zu haben. Die erkennbare i n - ternat tonale Geldmarkterleichte- rung wirkte sich aber auf den hiesigen Markt nur sehr zögernd aus, da anscheinend der Geldbedarf der Kommunen im Augenblick wieder sehr stark ist. Weiterer Ordermangel, und nicht zuletzt £>ie bekannt gewordenen Schwierigkeiten eines Reuyorker Investmenttrustes der Bankers Corporation, ließen das Kurüniveau zu Beginn der heutigen Börse umt 1 bis 4 v. H. nachgeben. Rhein. Braunkohlen, Kali Aschersleben, Salzdetsurth und Polyphon verloren darüber hinaus bis 5,5 v. H. Die Auslandwerte (Aku., Svenska und Chade) lagen besonders schwach. Lurch eine gewisse Festigkeit fielen wieder Autowerte, Aschaffenburger Zellstoff, Feldmühle und Metallgesellfchast auf. Deutsche Anleihen nachgcbend. Ton Ausländem lagen Bosnier weiter fest. Pfandbriefe geschäftslos und eher schwächer. Große Rachsrage bestand weiter im Zusammenhang mit der heute beginnenden Mandatslommrssionsiitzung in Genf sür Ablösungsschuld, wobei Entschädigungshvsfnungen eine große Rolle spielen. Der Geldmarkt war eine Kleinigkeit leichter. Tagesgeld 7,75 bis 10 v. H_: Monatsgeld 8,5 bis 10, Warenwechsel etwa 7,40 v. H. Rach Len ersten Kursen blieb das Geschäft zunächst sehr still, die Tendenz war wenig einheitlich. Später konnten sich aber, ausgehend von der Festigkeit der Autowerte, dis bis 2,5 v. H. anzogen, allgemein fleine Kurserholungen durchsetzen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Rov. Infolge der Preisrückgänge an den überseeischen Märkten eröffnete der Produktenmarit in schwacher Haltung. Das Angebot war nicht besonders groß. Stark gedrückt lag am Mehlmar.t Roggenmehl mit minus 0,50 Mk. Sonst war ein Rachgeben der Preise bis 0,25 Mk. zu verzeichnen. Das Geschäft bewegte sich in den denkbar engsten Grenzen. Es wurden notiert: Weizen 25,10 bis 25,20, Roggen 18,50, Sommergerste für Drau- zwecke 19,75, Hafer, inländ. 18,25 bis 18,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 18,75 bis 19. Weizenmehl, südd. Spezial 0 37,75 bis 38,25. Roggenmehl 26,75 bis 27,50, Weizenkleie 9,75, Roggenkleie 10. Tendenz schwach. Letzte Nachrichten. Großfeuer bei Gießen. heute vormittag, kur; vor 11 Uhr, brach auf dem (0 u ( Reuhof bei Leihgestern ein großer Brand aus, der sich in kurzer Zeit über die mit Körnerfrucht, Stroh und Heu gefüllte Hauptscheune, einen Teil der Stallungen und ein weiteres Wirtschaftsgebäude ausbreitete. Die alsbald an der Brandstelle erschienene Ortsfeuerwehr von Leihgestern sowie die Freiwilligen Feuerwehren aus Lang-Göns und Großen-Linden und die kreismolor- fprihe hatten unter dem Kommando des Kreisseuer- wehrinspektors D i ck o r e (Gießen) sehr stark zu tun, bis sie gegen 12.30 Uhr den Brandherd in die Gewalt bekamen und eine weitere Ausdehnung der Flammen verhindern konnten. Rach den uns bis jetzt vorliegenden Informationen sind etwa 10 0 Ferkel den Flammen zum Opfer gefallen, ferner isk die hauptscheuer mit Inhalt niedergebrannt. Dagegen konnte zum Glück alles andere Vieh gerettet werden. Ein deutsches Verkehrsflugzeug in Eng'and abgestürzt. Lo n d o n , 6. Rov. (WTB. Drahlmeldung.) Lin deutsches Verkehrsflugzeug, das den Flugplatz in Croydon um 9.44 Uhr heule vormittag mit der Bestimmung Amsterdam—Berlin verlassen Halle, ist In der Rahe der Ortschaft Warden in der Grafschaft Kent in Flammen abgestürzt, von den Insassen waren auf der Stelle sieben tot. Liner der Passagiere ist. wie man annimmt, gerettet worden. Das Flugzeug hakle vier Passagiere und vier Wann Besatzung an Bord. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v. h., Lombardzinsfuß 8 o. H. Frankfurt a M Berlin Frankfurt a M Berli, Frankfurt a 9)1 Berlin ^ü)iub» fturty '•um ffm ectjiuo ftut< Aniang. Kurs ^chiug. Rnre ■Ul)i ffnr Schlug Knr- An taug- Kurs lSs..Lchulv mit Au» los.-Rechien........ ofm" vl"^'ol Recht' 6% Hess. BoMtaat von 1929 (rückjahlb. 102%) . . . . Cbcrbeiicn Provinz - Anleihe mii Auelos.-Rcchten..... Deutsche Itomm. Eammelobl. Anleihe Serie 1 ... 8% Franks. Hnp.-Bank Goldpsc. XlII unkündbar bis 1934 . 7% Franks.. Hnp.-Bank Goldpsc unkündbar bi» 1932 ..... <4-% Rbeinische Hyp.-Bank t'lqit. Goldvte........ 8% Pr. Landeepsandbrieianstalt. Psanbbricse R. 17..... 8% Pr. Landeöpsandbricsanstalt stomm.-Obl. 81. 16..... 7% Pr. «.'andrepsandbrlcsansialt, Psandbriese R. 10 . . tl.L <». auu. ournteoe-Obligation rückzahlbar 1932 . . 4% OeNerreickMche Goivne.. 4.2O»a Oflcrr Silbern- 4% Ocsierreichllchk Einheitliche U.ente.......... 4% lUigariidie Golbrte.. . . 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 4h% bMfll. von 1913 .... 4% Ungarische Kronenrtr.. . . 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . 4% Türkische Vagdodbahn»Lnl Serie l..... 4% deegl. Serie II 6% Rumänisch» vereinb Rente von 1903 . . . . « manische verrinh. Rente von 1013 . . ..... 4% Rumänische veredth. Rente . 99 50.1 9,65 89,25 47,25 96,5 85,5 78,3 98 95 89 26 3,15 2 21,75 19,5 2 7.6 7,5 7,5 9 14,05 7,15 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 II 1 1 1 1 1 1 II 1 II 87,5 99 50,1 89,5 48 98 95 89 26,13 2,1 21,9 19,75 2,1 7,7 7,65 7,65 9 14,25 7,1 - 50,1 9,5 26 21,9 19,75 2,05 77 7,75 Hamburg-Amerika Paket . Hamd.-Südam. Dampssch. . Hansa Dornt fschisf..... Norddeutscher Lloyd .... Allg. Deutsche Creditanst. . . Barmer Bankverein .... Berliner Hanvelsgesellsch. . . Commerz- und Privot-Bank. Tormsi. u. Nationalbank . . Deutiche Bank...... Dltconto-Gesellschast, Ank. . Dresdner Baut...... ReichLbant....... a.a.®.......... Bergmann ... Elcitr. Lieferung Sgescllschask Licht und Krast . Reiten & Guilleaume.... Gei. f. Elektr. Untern..... Hamb. Elektr -Werlo .... Rhein. Elektr........ Schlei. Elekr ...... Echnckert 4 (So....... Clemens 4 Halske ..... TranSradio...... . Lahmeyec L Lo.. ..... Buderus..... . . Deutsche Erdvl...... Eiiener Steinkohle ..... Geilenkirchener ...... Harvener......... Hoeich Eilen........ gilf Bergbau..... . jklöcknerwerke ...... Köin-Ncueilen . . . Mannesman--Röhren . . . Mansselve Bergbau . . . . Cbcrich'ei. Euen^eoarl . . . Lberichte,. Kottwerle.... Phönir Bergbau...... Rhe'nijche Braunkohlen. . . Rheinstahl ... ..... Klebeck Montan...... . h io . f 1( 1( 12 1) 1 u 1< 1< 1 11 u 7 10 1 1' 11 16 . 8 IC . B . 6 . 8 . O BH 10 i 7 .' 7 sy, 10 . k "iA 110.25 104.5 120,25 120 186 166.5 247.5 158 158 153 172,5 173 120 174,5 146,5 191,25 308 163 128.5 136 99,5 102 116 105,5 256 103,13 166,5 157,75 157,75 153 267 171.5 189-25 307 129.5 135.75 100.5 104 110 152,25 104.5 121 120 187 166.5 247,5 158 158 153 269,5 172,5 206,25 167 173 120.5 175.13 133 146.75 163 191.75 309.25 126,5 163.25 64.5 101 130.25 129.25 137 120,5 210 100 118 101,75 115,75 95,13 105,5 256,5 106,6 103.25 120 187,13 166,5 246,5 157,75 157.75 153 267,5 171,25 204,25 165.75 171 119.75 174,75 132.75 145,5 161.75 190 307,75 163 64,4 99,5 129 136,25 119 98,75 117 100,5 114,25 70,5 95.13 104.9 252.25 104,75 Bereinigte Stahlw . . . Olavi Minen . . . Rai werke Aicher-leben . . . Ka. werke lLesteregein . . . Rahmet c SaKoetiurth . . . g. <5 Farben-Inbustrle . . . Dynamit Nobel...... Echetveanstall....... Goldschmidt ....... Rütgeriwerks....... MetallgeieUichasl..... Philipp Hofmann . . . Lernen werk Heidelberg . . . Eemeutwcrk Karlstadt . . . Wayg « ,,t. p an ... Schultheis Payenhoser . . . Oltwerke......... Ber. Glanz stoss...... Bemberg......... HflKtoif Walbhos .... Hellsioji «ichassenbura . . . Eharlotlenburger Waster . . Deiiauer Go» . .... Daimler Motoren ..... Deutsche Linoleum . . . . Maschinenbau A.-G. . . . • VI ■' cm tf Äl t) t .... vuom. i'oero ... . Not. Automobil...... Orenstetn 4 stoppel .... V-onbntB Tieg...... Sveniko . . .••••• iZrankl. MMchln« ..... Griyner ...... . Heyliaenstaedt ..... aungbanl. .... Leckuverke. Maiutraltweri? HSchst a. M. Miag.. . . . . Gebr. Roeder....... Voigt 4 Haesfne«..... Estbo. Lucka ....... 16'/. h 10 15 12 . 6 i 5 . 6 . 6 . 7 10 10 . 8 15 12 18 14 13 y, .8 . 0 . 0 . 0 . 0 11 . 6 10 . 4 . 6 . u . 6 . f* 8 10 10 . 9 10 106,5 201 208,5 323 185,4 141,5 66-65 74,5 118,5 89,5 120 87 = 210 141,5 43 248 46,5 53 105 111,5 122.75 102,5 222 155,5 306,75 321 184 141 120 85.25 150 200 152 43 105,13 - 107 61,75 204,25 210 326,5 186.13 87,25 67,5 74,75 118.25 89,5 88 280,5 218.25 152 212 202 140 95.75 170.4 43.25 249 47,75 19,5 77.65 165 — 46,75 49 53 121,5 222 156 106.4 60.25 199.25 207.5 321 183.75 86,25 67 73 119,5 89 278 217 147,5 209 199,5 142 94.6 168,75 42,75 245.5 47,75 19,9 76.25 338 121,5 Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. W. Berlin, 5. November Geld Bries Amerikanische Noten . . . Belgisckte Noten ....... Dänische Noten .......; Englische Noten........ französische Noten....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch,Oesterreich, h 100 Schilling Rumänische Nolen....... Schwedische Noten....... Lchweizer Noten........ Spanische Noten........ T'chechojlowakische Noten..... Ungarische Noten ...... 4.166 58,23 111,58 20,331 16,425 168,11 21.84 111.60 58.61 2,47 111.93 80,84 58,33 12,325 72,86 4.186 58,47 112,02 20,411 16,485 169,79 21,92 112.04 58.85 2,49 112,34 81,16 58,57 12,385 73,16 5. November 6 November Amtliche Notierung Geld । Bries Am.liche Notierung Geld | Briel Amu.. :Kon. 168.48 168.82 168,54 168,88 Buen.-AtreS 1.733 1,037 1.713 1,717 Brsi. Antw 58.40 58,52 58,41 58.53 Ehristiania. 111.89 112,11 111,89 112,11 .Rov.'nbcig'n 111.88 112,10 111.90 112,12 Stockholm 112,11 122,33 112.18 112,40 Hcliingsors. 10,49 10.51 10.492 10.512 Italien. . 21,865 21.905 21,83 21,92 London. .. 20,364 20,404 20.37 20,41 Neunork . . 4.1745 4,1825 4,176 4,184 Paris, . . 16,455 16.475 16,44 16,48 Schwei; . . 80,93 81,09 80,93 81,09 Sva;t:n . 58,39 58,51 58.57 58,69 Japan . . . 2,008 2,012 2,038 2,042 •Hto de Ian 0.487 0.489 0,491 0.493 Wien in T- Lest, abgest 58,71 58,83 58,71 58,83 Prag . • 12,369 12,389 12,364 12,384 Bel i rad ■ 7,387 7,401 7,389 7,403 Budapest • 73,00 73,14 72.99 73,13 Bul arten 3,017 3.028 3,017 3,023 Viffabon 18.82 18,86 18,32 18,86 Tanjig. . . 81,48 81.64 81,48 81,64 »onß.nttn. 1,980 1.934 1,973 1,977 Athen. . 5,395 5.405 5,425 5,435 Eanada . 4,106 4,114 4,106 4,114 Uru uay. . 4,036 4,044 4,036 4,044 Cairo . . • 20,893 20,933 20,83 20,93 fit 2 6r|d)‘' 5onit|a* Ti Giehen- fflom 2.20 A Kichis lohn, 1 schrill iE N flrtttS«' Solist 5 Roch Verl st and' omtli, vorausst und 2 inungsa 20. Noo stellunge 2ln u daß bas gültig noch e Aus ein düngen güiliger meint« Stimmt weni- werden Person red)tigt Die sungr Berlin steht, d sassung verschie gehen es fei , verfasst zunächst ßälst ber 211 bei wüi der fRe nutzere 2n Deichs dem i beru 2 7. 1 3n bi dringe! geseh i len (6t ren bl Te4 toc W* toie n Die D enW würde schied begrü Handl flbftin ledigr len . plan« teilt irgend ber, I spricht ausgest ist erst Dolkser 3' Der des 2 recht, Kind, mitgl n.rn. : läng«« nrtrn t uni) S) gemein tagen Aus'«! die 7 Dan Degiei seine 1 Der berg stets u ju der 'rgeich lchlchbe "ahme 9? 6e und es Dbslruk 8tnber Die* Ar« Asch Menj Vang »esto, Abg. s,