Nr. 208 Erstes Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 5. Erschrn,l i ö g li ch, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monat$:Bc$ugspteti: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschliisse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Srantfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvck und Verlag : vrühl'fche Univerfitälr-Vuch- und Ztemdruckerei R. Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. September 1929 Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Gustav Stresemann. Line Schilderung aus holländischer Feder. A m st e r d a m , 4. Sept. Der „Rieuwe Rotter- damsche Gourant" bringt aus der Feder seines Korrespondenten auf der Haager Konferenz Charakterschilderungen der bedeutendsten Politiker der Haager Konferenz. Nachdem sich ein früherer Ar- titel mit dem Ministerpräsidenten B r i a n d befaßt hatte, erscheint im heutigen Abendblatt ein mit „Strejemann" betitelter Aufsatz, der auf ein Interview zurückgeht, daß der deutsche Reichsaußenminister dem Schreiber am Schlußtage der Konferenz in Scheveningen gewährte. Der Korrespondent führt aus, daß Dr. Stresemann Selbstbeherrschung genug besitze, um die körperliche Ruhe, die sein Gesundheitszustand erfordere, zu finden, daß es aber mehr als fraglich sei, ob er auch seine geistige Aktivität zugeben könne. Von dem Werk, das Dr. Stresemann 1924 auf sich genommen habe, sei nun viel vollbracht, aber ein kräftiger Geist sei noch nötig, um es zur vollen Entfaltung zu bringen. Gerade Dr. Stresemann scheine von der Sorte Staatsmänner zu fein, die trotz aller ihrer Freiheitsträume letzten Endes doch im Amte zu sterben wünschten. Dr. Stresemann habe bei dieser Unterredung Menschen und Ereignisse und Probleme vorüberziehen lassen, wobei er oft mit Wehmut, auch wieder ntit großer Wärme gesprochen und sich selbst und das Werk soviel wie möglich außerhalb der Diskussion gehalten habe. Dies sei ein anderer Stresemann gewesen als der, den der Korrespondent früher gekannt habe. Dies sei nicht mehr der dynamische Mann von überquellendem Temperament gewesen, und von dem unbezwingbarem Drang erfüllt, überall da selbst zuzugreifen, wo andere verkehrt handelten, sondern ein Mann, reich an Erfahrungen und umsichtig im Handeln, ein Kapitän, den Stürme nicht mehr in seiner Ruhe erschüttern könnten, jemand, der gelernt habe, mit seinen Gefühlen und Kräften praktisch umzugehen, ein Mann, der das Werk, das sein Leben darstelle, nicht mehr erleben werde. Nach der Art seines Sprechens und dem schnellen Wechsel seiner Gedankengänge habe er trotz des großen Unterschiedes, der zwischen beiden Männern bestanden habe, an Rathenau erinnert, jedoch habe letzterer in seiner Eigenschaft als Politiker niemals die Genugtuung gehabt, zu sprechen, wie jetzt Stresemann. Am Tage des Triumphes seiner Politik sei er der Mann, der der Deutschen Republik die Stellung verschafft habe, die sie jetzt im Rate der Völker einnehme, der Werke von Mißtrauen und Haß wegzuräumen verstanden habe und der die Befreiung des Rheinlandes fünf Jahre vor dem hierfür festgesetzten Termin und wahrscheinlich auch bald diejenige des Saargebietes sein Werk nennen könne, der Mann auch, der der in der ganzen Welt beinahe schematisch gewordenen Kritik an der Führung der deutschen Diplomaiic ein Ende bereitet habe. Oft habe man Stresemann den Vorwurf gemacht, daß er eine einheitliche Linie bei seinen Handlungen habe vermissen lassen. Aber gerade diese wechselnden Entscheidungen auf der Suche nach der für Deutschland richtigen Politik seien seine Stärke gewesen. GeneraldisküssM im Völkerbund. China verlangt Nachprüfung nie haltbarer Verträge. (Senf 4. Se.ck. (WTB.) Heute vormittag wurde die Generaldiskussion in der Völkerbunds- Versammlung fortgesetzt. Der Führer der chinesischen Delegation, Chao Chu-W u, der Vertreter der Vanking-Vegicrung in Washington, unterstrich als erster Redner die Gleichberechtigung der Völker, die den Grundgedanken des Völkerbundpaktes bilde. Gerechtigkeit allein könne die Grundlage des internationalen Lebens sein. Deshalb sei China dem Völkerbund beigetreten, deshalb habe es den Ke l logg - Pakt unterzeichnet, den, wie der Redner unter deutlicher Anspielung auf den russisch-chinesischen Konflikt hinzufügte, China trotz sehr ernster Provokationen eingchalten habe. Eine d:r wesentlichsten Destimmungen des Volrerbund- paktes M der Artikel 19, wonach die Bundesversammlung von Zeit zu Zeit dG Bundes- Mitglieder zu einer RachprüfungderV ertrage und solcher internationalen Derhaltnine auffordern kann, deren Aufrechter ha l - tun g dazu angetan sei, den Weltfrieden zu gefährden. Leider habe die Völkerbundsversammlung bisher von diesem Recht noch keinen Gebrauch gemacht. Rach seiner Meinung, so erklärte der chinesische Delegierte, gebe es kein besseres Mittel, um das Ansehen des Döller- bundes zu festigen, als die furchtlose und unparteiische Anwendung des Artikels 19. Der dänische Ministerpräsident Stauning stimmte der Briandschen Idee der Vereinigten Staaten von Europa kurz zu und ging dann auf die Abrüstungsfrage ein, deren baldige Lösung von den verschiedenen dänischen Regierungen in der Völkerbundsversammlung immer wieder verlangt worden sei. „Dänemark fühlt sich von keinem seiner Nachbarn bedroht, die einzige Gefahr für uns ist ein allgemeiner Krieg, an dem die Großmächte teilnehmen. Selbstverständlich sind wir ent- chlosien, unser Land und seine Streitkräfte auf eine olche Weise zu organisieren, daß sie ausreichend ind, um die Verpflichtungen zu erfüllen, die uns auf Grund des Neritralitätsabkornrnens von 1907 auferlegt wurden ober die uns aus unserer Mitgliedschaft zum Völkerbund erwachsen könnten. Das kanadische Natsmitglied D a n d u r a n d sprach über die Entwicklung der Verhandlungen zum Minderheitenproblem unter besonderer Betonung feines persönlichen Eingreifens und der Mitwirkung seiner Regierung. Die erziel- &eme Einigung Mer die MMchMrschemW Auch das „Berliner len Verbesserungen sieht Dandurand vor allem in der H e r st e 11 u n g einergewissen Oes fent- lichkeit, da nunmehr den beschwerdefuhrenden Minderheiten entgegen dem früheren Brauch von dem Schicksal ihrer Beschwerde Mitteilung gemacht werden müsse. Unbefriedigend bleibe dagegen noch der Umstand, daß die Dreierkomitees des Rates keine eigentlichen Aufträge erhalten haben, zu ihrer sehung, die Saarfrage, ist Sonderverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland überwiesen worden. Das ist ein sehr bedenkliches Ergebnis. Ich könnte mir gerade in dieser Frage sehr gut eine Initiative des Reichstags vorstellen, wenn nämlich erklärt wird: Wir vtC । rig im Kurs. Die ganze Habgier der französi- Mehrheitsbildung fcfcn hat sich im Haag zu deutlich ge- -■ • - ■ ■ 1 zeigt, als daß sich irgendein Mensch noch durch derartige Magierkünste einfangen liehe. Die Abrüstung wird marschieren, und die englische Politik muh zwangsläufig dahin führen, daß dabei sind bereit den ^oungplan zu schlucken, wir verlangen aber, daß die Saarfrage gelehnt wurde, ist anscheinend doch nicht vermieden worden. Die dritte politische Boraus- Königsberg, 4. Seht. (Privatmeldung.) Reichsminister a.5). Dr. Scholz wies in einem Vortrag vor der Wirtschaftlichen Vereinigung darauf hin, dah es in Deutschland zwei Gruppen von Meinungen gebe: die eine lehne den Vvung- Plan als wirtschaftlich untragbar ab, die andere, zu der auch die Deutsche Dolkspartei gehört, sage: Wir wollen den Plan an sich akzeptieren, machen seine Annahme aber von drei politischen Vor ausse Hungen abhängig: sofortige und bedingungslose Räumung des Rheinlandes, keinerlei an die Stelle der Besatzung tretende Kontrollbefugnisse der Besatzungsmächte und eine befriedigende Lösung der Saarfrage. Welches ist nun das Ergebnis der Haager Konferenz? Die finanziellen L a ft e n des Poung-Planes sind nicht verringert, sondern wesentlich erhöht worden. Wir muhten uns mit einer Erhöhung der nicht transfergeschühten Annuität einverstanden erklären, auch unsere Hoffnung auf einen Abschluß der finanziellen Besahungskosten sowie auf einen Ersah der uns durch die Besatzung entstandenen Schäden hat sich nicht erfüllt. Die erhoffte Lösung der Frage der Liquidation deutschen Eigentums in fremden Ländern ist ebenfalls nicht eingetreten, es soll darüber weiter verhandelt werden. Auf dem Gebiet der Sachlieferungen entstehen ebenfalls neue Lasten. So wurde der Poung-Plan im Haag finanziell wesentlich verschlechtert, Alnb wie steht es mit den politischen Voraussetzungen? Die bedeutendste politische Forderung ist, wenn auch nicht restlos, erfüllt worden, nämlich die Befreiung des Rheinlandes. Das ist ein großer Erfolg. Aber- viel bedenklicher scheint sich die sogenannte Kontrollfrage zu entwickeln. Eine Erweiterung der Kontrolle, die von vornherein strikt ab- verantwortlichkeiten, die mußten. Frankreich in die Zange genommen wird. Das Paneuropa, wie Driand es sich vorstellt, ist doch im wesentlichen nichts anderes, als der na- poleonifche Traum einer französischen Hegemonie in Europa/ der sich mit Macdo- nalb nicht erfüllen läßt. Was er bem entgegensetzt, ist ber nüchtern-reale Gebanke eines Abbaus ber Zollmauern, so vernünftig, bah er eigentlich auch ben vaneuropäischen Ideologen eingehen sollte. Denn schließlich konnte ja auch bas Deutsche Reich erst geschaffen werben, nachdem ber beutsche Zollverein die Voraussetzung dafür geschaffen hatte. Die europäischen Staaten müssen enger aneinan* berrüden, wenn sie sich in bem immer erbitterter werbenben Ringen um bie noch freien Märkte der 'Welt halten wollen. Dazu aber Tageblatt" be° Ergebnislose Besprechung der Parteiführer. Die Ltreitpunklc bestehen fort. Berlin, 4. Sept. (B.D.Z.) Kur; nach 16 Uhr begannen im Reichstag die Parteisührerbe- sprechungen über die Reform der Arbeitslosen- Versicherung. Außer Reichsarbeitsminister W i s s e l l nahmen auch die meisten sonstigen in Berlin anwesenden kiabinettsmitglieder an den Beratungen leit, nämlich hilferding, Schätzet, Eur- lius, v. Guerard und Dr. Wirth. Arbeitsminister Wisfell leitete die Beratungen durch einen längeren Vortrag ein. Eine Reihe von Sachverständigen nahm an der Sitzung teil. Die fünf Streitpunkte, mit denen sich die Besprechung be- schäfttgte, betreffen eine Aenderung der A n w a r t - schäft, die Verlängerung der Wartezeit, den Abbau der Lei st ungen, die Erhöhung der Beiträge und die Behandlung der Saisonarbeiter. 3n bezug auf die Wartezeit waren alle Regierungsparteien mit A u s n a h m e der Sozialdemokraten mit den Vorschlägen der Regierungsvorlage einverstanden. Die Anträge der Deutschen Volkspartei über den Leistungsabbau begegneten bei den übrigen Regierungsparteien großen Bedenken, weil diese befürchteten, dah dann bis zu 60 Prozent der versicherten Arbeitslosen weniger Unterstützung erhalten wurden, als sie vor Einführung der Versicherung 1927 aus der Erwerbslosenfürsorge bekamen. Die Besprechungen führten noch zu keinem Ergebnis. Keine Initiative des Reichskabineits. Gespalten und unentschlossen Berlin, 5. Sept. (Priv.-Tel.) DasReichs- tabinett hat sich, wie die ,,Germania berichtet, gestern abend nocy in einer kurzen Besprechung mit bem negativen Ausgang der Besprechung mit ben Regierungsfraktionen über die Arbeitslosenreform befaßt. Aber von bie] er (Seite dürfte, so heißt es in bem Blatt, ein entschlossenes Eingreifen in bie verfahrene Lage kaum zu erwarten sein. Das Reichskabinett selbst ist in der Frage der Arbeitslosenversicherung g e s P alte n unb hatte bekanntlich nicht einmal bie Möglichkeit, eine vollständige Gesetzesvorlage bem Parlament zu unterbreiten. Die politische Lage, so bemerkt Informierung die beschwerdeführenden Minderheitenvertreter persönlich zu verhören. Corneju (Peru) wies auf das erfolgreiche unb geschickte Eingreifen des Völkerbundsrates im Grenzkonflikt zwischen Bolivien und Paraguay hin, dessen Ergebnis in ganz Lateinamerika mit Genugtuung empfunden worden sei. Volkspartei und Haager Konferenz.! • , fladjung täuscht sich über die eigene Leere gern Minister Scholz über das Verhandlungsergebms: Wesentliche finanzielle durch ben Gebrauch hochtrabender Worte hin- Verschlechterung des tzvung-plans. - Lückenhafte politische Erfolge. - Inner- politische Folgerungen. serviert werden, daß die Abrüstungs- oebatte des Völkerbundes, die von Macdonald eingeleitet wurde und über Driand zu Stresemann ging, ein Markstein in der Weltgeschichte sei. Du lieber Gott, wie viel Marksteine haben wir in Genf in ben letzten Zähren nicht schon erlebt. Wären sie alle Wahrheit gewesen, der Weg ber jüngsten Vergangenheit wäre an beiden Seiten mit einer dicken Steinmauer begrenzt. Meist aber ha.e i sie nur in ber Phantasie unverwüstlicher Optimi-.en gestanden, bie sich über bie verzweifelte Ent- - •- । täuschung zusammengebrochener Illusionen hin- zuersi geregelt werde. wegbringen wollten. Immerhin, diesmal ist etwas Wenn Deutschland überhaupt, was sehr frag- Wahres daran, bie Rebe, bie Macdonald ge- lich ist, in ber Lage fein soll, seine Lasten zu halten hat. kann wenigstens eine neue Aera tragen,’ so muß eine grunbsätzliche Re- ber weltpolitischen Konstellation «Gleiten. Di ion seiner Finanz- unb Wirt- Daß es ihm selbst bamit ehrlich ist, darüber schaftsvolitik durchgeführt werben. Die besteht kein Zweifel. Macdonald ist eine sei^ame aanze Situation brängt nach Reformen. Wir Mischung von Idealismus und Realismus. Er stehen ober fallen mit diesen Reformen. Die hat fchon früher den Beweis erbracht, daß er Arbeitslosenversicherung kann ohne den Mut zur eigenen lieber Beugung bat, unu er jeden Reichszuschuß, aber auch ohne Erhöhung hat inzwischen genug gelernt, um nicht mehr in ter Beiträge saniert werden. Bei der (Sanierung bie leere Luft zu stoßen, sondern den zwecken ter Arbeitslosenversicherung dürfen wir aber Schritt erst zu wagen, wenn er nach dem ersten nicht stehen bleiben. In den E t a t s d e r L ä n - wieder festen Boden unter den Fußen suhlt, der unb besonbers auch ber Gemein- Er will der Prophet des „friedens mit Wuroe be n wird sich noch manch ein Posten finben, sein und wirb baburch unbewußt zum Sprach- der nicht unbedingt zu ben probuktiven Ausgaben rohr von Meinungen, bie bisher nu r von gehört. Zu ber Drosselung ber Ausgaben kommt Deutschlanb in Genf vertreten wurden unb bann als weitere Rotwenbigkeit die Reor- schon beshalb ohne jebeS Egw blieben, Polini qanifation ber E i n nahmen, vor allem ist nun einmal angetoanbte Macht, ein Staat, ter ber (Steuern. Daher müßten alle finanziellen keine Macht hinter sich hat kann die schönsten Vorteile des Voung-Planes zur Lastensen- Theorien verfechten, niemand wird mehr darauf kung verwandt werben. Dor allem gilt bas geben als billiges Beifallklatschen. Wenn dafür die heute schon unerträglich gestiegenen Re- gegen England mit feiner Flotte sich au ben alsteuern. Diese müssen durch ein Sverr- gleichen Ideen bekennt, dann verschiebt |td) — geseh begrenzt werden. Von entscheidender was psychologisch ganz verständlich ist — vor bem Bedeutung ist ferner ein vernünftiger Fi - Zuschauer das Bild sofort. nanzausg leich. ohne den alle noch so schö- Dabei ist davon auszugehen, daß Die neuen neu Pläne über eine notwendige Reichsreform Ziele der englischen Weltpolitik wie sie Mac- - nur -sehr [xr.TTTtR'x’n tl/eoretif check Wert haben, donalb jetzt vor dem Völkerbund' entwickelt hak, i „ ,L, ................... mit einem bitteren De rzicht beginnen, eigent- -------------—------------------------------- lich mit einer Verurteilung ber ganzen englischen , Kriegspolitik. Die Regierung von 1914 zog in ben Weltkrieg wirtschaftspolitisch, um bie bro- ’* fjenöe deutsche Konkurrenz totzuschlagen, machtbas Zentrumsblatt weiter, bie sich aus ben hier Politisch, um den Albbruck der deutschen No te geschilderten Tatsack)en ergibt, ist zweifellos du beseitigen und bie Seeseltung Engla^s zu er n st. Trotz alledem geben wir der Erwartung ^ewigen. Sie hatihre betben 3ule nichter Ausdruck baß sich noch eine Einigung ber reicht, bas Erbe des beutschen Hanbels haben Parteien'ermöglichen läßt, und man nicht zu bem die 03 e r e i n i g t e n^ t a a t e n an^ta^n in hilfinen Ollittel einer uferlosen Berta- I der internationalen Finanz hat bie Schwächung q u n q schreitet. Denn wenn bie biktatorische ber QUarf nicht bem Pfunb, sondern nur bem Haltung einzelner Regierungsparteien es bem- Dollar 9<^“6t. ®er öeutf^ ^raum ber *^r- nächst zu einer politischen Krise treiben sollte, teibigung 3ur See liegt zwar auf bem Boden tn Zlx ° s-iinhliff auf die aroßen Aus- von Scapa Now, aber England, das uns ge- gaben ber nächsten Monate immerhin bas V e r - genüber noch ben ^i°Mach^^amöarb Dcrtre- nnfvnnrtiinnälnfefte von den vielen Ain* ten wollte, muß sich bamit abfinben, daß ne antwortungsloseste von AV^cn^n- $ ^reinigten Staaten minbefteng gleichberechtigt neben ber eigenen steht. Eine angesichts der Opfer, die dafür vergeblich TubM7 bäh’ bie'Qinreauna die Regierung selbst I gebracht wurden, ungeheuerliche Bilanz. Aber m^ge ’ePne6 neue DoW zur Ausfüllung' der Äacdonald hat recht, fte muß einmalgezogen Lücken der ersten ein&ngen, keinen An- werden denn nur, wenn das England vvn i < . „ n '"Rpniprimdämifaliebern fand Die I heute klar erkennt, wo es steht, kann es sich Mehrheit der Regierung'steht auf dem Stand- aus den Fesseln befreien, die Vnmer drückender buntt daß eine neue Vorlage jedenfalls solange tt>erben. Chamberlain hat das me begreifen wol- nifft in 'siraac kommt als die alte noch un» len. Er war dazu nicht weitsichtig genug, aber Sigt b=ÄÄ hege - „$or. innertid) frei. Er Bat: toärtö", ber mitteilt, daß das Reichskabinett Hutung der engen Anlehnung an nach der Parteiführerbesprechung keinerlei ^^ankreich gesucht, die praftisch nur OOqU Beschlüsse gefaßt hat, sagt zu dem nega- führte, daß Frankreich über den Schwachezustand tiv^n Ergebnis der Verhandlungen: Es sind n°ch demKriege hinwegkam: und immer unöer- also auch die neuerlichen Versuche, auf dem Alm» duttter die e u r o p l H e S u P r e m q N e für Wege über die Parteiführer zu einer Einigung beansprucht^ wahrend in der Erwerbslosenfrage zu gelangen, erfolg- ©den und Enden an den Folgen ber Kriegs ioö gewesen Die Hauptursache dafür liegt nach schwlerigkeiten litt. JLr n dem Verhalten der Deut- Macdonald ist entschlossen, die Vergangenheit s che n Vo l ks P a r te i/ Die Deutsche Volks- M liquidieren. Er fängt mit den V e r e in i g ten nin.ihf bitr.+ Wo bcbarrlidy' 2l b l e h - Staaten an, will sich mit ihnen vergleichen, p<"ter glaubt, durch dw beharrliche^Ad leDruck, den er von dort her spürt, verjchwin- ^im^ndiakoit man sich ^auck in ihren Kreisen den lassen auf die Gefahr hin. daß dadurch bie faum Ä SrfSt1 b^en a 11 ge meU e n A b - Entente cordiale enbgültig geopfert tixrben bau der Der sicher unasleistung trotz muß; von ber Englanb. im Ganzen gesehen, alledem doch erzwingen zu können. Das aber ist doch sehr wenig Dorteile gehabt hat- Keln Wun- ein T r u a ch l u h. Die Sozialbemokratie wird der. baß Macbonalbs Rebe gerade bei ben nnnr.rn/inmü OTSban n i m t tulaffcn S'r Franzosen mit einiger Kuhle ausgenommen wor- S^ialvoEtiscke Ausschuß muß Äne Beratungen den ist. Aber Herr B r i a n b hat sich vergeblich ta Die Varte7en müßen fu ben ein- bemüht, baß Gleichgewicht wieberherzustellen. »einen Fragen Stellung nehmen, unb dabei wird Seine paneuropäischen Phrasen stehen heute nieb- bie Klärung der Situation erzielt werden, die 1 5)16 oanxc ^atKncr ber ^airosi- bie Doraussehung für eine M ist. - Die „D. A. Z.", die erklärt, dah Die Deutsche Dolkspartei bei ihrer Absicht bleibt, die in der Regierungsvorlage enthaltene Beitragserhöhung nicht mitzumachen, hält es im Hinblick auf die Dringlichkeit dieses wichtigen finanzpolitischen Problems für sehr wohl möglich, Ende September ben Reichstag für einige Tage einzuberufen. Aber die sozialdemokratifche Dcrfchleppungspolitik arbeite sehr zielbewußt und bie Regierung lasse toieber jede Führung vermissen. muh der Haß, muh der Hochmut und muh die ganze Gesinnung abgebaut werden, die uns seit Versailles regiert. Deutschland wird bereit sein, Macdonald auf seinem Wege zu folgen. Nicht in einem Aeberschwang von Begeisterung, sondern mit vorsichtiger Zurückhaltung. Wir haben keine Veranlassung, uns irgendwie zu exponieren. Aber zum erstenmal seit langer Zeit zeigen sich doch wenigstens Ansätze einer Verschiebung der Machtverteilung an, die uns die politische Möglichkeit geben, uns aus der tiefen Kluft wieder herauszuarbeiten, in die wir nach dem verlorenen Kriege gestürzt sind. Gtamp kritisiert Snowden. Die Erhöhung der deutschen Lasten gegen die wirtschaftliche Vernunft. London, 5. Sept. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Brief des englischen Sachverständigen in Paris, Sir 3osiah Stamp an einen seiner Kritiker heißt es: „Die Wahl, der ich im Mar gegenüberstand, war, gegen den einstimmigen Bericht der anderen Einspruch zu erheben (in diesem Falle wäre die deutsche Annahme endgültig ausgeblieben) oder zuzustimmen. Der Fehlschlag hätte, wie er im Hrril auf den Finanzmärkten zutage trat, eine sich auf Großbritannien ausdehncnde. Finanz krise bedeutet. Die Transferbestimmungen des Dawesplanes waren sofort in Kraft getreten und alle Reparationen wären eingestellt worden. Ich würde es hundertmal wieder tun. Kleber unsere „Verluste" wird außerdem viel Unsinn geredet. Snowden hatte es sich in den Kopf gesetzt, etwas von den Beträgen der romanischen Länder zu streichen, dabei hat er so gut wie ni chts bekommen und unser Gesicht wurde gewahrt, indem Deutschland mehr auferleg t wurde, was eher das Gegenteil von dem ist was aus wirtschaftlichen Gründen unser Bestreben in Paris war. Ich bezweifle die endgültige Wirksamkeit des Sieges aus wirtschaftlichen Gründen. Ich bin nicht genügend Politiker, um zu sagen, ob es gute Politik ist. Auf der Spur der berliner dombenattentater. Ein Chauffeur meldet sich Berlin, 5. Sept. (Priv.-Tel.) Eine wichtige Svur der Attentäter, die in der Rächt zum Sonntag am Reichstagsgebäude eine Höllenmaschine zur Explosion gebracht haben, ist ent- deckt worden. Bei der Polizei hat sich d e r Führer einer Kraftdroschke gemeldet, der angibt, dah er am Samstag abend gegen Mitter- nacht in der Kurfürstenstrahe zwei Her r e n als Fahrgäste bekommen habe. An der Eckr Nürnberger und Kurfürstenstraße sei einer der Herren ausgestiegen und etwa nach zehn Minuten m i t e i n e r gefüllten Akten rnappe zurückgekehrt, die er nicht am Griff, sondern im Arm hielt. Sodann gaben die beiden Männer als neues Ziel der Fahrt das Reichstags- gebäude an. Dort sind sie dann ausgefttegen und haben den Fahrpreis gezahlt. Der Chauffeur bekundete weiter, dah er später nut eurem Fahrgast, der nach dem Bahnhof Friedrich rrahe wollte, das Kronvrinzen-Ilfer entlang kam und auf der Schutzinsel zwischen dem Reichstags- gebäude und dem Wohngebäude des Rerchs- tagspräsidenten zu seinem Erstaunen die beiden Männer stehen sah, die er anderthalb Stunden vorher dorthin gebracht hatte. Nach der Meinung des Chauffeurs standen die beiden Fahrgäste im Alter von etwa 35 bis 40 Jahren, hatten keine Schnurrbärte und machten einen wenig vertranenserweckenden Eindruck. Christentum und Wirtschaft. Eine sozialpolitische Kundgebung der Internationalen Kirchenkonfcrenz. Eisenach, 5. Sept. (WB.) Die Internationale Kirchenkonferenz trat unter Beteiligung führender Industrie- und Gewerschaftsverbände in einer Kundgebung mit dem Thema „Christentum und Wirtschaft" vor die breite Öffentlichkeit. Der Vorsitzende, der Berliner Universitätsprofessor Dr. T i t i u s , begrüßte die stark besuchte Veranstaltung namens der Kommission für das sozialwissenschafl- liche Forschungsinstitut der christlichen Kirche in Genf. Der Sekretär des amerikanischen Kirchenbundes, D, Tippy (Neuyork), führte aus, daß die protestantische Kirche in Nordamerika für eine H e - buna des Arbeiter st andes und vernünftige Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern arbeite. Der Generaldire.ktor der Christian Industrial Fellowship, Nev. Kirk (London) betonte, daß es on der Zeit sei, in geeigneter Form soziale Forderungen der christlichen Religion herauszuarbeiten und dadurch einer „christlichen Soziologie" den Weg zu bereiten. Der Professor der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Lyon, Dr. Andrä Philip, faßte seine Ausführungen dahin zusammen, wenn es der evangelischen Kirche gelinge, sich von jedem Kompromiß mit dem Kapitalismus freizuhalten, so würde und müsse das Volk auf sie hören. Vom Standpunkt des Unternehmers aus sprach Dr. H o l t h o e f e r vom Bergbaulichen Verein in Essen, der betonte, daß eine starke christliche Betätigungsmöglichkeit in der Schaffung einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch christliche Persönlichkeiten in allen Lagern liege. Oer Streit um die Klagemauer. Jerusalem, 4. Sept. (WTB.) Der oberste mohammedanische Rat hat beschlossen, e i n neues Gebäude unmittelbar über der Klagemauer zu errichten. Die jüdische Bevölkerung protestiert gegen diese Maßnahme. Die Regierung befaßt sich bereits mit der Angelegenheit. Eine Truppenabteilung drang heute in zwei Dörfer ein und befchlagnahmte dort eine Menge Gegenstände, die bei den Plünderungen geraubt wurden. Mehrere verdächtige Personen wurden verhaftet. Die Zahl der den kürzlichen Ausschreitungen zum Opfer gefallenen Personen ergibt nach den letzten Feststellungen folgendes Bild: Tot: 119 Juden, 87 Mohammedaner und 4 Christen: verwundet: 334 Juden, 208 Mohammedaner und 33 Christen. Ruhetag in Friedrichshafen. Nach dem Begrüßungsatt Triumphsahri durch die Stadt. - Oie Passagiere erzählen ihre Eindrücke auf der Weltreise. Friedrichshafen, 4. Sept. (TU.) Nach Beendigung des offiziellen Degrüßungsaktes verließen die Passagiere und die Besatzung des „Graf Zeppelin", denen noch zahlreiche Blumengewinde überreicht worden waren, die Halle, um sich in mit Blumen und Fähnchen ge schmückten Automobilen zur Stadt zu begeben. Unter Vorantritt der Musikkapelle setzte sich um 10 Uhr der lange Zug der Kraftwagen von der Werft aus langsam in Bewegung. Während der Fahrt durch die Straßen der Stadt wurden den Zeppelin-Fahrern, allen voran K a - pitän Lehmann, von den die Straßen säumenden dichtgedrängten Zuschauern, denen der Eintritt zur Werft versagt geblieben war, st ü r- mische und langanhaltende Ovationen bereitet. Nach dem Festzug trat eine ziemliche Beruhigung in Friedrichshafen ein. Ein großer Teil der Kraftwagen, die am Vormittag die Straßen verstopft hatten, fuhr nach allen Richtungen auseinander und allmählich konnte man sich wenigstens wieder freier bewegen. Die Fahrgäste waren jedoch keineswegs ermüdet, man konnte sie vielmehr am Nachmittag überall die Schönheit 'des Bodensees genießen sehen. Alle sind voll Lobes über die herrliche Fahrt. Nur einmal sei das Luftschiff in eine etwas bedrängte Lage gekommen, nämlich in der Nähe der Azoren, wo es in eine starke Hitzewelle geriet, so daß zeitweise die Außentemperatur 11 Grad wärmer als der Gasinhalt des Schiffes war. Dies hatte zur Folge, daß das Luftschiff sich rasch senkte und b i s auf 200 Meter niedergehen mußte. Allmählich aber trat ein Ausgleich zwischen den Temperaturen ein. Einmal veranlaßte ein st a r- tes Gewitter die Führung, etwa zwei Stunden lang den Kurs wieder rückwärts zu nehmen. Die Motoren haben übrigens ausgezeichnet gearbeitet. Auf der ganzen Weltfahrt trat nicht die geringste Störung ein. Es muhten im ganzen nur fieben Zündungen ausgewechselt werden. Der spanische Journalist R i ck a r d (Madrid) erzählte, daß das Interesse in Spanien für die Reise des Luftschiffes außerordentlich groß gewesen sei. Besonders hob er auch die Bedeutung des Luftschiffes als Handelsfahrzeug hervor. Der Leibarzt des Königs von Spanien und Leiter des ärztlich- wissenschaftlichen „Instituto clorante" in Madrid, Dr. Megias, wurde in erster Linie über seine Inanspruchnahme als Arzt auf der Weltreise befragt. Er schilderte die Behandlung der fünf oorgekommenen Fäll e..besonders die Behandlung eines Anfalls von Herzschwäche bei einem Fahrgast, der außerdem an einem Zahngeschwür litt. Bekanntlich war auch Dr. Eckener an einer Magenverstimmung erkrankt. Außerdem gab es einen verstauchten Fuß bei einem deutschen Berichterstatter und zwei Handoerletzungen bei einem Bordmonteur und eines Piccolos zu behandeln. Ausdrücklich betonte Dr. Megias, daß für jeden halbwegs gefunden Menschen die Reise mit Zeppe- linluftschiffen keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen irgendwelcher Art bedeute. Der Führer der „Los Angeles", Commander Rosendahl, sprach sich besonders lobend über die ausgezeichnete Navigation des Luft- | schiffes aus. In Kapitän Lehmann habe er einen hervorragenden Luftschiff-Führer kennengelernt. Im Anschluß an die Empfangsfeierlichkeiten, für das Luftschiff „Graf Zeppelin" besichtigten die Ehrengäste das vor dem Kurgartenhotel in Friedrichshafen vor Anker liegende D o r - nier-Flugschiff Do. 10, das alsdann mit 40 Passagieren bei herrlichem Wetter einen Rundflug um den Bodensee unternahm. Es nahmen hieran teil: Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald mit seinem Ministerialdirigenten Brandenburg, der württembergische und der badische Staatspräsident, der amerikanische Botschafter Shurman, der japanische Botschafter Na- gaoka und viele andere prominente Persönlichkeiten. Oer Glückwunsch Oesterreichs. Wien, 4. Sept. (WB.) Nach der Landung des „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen hat Bundespräsident Midas an den deutschen Reichspräsidenten v. Hindenburg folgendes Telegramm gerichtet: „Aus Anlaß der glücklichen Heimkehr des „Graf Zeppelin" von feiner triumphalen Weltfahrt, auf der er überall als Freundfchaftsbote und als Künder des Ruhmes deutscher Technik jubelnd empfangen wurde, entbiete ich Eurer Exzellenz und dem Deutschen Reiche die aufrichtig st en Glückwünsche Oester- r e i ch s, wo die stolze Freude des deutschen Volkes begeisterten Widerhall findet/ Ein gefährlicher Zeppelinpaffagier. Mit Zigarre und Feuerzeug in der Gondel. Friedrichshafen. 4. Sept. (TU. Funkspruch.) Wie erst nach der Landung des „Graf Zeppelin" bekannt wurde, hat sich das Luftschiff auf der Fahrt von Lakehurst nach Friedrichshafen in einer äußerst gefährlichen Lage befunden. Das Luftschiff war für geraume Zeit in der Gefahr, durch die Unbesonnenheit eines Passagiers zu explodieren. Der Vertreter einer Berliner Korrespondenz erfährt darüber folgende Einzelheiten: In Lakehurst war an Bord des „Graf Zeppelin" ein Neuyorker Kaufmann namens R. H o g g gekommen, der schon vor Antritt der Reise ebenso, wie alle anderen Passagiere darüber belehrt worden war, dah auf dem Luftschiff wegen der Explosionsgefahr keineswegs Feuer angemacht oder geraucht werden dürfe. Als das Luftschiff sich mitten über dem Ozean befand, betrat der amerikanische Korrespondent 3. L i k- k a l d den Waschraum und stellte dort zu seinem höchsten Befremden fest, daß die Kabine ganz mit Zigarrenrauch angefüllt war. Lik- kald eilte sofort zu Kapitän Lehmann und machte ihm von seiner Beobachtung Mitteilung. Kapitän Lehmann war ebenso, wie die Passagiere und die Mannschaft über diesen Leichtsinn eines Mitreisenden aufs höchste empört und leitete eine Untersuchung ein, aus der hervorging, daß vor dein Zeitungskorrespondenten Mister Hogg zuletzt im Waschraum gewesen war. Die amerikanischen Passagiere nahmen sich darauf ihren Landsmanii in der ernsthaftesten Form vor und dieser gestand schließlich, dah er eine Zigarre im Waschraum geraucht habe. Mister Hogg muhte sich darauf einer körperlichen Untersuchung unterziehen, und es wurde ihm auf Verlangen, namentlich der amerikanischen Passagiere, eine Zigarre sowie sein Taschenfeuerzeug abgenommen. Der Vorfall, der an Bord ungeheure Erregung ausgelöst hatte, führte dazu, dah der Neuyorker Kaufmann für den Rest der Reise von den übrigen Passagieren boykottiert und dah m unauffälliger Weise dafür Sorge getragen wurde, dah Mister Hogg nicht noch einmal der Versuchung unterliegen konnte, sich etwa eine geborgte Zigarre mit einem entliehenen Feuerzeug anzustecken. Der Vorfall wird sich in Zukunft nicht mehr wiederholen können, da die neuen Schiffe eine besonders isolierte Rauchkabine erhalten, in der man ohne Gefahr nach Herzenslust wird rauchen können. Rund um die Wett in 20 Tagen. Frankfurt a. M., 4.Sept. (WB.) „Graf Zeppelin" hat diesmal die Strecke Lakehurst—Friedrichshafen in öZVs Stunden zurückgelegt und damit erneut den Beweis erbracht, dah für den Transatlantik-Schnellverkehr vorerst nur Luftschiffe in Frage kommen. Bei der Fahrt rings um den Erdball hat „Graf Zeppelin" mit 20 Tagen und vier Stunden einen neuen Rekord aufgestellt. Aber schon heute läßt sich sagen, dah diese Fahrt nicht als eine Gipfelleistung der Friedrichshafener Werft betrachtet werden muh, sondern daß die Neubauten, die voraussichtlich im 3uni nächsten Jahres beendet sein werden, eine noch erheblich größere Fahrgeschwindigkeit entwickeln werden. Die neuen Luftschiffe werden zwar nicht so lang sein wie der „Graf Zeppelin", dafür aber wesentlich gedrungener und werden sich der Tropfenform noch mehr nähern. Die neuen Schiffe sollen vor allem auch eine Rauchkabine erhalten, da die Passagiere auf den bisherigen Fahrten immer wieder darüber klagten, daß sie den Nikotingenuß allzusehr entbehren mühten. Das deutsche pro-Paläftina- Komiiee zu den Unruhen. Berlin, 4. Sept. (WTB.) Das deutsche Komitee Pro-Palästina erläßt folgende Erklärung: Das deutsche Komitee zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung nimmt naturgemäß an dem Gang der Ereignisse in Palästina lebhaftesten Anteil. Wir sind schmerzlich bewegt und tiefst betroffen durch den Verlust von Menschenleben und die Vernichtung jüdischer Siedlungen, die in friedlicher Arbeit geschaffen worden sind. Wir hoffen, dah alles geschehen wird, um die Ruhe schnell wieder herzustellen. Die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina darf durch die gegenwärtigen Anruhen in keiner Weise beeinträchtigt werden. Gerade in den letzten Wochen ist die Erweiterung der 3ewich°Agench durch die Verbindung der Vertreter der Iudenschaf- ten der ganzen Welt mit der zionistischen Organisation zur Tatsache geworden. Damit hat sowohl die politische wie die wirtschaftliche Basis des Siedlungswerkes eine erhebliche Verstärkung erfahren. Es kann daher aber keinem Zweifel unterliegen, daß alles geschehen wird, um den Fortschritt der Kolonisation in Zukunft zu beschleunigen. Es handelt sich, wie wir immer betonen, um ein Werk der Gesittung und des Frieoens, das unter der Garantie des Völkerbundes steht und die Sympathie der gesamten Kulturwelt genießt. Erfreulicherweise hat die zionistische Organisation auch in diesem Augenblick ihren Willen zur Verständigung mit dem arabischen Volk zum Ausdruck gebracht. Man darf hoffen, daß die Mandata r m ä ch t e im Völkerbund, die für die Durchführung der Balfour-Deklaration verpflichtet sind, das Verständigungswerk aktiv fördern werden. (gez.) Graf Bernstorff. Zwölf Kasernen zu verkaufen. Berlin, 5. Sept. (Priv.-Tel.) Es wird wohl noch kaum dagewesen sein, daß gleich zwölf Kasernen auf einmal, und zwar f a st durchwegneueBauwerke, zum Verkauf gestellt werden. Der Ausgang der Haager Verhandlungen hat dieses Wunder bewirkt. Das Reichsvermögensamt in Wiesbaden bietet folgende, dem Reich gehörende Objekte zum Verkauf an: Je eine Kaserne in Königstein und Idstein im Taunüs, in Bad Schmalbach, Bingen, Schier st ein und Do tz h e i m , zwei Kasernen in Biebrich und vier Kasernen, ein ehemaliges Garnisonlazarett und eine Offiziersspeiseanstalt in Wiesbaden. Es handelt sich ausschließlich um militärische Einrichtungen, die zur Zeit von den Engländern benutzt werden. Aus aller Well. Aufhebung des Haftbefehls gegen den Wächter Schulz. Im Haftprüfungstermin wurde der gegen den wegen Verdachts des Mordes an der kleinen Hilde Z ä p e r n i ck verhafteten Wächter Schulz am 22. August erlassene Haftbefehl aufgehoben, da die gegen ihn geltend gemachten Verdachtsmomente nicht mehr als dringlich bezeichnet werden können. Lin Arbeitsausschuß zur Förderung der Bienenzucht. Am 3. September fand im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Sitzung des Verwaltungsrates des Reichsausschuffes für Bienenzucht statt, in der sich unter Leitung von Ministerialdirektor Streik die Beteiligten über die Schaffung eines Arbeitsausschußes zur Förderung der Bienenzucht ausgesprochen haben. Dieser Reichsausschuß ist inzwischen gebildet worden, es gehören ihm neben den Vertretern des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des preußischen Landwirtschaftsministeriums, je ein Vertreter des Deutschen Landwirtschaftsrates und des Deutschen Jmkerbundes sowie der Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Bie- nenforscher an. Der Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat zum geschäftsführenden Vorsitzenden dieses Arbeitsausschusses den dritten Bundesleiter des Deutschen Jmkerbundes, Landtagsabgeordneten P i ck h ö f f e l ernannt. Verhaftung von Direktoren der Frankfurter Allgemeinen Versicherung. Frankfurt a. 211., 5. Sept. (TU. Drahtmeldung.) Nachdem die staatsanwaltschaftliche Untersuchung bei der Frankfurter Allgemeinen Versicherung und den mit ihr verbundenen Gesellschaften zu einem Haftbefehl gegen den flüchtigen Direktor Sauerbrey geführt haben, ist nunmehr auch gegen den zweiten Direktor der Bank, Bruno Fuchs, sowie gegen die Direktoren der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-A.-G., Becker und Dr. 6 i r s ch b a u m , ein Haftbefehl erlaßen worden. Die genannten drei Herren wurden i n d ws F r a n f- surter Untersuchungsgefängnis bereits eingeliefert. Die in Frage kommenden strafbaren Handlungen liegen auf den Gebieten der aktienrechtlichen Untreue, der Bilanzverschleierung, des Betruges, sowie des betrügerischen Bankrotts und der Depotunterschlagung. Die Staatsanwaltschaft wird alsbald die (Einleitung der gerichtlichen Voruntersuchung beantragen. Siebzehn Todesopfer einer Explosion. 3n der Pulvers abrik von Castelando bei Brescia flog ein Pulvermagazin, in dem 37 Personen, zum größten Teil -Frauen, arbeiteten, infolge eines Brandes in die Lust. Nach den bisherigen Feststellungen wurden 17 Personen getötet und etwa 20, zum Teil außerordentlich schwer, verwundet. Die Eindämmung des Brandes ist bereits gelungen. RettungS- mahnahmen wurden sofort eingeleitet. Schweres Gewitter über Hamburg. In den frühen Morgenstunden des Donnerstags entluden sich über Hamburg und Umgebung meh- rere schwere Gewitter, die von starken Regenfällen begleitet waren. Jrn Stadtgebiet schlug der Blitz fünfmal ein, ohne jedoch zu zünden. Jrn benachbar- ten Groß-Flottbek wurde ein strohgedecktes Haus durch die Flammen eingeäschert. In Lurup kam es infolge Blitzschlags in einer Schweinemästerei zu einem Brand, der mit vier Rohren bekämpft werden mußte. Ungewöhnliche hiße in Amerika. Die feit einigen Tagen in den nordöstlichen Staaten der Union herrschende ungewöhnliche Hitze dauert an. In Neuyork wurden 35 Grad Celsius gemessen. Dienstag war der heißeste Tag des Jahres und der heißeste Septembertag seit mehr als 50 Jahren. Van überall her werden Hitz schlüge und infolge der ungewöhnlichen Trockenheit Wald» b r ä n d e gemeldet. Im Staate Massachusetts werden mehrere Ortschaften von einem Waldbrande bedroht, der eine Ausdehnung von sieben Kilometern erreicht hat. Die Bilanz des amerikanischen Cabout Day. Die Feier des Labour Dah in Neuyork war durch 2 1 0 Todesfä He gekennzeich - ■net. Mehr als 130 Menschen kamen bei Kraftwagenunfällen ums Leben. Vierzig Personen ertranken, sechs wurden bei Flugzeugunfä llen getötet, einige wurden ermordet und verschiedene begingen S e l b st - mord. Mißglückter Rettungsversuch. In Leeuwen (Provinz Geldern) ertranken auf dem Waal die beiden Töchter des Kapitäns des deutschen Raddampfers „Raab Karcher" beim Schwimmen. Kapitän Karl D o u y aus Duisburg sprang den beiden Mädchen, als er sie untergehen sah, nach, verschwand aber selb st in den Fluten. Die Leichen der Ter- unglückben konnten geborgen werden. Ein Kind durch Arzneitabletten getötet. Durch Essen von Arzneitabletten wurde das achtzehn Monate alte Töchterchen des Landwirtes Knecht von Krausenbach bei Aschaffenburg getötet. Das Kind hatte die Tabletten, die aus einer frühe- ren Krankheit feiner Mutter stammten, beim „Ära« men" gefunden und verschluckt. Große Kahen-Ausstellung in Düsseldorf. Dom 13. bis 16. September findet in Düsseldorf eine Ausstellung für alle in- und ausländischen Kurz- und Langhaarlatzen statt. Veranstalter ist der über ganz Deutschland durch Ortsgruppen und Einzelmitglieder ausgebreitete Bund für Katzenzucht und Katzenschutz in Dresden. Die Ausstellung will besonders für die Wertschätzung der nützlichen Hauskatze wirken, deren Reinzucht in den einzelnen Form- und Farbenarten angeftrebt wird. Auf ihr soll die Dundesbestrebung, Verminderung der Kahenzahl zugunsten sorgsamer Zuchtwahl mit dem Ziele, gutartige, -vogelfromme, aber doch das Ungeziefer vernichtende Katzen konstant zu züchten, zum Ausdruck kommen. Der Bund erhebt die vielfach völlig wertlos erscheinende Hauskatze auf Grund der Forschungen seines wissenschaftlichen Beraters, ord. Prof. Dr. Schwangart, Dresden, über die Stammesgeschichte und Typenkunde der Hauskatze zum Rafsetter, läßt sie also gegenüber den ebenfalls durch Hrx^ucht gepflegten Angora, Perfer und eia- mesen keineswegs als minderwerttg gelten. (Reben der Abteilung der lebenden und auch mit Hunden, Vögeln und sonstigen andersgearteten Tieren zusammen ausgestellten Katzen besteht eine Sachabteilung, in der die Katze, in Kunst, Literatur, Gewerbe und Spielzeug gezeigt wird. Die Düsseldorfer Ausstellung verdient das Interesse aller Tierfreunde, zumal mit ihr Beratungen über die Lösung der umstrittenen Frage „Vogelschutz und Kahenschutz" verbunden sein werden. Das Räuberunroefen in Rumänien. Das Räuberunwefen in Rumänien fordert immer neue Opfer. So wurden bei Galatz wieder vier Autos angehalten und ausgeraubt. 3n Piztrosani wurde das Automobil des Staatsanwalts des Kafsattonshofs überfallen, wobei der Diener des Staatsanwalts leicht und der Chauffeur schwer verletzt wurden'. Nachdem bereits einmal in der Bukowina sich zwei Gendarmeriepattouillen in Verfolgung der Räuber gegenseitig angegriffen hatten, wobei ein Wachtmeister verwundet wurde, schoß ein wachhabender Mönch eines Klosters in der Nähe von 3assy in Befürchtung eines Raubüberfalls auf Soldaten und verletzte einen tödlich. Ans der Provinzialhauptstadt. Ziehen, den 5. September 1929. Altweibersommer. co reich und reif ist dieses Sommers Neige und leuchtend wie ein letzter Asternstrauß ... singt Lulu von Strauß und Torney in einem Gedicht auf den September, den Scheidemond. Ist es nicht, als ob uns der Sommer noch einmal seine Macht und Stärke zeigen wollte? Es soll kein verschwommener Uebergang zum rauhen Herbste sein, nein, es ist ein verstärktes Aufglühen, eine Zeit für sich, dieser Altweibersommer. Und doch hat er nicht die Wirkung des Hochsommers. Die Sonne mag ihre ganze Kraft entfalten, sie mag noch so heiß vom Hellen Himmel hernieder scheinen, die kühlen und taureichen Nächte untergraben bald ihre Macht. Am Tage aber steht der Feuerball gebietend am Himmel, und die Natur gehorcht. Wohl bringt die herbe Hitze unfern Aepfeln, Birnen und Trauben die Süßigkeit, die Pflanzen aber lassen ihre Blätter schlaff und welk hängen. Die Erde zeigt Risse. Es ist, als ob sich alles nach Ruhe sehnt. Kein Tropfen fällt vom Himmel, und wenn der Nachttau nicht wäre, sähen wir überall eine braune, verbrannte Wüste. Der Wind ist eingeschlafen. Leere, nichts Grünes zeigende Stoppelfelder starren uns entgegen, bald sind auch die Wiesen kahl. Nur in den Gärten leuchten Rosen, Astern und Dahlien in allen Farben. Dahin sind die Frühlingstage mit ihren Stürmen, die Erntezeit tarn mit ihrem Segen, aber mit unverminderter Kraft strahlt die Sonne über der ausgedorrten Erde. Noch im Untergehen vergoldet sie die bunte Landschaft, und zu keiner Zeit stt das Abendrot schöner als in diesen Tagen. Nicht grelle Farben erglänzen, sondern alles liegt in einem fünften Licht. Das ist die Zeit, in der die Sommerfäden fliegen, kündend den Scheidemond, kündend den Abschied des Sommers. Fern im Himmel sitzt die Himmelskönigin und spinnt am golbnen Spinnrad und läßt träumerisch die Fäden zur Erde gleiten. Sie umfangen dich, legen sich fest an deine Kleider, spinnen sich ein in dein Haar. Sie wollen dich erinnern an die schönen, ahnungsvollen Stunden des Frühlings, an die segensreichen Stunden des Sommers. Zugleich aber mahnen sie uns, daß nun der Abschied kommt von leuchtenden Sonnentagen und milden Nächten. Weiße Fäden uns umschlingen, Glocken läuten, Glocken klingen, immer (eifer, immer linder... Aber unbeirrt von Sonnenglanz und Himmelsblau rüsten sich die Zugvögel zur großen Wanderfahrt. Sie wissen, was die Zeit des Mariengarns bedeutet. Für uns Menschen sind es die Tage des ruhigen Ueberschauens. Wir sollen noch einmal nachdenken über das vergangene Jahr, zurückdenken an schöne Stunden, die uns Frühling und Sommer schenkten. Es ist schon Abschkbsstimmung, die uns die Marienfäden bringen. Wenn wir aud) wissen, daß diese leuchtenden Tage bis zum Ende nur helfen und wirken, daß sich alles in der Natur vollende, so liegt doch eine wehmütige Trauer über allem. Das Jahr geht zur Neige. Dankbar wollen wir noch die letzten Sonnenstunden in unsere Herzen aufnehmen, aufspeichern für trübe Tage; denn die rauhen Herbftstürme wer- den schon körnen und alles Müde, Welke, das im Laufe des Jahres redlich mitgearbeitet hat im großen Reiche der Natur, wird eingehen zur Ruhe B. 80. Geburtstag des Verlagsbuchhändlers Otto Roth. Am 6. September feiert der Derlagsbuckchänd- (er Otto Roth, bet in Gießen als Sohn des Verlagsbuchhändlers Emil Roth und feiner Ehefrau Dorothea geb. L'Allemand geboren ist, feinen 80. Geburtstag. Emil Roth war im Jahre 1815 in Weißenburg in Bayern geboren. Girre ausführliche Geschichte der Familie Roth wird in Kürze erscheinen. 2tud dieser Schrift geht hervor, daß die Familie Roth feit Jahrhunderten in Weißenburg (früher Weißenburg am Sand, auch Weißenburg am Rordgau genannt) anfäffig war und daß ihre Glieder in dieser bis zum Jahre 1802 „ Freien Reichsstadt" eine bedeutende Rolle gespielt haben. Zum erstenmal begegnen wir der Familie Roth im Jahre 1530. 2ud die Weißenburger Bürger sich damals, gemäß dem Reichstagsabschied von Auysburg, darüber entscheiden sollten, ob sie bei der alten Kirchenlehre bleiben, oder sich der Lehre Luthers anfchließen wollten, entschied die weitaus größere Zahl sich für Luther. Hierzu gehörten auch Erasmus und Endrih (Andreas) Roth. Der erste uns genau bekannte Ahnherr des nun Achtzigjährigen war Hans Roth, der von 1541 bis 1606 lebte. Ihm verlieh Kaiser Rudolf II. am 5. Rovernber 1577 das Wappen, das die Familie heute noch führt und das auf der Titelseite aller Veröffentlichungen des Verlags Emil Roth zu sehen ist. Hans Roth war Ratsältester in Weißenburg; die Leichenrede, die ihm der Pfarrer Georg Ruding gehalten hat, ist im Drucke erhalten, sie preist ihn als „eine feine gravite- tische Person" und sagt, daß er „zu den fümem- sten Rathsgeschäften von gemeiner Statt wegen, in und außer der Statt, wie auch aufs Craiß- und ReichStägen, auch in Legation bey Kehser- licher Majestet" beordert worden sei. Sein Sohn Dr. Vitus Roth, der allerdings kein direkter Vorfahre von Otto Roth ist, war Syndikus seiner Vaterstadt; er hat sich um diese in der ersten Zeit des Dreißigjährigen Krieges große Verdienste erworben, da er die Stadt auf Reichstagen, auch am Kaiserhofe zu Wien verttat. Ein bedeutender Mann ist auch der Argrohvater des Derlagsbuchhändlers Emil Roth Georg Zacharias Roth (1712 bis 1792), gewesen, er war Gold- und Silbertressenfabrikant und soll der reichste Mann gewesen sein, der jemals in Weißenburg lebte. 2m Jahre 1822 hatte der einer alten Gießener Familie entstammende Ehristtan Balthasar Ferber hier eine Buchhandlung begründet, er starb früh, seine Witwe verheiratete sich im Jahre 1846 mit Emil Roth, der nun das Geschäft übernahm. Otto Roth .befuchte die hiesige Realschule und lernte als Buchhändler in Heidelberg bei der Firma Mohr. Ilm sich in seinem Berufe weiter aus^ubilden, war er in den Buchhandlungen von Stein in Rürnberg, Baedeker in Essen, Perthes, Besser und Mauke in Hamburg, Benda in Vevey tätig. SeinVater war im, Jahre 1876 gerade damit beschäftigt, ihm auswärts ein Geschäft zu erwerben, da starb Emil Roth, und sein Sohn übernahm im jugendlichen Alter von 27 Jahren das väterliche Geschäft. 2m Jcchre 1864 hatte Wilhelm Ferber, der Sohn des Gründers der Ferberschen Buchhandlung, die Sortt- mentsabteilung des väterlichen Geschäfts übernommen, und Emil Roth hatte sich von da an ganz dem Verlage gewidmet. Der Sohn trat in die Fußspuren des Vaters und erweiterte seinen Verlag von 2ahr zu Jahr. Medizinische, staatswissenschaftliche, juristische und theologische Werke gingen in großer Zahl aus dem Verlage hervor. Männer, wie der Raturforscher Jakob Moleschott, der Kirchenrechtslehrer Johann Friedrich von Schulte, der ^llediziner Ferdinand Adolf Kehrer, der Jurist Karl Gareis, der Gießener Rationalokonom Magnus Diermer veröffentlichten ihre Werke im Verlage Emil Roth, der auch Gesetzessammlungen in großer Zahl herausbrachte. Otto Roth hat sich auch der Pflege der Heimatdichtung gewidmet. Große Bedeutung für die Kultur des Hessenlandes gewann sein Verlag besonders durch die Herausgabe vieler Schulbücher. Erst vor wenigen Jahren erschien das „Hessische Lesebuch" in verschiedenen, der jeweiligen Altersstufe angepaßten Bänden. Otto Roth hat seinem Geschäfte einen Kunstverlag angegliedert, der in vielen Bildern die landschaftliche Schönheit des Hessenlandes zur Geltung bringt. Das ist alles in allem ein Lebenswerk von erstaunlicher Vielseitigkeit und großem Erfolge. Der Achtzigjährige erfreut sich völliger körperlicher und geistiger Rüstigkeit, so daß von seiner Arbeit noch manche reife Frucht zu erwarten ist. Oer neue Vornan in her „Illustrierten^. In ber nächsten Ausgabe ber „Illustrierten" des Gießener Anzeigers, am kommenben Samstag, 7. September, werben wir mit ber Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes beginnen. Es hanbelt sich babei um eine deutsche Originalarbeit, bei deren Erwerbung die Redaktion weder Mühe noch Kosten gescheut hat, da dieses Werk allen Erfordernissen des modernen Zeitungsromanes im besonderen Maße zu entsprechen schien. „Die Revolution der Venus" von Frank Marquardt schildett eine Welt, die jederzeit ihr dankbares und anhängliches Publikum gefunden hdt, die Welt ber Bühne — unb ben immer interessanten Weg zum Erfola, zur großen Berühmtheit, jenen Aufstieg, ber oft ebenfo abenteuerlich unb spannend genannt werden kann, wie ein sensationeller Kriminalfall. Unser neuer Roman bringt eindringlich gesehene Gestalten aus der Theater- und Filmwelt. Vom ersten Kapitel an fesselt eine sehr geschickt erfundene Idee und im weiteren Verlaufe die überaus glückliche Vereinigung von äußerster Spannung und befreiender Heiterkeit. Dies gerade ist es, was wir heute brauchen, und so glauben wir, daß auch unser neuer Roman allen Lesern unb Leserinnen eine willkommene Gabe sein werbe. Taten für Freitag, 6. September. Sonnenaufgang 5.20 Uhr, Sonnenuntergang 18.36 Uhr. — Mondaufgang 8.47 Uhr, Monduntergang 19.52 Uhr. 1729: der Philosoph Mofes Mendelssohn in Dessau geboren (gestorben 1786); — 1757: der französische Staatsmann Marie Joseph Marquis des Lafayette in Chavagnac geboren (gestorben 1834). Gictzener Wochenmarkrpreife. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 25, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grüne und gelbe, 25 bis 35, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 10 bis 20. Kürbis 5 bis 8, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln 5xh bis 6 (Zentner 4,50 bis 5 Mk.), Frühäpfel 15 bis 25, Falläpfel 4 bis 5, Dirnen 10 bis 30, Preiselbeeren 45 bis 55, Pfirsiche 45 bis 55, Zwetschen 15 bis 25, Mirabellen 20 bis 25, Reineclauden 20 bis 25, junge Hähne 120 biS 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Tauben 70 bis 90, Eier Oie Wetterlage. Owomenios. 0 netter. @ naiD » voixig. o ordtcxi enegta W Sehnet a Graupeln, a NeDei R Grwittrr.@wind5:ille.«O-* sehr «itnier O$i massiger Südsüdwest % stormiscner nordwe$l Ote »feile fliegen mit dem winde. Die deinen Stationen stenenden Zal» ien geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichen! «ul Meeresniveau umoer«tineler> Luftdruck war« -eOi fr / Z^J „o/o , P,.ziciir aa- Wettervoraussage. Der Einfluß ber flachen Störung führte zu keiner Umgestaltung unserer Wetterlage; wenn auch, begünstigt durch die übergroße Hitze, sich stellenweise lokale Gewitterstörungen gebildet haben, so blieb doch das durchweg schöne sommerliche, meist heitere Wetter bestehen. Die Temperaturen sind sogar in den heutigen Morgenstunden noch etwas weiter angestiegen und hatten bereits vielfach 20 Grad überschritten. Der herrschende Witterungscharakter bleibt noch bestehen, wobei jedoch mehr und mehr lokale Gewitterstörungen nicht ausgeschlossen sind. Wettervoraussage für Freitag. Morgens vielfach dunstig, tagsüber meistens heiter, Temperaturen wenig verändert, lokale Gewitterneigung. W i t te r u n g s a u s s ich t en für Spms- t a g. Roch kein Witterungsumschlag wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 4. September: mittags 30 Grad Celsius, abends 20. Grad; am 5. September: morgens 16,4 Grad. Maximum 30,2 Grad, Minimum 13 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. September: abends 26,9 Grab; am 5. September: morgens 19,9 Grab Celsius. — Sonnenscheindauer 9J4 Stunben. Der frische Geruch ber Wäsche ist ber Hausfrau genau so wichtig, rote bie völlig« Reinheit. Sunlicht- Seife gibt ber Wäsche beides. Wo zum ersten Kochen ein pulverförmiges Waschmittel verwendet wird, nehmen viele Hausfrauen zum Klarkochen Sunlicht-Seife, um ber Wäsche ben herzhaft frischen Geruch zu geben. 3526v Beachten Sie meine Spezialausstellung in Küchenuhren Die schönsten Schuhe zu niedrigsten Preisen finden Sie im Schuhhaus Meyer Gießen Bahnhofstr.30 6642A Ludwigstraße 36 Verkauf gegenüber Ludwigstraße 27 Carl Beck, Uhrmachermeister jrmals Gg Spies hren, Schmuck waren,Trauringe i großer Auswahl 2000 Mk au leihen ncfncbt, am liebsten voy Privatmann auf ein gut erhaltenes HauS. Schr. Angebote unter 05586 an den Gieß. Anz. MliMW Konstanz;: c.R Ingenieurschule (.Maschinenbau o ■ und Elektrotechnik, Flugzeue- £ ■ bau und Automobilbau. 24W Steingut, solange Vorrat reicht, per Ltter 18 Pf. H. Schön, Marbarger Str. k„4< greibant Freitag, den 6. September, von 8 Ubr ab 7B14D Ileischverkauf. 678 M. Biringer Nachi. Seltersweg 63 / Inh.: Fr. Holzheimer Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 15. August 1929 bei der Firma Wilhelm Zurbuch, Gesellschaft mit be- schränkter Haftung zu Gießen, folgendes eingetragen: Dr. Egon Meier ist als Geschäftsführer abberufen. Der Geschäftsführer Meier Löb wohnt jetzt in Essen. Dem Kaufmann Joseph Christ in Frankfurt a. M. ist Prokura erteilt mit ber Maßgabe, daß er berechtigt ist, in Gemeinschaft mit einem Geschäftsführer bie Gesellschaft zu vertreten. 7299D Gießen, ben 3. September 1929. Hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 2. September 1929 bei der Firma heyligenstaebt & Lomp., werk- zeugmaschinenfabrik und Eisengießerei, Aktiengesellschaft In Gießen, folgendes eingetragen: Nach dem Beschluß der General- Versammlung vom 12. September 1928 soll das Grundkapital durch Zusammenlegung der Aktien im Verhältnis 4:1 herabgesetzt werden. 7298D Gießen, den 3. September 1929. Hessisches Amtsgericht. Wangsverfleigemng 43/28 Am Donnerstag, dem 19. September 29, vormittags 6% Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude, Zimmer 112, das im Gr ndbuche von Gießen ber Friß Schott Ehefrau, Elie geb. (5iefa, in Gießen zuge- fchriebene Anwesen Löberstraße 3 Flur 4, Nr. 1M7/1O = 1057 qm hofrette, geschätz. auf 59 000 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. 5970D Giegen, den 9. Juli 1929. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. NSU Silberne Medaille NSU NSU Diplom durch Deutschland. Oesterreich, Italien, Frankreich, Schweiz Unter 175 kampferprobten Konkurrenten aus 14 Nationen beweist das NSU-Motorrad. trotz schwerster Prüfung, seine Überragende Zuverlässigkeit als Gebrauchs-Maschine mH folgenden Resultaten; Silberne Medaille 5OO ccm-Klasse - Pätzold-Köln Bronzene Medaille NSU 5OO ccm-Kiaeee - DoUmerm-Neckarsulm 5 WWW W 5 H5U oMiSbietl Ote „BZ am Mittag" Nr. 139 „Von den deutschen Firmen Ist noch NSU besonders schreibt wie folgtt hervorzuheben, deren Fahrer, hätten eie ein Team gebildet. In Ehren bestanden hätten.“ Verfcaufsgemeinschaft NSU-Wanderet: NSU Vereinigte Fahrzeugwerke AG. Neckarsulm WOrttbg. 350 ccm-Klasse - K. WtWner, BCnde L W. Bronzene Medaille NSU 330 ccm-Klasse - Scberer-Kodwadorf 15. Blumenkohl 30 bis 80. Salat 15 bt8 20. Salatgurken 10 bis 25, Tinmachgurken 2 bis 4, GnMbten 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 10 biS 15, Lauch 10 bis 15. Rettich 10 biS 20, Sellerie 10 bis 15 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 10 bis 15. Bornotizen. — Tagestalender für Donnerstag. Lieder- und Ärienabend Elisabeth Weeg, 20 Uhr, in der Reuen Aula. — Liebigshöhe: Mili- tar-Streichkonzert, 20'/» Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Der rote Kreis". — Astoria- Lichtspiele: „Männer ohne Beruf". — Militär-Streichkonzert. DaS Musikkorps unseres Bataillons veranstaltet heute abend unter der Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r ein Streichkonzert auf der Liebigshöhe. Die Veranstaltung dürfte, wie auch die bisherigen Konzerte, den Besuchern wieder einige genuh- reiche Stunden bereiten. Räheres in der gestrigen Anzeige. — Der Werbetag der Firma Hausrat und anderer Firmen am nächsten Samstag im Caf6 Leib wird im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes unter Angabe der Einzelheiten der Darbietungen angekündigt. Interessenten seien auf die Anzeige hingewiesen. ** Oberamtmann Adolf Güngerich in Hof Engelthal bei Altenstadt begeht morgen 6. September, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar hat neben der erfolgreichen Bewirtschaftung seines Betriebes, der vor 50 Jahren von seinem Vater gepachtet wurde, sich in zahlreichen Ehrenämtern im Dienst« der Allgemeinheit betätigt. In den letzten Jahren stellte er sich in selbstloser Weise in den Dienst der neuaufstrebenden Grünlandbeweaung, die unter seinem Vorsitz sich schnell in ganz Hessen ausbreiten konnte. ** Zeppelinfreude in Gießen. Der Freude über die glückliche Heimkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin" von seiner Weltfahrt wurde gestern auch in unserer Stadt sichtbaren Ausdruck gegeben. Neben den amtlichen Gebäuden zeigten viele Privathäuser aus diesem Anlaß festlichen Flagaenschmuck, während in den Schulen nach kurzen Ansprachen über die Bedeutung dieses Ereignisses der Schulunterricht ausfiel. Man hat jetzt in unserer Bürgerschaft nur noch den Wunsch, daß es auch unserer Stadt vergönnt sein möge, das Luftschiff bei einer der nächsten Fahrten hier sehen zu können. ** Geschäftsjubiläum. Das Schuhhaus Reiß, Mäusburg 12, kann heute auf fein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma genießt in der Gießener Geschäftswelt hohes Ansehen und kann sich auch bei dem Publikum in Stadt und Land eines hervorragenden Rufes erfreuen, der in dem Vertrauen breiter Käuferschichten begründet ist. ** Wieder ein Opfer der Lahn. Nachdem vor einigen Tagen der Kriminal-Hauptwacht- meist«r Dahmer beim Baden in der Lahn bedauerlicherweise dem Flusse zum Opfer gefallen war, ist gestern nachmittag schon wieder ein junges Men- schenleben in den Fluten der Lahn zugrunde gegangen. Der bei einem Gießener Bäckermeister be- schäftigte Lehrling Fritz Schmidt aus Laubach badete in der Lahn am Launsbacher Badeplatz. Der junge Mann hatte sich dabei als Nichtschwimmer etwas über die Badegrenze für Nichtschwimmer hinausgewagt und versank dann in dem plötzlich tieferen Wasser. Leider gelang es nicht, ihm noch rechtzeitig zu Hilfe zu kommen, so daß er den Tod durch Ertrinken fand. Die Leiche des bedauernswerten jungen Mannes konnte erst nach längerem Suchen geborgen werden und wurde dann nach Wißmar verbracht. wettere Lokalnachrichken im 2. Blatt. •Berliner Börse. Berlin, 5. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr war die Stimmung in den Bank- bureaus noch zurückhaltender als sonst. Kurse wurden überhaupt noch nicht genannt, da man einerseits abwarten wollte, ob London eine Diskontveränderung oornimmt, andererseits noch nicht recht erkennbar war, wie die Börse die Verluste bei der Vaterländischen und Rhenania beurteilt. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,87, London gegen Mailand 92,72, London gegen Kabel 4,8475, London gegen Berlin 20,3675 bis 20,3590, Kabel gegen Berlin 4,2015. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • DaS Amtsverkündigungsblatt Rr. 63 vom 3. September enthält: Straßensperren. — Ortssatzung über den Deitrieb von Schafen zur Herde der Gemeinde Lich. — Dienstnach- richten. v32&> Qm Nu macht VIM Herd und Spülstein blank und sauber Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres Heben Entschlafenen sage ich im Namen aller Hinterbliebenen herzlichen Dank. Frau Christine Dahmer geb. Bohl Gießen, den 5. September 1929. 05647 EvatiseMiber Bund Das Lahresfest des Dekanats Gießen findet Sonntag, den 8. Sevt., nachm. 2.16 Nbr in TveßS an dev Lumda statt Festprediger ist Herr Pfarrer EckbardtWublen Ansprachen ballen der Vorsitzende des Hauptvereins des Ev. Bundes in Hellen Herr Pfarrer Berck-Nostdorf, der Fest- predtger u. o. Alle Evangelischen sind freundlichst eingeladen. Da« evangelische Dekanat Gießen 73060 Der evangelische Kirchen vorstand Treis a. d. Lda. 6942b K. Petrasch 05614 BahDbois-Restauraot Der verehrten Einwohnerschaft von Lollar und Umgebung zur gefälligen Kenntnis, daß ich ab morgen Freitag, den 6. Sept., in Lollar, Hauptstr.173 eine Gastwirtschaft eröffne. — Zum Ausschank gelangt Ihring-Melchior Exportbier und sonstige Getränke. Um geneigten Zuspruch bittet: Reichhaltige Speisekarte Erstklassige Küche Mäfeige Preise Wirtschafts Eröffnung Drei schön möbl. Zimmer sämtl. m. fep. Gina., eins evtl. m. Klavier und eins evil. mit 2 Betten, einzeln, sofort ob. später zu vermieten. Zu erfr. Ludwigttr. 621.0B8. billig zu verk. [ HS I H. Benner II., Xordanlage 7. Kaufgesuche | teil Slgorien-, Eeöensmitlel- ooet öünliüjeg zu kauf, gesucht. ,3mV Nur direkte Off. unt. F. 0. D. 4772 ö. Bndolf Bloaae, Frankfart M. | Empfehlungen | DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl’sche Druckerei Herrenzimmer Schlafzimmer Speisezimmer Küchen taufen Sie in bester QuatttätsauS- sührung am billigst. auchaufTeilzahlung nur bei 73100 »oll Blum Stelnnrofie 63. rsr AMlliMS t werd, sachgemäß r u. preiswert ge- ♦ sttmmt u. revar. OöetGr Gletzen.vlolkMTl Telephon 2403. Verkauf v. neuen u. gebr. Klav. 35. Engener Fohlcii- uod Geldlotterie Ziehung 8lcher19.Se; l. M.5100 AlleBew.barauszahlt ' Los 1 Mk. Porti und Liste 30 Pf. Meßkircher Geldlotterie Zlehg.slch.18.u.19.0kL -«12500 Höchstgew. qaaa au,,DÄo000 Porti und Liste 30 PI. Nachnahme teurer. KarlOtakeÄ' alle hess. Einnehmer und alle Losgeschäfte. la geiöfletlffiige SHtllt- intiofieln oer 3entner Ms. 3.75. Wiederoerkäu'ern u. Großabnehmern Sonderpreise. eseiD Kartoffelhandlg. Trechsler Slelnfir 73. Tel. 3581 Vereine | MTV. Wanderung »311 D am Sonntag. 0.8.9.29 „Kund nm Braunfels" Abf. 804 Uhr. Sonn- tagskarte Braunfels Samölag, 7. Scvt. Monats-Versamtulung verbunden mit einem LichtbildeF-Vortrag auf derBergscheuke Beginn 8Ä Uhr pünktlich. 05632 Abmarsch 8 Uhr Katb.VereinSbauS Um zahlreiche Be» teiligung wird gebeten. Der Voritul. Kr. 208 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Donnerstag, 5. September 1929 ßflEQDBKnBnrxK ix i ■■■■ !■ irT—nrmT—nrnnr !. sMcnsEuxTxxzUBxaLaK^“t-^b.ij..---■ n« n—■——M Zeppeü'nflug und Haag — zwei Welten! Oluf den ersten Blick wird man sagen: was haben diese zwei Ereignisse miteinander zu tun? Leider haben sie nichts miteinander zu tun; wir sind aber der Ansicht, daß man diese zwei Dinge, die anscheinend ganz verschiedenen Dimensionen des Lebens angehören, einmal zusammen ins Auge fassen und miteinander vergleichen sollte. Es tut gut, die überkommenen und oft verhärteten Maßstäbe, die wir an gewisse, vor allem politische Entwicklungen anlegen, zuweilen der frischen und brausenden Luft auszusetzen, die aus seitab liegenden Entwicklungen, aus Durchbrüchen in eine neue Zeit herströmt. Ein solcher Durchbruch in eine neue Zeit, in eine Zukunft voller ungeahnter und unausgeschöpfter Möglichkeiten, bedeutet zweiffeklos der Zeppelinflug. Der Roman von Zules Verne, Reise um die Welt in einundzwanzig Tagen, ist jetzt mit ganz unmagischen Mitteln verwirklicht worden, und diese Wirklichkeit hat an Romanhastigkeit, an Erlebnis, Hochgefühl und an Perspektiven die Phantasie von Zules Verne noch übertroffen. Die schnellste Erdumkreisung — zwölf Fluglage — die je ausgeführt wurde, ist Deutschland zu verdanken, ihm gehört zur Zeit nicht nur das blaue Band des Ozeans, sondern auch das goldene Band Des Erdballs. Die Wissenschaftler — Geologen, Geographen und Techniker — die den Flug mitmachten oder verfolgten, sind sich darin einig, das; dieser Flug revolutionäre Wirkungen hat. Revolutionär im Sinne der Erschließung neuer Möglichkeiten und Kräfte, älnd es ist deutscher Ersindungsgeist, deutsche Tatkraft, die diesen Schlüssel geschmiedet und ins Schloß der Welt eingesührt hat. Kurz vorher war die Rekordfahrt der „Bremen", auch ein beachtenswerter, nationaler Durchbruch, wenn man das Debatte bedenkt, das der Versailler Vertrag der deutschen Handelsschiffahrt bereitete und die kurze Zeit, die zwischen der Ablieferung unserer Handelsflotte und der Ausfahrt der „Bremen" liegt. Ebenfalls kurze Zeit vor dieser Leistung der Flug der anderen „Bremen", das europäische Gegenstück zu Lindberghs Tat. Alle drei Taten sind deutsche Lei st ungen von Weltformat. Sie sind technische Großtaten, aber sind sie damit nicht auch Proben des fortschrittlichsten kulturellen Denkens und einer großzügigen und führenden zivilisatorisch e n G e s i n n u n g , die einen entscheidenden Einfluß nimmt auf die künftige Gestaltung des Erdantlihes und der Beziehungen zwischen den Völkern, Staaten und Rassen? Man mache sich das mit ruhigem Stolz, zu dem wir berechtigt sind, klar und vergleichen damit die Behandlung, wie sie Deutschland im Haag erfahren hat. Man vergleiche die Gesinnung und das Denken, wie sie in der maßgebenden europäischen Politik, bei den Routiniers und Berufspolitikern der Kabinette und Parlamente noch herrschen, mit dem großen Atem, mit den gewaltigen Maßstäben, die der Flug des deutschen Luftschiffes um die Welt heraufbeschworen hat. Sind das inkommensurable Größen? Wir meinen nein. Was jener politischen Gesinnung so not tut, ist eine radikale (Mlüftung. Woher könnte sie anders am besten kommen, denn vor der stillen, aber starken und unaufhaltsamen Entwicklung wirtschaftlicher und technischer Kräfte, die schon längst in neue Räume vorgestohen sind, während die Politiker noch immer um Restfragen der Vergangenheit feilschen und Stürme erregen. Ein Problem taucht dabei auf, das bisher noch kaum behandelt wo>en ist: der Einfluß der modernen Technik auf den Gestalt- und Form wandel der Politik. Der Techniker gilt im allgemeinen als Typ eines unpolitischen Menschen und ist es auch oft. Aber daß seine Leistungen mehr und mehr das Über- Der Hase und die Schildkröte. Von Tristan Senior^. Vorgestern mittags speiste ich bei Zidors. — Emil Zidor, der so recht der Vorstellung eines wohlhabendes Mannes entspricht, wohnt bescheiden im vierten Stock in der Rue Truffaut mit seiner Frau Henriette und seinem, kleinen Zungen Fernand. Jeden Mittag, sofort nach dem schwarzen Kaffee, geht Emil Zidor zum Rennen, und dank kluger Voraussicht verdient er sich einen Tagesdurchschnitt von fünfzig Franks. Dor zehn Zähren hatte er feinen Beruf als Stationschefstellvertreter mit tem eines Rennwetters vertauscht. Seither hat sich sein bis dahin ein wenig zerstreuter Geist gesammelt und ge- skärlt. Früher geschah es, daß er im Dienst nachlässig war; davon ist keine Rede mehr. Er ist der regelmäßigste und ausdauerndste Arbeiter, den man sich denken kann. Rur eine Schwäche hat er von seinem alten Stationschefleben zurückbehalten: er bleibt gern morgens lang im Bett. Vor elf steht er niemals auf. Dann allerdings versäumt er keine Minute mehr, studiert die Fachzeitungen und bereitet die Wetten für den nächsten Tag vor. Henriette, die treue Gefährtin feines Lebens, hilft ihm dabei. Wenn er auch kein leidenschaftlicher Spieler ist und sich vor allem von der Vernunft leiten läßt, so glaubt er nichtsdestoweniger an die Vorsehung. Er wird es auch nie versäumen, vor dem Schlafengehen ein. paar vertrauliche Worte an jenen zu richten, der alles sieht, der die Fallstricke der Dösen zerreißt und der auch die dunklen Pläne enthüllt, die den Sieg des besten Pferdes hindern sollen. So hat die Gewohnheit des Wettens aus einem ziemlich gottlosen Stationschef einen frommen Spieler gemacht. Ich war auf den Wunsch des Herrn Zidor bereits um halb Zwölf zum Essen erschienen. Wir speisten sehr schnell, denn um halb Eins mußte Zidor zum Rennen nach Saint-Quen. Da ihm nach dem Essen noch eine fteie halbe Stunde blieb, benützte er die Zeit, um seinen Zungen anzuhören. Das Kind sagte ziemlich fließend Lafontaines Fabel vom Hasen und der Schildkröte auf. „Drei Tage wird er jetzt schon mit dieser Albernheit geplagt," erklärte Emil Zidor. „Wie kommene Gebäude der politischen Methoden und Denkweisen aufsprengen, wird doch immer mehr offenbar. Diese Sprengung geht einmal über die Gestalt des Krieges, in dessen Bedeutung als letzter Ratio der ringenden Kräfte ja soviel Politik noch begründet ist und auch gipfelt, dessen Charakter aber von der modernen Technik grundlegend gewandelt worden ist. Diese Sprengung geht weiterhin über die Dertteinerung und ile- berwindung der Räu me, die Menschen und Völker trennen, über die Erschließung und Verwertung neuer Produktivkräfte der menschlichen Wirtschaft und Wohlfahrt. Wir finden, daß diese gewaltige Entwicklung noch wenig Riederschlag in der zünftigen Politik gefunden hat, daß es noch, hier und da mit Ausnahme Amerikas, wenige Staaten und Staatsmänner gibt, die einen Hauch von dieser neuen Welt verspürt haben und chre Impulse und Me- thode rechtzeitig von ihr beeinflussen, lassen. Veraltete Ziele und Praktiken gegen moderne, mit heraufkommenden Kräften und Zukunftschancen rechnende Politik — das wird die große Diagonale sein, die durch die Weltpolitik, und vor allem auch die europäische ^.mschichtungspolitik der nächsten Jahrzehnte gehen wird. Deutschlands Platz sollte gemäß der Leistungsfähigkeit und des Lebenswillens, die in ihm kreisen, auf der modernen Seite sein. Der Eniwms des neuen Hess. Hebammengesetzes. Don Bürgermeister Or. Dölsing. Das hessische Ministerium des Innern hat vor kurzem den Entwurf eines neuen Hebammengesetzes vorgelegt, der auch den hessischen kommunalen Spitzenverbanden zur Stellungnahme zuge- gangcn ist. Der Entwurf enthält eine Reihe von Bestimmungen, die besonders für kleinere Gemeinden starke Bedenken Hervorrufen müssen, zumal auch bei der hier vorgesehenen Regelung des Hebammenwesens de n Gemeinden neue finanzielle Verpflichtungenau ferlegtwerdensol- len, deren Tragweite und Auswirkung zunächst noch nicht abzusehen sind. Der Gesetzentwurf behandelt in seinem ersten Teil die Geburtshilfe durch Hebammen und deren Pflichten und Gebühren allgemein. Im zweiten Teil befaßt er sich mit den Gcmeindehcbammen, für die noch besondere Bestimmungen vorgesehen sind. Schon hier liegt im Aufbau des Gesetzentwurfes eine Schwäche, insofern als der begrifflich und praktisch notwendige Unterschied zwischen den freien und den Gcmeindehebammcn nicht in genügend scharf abgcgrenzter Form durchgcführt ist. Es wäre notwendig, daß zwei klar umrissene Hebammen- systcme geschaffen würden, nämlich freie Hebammen, die ihre Tätigkeit auf Grund der Niederlassungsgenehmigung aufnehmen und nach der Gebührenordnung von den dazu Berpflichteten bezahlt werden; sodann Gemcindchebammen, die auf Grund eines Beschlusses der Gemeindevertretung durch Vertrag von der Gemeinde angcstellt werden. Es muß verlangt werden, daß es den Gemeinden freigestellt wird, welches von beiden Systemen sie wählen wollen, und zwar im Hinblick auf die vielfache Verschiedenheit in den einzelnen Gemeinden. Schon seither konnte man in den Gemeinden verschiedene Arten von Vereinbarungen mit den Hebammen antreffen. Es muß deshalb den Gemeinden, je nach Lage der besonderen Verhältnisse die Möglichkeit gegeben fein, von dem für sie günstigsten System Gebrauch zu machen. In diesem Sinne hat auch der Hessische Landgemeindetag bei dem Minister des Innern beantragt, den Gesetzentwurf einer Umarbeitung unterziehen zu lassen. Auch gegen die im Entwurf vorgesehene Einführung des sog. Hebammenzwangs müssen berechtigte Bedenken erhoben werden. Darnach soll die Hebamme bei der Ausübung ihres Berufs nur auf ihren Bezirk beschränkt fein. Außerhalb ihres Bezirks soll die Hebamme nur in Notfällen oder in Stellvertretung einer verhinderten zuständigen Hebamme oder auf Anweisung oder mit Zustimmung des Kreisamts Hebammendienste verrichten dürfen. Gegenüber dieser Vorschrift muß nachdrücklich betont werden, daß die freie Hebammenwahl unter allen Umständen gesichert bleiben muß, da die Wahl einer Hebamme V c r t r a u e n s s a ch e ist und auch bleiben muß. Es muß einer Wöchnerin zum mindesten hier das gleiche Recht eingeräumt werden, wie es jedem Kranken in der freien Wahl seines 'Arztes gewährleistet ist. Auch die praktische Durchführung des sog. Hebammenzwanges würde auf so große jWwyyMi mw i1 kann man den Geist der Kinder mit so schlecht verstandenen Geschichten beunruhigen? Haben Sie einmal über diese da nochgedacht?" Eine Schildkröte schlägt einem Hasen einen Wettlauf vor. Der Hase antwortet, wie billig: „Sie sind verrückt!" Und sie muß ja auch wirklich verrückt sein, um sich in solch ein Lebern teuer zu stürzen. Zch will zugeben, daß sich die Dinge verhalten haben, wie es in der Fabel erzählt wird, der Helle mag sich unterwegs zu lange verzögert haben und darum geschlagen worden sein. Solche Dinge kommen a.le Tage vor. Doch was ich nicht zugebe und was auch sonst kein Vollsinniger zugeben wird, ist, daß die Schildkröte das voraussehen konnte, daß sie sich gesagt haben sollte: „Dieser Hase wird Dummheiten machen; er wird sich unterwegs aufhalten und ich werde gewinnen." Cs ist ganz unmöglich, daß sie darauf spekuliert haben sollte. , Weine Lleberzeugung ist, daß die ganze Sache im voraus geschoben worden war. Zch gehöre nicht zu denen, die überall eine Schiebung wittern, aber unter diesen Umständen springt es einem doch in die Augen. Die Schildkröte hat den Hafen beiseite genommen. oder aber es war der Hase, der der Schildkröte ein paar Worte gesteckt hat. Er wird ihr gesagt haben: „Wir wollen einen Wettlauf veranstatten. Du wirst mich vor mehreren Zeugen herausfordern; ich werde mich über dich luftig machen und dir sagen, daß du verrückt bist. Und alle Welt wird glauben, daß du wirklich verrückt sein mußt. Wir werden abschließen, und es wird nicht an Leuten fehlen, die auf meinen Sieg wetten, denn alle Welt wird denken: Für den Hasen ist das eine Kleinigkeit. Du natüpllch, du wirst auf dich selbst sehen, und zwar keinen kleinen Betrag. Zch lasse dich gewinnen, und wir teilen den Ruhen." Und so hat sich die Sache auch wirklich ab- gespielt. Zch sehe das Rennen, als ob ich dabei gewesen wäre. Auf düe Anzeige von dem Wettlauf hin wird alles auf den Hasen gesetzt haben, man wird tausend gegen zwanzig halten. Man wird bis zu hundert gegen eins auf den Hasen gehn. Die Schildkröte und ihre Freunde legen jeden Betrag. Und das Geld kommt haufenweise. Denken Sie sich doch: Eine Hase gegen eine Schildkröte! Das ist eine sichere Wette für einen Familienvater. Tag und Stunde des Laufes kommen heran. Man gibt das Zeichen zum Start. Die Schildkröte fctjt sich in Trab so gut sie kann. Der Schwierigkeiten stoßen, daß sich der Hessische Landgemeindetag veranlaßt gesehen hat, den Fortfall dieser Vorschrift zu beantragen. Nach Artikel 9 des Entwurfs ist die Niederlassungsgenehmigung zu versagen, wenn das Bedürfnis nach Hebammenhilfe in dem betr. Bezirke bereits ausreichend gedeckt ist. Diese Vorschrift wäre geeignet, den Gemeinden jeden Einfluß auf die Anstellung einer weiteren Hebamme zu nehmen, selbst wenn die Hebamme nicht mehr das Vertrauen der Einwohnerschaft besitzen sollte. Der Artikel 9 müßte daher noch den Zusatz erhalten, daß aus berechtigten Gründen auf Antrag einer Gemeinde von der obigen Bestimmung Ausnahmen zugelassen werden können, worüber im Streitfall der Minister des Innern in letzter Instanz zu entscheiden hätte. Hinsichtlich der sozialen Verhältnisse der Gemeindehebammen tritt in dem Entwurf deutlich das Bestreben hervor, diese erheblich zu verbessern. Darnach ist in dem Dienstvertrag der Hebamme die Gewährleistung eines jährlichen Minde st einkommens zuzusichern, das in Ortsklasse A 1200 9)11., in Ortsklasse B 1000 Mk., in Ortsklasse C 800 9)1 f., in Ortklasse D 600 Mk. beträgt. Erreicht das gesamte berufliche Einkommen der Hebamme nicht dieses Mindesteinkommen, so ist ihr der Unterschiedsbetrag von der Gemeinde zu gewähren. Ferner ist jeder Gemeinde- hcbamme im Dienstverträge die Gewährung eines Ruhegehalts zuzusichern in der Höhe und unter den Bedingungen des hessischen Versicherungsgesetzes für gemeindliche Beamte, sofern die betreffende Hebamme bei der Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte nicht schon versichert ist und auf Grund des neuen Hebammengesetzes auch nicht versichert werden kann. Der Anspruch auf Gewährung von Ruhegehalt nach dem Versicherungs- gesetz für gemeindliche Beamte soll nach dem Gesetzentwurf wesentlich erweitert werden. Diejenigen Gemeindehebammen, die bei Inkrafttreten des Gesetzes das 50., aber noch nicht das 55. Lebensjahr vollendet haben, sind noch zum freiwilligen Eintritt in die Versicherung berechtigt. Ferner müssen die Gemeinden die Aufnahme der Gemeinde- Hebammen in die Versicherungsanstalt beantragen, die bisher bereits versicherungsberechtigt waren, deren Aufnahme aber mangels Antrags der Anstellungskörperschaft oder wegen Fristversäumnis nicht erfolgen konnte. Gegen die Durchführung dieser Bestimmungen müssen von feiten der Gemeinden starke Bedenken geltend gemacht werden. Es ist bekannt, daß die von den Anstellungskörperschaften an die Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte zu zahlenden Umlagen (sie betragen zur Zeit 13 v. H.) eine Höhe erreicht haben, die eine schwere Belastung für die hessischen Landgemeinden bedeutet. Es erwächst nun aber die Gefahr, daß die geplanten Vorschriften, die eine wesentliche Erweiterung des Kreises der zu versichernden Gemeindehebammen nach sich ziehen, die Anstalt mit einer großen An- Hase rührt sich nicht, er bleibt ruhig bei einem Krautblatt. Seine Anhänger lachen. Er soll sich nur Zeit lassen, er ist ja dermaßen überlegen! Er wird loslegen, wann er will, und gewinnen, wie er will. Unterdessen bleibt die Schildkröte im Trab. Sie hat schon die Gerade erreicht. Der Hase sitzt immer noch und kaut. Seine Anhänger fangen an, nervös zu werden. Was er da treibt ist bod) zu töricht. Es ist immerhin eine Menge Geld auf ihn gesetzt, das sollte er nicht so leicht nehmen. Die Schildkröte wackelt weiter. Was denkt denn der Hase? Er hat sich endlich entschlossen, sein Blatt liegen zu lassen. Mit kleinen Sprüngen verläßt er den Start, um nach ein paar Metern wieder stehn zu bleiben. Man beginnt zu schimpfen. Er ist bod) gar zu albern. Die Schildkröte ist nur noch dreißig Meter vom Ziel. Die Freunde der Außenseiter, die wenigen, die ein paar Sous auf sie riskiert haben, stoßen schon ein Triumphgeschrei aus: „Die Schildkröte ganz allein! Die Schildkröte voran! Die Schildkröte! Die Schildkröte!" Plötzlich erhebt sich ein ungeheurer Lärm. Grälich ist der Hase losgekommen. Da rennt er! Und seine Freunde über brüllen die Anhänger her Schildkröte: „Der Hase! Der Hase machts im SchlafI Zm Lehnstuhl! Beim Verdauen!" Aber bas Ziel ist zu nah. Der Hase mag sich die Deine unterm Leib weg laufen. Das hindert nicht, bah die Schildkröte mit einer halben Schrld- länge bas Reimen macht. Wäre bas Ziel nur fünf Meter weiter gewesen, so hätte ber Hase mit 4,50 Mtr. gewonnen. Aber bas Ziel war eben keine fünf Meter weiter. Das ist immer dieselbe Geschichte. „Schön," sagte die Schildkröte: „Wer hat den Preis gekriegt, Trotz deiner Deine Schnelle? Wie hätt' ich erst gesiegt, Trügst du den Schild an meiner Stelle!" Zn Wirklichkeit trug er etwas viel Schwereres als den Schild. Er trug einen Derg von Gold und Danknoten fort, den unvorsichtige Wetter auf ihn riskiert hatten. „Die Sache wird natürlich nicht ohne Lärm abgegangen fein," schloß Zidor. „Dloh der gute dumme Lafontaine konnte glauben, daß es damit zu Ende war. Und er hat sogar eine Moral daraus gezogen! Das ist wirklich der Gipfel!" Inzwischen war es spät geworden; wir mußten von Frau Zidor Abschied nehmen und fuhren zahl ungünstiger Risiken belasten werden, die zu einer erneuten Erhöhung der Umlagen führen werden , es sei nur auf die Bestimmung hingewiesen, daß Hebammen noch zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr versicherungsberechtigt fein sollen. Gegen eine weitere Erhöhung der Bersicherungsumlage werden sich aber die hessischen Gemeinden mit allem Nachdruck wehren. Der Entwurf enthält sodann eine Bestimmung, wonach ein Ausgleich st ock bei der Hauptstaat s lasse gebildet werden soll. In diesen Ausgleichstock haben die Gemeinden für jede Gemeinde Hebamme einen jährlichen Betrag einzuzahlen, dessen Höhe für jedes Rechnungsjahr von dem Minister des Innern bestimmt wird. Aus diesem Ausgleichsstock werden den Gemeinden die Beträge vergütet, die sie an die Gemeindehebamme zur Erreichung des ihr vertraglich zu gewährleistenden Mindesteinkommens von 600 bis 120Ö Mk. (j. oben) zu zahlen haben. Diese eigenartige Regelung, die, nebenbei erwähnt, wieder eine neue, weitere Belastung für bie Gemeinden darftcllt, denen man andererseits fortwährend Verminderung ihrer Ausgaben dringend empfiehlt, kann nicht unwidersprochen bleiben. Auch eine innere Veranlassung zur Bildung eines derartigen Ausgleichstocks ist nicht gegeben. Freie Hebammen kommen zur Gewährung von Vergütungen durch den Ausgleichsstock naturgemäß nicht in Frage. Gemeindehebammen sind aber ebenso zti behandeln wie die übrigen Beamten und Angestellten der Gemeinde, d. h. die Gemeinde hat ihre gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen von sich aus und selbständig zu erfüllen. Die Bildung eines Ausgleichstocks muß auch schon im Hinblick auf die Folgen, die sie auf andere Gruppen von Gemeindeangestellten haben kann, grundsätzlich abgelehnt werden. In diesem Sinne hat auch der Hessische Landgemeindetag Stellung genommen. Eine nicht minder eigenartig anmutendc Bestimmung enthalt der Entwurf in Artikel 27, wonach in jedem Kreise zur Wahrnehmung der Berufsinteressen der Hebammen ein Kreishebammenverein zu bilden ist. sämtliche Hebammen eines .Kreises müssen Mitglieder des Vereins sein. Die Kreishebammenvereine haben sich zu einem Landesverband zusammenzuschließen, als staatlich anerkannte Berufsvertretung mit einer ministeriell zu genehmigenden Satzung. Es kann nichts dagegen gesagt werden, wenn die hessischen Hebammen, wie die meisten anderen Angestellten im Staats- und Gemeindedienst, sich in einer freiwilligen Organisation zwecks Wahrung ihrer Berufsinteressen zusammenschlichen; daß man aber eine Zwangsorganisation der hessischen Hebammen gründen will, dürfte ein Experiment sein, das im Hinblick auf die weittragenden Folgen für andere Berufsstände, bie dann — und mit Recht — dieselbe Zwangsorganisation fordern und sicher auch verlangen werden, äußerst bedenklich und daher abzulehnen ist. Es ist auch nicht einzusehen, warum gerade für diesen Berufszweig eine Zwangsorgani- sation notwendig sein soll. Die Begründung dieser Vorschrift im Regierungsentwurf ist auch etwas schwach. Es wird gesagt, die Tätigkeit der Hebammenvereine liege nicht nur im Interesse der Hebammen selbst, sondern auch im Interesse der Frauen, die auf Hebammenhilfe angewiesen find. Deshalb ist es aber doch nicht notwendig, eine Zwangsorganisation der Hebammen zu schaffen. Wir stimmen den Bestrebungen, die soziale Lage der Hebammen zu bessern, durchaus zu, glauben aber doch, daß der vorliegende Gesetzentwurf in manchen Beziehungen zu weit geht und einer gründlichen Nachprüfung unterzogen werden muß. Es ergibt sich auch hier wieder das alte Bild, daß den unter dem immer stärker werdenden Steuerdruck stehenden Gemeinden weitere finanzielle Belastungen auferlegt werden, ohne daß gleichzeitig für entsprechende Deckung Sorge getragen wird. Die Begründung zu Art. 23 des Regierungsentwurfs gibt selbst zu, daß bie neuen geplanten Vorschriften über das zu gewährende Mindesteinkommen der Hebammen und die neue Ruhegehaltsregelung den Gemeinden B e - nach Sai/nt-Quen, denn Zibor versäumt niemals bas erste Rennen. (Autorisierte Ueberfetzung von Fritz D o n b h.) Tragikomödie um einen jRing. Eine Tragikomödie des täglichen Lebens, deren Hauptmitwirkende ein Sttahenbahnschaffner namens Andor Szanto, feine Frau, ein Rachbar und ein Angestellter in einem Leihhaus find, hat sich vor kurzem in Budapest abgespielt. Vor einiger Zeit kaufte Szanto, der seiner Frau ein stattliches Geburtstagsgeschenk machen wollte, einen Ring mit einem falschen Edelstein, für den er 36 Pengö zahlte. Als ihr Kind krank wurde, fah sich die Frau gezwungen, den Ring ins Leihhaus zu tragen, um Medizin für bas Kleine kaufen zu können. Wer beschreibt ihr Erstaunen, als ihr ber Beamte im Leihhaus 100 Pengö auf den Ring geben wollte; sie konnte in ihrer Verwirrung nur stammeln, daß sie an 50 Pengö genug habe. Szanto besprach bie Sache mit seinem Rachbarn unb war fest bavon überzeugt, baß durch einen unglaublichen Glückszufall der Ring zehn- oder zwanzigmal soviel wert fein müsse, als er dafür gegefen hatte. Am nächsten Morgen löste er ihn sofort wieder ein und trug ihn nun zu einer großen Zahl von Zuwelieren, von denen aber keiner den Ring für mehr als 15 Pengö kaufen wollte. Szanto, grenzenlos enttäuscht, glaubte nichts anderes, als daß ber Ring während ber Rächt vertauscht worben sei unb stürzte zu dem Leihhaus zurück, wo er ungestüm den echten Ring forderte. Der Beamte besah sich nun den Ring genauer unb bemerkte zu seinem Entsetzen, daß er eine schlechte Nachahmung für einen echten Stein gehalten hatte. Da er befürchten mußte, seine Stelle zu verlieren, wenn sein Zrrtum bekannt wurde, so erklärte er sich bereit, den Ring für 100 Pengö zu kaufen. Aber dieses Angebot bestärkte Szanto nur noch mehr in dem Glauben, daß sein Ring eine Kostbarkeit sei, unb er verlangte immer mehr, woraus der verängstigte Beamte schließlich bis 500 Pengö bot. Mehr denn je von dem Wert seines Ringes überzeugt, verttagte Szanto nun den Beamten bei ber Polizei wegen Diebstahls. Auf die Anzeige hin fand eine Gerichtsverhandlung statt, bei der der Beamte sich leicht von der falschen Anschuldigung reinigen konnte. Aber ber ganz in seine Zbee verbohrte Straßen- bahnschaffner ging mit seiner Klage weiter, so daß der Fall schließlich drei Gerichte beschäftigte und mit der Verurteilung Szantos zu l1/, Jahren Gefängnis wegen Verleumdung endete. Große Futtermittelknappheit. Schlimme Folgen der langen Hitzeperiode. S. Aus der nördlichen Wetterau, 4. Sept. Durch die anhaltende Trockenheit ist eine geradezu beängstigende Futtermittelknappheit eingetreten, die im Vergleich zu der im vorigen Jahre viel ernstere Formen annimmt. Besonders die kleinen und mittleren Landwirte — und besonders diejenigen, die im Vergleich zu ihrem landwirtschaftlichen Besitz verhältnismäßig viel Vieh halten —, werden am stärksten davon betroffen. viele sind schon gezwungen, ihren Heuvorrat anzugceifen, der ohnehin durch den strengen Winker und die naßkalte Witterung des Frühjahres sehr knapp ist. Die Grummeternte ist beendet und hat überall, mit Ausnahme der feuchten und Bewässerungswiesen, sehr st a r k enttäuscht, sie hat kaum ein Drittel der vorigen Ernte ergeben. Auch die Rotkleeschläge liefern schon längst kein Futter mehr: nach dem recht dürftigen zweiten Schnitt sind die Bestände vollkommen vertrocknet. Eine Ausnahme machen erfreulicherweise die allerdings wenig zahlreichen Luzerneschläge. Ohne die einjährigen Bestände, die samt und sonders ebenfalls verdorrt sind, liefern sie noch ein recht einträgliches Futter, so daß wohl in den folgenden Jahren die Luzerne zugunsten des Rotklees mehr angebaut werden dürfte. Die zahlreichen Maispflanzungen, die in früheren Jahren über schlechte Futterperioden hinweghalfen, fangen auch an von unten abzu st erben, so daß sie wohl oder übel schnellstens verfüttert werden müssen. Aber nichts enttäuscht wohl in diesem Jahre mehr als die S t o p p e l s a a te n. Das Geld für die Aussaat der Erbsen ist vollkommen nutzlos vertan; kaum handhoch, fangen sie an, abzusterben, so daß auch ein durchdringender Regen hier nicht mehr zu Helsen vermöchte, wie er über- Haupt für sämtliches Grünfutter zu spät käme. Die meisten Landwirte hungern ihr Vieh mit Dickwurzblättern, alten Kartoffeln und dgl. durch. Daß diese Fütterung längst nicht als Erhaltungsfutter, geschweige denn als Leistungsfutter hinreicht, liegt klar auf der Hand. Durch Zufütterung von Heu kann man wohl die drohende Katastrophe aufschieben, aber nicht aufhalten. Schon jetzt hört man aus einzelnen Dörfern von Massenverkäufen von Rindvieh, insbesondere von Kühen. lieber kurz oder lang werden auch die anderen Landwirte, die jetzt noch versuchen durchzuhalten, zu Notoerkäufen gezwungen sein, so daß ein weiterer Rückgang der Viehpreise die unausbleibliche Folge ist (s. auch schon Rindermarkt in Gießen vom 3. 9. — „Schlachtvieh fast nicht begehrt'/'). Die Landwirte, die wertvolles Vieh jetzt zu Schleuderpreisen abzusetzen gezwungen sind, werden notwendigerweise im nächsten Frühjahr zur Aufrechterhaltung ihrer Wirtschaft wieder für teures Geld sicherlich nicht der Qualität entsprechendes Vieh kaufen müssen. Es ist außer dem jetzt durch die vollkommen unzureichende Fütterung entstehenden Schaden auch noch bestimmt mit einem weiteren und größeren Schaden durch die Notverkäufe zu rechnen. So läßt diese furchtbare Futterkalamität den Landwirt trotz der guten und reichlichen Körnererträge nicht etwas froher in die Zukunft schauen, im Gegenteil, das Jahr 1929 wird für die Landwirtsck-aft des hiesigen Bezirks eine weitere Verschuldung bringen. lastungen auferlegen, deren Höhe nicht genau abzusehen sei. ‘ Auf diese Weise wird aber niemals, trotz aller Bemühungen der Reichsregierung, eine Gesundung des Finanzwesens der Kommunen eintreten. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 5. September 1929. Bedeutsamer Besuch in der Weiterau. Vom Oberhessischen Geschichtsver-- ein wird uns geschrieben: 3n den Tagen vom 7. bis 12. September versammeln sich die Mitglieder des Gesamtvereins der deutschen Geschieh ts° und Altertumsvereine in unserer Rachbarstadt Marburg zu ihrer alljährlichen Hauptversammlung. Mit dieser wird verbunden der 21. Deutsche Archivtag, dessen Verhandlungen die Tagung einleiten, und die Konferenz der deutschen landesgeschichtlichen Pu- blikationsinslitute (Historische Kommissionen und ähnliche Organisationen). Aus dem außerordentlich reichhaltigen Programm, das in sechs verschiedenen Abteilungen behandelt wird, seiest die folgenden Gegenstände hervorgehoben: Am Montag, 8. September, spricht in der ersten allgemeinen öffentlichen Versammlung Dibliotheks- direktor Dc. H o p f (Kassel) über „Hessen und das Reick", am Dienstag in der zweiten allgemeinen öffentlichen Versammlung, Archivdirektor Huyskens (Aachen) über „Die heilige Elisabeth"; am Mittwoch in der dritten allgemeinen öffentlichen Versammlung Universitäts- Professor Dr. Mommsen (Marburg) über „Geschichtswissenschaft und Kriegsschuldfrage". 3n einer öffentlichen Sitzung der ersten Abteilung wird KammerdireltorMüller (Darmstadt) „Die alten Straßen Oberhessens: ihre Erkennung und vor- und srühgeschichtliche Erforschung" behandeln. Von Gießener Gelehrten sind besonders beteiligt Geheimrat Professor Dr. Sommer und Prof. Dr. Maurer: der erstere wird „Klinische Studien über hereditäre Delastung", der letztere „Sprachräume und Sprachschranken im Hessischen" vortragen. Den Schluß der Tagung feil am Donnerstag, 12. September. ein gemeinsamer Ausflug in di e W e t t e r a u bilden, der die Teilnehmer im Auto von Marburg über Arnsburg, Cchweins- berg, Homberg a. d. O., Grünberg, Lich, Kloster Arnsburg, Münzenberg, Duhbach nach Gießen, woselbst abends gegen 6 Uhr ein gemeinsames Essen im „Hindenburg" stattfindet, und von da wieder zurück nach Marburg führen wird. Der Oberhessische G e s ch i ch t s v e r e i n benutzt die Gelegenheit, seinen diesjährigen Sommerausflug mit diesem Ausflug des Gesamtvereins zu verbinden. Er wird jedoch nicht an der ganzen Fahrt, sondern nur an ihrer zweiten Hälfte sich beteiligen, indem er sich in Arnsburg dem Gesamtverein anschlieht. Die Abfahrt soll 11.45 Uhr mittags in besonderem Autoomnibus von der Universitäts-Bibliothek aus erfolgen. 3n Arnsburg und Münzenberg werden Äniversitätsprofessor Dr. Rauch und Professor B r o n n e r (Mainz) die Führung übernehmen. Wenn die Zeit reicht, wird auch Großen-Linden besucht werden, wo Prof. Rauch über die interessante Ortskirche sprechen wird. Der Vorstand hofft auf zahlreiche Beteiligung. Man beachte die heutige Anzeige. Wochenendritt. 3eht kommt gute Zeit für den Reiter. Weiche Grasnarbe, weite Stoppelfelder, im allgemeinen eine schon erträgliche Temperatur während des ganzen Tages laden den Reitersmann zu ausgedehnten Ritten in das offene Gelände ein. Rur wenige Wochen noch trennen uns von den großen 3agdreiten, bis dahin gilt es für Pferd und Reiter in stetem Training sich für den Höhepunkt des Reitsports gebührend vorzubereiten. Aber auch für die ohne sportlichen Ehrgeiz beschaulich auf Raturgenuß und körperliche Erholung eingestellten Reiter ist Spätsommer und Herbst die willkommene 3ahreszeit ohne die vorher leicht lästig werdende Staub- und Bremsenplag». So ist es kein Wunder, wenn sich nun die Reiter wieder sammelten und beim ersten Sinn für Humor. Von Wilhelm Lichtenberg. Als mir Herr Siebzehner entgegenlam, lachte er schon von weitem: „Hohoho — herrlich, daß ich Sie treffe! Sie haben ja immer so lustige Einfälle, und ich lache für mein Leben gern! Also, jetzt erzählen Sie mir einmal einen Witz...! Los!!" 3ch erzähle Witze nicht gern. Aber Herr Sieb- zehner ... Run, man weih, daß es Menschen gibt, gegen die man sich nicht wehren kann. Er nimmt mich also unterm Arm, zieht mich mit sich und ich beginne: „Se. Exzellenz, der Herr Divisionskommandant, inspiziert die 3nfanteriekaserne. Stallungen, Mannschoftszimmcr, Bureaus — und kommt so auch in den Probesaal der Regimentskapelle. Gynz überraschend. Der Kapellmeister probt mit seinen Leuten gerade die „Tannhäuser-Ouvertüre". Erste Probe. Ratürlich klappt die Sache noch nicht ganz, der Kapellmeister muß mehrere Male abklopfen und immer wieder von vorn beginnen. Se. Exzellenz hört sich das eine Weile an, wird ungehalten und verläßt schließlich mit der ungnädigen Bemerkung das Zimmer: „Schande fürs Regiment! Das haben ja die Zivilisten in der Oper besser gespielt..." Herr Siebzehner ist inzwischen ernst, ja elegisch geworden. Ein pvar Schritte treibt es ihn noch weiter. Dann hält er plötzlich. Sinnend. And meint: „Der Divisionskommandant...? Komisch." „Richt wahr — sehr komisch...?" Er schüttelt heftig daS Haupt: „Rö, nö — nicht der Witz... Rur, daß der Divisionskommandant ... Schließlich pflegen doch Divisionskommandanten nicht unangemeldet Kasernen zu inspizieren...“ „Mein Gott, Sie müssen das verstehen! Das ist ja auch nur, damit der Witz..." Herr Siebzehner wird noch ernster: „3a, ja, ja — aber wenn der General sich schon vorher — wie sagten Sie doch — in den Stallungen und in den Mannschastsräumcn aufgchalten hat, dann mußte man doch um Himmels willen auch im Musiksaal was davon erfahren haben ...“ „Wahrscheinlich! Aber dann wäre doch der Witz..." Hall halt — nicht, dann wäre doch der Witz..Wan muß doch auch einen Witz logisch Wochenendritt dieser Saison sämtliche Pferde des Gießener Aniversitäts-Reit- instituts belegt hatten. Anter der gelände- kundigen Führung des Aniversitäts-Reitlehrers Ludwig S ch ö m b s ging es am Samstag nachmittag mit dem Endziel H o mbe rg a. d. Ohm durch das von manchem Morgenritt Allen vertraute Busecker Tal und weiter, fernab von dem Staub und Lärm der Landstraße, die der Reiter so wenig liebt wie der Wanderer, unter geschickter Ausnutzung des gerade hier ausnehmend abwechselungsreichen Geländes, übet Wiesen und Aecker, durch Wald und Feld rechts an Beuern vorbei auf Geilshausen zu, wo die erste kurze Rast gemacht wird. 3n Weiters- hain gibt es einen kühlen Trunk im Sattel; der Ritt in der strahlenden Augustsonne hat doch warm gemacht und bis zum Ziel ist es noch ein gutes Stück. Aber diese letzte Strecke in den sinkenden Abend hinein durch dunklen Forst, auf dessen Schneisen die letzten Strahlen der unter- gehenden Sonne spielen, möchten wir nicht missen. Schon bei anbrechender Rächt reiten wir in die winkligen Gassen des alten Bergstädtchens ein, das uns gastlichen Empfang bietet. Schnell sind die Pferde versorgt und dann geht's hinauf in die mit Lampions geschmückte Burg, dem Sitz des Herrn Dr. med. Götz, dessen liebenswürdige Gastfreundschaft den Gießener Reitersleuten wieder, wie schon im Frühjahr, im romantischen Durggarten beim gespenstischen Licht eines riesigen Holzstoßes einen selten schönen Abend bereitet hat. Bei Musik und Tanz graut bald der Morgen. Am Sonntag reiten wir aus neuen Pfaden wieder heim. 3n Londorf wird längere Mittagsrast gemacht. Der heiße Sommertag macht erst einen späten Aufbruch empfehlenswert. Der Weg zum Daubringer Paß bietet immer neue, überraschend schöne Bilder. Weit hinein sieht man vom Sattel aus in,das Land jenseits der Lahn. Bald tauchen in der Ferne Gießens Wahrzeichen auf: Dünsberg, Gleiberg und Vetzberg. Dann sind wir schon im Hangelstein und drunten im Wiesecktal, in einem letzten Galopp werden Gießens Außenbezirke erreicht. Körperlich und geistig erfrischt kann es am nächsten Morgen wieder an die Arbeit des Alltags gehen. behandeln...! So geht es denn doch nicht... Rämlich, mir leuchtet das nicht ein, warum der Kapellmeister sich erstens vom Herrn Divisionär überraschen läßt — und zweitens... 3ch meine — zweitens — warum er nicht schnell etwas spielt, was die Leute schon geläufig können? Ditte, warum lut er das nicht?!" „Weil sonst die Pointe unmöglich wäre. Darum." „Pardon! Diese Erklärung kann ich als seriöser Mensch nicht akzeptieren. Verzeihung — wo — ich frage — wo bleibt da die Logik? Weiter! Man muß den Fall untersuchen: Warum stellt sich der Kapellmeister nicht gehorsamst vor und macht Se. Exzellenz darauf aufmerksam, daß dies die erste Probe ist — und daß es beim nächstenmal schon besser gehen werde? Warum?" „Das weih ich nicht. Da müssen Sie schon deü Kapellmeister fragen, Herr SiebzehnerI" „3ch frage Sie! Mit dem Kapellmeister habe ich mich nicht auSeinanderzusehen. Aebrigens — warum sollte gerade diese Kapelle die Tann- Häuser-Ouvertüre nicht am Repertoire haben? Sehr unwahrscheinlich. Warten Sie — wie alt ist doch der Tannhäuser gleich...? Richard Wagner hat im 3ahre ..." „Was wollen Sie denn um Himmels willen von Richard Wagner?" „Ra, der hat doch den Tannhäuser geschrieben? Oder — nicht? 3rre ich mich?" „Rein. Sie irren sich nicht." „Gut. 3ch war meiner Sache auch fast sicher. Kdmmen wir aber auf 3hren Witz zurück. 3ede Kapelle spielt heute schon die Tannhäuser-Ouvertüre auswendig. Warum haben Sie nicht was von Strawinsky oder Hindemith gewählt?" „Weil sie das nicht in der Oper spielen?" „Warum müssen sie's gerade in der Oper spielen?" „Wegen der Pointe." „Welche Pointe?" „Aber, verehrtester Herr Siebzehner — Sie müßen doch ein bißchen Sinn für Humor haben." Er nickte sehr bedächtig: „Hab' ich, hab ich... Aber Sie können doch nicht wegen einer Pointe alle Vernunft auf den Kops stellen. Das geht doch nicht... Aek»erdies — diese Pointe!! Diese Pointe!! Schließlich ist es doch selbstverständlich, daß die Philharmoniker in der Oper die Tann- Häuser-Ouvertüre besser spielen als Regiments- ’* Das Dekanatsfest des evangelischen Dekanats Gießen findet am nächsten Sonntagnachmittag bei schönem Wetter im Freien auf dem Kirchenplatz in Treis an der Lumda statt. Festprediger ist Pfarrer Eckhardt (Wahlen bei Alsfed). Ansprachen werden halten: Pfarrer Berck (Roßdorf), der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins des Evang. Bundes, der Festprediger u. a. (Siehe heutige Anzeige.) ** Vorbereitung von Ob st aus st el- lungen. Dieser Tage fand hier unter dem Vorsitz von Regierungsrat Wolf eine Besprechung mit den Vorsitzenden derjenigen Obst- und Gartenbauvereine aus dem Kreise Gießen statt, die in diesem Herbst lokale Obstausstellungen veranstalten wollen. Cs hatten sich eingefunden die Vertreter der Vereine Gießen, Daubringen, Bellersheim, Lich und Steinheim. Der Vorsitzende des Kreisobstbauvereins, Regierungsrat Wolf, toie$ einleitend auf die Bedeutung solcher Obstschauen hin und konnte mitteilen, daß der geschäftsführende Ausschuß des Kreisobstbauvereins die ausstellenden Vereine bei ihrem Vorhaben zu unterstützen gedenke. Es fei beabsichtigt, die Kosten des zweiten Preisrichters zu tragen. Er empfahl, an den Landwirtschaftskammerausschuh für die Provinz Oberhessen heranzutreten, der neben der leihweisen Aeberlassung der Ausstellungsgeräte auch noch finanziell helfen werde. Obstbauinspektor Enk- 1 e r von der Landwirtschaftskammer besprach in großen Zügen die Ausstellungsbestimmungen. Er erklärte sich bereit, den Ausstellungsleitern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und, um die Verpackung in die Einheitskisten des Reichsverbandes des Deutschen Gartenbaues zu fördern, an jedem Ausstellungsort einen kleinen Obstverpackungskursus abzuhalten. Rachdem noch die Termine der Ausstellungen (Gießen 15. September, Lich 30. September, Bellersheim 13. Oktober, Daubringen 20. Oktober, Steinheim 27. Oktober) bestimmt worden waren, schloß der Vorsitzende die Sitzung. ** Obst und Zähne. Wir können unseren Zähnen keine größere Wohltat erweisen, als daß wir möglichst viel und regelmäßig Obst essen. Der Südländer, der in der Hauptsache von Obst und Früchten lebt, hat durchweg vorzügliche musiker. Warum sollte das also der Divisionskommandant so nachdrücklich feststellen?" Herr Siebzehner blickte mich triumphierend an, und ich wagte keinen Widerspruch. Also gut. Herr Siebzehner hat wieder sein strahlendes, zufriedenes Gesicht aufgesetzt und nahm meinen Arm. Dann sagte er, indem er mich weiter mit sich fortzog: „So — und jetzt erzählen Sie mir gefälligst einen besseren Witz! Wissen Sie — nämlich — gute Witze höre ich für mein Leben gerne!“ Röntgenphotographie und Kunstsorschung. 3m Pariser Louvre-Museum ist unter Leitung des Direktors des kunstgewerblichen Museums, Gelierter, ein Derfuchslaboratorium eingerichtet, in dem die hervorragendsten Gemälde der Galerie mit Hilfe der Röntgenphvtographie begutachtet werden. Die Bilder werden außerdem von verschiedenen Seiten photographiert, unter wechselnden Beleuchtungen und mit verschiedenem Licht, wie z. B. ultravioletten Strahlen. Die Voraussetzungen dieser neuen Forschungsart und die Ergebnisse, die man von ihr erwarten kann, behandelt Friedrich M a r l e in einem Artikel, den er in der von Adolph Donath herausgegebenen Zeitschrift „Der Kunstwanderer" veröffentlicht. Die Durchstrahlung von Körpern, die dem gewöhnlichen Lichte undurchdringlich sind, ist für die Röntgenstrahlen in um so geringerem Grade möglich, je höher ihr Atomgewicht ist. Bei der Anwendung der RöntgenpAüographie auf die Gemäldebegutachtung sind drei Elemente in Betracht zu ziehen, der Stoff, auf dem das Bild gemalt ist (Leinwand, Holz), der Anstrich, mit dem dieser Stoff überzogen ist, und die Farben, deren sich der Maler bedient hat. Der Stoff ist stets sehr durchscheinend, und als Anstrich verwendeten die alten Maler eine Mischung von Kalziumkarbonat und Gummi, die verhältnismäßig transparent ist, während man sich heute fast ausschließlich des Bleiweitz oder des Zinkweiß bedient, die beide den Röntgenstrahlen! großen Widerstand leisten. Von den verwendeten Farben setzt sich Weih fast immer auf Blei- ober Zinkbasis zusammen, läßt sich daher schwer durchleuchten: dagegen sind die meisten schwarzen Farben leicht und können gut mit Röntgenstrahlen durchleuchtet werden. Zwischen diesen beiden Extremen stehen die mehr oder minder schweren Farben. Um ein geeignetes Röntgenbild von Zähne, un5 Zahnstein, Fäule. Hoyvoervm ÖW Zähne und andere Zahnkrankheiten des Rordens sind ihm fast unbekannt. Die Zuträglichkeit des Obstes für die Zähne beruht auf der Fülle der im Obst enthaltenen natürlichen Fruchtsäure, die die Sonne in der Frucht erzeugt. Beim Kauen wird diese Fruchtsäure frei und gelangt bis in die tiefsten und verborgendsten Spalten der Zähne. Durch dieses Eindringen der Fruchtsäure in die kleinsten Lücken und Zwischenräume werden die Zähne von den Fäulniserregern, die die Zahnerkrankungen hauptsächlich Hervorrufen, gründlich gereinigt, während gleichzeitig das Fleisch der Früchte wie eine Zahnbürste wirkt, die durch das Scheuern der Zähne ohne mechanische Reinigung bedingt. Die Fruchtsäure hat aber nicht nur eine fäulniszerstörende Wirkung, sondern löst auch den Zahnstein und beseitigt damit den Herd weiterer schmerzhafter Erkrankung, ohne daß der Schmetz der Zähne durch die radikal wirkende Obstsäure int geringsten angegriffen wird, während die in den Früchten vorhandenen Rährsalze dem Körper die Stoffe zuführen, die für den Aufbau der Zähne von ausschlaggebender Bedeutung sind. Ramenklich vor dem Zubettgehen empfiehlt sich der Genuß von Obst, besonders von Aepfeln, die vor der Aepfelreife aber auch durch andere Sorten ersetzt werden können; dadurch bleibt die Mundhöhle rein und von frischen Geschmack erfüllt. Oberheffen. Ehrung verdienier Turnerführer. 6 Friedberg, 4. Sept. Einer der bekanntesten und geschätztesten Turnerführer des Turngaues H^sen, Studienrat Georg Thierolf von der hiesigen Aufbauschule, der erster Sprecher der hiesigen Turngemeinde ist und als Bezirksvertreter des 5. Bezirks im Turngau Hessen auch dem Gauausschuß angehvrt, feierte gestern feinen 5 0. Geburtstag. Das gab der Tu r n- gemeinöe Anlaß zu einer würdigen Feier, an der außer den Mitgliedern des Vereins auch Gäste in größerer Zahl teilnahmen. Als Vertreter des Gaues Hessen war Gauoberturnwart W. Will (Gießen) erschienen, der im Ramen des Mittelrheinkreises und des Gaues Hessen dem 3ubilar und vorbildlich tätigen Turnerführer in inhaltreichen Worten Glückwünsche überbrachte und ihnt den Ehrenbrief des Mitte lrheinkreises überreichte. De gleiche Auszeichnung erhielt auch Studienrat Schuchmann, der Schriftführer der Turn- gemeinde und langjährige Dezirksvertreter des 5. Bezirks. Der Ehrenbrief des Gaues Hessen wurde für stille und treue Turnerarbeit Lehrer Mörschardt, dem bewährten Leiter der Gesangsabteilung der Turngemeinde. Bezirksschwimmwart Balser und Dereins- schwimmwart Hieronimus ausgehändigt. Zahlreiche Ansprachen und Gesangsvorträge der Turner länger verschönten den Ehren abend, der sich zu einer erhebeirden Familienfeier der großen Turngemeinde, des ältesten Turnvereins des Gaues Hessen, gestaltete. Landkreis Gietzen. X W i e s e ck , 4. Sept. Den Konfirmandenunter r i ch t, dessen Eröffnung am letzten Sonntag im Gottesdienst stattfand, besuchen diesmal nur 30 Kinder, und zwar 11 Knaben und 19 Mädchen. Im Konfirmandenregister muß man schon bis zum Jahre 1876 zurückgehen, um auf die gleich niedrige Zahl zu stoßen. Damals würben 16 Knaben und 14 Mädchen hier konfirmiert. * Alten-Buseck, 4. Sept. Am vorigen Sonntag hielt der K e g e l k l u b „G u t S) o 13“ sein dies- jähriges A b k e g e l n , verbunden mit einem öffentlichen Preiskegeln, ab. Im Vereinskegeln wurde 1. Sieger Wilh. Ringel, 2. Heinrich S e u l i n g, 3. Wilh. Söll, 4. Karl Str oh,-5. Wilh. Einhäuser. Bei dem öffentlichen Kegeln wurde 1. Sieger Friedrich Düll, 2. Bechthold, 3. P. Schmidt, 4. Wilh. Wagenbach, 5. 21. Steinmüller. Die Meisterschaft für 1929 und den Wanderpreis für 1929 erhielt Heinrich Weller. Der Kegelklub „Gut Holz" hat in letzter Zeit einen guten Aufstieg genommen und steht dank der rührigen Arbeit des Vorstandes auf der Höhe. * Oden hausen. 4. Sept. Für den vergangenen Sonntagabend hatten Kirchenvorstand einem Gemälde zu erzielen, muß natürlich der Anstrich sehr transparent fein, toeil_ man sonst nicht die erforderlichen Kontraste erhält. Außerdem müssen die Farben eine möglichst große Verschiedenheit in der Durchleuchtbarkeit aufweifen. Diese beiden Bedingungen finden sich in den alten Gemälden vereinigt, wahrend die meisten modernen Bilder auf einem schwer $u durchleuchtendem Anstrich, jedoch mit sehr leichten Farben gemalt sind und so weniger gute Röntgenbilder liefern. Mit Hilfe der Röntgenstrahlen kann man so sehr häufig ermitteln, ob ein Bild alt oder! neu ist. Man kann aber auch seststellen, welche Schäden ein altes Bild im Laufe der 3ahre trotz geschicktester Restaurierungen erlitten hat, denn die dabei verwendeten Farben sind von den Urfarben verschieden und kommen auf dem Röntgenbild in der Regel nicht. Das Röntgenbild eines Gemäldes betrachten, heißt, einen Teil seiner Geschichte lesen. Man entdeckt sogar ganze Bilder unter vollständigen Heberinalungen. Der einem Ostade zugesprochenen Bilde, das ein flämisches Bauernpaar darstellt. läßt die Rönt- genphotographie von diesem Mofiv nichts übrig, dagegen erscheinen auf ihr zwei Pfauen, zwei Enten und zwei Hühner. Das Tierbild ist das ältere, die älebe rmalung modern; bei dieser sind die Farben sehr transparent. Hochschulnachnchken. Ernannt wurde der 0. Professor Dr. Ernst Robert Curtius in Heidelberg zum ordentlichen Professor der romanischen Philologie an der Universität Bonn als Nachfalger des Geheimrats W. Meyer-Liibke. — Professor Dr. Julius Pokorny in B e r l i n hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der vergleichenden Sprachwissenschaften an der Universität Würzburg als Nachfolger von Professor W. Hävers abgelehnt. Prof. Dr. Leo Waibel in Kiel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Geographie an der Donner Universität als Rachfolger des Geh. Rats A. Phllippfvn angenommen. — Prof. Dr. 3ofef Vogt in Tübingen hat den Rus auf den Lehrstuhl der alten Geschichte in Würzburg als Rachfolger des emeritierten Geheimen Regierungsrates Prof. 3uL Kaerst zum 1. Oktober d. 3. angenommen und bereits feine Ernennung zum Ordinarius in Würzburg erhalten. Oer Sternhimmel im September 39W/V2 Wito beiden anderen Mitfahrenden wurden leicht verletzt. Kreis Büdingett. Hansaplatz, esse I geben, ich habe mir einen neuen Anzug bestellt, bden zusammen, esse wieder im „Sunterfjof“ und gehe wieder ins Nachdruck verboten. 22. Fortsetzung. zur war noch Meine Papiere sind gestiegen, steigA rapide schöne Wohnung ! .hnten Behaglich- | von Tag zu Tag. Ich habe eine von zwei mit aller früher gewvl //em a: Meine Such- staben STERNBILDER: GRO/ZE BUCH-, STABEN 'O Vertuz nd. Ridda, 3. Gebt. Gestern feierte hier einer unserer ältesten Mitbürger, Bahnhofsvorsteher i. R. Kvnr. Wilhelm Hammel, seinen 89. Geburtstag. Er ist in Hungen geboren, hat die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht und war dann viele Jahre hier und in Grünberg Bahnhofsvorsteher. Dem Kriegervereinswesen brachte er bis heute stets reges Interesse entgegen und lange Iah re war er Dorftandsmit- glied des Veteranenverbandes von Ridda und Umgegend. Heute noch erfreut er sich guter Gesundheit, körperlicher und geistiger Rüstigkeit, hinter den zahlreichen mündlichen und schriftlichen Glückwünschen zu seinem Geburtstag befand sich auch ein Glückwunschschreiben des Reichspräsi- 6 teile. Ich hatte mich ausweisen formen und frei gelassen. Aber innerlich fühlte ich mich weder frei leit eingerichstaten Zimmern am im „Iunkerhof" mit Kemp und Zehden zusammen, besuche des Abends das Theater oder trinke im Ratskeller meine Flasche Wein. Gewiß... ich freue mich darüber. Warum deuten von Hindenburg nebst Bild und eigenhändiger Unterschrift. }:[ Gelnhaar. 2.Sept. Am Samstag nachmittag fand die feierliche Einweihung der neuerbauten Wasserleitung der hiesigen Gemeinde statt. An der Einweihung nahmen alle Vereine sowie die gesamte hiesige Einwohnerschaft teil. Don den Behörden waren erschienen: Kreisdirektor Dr. Gähner, Büdingen, Külturbaurat Lorenz, Friedberg, und Kreisfeuerwehrinspektor G ö ck e l, Büdingen. Äe Herrn Derghahn vorstellen, der wird uns schon die nötigen Weisungen geben." Wir begaben uns eine bequeme Treppe hinab in das untere Stockwerk. Ein noch junger Mann mit regelmäßigen Zügen, deren rosige Frische das an den Schläfen leise ergraute Haar nur um so mehr hervorhob, stand von seinem die ganze Abteilung üibersehenden Sitze auf und trat uns entgegen: Herr Ewald Derghahn, der unbestrittene Gebieter in diesem Reiche. Sofort hatte er sich eingestellt, mein Verzeichnis durchgesehen und mir zurückgereicht. ^ch kann keinen verantwortlichen Rat geben. Es ist jetzt alles unsicher. Die deutschen Industrieaktien — man weiß nicht recht, was man zu ihnen sagen soll. Ich würde jetzt nichts kaufen. Und die Danziger? Wir stehen vor der Einführung der neuen Guldenkoährung, und niemand kann voraussehen, in welcher Weise unsere Aktien durch sie beeinflußt werden. Vorläufig stehen sie leidlich. Vielleicht nehmen Sie von allem ein wenig: Danziger Privatbank, Schmalenberg, Fach und auch Raiffeisenbank." Da der kleine Zehden zuredete, tat ich nach diesem Vorschläge, und wir begaben uns nach oben in die Kontoabteilung. Einige Menschen standen vor dem Schalter, dann waren wir an der Reihe, und ich setzte meinen Ramen unter das mir gereichte Formular. Sonnenaufgang von 5,15 bis 6 Uhr: Sonnenuntergang von 18,50 bis 17,40 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 10. um 24 Uhr, Vollmond am 19. um 0 Uhr, 3. Viertel am 26. um 3 Uhr. Am Fixsternhimmel macht sich nun schon allmählich das Heraufziehen der Wintersterne bemerkbar, während sich die Sommersterne mehr und mehr mit der Westhälfte des Himmels begnügen müssen. Als Grenze dieser beiden Gebiete können wir etwa das große Himmelsquadrat Die kleine Fink und der glückliche Pintscher machen Hochzeit. Ich habe eine Einladung erhalten. Trauung in der Marienkirche. Nachher Essen im Frauen- klub an der Promenade. Keine Gelegenheit konnte mir günstiger kommen. Die kleine Braut hat seit langer Zeit allen ihren Lieblingsgewohnheiten entsagt. Sie hat kein Kino mehr' besucht, ist nicht mehr nach Zop- pvt, weder zu den Kurhauskonzerten, noch zu den Gesellschaftsabenden, gefahren. Monatelang haben die beiden nichts getan als gearbeitet, gespart, gehamstert, um das Rotwendigste für ihre Aussteuer und Hochzeitsfeier zusammen- zubekommen, denn lumpen wollen sie sich nicht lassen. Das liegt nicht in beider Art. Sie ziehen in das hübsche Zimmer der kleinen Fink, die Wirtin hat ihnen eine Schlafkammer dazu gegeben. And sie werden sehr glücklich werden. Beneidenswerte Menschen! Ich war auf der Landwirtschaftlichen Bank... Seit langer Zeit. Man war ganz erstaunt, als ich meine ganzen Beträge bis auf einen nicht nennenswerten Rest abhob und zugleich Auftrag gab, den größeren Teil meiner Papiere zu verkaufen ... ohne Limitum. So gut und schnell als möglich. Dann ging ich zu Stumpf und kaufte, einen großen Silberkasten. Von allem, was ein junger Haushalt braucht, ein Dutzend. Die Ramenszüge der beiden ließ ich verschlungen eingravieren. Bei dem Essen im Frauenklub saß ich dem Geistlichen gegenüber. Ich hatte schon von ihm gehört. Seine Bittgänge für feine Armen, die er mit unermüdlicher Energie zu allen einheimischen und auswärtigen Firmen antritt, haben ihm den Spitznamen „der Dollarpastor" eingetragen. Er war beinahe so fassungslos wie vorhin das glückstrahlende Brautpaar über mein königliches Geschenk, als ich ihm eine namhafte Summe für seine Armen zusagte, die ich in allernächster Zeit für ihn flüssig haben würde. Dann ist das schlechterworbene Geld wenigstens gut angewandt, und ich bin frei geworden. Der Geist des alten Obersten wird mich nicht mehr im Traume heimsuchen und mit seinen Vorwürfen quälen. Oertzen hat recht behalten. Ich muh fort aus der Stadt. Aufs Land muß ich, eine andere 2uft zu atmen. Ich habe an ihn geschrieben, ob ich zu ihm kommen und mich auf seinem Besitztum einarbeiten kann, bis ich irgendwo eine für mich passende Stelle als Verwalter oder, wenn es sein muß, auch als Rechnungsführer auf einem größeren Gute finde. Er hat mir freundlich zugesagt. Schon morgen verlasse ich Danzig. (Fortsetzung folgt) karnmer. wo Bürgermeister Burlekn n 75002 100448 125081 115792 164327 197339 300532 124067 148288 183072 195118 219859 237768 259721 268604 286733 320023 352404 375909 123952 166635 214311 323187 132836 165084 183224 202626 227945 241030 260604 270762 291684 321454 361426 376691 211892 229018 271714 344577 212176 236489 277604 366571' 394577 157697 184916 204123 232517 243871 261588 271079 294018 333256 370969 380258 161087 186613 208411 236762 246560 263471 278658 294786 339198 372494 388943 215692 238104 289420 370560 126471 313025 218855 238131 306675 371584 178637 186828 209274 237354 253272 264146 279566 296802 340736 373731 396936 143092 166515 182144 219943 233771 243502 259227 276048 310622 323393 348681 362763 383111 21064 35184 48611 80365 101560 129160 151404 171187 193401 223757 236992 250328 262225 281111 318897 331056 351310 374549 3057 25148 37067 65700 95537 103296 130279 152770 171345 198080 226261 239289 250847 265121 286667 319136 331471 352185 377224 101232 125436 148881 169307 184104 222994 235255 246624 260387 277740 317706 328707 350960 366459 394733 2032 22001 36304 58690 91909 167079 182433 236851 248558 324598 338431 12288 29391 43384 72678 96306 118020 131172 159695 178740 209586 230158 240870 "251434 274791 299924 320068 332686 352290 378690 5480 40148 61621 68491 159753 175487 182361 60978 112320 171647 12 Gewinne zu 3000 M. 303583 306328 341024 20 Gewinne zu 2000 M. 357908 34 Gewinne,a 1000 M. 33032 64958 70064 77065 96326 116310 122813 146613 146849 163113 215649 244928 277730 290457 361525 393240 137899 154359 180910 269330 269789 4 Gewinn« zu 3000 M. 10 Gewinn« »u 2000 M. 252139 290673 40 Gewinne za 1000 M. 5. Klaffe 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klaffen-Lotterie 2 Gewinn« za 10000 M. 309027 2 Gewinn« zu 5000 M. 271490 -----H7493 152732 398649 72 Gewinne,u 600 M- 8613 20128 21012 23780 26919 28960 48289 59179 60199 89775 106956 ------ ------ ------ 129521 135035 136281 Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 600000, 2 zu je 75000, 16 zu je 10000, 18 zu je 5000, 56 zu je 3000, 104 zu je 2000, 822 zu je 1000, 886 zu je 500, 1810 zu je 800 M. In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen über 150 M. gezogen 2 Gewinn« zu 10000 M. 78703 4 Gewinn« zu 6000 M. 207071 262423 87240 130143 148929 ------ ------ ------ 205821 274532 298874 303313 327772 344941 347863 369608 394890 397029 90 Gewinne zu 600 M. 6364 14976 15884 38752 66678 99039 101318 107166 107850 110675 127205 9---- ------ 164054 166637 191508 198437 375207 , v«.-r■ ___________- 194 Gewinne zu 300 M. 6737 11156 13896 16701 17241 21164 21813 29513 34190 39403 4 409 45309 48982 54881 66032 66514 71650 71803 ----- 74570 77964 79546 83703 94468 106438 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. ("tronlfurt a Berlin Schlub-I Nurs | i-Uhr Kur' Cchtub-i fiurd ] ünlang. Kurs Datum 4.9. 5.9. 4 9. 5.9. ! "0 Di. Uit i49 349 352 349 . 14 — — 285 ßellftofj Watdhof .... . 12 — 241 241 241,5 Zettstosl Aschassenburg . . . 12 — — 158 — Sbarlottenburger Wasser . . . 7 — — 108 108,25 Dessauer (Hai...... . . 8 — — 197 197,9 Daimler Motoren .... . . 0 52,5 — 52,65 53 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 — — 56 56,13 Adlerwerke «lener .... . . 5 42 42 43 — Ludw. Loewe...... . 10 — — 209 211 Nat. Automobil..... . . 0 — 26,4 Crenftein 4 Koppel . . . . . 5 — 87,4 88,4 . . 6 — — 204 203,29 Bamag-Meauin..... siranks- Maschinen . . • • . . 0 . . 6 . 11 — 55,75 55 61 — siunghanS........ . . 0 63,25 . . 8 — — — — Mainkrastwerke..... . . 8 — — .............. . 10 — — 125,5 126 Notars ulmer...... . . 8 — — — — Peter« Union ...... . . 8 —— — —— — Gebt. Roeder...... . 10 — —— — — Boigt 4 Haeffner .... . . 8 —— — 222 — Slwv. Zucker...... . . 8 — 159 158,75 1 Banknoten. Berlin, 4. September (Selb Brief Amerikanische Noten ..... 4,176 4,196 Belgische Noten . ....... 58,23 58,47 Dänische Noten ........ 111,40 111,84 Gtwüfcbe Noten........ 20,307 20,387 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 4. September Geld Brief Französische Noten..... 16,42 IMS Holländische Noten...... 167,76 168,44 Italienische Noten...... 21,98 22,06 Norwegische Sloten...... Deutsch-Oesterr-, L100 Kronen Rumänische Noten...... 111,45 111,89 58,90 59,14 2,477 2,497 112,20 80,60 112,64 80,92 Schwerzer Sloten....... Spanische Noten ....... 61,58 61,82 Tschechoslowakische Noten .. 12,37 12,43 Ungarische Noten....... 73,10 73,40 4. September 5. September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld 1 tönet Geld tönet Amft.- Rott. 168,13 168,47 168,17 168,51 Buen.-AireS 1,759 1,763 1,759 1,763 Brss.-Antw- 58,33 58,45 58,315 58,435 Lhristiania. 111,73 111,95 111,73 111,95 Kopenhagen 111,70 111,92 111,71 111,93 Stockholm . 112,38 112,60 112,39 112,61 HMngforS. 10,542 10,562 10,547 10,567 Italien. . . 21,945 21,985 21,95 21,99 London. . . 20,345 20,385 20,345 20,385 Neuvork .. 4,197 4,205 4,1975 4,2055 Paris.... 16,42 16,46 16,42 16,46 Schlveiz . . 80,78 80,94 80,79 80,95 Spanien. . 61,79 61,91 61,81 61,95 Japan . .. 1,958 1,962 1,958 1,962 Rio de Jan. 0,498 0,500 0,4975 0,4995 Wien in D-» Cefl. abgest. 59,095 59,215 59,105 59,225 Prag . . .. 12,425 12,445 12,427 12,447 Belgrad .. 7,276 7,390 7,366 7,39k Budapell. . 73,18 73,32 73,22 73,36 Bulgarien. 3,035 3,041 3(044 3,050 Lissabon . . 18,75 18,79 18,78 18,82 Danzig.. 81,35 81,51 81,345 81.505 Konstunttn. 2,015 2,019 2,020 2,024 Athen. . 5,43 5,44 5,425 5,435 Canada .. 4,168 4,176 4,171 4,179 Uruc,uaö . . 4,101 4,109 4,091 4,099 Cairo . . • 20,87 20,91 20,866 20,906