Dienstag, 4- Juni 1929 179. Jahrgang Nr. 128 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen cinzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Eiehen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Universt1ä1§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Eiehen. §christlei1ung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. wird die K o n k o r d a t s f r a g e in ihrer nächsten Sitzung erörtern, die am 13. Juni stattfindet. Wiederbeginn desReichstages Berlin, 3.3uni. (D.D.Z.) Präsident Lobe teilt bet Eröffnung der heutigen Reichstags- Sitzung mit, daß nach Beschluß des 2leltestenrats heute die Beratung des Ernährungsetats zu Ende geführt werden soll, selbst wenn die Sitzung infolgedessen länger als gewöhnlich dauern sollte. Abg. Graf Westarp (Dntl.) verlangte die sofortige Besprechung des Ergebnisses der Pariser Reparationskonserenz. Die deutschnationale Fraktion beantrage, daß der Reichsaußenminister noch in dieser Woche vor seiner Abreise zur Bölker- bundsratZtagung nach Madrid eine Erklärung zu dieser Frage abgebe, damit der Reichstag in dieser wichtigen Frage nicht ausgeschaltet werde. Präsident L ö b e erklärt, die Reichsregierung habe chn gebeten, darauf hinzuweisen, daß die Pariser Konferenz noch die belgische Frage zu erledigen habe und dah der Bericht der Konferenz nicht vor Ende dieser Woche zu erwarten sei. Abg. v. Lindeiner-Wildau (Dntl.) bedauert, dah die Reichsregierung nicht selbst zu der von Graf Westarp angeschnittenen Frage Stellung genommen habe. 3m Aeltestenrat habe der Außenminister mitteilen lassen, dah vor der letzten 3uniwoche eine Erörterung der Pariser Konferenz im Plenum nicht stattfinden könne. Mit dieser Hinausschiebung könne der Reichstag sich unmöglich einverstanden erklären. Präsident Lobe: Der Reichskanzler und der Reichsaußenminister haben sich bereit erklärt, morgen im Auswärtigen Ausschuß zur Pariser Konferenz Stellung zu nehmen. Abg. Dr. Frick (N.-S.) beantragt die Herbei- rufung des Reichskanzlers. Abg. Dr. B r e i t f ch e i d (Soz.) widerspricht dem Antrag der Deutschnationalen. Ehe der Bericht der Pariser Konferenz oorliegt, könne man unmöglich darüber beraten. Abg. Stoecker (Komm.) erklärt, seine Freunde würden für den deutschnationalen Antrag stimmen, aber aus anderen Gründen als die Antragsteller. Abg. Dr. B r e d t (Wirtsch.-P.) stimmt dem Abg. Dr. Breitscheid darin zu, daß man unmöglich über einen Bericht debattieren könne, der noch nicht vorliegt. . Die Anträge der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen werden gegen Deutschnationale, Nationalsozialisten und Kommunisten abgelehnt. Die zweite Beratung des Etats des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wird hierauf fortgesetzt. Abg. Tanhen (Dem.): Die Landwirtschaft muh genossenschaftliche Selbsthilfe treiben. Wie vor dem Kriege muh wieder die Einfuhr von Rindvieh und Rindfleisch alljährlich in den Monaten August bis Rodember verhindert werden. Abg. Kerschbaum (D. Dp.) führt aus, die Rot der Landwirtschaft habe zu einer Landflucht geführt, die sich auf die Söhne und Töchter der Bauern erstrecke. Die Steuerlast müsse vermindert werden, auch durch eine gründliche Reform der Arbeitsloserwersicherung. Abg. Meyer- Hannover (Dtsch.-Hann.) bedauert, dah die Landwirtschaft dem Ministerium der Ernährung gegenüber zu kurz komme. Das Ministerium mühte zu einem wirllichen Reichslandwirtschaftsministerium ausgebaut werden, in dem die Landwirtschaft selbst ihre Vertretung hat. Die Agrarzölle mühten den 3ndustriezöllen angenähert werden. Abg. Tempel (Soz.) betont, die Gesamtaufwendungen des Reiches für die Landwirtschaft seien nicht aus dem vorliegenden Landwirtschaftsetat allein erkennbar. Hinzugerechnet werden mühten der größte Teil der Ostpreuhenhilfe, die Millionen für landwirtschaftliche Siedlungen, landwirtschaftliches Schulwesen und andere der Landwirtschaft dienende Einrichtungen. Abg. Hörn le (Komm.) bezeichnet die Krise der Landwirtschaft als einen Teil der allgemeinen Krise der kapitalistischen Wirtschaft. Abg. Graf Westarp (Dn.) wendet sich gegen eine Derschiebung der Zollfragen bis zum September. Abg. Diernreiter (Bahr.Dp.) fordert den Reichstag auf, noch vor der Sommerpause der Rücktritt des Kabinetts Baldwin. Pari« und Reichstag. Das Plenum des Reichstages hat sich gestern mit großer Mehrheit dem' Beschluß des Aeltestenrats angeschlossen, wonach fürs Erste keine Aussprache in der Öffentlichkeit über die Pariser Derhandlungen stattfinden soll. Der Auswärtige Ausschuß hat Gelegenheit, sich eingehend mit dem Gang der Derhandlungen und dem bis jetzt erzielten Ergebnis zu beschäftigen. Rein gefühlsmäßig würde wohl die große Mehrheit des deutschen Dolkes eine Stellungnahme der deutschen Dolksvertretung zu den Pariser Derhandlungen für wünschenswert hallen, und aus diesem Grunde ist es erklärlich, wenn von verschiedenen Parteien ein dahingehender Wunsch geäußert wird. Auf der anderen Seite muh man aber auch der Regierung Recht geben, wenn sie der Auffassung ist, dah eine solche Debatte unter den augenblicklichen Umständen verfrüht wäre. Man darf nicht übersehen, dah die älnterzeich- nung des Gutachtens in Paris vorläufig noch nicht erfolgt ist. Man nimmt allerdings an, dah es noch im Laufe der Woche geschehen wird. Aber sicher ist das nicht. Dor allen Dingen macht die belgische Frage, die jetzt in diesem Stadium mit besonderer Schärfe in den Vordergrund gerückt worden ist, große Schwierigkeiten, und es ist noch nicht abzusehen, wie sie überwunden werden kann. Ferner ist durch den Ausgang der englischen Wahlen und den Regierungswechsel in London ein neues Moment der Ungewißheit und Unsicherheit in den Stand der Dinge überhaupt hineingekommen. Es wird die Aufgabe des Reichsaußenministers in Madrid |ein, mit den maßgebenden Staatsmännern, wie immer bei solchen Gelegenheiten, privatim Fü^ hing zu nehmen und sich zu vergewissern, wie sich die Entwicklung in nächster Zukunft voraussichtlich vollziehen wird. Wenn die Unterzeichnung des Gutachtens erfolgt, wenn die Madrider Tagung vorüber ist und wenn der Beschluß des Dölkerbundsrates über die Minderheitenfrage vorliegt, dann wäre allerdings der geeignete Augenblick für eine große Aussprache über die auswärtige Politik gekommen. Bis dahin werden sich der Deutsche Reichstag und das deutsche Dolk schon gedulden müssen. Ten Anlah zu der Aussprache werden einmal die Interpellation der Deutschnationalen und zweitens der Etat des Reichskanzlers und des Auswärtigen Amts bieten. Man braucht daher nicht zu befürchten, dah der Beschluh des Aeltcstenrates, die Beratung des Gutachtens an |ich erst im August oder September vorzunehmen, auch eine Derschiebung jeglicher Aussprache darüber bedeutet. Das würde allerdings feinen guten Eindruck machen, ist aber auch gar nicht geplant. Ein ander Ding ist natürlich die parlamentarische Behandlung des Gutachtens und semer Folgen selbst. Wenn die Unterzeichnung erfolgt ist, müssen die beteiligten Regierungen zusammentreten und auf einer Konferenz, die etwa un Juli abzuhalten wäre, einen Vertrag auf der Grundlage des Gutachtens abschliehen, ähnlich wie es beim Dawes-Gutachten und Dawes-Abkommen der Fall war. Ein solcher Vertrag muh dem Reichstag zur Rattfizierung unterbreitet werden, und das kann je nach Lage der Dinge Ende August oder Anfang September geschehen. Bei dieser Gelegenheit wird dann eine zweite ausführliche Aussprache über das Gesamtergebnis möglich sein. Bis dahin werden sich wohl auch noch ganz andere Entwicklungen vollzogen haben, die in gewissem inneren Zusammenhang mit der Reparationsfrage stehen. Wir brauchen nur an die Räumung der Rheinlande und Die Kontrolle des entmilitarisierten Gebiets zu erinnern. Aus alledem ist ersichtlich, dah es falsch wäre, Hals über Kopf sich in eine große Reparattons- debatte im Reichstag zu stürzen, ehe ganz be- stimmte und positive Ergebnisse vorliegen. Das hindert nicht, daß in der Öffentlichkeit der Enttäuschung über den unbefriedigenden Ausgang der Pariser Verhandlungen Ausdruck gegeben wird, und daß vor allen Dingen die Abgleitung der Verhandlungen wirtschaftlicher Sachverständiger auf das politische Gebiet als böser Fehler bezeichnet werden muß. Auch die Regelung der belgischen Frage, die eine sehr schwierige ist, muß noch abgetoartei werden. Die Belgier haben von Anfang an schon im September vorigen 3ah- res in Gens ihre Forderung auf Einlösung der deutschen Marknoten geltend gemacht, und fte sind seither hartnäckig Dabei geblieben. Sie suhlen, daß sie jetzt mit ihrer Drohung, ohne eine Befriedigung ihrer Wünsche die llntefchrift unter das Gutachten zu verweigern, ein Druckmittel in der Hand haben, das sich nach ihrer Auffassung als wirksam erweisen muß^ Es wird noch erheblicher diplomattscher Anstrengungen bedur- sen, um die an sich gänzlich unberechtigten Ansprüche Belgiens auf das richtige Maß herabzudrücken und auch hier einen Ausweg zu finden. Es ist selbstverständlich, dah die andern Mächte in dem Sinne auf Belgien einwirken müssen, durch die Geltendmachung von Forderungen, die an sich mit der Reparationsfrage nichts zu tun haben, nicht das ganze Werk zum Scheitern zu bringen. Oie Parteien und das preußische Konkordat. Berlin, 4. Juni. (Prio.-Tel.) Die Landtagsfraktion der Deutschen Bolkspartei ist auf den 10. Juni zu einer Sitzung einberufen, in der die Konkordatsfrage behandelt werden soll. Auch die demokratische Landtagsfraktion London, 3. Juni. (WTB.) Reuter. Der 2171- n i ft e r r a t, Der heute in Downing Street abgehalten wurde, dauerte ungefähr eine Stunde. Lr war um 6 Uhr abends beendigt. Baldwin entschied sich für den Rücktritt. Sin Kabinett Mcdonald in Sicht. London, 4. Juni. (2DIB. Funkspruch.) An der geftrigen Beratung in Downing Street nahmen alle fiab*inettsmitgliebermil Ausnahme des er- krankten Lord Balfour teil. Man nimmt an, dah der König heute nach Entgegennahme des Rücktritts Baldwins den Führer der Arbeiterpartei, Macdonald, empfangen und mit der Bildung des neuen Kabinetts betrauen wird. Wie man glaubt, hat Macdonald feine M i - n i ff e r t i ff e i m wesentlichen schon fertig- g e ff e 1 l f. Die Bläffer, mit Ausnahme des Organs der Arbeiterpartei „Daily heralb“, ergehen sich in Mutmaßungen über die Zusammensetzung des neuen Kabinetts. „Daily Telegraph" erwartet als Staatssekretär des Aeußern Henderson. Der politische Korrespondent der „Daily Mail" erwähnt ein Ge- rächt, dah Lord Robert Eecil Staatssekretär des Aeuhern werden soll, betont aber, erfahrene Sozialisten hätten Thomas als wahrscheinlichen Nachfolger Chamberlains bezeichnet. Auch „Morning poft“ nimmt an, dah Thomas die auswärtigen An- gclegentjeiten übernimmt. „Daily herald" zufolge wird morgen eine gemeinsame Sitzung des nationalen Vollzugsausschusses der Arbeiterpartei und des Vollzugsausschusses der parlamentarischen Arbeiterpartei abgehalten werden, von der wichtigeEntscheidungenzu erwarten seien. Macdonald werde mit seinen Kollegen bedeutsame Fragen erörtern, die mit der neuen politischen Lage Zusammenhängen. Macdonald erklärt. Berlin, 4. Juni. (Prio.-Tel.) Der Führer der Arbeiterpartei, RamsayMacdonald, empfing am Montag den Londoner Korrespondenten des „Vorwärts". Ramsay Macdonald äuherte sich zunächst befriedigt über den Ausgang der Wahlen, den er als „außerordentlich günstig" bezeichnete. „Unser Sieg hat mir eine ungeheure Menge von Telegrammen aus der ganzen Welt gebracht. Alle Länder sind in diesen Glückwünschen vertreten. Mit der einzigen bezeichnenden Ausnahme von Rußland. Die Wahlen haben vor allem zwei Dinge eindeutig bewiesen: Das Land will eine andere Regierung, und zweitens: Das Land hat Vertrauen zur Arbeiterpartei und wünscht, sich und sein Interesse von der Labour Party in der Regierung vertreten zu sehen. In einem gewissen Abstande hierzu könnte man noch eine dritte Schlußfolgerung aus dem Ausgang der Wahlen ziehen. Die Ration betrachtet jede drifte Partei als unerwünscht." Beinahe gereizt fügte Macdonald hinzu, die Liberalen interessierten ihn nicht, eine Behauptung, die er später noch einmal mit großem Rachdruck wiederholte. Ob er glaube, dah in der gegenwärtigen Situation mit Erfolg außenpolitische Schritte von Großbritannien getan werden könnten, antwortete Macdonald: „Ls ist immer an der Zeit, etwas zu tun und die Dinge vorwärts zu treiben. Wenn wir morgen an die Macht kommen, werden wir am nächsten Tage mit der Sondierung der Situation und der Ausstreckung von Füh- lern beginnen.“ Macdonald wandte sich gegen den versuch, ihn auf bestimmte Aktionen und Formeln festlegen zu wollen. „Die richtige Methode ist, mit G e - sprächen mit Staatsmännern und Diplomaten zu beginnen und diese internationale Aussprache ftänöig in Fluh und Bern e g u n g zu halten, um zu verhindern, dah eine Stagnation wie die gegenwärtige eintriff.“ Zu dem Vertreter des „Berliner Tageblatt“ sagte Macdonald: „Ls ist die Politik der Arbeiterpartei, dahsiedieZusammenarbeifdereuropäi- schen Staaten anffrebf. Auf keinen Fall darf England Partei für den einen der europäischen Staaten nehmen, oder gar ein Land gegen das andere Land ausspielen. Was erforderlich ist, ist ein a 11 g e m e i n e r g u f e t Wille, der die Probleme lösen muh, mögen sie auf Angst und Argwohn, oder aber auf wirtschaftliche objektive Schwierigkeiten zurückgehen. Erfolge können aber nur durch gegenseitige Verständigung und Vereinbarungen erzielt werden." Zur Abrüstung machte der Arbeiterführer einige hochinteressante und politisch bedeutungsvolle Feststellungen. Macdonald machte einen prin- zipiellenUnterschied zwischen denkleinen und den großen Rationen. Sie seien beide in durchaus verschiedener Lage: „Ls gibt kein Mines Land, das sich wirklich verteidigen kann, wird es überfallen, so helfen ihm 10 000 Mann und ein Panzerkreuzer nicht im geringsten. Es kann sich militärisch und machfpolitisch weder schützen noch sichern. Eine große Ration ist in einer etwas anderen Situation. Sie kann sich machtpolitisch bis zu einem gewissen Grade schützen, aber auch sie kann keinen Krieg verhindern. Ihre militärische Macht stellt für sie einen Einsatz (booty) dar, mit dem sie verhandeln kann. Ihre wirkliche Abrüstung hat daher ein internationales Abrüstungsabkommen zur Voraussetzung. Darum muß sich ihre Politik, was die Abrüstung betrifft, in der Richtung auf die Herbeiführung eines solchen internationalen Abkommens bewegen." Vor altem Frieden. Die Liberalen für Macdonald, aber sie warnen ihn. London, 4. 3uni. (WTD. Funkspruch.) 3n fnem Leitartikel über die erwartete Tlebernahme der Regierung durch die Arbeiterpartei sagt die „Times": Das Land wünscht keine neuen Wahlen. Es braucht vor allem Frieden im Innern und nach außen. Wenn Macdonald bei seiner Polittk diese Tatsache berücksichttgt, braucht er sich keine Sorge zu machen, daß ihm eine unfaire Behandlung zuteil werden könnte. „Morning Post" erwartet, daß die Sozialisten einen Kuhhandel mit den Liberalen abschliehen werden und fürchtet schwere Folgen für das englische Wirtschaftsleben von der durch Snowden angekündigten Polittk der Aufhebung des 3ndustrieschutzes und der Aufhebung der Reichsvorzugsbehandlung. „Daily Expreß" warnt Macdonald vor allen Rattonalifierungsexperimenten und sagt, wenn die neue Regierung sich auf die nächsten und dringlichsten Probleme beschränke, könne sie eine Aera wirklichen Fortschrittes und wirklicher Wohlfahrt herbeiführen. Der politische Korrespondent der „Daily Mail" meint, es fei jetzt eine Periode ruhiger Entwicklung zu erwarten. dck die sozialistische Regierung nur solche Vorlagen einoringen werde, die die Unterstützung der Mehrheit der Liberalen Partei finden würden. ..... Die liberale „Daily Rews' sagt in einem Leitartikel: Dir Liberale Partei ist im Unterhaus die Zunge an der Waage. Die Liberal« Partei ist verpflichtet einzutreten für Freihandel, Wahlrechtsreform, eine entschiedene Politik des Friedens und der Abrüstung und Ueberroinbung der Arbeitslosigkeit. Wenn die Arbeiterpartei unter Weglassung der extremeren Punkte ihres Wahlprogrammes sich auf diese großen nationalen Fragen beschränken will, dann werden die Liberalen ihr eine faire Möglichkeit zur Bewährung ihrer staatsmännischen Eigenschaften geben. Aber in zwei Punkten wird Macdonald die Methoden ändern müssen, die für seine vorige kurze Amtsperiode bezeichnend waren: 3n erster Linie muß er bedenken: dah er ber Diener nicht desDollzugsausschusses seiner Pa r- tei, sondern des Parlaments und der Ration ist. 3n zweiter Linie muß er seine Haltung gegenüber den liberalen Unterhausmitgliedern einer vollkommen inneren Umwandlung unterziehen. Die Liberalen werden sich niemals wieder den gewöhnlichen und kleinlichen Kränkungen unterwerfen, die ihnen 1924 die Arbeiterpartei zuteil werden ließ. Wenn nicht die allgemeinen Regeln des Anstands gewahrt werden, wird praktische Zusammenarbeit unmöglich sein. „Daily Rews" schließt: Diese Warnung wird von uns in allem Ernst und bei vo'lep Kenntnis der Tatsachen gegeben. Ein französischer Fühler. Paris, 4. 3uni. (WTB. Funkspruch.) Der „Petit Parisi en" beschäftigt sich in einem offenbar beeinflußten Artikel mit der Frage, welche Bedeutung die Verhandlungen, die außerhalb 7>er Tagesordnung des Dölkerbundsrates in Madrid gepflogen werden Dürften, angesichts der Tatsache haben könnten, daß das englische konservative Kabinett zurückgetreten ist und Sir Austen Chamberlain infolgedessen nicht in Madrid anwesend sein wird. Das Blatt schreibt, es sei natürlich erschienen, daß nach der Verständigung auf der Sachverständigenkonferenz ein Meinungsaustausch zwischen Brianb, Ehamber- lain unb Strefemann über die Haltung ihrer Regierungen und über die Folgen einer demnächstigen Ratifizierung der von der Reparationskonferenz vorgeschlagenen Abmachungen erfolgen würde. Diese Auffassung sei so natürlich gewesen, daß Driand einen Augenblick daran gedacht habe, sich in Begleitung des Generalsekretärs des Quai d'Orsay, Philippe B e r t h e l o t, nach Spanien zu begeben. Die englischen Wahlen, die die konservative Regierung zugunsten der Arbeiterpartei in die Minderheit verseht hätten, hätten die Lage vollkommen verändert. Alle Unterredungen, die während der Ratstagung stattfinden könnten, könnten also nur noch einen persönlichen Charakter tragen und infolgedessen nur eine beträchtlich verminderte Bedeutung haben. Erst wenn die Frage der Regierungsbildung in England gelöst sein werde, werde man von der Rheinlandräumung sprechen können. Dis zu diesem Zeitpunkte könne man nichts unternehmen. Chamberlain geht nicht nach Madrid. London, 3. 3uni (WB.) Aus zuverlässiger Quelle wird bekannt, daß Chamberlain nicht zur bevorstehenden Ratstagung nach Madrid geht, sondern dah der britische Botschafter in Madrid mit Der Vertretung Großbritanniens beauftragt werden wird. Montag, ■deen- pwoiKtnlos. 0 neuer. (jnalD oedecxi. ® woikiq. G Gedeckt eRege^ Es ; butter vdinat 9»l3O gemüse 15 biz 2 3m f* aMUk trfien ® .qca°s « ! P 3 kn. großes xteuni> Singe niumlP' einem fon !d sprach Worte. Äs leben । ten, ki ten, ba dieser!! der M dahingek stieb w mich ein gangenei vahrhas Senn v Dltan! ei bei' Aachru' ein beu Mensch scheu G widmet« fforbene unser ? Halter, l reitete e hatte. 2 ser Lebe unserer1 SeiDw der Seine 1 ihn, bei unserer stürz ii sofort aus ses CBütgci erfüllt. 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Aus noch nicht aufgeklaAr Arsache ist heute nachmittag ein bon Schlesien nach Königsbrück bestimmter ©uterang mit Reichswehrsoldaten und Pferden auf dem Bahnhof Lausnitz ent- b ! r « U"d u mg e ft ürzt. Dabei wurden r ® f -S 6 toehrsoldaten getötet un6 bandelt sich um einen 7 Ä3? der 1. und 5. Eskadron des 1k^S'schen Reiterregiments, bon dem um li« ^utemarg^^itBarometechänden^nter 740 Milli- Drrand am Dienstagvormittag 10 Uhr Paris , ebenfalls zur Ratstagung nag) Madrid zu begeben. Die Art, wie zur Zeit die belgische Mark- orderung von französischer Seite behandelt wird, legt in der Tat den Verdacht nahe, daß Frank- 5^^..unter allen Umständen eine Präjudiz herbeifuhren will, umForderungenFrank- nnr6r-A Ü-b6J den Young-Plan hinaus anläßlich eines etwaigen Rückkaufes der Saar- gruben von Deutschland zu ermöglichen. Diesem Ersuche muß auf das schärfste widersprochen werden. Paris. 3. Juni. (DL.) In der belgischen Mark-Frage hat der Vorsitzende der deutschen Gruppe, Reichsbankpräsident Dr. Schacht, an den Vorsitzenden des Sachverständigen-Ausschusses, Owen doung, folgenden Brief gerichtet: ..Sehr geehrter Herr Vorsitzender! 3n Ergänzung der Unterhaltung, die ich am letzten Samstag mit Ihnen in der belgischen Mark- Frage gehabt habe, beehre ich mich, Ihnen mikzutei- len, daß die deutsche Regierung bereit ist, folgende Maßnahmen zu ergreifen: 1. unverzüglich ein pactum de contrahendo mit der belgischen Regierung (sei es durch Rotenwechsel, sei es durch ein gemeinsames Protokoll) ab- Z »schließen, wodurch die beiden Regierungen sich verpflichten, Verhandlungen auf einer neuen Basis aufzunehmen mit dem Ziel einer endgültigen Regelung der Mark-Frage, 2. diese Verhandlungen alsbald aufzunehmen und darüber übereinzukommen, daß diese Verhandlungen abgeschlossen werden sollten, bevor der neue Reparationsplan von den Regierungen in Kraft gesetzt wird. Die deutsche Regierung hat Herrn Ministerialdirektor Ritter zu ihrem Sonderbevollmächtigten für diese Frage ernannt; er ist bereit, die Verhandlungen alsbald zu eröffnen. Der wesentliche Inhalt der vorhergehenden Punkte ist dem belgischen Gesandten in Berlin mitgeteilt worden, dessen Antwort von der deutschen Regierung erwartet wird. Die deutsche Regierung hat diesen Vorschlag in dem Geiste des Entgegenkommens und mit dem festen Dillen gemacht, dieses Hindernis für die normale Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu entfernen. 3d) hoffe, daß diese Feststellungen alle Mih - Verständnisse beseitigen werden, die hinsichtlich der Stellung der deutschen Regierung in der belgischen Mark-Frage bestehen. 3m Hinblick auf diese zur Zeit bestehenden Mißverständnisse wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie den übrigen Mitgliedern des Ausschusses von der Stellungnahme der deutschen Regierung, wie ich sie hierin dargelegt habe, Mitteilung machen würden." Der Brief ist vom Vorsitzenden an sämtliche Mitglieder des Ausschusses verteilt worden. Ein greifbarer Beweis für -en guten Willen Deutschlands. Paris, 4. Juni. (WTD. Funkspruch.) Durch den Brief, den Reichsbankpräsldent Dr. Schacht gestern dem Vorsitzenden der Reparationskonfe- rena Owen D. Young geschrieben hat, ist in der Angelegenheit der belgischen Markbanknoten eine neue Lage geschaffen. Rach der „Chicago Tribüne" sieht die Mehrzahl der Gläubigerdelegationen dieses Schreiben als einen greifbaren Beweis für den guten Dillen Deutschlands an. * 5t Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Der Gtinnes-Prozeß. (WB.) Im Stinnes- t 0 0 beschloß das Gericht die Ladung des einmaligen Reichskommissars für die Ablösung entwerteter Markanleihen, Staatssekretär Hein- nrlr-V Sachverständigen, der sich über das Ablosungsverfahren äußern soll. hierauf wurde die Vernehmung des Angeklag- SL wS, ® L6 fortgesetzt. Der Angeklagte fa^k feine mr den letzten Verhandlungstagen ge- dahin zusammen, daß nach seiner Meinung wegen seiner Beteiligung an dem Meter über Südschweden, lieber Deutschland, das von der Südseite der Störung beeinflußt wird, kommt es infolgedessen vielfach zu Niederschlägen und stärkerer Bewölkung. Die Wetterlage wird weiterhin durch das Druckfallaebiet beherrscht, und zwar gelangt sie unter den Rückseiteneinfluß. Somit strömt kalte Luft unserem Gebiet zu, und unter Temperaturrückgang nimmt die Witterung einen unbeständigen Charakter an. Niederschläge treten ebenfalls noch auf, jedoch gehen sie mehr in Schauer über. Wettervoraussage für Mittwoch: Kühles und unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, vorübergehend auch aufheiternd, noch Regenschauer. Wettervoraussage für Donnerstag: Aebergang zu ruhigerem Wetter, teils wolkig, teils aufheiternd, leichte Erwärmung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 3. Juni: mittags 23,0 Grad Celsius, abends 15,6 Grad Celsius; am 4. Juni: morgens 14,2 Grad Celsius. Maximum 24,1 Grad Celsius. Minimum 12,6 Grad Celsius. Riederschlag 9,6 Millimeter. Sonnenscheindauer 2Va Stunden. Amtlicher Reisewellerdienst der öffentlichen Wetterdienststelle Gießen. Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern warmer Tag, regnerisch; heute morgen 13 Grad Celsius, Windstille, Regen. — (Berchtesgaden): Gestern warmer Tag, regnerisch; heute morgen 13 Grad, Nordweftwind, wolkig Küste (Westerland auf Sylt): Gestern kühle Rocht, veränderlich mit Schauern; heute morgen Grad Nordweftwind, wolkig. — (Swinemünde): gestern schwul, meist trübe; heute morgen 12 Grad, Sudwestwind, wolkig. — (Borkum): Gestern kühle Jladjt, veränderlich mit Schauern; heute morgen 10 Grad, Nordwestwind, wolkig. Baden (Baden-Baden): Gestern schwül, Wet- ter schlechter geworden; heute morgen 11 Grad, T^estwind, Regen. (Triberg): Gestern milde Bacht, Wetter schlechter geworden; heute morgen 10 Grad, Westwind, Regen. (Freiburgk Gestern schwül, teils heiter, teils wolkig; heul» morgen 16 Grad, Rordostwind, wolkig. heingebiet (Köln): Gestern vorherrschend werft trübe; heute morgen 13 Grad. Sitz- Westwind. wolVg. Landwirtschaft einen ausreichenden Zollschuh zu gewähren. 2lbg. Frau Weber (Zentr.) verlangt größere Förderung des deutschen Gemüsebaues, um die Einfuhr aus dem Auslande auf diesem Gebiet einzudämmen. Minister Dietrich: Die Regierung hat nicht etwa beschlossen, die ganzen Fragen bis zum September zurückzustellen, sondern zunächst über die Fragen des Brotgetreides einen Ausschuß zu berufen, der zu meinen Vorschlägen Stellung nehmen soll. Bevor der Reichstag auseinandergeht, soll auch er zu diesen Fragen Stellung nehmen. Dagegen sind gewisse Dinge, in denen die Regierung handelsvertraglich gebunden ist, zur Entscheidung im gegenwärtigen Moment noch nicht reif. Diese Fragen sollen geprüft werden im Zusammenhang mit dem großen Problem: Wie stellen wir unsere Wirtschaftspolitik ein auf das Ergebnis der Pariser Verhandlungen? Im Zusammenhang mit diesem Problem, für das eine Sondertagung im September vorgesehen ist, muh auch die Entscheidung über die erwähnten landwirtschaftlichen Fragen fallen. 2lbg. Haag (DntL) verlangt größere Förderung der Bienenzucht und Hilfe für den Weinbau. 21bg. Lind (DntL) beantragt erhöhte Mittel für Absatzförderung. 2lbg. Hanse (Chr.-Nat. Bp.) wünscht Maßnah- men zur Hebung des Obst- und Gemüsebaues und der Bienenzucht. Damit schließt die Aussprache. Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Ernährungsminister wird in einfacher Abstimmung gegen die Antragsteller abgelehnt. Die Ausschußentschließung, die erforderliche Relation zwischen Lebendvieh- und Fleischzöllen herzustellen, wird mit den Stimmen der Rechtsparteien und des Zentrums angenommen. Damit ist die zweite Lesung des Landwirtschaftsetats beendet. Sie vier Getöteten find: Anteroffizier Franke. Obergefreiter Milde, Fahnenjunker Förster iURL^Cn,Un£r Severak, sämtlich bon der 1. GStabron. a?on icir Leichtverletzten ist einer £Cr geblieben, die anderen wurden tm Garnisvnlazarett Königsbrück aufgenommen ^r$«#Cnnb Sanitätsmannschaften waren lofort zur Stelle. Nach kurzer Zeit erschien ferner ein Hilfszug sowie verschiedene Feuerwehren an der Anfallstelle. Der Betrieb wurde nur wenige Stunden unterbrochen. Der Präsident der Reichsbahndirektion. Dr. Kluge war ebenfalls an der Anfallstelle anwesend. ' Aus aller Wsti. Prolestschließung der Kinos in Bayern. Versammlung des Vereins bayerischer Lichtspieltheaterbesiher in München wurde öte Protestfchließung der Theater Ven ^'?Ä^6baren Lustbarkeitssteuer" be° Termin der Schließung wurde der 14. -Juli festgesetzt. Sprengunglück beim Zugspihbahnbau. ® 41 ^?uni. (WTB. Funkspruch.) Q3etm bohren von Sprenglöchern in einem Sun» E der tm Bau befindlichen Zugspitzbahn fhefj man auf einen alten, noch nicht entladenen Schuß, welcher explodierte. Ein Arbeiter 6e totet, drei schwer verletzt, einer tarn mit leichteren Verwundungen davon. Einer spateren Meldung zufolge ist der Arbeiter P e - terskofertin Krankenhaus von Garrnisch fei- Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Ein weiterer Arbeiter schwebt noch in Lebensgefahr. Spafe Aufdeckung eines Mordes. Der Kriminalpolizei in U l m ist es gelungen M -m vergangenen Herbst ausgeführten zDcotb anfzndecken. Wie verlautet, hatte der Anlecheablofungsgeschäft gegen ihn höchstens eine Ordnungsstrafe verhängt werden könnte. Da aber Die von ihm veranlaßten Ablösungsanträge wieder zurückgezogen worden seien, komme auch eine Ordnungsstrafe nach seiner Ansicht nicht in Be- tracht. Der Angeklagte Schneid stellte entschieden in Abrede, daß er die Anleihestucke nach Stempeln ober anderen Merkmalen geordnet habe. Es wäre eine Unwahrheit, wenn Groß behaupte, keine materiellen Interessen an der Sache gehabt zu haben. Seiner, Schneids Ansicht nach hätten Groß nur materielle Beweggründe bei dem Geschäft geleitet. Auf die Frage des Staatsanwalts an den Angeklagten Groß, ob Nothmann ihm mitgeteilt habe, daß auch Stinnes davon unterrichtet gewesen ei, daß Neubesitz als Altbesitz angemeldet werden oUte, antwortete der Angeklagte, dies sei nicht der Fall gewesen. Rechtsanwalt Wygodzinski stellte entgegen einer Behauptung des Angeklagten Groß fest, daß der Angeklagte Hirsch bestreite, von Groß 500 Mark bekommen zu haben. (Priv.-Tel.) Die Führer ... fn 111 d)60 Spitzenorgani- f a 11 o n e n haben gestern an den Reichsernährungsminister Dr. Dietri chein Schreiben gerichtet, in bem es heißt: Am 20. März haben wir der Reichsregierung Vorschläge für eine Ueberroinbuna ^^O.enwärtigen Agrarkrise unter“ breitet Seitbem finb über zwei Monate verflossen ohne baß die Reichsregierung etwas über bas Gr« gebms ber uns in Aussicht gestellten Prüfung um ferer Vorschläge hat verlauten lassen. Inzwischen habe sich die Lage außerordentlich oer- 2a5 Schreiben schließt mit ber bringen- den Bitte an den Minister, durch eine entschlo . ! ene Initiative noch vor der neuen Ernte die m unmittelbare Nähe gerückte Gefahr einer Katastrophe abzuwenden. Um 21.15 Uhr vertagt sich das Haus auf Dienstag. Der Reichsverkehrsminister über die Reichsbahn. Berlin, 3. Juni. (VDZ) In der heutigen Sitzung des Haushaltsausfchusses des Reichstages erklärte Reichsverkehrsminister Dr. Stegerwald, daß die künftige Stellung der Reichsbahn sich in den nächsten Tagen entscheide. Die Reichsbahn müsse aus der internationalen Umklammerung heraus. Der Minister gibt die gegenwäriigenD elastun- gen der Reichsbahn für politische Zwecke auf 11OO Millionen an. Für die Zukunft schwanke die Belastung zwischen 645 und 660 Mil- lwnen Mark. Der an den 1100 Millionen noch fehlende Rest sei eine innerdeutsche Angelegenheit. Der Minister fuhr dann fort: Wir müssen uns allseitig klar werden, daß die deutsche Wirt- schafts- und Finanzpolitik durch die Pariser Vereinbarungen sich vor eine gründliche Reuorientierung gestellt sieht. Sie muß sich jetzt darauf einstellen, daß wir für viele 3ahrzehnte jährlich zwei Milliarden Mark an die Siegerffaafen abzuführen haben. Im laufenden Jahre rechnet die Reichsbahn mit einer Einnahme einschließlich der Deförderungssteuer von 5,7 Milliarden die Reichspost mit 2,6 Milliarden Mark. Insgesamt dürfte die deutsche Volkswirtschaft für die Beförderung von Menschen, von Rachrichten unö von Gütern jährlich 11 bis 12 Milliarden Mark verausgaben, d. L etwa der sechste bis liebte Teil des deutschen Volkseinkommens. Anter den Verkehrsmitteln steht an Bedeutung die Reichsbahn an erster Stelle. Ihre Lage ist gegenwärtig wenig befriedigend. In der ^.arifpolitik steht die Reichsbahn gegenwärtig vor folgender Situation: Die Massengüter finb seither relativ billig befördert worden, wäh- Tenö für die übrigen Waren gemäß dem geltenden Werttarifshstem die Frachten erheblich höher hegen. Ein nicht geringer Teil der letzteren Waren wandert immer mehr ab von der Schiene )um Lastkraftwagen, so daß die Massengüter schließlich mehr und mehr zur Haupteinnahme- quelle werden. Auch die A n l e i h e p o l i t i k Der Reichsbahn hat seither mit großen Schwierig- teiten zu kämpfen. Wenn die Reichsbahn in noch ftarterem Blaße ein Förderungsinstrument der deutschen Wirtschaft werden soll, so ist das meines Erachtens nur auf zwei Wegen möglich: enttoeber bfe Reichsbahn muß stärker von den Politischen Verpflichtungen entlastet werden, oder es müssen für besondere wirtschaftliche und nationale Zwecke, die ich persönlich für notwendig halte, Zuwendungen aus Reichsmitteln gemacht werden. Daneben müssen aber auch die Voraussetzungen geschaffen werden für eine wirtschaftliche und tragbare A n l e i h e p o l i t i k großen Stils. Dabei handelt es sich aber, auf lange Sicht ge- jeyen, nicht um einige Hunderte von Millionen Wadern um mehrere Milliarden Mark'. Ein dringender Appell der Landwirtschaft. m Söflingen bei Ulm ansässige 40 Jahre alte Tage, whner Schöneg seinen 34 Jahre alten Brubek ermordet und die Leiche im Garten vergraben. Am Montagnachmittag wurde durch Gerichtspersonen die Leiche ausgegraben und der Täter verhaftet. Er hat die Tat e i n g e st a n d e n. Der Täter lebt getrennt von feiner Frau. Die Motive zur Tat sind noch nicht geklärt. 24 Verletzte bei einem Grubenunglück. Kohlfurt, 3. Juni. (WB.) Auf dem Braun- kohlenbergwerk „Stadt Görlitz" ist heute früh auf der Grubenbahn ein von einer Lokomotive gezogener Personenwagen auf einen vollen Kohlenzug aufgefahren. 24Personen wurden verletzt, davon fünf schwer. Anter den schwerer Verletzten befindet sich auch Dergwerksdirektor Strangfeld. Lebensgefahr besteht bisher bei keinem ber Verletzten. Heber die Arsache des Anfalls' wirb bie Antersuchung noch Klarheit ergeben. Paris, 3.Juni. (TA.) Die außerordentliche! Stratzenbahnunglück in Prag. Hartnäckigkeit, mit der Belgien seinen Stand- ®in s ch w eres Stratzenbahnunglück punkt in der Frage einer S on d e re n t sch ä- I ereignete sich am Montag vormittag in der digung in Höhe von jährlich 25.Mil- Prager Dorstadt Zizkov dadurch, datz auf lionen Mark, für die seinerzeit von Deutsch- ejner abschüssigen Strecke ein Triebwagen der land in Belgien zurückgelassenen Gelder, verficht, Straßenbahn an einer Haltestelle gegen den Anfällt allmählich überall auf die Rerven. Die Hal- Hänger eines voraussahrenden Strahenbahnzuges tung der Alliierten in dieser Frage ist aufprallte. Die Plattform des Anhängers wurde jedvch, wie betont werden muh, nicht ein- eingedrückt und sämtliche Fensterscheiben zer» hei 1 lich, ba nur Frankreich den belgischen I trümmert. 16 Personen wurden oer» Standpunkt in der Markfrage ganz unterstützt, letzt, darunter fünf schwer. Rach Angabe von Beträchtliches Befremden hat auch das Derhal- Augenzeugen hat der Führer des Triebwagens ten der französischen Presse erregt, die der bel- I Fahrzeug, das ins Gleiten gekommen war, gifdjen Regierung in der Markfrage mehrfach trotz rechtzeitigen Gebrauchs von Bremse und durch die Behauptung den Rücken zu stärken ver- Sandstreuer nicht aufzuhalten vermocht. fiK^te, 6 a d) t habe eine Entschädigung von Dootsunglück auf der Flensburger Förde Kreise Eupen und Mal- Flensbura 3 mebh abhängig gemacht. o 1 e n s o u r g , d >>uni. (WB.) Zwischen Dieses Verhalten ber franxnfifdion -sipronrttmn Meierwik und Glucksburg kam ein Boot, in bem unb ihrer Presse bürste, wie de?Ver^ete/be^ Gärtnereigehilfen ^fanden zum Telegraphen-Anion von gut unterrichteter Seite »/ZpnVh ^ner ber 3nfaHeni Ä °Uf @rtoä9m9e" 3«rüd8ufü6ten fein, di- Lke7 Zn ÄL sind^-r^ 'r-nzöslsch-n Borbereifung ber (Enbtöfung beo Saarproblems hochosenexplosion. zufammenhangen. Frankreich wünsche, durch das Moskau, 3. Juni. (WTD. Funkspruch.) Del zwingen einer Sonderregelung ber einer Hochofenexplosion in einem Hütten- -Uiartfrage einen ausdrücklichen Tren- werk in Dorbecken verbrannten drei Ar- nungsstrich zwischen den im Youngplan ge- beiter, 10 wurden schwer verletzt regelten allgemeinen Reparationsverpflichtungen Deutschlands und angeblichen Sonder- verpflichtungen zu ziehen, die Deutschland außerdem zu erfüllen habe. Dqmit würde nach französischer Ansicht ein Präzedenzfall ge- Raffen, der auch in künftigen Fällen S on de rabmachungen zwischen Deutschland unb seinen Reparationsgläubigern (insbesondere zwischen Deutschland unb Frankreich in der (Saarfrage) außerhalb des Rahmens des Youngplanes zuliehe. Da bei ber für 1935 in Aussicht genommenen Abstimmung über bie staatspolitische Zugehörigkeit bes Saargebiets die Bevölkerung auch nach französischer Meinung sich in ihrer überwältigenden Mehrheit f u r De u tsch lanb aussprechen werde, würde e_8 für Deutschland dann notwendig werden, die Saar kohlen gruben mit besonderem Kapitalaufwand zurückzukaufen, die bekanntlich als erste Anzahlung auf die von Deutschland geschuldeten Wiedergutmachung der Kriegsschulden pureb ben Friedensvertrag in das Eigentum des französischen Staates übergegangen sind. Werde die belgische Markforderung im französischen Sinne außerhalb des Young- planes geregelt, dann könnte Frankreich für die Saargruben eine ähnliche Sonderregelung verlangen und Widersprüche von alliierter Sette wegen Schädigung der Sicherheit des Young-Planes durch einen Hinweis auf diese Vorentscheidung entkräften. 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Des v in einem Hütten- unten drei c verletzt. vcrMidco Orte ®'' W"* UCS ussage. »-»EL? fe’SZ erung ein» fflHl W St über. : Lllfeinb wolkig^ -chÄ-"^ Se SA1 15,6 . $aw drad Celil^ @ra) Minimum? 'eonn(I? Mmeter SS*, tenlir-hen>' 13 0td erisch- ' ,.d. ltig- . Gestern J Syl»: JJt morg L-7K-S brtum)-ye n^‘ auer"' T-'Ä-S S- KL Epoltt! t'Al oorOTft SeßeNl mit 34,80 bis 34,85, Kabel gegen Ber- verwerten. Berliner Börse. Mietgesuche Gasherds AUF IN DEN Stellenangebote Polack- Reifen. de« un- NvllsMell oller Alk naeroönfffi AusslolNing ffllrcln u.vrelswm öle BrühiW UnlQ.-DruflereL R. Longe. Gietzen. SLulltt.7. an 53s» wtiä Wahlbeteiligung statt. Es stimmten mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten ab. Gewählt Junger Mann lun- kündbare Stellung' juckt ein kleines 3 i nt nt e r Mausardenztmmer nicht ausgeschlossen!. Schrisil. Angeb. mit Preisang. unt. 03519 an den Gien. 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Anschließend spielten Frau Dr Fischer (Flügel) und Herr Bauer (Violine) das Adagio aus der Sonate Opus 30 Ar. 1 don Beethoven. Mit einem Präludium und dem Choral Jesus meine Zuversicht" fand die Gedenkstunde für Prof. Dr. Krausmüller ihren Abschluß. Talen für Mittwoch, 5. Juni. Sonnenaufgang: 3.46 Uhr, Sonnenuntergang: 20.10 Uhr: Mondaufgang: 2.27 Uhr, Monduntergang: 17.36 Uhr. 754: Bonifatius, der „Apostel der Deutschen , bei Dockum von den Friesen erschlagen (geb. um 675). _ 1599: Der spanische Maler Don Diego Delazgucz in Sevilla geb. (gest. 1660). — 1826: Der Komponist Karl Maria v. Weber in London gest. (geb. 1786). Gietzener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200, Maite 30 bis 35, Wirsing 20 bis 25 Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 20 bis 25, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 20 bis 2o, Spa^ ael 30 bis 80, grüne Erbsen 40 bis 50 Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 80 bis 120, Zwiebeln 15 bis 20, Schwarzwurzelt^^ts^O^habarber Mion zum Reinigen der Geschäftsräume fo> fort gesucht. 4974 E Herz & Co., Bankgeschäft. 15 bis 20, Kartoffeln (alte) 6, Kartoffeln (neue) 20 bis 25, ausländische Aepfel 45 bis 70, Dörr- obst 35 bis 40, Kirschen 60 bis 80, Stachel« beeren 45 bis 50, Erdbeeren 150 bis 200, Aüsse 70 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Tauben 70 bis 90. Eier 12, Blumenkohl 70 bis 150, Salat 10 bis 25, Salatgurken 50 bis 100, Ober-Kohlrabi 20 bis 25, Lauch 10 bis 20, Rettich (neue) 20 bis 30, Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück: neue gelbe Rüben 20 bis 25, Radieschen 15 bis 20 Pf. das Bund: Kartoffeln 5 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Pata- chon als Detektive". Die hessischen Schulen und der Versailler Bertrag. Der hessische Mim« ster für Kultus und Bildungswesen hat an die Schulleitungen folgende Bekanntmachungen gerichtet: Am 28. 2uni jährt sich zum zehnten Male der Tag der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages. Angesichts der Bedeutung dieses Vertrages, der ja in ebenso nachhaltiger Weise wie die Reichsverfassung das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben des deutschen Volkes beeinflußt, empfehle ich, daß am 28. Juni in den Schulen in irgendeiner Form die deutsche Jugend auf die Bedeutung des Versailler Vertrages, auf feine Entstehung, seinen Inhalt und seine Folgen hingewiesen wird. . •• Personalie. Ernannt wurde am 7. Mai der Kriminalinspektor bei der Staatsanwaltschaft in Mainz, Friedrich Lehr, zum Kriminaloberinspektor bei der Staatsanwaltschaft in Gießen. AusdemGießenerStandesamts- register. Es verstarben in der Zeit vom 16. bis 31. Mai: 17. Helmut Peter Hermann August Jockel, 7 Jahre alt, Marburger Straße 40. 17. Johannes Eusebius Kumpf, Bäckermeister, 63 Jahre alt, Walltorstraße 7. 18. Ludwig Kratz, Weichenwärter, 47 Jahre alt, Frankfurter Straße 134. 18. Elisabethe Etling, geb. Schäfer, Witwe, 75 Jahre alt, Wolfstraße 13. 20. Marie Katharine Schäfer, geb. Combecher, 69 Jahre alt, Dammstrahe 39. 21. Karl Jakob Heinrich Schlaudraff, Dergvcrwalter i. R., 51 Jahre alt, Bückingstrahc 5. 21. Julie Roese, geb. König, Witwe, 66 Jahre alt, Ludwigstraße 52. 22. Maria Schneider, geb. Drauzberg, 44 Jahre alt, Hinter den Schiehgärten 25. 22. Emma Wallenfels, geb. Huesmann, Witwe, 74 Jahre alt, Südanlage 22. 22. Heinrich Georg Gerbig, Oberpostschasfner i. R., 86 Jahre alt, Am Riegelpfad 46. 22. Franz Holterhoff, Kaufmann, 72 Jahre alt, Selters- weg 20. 23. Professor Dr. Georg Krausmuller, Oberstudienrat, 58 Jahre alt, Bergstraße 21. 23 Franziskus Pius Sack. Kaufmann, 51 Jahre alt, Reuen Däue 17. 24. Friedrich Keller, Fuhrmann. 69 Jahre alt. Schiffenberger Weg 33. 25. Hieronymus Heinrich Hettler. Konditormeister und Kaffeehausbesiher. 68 Jahre alt. Frankfurter Straße 1. 27. Albert Gürtler, Eifenbahn- sekretär i. R., 67 Jahre alt, Wilhelmstrahe 36. 27. Katharina Klingelhöfer, geb. Löber, 79 Jahre alt, Crednerstraße 10. 28. Philipp Römer, Post- assistent, 60 Jahre alt, Steinstrahe 14. 30. Karl Ludwig Ernst Petri, Lackierer, 61 Jahre alt, Plockstrahe 14. 30. Marie Steudel, geb. Heidelbach, 29 Jahre alt, Am Kugelberg 73. ' Bund „Haus und Schule". Am Freitagabend fand im Johannessaale die übliche Monatsversammlung statt. Während an den seitherigen Vortragsabenden vorzugsweise Fragen der Erziehung und Religion behandelt wurden, trug der diesmalige Familienabend mehr künstlerischen Charakter. Frau Dr. Fischer leitete ihn mit einem Solovortrag auf dem Flügel ein, worauf Fräulein Stammler zwei Lieder saug. Den Mittelpunkt des Abends bildete ein Vortrag des Amtsgerichtsrats Gros, Gießen, der „Ernstes und Heiteres" aus seinen Schriften brachte. Hierbei zeigte sich wiederum, welch feinsinniger Beobachter von Land und Leuten unserer Heimat der Redner ist. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, die Kunst seiner Schilderung oder die Kunst seines Vortrags. „Der Daum im Ohmtal" und „Ich muß hinaus" trugen ernsten Charakter. Ihnen folgten Darbietungen heiteren Inhaltes. „Die alten Leute im Vogelsberg", die Schilderung eines Essens in einem Provinzstädtchen Oberhessens und ..Der Großherzogliche Dompfaff" waren voll köstlichen Humors und erregten die Lachmuskeln der Anwesenden. Zwei Gesangsvorträge von Fräulein Stammler und ein Klaviervortrag von gesprochen und unbeanstandet angenommen. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 228 295 Mark ab. Die Umlagen des Kreises sind, wie im Vorjahr auf rund 100 000 Mark festgesetzt worden. Von den Gebäuden werden 3,5 Pfennig, von den land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken 7,5 Pf. pro 100 Mark Steuerwert, vom Gewerbe-Anlagekapital 8 Pf. bzw. vom Ertrag 40 Pf. Steuer erhoben. Den gewerblichen Fortbildungsschulen werden 800 Mk. überwiesen. Zur Förderung des Obstbaues und der Viehzucht sind je 1000 Mark eingestellt. An Prämien für Faselhalter werden 500 Mk. verteilt. An die Gemeinden, die Prämiierungsmärkte veranstalten, werden 800 Mk. gezahlt, für die Jugendherbergen 320 Mk. Die vom Kreis unterstützte Kadaververwertungsanstalt erfordert einen laufenden Zuschuß. Das Kapitel „Wohlfahrts- pflege, Gesundheitswesen, Jugendfürsorge" erfordert etwa 64 000 Mk. Kreiszuschuß. Aus dem schriftlichen Bericht des Kreisarztes über feine Untersuchung an den Schulkindern ging hervor, daß der Gesundheitszustand der Kinder im Kreise zu wünschen übrig läßt. Die Untersuchung der Kinder soll auf alle Schulen des Kreises ausgedehnt werden. Im Anschluß an die Tagung fand im „Hess. Haus" ein gemeinsames Essen statt, bei dem Kreisdirektor Dr. Jann auf Vaterland und Heimat sprach und Lehrer Ltnck den neuen Kreisdirektor herzlichst begrüßte. Landkreis Gießen. * Lang-Göns, 3. Juni. Unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Einwohnerschaft und der näheren, Umgebung wurde gestern unser neu erbautes Gemeindehaus feierlich eingeweiht. * Climbach, 3. Juni. Dieser Tage feierte der weithin bekannte und beliebte Förster i. R. Severin Leyerer von hier in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 2. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde ihm als Veteran von 1870/71 vom Herrn Reichspräsidenten ein herz- liches Glückwunschschreiben nebst Bild mit eigenhändiger Unterschrift übersandt. Außerdem gingen ihm noch zahlreiche Geschenke und Glückwünsche aus nah und fern zu; von dem Man- dolinen-Klub Climbach-Treis wurden einige sehr schön gespielte Konzertstücke vorgetragen: der Wanderführer des Klubs, Herr Ludwig Stein von hier, beglückwünschte und feierte den alten Herrn in einer kurzen Ansprache. Herr Leyerer stand bis zu seiner vor fünf Jahren erfolgten Pensionierung nahezu 50 Jahre als Förster im Dienste der Freiherrn von Rordeck zu Rabenau, und es hat sich während dieser langen Zeit ein überaus herzliches Verhältnis zwischen ihm und seiner Herrschaft herausgebildet. I. Hungen, 3. Juni. Zu dem heute dahier abgehaltenen Schweinemarkt waren 314 Ferkel aufgetrieben, und zwar etwa 190 Stück von Händlern und 124 Stück von Landwirten. Cs kosteten 6 bis 7 Wochen alte Ferkel 35 bis 42 Mark, 7 bis 8 Wochen alte 43 bis 50 Mark, 8 Wochen alte und darüber 51 bis 65 Mark. Der Handel war gut, so daß die Bestände nahezu geräumt wurden. Kreis Büdingen. * Ridda, 3. Juni. Der Streik der hiesigen Maurer ist beendet. Es wurde ihnen ein Stundenlohn von 1,04 Mk., rückwirkend vom 1. Mai an, bewilligt. * Unter-Schmitten, 3. Juni. Hier feierte dieser Tage die älteste Bewohnerin unseres Dorfes, Katharine Elisabethe Diehl- mann, Witwe des Landwirts Konrad Diehl- mann I., ihren 9 0. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden der allseits geachteten Frau zahlreiche Glückwünsche entgegengebracht. Sie ist noch verhältnismäßig rüstig und besitzt ein vorzügliches Gedächtnis bei großer geistiger Frische. g. R i e d e r - M o ck st a d t, 3. Juni. Durch den Tod unseres Bürgermeisters Bernhardt war Reuwahl desDürgermei st ers nötig geworden. Diese fand am Sonntag unter großer H-Zimer- Wohnung in auter Lage gesucht. Schr. Angeb. u.03517 an den Gien. Anz. Aueinnehende altere Tarne iBeamten- rottroe) sucht 1-2 Zimmer mit Slilüe ob. 2 Zimmer mir Kochgelegenheit. Schr. Angeb. u.03518 an d. Gieß. An», erb. tandeta bas perfekt kochen kann, fofort gesucht. 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Er führte etwa folgendes aus: Als wir die Rachricht von dem plötzlichen Ableben unseres langjährigen Vorsitzenden erhielten, da wollten und konnten wir es nicht glauben, daß dieser Mann im besten Mannesalter, dieser Mann der Arbeit, der nur den Dienst an der Allgemeinheit, nur Arbeit für andere kannte, dahingegangen sein sollte. Aber wir muhten Abschied nehmen. Seit über 30 Jahren verbindet mich eine enge Freundschaft mit dem Dahinge- gangenen. Ich habe ihn fennengelernt als einen wahrhaft national, liberal und sozial denkenden Mann von fester Lebensauffassung und politischer Weltanschauung. Ein Schwanken und Zweifeln gab es bei unserem Freunde Krausmüller nicht. Die Rachrufe, die ihm gewidmet worden sind, geben ein deutliches Zeichen von seiner Wertschätzung als Mensch. Diese Wertschätzung überbrückte die politischen Gegensätze, warme Worte der Anerkennung widmeten auch die politischen Gegner dem Verstorbenen. Ja, als Politiker und als Mensch war unser Professor ein treuer und kluger Haushalter. Die höchste Genugtuung und Freude bereitete es ihm, wenn er für andere etwas erreicht hatte. Mit diesen Charaktereigenschaften, mit dieser Lebensauffassung war er der berufene Führer unserer Partei. Ein Parteimann im besten Sinne des Wortes, wurde er schon in jungen Jahren in der Partei in führende Stellen geschickt. Seine Ruhe und fein sicheres Urteil befähigten ihn, bei schwierigen Verhandlungen als Vertreter unserer Partei aufzutreten. Auch nach dem Umsturz im Jahre 1918 stand seine Persönlichkeit sofort wieder im Vordergrund. Sein Wunsch, auf fester und breiter Grundlage das nationale Bürgertum im Reiche zu einigen, blieb leider unerfüllt. Fest hielt er an den Idealen der alten Nationalliberalen Partei und unter seiner Führung haben wir hier in Gießen mit als erste eine Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei gegründet. Der liberale Geist, das Streben nach innerer Freiheit, der Wille, der Einzelpersönlich- fett freie Entwicklung auf allen Gebieten zu ermöglichen, das waren die Leitsterne, die bis zum Tode über dem Lebensweg von Prof. Kraus- müller leuchteten. Das Verständnis für Andersdenkende ließ ihn den Ausgleich suchen und Ge- gensähe überbrücken. Bei allen Urteilen, die er zu fällen, und bei aller Arbeit, die er zu leisten hatte, war stets die Gesamtlage für ihn maßgebend. Weniger das Grundsätzliche als vielmehr das Rotwendige stand für ihn im Vordergrund. In unserem verstorbenen Freunde waren alle die guten Eigenschaften der Bewohner seiner obcrhessischen sjeimat vereinigt. Er liebte Volk und Heimat, ihnen galt auch seine ganze Arbeit. Sein Lebensbild steht vor uns als das eines Mannes, der nur ein Vorbild sein kann, der deutschen Geist als Geist des Schauens und zugleich des Schassens ersaßt hat. Diesem Vorbild wollen wir nacheifern und in feinem Sinne wollen wir an seiner Deutschen Volkspartet weiterar- Wl 6 bis 7 Zimmer, mit Zubehör, Bad usw., in rubiocr Lage, für fofort ob. spater gesucht. Schr. Ang. u. 49661) an den Gien. Anz. Suche eine 4-6-Zimmer- Wohnung f. 1.Juli. evtl, auch später. Schr.Ang. u. 03516 a. b. Gieß. An». Sparen Sie Zeit, Krall and Geldf Erwerben Sie für Ihre Erholung- und Beruft- führten nur an hodrvertiget Mifa-Qualitätsrad. Mila-Räder — die Freude eines jeden Kenners — von 64 M an. Verlangen Sie kostenlot unseren tedinisdi sehr lehrreichen Katalog. — Bequeme Teilzahlung. Putzfrau gesucht 03532 Seltcröwcg 3(> _______iLabem. Anständiges, jung. Mädchen für 15. 6. gesucht, evtl, sofort 03514 Kaiierallee 85, Ehrliches, tüchtiges Mädchen »um 15. Juni für kleinen Haush. gef. 3rau Prof. Cermak Viebigitr. 86. ms» nur bewährte Marken. Sparsamster Gasverbrauch. Infolge bester Er- fahrungen bei vor- genommen. 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Juni, nachm. 21 /, Uhr, statt. 4956D 4979D 4957 D 1074V weg 79 a 4978V Erbitten un» | Verkäufe halber beben 4973D eines Stium mer/lv unö G, 4954D tunger ernster Von gründ« Z. Zt. Gießen (Gr. Steinweg 7), den 3. Juni 1929. ^ngen 49760 430000 150000 geblük dollen Änfanj leit be Stcucn Marc kleinen Anssi' loticru Eründi gen, b man flaltenei Jas @ auf be! örtert. Cntwui Mede< auch schiede es da tikels dessen daß k Kriege tralmä wakei), renz versas Leid' zwar 6 lSt.Sk sloteal« floaten Aepc mali float Marc Wieg darin, rich/e nvmmei teurde jott dem Allmächtigen hat es gefallen, {Deinen lieben, unvergeßlichen Mann, meinen guten treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel 'oppellos löchitgew. ZüumnilstofleN f Hygieniscbe Artikel > sämtliche Gummiwaren (Drogerie Winterholf) \ Kreuzplatz 10 J ^kAbt. Hygiene Taghelles Licht durch die starken Scheinwerfer mit Fußhebelabblendung. Fordern Sie illustrierte Literatur. Machen Sie eine Probefahrt. 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PERSONEN-, LAST- und LIEFE RWAG E N eb Berlin-Borsigwalde. Günstige Bedingungen nach dem General Motors Zahlungsplan Montag, den 3. Juni 1929, ist meine liebe Frau, unsere unermüdlich und treusorgende, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Katharine Müller Leb. Zulauf im 71. Lebensjahre, nach langem, in großer Geduld getragenem Leiden, still und getrost in Gott heimgegangen. | Empfehlungen | Schokoladenhaus Weihl Aeltestes Spezialgeschäft am Platze jetzt: Selters weg 50 «Ecke Wolkengassel empfiehlt [UbaD Schokoladen Pralinen Hofe u. in Packung) in jeder Preislage nur erste Fabrikate Keks, Tee Kaffee in la Qua11täten. Heute morgen entschlief nach kurzem, schwerem Leiden, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter FrauElisabethKlose geb.Noll im 66. Lebensjahr. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Vater und Großvater Herrn Johann Ant. Wagner nach längerem schweren Leiden im Alter von 74 Jahren heute vormittag 3 Uhr in ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Weil III. Wwe. Lang-Göns, den 3. Juni 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, 5. Juni, nachm. I1/, Uhr statt. Herr Ludwig Schäfer, Landwirt nach längerem, mit großer Geduld getragenem Leiden, am Sonntagabend 6l/i Uhr im Alter von 66 Jahren zu sich zu rufen, möglich, den 6-Zylinder-Chevrolet zum Preise eines gewöhnlichen Vier auf den Markt zu bringen. Jetzt gewährt Ihnen der Motor mit hängenden Ventilen 32°/o mehr Kraft und daher größere Geschwindigkeit; die Beschleunigerpumpe am Carter- Vergaser gibt überraschend schnellen Anzug. Dank den hydraulischen Love- joy-Stoßdämpfern — bisher das Attribut teurer Luxuswagen — spüren Sie keinerlei Erschütterungen. Die neukonstruierte Vierradbremse gibt Ihnen höchste Sicherheit. Am 30. Mai starb mein lieber Mann, unser guter Bruder Louis Petri V. Die Beerdigung fand in der Stille statt. Gleichzeitig danken wir herzlich für den Trost und die Kranzspenden, die uns anläßlich des Hinscheidens unseres lieben Entschlafenen zuteil wurden. Im Namen der Hinterbliebenen: Frau Kätchen Petri. Gießen (Plockstraße 14), Fulda, den 4. Juni 1929. ______________________________________________________________________________ - > 1511 Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige Pflicht, ihre A.H. A.H. und A.M. A.M. von dem Ableben ihres lieben A. H. Oberstudiendirektor Dr. Hellwig in Kenntnis zu setzen. ERZEUGNIS DER GENERAL MOTORS Autorisierter General Motors Händler für-Chevroleti Otto Faber, Fahrzeuge, Giehen, Mühlstrabe 22, Telephon 1096. 100000 zu je 25(kK>W 50000 z2u”Äw 40000 ÄT 20000 Lose n 1 RM Doppellose n 2 RM OlUdfsbrieie m. 5 Losen sort. C R a. verseh. Taus. UM ZlMMklSWM zirka 120 Beniner Tragkraft, als An bänger für Zugmaschine eingerichtet, billig verkäusl. Der Wagen tst tn sehr gut. 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Wie unvorsichtig und ungeschickt diese neuerlichen Anfeindungen sind, geht aus der Tatsache hervor, daß die Tschechoslowakei ihr Reparationsproblem überhaupt gar nicht zu lösen versucht hat. Disher wurde über das heikle Thema der tschechoslowakischen Reparations- und Defreiungsschuld beharrlich geschwiegen. Dieses Schweigen hat seinen Grund darin, daß man die ohnehin schon stark übersteuerte Bevölkerung durch Erörterung neuer Steuern und Abgaben, die zur Bezahlung der Reparationen ausgeschrieben werden mühten, nicht kopsscheu machen will. Ab und zu nur wird dieses für die Tschechen unangenehme Thema in kleinen politischen Prager Kreisen erörtert. Die Aussichten, die sich dabei eröffnen, sind nicht rosig. So hat der tschechische Volkswirtschaftler Prosessor Pekar erklärt, daß, falls die Tschechoslowakei bei ihrer großen inneren Staatsschuld auch noch die in die Milliarden von Kronen gehenden Reparationen bezahlen müßte, dies den Anfang vom Ende der tschechischen Selbständigkeit bedeuten würde. Worauf gründen sich nun die so diskret gehaltenen tschechischen Reparationsverpflichtungen? Das Gesamtproblem der Ersatzleistung für die durch den Krieg verursachten Schäden wurde auf der Friedenskonferenz im Jahre 1919 erörtert. Aus dem von Wilson ausgearbeiteten Entwurf vom Februar 1919 über den materiellen Wiederaufbau wurden die Tschechoslowakei und auch Polen wegen ihrer Sonderstellung ausgeschieden. Rach langwierigen Verhandlungen kam es dann zur endgültigen Textierung des Artikels 232 des Versailler Friedensvertrages, dessen Verfasser behaupten, dieser Artikel besage, daß keines der Gebiete, welche während des Krieges einen Bestandteil der feindlichen -Zentralmächte bildeten (wie z. D. die Tschechoslowakei), Anspruch auf Entschädigungen habe. Das „Recht" auf Wiedergutmachungs- sorderungen der Tschechoslowakei wurde erst nach Gründung der Reparationskommission formell im Jahre 1921 anerkannt. Bereits früher aber, und zwar durch die Verträge vom 10. September 1919 (St. Germain, Artikel 208) wurden die Tschechoslowakei und damit auch die übrigen Rachfolgestaaten verpflichtet, an die gemeinsame Reparationskasse denWert der ehemaligen österreichisch - ungarischen staatlichen Güter und Werte auf den ihnenzugestandenenGebietenzuent- richten. Während der Wert dieser übernommenen Güter bisher nicht genau fixiert wurde, wurde lediglich die Höhe jener Reparations- pfiicht, die als Befreiungstaxe bezeichnet wird, festgesetzt. Diese Summe, die völlig in den Reparationsfonds einzuzahlen ist. beträgt 750 Millionen Goldfrancs, d. i. rund 4,8 Milliarden Tschechenkronen. Andererseits wurde der Tschechoslowakei das Recht zuerkannt, auf Grund des Vertrages vom 10. September 1919 bei Bezahlung des Gegenwertes der übernommenen Güter und der Defreiungstaxe im Betrage von 4,8 Milliarden Kronen die Summe der ihr zugefügten Schäden abzuziehen. Wie hoch sich diese Ersatzforderungen belaufen, ist bisher noch nicht festgesetzt worden. Sie können aber bei noch so optimistischem Voranschlag keine in Betracht kommende Kompensation zu dem ungeheuren Minusposten der tschechischen Reparationsschuld darstellen, denn sie betragen gegenüber Oesterreich kaum ein Prozent von der Gesamtsumme, gegenüber Deutschland sind sie noch viel geringer. Das und zahlreiche andere Fragen, wie die Valutafrage, verschiedene Abschätzungsangaben usw., sind noch ungelöste Probleme, die eine genaue Bilanz der Schulden und Forderungen erschweren. 3m folgenden sei der Versuch unternommen, die tschechischen Schulden ziffernmäßig zu erfassen Die gesamte Staatsschuld der Tschechoslowakei beträgt rund 36 Milliarden. Auf die innere Schuld entfallen hiervon rund 25 Milliarden, auf die Auslandschuld 6,7 Milliarden und auf die übernommene Dorkriegsschuld 4,4 Milliarden. Als reiner Schuldposten aus den Friedensverträgen figuriert im Budget bloß der Posten Dorkriegsschuld, 4,4 Milliarden. Hinzu kommen nun noch kleinere französische und teilweise italienische Forderungen und der kleine Rest von übernommenen Dorkriegsschulden mit ebenfalls einer Milliarde, und als Hauptposten der Uebernahmepreis für Eisenbahnen,„ Bahnhöfe usw. mit rund 15 Milliarden und für Post, Postgebäude und für die übrigen Staatsgüter von rund 10 Milliarden. Es ergibt sich also für Befreiungstaxe, Dorkriegsschulden, Eisenbahnen, Post und Staatsgüter eine Schuld an die Reparationskasse von rund 35,2 Milliarden Kronen. Diese Berechnung dürfte sich ungefähr den offiziellen tschechoslowali- schen Taxationen, die natürlich möglichst niedrig gehalten sind, nähern. Es kann aber auch der Fall eintreten, daß die Tschechoslowakei einen weit höheren Betrag für die übernommenen Güter zu bezahlen haben wird, eventuell für Eisenbahnen 25 und für die übrigen Staatsgüter 20 Milliarden, so daß sich die gesamte Repara- tionsverschuldung der Tschechoslowakei auf etwa rund 55 Milliarden Kronen belaufen dürfte. Der Hauptanteil an diesen Reparationen (etwa 40 Prozent) fällt Italien zu. Ein für die Festsetzung des Wertes der übernommenen Güter bei der Reparationskommission errichtetes Eval- vationskomitee arbeitet seit mehreren Jahren an der Aufstellung dieser Wertaufteilung. Die bisherigen Gutachten gehen ziffernmäßig weit auseinander, so daß es noch zu keiner definitiven Beschlußfassung gekommen ist. Die Tschechoslowakei sieht, wie bereits erwähnt, mit Optimismus der Entscheidung über ihre Reparationsverpflichtungen entgegen, da Zusagen von Repräsentanten beteiligter Großmächte vorliegen sollen, daß man der Tschechoslowakei bei den meritorischen Verhandlungen entgegenkommen werde. Am aktuellsten ist die Zahlung der sogenannten Befreiungstaxe, da diese Angelegenheit gewissermaßen ein von den übrigen Reparationssragen unabhängiges Problem bildet. Was die Ersatzleistungen für die übernommenen österreichischen Staatsgüter betrifft, so ist die derzeitige Lage so, daß selbst bei Fixierung der Entschädigungssumme mit der Aufnahme der Zahlungen für eine Reihe von Jahren nicht gerechnet wird, da man in Prag darauf verweist, daß Oesterreich und Ungarn im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten auf längere Zeit hinaus von den Reparationszahlungen entbunden wurden, und solange diese Staaten ihre Reparationsverpflichtungen nicht erfüllen, auch die Tschechoslowakei die Zahlung ihrer Reparationsverpflichtungen nicht aufzunehmen brauche. In Prager Kreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß der Zahlungsaufschub für Oesterreich und Ungarn eine gewisse Garantie dafür biete, daß die tatsächlichen Reparationsplattdeutsches Theater. Von Franz Fromme. Während plattdeutsche Romane und Erzählungen, von Fritz Reuter, von John Brinck» man und ihren Rachfolgern, schon zu unserer Großväter und Väter Zeit aufkamen und Triumphe feierten, ist das plattdeutsche Schauspiel erst in den letzten dreißig Jahren empor- geblüht, ja, erst in der Nachkriegszeit zu seiner vollen Entfaltung gelangt. Wohl hat fich schon Fritz Reuter mehrere Male im Lustspiel versucht; merkwürdigerweise fehlte aber ihm, dem Meister des Humors, die Begabung für die Spannung und Gestaltung des Dramas. Und obwohl Klaus Groths Landsmann und Zeitgenosse Johann Mayer ein ausgesprochenes Talent für die Bühnenschriftstellerei an den Tag legte, ist auch seinen zum Teil recht glücklich erfundenen und ausgesponnenen Lustspielen. Possen und Schwanken nur ein vorübergehender Erfolg zuteil geworden. Die plattdeutsche Bewegung verebbte ja überhaupt im Deutschen Reiche seit 1870/71, in dem der Kamps ums Dasein immer schärfere Formen annahm und immer weniger Menschen die behagliche Muße lieh, sich mit ganzer coeele solchen Bestrebungen hinzugeben, die mit Politik und Wirtschaft nichts zu tun hatten. Was außerhalb der wirtschaftlichen und politischen Forderungen lag, die Pflege der heimatlichen Mundarten und ihrer stillen, der großen Welt entlegenen Dichtung, darnach wurde die Rachfrage in diesem industrialisierten Deutschland immer geringer. Aber gerade unter diesen wenigen, die dafür noch Sinn hatten, erstanden um so echtere und ernstere Dichter, deren Kraft im niederdeutschen Volkstum wurzelte. In ihrer Einsamkeit hat man sie freilich nicht immer zu Lebzeiten erkannt und gewürdigt, und der erste von ihnen, Fritz S t a - venhagen, wäre noch früher und elender zugrunde gegangen als das Schicksal ihm beschert hat, wenn ihm nicht Hilfe von einer Seite gekommen wäre, von der man es am wenigsten hätte erwarten sollen. Der ihn aus den Riede- rungen eines trostlosen Brotberufes herausriß und durch einen namhaften Zuschuß instand setzte, die paar letzten Jahre seines kurzen Lebens, von Rahrungssorgen ungestört, ganz seinem dichterischen Schaffen zu leben, war kein anderer als der Berliner Theaterdirektor B r a h m , der eigentlich Abraham hieß, derselbe, der den großen Skandinaviern und Gerhart Hauptmann ihre deutschen Bühnenerfolge ermöglicht hat. Staven- Hagens Schaffen paßte freilich zu der naturalistischen Richtung der Brahmschen Dühnenkunst; er gibt erbarmungslose Bilder der Wirklichkeit, und so kernig sein Plattdeutsch ist und so echt seine Menschen reden — nur selten hat sein Humor den versöhnlichen Klang, der uns bei Fritz Reuter, John Brinckman oder Johann Heinrich Fehrs mit den Härten des Lebens versöhnt. An den trostlosen Reibungen des Alltags geht in „Mud- ber Mews" die junge Frau zugrunde; noch greller und höhnischer klingt der „Rüge Hoff" aus. Von bedeutenderem Ausmaß ist der Dütsche Michel", in dem der Hebermut des Edelmannes mit dem Trotz des Bauerntums zusammenprallt, ein wuchtiger Wurf voll kraftstrotzender Gestalten und packender Szenen, in denen verschiedene Arten von Plattdeutsch treffend zur Kennzeichnung einzelner Personen verwendet werden. Während Stavenhagen, der Hamburger Sohn mecklenburgischer Eltern, 1906 im 30. Lebensjahre starb, ohne von seinen Landsleuten sonderlich beachtet zu werden, hatte Gorch F 0 ck im Leben und Tode mehr Glück. Auf demselben Eiland, Finkenwärder bei Hamburg, geboren, auf dem Stavenhagen eine trübe Krämerzeit verbrachte, stammt dieser Liebling der Hamburger aus einer Fischerfamilie, die Kinau heißt und noch zwei andere dichterisch begabte Söhne hervvrgebracht hat; Rudl Kinau ist als Verfasser plattdeutscher „Vertelln" nach dem Kriege besonders bekannt geworden. Gorch Fock verbirgt unter seinem derben, oft großspurig auftretenden Hamburgertum eine ernste, heroische Seele, wie man aus seinem hochdeutschen Roman „Seefahrt ist not" und dem plattdeutschen Einakter „Cillh Cohrs" und „Doggerbank" spürt. Am meisten aufgeführt wird seine „Königin von Honolulu", eine feuchtfröhliche Groteske in Hamburger Mundart. Er selbst ist in der Skagerak- schlacht gefallen, den Seemannstod gestorben, den er sich gewünscht hat, und auf einer schwedischen Schäre bestattet, an deren Gestade seine Leiche nach der Schlacht antrieb. Der Insel Finkenwärder entstammt auch Heinrich W r i e d e , der in unverfälschtem „Fink- warder Platt" einige färben» und gestaltenreiche Bauernkomödien geschrieben hat, darunter eines der besten plattdeutschen Lustspiele „Leege Lüd". Alle diese keineswegs unbedeutenden Drama- tifer überragt Hermann Boßdorf, bisher der größte unter den plattdeutschen Dichtern der Kriegs- und Rachkriegszeit. Er ist als Rach- komme flämischer Einwanderer im branbenburgi* cmgelcgenheiten vor Ablauf mehrerer Jahre nicht angeschnitten werden können. Bei jeder Budgetaufstellung wurde bisher dem tschechoslowakischen Finanzminister vorgehalten, daß der Voranschlag nie geordnet erscheine, solange nicht die Frage der Zahlungen an die Reparationskasse, denen man bis jetzt auszuweichen versuchte, einer Erledigung zugeführt wird. Es ist erstaunlich, daß in einem so durch und durch politisierten Staate wie der Tschechoslowakei dieses heikle Thema noch von keiner Partei zum Gegenstände dringender Interpellationen und parlamentarischer Verhandlungen gemacht wurde. Erst jetzt, wo es um die Lösung der deutschen Reparationen und des gesamten Reparationsproblems geht, erwacht das Interesse der tschechischen Presse für dieses Kapitel tschechischer Finanzwirtschaft, allerdings in dem Sinne, daß die Tschechoslowakei — wie die bisherigen Pressekommentare betonen — die Bezahlung ihrer Reparationsschulden rundweg verweigern will, gleichzeitig aber die Alliierten in Paris auffordert, Deutschland keinen Pfennig nachzulassen. Ramentlich die Presse des Ministerpräsidenten fordert energisch die Verweigerung der Schuldenzahlung mit dem Hinweis, wenn ein „geschlagenes" Deutschland Rein sagen könne, dann habe ein Siegerstaat wie die Tschechoslowakei hierzu um so mehr Grund und Recht. Diese Prager Blätterstimmen stellen jedoch nur das schwache Echo des Lärms dar, den die Kleine Entente bei Behandlung von eventuellen Abstrichen schlägt. Bekanntlich haben die Vertreter der auf der Pariser Sachverständigenkonferenz nicht- vertretenen kleinen Staaten wie Südslawien und Rumänien (auch Griechenland und Portugal) formell in Paris dagegen Protest erhoben, daß ihr Anteil an den deutschen Reparationszahlungen gekürzt werden soll. Die Londoner Presse meldete sogar vor einigen Tagen, die rumänische und südslawische Regierung hätten eine Erhöhung ihres prozentuellen Anteiles an den deutschen Reparationen gefordert. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß der Wink zu dieser Attacke der Kleinen Entente auf die Finanzkraft Deutschlands, wie immer, auch diesmal von Prag ausgegangen ist und daß die Tschechoslowakei an Südslawien die Auf- sorderung gerichtet hat, die Interessen der übrigen Kleinen-Entente-Staaten generell in Paris zu wahren. Oder mit anderen Worten: man drückt sich um die eigenen Zahlungen an die Reparationskasse und verlangt von Deutschland das Unmöglichste. Wenn man in Paris nach Geld sucht, um den Unterschied zwischen zwei Ziffern auszufüllen, so sollte man nach den anderen Schuldnern der Reparationskasse auch einmal Umschau halten. Die Ausstellung „Oer Mensch . Am Samstagvormittag wurde — wie gestern schon kurz berichtet — in der Dolksh alle die von dem Deutschen Hygienemuseum in Gemeinschaft mit dem Volkshalle-Derein hergerichtete Hygiene-Ausstellung „Der Mensch in gesunden und kranken Tagen" eröffnet. Zu der Feier hatten sich zahlreiche geladene Personen unseres öffentlichen Lebens eingefunden. Beigeordneter Or. Hamm richtete an den großen Kreis der Erschienenen namens des Hygiene-Museums und des Dolks- halle-Vereins herzliche Degrühungsworte und dankte dann allen Mithelfern an dem Zustandekommen dieser sehenswerten und außerordentlich lehrreichen Schau. Die Stadt Gießen hat die Ausstellung in unseren Mauern durch die Heber» nähme eines Garantiebetrages ermöglicht. Der Dolkshalle-Verein hat die Volishalle kostenlos zur Verfügung gestellt und ist auf dem Gebiete der Werbung tätig gewesen. Die Gießener Zahnärzteschaft beteiligt sich in großzügiger Weise an der Ausstellung mit einer auf eigene Kosten hergerichteten Schau aus dem zahnärztlichen Wirken. Hniversitätsprofessor Dr. Bürk er, der Direktor des Physiologischen Instituts der Landesuniversität, und Medizinalrat Dr. Z i n ß e r vom Kreisgesundheitsamt Gießen haben sich für die Eröffnungsfeier in uneigennütziger Weise mit Ansprachen zur Verfügung gestellt. Die Assistenzärzte der Kliniken haben sich auf Anregung des Dekans der Medizinischen Fakultät uneigennützig zu Führungen während der Ausstellung bereit erklärt, ebenso hat Medizinalrat Dr. Bin sack vom Kreisgesundheitsamt Gießen zu dem gleichen Zwecke in selbstloser Weise sich zur Verfügung gestellt. Diese Führungen sollen täglich stattsinden. Hm möglichst breite Kreise der Bevölkerung in Stadt und Land zum Besuche der lehrreichen Ausstellung zu veranlassen, haben sich die Krankenkassen, die Kreisämter und eine Reihe von Organisationen zur Hilfe bei der Werbearbeit bereit erklärt. Rach dieser Einführungsansprache des Beigeordneten Dr. Hamm sprach zunächst Prof. Or. Bürker: Die Landesuniversität und besonders die Medizinische Fakultät an ihr bringen der Ausstellung „Der Mensch" das größte Interesse entgegen, ist doch alles, was hier vorgeführt wird und Stadt und Land zu Ruh und Frommen nahegebracht werden soll, Gegenstand ihrer Forschung und ihres Hnterrichts, und es kann ihr daher nur sehr erwünscht fein, daß die Kenntnis vom Bau und den Verrichtungen des menschlichen Körpers in gesunden und kranken Tagen in möglichst weite Kreise dringt. So begrüße ich denn namens Sr. Magnifizenz des Herrn Rektors der Landesuniversität, Prof. Dr. Rudolf Herzog, und Sr. Spektabilität des Herrn Dekans der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Georg Herzog, — beide Herren sind zu ihrem größten Bedauern verhindert, hier zu erscheinen — die Ausstellung „Der Mensch" am Ort der Landesuniversität mit besonderer Sympathie und hosse und wünsche, daß ihr ein schöner Erfolg beschieden ist, der dem Aufwand von Arbeit und Kosten entspricht, den das Deutsche Hygiene-Museum, die Stadt Gießen und der Dolkshalleverein bestritten haben. Mich persönlich interessiert die Ausstellung um so mehr, als im Physiologischen Institut der Landesuniversität eine ähnliche Ausstellung erstehen wird. Eine Belehrung weiter Kreise über den menschlichen Körper, seinen anatomen Aufbau, seine physiologischen Verrichtungen und die Störung dieser durch Krankheiten muß im Interesse unseres Volkes geradezu gefordert werden, und zwar in theoretischer wie auch in praktischer Beziehung. In theoretischer Beziehung, weil die Frage nach der Ratur des Lebens, seinem Sinn und Zweck, sich doch jedem denkenden Menschen aufdrängt und weil neben dem bestirnten Himmel über uns und dem moralischen Gesetz in uns das Wunderbarste auf unserem Planeten eben doch das Leben ist, das im Menschen seinen höchsten Ausdruck gefunden hat. Es ist ferner erstaunlich, zu sehen, in welch vielseitiger und man möchte sagen genialer Weise die Ratur ein Lebensproblem, wie z. B. das der Atmung oder der Bewegung, zu lösen vermag und wie aus derselben lebenden Substanz in dem einen Fall eine chemische Fabrik, eine Drüse, im andern Fall ein wunderbarer optischer Apparat, wie das Auge, aufgebaut wird. Aber auch in praktischer Beziehung ist die Beschäftigung mit Lebensvorgängen von größter Bedeutung. Hafer Körper, als ein Zellstaat, ist ein Muster staatlicher Organisation, deren Kennt- schen Fläming geboren, aber in Hamburg ausgewachsen. Er schreibt auch in seinen leichteren Stücken („Kramer Kreh" usw.) meist Hamburger Platt, hebt aber in seinen besten Dramen und Dal- laden holsteinische Mundarten zu einem geadelten Riederdeutsch, indem er aus dem Plattdeutschen die hochdeutschen Klänge auszuscheiden trachtet und alte, im Gebrauch seltener werdende oder gar ausgestorbene niederdeutsche Wörter und Wendungen wieder zu Leben und Geltung bringt. Seine noch jetzt viel aufgeführten Schauspiele „Fährkroog" und „Bahnmeester Dood" fanden besonders in den ersten Rachkriegsjahren viel Gehör wegen ihres religiösen Hntertons. „Die Saat ihrer dunklen Gedanken muhte auf fruchtbaren Boden fallen, da die Seelen durch das Fronterlebnis, durch die Entbehrungen in der Heimat und den Zusammenbruch erschüttert und für alles enchfänglich waren, was irgendein Tor zum Jenseits zu offnen schien. Man lachte über den Humor, der so manche Figur und Szene drastisch einhüllte, aber wem das Plattdeutsche noch Muttersprache geblieben war, der spürte, daß hier im Grunde mehr verborgen war und seltsam zu Herzen sprach, wenn man auch die Gedanken nicht klar erfaßte. Dieser mystische. Zug nach dem Jenseits, der durch die meisten Werke Hermann Boßdorfs geht, hat eine Verwandtschaft mit dem Geist der mittelalterlichen Totentanzdarstellungen, wenn er auch den Rohstoff für die künstlerische Gestaltung gern dem modernen Leben und seiner Technik entnimmt. Ein unheilbares Leiden, das chn jahrelang ans Zimmer fesselte — Leukämie — hätte er ohne diesen Glauben an eine andere Welt wohl kaum ertragen.“ In den letzten Jahren seines Siechtums konnte er den Widerhall seiner Werke noch erleben, weil die Hamburger „Riederdeutsche Bühne" unter Leitung von Dr. O h n esorg seine Stücke überall aufführte, eine Liebhabertruppe, die ihre plattdeutsche Kunst immer mehr vervollkommnete. Rach ihrem Beispiel bildeten sich nach dem Weltkriege in fast allen niederdeutschen Städten plattdeutsche „Speeldeelen", so in Kiel unter Man - sing, in Flensburg unter Witt und Crus e, in Bremen, Lübeck, Oldenburg usw. Rach Boßdorfs Tode haben noch andere plattdeutsche Schauspieldichter ihre Erfolge erzielt, darunter auch zwei Frauen, die Schleswig-Holsteinerin Jngeborg- Andresen, die ein ausgezeichnetes Plattdeutsch schreibt und in ihren ernsten „Roop" wie in chren Lustspielen (»Groothuus" usw.) Gestalten von prachtvoller Hrwüchsigkeit zeichnet, und die Oldenburger-.-; Alma Rogge, die Verfasserin munterer, durch und durch bodenständiger Lustspiele. Die übrigen Schriftsteller schreiben meist Holsteiner oder Hamburger Mundart, ost schon etwas verfeinert, wie Hans E h r k e und Ludwig H i n r i d) f c £ , Karl Prahl, Paul Schurek, Peter Werth (inzwischen verstorben) und Wroost. Aber auch Ostfriesland (Albrecht Jansen) und Mecklenburg (K r i d e b e r g) sind beachtlich vertreten — Westfalen, das seine eigene Sprache und Heberliefeurng pflegt (W agenfeld) nicht zu vergessen. Sogar ein plattdeutsches Singspiel hat sich die Bühne erobert, der „Scherenslieper" von Georg Semper, ein erquickendes, gesundes Stück — das erste auf einer Bahn, über deren weiteren Verlauf heute das letzte Wort noch lange nicht gesprochen werden kann. Prozeß um eine abgeschnittene Nase. Ein Grieche namens Argyropulos ist zu Port Pirie in Südaustralien verhaftet worden, weil er einem griechischen Mädchen, Katherina Tin- gara, die Rase abgeschnitten hat. Die junge Dame kam nach Südaustralien, um Argypropulos zu heiraten, der ihr das Geld zur Heberfahrt geschickt hatte. Aber nach ihrer Ankunft löste sie die Verlobung auf und versetzte dadurch den verschmähten Bräutigam in solche Wut, daß er sie mit seinem Messer angriff, um ihr das Gesicht zu entstellen, und ihr dabei die Rase abschnitt. Die Landsleute des Messerhelden haben eine große Summe gesammelt, um ihm für den bevorstehenden Prozeß den besten Anwalt zur Seite zu stellen. Die Australier aber ergreifen für das unglückliche Mädchen Partei und haben soviel zusammengebracht, daß sie sich nach Adelaide begeben konnte, um sich dort der Behandlung durch einen Schönheitsspezialisten zu untertoerfen, der ihr eine neue Rase ansehen soll. Hochschulnachrichten. Der Rechtsanwalt und Rotar, Justizrat Dr. jur. Ludwig Wertheimer, der seit Jahren beauftragt ist, Vorlesungen über Bank» und Dörsenrechl, Hrheberrecht, Jndustrierecht, englisches und amerikanisches Privatrecht an der Universität Frankfurt a.M. zu lesen, ist zum Honorarprofessor in der rechtswissenschaftlichen Fakultät der bärtigen Universität ernannt worden. Prof. Werthermer ist 1872 zu Büdingen geboren. nis auch für die Organisation eines Menschenstaates nutzbringend verwertet werden kann. Wer ferner mit der Tätigkeit seiner Organe vertraut ist, wird zu einer rationellen Lebensweise gelangen und mit einem Minimum von Nahrungsmitteln und Kraftaufwand ein Maximum von Leistungen erzielen. Er wird weiterhin, wenn ihm die normalen Lebensvorgänge bekannt sind, die krankhaften Abweichungen um so früher erkennen und um so erfolgreicher bekämpfen können: wieviel Sammer und Elend kann so der Menschheit erspart bleiben. Die Gefahr, es möchte der Mensch bei der Beschäftigung mit dem Menschlichen, oft allzu Menschlichen in krassen Realismus verfallen, besteht in Wahrheit nicht. Wer tiefer in die Natur und besonders in die belebte blickt und die Wunder sieht, dem muh sich der Glaube an ein höheres Geschehen geradezu aufdrängen. Wohl aber besteht eine Gefahr dann, wenn der mit den Lebensvorgängen etwas vertraute Laie glaubt, nun sein eigener Arzt fein zu können: nur jahrelanges eingehendes Studium und vielseitige Erfahrung befähigen dazu, den so schweren und verantwortungsreichen Beruf des Arztes auszuüben. Die Beschäftigung mit den Lebensvorgängen des Menschen soll aber schliehlich auch das Ziel haben, Mittel und Wege für die Weiter-, die Höherentwicklung des Menschengeschlechts zu finden, aus dem Menschen den Hebermenschen im guten Sinn des Wortes zu machen, denn nicht nur fortpflanzen soll sich der Mensch, sondern auch hinaufpflanzen. Mögen alle diese guten Wirkungen von dieser Ausstellung ausgehen, das ist der herzliche Wunsch von Universität und Medizinischer Fakultät. Medizinalrat Or. Außer als nächster Redner führte nach Dankesworten an das Deutsche Hygienemuseum und den Volkshalleverein für die Herrichtung dieser Ausstellung in Gießen u. a. aus: Wenn es auch in den letzten Jahren zweifellos aufwärts gegangen ist mit der deutschen Volksgesundheit, so bleibt doch hier noch viel zu bessern und zu streben übrig. Man stelle sich nur vor, daß im Deutschen Reich jährlich rund 160 000 Menschen an ansteckenden Krankheiten sterben, und daß die Tuberkulose allein rund 60 000 Opfer fordert. Für Krebs und bösartige Neubildungen beträgt die Zahl der Todesfälle gar 65 000, und es hat den Anschein, daß diese Krankheiten in den letzten Jahren zugenommen haben. Bedenklich hoch ist die Sterblichkeit der Säuglinge: zwar haben hier, wenn man Vergleiche zieht mit den Verhältnissen vor 20 und 30 Jahren, Forschung, Fürsorgetätigkeit, Aufklärung und Belehrung erhebliche Fortschritte gezeitigt, so daß zur Zeit im Deutschen Reich nicht mehr 15 bis 20 v. H. der Lebendgeborenen im ersten Lebensjahr hinsterben, sondern durchschnittlich 10. Aber auch diese Ziffer muß noch als viel zu hoch erscheinen, wenn wir sehen, daß z. B. die skandinavischen Länder nur 6 bis 7 v. H. Säuglingssterblichkeit haben, und ganz besonders dann, wenn wir uns den Ernst dieser Sache im Hinblick guf den erschreckenden Geburtenrückgang in Deutschland klarmachen. Andeuten will ich nur noch, was Alkoholismus und Geschlechtskrankheiten dn Krankheitsclend und Siechtum, sozialer Not und wirtschaftlicher Bedrängnis unserem Volke zufügen. Mit aller Kraft arbeitet die soziale Fürsorge Durch die Versicherungsträger und die kommunalen Fürsorgeorganisationen im Kampf gegen soviel Feinde unserer Volkskraft und Gesundheit. Ihr muß aber die hygienische Volksbelehrung zur Seite treten, weil von diesem Elend vieles auf Unkenntnis der Ursachen beruht, manches auf ungeeigneter Lebensweise, auf leidenschaftlicher Genußsucht, auf schädlichen Gewohnheiten in Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Wohnen, Arbeit, Ruhe und Erholung, auf Aberglaube und kurpfuscherischem Halbwissen oder Nichtswissen, auch auf falschen Vorstellungen von den Grenzen der Leistungsfähig- Wettlauf um Minor. Roman von Genta Neckel. Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6. 13 Fortsetzung Nachdruck verboten. Smith griff nach dem Hut und ging. Er biß sich auf die Zunge vor Wut, Erniedrigung und Elend. Er haßte Weekly, er haßte ihn so sehr, daß er das Blut auf der Zunge spürte. Aber schuld an allem hatte diese Ellinor. Nun, deren Stunde würde noch kommen I Langsam, wie ein alter Mann ging er die Treppe herunter. Verwundert schaute ihn der Portier an. 3n wenigen Minuten hatte sich im Berlags- haus die Kunde verbreitet: „Jules Smith ist geflogen!" XHI. Chung Li schloß die Haustür der kleinen Billa sorgfältig ab. Er überzählte noch einmal alle Schlüssel und verglich sie mit seiner Liste. Er nickte zufrieden. Sein Dienst war beendet. Ellinor hatte gestern das Haus verlassen und hatte sich ein anderes Quartier gesucht. Sie fühlte sich seit ihrer Begegnung mit Jules Smith nicht mehr sicher, sie wollte ganz woanders hin. Keiner sollte wissen, wo, selbst Chung Li durfte sie nicht begleiten. Ellinor hatte den Plan gefaßt, in dem unendlichen Heer der Angestellten und Arbeiter unterzutauchen, einmal das Leben derer zu führen, die morgens in aller Frühe aufstehen, um zur Arbeit zu gehen. Ellinor hatte nur einen kleinen Koffer mitgenommen, ein paar einfache Kleidchen, etwas Wäsch«, ein bißchen bares Geld. Noch hatte sie vierzehn Tage Zeit, bis die Frist des Preisausschreibens abgelaufen war, und Ellinor hatte sich vorgenommen, sich nicht einen Tag früher finden zu lassen. Aber deshalb mußte die Umgebung gewechselt werden. Man wußte nun in Neuyork, daß sie unnachahmlich einen Frack tragen konnte, aber ob sie als das verwöhnte Millionärskind sich in die einfachsten Verhältnisse schicken konnte, das war noch nicht erprobt. Wahrscheinlich würde man sie auch in dieser Gegend Neuhorks nicht suchen. Ellinor bewohnte ein kleines Zimmer bei Mrs. Buttler in der 118. Street draußen in Hoboken. Mrs. Buttler hatte ein Boardinghaus, so wie es Tausende von Frauen in Neuyork besitzen. 3n dem Treppenhaus roch es immer nach Kohl und schalem Bier. Wenn die Hochbahnzüge in unmittelbarer Nähe vorübersausten, dann zitterten die dünnen Wände. Als Ellinor am ersten Abend in ihrem kleinen schmalen Bett lag und zu den Moderflecken an keit des Körpers, sei es, daß diese aus Aengstlichkeit unterschätzt oder daß, z. B. aus sportlichem Ehrgeiz, übertriebene Anforderungen an sie gestellt werden. Vermittelt aber wird die Belehrung am besten durch die An s ch a u u n g, zu der das erläuternde Wort, sei es in Schrift, fei es gesprochen, hinzukommen mag. Von solchen Gedanken ist Karl August L i n g- ner in Dresden ausgegangen, als er dort im Jahre 1911 die Internationale Hygieneausstellung ins Leben rief. Er war ihr Schöpfer. Seine Gedanken waren grundlegend, seine geniale organisatorische und technisch-erfinderische Begabung sicherten das Gelingen. In seinem warmherzigen Streben für die Volksgesundheit suchte er nach dem besten Mittel für die Volksbelehrung und entschied sich für eine Ausstellung. Neu an der Ausstellung war, daß sie nicht, wie andere Ausstellungen, einen repräsentativ wirtschaftlichen Charakter hatte, oder Handels- und gewerblichen oder ähnlichen Interessen gewidmet war, sondern daß sie nur der Belehrung dienen sollte, und zwar der Belehrung für jedermann. Von jener Ausstellung, — in Sonderheit von ihrem monumentalen Mittelstück „Der Mensch" mit dem klassisch anmutenden Wort über dem Eingang „Kein Neichkum gleicht dir, o Gesundheit" — führt eine gerade Linie zu dem, was jetzt in dieser Ausstellung in Gießen geboten werden soll. Heber den Stoff will ich mich nicht im einzelnen verbreiten. Die Ausstellung will beschaut sein und dabei spricht fie am besten für sich selbst. Nur über die Anordnung und Einteilung sei bemerkt, daß auf der Seite nach der Stadt zu die Abteilung der gesunde Mensch sich befindet, in der Mitte werden die Krankheiten gezeigt, und an der Längsseite nach dem Trieb zu sind die Gegenstände aufgestellt, die die Gesundheitspflege behandeln. Wenn ich eine Ditte aussprechen darf, so ist es die, Sie möchten jeder in seinem Kreise für den Besuch der Ausstellung werben, denn niemand, der für das Volkswohl guten Willens ist, wird sie ohne Gewinn, auch für die eigene Person, verlassen. Insbesondere möge ein reger Besuch von den Schulen aus Stadt und Land veranstaltet werden, die Anhänger jeglicher Art von Leibesübungen werden auf ihre Rechnung kommen, dem geistigen wie dem körperlichen Arbeiter wird Anregung und Belehrung geboten zur Erkenntnis und Vermeidung der Schäden, die der Gesundheit von seinem Tagewerk drohen, und er sieht Mittel und Wege gewiesen, wie er seine Freizeit zum Ausgleich solcher Schäden verwenden fann; der Detriebsuntemehmer bekommt Einblick in die Notwendigkeit des Gesundheitsschutzes seiner Arbeitnehmer und in die Möglichkeiten, durch Verhütung von Schäden die Leistungsfähigkeit der Belegschaft zu steigern. Gesundheit ist nicht das höchste Lebensgut, und nicht einmal durchaus Voraussetzung für das Lebens glück. Auch Kranke und Schwache, ja Krüppelhafte, sollen sich glücklich fühlen dürfen im Besitze dessen, was unversehrt an ihrem Leibe geblieben ist. Aber Gesundheit ist nötig zum Lebenskampf, für den einzelnen Menschen und besonders für das ganse Volk. Hnb mehr als je muß das deutsche Volk heute nach gesundheitlicher Ertüchtigung streben. Zu einer Zeit, in der die Folgen des Verlustes des Weltkrieges auf uns lasten, in der zwar längst die Waffen ruhen, wir es aber täglich neu erleben, daß unsere Feinde uns nicht zu Atem kommen lassen wollen, müssen wir als Volk jede Möglichkeit ausschöpfen, unsere gesundheitliche Kraft an Leib und Seele zu stählen, wenn wir befähigt bleiben wollen, mit äußerster Willensanstrengung die schwere Arbeit zu vollbringen, die nötig ist, um die lichte Hohe des Wiederaufstiegs zu Freiheit und Weltgeltung zu erklimmen, die wir alle ersehnen, weil sie uns gehören. Ein Rundgang durch die Ausstellung unter der Führung von Obermedizinalrat Dr. Z i n ß e r folgte der Eröffnungsfeier. Mit großem Interesse wurden dabei die vielseitigen und lehrreichen Ausstellungsgegenstände besichtigt, und mit Aufmerksamkeit lauschte man den fachlichen und dankenswerten Erklärungen des Führers. Die Ausstellung fei der Bevölkerung von Stadt und Land zu regem Besuche empfohlen. Turnen, Sport und Spiel. WdÄÄ-uWmd-SchoNlmd Der Fußball-Länderkampf Deutschland — Schottland am Samstag im Deutschen Stadion in Grünewald bei Berlin endete unentschieden 1:1, nachdem bis zur Pause noch kein Tor gefallen war. Nach dem Seitenwechsel schoß in der vierten Minute der Rechtsaußen Ruch das erste Tor für Deutschland, jedoch konnten die Gäste bald daraus wieder gleichziehen, als Mac C r a e nach einem Freistoß das Leder ins deutsche Tor köpfte. Beide Mannschaften versuchten bis zum Schluß noch das entscheidende Tor zu erzielen, es blieb jedoch bei einem Resultat 1:1. Westdeutschland noch ohne Kußball-Meister. Schalke 04 und Meidericher Spielverein Vertreter. In Westdeutschland wurde am Sonntag die „Runde der Vier" abgeschlossen. Das letzte Spiel des Favoriten Schalke 04 brachte eine Heber- raschung, da sich der Ruhrbezirksmeister vom Meide richer Spv. 2:4 (0:2) schlagen ließ. Schalke hätte ein Punkt genügt, um Meister zu werden. Nun stehen M e i d e r i ch und Schalke 0 4 mit je 4:2 Punkten gleich, ein besonderes Entscheidungsspiel um die Westdeutsche Fußballmeisterschaft zwischen den beiden Mannschaften ist notwendig geworden. Immerhin können aber beide schon als Vertreter des Westdeutschen Spielverbandes genannt werden. Den dritten Platz der Tabelle besetzte Fortuna Düsseldorf, die in M.-Gladbach gegen Borussia M. -Gladbach in einem 0:0°Spiel einen Punkt herausholte. Die Düsseldorfer müssen nun gegen den Gewinner der Trostrunde zum Entscheidungsspiel um die dritte westdeutsche Vertreter- steile antreten. Diesmal qualifizierten sich die KurhessenKassel durch einen 3:1-Sieg über Arminia Bielefeld für das Endspiel, bei dem sie am nächsten Sonntag mit Schwarz- Weiß Essen zusammentreffen. Süddeutsche Fußballmeisterschaft Spieldereinigung Fürth Süddeutschlands 3. Vertreter. 2m Entscheidungsspiel um den dritten Platz in der Süddeutschen Fußball-Meisterschaft gelang es am letzten Sonntag der Spielvereinigung Fürth im Frankfurter Stadion, den Fußball- Sport-Verein Frankfurt mit 2:0 (0:0) zu schlagen. Das auf technisch besonders hoher Stufe stehende Spiel sah die Fürther bereits in der ersten Halbzeit im Vorteil, doch vermochten sie ihre Heberlegenheit nicht zahlenmäßig auszudrücken. Nach der Pause fiel dann durch den Linksaußen Kießling in der 3. Minute das erste Tor, dem später Frank den zweiten Erfolg anreihen konnte. Die schnelle und gute Hintermannschaft der Fürther vermochte dieses Ergebnis der Decke heraufstarrte, da kam ihr zum ersten- mal im Geben der Gedanke, daß es eigentlich auch andere Menschen auf der Welt gäbe, als die, die sie bis jetzt kennengelernt hatte, Menschen, die um das tägliche Brot arbeiteten. Früher hatte sie immer gedacht, der Ausdruck „um das tägliche Brot arbeiten“, käm nur in Romanen vor. Jetzt auf einmal war sie mitten drin in dieser Atmosphäre. Mrs. Buttler hatte sich nicht im Geringsten gewundert, als Ellinor ohne irgendeine Anmeldung gekommen war, nur mit einem kleinen Koffer, um ein Zimmer zu mieten. Was ging es sie an, wer das Mädchen war. Wenn sie ihre Miete pünktlich bezahlte und auch sonst ordentlich war, dann konnte bei ihr wohnen, wer wollte. „Haben Sie denn eine Stellung, Fräulein?" hatte sie gefragt, als Ellinor ihren kleinen Koffer auspackte. Sie ließ sich gnädig zu einem Gespräch herab, weil Ellinor die Miete für eine ganze Woche im Voraus bezahlt hatte, was sonst fast nie vorkam. „Warum denn eine Stellung?" fragte Ellinor verwundert, dann aber fiel ihr ein, daß sie ja jetzt nicht die Tochter des Zeitungskönigs Mac Stanley sei, sondern irgendeine kleine Angestellte. „Ja, ich habe noch keine Stellung, aber ich soll eine bekommen, in einem Modesalon!" Ihr fiel im Moment nichts anderes ein. Aber Mrs. Buttler war nicht weiter neugierig. Die Einzelschicksale ihrer Pensionäre interessierten sie nicht. „Wann wollen Sie denn morgen geweckt werden?" fragte sie im Hinausgehen. „Ach bitte, um ein halb zehn!" „Ach so, weil Sie noch keine Stellung haben, spielen Sie die feine Dame und schlafen bis in die Puppen? Nun ja, ich kann es verstehen, für unfereinen ist der Schlaf sogar ein Geschenk, denn wenn Sie erst eine Stellung haben, dann müssen Sie ja auch immer schon früh heraus." „Ja, ja, natürlich!" - Cs ist nicht so einfach, sich in meine Rolle zu finden, dachte Ellinor. Zum erstenmal in ihrem Geben fuhr Ellinor in der Hintergrund, zum erstenmal in ihrem Geben aß sie mittags in den Freilunchstuben, zum erstenmal in ihrem Geben wußte sie, was es heißt: die Zeit kostet Geld. Sie wußte, daß sechs Hhr abends die kostbarste Zeit des Tages war, weil da die Bureaus schlossen. Sie wußte, wenn die Sonne hinter Ho- boken rot leuchtete, dann war der Abend da, dann war es Feiertag! Dann klappten die Kästen über den Schreibmaschinen, die Rollpulte schließen sich, Gifts fahren leer in die Hohe und sammeln in allen Etagen die Leute, die ins Freie streben. Gaben» und bureaumüöe Gesichter quetschen sich In die Trambahn, langsam ebbt der Verkehr im Zentrumsgebiet ab und ergießt sich in die Vorstädte. Ellinor lernt das arbeitende, werktätige Neuyork kennen. Sie ging durch die Straßen, die dunkel und stickig von Ruß waren. Sie lernte Mrs. Buttlers Speisen essen,, die alle gleich schmeckten, die immer dieselben Saucen hatten. Täglich sagte sie fich, du kannst ja jederzeit zurück in dein altes Geben, und doch blieb sie in dem Haus, das nach Kohl und nach schalem Bier roch. Auch in den östlichen Straßen von Hoboken hingen die Plalate mit der Aufschrift: Wo ist Ellinor? Hunderttausend Dollar für Ellinor! Aber niemand schien hier daraus zu achten. Neben Ellinor wohnte Jimmy. Jimmy war achtzehn Jahre alt und war Statist bei einem kleinen Vorstadttheater, die es zu Hunderten in Neuyork gibt. Jimmy hatte immer Hunger. Er nahm mit seligem Gächeln Cllinors Teller entgegen, wenn sie ihre Speisen nicht mehr aufessen konnte. Jimmys Traum war, einmal nach Hollywood als Filmschauspieler zu kommen. Aber er glaubte nicht so recht daran, denn dazu gehörte Geld, und wie sollte man heutzutage so schnell Geld verdienen und sparen, wo alles so erbärmlich teuer war. „Gehen Sie," pflegte er zu sagen, „man müßte ein paar tausend Dollar haben, nur so viel, daß man sich anständig kleiden kann und den Fahrpreis für den Expreß bezahlen kann, dann ist man ein gemachter Mann! Aber so viel Geld wird man nie haben!" „Vielleicht doch, man muß nur die Augen aufmachen! Man kann gar nicht wissen, vielleicht steht auf einmal irgend jemand neben einem, der feine 100 000 Dollar wert ist, ohne, daß man es weiß!" „Ach nee," lachte Jimmy dann, „nee, an so etwas glaub ich nicht!" Niemand wußte, wo Ellinor war. Die tollsten Gerüchte gingen um. Nun war nur noch eine Woche Zett, Dann war die Frist abgelaufen und die 100 000 Dollar zum Teufel! Das durfte unter feinen Hmständen fein. Man sprach alle möglichen Vermutungen aus. Die einen behaupteten, Ellinor sei gar nicht mehr in Neuyork, vielleicht kreuze sie irgendwo mit ihrer Dacht auf dem Meer, so daß man sie nicht finden konnte. Andere schimpften auf die Cvening Revicw und hielten alles für einen Trick, ja fie gingen sogar so weit zu sagen, daß Ellinor in Wirklichkeit gar nicht existiere und daß man sie am Narrenseil herumführe. Aber Ellinor kümmerte sich nicht um die Gerüchte, sie kümmerte sich nicht um zufriedene oder unzufriedene Geute. Leden Morgen sprach gegen zahlreiche Angriffe der Frankfurter bi- zum Schluß zu halten. Im letzten Meisterschaftsspiel mußte sich D. f. G. Neckarau von Bayern (M ü n ch e n) mit 1:2 (0:0) geschlagen bekennen, trotzdem Bayern mit Ersatz für Pöttinger und Heidkamp antraten. V. f. B. D. f. B. hat Das Treffen gegen die Spieloereinigung trotz stärkster Aufstellung und Des Vorteils, auf eigenem Platz zu spielen, verloren, obwohl man mit einem Sieg Der Platzmannschaft gerechnet hatte. Der Sieg war insofern verDient, als er mit einem bcrounDcrnsroerten Elan und zäher Energie im wahren Sinne Des Wortes erkämpft rourDe. Trotz Des wenig einlaDenDen Wetters hatten sich rund 1000 Zuschauer eingcfunDen. lieber Den Spielverlauf ist zu sagen: Anfangs ist 23. f. B., Den Wind im Rücken, im Vorteil unD beDrängt einige Zeit Das ©äftetor. 1900 gestaltet Das Spiel balD offener und versucht in Durchbruchartigen Angriffen sein Heil, ohne zum Erfolg zu kommen. Der viel zu weiche Sturm Der Platzelf hat eine ganze Anzahl von Torgelegenheiten, Die aber sämtlich vergeben werben. Etwa in Der Mitte Der ersten Spielhälfte geht Sp. Vgg. überraschenD in Führung. Der (Saftgeber forciert Das Tempo unD kämpft um Den Ausgleich, läßt aber Dabei Die nötige Ruhe unD Uebertegung fehlen unD bringt sich Damit um Den Erfolg. Bis zur Pause hat 23. f. B. etwas mehr vom Spiel, verpaßt Dabei aber alle sich ihm bietenDen Chancen. Nicht unerwähnt soll allerDings bleiben, Daß Der 1900er Tormann ein kaum zu überroinDenDes Hin- Dcrnis war. Nach Dem Wechsel vorerst Dasselbe BilD. BalD jeDoch kommt Sp. Vgg. mehr auf unD versucht unter. Aufbietung aller Kraft Das Resultat noch zu erhöhen, was ihm auch nach einiger Zeit gelingt 23. f. 23. kämpft stark um Verbesserung Des Resultats, hat Dabei aber sehr viel Pech unD ist, beson- Ders Der Sturm, in Der Ausführung feiner Aktionen viel zu unbefonnen und nervös. Bis zum Schlußpfiff Des Schiedsrichters WingenfelD (FulDa), Der eine ganz vorzügliche Leistung bot, unD Das ruhige unD Durchweg faire Treffen korrekt leitete, änDerU sich nichts mehr an Dem Resultat, so Daß Sp. Vgg. mit 2:0 Sieger blieb unD Damit nach fünf Jahren unD sieben Niederlagen Den ersten Sieg roieDer übet; Den Lokalgegner errang. Die 3. Mannschaft beteiligte sich an den Pokalspielen Des F. C. Großen-Buseck unD gewann Durch ihre beiDen Siege über Leihgestern I (2:1) unD Dreihausen bei Marburg II (1:0) Den Pokal Der 8-Klasse. Die Alte-Herren-Elf hatte sich die gleiche Lichs nach hier verpflichtet und fertigte diese mit 6:1 ab. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die Gigareferven unterlagen gegen Wommelshausen auf eigenem Platze 1:2. Die mangelhaften Leistungen der Stürmer trugen die Hauptschuld an dieser Niederlage. Ein Hnentschieden hätte eher dem Spielverlauf entsprochen. Ausgesprochenes Pech verfolgte die 1900er, als det böige Wind einen haltbaren Ball zum Siegestreffer der Gäste werden ließ. Die erste Jugend konnte das Propagandafpiel in Gladenbach anläßlich des zehnjährigen Stiftungsfestes des dortigen Vereins mit 4:1 überlegen siegreich gestalten, obwohl drei der Besten bei den Gießenern fehlten. Die zweite Jugend verlor durch schlechte Leistungen das Rückspiel gegen Werdorfs erste Jugend 0:1. Hmgekehrt konnte die dritte Jugend ihren Gegner, Nieder-Ohmens erste Jugend, 1:0 abartigen. Eine recht schwache Vertretung der ersten Schülerelf 1900s konnte gegen eine aus Jugend und Schülern kombinierte Mannschaft Heuchelheims in Heuchelheim ein beachtenswertes Hnentschieden (1:1) erzielen. sie auf einer Geheimleitung mit ihrem Vater. Diese Gespräche amüsierten ganz Neuyork, dtznn sie wurden selbstverständlich veröffentlicht. „Guten Morgen Pa, wie geht es dir? Mir geht es ausgezeichnet, rauchst du auch nicht zu viel?" . . . und ähnliche Dinge mehr. Jimmy hatte sich in Ellinor verliebt. Er sparte sich von seinen paar Dollars ab, was er nur konnte und lud Ellinor dann in ein Kino ein. Ellinor lachte sich tot über die kleinen Dorstadtkinos, in denen man nur rührende (Sentimental* stücke spielte. Sie saß neben schwitzenden Dienstmädchen, die vor Rührung tropften, wenn das arme Bureaumädel seinen Grafen heiratet. Sie fand die Menschen wundervoll unkompliziert und beneidenswert zufrieden. „Ich mochte Sie so gern mal in ein große- Theater führen, Sie würden staunen, wieviel schone und elegante Menschen es da gibt, wirklich, man glaubt es nicht, wenn man es nicht schon einmal gesehen hat," pflegte Jimmy meistens zu sagen, wenn er Ellinor vorsichtig durch die dunklen Straßen zu Mrs. Buttlers Logierhaus zurückbrachte. „Sie werden es noch einmal sehen," tröstete Ellinor Dann. „Sie müssen nur an das große Wunder glauben, daß zu jedem einmal kommt." Aber Jimmy pfiff dann nur immer den schonen Schlager: „Ich glaub' nicht an das große Wunder, trallala. Von dem man immer spricht. In Wirklichkeit ist alles anders, trallala. Hnd Wunder gibt es nicht!" „Haben Sie übrigens schon mal so ein „große- Wunder" kennengelernt, Miß Betty?" Ellinor nannte sich nach dem Paß, den sie dem Erpresser für 3000 Dollar abgekauft hatte: Betty Glynn. „Ob ich schon mal das große Wunder kennengelernt habe, kleiner Jimmy? Ja, ich habe das schönste und größte Wunder kennengelernt," sagte Ellinor, sie dachte an ihre erste Begegnung mit George Wellton. Das war ein Wunder gewesen, ein unglaublich schönes Wunder! „Ach nee, Miß Betty, erzählen Sie doch mal, baö finde ich ja rasend interessant!" „Rein, Jimmy, da gibt es nichts zu erzählen, das ist eine Sache mit viel Liebe und lauter solchen Sachen, von denen Sie noch nichts wissen dürfen!" Jimmy tat gekränkt. „Ich dachte, Sie liebten mich, und nun erzählen Sie mir auf einmal, daß Sie einen anderen lieben, das ist doch haarsträubend! Hat er denn wenigstens was, und ist er was? Warum ist et denn noch nie in Erscheinung getreten?“ (Fortsetzung folgt) Ergebnisse: Klasse 1. W. Döringer, 1885 Gießen, 3:10,48; 2. H. Preis, Germania Gießen, 3:12,42 Stunden. Klasse B. 1. H. Hoppe, Marburg, 3:17,45; 2. K. Muhl, 1885 Gießen, 3:22,30; 3. W. Bender, Wehlar, 3:25,8; 4. H. Schacker, Marburg, 3:35,5; 5. B. Righi, Friedberg, 3:35,35; 6. W. Heims, 1885 Gießen, 3:39,30; 7. 21. Weber, 1885 Gießen, 3:40,18; 8. H. Ringleb, Lollar, 3:57 Stunden. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Gießen I — Naunheim I 1:5. Zu einem Pflichtspiel trafen sich beide Mannschaften am vergangenen Sonntag auf dem Trieb. Dem älnparteiischen stellten sich beide Gegner in stärkster 2lufstellung. Dem 2lnstoß folgte ein flottes Feldfpiel, in dem die Einheimischen etwas im Vorteil waren. Bald konnte Gießen in Führung gehen. Das Spiel wurde nun schärfer und Radsport. Der Gau 73 Lahn des Bundes Deutscher Radfahrer veranstaltete am Sonntag seine 100 -Kilometer -Preisfahrt auf der Strecke: Gießen—Marburg—Buchenau und zurück. Dem Starter, Gaufahrwart Marx -Gießen, stellten sich von 18 Gemeldeten 15 Fahrer. Trotz des herrschenden Gegenwindes wurden in den einzelnen Klassen hervorragende Zeiten erzielt. Oer Gau-Kunstiurnwettkampf in Gießen verlegt. = Für den 30. 3uni war in der Dolkshalle zu Gießen ein großer Kunstturnwettkompf der Gaue Hessen, Frankfurt a. M. und R he in - Mosel vorgesehen. Aus verschiedenen Gründen, vor allem wegen der sich jetzt häufenden sonstigen turnerischen Veranstaltungen, ist der große Gauwettkampf auf den 13. Oktober verlegt worden. D. f. B. Leichtathletik. V.f.B. verliert den Iugendklubkampf gegen v. f. L. Wetzlar mit 91:59 Punkten. Das Gesamtergebnis darf in Anbetracht des Mangels an Wettkampferfahrung gegenüber den routinierteren, von Paulus trainierten Wetzlarern für die V. f. B.er als recht gut bezeichnet werden. Daß den wirklich guten V. f. L.-Leuten der Sieg nicht zu nehmen war, stand von vornherein fest; immerhin wäre das Ergebnis für Gießen besser ausgefallen, wenn nicht einige seiner Besten an der Teilnahme verhindert gewesen wären. Nachstehend die Einzelergebnisse, die zum Teil ganz vorzügliche Leistungen darstellen: Kl. A 3ahrg. 11/12. 100 Meter: 1. Marx, 12,3; 2. Schick, Wetzlar, 12,6; 3. v.Roten- Han, V.f.B., 12,8; 4. Stroh, V.f.B., 12.9. 200 Meter: 1. Schick, Wetzlar, 25,1; 2. Wetzlar; 3. von Rotenhan; 4. Guyot, D. f.B. 800 Meter: 1. Cullmann, Wetzlar, 2,138/ioJ 2. Rübsamen , V. f. B„ 2,20; 3. Mohr , Wetzlar, 2,25,4; 4. Müller 11., V. f. B. Weitsprung: 1. Schick, Wetzlar, 5,90 Meter; 2. Wetzlar 5,33; 3. von Rotenhan, V. f. D., 5,33 (durch Stechen entschieden); 4. S t e u e r w a l d , V. f. B. Speer: 1. Schick, Wetzlar, 40,40 (mit Speer f. Akt.); 2. Wetzlar; 3. Luh. V.f.B.; 4. Guyot, V.f.B. 4 mal 100 Meter-Staffel. 1. Wetzlar 47G/10; 2. V. f. B. (B-Kl.) 50-/,o. m r Kl. B, 3ahrg. 13/14. 100 Meter: 1. Korber, Wetzlar, 13; 2. Kirchheime r, V. f. V., 13,1; 3. Steuerwald, V.f.B., 13,2; 4. Wetzlar 13,4. Diskus: 1. Wetzlar 35,95 Meter; 2. Wetzlar 30,65; 3. Luh, V.f.B., 24,95; 4. Kirch- Heimer, V. f. B. Hochsprung. 1. Wetzlar, 1,45 Meter; 2. Wetzlar 1,45; 3. Steuerwald, V. f.B., 1,40; 4. Lippert, D. f. B. 3 mal 1000 Meter-Staffel: 1. Wetzlar 9,40 Minuten. Klasse C Jahrgang 15/16. 100 Meter: I. N a - gel (V.f.B.) 14,6; 2. Ludwig (Wetzlar) 14,8; 3. Borgmagel (Wetzlar); 4. Happ (V.f.B.). Weitsprung: 1. Ludwig (Wetzlar) 4,71; 2. Magel (V.f.B.) 4,36; 3. Happ (V.f.B.) 4,28; 4. V^hlar 4,15. 4 mal 50^Meter-Stakfel: 1. Wetzlar 28,2; 2. V.f.B. 29,1. Klasse D Jahrgang 17 und jünger. 50 Meter: 1. Wetzlar 8; 2. Wehl (V.f.B.) 8,1; 3. Küpper (V.f.B.) 8,2; 4. Wetzlar 8,6. Weitsprung aus dem Stand: 1. Wehl (V.f.B.) 2,22; 2. Wetzlar 2,15; 3. Steuerwald (V.f.B.) 1,99; 4. Wetzlar. 4 mal 50-Meter-Stafsel: 1. V.f.B. SP/io! 2. Wetzlar 322/io- 50 Meter für Jahrgang 1918: 1. H. Fischer (V.f.B.); 2. Meilinger (V.f.B.); 3., 4., 5., 6. Wetzlar. Naunheim gelang es noch bis Halbzeit, den Ausgleich zu erringen. Nach Seitenwechsel lag Naunheim trotz Gegenwind in Front. Bald gelang es den Gästen, in Führung zu gehen. Gießen brachte nun eine unangenehme Schärfe ins Spiel. Ein Spieler mußte infolgedessen das Feld verlassen. Kurz darauf muhte auch der Hüter der Einheimischen das Feld verlassen, und der gegebene Elfmeter brachte Naunheim das. dritte Tor. Das Spiel nahm an Schärfe noch zu. Abermals mußte ein Spieler Gießens das Feld verlassen, die Mannschaft spielte zuletzt nur noch mit acht Monn. Naunheim konnte durch einen Elfmeter sein viertes Tor erzielen, dem kurz darauf das fünfte folgte. So endete das Spiel mit obigem Resultat, welches jedoch keinen Maßstab für das spielerische Können der Mannschaften abgibt. Gießen II — wieseck II 1:7. Gießen trat in verstärkter Aufstellung an, während die Gäste mit drei Wann Ersah antraten. 3n der ersten Halbzeit spielten die Gäste mit dem Wind im Rücken und legten fünf Tore vor. Nach Wechsel versuchten die Einheimischen, den Vorteil des Windes auszunühen und zu Erfolgen zu kommen. Wohl gelang es ihnen, ihr Ehrentor zu erzielen, dann aber waren die Nachbarn wieder in Fahrt und gaben dem Hüter Gießens noch zweimal das Nachsehen. So endete auch dieses Spiel mit einer empfindlichen Niederlage der Einheimischen. wieseck I — Gießen Ib 8:2. Auf dem Wiesecker Sportplätze standen sich diese beiden Gegner gegenüber. Während die Gäste in verstärkter Aufstellung antraten, sah man die Einheimischen mit. Ersatz für zwei ihrer Besten auf dem Plan. Nach Anstoß entwickelte sich ein flottes Spiel. Gießen versuchte mit aller Kraft, zu Erfolgen zu kommen und führte bald 1:0. Wieseck fand sich nun allmählich und konnte nach kurzer Zeit den Ausgleich Herstellen. Das Spiel nahm nun schärfere Form an, und Wieseck ging bald in Führung; kurz danach folgte das dritte Tor. Gießen konnte bis Halbzeit ein Tor aufholen. Nach Wechsel erzielte Wieseck in kurzer Zeit sein viertes Tor. Die Einheimischen drückten mehr und mehr. 3n gleichmäßigen Abständen erzielten sie noch vier Tore, während Gießen außer einigen Durchbrüchen, die aber gut abgewehrt wurden, nichts mehr erreichen konnte. So endete auch dieses Spiel mit einer hohen Niederlage der Gäste. Grohen-cinden I — Heuchelheim I 1:10. 3n Grohen-Linden standen sich beide Gegner gegenüber. Heuchelheim, das die technisch bessere Mannschaft stellte, konnte in gleichmäßigen Abständen zehnmal erfolgreich sein, während die Einheimischen nur ihr Ehrentor erzielen konnten. Wirtschaft. Oie Reichsbank Ende Mai. Der Ausweis der Reichsbank vom 31. Mai zeigt in der Llltimo-Woche ein Anwachsen der gesamten Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Reichsschahwechseln, Lombards und Effekten um 640,7 Millionen auf 3352,5 Millionen Mark. 3m einzelnen sind die Bestände an Wechseln und Schecks um 456,6 Millionen auf 2860,0 Millionen Mark, die Bestände an Reichsschotzwechseln um 26,5 Millionen Mark auf 144,8 Millionen und die Lombardbestände um 157,6 Millionen auf 254,8 Millionen Mark angewachsen. An Reichsbantnoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 656,3 Millionen Mark neu in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 600,2 Millionen auf 4606,4 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 56,1 Millionen auf 490,9 Millionen Mark erhöht. Demgemäß ist der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 7,1 Millionen Mark zurückgegangen. Die fremden Gelder zeigen mit 6,28,2 Millionen eine Abnahme um 14,2 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich insgesamt um 152,6 Millionen auf 2063,7 Millionen Mark erhöht. Die Zunahme entfällt auf Bestände an deckungsfähigen Devisen, welche um 152,7 Millionen auf 299,1 Millionen Mark angewachsen sind, während sich die Goldbestände geringfügig um 67 000 Mark für Abgaben an die goldverarbeitende 3ndustrie auf 1764,5 Millionen Mark vermindert haben. Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold allein stellte sich auf 38,3 v. H. gegen 44,0 v. H. in der Vorwoche, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen auf 44,8 v. H. gegen 47,7 v. H. in der Vorwoche. Die Datschari-Bilanz für 192 8. Die Bilanz der A. Batschari Zigarettenfabrik 21.-©., die nach dem Liebergang an den Reemtsma- Konzern liquidieren wird, weist für 1928 bei einem Aktienkapital von 3,5 Mill, einen Verlust von 2,82 Mill, auf, während im Vorjahr noch ein Reingewinn von 27 500 Mk. vorhanden war. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. 3uni. Tendenz: fest. — Nachdem an der gestrigen Abendbörfe wieder Realisationsneigung bestanden hatte, machte sich zu Beginn der heutigen Börse erneut größeres Deckungsbedürfnis geltend. Anregend wirkten vor allem die Beteiligung des privaten Publikums und größere Kaufaufträge aus dem Auslande. Ferner machte die am Geldmarkt bemerkbare Entspannung, die durch Angebot von ausländischem Kapital hervorgerufen wurde, einen sehr günstigen Eindruck. Die Tendenz war fest. Das Hauptinteresse konzentrierte sich heute auf den Elektromarkt. Lieber den heute erschienenen Rcichsbankausweis, der eine Anspannung angeigt, machte man sich wenig Sorge, da dies infolge der Liltimoperiode als normal angesehen wird. Bei lebhafter Geschäftstätigkeit konnten am Clektromarkt Siemens 8 Prozent gegenüber der gestrigen Abend- börse gewinnen. Schuckert lagen 5 Prozent höher. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen 2 bis 3 Prozent fester. 21. E. G. dagegen nur behauptet. Von Chemiewerten gewannen bei lebhafter Limsahtätigkeit 3. G. Farben 1,5 Prozent. Auch am Montanmarkt war die Geschäftstätigkeit eine lebhaftere. 3m Vordergründe standen hier Rheinische Braunkohlen mit plus 3 Prozent auf höhere Dividendenkombinationen. 3lse Bergbau plus 3,5 Prozent. Sonst ergaben sich hier durchweg Besserungen bis zu 2,5 Prozent. Mansfel- der und Laurahütte lagen dagegen leicht gedrückt und bis 0,5 Prozent schwächer. Am Bankenmarkt war die Limsatztätigleit etwas bescheidener, doch überwogen auch hier die Besserungen. Nur Danatbank mit plus 4,5 Proz. lebhafter gefragt. 3nteresse bestand noch für Glanzstoff plus 3 Proz., Deutsche Linoleum plus 4 Proz., Bauunternehmungen plus 4,5 Proz. Renten ebenfalls lebhafter und weiter gebessert. 3m Verlause traten auf Realisationen Rückgänge bis zu 1 Prozent ein, auch war die Limsahtätigkeit nicht mehr so rege, da Orders jetzt nur noch in geringem Umfange eintrafen. Nur für Siemens bestand weiter großes Interesse, und dieses Papier konnte erneut 2 Proz. gewinnen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 Proz. etwas leichter. 2lm Devisenmarkt war die Mark wieder fester. Man nannte: Mark gegen Dollar 4.1931, gegen Pfund 20.338, London gegen Kabel 4.8490, gegen Paris 124.06, gegen Mailand 92.65, gegen Madrid 34.75 schwach, gegen Holland mit 12.0760 ebenfalls abgefchwächt. Berliner Börse. Berlin, 4. 3uni. Nach lebhaftem und festem Vormittagverkehr und einer weiter festen Vorbörse, an der die Kurse für eine Reihe von Werten sprunghaft in die Höhe gingen, eröffnete die heutige Börse bei freundlicher Tendenz. Die hohen vorbörslichen Kurse, zu denen bereits große Limsähe getätigt wurden, konnten sich zwar nicht voll behaupten, doch ergaben sich im Durchschnitt 4- bis 5prozentige Gewinne gegen gestern mittag Schluß. Wenn auch in dem Reichsbankausweis für Ultimo Mai eine starke Anspannung gezeigt wird, so beurteilt die Börse den Ausweis D och eher günstig, zumal sich die Geldsituation nach dem Ultimo wesentlich entspannt hat. 3nternationat liegen die Geldmarktverhältnisse im Moment fester, auch hier war Tagesgeld mit 7,5 bis 9,5 Proz., stellenweise mit 7 Proz. erhältlich. Monatsgeld stellte sich auf 10 bis 11 Proz. Man beobachtete zu den ersten Kursen an den verschiedensten Märkten Auslandkäufe, vereinzelt zeigten aber auch die Danken 3ntereffe und die Spekulation nahm infolgedessen weitere Meinungskäufe vor. Besonders lebhaft ging es am Clektromarkt zu, an dem in Siemens, Schuckert, Bergmann, Elektrische Licht und Schlesische Gas sehr große Umsätze bei Kursbesserungen bis zu 6 Prozent getätigt wurden. Etwas vernachlässigt waren Farben, Zellstoffaktien, Maschinenwerte, Deutsche Atlanten, Polyphon, Svenska, Konti Kautschuk, Deutsche Linoleum. B.M.W. und Montanpapiere waren aber sehr gefragt. Rheinische Braunkohlen lagen fest, Rheinstahl gewannen bis zu 6 Prozent, und Stolberger Zink konnten fast den Dividendeabzug wieder cinholen. Deutsche Anleihen zogen erneut an. Ausländer ruhig, doch befestigt. Nach den ersten Kursen wurde es vorübergehend etwas schwächer, dann aber allgemein wieder lebhafter und fester, unter Bevorzugung von Brauban?, B.M.W. und Hohenlohe; letztere holten ihren Anfangsverlust wieder ein. Später schritt aber die Spekulation zu Gewinnmitnahmen, so daß ich wieder Kursrückgänge von 1 bis 2 Prozent ergaben. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.» 4. 3unt Der Proöukten- martt verkehrte heute auf die beträchtlich erholten Auslandmeldungen in ebenfalls wieder freundlicher und teilweise sogar fester Stimmung. Der Geschäftsumfang vergrößerte sich jetzt etwas, doch waren die Händler im allgemeinen noch sehr zurückhaltend, so daß in Brotgetreide kaum Geschäft zustande kam, während das Mehlgeschäft auf Grund größerer Nachfrage eine Belebung erfahren konnte. Weizenmehl zog 0,25 Mk. an, auch Roggenmehl lag 0,25 Mk. höher. Es wurden notiert: Weizen 23, Roggen 21,25 bis 21,50, Sommergerste für Drauzwecke 23, Hafer, inländ.. 22 bis 22,25, Mais (gelb) für Futterzwecke 19,75 bis 20, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 31,75 bis 32,25. Roggenmehl 27,50 bis 28,50, Weizenkleie 11,25, Roggenkleie 12. Tendenz: Fester. Kunst und Wissenschaft. Carl Sfetnfjeims Erkrankung. Wie das „Tempo" erfährt, wurde der bekannte Dichter Carl Sternheim dieser Tage in der geschlossenen Abteilung des Berliner Sanatoriums Westend interniert. Sein Zu st and muh als bedenklich bezeichnet werden. Wie man sich erinnert, hat Sternheim das letzte halbe Jahr in einem Sanatorium in Kreuzungen zugebracht; da man seine Krankheit relativ spät erkannt und behandelt hat, hegen die Aerzte wenig Hoffnung auf eine völlige Wiederherstellung. Gegenwärtig wechseln bei Sternheim, der seinerzeit nach heftigen familiären Differenzen einen schweren Nervenzusammenbruch erlitt, Tobsuchtsanfälle und tiefe Depressionen miteinander ab. 3nfolge der Erkrankung des Dichters haben sich übrigens die Einkünfte aus seinen Werken derartig reduziert, daß sie augenblicklich nicht einmal ausreichen, um Lebensunterhalt und Behandlung des Erkrankten zu decken. Fausto Saloafori f. 3n der Nacht zum Sonntag starb in Rom der italienische Dichter Fausto Salvatori im Alter von 59 3ahren. Er war ein Schüler Car- duzzis und gewann im 3ahre 1906 durch ein Opernlibretto einen Preis von 25 000 Lire. Große Erfolge hatte er besonders mit seinen Film- manuftripten, von denen der Christusfilm sowie sein Papstfilm „Borgia" und fein Dante-Film in 3talien und im Ausland vielfach über die Leinwand gingen. Letzte Nachrichten. Von einer Granate zerrissen. Saarbrücken, 4. Juni. (WTD. Funkfpruch.) Die „Saarbrücker Zeitung" meldet aus 6 a arge m ü n b: Der 54 Jahre alte Johann Br tot und sein 19jähriger Neffe Eugen M i e l m e h e r sanden beim Holzsammeln im Walde von Lohr bei Albesdorf ein 1 7 0-M illimetergeschoh, das Mielmeyer mit nach Hause nahm. Als ein Nachbar, der 38jährige Eschenbrenner, den Zünder abschrauben wollte, explodierte das Geschoß. Mielmeyer wurde in Stücke gerissen, Driot durch Splitter derart verwundet, daß er nach einer Stunde st a r b. Eschenbrenner erlitt ebenfalls lebensgefährliche Verletzungen. Das Zimmer wurde vollständig zerstört. Schnee im Juni in Amerika. N e u h o r k, 4. Juni. (WTD. Funkspruch.) Der gestrige Tag war der kälteste 3 u n i t a g, der seit Bestehen des Wetterbureaus verzeichnet worden ist. 3n der Umgebung B o st o n s , wo noch vor drei Tagen mehrere Personen an H i h s ch l a g starben, ist gestern Schnee gefallen. Verschiedene Landdistrikte melden F r o st. Neuer Krankenhausbrand in Amerika. C h i k a g o, 4. Juni. sWTD. Funkspruch.) Das vierstöckige Gebäude des Allgemeinen Krankenhauses ist in Flammen ausgegangen. Nach den ersten vorliegenden Meldungen ist es gelungen, alle Kranken teils über die Treppen, teils beim weiteren Llmsich- greifen des Brandes über die Leitern der Feuerwehr in Sicherheit zu bringen. Der Brand soll in der Wäscherei des Krankenhauses cms- ■ gebrochen sein. Die hinter den Papieren ange Dalum 6% Dl. ReichSanleihe o. 1927 . Dl. AiU..Ablös.-SchuId mti Wut los.-Rechten......... DeSgl. ohne AuSlos.-Rcchte - - - ?% Stantf. Hyp.-Bk. Soldpf. unkündbar btt 1932....... 4H% Rheinische Hyp.-Bank LiN% desgl.von 1913..... 1% Ungarische Kronenrte..... i% Türl. Zollanleche v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn»Anl„ Serie 1........... 4% desgl. Serie U....... i% Rumänen anwert. Rte. . . - 4/>% Rumänen (BolbtmLuon 1913 Jlllg. Deutsche Eisenbahn . .