Samstag, 4- Mai 1929 iry. Jahrgang Nr. m Erstes Blatt Wie lange noch? Berlin. 3. Mai. (WTD.) Die Propaganda der Kommunisten als Protest gegen die polizei- lichen Maßnahmen in den Sympathiestreik zu treten, hat im Laufe des Tages zur Arbeitsniederlegung in einer Anzahl Betrieben geführt. Cs handelt sich um etwa 1500 Arbeiter. Dagegen ist an einigen Stellen, wo die Arbeit heute früh eingestellt wurde, diese im Lause des Tages wieder im vollen Umfange ausgenommen worden. 2m Laufe des Vormittags haben die 1800 Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarettenfabriken Manoli und Iosctti die Arbeit niedergelegt. Die Kommunisten scheuen auch nicht davor zurück, die Arbeiter durch Drohungen und Gewaltanwendung sich gefügig zu machen So wurden die Arbeiter auf verschiedenen B a u st e l l e n durch Drohungen zur Rie- dcrlcgung der Arbeit gezwungen. Biele Arbeiter haben aber bereits erklärt, daß sie ihre Tätigkeit sobald wie möglich wieder aufnehmen werden. fertigen und die Straßen so zu sichern, daß die Wie- dererrichtung von Barrikaden verhindert werden kann. Am Morgen tritt Ruhe ein. Berlin, 4.Mai. (WTB. Funkspruch.) 7 Ahr morgens. Bis gegen 2 Nhr nachts waren in der Hermannstraße und in der Steinmehstraße von beiden Seiten Schüsse gewechselt, worden, der Rest der Nacht bis Tagesanbruch verlief ruhig. Um 4 Uhr morgens räumte die Polizei die spanischen Reiter. mit denen sie die Straßen gesperrt hatte, und die in dieser Nacht von der Polizei errichteten Barrikaden aus llntergrundbahnmaterial fort. Ebenso wurden die Posten auf den Dächern, die Scheinwerferposten und die Maschinengewehrposten auf den Balkons verschiedener Häuser ein gezogen. Die Polizei will sich während des Tages möglichst unsichtbar machen, sofern diese Absicht nicht durch neue Angriffe und neue Ansammlungen der Ausrührer zunichte gemacht wird, heute abend um 9 Uhr wird genau so wie in der vergangenen Nacht das Viertel wieder abgc- sperrt werden, damit einer Aushebung des Ausnahmezustandes vor Montag früh nicht zu rechnen ist. Die Freigabe der Straßen für den Verkehr vollzog sich am heutigen Morgen ohne Zwischenfall. Gegen 4.30 Uhr zeigten sich die e r st c n Passanten auf der Straße. Ls handelte sich zum größten Teil um Einwohner anderer Stadtteile, die Besuche I bei Bekannten oder Verwandten im abgesperrten viertel gemacht holten und von der Absperrung, an die sie nicht so recht geglaubt hatten, überrascht war- den waren, kurz vor 5 Uhr ging der Verkehr wieder seinen normalen Gang. Auch der Straßen- Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. LUKIIH I IW-/ V\x- mm ... . deutsche Innenpolitik einmische, die gegen Die Regierung gerichtet sei. Oer Proteststreik in Groß-Berlin. Kowno. 3. Mai. (TU.) Wie aus Moskau berichtet wird, hat die internationale Arbeite rhilfe sich an die russischen Gewerkschaften und andere russische Kommunistenorganisationen mit der Bitte gewandt, Gelder zur Unterstützung der Opfer der berliner Ereignisse zu sammeln. D,e Internationale Arbeiterhilfe hat von der Sowjetregierung die E r - laubnis zu dieser Geldsammlung erhalten. Die Sammlung, die von der Internationalen Arbciterhilfe in Rußland auf 10 000 Mark gebracht werden soll, dient der Unterstützung aller Berliner Mai-Opfer, die sich in schlechter materieller Lage befinden. Am Donnerstag hat in Oie Drahtzieher in Moskau Eine deutsche Beschwerde. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Vezvgrpreir für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fer nsp rech ans chlü sse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Roch immer keine Beruhigung in Reukölln GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlS und Verlag: vriihl'sche Umverfilälr-Vuch- und Sleindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße t. Mittagsstunden in Neukölln in der Hermann- und in den angrenzende ' Straßen immer wieder kleinere Zusammenstöße zwischen Polizei und Stra- ßenpöbel stattsanden, die erst durch das Eingreifen größerer Polizeiaufgebote im gemeinsamen Vorgehen mit Panzerwagen beendet werden konnten, ist cs in den Nachmittagsstunden zu neuen Zwischenfällen gekommen, die ernsteren Umfang an- zunehmen drohten. Die neueingesehlen Polizeitruppen find mit Handgranaten und Gerne hrgranaten ausgerüstet. Um 10.30 Uhr hatte sich die Loge in der hermannstraße und den Nebenstraßen der hermannstraße noch nicht beruhigt. Die Polizei wurde immer wieder beschossen. Besonders in der Prinz-handjery-Strahe und Ecke Lefsingstraße sammelten sich junge Burschen an und versuchten, Barrikaden zu bauen. fcUt)V __________ ____ _____ „ , Aus den Häusern der Falk- und Lefsingstraße wurde Moskau eine Versammlung der deut- hestig aus den Panzerwagen und die Polizei geschos- scheu Kommuni st en stattgefunden, in der scn. Die Polizei dirigierte den Panzerwagen zur Vertreter der deutschen Abteilung der kommu- Lessingslraße vor; die Straße wurde mit Ma- nistischen Internationale Reden hielten. 2$ fchinengcwehren bestrichen. Ob die halbwüchsigen klärten in i^ten -. u j ^Nai gezeigt Burschen dabei irgendwelche Verluste hatten konnte Abgängen. M 9$ ”Ietariat zurFüh- uicht festgestelll werden, da ja auch die Straßen wie- M?u • etncg Bürgerkrieges reif ge - der in volles Dunkel gehüllt sind und w,e toorI)en fei ?lach der Auffassung der deutschen in den vergangenen Nächten ein großer Prozentsatz Kommunisten müsse der Kampf gegen die Der- der verwundeten von den Kommunisten ab- nncr Polizei fortgesetzt werden, um dann transportiert und der Polizei verheimlicht später diese Bewegung auf das ganzeReich werden. An der Lcke Lefsingstraße gelang es dann, anzudehnen ~ ,r - «,nR einige der Barrikadenbasler fest z u n e h m e n. man ^r^omEnisttschen^'Maifeier^Demönstration fand bei ihnen Waffen verschiedener Art, Schlag- I, zahlreiche Russen beteiligt haben, ringe, feststehende Messer und auch Dietriche. Die & A öer russische Kriegskommissar W o r o - Polizei hat die Hausflure der häufer in der Prinz- Schilow bei der Maifeier in Moskau sich in Hondjern-Slraße beseht und versucht immer wieder, rc$t auffallender Weise in die deutsche acacn die Lefsingstraße vorzugehen, wo sich Innenpolitik eingemischt hat wobei er in dieser Nacht das Hauptzentrum der es auch nicht unterließ m persönlichen ^griffen 91 trnhror Minbef Die Polizei hatte die Ab- gegen die verantwortlichen Leiter der deutschen Aufruhrer befmoet ine ponj« ) Politik vorzugehen und dafür ein Loblied auf die ficht, sich m den nächsten Stunden mogl chst z Kommunisten w singen, ist, wie wir r ückzu halten, um festzustellen, ob die fiommu ^us gut unterrichteter Quelle erfahren, seitens nisten auf diese Taktik cingeheu und die Feindselig- x,^lschen Regierung durch den deutschen keilen ebenfalls cinstellen. Man ging dabei auch von Botschafter in Moskau, Dr. v. Dirksen, e i n - S«'-? nid)I durchsüh rbareifen, «eil bei den | wenn,sich die Sowjetunion,.« einer We,s° Aufrührern anscheinend der feste Wille besteht, die Beamten bis zum Morgengrauen in ^l^m zu halten. Die Polizei Hal in Neukölln, um du: Dach- fchühen wirksam bekämpfen zu können, nach Einbruch der Dunkelheit an der Ecke der Prinz-Hand- jery-Straße und der hermannstraße auf den Dächern große bewegliche Scheinwerfer angebracht und Maschinengewehre aufgestellt. Das Mittel erwies sich als ausgezeichnet, denn sobald die Reflektoren aufflammlcn, hörte die Schießerei von den benachbarten Häusern auf. Die Aufständischen zogen sich bis in die All er st raße zurück, von dort aus versuchten junge Burschen mit Steinen und Re- volverschüssen die an der Ecke stehenden Gaslalernen zum Erlöschen zu bringen. Die Polizei eröffnete von der Prinz-Handjery-Straße aus anhaltendes Feuer auf die Kreuzung Allerstrahe. 3n der Falkstrahe an der Ecke Prinz-handjery-Strahe sind abermals Barrikaden errichtet worden. Die Polizei fährt mit zwei Panzerautos dauernd durch die Straßen und wird auch versuchen, die Barrikaden zu be- Ausnahmemaßnahmen für Wedding und Reukölln. Berlin, 3. Mai. (WTV.) ilm die beiden! Tlnruhezentren Wedding und Reukölln, in Denen cs auch am gestrigen Abend und im Laufe Der Rächt wieder zu schweren Zusammenstößen gekommen ist, zu beseitigen, hat der Polizeipräsi- Dent für die Zeit von 21 ilfjr ab bis 4 Ahr jeden Verkehr in den in Frage kommenden Straßen verboten. Ausnahmen gelten nur für Acrzte, Hebammen und Sanitätspersonal. Jedes LI mH er stehen in den Hausfluren oder Hausnischen sowie Toreinfahrten ist verboten. Die straßenwärts gelegenen Fenster müssen in der angegebenen Zeit geschlossen bleiben. Auch darf in den straßenwärts gelegenen Räumen während der angegebenen Zeit kein Licht brennen. Zuwiderhandelnde Wohnungsinhaber sehen sich der Gefahr aus, daß die Fenster von der Straße aus durch die Polizei unter Feuer genommen werden. Am Tage darf in den in Betracht kommenden Bezirken und Straßen sowie in den Hausfluren, Haus- nischcn und Toreinfahrten keine Person stehen bleiben. Die Polizei wird besonders Darauf achten, daß sich niemand länger auf der Straße aufhält als unbedingt erforderlich ist. Personen, die sich ohne festes Ziel auf der Straße bewegen, werden f e st g e n o m m e n. Zusammengehen von drei oder mehr Personen ist nicht gestattet. Iedcr Radfahrverkchr ist unterlagt. Die in den fraglichen Bezirken gelegenen Gastwirtschaften werden abends um 9 Tlhr geschlossen. Alle Personen, welche diese Bestimmungen nicht beachten, sehen ihr Leben aufs Spiel. Reue Kämpfe. Berlin, 3.Mai. (MTV.) Nachdem in den Vor- Das Interesse an der ewig „vorbereitenden" A b - b°hn°cr--hr durch die Hermannflrade wer um I rüstungaknmmi,,iUN. diese Zeit frei gegeben. Die fliegenden Wachen eigentlich — in Genf über eine Beschränkung in den verschiedenen Hausfluren, in denen die wah- i)er Landrüstungen verhandelt — ist in Deutschland renb der Nacht ^(genommenen Personen vorüber- begreiflicherweise gleich Null. Man hat es längst gehend untergebracht worden waren, wurden gegen aufgegeben, an den ernsthaften Willen der anderen Morgen ebenfalls a u f g e h o b e n. Die verhafteten zu einer wirklichen Abrüstung zu glauben und ist es wurden dem pattzelpraflblam 3ugefii<,tl. 3m allgc- müde gew-rden diejen endi°I°n N-de,ch,°ch«en mit meinen wurde die Absperrung ziemlich milde ge- ihren verwirrenden lechn, chen Emzecheiten zu so! handhabt. Sie zahlreichen 3t It::u n tc 11le n , He ausgerüsteten Stnchen, bcc'beali sich gestern abend zeigten — in den meisten Bettie- identeS/ öencn nur daran gelegen ist, durch die den wurden gestern die Löhne ausbezahlt — wur- @cnfer Komödie nun auch auf dem Gebiete der den von Polizeibeamten in ihre Wohnungen Röstungen den status quo für alle Zeiten zu ftabi geleitet, damit sie nicht in Gefahrzonen hinein- lisieren und durch ein internationales Abkommen gerieten zu sanktionieren, wie cs ihnen für die Verteilung s der in den Pariser Friedensverträgen „erworbenen" Sechs weitere Todesopfer Gebiete ja schon durch den Dölkerbundspakt gelun Wtirufcoti gen ist. Wir hätten deshalb auch kaum Veranlas vei oen unruyen. |unfl( unsere Leser mit der Genfer Abriistungs Berlin, 3.Mai. (WB.) von den Verletzten, die debatte zu langweilen, wenn nicht diesmal in Genf am 1 Mai ins Krankenhaus Neukölln-Buckow ein- ein ganz großes Spiel gespielt würde, das weit geliefert wurden, sind, wie das Städtische Nachrichten- über deutsche und europäische Interessen hinaus für heutigen Unruhen Beukolln "'u^e famen Beobachter der Genfer Vorgänge der ganz F r a u e n auf Balkons undeinPass a n t an einer bectimmtc Eindruck, in Genf diesmal eine emp Straßenkreuzung durch abirrende Geschosse ge- ftnb(id)e (5 d) l a p p c erlitten. Sic beutfdjc Dc tötet. Unter den Todesopfern der gestrigen Stra- (cgatiOn hat für die Formulierung einer Ab ßenkämpfe in Neukölln befindet fichaucheinaus- ruftungstonoention für die Landstreitkräfte eine ländischer Pressevertreter, und zwar der Reihe von Anträgen eingebracht, die sämtlich in Nelson (Neuseeland) geborene 46 Iahre alte abgelehnt worden sind Sie hat die Einbe Lharles M acka y, ^vertte^rder^nech^ndi^en ^hung^ 9.lö^Uhr"abends in der hermannstraße von einem Zj""^e?^Fra"krei'ch^ 'mit°U'fci'neWrunMaVUbä Passanten am Boden liegend erschossen aufgefunden, ^zolks in Waffen" schon stets auf heftigsten Wider Die Polizei brachte den Toten nach dem Buckower gCfto&en ist, bisher aber von England und Schauhaus, wo aus den vorgefundenen Papieren Amerika unterstützt wurde: der Antrag wird a b - feine Personalien festgestellt werden konnten. gelehnt. Die deutsche Delegation schlägt weiter ' v vor, die Vorbereitung des Giftgas, und Bakterienkriegs und den Abwurf dieser unmenschlichen Kampsinittel aus der Lust zu verbieten, an sich eine Selbstverständlichkeit, wenn schon der Gift- Gas- und Bakterienkrieg selbst durch eine beson dere Konvention verboten ist. Tut nichts, der deutsche Antrag >vird abgelehnt. Deutschland schlägt schließlich vor, durch eine I besondere Schlüsselung die Möglichkeit zu schaffen, den Reserven einen verschieden hoyen Kampfwert beizumessen. Der deutsche Antrag wird (yCllCrul|H Cllv* abgelehnt, aber nicht nur dos, Frankreich ver hrr fnittiitHttittiiActt langt, mit einem spürbaren Seitenblick auf das (Sine Konferenz der koiNMUNlstlfiyen deutsche Heer, daß der Berufssoldat hoher zu be- Betriebsräte. werten sei, als die Friedensstärke eines auf der all ro T; „ o rmn; iWTB i 5Scutc abend gemeinen Wehrpflicht beruhenden Heeres. Rieder nQ^m ein?' Senfe™”' de^LmmunKfLn L. ?a8e ans Riedle. 2er Hh MM, « r af triebsräte und Betriebs delegierten Groß-Berlins Bernstorfs, dem man zubilligen muß, daß er zu der durck die kommunistische Generalstreik- sich seiner haut wehrt, so gut er kann, kamvft aus varole geschaffenen Lage Stellung. Aus den verlorenem Posten. Richt einmal die einst für tue Berichten der Vertreter der verschiedenen Be- Abrüstung sich so wacker einsetzenden kleinen neu- triebe' ergab sich, daß nur. wie bereits be- traten Machte wie Finnland, Schweden, de richtet in verhältnismäßig wenig Be- Schweiz leihen ihm ,purbare Unterstützung. Rur trieben ein politischer General- Sowjetrußland, das man nach den radikalen Ab- st r e i t z u st a n d e g e k o m m e n sei. Bemerkens- röstungsvorschlagen Litwinoffs m Genf emfach wert war. daß ü b e r h a u p t k e i n e V e r t r e - ignoriert, China und d.e Türkei, über beren Anträge ter der Großbetriebe der Berliner man zur Tagesordnung übergeht, sekundieren der Metallindustrie anwesend waren, deutschen Delegation. Aber was bedeutet deren Einige Detriebsdelegierte erklärten, daß die Ar- -Hilfe gegen die Einheitsfront Westtnachte nnt beitsniederlegung infolge des Widerstan- ihren Trabanten Polen, den Staaten der Klemen des der S P.D. - Funktionäre nicht er- Entente und wie sie olle Heißei'. reicht werden konnte, und andere betonen, daß Diese Einheitsfront ist ein Novum, eine pemliche sie sich nur dann dem Streik anschließen könn- Ueberra|chung. Denn Amerika, d,e erste Macht ten wenn auch die Verkehrsbetriebe der Welt, hatte bisher in der Frage der Embe- und die großen Werke der Metallindustrie Ziehung der ausgebildeten Reserven — em Punkt, mitstreikm würden. Der kommunistische Abgeord» der in seiner außerordentlichen^militärischen B - ncte Heckert gab zu. daß die Beschlüsse über beutung geradezu zum Prusstem für bas gesamte den politischen Generalstreik bisher nicht zu Abrüstungsproblcm Seworden .st - emenStand- dem gewünschten Erfolg geführt hätten, punkt vertreten der ber deutschen Auf,as|ung weit Er wandte sich mit scharfen Worten gegen den entgegenkam. Auch England war ursprünglich sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Z ö r g i e- gegen die französische These, daß die ausgebildeten bei und dessen „faszistifche Polizeibanditen" und Reserven m die Rustungsvermmderung mcht emzu- forderte sodann die Betriebsräte und Delegier» beziehen seien, sondern diese sich lediglich auf ba^ ten auf. zur Erfüllung der kommunistifchen For» stehende Heer zu beschranken habe. Eme unhaltbare derungen auf Entlassung des Polizeipräsi» Auffassung, wenn man sich klar macht, baß Machte denten Zörgiebel und Aufhebung des De- mit allgemeiner Wehrpflicht durch die Mobil- monstrationsverbotes in den Betrieben machung ber 'dnen zur unmittelbaren Verfügung in verschärftem Maße den Streik zu inszenieren, stehenben ausgeb,Ibeten Reserven m wemgen Tagen Man müsse verlangen, daß die Opfer des Zörgie- Feldheere in der vielfachen Große des stehenden belschen Blutbades dem Proletariat zur Deerdi- Heeres zum Angriff über die Grenzen fuhren qung ausgeliesert würden, damit die ganze Der- können. England änderte nun seine Politik, als cs liner Bevölkerung die Toten zur letzten Ruhe in ber Diskussion über bie Seeabrüstung — die bestatten könne. Das Mai-Komitee müsse durch Ausdehnung des Abkommens von Washington auf 40 Personen aus den ‘Setrieben zur Organisation bie Schiffskategorien der Kreuzer und U-Boote — des Streiks und zur Durchführung weiterer Maß» mit Amerika nicht zu Rande kam und Frankreichs nahmen vergrößert werden. Aus der Versamm- Hilfe nachsuchte. Es kam bas e n g l i s ch - f r a n - lunq heraus wurde dann durch Zuruf die Bil-I zösische F l o k t e n k o m p r o mi ß zustande auf düng eines Selbstschutzes für die De- ber Basis, baß Englanb seinen Wiberstanb gegen monstrationen des Proletariats verlangt und di- Außerachtlassung der ausgebilbeten Reserven der Abgeordnete Heckert erklärte hierauf, daß fallen ließ und Frankreich sich die englische Austal- diese Frage durchaus akut sei und in den Ve° sung in ber Flottenfrage zu eigen machte. Das trieben diskutiert werden müsse. Kompromiß hakte nur den einen Fehler, es fand nicht bie Billigung ber Vereinigten Staaten. Ame- Oie Streikbewegung »m NuhrvergdaU. rita fühlte sich sogar heftig brüskiert, unb ber da- Essen 3. Mai. (WB.) Die Zahl ber aus Anlaß malige Präsident Coolidge drohte mit rucksichts- ber Berliner Unruhen nicht eingefahrenen Bergleute losem Wettrusien. bei bem Englanb als ber fman- hat sich wesentlich vermindert. Auf den ziell so viel schwächere Gegner, bald auf den Sand Prosper-Schächten und Arenberg-Fortsetzung ist heute gesetzt worden wäre. London verstand die Drohung die Belegschaft v o 11 z ä h l i g' z u r Arbeit er- und bemühte sich, bie offentlnye Meinung Amerikas schien en. In ber Morgenschicht fehlten auf ber wie bes eigenen Landes, bas über einen Konflikt Zeche Neumühl wo sich anscheinend ber Herd ber mit bem angesiachsiichen Vetter wenig erbaut war, Unruhen befinbet, noch 255 Mann, auf Zeche Beecker- nach Möglichkeit zu beschwichtigen Das olotten- werth 400, auf ben Thyssen-Schächten 1106, auf komprom.ß mürbe vorläufig ad acta gelegt zum ^ethe Friedrich Ernestine 164 auf Zeche Westfalen I -schmerz ber Franzosen, bie alles getan hatten, ben 245 unb auf ÄnM 11«Ä Auf allfü britifdien JBcrbünbeten uor 2tmerita fomprom. . and-r-n Z-ch-n find bic Setegfdjaften u o 113 ä f) I i g ticrcn. '»er wie weit sich (Englanb auch ferner an an gefahren bie in bem Abkommen Frankreich gemachten _ I Zugeständnisse in der Landrüstung gebunden hatte, darüber war aus den Verlautbarungen britischer Regierungskreise schwer Authentisches zu entnehmen, während man in Paris natürlich keine Gelegenheit oorübergehen ließ, England auf diesen Verzicht festzunogeln. Einen neuen Anstoß bekam die Abrüstunasfrage durch den Präsidentenwechsel in Amerika. Bald nach den amerikanischen Wahlen haben offenbar in Paris vertraulicl)e Besprechungen statt- gesunden, deren Motor der soeben verstorbene anie- rikanische Botschafter in Paris, Myron T. H e r r i ck war, der „treueste Freund Frankreichs", wie ihm Poincarö an seinem Sarge bescheinigen konnte. Präsident Hoover wünscht nach den häufigen ernsten Konflikten der letzten Jahre das Verhältnis zu England von Grund auf zu bereinigen. Er denkt dabei anscheinend an eine Art Locarnopakt der beiden angelsächsischen Seemächte, der neben der Flottenfrage auch die beiderseitigen, bisher allzuoft sich widerstreitenden Interessen in Sowjetrußlond, in China, in Südamerika umfassen würde. Die Rolle des Vermittlers hatte Herrick Frankreich zugedacht und man ist in Paris wenigstens in der Flottenfrage anscheinend schon zu einem für alle drei Mächte akzeptablem Kompromiß gekommen, das mit der Zustimmung Englands und nun auch Amerika s zu einer Beschränkung der Rüstungsverminde- rung auf die stehenden Heere unter Beiseitelassung der ausgebildeten Reserven Frankreichs Militärherrschaft in Europa stabilisiert. Frankreich wird sich seinerseits vermutlich im Voraus mit jeder Ueberein- kunst einverstanden erklärt haben, die die beiden Seemächte über die Beschränkung der Flotten treffen werden. Auch in diesem Punkt hat Amerika sich zu Konzessionen bereit gefunden. Es verzichtet darauf, die einzelnen Schiffskategorien spezialisiert nach Zahl und Tonnage festzulegen, statt dessen soll ein kombinierter Generalnenner gefunden werden, der flotten von grundverschiedener Zusammensetzung auf eine und dieselbe rechnerische Ebene bringt, ein Index, der neben der Tonnage auch das Alter der Schiffe und die Art ihrer Bestückung in sich faßt. Auch die Zahl der Flottenstationen und die der be- wafsnungsfähigen Handelsdampfer (Hilfskreuzer nannte man |ie im Kriege) sollen berücksichtigt werden. Mit den ersten drei Faktoren könnte England einverstanden sein, sie würden zugunsten der britischen Kreuzerflotte ins Gewicht fallen, anders allerdings die beiden letzteren, auf die gerade England mit Rücksicht auf den Schutz der Verbindungswege des sich über alle fünf Erdteile ausdehnenden britischen Weltreiches besonderen Wert legen muß. Ob man auch über diese Fragen zwischen Amerika und England hinter den Kulissen schon ganz ins reine gekommen ist, ist nicht klar ersichtlich, jedenfalls sind doch aber die Verhandlungen soweit gediehen, daß man es sich gestatten konnte, nun in Genf den Vorhang aufzuziehen, um der erstaunten Welt eine Ab- rüstungskomödie vorzuspielen, bei der Inszenierung und Verteilung der Rollen vorher in Paris schon sorgfältig geprobt waren. Amerika und England, Frankreichs Gläubiger aus dem Weltkriege, verzichten endgültig darauf, durch einen sehr wohl möglichen finanziellen Druck die Franzosen zu einer vernünftigen Einschränkung ihrer Rüstungen zu zwingen. Die Vereinigten Staaten erklären ihre völlige Uninteressiertheit an der Rüstungslage Europas, ja, sie geben der Militärhegemonie Frankreichs auf diesem Kontinent ihre Zustimmung. Wie England sich mit der so geschaffenen Situation abfinden kann und wird, ist schon schwieriger. Wenn auch eine Aussöhnung mit Amerika für England eine Befreiung aus der unangenehm empfundenen Abhängigkeit von dem französischen Alliierten bedeutet, so ist es trok seiner Insellage und den weltumspannenden Interessen des Empire doch viel zu sehr mit dem europäischen Kontinent verwachsen, als daß es der Verschiebung des europäischen Gleichgewichts zugunsten einer Alleinherrschaft Frankreichs teilnahmlos zusehen könnte. Und Deutschland? Der Versailler Vertrag hat ihm unter Verzicht.auf die allgemeine Wehrpflicht die völlige Abrüstung auferlegt. Deutschland ist unter der brutalen Kontrolle der Sieger seinen Verpflichtungen restlos nachgekommen. Wie lange noch soll es warten, bis auch die Vertragspartner nun ihrerseits ihrer eigenen in Versailles feierlich übernommenen Verpflichtung zur allgemeinen Abrüstung, deren Beginn lediglich die deutsche Entwaffnung darstellen sollte, nachkommen? Jahr um Jahr bemühen deutsche Delegierte sich in Genf in heiligem Ernst und zäher Arbeit um das Zustandekommen einer Abrüstungskonvention. W i e lange noch soll Deutschland geduldig zusehen, wie man seine Anstrengungen mit kaum noch verborgenem Hohn bagatellisiert, über feine sorgfältig erwogenen Anträge zur Tagesordnung übergeht? Ein über das andere Mal wird die vorbereitende Abriistungs^ kommifsion vertagt, ohne daß die wochenlangen Beratungen irgendwelchen greifbaren Erfolg aufzuwei- sen hätten. Wie lange n o ch soll Deutschland warten, bis man sich endlich zur Einberufung der Abrüstungskonferenz selber entschließt? Die gegenwärtige Zusammenkunft der Abrüstuhgskommission hat für Deutschland so schwere, offensichtliche Brüskierungen gebracht, daß man sich ernsthaft fragen muß, ob die deutsche Delegation nicht besser daran getan hätte, die Koffer zu packen und Genf mit Eklat zu verlassen, zumal man ja an dem russischen Beispiel sieht, daß die Taktik des Mitratens unter Protest gar keine Wirkung hat. Aber vielleicht ist es klüger, sich diesen lauten Appell an das Welt- gewissen, den Deutschlands Fernbleiben von den Abrüstungsverhandlungen bedeuten würde, für die eigentliche Abrüstungskonferenz aufzusparen, mit deren Scheitern Deutschland die ihm in Versailles aufs äußerst? beschnittene Freiheit des Handelns in der Wehrpolitik wiedergewönne. Englische Blätter haben schon auf diese selbstverständliche Konsequenz hingewiesen. Man wird sich also nicht weiter wundern, wenn Deutschland, nach dem ihm von alliierter Seite so oft gepredigten Grundsatz der nationalen Sidjerfjeit, rings von waffenstarrenden Rachbarn bedroht, nach einem Machtausgleich sucht. Wir stehen vor schwerwiegenden Entscheidungen und Reichsregierung wie Genfer Delegation sollten ernstlich überlegen, w i e lange noch Deutschland in der Abrüstungspolitik imaginären Zielen nachjagen kann, ohne dem Abrüstungsgedanken selber unheilbaren Schaden anzutun. Amerika und die Landrüstungen. Die U. S. A ziehen sich als uninteressiert aus der Diskussion zurück. Washington, 3. Mai. (WTB. Funkspruch. Sn amtlichen Kreisen wurde gegenüber Kritiken in inländischen und ausländischen Blättern wegen der Aeuherung Gibsons über die Landreser- Den heute betont, daß es sich in Genf nicht um eine Abrüstungskonferenz handele, sondern daß dort nur eine vorbereitende DerLandwiMastseiaivordemReichsiag. Berlin, 3. Mai. (D. D. Z.) Aul der Tages- ordnung steht die zweite Beratung des Haushalts des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Der Ausschuß ersucht in_ einer Entschließung um Hilfeleistung für die bedrängten Grenzgebiete im Osten und Westen. Abg. Treviranus (DU.) fordert die planmäßige Fortsetzung der von Minister Schiele zugunsten der Landwirtschaft eingeleiteten Aktion. Eine wirkliche und dauerhafte Rentabilität der Landwirtschaft könne nur gesichert werden, wenn die Tributfrage gelöst und die Ausschaltung des Landvolkes im politischen Leben beseitigt ist. Bor allem sei eine bodenständige Zollpolitik notwendig. Die ausländische Einfuhr von Agrarerzeugnissen müsse bis auf ein Minimum gedrosselt werden. Bon einer Verhetzung des Landvolkes könne keine Rede sein. Es bedürfe erheblicher Anstrengungen der Führer, um Verzweiflungsakte zu verhindern. Abg. Schmidt-Köpenick (Soz.) begrüßt den versöhnlichen Ton des deutschnationalen Redners. Riemais sei tatsächlich soviel Geld aus Reichsund Staatsmitteln für die Landwirtschaft hergegeben worden als in der Zeit der deutschen Republik. Die Landbundführer sollten die Landwirte zu einer besseren Absahregelung bringen. Die groben Unrichtigkeiten der vom Landbund aufgemachten Rentabilitäts- und Ver- chuldungsberechnungen seien vom Enquete-Aus- chuß nachgewiesen worden. Gerade weil wir n der Arbeiterschaft Verständnis für die tat- ächliche Rotlage der Landwirtschaft wecken wollen, warnen wir vor Llebertreibungen. Neichsernährungsminister Dietrich bedauert, daß gerade die für die Produktion ausgegebenen Mittel unter der Rot der Finanzen vermindert würden. Das Gesamtprogramm bleibe aber bestehen. Die Landwirt- chaft müsse selber gewisse Voraussetzungen für die Durchführung der Hilfsmaßnahmen des Reiches schaffen. Auf einigen Gebieten hätten leider die Beihilfen des Reiches nicht die Verwendung gesunden, für die sie vorgesehen waren. Die Ernte sei gut ausgefallen. Bei den nicht zu tark überschulärten Betrieben sei deshalb eine gewisse Entlastung eingetreten. Vor allem mache ich die gute Ernte insofern bemerkbar, als in den Monaten September bis März zwei Mil- Kommission tage, die die technischen Vorarbeiten erledigen solle. Sn der Frage der Stärke der Landheere sei Amerika desinteressiert, da seine Armee sehr klein sei und nicht noch weiter vermindert werden könne. Snfolgc- dessen habe Amerika sich entschlossen, sich aus der Diskussion hierüber zurückzuziehen und die Debatte über diese Angelegenheit Europa zu überlassen. Dies bedeute weder direkt noch indirekt ein Aufgeben der amerikanischen Politik zur Verminderung der Rüstungen und gegenteilige Meldungen konnten nur in böswilliger Absicht in der Welt verbreitet werden. Amerika hoffe, daß die technischen Verhandlungen in Genf zur Einigung über einen gemeinsamen Renner in den Rüstungsfragen führen, und habe seine Bedenken wegen der Landreserven lediglich deshalb zurückgestellt, um diese Einigung zu erleichtern. Völkerbund und Minderheiten „Latzt alle Hoffnung fahren!" London, 4. Mai. (WTB. Funkspruch.) «Times" berichtet: Die Arbeit des Unterausschusses des Völkerbundsrates, dessen Mitglieder Chamberlain, Adatschi und Quinones de Leon sind, der in London tagt, um das Volle r b u n d s v e r f a h r e n bezüglich der europäischen Minderheiten zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, ist, wie verlautet, so gut wie beendet. Der Bericht in seiner endgültigen Gestalt wird zuerst dem Ausschuß des Rates v^d danach dem Ratsplenum auf seiner Sunitagung erstattet werden. Erst dann wird der Snhalt des Berichtes bekanntgegeben werden. Es wird nicht erwartet, daß irgendwelche sehr fühlbaren Veränderungen im Verfahren empfohlen werden. Die pariser Besprechungen. Der Gewinn der internationalen Reparationsbank. Paris, 3. Mai. (WB.) Reichsbankpräsident D r. Schacht hat heute die gestern nach seiner Rückkehr begonnenen Verhandlungen fortgesetzt. Er verhandelte vormittags und nachmittags sowohl mit Owen QJoung als auch mit den beiden französischen Delegierten P arme n t i e r und Quesnay. Havas berichtet, daß diese Besprechungen in den nächsten Tagen fortgesetzt würden, und daß man über ihr Ergebnis frühestens am Dienstag nach der Rückkehr des ersten französischen Delegierten Moreau unterrichtet sein werde. — Das „Petit Sournal* sagt, man könne zwar nicht behaupten, daß Reichsbankpräsident D r. Schacht neue Vorschläge unterbreitet habe, aber er habe Anregungen gegeben, die man gegenwärtig prüfe. Es habe den Anschein, daß der Abstand zwischen den in dem Memorandum der Alliierten enthaltenen Ziffern und den im deutschen Memorandum genannten Zahlen nicht mehr so groß sei, als daß man nicht schließlich eine Verständigung für möglich ansehen sollte. „Petit Parisien" und andere Morgenblätter erklären, man operiere sowohl auf der Seite der Schuldner, als auch auf der Seite der Gläubiger mit dem möglichen Gewinn, dendieBankfür internationale Zahlungen abtoer- f en werde und zwar sagten die Gläubiger zum Schuldner: Weshalb fürchtet ihr euch, Verpflichtungen zu übernehmen? Wenn eure Zahlungsfähigkeit eines Tages zurückgehen wird, dann wird ja der Gewinn der Bank für internationale Zahlungen das ausgleichen können. Der Schuldner antwortet darauf: Weshalb fordert ihr soviel, da ja die Bank für internationale Zahlungen durch ihren Gewinn leicht die Summe auf bringen kann, die wir nicht in der Lage find zu bezahlen? Pertinax drahtet: Die neuen jetzt erörterten Vorschläge Owen D. QJoungS sehen 3 7 Annuitäten von einem Durchschnittswert von etwas weniger als 2 Milliarden Mark vor. Sie betragen daher etwa 200 Millionen Mark weniger als die von den Alliierten geforderten Annuitäten. lionen Doppelzentner Weizen mehr ausgeführt wurden als im Vorjahre. Auch zwei Millionen Doppelzentner Roggen konnten mehr ausgeführt werden, was eine fühlbare Entlastung der Handelsbilanz bedeute. Der Minister kündigt die baldige Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur endgültigen Regelung der Pachtrechtsfrage an. Zur Zollfrage erklärt der Minister, daß, wenn man den Ablauf der gegenwärtigen Periode abwarte, für eine Menge Artikel überhaupt keine Zollsätze mehr bestehen würden, darunter für Gemüse, Obst, Schmalz, Automobile usw. Für Roggen und Weizen würde ein verschiedener Zoll eintreten gegenüber Ländern, denen die Meistbegünstigung zugesichert ist, und solchen, die diesen Anspruch nicht haben. Daraus ergebe sich die -unbedingte Rotwendigkeit, noch vor der Sommerpause diese Dinge zu klären und die großen Streitfragen auszutragen, die bezüglich des Schuhes für Vieh, Fleisch und Getreide bestehen. Die ungleichen Lebens- und Produkt! ansbedingungen und die überspannte Zollpolitik in fast allen Ländern hätten einen Zustand geschaffen, bei dem in jedem Lande manche Produktionszweige erliegen müßten, wenn sie nicht mehr zollgeschüht sind. Man müsse sich überlegen, was das Erliegen der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland bedeuten würde. Die Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion sei deshalb tatsächlich die umfassendste und wirkungsvollste Konsumentenpolitik. Abg. Beck-Oppeln (Zentr.) erklärt, das Zentrum stehe auf dem Standpunkt, daß die Rentabilität der Landwirtschaft gesichert werden müsse. Diese Rotlage beruhe weniger auf der Höhe der landwirtschaftlichen Verschuldung als auf der Art dieser Schulden mit ihrer unerträglich hohen Zinslast. Die tatsächliche Schuldenlast der Landwirtschaft werde durch die Statistik gar nicht erfaßt, weil ja der Bauer seinen Söhnen und Töchtern nicht den verdienten Lohn zahle, aber ihn auch nicht mehr wie früher in kapitalisierter Form aufheben könne. Rur infolge dieser versteckten inneren Verschuldung könnten sich viele Bauernwirtschaften überhaupt über Wasser halten. Diese Familienangehörigen müßten aber bei Steuerabzügen ebenso behandelt werden wie andere Arbeiter. Außerdem decken sie nicht die 25 Millionen Mark, die die Belgier jährlich noch erhalten sollten als Entschädigung für die von dem deutschen Be- sahungsheere zurückgelassenen Markbeträge und auch nicht die jährlich der amerikanischen Regierung zugewiesenen Markbeträge. Es ist nicht bekannt geworden, welche Vorsorge für die Kommerzialisierung der Schuld getroffen wird. Das neue österreichische Kabinett. Wien, 3. Mai. (Amtliche Nachrichtenstelle.) Der heute nachmittag um 5.45 Uhr zusammengetretene Hauptausschuß des Nationalrates beschloß, dem Nationalrat folgendes Ministerium zur Wahl vorzulegen: Bundeskanzler: Streeruwitz, Vizekanzler: S ch u m y (Landbund), Finanzen: Dr. M i 11 e I b e r g c r, Unterricht: Dr. Czcrmak, Handel: Dr. S ch ü r f f (Groß Deutsch), Justiz: Dr. Slama (Groß-Deutsch), Landwirtschaft: Födermayr, Soziale Verwaltung: Dr. N e s ch, Heerwesen: Vaugoin Dem neuen Kabinett gehören sechs Christlich-Soziale, zwei Groß-Deutsche und ein Landbündler an. Die Wahl des neuen Kabinetts durch den Nationalrat findet morgen vormittag statt. Der zum Vizekanzler ausersehene Schumy war bisher Finanz- unb Landwirtfchaftsrefernt für Kärnten, Dr. Mitte l b e r g e r war Finanzreferent für Vorarlberg, Dr. Czermak war Unterrichtsreferent für Niederösterreich und Födermayr war Obmann des Reichsbauernbundes. Kleine politische Nachrichten. Die Rheinlandkommission hat dem Antrag des Reichskommissars für die besetzten Gebiete entsprechend die Veranstaltung eines Flugtages in Pirmasens für Sonntag, 5.d.M., genehmigt. Einigen deutschen Fliegern wurde die Erlaubnis erteilt, das besetzte Gebiet zu überfliegen, um an dem Flugtag der Saarbrücker Flughafengesellschaft, der ebenfalls am 5. d. M. in Saarbrücken stattfinden soll, teilzunehmen. Außerdem wurde verschiedenen Firmen die Herstellung von Luftbildaufnahmen im besetzten Gebiet gestattet. ch Zahlreich sind die Glückwünsche, die Reichskanzler Fürst von Bülow am Freitag zu seinem 80. Geburtstag in Rom erhalten hat. Der Hamburger Senat ließ Bülow eine große Blumenspende überreichen. Außer den Botschaftern beim Quirinal und beim Vatikan sprachen der Minister des italienischen königlichen Hauses, der Kammerherr der Königin von Schweden, der italienische Admiral Acton, Vertreter der deutschen Vereinigungen in Rom sowie zahlreiche andere Persönlichkeiten als Glückwünschende in der „Villa Malta" vor. Der Klub der deutschen Pressevertreter in Rom hat an den Reichskanzler gleichfalls ein Glückwunschschreiben gerichtet. ♦ Königin Wilhelmine von Holland hat sich zu einem Kuraufenthalt nach Montana in der Schweiz begeben. Die Königin wird am Fceitagnachmittag in Bern dem Bundesrat einen amtlichen Besuch abstatten. Sie hat sich aber ausdrücklich ausgebeten, daß dieser Besuch im einfachsten Rahmen gehalten werden möge. Am Rachmittag wird die Königin im Dundesratszimmer vom Gesamtbundesrat empfangen werden. Die vierzig ausländischen Gesandtschaften in Bem haben zu Ehren der Königin Flaggenschmuck angelegt. * Sn Tokio fand am Freitag die feierliche Ueber- reichung des englischen Hosenband-Ordens an den Kaiser von Sapan durch den Herzog von Glocefter statt. Der japanische Kaiser erwiderte auf die Worte des Herzogs, daß er die Überreichung dieses hohen Ordens als ein eindrucksvolles Zeichen der tiefen und unwandelbaren Freundschaft ansehe, die der König von England ihm und seinem Hause stets gezeigt habe. Später erstattete der Kaiser dem Herzog von Glocester einen Gegenbesuch ab und verlieh ihm den Chrysantemum-Orden. * General Suan Gomez wurde vom Kongreß einstimmig wieder zum Präsidenten von Venezuela gewählt. Seine Amtsdauer reicht bis zum Sahre 1936. Gomez, der länger als irgendein anderer Präsident von Venezuela Präsident ist, trat sein Amt im Sahre 1909 an, als Präsident Castro zum Rücktritt gezwungen wurde. Trotz seiner 72 Lebensjahre ist er noch außerordentlich rüstig. Aus aller Welt. Erdbebenkatastrophe in Turkmenien. In Turkmenien erfolgte am Mittwochabend ein starkes Erdbeben, von dem fast alle Ortschaften betroffen wurden. In Aschabad stürzten 100 Gebäude ein, wobei eine Prson getötet und 26 verletzt wurden. Hermab ist völlig zerstört: hier wurden zehn Personen getötet und 15 verletzt. Besonders starke Erdstöße mit unterirdischem Getöse machten sich i m G e b i r g e an der persischen Grenze fühlbar, wo auch die Zerstörungen von besonders großem Umfange sind. Nach unkontrollierten Nachrichten sollen in drei persischen Dörfern 10 0 0 Personen umgekommen sein. Viele Ortschaften seien völlig zerstört worden. Auf Ersuchen der persischen Lokalbehörden beschloß die turkmenische Negierung, die persische Bevölkerung umgehend mit medizinischen Hilfsmitteln und Lebensrnitteln zu unterstützen. Die Slurmverheerungen in Amerika. Bei den Wirbelstürmen in den Südstaaten der Union, ist das Städtchen Morgantown in Westvirginia besonders schwer heimgesucht worden. Hier wurden 40 Häuser zerstört und 50 Einwohner verletzt. In Jacksonoille (Florida) sind zwei Personen bei dem Sturm getötet worden. Die Katastrophe in Ryecove, wo, wie berichtet, ein Schulhaus mit 225 Kindern von dem Sturm hochgehoben, zum Einsturz gebracht und schließlich durch Feuer zerstört wurde, hat, nach den letzten Meldungen, doch weniger Todesopfer gefordert, als man zunächst befürchten mußte. Biele der Kinder, die burd) die Gewalt des Sturmes auf die Felder hinausgetragen wurden, sind offenbar in der Panik geflüchtet und konnten bisher noch nicht gefunden werden. Nach den letzten Feststellungen beträgt die Zahl der Todesopfer des Tornados in den sieben Südstaaten insgesamt 50. Bei dem Einsturz der Schule in Ryecove wurden 13 Schulkinder und eine Lehrerin getötet. Fünf Kinder werden noch vermißt. Die Stürme im mittleren Westen forderten fünf Todesopfer. Im Obstgebiet von Südmichigan ist Schnee gefallen. In den Oststaaten haben die Stürme der letzten Tage verhältnismäßig wenig Schäden verursacht. In der Nähe von Osoego verunglückte ein Güter- 3ug infolge Unterspülung des Bahndammes. Zwei Personen kamen dabei ums Leben. Auf dem Erie- und dem Michigan-See ist der Schiffsverkehr eingestellt worden. Das Europahaus in Berlin wird roeUergebauL Die Baukrise, die das Stadtbild am Anhalter Bahnhof verschandelte, soll endlich verschwinden. Das preußische Wohlfahrtsministerium hat den Entwurf für das Europa-Hochhaus-Hotel genehmigt, nach dem die Stockwerkzahl des Gebäudes auf zehn Obergeschosse verringert und der baupolizeilich beanstandete Hof so gestaltet worden ist, daß er allen Forderungen der Behörden entspricht. Das Hotel soll 7 00 Betten enthalten und damit das größte und modernste Hotel Deutschlands werden. Oie Wetterlage. ifreltaa, Mayer a •Seydlsf. Hör Iw 's ■5- i [12 LäXminä" G n flor. >tono O Wolkenlos, o neuer e im.en verbinden Orte mit gleichem, auf Meeresniveau umgerechneten luftdrucfc Wettervoraussage Der Einfluß hohen Druckes hat bereits zu Bewölkungsabnahme geführt. Unter seiner Vorherrschaft hält zunächst noch das vielfach heitere Wetter an, jedoch wird mit dem Vordringen der atlantischen Störung durch seine Südseite unter südlichen bis südwestlichen Winden später wieder Bewölkung zu- geführt. Die Temperaturen steigen dabei vorläufig weiter an; zu Niederschlägen dürste es morgen noch nicht kommen, aber die Neigung dazu im Laufe des Tages zunehm'en. Wettervoraussage für Sonntag: Zunächst noch vielfach heiter bis wolkig, später wolkig, Neigung zu Niederschlägen, wärmer. Wettervoraussage sürMontag: Wechselnde Bewölkung, nach anfänglich wenig veränderten Temperaturen wieder etwas kühler, vereinzelte Niederschläge wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 3. Mai. mittags 13,4 Grad Celsius, abends 9,4 Grad: am 4. Mai: morgens 8,6 Grad. Maximum 13,9 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Mai: abends 11,6 Grad; am 4. Mai: morgens 8,6 Grad Celsius. — Niederschlag 1,8 mm. — Sonnenscheindauer eine Stunde. K. Rüben 20 bis 25; rote Rüben 25 bis 30; Spinat starker ein RAUCHERS KURMflRK.-R.AUCHGR! SPLZLAl-.'MZEDCMEM’/MISCHUNG Samstag. 20 Uhr, im das 35; 50; Wenn du aber eine Arbeit übernommen hast, die dir fremd ist, dann gilt erst recht das Wort: Zeit lassen! Du muht in diesem Fall so tun, als ob du Wochen zur Verfügung hättest. Vichts wirkt verdrießlicher als die Erkenntnis: Cs war wieder einmal nichts. Ich muh von vorn anfangen. Andererseits ist keine Freude ungetrübter als die, wenn uns ein Werk vollkommen geglückt ist. Deshalb denke vor Beginn an den köstlichen wciletgebaul im Anhalter ch verschwinden, im hat den Ent- us - Hotelge- [ bes (Stb'äubc« irr baupolizei- :ben ist, daß er Da; und damit das tandr werden. das Bund: Radieschen 20 bis 25 Zentner: Kartoffeln 5,50 Mark. Bornotizen lnerita. riidftaaten der ownin West, . worden, hier inwohner ver- ■nb jnxi Per. Lie Kota- ^richtet, ein rn von dem gebracht und Hot, nach den -sopfcr geformte. Diele der armes auf die b offenbar in -her noch nicht Feftftellungen : des Tornados : 50. Bei dem den IZSchul- in getötet. >t. Die Stürme Todesopfer. 3m hnce gefal- jlürme der leh- iden verursacht. die ein Güter- dammes. Zmt Auf dem Erie- sverkehr einge- Gebirgsgruh: Zeit lassen! Taten für Lonntag, 5. Mai. Sonnenaufgang 4.26 Uhr, Sonnenuntergang 19.28 Uhr. — Mondaufgang 3.22 Uhr, Monduntergang 14.35 Uhr. 1818: der Sozialist Karl Marx in Trier geboren (gestorben 1883). — 1821: Napoleon auf St. Helena gestorben (geboren 1769). Daten für Montag, 6. Mai. Sonnenaufgang 4.24 Uhr, Sonnenuntergang 19.30 Uhr. — Mondaufgang 3.36 Uhr, Monduntergang 15.51 Uhr. 1836: der Ingenieur und Schriftsteller Max von Eyth in Kirchheim geboren (gestorben 1906); — 1859: der Naturforscher Alexander von Humboldt in Berlin gestorben (geboren 1769); — 1871: der Dichter Christian Morgenstern in München geboren (gestorben 1914); — 1904: der Maler Franz von Lenbach in München gestorben (geboren 1836). Gictzener Wochcnmarktpreise. VtekiRülioncn, bflöenjdjtbas KupmapkVoQC. Ich bin slolj auf Such! Zeigt wo lebt und arbeitet das k^rruwk-SSappen. 6s (st bas stolze Zeichen EuFcrZlSürbc. fUns€PaJj£F 66016^50120^ {stYeFanka’l&ibeFTreue Handball im Lahn - Oünsberg - Gau. Vächsten Sonntag treffen sich in ANendorf a. d. Lda Londorf I und Allendorf a. d. Lda. I zum fälligen Derbandsspiel. Den letzten Resultaten nach zu urteilen, mühte Londorf als knapper, aber sicherer Sieger aus dem Treffen hervorgehen. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 5. Mai, von 19,30 bis 22,30 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag, 6., von 19,30 bis gegen 22,30 Uhr: Der Wildschütz. Dienstag, 7., von 20 bis nach 22,30 Uhr: Der Troubadour. Mittwoch, 8., von 19,30 bis 22,45 Uhr: Die Fledermaus. Donnerstag, 9., von 19,30 bis 23 Uhr: Aida. Freitag, 10., von 19,30 bis nach 22,30 Uhr: Pulcinella; hierauf: Der Jahrmarkt von Sorotschinhi. Samstag, 11., von 20 bis nach 22,30 Uhr: Mignon. Sonntag, 12., von 11 bis gegen 13 Uhr. Konzert der amerikanischen Sängervereinigung des Dayton-Westminster- Chores; von 18 bis gegen 22,30 Uhr. Die Walküre. Schauspielhaus. Sonntag, 5. Mai, von 20 bis 22,15 Uhr: Katharina Knie. Montag, 6., von 20 bis 22,45 Uhr: Was Ihr wollt. Dienstag, 7. von 20 bis 22,15 Uhr: Die schwarze Kugel. Mittwoch, 8., von 20 bis 22,15 Uhr. Helden. Donnerstag, 9., von 20 bis 22,15 Uhr: Katharina Knie. Freitag, 10., von 20 bis gegen 22,30 Uhr: Vachgeholte 16. Vorstellung im Samstag-Ab. 6: Paulus unter den Juden. Samstag, 11., von 20 bis 22,45 Uhr: Was Ihr wollt. Samstag, 12., von 20 bis 22,15 Uhr: Katharina Knie. wird: Das Abbrenncn von Grasflächen, Rainen und Hecken ist in der Zeit vom 15. Mär^ bis 31. August jedes Jahres verboten. Personen unter 16 Jahren dürfen solche Stellen in der Vatur überhaupt nicht abbrennen. Grasflächen. Raine und Hecken, die weniger als 1000 Meter von Waldungen entfernt sind, dürfen nur in Gegenwart von mindestens zwei Personen über 16 Jahren abgebrannt werden. Während des Ab- brennens darf ntan das Feuer nicht verlassen. Es sind Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die ein Uebertreten des Feuers auf fremden Besitz ver- hindern. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden mit empfindlicher Geldstrafe bedroht. Die Polizei und Gendarmerie ist angewiesen, ihr besonderes Augenmerk auf die Einhaltung dieser Vorschriften zu richten. (Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt.) — Tageskalender für Volkshochschule: Eröffnungsfeier, Singsaale des Realgymnasiums, Ludwigstraße. — Artilleristen-Verein: Monatsversammlung, 8,30 Uhr. — Marine-Derein Gießen: Monatsversammlung im Dereinslokal. — Gießener Schwimmverein: Abschwimmen verbunden mit Schau- und Werbeschwimmen, 8,15 Uhr, im Volksbad. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Frau, die jeder liebt, bist du". — Astoria-Lichtspiele: „An 30 bis 50; Spargel 90 bis 150; Unter-Kohlrabi 10 bis 12; Feldsalat 200 bis 250; Tomaten 80 bis 90; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 50 bis 120; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 50 bis 60; Kartoffeln 6; Aepfel (ausl.) 40 bis 80; Aepfel (inl.) 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Nüsse 70 bis 80; das Stück: Tauben 90 bis 100; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 100 bis 150; Salat 20 bis 35; Salatgurken 80 bis 120; Lauch 10 bis 20; Rettich 40 bis 70; Sellerie 20 bis 100; - - - - Pfennig; der Erfolg. ** Evangelischer Bund. Aus den Kreisen der hiesigen theologischen Fakultät und der für den Evangelischen Bund wirkenden Bundesmitglieder wurde wiederholt die Abhaltung eines akademischen A nien. habend rin ^-°sten bc- JMoo @C; ^verletzt f °rt hier "rieht. föem Qelöjc *|djen Grenze ’.n besonders wrten Nach- Dörfern 1 le"i Biele x-Auf Er- Wie tur|: Mrunj um- Wib Lebens- der Grenze des Todes. — Tageskalender für Sonntag. Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See: Deutscher Jugend-Abend, im Stadttheater, 6 Uhr nachm. — Verein ehem. Kavalleristen: Standarten-Weihe, 3 Uhr nachm., Cafe Leib. — Konsumverein Gießen: Vertreter-Versammlung, 9 Uhr norm., im Gewcrkschaftshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Frau, die jeder liebt, bist du". — Astoria-Lichtspiele: „An der Grenze des Todes". — StadttheaterGießen. Aus dem Stadt- theoterbureau wird uns geschrieben: Die kommende Woche bringt das Gastspiel der Haaß-Berkow-Fest- spiele. Diese Spielschar hat bei ihrem letzten Hiersein einen starken, eindringlichen Erfolg gehabt. Tiefen Eindruck machten die Aufführungen des „Toten- tanzes" und des „Paradcisspiels". Auch am Freitag, 10. Mai, werden diese beiden Mysterienspiele wiederum zur Ausführung gelangen. Das Stadttheater hat zusammen mit dem Goethebund die Haaß-Berkow- Spiele verpflichtet. Es ist der Intendanz gelungen, außer der Vorstellung um 20 Uhr auch um 16 Uhr eine Schülervorstellung anzusetzen. Die Nachmittags- Vorstellung, die ebenfalls dem öffentlichen Verkauf freigegeben ist, bringt ein Spiel nach dem Grimm- schen Märchen „Die zertanzten Schuhe" von Grüm- bel-Seiling. ,. — Electrola-Konzert. Am Dienstag, 7. Mai, abends 8 Uhr, findet in der Veuen Aula der Universität ein Electrola-Schallplatten-Kon- zert bei freiem Eintritt statt. Dor wenigen Jahren noch völlig unbekannt, ist heute der Harne „Electrola" im Munde aller Schallplattenfreunde. Kostenlose Eintrittskarten werden in der Musikalienhandlung von Ernst Challrer auS- gegeben. Im übrigen verweisen wir auf Z>ie heutige Anzeige. — „Gallen-, Nieren- und Blasen- st e i n e." lieber dieses Thema hält im Rahmen der Veranstaltungen des Naturheilvcreins Dr. med. W. Malech am Dienstag, 7. Mai, abends 8 Uhr, im Kaufmännischen Dereinshaus, Nordanlage, einen öffentlichen Vortrag. Bei dem besonders häufigen Auftreten dieser Leiden und der bedeutenden Rolle, die für deren Entwicklung Mängeln unserer Lebensweise zukommt, ist der Besuch dieses Vortrags für jeden wichtig. Siehe heutige Anzeige. — Der Gesangverein „Concordia“- Gießen veranstaltet am 11. Mai sein 65. Stiftungsfest. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. — Oberhessische Viehversichcrungs- A n st a l t. Am Sonntag, 12. Mai, findet im Ratskeller zu Friedberg eine ordentliche Mitgliederversammlung (Hauptversammlung) statt. Interessenten ersehen Näheres aus der heutigen Anzeige. folgen wird. . „ *• Vortrag eines Gießener Um* verfitätsprofefsors in Zürich. Dor einigen Tagen hielt der Universitätsprofessor Dr. H. Craemer, der Direktor des Tierzuchtinstituts an der hessischen Landesuniversität Gießen, in Zürich auf Einladung des dortigen Iagdklubs einen Vortrag über Tierpsychologie. Im Anschluß an die Darlegungen des Redners wurde eine stattliche Folge von Lichtbildern zu dem Thema des Abends vorgeführt. Die „Veue Zürcher Zeitung", deren Bericht uns bei der Viederschrift dieser Zeilen vorliegt, unterrichtet ihre Leser ausführlich über den Vortrag des Gießener Gelehrten, den das genannte Blatt einen Meister der Sprache nennt, der es verstanden habe, feine Ausführungen stellenweise mit einem feinen Humor zu Würzen und einen warmen Appell an die Herzen der Menschen, die mit den Tieren in irgendwelche Beziehungen treten, zum Schutze der Tiere zu richten. Vach dem Bericht der „bleuen Zürcher Zeitung" war der Vortrag Prof. Dr. Kraemers Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Pfund: Butter 180 bis 190; Matte 30 bis Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirfina 20 bis Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 bis 30; gelbe toto'oV >ner °n' c »er 2 Dlflü- |P X, ’ U 13,4 S-' ** Straßensperrungen. Dorn Oberhessi- schen Automobil-Club E.V. (A. V.), Gießen werden uns folgende Straßensperrungen mitgeteilt: Kilometer 7 bis 9 im Zuge der Straße Gieße n — V e i s k i r ch e n für alle Fahrzeuge vom 6. Mai bis auf weiteres, Umleitung über Rödgen—Großen-Duseck; Kilometer 5,8 bis 6,8 im Zuge der Straße Münchhausen-Oders- berg für alle Fahrzeuge vom 4. bis 10. Mai. Umleitung über Seilhofen—Deilstein; Kilometer 9,9 bis 11,5 im Zuge der Straße Beil stein — Odersberg für alle Fahrzeuge vom 11. bis 18. Mai, Umleitung über Deilstein—Münchhausen; Kilometer 0,0 bis 0,5 im Zuge der Straße Beil st ein — Rodenroth für alle Fahrzeuge vorn 27. Mai bis 1. Juni, Umleitung über Deil- stein-Holzhaufen. " Das Maienblafen. Bei dem heutigen Maienblasen, abends um 7 Uhr vorn Turm der Iohanneskirche aus, kommen zum Vortrag: 1. Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren, v. I. S. Bach; 2. Anrufung Gottes, v. E. Ruh; 3. Wenns Mailüfterl weht, Tonsah v. Pastor Kuhlo. •* Iustizpersonalien. Auf Grund des Altersgrenzegesehes treten am 1. Juni in den Ruhestand: Der Vortragende Rat im Ministerium der Justiz, Ministerialrat Johannes Schmitt in Darmstadt, der Landgerichtsdirektor beim Landgericht der Provinz Rheinhessen zu Mainz, Martin Hessel, und der Oberamtsrich- ter beim Amtsgericht Alzey, Adam König. ** Der Oberhessische Kunstverein eröffnet morgen, Sonntag, 5. Mai, Dormittags 11 Uhr, eine neue Ausstellung, welche sich aus Werken der Frankfurter Künstler: Lina v o n S ch a u • roth, Adolf Weber-Scheld, Johann Beiz, Carl Stock zusammensetzt. Auf die vielseitige Ver- anftaltung, welche neben Werken der Malerei und Plastik auch Glasmalerei, Glasschliff und dekorative Entwürfe auf dem Gebiete der Kirchenmalerei bringt, sei an dieser Stelle besonders hingewiesen. Näheres in der heutigen Anzeige. " Die Museen sind am Sonntag zwischen 11 und 1 Uhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet. ** Die städtische Kunstsammlung mit der Dr.-Hans-Bock-Gedächtnis-Stiftung im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist nunmehr wieder jeden Sonntag von 11 bis 13 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. ' ** Der Deutsche-Jugend-Abend, den der hiesige Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See am morgigen Sonntagabend um 6 Uhr im Stadttheater veranstaltet, sei noch einmal der Beachtung unserer Mitbürger empfohlen. Bekanntlich soll der Reinertrag dieser Veranstaltung dazu dienen, den Unterhalt einer deutschen Schwester in Paraguay mit bestreiten zu helfen. Um dieses guten Zweckes willen verdient die Veranstaltung allein schon einen starken Besuch. ** D i e Volkshochschule macht an dieser Stelle nochmals besonders darauf aufmerksam, daß heute abend die Eröffnungsfeier, morgen (Sonntag) der erste pflanzenkundliche Ausflug in den Hangelstein (Teilnahme unentgeltlich) stattfindet und am Montag der erste Kursus beginnt, dessen Probe- besuch gegen Lösung einer Ausweiskarte gestattet ist. Alles Nähere ist in der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Viehmärkte in Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt, dem am Mittwoch Schweinemarkt tfcn rsS-* ..fr i°»‘n toOrtt”"5 Ausbildungskursus angeregt, der die Redner des Evangelischen Bundes mit den neueren wissenschaftlichen Ergebnissen der theologischen Forschung be- kanntmachen solle. Dank der Unterstützung durch mehrere Professoren der Landesunivcrsität fand nun ein solcher Kursus an zwei Tagen dieser Woche hier statt. Der Vorsitzende des hessischen Hauptoereins des Evangelischen Bundes, Pfarrer B e r ck (Roßdorf), eröffnete den ersten Kurfustag im Markus- faalc hierselbst mit herzlichen Bcgrüßungswotten. Anschließend hielt Universitätsprofessor D. Dr. Cordier den ersten Vortrag über „Luthers Bedeutung für den deutsä)en Erzichungsgedankcn". An den geistvollen Vortrag schloß fid) eine kurze Aussprache an. Der zweite Tag des Ausbildungskursus begann vormittags mit einem Dortrage des Uni- oersitätsprof. D. Dr. Bornkamm über „Luthers Bedeutung für die deutsche Staatsauffassung". Der Vortrag fühtte dann zu einer ausführlichen Besprechung über die Stellung des Christen zum heutigen Staate. Unter Führung des Vortragenden wurde hieraus das theologische Seminar besichtigt und die Kursusteilnehmer mit der neuesten Lutherliteratur bekanntgemacht. 2lm Nachmittag sprach Professor Dr. Götze über „Luthers Bedeutung für die deutsche Sprache und Literatur". Auch an diesen Vortrag schloß sich eine eingehende Aussprache an. Am Schluß des Kursus dankte der Vorsitzende den Vortragenden für ihre allseitig mit Genugtuung aufgenommenen Vorträge. »» Gegen das Abbrennen von Gras- flächen, Rainen und Hecken. 3m neuesten Amtsverkündigungsblatt erinnert das Kreisamt ® icfj.cn wiederholt an die Polizeiverordnung für den Kreis Gießen betr. das Abbrennen von Grasflächen, Rainen und Hecken, in der bestimmt ANZEIGEN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 8 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werdenI VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS Länder - und Städtevappen alles Erdteile in Gold- und SilberdrucK: Oie FREUDE, des K U R M A R K Aus Der provinzialhaupistadi. Gießen, den 4. Mai 1929. Zeit lasten! Als ich vor vielen Jahren mit einigen Freunden zum erstenmal die Schweiz besuchte, erstiegen wir auch einen ziemlich hohen Berg in den Berner Alpen. Trotz der Mahnung unseres Führers eilten doch etliche von uns, darunter auch ich, voraus und konnten es nicht erwarten, den Gipfel als die ersten zu erreichen. Wir mußten deshalb in der Mitte des Berges lustschöpfend stehen bleiben und einige Minuten rasten. Allerdings gab es, als der Gipfel in Sicht kam, wieder ein allgemeines Wettrennen, wie es nur bei jugendlichen Wanderern mit ihrer Unerfahrenheit vorkommt. Wir überholten einige Bergsteiger, die auf unseren Gruß weiter nichts sagten als: „Zeit lassen!" und ruhig im gewohnten Gleichmaß weiterschritten. Als wir auf dem Gipfel des Berges standen, waren wir so müde und abgehetzt, daß wir kaum das herrliche Panorama genießen konnten. Schlaff lagen wir auf den Felsplatten mitten im Schnee und schnappten Lust. Eine Stunde später erschienen ganz gemütlich die Vachzügler. Aber sie tarnen mit frischen Sinnen und konnten das Land- schaftsbild ganz anders auf sich wirken lassen, wie wir. Sie waren die Klügeren gewesen. Diesen Gruß: „Zeit lassen!" habe ich noch einige Mal in den Bergen gehört, von Sennen und Wanderern. Auch ich selbst habe ihn oft weitergegeben, wenn ich sah, daß Leute im Bergsteigen eine Höchstleistung vollbringen wollten. (Man erlebt da oft die seltsamsten Dinge. Ein Freund von mir hat z. D. den Fcldberg im Schwarzwald vom Feldberger Hof aus laufend erstiegen!) Aber auch im Alltagsleben fällt mir der schöne Gebirgsgruß „Zeit lassen!" manchmal ein. Da fährt die Elektrische ab. Keuchend kommt noch einer angelaufen und will sich hinauffchwingen, aber die Kraft ist ihm ausgegangen. Er packt es nicht, wird noch ein Stückchen vom Wagen mit* geschleift und fällt auf die Straße. Wenn es auch ohne größeren Schaden abgegangen ist, so ist doch der Anzug stark mitgenommen worden. Warum hat der Mann nicht an den Derggruh gedacht? In sieben Minuten kommt ja wieder eine Elektrische. Ein Fuhrmann will mit feinem schwer beladenen Wagen eine Anhöhe hinan. Cs eilt. Er spornt die Pferde zu Unmöglichem an und erreicht fein Ziel doch nicht; denn die Pferde stutzen und wollen nicht mehr. Hätte er die Tiere einige Minuten ausruhen lassen, wäre es spielend gegangen! Eile mit Weile! heißt es mit Recht. Es ist ein wahres Sprichwort. — Warum hören wir so ost den Sah: „Ich habe keine Zeit."? In den meisten Fällen ist es eine schlechte Ausrede. Und wir sehen, daß viele Leute, die eigentlich nicht allzuviel zu tun haben, dock) darüber klagen, daß sie so wenig Zeit haben. Andere wieder, an leitenden Stellen, haben immer Zeit. Das ist natürlich; denn sie wissen mit der Zeit umzugehen. Wer aus einem wichtigen Posten etwas organisieren will, der muß vorher schon bewiesen haben, daß er mit sich selbst im Reinen ist, sonst wird er nie als Leiter zu einem großen Werk berufen werden. Das kann nur einer fein, der sich selbst und damit auch feine Zeit in der Hand hat. Diejenigen aber, die immer keine Zeit haben, tun am allerwenigsten. Sie betrachten vielleicht das Leben als eine Hetzjagd. Ohne Pause, ohne Atemholen sausen sie dahin. Zur Selbstbesinnung, zum Rückblick kommen sie ganz selten. Sie behandeln ihre Zeit wie der Geizhals seine Schätze. Sie kennen und fürchten nur ein Wort: Zurückbleiben! Die Angst vor diesem Wort läßt sie nicht ruhen, treibt sie unaufhörlich weiter. Und wenn sie am Iahresschluh oder gar am Lebensende ihr Tun überschauen, müssen sie eingestehen: Wofür habe ich mich so abgequält? Warum lieh id) mir nicht mehr Zeit? 24 Stunden haben wir jeden Tag zu unserer Verfügung. Das ist eine lange Zeit. Sollte es nicht möglich sein, damit auszukommen? Blicken wir am Abend des Tages doch einmal zurück und überdenken wir, was eigentlich gearbeitet worden ist. Finden wir da nicht oft, daß wir eine ganze Wenge Zeit vergeudet haben mit Kleinigkeiten, sogar mit Richtigkeiten? Hätte ich ... Wenn ich ..., so fangen dann die Reue- sähe an. Aber der Hauptsatz: Zeit lassen! war tagsüber vergessen worden. Ueber jeder Arbeit sollte er mit hell leuchtenden Buchstaben stehen. Du sollst eine Rechnung prüfen, Zahlen zusammenzählen, eine schwierige Aufgabe lösen. Da hilft dein Feuereifer nicht, da hilft nicht der feste Vorsatz, in zwei Stunden muß es gemacht fein. Ein kleiner Fehler, ein leichter Irrtum werfen alle deine Bemühungen über den Haufen. Die Berichtigung, das Suchen nach dem Fehler kosten dich oft das zehnfache an Zeit. Die Ruhe geht zum Teufel, du wirst zappelig und nervös. Dann lege alle Bücher und Belege für kurze Zeit weg, schließe die Augen, und sprich innerlich ganz laut: „Zeit lassen!" Du wirst sehen, es hilft. KUR AR OCtiMTTt* ARK CIGARETTEN Verkäufe | Frau Emma Dauernheim geb. Preuschen Im Namen der Tieftrauernden: Stellengesuche| I 02785 Näheres Gießen / Seltersweg Gießen, den 3 Mai 1929. |Verschiedenes| 028 Ji Schöner, wachsam. 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M Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 4. Mai 1929 DerAufstiegderschwarzenRajsemll.S.A. Von Fred E Dillinger. Die Schulweisheit, das; der Neger zu einer unfähigen, unbegabten Rasse gehöre, wird wahrfchein- lid) nicht mehr lange gelehrt werden können: haben doch die Schwarzen in den Vereinigten Staaten gerade in den letzten Jahren gezeigt, daß sie sich sogar noch schneller als die Japaner auf eine hohe Kulturstufe zu erheben verstehen. Man weiß in Europa gewöhnlich nur, bafo die Schuhputzer, Chauffeure, Hausdiener, die Landarbeiter im Mississippigebiet, die Ammen und Köchinnen in den Vereinigten Staaten vorwiegend zur schwarzen Rasse gehören, und es ist bei uns auch bekannt, daß der iveißc 7)anfee mit Verachtung auf Neger und Mischlinge herabsieht, von denen er behauptet, daß von ihnen ein schlechter Geruch ausginge, vom schlechten Charakter und der geringen Intelligenz ganz zu schweigen. Deshalb mus; der Neger in den Südstaaten, wenn er die Eisenbahn benutzt, noch immer im „Jimcrow" fahren, im Negerwagen: deshalb müssen alle Neger aufstehen, wenn sich ein Weißer aus eine Bank setzen will, und, falls ein Neger in ein Haus einzieht, das bisher nur von Weißen bewohnt war, kündigen alle früheren Mieter — unter Umständen räumt sogar die weiße Bevölkerung der ganzen Straße das Quartier, weil sie es mit ihrer „weißen Menscl)enwürdc" nicht in Einllang bringen kann, in irgendeiner Art von Wohngemeinschaft mit Negern zu leben, die nicht gerade Bediente der weißen Familie sind. Der Hochmut der weißen Rasse ist ein Uebcr- blcibsel aus der erst ein Menschenalter zurückliegenden Zeit der Sklaverei: die Entrechtung der Neger, die jährlich etwa 30 bis 40 Opfer der Lynchjustiz fordert — im Jahre 1919 waren es sogar 90 — bat aber nicht verhindern können, daß sich die schwarze Rasse in Amerika Schritt für Schritt aus ihrer elenden Lage emporarbeiten konnte. Einige Tatsachen beweisen, wie grundlegend die Umwälzung im Leben der amerikanischen Neger ist. Es gibt eine große Neger Universität, an der nur schwarze Professoren unterrichten; viele tausend Neger studieren zur Zeit, 40 000 schwarze Lehrer, von denen 5000 Hochschulbildung haben, unterrichten die Negerkinder mit dem Erfolg, daß es heute unter der schwarzen Bevölkerung der Vereinigten Staaten nur n 0 ch fünfzehn Prozent "Analphabeten gibt, also viel weniger als in Spanien oder in Italien. Dieses Ergebnis ist um so anerkennenswerter, als viele Farmer des Südens der Fortbildung der bei ihnen beschäftigten farbigen Landarbeiter jedes nur denkbare Hemmnis in de» Weg legen. Unter den 60 000 wirtschaftlichen Unternehmungen, die Negern gehören, nehmen die 75 von schwarzen Direktoren verwalteten Banken eine besonders hervorragende Stellung ein. Wie gut diese Geldinstitute arbeiten, lehrt das Beispiel der „Binga State Bank“ in Chikago, in der nur Schwarze besci)aftigt sind. Don den zwölf Millionen Negern, die in U.S.A. leben, sind 200 000 Gutsbesitzer und 700 000 landwirtschaftliche Pächter. Es ist, bekannt, daß Neger als Sänger, Tänzer und Artisten hohe Einkommen beziehen, aber man weiß nicht, daß viele amerikanische Volkslieder und Operettenschlager in Harlem, dem Neuyorker Negerviertel, entstanden sind. In den Vereinigten Staaten gibt es heute rund 50 0 Neger Zeitungen, non denen einige»über 150 000 Leser haben. Dies alles beweist, daß sich die amerikanischen Schwarzen im letzten Jahrzehnt intellektuell und wirtschaftlich in Scharen vom Proletariat gelöst haben, um ein eigenartiges Bürgertum zu bilden, das freilich von den weißen Bürgern nicht als gleichberechtigt anerkannt wird. Aber der Fortschritt ist unverkennbar. Vor sechzig Jahren debattierte man noch in den Vereinigten Staaten darüber, ob der Neger eine Seele habe. Vor zwanzig Jahren konnte man noch in den Zeitschriften lesen, daß der Schwarze kein Mensch im Sinne des amerikanischen Menschen sei. Damals bemühte sich der hochgebildete Neger B 0 0 k e r T. Washington, seinen Stammesgenosscn durch wirtschaftliche llm- schichtung zu besseren Lebensbedingungen zu verhelfen. Dieser bedeutende Negerführer wies darauf hin, daß die Fortschritte der Schwarzen feit der Negerbefreiung in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts größer gewesen seien als der Aufstieg der befreiten Leibeigenen in Rußland in der gleichen Zeit. Booker T. Washington wurde dadurch ausgezeichnet, daß der Präsident Roosevelt ihn in gewissen Abständen zum Essen einlud. Dieser Verzicht auf überlieferte Vorurteile ist dem Oberhaupt des amerikanischen Staates oft übel vermerkt worden, und säst alle vornehmen Familien weigerten sich, an Mahlzeiten im Weißen Haus teilzunehmen, wenn der Neger eingeladen war. Man fürchtete die Agitation Booker T. Washingtons, von der man annahm, daß sie die Neger rebellisch machen würde, obwohl Washington nicht für einen Aufstieg seiner Stammesgenossen, sondern nur für eine Lebens- besserung als Arbeiter eintrat. Aber auch das war den Farmern nicht recht, die damals eine Bewegung entfachten, um der schwarzen Bevölkerung die erworbenen gesetzlichen Freiheiten wieder zu nehmen. Die Lynchjustiz stand auf dem Höhepunkt, im Jahre 1906 gab es in Atlanta und drei Jahre darauf in Springfield im Staate Illinois ein furchtbares Gemetzel unter den Negern. Noch vor diesen schrecklichen Ereignissen entstand eine neue Negerpartei, die sich mit dem Programm Booker T. Washington nicht zu- sriedengab. Im Jahre 1905 trafen sich Reger aus allen Teilen der Bereinigten Staaten bei den Niagarafällen und beschlossen, einen unermüdlichen Kamps für ihre Menschenrechte aufzunehmen. Die ersten Sähe des damals beschlossenen Manifestes lauteten: .Die Männer der Niagara- Bewegung. die sich nach des Jahres schwerer Arbeit versammeln und einen Augenblick von dem Kampf um das tägliche Brot ausruhen, wenden sich an die Nation und verlangen wiederum im Namen eines Zehnmillionenvolkes das Recht, gehört zu werden. Sie zögern nicht, schwere Klagen zu erheben, Klagen und Sorgen, aber auch Bitten und Hoffnung zum Ausdruck zu bringen. Wir werden nie zufrieden sein, ehe wir nicht volle Mensch'heitsrechte erhalten haben. Darum forbern wir uneingeschränktes Stimmrecht, das Ende der Diskrimination und das Recht freier Menschen, sich mit allem Bolk zu vereinigen, das sich mit uns zu vereinigen wünscht. Alle Gesetze müssen gleichmäßig gegen weiß und schwarz angewendet werden." Nun haben die Neger in den Bereinigten Staaten längst das voUe Stimmrecht — aber sie können es nicht ausüben, da in den Südstaaten an die entsprechenden Gesehesparagraphen Bildungsklauseln oder ähnliche Ergänzungen angehängt worden sind, die nur gegen die schwarze Bevölkerung angewendet werden. Aus der Niagara-Bewegung. die unter den Negern ungeheuer volkstümlich geworden ist. entstand im Laufe der Zeil die „Nationale Gesellschaft für den Aufstieg farbigen Bolkes", an deren Spitze ein Negerpro- sessor steht, und die dafür eintritt, daß der intellektuellen und wirtschaftlichen Emanzipation nun auch d i e gesellschaftliche Befreiung folge. Der gesellschaftliche Tlbschluß ist heute um so unverständlicher, als oft ein geübtes Auge dazu gehört, einen amerikanischen Neger überhaupt noch von einem Weihen zu unterscheiden. Es gibt viele Tinkturen, um die schon durch klimatische Einflüsse sehr verblaßte Hautfarbe fast restlos zu beseitigen, und eine Negerin, die Erfinderin Tumbo-Malone, besitzt eine Haarwasserfabrik, deren Erzeugnisse Millionen Krausköpfen zu glatten Frisuren verhelfen. Diese Haarwasser haben der Erfinderin viele Dollarmillionen eingebracht. Mit ihrer Hornbrille und ihrem glatten Bubikopf würde man sie in Europa ebensowenig für einen Angehörigen der schwarzen Rasse halten wie den würdig aussehenden Senator Adalbert H. Roberts, der seit dem Jahre 1924 im Senat des Staates Illinois sitzt. Recht europäisch sieht auch ein Neger aus, der den deutschen Namen Richard Kemper führt: wie er zu diesem Namen gelangt ist, weiß man freilich nicht. Er wurde im Jahre 1S45 als Sklave geboren und ist heute mehrfacher Millionär: es gehören ihm nicht nur Häuser und Grundstücke, sondern auch einige Gerbereien und ein Gaswerk. Der moderne amerikanische Neger hat also sehr wenig mit seinen afrikanischen Brüdern gemein: er geht auch nur nach Afrika zurück, um dort als reicher Mann zu jagen oder als Missionar tätig zu sein. Denn die amerikanischen Neger sind sehr religiös: sie haben 45 000 eigene Kirchengemeinden, die über ein Vermögen von 100 Millionen Dollars verfügen. Freilich Ist der Gottesdienst in den Kirchen der Negerstadt Hartem etwas merkwürdig: nach der Predigt bleibt die Gemeinde häufig noch ein wenig beisammen, um ein Tanzvergnügen anzuschließen. Ein Menschenleben hinter Kerkern Zn der Zwingburg des französischen Absolutismus. — Abenteuerliche Flucht aus der Bastille. Die Denkwürdigkeiten Henri Masers de L a t u d e, die jetzt in deutscher Aebersetzung neu herausgegeben werden'), hatten bei ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1790 in Frankreich und in den Nachbarländern einen beispiellosen Erfolg und die Zeitschrift „Mercure de France" verflieg sich zu der Behauptung, dieses Buch müsse künftig dazu dienen, die Kinder lesen zu lehren. Denn schon hatten sich die Zeiten gewandelt, die Macht des absoluten Königtums war erschüttert, die Revolution befand sich auf ihrem unaufhaltbarem Wege. Da kommt denn diese Schrift eben recht: sie schildert (jetzt unter dem deutschen Titel „Fünfunddreißig Jahre in Kerkern") das Leben Henri Masers de Latude. der wegen eines törichten Streiches in die Bastille gesetzt wurde und ein ganzes Menschenalter in französischen Gefängnissen aushalten mußte. Sie zeigt an dem Beispiele dieses einen, welcher Grausamkeiten die Beamten des vergehenden Systems fähig waren. Latude war einer von denen, die durch die Kerker geschleppt wurden, um bann irgendwo „vergessen" zu werden, wie die Formel lautete, die Gepeinigten sollten endlich einmal unter ihren Qualen sterben, und es ist nicht auszudenken, wie viele Opfer ihnen wirklich unterlegen sind, wie viele sich aus dieser Haft durch freiwilligen Tod befreit haben mögen. Dieser eine, einer von der Legion der Gefangenen, hatte die seelische und die körperliche Kraft, den Peinigern Stand zu bieten. Er hatte die Fähigkeit, seine Leiden zu erzählen. Aus seiner Geschichte aber spricht eine ganze Zeit, sie wird zum Zeugnis für ein Kapitel französischer „Kultur"-Geschichte, das immerhin einige Jahrhunderte gedauert hat. Das Bergehen Latudeö war nicht sehr groß. Als jugendlich-unbesonnener und törichter Pionieroffizier in Paris hat er offenbar sehr hochfliegende Pläne und findet, daß er sie nur durchzusehen vermag, wenn er die Außnerksamkeit einer hohen Persönlichkeit auf sich lenken kann. Das kann nach Lage der damaligen Dinge keine andere fein als die Marquise de Pompadour. Er entdeckt ihr also eine vorgebliche Verschwörung und sendet ihr. um seine Angabe glaubhafter zu machen, ein Schächtelchen mit ganz ungefährliche» Pulvern. Er hat für diesen ehrgeizigen Streich genug gebüßt. Von seiner furchtbaren Strafe - sünfunddreihig Jahre in Kerkern — erzählt er in seinem Buch. Es ist eine Schilderung eines einzigen großen Leidens, ein fürchterliches Gemälde, grau in schwarz gehalten, mit den spannendsten und abenteuerlichsten Einzelheiten. den gemütvollsten und einfachste» Epi- I foben. Die Wahrheit aller seiner Erzählungen ist Latude bestätigt worden. Zeitgenossen und j Leidenskameraden lebten noch, die Werkzeuge seiner berühmten Bastille-Flucht wurden später von dem Volke ausgestellt und der alte Aben- *) Fünfunddreißig Jahre im Kerker. Denkwürdigkeiten und Briefe des Henri Masers de Latude. Uebertragen von A. Ahues. Mit sechs Bildtafeln. Im Insel-Verlag, Leipzig. Preis: In Seinen 10 Mk. (163). teurer erlebte noch einen rüstigen, von der Sonne der Bolkstümlichkeit verklärten Lebensabend. . Mai 1929 02573 ©fdff Karten! Grna Schotten Gießen >. Mai 1929 40520 Gießen Neustadt 75 Friedewald (Rhld.) z.Z. Gießen, Neustadt 75 i 1929 | Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen । zeigen an | Dr. med. Wilh. Mauß und Frau Gse geb. Schaad Gießen, den 2. Mai 1929 | 02780 Walter Die glückliche Geburt eines gesunden Fungen | zeigen hocherfreut an | Gerichtsaffessor Or. Ludwig Schmitt und Irau Bertha geb. Klipstein i Friedberg, den 3. Mai 1929 40720$ Für die uns anläßlich unserer Vermählung er- I wiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlich | Heinrich Simon * und Frau Minna geb. Göbel : Ruttershausen, den 4. Mai 1929. 02816 r Gesangverein Concordia Sieben Samstag. 11. Mai, ds. Js, abds. 8 Uhr. im Saale des Cald Leib 65. StMsfesl verbanden mit einem Volksliederkonzert, daranltolfiend Bail. 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Carl Spangenberg z Schönste Aussicht Marburgs Mittwoch: 5-Uhr-Tee 27lb Samstag: Gesellschafts-Tanz (schwarz.Anzug) Sonntag: Nachm. Konzert, abds. Abend-Tanz Samstag, V Mai 1929 Nr. 104 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Wandern und weisen • Bäder und Sommerfrischen. München im Mai. Von Hans Bege. ^Wenn's Mailüftcl weht, geht der Dockkeller auf, Da schwingen die Dräuknecht den Dauzen hinauf." Zu den Degleiterscheinungen des Münchener Frühlings gehört von altcrsher der Maibock. Das Hofbräuhaus, in dem dieser braune Edeltrank geschenkt wird, dessen Genuß der Münchener als seine Frühlingskur bezeichnet, erreicht in dieser Zeit eine Desuchszifser, wie sie das beliebteste Modcbad nicht aufbringt. Man ist dort an Massenbesuch gewöhnt und darauf eingerichtet, denn die Ausschankstätten des Hosbräu- hauses fassen gut 7000 Personen. Aber in der Dockzeit sind oft viel mehr da, und es herrscht manchmal eine solche Fülle, daß man sich kaum umdrehen kann. Es ist immer urgemütlich in der Braustätie am Plahl. Die Kellnerinnen schwirren mit den schäumenden Gläsern durch die Menschcnknäuel, deren frohes Lachen und immer lauter werdendes Stimmgewirr die mehr und mehr anwachsende Stimmung bekundet. Es kommen Augenblicke vor, wo kein Dockglas, kein Maßkrug zu haben ist, und verschiedene „Kurgäste" voll Angst umher- irrcn und ungeduldig auf den Moment warten, wo irgendeiner die für seinen Kurgebrauch nötige Menge des edlen Stoffes genossen hat und das Trintgefäß frei wird und auch sie sich dem lieben Tun hingeben können. Alle Erdennot ist dann bald vergessen, alle Sorgen schwemmt der süße, starkflüffige Trank hinweg, der so mild eingeht. „Der Dock is a Doktor, Zu dem wend' di hin: Denn, woaßt. der verschreibt dir Die best' Medizin", sang man im alten München, und alles, was Deine hatte, eilte zu dem alten düsteren Keller im Münzgäßchcn, wenn der Dock ausgeschenkt wurde, war er doch schon damals für die meisten Münchener die lang ersehnte Frühlingskur. Die allgemeinen Fragen waren dann: Ist der Dock Heuer gut? und: Wieviel ist eingesotten? Aichts gab es in der Welt, was diesen Fragen an Wichtigkeit gleichkam. Lind sah man dann da unten. dann stiegen die alten übermütigen Docklieder, von denen viele von Kobell stammen. Dieser Dichter wußte die Güte des Dockes sehr zu schätzen. Er fang: „Ein Mai ohne Dock. Dua. da sag i. waar's g'feit." Lustig ging cs in dem alten Keller zu. der im Dolksmund der Dockstall hieß und an dessen Wänden Bilder des ausgelassenen Dockes zu chehen waren, der ein volles Glas oder einen Zecher umstöht. Schon in der Frühe traf man sich dort zum Dockbierschoppcn. und nichts schmeckte so gut dazu wie die Dockwürste, die es nur in München und auch hier nur in dieser Zeit gab. Dci diesen Dockfrühschoppen traf man alles, was in München einen Aamen hatte, die ganze Elite der Gesellschaft war hier versammelt. Die größte Lust, aber auch die größte Fülle brachten die frühen Abendstunden. Da durste man sroh sein, wenn man ein Dockglas erwischte, denn im Bockkeller hieß cs sich selbst bedienen, dort gab es weder Kellnerinnen noch Aufwärter. Dann wurde es erst recht «gemütlich und lustig dort unten im Bockstall, den die Oelfunzeln kaum erhellten, und nicht eher stand man auf, bis die Mr elf schlug und der Keller geräumt wurde. Aber auch in diesen Honigkelch siel einTropsen Bitternis, wenn man den Verfasser eines Berichtes über die Maibocktage der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Glauben schenkt, der die Musik, die im Bockkeller gemacht wurde, zu den „unvermeidlichen Leiden" zählt. Der wackere Chronist widmet ihr folgende bewegliche Klage: „Aus unscrm behaglichen Genuß, aus unfern seligen Beschauen und Trinken werden wir plötzlich durch höchst unangenehme und schrille Töne geweckt. Eine Geige, eine Flöte oder Klarinette und eine Harfe, vielleicht auch eine ganz verstimmte Trompete führen ihre ohrzerreihenden Stücke auf. Befindet sich aber bei dieser Konzert- gesellschast nun gar noch eine Sängerin, so geraten wir aus der Scilla in die Charybdis. Eine Sängerin, eine schon sehr verblühte und abgelebte Jungfrau mit einem der Bronzefarbe ähnlichen Teint, begleitet von ein paar Musikanten mit roten, versoffenen Gesichtern, singt mit heiserer, kreischender und widerlicher Stimme ein Lied, das Stein erweichen, Menschen rasend machen kann. Hat eine solche Musikantengesell- schaft ihre Produktion geendet, so folgt ihr auf dem Fuße eine zweite, eine dritte, miteinander wetteifernd, die Ohren des Publikums zu martern. Die Gia-t ohne (Stufen. Von Werner Vergengruen. „Zil halbtägigem Kurgebrauch aus Berlin cingc- troffen" — nein, so habe ich mich nicht in die Knr- liste eingetragen; ich habe mich überhaupt nicht eingetragen, sondern es vorgezogcn, mich nur als Zaungast von so ungefähr ein wenig durch BadOeynhausen hindurchtrciben zu lassen. Badestädte erinnern mich immer an Wallfahrtsorte oder Truppenübungsplätze, insofern, als man von jedem Menschen gleich weiß, warum er hier ist. Es liegt ein Fluidum von Gemeinsamkeit in der Luft, das in einer Ucbergangszeit sozialer 'Atomisierung besonders stark wirkt. Es tut wohl, an dieser Gemeinsamkeit ein wenig teilzuhaben, wenn auch nur sozusagen illegalerweise und auf gut Nassauisch, Der Bestimmung Oeynhausens entspricht es, daß es hier weder Gymnasium noch Finanzbehvrden gibt, weder Landgerichte, Telephonämter oder Gefängnisse, vielmehr Gebäude, die dem Menschen wohltun möchten, nämlich Badehäuscr, Kurhaus, Brunnenhaus, Wandelgänge, Pavillons lind Konditoreien. Zwi- l'djen solchen freundlichen Zweckbauten wandelt man gelassen einher, geht oder rollt auf sauber geharkten Wegen an lustigen bunten Blumenrabatten vorbei durch eine überaus wohlgepflegte Natur, hört die Kapelle der Mindener Pioniere das Potpourri aus dem „Obersteiger" spielen, rastet auf einer sonnen- beschienenen Bank und empfindet jene sanfte Melancholie, in der bereits das gedämpfte Wohlgefühl der Rekonvaleszenz vorgebildet ist. Diesen Park mit seinen schönen Baumgruppen und wiesenartigen Durchblicken hat kein Geringerer geschaffen als der große Gartenkünstler Lenne, und man muß ihm dafür dankbar sein. Die unzähligen bunten Singvögel aber, die jede Musikpause der Mindener Pioniere ans- füllen, hat der liebe Gott geschaffen; und man sollte also seine Dankbarkeit nicht auf Herrn Lennö und die Oeynhausener Badeverwaltung beschränken. Bciul Verlassen des Parks erlebt man eine scharmante Ueberraschung: einen Dilleneingang flankieren in Shetlandpony-Größe jene zwei Pferde, die man in Berlin unter der Bezeichnung des verhinderten tforb 1 schritts und des geförderten Rückschritts kennt; aber weil man doch hier im alten Cheruskerlande ist, so hat man jedem der beiden Rossebändiger ein Auer- ochsenfell mit Hörnern um die antike Nacktheit gehängt und je eine metallene Eichenkeule daneben auf den Boden gelegt. Der Titel „Die Stadt ohne Stufen" stammt nicht von mir, denn auch in der Charakterrolle^des reisenden Enthusiasten habe ich mir noch ein Stückchen Ehroniftengcwissenhastigkeit bewahrt. Vielmehr hat sich das die Badeverwaltung misgedacht, die in ihren Prospekten nicht so ängstlich .311 sein braucht. Und natürlich gibt cs auch hier Stufen, so viel man will: nur hat man mit Rücksicht auf die Herz- und Gelenkleidenden keine Bordschwellen an, den Straßenübergängen angebracht und vor vieleHaus- cingänge sanft ansteigende Rampen gelegt, lieber- Haupt ist hier alles um des Kurgastes willen da; und das gibt einem jenes Gesühk, das wir alle so gern haben möchten, wenn wir krank sind: das Gefühl, es geschieht etwas für mich, ein Stückchen Welt ist meinetwegen vorhanden, man nimmt mein Leiden nicht zu leicht, ich bin auf irgendeine Weise ein klein bischen interessant. Dies Gefühl tut so wohl, wie es uns als Kindern wohlgetan hat, wenn man unser Wehwehelzen betrachtete und anpuftetc, mit einem Silberlöffel kühlte oder mit einem Heil- jegen besprach; und natürlich waren diese Kiuder- wehwehehen in ihrer Art viel ärger als die schlimmsten Herzneurojen und Gelenkerkrankungen, wenn auch nur für Augenblicke; denn wir roaren doch unserem Unglück wehrlos und gänzlich preisgegeben und wußten genau, daß es nie, nie wieder gut werden konnte. Sicherlich gibt es verborgene Gefuhls- zusammenhänge zwischen Kranksein und .Kindsein oder vielmehr ganz offenkundige; und in die Welt dieser Empfindungen taucht in Oeynhausen auch der Gesunde. Er spürt so deutlich, diese Atmosphäre von Lindigkeit, von Trösten, dies: „es ist gar nicht so schlimm, es wird schon wieder werden mit der Mut ter Behren"; es ist so etwas vom Zureden des alten Hausarztes, des Kinderfreundes mit den weißen Haaren und der goldenen Brille. Ja, und ich kann mir denken, in dieser Atmosphäre mußte man auch andere Leiden loswerden können als die in den Kur- prolpekten aufgeführten; und irgendein Päckchen, dos wir gerne loswerden wollen, tragen wir alle mit uns herum; nur ob wir es auch loswerden sollen, das ist die Frage. Aber ich will diese gütige, hilfsbereite, trostreiche I Luft nicht mit unziemlichen Skrupeln erfüllen, nicht *?31V | SIEMER -REISEN | Gesellschafts-Reisen Pfingsten 1929; 02778 Großen-Buseck. Ein Sonderan^enot für Juni: s 12 ideale Erholungs-Reisen zu den bekanntesten auf der großartigen Tauernbahn zu den schönsten Dalmatien - Ragusa — Cattaro fiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim1111 Staatliches Kurbaus, Otto Baumgarten, Telephon Nidda 99 BadetEuchgefundinBad-Selters (Oberheffen) errennl 3 Wochen 2 Wochen 1 Woche . RM. 145 - RM. 100.- RM. 55- Empfehlen Sie ihre Gaststätte in unserer Bäderbeilage! 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Trinkgeldern, Kurtaxen und anderen Leistungen • 150 preiswerte Reisen Im Sommer und Herbst 1920 nach allen bedeutenden Reisegebieten mit metaphysischen Bakterien verunreinigen. Lieber gehe ich in die Brunnenhalle und trinke aus Pflichtgefühl ein Glas Sprudel. Er schmeckt säuerlich, kräftig und erfrischend und müßte sich auch beim Zähneputzen mit Vorteil verwenden lassen. (Da fällt mir zu meiner Beschämung ein, daß ich nie Brunnen oder Sprudel probiert habe, obwohl ich jahrelang meine Gymnasial- und Universitätsferien in Bad Kissingen zubrachte — aber freilich Hot es dort auch so ein ausgezeichnetes Würzburger ^»ofbräu gegeben). Und nun fühlte ich mich unbeschreiblich genesen und setze mich in die Wandelhalle, um mein gekräftigtes Herz mit einem Mokka, zwei Kognaks und einer Brasilzigarre wieder auf den Normalstatus wohligen Geschädigtseins zurückzubringen. Reisewinke. Bad Salzschlirf. Auch im vergangenen Winter wurde in Bad Salzschlirf — dem bekannten Gichtbade, das mit seinem heilspendenden Bonifaziusbrunnen alljährlich eine große Anzahl Genesungsuchender nach dem idyllischen Wiesentale lockt — fleißig an dem weiteren Ausbau aller Anlagen, Häuser und Kurmitteleinrichtungen gearbeitet. So wurden auch einige der im Kurpark gelegenen Häuser mit Balkonzimmern und Veranden versehen, die wesentlich zur Verschönerung beitragen und dem Kurgast neben einem freien Blick über den mit herrlichem Baummaterial bestandenen Kurpark bis hinauf zum Walde auch zu jeder Zeit die Annehmlichkeiten einer Liegekur bieten. Die von Künstlerhand ausgestatteten neuen Bäume des Badehofes, dessen Restauration die Kurverwaltung seit voriger Saison in eigener Regie übernommen hat und die an der Wandelhalle bequem erreichbar gelegen sind, verraten Geschmack nnd Kultur und machen dem Kurgast, auch bei weniger gutem Wetter, den Aufenthalt behaglich und angenehm. Sonderzüge über die Tauernbahn. Der von Salzburg durch ein hochalpines Gebiet zum Adriatischen Meer nach Triest führende Schienenstrong findet beim deutschen reisenden Publikum wieder die gebührende Beachtung, weil außer Oesterreich und Jugoslawien neuerdings auch Italien für Reichsdeutsche den bisher kostspieligen Sichtvermerk aufgehoben hat. Die an der Trauernbahn gelegenen prächtigen Alpen- däder, die Meerbäder der nördlichen Adria und ferner Dalmatien zählen heute wieder zu den beliebtesten Reisezielen für Erholungssuchende. Am 10. und 23. Iuni, sowie am 1. und 9. September 1929 verkehren zu ermäßigten Preisen ob München Sonderzüge über die Tauernbahn, die acht, vierzehn und einundzwanzig Tage später nach München zurückgeleitet werden. Die Alpenseebäder Pörtschach am Wörthersee. Veldes am lieblichen Deldeser See, Feistritz am Wo- cheinersee, die Adriameerbäder Abbazia, Grado und Portorose und auch die Schiffslinien nach Dalmatien bieten im Anschluß an die Sonderzüge sehr vorteilhafte Aufenthaltsarrangements. (Räheres in der heutigen Anzeige.) Reform im Seebadewefen Die Vereinfachung in Verwaltung und Betrieb unserer Seebäder schreitet vorwärts. Dringende W.ünsche des Publikums werden endlich erfüllt. Sogar an die Reform der Kurtax- und Seebäder- Preise wagt man sich. Rachdem außer Wyk auf «Föhr schon kleinere Rordseebäder in früheren Jahren das kalte Seebad durch die Kurtaxe bezahlen liehen, nachdem im vergangenen Iahre eine Reihe Ostseebäder die Sonderbezahlung der Seebäder aufgehoben hat, folgen nun auch unsere großen Rordseebäder. Im vorigen Iahre entschloß sich Langeoog dazu. In diesem Iahre sind Cuxhaven, Rorderney und Westerland gefolgt. Besonders zu begrüßen ist, daß Westerland und Rorderney diesen bedeutsamen Schnitt getan haben, denn nun werden wohl auch die anderen Rordseebäder damit nicht zurückhalten können. Reiseliteratur. — Württemberg und Hohenzollern, das Land der Mannigfaltigkeit, hinter diesem Titel ist ein den Schwarzwald, das Reckarland, Hohenlohe-Franken, den Schwäbischen Wald, die Schwäbische Alb und Oberschwaben bis zum Bodensee und Allgäu behandelnder, sehr praktischer Wegweiser erschienen. Er gibt eine anschauliche und erschöpfende Auskunft über die verschiedenen Landschaftsgebiete, die Heilwirkungen der Bäder und über 240 Orte, welche für Reise, Kuraufenthalt usw. in erster Linie in Frage kommen. Die meisten Seiten des auf Kunstdruckpapier hergestellten Führers zeigen schöne Bilder und in der Heftmitte ist ein übersichtlicher Stadtplan des Stuttgarter Verkehrszentrums eingeheftet. Sehr wertvoll sind für den Reisenden die beigehefteten Karten. — Touren in das westliche Vorweg e n. Herausgegeben von Bennetts Reisebureau, Bergen, Rorwegen. — Die kleine, illustrierte Broschüre empfiehlt sich dem Reisenden durch allgemein zu beherzigende Auskünfte und Winke für das Reisen in Rorwegen, durch die Zusammenstellung einer Anzahl von ausgearbeiteten Touren, sowie durch die Rachwcisung empfehlenswerter Hotelunterkünfte im Reisegebiet von Westnorwegen. Wanderfahrten. Krofdorf — ürofdorfer Forst — Dünsberg — Bieber. Eine neue Wegebezeichnung hat der V. H. C. Gießen auf Veranlassung des rührigen Vorsitzen- den des Dünsbergvereins angelegt. Die Wanderstrecke dürfte, da sie auch einen bequemen Aufstieg zum Dünsberg ermöglicht, bald ein beliebtes Ziel für Freunde des Berges werden. Von Krofdorf. bis wohin war das Postauto benutzen, geht der Weg zunächst gemeinsam mit dem roten Strich bis zum Waldrand, wo wir einen schönen Rückblick bis zu den Höhen des Dogxlsberges und Taunus genießen. Von hier führt das neue Zeichen (gelber Strich) geradeaus in den Krofdorfer Forst, wendet sich nach einiger Zeit nach links auf eine breite moosige, von Fichten umsäumte Waldschneise, um später in prächtigen Hochwald zu kommen. Auf stillen, wenig begangenen Wald- pfaden, mehrere Windungen machend, gelangen wir nach geraumer Zeit aus dem Forst, überschreiten in der Rühe des Fellingshausener Wasserbehälters die Frankenbacher Straße, um auf einem Feldweg am Fuße des Dünsberges wieder in den Wald zu kommen, an dessen Rande wir wiederum einen hübschen Rückblick haben. In mäßiger Steigung führt uns das Zeichen, daS Oie Jagd im Mai. „Feiertagsstimmung" liegt über dem Wald, der I seinen schönsten Schmuck trägt. Frisches Grün sprießt allenchalben, und höher schlägt das Weidmannsherz, wenn es alljährlich wieder dankbar die Schönheit der Schöpfung erleben darf. Zu jagen gibt es wenig, ’ zu schützen und zu pflegen viel. Denn Feld und Flur haben sich in eine große Kinderstube verwandelt. Kalb und Kitz, Junghase und Jungoogel sind in gleicher Weise wie die Gelege von zwei- und vierbeinigen Feinden bedroht und bedürfen unserer Hilfe. Die Jagd auf das Rot- und Damwild ruht, die Hirsche haben sich vom Kahlwild getrennt. Ruhe muß überall im Revier herrschen, wo jetzt das Mutterwild setzt. Der R e h b o ck trägt sein fertig gefegtes Gehörn. Ueberall verraten weiß gefegte Stämmchen und zahlreiche Plätzstellen den Wechsel des Waldfreiherrn, der nun bald auch verfärben und seinen roten Rock anziehen wird. Erst dann sollte er für den Jäger eigentlich jagdbar fein. Das hessische Jagdgesetz gibt ihn diesmal erst ab 1. Juni frei, während der Aufgang in Preußen von den Beschlüssen der Bezirksausschüsse, die ja regelmäßig in der Jagdpresse veröffentlicht werden, abhängt. Dank hegender Enthaltsamkeit Ratten sich die aus mancherlei Gründen während und vor allem nach dem Krieg stark dezimierten Wildstände sehr gut erholt. Der vergangene Winter hat vielfach einen starken Rückschlag gebracht. Es fehlt noch ein genauer lieber» blick über die Winterverluste, die ganz unterschiedlich sind. Ihre Höhe hängt vor allem von der Be- standzusammensetzung und in zweiter Linie von der Fütterung ab. Wo, wie in der Umgebung von Gießen, reiche Eichelmast vorhanden war, sind Eingänge nur in geringem Maße zu verzeichnen, und diese betreffen vorwiegend schwache Stücke, deren Wegfall für den Bestand kein Verlust ist. Anders sieht es in höheren Lagen, und vor allem in Fichten- und Kiefernrevieren aus. Von dort werden auch stärkere Verluste beim liebergang zur Grünäsung gemeldet, während in anderen Revieren offenbar der Gerbstoffgehalt der Eicheln günstig auf den Darm einwirkte. Von dem Ergebnis der endgültigen Feststellung der Wildverluste, die in diesen Tagen stattfindet, wird es abhängen, ob der Abschuß des Bockes wie gewöhnlich freigegeben wird ober ob der Termin hinausgeschoben wird. Irgendwelche Beschlüsse in dieser Richtung sind noch nicht bekanntgeworden. — Gegen Ende des Monats setzen die Ricken. Besonders gute Beaufsichtigung seines Reviers muß dann Pflicht jedes Weidmanns sein. Vor allem muß sein Kampf ohne Rücksicht dem jagenden Hund gelten. Jedes Schwanken und Zaudern ist verfehlt. Der Besitzer des Hundes kennt auch keine Rücksicht, Buenos Aires zittert.. . (a) Buenos Aires. Buenos Aires in glühender Sommersonne. Vor dem Paläste des Präsidenten ein kleiner Lederkosfer mit diplomatischem Siegel. Der Portier entdeckt den sofort verdächtigen Gegenstand, getraut sich nicht, ihn zu öffnen, vermutet in ihm eine Höllenmaschine. Der ganze Palast gerät in Aufregung, mit aller Vorsicht wird der Koffer zur Polizei transportiert, auch da zögern noch alle, das Siegel zu lösen. Die Zeitungen berichten bereits darüber, Buenos Aires zittert. Endlich faßt sich ein Polizist ein Herz, öffnet den Koffer und findet darin reine Höllenmaschine, sondern — einige alte Zeitungen und eine Liste, auf der die Ramen sämtlicher bekannten Wucherer und Leihhausbefitzer von Buenos Aires sorgfältig registriert waren. Buenos Aires zittert nicht mehr. Ter Ochse. (d) Stambul. In den Kaffeehäusern der ehemaligen Hauptstadt des Osmanischen Kaiserreiches erzählt man sich folgende Geschichte: Der alte Achmed, der als sehr geizig galt, vertraute sein Gold aus Angst vor Krieg und Inflation keiner Sparkasse und keiner Bank an. Einmal, im „vertrauten" Kreis, sagte er zu seinen Freunden: „Mein neuestes Versteck, in dem ich mein Gold aufbewahre, ist die Zisterne in meinem Hofe." Am selben Abend mochte sich natürlich der schlaue Ali auf, um den alten Geizkragen um einige Zechinen zu erleichtern. Im Hofe Achmeds angekommen, legte er seine Kleider neben den Brunnen und stieg in die kühle Tiefe hinab. Achmed, der alles voraus- gesehen, schlich sich herzu, nahm Ali die Kleider weg und verschwand im Innern des Hauses, Als der Dieb nach langem vergeblichen Suchen wieder total erschöpft an der Oberfläche auftauchte, bemerkte er. daß er selber bestohlen war und entfloh wutschnaubend, indem er die entsetzlichsten Flüche, deren ein Türke fähig ist, vor sich hinmurmelte. Selbstverständlich machte er sich erst gar nicht die Mühe, die Hoftür hinter sich zu schließen. Achmed, der alles schadenfreudig von einem dunklen Fenster aus beob- sich auf dreiviertel Höhe wieder mit dem roten Strich vereinigt, zum Gipfel des Berges. Sonntags sind oben Erfrischungen zu haben. Zum Abstieg wählen wir die schwarze Punktmarkierung nach Bieber. Die genußreiche Wanderung beansprucht, von Krofdorf gerechnet, etwa 3’/2 Stunden. Wetzlar — Braunfels — Weilburg. Wir fahren mit Sonntagskarte nach Wetzlar, durchschreiten die Stadt, um am Schühengarten auf schwarze Dreiecke, unser vorläufiges Wegezeichen, zu stoßen. Wir Überschreiten die Burgruine Kalsmunt, genießen von deren Turm einen reizvollen Blick auf die alte Reichsstadt und das Lahntal und kommen nach einiger Zeit am Mag- dalenenhäuser Hof vorüber zum Hochwald, an dessen Ausgang wir einen überraschenden Blick auf Braunfels und dessen herrliches Schloß haben. Wir kommen nun über die Oberndorfer Hütte mit guter Einkehr nach Braunfels. Der Weitermarsch führt durch schönen Waldbestand nach Hirschhausen, wo die seither begangene Markierung endet und nunmehr blaue Kreuze am Wind- hvf vorbei unserem Endziele Weilburg, der Perle des Lahntals, zuführen, dessen hochragendes Schloß uns schon von weitem entgegengrüßt. Dauer der Wanderung 51/» Stunden. wenn er seinen Hund nicht so verwahrt, wie die Interessen der Jagd es verlangen und wie es den Vorschriften des Gesetzes entspricht. Die Balz des A u e r - und Birk wildes geht zu Ende. Die Hennen brüten. Die Jagd ruht. Auch das Rebhuhn macht sein Gelege, das es in drei Wochen ausbrütet. Gefundene Nester markiere man unauffällig und suche im Einvernehmen mit dem Grundbesitzer ein unbeabsichtigtes Zerstören oder Vermähen zu verhindern. Vor allem aber muß die brütende Henne samt ihrem Gelege vor Katze und Wiesel, Iltis und Krähe geschützt werden. Die Gefahr erscheint in diesem Jahr, wo die Vegetation noch sehr weit zurück ist, besonders groß. Schnepfen und Fasanen brüten ebenfalls. Fasanenhähne dürfen in Hessen noch geschosseW werden. Die Entwicklung der Junghasen ist eine Frage der Witterung. Auf den Ausfall der zukünftigen Hasen jagd hat der Revierinhaber jedoch insofern nicht geringen Einfluß, als er versuchen muß, die Feinde der kleinen Mümmelmänner kurz zu halten oder der Häsin Gelegenheit zu geben, ihre Wochenstube in guter Deckung anzulegen. In Malepartus, dem alten Mutterbau, hat die Fuchsfähe ihr Geheck. Mager sieht sie aus, der einst ihr Balg so prall saß. Denn viele hungrige Mäuler harren ihrer.' Nie raubt der Fuchs mehr denn jetzt. Wem es darauf ankommt, möglichst wenig Junghasen und Kitze einzubüßen, der grabe den Bau. Ein Absckießen der Fähe ohne Graben des Baues ist Aasjägerei schlimmster Sorte. Vor einer zu starken Verfolgung des Fuchses aber sei, wie vor der alles Raubzeuges, dringend gewarnt. Es liegt die Gefahr nahe, daß dann Seuchen mehr weg- raffen als alles Raubzeug zusammen. Auch der Dachs hat Junge im Bau. Seine Jagd geht in Hessen schon mit dem 16. Mai auf. Wo ein stärkerer Fasanenbesatz ist, wird man ihn kurz halten. Sonst gebührt ihm Schonung, da er bei seinem Stechen im Boden allerlei Schädlinge, z. B. die Larven der Rachenbremse, dieser Plagegeister unserer Hirscharten, aufnimmt. Die Wildpflege erfordert Bestellen der Wildäcker. Es wäre sicher zu erwarten, daß sich der Niederwildbesatz in vielen Revieren leicht heben ließe, wenn die Beständer sich Aecker pachteten und diese mit Aesung, aber vor allem mit Deckung gebenden Pflanzen bestellten und damit das wieder gut machten, was die Vertilgung der Hecken an Wild und Singvogelwelt vernichtet hat. Die Salzlecken sind bet Bedarf immer wieder zu beschicken, Suhlen sind auszuräumen. Beides sind Einrichtungen, die auf das Wild eine außerordentliche Anziehungskraft ausüben. Hubertus. achtet hatte, rief jetzt laut und vernehmlich: „Hallo, mach die Tür zu, du Schlingel, das Vieh läuft mir ja davon." Daraus Ali: „Hier ist nur ein Ochse, der auf deine Aufschneidereien hcreinsiel. ilnö dieses Rindvieh verläßt gerade deinen Hof..." Die verräterischen Schmerzen. (r) Amsterdam. Will man diese immerhin delikate Geschichte erzählen, die sich in dem holländischen Städtchen Enschede abgespielt hat, dann muß man etwas von der Kunst verstehen heikle Dinge in Andeutungen klarzumachen. Immerhin, unternehmen wir den Versuch. In einer Rachmittagsklasse der Fortbildungsschule von Enschede muß der Lehrer eine sehr absonderliche Beobachtung machen. Von seinen vierundzwanzig, meist 16- bis 17jährigen Schülern fallen ihm vier ob ihres käsigen Aussehens und auch deshalb auf, weil sie abwechselnd sich melden und jene bekannte Bitte vorbringen, die im studentischen Komment mit den lateinischen Worten „tempus peto" umschrieben wird: alle zehn oder gar fünf Minuten muh einer von ihnen „raus". Dem gequälten Mienenspiel der vier Burschen ist deutlich abzusehen, daß es sich nicht um eine Art älnterrichts-Drückebergerei handelt, sondern daß es ihnen jedesmal bitterer Ernst mit ihrem Vorhaben ist. Deshalb gewährt der Lehrer auch jede Bitte, macht sich aber innerlich doch Gedanken über dies eigenartige Vorkommnis. In der Pause fällt ihm die Zeitung in die Hand. Da lieft er unter den Lokalnachrichten, daß in der vorigen Rächt in einer Bonbon» und Konfitürenfabrik eingebrochen worden ist. Den Geldschrank haben die unbekannten Täter unbehelligt gelassen, dafür aber unter den Lagerbeständen an Zuckerwaren und Likören (zum Füllen der Pralines) fürchterlich gehaust. Zum Teil haben sie die Leckereien an Ort und Stelle konsumiert. In der nächsten Llnterrichtsstunde nimmt der Lehrer die vier Bengels ins Gebet, und sie gestehen den Einbruch, der ihnen physisch so schlecht bekommen ist. Den vierten von ihnen mußte die herbeigerufene Polizei im „buen retiro“ verhaften ... Rundfunkprogramm. Sonntag, 5. Mai. 8 bis 9 ilfjr: Katholische Morgenfeier. 11 bis 11.30: Mikrophon-Reportage: Besichtigung des Röntgen-Laboratoriums Dr. Holfelder. 11.30 bis 12: Elternstunde: Zum Muttertage: „Was die Mutter für das Kind bedeutet", Vortrag von Rektor K. Wehrhan. 12 bis 13: Mittagstonzert des Rundfunkorchesters. 14 bis 15: Stunde der Iugend: Liefe! Simons Kasperltheater: Wunsch- stunde. 15 bis 16: Von der Wegscheids: Fest auf der Wegscheide. 16 bis 16.30: Konzert auf Block-Flöten, ausgeführt von Schülern des Lessing-Gymnasiums. 16.30 bis 17.30: Stunde des Landes: 1. „Wie sollen wir auf dem Lande kochen Vortrag von Maria Müller von der Landwirtschaftlichen Schule Montabaur: 2. „Der Gemüsebau au* dem Lande", Vortrag von Palmengartendirektor Kraus, Frankfurt a. M. 17.30 bis 18: Vom Ehrenhos der Frauenfriedenskirche: Liebergabe der Frauenfriedenskirche durch die Frauen an die Gemeinde. 18 bis 18.45: Konzert des Rundsunkorchesters: Tschaikowsky. 18.45 bis 19.30: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: 1. „Das neue Jahr des Frankfurter Künstlertheaters", kurze Ansprache von Intendant Hans Meißner: 2. „Ernst Abbs als Mensch, Forscher und Sozialpolitiker", Vortrag von Rektor Bartscher, Frankfurt a. M. 19.30: Dom Staatstheater Kassel: Gastspiel George Baklanoff: „Rigoletto", Oper in 3 Akten von Verdi. Anschließend: Sportnachrichten. Darauf bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 6. Mai. 6.30 Llhr: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Heiteres aus Schwaben und Bayern. 15.05 vis 15.35: Stunde der Iugend: Aus Sport und Spiel, vorgetragen von Turn- und Sportlehrer Heinrich Dippel: „Das Wandern ist des Müllers Lust". — Für Kinder vom 10. Iahre ab. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Äsestunde. 18.35 bis 18.55: Von Mannheim: „Plauderei über eine Brasilienreise", Vortrag von Helmut Hauri. — 18.55 bis 19.25: „Amerika li“, ein Dreigespräch von W. v. Dewall, E. Glaeser und P. Laven. 19.25 bis 19.45: Vortragszyklus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasfsbundes: „Die Bauhütten und Wohnungsbaugesellschas- ten", Vortrag von Gauleiter Hüttmann. 19.45 bis 19.55: Englische Literaturproben. 19.55 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15 bis 21.30: Iunge russische Kunst. 21.30 bis 22.30: Von Heidelberg: Studentenlieder. Dienstag, 7. Mal. 6.30 Llhr: Morgengymnastik. 13.30 Schallplattenkonzert: Orchesterstücke. 15.05 bis 15.35: Stunde der Iugend: Die schöne Umgebung von Frankfurt a. 'M. bzw. Kassel: Wanderungen und Ausflüge in Ratur, Kunst. Geschichte und Sage. 17 bis 18.30: Rach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters: Brahms. 18.30 bü3 18.55: Von Kassel: „Die moderne Arbeiterdichtung Deutschlands", Vortrag von Pros. August Chringhaus. 18.55 bis 19.15: „Die Mummenschanzszene und das Symbol von Furcht und Hoffnung in Goethes ,Faust II‘, 1. Akt", Vortrag v. Pfarrer Clemens Taesler. 19.15 bis 19.35: Funkhoch sch ule: „Die Aufgaben der Psychologie in der Fürsorge", Vortrag von Dr. Bappert, Psychologe der Iugend- beratungsstelle. 19.35 bis 19.55: Schachstunde. 19.55 bis 20.15: Funkhochschule: „Mitteleuropa, eine geschichtliche Entwicklung der Begriffe", Vortrag von Prof. Dr. G. Künhel. 20.15: Zum 60. Geburtstag Hans Pfitzners. Funkstille. Mittwoch, 8. Mai. 6.30 Llhr: Morgengymnastik. 10.40 bis 11.10: Schulfunk: Musik, vorgetragen von Ferd. Hofmann, akad. Musiklehrer: „Alte Tanzformen". 13.15: Schallplattenkonzert: Orchesterstücke mit Richard Tauber (Tenor). 15.05 bis 15.35: Stunde der Iugend: Aus dem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan: „Merkwürdige und ergötzliche Geschichten von hohen Herren"; für Kinder vom 10. Iahre ab. 16,35 bis 18.05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 18.10 bis 18.30: Bücherstunde. 19.20 bis 19.40: Funkhoch- schule: „Zum Iubiläum deS Briefwechsels zwischen Goethe und Schiller (erschienen 1829)", Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultz. 19.40 bis 19.55: Senckenberg-Viertelstunde: „Aktuelle Ratur- wissenfchaff. Vortrag von Prof. Dr. R. Richter. 19.55 bis 20.15: Vortragszyklus des Gewerkschaftsbundes der Angestellten: „Das Freueit- und Derussproblem der heutigen Angestelltenjugend", Vortrag von H. Drost. 20.15: „Etagenhaus". Ein Hörspiel von Otto Alfred Palitzsch. Anschließend: Schallplattenkonzert: „In neunzig Minuten um die Erde". Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schlimmer Zustand der Landstraße Steinberg— Grüningen—Holzheim. Bekannt ist, daß die Ausgaben der Straßenbauverwaltung groß und die Mittel knapp sind. Aber trotzdem sollten Zustände, wie sie sich auf obiger Straße finden, nicht für möglich gehalten werden. Diese Strecke stellt eine der wichtigsten Zufahrtsstraßen für den Verkehr aus der näheren Umgebung nach Gießen dar, hier läuft eine gut rentierende Omnibuslinie. Die Fahrgäste dieser Linie sind zu bedauern, wenn sie in Gießen ankommen, dürsten ihnen alle Knochen im Leibe wehtun. Streckenweise ist die Straße noch ganz erträglich, aber streckenweise ganz fürchterlich. Die Kraftfahrer zählen hier zu den Aermsten aller Wegbenutzer, obwohl sie doch in erster Linie zur Wegbauunterhaltung herangezogen werden. Wer sein Fahrzeug auf dieser Strecke fahren muß, dem sollte von Rechts wegen die Steuer ganz erlassen werden, denn die Reparaturen gehen bei dieser Fahrerei in die Hunderte. Zwischen Grüningen und Holzheim wird ja eben an der Wiederherstellung der Strecke gearbeitet, wir wollen sehen, mit welchem Erfolg. Aber einer Teilstrecke sei gedacht, die der Aufmerksamkeit der Straßenverwaltung doch noch entgangen zu sein scheint, das ist das erste Drittel zwischen Steinberg und Grüningen, am Ortsausgang von Grüningen an- fangend. Das ist der schlimmste Teil der ganzen Strecke, Loch an Loch, aber was für welche. Hier ist die öffentliche Sicherheit bereits gefährdet, aber gerade hier wird nichts getan. Warum füllt man nicht wenigstens einmal die schlimmsten Löcher aus? Schon ein halbes Jahr liegt Flickmaterial da. Nur vielleicht 50 Kubikmeter feiner Kies und einige Fässer Teer wären nötig, und der Schaden wäre für längere Zeit behoben, Dampfwalze vollständig überflüssig. Die Bewohner der hiesigen Gegend verlangen ja gar keine Kleinpflaster, und Asphaltstraßen, aber sie wollen auch nicht gerade auf mittelalterliche Verkehrswege angewiesen fein, letzten Endes bezahlen sie die Steuern gerade so pünktlich oder auch unpünktlich wie die anderen. N. N. N. Geschäftliches. An der guten Suppe erkennt man die gute Köchin. Das alte Sprichwort sagt, daß das Kochen guter Suppen nicht leicht ist. Die praktische Hausfrau weiß sich aber zu helfen: sie kauft Maggis Suppenwürfel, kocht sie genau nach der jedem Würfel aufgedruckten Kochanweisung und kann so eine Suppe auf den Tisch bringen, mit der sie Ehre einlegt. die wundervolle goldklare Haarwasch seife für jedes Haar, auch als Shampoon Geschichten ans aller Welt. Franck 1828-1928 kn natürlich neue Schuhe! H K LBernard Plocketr. 16 Stoffspozialbaus 10000Jm. Htzvotbek geg. nute Sicherheit au leiben gesucht. Schriftliche Angebote unt. 027N a. d. Gien. 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Die zur Instandsetzung des Turmes und Einbau einer Turmuhr an der Kirche in Albach erforderlichen Arbeiten sollen auf Grund der Reichsverdingungsordnung im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. 1. Dachdeckerarbeiten, teilweise Um- und Neudeckung: 2. Schreinerarbeiten; 3. Weiß- binderarbeiten, 4. Schlosserarbeiten; 5. Uhrenlieferung und Einbau. 4025V Abgabe der Angebotsvordrucke und Ein- ichtnahme in die Pläne und Bedingungen >om 6. Mai 1929 ab auf unserer Kanzlei, Stephanstraße 18. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei, bis zum Eröffnungstermin, $teUag, dem 17. Mai 1929, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen. Gießen, den 3. Mai 1929. Hessisches Hochbauamt Gießen. I. B-: Kuhlmann. Der nächste Viehmarkt tatt: Dienstag, den 7. Mai (Nutzvieh-) Markt; Mittwoch, den 8. Mai markt. ÄWirt d. Frau gute Köchin, für kleinere Stabt Oberheffens von Brauerei gef. Bor- handen: Saal gron. Garten. Kegelbahn, Auiogaragc u.Frem- denzlmmer. 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Krank- heil vorbeugen und weiiereS Fortschreiten lSchlagansalli verhindern kann, sagt eine foeben erlchien. Broschüre u. Geh.Med.-Bai Dr.med. H. Schröder, die jed. auf Verlangen kostenlos und portofrei durch R. H. Kt •., Berlln-Zaulsdorl 210»u icfanbt wirb. 4 jv niöeinuhholiöeiileioerung öer StflOi (Siem W. veiloos ouf Bem Wea oe& fdiriitliiben llngebots Aus ben Wölbungen ber Stabt Gießen sollen am Donnerstag, dem 23. Mai 1929, 10/2 Uhr beginnend, in bet Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" in Gießen versteigert bzw. auf bein Weg bes schriftlichen Angebots verwertet werben: 8 Fichtenabschnitte 3a- u. b-Klasse A.....— 6,25 fm 8 Fichtenabschnitte u. Langholz 4a- u. b-Klasse A.....= 9,70 „ 609 St. Kiefernlangholz 2a N = 321,48 „ 292 „ „ 2b N = 270,05 „ 119 Fichtenberbstangen I. Klasse 49 „ II- „ 1303 „ IN „ Es werden gegebenenfalls auch fchrift- ttche Angebote (getrennt für jede Klaffe oder für jedes Lod), die bis 22. Mai 1929, 12 Uhr, bei mir cingegangen sind, berücksichtigt. — Ltundung des Kaufgeldes kann bis 11. November 1929 gewährt werben. — Loseeinteilungen nebst Ver- kaufsbebingungen werben unentgeltlich ab- Heizungen aller Art führt preiswert aus Rudolf Rüdiger Gießen, Walltorstraße 35 Sevirretev 4021V i. Drog. eingef. f. Bolköninffenbedarssarttk. b. hoh. Brov. gei. Baönel, Leipzig, Sädstr. 4. Wieseck, ben 30. Avril 1929. Hessische Bürgermeisterei Wieseck. S ch o m b e r. Otetesis* üedmMMp-lM Sonntag, 12. Mal ,nachm. 2' . Uhr, findet in Friedberg (Batskeller) die ordentliche Mitgliederversammlung 2 Fichtcnabschnitte u. Langholz 5. Lllasse A .........— Bauxitgnibe gesucht .Angebote unter F. M. 6579 an Ala-Haasenstein * Vogler, Essen. 2 Sonnen Ma-tlW SUMlMIW rniiNiesentuslbereisung in be'iem Zustande günstig abzuaeben. Schristltche Anaeboie unter 02787 an den Gießener Auweia erb. 4 Stämme 6 3 „ 3 „ 5 9 „ lasse Bioier-Wito für Frankfurt gesucht. Oberheffen bevorzugt. 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Ur °.'e ideelle ^lurde un Materieller L°he-Kult ^gelegenf auf ein A Ausgabe d, Ätschen z äenmQ Ä Unn. 5 k"ls übec S! ft«*’ "St SL W' bah* 1 M } Nr. 104 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Samstag, 4- Mai 1929 Handwerk und deutsche Kultur. Von Or. Karl Gustav Bittner. Es wird heute so viel von der Krise des deutschen Mittelstandes gesprochen: meistens aber redet man an dem Kern des Problems vorbei. Der Materialismus unserer Tage läßt es verständlich erscheinen, daß man den Schwerpunkt aller politischen Erwägungen i m Wirtschaftsleben sucht — daß unter solchen Hmständcn die Hrsache wirtschaftlicher Krisen einzig und allein in der Wirtschaft selbst gesucht werden, ist selbstverständlich. Darum aber ist cs noch immer nicht richtig. Insbesondere die Krise des deutschen Mittelstandes, zumal des Handwerks, hat ihre tiefsten Ursachen nicht in der Wirtschaft, sondern im kulturellen Tiefstand unserer Zeit. Die Wirtschaftspolitiker, denen die Hebung des Handwerks am Herzen liegt, sind vor ein beinahe unlösliches Problem gestellt: einerseits darf das rcalpolitische Denken nicht an der Tatsache vorübergehen, daß die Entwicklung der modernen Industrie einen unaufhaltsamen Weg geht, der anscheinend über den Ruin des deutschen Handwerks führt. Anderseits aber ist die hervorragende Bedeutung des Handwerks, wie des Mittelstandes überhaupt, in nationaler und kultureller Hinsicht nicht zu leugnen. Auch die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen, von denen die Vernichtung des Handwerks begleitet wäre, dürfen nicht übersehen werden. Mit Schlagworten ist dieser Zwiespalt nicht ans der Welt 511 schaffen. Auch die Versuche einer mittelständischen Selbsthilfe im Wege des Klasscnkampfes sind praktisch wertlos: denn einerseits leidet das deutsche Volk unter solchen inneren Kämpfen mehr, als seine ohnehin schwierige politische und wirtschaftliche Lage tragen kann, anderseits ist der Kampf des Handwerks gegen die Industrie der hoffnungslose Kampf des wirtschaftlich Schwächeren gegen den wirtschaftlich Stärkeren. Rein wirtschaftlich gesehen, scheint also die Lage des Handwerks verzweifelt. Man mag was immer für eine Einstellung zu der industriellen Entwicklung haben — leugnen läßt sie sich nicht. Und selbst ein siegreicher Kampf, der mit einer entscheidenden Riederlage der Industrie enden würde, hätte für unsere Wirtschaft geradezu katastrophale Folgen. So bleibt den, deutschen Handwerk, wenn es im rein Wirtschaftlichen sein Heil sucht, nur die Wahl, entweder vor der Industrie zu kapitulieren, oder aber eine neue Front des Klassenkampfes in dem ohnehin schon zerrissenen, zerklüfteten deutschen Volkskörper aufzurichten. Beides aber müßte notwendig zu weiterem nationalen und kulturellen Riedergang unseres Volkes führen. Es ist daher eine nationale Pflicht des deutschen Handwerks, sich nach einer Methode der Selbstbehauptung umzusehen, die national wertvoll ist. Und diese Methode kann nur dadurch gefunden werden, daß das deutsche Handwerk sich auf seine kulturelle Ausgabe besinnt. Blicken wir zurück ins deutsche Mittelalter, in die Zeiten des ehrwürdigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Ration. Da war es das deutsche Handwerk, das neben der Idee der Schirmherrschaft über die Christenheit Träger der deutschen Weltgeltung war. Der deutsche Dom, das Wahrzeichen des deutschen Mittelalters ist Handwerksarbeit. -- Wer könnte die fulturefte Bedeutung solcher Arbeit bestreiten? Wohin wir blicken, überall in den Museen leuchtet uns aus den Erzeugnissen mittelalterlichen Handwerks ein kultureller Geist entgegen, den wir in der Gegenwart so schmerzlich vermissen. Unsere Zeit wird beherrscht von dem Geist der Technik, vom Geist der Zivilisation. Und im Zeichen dieses Geistes hat deutsche Erfindungskraft, hat deutscher Tatendrang wahrhaft Großes geleistet. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, daß dieser Geist der Technik nicht zum Beherrscher der Seele werden darf. Man hat über den großen Leistungen der Zivilisation zu sehr die Kultur vergessen. Man hat der Zivilisation und ihren Erfindungen einen größeren Raum eingeräumt, als ihr im menschlichen Leben eigentlich zukommen sollte. In geradezu beängstigendem Maße hat der Gedanke der „Sachlichkeit" alle Freude am Schönen überwuchert. Gewiß, unsere Rot zwingt uns dazu, auf manches zu verzichten, was vom Schicksal begünstigte Völker sich leisten können. Aber wir sollten auch daran denken, daß die menschliche Phantasie begrenzt ist, daß einmal der Zeitpunkt kommen könnte, an dem wir überhaupt die Erinnerung an das Schöne verlieren. Kein Volk ist so arm, daß es auf Kultur verzichten müßte. Und ein Volk, das materielle Werte über die ideellen stellt, verzichtet damit auf seine sittliche Existenzberechtigung. Denn des Menschen Würde und Wert liegt nicht in der Anhäufung materieller Güter, sondern in seiner kulturellen Höhe Kultur aber ist nicht etwa eine rem geistige Angelegenheit. Jeder Mensch hat Anspruch auch auf ein Minimum von materieller Kultur, lind Aufgabe des Handwerks, insonderheit aber des deutschen Handwerks, ist es, Erzeugnisse von materiellem Kulturwert zu ^Hnd"'hier ist der Punkt, von dem aus das Problem der Mittelstandskrise allein gelost wer- den kann. Die Zeit, in der Hufeisen als Handarbeit angefertigt werden konnten, ist unwiderruflich vorbei. Aber noch immer gwt es Gott sei Dank Menschen, die dort, wo es auf all Ye ti sche Werte ankommt, die Arbeit des Handwerks über die der Maschine stellen. Wie wir m der Physik Körper nach ihrer positiven und negativen elektrischen Ladung unterscheiden, so können wir die Erzeugnisse der Menschen in solche mit zivilisatorischer und solche mit kultureller Ladung einteUen. Wenn nun das Handwerk sich bemüht, der Maschine auf dem Gebiet der Zivilisation Konkurrenz zu machen, m u ß es unterliegen. Rie- mals aber wird die Maschine imstande sein, kulturell hochwertige Güter herzustellen. Denn Kultur ist mit verantwortungsbewußtem Menschentum untrennbar verbunden. Es wird die Zukunftsaufgabe des deutschen Handwerks sein, in der Verwirklichung solchen verantwortungsbewußten Menschentums den höchsten Ausdruck seiner Standesehre zu sehen. Dann wird sich das Handwerk behaupten, auch gegen die übermächtige Maschine. , Wie aber das deutsche Handwerk erkennen muh, daß sein wirtschaftlicher Wohlstand mit seinem kulturellen Hochstand untrennbar verbunden ist, so muß der deutsche Konsument, welchem Stande er immer angehört, sich seiner nationalen Schicksalverbundenheit mit dem Handwerk bewußt werden. Jeder einzelne muh sich zu dem Bewußtsein erziehen: die Hnterstützung des deutschen Handwerks ist eine nationale, eine kulturelle Tat. Wir empfinden es wie einen Hauch verlorener Kultur, wenn wir an die liebevolle Sorgfalt denken, mit der unsere Großmütter ihr handgesponnenes Leinen, ihr handgetriebenes Silber verwahrt haben — sollte uns nicht möglich fein, was unseren Großeltern selbstverständlich war? Oder glauben wir, daß äußere Armut eine Entschuldigung für innere Armseligkeit ist? Wohl sind viele heute zu arm, um teuere Handwerksarbeit an die Stelle von Massenartikeln setzen zu können. Es soll auch gar nicht verlangt werden, daß alle Gebrauchsartikel, die heute von der Maschine billig und serienweise hergestellt werden, ans der Werkstatt des Handwerkers hervor- gehen sollen. Aber wenn wenigstens ein Teil der ungeheueren Summen, die heute für leere, sinnlose Vergnügungen ansgegeben werden, zur Anschaffung kulturell wertvoller Dinge verwendet würde, die auf die Dauer das Auge erfreuen und eine kulturatmende Umgebung schaffen, es würde dadurch gewiß die Sorge manches braven Handwerksmeisters gelindert werden können. Zudem dürien wir die große Wirkung nicht übersehen, die von den Dingen, die scheinbar leblos sind, aus die Menschen ausgeht. Man vergleiche doch die Umgebung, in der Goethe groß geworden ist. mit einem modernen Bürgerhaus und cs wird klar werden, daß die heutige Dichtergeneration, die unter dem stillen, aber stetigen Einfluß der Kulturgreuel der Gründerzeit ausgewachsen ist, feinen Goethe hervorgebracht hat. Ebensowenig aber können wir uns denken, daß das kubistische Milieu der „neuen Sachlichkeit" zu dem lebendigen Denken der Großen unseres Volkes hinführen wird. Die Kultur des deutschen Handwerks ist ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil unserer geistigen Kultur. Darum ist jede Förderung des deutschen Handwerks in materieller und kultureller Hinsicht eine deutsche Tat. Der Gießener Haushaltsvoranschlag für 1929. Eine Denkschrift des Oberbürgermeisters an den Gtadtrat. Die Stadtverwaltung hat gestern den Mitgliedern I des Stadtrates den Haushaltsvoranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1 9 2 9 zugehen lassen. In einer erläuternden Begleitschrist zu dem Etat führt Oberbürgermeister Dr. ft e 11 e r folgendes aus: I. Der gegenwärtige Voranschlag ist seiner Form nach völlig umgestaltet, nach den einzelnen Verwaltungsgebieten systematisch gruppiert, im wesentlichen nach den Vorschlägen des Deutschen Städtetages, denen sich die meisten Städte angeschlossen haben. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1929 schließt in der Betriebsrechnung ab mit 5 647 444 RM., gegen 5 103 260 RM im Rechnungsjahr 1928. Eine Betrachtung des Zuschußbcdarfs und des Ucberschusfes ergibt folgendes Bild: Znschutzbedarf RM. Wohlfahrts- und Gesundheitswesen 907 870,— Allgemeine Verwaltung 532 997,09 Bauverwaltung 494 976,73 Schulverwaltung 487 069,73 Polizeiverwaltung 155 255,46 Kunst und Wissenschaft 125 666,97 Zuschußbedarf 2 703 835,98 Neberschutz RM. Betriebsverwaltung 611 369,54 Grundbesitz, Land- und Forstwirtschaft 186 888,74 798 258,28 Der Gesamtzuschutzbedarf beträgt demnach 2703835,98 RM. — 798258,28 RM. = 1905577,70 RM. In dieser Höhe ist der Gcsamt- zuschußbcdarf von der Finanzverwaltung zu decken. Bei der Finanzverwaltung sind vorgesehen: RM. Einnahmen 3 149 145,55 Ausgaben 1 243 567,85 Ueberschuß der Finanzverwaltung 1 905 577,70 Somit wird der Gesamtzuschußbedarf der übrigen Verwaltungsgebiete in voller Höhe durch den Ueberschuß der Finanzverwaltung gedeckt, der Voranschlag gleicht sich aus, ein Fehlbetrag entsteht nicht. II. An dem Mehrbedarf gegenüber dem Rechnungsjahr 1928 ist zum erheblichsten Teile die Finanzverwaltung beteiligt, da durch die gewachsene Kapitalschuld der Zuschuß zu den Kapitalzinsen sich von 178 649,45 RM. auf 294 460,53 RM., also um 115 811,08 RM. erhöht. (Vgl. IX Titel 2: Kapitalzinsen.) Die Kapitalschuld der Stadt betrug am 1. April 1929 10 042 561 RM., davon 6 104 715 RM. langfristig, 3 937 846 RM. kurzfristig. In zweiter Linie ist der Mehrbedarf gegenüber dem Rechnungsjahr 1928 verursacht durch den Mehrzuschuß zu den Schulen im Betrage von rund 80 000 RM. Von dieser Summe entfallen 32 956 RM. auf Volks- und Fortbildungsschule, hauptsächlich durch höhere Zinsraten der Kapitalien für Schulneubauten, und 35 506 RM. auf höhere Schulen. Der Mehraufwand von 15 000 RM. für die Gewerbeschule ist namentlich durch die neue gesetzliche Regelung der Schulkosten bedingt (vgl. VI Titel 2, 4, 5, 6, 7). Endlich sind an dem weiter entstandenen Mehrbedarf durch Mehrzuschüsse beteiligt die B a u Verwaltung (vgl. IV) mit 29 346 RM., ft u n st und Wissenschaft (vgl.VII) mit 24 905 RM., die Polizeiverwalkung (vgl. II) mit 7643 RM., die allgemeine Verwaltung (vgl. I) mit 6443 Reichsmark. III. Der Ausgleich des Voranschlags für das Rechnungsjahr 1928 konnte, im gesamten betrachtet, weniger durch eine Verringerung der Ausgaben, als durch Erhöhung der Einnahmen erreicht werden. Die Stadtverwaltung hat bereits in den letzten vier Jahren die Ausgaben derartig herabgedrückt, daß es den Anschein hat, als sei in dem Bestreben nach Sparsamkeit etwas zu weit gegangen worden. Jedenfalls hat sich bei Abwicklung des Voranschlags für das Jahr 1928 gezeigt, daß einzelne Etatanfätze beim besten Willen nicht eingehalten werden konnten. Somit mußte der Ausgleich des Voranschlags wesentlich auf der Einnahmeseite bewirkt werden. Da ist zunächst eine Erhöhung der Einnahmen dadurch eingetreten, daß die Ueberwei- kunqen an Reichseinkommen - und Reichs- umsatzsteuer um 114 4 75 RM. (- 82000 4- 32475 Reichsmark) gestiegen sind. Auch bei der Vergnügungssteuer und der B i e r st e u e r kann mit höheren Einnahmen gerechnet werden. Eine weitere Vcrmehnmg der Einnahmen wird dadurch erzielt, daß die Stadtverwaltung ihren bereits bei dem vorjährigen Voranschlag gestellten Antrag wiederholt, den Wasserpreis auf 28 Pfennig für den Kubikmeter zu erhöhen, wodurch der Ueberschuß des Wasserwerks sich um 100 000 RM. gegenüber dem Vorjahre steigert. Die Stadtratmitglieder-Versammlung hatte dem Antrag der Stadtverwaltung auf Erhöhung des Wasserpreises im Vorjahre nur teilweise entsprochen, indem sie den Preis von 15 Pfennig auf 20 Pfennig erhöhte, wodurch noch nicht einmal der in der Vorkriegszeit und bis 1919 bestandene Preis von 25 Rpf. erzielt wurde. Die Finanzlage und die Notwendigkeit des Ausgleichs des Voranschlags ohne Fehlbetrag zwingt nunmehr unbedingt dazu, durch Festsetzung des Wafferpreisess auf 28 Rpf. die vorgesehene Mehreinnahme herbeizuführen. Die städtische Grundsteuer, deren Steuerwerte gegenüber dem Vorjahre fast unverändert sind, sollte nach den Anträgen der Stadtverwaltung im Vorjahre bei der Grundsteuer »von bebauten Grundstücken und Bauplätzen von 22 Rpf. auf 30 Rpf. und bei der Grundsteuer von land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken von 32 Rpf. auf 40 Rpf. erhöht werden. Leider hat die Stadtratmitglieder-Versammlung bei Verabschiedung des Voranschlags 1928 diese Anträge abgelehnt und es bei den früheren Steuersätzen belassen, so daß hier ein Einnahmeausfall von rund 100 000 NM. entstanden ist. Nunmehr ist die Stadtverwaltung veranlaßt, ihre vorjährigen Anträge zu wiederholen und die Hoffnung auszusprechen, daß der Stadtrat diesen Anträgen diesmal zustimmt. Es würde dadurch die Gebäudesteuer bei einem Steuerwerk von 109 664 400,— Mk. einen Ertrag von 329 000 RM., die landwirtschaftliche Grundsteuer bei einem «teuerwert von 18 054 700 Mark einen Ertrag von 73 000 Reichsmark, die gesamte Grundsteuer also eine Einnahme von 402 000 RM. liefern. Die städtische Gewerbesteuer sollte nach den Anträgen der Stadtverwaltung zum Voranschlag 1928 ein Steueraufkommen von insgesamt 339 000 Mk., und zwar 156 000 Mk. vom Gewerbekapital und 183 000 Mk. vom Gewerbeertrag erbringen. Die Stadtverordnetcn- Versammlung hat jedoch die entsprechenden Steueranträge der Stadtverwaltung abgelehnt und bei Verabschiedung des Voranschlags 1928 ein um 68 000 Mk. niedrigeres Steueraufkommen festgesetzt, nämlich 271 000 Mk. (125 000 Mk. vom Gewerbekapital und 146 000 Mk. vom Gcwerbe- ertrag). Rachdem zufolge ministerieller 2[nOrdnung in Hessen nachträglich für das Rechnungsjahr 1928 eine endgültige Veranlagung aller Ge- werbesteuerpfckchtigen stottgefunden hat und dabei für die Stadt Gießen sich ein Steuerwert des Anlage- und Betriebslapitals von 30 745 203 Mk. und ein Steuerwert des Gewetbeertrags von 8198 800 Rik. ergab, beschloß der Stadtrat am 30. April 1929. das von ihm 1928 festgesetzte Gesamtsteueraufkommen von 271 000 Mk. für das Rechnungsjahr 1928 zu erheben mit 40 Pf. von je 100 Mk. Steuerwert vom Anlage- und Betriebskapital und mit 1,80 Mk. von je 100 Mk. Steuerwert vom Gewerbeertrag. Würden vorstehende Ausschlags!ätze auch für das Rechnungsjahr 1929 beibehalten, so würde in dem Voranschlag 1929 hierdurch ein Fehlbetrag von 127 000 Mk. entstehen, der anderweitig nicht gedeckt werden kann. Die Stadtverwaltung hatte im Vorjahre ein Gesamtsteueraufkommen an Gewerbesteuer von 339 000 Mk. beantragt. Hm den Voranschlag 1929 ausgleichen zu können, beantragt die Stadtverwaltung nunmehr, das Gesamtaufkommen an Gewerbesteuer auf 398 000 Ml. festzusehen, wovon 183 000 Mk. auf das Anlage- und Betriebskapital und 215 000 Mk. auf den Ertrag entfallen. Hm dieses Steueraufkommen zu erreichen, wird von der Stadtverwaltung beantragt, an Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1929 zu erheben: 63 Pf. von je 100 Mk. Steuer wert des Anlage- und Betriebskapitals mit Ausnahme des land- und forstwirtschaftlichen und 270 Pf. von je 100 Mk. Steuerwerk des Gcwcrbcertrages. Diese Ausschlagssähc entsprechen denjenigen des hessischen Staates. Die Steuerausschlagssähe für die Gewerbesteuer sind in den letzten Jahren in Gießen wesentlich niedriger gewesen, wie in den übrigen größeren Städten des Landes. Bleibt die Stadt Gießen in ihren Steuersätzen auch künftig hinter den anderen Städten wesentlich zurück, so werden ihr zur Erfüllung ihrer Aufgaben weniger Mittel zur Verfügung stehen, wie den übrigen Städten. Die notwendige Folge davon wird sein, daß Gießen auch in der Entwicklung hinter den übrigen hessischen Städten zurückbleiben wird. Dem Stadtrat liegt ob, soweit nicht gesetzliche Verpflichtungen vorliegen, den Voranschlag in Einnahme und Ausgabe nach freiem Ermessen festzustellen. Er muß dieser Aufgabe gerecht werden mit dem festen Willen völliger Ausgleichung des Voranschlags und Bereitstellung derjenigen Mittel, die zur gefunden Weiterentwicklung der Stadt Gießen erforderlich sind. Oie Vermögensrechnung schließt für das Jahr 1929 in Einnahme und Ausgabe mit 3 020 567 Mk. ab. Sie bietet zu besonderen Bemerkungen keinen Anlaß. Indem die Stadtverwaltung sich auf diele Erläuterungen beschränkt, verweist sie im übrigen auf den Voranschlag selbst, der die städtische Finanzgebarung in eingehendster Weise barlegt. Dr. Keller. Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die neue Woche wurde anfangs von einer starken Rervofität und Hnsicherheit beherrscht. Die unruhige Lage am Devisenmarkt wirkte katastrophal, und das starke Ansteigen des Dollarkurses auf 4,2375, nach 4,21780 wirkte so deprimierend, daß ganz beträchtliche Kurseinbuhen einlraten, die oft ein Ausmaß von mehr als 15 Prozent annahmen. Auch war man hinsichtlich der Weiterführung der Reparationsverhandlungen sehr pessimistisch gestimmt, so daß von dieser Seite ebenfalls ein starker Einfluß auf die Stimmung ausgeübt wurde. Dies alles war nicht angetan, eine Ge- schästsbelcbung herbeizuführen. Die Erhöhung des Diskontsatzes machte dagegen nur wenig Eindruck, da man hinsichtlich der niedrigen Kurse mit einer stärkeren Hinaufsehung der Diskontrate gerechnet hatte. Die Aüfnahmelust blieb gering, und es traten später weitere Abschläge ein, da die Baissepartei, unterstützt von all diesen ungünstigen Momenten, in größerem Hmfange mit Leerabgaben an den Markt kam. Rur Farbenwerte, die gut gehalten blieben, hatten zeitweise etwas lebhafteren Geschäftsumfang zu verzeichnen, da die Er f as- Jung unserer Interessengebiete im Auslande hier eine stimulierende Wirkung hinterliehen. Doch konnte sich auch dieser Markt bald nicht mehr auf der Höhe halten und mußte sich der allgemeinen Lage anpassen. Besonders angeboten waren bei der lustlosen Haltung vor allem die alten Favoriten, und bei diesen Werten nahmen die Rückgänge größere Ausdehnung an. Doch trat bald ein Tendenzumschwung ein. Die Lage in Paris wurde wieder günstiger beurteilt, und die damit verbundene optimistischere Stimmung blieb nicht ohne Einfluß. Auch die wieder ein getretene Beruhigung am Devisenmarkt war in der Hauptsache der Grund für die wieder allgemein bessere Börsensituation. Die großen Käufe von fremden Valuten, die besonders von Börsenkreisen und daneben auch verschiedentlich vom Publikum vorgenommen wurden, hatten aufgehört, und der Dollarkurs konnte wieder auf alter Basis festgesetzt werden. Die Stimmung war zuversichtlich, und in Verbindung mit der allgemein besseren Lage hat man ein« gesehen, daß die Befürchtungen eines eventuellen Verfalles der deutschen Währung oder einer internationalen Wirtschaftskrise überhaupt nicht in Frage kommen konnte. Das Geschäft nahm i n Spezialwerten wieder lebhaftere Formen an, so daß die anfänglichen Verluste wieder eingeholt werden konnten und teilweise sogar noch überschritten wurden. Auch die neueren Meldungen, in denen zum Ausdruck kam, daß sich die Amerikaner und sogar die Engländer zwecks Weiterführung der Reparationsverhandlungen große Mühe geben, hinterließ einen günstigen Eindruck, und in Dörsenkreifen war man wieder fester gestimmt. Auch traten noch andere günstige Momente hinzu, die aber nur für Spezialwerte einen besonderen Anklang boten. Auf der anderen Seite mahnte jedoch der Liquidationstag verschiedentlich zur Zurückhaltung, doch wurden keine nennenswerte Schwierigkeiten erwartet, da man hinsichtlich der geringen Engagements mit Vertrauen derWeiter- enttoidlung des Marktes entgegensehen konnte. Rur unter dem Druck der angespannteren Geldmarktverhältnisse hatte die Börse verschiedentlich zu leiden, und das Geschäft erfuhr aus diesem Grunde oftmals eine stärkere Einbuße. Die Stimmung blieb aber im großen und ganzen immer zuversichtlich und freundlich, da man jetzt der Ansicht war. daß man oft den voreiligen Befürchtungen ui.*j den vagen Gerüchten nicht immer Glauben schenken darf. Die Börse unterlag wohl Schwankungen, aber die geringen Verluste wurden bei der wieder stärkeren Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft bald wieder ausgeglichen. Diese Tatsache bewies schon, daß man auch im Auslande wieder ruhiger und optimistischer gestimmt ist. Besonderes Geschäft entwickelte sich vor allem in Reichsbankanteilen, Elektrower- ten, Kaliaktien und Glanzstoffpapieren. Hier waren Gewinne von 5 bis zu 19 Prozent gegenüber der Vorwoche zu verzeichnen. Auch am Anleihemarkt entwickelte sich regeres Ge- schäft, und die anfangs gedrückten deutschen Renten konnten bis 1,35 Prozent zurückgewinnen. Zum Wochenschluß war es jedoch wieder stiller und etwas nervöser. Der langsame Fortgang der Pariser Verhandlungen störte die Geschäftsentwicklung. Teilweise wurden Realisationen vorgenommen, und cs ergaben sich f einere Rückgänge bis 2,5 Prozent, da die Aufnahmclust sehr gering wurde. Auch der immer noch sehr angespannte Geldmarkt wurde peinlich empfunden, trotzdem war man nicht unfreundlich gestimmt und men sieht in Dörsenkrcisen der Zukunft mit einer gewissen Zuversicht entgegen und erhofft, wenn auch nur eine provisorische, doch befriedigende Lösung der Reparationsfrage. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarli. 1 Auch in dieser Woche war keine Geschäftsbelebung festzustellen. Die einmal höheren und einmal niedrigeren Auslandnotierungen blieben ganz ohne Einfluß auf die Stimmung. Dieses andauernde Hin und Her hatte auch eine vorübergehend freundlichere Haltung zur Folge, die aber an der allgemeinen Geschäfts- stille und älnlust der Händler bald wieder scheiterte. Es waren daher zumeist Preisrückgänge zu verzeichnen, da dem Markt eine Stühe fehlte. Doch bot das sehr geringe Angebot zeitweise eine Anregung. Aber bald unterlagen die meisten Warcngattungen der allgemeinen Stagnation, so daß die anfangs gehaltenen Preise ebenfalls unter dem Druck dieser Lage zu leiden hatten. Die Händler und Exporteure beteiligten sich !oum am Geschäft. Obwohl die Provinz zeitweise mit mehr und billigerem Material an den Markt lam, konnte sich auch auf der ermäßigten Basis kein Geschäft entwickeln. Auch an den Hauptrnarlttcigen blieben die Um» sähe äußerst gering. Nur für Weizen und Rog- gen bestand verschiedentlich etwas mehr Interesse, und die Preise blieben hier die ganze Woche hindurch gut behauptet. Das Termingeschäft war aber im Gegensatz zur übrigen Marktlage allgemein etwas lebhafter; hier konnten auch an verschiedenen Tagen höhere Preise erzielt werden, doch war der Druck von der Ällgemein- tendenz so stark, daß am andern Tage die Gewinne wieder eingebüht wurden. Auch _ für Sommergerste, und zwar für bessere Qualitäten, machte sich hie und da Nachfrage bemerkbar. Geringe Sorten kamen dagegen in etwas größerem Umfange an den Markt, und der Preis hierfür war leicht gedrückt. Vereinzelt war zu bemerken, daß die Brauereien, aber auch verschiedentlich der Export kleinere Deckungskäufe vornahmen. Hafer (inL). der im allgemeinen immer nur träges Geschäft aufzuwcisen hatte, blieb, da wenig Ware vorhanden war, dem aber auch verschiedentlich Nachfrage gegenüber» stand, gut behauptet. Das Mehlgeschäft war nach wie vor schleppend, und die Preise zeigten weiter eine rückläufige Bewegung. Umsätze kamen hier, wie schon immer in der letzten Zeit, nur im Bedarfsfälle zustande. Größeres Angebot war am Futtermittelmarkt vorhanden. Die Nachfrage blieb gering, oa die Deckungen der Landwirtschaft infolge der vorgeschrittenen Iahreszeit auf» gehört haben dürften. Mais hatte besonders hierunter zu leiden und verzeichnete einen ganz erheblichen Preisrückgang. Aber auch Weizen- und Noggenkleie war im Zusammenhang hiermit vernachlässigt und schwächer. Trotz der unregelmäßigen überseeischen Notierungen wurde es zum Wochenschluß etwas fester, da sich nach der stillen Periode doch jetzt etwas mehr Bedarf bemerkbar machte. Da auch das Angebot von Brotgetreide gering blieb, konnten verschiedentlich kleine Erholungen eintreten. Das Mehlgeschäft blieb still; auch Futtermittel waren weiter angeboten, doch blieben die Preise unverändert. Verglichen mit den Notierungen der vergangenen Woche konnte Weizen eine viertel Mark anziehen. Behauptet blieben Roggen, Sommergerste und Hafer (inL). Mais gab bis dreiviertel Mark nach. Dis zu einer viertel Mark schwächer lagen Weizenmehl, Roggenmehl, Weizen- und Roggenkleie. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 24, Roggen 22,75, Sommergerste 23,75 bis 24, Hafer (InL) 24 bis 24,25, Mais für Futterzwecke 22, Weizenmehl 32,25 bis 32,75, Nlederrh. 32 bis 32,25, Roggenmehl 30 bis 31, Weizenkleie 13 bis 13,10, Roggenkleie 12,75. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt stand diese Woche im Zeichen einer lebhafteren Tätigkeit, als in den vergangenen Wochen. 3n fast allen Viehgattungen war der Handel etwas reger. Besonders Kälber und Schafe hatten verstärktes Interesse auf sich lenken können. — Auf dem Rinder markt war der Auftrieb auch in dieser Woche wieder geringer. Die Nachfrage konnte jedoch befriedigt werden. Der Export beteiligte sich nicht so stark wie in den vergangenen Wochen. Bei regem Handel und anziehenden Preisen wurde der Markt geräumt. Auf dem Kälbermarkt konnte sich trotz des stärkeren Auftriebs lebhaftes Geschäft entwickeln. Die Preise gaben hier, wahrscheinlich infolge des größeren Austriebs, etwas nach. Der Markt wurde jedoch geräumt. Auch am Schafmarkt war die Geschäftstätigkeit eine recht lebhafte, doch muhten die Notierungen infolge des schwachen Auftriebs von der Notierungskommifsion wieder ausgesetzt werden. Der Schweine- m ä r £ f erfreute sich in dieser Woche eines regeren Geschäfts, nachdem er in den letzten Wochen recht vernachlässigt lag. Die Beschickung war fast unverändert. Die Preise gaben etwas nach, da die Metzger nicht gewillt sind, höhere Preise au bezahlen. Der Markt wurde jedoch ausverkaust. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1410 Rindern, darunter 283 Ochsen, 67 Bullen, 521 Kühen und , 320 Färsen, ferner aus 1801 Kälbern. 116 Schafen und 5282 Schweinen. Im Vergleich mit dem Austrieb der vorigen Woche waren 306 Kälber und 7 Schweine mehr, dagegen 91 Rinder und 21 Schafe weniger angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Klasse Al 58-63. II 54—57, BI 47-53. Bullen A 53—56, B 48—52. Kühe A 45—50, B 40—44, C 35—39, D 32—34. Färsen A 59—63, B 54—58, C 50-53. Kälber B 75—80, C 70-74. D 63-69. Schafe nicht notiert. Schweine B 70—72. C 70 bis 73, D 70—73, E 68—71. — Verglichen mit den Preisen der vergangenen Woche konnten Ochsen. Kühe und Färsen je 2 Mark und Bullen 1 Mark anziehen, dagegen gaben Schweine 2 Mk. nach. Kälber konnten ihre Preise behaupten. * * Regreßklage bet der Rheinischen Handelsbank. Der derzeitige Vorstand der Rheinischen Handelsbank in Mannheim hat gegen die ehemaligen Mitglieder des Aufsichtsrates die Regreßklage eingereichL Die Streitsumme wird mit 400 000 Mark angegeben. Gingeklagt wird die Summe, die nötig ist, um die Gläubiger mit 100 Prozent ihrer Forderungen zu. befriedigen. Termin wurde anberaumt vor dem Landgericht Mannheim, Zivillammer III. am 9. Iuni. * G.-G. für Zellstoff- und Papier- fabrikation. Aschaffenburg. In der gestrigen Aufsichtsratssihung wurde der Abschluß für das Geschäftsjahr 1928 vorgelegt und beschlossen. der auf den 17. Iuni einzuberufenden G.-V. die Ausschüttung einer Dividende von wieder 12 Prozent vorzuschlagen. Des weiteren soll der G.-V. eine Kapitalerhöhung vorgeschlagen werden, über deren Ausmaß noch Erwägungen schweben. * Angliederungen an d ie Einkaufsorganisationen von Leonhard Tietz. Die Warenhäuser Gebr. Alsberg A.-G., Bochum und Gebr. Alsberg, Gelsenkirchen A.-G. in Gelsenkirchen haben sich in den Artikeln der Haushaltswaren, Lebensrnittel und Spielwaren der Einkaufsorganisation der Leonhard Tietz A.-G. in Köln angeschlossen. In dem Vertrag ist vorgesehen. daß die zum Alsberg-Eteg-Konzern gehörigen Geschäfte dem Anschluß in den genannten Artikeln beitreten können. Das Abkommen bezieht sich nicht auf die Textilwaren, die der Alsberg-Eteg-Konzern selbst bzw. durch die Großhandelsfirma Gebr. Fried & Alsberg G. m. b. H. in Köln wie bisher einkauft. Im Zu- fammenhang mit dieser Vereinbarung hat die Tietz A.-G. den ersten und zweiten Stock des in Köln im Bau befindlichen Richmodishauses gemietet, um hier die Einkaufsbureaus für die Haushalts- und Spielwaren unterzubringen. Die Eröffnung des Etagenkaufhauses im Richmodis- Haus unterbleibt infolgedessen. * Diskonterhöhung in Rumänien. Die rumänische Nationalbank setzte den Diskontsatz von 6 auf 8 Proz., den Lombardziys von 7 auf 9 Proz. herauf. Diese Regelung tritt sofort in Kraft. Frankfurter Börse. Frankfurt, 4. Mai. Tendenz zuversichtlicher. Die kräftige Erholung an der gestrigen Äbendbörse konnte sich nicht fortsetzen, da sich die Gerüchte hinsichtlich eines in Paris zustande gekommenen Provisoriums nicht bestätigt hatten. Schon von Bureau zu Bureau wurden Angaben in erheblichem Umfange voraenommen, so daß die Kursgewinne von gestern Abend wieder verloren gingen. Die gedrückte Stimmung änderte sich jedoch zu Be- ainn des offiziellen Marktes rasch wieder, da neuere ^Reibungen aus Paris, die Hoffnungen auf einen doch günstigen Fortgang der weiteren Verhandlungen aufkommen liehen, eintrafen. Das Geschäft war aber nicht besonders umfangreich, da zum Wochenschluß, wie gewöhnlich bei dem frühen Marktgewinn, Aufträge nur wenig vorlagen. Die Kulisse war aber doch zuversichtlich und freundlicher gestimmt, und von dieser Seite wurden Inter- essenkäufe in größerem Umfange vorgenommen, so daß sich gegenüber der gestrigen Äbendbörse Besserungen bis durchschnittlich 3 v. H. ergaben. Nur Spezialwerte wurden lebhafter gehandelt, und von diesen besonders Eletkroaktien und Kalipapiere. Salzdetfurth konnten 8, Aschersleben 3, Siemens 3,5, AEG. und Schuckert je 1 o. H. eröffnen. Interesse bestand noch für Deutsche Linoleum, Karstadt und Reichsbankanteile, die um 2 bis 3 v. H. anziehen konnten. Die übrigen Märkte lagen still, aber zumeist leicht gebessert. Renten still. Ablösung ohne Option leicht gedrückt. Rach den ersten Kursen wurde es erst wieder etwas fester, doch nahm die Spekulation Abgaben vor und die Kurse senkten sich wieder etwas. Die meisten Werte blieben jedoch behauptet, einige lagen sogar bis 1 v. H. über Anfang. Man war über ein Gerücht, wonach die Reichsbank in Zukunft nur noch Wechsel mit kurzfristiger Laufzeit annehmen würde, sehr verstimmt, und sogar das Dementi dieses Gerüchtes konnte nicht voll beruhigen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 o. H. unverändert. Am Devifen- marfF nennt man Mark gegen Dollar 4,2185, gegen Pfund 20,475, London gegen Kabel 4,8530, gegen Paris 124,87, gegen Mailand 92,58, gegen Madrid 33,95, gegen Holland 12,0690. Berliner Börse. Berlin, 4. Mai. Bemerkenswert war die Hausse im gestrigen Nachmittagsverkehr und an der Frankfurter Äbendbörse. Man wollte angeblich wissen, daß bereits einProvisoriuminParis zustande gekommen wäre, und darauf schritt die Spekulation zu starken Deckungen. Trotz eines D c - m c n t i 5 dieses Gerüchts blieb aber die Tendenz doch fest, und die Kurserholungen gegen gestern mittag gingen bis zu 6 o. H. und mehr. Im heutigen Vormittagsoerkehr trat eine gewisse Nervosität wieder hervor, und es hatte den Anschein, als ob die Gewinne der gestrigen Abendbörse wieder verloren gehen wollten. Auch die Vorbörse blieb uneinheitlich und abwartend. Zu Beginn des offiziellen Verkehrs fetzte aber wieder eine gewisse Aufwärtsbewegung ein. Das Geschäft war zwar nicht sehr umfangreich, doch nahm die Spekulation wieder Deckungen vor, da sie an verschiedenen Märkten Auslandkäufe beobachten wollte. Die Stimmung wurde angeregt durch die Aussichten, daß in Paris doch noch ein Kompromiß erzielt werden wird. Man führte einen sehr optimistisch gehaltenen Havas- bericht an und glaubt, daß die Einigung besonders aus dem Grunde wahrscheinlich sei, weil Amerika hieran bas stärkste Interesse habe und diese Einigung herbeiführn wolle. Die Geldmarktlage war immer noch ziemlich unübersichtlich, wenn sich auch am Tagesgeldmarkt eine gewisse Entspannung bemerkbar machte. Tagesgeld stellte sich auf 8,25 bis 10,5 v. H., Monatsgeld auf 8,5 bis 9,5 o. Sy, Warenwechsel ohne jeden Umsatz. Die ersten Kurse lagen 3 bis 6 v. Sy über gestern mittag Schluß. Einzelne Werte waren stärker befestigt. Lebhafter waren wieder Farben, Siemens, die 8,5 v. Sy anzogen, und Kaliwerte. Bei letzteren regten die heutigen Generalversammlungen an. Salzdetfurth waren 12 v. Sy höher. Auch Polyphon konnten sich wieder um 14 v. H. erhöhen, da eine Einigung im Weltgrammophontrust angeblich wieder eher möglich sein soll. Auch Rheinische Braunkohlen waren auf den guten Absatz lebhafter. Glanzstoff zogen 11 ü. Sy an. Die Jahresberichte der amerikanischen Glanzstoff und Bemberg, in denen größere Reingewinne angeführt wurden, fanden günstige Aufnahme. Deutsche Linoleum, Schubert & Salzer, Stöhr, Spritwerte und Karstadt waren ebenfalls lebhafter und fester. Deutsche Anleihen erholten sich weiter. Ausländer uneinheitlich. Pfandbriefe ruhig. Das Angebot scheint zu überwiegen. Nach den ersten Kursen wurde es allgemein schwächer, dann aber, von Farben, Salzdetfurth und Schuckert ausgehend, fester, doch gegen 11.30 Uhr ruhiger und wieder etwas niedriger. Dücheriisch. — C. I. O'Donnell. Weltherrschaft. Das Britische Reich, die Vereinigten Staaten und Deutschland. Aus dem Englischen übertragen von Freiherr E. A. Henikstein. Amalchea-Verlag. Wien IV. Leinen 5,50 Mk. (80) — O'Donnell. ein englischer Parlamentarier, behandelt mit wohltuender Objektivität die brennende aktuelle Kriegsschuldfrage, indem er an der Hand authentischer Daten die langjährigen Kriegsvorbereitungen Frankreichs. Rußlands und Englands beweist. Er schildert weiter die katastrophal verfehlte Politik der Liberalen in England, welche ihr Land der Entente und damit dem Weltkrieg verschrieben, anstatt im Vereine mit dem Deutschen Reiche Europa den Frieden zu erhalten. Rücksichtslos geißelt der Autor die skrupellose Propaganda der mächtigen englischen Presse, welche die ganze Welt vor und während des Krieges systematisch belogen und betrogen. Er widerlegt unter Vorlage zahlreicher Dokumente und Belege die in Europa, Asien und Amerika verbreiteten, höchst albernen aber allgemein geglaubten Märchen über deutsche be- stiale Greueltaten und deutsche Barbarei. Als gründlicher Kenner Nordamerikas führt uns Mr. C. I. O'Donnell in die Politik der Vereinigten Staaten ein und gelangt zur Erkenntnis, daß bas Wohl und Wehe der Welt in den nächsten 50 Iahren von der Verständigung zwischen Groß- britannien, den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reiche abhänge. — Heinrich Spiero: Schicksal und Anteil. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b.H., Berlin-Charlotten- bürg 2. (118) Dieses reizvolle Erinnerungsbuch führt uns durch alte und neue Kulturstätten, deren Geist mit feinem Verständnis erfaßt ist, und bringt markante Gestalten der deutschen Geschichte. mit denen der Verfasser in persönliche Berührung gekommen ist. menschlich nahe. Don Königsberg, der Stadt der kritischen Philosophie. Hamburg, dem Tor des Welthandels. Weimar, dem Schatzbehälter der llassischen Tradition. Berlin, Rußland und Amerika werden intime Bilder, die der großen Perspektive nicht entbehren, ent- warfen. Don Wilhelm Raabe. Richard Dehmel. Detlev von Liliencron. Gerhart Hauptmann, von Hindenburg, Ebert und Rathenau teilt der Verfasser ansprechende, unbekannte Züge mit. So führt diefes Vuch im Rahmen eines persönlichen, arbeitsreichen Lebens durch ganz Deutschland, in die Ferne und durch die geistige Welt. — Peter Lippert 0.3.: Aus dem Engadin. Briese zum Frohmachenmit 11 Tief- druckbildern. Halbleder 4,60 Mk. (Verlag „Ars Sacra" Ioses Müller, München 23.) (169) - Die Briefe dieses Iesuitenpaters wurden in einem Tal des Heils, an einem Ort der Heilung, im Engadin, niedergeschrieben. Was Wunders also, wenn über den Briesen die heilenbe Atmosphäre des Engadiner Hochlandes liegt? Der Dust, die Würze, das Aroma dieses gesegneten Erdenfleckes. Diese Briefe wollen nicht etwa die Leiden vergessen machen. Lippert reicht uns keine Betäubungsmittel. Aber er läutert die Ansicht, die wir vom Leiden haben, und läutert damit unS selbst. Lippert lehrt uns die Schönheit, die Fruchtbarkeit und den Sinn des Leidens sehen. Nicht wie ein pedantischer Lehrer, mit Geboten und Verboten, sondern als ein mitleidender Freund, mit Bekenntnissen und Erkenntnissen. Was Lippert uns in die Hände legt, ist ein frisches und fröhliches Buch, darüber hinaus aber noch ein Werk, das um den ernsten Hintergrund menschlichen Schicksals weiß und diesen in Gleichnissen sichtbar macht. — Allerlei Puppen und ihre Derlei d u n g. Von Werklehrerin E. Taube. Mit 54 Abb., kart. 2.20 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (56) — Dieses Heft ist zuerst für die Kinder geschrieben, darüber hinaus aber mag es den größeren Geschwistern. Müttern und Lehrerinnen zur Anregung dienen. Freude aus völlig wertlosem Material zu schassen. Technische Anweisungen sind nur soweit gegeben, wie sie ein Kind notwendig braucht, um nicht durch zu langes Herumprobieren die Lust zu verlieren. Das Material. Papier aller Art. Stoffreste und Draht, ist in jedem Haushalt vorhanden und mit geringem technischen Können zu verwenden. Der zweite Teil des Heftes gibt einige Anregungen für das Puppenschneidern. Die Schnitte sind aufs äußerste vereinfacht und dem Kind ist so die Möglichkeit geboten, mit ganz geringen technischen Fertigkeiten ohne große Mühe hübsche Kleider zu machen. Aus dem Amisverkündigungsblait. * Das Amtsverkündigungsblatt 21 r. 30 vom 3. Mai enthält: Dierteljahrsaus- weis der Provinz Oberhessen. — Straßensperre. — Aufstellung der Voranschläge der Gemeinden. — Das Abbrennen von Grasflächen. — Der Feuervisitator im 4. Bezirk. — Kartoffelkrebs. — Merkblätter und Flugblätter der Biologischen Reichsanstalt in Berlin. — Dienststunden bei dem Kreisschulamt — Lehrgang für Turnlehrer in Offenbach. — Urlaub für Lehrerinnen. — Dienstnachrichten. Letzte Nachrichten. Weitere sechs Tote in Berlin. Berlin, 4. Mai. (DJIB. Funkspruch.) Bon den bei den Maiunruhen verletzten Personen, die in die Krankenhäuser eingeliefert worden waren, sind inzwischen außer den bereits gemeldeten noch ro e i- tere sechs geslorben. Schwerer LlnglückSfall im Frankfurter Hauptbahnhof. J r a n f f u r t a. 2TL, 4.2Hai. (2BIB. Drahtbericht.) Ein schwerer Unfall, dein zwei Postbeamte zum Opfer gefallen sind, ereignete sich heule früh kurz nach 4 Uhr beim Postamt IX im Frankfurter Hauptbahnhof. Die beiden Postbeamten h ü g e l e und M e h l i n g. die einen beladenen Handwagen im Aufzug vom Posttunnel im Kellergeschoß nach dem Bahnsteig zu befördern hatten, sind hierbei aus noch nicht aufgeklärter Ursache tödlich verunglückt. Die amtliche Untersuchung ist im Gange. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. fitanffud a M. Berlin Franlsuri a. 9)1. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Berlin 3- Mai Geld Brief Fran;öfische Roten..... Holländische Note»...... Italienische Roten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr., i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Svaliische Noten....... Tichechoslowakische Noten .. Ungarische Noten . . .... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16.475 169,26 22,11 112.27 59.06 2.51 112.64 81,29 60,63 12.49 73,20 -Frankfur Auszahk 16,535 169,94 22.19 112,71 59,30 2,53 113,08 81,61 60,87 .12,55 73,50 t a. M. llNg. Echivh- Wuw l Uhr- fiura Schluß, fturi Ansang- Kurs Schluß. ,7,5 127 166,75 205,5 216 238,25 370,75 — 112,5 113,5 237 382 247 163,5 208,5 152 203 142 214,5 140,5 157 182,5 233,13 363,5 143,5 69,25 111,25 116 126.75 130 114,5 211 98,25 114,5 110,9 125 80,75 99,25 92,5 277,25 110,75 141 51 65,4 230,5 236,75 365 243 115,25 8-»,75 87,5 126,5 166.75 213 153,25 205 144,25 215,25 140 156 186,25 238 372 69,25 112,75 128 131 115,5 211,5 99,25 112,5 126 100,4 87,25 280 113 141.5 91 66 236 241 377 247 84,6 87 75 128 Phlttpo Holzmann ,.....? Heidelberger Zement .... 10 (Semem Karlstadt ...... S Waytz L- Freitag......10 Schultheis Batzenhofen ... 15 Cflivertc.........Vl Bcr. Glanjsiosi......18 Beinberg......... 14 Zellstoss Waldhos.....12 Zcllslojs Aschasfenburg . . . 12 Charlottenburger Master ... 7 Dessauer ten 110.5 200,5 53,9 50,25 48,25 205 28,13 90 280 54,5 86,5 64 121 18 125 205 49,25 B . 11 20 Slmst.-Nott. Buen-AireS vrss--2lntw- Christiania. ckcopeustagen Stockholm - HclnngforS. Italien. . . London. . . 9!euvork .. Paris.... Schwei; . . Svanicn. • ftapan . . . ?ttio dc Aan. Wien in £cft. abgesl Prag . ■ • ■ jöeljrab . • Budavett. . Dolaariell. Lissabon . Danzig. . . Konstantin. Athen. Canada Urnauao. . S 'nir o - . - 3. M Amtliche 7 Geld 1 169.43 ' 1.772 58,51 112,39 112,37 112,61 10,593 22,09 20,45 4.2135 16.47 31,19 60,59 1.892 0.502 59,17 12,473 7.409 73,43 3,042 18,87 81,77 2.067 5.16 4.181 4,076 20,975 ai toticrun Stic 169.7 1.77 58.6 112,6 112,5 112.8 10,61 22,1 20,4. 4,221 16,5 81.3 60.7 1.89 0.50 59.2 12.49 7,42 73.5 3.04 18,9 81,9 2,07 5,4 4.18 4,03 21,01 5 4 9 3 3 7 3 1 3 1 7 9 4 5 4-2 Slmtltche 9 Geld 169,41 1.772 58,50 112,39 112,32 112.59 10.592 22,095 20.451 4,2135 16.465 81.185 60,28 1,895 0,502 59,175 12,472 7.407 73,41 3.044 18,88 81,76 2,058 5,455 4,183 4.076 20,975 iai kotirrmra Brief 169,75 1.776 58,62 112,59 112,54 112,81 10,612 22,135 20,491 4.2215 16.505 81,345 60.40 1.899 0,504 59,295 12,492 7,421 73,35 3.050 18,92 31.92 2.062 5,465 4.191 4.084 21-025 Eichen SW. Wen sichtbar ihre Je« ®- Taube. M, -ag von 2. 8 W ist Mrst >er hinaus aber 1. Müttern uni cn, Freude aur Wien. Tech- gegeben, wie . um nicht durch *Mt zu verlieren, rt, Etvsireste und )rhmden und mit i verwenden. 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Sie begriff bas alles mit einem lähmenden Schauder, der alles um sie herum einhüllte: die Men- fchen — die Musik — das Lachen der Frauen: sie fühlte mit dumpfem Schmerz, fast mit einem irrsinnigen Haß, die Frevelhaftigkeit aller Freude, die das Leben feierte, während unter ihren Fenstern der Tod vorüberging. Sie sah sich um, wie auf der Suche nach einer Hand, die sie ergreifen könnte. Sokoloff war verschwunden. Ihr Blick glitt suchend durch den Saal: wie aus weiter Ferne kam die Stimme der jungen Sängerin zu ihr herüber: Wenn ich nun tot, kommt er zurück, dann vollbring mein Gebot: tausendmal grüß' von der Seinen, siehst du ihn weinen. Sie schüttelte, fast ohne cs zu wissen, den Äopf; etwas war in den Beziehungen der Menschen untereinander, in den Dingen des Lebens, in Haß, Liebe, Leid und Freude, was keines Menschen Hirn begreifen konnte. Ein Mensch streckte die Hand aus — aber die Hand des Freundes blieb verschlossen. Ein Mensch spähte um sich. Mitgefühl. Verständnis, Hilfe zu suchen: er schickte seine Stimme über Meer und Land; aber kein Ruf antwortete ihm, nur das Brüllen des Meeres schlug ihm aus der Einsamkeit entgegen. Hunderte Menschen freuten sich ihres Lebens in diesem Hause: aber keiner war. der ihr um eines Haares Breite näher stand als der Fremdeste der Fremden. Irgend ereignete sich in diesem Augenblick: mit der Sensibilität ihrer überreizten Rcr- ven fühlte sic es. Jemand blickte sie an; sie wußte genau, daß jemand sie anblickte. Sie wandte, fast gegen ihren Willen, den Kopf. Dort drüben stand ihr Mann. Linda Andersen blickte zu Boden, lind indem sie die Hand auf die Messingstange der Glastür legte, sagte sie mit tonloser Stimme: „Ich will heimfahren." Fedor Sokoloff schüttelte den Kopf. „Sic werden nicht fahren, Linda." „Ich bin müde." „Es ist auch nicht wahr, daß Sic müde sind. Sie sind verstimmt." Der Wintergarten war leer. Der Gesang hatte geendet; fast wie Totenstille lag es über dem Raum. „Ich habe Ihnen manches zu sagen, Linda. Sie müssen bleiben." Sie schüttelte den Kopf; aber chre Hand sank nieder. „Ich weiß, warum Sie verstimmt sind. Ich könnte Ihnen ein paar Worte sagen — und alle Ihre Zweifel wären behoben." Sie sah ihn an. „Lind warum sagen Sie sie nicht?" Er machte eine resignierte, fast verzweifelte Gebärde. „Ich kann es nicht, Linda. Ich kann Ihnen auch nicht einmal sagen, warum nicht. Heute nicht — vielleicht morgen. Vielleicht später. Heute kann ich nur an Ihr Gefühl appellieren, nicht Ihnen mit verstandesmäßigen Beweisen kommen." „Das sind Redensarten," sagte sie finster. „Das Leben ist nicht so einfach, Linda, wie es von den Fenstern Ihrer Billa erscheinen mag Vielleicht das Leben einer Frau. Bestimmt nicht das Leben eines Mannes." „Sie ergehen sich in Theorien," sagte sie ungeduldig. „Ich glaube, das tut man immer, wenn man nicht weiß, was man vorbringen soll." „Gut," sagte er mit entschlossener Stimme. „Ich will Ihnen ein Geständnis machen: diese Rächt ist die schicksalsschwerste meines Lebens." Scharf und hell kam aus dem Saal der Rhythmus des Tanzes, den eben die Jazzband begann. Die Tür ging aus; in ihrem Rahmen stand der Staatsrat Krentz. Er erblickte die beiden, machte eine tiefe und höfliche Verbeugung und ging auf sie zu. „Ich kann Jahnen eine freudige Mitteilung machen, gnädige Frau: Ihr Gatte wird gleich hier sein!" Linda neigte den Kopf; Krentz sah mit seinem strahlenden, immer ein wenig müden Lächeln Sokoloff ins Gesicht, der das Lächeln freundlich zurückgab. „Ich wollte eben die gnädige Frau zum Tanze bitten." Damit nahm er Lindas Arm und ging mit ihr in den Saal. Im Rahmen der Tür stand der Staatsrat Krentz und sah ihnen aufmerksam nach. Während sie die Hand auf seinen Arm legte, fühlte sie das Fluidum, das von diesem Manne ausging. Der gleitende Rhythmus teilte sich von selbst ihren Körpern mit; schmeichelnd schienen die Tonwellen ihr Blut zu durchdringen. Sie tanzten. Sie tanzten vorüber an dem Podium, das sich nun, eine Bühne nach Theaterschluß, unbeachtet im Halbdunkel dehnte — an der kleinen Bar kamen sie vorüber; dort standen wie immer ein Dutzend Herren, die ihr mit diskreter und heimlicher Huldigung entgegenblickten. Sie sah verstohlen auf Sokoloff, der mit unberührtem Gesichtsausdruck dies alles an sich vorüberziehen ließ; sie wußte plötzlich, ohne daß irgendein Zeichen dafür ergangen wäre: daß dieser Mann sie liebte. Sie hatte seine Gespräche mit Marcelle beobachtet; mit dem Unter- bewußtsein hatte sie begriffen, daß hier geheime, vielleicht gefährliche Beziehungen lagen; ihr Instinkt hatte aus unbekannten Tiefen heraus erfühlt, daß um diesen Mann, der sie im Arm hielt, eine drohende und vielleicht schulderfüllte Gefahr kreiste. Aber, seltsam genug: ohne in die greifbare Rähe der Dinge zu kommen, nur mit dem lebenssichcren Instinkt der Frau, hatte sie in diesen wenigen Stunden gelernt, die Ruancen der Dinge ahnungsvoll zu unterscheiden. Die Rähe dieses einen Mannes — dieses Aus- erwählten unter vielen — hatte genügt, sie in einer einzigen Rächt reifen zu lassen. Sie kannte das stille und heimliche Glück der verstohlenen Händedrücke; sie wußte von den reizvollen Lleber- raschungen der verbotenen Liebe — und auch der Triumph eines mondänen, aus Erotik und Sinnenrausch erwachsenen Lebens stand ihr, der Frau aus Fleisch und Blut, nicht fern. Aber immer hatten diese Dinge, diese Verliebtheiten, diese kleinen, reizvollen, abenteuerlichen Sehnsüchte eine gewisse Distanz zu ihrer Seele behal- ten: immer war sie sie selbst geblieben, immer Linda Andersen, und nie war die Gefahr auf» getaucht, daß sie ganz in ihren wollüstigen Tiefen versinken könnte. Hier, in dieser Rächt, im Arm dieses Mannes, war alles anders ... Ein Paar, das hinter ihnen tanzte, wich geschickt im Halbkreis aus, sie zu überholen. Es war Marcelle mit einem Herrn, den sie nicht kannte. Sie sah. wie Marcelle mit halbgeschlossenen Augen zu ihnen hinüberblickte, wie ftc den Blick ihres Tänzers suchte. Linda sah forschend in sein Gesicht; es schien, als ob er durch Marcelle hin- durchsähe, und sie hatte in diesem Augenblick das Gefühl, daß das keine Geste war. Keine Maske. „Ich liebe dich." sagte er plötzlich. Sie schloß die Augen; rieselnd schwebte die Musik auf sie nieder. Alle Schwere schien aufgehoben, alle Hindernisse waren nun wcggespült von der großen Welle, in der sic lächelnd, körperlos, in seliger und gläubiger Hoffnung, dahinglitt. Sie öffnete die Augen wie ein Kind, das sich von dem ungewohnten Bilde überraschen lassen will; Gesichter, Gesichter — heiße, begehrliche Augen, kühl abwägende Blicke, zärtliches Flimmern — alles in den Gehirnen dieser Menschen kreiste um die gleichen Dinge. Werben und Gewähren, Locken und Versagen erfüllte den Raum; sie ober, Linda Andersen, war die Glückliche, die den Preis davontrug. „Warum lieben Sie mich?" flüsterte sie. Die Musik wechselte den Rhythmus. Synchron veränderte sich die Farbe des flutenden Lichtes. Run war der Saal in ein purpurnes Rot getaucht, und alle Dinge waren tiefer und leidenschaftlicher. „Riemand weih, warum er liebt. Wenn er es weiß — so liebt er nicht," flüsterte er zurück. Wieder tanzten sie schweigend durch den Saal. Endlich sagte sie: „Mein Mann wird gleich kommen." „Wünschen Sie, daß ich gehr?" „Marfa ist gerettet." Sie schüttelte den Kopf. Mit geschlossenen Augen. „Ich werde cs nicht ertragen können. Wenn Ihr Mann Sie in den Arm nimmt, wird irgend etwas geschehen." „Sie sollen bei mir bleiben." Sie fühlte, wie er sie stärker an sich preßte. iln& sie spürte, wie es ihr glühend durch den Körper rann. „Wenn dieser Tanz zu Ende ist," sagte er leise, „wenn dieser Tanz zu Ende ist, werde ich gehen." „Rein, nein!“ fast schrie sie auf. „Alles wird vorbei fein, wenn dieser Tanz zu Ende ist! Ihr Mann wird seine Frau in ihren Mantel hüllen; er wird fein Auto rufen; Herr und Frau Andersen werden in ihr Heim zurückkehren. Alnö dieser Abend, diese Rächt wird eine kleine Episode im Leben der Frau Linda Andersen gewesen sein, an die sie mit einem freundlichen Lächeln zurückdenken wird." Sie preßte feinen Arm. „Rein," sagte sie hastig, mit tiefer, entschlossener Stimme; „diese Rächt wird keine Episode in meinem Leben sein. Dies ist die Wendung." Die Musik brach ab — übergangslos — Jazz- musik. Ein paar applaudierten energisch; abermals klang der Rhythmus auf. Sokoloff und Linda gingen dem Wintergarten zu. „Schwöre mir, daß du mich liebst," sagte Lindo, als sie in das Halbdunkel des Wintergartens traten. „Ich schwöre es dir." „Daß du mich immer lieben wirst." „Willst du mich nie verlassen?" „Ich habe nur eine Furcht: daß du mich verlassen könntest." Sie nahm seine Hand und legte sie an ihre Wange. „Rein." sagte sie und drückte plötzlich einen Kuß auf feine Hand. „Ich gehöre dir." Der Staatsrat Krentz winkte in die Fidelitos der älteren Herren zurück, aus der er sich nicht ohne Mühe losriß. Marcelle kam ihm entgegen. „Guten Tag, meine liebe Marcelle," sagte er feierlich. „Ich bin wieder da." „Es scheint fast so," konstatierte sie. „Und denk' dir: ich habe gar nicht geschlafen." Sie sah ihn betroffen an. „Jetzt kann ich es dir ja sagen: ich wollte dich nur nicht beunruhigen. Also: ich batte einen Herzanfall. Ja. um es zu gestehen: ich habe eine Viertelstunde lang geglaubt, ich würde diese Rächt nicht überleben. Um das Fest nicht zu stören — und vor ollem, meine liebe Marcelle. um dich nicht zu erschrecken — denn ich weiß ja. wie zärtlich du mich liebst —. habe ich etwas von Zubettgehen gesagt. Statt dessen aber bin ich zu Doktor Ramslond gefahren. Oder, vielmehr: ich bin zu Fuß gegangen; ich hatte Bedürfnis nach frischer Luft." „ilnb was sagt er?" „Er hat mich gründlich untersucht. Ganz eingehend. Es ist nichts Schlimmes. Rur: ich muß mich vor Aufregungen hüten." „In deinem Zimmer brannte die Rachtlampc." sagte Marcelle in einem letzten Argwohn. „Wirklich?" er schlug sich an die Stirn. „Richtig, ich hatte sie eingeschaltet; ich muß vergessen haben, sie wieder auszuschalten." Sie sah ihm ins Gesicht, in seine harmlosen, zugekniffenen Acuglein. von denen man nie wußte, wohin sie eigentlich blickten. Ihre Finger glitten in die Tasche, dorthin, wo das Regativ des Sokolofsschen Bildes lag. Llber — sie vermochte sich nicht zu erklären, warum — sie sprach die Frage nicht aus. „Lind jetzt fühlst du dich besser?" Sie wartete die Antwort nicht ab. Denn eben traten die beiden Begleiter Vera Ermolieffs in den Saal. Sie fühlte die furchtbare Aufregung, die ihr jäh durch den Körper fuhr; sic spürte, wie ihr das Herz bis zum Halse schlug. lFortsetzung folgt.) WM, in. >7- -.Vr v X iv M ’XK' k I Persil leistet gründlichste Reinigung bei schonendster Wirkungsweise, es tötet alle Krankheitskeime und gibt allem Frische und höchste Sauberkeit. Persil erleichtert der Hausfrau das Tagewerk und macht ihr das Leben angenehmer. Auch Sie haben das Bestreben, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Prüfen Sie einmal, wie leicht Sie es können, wenn Sie für alle Zwecke häuslicher Reinigung nur Persil verwenden. Persil bieibt Persil! Nur in Originalpackung — niemals lose! Hersteller auch von Henko — Henkels Wasch- und Bleichsoda.