Donnerstag, 4. April 1929 179. Jahrgang Nr. 78 Erstes Blatt Rücktritt des Kabinetts Seipel Regiemngskrisis in Wien r. Von unserem ^-Berichterstatter. 1 |6,5C'5 gierung versuchte durch Mietenreform und float« siche Bauförderung dem entgegenzutreten. Die Sozialdemokraten verwarfen schließlich die Mle- tenerhöhung nicht mehr, aber sie verlangten, das; diese erhöhten Mieten nicht den Hausbesitzern sondern den Gemeinden zufliehen sollten. Das stärtste Argument gegen diese Politik der Sozialdemokraten ist grundsätzlicher Art. Sre wollen, mitten in einem privatkapitalistischen Wirtschaftssystem, ein wichtiges Objekt — den städtischen Grundbesitz — der kapitalistischen Auswertung entziehen. Sie untergraben damit die volkswirtschastliche Auswertung dieses Kapital- befihes, die Wiederherstellung seiner Dclehnungs« fähigkeit. 2m Grunde handelt es sich bei der Aenderung des Mietcnrechtcs doch nur um eine von den vielen Maßnahmen, die die Kreditwürdigkeit der österreichischen Volkswirtschaft wieder Herstellen soll. Oesterreich kann nicht in einem Meer kapitalistischer Zeitgenossen eine halbsozialistische Insel bilden. Die zwei großen Kräfte- gruppen, die kapitalistische und die sozialistische, haben in Oesterreich eine völlige S t 0 cr u n g eintreten lassen, so daß der gesamte ^rgarns- mus vom Schlagsluß bedroht ist. Für das Gelingen oder Mißlingen deS großen Planes einer Wiederbelebung der gesamten österreichischen Wirtschaft gibt es ein zuverlässiges Barometer: die große Investitionsanleihe. Die rrsdorff, :ine Familie die bis in u rückreichen viel über« belt unö cn Alten inanjinunq Motorboot de durch ein stellt, Ino ohrt tosten - illen wollte, >ie Freier-« alte, sanden Zutritt, tzrlt telephonisch Händen und r angeblich >vrden. ben. ltlicht soeben Lüchen Belchen Hani« । dieser Brr« enwärtig in igt sind. Die :r auch Aus« emals wich« rir in ganz ieder lehr« cennerei, acher- und Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« hlameanseigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. 1,775 58,62 112- 11'8 IO,6'3 22,0? 20,<85 Oie Demission angenommen. Seipel wünscht seine Kritiker an das Staatsruder. Wien, 3.April. (WB.) Bundeskanzler Dr. Seipel unterbreitete dem Bundespräsidenten heute nachmittag die Demission des Kabinetts. Der Bundespräsident nahm dieDemlssion an und beauftragte das Kabinett zunächst mit der Fortführung der Geschäfte. zu geben. Große Lleberraschung in Wien. Noch ungeklärte Lage. — Keine Rückkehr Seipels. Wien, 3. April. (WB.) Der Rücktrittsent- schluß des Bundeskanzlers Dr. Seipel unb De8 Kabinetts hat nicht nur in der breiten Oeffent- lichkeit, sondern auch in politischen und diplomatischen Kreisen allergrößte Lieberras ch u n g hervorgerufen, um so mehr, als noch kurz vor Ostern sowohl Dr. Seipel als auch der Vizekanzler die bereits wiederholt aufgetauchten Gerüchte von einer Krise der Regierungskoa« lilion bzw. der Regierung ausdrücklich in Ab- rede gestellt hatten. Es ist nur natürlich, daß an die plötzliche Demission Dr. Seipels sogleich die verschiedensten Vermutungen geknüpft werden, einerseits, weil man an andere Gründe als an die vom Bundeskanzler angegebenen zu glauben geneigt ist, andererseits im Hinblick auf die weitere innerpolitische Entwicklung und die Möglichkeiten der Zusammensetzung der neuen Regierung. Dazu wird von unterrichteter Seite bemerkt, bah Dr. Seipel, 0.500 59,33 |2,<9 ;>ii 73,5* 11.Z 2,'o| tS 4,27* 21,0'3 To 71 ,50 31 24 17 ,23 ,05 143 30 t) 65 59 10 91 11 97 40 s ,77 6,1 455 Il< 971 Oie eingefrorene Revolution Hintergründe der österreichischen Krisis. meisten Berliner Blätter ausführlich Stellung. Die „Germania" hält es für durchaus möglich, daß der Rücktritt nur ein Schachzug des Führers der Christlich-sozialen war, um unter günstigeren Bedingungen und mit mehr Bewegungsfreiheit in sein Amt zurückzukehren. Richt nur in Oesterreich, wo man in Dr. Seipel mit Recht den Mann des Wiederaufbaues sehe, auch in Deutschland werde man das Verschwinden Seipels von der politischen Bühne aufrichtig bedauern. — Die »D. A.Z." sagt, es unterliege keinem Zweifel, daß Seipels Arbeit das bedeutsamste Kapitel in der Geschichte des neuen Ocftcr- reichs bilde und seine Rolle noch nicht zu Ende sei. — Die „Deutsche Tageszeitung schreibt, mit Seipel scheide ein Mann von iiitcr- nationalem Ansehen und von unbestrittenem Format vom Bundeskanzleramt, ein Mann, der cs verstanden habe, den österreichischen Staat, soweit das angesichts der Zwangsbestimmungen von St Germain überhaupt möglich sei, nach innen und außen zu konsolidieren. — Der „Bö r s e n - Kurier" hält es für unwahrscheinlich, daß diese stärkste politische Persönlichkeit Oesterreichs für immer darauf verzichten wollte, das Staatsruder zu ergreifen, das er jetzt aus der Hand zu geben für gut befunden habe. — Die „V 0 s s i s ch e Zeitung" meint, letzten Endes habe der stille und zähe Kampf, der in seiner eigenen Christlich-sozialen Partei gegen ihn geführt wurde, Dr Seipel zum Rücktritt veranlaßt. Man habe es ihm fühlen lassen, daß seine Intransigenz gegen die starke sozialdemokratische Opposition die Gegensätze im Lande ganz unnötig verschärft habe. — Der .Vorwärts" ist der Auffassung, daß Mieterschutz und Kirchenaustrittsbewegung den Rücktritt veranlaßten; das Blatt glaubt, daß noch einmal eine bürgerliche Koalition wiederkehrt, aber mit einem gemäßigteren Führer. eseh. schein, ?? unttt. A unb Woot auf, 'cröen tn(. nx Non, \Q9öbäfte ?er oder die bereis ,n. Ntci< gdhässe be. 1 Dk, füt n '■ bzw. !9 'n Nt n des @e. ^holten ihre ausgestellt her seine Ueberlegungen und Entschlüsse ohne jede Beeinflussung von anderer Seite zu fassen gewohnt ist, tatsächlich keinen anderen Beweggrund gehabt habe, als sie in seinen Ausführungen im Ministerrat enthalten smd. Die Unterstellung anderer Beweggründe sei vollkommen abwegig. Alles in allem könne man darin eine Mahnung an alle Parteien erblicken, die parteipolitischen Gegensätze zurückzustellen, m i t gröberer Sachlichkeit an die Arbeit bei der Lösung der schwebenden Fragen heranzugehen und besonders zu einer gesunden Volkswirtschaft zum Wohle der Gesamtheit zurückzufinden. Wenn Dr. Seipel erklärt hat, daß er, dessen Person und Politik besonders Gegenstand immer wiederkehrender heftiger Angriffe sei, kein Hindernis für eine ruhige Weiterentwicklung der innerpolitischen Lage bilden wolle und deshalb zurücktrete, so kann man daraus wohl entnehmen, daß er keineswegs geneigt sein dürfte, bei der Bildung einer neuen Regierung wieder das Amt des Kanzlers zu übernehmen. Wie sich die Zusammensetzung der ihr entgcgenstehenden außenpolitischen Schwierigkeiten sind heute beseitigt oder erscheinen doch überwindbar. Wichtig ist nur die Frage der Bedingungen dieser Anleihe, und das ist eben eine Frage der Kreditwürdigkeit, die nut der Uebcrwindung der Stagnation aufs engste zusammenhängt. Ein Mißerfolg in dieser Rrbeit würde die Regierung zum Rücktritt zwingen. Eine andere Gefahr liegt in den kuHur» pol irischen Differenzen zwischen den einzelnen Regierungsparteien. Man darf diese inneren Zwistigkeiten zwischen den drei Koalr- tionsparteien gewiß nicht überschätzen, und ^r. Seipel hat ja denen, die auf den inneren Bruch der Regierung warten, schon zugerufen, sie wurden sich verspekulieren. Aber es gibt einige gefährliche Klippen. Insbesondere die Grohdeut- schen sind in der letzten Zeit der Meinung, daß die Chriftlichsozialen an dem kulturpolitischen Burgsrieden rütteln. Die Errichtungel ner katholischen Universität in Salzburg wurde bei den Großdeutschen zum Anlaß heftigster Vorwürfe, die S u b v e n t i 0 n i er u n g tlö st e r l iche r M ä d ch c nm i t te l s ch u l e n wurde viel kritisiert, und es entstand eine grundsätzliche Debatte über die Bedeutung des bestehenden Schulkompromifses. Deutlich konnte man zwischen den Zeilen lesen, daß auch die Christlich- sozialen, wenn keine Koalitionsbildung bestünde, die Schulgesetzgebung selbst in das Gebiet des politischen Kampfes einbeziehen würden. Richt genug damit, ging nun auch von dem alten Kampf zwischen Heimwehren und Schutzbund eine neue Unruhe aus. In den österreichischen Automobilfabriken kam es über den Versuch der Sozialisten, einige Arbeiter, die der Heimwehr angehorten, herauszudrangen, zum offenen Kampf. Sozialdemokratische Gewerkschaftsvertreter erklärten rund heraus, sie konnten für die Sicherheit ihrer in den Heimwehren organisierten Kollegen nicht garantieren. Das war eine Herausforderung, die sowohl von feiten der Unternehmer wie auch von der der Herm- wehr nicht einfach hingenommen werden konnte. Und heute sind die Dinge so weit gediehen, daß die ganze österreichische Metallind u ft r i e in den Kampf einbezogeii zu werden droht. Streik oder Aussperrung m einem solch wichtigen Industriegebiet aber bedeutet für das kleine Oesterreich noch viel viel mehr als ein ähnlicher Fall im Deutschen Reich. So etwas führt im Reich zu schweren Erschütterungen, tn Oesterreich kann es z u r K a t a st r 0 p h e werden. Der Bundeskanzler Seipel würde selbst auf das große Ziel seiner Politik der Belebung der österreichischen Wirtschaft verzichten, wenn er von einer eindeutigen Unterstützung des Heimwehr- standpunktes abrückte. Hier liegt ein weiterer Punkt möglicher Differenzen: es ist die Frage, wie weit die christlich-soziale Partei, die Partei Seipels, diese Haltung des Bundeskanzlers unterstützt. Der christlich-soziale Arbeiterführer K u n s ch a k, ein Mann von noch nicht sehr altem politischen Einfluß, hat eine Ein russisch-polnischer Zwischenfall in Baranowicze. Baran owicze, 3. April. (Poln. Telegr - Agentur.) Der Beamte der sowjetrussischen Handelsvertretung in Berlin, Atanasvwitsch, bet sich auf der Durchreise nach Moskau befand, verließ am Dienstag vor der Station Barano- w i c z e den Zug, um seine 5 Kilometer von Baranowicze entfernt wohnenden Verwandten zu besuchen. Da Atanasowitsch als Ausländer keine Erlaubnis besaß, sich auf polnischem Gebiet aufzuhalten, wurde cr ungehalten und nach Baranowicze gebracht, wo er auf der Wache der Dahnhofspolizei übernachtete. Am Mittwoch, um 11 Uhr vormittags, als sich in seinem Zimmer der Sicherheitsreferent der Sta- rostei von Baranowicze befand, zog Atanasowitsch plötzlich einen Revolver und schoß aus den Beamten und den ihn begleitenden Polizisten. Der Beamte wurde durch einen Kopfschuß und der Polizist durch zwei Schüsse in Lunge und Kopf schwer verletzt. Atanasowitsch richtete dann den Revolver gegen sich selbst und brachte sich eine leichte Kopfverletzung bei; er wurde im städtischen Spital in Baranowicze untergebracht. Der Starosteibeamte mußte zwecks sofortiger Operation nach Wilna übergeführt werden; der Polizist ist am Mittwochabend seinen schweren Verletzungen erlegen. Auf die Rachricht von dem Zwischenfall sind in Baranowicze der Staatsanwalt und der Leiter der Sicherheitsabteilung der Wojwodschaft aus Rowogrodek eingetroffen. Die örtlichen Gerichtsbehörden haben sofort eine Untersuchung eingeleitet, die von dem Baranowiczer Untersuchungsrichter geführt wird. — Der russische Konsul in Warschau, Schachow, ist im Zusammenhang mit dem Baranowiczer Zwischenfall am Mittwochabend von Warschau nach Da- ranowicze abgereist. Oie litauische Oikiatur. Woldcmaras (ätzt führende Sozialdemokraten verhaften. Königsberg. 3. April. (WB.) Rach hier eingegangenen Meldungen aus Kowno hat die Polizei gestern abend fast alle führenden Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Litauens, darunter Go« linis, Bellinis und Kairics verhaftet. Rach den Angaben der Polizei handelt es sich um die Aufhebung einer geheimen Ver- Sammlung in den Redoktionsräumen des Blattes „Sozialdemokratas". Demzufolge wurde das Zeitungsgebäude gestern abend von Kriminalpolizei umstellt, die alle in den Redaktionszimmern anwesenden und alle das Gebäude betretenden Personen, im ganzen über 100, fe st - nahm. Im Zusammenhang mit dieser Aktion der Polizei steht offenbar auch die polizeiliche Durchsuchung der Räume des Zentralkomitees der Arbeiterförderation (linker Zweig der christlichen Demokraten), bei der mehrere führende Mitglieder der Arbeiterförderation verhaftet und die Originale der Protokolle und Entschließungen der letzten Parteikonferenz beschlagnahmt wurden. Bor einer Kabinettskrise in polen. Warschau, 3. April. (WTB.) Es gilt bereits als sicher, daß die polnische Regierung in den nächsten Tagen z u r ü d t r e t e n wird. Mi- nierpräsident Bartel dürfte schon mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit kaum auf seinen Posten zurückkehren. In der gestrigen Unterredung mit dem Staatspräsikenten hat Dr. Bartel neuerlich seinem Wunsche, zurückzutreten, Ausdruck gegeben. Die Frage seiner Rachfolge ist noch nicht entschieden. Man spricht u. a. auch von der Möglichkeit einer ne u en Regierung Pilsudski, wobei der jetzige polnische Gesandte in Moskau, Patek. ein Vertrau tev nicht unbeachtliche Gruppe von Leuten um sich gesammelt, die es doch einmal mit dem Republikanischen Schutzbund versuchen wollen, die zum mindesten einen „Ausgleich" mit der Linken herbeiführen wollen. Dieser Gruppe ist der chroffe, selbstherrliche und nicht immer verbindliche Seipel nicht allzu genehm. Man hat keinen anderen Mann an Seipels Stelle zu sehen, und bei einem offenen Kampf mit Seipel würde Kun- chak den Kürzeren ziehen, aber er kann dem Bundeskanzler natürlich Schwierigkeiten bereiten. Vei der Eigenart Seipels ist in dieser komplizierten innenpolitischen Lage mit überraschenden Beschlüssen zu rechnen. Schon das Gefühl der eigenen Unentbehrlichkeit kann Dr. Seipel zu dem Versuch verleiten, einmal durch rigorose Mittel der Opposition in- und außerhalb seiner Partei ihre Ohnmacht vor Augen zu uhren. In diesem Falle würde ein Rücktritt der Regierung noch kein Auseinanderbre- chen der Regierungskoalition bedeuten, es könnte vielleicht sogar zu deren Konsolidierung dienen. In dem ganzen Wirrwarr der Strömungen bleibt ja die eine Tatsache fast unbestritten: die Regierungsunfähigkeit der Austro- marxisten, der österreichischen Sozialdemokratie, gegen deren Sozialisierungsversuche ja die ganze Arbeit jeder verantwortungsbewußten österreichischen Regierung gerichtet sein muh. Erscheint täglich.außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: fironlfuttam Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühl'sche Unlverfilütt-Vuch. und öteindruckerel «.Lange in Stellen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. •Ttwi 169,09 22,29 112,52 59,31 2,52 112-st 81,43 64,37 E 73,4’ fud a, UÜNg. Diahibecichl.j kannst Diinr.' Inhaber der 1 einer bishcr nn grohen m beweis er- chaur günstige n gerader nit seinen dir- rreicht — i*)m bie Bebtulung ishernicht nng vollbracht Schleifen und ue > er zurück. ckion Uhr. 5anirlag feine 3m Ministerrat, der die Demission der Gesamt- regierung beschloß, führte Seipel zur Begründung des Beschlusses aus: Die inneren Spannungen, welche der Ausdruck starker und lebendiger Kräfte im Volke sind, haben ein hohes Maß erreicht. Gelegentliche Explosionen haben keinen allzugroßen Schaden angerichtet, im Gegenteil hat sich das Antlitz des Staates wesentlich verändert. 1 b e 8 Kanzlers zu über- Die politische Lethargie ist überroun- ne&men Wie sich die Zusammensetzung der den. Die Einschüchterung und Gleichgültigkeit bei ncucn Regierung überhaupt gestalten wird, läßt einem großen Teil der Bevölkerung besteht nicht sich bis heute nicht sagen. Ob z. B. eine gründ - mehr Die Erkenntnis, daß kein einseitiger Radika- sähliche Aenderung m dem Verhältnis lismus Aufsicht auf Erfolg hat, ist endlich allge- der jetzigen Regierungsparteien zueinander und mein gewöhn. Damit lenkt nad) itt^°ZtÄenwir^°d° r °nich" 6icfJ%Ä standes unserer Republik unser politisches Leben | offen. Die meisten Parlamentarier sind von den Bahnen der Revolution auf den weg ^ch üon Wien abwesend. Die Fraktionen werden normaler Entwicklung ein. Eine Gefahr, &Qg'cr in ihrer Gesamtheit erst in der zweiten daß die bestehenden Spannungen und inneren Kri- $älfte der Woche zusammentreten können, um len die Demokratie ernstlich bedrohen könnten, zu der geschaffenen Lage maßgebend Stellung zu sehe ich nicht; wohl aber besteht die Gefahr, daß nehmen. infolge der Spannungen einige für das wirtschafte- und politische Leben wichtige Aragen, wie die «CJSl Uiltl Wohnbauförderung, die Mietrechtsreform, die 9)1 an rechnet mit LeiPels baldiger Justizreform einschließlich der Polizeikompetenzen. Wiederkehr. frage und das Verhältnis zwischen uns und den D e r l i u 4. April. (TU.) Zu dem unerwarteten Ländern keine befriedigende Lösung des österreichischen Kabinetts nehmen die finden, welche sachlich möglich wäre, würden solche Streitpunkte beseitigt, so könnten sich Regierung und Gesetzgebung verhältnismäh'g ungestört m:( den Sorgen des Wirtschaftslebens beschäftigen. Dies könnte um so eher geschehen, als die österreichische Außenpolitik auf einem guten Wege ist, da die Rotwendigkeit ehrlicher Realpolitik, welche einseitige Bindungen nach irgend- " *! H C r S£f L°4:r™ biC 9CmCinfame I Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten, Auffassung aller Parteien i.t. _ Anrn. d. Red.: Der vor dem Rücktritt Die Verhandlungen zur Vorbereitung der I n - österreichischen Bundeskanzlers Seipel vestionsanleihe sind mit gutem Erfolge so- geschriebene Aufsatz wirst auf die Vorgänge, weit geführt, als es zu diesem Zeitpunkt sein kann. bie zu diesem Ereignis führten, interessante Durch eine intensive Wirtschaftspolitik im Inneren Schlaglichter. würde auch in die h a n d e l s; 0 N p 011 t 1 k wie- Wien, 2. April 1929. der mehr Stetigkeit kommen, welche in jüngster Zeit Seit einiger Zeit spricht und schreibt man in forceit forlgrtorilten das, sie feine SrbiHerung W-cheVde? Stal'Z “steuS mehr zwischen den Arbeitgebern und den Arbeit- i)erQrti^ Vermutungen gibt es schon. Da war nehmern zu erzeugen brauchte, wenn nur eine äc^t Ö€V n0$ unentschiedene Kamps um das gründliche Abkehr von der Rechthaberei Mietengesetz. Cs ist immerhin bezeichnend, und den terroristischen Methoden er- £>aft dieses in anderen Ländern schon seit Iahren folgte, wofür die volle Sicherheit allerdings auch irgendwie gelöste Problem 'N..Oesterreich heute durch die Gesetzgebung wird geboten werden müssen, noch als Kampfparole grundsatzlicher Art ver ^„ngeiü^ Spannung „er».« stL MX’M Teilen, wenn auch mit Unrecht, der geg^iwart gen ’ Q[tfQ^ festgehalten in einem Zustand, der Regierung zur Last gelegt. Durch eine~ beharrliche schlich und psychologisch in den Verhältnissen Agitation wurde viel haß angetjauf 1, wel- erftcn 3^ nach dem Umsturz wurzelt; tn rfjer, soweit er die Person .betrifft, zu ertragen einem Zustand, den man fast als die etn- ware, obwohl er ohne jeglichen Schein eines inne- gefrorene Revolution bezeichnen mochte, ren Grundes auf meinen Stand unb auf die Kirche Die Grundstückspolitik der Gemeinde Wien ist ausgedehnt wird. Aber es soll weder den ein Symbol dieser eingefrorenen Revolution. Ihr einen einAusweg, auf dem sie zu rein fad)- Sinn und Zweck ist eine Art praktischer S 0 - lieber llrbeit für da, öffentliche Wohl furüdfebren txal an können, verschlossen, noj^ben a”bcrC?JL" ben Mietsätzen in wertlosen Papierkronen, durch Ausrede gelasf-n werden, wenn fie es nicht tun. - Dodenkäuse der Gemeiitde sowie durch kom- Deswegen halte ich es für richtig, den politifchen wunale Bautätigkeit aus Steuergeldern sollte Parteien die Möglichkeit zu geben, in anderer 6tc Einwirkung des Privatkapitals auf dem weife, als es unter meiner Führung geschehen | Grundstücksmarkt ausgeschaltet werden. Die^Re- könnte, die Zukunft sicherzusiellen. Zu diesem Be- huse habe ich mich entschlossen, meine Demission des Marschalls, den Posten eine- Vizeminister- präsidenten übernehmen soll. Man erwartet, bah noch in dieser Woche die Entscheidung fallen soll. General Le Rond Aufsichisrais- vorsitzender der Danziger Werst. Berlin, 4. April. Die „D. A.Z."" meldet aus Danzig, daß der französische General Le Rond mit der Stimmenmehrheit Englands, Frankreichs und Polens zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Danziger Werft gewählt wurde. Die Danziger Werft, die frühere Kaiserliche Werft, wurde nach der Abtrennung Danzigs vom Reich internationalisiert, und zwar mit französischer und englischer Kapitalbeteiligung von je 40 Prozent. Polen und Danzig beteiligten sich mit je 10 Prozent. Oie Lehrerbildung in Preußen. Eine Rede des Kultusministers Dr. Becker. Dortmund, 4. April. (Priv.-Tel.) Der preußische Lehrerverein trat in Dortmund zu seinem 9. Verbandstag zusammen. Auf der Tagung sprach der preußische Kultusminister Dr. V e ck e r über die Lehrerbildung in Preußen. Wenn sich auch, so führte er u. a. aus. die Wege der Schulverwaltung und die der Lehrerschaft häufig trennen und überschneiden, so stehe doch immer am Ende das gleiche Ziel. Die Interessen der Volksschule. der Mittelschule und der höheren Schule seien ebenso verschieden wie die Interessen der hinter ihnen stehenden Lehrergruppen. Jede empfange ihre Gesetze und den Adel ihrer Wirksamkeit von der Arbeit an der deutschen Jugend. Wie für die Schüler, so sollten auch für die Lehrer Hebergangsmöglichkeiten von einer zur anderen Schulart geschaffen werden. Der Lehrerausbildung und der Angleichung der Lehrergruppen aneinander soll im Ministerium besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Kampf um die Schule im Widerstreit der Weltanschauungen dürfe nicht in die Schulen hineingetragen werden. Der Minister bekannte sich zur Simultanschule und ließ keinen Zweifel darüber, daß er mit der „neuen Lehrerbildung" stehe und falle. Eine grundsätzliche Verstaatlichung des gesamten Schulwesens sei das erstrebenswerte Ziel, demzuliebe andere, weniger wichtige Interessen zurücktreten mühten. Die Erziehung zur Republik sei eine der wichtigsten Aufgcchen der Volksschule. Der Zweck der pädagogischen Akademien fei nicht allein der der Lehrerbildung, sondern auch der Volksbildung ganz allgemein. Die pädagogischen Akademien mühten neben den Hniversi- täten ausgebaut toerben, weil sie etwas anderes. etwas neues sind, und weil sie eine neue, richtig verstandene Humanität in sich bergen sollten, weil sie besonders volksnahe sein mühten. Der Volksschullehrer wird auch aum Baumeister unserer staatlichen Zukunft werden. Wie die geistige Erneuerung nach 1800 ein Werk der Hochschule gewesen ist. so mühte die Erneuerung nach dem Weltkrieg das Werk des Volksschullehrers werden. Oie Eroberung von Jiminez. Mexiko. 3.April. (WTB.) Von der Regierung wird der Sieg über die Rebellen in Jiminez als gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch des Aufstandes im Ror- d e n bezeichnet. Rach einem gleichzeitig ausgegebenen durch General Calles übermittelten Fliegerbericht über die Kämpfe um Jiminez sind durch Zerstörung einer Brücke nördlich der Stadt acht Eisenbahnzüge mit flüchtenden Aufständischen aufgehalten worden. Die Straßen von Jiminez sollen voller Toter und Verwundeter sein. Die Kavallerie der Degierungstruppen hat bei der Verfolgung der bei Jiminez geschlagenen Aufständischen 11 Meilen nördlich von Jiminez bei La Reforma mehrere Truppenzüge der Aufständischen eingeholt. Rach einem kurzen, für die Insurgenten verlustreichen Gefecht, fielen die Züge in die Hände der Negierungstruppen. Aus aller Wett. (Ein neuer Ozeanflug. Oberst Fihmaurice erklärte in Reuhdrk bei einem Empfang durch Bürgermeister Walker, er hoffe, bei seinem nächsten Atlantikflug mit Köhl, der von Potsdam nach Reuyork gehen solle, das bisherige Gewichtsrisiko der Ozeanflüge durch eine zweimalige Ergänzung des Benzinvorrats beim Verlassen des Kontinents und auf den Azoren beträchtlich verringern zu können. Hauptmann Köhl teilte einer Korrespondenz auf Anfrage mit, daß der Zeitpunkt des neuen Ozeanfluges, den er mit Fihmaurice plane, noch nicht f e st st e h e. da die Finanzierungsverhandlungen der abermaligen Ozeanüberquerung noch in der Schwebe seien. Die Kosten des Fluges würden erheblich größer sein als bei dem „Dremen"-Flug. da eine dreimotorige Iunkersmaschine, und zwar ein Wasserflugzeug verwendet werden soll, dessen Anschaf- sunaspreis sich allein auf etwa 60—100 000 Mk. stellen dürfte. Außerdem würden mit diesem Tankflugzeug, bevor man den Ozeanflug wage, längere Versuche notwendig sein. Der Start würde vom Müggelsee oder von einem der Havelseen in der Rähe von Berlin erfolgen, da man eine sehr große Startfläche für das schwer mit Brennstoff belastete Flugzeug benötige 3m Flugzeug nach Nieder ländisch-Jndten. Drei holländische Dornier-Wal-M a r ine » flugzeuae, die zur Verstärkung der holländischen Luftstreitkräfte in Riederländisch-Indien bestimmt sind, sind vom Marineflughafen Helder nach Riederländisch-Indien glatt gestartet. Der Flug soll in 14 Etappen zurückgelegt werden. Die heutige erste Etappe führt nach Bordeaux. Die weitere Strecke berührt folgende Städte: Reapel, Athen, Bagdad, Bombay, Sabang und Batavia Ausbildungsreise der Flotte. Au der ersten Ausblldungsreise der Flotte (16. April bis 11. Mai 1929) werden teilneh- En: Die Linienschiffe „Schleswig-Holstein". »Hessen . „Elsaß" und „Schlesien, von der 2. Torpedvbootsflotille die Boote Woll" und -T 151". ,T 157" und „T 158" und die 4. Tor- pedobootshalbflottille mit den Booten „Alba- Oie Zusammenkunst von Florenz. Mit einer betonten Plötzlichkeit hat zwischen Mussolini und Chamberlain als besondere Oster- Überraschung eine mehrstündige Aussprache in Florenz stattgesunden, zur selben Zeit fast als in Frankreich das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Ententepolitik gefeiert wurde, bei dem die englische Regierung sich nicht vertreten ließ. Es muß deshalb doppelt auffallen, daß in diesem Augenblick England neue Fühlung mit Italien sucht. Seit der fast schon historisch gewordenen Aussprache Chamberlains mit Mussolini in Livorno war das Verhältnis Italiens au England sehr herzlich geworden, so herzlich, daß Italien fast als der Vertreter der englischen Interessen im Mittelmeer galt. Dann kamen im vorigen Jahre die Enthüllungen über das englisch-französische Flottenabkommen, das seine Spitze unmittelbar zwar gegen Amerika richtete, mittelbar aber doch auch die Machtposition Itallens berührte. Die notwendige Folge war eine starke Abkühlung der Verbindung zwischen Rom und London. Sie hat Mussolini nach außen hin sichtbar wenigstens nicht wehe getan. Er hat die Zeit fleißig benutzt, um die italienische Stellung Stein für Stein weiter zu festigen. Seine Tätigkeit auf dem Balkan ist sehr erfolgreich gewesen. Er hat die Jugoslawen eingekesselt, hat die Verbindung zur Türkei gepflegt und auch eine Aussöhnung zwischen Griechenland und der Türker wenigstens angebahnt: er hat vor allem seinen Frieden mit dem Papst geschlossen und dadurch den Wert der italienischen Dundesgenossenschaft wesentlich erhöht. Immerhin. die italienische Küste liegt im Ernstfall fo schutzlos vor den Kanonen der englischen Kriegsschiffe, daß eine antienglische Politik für Italien eine Unmöglichkeit bleibt. Auf der andern Seite ist es verständlich, daß Chamberlain, dessen Zeit im foreign Office im Zeichen der Unfruchtbarkeit stand, kurz vor den Wahlen eine regere Tätigkeit entfaltet, und den Beweis der Nützlichkeit einer konservativen Außenpolitik für England noch zu erbringen versucht. Er gefällt sich dabei in der Rolle des Vermittlers zwischen Italien und Frankreich. Denn in diesen beiden Gegensätzen kulminiert tatsächlich die ganze Mittelmeerpolitik, auf der einen Seite Frankreich, durch den gewonnenen Krieg nach jeder Richtung saturiert, überladen mit Kolonien auch am Mittelmeer, die es nicht besiedeln kann, auf der andern Seite Italien, in seinen Groß machtsträumen enttäuscht, aber stolz auf die Aufwärtsbewegung im letzten Jahrzehnt, zudem eingeengt durch das Problem eines Volks ohne Raum, das gewaltsam Abfluß seiner überzähligen Millionen suchen muh und bei jeder Gelegenheit auf den Widerstand des übersättigten Frankreichs stößt. Wir glauben nicht, daß es Chamberlain gelingen kann, vier mehr als eine Vertagung der Krisis zu erzielen, indem er Italien Zugeständnisse macht, die vorübergehend helfen. Oas Interesse in Frankreich. Der Weg Paris—Rom führt über London. Paris, 3. April. (Id.) Die Zusammenkunft Mussolinis und Chamberlains in Florenz hat in französischen politischen und diplomatischen reifen große B eachtung gefunden. Der „Petit p a r i s i e n" weist daraus hin, daß Mussolini bei seinem Besuch in Florenz zweifellos die letzten Spuren des ärgerlichen Eindrucks, den der Tirana-vertrag in England ausgelöst habe, ver- wischen wollte und zu dem in Livorno geschlos. Jenen freundschaftlichen Beziehungen zurückzukehren suchte. Angesichts der Tatsache, daß Großbritannien sich am Vorabend von Wahlen befinde, müsse man annehmen, daß die Zusammenkunft sich auf eine allgemeine politische Aussprache beschränkt habe, ohne daß eine besondere Frage angeschnitten worden sei. Frankreichs Beziehungen zu ton- don seien im Laufe der letzten Jahre so eng gern o r d e n , daß eine Verbesserung der italienisch- britischen Beziehungen nur die französisch-italienische Annäherung begünstige. — Aehnlich meint ,.E ch o de Paris", zwischen London und Rom scheinen für den Augenblick keine besonderen Fragen zu schweben. Jedoch dürfe man cmnehmen. daß Chamberlain keine angenehme Erinnerung an den heftigen italienischen pressefeldzug im letzten Sommer gegen das französisch-englische Flottenabkom- men bewahrt habe. Mussolini sei ebenso, wie alle anderen konservattoen Regierungen der Welt, an dem Siege des kab inetls Baldwins bei den kommenden Wahlen interessiert. In der Frage der Kriegsentschädigungen und der vorzeitigen Rheinlandräumung seien sich Italien und England einig. Mussolini und Chamberlain seien der Ausfassung, daß der Abschluß einer endgültigen Finanzregelung das Ende der Besatzung herbeiführen müsse, obgleich Mussolini gelegentlich anerkenne, daß die von Deutschland seit vier Jahren erhaltenen Zahlungen auf die Anwesenheit der Besatzung in den rheinischen Brückenköpfen zurückzuführen sei. In letzter Zeit sehe es fo aus, als ob Italien seine Kriegsentschädigungsforderungen erhöhen wolle. Mau dürfe nicht darüber erstaunt fein, wenn auch die Verhandlungen mit Frankreich über die Südgrenze von Lybien und das Statut der Jta- liener in Tunis besprochen worden sei. Man wisse, daß der Weg Paris-Rom oft über London führte. Ser ZannerümAopp auf der Anklagebank. Oie Tragödie des Auslanddeutschen. In Berlin steht jetzt der Farmer Langkoop vor den Schranken des Gerichtes, um sich für den Bombenanschlag auf das Reichsentschädigungsamt zu verantworten. Schon die Vernehmung des Angeklagten verschärfte den Eindruck, daß es sich hier um einen Mann handelt, der durch die Enttäuschungen seines Lebens und insbesondere der Kriegs- und Inflationszeit und durch das jahrzehntelange Leben außerhalb Deutschlands völlig aus dem Gleise geworfen ist. Diese Menschen, die als Pioniere des Deutschtums im Auslande wertvolle wirtschaftliche und moralische Eroberungen gemacht haben, sind heute einfach nicht mehr in der Lage, sich in die engen Verhältnisse unseres Vaterlandes hineinzufinden, und besonders deshalb nicht, weil sie tatsächlich zum großen Te-l durch die Gesetzgebung und durch die Verwaltungspraxis ungerecht behandelt worden sind. So sehr der Staat aus Gründen der Selbsterhaltung gezwungen ist. schwere Gesetzwidrigkeiten wie die des Farmers Langkoop zu sühnen, fo wenig darf man verkennen, daß es sich hier um einen Fall handelt, der nur aus den eigentümlichen psychologischen Doraussetzungenheraus verstanden kann. DieVemehmungdesAngeklaglen B e Hin, 3. April. (WB.) Vor dem Erweiterten Schöffengericht Berlin-Schöneberg im neuen Kriminalgerichtsgebäude begann die Hauptverhandlung gegen den Farmer Lang kapp und den Mitangeklagten Kaufmann Loof. Langkopp hat be- kannllich im vergangenen Jahr einen Erpressungs- versuch im Reichsentschädigungsamt unternommen und dabei mit Pistole und Höllenmaschine gearbc.tet, die er in einem Koffer mitgebracht hatte. Schon vor 8 Uhr standen vor dem Zuhörcreingang in der Turmstraße Hunderte von Menschen, meist Mitglieder des „Reichsbundes der ihres Privateigentums beraubten und entrechteten Ausland-, Kolonial- und Grenz- landdeutschen", der dem Angeklagten Langkopp auch die Verteidiger gestellt hat. Nur diejenigen Zuhörer werden eingelassen, die sich vorher besondere Einlaßkarten besorgt haben. Ein besonderes Polizeiaufgebot achtet vor und im Gerichtsgebäude auf die strenge Durchführung der Kartenkontrolle. Die Verhandlung, die wegen des starken Zeugen-, Sachoerständigen- und Preßeaufgebots im großen Schwurgerichtssaal stattfindet, führt Landgerichtsdirektor Dr. Ziegel, während die Anklage von dem Staatsanwalt Dr. Köhler vertreten wird. Die Angeklagten haben vor der Verteidigerbank neben ihren Verteidigern, ben Rechtsanwälten Dr. Frey und Dr. L u e t g e - 5 r u n e (Göttingen) Platz genommen. ■Jlad) Eintritt in die Verhandlung wies der Vorsitzende zunächst darauf hin, daß der Vorfall vom 2. März. v. I. zweifellos aus höchster Erregung entstanden sei und daß er größtes Aufsehen verursacht habe. Hier im Gerichtssaal solle zwar Verständnis für Leidenschaften herrschen, aber Erregung und Sensation mühten aus der Verhandlung fern bleiben. Rur wenn streng sachlich undnüchtern verhandelt wird, kann das Gericht zu einem Urteil kommen, das der Tat und dem Angellagten gerecht wird. Ich bitte alle Prozehbeteiligten, sich dies stets vor Augen zu halten. Kundgebungen irgendwelcher Art aus dem Zuhorerraum müssen unterbleiben. Die Angeklagten werden dann über ihre Personalien gehört Dabei stellte der Vorsitzende fest, daß Langkopp einmal wegen Diebstahls mit einer Geldstrafe, Loof wegen Beleidigung vorbestraft ist. Langkopp, der jetzt 52 Jahre alt ist, schildert seinen Lebenslauf. Weiter seine allmählich immer hoffnungsloser werdende Stimmung. Seine Briefe an den Reichstag, in denen er sein Recht forderte, seien unbeantwortet geblieben. Auf Fragen des Vorsitzenden erklärte tengkopp weiter: Es sollte nichts passieren, er habe eben nur zu seinem Recht kommen wollen. Schon nach einer Viertelstunde habe er jedoch gefühlt, daß ihm sein Recht nicht mehr werde, und es sei ihm alsbald Har geworden, daß dieser Tag der letzte seines Lebens sein würde. Er habe dann noch vier bittere Stunden mit Geheimrat Bach gesprochen. Langkopp schildert dann, wie ein Barbetrag von 10CKX) Mark aus der Kasse herausgebracht wurde und wie Geheimrat Bach seinem Freunde Loof einen Scheck über 90 000 Mark zur Einlösung bei der Dank aushändigte. Inzwischen habe Bach ihm ein Flugblatt gegeben, von dem er kaum einige Zeilen gelesen hatte, als Dach plötzlich durch das Zimmer geflohen sei. Ich setzte ihm nach, so fährt der Angeklagte fort, warf unterwegs den Koffer beiseite und erreichte auch Bach bei dem Flur an einer Treppe. EZ kamen sehr schnell andere Leute hinzu, die mich offenbar niederdrücken wollten, so daß ich sie dazu ermahnte, von mir abzulassen. Schließlich wurde ich niedergedrückt, und es fielen Schüsse aus meiner Pistole. Mehrfache Versuche, mich selbst zu treffen, gingen fehl, da ich so stark überwältigt worden bin. Langkopp betonte noch einmal, es sei für ihn gar nicht in Frage gekommen, einen Menschen wie Dach, gegen den er ja persönlich gar nichts gehabt habe, einfach übet den Haufen zu schießen. Medizinalrat Dr. Dhrenfurth erstattete dann noch ein Gutachten über Langkopps Persönlichkeit. Es könne von irgendeinem Schwa^sinn oder irgendeinem Verfall der Persönlichkeit bei Lang- kovp keine Rede sein. Langkopp sei ein aufrechter Charakter, der mit starker Entschlossenheit und auch ebenso großem Selbstgefühl seine Ziele verfolge. Don irgendeiner krankhaften Störung des Geisteszustandes etwa im Sinne des § 51 sei nicht das Geringste sest- zustellen. tros , Condor" und .Möwe". Das Reiseziel für den gesamten Verband ist die Arosabucht ^tere Ziele sind für .Schleswig-Holstein" und .Elsaß Brlbao vom 30. Aprll bis 6. Mai, su? ^Schlesien" und .Hessen" El Ferrol vom 3?; 6-W^Kr -Wolf" und die vierte Torp^bvbvotShalbflottille Sevilla, 30. Aprll bis und für die Boote .T151", „T157" und l9296°tUna tom 301 April dum Lin nettes Früchtchen. Der Berliner Kaufmann Michaelis hat der Kriminalpolizei miigcteilt, daß sein 26jährlger Sohn Gerhard ihm den größten Teil seiner Woh - n u n g s e t n r i chtuug geraubt und außerdem Bargeld in Höhe von mehreren hundert Mark ge» (tobten bat Gerhard Michaelis hatte einen Geschäftsgang des Vaters benutzt, um mit Hilfe po n drei gleichaltrigen jungen Burschen vor den Augen ter Hausbewohner die väterliche Wohnung auszuraumen und die Model auf einen bestellten Waoen zu laden. Man nimmt an, daß er alles versetzt und verschleudert hat und versuchen wird, mit dem Gelds ins Ausland zu flüchten. Der junge Mann war zuletzt als Filialleiter einer Zigarren-Großhandlung tätig gewesen und soll dort mehr als 800 Mark unterschlagen haben. Die Umstellung derLandwirtschafi im Hohen Vogelsberg. Die Regierungsvorlage im Finanzausschuß. WHP. Darmstadt, 3. April. Die heutige Beratung des Finanzausschusses drehte sich aus- schließliL um die Regierungsvorlage über die Hm Heilung der Landwirtschaft im Hohen Vogelsberg. In Berichtigung der amtlichen Drucksache ist zunächst au sagen, daß der Minister für Arbeit und Wirtschaft für die geplante Hmstellung zunächst nurwier Gemeinden vorsieht mit einem Betrag von 100 000 Mark und außerdem für die Anlegung von Deispielswirtschaften 50 000 Mk. beansprucht. Mit zur Verhandlung gelangte ein Dauernbund- antrag, alle Kosten für die Feldbereinigung. die Anlage von Weiden- und Wiesen- meliorationen auf den Staat zu übernehmen. Ein Antrag Glaser (Dbd.), der das gleiche für die Hmstellungsmaßnahmen im Odenwald forderte, wurde bei Beginn der Beratung zurückgezogen. Besonders von den Vertretern des Bauernbundes wurde in der Beratung darauf hingewiesen, daß der Plan des Wirtschafts- Ministers in seiner bestehenden Form ungenügend sei und bei den heutigen Verhältnissen Millionenbeträge erfordere, die von den Gemeinden und der Landwirtschaft nicht aufzubringen seien. Außerdem wurden die von der Regierung in, Ansatz gebrachten Kosten für die Meliorationen der Weidenanlagen usw. als weitaus zu niedrig bezeichnet. Wirtschaftsminifter Korell erfiärte u. a.» daß es sich nicht um einen Generalkulturplan handele, sondern daß die Regierung zu dem Entschluß gekommen sei, etappenweise vorzugehen (ursprünglich batte bekanntlich der Minister vorgesehen, sofort für die nächsten 15 Jahre die Pläne für die Hmstellung der Landwirtschaft im Landtag genehmigen zu lassen). Man wolle zunächst in vier Gemeinden, die bereits die Feldbereinigung beschlossen hätten, die Hmstellungs- arbeiten vornehmen lassen, um dann nach dem Vorlieaen der ersten Ergebnisse sofort die weiteren Maßnahmen einzuleiten, so daß in etwa 15 Jahren doch alle 44 Gemeinden im Hohen Vogelsberg umgestellt sein könnten. Dor allem wolle man abwarten, wie sich die Landwirte zu dem Hmstellung5ergebnis in den vier Versuch ^gemeinden stellten. Allgemein sei die Ansicht vertreten, daß im Vogelsberg zur Zeit schon zuviel Vieh stehe, das aber durch die fast überwiegende Stallung geminderte Erträgnisse abwerfe und das durch die Herausbringung auf die neuanzulegen- den Weiden vom Frühjahr bis zum Eintritt des Frostes gesünder und leistungsfähiger gemacht werden soll. Rach eingehender Aussprache wurde die Vorlage vom Finanzausschuß bei zwei Stimmenthaltungen als vordringlich endgültig verabschiedet. Der obenerwähnte Dauernd und-- a n t r a g auf Hebernahme aller Kosten durch den Staat wurde gegen zwei Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen abgelehnt. Gegen vier Stimmen für erledigt erhärt wurde ein vorjähriger Antrag des Bauernbundes auf alsbaldige Vornahme von Hllfsmahnahmen für den gangencn Nacht und heute morgen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Heute morgen mu. den von München und Dresden noch 5 Grad untc Null gemeldet. In unserem Bezirk lagen die Tem peraturen um minus 2 Grad, und das Minimun sank nachts stellenweise bis auf minus 6 Grad. D Nordmeerstörung hat bereits durch den Zustron milder ozeanischer Luftmassen im Norden Erwä mung gebracht, die auch allmählich weiter südwärts nach dem Kontinent durchgreifen dürfte. Wettervoraussage für Freitag: Meist wolkiges Wetter, Temperaturen langsam etwas ansteigend, noch vereinzelte Niederschlag Wettervoraussage für Samstag. Zunächst wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 3. April: mittags 1,9 Grad Celsius, abends —1,1 Grad: am 4. April: morgen- — 2,1 Grad. Maximum 3,7 Grad, Minimum —6/ Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. April: abends 5,8 Grad: am 4. Apnil: morgens X2- Grad Celsius. — Sonnenfcheindausr IM Ctanbea Hast ‘„Nee uch aus, ufo die L®h 9ung bct M der Jut die tetfcc, ij9. dvn Anlegung unlprucht ucrnbuni)^ dbcrei. 9 diesen» ^"chnien. leiche für °ald for. 9 zurück- trrn des '9 darauf hrllNtS. 1 n_g c n ü • rWtnissen den tze. dt aufzu« don der i» für bie als weil- JÄ5 ®db« in; ”r zuletzt N tötig lrt unter -le u, L, lkulturplan i dem 6nt- le vorzu- r Dinister Jahre bie rtschast im volle zu« die Feld« l'.slellungS« nach dem dir toeite» in titoa ndenim eilt sein arten, Vie g^ergebniS iten. M» h im Cßo# el Dieh jcnbe 1 und daS mnzulezen» Antritt des rr gemacht e die Dor« Stimment» > nerob» rnbunb» [ten bürt \ bei M «gen vier rin wfp ÄLbaldigr de? .) verbunden ist. Dis zur älmorganisation deS Arbeitsamtes führte er u. a. auch den Dor- fth de« Arbeitsamtes Gießen. Wetter war er -eil 1920 in ehrenamtlicher Tätigkeit forschender der Ortsgruppe Gichen des .Dollsbundes Deutsche Kriegsgraberfürsorge, KU *921 Bov- ilcmdsmttglied des Allgemeinen Vereins Tue Armen- und Krankenpflege und d^ Vereins Gießener Stuten tenhilfe, und feit 1924 2wr- s-itzender der Ortsgruppe Gießen des Derbandes hir Deutsche Jugendherbergen. Am 11. I 1927 wurde ihm durch Berfügung des Hessischen I Ministers des Innern die Amtsbezeichnung I „Bürgermeister" verliehen. Sowohl durch seine dienslliche Tätigkeit als I Leiter unseres Wohlfahrtsamtes, wie auch diwch seine ehrenamtliche Arbett hat sich Herr Dr. Frey um das Gemeinwohl tn unserer Stavt tn hohem Maße verdient gemacht. Erfüllt von flarfcm sozialen Geist und großem De^ändnis für die vielerlei Bedrängnisse wirtschaftlich schwacher Mttbürger verstand er es, den mitunter harten Vorschriften der Gesetze die beste Seite I zum Dorteil der Hilfsbedürftigen abzugewinnem Hierdurch war es ihm möglich, auch in schwierigen Fällen weitgehend Rot und Bedrän^is zu lindern. Dabei galt seine Fu^orge in gleicher Weise allen Personen, die chm anvertraut Daren. Besonders hervorragende SozialMbett leistete Dr. Frey aber in den schweren ereilen ter stärksten Inflation und in der äleLergang«- reriode nach der Festigung unserer Wahrung In diesen stärksten Drang- und Rotzetten vr- jantfierte er einen umfassenden Hilfsdienst, n mentlich auch für die am schwersten prangten Klein- und Sozialrentner, dabei besonders auf die Schaffung einer Speifeküche Bedacht nehmend, die damals im früheren Garnisonlazarett er- stand und in besonderen Speiseraumen den schwergeprüften Mitbürgern ihr Los zu erleichtern bestimmt war. Auch die ehrenamtliche Tätigkeit Dr. Freys war stets ausgezeichnet durch bie volle Hingabe feiner Person und feiner vortrefflichen Organisationsgabe und Erfahrung an die Sache, so daß auch auf diesem Gebiete reiche Erfolge seiner Arbett zu verzeichnen find. Dem tücht.gen Verwaltung ^beamten und aus- gez^ichnctrn, liebenswürdigen Menschen, per sowohl im Verkehr mit der Bevölkerung, wie auch in seinem Verhältnis zur übrigen städtischen Beamtenschaft stets und mit vollem Erfolg aus Briefkasten der Nedattion. (Rechtsgutachten sind ohne Derbindlichkeit der Schriftleitung.) 3. $., Grohen-einden. Als Stichtag für bie Be^ [aftung eines Hausgrundstückes gilt der 31. Dezember 1918 Von der Sondersteuer befreit sind solche Gebäude. deren Wohnfläche nicht größer ist als 70 qm, die von dem Eigentümer selbst bewohnt sind und nicht gewerblichen Zwecken dienen. Hiernach werden Sie wohl ermessen können, ob Sie Sondersteuer zu zahlen haben ober nicht. Wettere Auskünfte erhalten Sie beim Finanzamt. Berliner Börse. Berlin. 4. April. (WTD. Funkspruch.) 3m heutigen Frühverkehr ist noch Nichts zu Horen. Auf die erneute Geldversteifung tn Reuyork und im Hinblick auf die Unsicherheit am hiesigen Devisenmarkt bleibt die Spekulation zurückhaltend. Kurse werden noch nicht genannt. — Taaeskalender für Donnerst«g. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „SOS". — Astoria- Lichtspiele: „Rintintin — der Retter fernes Herrn . — Stadttheater Gießen. Aus Örn Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Wiener Hofburg gastiert am Dienstag, S- April, mit der Komödie des Kleistpreisträgers Lernet- Holenia „Sie Frau in der Wolke . Da das Wiener Künstlerensemble sich auf einem Gast- spieltourne befindet, kann die Aufführung nur am Dienstag, 9. April, stattfinden. Eine Wieder- hvlung ist nicht möglich. - Die nächste Erstaufführung wird Georg Kaisers letztes Stück „Ok- - _ Morgen 20 Uhr findet die erste von „Same Kobold" statt. Sonn- ‘ " : „Cäsar und Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 4. April 1929. Eine kleine Ostergeschichte. Onkel Friedrich ist unentwegter Optimist, deshalb hat er nun an seinem Hellen Sommermantel einen graugelben Dotterflecken. Als noch die grimmige Kälte herrschte, hatte u uns schon geschrieben, daß er dieses Jahr, Herrn auch die Ostern noch so früh wären, au und itd Forsthaus tarne, um im Walde das Fest zu ftiern. Er kam, und das Wetter in der Karwoche feiten seinem Vorhaben günstig zu sein. Ein klei- irr Ausflug am Gründonnerstag verlies glan- »nd, nur daß eine Flasche Wein, den man vor- s»rglich im Korbe mitgenommen hatte, beim Aus- jnden fehlte. Onkel Friedrich hatte den Korb twze Zeit getragen. Das verdarb aber die Sttm- llung nicht. . Der erste Feiertag allerdings, trotzdem der hakel seinen Geburtstag am letzten März hat, Eiflte ein mürrisches Gesicht. Man mußte im »rsthauS bleiben, und hier konnte das Geburts- gskind dem guten Weine ordentlich zusprechen, khne daß er den Korb tragen mußte. Gegen Uhr schien die Sonne aber doch durchzu- birmen. und Onkel Friedrich war entschieden kasür. daß wenigstens die Ostereier im Walde tersteckt werden sollten. Man willigte ein, und tie fünfzehnjährige Försterstochter machte be* Inders gute Verstecke aus. Jeder von uns muhte ein Ei suchen. Der Deine Schwarzkopf hatte eigen« ein Derschen - passend für den Suchen- kn — darauf geschrieben. Sie gab uns die Richtung an, in der wir einzeln nachforschen sollten. Onkel Friedrich hatte den weitesten Weg, wie tt sagte. In Wirklichkeit suchte er gar nicht lange, sondern setzte sich, vielleicht wwr der gute Dein daran schuld, auf ein weiches MooSpolster unter einer großen Buche und — tolief ein. Wir fanden unsere Gier. Der Onkel kam ober ' Nicht. Das war uns verdächtig, und gemeinsam zogen wir in fein Revier. Wir fanden ihn shlafend, umzingelten ihn, und mit einem 3n- dianergeheul wurde er geweckt. Ganz terftort schaute er uns an, bann aber ging ihm ein Licht mf. „Ach so," sagte er, „ich sollte ja mein Ei suchen." Die Försterstochter hatte uns schon vorher gesagt, daß sie es gerade bei dieser Buche versteckt hätte, und als wir ihn sitzen sahen, hin- zugefugt: „Hoffentlich hat er sich nicht drauf gefetzt: denn sie sind weich gekocht/ Es war tatsächlich so. Onkel Friedrich stand auf, und an seinem schönen Lleberzieher hmg das -erguetschte Ei. Das Derschen war noch Halbwegs zu lesen und lautete: Trinken soll man guten Wein, nur darf er nicht gestohlen fein. DaS bezog sich auf den Ausflug vom Grün- Lonnerstag. Wir gingen lachend ins Försterhaus zurück: denn inzwischen war die Sonne wieder verschwunden. Es gab einen luftigen RachmU- tag. Der Flecken auf dem Mantel ging aber nicht t° t Innern einzuholen. 1 Der ordenlliche Professor für altes Testa- Sin neuer V-Zug-Wageniyp. ment D. Dr. W a l ter?aumg art ne r hat einen WER. Die Deichsbahnverwaltu^ läßt jetzt auf Ruf^ an .die Universtta führt sich bei Hinsicht eine wesentliche ^rbeft^ung gebens r Seit heute morgen schneit es hier den bisherigen Wagen aufweisen. Die Reicys ansehnlich so daß die Dächer wieder em weißes bahndirektion Frankfurt gab der Presse Kleid zeigen wahrend in den Straßen Nässe und beit, einen aus diesen neuen Wag^ zusa^en ^a|^ten wenig erfreuen. Wie wir heute gestellten Zug auf dem Frankfurter Hauptbahich s ch 6 Schotten hären, schneit es auch im D o - ä FE U Lert bie,e 6$tratour vertellt, der Durchgang ist also in der ^hit a n d str a ß e n s p e rr e. Wegen Ausfüh- des Wagens. 2n den Wagen zweiter Klasse fi d Mn Straßenumbauarbeiten (Beseitigung von die. Sitze so vertellt, daß auf^ter einen. & t Fahrbahnsenkungen) ift die Provinzialstraße H o l z - drei Personen Platz haben, wahrend aus oer u m2.@rünyinflen |ür jeglichen Verkehr ge- andem Seite sich e^..^D^bcJ1^beQieaen btenuhbt perrt worden. Die Umleitung erfolgt über Straßen-- erreicht. daß die Sitzeauch en m Lang-Göns und Dorf-Gill. | werden können. Besonderer ^ett isr aus «*.. Städtische Holzverste,gerung. Bei I gute Abort- und Tolletteeinrichtung gelegt wo „estrigen Nutzholzoersteigerung aus den Walden. Hier ist die Wasserversorgung Emer g I ^tadt Gießen auf der Liebigshohe wur- Weise geregelt worden, die ^den Mangel fcen9jm Durchschnitt folgende Preise erzielt: Fichten- Wasser völlig ausschlE. Sämtliche Wag (anqf)o(3 Klasse la und b 25 bis 29,50 Mark, haben elektrische Beleuchtung und Hoch und w gy Z0bis35Mk., Klasse 3a und b 38L0 Riederdruckdampfheizung. Auch die Sensterkon ll Kiefernlaiigholz Klasse la und b 24,50 Mk., struktion ist neuartig, und .so Klasse 2a und b 2,5 bis 30 Mk.. Klasse 3a 39 Mk.; I jeder Luftzug vermieten wird. Die Ljckenabscknille (A) Klasse 3, 4 und 5 50 bis 138 ter Wagen bei geschlossenen Tenstern erfolgt C G ( unb 5 20 bis 80 Mk. je durch eine seitlich der Fenster angebrachte Den- Eickennutzscheiter 17,50 Mk.; Fichten- | Hlation. Trotz der Große der Wagen ist ihr L pr0 Stück 3 Mk., 2. Klasse pro Gewicht außerordentlich Spring. Die Wagen b 3.Älaffe pro Stück 1 Mk.. Fichtenreis- britter Klasse wiegen ungefähr 34 Tonnen, die 4 unt) 5 Blässe pro Stück 0,25 Mark, zweiter Klaffe 36 Tonnen. Die Dersuchswagen #S • gjebener Frühjahrsmesse . sollen in ganz ^utschland nur ein paar Wochen ^m 7 bis 14. April auf Oswaldsgarten statt, laufen, um die Wunsche des Eisenden Publikums vo ( H Anzeigenteil zum kennen au lernen, damit vor der deftnttwen Ein- , I führung der neuen Wagen diese nach Möglichkeit : I noch berücksichtigt werden können. i Taten für Freitag, 5 April. Gießen, den 3. April 1929. 3035D herzlich. Gießen, den 4. April 1929. 3037D Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Meline Büttner. Danksagung. Für die erwiesene Teilnahme bei dem Heimgänge unserer lieben Entschlafenen danken wir hierdurch Für die vielen Beweise inniger Anteilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir nur auf diesem Wege herzlichen Dank. Es ist ausdrücklicher Wunsch der Dahingeschiedenen, daß wir auch an dieser Stelle nochmals allen denen allerherzlichsten Dank aussprechen, die unserer Heimgegangenen bei ihrem schweren Leiden treu zur Seite gestanden und dieselbe während ihrer Erkrankung mit Blumen in so reichem Maße bedacht haben. Die trauernden Hinterbliebenen, I.d.N.: Philipp Eise. Lldi, den 3. April 1929. 01891- Für die vielen Beweise der Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres Heben Karl Heinrich Heller sagen wir auf diesem Wege recht herzlichen Dank. Die trauernd Hinterbliebenen. Bub ober Mä-et ganz gleich, die Freude ist immer groß, wenn der Klapperflorch ins Haus kommt. Damit die Mutter bei Kräften bleibt, trinke sie zu den Mahlzeiten das blutbildende und die Milchbildung günstig beeinflussende Köstritzer Gchwarzdier. Vertretung: Emil Schmal!. zsev Weiß-und Rotweine Für die Festbäckerei Liter Liter Liter Magnetmehl Auszugsmehl Sultaninen, feine belle Korinthen, feinste Mandeln Haselnuhkerne 1.20 1.10 1.30 1.25 1.60 1.20 1.75 0.26 0.24 0.88 080 2.50 1.40 1.00 1.30 1.50 2.10 .... Pfund .... Pfund .... Pfund .... Pfund Pfund 2.80, .... Pfund Weißweine Weifier Tischwein 26er Edesheimer 27er Liebfraumilch 26er Rüdesheimer Rotweine: Tafel-Rotwein Montagne 26er Roussillon 25er Medoc (Bordeaux) Süd weine: Tarragona, '/, Flasche 0.70 Samos Malaga, dunkel Malaga, golden Weine vom Fafe Weiber Tischwein Tafel-Rotwein Tarragona, rot Fl. o. Gl. ... 1.15 ... 1.60 ... 2.10 ... 2.60 empfehlen wir unsere in eigener 3M9C Weinkellerei bestgepflegten klauen Ein bei iür 305IA OS WAL OSCAR TEN Für A.B.Ü-Schiitzen! 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Äf t »* „„ h Ruder- % sport ” Gieien 1913 I" tjpfl Itr. 78 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für GbsrlMn) Donnerstag. 4. April 1920 ■■■■■■RHMB» «HRAMJBW «k- 1 ■ । «IIIIIII H II« II I» I WW- U IW.HWW!' rje’Tiawwmwra. 1 luu -L-±. Sparsamkeit! DaS deutsche Volk unterscheidet sich von den romanischen Völkern dadurch, daß es selten oder nie gelingt, ihm mit Hilfe eines Schlagworts Begeisterung für eine an sich unangenehme oder schwierige Aufgabe beizubringen. Ob das mehr natürlicher Skeptizismus gegen die künstliche Entfesselung bürgerlicher Opferwilligkeil oder mehr eine Konsequenz mangelnden staatsbürgerlichen BerantwortungSbewuhtseins ist, aus dem heraus sich die Neigung zu der bequemeren und oft vorteilhafteren Oppositionsstellung ergibt, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls haben wir augenblicklich eine „Sparsamkeitswelle", die sich für jede einzelne von ihren Auswirkungen betroffene Kategorie so darstellt, daß mit einiger Begeisterung die Abstriche bei andern begrüßt und mit ebensoviel Zähigkeit und Entrüstung die eigenen als unmöglich bezeichnet werden. Dabei wird u. a. mit der Feststellung gearbeitet, daß im Etat nur ein kleiner Bruchteil nicht zwangsläufig sei. Das trifft bei näherer Betrachtung nicht zu. Zwar sind alle Ausgaben aus internationalen Verträgen und alle Aufwendungen für die Besoldung und Pensionierung von Beamten tatsächlich zwangsläufige. Aber die sachlichen Aufwendungen der einzelnen Ressorts gestatten bei individueller Prüfung sicherlich Verbesserungen und Ersparnisse, ebenso die außerordentlichen und einmaligen Ausgaben. Und hier kommt man zum Kernpunkt, zur Wurzel allen Aebels. Denn jede Partei glaubt bestimmte Leistungen, Anstellungen, Bauvorhaben, Unterstützungen und Vergünstigungen, die sie irgendwelchen eigenen Anhängern, oft aus recht demagogischen Gründen versprochen hat, bis aufs letzte i-Tüpfelchen verteidigen zu müssen und gerät damit, selbst wenn sie Regierungspartei und vielleicht sogar der Finanzmintster ihr eigenes Mitglied ist, in einen hartnäckigen Kampf gegen beabsichtigte Ersparnismaßnahmen der für den Etat verantwortlichen Behörde. Um nun einer andern Partei von ihren Programmpunkten etwas abhandeln zu können, muh der Finanzminister dartun, daß er der einen bereits etwas abgehandelt hat; und da jede einzelne um ihre Positionen kämpft, gleichzeitig aber die Forderung nach Ersparnissen an den Finanzminister richtet, so sieht er sich einer untereinander im Kampfe liegenden, chm gegenüber aber als Einheitsfront erscheinendes Gegnerschaft gegenübergestellt, mit der er nicht fertig werden kann, weil sich das negative Element de« Kuhhandels per saldo immer gegen ihn auswirkt. Die Grundlage für wirkliche Ersparnisse würde sich also erst dann ergeben, wenn die Parteien von der u m g e k e h r 1 e n Tendenz beseelt wären; statt sich gegenseitig Konzessionen für ihre Anhänger auszuhandeln, sich gegenseitig Herabminderungen beim andern abzuhandeln, um sie dann als ein Gesamtbukett von möglichen Ersparnissen dem Reichsfinanzminister zu präsentieren. Die beiden Fronten, die sich in diesem Kampf gegen- über stehen, sind ausnahmsweise nicht Regierung einschließlich Regierungsparteien auf der einen, Oppositionsparteien auf der andern Seite, sondern alle Parteien auf der einen, Regierung und öffentliche Meinung auf der andern Serie. Denn so verschieden die Einzelwünsche der Parteien sind, so selbstverständlich laufen sie alle rm Endeffekt auf eine Verneinung der notwendigen Ersparnisse hinaus. Wir haben em einziges Mal eine andere Lage gehabt; das war, als Dr. Luther mit einem starken Appell an das Der- antwortungsbewuhtsein des ganzen Volkes und die damals noch recht akute Angst um die neu- geschaffene stabile Währung sein Finanzprogramm von 1924 durchbrachte. Aber wir befinden uns Gießener Gtadttheater. Gastspiel des Hessischen Landestheaters : Puccinis „Bohöme". In der Zeit von 1890 bis 1914 macht sich in der Musik eine stetig wachsende ile&erfteigerung der Ausdrucksmittel bemerkbar. Reue Klangwirkungen. neue Jnstrumentzusammensetzungen werden ausprvbiert, und die Orchester wachsen tit ihrer Besetzung in« Riesenhafte Es ist die Zeit der Mvnstrekonzerte, der Massenchore und der Tausende von Hörern fassenden Konzertsale. Den Gipfelpunkt stellt etwa (im symphonischen Schaffen) Mahlers Symphonie der Tausend dar. Zugleich mit dem immer ungemessener werdenden Drchesterapparat dehnen sich auch die formalen Dimensionen der Kunstwerke. Gewaltige Spanrungen und ekstatische Höhe sind die Kennzeichen dieser Zeit. Diese Entwicklung erzeugt einen Gegenstroni in dem Raturalismus. Die Musik kommt dieser Entwicklung nicht entgegen, denn ihr Wesen ist noch Klang, Melodie, Konsonanz. das Ideal der Romantik, und nur schrittweise kommt sie zu einer inneren Anpassung. Daß dies auf dem Gebiet der Oper am leichtesten möglich ist, ist verständlich Der Stoff bedingt hier die Haltung der Musik und trennt sv Mvärfer die romanische von der romantischen Ober. Der oder die ersten Vertreter dieser naturalistischen romanischen Oper haben wir rn Leoncavallos ..Bajazzo" und Mas^ignis .,Ca- balleria rusticana". Ihr Typ verdichtet sich bei P u e c i n i und d'Albert zum vewstischen Drama. Hier treten die naturalistischen Tendenzen entschiedener auf und bilden bei Puccmi in feiner .Boheme", die ihm Weltruf verschaffte, einen reinen Typ. Sie ist bas populärste, wenn auch nicht künstlerifchste Werk des noch Verdi bedeu- tendsten Meisters der romanischen Oper. Puc- dni verdankt seine Erfolge in erster Lime der Textwahl, die sehr geschickt getroffen ist, und seinem sicheren Theaterinstinkt. Seine musikalischen Ausdrucksmittel liegen in der Harmonik und Deklamation begründet. Die ©anätonleiter und der sich daraus ergebende häufige Gebrauch des übermäßigen Dreiklangs verbinden sich mit reicher, nationaler und klangsinnlicher Melodik. Die Musik wird so in der Hauptsache zum Farbwittel und kommt auf diese Weise den Forderungen beS Raturalismus am besten nach. Der Text- iirhalt weist aus dem Volksleben mit schlagkräftiger Handlung und krassem Schluß, der Gegenpol zur idealistischen .,Erlösungs"-Oper. Das Gastspiel des Hessischen Lan - öestheaters Darmstadt kann als recht erfreulicher Erfolg bezeichnet werden. Der Gesamteindruck war denkbar gut und packend. Mar- fiarete Jensen vom Stadttheater in Maüiz ang die Partie der Mimi mit tiefer Derinner- Japans Hand in China. Peking tonkn changhai H \Preffegeographie N°25 * vinz Schantung. -OST— .CHINES! 3-MEER- i *v Vfsina. : TaiSi a«t WdupMrd e von Feng. Haupt kräft^ vom e*Tschidng-Kdi-5(hek Pukoüty nrm Eisenbahnzone W von d. Japanern besetzt. M Bereich d. reak- iS? tioriaren Autsten- =■■=■ Eisenbahn "esi \ Grenze d. Pro- v, I —MEERZZ Kiat^thou^js inqtau— ~ Oapans Hand in China. l Neue Kampfe in Schantung-) O SO 500B i----- Kwff entsin £%fi)ajren— Kaum hörte der seit vielen Jahren tobende chinesische Bürgerkrieg auf, kaum erhielt das chinesische Reich, wenn auch nut dem Romen noch, eine Zentralgewalt in der Person der Kuomingtang-Regierung in Ran- king und schon finden wieder Kämpfe von größtem Ausmaße auf chinesischem Boden statt. Mitte Februar 1929 landeten im Hafen Lungkou (Provinz Schantung) 26 000 Mann des Marschalls Tschang-tsun- t s ch a n g, des früheren Gouverneurs dieser Provinz, und haben die Fahne des Aufstandes gegen die Rationalregierung von Ranking erhoben. Schantung spielte in den letzten Jahren eine besondere Rolle in der chinesischen Politik. In dieser reichen, dicht bevölkerten (über 30 Millionen Einwohner, bei 150 000 qkm «und strategisch wichtigen Pro- ic in der Vorkriegszeit eine Interessensphäre Deutschlands bildete (Pachtgebiet Kiautschou), haben seit dem Weltkrieg die Japaner Fuß gefaßt. Der Eifersucht der Vereinigten Staaten von Amerika ist es auf der Washingtoner Konferenz 1922 gelungen, die Räumung der Provinz durch die Japaner durchzusehen. 1928 nützte Japan den chinesischen Bürgerkrieg aus, um unter dem Vorwand des „Schuhes der Interessen der japanischen Bürger" ein Expeditionskorps in Schantung zu landen und die wichtige Eisenbahn, welche den Hafen Tsingtau mit der Hauptstadt der Provinz Tsinan verbindet, zu besehen. Entlang der Bahn wurde eine 20 Meilen (32 km) breite „neutrale Z o n e" geschaffen, welche nach japanischer offizieller Erklärung „von keinem chinesischen Militär überschritten werden darf". Durch die Besetzung des Bahnknotens Tsinan kontrollieren die Japaner außerdem die wichtige Eisenbahnlinie Tientsin-Pukou, die Rordchina mit dem Vangtse-Tal und der Hauptstadt Ranking verbindet. Die seit Monaten laufenden Verhandlungen zwischen China und Japan, die sich um den Preis der Zurückziehung der japanischen Truppen drehten, wurden vor kurzem ivegen der ungeheuer hohen japanischen Gegenforderungen abgebrochen. In diesem Augenblick erscheint nun auf der Szene Tschang-tsun-tschang, der mit der vollständigen Riederlage, die ihm im Vorjahre seitens der Rationalarmee zugefügt wurde, sich unter wohlwollendem Schuh der Japaner in der japanischen Kolonie Dairen aufhielt. Von dort spann er die Intrigen zur Wiederherstellung seiner Herrschaft in Schantung, bis er jetzt plötzlich auf der Spitze einer Armee wieder in China auftauchte. Durch die „neutrale Zone" der Eisenbahn vor den Hauptkräften der Rationalarmee geschützt, von japanischer „privater Seite" mit ansehnlichen Anleihen (über 10 Millionen Dollar) gespeist, gelang es ihm in einigen Tagen seine Armee auf 55 000 Mann zu erhöhen und das Gebiet zwischen dem Gelben Meer und der Eifenbahnzone, außer dem Hafen T s ch i f u . zu besetzen. Die Kämpfe spielen sich gegenwärtig in der Umgebung von Tschifu ab. das von 7000 Soldaten der Rationalarmee verteidigt wird. Bezeichnenderweise wurde in den von den Japanern besetzt gehaltenen Städten, u. a. in Tsingtau und Kiautschou. ebenfalls die Fahne Tschang-tsun-tschangs gehißt. Japan hat seine Hand im Spiel, dies ist derart offensichtlich, daß die Rankinger Regierung schon offiziell die japanische Besetzung der Unterstützung des Aufstandes bezichtigt. Die weitere Entwicklung der Ereignisse wird noch dadurch kompliziert, daß von Feng und Tschiang-kai- s ch e k. die beiden nationalistischen Heerführer, deren Truppen in Schantung stehen, jebet diese reiche Provinz für sich beansprucht. So können die Schantunger Kämpfe alle die latenten Gegensätze unter den chinesischen militärischen.Gruppierungen wieder zum Ausbruch bringen. heute in einer nicht viel anderen Lage. Wenn es auch nicht um die Währung geht, deren Stabilität gesichert ist, so geht es doch um die Gesundheit und Ertragfähigkeit der deutschen Wirtschaft, um den internationalen Kredit und. im letzten Grunde um die Zinshöhe, die wir für die unentbehrlichen fremden Gelder aufbringen müssen. Das heißt also, um die Existenzbedingungen jedes Einzelnen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. lichung und reifem Ausdruck. Ihr Sopran hat bedeutenden Umfang und große Weichheit und Kraft. Adolf Jäger (Rudolf) war ihr ein ebenbürtiger Gegenspieler, stimmlich auf beachtlicher Höhe, schauspielerisch wirkte er oft unfrei und gezwungen. Käte Walter sah als Musette bezaubernd aus, spielte und fang mit großer Feinheit und Delikatesse. Theo Herrmanns (Collin) Baß ist ein vorzüglich geschultes Organ, das maßvoll und geschickt ausgenuht wird. Hans Komregg (Marcell) war gesanglich anfangs etwas zurückhaltend, ging aber später mehr aus sich heraus. Rudi Wünzer (Schaunard) ergänzte das Quartett in bester Weise und fügte sich dem Ganzen glücklich ein. Die übrigen zeigten, jeder an seinem Platz, in kleineren Rollen durchweg gute Leistungen. Die Regie (Josepb Sch le mb a ch) sorgte für ein ausgeglichenes Spiel. Ramentlich das zweite Bild int Quartier latin war bewegt und farbenfreudig. Die Bühnenbilder hielten nicht das gleiche Riveau. Sie machten einen etwas vergilbten Eindruck. Max Rudolf war dem Ganzen ein guter musikalischer Leiter, der den in der Partitur, trotz aller naturalistischer Tendenz vorhandenen Melodienreichtum herauszuarbeiten verstand. Gelegentlich wurden die Solostimmen durch allzu- starke dynamische Akzente erdrückt. Der Beifall war sehr stark. B. Calderon: „Dame Kobold," Man hatte beschlossen, uns wieder einmal spanisch zu kommen, und siehe: es ward ein Abend voll ausgelassener und beschwingter Laune, in klassischem Gewände zwar, doch fern vom düstern Ernst der Szene um Egmont. Alba und König Philipp. Ein heiteres Madrid tat sich vor uns auf, ein Schauplatz lockerer Menteuer, als sei man in Venedig oder Paris. Pedro Calderon de la Barea. der große Dramatiker des spanischen Barock, hat ein bewegtes Leben geführt: er war Student, Poet, Soldat, Theaterdirektor, Santiagoritter und Hof- kaplan, er war vor allem aber — und darüber wird alle übrige Profession und zufällige Lebensstellung unwichtig — einer der erlauchten Geister spanischen Schrifttums neben Cervantes und Lope. .. - obwohl er dessen unheimliche Produktion bei weitem nicht erreicht: „nur“ 73 „autos" und 108 „comedias" sind ihm mit einiger Sicherheit zuzuschreiben. Calderons Zeitgenossen wußten, was sie an ihm hatten. Spätere Jahrzehnte ließen ihn fast vergessen. . Goethe erst. Grillparzer, E. T. A. Hoffmann und die frühen Romantiker haben ihn wieder entdeckt, ihn der Bühne wiedergewonnen, Aus dem Amisverkündigungsblatt. • DaS AmtsverkündigungSblatt 71 r. 2 1 vom 3. April enthält: Falsch« Reichsbanknoten. — Straßensperre. — Gas- und Wasserversorgung und Kanalisation in der Gemeinde Klein-Linden. — Verlegung der Amtsräume des Gewerbeaufsichtsamtes Gießen. — Regelung des Verkehrs auf dem Wochenmarktplatz in Gießen. — Polizeiverordnung über die Entwässerung der Grundstücke und Erlaß einer Ortssahung über die Erhebung einer Kanalbenuhungsgebühr in der Gemeinde Rödgen. — Dienstnachrichten. seine Stellung in der Weltliteratur gegründet und ins rechte Licht gerückt. Heute wird et leider nur noch wenig gespielt. „Das Leben ein Traum" und „Der Richter von Zalamea" haben sich in etwa behauptet. Hofmannsthals ausgezeichnete Eindeutschung und Bearbeitung bat auch die „Dame K o b o ld" für unsere Bühne erobert. Man muh ihm dankbar dafür sein. „La dama duende" gehört der Gattung der von Lope de Vega eingeführten und gepflegten Jntrigenkomödien an, die man als Mantel- und Degen-Stücke („comedias de capa y espada“) zu bezeichnen pflegt. Man kann sie etwa der italienischen Stegreifkomödie, den leichtgeschürzten Spielen Goldonis am ehesten benachbaren. Die Handlung ist nicht viel mehr als Anlaß für die Entfaltung des Theaters. Die Freude am bunten, bewegten, musikdurch- wirkten, graziösen Spiel beherrscht die Szene. Hier ist ein ganz naiver und ganz elementarer Bühneninstinkt am Werke, der sich an romantischer Fabelei und glitzerndem Stegreif genugtut. Klassisches Theater, liebenswürdig, schalkhaft und spannend, ohne einen Schimmer der (uneingeftan- benen) Langweile, die man, leider, oft genug mit dem Ramen der Klassizität verbindet. Die Handlung ist unbedeutend, so harmlos- geringfügig, daß man sie nicht erzählen kann, daß man an Shakespeares „Komödie der Irrungen" sich ebenso erinnert fühlt wie an Goldoni, daß man aber zugleich begreift, was gerade einen Menschen wie Hofmannsthal an Calderons Stück entzücken und zur Wiedererweckung aus Wahlverwandtschaft anregen muhte. Ein Spiel mit Worten, mit Figuren, mit Situationen. Fechterspiel, Schattenspiel, Liebesspiel: alles in einem. Intrigenspiel, Rüpelspiel und nächtlicher Spuk mit Grandezza ineinandergeflochten und zu gutem Ende entwirrt. Die Tapetentür und der bewegliche Schrank, der die entscheidenden Spielräume verbindet, ist ein beliebtes Requisit der spanischen Barockdramaturgie und zugleich Angelpunkt der szenischen Gestaltung. Verfolgung und Flucht, Liebe und Eifersucht, Belauschung und Vertauschung, OHummerei und listiger Briefwechsel sind die wichtigen Elemente im Aufbau der Akte. Alles geschieht geflissentlich vor den Augen der Zuhörer, und was man nicht zu sehen bekommt, wird ins Publikum hinein erzählt, alles aber in kindlicher Komödiantenfreude, der das Theater Wirklichkeit genug ist, um das Leben in seiner Realität nur von ferne zu spiegeln oder hinter romantischen Schleiern vorüberflattern zu lassen. Die begabte Regie Taunerts traf den un- schweren, lustspielmäßig beschwingten Ton des Schießbuden und Publikum. Kürzlich sand ein schwerer AlnglücfdfaK vor dem Gießener Schöffengericht seine Sühne. Am 22.Mai 1928 wurde durch einen Schuh au« der Schießbude des Albert K. aus Sch. der Sohn des Landwirts Karl Schmidt I. th Kaulstoh, Wilhelm Schmidt, getroffen und sv schwer verletzt, daß er nach längerem Siechtum am 19. August 1928 in der Gießener Klinik verstarb. Die Schießbude hatte bei dem Prämiie- rungsmarkt in Gedern Aufstellung gefunden. Der Schuß war aus einem zu Schießbudenzwecken umgearbeiteten Karabiner mit 6 - Milli - rneter-Geschoh in das Publikum hinein beim Laden des Karabiners losgegangen und hatte den vor der Bude stehenden Verletzten getroffen. Cs wirft sich die Frage auf. ob das Schieß- budenwesen auf Volksfesten mit den notwendigen Sicherungen umgeben ist und insbesondere, ob es überhaupt geduldet werden kann, daß in Schießbuden mit derartigen gefährlichen Schußwaffen gearbeitet werden ftarf. Wenn auch im vorliegenden Falle die Feststellung getroffen werden konnte, daß einzig und allein die unvorsichtige Handhabung des Gewehrs durch den Schießbudeninhaber bzw. feinen Sohn beim Laden die älrsache des Unglücks war — er hatte das Gewehr beim Laden vorschriftswidrig gehalten und der Schuß war ihm hierbei los- gegangen —, so muh man sich doch sagen, daß jedenfalls nur die allerschärfste Kontrolle derartigen Fahrlässigkeiten einigermaßen Vorbeugen könnte. Rach den Angaben von Personen, die damals sich die ganze Einrichtung angesehen hatten, beftanben. aber auch weitere Gefahren. Es wurde nach Ringscheiben geflohen, die auf 031 e i- platten sahen. Letztere hatten einen Flächeninhalt von etwa 25 bl5 30 Quadratzentimeter. Wenn ein Schuß auch noch an dieser Bleiplatte vorbeiging, so konnte er durch die Rückwand der Bude durchdringen und vorübergehende Personen ebenfalls verletzen. Allgemein verbindlich für derartige Schief buben gegebene Vorschriften sind nicht zu ermitteln. Hat der Inhaber einmal seine Konzession, die er ja sicherlich nur nach Prüfung seiner persönlichen Zuverlässigkeit und seiner Einrichtungen erhält, dann kann er überall auf den Jahrmärkten mit Genehmigung der Orts- Polizei fein Gewerbe betreiben. So besteht die Gefahr, daß der Inhaber einer solchen Konzession sehr leicht und ohne Kontrolle überall die Erlaubnis erhält. Es scheint bringend geboten, daß im Interesse der öffentlichen Sicherheit ganz bestimmte strenge Vorschriften erlassen üx-rben und baß insbesondere das benutzte Schiehwerkzeug auf m i n b e r gefährliche Waffen beschränkt wird. Wir haben ja jetzt das neue Schuhwaffengesetz, und so sollte man meinen, daß in Schießbuden jedenfalls feine anderen Waffen benutzt werden dürfen, als solche, die auch nach § 1 der Ausführungsverordnung freigegeben sind. Dann bestünde wenigstens auch einige Einheitlichkeit, und die gefährlichsten Waffen wären ausgeschlossen. Ob allerdings Teschings mit gezogenem Lauf bei einem Kaliber b i s zu sechs Millimeter noch als so ungefährliche Waffen angesehen werden können, wie dies die Aus- fübningäbeftimmunaen tun, dürfte doch- recht zweifelhaft sein. Man sollte auch diese Schuh' Waffe in Schießbuden nicht zulaslen. Dor allen Dingen aber müßten die Schießbudenbesitzer, ihre Bedienung und auch das an Schießbuden sich beteiligende Publikum einer ausreichenden Beaufsichtigung und Kontrolle unterliegen. Die Marktpolizei müßte, wenn sie schon Stückes, seine improvisierende, tänzerische Gebärde, seine graziöse Flüchtigkeit und schwebende Stimmung ausgezeichnet. Man spielte die Sira- henszenen reliefartig vor malerischer Portalfront (die Dekoration ist von Löffler geschmackvoll entworfen) und rollte die beiden Rachbarzimmer mit bet geheimnisvollen Tür geschwind auf offener Szene herüber und hinüber. Das Ganze wird räumlich durch einen feststehenden weiten Bogen, stimmungsmäßig durch die kleine Bühnenmusik nach zeitgenössischen Werken von P r a e t o r t u ü und Pureell zusammengehalten; in der Jntey- öantcnloge hatte Käpellmeister Dauer ein Orchesterchen aufgebaut, das unter seiner Leitung artig begleitete. Also: eine sehr hiwsche, saubere Aufführung mit guten Regieeinfällen. Etliche Textuneben- heilen und äußere Hemmungen sind als kleine Schönheitsfehler zu werten und sollten sich ab- schleifen. Donna Angela: Maria Koch; sie ist Dame Kobold und luftige Witwe auf spanisch mit Mantilla, Spitzen, hohem Kamm und Blumen hinterm Ohr, eine echte Lustspielsigur besten Stils, spritzig, sprudelnd, listig und zärtlich, beweglicher Mittelpunkt der lockeren Szenerie. Arzdorf war ihr Partner. Don Manuel: junger Offizier ohne Furcht »md Tadel, jedoctz ans der Provinz und also dem verliebten Spuk der Hauptstadt nicht auf den ersten Hiev und Stich gewachsen; ihm steht die treuherzige Ritterlichkeit wie die hilflose 'Verwirrung gut zu Gesicht und er gewinnt das Abenteuer mit Ehren und lieblicher Beute. Sehr lustig war Baftö, fein Diener Cosme, nicht ohne Furcht und Tadel, ein Lcckai aus bem Geschlechte des Sancho Pausa, ein drolliger Rüpel von der Art, wie sie durch Shakespeares Stücke stolpern; allen Leuten eine Augenwetde und Ohrenschmaus. Zwei Kavaliere find als Brüder der Angela zu nennen; Don Juan: Walter Ebert-Grassow, ein galanter Grande, wie ihn Velasquez gemalt haben könnte; Don Luis: Otto Knur, ein junger Heißsporn. Jngedorg Scherer macht das neckische, kecke und kupplerische Kammerkätzchen Isabel sehr niedlich, und Trude Heß gibt anmutig Donna Beatriz, die Muhme der Angela. • Uebrigenä spielt auch ein leibhaftiges Pferds chen mit, auf dem Don Manuel angeritten kommt; man ist im Stillen froh, Wenns wieder drautze'l ist und sich manierlich benommen hat. Zwei Stunden vergehen im Flug; der Beifall kommt von Herzen und ist verdient^ _ DivThi Schießbuden zuläht, für diese Aleberwachung sorgen. Dann würden solche Anfälle jedenfalls weitgehend verhütet werden können. Für den Getroffenen und seine Angehörigen ist es außerdem ein unerträglicher Mißstand, dah man sich nur an den Täter selbst wegen Schadensersatz halten kann. 3m vorliegenden Falle hat aber der Täter keinen eigenen Verdienst, kein eigenes Vermögen. Sein Vater, der eigentliche Schießbudenbesitzer, braucht für diese Fahrlässigkeit feines Sohnes nicht aufzukommen. Denn der Täter war volljährig, und es wird auch dem Vater eine Verpflichtung aus § 831 BGD. nicht nachgewiesen werden können. Hier könnte nur die Vestimnrung gesetzlicher Haftpflicht für einen derartig gefährlichen Betrieb helfen. Auch die Gemeinde, der Kreis und der Staat lehnen jede Haftung ab. Denn die Schießbude war vorschriftsmäßig konzessioniert, und niemand kann beweisen, daß der Anfall infolge irgendeines Verschuldeirs von Gemeindeorganen. Kreis- oder Staatsbeamten verursacht worden ist. Es muß danach die Forderung gestellt werden, daß: 1. für Schießbuden ganz bestimmte Vorschriften über Einrichtung, Art der Schußwaffen aufgestellt werden, 2. die Inhaber und Bedienung der Konzession bedürfen, 3. der Schießbudenbetrieb auf allen Märkten an Stellen verwiesen wird, die vom allgemeinen Verkehr auf dem Markt möglichst entfernt sind, 4. jeder Betrieb auf dem Markt durch die Marktpolizei dauernd überwacht werden muß, 5. für alle Anfälle, die durch einen solchen Betrieb entstehen, eine Haftpflicht eingeführt wird, für die letzten Endes der Konzessionserteiler, sei es Gemeinde oder Staat aufzukommen hat. Gemeinde und Staat können sich ja ihrerseits dadurch schützen, daß die Konzession an die Stellung einer erheblichen Kaution gebunden wird. 3m vorliegenden Falle hat die Familie Schmidt einen Sohn im besten Alter verloren, hat weit über 1000 Mk. effektive Ankosten gehabt und findet niemanden, an dem sie sich wenigstens für diese Ankosten schadlos halten kann, geschweige denn, daß sie irgendwelchen Ersatz für den schweren Verlust findet, der sie betroffen hat. -p- Oberhessen. Landkreis Gießen. X Wieseck, 3. April. An den Ostertagen wehte zum ersten Wale auf unserem Kirchturm die neue Kirchenfahne, eine Stiftung der Konfirmanden. Auf ihre Aufgabe wies der Ortsgeistliche im Eingang der Osterpreüigt hin. Während der Gottesdienst des ersten Ostcrtags vom Frauenchor unter Leitung seines Dirigenten Philipp Groß verschönt wurde, brachte der Konfirmandenchor unter Leitung von Lehrer Petri am zweiten Ostertag drei Chöre zu Gehör. Eingesegnet wurden 51 Konfirmankum, 31 Knaben und 20 Mädchen. -Zur Osterfeier der Kinderkirche hatte wiederum der Frauenverein den „Osterhasen" geschickt, mit dem etwa 90 Kinder erfreut werden konnten. Der Ortsgeistliche übergab der 3ugend einen neuen Kinderkirchenwimpel nach dem Muster der Kirchenfahne von einer Freundin der Kinderkirchensache gearbeitet. J Alten-Buseck, 3. April. Ein wohlgelun- gencs Konzert veranstaltete am ersten Oster- feiertag die hiesige Sängervereinigung im Saale von PH. Einhäuser. Die Veranstaltung stand unter der bewährten Leitung des Chormeisters Konrad Aicolai. Grohen-Buseck, unter dessen Stabsührung die Leistungen des Chores bestens zur Geltung kamen und dann verdientermaßen auch lebhaften Beifall fanden. Die Instrumentaldarbietungen der Kapelle E i n - brodt-Weller, Gießen wurden ebenfalls mit größter Aufmerksamkeit und starkem Beifall ausgenommen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient das Diolinsolo Air varia von Beriot, welches^ von Herrn E i n b r o d t in einer Weise zu Gehör gebracht wurde, daß nicht endenwollender Beifall den Künstler zu einer Wiederholung nötigte. Mit Genugtuung kann noch die Tatsache verzeichnet werden, daß derartige Veranstaltungen hiesiger Vereine, die begreiflicherweise nur unter Aufwendung von erheblichen Opfern zu ermöglichen sind, immer mehr Anllang und Verständnis auch bei dem jüngeren Tell der Bevölkerung finden. y Lollar, 3. April. Am zweiten Osterfeier- tage wurden in Gegenwart einer sehr zahlreichen Gemeinde 10 7 Konfirmanden aus dem Kirchspiel Kirchberg in der geschmückten Kirche Kirchberg eingesegnet, und zwar 58 Knaben und 49 Mädchen. Darunter befand sich ein 3unge, der in der Blindenanstalt zu Friedberg feine Ausbildung erhält. 3nteressant ist auch die Tatsache, daß eine Famllie ihre jüngste Tochter und ihren ältesten Enkel zugleich konfirmieren ließ. v. Londorf, 3. April. Dieser Tage feierten Landwirt Heinrich Lich und Gattin, Helene geb. Rabenau, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Beide erfreuen sich noch einer guten Gesundheit und sind noch tüchtig in der Landwirtschaft tätig. Das goldene 3ick>elpaar steht im 81. Lebensjahre. ch Watzenborn-Steinberg, 3. April. Unsere Schule kaufte dieser Tage ein Radiogerät. und zwar einen Rora-Reutrodyn-Vier- Röhren-Retzanschluh-Cmpfänger für Wechselstrom mit Lautsprecher. Es konnte festgestellt werden, daß der Apparat sich zum llangreinen Lautsprecherempfang der meisten europäischen Fernsender eignet. -Zur Bedienung des Gerätes benötigt man weder Heiz- noch Anodenbatterie, sondern entnimmt den erforderlichen Strom dem Lichtnetz. Der Stromverbrauch beträgt bei einem Kilowattstundenpreis von 30 Pf. weniger als 0,5 Pf. pro Stunde. Der Apparat wurde von der Firma Brinkmann in Gießen geliefert. — Ansere Schulfparkasse macht gute Fortschritte; bis jetzt wurde der ansehnliche Betrag von rund 8000 Mark gespart. tt. G a r b e n t e i ch , 4. April. Am zweiten Osterfeiertag wurden hier 23 Kinder in feierlichem Gottesdienste konfirmiert. Von den Konfirmanden find 14 Knaben und 9 Mädchen. ri. Kloster Arnsburg, 3. April. Eine große Schar von jungen und alten Freunden des Rettungshauses Arnsburg aus der näheren und weiteren Amgebung hatte sich am Osterdienstag hier eingefunden, um die übliche Oster- und Missionsfeier zu begehen. Redner waren S^iftsdechant Kahn aus Lich, der über die Herrlichkeit, Schwierigkeit und Verant- wortllchkeit des großen Gedankens der Mission sprach, und Missionar Waus aus China, der in lebendigen Schilderungen einen Aeberblick über die gegenwärtige Lage der rheinischen Mission gab und dabei in besonders fesselnden Ausführungen ein Bild von der religiösen Lage in China zeichnete, wo er 38 3ahre lang, bis zmn 3ahre 1925, tätig gewesen war. s. A t p h e , 3. April. Der hiesige Ziegenzuchtverein hielt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung in der Wirtschaft Rühl ab. Der Vorsitzende, Friedr. Stauf, der schon über zwanzig Jahre die Geschäfte des Vereins führt, begrüßte die Versammlung und erstattete in Verhinderung des Rechners die Dechnungsablage, wobei ein Ueberschuß von 31 Mark festgestellt wurde. 3m abgelaufenen 3ahr beschickte der Verein die Dezirksschauen in Hungen und in Lich. Auf der ersteren erhielt der Gemeindebock einen ersten Preis, ferner wurden einige zweite und dritte Preise erzielt. 3n Lich erhielt eine Ziege des Landwirts Heinrich Rühl einen ersten Preis. Ferner konnten durch die Körkommission zehn Jungtiere ausgenommen werden. Somit hat der Verein den früheren hohen Stand der Zucht auch in diesem 3ahr behauptet. Er zählt zur Zeit 28 Züchter der Weißen Edelziege als Mitglieder. Da der Verein in diesem 3ohre sein 25jähriges Bestehen feiert, soll im kommenden Winter ein Familienabend veranstaltet werden. 3m letzten 3ahr wurden Gewichtsmessungen der Tiere und alle drei Wochen Messungen der M i l ch m e n g e n vorgenommen, wobei eine Ziege des Bahnangestell- Ich modelliere Tiere. Von Christa Hatvany-Mnsloe. Der Besuch sauf eine kleine Bronze zeigend): „Was ist das?" 3ch: „Ein Galago." Besuch: „Was ist ein Galago?" 3ch: „Ein Galago ist ein Lemur." Besuch (erleuchtet): „Aha, ein Lemur . . . . bitte, was ist eigentlich ein Lemur?" 3ch: „Ein Rachtaff." Besuch (unsicher): „Fledermaus?" 3ch: „Rein, Haibaffe . . . wissen Sie nicht, im ,Fausr kommt das vor: Das Schweigen der Lemuren." Besuch (unbefriedigt): „Reden tut er nichts?" 3ch: „Gott sei Dank, nein, sonst würde er womöglich fragen, was ein Mensch ist!" Bei der Arbeit im Zoo. Schulkinder werden vorübergeführt. 3ch stehe mit einer fast fertigen Arbeit vor dem Affenkäfig. Ratürlich können es die Kinder nicht unterlassen, mir und meiner Arbeit störendstes 3nteresse entgegenzubringen. Erstes Kind: „Fräulein, ist das Kitsch?" Ich: „.... hm." Zweites Kind (erklärend): „Sie meint Kitt." Ich atme erleichtert auf: „Rein, das ist Plastilin." Erstes Kind: „ stllin?" Ich: „Kitt." Zweites Kind: das?" Fräulein, was ist das, Pla- „Fräulein, wozu machen Sie Ich (verlegen): . . .? Erstes Kind: „Fraulein, ist das Tier bos?" Ich: „Rein, aber ich." Llnterdessen verschwindet ein Tell meines Pla- stilins, drei Bleistifte und ein Taschenmesser. Schwer hat man's im Zoo, ich wechsle einen verständnisinnigen Blick mit einem Pavian, von dmn man hundertfünfzigmal im Tag verlangt, sich in einem winzigen Taschenspiegel zu bewundern. Auch kein Vergnügen! Ich bekomme von Hagenbeck Briefe folgenden -Inhaltes: • Zwecke besonders geeignet offeriere ich Ihnen: ein Präriehund .... (folgt der Preis) eine Genettkahe . . . eine Meerkatze . . . usw. Daß ein Präriehund kein Hund ist, sondern ein Ragetier, eine Meerkatze keine Katze, sondern ein Affe, das weih ich. das sind so die Raffinements der Zoologie. Aber eine Genettkahe? War mir noch nicht vorgekommen; doch da sie für meine Modellierzwecke geeignet fein sollte, telephonierte ich einem Herrn Dr. S. der Tierärztlichen Hochschule. Da der aber Tierpathologe ist und nur mit toten Tieren und deren Bazillen arkMtet, konnte er mir keine Auskunft geben, sondern wies mich an die Kollegen der Zoologie, aber die wiesen mich wieder an Professor T der alten Akademie (Museum ausgestopster Tiere). Ich rufe an. „Hier Portier, Museum usw." Ich: „Bitte, kann ich Herrn Professor T sprechen?" Der Portier: „Raa, der ist jetzt grad nöt da, was wollns denn eigentlich von ihm?" Ich: „Ich möchte gerne wissen, was eine Genett- katze ist und wie sie ausschaut?" Der Portier: „O mei, dös wanns wiss'n woll'n, brauchetens fei nöt den Herrn Professor zu inkommondiern, dös Waas ja i eh, tus alleweil abstaum, dös is a ganz a langes Viech, a rechte spitze Rasen hat's und an großmächtig langen Schwaff und is gescheckat als wie a Katz, aber eigentlich is ja a Katz gar nicht gescheckat, aber döstweg'n ist ja doch a Genettkatzen, aber a Koh is gewiß nöt." Soll ich nun eine Genettkahe modellieren? * Man soll mit Zoologen nicht befreundet fein, denn sie bringen einen unter Almständen in die gräßlichsten Situationen. Während des Krieges wurde ich einmal gebeten, ein paar Schlangen wohlverpackt von Wien nach Berlin mitzunehmen. An der Dahn beanstandete ich sofort, daß die Tiere in Zigarrenkisten verstaut waren, was mir bei der Grenzüberschreitung bestimmt Unannehmlichkeiten bereiten würde. Richtig. Der Zollbeamte: „Haben Sie verzollbares Gut bei sich?" Ich: „Rein." Der böse Zollbeamte (triumphierend): „Lind die Zigarettenkisten?" Ich: „Machen Sie die ja nicht auf, da sind Schlangen drin." Der Zollbeamte lächelt überlegen und nimmt kraft seines Amtes eine der Kisten, öffnet sie und schwup... saust ein langes Etwas Über die goffrieten Koffer der Mitreisenden, über Dienstleute Zollbeamte, über die Grenze hin ohne Paß, ohne Erlaubnis, ohne Visum!!! Panik unbeschreiblich. Ich batte viel Schererei, aber einen Vorteil: Ich blieb bei der Weiterreise allein im Abteil, es war niemandem an meiner Gesellschaft gelegen. * Zch werde so oft gefragt, ob es nicht schwer sei. Tiere zu zeichnen, weil sie nicht ruhig hielten. aus Klein- F l u g t a g Die Raabund 9 Mädchen, darunter ein Knabe Eichen. Ich pflege zu erwidern, daß gerade die Bewegung das Interessanteste sei. Im übrigen haben ja alle Tiere Momente der Ruhe, wo man sie mit Muße studieren kann. Es gibt bei der Tiermodelliererei andere Schwierigkellen, zum Beispiel wenn man ein einzelnes Meerschwein modelliert, ein recht rundes, dickes, und kommt am nächsten Tag dazu und findet anftatt eines dicken, ein dünnes und vier neue. Das nenne ich Pech. Ich lasse, um sie gut kennenzulernen, meine Tiere frei im Atelier herumlaufen. Da habe ich ein Aguti. (Ditte fragen Sie nicht, was ein Aguti ist. sondern schlagen Sie im Brehm nach.) Aguti hat riesige Ragezähne und die Angewohnheit. Hindernisse in Gestalt von Stühlen oder Türen einfach wegzunagen. Außerdem hat es die Leidenschaft, uneßdare Gegenstände zu fressen. So hat es einmal in einem unbewachten Augenblick fein eigenes Plastilinporträt als Mittagmahl verspeist. Wenn mein Affe die Füllfeder zerkaut und meine Eichhörnchen Kohinoors (Stück 60 Pf.) zernagen, sind das schwere Schläge. Ich habe aber jetzt die Absicht, zu ernsteren Dingen überzugehen. und habe mir für das Frühjahr ein Kängurupärchen bestellt. Ob sie aber auch boxen werden? Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 4. April. Großer und Marktplatzbeleuchtung. Katzensteinwerke veranstalten am Sonntag. 7. April, in Alsfeld einen Flugtag. der Schau- und Zugstücke auf dem Gebiete des Flugwesens bringen soll, u. a. die Vorführung des Luft- schleppzuges, Fallschirmabsprünge usw. Es werden laut vertraglicher Vereinbarung fünf Flugzeuge neuester Typen (je 1 „Schwalbe". „Pelikan". „Grasmücke", „L. D. G -C. D. I.", „Schmetter- ling") sich beteiligen. Abends veranstaltet der Verkehrs- und Derschönerungsver- e i n vor dem altberühmten Rathaus ein etwa 50 R ummern umfassendes Drillant-Feu erweck und hieran anschließend eine bengalische Deleuchtung der altertümlichen Dautengruppe Rathaus, Turm. Walpurgiskirche, die mit einem sogenannten elektrischen Silberwasserfall von zwei Seiten des Turmes und darüber spielender farbigen Leuchtkugel-Fontäne abschließt. — Rach der Marktplatzbeleuchtung fährt ein Sonderzug von Alsfeld nach Gießen, der auf allen Stationen hält; Abfahrt Alsfeld 21,56 Uhr, Ankunft Gießen 23,36 Uhr. Preußen. Kreis Wetzlar. -Z- Lützellinden, 2. Aprll. Die diesjähr!-■* letzte Gemeindebrennholzver steig e- rung im Oberwald war von Käufern von hier und aus den umliegenden Orten wieder zahlreich besucht. Die starke Rachfrage brac te auch hier wieder recht hohe Preise. Es wurden folgende Tu chlchnittsang:bote abgegeben: Buchen- scheicholz 34 bis 41 Mk., Duchenknüppel 30 bis 33 Mk., Cichenknüppel 25 bis 28 Mk., Crlcn- knüppel 20 bis 30 Mk. je 2 Rm.; Buch en - durchforstungswellen 18 bis 20 Mk,, Buchenastwellen 15 bis 18 Mk. je 50 Stück. Bemerkenswerte Entscheidung. Im übrigen ist Frau Mühlhens eine ganz brauchbare ältere Dame mit ihren 48 Iahren; aber manchmal hat sie besondere Ideen. So (am sie neulich, als vor den Berliner Häusern noch hoher Schnee sich mühsam türmte, aus der Haustür und bemerkte, daß der Hauswirt, wie sich das gehört, den Bürgersteig sauber hatte fegen lassen und daß der Portier dort, wo man vom Bürgersteig bequem über den Damm zu gehen pflegt, einen Durchgang in die Schneemassen gebohrt hatte. Statt dessen bekam Frau Mühlhens jugendliche Anwandlungen und dachte sich, es müsse ganz putzig sein, wenn sie mit ihren 48 Iahren mal, wie ehedem, über einen Schneehaufen klettere. Gesagt, getan. Cs soll in der Tat besonders von hinter sehr putzig ausgesehen haben, jedenfalls brachte sie der Krankenwagen mit einer gebrochenen Rippe ins nächste Lazarett, und Frau Mühlhens klagte nicht nur über starke Schmerzen, sondern auch gegen den Hauswirt auf Schadenersatz. Man wird lächeln, solange man noch nicht weiß, daß Frau Mützchens recht bekam. Seitdem man das weiß, lächelt man nicht mehr. Besonders nicht, wenn man das Urteil gelesen hat, das besagt: der Hauswirt habe erstens den Schnee »in einen benutzbaren Zustand" zu versehen, zweitens Schneehaufen mit Salz zu bestreuen, drittens jeglichen Schnee vom Bürgersteig zu entfernen. Wohin soll er ihn entfernen? Auf die Straße? Da bekommt er die Polizei auf den Hals. Und wenn er Salz auf die Haufen streut, wird doch noch niemand (außer Frau Mützchens) auf die Idee kommen, Hochgebirgs- touren zu unternehmen. Wie Schnee in benutzbarem Zustand aussieht, weiß niemand so recht, und so wird (nach berühmtem Muster) dem Hauswirt nichts anderes übrigbleiben, als den Schnee in Zukunft zu verbrennen, damit ihm die Asche bleibe, mit der er dann den ganzen Bürgersteig zur Zufriedenheit aller bestreuen kann. U. E. in der Krankenpflege statt, der mit einer gestem erfolgten Prüfung seinen Abschluß fand. In allen Zweigen der Krankenpflege, in den Hauptgrundzügen der Anatomie, Phnsiologie, Hilfe bei Unglücks- fällen, Chirurgie, war Unterweisung erfolgt. Zum Kursus hurten sich sehr viele Damen gemeldet, eine beschränkte Zahl (8) konnte nur ^u gelassen werden, die sämtlich ihre Prüfung bestanden, deren Ergebnis außerordentlick befriedigte. Der anwesende Kreisarzt Dr. Orth sprach sich höchst lobend über die Leistungen aus; Frau Oberin v. Pflugk (Darmstadt), übermittelte den Helferinnen die besten Glückwünsche des Roten Kreuzes, Alicefrauenverein und sprach in sehr feinsinniger Weise über die Aufgabe der Frauen, zum Wohl der leidenden Mitmenschen „mit beseelten Händen" zu dienen. Frau Direktor Hertlch überbrachte die Glückwünsche des hiesig gen Alicefrauenvereins; Bürgermeister Menge! sprach namens der Stadt und begrüßte die heute neu eingeführte Operationsschweswr. Der Kursus wird im Herbst wiederholt werden. — Die 3 n • nenarbei ten in der hiesigen Kirche zu deren Renovierung sind soweit beendet. Die beiderseitigen Empore sind tiefer verlegt worden, mehr Licht kommt dadurch in die Kirche. Die Empore auf der Südwestseite ist besonders verschönt und vertieft worden. Die früheren unschönen Brüstungen sind entfernt und durch neue, in den gotischen Rahmen der Kirche passende Wände ersetzt, die H"he der Kanzel ist etwas vermindert. Bei einsetzender wärmerer Witterung wird ein neuer Innenanstrich und eine entsprechende Malerei vorgenommen werden, so daß die altehrwürdige, sehr wertvolle Kirche wieder ein außerordentlich stimmungsvolles Innere erhält. □ Laubach, 3. Aprll. Gestern abend hat man im „Schützenhof" die ersten Vorbereitungen zu dem Mitte Iuni hier stattfindenden Ausschuß fest getroffen. Zum diesjährigen Hauptmann wurde Bäckermeister P i tz gewählt. ± Groß-Eichen, 3. April. 21m zweiten Ostertag fand in unserer Kirche die feierliche Konfirmation des Kirchspiels statt. Die Zahl der Konfirmanden betrug diesmal 17. 8 Knaben ten Hirzinger mit 5400 Gramm an der Spitze stand. Der Fettgehalt war durchschnittlich 2,5 bis 3 Prozent. Aufsallenderweise gingen am Ende der Frostperiode eine ganze Anzahl Ziegen und Jungtiere ein. So wurden allein an einem Tage sechs verendete Tiere nur aus der Alm* gegend durch die Kreisabdeckerei abgefahren. Kreis Büdingen. nd. Ridda. 3. April. Die hiesige Gewerbeschule beendete gestern mit einer öffentlichen Schlußseier im „Gambrinus" ihr Wintersemester. In drei aufsteigenden Klassen wurden 77 Schüler unterrichtet, wovon 13 von hier und die übrigen aus verschiedenen Orten der Kreise Büdingen, Schotten und Gießen stammten. Q£m meisten waren unter ihnen die Dauhandwerker, Maschinenschlosser und Elektriker vertreten. 3ür den Alnterricht in den beiden letztgenannten Berufen war zu Beginn des verflossenen Wintersemesters eine besondere Lehrkraft in Diplom-Ing. Rutloh neu gewonnen worden. Außerdem unterrichteten noch neben dem Leiter der Schule, Rektor Vitt, vier Gewerbefachlehrer und fünf Hilfskräfte, unter letzteren ein Weibbindermeister und ein Dekorationsmaler von hier. Dor Ostern fand die fünftägige Abgangsprüfung statt, an der fast alle Schüler der Obertiaffe tellnahmen. Als Prüfungskommisfar war von der Ministericll- behörde Oberbaurat Frey von Büdingen bestimmt worden. Sämtliche Prüflinge haben bestanden. Die im letzten Halbjahr angefertigten Zeichnungen. Modelle. Entwürfe und schriftlichen Arbeiten waren in den Sälen der Gewerbeschule zur Besichtigung öffentlich ausgestellt. Richt nur Die Mannigfaltigkeit, sondern auch die sorgfältige und musterhafte Ausführung der Zeichnungen fanden bei allen Fachleuten, die die Ausstellung recht zahlreich besuchten, lobende Anerkennung und Würdigung. Rach der Besichtigung der Ausstellung fanb eine Schlußseier im „©ambrinuS" statt. Hier begrüßte der zweite Vorsitzende des Aufsichtsrats, Pfarrer Laut, in herzlicher Weise die sehr zahlreichen Festteilnehmer, befonberS die beiden Kreisschulräte Gockel (Büdingen) und Scherer (Offenbach), und gedachte der Verdienste des nun ausscheidenden ersten Vorsitzenden, Geh. Iustizrat R ö m h e l d. der am Erscheinen verhindert war. Rach dem neuen Gewerbeschul- gesetz ist jetzt Bürgermeister Ringshausen Versitzender des Aufsichtsrats und Beigeordneter Rullmann fein Stellvertreter. Rektor Vitt erstattete einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über das verflossene Schuljahr und dankte besonders den Gönnern der Schule für ihre beträchtlichen Alnterstühungen. Zum Schlüsse richtete er herzliche Worte des Abschieds an die nun entlassenen Schüler. Bürgermeister Ringshausen übernahm fein neues Amt mit dem Versprechen, es in den Fußstapfen seiner bewährten Dergänger weiterzuführen, und bat um tatkräftige Mithllfe der Lehrer und Gönner der Anstalt. Kreisschulrat G ö ck e l betonte die Zusammengehörigkeit von Volks- und Gewerbeschule und sprach sich sehr lobend über die Leistungen der letzteren aus. Musikvorträge. Lieder der oberen Volksschultiasse unter Leitung von Lehrer Dieter, Gedichte, komische Vorträge und zwei von Gewerbeschülern gut gespielte Theaterstückchen fanden bei den Zuhörern großen Beifall. Zum Schlüsse dankte Pfarrer Laut allen, die zu der schönen unwürdigen Feier beigetragen hatten. * Ridda , 3. April. Zu dem Bericht in Rr. 75 des „Gieß. Anz." über die Schlußseier der Landwirtschaftlichen Schule Ridda ist berichtigend zu bemerken, dah nicht der Kreisdirektor a. D. Geh. Regierungsrat B ö ck - mann der Feier beiwohnte und eine Ansprache hielt, sondern dah der Redner Regierungsrat Weber-Büdingen war, der als Vertreter des Kreisamtes Büdingen an der Feier teilnahm und eine Ansprache an die Schüler richtete. Kreis Schotten. X'. S ch o 11 e n, 3. April. Im neuen städtischen Krankenhaus fand unter Leitung des Chefarztes Dr. Koeniger ein Ausbildungsrurfus von Helferinnen des Roten Kreuzes Sochfchulnachrichten. Professor Dr. Georg v. Hevesh in Freiburg i. D. hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der physikali- schen Chemie an der Alniversität Frankfurt als Rachfolger von Prof. R. Lorenz abgelehnt. — Prof. Dr. Carl Wesle in 3ena hat den Ruf an die Alniversität Kiel als Ordinarius für Germanistik (an Stelle des Geh. Rats Friedrich Kauffmann) angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in der Kieler philosophischen Fakultät erhalten. Professor Dr. Otto M o u l l von der Uniberfitat Frankfurt ist zum ordenüichen Professor der Geographie an der Universität Graz als Nacl)- olger Robert Siegers ernannt worden und wird ein neues Lehramt zum bevorstehenden Sommer» emester übernehmen. Einen gleichzeitig an ihn ergangenen Ruf auf das Ordinariat der Wirtschaftsgeographie an der Handelshochschule in Königsberg hat Dr. Maull abgelehnt. Zum zweiten Direktor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz ist der Direktorialassistent Dr. Ernst Sprockhofs berufen worden. Dr. Sprockhofs war bisher Geschäftsführer der Provinzialstelle für Airgeschichte am Hannoverschen Provinzialmuseum. — Die Ernennung des Geheimen Konsistorialrats D. Wilhelm Lütaert von der Alniversität Halle zum ordentlichen Professor der systematischen Theologie an der theologischen Fakultät der Alniversität Berlin als Rachfolger von Geheimrat Reinhold Seeberg ist erfolgt. — Ernannt wurde der ordentliche Professor Dr. Benno Bl eher von der Hochschule für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan vom 1. April 1929 ab zum etatmäßigen ordentlichen Professor der pharmazeutischen und Lebensmittelchemie an der Alniversität München als Rachfolger von Geheimrat Th. Paul. Der Sternhimmel im April 2SLÄL das // werden. U 4/p’^ Holzsnvniission 28 Stück = 8,21 fm Zu a) Zu b) zu c) Apotheker E. 6uth. 262V [io Schaufenster* bleiben noch der rötliche * // STEM8ILDER: S/tO/EE BUCHSTABEN Storni : Sfe/oe ßc/c*» //•Een (§)J<4p/*r ‘^Saturn = 21,90 = 4,65 = 0,89 = 2,99 = 0,58 = 4,54 -- 22,42 = 27,05 = 16,21 Wege schriftlichen Angebots: Stämme. schwindel vom Himmel. Der Dritte im Bunde, derWars. bleibt zwar sichtbar, wird aber nachgerade ein schwaches Slernlein. Der Saturn ist am. Worgenhunmel zu finden. Dom Abenbhunmel verschwinden die prächtigen Wintersternbllder, insbesondere der Stier, der Orion und der Sirius. Aur die Zwillinge sichtbar, und in ihnen bewegt sich Mars. Am Osthimmel ziehen die ch zu be« im Dürgu- i entfernen" Frühlingssternbilder herauf. Der Arctur steht nun so hoch am Himmel, daß die rechts unter ihm stehende Spica immer besser sichtbar wird und aud) die übrigen Sterne des Sternbildes der Jungfrau die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die drei Sterne über dem „Jungfraubvgen" bilden angenähert ein rechtwinkliges Dreieck, dessen oberster Stern Bindemiatrix. zu deutsch ..die Winzerin", heißt. Das Sternbild der Jungfrau muh es offenbar den alten Römern angetan haben, dah sie zwei Sterne davon, nämlich Spica und Bindemiatrix mit Damen belegten, während sie sich sonst mit der Benennung der Sternbilder begnügten. — Auch die Wega, lrnks vom Arctur, steigt allmählich immer höher und höher hinauf. Küstermann. Groß-Rechtenbach, den 3. April 1929. Die Polizeioerwaltung: Der k. Bürgermeister: Dr. Neumann. kehrt; über Hörnsheim nach Lang-Gons und umgekehrt. Eichen 2. Kl. „ 3. „ „ 4. „ Linden 2. „ „ 3. „ „ 4. „ Fichten la- „ „ 1b- „ „ 2a« „ „ 2b- „ Sonnenaufgang von 5.40 bis 4.40 llhr. Sonnenuntergang von 18.30 bis 19.20 llhr. Lichtgestalten des MondeS: 3. Diertel am 2. um 8 llhr, 1. Diertel am 16. um 15 Uhr, Vollmond am 23. um 23 Uhr. Bedeutet der April für den Sternfreund Jahr um Jahr den Abschied von den prächtigen Winter- sternbildern, so kommt in diesem Lahre auch Der die KStundsmsMen von Mitt er - nacht H« Mitternacht eint» Tagte ent- haltende Kreit und die dielt punktierte Linie, der sogenannt« Horizont, rind fett- stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht eich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeigt? der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt, Der ein gezeichnete Horizont umrahmt die tu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, tim die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht dar Monatsmitte. Will man au einer anderen Stunde beobachten, so denk« man eich den Sternhimmel tarnt dem geraden Pfeil eo gedreht, daß dieser auf die Beobachtung« stund« zeigt: dadurch werden die tu dieser Zeit sichtbaren Sterns in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tage vor der Monatsmiete ist der gerade Pfeil 3 Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmiete 1/3 Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die angedeutstt Licht» gestalt zeigt. Mahn" .xfteiflv ms ein von len teilet jge brci te ßs muijcn : Tuchen- pel 33 bis [If., Eilcn- buchen- Aichenast- Drucksachen al ler Art Beiert Id feder gewünschten Ausstattung eti'rein und •rdswert die BrübPscbe Uatv.-Druckerai. 8. laaee MMSlA? WZWeZllVllk liefert an Beamte u. iolvent. Privat» künden Bettwäeelie.TieedwMiehe, Leib wlsebe tüt Damen u. Herren, sowie Steppdeeken n. Teppiche in grob. Auswahl, vrtuia Qualität und erstklassig. Mabanieritgung. Ohne Anzahlung atü 18 Sonate Ziel, Bei komvl. Brautausstattung 18 Monate Ziel. Erbitten Sie nnverb. Bertreterbesuch. Strngst. DtS- tret, zugench. Gst. schrtitl. Angcb. mit Angabe d. Berufes u.3026V a. d.G. A. ■ V Ml« für setüeöuug boo ZeiBmlUmemln- ftelnen gW. Schristliche Angebote unter 3043D an den Gießener Anzeiger erbeten. rankfurt , abgelehu^ la M 2 jinanu« •ä leine ,t Universa >« •SÄ Ul«"®"« «te Sßs !-Ar Die Gemeinde Langsdorf verkauft im ..... ~ ' 303ID Wegen Ausführung von Wasserleitungsund Kanalisierungsarbeiten in der Gemeinde Hochelheim werden folgende Straßen vom 4. April 1929 ab bis auf weiteres für Fahrzeuge aller Art gesperrt: a) Kleebachtalstraße; 306ID b) Verbindunässtraßc von Hochelheun nach Klein-Rechtenbach; c) Verbindungsstraße von Hochelheim nach Lang-Göns (innerhalb der Gemarkung Hochelheim); d) sämtliche übrigen «traßen innerhalb des Ortes Hochelheim. Die Verkehrsumleitung erfolgt: von Niederkleen über Klein-Rechtenbach, Groß-Rechtenbach nach Hörnsheim und umgekehrt über Hörnsheim nach Groß-Rechtenbach, Klein-Rechtenbach und umge° LWftl 'in aürii 10el. eine n*^n, ^Kreis. ft * und dnenf^ Direktor ^,c v.tn9t( 6,1 beule 5n. Sit(be -DieL. «n. mehr "Pore aus und Der. ^hingen d>e -Ihr inle(jenbir enonftrid) men wer« ^Kirche -b innere M hat Teilungen ® Aus. n tzauvs. lt. 1 ztveitm feierliche ’ mioben us Äle'm. miet ww - in beuch' .nfi lorM- deaHauS- den SM i Sie * E Buntes Allerlei. 3m lluterfeebool zum Nordpol? Die Mitteilung des bekannten Polarrcifenden Sir Hubert Wilkins, daß er beabsichtige, im Füll dieses Jahres im Unterseeboot bis zum Nordpol vorzudringen, erregt großes Aufsehen. Wilkins ist der Ansicht, daß die Fahrt mit dem Unterseeboot sicherer sei als die mit dem Flugzeug, daß man außerdem die Gewässer des Polarmeeres genau erforschen könne. Eine amerikanische Gesellschaft für Unterseeboote hat ihm auch bereits ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Sachverständige glauben aber, daß Wilkins besser noch die neuesten Verbesserungen der U-Boote abwarten sollte, die 1930 vollendet sein werden. Seine Fahrt werde dadurch sicherer Elektr.L chhnlageii werden fachgemäß und billig ausgeführt Rudolf Rüdiger Gießen, Walltorstraße 35 34 5 3 5 1 17 69 43 15..... 3a. „ 7 „ - 11,04 „ Angebote sind in Reichsmark pro Festmeter, nach Sortiment und Klassen getrennt, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Freitag, den 12. April 1929, nachmittags 3 Uhr, bei uns einzureichen, woselbst auch die Bedingungen, denen sich die Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, eingesehen werden können. Zahlung bei entsprechender Sicherstellung des Kaufpreises in zwei gleichen Raten am 1. Juli und am 1. Oktober 1929. Däs Holz ist mit Rinde gemessen. Interessenten wollen das Holz vorher einsehen, da spätere Reklamationeit nicht angenommen werden. Auskunft er- teilen die unterzeichnete Stelle und För- ster Sames, Langsdorf. Langsdorf, den 3. April 1929- Hessische Bürgermeisterei. Kneipp. vonstatten gehen. Ein Unterseeboot, das in einet Tiefe von 150 Fuß fährt, dürfte nach der bisherigen Kenntnis des Polarmeeres durch keine Eis- masten gehindert werden; durch die Verwendung von Sprengstoffen ist es möglich, große Löcher in die Eismasten heroc.zurufen, durch die man an die Oberfläche emportauchen kann. Handgranaten als Spielzeug. Sine schwere Explosion ereignete sich in einem Waggon eines avi Kattvwitz auf dem Bahnhof Dismarckhütte einlausenden Dersonenzuges. Bier Gymnasiasten hatten sich zwei Handgranaten und andere Sprengkörper besorgt und diese nach der Schule mitgenommen. Aach dem Unterricht nahmen sie die Sprengkörper mit nach Hause. Unterwegs im Eisenbahzuge spielten sie damit. Plötzlich explodierte eine der Handgranaten. Durch die Sprengstücke wurden drei der Gymnasiasten sehr schwer, der vierte leichter verletzt. Pestopser in Aegypten. Transjordanien und 3rak. Nach einem amtlichen Bericht des Hygieneamtes sind an der Pest in Aegypten 20 Personen, in Trans- jordanien 12 Personen und im Irak 35 Personen gestorben. in einfachster bis feinster Ausführung Teppiche/ Dekorationen Bequeme iTeilyihlung__, Y)t Vier fei ifaffmond d Jf7er/o/ noch der Abschied von Sen hellen Wandelsternen hinzu. Wll der Venus geht es in diesem Monat ganz eigentümlich: Sie geht am 20. an der Sonne vorüber, steht aber dabei ganz ungewöhnlich hoch, nämlich um ungefähr 13 bis 14 Vollmondbreiten über ihr. Unter den von den Sternkundigen bei ihren Voraussagen immer an- ?,enommenen besonders günstigen Bedingungen ann sie zu dieser Zeit als Abend- und Morgen- steru zugleich gesehen werden. Für die wirkliche Beobachtung ist dies, da wir selten einen ganz reinen^onzont haben, zum mindesten sehr ungünstig. Man kann wohl sagen, dah sie in diesem Monat als Abendstern verschwindet, ist sicher: ob sie schon vorher als Morgenstern wiederkehrt, hängt vom Wetter ab. Auch der zweichellste Wandelstern, der Jupiter, ver- papsthuldiguugsfeier in Mainz. WSA. Mainz, 2. April. Im festlich ge- schmückten großen Saale der Stadthalle veranstalteten die Katholiken von Mainz unter Bischof De. Hugo eine stark besuchte Papstbuldi- oungsfeier, der u. a. auch Minister Dr. Kirnberger beiwohnte. Aach einer Begrüßungsansprache von Oberstudiendireltor Dr. Le- trott hielt Akademiedirektor Professor Georg Aaederscheidt aus Bonn eine groß ange- legte Festrede, in der er das Leben und Wrrken Pius XL als Mensch. Gelehrter und Papst würdigte. Das fünfzigjährige Priesterjubrlaum Pius XI. und die nunmehr wiedergewonnene Freiheit der Kirche böten genug Anlaß zu einer freudigen Kundgebung für den Papst. Gr stellte als Aufgabe eines jeden Kathvlilen heraus, em- Mitteten in die Reihen derer, die den inneren Frieden für sich selbst schaffen, damit aus diesem Wege der einzelne, neben dem anderen wirkend, allmählich den Kreis derer mehre, die den Ge- samtfrieden aus der Welt herbeiführen. An ein Hoch aus Pius XL schloß sich die Papsthymne an_ Bischof Dr. Hugo führte in ferner Ansprache aus, die ganze katholische Well freue sich der Wiederherstellung der Weltherrschaft des Papsttums und der damit wiedergewonnenen Freiheit der Kirche, und er brachte das Treu- gelöbniS der Mainzer Diözese zum Heillgen Stuhl & Ausdruck. Zum Schluß spendete er der Bettung den päpstlichen Segen, zu dem er vom Papst telegraphisch beauftragt war. Gin Tedeum beschloß die Kundgebung, der Rezllatio- nen, Gesangs- und Musikvorträge den Aahmen gaben. Aach Schluß der Veranstaltung fand eine Dombeleuchtung statt. OaSBefm-cndeS LischofSvonLimburg WSR. Limburg, 3. Aprll Im Befinden des erkrankten Bischofs Or.AugustinusKilian ist eine Besserung zu verzeichnen. Eine ftetige Kräftezunahme erfolgt. Infolgedessen kann mit einer völligen Genesung des Bischofs gerechnet (Sitte neue Kirche in Mainz. WSA. Mainz, 3. April. Die Vorbereitungen zum Bennau einer 6L Maria- Empfängnistirche sind soweit fortgeschritten, daß der Kirchenbau zu einem Wettbewerb öffentlich ausgeschrieben werden kann. Zugelassen zur Teilnahme an dem Wettbewerb sind alle katholischen Architekten aus Hessen, Hessen- Aassau, Württemberg, Baden. Pfalz. Saargebiet, Rheinland und Westfalen. Die Kirche soll in der Aeustadt errichtet werden. Sie ist geplant in einer Größe von ungefähr 600 Sitzplätzen und 1000 Stehplätzen. Aeben einer Kanzel ist eine Orgelempore für 80 Sänger vorgesehen. Gleichzeitig wird ein Pfarr- und Gemeindehaus errichtet. IestgenommemS ZaMmünzerpaar. WSA. Mainz, 3. Aprll. In einet Wirtschaft an der Rheinsttaße erschien eine Frauensperson und gab für Zigaretten ein Fünf markst ück in Zahlung. Der Wirt erkannte sofort, daß das Geldstück falsch war und ließ die Frauensperson, in deren Begleitung sich ein al- MobMrik ZH.BRÜCK INH. TH. WEINEST (giessen, Brandplatj (ALTES SCHLOSS) * O Hörnsheim, 2. Aprll. Bei der im hiesigen GemeindewalL stattgehabten Drenn- holzvetsteigetung wurden, folgende Preise endelt: Gichennutzknüppll 12 bis 13 Wk., Eichen- icheller 11 ML. Gichenknüppel 8 bis 9 WL, Buchenscheller 16 bis 18 ML, Buchenknüppel 9 5t8 10 ML, Etlenknüppel 4 ML je Aaummeter. Dichenwellen 7 bis 8 WL. Buchenwellen 10 bis 12 ML. Buchendurchforstungswellen 14 bis 16 WL ie 50 Stück: Fichtenreiser 4 bis 6 WL je Hausen von 6 Aaummeter: Fichtenstangen 1. Klasse 1,50 bis 2,40 WL. Fichtenstangen 2. Klasse 1 bis 1,70 Mark je Stück. , _ . O Dornholzhausen, 2. ApmL Be, der im hiesigen Gemellidewald stallgehabten Brenn- holzversteigetuna wurden folgende Preise erzielt: Buchenscheitet 18 bis 20 ML. Duchen- lnüppe! 14 bis 16 WL, Buchenstockholz 5 bis 6 Mark Gichenschellet 10 bis 12 WL. Eichenknüppel 5 bis 6 ML. Fichtenstockholz 2 bis 3 ML. Äie- sernknüppel 4 bis 6 Mk., Vichtenknüppel 4 brs 5 WL, Eichennutzholz (2 Meter lang) 12 bis 15 ML je Aaummeter; Buchenwellen 16 bis 18 ML, Eichenwellen 11 bis 12 ML. Kiefern- Dellen 6 WL je 50 Stück: Fichtenstanaen 3. Klasse 0Z0 WL. 4. Klasse 0,60 ML, 5. Klasse 0,40 ML je Stück; Nchtenstangen 6. Klasse 2,50 bis 3 ML, Fichtenstangen 7. Klasse 1,50 bis 2 Mk. je 20 Stück Maingau. WSA. Frankfurt a. M, 3. Aprll In letz- ter Zell werden hier dauernd Mansarden- einbrüche ausgeführt, wobei es der Täter nur auf Bargeld und Schmuckfachen abgesehen bat Hauptsächlich sucht sich der Täter Tatorte aus, wo Hausangestellte auf den Mansarden wohnen. Ein anderer Wansardeneinbrechet hat eS auf schmutzige Wäsche abgesehen. Sv wurde hier vor den Ofterfeieriagen in der Kömgstraße er Schau, lugivesens des Lull. & Verden Shimeuge .Wan“, Schwell::- [tollet der ogsver- n eftia 50 >Fener- Lenga» lertüm- i3, Tum, rtnkn ckt- Heilen des en Leuch!- Darttfla1)' vn 2le- 6latüm:n ckunsl Tie- terer Wann befand, festnehmen. Beide sind geständig. daZ Geld selbst angefertigt zu haben. 2n ihrer Wohnung in Wiesbaden wurden noch mehrere Falschstücke, sowie auch die Werkzeuge zur Herstellung des falschen Geldes gefunden. Das Falschmünzerpaar wurde m das Landgerichtsgefängnis eingeliefert. Am Freitag dem 5. März 1929 Mark Meten verkaufen wir insgesamt zirka Woll-Stoffe 1” ™.i U. a.: Kammgarn-Cheviot — Marengo — Reinwollene Schotten — Kashaartige Stoffe — Fa^onn^s — Woll- Moussellne. — Regulärer Wert per Meter bis Mk. 6.50, zum Durchschnittspreis von | Ü11 stein-Schni tte | Carl Nowads GieEien, Seltersweg 85 Wir machen hiermit die Besitzer von Mischen darauf aufmerksam, daß mit der Türkischen Republik ein Vertrag über die Wiederaufnahme des Zinsendienstes abgeschlossen worden ist. Die Annahme des Vertrages ist davon abhängig gemacht, daß mindestens 40% der Anleihe-Inhaber ihre Zustimmung geben. Die unterzeichneten Bankinstitute sind bereit, bei Vorlage der Papiere an ihren Wertpapier-Schaltern bis spätestens 15. Mai d. J. die erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Gießen, den 4. April 1929. aoseo Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Filiale Gießen Commerz- und Privat-Bank Aktiengesellschaft Abteilung: Filiale Gießen Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Zweigniederlassung Gießen Direktion der Disconto-ßeselisM Zweigstelle Gießen Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H. Gießen V»f»B*08 Samstag, den 6. April 1929, * abends 8 Uhr, im Cafö Leib: tz Siegesfeier ausAnlaß der erstrittenen Meisterschaften unsrer Liga- und III. Mannschaften Auserwähltes Programm mit Ball! Alle Mitglieder nebst Angehörigen und Freunden ladet ein der Festausschuß Sonntag, den 7. April, im Vereinsheim: Familienzusammenkunft Kindergarten Ludwlgstrake 44. Da einige Kinder schulpflichtig geworden und, iorute durch Vergröbern meines Kindergartens, können wieder Neuan- Meldung c nemgegengenommen werden. Beginn deS Kindergartens: Montag, 8. Avril, norm. 9—12 Ubr nachm. 2—5 Ubr. — Honorar 8 Mk. Emmv SNfSev 0,915 ttaatl. gevr. Kindergärtnerin 1. Kl. eee®ee®eee®eeeo®ö©©eeeeee Dauer wasche Kragen Manschetten Vorhemden ZumlstofloN f Hygienische Artikel) sämtliche Gummiwaren Inrofierie Winterhoff J Kreuzplatz 10 V ^kAbt Hygiene Düngekalk sämtliche Sorten Kunstdünger stets auf Lager. Anlieferung Ätir Ber- wendungsstelle. 1 Trechsler Steinstrahe 73 Tel. 1581 2094D Auto-Aeeb Tel. 1790. ri,D Kurhaus Amöneburg Hervorrag. Ausflugsort Terrassen mit Fernsicht Konzertsaal Eigene Konditorei Fernruf 72 ®»‘D ßierten-fimöneourg 32 km Teppiche liefert ohne Anzahlung auSw.Spe- zialbaus, zahlbar in 12 Monatsraten. Erbitten Sie un- verbindl. Vertreter- besuch unter 3024V an den Gies;. Anz. Frische Seefische beute und morgen frisch clntrcff. sowie lebende (SMGD Karpfen und Echteren emvnehlt LIMNaW. MänsbnrQ 15, TflL 1612 Wo kann junger Mann von auswärts lberrensriseurSsohn) abends das Oamenfrisieren und Ondulieren in Kursus oder Privatunterricht erlern. Schr. Ang. u. 01921 a. d. Gies;. Anzeiger. 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Schaukel (Riesenrad), Mderkaruffell, Schiffschaukel, Schießbuden, Schnellphotographie, Hippodrom, Teufelsrad, Panorama und Humor. Vallwerfen, Bellachini-Zaubertheater, Schaubude, Waffelbackerei, Alpenhaus, Verkaufsflande aller Art. Marktzeit: Werktags 14-22 Uhr, Sonntags 14-22*/, Uhr. Für Verkaufsbuden gelten die Bestimmungen über die Geschäftszeit der offenen Ladengeschäfte; an den Messe- Sonntagen ist die Verkaufszeit von 14—19 Uhr festgesetzt. 10 Rosen 4 Mark! Ihr Garten gewinnt durch Anpflaniung unserer Rosen. Wir liefern nur kräftige PfSanzen Buschrosen: 10 Stück In 10Sorten RMk.4.—, 26 Stück tn 10Sorten RMk. 25 Stück in 25 Sorten RMk. 10.- Kletterroaen In verschiedenen Sorten: 1 Stück RMk. 0.60.10 Stück RMk. 6.40 Hochatammrosen 1. v. S., 75-100 cm Kronenhöne, l St. RMk. L76 10 St. RMk. 16.-, 100-140 cm 1 St. RMk. 2.-, 10 St RMk. 18.- Trauerrosen 160-200 cm: 1 Stück RMk 4.-, 1» Stück RMk. 38.- Balkon- und Topfrosen: 1 Stück RMk. 0.60, 10 Stück RMk. 6.40 Jede Pflanze wird pflanzfertig mit Namen- und Farbenbezelch- nung geliefert Versand nur gegen Nachnahme. Garantie fflr gute Ankunft. Beste Pfianzzellt Je früher, desto besser 1 Illustrierter Hauptkatalog über Rosen, Obstbäume, Johannisbeeren usw. mit Kulturanwetsungen gratis. F. Paulsen G. rn. b. H., Baumschulen Elmshorn. Königsallee 258. A Pfund 29 Gut gepflegte Weine Sämtliche Südweine in allen Preislagen! la Zigarren Ueberseetabaken 3J22D 4 Prozent Rabatt in Sparmarken ani alle Waren 20 20 60 Korinthen Rosinen Sultaninen Mandeln Haselnußkerne Zitronen Oetkers Backpulver Rotwein, lose Rotwein, in Flaschen... Aepfelwein, lose Aepfelwein, in Flaschen V4 Pfund '/< Pfund 1/4 Pfund 1/4 Pfund . 3 Stück .. Beutel .... Liter 55 H 65 2) inkl. 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Mir scheint, Sie haben ihr Mut ge- Im Gegenteil, man begann, nachdem suh der . erste Sturm der Entrüstung, den Isa geschickt durch völliges Einsiedlerleben umging, gelegt l (Fortsetzung folgt.) zu amüsieren." , „Die ganze Kolonie, Isa? Irrst du dich da nicht. Diele denken anders." Geh' mir weg mit den Moralisten. Cs sind Heißer, weiter nichts. Verblühte Frauen, deren Männer mir die Cour schneiden und die mir deshalb etwas am Zeuge flicken wollen. Haha'., wenn mein gestrenger Herr Chegemahl glaubt daß ich hier inzwischen Trübsal blase und ich ihn als demütige Büßerin empfangen werde, glücklich, daß er überhaupt geruht, heimzukchren, so irrt er sich. Das Kind soll, wenn es schon sein muh. ohne seine Anwesenheit geboren werden. Ich könnte ihn gerade dann nicht um mich vertragen. Meine Rache ist es, das) er die Geburt fernes Kindes erst zufällig von Freunden hören soll. Und überhaupt, das Kind, es ist einfach entsetz- 1 sich! Ri, wenn es doch nicht leben würde!' verdanke ich meine Weisheit. Run begrabe vor allem Demen törichten Stolz, und geh' zu Cggenbrecht, und sage ihm, wie unrecht er Dir damals getan hat. Andernfalls, bei Gott, ich mache mich noch auf meine alten Tage auf die Strumpfe, um die dumme Geschichte ins Lot zu bringen. 2llso such' Dir Dein Glück, und wenn Du es gesunden hast, so schreibe es Deinem alten Onkel Luhrmann. Bleich lehnte Brigitta Hottermann in ihrem Sie hatte sich ihr Leben ganz nach ihrem Geschmack und Gutdünken eingerichtet. Die Prophezeiung Herrn Amerys, daß sie nach dem Skandal der völlige Boykott der Kolonisten treffen würde, war nicht erngetrosfen. _ m°QI6cr das Heim; was wird aus der Anstalt ^Sta^will alles verkaufen, Schwester Brigitta, oder auch verpachten." Brigitta weinte. „ „Das ist ein Freudentag, Herr Boldenkamp , agte sie dann nach langer Zeit des Stillschwei- 9Cnj|tn wahrer Freudentag, liebe Schwester. Gott erhalte Christiane Lührmann gesund, damit sie die lange Reife gut übersteht" Später sah Brigitta noch bis tief in die Rächt auf ihrem Ballon und sah hinab auf den Pazifik. Sie träumte von dem liebsten Mann, der ihr so nahe, so nahe war! * Die nächsten Tage vergingen für Brigitta Hollermann im Glücksrausch. , „r _ Dann aber kamen auch wieder trübe Tage Oie bankrotte Llhrmacherstadi. Glashütte meldet Konkurs an. - Gin Opfer der Zndustriekonzentration. Das Kunstwerk der Lthr. — Deutsche Uhrenfabriken arbeiten für den Geschmack aller Bö ker. dieser kleine Uhrteil im Laufe eines Menschenalterc zurücklegt, wenn man bedenkt, daß die Gesamtzahl seiner Schwingungen im Jahr eine Strecke von 46 800 Kilometer ergeben würde. Selbstverständlicl gibt es gerade unter den Uhren kleine Kunstwerke die außerordentlich kostbar sind. So zahlte der amerikanische Finanzmagnat Morgan vor einigen Jahren 260 000 Mark für eine kleine Fingerring- uhr, die er von einem deutschen Sammler kaufte Eine der wertvollsten Uhren der Welt dürfte ernt gotische Standuhr aus dem Jahre 1430 sein, die aus dem Besitz des Herzogs Philipps des Guten von Burgund stammt. Alles an dieser Uhr ist .Handarbeit, die Gehäuseteile werden durch etwa hundert Keile und Oesen zusammengehalten, da sich an dei Uhr keine Schraube befindet. Neben diesen kostbaren altertümlichen Uhren gibt es moderne Pendeluhren die ebenso teuer sind, da ihre Abweichung von der mathematisch genauen Zeit nur 0,008 Sekunden Die blonde Frau lachte hart auf, und entgegnete kokett, an ihrer Zigarette ziehend: Hat er etwa all die Zeit nur ein einziges Mal nach mir gefragt, Ri? Ging er nicht ohne Abschied von mir? Keinen Brief, keine Entschuldigung sand er für mich. Habe ich ihm gegenüber eine Verpflichtung? Ich verachte ihn!" Isa, sprich nicht so von deinem Mann", wehrte ihr Ri von Salden. „Ist es ein Wunder, wenn er im Zorn von dir ging? Hast du dich nicht danach betragen? Mußte es einen Mann wie ihn nicht beleidigen, was du ihm angetan hast? „Ri, du übertreibst, genau so, wie er es tat und dieser Mister Amerh. Sind die Ansichten der Kolonie nicht auch etwas wert? Heberall fand ich offene Arme und lebhaftes Bedauern, daß ich einen solchen Barbaren zum Manne habe, der mich einfach sitzen läßt, um sich, ohne nach mir zu fragen, monatelang in Hongkong Die Liebe derBrigitta Hollermann Vornan von Elisabeth Ney. ^^Der Brief war ihren Händen entglitten und zu Boden geflattert. Sie merkte es nicht. . „Hans-Iörg, Hans-Iörg!" schluchzte fie crloft unter Weinen und Lachen zugleich. »So ist er ee ^Lange^saß sie dann in Glück versunken, bis sie plötzlich aufschreckte, da man nach ihr gerufen ^Fast mechanisch erhob sie sich und tilgte schnell die Tränenspuren in ihren Augen. Hans-Iörg Eggenbrecht war in China. So hatte sie sich neulich auf dem kleinen Dachgarten des Cafes nicht getauscht, als sie Hans- Iörg Eggenbrecht zu sehen geglaubt hatte. Llnd plötzlich wußte sie, daß sie Nichts selbst zu tun brauchte, um eine Begegnung mit ihm herbeizuführen. Das Schicksal hatte es so,gefugt, daß sie ebenfalls nach China fuhr; es wurde sie nut Hans-Iörg eines Tages für immer zusammenführen, von ganz allein, ohne ihr Zutun. Bald, ach, vielleicht schon bald! „Schwester Gitta, Schwester Gitta! erscholl es von unten herauf. Brigitta eilte auf den Balkon. . „Ich komme, ich komme! rief sie hinab, und aus ihrer Stimme erklang heller Glücksiubel. Als dann der Abend kam. sah Brigitta, wie immer, mit Herrn Boldenkamp auf der Haus- ^Boldenkamp sprach nicht und sah beinah feierlich verklärt in die Stille des Parks. Brigitta merkte es kaum, denn auch sie war vollständig mit ihren Gedanken beschäftigt. „Liebe Schwester Gitta", erklang es da leise von des alten Mannes Lippen. .Sie haben nur Glück, endlich das Glück gebvacht." „Das Glück?" fragte sie, verständnislos auf- schauend. . . Er nickte lächelnd, und sagte beinah verlegen- „Christiane Lührmann hat nur m dem Briese, der dem Ihren beigefügt war. geschrieben, daß sie kommen toill, wenn — wenn ich sie, die alte Frau, jetzt noch haben wollte." Schwester Christiane kommt, kommt nach China, nach Hongkong!" rief Brigitta, aut» ^Ia^Uebes Kind, sie kommt, wenn ich sie rufe. Unß ich habe sie bereits gerufen. Dor einer Stunde schickte ich ihr ein langes Telegramm. voll Bangigkeit und Verzagen. Brigitta sagte sich wieder und wieder daß es doch wohl leicht möglich sei, daß Eggenbrecht schon lange nicht mehr an sie dächte und eine andere Frau liebgewonnen habe. Warum schrieb sie ihm nicht einfach oder gab ihm auf andere Weise ein Lebenszeichen? Ätzer die Scheu, irgendetwas Schlimmes zu erfahren, hielt fie vor diesem Schritt zurück. Rein, sie wollte lieber still warten, wie es das Schicksal entscheiden würde. Herrn Boldenkamp begleitete sie Nicht mehr nach Hongkong hinab, so oft er sie auch dazu aufforderte. . _ . Sie zitterte bei dem Gedanken, vielleicht mit Hans-Iörg Eggenbrecht zusammenzutreffen, und obwohl sie sich verzehrend nach ihm sehnte, beschlich sie doch bei diesem Gedanken stets eine unerklärliche, nervöse Angst. So schwankte sie in einem Zustand von Gluck und Hoffen, von Angst und Verzagtheit, und voll heißen, bangen Sehnens. Der Antwortbrief an SamtatSrat Lichrmann lag noch immer unvollendet in ihrer Schreibe- Mappe. Sie fürchtete sich, dem alten Manne ihre Mutlosigkeit einzugestehen und wußte nicht, was sie beginnen sollte. Währenddessen verbrachte Isa Cggenbrecht nun schon den siebenten Monat im Hause Ri von Besser als die Glashütter Uhrenfabrikanten hat es die übrige deutsche Uhrenindustrie verstanden, sich der modernen Entwicklung cmzu- passen. Im Jahre 1927 vollzog sich eine weitgehende Rationalisierung der deutschen Uhrenfabriken; kleinere Betriebe wurden von den größeren Werken aufgesaugt, so daß schließlich zwei große Gruppen übrigblieben. Die erste Gruppe steht unter Führung einer großen Aktien • Gesellschaft in Schramberg, die zweite wird von dem Ort Schwenningen aus beherrscht. Beide Konzerne arbeiten eng miteinander zusammen; sie tauschen Erfahrungen aus und versuchen, ihre Erzeugnisse weitgeheno zu typisieren. Auch sollen all die kler- nen Einzelteile genormt werden, aus denen eine Uhr zusammengesetzt wird. Ist man doch in letzter Zett sogar zur Einführung der Fließarbeit bei der Uhrenfabrikation übergegangen. Man will daraus hinarbeiten, daß jede Fabrik bestimmte -t^pen serienweise herstellt. Durch diese Aufteilung hofft man, den Preis bedeutend ermäßigen zu können. Zu all diesen Maßnahmen hat die deutsche Uhren- industrie greifen müssen, weil ihr Absatzgebiet in den letzten Jahren bedeutend zusammengeschrumpft ist. Während früher deutsche Uhren in die ganze Welt hinausgingen, lstiben Frankreich und 31a11 en in den letzten Jahren den Weltmarkt mit billigen Uhren überschwemmt, so daß die deutsche Industrie etwas ins Hintertreffen geraten ist. In- letzter Zeit kauft das Ausland freilich wieder mehr. Allerdings bestellen die ausländischen Käufer keine typisierte Uhren. Sie verlangen Erzeugnisse, die ihren Abnehmern gefallen, und so sieht denn der Muster- raum einer großen Uhrenfabrik, die mit dem Aus- land arbeitet, wie ein kleines Museum aus. Die deutschen Käufer wollen solide Uhrgehäuse aus Eiche oder Nußbaum. Frankreich verlangt hohe Standuhren, England kauft nur Uhrgehäuse, die durch ein bestimmtes Verfahren em altertümliches Aussehen erhallen. Dem Geschmack der Südamerikaner entsprechen nur Regu- latoren, deren Gehäuse mit Aufsätzen und Holzer- nen Zierraten geschmückt sind. Bisweilen entdeckt man bei uns noch derartige prunkvolle Geschmack- losigkeiten in den guten Stuben vergangener Jahr- zehnte. In romanischen Ländern scheint heute noch immer die weibliche Lronzefigur beliebt zu sem, die in ihrer Hand eine goldglänzende Pendeluhr hält. Merkwürdige Wecker müssen für den 5 .t n e - fischen Markt geschaffen werden. Das Staufer« publikum in China will nicht durch em schrilles Klingelzeichen, sondern durch einen kleinen Spielautomaten geweckt werden, der den Schläfer mit einem Lied überrascht. Die Inder scheinen eine Um die Facharbeiter sorgfältig auszubilden, l)at man in Glashütte eine Uhrmacherschule errichtet, die von Schülern aus allen Weltgegenden, aus Südamerika, Indien, Afrika und Australien, besucht worden ist. In unseren Tagen, in denen die Industrie auf eine weitgehende Typisierung und Verbilligung aller Gebrauchsgegenstände hinarbeitet, kann ein so kostspieliger Fabrikationsvorgang, wie er in der Feinmechanikerstadt üblich ist, sich nicht mehr rentieren. So ist denn die Glashütter Uhrenindustrie mehr und mehr zurückgegangen und steht heute vor besonders großen Schwieng- Die „Iagd im April" könnte mit wenigen Worten geschrieben sein, wenn wir entsprechend der Auffassung der meisten Richtjäger und leider auch mancher Iäger darunter nur die eine Frage zu beantworten hätten: „Was gibt es denn jetzt zu schießen?" Denn wenn wir nur diese Frage beantworten, dann sind wir, zumal für unser engeres Gebiet, bald fertig. Das meiste Wild hat Heg 5 i , und die der Iagd freigegebenen Arten kommen meist bei uns nicht vor. In Wirklichkeit ist der April jagdlich ein recht wichtiger Monat. Denn von seinem Verlauf und von der Tätigkeit des Weidmannes in jener Zeit hängt für das Ergebnis des Iagdjahres sehr viel ab. Rotwild und Rehwild haben Schonzeit. Die Hirsche haben abgeworfen, die Böcke dagegen haben den Aufbau ihres Gehörnes beendet und fegen. Plätz- und Fegestellen zeigen dem Weidmann, wo ein Bock seinen Wechsel hat, und er wird bald versuchen, sich über ihn Klarheit zu verschaffen und prüfen, ob er für den Abschuß in diesem Iahr in Betracht kommen durfte oder nicht. . .. ... Die Bachen frischen. Für den Weidmann ist die führende Bache geschützt, und er wird ihre Frischlinge nicht durch Abschuß der Mutter dem Hungertode überantworten. Die Hasen Hochzeit ist in vollem Dange. Im Gebüsch, in allem Gras und an ähnlichen Dek- kung gebenden Plätzen seht die Häsin. Das R a u b w i l d. Fuchs. Marder. Iltis usw heckt. Infolgedessen ist seine Raubtätigkeit fetzt besonders stark. .,. . _ Auerwild und Birkwild stehen m der Balz und haben Schuhzeit. Äe Schußzeit für Waldschnepfen endete in Hessen am 31. März, während sie m Preußen bis zum 15. April währt. Der diesiahnge Schnep- senstrich weicht in seinem Verlauf von dem gewohnten völlig ab. Eine systematische Bearbeitung der Schnepfenmeldungen aus diesem Frühjahr wird für die Frage des Schnepfenzuges und der Lager- und Zugschnepfen, von besonderer Bedeutung werden. _ Sumpfschnepfen dürfen auch in Hessen noch bis zum 15. April gejagt Werden. . Die Feldhühner paaren sich und beginnen mit dem Gelege, wenn sich ihnen genügend Deckung bietet. . „ . . Die Wildtauben stellen sich in allen Drei I Arten wieder ein, von denen die Ringel- Copyrigtit by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 22 Fortsetzung Nachdruck verboten. Brigitta ließ für kurze Zeit das Schreiben sinken und sah gedankenverloren vor sich hin. Hatte sie unrecht getan, als sie die Lie^ dieses sympathischen, ernsten Mannes zuruckwies? Ich konnte doch nicht anders; ich liebe ja immer nur den einen Hans-Iorg! flüsterte fie ^Hastig ^l'egle sie nun den Brief fort und öffnete den des alten Sanitätsrats. Er lautete: Liebe kleine Gitta, Du braves, tapferes Was meine alte Christiane kann, darf iw mir als Dein Onkel erst recht erlauben. Ich nenne Dich einfach ebenfalls Du. ^Bist mir nun einmal ans Herz gewachsen, liebes Richt- chen. Wenn ich des Abends so einsam mit der Pfeife in meiner gemütlichen Klause sitze, betreut von der alten Jürgens, so kommt es wohl vor, daß wir beiden 2llten ins Plaudern geraten Gesprächsthema ist dann die Brigitta Hottermann, die auszog, um das Glück zu guck' nur nicht gar so erstaunt auf das Briefblatt, und denke nicht etwa, daß der alte Onkel da närrisches Zeug zusammenfaselt. Ich bleibe dabei. Brigitta Hottermann zog aus. um das Glück zu suchen. . . , - Wirst es gewiß finden, Heine ©üta. Denn wenn Du es auch noch nicht ahnst, er ist dir be- Kannst* Surgut raten? Oder ahnst Du schon ^Oleht, Du kannst es nicht. So Witt ich es Dir verraten. Weih ich es doch auch erst seit gestern mit einiger Bestimntthett. Doktor Hans-Iörg Eggenbrecht. der Bose- wicht, der Herzensbrecher, ist gefunden! Er ist in China, und so viel ich weiß, treibt er ui Schanghai sein ehrsames Handwerk als approbierter Arzt. Was sagst Du nun, hebe Richte > Siehst Du, und dies ist der Grund, daß ich mich, sonst allen Briefschreibereien abhold, sofort an den Schreibtisch setzte. Alles andere überlasse ich nun Dir selbst» Du wirst am heften wisten. wie Du «ne»w nung herbeiführen willst. Wie ich alles erfuhr, will ich Dir nun auch noch berichten. Es war auf einer Aerzteversammlung. Zufällig sah ich dort einen jungen Kollegen, von dem ich weih, daß er viel in Eggenbrechts Gesellschaft wellte. Er war lange Zeit im Rheinland als Assistent eines Sanatoriums tätig gewesen, und ist erst dieser Tage nach Geräumige Werkstätten, in denen Uhrmacher mit unendlicher Geduld und Sorgfalt Rädchen und Schrauben zusanunensetzen, Läden, in denen Hunderte von Weckern, Wanduhren und Taschenuhren ticken — an diese Bilder denkt man, wenn der Name der Stadt Glashütte genannt wird. Wer die Vorstellung von dem betriebsamen, mtt Aufträgen aus aller Wett reichlich versehenen Uhrmacherzentrum ist leider überholt. In den letzten Monaten sind viele Werkstätten geschlossen worden: unter den geschickten Händen der fleißigen Mechaniker entstehen keine Uhren mehr, denn die kleinen Wunderwerke der Technik finden nicht genügend Absatz. Zusammenbrüche und Betriebsstillegungen sind an der Tagesordnung. Sogar die Stadt Glashütte hat jetzt ihren Bankrott erklären müssen! Nicht einmal die Zinsen der Anleihen, die die Stadt in den letzten Jahren aufgenommen hat, können bezahtt werden, und die Gläubiger werden ihre Hand auf das Gemeindevermögen eines Ortes legen, dessen Name weltberühmt ist. Schon vor einigen Jahren ging es dem Ort nicht gerade glätt- zend. Damals griff die Kreishauptmannschaft Dresden ein und ernannte einen Regierungs- kommifsar, der für die Sanierung von Glashütte sorgte. Die Notlage der Glashütter Uhreninduftne, die die sozialen Losten der Gemeinde dauernd an« wachsen ließ, hat nun den finanziellen Zusammenbruch des Städtchens herbeigeführt. Beinahe spurlos sind die letzten zwanzig Jahre an der sächsischen Uhrenstadt vorübergeganaen. 3000 Einwohner zählte Glashütte im Jahre 1910, und 3100 wohnen heute dort. Wohl machte sich in den Jnflationsjahren ein Wandel bemerkbar: der Export der Uhrenindustrie wuchs, neue Arbeitskräfte mußten eingestellt werden. Die letzten Jahre haben diese Entwicklung wieder rückgängig gemacht; die Betriebe haben sich wieder verkleinert, die Stadt ist in ihre beschauliche Ruhe zurück- gekehrt. Don seinem Denkmal auf dem Marktplatz blickt Ferdinand Adolph Lange, der Begründer der Glashütter Uhrmacherei, noch immer auf die sauberen, gutgepflasterten Straßen. Mit staatlicher Unterstützung hatte Lange unter Einsetzung seines privaten Vermögens den damals unbekannten Ort Glashütte um 1850 herum zur fach, fischen Uhrenstadt gemacht. Aus seiner Lehre gingen die Meister hervor, die die kostbaren Taschen- Uhren — sogenannte Präzisionsuhren — herstellten. Wer nicht nur die Taschenuhren wurden in Glashütte angefertigt, sondern auch alle em- zelnen Uhrteile, mtt Wsnahme der Zifferblätter und Spiralfedern, wurden dort fabriziert. Die Glashütter Uhren genosien bald Weltruf. Jeder Käufer wußte, daß eine Uhr, die in Glashütte hergestellt war, zwar nicht überaus billig fein konnte, aber dafür unbedingt zuverlässig war. Besondere Mühe gab man sich stets mit der genauen Regulierung der Uhren, in den verschiedensten Temperaturen. In Eiskammern und in Wärmeöfen, in denen die Uhr eine Temperatur von 36 Grad aushallen mußte, wurde die Regulierung vorgenommen. All die kleinen Telle, aus denen sich eine Uhr zufammenfetzt, werden von Heimarbeitern in mühseliger Arbeit angefertigt Müssen doch bisweilen Zäpfchen hergestellt werden, von denen die schwächsten den 800.Tell eines Millimeters mefien. taube in diesem Winter in erstaunlich großer Zahl durch die Eichelmast zum llebertointcrn veranlaßt wurde. , , Mag so der Iäger auch einmal Gelegenheit haben, eine Bekassine mit nach Hause zu bringen oder den rufenden Täuber anzuspringen oder zu locken, so bleibt doch die Wildpflege die Haupt tätigkeit des Weidmannes. Hierin bietet sich ihm ein reiches Tätigkeitsfeld. Im Walde sind Pirschsteige zu rechen und Hochsitze zu bauen. Beide Einrichtungen dienen nicht nur der Erlegung des Wildes, sondern sie gestatten eine viel ungestörtere Beobachtung; das Wild wird nicht so leicht vergrämt und bleibt vertrauter als wenn es alle Augenblicke ver- pirscht wird. r Der Winter war lang und streng. Das Schalenwild hat monatelang jede Grünäsung entbehren müssen. Wenn die Frühlingssonne nun den Boden aufgetaut hat. und es allenthalben zu sprießen beginnt, dann nimmt es mit Begier das langentbehrte Grün an und füllt sich den Pansen nach Möglichkeit. Alljährlich ist dieser Aesungs- wechsel für das Rehwild besonders kritisch, da mit ihm sehr oft Verdau n'Störungen verbunden sind, die zum Eingehen schwacher Stuac, besonders Böcke, führen. Eine sehr günstige Wir- kung übt hier das Kochsalz aus. das daher dem Schalenwild in verschiedener Form gereicht zu werden pflegt. Das vom Wild geleckte Salz beeinflußt seinen ganzen Stoffwechsel günstig, hat infolgedessen bei den männlichen Tieren einen besseren Geweihaufbau zur Folge und macht alle Tiere widerstandsfähiger. Man knetet Viehsalz mit steinfreiem Lehm zu Lehmsulzen, bestreut beim Holzfällen stehen gebliebene Stocke Salz, das beim Regen einsickert, und stellt Swckiulzen her oder man legt an den Wechseln Salzsteine aus, wie sie im Bergbau sich ergeben oder wie fie als Rebenprodukt beim Salzsieden entstehen. In der Literatur sehr empfohlen wird das Aufstellen von Leckpsählen. Fichtenstangen werden so in den Boden geschlagen, daß sie etwa 1,40 Meter in die Höhe ragen. Oben auf ihnen wird irgendwie auf einem Tischchen 0. ä. ein Salzstein befestigt. Das Salzwasser sott dann am Stamm herunter- riefeln und hier geleckt werden. Alle Methoden führen zum Ziel, die Hauptsache ist, daß überhaupt etwas geschieht. In Revieren, in denen das Wild das Salz nicht kennt, dauert es häufig geraume Zeit, bis es sich an seine Aufnahme hatte, für die junge Frau lebhaftes Bedauern zu empfinden. Man schalt Cggenbrecht hartengherzig, gefühlsroh, daß er sie so lange allein lassen konnte und sich so brüsk von ihr abgewandl hatte — von ihr. seiner angetrauten Frau. Isa Eggenbrecht beherrschte bald nach tote vor die Salons, und war in allen Dingen tonange- b^Wie sie sich kleidete, so kleidete sich die hiesige Damenwelt; und eine geschickte Schneiderin erfand immer neue Wunderwerke von entzückenden Kleidern feinster chinesischer Seide, die Isas Zustand geschickt zu verbergen wußten. Somit ahnte niemand, daß Isa (Sggcnbreajt ui nunmehr zwei Monaten ein Kind erwartete. Eines Abends, als die beiden Frauen allein auf der Hausterrasse saßen, da Salden in den Klub gegangen war, nahm Frau Ri die Freundin ' ernstlich ins Gebet. .. .Du mußt deinem Mann nun enollcy Die Wahrheit schreiben. Isa", drängte sie ängstlich. 1 „Er wird es dir sonst nie verzeihen. daß du ihm deinen Zustand verschwiegen hast." besondere Vorliebe für die nüchterne deufi'che Bureau-Uhr zu haben. Obwohl die Vereinig- ten Staaten eine eigene Uhrenindustrie besitzen, beziehen sie teure Standuhren zum großen Teil aus Deutschland. Die Amerikaner verlangen Uhren mit vollen, viertelstündlich wechselnden Klangakkorden. Ein scheinbar systemloses Durcheinander von Schrauben, Rädcheii und Zahnrädern glaubt der Besitzer einer Taschenuhr vor sich zu haben, wenn er das Uhrwerk betrachtet. Besteht doch eine Taschenuhr aus ungefähr 170 verschiedenen Teilen, von denen jedes Schräubchen eine starke Arbeitslast zu bewältigen hat. 432 OOOmal schlägt der Anker täglich an Das Ankerrad. Ein anderer Uhrteil, die ,Unru^, macht stündlich 180 000 Schwingungen; sic legt dabei ungefähr 30 Kilometer zurück. Wenn die Unruh bei jeder Schwingung nur eine Abweichung von einer zehntausendstel Sekunde aufweist, geht die Uhr täglich um 43 Sekunden nach oder vor. , matqem Man kann sich ungefähr vorstellen, welche Strecken | betragt. gewöhnt hat. Dadurch darf man sich nicht irremachen lassen. Hm so treuere Gäste gibt das dann später. Auf Wild, das sich an den Salz- genuh gewöhnte, übt eine solche Salzlecke eine große Anziehungskraft aus und kann infolge dessen gerade als Kirrmittel benutzt werden. 3m Feld droht den Gelegen und dem Sung- wild mancherlei Gefahr, die vermindert werden muh. Gerade in einem so späten Frühjahr wie in diesem Sahr müssen die Iunghäschen in Masse der Krähe zum Opfer fallen, da ja jeder Schuh, jede Deckung aus den Feldern verschwunden ist. Dasselbe gilt von den Gelegen der Hühner. Fasanen und Enten. Es ist erstaunlich, wie gleichgültig viele Revierinhaber dieser Gefahr gegenüberstehen, sich aber später über die immer schlechter werdende Hühnerjagd, die schlechten Hasenstrecken usw. beklagen. Erne Zunahme der Krähen (und die liegt in dem letzten Jahrzehnt sicher vor) bedeutet Abnahme der Hühner und Hasen. Mel weniger deutlich sichtbar, aber ebenso groh ist die Gefährdung des Riederwildes durch das Hermelin oder Grohwiesel, das sich durch leine Lebensweise dem Auge des Beobachters zu leicht entzieht. , Gegen beide Räuber muh nut allen zu Gebote stehenden Mitteln vorgegangen werden. Schon stechen sich die Krähen in der Luft und stiegen mit Reisern im Schnabel zum erwählten Horstbaum. Abschuh am Horst, Zerschießen der Rester, Ausnehmen der Eier können den Krähen wirksamen Abbruch tun, reichen aber meist nicht aus, um sie so kurz zu halten, wie die Rücksichten der Riederjagd und des Vogelschutzes es erfordern. Dann wird man versuchen, durch Eiabzugeisen oder künstliche Gelege mit Gifteiern die schwarze Gefahr zu verringern. Für das Wiesel aber baut man in Steinhaufen, Hecken oder Durchlässen Kastenfallen ein. Doch nicht nur durch Bekämpfung dieser Iagd- schädlinge kann dem Wild geholfen werden, sondern man sollte allenthalben versuchen, ihm wieder die Möglichkeit ruhiger geschützter Brutstätten zu bieten. Sn den meisten Gemeinden finden sich Strecken minderwertigen Landes, das brach liegt und Heide, wertloses Gras und ähnliches tragt. Es müßte ein Leichtes sein, von der Gemeinde die Zustimmung zu einer Bepflanzung dieser Oedländereien zu bekommen, da ja eine Hebung des Sagdertrages und Der- besserung des Revieres auch in ihrem Snteresse im Hinblick auf eine künftige Reuverpachtung liegt, da aber ferner z.B. eine Vermehrung des Feldhuhnes für den Landwirt von nicht zu unterschätzender Bedeutung wäre, oder aus einer solchen Wildremise leicht eine gern benutzte Brutstätte für viele Singvögel werden würde. Für die Bepflanzung kämen ausdauernde Lupinen, Ginster, Brombeeren. Weiden und Akazien in Frage. Alle diese Pflanzen haben auch eine große Bedeutung als Futterpflanzen im Winter. Schaffen wir in unseren Revieren eine möglichst abwechslungsreiche natürliche Aesung, so können wir in den meisten Jahren der Winterfütterung ganz entraten. Wo aber solches Oedland etwa nicht vorhanden ist, sollte dringend der Gedanke der Anpachtung geeigneter Wildäcker ins Auge gefaßt werden, die mit Deckung und Aesung gebenden Pflanzen zu bestellen sind. Die Linkosten kommen jedesmal dabei heraus, und die Freude an der Sagt) wird durch gesteigerten Besah um so größer. Der Sag d sch utz muh sich vor allem gegen die Hundeplage richten. Cs ist erstaunlich, mit welcher Rücksichtslosigkeit von manchen Hunt'ebesihern das Revieren und Hetzen ihrer Hunde gestattet wird. Alle Säger wissen den Behörden Dank für ihre Rotmahnahmen, die diese zur Einschränkung dieser Gefahr getroffen haben. Aber sie sind zeitlich begrenzt und verlieren damit chren Wert. Wenn es den verpachtenden Gemeinden darauf ankommt, dah aus der Sagt) möglichst viel in den Gemeindesäckel flieht, dann ist cs auch ihre Pflicht, dafür zu sorgen, daß nicht von Mitgliedern der Gemeinde der Ertragswert der Sagt) heruntergemindert wird, und es ist eine Forderung der Vertragstreue, daß dem Pächter die Möglichkeit geboten wird, das erworbene Recht auch ungeschmälert zu genießen. Andernfalls darf man es dem Pächter nicht verübeln, wenn er zur Wahrung seines Rechtes zur Selbsthilfe schreitet. Hubertus. Kunst und Wissenschaft. Ehrenvolle Berufung Darmslädker Künstler. Regisseur Renato M o r d o und Bühnenmaler Lothar Schenck von Trapp vom Hessischen Landestheater wurden einer Meldung aus Darmstadt zufolge eingeladen, bei den Mai- Festspielen in T u r i n den „Barbier von Sevilla" zu inszenieren. Wirtschaft. Starke Quartalsansprüche an den Geldmarkt. Sn der vorigen Woche hielt die nach der Abwicklung des Medio eingetretene Erleichterung am Geldmarkt zunächst an, sie blieb jedoch auf Tagesgeld, das zeitweise ein sehr flüssiges Aussehen annahm, und auf Monatsgeld beschränkt. Die Feststellung, dah diese Tatsache über die gespannte Grundtendenz nicht hinwegtäuschen durfte, dah insbesondere die Flüssigkeit in Lagesgeld keinen Mahstab für die wirkliche Lage des Marktes abgeben kann, hat sich als richtig erwiesen. Sn der zweiten Hälfte der Berichtswoche ist eine bedeutende Steigerung der Ansprüche eingetreten. Der Quartalsultimo ist ohne Schwierigkeiten überwunden worden, was bei den umfangreichen Vorbereitungen der Danken nicht anders zu erwarten war. Allerdings dürfte die Reichsbank, die nach den ersten drei Märzwochen vom Ultimo Februar her noch mit rund 200 Mill. Mk. in Anspruch genommen war, vornehmlich den Bedarf am Geldmarkt gedeckt haben, da die Danken sich bemüht haben, ihre Vorbereitungen soweit möglich auf den Markt abzu- dränaen. Hieraus erklärt sich auch, dah der P r i - vatdiskont auf 6,5 Prozent erhöht werden mußte, und somit zum erstenmal seit der letzten Diskontermähigung den offiziellen Sah erreicht hat. Es hat sich gezeigt, dah die Privatdisrontabgeber, besonders die Danken, das zurückgehaltene Material an den Markt zum Verkauf gebracht haben, so daß am Privatdiskontmarkt Spihenbeträge im Betrage von 20 Mill. Mark erschienen. Das Snteresse für Warenwechsel mit Bankgiro war in der Derichiswoche sehr gering, Umsätze sind Wohl kaum zu verzeichnen gewesen. Die Lage an den internationalenGeld- rnärkten hat eine weitere Versteifung erfahren. Die Riederländische Bank muhte ihren Diskontsatz erhöhen, wobei cs aufgefallen ist, daß sie gleich eine Heraufsetzung um ein volles Prozent vornahm. Trotzdem halten zur Zeit die Geldabwanderungen nach Amerika an, und die Riederländische Dank sieht sich in einer ähnlichen Situation, wie die Reichsbank: sie muh sich durch Dildung gröberer Auslandreserven auf alle Fälle schützen. Auch der 'Bet’ liner Geldmarkt ist durch die jüngsten Vorgänge in Reuhork, die sich in einer seit vielen Sahren nicht mehr beobachteten Geldverteuerung zeigen, beeinflußt worden. Daß dieser Einfluß von Geldabgaben, da auch deutsche Danken ziemlich erhebliche 'Beträge am Reuyorker Markt in Anbetracht des hohen Zinssatzes für Call-Geld (20 Prozent) angelegt haben, nicht so spürbar ist, wie man eigentlich erwarten sollte, liegt daran, dah die Reichsbank die Geldrückflüsse aus den Devisenverkäufen wieder ausgleicht, und zwar im Rediskontwege: sie will eine Llmschichtung zwischen Snland- und Auslandkredit zugunsten des ersteren, und in dieser Entwicklung liegt auch die Abgabe von etwa 150 Mill. Mk. Devisen von dem Konto Wechsel und Schecks. Die Anforderungen an den Devisenmarkt sind sehr groß, wozu neben der Kündigung von Auslandgeldern auch neue Transferierungen des Reparationsagenten beitragen. Dis zum 10. April wird Geld knapp bleiben, die weiteren Aussichten sind etwas günstiger zu beurteilen (Steuereingänge, Kupons- und Dividendenfälligkeiten), allerdings werden dann die Saisonansprüche der Wirtschaft ausschlaggebend sein. Weitere starleZunahme derZnsolvenzen Bei den Konkursen ist im März gegenüber dem Februar eine Steigerung um 154, oder um rund 20 Prozent eingetreten, während in der Zahl der Vergleichsverfahren keine nennenswerte Veränderung festzustellen ist. Sm Sanuar und Februar war die nach oben gerichtete Bewegung der Snsolvenzzahlen vornehmlich auf saisonmähiye Gründe zurückzuführen, die hohe Märzziffer zeigt jedoch deutlich die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Geschäftslage, besonders deshalb, weil die Konkurse stark zu» genommen haben. Wan muß bis auf das Sahr 1926, das als Krisenjahr zu bezeichnen ist, zurück- gehen, um eine ähnlich hohe Snsolvenzziffer zu finden. Arbeitstäglich ist die Zahl der Konkurse von 32 im Februar auf 37 im März angewachsen, wobei die Zahl der Fälle, in denen das Konkursverfahren mangels Masse eingestellt werden muhte, stark zugenommen hat. Sn der Textil- branche ist die Zunahme am höchsten. Sm ersten Vierteljahr 1929 sind insgesamt 2547 Konkurse und 955 Vergleichsverfahren durchgeführt worden. Gegenüber dem letzten Quartal des Sahres 1928 beträgt die Steigerung bei den Konkursen 570, bei den Vergleichsverfahren 155, Deutsche Girozentrale und Deutsche Landesbankenzent ale. Zwischen der Deutschen Landesbankzentrale A.-G. und der Deutschen Girozentrale ist unter gegenseitigem Austausch von Direktions- und Aussichtsratsmitgliedern eine engere Verbindung herbeigeführt worden. Die Deutsche Girozentrale übernimmt von der Preuhenkasse 20 Prozent des Aktienkapitals der Deutschen Landesbankzentrale A.-G. Die Verbindung erfolgt zwecks Durchführung der von den beiden Snftituten in Aussicht genommenen Zusammenarbeit und Arbeitsteilung. Die Deutsche Landesbankzentrale A.-G. verzichtet auf den Verkehr mit Sparkassen und Kommunen, wogegen die Deutsche Girozentrale ihr die mit dem Grundkredit einschließlich des Meliorationskredits zusammenhängenden Geschäfte überläht und die Förderung der Emissionen der in der Deutschen Landesbankenzentrale vertretenen öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten durch die Sparkassen- und Giroorganisation zu- gesichert. Sm Geldgeschäft werden die beiden Sn- ftitute Fühlung miteinander halten und gegenseitige Konkurrenz vermeiden. Die Vereinbarung der beiden Spitzenbanlen soll durch eine gleichlaufende Vereinbarung der beioen Spitzen- verbände, des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes einerseits, des Verbandes Deutscher öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten andererseits ergänzt werden, damit auch in der Verbandsarbeit die erforderliche Rationalisierung im Wege der Arbeitsteilung und Verständigung durchgeführt werden kann. * Leipziger Fürsorge, Versicherungs-Anstalt für Beamte und freie Berufe. Die in der Mitgliederversammlung der Leipziger Fürsorge in Berlin vorgelegte Bilanz weist nach Abtrennung der Lebensversicherung, die seit Sanuar 1928 durch ein Tochterunternehmen betrieben wird, in der nun von ihr allein geführten Privat-Krankenversicherung wieder einen Lieberschuh von 0,519 Millionen Mk. (0,572 Mill.) aus. Dabei ist der Schadenreserve vorher ein Betrag von 0,4 Millionen (0,25 Mill.) überwiesen worden. Die Zahl der Versicherten dürfte ungefähr dieselbe geblieben fein. Die Dei- tragseinnahmen haben sich auf 15,311 Millionen Mark erhöht. An Schäden sind 11,730 Millionen Mark gezahlt worden. Vermögenswerte: 0,983 Millionen Mk. Hypotheken: 0,033 WUl. Wertpapiere: 0,034 Mill. Barmittel: 0.957 Mlll. Bankguthaben: 0,340 Mill. Auhenstände: 0,161 Mill. Snüentar; 0,099 Mlll. Grundbesitz. Passiva: 0,94 Mill. Reservefonds: 1,15 Mill. Schadenreserve: 0,019 Kreditoren. Wertpapiere, Bankguthaben und Barmittel erfüllen zusammen die Schadenreserve. Die Hypotheken decken sämtliche Reservefonds. Die Bilanz ist also sehr flüssig. Der günstige S:and kommt auch darin zum Ausdruck, dah ein besonderer Reservefonds für Bei- tragsrückgewähr an Versicherte, die gesund geblieben sind, mit 0,25 Mlll. Mk. gebildet wird. Vergleicht man die Goldmarkeröffnungsbilanz 1924 mit 18 000 Mk. Goldmarkbcständen. 1925 mit Aktiven und Passiven von je 763 000 Wk., 1926 mit 1.608 Millionen Mk., 1927 mit 1-915 Millionen Mk. und 1928 mit 2.645 Millionen Mk., so ist der Aufstieg des Llnternehmens aus kleinen Vorkriegs- bzw. Rachinflationsverhältntssen ersichtlich. * MaschinenfabrikEßlingen. Wie bereits gemeldet, wird der nach Abzug von 7 025 277 Mark Linkosten und 259 390 Mk. Abschreibungen verbleibende Reingewinn von 350 588 Mk. (einschließlich 297 473 Mk. Vortrag) vorgetragen. Eine Dividende kommt also wieder nicht zur 03er- teilung. Rach dem Geschäftsbericht war der Auftragseingang des abgelaufenen Sahres infolge der allgemeinen Verschlechterung der Wirtschaftslage niedriger als im Vorjahre. Das wirtschaftliche Ergebnis wurde immer noch stark beeinträchtigt durch das völlige Fehlen von Lokomotivauf- trägen der Deutschen Reichsbahn. Snzwischen habe sich durch das Ausbleiben neuer Aufträge auch für das Sahr 1929 die Lage der deutschen Lokomotivindustrie weiter verschlechtert. Während das Mellinger Werk günstig arbei'ete, hatte das Cannstätter Werk unter der Konkurrenz der elektrotechnischen Grohindustrie zu leiden. Sm neuen Geschäftsjahr mache sich die fortschreitende Verschlechterung der Wirtschaftslage im Nachlassen von Aufträgen bemerkbar, so dah mit De- triebseinschränkungen gerechnet werden müsse, sofern nicht eine wesentliche Besserung der allgemeinen Lage cintrcte. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 4. April. Tendenz: etwas freundlicher. — Auch heute eröffnete die Börse wieder ohne besonderes Geschäft. Der- schiedene ungünstige Nachrichten mahnten zur Zurückhaltung und führten anfangs zu weiteren Blankoabgaben. Viel besprochen wurde die schwache Haltung der gestrigen Neuyorker Börse, hervorgerufen durch die erneute Geldoerknappung, da in Verbindung hiermit wieder Diskonterhöhungsbefürchtungen auftauchten. Auch das erhebliche Anziehen des Bankkurses wurde unangenehm empfunden, jedoch machte sich bald, als die ersten Kurse festgesetzt waren, vom Elektromarkt ausgehend, eine allgemein freundlichere Stimmung bemerkbar. Auch den Metallwenen wurde trotz der ungünstigen Lage in der Metallindustrie etwas vermehrtes Interesse entgegengebracht. Diese Tatsache fiel kaum ins Gewicht, da an den gestrigen internationalen Börsen trotz der allgemein schwachen Lage Metallwerte bevorzugt waren. Auf den erwähnten Gebieten konnte sich daher zeitweise recht lebhaftes Geschäft entwickeln, zu dem noch einige Auslandorders eintrafen und auch von feiten der Spekulation Rückkäufe vorgenommen wurden. Gegenüber-der gestrigen Abendbörse überwogen die Besierungen, und bei den bevorzugten Werten»waren Gewinne bis Verkehrsordnung erfordert Rechts gehen! zu 3v. H. zu verzeichnen. Im Vordergründe des Interesses standen Siemens mit plus 3v.H., AEG. mit plus 1,5 v. H., Schuckert plus 1 v. H., Marisfelder plus 2 v. H., Metallbank plus 1L5 v. H. Die reinen Kohlenwerte lagen dagegen eher gedrückt und teilweise etwas schwächer. Rheinstahl und Gelsenkirchen bis 1,5 v. H. höher. Interesse bestand noch für Glanzstoff mit plus etwa 7 v. H. Die Nebenmärkte lagen still und nicht ganz einheitlich. Don Chemieaktien waren I.-G.-Farben zur ersten Notiz leicht nachgebend, jedoch gegenüber der gestrigen Abendnachbörse etwas höher. Auch für Dauaktien bestand einige Nachfrage. Chade-Aktien, die an der gestrigen Abendbörse leicht erholl lagen, büßten wieder 4 Mark ein. Autoaktien leicht erhöht. Don Kaliwerten Salzdetfurth 6,5 v. H. und Aschersleben 2o. H. höher. Renten still, jedoch gut behauptet. Im Verlaufe wurde das Geschäft wieder still, di« Kursgestaltung unterlag mehrfachen Schwankungen, wobei jedoch weller kleine Kursbesserungen überwogen. Lebhaftes Interesse bestand nur noch für Mansfelder, die erneut etwa 1,75 v. H. gewinnen konnten. Eine gewiße Nervosität war unverkennbar. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,25 v. H. weiter leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2175, gegen Pfund 20,465, London gegen Kabel 4,8525, gegen Paris 124,19, gegen Mailand 92,72, gegen Madrid 32,1750, gegen Holland 12,11. Frankfurter Schlachtviehrnarkt. Frankfurt a. M., 4. März. Auftrieb: 13 Stück Rinder, 943 Kälber, 113 Schafe, 462 Schweine. Es wurden bezahlt für 100 Pfund Lebendgewicht: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 80 bis 84, mittlere Mast- und Saugkälber 75 bis 79, geringe Kälber 68 bis 74; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemaft 58 bis 62, mittlere Mastlämmcr. alte e Masthämmel und gut genährte Schafe 50 bis 57; Schweine. Dolljleifchige von 160 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 79 bis 82, fleischige von 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 77 bis 80 Mk. Markt- Verlauf: Schweine mäßig rege, ausverkauft. Kälber und Schafe anfangs rege, zum Schluß ab» flauend, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 4. April. Am Produktenmarkt war das Geschäft wieder äußerst gering. Die schwächeren Auslandnotierungen drückten auf die Stimmung und die Händler waren sehr lustlos und schritten nur selten zu Deckungen. Größeres Angebot kam in Weizen, und am Fullermittelmarkt für Mais für Futterzwecke, für Weizenkleie und für Roggenkleie, und am Mehlmarkt für Roggenmehl heraus. Hierdurch waren bei den genannten Artikeln Verluste bis 0,25 Mk. festzustellen. Es wurden notiert: Weizen 23,75; Roggen 23 bis 23,25; Sommergerste für Brau- atoede 24; inl. Hafer 24,25 bis 24,50; Mais (gelb) für Jutterzwecke 23 bis 23,25; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33 bis 33,30; Roggenmehl 30,25 bis 31; Weizenkleie 13,75 bis 13,90; Roggen- fiele 14,75 bis 15 Mk. Tendenz: matt. 120,5 f. % Jahr iVi Banknoten 141,5 141.5 323 286,5 170,5 161,65 173,75 361,5 252,75 91 96 IG 10 10 9 . 6 12 120,75 158.25 114,25 133,75 107 94,13 296,25 127,25 94,13 297 127,25 7,2 . c 8sh 10 10 Id 12 . 6 . 9 . 5 . S 11 72,6 237 120,75/ 198,25 159,75 114 133.25 145 '2,5 235 240 355 'M 114 134 145 231 z02,5 286,25 170,65 161,75 •73,75 91,75 96 107,75 94 298 127,5 Rheinstahl Riebeck Montan . . Seteürfate Stahlw. OtavIMdrea . <2.9 237,5 241 360,5 253.25 118 170 161.25 1-3,25 202 287,5 170,25 161,25 173 *ys . 8 . 5 10 . 8 10 10 12 U 170 90,5 98,5 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a W. TelegraphischeAuSzahlung. Sali AscherSlebe« . . Kalt Westeregeln . . . Kaliwerk Salzdetfurth Z. ®. tzarden-InvuttO« Dynamit Nobel . . . Schetdeanstalt . . u Goldschmidt . . • • Rütgerlwerte . . . . Meiallgeselllchaii» • • 'tilg. Deutsche Äsend ahn .'mnburg-Amertka Paket . öamb^Südam. Tampssch. )ansa Dampsschisf Norddeutscher Lloyd . . l!lg. Deutsche Ereditanst. - iacmet Bankverein IcrTtner HandelLgesellsch. ommerz» und Prioat-Bank . oimfL u. Nattonallxmk .eulsche Bank iLkonw-Kesellschaft tot SreSdner Bank "Htteldeutsche Eredichanl. .'Jlelnlöian!....... vleichrbank ...... .4,25 298 127 92,75 72,5 235.25 239 356,5 | '52,5 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 Prozent, Lombardzinsfuh 7,5 Prozent. 231,75 | 231,75 202,25 ! — Oberschles. Sovwerke.....6 Bböntr Bergbau......BVi Rheinische Braunkohle»... 10 140 320.75 Berlin 3- April Geld Brief Französische Noten..... 16^3 " 16,$6 Holländische Noten...... 168,44 169,12 Ätalicnische Noten...... 22.21 22,29 Norwegische Noten...... Deutsch-Oefterr, 4100 Kronen 112,06 112,50 59,08 59,32 Rumänische Noten...... 2,50 2,52 Schwedische Noten...... 112,22 112,66 Schweizer Noten....... 81,14 81,46 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. 63,86 64,14 12,425 12,485 Ungarische Noten 73,15 73.49 Frankfurt a. M Berlin Schluß- Surs i Utn- ßute Schluß- Kur» Anfang Kurs Datum 3.4. 4.4. 3-4. 4 4. Phtupp Hoizmann......' 129 —- 129,6 — Heidelberger Cement. • • • 10 148. — Cement Karlstadt ...... 9 179 — —• Wayß ft Freitag......10 133,75 135 135 d- Schultheis Patzenhoser ... 15 — — 296,5 298,5 — 246,25 246,75 Ber. Glanzsiof?......19 457 — 460,5 46-1 Bembcrg.........14 — — 391 392 Kellswss Waldhof.....12 269,75 269,25 268,75 269,25 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 192 192 194 —— Charlottenburger Wasser ... 7 —- — 118,9 118,9 Dessauer (9a4 . . ..•••• 8 —— — 219 218,5 Darmler Motoren......0 58,25 — 58 59,5 Demag - ....... v — — 53,5 53,75 Adlerwerke Meder......5 52 52,5 53 53,13 Lud». Loewe..... • 10 — w 223 222 — «■» 34 —— • Orenstetn & ftoppd . .... 5 95 —- Leonhard Tietz ...... 6 »M- — 288 290 Bamag^Meguin . ...... 0 grants. Malchiner» . ..... 6 63,3 63,5 — 88 —— 87 — Heyllaenftaedt ....... 0 72 __ 72 — Lechwerke. . ....... .8 116 — — Mainkrastwerk« ....... 8 117 — — — Miag. .......10 132 — 132 131,5 Nekarfulmer ...... .8 12 — 13 —• Peter» Union ....... .8 110,75 —— 110,75 —— Gebr. Roeder ....... lu 114,5 _ Boigt ft $aeHnee ...... 8 213 — 213 — Südd. Zucker........8 150,5 — 150,5 Frankfurt a M Berlin ürankfur« a M. Berlin Schluß- Sur» 1 Ubr Sur» Schluß Sur, Anfang. Sur, Schluß, fture I-Uhr kure Schluß kure Anfang Surr Datum 3-4. 4.4. 3.4. 4.4. Datum 3.4. 4.4. 3-4. 4.4. 5% Dt. oreichsanleih? o. 1927 87,5 — 87,5 — «.C.G. ......8 180 181,4 180 182 Tt. Anl-Abwi.-Saiuld mti Aus 53,9 227 227 227,5 227,6 lof.-Rechten — 54 54 Elektr. Lieferungen. • • • • 10 172,5 173 DeSgl. ohne Mslo,.-Rechte 7% Franks. Hyp.-Bl Goldps. mv kündbar bis 1932 414% Rheinische Hyv.-Bank 2 tau. 12,7 12,75 12,7 12,6 Licht und Kraft ..... 10 219 219.25 219,25 218,9 89,5 selten ft Guilleaume..... 6 Ges. f. Aektr. Untern.. ... 10 145 145 236 — 235,5 234,75 Hamb. Elektr. Werke .... 10 — 149,25 150,5 Goldpf. L.E.G. abg. Borkriegr-Odligation. 81 — Rhein. Nektr. ...... 9 Schief. Elektr.......10 — — 170,4 214,5 171,4 213,5 rückzahlbar 1932 89,5 •— — * Schuckert . ........ 8 240,25 241.25 239,75 241,9 4% Schweiz. BunbeSd^Anl.. 99,5 — — Siemen» ft Hateks . • • • • 12 398.5 401,5 398 401 1% Oesterreichlsche Goldrte. 30,5 30,8 - Iransradiv . ....... 3 — — 160,25 —— 1.20% Oesterr. Silberrte. . 3 — 3,1 Lahme»,er £&..••••• 10 178,5 — 179,75 179,25 i% Oesterreich, elnheitl. Rle 2 — — — — 79 79,9 1% Ungarische Goldri e. 24,8 24,9 24,9 24,9 Deutsche Erdöl ....... 6 127,5 128,5 128 128,25 i"’n Ungarische StaatSr. v. 1310 21,13 — 21,2 —w Essener Steinkohle ...... 8 131,5 i‘;% bergl. von 1913 i% Ungarische Äronenrte.. t% Türk. Zollanleihe v. 1911 i% Türkische Bagdadbahn-Anl., 22.25 1,95 10,9 22,25 1,95 11 — Gelsenkirchener ... f. % 3- 4 >32 137,5 220 133/5j 133,25 137.75 127,75 221 133 137 127,75 220 — — Hoesch Mell. ...... 8 Mse Bergbau ........ 8 219,5 Serie 1 * 10,25 107,4 107,25 i% deSgl. Serie 11 .% Rumänen convert-Rie. . . - iv.% Rumänen Koldanl. vou 1913 10,5 8,8 18,2 11 1 10,6 18,13 111 Mannesman» . ....... 8 Mansfelder.........7 116 142,5 118,4 144,25 126,5 117,5 139,75 126,75 118,4 144,9 Oberschles. Etscnb. Bedarf. . . 6 87,5 —- 3. . pril 4- April Amtliche Norrerung Amtliche Notierung Keld Bne. itzeld Brie Äm't.-Nott. 168,80 169,14 168,82 169.16 Buerr.-AireS 1,771 1,775 1,770 1,774 Brfl.-Atttw. 58,50 58,62 58,49 58.61 Chrtstianta - 112,31 112,53 112,29 112,51 Kopenhagen 112,24 112,46 112,25 112,47 Stockholm • 112,47 112,69 112,44 112.66 HeMngforS. 10,593 10,613 10,591 10,611 Italien. . 22,05 22,00 22,055 22,895 London. . . 20,443 20,485 20,439 20,479 Neupork . . 4,2130 4,2210 4,212 4,220 Paris.... 16,465 16,505 16,46 16,50 Schwetz .. 31,065 81,223 81,075 81,235 Spa icu . 63,59 63,71 63,62 63.74 Japan .. . 1,880 1,884 1,878 1,882 'Hio de Jan 0,498 0,500 0,497 0,499 Dien in D-« Qest. abgeft 59,21 59,33 59,22 59.34 Prag . . . . 12,47 12,49 12,47 12.49 Belirad . . 7,397 7,411 7,393 7,407 Budapest. - 73,40 73,54 73.39 73,53 Bul arten 3,042 3,048 3,041 3,047 Lissabon . 18,85 18,89 18.88 18.92 Danzig. . . 81,77 81.93 81,73 81,89 Sonst llttn. 7,063 2,067 2.068 2,072 Arden. . 5,455 5,465 5,465 5,471 Lanada 4,186 4,194 4,183 4.IM Uni natj . 4,266 4,274 4.240 4,241 Kairo . . 20,973 21,013 20,973 21.002 Berlin, 3. Äppil Geld Vries yinuntantittie Noten ..... 47203 4,225 Belgische Noten ....... Dänische Noten........ 58,38 111,98 58,62 112,42 Englisch« Steten.««*•»*• 20,41 20,49