Donnerstag, 6. Juni 1929 179. Jahrgang Nr. 130 Erster Blatt @?lt 5.3“®, M. Instrument gewesen, trotz mancher Schwächen. Diese Schwächen ließen die glänzenden Seiten weniger scharf in Erinnerung bleiben. Aber manche dieser guten Seiten der alten Armee sei Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. wehr erreicht. Die Offiziere mühten heute auf höherem wissenschaftlichen Standpunkt stehen 1.1?, 73- Lriei 1 111.82 Ä S $« 73.15 Paris, 5. Juni. (MTV.) havas berichtet, dah der Redaktionsausschuh der Reparationskonferenz Tag und Rächt eifrig damit beschäftigt sei, den 23 e - richt, der den Regierungen zugehen wird, abzu- schlieheu. Die Sonderausschüsse, von denen sich einer mit der Regelung der Sachlieferungen, der andere mit der Organisation der Internationalen Bank beschäftigt, haben heute vormittag die Ausarbeitung der entsprechenden Texte, die nach Billigung durch den Redaktionsaus- schuh in den allgemeinen Bericht ausgenommen werden sollen, beendet. Die „Chicago Tribüne" berichtet: Der französische und englische Text des Berichtes der Sachverständigen wird wohl kaum vorFrei- tag nachmittag vollständig vorliegen. 2Ran beschäftige sich zur Zeit auch mit der Frage, in welcher Reihenfolge die Unterzeichnung vor sich gehen solle. 2Nan nimmt an, dah nicht Owen D. Poung als Vorsitzender, wie man erwarten könnte, als erster unterzeichnet, dah vielmehr die Reihenfolge der Länder nach dem französischen Alphabet mahgebend sein würde und dah also die Delegierten Deutschlands zuerst unterzeichnen würden. Weiter erörtert man die Frage der Veröffentlichung des Berichtes. 2Hon sucht darüber Klarheit zu schaffen, ob eine Abschrift des Berichtes der Repara- tionskommission, den Botschaften und Gesandtschaften der kleinen Gläubigermächte übermittelt werden soll, die an der Frage der Verteilung interessiert sind. Allgemein wird angenommen, dah der Bericht noch am Abend des Tages der Unterzeichnung der Presse übergeben werde. Die Einigung mit Belgien. (sofortige Aufnahme rein finanzieller Verhandlungen. Paris, 5. Juni. (WTB.) Die Frage der belgischen Markbanknoten ist gestern endgültig geregelt worden, und zwar auf der Grundlage der Vorschläge, die Reichsbankpräsident Dr. Schacht am 3. Juni in dem bereits veröffentlichten Brief an den Vorsitzenden der Reparationssachverständigcnkonferenz, Owen V o u n g gemacht hat. Die deutsche Delegation hat gestern im Ramen der Reichsregierung die Erklärung abgegeben, dah der Bevollmächtigte für diese Angelegenheit, Ministerialdirektor Dr. Ritter, bereit ist, die Verhandlungen mit einem beglaubigten Vertreter der belgischen Regierung aufzunehmen und dah diese Verhandlungen entweder in Paris oder Brüssel stattfinden sollen. Es handelt sich um rein fin anzielle Verhandlungen, in deren Verlauf territoriale Fragen nicht aufgeworfen werden können. Ferner ist bestimmt worden, daß. die deutsch-belgischen Verhandlungen vor der Inkraftsetzung des TZoungplanes zum Abschluß gebracht werden sollen und dah die Regelung auch dahingehen könne, die Entschädigungszahlungen in Annuitäten in Anlehnung an das Zah- lungsschcma des TZoungplanes festzusehen. Durch diese gestern nachmittag erfolgte Einigung ist das letzte Hindernis aus dem Wege geräumt, so dah der Unterzeichnung des Berichtes der Sachverständigen nunmehr nichts mehr im Wege steht. In diesem Zusammenhang muh hervorgehoben werden, daß in keinem Stadium der deutsch-belgischen Verhandlungen über die Entschädigung für die belgischen Markgelder von deutscher Seite die Fragevon Eupen Neberhaße Maklionsarbeii in Paris Oie Fertigstellung des Schlußberichts wird am Freitag erwartet. s 111-S Z Ä Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) Der „B o r - wärts" schreibt u. a.: Zum 28. Juni, dem zehnten Jahrestag des Anterzeich- nungsaktes von Versailles werden Kundgebungen geplant, die angeblich »überparteilichen Charakter" tragen sollen. Die verschiedensten Körperschaften hat man bereits für diesen Plan zu interessieren versucht. So hat u. a. auch der Deutsche Städtetag an seine Mitgliedsstädte die Anregung Weiteraegeben, „Kundgebungen gegen die Kriegsschuldbehauptung" zu veranstalten oder zu fördern. Tlm alle Mißverständnisse auszuschliehen, sei festgestellt, dah die Sozialdemokratische Partei diesen Plänen fernsteht und sich an chrer Ausführung nicht beteiligen wird. Die S. P. D. denkt nicht daran, sich an Kundgebungen zu beteiligen, die nach der Absicht mancher ihrer Teilnehmer der Auspeitschung nationalistischer Leidenschaften dienen sollen. örse. untin. W tott die Stim- .inemlich re Auslandvrd^ 1 Interesse brkun- Prozent höher b°ch. Die bevor. Youngschen Planes er belgischen gen hei t wirkten toeiterc Ent- t tourte mit A- Wirkte der feste ovrse vorkilhoft. >es Mfonb'M btud. Doch machte Verkehrs wieder - vmb die Tendenz uch nahm die Su« r durch das weitere verursacht wurden, dr Material sand lnterkunft, so dah idbörse nur ganz «chläge eintraten. .«Farben leicht gr« rloren Chadraktien it und A.E.V. 1,75 >agegen für Jerg- die je 1,5 Prozent Markt nahmen die naß an. Mannes- d Mansseldrr 1,75 ?n leicht anziehend, ter tzandeksgesell' t bis zu 2 Prozent st und Reichsbanl >z. gebessert. Etwas on internationalen is 4 M, Deutsche verte, die bis zu kiwerte lagen trotz Angebot und gc- len eine Äkiniy ninus 3.5 ilta. doch weiter nahm die Kulisse 3 sich erneut Aua« iben. 2lm Dcldmartl zent weiter lc'chicr. t: Mark gegen D-l' 335, London-Kam .gen Mailand 92,68, iS 111-6 112-0 Kl,527 riF 20/318 0,4965 58iS Ä 18-5 Das Wirischastsprogramm der Neichsregierung. Euriius über die dringendsten Aufgaben.—Reform der Arbeiislosenversicherung.— Zollpolitik und Landwirtschaft ^iffet ;n . tte®. BZ Affigen " M auf allen .^ sett, jedoch Setviesen betben Ocn harten Din^ eidebörse. ü Der Produkten- fetteren Auslaß Masterer Geschah )altung. Zur 2" rrmehrtcs Interesse, i-ichcn konnte, auch Wer notiert. N S erheblich w- lÄ 0,50 Mk. -- Weizen 23.25 D’a i'M'ä ife 0) 32.25 Deizenktew WA Erscheint tag li^, außer Sonntags und Feterlags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechansch lüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn, postschecttonlo: 8rankfnrt am Main 11686. als früher nach den so stark gestiegenen Anforderungen nach dem Weltkriege. In einer gewissen Zukunft werde man vielleicht — von einigen Spezialisten abgesehen — nur noch den Offizier haben, nicht mehr den Infanterie- oder Kavallerie- oder Artlllerieoffizier. Die Möglichkeit des Aufstieges solle hochbegabten Mannschaften gewährt werden, und zwar durch besondere Kurse in Berlin, die das Abiturium ersetzen. Das Wort Tradition wird verschieden aufge- faßt. Meine Auffassung ist, daß sie nicht aus Aeußerlichkeiten besteht. Berechtigt ist allein der g e i st i g e Inhalt einer Tradition, die jahrhundertelang bestanden hat und nicht zum Absterben verurteilt ist. Wer wollte behaupten, daß die Persönlichkeitsbildung, die Liebe zu Idealen, die Ka- meradschaft nichts bedeute. Für die Armee bedeuten sie außerordentlich viel, ja alles. Der Leidensweg, und MalmedH angeschnillen wurde, sondern dah die belgischen Unterhändler und unter ihnen Herr Francqui selb st ein territoriales Derhandlungsangebot machten, um zu einer Regelung der Markfrage zu gelangen. Oie Verteilung der Houng-Annuiiäien. Paris, 6. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der „Petit Parisien" wlll berichten können, dah die Verteilung der Durchschnitts-Annuität des Voung-Planes von 1988,8 Millionen Reichsmark unter die Gläubiger st aaten in dem Bericht der Sachverständigen festgesetzt wird für Frankreich auf 1039, Großbritannien 418, Italien 211, Belgien 115, Vereinigte Staaten 66, Japan 13 Millionen Mark. Der Rest werde zu verschiedenen Prozentsätzen auf Südslawien, Rumänien, Griechenland, Polen und Portugal verteilt. Oie Rheinlandräumung. Briand wird in Madrid den „Ber- söhnungsausschuß" in Erinnerung bringen. London, 6. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Wie Pertinax dem „Dailv Telegraph" aus Paris meldet, hat Briand dem Ministerrat in seiner letzten Sitzung erklärt, dah in Madrid äußerste Zurückhaltung gewahrt werden sollte. Es ist indessen selbstverständlich, dah Briand mit Dr. Stresemann über die neue Lage, die durch eine einstimmige Annahme des Sachverständigenberichtes entstehen wird, einen Meinungsaustausch haben und daß er die Rotwendigkeit betonen wird, dem sogen. Versöhnungsausschuh für die entmilitarisierte Rheinlandzone Gestalt zu geben. Der Korrespondent berichtet weiter, dah Briand auch die französische Auffassung über die strittige Frage einer Beibehaltung des Ausschusses über 1 9 3 5 hinaus, die in einer Denkschrift niedergelegt worden ist, zum Ausdruck bringen wird, er will wissen, daß eine Denkschrift derselben Art vom Foreign Office in London vorbereitet worden ist. Es gilt, so schließt Pertinax, als wahrscheinlich, daß eine Konferenz veranstaltet werden wird, ähnlich der im August 1925 in London obgehaltenen, in der damals die Räumungsfrage erörtert worden war. Oie Sozialdemokratie schließt sich aus. Berlin, 5. Juni. (DDZ.) Der Deutsche Reichstag seht die zweite Beratung des Haus- Halts des Reichswirtschaftsministeriums fort. Abg. Koenen (Komm.) meint, die gestrige Vorlesung des Reichswirtschaftsministers habe gezeigt, daß sich die Regierung ganz im Banne der großen Konzerne und Kartelle fühlt. Diese Konzerne seien die Feinde des Mittelstandes und der Proletarier. Allein der J.-G.-Farben-Konzern habe im letzten Geschäftsjahr einen Reingewinn von über 300 Millionen Mark erzielt. Dem gewerblichen Mittelstand und dem Kleinhandel sei durch das Diktat der Konzerne jede Bewegungsfreiheit genommen. Abg. B e h t h i e n (D. Vp.) erklärt, die aus der Pariser Konferenz etwa zu erwartende Lastenerleichterung müsse nicht zuletzt dem Mittel st and zugutekommen. Die steuerliche Bevorzugung der öffentlichen Betriebe sei unerträglich. Mit großer Sorge sehe der Mittelstand auch der Ausbreitung der international finanzierten Warenhäuser entgegen. Abg. Drewitz (Wirtsch.-P.) führt aus, der Mittelstand stehe den Ankündigungen der Regierung recht skeptisch gegenüber nach den Erfahrungen, die er mit früheren Versprechungen gemacht habe. Die so oft angekündigte Senkung der Real steuern ist noch immer nicht gekommen. Wenn das Ergebnis der Pariser Verhandlungen uns Zahlungserleichterungen verschafft, dann müssen diese in erster Linie zur Senkung der die Wirtschaft belastenden Steuern benutzt werden. Wir sind keine Gegner der Arbeitslosenunterstützung, aber wir wollen dem Mißbrauch dieser sozialen Einrichtung ein Ende machen. Abg. Meyer (Dem.) erklärt, trotz der Weltwirtschaftskonferenz sehen wir in allen Ländern ein Wachsen der Schutzzölle und des Protektionismus, ganz besonders leider in den Vereinigten Staaten. Es wird ernstlich zu prüfen sein, ob wir noch Meistbegünstigungsvcrträge mit solchen Staaten abschliehen sotten, die einen Doppeltarif haben. Wir haben aber nicht nötig, dem hochschuhzöttne- rischen Beispiel anderer Staaten zu folgen. Wer gegen Lohnerhöhungen die Gefahr der Preistreiberei ins Treffen führt, darf nicht Zoll- erhöhungen fordern, die erst recht diese Wirkung haben. Wir verlangen eine grundsätzliche Zolltarifresorm. Ein Kartellregister muh endlich eingerichtet werden. Die Kartellpolitik ist zu einer wirklichen M o n o Polkontrolle auszubauen. Wir wollen nicht die Arbeitslosenversicherung verschlechtern, aber die tatsächlich vorhandenen Mißstände abstellen. Mit einem Reichsgeseh sollten der gewerblichen Betätigung der öffentlichen Hand feste Grenzen gezogen werden im Interesse des Mittelstandes. Reichswirtschaftsminister Or. Curtius erklärt: Ich habe der Wirtschaft gedient mit der Vorbereitung der Pariser Konferenz zur Revision des Dawes-Abkommens. Ich werde ihr weiter dienen, wenn ich mein Votum zu dem Pariser Gutachten abzugeben habe, vor allem bei der Rotwendigkeit der Durchführung eines eventuellen neuen Planes. Der Abgeordnete Wels hat auf dem Magdeburger Parteitag der Sozialdemokratie ausgesührt, daß die bürgerlichen Parteien einen Erfolg dieser Regierung gar nicht wünschten, weil die Regierung von der Sozialdemokratie geführt wird. Ich protestiere für mich und meine Freunde aufs entschiedenste gegen eine derartige Auffassung. Ich glaube auch für die sozialdemokratischen Mitglieder des Kabinetts feststellen zu sotten: Wir haben bis heute ohne irgendwelche Parteiprestigepolitik nur versucht, eine positive Wirtschaftspolitik zu treiben. Wir haben deshalb im vorigen Jahre ein Reformpro- gramm vorgelegt und werden nach dem Bericht der Pariser Konferenz ein neues vorzulegen haben Die vier entscheidenden Fragen sind für uns: 1. Revision des Dawes-Planes und Räumung unserer Westgebiete, 2. Reichsreform, 3. durchgreifende Agrarreform, und schließlich 4. Erleichterung der Wirtschaft auf allen Gebieten. Wir sind gemeinschaftlich ein gutes Stück vor- wärtsgekommen und ich sehe keinen Grund, daß die Verantwortungsgemeinschaft nicht fortgeführt werden kann. Die Arbeitslosenversicherung ist ein großer sozialer und wirtschaftlicher Fortschritt; aber es besteht kein Zweifel, daß wir die finanziellen Lei st ungen überspannt haben und daß schwere Schäden der Arbeitsmoral eingetreten sind. (Sehr wahr! rechts. — Hört, hört! links.) Wir müssen eine grundlegende Reform der Arbeitslosenversicherung durchführen, und es kann dabei auch nicht der bisher gesteckte Kreis der Versicherungspflichtigen unangetastet bleiben. (Hört, hört! links.) Roch weniger können wir diese Reform mit Beitragserhöhungen durchführen. Die zweite Frage ist die Z o l l f r a g e. Es ist richtig, dah die Schutzzollpolitik beginnt, sich zu überschlagen. Wir dürfen nicht etwa die Erhöhung der Selbstkosten durch Zollerhöhungen ausgleichen wollen, das Beispiel Australiens sollte schrecken. Wenn andere Staaten die Torheit begehen, die Schutzzollmauern immer weiter zu erhöhen, so brauchen wir nicht die gleiche Torheit zu begehen. (Unruhe rechts!) Man muh die Selbstkosten herabdrücken auf dem Gebiet der Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vriihl'sche UniversitSK-vuch. und Steindruckerei «. Lange in Sichen. Schristleitun, und Geschäftsstelle: Schulftr-che r. Zinsen und Steuern. Die Krise der Landwirtschaft kann unmöglich mit grundsätzlicher Verneinung jeder Zollerhöhung gelöst werden. Ich lehne aber die Herausnahme der Landwirtschaft aus den Handelsverträgen ab. Abg. Graf zu Reventlow (Rat.-Soz.) bezeichnet eine wirtschaftspolitische Debatte als zwecklos vor dem Vorliegen des Berichtes der Pariser Konferenz. Eine Gesundung der deutschen Wirtschaft sei unmöglich, solange Deutschland das Ausbeutungsobjekt des internationalen Finanzkapitals sei. Die Wirtschaftspolitik der Republik verfolge das Ziel, die bodenständigen deutschen Dolksbestandteile, vor allem die Bauern, zu ruinieren. Der in den Dauern angesammelte Hah gegen den Tlsurpator Staat werde einmal diesem neuen Staat ein Ende machen. Ratürlich mit legalen Mitteln. (Heiterkeit.) Abg. v. Sybel (Cyr.-Rat.-Bp.) erklärtster Wirtschaftsminister trage durch seine Zollfeindlichkeit selbst ein gerütteltes Maß von Schuld an der heutigen Katastrophe der Landwirtschaft. Der Redner fordert eine Erklärung des Ministers, ob er bereit sei, den schwedischen und französischen Handelsvertrag zu kündigen, um die Hemmungen für eine Erhöhung der Agrarzölle zu beseitigen. Die Verbraucherinteressen seien so eng mit der Rentabilität der Landwirtschaft verbunden, daß der Verbraucher vorübergehend auch etwas mehr für Lebensmittel zahlen könne. Hoher Schutzzoll sei eine Quelle des nationalen Wohlstandes. Abg. Dr. Best (Volksrechtpartei) erinnert an die schweren Schäden, die gerade der Mittelstand durch die Inflation erlitten habe und bezeichnet es als grobes Tlnrecht, dah das Gesetz die Entschädigungsansprüche der Jnflationsver- käufer ablehne. — Weiterberatung Donnerstag. Oer Vorwärts gegen Curtius Sozialdemokratie und Arbeitslosen- Versicherung. Berlin, 6. Juni. (Priv.-Tel.) Die Reichstagsrede des Reichswirtschaftsministers Dr. Cur- tius hat bei den Sozialdemokraten eine scharfe Ver st immun g, besonders seine Bemerkungen über die Reform der Arbeitslosenversicherung, ausgelöst, der der „Vorwärts" in längeren Ausführungen Ausdruck verleiht. Das sozialdemokratische Organ schreibt u. a.: Es ist durchaus ungewöhnlich, dah ein Minister in einer Frage, die im Kabinett noch nicht entschieden ist, im Reichstag seine Parteistellung vertritt und der Kabinettsentscheidung damit vorgreift. Die Regierungsparteien wollen erst heute mit einer interfraktionellen Erörterung dieser Probleme beginnen. Die Sozialdemokratie wird dabei keinen Zweifel daran lassen, dah sie nicht bereit ist, den Abbau der Erwerbslosensversicherung mitzumachen oder zu dulden. Wenn die bürgerlichen Parteien die von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften zugestandene Dertragserhöhung ablehnen und damit verhindern, dah die Erwerbslosenversicherung rechtzeitig die Mittel einsammelt, die zur Aufrechterhaltung chrer Leistungen erforderlich sind, so wird ihnen nur zweierlei übrig bleiben: Entweder die nach Beseitigung der Mihstände zur Aufrechterhaltung der Leistungen der Er- werbslo,enversicherung notwendigen Ausgaben, soweit sie nicht durch die laufenden Beiträge gedeckt werden können, aus allgemeinen Reichsmitteln zu bezahlen oder im schärfsten Kampf gegen die Sozialdemokratie einen Abbau der Leistungen zu erzwingen. Die Rede des Reichswirtschaftsministers hat in der Sozialdemokratischen Fraktion starkes Befremden hervorgerufen und ihr Vorsitzender, Dr. Breit scheid, hat Dr. Curtius sofort von dieser Wirkung unterrichtet. Oie Landwirtschastshilfe. Die Sachverständigen beginnen ihre Arbeit. Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) Bereits Donnerstag tritt der Sachverständigenaus- schuh, der bekanntlich aus vier Sozialdemokraten, vier Angehörigen der bäuerlichen Einheitsfront und einigen weiteren Persönlichkeiten zusammengesetzt ist, zu seiner ersten Sitzung zusammen. Man rechnet damit, dah er seine Arbeiten binnen 14 Tagen erledigen kann, so dah der Reichstag noch vor den Sommerferien über die Getreidefrage — nur um diese handelt es sich bei den Arteiten des Sachverständigenausschusses — entscheiden kann. Die übrigen zollpolitischen Anträge der bäuerlichen Einheitsfront sollen bei ter dritten Lesung des Haushalts gleichfalls mit zur Abstimmung kommen. In sozialdemokratischen Kreisen wird jetzt mehr die Auffassung vertreten, daß man in der Zollfrage der Landwirtschaft ein gewisses Entgegenkommen beweisen müsse. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß man dort den Versuch machen wird, ein Tauschhandelsgeschäft im Hinblick auf die Arbeitslosenversicherung anzubahnen. Mit den vom Reichsernährungsminister Dietrich vorbereiteten Gesetzentwürfen, die die Tlmschuldungs- und A b s a tz f r a ge betreffen, wird sich ter Reichstag erst in ter Wintertagung beschäftigen können. Das Schicksal ter zollpolitischen Vorlagen muh bei dem gegenwärtigen Stande der Dinge noch als völlig ungewiß bezeichnet werden. Deutsche Wehrpolitik. Der Reichswehrminister Groener spricht im Haushaltsausschuß. Berlin, 5. Juni. (D.D.Z.) Im Haushaltsausschuh des Reichstags erklärte zum Heeresetat Reichswehrminister Groener u. a., in ter letzten Zeit seien in der Presse viele Wehrprogramme erschienen. Er habe sich darüber gefreut, weil er sie als Ausdruck des Willens zur Wehrfähigkeit des Dolles betrachte. Heber die Wege könne man sich verständigen. Die Reichswehr müsse ein absolut überparteiliches Instrument des Staates bleiben, ein Diener unserer Republik. Das hindere nicht eine objektive, allgemeine p o - litii'che Aufklärung. Deshalb lasse er, der Minister, über politische Fragen von Zeit zu Zeit Vorträge für Offiziere halten. Diese Vorträge seien zu Tlnrecht kritisiert worden; die Zeitungsberichte darüber seien schief. Die Politik, die geübt werde, gehe auf volle Verständigung mit der ganzen Bevölkerung. Wer das Aufziehen der Wache beobachte, bemerke das Fluidum des Vertrauens zwischen Reichswehr und Bevölkerung. Die alte Armee sei ein großartiges Kriegs- & L 58.16 2.53 111/76 80,57 58, 8 12,40 72,85 M tta#11. K-me Teilnahme an den Kundgebungen^ twi-d--inö" L-Ich 's gegen die Versailler Kriegsfchuldluge. i - • - • " ■ Feuersäulen bis zu einer Höhe von 50d Metern auf. Die ganze innere Fläche des großen Kraters hat sich in ein Feuermeer verwand e l t. Die Annäherung an die Krater- ränder ist äußerst gefährlich. Die Eruptionstätigkeit des kleinen Kraters ist nach wie vor sehr lebhaft. Immer noch werden große Schlackenstücke emporgefchleudert, die auf die Seitenwände des großen Kraters niederfallen. Indessen ist der Lavasee in dem Abrund im kleinen Krater verschwunden. Aus der Tatsache, daß die großen Schlackenstücke beim Aufprall auf den Erdboden zersplittern, läßt sich schließen, daß die Eruptionstätigkeit zurückgeht und die Temperatur der herausgeschleuderten Massen sinkt. Wegen Straßenraubs in Männerkleidern vor Gericht. - Wegen scyweren Straßenraubes wurde in Berlin eine 22jährige Verkäuferin unter Zubilligung mildernder Hmstände zu der Mindeststrafe von einem Iahr Gefängnis verurteilt. Sie hat in einer Aacht als Mann verkleidet, ihre frühere Arbeitgeberin, die eine Anzahl Limo- nadenverkaufsstellen betreibt, und deren 18jäh- rigen Gehilfen auf der Straße überfallen, ihnen Pfeffer in die Augen geworfen und ihnen die Geldtaschen geraubt, wurde aber sofort von Passanten eingeholt und sest- gehalten. Der Angeklagten, die verlobt ist und fleißig gearbeitet hat, bis sie durch Krankheit in Rot geriet, wurde unter der eigenartigen Bedingung Bewährungsfrist bewilligt, daß sie während der Zeit von drei Iah- ren bis zum Ablauf der Frist nicht heiratet und sich in eine Stellung als Hausangestellte in eine geschlossene Anstalt begibt. Diese Stellung bürfe sie, wenn sie nicht ins Gefängnis wandern wolle, nicht verlassen, ehe die Anstalt sie für gebesiert erklärt. Dieser Gerichtsbeschluß erregte unter den Anwesenden ebenso großes Aufsehen wie die Entscheidung desselben Richters in einem früheren Falle, in dem er umgekehrt eine Bewährungsfrist mit der Bedingung bewilligte, daß der Angeklagte das junge Mädchen, das er aus Eifersucht durch ein Salzsäure- Ättentat entstellt hatte, nunmehr heiraten müsse. Ehrung eines deutschen Gelehrten in pari». Die französische astronomischeGe- s e l l s ch a f t gab bekannt, daß der zum ersten Male zur Verteilung kommende von Esnault-Pel- t e r i a und Ändrs Hirsch gestiftete internationale astronomische Preis dem Professor an der Universität Berlin, Hermann O b e r t h , zuerkannt worden ist. Dieser Preis im Werte von 5000 Franken wurde ausnahmsweise für die gekrönte Arbeit Oberths auf 10 000 Franken erhöht. An der Spitze des Preisrichterkollegiums steht General Ferris; ihm gehören außerdem der Nobelpreisträger P e r r i n, zahlreichen bekannten Astronomen und Physiker an. Professor Oberth hat das Pro- blem des Raketenantriebes für die Bezwingung der Luft behandelt und so weit entwickelt, daß bisher unbekannte Schnelligkeiten ermöglicht würden. Lobend erwähnt wurden zwei Arbeiten, von denen eine der deutsche Ingenieur Hohmann eingereicht hat. Schwere Explosion in Friaul. Ein der Aufbewahrung von Sprengstoffen der italienischen Kriegsverwaltung bestimmter, int Dorfe Tauriani bei Spilimbergv (Prov. Udine- gelegener Lagerschuppen geriet aus unbekannter Hrsache in Brand und flog in die Luft. E l f Arbeiter wurden getötet, sechs schwer und sieben leichter verletzt. Oie Wetterlage. den die schlechte Finanzlage uns aufge- zwungen hat, ist schwer. Ich habe die Manöver in diesem Jahre ausfallen lassen, ein vitales Ausbildungsmittel. Ein Jahr kann man vielleicht so verfahren, mehrere Jahre nicht. Wir stehen a m Wendepunkt der Kriegskun st. Halten wir an alten Methoden fest, versäumen wir den Anschluß an die Zukunft. Die Ausbildung ist eine so wissenschaftliche geworden, daß selbst der letzte Mann noch über eine gewisse Gelehrsamkeit verfügen muß. Jeder einzelne Mann muß taktisches Verständnis haben. Alles das zu erreichen, kostet Geld. Wir können ein Jahr die Ausbildung dros- fein; auf die Dauer ist das aber unmöglich. Viel ist der große Verwaltungsapparat getadelt worden. Wir werden mit größtem Ernst diese Verhältnisse im Ministerium und im Heere prüfen. Es wird eine Einsparung der Ausgaben versucht, die sich 1930 auswirken soll. Keine Einigung über den Reichsbahnschiedsspruch. Vor der Entscheidung des Arbeitsministers. Berlin, 5. Juni. (WTB.) Heute fanden im Reichsarbeitsministerium unter dem Vorsitz des Ministerialdirigenten M e o e s Verhandlungen über die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für den Reichsbahnbetrieb statt, die ergebnislos verliefen. Die Vertreter der G e= werkschaften erklärten, daß sie zu einer Der- ständigung bereit seien, doch gelang es nicht, die Reichsbahn zur Annahme des Schiedsspruches zu bringen. Die Entscheidung liegt nunmehr bei dem Minister. Die Reichsbahn steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß für sie die Annahme des Schiedsspruches unmöglich sei, da er eine Neubelast u n g von über 40 Millionen Mark bedeute, die ohne eine Tariferhöhung nicht aufgebracht werden können. Dabei ist die Reichs- bahnhauptoerwaltung durchaus davon überzeugt, daß an sich die soziale Lage ihrer Arbeiter eine Lohnerhöhung rechtfertigt. Wenn sie trotzdem auf ihrem ablehnenden Standpunkt beharrt, dann nur deshalb, weil sie der festen lleberzeugung ist, daß sich gerade in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage eine weitere E r - Höhung der Eisenbahnbetriebe höchst ungünstig auf die allgemeine Wirtschaft auswirken würde und daß durch die dadurch entstehende neue Teuerungswelle die etwaige Lohnerhöhung wieder illusorisch gemacht würde. Die Reichsbahnhauptoerwaltung ist, wie wir hören, nach wie vor entschlossen, im Falle der Verbind- lichkeitserklärung des Schiedsspruches durch das Reichsarbeitsministerium dessen Gültigkeit vor dem Reichsbahngericht anzufechten. Die Verhandlung vor dem Reichsbahngericht dürfte in diesem Falle alsbald anberaumt werden. Reichspräsident und Außenminister an den Verein deutscher Zeitungsverleger. Auf die Begrüßungstelegramme, die die Heidelberger Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger an den Reichsprä- sid enten von Hindenburg und an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann gerichtet hat, sind folgende Antworttelegramme eingegangen: „Den zu ihrer Tagung in Heidelberg versammelten deutschen Zeitungsverlegern danke ich für die freundlichenGrüße, die ich herzlich erwidere. Mit besonderer Befriedigung nahm ich Ihre Versicherung entgegen, daß der Verein Deutscher Zeitungsverleger gewillt ist, unter Zurückstellung vorhandener Gegensätze an dem großen Werk wahrer deutscher Volksgemeinschaft m i t z u arbeiten. Ihrer von diesem Streben geleiteten diesjährigen Versammlung wie Ihrer künftigen Arbeit wünsche ich aufrichtig reichen Erfolg. — von Hindenburg, Reichspräsident." „Dem Verein deutscher Zeitungsverleger danke ich herzlich für die mir telegraphisch übermittelten, ehrenden Worte, mit denen er auf der Hauptversammlung meiner Arbeit gedacht hat. Der Hauptversammlung guten Erfolg wünschend, bin ich mit herzlichen Grüßen an alle dort Versammelten Ihr S t r e s e m a n n.“ Der Rogensprozeß. Schwere Belastungen durch den Bruder der Angeklagten. Aeu-Strelitz, 5. Iuni. (WB.) 3m Rogensprozeß wurde der Bruder der beiden Angeklagten Fritz und August Rogens, Wilhelm Rogens, vernommen, der auf sein Zeugnis- verweigerungsrecht verzichtet hat. Er gibt zunächst nähere Einzelheiten über die Familienverhältnisse im Hause Rogens. Sein Vater, der entweder durch Selbstmord oder durch Hnglücks- sall ums Leben gekommen ist, habe ost über die Hnsauberkeit im Hause und über die sittlichen Abwege der Mutter, der Angellagten Frau Kähler, geklagt. Wilhelm Rogens, der sich verheiraten wollte, ist von Iakubowski seinerzeit gefragt worden, -ob er bereit sei, ihm eines der Kinder abzunehmen. Als Entschädigung sollte er einen blauen Anzug und ein Fahrrad erhalten. Wilhelm Rogens war, das Einverständnis seiner Dräut vorausgesetzt, dazu bereit. Seine Mutter hat ihm aber abgeraten. Gelegentlich eines Besuches bei Wilhelm Rogens hat später Frau Kähler ihm erllärt, daß August Rogens gesagt habe, er, August, solle eines der Kinder vergiften. Diese Behauptung wurde heute von Frau Kähler bestätigt. Wilhelm Rogens bekundet, daß Fritz ihm in Lübeck seine Beteiligung an dem Morde anvertraut und ihm gesagt habe, daß Jakubowski ihm 175 Mark in bar, einen Anzug, ein Fahrrad sowie verschiedene Möbelstücke für das Verstecken der Leiche des kleinen Ewald gegeben habe. Fritz hätte dem Zeugen dann genaue Angaben über das Verstecken der Leiche gemacht. Ihm habe Fritz erzählt, daß Iaku- b o w s k i ihm vor der Tat das Kaninchen- loch, in dem die Leiche versteckt werden sollte, gezeigt habe. Als er, Fritz, den Ewald in Empfang genommen habe, sei dieser schon halb t o t gewesen. Er habe nur noch etwas gestrampelt. Vorsitzender: „Früher haben Sie angegeben, daß Fritz erklärt habe, I a k u b o w s k i habe ihm die Leiche übergeben, heute sagen Sie immer „derjenige . Zeuge Wilhelm Rogens: „Ich habe angenommen, Iakubowski sei es gewesen." Vorsitzender hält dem Zeugen vor, daß er früher angegeben habe, Iakubowski habe zu Fritz MchonaldmitderÄegieningsbMiingbeauWgt. Die Herrschast der Lübour-Party. Die Labour -Party wird nach der jahrelangen Herrschaft der Konservativen nun wieder ans" Ruder gelangen, wobei die Feststellung interessant sein dürste, daß dieses Ereignis wieder in eine Zeit fällt, wo es sich um die Lösung der Reparationsfrage handelt. Das 17. englische Kabinett, das damals unter der Führung von Maedonald stand und vom 22. Ia- nuar 1924 bis zum 4. Rovember 1924 im Amte blieb, bis es vom jetzigen Kabinett Baldwin abgelöst wurde, stand im Zeichen der Londoner Konferenz, die im August- 1924 zum Dawes- plan führte. Maedonald wird also auch diesmal mit seinem Kabinett die Erledigung des Voung-Planes zu erfüllen haben, und man darf nur hoffen, daß diese Parallelität der Ereignisse auch Symptom für die Parallelität der politischen Entwicklung sein wird. Die Herrschaft der Labour-Party darf aber keinesfalls in ihrer außenpolitischen Auswirkung überwertet werden. Es ist wohl richtig, daß die englische Arbeiterpartei, wie ja auch Maedonald bereits in Interviews erklärt hat, viel stärker für eine Verständigung eintritt, als es die konservative Regierung konnte. In vieler Hinsicht kann auch erwartet werden, daß die Abrüstung jetzt von englischer Seite aus stärker forciert werden wird als bisher. Es wäre aber verfehlt, nun schon eine völlige Umstellung der englischen Außenpolitik Voraussagen zu können. Auch die englische Arbeiterpartei ist in ähnlichem Sinne in allererster Linie groß bri tannisch orientiert, so daß die kontinentale Politik nur insofern gewisse Abänderungen erfahren wird, als es eben jetzt vielleicht zu einer bequemeren Liquidation der Rachkriegswirkungen kommen könnte. Im allgemeinen wird aber auch hier die englische Links- regierung einen vorsichtigen Kurs einschlagen, der entsprechend der englischen Tradition eine klare und gebundene Festlegung vermeiden wird. Etwas anderes ist es vielleicht, anzunehmen, daß die Räumungsfrage jetzt womöglich leichter zu lösen ist. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß der französische Einfluß in diesem Falle letzten Endes doch der stärkere ist. Kurzum, es wäre verfehlt, nunmehr schon von deutscher Seite aus mit einem gewissen Illusionismus in die Zukunft zu blicken. Die kommende Entwicklung wird vielmehr £>on den anderen Komponenten der kontinentalen Politik abhängen, die in ihrer Komposition jetzt mehr und mehr zwangsläufig werden, so daß, vor allem was die Räumung anbelangt, eine Aufschiebung der Lösung dieser Srage kaum noch möglich fein wird. Und als letzten Punkt darf man nicht vergessen, daß auch Herr Maedonald in England mit Lloyd George rechnen muh, das heißt mit den Liberalen, die auch jetzt noch eine ausschlaggebende Rolle spielen. Die Herrschaft der Labour-Party wird deshalb im Zeichen der Vorsicht stehen. Die interkontinentale Politik Europas wird damit zunächst wenigstens keinerlei besondere Heber» raschungen aus diesem Wandel der englischen Politik erwarten können. Der Besuch beim König. Noch keine endgültige Ministerliste. London, 5. Iuni. (I2L) Die formale B e - trauung Macdonalds mit der Bildung des neuen Kabinetts durch den König, ist erwartungsgemäß, heute mittag erfolgt. Bei feiner Ankunft im Schloß Windsor wurde er von dem hofmarfchall des Königs empfangen und um 11.30 Ahr nach dem Krankenzimmer geleitet, das ec wenige Minuten nach 12 Uhr wieder verließ. Man glaubt zu wissen, daß Maedonald heute dem König die Jlamen einiger Mitglieder feiner Partei mitteilen wird, die er aufgefordert hat, feinem Kabinett beizutreten, doch wird die vollständige M i n i ft e r l i ft e nicht veröffentlicht werden, bevor sie Maedonald dem König unterbreitet hat. Das wird wahrfcheinlich am Samstag geschehen. Man betrachtet es als sicher, daß Snowden das Schahkanzleramt übernimmt; aber die Besetzung des Postens des Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten gibt Anlaß zu allerhand Mutmaßungen. (Es werden für diesen Posten u. a. die Rainen Arthur h e n d e r - s o n und 3. h. Thomas genannt. 3n der heutigen Sitzung des Vollzugsausschusses der Arbeiterpartei wurde beschlossen, einen Siege s f o n b s zu begründen und die Bildung des zweiten Ministeriums der Arbeiterpartei entsprechend zu feiern. Das neugewählte Parlament trift am 25. 3uni zusammen, doch wird die erste Woche lediglich mit der Erledigung von Formalitäten ausgefüllt sein. Erst in der darauf folgenden Woche wird das Parlament mit einer Thronrede, die das Programm der neuen Regierung bekanntgibt, formell eröffnet werden. Infolge des Regierungswechsels dürften die neuen Minister nicht vor Ablauf einiger Wochen in der Lage fein, gesetzgeberische Vorschläge zu unterbreiten. Deshalb wird sich das Parlament voraussichtlich Ende 3uli vertagen und erst zu Beginn des herbstes seine Arbeiten wieder aufnehmen. Rogens beim Hebergeben der Leiche gesagt: „Halte den Finger man noch etwas auf den Hals, Ewald ist noch nicht ganz tot." Zeuge: „3a, das hat Fritz mir erzählt." Fritz Rogens bestätigt, daß ein solches Gespräch stattgefunden habe, er habe aber, so behauptet er heute, etwas aufgeschnitten. Der Vorsitzende fragt dann den Zeugen Wilhelm Rogens, ob er wisse, ob seine Mutter darüber im Bilde gewesen sei, daß Fritz an dem Deiseiteschaffen der Leiche Ewalds beteiligt war. Der Zeuge erwidert, daß er feine Mutter danach gefragt habe, sie habe mit einem Achselzucken geantwortet. Vorsitzender zum Zeugen Wilhelm Rogens: Wissen Sie nicht, ob Kreutzfeld zwischen der Mordgeschichte gesteckt hat? Zeuge: „Das kann ich nicht mehr genau sagen." Vorsitzender: Sie haben früher angegeben, daß Iakubowski zu Fritz gesagt habe: „Wenn du den Mund hältst, kriegst du 600 Mk". — Zeuge: Das kann wohl stimmen. — Aus weiteres Befragen erklärte der Zeuge, er entsinne sich mit Sicherheit dieses Gesprächs. — Die Angeklagte Frau Kähler bekundete darauf, daß Wilhelm Rogens ihr von einem Gespräch zwischen Iakubowski und Fritz erzählt habe. Beide hätten geflüstert und sich Stillschweigen gelobt. — Vorsitzender zu Wilhelm Rogens: Sie haben gesagt, Sie hätten, als Sie von Fritzens Mordbeteiligung erfahren haben, ihre Familie links liegen lassen. — Zeuge Wilhelm Rogens: Das stimmt, ich habe mich geschämt. — Vorsitzender zu Wilhelm Rogens: Hat Ihre Mutter nicht zu Fritz einmal gesagt: Run hat August sich bald verraten? — Der Zeuge bejaht diese Frage, während Fritz Rogens und Frau Kähler entschieden in Abrede stellten, daß ein solches Gespräch stattgefunden habe. Die Zeppelinmotoren. Die Untersuchung der Kurbelwellenbrüche. Friedrichshafen, 5. Iuni. (TH.) Wie die Telegraphen-Hnion erfährt, sind die Unter* suchungen der Kurbelwellenbrüche der Zeppelinmotoren schon seit acht Tagen im Gange und haben bereits gewisse Ergebnisse gezeitigt. Erste Fachleute der deutschen Technik, wie Professor Kühbach von der Technischen Hochschule Dresden, einer der hervorragendsten Schwingungstheoretiker, und Professor Thoma von der Technischen Hochschule Karlsruhe, der ein neues ausgezeichnetes Verfahren zur Untersuchung von Schwingungen entwickelt hat, sind zu diesen Untersuchungen hinzugezogen worden. Zunächst ist eine Untersuchung auf dem festen Prüf st and der Maybach-Werke vorgenommen worden. Das Resultat war, daß Schwingungen von kritischem Ausmaß sich hier nicht gezeigt haben, weder bei fester Verbindung der Zylinder untereinander noch bei durchschnittenen Ansaug- und Auspuffrohren. Weitere Untersuchungen auf dem festen Prüfstand sollen mit mehr oder weniger weicher Kupplung und mit verschiedenen Betriebsstoffen (Benzin, Benzol, Detriebsgas) erfolgen. Die Motoren sollen dann weiter einer Prüfung in der Maschinengondel unterzogen werden, die in gleicher Weise, wie die Gondeln im Luftschiff aufgehängt ist und endlich sollen dann Messungen während der Fahrt im Luftschiff selbst vorgenommen werden, um die Einwirkungen des Fahrtstromes festzustellen. Es wird mit allem Rachdruck von feiten der Zeppelin werft betont, daß große, insbesondere T r ansatlantik-Fahrten nicht zur Ausführung gelangen sollen, bevor die Stö- rungsquelle erkannt und beseitigt rst. 3m übrigen ist es bekannt, daß Kurbelwellenbruche an Luftfahrzeugen gerade in letzter Zeit in außerordentlich großer Anzahl (mehr als hundert Fälle) zu verzeichnen waren und bereits seit geraumer Zeit Gegenstand ernsten Studiums der deutschen Luftfahrtbehörden waren und noch sind. Wenn Luftschiffe bisher von Kuichelwellenbrüchen verschont waren, so ist das darauf zurückzuführen, daß zwischen Propeller und Motor im Luftschiff ein G etriebe eingeschaltet war, das vom Propeller ausgehende Störungen aufnahm. Die ßöfung des Problems wird daher sehr wahrscheinlich auch in einem Getriebe gefunden werden, das geeignet ist, etwa auftretende Schwingungen zu dämpfen. Am Vorabend der Madrider Ratstagung. Stresemann nach Madrid unterwegs. Berlin, 5. 3uni. (Priv.-Tel.) Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat, ohne sich vorher über den Stand der Reparationsverhandlungen zu äußern, die Reise zur Tagung des Dölkerbundsrates in Madrid angetreten. Er ist begleitet von seiner Gattin, vom Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r, vorn Reichs- Pressechef Ministerialdirektor Z e ch l i n und vorn Vortragenden Legationsrat Redelhammer. Dr. Stresemann wird in Paris einige Stunden verweilen, um dort mit dem deutschen Reparationssachverständigen Dr. Schacht sich zu besprechen. Die deutsche Delegation ist unter Führung von Staatssekretär Dr. v. Schubert bereits in Madrid eingetroffen. Staatssekretär v. Schubert hat dem spanischen Ministerpräsidenten Primo de Rivera einen Besuch abgestattet. Aus Madrid wird bekannt, daß die Delegierten der Ratsmächte morgen im Gebäude des spanischen Senats als Ratskomitee für die Minderheitenfrage zusammentreten, um die vertrauliche Aussprache und Prüfung des Berichts des Dreierkomitees zu beginnen, der bekanntlich immer nur vorbereitenden Charakter getragen hat. Er sollte dem Ratskomitee als Grundlage für die weitere Aussprache über die Minderheitenfrage und die deutschen und kanadischen Anträge zur Verbesserung des Verfahrens bei der Behandlung von Minder- heitenbeschwerden dienen und gleichzeitig die grundsätzliche Stellungnahme des Völkcrbunds- rates zu der vom Völkerbund übernommenen Garantie des Schuhes der Minderheiten vorbereiten. Am Vorabend dieser wichtigen Beratungen sind, wie zu erwarten war, die Gegensätze der verschiedenen im Völkerbundsrat vertretenen Auffassungen unverändert vorhanden. Die deutsche Regierung hat ihren Standpunkt, wie erinnerlich, vor zwei Monaten in einer für das Dreierkomitee bestimmten Denkschrift eingehend begründet. Sie wird bei den bevorstehenden Beratungen an ihren Argumenten festhalten, deren grundsätzliche Bedeutung den Abschluß eines Kompromisses nicht zuläßt, wie es sich sonst im konkreten Fall der einzelnen Minderheitenbeschwerde vielfach als praktisch notwendig erwiesen hat. Aus aller Wett. Die Eruption des Vesuvs. Reapel. 5. Iuni. (WB.) Das Observatorium auf dem Vesuv meldet, daß während der ganzen Rächt sehr starke Explosionen zu vernehmen waren, während die Oeffnung des kleinen Eruptionskegels neue Lava ströme ausspie. In der Zeit von Mitternacht bis 1 Hhr nahm die vulkanische Tätigkeit noch mehr zu, und zwischen 4 und Hhr stiegen gewaltige (önJcj Ue Sk—_- □ wolkenlos. Q neirer. (> nalh Bedeckt. ® wolkig, c Bedeckt elTeqltfc * Schnee a Graupeln. 5 Meoel K Gewuier.(§)windstiiie.«o> seh, •eicnter Ost -nissiger Südsüdwest q stürmischer nordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Pie Beiden Stationen stenenden zählen gehen die Temperatur an. Die Linien veroinden Orte mit gleiche^ e hat in erdet ;u lM s£ de/m lSjäh. uberfai. lewvrfen und ubt, wurde 7 und test. ist und 7> Krank. 7 eigen- W't be- Andrer Ich. htheiratet MSangesteltte Dreie 6td. DesLngniz >e die Anstalt ^erichtsbeschlch ebenso großes -sselLen Ajch. dem er M. er “Sebingung junge Md- in balzsäure. cheiraten o 'm Hatik 'mische De. jum ersten Male -nault.Pelle internationale Kosessor an bet rth, zuerkannt von M Fran- gefrönte Arbeit löfjt. An der sieht General her Nobelpreis- nten Astronomen h hat bas $ro- für die Be- und so mit ent- hnelligkeiten er- nurben zwei Ar- üsche Ingenieur »*S> Die Erweiterung der LupusheiWte X Kirche und Schule. Theologische Konferenz in Gießen. Die Gießener Theologische Konfe Hal, wie bekannt, mit Zustimmung der Stabt Jranf- furf zur Verwertung ihrer Braunkohlenfelder in Oberhessen und zur Entwicklung der vraunkohlen- Garerzeogung eine Schwelerei bei Hungen errichtet. Dort ist bei Aufschluß des Tagebaues durch den Austritt einer Quelle ein bergbaulicher Unfall eingetreten. Durch die notwendig gewordenen Maßnahmen find erhebliche Verluste entstanden, die voraussichtlich dazu führen werden, daß die Gewerkschaft „Friedrich" in Hungen demnächst eine Zubuße in höhe von etwa drei Millionen Mark wird einfordern müssen. Die Frankfurter Gasgesellschaft als Hauptgewerke wird diese Zubuße tragen müssen. Der Frankfurter Gasgesellfchaft stehen zur Abdeckung dieser Zubuße außer früheren Rückstellungen das Erträgnis von 1928 in der Gaswirtschaft, sowie offene Reserven in mehr als ausreichendem Maße zur Verfügung." In dem Kampfe um die Gasversorgung Hessens, der zur Zeit zwischen der Frankfurter Gas- g e s e l l s ch a s t und der Ruhrgav-A.-G. im Gange ist, sind von einem Rachrichtenbureau und von der „Deutschen vergwerkszeitung" Mitteilungen über Millionenverluste der Franksur- ter Gaswirtschaft verbreitet worden. Es wird in jenen Pressemeldungen von Verlusten in höhe von 10 Millionen Mark bei der Frankfurter Gasgesellfchaft gesprochen. Gegen diese Behauptungen wendet sich jetzt die Frankfurter Gasgesellfchaft mit einer Mitteilung an die Presse, in der erklärt wird, daß die Behauptung von einem Verluste von 10 Millionen Mark absolut unzutreffend seien. Dagegen wird in der Auslassung der Frankfurter Gas- gesellschast ein Milliouenfchaden bei der Gewerkschaft „Friedrich" in Tra i s- horloff bei Hungen zugegeben; darüber wird folgendes erklärt: „Die Frankfurter Gasgefellfchaft Millionenschaden bei der Gewerkschaft „Friedrich" in Trais-Horloff. Berliner Börse. Berlin, 6. Juni. (WTB. Funkspruch.) Im Hou. tigen Dormittagsverkehr scheint für eine Reibe von Werten wieder Interesse zu bestehen, doch ist das Geschäft bis jetzt noch sehr gering. Die Tendenz ist freundlich. Anregende Momente liegen zwar nicht vor. Die Frankfurter Abendkurse sind gut behauptet. Man nennt Farben 263,5, Schultheis 325,5, AEG. 194,5 bis 195, Schlickert 252, Siemens 406,5 bis 407, Rheinische Braunkohlen 304, Deutsche Linoleum 359 und Polyphon 455. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel 4,8492, London gegen Berlin 20,3360, London gegen Madrid 35,10, Kabel gegen Berlin 4,193750. Ein« Fülle von praktisditn Bai-Reupten bieten ,Dr. Oelktr-Reupte'’, Ausgabe F (PreisiS Pff-) ^nd „Dr. Oetker'sSdtulkodibudi’ (Preis80 Pfg-)- Zu haben in den Lebensmittelgesduiften oder, wenn vergriffen, gegen Einsendung in Marken von Dr, August Oetker, Bielefeld. Spargel 40 bis 1,00; Erbsen (grüne) 40 bis 50; Mischgemüse 15 bis 20; Tomaten 80 bis 1,20; Zwiebeln 15 bis 20; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 15 bis 20; Kartoffeln, alte 6, neue 20 bis 25; Aepfel (ausl.) 45 bis 70; Dörrobst 35 bis 40; Kirschen 60 bis 80; Stachelbeeren 45 bis 50; Erdbeeren 1,50 bis 2,00; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1.30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Rüsse 70 bis 80; Tauben Stück 70 bis 90; Eier 12; Blumenkohl 70 bis 1,50; Salat 10 bis 20; Salatgurken 50 bis 90; Ober-Kohlrabi 20 bis 25; Lauch 10 bis 20; Rettich (neue) 20 bis 30; Sellerie 20 bis 1,00; gelbe Rüben (neue) Bund 20 bis 25: Radieschen 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 5 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Oeffentliche Mieterversammlung, 20i/2 Ahr im Gewerkschaftshaus. — 1. Abonnements-Konzert, 20 Uhr auf der Liebigshöhe. — D. H. V.: Vortrag „Die Reklame im Dienste des Kaufmanns", 20i/2 Ahr im Heim, Dahnhofstr. 71. — Oeffent- licher Vortrag über „Die moderne Technik und die seelischen Erschütterungen unserer Zeit". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Diane" und „Seine Hoheit der Dienstmann". — Das Stadttheater Gießen eröffnet, wie man uns schreibt, die Sommerspielzeit am Dienstag, 11. Juni, mit Walter Hocketts „Die Frau des Andern". Dieses Stück soll der Detektivschlager der Sommersaison sein. In Berlin war dieses Drama ein großer Erfolg, und die Presse berichtete, daß es am Premierenobend „Beifall regnete". Intendant Dr. P r a s ch hat selbst die Spielleitung übernommen und wird versuchen, vor allem mit jungen Kräften des hiesigen Stadttheaters das Stück frisch und lebendig herauszubringen. * *♦ Rotkreuztag. Am nächsten Sonntag, 9. Juni, wird, wie allgemein in ganz Deutschland, auch in Gießen und in den Landgemeinden des Kreises Gießen ein Rotkreuztag stattfinden, Dor einigen Wochen berichteten wir von einem Plane des Hellstättenvereins für Hessen (Hessischer Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose) zur Erweiterung der Lupusheilstätte durch die Errichtung eines dritten Baues, in dem lupuskranke Kinder untergebracht werden sollen. Die Pläne für diesen Erweiterungsbau sind nunmehr endgültig festgelegt worden und haben die Zustimmung des Vorstandes des Heilstättenvereins gefunden. Rach diesen Plänen wird neben dem Dr.- Reumann-Haus der Lupusheilstätte das dritte Gebäude in dreigeschossiger Ausführung erstehen. Im Kellergeschoß dieses Reubaues sollen Arbeitsräume für die Hand- fertigkeitsarbeiten der lupuskranken Kinder, ein Turnsaal, Bäder und Räume für Lichtbehandlung und Zubehör geschaffen werden. Das Erdgeschoß soll bie Zimmer für Knaben enthalten, ferner einen von Knaben und Mädchen gemeinsam zu benutzenden Anterrichtsraum, weiter nur für Knaben große Veranden, Liegebalkons, Behandlungsräume, Waschräume, Heilbäder und Schwesternzimmer. 3m ersten Obergeschoß werden, mit Ausnahme des Anterrichtsraumes, die gleichen Räume und Einrichtungen für Mädchen, wie im Erdgeschoß für Knaben, geschaffen, außerdem hier über dem Anterrichtsraum des Erdgeschosses eine Kapelle zur Abhaltung von Gottesdiensten für die Kinder beider christlichen Konfessionen. Für das z w e i t e O b e r g e s ch 0 ß ist eine Erweiterungsstation vorgesehen, die nicht allein von lupuskranken Kindern, sondern auch von lupuskranken Erwachsenen als Privatstation in Anspruch genommen werden kann. Das Dachgeschoß soll die Luft-, Licht- und Sonnenbäder enthalten, bie mit GlaS überdeckt werden und Sommer und Winter benutzbar sein sollen. Eine Das Reichs-Wettkochen mit Gas. Gestern fand in Berlin das von der Zentrale für Gasverwertung veranstaltete große Reichs- Wettkochen mit Gas statt. An diesem ®nt- scheidungskampfe um die Würde der deutschen Gaskochmeisterin nahmen 45 Hausfrauen aus dem ganzen Reiche teil, darunter auch die Gießener Siegerin im Gas-Kochwettbewero, H-rau Groß, Moltkestratze 18. Leider war es »rau Groß bei der außerordentlich starken Konkurrenz nicht vergönnt, einen Preis zu erringen. Den Teilnehmerinnen war die Aufgabe gestellt, bei sparsamstem Gasverbrauch in möglichst kurzer Zeit Frühstück, Mittagsmahlzeit, Rachmittagskaffee und Abendbrot Herzustelleri. Die Hauptpreise fielen an folgende Siegerinnen: 1. Preis — 3000 Mark — Frau Geißler- Derlin (deutsche Gaskochmeisterin), Zeit 45 Minuten. 2 Preis — 1500 Mark — Frau 3 ak 0 brtz - Berlin, Zeit 48 Minuten. 3 Preis — 1000 Mark — Frau Feurer- Frankfurt a. M., Zeit 49 Minuten. Daten für Freitag, 7. Juni. Sonnenaufgang 3.45 Ahr. Sonnenuntergang 20.12 Ahr. Mondaufgang 3.19 Ahr. Monduntergang 20.37 Ahr. 1826: Der Physiker 3oseph von Fraunhofer m München gest. (geb. 1787). 1843: Der Dichter Friedr. Hölderlin in Tübingen gest. (geb. 1770). 1915: Aufhebung der Anion Rorwegens mit Schweden. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,00; Matte 30 bis 35; Wirsing 20 bis 25; Weißkraut 20 bis 25; Rotkraut 20 bis 25; Spmat 15 bis 25; Römischkohl 15 bis 20; Dohnen 70 bis 80; Küchen- und Heizungsanlage ist für dieses neue Gebäude nicht vorgesehen, da die Beheizung sowohl wie auch die Verpflegung von den Einrichtungen des Dr.-Reumann-Hauses aus erfolgen wird. 3nsgesamt wird in dem neuen Gebäude Raum geschaffen für 50 bis 60 lupuskranke Kinder und für etwa 12 bis 15 lupuskranke Privatpatienten. Dabei wird jedoch — entsprechend dem Leitgedanken für bie Errichtung dieses Baues — darauf gesehen, daß die Kinder vollständig von den erwachsenen Personen getrennt werden, um sie nicht etwaigen ungünstigen Einwirkungen auszusetzen. Das neue Haus wird durch einen Verbindungsgang die erforderliche direkte Derkehrs- möglichkeit mit den beiden jetzigen Gebäuden der Heilstätte erhalten. Reben dem Erweiterungsbau wird gleichzeitig noch ein Wohnhaus mit der Dienstwohnung für den leitenden Arzt der Heilstätte errichtet werden. Die Bauarbeiten sollen baldmöglichst, spätestens Anfang 3ull, beginnen, damit der Rohbau noch in diesem 3ahre unter Dach kommt und das ganze Reubauwerk im Laufe des nächstjährigen Sommers vollendet wird. Die Kosten des Baues sind auf etwa eine halbe Million Mark veranschlagt. Für unser Gießener Dauhandwerk wird auch dieser Reubau wieder zahlreiche gute Deschäftigungsmöglichkeiten bringen. Der Entwurf zu dem Reubau stammt von dem Architekten Baurat Hans Meyer von hier, dem auch die Bauleitung anvertraut ist und der bisher schon die hiesigen Bauten des Heilstättenvereins errichtet hat. Der Heilstättenverein für Hessen unter der Leitung seines Vorsitzenden. Präsidenten Dr. Reumann (Darmstadt), wird sich mit der Schaffung dieser Heilstätte für lupus- kranke Kinder ein neues großes Verdienst um die leidende Menschheit erwerben. Skis der Pwvinziathauptfiadt. Gießen, den 6. 3uni 1929. Auch im (Sommer (Seefisch! Don Sanitatsrat Dr. Alfred Jacoby, Äerlin. Liebe HausfrauI Warum scheust du dich, im Sommer Seefische auf den Tisch zu bringen? Du meinst, sie verderben leicht? Du bist in einem 3rrtum befangen, der zur Zen deiner verehrungswürdigen Großmutter Wahrheit war. Aber die Seefische haben doch ihr „verderbliches" Wesen nicht geändert? fragst du erstaunt. 3hr Wesen hat sich freilich nicht geändert aber die Art der Herbeischaffung ist anders geworden. Früher war ein weiter Weg von der Küste bis ins Binnenland. Da wurden die Seefische mit anderm Gut zusammen auf den langsam fahrenden Güterzügen verfrachtet, und in der langen Deförderungszeit hatte die warme Luft Gelegenheit, auf das Fischfleisch einzuwirken. Rach solcher tagelangen Fahrt mögen die Fische, die so köstlich frisch aus dem Wasser gekommen waren, schließlich nicht immer einwandfrei angekommen sein. Am Bestimmungsorts fehlte es womöglich sogar an geeigneten Lagerräumen und an einer schnell verteilenden Verkaufsstelle. Jetzt liegen die Verhältnisse ganz anders. Die Seefische werden unmittelbar nach dem Fang noch auf den Fischdampfern in Eis gepackt und verlassen den Cisschuh nicht, bis sie in deine Hand gelangen. Dom Dampfer gelangen sie, immer von Eis umgeben, durch die Fischverkaufshallen tn den großen Fischereihäfen auf schnellstem Wege in besonderen, selbstverständlich eisgekühlten Fischversandwagen, die an schnellfahrende -3ü0e an* gehängt werden, in die Verkaufsstellen des Binnenlandes. Wenn dich noch nachts der Traum quält: „Was koche ich heute," hat der Flsch- kleinhändler fein Auto mit deinem Mittagsgericht bereits beladen und wartet nur auf dein Kommen. Begleite mich, liebe Hausfrau, in ein Fischgeschäft oder auf den Markt und laß uns hinter die Kulissen spähen, wo die Fische bereits ausliegen. Der Händler öffnet gerade sein Geschäft, ein kalt-appetitlicher Hauch weht uns entgegen. Da liegen sorgsam in kleine Eisstückchen verpackt in handlichen Kisten und Körben die Lecker- bisien der Rord- und Ostsee. Der Kabeljau und Rotbarsch, die Schollen, Schellsische und Seezungen, Seelachs, Merlan und wie sie alle heißen. And unmittelbar vom Eis fort legt dir der Händler den Fisch in deinen Korb. Da ist jebe DerderbSgefahr ausgeschlossen. Bedenke auch, liebe Hausfrau, was der Kauf jeden Pfundes einheimischen Seefischfleisches bedeutet. Deschäftigungsmöglichkeit für unsere ©ee- fischer und alle Menschen, die mit dem Fisch- hanbei zu tun haben; Ausnutzung von Schätzen, die uns in unendlichen Mengen ohne unser Zutun wachsen, Beschränkung der Fleischeinfuhr aus dem Auslande, die unsere Volkswirtschaft und damit unsere Zahlungsfähigkeit so schwer belastet. And bedenke weiter liebe Hausfrau, daß es in puncto Lebensmittel ausschließlich auf dich und deine -zig MMonen Gefährtinnen ankommt, ob unser Geld deutscher Arbeit zugute kommt, oder in das Ausland fließt. Glaube aber nicht, baß du der deutschen Wirtschaft nur ein Opfer bringst, wenn du den Seefischhandel durch deinen Einkauf belebst. Du bereicherst im Gegenteil deinen Speisezettel durch nahrhafte, schmackhafte, billige und leichtverdauliche Gerichte. And was besonders wichtig ist, du förderst mit S^rfisch- gerichten deine und deiner Familie Gesundheit. eines Haftbefehls vom Amtsgericht Delnhauf« wurde der Architekt Fritz Knauer aus Leipzig verhaftet. •• Allerlei Diebstähle. Der heutige Pvlizeibericht meldet: Am 25. Mai wurde in der Zeit von 20.30 bis 22.45 Ahr von unbekannten Tätern an einem Hcmse in der Ludwigstraße ein Aushängekasten mit etwa 70 Rollen Klosettpapier entwendet. Der Kasten ist 1,05 Meter hoch, 0,60 Meter breit und 0,13 Meter tief. 3n der Rächt vom 25. zum 26. Mai wurde aus einem Garten am Wißmar er Weg ein eisernes Antev- gestell von einem Wirtstisch gestohlen. Am 27. Mai wurde aus einem Ankleideraum einer Badeanstalt eine viereckige Herren-Lederarmbanduhr, am 31. Mai eine Geldbörse mit 185 Mark 3nhalt, eine Brieftasche mit Studentenausweis, und am 2. 3unl aus dem Amkleideraum des V.f.B.-Spvrtvereins eine Geldbörse mit 64 Mk. und ein goldener Ring mit blauem Stein entwendet. Am die täglich vorkommenden Diebstähle bei dem jetzt wieder stark zunehmenden Badebetrieb einzuschränken, werden die Badegäste ersucht, Wertsachen bei den Dadehausbesitzern zur Aufbewahrung abzugeben. Personen, die Angaben über den Verbleib des Diebesguts und zur Ermittlung der Täter machen können, werden gebeten, der Kriminal- Abteilung, Landgraf-Philipp-Platz 1, Zimmer 64, Mitteilung zu machen. •• Eigentümer gesucht. Der Polizeibericht meldet: Bei der Festnahme eines Man- sardenbiebes wurde bei diesem ein Weinzipfel (blau-weih-blau) in Silber mit eingravierten Buchstaben H. M. gefunden. Hersteller des Zipfels ist C. Porchers, Pforzheim. Mit Bestimmtheit ist anzunehmen, daß der Zipfel durch eine strafbare Handlung in den Besitz des Fe st genommenen gekommen ist. Wer Eigentumsrechte geltend mschen kann, wird gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Landgras-Philipp-Platz 1, Zimmer 64, zu melden. " Marburger Festspiele 1 92 9. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist, findet am nächsten Sonntag, 9.3uni, die Erstaufführung von Schillers „Wilhelm Teil" im Rahmen der Marburger Festspiele 1929 im Marburger Schlohparktheater statt. Roheres in der Anzeige. •* Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt! Kälber 1113, Schafe 85, Schweine 693. an dem Sammlungen für die Wohlfahrtseinrichtungen des Roten Kreuzes vorgenommen werden sollen. Es kommen dabei Haussammlungen und Strahensammlungen in Betracht. 3m Hinblick auf das uneigennützige und segensreiche Wirken des Roten Kreuzes zum Besten der leidenden und bedrängten Volksgenossen seien diese Sammlungen dem besonderen Wohlwollen unserer Mitbürger in Stadt und Land empfohlen. ** Hohe Auszeichnung einer 06er- hessischen Milchwirtschaft. Auf der 35. landwirtschaftlichen Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in München wurde die von dem Hofgut Winnerod bei Reiskirchen (Kreis Gießen) hergestellte Trink-, Kur- und Kindermilch in Flaschen bei der Bewertung mit der höchsten Punktzahl und mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Auf die Anzeige in unserem heutigen Blatte sei hingewiesen. " Das Fest der Goldenen Hochzeit begehen am morgigen Freitag unser Mitbürger Robert Osinskh und Frau Auguste, geb. Günther, Ludwigstraße 12 wohnhaft. Das Jubelpaar wohnt, was wohl gleichfalls als Seltenheit zu bezeichnen ist, schon seit 48 3ahren in seiner jetzigen Wohnung. ** Todesopfer eines Verkehrsunfalles. Der Cisenbahnschaffner Gg. Schorge aus Großen-Linden, der am Mittwoch voriger Woche bei der Heimkehr vom Dienst auf seinem Fahrrad in der Frankfurter Straße von dem Anhänger eines Frankfurter Lastautozuges angerannt und schwer verletzt wurde, ist gestern morgen in der Chirurgischen Klinik, wohin man den bedauernswerten Mann alsbald nach dem Unfall verbracht hatte, seinen Verletzungen erlegen. Der Verunglückte hatte bei dem Anfall schwere Kopfverletzungen erlitten. •• Festnahmen. Der Polizeibericht meldet: Festgenommen wurDen zwei Gemüsehändler von hier wegen Diebstahls bzw. Hehlerei. Wegen Unterschlagung einer Mandoline wurde ein • Schlosser aus Duisburg festgenommen. Auf Grund renz versammelte sich vor einigen Tagen in der 3ohanneskirche unter Leitung von Geh. Kirchenrat D. Dr- Krüger (Gießen). Professor ßtc. Gerstenmaier (Friedoerg) eröffnete mit Schriflesung und Gebet. Professor Dr. Becker (Darmstadt) verwertete in seinem Vortrag „D ie Seelsorge am Kranken- und Sterbebett im 17. und 18.3ahrhundert" Ergebnisse au8 Forschungen in einem oberhessischen Adelsarchiv und in verschiedenen Pfarrarchiven. Die noch heute bei ländlichen Beerdigungen üblichen „Personalien" wurden früher von den Lehrern und bei Adligen von den Amtmännern und RechtSgelehrten versaßt. Bis heute noch wenig in der theologischen Literatur beachtet, sind sie eine wertvolle Fundgrube; eine größere Anzahl von ihnen, besonders aus den Famllien Goertz und Riedesel, wurde verlesen. Rach dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag sprach Privatdozent Lic. F a s ch e r (Warburg) über „Das Problem der Exegese in der Gegenwart". Es handelt sich dabei um die Frage nach dem Verstehen des Reuen Testamentes. Theologen und 3uristen haben sich im Laufe der Jahrhunderte am meisten um sie gemüht; die Forderung einer pneumatischen Exegese ist heute allgemein abgelehnt; die Exegese muh mit exakten Methoden arbeiten, deshalb kritisch sein gegen die Arbeit der Systematiker auf diesem Gebiet. Ein halbes Dutzend kombinierter Methoden liegt hinter uns; bei aller Anerkennung wissenschaftlicher Arbeiten muh man sich wehren gegen ihre generalisierende Anwendung. Als wissenschaftliche Menschen haben wir uns umzusehen auf dem Gebiet der Psychologie und der Religionspsychologie; mit ihren Vertretern und denen der Ontologie setzte sich der Vortragende ausführlich auseinander (Wobbermin, Heidegger). An Den sehr gründlichen Vortrag schloß sich eine Ansprache an. geht seit ZO Jahren zwischen den deutschen Hausfrauen und der altbewährten Firma Dr. Oetker hin und her. Voll Vertrauen legt die Firma ihre Erzeugnisse in die geschickten Hände der Hausfrauen, voll Freude und Vertrauen gehen diese ans Werk, denn sie wissen, daß sie nach Oetker-Rezepten mit voller Sicherheit des Gelingens backen. Natürlich - nur mit Dr. Oetker’s Backpulver ianM , un, findet D6® ien vor- L^en. Lust' SS«® K »jTW iooo Reste zum Einheitspreis pro Meter 2.50 und Dr. Steinreich 5016D 5O27D ausgezeichnet wurde HOFGUT WINNEROD Anna Elisabeth Sack und Sohn Gießen, den 4. Juni 1929. 03537 Brandplatz 5O23D Chevroletl öarlnir Jnnensteuerlimou- • 111111C W sine, als Vorführ- , - 5 laWitnttB Davidson gut geformt und gebrannt, gibt billig ab C. Hita«Jernsprecherl659 Muschenheim, den 3. Juni 1929. 49948 kaufen. [03594 Telephon 1414 Neuenweg 28 des jetzigen.Inhabers 5030V 4984V Samstag letzter Serientag Vereine Gieflen, Sonnenstraße 20 5033p 5036A 12.50 14.50 16. praktiziert wieder ab Samstag, den 8. Juni N, N, N, N, 3. 4. Wollmousseline Färb. 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