Nr. 105 Erstes Blatt 179. Jahrgang Montag. 6. Mai 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags, veilaaen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger-, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelncrNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig-, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Gießen. Gpionen-Riecherei. Zu der Mentalität des Militarismus, wie sie sich gerade jetzt wieder bei der sogenannten Abrüstungsarbeit in Gens an den Ausführungen französischer und anderer Delegierter hochgerüsteter Staaten kundgibt, gehört unweigerlich auch das moralisch ansechtbarste Gegenstück, der „Spionage-Komplex". Er treibt seit einiger Feit wieder die sonderbarsten Blüten. Da ist z. B. kürzlich in Paris eine Hausangestellte verhaftet worden, die angeblich das Formular einer geheimen militärischen Nachweisung, einen Fragebogen über die militärische Ausbildung im Befih gehabt habe. Das Mädchen trug einen deutsch klingenden Namen und war, wie von der Pariser Boulevard-Presse mit geheimnisvoller Betonung unterstrichen wurde, aus der deutschen Schweiz nach Paris gekommen. Man mußte diese verdächtige Person gleich am folgenden Tag wieder laufen lassen, weil sie gar kein Schriftstück besah oder weil es doch mit militärischen Dingen nichts zu tun hatte. Dosür hat man wenige Tage später entdeckt, dah e i n junger Mechaniker in Straßburg den Bersuch gemacht habe, sich bei einem Waffen- händlcr in Hagenau das Modell eines neuen französischen Maschinengewehrs zu beschossen, und man hat dann einen Deutschen, der im Besitz eines Grenzübergangsschcines war, als seinen Komplizen verhaftet. Llnseres Wissens werden auch im französischen Staatsgebiet Maschinengewehre, besonders solche, die noch nicht einmal im Gebrauch sind, nicht von Wasfcnhändlern in Provinzstädten gehandelt. Es sieht also nicht sehr wahrscheinlich aus. daß dieser 23jährige Straßburger gerade auf diesem Wege ein militärisches Geheimnis habe in Erfahrung bringen wollen oder können. And dah er mit einem deutschen Grenzbewohner, der aus irgendwelchen beruflichen oder persönlichen Gründen regelmäßig über die Grenze kommt, dessen Zivilberuf aber der eines friedlichen Gastwirts ist, in persönlicher Verbindung gestanden hat. zeugt auch noch nicht von einer deutschen Militärspionage, die bei diesen Veröffentlichungen offenbar unterstellt werden soll. Gleichzeitig tritt in Belgien eine besondere Kommission zusammen, um das Problem der Spionage in Friedenszeiten strafrechtlich zu untersuchen. Cs ist offensichtlich, dah der Atrechter Zwischenfall mit der Veröffentlichung der gefälschten Militärdokumente den Anlaß hierzu bietet; aber Brüsseler Zeitungen benutzen die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, daß vor dem Kriege in zahlreichen belgischen Industrie- und Handelsbetrieben deutsche Volontäre und Angestellte beschäftigt waren, die man im Kriege — man denke! — in d eut sche r Uniform w i e d e r g e s e h e n habe. Nun, bei der engen Verbindung der deutschen und der belgischen Wirtschast, deren größte Betriebe deutschen Konzernen angehörten, ist die Beschäftigung deutscher Angestellter im Frieden ebenso natürlich gewesen, wie die Tatsache, daß diese gleichen jungen Leute in einem Wehrpflicht- Heere nachher ihrer militärischen Dienstpflicht genügten. Einen Zusammenhang daraus zu konstruieren, wonach etwa diese kaufmännischen Angestellten im Frieden Spionage getrieben hätten, ist absolut unzulässig und zeugt für die Verbohrtheit, die als Folge einer an sich gerade in Belgien begreiflichen Kriegspsychose noch immer besteht. Wenn ober heute die militärisch gerüsteten Nationen untereinander und vor allem gegenüber dem entwaffneten deutschen Volke neuerdings überall Spionage wittern, so ist das offensichtlich nichts anderes als die bewußte oder unbewußte Uebertragung eigener Verhältnisse auf die Umwelt, auch aas die, die gar kein Interesse und keine Verwendung für die militärischen Geheimnisse anderer hat. Denn da Deutschland keinerlei Mittel besitzt, um neuen technischen Errungenschaften oder militärischen Einrichtungen seiner Nachbarn gleiches entgegenzusehen, auch nicht einmal annähernd in bezug auf die bekannten Faktoren der modernen Ausrüstung, Neserven, Tanks, Groh- geschütze und Flugzeuge usw., so hat es n i ch t dasmindesteInterefse daran, etwa Kon- struktionsänderungen solcher Mordinstrumente auf kostspieligem und gefährlichem Wege kennenzulernen. Oberst Bauer f. In Schanghai ist nach einem eben auf- genommenen Funkspruch Oberst Dauer in der Nacht zum Sonntag im Hospital an P o ck e n gestorben. — Bauer, der die rechte Hand Ludendorffs in der Obersten Heeresleitung war. ist' aus der Fuhartillerie hervorgegangen. 1905 kam er in den Großen Generalstab, als dessen damaliger Chef Graf Schliefsen daran ging, eine schwere Artillerie des Feldheeres zu entwickeln. Von 1908 bis 1912 bearbeitete er dann seine Waffe in der Aufmarsch- und Mobilmachungsabteilung, der wichtigsten Abteilung, die im Krieg zur Operationsabteilung wurde und die damals Ludendorsf unterstand. Hier wurde er der Vater der neuen Theorie über den Festungsangriff mit schwerster Artillerie und gewaltsamem, unmittelbar anschließendem Infanterieangriff, die sich dann bei Lüttich, Antwerpen usw. so glänzend bewährte. Als Bearbeiter des Hindenburg-Programms wurde er weiteren Kreisen bekannt. Wegen seiner Betätigung am Kapp-Putsch im März 1920 mußte er fliehen und hielt sich meist in Budapest Wendung auf der pariser Reparationskonferenz. Oer Amerikaner houng stellt einen neuen Zahlungsplan zur Debatte. Was geht in Paris vor? Don unterer Berliner Redaktion. Am Samstagabend wurde von der deutschen Delegation in Paris eine aufsehenerregende Erklärung verbreitet. Darin heißt es, daß Deutschland sich bereitgefunden habe, unter gewissen Bedingungen über den neuen Vorschlag des amerikanischen Vertreters Owen QJoung zu verhandeln und ihn unter bestimmten Vorbehalten anzunehmen, wenn die Gläubigerstaaten ihn gleichfalls annehmen würden. Diese Bedingungen beziehen sich n i ch t a u f d i e H ö h e der von Owen *45oung vorgeschlagenen Iahreszahlungen, sondern auf gewisse weitere Bestimmungen, die mit dem Transferschuh zusammenhängen. Einstweilen bewahrt man in Pariser Konferenzkreisen über die Einzelheiten des Owen Vvungschen Vorschlages noch völliges Stillschweigen, und zwar deshalb, weil die Gläubigerstaaten sich noch nicht geäußert haben. Es dürste aber feststehen. daß Owen Voungs neuer Plan sich auf der Höhe eines Iahreszahlung Deutschlands von durchschnittlich etwa 2 Milliarden Mark bewegt, wobei selbstverständlich die Möglichkeit einer Staffelung und insbesondere einer Erleichterung für die nächsten Jahre offen bleibt. Es ist nicht notwendig, jetzt in eine sachliche Kritik dieses Owen Voungschen Planes einzutreten. wohl aber ist es doppelt erforderlich, darauf hinzuweisen, daß sich nunmehr die Konferenz im Stadium des Kuhhandels um die Annuitäten befindet. Es ist keine Rede mehr von einer Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit. Der preußisch Ministerpräsident Dr. Braun hatte kürzlich seinen ernsten Bedenken Ausdruck gegeben, ob Deutschland überhaupt in der Lage sei, die von Dr. Schacht ursprünglich angebotenen 1650 Millionen Mark auf die Dauer von 37 Jahren zu leisten. Wenn jetzt die Annuität auf rund 2 Milliarden gesteigert werden soll, dann wird es selbstverständlich wieder in Deutschland Leute geben, die behaupten, daß jede Erleichterung mitgenommen werden müsse. In Liebereinstimmung mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun aber haben auch hervorragende Kenner des Reparationsproblems, so noch kürzlich in Holland der frühere Reichskanzler Dr. Luther, erfiärt, daß das ursprüngliche Schachtsche Angebot bis hart an die Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit gehe, wenn nicht darüber hinaus. Daß aber ist das Schlimme an der jetzigen Wendung der Pariser Verhandlungen, daß das Problem der deutschen Leistungsfähigkeit überhaupt nicht erörtert worden ist. Damit hat die Konferenz ihren ursprünglichen Boden verlassen. Sollten hierbei während des letzten Aufenthalts Dr. Schachts in Berlin gewisse Einflüsse der Reichsregierung so stark geworden fein, daß der deutsche Sachverständige von seinem ursprünglichen Standpunkt abging? auf. Im September 1925 wurde er amnestiert. Im April 1928 tauchten in Öen Zeitungen Nachrichten auf. wonach sich D. einem chinesischen General als Berater zur Verfügung gestellt habe und bereits in Hongkong eingetroffen sei. Wenn man den spärlichen und sich oft widersprechenden Nachrichten Glauben schenken darf, war Oberst Dauer dann Berater des Präsidenten der Nankinger Nationalregierung, des Marschalls Tschiankaischek, in dessen Dienst er von der Pockenseuche ergriffen wurde. Deutschland protestiert in Genf Eine Entscheidung für die Abrüstungskonferenz Vorbehalten Gens, 4. Mai. (WTB.) Nach dreitägiger Debatte über die Frage der direkten oder indirekten Begrenzung des Heeres mate- r i a l s hat heute vormittag der Dorbereitungs- ausfchuß für die Llbrüstungskonferenz folgende von Frankreich, den Vereinigten Staaten und England gemeinsam eingebrachte Entschließung in namentlicher Abstimmung mit 22 gegen zwei Stimmen (China und Sowjetrußland) b e i Stimmenthaltung Deutschlands angenommen: „Nachdem der Dorbereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz die Systeme zur direkten Beschränkung des im Dienst verwendeten und des lagernden Heeresmaterials ausgeschieden und festgestellt hat, daß das System der indirekten Beschränkung (Beschränkung der Materialausgaben) nicht die allgemeine Zustimmung finden konnte, beschließt er, daß die Beschränkung und Herabsetzung des Materials auf dem Wege der Publizität der Ausgaben gesucht werden muß, die bei der Prüfung des entsprechenden Artikels des Vorentwurfs aus der ersten Lesung behandelt werden wird." Nach der Abstimmung verlas Graf Dernstorsf im Auftrag der Reichsregierung eine grundsätzliche Erklärung, mit der klar abgerückt wird von dem Programm der Mehrheit des Dorbereitungsausschusses. Es hieß darin u. a.: Von den Elementen der Landabrüstung hat man in den letzten Tagen wesentliche Faktoren beiseite gelassen, die in einer Konvention nicht fehlen bür- Nachträglich gewinnen übrigens die dramatischen Vorgänge bei der Sprengung des Revel- stoke-Ausschusses eine ganz besondere Bedeutung dadurch, daß man von der Anwesenheit des früheren kaiserlichen Staatssekretärs Dr. von Kühlmann in Paris erfährt. Kühlmann soll in Paris, wie es jetzt heißt, als politischer Berater des Reichsbankpräsidenten Schacht gewesen fein. Es wird berichtet, daß er mit dem englischen Finanzminister Churchill über Kolonialfragen verhandelt habe. Dieser habe ihn an den englischen Gesandten in Paris, Sir William T y r e l l, verwiesen, und Tyrell habe es fertigbekommen, von Kühlmann fchriftliche Aufzeichnungen über Deutfchlands Kolonialwünsche zu erhalten. Selbstverständlich sind diese Auszeichnungen den Mitgliedern des Revelstoke-Ausschusses alsbald zugänglich gemacht worden, und mit Hilfe dieser niedlichen Intrige ist dann jene Atmosphäre entstanden, in der man Schacht des Liebergriffes in das Gebiet der Politik bezichtigte. Die Oeffentlichkeit hat bisher im allgemeinen von der Anwesenheit des Herrn von Kühlmann in Paris keine Olßnimg gehabt. Lieberhaupt wird nach Abschluß der Verhandlungen noch manches über deren Verlauf zu sagen fein. Heute muß man sich darauf beschränken, in letzter Stunde ernsthaft vor einer Lösung zu warnen, bei der nach dem Worte des Geheimrats Kastl Deutschland einen Wechsel unterschreibt, den es mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht wird einlöfen können. Am Dienstag wird disknttett. Schacht nimmt den Youngplan unter Vorbehalt an? Pari », 5. Mai. (MTV.) Die Vertreter der Gläubigerstaaten haben Samstagnachmittag eine Besprechung abgehalten. 3n dieser Besprechung hat der Vorsitzende der Reparationskonseren;, Owen Poung, Zahlen und einen Zahlungsplan mitgeteilt, mit dem hinzufügen, daß ihm die deutsche Gruppe erklärt habe, sie sei bereit, diese Zahlen unter ganz bestimmten Bedingungen anzunehmen, wenn die Gläubigergruppen ebenfalls zur Annahme bereit seien. Die Gläubigergruppen haben die Erklärung abgegeben, daß sie den milgeleillen Vorschlag einer sofortigen Prüfung unterziehen würden. Diese Mitteilung wird von der havasagentur bestätigt, die folgende Nachricht verbreitet: Wie die havasagentur ankündigte, scheint ein Einverständnis innerhalb der Sachverständigenkonferenz auf der Grundlage des von Owen Poung aus- gearbeiteten Kompromisses erfolgen zu sollen. 3m Lause des Nachmittags hat der Vorsitzende der Reparationskonseren; den Vertretern der Delegationen mitgeteilt, daß Dr. Schacht unter gewissen Vorbehalten die Zahlen annehme, die er vorgeschlagen habe. Die von ihm formulierten Vorbehalte werden Sonntag vormittag schriftlich den interessierten Delegationen durch den Vorsitzenden der Reparationskonseren; überreicht werden. Aus alle Fälle kann jedoch eine Einigung nicht vor der Rückkehr de» ersten französischen Delegierten Moreau nach Paris erfolgen, und das ist frühestens im Lause des kommenden Dienstag. DavMemorandumOwen Poungs.dav in feinen Einzelheiten im Laufe des Sonntags präzisiert worden ist, wird wahrscheinlich Montag vormittag an die Mitglieder der Konferenz verteilt werden, ebenso wie die deutsche Note, die die Vorbehalte andeutet, von denen Dr. Schacht seine Zustimmung zum Vorschlag des amerikanischen Sachverständigen abhängig zu machen gedenkt. Die Delegationen werden sofort getrennt mit dem Studium des Memorandums Owen Poungs Und der Note Dr. Schachts beginnen, um in der Lage zu sein, beide am Dienstag diskutieren zu können. Nach dem, was man in Konferenzkreisen zu wissen glaubt, ist es noch schwierig, sich eine zutreffende Ansicht über die Bedeutung des Merorandums Owen Poungs zu bilden, da die vorgeschlagene Verteilung der Reparationen auf die verschiedenen Länder noch nicht bekannt ist. Die Aussichten des Noungplans. Das Kräfteverhältnis ändert sich. London, 5. Mai. (WB.) Der Pariser Reute» Dertreter meldet: Die Engländer und Ia.- paner billigen fraglos die Grundsätze des Planes Owen Doungs, und man glaubt, daß die Italiener die gleiche Haltung einnehmen. Die Ansicht der Franzosen und Belgier ist noch unbekannt, aber die Lage hat sich insofern geändert, als im Falle eines Mißerfolges der Minderheitsbericht nicht von den Deutschen, sondern von den Gegnern des Doung-Plancs erstattet werden wird. Auch der Pariser Korrespondent der „Sunday Times" hört, daß der Doung-Plan der britischen Delegation zusage. Der Pariser Korrespondent des „Observer" dagegen bezeichnet die Hoffnung auf Einigung als nur gering; er schreibt, die Stimmung scheine am zuversichtlichsten bei den Amerikanern und weniger stark bei den Engländern zu sein. Bei den Franzosen und Belgiern sei keine solche Zuversicht wahrnehmbar. Die Deutschen bewahrten Stillschweigen. Aus .jeden Fall sei eine Entspannung zwischen den Delegationen eingetreten. Der Korrespondent hält es für ziemlich sicher, daß Poincare das Schuldenabkommen mit England der französischen Kammer sofort nach den Ferien zur Ratifizierung vorlegcn wird. sen, wenn sie nicht mehr als eine bloße Scheinlösung bringen soll. Meine Regierung hat nie einen Zweifel darüber gelassen, daß sie eine Lösung ohne Erfassung aller Rüslungsfaktoren und ohne fühlbare Verringerung der noch vorhandenen übermäßigen Rüstungen felbff als eine erfte Etappe nicht akzeptieren könnte; denn sie entspräche nicht den Grundgedanken des Paktes und der Verträge. 3ch sehe mich daher genötigt, klar abzurücken von dem Programm, daß die Mehrheit des Ausschusses hier ausgestellt hat, und i h r von jetzt ab die volle Verantwortung für die Vorbereitung der Konferenz, wie sie sich jetzt ab- zeichnet, zu überlassen. 3ch vergegenwärtige mir, daß wir hier uns erst in einem vorbereitenden Stadium befinben. Nicht in diesem Ausschuß, sondern in anderen Instanzen, insbesondere bei der Abrüstungskonferenz selbst, wird die endgültige politische Entscheidung über das Gesamtproblem fallen. Angesichts des Ernstes der Lage appelliere ich an alle Regierungen: Mögen sie bis zum lag des Zusammentritts der Abrüstungskonferenz den Milten der öffentlichen Meinung und den immer dringlicher werdenden Rus der Völker aller Länder endlich verstehen lernen und ihre Delegierten mit anderen Weisungen versehen, als es diesmal geschehen ist, und zwar mit Weisungen, die wirklich dem Ziel der künftigen Konferenz entsprechen, daß wir unter keinen Umständen aus dem Auge verlieren dürfen, nämlich eine tatsächliche Herabsetzung der Rüstungen." Nach Graf Bernstorfs bemerkte der Vorsitzende Politis, der Ausschuß habe nicht die Absicht, eine Aussprache über die deutsche Erklärung zu eröffnen. Sie werde in den Bericht ausgenommen werden. Er wolle aber namens des Ausschusses antworten, daß es verfrüht wäre, jetzt schon über den Wert feiner Arbeiten und der späteren Ergebnisse der Konferenz ein Urteil abgeben zu wollen. Sodann ging der Vorsitzende zur Beratung eines sowjet- russischen Antrags über, der in noch weitergehender Weise als der Deutschlands die direkte Beschränkung des Heeres- und Kriegsmaterials vorsicht. Nach einer eingehenden Begründung durch Litwinow wurde dieser Antrag ohne weitere Aussprache für ab« gelehnt erklärt, womit die zweite Lesung des Abschnitts über die Beschränkung der Landrüstungen abgeschlossen war. Deutschlands Recht auf Kolonien. Minister Külz spricht vor beut Bunde der Kolonialfreundc. Görlitz, 5. Mai. (WB.) Im Rahmen der Reichstagung des Bundes der Kolonialfreunde sand eine große öffentliche Kundgebung statt, aus der Reichsminister a. D. Dr. Külz einen Vortrag über das Thema „der deutsche Kolonialgedanke der Gegenwart und Zukunft" hielt. Die koloniale Frage sei für Deutschland zunächst eine Frage des Rechts. Llnsere Kolonien feien uns entgegen der in Punkt 5 der 14 Punkte Wilsons enthaltenen Zusage durch Rechtsbruch und mit Gewalt genommen worden. Die koloniale Frage sei weiter eine Frage der nationalen E h re, denn um ihren Gewaltakt wenigstens mit einem Schein des Rechts zu umgeben, hätten unsere ehemaligen Feinde zu der Kriegsschuldlüge auch die koloniale S ch n l d l ü g e hinzugefügt. Die koloniale Frage sei auch eine Frage der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gleichberechtigung undSelbst- b e st i m m u ng . Deutschland müsse aus seiner wirtschaftlichen und politischen Isolierung herausgeführt und als gleichberechtigter Faktor wieder in die Weltentwickelung eingegliedert werden. Die Wiederaufnahme deutscher kolonialwirtschaftlicher Arbeit liege auch im Interesse der von uns Entschädigungen erwartenden Gegner selbst. Eine die Wirtschaft der anderen Länder nicht beeinträchtigende Lösung des Reparationsproblems sei nur denkbar, wenn die deutsche Wirtschaft ihre Produktionskraft durch eine Kolonialwirtschast vergrößern kann. Die Weltwirtschaft werde niemals wieder in geordnete Bahnen kommen, wenn nicht auch Deutschland als normales Glied in die Reihe der Mächte mit eigener kolonialer Betätigung eingereiht werde. — In einer nichtöffentlichen Sitzung ist die Verschmelzung des Bundes der Kolonialfreunde und der Gesellschaft für koloniale Erneuerung zu einem „Bund für koloniale Erneuerung" be- schlossen worden. Zum Vorsitzenden des neuen Bundes wurde Reichsminister a. D. Dr. Külz gewählt, zu stellvertretenden Vorsitzenden C o - Hen-Reuß, Mitglied desReichswirtschaftrates, und Wilhelm Mickausch, der bisherige Bundes Vorsitzen de. Nie Lohnbewegung bei der Reichsbahn. Ein bedingter Streikbeschluß. Leipzig 5. Mai. (WB.) Der Vorstand und Beirat des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands (Freie Gewerkschaften) trat heute hier zusammen, um zu der durch die Ablehnung der Lohnerhöhung durch die Hauptverwaltung der Reichsbahn geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Rach Berichten über die bisherigen Verhandlungen und nach längerer Diskussion, in der besonders von den Funktionäre« Mitteldeutschlands ein sofortiger Eintritt in öen Streik gefordert wurde, nahmen die Versammelten eine Entschließung an, durch die der Vorstand ermächtigt wird, im Einvernehmen mit den übrigen beteiligten Organisationen den Streik zu proklamieren. Rach dieser Formulierung ist also die letzte Entscheidung in die Hände der Vorstände der Eisenbahner- gewerkfchaften gelegt worden, die, wie verlautet, am Dienstag in Berlin zusammentreten werden, um ihre weiteren Schritte zu beraten. Rach den Richtlinien der Eisenbahner-Organisationen müssen jedoch vor Eintritt in den Streik die Spitzengewerkschaften verständigt werden. Oie Regierungsbildung in Thüringen. Weimar, 4. Mai. (WB.) Wie wir erfahren, wird die neue thüringische Regierung, die der Landtag am 7. Mai wählen soll, nur aus zwei Mini st e r n bestehen, und zwar Dr. P a u l s s e n und Dr. Riedel. Das Finanzministerium wird der derzeitige Wirtschafts- und Volksbildungsminister mitübernehmen. Dazu treten fünf Staatsräte. Infolge des Ausscheidens des aus Sondershausen stammenden Finanzministers Tolle wird man für dieses Gebiet einen Staatsrat in das Kabinett entsenden. Für diesen Posten ist Geheimrat Bielefeld (Demokrat) aus Sondershausen in Aussicht genommen. Staatsrat Glöckner (Sonneberg) wird seinen Staatsratsposten nicht wieder übernehmen. Das Meininger Gebiet soll durch Staatsminister Dr. Riedel vertreten werden. Wenn nicht in letzter Stunde noch Hindernisse auftauchen, wird am Montagabend die vorstehende Lösung endgültig von den Regierungsparteien beschlossen werden. Ein verdächtiger Kommunist. K o w n o , 4. Mai. (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, haben die internationalen Gewerkschaften beschlossen, ihre Beziehungen zu dem englischen Bergarbeiterführer Cook wegen seines Verhaltens gegenüber dem Prinzen von Wales abzubrechen, den er als einen Gentleman mit einem Herz für die Arbei- t e r bezeichnet hat. Die internationale Gewerkschaft ist der Ansicht, daß das Verhalten Cooks gegenüber dem Prinzen von Wales sich nicht mit der proletarischen Einstellung vertrage und daß sie daher gezwungen sei, die Zusammenarbeit mit ihm abzubrechen. Cook spielte in den Beziehungen der englischen Gewerkschaften und der Sowjetunion eine große Rolle und reiste während der Zeit des englischen Bergarbeiterstreiks nach Moskau, um die Gelder für die streikenden Bergarbeiter entgegenzunehmen. Mißglückter Mordanschlag auf den Expräsidenten Calles. London, 5. Mai. (WD.) Wie aus Rogales in Mexiko gemeldet wird, ist auf den früheren Präsidenten von Mexiko, Ealles, ein Anschlag versucht worden. Calles befand sich in Hermo- silla, wo ihm zu Ehren ein Empfang veranstaltet wurde. Unter den Anwesenden befand sich auch der Sohn des ehemaligen Gouverneurs von Sonora, der auf Calles zutrat und die Arme ausbreitete, als ob er ihn umarmen wollte. Zn diesem Augenblick bemerkte man in der Hand des jungen Mannes e i n Messer. Es gelang einem Offizier, den Angreifer zu entwaffnen. Der Empfang konnte dann ungestört zu Ende geführt werden. EmeneueAeichsauleiheZurEuispÄNUUug der KaffeMge des Reichs. Oie Vorschläge des Reichskabinetts. — Oie Anleihe wird mit völliger Steuerfreiheit ausgestattet. Berlin, 4.Mai. (MTB.) Amtlich. Die kas- senlage des Reiches steht feit Wochen im Mittelpunkt der Erörterung. Auf den Ernst der Lage ist von maßgebenden Stellen, insbesondere vom Reichvmlnister der Finanzen, immer wieder hin- gewiesen worden. Die Unmöglichkeit zur Deckung der Ausgaben des außerordenilichen Etats, die vorgesehenen Anleihen langfristig aufzulegen, muhte dazu führen, dah die Zahlungsverpflichtungen des Reiches hinter den laufenden Einnahmenzurückblieben und die Schwierigkeiten der Finanzierung, insbesondere an den Ultimoterminen sich häuften. Ein solcher Zustand muh ober auf die Dauer zu einer Gefährdung der Finanzlage des Reiches und damit auch der Länder und Gemeinden trotz eines im übrigen ausgeglichenen Etats führen. Das Reich hat zunächst kurzfristige Darlehen ausgenommen, die den laufenden Bedarf der letzten Wochen deckten. Line weitere Steigerung der Darlehensaufnahme bei Banken erscheint mit Rücksicht auf die Geldlage undurchführbar. Auch die unmittelbare oder mittelbare Inanspruchnahme von Auslandkredit kann nicht in Betracht kommen. Da aber auch für die nächsten Monate weitere Mittel erforderlich find, um die dauernde Zahlungsfähigkeit des Reiches sicherzustellen, bedürfte es durchgreifender Mahnahmen. Lin vom Rcichskabinett verabschiedeter Gesetzentwurf sieht infolgedessen zwei Mahnahmen vor. 1. Es soll eine Inlandanleihe von mehrjähriger Laufzeit in höhe von 500 Millionen Reichsmark aufgelegt werden, deren Stücke von der Vermögenssteuer, der Erbschaftssteuer und der Einkommensteuer befreit find; auch ein Steuerabzug vom Kapitalertrag findet danach nicht statt. Die Befreiung von der Erbschaftssteuer wird auf die vom Erblasser selbst gezeichneten Anleiheslücke beschränkt sein. Es unterliegt keinem Zweifel, dah eine so ausgestattete Anleihe nicht ohne Bedenken vom Standpunkt der steuerlichen Gerechtigkeit ist. Auf der anderen Seite aber btetd sie einen solchen Anreiz, dah auf diesem Wege Beträge schnell und in der erforderlichen höhe her- eingeholt werden können. Eg wird dabei auch erwartet, dah die Möglichkeit steuerfreier Anlage ein wirksames Gegenmittel gegen die bedauerlicherweise in letzter Zeit immer mehr zunehmende Kapitalflucht bilden kann. 2. Der Reichminister der Finanzen wird ermächtigt, die im Reichsbcsitz befindlichen 7prozen- tigen Reichsbahnvorzugsaktien an öffentliche Sparkassen, Girozentralen, Landes- und Kommunalbankcn und an Träger der Sozialversicherung zu verkaufen. Das Stimmrecht des Reiches wird dadurch sichergestellt, dah nur Zertifikate anstelle der Vorzugsaktien begeben werden. Mit dem Erwerb solcher Vorzugsaktien sollen die bezeichneten Stellen ihrer Verpflichtung zur Anlage eines Teiles ihres vermögens in Reichsanleihen genügen können. Da diese Stellen die Vorzugsaktien nur nach Mahgabc ihres vermögenszuwachfes aufnehmen können, wird diese zweite Mahnahme zwar nur einen allmählichen aber dafür ständigen Zufluh an Mitleln für die Reichskasse zur Folge haben. Durch beide Mahnahmen zusammengenommen wird ein erheblicher Teil des außerordentlichen Etats durch Realisierung der bisher unausgenühlen An- leiheermächligung gedeckt, damit eine sofortige Entspannung der Kassenlage erreicht und die Wiederholung der unerquicklichen Vorgänge der letzten Monate verhindert. Der dadurch erstrebten Beseitigung der Kassenschwierigkeiten wird selbstverständlich je nach dem Abschluh der Reparationsverhandlungen ein Programm für die dauernde Gestaltung der deutschen Finanzen in Einnahmen und Ausgaben folgen müßen. Der genannte Gesetzentwurf ist bereits dem Reichsrat zugegangen. Die Finanz- und Innenminister der Län- der sind zu einer Vorbesprechung auf Dienstag, den 7. Mai 1929, in das Reichsfinanzmlnisierium eingeladen worden. * Der Zeitpunkt für die Ankündigung der neuen Reichsanleihe hat in der Oeffentlichkeit um so mehr überrascht, als die allgemeine Lage des Geldmarktes gegenwärtig für derartige Missionen nicht besonders günstig zu sein scheint. Man erinnert sich des mißglückten Versuches des früheren Finanzministers Reinhold. Auf Grund dieser schlechten Erfahrungen hat Reichs- sinanzminister Hilf er ding von vornherein zu einem Modus der Anleihe gegriffen, der auf den ersten Blick einen starken Erfolg verspricht. Insbesondere glaubt man, daß die Zusicherung der Freiheit von Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und Einkommensteuer und die Tatsache, daß ein Steuerabzug vom Kapitalertrag nicht stattfindet, einen starken Anreiz auf die Kapitalisten ausüben wird, sich diese Papiere zu kaufen; denn wenn man bedenkt, wie hoch durch die genannten Steuerarten das Kapital belastet wird, dann kann man sich ausrechnen, daß bei der neuen Anleihe ein ganz hübsches Sümmchen herauskommt. Die Berechnung geht also dahin, durch die starken Vergünstigungen zu erreichen, daß deutsches, im Auslande angelegtes Kapital wieder zurück- strömt, und daß weiterhin deutsches Kapital verhindert wird, ins Ausland abzuströmen. Eine ganz andere Frage ist freilich, wie der sozialdemokratische Finanzminister Hilferding diese geradezu hochkapitalistisch zu nennende Maßnahme mit seinen politischen und wirtschaftspolitischen Grundsätzen vereinen kann. Die Höhe der Anleihe soll 500 Millionen Mark betragen, außerdem soll der Reichsfinanzminister ermächtigt werden, die im Reichsbesih befindlichen 7prozentigen Reichsbahn-Vorzugsaktien an öffentliche Sparkassen und Danken und an die Träger der Sozialversicherung zu verkaufen. Hierdurch sollen weitere 700 Millionen Mark für das Reich flüssig gemacht werden. Diese ganze Transaktion soll natürlich dem Zweck dienen, die Liquidität der Reichskassen wieder herzustellen und mit dem unerträglichen Zustande ein Ende zu machen, daß das Reich seinen Llltimo-Verpflichtungen nur mit Hilfe von Darlehen der Großbanken genügen kann. Man muß abwarten, ob diese Maßnahmen, die selbstverständlich der Zustimmung des Reichstages bedürfen, zu dem gewünschten Erfolge führen werden, insbesondere ob die Anleihe die Summe von 500 Millionen Mark ergeben wird. Weiterhin bleibt zu bedenken, welchen Einfluß die starke Bevorzugung der neu geplanten Anleihe a u f den Kurs der alten Anleihen ausüben wird. Der Reichsfinanzminister rechnet damit, auf diesem Wege bis zum Herbst den dann eintretenden gewaltigen Kassenbedarf des Reiches, der durch die Anforderungen der Arbeitslosenversicherung so stark erhöht worden ist, decken zu können. Mit der Frage, auf welche Weise das Gleichgewicht im kommenden Reichshaushalt her- beigesührt werden soll, hat diese Anleiheaktion des Reichsfinanzministers nichts zu tun. Der Stand der Reichsfinanzen läßt immer wieder die Rotwendigkeit erkennen, nunmehr endlich zu einem wirklichen Abbau der Ausgaben • eiches zu schreiten. Die Verhandlungen tm Reichstag haben schon jetzt zu der Erkenntnis geführt, dah das Sparprogramm der Re- grerungsparteien nicht in allen Punkten verwirklicht werden kann. Man rechnet offenbar da- daß bis zum Herbst doch eine Erleichterung der Daweslasten eintritt. Es muh aber mit allem Rachdruck gefordert werden, daß eine allmähliche Ein ruhiger Sonntag in Berlin. Neunzehn Todesopfer der Mairevolte. - Das erste Urteil. Berlin, 5. Mai. (WB.) Der Polizeipräsident teilt um 19 Uhr mit: Die letzte Rächt und auch der heutige Sonntag find in den Unruhezentren Reukölln und Wedding ruhig verlaufen. Die Milderungen, die in der Handhabung des polizeilichen Schutzdienstes schon im Laufe des gestrigen Tages eingetreten sind, konnten deshalb noch erweitert werden. Die im Dienst befindlichen Beamten wurden durch andere ausgeruhte Beamte erseht und hallen schon gestern die Anweisung, i m G e - brauch der Schußwaffen äußer sie Zurückhaltung zu üben. Wo noch vereinzelte Schüsse von Aufrührern abgegeben wurden, ist nicht mit sofortigem Feuer geantwortet worden, sondern die Polizei ist gegen die letzten Aufruhrnester mit Durchsuchung der Häuser, die die ganze Rächt offengehalten werden müssen, vorgegangen. Auch im Laufe des heutigen Tages ist eine Anzahl von Demonstranten fe st genommen und der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums zugeführt worden, einige von ihnen wegen Richlbefolgung und Widerstandes gegen polizeiliche Anordnungen, andere, weil ;. B. in Reukölln an Stelle der verbotenen „Roten Fahne" die Zeitungen „Die Rote Front" und „Die Role Slurmfahne" an die Passanten verteilten. heule vormillag verurteilte das Schnellgericht im Berliner Polizeipräsidium den Mann, der am l.Mai den Ueberfall auf den Kommandeur der Schutzpolizei, heimannsberg, verübte, zu zwei Monaten Gefängnis. Die Zahl der Toten vom 1„ 2. und 3. Mai beträgt zusammen 18. Dazu kommt noch der von einem Polizeikraslwagen während eines Zusammenstoßes überfahrene Mann, so daß die Gesamtzahl der bei den Anruhen umgekommenen Personen 19 beträgt. Die Zahl der Schwerverletzten beträgt 36, die Zahl der Leichtverletzten wird auf über 200 geschäht. Die Angabe einer genauen Zahl ist nicht möglich, weil viele der verletz- ten von ihren Genossen in Sicherheit gebracht wurden. Unberechtigte Kritik. Kaum ist eS gelungen, die Berliner Kommunist enrevolte einigermaßen niederzu- schlagen, da finden sich bereits Leute, die die Schutzpolizei mit Vorwürfen überhäufen, weil sie zu schneidig vorgegangen sei. weil sie zu ost geschossen habe und weil sie durch ihr ganzes Verhalten überhaupt erst den Anstoß zu den blutigen Auseinandersetzungen in einigen Stadtteilen der Reichshauptstadt gegeben hätte. Wir finden derartige Vorwürfe nicht nur in der kommunistischen oder linkssozialistischen Presse, nein, auch viele sogenannte bürgerliche Blätter scheuen sich nicht, statt der Schupo ihren Dank auszudrücken, dieser borzurechnen, daß sie in der einen oder anderen Straße bei der Bekämpfung der Kommunisten auch einige Unbeteiligte getroffen und tödlich verletzt hätte. Es war ja eigentlich vorauszusehen, daß diese Art Kritik nicht ausbleiben würde, wir haben sie auch in der Vergangenheit wiederholt kennengelernt, wenn die größte Gefahr vorüber war. Die Frage scheint doch aber angebracht, wie sich den eigentlich die Schutzpolizei hätte verhalten sollen. Ware sie nur vereinzelt in die Erscheinung getreten, dann dürfte wohl heute Berlin restlos im Besitz der Kommunisten sein, dann würden wohl auch die Mitarbeiter jener Zeitungen, die mit ihrer abwegigen Kritik sehr rasch bei der Hand sind, das Schicksal ihrer russischen Kollegen geteilt habetz, die schon seit zehn Jahren nicht mehr unter den Lebenden wecken. Es war durchaus richtig, daß die. Schutzpolizei von ihren Kampfmitteln rücksichtslos Gebrauch machte. Rur so konnte sie den Kommuni st en auf st and niederschlagen und Berlin vor den Schrecken eines endlosen Bürgerkrieges bewahren. 9erSot-$ront-3unb in Preußen verboten. Berlin, 6. Mai. Wie die „Montagspost" erfahren haben will, hat der preußische Minister des 3nncrn, Gr ; esinski, auf Grund der Vorgänge der letzten Tage den Roten Frontkämpfer-Lund für ganz Preußen verboten. Das Verbot tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Die amtliche Zustellung an die Leitung des Bundes, in der auch die Gründe für das verbot enthalten find, erfolgt im Laufe des heutigen Vormittages. Gleichzeitig finden im Reichsminifterium des Innern Beratungen über die Ausdehnung dieses Verbotes auf das ganzeReich statt. Die Entscheidung hierüber wird noch im Laufe des heutigen Tages fallen. Glücklicheres Paris. Tardreu verteidigt die vorbeugenden Massenverhaftungen. P o r i s, 4. Mai. (WB.) Der „Petit Parisien" veröffentlicht ein Interview mit dem Innenminister Tardieu, der seine Präfentivmaßnahmen und die Massenver Haftungen im Hinblick auf die Maifeier begründet. Die kommunistische „Humanits", so erklärte der Minister, verteidigt die Kommunistische Partei gegen die Vorwürfe, in Berlin den Tod von Menschen herbeigeführt zu haben. Wenn sie die Wahrheit sagt, dann bestätigt das Blatt meine These, denn in Berlin sind 19 Tote zu verzeichnen, und man kämpft dort noch. Es war auch in Paris beabsichtigt, Unruhen und Zusammenstöße herbeizuführen, wobei sicher Menschen ihr Leben gelassen hätten. Wir haben durch die Vorbeugungsmaßnahmen diesen Menschen — sowohl Polizisten wie Manifestanten — das Leben gerettet. Will man uns das etwa zum Vorwurf machen? Wir haben in gesetzlich erlaubter Weise einige tausend verführter Kerle davon abgehalten, das Leben der mehrere Millionen umfassenden Bevölkerung von Paris zu stören. Wir haben d i e Ordnung g e s i ch e r t, die die Garantie der Frei, beit ist, und zwar, wie Briand sich seinerzeit aus- gedrückt hat, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen. Die Kommunisten täten besser, nicht mehr davon zu sprechen, denn das Land steht auf unserer Seite. und wirksame Senkung der öffentlichen Ausgaben nun endlich durch eine zweckmäßigere Gestaltung des Reichsaufbaues und der Reichsverwaltung in die Wege geleitet wird. Die Verfassungs- und Derwaltungsreform muh zu einem glücklichen Ende gebracht werden, wenn überhaupt die im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft dringend erforderliche Senkung der öffentlichen Ausgaben mehr als eine Ankündigung in Regie- rungs- und Parteiprogramm werden soll. Aus aller Welt. Großer Daldbrand im Landkreis Hagen. In dem zum Landkreis Hagen gehörigen Dreckerfeld entstand Sonntagnachmittag gegen 4 Uhr bei der Station Priorei ein Waldbrand, der bei dem herrschenden starken Winde rasend schnell um sich griff. Die Hagener Derufsfeuer- wehr, das Lleberfallkommando der Schutzpolizei und sämtliche Freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Ortschaften mußten zu Hilfe gerufen werden. Da der Wind das Feuer auf die Ortschaft Priorei-Dahl zutrieb und nicht vorausgesehen werden konnte, ob bei der riesigen Ausdehnung des Brandes noch eine rechtzeitige Abriegelung möglich sei, wurde das Reichswehrkommando Münster telegraphisch ersucht, zwei Kompagnien Reichswehr auf Abruf alarmbereit zu halten. Günstige Wasserverhältnisse machten es jedoch möglich, das Feuer 7 5 Meter vor der Häuserreihe von P rio- r e i abjuriegetn, so daß die Abberufung der Reichswehr nicht mehr zu erfolgen brauchte. Gegen 8 Llhr abends war der Brand gelöscht. Der angerid)tele Schaden ist groß. Llngesähr 250 Morgen Waldbestand sind dem Brande zum Opfer gefallen. Schwerer Wolkenbruch in Mähren. Samstagabend ging über Auerschitz in der Rähe von Auspih bei Brünn ein schwerer Wolkenbruch mit Hagelschlag nieder. Hierbei kamen ein Landwirt und ein Kind ums Leben. Aus den Feldern in der Umgebung von Auerschitz lagen die Schloßen noch zwei Stunden nach dem Hagelschlag. In Auerschitz selbst wurden große Schäden angerichtet, die Wände zahlreicher Häuser fielen ein, mehrere Tore wurden aus den Angeln gehoben und Bäume entwurzelt. Außerdem ging viel Vieh zugrunde. Dynamitexplosion in Kroatien. Auf dem Staatsgut Bestes in der Nahe von Ba- binaskele ereignete sich in einer in einem Steinbruch gelegenen Barocke ein schweres Explosionsunglück, dem acht Menschenleben zum Opfer fie - (en. Ein Vorarbeiter hatte 25 Kilogramm Dyna- mit, die vorn Regen durchnäßt waren, z u m T r o ck - n en neben den überhetzten Ofen gc- legt Plötzlich explodierte das Dynamit mit furchtbarer Gewalt. Die ganze Baracke wurde vollständig zertrümmert. Unter den Trümmern wurden die verstümmelten Leichen von sieben Arbeitern gefunden. Rur zwei Arbeiter, darunter der Vorarbeiter, wurden mit schweren Verletzungen, aber noch lebend, ins Krankenhaus gebracht, wo der Vorarbeiter seinen Verletzungen erlegen ist. Auch der zweite Schwerverletzte dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Unter der Bevölkerung geht das Gerücht, daß der Vorarbeiter die Katastrophe absichtlich herbe i g e f ü b r t bade, weil er befürchtete, daß gewisse Unregelmäßigkeiten an den Tag kämen. Oie Wetterlage. UTörünä vesr ■ADerdecI Sh. Nordojen. O Rft itocki Sonntag d.S.Mai 1929.8"ma5. V1 Warst Perun ©Wolkenlos.Q neuer onaio oeflerm ®woixig. ooedecxi «Kegen Schnee a Graupem ■ «eoei K Gewi!ter.@um(Jst>iie.-O sehr- leichter Ost «nissiger Südsüdwest Q stürmischer Mordwest Oie Pfeile fliegen mit dem winde Oie oemen Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Lmien verbinden Orte mit gleichem) auf neeresniveau dmgerecnnelen Luftdruc* Wettervoraussage. An der Vorderseite der ausgedehnten Störungsgebiete hat der Warmluftzustrom weiteren Temperaturanstieg gebracht. So erreichten in Deutschland die Temperaturen heute morgen schon Werte bis zu 17 Grad. Eine Störung über England, die dort Derbreitete Niederschläge und Abkühlung bringt, wird in Gemeinschaft mit den sehr warmen Luftmassen über Deutschland vielfach zu Gewitterstörungen sowie Niederschlägen führen. Wettervoraussage für Dienstag: Vielfach Gewitterstörungen mit Regen und Abkühlung. Wettervoraussage für Mittwoch: Etwas kühleres, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter. Lufttemperaturen am 5. Mai: mittags 19,2 Grad Celsius, abends 14,8 Grad: am 6. Mai: morgens 14,6 Grad. Maximum 19,8 Grad, Minimum 10 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Mai, abends 15,4 Grad , am 6. Mai: morgens 10,3 Grad Celsius. — Niederschlag 2,2 mm. — Sonnenscheindauer 3# Stunden. nden !» RUHR * 200ccm. N SU VEREINIGTE FAHRZEUGWERKE ArG. NECKARSULM WÜRTTBGi, 1344 Ludwig Römer L, Heuchelheim,Wilhelmstraße 2 Telefon 1414. Neuenweg 28. 9 M datz bet d) bet* boh geilen. Heizkräftige Ruhr- Eiformbriketts günstiger Brennstoff für Ofen und Herd Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügles Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenauflräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Es ist falsch, wegen, ein. paar Mark, eine (rillige Maschine zu. kaufen, / Entschliessen Eie sich für das beste Fabrikat für das zuverlässige und sicherste Fahrzeug! Kaufen. Sie vermutet vor dem Wagen auftauchte, von diesem ersaht und zu Boden geworfen wurde und dabei einen Oberschenkelbruch erlitt. Das bedauernswerte Kind wurde von dem Kraftfahrer sofort nach der Chirurgischen Klinit verbracht. Die Augenzeugen des Vorfalls, darunter auch der Vater deS Kindes, bekundeten sofort nach dem llnglüüsfall, daß das Malheur nicht auf ein Verschulden des Kraftfahrers zurückzuführen, sondern durch die unüberlegte kindliche Handlung entstanden sei. • ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 66 Bullen, 316 Ochsen, 608 Kühe, 441 Färsen, 303 Kälber, 33 Schafe, 4558 Schweine. Vertreter für Motorräder: Linker & Sohn, Gießen (Hessen) en" oen Minister und die aus die inianitf, nunWche Tod von n sie die ine These, und man ris beab- izusühren, itten. Wie esen Men n-das ’troa zum erlaubter lon abge- Wenden oben die der Frei- rzeit aus- Blut zu elfer, nicht nd steht Bekanntmachung. Gemäß den Bestimmungen der Reichs- verdingungsordnung für Bauleistungcn sollen die Maurer- und Pflasterarbeiten zur Neubefestigung verschiedener Straßen öffentlich vergeben werden. 4081C Verdingungsunterlagen und Angebotsformulare sind bei uns erhältlich. Die Angebote find versiegelt in einem Briefumschlag ohne Firmenaufdruck, mit entsprechender Aufschrift versehen, spätestens zum Eröffnungstcrmin am Montag, dem 13. Mai d. 3., vormittags 10 Uhr beim Städtischen Tiefbauamt, Asterweg 25, abzugeben, wo die Eröffnung der eingegangenen Angebote im Beisein der etwa erschienenen Bieter erfolgt. Zuschlags- und Bindefrist drei Wochen. Gießen, den 4. Mai 1929. Städtisches Tiefbauomt: Braubach. Berliner Börse. Berlin, 6. Mai. (WTD.-Funkspruch.) Zwei Momente bildeten im heutigen Frühverkehr das Hauptgesprächsthema. Die neue 500-Millionen- Anleihe des Reiches wird im allgemeinen nicht besonders günstig beurteilt, dagegen ist man für Paris weiter optimistisch gestimmt. Die Spe- fulation bleibt zurückhaltend und nennt noch keine Kurse, da sie abwarten will, welches Moment an der heutigen Börse die Oberhand bei der Kursgestaltung gewinnen wird. Am Devisenmarkt nannte man London-Paris 124.16, London-Mailand 92.60, London-Spanien 33.93, London-Kabel 4.8527, Kabel-Berlin 4.2175. LU. Italienische Kurse an der Lan- desuniversität. In diesem Sommersemester hält Fräulein Dr. E m m a S o l a eine Vorlesung in italienischer Sprache über Alessandro Manzoni Donnerstag von 17 bis 18 Uhr im Vorlesungsgebäudc sowie einen Kursus für Anfänger. Erste Vorlesung am 16. Mai. Nach der Vorlesung Vorbesprechung zur Festsetzung des Anfängerkursus. ** Aus dem Gießener Standesamts- r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 15. bis 30. April: 17. Dettchen Peppel, geb. Fischer, 53 Jahre alt, Alter Rödgerweg 22. 19. Johann Jakob Eduard Schmidt, Lokomotivheizer, 29 Jahre alt, Westanlage 32. 21. Irmgard Lübbers. 9 Monate alt, Sandgasse 18. 22. Friedrich Wilhelm Wilke, Landwirt. 78 Jahre alt, Wiesecker Weg 28. 23. Wilhelmine Pfeil, Handarbeitslehrerin i. R., 79 Jahre alt, Ludwigsplah 2. 23. Katharine Burk, Dienstmädchen, 18 Jahre alt, Schanzen Weil. dich .hoben "nnen- c dar. die der. ?die 1 beute rn lein, ihl sehr errulsj. totilen. Kornrnu. vor den wahren. iNen, erfahren Tanern, r lehlen n t» für M mit amUify der auch chlgl im ig sinden ‘gen über uf bat übet wird Storung „n W* >ie bn %irf orange" I *** s# Färberei Croon färbt, reinigt und plissiert W Gute Ausführung! "WB WD LvaueLsachen werden tn 1 —2 Tagen tadellos gefärbt. Fabrik und Laden Marburger Straße 40 Filiale Seltersweg 25, Telephon 869. Klus der Provinzialhaupistadt. Dietzen, den 6. Mai 1929. Deutscher Zugend-Abend im Stadttheater. Die Bestrebungen zur Förderung des Auslanddeutschtums durch die Gießener Einwohnerschaft hatten gestern wieder einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Der Ort dieses Erfolges war der vom Deutschen Frauenverein vom Rot en K r e u z f ü r Deutsche ü b e r S e e veranstaltete und von Gießener Jugendgruppen und -blinden durchgeführte Deutsche Jugend-Abend im Stadttheater. Das Ereignis hatte in der Bürgerschaft ein sehr starkes Echo gefunden, das in dem fast völlig besetzten Stadttheatersaal seinen sichtbaren Ausdruck fand' Die Darbietungen waren von einer Buntheit und Vielseitigkeit, die jedem Geschmack Angenehmes zu bieten vermochten, und der langanhal- tende starke Beifall, den sämtliche Mitwirkcnden bei ihrem Auftreten einheimsen konnten, war aufrichtig gemeint und wohlverdient. Die Dortragsfolge war in drei Teile zerlegt. Eröffnet wurde der Abend von dem Mandolinen- und Guitarrenverein „Reapolita" unter der Leitung seines Dirigenten Hans Sonntag mit einem schneidigen Marsch, zu dessen Klängen die mitwirkenden Jugendbünde mit ihren Wimpeln auf die Bühne marschierten und dort im Halbkreis Aufstellung nahmen. Vor diesem lebendigen, von vielen Wimpeln überragten Hintergründe hielt Frau Provmzialdirektor G r a e f eine kurze Ansprache, m der sie darauf hinwies, datz der Ertrag des Abends für den Hinterhalt einer deutschen Schwester in Paraguay Verwendung finden solle, und in der sie nach Dankes- Worten an die Mitwirkcnden bat, den Bestrebungen des Frauenvereins vom Roten Kreuz für Deutsche über See allezeit volle Förderung zu- teii werden zu lassen. Hierauf begann die Tanzschule Ilse Graef mit ihren Vorführungen, bei denen die kleinen Schülerinnen im Alter bis zu fünf oder sechs Jahren ganz allerliebst ihre Reigen und Tänze zeigten und damit die Deutschen Tänze von Schubert, die ihre Lehrerin Ilse Gracf mit viel Hingabe tanzte, umrahmten. An- schliehend erfreute der Mandolinen- und Guitarrenverein „Reapolita" durch den feinen Vortrag der Ouvertüre der komischen Oper „König Midas", sodann stellten die Jugendgruppen des Bundes der Kolonialfreunde Gießen, Maua und Waterberg, ein fesselndes lebendes Bild „Abend am Kilimandscharo". Im zweiten Teile trat zunächst der Mandolinen- und Guitarrenverein „Reapolita" mit Musik „Unter der Dorflinde" auf, die recht stimmungsvoll war, anschließend zeigte der Verein „Wanderlust" eine Anzahl lebender Bilder „Am Brunnen vor dem Tore", hierauf spielte die Jüdische Jugendgruppe Th. Körners „Der Detter aus Bremen" sehr flott und geschickt. Der Marineverein ließ sodann von seiner männlichen und weiblichen Jugend einen hübschen Flaggenreigen zeigen, dem nun der Verein „Höhenflug" die Musik „SeemannsloS" folgen ließ. Der dritte und letzt" Teil der Dortragsfolae brachte gemeinsame Aufführungen des Deutschen Pfadfinderbundes, der Turnerjugend, des Volkstanzkreises Gie- ßener Jugendbllnde, des Bibelkränzchens, der Ju- gcndvereinigung der Matthäusgemeinde im Bunde deutscher Jugendvereine, der Jungschwesternschast im Jungdcutschen Orden und der Deutschen Freischar. Als Einleitung hörte man einen Vorspruch, dem dann der Chorgesang „Guten Abend, guten Abend euch allen hier beisammen" folgte, hierauf konnte man an wirkungsvollen Hebungen sehen, was untere Jungmannschaft auf dem Gebiete der Leibesübungen und der Stählung des Körpers Gutes zu leisten vermag. Nach dem Lied „Frei, ledig zieh' ich durch die Welt", konnte man sich an dem hübschen Nüpelspiel von Hans Steguweit „Die Gans" ergötzen, sodann eine Anzahl reizender Volkstänze bewundern und hierauf gewissermaßen als Bekenntnis der Jugend das von den Bünden gemeinsam gesungene Lied „Wann wir schreiten Seit an Seit" aus frischen Kehlen singen hören. Mit einem Mahnruf an das Deutsche Volk von H. Krombach, der großen Opfer seiner in den deutschen Kolonien gehauenen Söhnen allezeit zu gedenken und an der Beseitigung der gegen Deutschland begangenen schweren Kolonialunrechts mitzuarbeiten, sowie mit dem gemeinsamen Gesänge der deutschen Nationalhymne schloß der Abend, der zur vollen Zufriedenheit der Besucher verlaufen war. Der starke Beifall wird den bei dieser Gelegenheit handelnden Jugendbünden gezeigt haben, daß ihr Schaffen und ihre selbstlose und dankenswerte Mit. arbeit zum Besten eines edlen Zweckes allgemeine folgendes daraus dürfte von allgemeinem Interest e sein: Die gottesdienstlichen Feiern finden in der Stadtkirche, die Rachfeier in der Volkshalle statt. Bei dem Festgottesüienst für den Gießener Verein wird dieser unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer L i n d e n st r u t h, die Kantate Rr. 34 „O ewiges Feuer" von Joh. Seb. Bach mit Orchesterbegleitung auf führen. Die Festpredigt hat Pfarrer Lenz von der Luthergemeinde übernommen. Das 45. Jahresfest des E v a n g. Kirchengesangvereins für Hessen wird mit einem Festgottesdienst am Rachmittag um l'/r Uhr eingeleitet. Bei diesem Gottesdienst wirken' die Kirchengesangvereine des Dekanats Gießen unter Leitung des Lehrers Römer von Großcn-Linden mit. Festprediger ist der Superintendent von Obcrhessen, Oberlirchenrat Wagner. Rach Schluß des Gottesdienstes stellt sich der Festzug nach der Dolkshalle auf Oswalds» garten auf. an dem u. a. auch Die Mitglieder von 30 Kirchengesangvereinen aus unserer Provinz mit über 600 Sängern und Sängerinnen teilnehmen werden. In der Volkshalle beginnt die Rachfeier um 4 Uhr. Ein Masscnchor sämtlicher Kirchengesangvereine, ferner Chöre der in 5 Gruppen eingeteilten Cinzelvereine werden zum Vortrag kommen, im Wechsel mit Ansprachen und Darbietungen der Posaunenchöre von Lang- Göns und Klein-Linden. Die ganze Veranstaltung insbesondere der Festzug. ist als eine evangelische Kundgebung gedacht, die wohl nicht das Ausmaß annehmen wird, wie jene gelegentlich des großen Gustav-Adolf-Festes vor «einigen Jahren, die aber durch die Teilnahme der evangelischen Bevölkerung in Stadt und Land recht eindrucksvoll werden soll. Deshalb sind unsere evangelischen Volksgenossen aus der Stadt und vom Land herzlich eingeladen und freundlichst gebeten, sich an dem Festung und an der Rachfeier recht zahlreich zu beteiligen. Daten für Dienstag, 7. Mai. Sonnenaufgang 4.22 Uhr, Sonnenuntergang 19.32 Uhr. — Mondaufgang 3.51 Uhr, Monduntergang 17.14 Uhr. 973: Kaiser Otto I. der Große gestorben: — 1819: der Astronom W. von Struve in Dorpat geboren (gestorben 1905); — 1833: der Komponist Johann Brahms in Hamburg geboren (gestorben 1897); — 1840: der russische Komponist Peter Tschaikowsky in Wotkindk geboren; — 1876: der Zeichner, Dichter und Musiker Graf Franz van Pocci in München gestorben; — 1879: der belgische Schriftsteller Charles de Coster in Jxelles gestorben; — 1880: der franzö- fische Schriftsteller G. Flaubert in Croisset gestorben; — 1919: der Vertrag von Versailles. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Geliebte Seiner Hoheit". — Astoria-Lichtspiele: „Mit Pferd und Lasso". — Volkshochschule. Die morgen (Dienstag) beginnenden Kurse werden in einer Anzeige in unserer heutigen Ausgabe bekanntgegeben. Um Irrtümer zu vermeiden, sei nochmals darauf hinge- wiesen, daß der Kurs „Betrachtung van Kunstwerken" nicht, wie im Programm angezeigt, im Kunstwissenschaftlichen Institut, sondern in der Universität, Hörsaal 53, abgehalten wird. Außerdem mußte der Kurs „Staatsrechtliche Fragen" auf Dienstag verlegt werden. Näheres in der Anzeige. — Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Volkspartei veranstaltet für ihre Mit- glieder am Mittwoch, 8. Mai, abends 8.30 Uhr, im „Hindenburg" inen Vortragsabend. Der hessische Reichstagsabgeordnete Rechtanwalt D i n g e l d e y wird über das Thema „Die Reichstagstätigkeit der D. V. P." sprechen. Die Einführung von Gästen ist erwünscht. (Siehe heutige Anzeige.) MW.WWlW Mittwocki, den 8. Mai 1929, nach mittags 3*'? llbr, versteigere ich Wall to rftrafec 63 gegen Barzahlung Z Miieimgti ^(Viersitzer) 1 Dtxi 13/38 P.S. l 'tzic-Mc 16/30 P.S. 1 Adler 7/17 P.S. Sämtliche Wagen find zum Umbau für Lieferwagen geeignet. 40861) Versteigerung bestimmt Junker, Gerichtsvollzieher tn Gießen Wiesecker Weg 16, Telephon 1383. ■i e, -ntn«"ls* mit vollste Anerkennung gefunden hat, und er möge ihnen Ansporn sein, auf diesem guten Wege weiter- zuschreiten! Die hiesige Ortsgruppe des Frauenvereins vom Roten xreus für Deutsche über See dürfte wohl ebenfalls allen Grund haben, mit dem Verlauf des schönen Abends, der für die Veranstalter und alle Mitwirkenden ein starker Erfolg war, zufrieden zu sein. Hoffentlich entspricht nun auch der finanzielle Ertrag den Erwartungen, die man um des guten Zweckes willen an die Veranstaltung geknüpft hat. Eröffnungelabend her Volkshochschule. Mit einer stimmungsvollen und gehaltreichen Eröffnungsfeier in dem fast völlig besetzten Singsaale des Realgymnasiums leitete die Gießener Volkshochschule am Samstagabend die Arbeit ihres Sommerhalbjahres 1929 ein. Der Leiter der Volkshochschule, W. H e g a r, gab bei Beginn der Feier ein Begrüßungsschreiben der benachbarten Volkshochschule in Hohensolms bekannt und stellte dann in einer kur- zen Ansprache in den Mittelpunkt des Abends: das Buch, die Literatur und die Musik. Hierauf brachten Frau Elfriede Fischer (am Flügel) und Musiklehrer Franz Bauer jr. (Violine), die den Musik- freunden in unserer Stadt schon oft wertvolle Gaben ihrer edlen Kunst übermittelten, die Sonate A»2)ur (Köchel 305) von Mozart in seiner Weise zu Gehör. Anschließend fang Herr Herbert Kruger, von Herrn Victor Heermann am Flügel vortrefflich begleitet, mit schöner Tenorstimme Schuberts Lied „Frühlingsglaube". Sodann las W. H e g a r von Mörike „Im Frühling", von Heinrich Frank „Licht", ferner ausgewählte Stellen aus „Frühling" von Johannes Schlaf, sprach dann aus dem Gedächtnis Hermann Hesses „Der schwere Weg" und las zum Schluß von Heinrich Frank „An die Dinge"; ein erlesener Genuß für die Hörer und ein sehr starker, wohlverdienter Erfolg des Vortragenden. Herr Kruger fang dann noch, wieder von Victor Heermann am Flügel begleitet, Schuberts Lied „Der Musensohn" und eine von den Besuchern dringend begehrte Zusage. Den Abschluß des Abends brachte der ausgezeichnete Vortrag von Jean Marie Leclairs Sonate A-Dur für zwei Geigen durch Mu- siklehrer Franz Bauer und Studienassessor C. B. Knauß. Sämtlichen Darbietungen wurde durch starken Beifall die wohlverdiente Anerkennung zuteil. Alles in allem: ein würdiger, auf hoher literarischer und künstlerischer Stufe stehender Auf- takt der fördernswerten Bildungsarbeit der Volkshochschule. Künstlerische Morgenfeier der Oymnastikschule Erna Schumann. Gestern vormittag veranstaltete Frau Erna Schumann, die Leiterin der Gymnastikschule Schumann, mit ihren Schülern im Lichtspiechaus, Bahnhofstraße, eine künstlerische Morgenfeier, die das starke Interesse einer stattlichen Besucherschaft fand. Einleitend wurde ein kurzer Filmstreifen über die verschiedenen Arbeitsweisen auf dem Gebiete der Gymnastik und des hieraus entwickelten künstlerischen Tanzes gezeigt, wobei man als allerersten Ausgangspunkt dieser Betätigung Tanzformen von Neger- schönen und Indern, weiterhin dann u. a. Ausschnitte aus der Labanschen Schule und der Arbeit von Mary Wigmann zu sehen bekam. Hierauf begann die Schule Schumann mit ihren Darbietungen. Die Damen Frau G. K ü ft e r, Frau H. Rosenthal, Frau Th. (Sb ad), Bertlies und Lotte Homberger, Margret Götz, L. Türk und Greta Sternberg eröffneten mit den beiden Vorführungen „Schreitende Gruppe" und „Plastische Gruppe", anschließend trat Hans Ewald Kleine in „Präludium" auf, sodann tanzten Frau Schumann und Hans Ewald Kleine die „Romanze", Frau Schumann „Dunkler Kreis", Hans Ewald Kleine „Drei Suiten", Frau Schumann „Tanz des Bösen" und „Walzer". Bei allen Darbietungen bemerkte man ernstes künstlerisches Streben und Schaffen, dem man volle Anerkennung zollen muß. Für die musika- lische und Geräuschbegleitung zeichnete Martha B u ch w a l d verantwortlich. Der lebhafte Beifall, den sämtliche Darbietungen fanden, bekundete die Zufriedenheit der Besucher mit dem ansprechenden Ausschnitt aus dem Schaffen der Schumannschen Schule. Kirchengesangvereins-Zubiläum in Gießen. Man schreibt uns: Wie im „Gießener Anz." vor einiger Zeit schon kurz mitgeteilt wurde, findet am Sonntag, 12. Mai, hier das 4 5. Landeskirchengesangfest für Hessen in Verbindung mit der Feier des 50jährigen Bestehens des Gießener Kirchengesangvereins statt. Das ausführliche Programm für beide Veranstaltungen liegt jetzt vor; Dienstag, 7. MnaMaö 2 flöt versteigere ich imLöwen AeuenwegLS 2 Kleiderschränke, 2 Diplomaten« Schreibtische, 1 Büfett, 1 Waschtisch, 2 Nachtschränkchen, 2 Betten, eine Chaiselongue, 1 Ausziehtisch, 4 Eß« zimmerstühle, 1 Standuhr, 1 Küchenschrank, 1 Vertiko,^ Kommode, 4 Instrumentenschrank, 3 Federdecken, iXfyßf ß,i Teppich,^ Trumeauspiegel, Herren- u.Oamen-Fahrräder u.v.a. Versteigerung bestimmt. 4o9od Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator. cfiwK SieMckkel&X strotze 2. 24. Erna Dapper, 6 Jahre alt, Leih- gefterner Weg 24. 25. Glisabethe Döring, geb. Scmrnler, Witwe, 62 Jahre alt, Leihgestemer Weg 46. 27. Georg Karl Klieber, Stadtkämmerer i. R., 60 Jahre alt, Wilhelmstrahe 39. 28. Clara Schmoll, geb. Rumpf, 49 Jahre alt. Goethe- straße 63. 28. Ernst August Hirsch, Landgerichtsrat, 61 Jahre alt, Kaiserallee 89. 30. Magdalene Karol ine Wagner, geb. Petri, Witwe, 71 Jahre alt, Stephonstraße 17. ** Vom Wochenmarkt. Noch der neuen Gießener Marktordnung wird am Dienstag, Donnerstag und Samstag jeder Woche Wochenmarkt ab- gehalten. Nach § 1 der Marktordnung hat für den Fall, daß einer dieser Tage ein gesetzlicher Feiertag ist, der vorhergehende Werktag als Wochenmarkt zu gelten. Da nun in dieser Woche am Donnerstag gesetzlicher Feiertag (Himmelfahrt) ist, findet am Dienstag und Mittwoch, ferner natürlich auch am Samstag Wochenmarkt statt. ** Die Feier des Muttertages in den hessischen Schulen. Am zweiten Maisonntag, dem 12. Mai, wird in Hessen, wie im ganzen Reich, der Muttertag gefeiert. Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen hat die Schulbehörden angewiesen, in geeigneter Weise den Muttertag 311 unterstützen und die Schüler im Unterricht darauf hinzuweisen. •• Ein 11 nglüddf alt ereignete sich am SamStagnachmittag gegen 1/$6 Uhr in der Ka- plansgasse. Dort wollte ein fünfjähriges Bübchen, das aus einem Hause herausgelaufen kam, von hinten her ein langsam fahrendes Personenauto überholen und vor dem Fahrzeug dann über den Weg laufen. Hierbei konnte der Kleine von dem Kraftfahrer nicht gesehen werden, so daß er un- ANZEIGEN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahme- fäilen nicht gewährleistet werden! VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS ■ MMS FÄRBEREI BEDEUTENDSTE CHEM.REINIGUNGSWERKE IN SUDDEUTSCHLAND i- a c5| _ c € 5 O 5.® ei %=S s-a= Q L.2 Z.*§ . u«) «■" tt 9^ = es v> > = 3ti a c -2 U u u~ !ii **- — Eis- Schiffchen Tüten 237D TI u schein Böden msw liefert preiswert Ernst Muth Gießen Ludwlgstraße 42 Fernruf 721. in einfachster bis feinster Ausführung Teppicher Dekorationen Bequeme 1__TeiPjahlungr bfflobelfabrih. m.BRÜCH INH. TH. WEINERT giessen, Brandplats k (altes schlossj * Die große Mode sind Die Lldi, den 6. Mai 1929. 02827 Gute Mako-Qualität Rot Magnet Beste Seidenflor-Qualität, Blau Magnet Meine „Magnet"-Strümpfe erfreuen sich größter Beliebtheit infolge ihrer besonderen Vorzüge: Langjährig erprobt — überaus preiswert“ funbiflt 4089 D 4J82D 3983A gesucht. 4094 D Naturheilverein Giefeen. 02758 sm Erscheinen gebeten. Einführung von Gästen erwünscht. 4091D MW WWklkl mieten. 4077 D Stellenangebote Junge gesucht. 4092D 4d78C 0.60 0.65 0.70 0.75 0.80 0.90 1.00 1.10 1.20 1.30 0.80 0.90 1.00 1.15 1.30 1.45 1.60 1.75 1.90 2.00 1.00 1.20 1.40 1.60 1.80 2.00 2.20 2.35 2.50 2.65 To t E. Guth Bad-Aaulieim, Frankfurter Str. 12. Tbomc, Westanlage 39 II. .... Vivian Gibson • •Lia Eibenschütz ......Paul Lichter Kurt Vespcrmnnn • Karl Beckersachs Hans Junkermann ... Eugen Neufeld Kinder-Strümpfe Baumwolle, kräft.Qualität, Grün Magnet nach der berühmten Operette von Jean Gilbert. In den Hauptrollen: Mary Kid Rita Tamara Poldi......... Egenolf...... Achsel....... Prinz v. Cyp.- Block......... Hoteldirektor Gebrüder Bär, Marktstraffc. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause. Hintergasse 65, aus statt. trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Familie Willi. Gondolph Familie Georg Steinmetz. Gr.1 23456789 10 Düngekalk sämtliche Sorten Kunstdünger stets auf Lager. An- lteserung zur Ver- wcndungSstelle. H. Trecüsler Stein straffe 73 Tel. 1581 2094D | Vermietungen | »MW in Bad-Naubeim, 4Ztmm.,.',t.n.Zubeh„ 2. Et., beschlagnahme- sret- sofort zu vcr- Todes-Anzeige. Heute morgen 3'/, Uhr verschied nach kurzer Krankheit unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise BI he. K M im vollendeten 77. 1-ebensjahre. Irp Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Deeg. Gießen (Asterweg 53), Frankfurt a. M., Heldenbergen, Iserlohn, den 5. Mai 1929. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem Z. Mai. nachmittags 3 Uhr. von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Für Bureaiizwecke geeignetes leeres, gröffereö Ä« evtl, kleinerer Ge- ichästsladen für so- fort zu mieten gesucht. Schristl. Angebote unter 1085 D an den Gieff. Anz. Astoria-Lichtspiele Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Eddy Polo und Ossi Oswalda in Mit Pferd und Lasso Ein ausgezeichneter Sensationsfilm in 7spannenden Akten. — Ferner: Seif beim Strandpicknick Lustspiel in 2 Akten Der lahme Esel entzückendes Lustspiel Achtung'. Marktpreise! Achtung! Grosrc Sendungen Svargel, Gurken. Tomaten. Salat, Blumenkohl. Rettich, Avfclnncn, Bananen nnd alles andere r^btt nnd Gemüse. — Täglich frisch. Besonders billig für die Fetcriage. MMLK.Oesich Selterewcg 3 (Yrtbcii), Tclcvbon 1051 Lieferung frei Haus! uzaza Lichtspielhaus Bahnhofstrabe 34 Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Nienstag, den 7. Mai 1929, nachmittags 2 llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: zwei Ladentheten, drei Kaffenschränte, einen Treibriemen, eine Bohrmaschine, 6 MH. Maschinen, drei Ausziehtische, 6 Stühle, eine Flurgarderobe, einen Gasbackofen, einen Sprechapparaf mit b Platten, drei Maviere, einen Diwan, zwei Chaiselongues, 27, Meter Ulsterstoff, b Meter Mantel- futter, zwei.Schrcibmaschinen, eine Schnell- preffe, zwei Sofas, einen Regulator, vier Schreibtische, ein Äild, 17 Äände Ärock- haus Konversations-Lexiton, drei Älifetls, drei Teppiche, einen Bücherschrank, eine üBäidjcmangei, drei Kleidcrschränke, eine Mäschetommodc,4 Ouhcnd kkinderstrümpfe, eine Kredenz, eine Standuhr, einen Spiegel, •Cm Registraturschrant, einen Maschttich, einen Schrank, zwei Schreib- ladenlaffen, zwei Glasschranke, einen Laden- schrank, ein Waren regal, fünf T sche, einen umbau, em Schränkchen, ein Vertiko, eine Lederwalze, zwei Pferde. 4084D Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 l / Telephon 239. Knie-Strümpfe und Mädchen Reichstags-Abgeordneter WM spricht nm Mittwoch, dem 8. Mai, abends SV? Ubr, im Hindenburg. Die Parteifreunde werden um zahlreiches Am Samstagnachmittag verschied sanft nach kurzem Leiden unser Heber Vater. Schwiegervater. Großvater. Bruder und Onkel HerrHeinrich Schmidt V. Polizeidiener i. R., Kriegsveteran von 1866 und 1870/71. im 84. Lebensjahre. Umtausch alter Rasierklingen aller Systeme! @9* und alter Apparate. Oae crößte Spezial werk der Welt für hohleeschliffene Dauerklincen. das Muleuto-Werk. Solingen. mDn a*1e Klincen und Apparate in Zahhimz beim Kaufe der Patent-Apparate mit den geschmiedeten und hohle« bchliffenen Lebenlans-Klincen Muleuto Hoblechliff (Deutsches Reichs-Patent) welche den stärksten Bart rasieren und ein Lebenlanc ohne Schleifen brauchbar bleiben, Umtauschaneebot eratis und franko. MN Lohn acktb. Eltern, mit gutem Schulzeugnis für Bureau u. Lager ges. Selbstgeschriebene Ange- botc mit Lebenslauf unter 4050D an den Gieffener Anzeiger. Zum sofortigen Eintritt, cotl.auchi.Juni ieeinetüchL brauche- 2000M gegen gute Sicberd., Grundbesitz, auf drei Monate zu lechen gesucht. Vermittlung nicht ausgeschlossen. Schriftliche Angeb. unter 02826 an den Gieffener Anzeiger. Suche für m. Enkel, biahr. gefund.Jung., gegen gute Bezahlg. Mnletlunfi u. sorg W>ge Weisung w guieoong. Somilie an Platz mit guten Schulverbältntssen. Gest, schriftl. Anacb. mit Angabe der F-a- milieuverhältnisse unter 4088D an den Gieffener Anzeiger. M. T. V. Himmellahrl-Nandening Sloppellierg-Welzlar 2lbmarfch 8 Uhr Ecke Viebloftrofee— 'vrankfurterStratze. Nachzügler: Gasch. „?Hte Poft" tAlmen- rüder) Wetzlar. V Modell bei Schilling Franksurt. Straffe besehen. Fabelhaft |Verschiedenes| Schlafzimmer Speisezimmer Herrenzimmer Küchen sowie Einzel-Möbel aller Art in hervorragender Qualität kaufen Sie nm billigsten nur bet mir, auch auf Teil- Zahlung. 40791) Rudolf Blum, Vtöbelschreinerei, Ctcinitratze 63. Ehaiseiongue anerkannt beste Qualitätsware eigener Herstellung empfiehlt 02755 Franz Bock, Liebtgstraffe 93, Fernruf 2432. Volkshochschule Morgen (Dienötag) Einführungs abende (Probebcinch) 1. Betrachtung von Kunstwerken carnovertrag sichtbar gewordene Westverstän- digung und Deutschlands Eintritt in den Völkerbund. Deutschland hat mit seiner Außenpolitik seiner geographischen Lage inmitten Europas Rechnung getragen, die eine Friedenssicherung nach allen Seiten wünschenswert macht. Veranlaßt durch sein Friedensbedürsnis, hat Deutschland mit Rußland am 24. April 1926, als eine Regierungskoalition der sog. Mittelparteien am Ruder war, einen neuen Vertrag geschlossen, in dem sich die beiden Länder gegenseitig zur Neutralität verpflichten, falls eines von ihnen trotz eigenen friedlichen Verhaltens angegriffen oder zum Gegenstand einer aggressiven Wirtschaftspolitik dritter Mächte werden sollte. Diese Aktion der bürgernden Mittelparteien zur Erhaltung des Friedens ist von den rechtsstehenden Deutschnationalen als eine erfreuliche Aktivität der deutschen Außenpolitik begrüßt worden, die gegen die westeuropäischen Bindungen als ein notwendiges Gegengewicht betrachtet wurde. Die Sozialdemokraten ihrerseits erblickten darin eine wünschenswerte Ergänzung des Vertrages von Locarno. Die kommunistische Partei bezeichnete den Neutralitätsvertrag als konsequente Fortsetzung der grundsätzlichen Friedenspolitik der Sowjetrepublik. Kurz, auch in Hinsicht auf den Neutralitätsvertrag einigte sich der deutsche Reichstag in sehr großer Mebrheit zur Annahme. An dieser in allgemeinen politischen Fragen rußlandfreundlichen Politik dürften die Enttäuschungen nichts ändern, die Deutschland bisher in wirtschaftlicher Hinsicht trotz der — wiederum von allen Parteien im wesentlichen gebilligten — Handels- und sonstigen Abkommen vom 12. Oktober 1925 hinnehmen mußte. Die Enttäuschungen beruhen hauptsächlich darin, daß Sowjetrußland sein Außenhandelsmonopol, trotz mancher vernünftiger Neuerungen in seiner inneren ökonomischen Politik, in Unveränderter Starrheit und in bureaukratischer Regelung oufrecbterhält, so daß der Grundsatz meistbegünstigter Behandlung beim Warenaustausch keine Sicherung der Stellung Deutschlands bedeutet. Notwendig schien deshalb die Gewährung von Handelskrediten zu werden, wenn Deutschland seine alte große Stellung in Rußlands wirtschaftlichem Aufbau wiedergewinnen wollte. An den öffentlichen Krediten von zunächst 75 und später 300 Millionen Reichsmark ist zwar kaum etwas verloren worden, aber die Sowjetbureaukratie ist zu ängstlich auf ihre äußere Handels- und Zahlungsbilanz bedacht, als daß der Warenaustausch und der innere Wiederaufbau Rußlands die in Deutschland erwarteten Fortschritte machen könnte. Der Sowjetstaat läßt seinen äußeren Handel geradezu verkümmern auf die Gefahr hin, daß auch seine innere Wirtschaftsentwicklung darunter leidet. Steht das Dogma des Außenhandelsmonopols etwa höher als das Wohl des Volkes? Es herrscht in den maßgebenden kommunistischen Sowjetkreisen vor wirksamen Verbindungen mit privatwirtschaftlich organisierten Ländern eine so große Abneigung, daß olle Arten von Verträgen und selbst einzelne Lieferungen für die innere Wirtschaftsentwicklung Rußlands politisch aufs schärfste überwacht werden. Die ungerechte Behandlung deutscher Reichsangehöriger anläßlich des Schachty-Prozesses, hat die deutschen Gefühle Rußland gegenüber stark abgekühlt. Seitdem Oer V. O. A. Zur Werbewoche des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Von Or. Göh. 3n einer Zeit, in der wir überall im deutschen Volk Spaltung und Zerrissenheit nach Parteien -und Vekenntnissen, nach Stämmen und Ständen, nach Vewohnern von Stadt und Land mit tiefem Schmerz sehen müssen, verdienen alle Gemeinschaften und Vereinigungen, die auf dem Vodcn der Volksgemeinschaft arbeiten, reichste Unterstützung durch jeden wirklich vaterländisch gesinnten Bürger. Vur auf diesem Wege können wir dem manchmal schier unerreichbar dün- kenden Ziele der wahren Volksgemeinschaft näherkommen. Zu den Vereinen, die auf diesem neutralen Boden arbeiten für die Gemeinschaft, gehört auch der Verein für das Deutschtum im Ausland, kurz V.D.A. genannt. Er hat sich die Aufgabe gestellt, den vielen Millionen Deutschen, die nicht oder nicht mehr das Glück haben, im großen deutschen Vaterland zu leben, zu helfen bei der oft schwer bedrohten Cr.altung ihrer deutschen Kultur, Sprache und Eigenheit. Eine der Hauptaufgaben ist dabei die Sorge für deutsche Schulen, denn wenn das da draußen Heranwachsende Geschlecht nicht mehr deutsch spricht, wird es für unser Volkstum sicher verloren sein. Auch in Hessen besteht ein solcher V.D.A., weitverzweigt in den Städten und Städtchen, namentlich in treuer Arbeit gefördert durch unsere Jugend an höheren und Volksschulen. Aber zu jeder Arbeit gehören Mittel und um diese in höherem Maße aufzubringen, plant die Leitung des Vereins die Veranstaltung einer Werbewoche oder von Werbetagen, voraussichtlich im Monat Juni. Eine Woche lang soll versucht werden, weiteste Dolksireise für den V.D.A.Gedanken zu gewinnen, zu begeistern und dazu zu bringen, ein Scherflein zu dieser wichtigen Arbeit beizusteuern. Die verschiedensten Veranstaltungen werden hierfür von den Arbeitsausschüssen an den einzelnen Orten vorbereitet. Auch in hiesiger Stadt wird der Auf zur Volkstumsarbeit an alle Bürger und Bürgerinnen ergehen: Schüler und Schülerinnen werden mit Sammellisten versuchen, möglichst reiche Gabe zu erlangen; ein großzügig angelegter Werbetag wird neben mancher anderen Veranstaltung geeignet sein, den Dolkstumsgedanken hinauszutragen. Daß alle Kreise des hessischen Volkes dem D.D.A. und seinen Bestrebungen wohlwollend gegenüberstehen, beweisen die Vamen des Ehrenausschusses, der führende Persönlichkeiten aller Kreise des Landes umfaßt. An der Spitze finden wir die Staatspräsidenten Dr. Adelung und Ulrich, daneben die Minister L e u s ch - n e r , Kirnberger , Korell. Die verschiedenen kirchlichen Bekenntnisse sind in gleicher Weise vertreten; neben dem Prälaten der evangelischen Landeskirche D. Dr. Diehl lesen wir die Aamen des Bischofes der Diözese Mainz, Dr. Hugo und des Oberrabbiners Dr. Levi. Daß der Präsident des Hess. Landtags, Bürgermeister Delp, Darmstadt, hier nicht fehlen kann, ist ebenso selbstverständlich wie ös angenehm auffällt, daß Führer sämtlicher Parteien von rechts bis links ihren Vamen unter den Aufruf gesetzt haben. Auch die Presse, die den Bestrebungen des V.D.A. stets weitgehendstes Interesse entgegenbrachte, ist vertreten. Hoffen wir, daß es den Kräften, die in einmütiger Arbeit am Werke sind, gelingt, gute und erfolgreiche Arbeit für die schöne Sache zu leisten. Die Geschlossenheit der Massen, die ein Scherflein für ihr Volkstum übrig haben, wird ein erhebendes Bekenntnis IV. Tag im Kammerspiel-Zyklus. Anna Bahr-Mildcnburg: Schauspiel in der Oper. Die Geschichte der Oper ist ein ständiger Kampf um die Vereinigung des dramatischen und des musikalischen Prinzips. 3e nach der Eigenart des Schaffenden, ob er mehr absoluter Musiker ist oder nicht, je nach dem Zeitalter, in dem die Werke erstehen, und je nach der Stammes- eigentümlichkeit des Volkes, das die Oper pflegt, prägen sich besondere Hinneigungen nach der reindramatischen wie auch nach der musikalischen Seite aus. 3n ihrer Urform sollte die Oper eine Wiedererweckung des antiken Dramas sein; die Musik erscheint zunächst nur von dienender Bedeutung. Bald aber überwuchert sie in der Blütezeit der italienischen Oper die Handlung. Auf französischem Boden gewinnt das Dramatische wieder die Herrschaft, und von hier aus können wir Glucks Opernreform und seinen Ausspruch verstehen: „Ehe ich anfange zu komponieren, versuche ich zu vergessen, daß ich Musiker bin.“ Mozart hängt in seinen Frühwerken noch dem italienischen 3deal an; weih sich aber davon zu lösen, und an der Gestaltung des Textbuches zur „Entführung" nimmt er starken Anteil. „Die Arie (des 03min) habe ich dem Herrn Stephanie ganz angegeben — und die Hauptsache der Musik war schon ganz fertig, ehe Stephanie (der Textdichter) davon wußte." Hier wird der Text des Dichters aus dem Geiste der Musik geschaffen. Eine völlige Beilegung des Zwiespaltes zwischen Musiker und Dichter tritt mit Richard Wagner in Erscheinung, indem bei ihm dichterisches, bildhaftes Schaffen und musikalische Gestaltung aus einer gemeinsamen Wurzel berauö- wachsen, aus dem Erleben der Handlung. Diese enge Verschmelzung der Handlung mit dem Musikalischen läßt jeden einzelnen Zug der Handlung sich plastisch in der Musik abbilden; kür bestimmte gedankliche Begriffe werden musikalische Symbole gezeugt, die je nach dem Zusammenhang, in den die Begriffe eingeordnet werden, sich musikalisch charakteristisch abwandeln. Da Wagners Dichtung etwas deutlich, szenisch Erschautes darstellt (man vergleiche feine szenischen Anweisungen mit denen unserer sonstigen Textbücher), so setzt sich auch jede bildhaft geschaute Veränderung der Szene in das Musikalische um. Zu Dichtung und Musik gesellt sich als gleichsam mit beiden verbundene darstellende Motorik die Gebärde. „Die Mitteilung eines Gegenstandes, die die Wortsprache nicht zu völliger lieber» zeugung an das Gefühl kundgeben kann, also ein Ausdruck, der sich in den Affekt ergießt. bedarf durchaus der Verstärkung durch eine begleitende Gebärde." Und wie sich diese Gebärde dem Auge kundgibt, so wird sie auch in der Musik charakteristisch abgebildet. Dieses organische Verwachsensein der Musik mit der schauspielerischen Gestaltung der Szene bei Richard Wagner lenkte den nun für diese Dinge geöffneten Blick auf Werke früherer Zeitalter und lieh auch hier Züge erkennen, die, wenngleich sie auch nicht so ausgeprägt waren, eine ähnliche Durchgestaltung erforderten wie die Wagnersche Szene. Hier seht die dramaturgische Arbeit von Frau. Pros. Anna Bahr-Mildenburg ein. Der überlieferten Operngebärde, die sich mit wenigen konventionellen bzw. stilisierten Bewegungen begnügt. sagt sie den Kampf an, sie verurteilt sie als verwerflich, als primitiv, zwischen der Darstellung des Schauspielers und des Opernsängers gibt es für sie keinen Unterschied. Sie will die Darstellung, die häufig selbst bei prominenten Bühnensängern und -Sängerinnen stark vernachlässigt erscheint, von der Schematisierung und Veräußerlichung befreien, indem sie als oberstes Gesetz fordert: dah der Sänger nicht bloh fingen, sondern auch bei seiner Darstellung denken und fühlen soll. Das Wort soll er" sich durch das Gehirn gehen lassen; denn nur so wird er die rechte, treffende Gebärde finden; denn die Gestaltung nach außen bin ist nicht etwa wie eine gymnastische Fertigkeit erlernbar. Unabhängig vom Publikum, unbeeinflußt durch den Kontakt, den er bei seinen Hörern finden zu müssen glaubt, soll der Sänger als ein Mittler, als ein Erklärer des Werkes vor dem Publikum stehen. Allerdings befindet sich der Sänger in weitaus schwierigerer Lage als der Schauspieler. Den Schauspieler treibt bei seiner Darstellung ein innerer Rhythmus, der in ihm durch das Wort, die dichterische Handlung wach wird. Eine gewisse Sensibilität läßt ihn das rechte Maß und die rechte Form an darstellender Gebärde finden. Schwieriger gestaltet es sich für den Sänger, da ihm die Musik den Zeitablauf seiner Gebärde vorzeichnet. Eine Bewegung, die. der Schauspieler kurz abtut, schnell ausführt, muh der Sänger oft dem Verlauf der Musik entsprechend dehnen. Als Richtungsweiser für den Eintritt seiner Gebärden sieht Anna Bahr-Mildenburg die Zwischenspiele bzw. Vorspiele an; ihnen soll der Sänger folgen; denn in diesen Zwischenspielen lernt er den 3nha.lt des kommenden Dichterwortes kennen. Ihr Kampf richtet sich gegen den „ton- tauben" Sänger, der an dem inneren musikalisch- szenischen Geschehen teilnahmlos vorübergeht. 3hre Theorie erhärtete sie durch die Vorführung verschiedener typischer Beispiele aus der Oper von Gluck an bis zur Gegenwart (Richard Strauß). Die „Bildnis"-Arie des Tamino aus der „Zauberflöte" von Mozart war ihr ein treffendes Muster für das Durchleben einer Situation durch Beachtung der Zwischenspiele. Dieser vielseitige Wechsel der inneren Stimmung gerade in dieser Arie, wie sie ihn betonte und als etwas Veues hinzustellen suchte, ist in der Musikwissenschaft schon längst als besonderes Stilkriterium bekannt. Die Arie des Cherubin aus „Figaros Hochzeit" war ihr Veranlassung, zu zeigen, wie eine an sich lebhafte Musik nicht durch äußere Gebärde, um so mehr aber durch "starkes inneres Gestalten dem Publikum nahe gebracht werden kann; als eine innere Gebärde, die sich nicht nach außen hin Platz machen kann. Den Charakter der Leonore („Fidelio") will sie trotz der männlichen Verkleidung immer weiblich als schwache Frau gefaßt wissen. Die große Arie: „Abscheulicher, wo willst du hin", ließ sie aus der musikalischen und szenischen Umwelt heraus- wachsen. Als besonders wichtig sieht sie die Fähigkeit des Darstellers an, sich schnell und treffend jedem Wechsel der Stimmung anzupassen. Der Darsteller muß das können, auch dann, wenn er innerlich nicht bereit zu fein glaubt. Er muß immer über der Situation stehen, sie aber in jedem Augenblick neu und wahr erleben. Vie darf er sich ganz verausgaben, das sogenannte „Ganz weg"-Sein bezeichnet sie als Dilettantismus. Als einen Ausblick auf die Wagnersche Szenengestaltung führte sie die Szene der großen Arie des Max („Freischütz") vor. (Als Synästhetiker steht Weber mit seinem szenischen Musik- gestalten ja in engster geistiger Vähe mit Richard Wagner.) 3n der Qlriette des Aennchen („Kommt ein schlanker Bursch gegangen“) und in der Arie der Maria aus dem Waffenschmied erwies sie, welche Aufgaben das Soubrettenfach stellt. Den Typ einer italienischen Arie mit ihren starken seelischen Konflikten stellt sie mit der Arie der „Aida" dar, als eine geistig-musikalische Auseinandersetzung zwischen der Liebe zum Vater und dem Gegner des Vaters, Rhadames. Wie zwei starke Pole standen die Gestalten die Klhte- mnäftra da. wie sie Gluck in großer monumentalklassischer Gebärde zeichnet, wie sie Richard Strauß in ihrem inneren Zwiespalt, in ihrer Zersplitterung des Charakters, in ihren inneren Qualen darstellt. Was Anna Dahr-Mildenburg mit dieser großen Szene gesanglich und darstellerisch gab, wie sie den raschen Wechsel der inneren Stimmung bis zur Steigerung zum wilden Wahn ausprägte, wie jeder Hauch, jedes Wort szenische Bedeutung erlangte, wie ihre Stimme unendlich modulierte, bis zur Auspeitschung im erschütternden Schrei, das war ein Eindruck, der schlechthin erschauern ließ durch die Plastik der Situation und durch die Große kam die llnzufriedenheit, namentlich auch von deutschen wirtschaftlichen Kreisen, über die unbefriedigende Entwicklung des Warenaustausches wie über die unerträgliche Unsicherheit deutscher Personen in Rußland, ungehemmt 311111 Ausdruck. Die daraufhin ausgenommenen Wirtschaftsverhond- lungen führten zu einer neuen deutsch-russischen Verständigung; Ruhland zeigte ein gewisses Entgegenkommen, z. B. in einer vernünftigen Auslegung des Begriffs der Wirtschaftsspionage, in Reiseerleichtc rungen, im gewerblichen Rechtsschutz, im Transitverkehr und ähnlichen Fragen. Hierdurch dürften wohl manche Streitfragen im Interesse der deutsch- russischen Beziehungen ausgeräumt [ein, aber die Frage der Ungleichheit der Wirtschaftsbehandlung, die in dem deutschen Entgegenkommen voller Meistbegünstigung einerseits und in der grundsätzlichen Absperrung Rußlands andererseits liegt, ist damit nicht erledigt. Deutschland wird zur Wiederherstellung seiner Jahrhunderte alten politischen und wirtschaftlichen Freundschaft mit dem russischen Volk alles Zweckdienliche tun; aber ebenso bleibt es Deutschlands Aufgabe, gegen die russische Weltrevolutionspropaganda in seinem Innern unaufhörlich mit aller Kraft zu wirken. Gegen die Lleberspannung der Schulvorbildungsforderungen. WSV. Mainz, 4. Mai. Die in der letzten Zeit vielfach erörterte lleberspannung der Schulbildungsanforderungen hat auch die Industrie- und Handelskammer in Mainz veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß zur Aufnahme von jungen Leuten in wirtschaftliche Berufe oft Anforderungen in bezug auf die theoretische Vorbildung gestellt werden, die für diesen Beruf überhaupt nicht notwendig und übersteigert sind. Schon seit 3ahren hätten die Industrie- und Handelskammern auf die Gefahr einer „Verschulung Deutschlands" aufmerksam gemacht. Die Kammer schließt sich den Bedenken Der Spihcnorganisation der Deutschen Jndustrie- und Handelskammern an, die eine gründliche, wissenschaftliche Bildung für solche Berufe fordert, welche es erfahrungsmätzig nötig haben, aber vor schulmähigen Anforderungen warnt, die mit dem betreffenden Berufe in keinem Zusam- menhang stehen können. Die Folgen dieser übermäßigen Bildungsanforderungen find. eine starke Mehrbelastung der Oeffentlichkeit für das höhere Schulwesen und eine Steigerung der Erziehungskosten der Eltern. Demgegenüber müsse vor der Zulassung zu höheren Schulen eine strenge Persönliche Auslese getroffen und auf der anderen Seite die Leistungen der Volks- und Mittelschulen so erhöht werden, daß sie dem Schüler eine für das praktische Leben genügende Bildung geben können. Auch müßte der Berufsausbildung der Lehrlinge und Jugendlichen in den gewerblichen Berufen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es sei besonders hervorgehoben, daß die Mainzer Handelskammer eine Lehr- lingswerkstätte begründete, die die Aufgabe hat, bei der Ausbildung der Lehrlinge eine möglichst große Uebereinftimmung zwischen theoretischer und praktischer Ausbildung herbeizuführen. NeuesRöntgenmstiiutinKrankfurta.M. WSV. Frankfurt a. M., 4. Mai. Heute vormittag wurde das neue Röntgeninsti- tut der Chirurgischen llniversitäts- t linif im Städtischen Krankenhaus Sachsenhausen feiner Bestimmung übergeben. Eine kurze Eröffnungsfeier ging ihr voraus. In dieser hielt Oberbürgermeister Dr. ßanbmann die Eröffnungsansprache, in der er auf die Schwierigkeiten hinwies, die zu überwinden waren, um der Darstellung, die in ihrer Einmaligkeit sich jedem tief eingrub. Im zweiten Teil des Programms erschloß sie einzelne Szenen aus dem Werk Richard Wagners, dem sie sowohl als berufenste Darstellerin und Sängerin, als auch als Schriftstellerin und Spielleiterin ganz besonders verbunden ist. Hier fügten sich musikalisch-motivische Gestaltung und darstellende Gebärde zu einer zwingend-notwendigen, naturhaft-organischen Einheit, die auch das Letzte restlos ausschöpfte, szenische Wahrhaftigkeit annehmen lieh. Das war ein Aufgehen im Werk, wie es nur einer so starken Persönlichkeit wie der ihrigen möglich ist; mochte es die Todesverkündigung aus der „Walküre" sein, der Schluß des Gebets der Elisabeth („Tannhäuser"), die Szene der Elsa („Lohengrin", 1. Akt), das Winken der Isolde, Wotans Dann („Walküre"), oder das Erwachen der Brunhilde; stets war sie groß, ja sie wuchs in ihrer Darstellung zu gigan- tischem Ausmaß. Daß diese ungemein starken Eindrücke möglich waren, dazu trugen zu nicht geringem Grade ihre beiden Helfer "bei; am Flügel Kapellmeister Wolfgang Andreas A 11 i 0 , der mit feiner Vach- giebigfeit jede Situation mit sicherem Griff erfaßte, Rosette Rudolf, die der Vortragenden überall da helfend zur Seite stand, wo der gesangliche Stil ihrer hochdramatischen Stimme nicht lag. Daß diese darstellerischen Probleme vor einem größeren Hörerkreise erörtert wurden, hat sicher für das Opernerleben und -Verstehen der Hörer grundlegenden Einfluß gewonnen. Vielleicht boten manche Erörterungen nicht unbedingt etwas Veues, aber sie waren doch in dem großen Zusammenhang wohl am Platze. Gerade Gießen hat in den letzten Jahren in den Operngastspielen der Mainzer und Darmstädter so manches Beispiel erleben können, das vielleicht die Anforderungen von Anna Dahr-Mildenburg nicht immer voll erfüllte, aber sicher ihnen beträchtlich nahe kam. Der Intendanz des Stadttheaters gebührt für dieses außerordentliche künstlerische Ereignis (als solches ist es unbedingt zu buchen! ganz besonderer Dank des Hörerkreises. Dr. H. Hochschulnackrichten. 2er Lehrstuhl der Dermatologie an der Medizinischen Akademie zu Düsseldorf (an Stelle von Professor K. Stern) ist dem ordentlichen Professor Dr. Alfred Stühmer an der Universität Mün. ft e r anqeboten worden. Zur Wiederherstellung des durch den Weggang des Professors Joh. Weigelt an der Universität Greifswald erledigten Lehrstuhls der Geologie und Paläontologie ist ein Ruf an Prof. Dr. Sergius Bubnoff in Breslau ergangen. VaS neue Institut erstehen zu Taffen. Durch eine Arbeitsgemeinschaft: zwischen Universität, Stadt unD Ortskrankenkasse sei eS jedoch gelungen, aller Schwierigkeiten Herr zu werden. Nach einigen weiteren Ansprachen von Vertretern der ilni- versität. der Ortskrankenkasse und der Wissenschaft erfolgte eine Führung durch das neue Institut. GS dient hauptsächlich der Erforschung der Nöntgendiagnose. Wan hat die Abteilungen für Röntgendiagnostik aus den einzelnen Kliniken des Krankenhauses herausgcnommen und in dem neuen Institut zentral zusammengefaht. Die Röntgentherapie wird weiter in den einzelnen Kliniken betrieben, jedoch ist in dem Institut auch eine sehr beachtenswerte Apparatur für Tiefentherapic vorhanden. Bei der großen Bedeutung. die die noch junge Wissenschaft der Strahlentherapie und -Diagnose bereits erlangt hat. ist es sehr zu begrrüßen, daß durch das i enge Zusammenarbeiten der in Frage kommen- I den Stellen ein solches Institut errichtek werben konnte. Sranffurfer Kinofusionierungen. WER. Frankfurt. 4. Mai. Die F u s i o - nicrungsbestrebungen im Frankfurter Kinogewerbe sind soweit gediehen, daß mit einem Abschluß der Verhandlungen in aller Kürze zu rechnen ist. Die Sache ist ungefähr so gedacht, daß die vier Theater der „Dell" (Vie- berbau, Drexel. Elite und Titania) mit drei großen Theatern, genannt werden Alemannia. Kapitol und Gloria-Palast, eine ziemlich enge Interessengemeinschaft einzugehen gedenken. In aller Kürze wird Frankfurt ein weiteres G r o ß r i n o erhalten. Ein Projekt eines Groß- kinos mit 750 Sitzplätzen in der Großen Friedbergerstraße ist jetzt genehmigt worden: mit dem Bau soll alsbald begonnen werden. Turnen, Sport und Spiel. Süddeutsche Fußballmeisterschaft Die Meisterschaftskämpfe im süddeutschen Fußball« verbände verliefen am gestrigen letzten Spielsonntag im allgemeinen äußerst torreich. Trotzdem gab es meistens nur ganz knappe Ergebnisse, zwischendurch allerdings auch Torunterschiede, die fast auf Klassenunterschied Hinweisen. Jede der drei Gruppen batte ein solches Treffen mit hoher Tordifferenz aufzuweisen. In der Runde der Meister war cs der 1. F. E. N ü r n b e r g, der die ursprünglich sehr hoch gehaltene Germania Brötzingen mit 6:0 Toren überlegen abfertigte. Dio alte Routine siegte also klar und deutlich über die Schwächen des Neulings. Eintracht Frankfurt erwies sich auch diesmal besser als der K. F. D. Karlsruhe, doch konnte sie ihre technischeUeber- legenheit nicht so klar zum Ausdruck bringen, wie acht Tage zuvor, und gewann diesmal nur mit 3:2 Toren. Die Aussichten der Münchener Bayern erlitten durch ihre knappe und unglückliche Niederlage von 4:5 Toren gegen den V. f. L. Ne cka r a n einen argen Schlag. Die Münchener stehen nur noch einen Punkt vor den Neckarauern, haben aber ein Spiel mehr ausgetragen. Sehr hart ging es zwischen W o r m a t i a Worms und Borussia Neunkirchen zu. Wormatia gewann zu Recht mit 2:1 Toren als bessere, aber nicht immer glückliche Mannschaft. Runde der Zweiten und Dritten. In der Gruppe Nord holte sich der F.Sp.V. Frankfurt durch einen überlegenen Sieg von 4:0 Toren über den sehr schwachen V. f. L. Neu-Isenburg die Tabellenspitze wieder zurück, die vorübergehend an den S. D. Waldhof-Mannheim verlorengegangen war. S. V. W a l d h o f konnte nämlich in Saarbrücken nur ein 4:4 gegen den in guter Form befindlichen S.E. Saar 05 erzielen. Auch das dritte Treffen der Gruppe Nord endete unentschieden und zuletzt trennten sich der F. Sp. V. 0 5 Mainz und der V. f. R. Mannheim beim Stande von 3:3 Toren. ' Auch in der Gruppe Süd siegte die Spitzenmannschaft sehr hoch. Die Sp. Bg. Fürth kehrte nämlich aus Karlsruhe mit einem glatten 6:2-Sieg über Phönix zurück. Die Stuttgarter Kickers mußten verspüren, daß die Augsburger Schwaben nicht als Zufallsmannschaft den zweiten Tabellenplatz einnehmen. Die Augsburger holten sich auf fremdem Platze einen äußerst lobenswerten Sieg mit 3:1 Toren. Die Begegnung des A. S. Nürnberg mit dem F.C. Freiburg war von Anfang an keine allzu rosige Sache für die Nürnberger Mannschaft, die dann auch mit 2:4 Toren Sieg und Punkt an den badischen Gegner abtreten mußte. In der Gruppe Süd haben somit sämtliche Platzvereine ihre Spiele verloren. In der Reihenfolge der Tabelle hat sich jedoch nichts geändert. Zußbatt-Lcinderkampf Oesterreich - Ungarn 2:2 (1:1). Vor mehr als 50 000 Zuschauern standen sich am gestrigen Sonntag auf dem Sportplatz Hohe Warte in Wien Oesterreich und Ungarn im Fußball-Länderkampf gegenüber. Rach dem großen Sieg über Italien wurde in Wien allgemein ein überlegener Sieg der heimischen Mannschaft erwartet. Die Ungarn spielten jedoch sofort nach Beginn eine kleine Ueberlegenheit heraus und erzielten nach der 14. Minute das Führungstor. Erst in der 26. Minute konnte Oesterreich den Ausgleich erzwingen. Die zweite Hälfte verlief ausgeglichen. Trotzdem Oesterreich 14 Minuten vor Spielende seinen rechten Läufer toegrit einer Verletzung verlor und bis zum Schluß mit nur zehn Mann durchhalten mutzte, gelang es Wesselik, wenige Minuten vor dem Abpfiff Abermals mit 2:1 in Führung zu gehen. Die Hoffnung auf einen Sieg der Einheimischen war jedoch verfrüht, da zwei Minuten vor Schluß das Ausgleichstor erzielt wurde. Das unentschiedene Ergebnis ist durchaus gerecht. Der Kampf wurde von beiden Seiten fair durchgeführt, so daß der italienische Schiedsrichter vor keiner schweren Aufgabe stand. Leichtathletik. Neuer deutscher Rekord im IvOOMeler-Laufen für Damen. Bei einer leichtathletischen Veranstaltung am Sonntag in Nürnoerg stellte die Olympia- tämpferin Dollinger (Nürnberg) im 1000-Meter- Vorgabelaufen mit 3,09 Min. einen neuen deutschen Rekord auf. Siraßenfernfahri^^undumZrankfuri" Pflug (Köln) siegt in 8:47.15. Am gestrigen Sonntag wurde die traditionelle Radfernfahrt „Rund um Frankfurt" über 244 Kilometer ausgefahren. Heber 100 Fahrer stellten sich dem Starter. Das Wetter war der Veranstaltung hold und die Strecke in bester Verfassung. Die wenigen Stürze verliefen glimpflich. In sämtlichen Klassen wurde die Entscheidung erst im Spurt erzwungen. Ergebnisse: Klasse A.: 1. Pf lug (Köln) 8:47,15; 2. Lauffenburger (Ottenheim) 8:47.18: 3. Mandelart (Köln) 9:01,16. Klasse B: 1. Ruppel (Frankfurt) 9:29,35. Klasse D.: 1. Grvnig (Breslau) 4:14,30. Roman einer Rächt Don paul Rosenhayn. 21 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Staatsrat folgte, in feiner versunkenen und anteillosen Art. ihrem Blick. Mit feiner nuancenlosen Stimme sagte er: „Sei mir nicht böse. Aber ich mutz mit den Herren dort drüben ein Glas Bordeaux trinken." „Geh nur," sagte sie lässig. Sie blickte ihm nach: seine gedrungene Gestalt verschwand hinter der großen Säule. Von der anderen Seite schlenderten die beiden Ankömmlinge auf sie zu. „Run?" Der Dröhere von den beiden warf einen kurzen, forschenden Blick in die Runde und sagte leise: „Marfa ist gerettet." „Wo ist sie?" „Beim Heizer des Iustizpalastes. Er hat zwanzigtausend Kronen bekommen." „Warum habt ihr sie nicht mitgebracht?" „Weil alle Ausgänge beseht waren. Die Wasser müssen sich erst ein bißchen verlaufen." „ilnD ihre Schwester?" „Vera ist an ihrer Stelle in Haft." „Adas wird man mit ihr tun?" „Richt viel," sagte der Größere ungeduldig. „Man kann ihr nicht einmal eine Absicht Nachweisen." „Ist sie sehr niedergeschlagen?" „Rein. Sie lachte, als man sie absührte." „Wie habt ihr das alles fertiggebracht?" „Der Heizer hat dafür gesorgt, daß im entscheidenden Augenblick die Beleuchtung versagt hat." Marcelle drückte den beiden die Hand. „Eins wundert mich," sagte der Kleinere. „Ich sagte ausdrücklich: im entscheidenden Augenblick." „Run? Und?" „... daß du nicht fragst, wie dieser ent- scheideirde Augenblick ausgeschaut hat." Marcelle lachte. „Da ich nicht im Gerichtssaal war, kann ich unmöglich wissen, wie die Verhöre verlaufen sind." „Hm. Mit den Verhören hat das nichts zu tun. Die Tür ging plötzlich auf und... und... weißt du, wer hereintrat?" „Run?" fragte Marcelle unruhig. „Der Herr Staatsrat Kreutz." „Mein Mann?" Betroffen sah Marcelle hinüber; dort drüben stierte Ole Kreutz weinselig in das Licht des Kronleuchters. „Dein Manu. Und weißt du, was er brachte? Das Bild Fedor Sokolosss. Cr muh es hier in diesem Saal aufgenommen haben." Marcelle, ungläubig, erstaunt und fassungslos, sah von einem zum andern. „ Fedor Sokoloffs Bild..." sie faßte ins Handtäschchen. „War es dieses?" Der Größere zog das Positiv und legte es auf die Zelluloidplatte. „Rach diesem Regativ. Woher hast du es?" „Es lag vor der Tür von Oles Schlafzimmer. Ich vermute, daß Peter mit irgendeiner Trickaufnahme die Photographie zustande gebracht hat. Weiß Sokoloff schon darum?" „Selbstverständlich. Er schickte sich eben an, zu gehen." „Wirklich?" wiederholte Marcelle spöttisch. „Er schickt sich an zu gehen?" „Das ist das einzige, was er tun kann." Marcelle winkte den Diener heran, der an ihnen vorbeistrich. „Sagen wie meinem Mann, ich wünschte ihn auf der Stelle zu sprechen. * Die beiden traten in das Türkische Zimmer. Es war leer. Der alte Professor Shlvander schien seine bibliographischen Studien beendet zu haben. „Höre, Ole," sagte Marcelle. „Ich mutz etwas Ernstes mit dir sprechen." Sie sah ihm ins Gesicht; und sie sah in diesem Augenblick, daß alles an ihm, seine weinseligen Augen, die nachlässige Haltung seiner Gestalt, der Dümmlingsausdruck in seinem Gesicht, Maske gewesen war. Sie sah. wie cr, sozusagen unter ihren Augen, ein anderer wurde — nun, da cr wußte, daß sie wußte. Sie stand immer noch, ohne rechtes Begreifen, vor ihm. Leise sagte sie: „Ole..." Er nickte. „Was gibt es? Ich habe dringend zu tun." „Du weißt alles, Ole." „Ja," sagte er. „Ich weih alles. Ich weiß, daß du einer Verbindung angehörst. die ich bekämpfe. Und ich weih, daß du die Geliebte Fedor Sokoloffs bist. Fedor Sokoloffs, den die politische Polizei von ganz Europa sucht." „Was willst du tun, Ole?" „Er will dieses Haus verlassen. Ich werde Dafür sorgen, daß er es nicht tut." Sie nahm feine Hand. „Du irrst in manchen Punkten. Unterbrich mich nicht. In manchen Punkten, sage ich. Aber in einigen bist Du im Recht. Ich bin nicht Die Geliebte FeDor Sokoloffs. Aber ich war es" „Und Du bist im Begriff, es von neuem zu werden." „Rein, Ole." sagte sie aufatmend. „Jedenfalls: ich weiß, daß du dich von neuem in ihn verliebt hast. Daß du ihm sogar an- geboten hast, mit ihm zu fliehen." „Woher, um Gottes willen, weiht du das?" Er blickte zur Tür und antwortete nicht. „Und jetzt, da Du Deinen Geliebten in Gefahr weißt, möchtest du ihn retten. Ist es nicht so?" Neuer Weltrekord Arne Borgs. Der schwedische Olympiasieger und Rekordschwimmer Arne Bora startete am Freitag auf seiner Weltreise in Los Angeles. Den vielen neu ausgestellten Weltrekorden auf dieser Reise konnte Borg einen weiteren hinzufügen. Er verbesserte im 1000- Pards-Freistilschwirnmen seinen eigenen Rekord von 12:16,8 ganz beträchtlich auf 11:47 Minuten. Oberheffen. Landkreis Gießen. —Klein-Linden, 5. Mai. Tie hiesige Baugenossenschaft hielt im Tumerheim unter Leitung des 1. Vorsitzenden Aug. Luh ihre diesjährige Generalversammlung ab. Rach Dem Geschäftsbericht des Vorsitzenden hat die Genossenschaft im abgelaufenen Jahre vier Wohnungen sertiggestellt und in der Frankfurter Straße ein Zweifamilienhaus errichtet. Die Rechnungsablage erstattete der Kassierer Weigel. Die Bilanz für 1928 betrug in Aktiva und Passiva 127 397,39 Mk.; Die Gewinn- und Verlustrechnung belief sich auf 9 702,67 Mk. Dem Rechner tourDc Entlastung erteilt. Die sahungs- mäßig ai'Lscheidenden DorstanDsmitglieder Aug. L u h und Friedr. Weller, sowie L. Vieh- mann und K. Glaum vom Aufsichtsrat wurden wiedergewählt. Der Baugenossenschaft gehören 106 Mitglieder an. I Mainzlar, 5. Mai. Dieser Tage hielt der hiesige Spar- und Darlehenskassen- Verein (Raiffeisen) seine diesjährige Generalversammlung bei Gastwirt Müller ab. Der Geschäftsgang im Jahre 1928 konnte als gut bezeichnet werden. Rach Der vorgelegten Bilanz betrug der Umsatz rund 90 370 Mk., der nach allen Abschreibungen noch verbleibende Reingewinn von 81 Mk. wurde dem Reservefonds zu- geschrieben. Dem Rechner wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die in der Versammlung anwesenden Herren Revisor Iolk und Geschäftsführer H a a t (Gießen) referierten über die Gründung einer Einkaufsgesellschaft von Konsumartikeln. Der Vorstand wurde beauftragt, die weiteren Verhandlungen in dieser Angelegenheit zu verfolgen und dann Bericht zu erstatten. Zur weiteren Hebung des Sparverkehrs sollen jede Woche Sparmarken durch Abholung Der Spargelder verkauft werden. )( Lich, 5. Mai. Die hiesige Ortsgruppe des Bundes für Haus und Schule veranstaltete im Stiftischen Gemeindesaal einen trotz der ungünstigen Zeit gut besuchten Vortragsabend. Bundessekretär Otto sprach über die Frage: „Wie fuhren wir unsere Kinder zu Gott?" Ausgehend von Der leiblichen, sittlichen unD religiösen Rot unserer Jugend zeigte der Redner, wie „das Haus und die Familie mit der Bibel, dem Gesangbuch und dem Katechismus" die Kinder zu Christus und damit zu Gott führen können und müssen. Gemeinsamer Gesang, begrüßende dankende Worte des Pfarrers eröffneten und schlossen den von den Zuhörern dankbar aufgenommenen Abend. s. Utphe, 5. Mai. Die hiesige Volksschule war durch den letzten Abbau an Ostern 1926 einklassig geworden. Aber schon im vergangenen Schuljahr hatte die Klassenstärke durch Die neuaufgenommenen starken Jahrgänge wieder die gesetzliche Höchstzahl bedeutend überschritten. Infolgedessen wurde nunmehr Die zweite Schul stelle wiedererrichtet. Sie wird von dem Lehrer Bötticher versehen, der von Stockhausen (Kreis Lauterbach) hierher verseht wurde. Dieser Schritt Der Schulbehörde wird hier sehr begrüßt, da Der zweite Schulsaal und die Lehrerwohnung jahrelang unbenützt standen. — Der hauswirtschaftlichc Unterricht in der Mädchenfortbildungsschule wird in diesem Schuljahr ausgesetzt, da zu wenig Schülerinnen vorhanden sind. (Starfenburg. WSR. Darmstadt. 4. Mai. Der am Mittwoch bei dem Rcchnungsrat a. D. Wegener in Der Heidenreichstraße verübte WohnungS- einbruch, bei dem Den Tätern Wertgegenstände in Höhe von 10 000 Mk. in die Hände fielen, konnte durch die Kriminalpolizei bereits aufgeklärt werden. Als Täter kommt das Kansmannsehcpaar Engelbert Heim von hier in Betracht. Der Ehemann konnte in Darmstadt. die Ehefrau in Frankfurt fc ft genommen werden. Die gestohlenen Gegenstände wurden zum größten Teil im Leihhaus verseht. Preußen. Kreis Wetzlar. 5 Groß. Rechtenbach, 5. Mai. In der Nacht aus heute acacn 4 Uhr brach in Klein-Rechten, bad) im Gehöft des Landwirts und Gartenarbeiters Friedrich Haupt in einem Stallgelräude ein Brand aus. Die sofort herbeigceilte Freiwil ligc Feuerwehr von Klein-Rechtenbach bekämpfte den Brand im Entstehen, so daß nur der obere Teil des Stalles ausbrannte. Die Pflichtfeuerwehr der hiesigen Gemeinde brauchte bei ihrem Eingreifen nicht mehr in Tätigkeit zu treten, lieber die Ent- stehungsursache ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden. Kreis Biedenkopf. * Biedenkopf, 5. Mai. Dieser Tage sand hier die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung Der Kreisviehkasse Biedenkopf D. a. G. statt. Der eine Aufsichtsratssihung vorausgegangen war. Die Versammlung war au« allen Teilen des Versicherungsbezirks gut besucht. Wie Der vom Geschäftsführer Pli11 norgetra- gene Jahresbericht nachweift, hat die Vereinstätigkeit im Jahre 1928 wieder eine ganz erhebliche Ausdehnung genommen. Das Der - slcherungskapital ist auf 5 666 960 Mk angewachsen und übertrifft das Vorjahr um 308 700 Mk. Dabei gingen die Versicherungsbeiträge um 1126,20 Mk. gegen das Vorjahr zurück. Sie betragen 117 704 Mk., eine Folge Der Ermäßigung Der Beitragssätze für die Versicherung von Rindvieh unD Schweinen. Reu aufgenommen al« Mitglieder wurden 295 Viehbesitzer mit 1036,30 Mk. Eintrittsgeldern. Versichert waren: 1628 Pferde, 8862 Stück Rindvieh. 6934 Schweine, 1316 Ziegen, 61 Schafe. Entschädigt wurden 89 Pferde mit 30 753 Mk., 287 Stück Rindvieh mit 47 012.20 Mk., 222 Schweine mit 17 674.10 Mk., 59 Ziegen mit 1549,40 Mk.. und 7 Schafe mit 150 Mark, im ganzen 589 Fälle mit 97 139.40 Mark. Die Pserdeversichcrung hatte einen Gewinn von 2885,54 Wk., Die Rindviehversicherung einen solchen von 1450,02 Mk., Die Schweineversicherung einen Gewinn von 5710,44 Mk., die Ziegenver- sicherung von 144,29 Mk., bei Schafen wurden 10,92 Mk. mehr Entschädigungen gezahlt als Beiträge geleistet sind. Das Endergebnis des Geschäftsjahres 1928 ist im allgemeinen recht günstig. Das Vermögen des Vereins ist auf 131 460,87 Mark, die Mitgliederzahl auf über 5000 angewachsen. Die Iahresrechnung sowie die Gewinn- und Verlustrechnung unD die Vermögens Übersicht für 1928 sind geprüft, Anstände haben sich nicht ergeben. Die Versammlung genehmigte daher Die Rechnung und entlastete den Vorstand und Aufsichtsrat. Rach Erledigung Der alljährlichen Wahlen zum Aufsichtsrat und einer Statutenänderung erfolgte noch die Besprechung wichtiger Der- einsangelegenheiten. Der Mitgliederversammlung schloß sich sodann eine kleine Feier des Vereins an. Am 4. Juni 1929 werden c8 6 0 Jahre, daß die Kreisviehkasse Biedenkopf D. a. G. gegründet ist. Der erste Direktor, Landrat ©obmann. begrüßte Die Erschienenen herzlich und überreichte die am 31. März 1913 gestiftete Auszeichnung für langjährige treue Dienste den beiden Ortsbevollmächtig- ten Bürgermeister Hampel in Kernbach unD „Rein," sagte sie mit hartem Gesicht. „So ist es nicht, Ole." „Ist Das nun ein neuer Schachzug?" „Rein, Ole. Ich schwöre es dir; es ist mein Ernst. Ick) will ihn nicht mehr schützen. Ich hasse ihn." Wieder wandte der Staatsrat den Kopf zur Tür, hinter deren glatter Fläche Das wirbelnde Leben dieser Rächt brauste. „Linda Andersen?" fragte er leise. „Ja. Er hat sich in Linda verliebt. Ich weiß, daß er sich verliebt hat. Jetzt ist es aus. Ich selbst werde ihn dir ausliefern. Ohne Aufsehen. Ohne Skandal. Ohne, daß überhaupt jemand merkt, was geschieht. Das will ich für dich tun, Ole. Aber um einen Preis; du mußt ihn mir gewähren." Sie ging auf ihn zu und legte die Hand auf feine Schulter. „Jene Frau muß mit ihm zugrundegehen. Die Versammlung in der Rordfeldgasse wartet auf Sokoloff; schon seit mehreren Stunden läßt er sie vergeblich warten. Ich werde dafür sorgen, daß cr hinfährt; Du wirst Dem Präfekten Die MelDung machen, daß Sokoloff in Der Rord- feldgasse ist." „Lnd weiter?" „UnD Dann — Dann werde ich Der Frau Linda Andersen sagen, Daß ihr Liebster zu einem Stell- Dichein nach Der Rordfeldgasse gefahren ist. Ich werde sie irrsinnig machen vor Eifersucht — ich werde sie veranlassen, ihm nachzufahren. UnD wenn Die beiden... wenn Linda Andersen unD Sokoloff im Kreise... nun ja, wenn es kein Entrinnen mehr gibt — Dann, Ole ..." In diesem Augenblick wurde Die Tür aufgerissen; Peter trat hastig ein. „Du kannst ruhig reden." „Das Haus ist abgeschlossen," meldete er. „Alle Türen sind besetzt." „Laß alle wieder offnen," sagte Der Staatsrat. UnD auf Den erstaunten Blick des Dieners setzte cr hinzu: „Der Herr kann gehen, wohin es ihm beliebt.“ „Liebe Freundin," sagte Marcelle Krenh und lieh sich neben Linda Andersen nieder. „Liebe Freundin, ich muß Ihnen eine bedauerliche Mitteilung machen: Ihr Gatte hat telephoniert. Er bittet Sie, ihn nicht mehr zu erwarten. Er ist nämlich Drauf und Dran, Die Hand auf Fedor Sokoloff zu legen; Sie begreifen, daß cr Da für Die liebsten und wichtigsten Privatdinge keine Zeit hat." 3erftrcut sagte Linda: „Das ist schade" und wollte sich erheben. „Bleiben Sie." Linda Andersen sah unbehaglich um sich. Sie wußte, daß Marcelle Krentz ihre Feindin war; obwohl niemand es ihr gesagt hatte, fühlte sie es. Irgend etwas war vorgegangen in diesen letzten Minuten; sie erkannte es an Dem Lächeln in Marcelles Gesicht; sie hatte ein seltsames Feingefühl für Unausgesprochenes bekommen. „Wollen wir einmal ganz offen miteinander reDen?" sagte Marcelle leise. „Bitte." „Rein. Richt so. Sie dürfen mich nicht für Ihre Feindin halten." Erstaunt sah Linda die Sprechende an. In ihrem Ton war etwas, das nach Aufrichtigkeit klang. „Ich weiß, Frau Linda, was sich in dieser letzten Stunde zugetragen hat. Ich weiß, wen Sie lieben. Bitte, widersprechen Sie nicht," wehrte sie ab, „uns Frauen kann nichts Besseres geschehen, als eine wirkliche und tiefe Liebe. Ich will Qjjjncn jetzt ein Geständnis machen." „Guten Abend," sagte eine lachende Stimme. Dor den beiden stand Fedor Sokoloff. „Ich habe mich die ganze Zeit nach einem Glas Sekt umgesehen. Hier kommt Der Diener — endlich habe ich ihn entdeckt. Frau Andersen war durstig." Er nahm Drei Gläser vom Tablett und stellte sie auf Den kleinen maurischen Tisch; Der Diener verschwand. „Das hätte ich nicht zu träumen gewagt!" sagte Sokoloff lachend, indem er das Glas erhob. „Die zwei schönsten Frauen dieser herrlichen Rächt an einem Tisch; und ich als Der glückliche Dritte neben ihnen." Er nahm einen hastigen Zug und setzte, das Glas nieder. Marcelle blickte schweigend geradeaus; sie fühlte, wie der Klang seiner Stimme ihren Unmut steigerte. Wie er ihre Gefühle des Hasies verstärkte — Die Keckheit dieses Unternehmens, einer Feindin von Angesicht zu Angesicht gegeit- überzutreten, machte sie vollends rasend. „Ich habe eben mit meinem Manne von Ihnen gesprochen!" sagte sie freundlich. „So viel Ehre hätte ich gar nicht erwartet, gnädige Frau." „Er interessiert sich sehr für Sie." „Wo ist cr?" „Er wird gleich Da fein, denke ich." Marcelle sah Plötzlich das Unbegreifliche: daß die Augen dieser beiden, unbekümmert um alles um sie herum, um die Rähe der Frau Marcelle Krenh — unbekümmert um die Gefahr, die fühlbar über ihren Häuptern lag —. daß Die Blicke Der beiden sich von neuem ineinander versenkt hatten. Sie begriff, daß Sokoloff ihre letzten Worte kaum mehr gehört, sicher nicht mehr verstanden hatte — daß cr aus mitftiDiger Höflichkeit Phrasen erwidert hatte — gleichgültige, billige Worte, Die ihm Muße ließen. Die Äähe Der geliebten Frau anDächtig und heimlich auszukosten. (Fortsetzung folgt.) Landwirt L. Fischbach IU. in Eckel-Hausen. Hieraus erstattete der Geschäftsführer Plitt einen Rückblick über die 60jährige Tätigkeit deS VereinS. Daraus ging hervor, daß sich die Kreisviehkasse Biedenkopf in ihrer 60jährigen Wirksamkeit mit Hilfe ihrer ausgezeichneten Ortsbevollmächtigten und Taxatoren zu einem machtvollen Unternehmen entwickelt hat, das in acht preußischen Kreisen segensreich wirkt und in seinen gemeinnützigen Einrichtungen weit hinaus über die engere Heimat vorbildlich geworden ist. Rach verschiedenen aus der Versammlung vorgetragcnen Wünschen auf das weitere Wachsen und Gedeihen des Vereins schloß die schöne Feier. Heute Aufsichtsratösihung der Hekoga. Darmstadt, -1. Mai. Wie WTB.-HanDclsdienst erfährt, wird die nächste Aufsichtsratssitzung der Hekoga, in der über die Vorschläge an die Generalversammlung Beschluß gefaßt werden soll, am Montag. 6. Mai. in Darmstadt stattfinden. Das Raab-Kahenstein-Lustschiff schwer beschädigt. Kassel, 6. Mai. (Telun.) Das von den Raab-Katzen st ein'Wcrkcn Kassel gebaute K l c i n I u f t s ch i f f R K 27, das am Samstognachmittag non 6.05 Tlhr bis 6.55 Ahr eine gelungene Probefahrt gemacht hatte, wurde Sonntagnachmittag, als cs auf dem Flugplatz Waldau am Ankermast verankert lag, beschädigt. Während das Wetter der vorangegange- ncn Tage die ■ Arbeiten am Luftschiff und die ersten Fahrten äußerst begünstigte, hatte sich in der Rächt zum Sonntag ein heftiger Südwind erhoben, der das wenig bewachte Schiff heftig hin- und herwarf. Als gegen Mittag auch Vöen auftraten, die das Schiff vom Boden abhoben und mit großer Wucht wieder auf den Boden warfen, sah man sich g»wungen, das Schiff zu entleeren, infolge des heftigen Sturmes wurde dabei die Kielsdihe abgebrochen und das Leitwerk beschädigt. Rach einem Telegramm der ..Montagspost" aus Kassel wurde an dem Luftschiff auch eine der Stabilisierungsflächen zerrissen und einer der Motoren z e r st ö r t. Konsumverein Gießen und Umgegend. Der Aufsichtsrat des Konsumvereins Gießen und Amg egend hatte die Vertreter der gesamten Mitgliedschaft auf gestern morgen zu einer außerordentlichen Versammlung im großen Saale des Gewerkschaftshauses eingeladen. Rach Eröffnung durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Fr. Vetters, gab Geschäftsführer Diener ein Bild über den Stand der Genossenschaft am 31. Dezember 19 28 (1. Halbjahr). Während bei Ablauf des vorigen Geschäftsjahres der Stand der deutschen Wirtschaft noch als zufriedenstellend bezeichnet werden konnte, machte sich mit Eintritt in das laufende Geschäftsjahr 1928,29 eine ungünstige Wirtschaftsentwicklung bemerkbar, mit verursacht durch den großen Kampf in der westdeutschen Metall- industrie. Dazu kommen die wirtschaftlichen Verluste durch die ständig steigende Arbeitslosenziffer, die auf über 2 000 000 angestiegen sei. Der überaus strenge Winter habe hierzu viel mit beigetragen durch Den zeitweise herrschenden Kohlenmangel. Die Preise für Kartoffeln und Gemüse erfuhren eine Steigerung. Trotz all dieser Erschwerungen im Wirtschaftsleben sei ein weiterer Aufstieg der Genossenschaftsbcwegung zu verzeichnen. So habe die Großeinkaufsgefellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg den Umsatz in der Hondelsabteilung um 18 v. H., in der Eigenproduktion um 23 v. H. erhöhen können. Der Warenumsatz des Konsumvereins Gießen betrug in der Zeit vom 1. 3uli bis 31. Dezember 1928 1 443953,76 Mk., der Bäckereiumsah in der gleichen Zeit beziffert sich auf 206 741,69 Mark, insgesamt 1 650 695,45 Mk. (1927: 1 611 737 Mark 82 Pf., also ein Mehr von 38 957,63 Mk. -- 2,41 v. H. Diese Erhöhung des Umsatzes sei trotzdem als nicht befriedigend zu bezeichnen. Das zweite Halbjahr habe sich indessen besser angelassen und gebe zu den besten Hoffnungen Anlaß. Sodann machte Geschäftsführer Diener noch interessante Mitteilungen über den weiteren Innenausbau der Genossenschaft und machte auf die im Saale hergerichtete Ausstellung vonWaren aus fünf verschiedenen Geschäften aufmerksam. Kassierer Günderoth erstattete den Kassenbericht. Aus der Halbjahresbilanz ist zu erwähnen: Aktiva: Betriebsbeständc: a) Vorräte 312 528,12 Mk., b) Einrichtungen 124 470,00 Mk.. zusammen 433 998,12 Mk. . Grundbesitz 501 080,00 Mk.: Angelegte und flüssige Mittel 340510,97 Mk.: Forderungen 7847,21 Mk., insgesamt 1 283 436,30 Mk. Passiva: Geschäftsguthaben 217 642,81 Mk.. Reserven 246 295,85 Mark, zusammen 463 938,66 Mk.: Grundschulden 21 992,80 Mark: Laufende Verpflichtungen 791 234,81 Mk., insgesamt 1 277 166,27 Mk. Die Erübrigung beträgt 6270,03 Mk. Waren-Ab- rechnuug: An Waren- und Limonadensaldo 90 437,11 Mk., Warenrohertrag 225 073,85 Mark, zus. 315510,96 Mk.: Per Warenbestände 312 528,12 Mk., Bäckereisaldo 2982,84 Mk., zus. 315510,96 Mk. Gewinn-undVerlustrech- n u n g ; Aktiva 240 470,57 Mk., Erübrigung 6270,03 Mk.. zus. 246 740,60 Mk. Passiva: 246 740,60 Mk. Das Sparkonto weist aus 566 199,74 Ml. Die Spareinlagen sind zu 60 v. H. flüssig. Der Mitgliederstand beträgt 10 436. Der Grundbesitz wurde auch im Berichtszeitraum vermehrt. Der von dem Sekretär Huber verlesene gesetzliche Devisionsbericht nahm längere Zeit in Anspruch und fand die Billigung der Versammlung. Die Aussprache über den Halbjahres-Geschäfts- und Kassenbericht und die eingegangenen Anträge war lebhaft. Die Anträge fanden nach dem Schlußwort des Geschäftsführers Diener ihre geschäftsordnungsmäßige Erledigung. Punkt 3 der Tagesordnung betraf die Satzungsberatung. Rach Besprechung und Ergänzung der einzelnen Paragraphen wurde die neue Satzung einstimmig angenommen. Der letzte Punkt, Ausbau der lonsumgenossen- schaftlichen Presse, wurde wegen der vorgerückten Stunde von der Tagesordnung abgeseht und wird in gesonderten Sitzungen erledigt werden. Der Derhandlungsleiter. Fr. Vetters, schloß um 1 Ahr dis Sitzung. Furchtbares ilnglürk an einem Bahnübergang. Ein Auto von der Lokomotive erfaßt. — Drei Tote, zwei (schwer- und drei Leichtverletzte. IvSR. Frankfurt a. 2tf„ 5. Mai. Am Samstagabend 22.35 Ahr erfaßte eine leer van Ober- roden nach Frankfurt a. M, fahrende C o - komokive auf der Bahnstrecke Vuchschlag - Oberraden an dem schrankenlosen und ungesicherten Bahnübergang der ßreisstraße Dreieichenhain-Philippseich ein von acht jungen Leuten besetztes Personenauto. Die Lokomotive, die angeblich nur eine Geschwindigkeit von 37 Stundenkilometer hakte, schleifte das Fahrzeug noch 13 7 Meter auf dem Bahnkörper m i t. Rach der Ducht des Zusammenstoßes zu urteilen, muß das Automobil mit großer Geschwindigkeit gefahren jein. Die Todesopfer des Unfalls sind: der Dagenführer Dilhclm klemm aus Heusenstamm, Liste Roth aus Dietzenbach: auf dem Transport nach dem Langener Kreiskrankenhaus starb ferner Käthe Müller, ebenfalls aus Dietzen- bad). Schwer verletzt wurden im Langener Kreiskrankenhaus eingeliefert Lisbeth Lehr aus Diehenbad) und Hans S ch r o t h aus Heusenstamm. Mit leichteren Verletzungen kamen Fritz Sperl, K ü ß n e r und Liesel kolb davon. Das Fahrzeug wurde vollständig zertrümmert. diesem grauenhaften Unglück berichtet der Mitarbeiter von Wagners SüdwestDeustchen Nach- richtenDiest, der sich sofort an die Unglücksstelle begab, u. a. folgendes: Da nachweisbar der Lokomotivführer seiner Dienstordnung gemäß einige Zeit vor dem Passieren der Straßenüberführung Läutesignal gab, kann nur angenommen werden — die öffentliche Meinung der dortigen Bevölkerung spricht die gleiche Ansicht aus —, daß die jungen Leute angetrunken waren und randalierten, so jede Aufmerk- samkeit vergaßen und das ßäutefignal überhörten, oder doch versuchen wollten, noch vor der heran- nahenden Lokomotive, die hier in eine Gerade einbiegt und erhöbtc Geschwindigkeit erhält, vorbeizukommen. Den Unfall erleichtert haben mag die Tatsache, daß die Kreisstraße gerade hier ein leichtes Gefälle Hot und Durd) Bäume und Sträucher besonders unübersichtlich ist. Auf der anderen Seite ist jedod; wieder zu berücksichtigen, daß cs sehr gegen die jungen Leute und ihre Geistesverfassung spricht, daß sic zu acht in einem kleinen Personenwagen Platz nahmen. Verschiedene Leute der Bevölkerung sind sich darin einig, daß cs sich um eine „Vergnügungsfahrt" mit Alkohol und Mädels handelte, die ein so trauriges Ende fand. Eine Frau, die in allernächster Nähe wohnt, erzählte, wie sie kurz nach 10.30 Uhr das Krochen und die Schreie hörte. Einen Augenblick lang sah man noch das Leuchten der Scheinwerfer, das dann verlöschte. Offenbar muß die Lokomotive das Automobil gerade in der Mitte der Gleise erfaßt hoben, anders ist es nicht zu erklären, daß dos Fahrzeug noch eine so lange Strecke mitgeschleift werden konnte. Von anderer Seite hören wir noch, daß wegen dieses Uebergangs bereits Verhandlungen geführt wurden, die die Anbringung einer Schranke betrafen, daß sich diese Verhandlungen aber zerschlugen. Wenn dieses Unglück auch — nach der allgemeinen Darstellung — unzweifelhaft auf dos Verschulden der Autoinsassen zurückzuführen ist, so steht es anderseits ganz außer Zweifel, daß es bei geschlossener Schranke hätte verhütet werden können. Der Sternhimmel im Mai. mfe. Das Hauptereignis dieses Monats, nämlich die Sonnenfinsternis, die zugleich mit dem Reumond am 9. eintritt, bekommen wir leider nicht zu sehen. Sie ist nur auf der südlichen Erdhälfte und in den Aequotorialgegenden sichtbar, und der Streifen ihrer Vollständigkeit fällt überwiegend ins Meer, so daß die Beobachtung schwierig wird. Auch die Sichtbarkeit der Wandelsterne ist in diesem Monat nicht allzu günstig. Westen neigenden Löwen mit dem Hauptstern Regulus erkennt man leicht an feiner Sichelgestalt und findet ihn, indem man die Verbindungslinie der letzten Sterne des Großen Bären in der dem Polarstern entgegengesetzten Richtung, also nach Süden verlängert. Den Hauptstern der Jungfrau, die Spica, kann man leicht finden, wenn man vom Großen Bären über den Arktur nach unten geht. Msdann folgt STE/tNBUOER: STABEN (t) Vo//montf d 3. Pierfa/ XjEenu/ (J)Jieprfrr Jfarn«> AT/e/ne Buch- \ zfaban i r z Drr di« 94Stvndeniak'm von Mitt er - «MU.V. bis Mitternacht ein«» Tagt» en.t- hahendo Kreis und di« di ei punktiert« Linie, der sogenannte Horizont, sind fest- »tehend tu den! en. Dtr Sternhimmel dreht rieh samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger drr Himmelruhr — M 93 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeil» einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnet« Horizont umrahmt die tui der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um Ü« Monatrmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo- natsmittc Will man zu erster anderen Stund» beobachten. so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil eo gedreht, daß dieser auf die Beobachtung »stunde zeigt: dadurch werden die zu 'dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin - «ingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo- natrmittc ist der gerade Pfeil */3 Stunde früher, für je 5 Tagt nach der Monatsmiete 1/3 Stund« »fiter zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellun- :gen ein, wenn er die angedeutete Lieht- gsitolt zeigt. Die Venus allerdings erstrahlt in voller Helligkeit, aber als Morgenstern, so daß die wenigsten sie sehen werden; wer aber vor Sonnenaufgang nach Osten aus dem Fenster schaut, wird über ihren mächtigen Glanz erstaunt sein. Der nächsthellste Wandelstern, der Jupiter, ist gänzlich unsichtbar, und am Abendhimmel sind nur der Mars und der Saturn zu sehen, von denen der Mars immer schwächer wird, während beim Saturn die Veränderlichkeit weniger ausgeprägt ist. Er steht fast genau an der tiefsten Stelle des Tierkreises. Auch der Merkur ist — wenigstens nach seinem Ort am Himmel — des Abends sichtbar, am 16. sogar 50 Minuten lang. Ob man ihn wirklich zu sehen kriegt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Am Fixsternhiminel sind einige Tierkreisbilder sehr gut zu sehen. Den sich nun allmählich nach im Tierkreis die Waage mit zwei ungefähr gleich Hellen Sternen, von denen der rechts unten stehende deshalb bemerkenswert ist, weil er säst genau auf der Tierkreislinie liegt. Weiterhin folgt das Sternbild des Skorpions, das freilich zur Zeit des Vollmondes, also um den 23. herum, von dessen Strahlen völlig verschlungen wird. Früher rechnete man das ganze Sternbild der Waage noch mit zum Skorpion: daran erinnern noch jetzt die Ramen der beiden Hauptsterne: denn Zuben-cl-schemali heißt die nördliche und Zuben-el-dschenubi die südliche Schere, womit die Scheren des Skorpions gemeint sind. Der Sage nach hat er damit den Orion tot- gebissen: denn dieser verschwindet, wenn der Skorpion aufgeht. K ü st e r m a n n. Wirtschaft. Oer Geldmarkt unter dem Einfluß des Devisenmarktes. Die Vorgänge auf Dem Devisenmarkt haben in Der Derichtswoche die Entwicklung am Geldmarkt stark beeinflußt. Der Angriff der internationalen Spekulation gegen die deutsche Mark, der von Amsterdam und Paris ausgegangen ist, brach schnellzu« farnmen, dies war aber nur möglich, weil die Reichsbonk starke Devisenanforderungen, besonders in den letzten Tagen des April, befriedigen konnte. Der Zeitpunkt für diesen Angriff auf den Markt war insofern gut gewählt, als infolge Der OelDoerteuerung in Reuhork erhebliche kurzfristige Kredite ameritanischen Ursprunges in Europa, insbesondere aber in Deutschland, gekündigt wurden und nach Amerika zurückgeflossen sind. Hinzu kommt, daß der Reuyorkcr Markt gegenwärtig auch für langfristige Anlagen keine Gelegenheit bietet. Es muh leider festgestellt werden, daß die Aussichten für eine Beruhigung der Reu- Yorker Geldmarktverhältnisse, die so weitgehend auch Den deutschen Geldmarkt in ihre Einflußsphäre ziehen, nicht gerade günstig sind. Wenn auch Die erheblichen DevisenansorDerungen am deutschen Geldmarkt bedeutend nachgelassen haben, was nach Dem Rückschlag nicht anders erwartet werden konnte, so zeigte sich doch in Den letzten Tagen Der Derichtswoche toieDer größere Dachfrage, und Die Reichsbank war gezwungen, wiederum mit einem Betrage von schätzungsweise 8 bis 10 Mill. Dollar am Devisenmärkte zu intervenieren. Als Wechselwirkung zu Den Devisenansprüchen zeigen die Geldsätze eine starke Verteuerung, und das Angebot am Privatdiskontmarkt war so groß, daß Die regulierende Stelle sich zu einer Erhöhung des Satzes entschloß, womit der Privatdiskont auf den offizieller Tagessah von 7,5 Proz. flieg. Maßgebend für Die Heraufsetzung Des Satzes ist wohl einzig und allein, durch eine Verteuerung des Geldes Die Finanzierung von Devisenkäufen durch Die Banken einzudämmcn. Die Anspannung des Reichsbank zum April-Altimo war eine außergewöhnliche, um nicht zu sagen kritische, wenn man davon ausgeht, daß die Deckungsquote hart an Die gesetzliche Grenze von 40 Prozent gelangt ist. Zu Der starken Anspannung Der Reichsbank hat nicht nur Der große Abgang an GolD und Devisen in Höhe von 230 Mill. Mark beigetragen, sondern auch, was nicht übersehen werden darf. Die über Das normale Maß hinausgegangenc 3n- lanDbeanspruchung sowohl auf dem Wechsel- als auch auf Dem Lombardkonto. Die starke Inanspruchnahme des WechselkreDits Der Reichsbank mag mit Der Befürchtung einer weiteren Diskonterhöhung Zusammenhängen, Die nicht ohne weiteres von Der HanD zu weisen ist. Ob eine Diskonterhöhung Die Verhältnisse am Geldmarkt bereinigen kann, ist allerdings fraglich. Die Reichsbank wird im Bewußtsein Der in Der letzten Diskonterhöhung liegenden schweren Belastung für Die Wirtschaft vorerst den Umfang der Rückflüsse in diesen Tagen abtoarten, für Den allerdings bisher keine günstigen Anzeichen vorliegen. Da die in Anspruch genommenen Wechselkredite größtenteils für Devisen- faufc verwendet werden, so wird Die Reichsbank eS sich angelegen sein lassen, vor allem das aufkommendc Wechselmaterial genauer zu kontrollieren, um die Einreichung inländischer Wechsel mit Dem Zweck des Deviscnkauss ein- zuschränkcn. Wie gespannt Die Verhältnisse liegen, gehl wohl am besten aus der immer häufiger auftrctenDen Forderung nach Kredit- restriktion hervor. Man muß sich aber Dabei Die schweren Folgen vergegenwärtigen, Die sich aus einer solchen Maßnahme für eine gerade im Konjunkturrückgang befindliche Wirtschaft ergeben würden. Generalversammlungen im Salzdetfurthkonzern. Die (5>encralt>erfammhing der Kaliwerke Aschersleben schic Die Dividende auf wieder 10 Prozent fest. Heber das laufende Geschäfts' jahr wurde u. a. mitgeteilt, daß der Umsatz in 40er Düngesalz gegenüber Dem Vorjahre eine Steigerung erfahren habe, Die jedoch auf Kosten des Minderabsatzes an Kainit gegangen sei. Die übrigen Salzsorten seien ungefähr in demselben Umfange wie im Vorjahre abgeseht worden. Man rechnet damit, daß mindestens die vorjährigen Absahzisfern erreicht werden. Die Generalversammlung der (S o n f o linierte Alkaliwerke z u Westeregeln genehmigte Den Abschluß mit wieder 10 Prozent Dividende Uebcr das laufende Geschäftsjahr wurde mitgcteilt, daß Der Absah des Kalishn- dikals in Den ersten vier Monaten des Jahres 6,5 Mill, dz K 20 gegen 6,4 Mill, dz K 20 im gleichen Zeitraum des Vorjahres beträgt. Die Steigerung ist auf stärkere Abrufe Des Auslandes zurückzuführen, das bisher am Absatz mit etwa 26 Prozent gegen 25 Prozent im Vorjahre beteiligt war. Die gemeinsam mit Dem französischen Kalisyndikat im Ausland geschaffenen Propagandastellen sollen weiter ausgebaut werden. Die Abnahme seitens Der Deutschen Land- wirlschaft müsse angesichts Der schwierigen Lage als befriedigend angesehen werden. Die Forderung nach einer Senkung der Kalipreise sei mit Rücksicht auf Die Gestehungskosten Der Werke nicht durchführbar. Durch Den letzten Schiedsspruch und die Arbeitszeitverkürzung fei für Die Kaliindustrie eine Gesamtsteigerung Der Lohn- kosten um reichlich 20 Prozent cingetreten, Die durch Ralionalisierungsmaßnahmen keineswegs mehr ausgeglichen werden könne. Erschwerend komme ein fühlbarer Mangel an gelernten Bergarbeitern hinzu, Der sich vor allem daraus ergebe. daß infolge der Knappschafls-Penfions- vorschriften Bergarbeiter jetzt schon im Alter von 50 Jahren pensioniert würden, wodurch Der Industrie die erfahrensten Arbeiter, die zum An- Icmen des Rachwuchses gebraucht werden, viel zu früh entzogen würden, lieber neue Projekte auf chemischem Gebiet könne zur Zeit nichts gesagt werden. Die Gesellschaft beschäftige sich nach verschiedenen Richtungen hin. Irgendein Abschluß fei bisher nicht erzielt worden. Die Kohlenverschwelungsanlagen entwickelten sich weiter gut. lieber die Ringgesellfchaft wurde mit- geteift, daß irgendwelche Ergebnisse noch nicht erzielt worden seien. Die Generalversammlung der Kaliwerke SalzDetfurth setzte Die DiviDenDe auf wieder 15 Prozent fest. Wie mitgeteilt wurde, hat die Gesellfchast bis l.Mai 330 990 dz K 20 gegen 263 599 dz K 20 im gleichen Zeitraum des Vorjahres abgeseht. Diese beträchtliche Steigerung von 25,6 Prozent ist auf Den Erwerb von Quoten, sowie auf andere Quotengeschäfte zurückzuführen. Durch weitere technische Berbesserun- gen ist Die Leistungsfähigkeit der Werke erhöht worden. Im Anfang dieses Jahres ist die Erzeugung von Rebenprodukten in verstärktem Maße ausgenommen worden. Durch den Quotenzuwachs wurde die Beteiligung in Brom erheblich erhöht. Weiter erhielt die Gesellschaft neue Quoten in Ehlormagnesium und Gauge. Die sonstigen Versuche auf chemischem Gebiet sind noch nicht abgeschlossen. Stark erhöhter Katiabsah. Der Absatz des Deutschen Kalisyndikats betrug im April 1 125 351 dz Reinkali gegen 674 593 dz im April 1928, in den ersten vier Monaten 1929 6 548 316 dz gegen 6 393 828 dz in Der gleichen Zeit des Jahres 1928 und im Düngejahr 1928-29 (Mai 1928 dis Avril 1929) 14 368 362 dz gegen 12 897 824 dz im Düngejahr 1927 28. * Die amtliche GroßhanDelsindex- ziffer. Die auf Den Stichtag des 1. Mai berechnete GroßhandelsinDexziffer Des Statistischen Reichsamtes ist mit 136,1 gegenüber Der Vorwoche (136,3) leicht zurückgegangen. Von Den .ßauptgruppen hat Die Indexziffer für Ägrarstoffc auf 127,1 (126,8) und Die Iiiderziffer für Kolonialwaren auf 126/) (126,4) leicht angezogen. Die Indexziffer für inDuftriellc Rohstoffe und Yalbwaren ist um 0,5 v. H. auf 131,6 (132,2) und Diejenige für inDuftriellc Fertigwaren um 0,2 o. S). auf 157,4 (157,7) zurückgegangen. * Der StanD Der Spareinlagen bei Den Deutschen Sparkassen (£ n D c März. Ende März 1929 belief sich Der StanD Der Spareinlagen bei Den Deutschen Sparkassen auf 7825,2 Millionen Mark, gegen 7653,5 Millionen Mark En De Februar 1929. Der Zuwachs stellt sich mithin auf 171,7 Mill. Mk. gegen etwa 240 Mill. Mk. im Februar. Im einzelnen betrugen Die Einzahlungen 567,7 Mill. Mk. (Davon aus Aufwertung 23,7 Mill. 'Diarf unD aus Zinsgutschriften 18,1 Mill. Mk.) und Die Auszahlungen 396,0 Mill. Mark. Die Scheck-, Giro-, Kontokorrent- und Deposileneinlagen beliefen sich Ende März auf 1485,9 Mill. Mk. gegen 1520,2 Millionen Mark Ende Februar. ' Heinrich Lanz A.-G., Mannheim. Aus Der Aaffichtsrakssitzung erfahren wir, daß sich für 1928 ein Reingewinn von etwa 250 000 89 000) Mk. ergibt, Der mit 100 000 Mk. zu Wohlfahrtszwecken Dient, währenD 150 000 (89 000) Mk. vorgetragen werden sollen. In den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres war der Geschäftsgang etwas besser, als im Vorjahre. Der Absatz des neuen großen Rohöltraktors gestaltet sich stetig. * Knorr-Bremse- A.-G., Berlin - Lichtenberg. Der Abschluß weist einen Bruttogewinn von 12,716 (16,502) Mill. Mark aus. Rach Abzug non 6,710 18,845) Mill. Mark Unkosten und 1,328 (2,020) Mill. Mark verbleibt ein Reingewinn von 4,677 (5,636) Mill. Mark, woraus nach Beschluß der G.-V. 500 000 Mark der Reserve zugeführt, 8 (10) Proz. Dividende verteilt und 177 206 Mark vorgetragen werden. Der Bericht erwähnt Den Rückgang Der Bestellungen der deutschen Reichsbahn, hebt aber zugleich die umfangreichen Reparalionsaufträge hervor, von denenoEfsekluierungen erst im neuen Geschäfts- jähre vorgenommen werden. Für die Erledigung dieser etwa 60 Mill. Mark Q(uf träge mußten erhebliche Einrichtungen getroffen werden. Die Bestellungen des Auslandes tvaren wie im Vorjahre zufriedenstellend. * Portland-Cement-Werke Heidelberg-Mannheim-Stuttgart A. - G., Heidelberg. Vach dem Bericht war im Jahr 1928 ein Rückgang des Absatzes zu verzeichnen, der auf Reuerrichtung von Fabriken und größere französische Zementausfuhr zurückgeführt wird. Die Onlandpreise blieben unverändert, dagegen gingen die Preise auf den Aeberseemärkten zurück. Es gelang, durch technische Verbesserungen und Rationalisierung trotz Verteuerung der Gestehungskosten fast aller Detriebsmaterialien und der erhöhten Cisenbahnfrachten den Stand des Vorjahres zu halten. Es wurde ein Bruttogewinn von (in Mill. Mk.) 8,89 (8,17) einschl. Vortrag erzielt. Davon beanspruchten Linkosten, Steuern, Abgaben usw. 3,30 (2,77) und Abschreibungen 1,73 (1,61). Aus dem verbleibenden Reingewinn von 3,04 (3,13) werden wieder 10 Prozent Dividende auf die Stamm- und 5 Prozent auf die Vorzugsaktien vorgeschlagen. Der Reserve werden wieder 0,15 überwiesen und 0,26 (0,17) vorgetragen. Im neuen Jahre habe der Absatz bis Mitte März fast gänzlich gestockt. Ob dieser Ausfall in den kommenden Monaten ausgeglichen werden könne, sei noch nicht vorouszusehen. G.-D. am 14. Mai. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 6. Mai. Tendenz: fest. — Da man dem Endziel der Reparationsocr- handlungen sehr nahesteht und mit einem günstigen Abschluß rechnen kann, war man zu Beginn der heutigen Börse zuversichtlich und fest gestimmt. Das Geschäft nahm in Spezialwerten teilweise sehr lebhafte Formen an, da man im In-, wie im Auslande sehr optimistisch ist und die These daran knüpft, daß man jetzt mit Vertrauen in die Zukunft blicken kann. Auf der anderen Seite war man, aber nur anfangs, etwas verstimmt über die Geldknappheit im Reiche und über das Auflegen einer neuen 500-Millionen-An- leihe, doch konnte dieser Grund infolge der günstigen Börsenverhältnisse nicht nachteilig wirken, zumal noch Auslandorders eintrafen. Auch die etwas entspannten Geldmarktverhältnisse trugen zur Festigung der Tendenz bei. Gegenüber Samstag- Schluß waren Besserungen durchschnittlich bis zu 5 v. ch. zu verzeichnen. Die favorisierten Werte waren selbsiverständlich die führenden und überschritten dieses Ausmaß teilweise ganz erheblich. So wurden vor allem Kaliwerte, von denen Aschersleben 5,5 v. ch., Salzdetfurth 9 v. ch. und Westeregeln 8,5 o. H. gewannen, lebhaft aus dem Markte genommen. Der stark gesteigerte Absatz des Deutschen Kalisyndikates im April rief diese Bevorzugung hervor. Auch für Elettroaktien bestand lebhafteres Interesse. An der Spitze standen hier Siemens mit plus 7,5 v. Sy, Gesfürel mit plus 6 v. Sy, Licht 3- Kraft und Bergmann, die je 5 v. H. anziehen konnten. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen nicht bemerkenswert verändert. Am Chemiemarkt wurde auch den Farbenwerten recht reges Interesse entgegengebracht. J.-G.-Farben eröffneten 4 v. ch. fester, Scheideanstalt plus 2,5 v. ch. Am Montanmarkt war kaum nennenswertes Geschäft zu verzeichnen. Rur für Spezialwerte bestand regere Nachfrage, und diese konnten bis 4,5 v. H. anziehen. Der gesteigerte Kaliabsatz wirkte hier günstig. Dem Markte der Zellstoffwerte wurde ebenfalls mit einem Gewinne bis zu 5 v. Sy mehr Beachtung geschenkt. Gefragt waren noch am Bankenmarkt besonders Rcichsbankanteile mit plus 9,75 d. Sy, Commerzbank mit plus 5 d. Sy, Glanzstoff plus 8 v. Sy, Svenfka plus 4 Mark, Karstadt plus 5 u .Sy, Deutsche Linoleum plus 5,75 i). Sy und auch zeitweise Bauunternehmungen. Renten hatten keine besonderen Umsätze, doch lagen deutsche Anleihen in Anbetracht der günstigen Lage ebenfalls höher. Bei verschiedenen Schwankungen blieb im Verlaufe die Stimmung freundlich. Bei weiterer Kaufneigung konnte sich das Kursniveau weiter bis zu 2,5 v. Sy erhöhen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 o. Sy unverändert, aber nicht mehr so stark gesucht. Am Devisenmarkt lagen Devisen angeboten. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2175, gegen Pfund 20, 47, London gegen Kabel 4,8830, gegen Paris 124,17, gegen Mailand 92,61, gegen Madrid 33,90, gegen Holland 12,07. Berliner Börse. Berlin, 6. Mai. Die Rachrichten aus Paris standen an der heutigen Börse im Vordergründe des Interesses. Schon am Samstag konnte man im Laufe der Börse Deckungen solcher Kreise, die bisher an keine Einigung geglaubt hatten, beobachten, und auch im heutigen Vormittagsverkehr setzte sich diese Kaufneigung fort. Ein Llnsicherheitsfaktor war allerdings der neue starke Geldbedarf des Reiches und der Gesetzentwurf einer 500 Millioncn-An- leihe. Die Modalitäten dieser Anleihe fanden geteilte Beurteilung, auch läßt sich noch nicht übersehen, welche Folgen für den deutschen Kapitalmarkt entstehen werden. Während sich heute vormittag das Geschäft größtenteils innerhalb der berufsmäßigen Spekulation abwickelte, lagen angeblich zu den ersten Kursen Auslandsorders vor, die in Verbindung mit weiteren Deckungen auf Materialmangel schließen liehen. Die Rotierungen wiesen gegen Samstag Schluß Gewinne bis zu 5Prozent auf. Besonders Bank- und Montanwerte hatten beachtenswert lebhaftes Geschäft. Von Spezialwerten sind A. G. für Verkehrswesen, Allgemeine Lokal- und Kraft, Reichsbank, Schubert & Salzer, Bemberg, Glanzstoff, Schultheis, Kaliaktien, Deutsche Linoleum, Polyphon und Siemens zu erwähnen. Bei diesen waren Steigerungen von 6 bis 12 Prozent festzustellen. Deutsche Anleihen freundlich. Ausländer wenig verändert. Pfandbriefe widerstandsfähig. Liquidationspfandbriefe und Anteile eher gefragt. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld bleibt mit 8,5 bis 10,5 Prozent gesucht, Monatsgeld 8,5 bis 9,5 Prozent. Roch den ersten Rotierungen war die Stimmung geteilt, das Geschäft war ruhig und die Kurse bröckelten teilweise um 1 bis 2 Prozent ab. Immer wieder neu eintreffende Kausorders boten aber dem Markte eine gute Stühe, so daß der Grundton trotz kleiner Rückgänge immer freundlich blieb. Von wenigen Papieren abgesehen, waren später die Kurse wieder über Anfangsniveau. Rur Elektroaktien und Kaliwerte waren lebhafter und bis 2 Prozent gebessert. B. M. W. gaben 2 Prozent ihres Gewinnes wieder her. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 4. Mai. (Großhandelspreise unverzollt und ohne Fracht.) Die Stimmung war weiter etwas freundlicher, die Preise konnten erneut etwas anziehen. Der Absatz blieb unverändert, da der Konsum immer noch zurückhaltend war. Nachstehende Preise waren zu Horen: Italiener 9,50 bis 10, bulgarische 8,75 bis 9, holländische 9,50 bis 12. südslawische 9 bis 9,20, polnische 7,25 bis 7,50, russische 8,50 bis 9, dänische 9,50 bis 12, belgische 9,80 bis 10,20, schlesische 9,50 bis 10, bayrische 9 bis 9,50, norddeutsche 9,50 bis 10, rumänische 8,50 bis 8,75 Alles pro Stück in Pfennigen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Mai. Es wurden notiert: Weizen 24; Roggen 22,75; Sommergerste für Drauzwecke 23,75 bis 24; Hafer, inl., 24 bis 24,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,75 bis 22; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 32 bis 32,50; Weizenkleie 12.85 bis 13; Roggenkleie 13,50; Erbsen, je nach Qualität für Speisczwecke 33 bis 50; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 48 bis HO; Heu, süddeutsches, gut. gesund, trocken 13 bis 13,50; Weizen- und Roggenstroh, drähtgepreßt 5,25 bis 5,50; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 5; Treber, getrocknet 19,75 bis 20 Mk. Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrte heute in ausgesprochen flauer Haltung. Für Brotgetreide machte sich kaum Angebot bemerkbar, so daß auch hier wenig Geschäft zu verzeichnen war. Dagegen war Mais 0,25 Mk. niedriger, auch Mehl war mehr angeboten und verlor ebenfalls 0,25 Mk., Futtermittel verloren ebenfalls 0,25 Mk. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 6. Mai. Auftrieb: 1483 Stück Rinder, darunter 316 Ochsen, 66 Bullen, 608 Kiihe, 401 Färsen; 603 Kälber; 33 Schafe; 4558 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollflelschige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts, jüngere 58 bis 63 Mark, ältere 54 bis 57; vollfleischige, jüngere 49 bis 53. Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 57; sonstige vollfleischige oder ausgemästeto 50 bis 53. Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 44 bis 46; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 39 bis 43; fleischige 34 bis 38; gering genährte 30 bis 33. Färsen (Kalbinnen und Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 59 bis 63; vollfleischige 54 bis 58; fleischige 50 bis 53. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 80; mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 74; geringe Kälber 60 bis 69. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 77; vollfleischige von zirka 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78; von zirka 200 bis 240 Pfund 75 bis 78; von zirka 160 bis 200 Pfund 75 bis 78; fleischige von zirka 120 bis 160 Pfund 70 bis 75 Mark. — Marktverkauf: Rinder mäßig rege, ausverkauft. Schweine, Kälber und Schafe lebhaft, geräumt. Kunst und Wissenschaft. Psihner-Feiern in München. Die Pfihner-Fe st Woche, die am Sonntagabend mit einer Festaufführung der Oper „Palästrina" im Rationaltheater unter Leitung des Komponisten ihren Abschluß fand, erreichte am 6 0. Geburtstage des Komponisten (5. Mai) ihren Höhepunkt mit einer Kundgebung in der großen Halle der Ausstellung. Das Orchester der Staatstheater brachte unter der Leitung von Hans Knappertsbusch den Schlußchor und die Ansprache des Hans Sachs aus den „Meistersingern" zum Dortrag. Psitzners „Christelflein", vom Orchester der Staatstheater mit 1000 Kindern der Münchener Singschule zur Aufführung gebracht, weckte stürmischen Beifall. Die Festreden feierten Pfitzner als Symbol deutscher Seele und deutscher Musik. Staatsminister Goldenberger gab bekannt, daß Hans Pfitzner sich entschlossen hat, seinen bisherigen Wirkungskreis an der Akademie der Künste in Berlin aufzugeben, um dem Ruf des bayerischen Staatsministeriums zur Führung einer Meisterklasse für Komposition an der Staatlichen Akademie für Tonkunst in München anzunehmen, und daß Pfitzner deshalb seinen Wohnsitz nach München verlegen werde. Der Rektor der Universität, Geheimrat Dr. Bum ke, überbrachte mit den Glückwünschen der Universität die Ernennung Pfih- ners zum Ehrenbürger der Universität. Professor Sigmund v. Hauseggcr gab bekannt, daß der Allgemeine Deutsche Musikverein Pfitzner die Ehrcnmitgliedschaft verliehen hat. Schließlich verkündete der Oberbürgermeister der Stadt München den Beschluß des Stadtrats, Pfitzner die goldene Ehrenmünze zu verleihen. Das Deutschlandlied schloß die eindrucksvolle Feier ab. Das neue Follwang-Mufeum in Essen. Bor einer großen Zahl geladener Gäste wurde am Samstaavormittag das neue Folkwang- Museum der Stadt Essen feierlich eingeweiht. Oberbürgermeister Bracht hielt eine kur^e Ansprache, in der er den Männern dankte, die sich um dieses Werk besondere Verdienste erworben haben, insbesondere dem früheren Reichskanzler Dr. Luther, Generaldirektor Janus, Dr. Georg H i r s ch l a n d usw. Der Redner gedachte weiter der großzügigen Spende Eugen von W a l d t h a u s e n s, der dem Museum ein Kapital von 40 000 Mk. zur Verfügung gestellt hat. Rach weiteren Ansprachen betonte der Oberpräsident der Rheinprovinz, Dr. Fuchs, daß die Stadt Essen ihrer historischen Aufgabe, die Kunst zu pflegen, bis auf den heutigen Tag in wachsendem Maße gerecht geworden sei. Museumsdirektor Gosebruch hielt eine programmatische Rede über den Umfang aller Fragen, die mit der Folk- wang-Jdee verbunden sind. Der neue musikalische Leiter der Frankfurter Oper. Auf Vorschlag des Opernintendanten Professor T u r n a u hat die Theater-Deputation den Kapellmeister Wilhelm Steinberg (Prag) als Nachfolger von Professor Clemens Krauß in seiner Eigenschaft als erster Kapellmeister der Frankfurter Oper verpflichtet Buntes Allerlei. Wie der Engländer glaubt, daß der Deutsche ihn sieht. Ein Londoner Blatt veröffentlicht eine Reihe von Beiträgen seiner ausländischen Berichterstatter, in denen gezeigt werden soll, welche Vorstellungen die verschiedenen Völker von den Engländern haben. Auch aus Deutschland wird eine solche Schilderung geboten, die uns freilich als eine Karikatur anmutet und weniger objektiven Wert besitzt, als vielmehr uns zeigt, wie Engländer glauben, daß wir sie sehen. Die deutschen Anschauungen vom englischen Volk werden folgendermaßen zusammengefaßt: „1. Alle Engländer sind gleich. Ihre Schulbildung, ihr Sport und ihre politischen Parteien haben jeden Funken von Individualität aus ihnen herausgetrieben und die Engländer zu einem Volk von Durchschnittsmenschen gemacht. 2. Der Engländer ist ungebildet. Er weiß nichts von Literatur, Musik, Religion oder Philosophie. Er hat keine künstlerischen Reigungen; er kennt keine fremden Sprachen. Er lernt nichts, wenn er im Ausland reist. 3. Er ist kalt und berechnend. Leidenschaft kennt er nur vom Theater her. Jahrhunderte puritanischer Llnduldsamkeit haben das geringe Temperament verkümmern lassen, das er von seinen sächsischen Vorfahren geerbt hat. 4. Der Engländer hat einen nüchternen Verstand und ist außerordentlich praktisch. Er hat eine natürliche Spürnase dafür, wo Geld zu machen ist. 5. Er ist ein geborener Diplomat, denn er brütet stets weitschauende und feine Pläne für die Vergrößerung Englands aus. Gleichzeitig sind aber englische Diplomaten meist dumm und haben nur eine überraschende Geschicklichkeit, immer auf ihre Füße zu fallen und Rückschläge in Triumphe umzuwandeln. Sie sind außerordentlich gewissenlos und hinterlistig. 6. Engländer sind reich, brauchen keine Steuern zu zahlen und sind unverbesserlich faul. Durch ihren Hang zum Wochenende werden sie ihr Reich verlieren. 7. Der Engländer ist Deutschlands gesellschaftliches Vorbild. Deutsche Männer, die etwas auf sich halten, versuchen, englisch auszusehen. Dabei ist ihre Methode so: a) Strecke das Kinn vor, b) ziehe die Mundwinkel herunter und c) ziehe die Augenbrauen herauf! Das gibt den englischen Ausdruck verächtlicher Lleberlegenheit. Hast du glücklich diesen englischen Ausdruck erreicht, dann unterhalte dich nur von Bridge, Golf, Polo und Kraftwagen. Das wird dich zusammen mit Steifheit und Zurückhaltung des Benehmens zum vollkommenen Engländer stempeln und dich willkommen machen, wo du erscheinst. 8. Engländerinnen sind häßlich, männlich und zeigen zuviel von ihren.Deinen; sie sind unfähig zur Liebe und treiben nur Sport." Deutsche Retter aus Seenot. An Bord des im Hamburger Hafen liegenden Hapagdampfers „Samos" erschienen der polnische Konsul in Hamburg und vier weitere Herren des polnischen Konsulates, um für die Rettung des polnischen Ozean- flugzeuges „M a r s ch a l l P i I s u d s k i" aus Seenot am 4. August 1928 den offiziellen Dank der polnischen Regierung auszusprechen. Dem Kapitän der „Samos" wurde eine Bronze, den übrigen an der Rettung Beteiligten goldene und silberne Zigarettendosen überreicht. Im Hause des Konsuls fand dann ein Frühstück statt, in dessen Verlauf herzliche Trinksprüche gewechselt wurden. Letzte Nachrichten. Owen Youngs Zahlungsvorschlag. Paris, 6. Mai. (WTB. Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen über den Owen Young- schen neuen Zahlungsoorschlag werden vermutlich heute nachmittag beginnen, dann aber morgen, Dienstag, vormittag in ein aktives Stadium treten. Bei dem Youngschen Vorschlag handelt es sich, wie verlautet, um eine Annuitäten- st a f f e l, die mit 1 6 5 0 M i l l i o n e n beginnt und jedes Jahr um 25 Millionen steigt. Auf die Periode von 37 Jahren berechnet, gelangt man also zu einer Durchschnittsannuität von 1 9 8 0 Millionen Mark, für die Dauer der ersten zehn Jahre berechnet auf eine solche von 1787 Millionen Mark. Wenn man den Zinsen- und Tilgungsdienst der Dawesanleihe einbeziehen will, wird sich die auf 37 Jahre berechnete Durchschnittsannuität auf 2 0 5 0 Millionen Mark stellen. In den Zahlen des Youngschen Schemas sind alle Leistungen, die von Deutschland gefordert werden können, einbegriffen. Diese Youngschen Zahlen sind von der deutschen Delegation als Lrörte- rungsgrundlage angenommen worden unter der Bedingung, daß bestimmte, von Deutschland zu fordernde Voraussetzungen wirtschaftlicher Ratur berücksichtigt werden. Ls ist selbstverständlich, daß bei einem Abkommen, das nicht nur rein wirtschaftlicher Argumentation entspricht, gewisse Schutzmaßnahmen (Transferschuh usw.), die nicht nur dem Interesse des Schuldners, sondern auch dem des Gläubigers dient, getroffen werden müssen. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind heule vormittag dem Vorsitzenden der Reparalions- konferenz, Owen D. Young, mitgeteilt worden. Was die Stellung der einzelnen Delegationen anbelangt, so verlautet zuverlässig nichts, jedoch kann ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die französische Delegation noch nicht Stellung dazu genommen Hal, da sie die Rückkehr des ersten Delegierten Moreau, die heule nachmittag erfolgt, abwarten will. GchweresMotorradunglückinFrankfurt Zwei Tote und ein Schwerverletzter F r a n k f u r l a. M., 6. Mai. (WTB. Draht- bericht.) Am Sonntagvormitlag gegen 10 Uhr erfolgte an der Ecke Dom- und Braubachstraße ein Zusammen st oh zwischen einem Personenkraftwagen und einem Motorrad. Der Führer des Motorrades und fein Begleiter, der 25jährige Mechaniker hurt Wettermann und der gleichaltrige Kaufmann Wilhelm S y m a n f k i wurden in lebensgefährlichem Zustande, und der Führer des Personenkraftwagens, der Kaufmann Hermann Ring, in fchwerverlehtem Zustand in das heiliggeist-hofpilal verbracht. Wettermann und S y m a n f k i sind gegen 2 Uhr im Kranken- aus g e ft o r b e n. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Franklurt a. M. Berlin Schlutz- flurS l Uhr- Nur« Schluß- Kurs Ansong. Kurs Datum 4-5. 6.5. 4 5- 6 5- 6% Dt. Reichranleihc v. 192? . Tt. Ritl.^lbtos.-Echuld mit üu6 87,13 — 87,5 | — tos 'Nechten....... 52,1 52,2 52,2 DeLgl. ohne AuSlos.-Rechle . . - 7% Franks. Hyp.-Bk. Äoldps. un 10 10,2 10 10,3 kündbar bi« 1932. . . . 4>/j% Rheinische Hyp.-Bank Liqu. (Hnlhpl ...... — — — «E.B.abg. BorkttegS-Obligatiou rückzahlbar 1932 — — — 4% Schweiz. Aundesb.-Aul.. . __ __ 4% ceskerreichische Goldrle.. . — — 30,25 _ 4,-20% Ocltcrr. Silberne. . . . 4% Oesterreich, einheiti. Lite . 2.75 — 2,65 — 4% Ungarische Goldtte..... — 23,5 23,3 23,6 4% Ungarische Ctaattzr. v. 1910 4>4% Dcifll. von 1913 . —— 20,6 20,75 — — 22 4% Ungarische «ronenrte.. . . 1.825 — 1,9 __ 4% Türk, gollanleihe v. 1911 . 4% Türkische Bagdodbahn-Anl. — 9.3 8,9 — Serie I . . — — 8,75 4% dekgl. Serie 11...... — — 8.7 4% Rumänen converk. Nie. . . — _ 4 Vi% Rumänen Goldonl. voo 1913 17 — 17 Allg. Deutsche Eisenbahn . . 4’/. _ _ Hamburg-Amerika Paket ... 6 Hamb.-Südam. Dampssch. . . 8 121.25 123.25 122.75 124 Hansa Dampsschiss ... 10 — — 149,75 — Norddeutscher Lloyd.....k 113,75 115 113,75 115,5 81110. Deutsche Ereditanst. . . io 125 125 125,5 Barmer Bankverein ... ic 128,5 - 127,5 Berliner HanbrlSgeseilsch. . . 12 214 215,5 217 Commers- und Privat»Bank. u 186.5 191 187 191 Darm st. u. Nationalbank . n 256 257 262 Deutsche Bonk ... u 160,5 — 161,25 164 Dirkonto-Gesellschalt flnt.. . 1< 151,5 ,5?< 154,5 Dresdner Bank ... u 157,25 160 160 Mitteldeutsche Creditbaak ... 9 Metallbau!......... «eichtbank........18 299 308,75 299 309.9 Frankfurt a.M. Bettln Schluß. Kurs i-Uor- Kurs Schluh. Kurs Ausang Kurtz Dalnm 4-5. 6-5. 4.5. 65- A.E.Ä........... Bergmann........ Elektr. Liescntngen..... Licht und Kraft...... sielten & Guilleaume.... Ges. s. Elektr. Untern..... Hamv. Elektr. Dette .... Rhein. Elektr........ Schlei. Elektr........ Schuckcn......... Siemens & Halske . . . . . Iraneradio...... . Lahmeyer 6 (jo..... • Buderus......... Deutsche Erdöl ...... Essener Steinkohle..... Gelsenkirchener . . . |. Y* Harpener......... Voesch Eisen........ Klockncrwerke ...... «üln-Neuesscn..... • Mannesmann....... ManSseWer........ tberschlel. Eisenb. Bedars. . L berjchles. Kokswerke. . . . Phönir Bcrgbmi...... Rheinische Braunkohlen. . . Rheinstohl . . j. % Jahr Riebcck Montan...... Bereinigte Stahlw..... OtavI Minen . ...... Kali Aschersleben..... Kaki Westeregeln...... Kaliwerk Salzdetfurth . . . I. (S. Jarbeu-Invusirle . . . Tnnamil Nobel...... Scheideanstalt....... Goldschmidt ....... RülgerSwerke . ...... Mekallgesevschaft...... . t» 1'’ V . 6 10 in . 9 10 . b ie . 6 10 . k> . 6 . S 3 ' . ti . 8 . 8 . v . 8 . 5 . 6 3’ 10 4Vt . t 2 st 11 1< 1b 1: ! : . 6 it 166,75 214 154 208 142.5 218 156 240.5 373,5 m 71 113,5 128 130 214 100 126,25 80 87 75 281,5 114,5 91 66 240 244 381 248,75 168 84,5 88,5 128 171,75 218,75 213,25 224 245 381 — 13? 104 117,75 96 5 286 119 2 245,5 252.5 389 252,13 170,25 90,75 131.25 169,75 213,25 155,25 207,5 144,75 218,75 141,25 158 188,5 241 374 144,5 164,25 70,5 113,75 116 128,75 133 118,5 213,5 101,25 117,75 114 127,5 82,5 101,25 88 284.75 115,25 145 91,75 66,75 242 247 382.75 249 116.5 84,65 89 128.5 171,75 220 159 211,9 142 224 143 159 193.5 245,25 381,75 146 164,9 72,75 115,75 117,5 132.5 134,5 122,25 213 104 120,5 117,5 130 83,5 103,5 92,13 287 120 146,5 94 67.6 246,25 254 389,5 252,25 118 85,25 91.25 131 Franksurt a. M. Berlin Schlug. Kurtz i-Uhc- Kurs cljlUB- Kurtz Anfang Kurtz Datum 4.5. 65. 4.5. 6 5- Philipp Hoizmann . . . Heidelberger Eemeul . . Gement Karlstadt . . . Wahtz 4 Freitag .... - • 10 . 8 10 112 146 122.5 147 126,5 122,5 116 Schultheis Pahenhosec . . . Oilwerke......... Ber. Glanzstoss...... Bemberg......... Jellstoss Waldhos..... ^ellstojs Aichaisenburg . . . Charlottenburger Watser . . Tetsauer Gas....... Daimler Motoren..... Deutsche Maschiuen-Fabnk . Adlerwette Kiever..... tj 12 18 14 12 12 8 . 0 . S 255 18_4 - 55 46 1 1 1 1 1 111 1 297,13 242,25 436 339 254,5 182,75 111,75 207 54.25 50,25 49 304 246.5 447,75 349 258 188 112,75 210,5 56 50.5 50 Ludw. Loewe..... Rat. Automobil .... Orenstein & Koppel . . Leonhard Dich .... Bamag-Meguin . . . Franks. Maschinen . . • Gtttzner ...... Junghanj..... . Lechwerke. ...... Mainkrastwette .... 'M tag........ Nekarsulmer . . . . . Gebr. Roeder ..... Bolgt 4 Haesfner . . . Südd. Zucker ... • » 10 . V . b . 6 . 0 . 6 11 . 0 . 4 . 8 . 6 10 10 . 8 . 6 86.75 10,5 113.75 106 120.5 113 149.75 1 1 1 1 1 I | 1 1 S2 1 4 1 1 1 1 ! 209,5 27,4 91 285 52 86,75 64,75 122,5 120,13 205 149.5 214,5 93 286 E 123,5 - Banknoten Berlin, 4. Mai Geld Bries Amerttamiche 'Jioten Belgische Stolen . . . . Dänische Noten . . . . Englische Noten. . . . •» • • 4.231 58,38 112,18 20.457 4.251 58,62 112.62 20.537 Berlin 4- Mai Geld Bries Französische Noten..... Holländische Noten...... (italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch festere,k 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schwerer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,475 169,26 22,14 112,21 59,06 2,51 112,64 81,21 60,70 12,51 73,32 -Frankfur Auszahli 16.535 169.94 22,22 112,55 59,30 2,53 113,08 81,6ß 60,94 12,57 73,62 t a.M. ing. 4- Mai 6. Mai Amtliche Notierung Geld 1 Bncr Slmtliche Notierung Geld | Briet Amst.-Non. Buen- AireS Brss-.Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm - Helstngfors. Italien. . . London. . . Neunork . . Paris.... Schweiz . . Spanien . Japan . . . Nio de Jan Wien in D-- Lest, abgcst Prag Belgrad - • Budapest • - Bulgarien Lissabon Tatnig- - .KonUantm. Athen. . Kanada ■ Unnuat) . Cairo - . 169,41 1,772 58,50 112,39 112,32 112,59 10,592 22,095 20,451 4,2135 16,465 81.185 60,28 1.895 0.502 59,175 12,472 7,407 73,41 3.044 18,88 81,76 2.058 5,455 4-183 4.076 20,975 169,75 1.776 58,62 112,59 112,54 112,81 10,612 22,135 20,491 4,2215 16,505 81,345 60,40 1,899 0,504 59,295 12,492 7,421 73,35 3,050 18,92 81,92 2,062 5,465 4,191 4,084 21,025 169,38 1,771 58,50 112,35 112,31 112,59 10.592 22,075 20,444 4,213 16,465 81,17 60,17 1,888 0,502 59,17 12,463 7,407 73,37 3,047 18,88 81,76 2,058 5,455 4,182 4.076 20,965 169,72 1,775 58,62 112,57 112,53 112,81 10,612 22,115 2p,484 *4,221 16,505 81,33 60,29 1,892 0,504 59,29 12,483 7,421 73,51 3,053 18,92 81,92 2,062 5,465 4,190 4,084 21,005