Nr. 207 Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 4. September 1929 Ersch e int täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatsrvezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger-, lohn, auch bei Richler- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanfchliifse unter5ammelnummcr2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfi1ä1§-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig; für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Iter, sämtlich in Gießen. Wirtschaftliche Finanzreform. Herr Dr. Hilferding weicht nach wie vor mit beinahe ängstlicher Sorgfalt jeder präziseren Erklärung über seine Finanzreformpläne aus. 3mmer noch ist man auf Mitteilungen angewiesen, die er vor geraumer Zeit schon ihm nahestehenden Pressevertretern gemacht hat, die aber kaum über Andeutungen hinausgingcn. Inzwischen aber haben sich nun die Verhältnisse grundlegend geändert, und zwar ist nicht gerade ein Wandel zum Besseren eingetreten. Sowohl die Kassen läge des Reiches wie die Situation des lausenden Haushalts sind nach wie vor — um es optimistisch auszudrücken— äußerst angespannt. Genau gesprochen liegen in beiden Fällen sehr erhebliche Fehlbeträge vor, die beim Reichsetat bis Ende des laufenden Rechnungsjahres unter Hinzuziehung des Defizits vom Vorjahre 400 Millionen Mark sehr erheblich übersteigen dürften. Auch insofern haben sich die Dinge nicht zum Besseren gewandt, als die Voung-Zahlungen nicht, wie Herr Dr. Hilferding gerechnet hatte, bereits am 1. September beginnen. Der September ist vielmehr nach den Haager Vereinbarungen so eine Art Zwischenstadium, in dem die deutschen Reparationsleistungen sogar noch über die normalen Fälligkeiten des Dawes-Plans hinausgehen. Tlnd das Äebergangsregirne, das vom 1. Oktober an Platz greift, weist alle Mängel eines Provisoriums auf. Ein vorsichtig kalkulierender Finanzminister jedenfalls, der nur mit gegebenen Realitäten, nicht aber mit Möglichkeiten rechnet, müßte auch während dieser Tlebergangszeit noch immer den Zwang zu Dawes-Zahlungen als Ausgangspunkt für seine Finanzsanierung nehmen, und nicht etwa den Voungplan, von dem bis auf weiteres noch nicht feststeht, ob er zur Tatsache wird. Allerdings ist zuzugeben, daß die politischen Möglichkeiten, das neue Reparationsregime abzulehnen, nicht sehr hoch zu veranschlagen sind. Aber auch selbst, wenn man, wie Herr Dr. Hilferding fest entschlossen ist, den Voung-Plan zu akzeptieren, dann muh man als verantwortlicher Finanzminister, gewitzt durch die Erfahrungen des letzten Jahres, seine Berechnungen so vorsichtig wie nur irgend möglich aufstel-- len, und dazu gehört eben dies, daß man wenigstens für dqs laufende Rechnungsjahr yoch mit den höheren Zahlungsverpflichtungen des Dawes-Plans rechnet. 2m übrigen aber ist man der Oefsentlichkeit nun wirklich schleunigen Aufschluß darüber schuldig, wie man im einzelnen die vielberufene Finanzreform nun eigentlich praktisch durchzuführen gedenkt. Das Argument jedenfalls, daß Deutschland aus außenpolitischen Gründen jetzt noch nicht in der Lage sei, sich mit den inneren Auswirkungen des finanziellen Teils der Haager Abmachungen zu beschäftigen, können wir als stichhaltig nicht anerkennen. Denn so viel sollte den Sachverstän» Ligen der Gegenseite doch inzwischen klar geworden sein, daß das Reich seinen Reparationsverpflichtungen, wenn überhaupt, so nur dann ordnungsmäßig nachkommen kann, wenn es die Gelegenheit einer neuen Reparationsregelung dazu benutzt, um in das Durcheinander seines jetzigen Finanzsystems Sinn und Ordnung zu bringen. Wenn es dabei zu gewissen Steuererleichterungen kommt — an die wir übrigens nicht eher glauben, als bis sie praktisch wirksam geworden sind — dann ist das doch nichts anderes als der Ausdruck der Tatsache, daß der Voung-Plan uns mindestens während der ersten zehn Jahre seiner Laufzeit geringere Tributlasten auferlegt. Werden nun diese Erleichterungen nicht re st los zur Entlastung der Wirtschaft und zur pfleglichen Behandlung aller wichtigen vorhandenen Steuerquellen benutzt, dann wird Deutschland, so befürchten wir, eines Tages vor genau der gleichen Situation stehen wie im Frühjahr dieses Jahres, in der unter der Finanz- und Kassenmisere des Reiches nicht nur die deutsche Wirtschaft litt, sondern auch die Reparationsfähigkeit Deutschlands sehr in Frage gestellt war. Es liegt also durchaus im Interesse unserer Tributgläubiger, daß man sich in Deutschland schon jetzt mit der zweckentsprechenden Verwendung der Minderleistungen des Voungplans beschäftigt. Wie also sollte nun die Finanzreform aussehen? Ihr Ziel muh sein, die deutsche Volkswirtschaft wesentlich leistungsfähiger als bisher zu machen, ihre Rentabilität zu steigern. Damit ist zugleich gesagt, daß alles getan werden muh, um die schwachen Ansätze zur Bildung von Reukapital zu stärken, da gerade die außerordentlich hohe Verschuldung, die in allen wichtigen Zweigen unseres wirtschaftlichen Lebens Platz gegriffen hat, sehr stark auf die Rentabilität drückt. Die Finanzreform Dr. Hilferdings wird somit also wohl oder übel den Empfehlungen des Pariser Sachverständigen- Gutachtens folgen und sowohl die besondere Reparationsbelastung der Indu - strie wie auch die Lieberbelastung der Reichsbahn abbauen müssen. Auch das geltende Rentenbankgeseh wird man sich unter dem Gesichtswinkel einer Entlastung der wertvollsten Produktionszweige unserer Volkswirtschaft anzusehen haben. Mit diesen Maßnahmen, die unmittelbar kapitalfördernd wirken, kann unseres Erachtens getrost eine weitgehende Entlastung der unteren und mittleren Einkommensteuerstufen Hand in Hand gehen, etwa in der Form einer Heraufsetzung dessteuer- freien Existenzminimums, da diese Stufen ohnehin nur au einem sehr geringen Prozentsatz an dem Lohn- und Einkommensteuer- „Graf Zeppelin" glücklich heimgekehrt. Heute morgen 8.48 in Friedrichshafen glatt gelandet. - Oie Beendigung der Weltfahrt. Oie letzte Flugstrecke. lieber Spanien und Frankreich. Hamburg, 4. Sept. (WB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" meldete der Hamburg-Amerika- Linie durch Funkspruch, daß es am Dienstag um 16 Uhr Greenwicher Zeit Cap Ortegal passierte. Um 15.13 Uhr befand sich „Graf Zeppelin" 25 Kilometer von Kap Finisterre. Eine Biertelstunde später überflog das Luftschiff die Ortschaft (Tamarinas. Um 17.10 Uhr ist es auf der Höhe des.St. Pedro-Berges bei La (Koruna gesichtet worden. Der Zeppelin überflog alsdann die Stadt La (Koruna und nahm Kurs auf die Provinz Asturien. Das Luftschiff überflog um 20.30 Uhr die Gegend von Gijon. Um 21.10 Uhr überflog das Luftschiff die Küste von Santander in niedriger Hohe und sehr langsam. Das Publikum, das durch das Erscheinen des Luftschiffes überrascht war, bereitete dem „Graf Zeppelin" eine langanhaltende Ovation. Das Luftschiff hat Kurs auf SanSebastian genommen. Bordeaux überflog das Luftschiff um 3.41 Uhr MEZ. Während der Nachtstunden hat der „Graf Zeppelin" dann Frankreich überflogen und wurde in den frühen Morgenstunden über Basel gesichtet, von wo es Kurs auf Friedrichshafen nahm. Zn Erwartung des Zeppelin. Fünftausend Autos in Friedrichshafen. Friedrichshafen, 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Mit großer Spannung sieht die Bevölkerung von Friedrichshafen und sehen die nach Tausenden zählenden, auch während der Rachtstunden ununterbrochen hier eintreffenden, Fremden der Ankunft des „Graf Zeppelin" entgegen. In den Straßen der Stadt herrschte auch in den Rächt- und frühen Morgenstunden ein starker Verkehr. Dor den Anschlagtafeln der Zeitungen stauen sich die Menschen, um auf die neuesten Rachrichten von der Heimkehr des „Graf Zeppelin" zu warten. Das - .Gelände um. ,dLlr.-Lnf4MLfhalew. Ul schon... gestern nachmittag für Rächt- und Standquartiere bezogen, nachdem die Hotels und Gasthöfe, Privat» und Massenquartiere die ankommenden Gäste nicht mehr aufzunehmen vermochten. Tausende hielten sich in den die ganze Rächt geöffneten Gaststätten auf. Der Zutritt zum Luftschiffgelände ist nur einer beschränkten Anzahl von geladenen Gästen Vorbehalten. Vor allem den Vertretern des Reiches und der Länder, der Stadt Friedrichshafen und des Bezirks, sowie der Presse, den Berufsvertretern und ausländischen Ehrengästen. Für die Absperrung trafen 300 Mann Polizei truppen aus Lllrn, Eßlingen und Weingarten in Friedrichshafen ein. Die Zahl der eingetroffenen Automobile wird auf 5000 geschäht, wovon etwa 1000 auf die Zielfahrt des Touringklubs entfallen. Die Kraftwagen sind aus allen Ländern Europas hierhergekommen. Man sieht sogar türkische Wagen darunter. Aus Wien sind drei riesige Omnibusse eingetroffen. Sagar die Beiwagen von Krafträdern sind in „Schlafwagen" umgewandelt worden. Auf dem Flugplatz sind neben den Flugzeugen der Lufthansa mehrere Privatflugzeuge eingetroffen. Rennboote, Segelboote, Motorboote usw. beleben den Bodensee. Oie Ehrengäste. Der Sturm zum Lufthafengclände. Friedrichshafen, 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rachdem durch die ersten Ausgaben der Morgenzeitungen bekanntgeworden war, daß das Luftschiff zwischen 7 und 8 Llhr in Friedrichshafen erwartet werde, begann gegen 6 Ufjr aufkommen beteiligt sind und der hier entstehende Ausfall sich durch zweckentsprechendere Gestaltung anderer Steuerarten leicht und schmerzlos wettmachen lassen wird. Houng-Plan und Auslandanleihen. Voraussetzung: Finanzausgleich und Verwaltungsrcsorm. Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) In einer Denkschrift über die Auswirkungen des Zoungplanes führt der deutsche Vertrauensmann des Reuyorker Emifsionshauses Harris Forbes and Company, $. Stamforth, u. a. aus, daß nach der Begrenzung der Reparationsverpflichtungen durch den Doungplan der ausländische Kapital- marktfürDeutschlandwiedergeöffnet wird. Man könne erwarten, daß zu gegebener Zeit die schwebenden Schulden des Reiches durch eine langfristige Auslandanleihe abgelöft würden, wodurch die Finanzlage des Reiches eine wesentliche Erleichterung erfahren würde. Bon jetzt an werde das Reich wieder den Kredit benutzen können, den eine so große und arbeitsame Ration beanspruchen könne. Allerdings werde man f i n a n - zielte Reformen durchführen müssen, unter denen besonders der Finanzausgleich morgens der Marsch der Massen nach dem Lufthafengelände, dessen Umgebung bald von Tausenden von Zaungästen, die zum Teil auf den Dächern der Rachbarhäuser sitzen, dicht beseht war. Ein herrlicher Sommertag mit wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein war angebrochen. Kurz nach 6 Llhr trafen nacheinander in Automobilen die Ehxengäste auf dem Gelände ein. Unter den Ehrengästen, die vor dem Verwaltungsgebäude Aufstellung nahmen, bemerkte man u. a. Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald, Reichstagspräsident L ö b e , Botschafter Dr. von Prittwih und G a f f r o n als Vertreter des Auswärtigen Amts und des Reichsaußenministers Dr. Stresemann, den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt, den preußischen Justizminister Dr. Schmidt, ferner den amerikanischen Botschafter Dr. S ch u r m a n und den japanischen Botschafter Dr. R a g a o f a. Besonders zahlreich hatten sich Vertreter Württembergs eingefunden, an ihrer Spitze Staatsvräsident Dr. Volz, Wirtschaftsminister Dr. B e y e r l e , Finanzminister Dr. D e h l i n g e r, das Präsidium des Württ. Landtages und die Rektoren der Hochschulen. Die Landung in Friedrichshafen. Begeisterte Begrüßung des Luftschiffs. Friedrichshafen, 4. Sept (Drahkmeldung der TU.) Um 8.23 Uhr traf das Luftschiff, von der Insel Reichenau kommend, auf dem Lande- p l a tz ein. Flugzeuge waren zur Begrüßung aufge- ffiegen. Das Luftschiff steuert im Glan; der Sonne unter dem rasenden Beifall der Zehntausende von Zuschauern in ganz geringer höhe direkt auf das Werftgebäude zu. Ueberall steigen am Himmel die Begleitflugzeuge auf; cs dürften etwa ein Dutzend sein. Um 8.25 Uhr entfernt sich das Luftschiff noch einmal in östlicher Richtung und fliegt in einer großen Schleife über d i e Stadt hin. Die Musikkapelle spielt, Böllerschüsse krachen. Auch unter den Ehrengästen auf dem Platze herrscht eine ungeheure Begeisterung. Alles jubelt dem Luftschiff zu. Aus der Gondel werden die Grüße erwidert. Um 8.40 Uhr nähert sich das Luftschiff der Halle. Ls ertönen wiederum Böllerschüsse, das Publikum bricht in erneute Begeifterungsrufe aus. Das Schiff stoppte jetzt die Motoren ab, Ballast wird abgelassen. U m 8.45 Uhr fallen d i e Landungstaue. Die Mannschaften haben sehr stark zu tun, um das Schiff herabzuziehen, das sich erst langsam, dann schneller senkt. Die Führergondel ist um 8.48 auf dem Boden und das Schiff somit glücklich gelandet. Die Begeisterung ist ungeheuer. Am 8.55 Uhr wird das Schiff langsam auf das offene Osttor zugeführt. Es entfpinnt sich bereits eine lebhafte Unterhaltung zwischen den Fahrgästen und den Außenstehenden, jedoch verlassen die Fahrgäste erst in der Halle ihre Kabinen. Oie Begrüßung. Friedrichshafen, 4. Sept. (WTB.) Funk- sprach.) Nachdem der „Gras Zeppelin" unter dem endlosen Jubel der Zuschauermenge, dem Absingen des Deutschlandliedes und den Klängen des niederländischen Dankgebetes in die Halle gebracht worden war, wurden Schiffsführung und Besatzung offiziell begrüßt. Zunächst hieß Graf Brandenstein-Zeppelin, der Schwiegersohn des alten Grafen, das Schiff im Namen des Luftschiffbaues Zeppelin herzlich will- Stresemann berichtet dem Michskabinett über das Ergebnis der Haager Konferenz. Das Reichskabinett billigt die Haltung der deutschen Delegation im Haag. Berlin, 3. Sept. (WB.) Das Reichskabine t k trat heute nachmittag zur Entgegennahme des Berichtes der deutschen Delegation über die Haager Konferenz zusammen. Den Vorsitz führte in Vertretung des Reichskanzlers, der zu feiner völligen Wiederherstellung voraussichtlich noch für 3 Wochen in Bühler höhe weilt, Dr. Stresemann. Er gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung des hin scheidens der Schwester des Reichspräsidenten und gab dem in dem gestrigen Beileidstelegramm des Reichskanzlers bereits bekundeten Mitgefühl de s Reichs kabinetts erneut herzlichen Ausdruck. Der Reichsaußenminister erstattete alsdann als Führer der deutschen Delegation Bericht über den Ablauf der Konferenz, der durch weitere Berichte der Reichsminister Dr. hilferding, Dr. Eurlius und Dr Wirth ergänzt wurde. Der Reichskanzler, dem am Sonntag durch Staatssekretär Dr. Pünder in Bühler höhe ein eingehender vortrag gehalten wurde, lieh in der heutigen Kabinettssihung durch den Staatssekretär erklären, daß er der deutschen Delegation den aufrichtigsten Dank und Anerkennung ausspreche. Es sei das Verdienst der deutschen Delegation, die Grundlage für eine erhebliche, sich alsbald auswirkende Minderung unserer Lasten geschaffen und die wiederher st el- l u n g deutscher S taatshoheit nach innen und außen zu einem nahen Termin sichergestellt zu haben. Die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes werde die endgültige Festsetzung der Räumung mit dem Gefühl herzlicher Freude begrüßen. Das Reichskabinelt pflichtete nach eingehender Aussprache dieser Auffassung des Reichskanzlers einstimmig bei und gab insbesondere seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß das Sehnen des besetzten Gebietes nach dem Anbruch der Freiheitsstunde seine Erfüllung findet. Wie in Ergänzung dieser offiziellen Mitteilung verlautet, haben an der Sitzung alle Reichsminister teilgenommen mit Ausnahme des erkrankten Reichskanzlers, ferner des Reichswehrminifters Groe - ner, der sich auf Urlaub befindet, und des Reichsverkehrsministers Dr. Stegerwald, der zum Empfang des „Graf Zeppelin" nach Friedrichshafen gefahren ist. Dr. Stresemann ist in seinem Bericht lediglich auf die politischen Fragen eingegangen, während die übrigen drei Minister über Einzelheiten referierten, die ihre Ressorts besonders angehen. Mit irgendwelchen Maßnahmen aus Anlaß des Bombenanschlages auf den Reichstag hat sich das Kabinett heute noch nicht befaßt, da die polizeiliche Untersuchung der Angelegenheit noch nicht abgeschlossen worden ist. und die Vereinfachung der Verwaltung und Steuern erwähnt werden. Die Beseitigung der Prioritätsansprüche, besonders der 3 n - buftrieobligationen und der Eisenbahn- schuldverschreibungen werde die finanzielle Elastizität Deutschlands vergrößern. Dies würde in erster Linie von Vorteil für die Reichsbahn fein, die nach Annullierung der Reparationsbonds an die ausländischen Kapitalmächte herantreten könne. Oie Lehrzeit im Handwerk. Eine grundsätzliche Aeußerung des Preußischen Handclsministers. Berlin. 4. Sept. (Priv.-Tel.) Rach der in neuerer Zeit aufgetauchten Absicht, eine Verlängerung der Dauer der Lehrzeit über drei Jahre hinaus in fast allen Gewerben anzustreben, hält der preußische Han- delsmrnister es in Liebereinstimmung mit der Stellungnahme des Landesgewerbeamtes für zweckmäßig, daß in Zukunft die Handwerkskammern dir Dauer der Lehrzeit für die einzelnen Gewerbe und die Gewerbevereine für ihren Bezirk einheitlich fe st sehen. Dabei wird davon auszugehen sein, daß nach planmäßiger Ausbildung durch den Lehrherrn eine Lehrzeit von drei Jahren auch heute noch in der überwiegenden Anzahl der Gewerbe zur Ausbildung des Lehrlings regelmäßig genügen wird. Eine Verlängerung der Dauer der Lehrzeit über drei Jahre hinaus bis zur gesetzlichen Pflichtgrenze von vier Jahren kann nur für solche Gewerbe in Frage kommen, in denen die Anforderungen sö grs stiegen sind, daß eine ordnungsmäßige Ausbildung in drei Jahren nicht mehr erreicht werden kann. Für eine Wiederherstellung des Bankgeheimnisses. Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, der Deutsche Genossenschaftsverband, der Deutsche Sparkassen» und Giroverband, der Generalverband der Deutschen Raiffei» fen-Genosfenschasten und der Reichsverband der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften haben gemeinsam in einer Eingabe an den Reichstag die Wiederherstellung des Bank» und Sparkossengeheimnisses und eine entsprechende Abänderung der Reichsabgabenordnung gefordert. Die Verbände glauben, daß durch die Wiedereinführung des Bankgeheimnisses, die bereits vor fünf Jahren gefordert, damals aber abgelehnt worden war, die Reubildung inländischen Kapitals wesentlich gefördert werden kann. kommen. Er beglückwünschte Führung und Besatzung zu dem, was sie auf dieser Fahrt um die Welt für Deutschland wieder geleistet haben. Dem Dank an Dr. Dörr, dem Erbauer des „Graf Zeppelin" und an seine Mitarbeiter fügte er den Dank für die Unterstützung hinzu, die die Reichsregierung, die württembergische Staatsregierung und ferner Rußland, Japan und Amerika dieser Fahrt zuteil werden ließen. Besatzung und das gesamte Werftpersonal seien zu iner besonderen Feier eingeladen, sobald Dr. Eckener aus Amerika zurückgekehrt sei. Zum Schluß drückte Graf Brandenstein-Zeppelin dem Kapitän Lehmann dankbar die Hand. — Die Gräfin Brandenstein-Zeppelin sprach darauf einige bewegte Worte, in denen sie ihrer Freude darüber Ausdruck gab, daß der große Gedanke ihres Vaters so herrlich verwirklicht worden sei. — Es werden noch sprechen der Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald für die Reichsregierung, Staatspräsident Dr. B o l z für die württembergische Regie- und und Stadtschultheiß S ch n i tz l e r für die Stadt Friedrichshafen. Ein Glückwunsch des Reichspräsidenten. B e r l i n, 4. Sept (WTB. Funkspruch.) Der Herr Reichspräsident hat an den Luftschiffbau Friedrichshafen das nachstehende Telegramm gerichtet: „Zum erfolgreichen IDdfflug des Luftschiffes „Graf Zeppelin" sende ich Herrn Dr. Eckener und allen an diesem bahnbrechenden Werk Beteiligten in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen herzlichen Glückwunsch. gez. v. Hindenburg, Reichspräsident." Or. Eckeners Weltlustverkehrs-Pläne. Cleveland, 3. Sept. (WD.) Dr. Eckener hat vor seiner Abreise nach Akron erklärt, er habe bewiesen, daß das Luftschiff ein sicheres Verkehrsmittel fei; er hoffe jetzt, daß man die Schaffung von Verkehrslinien unterstützen wttde. Der Luftschiffverkehr könne nicht mit der Einrichtung eines Fluges Rund-urn-die- Welt beginnen. Die Luftschiffverkehrslinien, deren Einrichtung sich zunächst empfehle, seien: eine Verbindung zwischen Kalifornien und H o - n u l u l u, eine zwischen Europa und Asien und eine zwischen Nordamerika und Süd- amer i k a. Zwei Oeutschlandsahrten des „Graf Zeppelin". Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) „®raf Zeppelin" wixd kurz nach seiner Rückkehr vom Weltflug noch zwei Deutschlandfahrten unternehmen. In zwei bis drer Wochen wird das Luftschiff in Friedrichshafen aussteigen und über SchlesienundOberschlesiennach Berlin kommen, wo es am Ankermast festgemacht werden wird. Einen Tag oder zwei Tage später wird das Luftschiff von Berlin aus nach O st - Preußen aufsteigen, von wo es dann wieder nach Friedrichshafen zurückkehren wird. Anfang Oktober wird „Graf Zeppelin" wieder nach Amerika fliegen. Oie Verlegung der Rheinlandkommission. Englische Stimmen gegen eine weitere Besetzung Wiesbadens. London, 3. Sept. (WB.) Der Sonderkorrespondent der „Time s" in Wiesbaden berichtet seinem Blatt, bei der dortigen Bevölkerung werde das Gefühl der Befriedigung über den Abmarsch des britischen Besahungsheeres durch die Rach- richt getrübt, daß die Interalliierte Rheinlandkommission demnächst aus Koblenz nach Wiesbaden verlegt werden soll. Das bedeute, daß auch weiterhin fremdeTrup- pen in Wiesbaden verbleiben würden. Die Stadt sehe daher jetzt das britische Heer abziehen und werde trotzdem nicht von der Anwesenheit fremder Truppen befreit. Wiesbaden blicke dem verbleibenden Zeitraum der Besetzung mit Besorgnis entgegen. — Auch der Wiesbadener Korrespondent der „M orning P o st" betont, daß die beabsichtigte Verlegung der Rheinlandkommission nach Wiesbaden dort als eine ausgesprochene Verschlechterung der Lage betrachtet werde. — Der „Daily Telegraph" meint, die Haager Konferenz habe es unterlassen, die Stadt zu bestimmen, nach der die Oberkommission verlegt werden soll. Rach seiner Ansicht komme Wiesbaden dafür nicht in Frage, da es nach dem Abmarsch der britischen Garnison nicht gut von den Franzosen von neuem beseht werden . könne. Aich Sih der Kommission müsse eine Stadt ganz in der Rähe der franzö- sischenGrenze gewählt werden, z. B. T r i e r oder Kaiserslautern, oder auch eine Stadt im Saargebiet. Die Lösung dieser Frage müsse umgehend von Deutschland und den alliierten Mächten in Angriff genommen werden. Liquidationsskandal in England. Die Verschleuderung deutschen Borkriegsbesitzes. Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) England hat es bis heute nicht für nötig gehalten, die von London 1914 sofort in größtem Stile durch - geführte Beschlagnahme deutschen Privatvermögens aus der Welt zu schaffen. Immerhin haben wir im Haag durchgeseht, daß eine Kommission die „H e be r s ch ü s s e" prü- f e n soll, die nach dem Verkauf des einbehaltenen Besitzes und der Befriedigung englischer Forderungen verblieben ist. Mehr als ein Jahrzehnt hindurch haben wir beobachten können, wie mit dem vormals deutschen Eigentum umgesprungen wurde. Entweder verkam es vollends, oder es wurde für ein paar Groschen losgeschlagen. Milliardenwerte sind auf diese Weise vernichtet worden. In einem Punkte unterschieden sich aber die Engländer von unseren anderen ehemaligen Gegnern vorteilhaft. Wenn sie auch den deutschen Vorkriegsbesih verschleuderten, so konnte doch niemals die Behauptung aufgestellt werden, daß die unmittelbar daran Beteiligten, also die Beamten, sich mit Aussicht auf Gewinn an diesem unsauberen Liquidationsgeschäfi beteiligten. So schien es wenigstens. Rach plötzlich aufgetauchten und nicht widerlegten Gerüchten haben aber die britischen Treuhänder doch mit allen möglichen dunklen Existenzen gemeinsame Sache gemacht unb bewußt das Vermögen Oer neue Kurs in England. Eine große außenpolitische Programmrede Macdonalds in Genf. Die Tagung des Völkerbundessteyt in diesem Jahr ganz im Zeichen Macdonalds, es ist eigentlich das erstemal, daß Deutschland nicht mittelbar oder unmittelbar den Brennpunkt der ganzen Debatte bildete, was uns natürlich nur angenehm sein kann. Wir geben gerh Herrn Macdonald die erste Geige ab. Er hat doch aus dem Mißerfolg, den er in der kurzen Zeit seiner Ministerpräsidentschaft vor fünf Jahren erlebte, mancherlei gelernt. Er vermeidet alles improvisierte und geht zielbewuht, ganz langsam Schritt für Schritt vorwärts, um seine Regierung, die ja auch jetzt noch eine Minderheitsregierung ist, innerpolitisch zu untermauern. Dazu hat ihm der unbestreitbare Erfolg, den Snowden im Haag errang, wesentlich geholfen, und in ihren Wirkungen ist Snowdens Haltung auf den Mann der Straße berechnet, der sehr rasch herausgefühlt hat, daß jetzt in England Kräfte am Werk sind, die sich um seine Röte kümmern und nicht illusionistische Politik machen, sondern sich auf die Zwangslage einstellen wollen, in die England durch den Krieg hineingedrängt worden ist. Dazu ist gerade Macdonald besonders geeignet, der gegen den Krieg stimmte und deswegen durch Jahre hindurch in seiner eigenen Heimat als Verräter vcrfehmt war, der aber dann hoch die letzte Rettung blieb, als Lloyd George abgewirtschaftet hatte. Für ihn ist die Reise nach Genf auch nicht Selbstzweck, sie soll ihm nur dasSprungbrett schaffen, um seine Fahrt über den Großen Teich nach Amerika gut vorzubereiten. Dazu hat Macdonald mit großer Aufmachung in die Abrüstungsdebatte eingegriffen. Er hat sich durch die Erinnerungen an das verunglückte Genfer Protokoll nicht schrecken lassen, sondern greift jetzt den gleichen Gedanken wieder auf. Vor allem, um auf diesem Hmtoege die Schwierigkeiten mit Amerika beizulegen, den englischen Haushalt von den belastenden Rüstungsausgaben zu befreien und die angelsächsische Annäherung weiterzutreiben. Unter diesem Gesichtswinkel allein ist seine Genfer Rede zu beurteilen. Er bleibt der tragende Gedanke, hinter dem alles, vielleicht sogar die Beziehungen zu Frank- reich, an Bedeutung zurücktreten. Herr Henderson hat es sehr eilig gehabt, nach Abschluß der Haager Beratungen die alte Freundschaft zu Frankreich wieder zu unterstreichen. Das ist verständlich, denn gerade, wenn England mit den Vereinigten Staaten zu einem Ausgleich kommen will, muß es sich in den kritischen Zeiten eine Rückendeckung an Frankreich schaffen. Fragt sich nur, ob nicht aus dem Zwang der Verhältnisse das Rüstungsideal, das Macdonald verfolgt, einen Ge gensatz zu Frankreich unvermeidlich macht. Die Engländer denken nicht daran, das hat uns der Haag gelehrt, eine deutsch-freundliche Politik zu machen, wir haben deshalb auch keine Veranlassung, sie irgendwie zu stützen, aber es zeichnen sich doch immerhin Möglichkeiten ab, die aus einer Abkühlung des englisch-französischen Verhältnisses den Druck vermindern, der bisher die Bewegungsfreiheit unserer Politik einengte. Macdonald spricht. Abrüstung und Schiedsgericht. Genf, 3. Sept. (WTB.) Der englische Pre- mierminiftei Macdonald, der heute nachmittag die allgemeine Aussprache über den Rechenschaftsbericht des Generalsekretärs mit einer einstündigen Rede eröffnete, behandelte darin alle wichtigen Dölkerbundsprobleme, vor allen Dingen die der Abrüstung und des internationalen Wirtschaftslebens, denen durch seine Ausführungen zweifellos ein neuer starker Antrieb gegeben wird. Von starkem Beifall begrüßt, erinnerteMacdonald zunächst an fein erstes Auftreten vor der Völker- bundsversammlung im Iahrel925, seit welchem sehr wichtige Aenderungen vor sich gegangen seien. Die wichtigste davon sei, wie er unter dem Beifall der Versammlung feststellte, der Sin* tritt Deutschlands in den Völkerbund. Ein weiterer wichtiger Schritt sei das Zustandekommen des Kelloggpak- tes und ein dritter sehr wichtiger Schritt das Ergebnis der Haager Konferenz. Als erste Folge dieser Konferenz werden bereits in der nächsten Woche die ersten Besahungstruppen das Rheinland verlassen, um nicht mehr dorthin zurückzukehren. Macdonald fuhr fort: Die englische Regierung wird alles tun, um die Vorbereitungen für die Abrüstungskonferenz zu beschleunigen, und zwar nicht in dem Gedanken eines möglichen Krieges, sondern in dem Glauben daran, daß jede Kriegsgefahr ferner von uns ist als die Hoffnungen auf friedlichesiZusammen- arbeiten. Der Friede hat freilich ebenso sein Risiko wie der Krieg. Aber die Rationen, die als Pioniere des Friedens arbeiten, werden auch den Frieden verwidlichen. Der erste und eigentliche Beitrag Englands für die Vorbereitung der Abrüstungskonferenz ist die Regelung der Seeabrüstung. Der beste Weg dazu ist ein Abkommen zwischen England und Amerika. Unsere Besprechungen sind in keiner Weise und in keiner Hinsicht irgendwie gegen irgendwen gerichtet, sondern im weitesten Sinne von dem Wunsche beseelt, durch diese Verständigung das alte Abrüstungsproblem zur Lösung zu bringen. Der richtige Weg dazu werde die Konferenz der sechs Seegroßmächte sein. Macdonald teilte mit, daß er im Augenblick noch nicht das Ergebnis seiner Verhandlungen mit Hoover öffentlich bekanntgeben könne. Die Mitteilung möge genügen, daß bei diesen Vereinbarungen ein Schriftstück von 20 Punkten Zustandekommen werde, von dem nur noch drei Punkte offen seien. Ohne allzuviel versprechen zu wollen, habe er doch die Hosnung, daß noch während dieser Dölkerbunds- versammlung das Zustandekommen der Vereinbarung verkündet werden könne. Reben das Abrüstungsproblem stellte Macdonald als zweite wichtige Ausgabe den Ausbau des Kellogg- Paktes, der in Uebereinftimmung gebracht werden müsse mit den Artikeln 12 und 15 des Völkerbundspaktes, d. h. soviel als den Ausbau der Schiedsgerichtsbarkeit und des Schlichtungswesens. Die englische Regierung habe beschlossen, d i e Fakultativklausel über die Schiedsgerichtsbarkeit des Ständigen internationalen Gerichtshofes im Haag zu unterzeichnen. Er fei außerdem der Hoffnung, daß die Dominions ihren zur Zeit in der Völkerbundsversammlung anwesenden Delegierten ebenfalls die Anweisung zukommen lassen, noch im Laufe dieser Völkerbundsversammlung die Fakultativklausel zu unterzeichnen. Weiter behandelte Macdonald im einzelnen Fragen des nahen und fernen Orients, wobei er zunächst mitteilte, daß Vorbereitungen getroffen sind, die es ermöglichen werden, daß Aegypten seine Kandidatur als Völkerbundsmitglied stellen kann. Die orientalischen Völker, so betonte er feierlich, bringen uns heute unsere eigenen Ideen zurück und verlangen von uns die Freiheit. Man dürfe nicht abwarten, bis es au einem Ultimatum komme, wogegen es keine Hilfe geben werde. Zum Minderheitenproblem übergehend, stellte Macdonald fest, daß es niemals möglich fein werde, Europa in reine Nationchstaaten einzuteilen. Auf keinen Fall dürften die Minderheiten der Unterdrückung ausgesetzt sein. Was die Vorgänge in Palästina angehe, so biete Eng- land den Opfern nicht nur feine Sympathie, sondern auch seine Unterstützung an. Es handele sich im übrigen dabei nicht um einen Konflikt zwischen Judentum und dem Islam, sondern einfach um einen Aufstand. Im übrigen sei d i e Ruhe längst wiederhergestellt, was die erste Pflicht der englischen Regierung gewesen fei. Schließlich betonte Macdonald die Bedeutung der wirtschaftlichen Probleme an die der Völkerbund mit immer größerer Ent* schlassenheit herantreten müsse. Vor allen Dingen müsse das Problem der Zollsätze geregelt werden, und zwar von dem Grundgedanken aus, daß kein Land ohne den gedeihlichen Wohlstand der übrigen Staaten florieren könne. Die englische Regierung werde mit allen Kräften daran mitarbeiten, die politischen Abkommen durch wirtschaftliche Ab* kommen zu ergänzen, und der Völkerbund werde bei seiner Tätigkeit auf wirtschaftlichem Gebiet die volle Unterstützung Englands finden. Macdonald schloß mit einem starken Bekenntnis für die Möglichkeit einer weitgehenden internationalen Zusam* menarbeit auf dem Boden der gegenseitigen Selbstachtung der Völker, aus deren Denken der Rüstungsgedanke endgültig verbannt werden müsse. An seine Stelle müsse das Vertrauen treten und das gegenseitige Verständnis, damit eine neue Aera des internationalen Zusammenlebens bald heraufgeführt werden könne. Genfer Echo. Günstiger Eindruck bei der deutschen Delegation Genf, 3. Sept. (WB.) Die Rede Macdonalds fand bei der überwiegenden Mehrheit der Delegierten der Völkerbundsversammlung und auf den bis zum letzten Platz besetzten Tribünen eine be - geisterte Aufnahme. Als Macdonald die Rednertribüne verließ, ging als einer der ersten Staatssekretär o. Schubert auf ihn zu, um ihn mit einem herzlichen Händedruck zu beglückwünschen. B r i a n d begnügte sich damit, Macdonald kurz zuzuwinken; man erwartet daher in Genf mit größter Spannung seine Antwortrede. In den Wandelgängen des Reformationssaals bildete die Rede mit ihren überaus einprägsamen Wendungen den ganzen Abend über den Gegen ft and lebhaf - ter Erörterungen. In den Kreisen der beut- schen Delegation wurde der Hinweis Macdonalds auf die wertvolle Mitarbeit, die Deutschland seit seinem Eintritt in den Völkerbund leistete, besonders angenehm empfunden. Auch die übrigen Äußerungen des englischen Premierministers, soweit sie Fragen der allgemeinen Politik betreffen, fanden durchaus ihre Zustimmung. gegen Provisionen unter seinem eingesch-ätzten Wert abgegeben. Von einem neuen Skandal kann man. nicht sprechen, da die Liquidationen selbst einen der ungeheuerlichsten Skandale darstellen, die sich jemals abgespielt haben. Auf diese noch unaufgeklärten Machenschaften der Treuhänder soll auch die beharrliche Weigerung der Engländer zurückzuführen sein, das heiße Eisen der Liquidationen anzurühren. Der Schleier ist aber bereits etwas gelüftet, wir werden vermutlich sehr bald erfahren, wie man sich nicht nur art deutschem Besitz bereichert hat, sondern auch was von dem umstrittenen Heberschuß von 350 Millionen Goldmark tatsächlich noch übrig geblieben ist. Oer Brückenkopf Kehl nicht vergessen. Eine englische Ente. Berlin, 3. Sept. (Priv.-Tel.) In der deutschen Oeffentlichkeit hat man die englische Meldung aufgegriffen, nach der es in London bedauert würde, daß für die Räumung des Brückenkopfes von Kehl kein näheres Datum festgesetzt ist. Hierbei ist schon den Engländern die Unkenntnis der Zusammenhänge zum Rachteil geworden, so daß die diesbezüglichen deutschen Kommentare völlig falsch sind. Denn wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, hat man ausdrücklich in den Haager Räumungsprotokollen gerade in Erwartung, daß bei den Brückenköpfen eben-1-'" Mißdeutungen auftreten könnten, festgesetzt, daß in dem gleichen Zeitraum die zu u e n einzelnen Zonen gehörigen Brückenköpfe, die alle namentlich angeführt worden sind, geräumt werden müssen. Es erübrigt sich also, auf die falschen Kommentare einzugehen. Gewiß hat Frankreich ursprünglich die Absicht gehabt, bestimmte Re st gebiete noch zu behalten, der deutschen Delegation ist es aber gelungen, diese franzöl ische Absicht zu durchkreuzen. Oie Wirtschaftslage in Oeutsch-Güd-West. Ein Bericht des Administrators. Berlin, 4. Sept. (Priv.-Tel.) Heber die augenblicklich herrschenden Zustände im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika geht uns von der Deutschen Kolonialgesellschaft eine Zuschrift zu, die interessante Einzelheiten über öie wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse m Deutsch-Südwestafrika enthält. Es heißt dort u. a.: Die finanzielle Lage Deutsch-Südwestafrikas läßt erkennen, daß sich das Land in einer Periode stetigen Fortschrittes be» findet. Mit Ausnahme des Bergbaus ist auf allen Einnahmekapiteln des Etats ein Heber» schuh festzustellen, der insgesamt 85 000 englische Pfund beträgt. Besonders interessant ist es, daß die reichen Diamantfunde anj Rord- ufer des Orangeflusses die Hoffnung auf eine ständige Besserung der Lage zulassen. Infolgedessen rechnet man auch, in der Diamantenindustrie eine wertvolle Einnahmequelle für das ganze Land zu finden. Der ungenügende Reg en fall in der letzten Saison hat allerdings die Aussichten der Farmwirtschaft für das kommende Jahr recht ungünstig gestaltet. So war z. D. in dem nördlichen Cingeborenengebiet fast völliger Regenmangel. Es droht daher eine Wiederholung der Hungersnot von 1915, bei der unter den Stämmen der Eingeborenen eine katastrophale Hungersnot ausbrach. Die augenblickliche Mandatsverwaltung wird daher umfassende Hilfsmaßnahmen durchführen müssen. Als Folge des Regenmangels ist das gänzliche Auf hören der Viehausfuhr aus Süd- westafrika zu verzeichnen. Auf dem Gebiet des Eisenbahnverkehrs soll ein stetiger Fortschritt festzustellen sein. Für die Erneuerung der Schienenwege sind etwa eine Diertelmillion Pfund Sterling aufgewandt worden. Die Anlagen auf den Strecken wurden verbessert, ebenso die Unterkünfte für die Eftenbahnangestellten. Hebet nahezu 500 Meilen ist einkombinierterEisen- bahn-Autoverkehr eröffnet worden. — Diese Ausführungen der Deutschen Kolonialgcsell- schast entstammen einer Ansprache des Ad- min i strators im Südwester Landesrat, ihre Richtigkeit wird sich vom deutschen Standpunkt aus nur schwer prüfen lassen. KeineAenderungderenglischen Politik in Palästina. L o n d o n , 3. Sept. (WB.) Zu der E i n s e tz u n g einer Kommission zur Untersuchung der Vorgänge in Palästina bemerkt der „Amtliche Britische Funkdienst": Im Hinblick auf die in gewissen Kreisen gemachten Vorschläge wünscht der Kolonialsekretär klarzustellen, daß die englische Regierung sich keineswegs mit dem Gedanken trägt, die Frage der weiteren Wahrnehmung des englischen Mandats in Palästina einer Nachprüfung zu unterziehen, und daß man keine Enquete plant, die auf eine Aenderung der Haltung Großbritanniens hinsichtlich des Mandats oder der Politik hinaus- laufcn könnte, die in der Balfour-Deklaration von 1917 definiert und in dem Mandat verkörpert und deren Ziel es ist, den Juden in Palästlnaeine nationale Hei m^i t zu schaffen. Die jetzt eingeleitete Untersuchung beschränkt sich demnach auf die a k t u e l l c n Notstände und erstreckt sich nicht auf den Gesichtspunkt der höheren Politik. Oie Wetterlage. iberdeen- Dienstaa. d. 3.~5ept 1929 7b_apd5,- ©wolkenlos. cs neuer. c> naio hedecxi.» wolkig, a Gedeckt «Regen * Schnee cs Graupeln, s NeDel K Gewitter .©Windstille. O. seh» «eicnter Osi massiger Südsüdwest <5 stürmischer nordwesl Oie Pfene fliegen mit dem winde. Die oei den Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichen} euf Meeresniveau umaencnoeten Luftdruck Wettervoraussage. Der hohe Druck wirb zwar burch bie flache west* liche Störung abgeschwächt, aber trotzdem steht zunächst noch keine Umgestaltung der Wetterlage bevor. Leichte Bewölkung zieht zwar zeitweise in unserem Bezirk auf, jedoch sind keine Niederschläge zu erwarten, auch bewegen sich bie Temperaturen in den seitherigen Grenzen. Wettervoraussage für Donnerstag: Morgens stellenweise dunstig, tagsüber heiter, auch zeitweise bewölkt, wärm und trocken. Witterungsaussichten für Freitag? Noch wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 3. September: mittags 29,8 Grad Celsius, abends 22,2 Grd; am 4. September: morgens 16,8 Grad. Maximum 30,2 Grad, Minimum 14 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. September: abends 27,2 Grad; am 4. September: morgens 20,2 Grad. — Sonnenscheindauer 9% Stunden. Aus her Provinzialhaupistaht. Gießen, den 4. September 1929. Weiße Wolken. Sie geben dem Sommertag die Weite und die Fülle, die Besinnung auf die Bähe und den Flug in die blaue Ferne. Etwas Wunderbares ist in ihnen. Man kann ihnen tausendmal nachgesehen haben, in Jugendtagen, als man sich träumend von goldener Zukunft im blühenden Hag streckte, die Hände unter dem Kopf vergraben, die Blicke erhoben zu der blauen Himmelskuppel, über die krause Wolkenbilder zogen, in die man hineindichten konnte, was man wollte, man kann ihnen nachgesehen haben mit dem flüchtigen Blick dessen, der unablässig den kleinen Dingen des Alltags, dem Geldverdienen nachjagt, und man blickt doch immer wieder hin zu ihnen, wird immer wieder von ihnen angezogen. Sie sind am Morgen anders als am Mittag, und am Mittag anders als am Abend. Sie sind anders, wenn wir sie nur sehen vom Fenster aus, das einen kleinen Ausschnitt freigibt und eine kurze Minute der Pause zwischen zwei dringenden Handgriffen an der Maschine, der ein gut Teil unseres Lebens anheimgefallen ist. Sie sind anders, wenn wir sie sehen auf der weiten Flur, die sich dehnt zum waldigen Hügel in der Ferne. Und sie sind wieder anders, wenn wir ^uf mächtigen Bergrücken hinschreiten, den Blick hinunterfallen lassen ins Tal, wo Häuser und Menschen so winzig klein geworden sind, die uns doch noch vor Stunden groß erschienen, uns zur Freude oder zur Last waren. Der Blick durchs Fenster lockt uns in die Ferne: mit den weihen Wanderern des Himmels möchten wir ziehen in eine unbekannte Weite, wo das Ungewisse unser harrt, das Abenteuer, vielleicht das Glück. Auf der weiten Flur heben sie uns empor, bedrängen uns, daß wir den Bogel beneiden, der ihnen um einige Meter näher ist, näher der Freiheit, näher dem unendlichen Blau über uns. Auf dem Gipfel des Berges sind wir ihnen näher, aber doch nicht nahe genug. Als wir sie von unten sahen, wie sie hinschwebten über die zackigen Gipfel, da glaubten wir vielleicht, sie mit Händen greifen zu können. Bun aber stehen sie über uns fast genau so, wie wir sie von unten sahen. Roch ein Stück empor, und wir würden sie gewiß fassen können mit Händen. Aber was hätten wir dann? Eine graue Bebel- masse, die den Blick einengt, nichts gibt als trostloses Alleinsein. Und ist das nicht fast immer so? Ist nicht nur das Ferne so schön, weil es fern ist? Leuchtet und lockt es nicht nur deshalb, weil sich der Arm vergeblich nach ihm streckt? Wenn wir es besähen, wäre es vielleicht für einen kurzen Augenblick noch begehrenswert, dann aber legte sich das Grau der Gewohnheit darüber, und aller Glanz und alles Schöne, das wir in ihm sahen, wäre erloschen. Wir müssen alle etwas besitzen, das wir nicht erlangen können. Besitzen können wir es im Verlangen nach dem Besitz. Und dieser Besitz ist nicht immer der schlechteste. S. Fortbirdurrgskursus für Aerzte. Die medizinische Fakultät der Universität Gießen veranstaltet vom 30. September bis einschl. 5. Oktober einen allgemeinen Fortbildungskurs für praktische Aerzte. Vortragende sind sämtliche klinischen Fachvertreter, sowie die Fachvertreter für Physiologie und physiologische Chemie. Ferner ist ein Ausflug nach Bad-Bauheim geplant mit Besichtigung der Badeeinrichtungen und Vortrag in dem neu errichteten medizinisch-balneo- logischen Institut. Für Angehörige bietet sich Gelegenheit, in Gießen den vom 30. September bis 12. Oktober über das Thema „Deutsche Denker, Dichter und Künstler" stattfindenden Ferienkurs der Universität zu besuchen, von dem einzelne Vorträge in Bachmittags- und Abendstunden auch in den ärztlichen Fortbildungskurs eingegliedert sind. Anfragen nach Prospekten und Anmeldungen sind an den Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Georg Herzog, Gießen, Pathologisches Institut, zu richten. Verschärfte Verkehrsüberwachung in Hessen. WSB. Die ständig zunehmenden schweren Ver- kehrsunsälte haben den hessischen Minister des Innern veranlaßt, neue Anordnungen zur verschärften Ueberwachung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen zu treffen. Besondere Beamte auf Motorrädern werden in Zukunft durch Kontrollfahrten Gendarmerie und Polizeibehörden unterstützen. Die hauptsächlichsten Aufgaben der Verkehrsüberwachung beziehen sich auf vermehrte Kontrolle von Führer und Fahrzeug, Zulassungsbescheinigungen. Führerschein und die Einhaltung der Verkchrsvor- schriften, insbesondere der vorgeschriebenen Geschwindigkeiten, die Vermeidung von Belästigung des Publikums durch Geräusch, Rauch, Gas und üblen Geruch, sowie überhaupt auf die Einhaltung der Fahrordnung durch sämtliche Wagen- benuher. Die Vorschriften gegen die B e l ä st i - gung durch Geräusch werden auch auf die Garagenbetriebe und Reparaturwerk st ä t t e n erstreckt. Außerdem wird zur Feststellung der Hauptursachen der Verkehrsunfälle eine umfassende Statistik zur Klärung der Änfallnrsachen durchgesührt werden. Zeppelin daheim, Flaggen heraus! Das Wolffburea. meldet: In der Erwartung der glücklichen Rückkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin" von seinem Weltftuge ordnete die R e'i ch s r e g i e . r u n g zur Feier desErfolgesdesdeutschcn Unternehmungsgei st es und friedlicher deutscher Arbeit an, daß die Reichsbehörden am Mittwoch, dem 4. Septmber, flaggen. Die gleiche Anordnung traf die pr e u ß i f ch e Staatsregierung für die Staats- und Kommunal- behörden. (Dieser Bekundung der Freude über eine glänzende deutsche Leistung sollte r:d) auch die B e - völkerung Gießens, soweit sie Fahnen besitzt, in gleicher Weise anschließen.) Daten für Donnerstag, 5. September. Sonnenaufgang 5.18 Uhr, Sonnenuntergang 18.39 Uhr. — Mondaufgang 7.28 Uhr, Monduntergang 19.39 Uhr. 1858: der Satiriker M. G. Sophie in Baden bei Wien gestorben: — 1902: der Pathologe und Politiker Rudolf Virchow gestorben. Bornotizen. — Tageskalende r f ür Mittwoch. Lichtbildervortrag /.Kampf um Vpern", 20.30 Ähr, Kath. Dereinshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn der weihe Flieder wieder blüht". — Lieder- und Arien-Abend. Elisabeth Weeg, eine geborene Gießenerin, die ihre Gesangsausbildung in München erhält und als Sängerin hier nicht unbekannt sein dürfte, wird am Donnerstag, 5. September, in der Reuen Aula der Universität einen Lieder- und Arien-Abend geben. Näheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen. — Winzerfest in Bad-Nauheim. Am 7. September, 20 Uhr, findet im Bad-Nauheimer Kurhaus das traditionelle Winzerfest statt. Mehrere Musikkapellen werden zum Tanz aufspielen. Eine Abteilung der Bad-Nauheimer Musterturnschule von Turnlehrer S i n n w e l l und die Gesangsabteilung des Turnvereins 1860 e. V., Leitung Lehrer Diehl, werden'mitwirken. Bei gutem Wetter wird die Kurhausterrasse illuminiert. Das Fest selbst findet bei jeder Witterung statt. (Näheres in der heutigen Anzeige.) ** Vorsicht b e i der Aufbewahrung giftiger Flüssigkeiten! Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Vielfach werden sowohl im Haushalt als im Gewerbebetriebe Gefäße, die zur Aufnahme von Bahrungs- und Genußmitteln bestimmt sind, wie Wein-, Bier- und Mineralwasserflaschen, zur Aufbewahrung giftiger Flüssigkeiten, die im Haushalt oder im Gewerbebetrieb Verwendung finden sollen (z. D. Salzsäure, Salpetersäure, Karbolsäure, Lysol, Salmiakgeist, Sublimatlösung u. dgl.) benutzt, ohne daß Vorkehrungen getroffen werden, durch die der Gefahr einer Verwechselung des giftigen Inhaltes der Gefäße mit einem Bahrungs- oder Genußmittel vorgebeugt wird. Infolge dieses auf Änkenntnis und Änachtsamkeit, auf Gleichgültigkeit oder Rücksichtslosigkeit zurückzuführenden Verfahrens sind schon häufig Personen, die aus Versehen aus solchen Flaschen getrunken haben, schwer erkrankt oder gestorben. Ebenso wie es Gifthändler durch § 15 der Verordnung betreffend den Verkehr mit Giften, vom 17. April 1895, verboten ist. Gifte in Trink- oder Kochgefäßen oder in solchen Flaschen oder Krügen abzugeben, deren Form oder Bezeichnung die Gefahr einer Verwechselung des Inhalts mit Bahrungs- oder Genußmitteln herbeizuführen geeignet ist, so muß auch demjenigen, der giftige Flüssigkeiten im Besitz hat, um sie im Haushalt oder Gewerbe zu verwenden, schon im Hinblick auf seine zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeit dringend anempfohlen werden, die gleiche Vorsicht bei ihrer Aufbewahrung obwalten zu lassen. ** Stadttheater Gießen. Aus dem Stadtlheaterbureau wird uns geschrieben: Walter Ebert Grasso w, Mitglied des hiesigen Stadttheaters, wurde für die kommende Spielzeit an das Beue Schauspielhaus (frühere Volksoper) in Wien verpflichtet, Direktion Feldhammer und Dr. Preminger. Grassow wurde als erster schwerer Held und Spielleiter engagiert. ** Sperrung de r Rodheimer Chaussee in Gießen. Wegen Ausführung von Pflasterarbeiten wird die Provinzialstraße Gießen—Rodheim zwischen Krofdorfer Straße und Hardtallee vom 5. September ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung bis 9 Tonnen Gesamtgewicht über Klein-Linden—Heuchelheim, über 9 Tonnen Gesamtgewicht über Krofdorf. ’* Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club (A v. D.) Gießen: Die Strecke Eckelshausen — Buchenau (0,45—2,30) im Zuge der Straße Biedenkopf—Marburg wird für Kraftfahrzeug- und Fuhrwerksvertchr gesperrt. Umleitung: Wolfgruben—Friedensdorf—Lahnbrücke und umgekehrt. — Die Ortsdurchfahrt Bergheim ist vom 10.—12. September gesperrt. Umleitung über Ortenberg—Usenborn. — Die Provinzialstrahen- strecke Abzweig Butzbach — Griedel einschließlich Ortsdurchfahrt Griedel ist ab 9. September gesperrt. Umleitung über Münzenberg— Rockenberg und umgekehrt, oder soweit möglich über den Abzweig Gambach—Griedel. ** Gießener Sportsieg in Darm st ad t. Der 19jährige Sportler Albert R a u von hier, Buddestraße 4, .in Mitglied des Reichsbahn-Turn- und Sportvereins Gießen, errang bei den vom Reichsbahn-Turn- und Sportverein Darmstadt anläßlich seiner Platzeinweihung in Darmstadt veranstalteten sportlichen Wettkämpfen den 1. Sieg im 5000-Meter-Lauf. ** Schutz dem Walde gegen Feuers- gefahr! Bei der langandauernden Trockenheit, die durch austrocknende Winde noch vermehrt wird, besteht überall im Walde die Gefahr von Feuersbrünsten, wenn der Funken eines achtlos weg- geworfenen Streichholzes oder eines Zigarren- stumels trockenes Gras oder Laub erreichen kann. Jeder, der gegenwärtig durch den Wald oder über Heiden geht, sollte auf den Genuß des Rauchens verzichten, zumal in diesen Tagen, da auch jede Kreatur dem Verschmachten nahe ist und jeder Quell und Wasserlauf versiegt. ** Handgewerbe-Ausstellung des Bundes Deutscher Jugendvereine. Man schreibt uns: Im Anschluß an feine Landes- verbandstagung veranstaltet der Bund Deutscher Iugendvereine in dieser Woche bis einschl. Sonntag, 8. September, im oberen Saal der Herberge zur Heimat, Hinter der Westanlage 11, eine Ausstellung handgewebter, kunstgewerblicher Erzeugnisse für Kleidung und Raumschmuck aus seiner Handweberei auf Schloß Westerburg. Der Bund hat sich dort auf seiner Iugendburg im Westerwald im Laufe der letzten Jahre in ernster Arbeit mit fachmännisch geschulten Kräften eine kunstgewerbliche Handweberei geschaffen, die heute schon in weiten Kreisen Beachtung und Anerkennung findet. Die Ausstellung bringt in reicher Auswahl handgewebte Stoffe vom stärksten Beiderwand bis zur feinsten Seide, abgepaßte Borden- und Streifenstoffe, Fertigkleider in mannigfaltiger Ausführung, Kinderkleider und Schürzen, Schals und dergleichen. Auch bei dem Raumschmuck, den vielfarbigen Chaiselongue- und Tischdecken, Wandbehän- gen, Vorlegern, Vorhängen und Kissenplatten, kann der Besucher weitgehendste Berücksichtigung seiner Wünsche finden. Die Handweberei Schloß Westerburg ist kein rein geschäftliches Unternehmen. Der Reingewinn dient zum weiteren Ausbau der Jugendburg und kommt somit der gesamten Jugendarbeit zugute. Die Ausstellung ist von 10 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 8 Uhr nachmittags geöffnet. Der Eintritt ist frei. Man beachte die heutige Anzeige. ’* Die Verleihung der Rettungsmedaille in Hessen. Bachdem bereits im Sommer 1927 das hessische Gesamtministerium die Wiederverleihung der Rettungsmedaille beschlossen hatte, sind die Vorbereitungen jetzt soweit abgeschlossen,, daß in absehbarer Zeit mit der Verleihung zu rechnen ist. Entsprechend dem Grundsatz, daß die Rettungsmedaille eine staatliche Anerkennung für die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr darstellt, ist die Verleihung in erster Linie bedingt durch eine besonders erhebliche, mit der Hilfeleistung verbundene Lebensgefahr und den dadurch erbrachten Beweis von Mut, Entschlossenheit und Selbstaufopferung. Der Minister kann aber auch auf Gewährung einer Geldbelohnung erkennen, wenn der Retter dieser Belohnung gegenüber der Rettungsmedaille den Vorzug gibt. Gleichzeitig mit der Verleihung der Rettungsmedaille bzw. der Gewährung einer Geldbelohnung erfolgt die Äeberreichung einer besonderen Ehrenurkunde. ** Schulungswoche für Sprecherziehung. Als erste Behörde in Deutschland veranstaltet das hessische Kultusministerium in Mainz eine Schulungswoche für Sprecherziehung, die am Mon- tagoormittag mit einer Begrüßungsansprache des Ministerialdirektors Urstadt eröffnet wurde. Die von etwa 100 Teilnehmern besuchte Tagung ist in erster Linie für Lehrkräfte an hessischen Schulen bestimmt, denen hier Gelegenheit geboten werden soll, sich auf einem bisher vielfach vernachlässigten wichtigen Gebiet der Pädagogik theoretisch und praktisch weiterzubilden. Die Leitung des Kursus, der mit einer Ausstellung der einschlägigen Fachliteratur verbunden ist, liegt in den Händen des Universitätslektors Roedemeyer (Frankfurt a. M.) und des Dr. med. Roemer (Stuttgart.) Preußen. Schweres Grubenunglück bei Limburg. Limburg a. d. L., 3. Sept. (IDB.) Auf der Grube der G e w e r k f ch a f t „S l r u t h" bei Linier ereignete sich heute nachmittag 3.45 Uhr ein furchtbares Unglück. Mährend die Arbeiter in der Grube beschäftigt waren, löste sich plötzlich an den Grubenwänden ein. Ton block und begrub vier Arbeiter unter sich. Drei von ihnen waren sofort tot, während der vierte mit schweren Verletzungen geborgen werden konnte. Kreis Bicdcnkohf. 1 Cndbach, 3. Sept. Heute morgen gegen 2.30 Ähr weckte das Feuerhorn die Bewohner des Ortes aus dem Schlafe. Cs brannten in dem Gehöft des Landwirts Adam Koch dahier Scheune und Stallung. Infolge der trockenen Erntevorräte fand das entfesselte Element reichlich Bahrung und wurden beide Gebäude völlig ein Raub der Flammen. Dem tatkräftigen Eingreifen der beiden Ortsfeuerwehren sowie der schnell alarmierten Freiwilligen Feuerwehr von Hattenrod gelang es, das Wohnhaus zu retten. Der größte Teil des Verlustes ist durch Versicherung gedeckt. Berliner Börse. Berlin, 4. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr ist cs Oimmungsmäfjig etwas fester, wobei die gestrige Haussebewegung in Ncuyork, der gute Abschluß bei Klöckner und steigende Stupfer- preise anregten. Das Geschäft war aber weiter sehr still, und zuverlässige Kurse hörte man nicht. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,36, London gegen Mailand 92,17, London gegen Spanien 32,91 London gegen Kabel 4,8478, London gegen Berlin 20,37, Kabel gegen Berlin 4,20. Eewinnauszug 5. Klasse 33. Preußisch-Süddeutscht (259. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 23. Ziehungstag 3. September 1929 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne »u 10000 M. 271793 2 Gewinne zu 5000 M. 265168 6 Gewinne ju 3000 M. 45410 88631 332893 16 Gewinne 2000 M. 147473 170649 218811 265342 268307 308867 335111 368785» 34 Gewinne,u 1000 M. 17205 21425 42910 63085 65522 70611 84251 133987 156572 172191 199986 272816 284426 304888 338938 344405 395125 82 Gewinne zu 500 W 3400 3628 4578 16358 31696 44738 52246 64111 72071 81704 116121 122225 122313 135728 139196 141297 151177 152083 156188 175076 176705 193297 194780 213062 214829 221457 223677 239103 273530 275917 276064 277473 279150 290104 294108 294391 294810 323816 335790 350819 387140 238 Gewinne »u 300 M. 3022 7270 7961 8296 9379 13188 20188 26805 30765 34563 40375 40493 47522 47571 54228 65837 63296 64077 65509 65610 66294 70880 72998 77898 78948 79002 80745 86945 89208 93114 94203 97084 100385 103571 107459 113338 114254 115705 116658 121025 121055 121069 126869 129297 133561 135678 136008 137239 146332 146503 148974 153090 158179 160872 163149 167035 181397 182013 189813 189987 199872 207020 210556 210711 213193 215481 215485 216081 220409 222460 224423 226347 226834 227394 247722 248923 249868 255627 259706 263336 266591 267716 274379 276116 277936 289899 294451 306514 308089 308135 310471 316119 317496 317925 323171 327900 330705 333181 334550 336848 337950 344342 344768 345430 345483 345930 346905 347088 358130 363205 369696 369880 370087 371387 372356 378202 382383 396399 397679 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« »u 10000 M. 88088 2 Gewinne «u 5000 M. 348314 8 Gewinne ,u 3000 M. 78356 143840 211616 334294 4 Gewinn- in 2000 M. 209392 331744 24 Gewinne ju 1000 M. 49820 60429 71591 80484 119686 125917 237039 302793 348115 354702 367415 389220 74 Gewinne zu 500 M. 1302 16894 20481 22399 22705 45370 56198 85271 85793 95135 120308 129634 137137 138525 141813 143125 149500 163585 172837 177462 253941 257872 271120 310940 312494 317036 320403 327677 330302 330837 335477 340525 349449 351155 362087 384214 390260 174 Gewinne ju 300 M. 828 1020 4681 4688 8469 27024 30949 33234 34307 34978 36142 42178 43184 43645 44973 45637 45686 53412 58503 63844 64956 69112 70538 72101 78540 78660 87348 88685 89478 102396 109720 113926 117338 119665 120991 121981 122114 124902 125079 138578 156113 161344 163504 164832 165846 168137 169262 170935 175243 176148 183739 186107 211830 212223 213473 218009 234232 235070 239442 269115 271863 281837 283631 284450 289641 289776 290396 290741 295775 298690 305011 322653 323532 325563 329873 337505 337720 339085 341491 341907 349889 350550 368400 376082 384791 392037 395246 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 zu je 75000, 20 zu je 10000, 24 zu je 5000, 72 zu je 3000, 134 zu je 2000, 396 zu je 1000, 1048 zu je 500, 2242 zu je 300 M. 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Bahnhofstraße 30. 7277A Heute vormittag 3 Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld getragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute treusorgende Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Anna Katharine Lemp geb. Dapper im 58. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Konrad Lemp, Schuhmachermeister Familie Wilh. Lemp IL Gastwirt Familie Hch.Kehr Vl.Wwe. geb. Lemp Hch. Karl Lemp, Schuhmacher. Treis a. d. Lumda, den 3. September 1929. Die Beerdigung findet Donnerstag, 5. Sept, nachm. 4 Uhr statt. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 5. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Alten Friedhof statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Löber, Friedhofverwalter i. R. Therese Seip geb. Haas Familie Otto Schneider Familie Hermann Glenz. Danksagung Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen Herrn Ludwig Seip, Lehrer i.R Todes-Anzeige. Meine liebe Frau, unsere liebe treusorgende Mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Marie Löber geb. Wagner ist gestern nach schwerem Leiden von uns gegangen. Wieseck, den 3. September 1929. 7249V Reiskirchen, den 4. September 1929. Telephon 4077 Erstaufführung für Süddeutschland Ab morgen Donnerstag, 5. Sept., bis einschl. Sonntag: IN in Familie Maus. Gießen, den 3. September 1929. 05587 Ein Warnruf an alle Mädchen und Eltern l dem Spielplan. 7283C <7 Bahnhofstraße 34 Heute letzter Tag: Wenn der weiße Flieder wieder blüht.... Die Beerdigung findet Donnerstag, 5. September, nachm. 2 Uhr statt. 72850 Ein Film aus dem Marseiller Mädchenhandel. Das Treiben der „Kaftane“, gewissenloser Männer, die die Unwissenheit unerfahrener junger Mädchen ausnutzen. Für die vielen Beweise der herzlichen Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Elisabethe Luh geb. Volkmann nebst Kindern Unter Vorspieglung von falschen Engagements, durch fingierte Trauungen, gefälschte Papiere werden die Mädchen in die überseeischen Länder gelockt, ohne zu ahnen, was ihrer dort wartet! - Erschütternde Bilder aus den Elendsquartieren Marseilles. Wieder ein neuer, ein echter Piel-Film voller Spannung, mit allen Mitteln modernster Technik hergestellt, sind seine Filme heute wife schon seit Jahren unnachahmlich. „Harry Piel“, dessen Name heute Weltruf hat, hat sich in diesem Film selbst übertroffen. Um allen Gelegenheit zu geben, diesen hervorragenden Film zu sehen, bleibt derselbe 8 Tage auf In tiefer Trauer: Heb. Schäfer und Frau Familie Hch. Jünger Familie Ludwig Balser Karl Schäfer, Emmi Faber (Braut) Elisabethe Schäfer, Hch. Damm (Bräutigam) nebst allen Angehörigen. Danksagung. Für die während der Krankheit und beim Ableben unseres lieben Entschlafenen in so reichem Maße erwiesene liebevolle Teilnahme dankt herzlichst Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mitteilung, daß unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager, Pate und Onkel Heinrich Schäfer I. Oberpostschaffner i. R. gestern mittag um 12.30 Uhr durch einen plötzlichen Tod im Alter von 63 Jahren in die Ewigkeit abgerufen wurde. ■Astoria-LichtspieleE Morgen Donnerstag: PREMIERE NACH DEM ROMAN VON EDGAR WALLACE REGIE: FRIEDRICH ZELNIK Ein Film, der, wie der sensationelle Kriminalfall, den er behandelt, etwas Außergewöhnliches ist. Eine Entwicklung der Handlung von besonderer Eigenart und höchster dramatischer Spannung, die den Beschauer vom ersten bis zum letzten Bild mit ihrer verblüffenden Lösung in ihrem Bann hält. Auf der Bühne: Gialdini Deutschlands bester Kunstpfeifer Ferner ein ausgewähltes Beiprogramm u. die neueste Wochenschau Kr. 267 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 4- September 1929 Danzigs wirtschaftspolitische Lage. Don Kurt Siebenfreund, Mitgl. b. Dolketages u. Miigl. b. Handelskammer Stärker als in großen Wirtschaftsgebieten wirkt sich in der Freien Stadt Danzig mit rund 2000 Quadratkilometern und 390 000 Einwohnern das Darniederliegen auch nur einer bedeutenden Wirtschaftszweiges aus, da die ausgleichende Wirkung weiterer Wirtschastsräumc fehlt. Ein sehr erheblicher Teil der Arbeiter in der Freien Stadt Danzig gehört den metallverarbeitenden Berufen an. Den Kern dieses Bestandes bilden Arbeiter ans den Betrieben, die Preußen und das Reich nach Danzig gelegt hatten (Artillericwerkstatt. Gewehrfabrik, Werst), um die wirtschaftliche Erstarkung der Stadt zu befördern. Diese Maßnahme hat sich solange als richtig erwiesen, als die Aufträge für Rüstungs- zweckc und Schiffahrt in ausreichendem Maße vorhanden waren. Heute bietet es große Schwierigkeiten, diese übernommenen Arbeitermengen, zu denen noch die aus den privaten metallverarbeitenden Betrieben, vor allem den Werften, hinzukommen, voll zu beschäftigen. Wenn die Beschöftigungsmöglichkeit in der metallverarbeitenden Industrie, besonders in den Schiffswerften, in starkem Maße durch weltwirtschaftliche Derhältnisse bedingt wird, so stehen andere Zweige der Danziger Industrie unter den besonderen Auswirkungen der Wirtschaftslage in den benachbarten Staaten. Dor allem sind es die wirtschaftspolitischen Maßnahmen Polens, die sich auf den Danziger Platz unmittelbar auswirken. Alle Waren, die in Polen einem SLaatsmonopol unterliegen, sind dem freien Handel naturgemäß entzogen: Salz, Spiritus, Trink- branntwein (sog. weißer Schnaps), Tabak und Zündhölzer. Die Waren, die der indirekten Besteuerung in Polen unterliegen, können nur in beschränktem Umfange und unter Beachtung zum Teil sehr umständlicher Vorschriften nach Polen gehandelt werden: alle alkoholhaltigen 'Getränke, spiritushaltigen Waren, Weine, Zucker, zuckerhaltigen Waren. Die Rückwirkung auf die Danziger Iirdustric ist sehr einschneidend. Erzeugnisse, die früher einen sehr starken Absatz im Hinterlande fanden, müssen sich jetzt mit sehr bescheidenen Absahmengen begnügen. Die Ausdehnungsmöglichkeit des Geschäfts dieser Industriezweige ist verbaut. Ich erinnere besonders an Likör- sabrikcn und Tabakerzeugnisse. Für die letzteren ist allerdings auch in Danzig ein Staatsmonopol durchgeführt worden, um die in den zwischen Polen und Danzig geschlossenen Derträgen vorgesehene Anpassung der Monopole und indirekten Steuern auf diesem Gebiet durchzuführen. Die übrigen Industriezweige Danzigs haben eine sehr empfindliche Konkurrenz seitens der polnischen Betriebe auszuhalten, denn Danzig und Polen bilden kein einheitliches Steuer- und Monopolgebiet, wohl aber ein einheitliches Zollgbiet. So sind die nicht monopolisierten oder von indirekten Steuern betroffenen Erzeugnisse des einen Staa- tes ohne weiteres absahbercchtigt im anderen Staat. Wie weit dieser Absatz sich praktisch durchführen läßt, hängt davon ab, ob Preise und Bedingungen wettbewerbsfähig sind. Die Danziger Betriebe haben es dabei sehr schwer. Eie arbeiten mit einer Belegschaft, die in ihren kulturellen und zivilisatorischen Bedürfnissen der Lage in Deutschland entspricht. Auch die sozialen Belastungen sind in der Freien Stadt ungefähr die gleichen wie im Reich. Anders jedoch in Polen. Die polnischen Arbeiter haben durchschnittlich geringere Ansprüche und be- gcnügen sich im allgemeinen mit wesentlich niederen Löhnen als die Dairziger Arbeiterschaft. Zu diesem Dorsprung Polens bei den Gestehungskosten kommt noch die Förderung, die der polnische Staat all den Bestrebungen zuteil werden läßt, die die Industrialisierung Polens zum Ziele haben. 2m Schutze der projektionistisch Was mir an England gefällt— und was nicht. Don Liesbet Dill. Rachdruck verboten. Daß man so bequem durch London fahren kann, daß man jederzeit einen Sitzplatz in den roten Omnibussen findet mag es Mittagszeit oder Rachmittagszeit fein, mag es „nach dem Theater" oder am Sonntag sein. Sie kommen immer angerollt, wenn wir sie haben wollen, und nehmen uns auf. Das Wort „Besetzt!", die aufs Trittbrett springenden Herren, die unter der Treppe zusammengepserchte Menge, die „Menschentraube", die sich in höchster Rot auf Plattform und Treppe zusammenklammert, gibt es hier nicht. Die Höflichkeit der Schaffner und der Beamten auf den „Bus" — die jedes Trinkgeld ablehnen und jeden Fremden mit einem Auf- die-Schulter-klopsen erinnern, daß er hier aus- steigen muh. Einer, der mit die Fremde anmerkte, antwortete mir sogar französisch. Das Kaminseuer, das die Wohnungen so behaglich macht und auch an kühlen Sommertagen immer freundlich flackernd begrüßt. Daß die Männer so nüchtern sind und so wenig Alkohol verbrauchen, daß der Tee hier so gut ist und die Obstkuchen. Daß ihre Küche so fad und so — gesund ist, weil alle Gewürze, an denen wir uns den Magen verderben, fehlen... Daß sie so leicht ist und so — mager, daß alle Damen schlank bleiben, ohne sich zu kasteien und Gewaltkuren zu gebrauchen oder Badereisen zu machen, um ihr Körperfett loszuwerden auf Kosten ihrer Rerven und ihrer Schönheit. Daß die Häuser alle einen Garten und wenigstens ein Badezimmer haben, und man sich Zeit nimmt zum Leben. Daß sich niemand abhetzt und atemlos hinter den Stunden herläuft, daß der Tag seine feste Einteilung hat, die Mahlzeiten ihre Stunde und der Lebenszuschnitt seinen Stil. Taß man sich die Wohnung nicht zu Gesell- schafszwecken herrichtet, sondern zu seiner eigenen Bequemlichkeit und seinen täglichen Bedürfnissen angepaßt. In einigen Theatern fand ich es nicht ange- ! nehm, daß alle Männer rauchten, daß man unter Hunderten von „Schornsteinen" sitzt. Sogar die Damen tarnen schon mit brennenden Zigaretten herein. Daß man die Dorstellungen meist überhöhten Zollmauern erstarkt die polnische Industrie allmählich, wobei die direkten staatlichen und kommunalen Hilfen der Steuererleichterung oder des Steuererlasses, der billigen lieber- lassung von Gelände — Maßnahmen, wie sie in dem benachbarten Gdingen mit großem Umfang ange wendet werden — eine wesentliche Rolle spielen. Dadurch, daß infolge des deutsch-polnischen Handelskrieges durch Einfuhrverbote, durch Kontingentierung der zugelassenen Einfuhrmengen der Absatz deutscher Ware sehr stark eingeschränkt wird, leidet der Danziger Handel sehr erheblich, den traditionsgemäß und nach den natürlichen Gesehen des Warenverkehrs unzählige Fäden mit der deutschen Wirtschaft verbinden. Ihm sind die Hände sehr eng gebunden. Er ist in seiner Betätigung stark beschränkt. Zu dieser Beschränkung der zur Derfügung stehenden Waren kommt außerdem noch hemmend hinzu der Mangel an flüssigen Mitteln in der polnischen Wirtschaft. Der Umlauf an Wechseln in Polen hat sich ungeheuer vermehrt. Die Zahl der protestierten Wechsel, auch kleiner Beträge, ist sehr groß. Die polnische Wirtschaft befindet sich in einem Ueber- gangsstadium, in dem der Dorteil aus den umfangreichen Investitionen sich noch nicht in dem Umfang bemerkbar macht, daß die Zahlungsbilanz erleichtert wird. Für den Danziger Handel und die Sandiger Wirtschaft wirkt sich dieser Umstand natürlich auch nachteilig aus. Ebenso wie die Danziger Industrie unter der Konkurrenz mit'der mit geringeren Unkosten arbeitenden polnischen Industrie zu kämpfen hat, wird die Danziger Landwirtschaft in ihren Erträgen durch die aus den gleichen Ursachen billigeren Preise der polnischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse stark gedrückt. Die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse wird zum Teil erschwert durch die Bildung polnischer Ausfuhrsyndikate, die allein das Recht zum Export haben. Rot- gedrungen sind auch in Danzig derartige Organisationen aufgezogen, um die Zurückdrängung der Danziger Erzeugung von der Ausfuhr abzuwenden. Mit der Gründung des Eier-Syndikats scheint diese die freie Wirsichaft erheblich einschränkende Entwicklung noch nicht abgeschlossen zu sein. Etwas anders liegen die Derhältnisse im Einzelhandel und in den industriellen Zweigen, die den örtlichen Bedarf decken und Ruhen ziehen aus dem großen Fremdenverkehr und den zahlreichen Kongressen, deren sich Danzig zu erfreuen hat. Betroffen wird der Einzelhandel unmittelbarer als alle anderen Zweige des wirtschaftlichen Lebens durch die verhältnismäßig sehr hohe Arbeitslosigkeit, die im ersten Halbjahr 1929 zeitweise um mehr als 20 Prozent höher war als in der gleichen Zeit des Dorjahres. Don entscheidender Bedeutung für das wirtschaftliche Gedeihen der Freien Stadt Danzig ist aber der Verkehr im Danzi ger Hasen, der allen Zweigen der Danziger Wirtschaft Belebung bringt. Zwar ist der Danziger Eigenhandel an dem großen Umschlag des Hafens nicht in entsprechendem Maße beteiligt. Der ihn* schlag an Stückgütern hat sich in viel geringerem Maße entwickelt als der an Massengütern. So bildet die Kohlenausfuhr den Hauptbestandteil des Hafenumschlages. Etwa 40 Prozent der gesamten polnischen Kohlenausfuhr geht über Danzig, Die Menge der ausgeführten Güter ist etwa dreieinhalbmal so groß als die Menge der eingeführten Güter, daraus ergibt sich eine ungünstige Tonnage-Bilanz. Der Danziger Hafen hat sich mit seinen Lade- vorrichtungen in großzügiger Weise auf den Umschlag von Massengütern eingestellt. Er ist in der Lage, viel mehr zu leisten, als von ihm veranlagt wird. Seine Leistungsfähigkeit läßt sich auch noch erheblich steigern. Hand in Hand mit dem Ausbau des Danziger Hafens müßte der Ausbau der Zufahrtwege, besonders der Eisenbahn, gehen, von deren Leistungsfähigkeit die Ausnutzung des Hafens sehr abhängig ist. Der Ausfall erheblicher Kohlenmengen im Danziger Umschlag würde durch andere Gütermengen nicht ausgeglichen werden können. Sind doch manche Waren schon ganz von Danzig nach Gdingen abgezogen, z. D. der Handel mit Reis. Auch der Holzhandel, der von jeher einen sehr starken Anteil am Danziger Warenumschlag stellte, ist infolge der Veränderung der Marktlage und infolge des Verlustes bisheriger Absatzgebiete auf etwa die Hälfte des Vorjahres zurückgegangen. Polen ist es zum Schaden Danzigs gelungen, einen regelmäßigen direkten Dampferverkehr zwischen Gdingen und Reuyork zustande zu bringen, der die Möglichkeit bietet, direkte Frachten von jedem polnischen Ort über Gdingen nach Reuyork abzuschließen. Danzig als Umschlagsplatz wird hiervon sehr nachteilig betroffen werden. Die Streiflichter, mit denen wir die Lage der Danziger Wirtschaft beleuchtet haben, ergeben deutlich, daß nicht nur einer der bedeutenderen Wirtschaftszweige Danzigs sich in schwieriger Lage befindet, sondern daß Industrie, Landwirtschaft, Handel und Schiffahrt in mehr oder weniger starker Weife von den wirtschaftspolitischen Maßnahmen Polens beeinträchtigt werden, die vielfach ohne Rücksicht auf die besonderen Danziger Belange getroffen sind. Die wirtschaftlichen Ansprüche Polens mit seinen 30 Millionen Einwohnern setzen sich der Freien Stadt gegenüber oft mit unangenehmer Wucht durch, obgleich die Bedarfsinkensi- tät der 390 000 Danziger eine unvergleichlich viel größere ist als die der Polen. Die Danziger Regierung kann aber alle Wünsche, die sie in dieser Beziehung hat, der polnischen Regierung nur zu gehen lassen durch den diplomatischen Vertreter Polens in Danzig, den die Polen als ihren Generalkommissar in Danzig bezeichnen. Der Freien Stadt ist nicht das Recht eingeräumt, in Warschau einen Beamten zu akkreditieren, der unmittelbar mit dem Auswärtigen Amt der polnischen Republik verhandeln könnte. Es ist selbstverständlich, daß die Wirksamkeit der Aeußerung von Forderungen und Wünschen um so schwächer ist, je weiter ab von der Zentrale sie geäußert werden. Und das Vorhandensein eines offiziellen Danziger Vertreters in Warschau würde möglicherweise manchen Danziger Wünschen größeren Nachdruck verleihen können. So wie die Dinge heute liegen ist die Lage der Danziger Wirtschaft in ihrer Gesamtheit eine sehr problematische. Das Gedeihen einzelner kleinerer Zweige genügt nicht, um die mangelnde Prosperität gerade anderer bedeutender Zweige des Danziger Wirtschaftslebens auszugleichen. Bon dem Gedeihen der bodenständigen Danziger Wirtschaft hängt es aber ab, ob Danzig seine Ausgabe a l s kultureller Vorposten des Deutschtums, zu dem die Freie Stadt durch den Versailler Vertrag geworden ist, erfüllen zu können in der Lage ist. Nur wenn es möglich ist, den bodenständigen Danziger Betrieben die Beschäftigung zu sichern, sie leistungsfähig zu erhalten und aus- zubauen, um durch rationellere Erzeugung im Wettbewerb bestehen zu können, nur dann wird dis deutsche Kultur der Freien Stadt unerschüttert bleiben. Polnische Arbeitnehmer und polnische Unternehmer haben freien Zuzug nach Dan» z i g. In der Verdrängung der breiten Massen deutscher Arbeiter aus den Danziger Betrieben würde das Fundament der deutschen Kultur der Freien Stadt erschüttert werden. Darum hängt so viel davon ab, daß die bodenständigen Danziger Betriebe mit ihren bodenständigen Danziger Arbeitnehmern lebensfähig und wettbewerbstüchtig bleiben und ihren Platz behaupten. Das ist der Gesichtspunkt, von dem aus im Reich die wirtschaftspolitische Lage Danzigs betrachtet und ihre Bewegung verfolgt werden sollte. Auf dem Danziger Gebiet überkreuzen sich wirtschaftliche und kulturelle Strömungen aus verschiedenen Richtungen. Untiefen und Strudel entziehen und können mancherlei Gefahren bringen. Die politischen und finanziellen Machtmittel Danzigs sind so beschränkt, daß es eine kraftvolle Stützung, insbesondere auch durch die öffentliche Meinung im Reich braucht, um seine besondere wiertschafts- . politische Aufgabe erfüllen zu können. Geschichten ans aller Welt. Kragenknopfrekorde (aga) Reuyork. Will Roders, der bekannte amerikanische Cow* boy-Humorsit, erklärte jüngst in seinem täglich in einer Reihe amerikanischer Blätter erscheinenden, durch Witz und Kürze ausgezeichneten Kommentar zu den Ereignissen des Tages, ein soeben von einem Dauerflug niedergegangener Flieger habe kaum Zeit, sich zu rasieren, und schon habe ein anderer seinen Rekord geschlagen. Die Rekord-Seuche grassiert in den Vereinigten Staaten nicht nur unter den Sportsleuten, sie tritt auch epidemisch beim ganz gewöhnlich-bürgerlichen Fußvolk auf. Sobald einer glaubt, etwas zu besitzen, etwas erreicht zu haben, was den „Rekord" eines anderen übertrifft, seht er sich sofort hin und macht durch sein Leibblatt die staunende Mitwelt auf seine Errungenschaft aufmerksam. Vor ein paar Tagen schrieb ein in der Stadt Linden in Rew Jersey ansässiger Herr Silcox der Reuhorker Herald-Tribune, er habe einen und denselben Kragenknopf seit neunundvierzig Jahren Tag für Tag getragen. Der „Rekord" wurde gebührend protokolliert und bewundert — vielleicht nicht so sehr von den Kragenknopffabrikanten und -Händlern. Es wurde behauptet, der so emsig Antiquitäten s ammelnde Automagnat Henry Ford habe bereits Interesse an diesem Stückchen Altertum bekundet, da erschien ein Herr Andrew Wilson aus Montclair, gleichfalls in Rew Jersey, auf dem Plan mit einem seit einundsünszig Jahren treue Dienste verrichtenden Kragen knöpf. Es ist anzunehmen, daß Mister Ford nun erst abwarten wird, ob nicht doch noch ein neuer Kragenknopf-Rekord auftaucht, ehe er einen Teil seiner sauer erworbenen Dollarmilliarde an die Bereicherung seiner Sammlung mit diesem Museumsstück drangibt. Die Rekoro-Manie i|t verhältnismäßig jüngeren Datums. Wenn vor 25 Jahren ein Mann mit der Behauptung hervorgetreten wäre, er trage dos längste Rachthemd in seinem Ort, so hätten die Blätter kaum Rotiz davon genommen. Heute ist er augenblicklich der Held des Tages, bis pin anderer den Beweis zu erbringen vermag, daß seine Nachthemden samt und sonders um etliche Zoll länger sind. Die Kochkönigin von Trinidad. (a) Trinidad (Colorado). Auch in Amerika werden, wie in verschiedenen europäischen Ländern, neben den allmählich schon langweilig werdenden Schönheitslonkurren-en auch Wettbewerbe in der Kochkunst veranstaltet. Einen derartigen Wettbewerb veranstaltete kürzlich ein Frauenklub in Trinidad (Colorado), und es meldeten sich auch etwa 120 Kämpferinnen um den gastronomischen oder kulinarischen Preis. Unter der strengen Aufsicht eines scharfäugigen Preisgerichtes fachkundiger Matronen Hub ein eifriges Braten, Kochen und Backen an, und schließlich wurde der e-rste Preis einer hübschen jungen Frau zuerkannt, die die vorgeschriebenen Gerichte am schnellsten und schmackhaftesten zubereitet hatte, und als Fräulein Alice Wewer in der Liste eingetragen war. Kaum war der jungen Dame der erste Pro s ausgehändigt worden, begann sie sich zum tödlichen Entsetzen der anwesenden frommen Bürgerinnen in aller Gemütsruhe — auszuziehen. Wie es in einem bekannten Borkriegskuplet heißt: „Erst fielen die Blusen, die Kleider..." und bann stand vor der mit einem allgemeinen Ohnmachtsanfall ringenden ehrenwerten Weib- nur durch einen blauen Rauchschleier sieht und die Herren das Theater als Aschenbecher benutzen und die Asche und Zigarrenstummel auf den Teppich streuen. Daß Schauspieler, die man eben sterben sah, und deren Tod einem natürlich sehr naheging, nach der Szene auferstehen und wieder erscheinen und sich für den Beifall bedanken'. Es gefällt mir weniger, daß die deutsche Sprache ganz aus dem Verkehr ausgeschaltet ist, daß man auch auf den Reisebureaus keine deutschsprechenden Herren trifft, und auf den Ausflügen mit den Gesellschastsautos die Führer nur englisch erklären. Ferner gefällt es mir nicht, daß bei einer Reise nach Shakespeareland dem Lunch im Hotel überreichlich Zeit gewidmet wird, daß aber, wenn Shakespeares Geburtshaus kommt, uns für dieses nur fünfzehn Minuten bleiben. „15 Minuten Shakespeare?" — „15 Minuten Goethe?" Das finde ich zu wenig ... Sehr aufmerksam findeich es, daß die dritte Klasse der Züge gepolstert ist und sich kaum von der ersten unterscheidet. Sehr nett ist die stets abrette uniformierte Kleidung der Hausmädchen. Vormittags hellblaue Waschkleider mit weihen Häubchen. Rachmittags das schwarze Kleid, mit Manschetten und Haube. Es gefällt mir, daß die Tafel, auch die bescheidenste, stets mit Blumen geschmückt ist, daß das beste Service, Porzellan und Silber, für den täglichen Gebrauch, nicht nur für Feste und Besuch, da ist. Die pikante Küche Frankreichs, die kräftige, fette Fleischküche Rußlands, die viel zu reichhaltige Hollands oder gar Skandinaviens und auch unsere gute deutsche Küche sind zu schwer, zu belastend. Man gewöhnt sich rasch an die englische, die konventionell und gewürzlos ist. Dafür find die Obstpasteten, die heiß auf den Tisch kommen, etwas ganz Köstliches und bestehen aus Blätterteig, der, mit frischem Obst gefüllt, im Ofen gebacken wird. Es ist die beste süße Speise, die ich kenne. In dem einfachsten, kleinen Restaurant bekommt man einen prachtvoll erfrischenden Obstsalat aus Ananas, Kirschen, Aepfeln, Bananen und Orangen. Zum Tee gibt es geröstetes Weißbrot und Orangenmarmelade, keine süßen Kuchen. England ist nicht billig und manche Einrichtungen muten uns etwas überlebt an. Aber daß in der Tagespension der Fünfuhrtee mit einbegriffen *) Soll auch bei uns vorkommen. — D. Red. ist — die Stunde, zu der der Fremde gewöhnlich müde und abgespannt von seinen Streifzügen durch die Stadt heimkehrt, um sich auszuruhen und zum Abend umzukleiden — wie hübsch, wenn ihn dann in der Hotelhalle am Kaminfeuer ein gedeckter Teetisch empfängt... Wenn das heiße Wasser bereilsteht auf seinem Zimmer, das dreimal am Sage hingestellt wird, ohne daß man darum schellen muß. Ich finde es ferner sehr schön, daß man Sonntags im Hhdepark, mitten in London, eine Predigt anhören kann, in frischer Luft, unter dem Himmel und unter Bäumen. An dem englischen Sonntag und erst recht an dem schottischen gefällt mir feine absolute Ruhe. Keine Vereine marschieren auf, man drängt sich nicht in vollen Eifenbahnzügen, braucht sich keinen Platz auf Omnibus und Straßenbahn zu erkämpfen und abends in vollgepfropften Abteilen heimzufahren. Jeder bleibt zu Hause, jeder hat sein Haus, fein Gärtchen. Man schläft fich Sonntags aus, frühstückt in Ruhe und besucht die Kirche. Der Sonntag ist ein wirklicher Feiertag. Ferner gefällt es mir, daß die Hunde sich nicht den ganzen Sag anbellen. Ich habe während meiner ganzen englischen Reise keinen Hund bellen hören und keine Kinder schreien: ich habe nie ein Grammophon am offenen Fenster lärmen hören, noch Betrunkene gesehen. Es gefällt mir, daß das Trankgeldwesen dort so gut wie keine Rolle spielt. Man ist höflich, weil man so erzogen ist. Man erwartet für eine Höflichkeit nicht ein Trinkgeld. Bei Gesellschaften, in Häusern, wo sehr gut erzogenes älteres Haus- personal war und in solchen, wo nur ein Mädchen den Tisch deckte, das Essen tadellos servierte und nachher das viele Geschirr reinigte, mit dem man in England so verschwenderisch umgeht, konnte man gar kein Trinkgeld geben. Die Hausfrau verabschiedete sich von den Gästen im Flur, der Hausherr öffnet ihnen selbst die Tür. Auch ist es nicht üblich, jeden Führer, der uns das Sehenswerte erklärt, noch extra für seine gespendete Weisheit zu bezahlen. Der Engländer ist sehr korrekt. Er bezahlt, ohne sich zu beklagen, den geforderten Preis. Er handelt nicht. Aber Trinkgelder sind ihm nicht sympathisch. Es gefällt mir ferner, daß die Menschen auf Reisen so schweigsam sind. Sie fragen nichts, genieren uns nicht, sind wohlerzogen und höflich. Andere habe ich auf meiner ganzen Reise nicht getroffen. Auch die Kellner sind sehr höflich drüben, obwohl sie weniger Trinkgeld bekommen. Einer sagte sogar immer, wenn er mir etwas brachte: „Thank you, please...“ (Danke, bitte!) Und in den Geschäften wurde man mit großer Geduld bedient. Das Umtauschen macht dort keine Schwierigkeiten, und es ist sehr angenehm, daß man, stakt an einer Kasse Schlange zu fte^en, die Ware der Verkäuferin selbst bezahlt. Rett finde ich, daß die Hotelbesitzer den Lese- und Schreibzimmern immer den Anstrich eines Wohnzimmers geben, so daß man nicht wie in einem Wartesaal dort sitzt, sondern sich in tiefen, bequemen Sesseln vor dem Kamin ausstrecken kann. Daß man immer gutgeordnete Schreibtische findet, auf denen alles zu finden ist, was man zum Schreiben braucht... Daß zu jedem Abendessen eine Tasse Kaffee im Salon serviert wird, und um fünf Ilhr der Rachmittagstee. Sie sind Lebenskünstler, die Engländer, vielleicht nicht ganz in unserem Sinne, aber sicher nach ihrem eigenen. Und darauf kommt es ja schließlich an... Bad ohne Wasser. In Salsomaggore zum Beispiel herrscht eine Hitze zum Umfallen, so daß es selbst den Salso- maggoren zuviel wird. Was tut man gegen übergroße Hitze? Man geht baden. Und wenn man kein Bad hat? Geht man in den Fluß. Und wenn kein Fluh fließt? Dann muß man sich eben selber ein Bad bauen. So dachten die Einwohner dieses in der Rähe von Mailand liegenden Dörfchens, das auf dem besten Wege sein möchte, ein Luxusbad ersten Ranges zu werden. Also holten sie sich einen Architekten, der machte ihnen einen Snttourf, und nach diesem Entwurf wurde das Bad auch gebaut. Mit allen Schikanen der Reuzeit, mit künstlichen Wellen und Springbrunnen und weiß Gott was sonst noch. Eines Tages war das Bad auch wirklich fertig geworden und sollte eingeweiht werden. Was aber braucht man in erster Linie zur Einweihung eines Bades? Einen Bürgermeister? Oder Chrenjungsrauen? Oder eine Festrede? Olein! In erster Linie braucht man Wasser, und das gibt es in Salsomaggore nicht. Rur in_ den Wasserleitungen fließt es spärlich, so spärlich, daß alle Einwohner verdursten mühten, wenn man es in das Bad leiten würde. Also steht auch heute noch das Luxusbad ohne Wasser. Bei 50 Grad im Schatten. Honny soi, qui mal y pense! lichkeit ein — lächelnder junger Mann im Sport- kvstüm, der sich als Student Allan Wewer vorstellte und erklärte, er habe mit seiner Maskerade lediglich den Beweis dafür erbringen wollen, dast auch die amerikanischen Junggesellen, gleich welcher Altersklasse, in der Kochkunst den verehrten Damen nicht nach stünden. Den Preis stelle er selbstverständlich wieder zur Verfügung. Die anfangs sehr verschnupften Damen, von denen einige sogar etwas wie.„'Be- trugsanzeige" verlauten liehen, wurden jedoch durch das liebenswürdige, ehrerbietige Benehmen des jungen Mannes völlig entwaffnet und er durfte den ersten Preis behalten. So ist Trinidad in Colorado zu einer Kochkönigin gekommen, die gar keine ist. Das Reiterstandbild des Marschalls Haig. (H London. Um das Reiterstandbild des englischen Marschalls Haig ist ein heftiger Streit entstanden. Bedeutende Kritiker haben nämlich festgestellt, datz der Bildhauer die Statue des Generals in gänzlich falscher Weise auf das Pferd gesetzt habe, in einer Weise, die nicht nur eines Heerführers, sondern auch jedes einigermaßen bewanderten Pferdeknechtes unwürdig wäre. Die Witwe des Marschalls Haig, die seit dem Tode ihres Gatten in völliger Zurückgezogenheit lebt, ist jetzt an die Öffentlichkeit herangetreten und kämpft mit den Kritikern in erster Reihe. Sie war es auch, die einen regelrechten Protest dagegen erhob, daß das Andenken an ihren Gemahl in dieser Weise, nämlich durch ein fehlerhaftes Reiterstandbild, getrübt werde. Aber wie es scheint, wird der Streit bald zu aller Zufriedenheit geschlichtet werden, indem, wie man hört, Lady Haig sich demnächst mit einigen Sachverständigen und dem betreffenden Bildhauer an den Verhandlungstisch setzen wird, um eine Qlen- derung des Reiterstandbildes zu ermöglichen und herbeizuführen. Tumen, Sport und Spiel. V.f.B. Leichtathletik. Die Vereins - Meisterschafts-Wett- k ä m p s e der Leichtathletik-Abteilung nahmen trotz des umfangreichen Programms, dank dem guten Wetter und der vorzüglichen Organisation, einen glänzenden Verlauf. Die Beteiligung war sehr gut; die 54 ausgeschriebenen Konkurrenzen wurden von mehr als 60 Teilnehmern bzw. Teilnehmerinnen bestritten. Durchweg standen die Wettkämpfe auf beachtlicher Höhe und ergaben trotz der noch etwas weichen Bahn eine Reihe sehr guter Ergebnisse. Die beste Gesamtleistung in der Konkurrenz der Aktiven erzielte T r e s e r; von den Jugendlichen sind der frühere Eintrachtler Seipp sowie Steuerwald, der die 300 Meter in der glänzenden Zeit von 41,8 Sekunden lief, zu nennen. 3n der Jugendklasse E warf der 10jährige Baum die Kugel 6,20 Meter. Daß die fünf Zugendklassen A bisE so zahlreich vertreten waren, ist ein Beweis dafür, daß der V. f. B. um die Zukunft seiner Leichtathletik-Abteilung nicht zu bangen braucht. Besonderes Lob verdienen auch die Abteilungsleiter und die Kampfrichter, die sich um die glatte Abwicklung der Kämpfe sehr verdient machten. Nachstehend die Ergebnisse: Aktive: 100 Meter: 1. QI. Schmidt, 11,8 Sek.; 2. Max Fischer, 18,8 Sek. (Handbreit zurück); 3. H. Treser, 12 Sek. — 200 Meter: 1. M. Fischer, 25,8 Sek.; 2. H. Treser, 26 Sek.; 3. QI. Schmidt, 26,2 Sek. — 400 Meter: 1. H. Treser, 57,5 Sek.; 2. W. Guhot 58,6 Sek.; 3. H. Mosbach, 59,1 Sek. — 1 500 Meter: 1. G. Müller, 4:56 Min.; 2. W. Heust, 5:03 Min.; 3. H. Treser, 5:28 Min. — Hochsprung: 1. H. Mosbach, 1,50 Meter; 2. Spa ar 1,50 Meter (durch Stechen entschieden). — Weitsprung: 1. Max Fischer, 5,15 Meter; 2. QL Schmidt, 5,12 Meter; 3. H. Spaar, 4,87 Meter. — Kugel: 1. W. Mohl, 12,71 Meter; 2. A. Spaar, 8,90 Meter; 3. H. Treser, 8,61 Meter. — D i s k u s : 1. W. Mohl, 34,09 Meter; 2. H. Mosbach, 23,48 Meter; 3. W. Guyot 21,70 Meter. — Speer: 1. Spaar, 42,50 Meter; 2. Guyot, 34,50 Meter; 3. Siebels 31,85 Meter. — Dreikampf: 1. A. Schmidt, 98 Punkte; 2. M. Fischer, 91 P.; 3. H. Treser, 78 Punkte. — Zehnkampf : 1. H. Treser, 250 Punkte; 2. M. Fischer, 223 P.; 3. W. Siebels, 211 P. A-Zu gend, Jahrgang 1911/12: 100 Meter: 1. E. Seipp, 12,4 Sek.; 2. E. Wetterhan, 12,7 Sek.; 3. Matehky, 13 Sek. — 200 Meter: 1. Seipp, 25,8 Sek.; 2. von Rotenhan, 26,4 Sek.; 3. E. Wetterhan, 26,5 Sek. — 1500 Meter: 1. H. Rübsamen, 5:42 Min.; 2. von Rotenhan 5:35,6 Min.; 3. E. Wetterhan, 5:36,2 Min. — Hochsprung: 1. v. Rotenhan 1,49 Meter; 2. Seipp 1,37 Meter. — Weitsprung: 1. v. Rotenhan, 4,94 Meter; 2. K. Matetzkh, 4,91 Meter; 3. Seipp, 4,74 Meter. — Kugel : 1. E. Seipp, 10,83 Meter; 2. v. 'Rotenhan, 10,27 Meter; 3. Rübsamen 9 Meter. — Speer : 1. O. Luh, 32,08 Meter; 2. H. Schäfer. — Dreikampf: 1. Seipp, 112 Punkte. 8-Zugend, Jahrgang 13/14: 100 Meter: 1. W. Kirchheimer, 12,1 Sek.; 2. H. G. Steuerwald, 12,4 Sek.; 3. W. Häll- maher 27,4 Sekunden. — 2 0 0 Meter: 1. H. G. Steuerwald, 25,8 Sekunden; 2. W. Kirschheimer, 26,2 Sekunden; 3. W. Häll- mayer 27,4 Sek. — 3 00 Meter: 1. H. G. Steuerwald, 41,7 Sek.; 2. W. Hällmaher 43,8 Sek.; 3. Wilh. Paulus 43,8 Sek. — Weit- s prung : 1. H. G. Steuerwald, 5,09 Meter; 2. W. Hällmaher, 4,72 Meter; 3. Otto Luh, 4,38 Meter. — Kugel: 1. O. Luh, 10,42 Meter; 2. H. G. Steuerwald, 8,86 Meter; 3. E. Schweitzer, 7,38 Meter. — Diskus: 1. O. Luh, 34 Meter; 2. H. G. Steuerwald, 22,50 Meter; 3. W. Kirchheimer, 22,38 Meter. — Speer: 1. O. Luh, 34,63 Meter; 2. W. Kirchheimer 28,01 Meter; 3. E. Schweitzer 25,55 Meter. — Dreikampf: 1. H. G. Steuerwald 80 Punkte; 2. Hällmaher, 73 Punkte; 3. Wilhelm Paulus, 53 Punkte. S-Jugend, Jahrgang 15/16: 50 Meter: 1. Wallbott 7,3 Sek.; 2. K. Simon, 7,4 Sek.; 3. Walter Paulus, 7,6 Sek. — 100 Meter: 1. Kurt Simon, 13,6 Sek.; 2. Wallbott, 13,8 Sek.; 3. Walter Paulus 13,9 Sekunden. — 2 00 Meter: 1. Kurt Simon, 29,4 Sek.; 2. Wallbott 30,6 Sek.; 3. Walter Paulus 31,6 Sek. — Weitsprung: 1. K. Simon, 3,59 Meter. — Kugel: 1. K. Simon, 7,16 Meter. — Diskus: 1. K. Simon, 16,94 Meter; 2. Wallbott 16,40 Meter; 3. Walter Paulus, 15,60 Meter. O-Jugend, Jahrgang 1917: 50 Meter: 1. E. Wehl, 7,6 Sek.; 2. I. Steuerwald, 8 Sek.; 3. Fr. Dunkel, 8.3 Sek. — 100 Meter: 1. E. Wehl, 14,8 Sek.; 2. I. Steuerwald, 15,1 Sek.; 3. Fr. Dunkel, 18,5 Sek. — Hochsprung: 1. I. Steuerwald und E. Wehl, 1,24 Meter; 2. Karl Schäfer, 1,12 Meter. — Weitsprung a. d. Stand: 1. E. Wehl, 2,11 Meter- 2. I. Steuerwald, 2,01 Meter; 3. Fr. Dunkel 1,54 Meter. — Kugel: 1. I. Steuerwald, 7,22 Meter; 2. Karl Schäfer, 6,54 Meter; 3. E. Wehl, 6,12 Meter. — Speer: 1. E. Wehl, 22,90 Meter; 2. K. Schäfer, 19,85 Dämonen der Zeit. Vornan von Arthur Brausewetter. 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie hielt inne und fuhr erst nach einer längeren Pause fort: „Er habe es längst gemerkt. Qlber das habe nun ein Ende. Er würde unsere Beziehungen zu Danzig lösen und in eine Stadt des Westens mit mir ziehen." „Und Sie meinen, das würde er wirklich tun?" „Er hat es bereits getan. Er hat einen Brief an den Besitzer des „Danziger Hofes" geschrieben, in dem er ihm mitteilt, daß wir nicht mehr bei ihm spielen werden, sondern einen anderen Vertrag abgeschlossen hätten." „Und Sie?" fragte ich in aufsteigender Erregung. „Ich?... Run, ich gehe mit ihm." „Rach allem, was vorgefallen ist? Rach dem Ereignis dieses Abends?“ Sie nahm einen Korb mit Früchten vom Teppich und begann von ihm mit einem gewissen Heißhunger zu essen. „Ob er gut zu mir ist oder böse, ob er mich liebkost oder mißhandelt," sagte sie, eine volle dunkelblaue Traube zwischen den Lippen zerdrückend, „ich kann ohne ihn nicht spielen und nicht leben. Ein Dasein ohne ihn wäre mir etwas Undenkbares. Ich glaube, wenn er nicht mehr wäre, dann wäre auch ich nicht mehr." „So lieben Sie ihn?" Sie zuckte die runden Achseln. „Cs muß wohl so sein," erwiderte sie. Und dann mit aufsteigender Furcht: „Jetzt müssen Sie aber gehen. Es ist bereits zwei Uhr, zu dieser Stunde pflegt er nach Hause zu kommen. Und wenn er Sie hier fände — es würde ein Unglück geben." Ich hatte mich erhoben, reichte ihr die Hand — da schlang sie wie ein angsterfülltes Kind beide Arme um meinen Hals, klammerte sich fest an mich. Ich fühlte den heißen Atem ihres Mundes, fühlte ihre Lippen die meinen suchen, auf ihnen brennen ... Dann war alles dunkel um mich her, und ich stand auf dem Treppenflür, auf dem man die letzten Lichter ausgelöscht hatte. * Qtun ist es doch gekommen, was ich ihr aus uneigennützigem Herzen gewünscht habe... die kleine Fink hat sich verlobt! Feierlich und in aller Form, wie es die vor mir liegende Karte besagt, der sie ein paar herzliche persönliche Worte hinzugesügt hat. Pintscher ist der Glückliche, wie es nicht anders zu erwarten war. Er hat sich dies Glück ja auch lange und sauer genug erwerben müssen. Run gehen sie beide in den sicheren Hafen ein, während mein Schiff weiter unstet und von jeder Welle hin und her geworfen durch das wunderliche Leben tanzt, um, wer weiß wo, einmal zu stranden. Vielleicht hätte mich die Rachricht einige Zeit früher nicht so unberührt gelassen; denn ich verliere viel mit der kleinen Fink. Kein weibliches Wesen hat es so treu und selbstlos mit mir gemeint wie sie. Ich habe ihr die Geschichte mit der Tartini erzählt... von Anfang bis zu Ende. Wie ich ihr alles erzähle, alles mit ihr bespreche. Alles... nur das eine nicht. Darüber kann ich eben mit niemand sprechen... ich muh es mit mir allein abmachen. Ueber meine Lippen kommt Ediths Rame nicht. Sie ist für mich gestorben, wie ich für sie. Richt ein einzigesmal hat sie mir geschrieben, nie habe ich von ihr gehört. Faßbender sehe ich ab und zu. Er fährt mit der Sentimentalen vom Stadttheater spazieren, aß auch einmal mit ihr im Wintergarten, als ich dort noch Geiger war. Ich wundere mich oft, wie völlig kalt und gleichgültig mich das alles läßt. Das Leben wird immer selbstverständlicher, je länger man es lebt. * Gestern war ich nach langer Zeit einmal wieder im „Ratskeller". Der kleine Zehden hatte mich gebeten, an einem Regimentsabend teilzunehmen. Es war dasselbe getäfelte Zimmer mit den von alten Sprüchen und Bildern geschmückten Wänden, in das mich der Oberkellner, die von elektrischen Glühlampen matt erleuchteten Bogengänge entlang, führte. Auf dem geschnitzten dreieckigen Sessel in der Mitte des starken Eichen- tisches hatte damals an der Seite seines „Qld- jutanten“, in der Schar seiner Offiziere der alte Oberst gethront. Jetzt war sein Stuhl leer. .. Seit langem verklungene Erinnerungen tauchten auf. Tote wurden lebendig. Der Geist des Qllten schritt durch den hochgewölbten, mystisch erleuchteten Raum. Ediths blasses Antlitz winkte hinüber, der Adjutant, der nie aus Schlesien zurückgekehrt war, grüßte aus Walhall. Dann zerflossen die Gestalten. Der tolle Kemp und der kleine Zehden erschienen und trugen den Hauch der Platten Wirklichkeit in die Welt der Qlbgeschiedenen, andere geteilten sich zu. Keiner redete mehr von dem QITten, jeder nur von Geschäften. Endlich kam zu meiner Erlösung Oerhen. Es ist eine Freude, ihn mit seiner Hünengestalt, seinem wettergebräunten Gesicht und seinen frohen, freien Augen unter diesen städtisch entarteten Menschen zu sehen. Qlls trüge er den Duft und die Kraft des Landes in eine verzärtelte, von der Ratur entfernte Welt hinein. Er ist ganz und gar Landmann, verwachsen mit seinem Dooen mit jeder Faser seines Seins und hat doch den offenen Sinn für das Große und Schöne. Er kam aus einer Theateraufführung, in der ein berühmter ‘Berliner Schauspieler gastiert E-Jugend, Jahrgang 1918 und jünger: 5 0 Meter: 1. Heinz Fischer, 8,3 Sek.; 2. G. Daum, 8,5 Sek.; 3. G. "Wedel, 8,7 Sek. — 7 5 Meter: 1. G. Baum, 12 Sek.; 2. Heinz Fischer, 12,1 Sek.; 3. G. Wedel, 12,2 Sek. — Weitsprung a. d. Stand: 1. H. Fischer, 1,74 Meter; 2. G. Wedel und G. Baum, 1,69 Meter; 3. Qllb. Müller, 1,54 Meter. — Kugel: 1. G. Daum, 6,20 Meter; 2. G. Wedel 5,25 Meter; 3. H. Fischer, 4,48 Meter. Frauen über 18 Jahre: 50 Meter: 1. Frl. Möckh, 8,4 Sek.; 2. Dina Roll, 9,1 Sek. — 100 Meter: 1. Gustel Luh, 15,8 Sek.; 2. Frl. Schwarz, 16 Sek.; 3. Frl. Möcky (Handbreite zurück). — 8 00 Meter: 1. M. Daum, 3:7,7 Quin.; 2. Frl. Schwarz, 3:8,1 Minuten. — H ochsprung: 1. Gustel Luh, 1,25 Meter; 2. Friedel Fischer, 1,13 Meter. — Diskus: 1. Gustel Luh, 17,15 Meter; 2. Gretel Stommel, 15,15 Meter. — Kugel: 1. Gustel Luh, 7,95 Meter; 2. Gretel Stommel, 7,21 Meter; 3. E. Möcky, 7,18 Meter. — Speer: 1.Gustel Luh, 19,35 Meter; 2. Gretel Stommel, 17,82 Meter. Frauen b i s 18Jahre: 50 Meter: 1. Friedel Fischer, 7,8 Sek.; 2. M. Daum, 8,1 Sek.; 3. Frieda Müller, 8,3 Sekunden. — 75 Meter: 1. Friedel Fischer, 11,6 Sek.; 2. M. Daum, 12,1 Sek.; 3. Dina Roll 12,4 Sek. — Weitsprung: 1. Friedel Fischer, 3,57 Meter; 2. M. Daum, 3,25 Meter; Dina Roll, 2,19 Meter. — Kugel: 1. Friedel Fischer, 7,19 Meter; 2. M. Daum, 5,89 Meter; 3. Dina Roll, 5,30 Meter. Spielvereinigung 1900 Gießen. Liga—Frankfurt a. M.-Heddernheim ßiga 4:4. Liga res erve—Großen-Duseck 1. 2:5. 3. Mannschaft—D.f.D. Kurhessen-Marburg 3. 3:0. OUte Herren—Wehlar-Riedergirmes Alte Herren Wetzlar-Riedergirmes nicht angetreten. 1. Jugend—Wetzlarer Sportverein 1. Jugend 3:1. 3. Jugend—Germania Marburg 3. Jugend 3:1. 4. Jugend—Germania Marburg 4. Jugend 7:1. 2. Schüler—Steinberg 1. Schüler 0:0. ö. Das Hauptinteresse konzentrierte sich naturgemäß auf das Ligaspiel, evtl, auch auf das Spiel der „Alten Herren", das ja leider durch Ausbleiben des verpflichteten Gegners ausfiel. Der Besuch war wohl infolge mehrerer anderer Sportveranstaltungen nur mittelmäßig. Das Ligaspiel fiel nach anfänglich guten Leistungen ab Mitte der zweiten Spielhälfte der Gluthitze zum Opfer. 1900 begann vielversprechend, obwohl es nicht in der vorgesehenen Aufstellung antreten konnte und zudem auch noch den rechten Verteidiger Hohmann ersetzen muhte. Schon bald nach Beginn führten die Einheimischen mit 3:0 Treffern, obwohl das Feldspiel verteilt war. Ein viertes Tor wurde nicht gegeben. Halbrechts und Rechtsaußen teilten sich, in Ausnutzung der gebotenen Chancen, in die Erfolge. Alle entsprangen aus vorausgegangener wirklich schöner lÄnzelleistung. Roch vor dem Wechsel kam Heddernheim zu einem Gegentreffer, durch Unentschlossenheit in der Gießener Hintermannschaft. Rach der Pause bekamen die Süddeutschen vom Schiedsrichter, der bedenklich in seinen Leistungen nachließ, einen weiteren Torerfolg zugefpro^n, obwohl nach übereinstimmenden Aussagen der Ball aus einem Strafstoß die Torlinie nicht überschritten haben soll. Der Gießener Mittelstürmer erhöht blitzschnell auf 4:2, jedoch auch Heddernheim kommt nach schönem Durchspiel äu einem dritten Tor. Den Ausgleich erringen die Gäste durch Verwandlung eines Elfmeters, über dessen Berechtigung ebenfalls sehr gestritten wurde. Daß sich SpiÄer- zur Beleidigung des Spielleiters hin- reißen liehen, ist allerdings streng zu verurteilen. Der Leidtragende war 1900. Aus dem fast siche-, ren Sieg ward nur ein Unentschieden, und außerdem wurde es auch zahlenmäßig geschwächt. Gießens Mittelstürmer hatte es in der Hand, trotz- hatte, und war noch ganz begeistert von der Meisterschaft dieser Darstellung. „Sehen Sie," sagte er, „etwas Schöneres gibt es für mich gar nicht, als wochenlang Tag für Tag auf meiner kleinen Klitsche mich abzurackern — und dann einen Abend wie diesen! Ich glaube, so wie unsereiner kann das kein anderer in sich aufnehmen — natürlich Sie auch, das weih ich, Sie hatten ja immer Freude an der Kunst, waren einer der wenigen unter uns. Unb wer die einmal besessen, behält sie, in welcher Lage oder Stellung er sich auch befinden mag.“ Wir hatten Wein bestellt und uns am Tische niedergelassen. Die anderen saßen auf der schmalen Wandbank ober ftanben in einer Ecke und sprachen von Aktien unb Kursen. „Unb doch verstehe ich Sie nicht," fuhr Oerhen fort, „nein, ich verstehe nicht, wie Sie sich in diesem stäbtischen Wanberleben, biefen, verzeihen Sie mir, für einen Mann wie Sie untergeorb- neten Stellungen in Konzertsälen unb Sweatern wohlfühlen können, wo Sie Ihr eigentlicher Beruf doch aufs Land weist. Qlls Sie damals den bunten Rock ausziehen muhten, ba bachten Sie genau wie ich; es gibt guf ber Welt nur zwei Berufe für einen Mann: Solbat ober Lanbmann. Eie waren außer sich, als Sie Ihren Gedanken an das Land aufgeben und das Geschäft Ihres Herrn Vaters übernehmen muhten. Unb jetzt, wo Ihnen jede Wahl freisteht, führen Sie hier in der Stadt ein unstetes Hungerleben, anstatt zu uns in die Freiheit und Frische zu kommen." Er hatte nicht unrecht mit dem, was er sagte. Ich fühle es ganz gut. Qlber in mir ist immer noch der unstillbare Trieb, alle Lebensmöglichkeiten auszukosten, für die Ruhe des Landes bin ich noch nicht reif. Und auch das schien er zu verstehen, ohne dah ich es ausgesprochen hatte. „Sie sind ein wunderbarer Heiliger, lieber Körber. Es findet bei Ihnen, wenn ich es so nennen darf, ein unausgesetztes Spiel der Kräfte statt. Wie heiht es doch 'im Faust? Ich glaube, es ist im Prolog: Ihn treibt die Gärung in die Ferne, Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt; Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne Und von der Erde jede höchste 2uft, Und alle Räh' und alle Ferne Q3efriebigt nicht die tiefbewegte Brust. Ja, so einer sind Sie...da ist nichts zu wollen .... so eine kleine Kreuzung von Faust unb Don Juan." „Eine Art von Halbseele, wollen Sie sagen. Qlber schließlich sind wir alle ja nur halbe Menschen, unb ich finde, das Leben ist auch zu kurz, um immer dasselbe zu sein unb zu tun. Rur in der steten Abwechslung liegt sein Reiz für mich." „Unb ich möchte nie etwas an bered sein ober werben, als was ich heute bin. Unb ich finbe, dah der Boden, den man bebaut, die Ratur, m der man vom frühen Morgen bis zum späten alledem den Sieg für 1900 sicherzustellen. 6c lieh aber wohl die beste Chance des Spieles fast mit dem Schlußpfiff unausgenutzt, ba er bey Ball freistehenb bem gegnerischen Torwart aus fünf Meter Entfernung in die Hände trat. Das noch in letzter Stunde abgeschlossene Spiel der Liga-Reserve gegen Großen-Dusecks erste Elf wurde, statt wie vorgesehen nach bem Ligaspiel, auf Wunsch ber Gäste schon auf ben frühen Rachmittag verlegt. Dadurch war 1900 nicht komplett und verlor auch demgemäß. Die 3. Mannschaft errang auch im Rückspiel gegen die 3. Elf von V.f.B. 05-Kurhessen-Mar- burg einen eindrucksvollen 3:0°Sieg, und stellte damit erneut ihre derzeitig gute. Form unter Beweis. Das Schiedsrichterbelehrungsrückspiel für jugendliche Schiedsrichteranwärter in 'Wetzlar: 1900 1. Jugend gegen Wetzlarer Sportverein 1. Jugend endete 3:1 für Gießen. 3. und 4. Jugend weilten in Marburg bei den gleichen Mannschaften des Rasensportvereins Germania 08. 1900s dritte Mannschaft siegte 3:1, die vierte sogar 7:1. Arbeiter-Tum- und Sportbund. Gießen I — Bockenheim I 0:2. Auf dem Trieb ftanben sich beide Gegner am ver^ gangenen Sonntag im Serienspiel gegenüber. Trotz glühender Hitze zeigten beide Mannschaften ein spannendes Spiel, das die Gäste nur mit viel Glück für sich entscheiden konnten. Vom Anstoß ab zieht Bockenheim mächtig los, doch scheitern alle Angriffe an der guten Abwehr der Einheimischen. Bei diesen will es in der Fünferreihe nicht klappen und manch schöner Anfang scheiterte an der Willenlosigkeit dieses Mannschaftsteiles Erft kurz vor Halbzeit gelang es bann dem Gästesturm durch Strafstoß in Führung zu gehen. Nach dem Wechsel scheint Gießen aufzuwachen, der Ausgleich wurde aber immer im entscheidenden Moment ausgelassen. Da verließ ber Mittelläufer der Einheimischen das Spielfeld, so seiner Mannschaft alle Aussicht raubend. Wohl erzielte Gießen ein Tor, doch wurde dieses vom Unparteiischen wegen Abseits nicht gegeben. Dann erzielte Bockenheim durch seinen Mittelstürmer sein zweites Tor, womit es das Spiel für sich entschied. Gießen 1 b — Raunheim 1 1:7. Nach Anstoß entwickelte sich ein flottes Spiel Gießen, das seinen Gegner nicht unterschätzt, spielt heute mit großer Entschlossenheit. So gelingt es ihm, bald in Führung zu gehen, was allerdings auch der einzige Erfolg bleibt. Naunheim, das sich bis jetzt nicht recht zusammengefunden hatte, leitet gefährliche Angriffe ein und bald hat der Mittelstürmer unhaltbar den Ausgleich geschafft. Naunheim liegt nun dauernd im Angriff und erzielt bis Halbzeit noch zwei weitere Tore, so das Resultat auf 3:1 stellend. Auch nach dem Wechsel liegt Naunheim weiter in Front und erzielt in kurzen Abständen noch drei Tore. Schiedsrichter abermals einen Spieler der Einheimischen vom Felde verweist, wird das Spiel immer schärfer. Naunheim erzielte wohl sein siebentes Tor, doch muß der Unparteiische, nachdem er abermals zwei Spieler Gießens vom Felde verwiesen hatte, das Spiel wegen Spielunfähigkeit ber Platzelf abpfeifen. Dieseck I — Wetzlar I 6*1. In den späten Rachmittagsstunben standen sich auf dem Wiesecker Platze beide Gegner im Serienspiel gegenüber. Der Anstoß brachte ein flottes Spiel, indem die Einheimischen vorerst merklich drückten mit dem Erfolg, daß bereits nach zehn Minuten das Resultat 2:0 für sie lautete. Mehr und mehr verfiel nun die Mannschaft bem systemlosen hohen Spiel der Gäste unb konnte nicht verhindern, dah diese durch einen Fehler des linken Verteidigers der Einheimischen zu ihrem einzigen Erfolge kamen. Rach Wechsel wurde das Spiel wieder interessanter. Wiesecks Spielweise setzte sich wieder mehr unb Qlbenb wirkt, einem fortwährenb neue Welten unb neue Wunber auf tut.“ „Gut," sagte Oertzen schließlich, „bleiben wir ein jeber bei bem Unseren. Sie der rastlos vorwärts Eilende, ich ber gemächlich Schaffende, ber auf meiner Scholle Haftende, der ganz Unkomplizierte und Einfache. Qlber wenn Sie einmal des Kampfes müde sind und nach einem Hafen verlangen, dann denken Sie an meine kleine Klitsche. Platz ist da für uns beide... Wenn Sie wollen, auch zu gemeinsamer Arbeit.“ Es war spät in der Rächt, als wir aufbrachen. Der Schnee, der seit einigen Tagen gefallen war, riefelte in dichten Flocken vom Himmel, der, von keinem Stern durchblitzt, grau unb schwer über bem Langenmarkt hing. Er hatte bem Reptun einen silberverbrämten Mantel umgetan unb eine groteske Schneekap^ze auf bas stolze Haupt gesetzt. In weiße Schleier eingehüllt, träumte das alte Rathaus. Die glitzernben Spihengewebe ber feingemeißelten Bögen unb Türme blinkten in bie bunfelnbe Rächt, inbes bie erleuchtete Uhr bes „Artushofes" wie ein großes, alühenbes Auge auf bie einsame Straße starrte. Keinen Schritt hörte man auf ber bichtcn Schneebecke. Still unb tot lag ber sonst so belebte ßangenmarft mit seinen weihverhangenen Bauten unb Denkmälern, bas Märchen einer großen Vergangenheit, bie jetzt, wer weiß, wohin geflohen war. Vor bem Eingang bes Rathauskellers hielt Oerhens Schlitten mit ben beiden starkgebauten Schimmeln und dem alten Kutscher, der mit seiner verschneiten Pudelmütze und mit feinem langen grauen Bart so recht in diese Rächt zu passen schien. Hell läuteten die Schlittenglocken, läuteten noch lange, verschwommen in der Ferne. Acht Tage habe ich gewartet, gesucht unb nichts gefunben. Run habe ich boch in ben sauren Apfel beißen müssen... ich war beim kleinen Zehden. Er war freundlich unb hilfsbereit. „Die Hauptsache ist, baß Sie nun einmal in bessere Verhältnisse kommen," meinte er, als er mich zum Mittagessen in ben „Junkerhof", sein Stammlokal, eingetaben hatte. „Wollen Sie mir Ihr QJertrauen schenken unb mir ein Verzeichnis ber Papiere zeigen, in denen Sie Ihre Ersparnisse angelegt haben." Ich führte es in ber Brieftasche bei mir unb reichte es ihm; es war nur eine kurze Aufstellung, bie er halb burchflogen hatte. „Um Gottes willen," meinte er kopfschüttelnb, „das sind alles Sachen, die noch vor einem Jahre leidlich waren, jetzt aber vollständig veraltet sind. Sie hätten sie längst abstohen müssen. Wir wollen morgen zusammen auf die Landwirtschaftliche Dank gehen, Ihre Papiere verkaufen und neue anschaffen. Die Zeit ist jetzt noch einigermaßen günstig.“ > (Fortsetzung folgt) dN»«- u'ö?ttlatiLtt Qui nach etfte W ^>rvl unter ückspiel füt l. 1. L fcSMb«, H«gte Muni. 110.-2. ®W am gegenüber. Trotz «""schaffen «i? m "urn mit viel 2 TJWM ab >item alle ?e W Kappen S.® btt Men. ^lurzvorM, durch Straf, "«hfelfcheiilr o) wurde aber im. Wlasfen. Do ver. W dar Spiel, Es'cht raubend, doch wurde dieser lJs. "'cht gegeben, feinen Mittelstür. bas Spiel für sich im 11:7. ein flottes Spiel. . unterschätzt, spielt >t- So gelingt es i, wcs allerdings «Mitein, das sich -nden Halle, leitet i hat der Mittel. geschafft. fRaun« iff und enielt bis , so bas ’Kefultat wechsel liegt Naun, lt in kurzen Ab« Trichter abermals vom Felde ver« chärfer. Naunheim doch mutz der Un< jtoei Spieler Sie« , das Spiel wegen seifen. IM. iunben standen sich >e Gegner im 6e« iffoß brachte ein seimi/chcn vorerst baß bereits nai Ö für Vvt tutete. die Wannschast . der Taste und diese durch einen ;ti der Einheimi^ olge kamen. 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Wieseck riß bald die Führung an sich, die aber der Halblinke bald ausglich. Ein Fehler der Verteidigung brachte VaunHeim einen billigen zweiten Erfolg. Vach dem Wechsel sind die Einheimischen etwas überlegen, können ledoch an der guten Abwehr nicht vorbei. So konnte Raunheim mit viel Glück einen knappen Sieg mrt nach Hause nehmen. Staufenberg I — Hungen I 3:0. Dieses Spiel fand in Staufenberg statt. Als die Einheimischen nach kurzer Zeit ob^ Desul- tat hergestellt hatten, verlieh die Gasteelf ohne Grund das Spielfeld. wieseck II — Rödgen I 13:1. An hohe Resultate ist man bei der zv^iten Mannschaft Wiesecks bereits gewöhnt: daß sie aber ihren Vachbarn mit einem solchen Resultat heimschickcn würden, hätte niemand erwartet. Odenhausen — Burkhardsfelden 4:4. Zn Odenhausen trafen sich beide Mannschaften zum Pflichtspiel. Sofort nach Anpfiff sah man ein offenes Feldspiel, und Odenhausen gelang es kurz darauf, in Führung zu gehen worauf bald das zweite und dritte Tor folgte. Dann be- kam Vurkhardsfelden zwei Elfmeter zugesprochen, wodurch es zu sicheren Torchancen kam. Odenhausen spielte von der 15. Minute ab mit nur 10 Mann: trotzdem gelang es Odenhausen, bis Halbzeit seine Torzahl auf vier zu erhöhen. Vach Halbzeit ging Burkhardsfelden immer mehr aus sich heraus und schlug ein wildes -L-empo an, das, zum Teil in rohes Spiel ausa^ete. Odenhausen versiebte nach Halbzeit die schönsten Chancen und lag meistens vor des Gegners Tor. Burkhardsfelden gelang es trotzdem, bis kurz vor Schluß den Ausgleich herbeizuschaf- fen. So trennten sich beide Mannschaften bei dem Schlußpfiff des Unparteiischen mit einem Unentschieden. , , Watzenborn! —Rodheim l 3:4. Oppenrod I - Staufenberg l 8:0. Burkhardsfelden l — Beuern l 5:0. Hachborn I — Odenhausen l 5:3. Heu- chelheim Jugend-Gr.-Linden Jugend 0:0. Wißmar Jugend — Rodheim Jugend 0:5. Wieseck II. Jugend — Watzenborn l. Jugend 1:1. Oberhessen. Landkreis Gietzen. -L Grünberg, 3. Sept. Die jüngste Ge- meindcratssihung unter Vorsitz von Der- geordneten Keller fand in Anwesenheit von acht Gemeinderäten statt. Am Wege nach dem Rondell sollen die Abwasser, die dort noch frei in einem Graben ablaufen, und sich daher unangenehm bemerkbar machen, auf 40 laufende Meter durch Legen von Rohren von 80 Zentimeter lichter Weite weitergeleitet werden. Der nächste Anlieger, Kaufmann Schweiß- gut h. der hier ein Wohnhaus errichtet hat und um diese Weiterführung gebeten hat, leistet einen Kostenzuschuß von 200 Mk. — Ein Gesuch des Warthofes um Erlaß der ft ab t ischen Hu n- d e st e u e r für einen Wachhund für das ^ahr 1929 wird genehmigt, da auch der Staat in gleicher Weife verfährt und auch in den vergangenen Jahren der Erlaß bewilligt wurde. — Die beiden Schafweiden waren seither an zwei Lkn- ternehmer (Grünewald und Frau Gruber) verpachtet, jede Weide erbrachte 1500 Mark Jahrespacht. Der erste Llnternehmer verzichtet auf weitere Pachtung, der andere will beide Weiden übernehmen und bietet 2700 Mk. als Pacht. Da derselbe seinen Verpflichtungen stets pünktlich nachgekommen ist und es fraglich ist, ob eine öffentliche Verpachtung bei der derzeitig schlechten Lage des Wollmarktes einen zahlungsfähigen Pächter mit höherem Pachtpreis ergibt, will der Gemeinderat von einer öffentlichen Verpachtung absehen und dem Bewerber zum Pachtpreis von 2800 Mk. die gesamte Weide überlassen. — Kürzlich weilten Provinzialdirektor Gras und Baurat Cella rius mit Herren vom Provinzialausschuh zwecks Besichtigung der Theo- Koch-Straße hier. Vach deren Aussage kommt eine Einbeziehung der Straße in die Auto-Llmgchungsstraße nicht mehr in Frage und die Fertigstellung des Straßenbaues muß bald in Angriff genommen werden, da das an ihr liegende neue Finanzamtsgebäude noch in diesem Monat bezogen werden soll. Vom Beigeordneten wird angeregt, da zur Herstellung der Bahnhofstraße, mit der In vieler Woche begonnen wird, die Dampfwalze herkommt, vielleicht die eine oder die andere Straße in der Stadt walzen zu lassen. Bevor Beschlüsse in der Sache gefaßt werden, will er sich vergewissern, wie sich die Finanzierung ermöglichen läßt, und in der nächsten Sitzung Bericht erstatten. In Zusammenhang damit erwähnt er eine Anregung des Provinzialdirektors von einer etwaigen Bebauung der Höfetränke abzusehen, da von hier aus am Vermcssungsamt vorbei zur Turnhalle an der Gießener Straße späterhin ein Verkehrsweg durchgesührt werden könnte. — An Stelle der in der letzten Sitzung sestgesehten Steuersätze schlägt die Verwaltungsbehörde in Angleichung an die staatlichen Sätze andere Ausschlagssätze vor, und zwar niedere bei der Grundsteuer, und höhere bei der Gewerbesteuer. Dorgeschlagen werden folgende Sätze: a) Grundsteuer von Gebäuden 22 Pf. von je 100 Mk. Steuerwert, ergibt ein Aufkommen von 8800 Mk., b) Grundsteuer von landwirtschaftlich genutztem Besitz 56 Pfennig von je 100 Mk. Steuerwert, ergibt ein Aufkommen von 18 700 Mk., c) Gewerbesteuer vom Betriebskapital 1,10 Mk. von je 100 Mk. Steuerwerk, ergibt ein Aufkommen von 10 200 Mark, d) Gewerbesteuer vom Ertrag 5 Mk. von je 100 Mk. Steuerwerk ergibt ein Aufkommen von 13100 Mk., bei der Sondergebäudesteuer soll es bei dem Satz von 39,93 vom Hundert der staatlichen Steuer bleiben, mit einem Aufkommen von 12 500 Mk. Demgegenüber hatte der Gemeinderat folgende Sähe beschlossen: a) Grundsteuer von Gebäuden 25 Pf., mit einem Aufkommen von 10 050 Mk., b) Grundsteuer von landwirtschaftlichem Besitz 70 Pf., mit einem Aufkommen von 23 420 Mk., c) Gewerbesteuer vom Betriebskapital 80 Pf., mit einem Aufkommen von 7420 Mk., d) Gewerbesteuer vom Ertrag 3,60 Mark, mit einem Aufkommen von 9460 Mk. Der Gemeinderat beschließt einstimmig, es bei den von ihm beschlossenen Sätzen zu belassen. ch Rüddingshausen, 3. Sept. Der hiesige Kleinkalibcr-Schühenverein hielt an den beiden letzten Sonntagen sein diesjähriges Preisschiehen ab. Infolge der günstigen Witterung und der schönen Lage der Schieß- stände war die Beteiligung sehr rege. Der Verein wird am kommenden Sonntag das Schluhschiehen und das eigentliche Preisschießen abhalten. Geschossen wurde mit Wehrmannsbüchsen auf 100 Meter. Die erzielten Ringzahlen stellen ein ausgezeichnetes Ergebnis dar. Am vorigen Sonntag gab Gastwirt Hermann M ü - h i g von Rüddingshausen acht Zwölfer als Probeschüsse hintereinander ab und darauf als Serien zweimal je zwei Zwölfer und einen Elfer. Schon früher gelang es ihm, mit 139 Ringen (15 Schüssen) die Dronze-Ehrenspange des Verbandes zu erringen. Diesmal erzielte er 34 Ringe. Frau Müßig, die schon einen der ersten Preise errang, brachte es wieder auf 35 Ringe. Der Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Peter, Rüddingshausen, schoß am vorigen Sonntag fünf Zwölfer hintereinander. Ein Fünfzehnjähriger, Wilhelm Scholl, Rüddingshausen, schoß 35 Ringe. Das bisherige Gesamtergebnis in Höchst - ringzahlen, 36 Ringe, schossen 4 Schützen (die Genannten und Heinrich Weber, Dreihausen, und Wilhelm Paulus, Deckenbach): 35 Ringe wurden 14mal, 34 Ringe wurden 37mal geschossen. Diese Leistungen sind das beste Zeugnis für den Eifer, der hier dem Schießsport entgegengebracht wird. ft. Aus dem Seental, 2. Sept. Die (3 c » treideernte ist in unserer Gegend restlos unter Dach und Fach. In den Dörfern des Seentals hört man das eintönige Brummen der Dreschmaschinen. Die Landwirte find mit dem Ertrag recht zufrieden. Besonders gut gegeben haben die Winterfrucht und der Hafer. Leider hatte man hier und da einen Acker Lagergetreide, bei dem der Ertrag natürlich recht gering war. — Die Grurn - me kernte ist in unserem Tal in vollem Gange. Die Landwirte fürchten ein Zurückgehen des Futters bei der anhaltenden Trockenheit. Infolgedessen hat die Grummeternte etwa zwei Wochen eher eingesetzt als in normalen Jahren. Wenn auch die Menge des eingefahrenen Grummets stark hinter anderen Jahren zurückbleibt, so ist doch die Qualität ausgezeichnet. — Die Kartoffeln find zum Teil infolge der anhaltenden Dürre schon abgestorben. Besonders kann man das bei frühen Sorten und auf hochgelegenen Aeckern erkennen. — Die Kohlarten haben sich in diesem Jahre besonders schlecht entwickelt. Der Stand des Wirsings ist noch einigermaßen, aber der Ertrag an Weißkraut ist auf manchen Aeckern und vielen Gärten gleich null. Diese Mißernte ist wohl in erster Linie auf das massenhafte Auftreten der Erdflöhe zu« rückzuführen, die infolge der Trockenheit ideales Wetter für ihr« Entwicklung hatten. Schon die ganz kleinen Pflänzchen wurden durch dieses Ungeziefer sehr stark in ihrer Entwicklung gehemmt, und bis vor kurzem konnte man die kleinen Schädlinge noch haufenweise an den Pflanzen sehen. — Eine mittlere Ob ft ernt« ist zu erwarten. In einfeinen Lagen sieht man Bäume mit recht reichem Behang, an anderen Orten scheint der Ertrag gering zu werden. Die Zwetschenernte fällt in diesem Jahre wohl schlecht aus. Kreis Friedberg. WSV. Bad-Vauheim, 3. Sept. Ein f ünf- zehnjähriger Bäckerlehrling aus Rodheim v. d. H. sprang gestern nachmittag in selbstmörderischer Absicht vom Aussichtsturm auf dem Johannisberg. Mit schweren Schädelverletzungen und mehreren Knochenbrüchen wurde er ins Krankenhaus eingeliefert, wo er, ohne die Besinnung wieder zu erlangen, nach zwei Stunden st a r b. Der Grund zu der Tat ist noch nicht festgesteUt. Kreis Büdingen. A Vidda, 2. Sept. Gestern und heute wurde hier das Kirchweihfest und der Viddaer Herb st markt, der bedeutendste aller Viddaer Viehmärkte, auf der Gänsweide abgehalten. Sonntagnachmittag wurde die Kirchweih« durch ein glänzendes Reit- und Fahrtumier des Reiterund Fahrvereins von Vidda und älmgegend eingeleitet. Vom Karlshof aus begann der Aufmarsch der Reiter und Fahrer unter den Klängen der Feuerwehrkapelle durch die Stadt nach der Gänsweide, dem Festplah. Hier hatte sich eine sehr große Zahl von Zuschauem aus der Stadt und den umliegenden Dörsem versammelt, um die Vorführungen der Reiter und Fahrer zu bewundern. Schulreifen, Quadrille, Jagdspringen, Gewandtheitsreiten, Schaufahren und Flachrennen „Rund um die Gänsweid" fanden großes Interesse und reichen Beifall. Innerhalb des zweijährigen Bestehens hat der Verein unter ziel- bewußter Leitung des Reitlehrers Guillaume, hier, früher aktiver Oberwachtmeisker im Dragonerregiment in Darmstadt, ganz bedeutende Fortschritte gemacht. Run entwickelte sich auf dem Marktplatze in den Gastzelten und in der Turnhalle ein fröhliches Volksfest. — Heute vormittag fand Rindvieh-, Schweine - und Ziegenmarkt statt, der bei der gegenwärtig ruhigen Zeit der Landwirte und dem schönen Wetter sehr stark von Kauf- und Schaulustigen besucht war. Der Austrieb an Vieh war Wohl der stärkste in den letzten Jahren, nämlich 232 Dullen, Kühe und Rinder, 623 Schweine und 85 Ziegen und Böcke. Außerdem hatten drei bedeutende Firmen von hier chre landwirtschaftlichen Geräte zum Verkauf und zur Besichtigung ausgestellt. Der Verkauf war im ganzen recht lebhaft. Bei der Versteigerung der angemeldeten Bullen durch die Landwirtschaftskammer wurden 600 bis 800 Mark für 16 Monate alte Tiere von mehreren Gemeinden bezahlt. Kühe galten je nach Qualität 400 bis 550 Mark, Kalbinnen 250 bis 350 Mark, Jungvieh, 4 Monate alt, 150 bis 170 Mark, ältere Rinder bis 250 Mark. Ein Händler aus Württemberg kaufte eine größere Zahl von Jungvieh. Ziegepböcke wurden bei der Versteigerung von 65 bis 100 Mark zugeschlagen, dagegen war der Handel in Milchziegen gering. Die Ferkelpreise schienen etwas höher als bisher. Das Stück, 6 Wochen alt, kostete 30 Mark, 7 Wochen alt 35 bis 40 Mark, 10 bis 12 Wochen alt 60 bis 55 Mark. Trotz des großen Austriebes blieb fast kein Lieberstand. 8 Eber waren aufgetvieben. Die Prämiierung der schönsten Zuchttiere nahm lange Zeit in Anspruch. LI Echzell, 2. Sept. Am vergangenen Sonntag sawd hier auf unserem neuen, sehr modern eingerichteten Schiehstand das diesjährige D u n - desschiehen des Hessischen Landjugendbundes statt. Der Bundesvorsihende Schmidt (Steinheim) und der erste Vorsitzende der Ortsgruppe Echzell, Treu sch, begrüßten mit herzlichen Worten die sehr zahlreich erschienenen Schützen und Freunde des Schießsports und wiesen in ihren Ansprachen auf Zweck und Ziel der Schühenvereine und des Schießsportes hin. Der Musikverein Echzell, der sich in dankenswerter Weise in den Dienst der Sache gestellt hatte, konzertierte auf dem Schießplatz. Das von den einzelnen Ortsgruppen recht gut beschickte Schießen, das sich in Einzelschießen und Gruppenschießen gliederte, brachte folgende Ergebnisse: A. Einzelschießen: 1. Preis Georg Schmidt (Echzell), 24 Ringe: 2. W. Ricklas, Rodheim a.d. Horloff, 23; 3. Hch. Dinding, Echzell, 21; Hugo Kröll, Rodheim a. d. Horloff, 20; 5. Hch. Fenchel, Ober-Hörgern, 20; 6. Karl Richter, Reichelsheim, 19; 7. Richard Wacker, Rodheim a. d. H., 19; 8. H. Alles, Ober-Hörgern, 17; 9. Hch. V aumann, Gettenau, 17; 10. Artur Hofmann, Steinheim, 17 Ringe. Im B Gruppenschießen, an dem von Ec^ell 3, von Gettenau 2, Laubach 2, Steinheim 2, Rvdheim a. d. H. 1, Ober-Hörgern 2, Ober-Dessingen 1, Reichelsheim 1, Gruppen teilnahmen, wurden folgende Resultate erzielt: 1. Preis Ortsgruppe Gettenau, 219 Ringe; 2. Rodheim a. d. H., 209: 3. Ober-Hörgern 208; 4. Laubach 195; 5. Echzell 191; 6. Reichelsheim 189; 7. Steinheim 181; 8. Gettenau 179 Ringe. Die einzelnen Schützengruppen bestanden aus vier Mann, von denen jeder sechs Schutz ab» zugeben hatte und zwar zwei liegend aufgelegt zwei liegend freihändig, zwei kniend freihändig. Der Wanderpreis, der im vorjährigen Schießen in Laubach an die Ortsgruppe Echzell kam, fiel diesmal Gettenau zu. Erweist sich eine Gruppe während dreier Jahre als die beste, so fällt ihr dieser Wanderpreis endgültig zu. Vachmittags um 5.30 Ahr fanden dann die Sieger- Verkündigung und die Preisverteilung statt. Velen dem eigentlichen Jugendbundschiehen wurde noch ein Preis- und Ehrenfcheibenschiehen mit tedjt schönen Preisen veranstaltet. Kreis Schotten. V Gedern, 3. Sept. Zu dem heute hier a8- gehaltenen Schweinern arkt waren 410 Tier« aufgetrieben. Für 6 Wochen alte Ferkel wurden 35 Mk., für 8 Wochen alte 55—58 Mk., für 12 Wochen alte Springer 80—90 Mk. bezahlt. Der Handel war gut. Durch die große Zahl bet Kauflustigen war ber Markt balb geräumt. )—( Ruppertsburg, 3. Sept. Seit bret Jahren feiern bie Pfarreien Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld gemeinsam ihr kirchliche- I u g e n d f e st. Auch diesmal traf sich die Jugend aus den genannten Orten in dem herrlich gelegenen Waldeck. Vach dem gemeinsam gelungenen Liede „Schönster Herr Jesu" hielt Dekan Vo l p, Laubach, eine Ansprache. Ein Wanderlied leitete über zu den Worten des Pfarrer- O. F r i t s ch, Ruppertsburg. Unter der Leitung des Pfarrers S c r i b a , Wetterfeld, wurde von Laubacher Realschülern das Stück „Der Bauet und sein Knecht', das große Heiterkeit auslöste, flott aufgeführt. Mit einem Hoch auf unser Vaterland und dem Deutschlandlied schloß die schö^r verlaufene Feier. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 2.Sept. Der christliche Ju» gendbundderGemeinschaften derPil- germission von Oberhessen beging am Sonntag sein diesjähriges Jugend- und Posaunenfest in Alsfeld, zu welchem aus allen Teilen der Provinz Ober- hcffen die Mitglieder recht zahlreich erschienen waren. Das Fest wurde eingeleitet durch ein geistliches Konzert von etwa 100 Bläsern der einzelnen Posaunenchöre auf dem Marktplatz, das einen sehr stimmungsvollen Charakter trug und viele Zuhörer angelockt hatte. Vom Marktplatz aus bewegte sich der Festzug der Teilnehmer nach dem städtischen Festplatz, wo die geräumige Festhalle alsbald dicht besetzt war und die Teilnehmer kaum zu fassen vermochte. Das Festprogramm bestand aus Musik- vorträgen des Posaunenchors, aus recht gut geschulten Gesangsoorträgen eines Gemischten Chors und eines Männerchors, sowie gemeinsamen Liedern und aus mehreren Ansprachen. In diesen wandten sich die Prediger an die Jugend, um sie zu gewinnen für das Heilswerk des Evangeliums. Der Leiter des Festes, Prediger Peters, Mücke, dankte der Stadtverwaltung für die Ueberlaffung der Festhalle Und allen Gästen für die Teilnahme. Eine Begrüßung namens des Vorstandes der hiesigen evangelischen Gemeinde sprach Dekan Dr. U n o e r z a g t, Alsfeld, der darauf hinwies, daß man der Tätigkeit der Gemeinschaften Verständnis entgegenbringen müsse, bie der Arbeit der Kirche sich freundlich gegenüber stellen. Der weitere Verlauf der Veranstaltung brachte die Einführung der Prediger Gardemann, Großen-Linden, König, Friedberg, und Daubenberger, Alsfeld. Die Erledigung des Festprogramms dauerte etwa drei Stunden. Die Feier war vom schönsten Wetter begünstigt. Auch hier zeigte es sich wieder, daß die neue städtische Festhalle für solche Veranstaltungen, die einen umschlossenen Raum erfordern, recht geeignet ist. -er. Homberg a. b. Ohm, 3. Sept. Unser« Schützengilbe, ein Kleinkaliber-Schützenverein, veranstaltete am Sonntag ihr Königschieben auf ihren eigenen Schießstänben. Unter den Klängen ber Alsfelder Feuerwehr- kapelle veranstalteten bie Mitglieder ber Gilbe, von ben Schülern begleitet, einen Festzug zu ben Schießstänben. Den Schullindern würbe durch Ueberreichung von Geschenken aller Art eine große Freude bereitet. Während des Schießens konzertierte die Kapelle unter der Friedenseiche. Herr Grobfelder war mit 146 Ringen S«Hützenkönig geworden, die beiden als »Ritter" hervorgegangenen Schützen waren die Herren Leininger und Dan. Decker. Abends tourde der Schützenkönig sowie die Ritter und sämtliche Schützen durch einen Lampionzug nach dem Frankfurter Hof geleitet, in dessen Saal sich ein Tänzchen anschloh. = Vieder-Ohmen, 2. Sept. Am Samstagabend brannte das Anwesen des Viehhändlers L. Roth dahier, bestehend aus Wohnhaus, Stallungen unb Schuppen, nieder. Ein angrenzendes Gebäude wurde leicht beschädigt. Zu ben Löscharbeiten hatten sich bie Feuerwehren der umliegenden Orte eingefunden, die nach anstrengender Tätigkeit des Drandes Herr wurden. Sind Hämorrhoiden heilbar? Ja unb nein! Wenn ein Hämorrboidenkranker dieses wirklich ernste Leiden vernachlässigt, wirb es ihm immer größer« Qual bereiten. Die anfangs unbedeutenden Knoten am Darm wachsen, sie wandern in den Darm hinein und platzen schließlich auf. Dann besteht die Gefahr, baß Blutgerinsel in die Blutbahnen kommen unb bort zu sehr gefähr- lichen Verstopfungen führen. Es kommt hinzu, daß die Schmerzen, das Brennen und das Jucken der erkrankten Teile immer unerträglicher werden unb ben Kranken körperlich unb seelisch zugrunbe rich- ten. Schließlich bleibt bem verzweifelten Patienten nur noch übrig, sich auf dem Wege der Operation unsichere Heilung zu verschaffen. Muß bas sein? In den meisten Fällen: Rein! Den Hämorrhoiden, rechtzeitig als solche erkannt und sachgemäß behandelt, können mit großer Aussicht auf Erfolg auch ohne Operation beseitigt werden. Neben peinlicher Sauberkeit muß eine geeignete Salbe zur Anwendung kommen, bie bie Knoten zur Schrumpfung bringt, die Schmerzen linbert, bie Entzünbungen beseitigt. Die bewährte Humibon- Salbe verbinbet alle biefe Eigenschaften in heroor- ragenbem Maße. Schon nach ganz kurzer Anwen- bung läßt das Jucken und Brennen nach. Damit ist schon viel gewonnen; denn fällt der Juckreiz fort, so verringert sich auch die Gefahr weitergetragener In- fektionen. Nun erft kann ber Heilungsprozeß beginnen. Die Humidson-Salbe wirb seit Jahren auch in verzweifelten Fällen gebraucht, unb unzählige Kranke bezeugen, daß sie fast Wunderdienste geleistet hat. 3249V Aber die Humidon-Kur ist feine Wunberkur, sondern das Resultat einer wissenschaftlich wohldurchdachten Arbeit. In dieser Salbe find alle Stoffe vereint, die diese tückische Krankheit erfolgreich zu bekämpfen geeignet find. Die Humibon-Gesellschaft will überzeugen unb nicht Überreben. 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Für den Neubau der Pestalozzischule Stadttheater Gießen. Abonnements-Einladung. In der Spielzeit 1929/30, die vom 1. Oktober 1929 bis Mai 1930 dauert, werden an den Tagen Dienstag, Mittwoch und Freitag je 32 Abonnementsvorstellungen stattfinden. 7168C Die Abonnementskarten sind gegenüber den Tagespreisen um 30 v. H. billiger; bei Nichtbenutzung der Abonnementskarten können, wie bisher, für Schauspiel und Operette gegen Entrichtung einer Gebühr Gutscheine gelöst werden, die für die ganze Spielzeit auch für die Sonntagsvorstellungen, Gültigkeit haben. Der Preis für die 32 Vorstellungen einschließlich der Opern- und Operetten-Gast- Df Scholls Fuss-Pflege \§ystem^ erste Ratenzahlung verpflichtet zur resl- losen Abnahme des bestellten Abonnements. Anmeldungen zum Abonnement sind bis spätestens 10. September 1929 nur schriftlich bei der Verwaltung des Stadttheaters — Theatergebüude — unter Angabe des Abonnementstages einzureichen. Die letztjährigen Abonnenten haben Anspruch auf Beibehaltung ihrer Plätze an ihrem Abonnementstage, wenn sie die Bestellung bis zum 7. September bewirkt haben. Gießen, den 31. August 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor. Reigen u. Winzertänze (ca. 50 Mitwirk.) Gesangsvorträge Rheinisches Leben, rheinische Stimmung Illumination auf der Kurhaus-Terrasse daselbst, Konzert mit Gesangseinlagen (Rheinischer Abend). Das Winzerfest findet bei jeder Witterung statt. Eintritt zur Terrasse und den Sälen: 2.50 Mk., für Besitzer von Kur- u. Dauerkarten 2 Mk.. Karten Vorverkauf an der Willi Schmidt Trude Schmidt geb. Lehmann Anfang 8'/, Uhr! Die schwarze Ananaa-Hrdbeere aus Vierlanden, die so großes Aufsehen er- regendeMassenträgerin.KleineQuartiere geben bis tausend Pfund, in Vierlamleu gibt der Morgen bis 10 Tausend Pfund Erdbeeren, lieber und über hängen die Zweige voll von den großen schwarzen Klum pen.den süßen festfleischigen Früchten. Zäh und fest, ist sie die haltbarste Transport-Erdbeere und die allerbeste zum Einmachen. Wird nicht matschig. Die. Vierländer sagen: „Wenn wir mit unseren Erdbeeren auf den Hamburger Markt kommen, greift alles nur nach den behwarzen.“ Die schwarze. Ananas ist ein Findling. Niemand weiß, wer ihre Eltern sind. Entstammt wahrscheinlich dem König Albert. Herzlichst nahmen die Vierländer sich der Neugeborenen an. hegten und pflegten sie und im Erstaunen steht man jetzt vor diesem schwarzen Königskinde,das durch seine ungeheuren Erträge bald den ganzen Erdbeermarkt beherrschen wird. 20 Pflanzen M. 1.75. 40 Pflanzen M. 2.85, 100 Planzen M. 4.50, 200 Pflanzen M. 7. Es ist nur eine beschränkte Pflanzen menge abgebbar. Die Aufträge werden der Reihe nach ausgeführt,soweit die Menge hergibt. Verbindlich bis 18. September. 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September 1929, nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, dahier, zwangsweise 1 Silberschrank, 4 Diwans, 7 Spiegel, 1 antiken Kleiderschrank, Sessel, 1 Glas- schrank, 11 Schreibtische, 6 Vertikos, 4 Kleiderschränke, 1 Aklenschrank, 2 Rollenschränke, 3 Kassenschränkc, 4 Nähmaschinen, 12 Chaiselongues, 3 Bücherschränke, 1 Standuhr, 2 Teppiche, 7 Büfetts, 2 Kredenzen, 4 Blumenkrippen, 7 Schreibmaschinen, 6 Regulatoren, 2 Klaviere, 3 Eisschränke, 1 Gartenschirm, 2 Korb- möbelgarniluren, 1 Gasherd, 3 Registrierkassen, 2 Schreibtischsessel, 1 Schreibmaschinentisch, 6 Sofas, 1 Flurgarderobe, 3 Rohrsessel, 6 Haustruhen, 1 Wäscheschrank, 1 Schlafzimmerbild, 7 Reisekörbe, 2 Stehleitern, 10 Tische mit 29 Stühlen, 3 Grammophone mit Platten, 1 Wasch tisch, 3 Fahrräder, 4 Warenschränke, 2 Ladentheken, 2 Motorräder, 1 Mikroskop, 1 Bilderschrank, 1 Käjeschrank. Voraussichtlich bestimmt: 2 Herren-Fahr- rüder, 1 Abkantmaschine, 1 Wulstmaschine, 1 Stanze, 1 Schneidkluppe, 1 Pianino, 1 Flurgarderobe Bern Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Fernruf 4101. vom 5. September bis HMiiniHiHmimiHiiMminnniiniiiimnuHmHiiiiiMiiHii« einschl. 12. September Liebigshöhe Am Donnerstag, dem 5. September SroBes Militär Slreidikißzert ausgeführt vom Musikkorps I./15 Leitung; Obermusikmeister Löber CAFE LEIB Reichhaltige Speisekarte Gut gepflegte Getränke Donnerstag, den 5 September, abends Junger Hahn Mk. 1.50 Statt Karlen' Die glückliche Geburt unseres zweiten Sodnes zeigen in dankbarer Freude an Erwin Denz Leutnant des Mar.-Zng.-Desens a. D. und Frau Margot geb. Dalger Leipzig, den 31. August 1929 Kaiser-Wilhelm-Straße 1511 la MWWe 5$* IMl«W her Zentner Mk. 3.75. Wiederverkäufern u. Großabnehmern Sondervreife. <>WID Kartoffelhandlg. Trechsler Steinstr. 73. Tel. 3581 Referendar, Plnlo- loqe, mit lanniähr. Bolksschulvraxis crt. WWk u. überwacht HauS- aniaaben. Schr. Ang. u.05592 a. d. Gß. Anz. Wer leiht einem fest Angestellten 150 Ml. gegen hohe Zinsen. nuteSicherftellimgu. moiiatl.Rückzahlung Sckniftl. Angeb. uut. 05611 a. d. Gieß. Anz. 3«W braun rauhhaar. Sonntag Trteb entlaufen. Abzugebcn bei Rn st, Gründer- gcr Straße 44. |l4,,,.3 Neue Aula der Universitä Donnerstag. 5. September 1929, 20 Uhr: Lieder- und Arien-Abend Elisabeth Weeg Am Flügel: Dr. Julius Dorteider, Staatsoper München Lieder und Arien und a. von HÄNDEL, MOZART, SCHUBERT. SCHUMANN, BRAHMS. KORNGOLD, WAGNER. Der Konzertflügel Bechstein ist aus dem Pianolager R. Schönau. Seltersweg 91. Eintrittskarten zu Mk. 3.-, 2.—. 1.— in der Musikalienhand- lung Challier und an der Abendkasse. 7088D HOCHKULTUR MOL DAVAN Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Die Jagd im September. Gemäht sind die Felder, der Wind weht über die Stoppeln und in den Dörfern brummt die Dreschmaschine. Bald werden die weihen Fäden des Altweibersommers dahintreiben und des Herbstes Einzug verkünden. Aach sonnendurchglühten Tagen kühlen sich die Aächte gern stärker ab. Tau fällt und der Rebel braut in den Tälern, llnb dann kommt der Lag, wo zum erstenmal des edlen Hirsches Schrei durch die Abendstille dringt und des Weidmanns Herz höher schlägt. Aach alter Iägerregel tritt der Feisthirsch zu Aegidi (1. Sept.) in die Brunft. Die Jagd auf den starken Drunfthirsch stellt den Höhepunkt im jagdlichen Erleben des deutschen Weidmannes dar. Wem es vergönnt ist, dies Weidwerk zu Pslegen, dem lacht Dianens Gunst. Die Drunstrudel beziehen gewöhnlich von Jahr zu 2ahr wieder ihre gleichen Drunftplätze, von denen alle Unruhe fernzuhalten ist. Liegt die Gefahr des Beschüsses am Feld durch schlechte Rachbarn vor, die unserem edelsten Wild mit Posten gar nachstellen, so empfiehlt sich Füttern mit Kastanien und Obst oder Kartoffeln, um das Rudel dem Felde fernzuhalten. Der Damhirsch ist noch in der Feiste, aber auch hier beginnen bereits die Geschlechter sich zusammenzurudeln. Das Schwarzwild hat seine beste Zeit. Auf dem Felde locken Kartoffeln- und Rübenschläge, im Walde aber fallen Eicheln und Bucheckern. Die Brunft des Rehwildes ging zu Ende. Die starken Böcke sind heimlich geworden und pflegen der Ruhe. Wiesen, Kleeäcker und Blößen werden aber bald wieder mit außerordentlicher Regelmäßigkeit angenommen. Der Fuchs ist noch rauh und ruppig, und wenn er nicht mit Rücksicht auf die Aiederjagd abgeschossen werden soll, lasse man ihn laufen, bis sein Balg vollwertig geworden ist. Der Dachs wird immer feister, steckt tagsüber im Dau und unternimmt nachts weite Streifzüge, bei denen er Obstgärten gern einen Besuch ab* stattet, um sich am Fallobst gütlich zu tun. Für den Hasen ist die ruhigste Zeit auf dem Feld vorbei. 3n Kartoffeln und Rüben findet der letzte Satz seine Kinderstube. Die Deckung wird immer weniger. Am 1. September beginnt die 3agd auf das Rebhuhn. Wo gefüttert und das Raubzeug zurz gehalten wurde, sollen Hühner sein. Warten wir es ab! An Enttäuschungen hat uns gerade die Hühnerjagd in den letzten Jahren ja gewöhnt. Erfreulicherweise hat der Staat die Schuhzeit der Fasanen hinausgeschoben. Damit ist den Herrschaften ein Riegel vorgeschoben, die zur Hühnerjagdzeit die Gesperre junger, wirtschaftlich minderwertiger Fasanen wahllos herunterzuknallen pflegen. Für das Aussehen und Füttern von Fasanen haben diese Jäger nichts übrig. Sie handeln nach dem Rezept: Sie säen nicht, aber sie ernten doch. Bei der sorgsamen Pflege, die der Fasan in den meisten unserer Reviere erfährt, mühten wir in seiner Weiterverbreitung schon viel weiter sein, wenn diese freundlichen Aachbarn nicht wären. Jetzt wird es möglich, bei Iagdausgang Hahn und Henne schon zu unterscheiden und danach den Llbschuh einzurichten. Die Entenjagd ist ganz schlecht geblieben. Die Winterfolgen waren zu schwer. 3m Herbst kann auch der Schnepfen st rich wieder ausgeübt werden, ebenso wie sich bald Gelegenheit zur Suchjagd auf Zugschnepfen bietet. Der letzte Winter möge uns ein Mahner sein, jetzt schon an etwaige Winterfütterung zu denken. Aun sammelt man Hinterkorn bei der Dreschmaschine, behält einige Hafergarben ungedroschen zurück und kauft Kastanien auf, die einem die 3ugent> gern bringt. Die alten Futterstellen sind nachzusehen und auszubessem. Hubertus. l?r. 207 Drittes Blatt Wirtschaft. Dislontermäßigung der Reichsbank? An der Börse erhält sich seit einigen Tagen mit Hartnäckigkeit das Gerücht von einer alsbald erfolgenden Ermäßigung des Diskontsatzes der Reichsbank. Dieses Gerücht muß zunächst überraschen, denn die internationale Geldmarktlage, die bei einer Diskont- Maßnahme der Reichsbank eine ausschlaggebende Berücksichtigung zu finden hat, ist keineswegs so geklärt, dah von dieser Seite eine Diskont- ennähigung als berechtigt angesehen werden könnte. Allerdings ist die Geldmarktlage in Deutschland so verändert, daß, zumal der Status der Reichsbank einen bisher seltenen Grad der Entlastung erreicht hat, eine Diskontermähi- gung aus diesem Grunde durchaus möglich wäre. Sie wäre sogar zweckmäßig insofern, als die deutsche Wirtschaft unter dem starken Zinsdruck gegenwärtig sehr zu leiden hat und der dar- niederliegenden Konjunktur durch eine Geldverbilligung bzw. Herabsetzung des Diskontsatzes ein neuer Antrieb gegeben werden könnte, der wirtschaftlich in Anbetracht des bevorstehenden Winters und der wahrscheinlich hohen Arbeitslosigkeit von höchster Bedeutung wäre. Dah das Reichsbankdirektorium unter diesen Umständen sich mit der Frage einer Diskontermähigung beschäftigt, liegt auf der Hand; es haben aber, was ausdrücklich betont werden muh, offizielle Besprechungen in dieser Hinsicht noch nicht stattgefunden, da auch der Reichsbankpräsident Dr. Schacht längere Zeit durch die Haager Konferenz in Anspruch genommen war und noch nicht wieder nach Berlin zurückgekehrt ist. An sich spricht erfahrungsgemäß der Monat September gegen eine Diskontermähigung. Denn in diesem Monat tritt saisonmähig ein Spitzende darf an Geld auf, nicht zuletzt um den Anforderungen der Landwirtschaft für die Finanzierung der Ernte zu genügen. Ader die Reichsbank ist anscheinend in diesem 3ahre für die Erntefinanzierung nicht herangezogen worden, das hinter der Getreidekommissions- und 3ndustrie-A.-G. stehende agrarische Bankenkonsortium (Rentenbank-Kreditanstalt, Preuhenkasse) hat den Betrag von 40 Mill. Mk. für die Zwecke der Erntefinanzierung zur Verfügung gestellt, um die Finanzierung der Ernte, die bereits seit längerer Zeit im Gange ist, sicherzustellen. Wenn die Reichsbank den Diskont ermäßigen würde, so würde sie damit entscheidend zur Klärung der internationalen Geldmarktlage beitragen, denn eine Diskontsenkung würde unmittelbar zum Auf- Hören deutscher Goldabzüge bei der Dank von England führen und somit die schwierige Lage dieses Instituts in erheblichem Maße verringern. Infolgedessen wird die Reichsbank, wenn sie überhaupt eine Diskontmahnahme beraten wird, dies nicht ohne Abrede mit der Dank von Eng- land tun. Selbstverständlich würde eine Diskont- f en hing von nur einem halben Prozent in Frage kommen. Die Reichsbank Ende August. Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 31. August hat sich die gesamte Kapitalanlage der Dank in Wechseln und Schecks, Lombard und Effekten in der Ultimowoche um 748,0 Millionen Reichsmark auf 2927,0 Mill. Reichsmark erhöht. 3m einzelnen haben die Destände an Wechseln und Schecks um 614,1 Mill, auf 2634,5 Millionen Reichsmark, die Lombardbestände um 118,4 Millionen auf 162,1 Mill. RM. und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 15,5 Mill, auf 37,6 Millionen Reichsmark zugenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 768,3 Mill. RM. in den Verkehr abgefloffen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 744,2 Mill, auf 5897,3 Mill. RM., derjenige an Rentenbank- scheinen um 24,1 Mill, auf 431,7 Mill. RM. erhöht. Dementsprechend sind die Bestände an Rentenbankscheinen auf 8,7 Mill. RM. zurückge- gangen. Die fremden Gelder zeigen mit 433,9 Millionen RM. eine Abnahme um 10,9 Mill. Reichsmark. Die Bestände an Gold und d e ck u n g s - fähigen Dev ifen zusammen haben sich um 2,2 Mill. RM. auf 2491,5 Mill. RM. erhöht und zwar haben die Goldbestände um 6,4 Mill, auf 2183,4 Mill. RM. zugenommen, die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 4,2 Millionen Reichsmark auf 308,1 Millionen RM. abgenommen. Die Deckung der Roten durch Gold allein betrug 44,6 Prozent gegen 52,4 Prozent in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen 50,9 Prozent gegen 59,9 Prozent. Die Wirtschaftslage im August. Aach der im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe auf Grund von Berichten der preußischen Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages zusammengestellten Uebersicht stand die Wirtschaft im August unter dem Eindruck der Haager Konferenz. Die Börse war infolgedessen zurückhaltend und wurde außerdem noch durch den Zusammenbruch des Konzerns der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs QI.»®, gehemmt. Die Ausfuhr stieg gegenüber dem 3uli um 21 Mill. Mk., doch hat sich das Tempo der Steigerung verlangsamt und bleibt hinter dem Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten erheblich zurück. Auf dem Arbeitsmarkt zeigt die Gesamtziffer des Beschäftigungsgrades bereits einen geringen Rückgang. Dies gilt nicht für die Produktionsmittelindustrien, die im allgemeinen eine befriedigende Geschäftslage aufweisen. Rindermarkt in Gießen. Der gestrige Rindviehmarkt war beschickt mit 1179 Stuck Groß- und Kleinvieh und 231 Kälbern. Der Handel war infolge der trockenen Witterung bis zum Ende schleppend, so daß Ueberstand verblieb. Schlachtvieh war fast nicht begehrt, so dah letzteres weit unter Wert gehandelt wurde. Bezahlt wurden für Kühe 1. Qualität 600 bis 650 Mk., 2. Qualität 450 bis 550 Mk., 3. Qualität 150 bis 250 Mk., Schlachtvieh 150 bis 350 Mk., Rinder, ein- bis zweijährig, 110 bis 250 Mk., Kälber das Pfund Lebendgewicht 55 bis 60 Pf. * * Großer rumänischer Lokomotio - auftragfürdieAEG. Auf Grund einer internationalen Ausschreibung der rumänischen Staatsbahn auf 100 Dampflokomotiven, an der 24 Loko- motivfabriken von sieben europäischen Ländern beteiligt waren, hat die A.E.G. dieser Tage endgültig den Auftrag auf 100 Lokomotiven erhalten. I Um die Bestrebungen einer Konsolidierung im deutschen Dampflokomotivbau möglichst zu fördern, hat I die A.E.G. von den führenden deutschen Lokomo- tivbauanstalten fünf für die Durchführung des Auftrages herangezogen. * Abkommen D o r s i g-H u m b o 1 d t im Kältemaschinengeschäft. Wie WTB.- Handelsdienst erfährt, haben die QL Dorsig- G.m.b.H., Berlin-Tegel, und die Maschinenbau- Anstalt Humboldt, Köln-Kalk, ein für die Entwicklung des deutschen Kältemaschinengeschäftes wichtiges Abkommen getroffen. Die jahrzehntelangen Erfahrungen beider Firmen beim Dau von Kälteanlagen sollen auf dem Gebiete der Konstruktion und des Vertriebs zusammengefaht werden mit dem Ziel, durch gemeinsame Verwertung der Erfahrungen die Weiterentwicklung kräftig zu fördern und die Fabrikation und den Vertrieb wirtschaftlicher zu gestalten. 3n welcher Form das Zusammengehen erfolgen soll, ist noch nicht endgültig festgelegt. * Umsatz st eigerung b e i Daimler- Benz A. - G., Stuttgart. Ueber den Geschäftsgang bei der Daimler-Benz QI.»®., Stuttgart hört WTB.-Handelsdienst von unterrichteter Seite, dah der Umsatz in den ersten acht Monaten des laufenden 3ahres trotz der Beeinträchtigung durch die Kälteperiode rund 92 Mill. Mk., somit rund 10 Proz. mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres, betrug. Die übliche saison- mähige Drosselung der Produktion konnte in diesem 3ahre später als im Vorjahre vorgenommen werden. Die Drosselung ist im wesentlichen durch Arbeitseinschränkung erfolgt. * Bankgründung von Warburg in 21 m ft e r b a m. Die Firma M. M. Warburg & Co. in Hamburg errichtet im Einvernehmen mit der International Manhattan Co., Neuyork, dem Emissions- und Effekten-Institut der Bank of the Manhattan Co. und der International Acceptance Bank Jnc., Neuyork, unter dem Namen Warburg & Co. in Amsterdam eine Bankfirma in Form einer Kommanditgesellschaft, deren persönlich haftende Gesellschafterin die Hamburger Firma ist. Frankfurter Börse. Frankfurt a.TL, 4.Sept. Tendenz: zurückhaltend. — In Nachwirkung der Vorkommnisse am Glanzstoffmarkt war das Geschäft an der Effektenbörse wieder sehr klein. Orders waren auch heute kaum vorhanden, die Grundstimmung war jedoch allgemein wieder etwas freundlicher und zuversichtlicher, da überwiegend günstige Momente neue Hoffnung auftommen ließen. Die Hausse an der gestrigen Neuyorker Börse, die immerhin Mittwoch, 4. September 1929 « 1 noch flüssigen hiesigen Geldmarktoerhältnisse, die Zunahme der Spareinlagen und die hoffnungsvollerß Beurteilung der deutschen Wirtschafts- und Börsenlage in einem Bericht der Dresdner Bank machte« einen günstigen Eindruck. Auch tauchten wieder erneut Vermutungen auf, daß infolge ber g ü n ft i g e n Geldmarktverhältnisse evtl, an eine Ermäßigung des Reichsbankdiskvntsge- dacht werden kann. Im Gegensatz zu den übrigen Märkten war die llmsatztätigkeit am Montanmarkt etwas lebhafter. Erstens regte der günstige Abschluß bei Klöckner und zweitens das Ansteigen der Kupferpreise an. Gelsenkirchen gewannen 2 v. H., Klöckner, Phönix, Rheinische Braunkohlen und Stahlverein gewannen von 1 bis 1,5 v. H. Otavi plus 0,75 Mk. Rheinstahl etwas vernachlässigt und leicht nachgebend. Chemiewerte lagen durchweg knapp behauptet. Am Elektromarkt überwogen kleine Abschläge. Siemens und AEG. büßten bis 1 v. H. ein. Sonst waren hier die Umsätze bescheiden. Zu erwähnen wären noch am Bankenmarkt Reichsbankanteile, die zur ersten Notiz stärker angeboten waren und 6 v. H. verloren. Ein stichhaltiger Grund war nicht zu erkennen. Renten still. Ablösung mit Option etwas gebessert. Nach den ersten Kursen wurde die Umsatz» tätigfeit minimal. Die Kurse lagen leicht gedrückt. Die Abwärtsbewegung der Reichsbankanteile verstimmte. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 v. H. notiert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.2025, gegen Pfund 20,3' 2, London gegen Kabel 4,8480, gegen Paris 123,88, gegen Mailand 92,71, gegen Madrid 32,93, gegen Holland 12,10. Berliner Börse Berlin, 4. Sept. Wie gestern, eröffnete die offizielle Börse auch heute nach einem freundlichen Dormittagsverkehr wieder ruhiger und meist schwächer. Einige günstige Momente, wie die Festigkeit der Auslandbörsen, und besonders des Neuyorker Platzes, die steigenden Kupferpreise, die sich aus dem guten Klöckner-Bericht ergebende bessere Beurteilung der Montan-Gesellschaften, nach unten gerichtete Geldsätze konnten nämlich gegen die Order- losigkeit nicht aufkommen, und bas Nachlassen des Auslandinteresses löste bei der Börsenspekulation, wenn auch relativ geringe, Abgabeneigung aus. Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor waren vorbörslich zu beobachtende stärkere Schwankungen am Kunstseidenmarkt. Verschiedentlich rechnete man für heute vormittag mit einer offiziellen Stellungnahme der Glanzstoffverwaltung, doch ist eine solche nach unseren Informationen nicht zu erwarten. Die Ansichten betr. der Diskontpolitik in London sind wohl dieselben geblieben; vielleicht hat die Zahl derjenigen, die an eine Erhöhung des Diskonts glaubten, etwas zugenommen, obwohl die Goldverluste der Bank von England gestern nur gering waren. Die ersten Kurse zeigten keine einheitliche Tendenz. Spezialwerte, wie Montecatini, Licht & Kraft, Bemberg und Schultheiß, eröffneten fester; Deutsche Linoleum, R. W. E., Siemens, Polyphon und Telephon Berliner gaben dagegen 2 bis 3 v. H. nach. Den stärksten Verlust hatten Reichsbankanteile, die 5,25 v. H. niedriger eröffneten und gleich nach der ersten Notiz unter die 300er-Grenze nachgaben. Deutsche Anleihen ruhig. Ablösung mit Auslosungsrechten auf den heran- rückenden Auslosungstermin 0,5 v. H. fester. Ausländer geschäftslos. Mexikaner schwächer. Pfandbriefe still. Der Geldmarkt war eher leichter. Tagesgelb 8,25 bis 10,5; Monatsgelb 9,25 bis 10,5; Warenwechsel 7,75 bis 7,60. Im Verlaufe wurde die Stimmung zunächst, vom Montanmarkt ausgehend, etwas fester. Später übertrug sich aber die schwache Haltung des Reichsbankmarktes auf die übrigen Markt- gebiete und führte zu 1- bis 2-v. H.-2lbschwächungen. Nur Monanwerte lagen weiter recht widerstandsfähig. Das Geschäft L .'wegte sich aber im allgemeinen in sehr ruhigen Bahnen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. Sept. Am heutigen Haupt- markt war die Tendenz allgemein etwas fester, wenn auch das Geschäft sich in verhältnismäßig engem Rahmen abwickelte. Etwas lebhaftere Nachfrage bestand am Getreidemarkt für Weizen. Ebenso konnte Hafer alter Ernte im Preise etwas anziehen. Am Mehlmarkt war das Geschäft still, doch lag hier Roggenmehl ebenfalls etwas fester. Für Futtermittel bestand im Gegensatz zu den Vortagen etwas regeres Interesse, und Weizen- und Roggenkleie konnten an- ziehen. Es wurden notiert: Weizen 25,50 bis 25,60 Mark, Roggen 20,25, Sommergerste für Brauzwecke 21,50, Hafer (inländischer), alter 19 bis 19,50, neuer 18,75 bis 19, Mais (gelb) für Futterzwecke 20,75, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 38,25 bis 39,25, Rogaenmehl 29,25 bis 30,50, Weizenkleie 10,85 bis 11, Roggenkleie 10,50 bis 10,75 Mark. — Tendenz: weiter befestigt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. - Reichsbankbiskont 7,5 Prozent, Lombarbzinsfuß 8,5 Prozent. „rankfuri a Berlin Schluß»! Kurs | '-Uhr flut- Schluv-l Kn re | Anfang- Kur' Datum 3.9. 4.9. 3 9. 4.9. ܰX» Dt. fieichsanleche o. m« . . Di. Anl.-Ablöi.-Schuld mit AuS- 87,4 — 87,5 — los^Rechtcn......... TeSgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 7% grants. Hyp.-Bk. Goldps. un- t>3 53,5 53 53,5 11,3 11,2 1,25 11,25 kündbar bis 1932. ..... 4yt% Rheinische Hyp.-Bank CiaiL- 85,5 — — — Goldps............ A.E.G. abg. Borkriegs-Lbligatton., 78 — — — rückzahlbar 1932 .... 86,75 — — — 4% Schweiz. Bunderb.-Anl.. . . 98,75 — — — 4% Lesterreichische Goldrte.. . . 29 — 29 — 4,20% Oesterr. EUberrte..... 2,35 — 2,5 — 4% Lcstcrreich. einhciil. fite. . . 1,65 — — 4% Ungarische Goldrte...... 22,9 — .2,9 — 4% Ungarische Staats!. v. 1910 . — — 20 — 4%% desgl. von 1913..... —— 22,2 —— 4% Ungarische Kronenrte..... 1,65 7,4 — 1,65 1,7 4% Türk. Zollanlethe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., — 7,4 Serie ............ 7,2 — 7,4 — 4% desgl. Serie II....... 7,2 — 7,35 — ,% Rumänen convert. fite. . . • — — —— 4¥s% Rumänen Goldanl. von 1313 15,1 — — — «Illg. Deutsche (Slenbahn . 4% ßambutg-fimetifci Paket ... 8 Hamb.-Südam. Dampfsch. . . 8 Hansa Dampfschiff.....1° Norddeutscher Lloyd ..... 8 8111g. Deutsche Creditansk. . - 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellsch. . . 12 Commerz- und Privat°Bank. 11 Tarmst. u. Nationalbank . . 12 Deutsche Bank......10 Tiskanto-Gesellschast Ant.. . 10 Dresdner Bank......io Metallbau l ......... 8 Reichrbank ........ 12 — — — 121,75 — ■ _ — — 162,25 162,25 113,75 113,75 114,65 114,25 125,75 — 125,5 125,75 — 127,5 127,5 209 —— 209,25 209 181,75 180,75 181,75 181 273 — 273,5 275 168,25 — 167,75 167,75 153,5 — 153,5 153,25 160 160 160 159,75 —— — — -*» 306 300 06,5 301 Franksun a M. Berlin Schlub» Kurs '-Uhr Kurv Schlug-i Anfang- Sure | flut' Datum 3.9. 4.9. 3.9. 4.9. Bergmann.........® Elektr. Lieferungen. .... 10 Licht und Kraft .....1° Fellen 4 Guilleaume. .... 6 Ges. s. Elektr. Untern.....10 Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rhein. Elektr.........« Schief. Elektr........1° Siemens 4 Halske . • • • • 12 Transradio........ . 8 Lahmeyer 4 So. • • • • • • 1° Buderus..........5 Deutsche ErdSl.......6 Nlcner Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener ... f. V* 3- < Harpener.......... 6 Hoesch Eisen. ...... ..8 Ilse Bergbau ........ 8 Klöcknerwerke ........7 Köln-Neuessen. ....... 9 Mannesmann........8 Mansfelder.........7 cbersch'.es. Eisenb. Bedarf. . . b Lberschles. Kokswerke.....6 Phönir Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstahl . . . % 3ol)r 4% Riebeck Montan......7,2 Bereinigte Stahl»......। Otavi Minen..... . 2 sh Kali Aschersleben.....10 Kali Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 15 3. ®. Farben-gndustrie ... 18 Dynamit Nobel.......6 Scheide anstatt....... .9 Goldschmidt ........ 6 RülgerSwerke ........ 6 Melallgeselljchast......11 197,5 215 141,5 217,5 172 146 149 221 19,5 121 >41,5 111,4 972 121,75 73 236 241 395 28,5 155 75,25 85,4 127 196,9 389,5 148 120,5 112,5 273,25 131,5 122 73,5 395 227,25 154,9 127 197 229,25 169 216 142,5 218,75 145 152,75 189,5 233,25 391 171 75,25 117 144,75 146,65 148,75 137 218,5 119,13 134 120'4 141 88 108,75 111,9 272 132 121,25 73,25 236 241,5 96 228,25 108,65 84,5 127 196,75 1227,5 213,5 217,5 152 188 233 388,5 116^9 145,75 147,5 150 138 119,75 134 141,75 los 112,5 272,5 131,5 122,25 73,25 242 394 227,75 84,9 Datum P hUipv Hotz mann.....> Heidelberger Eement .... 10 Gement Karlstadt ...... 8 Wayg 4 Freitag......10 Schultheis Payenhoser ... 15 ONwerke.........12 Ber. Glanzstoff......18 Bemberg.........14 BeUftofi Waldhos.....12 Zellstoss Aschasscnburq ... 12 Charlottenburger Wasser . . . ' Dessauer Gas........8 Daimler Motoren......0 Deutsche Maschinen-Fabrik . . o Adlerwerte Lleoer......6 Ludw. Loewe.......10 Rat. Automobil ....... 0 Orenstein 4 Koppel.....6 Leonhard Tietz - ...... 6 Bamag-Meguin.......0 Franks. Maschinen......6 Gritzner.........M Heyligenstaedt ....... 0 Funghans...... .... 4 Lechworle. ...... ..8 Mainkrastwerke ....... 8 Miag...........10 Nekarsulmer ...... ..8 Peters Union........8 Sedr. Roeder.......10 Boigi 4 Haeffner......8 Südd. Zucker........8 Frankfurt a . .. Berlin Schlutz- Kurs i-Ubr flure Schlub- flurs Anfang- Kur 3.9. 49. 3.9. 4-9. 108,25 — — — 132 — — — 185 — — — 104 — 105,5 — — — 300,5 302,5 — — 234 234,75 144,5 342 344 341 — — 273 278 — 241,5 241,75 242,5 159 — 158,75 — — — — 108,5 — — 198,25 196,75 52,75 52,0 53 53 — — 56 56 — — 43,5 43,75 — — 208 209,5 —- — — 25,5 — — 89,25 88,5 — — 206 — — — — 55,75 — 55,75 — 60,5 — 60,-5 —— 8,7 1 63,25 — 63 106 — — 106 — — — 126,5 — 125,75 126,5 — — — — _ _ _ _ 110 — — _ 222 — 222 — 159 158,75 158,75 — Banknoten. Berlin, 3- September Geld Brief Amerikanische Noten..... 4,176 4,196 Belgische Noten ...... 58,18 58,42 Dänische Noten ........ 111,43 111,87 Cnalilche Noten 20,318 20,398 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 3. September Geld Brief französische Noten. . 16,41 16,47 Holländische Noten ...... 167,83 168,51 Italienische Noten...... 22,00 22,08 Norwegische Noten...... 111,50 111.94 Deutlch-Ocstcrr,210V Kronen 58,94 59,18 Rumänische Noten...... 2,475 2,495 schwedische Noten...... Schweizer Noten....... 80'63 80^95 spanische Noten....... 61,68 61,92 Tschechoslowakische Noten . . 12,38 12,44 Ungarische Noten..... 73,09 73,39 3. September 4. September Amtliche Notierung Amtliche 'Notierung Geld 1 Briet Geld Brief Amst.-Rott. 168,16 168,50 168,13 168,47 Buen.-Aires 1,759 1,763 1,759 1,763 Brsi.-Antw- 58,32 58,44 58,33 58,45 Christiania. 111,74 111,90 111,73 111,95 ■Rotte ntjagen 111,72 111,94 111,70 111,92 Stockholm . 112,40 112,62 112,38 112,60 HelsingforS- 10,544 10,564 10,542 10,562 Italien. . . 21,95 21,99 21,945 21,985 London. . . 20,343 20,383 20,345 20,385 Network . . 4,1965 4,2025 4,197 4,205 Varis.... 16,42 16,46 16,42 16,46 Schwei, . . 80,74 80,90 80,78 80,94 Spanien . . 61,79 61,91 61,79 61,91 Japan . . . 1,959 1,963 1,958 1,962 Rio de Jan. Wien in D-- 0,497 0,499 0,498 0,500 S?eft abgcst- 59,09 59,2, 59,095 59,215 Prag . . . . 12,425 12,445 12,425 12,445 Belgrad . . 7,371 7,385 7,276 7,390 Budapest. . 73,20 73,34 73,18 73,32 Bulgarien . 3,035 3,041 3,035 3,041 Lissabon . 18,75 18,79 18,75 18,79 Danzig. . . 81,36 81,52 81,35 81,51 .Konstantin. ,006 2,010 2,015 2,019 Athen. , 5,43 5,44 5,43 5,44 Canada . . 4,164 4,172 4,168 4,176 Uruguay. 4,101 4,109 4,101 4,109 Cairo . . 20,87 20,91 20,87 20,91 Das Kind als Zeuge. Don Sophie Landau. Die furchtbare Tatsache, daß ein Vater durch die falsche Aussage seiner sechzehnjährigen Tochter zwei Jahre schuldlos im Zuchthaus verbrachte, zeigt wieder einmal deutlich, welch ungeheure Gefahr darin liegt, wenn Verurteilungen auf Grund von Kinderaussagen erfolgen. Bei wievielen Gerichtsverhandlungen weichen, trotz Vereidigung, die Zeugenaussagen nicht unbeträchtlich voneinander ab, wodurch eine gerechte Entscheidung sehr erschwert wird. Das Entstellen der Wahrheit hat, wenn man den guten Glauben der Aussagenden nicht anzuzweifeln braucht, Wohl zwei Hauptquellen: Entweder der Zeuge hat von vornherein falsch beobachtet, — es liegt also eine Sinnestäuschung vor —. oder aber er wird durch die ihm vorgelegten Fragen irgendwie suggestiv beeinflußt, was eine Erinnerungstäuschung hervorruft. Wenn schon viele Erwachsene so wenig genaue Angaben machen oder zu machen vermögen, wieviel gefahrvoller ist es dann noch, ein Urteil aus Aussagen von Kindern zu stützen, die ihrer ganzen seelischen Struktur nach noch viel labiler sind, deren Phantasie allein schon bei allem, was sie erleben, das klare Bild der Wirklichkeit zu trüben vermag. Die Psychologie der Aussage hat im Lauf der letzten Jahrzehnte viele bekannte Gelehrte beschäftigt. Die verschiedensten Experimente, die auch mit Kindern vorgenommen wurden, zeigen, wie außerordentlich leicht diese der Suggestion unterliegen und falsche Angaben machen, wenn sie auch vorher ganz richtig beobachtet hatten. Die Wahrheit einer mit Bestimmtheit aufgestellten irrigen Behauptung wird oft von einer ganzen kleinen Herde bestätigt. Der mit Sicherheit ausgesprochene Sah: „Ihr habt doch gesehen, dah eben noch mein Buch an diesem Platze lag", veranlaßt die Klassenkameraden, gutgläubig zuzustimmen, obgleich das Buch an diesem Tage zu Haus gelassen wurde. Ganz besonders schwierig ist es, die Antwort von Kindern nicht schon durch die Fragestellung, durch den Ton der Stimme zu beeinflussen. Wenn man Kinder z. B. fragt, nachdem sie kurz vorher eine Frau ohne Mantel gesehen haben: «Was für einen Mantel hatte die Frau an?" so werden viele von ihnen irgendeinen Mantel schildern, während bei der Fragestellung: „Hatte die Frau einen Mantel an?“ eine viel größere Anzahl richtig mit „nein" antwortet. Aus diesen einfachsten Versuchen bereits ist die Unzuverlässigkeit der Kinderaussagen zu erkennen. Zu der starken Suggestionswirkung kommen aber noch andere wichtige Momente, die tief im Wesen Les Kindes, des unreifen Menschen, begründet liegen. Wird ein Kind in Gegenwart vieler Menschen etwas gefragt, fühlt es sich als Mittelpunkt und sieht, wie alles gespannt auf seine Antwort wartet, so wird es, um sich interessant zu machen, gern flunkern und übertreiben. Wenn z. B. von Nachbarn angezeigt wurde, daß Eltern ihr Kind prügeln, so wird dieses, nachdem ihm Schuh zugesichert wurde, leicht das Erlittene zu schwarz schildern. Besonders Kinder im Ent- wiälungsalter, deren Phantasie sehr rege ist, bevor das seelische Gleichgewicht sich wieder her- gestellt hat, neigen dazu, aus Aufgeschnapptem und Ausgedachtem allerlei Lügengeschichten zu konstruieren, durch die sie andere verdächtigen und oft in eine furchtbare Lage bringen. Ganz schlimm ist es, wenn Kinder durch Erwachsene zu falschen Angaben veranlaßt werden, irgendeines Vorteils wegen oder um eine strafbare Tat za vertuschen. Diesen Gewissenlosen ist Wohl bekannt, daß die Aussage eines Kindes, das einen guten Eindruck macht, leicht Glauben findet und dadurch oft schwer ins Gewicht fällt. Dieser furch, bare Mißbrauch mühle mit allen Mitteln verhindert werden, nicht nur im Interesse der Angeklagten, sondern auch in dem der Kinder, deren Moral, durch den Zwang, falsch auszusagen, auf das Empfindlichste geschädigt werden muß. Die meisten Pädagogen sind sich klar darüber, welche gefährliche Sache das inquisitorische Ausfragen der Kinder auch in der Schule ist. So beschäftigte sich Jean Paul Musik in der Kinderstube. Don Margot Epstein. Bevor noch das Auge des Neugeborenen die Welt, in die es hineingeraten ist, zu erfassen imstande ist, nimmt sein Ohr Töne, Klänge, Geräusche auf, und sehr früh schon beginnt der kleine Erdenbürger zu reagieren: mit Lust oder Unlustäußerungen, mit Protest ober Nachahmung: lange bevor mit den Worten ein Sinn verbunden wird, zeigen sich so die ersten Sprechoersuche aus Freude an der Nachbildung des Klanges, des Tonfalles, der Tonhöhe, der Tonlänge und rhythmischen Form. Nur auf Grund eines elementaren musikalischen Sinnes lernt jedes Menschenkind sprechen — eine gewisse „musikalische Anlage" muß also in jedem gesunden Kleinkind vorhanden sein. Das Heranwachsende junge Menschlein entwickelt beobachtend, versuchend, spielend weiter seine Fähigkeiten, erste „Erziehung" versucht (wie Pestalozzi es ungefähr einmal ausdrückt) Handreichung zu leisten bei der Entwicklung der Natur, Gelegenheit zu tätiger Hebung, Schärfung, Verfeinerung aller Sinnes'funktionen zu bieten. Was können wir im frühen Kindesalter zur Pflege der primitiven musikalischen Anlagen tun? Wie können wir der Natur bei der Entwicklung des musikalischen Sinnes „Handreichung leisten"? Man hat in den letzten Jahren in fortschrittlich geleiteten Kindergärten mit sichtlichem Erfolg begonnen, die Errungenschaften moderner Musikpädagogik auf der Basis der unumstößlichen Fröbe Ischen Grundsätze in besonderer, kindlicher Wesensart angemessener Weise auszuwerten. Manches davon wird sich auch in der häuslichen Kinderstube durchführen lassen, manches wird nur unter Leitung einer hierfür geschulten Kindergärtnerin möglich sein. Mit größter Freude und ganz erstaunlich fein reagieren schon ganz Kleine auf einfache, von Geräuschen ausgehende Gehörbildungs-Hebungen. Sie erraten mit geschlossenen Augen nach dem Klang beim Fallenlassen, Schüteln usw. ihnen bekannte Gegenstände, stellen fest, aus was für Material sie gemacht sind. Die größeren werden schon vor Aufgaben anderer Art gestellt: auf abgestimmten Plättchen finden sie beim Anschlägen mit Hämmerchen Lugend und Hochschule. eingehend mit diesem Thema. Er betont, wie leicht man die Kinder in die Lüge hineintveibt. Sie sind nun einmal geneigt, eigene Fehler $u vertuschen und ein Unbeliebtes anzuschwärzen. Den Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren wird durch Paragraph 56 des Strafgesetzbuches Straffreiheit zugebilligt, wenn sie die zur Erkenntnis der Strafbarkeit ihrer Handlungsweise erforderliche Einsicht nicht besessen haben. Das ist der beste Beweis dafür, wie sehr man mit dem Mangel an Einsicht in diesen Jahren noch zu rechnen hat. Ein Kind oder ein Halbwüchsiges wird wohl nur selten jedes Wort bei einer Aussage richtig abwägen, da es sich seiner ungeheuren Verantwortung noch nicht bewußt sein kann, noch nicht weiß, dah es durch ein unbedachtes, unwahres Wort das Leben eines Menschen zu zerstören vermag. Man sollte es daher grundsätzlich nicht in Situationen versetzen, denen es nicht gewachsen ist und in denen es nicht wieder gutzumachenden Schaden stiften kann. Mer aus einer nordischen Msenstadl. Don X Kaulih-Niedeck. Dorpat, im Sommer 1929. Estlands Städte liegen unter einem müden, verschwommenen Farbenton, verdrießlich, ungastlich und sich selbst langweilend. Die einzige Ausnahme bildet D o r p a t, . das Helle, muntere Musenstädtchen an den Usern des Embach. Fröhlich ausgeschlafen, keck und plauderluftig blickt es den Fremden an und möchte ihn festhalten, weil es weiß, dah es ihm Wohlsein wird in den gartenumschlossenen Wohnstätten an blanken, hügeligen Straßen. Die aus Deutschland einst in den Norden berufenen Universitätsgelehrten haben wohl alle ihre Vorurteile gegen Dorpat abgelegt, nachdem sie einmal vom Domberg aus über das fast terrassenartig angelegte Stadt- innere gesehen haben mit den auf Hügeln sich verkrümelnden ' Stadtausläufern. Irgendwie hängt diesen Wohn- und Straßenwinkeln eine deutsche Erinnerung an. Irgendetwas trägt die Aehnlichkeit an muntere Kleinstädte Mitteldeutschlands, so wichtig tuender Geschäfts- und Handelssinn auch den geistigen und musigen Menschen neben sich leben läßt. Doch manches ist anders als in Deutschland: Gedenktafeln, die erzählen könnten von den bedeutenden Gelehrten, die in Dorpat gewirkt haben, fehlen. Nur an den berühmten Zoologen K. E. v. B a e r erinnert ein Denkmal. Die Stadt am Embach scheint „trocken" zu fein; es gibt nämlich keine Bier- und Weinhäuser, und man geht dafür fleißig in eine der kleinen alten Konditoreien, wo jeder dritte Besucher Stammgast ist. Die Domanlagen. Der Dorpatenser ist verliebt in diese schattigen, ausgedehnten, verwunschen stillen Alleen, die sich über die tiefer gelegenen Straßen spannen. Vergraben in Stille und Abgeschlossenheit sind eine Anzahl alter und neuer klinischer Gebäude, die Anatomie, die Bibliothek, die Sternwarte. Sieber die Stätten der Weisheit wogen die Ruinen der gotischen Kirche und des Schlosses und erwecken geschichtliche Erinnerungen. In frühester Zeit lag hier eine Estenburg. Klein, ein rührend schlichter Bau, ist die Sternwarte, die zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die berühmteste der Welt gewesen ist. Droben im Kuppelbau haben die Struves und M ä d l e r die Geheimnisse der Himmelskörper studiert. Und durch die feierlich geschlossene Eisenpforte gingen und kamen viele, viele große Gelehrte. Benachbart davon, in der unteren Stadt, liegt das Universitätsgebäude. Studenten und Studentinnen sprechen meist estnisch. Das Deutsche ist aus den Hörsälen fast restlos verschwunden. Einst war es hier anders. Die Freude der Hausfrauen bildet der Nahrungsmittelmarkt, dessen Hauptader bis zum Embach rinnt. Förmlich erschreckend, diese Fülle an Eßbarem. Spaßig zu fragen, wie diese Mengen von Grünzeug, Eiern, Butter, Geflügel, Fischen, und ganz besonders Fleisch verschwinden können in den Mägen der Bewohner einer einzigen Kleinstadt, die täglich durch eine Anfuhr zu Wasser und zu Lande vor diese fabelhafte Aufgabe gestellt wird und sie anscheinend auch löst. Denn lange vor Mittag sind die nahrhaften Verkaufsstände nahezu ausverkauft. Am Embach. Ein wirklicher Hafenverkehr entwickelt sich an diesem Flüßchen. Hier liegen Dampfer und Fahrzeuge, die zum Peipus- und zum Pleskauschen See fahren und ins singfrohe, sagenreiche, noch wenig bekannte Land der Settu- kesen. Bedauerlich, daß die Fahrgelegenheit unbequem und reichlich zeitlos ist, so daß eine Reise eine halbe oder ganze Woche fordert, die anderswo in einem einzigen Tage zu erledigen wäre. Zwischen gestapelten Kwasflaschen wartet ein Settukesen-Mütterchen in dunkler Tracht, Weißbrot kauend, auf ihren Dampfer. Nächtlicherweile war sie von Reval aus unsere Reisegefährtin gewesen: sie erzählte von der Beschwerlichkeit und Umständlichkeit ihrer Heimfahrt, die etwa 3 Tage verschlinge. Dabei ist die Entfernung gewiß nicht größer als jene zwischen Hamburg und Frankfurt a. M. Das Altchen sprach russisch wie alle Settukesen, die eigentlich einem Estenstamme angehören. Ein eigenartiger Volksschlag, dem Ueberlieferung und alte Sitte über alles geht und der aus seiner Weltferne neue Dinge und Ereignisse mit Erhabenheit und Humor anschaut. Unsere Settukesin war seelenallein in der Landeshauptstadt in ein russisches Ballett spaziert, hatte in Kops- und Umschlagetuch in einer Loge gesessen und plauderte jetzt- weise von der Sicherheit und Zierlichkeit tanzender Fußspitzen. Gemeinschaftsspiele der Zungen. Von Hans Kalischer. In der Jugend hat, wenn man von der individueller. Ausdruckssprache des einzelnen Kindes abjieht, jedes Alter und Geschlecht seine typischen Spiele. Eine Unterscheidung gilt jedoch saft durchgehend für alle Altersstufen: es gibt Einzel- und Sozialspiele. Das Kleinkind ist seinem ganzen Wesen entsprechend, zunächst auf die Beschäftigung mit sich selbst eingestellt. Doch das eigentlich nur im Anfang, wo es sich beim Spiel fast ausschließlich um eine Siebung und Entwicklung der Körpergeschicklichkeit handelt. Bereits in dem früh beliebten, einsamen „Rollespiel", in dem das Kind sich selbst kraft seiner Phantasie in Gegenständen und Personen der Umwelt verwandelt, nimmt es doch mit dem Leben außer sich Fühlung. Bald wird sich auch hier schon der kleine eingesponnene Außenseiter von dem Kinde unterscheiden, das schneller und zielbewußter zum Spielgefährten drängt. 3n dieser Hinsicht erhalten Spiele oft Symptomwert. Das Derweilen beim Einzelspiel, nur in Grenzen normal, zeichnet die Situation des einzigen Kindes oder es macht auf geistige Schwächen oder ein durch Erlebnis- wunden bedingtes psychisches Gehemmtsein aufmerksam. Uns interessiert hier aber in der Hauptsache eine Art charakteristischer Gemeinschaftsspiele, die besonders die Jahre vor und während der Reife erfüllen und typisch für die Entwicklungsrichtung der männlichen Jugend sind. Es ist ungefähr die Zeit, in der sich der Elf-, Zwölf- und Dreizehnjährige in die abenteuerliche Gefolgschaft des Robinson, Gulliver, nicht zuletzt in die der verherrlichten Karl-Mah- ben oorgesungenen Ton in der richtigen Höhe wieder, sie sind bald imstande, auf diesem ersten „Instrument" oder auf einem im Prinzip ganz ähnlichen Glöckchenspiel kleine Melodien wiederzugeben und vor allem mit Begeisterung selbst zu erfinden, zu improvisieren. Eine große Schwierigkeit stellt sich diesen Versuchen freilich heute in der Praxis noch entgegen: nur mit der größten Mühe ist es vorläufig möglich, solche Kleinkinder-Musikspiel-Jn- ftrumente wirklich rein gestimmt zu kaufen zu bekommen. Das ist aber notwendig, wenn nicht das feine unverbildete Ohr des Kindes dadurch verdorben, statt entwickelt und erzogen werden soll. Kinder sind Miniatur-Künstler. Was sie erfaßt haben, was sie beschäftigt und erfüllt, das wollen sie darstellen. Solch ein kleines Melodiegebilde in plastisch-eindrucksvoller Art aufzuzeichnen, beglückt sie. Man wird vom Inhalt des Liedes ausgehen: Blumen, Sterne, Häschen, Vögel, Schmetterlinge — wovon da gesagt und gesungen wird — das malt man in bunten Farben mit den kleinen Sängern in entsprechenden Intervallen nieder, jeder Ton ein Bienchen, bald höher, bald tiefer fliegend z. B. wenn es „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum" ist, was in dieser promitiven ersten Notenschrift ausgezeichnet werden soll. Auch Spiel ist dem Kinde gemäße Darstellungsform: die bunten Bälle — für jeden Ton der Tonleiter eine lustige Farbe — die die Tonika-Do-Methode für das Kleinkind erfunden hat, das Tonika-Do-Farbton-Lege- spiel sind ebenso reizende Beschästigungsspiele, wie ausgezeichnete Hilfsmittel musikalischer Kleinkind- Erziehung. In zwanglosem, an die täglichen Erlebnisse am knüpfendem Bewegungsspiel findet sich mancherlei Möglichkeiten musikalischer, insbesondere rhythmischer Schulung. Das Kind ist eine Straßenbahn: nun laufe im Takt auf deiner Schiene! Bald langsamer, bald schneller spielt dazu die Erzieherin auf dem Klavier oder schlägt auch nur ein Gong. Wie kurbelt der Führer an, wie bremst er? Steig ein, setze dich — alles im Takt der Musik. Oder wollen wir heute lieber Holzfäller im Walde oder Schuster in der Werkstatt oder Wäscherin oder Schneeball- Schlacht nach Musik spielen? Tausend Möglichkeiten zu rhythmischer Erziehung Dalcrozescher Art gibt es in frohem Spiel mit Kleinen und Aller- kleinsten. Aber das Allerschönste des Schönen von der Musik im Kindergarten nach dem Urteil der kleinen Musikanten ist und bleibt doch wohl „das Orchester". Die schlimmsten Lausbuben werden beängstigend brav, wenn ihnen angedroht wird: „Sonst darfst du heute nicht im Orchester mitspielen!" Mit Triangeln, Tamburins, Kastagnetten und anderen nicht tonal abgestimmten Instrumenten sitzen sie im Kreis ums Klavier, stolz thront im Hintergründe „die" Trommel und „das" Becken, die beiden einmalig Vorhandenen. Das- in prägnantem Rhythmus gewählte Klavierstück wird oorgespielt und dann gemeinsam „instrumentiert", d. h. die zu jeder Stelle gut passenden „Instrumente" werden ausgesucht, und dann kann das Vergnügen losgehen: nach dem Taktstock, den die Kindergärtnerin oder ein größeres, begabtes Kind schwingt, setzen die Instrumente an den verabredeten Stellen fein präzis ein und begleiten genau im Takt das Klavier — unb wenn man geschickt instrumentiert hat, bas Stück sich eignet und die Kinder ihre Instrumente gut handhaben, kann es oft wirklich hübsch Hingen, abg^ sehen davon, daß es die Kinder rhythmisch und auch klanglich ausgezeichnet schult. Das Hauptinstrument für Musik mit Kleinen und Allerkleinsten wird freilich stets die menschliche Stimme fein und bleiben, der wichtigste und schönste Faktor erster Musikerziehung, das Kinderlieb. Viel und gut mit Kindern zu fingen ist erste Forderung, selbstverständliche Grundlage für alles vorher Angeführte. Unb wie das Kind mit steinern Gefühl für Echtes und Ursprüngliches viel lieber einem der alten Volksmärchen lauscht, als eins der erfundenen Kunstmärchen neueren Datums erzählen hört, so unterscheidet es auch durchaus zwischen unseren überlieferten, aus alten Sitten unb Gebräuchen entstanbenen Volkskinderliebern voll bewegter Hanblung unb ben von „Kinderfteunben" erdachten, oft sentimental-süßlichen Kunstkinderlie- bern betrachtenden Inhalts. Wenn Kinder allein singen unb spielen, wirb man fast immer bie psalmobierenb-monotonen uralten Abzähl-, Steigern unb Ansingelieber von ihnen hören, bie sich neben ben wunberschönen Dolks-Wiegenliebern durch Jahrhunderte erhalten haben. Während man bet den Liedern, die man mit ben Kindern singt, nur der kindlichen Vorstellungswelt und dem kindlichen Derfasfungsvermögen Ange- Helben begibt. Ein Spaziergang Ins Freie, unternommen zur wärmeren Jahreszeit, belehrt uns darüber, dah wir es hier mit seelisch fest eingewurzelten Spielen zu tun haben, die trotz der Veränderung des Weltbildes durch Technik und Sport ihren romantischen Grundzug bewahrt haben. Bei näherem Zusehen jedoch weicht der romantische Schein vor dem Eindruck einer tieferen naturgewollten Lebensnotwendigkeit. Denn das Räuber- und Gendarmen-, Trapper- und Jndianerwesen, das mit seinen unzähligen Abarten auch die kümmerlichste Grohstadt-Oase belebt, hat wie alle Dandenspiele der Jungen, einen Zweck zu erfüllen, den diese selbst nicht kennen. Diese Spiele nämlich, zu Unrecht der Schrecken übereifriger Rasen- unb Parkwächter, haben neben der natürlichen Befriedigung der Kampfeslust ihre besondere Bedeutung als ein spontaner Durchbruch unb eine Hebung der sozialen Instinkte. Wetteifer, Selbstbeherrschung, Geistesgegenwart, Hilfsbereitschaft und das Talent, sich als Führer zu erweisen, sind ja lebenswichtige Fähigkeiten, die die Jugend nicht in, der künstlichen Gemeinschaft der Schulklasse herkömmlichen Stils, sondern allein in der frei gewachsenen Spielgruppe unter Kameraden hervorbringen und entfalten kann. Man kann beobachten, daß sich die Formen des Sozialspiels mit dem fortschreitenden Alter der Jugend ändern, nicht aber ihr Sinn. So wird aus der Jungen bande der Jungen verein. Oft bestehen diese beiden Formen nebeneinander oder sie gehen ineinander über. Auch der Verein entspringt einem freiwilligen Zusammenschluß der Jungen, auch er bereitet auf die Leistungen im Gemeinschaftsleben vor. Das Bild der erwachsenen Gesellschaft wird dabei zum Muster ge- nommen und lenkt das Vereinsspiel in die dort üblichen Bahnen. Es werden Sitzungen anbe- raumt, Beschlüsse gefaßt, Protokolle geführt, Vorsitzende gewählt und abgesetzt usw. Besonders kindlich fällt die Kopie dann aus, wenn eine veräußerlichende Nachahmungsfreude an den Formalitäten bie eigentlichen Aufgaben und den Zweck des Vereins erstickt. So lamxte ich einen Knabenverein mit dem verheißungsvollen Namen „Amicitia" (Freundschaft), dessen Tätigkeit sich fast allein in derartigen Verwaltung«technischen Auseinandersetzungen erschöpfte. Aber die Zeichnung dieser geselligen Jungen- spiele wäre lückenhaft, wollte man die anderen Eefühlskomponenten übersehen, die zu den geschilderten Gründungen wesentlich beitragen. Denn obwohl man ben Großen in äußeren Formen nacheifert, bie Grundstimmung der Jungenbünde, der Banden wie der Vereine, nährt sich doch von der Opposition gegen den Erwachsenen. Seine Sieberwindung ist das klug verhüllte, von Jugend zu Jugend wiederkehrende Ziel der Knabenkämpfe. Sim ihm gleich, um von ihm unabhängig zu sein, werden oft beträchtliche Opfer, besonders von den halbwüchsigen Jungen, gebracht. Diese Spiele stellen langsam das Gleichgewicht zwischen den Generationen her. Auch mangelndes Vertrauen, mangelnde Ehrlichkeit der Erwachsenen wird mit gleicher Münze vergolten. Vielfach umgibt darum eine Geheimsprache als unsichtbare Mauer einen solchen Bund. Oder die Absichten eines Junqenverbandes greifen weiter, als es sein öffentlicher Werbename verrät. Zeitgenössische Dichter haben sich des dankbaren Stoffes der Jungenspiele angenommen. So schildert Franz Molnar, mit wehmütigem Lächeln in die Kindheit schauend, in seinen „Jungen der Paulstraße" die mit kindlichem Emst geführten Kämpfe zweier Jungenhorden um einen vielbegehrten Bauplatz inmitten der Großstadt. Doch am unvergeßlichsten bleibt wohl jedem die kleine Heldenschar der „Räuberbande" in dem bekannten Roman Leonhard Franks. Mit welcher romantischen Begeisterung diese Jungen anfangs in Kampf und Abenteuer ziehen, wie sie dann älter werdend ihre Ziele umstellen und sich schließlich lautlos im Leben des Alltags verlieren, das ist nicht nur mit Wärme und Humor, sondern mit einer scharfen Beobachtung für die Knabenfeele gestaltet. messenes wählen sollte, braucht man in bezug auf das, was man zum Vorsingen, Mm Vorspielen, zum Zuhören bietet, durchaus nicht sich dem Niveau der Kleinen ängstlich anzupassen. Gerade die künstlerischen Eindrücke, die im Moment nicht restlos vev> arbeitet werden, die weiter im Kinde leben, seine Phantasie beschäftigen, sind erfahrungsgemäß die stärksten und nachhaltigsten, wie jeder aus feinen eigenen Kindheitserinnerungen leicht nachprüfen kann. In vielen Kindergärten — in vielen häuslichen Kinderstuben spielt die Musik noch eine Aschenbrödel-Rolle neben der bildenden Kunst, die seit langem durch Zeichnen, Malen, Modellieren, Ausschneiden usw. ausgiebig gepflegt wird. Freilich: erste Vorbedingung für eine Wandlung darin ist ausreichende Vorbildung und Orientierung des Erwachsenen, der Mutter, Erzieherin, Kindergärtnerin. Der Schul» musik-Hnterricht ist gründlich reformiert worden, $ur Verbesserung der Musikpflege im Kindergarten sind erst die ersten, vorbereitenden Schritte getan. Man beginnt folgerichtigerweise mit einer Reform, des Musikunterrichts an den Kindergärtnerinnen-Semi- naren: im Dezember 1928 sind die neuen Richtlinien des Kultusministeriums erschienen, in den ersten Apriltagen 1929 fand im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht eine erste Tagung über Musikpflege im Kindergarten unter sehr .zahlreicher Beteiligung aus dem ganzen Reich und dem Auslande statt, nun roerben in Arbeitsgemeinschaften die Pläne eingehend durchgearbeitet, erste Ausbildungskurse finden in der Berliner Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit einerseits, im staatlichen Musiklehrer-Seminar an der Akw demie für Kirchen- und Schulmusik andererseits noch, in diesem Jahre statt. Der Kindergarten wird so allmählich zu einer Stätte grundlegender musikalischer Erziehung in zwanglos-undidaktischem Anschluß an kindliches Spiel und tägliches Leben werden. Die Pflege und Entwicklung der musikalischen Anlagen tn der Haus- liehen Kinderstube liegt in der Hand der Eltern __ t>er Mütter insbesondere — und man möchte nicht zuletzt von den Kindergartenmusik-Reform- Bestrebungen erhoffen, daß durch sie auch in gamw lien- und Erzieherkreisen Interesse und Verständnis für die besonderen Aufgaben erster Mufikpflege beim oorschulpflichtigen Kinde geweckt wird.