Mittwoch, 4. Dezember 1929 179. Jahrgang Nr. 284 Erster Blatt Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichepfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfse unterSammelnummer225l. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Sranffnrt am Main 11686. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfenmg; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/# mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mchc Filter, sämtlich tn Giehen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruS und Verlag: vrühl'sche Universitätr-Vuch- und Steindruckerei B. Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschäftsft-II-: Schulftrab- ?• Erfolgreiche Kriedensverhandlungen im Fernen Osten. Einigung zwischen Rußland und der Mukdenregierung über das Schicksal der mandschurischen Bahn. Oie Sowjetunion weist Amerikas Einmischung scharf zurück. Spate Vermittlung. Die an die Adresse Nankings und Moskaus g>-ächtete Note der Vereinigten Staa- t c ii, in der daran erinnert wird, daß sich die Signatare des Kellogg-Paktes verpflichtet haben, die Lösung aller Streitfragen nur durch friedliche Mittel zu erstreben, dürfte auf dem ganzen Erdball eine nicht unerhebliche Hebe rr a « schung ousgelöst haben. Und das deswegen, weil sich der Aufmarsch der chinesischen und russischen Divisionen im Fernen Osten b e r c it s. i m Sommer dieses Jahres vollzog, weil schon vorMonaten heftige Kämpfe an den Grenzen stattfanden und weil es eigentlich leinen Zweifel unterliegen konnte, das; es über kurz oder lang doch zu sehr ernsten kriegerischen Auseinander- fchungen kommen würde. Infolgedessen wäre es also schon nach dem ersten blutigen Zusammenstoß chinesischer und russischer Patrouillen Psl.cht der Kellogg-Mächte gewesen, die Regierungen in Moskau und Nanking an ihre Verpflichtungen zu erinnern und sic darauf aufmerksam zu machen, das; sie sich durch ihre Unterschrift unter den Kellogg-Pakt selbst feierlich auf die A e ch t u n g des Krieges festgelcgt haben. Aber in Washington verharrte man ebenso wie in London und Paris untätig, lediglich d i e deutsche Regierung trat aus ihrer Reserve heraus. Sie übernahm nicht nur die Ver- tretuna der beiderseitigen Interessen, sie beschränkte sich auch nicht darauf, den Briefträger zu spielen und chinesische und russische Noten an ihre Adresse weiterzuleiten. Sie ging darüber wesentlich hinaus und versuchte, durch Ratschläge aller Art eine Entspannung im Fernen Osten herbeizuführcn. Wir erinnern an die Bemühungen dec Reichsregierung um das Wohlergehen der Chinesen aus russischem Boden und vor allem der russischen Beamten der umstrittenen Ostchinesischen Eisenbahn. Aber auch sonst hat der deutsche Botschafter in Moskau genau wie fein Kollege in Nanking immer wieder zu einer friedlichen Austragung der Meinungsverschiedenheiten geraten. Inzwilchen ist aus dem Grenzgeplänkel und der Beschießung von Ortschaften eine russische Offensive geworden, die für Sowjetruhland von Erfolg war. In diesem Augenblick erinnert istan sich nun in Washington der Tatsache. daß ungefähr sechzig Staaten, darunter auch Rußland und China, dem Kellogg-Pakt beigetreten sind. Die Erinnerung kommt etwas reichlich spät, weil einmal schon viel Blut vergossen worden ist, was bei einem rechtzeitigen Eingreifen der Signatormächte hätte vermieden werden können, und weil zum anderen Russen und Chinesen im Begriff sind, sich auf direktem Wege zu einigen. In Europa dürfte matt heute über den Wert des Kellogg-Paktes wohl etwas nüchterner denken, als das noch Anfang dieses Jahres der Fall war. Gerade wir in Deutschland hatten immer wieder jenen Passus des Vertrages hervorgehoben, der der friedlichen Verständigung den Vorzug gibt und der auch für uns einen Sicherheitsfaktor darstellte. Heute müssen wir allerdings sagen, daß der Kellogg-Pakt in feinem Werte stark gemindert worden ist, nachdem man sich er st nach einem halben Jahr entschlossen hat, zu intervenieren, obwohl bereits im Sommer Klarheit darüber bestand, daß über kurz oder lang im Fernen Osten die Gewehre doch losgehen würden. Ein erstes Llebereinkommen. Nikolsk Uffuriifk, 3. De,. (Funkspruch der Telegraphenagenlur der Sowjetunion.) Marschall Tschanghsüliang hat die chinesischen Vertreter bei der Konferenz von Chabarowsk beauftragt, folgende Vorschläge zu unterbreiten: 1. Obwohl die chinesische Regierung mit der Wiederherstellung des Status quo auf der osichinesischen Bahn einverstanden ist, hält sie cs für notwendig, von der Sowjclregierung die Garantie zu erhalten, daß die Eisenbahn nicht zu Zwecken der kommunistischen Propaganda benutzt werde; 2. da der entlassene russische Direktor und der ebenfalls entlassene russische Nnlerdircklor eine solche Propaganda leiteten, lehnt China ihre Wiederanstellung ab; 3. China ist bereit, die Beamten, die den Konflikt herbeigeführt haben, zu entlassen; 4. die beiderseitigen Gefangenen sollen b e - freit werden; 5. die Truppen beider Parteien sollen bis zu einer bestimmten Entfernung von der Grenze zurückgezogen werden. Der Vertreter der Mukdener Regierung. Tsai, und der Agent des Auhenkommissariats der Sowjetunion. S i m a n o w s k i, haben ein Protokoll unterzeichnet. in dem Tsai erklärt, daß die Mukdener Regierung den derzeitigen Verwaltungsvorsihenden der Ostchinabohn, Liu, a b f e h t. Simanowski erklärte. nach der Absetzung Lius werde die Sowjetregierung gemäß der von Litwinow am 29. August dem deutschen Botschafter in Moskau abgegebenen Erklärungen bereit fein, an Stelle des Direktors der Ostchinabohn. Jemschanoff. und des stellvertretenden Direktors. Eismont, andere Kandidaturen aufzustellen. Dabei behält sich die Sowjetregierung das Recht vor. Jemschanoff und Eismont mit an- deren mosten bei der Ostchinabohn zu betrauen, hiermit erklärte sich Tsai e i n v e r st a n d e n. Der Vertreter, der Mukdener Regierung teilte weiter mit, seine Regierung werde die Mukdener und Pekinger Abmachungen vom Jahre 1924 in Zukunft ff r e n g ein halten. Simanowski nahm diese Erklärung mit Geungtuung entgegen und wies darauf hin, daß die Sowjetregierung diese Abmachungen stets eingehalten und auch fernerhin an ihnen festhalten wird. Deutschland als Schuhmacht. Weitere Schritte Vorbehalten. Berlin, 3. Dez. (WB.) Zu dem Schritt der Bereinigten Staaten im russisch- chinesischen Konflikt erfahren wir. daß d i c deutsche Regierung ihrer Sympathie mit den amerikanischen Bemühungen um Erhaltung des Friedens Ausdruck gegeben und darauf hingewiesen hat, daß sie als Schuhmocht beider Staaten bereits mehrfach im gleichen Geiste gewirkt habe. Sie sei entschlossen, auch weiterhin alles zu tun, wodurch sie ihrerseits noch dazu beitragen könne, die Beachtung des Kellogg-Paktes durch die streitenden Parteien sicherzustellen. Wit Rücksicht auf die besondere Stellung, die sich für Deutschland als Schutzmacht ergibt, hat sich die deutsche Regierung eine Entschließung über Zeitpunkt und Form ihrer eigenen weiteren Schritte in der Angelegenheit Vorbehalten, zumal da ihr Nachrichten über unmittelbare russisch-chinesische Verhandlungen vorliegen. Sie weih sich mit der amerikanischen Regierung in der Erwartung einig, daß die streitenden Mächte entsprechend den Verpflichtungen, die sie als Signatare des Kellogg-Paktes übernommen haben, von kriegerischen Maßnahmen zur Erreichung ihrer Ziele Ab- Berlin, 3. De,. (Tel.-An.) Der Parteivor- si a n d der Deutschnalionalen Volkspartei hat in seiner heutigen Sitzung mit 69 gegen 9 Stimmen, bei drei Stimmenthaltungen folgenden Beschluß gefaßt: „Die Herren Abgeordneten Hartwig, hülser und Lambach haben im Anschluß an die Abstimmung über den Paragraphen 4 des Freiheilsgesetzes die nachfolgende öffentliche Erklärung abgegeben: „Die unterzeichneten Abgeordneten haben sich in der Abstimmung zum Paragraph 4 des Volksbegehren-Gesetzes auf feiten des M i - n l ff e r 5 Schiele gestellt. Sie werden sich am Dienstag gelegentlich der Behandlung des Ausschlußantrages des Parteioorfton- des gegen ihren Kollegen Treviranus in der Frakkionssihung solidarisch andessen Seite stellen. Sie halten fruchtbare politische Arbeit nicht für möglich, wenn freimütige und sogar private politische Meinungsäußerungen unterdrückt werden sollen." Nach den vorangegangenen Beschlüssen des Par- teivorslandes und der Reichstagsfraktion der Deutsch- nationalen Volkspartei zu Paragraph 4 des Jret- heitsgesehes stellt diese Veröffentlichung ein ab- sichtliches und bewußtes Abrücken von der (ßefarafpartei dar und zwar in' einem Augenblick, in dem ein solches von den Parteiorganen ausdrücklich als unangebracht und für die nationale Bewegung abträglich anerkannt wird. Bei dieser Sachlage muß in ihrem Vorgehen eine schwere Schädigung des Ansehens der Partei erblickt werden. Gemäß Paragraph 19 der Satzungen hat deshalb der Parteivorsiand beschlossen, gegen die drei genannten Herren von Amts wegen das Ausschlußoerfahren einzuleiten." Die deulschnationaleReichslagssrak- t i o n trat um 18 Ahr zu einer Fcaktionssihung zusammen, in der die durch den Beschluß des Parteivorstandes geschaffene Lage eingehend erörtert wurde. Der Fraktion wurde folgender Brief des Abgeordneten Lambach an den Fraktionsvorfihenden Graf Westarp bekannt- gegeben: „Sehr geehrter Herr Graf? Die Vorgänge in der heutigen Parteivor- ftandsfihung haben mich veranlaßt, aus der Deutfdjnnfionnlen Partei auszu - treten. Sahungsgemäß lö ft s i ch damit die Fraktionsgemeinschaft. Indem stand nehmen und hofft, daß die direkten Verhandlungen, die zur Beilegung des Konfliktes eingeleitet sind, in kurzer Zeit zu vollem Erfolg führen werden. RußlandsAntwortanAmerika Moskau verbittet sich jede Einmischung. Moskau, 4. De,,. (Funkspruch der Telegraphenagentur der Sowjetunion.) In der Antwort der Sowjetregierung auf den Schritt der Negierung der Vereinigten Staaten wird nach der Feststellung, daß die Negierung der Vereinigten Staaten sich an die Sowjetregierung in dem Augenblicke gewandt habe, wo zwischen der Sowjetregierung und der Mukden- regierung direkte Verhandlungen geführt werden, "betont, daß die Sowjetregierung, infolge dieses Umstandes den Schritt der U.S.A. nicht anders betrachten könne, als einen völlig ungerechtfertigten Druck auf die Verhandlungen. Die Sowjetregierung erklärt, daß der sowjetrussisch-mandschurisck)e Konflikt lediglich durch direkte Verhandlungen auf der Grundlage der von der Mukdenregierung bereits angenommenen Bedingungen geregelt werde, und daß sie von keiner Seite eine Einmischung in diese Verhandlungen oder in den Konflikt zu dulden vermöge. Die Sowjetregierung könne nicht umhin, ihrem Befremden Ausdruck zu geben, daß die Negierung der U.S.A., die auf eigenen Wunsch keinerlei offizielle Beziehungen zur Sowjetregierung unterhält, es für nötig erachtet, sich an sic mit Ratschlägen und Anweisungen zu wenden. Lleberraschung in Washington. Washington, 3. Dez. (Funkspruch. Reuter.) Die Antwort der Sowjetregierung auf die amerikanische Note über die Lage in der Mandschurei, hat bei den maßgebenden Beamten des Staatsdepartements Erstaunen hervorgerufen. Man begreift nicht, wie in dem Schritt des Staatssekretärs Stimmson etwas anderes, als e i n reiner Friedensschritt erblickt werden kann. Die Behauptung, daß es sich um einen nicht zu rechtfertigenden Druck handele, wird allgemein für unrichtig erklärt. ich Sie bitte, diesen Brief der Fraktion nach Erledigung der heutigen Tagesordnung zur Kenntnis ;u bringen, verbleibe ich mit unveränderter Verehrung und hochschähung Ihr sehr ergebener gez.: Walter Lambo ch." Die Abgeordneten hülser und Hartwig haben sich in der Frokfionssitzung dem Vorgehen des Abgeordneten Lambach angeschlossen. Ebenso hoben die Abgeordneten Dr. Klönne.Lejeune- Jung und Treviranus in der Fraktions- fihung ihren Austritt aus der Partei und Fraktion erklärt. — Der Landesverband Off- preußen der Deutschnationalen Volkspartei hat den G r a f e n D o h n a. der in der Berliner Börsenzeitung vor einigen Äschen einen Artikel gegen den hugenbergkurs der Partei veröffentlicht hatte, aus der Partei ausgeschlossen. Dem Ausgeschlossenen sieht die Berufung an das Parteigericht zu. Ob er davon Gebrauch machen wird, gilt als ungewiß. Zu den Austritten der deutschnationalen Reichs- tageabgeorbneten aus der Partei teilt die „Bör- f c n j e i t u n g“ noch mit: Aus bester Quelle erfahren wir noch, daß schon für den heutigen Tag und voraussichtlich auch für die nächsten Tage mit weiteren zahlenmäßig noch erheblichgrößeren Austritten zu rechnen ist. Die Auskritlsbewegung wird sichauchaufdiepreu- ßische Landtagsfraktion ausdehnen, wo zahlreiche Abgeordnete, wie Pfarrer K l i s ch, Lindner, Meier-Hermsford, bereit sind, sich den vorangegangenen Reichstagsabgeordnefen anzu- schließen. Die Zahl der zu erwartenden Austritte im Reichstag wird sich zweifellos weit über Mindest fraktions stärke (15) ausdehnen. — Wie die „D.A.Z." wissen will, werden sich im Lause des Mittwoch voraussichtlich die Abgeordneten von Lindeiner-Wildau und Dr. v. K e u d e 11 dem Vorgehen der übrigen ausgeschiedenen Abgeordneten anschließen. Dr. v. keudell wolle mit Rücksicht darauf, daß er zunächst mit seinen heimatlichen Parteiinstanzen die Lage besprechen wolle, vorerst nur die Fraktionsgemeinschaft lösen. Warum Klönne austrat. Berlin, 4. Dez. CSU.) Der Reichstagsabge- vrdnete K l ö n n e, der aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten ist, veröffentlicht in der „D. A. Z." einen „Die deutschnationale Partci- krise" überschriebenen Artikel. Darin schreibt er U.O.: Der Beschluß des Parteivorstandes gegen die Abgeordneten Hülser, Lambach und Hartwig, das Ausschlußverfahren durchzuführen, sei kein Zeichen von Stärke, es sei auch kein Beweis politischer Klugheit. Löse er doch in der Allgemeinheit die Lieberzeugung aus, daß die genannten Abgeordneten nicht wegen ihrer Erklärung, sondern wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Gewerkschaften den Ab- chied erhielten. Er, Klönne, betrachte aber die Gewerkschaften als die bestellten Vertreter der in ihnen organisierten Arbeiter, die abzulehnen er nicht berechtigt sei. Er sehe auch barübet hinaus keine Möglichkeit, ersprießliche Politik ohne oder gegen die Arbeiter zu treiben. Das möge schwierig sein: Diese Schwierigkeiten zu überwinden, fei die Aufgabe des Tages. In dieser Auffassung wisse er »sich einig mit einer beträchtlichen Zahl innerlich verantwortungsbewußter deutschnationaler Abgeordneten. Sie wüßten, daß die außen- und innerpolitische Lage zu e r n ft u n b z u schwer sei, um sich noch gefährliche Experimente der Zersetzung leisten zu können. Sie lehnten gerade angesichts der bedrohten Lage von Kultur und Wirtschaft alles Trennende ab und suchten statt d ess e n das Einigende. Ihnen schwebe _ das Ideal vor, einen großen Block bürgerlich Geltender zu formen, nicht zur Bekämpfung der Arbeiter, die sic als Bürger werteten, sondern zur Lieberwindung einer Krise der Wirtschaft, die nicht zuletzt aus marxistischer Irrlehre stamme. Sie hätten den Glauben. daß nur die Einigung des deutschen Volkes im Innern die Gewähr für die außenpolitische Befreiung geben könne. Sie wüßten, daß viele Abgeordnete anderer Parteien genau so, wie sie, gegen die Versklavung Deutschlands durch den Pvungplan seien, und daß nur der verfehlte Angriff Hugcnbergs sie in die falsche Front gedrängt habe. Es gelte aber, die richtige Front aufzurichten, die Front der Männer, die bereit seien, auf der Grundlage des heutigen Staa- t e s, auf der Grundlage der heute gegebenen Verhältnisse für ihr Vaterland zu arbeiten und zu kämpfen. Oie Nachfolge Gtresemanns. Tr. Scholz zum Führer der Tentschen Bolksparlei designiert. Berlin, 3. Dez. (WB.) Der Re ichs- aus schuß der Deutschen Volkspartei hat gestern in Anwesenheit der Vorsitzenden der Wahl- kreisverbände und unter großer Anteilnahme der beiden Fraktionen einstimmig beschlossen, daß der bisherige Vorsitzende der Fraktion der Deutschen Dolkspartei, der Abg. Dr. Scholz, zum Parteiführer gewählt werden soll. Den gleichen Beschluß faßte der P a r t e i v o r st a n b. Die offizielle Wahl wird in der am 14. Dezember stattfindenden Sitzung des Zentralvorstandes der Deutschen Volkspartei erfolgen. Oas befreite Rheinland an Hindenburg. Ein Tanktelegramm des Lberpräsidenten Fuchs. Berlin, 3. Dez. (WT2.) Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat auf das Degrühungstelegramm des Herrn Reichspräsidenten folgende Antwort gesandt: „Mit tiefer Ehrerbietung und Dankbarkeit hat die Bevölkerung das gütige Begrüßungstrle- gramm des Herrn Reichspräsidenten entgegengenommen. Leider mischt sich in die hohe Freude über die endlich errungene Freiheit das tiefe Mitgefühl mit unseren Brüdern, die nur wenige Kilometer entfernt noch unter dem Drucke der Besah ung schmachten. Möge auch ihnen bald die Freiheitsstunde schlagen und uns Rheinländern dann Gelegenheit gegeben werden, unfern Treuschwur fürs Da - t e r l a n b in die Hand unseres hochverehrten Reichspräsidenten abzulegen. gez. Oberpräsident Fuchs." Oie Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. Toch cincVeitragserhöhungzuml.Januar? Tie Stellung Moldenhauers. Berlin, 4. Dez. (Priv.-Tel.) Die im Herbst gescheiterten Versuche, die Reichsanftalt für Arbeitslosenversicherung durch eine Beitragserhöhung finanziell zu sanieren, sind in diesen Tagen mit größter Energie, wie wir von sehr gut unterrichteter Seite hören, wieder ausgenommen worden. Der Reichsarbeitsminister Wisselk und der Finanzminister H i l f e r d i n g treten angesichts der voraussichtlichen Entwicklung des Ar- beitsmarktes für eine Erhöhung der Beiträge ein, und- es scheint nun auch, daß sich neuerdings der kürzlich bestellte Aeichswirtschaftsmüüstex Wots Austritte aus der Deutschnationateu Partei. Thgrihavr >erdeen- HamDg. Wltr. Kiagent ,a Cpruna wie* Sine er In einem ocugc elne ab.^itten o-lt- em vertsbnrN ■Ä< -r° 8 k°7° 'ieK S>"s Sol cm; »upfen. uno ® Jeß^.S’ Srvachsen'. aus den Zen Mer, und a nunfl -n die dem otir die Eltern Städtchen. ' hier DuHcitpt richtig Hf« wenigstens ö< Schämt 3hr zulausen um Ich war der und dachte n Ich bin ub auch auf Met Solche betrun Mitleid veröl scheibe des E Freche Lausb Aöter weglau! Wir Elten Kinder von oder toomöQlv gisch einschre, im Interesse ureigensten ■ wissen, dah grausam uni ost erschreck, schon ein ei: Schadenfreui allem schauc bekannt. Koi ein Leiner 1 armes Iigeu Jungen dahi es nicht sehle Es ist ost Überzügen, i es nur nich unserem bes Ausgabe, de trunkener 1 Mohvls st, einige Glas gibt, seine C schöne Aatu nur bedauer Aufgabe, da Die Hoflage der Landwirtschaft in Hessen be sonders erwünscht sind. dtzn. Der größte Teil dieses Restbetrages dürste seiner beim Prä- Aus aller Welt. Reichsführertagung des wehrwolf. Die Cinwandcruugtzquote. Washington, 3. Dez. (WB.) 3n ersten 3ahräbotschaft an den Kongreß Dienstaa. 3.Dezemt?.19297n abds ganzen Welt nicht nur in Frieden lebe, sondern daß durch den Kelloggpakt eine neue Perspektive eröffnet wurde, die die auswärtige Politik aller Rationen entscheidend beeinflusse. Der Präsident kündigt den Beitritt Amerikas zum Internationalen Gerichtshof an, wobei er betont, dieser Beitritt bedeute auch nicht im geringsten einen Schritt in Richtung auf der Eintritt in den Völkerbund. Die hohen Ausgaben für die Landesverteidigung bezeichnet Hoover als außerordentlich beklagenswert. Er fordert den Kongreß auf, an der Einschränkung dieser Kosten mitzuarbeiten. Er hofft auf einen vollen Erfolg der Londoner See- konferenz, da anderenfalls Amerika während der nächsten sechs Ihre für Reubauten allein über 1 2 0 0 Millionen Dollars neben erhöhten Crhaltungskosten ausgeben müßte. Heber die Freigabe des deutschen Eigentums sagt Hoover: Der weise Entschluß, daß das während des Krieges beschlagnahmte Eigentum an die Eigentümer zurückgegeben werden soll, wird mit ziemlicher Beschleunigung durchgeführt. Bon den beschlagnahmten Werten im Gesamtbetrags von 625 Millionen Dollar ist alles bis auf 111,5 Millionen zurückgegeben wor- und politische Bedeutung. Dr. Friedrich Hiel- scher, Berlin, sprach, ausg.hrnd vom Fronterleb- nis, über den Sinn der Sendung des völkischen Menschen. Der Verfasser des vielumstrittenen Buches .Das Erbe der Enterbten", Geheimrat Böhmer. Potsdam, behandelte die soziale Frage als Frage des Kampfes der Ration um den Lebensraum, an dem ganz besonders der deutsche Arbeiter interessiert sei. Der Vortragende geißelte die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Halbheiten und Oberflächlichkeiten des herrschenden Systems, das alles Heil von einem Paneuropa erwarte, obwohl gerade ein Paneuropa unter Vorherrschaft des Finanzkapitals der Feind des deutschen Arbeiters sein müsse. Zum Schluß sprach Dundesführer Kloppe über das Thema .Wir revolutionären Soldaten". Weil die Gesinnung des Degens obgelöst sei durch die Gesinnung des Mammons, weil es im heutigen Deutschland am Beruf zur Treue und an der Opferwilligfeit für das Ganze fehle, deshalb müsse eine entschlossene nationale Minderheit die geistige Haltung revolutionieren. Geständnis des Dortmunder Mörders. Der Mörder, der in Dortmund eine Frau Kiefer in der Rächt auf der Straße erstach, der frühere Anstreicher Hugo Knelle auS Duisburg, der sich am Dienstagvormittag selb st der Polizei stellte, hat bereits bei feiner ersten Zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage Amerikas erklärt der Präsident, daß die D ö r - man die Frage weiterstudiere, vielleicht in der Richtung, daß man innerhalb der Quoten gewisse Leute bevorzuge, die nach physischen und technischen Gesichtspunkten be- senderoute einen Rückgang im Verbrauch von Luxusartikeln und sogen. Halbnotwendig- keiten zur Folge hatte und eine gewisse Zahl Arbeitnehmer stellungslos gemacht habe. Er habe infolgedessen eine freiwillige Zusammenarbeit von Bundesregierung, Länderregierungen und Gemeinden mit Handel. Wirtschaft und Arbeitnehmern organisiert und sei überzeugt, daß das Vertrauen in die Gesundheit des amerikanischen Wirtschaftslebens zurückgekehrt sei. Bezüglich der Einwanderung betont Hoover, daß er nach wie vor gegen das gegenwärtig in Kraft befindliche Quotensystem sei. Er hoffe, daß Hoovers Botschaft an den Kongreß. Die Rüstungslast. — Tie Wirtschaftskrifis. Beginn der ordentlichen Tagung stellt . sident Hoover sest. daß Amerika mit der © womemos. o neuer, o naiD pedecnt. 9 woixip. e oedecxi • negeiK * Schnee a Graupein, e mcdci K Gewitter ©windstill«.sehr «KMe» Os» nassiQe» Sudsudwesi Q stürmischer •»ordwcsl Oie »feile fliegen mit dem wmoe. Pie oeiaen Stationen stencnden Zahlen gehen die Temperatur an Die Limen verbindet» Orte mit gleichen wt neeresoiveau umgcrecnoeleo Luftdruck Wettervoraussage. Das Zslandtief hat seine Lage wenig verändert. Weitere Warmluftwcllen an der Südseite bewegen sich ostwärts und verursachen mildes, trübes und regnerisches Wetter. Noch immer wird der wechsel' hafte Witterungscharakter anhalten, wenn auch die Temperaturen durch das Zufließen etwas kühlerer Luftmassen allmählich einen Rückgang erfahren werden. Niederschläge, jedoch nicht mehr so ergiebig, treten weiterhin auf. Wettervoraussage für Donnerstag: Immer noch unbeständiges Wetter, bei wechselnder Bewölkung zeitweise Niederschläge, mild, später leichte Abkühlung. W i tt e r u n g s a u s s i ch t e n für Freitag: Noch wenig Aenüerung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 3. Dezember: mittags 8,5 Grad Celsius, abends 8,8 Grad; am 4. Dezember: morgens 10,1 Grad. Maximum 10,2 Grad, Minimum 8,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 3 Dezember: abends 7 Grad; am 4. Dezember: morgens 7,4 Grad Celsius. — Niederschlag 10,2 nun. ten bestehen. . 3. Soweit sich die Leistungen, Die Der Staat beim 3nlraftlr:ten der Reichsvcrfassung an Reli- gionsgesellscha'ten bewirft?, als solch? Staats- leistungen darstellen, welche auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtlt'.teln beruhen, sind sie bis zur Ablösung hiernach weiter zu bewirken. — Ob und in welchem Umfange diese Staatsleistungen vor Erlaß des Reichsgesehes, das die Grundsätze für die Ablösung aufstellt, etwa durch Übereinkunft von Staat und Kirche abgelöst werden könnten, ist ungewiß. 4. Der Staat glaubt, durch Leistung der Mittel, die er im Staatsvoranschlag bereitge- stellt hat, alle etwaigen Ansprüche erfüllt zu hohung des Brotpreises müsse vermieden werden. Was zur Linderung der landwirtschaftlichen Rot getan werde, sei in Hessen in weitem Ausmaße bereits geschehen. Man werde weiter tun. was möglich sei. Eine Markt- und Absatz- | Organisation sei notwendig. Dabei müßten । auch die Führer der Landwirtschaft mithelfen. Abg. Weckler (Ztr.) wendet sich gegen gewisse Auswüchse bei der Markt- und Absatzgestaltung durch Kreise des Handels und gegen Die zu hohen Pachtpreise. Er fordert eine bessere Ausbildung des Rachwuchses und eine Intensivierung der Siedlung. Abg. Schott (D.Vp.) lehnt eine Kredit- und Zuschußpolitik zugunsten der Landwirtschaft ab. Das Genossenschaftswesen sei weiter auszubauen. Der Staat müsse hier der Landwirtschaft nach Kräften helfen. Der Staat, der die Landwirtschaft schütze, schütze sich selbst. Abg. Dr. Müller (Bbd.) seht sich über Einzelfragen mit dem Minister und den Vorrednern auseinander. Es werde nichts übrig bleiben, als die Landes steuern für die Landwirtschaft zum großen Teil zu streichen. Die Landwirtschaft sei nicht steuerscheu, sondern leistungsunfähig. Er fordert für Getreide autonome Zölle. Ein Antrag des Bauernbundes, die hessische Regierung möge sich bei der Reichsregierung dafür einsetzen, daß in der Zoll-, Wirtschafts-, Handels- und Steuerpoli- t i k schleunigst Maßnahmen ergriffen werden, die geeignet lind, den drohenden Untergang der deutschen Landwirtschaft abzuwenden, wird einstimmig angenommen. Der zweite Teil des Antrages, die hessische Regierung möge im Reichsrat für d ie Forderungen der Führer der Grünen Front zugunsten der deutschen Landwirtschaft eintreten, wird mit 24 gegen 24 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokraten abgelehnt. Die Regierung erklärt aus eine kleine Anfrage des Abg. Werner (Wild), daß sie dem Landtag demnächst eine Vorlage über die Verhältnisse der hessischen Kohlenfelder unterbreiten werde. Auf eine Anfrage des gleichen Abgeordneten wird gesagt, daß nach den vom Gesamtministerium erlassenen allgemein gültigen Grundsätzen zur Errichtung von Beamtenwohnungen eine größere Anzahl von Beamten Arbeitgeberdarlehen erhalten habe; darunter seien auch Ministerialbeamte, aber nicht solche, die die Kapitalvergebung selbst leiteten. Es sei kein Fall vorgekommen, daß 60 000 Mk. gegeben wurden. Auf Vorstellung gegen den Polizeihauptmann Heine in Gießen sind von der Regierung Untersuchungen eingeleitet worden. Soweit sich ein Grund zum Einschreiten ergeben habe, sei das Erforderliche veranlaßt worden. denhauer auch bei seiner Partei, die ursprünglich jede Beitragserhöhung als eine neue Steuer- Belastung kategorisch ablehnte, für diese ein* setzt. Man will noch in dieser Woche beim Reichs- iabinett eine entsprechende Vorlage durchsetzen, die aber nur für einen tutjen Beitraum befristet sein soll. Entweder soll schon im Rahmen der Erledigung der Finanzreform oder in spätestens einem halben Jahr eine Neuregelung erfolgen. Es ist anzunehmen, daß die Beitragserhöhung 0.5 Prozent — und nicht 0.75 Prozent — betragen wird, da man mit der dadurch einkommenden Summe das Defizit der Versicherung glaubt decken zu können. Cs wird mit einem Gesamtfehlbetrag von etwa 200 Millionen in der Zeit vom 1.Januar bis 31. März 1930 zu rechnen fein, wenn nicht die Beitragserhöhung durchgeführt wird, da die Reserven der Reichsanstalt in diesen Tagen auf- gebraucht sind. Die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Mahnungen der Statistik. Darmstadt, 3. Dez. (Wolff.) Der Staats- Präsident hat dem Landtag eine Verein« fcarung zwischen dem Staate und der Evangeli- scheu Landeskirche in Hessen unterbreitet. 3n der Vereinbarung wird u. a. gesagt: Artikel 1. 'Wegen der S t a a t s l e 1 st un- gen die der Volksstaat Hessen im Staatsvoranschlag für die Evangelische Landeskirche rn Hessen bereitgestellt hat, herrschen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Staate und der Kirche. Es besteht folgende Sach- und Rechts- Haben, welche die Kirche stellen formte. Die Evangelische Landeskirche glaubt dementgegen Mehrleistungen beanspruchen zu können. 5. Da die Rechtslage nicht vor Ausstellung der Grundsätze endgültig klarg:stellt sein wird, die dem Reich nach der Reichsverfassung Vorbehalten ist, haben Staat und Kirche den Wunsch, sich für die Zwischenzeit auf einen modus vivendi zu einigen, dem sich zeitweilig zu unterwerfen, sie bereit sind. Staat und Kirche vereinbaren hiernach, was folgt: Artikel II. Für die Zeit vom 1. April 1925 an sott durch Schiedsspruch festgestellt werden, welche Leistungen der Staat alljähr- lich an die Evangelische Landeskirche in Hessen zu gewähren hat, während für die frühere Zeit Ansprüche beiderseits nicht erhoben werden. Der Schiedsspruch wird von fünf Schiedsrichtern gefällt. Der Staat und die Kirche ernennen je zwei Schiedsrichter. Heber den Vorsitzenden werden sich Staat und Kirche einigen. Der Schiedsspruch ist auf Grun'd des bestehenden Rechtes nach bester Uelerzeu- gung der Schiedsrichter 51 fällen. Da die Wirksamkeit des Schiedsspruches indessen zeitlich be- grei zt und inhaltlich beschränkt ist, soll in solchen Fragen, bei deren rechtlicher Würdigung 5.Dar eine Mehrheit der Schiedsrichter einem bestimmten Urteil z meigt. gleichwohl aber selbst innerhalb dieser Mehrheit an der rechtlichen Richtigkeit ihres Urteils noch Zweifel übrig bleiben, eine Entscheidung nach Billigkeit nicht ausgeschlossen sein. Zn einem solchen Falle müssen sowohl die Verhältnisse des Staates wie- die DerMtnisse der Kirche in billiger Weise berücksichtigt werden. Der Schiedsspruch ist endgültig. Er kann in einem zweiten Rechtszuge nicht angefochten werden. läge: 1 Rach Artikel 138 der Verfassung des Deut- schen Reiches werden die auf Gesetz, Vertrag oder bcsonderen Recht, t teln brruhenden Staats- leistungen an die ReligionögcsellsHaften durch die Landesaesetzgebung ab gelöst. Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf, und zwar durch Reichsgeseh. Dieses Reichsgesetz ist noch nicht erlassen. 2. Dis zum Erlaß des vorbehaltenen Reichs- gesehes bleiben die bisherige n auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Recht Titeln beruhenden Staatsleistungen an die Reftgionsgesellschaf- Staat und Kirche in Hessen. Eine vorläufige Vereinbarung über die finanziellen Leistungen des Staates an die Evangelische Landeskirche. Vernehmung ein umfassendes Ge st änß- n i s abgelegt. Heber die Tat machte et folgende Angaben: Er habe nicht beabsichtigt. Frau Kiefer zu töten. Er habe die Frau wirllich geliebt und sei sehr eifersüchtig gewesen, als er erfahren habe, daß sie auch anderen Männern nicht unzugänglich war. Das Messer habe er sich aus einer Lederhandlung gekauft, um sich vor Angriffen der Anhängerschaft der Frau Kiefer zu schützen. Am Abend vor der Tat hatte der Mörder und Frau Kiefer in mehreren Gastwirtschaften der Stadt dem Alkohol reichlich zugesprochen. Knelle Witt zur Zeit der Tat sv betrunken gewesen fein, daß er- nicht gewußt habe, was er tat und im Streit einfach zuge stoßen habe. Die Leiche im Auto. Dor einigen Tagen wurde auf einer Landstraße bei Regensburg ein vollkommen ausge- brannterOpel-Zweisitzer mit ter völlig verkohlten Leiche eines Mannes aufgefunden. Es wurde festgestellt, daß der Opelwagen dem Kaufmann Kurt Erich Tetzner aus Leipzig gehörte. Die polizeiliche Untersuchung ergab, daß Tetzner offenbar von einem Unbekannten, den er zur Mitfahrt in seinem Auto ein- gelasfen hatte, hinterrücks ermordet worden war. Jetzt fyat der Fall eine ebenso überraschende wie einzigartige Aufklärung gesunden. Rämlich: Richt Tetzner, sondern der unbekannte Mitfahrer soll der Ermordete fein, Tetzner hatte vor vier Wochen eine Lebensversicherung zugunsten seiner jungen Frau abgeschlossen. Um seine Frau in den Besitz dieser Summe z.i setzen, hat er nach der These der Polizei offenbar einem Landstreicher zu einer Mitfahrt eingeladen und dann ermordet um) im Auto verbrannt. Tetzner soll in das Ausland geflüchtet sein. Furchtbare Bluttat. Ein furchtbarer Massenmord, dem sieben Menschen zum Opfer fielen, wurde in dem Dorfe Pierustfütz im Kreise Pieschen verübt. Die Familie des jugendlichen Dauern Ezeslaw Ko- neczny widersetzte sich dessen Heirat mit der Schwester eines deutschen Lehrers. Der Bauer drohte wiederholt, sich an seiner Familie furchtbar rachen zu wollen. 3n der Rächt zum Montag drang er erst in das Schlafzimmer seiner 48jährigen Mutter ein und spaltete ihr mit einem furchtbaren Axthieb den Kopf. Dann erschlug er seine 24, 22 und 18 Jahre alten Brü - I der und zuletzt die 18 und 7 Jahre alten Schwestern. Rur ein 20jähriger Bruder erwachte rechtzeitig und flüchtete. Aber auch ihn holte der Mörder ein und schlug ihn nieder. I Er liegt lebensgefährlich verletzt im Pleschener Krankenhaus und dürfte ebenfalls sterben. Der Mörder wurde fest genommen. 3n München wurden zwei Mensurböden auvgehoben. Die Münchener Polizei hat mit einem starken Aufgebot den Mensurboden ter Angehörigen des R u - dolstädter S.C., den diese im Kreuzbräu an der Drunnstraße hatten, ausgehoben. In gleicher I Weise wurde gegen Angehörige detz N a u m bürge r S. C. im Münchener Wassenring, die im 21 r 3» berger Keller ihre Mensuren ausfechten, vor- geaangen. Die Namen der auf den Fechtböden An- I wesenden wurden polizeilich festgestellt und das Fechtzeug beschlagnahmt. Born Schnellzug überfahren. In Audenarde (Belgien) wurde ein Fuhr- I werk, das einen ungeschützten Dahn- I Übergang passieren wollte, wurde von einem heranbrausenden Schnellzug erfaßt. Don den 3n» I fassen wurden drei Personen einer Familie g e - I tötet, die zu einem Fest fahren wollte. Die Wetterlage. 3n Braunschweig fand eine a us allen deutschen Gauen gut besuchte Tagung des Wehrwols statt, die nach einem Kameradschaftsabend und internen _______ . Beratungen eine öffentliche Kundgebung im während des nächsten 3ahres erstattet werden. ..Hofjäger" veranstaltete. Aus ihr sprach Landes- ~ " * ' ' ~ führet Hambrock, Hamburg, über das Deutschtum im AuSlande. seine kulturelle, wirtschaftliche Berlin, 4. Dez. (Priv.^Tel.) Gegenüber dem Vorjahr zeigt die aussteigende Kurve der diesjährigen Winterarbei'.slosigkeit ein Mehr um etwa 250 000 Hauptunter st ützungs- empfängern. Es zeigt sich nun aus Grund eingehender Untersuchungen der Fah-eute, und mit einigen Abweichungen auch des 3nstitutes für Konjunkturforschung, daß diese Spanne ungefähr dem Zugang an Erwerbstätigen, die in diesem 3ahr den Arbei.s.narkt neu belast e t haben, en.spricht. Das Konjunkturmstilut macht nur insofern eine Einschränkung, als es Die Erwerbstätigen unter 18 Jahren, also die Lehrlinge usw. nicht mitzählt, und dadurch berechnet, daß die Wirtschaft rund 140000 Arbeitskräfte aufnehmen konnte. Aber ohne diese Einschränkung ergibt sich die sehr ernste Tatsache, daß der Reu- zuwachs an Arbeitskräften nicht mehr glatt vvn der Wirtschaft aufgenommenwerden konnte, und jetzt beim Ansteigen der Winterarbeitslosigkeit die Spanne gegenüber dem Vorjahr um mehr als 230 000 Hauptunterstützungs- empfänger vergrößert. Auch die letzte amtliche Aufstellung uoer die deutsch Uederseeauswanderung im ersten Halbjahr 1929 ergibt im wesentlichen ein 1 ähnliches Bild. Trotz der ernsten Lgge der XXltWtuy« Landwirtschaft sind im ersten Halbjahr n v m rt x t q tv» Vräsitvnt Delo teilt mit 1929 aeaenüber dem Donahr weniger Aus« Darmstadt, 0. Dez. prapdenr D e i p lein mu, Wanderer aus diesem Berufszweig zu ver- daß der Aeltestenrat die Redezeit für Fraktionen ®Jaeaim ift bei einem geringen Rück- auf drei Viertelstunden, für Nicht frafhonsftarte gang der Auswanderung überhaupt ein An- aus 20 Minuten festgesetzt ^€" tr, zt rfx t o n f ü r i o industriellen Berufe Ein M ißtrauensvotum der Kommunisten und^auS dem Gebiet des Handels und Verkehrs gegen die Gesamtregierung ^egen ihrer Haltuntz zu beobachten. Auch das bedeutet, daß die Wirt- bei der Arbeitslosenversicherungsreforni wird bei schäft, di? ja zuerst den Zuwachs an Erwerbs- Stimmenthaltung der Volkspartei und der Deutsch- Äm" ö "^ün. 6‘aSnatiDn am SOti' StUbu" sJoV'loWmon™ " zont auftaucht. mark für die Landwirtschaft. Es könne Um den Fünfuhrladenschluß am eher einmal ein großer Industriebetrieb ein ober zwei Ähre stilliegen, als daß die Landwirtschaft als •ÖCUlyQvCilv. 1 Nahrungsmittelproduzent völlig lahmgelegt werde. (Berlin, 3.Dez. (VDZ.) Der S0zialp0li- Abg. Glaser (Bbd.) verlangt schnellste Deranla- tische Ausschuß des Reichstags ver- guna zur Reichseinkommensteuer für 1929 unter handelte über Anträge verschiedener Fraktionen, Berücksichtigung der großen Dürre des Jahres 1929. die für den Heiligabend den gesetzlichen Fünf- Die Lage der Bauernschaft sei bei ber ßem Uhr-Ladenschluß fordern. Während der schenden Preisentwicklung für landwirtschaftliche Aussprache zeigte es sich, daß in allen bürger* Produkte katastrophal. Durch unsere Zollpoli- lichen Fraktionen die Ansichten in dieser Frage tik sei die Landwirtschaft an das Ausland verraten auseinandergehen. 3m Ausschuß wurde und verkauft worden. Der P 0 le n ve r t r a g sei ein insbesondere betont, daß es vielleicht nicht oppor- neuer Schlag. Auch er wisse nicht, was man der hm sei, die Frage des Fünf-Uhr-Ladenschlusses Landwirtschaft zum vorzugsweisen Anbau empfeb- am Heiligabend gesetzgeberisch vorwegzu- len solle. Das Einkommen der Bauern sei das med- nehmen, ohne die allgemeine Verabschiedung rigfte im ganzen Land. ~ des dem Reichstag vorliegenden Arbeits- Abg. Lux (Soz.) fordert zur Abhilfe der Agrar- schuhgesehes abzuwarten. — Rach längerer krise eine Stärkung der Kaufkraft der Verbraucher- Beratung vertagte sich der Ausschuß auf schäft. Für Deutschland, das auch zum großen Teil Mittwoch, ohne Beschlüsse zu fassen. ein Industrieland sei, seien Hochschutzzölle jur die __________ Landwirtschaft unmöglich. Helsen könne nur ein Aus- ___ bau des Genossenschaftswesens zur Beseitigung eines Die Unterbringung der Rußlandfluchnlnge etwa vorhandenen überflüssigen Zwischenhandels. 'Bci-Iin 3 -Dor ( L X- Von diesem Schreibtisch aus leitete schon mein r CIGARETTEN 1 ,«((((! n tiriÄk M i bie Cigarette ber neuen, 'Raud^ens .......................«ül-tUUMWWWM RMträSealeiioaipaeiLeet aad FetU* dta RauaK* <*d c tlbiU-ck /a< j*.» n»1 - M - . -k Wer ein Auto kauft, sieht nicht nur auf die Schönheit und Eleganz der Karosserie. Die Maschine, die technischen Einzelheiten sind unbedingt wichtiger . . . . Fragen Sie einen Sachverständigen; er wird Ihnen bestätigen, daß der Opel 8 PS ein schnell und sicher fahrender Wagen ist, der zahlreiche technische Vorzüge aufweist. Sein Brennstoffverbrauch ist gering; seine Dauerhaftigkeit verdankt er der Verwendung erstklassigen Materials. Aber auch die Schönheit seiner Linienführung entzückt jeden Beschauer. Dabei ist der Opel 8 PS der billigste 6 ZylinderWagen Deutschlands. KLUGE KOPFE KAUFEN .... 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Aber nicht nur die Herrenhosen, — alles an diesem See ist frisch gebügelt: der glatte Wasserspiegel. die in korrekten Falten herabhängenden Berge, sogar die Gesichter der Vorübergehenden sehen so unbeschreiblich wohlsoigniert aus, als kämen sie direkt aus dem Schaufenster eines Modehauses. 3ch habe eine armselige ausgeblichene Windjacke auf dem Arm, aber unwillkürlich trage ich sie wie einen kostbaren, seiden- gefütterten Covercoat, und auch mein Schritt nimmt den sorglos tändelnden Gang aller dieser höheren Wesen an, die wie hinter Glasscheiben in der ewig windstillen, staubfreien, wohltemperierten Lust von Zentralheizung und Bankguthaben leben. Merkwürdig, da bin ich nun dem Norden, dem Nebel, dem Novemberregen entflohen, habe hier alles, wonach ich mich sehnte: Sonne, blauen Himmel, blauen See, — und nun werde ich plötzlich verlegen, vor dieser allzublarcken, allzu» polierten Schönheit des Südens, mich packt ein leises, ganz leises Heimweh nach den rauhen Stürmen, den nordischen Wäldern. Da hält ein großes graues Auto dicht vor mir auf der sonnenbeschienenen Piazza, ein Herr mit luftiger grüner Kappe und rotem Gesicht winkt mir vergnügt zu: ,Kommen Sie mit, nach Fusio!" Jetzt erkenne ich den guten Doktor, den Chirurgen, der hier seinen Urlaub verbringt. Gott segne diesen lieben, nicht nur liebenswürdigen Mann, der mir vom Himmel plötzlich geschickt Starker Staat - gesunder Staat. Don Or. K. Hildebrandt. Wenn sich heute die Augen vieler Menschen sehnsuchtsvoll in die Vergangenheit richten, dann geschieht das, weil sie sich dort die Anschauung eines starken, über den Parteien und Berufswesen stehenden Staates vermitteln können. Die Umwälzung des Jahres 1918 hat eine gewaltige Macht st ärkung der parlamentarischen Bureaukratie mit sich gebracht. Es ist unnötig, die nachteiligen Folgen dieses Systems im einzelnen zu schildern. Die Regierungsgewalt im heutigen Deutschland ist schwach geworden. Sie ist überdies abhängig von den Parteien, die die Mehrheit einer Regierung im Parlament bilden. Sie ist deshalb gezwungen. Rücksichten zu nehmen, die das sachliche Maß weit überschreiten. Das alles geschieht zum Schaden der sachlichen Arbeit und bedingt einen Niedergang des politischen Lebens in Deutschland, der gepaart ist mit dem steigenden Unwillen großer Teile der Bevölkerung. Die Anklagen richten sich dabei häufig gegen das parlamentarische System als solches, und man sucht eine Abhilfe dadurch zu erzielen, daß man sich um die Loslösung der Minister vom Parlament bemüht. Die Reichsverfassung kennt neben dem Parlament noch ein anderes aus der Bolkswahl hervorgegan- genes Organ, nämlich den Reichspräsidcn- t e n. Seine Macht gegenüber dem Parlament zu stärken, hat sich eine Bewegung zur Aufgabe gesetzt, die ihren Niederschlag seinerzeit in dem nicht durchgeführten Volksbegehren des Stahlhelm gefunden hat. Um den richtigen Ausgangspunkt für alle Erörterungen dieser Art zu gewinnen, erscheint es aber erforderlich, die in der Weimarer Verfassung dem Reichspräsidenten zugebilligten Rechte in klarer Darstellung dem ganzen Volke zum Bewußtsein zu bringen. Dieser Aufgabe hat sich der Bund zur Erneuerung des Reiches in der von ihm vor Monaten bereits angekündigten und nunmehr veröffentlichten Schrift „Die Rechte des deutschen Reichspräsidenten nach der Reichsverfassung" unterzogen. Auf wenig mehr als 100 Seiten wird eine gemeinverständliche, von allem juristischem Beiwerk entkleidete Darstellung des ganzen Fragenkomplexes gegeben, wozu noch eine äußerst lehrreiche Unter» suchung über die Entwicklung des Präsidentenamtes in den Vereinigten Staaten von Amerika gefügt ist. Diese Schrift ist so gefaßt, daß jeder politisch interessierte Deutsche sie ohne weiteres zur Hand nehmen kann. Ihre Bedeutung beruht darin, daß sich ein Kreis überparteilicher Persönlichkeiten zu einer Auffassung durchgerungen hat, die geeignet erscheint, auch diese wichtige Frage unserer innerpolitischen Zukunft dem Streite der Parteimeinungen zu entrücken und auf das sachliche Gebiet zurückzuführen. Die Schrift geht von dem Grundgedanken aus, die Absicht des Gesetzgebers zu erforschen und somit den eigentlichen Sinn der Weimarer Verfassung wieder herzustellen, der durch die parteipolitischen Einflüsse im Laufe der letzten zehn Fahre nur allzu häufig verfälscht worden ist. Es wäre natürlich völlig abwegig zu behaupten, daß die Rechte des Reichspräsidenten auch in der bisherigen Uebung bedeutungslos seien. Die beiden ersten deutschen Reichspräsidenten, Ebert und Hindenburg, haben mehrfach Beweise des Gegenteils geliefert. Man denke beispielsweise daran, daß Hindenburg im Interesse der sachlichen Arbeit einmal eine Reichstagsauflösung gegen den Willen des Reichstages hinausgeschoben hat, damit vorher noch eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer Arbeiten erledigt wurde. Wohl aber hat sich durch den Einfluß der Fraktionen bei der Regierungsbildung eine Uebung herausgebildet, dll dem Sinn der Reichsver- fassung nicht entspricht. Die Weimarer Verfassung hat durch das Recht der Ernennung des Reichskanzlers sowie der Beamten und Offiziere dem Reichspräsidenten eine Initiative verliehen, deren sachliche Bedeutung schwerlich überschätzt werden kann. Gewiß ist es richtig, daß der Reichspräsident zu diesen Akten der Gegenzeichnung des Reichskanzlers oder eines verantwortlichen Reichsministers bedarf. Aber es steht nach der einhelligen Ansicht aller Kommentatoren der Verfassung fest, daß der Reichspräsident ohne weiteres in der Lage ist. sich durch Ernennung einer ihm genehmen Persönlichkeit die erforderliche verantwortliche Gegenzeichnung zu beschaffen. Nimmt man hinzu, daß der Reichspräsident das Recht der Auflösung des Reichstages hat, so begreift man. welchen starken Einfluß er auf die Gestattung der Dinge zu nehmen in der Lage ist. Selbstverständlich kann ein aus der Volkswahl hervorgegakigener Reichspräsident sein Amt nicht auf die Dauer gegen den Willen der Mehrheit des Volkes führen.'Das würde dem Sinn der demokratischen Verfassung widersprechen. Wohl aber hat er die Möglichkeit, durch seine Stellung und feine Rechte ganz starke Antriebe im politischen Leben der Nation zu geben. Daß diese in der kommenden Entwicklung gegenüber einer vielfach entarteten Parlamentswirtschaft mehr zur (Bettung kommen, ist nicht nyr eine staatspolitische Notwendigkeit, sondern auch eine Erfüllung des gesetzgeberischen Willens. Dabei darf auch nicht übersehen werden, daß die Reichsverfassung dem Reichskanzler in der Stellung zu seinen Ministerkollegen eine besondere Bedeutung zuweist: Er ist es nämlich, der die Richtlinien der Polttik bestimmt. Er ist ebensosehr der Vertrauensmann des Reichspräsidenten wie der des Parlaments. Dank der Rechte des Reichspräsidenten hat es der Kanzler in der Hand, im Zusammenwirken mit der höchsten Spitze des Staates über das Parlament hinaus der Appell an die Wähler zu richten. Diesen Grundgedanken der Weimarer Verfassung gilt es erst einmal zum politischen Leben zu erwecken. Hierzu ist es aber erforderlich, daß das Bewußtsein der hohen Stellung des Reichspräsidenten und feiner weitgehenden Einwirkungsmöglichkeiten im ganzen Volke lebendig gemacht wird. Die Autorität Hindenburgs ist auf Grund feiner Persönlichkeit über jeden Zweifel erhaben. Worauf es anfommt, ist. in den breitesten Schichten der Bevölkerung eine Vor- stellung von der Bedeutung des Amtes als solchen und der damit verbundenen Rechte zu er» zeugen. Daß dies geschieht, liegt im Interesse der Gesundung unseres staatlichen Lebens, die nur auf der Grundlage der Schaffung einer starken Staatsgewalt geschehen kann. MepolitischepWognomie des polentums Eine Eharakierstudie. Don unserem v. N.-Berichterstatker. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?) Warschau, Ende November 1929. Die Wesensart des polnischen Menschen, soweit sie sich in seinem politischen Gebaren kundtut, kann, summarisch genommen, durch drei Schlagworte gekennzeichnet werden: Konspirativ, mißtrauisch und egozentrisch. Das klingt wie ein feindseliges Werturteil und soll doch nichts anderes sein als eine Feststellung, die vielleicht zu besserem Derständnis einer für den Mitteleuropäer unbegreiflichen Haltung führt. Nicht subjektive Kritik oder nationales Pharisäertum, sondern ein Deutungsversuch — ein Versuch, in groben Umrissen historische Belastungen aufzuzeigen, um heutigen Erscheinungen leichter gerecht zu werden. Erst wenn wir die Aeuherungen der uns wesensfremden polnischen Mentalität nach ihren und nicht nach unseren Maßen messen (d. h. wenn es uns gelingt, in die p o l i* tische Dorstellungswelt der Polen einzudringen), goto innen wir bei Berührung und Abwehr den überlegenen Standpunkt. Um so inefjr, als gerade der Pole dazu niemals fähig ist, sondern selbstgebunden stets nur von sich auf andere schließt und dem Gegenpart unbewußt die eigene Gesinnung unterstellt. Auf dieser verkehrten Grundlage ruht u. a. die Gesamtheit der polnischen Minderheitenpolitik — womit der Kernpunkt dieser Erörterung bereits angedeutet sei. Das ausgesprochen „Konspirative" im polnischen Volkscharakter äußert sich darin, daß die Begriffe Politik und Verschwörung sich nicht nur gelegentlich überschneiden, sondern einfach zusammenfallen. „Politik machen" bedeutet schlechthin wühlen, anzetteln, aufwiegeln, mit geheimnisvollen Mitteln geheime Ziele verfolgen. Polnisch gesehen, gehört zu jeder Art Politik Finsternis, oder doch wenigstens geheimnisvolles Halbdunkel. Klarheit, Eindeutigkeit, Offensichtlichkeit stehen demnach in so krassem Gegensatz zum politischen Grundprinzip, daß sie nur als Gipfel der Verschlagenheit aufgefaht werden können. Der Gedanke, daß eine Angelegenheit sich tatsächlich so verhalten dürfte wie sie sich darstellt, daß jemand sagen könnte was er meint, oder handeln wie er angibt, liegt außerhalb aller „vernünftigen" Erwägung. Zeder innerpolitische Kleinkram — bis hinauf zu entscheidenden Parteikämpfen und parlamentarischen Auseinandersetzungen — unterliegt dieser eigentümlichen Zwangsvorstellung und wird dadurch ebenso sehr verzerrt wie verdunkelt. Gewiß pflegen auch in anderen Ländern Staatsmänner und Parteien ihre Pläne nicht wahllos der Oeffent- lichkeit preiszugeben, doch was dort Zweckverfahren bleibt, ist hier traditioneller Grundsatz. Sowohl Voraussetzung wie Folge einer konspirativen Mentalität ist das Mißtrauen, lind praktische Auswirkung dieses überspannten Mißtrauens muh wieder Hinterhältigkeit, Reizbarkeit, vor allen Dingen aber Furcht sein. Furcht erzeugt Gespensterseherei und unaufhörlichen Kampf gegen eingebildete Ränke. Es gibt Menschen, die — ohne an Verfolgungswahn zu leiden — stets überbereit sind, umzudeuten, übel» zunehmen, sich ihrer Haut zu wehren. Die aus Angst vor Angriffen selber zum Angriff schreiten. Der Psychiater erblickt darin den Ausfluß böser Iugendeindrücke oder einer zwiespältigen, unsicheren, an verborgenen Minderwertigkeitskomplexen krankenden Natur. Das Polentum in seiner Gesamtheit zeigt das typische Bild solcher „Seelenstörung", und beide psychischen Deutungen treffen zu. Zum Beleg dieser Behauptung sei vor allen Dingen festgestellt, daß die Polen als Westslawen den Uebergang von östlich - astatischer Wesensart zu abendländischer Lebensauffassung und Kultur bilben. 3n ihnen — wie in der europäisierten russischen Oberschicht — bekämpfen und reiben sich zwei von Grund aus verschiedene Welten. Sie befinden sich in einer geographisch gebundenen Zwitterstellung, aus der es kein restloses Herüber oder Hinüber gibt. Diese Zwitterstellung ist es, di»e die Entwicklung einer instinktsicheren, innerlich freien und gefestigten Volkspersönlichkeit lähmt. Durch Jahrhunderte der Nachbarschaft und engen Berührung mit dem tatarisch beeinflußten Moskowitertum haben sich Eindrücke und Vorstellungen festgesetzt, die keine Zeit zu tilgen vermag. Als etwa der falsche Demetrius — wenige Jahre nach dem Tode 3wans des Schrecklichen — mit polnischer Hilfe den Zarenthron erschlich, als die polnisch-russische Grenze in unzähligen Kämpfen und Friedensschlüssen hin und her verschoben wurde, herrschte in Moskau noch der unverfälschte tatarische Geist: Mißtrauen aller gegen alle, Angeberei, Spitzel- tum und Provokation. Ein „Tschekismus" unter anderem Namen, doch dem heutigen verwandt wie Ahn und Enkel (wobei die „Ochrana" des kaiserlichen Regimes das Zwischenglied bildet). Das Zntrigenspiel im polnischen Königreich, mit allen seinen politisch-parlamentarischen Auswirkungen und Begleiterscheinungen, war, in mancher Beziehung eine europäisch übertünchte — oder sagen wir verfeinerte — Abart der russischen Zustände. 3n späteren Zeiten der Petersburger Herrschaft über Kongrehpolen erhielt der konspirative Zug schärfste Vertiefung und entwickelte sich zur nationalpolitischen Methode. 3n der Konspiration lag die einzige Detäti- gungsmöglichkeit, und die Polen gewannen den nicht unverdienten Ruf, die geistigen Führer und Grundpfeiler jeder politischen Verschwörung zu sein. Unter den politisch fanatisierten russischen Studenten standen die Polen in erster Reihe, und auch Marschall Pilsudski, wie sein Bruder, wurden als Hörer der Charkower Universität — wegen Geheimbündelei und revolutionärer Umtriebe — nach Sibirien verbannt. Mit den alten Führern hat sich die durch Generationen geübte Tradition auf den jungen polnischen Staat übertragen. Nur mit wird, um mich für einige Stunden in den Norden zu entführen. Kaum sind wir auf der großen Straße, springt der Kilometerzeiger auf 60, 80, 90. Wir rasen das Vedeggiotal hinaus, überqueren den Ceneripatz, senken uns in Serpentinen zum Ticino. Da leuchtet schon die blanke Spiegelscheibe des Lago Maggiore auf, Locarno rollt vorüber, das wundervolle Tal der Maggia öffnet sich. Wir sind aus dem Sommer in den Herbst angelangt. Und welch ein Herbst! In allen Schattierungen von Goldgelb bis Bronzebraun und Kupferrot leuchten die Kastanien- und Buchenwälder, die Kirschbäume und Ebereschen an den steilen Felswänden. Zum Greifen nah in der durchsichtigen Luft, und doch unnahbar, türmt sich das Gebirge in immer gewalt g.ren Formationen, spitzen Zacken und stumpfen Kuppen in den gläsernen Himmel. Weiße Wasserfälle hängen wie Bänder an nackten dunklen Granitwänden herab: sie stürzen nicht, sie gleiten langsam, zögernd, und, wie es vom keuchenden Auto aus erscheint, fast lautlos in die Tiefe. Dörfer mit engen Straßen, verwitterten Häuserfassaden, hochgereckten Kirchtürmen und kühn geschwungenen steinernen Brückenbögen ziehen malerisch wie Theaterkulissen vorüber. 3n immer steileren Serpentinen windet sich die Straße hinauf. Bei jeder Kehre muß der lange Wagen ein wenig zurückrollen, um die Kurve zu nehmen, und diese Augenblicke sind nicht ganz gemütlich, weil ich hinten sitze und fast über dem Abgrund hänge. Aber die Hand, die das Operationsmesser sicher zu führen weiß, lenkt auch den Wagen mit Millimeter-Genauigkeit am Rand des Abgrundes vorüber. Und nun sind wir oben, in Fusio, dem höchsten Gebirgsdorf. Schiefergrau, mit nackten Steinmauern, die nur lose zusammengelegt scheinen, und flachen Dächern aus Granitplatten, hängt dieses Gewirr von Häusern, die eher wie Höhlen aussehen, angekrustet am Felsen über dem Tal. Hier endet die Straße, die Welt. Wir lassen das Auto bei der Drücke stehen und wandern die Gasse bergauf. Schwarze, vertrocknete Weiblein mit riesigen Dlätterhaufen in spitzen Tragkörben auf den gebeugten Rücken wandeln wie Gespenster zwischen den zerbröckelnden Mauern. Die Gasse verengt sich zu einem Rinnsal, das Rinnsal mündet auf einen gewaltigen Düngerhaufen, über dem, in ernsthafter Aufschrift an der Hausecke zu lesen steht: „Piazza Helvetia". 3n der schummrigen feuchten Kirche riecht es nach Wachs, nach kaltem Weihrauch, bitterer Armut und inbrünstigem Glauben. Auf der hölzernen Dank liegen zerlesene, zerfetzte Gebetbücher. Neben dem braunen Beichtstuhl steht ein heiliger Antonius, ihm zu Füßen hocken zwei rosige Schweinchen, die unbeschreiblich vergnügt zu ihm aufblicken. Wir wandern aufwärts durch richtigen, wirklichen Tannenwald. Eisiger Nordwind weht von den Höhen. Weiße Zacken und schimmernde Fime tauchen über den braunen Bergrücken auf: wie Taschentücher, die man über einen Stock gespießt hat, fallen die Schneehänge im Faltenwurf herunter. Und hier, im Schatten einer Tanne, liegt ein Häufchen Schnee, wirklicher Schnee. 3ch presse ihn an mein Gesicht, ich rieche ihn, und es ist mir, als wäre ich heimgekehrt nach langer Wanderung aus den Tropen. Schnee, Schnee, Sonne, — bald schnalle ich mir die Bretter wieder an und kehre zu euch zurück! 3eht aber trägt mich das Auto in schneller Fahrt aus dem Winter des Hochgebirges durch den Herbst des goldbraunen Maggiatales zurück an den sommerlichen Luganer See. Lichter funkeln am Himmel, Lichter funkeln auf dem Salvatore, — Sterne und elektrische Lampen mischen sich zu einem flimmernden Strahlenmeer, in dem, wie eine ungeheure Lichtreklame oder wie eine erstarkte Rakete die Feuerlinie der Funikulare stell in den Himmel steigt. Vach dem Kuß — gurgeln! Regeln für die notwendige Hygiene beim Küssen sind von dem Gesundheitsamt des Staates Kansas in Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten ausgestellt worden. Allen Anhängern dieser beliebten Tätigkeit werden zunächst die Gefahren der Uebertragung von Bazillen und die Möglichkeiten der Erkaltung beim Erhitzen vor Augen dem Unterschiede, daß die heute herrschenden Elemente bei ihren wirklichen oder eingebildeten Feinden (inner- wie außenpolitisch) die gleichen Kampsmethoden und die gleiche Geisteshaltung voraussehen. So ist es vor allen Dingen zu erklären, daß daS nach Aufständen, Kämpfen und Intrigen zur Freiheit gelangte polnische Staatsvolk den nationalen Minderheiten mit überspanntem Mißtrauen begegnet und jede harmlose Handlung — durch die Brille der eigenen Mentalität — in Hochverrat oder doch mindestens verkappte Böswilligkeit umzufälschen sucht. Dieser Fälschung ist sich der Pole, in der großen Mehrzahl der Fälle, gar nicht bewußt und man tut ihm unrecht, wenn man ihm „besseres Wissen" unter- stellt. E r glaubt fest daran, daß jeder Ukrainer oder Deutsche unermüdlich an der Vernichtung Polens arbeitet - - weil er es in der umgekehrten Lage selber tun würde — und er glaubt ebenso daran, daß jede Minderheitenorganisation eine Verschwörerzentrale ist. Die Verfolgung, Unterdrückung und Bespitzelung der Fremdstämmigen hält er für zwingend gebotene Abwehrmahnahmen gegen gefährliche Mächte. Haussuchungen, Verhaftungen, Schnüffeleien sollen dazu dienen, die stets erwartete und doch nirgends gefundene Konspiration gegen den polnischen Staat endlich aufzudecken. Daß der Deutsche, seiner ganzen Veranlagung und Erziehung nach, zum Verschwörertum unfähig sein könnte, kann ein echter Pole (der überall nur sein eigenes Spiegelbild sieht) njcht fassen. Der verstorbene Reichsauhenininister Dr. Strese- mann war in polnischen Augen ein versteckter ^Imperialist. Militarist und Gewaltpolitiker, der nur zu früh starb, um seine kriegerischen Retz anchepläne durchzuführen. Er mußte das fein, weil es jeder Pole an feiner Stelle gewesen wäre. 3eder Deutsche in Polen ist ein heimlicher Pionier und Wegbahner des Vernichtungsfeldzuges, jede deutsche Siedlung ein Stützpunkt der feindlichen Heerscharen. Als Parallele sei daran erinnert, daß die russischen Behörden im Weltkriege die Tennisplätze auf den deutschen Guts- Höfen ernstlich für vorbereitete Landungsplätze für deutsche Kampfflugzeuge hielten und ihre unglücklichen Besitzer in die östlichen Gouvernements verschickten. Als man im Reich von der Verhaftung der drei Berliner Studenten und der gegen sie erhobenen Spionageanklage hörte, war man von der Unsinnigkeit des polnischen Vorgehens, schon rein gefühlsmäßig, fest überzeugt. Mit Recht natürlich. Doch in Polen glauben gebildete Leute auch heute noch an das Märchen von den „Kundschaftern des deutschen Generalstabs". Wenn wir nämlich gewohnt sind, Studenten für harmlose junge Leute zu halten, so ist der Pole — bei der Ueberpolitisierung feiner eigenen 3ugend — ebenso gewohnt, in Hochschüler, Pfadfinder oder Turner geradezu den fleischgewordenen politischen Fanatismus zu erblicken. Wenn deutsche Studenten nach Polen kommen und ihre Volksgenossen besuchen, so ist es nach polnischer Logik ganz selbstverständlich, daß sie geheimen politischen Zielen dienen. Nicht anders verhält es sich etwa mit Winderheiten-Pfadfindern, die Deutschland besuchen. Konspiration! Wenn man die polnische Einstellung gegenüber Deutschland und die Minoritätenpolitik aus diesem Gesichtswinkel betrachtet, wird einem vieles deutlich, worauf ein deutscher Verstand von Hause aus gar nicht verfällt. Womit keineswegs gesagt sein soll, daß polnische Politiker und Parteiführer — gerade im Kampf gegen die Minderheiten — nicht ganz bewußt aus der Wesensart ihres Volkes Kapital schlagen. Daten für Donnerstag, 5. Dezember. Sonnenaufgang 7.47 Uhr, Sonnenuntergang 15.54 Uhr. — Mondaufgang 11.41 Uhr, Monduntergang 19.11 Uhr. 1791: Wolfgang Amadeus Mozart in Wien gestorben (geboren 1756); — 1885: der Dichter Graf August von Platen in Syrakus gestorben (geboren 1796); — 1825: die Schriftstellerin Eugenie John- Marlitt in Arnstadt geboren (gestorben 1887). geführt. Als Gegenmaßnahmen wird empfohlen: „Küsse niemals in überfüllten Räumlichkeiten oder in schlecht gelüsteten Zimmern, — Nimm dich während des Küssens vor plötzlichen Temperaturveränderungen in acht. Wenn man zuerst in einem dicken Mantel küßt und dann in einem leichteren Kleid, so gerät man in die Gefahr, sich zu erkälten. — Bei Gesellschaftsspielen, bei denen geküßt wird, soll man nach jedem Kuh gurleln. Das ist überhaupt beim Küssen zu empfehlen. — Wenn du küssen mußt, nimm ein heißes Senf-Fußbad und vermeide jeden Zug, wenn du dich nachher nicht wohlfühlst." Diese Vorschriften haben selbst in den Kreisen der hygienefreudigsten Aerzte in Amerika einiges Kopfschütteln erregt, und einer von ihnen erklärt, man könne von einer jungen Dame, die irgendein romantisches Liebesabenteuer erwarte, doch nicht verlangen, daß sie vorher immer ein heißes Fußbad nimmt. Hochschulnachrichten. Friedrich Karl Roedemeyer, Lektor für Vor- tragskunst an der Frankfurter Universität und Dozent für Spracherziehung an der Staatlichen Pädagogischen Akademie daselbst, hat die Berufung, in Mainz ein Hessisches Seminar einzurichten, angenommen. Dieses neue Seminar ist angegliedert An die Musikhochschule. Die Leitung des Seminars wird Lektor Roedemeyer unter Ernennung zum Professor vorbehaltlich der Genehmigung des preußischen Kultusministers übertragen. Seine Lehrtätigkeit soll der Frankfurter Universität auf diese Weise erhalten bleiben. Durch diese Lösung wird der Fortgang Roedemeyers — andere Berufungen schweben — vermieden. — Die Ernennung des Professors Dr. med. et phil. Paul Diepgen in Freiburg (Baden) zum ordenllichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Berlin ist erfolgt; Professor Diepgen übernimmt den Lehrstuhl für Geschichte der Medizin. — Professor Dr. Arnold S ch m i ß in B o n n hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Musikwissenschaft an der Universität Breslau als Nachfolger von Professor Max Schneider angenommen und bereits seine Ernennung zum Or dinarius an der Breslauer philosophischen Fakultät erhalten. „Es ist nicht nötig, Gnädigste! Mein Junge ist bei Freunden, meine Frau irgcnbtoo zum Tee geladen. Ich werde also keineswegs vermißt. Zehn Minuten später trat er, sich verabschiedend, auf die Veranda und führte noch einmal die schmale Weiche Hand an seine Lippen. „Deien Sie recht sehr bedankt, gnädige Frau! — Auf Wiedersehen." , t Bogner gab ihm noch eine Strecke da- Geleit und empfahl sich erst, als er Würz zwischen den Stämmen warten sah. Anstetten machte keinerlei Umschweife und griff, sobald der Forstmeister außer Sichtweite war. nach Stephans Oberarm. „Du willst heiraten? — Stimmt das?" Ein verlegenes Achselzucken. „Kann ich unter diesen Umständen da- Geheimnis des Toten, das ja auch daS meine ist, gewahrt wissen?" Ein Aufatmen des Gefragten: „Darum müssens Ihnen net sorg'n, Herr Baron!--G'wih net! Ein Grab kann net verschwiegener sein. Das geht kein Mensch'n was an! — — Ein Weib schon gar net! Streng g'nommen, net amal mich. — — Wanns Sie's befehln, Herr Baron, nachher hab ich's vergess'n." Anstetten schritt nachdenklich neben ihm her. „Kommen ab und zu Besuche ins Forsthaus?" „Selt'n! — Ein paar Offiziere! Hin und wieder ein Kolleg vom Herrn Forstmeister. — Sonst gar niemand. Es ist ein ganz geruhlicheS Sein da ob'n." „Meine Frau kommt wohl nie herauf?" „Gar nie! — — Der Gnädig'n is der Weg zu steinig und geht auch allaweÜ bergauf.-- Eine Frag, wann ich hab'n dürft, Herr Baron?" Anstetten unterdrückte ein Lächeln. Das war das zweitemal, daß er das heute von Würz horte. „Und---" Er blieb stehen und hielt ihm sein Zigarettenetui entgegen. Stefan griff etwas zaghaft hinein. „38 zum Auskommen mit ihr?" „Mit meiner Frau?" „Iessas!" Würz schlug sich auf den Mund. „Allemal vergiß ich's wieder, daß jetzt eine Frau hab'n, Herr Baron! — Ich kann mir das gar net vorstell'n. Die Leut red'n so viel dumm's Zeug, daß einem manchmal ganz übel wird." „Was reden Sie denn, Würz?" Stephan drehte die Zigarette unschlüssig zwischen den Fingern. „Mein Gott — nix Gescheits net! — Wanns wieder nach Indien reis'n, Herr Baron, nachher geh ich mit.--3ch glaub, daß ich's bis dahin auch schon satt hab, das Der- heiratsein." Anstetten lachte belustigt auf. „Du bist mir aber noch einen Großteil der Antwort schuldig ge- blieb-n," mahnte er, als der junge Mensch jetzt schweigend neben ihm herging. (Fortsetzung folgt.) Oberheffen. Licht- und Werbewoche in Buhbach. pb. Butzbach, 3. Dez. Am Sonntag begann die vom Butzbacher Einzelhandelsverein in Gemeinschaft mit dem Verkehrsau s s ch u ß der Stadt in die Wege geleitete Butzbacher Licht- und Werbewoche, die bis zum 8. Dezember dauert. Sie wurde eingeleitet mit einer festlichen Beleuchtung des Rat- Hauses, des Marktbrunnens, der Häuser des Marktplatzes usw. Auf dem Marktplatz fand ein Platzkonzert statt. Als Prämie der Stadt Butzbach kommt eine goldene Herrenuhr zur Verlosung. Der gestrige Sonntag wies bereits einen lebhaften Verkehr auf, die Geschäfte waren gut besucht und die Geschäftsleute recht zufrieden. Landkreis Gießen. = Saubringen, 2.Dez. Unsere Gemeinde litt schon im Sommer mehr als die anderen Dörfer der Um'egend unter Wassermangel. Monatelang hatte man nur einige Stunden des Tages Wasser. Seit einigen Tagen ist nun derselbe Liebelstand wieder eingetreten. Eine der ersten und dringendsten Aufgaben des neugewählten Gemeinderats wird es sein müssen, den Rotstand durch Erschließung einer zweiten Quelle zu beseitigen. — Gestern abend veranstaltet der Gesangverein „Sängerlust unter Geltung seines Dirigenten Aicolai (Gro- ßen-Buseck) und unter Mitwirkung der Kapelle Weller-Einbrodt (Gehen) se'.n Winter- konzert. Der Saalbau Schäfer war dicht beseht. Das Programm zeigte eine passende, verständnisvolle Abwechselung. Es kamen zahlreiche, fein ausgeglichene, llangreine Chöre zum^Dor- trag, unter denen „Erwachen der Geister' von Marini, „Die Dorflinde" von Llthmann, „O süße Heimat" von Schauß und „Wieder ziehen fort die Schwalben" von Baumann, besonders hervortraten. Recht gut wirkte das fein ausgearbeitete Pianissimo in den beiden letztgenannten Choren. Mit Musikbegleitung wurde aufgeführt „Viktrinermarsch" von Koschat und „Die Mühle im Schwarzwald" von Eilenberg. Besonders dankbar wurde letzteres ausgenommen, so daß der zweite Teil wiederholt werden muhte. Die Musik zeigte ihr vorzügliches Können besonders in der Ouvertüre zur Oper „Rora" von Bellini, und in der Fantasie aus der Operette „Die Fledermaus" von Strauß. Diel Beifall erhielt auch das große Potpourri „Dom Rhein zur Donau" von Rhode. Allerliebst war „Leuchtkäferchens Stelldichein" von Siede. Der Derein darf auf einen wohlgelungenen Abend zurückblicken, um so mehr, als er sich durch Der- anstaltung solcher Konzerte in den Dienst der Volksbildung stellt. . Y Mainzlar, 3. Dez. Die Bautätigkeit in unserer Gemeinde ist gegen das Dorjahr ganz erheblich zurückgegangen. Insgesamt wurden in diesem Iahre nur zwei Wohnhäuser, gegen acht im Dorjahr, gebaut, die nunmehr, bis auf eins, bezogen sind. Größere Um* und Anbauten an Haus- und Wirtschaftsgebäuden sicherten jedoch den heimischen Handwerkern das ganze Iahr hindurch volle Beschäftigung. Von einer vollen Behebung der örtlichen Wohnungsnot kann vorläufig noch nicht gesprochen werden. — Die Holzhauerarbeiten in unserem Gemeinde- • Wald haben dieser Tage ihren Anfang genommen. Geschlagen werden ungefähr 750 Festmeter Stamm- und Brennholz. Don Stammholz entfällt ein großer Teil auf Eichenstämme. Mit den Arbeiten sind zur Zeit zwei Rotten zu je acht Mann beschäftigt. ' Großen-Buseck, 3. Dez. Der Gesangverein „Germania", Großen- Buseck, hielt am Sonntag im Saale des Gastwirts Wagner ein in allen Teilen wohlgelungenes Konzert unter Mitwirkung von Frau Dr. Wolff (Sopran) und Herrn Bruno Herrmann (Diolincello), beide aus Gießen, unter Leitung des Musikdirektors Al be r t Kasten, Gießen, ab. Schon der überfüllte Saal bewies das große Interesse der Einwohner für die Konzertveranstaltungen der „Germania". Frau Dr. Wolff fang u. a. Lieder von Schubert, Brahms, Strauß und Leo Blech. Die Sängerin verfügt über eine äußerst zarte, glockenreine Stimme und singt mit ganzer Hingebung; so vermochte sie sowohl die Poesie der Schubertlieder, als auch den dramatischen Inhalt des Strauhschen Liedes voll auszuschöpfen. Ganz reizend gelangen ihr Brahms „Wiegenlied und Leo Blechs „Heimkehr vom Feste". Auch die übrigen Lieder zeigten die prächtige Schulung der Stimme. Die Begeisterung der Zuhörer zwang Frau Dr. Wolff zu einer Zugabe. Als zweiter Solist des Abends erfreute uns Herr Bruno Herrmann mit feinem wundervollen Cellospiel. Mozarts „Larghetto" und „Tre giorni“ von Pergolese feien besonders hervorgehoben. Reicher Beifall ward auch ihm zuteil. Aber auch der Derein belohnte das ihm entgegengebrachte Interesse durch ausgezeichneten Dortrag der Kunstchore und Dolkslieder, wofür ihm von den Zuhörern mit stürmischem Beifall gedankt wurde. Besonders hervorgehoben seien: Der Chor Lachners „Hymne an die Musik", dessen Schwierigkeit von dem Sängerchor vorzüglich bewältigt wurde. Sodann „Tief ist die Mühle verschneit", von Podbertsky, und die prächtigen Dolkslieder: „Untreue", „Amsel im Walde", „Ein Traum". Den Abschluß bildeten die Chöre: „Dorfgeheimnis", von Wellmann, vom Chor in verständnisvollster Weise vorgetragen, und Sonnets „Moselweinlied", ebenfalls vorzüglich gesungen. Der Chormeister, Herr Kasten, bewies durch dieses Konzert erneut, daß er ein Chorleiter von hohen Fähigkeiten ist. Mit herzlichen Worten dankte der Dorsihende des Dereins allen Mitwirkenden. Den Zuhörern wird der Abend unvergeßlich sein. : Beuern, 3. Dez. Am Samstagabend sand im Saale „Zur Germania" der erste Vortragsabend des hiesigen Volksbil- dungsv ereins in diesem Winterhalbjahr statt. Als Redner war der Chinese Herr Kwok- Liang Wu, stud. med. in Gießen, gewonnen worden, der an Hand von Lichtbildern über seine Heimat, Land und Leute in China sprach. Herr Wu ist in Kanton (Südchina) geboren. Der jugendliche Redner, 21 Iahre alt, der vor drei Iahten noch kein Wort Deutsch konnte, führte den außerordentlich zahlreichen Zuhörern recht anschaulich sein Heimatland in Wort und Bild vor Augen. Bilder aus den großen Millionenstädten des Riesenreiches, wo die Bevölkerung dichtgedrängt in den primitivsten Verhältnissen zusammenwohnt, wechse.ten mit modernen Strcß n- zügen, sowie Kunstbauten aus uralter Zeit in bunter Reihenfolge. Sehr interessant waren die Ausführungen, die Herr Wu über die Geben s- verhältnisse feiner Volksgenossen machte. Der Vorsitzende, Referendar Hermann, dankte dem Redner für feine interessanten Ausführungen, die einen wertvollen Einblick in die chinesischen Verhältnisse gaben, und stellte einen weiteren Vortrag (Filmvortrag) des Ingenieurs Ertel, Gießen, in Aussicht. is. Steinbach, 3. Dez. Am Sonntagabend wurde in unserer Kirche bei guter Beteiligung der Film „Glaube und Heimat" vorgeführt. Die klaren Bilder zeigten deutlich und ergreifend das Schicksal eines Volkes, das um feines Glaubens willen von Haus und Hof vertrieben wurde. Der Ueberfchuß des Abends fällt dem Guftav-Adolf-Ver- ein zu. Y Watzenborn-Steinberg, 2. Dez. Der gestrige, sehr gut besuchte Gottesdienst des ersten Adventsonntags erhielt eine besondere Weihe durch zwei musikalische Einlagen, die sich passend in den Rahmen der ganzen Feier einfügten. Gerichtsreferendar Harnisch (Orgel) und Cellist Klingelhofer (Cello), beide von hier, spielten in wirkungsvoller Weise das Hän- delsche Largo und Sarabande von Corelli und verstanden es, in den Herzen der Hörer echte Advents- und Vorweihnachtsstimmung zu wecken. Die Kirche war, wie alljährlich, mit dem Adventskranz geschmückt. * Leihgestern, 2. Dez. Die Volkshochschule Oberhessen begann ihre diesjährige Winterarbeit hier mit einem Eröffnung s a b e n d, der recht gut besucht war. Es waren neben den Mitgliedern des Gemeinde- und Schulvorstandes eine große Anzahl von Gemeindemitgliedern erschienen. Rach einer Begrüßung der Anwesenden sprach der Leiter der Volkshochschule Oberhessen W. Heg ar über „Wege und Ziele der Volkshochschularbeit". In klaren, volkstümlichen Ausführungen stellte er in wechselnden Bildern das Wollen und Streben, die Kämpfe, aber auch Erfolge der Volkshochschule vor die Augen der Hörer. Die rege Aussprache drehte sich vor allem um die Frage der religiösen und politischen Einstellung der Volkshochschule. In dem zusammenfassenden Schlußwort betonte der Vortragende, daß die Volkshochschule niemals eine einseitige Einstellung haben könne, sondern sie wolle fein eine Dienerin am Volksganzen. Im zweiten Teile des Abends brachten Frau Fischer (Klavier), Herr Bauer und Herr Knauh (Geigen) aus Gießen Stücke von Mozart, Moskowski und Telemann in vollendeter Weise zu Gehör. Der Kirchenchor fang unter Leitung feines Chormeisters Herrn Köhler drei Volkslieder. Der Verein zeigte, daß er auch auf diesem Gebiet des Chorgesanges Gutes leistet. Eine jugendliche Tanzgruppe aus Gießen führte unter einfacher Musikbegleitung einige Volkstänze vor, die freundlichen Beifall fanden. Als feinen Rezitator lernten die Hörer Herrn H e g a r kennen. Seine Märchen hinterließen einen tiefen Eindruck. Ein Schlußwort brachte den Dank der Hörer an alle Vortragenden zum Ausdruck. Der Eroffnungsabe'nd war ein voller Erfolg. Die Kurse der Volkshochschule beginnen am Donnerstag, 5. Dezember, mit Vorzügen über Gesundheitspflege durch Dr. M a - lech aus Gießen. < Leihgestern, 3. Dez. Am Sonntagmittag fand eine Inspektion der hiesigen Freiwilligen Sanitätskolonne vom Rote n K r e u z statt. Sie wurde vorgenommen durch den Provinzialinspekteur für Oberhesfen, Sani- tätsrat Dr. Hahn aus Bad-Rauheim, und erstreckte sich über eine praktische Hebung und eine theoretische Prüfung. In einer zusammenfaffenden Beurteilung sprach sich Sanitätsrat Dr. Hahn lobend aus über die Leistungen, die durch die noch junge Sanitätskolonne gezeigt wurden. Die Kolonne wurde im Frühjahr 1929 gegründet und steht unter der Leitung des Kolonnenführers Georg Held. Kolonnenarzt ist Dr. S p e ck, Großen-Linden, der in dankenswerter Weise die Ausbildung der Mitglieder übernommen hat. Die Kolonne ist dem hessischen Landesverband in Darmstadt angeschlossen. Sie besteht aus 17 ausgebildeten Mitgliedern, 18 neue Mitglieder befinden sich jetzt in der Ausbildung. Das Sanitäts- depot befindet sich in der Gastwirtschaft Hassel- bach am Bahnhof. 0 Holzheim, 2. Dez. In den letzten Tagen veranstaltete die Jagdgesellschaft Holzheim eine Feldtreibjagd. Bei gutem Wetter wurden 145 Hasen und einige Rebhühner — es war vor der Schonzeit— zur Strecke gebracht — Durch Vermittlung der Bürgermeisterei wurde hier für den Volksbund deutsche Kriegsaräber- f ü r f o r g e gesammelt. Besorgt wurde dies — wie immer bei ähnlichen Gelegenheiten — von den Konfirmanden. Es konnte der schöne Betrag von 85 Mark für die gute Sache abgeführt werden. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 3. Dez. Im großen Saal des „Hessischen Hofes" fanden am Sonntagnachmittag Vorführungen der Bad-Rauheimer Must er-Turnschule unter Leitung von Turnlehrer Willi Sinnwell statt, bei denen 40 Turnerinnen und Turner mitwirkten. Die Leistungen der Turner und Turnerinnen, insbesondere die Sinnwells als Leiter und Turner, waren hervorragend und boten ein sehr hübsches Bild. Was die Einzeldarbietungen anbelangt, so wurde hier Bestes auf diesem Gebiete gezeigt. Den Schluß bildeten Freiübungsgruppen usw., sowie Kunstturnen am Reck, von Bad-Rauheimer und Butzbacher Turnern gemeinsam ausgeführt, die lebhaften Beifall fanden. Kreis Büdingen. * Ober-Widdersheim, 3. Dez. Zu der am Samstag von hier übermittelten Nachricht über den Kursus der K r e i s - W a n d e r - K o ch - und Handarbeitsschule wird vom Schulvorstand berichtigend mitgeteilt: Es sind nur die Schülerinnen des dritten Fortbildungsschuljahres verpflichtet, an diesem sechswöchigem Kursus teilzunehmen. Der zweite Jahrgang soll daran nicht teilnehmen. Die Unterrichtszeit beträgt täglich sieben Stunden, etne davon wird als Ueberstunde gerechnet. Kreis Schotten. □ Laubach, 3. Dez. Dieser Tage fand im „Solmser Hof" die Hauptversammlung des Ob ft- und G a r te n b a u v e re i n s Laubach statt. Rach der Begrüßung der zahlreich erschienenen Mitglieder durch Beigeordneten P i tz erfolgte die Rechnungsablage, welche die günstigen finanziellen Verhältnisse des Vereins zeigte. Er zählt jetzt 34 Mitglieder. Sodann hielt Lehrer D e b u s, Ruppertsburg, einen lehrreichen Vortrag über den Anbau des Obstes in unserer Heimat, worin er besonders die wichtige Frage erörterte, welche Obstsorten sich für unsere Gegend am besten eignen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Eine rege Aussprache schloß sich an den Vortrag an, woran sich besonders Hofgärtner Bias beteiligte. Hierauf fand eine Verlosung von 17 Ob st bäumen statt, die prächtig gewachsen waren und unentgeltlich an die Mitglieder abgegeben wurden. — Am Sonntagmittag veranstaltete der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs seine alle Iahre einmal übliche Wanderung durch die Laubacher Gemarkung unter Führung von Rechner D o u t r e n. Man bestieg vorerst den aussichtsreichen „Rotenberg". Von hier wandte man sich zur „Landwehr", welche die ganze Laubacher Gemarkung umschließt. Es ist dies ein heute noch an vielen Stellen vorhandener starker Wall von 3—4 Meter Hohe mit auf beiden Seiten anliegenden Gräben, der sehr an den römischen Grenzwall (den sog. „Limes") erinnert. Hierauf besichtigte man, nachdem man eine längere Strecke des Walles begangen hatte, die Schanze auf dem „Steinbühl", die als solche durch Konrektor Schaad (1800—1890) bezeugt ist. Sie besteht aus einer runden Verteilung (P/2 Meter tief, Durchmesser 3 Meter), der Geschützbettung, zwei vorliegenden Schulterwehren (sog. Epaulement) und einem Zwischenraum für das Geschützrohr. Prof. R o e s ch e n erklärte die Anlage, wozu verschiedene frühere Artilleristen erklärten, daß man auch zu ihrer Zeit die Verschanzung für die Geschütze in gleicher Weise angelegt habe. Lieber das sog. „Kreuzbörnchen", dessen Benennung bis jetzt unerklärt ist, kehrte man heim. )—( Ruppertsbürg, 2. Dez. Unter dem Vorsitz des hiesigen Vertrauensmannes des Landwirtschaf tskammer-Ausschusses, Landwirts Konrad Hogh III. fand bei Gastwirt Otto Wagner ein l a n d w i r t s ch a f t l i ch e rD o r t r a g s- abend statt. Assessor Dr. 0 11 vom Landwirtschaftsamt Grünberg sprach über das Saatgut, seine Auswahl und Zubereitung, dabei die Beobachtungen, die beim Gemarkungsrundgang im vergangenen Sommer gemacht worden waren, verwertend. Der Redner zeigte in anschaulicher Weise, wie sehr der Ertrag der Ernte von dem Saatgut abhängt. Die praktischen Vorschläge tour- Das Erbe des Herrn von Anstetten. Vornan von Z. Schneider-Foersil. Llrheber-Rechtsschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 17. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Akab. wie recht hast du gehabt!" Run war chm auch der Besuch des Hindu kein Rätsel mehr. w Trotz dessen Warnung hatte er das Verhängnis nicht aufzuhalten vermocht. Vielleicht war dieser Besuch bei Oerhen gar nicht ihr erster, wahrscheinlich würden ihm schon Du;enö andere vorhergegangen sein. Es war undenkbar, daß eine Frau um diese Zeit in das Haus eines Mannes ging, mit dem sie nicht schon seit längerem intim vermehrte! „Bernd! Lieber, armer Bernd!" Er begriff nun auch alles andere. Jedenfalls war das auch der Grund gewesen, daß er damals den Tod in der Pram suchen wollte. Wie tapfer von dem Iungen, selbst die Sache mit Oerhen in die Hand zu nehmen. Lieber, lieber Bernd! Wie brav von dir, daß du mich schonen wolltest! Er setzte sich auf dem Heu zurecht und nahm den Kopf zwischen die Hände. Rixa sprang auf und schüttelte das Gras von sich. Wenn er jetzt Hans Peter wäre! — Hans Peter! Dann würde der kommende Morgen Oerhen nur noch als Leiche sehen. Er kniff die Augen zu und krümmte den Finger, als ob er ihn in den Hahn einer Pistole lege: — eins — zwei — auf drei mußte er die Kugel mitten im Herzen sitzen haben! ..Mitten im Herzen! Er erhob sich langsam, ging zur Türe und prallte vor der Gestalt zurück, die eben herein- kommen wollte. Ein verblüfftes Gesicht lachte ihm entgegen. „Iessas! Der Herr Baron! — Hab'ns Unter- stand gesucht? — A Sauwetter das! Ret wahr? Wie in der Regenzeit in Indien!" Stefan Würz schleuderte das Raß seines Hutes in großem Bogen hinter sich. „Wann's Ihnen trocknen woll'n, Herr Baron — hundert Meter oberhalb ist das Forsthaus. Ich geh' mit. — Rixa, Maderl, wie gefallt’8 dir denn auf Anstetten?" Die Wölfin rieb ihren Körper an feinen Schenkeln und bezeugte eine ungebärdige Freude. „Sie hat sich so gut akklimatisiert, wie du," sagte der Baron und trat, nach den ziehenden Wolken sehend, ins Freie. „Bist du zufrieden mit deinem Posten? — Ich glaube, die Sägerei liegt dir besser, als die Arbeit auf den Feldern oder die Stellung eines Kammerdieners bei mir." Würz lachte, daß sich alle Muskeln seines Gesichtes spannten: „Schon is, Herr Baron! Ich könnt' mir gar nix liebers denken. — Gaf- sen's mich jetzt 's Gewehr trag'n, ich glaub, es druckt ein bifferl. Der Riemen sitzt zu eng.“ Während Rixa voraustrollte, schritten die beiden Männer den steinigen Weg hinab, nach dem Haus des Forstmeisters, das in einer Lichtung vorgeschoben stand. „Eine Frage hätf ich, Herr Baron." „3a?“ — Anstetten mußte sich erst in die Gegenwart versehen. Seine Gedanken waren weit abgewesen. „Hab'n 's noch nie Besuch kriegt von3ndien?" „Du vielleicht?“ Anstetten verhielt den Schritt. „3a! — Heut früh, fo um halber fiebene rum, ist der Akab auf einmal vor mir g'ftanö'n. — 3ch sollt ein Aug auf Ihnen hab'n, hat er g'fagt. — Ich hab in meiner Freud gleich mit beide Händ nach ihm greif’n woll'n und hab in d' Luft troffn. Ganz zweierlei is mir worden. Ich hab zittert, wie a jungs Dirkenlaub. Wann er wieder zurückfahrt, hab ich ihn g’fragt: „Gleich jetzt," hat er mir zur Antwort geb’n. Lind wie ich wieder hing'schaut hab, is er schon nimmer da- g'wesen." „Vielleicht hast du geträumt,“ sagte Anstetten und beobachtete ihn scharf. „Ra, g'wih net, Herr Baron, ich war glöderl- wach. Lim einhalb fiebene, da hab'n ja die Hahnen schon ausbalzt, und die ersten Kirchleut gehn schon talab. — Is er bei Ihnen net g'wes'n?" Ein wortloses Ricken. „Gott sei Dank! — Sonst hätt ich glaubt, ich spinn." — Anstetten sah, wie die Brust des jungen Mannes sich weitete. «Daß so was fein kann! Ich mocht's niemand verzähl'n! Ich glaub, ich tät grab ausg'lacht toerb'n.“ „Da hast du recht, Würz, behalte eL für dich, das ist das beste." Der rötliche Vollbart des Forstmeisters tauchte auf der Veranda des hübschen Holzhauses auf, das in behäbiger Breite über das Tal hinsah. „Recht guten Abend, Herr Baron! — Haben Sie die beiden Wechsel, oben an der Föhrinaer Schneide gesehen? — Zwei kapitale Sechszehnender I" „Ich habe gar nicht darauf geachtet, mein lieber Bogner. Können Sie mir mit einem trockenen Hemd aushelfen? Das meine klatscht. — Es war ja die reinste Sintflut, die da herunterprasselte.“ Bogner war mit zwei Schritten an der Türe, die ins Haus führte, und rief etwas ins Innere. Lieber die Treppe, die in weitem Schwung zum Oberstocke führte, tarn eine schlanke Frau in weißem Hauskleid, bad dem leichtgeröteten Oval des Gesichts etwas Mädchenhaftes, Keusches, Anziehendes gab. „Verzeihen Sie die Storung, gnädige Frau!" — Anstetten beugte sich über die kleine Hand, die so fest und lebenswarm in der seinen ruhte. „Ich bitte nur um zehn Minuten Unterkunft. Haben Sie keine Rebentüre, durch die ich eintreten kann? Meine Schuhe geben nasse Streifen.“ Sie erhob erschrocken die Linke, während ihr rechter Arm die Türe des Haupteinganges zurückhielt. „Das Haus ist doch Ihr Eigentum, Herr Baron. — Wir haben ohnedies solange nicht mehr die Ehre gehabt, Sie bei uns zu sehen." Oben an der Treppe wartete der Forstmeister und führte seinen Dienstherrn nach einem der Fremdenzimmer, wo bereits alles zurechtgelegt war. „Darf ich in einer Viertelstunde zum Tee bitten, Herr Baron?" Anstetten wollte ablehnen, sah den bittenden Blick seines Beamten und bejahte. „Wie schon es bei Ihnen ist!" Der Baron stand umgekleidet neben der jungen Frau, in dem großen Erker, an welchem sich kleinblättriger Efeu hochrankte und bleichrote Geranien das Sims umzogen. „Wie find Sie mit Würz zufrieden?" Er wandte sich halb nach Bogner zurück, der eben einen bequemen Leberftuhl an ben großen runben Tisch schob. „Ganz gut, Herr Baron. Er ist ein braver, ehrlicher Mensch unb versteht zu schießen. Rur kann ich mir noch nicht benten, wie bas werben soll, wenn er jetzt heiratet." „Der Würz?" „Der Herr Baron wissen nicht" „Keine Silbe!" _ „ lu „Vielleicht hätte ich noch schwe'gen sollen! „Machen Sie sich keine Gedanken, lieber Bogner, es ist mir sehr erwünscht, bah ich bavon weih. Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, ihm zu sagen, er soll mich in einer halben Stunde unten im Hohlweg erwarten." Der Forstmmster blickte nach seiner Frau, beten Hände beim Füllen der Tassen merklich zitterten. Er sah rasch nach Anstetten hinüber, dessen Augen an einem Photo hingen, das in Kreide gezeichnet an der Schmalwand des Zimmers placiert war. Der Freiherr wandte sich ab unb richtete eine Frage an den Beamten: „Ist das nicht mein Detter Günther, den Sie dort an die Wand genagelt haben?" Bogner verneinte. „Sie sind es selbst, Herr Baton. Vielleicht können Sie sich noch erinnern, dah sie mir das Bild geschenkt haben, kurz ehe Sie nach Indien gingen." Anstetten nickte unb war dankbar, dah die junge Frau ihn einer Antwort enthob, indem sie ihn fragte, ob man nach dem Schlosse telephonieren solle, dah er hier sei. ?irfl* gUp rat er, iw i- Orte noch einmal ?®toÄÄ Umschweb M-gE. her öWWj L u wmst drinnen S,5^ ? Turner ehr hD^Evaltn inbelaÄ?iIb- "ete (£J0 buröe ^en Sb .Den ad°Aauh?w ’0tDie m q4ä,^ gen. iber.finA Oen W ?.b> ten. L?,7 k"d 'M «W der * * b^ch Deig vrd. JWablage.S 4 ^dgheber. 6o- DuppertSburg, 8 über den Anbau a\ worin er be'vn- >rterk, welche Obst, d am besten eignen. Deisalst Eine rege u Bortrog an. ibq< 'r 2iaS beteiligte, osung von 11 Fuchtig gewachten btc Mitglieder ab« ionntagmittag der« eigverein des UubS |eine alle oetung durch die Führung von Rech« ieg vorerst den aus« lon hier wandte man he die ganze Lau« ÜL ist oieS ein m Vorhandener star« Höhe mit auf beiden i, der sehr an den sog. »Limes") erin« nan, nachdm man Iles begangen hatte, )ühl°, die als solche 1800-1890) bezeugt runden Verteilung : 3 Meter), der Beiden Schulterwehren m ZwischenraM tut Itveschen edierte dene frühere Artil« i auch zu ihrer Zeit Geschütze in gleicher >cr das sog. .Kreuzig bis jetzt unerklärt 2. Az. Unter bem trauensmamies des chusses, Landwirts Gastwirt Otto Dag- licherDvrtrags- Ott vom Landwirt- ) über das Saatgut, eitung, dabei die martungsrundgang im nacht worden waren, zeigte in anschaulicher in der Ernte von dem tischen Dorschläge vur- Äss-r Darum jten. iton' »flj M «M ^ndürf^?^as war An Lächelw^ -Dürz &*** ÄS»? mal 9°^. - isS den von den Anwesenden dankbar angenommen. — Qluf Einladung des hiesigen Zweigvereins des Evangelischen Bunde- wurde in der Kirche der Lutherfilm von Hans Kyser borge- führt. Der Film, der aus acht Akten besteht, gab ein anschauliches Bild von der Großtat Luthers und zeigte, durch welche innere und äußere Kämpfe der Reformator sich durchringen muhte, um die evangelische Freiheit, die im reinen Evangelium wurzelt, zu bringen. Passende Lieder und Erklärungen von Pfarrer l). Fritsch umrahmten die einzelnen Akte des Films. -s- Ober-Schmitten, 2. Dez. Eine sinnige Adventsfeier veranstaltete am gestrigen Epätna 'm tat di' Mädchenvereinigung Eichelsdorf - Ober-Schmitten im Dö.l- schen Saale, der zu diesem Zwecke hübsch geschmückt war. Von der Decke grüßte der Adventskranz mit seinen vier Kerzen, Tische und Wände umwob frisches Tannengrün. Der ganze Raum lag im gedämpften Scheine traulichen Kerzenlichts. Pfarrer Müller (Eichelsdorf), der Begeü^der und Leiter der Mädchenvereinigung. entbot Gruß und Willkomm und gedachte des Advents als lichtvollen Auftakt zum kommenden Weihnachtsfest. Die Mädchen im Schmucke der kleidsamen rächt der Jugendbewegung fangen ihre frischen Lieder zur Laute, trugen passende Gedichte vor, formten launige Zwiegespräche und füllten den Raum mit sonniger Fröhlichkeit. Dann dampften die Kaffeetassen, und die etwa 42löpfige Mädchenschar, vermehrt durch einige Gäste, lieh sich Kaffee und Feierlagsgebäck gut schmecken. Gegen 6 Hhr fingen die Kerzen an zu verlöschen. Die Feier war beendet. „O du fröhliche, o du selige" klang's nochmals auf, wie ein sehnsüchtiger Gruß an das nahe Weihnachtsfest. An der würdigen Gestaltung dieser Adventsfeier waren Frau Pfarrer Müller und Schwester Thea von der hiesigen Krankenpflegestation hervorragend beteiligt. Ihnen gebührt der besondere Dank der Jugend. -^Rainrod.3. Dez. Ihr goldenesDienst- jubiläum als Hebamme der hiesigen Gemeinde feierte am 1. Adventssonntage Frau Elise T h e i h. Die ganze Gemeinde benutzte diesen Tag, der Jubilarin durch Glückwünsche und Geschenke Dank und Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Am Rachmittag fand am Hause der Gefeierten eine offizielle Ehrung statt, die von Lied- und Gedichtvorträgen der Schulkinder umrahmt war. Regierungsrat Dr. Schwan überbrachte die Glückwünsche des Kreisamts Schotten, Medizinalrat Dr. Orth sprach im Auftrag des Kreisgesundheitsamts und überreichte ein Anerkennungsschreiben der ministeriellen Abteilung für Gesundheitswesen. Die Glückwünsche der Schule übermittelte Lehrer Lehmer. Der Ortsvorstand lieh durch Bürgermeister D e - chert einen Sessel, der Kirchenvorstand durch Pfarrer Römer, Schotten, eine Bibel übergeben. Die Borsitzende des Kreishebammenvereins, Frau S p a m e r, Schotten, überreichte ein Bild, ebenso die Frauen und Jungfrauen der Gemeinde. Altbürgermeister Diehl gedachte der Jubilarin in seiner Eigenschaft als Standesbeamter. Auch vom Reichspräsidenten v. Hindenburg war eine Ehrenurkunde mit Begleitschreiben eingetroffen. V Gedern, 3. Dez. Zu dem heutigen Schweinemarkt waren trotz ungünstigen Wetters 473 Tiere aufgetrieben. 4 bis 6 Wochen alte Ferkel kosteten 25 bis 35 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 35 bis 40 Mk., Springer wurden mit 70 bis 80 Mk. bezahlt. Der Handel war gut, doch blieb geringer Heber ft anb. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 2. Dez. Heute morgen ereignete sich in dem der Mitteldeutschen Hartsteinindustrie gehörigen, bei Rieder-Ofleiden gelegenen Stein- bruch ein schwererDetriebsunfall. Der Arbeiter Johannes Dörr aus Rieder-Ofleiden, der die Rollwagen bediente, wurde plötzlich von den durch einen Hakenbruch losgerissenen Wagen ersaht und mit großer Wucht gegen den Rand der Fahrrinne (Steine, Geleis) geschleudert, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Verunglückte stand im 56. Lebensjahre und hinterläßt Frau und Kinder. — Mit den Arbeiten zur Anlage der südlich an den Sportplatz des Fußballklubs zu errichtenden Eisbahn wurde bereits begonnen. Der Berschönerungs- und Berkehrsverein übernimmt die Ausführung und Heberwachung der Arbeiten, nachdem die Stadt die Geldmittel in großzügiger Weise zur Verfügung gestellt hat. Für 15000 Marl Seidenstoffe erbeutet. WER. Frankfurt a. M., 3. Dez. Große Deute machte eine Einbrechergesell- f d) c V t, die, wahrscheinlich am Samstagnachmit- tog, eine Modewarengrohhandlung in der Tau- nusstrahe aufsuchte. Die Einbrecher, die nicht nur Orts-, sondern auch Branchekenntnisse gehabt haben müssen, packten mehrere tausend Meter wertvolle Seidenstoffe ein und verschwanden genau so geheimnisvoll wie sie gekommen waren. Als der Geschäftsführer am Montag früh die zum Geschäft führende schwere Cisentür öffnete, war sie vorschriftsmäßig verschlossen. Die Einbrecher müssen sie mit einem gut gearbeiteten Nachschlüssel geöffnet haben. Der Wert der gestohlenen Waren wird auf 15 000 bis 18 000 Reichsmark beziffert. Zehn Pro ent des Wertes sind als Belohnung für die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes ausgesetzt. Kirche und Schule. Kirchen-Einwe.hung auf dem Veiisberg 5 Saasen, 2. Dez. Am gestrigen Sonntag fand die feierliche Einweihung unserer neuhergerichteten, eltehrwürdigen Kirche auf dem Vettsberg statt. Durch eine verkehrte Heizanlage, die nicht nach wärme- technischen Gesichtspunkten, sondern nach solchen der Denkmalspflege angelegt worden war, entstand eine derartige Verschmutzung durch Rauch, ohne daß eigentlich Wärme erzeugt werden konnte, dah eine innere Wiederherstellung unumgänglich notwendig wurde. Die Arbeiten wurden vom Hochbauamt Gießen — Bauinspektor Kimpel — geleitet, die künstlerische Leitung hatte der Kirchenmaler K i e n z l e, Eberstadt bei Darmstadt. Die elektrische Heizanlage, die, um die Quelle der Zerstörung des Kircheninnern, die verkehrt angelegte Ofenheizung, zu beseitigen, eingebaut wurde, ist vom Elektrizitätswerk Gießen eingerichtet. Die Arbeiten wurden von Meistern aus der Gemeinde und den Rachbargemeinden ausgeführt. Was geschaffen wurde in mehr als vierteljährigen Arbeiten ist so, dah das alte Gotteshaus ein ganz neues Gesicht bekommen hat. Die Festgemeinde war so zahlreich, daß die Plätze bei weitem nicht ausreichten. Ein Kinderchor: »Grüß Gott" eröffnete nach dem Vorspiel des Organisten Lehrer Herber die Feier. Rach dem Eingangslied der Gemeinde hielt der Superintendent, Oberkirchenrat Wagner, die Liturgie. Der Gemischte Chor nahm mit seinem Chor: „Ich hebe meine Augen auf" den Schluß der Liturgie auf. Cs folgte die Weiherede des Superintendenten über 1. Moses 28,17, der in seiner Ansprache die uralte Kulturstätte auf dem Deitsberg mit ihrer reichen Geschichte als heilige Stätte der Gemeinde weihte. Der Gesangverein »Eintracht" sang darauf den 23. Psalm, »Der Herr ist mein Hirte". Es folgte das Adventslied »Macht hoch die Tür", gelungen durch die Gemeinde. Die Festpredigt wurde von dem Ortspfarrer über die Epistel des 1. Adventes, Römer 13,11—14, gehalten und hatte als Grund- ton in der neuen Kirche ein neues Leben mit Christus. Der Kinderchor fang darauf: »Ein Herz und eine Seele", und der Ortspfarrer sprach das Schlußgebet mit Vaterunser. Rach dem Schluhvers der Gemeinde erteilte Oberkirchenrat Wagner den Segen. Kirchenvorstand und Gemeindevorstand wurden nach dem Festgottesdienst durch den Superintendenten begrüßt und ihnen Dank und Anerkennung für die neuhergerichtete Kirche ausgesprochen. Auch wurde dem' Leiter aller mitwirkenden Chöre, unserem Organisten und Mitglied des Kirchen- vorstandes, Lehrer Herkxer, eine wohlverdiente Ehrung zuteil. Die alte Kirche auf dem Deitsberg. die nächstes Jahr ihre 400-Jahrfeier der Einführung der Reformation feiern kann, bekannt durch den Kalendermann vom Veiisberg, ist dank der Opferwilligkeit der beteUtgtcn Körperschaften und der Gemeinde Saasen nun wieder zu einer würdigen Stätte der Gottesverehrung geworden. Die Gemeinde darf stolz sein auf ihre Kirche, deren Wände wieder, wie in alter Zeit, mit Bibelsprüchen bemalt wurden. Geographisch-heimatkundlicher Kursus. = Dad-Rauhei m. 3. Dez. Gestern wurde hier ein geographisch-heimatkundlicher Cinführungskursus für Mitglieder der amtlichen hessischen Arbeitsgemeinschaften eröffnet, der von etwa 30 Lehrern aller Schulgattungen aus der Provinz Ob:rhessen besucht war und von Studienrat Dr. Knieriem geleitet wurde. Oberstudiendirektor Dr. M o l z von der hiesigen Ernst-Ludwig-Schule begrüßte die Teilnehmer im Auftrage des Kultusministeriums, Prof. Dr. S p i l g e r (Darmstadt) entbot den Gruß der biologischen Fachgruppe der Arbeitsgemeinschaften. In einem einführenden Referat behandelte Studienrat Dr. K n i e r i e m die besonderen Aufgaben der geographischen Heimatkunde und ihre Stellung im Unterricht. Ministerialrat Dr. Müller (Darmstadt) sprach in sehr interessanten Ausführungen über die amtlichen Plan- und Kartenwerke und ihre Bedeutung für den heimatkundlichen Unterricht. Eine Ausstellung des hessischen Landes- vermefsungsamtes, durch die Ministerialrat Müller führte, zeigte praktisch, wie sich die amtlichen Kartenwerke durch farbige Heberarbeitungen nach den verschiedensten Richtungen hin für den Hnterricht auStoerten lassen. Heute zeigte Dr. Michel (Frankfurt a. M.) mit einer Schulklasse, wie der geograph'.sch-hcimatkundliche Lehrausflug zu gestalten ist. Am Mittwoch wird Dr. Knieriem am Beispiele Bad-Rauheims Probleme der Stadtgeographie behandeln, und der letzte Tag des Lehrgangs bringt Anleitung zur Lösung von Aufgaben auf der Höhenschichtenkarte von Hessen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.________________________________ Kunslstopierei König repariert Kleidungsstücke, Seidenstrümpfe und Teppiche in 3—4 Tagen / Arbeit konkurrenzlos! 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Dezember (929 Aus der Wett des Films. berliner Filmpremieren. Berlin. Anfang Dezember. Wer von den Tonfilmenthusiasten wollte nach der Uraufführung des Lupu-Pick-Filrns der Peter-Osterrnayr-Produktion »Napoleon auf St. Helena" jetzt noch behaupten, der stumme Film gehe seinem Ende entgegen? 3m Gegenteil — es scheint, als ob er, wie der Erfolg beweist, neue Wege sich gebahnt hat, die durchaus gangbar und entwicklungsfähig für die Zukunft sind. Fast ist es zu wenig, hier von einctn Erlebnis zu sprechen, denn dieser Film ist etwas ganz Unerhörtes in seiner sachlichen Zusammenballung, in seiner schlichten Monumentalität, deren starker, geistiger Gehalt noch niemals auf der Leinwand so überzeugend zum Ausdruck gekommen ist. Hier ist es gelungen, Seelenspannungen, Geschehnisse in ihren differenzierten Stimmungsfärbungen durch einfachste Bildszenen zu verdichten und auf den Zuschauer zu übertragen, mit einem Wort: die bisher übliche Dildkolportage in lebendig, geistiges, natur- und schicksalhaftes^eschehen zu verwandeln. Cs gehörte Mut dazk^ Mut zu Neuem, Mut zum Verzicht auf filmwirksame Requisiten. Die Verfasser des Drehbuchs, Willy Haas und L u p u Pick, haben diesen Mut besessen, und so ist diese Tragödie eines Menschen entstanden, der von dec Höhe seines Ruhmes und seiner Kraft herabsinkt in die Verlassenheit des von den Ereignissen Ueberwundenen, der langsam vom trügerischen Schein des Außen sich abkehrt und hineinwächst in sein inneres Menschentum, im tragischen Ausklang seines Lebens noch einmal zu einer Höhe ansteigend, die erschütternder und wuchtiger ist, als alle seine ruhmreichen Taten. Nichts pomphaft Heldisches mehr, nur Menschlichkeit, die nach dem jähen Sturz den glanzvollen Schein noch nicht missen will und kann. Wie erschütternd wirken diese Vilder, die den Verbannten im Scheinbewußtsein einer Macht befangen zeigen, die seiner Hand entglitten ist, die nur noch von den wenigen Getreuen mitleidig wie eine Komödie aufrecht erhalten wird, mit all dem Drum und Dran der Etikette, mit dem Glanz der Uniformen und der respektvollen Zurückhaltung gegen die Person des Kaisers. Er bleibt in diesem kleinen Kreis der Kaiser, obgleich er von den Engländern hartnäckig der General Bonaparte genannt wird, obgleich der Gouverneur von St. Helena. Hudson Lowe, diesen Usurpatorentitel mit den eifernden Worten ablehnt: „Cs gibt auf dieser Insel keinen Kaiser." Dennoch bleibt er der Kaiser, auch als der vereinsamte und leidende Mensch einen nach dem anderen seiner Getreuen verliert und sich zum Sterben niederlegt, wissend, daß die wenigen, die noch um ihn sind, ihn innerlich bereits verlassen haben. All diese Szenen sind mit einer Eindringlichkeit und Größe geformt, daß jede für sich ein kleines Kunstwerk bedeutet, und doch hat Lupu Pick, der Regisseur, es verstanden, den großen Zusammenhang nicht zu verwischen, weil keine dieser Szenen überbetont wurde. Wie ein organisches Gefüge baut sich der Film auf, oftmals im klug verwendeten Nebeneinander überraschende und wirklichkeitsnahe Lebendigkeit erzielend. 3n der Hauptrolle errang sich Werner Krauß den größten Erfolg, den er je in einem Film gehabt hat. Die schlichte Gestaltung, die auf jegliche Pose verzichtete, lieh den Schauspieler Krauß vergessen, rückte die Gestalt Napoleons in den Vordergrund. Ob in funkelnder Uniform, ob im Farmergewand mit dein breitrandigen Hut, ob im Hemd und Unterbeinkleid, immer blieb er groß und einheitlich und ganz verschmolzen mit seiner Rolle. Mimik und Geste waren von einer solchen Geistigkeit und Größe durchdrungen, welche die Wandlung vom macht- bewußten Kaiser zum verlassenen und leiderfahrenen Menschen erichütternd zum Ausdruck brachten. Am eindrucksvollsten neben ihm wirkte AI - bert Dassermann als Gouverneur Hudson Lowe. Die unsympathische, kleinlich-enge und gehässige Gestalt dieses Mannes, die sich in der Angst vor der Verantwortung zu seelenmorden- , den Schikanen gegen den Verbannten hinreißen läßt, wurde durch die hohe schauspielerische Kultur Bassermanns sehr gemildert. Gute darstellerische Leistungen boten auch die in Nebenrollen beschäftigten Künstler Hanna Rolph, Hermann T h i m i g, Paul Henckels, Lutz A l t s ch u l, Erwin Kaiser. Theodor Loos und andere. Alles in allein ein Film, der eine Tat bedeutet, ein Wegweiser ist in neues Land, und der dem stummen Film — folgt man der Weisung — neben allen Neuerungen in der Filmtechnik seine künstlerische und geistige Bedeutung erhalten und vertiefen kann. E. A. ♦ Wieder einmal sind die „D i e r T e u f e l" angekündigt, jener nach der nervösen Artistennovelle Bangs gemachte Zirkusfilm. Wieder einmal erhebt Schmidt-Gentner den Stock und läßt die Dajazzoweise verkünden, daß auch in des Gauklers 03ruft ein Herz wohne... ewiges Motiv der Zirkusromantik. Dabei kann man nachdenken. ä.lns fällt ein, daß wir, die wir den FilNi eigentlich seit seinen ersten Anfängen erlebten, diese Novelle zum dritten Male verfilmt sehen, einmal im 3ahre 1910, einmal inzwischen und dann eben jetzt. Manches hat sich inzwischen geändert, aber die Novelle Bangs wird verfilmt, warum soll sie nicht ein Sprech film werden, warum soll sie nicht vor unseren Enkeln nochmals ablaufen? Sie enthält nämlich alles, was wir Menschen der modernen Sachlichkeit immer ersehnen werden: die Romantik der Arena, das Treiben der Artisten und die Liebe, die in ihren Beruf ein» Es dürfte von Interesse sein, zu hören, was der kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnete große Erzähler Thomas Mann über seine Eindrücke vom modernen Film zu sagen hat. Eine genaue Aeuherung über den Film, an die ich zuweilen denke, muß ich mir für ungebundenere Tage Vorbehalten. Heute nur soviel, daß mein Interesse für diese moderne Lebenserscheinung in den letzten Jahren bis zur wirklichen Angelegentlichkeit gewachsen ist, ja den Charakter einer heiteren Passion gewonnen hat. Ich besuche sehr häufig Filmhäuser und werde des musikalisch gewürzten Schauvergnügens stundenlang nicht müde; weder dann, wenn es sich um Reisebilder und wilde Welt handelt, noch wenn die lebendige Zeitung, genannt „Wochenschau", vorgeführt wird, noch wenn irgendein trickhafter Spaß, eine packende Schurkerei, eine rührende Liebesgeschichte vorüberzieht, beseht mit Schauspielern, die ausdrucksvoll, hübsch und angenehm sein müssen und eitel sein dürfen, aber niemals unnatürlich. Was die Geschichte betrifft, so darf sie sogar weitgehend albern sein, falls, wie heute fast immer der Fall, die Albernheit oder Sentimentalität ihres Empfindungsgerüstes eingebettet ist in ein lebenswahres und wirklichkeitsechtes, szenisch-mimisches Ersindungsdetail, durch welches das Menschliche in hundert Einzelmomenten über die primitive llnwahrhaftigkeit der Gesamtveranstaltung triumphiert. • Ich sprach von einer „Lebenserscheinung", — denn mit Kunst hat, glaube ich, verzeihen Sie mir, der Film nicht viel zu schaffen, und ich halte es für verfehlt, mit der Sphäre der Kunst entnommenen Kriterien an ihn heranzutreten. Dies ist die Art humanistisch-konservativ gestimmter Gemüter, welche sich dann verachtungsvoll und trauernd, als von einer niedrig und wild demokratischen Massenunterhaltung von ihm abwenden. Was mich betrifft, so verachte ich ihn auch, aber ich liebe ihn. Er ist nicht Kunst, er ist Leben und Wirklichkeit, und seine Wirkungen sind, in ihrer bewegten Stummheit, sensationell im Vergleich mit den geistigen Wirkungen der Kunst: es sind die greift, der mit dem Leben spielt; und sie enthält zwei gan^e Weltenkreise: die des grünen Wagens, der Maringotte, und die andere des feudalen Palasts, deren Herrin sich an der Arbeit der Zirtusmenschen erfreut. Sehen wir alle Zirkusfilme an, die es gibt, etwa das „Varietd mit Iannings, oder „Looping the loop“ mit Werner Krauß: sie sind alle nur Abkömmlinge der ewigen vier Teufel. Ist dieses etwa das Dauernde des Spiels, so bleibt während seines Ablaufs zu überlegen, was sich, während der Kern der gleiche blieb, gewandelt hat. Die allerersten Teufel wurden einfach von der Erde aus ausgenommen, jetzt hat Murnau, der Regisseur auch dieses Zirkusspiels, mit seiner Zeit die kühnsten Aufnahme- Punkte gefunden; geblieben sind immer noch die Zwischentitel; ungeheuer gewachsen ist die Aufnahmetechnik, die überhaupt keine Unmöglichkeiten mehr kennt. Gesteigert ist die schauspielerische Technik vor der Kamera — und bei alledem bleibt doch der alte Kern von dem Artisten Fritz, der aus seiner Welt herausgehoben wird, eben durch die Liebe, das alte Bajazzothema. Sollte so nicht ein schöner Film entstehen? Er ist entstanden, wenn man jetzt auch, dem Publikumsbedürfnis entsprechend, ein happy end eingeschmuggelt hat, zu dem der Verfasser Hermann Bang nur melancholisch den Kopf schütteln würde. Aber sind das die letzten vier Teufel? Sie werden wieder gefilmt werden, denn ihr menschlicher Kern ist von einer großen Dauer. A. Wirkungen, die Leben und Wirklichkeit auf den unbeteiligten Zuschauer üben, — besänftigt durch die Bequemlichkeit der Umstände- und das Bewußtsein des gestellten Schauspiels, verstärkt und aufgehöht durch Musik. Sagen Sie mir doch, warum man im Cinema jeden Augenblick weint, oder vielmehr heult wie ein Dienstmädchen! Wir waren neulich alle bei der Erstaufführung der „Großen Parade", auch Olaf Gulbransson (der berühmte Münchener Zeichner und Karikaturist), dem wir im Ausgang begegneten. Der lustige, muskulöse Eskimo war von Tränen überschwemmt: „Ich habe mich noch nicht abgetrocknet", sagte er entschuldigend und wir standen rwch lange mit feuchten Augen in einfältiger Gelöstheit beieinander. Ist das die Verfassung, in der man von einem Kunstwerk scheidet, einer Malerei den Rücken wendet, ein Buch aus der Hand [egt, ein Theater verläßt? Es ist wahr, alte Herzen weinen, wenn in „Altheidelberg" „O alte Burschenherr'icheit" gelungen wird, aber bei Shakespeare, bei Kleist, bei Hauptmann tun auch sie es nicht. Die Kunst ist kalte Sphäre, man sage, was man wolle; sie ist eine Welt der Vergeistigung und hohen Hebertragung, eine Welt des Stils, der Handschrift der persönlichsten Formgebung, objektive Welt, Derstandeswelt („denn sie kommt aus dem Verstand" sagt Goethe) — bedeutend, vornehm, keusch und heiter, ihre Erschütterungen sind von Strenge, Mittelbarkeit, man ist bei Hofe, man nimmt sich zusammen. Dagegen ist' ein Liebespaar der Leinwand, zwei bildhübsche junge Leute, die in einem wirklichen Garten mit wehenden Gräsern „auf ewig" von einander Abschied nehmen, zu einer Musik-Begleitung, die aus dem Schmeichelhaftesten kompiliert ist, was aufzutreiben war: wer wollte da widerstehen, wer liehe nicht wonnig rinnen, was quillt? Das ist Stoff, das ist durch nichts hindurchgegangen, das lebt aus erster, warmer, herzlicher Hand, das wirkt wie Zwiebel und Riehwurz, die Träne kitzelt im Dunkel, in würdiger Heimlichkeit betreibe ich sie mit dem Zeigefinger auf dem Backenknochen. Besonders übrigens hat der Film nichts mit dem Drama zu tun. Er erzählt in Bildern; Lieber den Ulm. Antwort auf eine Rundfrage. Von Thomas Mann. die sinnliche Gegenwärtigkeit seiner Gesich!« hindert nicht, daß fein Geist, seine besten Wirkungen episch sind, und wenn irgendwo er sich mit dem Dichterischen berührt, so hier. Um Theater zu sein, ist er viel zu wirklich. Die Theaterdekoration ist auf eine geistige Illusionierung berechnet; die Szenerie des Films ist Natur — wie die reine Phantasie-Erregung der Erzählung sie dem Leset einbildet. Auch haben die menschlichen Gestalten des Films nicht die körperliche Gegenwart und Wirtlichkeit der Träger des Dramas. Sie sind lebendige Schatten, sie sprechen nicht, sie sind nicht, sie waten, aber genau so waten sie, — und das ist Erzählung. Der Film kennt eine Erinnerungstechnik. er kennt psychologische Suggestionen, kennt eine Genauigkeit des menschlichen und dinglichen Details, daß kein Dramatiker, aber sehr oft der Erzähler davon lernen kann. Die ilcberlegenljeit der Russen, die niemals große Dramatiker waren, auf diesem Gebiet beruht — für mich ist da kein Zweifel — auf ihrer erzählerischen Kultur. Als Schriftsteller habe ich mit dem Kino bisher nicht viel Glück gehabt. Man hat „Buddenbrooks" verfilmt, — man hat es den Freunden des Buck)es wohl kaum zum Dank getan. Statt zu erzählen, immer nur zu erzählen und meine Menschen leben zu lassen, hat man ein gleichgültiges Kausmannsdrama daraus gemacht und von dem Roman beinahe nichts übrig gelassen als die Personennamen. Ein hervorragender Berliner Unternehmer hat tatsächlich eine Weile daran gedacht, den „Zauberberg" auf die Leinwand zu bringen, — was mich nicht einmal wundert. Kühn angegriffen könnte das ein merkwürdiges Schaustück geben, eine phantastische Enzyklopädie, mit hundert Abschweifungen in alle Welt und die um ein episches Zentrum Visionen aller Gebiete, der Natur, des Sporkes, der Medizin und Lebensforschung, der politischen Geschichte und so weiter ordnen würde. Was wäre allein zu machen aus dem Kapitel „Schnee" und jenem mittelmeerischen „Traumgeficht vom Menschen" das es einschlieht! Aber.man wird verzichten. Die Aufgabe stellt große geistige und materielle Ansprüche. Jetzt nähert man sich der „Königlichen Hoheit". Das ist leicht und sollte gelingen. Es sind dankbare Rollen da, sogar die unfehlbare eines schönen Hunde * und trotz stofflicher Nä'e von „Alt-He del erg" könnte bei glücklicher Wahl der Darsteller und rcizvo..er Inszenierung die freundliche Geschichte aus der Leinwand ihr Glück machen. Al Iolson singt wieder ... In dem Tonfilm „Der Iazzsänger". Als dieser Film „Der Iazzsänger" vor vier Jahren zum ersten Male in Berlin erschien, wurde er von ckknem geheimnisvollen Nimbus begleitet; denn er sei, hieß es, in Amerika als der erste Tonfilm gedreht worden — ein Begriff, mit dem man damals bei uns noch nichts Rechtes anzufangen wußte — Al Iolson aber sei Amerikas größter und berühmtester Variete» fänger. Als wir dann den Film sahen, gewannen wir weder von dem Sänger eine Vorstellung noch von der Art, wie man drüben einen Tonfilm anfassen wolle. Inzwischen ist uns Al iolson sozusagen menschlich und akustisch nähergekommen, denn er hat mit seinem „Singing fool" die Welt erobert und den Sang vom Sonny boy um den Erdball gesungen. Da et heute wieder kommt, sind wir sicherlich kritischer und tonfilm- erfahrener geworden als vor einigen Monaten, als er uns in der Rolle des „Singenden Narren" und mit dem ersten amerikanischen Tonfilm, der bei uns erschien, einfach hinnahm. Aber gleichwohl hat seine Persönlichkeit keinen Augenblick an Reiz verloren. Er spielt jetzt ungefähr die gleiche rührende Geschichte wie als singender Narr; die äußeren Umstände sind natürlich ein wenig verändert, «nd er ist jetzt ein Iuden- junge, Sohn eine« strenggläubigen Kantors aus dem Neuyorker Ghetto, der von Hause durchbrennt, um seiner Begabung für den Jazz zu folgen und der große Iazzsänger von Amerika zu werden, der Al Iolson tatsächlich ist; er Franzosen hinter Lena... Tonfilm-Aufnahme im Freien. An einem dieser nebligen Herbstmorgen steht und hält auf einer Dorfstraße eine Kompanie französischer Soldaten. Man sieht ihnen an, daß sie eben die Schlacht von Jena gewonnen haben, denn sie sind munter und guter Dinge, obwohl es fröstelt und verhangen über die Felder weht. Die Dorfstrahe führt durch eine sumpfige Landschaft und verschwindet in einer tiefen Geländefalte, in welcher man das Dork ahnt, dessen Dächer eben noch zu sehen fink Hinten verschwimmt alles im Nebel. Die finsteren Umrisse von alten Gebäuden ragen rätselhaft. Neben der Straße stelzt eine junge Dame durch das Gelände. Die Soldaten lachen: Das ist Betty Amann, seht dochl — Ein junger Herr im gelben Ulster steht lächelnd daneben. Guten Tag Willy, rufen die Franzosen und freuen sich. Denn der gelbe Herr heißt Willy Fritsch, und das Ganze spielt sich natürlich auf dem Freigelände der Ufa ab. Es ist noch zu sagen, daß hier Tonfilmaufnahmen gedreht werden, weshalb in der Nähe ein Autobus hält, in dem die Apparaturen arbeiten werden. Hier ist auf den märkischen Boden ein anderer künstlich aufgeflebt worden. Die Straße besteht aus Torf, der mühsam aufgeschichtet wurde, die Häuser sind auf ihrer Rückseite natürlich hohl, und der Nebel wird jedesmal, wenn die Aufnahme beginnen soll, von einem Herrn Schmidt angezündet. Herr Schmidt, ich sehe keinen Nebel aus dem Dorf! tutet der Regisseur Bernhardt von seinem hohen Feldherrngestell durch das Sprachrohr, und Herr Schmidt verschwindet alsbald im Dorf, um die Nebel zu brauen. Conrad Deidt. der in diesem Tonfilm „Die letzte Kompanie" die große Rolle spielt, ist nicht $u sehen. Hier agieren nur seine Soldaten und ihre Feinde, die Franzosen mit Infanterie und berittener. Garde, mit Batterien und pulvergeschwärzten Fahnen, denen man Ma» rengo ohne weiteres glaubt. Joe May, der Produktionsleiter, spaziert die Dorfstraße entlang und trifft die letzten Anordnungen, denn es soll jetzt endlich beginnen (endlich! lautet jeder dritte Stoßseufzer beim Film). Das Megaphon brüllt aufgeregt und ersucht die Herrschaften — das sind wir, di« Schlachtenbummler — keinen Laut zu reden, denn jetzt beginne die Aufnahme! Gleichzeitig flammen die Riesenscheinwerfer zu beiden Seiten des historischen Geländes auf, Herr Schmidt hat die Nebeldecken angesteckt, und wenn die Strahlen die grauen schweren Wolken treffen, erhebt sich eine Stimmung von herbstlicher Fahlheit und Melancholie. Wir, die Unhistorischen am Rande des historischen Augenblicks, schweigen ehrfürchtig. Die Infanterie kommt im Laufschritt heran. Französische Schreie fliegen (man hat sich eigene Franzosen nach Babelsberg bestellt), die Trommeln dröhnen, die Hömer schmettern, im geeigneten Moment schreit einer der Franzosen ins Mikrophon: Laissez passer la cavallene! Die Garde stiebt herbei und ist schon aus dem Aufnahmefeld herausgaloppiert. Die Geschütze rasseln.... Halt! Die Scheinwerfer erlöschen, der Nebel wird gebremst, die Spannung löst sich. Cs ist wieder einmal nichts gewesen. Denn es soll den Franzosen eine Kanone in dem Sumpf an der Seite der historischen Straße versinken, aber es ist manchmal nicht leicht, eine Kanone hierzu zu veranlassen. Diesen ganzen Vormittag ist die Kanone nicht gesunken... Inzwischen kann man sich umsehen, lieber einem Fluh wölbt sich eine hohe Brücke aus Stämmen. Die Drücke ist künstlich, das Wasser der Saale steht in einem Zementbecken. Aber ihre steilen User sind vorhanden, und sie tragen an ihren Rändern die Spuren des Krieges: hier sind Zelte errichtet worden, Kochlöcher eingegraben, ein Wall gezogen, Fetzen liegen umher, ein Marketenderwagen liegt umgestürzt am Wege, ein altes (und sehr echtes) bemaltes Kummet ist zwecklos fortgeworfen und am Rande des Weges kauert ein totes Pferd mit aufgeriffener, blutig beschmierter Brust und schrecklich verkrümmten Deinen — ein Gaul, wie er sich im Todeskampf zusammengeballt hat und den Steilhang abstürzte. Auf die friedliche märkische Kie- fernlandschaft ist eine zweite geklebt, die Leere und Grauen des Krieges ahnet. Hier wird heute Nacht von den Napoleoniden biwakiert werden. Aus jener historischen Dorfstrahe ist im wesentlichen noch alles unverändert. Wieder einmal brüllt das Megaphon und ersucht die Herrschaften in der Nähe der Mikrophone um Ruhe, und die Scheinwerfer strahlen ihre bläulich-weiße Flamme gegen den brauenden Nebel des Herrn Schmidt, der sich jetzt aus dem Dorfe bemerkbar macht. Die Natur ist in vollendeter Ordnung! Die Infanterie naht mit kleinen französischen Geschwindschritten, die Hömer blasen, die Trommeln dröhnen, die gellenden Schreie der Franzosen schmettern gegen die Mikrophone. Laissez passer la cavallene: Die Garde schießt hervor und verschwindet im Herbstrauch des eifrigen Herrn Schmidt... ß d Träume im Film. Das eigentliche und besondere Gebiet des Films, auf dem er seine stärksten künstlerischen Wirkungen hervorbringt, ist das des llnwirk- ttchen und Phantastischen. Aus diesem Grunde ist er auch imstande, Dinge anschaulich zu machen, deren Darstellung bisher unmöglich war. Er vermag Träume und Visionen so lebendig zu gestalten, daß wir diese Spukgebilde des Geistes miterleben. Sehr früh hat sich die Kinokunst diesen einzigartigen Vorzug zunutze gemacht. Wie Dr. H. Treuner in der Leipziger „Jllu- strirten Zeitung" ausführt, waren zwar die ersten Versuche, Geistererscheinungen, Träume und Visionen wiederzugeben, noch recht unvollkommen, ledoch bereits in Filmen, wie dem „Indischen Grabmal" und Paul Wegeners „Voghi" finden sich außerordentlich gelungene Dilder solcher mystischen Vorgänge, so z. 2., wenn im „Indischen Grabmal" plötzlich die Hand des Fakirs im Zimmer erscheint und einen CB rief vorn Schreibtisch mmmt oder wenn im „Boghi" der Kampf zweier unsichtbarer Menschen durch ihr« wechselnden Fußspuren im Sande veranschaulicht wird. Heute stehen eine große Anzahl technischer Möglichkeiten dem Regisseur zur Verfügung, um Traurn- erscheinungen mitten im Alltag im Film auf» tauchen zu lassen und das Hereinragen der Geisterhände in unser Leben mit plastischer Realität zu zeigen. Immer wieder greift die moderne gilmregie zu dem Mittel des Traums, und es gibt einige Werke, in denen jene durch die heutige Wissenschaft aufgedeckten Gesetze der Traumphantasie sehr fein berücksichtigt sind. Wohl der bedeutendste Film dieser Art ist der Ufa- Film „Geheimnisse der Seele", der sich auf solch wissenschaftlicher Grundlage mit der Entstehung und Dedeutung der Filme befaßt und Traumbilder von unvergeßlicher Eindringlichkeit vorfuhrt. Mit Vorliebe wird der Traum im Film zu komischen Einlagen benutzt, indem er uns ' die Träume und Vorstellungen der handelnden Person nicht sichtbar macht oder uns den Traum mit dem Träumenden zugleich miterleben läßt. Auch als psychologische Ausdeutung innerer Konflikte wird er viel verwendet. Ein lustiges CBei- spiel ist etwa der Traum des Sängers, der als Lohengrin auf das hohe C hinaufklettert, oder es wird im Traum eine Märchenwelt ausgedeckt, indem der Mensch bald zwerghaft verkleinert in einer riesigen Umgebung erscheint, oder auch als Riese sich in einer Liliput-Umwelt zurechtlinden soll. Visionen, die im Gegensatz zu dem Traumerlebnis im Wachzustande vor dem inneren Auge der Personen erscheinen, spielen ebenfalls im modernen Film eine große Rolle. Ein solch bezeichnendes Visionsbild ist etwa die Schilderung der Vorstellungen, von denen Eifersüchtige umgeben sind, indem ihnen die Gegenstände ihrer Eifersucht von überall her, von den Wänden des Zimmers und aus den Seiten des Duches entgegengrinsen. Typisch ist auch die Angstvision des Fliegers, die ihm die Katastrophe ankündigt, und besonders eindrucksvoll ist in dem „Matterhorn-Film" die historische Vision des kühnen Dergsteigers Whymper verwendet, die er selbst in feinem Bericht von der Besteigung des Matterhorns beschrieben hab spielt also wiederum keinen anderen als sich selbst. Es ist keine Frage, dah er dieses ganz Vorzug- lich macht. Er hat, wie es in einem Zwischentitel dieses Films einmal heiht, wirklich die „Tränen in der Kehle", wenn er Jazz singt, und er scheut sich nicht, diese Tränen zu zeigen und fliehen zu lassen. Er hat den echtamerikanischen hundertprozentigen Mut zur Sentimentalität, zur Ergriffenheit, zu ungehemmten Lhr'.smen. Er ist in alledem mit ganzer Seele dabei, darum fasziniert er; er ist gewiß sehr oft sehr weichlich und rührselig, aber er ist es niemals — wie unsere Darsteller oft — mit bösem Gewissen, sondern mit voller Ueberzeugung, und darum überzeugt er. Darum weint das Publikum, darum werden die Taschentücher in unheimlicher Weise benutzt, darum schwimmt das ganze Parkett in ergriffener Rührung. Zugegeben, daß diese Art der Wirkung sehr peinlich an „Alt- Heidelberg" erinnert: es wird doch wenigstens eine Art Von Effekt erzeugt, und während wir bei allen deutschen Tonfilmen sehr kritisch und kühl bleiben, geht bei diesem vier Zähre alten amerikanischen Tonfilm das gesamte Publikum energisch mit. Das ist AI Zolsons Verdienst. Seine Persönlichkeit überwindet alle Primitivität dieser nun überholten Tonfilmtechnik. Freilich, sie ist überholt und auch von den deutschen Tonfilmen schon ästhetisch überwunden. Wir haben hier noch den Ursprung allen ton- silmischen Anfangs: synchronisierte Musik, sehr sparsamen und zaghaften Dialog und die Gesangseinlagen. Zeder Anlaß wird benutzt, um Zolson fingen zu lassen. Er singt (wie im „Singing fool“) vor dem Mädchen seines Herzens, die also auf chn aufmerksam wird; er singt auf der Generalprobe, er trägt feiner alten Mutter seine Schlager vor, er singt in der Synagoge, reumütig in das väterliche Haus zurückgekehrt, am Versöhnungstage Kol Ridrei und er singt am Schluß, in der inzwischen weltberühmt gewordenen Riggermaske mit den weihen Handschuhen, den Song an mamy, an seine alte Mutter, die unten im Parkett sitzt und weinend und gerührt zu dem berühmten Sohne aufblickt. 3a, es wird in diesem Film sehr viel geweint, auch auf der Leinwand, und wir wollen hoffen, daß der deutsche Tonfilm, der jetzt eben erst seine ersten Schritte beginnt, nicht in diese tränenreiche Atmosphäre abgleite. Aber toeim der Zazzsänger sich in dieser Szene vor der Rampe niederkniet und zu mamy hinabsingt, wenn die Rührung in seiner Stimme tremoliert, dann ist der Widerhall im Publikum da, hundertprozentige Ergriffenheit, die von einem Menschen ausgeht, dem in diesem Moment die Hellen Tränen über die schwarze Schminke laufen, der ehrlich und herzlich selbst ergriffen und gerührt ist. A. Aus der proviozialhauptstadt. Gießen, den 4. Dezember 1929. Oie Provinzialtagswahl. Wie der Provinzialwahlkommissar für die Provinzialtagswahl im neuesten Amtsverkündigungsblatt vom 3. Dezember bekannt gibt, sind nach der amtlichen Feststellung des Ergeb- riisses der Provinzialtagswahl vom 17. Rovember 1 9 2 9 folgende Stimmen- zahlen für die einzelnen Wahlvorschlage ermittelt worden: Sozialdemokratie 41 239, Kommunisten 4848, Zentrum 5933, Evangelische Volksgemeinschaft (Christlicher Volksdienst) 3381, Rationalsozialisten 5594, Volksrechtpartei 812, Hessischer Landbund: Kreis Gießen 9590, Kreis Friedberg 6706, Kreis Büdingen 4474, KreiL Schotten 4770, Kreis Alsfeld 4277, Kreis Lauterbach 2913, Deutsche Demokratische Partei 4896, Deutsche Volkspartei: Kreis Gießen 3810, Kreise Büdingen und Friedberg 2892, Kreise Alsfeld Lauterbach und Schotten 3337, Deutschnationale Volkspartei 3181, Mittelstandsvereinigung (Wirt- fchaftspartei) 4639. Hinsichtlich der Mandatsverteilung hat sich durch die amtliche Feststellung gegenüber dec von uns am 19. Rovember berichteten vorläufigen Mandatsermittelung nichts geändert. Genoffenschaflskursus an der Landesuniversität Gießen. Rach der von dem Landwirtschaftlichen Zn- stitut der Universität sowie den Genossenschaftsverbänden Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden ergangenen Einladung wird der vor einigen Tagen angekündigte Genossenschaftskursus am Donnerstag, 5. Dezember, vormittags 8.30 Uhr, durch eine Begrüßungsansprache Sr. Magnifizenz des Rektors der Universität, Prof. Dr. Brüggemann, und den Direktor des Landwirtschaftlichen Znstituts, Prof. Dr. S e s s o u s, eröffnet Es folgen am gleichen Tag Vorträge von Prof. Dr. Günther über „Die Persönlichkeit im Genossenschaftswesen", von Oberfinanzrat Prof. Dr. Hillringhaus (Berlin) über „Genossenschaftliches Wollen und Wirken in Vergangenheit und Gegenwart", von Prof. Dr. Ä lebe r g e r über „Reue Dünge- und Futtermittel", und von Diplomlandwirt Haack (Frankfurt a. M.) über „Der derzeitige Stand der genossenschaftlichen Diehverwertung unter besonderer Berücksichtigung des Frankfurter Schlacht- Viehmarktes". Am Freitag, 6. Dezember, werden Referate erstattet von Prof. Dr. K r a e - met über „Das Genossenschaftswesen in der Tierzucht", von Direktor Schmidt (Berlin) über „Die künftige Absatzorganisation der deutschen Landwirtschaft", von Prof. Dr. M o m b e r t über „Kapitalbedarf und Kapitalbildung in Deutschland", und von Direktor Liebmann (Frankfurt a. M.- über „Die Bedeutung der Konsumvereine für den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse". Am Schtußtage, Samstag, 7. De- zember, sprechen Prof. Dr. S e s s o u S über „Die Begutachtung landwirtschaftlicher Sämereien", Oberfinanzrat Prof. Dr. Hillringhaus (Berlin) über „Die Rationalisierung im ländlichen Genossenschaftswesen". und Derbandsdireltor B e r g (Darmstadt) über „Anpassung der landwirtschaftlichen Genossenschaften an die Erfordernisse der Zeit". An den Rachmittagen des 5. und 6. Dezember finden Demonstrationen im Agrikul- turchemischen Institut sowie Besichtigungen des Landwirtschaftlichen Instituts und der Hess. Hauptstelle für Pflanzenschutz sowie der Veterinärmedizinischen Institute und der Tierkliniken statt. Außerdem kann das Gießener Lagerhaus der Raifseisenhauptgenossenschaft sowie die Molkereigenossenschaft Ostheim—Rieder-Weisel und die Vereinsbank Butzbach von den Teilnehmern besucht werden. Deutschland und Oesterreich. Ein intereffanter Dortrag in Gießen. Auf Einladung der Gießener Studentenschaft, der Akademischen Ortsgruppe des V. D. A. und der Vereinigung auslanddeutscher Studierender sprach gestern abenb vor einer zahlreich besuchten Versammlung in der Reuen Aula der Universität der Ministerialrat a. D. Dr. Kleinwächter aus Klagenfurt übet das Thema „Deutsch-Oesterreichs Gefahrenlage und Derfassungskrise". In seinem etwa einstündigem Vorfrage wies der Redner einleitend darauf hin, daß die Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland nicht etwa den Erwägungen der Rot entstamme, sondern eine sehr wichtige Angelegenheit der 6,5 Millionen Deutschen sei, die jetzt in Oesterreich wohnen und zum deutschen Mutterlande strebten. Zwar sei die Gefahr nicht dringlich, abec wenn diese 6.5 Millionen Deutschen nicht heimfänden zum Mutterlande, dann bestünde die gefahrdrohende Lage, daß sie dem Deutschtum überhaupt Derlorengtngen, da sie sich dann schließlich als österreichische Ration fühlen würden. Aus diesen Erwägungen heraus sei die Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland einfach eine gesamtdeutsche Angelegenheit. Der Redner besprach hierauf eingehend die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen Oesterreich zur Zeit zu leiden hat und die namentlich ihren Ausgang darin haben, daß Deutsch-Oesterreich durch den Friedensvertrag sein wirtschaftliches Absatzgebiet (Tschechoslowakei, Galizien, Ungarn, Kroatien ufw.) verloren habe und außerdem mit seinem Bahnnetz völlig in der Abhängigkeit von den neugeschaffenen Staatsgebilden stehe. Dazu kämen noch die innerpolitischen Schwierigkeiten, die sogar zu einem Parteikampf geführt hätten, bei dem der Bestand des Staates überhaupt in Frage gestellt worden sei. Diese inner politische Entwickelung, die ihre Hauptursache in der künstlichen Staatskonstruktion habe, sei neuerdings erfreulicherweise durch Verständigungsbereitschaft auf allen Seiten zum Besseren gewendet worden, und dies finde seinen Ausdruck in der Der- fassungsreform, die wenigstens die schlimmsten Rachtelle des bisherigen Staatsaufbaues beseitige. Mit ernster Besorgnis sprach der Redner dann von der außerordentlich unbefriedigenden außenpolitisc^n Lage Oesterreichs, die bedrohlicher sei, als die meisten ahnten. Besonders beklagte der Vortragende, dah vor dem jetzigen österreichischen Staate jeder Respekt fehle, daß die meisten anderen Staaten des Glaubens seien, sie könnten sich mit Oesterreich einfach alles erlauben. Eingehend erörterte der Vortragende in diesem Zusammenhang den schweren Druck, den die Tschechoslowakei, die Ungarn, die Südslawen und die Italiener auf die Grenzen Oesterreichs ausüben. Die Tscheche! sei dabei von ihrem starken Drange nach den Donau geleitet, die Ungarn trachteten nach dem Burgenland, und von den Südslawen und den Italienern drohe die große Gefahr, daß sie ihre nationalen Gegensätze schließlich einmal durch Waffengewalt austragen und sich dazu, in Ermangelung eigener günstiger Kampfgebiete, den südlichen Teil Oesterreichs nach Durchbrechung der österreichischen Grenzen als Schauplatz des Ringens erwählen würden. Unter diesem Gesichtswinkel, bei dem es sich durchaus nicht um eine Utopie handele, sondern um eine nüchterne Betrachtung der Lage, müsse man sagen, dah deutscher Boden auf dem Spiele stehe, denn die Grenze dort unten sei eine deutsche Grenze, bei deren Beseitigung deutsches Volk und deutscher Boden verlorenginge. Es handele sich hier also um eine Frage des Gesamt-Deutschtums von außerordentlicher Große und Bedeutung, die nur durch die Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland in gutem Sinne für das Deutschtum gelöst werden lönne. Der Vortrag, der in mancherlei Hinsicht neue Gesichtspunkte zur Betrachtung der Anschluhsrage gab, fand den lebhaften Beifall der Zuhörer. Die Vorträge finden diesmal mit Rücksicht auf die außerordentlich starke Beteiligung in der Großen Aula der Universität statt. Blattfleckiger Spinat. In der gestrigen Ausgabe unserer „Scholle" war dieser Artikel, auf den im Fragekasten der „Scholle" bei Beantwortung einer Anfrage besonders hinge- wiesen war, infolge eines Versehens nicht enthalten. Da diese Angelegenheit große aktuelle Bedeutung hat, geben wir dem Artikel an dieser Stelle Raum. D. Red. Wenn die Blätter des Spinats braune Necken bekommen, die sich etwas nach oben wölben und auf der Unterseite einen grauen oder braunen Schimmel erkennen lassen, haben wir den falschen Meltau dieser Gemüseart vor uns. Die Krankheit breitet sich außergewöhnlich schnell aus, befällt die Rachbarbeete und bringt die Blätter in kurzer Zeit zum Absterben. Die Ernte gilt als verloren. Obgleich wir in der Kupferkalkbrühe ein wirksames Belämpfungsmlltel besitzen, lohnt sich dessen Anwendung nicht, well alles, was etwa noch gerettet werden könnte, von der giftigen Brühe verschmutzt wird. Man gräbt darum die befallenen und angesteckten Saaten kurzerhand tief um. kalkt und sät im nächsten Iahr Spinat nicht an die gleiche Stelle oder in deren Rähe. Die Dauersporen überwintern nämlich und bleiben im Boden noch ein Iahr lang lebensfähig. Verbreitet wird die Krankheit hauptsächlich von wilden Melden undGänse- suharten. Diese Unkräuter soll man darum im ©arten nicht aufkommen lassen. R.-G. Gemeindcabcnd der MMusgemeinde. Die Gestaltung von Gemeindeabenden ist immer eine schwierige Sache. Zu viele Interessen und Bedürfnisse sind zu berücksichtigen. Fast keine Möglichkeit bietet sich, allen Schichten einer großen Gemeinde gerecht zu werden. Und doch muh der Versuch gewagt werden, aus einer Einheit heraus ein Programm zu gestalten: ein Programm, das nicht das übliche Vielerlei und typisch Dereinsmäßige hat, sondern Stil, Gesinnung und Charakter zeigt. Das ist der Vorzug der gut aufgezogenen Matthäusgemeinde- a b e n ö c, dah sie aus einem großen Gedanken heraus gestaltet sind, dah sie volksbildend, mehr noch volk-bildend wirken wollen. Der Abend stand unter dem Gedanken der Dolkserneuerung: ein Leitgedanke, gegeben durch das heldische Spiel „Deowulf" von Otto Bruder. Der Verfasser gehört zu den Iüngeren unter den Modernen, kraftvoll in seiner Lyrik und seinen Keinen Geschichten, bekannt hauptsächlich in den Kreisen der Zugendbewegung. Was das Spiel „Deowulf" besonders geeignet macht, volkbildend zu wirken, ist, dah es ein chorisches Spiel ist. Gruppen von Menschen, junge Menschen auf die Bühne stellt, die Bekennende sind und sich in Schuld und Schicksal miteinander verbunden wissen. Von der Freiheit des Volkes handelt das Spiel. Das Volk erliegt einem Werwolf, hilflos und ohnmächtig. Ermüdung, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung ergreift das Volk. Kein Mut zum Aufraffen. Die Iungmannschaft, die dem Ungeheuer entgegentritt, verfällt ihm immer wieder aufs neue. Rur ein reiner Knabe, makellos, dem alles Entwürdigende fremd ist, kann den Bann, der auf dem Volke liegt, brechen. Deowulf bezwingt den Dämon. Er beschämt die Iungmannen des Volkes, denen ihr Leben lieber war als die Freiheit des Volkes. Er erweckt der Schlafenden Ehrgefühl, erweckt ihren gebundenen Freiheitswillen zur Tat. „Modern muß das Gewaltigste, wenn Reinheit nicht und Treue nicht mehr ist und Wachsamkeit." Das Spiel fand eine sehr interessierte Gemeinde. Die Begeiste- rung, mit der die Spielschar der Zugendvereinigung der Matthäusgemeinde das Spiel spielte, die Ergriffenheit, aus der heraus alles kam, der große Gedanke des Spiels machte einen tiefen Eindruck. Mit Recht hatte sich die Spielschar jeden Deifall verbeten; sie wollte nicht Theater spielen, sondern sie wollte ein Dekenntnis ablegen. Der Abend wurde eingeleitet durch Händels Sonate 0-Moll für zwei Violinen und Klavier, gespielt von Musiklehrer Franz Dauer jun. und Studienassessor K n a u h (Violine), Frau E. Fischer (Klavier). Die Künstler spielten noch das Andante aus dem Conzertante von Mozart und das Allegro auS dem Konzert A-Moll von Divaldi. Händels Sonate gehört zu den wertvollsten Sonaten des Künstlers, kein theoretisches, nüchternes Stück, sondern von jugendfrischem Gci't, kristallklar und hindergründig im Ausdruck, das noch heute zum Herzen spricht. Das Andante von Mozart ist ein edler Mozart, ein Stück von silberzartem Klang, das mit den ersten Takten fesselte und nicht mehr losließ. Die Einstellung der Spieler war vollkommen. Temperamentvoll und lebendig kam das Allegro von Divaldi heraus. Ein erfreuliches Musizieren der drei Musiker; sie spielten mit überlegener Hingabe und mit vollem Gelingen. Frl. Z. S t a m m l e r sang mit warmer, beseelter Stimme, technisch fauber und gut, eine Arie von Händel. Sehr gut lag ihr Gumberts „Kein Hälmlein wächst auf Erden". Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende der Männer- und Frauenvereinigung, Berufsschullehrer W e h r h e i m. Die Ansprach« hielt der Gemeindepfarrer, Pfarrer Mahr, der aufrief, dem Evangelium, dem Willen zur Wahrheit und zum Recht unerschrocken im öffentlichen Leben wider alle Parteidogmen und wirtschaftlichen Gebundenheiten Geltung zu verschaffen. Wir brauchen mehr Sauberkeit, mehr Reinlichkeitsgefühl im öffentlichen Leben: den Geist des Adventskönigs, in dessen Zeichen der Abend stand. Der Saal des Caf6 Leib und seine Emporen waren voll besetzt, ein Zeichen, wie diese Gemeindeabende einem lebhaften Bedürfnis der großen Matthäusgemeinde entsprechen. * ** Aufgehobene Straßensperre. Die. Sperre auf der Provinzialstraßenstrecke Bahnhof Großen-Linden bis Leihgestern ist wieder aufgehoben. ** 2) i e n ft j u b i I ä u m. Vor einigen Tagen konnte der beim Bezirkszollkominissariat Gießen beschäftigte Zollsekretär Hch. Haberkorn auf eine 40jährige Tätigkeit im Reichsdienst zurückblicken. Aus diesem Anlässe versammelten sich die Beamten der Dienststelle beim Bezirkszollkommissar, um dem Jubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Der Vorsteher des Hauptzollamts, Zollrat Horn, händigte dem verdienten Beamten ein Glückwunschschreiben des Herrn Reichspräsidenten aus und übermittelte ihm gleichzeitig die Glückwünsche des Landesfinanzamts Darmstadt. Für die Beamten des Bezirkszollkom- missariats sprach Bezirkszollkommissar Eckhardt, der dem Jubilar ein von den Beamten und Angestellten des Hauptzollamts gestiftetes Andenken überreichte. Der Gefeierte sprach dann für die Ehrung feinen Dank aus. Allgem. Deutscher Frauenverein, Ortsgruppe Gießen. Man berichtet uns: Am 2. Dezember eröffnete Frau Dr. Selb die Sitzung des Allgern. Deutschen Frauenvereins mit einem Hinweis auf die soeben unter der Leitung von Frau Elisabeth Koeppe eingerichtete Hausfrauenberatungsstelle, die dem Verein angegliedert ist. Die Beratungsstelle wird Dienstags und Freitags Sprechstunden im „Prinz Karl" abhalten. Um besonders den Bedürfnissen der Weihnachtszeit entgegenzukommen, wird am nächsten Montag im „Prinz Karl" eine öffentliche Versammlung stattfinden, in der Frau K o e p p e über die Selbstherstellung von nützlichen Geschenken, hauptsächlich von Kinderspielzeug, sprechen wird. — Sodann ergriff Schwester Lotte Eichmeyer das Wort. Sie erzählte von ihren Erfahrungen und ihrer Tätigkeit in der Fürsorge auf dem Lande. Co dankenswert diese Arbeit ist, so große Anforderungen stellt sie an die Schwestern. Da sind vor allem die unbequemen Verkehrsmittel, die eine richtige Einteilung der Arbeitszeit sehr erschweren, da ist der Kampf mit alteingewurzelten Dorurtellen und mit der Unwissenheit, namentlich auf gesundheitlichem Gebiet. Deshalb ist z. B. eine der wichtigsten Aufgaben der fürsorgerischen Tätigkeit der Kampf gegen die Tuberkulose auch eine der schwierigsten. Schwester Lotte schilderte ihre Arbeit auf diesem und auf anderen Gebieten, wie Krüppelfürsorge, Fürsorge für Alkoholkranke, Kontrolle über die unehelichen Kinder, Ueber- führung gefährdeter Kinder in Fürsorgeerziehung und ihre Tätigkeit als Helferin des Schularztes. Reben diesen Obliegenheiten werden der Fürsorgeschwester noch eine Unmenge von anderen Kenntnissen und Fähigkeiten sollens der Bevölkerung zugemutet. Die Einrichtung der Fürsorgetätigkeit ist noch so jung, daß man den Schwestern vielfach mll Mißtrauen entgegenkommt und ihre Arbeit als Eingriff in die persönliche Freiheit der Familie empfindet. Doch haben die Fürsorgerinnen in der Zell ihrer Tätigkell trotz aller Hindernisse soviel Gutes gewirkt, daß wir ihnen aufrichtige Dankbarkeit schulden. Diesem Empfinden gab Frau Prof. Vigen er im Ra« men der Zuhörerinnen herzlichen Ausdruck. ** Der „Napoleonsstock" bei Oberkleen. Aus unserem Leserkreise ging uns folgend« Anfrage zu: „Die Landstraße von Oberkleen nach Oberwetz im Kreise Wetzlar führt über einen Höhenrücken, oer auf der Karte als „Napoleonsstock" bezeichnet wird. Auf dem höchsten Punkt der Straß« befindet sich ein viereckiger Pfahl, auf dem der Kaiser Napoleon I. mit einem Stock in der Hand abgebildet ist. Wie der Berg zu dem Namen „Napoleonsstock" kommt und was für eine Bewandtnis er überhaupt hiermit hat, konnten wir trotz vielerlei Nachfragen bis jetzt nicht ermitteln. Vielleicht tarnt uns der „Gießener Anzeiger" Auskunft hierüber zeben? Wir haben diese Anfrage an Herrn Pro- essor Dr. G l o e l (Wetzlar) oym Wetzlarer Ge- chichtsoerein mit der Bitte um Auskunft weiter- ;ereicht, der uns, gestützt zum Teil auf Angaben des rüheren Oberkleener Pfarrers Hartmann, folgendes mitteilt: „Man sucht den Namen „Napo- leonsstock", oder „Napoleon", wie der Berg zwischen Oberkleen und Oberwetz gewöhnlich genannt wird, dadurch zu erklären, daß Napoleon I. hier mit feinen Truppen nach der Schlacht bei Leipzig durchmarschiert sei. In der Tat zog er aber über Hanau und Frankfurt nach Mainz. Früher führte auch über den Berg ein so schlechter Weg, daß er von Truppen zu Durchzügen nicht hätte benutzt werden können. Erst vor einigen Jahrzehnten ist die Straße zu einer Chaussee ausgebaut worden. An der Stelle, wo auf der Höhe der Weg nach Oberwetz abbiegt, wurde auf einem alten Wegweiser eine kleine Figur Napoleons I. in primitiver Weise aufgemalt. Dies wird wohl erst nach 1870 geschehen fein. Seitdem entstand im Volksmunde für Den Pfahl und für den ganzen Berg der Name „Napoleonsstock" oder „Am Napoleon". Herr Pfarrer Hartmann meint, di» Figur sei das Werk eines Mannes, der dadurch feine Freude über die Schlacht bei Sedan und die Ge» fangennahme Napoleons III. habe ausdrücken wollen. Das will ich dahingestellt fein lasten." •* Elternabend der Oberrealschule. Man berichtet uns: Der Elternabend, der am Sonntag in der Oberrealfchule stattsand, stand unter dem Zeichen Mozarts. Ein glücklichen Gedanke in mehrfacher Hinsicht! Mit welch rüfc-i render Fürsorge hat doch der religiöse und pflichttreue Vater Leopold die Entwicklung feines! Sohnes Wolfgang geleitet! Väterliche Liebe und Strenge sprechen aus den Briesen, die der hochbegabte Sohn mit dankbarer Verehrung beantwortet hat. Eindringlich mahnt der nüchterne, erfahrene Erzieher seinen optimistischen, vertrauensseligen, empfindsamen Schützling zu« Vorsicht, Klugheit und Willenskraft. Ein schönes! Vorbild väterlicher Sorge! Und andererseits bie frische, gesunde, in unerschöpfliche Melodie sich ergießende Musik Wolfgangs, in der der Zauber! des Minnesangs wieder auflebte! Diese Musik, die so genial und oft von bestrickendem Reiz und überraschender Einfachheit ist, kann die Zugend verstehen, an ihr erhebt und erfreut sie sich. Der Ansprache Z. Spiers, in der Mozarts Werdegang mit Sorgfalt und Geschick dargelegt wurde, ging der Türkische Marsch voraus, dessen scharfer Rhythmus gut zur Geltung kam. Das melodische Andante aus dem Violinkonzert in D-Sur fand durch Karl Rabenau einen treffenden Interpreten und das Trio in 0-Dur für Violine, Cello und Klavier war ein erlesener Genuß des Abends. Den Schluß des ersten Teils bildete das reizende, im anmutigen Rokokostil gehaltene lls-Dur-Menuett. Der zweite Teil des Programms vermittelte ansprechende mehrstimmige Gesänge und u. a. das alle kleinen und großen Kinder herzlich belustigende Kasperletheater. Diese Stunden in der Oberrealfchule, die Schüler, Lehrer und Eltern miteinander vereinigten, find eine wertvolle Bestärkung deS gegenseitigen Vertrauens, ohne das eine wirksame Arbeit in Erziehung und Unterricht nicht geleistet werden kann. Auch dieser künstlerisch und unterhaltend wohlgelungene Elternabend möge bald seine Fortsetzung finden, und da« pädagogisch nützliche Schülerorchester bleibe rüstig an der Arbeit unter der hingebenden verständnisvollen Leitung des Herrn Dr. Hillenbrandl *• „Vom kommenden Christentum". Man berichtet uns: Den dritten Vortrag der von der Bewegung für religiöse Erneuerung angekündigten Vorträge hielt Gertrud Spoerri, Stuttgart, über das Thema: „Geburt und Tod in der Anschauung kommenden Christentum-". Die Rednerin sprach mit großer Anschaulichkeit und aus einer lebendigen Erfahrung heraus. Sie zeigte, wie man in den Erlebnissen, die man an manchem Totenbett oder unmittelbar vor und nach dem Tode einer nahestehenden Persönlichkeit haben kann, abzulesen vermag, wa- da- vom Leib befreite geistige Wesen des betreffenden Menschen im Tode durchmachen muh. In einet finnerfüllten Weife werden diese Ereignisse begleitet von den Taten des christlichen Sterbesakramentes, des christlichen Begräbnisses ur6 der Erinnerung an den Verstorbenen. An den Ereignissen der Geburt eines Kindes wußte die Rednerin zu schildern, wie eben nicht bloß ein neuer Menschen leib geboren wird, sondern wie in diesen Menschenleib ein selbständiges Geist« wesen einzieht. Dies wird anerkannt und wird die Grundlage für ein Verständnis der christlichen Taufe, welche über dem Kinde den Eigennamen ausspricht und welche das Kind in die Gegenwart Christi hineinstellt. Den zweiten Teil des Vortrags bildeten Ausführungen, wie nun der Mensch zwischen Geburt und Tod sich dieses, fein geistiges Eigenwesen, das der Ewigkeit angehört, bewahren kann vor den Verstrickungen einer einseitig wirkenden Leiblichkeit, aber auch eines übertrieben einseitig wirkenden Geistes. Cs wurde deutlich, wie erst der Mensch, der in sich die Verirrungen von Hochmut und Minderwertigkeitsgefühl zu überwinden vermag, auch das rechte Gleichgewicht findet und zum Mittler wird zwischen Geist und Ratur. Damit wurde in diesem dritten Vortrag in helfender Weise auf die zentrale Bedeutung des christlichen Abendmahles hingewiesen, das von diesem Drin« nenstehen zwischen Geist und Ratur aus neu verstanden werden kann. Die in sich geschlossene und so sympathisch wirkende Persönlichkeit der Rednerin verstärkte in hohem Maße den Eindruck, der schon von dem Inhalt ihrer Ausführungen ausging. Aus dem Amlsverlündigungsblait. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 8 8 vom 3. Dezember enthält: Straßensperre-Aufhebung. — Provinziallagswahl 1929. 1 — Dienstnachrichten. Sri» jM0* $ D°n ÖberM.'^bf $aöj '“Ä’Ä’u tiÄ •» m i l|l,riil« Wrr Ste te-y; •Sss. ste: {i Luber fanau unb We auch üb« ln ! ir von Truppen au Ä" können. Ech ÄU“ einer n "re «teile, mo auf abbiegt, J » Heine Figur K. aufgernalt Dies toiri Seitdem entstand unh für ben oanyn ,£f oder Lm K. mann meint, bi» «, 0er dadurch feint «don und die Se, ausbrürfen mol- in lchn.' ^erualf^ule. Itemabenb, bet am ml« ftattfanb, stank» 18. Gin giülüichey cht! M welch tüfc religiöse und pflicht- EntwilLung feines väterliche Liebe unk» Driesen, die der arer Verehrung be« mahnt der nüch- inen optimistischen, icn Lchützling zu« straft. Gin schöne« ind anbetetfeitt bi« »stiche Melodie sich , in bet bet 3mibtt lebte1. Diese Musik, strickendem Äei- und st, kann die Jugend ind erfreut sie sich, s, in der Mozarts »b Geschick dataelegt barsch voraus, dessen Geltung tarn. Das n Vwnnkonzert in benau einen tref- Ttio in v«Dut fut wat ein erlesener M be8 ersten Teils mmutigen Dolvkostil Der zweite Teil des sprechenbe mehtstim« >as alle kleinen unb elustigenbe Sajperle- i bet Obertealschule. tem miteinander Der* »olle Destarlung des ohne das eine »£ unb Unterricht mit »ch dieser künstlet lene Sttern-dend »g finden, und.^8 Uer bleibe * .ebenden verstand^ r Hillenbrandl » Shrisrentum . ritten Vortrag bei Stneuerungan Ortrud Geburt unb 2» den EhrisM^t öfter Erfahrung zrlebnisfen, J» ® Äjss en bes ^tt ßc,f6Se“6lt K « '‘SÄ«".? iten öl.tD?.L ©elfte .SS;«? äffijS« Dortrag^chriE SindruL ? Äab® ^ffl^ 1t i$iet SU*** Neues für ben Büchertifch. — Felix 'Braun: Die Heilung der Kinder. Drei Erzählungen von Kindern. 258 Enten. F. G. Speidelfche Verlagsbuchhandlung, Nachfolger, Wien IX, 1929. Drosch. 3,60. Ganzleinen 5 DM. (517). — Das neueste Prosawerk des Dichters der »Agnes Altkirchner". Drei Erzählungen von Ämtern. Der Titel deutet nur an, ist ßcitmotw. Erzählungen von Kindern, gewiß, aber aus Kindern werden Leute und mit dem Wachsen ins Menschsein hinein wachsen auch die Geheimnisse,- steigert sich das Erbe früherer Zeit. Tlnd fv führt die erste Erzählung zu einer Verbindung zweier lang Getrennter, die zweite aber ü,t eine, Tolstoi in jeder Hinsicht nahestehend« Legende „von dem Engel, ter ein Kind getötet hat". 3n beiden sind Tod und Leben verbunden, die Charakter- tragvdie des Zähzorns erschüttert den Leser bis in das Innerste, und es gehört die Kunst eines cheteutenden Menschen dazu, hernach die fast stisterische Ruhe und gleichnamige Tleberlegen- heit in ter Darstellung wiederzufinden. — Eine feine zarte Stimmung liegt über tem Vuch. ist das Werk eines Dichters, das man liebt und das man gern Menschen schenkt, die man liebt. — A. Auswald-Heller: Drei Jungen spielen Robinson. Eine lustige Geschichte aus dem Kindcrleben. 224 Seiten. Mit 60 Bildern im Text. Ganzleinen 5 Mk. Levy & Müller. Stuttgart. (563). — Drei Jungen und ein Mädchen verwandeln den heimatlichen Kartoffelacker, den Wald und die umliegenden Wiesen in das Weltmeer und führen auf darin erschaffenen, einsamen Inseln ein buntes Leben, bemüht, ihre Vorbilder, Robinson Crusoe und Sigismund Rüstig, nachzuahmen. Mit liebevollem Verständnis für die Seele des Kindes hat es die Verfasserin erreicht, dieser harmlos fröhlichen, frisch zupackenden Erzählung den Reiz des Tlrsprünglichen zu geben, und dabei mit feiner Pädagogik die jungen Leser für gegenseitiges Wohlwollen, hilfsbereite Kameradschaft und echte unverdorbene Kindlichkeit zu begeistern. — SpemannS Kunst-Kalender. (Verlag W. Spemann, Stuttgart.) 28. Jahrgang mit 16 Extra-Kunstbeilagen. Prächtige Wiedergaben klassischer Kunst und Architektur, Porträts führender Persönlichkeiten auf demKunst- gebict. angewandte Kunst in Musterbeispielen. 2.40 Mk. (591.) — Spemanns Literatur-Kalender. (Verlag W. Spemann. Stuttgart.) 9. Jahrgang mit 16 Extra-Kunstbeilagen. Porträts bedeutender lebender und verstorbener Dichter und Schriftsteller, Schauspieler und hervorragender Kinogrößen, Geburtsstätten. Denkmäler, Bibliotheken. 2.40 Mk. (592.) — Spemanns Musik-Kalender. (Verlag W. Spemann, Stuttgart.) 8. Jahrgang mit 16 Extra-Kunstbeilagen. Bilder berühmter lebender und verstorbener Musiker. Virtuosen, Komponisten, Geburts- und Wohnhäuser, Denkmäler, Kunststatten. 2.40 Mk. (593.) — Spemanns Alpen-Kalender (Verlag W. Spemann, Stuttgart.) Jubiläums-Jahrgang (25.) mit 16 Extra-Kunstbeilagen, darunter 4 eigens für den Kalender gezeichnete Karten. Der bekannte Kalender bringt wieder herrliche Alpenaufnahmen und Tourenbeschreibun- gen, mit besonderer Berücksichtigung auch der Skihochtouristik. — 2.40 Mk. (590.) — Spemanns Wander-Kalender. (Verlag W. Spemann, Stuttgart.) 5. Jahrgang mit 16 Extra-Kunstbeilagen, darunter 4 eigens für den Kalender gezeichnete Karten. Herausgegeben unter Mitwirkung des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. Hervorragende Landschaftsaufnahmen aus Rord-, Mittel» und Süddeutschland, Flora und Fauna, Ra- turstimmungen. 2.40 Mk. (594.) — Das technische Jahr 193). 2m Verlage Dieck & Co., Stuttgart, erschien der neue Jahrgang des bekannten Kunst-Wreihkalenders »Das technische Jähr''. Preis 2,40 Mk. (601.) — Jedes Blatt zeigt eine neue Seite ter Technik, ter Jngenieurwisscnschast, jedes Bild spricht von einer ßeiftung, einem Siege unserer Ingenieure, unserer technischen Denker und Schöpfer. Eine glückliche Auslese aus dem groben Gebiet unserer technisch gerichteten Zivilisation. Wirtschaft. Angespannter Reichsbanlauekweis. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 3 0. Rovern ber hat sich die gesamte Kapitalanlage ter Dank in Wechseln und Scheck-, Lombards und Effekten in der Ultimo- Woche um 596,8 Millionen auf 2667,1 Mill. Mark erhöht. 3m einzelnen haben die De- stünde an sonstigen Wechseln und Schecks um 450,2 Mill, auf 2367,9 Mill. Mark unb die Lombardbestänte um 114,8 Mill, auf 164,7 Mill. Mark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen sind 780,5 Mill. Mark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 754.0 Mill, auf 4916,5 Mill. Mark, derjenige an Rentenbank- fchcinen um 26,5 Mill, auf 394,11 Mill. Mark erhöht. Dementsprechend sind die Bestände der Reichsbank an Rentenbanlscheinen auf 16,2 Mill. Mark zurückgegangen. Die fremden Gelder zeigen mit 445,4 Mill. Mark eine Abnahme um 113,8 Mill. Marl. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen haben sich um 11,7 Mill, auf 2637,6 Mill. Mark erhöht, und zwar haben die Goldbestände um 4,1 Mill, auf 2240,4 Mill. Mark und die Bestände an teckungs- fähigen Devisen um 7,6 Mill, auf 397,2 Mill. Mark zugenommen. Die Deckung der Roten durch Gold allein betrug 45,6 Proz. gegen 53,7 Proz. in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen 53,6 Proz. gegen 63.1 Proz. Der Ausweis der Reichsbank vom 30. Ro- vember weist eine erhebliche Anspannung auf, die vollkommen den Standpunkt des Reichsbankdirektoriums in der Frage der Diskont- ermähigung rechtfertigt, in dem Sinne, das) die Frage einer Dislontermäbigung erst im Januar nächsten Jahres in das akute Stadium treten kann, wenn die Liebersicht über die Jahresultimoansprüche und über die Entwicklung des Geldmarktes zu Beginn des neuen Jahres, über den Umfang der Rückflüsse usw. vorhanden ist. Die vorliegende Anspannung erhält ihr besonderes Gesicht durch die im November eingetretene Steigerung des Notenumlaufs, die, wie ein Vergleich mit der Entwicklung in den Vorjahren für den November zeigt, ganz außer- gewöhnlich ist, zumal wir in einer Zeit des Konjunkturrückganges stehen. Die starke Erweiterung des Notenumlaufs ist zum größten Teil auf die Steigerung der Wechseleinreichungen zurückzuführen. Man kann sogar gewisse Besorgnisse hinsichtlich des Dezemberultimo, also des Jahresschlusses, haben, da das Geldbedürfnis der öffentlichen Hand bei der Abriegelung der ausländischen Kapitalmärkte für ihre Emissionen in unverminderter Stärke anhält. Die Folgen dieses großen Geldbedürfnisses auf den Geld- unb Kapitalmarkt sind in ihrer einschneibenben Wirkung bekannt, unb die Zeit ist mehr denn je dazu angetan, daß endlich eine Aenderung beröffentltchen Finanzpolitik eintritt. Das beweist auch die gekennzeichnete Entwicklung bes Zahlungsmittelumlaufs. Für den Novemberultimo ergibt sich insgesamt bei ber ReichSbank eine Belastung seitens der öffentlichen Hand von etwa 300 bis 350 Mill. Mark, so daß also fast 50 Prozent der zum Novemberultimo eingetretenen Gesamtanspannung ter Reichsbank auf die öffentlichen Kassenbedürfnisse entfallen. • * Internationale Rohstahlgemein- schäft. Nach der gestrigen Lütticher Sitzung des Direktionskomitees der Internationalen Rohstahlgemeinschaft teilte Generaldirektor Dr. Emst Poensgen dem Vertreter des WTD.-Han- delsdienstes über den Ausgang ter Sitzung mit, daß man sich gezwungen gesehen habe, mit Wirkung ab heute eine erneute Einschränkung des Tonnage-Programms um 10 Prozent vorzunehmen. Die Erneuerungsfrage des Kartells, die nach wie vor einen ter Hauptpunkte ber Gegensätze bilde, sei eingehend erörtert worden, jedoch seien die Vorschläge, die voii verschiedenen Seiten eingereicht Worten seien, als nicht durchführbar angesehen worden. Nach Prüfung des neuen umfangreichen Materials werte man erneut einer demnächst ftattfintenben Sitzung neue Vorschläge unterbreiten müssen. Zu ter im Ausland eingehend erörterten Frage der Mindestpreise teilte Dr. Poensgen mit, daß die Durchführbarkeit dieses Planes außerhalb jeder Diskussion stehe. * Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe. Die G.-D. genehmigte den Abschluß bei einer Stimmenthaltung. Gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmte ein Aktionär von 556 Stimmen, der Protest zu Protokoll gab. Der Aufsichtsratsvorsihende erstattete einen Bericht über die Lage des Unternehmend im Jahre 1928. Es sei ausdrücklich festzustellen, daß der Verlust von 479 861 Mk. hauptsächlich im Lokomotivbau entstanden sei, weil die Reichsbahn keine Bestellungen mehr machte. Die kleine Quote ber Gesellschaft fei seinerzeit zu sehr günstigen Debingungen an bie Hohenzollern-A.-G. verkauft worden. Da diese Gesellschaft inzwischen stillgelegt worden sei, habe man die Quote dann der Firma Krupp übertragen. Leider sei es nicht möglich gewesen, ter G.-D., die eigentlich schon im Juni d. I. hätte ftattfinten sollen, Vorschläge zur Sanierung zu machen, da die Verhandlungen mit verschiedenen Gruppen zwecks Beschaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten noch nicht zum Abschluß gekommen seien. Schweinemarlt in Gießen. Der Auftrieb zum heutigen Gießener Schweinemarkt belief sich auf 169 Ferkel und Läufer. Infolge des schlechten Wetters waren nur wenige Käufer erschienen, so daß der Handel bis zum Schluß schleppend war unb ileberftanb verblieb. Es kosteten bis 6 Wochen alte Ferkel 30 bis 35 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 35 bis 40 Mk., 8 bis 13 Wochen alte 40 bis 50 Mk., Läufer 60 bis 68 Mk., Einleger 70 Mk. unb höher, je nach Gewicht. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. Dez. Tendenz fest. — Nachdem die gestrige Abendbörse durch eine erneute Baisse in Kunstseitewerten ungünstig beeinflußt wurde, war die Tendenz im Gegensatz hierzu und trotz weiterer Kurseinbrüche in Glanzstoffpapieren recht fest. Zu Beginn des offiziellen Marktes färbte aber trotzdem die schwache Veranlagung von Aku und Demberg etwas auf die Allgemeintendenz ab, und die hohen vorbörslichen Kurse blieben nicht ganz behauptet. Das Geschäft war aber i m allgemeinen lebhafter, da Aufträge, besonders von Auslandseite, in etwas stärkerem Umfange eingetroffen sein sollen. Aber auch die zent schwächer. Ebenso verloren Demberg etwa sehr festen gestrigen internationalen Effektenmärkte machten einen vorteilhaften Eindruck, zumal die gute Verfassung ber internationalen Geldmärkte berechtigte Hoffnung auf eine bessere Zukunft des Börsengeschäftes zulassen. Die Spekulation schritt zu einzelnen Deckungskäufen, so daß beilebhaftererUm- satztätigkeit in Spezialwerten teilweise recht erhebliche Erhöhungen zu verzeichnen waren. Eine Ausnahme machten Kunstseitewerte. Verstimmend wirkte hier die voraussichtliche Dividendereduzierung bei Demberg und der wahrscheinliche gänzliche Ausfall einer Dividendeausschüttung bei Aku. Don holländischer Seite soll in Kunstseide- werten ziemlich Material an ben Markt gekommen sein. Die Daissespekulation griff weiter an. Aku eröffneten erneut 6,5 Pro- 6 Prozent. Durch besonders feste Haltung fielen auf Kali Salzdetfurth plus 7 Prozent, und Westeregeln plus 5 Prozent. Von Chemiewerten machte sich für J.-G.-Farben lebhafteres Interesse bemerkbar, bei einer Besserung von 3 Prozent. Am Elektromarkt zogen AEG. 2 Prozent, Chate-Aktien 3,50 Mk., Schlickert 2 Prozent und Siemens 2,5 Prozent an. In den Vordergrund traten noch Deutsche Linoleum mit plus 5,5 Prozent. Zellstofswerte waren bis zu 3,5 Prozent fester. Montanwerte lagen still. Die Besserungen gingen hier nur bis zu 1,5 Prozent. Am Dankenmarkt konnten Reichsbankanteile ihre Aufwärtsbewegung fortsehen und gewannen 6 Prozent. Die übrigen Werte dieses Marktes waren bis zu 1 Prozent gebessert. Am Automarkt getoannen Daimler 1,5 Prozent. Bauunternehmungen bis 2 Prozent hoher. Renten leicht gedrückt. Im Verlaufe unterlag das Kursniveau beträchtlichen Schwankungen. Zumeist lagen die Kurse bei lebhaftem Geschäft gut behauptet, teilweise bis zu 2 Prozent gegen Anfang fester. Siemens gaben dagegen etwa 1 Prozent nach. Demberg unb Aku waren weiter angeboten und erneut bis 3 Prozent schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Prozent weiter leichter. Am Devisenmarkt konnte sich das Pfund international wieder bessern. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1716, gegen Pfund 20,378, London gegen Kabel 4,8810, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 93,22, Berliner Börse. Derlin, 4. Dez. Da bie Abschwächungen gei» gen Schluß ter gestrigen Dörse hauptsächlich auf. Vorstöße bet Baissepartei zurückzuführen waren, formte bei ben kleinen Kaufaufträgen bzw. Anregungen rein börsentechnisch heute eine Erholung erwartet werten. In ber Tat lagen bann auch bie ersten Notierungen ter heutigen Dörs« sehr fest, unb bet Spezialwerten bis zu 7 v. H. höher. Die Tlmsatztätigkeit war im Vergleich zu ben Vortagen größer geworben. Außer tem sehr festen Neuyork gestern regten Hoffnungen auf eine bevorstehente Diskontfen- kung in Lonbon an. Reichsbanlanteile mit pluS 7,6 v. H„ Siemens plus 7,75 v. H , Polyphon plus 6,5 unb Berger plus 7 v. H,. sowie Lorenz mit plus 4 v. H. sink) als besonders fest zu nennen. Sonst ging bei ber Mehrzahl ber Papiers ber Gewinn nicht über 4 v. H. hinaus. Ausgesprochen schwach lagen aus den gestern schon angeführten Gründen Kunstseidewerte (es handelt sich bekanntlich um Dividentebefürchtungen), von denen Bemberg 6 v. H. unb im Verlaufs weitere 6 v. H. unb Aku 3 v. H. verloren. Dies« rückläufige Bewegung am Kunstseibemarkt war auch ter Grund für ein) Nachlassen des Geschäftes unb ein Qlbbröf- feln des Kursniveaus im Börsenverlauf. Deutsche Anleihen waren ruhig. Ausländer un- einheitlich. Pfandbriefe ebenfalls uneinheitlich. Der Gelbmarkt war weiter erleichtert. Tagesgelb wurde mit 8 bis 10 v. H., vereinzelt darunter bis 7,75 v. H. genannt. Monatsgeld 8,5 bis 10 v. H„ Warenwechsel ohne Satz. Als bann am Kunstseibemarlt Stühungskäufe einzusehen schienen, bekam ber feste Grundton Wiede« bie Qberhanb, unb bie Kurse konnten sich im weiteren Verlaufe, wenn auch nicht einheitlich, wieher befestigen. Unter Anfang lagen immer noch Siemens^ Aku, Bemberg, Reichsbank unb Polyphon, während besonders Kaliwerke bis zu 3 v. H. gewannen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. Dez. Trotz festere« Auslandkurse war das Geschäft am heutigen Produktenmarkt recht still. Es herrschte allgemein Zurückhaltung. Die Tendenz war etwa behauptet. In Weizen war das Angebot etwas größer, so daß hier ein geringer Preisrückgang eintrat Am Futtermittelmarkt bestand für Hafer einige« Interesse, bei anziehendem Äurd; Kleie toal jedoch vernachlässigt und eher etwas schwäche«. Es wurden notiert: Weizen 26,75 bis 26,90; Roggen 19,75 bis 20; Sommergerste für Drauzwecke 19,25 bis 19,75; Hafer, inländischer, 18 bis 18,25; Mais (gelb) 18,75; Weizenmehl, süddeutsches. Spezial 0, 39,25 bis 40; Roggenmehl 28,50 bis 30; Weizenkleie 10,50 bis 10,60; Roggenklei« 10,75. Tendenz: ruhig. Frankfurter Pferdemarkt. Frankfurt a. M.. 3. Dez. Bei dem letzten Pferdemarkt in diesem Jahre war ein größere« Auftrieb festzustellen; es standen rund 150 Tiere mehr zum Verkauf, als anläßlich des Oktobett Marktes. Zu Beginn war bie Kauflust nur ge-, ging, unb erst im Laufe des Vormittags entwickelte sich ber Handel zufriedenstellend. 3nt allgemeinen waren die Preise rückgängig, insbesondere bei Schlachtpferben, welche teils zu 25 bis 30 Mk. pro Zentner gehandelt wurden. Große Transporte kaufte das Rheinland. Etwa zwei Drittel des Gesamtauftriebs dürfte ben Besitzer gewechselt haben. Letzte Nachrichten. Weitere Austritte aus -er Oeutfchnationalen Reichstagsfraltion. Berlin, 4. Dez. (T.A.Drahtberichl.) Die deutsch- nationalen Reichstagsabgeordneten von £ i n b c i - ner-wildau, Schlange-Schöningen und von6endell,der ehemalige Reichsinnenminister, haben ihren Musf ritt aus der Deutschnationalen Reichstagsfraktion dem Grafen Westarp erklärt. Der Abgeordnete von £indeiner-Wildau hat in feinem Schreiben an den Grafen Westarp weiter zum Ausdruck gebracht, daß er einen entsprechenden Schritt der Partei gegenüber im Benehmen mit seinem Wahlkreise unternehmen werde. Gleichzeitig hat der Abgeordnete von £indeiner-Wildau die wahlkreis- teitung seines Wahlkreises Heffen-Nafsau um die sofortige Einberufung einer Bertrauensmänner- versammlung ersucht. Auch der Abgeordnete Schlange- Schöningen wird weitere Schritte der Partei gegenüber erst im Benehmen mit seinem £andesoerband unternehmen. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 o. H., Lombardzinsfuß 8 o.H. Frankfurt a 4? Berlin edjiufe- »ur# "Uh> Jhite Schtuv Kure Anfang, flurv Dainw 3 12 4 12 3 T2 4 12 tieu sche *'id)»dtucuL 87,3 on ..... -___ 87,5 7% Teutiche ReichSanleche von 1920 ........ 99 _ 99 St. äm..tifcl6|..$4ulD mit Än» WI..Rechten........ TeW nfoi* -Recht» 50 — 50.1 50.1 8,3 8,25 8,2 8,4 6% Hess. BolVstaai von 1929 89,5 (rüchahlb. 102%) Obe Hellen Provinz - Anleche mit — 89,5 — 46,5 Auelol.-Nechten . T«ui|che Komm. Eammelabl. —- — — Anleihe Serie 1 8% Franks. Hnv.-Bant Holdvte. XIII unkündbar bis 1934 . . 46,25 — 46,3 — 96,5 — — 7% Franks. Hnp.-Bank ©oldpfc. unkündbar bU 1932 ..... 85 4J4% Rheinische Hvv.-Dank Lian. Ödlbpte. .... 79 - - _ _ 6% Pr. LandeSpsandbriefansiall Pfandbriefe R. 17..... 8% Pr. Landerpsanbbriesonaalt, 98 — 98 —- Komm.-Lbl. R. 16..... 7% Pr. Lande-vfandbrirfankali, 95 — 95 — Pfandbriefe S. 10..... 89 — 88,25 — B.U.«. avd. vortnegs-Obitaatton rückzahlbar 1932 ...... — 4% CefterretdW« «etttte.. . 4.20°^, CrÜerr SUbrrrt- 4% OcftertetoHdif Einheitlich, Mente.......... 4% UngaMche ©otorte..... 4% ilngarilche Etaaltr. v. 1910 4H% beißL von ISIS .... 4% Ungarw Änmenrte.. . . 4% $ürt AeUanlei6e & 1911 . 4% TüMche Bagvadbahn-Dü. 4% be«fll.iMlW»ItiMMM«asi Die Anschaffung des „Photomaton" ist ein weiterer Fortschritt in der Entwicklung unseres Unternehmens! Sie erhalten sofort 8 verschied. Bilder für RM. 1.- V Cphofomatoti 9059A (Vermietungen | möbliert. Zimmel Much f. kürzere Zeitdauer) z. verm. n7ni Moltkcstraße 2, Gartenhaus II. Laden zu vermieten 07791 Neustadt 27. Mietgesuche | 5-6-Zimmer- Wohnung tn schöner Lage bis Frühjahr oder Sommer 1930 gesucht. Schriftliche Angebote mit Preis- angabe unter 99340 an den Gieß. Anz. Äung. Arzt-Ehepaar sucht zwei icbr gut mööl. Zimmel in neuem Hause, mögl. Nähe Kliniken. Oss. u. 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Die in Hachenburg betriebene Zweigniederlassung ist in eine Hauptniederlassung umgewandelt, für die die Firma S. Rosenau fortgeführt wird. Am 29. November 1929 bei der Firma Gotthilf Röhrle in Gießen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 2. Dezember 1929. __________Hessisches Amtsgericht.___________ Großes Fabrikkontor sucht für Ostern 1930 einen kaufmännischen Lehrling mit guter Schulbildung, der fort» bildungrschulfret ist. Schrift!. Bewerbungen mit Zeugntsabschr. der Schule sind zu richten unter 9043D an den Gießener Anzeiger. Oie !lk. O s-L Die 5° Siebener A He'< Die • Monats 220 Ae'ch-! lohn, ztaiifsur'-^ Ä Berlin, btt gestrigen Hbgeocbnder Br. klönn ranuseuch btiner-öi ficuiell, i* Sdjlangt'- ihren Äusfrilf jrdflion erflöcl Ki-hilagrabg. pg), Dr. HI ii n preu&en). ’M nden 6lies hoben den Au, lagssraktion ei Partei aus Gra Fra! Mißbillig Berlin, - dentschnot I i o n, die um Dauer. An derprcutzi u.a. die 2!bge 5u Beginn dk Westarp, h lionsvorsi verständlich i Obersohre seine treue ! 5ihung rourt neuen Jiatllo Fcfp rf^ungen weiteren Ltustr d« trübere bcu betont, do>b er mit seine, nommen hi Die die „D! in der Jtall Hede, die den Ausschluss tioiismitgliedk Partei, und ' Austritt oon^ in der Lage fe bcn- fr wies nungsgeim den ausgel drrn hi„, °'r"°ch atz । 'lärung be)l ”brr hinzu, das ”e n werde. Die te* ki»« ?°lf5partej jn senden @r 1 3cnnf-^i Mwerenden uZrbleiben i'chen. Der SK fe"ä Der: lat °n den n die^verch^ tSs Und in.1,86 h **» Ü1 iCtd eiij^e den bu-JöJ.n hnflefö6t?hte, Und Sbe Do: L "eiboZlegl L'hun^nö ötQltioi? fbor j^ie rOci d°de n net cf 5c l(n n .°Cr , S « an ।