Nr. |29 Erster Blatt U9. Jahrgang Mittwoch, 5. Juni 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Zleindruckerei R. Lange in Liehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrist 2O°/o mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Zeitungsverleger über Röte der presse. Eine nationalpolitische Kundgebung in der Westmark. die nationale Würde. Das Bewußtsein Vollhafter Verbundenheit und Schicksalsgemein- schäft überspringt die polittschen Grenzen unv verknüpft uns mit den deutschen Stammesbrüdern, die außerhalb der Grenzen des Reicheleben. WSR. Heidelberg, 4. Juni. Zu Beginn der heutigen Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverle- ge r begrüßte Präsident Kommerzienrat Dr. Krumbhaar die an der Versammlung teilnehmenden österreichischen Gäste und teilte mit, daß schon anläßlich der letzten Tagungen der Gedanke erörtert worden sei, eine der nächsten Tagungen in Wien abzuhalten. Der Präsident der Vereinigung österreichischer Tageszeitungen, Kommerzienrat F l i e g e l, wies in einer längeren Ansprache darauf hin, daß es den Vertretern der österreichischen Verlegerschaft bereits möglich gewesen sei, an den Tagungen des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Köln, Dresden und Berlin teilzunehmen, eine Tatsache, die außerordentlich dazu beigetragen habe, nicht nur die persönlichen, sondern auch die beruflichen Beziehungen zwischen der Presse Oesterreichs und Deutschlands zu erweitern. Er freue sich, an dieser Stelle mitteilen zu können, daß die Anregung, eine Tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Wien abzuhalten, in der österreichischen Zeitungswelt mit starker Genugtuung ausgenommen worden sei, und er erlaube sich, auf einstimmigen Beschluß der Vereinigung österreichischer Tageszeitungen die Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger einzuladen, die Hauptversammlung des Jahres 1913 in Wien abzuhalten. Der österreichische Pressechef Gesandter Ludwig, gab sodann die Erklärung ab, daß auch die österreichische Bundesregierung eine Tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Wien mit Genugtuung begrüßen würde, und er fügte hinzu, er glaube, den Teilnehmern an der Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger versichern zu können, daß die von den österreichischen Zeitungsverlegern vorgebrachte Einladung nicht dem Gefühle der Konvention, sondern einer H e rz e ns v e r p f lich t un g der österreichischen Bevölkerung entsprungen sei. Die österreichische Einladung wurde auf Antrag des Vorsitzenden, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar , unter lautem Beifall mit Zuruf angenommen. Zum Zeichen der Sympathie für Oestebreich und Wien erhob sich die Versammlung von den Plätzen. Der Vorsitzende widmete bei Eintritt in die Tagesordnung den verstorbenen und hochverdienten langjährigen Mitgliedern des Vorstandes Dr. h. c. Lampert Lessing (Dortmund) und Dr.-2ng. e. h. Gustav Fuchs (Danzig) tiefempfundene Dantesworte. Dr. Krumbhaar ging dann in langen Ausführungen auf die schwierigen Wirtschaftsverhältnisse des Zeitungswesens ein und erläuterte im Anschluß daran die vielfachen Maßnahmen, die der D. D. Z. im letzten Jahre zur Abwendung der Schwierigkeiten in die Wege geleitet hat. Mit besonderer Betonung hob er die Vormachtstellung der Zeitungsanzeige im Werbungswesen und die Bestrebungen des Vereins, das Anzeigengeschäft !u reformieren und auf eine gesündere Basis zu teilen, hervor. Danach sprach Geheimrat Dr. h. c. Waldkirch, Ludwigshafen, über die Tätigkeit des Zeitungswiffenschastlichen Instituts in Heidelberg, das jetzt im vierten Semester arbeitet. Er dankte den Verlegern, die jetzt und weiterhin dem Institut ihr tätiges Interesse schenken. Rur auf der Basis verständnisvoller gemeinsamer Arbeit von Verlegern und Redakteuren könne die Aufwärtsentwicklung des deutschen Zeitungswesens erfolgen. Eine reichhaltige Sammlung von Zeitschriften und Zeitungen muhte zusammengebracht werden. Eine Bibliothek, die nach Möglichkeit alle Publikationen enthält, die für das Zeitungswesen von historischer Bedeutung sind, befindet sich im Aufbau. Der technische, organische und publizistische Werdegang der Zeitungen werde den Studierenden bei intensiven Besichtigungen von Verlagen praktisch dargetan Der For- schungsarbeit steht die Lehrtätigkeit, die dem Grundgedanken dient, einen ausreichend geschulten Rachwuchs heranzubilden, der die Erhaltung der produktiven und schöpferischen Arbeit für die Zukunft sichert, ein Problem, das gerade für das Zeitungswesen so dringlich ist, gegenüber. lieber das Thema „Wachsende Gefahr für das Zeitungswesen^ sprach Prof. I. F. Wolf, Dresden. Er führte den Rachweis, wie man allenthalben versl^e^^entweder auf Schleichwegen oder durch wirtschaftliche oder andere Machtmittel die Presse wirtschaftlichen und rein persönlichen egoistischen Interessen hörig zu machen. Hierher rechnen alle Versuche, reine Reklameartikel in die Zeitungen hineinzu- schmuggeln, indem man ihnen den Anschein givt, als handele es sich um ein öffentliches Interesse. Es kommen hinzu alle die gefährlichen Versuche, durch Androhung von Jnseratenboykott usw. die Zeitungen dem Willen einzelner kompakter Rca- ioritäten gehorsam zu machen. Höher als alle wissenschaftliche Schädigung schätzte der Vortragende die ethische und moralische Schädigung der Leitungen durch Willfährigkeit gegen solche Ansinnen ein. Der redaktionelle Stand der deutschen Zeitungen halte sich im großen und ganzen rein von privatwirtschaftlichen und Reklamedingen, aber angesichts der wachsenden Gefahr und Schwierigkeiten, in denen sich viele Zeitungen befinden, müsse in kameradschaftlicher Zusammenarbeit etwas dafür geschehen, daß die Gefahr erkannt wird. Einer zielbewuhten Presse, die die Gefahren erkennt und die gemeinsam und kameradschaftlich handelt, und sich von ihren Grundsätzen, weder durch die Androhung wirtschaftlicher Schädigung, noch durch andere machtpolitische Drohungen abbringen läßt, kann eine ernsthafte Gefahr nicht drohen, weil an einer einigen Front, die sich der Bedeutung der Freiheit der einzelnen Zeitungen in jeder Beziehung _ und überall bewußt ist, diese Gefahr einen unüberwindlichen Damm findet. Kleber das Anzeigenwesen berichtete E. K. v. Zweck (Bernburg). Er legte der Versammlung im Auftrage des Vorstandes folgende Entschließung vor: «Die am 4. Juni 1929 in Heidelberg tagende ordentliche Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hat einstimmig folgende Entschließung gefaßt: Die sich dauernd mehrenden systematischen Versuche gewisser Inserenten und insbesondere die Jnserentenverbände, den Zeitungen die Anzeigenpreise und Anzeigenbedingungen zu diktieren und darüber hinaus auch ihren redaktionellen Teil ihren privatwirtschaftlichen Sonderinteressen nutzbar zu machen, gefährden aufs allerschwerste die Grundlage und innere Unabhängigkeit der Zeitungen. Derartigen Bestrebungen der Inserenten leisten manche Zeitungen und Annoncenexpeditionen Vorschub, indem sie in kurzsichtiger Verkennung der unausbleiblichen Folge einen ungesunden und übersteigerten Konkurrenzkampf untereinander führen und sich hierbei selbst den unbilligsten und unerhörtesten Forderungen der Inserenten fügen. In all dem muß eine Höch st e Gefahr für die deutsche Presse erblickt werden. Die Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger ist sich bewußt, daß eine grundlegende Besserung der zur Zeit unerträglichen Zu stände im Anzeigenwesen nur dann wird erreicht werden können, wenn die Grundsätze eines ordnungsmäßigen Geschäfts im Anzeigenwesen wieder zur herrschenden Geltung gebracht werden und wenn die Zeitungsverleger den wachsenden Angriffen auf die Freiheit der Zeitung und mittelbar auf die Freiheit der Presse überhaupt eine geschlossene Front entgegenstellen!" Begrüßungstelegramme: An den Herrn Reichspräsidenten in Berlin: «Die zu ihrer diesjährigen Tagung aus allen Teilen Deutschlands in Heidelberg versammelten Deutschen Zeitungsverleger entbieten Ihnen, Herr Reichspräsident, einen ehrfurchtsvollen Gruß. In Ihnen verehrt das deutsche Volk den über den Meinungen und Parteien stehenden Führer, dessen hohes Vorbild gerade in unserer Zeit, mehr als je beispielhaft wirkt. Der Verein Deutscher Zeitungsverleger ist sich seiner verantwortungsvollen Aufgabe bewußt, durch Sammlung der in der deutschen Presse lebendigen geistigen Kräfte mitzuarbeiten an dem großen Einigungswerk, an der 11 e b e r w i n d u n g der zersplitternd wirkenden übertriebenen Gegensätze, die das Wohl der deutschen Ration schmälern. Verein Deutscher Zeitungsverleger, Dr. K ru m b h a a r." An den Herrn Reichskanzler: „Dem Herrn Reichskanzler sprechen die in Heidelberg versammelten Deutschen Zcitungsverleger für die zugleich im Ramen der Reichsregierung übermittelten Wünsche aufrichtigsten Dank aus. Die Versammlung erinnert sich aus diesem Anlaß mit besonderer Freude der anerkennenden Worte, die Sie int vergangenen Jahre, anläßlich der Berliner Hauptversammlung, für den Verein Deutscher Zeitungsverleger gefunden haben. Ihre hohe Auffassung von den Aufgaben der Presse wird von dem Verein Deutscher Zeitungsverleger in ihrer Gesamtheit geteilt." An Herrn Reichsaußenminister Dr. Strese- mann: „Die Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger gedenkt auch in diesem Jahre mit Dankbarkeit des Führers der deutschen Außenpolitik, der mit unbegrenztem persönlichen Opfermut und unbeirrbar dem Ziel der deutschen Wiedergeburt zustrebt. Mögen Sie, hochverehrter Herr Minister, auf Ihrem schwierigen Wege begleitet werden von dem wachsenden Verständnis allerDolks- genösse n.“ Oer Ausklang. Heidelberg, 5. Juni. (WTB. Funkspruch.) Zu einem festlichen Höhepunkt der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger gestaltete sich gestern abend in den Räumen des Stadthallenbaues ein Bankett, zu dem mehrere hundert Teilnehmer an der Tagung mit ihren Damen erschienen waren. Rach einer musikalischen Darbietung begrüßte der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, die Gäste mit einer Rede, in der er betonte, die diesjährige Hauptversammlung sei eine nakionalpolitische Kundgebung in der Westmark für die besetzte bayrische Pfalz, zu der man mit wärmster herzlicher Teilnahme hinüberblicke. „So gedenken wir", führte Dr. Krumbhaar aus, „heute an erster Stelle unserer Brüder jenseits des deutschen Stromes, die auf noch nicht befreitem Boden leben müssen, und gedenken mit Stolz unserer tapferen Pfälzer Zeitungskollegen, die nun schon ein Jahrzehnt lang die ganze Schwere fremden Druckes aufrecht und mannhaft ertragen haben und ertragen. Der Dank der deutschen Presse und des gesamten deutschen Volkstums ist ihnen sicher. Möge das Bewußtsein, daß wir alle in engster seelischer Verbundenheit hinter ihnen stehen, sie weiter stärken im Ausharren, bis zur Stunde der endlichen Befreiung." In einem Rückblick und einer Würdigung besonders der politischen Bedeutung der Presse, gedachte der Redner des Vorkämpfers der deutschen Zeitung, ©örred, und dessen hoher Auffassung von den Aufgaben der deutschen Presse. In seinem Sinne habe auch heute der deutsche Zeitungsverleger zur Grundlage seines Denkens und Handelns das Bewußtsein, daß er in Erfüllung einer ethischen Pflicht die letzte und höchste Verantwortung für seine Zeitung trägt, eine Verantwortung, die heute ungeheuerlich gesteigert ist. In den Händen 5er Verleger und Redakteure ruht Der badische Kultus- und llnterrichtsminister Dr. L e e r s erklärte in seiner Begrüßung, die Zusammenarbeit der Zeitungen mit der Regierung müsse unter dem Zeichen des gleichen Zieles stehen, uns emporzuringen aus der Rot des Deutschen Volkes. Geheimer Legationsrat Dr. von Kaufmann überbrachte die Grüße und Wünsche der R e i ch s r e g i e r u n g für die diesjährige Tagung. Er schloß mit dem Wunsche, daß die gemeinsame Arbeit von Regierung und Presse immer stärker, eindringlicher und wirkungsvoller dem Dolksganzen diene. Rach einer Begrüßung des Heidelberger Oberbürgermeisters sprach der Rektor der Universität Heidelberg über die enge Verbundenheit zwischen Universität und deutscher .Tagespresse durch die gemeinsame Gründung deS Heidelberger Instituts für Zeitungswesen. Hierauf gedachte Professor Wolf (Dresden) der Kollegen in Eupen-Malmedy und im Saar« gebiet. Diese Kundgebung wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, ebenso wie folgendes, durch Professor Wolf bekanntgegebenes Telegramm des demnächst nach Deutschland kommenden amerikanischen Senators Borah an die Hauptversammlung: „Ich übersende der Presse die herzlichsten Glückwünsche. Die Aufgabe der deutschen Presse war in den letzten Jahren keine leichte. Aber ihre Bahn war durch Zähigkeit und Mut gekennzeichnet. Ich bewundere das deutsche Volk und ich wünsche, daß ihm Erfolge beschieden sein möchten." Oer Vesuv in großer Tätigkeit. Neapel, 4.3unl (WB.) Wie der Leiter des Vesuv-Observaloriums mitteilt, hat im Lause des Vormittags die Tätigkeit des Vulkans erheblich zugenommen. Der aus dem kleinen Kegel herausfliehende Lavastrom weist eine Breite von 20 Meter und eine Schnelligkeit von zwei Meter In der Minute auf. Die Lava füllt das ganze Höllental aus und teilt sich dann in zwei Arme. Der eine flieht nach Terzigno, der andere, der auf der Lava vom Jahre 1906 herunterläust, hat schon in der Ebene das Laoafeld von Eoposecchi erreicht. Die Explosionen sind gewaltig. Am 12.25 Ahr wird mitgeleilt: 3n diesem Augenblick ist eine beträchtliche Zunahme des Laoaergusses aus dem Kegel zu bemerken, dessen innerer Teil in einen brodelnden See von einem Durchmesser von 50 Meter verwandelt ist. Aus dem See ergießt sich der Strom mit großer Wucht und bei einer Geschwindigkeit von drei Meter in der Minute. Der Direktor des Observatoriums habe das grohe Tal von Eupaccio besichtigt, wo sich der Lavaerguh mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 15 0 Meter in der Stunde bewege. Am 14JO Uhr erfolgte ein neuer Ausbruch des Vesuvs, der unter donnerähnlichem Krachen und einer riesigen Rauchsäule große Lavamassen und schwere Steinblöcke herausschleuderte. Rach diesem Ausbruch hat die Tätigkeit des Kraters fast ganz aufgehört, und der Direktor des Vesuv-Obseroatoriums ist der Ansicht, daß die Ausbruchstätigkeit in kurzer Zeit beendet sein wird. Gewaltige Lavamaffen. Neapel, 5.3uni. (WTB. Funkspruch.) Entgegen den Erwartungen hat die Tätigkeit des Vesuvs gestern abend außerordentlich zugenommen, von 7.30 bis 9.15 Uhr über- strömten gewaltige Lavomassen das ganze Kraterplateau und wälzten sich in breitem Strome an das Höllental. Anter feurigem Schlacken - und Aschenregen erfolgte eine f Stunden lang dauernde heftige Eruption. 3nfolge des Aschenregens und der erneut strömenden Lava muhte man zahlreiche Touristen, die herbeigeeilt waren, um das Naturschauspiel zu beobachten, veranlassen, umzukehren. Gegen 8.15 Uhr lieh die Tätigkeit des Kraters plötzlich nach. Schätzungsweise beträgt die a u s g e st r ö m t e Lava ungefähr 800 0 0 0 Kubikmeter. Räumung von Tercigno. Neapel, 5.3uni. (WTB. Funkspruch.) Die Eruptionstätigkeit des Vesuvs, die nach dem letzten Ausbruch gegen 9 Uhr abends aufgehört zu haben schien, ist im Laufe der Nacht mit solcher Heftigkeit wieder aufgeflammt, dah man sich entschlossen hat, das Dorf Tercigno, dessen erste Häuser bereits von der Lava bedeckt sind, vollständig zu räumen. Geleitet von Karabinirie, die darüber zu wachen haben, dah niemand in der Gefahrenzone zurückbleibt, verliehen die Einwohner die Häuser, viele unter Tränen, während in aller Elle die Akten der Bürgermeisterei und des Standesamtes auf Lastkraftwagen geworfen und in Sicherheit gebracht wurden. Regelung in der belgischen Mrksrage. Paris, 4. 3uni. (WTB.) heute nachmittag sechs Ahr findet eine Vollsitzung der Reparationskonferenz statt, in der die Formalitäten für die Unterzeichnung des Schluhberichtes festgesetzt werden sollen, die nun möglich wird, nach dem das Hindernis wegen der Regelung der belgischen Forderung bezüglich der Markbanknoten allgemein als beseitigt angesehen wird. Das offizielle Communiqus. Paris, 4. 3uni. (WTB.) Heber die heule nachmittag staltgefundene Vollsitzung der Reparationskonferenz, die um 18 Ahr begonnen und z Stunde gedauert hat, wird folgendes Kommunique ausgegeben: 3n der Vollsitzung das Sachverständigenausschuffes ist heute nachmittag eine llebereinstimmung über alle wesentlichen Punkte erreicht worden. Der Ausschuh wird sich nunmehr dem beschleunigten Abschluß des Berichtes zuwenden, in der Erwartung, dah dieser Bericht vor Ende dieser Woche zur Anterzeichnung bereit ist. Die Belgier sind die einzigen gewesen, die in Paris all die Wochen hindurch die Nerven behalten haben. Das war zwar für sie verhältnismäßig einfach, weil sie sich in dem Hauptkampf zurückhalten und ihre Kräfte aufsparen konnten, um, wenn die andern einig waren, mit ihrem Sondervorftoß zu kommen und eine Entschädigung zu verlangen für die Markanten, die sie aus der Besatzungszeit noch in ihren Tresors liegen haben. Diese Ermattungs« strategie — die allerdings einen leisen Beigeschmack von Erpressung hat — ist von Erfolg gekrönt gewesen, sie war freilich nur durchzusetzen, weil Belgien immer noch den Glorienschein des unschuldig Uederfallenen mit sich herumträgt und von den Gläubigerstaaten wie ein etwas verzogenes Kind behandelt wird. Jedenfalls muß doch einmal fest- gestellt werden, daß ein Zwang für Deutschland, sich überhaupt auf derartige Verhandlungen einzu- laffen, nicht vorlag, denn erstens hat Belgien schon im Versailler Vertrag als Komvensation für diese Beträge die Priorität in der Reparation erhalten und ist auch von den Vereinigten Staaten bei der Abgeltung seiner Schulden besonders gut behandelt worden. Zum andern aber legt der Dawesplan ausdrücklich fest, daß mit den 2VÄ Milliarden, die wir jährlich als Kriegsentschädigung zahlen müßten, alle Ansprüche abgegolten wären, also auch die belgischen Forderungen. Trotzdem hat Deutschland sich schon früher zu Sonderverhandlungen bereit erklärt, die allerdings, worüber nach der ganzen Vergangenheit ja gar kein Zweifel sein konnte, rein politischen Charakter hatten. Belgien ist ja mit seinen Ansprüchen auch schon sehr viel bescheidener geworden. Als^ die deutschen Truppen ab rückten, wurden die während der Desahungszeit in Umlauf gesetzten Markbeträge zum vollen Goldkurse gegen Franken eingelöst, Belgien behauptet, daß es dadurch Beträge in Höhe von sechs Milliarden Goldfranken, also fast fünf Milliarden Mark, habe ansammeln müssen, die Deutschland ersetzen sollte. Freilich haben die Belgier später selbst anerkennen müssen, daß diese Rechnung ein gewaltiges Loch hat. 3n den ersten Jahren der Inflation setzte ein schwunghafter Schmuggel mit den berüchtigten rotgestempelten Tausendmarkscheinen ein. Es sind dadurch Hunderte von Millionen an Markbeträgen nach Belgien gelangt, die während der Besahungszeit dort niemals in Umlauf waren. Die deutsche Regierung hat daher mit vollem Recht jedes Eingehen auf solche Forderungen abgelehnt. Nachträglich sind die Belgier auch bescheidener geworden, sie verlangen jetzt nur eine Aufwertung, die sie in Paris auf 25 Millionen jährlich beziffert haben. Es ist übrigens nur ihre Schuld, wenn die Frage nicht längst in Ordnung gebracht ist. Wir haben schon vor Jahren mit ihnen verhandelt und damals einen Tausch auf der Grundlage der Rückgabe von Eupen-Malmedy angeboten. Die Belgier waren dazu bereit, bis Poincarö ihnen einen solchen Vertrag verbot. Sie haben es sich daher ganz allein zuzuschreiben, dah dieses Kapitel immer noch nicht abgeschlossen ist. Wenn Deutschland sich jetzt zu einer erneuten ^Unterhaltung versteht, dann sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dah auch das Schicksal Eupen-Malmedhs damit gleichzeitig in die Debatte geworfen wird. Die Richtlinien der Gegenseite. Paris, 4.Qunt. (WTB.) Nach Bekanntgabe des von Dr. S ch a ch t an den Vorsitzenden der Reparationskonferenz Owen Dr. P o u n g in der belgischen Mark-Frage gerichteten Briefes berieten die Gläubigerdelegationen unter sich, welche Stellung sie dazu einnehmen sollen, lieber das Ergebnis dieser Sitzung glaubt die chavasagentur folgendes berichten zu können: Die belgische Delegation habe seitens der anderen Gläubiger die Versicherung erhalten: 1. daß die Verhandlungen über die Regelung der Markbanknoten unverzüglich eingeleitet werden würden, und zwar wahrscheinlich in Brüssel; 2. daß im Verlauf der Diskussion keine territoriale Fra- ge n aufgerollt werden würden; 3. daß man das Mittel suchen würde, den Belgiern die gleichen Garantien durch eine Parallelverhandlung, anstatt durch eine vorherige Unterzeichnung der Regelung der Markfrage zu geben, da eine solche vorherige Unterzeichnung in der Tat aus technischen Gründen schwierig sein würde. Die Gläubiger hätten sich sofort bemüht, ein Verfahren zu finden, das in dieser Hinsicht die Belgier völlig zufrieden stellen könne. Sie hatten den Vorschlag gemacht, dah der Dawesplan in Kraft bleiben und infolgedessen der Houng-Plan er st zur Anwendung gebracht werden soll, wenn eine für die Belgier befriedigende Einigung in der Markbanknoten frage erzielt sei. Der Vorsitzende der Reparationskonfe- renz, Owen B o u n g, wird im Laufe des heutigen Rachmittags die deutsche Delegation von diesen Schlußfolgerungen der Gläubigerdelegationen in Kenntnis sehen, um sich darüber zu unterrichten, ob sie dieses Verfahren billigt. Ende Juli Reparationskonferenz in London? Pans, 5. Suni. (WLD. Funkspruch.) Das „Echo de Paris- nimmt an, dah nunmehr — nach der Pariser Vereinbarung — eine Regie- rungskonferenz in der Art, wie sie im August 1924 aus Anlaß des Inkrastsetzens des Dawes-Planes stattgefunden hat, zusammentreten wird und meint, daß das gegen Ende Juli in London geschehen wird. Discount Cecil über die Abrüstungsfrage. Berlin, 4. Juni. (WTB.) 3m Rahmen der Veranstaltungen des Komitees für internationale Aussprache hielt heute abend im Reichstag Viscount Cecil o f Chelwood, früher Lord Robert Cecil, einen Vortrag über die Ab- rüstungsfrage. Begrüßt durch den Reichsminister a. 'S). Koch-Weser, der den Vorsitz führte und auf die Bedeutung Cecils als eines guten Europäers und seine Verdienste um die Entwicklung des Völkerbundes, um den Eintritt Deutschlands und um die Befreiung der Geister von einer politischen Vernebelung hinwies, entwickelte Lord Cecil den Abrüstungsgedanken von seinen Anfängen, von den Verpflichtungen des Versailler Vertrages, des Clemenceau-Drie- fes und des Artikels 8 der Dölkerbundssahung her. Er legte die wirtschaftlichen Gründe dar, die zu einer Abrüstung zwingen, verwarf den Gedanken, dah der Schutz des Friedens eines Wettrüstens oder überhaupt einer Entwicklung moderner Armeen bedürfe, und schilderte eindringlich die Vorteile einer allgemeinen Abrüstung. Die bisherigen Leistungen auf diesem Gebiet, denen er eine ausführliche Darstellung widmete, bezeichnete er zwar als nicht belanglos, aber unzureichend, und gab der Lieberzeugung Ausdruck, dah nicht nur der fiellogg-paff und feine einstimmige Annahme durch die Völker, sondern auch die jüngste englische Wahl der Bewegung für die allgemeine Abrüstung einen starken Austrieb geben werden. Amerika, 3apan und Großbritannien würden einen Druck auf die Militärmächte ausüben, um in der Flottenabrüstungsfrage die bereits durchbrochene Stockung zu beseitigen, und auf der ganzen Linie haben, so meinte der Redner, die Befürworter eines dauernden Friedens Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Der Vortrag wurde von einem dichtbesetzten Hause mit größter Aufmerksamkeit und lebhaftem Beifall ausgenommen. Unter den zahlreichen hervorragenden Gästen bemerkte man die Minister Dr. Wirth und von Guörard, den Reichstagspräsidenten L ö b e, den preußischen Llnterrichtsminister Dr. Decker, den Staatssekretär Dr. W e i s m a n n, den britischen und den französischen Botschafter und andere Diplomaten, vom Auswärtigen Amt die Ministerialdirektoren Dr. Köpke, de Haas und den Reichspressechef Dr. Z e ch l i n, weiter Reichskanzler a. D. Dr. Luther, Botschafter a.D. Dr. S o l f, Generaloberst v. S e e ck t und Professor Einstein, zahlreiche Abgeordnete, Gelehrte. Wirtschaftler und Vertreter der Presse tob des öffentlichen Lebens, >> , Evangelische Kirche und Konkordat Berlin, 4. Juni. (WB.) 3m Hinblick auf die vor dem Abschluß stehenden Konkordatsverhandlungen der preußischen Staatsregierung mit der römischen Kurie haben die evangelischen Landeskirchen Preußens einen gemeinsamen Schritt beim preußischen Staatsmini st erium unternommen und in einem Schreiben noch einmal ausführlich ihre Forderungen auf gleichzeitigen und gleichwertigen Vertragsabschluß mit der evangelischen Kirche erhoben. Das Schreiben berührt einleitend den Schriftwechsel, der im Herbst v. 3. zwischen den Kirchenregierungen und dem Staatsministerium geführt worden ist, und fährt dann fort: „Rach- dem inzwischen das Staatsministerium, wie nach den Mitteilungen der Presse angenommen werden muh, zu einer Verständigung mit der Kurie gelangt ist, sehen wir uns genötigt, von der preußischen Staatsregierung eine bestimmte Erklärung darüber zu erbitten, ob sie nunmehr bereit ist, die im Herbst 1927 eingeleiteten und nach einigen Monaten ohne erkennbaren Grund eingestellten Verhandlungen wieder aufzunehmen mit dem Ziele, auch mit den evangelischen Kirchen zu einer vertragsmäßigen Regelung zu gelangen. Diese Verhandlungen könnten, soweit es an uns liegt, in kürzester Zett zum Abschluß gebracht werden." Hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Stellung zur Konkordatsfrage verweisen die Kirchen auf frühere Erklärungen und behalten sich besonders gegenüber den noch nicht bekannten Bestimmungen des Konkordats „volle Freiheit der Stellungnahme" vor. „Daneben", so fährt das Schreiben fort, „müssen wir aber für den Fall des Vertragsabschlusses mit der Kurie erneut die Forderung gleichzeitiger und gleichwerttger, dem Wesen der evangelischen Kirche entsprechender Verträge nachdrücklichst wiederholen. Die Grundsätze der Parität, zu denen sich auch das Slaatsministerium im Schreiben des Herrn Ministerpräsidenten vom 8. Rooember 1928 ausdrücklich bekannt hat, würden in einem entscheidenden Punkte verletzt sein, wenn der katholischen Kirche für ihrss Organisation und die finanziellen Bedürfnisse ihrer Verwaltung eine vertragsmäßige Garantie gegeben würde, während die evangelischen Kirchen lediglich auf einseitig erlassene und deshalb auch der Möglichkeit einseitiger Aenderung unterworfene staatsgesehliche Bestimmungen angewiesen wären. Zum Schluß geben die preußischen Landeskirchen die Erklärung ab, daß es nicht als Sicherung der Parität angesehen werden könne, wenn die Staatsregierung sich etwa grundsätzlich bereit erkläre, später, nach Verabschiedung des Vertrages mit der Kurie, auch mit den evangelischen Kirchen Verträge abschließen zu wollen. Braun will Mitteilungen machen. Berlin, 5. Juni. (Priv.-Tel.) Ministerpräsident Braun hat, laut „Germania", die Fraktionsführer der Regierungsparteien zu einer Besprechung gebeten, in der er sie über den Inhalt des Konkordats unterrichten will. Die Besprechung wird voraussichtlich am Freitag stattfinden. Oer Kabmettsrvechsel in England. London, 4.3unL (WB.) Ministerpräsident Baldwin hat sich um 10 Llhr nach Windsor begeben, wo er vorn König in Audienz empfangen wurde. Wie amtlich bekanntgegeben wird, ist Premierminister Baldwin zurückgetreten. Macdonald heute beim König. London, 4.3uni. (WB.) Einem heute aus- gegebenen Bulletin zufolge hat der König eine gute Rächt verbracht. — Der Führer der Arbeiter-Partei, Ramsey Macdvnald, ist eingeladen worden, morgen nach Schloß Windsor zu einer Audienz beim König zu kommen. Voraussichtlich wird Macdvnald, nachdem die Kabinettsbildung vollzogen ist und bevor das neue Llnterhaus zusammentritt, einen kurzen Llrlaub nehmen. Sein Gesundheitszustand ist nicht sehr gefestigt, und der Wahllampf hat ihn stark ermüdet. Der Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei wird morgen zusammentreten, um die Richtlinien der Politik zu besprechen, die nach Eröffnung des Parlaments befolgt werden sollen, und um sich über die gesetzgeberischen Maßnahmen schlüssig zu werden, die dem König vorgeschlagen werden sollen. Die Haltung der Oppositionsparteien wird natürlich zum großen Teil von dem Programm der Arbeiterpartei abhängen. praktische Abrüstungsund Friedenspolitik. Macdonald über seine Politik. Paris, 5. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Macdonald Hal einer Mitarbeiterin des „Petit p a r i - f i e n“ ein Interview gewährt, das Ausblicke auf die künftige englische Politik unter der Regierung der Arbeiterpartei gibt. Macdonald betonte, dah die Arbeiterpartei eine praktische Abrüstungs- und Friedenspolitik nachdrücklich verfolgen werde, hinsichtlich des Zusammenarbeltens der Rationen erklärte Macdonald: Es handelt sich nicht um Ententen oder um Bündnisse. Das sind Dinge einer veralteten Mentalität. Die Arbeiterpartei will eine ganz neue Aera europäischer I u - sarnrnenarbeil einleiken. Es soll keine Rivalitäten, keine Geheimdiplomatie mehr geben, keine Verträge zugunsten eines Landes, oder gegen ein Land. Das alles muß verschwinden. Das ist es, was man im Verhältnis der Völker zueinander braucht: Luft, Licht und guten Willen. Auf die Frage: „Glauben Sie, daß die Vereinbarung, die in Paris bevorsteht, die Frage der Reparationen und der interalliierten Schulden endgültig regeln wird?" antwortete Macdonald, man dürfe nicht zwei verschiedene Probleme verwechseln. Die Reparationen und die Schulden seien nicht dasselbe. Bei der Prüfung der letzten Frage würden die Vereinigten Staaten viel zu sagen haben. Die Diskussion müsse auf neuen Grundlagen wieder ausgenommen werden. 3n der Frage der Schulden, wie in der Frage der Abrüstung beabsichtige die Arbeiterpartei, sich unverzüglich mit Hoover in Verbindung zu sehen und in enget Fühlungnahme mit diesem zusammen zu arbeiten. Das voraussichtliche Kabinett Macdonald. London, 4. 3uni. (WD.) Del seinem heutigen Besuch im Schloß Windsor wurde ‘Salbte i n vom Privatsekretär des Königs empfangen und in das Krankenzimmer des Königs geleitet, wo er dem König das Rücktrittsgesuch des Kabinetts überreichte. Der nächste Schritt auf dem verfassungsmäßigen Weg wird die Aufforderung des Königs an Ramsay Macdonald als Führer der Oppositton sein, die Bildung der neuen Regierung zu übernehmen. Es besteht kein Zweifel, daß Macdonald der Aufforderung Folge leisten wird. Bei der Llebemahrne der Aufgabe der neuen Regierungsbildung ist es üblich, daß der neue Premierminister dem König die Ramen der Persönlichkeiten, die er für die hauptsächlichen Kabinettsposten gewählt hat, mitteilt. Macdonald wird sicher in der Lage fein, dies bald zu tun, da die gegenwärtige politische Lage feit langem vom Führer der Arbeiterpartei und seinen Kollegen erwartet worden war. Man nimmt an, dah die Ramen der Minister, die die wichtigsten Aemter in der neuen Arbeiterregierung erhalten werden, vor Ende der Woche mitgeteilt werden. Man erwartet, daß alle Mitglieder des parlamentarischen Vollzugsausschusses der Arbeiterpartei im neuen Kabinett vertreten fein werden. Wie verlautet, sollen erhalten: Thomas das Ministerium des Aeutzern, Snowden das Schatzamt, Lord 3uftice Sankey den Posten des Lordkanzlers, Henderson oder D a l t o n das 3nnenministerium, Lord Olivier das Ministerium für 3nblen, Trett e l h a n das Llnterrichtsministerium, Graham das Handelsamt, 3 o h n st o n das Ministerium für Schottland, A11lee das Kriegsministerium, Lee Smith die Admiralität, Lord Thomson das Luftfahrtministerium, Greenwood das Gesundheitsministerium, und Roberts das Pensionsministerium. Man erwartet, daß C l h - n e s toie im 3ahre 1924 Lord Privh Sean (Lordsiegelbewahrer) und stellvertretender Führer des Llnterhauses werden wird. Aus dem Reichstag. Von den Deutschnattonalen wurde auch in der gestrigen Reichstagssitzung wieder die sofortige Besprechung der Pariser Reparationskonferenz gefordert. Sie begründeten ihr Verlangen damit, daß im Auswärtigen Ausschuß die Aussprache darüber unmöglich gemacht worden sei. Da gegen die sofortige Beratung aus dem Hause Widerspruch erhoben wurde, konnte der deutschnationalen Forderung nicht stattgegeben werden. Ohne Aussprache wurden Berichte des Rechnungshofes und der Oberrechnungskammer und das deutsch-polnische Holzabkommen den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die Einsprüche der nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Frick, Stöhr und Dr. Goebbels gegen ihre Ausweisung aus einer früheren Sitzung wurden gleichfalls debattelos zurückgewiesen. Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s leitete dann die zweite Beratung des Haushalts seines Ministeriums ein durch eine längere Rede, in der er vorwiegend Mittelstandsfragen behandelte und nachzuweisen versuchte, dah die Regierung sich bemüht habe, durch verschiedene Maßnahmen den von den Kreisen des gewerblichen Mittelstandes geäußerten Wünschen Rechnung zu tragen. Die Regierung werde auch fernerhin alles tun, um den Röten und Sorgen des Mittelstandes abzuhelfen. Die Erörterung der übrigen Wirtschaftsfragen verschob der Minister bis zur Aussprache über das nut diesen Lragea eng Mscumnerchängenbe ErgetzM tei Pariser Konferenz. 3n der Aussprache forderte der deutschnationale Abgeordnete Dr. ß e j e u n e- 3 u n g, dah die Regierung die Pariser Ver- handlungsergebnisfe ablehne. Der sozialdemokra- ttsche Abgeordnete Krätzig verlangte Abwehr- mahnahmen gegen die Preistreiberei der Kartelle. Die Beratung soll am Mittwoch fortgesetzt werden. Aus dem Hessischen Landtag. Einberufung des Finanzausschusses. Darmstadt, 4. 3uni. Der Vorsitzende des Finanzausschusses hat die Mitglieder zu einer Sitzung für Freitag, 7. 3uni, zusammen- berufen. Auf der Tagesordnung stehen die Regierungsvorlagen über die Sicherung von Baudenkmälern, die Einrichtung einer außerordentlichen Professur für Wirtschaftslehre an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Errichtung von Badeeinrichtungen in Deamtenwohnun- gen der Bergwerksdirektion Wölfersheim. An Anträgen kommen zur Behandlung ein Zentrumsantrag auf Ablösung der Golddiskontbank- hypotheken, verschiedene Anträge betr. Hagelschäden, Stellenumwandlungen bei der Polizei und noch eine Regierungsvorlage über die Rationalisierung des Handwerks. Italienischer Geschwaderflug nach dem Schwarzen Meer. 9tom, 5. 3unl (WTB. Funkspruch,) Ein G e - tchwada» voo L'L W cks hrtoflugs^u8»b der italienischen Luftflotte unter Führung deS Generals de Pinedo bricht heute zu einem Flug nach dem Schwarzen Meer auf. der in Etappen von etwa je 400 Kilometer über Athen und Konstantinopel bis in die Gegend von Odessa und zurückführen soll. Eine Reihe von Militärattaches auswärtiger Mächte nehmen an dem Flug teil. Aus aller Welt. Grotzfeucr in einem KoblenzerKrankenhauS WSR. Koblenz, 4.3unt Heute morgen gegen 6.30 Llhr brach in dem Krankenhaus der katholischen Schwestern „M a r i e n h o f" ein Grobfeuer aus. 3n wenigen Augenblicken stand der ganze östliche Flügel des Rordbaues in Flammen. Sämtliche Wehren der Stadt Koblenz wurden alarmiert und erschienen bald darauf mit vier Löschzügen. Auch eine Abteilung der französischen Besatzung eilte herbei und brachte einen Teil der Kranken in das benachbarte ehemalige Militärlazarett, das jetzt von der Besatzung benutzt wird. Das Feuer breitete sich mit großer Schnelligkeit über den ganzen Dachstuhl aus und erreichte die angrenzende Kapelle, deren Turm ein stürzte. Gegen 8.15 Llhr war es der angestrengten Arbeit der Feuerwehren gelungen, den Brand einjuöäm- m e n , so dah im Augenblick keine Gefahr mehr besteht. Personen kamen nicht zu Schaden, da die Krankenschwestern, deren Schlafräume sich im obersten Stockwerk befinden, bereits vor Ausbruch des Brandes ihren Dienst angetreten hatten. Die Kranken wurden von der sofort erschienenen Sanitätswache aus beiden unteren Stockwerken des gefährdeten Baues getragen. Die Entstehungs-. Ursache scheint Kurzschluß zu sein. Achtköpfige Familie vergiftet. Das „D. T." meldet aus Weilheim (Oberbayern) : 3n Wielenbach erkrankte die achtköpfige Familie F a 11 e r e r nach dem Genuß eines Fleischgerichtes. Wie festgestellt werden konnte, stammte das Fleisch von einem frisch geschlachteten Stück Vieh. Rach ärztlichem Gutachten handelt es sich um Paratyphus, dem innerhalb von wenigen Tagen die 60jährige Ehefrau Marie Falterer, ihre 30jährige Tochter und ihr Enkelkind erlegen sind. Die übrigen fünf Familienmitglieder dürsten ebenfalls kaum mit dem Leben davonkommen. Die Ursachen des Laußnitzer Eisenbahnunglücks. Lieber die Llrsachen des Eisenbahnunglücks bei Laußnitz, bei dem, toie gestern gemeldet, vier Reichswehrangehörige den Tod fanden, teilt die Pressestelle der Reichsbahndirektion mit. Die Llntersuchung des umgestürzten und entgleisten Wagens, die im Beisein von Vertretern der Staatsanwaltschaft im Reichsbahnausbesserungswerk Dresden stattfand, ergab, daß beide Wagen in völlig einwandfreiem Zustande waren. Ebenso hat die genaue Rachprüfung des Oberbaues an der Llnfallstelle keinerlei Mängel gezeigt, welche die Llrsache der Entgleisung sein könnten. Man vermutet, daß eine Achse des zuerst entgleisten und bann umgestürzten Wagens infolge Stauchung des Zuges ausgehoben worben war, so baß sich bie Räder dann neben die Schienen gesetzt haben, was ein Umfallen des Wagens und die Entgleisung des anderen Wagens zur Folge gehabt habe. Oie Wetterlage. tDienstaa, ■Jan Mayet •Röst 40 Kaper. ’vat 5 itockfrr- -Aberdeen- s 7 19 46 o o wand \>6 45 y 43, w Owolkenlos. O netter. onalD bedeckL» wolkig. • Gedeckt elteotu ¥ Schnee a Graupeln. 5 Hebel K Gewitter.@Wind$tilic..Q-. seh# dichter Ost ^5 massiger Südsüdwest (5 stürmischer Hordwesi Oie Pfeue fliegen mit dem Winde. Pie oei den Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen) *ui neeresmveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Mit der nordwestlichen Verlagerung der süd- skandinavischen Störung nach dem Baltikum hin nimmt die Kaltluftzufuhr nach unserem Gebiet wieder ab. Leichter Barometeranstieg führt zunächst zu etwas ruhigerem Wetter, wobei es zeitweise zur Aufheiterung kommt. Die Besserung ist jedoch nur vorübergehend, und noch im Laufe des morgigen Tages werden wieder ozeanische Luftmassen des neuen nordwestlichen Tiefdruckgebietes zur Bewölkung führen. Dabei steigen die Temperaturen wieder etwas an; abermalig« Riederschläge stehen ferner in Aussicht. Wettervoraussage für Donnerstag: Zunächst wolkig mit Aufheiterung, später wieder Bewölkungszunahme, wärmer und erneut Regen. Wettervoraussage für Freitag« Zeitweise noch stärker bewölkt und vielfach Regen wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 4.3uni: mittag^ 14,5 Grad Celsius, abends 10,5 Grad; am 5.3unii morgens 10,2 Grad. — Maximum 15,4 GvK Minimum 9,1 Grad. — Riederschlag 7,3 WM« meter. — Sonnenscheindauer 3/t Stunde. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: art 4. 3uni abends 16,2 Grad; am 5. 3uni pwrsM U Grcck) ErlsruL . v rr .Achtung ute iu ”■0?® Deer MS bon der T«, breitete sich *n ganzen ' angrenzende Zte. Gegen Arbeit der eimn8uöäm< !A!ahr mehr Haden, da die Mr sich im ober« vor Ausbruch treten hatten, ort erschienenen en ©todtwrlen >e Entstehung^ fein. fiel beim (O5er« kte die acht- dem Eench stellt werden einem irisch bSsahrige Ehe- ahrige Tochter b. Sie übrigen ebenfalls kaum Avrdbaues ",.b« SM Plenen halb mbahnunglücks. senbahnun« wie gestern ge« \e den Lod fan« chsbahndirestion igestürzten und ifein von Der- m Äeichsbahn- md, ergab, dah teicm Zustande achprüsung des einerlei Mängel Entgleisung sein eine Achse des gestürzten Wages ausgehobcn der dann neben ein Umfallen g des anderen m WJ o», * süd- rm ^a* Gebiet 3?\.ö.,MsMk. Ohne Anzahlung aus 6-12 Monatsraten mosV liefern wir Bielefelder Bett-, Tisch-, Leibwäsche für Damen und Herren, Sieppdecken, Matratzen Metallbetten. Teppiche. 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Der bahnführer hat gar nichts gemerkt, die Fahrgäste haben gar keine entsetzten Gesichter gemacht, der Polizist hat alles in Ordnung gesundem Dafür werden die drei Radfahrer vor uns gleich erledigt fein ... Rein, dieser verfluchte alte Spirituskocher, das hätte ich ihm nie zugetraut, dah er so seine Eile dämpfen kann. Die Radfahrer liegen zur Seite und erzählen sich dabei noch Geschichten. Harmlos schwimmen sie wie kleine Silberfische durch das Aquarium der Straße nut seinen gefährlichen, vorwärtsschiehenden Hechten. Aber schließlich, mein Gott, die Straßen sind breit und neben der Fahrerin sitzt ein braver, biederer, sehr ruhiger Mann in blauer Schirmmütze, als hätte er sich zum Feierabend einen Stuhl vyr die Tür des Hauses gerückt, um sein Pfeifchen zu rauchen. Er wird schon aufpassen, das nichts passiert. Er ist ja dazu da. Was? Er läßt sie in das alte Stadtviertel einbiegen? Wo die Gassen so eng sind, dah man mit einem einzigen Schritt von einem Bürgersteig zum anderen gehen kann, wo die gegenüberliegenden Häuser mit den Fenstern aufeinanderstohen, der gleichzeitige Durchmarsch von zwei dicken Männern Cinsturzkatastrophen nach sich ziehen muh? Und wie ruhig er dabei sitzt, als ginge ihn alles nichts an! Wahrhaftig, sie fährt, sie fährt in ihr Unglück. Gemüsekarren stehen herum, Dutzende von Hunden laufen über die Straße, Kinder spielen Reifen und Ball, im Abstand von fünf Metern unterhalten sich immer vier Frauen mitten auf dem Fahrweg, das Straßenpflaster wird auf» gerissen. Ich drücke den Hut tief in die Stirn und ziehe die Deine ein. Das nützt aber nichts. Die Knie stoßen an jeden Handwagen, die Augen sehen schon jeden Hund unter den Rädern, alle Dreckeimer, alle Pferdewagen fallen um. Die schrägen Dächer der alten Häuser stürzen auf mich zu. Immer habe ich die alten Städte geliebt, nun hasse ich sie. Breite, tiefe Straßen mühten hier fein, schön geteert, Häuser weit von der Straße abgerückt, niedrig, mit flachen Dächern, die nicht herunterfallen können, mit Vorgärten, in denen die Kinder und die Hunde spielen, weit ab vom Fahrdamm. Vier Autos mühten nebeneinander Platz haben. Ich ziehe meine Deine vor Angst immer weiter ein und habe das Gefühl, als ob gerade noch die Stiefeljpitzen herausguckten... Gott sei Dank, die Strahe führt zur Stadt hinaus. Rie habe ich im Leben den Wald mit einem solchen Jubelschrei begrüßt. Langsam, vorsichtig, strecken sich die Beine wieder aus wie die Fühlhörner einer Schnecke. Der Hals reckt sich, die Arme lösen sich, entspannt rolle ich in meinen Sitz. Wir fahren wie das Donnerwetter. Aber der ruhige, biedere Mann neben dem Führersitz ist ein Sadist. Er läßt umkehren. Denselben Weg zurück! Ich schliehe die Augen, verkrieche mich in den äußersten Winkel des Sitzes, so daß aus der Lederfalte nur noch mein angstvolles Auge hinausschaut. ... Mitten in der Stadt, vor einem großen Cafe, werde ich mühsam aus der Spalte gezogen. Die junge Dame nimmt mich mit ins Cafö und bestellt sich seelenruhig einen Kaffee und viel Kuchen mit Schlagsahne. Ich kann mich noch nicht sehen, meine Haare flattern noch. Ein Dutzend davon ist sicherlich grau geworden. Die Fahrt ist mir auf Haare und Wagen geschlagen.-- Fahren Sie erst mal mit ihrer eigenen Tochter spazieren, die das Chauffieren heimlich, hinter Ihrem Rücken gelernt hat und plötzlich, eines schönen Tages, kurz vor dem Mittagsschlaf erklärt: „Komm mit, ich fahr dich." 1OOOOO Volt im Kabel. Fortschritte in der Kabellechnil. Don Or.Ing. Georg Ginner. In der Elektrotechnik können wir die Tendenz beobachten, den elektrischen Strom, wo angängig, nur noch in geschlossenen Kabeln zu b.fördern. Noch vor einem Menschenalter gingen beispielsweise von den Telegraphen- und Telephonämtern in den deutschen Großstädten Hunderte von Drahtleitunyen über die Dächer und Straßen hinweg. Jetzt sind diese Freileitungen fast überall verschwunden. An ihre Stelle sind die Bleikabel getreten, die unterirdisch verlegt werden und jeweils eine große Anzahl von gegeneinander isolierten Drähten enthalten. Selbstverständlich sind die Kabel in der Herstellung und in der Verlegung teurer als offene Freileitungen auf den Telegraphenstangen. Wenn sich die Reichspost dennoch entschlossen hatte, ihr Telephonnetz zu verkabeln, so spielte hierbei die Betriebssicherheit eine große Rolle. Die vielen Störungen durch Sturm und Schnee fallen gänzlich fort und die Beeinflussung des Fernmeldebetriebes durch Hochspannungsleitungen und elektrische Züge, die mit der zunehmenden Elektrisierung des Landes sich auch immer mehr störend bemerkbar macht, sprach gleichfalls für die Verkabelung. Auch für den Stark st rom wird man in Zukunft mehr noch als bisher statt offener Freileitungen Kabel verwenden. Es sind allerdings hierbei schwierige Aufgaben zu lösen, die der Hochspannungsstrom stellt. Doch darf Deutschland für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, auf diesem Gebiete besonders erfolgreiche Pionierarbeit geleistet zu haben. Schon vor 25 Jahren brachte das Kabelwerk Oberspree bei Berlin als erste Kabelfabrik der Well 10 000-Voltkabel auf den Markt. 1908 wurde in der Umgebung von Berlin auf 200 Kilometer Länge ein 30 000-Doltkabel verlegt, das noch heute in Betrieb ist, und zur Zeit wird sogar ein 100 000- Doltkabel von der AEG. hergestellt, das auch bei Berlin in Betrieb kommen soll. Ja noch höhere Spannungen versucht man im Kabelbetrieb zu bewältigen. Es sind nicht nur elektrotechnische, sondern auch fabrikatorische Schwierigkellen dabei zu bemeistern, die sich u. a. aus dem hohen Gewicht der Kabel ergeben, wiegt doch beispielsweise ein Kilometer eines 100 000-Voltkabels 45 Tonnen! Die Fabrikation dieser Starkstromkabel ist in dem Kabelwerk Oberspree, der größten deutschen Kabelfabrik, jetzt vollständig auf fließende Fertigung umgestellt. Schon die Kupferdrähte, die aus Kupferbarren in Walzenstraßen erzeugt werden, bedürfen bei den verschiedenen Arbeitsgängen des Menschen nur noch zur Ueberwachung: die Fabrikation selbst geht fast völlig selbsttätig vor sich. Wenn trotzdem das Kabelwerk Oberspree, das außer Starkstromkabel noch Fernsprechkabel, isolierte Leitungen, in einem Metallwerk Preß- und Gußteile aus Messing und Leichtmetallen und schließlich Gummiisolierungen herstellt, 7000 bis 8000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, so ergibt sich hieraus die Größe des Betriebes: etwa 40 000 Tonnen Kupfer werden hier jährlich verarbeitet. Sieben Arbeitsgänge sind für die Herstellung von Starkstromkabeln erforderlich. Zuerst werden die einzelnen auf Spulen aufgewickelten Kupferdrähte je nach dem erforderlichen Querschnitt des Leiters in größerer Anzahl auf einer Litzen» maschine zu biegsamen Leitern zusammengedreht, verseilt. Dann müssen diese Leiter durch Umwickeln mit Papierbändern isoliert werden. Gegebenenfalls wird noch eine Aluminiumfolie darumgelegt. Papierspinnmaschinen besorgen diese Arbeit. Nun folgt eine Vereinigung der so fertiggestellten Adern zum Mehrfachkabel auf der Verseilmaschine: die Drehstromkabel besitzen drei Adern. Der nächste, besonders wichtige Arbeitsgang ist ein Trockenprozeß: in Trockenschränken wird das im Jsolierpapier der Kabel enthaltene Wasser restlos entfernt. Darauf werden die Kabel bei hoher Temperatur im Vakuum mit Del und Harzen imprägniert. Zum Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit dient der Bleimantel, der bann auf Bleipressen nahtlos um das Kabel herumgelegt wird, während Lagen von Jute und Eisenband, sowie ein Anstrich danach dafür sorgen, daß auch beim Transport und beim Verlegen keine mechanischen Beschädigungen dem Kabel gefährlich werden können. Daß eine sorgfältige Prüfung und Ueberwachung des Kabels sowohl bei der Herstellung wie zum Schluß zur Feststellung der elektrischen Eigenschaften vorgenommen wird, versteht sich von selbst. Die Prüfspannung beträgt dabei ein Mehrfaches der später vorkommenden Betriebsspannung. So stellt die Kabelherstellung einen komplizierten aber auch erfolgreichen Zweig der deutschen elektrotechnischen Industrie dar, auf dem deutsche Ingenieure besondere Leistungen vollbringen konnten. des 14 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wettkampf zwischen dem Turn- und Sportverein Butzbach und dem Männer-Turnverein Gießen statt. (Siehe heutige Anzeigei) ..2ch glaube, er will nichts von mir wissen, Jimmy!" „Das muß ja 'n Idiot sein!" ..2a, Jimmy," lachte Ellinor, und sie blieb vor ihrem Bild -an der Litfaßsäule stehen, „manche Leute laufen stundenlang neben ihrem Glück her, und sie merken es nicht!" Dabei kniff sie Jimmy aufmunternd in den Arm und sie tobten wie zwei wilde Bangen die Trep- Pen hinauf, daß Mrs. Buttler wie eine Furie aus der Tür geschossen kam. Run lebte Ellinor schon fünf Tage in der 118. Street in Hoboken. Eines morgens klopfte Jimmy schon um ein halb neun Hhr an Ellinors Zimmertür. ..Kann ich reinkommen, es ist etwas aona Wichtiges!" Ellinor warf sich schnell einen Morgenrock über und ließ Jimmy eintreten. Jimmy setzte sich mit ernster Miene auf Ellinors Dettrand. Er erklärte, es ginge so nicht weiter. „Was geht nicht so weiter?" fragte Ellinor erschreckt. Der Dengel hatte sich doch hoffentlich keine Späne in den Kopf gesetzt. Jimmy schnaufte wie ein Walroß, er kam sich furchtbar wichtig vor. „Es geht nicht so weiter, daß Sie den ganzen Tag nichts tun. Ein anständiger Mensch arbeitet! Gut, Sie haben mir erzählt, Sie hätten sich von Ihrer letzten Stelle her ein paar Dollar gespart, das ist aber noch lange kein Grund, sich auf die faule Haut zu legen. Eines Tages ist das Geld alle, und dann sitzen Sie da, kein Aas kümmert sich dann um Sie, bilden Sie sich nur nkl)t ein, daß Ihr mysteriöser Bräutigam mit dem gezückten Portemonnaie dasteht. In der Beziehung ist- auf Männer kein Verlaß. Jimmy schöpfte Atem. Ellinor lachte hell auf. „Jimmychen, ich möchte zu gern wissen, wo Sie Ihre Erfahrungen gesammelt haben? Aber vielleicht haben Sie recht. Was soll ich aber tun, um ©otteß willen. Ich habe gar nichts gelernt!" „Jeder vernünftige Mensch kann ein bißchen Schreibmaschine, dumm sind Sie doch auch nicht!" „Bein, nicht Übermäßig, und Schreibmaschine kann ich auch, so ein klein bißchen!" ..Aa schön, dann ist ja alles in Ordnung, dann werden Sie morgen in dem Betrieb von George Wellton als Sekretärin anfangtn!" Wettlauf um Ellinor. Roman von Genta Neckel. Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6. Oberhessen. Landkreis Gießen. V Mainzlar, 4. Juni. Mit dem 1. Junl wurde die hiesige Postagentur infolgeReu- besetzung dem früheren Postagenten, Kaufmann W. PH. S ch la p p, wieder übertragen. Herr Schlapp war früher bereits fünfzehn Jahre Postagent, als im Jahre 1924 die Postbehörk^ infolge Sparmaßnahmen die Agentur mit dem Austragen der Postsachen durch den Inhaber zusammenlegte. Da sich der Postverkehr seitdem sehr erheblich steigerte und die Agentur die Orte Mainzlar mit dem Werk von Scheidhauer & Giebing, sowie Daubringen mit dem Heiberts- häuser Hof umfaßt, hat sich die Trennung deS Dienstes wieder als notwendig erwiesen. Als Briefträger wurde der frühere Hilfsbriefträger Fuchs angeftellt. + G r ünberg, 3. Juni. In der jüngstem Gemeinderatssitzung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren 11 Gemeinderäte anwesend: einer fehlte wegen Krankheit. Für die Weiterlegung der Wasserleitung in der Bismarckstraße, Färbgrabengasss und Gartenstraße lagen vier Angebote vor. Die Abstimmung ergab 6 Stimmen für .Hebertragung der Arbeit an die hiesige Fa. Konrad B o ck zu ihrem Angebot von 3111,50 Mark, während 5 Stimmen für den etwa 175 Mark weniger fordernden Keil (Hattenrod) waren. Die Vertreter der Mehrheit begründeten ihre Abstimmung mit der Berücksichtigung des einheimischen Gewerbebetriebes. — Die Gallusmarkt-Lot- t e r l e soll wieder abgehalten und deshalb mit der seit einigen Jahren hierfür bestehenden Kommission die weiteren Schritte in die Wege geleitet werden. Bei der Besprechung dieser Sache Zur Gasversorgung Hessens. Tas neue Angebot der Tüdwcstdeutschen Gas G. m. b. H. Frankfurt a. M. WSA. Frankfurt a. M., 4. Juni. DaS schon seit längerer Zeit angekündigte neue Angebot der Südwestdeutschen Gas G. m. b.H. Frankfurt a. M. ist nunmehr der Hekoga unterbreitet worden. Wie zu erwarten war, wird in dem Angebot der Vorschlag gemacht, eine neue A. - G. »Vereinigte Gaswerke Rhein-Main-Neckar A. -©.“ zur gemeinsamen Erzeugung von Gas mit einem vorläufigen Aktienkapital von 20 Mill. Mk. zü gründen. Die Aktien sollen allerdings den Kommunen Vorbehalten bleiben. Im Gegensatz zu dem früheren Angebot verlangt die Südwestdeutsche Gas-Gesellschaft nunmehr für die ersten 80 Millionen Kubikmeter Gas einen Preis von 5,16 Pf., während sie für die folgenden 50 Mill. Kubikmeter einen Preis von nur 4,35 Pf. anbietet (das Ruhrangebot verlangt 4,62 bzw. 4,50 Pf.). Allerdings ist bei dem Angebot der Südwestdeutschen Gasgesellschaft eine Verwertung der Rebenprodukte, wie Seer, Ammoniak usw., noch nicht einbezogen. Außerdem sind der Preisberechnung die jetzigen außerordentlich hohen Zinssätze zugrunde gelegt worden. Von der Südwestdeutschen wird erklärt, daß der oft betonte Vorzug des Ruhrangebots, ein Gas von 4500Wärmeeinheiten zu liefern, während die Südwestdeutsche 4200 Wärmeeinheiten angeboten hatte, nicht in die Wagschale falle, da es nicht auf diesen absoluten Heizwert ankomme, sondern auf ein unbedingt gleichmäßiges Gas mit möglichst wenig Ammoniak- und Sauerstoffgehalt. Wenn die Ruhr ein derartiges Gas liefern wolle, wie es von der Südwestdeutschen in ihrem neuert Angebot garantiert wird, müßte sie ebenfalls wesentlich teuerer sein. Vortrag in der Ausstellung »Der Al e n s ch". In der zur Zeit in der hiesigen Volkshalle untergebrachten Ausstellung „Der Mensch" (Sondergruppe „Der durchsichtige Mensch') finden, worauf hiermit besonders hin- getoiefen sei, täglich 18 Hhr ärztliche Führungen statt. Morgen, Donnerstag, wird Professor Dr. Weisbach (Dresden) von 16 bis 19 Ahr über die Themen „Arzt und Erzieher" und „Theorie und Praxis auf dem Gebiete der Ernährung" einen Vortrag halten. Cs sei auch an dieser Stelle der Besuch der lehrreichen und volksbildenden Darbietungen wärmstens empfohlen. (Siehe heutige Anzeige.) ** Linne-Dortrag 19 29. Der dies» latjrige Linne-Vortrag wird ein zwischen Botanik und Kunstgeschichte liegendes Grenzgebiet behandeln. Prof. E. K ü st e r wird Freitag, 7. Juni, 8,15 Hhr, im Botanischen Horsaal über „Deutschlands schönste Gärten" sprechen. (Siehe heutige Anzeige.) •• Segelflugzeug „Stadt Gießen". Bekanntlich wurde im vergangenen Jahre von der Stadt ein namhafter Betrag für die Er- bauung eines Segelflugzeuges gestiftet. Runmehr geht, wie man uns berichtet, in einem Raum des Realgymnasiums langsam, bei peinlichst genauer Arbeit das Segelflugzeug „Stadt Gießen" seiner Vollendung entgegen. Der Bau wird geleitet und ausgeführt von Mitgliedern der Jungfliegergruppe des Vereins für Luftfahrt in Gießen. Rachdem die Flügel soweit fertiggestellt find, wird in den nächsten Tagen mit dem Zusammenbau des Rumpfes und der Steuer begonnen werden. Roch sind viele mühevolle Arbeitsstunden zu leisten, bevor der schnittige Segler seinem Element übergeben werden kann. Da weite Kreise der Gießener Bürgerschaft dem Segelflugwesen große Aufmerksamkeit entgegen» bringen, wird wahrscheinlich Ende Juli eine Ausstellung des Flugzeugs ftattfinöen. ** Eineöffentliche Mieterversammlung findet am morgigen Donnerstag, 20,30 Hhr, im Gewerkschaftshaus statt. Wie aus der Anzeige in unserem gestrigen Blatte ersichtlich, soll sich die Versammlung mit der Wohnungsnot in Gießen, der Strahenreinigung und Müllabfuhr und den neuen Bestimmungen über die Lockerung des Mieterschutzes beschäftigen. •• Straßensperrungen. Vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. v. D.), Gießen wird mitgeteilt: Die Straße Büdingen- Gelnhausen im Zuge der Straße Friedberg bzw. Ridda—Gelnhausen ist von Kilometer 61,4 bis 65,9 ab 7. Juni bis auf weiteres für alle Fahrzeuge gesperrt. Hm Leitung über Lorbach— Hüttengesäß — Riedergründau — Lieblos. Die Straße Gießen — Wieseck ist vorn 5. bis 25. Juni für jeglichen Verkehr gesperrt. Hm» leitung über Trohe—Rödgen. — Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Rödgen ist ab 5.Juni aufgehoben. ** Dienstjubiläen bei der Reichsbahn. Die bei der Güterabfertigung Gießen tätigen Lademeister Jakob Geißler und Reichs- bahn-Detriebsassistent Heinrich Ufer begingen bor einigen Tagen in voller Rüstigkeit ihr 40- jähriges, die Oberladeschaffner Georg C i f f und Luhwig Wagner ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Den beiden Erstgenannten wurden vom Dienststellenleiter Anerkennungs- und Glückwunschschreiben vom Reichspräsidenten, vom Generaldirektor der Reichsbahn und vom Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. mit besten Glückwünschen ausgehändigt. Gleichzeitig sprach er allen vier Jubilaren unter Heberreichung von Blumengeschenken die herzlichsten Glückwünsche ihrer Mitarbeiter aus. ** Reichsbahnpersonalie. Der Vorstand des Reichsbahnbetriebsamtes I Gießen, Reichsbahnrat Wilke, ist zum Reichsbahnoberrat befördert worden. " Preußisch-Süddeutsche Klassenlotterie. Die Erneuerung der Lose zur dritten Klasse hat planmäßig spätestens bis zum 7. Juni zu geschehen. ** Box-Wettkampf. Am nächsten Samstag, 8. d. M., abends 8,30 Uhr, findet in der Turnhalle der hiesigen Ober-Realschule ein Dox- Aus Oer pwvinzialhauptstadt. Gießen, den 5. Juni 1929. Das Vogelnest am Hause. Sie sind seltener geworden, die Nester am Hause. 3n meiner Jugendzeit war fast an jedem Dachrand der dörflichen Häuser ein Schwalbennest. Man brauchte gar nicht hinzuschauen, auf der Erde sah man die Spuren der Vogelkinderstube. Deshalb war unsere Freude so groß, als uns vor zwei Jahren ein Rotschwänzchen ^besuchte und auf unserer Veranda Umschau nach einer Nistgclegenheit hielt. Prüfend überflog es alle Balken, kam bann wieder, schien sich zu besinnen, schaute uns lange an und flog weg. Am andern Tage aber sahen wir Hälmchen in der Ecke. Wir brachten eine Schutzleiste an und hatten die Genugtuung, daß das Tierchen das Nest vollendete. Dann lagen vier Eierchen darin. Einige Tage brütete das Weibchen. Plötzlich aber blieben die Vögelchen aus. Ob sie ein Opfer einer wildernden Katze geworden sind? In diesem Frühjahr kam wieder ein Rot- sck)wänzchenpaar. Es trug neue Hälmchen und weiches Moos zusammen und stellte das Nest wieder her. Dann hat es gebrütet, und aus den fünf Gier» dien sind fünf junge Tierchen geschlüpft. Fünf große gelbe Schnäbel öffnen sich minütlich und schnappen nach dem Guten, das die Eltern bringen. Die Vögelchen haben keine Scheu vor den Menschen. Sie fliegen selbst bann, wenn wir auf der Veranda sitzen und Kaffee trinken. Jedesmal haben die Tierchen ein Räupchen ober einen Käfer im Schnabel. Wo sie bie nur alle finben? Der Garten wirb abgesucht, unb sie bekommen immer etwas. Beim Zurückfliegen nehmen sie ben Kot der Jungen mit. Kein Hälmck)en, kein Schmutzflecken ist auf der Erde zu sehen. Die Rotschwänzchen wissen sich zu polizeidirekior Or. Senner/ Mönchen referierte über „Die Zigeunerplage und ihre Bekämpfung. Einheitliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Plage seien von der Länderkonferenz bereits aufgestellt und ben Ländern zur Durchführung empfohlen worden. Der Redner gab bann einen Einblick in die zur Bekämpfung der lästigen Zigeuner und Landfahrer in den einheitlichen Richtlinien vorgesehenen Maßnahmen: schärfste Ueberwachung, rascher Meldedienst an die staatliche Zigeunerstelle, Fingerabdruckverfahren, standesamtlicher Nachrichtendienst über Zigeuner- Personenstandsveränderunaen. Meldungen der Strafbehörden, schärfere Kontrolle an der Grenze gegenüber ausländischen Zigeunern. Kriminalpolizeirat Gay, Berlin behandelte die Frage: Wie ist die Kriminalpolizei einer mittelgroßen Stadt zu besehen unb einzurichten, damit sie allen an sie zu stellenden Anforderungen gerecht werden kann? Entscheidend für diese Frage sei allein die Praxis und die kriminelle Struktur der Stadt. Hier sei namentlich die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, daß, wie Mittelstädte überhaupt, manche Städte von dem reisenden Verbrechertum bevorzugt werden. Am wirksamsten habe sich die Zentralisierung der Kriminalpolizei an einer Stelle erwiesen. Der Redner gab eine Reihe von Ratschlägen zur Einrichtung neuer oder bestehender Hilfsmittel, die aber erst wirksam würden, wenn sie im richtigen Geiste benützt würden. Den Schlußvortrag hielt Ministerialrat Or. Barck, Karlsruhe über Fragen aus dem Gebiete der modernen Gendarmerie. Der Gendarmeriebeamte sei heute mehr als früher Jndividualbeamter, der Gendarmerieoffizier Fachbeamter. Das Stationsnetz sei dünner und feiner verästelt. Eine gute Ausbildung aller Gendarmeriebeamten sei besonders nötig. Die Gendarmerie müsse heute danach streben, wie die städtische Polizei eine soziale, eine Dolksgendarmerie zu fein. benehmen. Sie hätten ebensogut ihr Nestchen in unserem Eßzimmer einrichten können. Kein schöneres Bild gibt es, als das, wenn die fleißigen Eltern mit dem Futter im Schnabel kommen, unb bie Jungen ihnen entgegenzwitfchern! Aber nicht lange bauert es, bann fliegen sie roieber weg. Jetzt sinb sie wieder da. Die Jungen müssen einen fürchterlichen Hunger haben. Aber ohne Rast unb Ruh fliegen bie Eltern vom Morgen bis zum späten Abenb unb sorgen für ihre Nachkommen. Balb werben sie soweit fein, baß sie ausfliegen unb weiter helfen im Garten, in ber Vertilgung der Schüblinge. Wer hat nicht schon solchen fleißigen Vögelchen mit zugeschaut, unb wer ist nicht von Dankbarkeit erfüllt über ihr Tun? Pflegen unb hüten wir unsere treuen Freunbe, unb sorgen wir für Nistgelegenheiten! Tausenbfachen Dank ernten wir bafür. Das Vogelnest am Hause soll Glück bringen. Wir hoffen es. Jetzt aber schon wissen wir, baß uns die kleinen Sänger nur Freude bereiten. B. Talen für Donnerstag, 6. Juni. Sonnenaufgang 3.46 Hhr, Sonnenuntergang 20.11 Hhr: Mondaufgang 2.49 Hhr, Monduntergang 19.08 Hhr. 1869: der Komponist Siegfried Wagner in Triebschen bei Luzern geboren: 1875: der Schriftsteller Thomas Mann in Lübeck geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Kriegerverein Gießen: Monatsversammlung, 20.30 Hhr. — Rentnerbund: Mitgliederversammlung im Katholischen Vereinshaus, 17 Hhr. — Rad- sahrklub „Germania": Monatsversammlung im Klublokal, 20.30 Hhr. — Lichtspielhaus Dahn- Hofstraße: „Pat und Patachon als Detektive" und „Prinzessin Olala". „Wo soll ich anfangen?" fragte Ellinor ganz entsetzt, sie dachte, sie hätte sich verhört. „Ra, Sie brauchen mich nicht so entgeistert anzustarren, die Spinnereioetriebe von Wellton sind ein erstklassiges Geschäft und der Chef selbst sucht eine Sekretärin. Was wollen Sie mehr? Ich habe die Stellung schon für Sie reservieren lassen. Ich bin nämlich ein Duzfreund von dem Vorher bei Wellton, der hat mich sofort heute früh angerufen, ich habe nämlich die Portiers von all den großen Betrieben organisiert, daß sie es mir gleich melden, wenn irgendwo eine Stellung frei ist, die wissen ganz genau, daß ich immer ein paar — hm — Freundinnen an der Hand habe, denen ich Stellungen besorgen muß. Ich habe dem Portier von Wellton gleich eine Theaterkarte versprochen und nun ist Ihnen bie Stellung so gut wie sicher, denn der läßt nun keine andere herein, bis Sie kommen!" Ellinor schnappte nach Luft. Das war ja eine wundervolle Sache! George Wellton suchte eine Sekretärin, und ausgerechnet sie sollte sich um diesen Posten bewerben. Das war das grandioseste Gaukelspiel, was man sich denken konnte. Jimmy deutete Ellinors Schweigen falsch. Er setzte ihr mit weitschweifigen Worten die Vorzüge dieser Stellung auseinander, sie hätte sicher gar nicht soviel zu tun, man sagte, der Chef wäre andauernd auf Reisen, und bei Welltons würde blendend bezahlt: er hätte es sich wirklich so fabelhaft gedacht, wenn Ellinor nun eine (Stellung bekäme. Sie könnte bann auch von ihrem Gehalt etwas zurücklegen und wenn sie dann genug gespart hätte, bann würben sie beibe mal ipr Gelb zusammenlegen und in ein richtiges Theater gehen, in ein Stück, das er bann aus- suchen würbe, denn er verstände doch etwas vom Theater. „Seien Sie doch kein Schaf, Miß Betty, so Wied fJänacnöc Gelegenheit bietet sich nicht Ellinor überlegte. 3a, ber Plan war großartig warum sollte sie nicht zu George Wellton in Stellung gehen. Sie hatte auf einmal so eine Sehnsucht nach George, daß ihr alles anbere gleich war. „Gemacht, Jimmy, gemacht! Ich bin in fünf Minuten fertig!" Sie fegte Jimmy mit einer Handbewegung aus Dem Zimmer. Dann überlegte sie, was sie an- $lcVcn sollte. Irgendeine Verkleidung wählen? Rein, das war Hnfinn, sie hatte das Versteck- spielen vor George satt. Sie zog ihr graues Reisekostüm an und die Hetnc graue Glocke. Den kostbaren Blaufuchs aber ließ sie im Koffer, eine Dame, die sich um Srent Sekretarinnenposten bemüht, trägt keinen Blaufuchs, und Jimmy sollt« feinen Verdacht Ichople». Als sie einen schmalen Goldreif über das Handgelenk streifte, lächelte sie, denn sie erinnerte sich daran, daß George diesen feinen schmalen Aeif an ihrem Handgelenk so schön gefunden hatte. Ach, sie erinnerte sich noch ganz genau an jedes Wort, was George zu ihr gesagt hatte. Sie hörte wieder seine weiche, dunkle Stimme und erinnerte sich an die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen. Sie liebte ihn, sie konnte nichts Dagegen tun, es war über sie hingegangen wie ein Sturmwind, sie hatte sich nicht dagegen wehren können und sie wollte sich auch gar nicht dagegen wehren. Sie hatte schon viele Männer gekannt, sie war ausgewachsen in ber vernünftigen freien Erziehung des jungen Mädchens von heute. Sie hatte mit dem Mann in freier, gesunder Kameradschaftlichkeit gelebt ohne verlogene Sentimentalität, aber noch nie hatte sie einen Mann geliebt. Sie hatte die Liebe immer mit einer geringschätzigen Bewegung abgetan, sie hielt Liebe für altmodisch und sentimental, für etwas, was unsere Großmütter vielleicht noch für angebracht gehalten hatten, über das aber bie aufgeklärte Jugend in ihrer Heber» legenheit lachte. Bis sie es selbst gepackt hatte, unb bis sie das alles in einem seligen Moment über Dorb geworfen hatte, unbekümmert um alles Vorherige unb unbekümmert barum, baß sie nun vielleicht auch so lieben würbe, wie ihre Großmutter unb Urgroßmutter geliebt hatte, genau so heiß, genau so sentimental, unb, wenn sie sich kritisch von ihrer früheren Warte aus betrachtet hätte: genau so kitschig. Ellinor lächelte. Was ging sie das Früher an? Die Gegenwart hatte immer Recht, und diese Gegenwart war unendlich schön! Jimmy trommelte gegen die Tür: -Miß Betty, Sie müssen nun wirklich kommen, sonst kommt doch vielleicht noch irgend jemand und schnappt Ihnen bie schöne Stellung vor ber Rase weg!" „Um Gottes willen!" Ellinor schoß aus ihrem Zimmer und packte Jimmy beim Arm. „Schnell, schnell!" Sie liefen bie Treppe herunter. Ellinor erflärte, doch lieber eine Taxi zu nehmen und als sie Jimmys erstauntes Gesicht sah, fügte sie hinzu daß sie wirklich noch genug Geld hätte, denn sie hatte sich wirklich eine ganze Menge gespart. Jimmy nickte freudestrahlend. Er war erst einmal in seinem Leben mit einer Taxe gefahren und das war bet einer Filmaufnahme gewesen und auch nur ein kleines Stückchen. Trotzdem sagte er dem Chauffeur mit unnachahmlicher Geste die Adresse, als sei er sein ganzes Leben lang immer in einem Rolls Royce gefahren XIV. Es war herrliches Wetter. Das Verdeck bei Taxe war zurückgeschlagen. Es roch überall nach Frühling. Ellinor genoß die Fahrt. Sie freute sich, auS dem düsteren Hoboken herauszukommen. Sie kannte schon viel von der Welt. Ihr Vater hatte sie überall mitgenommen. Die Stanleys stammten aus England und Mac Stanley, so waschecht er sich als Amerikaner fühlte, irgendwo im Her- Aen sah ihm doch das Heimweh nach „Old England" und er hatte Ellinor die Heimat feinen Väter gezeigt. Ellinor hatte die alte Kultur Londons be- wundert, sie hatte die Kunstschätze von Paris kennen gelernt, war begeistert von der vorbildlichen Sauberkeit und dem aufstrebenden Leben Berlins gewesen, hatte Rom, bie heilige Stadt auf den sieben Hügeln gesehen und bewundert, kannte Konstantinopel, dessen Minaretts wie Kerzen um das Goldene Horn standen, aber ihrs Liebe und ihr innerster Stolz gehörten Amerika. Da lag Reuyork vor ihr: eine Symphonie aus Stahl, Glas, Ziegel und Zement, zusammen» gepreht auf einer schmalen Insel ragten glitzernd bie millionenfenstrigen Gebäude, Pyramide auf Pyramide, wie die weiße Schneekoppe über grauen Bergen. , Die Hochbahnzüge bornierten ihr Lied von der Arbeit, die endlose Kette ber Autos zieht sich unabsehbar weit bahin. Riesige Policemen mit weihen Handschuhen regeln den Verkehr, der sich trotz des ungeheuren Ausmahes reibungslos abwickelt. In ber Ferne sieht man den Hafen mit ben Freiheitsstatue, ein Ozeanriese zieht seinen Weg. Mächtig qualmt ber Rauch aus drei Schloten. Wie ein Wolkenkratzer sucht sich bas Schiff feinen Weg burch bas Gewirr ber Hafenfahrzeuge. Ein Sonnenstrahl verschärft bie Schatten unter ber breiten Kommanbobrücke und längs ber weißen Streifen bes Oberbecks blitzt bie Reihe ber Bullaugen wie kleine Lichter. Stoßende, puffenbe Schlepper sind vor ben Riesen gespannt, ber mit dem Bug einen Echaum- ftreifen in ben Rorth River schneibet. Möven schießen kreischend in die Luft unb schnappen gierig nach ben Brocken, bie ihnen bie Menschen hinwerfen. „Jimmy, ist es nicht wunderschön heute?" Jimmy schaute gespannt auf die hüpfenden Zahlen bes Taxameters. Herrgott, wie bas Geld zerrinnt. Ihm wurde bange. Er hatte nur einen Dollatz in der Tasche. „Hören Sie, Miß Betty, haben Sie auch gennd Moneten bei sich, der Weg ist doch verdannnt lang, und ..." er stotterte ein bißchen, „ja, tolfl gesagt, ich kann beute nichts ausleg«». " (Fortsetzung folgt] ANZEIGEN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden! VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS — Dortrag Gottfried Husemann. Der bekannte Redner, der schon früher hier gesprochen hat, wird auf Einladung der Freunbe der Christengemeinschaft in dieser Woche wieder einen öffentlichen Vortrag halten: er wird über moderne Technik sprechen und über die Wirkungen dieser Technik auf den Menschen. Er wird insbesondere die Wirkungen von Kino, Radio und Schnellverkehr berühren. Das Thema lautet: „Moderne Technik und die seelischen Erschütterungen unserer Zei t“, der Vortrag findet statt am Donnerstag, 6. d. M, abends 8.15 Hhr: Musikzimmer des Studentenheims, Burgaraben. (Dgl. heutige Anzeige.) — Stad ttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das morgige Konzert „Musik aus der Luft" ' Theremin-Trios beginnt um 20 Hhr. wurde darauf hingewiesen, daß allmählich immer mehr Städte mit ihren Märkten Lotterien verbänden. Der Beigeordnete konnte mitteilen, daß zur Zeit nicht weniger als 5 oberhessische Städtchen Lose von ihren Markt-Lotterien zum Vertrieb an die Bürgern,eisterei gesandt hätten. — Die Inhaberin der Bahnhofswirtschaft hat wegen eines im Oktober 1928 im Bürgermeistereigebäude erlittenen Unfalles eine Schadenersahfor- derung von 308 Mark an die Stadt eingeklagt. Da der Unfall seinerzeit nicht fristgemäß, d. h. innerhalb einer Woche, der Frankfurter Allge- meinen Dersicherungs-2lktien-Gesellschaft, bei welcher die Stadt gegen Haftpflicht versichert ist, gemeldet wurde, lehnt die Gesellschaft eine Erledigung ab und die Klägerin tritt daher mit ihrer Forderung an die Stadt heran. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, die Angelegenheit durch gerichtliche Entscheidung erledigen zu lassen. — Dem Weißbindermeister Ludwig Weiß (Lindenstruth) wurde die Erbauung einer Werkstatt in der Schulst raße (Heege) gestattet, nachdem er sich verpflichtet hat, im Laufe von 2 Iahren den Bau eines Wohnhauses folgen zu lassen. — Das Hochbauamt wünscht an dem Abzweig der Frankfurter Straße beim Aeubau Bindewald, dem seitherigen Promenadeweg, die Festsetzung einer Baufluchtlinie, die eine Verbreiterung dieses Weges vorsieht. Vor der endgültigen Beschlußfassung soll eine Ortsbesichtigung stattfinden. — Von mehreren Seiten wurde dos in den letzten heißen Tagen von einzelnen Bewohnern, besonders Besitzern von Schläuchen, deren Zahl immer mehr zunehme, beliebte übermäßige Besprengen der Straßen scharf gerügt. Ein Gemeinderat regte an, einer derartigen Wasservergeudung, die mitunter für andere Leute Wasserknappheit zur Folge haben könne, entgegenzutreten, vielleicht im Einzelfalle die Anbringung eines Wassermessers in Erwägung zu ziehen. 5 L i ch, 4. Iuni. Mehr als anderorts hat sich in unserer Stadt der Brauch erhalten, an den Häusern Weinstöcke zu pflanzen. Viele dieser Traubcnstöcke, wie sie hier heißen, haben jahrzehntelang jeder Witterung getrotzt und immer fleißig „getragen“. Dieses Iahr wird man hier aber auf die Weintrauben verzichten müssen. Denn bis auf zwei oder drei Ausnahmen sind alle hiesigen Weinstöcke dem strengen Winter zum Opfer gefallen und stehen nun kahl und vertrocknet da. Auch unter den Obstbäumen bemerkt man in unserer Gemarkung jetzt hin und wieder die Spuren des Winters und der langen trockenen Witterung. Dürre Bäume und solche mit teilweise dürren Zweigen sind keine Seltenheit, und dem aufmerksamen Beobachter entgeht es auch nicht, daß mancher Baum zwar schön geblüht hat, aber in der Bildung des Blattwerks in der Entwicklung zurückbleibt. Iedoch ist der Schaden im allgemeinen nicht erheblich. Die älteren Leute erzählen übrigens, daß nach dem harten Winter 1879, dem besonders viele Steinobstbäume zum Opfer fielen, viele der frostge- fchädigten Bäume im Frühjahr noch stark geblüht haben und dann erst eingegangen sind. Kreis Friedberg. 2$. Bad-Rauhei rn, 4. Iuni. In der Reihe der diesjährigen Deutschen Meisterfest- spiele war die zweite Festveranstaltung gestern dem großen Meister Beethoven gewidmet. Das Der Sternhimmel im Juni. Sonnenaufgang von 3,45 bis 3,40 Ufjt. Sonnenuntergang von 20,10 bis 20,25 Uhr. Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 14. um 6 Uhr, Vollmond am 22. um 5 Uhr, 3. Viertel am 30. um 5 Uhr. Bleibt auch der Sommersternhimmel an Pracht hinter dem Wintersternhimmel etwas zurück, teils weil die prächtigen Wintersternbilder verschwunachtung. Sie sind fast gleich hell, so daß der jeweils höher stehende Heller erscheint: aber ihre Färbung ist gänzlich verschieden. Don der gelblichen Farbe des Arctur sticht daS bläuliche Weiß der Wega wahrnehmbar ab. Zwischen beiden Sternen erblicken wir das Sternbild des Herkules, an das sich nach Süden zu unmittelbar der Schlangenträger anschlieht. Dieses echte @ Vollmond d J. Vierte! STERNBILDER: GROTTE BUCH-, STABEN // SS n Sterne t Kleine Buch- X stoben -t l den sind, teils weil die nicht völlig dunkeln Rächte die schwächeren Sterne nicht sichtbar werden lassen und teils schließlich, weil in diesem Iahr hellere Wandelsterne am sommerlichen Abendhimmel fehlen, so gibt es doch immerhin mancherlei Merkwürdiges und Beachtenswertes zu sehen. Da ist vor allem die Mitternachtsdämmerung, die jeder Raturfreund beobachten sollte. Es ist ganz auffallend, wie stark sich bei ihr verhältnismäßig geringfügige Unterschiede in der geo- graphischen Breite bemerkbar machen. Wer in ieser Iahreszeit — auch noch in der ersten Hälfte des Iuli — reift, wird bei einiger Achtsamkeit leicht gewahr werden, wie es um Mitternacht im Rorden Heller, im Süden aber dunkler wird. Aber auch der Fixsternhimmel bietet uns schöne Bilder; vor allem die beiden hellsten Sommersterne Arctur und Wega reizen immer wieder zur Deob- Drr di» 24 Stundenzahl™ von Mitternacht big Mitternacht eine» Tage» enthaltende Kreit und dit dich punktierte Linie, der eogenannte Horizont, rind fest- »tehrnd tu denken. Der Sternhimmel dreht eich lamt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelruhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne de» gebogenen Pfeilt einmal um »einen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt di» zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um di» Monatrmitt» richtbaren Sterne. Unter» Kart» zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatrmitt». Will man zu einer anderen Stunde beobachten, »o denk» man »ich den Sternhimmel »amt dem geraden Pfeil »o gedreht, daß dieser auf di» Beobachtung »stunde zeigt; dadurch werden die zu ' dieser Zeit richtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tagt vor der Mo- natsmitte ist der gerade Pfeil V3 Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmiete */3 Stunde später zu »teilen. Man vergleiche dit nächste Monatskarte. Der Mond nimmt di» gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutete Licht- •^^Safum gestalt zeigt. Sommersternbild ist leicht daran zu erkennen, daß drei seiner Sterne mit dem links unten stehenden des Herkules ein Trapez bilden. Don den Wandelsternen sind am Abendhimmel nur der Mars und der Saturn zu sehen. Die Sichtbarkeitsdauer sowie auch die Helligkeit des Mars nimmt dauernd ab. Besser sichtbar ist der Saturn, der am 19. des Monats in „Gegenstellung“ zur Sonne gerät und infolgedessen die ganze Rächt sichtbar ist. Er beschreibt dann natürlich denselben kleinen Bogen wie die Sonne zur Zeit des kürzesten Tages. Als Morgenstern erstrahlt die Venus in hellstem Glanze, aber trotzdem sie gegen Schluß des Monats den Höchstwert ihres Abstandes von der Sonne erreicht, ist sie wegen ihres tieferen Standes doch nur iy2 Stunden vor Sonnenaufgang sichtbar. (Küstermann.) bedeutend verstärkte Kurorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Heinz D o n g a r tz spielte die Egmont-Ouvertüre und die große Schicksalssinfonie (Rr. 5 E-Moll). Zwischen den Orchesterwerken erfreute Professor Frederic 2a« mond (Berlin), einer der bedeutendsten Beet- hovempieler, mit dem 4. Klavierkonzert in O- Dur. Wohl kaum ist im Großen Bühnensaale so feinsinnige und hinreißende Musik geboten worden wie bei der gestrigen Veranstaltung, die ein Triumph für alle Mitwirkenden war und den Besuchern zu einem tiefen Erleben wurde. Krcis Alsfeld. mr. Grebenau, 4. Iuni. In den letzten Wochen hat sich hier und in den umliegenden Ortfchaften ein starker Deamtenwechsel vollzogen. Forstrat Zimmer, der seit ungefähr 4 Iahren dem Forstamt Grebenau Vorstand, hat eine Berufung in das Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralvertvaltung. erhalten. Er hat am 1. Iuni seine neue Stell« bereits angetreten. Unser Ort sieht ihn ungern scheiden, da et sich allgemeiner Beliebtheit er» freute. Mit großem Eifer hat Forstrat Zim» m e r für den Wald gearbeitet und besonder- viel für den Waldwegbau getan. Mit dem 1. August verläßt auch Lehrer Lichtenstein unfern Ort, in dem er 20 Iahte gewirkt hat. Er hat eine Lehrctstelle in Offenbach a. M. erhalten. In dem benachbarten Schwarz wurde Lehre« Wilhelm von Rieder-Gemünden eine desini» tive Lehrer stelle übertragen. Schulverwalteie Grether wurde deshalb nach Alsfeld versetzt. Da aber Herr Wilhelm franl ist und infolgedessen seine Stelle in Schwarz noch nicht an treten konnte, muß ein Schulamtsanwärter seinen Dienst versehen. Auch Dieben hat eine neue Lehrkraft erhalten, da Schulverwalter Büttel an die katholische Schule in Rackenheim versetzt wurde. — In diesem Iahte dürfte die Heidelbeere in unseren ausgedehnten Wäldern eine Rekordernte liefern. Hoffentlich erhalten die Sträucher durch einen tüchtigen Regen bald die nötige Feuchtigkeit, damit die angesetzten Früchte auch vollständig zur Entwicklung kommen können. Das Beetenobst in den Gärten weist einen ebenso reichen Fruchtansatz auf. Preußen. Kreis Wetzlar. | Groß«Rechtenbach, 4. Iuni. Auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Gemeinden Groß-Rechtenbach und Klein-Rechtenbach konnte am Samstag die Hebamme Rühl von hier zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand im Hause der Iubilarin eine kleine Feier statt, an der Bürgermeister Dt. Reumann, Groh-Rechtenbach und die Amtsverordneten der Gemeinden Groß- und Klein-Rechtenbach teilnahmen. Bürgermeister Dr. Reumann überreichte als Geschenk der beiden Gemeinden eine Schreibtischuhr. Die Gtuhlverstopsung. Ihre Folgen und ihre Beteiligung. Stuhlverstopfung kann für die Gesundheit viel nachteiliger werden, als man gewöhnlich amummt. Denn die infolge unzureichender Entleerung zu lange im Darm zurückgehaltenen Speisereste bilden Fäulnisstoffe, die in das Blut übertreten und dadurch vielfach Appetitlosigkeit, Beklemmungen, Angstaesühle, Müdigkeit, Verstimmung und Kopfschmerzen Hervorrufen. Die mangelhafte Verdauung kann ferner schlechtes Aussehen und häßlichen Teint verursachen, weil das verunreinigte Blut häufig Pickel, Pusteln und Ausschläge auf der Haut hervorbringt. Es ist daher angezeigt, Stuhlverstopfung nicht anstehen zu lassen, sondern rechtzeitig Abhilfe zu schaffen. Hierzu bedient man sich am besten eines unschädlichen, aus- schließlich aus pflanzlichen Bestandteilen zusammen- gesetzten Abführmittels, das regelmäßige und ergiebige Entleerungen bewirkt. Ein derartiges Mittel find die lediglich aus pflanzlichen Auszügen und Stoffen ohne Zusatz irgendwelcher scharfen Substanzen hergestellten Apotheker Richard Brandt's Schweizer- pillen, die man in jeder Apotheke erhält. Sie wirken mild, angenehm und zuverlässig. Bei ihrem Gebrauch gewöhnt man sich nicht an das Mittel, sondern an pünktlichen Stuhlgang. 4733v O o ich möchte Jhr Helfer sein! KM I Ihr Diener,werte Hausfrau! 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Der 29jährige Tischler Rudolf R e i t h e r aus Kaiserslautern lockte die 20iährige Helene Schneider aus Kaiserslautern, die hier bei den Eltern ihres Bräutigams zu Besuch weilte, unter einem Vorwande aus dem Hause und ging mit ihr zu der unbelebten alten Domtreppe. Hier zog er plötzlich ein Messer aus der Tasche und brachte dem Mädchen eine Anzahl Stiche in Leib, Her 3 und Kops bei. Dann schnitt er ihm an beiden Armen die Pulsadern durch. Das Mädchen brach blutüberströmt t o t zusammen. Reither hatte früher mit dem Mädchen ein Verhältnis anbahnen wollen, war aber von ihm abgewiesen worden. Er hatte deshalb früher schon mehrmals das Mädchen miß- handelt und war deshalb bestraft worden. Nach der Tat ergriff der Mörder die Fucht. Er konnte aber in kurzer Zeit von der Polizei f e st genommen werden. Verband evangelisch-kirchlicher Frauenvereine in Hessen. • Darmstadt, 4. Sunt Unter dem Dorsitz der Für st in zu Erbach-Schönberg hielt der Verband der evangelisch-kirchlichen Frauenvereine für Hessen im Saale des Rummelbräu seine diesjährige Hauptversammlung ob. Rus dem Jahresbericht der Geschäftsführerin, Fräulein Wahrendorf (Alsbach), war zu ersehen, daß der Verband auch im abgelaufenen Jahr vieles geleistet hat. Sehr erfreulich ist vor allem der im letzten Jahre zustande gekommene Ankauf eines Hauses in Rieder-Ramstadt, das als Müttererholungsheim eingerichtet wurde. Um das Haus erwerben zu können, muh der Verband gerichtlich eingetragen sein und seine Satzungen dementsprechend ändern. Diese Aenderungen wurden von der Versammlung einstimmig genehmigt. Pfarrer Behringer, der Rechner des Verbandes, erstattete den Rechnungsbericht, der einen recht günstigen Stand zeigte. Der seitherige Vorstand wurde bestätigt und die Reuwahl auf nächstes Jahr verschoben. Den breitesten Raum der Tagung nahm ein Vortrag von Frau Landtagsabgeordnete 2ulie Heraeus (Offenbach) über „Die Aufgaben unserer Hausfrauenabteilungen" ein. Eine rege Aussprache schloh sich dem sehr interessanten und belehrenden Vortrage an. Die Parallelversammlungen für Oberhessen und Rheinhessen sollen aus praktischen Gründen erst im Herbst, zu Beginn der Winterarbeit, gehalten werden. Rundsuukprogramm. Donnerstag, 6. Juni. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Tanzmusik. 15.05 bis 15.35: Von Kassel: Stunde der Jugend: Dichterstimmen aus der Heimat, vorgetragen von Mittelschullehrer H. Bückert, Kassel. 16.35 bis 18.05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: 1. Operettenmusik, 2. Unterhaltungsmusik. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 20: Don der Paulskirche: „Der Weg zum Einheitsstaat", Vortrag anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Reichsverfossung von Reichsjustizminister a. D. Dr. Koch - Weser, M. d. R. 20 bis 21: Literarische Veranstaltung, Berichte II. 21 bis 22.15: Von Bad Münster am Stein: Konzert der Kurkapelle. Freitag, 7. Juni. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: Reuestes. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Aus der Technik des Alltags, vorgetragen von Mittelschullehrer Adolf Hering: „Der Wetterbericht": für Kinder vom 10. Jahre ab. 16.35 bis 17.35: Hausfrauen-Rachmittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein: „Elektrizität im Haushalt", Vortrag von Johanna Koch. 17.35 bis 18: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.55: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs. 18.55 bis 19.15: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 19.15 bis 19.35: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.35 bis 19.45: Film- Wochenschau. 20.15 bis 21.45: Zweite Konzert- Oper: „Lucia von Lammermoor", von Gaetano Donizetti. 21.45: Von Kassel: Siegfried-Wagner- Feier. Samstag, 8. Juni. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 10.40 bis 11.30: Schulfunk: Auslanddeutschtum, vorgetragen von Dr. Schottländer: „Eine Sommerfahrt zu den Deutschen in Estland". 13.15: Schallplattenkonzert: Fünfzehn Minuten aus der Klangwelt des Orchesters. Hierauf: Aus den Kindertotenliedern, von Gustav Mahler und Richard Strauß: „Ein Heldenleben", op. 40. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Liederkranz, Liedervorträge Frankfurter Schulen: Lyzeum und Ober* lhzeum der Ursulinen, Chorleiterin: Schwester Agnes Breuer. 16.35 bis 18: Dom Pavillon Cxcelsior, Stuttgart: Tanzmusik. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.40: Briefkasten. 18.40 bis 19: Esperanto-Unterricht. 19 bis 19.30: Stunde des Frankfurter Bundes für Dolks- bildung: „Der Himmel im Juni, die wirkliche Größe der Himmelsgebilde", Dortrag von Prof. Ed. Sittig. 19.30 bis 20.30: Don Stuttgart: Gedächtnisfeier für August Halm. 20.30 bis 21.30: Don Weilburg a. d. L.: Dlaskonzert der Kapelle der Bürgergarde. 21.30 bis 23: Die Riesenwelle (Rundfunk-Kabarett). Aus dem Amisverkündigungsblait. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 38 vom 4. Juni enthält: Derordnung über die hinteren Leuchtze chen der zweirädrigen Kraft-« und Kleinkrafträder sowie der Fahrräder. — Rotkreuztag. — Gesuch der Brauerei Jhring-Mel- chior, Kommandit-Gesellschaft in Lich um Erlaubnis zum Ausfahren von Bier und Eis an Sonntagen. Berliner Börse. Berlin, 5. Juni. (WTD. Funkspruch.) Auch heute erhält sich die feste Tendenz. Das Ergebnis der gestrigen Pariser Dollsihung, die morgige endgültige Unterzeichnung, die feste Reuhorker Börse und die fortschreitende Erleichterung am Geldmarkt befriedigen. Für Elektrowerte, Farben und Kaliaktien besteht Interesse. Die zu hörenden Kurse liegen 1 bis 4 Prozent über gestern mittag Schluß. Farben 264 Geld, Siemens 406 Geld, A.C.G. 197,5 bis 198, Schuckert 251, Salzdetfurth 417 bis 418, Westeregeln 259. 0 •nur.KuifE-Ke* Lj-friSCHe> M'lczbl EDlj winsb Freuide hoben (Sodbrennen) Unsersfändig steigender Millionen-Umsatz sowie das lOOjShrige Bestehen unserer Firma beweisen am besten, dafj unser Original BullrietvSalz Verdauungsstörungen u. Sodbrennen ist. Versäumen Sie nicht, sich heute noch ein Paket für 60 Pfg. zu kaufen oder unsere Tabletten zu 0.25 und 1.50 RM zu versuchen. Auch Sie werden von der prompten Wirkung überrascht sein. Nur echt In blauer Packung mit dem Bilde des Erfinders. Bullrlch, Berlin W 57. Bi VOM AG Unerreicht in Konstruktion, Material und Leistung. Geringster Ersatzteilebedarf Wenig Reparaturen daher die enorme Nachfrage und Produktionssteigerung 1929 um 120% - Vogtländische Maschinenfabrik A.-G., Plauen i.Vogtland. iwliRkowir Verfeuertdie heizkräftige Ruhrnußkohle. Sie ist sehr preiswert. 3992V vkMW ooo SuMbelken. 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Angebotsvordrucke werden, solanae der Vorrat reicht, dort abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis zum Eröffnungstermin Freitag, den 14. Juni 1929, vormittags 11 Uhr. bei uns einzureichen. 4997D Zuschlagsfrist drei Wochen. Gießen, den 29. Mai 1929. Hessisches Hochbauamt Gießen. I.V.: Kuhlmann. vergebooooookoolilolveileo. Für die Erweiterung des Kanalnetzes der Kreisstadt Alsfeld foUen nachfolgende Lieferungen und Arbeiten vergeben werden: 49920 Los 1: Lieferung der Steinzeug, und Zementröhren von 20 bzw. 25 bis 80 cm lichte Weite, der Straßen- sinkkasten, Mannlochdeckkasten usw. Los 2: Kanalgräben (etwa 2600 cbm), Maurer-, Rohroerlegungsarbeiten usw. Das Leistungsoerzeichnis wird vom Stadtbauamt Alsfeld und von uns kostenlos abgegeben. Die Pläne und Bedingungen liegen bei unserem Amt zur Einsicht offen. (Eröffnung der Angebote Freitag, den 14. Juni 1929, vormittags 10} Uhr, beim Stadtbauamt Alsfeld. Freie Auswahl unter den Bietern bleibt Vorbehalten. Zu- schlagsfrift drei Wochen. Gießen, den 1. Juni 1929. Hessisches Kulturbauamt. 2.D.: Mangold, Regierungsbaurat. Vertretung: Georg Karl Reit, GIESSEN, Ostanlage 7, Fernsprecher 298. Heinrich Driesch Lebensrnittel / Feinkost Lich Bebra Juni 1929 500) L an der Abendkasse zu haben 03474 4988A Bahnhofstraße 34 Täglich 6 Uhr: Aerztliche Führung. 4991D Forstgarten, den 5. Juni 1929. 03541 Beste Ware Preiswert Donnerstag, 6. Juni: Vortrag von Prof. Dr. Weisbach, Dresden, 4-7 Uhr, über: „Arzt und Erzieher" und „Theorie und Praxis auf dem Gebiete derErnährung". Karten zum Vortrag an der Ausstellungskasse. Meinen verehrten Gästen und Bekannten zur Kenntnis, daß ich ab heute meine Wirtschaft geschlossen habe. Für das mir entgegengebrachte Wohlwollen u. Vertrauen danke ich herzlichst Frau Dörmer Wwe. Irene Stiefel Martin Oppenheim Verlobte TouristeirArtike! Thermosflaschen/ Spirituskocher prima Fischfilets Koch- u. 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In den Hauptrollen: Mary Kid, Hans Junkermann, Werner Pitschau. Sowie: Die neuesten Tagesberichte aus aller Welt _____________________________________ 4993C Edgar Borrmann, Gießen Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten Ausstattung sti’rein und Kdiwcrt <Üe ßriUü'ictio Unlv.-DreekertL B. Laut Besuchen auch Sie di9 Ausstelluni „DerMensch“ Sondergruppe „Oer durchsichtige Mensch“ Gießen, Volkshalle 2282V OefientBicher Vortrag von Herrn Gottfried Husemann.Köln Die moderne Technik und die seelischen Erschütterungen unserer Zeit. (Kino, Radio, Schnellverhebr.) Donnerstag, den 6. Juni, abends 8.15 Uhr im Musikzimmer des Studentenheims, Burggraben 9,1. Stock. Eintrittskarten zu RM.l.— u. 0.50 (nach Selbsteinschätzung) Linne-Feier 1929 LidUbild-Vorlrag des Prol. Dr. B. Küster DeiMMs stMiisle Gä Freitag, 7. Juni 1929 50130 im Botanischen Hörsaal (Brandplatz) 20 15 Uhr.Eintritt frei! +NWMM verwenden nachweisbar mit beitem Erfolg „3fkü icher'S Jiitflclßclenf- Bruchband" D. 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Die Verfasserin ist die Schöpferin des Silhouettensilms. Ihre bekanntesten Frlrne sind: „Dr. Dolittle und seine Tiere" und „Prinz Achmed". Film und Film ist ein Unterschied. Vicht nur in Qualität oder Erfolg, auch in Herstellungsart und Technik. Wir stehen noch am Anfang der Entwicklung dieses neuen Ausdrucksmittels, haben sozusagen erst die ersten Sprechversuche rn dieser allen Menschen verständlichen Sprache des lebenden Bildes" gemacht, und schon offenbaren sich uns immer neue Sprachformen und Ausdrucksmöglichkeiten. Die Vormalform des Fckrns ist die photographische Wiedergabe eines Bewegungsvorgangcs. Mit Hilfe der Aufnahmeapparate kann man von einer normal beleuchteten Bewegung rn der Sekunde eine große Anzahl (20-30) Ernzelphasen auf dem Filmstreifen festhalten: projeziert man diese vielen Einzelbildchen hintereinander auf eine Leinwand, so entsteht ein genaues phvto- araphifches Bild dieser Bewegung, wenn man pro Sekunde genau so viel ^rD^cV* als man ausgenommen hat. Auf diese werden die meisten Filme gemacht, die Brto- reportagen, Expeditionsfilme, Vaturaufnahmen und Spielfilme. Die Hauptarbeit liegt hierbei vor der Aufnahme, die Ausnahme selbst dauert so lang wie der zu photographierende Vorgang. Prinzipiell anders ist die Aufnahmeart der sogenannten „Trickfilme", wozu auch merne Srl- houettenfilme gehören. Wenn man das Wort „Trick" hört, denkt man: „Da ist irgend etwas dabei". Sn der Tat ist ein „Trick" dabei. Man nimmt nicht wie gewöhnlich viele Bildchen hintereinander auf, sondern immer nur ein Bildchen, und zwischen diesem und der Aufnahme des nächsten liegen oft Stunden mühseliger Arbeit. Die Aufgabe des Trickfilmkünstlers ist es nämlich, Dewegungseindrücke hervorzurufen, ohne daß er eine Bewegung photographiert. Er must die Bewegung, die er sich vorgestellt hat, in lauter kleine Elemente zerlegen. Sedes einzelne Bildchen wird hergerichtet und so auf das vorhergehende und folgende eingestellt, daß es sich bei der Vorführung mit den anderen zu einem geschlossenen De- wegungsfluß verbindet. Diese Arbeitsart hat die größte Aehnlichkeit mit der des Komponisten, der auch seine Klangvorstellung in lauter einzelne Voten zerlegen und diese mühsam einzeln aufschreiben muß. Hollywood. Von Eonrad Deidl. Hollywood ist nicht nur ein Paradies des Films, fondern auch ein irdisches Paradies. Man muß den Zauber dieser von der Vatur verschwenderisch mit allen Gaben ausgestatteten Landschaft einmal selbst erlebt, den Reiz ihrer Schönheit selbst gefühlt haben, um zu verstehen, welch wahrhaft verjüngende Kraft aus diesem herrlichen Fleckchen Erde strömt. Lachender Sonnenschein, eine milde einschmeichelnde Luft, wundervolle Gewächse, Blumen und Früchte, und ein lebensfroher Menschenschlag, das ist Hollywood. Allerdings bedeutet Hollywood auch Arbeit — viel Arbeit: aber immerhin künstlerisch wertvolle Arbeit. Von allen Städten der Welt besitzt Hollywood wohl den am schärfsten ausgeprägten Charakter. Die Gleichartigkeit seiner Interessen gibt seinen künstlerischen Bestrebungen eine ungeheure Stoßkraft und seinem Leben einen bewundernswerten Rhythmus. Die Amerikaner sind dem deutschen Künstler gegenüber von einer geradezu bestrickenden Lie- benswürdigkeit; sie sind tüchtige businessmen ohne Zweifel und manchmal von einer fast übertrieben erscheinenden Großzügigkeit. Der erstaunliche Aufstieg der Weststaaten in der Union ist sicherlich eine Folge dieser geistigen Einstellung. Die Lust am Leben, die Freude am Geldverdienen und last not least das Spekulationsfieber, das allen Menschen drüben im Blut liegt, bringen eine vibrierende, elektrisch geladene Atmosphäre hervor, der sich niemand entziehen kann, ein« Atmosphäre, die auch künstlerisch höchst wertvoll ist. Hollywood ist international im besten Sinne des Wortes, eine Kosmopolis des Films. Das ist natürlich ein großer Vorteil den europäischen Filmzentren gegenüber, die trotz vieler Gastspiele ausländischer Künstler doch vorwiegend national sind. Der amerikanische Geldbeutel hat sich eben auch in der Filmkunst als starker Magnet erwiesen. Infolge der vielen in Hollywood lebenden internationalen Stars, des Rufs seiner Regisseure und der Großzügigkeit seiner Produzenten bietet das amerikanische Filmparadies starke Anregungen nach jeder Richtung hin. Ich habe eine für mich als Künstler sehr wertvolle Zeit in Kaliforniens Filmstadt hinter mir. Der Behauptung jedoch, daß in Hollywood intensiver gearbeitet wird als in deutschen Ateliers, daß man dem armen Schauspieler drüben keine Zeit zur Erholung läßt, muß ich widersprechen. Ich kenne ja auch das Arbeitstempo deutscher Ateliers und behaupte, es steht dem berüchtigten amerikanischen Tempo keinesfalls nach. Und doch hat auch Hollywood seine Gefahren für den Künstler. Sie liegen in der Verweichlichung. In der ewig frühlingsjunaen Vatur Kaliforniens und in dem linden Klima feiner Sonnentage gerät der künstlerische Impuls des Schauspielers in Gefahr müde zu werden. Ich glaube, das Geheimnis des äußerst starken Eindrucks der Russenfilme liegt nicht zuletzt darin, daß ihre Produktion unter ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen und auf dem düsteren Hintergrund der russischen Landschaft vor sich geht. Wirtschaftliche Rot und rauhe Umgebung entfalten eben künstlerische Kräfte weit stärker als paradiesische Schönheit, Ueberfluß und Reichtum an irdischen Gütern. Ein Gegengewicht gegen eine solche Verweichlichung ist ein Wechsel der Eindrücke. Auch im Film bildet ein Szenenwechsel ein wertvolles Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, 5. Zunl 1929 - "9 Aus der Wett des Films. Verhältnismäßig selten besinnt sich die Filmkunst, trotz der überreichen Fülle ihrer Darbietungen auf die Stoffe, die sie vermöge ihrer besonderen Art als jede andere Kunstform meistern kann. Das ganze große Gebiet der Bewußtseinsstörungen, des Unter- und Unbewußten, der sog. okkulten Seelenzustände, gehört hierher, denn erst durch den Film wurde es möglich, innerlich Geschautes auch äußerlich sichtbar werden zu lassen. Was z. B. ein Fieberkranker empfindet, wie ein Mensch im Rausch die Umwelt sieht, welch verzerrte Bilder Schwindel ober Angst entstehen lassen, das konnte eigentlich früher nur durch das Wort zu einem einigermaßen adäquaten Ausdruck gebracht werden, während eine visuelle Gestaltung nicht in befriedigender Weife möglich schien. Die sprunghaften Inkonsequenzen eines Traumerlebnisses, wie sie z. B. ©trinbberg im „Traumspiet", und vielleicht noch wirklichkeitsnäher Paul Apel in seinem amüsanten Stück „Hans Sonnenstößers Höllenfahrt' schildert, oder die Erscheinung von Geistern konnten zwar durch die Bühne dargestellt werden, doch störte hier meistens die mangelnde „Entstosf- lichung", die allzu reale Körperlichkeit die Illusion, und vieles, wie die Verwandlung des Pudels im „Faust" blieb der Bühnendarstellung versagt. " Cs bleibt ein unbestreitbares und unvergessenes Verdienst Paul Wegners, als erster schon vor vielen Jahren erkannt zu haben, daß der Film verufen ist, hier Veues und Selbständi- feiner Humor oft zur verzerrten Komik wurde. Es handelt sich hierbei also wohl um die Rückwirkung rein nationaler Charaktereigenschaften. Amerika besitzt eine volkstümliche Presse, die das getreue Spiegelbild seines Dolkscharakters ist, es pflegte lange Zeit auch den volkstümlichen Film, in dem man gleichfalls die Volkspsyche widerzuspiegeln strebte. Diese Dolkspsyche selbst wird aber durch den Film wieder gewandelt und geläutert. Vicht nur wirtschaftlich hat Amerika den großen Rahmen seines eigenen Gebietes gesprengt und sich auf den verschiedensten Gebieten international betätigt, sondern auch in seinen geistigen Ambitionen, in seiner Bildung und Kultur. Schritt für Schritt mit dieser Entwicklung ging eine Veredelung des Geschmacks. Cs ist sicherlich einer der schönsten Erfolge der deutschen Mitglieder der Künstlerkolonie Hollywood, zu dieser Geschmacksveredelung beigetragen zu haben. Heute verschwindet die süßliche Rote und das bisher unvermeidliche „Happy end“ in der amerikanischen Produktion immer mehr und mehr. Einfache und natürliche und darum um so tiefer ergreifende Töne werden angeschlagen. Die ganze Abfassung des Drehbuches ist anders geworden. Die Aufnahme selbst erlebte eine Wandlung. Trat früher vielfach das Milieu zuungunsten der Handlung stark hervor, so schiebt sich in dem neuen amerikanischen Film mehr und mehr das Psychologische in den Vordergrund. Mein letzter Film „Der Mann, der lacht" zeigt dies, glaube ich, bereits deutlich. Hier hat sich also eine Verinnerlichung vollzogen, die in sich selbst eine künstlerische Tat bedeutet. Mittel, die Spannung im Zuschauer wach zu erhalten. Der Filmschauspieler, der ja ebenso wie der Bühnenschauspieler Menschendarsteller ist, muß gleichfalls bestrebt sein, ab und zu einen Wechsel der Eindrücke herbeizuführen — er muß reifen. Beim Reisen bietet sich ihm die Möglichkeit, wertvollste Anregungen zu empfangen, neue Menschen kennen zu lernen und sie zu studieren. Aus diesem Grunde habe ich Hollywood aus einige Zeit den Rücken gekehrt und arbeite wieder in Deutschland. Ich erwarte aus diesem „Szenenwechsel" eine Vertiefung meiner schauspielerischen Fähigkeiten. Wie steht es nun um den amerikanischen Film? Seine Vergeistigung macht immer weitere Fortschritte. Das amerikanische Publikum wird immer anspruchsvoller in seinen Wünschen, es verlangt immer bessere Filme zu sehen und die Produzenten müssen sich diesem Verlangen aus geschäftlichen Gründen anpassen. Lange Zeit bestand in Amerika ein Heißhunger nach stark verzuckerter Kost, nach einer Speise, die dem Europäer gar nicht mundete. Wir verbanden mit dem Begriff amerikanischer Film lange Zeit die Vorstellung des Kitschig-Sentimentalen und Unaufrichtigen. Man muß jedoch bedenken, daß die Amerikaner ein verhältnismäßig junges Volk sind, ein Volk ohne sonderlichen Tiefgang, eine Ration von starker, oft kindlich wirkender Vaivität. Der Durchschnittsamerikaner kennt nicht die geistige Beschwertheit des Abendlandes: er verschmäht dessen grüblerische Tiefe und dessen philosophierende Spitzfindigkeit. Daher kam es, daß das, was im europäischen Film subtilste Gefühlsregung ist, beim amerikanischen Film zuweilen übertrieben sentimental und kitschig herauskam und daß unser schauer. Das Sichtbarwerden eines Gedankens, einen Erinnerung zeigt u. a. in sehr gelungener B5eise der Pirandello-Film „Die Flucht in die Vacht In der Großaufnahme eines Kopfes (Deidt), sieht man in der durchscheinend werdenden Stirnpartie die älnfallszene sich abspielen, die Ursache der geistigen Umnachtung des Helden wurde. In Chaplins prächtigem „Goldrausch" bekommt Charlies Gefährte eine durch Hunger hervorgerufene Halluzination. Der arme Charlie verwandelt sich plötzlich in ein riesiges Huhn, das ängstlich mit den Flügeln schlägt, als der Hungrige beglückt mit dem Messer darauf zugeht, um erst im letzten Augenblick seinen furchtbaren Irrtum zu erkennen. — Auch die groß und schon gesehenen Halluzinationen des „Eisdomes' im „Heiligen Berg", die der eine Bergsteiger im Zustand übermäßiger Erschöpfung sieht, gehören zu den eindrucksvollsten Erinnerungen. Wie sich bei einem plötzlichen Schwindelanfall, bei beginnender Ohnmacht „alles um einen dreht , wie der „Boden unter den Füßen wankt", schildern wirkungsvolle Szenen des D e r g n e r- Filmes „Vju , und des V e i d t - Filmes „Schicksal". Die Schauspieler selbst bleiben dabei ziemlich passiv, aber die Kamera arbeitet mit Verzerrungslinsen und anderen optischen Tricks, um den gewünschten Eindruck zu schaffen. Weltruhm erlangte auch der erste expressionistische Film der Ufa. „Das Kabinett des Dr. Cagliari", der die Welt aus der verschobenen Perspektive des Wahnsinns betrachtet. Ein erschütterndes Bild seelischer Angst gibt Otto Gebühr in der „Perücke", bei seinem Kampf in •) der vor einiger Zelt auch in Gießen gegeben wurde. D. Red. durch immer raffiniertere Verfeinerung der Aufnahmetechnik ungemein an künstlerisch einwandfreier Verlebendigung. Wenn in dem reizenden Lustspielfilm „Viniche“ auf Victor Ians ons umfangreicher Vase die entzückende Ossi Oswalda en miniature tanzt, was ihn zu den im Halbtraum ausgerufenen Worten veranlaßt „V— u—u—u—r jeßt nußt aufwachen", so ist hier das Traumbild, ähnlich wie im Rübezahl, durch die nur im Film mögliche, sehr wirkungsvolle Verschiebung der Gro- ßenverhältnisse entstanden. Ganz anders dagegen der furchtbare Angst- und Alptraum des seelisch Erkrankten in Dem psychoanalytischen Film „Gehei m n i s s e einer Seele"'), der von wahrhast erschreckender Realität war. Gespenstisch durcheinanderjagende, sich überschneidende und verzerrende Bilder, aus dem Vichts hervorwachsende unheimliche Bauten und Türme, die an Strindbergs „wachsendes Schloß" aus dem erschütternden „Traumspiel" gemahnen, überzeugen ohne Worte von dem schweren Leiden des Helden. Wieder auf einem anderen Wege versucht eS Walter Ruttmann mit seinem „absoluten Film". „Krimhilds Traum" im Vibelungenfilm zeigt in der Form fast kubischer Stilisierung, fern von jeder realistischen Absicht nur die Qumt- essenz des traumhaften Geschehens: die Zerfleischung der weißen Taube (Siegfried) durch die schwarzen Raubvögel. . Selbst die Darstellung eines so trivialen Zustandes, wie es ein Katzenjammer ist, kann der Film künstlerisch bewältigen. Der D. LS-Film „Der sröhliche Weinberg" zeigt das bedauernswerte Opfer, dessen, in einen Schraubstock cin- gespannter Kopf andauernd von einer Art kleiner Klavierhämmer bearbeitet wirdl Angenehmes Gefühl, denkt der von Gruseln überlaufene Zu- Vom Lleberfinnlichen im Film Von L. v. Geufferi. ges zu geben: die ganze erste Reihe seiner Filme behandelte ausnahmslos mehr oder minder Ereignisse irrealer Vatur, deren Schaubarmachung erst durch das lebende Bild möglich geworden war. Der überragende Erfolg seines „Studenten von Prag" beruhte zum großen Teil auf dem, damals zum erstenmal gezeigten, seitdem häufig wiederholten Problem des Doppelgängers, der sichtbar gewordenen Bewußtseinsspaltung. Im „Golem" wird die Verlebendigung eines ungefügen, menschenähnlichen Lehmgebildes geschildert. also auch ein nur in Phantasie und Dichtung möglicher Vorgang. 2m „Voghi" wurde der ganz phantastische Vorwurf des Ansichtbar- werdens vorgeführt, der sich besonders eindrucksvoll in dem wilden Ringkampf zweier unsichtbarer Gegner dokumentierte: nur an plötzlich im Sande erscheinenden Fußspuren, an umfallenden Stühlen usw. konnte man den Fortgang des Kampfes verfolgen. Dann kam der „Verlorene Schatten", das alte literarische Thema des „Peter Schlemihl", der seinen Schatten verkauft, und endlich „Rübezahls Hochzeit", wo man schon eine ganze Reihe filmischer Märchenwunder zeigte, wie die Riesengestalt des Berggeistes, der großer ist als das umgebende Gebirge, und auf dessen Hand die niedliche Else tanzt. Alle hier erwähnten und auch eine Reihe anderer Themata, wie Visionen, Halluzinationen, Trance, Geistererscheinungen, ferner die bereits erwähnten krankhaften Seelenzustände tauchten seither immer wieder im Film auf. Wenn sie auch selten mehr in so reiner Weise Selbstzweck erschienen wie bei Wegner, so gewannen sie doch I Diese Arbeitsart hat den Vorzug, daß der gestaltende Künstler in seinen Entwürfen auf die sonst alles beherrschenden Gesetze der Schwerkraft, des Zusammenhangs der Materie, kurz auf die jede natürliche Bewegung beherrschenden Va- turgesehe keine Rücksicht zu nehmen braucht. Er kann mit seinen Formen und Gestalten schalten und walten wie er will. Gerade die völlige älm- kehr der Vaturgesetze spielt z. B. in den herrlichen amerikanischen Grotesken von Felix dem Kater oder Oswald dem Kaninchen die Hauptrolle. Da wird ein Tier z. B. länger, weil seine Vorder- deine schneller gehen als seine Hinterbeine, eine Eisenbahn wird unendlich breit, weil der Schienenabstand sich vergrößert, oder unendlich schmal, weil sie sonst nicht durch einen Tunnel geht. Der ausschweifendsten Phantasie sind keine Schranken gesetzt. Umgekehrt wieder können die größten Wirkungen erzielt werden, wenn — wie in meinen Filmen — Schattenfiguren sich mit größter Lebenswahrheit bewegen, so daß man vollkommen das Gefühl verliert, daß es keine wirklichen Schauspieler sind. Ich verfolge bei meinen Silhouettenfilmen nicht das bei den meisten figuralen Trickfilmen gebräuchliche Prinzip, die einzelnen Bildphasen zu zeichnen. Ich konstruierte mir nach einem jahrelang ausprobierten System Spielfiguren aus Blei und Pappe, die auf durchleuchteter Fläche spielen. Von Bildchen zu Bildchen werden die kleinen schwarzen Schauspieler geändert je nach der Bewegung, die sie gerade auszuführen haben. Bei einzelnen Figuren und bei Großaufnahmen ist das nicht so schlimm. Unangenehmer wird es, wenn viele verschiedene Akteure gleichzeitig zu tun haben. Da zieht sich oft eine Szene tagelang hin, die nachher in einigen Sekunden abläuft. Dabei ist schwieriger als die Bewegungs- und Aufnahmearbeit die klare Durchführung der verschiedenen Vorgänge. Die Leute staunen meist über die vielen Handgriffe, die zigtausend Bildchen, die aufzuneymen waren. Aber solche Arbeit bewältigt ja jeder Künstler, der Klavier- und Saxophonspieler, der Maler, der Komponist, der seine unzähligen Voten — doch alle einzeln — auf sch reibt. Das Schwierigste und Wichtigste ist doch die gedankliche und gefühlsmäßige Konzentrationsarbeit, die es ermöglicht, einen Gedanken sichtbar zu machen. Das Schönste ist die Unerforschtheit des ganzen Gebietes. Bei der Arbeit enthüllt sich eine neue Möglichkeit nach der anderen. Leider beschäftigen sich sehr wenig Künstler mit diesem neuen Ausdrucksgebiet. Die Gründe liegen auf der Hand. Erstens ist die Arbeit zu teuer. Das Material, die technische Einrichtung kosten viel Geld. Der Einzelne kann sich daL mcht leisten. Die Industrie hat aber bis heute nicht viel Vei- gung, den Trickfilm als selbständige Form zu pflegen. Sie benutzt meist nur die nächstliegenden Effekte, meist zu Reklamezwecken. Selbständige Arbeiten sind selten. Das größte Kontingent stellen die Amerikaner mit ihren Grotesken von Felix dem Kater und Oswald dem Kaninchen, deren Welterfolg beweist, daß im reinen Trickfilm auch große Geschäftsmöglichkeiten liegen. Auch das große Interesse an meinen Arbeiten bestärkt mich in dem Vorsatz, weitere Positionen auf diesem unetforschten Felde menschlicher Ausdrucksart zu erkämpfen in der Hoffnung, daß jedes neue Resultat dem Film eins der zukunftsreichsten Gebiete miterschlie- ßen hilft. Besuch in der Tierfilmschule. Von Gerhard Krause. Das Vatürlichste, Erlebnisreichste, Ursprünglichste und Kostbarste, was der Film bringt, find doch wohl seine Aufnahmen aus dem Tierreich, diese mit unerhörter Geduld erzeugten Leistungen. Die Ufa befiht in Veubabelsberg eigene biologische Institute, die natürlich von einem Fach- manne, Herrn Iunghans, geleitet werden, der der treusorgende Vater aller dieser Tiere der Abteilungen ist. Wenn es die Pflicht gebietet, muß er freilich auch... Rabenvater sein und Opfer für die Experimente des Films und für „Achtung, Aufnahme" wählen. In der „warmen" biologischen Abteilung in Veubabelsberg leben viele eigenartige, seltene Tiere, deren Vamen nur dem Fachmann geläufig sind. In einem warmen, für die hier lebenden Geschöpfe zweckmäßigen und temperaturrichtigen Raume treffen wir Schlangen und Schlangentöter, also Tiere, die einander zu Leibe gehen. Würde man alle Käfige öffnen, so wären die Räume mit der Zeit leer, denn die Tiere würden einander den Garaus machen. Es sind mehr oder weniger gefräßige Tiere, die hier zur Filmschule gehen, und, je nach ihrer Art, Filmstar oder Komparse werden. Da ist eine Haselmaus. Ein entzückend graziöses Tierchen: rotbraun, mit spitzen, kecken Augen und einem Sammetfellchen. Ihre Heimat ist Oesterreich. Wir haben die kleinste Auflage vom Eichhörnchen vor uns. Das Tierchen, das auf der Hand seines Filmlehrers ängstlich in der Weltgeschichte herumschnuppert, wird hier erzogen und soll nach geraumer Zeit für die Kamera abgerichtet werden. Wild und verärgert, unausgeschlafen und wutentbrannt, hopst hinter seinem Gitter der Qu asten st. achter. Ein bissiges Vieh ist dieses Tier, kahengroß, mit spitzen Dorsten besetzt, die sich ausbreiten und strecken, sobald es angegriffen wird. Das Tier stammt aus Afrika, wo es sich keiner allzu großen Beliebtheit erfreut. Für den Film ist dieses Tier, ein Weibchen, wie geschaffen, soll es sich doch im Kampfe mit den Ratten bewähren und zeigen, daß es Zähne hat. Man öffnet die Haustür zu der Wohnung des Quasten- stachlers. Das Weibchen ist nicht zu sprechen. Erst auf eine Semmel beißt es an; aber schon ist es aus mit der Herrlichkeit des Fangens, denn die Stacheln des in Wut und Angreifstellung versetzten Tieres sträuben sich._ Vun will man dem haarsträubenden, jungen Fräulein eine Freude machen und ihm einen Kavalier besorgen. Beide sollen sich heiraten. Am gespanntesten ist man natürlich auf den Zweck dieser Ehe: den Vachwuchs. „Hektor" wird herausgenommen und auf Händen getragen. „Hektor" ist ein zierliches ostafrika- nisches Krokodil im Taschenformat und heißt darum ausgerechnet „Hektor", weil sein Kopf dem eines Hundes ähnelt. Abgesehen von seinen Augen selbstverständlich, denn die sehen genau so aus, als ob sie Krokodilstränen weinen könnten. Das Interessanteste an diesem jugendlichen Liebhaber der Tierfilmschule ist sein Maulwerk, worunter nicht sein Redefluß zu verstehen ist, sondern nur die akustisch tote Einrichtung an sich. Es ist nämlich ein Schleusenwerk, wie ich es nannte, in diesem Maul. Es schnappt, beispielsweise, nach 'einem Insekt. Dann wird es eingefangen, aber nicht heruntergeschluckt. Das Tier fängt es auf, schließt fein Maul, verarbeitet das Infekt und läßt eS dann in die tieferen Bezirke fahren... Dieses Klein-Krokodil ist ein Star ersten Ranges. Man wird ihn als Solisten Herausstellen. Es kostet natürlich viel Zeit, die Tiere, die hier in ihren Käfigen und Aquarien Hausen, erst an das Licht, an die Blenden der Jupiterlampen, zu gewöhnen. Es hängt auch von vielen leiblichen Umständen der Tiere ab, ob sie für die Aufnahme, genauer gesagt, für den anberaumten Termin einer Aufnahme, geeignet find. Witt man, um ein Beispiel zu nennen, eine Aufnahme einer Mäusefamilie machen, so baut man auf die natürlichste Meise ein Stück Land, ein Stück Feld oder Acker, mit Steinen, Gesträuch, auch Rasen und Moos hin, macht Wege und Höhlen, auf die man am geeignetsten den Apparat einstellen kann. Diel muß in dieser Schule gelehrt und gelernt werden! Es kostet auch manche Opfer, um nur eine einzige Aufnahme für einen Vaturfilm zu machen. Aber man zeigt dafür ein Stück des Herzens der Vatur. v , der Zwangsjacke mit seinem eigenen, vervielfachten und ins Riesenhafte vergrößerten Schatten. Rus dem weiten Gebiete, das wir heute als „okkult" bezeichnen, feien ebenfalls einige charakteristische Fälle angeführt: Der Trancezustand des Voghi im „Indischen Grabmal" erlaubt es ihm, sich zu entmaterialisieren, und uns, -Zeuge dieses Vorganges zu sein. Auch geheimnisvolle Willenskräfte, Wunderheilungen, Persönlichkeits- spaltungen, Telekinesen u. a. mehr erleben wir mit. Aehnliches auch in Fritz Langs wunder- vollem „Müden Tod", dessen Phänomene aber schon hineingreifen ins rein Märchenhafte, in eine bisher nur der Phantasie zugängliche Wun- derwclt, die erst der Film, wenn auch nur teilweise, dem Auge erschließen tonnte, und die ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat m Douglas Fa irban ks zauberhaftem „Dieb von Bagdad". In allen solchen Szenen erlebt der Zuschauer Unerhörtes und Ungeahntes, und wenn er sich nachher auch skeptisch fragt, wie der Regisseur, der Kameramann das gemacht hat, so bleibt doch im Moment der Aeberraschung, der Lleberrumpe- lung des Verstehens und der Auffassungsfähigkeit der Eindruck eines Erlebnisses, wie es keine Kunst, außer der Filmkunst so eindringlich her- vorbringen kann. Amtsgericht Gießen. ♦ Gießen, 28. Mai. Ein hiesiger Kaufmann hotte sich wegen Unterschlagung in zwei F ä l l e n zu verantworten. Er hat nach der Anklage in einem Falle ihm von einer auswärtigen Mieterin eingehändigten Mietzins nicht auftragsgemäß an den Vermieter abgeliefert, sondern für sich verbraucht. Ein Mahnbrief des letzteren veranlaßte die Mieterin etwa 14 Tage darnach zur Anzeige. Jetzt erst erklärte der Angeklagte, er habe das in einem Umschlag befindliche Geld entweder verloren, oder versehentlich mit anderen Briefen, die er seiner Auftraggeberin besorgen sollte, in den Briefkasten der Bahnpost geworfen. Er mußte aber zugeben, daß er nach dem angeblichen Verluste, von dem er niemandem etwas gesagt hatte, nichts getan hat, um wieder zu dem Gelde zu gelangen, obwohl ihm verschiedene Wege hierzu offen standen. Der Angeklagte hat bald nach der Anzeige Ersah geleistet. Die Anklage wird aber dadurch nicht hinfällig. Der andere Fall ist ähnlich geartet. Weitere Aufklärungen waren geboten, und die Verhandlung wurde deshalb ausgesetzt. Auch die Pferdefuhrwerksbesitzer sind an die allgemeine Straßenverkehrsordnung gebunden; auch sie müssen bei ihren Fahrten die rechte Straßenseite einhalten, ebenso wie die Autoführer. Diese vermögen deshalb die vorschriftsmäßig fahrenden Fuhrwerke leicht links zu überholen. Anders aber, wenn letztere vorschriftswidrig auf der linken Seite fahren, wie dies fortgesetzt durch den Knecht einer benachbarten Mühle bei einer Fahrt auf der Landstraße geschehen ist. Die Automobile müssen dann, wenn ihre Führer nicht Gefahr laufen wollen, durch Rechtsüberholen in Strafen zu kommen, öfters warten, bis die links fahrenden Fuhrwerke hinreichenden Raum zum wiederholen auf der linken Seite geben. Für Autoführer, die Eile haben, bedeutet dies oft eine Verkehrsstörung, und es wird darüber von ihnen viel geklagt. Auch im Fragefall wurde von dem Verkehrsbeamten derartiges beobachtet. Der angeklagte Knecht erhielt eine Geldstrafe. Strafkammer Gießen. * Gießen, 4. Juni. Mitte Rovember 1928 fuhr ein Kraftfahrer mit seinem 5-t-Wagcn von Lollar nach Gießen. Es war dunkel, stürmisch und regnerisch. In der Gegend der Wellersburg sah er plötzlich auf kurze Entfernung zwei Radfahrer vor sich. Er bremste alsbald und steuerte nach links. Zufolge der Rässe der Straße kam aber der Wagen ins schleudern, und beide Radfahrer wurden vom Rad geschleudert und verletzt; der eine verstarb noch in der Rächt. Das Schöffengericht hatte den Kraftfahrer wegen fahrlässiger Tötung zu 4 Wochen Gefängnis, umgewandelt in 300 Mark Geldstrafe, verurteilt. Die Strafkammer bestätigte dieses Erkenntnis. Auch nach ihrer Auffassung wäre es unter den gegebenen wlmständen Pflicht des Angeklagten gewesen, entweder zu halten, oder wenigstens so langsam zu fahren, daß er jederzeit halten konnte, dadurch aber, daß er dies nicht getan hat, sondern trotz der Dlendwirkung eines entgegenkommenden Autos in seinem alten Tempo weitergefahren ist, obwohl er wußte, daß unmittelbar vor ihm Radfahrer waren, hat er den Tod des einen fahrlässigerweise verursacht. Oie Deutsche Reichsbahngesellschafi im Jahre 1928. Die DeutscheReichsbahngesellschaft legt nunmehr den bereits vom Derwaltungsrat genehmigten Geschäftsbericht für das Jahr 1 928 vor. Zu Beginn des abgelaufenen Jahres gelang es, 200 Millionen Mark Vorzugsaktien zu begeben, wodurch eine Erleichterung in der gespannten Finanzlage eintrat. Weitere Versuche, der Gesellschaft neue Mittel zuzuführen, haben bisher zu keinem Erfolg geführt. Es ist jedoch zu hoffen, daß es nach Abschluß der Pariser Verhandlungen möglich sein wird, langfristige Anleihen, die innerhalb eines Zeitraumes von etwa 60 Jahren zu tilgen sind, zu erhalten. Die Tariferhöhung im Oktober v. 3. hatte eine Einnahmesteigerung um etwa 54 Millionen Mark zur Folge. Die Einnahmen der Betriebsrechnung sind mit 5159 Millionen Mark etwa 120 Millionen Mark größer als im Vorjahre (5039 Millionen Mark). Die Ausgaben für Betrieb und wlnterhaltung erhöhten sich von 3438 auf 3646 Millionen Mark. Die Ausgaben für Erneuerung der Reichseisenbahnanlagen betrugen 73 MiNionen Mark weniger. Es ergibt sich somit ein Detriebsüberschuß von 865 (881) Millionen Mark, von denen für den Dienst der Reparationsschuldverschreibungen 658 (590) Millionen Mark, davon Verzinsung 545 (554) Millionen Mark und Tilgung 113 (37) Millionen Mark, für den Dienst der neuen Anleihen 2,5 (2,1) Millionen Mark Verwendung finden. Es verbleibt somit einschließlich 173 (168) Millionen Mark Vortrag ein Reingewinn von 249 (235) Millionen Mark, wovon an Vorzugsdividende 76 (62) Millionen Mark zu zahlen sind, so daß der Vortrag für 1929 fast unverändert 173 Millionen Mark beträgt. Zu der in der Öffentlichkeit bestehenden Ansicht, daß der Vortrag auf neue Rechnung zu groß ist, ist zu bemerken, daß dieser Betrag nicht mehr liquide ist; er mußte in den vergangenen Jahren mangels anderer Deckungsmittel bis auf einen kleinen Rest (15 Millionen Mark) zur Finanzierung des Anlagezuwachses herangezogen werden. Von den aus der Kriegsund Rachkriegszeit in der Oberbauerneuerung vorhandenen Rückständen von 7700 Kilometer konnten nur 100 Kilometer aufgearbeitet werden. Das Streckennetz ist mittels der Reichs- und Länderkredite um 215 Kilometer vergrößert worden, so daß sich die Gesamteigentumslänge der Reichsbahn auf 53 750 Kilometer erhöhte. Ein Bedarf an Lokomotiven ist nicht vorhanden, es sind im Gegenteil noch mehrere hundert zuviel da. Mangel herrscht dagegen an Personenwagen. lieber das neue Geschäftsjahr wurde anläßlich der Besprechung noch mitgeteilt, daß die Einnahmen im Januar und Februar infolge der Kälte um etwa 50 Millionen Mark hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind. Im März konnten 25 Millionen Mark wieder aufgeholt werden, während die Aprileinnahmen wieder 6 Millionen Mark niedriger waren. Für die ersten vier Monate ergibt sick somit ein Einnahmeausfall von etwa 31 Millionen Mark, der fast ausschließlich auf den Personenverkehr entfällt. Der Güterverkehr hat sich befriedigend entwickelt. Durch den Frost sind allerdings zusätzliche Ausgaben in Höhe von 27 Millionen Mark entstanden, so daß sich gegenüber dem Voranschlag ein Minderaufkommen von 57 Millionen Maf ergibt. Wirtschaft. Besserung der Wirtschaftslage. In einer Rückschau auf die Entwicklung der Wirtschaft wird in dem Monatsbericht der DresdnerDank u. a. ausgeführt: Auch wenn man von den Saisonwirkungen absieht, ist ein weiterer Rückgang der Produktion im allgemeinen nicht festzustellen. Rur in der Textilindustrie hat sich die Lage zum Teil noch weiter verschlechtert. Im übrigen sind vielfach die schon seit März zu beobachtenden Besserungserscheinungen neuerdings in verstärktem Maße hervorgetreten. Besonders fällt die starke Steigerung der Produktion der metallurgischen I n d u st r i e im April auf. Bereits die Ziffern des Februar und März, die gegenüber der infolge des Streiks im Rovember überhöhten Januar-Produktionen zurückgegangen waren, übertrafen die Produktionsergebnisse vor dem Streik; der April zeigt eine weitere beträchtliche Steigerung, auch über die hohe Januar-Erzeugung hinaus, auf einen Stand, der bisher im Monat April noch nicht erreicht worden ist. Die diesjährigen Aprilziffern der R o h st a h l - und Walzwerksproduktion stellen sogar Rekordergebnisse der Monatsproduktion seit der Stabilisierung dar. Die Kohlenförderung erhielt sich weiter auf dem erreichten hohen Ri- veau. Auch die Entwicklung des Außenhandels entspricht der eben gekennzeichneten Lage. Die Einfuhr hat sehr stark zugenommen, wobei besonders die Zunahme der Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren hervorzuheben ist. Hand in Hand mit der Steigerung der Einfuhr ging auch eine Zunahme der Ausfuhr — die gleichfalls einen Höchststand erreicht hat — vor sich, die zum Teil zwar auch eine Reaktion auf die durch die Kälte beeinträchtigten Transportmöglichkeiten darstellt, in der Hauptsache aber durch die bis in die letzte Zeit noch sehr schwierigen Absahverhältnisse im Inlande zu erklären ist, die im Sinne einer Forcierung des Exports gewirkt haben. Auch die starke Zunahme der inländischen Warenbewegung im April, wie sie aus der Entwicklung der Wagengestellung bei der Reichsbahn hervorgeht, kann ebensowenig nur als Rcaktionserscheinung auf die Verkehrsbeschränkungen der Wintermonate gewertet werden. Die Entwicklung des Zahlungsverkehrs bei der Reichsbank zeigt eine weit über das saisonübliche Maß hinausgehende Zunahme, und zwar hat im April der arbeitstägliche Abrechnungsverkehr einschließlich Eilavisverkehr im Vergleich zum März um 20 Prozent, der arbeitstägliche Giroverkehr sogar um 22 Prozent zugenommen, während saisonmähig für beide nur eine Zunahme von 7 bis 8 Prozent zu erwarten gewesen wäre; diese Steigerung hat ebenso, wie beim Reichsbahnverkehr, auch in den ersten Wochen des Mai angehalten. Als Folge der geschilderten Entwicklung ist auf dem Arbeitsmarkt eine weitere beträchtliche Entlastung festzustellen. Wie zu erwarten war, hat sich die Abwärtsbewegung der Preise fortgesetzt, wobei infolge der ungünstigen Weltmarktlage besonders die Preise der Agrarerzeugnisse zurückgingen. Aber auch bei Rohstoffen und Fertigwaren war der Rückgang der Preise, abgesehen von einigen Spezialartikeln, allgemein. Demgegenüber blieb die Lage auf dem Geldmarkt weiterhin angespannt. Die Diskonterhöhung der Re ich sbank auf 71/» Prozent hatte zunächst nicht den gewünschten Erfolg. Die Goldabflüsfe dauerten fort, so daß sich die Reichsbank veranlaßt sah, eine Einschränkung der Wechseldiskontierungen vorzunehmen. Dadurch wurden die Geldsähe derart in die Höhe getrieben, daß sie einen seit 1925 nicht mehr beobachteten Stand erreichten. Sobald die Anomalien der gegenwärtigen Geldlage in Deutschland verschwunden sein werden, dürfte die gegenwärtig bestehende konjunkturelle Entspannungstendenz in Verbindung mit der während der nächsten Monate bis zum Spätsommer gewöhnlich eintretenden saisonmäßig bedingten Erleichterung auf dem internationalen Geldmarkt wohl im Sinne einer Herabsetzung der Geldsähe wirksam werden. * Vom Koliabsah. Die zum deutschen Kalisyndikat gehörenden Kaliwerke hatten einen Kaliabsah im Monat Mai von 773260 Dz. Reinkali, gegen 637 660 Dz. im gleichen Monat des Vorjahres aufzuweisen. In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres wurden von den Kaliwerken insgesamt 7 321 711 Dz. Reinkali, gegen 7 031 488 in der gleichen Zeit des Vorjahres versandt. In diesen Zahlen sind die Abladungen der Kaliwerke für die Exportläger des Syndikats mit enthalten. * Frankfurter Getreidebank A.-G., Frankfurt a. M. Die gestrige G.-V. erledigte die Regularien. Danach gelangen wieder 5 Prozent Dividende zur Verteilung, der Reserve werden 3500 Mk. zugewiesen, auf neue Rechnung werden 1539,60 Mk. vorgetragen. Der stellvertretende Vorsitzende erklärte zum Schluß kurz, daß der seitherige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Reichsminister a. D. Dr. Eugen Schiffer, in gütlichem Einvernehmen mit der Gesellschaft aus dem Aufsichtsrat ausgefchieden ist. * Dhckerhofs und Widmann A.-G., Wiesbaden-Biebrich. In der gestrigen G.-D. wurden die Regularien einstimmig genehmigt. Aus einem Reingewinn von rund 902 000 Mark werden 4 Proz. Dordividende und 4 Proz. Lieberdividende, also insgesamt 8 Proz. verteilt. Aus dem Geschäftsbericht ist zu erwähnen, daß das abgelaufene Geschäftsjahr eine günstige Entwicklung genommen hat. Der Llrnfah konnte trotz der sich auf dem Baumarkt mehrenden ungünstigen Einflüsse bedeutend gesteigert werden. * Basalt 21.*®., Linz a. R h. Der Rechnungsabschluß für das Geschäftsjahr 1928 ergibt einen Lieberschuß von 4 001 644 Mark. 23er- waltungsunkosten nebst Zinsen, Steuern und Versicherungsbeiträgen betragen insgesamt 2 817 933 Mark, so daß ein Rohgewinn von 1 183 670 Mk. verbleibt. Die Abschreibungen werden auf 1 158 233 Mark festgesetzt, so daß ein Reingewinn von 25 437 Mk. verbleibt, der vorgetragen werden soll. Die Verhältnisse haben sich auf allen Gebieten inzwischen wesentlich gebessert, jedoch müsse auf die Beeinflussung hingewiesen werden, die für die ersten Monate durch den harten Winter zu verzeichnen gewesen fei. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 5. Juni. Tendenz uneinheitlich. — Im Vormittagsverkehr war die Stimmung f 2 ft und das Geschäft ziemlich rege, da, angeregt durch weitere Auslandorders, die Bankkundschaft lebhafteres Interesse bekundete. Die Kurse tagen mehrere Prozent höher gegenüber der gestrigen Abendbörse. Die bevorstehende Llnterzeichnung des Voungschen Planes und die Einigung in d er belgischen Markbanknotenangele genheit toirlterf stimulierend. Aber auch die weitere Entspannung am Geldmarkt wurde mit Befriedigung ausgenommen, ferner wirkte der feste gestrige Schluß der Reuyorker Börse vorteilhaft. Auch die hohen Absahziffern des Kalisyndikats hinterließen einen günstigen Eindruck. Doch machte sich zu Beginn des offiziellen Verkehrs wieder Realisationsneigung bemerkbar, und die Tendenz neigte etwas zur Schwäche. Auch nahm die Kulisse Abgaben vor, die vor allem durch das weiters Ausbleiben von Aufträgen verursacht wurden. Das an den Markt kommende Material sand aber ohne Schwierigkeiten ilnterfunft, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse nur ganz geringfügige Kursabschläge eintraten. Am Chemiemarkt lagen I.-G.-Farben leicht gedrückt, von Elektrowerten verloren Chadeaktien 2 Mark, Lahmeher 1,5 Prozent und A E G. 1,75 Prozent. Interesse bestand dagegen für Bergmann und Licht und Kraft, die je 1.5 Prozent gewannen. Auch am Montanmarkt nahmen die Realisationen größeres Ausmaß an. Mannesmann büßten 2,5 Prozent und Mansfelder 1,75 Prozent ein. Buderus dagegen leicht anziehend. Banken uneinheitlich. Berliner Handelsgesellschaft und Commerzbank waren bis zu 2 Prozent schwächer. Disconto-Gesellschaft und Reichsbank waren dagegen bis zu 1,5 Proz. gebessert. Etwas regere Rachfrage bestand von internationalen Werten für Svenska mit plus 4 Mk., Deutsche Linoleum und für Zellstoffwerte, die bis zu 2 Prozent anzogen. Auch Kaliwerke lagen trotz des günstigen Kaliabsahes im Angebot und gedrückt. Rur Aschersleben konnten eine Kleinigkeit gewinnen. Deutsche Erdöl minus 3,5 Prozent. Anleihen ebenfalls etwas stiller, doch weiter leicht gebessert. Im Verlaufe nahm die Kulisse weitere Qlbgaben vor, so daß sich erneut Rückgänge bis zu 2,5 Prozent ergaben. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7,5 Prozent weiter leichter. Arn Devisenmarkt nannte man: Mark gegen Dollar 4,1948, gegen Pfund 20,335, London-Kabel 4,8490, gegen Paris 124,04, gegen Mailand 92,68, gegen Holland 12,0740. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 5. Juni. Der Produktenmarkt verkehrte heute auf die festeren Auslandmeldungen und bei etwas lebhafterer Geschäftstätigkeit in ebenfalls fester Haltung. Für Brotgetreide zeigte sich heute vermehrtes Interesse, so daß Weizen 0,50 Mk. anziehen konnte, auch Roggen war um 0,25 Mk. höher notiert. Das Mehlgeschäft konnte sich heute erheblich vergrößern, so daß Weizenmehl bis 0,50 Mk. anzog. Auch Roggenmehl lag heute zumindest gut behauptet. Es wurden notiert: Weizen 23,25 bis 23,50 Mk., Roggen 21,5 bis 21,75, Sommergerste (für Brauzwecke) 23, Hafer (int.) 22,25, Mais (gelb, für Futterzwecke) 20 bis 20,25, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 32,25 bis 32.75, Roggenmehl 27,50 bis 28,50, Weizenkleie 11,25, Roggenkleie 12 Mk. — Tendenz: fester. Die hinter den Papieren angeführten Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskvnt 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankfurt a. M. Berlin Schluh- i-Ubt- Schluß» Ansang Nurs Kurs Kurs Kur» Datum 4-6. 5.6. 4 6. 5 6. 6% Dl. Reichsauleihe v. 1827 . 87,3 87,5 _ Dt. Anl.-Ablös.-Schuld mü AuL tof^8ied)tcn......... — 51.5 51,25 51,4 SeiflL ohne LluSws.-Rechte . . . 11,6 12 11,6 12 1% Frank). Hyp.-Bk. Goldpf. un- kündbar bi3 1933....... 88 _ _ _ VA% Rheinische Hyp^Bank Liqu.- ©olbtff........- - - - —— _ SLC.®. dbg. Borkriegs-Obligation. rückzahlbar 1933 ....... 87 — — — 4% Schweiz. ghntbeSb-fSnL. . ■ 100 — — 4% Oesterrcichische Goldrie.. . . — — — _ 4,20% Oesterr. Silberne..... 2,6 — — — 4% Cetteneid). einbeitL Rte. . — — —— _ 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 . 22,5 — 22,6 20 — 4y,% beffll. von 1913..... — — 21 —— 4% Ungarische Kronenrte..... 1,85 — 1.85 _ 4% lürf. Zollanleihe v. 1911 . 8.5 — 9,2 4% Türkische Bagdaddahn-Anl.. Serie I........... 9 — 9,3 c- 4% bcSflL Serie II....... 9 — 8,9 4% Rumänen converi. Rte. . . . 9,13 — 4K% Rumänen ÖufoanL von 1913 — 17,25 — VUg. Deutsch« Eisenbahn . . 4% — — — fcambura-Smenla Paket . . . 8 Hamb.-Südam. Dampssch. . . 8 Hansa Dampfschiff.....10 125 125,4 124,5 125 — — 191,5 156,9 158.75 Norddeutscher Lloyd.....8 117,25 118,5 117,75 118,25 Wg. Deutsche Creditank. . . 10 127,75 —» 128,5 129.75 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handels eseüsch. . . 12 134 134,5 133,25 134,75 225,5 223,5 225,5 225,5 Lommerz- und Privai-Banl . 11 190 189,5 190 190 DarmA. ü. Rattonalbank . . 12 275 275 274,75 276 Deutsche Bank......10 Diskonto-Gesellfchaft Änt. . 10 168.5 168,5 169 169,5 157 157 156,75 157 Dresdner Bant..... 10 Mitteldeutsch, SrrdUbcmI ... 9 Metallbau! ...••••••9 164,75 164,25 164 — Rridrfbaal .«•••••• U 322 323 320,73 323 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- Kur« 1 Uhr- Kurs Schluß« Kurs Anfang- Kurs Datum 4.6. 5.6. 4-6. 5. 6. Ül.E.Ä......... . 8 197,75 196,25 196,5 196 Bergmann ...... . 9 224 225 224,5 226,75 Elektr. Lieferungen. . . 10 169,5 169,5 168,75 170,25 Licht und Krajt .... e e 10 227,5 228,5 227,4 229 Felten & Guilleaume. • Ges. f. Elektr. Untern.. . e • . 6 150,5 150,25 148,75 149,25 e e 10 235 235 234,75 236 Hamb. Elektt. Werks . . • • 10 — — 147,75 148,5 Rhein. Elektr...... . 9 168 — 167,5 170 Schlei. Elektt...... • • 10 — — 201 204,4 Schuckert..... • e • . 8 251 251 249 251 12 406 407,5 403,25 409 Transradio ...... e e . 8 — — 148 149,5 Lahmeher 4 Co.... . • • 10 176,5 175,25 174,5 175,5 Buderus..... • • . 6 78 78,5 77,25 78 Deutsche ErdLI .... e e . 6 122,75 119,25 122,25 118,5 Essener Steinkohl« ... . 8 —— — 130 131,25 Gelsenkirchener ... t H 3- 4 140 140 140 139,9 . 6 148,75 — 149.5 148,5 Hoejch Eisen. ..... . 8 — — 132 131 Ilse Bergbau . • • • • Klöcknerwerke . . • • • . 8 230 — 229,5 228 * e . 7 110,5 — 110 110,5 Köln-Neuesse«. • • • • e e . 9 — — 129,25 129 Mannesmann..... . 8 125,75 123,6 124,25 124,25 Mansselder...... . 7 136,5 135,25 135,5 136,5 Oberschlei. Eisenb. Bedai e . b •— — 91,75 91,25 Oberschles. KoUwerke. . . 6 — — 113,65 114 Phönix Bergbau.... Rheinische Braunkohlen. 6K 10 98 307 97,6 306,9 97,5 306,75 97,5 308 Rheinstahl . . . f. % gabt V/i 133,5 132,5 133,65 133,5 Riebeck Montan . . . Bereinigte Stahl». . . M 7,2 — — . 6 104,75 104 104,5 104,25 — 71 70,65 71,75 Kall Aschersleben . . . e 10 251 251,75 250,5 225 Kall Westeregeln.... 10 257 256,5 257 258,75 Kaliwerk Salzdetfurth . • • Id 415 414,5 413 414.25 I. G. Farden-FnduLrte . - • 12 263,5 263,25 263 264 Dynamit Nobel .... Ä M . 6 Scheide an stalt . . . . . Ä • . 9 171 — _ _ Goldschmidt . . . . . e M . 5 89 _ 88,5 _ Rütgerswerke . . , , , • e . 6 98,25 98,5 98,25 96,75 * * * • • 11 133,5 134 133,25 Frankfurt a.M. Berlin Schluß- i-Uhc- Schluß Anfang Kur« Kurs Kur« Kur« Datum 4.6. 5.6. 4-6- 5.6. Phmvv Holzmann..... 121 — f2Ö" 121 Heidelberger Le ment . . • • 10 139,5 — — dement Karlstadt ..... . 8 — — —— —• Wayß 4 Freitag...... 10 117 118,5 117,5 Schultheis Patzenhoser . . . 15 — — 315,25 320,5 Oftwerke......... 12 —— — 258,5 261 Ber. Glanzstosf...... 18 451 453 450 453 Bemberg......... 14 —— — 355 359,75 Zellstoff Waldhos..... 12 257 259 257 260 Zellsioss Aschaffenburg . . . 12 — 203 199 201 Charlottenburger Wasser . . — — 118 118,75 Dessauer GaS....... . 8 — —- 219 220 Daimler Motoren..... . 0 56,5 58,25 58,5 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 — — 54,5 54,5 Adlerwerle Klever..... . 6 58 56 56 55,25 Lud». Loewe....... 10 — — 215 218,5 Rat. Automobil...... . 0 — — 28,9 Ctenfiein & Koppel .... . b — — 97,75 '98.25 . 6 — —— 296,75 296 Bamag-Meguin ...... . 0 — — Franks. Maschinen..... . 6 54,25 54,25 53,25 Gritzner ....••••• 11 68,5 — 70 Heyligenslaedt ...... . O 8 70 70 71 — Lechwerke. ........ . 8 109 109 . 8 105,25 — _ Miag........... 10 126 125 125 Rekars ulmer ....... . 8 — — PeterS Union . ...... . 8 128,5 —1 125,5 Gebr. Roeder . ...... 10 113 — Boigt 4 Haesfner..... . 8 212 — 212 Südd. Zucker ....... . 8 151,25 150,5 150,25 — Banknoten. ___Berlin, 4. Juni Geld «rief Yuneritamlcbe Notes..... I 4.172 | 4.192 Belgische Noten........ 58,11 58,35 Dänische Notar........ italische Enfrn---.... . 111,38 111,82 1 20,296 I 1 20,376 Berlin, 4- Juni Geld Brief Französische Noten..... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oefterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten.....* Schweizer Noten ....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,34 167,88 21,93 111,38 58,76 2,53 111,76 80,57 58,18 12,40 72,85 -Frankfur Auszahli 16,40 168,56 22>O1 111,82 59,00 2,55 112,20 80,90 58,42 12,46 73,15 1 a. M. ing. 4. Juni 5. Juni Amtliche Notierung Geld । Briet Amtliche Geld Qotierun Brie Amtt.-tstott. Buen--AireS Brss.-Antw Chriftiania. .Kopenhagen Stockholm - HelirngforS. Italien. . . London. . . NetWork . . Paris.... Schweiz . . Spanien. . Japan . . . Rio de Jan- Wien in D-- Qest. abgest Prag Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Tanada . . Uruguay. - Lairo . . - 168,21 1,757 58,17 111,60 111,59 111,99 10,525 21,92 20,316 4,1915 16,38 80,64 58,04 1,838 0,496 58,85 12,409 7,359 73,02 3,032 18,78 81,19 1,993 5,435 4,154 4,066 20,835 168755 1,761 58,29 111,82 111,81 112,21 10,545 21,96 200356 4,1995 16,42 80,80 58,16 1,842 0,498 58,97 12,429 7,373 73,16 3,038 18,82 81,35 1,997 6,445 4,162 9,074 20,875 168,25 1,755 58,15 111,61 111,61 112,01 10,527 21,93 20,319 4,1900 16,375 80,625 57,64 1,835 0,4965 58,86 12,408 7,363 73,02 3,027 18,73 81,22 1,990 5,425 4,155 4,056 20,84 168,59 1,759 58,27 111,83 111,83 112,23 10,547 21,97 20,359 4,1980 16,415 80,785 57,66 1,839 0,4985 58,98 12,428 7,377 73,16 3,033 18,77 81,38 1,994 5,435 4,163 4,064 20,88