Nr. 206 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 3. September 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monots-Vejugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlltsse unterSammelnummer225l. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSls-vuch- und Ztetndruckerei B. Lange in Sietzen. Zchriftleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr, dbefrebohteur: Dr. Fncdr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Von Locarno zum Haag. Von Friedrich Wilhelm Wulfmeyer. Don konservativer Seite sind die Haager Verhandlungen bereits als Konferenz der verpaßten Gelegenheiten bezeichnet worden, und es ist sicher viel Wahres in dieser Beurteilung. Denn es ist ja nun einmal leider nicht zu leugnen, daß die deutsche Delegation es versäumt hat, sich die gleiche Freiheit des Handelns zu nehmen wie etwa di^ englische, die sich absolut nicht genierte, den TZoungplan direkt anzugreifen und ihn entsprechend den britischen Interessen umzumodeln. Ebenso steht leider auch fest, daß unsere Unterhändler sich durch das Verhandeln der sogenannten Opfermächte über ihre Köpfe hinweg, gegen das sie keinen Einspruch erhoben, in eine Zwangslage hineinmanövrieren ließen, in der sie schließlich genötigt waren, entweder das Odium für das Scheitern der Konferenz auf sich zu nehmen, oder aber weitgehende finanzielle und politische Zugeständnisse zu machen, um überhaupt den Fortgang der Verhandlungen zu sichern. Dur so ist es ja auch verständlich, daß Henderson, der britische Außenminister, in den letzten Tagen auf die Frage eines deutschen Delegierten, ob man denn auf Seiten der Gläubigermächte so ohne weiteres mit bedingungsloser Zustimmung Deutschland zu dem französisch-englischen Finanz- kompromih — das bekanntlich zum allergrößten Teil auf unsere Kosten geht — gerechnet habe, in ehrlichem Erstaunen über den schwachen Versuch eines deutschen Widerstandes erklären konnte, daß das allerdings der Fall gewesen sei. Erschwerend kam in der «letzten Konferenzphase noch hinzu, daß Dr. Hilf er ding mit erschreckender Klarheit zu erkennen gegeben hatte, wieviel ihm an dem Inkraftsehen des Boung- Plans um jeden Preis gelegen sei. Die Gläubigermächte, die sich soeben geeinigt hatten, konnten sich also ihr Einverständnis mit dem neuen Reparationsarrangement von Deutschland getrost sehr hoch honorieren lassen, obwohl mindestens Briand das allerstärkste Interesse an einem reibungslosen gesicherten Fortgang der deutschen Tributzahlungen hatte. So sind die Dinge im Haag denn leider genau umgekehrt verlaufen, wie sie hätten verlaufen müssen: Statt daß Deutschland sich seine Zustimmung zu einem verbesserten oder doch mindestens unveränderten Vvungplan durch sehr angemessene politische Konzessionen abtaufen ließ, mußten wir die Räumung mit einer wesentlichen Verschlechterung des Pariser Sachverständigengutachtens bezahlen, wobei gleichzeitig die Saar^age völlig in der Schwebe blieb, obwohl ihr mindestens die gleiche politische Bedeutung zukommt wie die Befreiung der besetzten Gebiete. Es wäre allerdings irrig, zu glauben, daß schon die Haager Konferenz uns die Möglichkeit geboten hätte, an der Seite und unter dem Schutz Englands den diplomatischen und politischen Kampf gegen Frankreich aufzunehmen. In dieser Hinsicht sind ganz gewiß von der deutschen Delegation keine Gelegenheiten versäumt worden. Auch die loyale Räumungserklärung des englischen Außenministers war nicht einen Augenblick etwa in dem Sinne aufzufassen, daß sie eine Unterstützung der deutschen Politik hätte bedeuten sollen. Die Engländer denken selbstverständlich gar nicht daran, sich aus dem Kielwasser der fraikzösischen Kontinentalpolitik, in dem sie während der Aera Chamberlain segelten, nun an das Schlepptau Deutschlands zu begeben. Sie sind vielmehr ausschließlich darum bemüht, die Freiheit des außenpolitischen Handelns, die Chamberlain weitgehend an Frankreich verloren hatte, zurückzugewinnen. Gerade die britische Arbeiterpartei hat sich — man darf sie in dieser Hinsicht getrost unseren deutschen Sozialisten als vortreffliches Vorbild präsentieren — mit bemerkenswertem Geschick und großer Tatkraft die Parolen einer rein national b e st i m m t e n Interessenpolitik zu eigen gemacht, nachdem sie zur Herrschaft gelangt war. Sie hat sich dabei herzlich wenig durch eine internationale Solidaritätsduselei beirren lassen, wie das die Haltung Snowdens klar beweist, der sich nicht gescheut hat, von einer sozialistisch geführten deutschen Regierung, von einem sozialdemokratischen Reichsfinanzminister eben die Millionen zu nehmen, die ihm in England zu beispielloser Popularität verhalfen haben. Die Regierung Macdonald macht Politik ohne alle Sentimentalitäten, und wenn sie sich Deutschland gegenüber zu der freundlichen Geste bedingungsloser Rheinlandräumung entschloß, so war das eben nichts anderes als ein Mittel mehr, sich von der engen Bindung Chamberlains an den französischen Kurs freizumachen. Hieraus den Schluß ziehen zu wollen, daß England seinen „Degen auf dem Kontinent" zu wechseln, Frankreich gegen Deutschland auszutauschen gedenke, wäre ein schwerer Irrtum. Und es wäre geradezu verhängnisvoll gewesen, wenn die deutsche Delegation im Haag den vielen kluge» Stammtischpolitikern gefolgt wäre und sich während der Konferenzverhandlungen mit schönem, aber falschem Pathos an den Busen Snowdens oder Hendersons geworfen hätte. Bei dem sicheren Instinkt des ganzen britischen Volkes für nationale Haltung und nationale Wurde hatten wir dadurch in England nur Abneigung, in Frankreich aber selbstverständlich ein unbegrenztes Mißtrauen ausgelöst, und beides wäre unseren Interessen ganz gewiß nicht förderlich gewesen. Zudem ist zu bedenken, daß der englisch-fran- zösische Gegensatz im Haag lediglich aus finanziellen Meinungsverschiedenheiten beruhte und daß die alte Solidarität zwischen beiden Mächten sofort wiederhergestellt war, als man sich auf unsere Kosten geeinigt hatte. Möglich, ja wahrscheinlich, daß bet Haag den Anfang einer Das Bombenattentat auf den Reichstag. Die Bombenseuche. Zum zehntenmal innerhalb weniger Wochen ist auf deutschem Boden ein Dombenattentat erfolgt, das sich diesmal gegen, das Reichstags- gebäude richtete. Aus Hannover, Schleswig- Holstein, Oldenburg hat die Seuche jetzt nach Berlin herübergegrifsen und dadurch einen ganz anderen Charakter angenommen. Konnte man sich zunächst diese Attentate mit Höllenmaschinen als den Ausfluß einer lokalen Erregung vielleicht noch erklären, so ist die Tatsache eines Angriffs auf den Reichstag wohl der stärkste Beweis dafür, daß hier nach einem vorbe stimmten Plan von geheimen Kräften zielbewußt gearbeitet wird. Wieder das Eigenartige, daß mit bewußter Schonung von Menschenleben vorgegangen wurde. Der Schauplatz im Reichstag war so ausgesucht, daß normaler Weife Personen nicht verletzt werden konnten. Die Sprengmasse wieder war so gering, daß sie den Mauern des Reichstags nicht gefährlich werden konnte, das ganze also lediglich eine Demonstration, eine Propaganda, die als Warnungssignal gedacht ist, die aber in gan- anderer Richtung wirken mühte, als die Urheber sich das vorstellen. Von rechts her ist bei den früheren Attentaten der Verdacht geäußert worden, daß sie künstlich gestellt seien; wofür sich anführen ließ, daß es wiederholt rechtzeitig gelang, die Höllenmaschinen vor der Explosion unschädlich zu machen. Und seit die Berliner Polizei es fertig bekommen hat, ein Bild der Organisation der „Feme" künstlich zu stellen, ist ja auch immerhin begreiflich, daß ein solcher Verdacht entstehen konnte. Von links her wieder ist man felsenfest davon überzeugt, daß die ganzen Terrorakte nur von rechts kommen können, wofür als Verdacht auch angeführt wurde, daß unmittelbar neben der Attentatsstelle an einem Laternenpfahl eine rechtsradikale Beitragsmarke gefunden wurde. Das ist natürlich kein Beweismoment, wenn man will, sogar eher das Gegenteil. So töricht würden die faszlstischen Elemente Wohl kaum sein, ihre Visitenkarte unmittelbar neben die Bombe zu legen. Man könnte mit demselben Recht darauf schließen, wenn man diese Beitragsmarke überhaupt mit dem Fall in Zusammenhang bringen will, daß die Täter auf der äußersten Linken zu suchen wären, die gerade durch solch ein handgreifliches Zeugnis sich ein Alibi schaffen möchte. Cs wird Aufgabe der Polizei sein, jetzt möglichst schleunigst die Zusammenhänge zu klären und auf die Zelle durch- zustoßen, von der aus die Attentate organisiert werden. Denn man sollte sich doch darüber klar sein, daß ein Geheimbund, wie er hier an der Arbeit ist, in seinem Wesen und in seinem Wirken gemeingefährlich ist, ganz gleichgültig, ob er von rechts oder von links her aufgezogen wird. Eine solche Verhöhnung der Staatsautorität, wie sie in einer Uebcrijäufung derartiger Bombenattentate liegt, fordert zur schärfsten Gegenwehr heraus. Der Staat muh sich sagen, daß es um seine eigene Existenz geht, wenn es ihm nicht gelingt, rechtzeitig den Fieberherd zu entdecken und unschädlich zu machen. Richt etwa des Terrors wegen, der dadurch ausgeübt wird, fon# dern wegen der unvermeidlichen Vergiftung der öffentlichen Meinung und des Argwohns aller gegen alle. Das politische Gleichgewicht ist auch heute noch recht mühsam ausbalanciert. Die Erhitzung und Verhetzung der politischen Leidenschaften schafft immer neuen Zündstoff, der auch durch solche Höllenmaschinen sehr leicht zur Explosion gebracht werden kann. Da hat der Staat die Pflicht der Rotwehr, die Pflicht der Einsetzung aller Machtmittel. ilnb darin sollten alle vernünftigen Parteien ihn unterstützen. Der politische Kampf, der mit Dynamit geführt wird, ist der Anfang vom Ende, die Propaganda der Tat hat, wie ihre lange Leidensgeschichte von der berühmten eng- lischen Pulververschwörung aus dem Jahre 1605 über den Nihilismus bis in die jüngste Gegenwart zeigt, noch niemals etwas Gutes geschaffen. Sie ist doppelt bedenklich, wenn sie skrupellos in eine ohnehin schon überhitzte Atmosphäre hineinschlägl. Dagegen kann es nur eine Einheitsfront aller derjenigen geben, die nicht in der Gewalt, sondern in der geistigen Idee die Entwicklung sehen. Auch Parteien, die sonst grundsätzlich in der Opposition stehen, sollten sich darüber klar werden, daß es ums Ganze geht, denn wichtiger als die Staatsform ist doch der Staat, und diesen Staat wollen wir uns erhalten gegen jene unsichtbaren Kräfte, die nur mit Höllenmaschinen zu arbeiten verstehen. Oie Untersuchung. Gleichartigkeit des Anschlags mit den norddeutschen Attentaten. Berlin, 2. Sept. (WB.) 3m preußischen Ministerium des 3nnern ist man zu der Ansicht gelangt, daß die Täter mit dem Anschlag die Absicht verfolgten, eine politische Demonstration zu veranstalten, nicht jedoch dem Parlamentsge- bäude einen ernstlichen Schaden zuzufügen. Die Bombe war nämlich so konstruiert, daß ihre Wirkung in erster Linie in die höhe gehen muhte, wie dies tatsächlich geschehen ist, so daß der Druck der Gase nur einige Fensterscheiben zertrümmerte. Rach dem Gang der Untersuchung wird angenommen, daß mehrere Personen bei dem Attentat mitwirkten, daß eine von ihnen in der Rächt von Samstag auf Sonntag zwischen 1 und 3 Uhr i n den Lichtschacht st i e g, um den Platz für die Tat zu erkunden, während aus der gegenüberliegenden Straßenseite die heiser mit der Höllenmaschine warteten. Die in der Umgebung des Tatortes gefundenen S p r e n g st ü ck e der Höllenmaschine wurden in der Chemisch-technischen Reichsanstalt genau untersucht. Die Einzelergebnisse dieser Untersuchung werden bis auf weiteres geheimgehalten, immerhin hat die Prüfung der beiden Höllenmaschinen in Lüneburg und im Reichstag ergeben, daß die Konstruktion beider überraschend gleichartig ist. Die Reste der Maschinen, kleine Rädchen, Blechteile, Taschenlampenbalterlen usw., sind photographiert worden. Diese Ausnahmen sollen der Presse zur Verfügung gestellt und auch im Polizeipräsidium ausgehängt werden. Auch in Hamburg besteht bei den zuständigen Stellen, denen die Ermittelung der letzten Spreng- stofsanschläge in Lüneburg und Schleswig obliegt, kaum ein Zweifel, daß es sich bei dem Anschlag auf das Reichstagsgebäude um die gleichen Täter handelt, die auch ihre Höllenmaschine nach genau demselben Rezept angefertigt haben. Es ist festgestellt, daß die Täter an der Wasserkante über schnellsahrende Automobile verfügen und so in der Lage sind, überraschend an den verschiedensten Orten aufzutauchen. Der verdacht hat sich bereits auf bestimmte Der Aufstand in Palästina. Forderungen der Araber. London, 2. Sept. (WTD.) Der Emir El Hussein, Groß-Mufti und Präsident des obersten mohammedanischen Rates, erklärte dem Korrespondenten des „Daily Expreß": Wir stehen augenblicklich einem ernsten nationalen Aufstand gegenüber, in dem wir die Sympathie und Unterstützung nicht nur der mohammedanischen Araber Syriens, Aegyptens und Rordafrikas haben, sondern ganz Arabiens mit seinen 60 Millionen Menschen. Es wird Friede in der unmittelbaren Zukunft herrschen, soweit wir ihn aufrechterhalten können. Wir werden uns den britischen Bajonetten nicht widersehen, was aber Großbritannien verstehen muß, ist, daß die ernsten Ereignisse in Palästina in Wirklichkeit wenig mit der Klagemauer zu tun haben. Sie gehen bis auf die Balfour-Erklärung vom Jahre 1917 zurück. Der Emir fuhr fort: „Ihr könnt die augenblicklichen Unruhen unterdrücken und durch' die Macht der britischen Waffen die Ruhe f ü r den Augenblick wiederherstellen, aber endgültiger Friede in Palästina und Arabien wird niemals mehr hergestellt werden, solange Großbritannien weiterhin die Politik der Balfour-Deklaration verfolgt. Ganz Arabien ist in großer Aufregung." Der arabische Vollzugsausschuß erklärt, Verstümmelungen seien an jüdischen Opfern selbst in Hebron nicht festzustellen. Jüdische Horden hätten dagegen einzelne arabische Frauen und Kinder getötet und sogar britische Truppen hätten Araber in ihren Hütten erschossen. Die Unruhen in Palästina seien die Folge der britischen zionistischen Politik, die darauf hinziele, die arabische Ration in ihrem Lande zugunsten einen Wiederbelebung der nicht vorhandenen jüdischen RaNon zu vernichten. Zum Schlüsse wird eine unparteiische Untersuchung von Außen stehenden, deren Gerechtigkeitsgefühl nicht durch zionistischen Einfluß beeinträchtigt ist, gefordert. Eine Protestkundgebung der Londoner Juden. London, 2. Sept. (WB.) Tausende von Juden aus allen Teilen Londons nahmen an einer vom englischen Zionistenbund in der Albert Hall veranstalteten P r otestkundgebung gegen die Judenverfolgungen in Palästina teil. Es wurde eine Entschließung angenommen, die der Empörung über die kürzlichen Ereignisse in Palästina und der Hoffnung Ausdruck verleiht, daß die von der britischen Regierung getroffenen Maßnahmen bald dazu führen werden, der Vernichtung von Leben und Eigentum in Palästina ein Ende zu machen. Außerdem wird eine unverzügliche und direkte Regelung der Frage gefordert, ob die Juden berechtigt sind, an der Klagemauer ihre Gebete zu verrichten. In der Entschließung heißt es weiter: Die Juden werden, ohne sich durch die Angriffe einschüchtern zu lassen, mit dem Aufbau der jüdisch-nationalen Heimat fortfahren« grundsätzlichen Neuorientierung Englands offenbart hat. Diese Vorgänge stehen selbstverständlich durchaus im Zusammenhang mit der britisch-amerikanischen Annäherung, durch die vielleicht neue Kräftegruppierungen und neue Machtkonstellationen geschaffen werden. Auch die Haltung, die Macdonald in der Abrüstungsfrage während der Genfer Döl- kerbundsarbeiten einnimmt, wird hierfür bedeutungsvoll sein. Und so gesehen kann auf lange Sicht der von Snowden mit so großartiger Rücksichtslosigkeit vertretene neue außenpolitische Kurs Englands für uns vielleicht einmal zum stärksten Aktivposten dieser Haager Konferenz werden, wenn unsere eigene Außenpolitik dies Faktum als Anlaß zu vorsichtiger Neuorientierung bewertet. In den letzten Jahren seit Locarno ließen wir uns außenpolitisch wesentlich von der Auffassung bestimmen, daß ein freundnachbarliches Verhältnis zwischen Frankreich und England auch für uns als dem dritten großen Lo- carnokontrahenten letzten Endes das beste sei. Wir haben aber allzusehr übersehen, daß dadurch die Rolle Englands als Garant des L o c a r n o a bk o m m e n s verfälscht wurde. Tatsächlich war Chamberlain in den letzten drei Jahren ja nicht mehr der ehrliche Makler und Mittler zwischen Frankreich und uns, sondern er hat sich gerade in den für uns so wichtigen Fragen von Saar, Pfalz und Rhein durchaus an die Kandare Frankreichs nehmen lassen. Es unterliegt also gar feinem Zweifel, daß das heutige England, dessen europäische Politik sich von der Frankreichs unabhängig zu machen sucht, 5 um Locarno-Schiedsrichter zwischen Deutschland und Fraickreich weit besser geeignet sein kann als das England Chamberlains. Ob es einmal hierzu kommt, das hängt nicht nur von der Weiterführung der jetzigen englischen Außenpolitik, sondern mindestens in gleichem Maße von Deutschland selbst ab, das erst den Nachweis führen muß, daß es im Rahmen der europäischen Konstellationen einen eigenen politischen Wert besitzt. Steht man den Verlaus der Haager Konferenz unter diesem Gesichtswinkel, dann wird man zwar davon noch immer herzlich wenig erbaut sein können. Es zeichnen sich aber doch wenigstens hierbei gewisse Möglichkeiten ab, die es zu nutzen gilt. Nie zehnte Vötkerbundsversammlung. Die Eröffnungssitzung in Genf. Genf, 2. Sept. (WTB.) Vor vollem Haufe und dicht besetzten Tribünen wurde die 10. Völkerbundsversammlung vom amtierenden Ratspräsidenten Forughi Khan feierlich eröffnet. Der stattlichen Versammlung gehören diesmal nicht weniger als 24 Außenminister und 5 Ministerpräsidenten an, darunter Briand und Macdonald, welch letzterer bei der Begrüßung unter den Delegierten Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit war. Durch ihre Außenminister vertreten sind u. a.: Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Polen, Griechenland, die Staaten der Kleinen Entente, ferner Holland, Finnland, Schweden, die Schweiz, Ungarn und Bulgarien. Don Interesse ist auch das erstmalige Erscheinen eines Vertreters einer deutschen Minderheit in der Völkerbundsversammlung. Es handelt sich um Dr. Schiemann, der als stellvertretender Dele- Igierter der lettischen Delegation angehört. In seiner Eröffnungsansprache behandelt der Präsident besonders die neuen Fortschritte in der Organisierung des Friedens. Sei auch nicht aller Anlaß zur Beunruhigung verschwunden, so dürfe man doch in wachsendem Maße die Hoffnung haben, daß die unablässigen Bemühungen für das internationale Einvernehmen ihre Früchte tragen. Mit dem Inkrafttreten des Kriegsäch tungspaktes, um dessen Idee der Völkerbund in den zehn Jahren seines Bestehens in konstruktiver Weise gerungen habe, sei nunmehr der wichtige Grundsatz, die Gewalt aus jeden Fall aus den Beziehungen der Völker verschwinden und an ihre Stelle die souveräne Macht der Gerechtigkeit treten zu lassen, in ehernen Buchstaben über das internationale Recht eingeschrieben worden. Die Folgen dieser Tatsache würden auf allen Gebieten der Tätigkeit des Völkerbundes spürbar werden. Der Redner begrüßte sodann die Delegationen von Bolivien, Honduras und Peru, die nach langjährigem Fernbleiben wieder an der Völkerbundsvers ammlung tätigen Anteil nehmen, und sprach sich über die Möglichkeit eines baldigen Beitritts Aegyptens besonders erfreut aus. Die Vorarbeiten für die Lösung des Abrüstungsproblems hätten in der letzten Zeit eine sehr wertvolle Förderung erfahren, und man habe heute die Gewißheit, daß in den meist interessierten Ländern mit aufrichtigem Bemühen an der Erzielung einer Verständigung gearbeitet werde, die die Herabsetzung der Rüstungen zur See ermöglicht und damit auch für den Völkerbund neue Möglichkeiten zur allgemeinen Losung des Abrüstungsproblems eröffne. — Zum Präsiden- ten der 10. Völkerbundsversammlung wurde der langjährige Völkerbundsdelegierte von San Salvador Guerrero mit 43 von 51 Stimmen gewählt. Personen zusammengezogen. die gegenwärtig auf das schärfste kontrolliert werden. Ls ist weiterhin sestgestellt, daß die Lüneburger Attentäter in Schleswig die gleiche Margarinekiste zur Verpackung ihrer Höllenmaschine benutzten wie in Lüneburg. Eingehende Nachforschungen in dem fraglichen Margarinewerk haben ergeben, daß sich die Täler von einem Händler dieser Fabrik einen größeren Posten von Margarineverpackungskisten verschafften, die dann gleichmäßig für die verschiedenen Anschläge benutzt worden sind. Den Attentätern ans der Spur? Berlin. 3. Sept. (Priv.-Tel.) Bei der Berliner Kriminalpolizei hat sich ein wichtiger Zeuge gemeldet, dessen Angaben für die weiteren Ermittelungen in der Dombenanschlagsasfäre von großer Wichtigkeit sein können. Dieser Mann hat in der fraglichen Nacht gegen 2 Uhr am Bismarck- denkmal am Platz der Republik eineu Personenkraftwagen halten sehen, dem zwei jüngere Leute entstiegen. Diese gingen nach dem Reichstagsgebäude zu, kehrten aber schon nach ganz kurzer Zeit zum Kraftwagen zurück und fuhren mit diesem in Richtung Lehrter Bahnhvf davon. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Leute als Täter in Frage kommen. Line genaue Beschreibung der Männer konnte der Zeuge jedoch nicht geben, da sich der ganze Vorfall in wenigen Minuten abgespielt hat. Ein Erlaß des preußischen Innenministers. Berlin, 2. Sept. (WB.) Amtlich hat der Minister des Innern Gr zesinski an die Nachgeordneten Behörden den folgenden Erlaß gerichtet: „Seit einer Reihe von Wochen wird die Oeffentlichkeit immer wieder durch Spreng st offanschläge beunruhigt, die schweren Sachschaden verursacht und auch Menschenleben in Gefahr gebracht haben. Die häufigen Wiederholungen, die Gleichartigkeit der Vorbereitung wie der angewandten Mittel und die Auswahl der Ziele der Attentate lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß es sich um das planmä feige Vergeh en einer Gruppe radikalerElemente handelt, die politische Unruhen zu verbreiten und dadurch ihre dunklen Absichten zu fördern suchen. Diese überall unter dem Schutz der Rächt betriebenen verbrecherischen Machenschaften können zwar das öffentliche Leben in keiner Weise erschüttern, doch bedeuten sie peinliche Störungen der Ordnung, die allen Behörden und Beamten die Sorge zur gebieterischen Pflicht machen, dah diesen hinterhältigen Verbrechern am Volk schleunigst das Handwerk gelegt wird. In erster Linie hat die Polizei mit größtem Rachdruck und allen notigen Mitteln zu arbeiten. Insbesondere wird sie sich zur Aufklärung dieser heimtückischen Verbrechen der tatkräftigen Mithilfe der Bevölkerung zu versichern haben. Ich ersuche daher, die Bevölkerung zu eifriger Mitarbeit an der Aufklärung zu gewinnen und heranzuziehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei geeigneter Einwirkung alle Kreise bestreb^ sein werden, das Erdenklichste zu tun, um den .Missenlosen Leuten entgegenzutreten, die in dieser Zeit schwerster wirtschaftlicher Rot die ruhige Arbeit, das Eigentum und das Leben der Volksgenossen zu gefährden wagen. Oer preußische Handelsminister für Steuerreform. Magdeburg, 3. Sept. (Telun.) Auf dem Getreidehandelstag sprach der preußische Handelsmini- ster Dr. Schreiber über „Wirtschaftliche Tagesfragen". Schreiber sprach sich entschieden gegen Verlorenheit. Von Anton Schnack. Ein glattes, bleigraues Meer liegt zwischen drei und vier Uhr nachmittags in der Bucht. Zwar war die Nacht voll niederstürzender Regengüsse und der Wind von ab- und zunehmender Gewalt. Der Himmel ist ein fahles Tuch. Von den Inseln herein kommt Rauschen. Das offene Meer scheint noch in Bewegung zu sein. In den Bergwäldern singt ein« Amsel. Ich höre nur ihren höchsten Ton. Es ist zu weit. Don weidenden Kühen wird auf einem Hangpfad eine Glocke durch das Gestrüpp getragen. Spatzen hatten schrillen Lärm in den weifeblühenden japanischen Lorbeerbüschen getrieben. Sie sind verschwunden. Immer wieder die Amselschläge. Ich merke, daß der Vogel zwischen Felswänden singt. Sein Gesang hat etwas Verstärktes und Hartes bekommen. Am Uferrand kniet eine ältere Frau; ein Junge von vierzehn und ein Mädchen von vielleicht dreizehn Jahren begleiten sie. Sie sammeln das angetriebene Holz von der Gegenseite, wo riesige Holzstapelplätze bosnischer Sägewerke sind. Die Frau hat einen grauen Rock an und trägt über dem spärlichen Haar ein graues Kopftuch. Mühsam schleppt sie den Sack mit den Holzstücken, Latten, Spreiseln, kleinen Klötzen. Jetzt hat sie ihn niedergestellt. Unerforschbar geht ihr Blick über das Meer. Der 13. Mai ist ein sonniger Tag. Ich streife durch die Insel; ich betrete Oelgärten, kleine Pinienstktche. Ein Nest mit jungen Meisen entdecke ich im Astloch eines alten Olivenbaumes. Der Einfall einer Fasanenhenne in ein Gebüsch. Sie fällt ein mit rollendem, fast knatterndem Flügelgeräusch, sichert blitzschnell und läuft einen Geröllhaufen hinauf in die Wucherung eines Dickichts. Ich finde viele Muschelschalen in der rötlichen Erde, die um die Olioen- bäume aufgelockert ist, sonst ist sie mit fahlgrünem fingerhohem Grase bedeckt. Von ferne wieder das eintönige traurige Läuten einer Kuhglocke. Manchmal sehe ich durch die Gebüsche und Baumwipfel hindurch ein Stück Meer. Ein Segel. Ach, die Segel! Sie wirken dekorativ. Schweigend. So gehen Träume durch uns. 28. Mai, abends 10 Uhr. Abaeschnitten scheine ich von der Welt. Ich höre das Meer die Felsen des Ufers schleifen. Es seufzt. Wie ein Riesentier, das Wasser einzieht und ausstößt. Heute seltsame Flutbewegung. Das Meer war höher als sonst. Mittags sahen wir von der Terrasse aus ein braunes großes Bündel gegen eine vorspringende Uferspitze treiben. Zuerst hielten wir es für eine offene Holzschachtel. Es trieb vom Hause etwas abseits in die Klippen, hinein. Die Durchführung der RäumungsMon. Berlin, 3. Sept. (Prio.-Tel.) Im Zusammenhang mit dem Notenwechsel über die Räumung der zweiten und dritten Zone sind bekanntlich der deutschen Regierung d,ei Annexe übergeben worden, in denen Mitteilungen über die technische Durchführung der Räumun g enthalten sind. Weiter enthalten diese Anhänge Mitteilungen über die vorläufige Abgrenzung der dritten Zone und schließlich ist noch dem Wunsche Ausdruck gegeben worden, daß mit Frankreich und Belgien über eine Amnestierung derjenigen Personen verhandelt wird, die mit den französischen bzw. belgischen Truppen in Verbindung gestanden haben. Von den Besatzungsmächten ist auch Mitteilung gemacht, daß d i e Rheinlandkommission ihren Sitz von Koblenz wegverlegen wird, lieber den neuen Sitz der Rheinlandkommission ist von den Besatzungsmächten noch nichts mitgeteilt worden, jedoch darf angenommen werden, daß die Rheinlandkommission sich bis zur endgültigen Räumung in Wiesbaden niederlassen wird. Nach dem Abzug der Besatzungstruppen werden deutsche Schutzpolizisten in das Gebiet einziehen, und zwar gemäß den Abmachungen, die im vorigen Jahre mit der deutschen Regierung über die Zahl und Verteilung der deutschen Schutzpolizei getroffen worden sind. lieber die Vorbereitungen, die die Engländer für die Räumung treffen, ist noch nichts Bestimmtes bekannt. Sie sollen jedoch dabei sein, einen ge - nauen Räumungsplan aufzustellen. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat es den Anschein, als ob die ganze aus 6000 Mann Militärs und 4000 Familienangehörige bestehende englische Besatzungsarmee m ö g l i ch st beschleunigt zurückgezogen werden soll. Man nimmt an, daß Königstein und Schmalbach in erster Linie geräumt werden, lieber die Absichten der noch in Wiesbaden weilenden französischen Besatzungsangehörigen, die dort etwa 80 bis 100 Wohnungen innehaben, ist noch nichts bekannt. Es kann also noch nicht gesagt werden, ob sie gleichzeitig' mit den Engländern Wiesbaden verlassen, oder bis zur Räumung der dritten Zone durch die Franzosen dort bleiben wollen. Stresemann berichtet dem Reichskabinett. Berlin, 2.Sept. (Privatmeldung.) Wie in politischen Kreisen verlautet, wird das Reichskabinett am Dienstag voraussichtlich bereits vormittags eine Sitzung abhalten, in der Reichsaufeenminister Dr. Stresemann und die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation über den Verlauf und das Ergebnis der Haager Konferenz Bericht erstatten werden. Für die parlamentarische Erledigung der Haager Konferenz ist die zweite Hälfte des Oktober vorgesehen, und es ist anzunehmen, dafe die französische Regierung dafür etwa den gleichen Zeitpunkt in Aussicht genommen hat. In der morgigen Kabinettssihung wird voraussichtlich übrigens auch der Bombenanschlag im Reichstag zur Sprache kommen. In politischen Kreisen sieht man in diesem Attentat ein Ereignis, dessen politische Bedeutung über die Geringfügigkeit des sachlichen Schadens hinausgeht. Cs erscheint deshalb möglich, dafe das Reichskabinett besondere Maßnahmen erwägen wird, die geeignet sind, solchen Terrorakten entgegenzuwirken. OerLandeskommiffar von Rheinhessen an die Siaaisregierung. Mainz, 2. Sept. (WTB.) Auf das Telegramm der hessischen Regierung an den Landeskommissar für die besetzten hessischen Gebiete hat der Kommissar geantwortet: Die Einwohner Rheinhessens und des rechtsrheinischen hessischen Brückenkopfes sehen mit inniger Freude dem Tag entgegen, an dem ihnen vergönnt sein wird, gleiches Recht und gleiche Freiheit mit allen übrigen Deutschen im Reich zu haben. Mit der Genugtuung über die Erfolge, die der Reichsregjerung in dieser Hinsicht bcschieden waren, verbindet sich der Dank für die nie ermüdende Sorgfalt, mit der die hessische Landesregierung unseren Bürden Erleichterung und unseren Wünschen Erfüllungen zu bewilligen bestrebt ist. Die Gefühle, die die hessische Regierung durch mich dem besetzten Teil Hessens bekannt gibt, finden links und rechts des Rheins herzlichen i Widerhall. Der Landesto m m i f f a r für das, besetzte hessische Gebiet. Oie Deutsche Dolkspartei Hessens an Or. Stresemann. Darmstadt, 2. Sept. (WTB.) Der geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Volkspartei in Hessen trat zu einer Sitzung zusammen, in der Reichstagsabgeordneter D i n g e l d e y über die politische Lage berichtete. Der geschäftsführende Ausschuß beschloß einstimmig, an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann in Genf folgendes Telegramm zu senden: Der Wahlkreisvorstand Hessen der Deutschen Volkspartei hat nach einem Bericht des Reichstagsabgeordneten Dingeldey über das Ergebnis der Haager Konferenz das Bedürfnis, Ihnen, dem Führer und Staatsmann, aufrichtigsten Dank und Gruß zu senden für Ihre aufopferungsvolle jahrelange Arbeit, die nun den Namen Stresemann für die Weltgeschichte verbinden wird mit der endgültigen Rettung der Rheinlande. ein Getreidemonopol aus. Er kam dann auf die ausländische Schuld Deutschlands zu sprechen und trat für Kapitalneubildung in Deutschland ein. Scharf kritisierte Schreiber die Ueberfteuerung und forderte die Beseitigung der die Landwirtschaft drückenden Rentenbankschulden. Der breiten Masse müsse die Möglichkeit zu Ersparnissen gegeben werden. Es müsse geprüft werden, ob nicht die Gewerbe- und Kapital st euer abgebaut werden könne, die durch eine Mehrbesteuerung des Alkohols und der Tabakerzeugnisse ausgeglichen werden können. Oie Konkordatsverhandlungen der evangelischen Kirche Berlin, 3.Sept. (V.D.Z.) Die Verhandlungen des preußischen Staates mit den evangelischen Kirchen zwecks Abschluß eines dem Konkordat gleichwertigen Vertrages haben gute Fortschritte gemacht. Beide Verhandlungspartner haben über die Ich zog es mit einem Bootshäkchen heraus. Es war ein Bündel neuer Strohmatten. Ueberall ah die Felsen und Klippen waren kleine Säcke ange- schwemmt. Ich zählte vierzig, sie sahen aus wie Kissen. Einige waren aufgeschlitzt. Spreu von Weizen und Hafer quoll heraus. Ein Lastkahn scheint in der Nacht gekentert zu sein. Wir suchten den ganzen Strand ab. Besonders fesselte uns ein Herrenpantoffel, der am Grunde des Ufers schwamm. Er wirkte sehr apart und schien fast neu zu sein. Ich konnte ihn mit dem Bootshaken nicht fassen, da er wieder hinaus in die Tiefe trieb. Die Zwergfische können darin unterschlüpfen. Er wird von einem großen Dampfer gefallen sein. — Holzstücke überall. Ein toter Vogel. Blumen, Blätter, Briefstücke, Unrat, Kohlenschlacken, eine ertrunkene Eidechsennatter. Abends Scirocco. Die Berge bekommen etwas Gläsernes in die Umrißlinien. Ein Sud von Schwere kommt in die Talsenküng. Müde macht der warme Wind. Unwirklich werden die Glieder. Der Mond drängt sich rot ud verrunzelt hinter den Pinien heraus. * Es wurde Mondnacht. Aus dem schwarzen Grund des Meeres funkt das grüne Meerleuchten. Was ist das? Leuchttiere, Lichtstäbchen, Einbildungen, Wirrheiten? Unter der Terrasse gluckert das Wasser. Es hat eine drängende Anziehungskraft; ach, wie kühl scheint es zu fein; wie kalt, wie eisklar. Warum sind meine Füße nicht so lang, um sie hinunterhängen zu lassen? Die Luft ist dick, warm und voll lähmender Blumengerüche. * O verderbliche und undurchdringliche Schwärze, in der das Meer, leblos und höllisch verfärbt zwischen den steilen Bergwänden und weißen Uferstraßen kocht, gurgelt und glimmert. Welch sinnlose Tiefe! Welches Chaos von Lebendigem in ihm: Delphine, die mit spielendem Mund den griechischen Schiffen folgten; Krebse, deren Scheren grün und hart aus einer Steinspalte drohen; Seesterne, die mit melancholischem Orangeglanz am Grunde hängen! Meine Insel ist im Schweigenden daheim, Wasser, Wasser, Wasser und darüber hinweg nackte Bergwände, die wie Glas aufglühen. Und mögen auch die Radioströme der Erde darüber hinweggehen, Konzerte und Worte von Dichtern, Berichte von fallenden Börsenkursen und steigenden Metallpreisen, Wellen, die Hauptstädte mit Hauptstädten verbinden, unberührt davon bleibt der Schlaf, der Tag und der Morgen, der Abend und die Nacht meines Eilandes. Gestirn und Meer nur kann ich lobpreisen. Schiffe und Segel kann ich begreifen; das eine fährt nach Norden, das andere kommt vom Süden. Und die Segler verschwinden tm Adendomrst der See. Dann bin ich wieder allein Hauptdinge, nämlich die politische Klausel und die Erhöhung der Dotationen bzw. Neuregelung der kirchlichen Gehälter, detaillierte Vorschläge ausgearbeitet, die augenblicklich gegenseitig geprüft werden. Bereits in nächster Zeit, vielleicht noch in dieser Woche, wird in einer gemeinsamen Sitzung das Ergebnis dieser Prüfung festgestellt. Es ist nach wie vor der Wille zur Annäherung vorhanden, und man glaubt, das der Vertrag i n a b - sehdarer Zeit perfekt werden wird. Briands europäische Arbeits- gemeinschast. Paris, 3. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Ueber die feit längerer Zeit für die jetzige Völkerbundstagung angekündigte Initiative Briands zugunsten eines engeren Zusamenschlusses der Staaten Europas berichtet der Genfer Korrespondent des „Petit Pari- fien": Briand erblickt die logische Fortsetzung der mit dem klatschenden, seufzenden Meer, allein mit der Zypresse, von der die Nachtigall singt. Bald wird sie fingen. Mitten im Mond. Während alles schweigt, sie allein, die süße und schwermütige Stimme der Weltoerlorenheit... Oie Berliner Theatersaison beginnt. Berlin. Anfang September. Die letzten Wochen, die keine nennenswerten Erstaufführungen in den Berliner Theatern gebracht haben, waren die Ruhe vor dem Sturm. In der ersten Septemberwoche bricht wieder die gewöhnliche Premierenhochflut über Berlin los. Wie in jedem Jahre haben sich auch während dieses Sommers in der Konstellation der Berliner Bühnen so manche Veränderungen vollzogen — an einer Stelle trat eine Direktion ab. an einer anderen taucht eine bekannte oder eine neue auf: es geht hier an den kleineren Bühnen immer sehr rasch und beinahe lautlos, es sei denn, daß eine Katastrophe wieder einmal den Blick auf die gärende Unsicherheit der hiesigen Bühnenverhältnisse lenkt. Zu den alten und wichtigen Berliner Theatern gehört der Konzern Max Re in Hardts, der sich nun nach dem Tode seines Bruders Edmund, der zugleich sein geschäftlicher Berater war, wirklich seinen Berliner Bühnen widmen will, nachdem er sich von seinen auswärtigen und ausländischen Verpflichtungen ziemlich befreit haben, soll. Sein „Deutsches Theater" ist wohl das einzige, das noch ein Sommerstück in den Winter hinübernimmt, freilich einen sehr großen Erfolg: die „Fledermaus" in Reinhardts Inszenierung, die zuerst bei den Berliner Festspielen herauskam. Dieses Zugstück soll noch bis in den Oktober hinein durchhalten. In seiner „Komödie" am Kurfürstendamm hat man gleichfalls noch einen amerikanischen Schwank auszuspielen, will aber in der Mitte Sevtember mit Georg Kaisers „Kolportage^' in neuer Bearbeitung Premierenhaft auftauchen. In Reinhardts „Kammerspielen" dagegen eröffnet man demnächst mit Geraldys „Unwiderstehliche m“. Am Septemberbeginn eröffnet auch I e s s - n e r s Staatliches Schauspielhaus die Tore. „Hans im Schnaken loch", das Kriegsstück Ren6 S ch i ck e l e s, soll den ersten Abend füllen. Am gleichen Tage tritt auch das Schillertheater, das gleichfalls den Staatstheatern angeschlossen ist, auf den Plan: die alte und vor Jahrzehnten sehr erfolgreiche Komödie „Zweimal zwei ist fünf" von Wied wird hier ihre Wiederauferstehung feiern. von ihm feit Locarno betriebenen Politik in der Verwirklichung nicht etwa der Vereinigten Staaten von Europa, wie man in ungenauer Formulierung behauptet hat, sondern in einer europäischen Arbeitsgemeinschaft, einer Art europäischen Sektion des Völkerbundes, deren Tätigkeit hauptsächlich auf wirtschaftlichem Gebiete liegen würde. Briand gibt sich selbstverstäMich keinen Illusionen hin und rechnet nicht für morgen mit der Gründung einer Art europäischen Reichstags. Er weiß genau, daß die Verwirklichung seines Planes Zeit erfordert. Für heute will er nur jeden europäischen Staat veranlassen, der Frage näherzutreten und vielleicht einen Vertreter zu ernennen, der zusammen mit denen der übrigen europäischen Staaten prüfen sollte, auf welcher wirtschaftlichen Grundlage eine Verständigung aufgebaut werden könnte. Um acht Milliarden ärmer! Der Jahresbericht des Reparatio«sagenlen Berlin, 3.Sept. (Priv.-Tel.) Der Reparationsagent hat soeben seine Abrechnung für das fünfte Dawesjahr vorgelegt; auch sie zeigt, daß Deutschland seinen sinanziellenVer- pflichtungen re st los nachgekommen ist und die ihm seinerzeit in London auferlegte Tributzahlung von 2,5 Milliarden Mark ausgeführt hat. Parker Gilbert ist, wie stets bei Abrechnungen dieser Art, mit uns zufrieden, er hat auch in seinem Bericht an die Pariser Reparationskommission nicht versäumt, darauf hinzuweisen, dah wir unsere Zahlungen „vollständig und pünktlich" geleistet haben. Inzwischen sind nun Cßereinbarungen über einen neuen Zahlungsplan zustande gekommen, der Reparationsagent, der vorläufig noch in seinem Berliner Bureau bleibt, mufe sich infolgedessen! allmählich auf die veränderten Behältnisse umstellen. Aus diesem Grunde hat er nicht nur die Abrechnung für das fünfte Tributjahr vorgelegt, sondern gleichzeitig die Zahlungen Deutschlands mit veröffentlicht, die seit dem 1. September 1925 regelmäßig vorgenommen werden mufeten. Auf der linken Seite seines Hauptbuches finden wir entsprechend dem Dawes- Abkommen Verpflichtungen in Höhe von rund acht Milliarden Goldmark, auf der rechten Seite hat er sorgfältig unsere Leistungen verzeichnet, die mit keinem Pfennig hinter den Forderungen zurückgeblieben sind. Für die Gläubiger ist diese Schlußabrechnung mehr als erfreulich, da man in Paris und anderen Hauptstädten unserer Feinde von gestern Wohl im Ernste nicht daran geglaubt hat, daß Deutschland in der Lage sein werde, nichts nur die Kassen des Reparationsagenten zu füllen, sondern gleichzeitig auch noch in steigendem Urn- sange Darüberweisungen vorzunehmen. Wir haben diese Kraftanstrengung vollbracht, möchten aber doch nicht unerwähnt lassen, daß unsere Zahlungen nur auf de m Umweg einer gewaltigen A u s l a n dv e r s chu l- düng möglich wurden. Für uns sieht also die Bilanz so aus, dafe wir in den letzten fünf Jahren nicht nur um acht Milliarden Mark ärmer geworden sind, sondern für den gleichen Betrag im Auslande entliehener Gelder Zinsen und Abschlagszahlungen zu leisten haben. Aus aller Welt. Der Emser Mörder aus derFtucht erschossen. Bad (Ems, 2. Sept. (WTB. Drahtrneldung.) heule vormittag gegen 11 Ufer wurde nach umfangreicher Streife der Mörder des Polizei- Wachtmeisters in Rievern gestellt, als er gerade d i e Brücke überschreiten wollte, um in den Westerwald zu flüchten. (Er legte mit einem Revolver auf einen Koblenzer Polizeibeamten an. Ein JUeoerner Einwohner schlug ihm jedoch auf • den Arm und schon saß ihm ein tödlicher Schuh , Im Theater am Rollendorfplatz ist augenblicklich wieder Erwin P i s c a t o r mit Ludwig Klopfer, dem Herrn zweier Berliner Kinos als Geschäftsführer beschäftigt, den viel berufenen. oft angekündigten und immer verschobenen „Kaufmann von Berlin" herauszubringen. Mit Piscator erscheint eine Reihe neuer Direktoren: Dr. Robert Klein, bisher an den Reinhardtbühnen, macht sich selbständig im Reuen Theater am Zoo, das jetzt Deutsches Volkstheater heißen wird, und im Deutschen Künstlertheater. Auch andere neue Herren sind da und übernehmen alte Bühnen, dürften aber kaum bemerkenswert hervortreten. Auch was sich im Berliner Rorden, im Kleinen Theater (Unter den Linden) und im Trianontheater unter dem Stadtbahnbogen in der ©eorgenftrafee entwickelt, ebenso, was die eigentlichen Berliner Lokaltheater treiben, die allesamt nur auf leichte Unterhaltungs- oder derbere Volkskost eingestellt sind, ist für die Welt außerhalb Berlins ganz ohne Belang und nicht einmal mehr für den Berliner Westen erheblich. Die Direktion A u f r i ch t, die gesegnete Direktion des phänomenalen „Dreigroschenoper"-Er- folges, der „Pioniere in Ingolstadt". die auch versuchte, das „Giftgas über Berlin" abzublasen, bereitet „Ha ppy end“ vor, das Berliner Theater Kaisers „Zwei Kra- Watten“. Danowskh setzt den großen' Erfolg des Kriegsstücks „Rivalen" ab und verkündet „Hannibai ante portas“. Die große Revue ist eigentlich gestorben, die Komische Oper ist ganz verödet, ihr früherer Herr James Klein ist nicht mehr. Auch Haller, der Meister der Revuen im Admiralspalast, hat geendet. Dafür gibt es die „Drei Musketiere" im Großen Schauspielhaus Erik Charells mit einer Armee von Prominenten. Die Gebrüder Rotter bereiten im Metropvltheater „M a r i e 11 a“ mit Michael Dohnen und Käthe Dorsch bei erhöhten Preisen vor. Das wäre eine Art von prunkvollem und ausstattungsblendenkMn Revue^Srsah. Die Volksbühne ist dabei, unter Karlheinz Martin „Da ntons Tod" von Georg Büchner einzustudieren. Allenthalben fieberhafte Vorbereitungen. Rur die Opern sind in der glücklichen Lage, sich Zeit lassen zu können: sie haben noch Ferien, die Staatsoper Unter den Linden sowohl wie die am Platz der Republik, und sie rechnen vor Mitte oder Ende September mit keinen Premieren: nur die Städt. Oper wird schon am 1. September mit Mark Lothars „T h l l" eröffnen. In zwei oder drei Wochen wird man wissen, was von alledem wirklich bedeutend trnb bleibend ijL B. U des Polizeibeamlen in der Brust. Die Leiche wurde nach dem Lrnfer Rathaus gebracht. Der Mörder ist nach den bei ihm Vorgefundenen Papieren der langgesuchte mehrfache Raubmörder 23 i e l u f, gebürtig aus Sorau (Riederlaufih). Dec Erschießung des Raubmörders ging ein erbitterter Kampf voraus, in dessen Verlauf der Koblenzer Beamte in ernste Gefahr geriet, ebenfalls erschossen zu werden. Durch die Unterstützung zweier Rieverner Einwohner konnte der Mörder überwältigt werden. Oer Standort des „Graf Zeppelin". Friedrichshafen, 3. Sept. (B3B. Funkspruch.) Mie von der Funkstation des Luftschiffbaus mitgeteilt wird, können die dortigen Funkbeamten feit etwa 23 Uhr die Funkzeichen der vordstation deutlich vernehmen. Um 1 Uhr MEZ. funkte das Schiff der Friedrichshafener werft folgenden Standort: 1 Uhr MEZ. 35 Grad 22 Min. Nord, 26 Grad 40 Min. West. Alles in Ordnung. 3 Uhr M E Z.: 35 Grad 52 Min. Nord, 24 Grad West: 5 Uhr M E Z.: 36 Grad 15 Min. Nord, 21 Grad 12 Min. West: 9 Uhr vormittags M E Z.: 37,30 Grad Nord und 15,30 Grad West mit dem Kurs aus Kap Finlsterre. An Bord alles wohl? Das Große Los auf Nr. 158 149 gefallen? Montagnachmittag kurz vor 14 Uhr ist das Trohe Los in Höhe von 500 000 Mark gezogen worden. Cs entfiel auf die Nummer 158 149. Die Besitzer des Großen Loses, die es in der ersten Abteilung in Vierteln spielen, wohnen i n Groh-Strelitz in Oberschlesien. Die anderen Lpsinhaber, die die Glücksnummer in der zweiten Abteilung besahen, spielten sie in Achteln und haben ihren Wohnsitz in Braunschweig. Furchtbares Vrandunglück in England. Bei dem Brande eines Wohnhauses in Smethwick bei Birmingham kamen elf Personen in den Flammen um. Ein weiterer Haus- bewohner dTrb vermißt. Drei Mädchen retteten sich durch einen Sprung aus dem Fenster. Sie hatten bereits schwere Brandwundenn erlitten und mußten in ein Krankenhaus geschafft werden. Sämtliche Opfer des furchtbaren Brandunglücks gehören drei Familien an. Unter den Opfern befindet sich eine ganze, aus Vater, Mutter und vier Kindern bestehende Familie. Das Feuer war in einem Laden in der Nähe des Theaters ausgebrochen, hatte den benachbarten Laden ergriffen und sich dann auf die über diesen Läden befindlichen Wohnungen ausgedehnt. Roch ein Todesopfer von Vulr. Die bei dem Eisenbahnunglück in Buir schwer verletzte Frau L e w t o w aus Poitiers ist im Laufe des Sonntags im Krankenhaus in Düren g e st o r b e n. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 16. Das Befinden des Lokomotivführers Nordhaus hat sich gebessert. Die Ueberschwemmungskalastrophe in Indien. Die Meldungen über die großen Heberschwem- mungen in Sind und anderen Gegenden bis zur afghanischen Grenze werden immer ernster. Weite Strecken Landes sind Bereits überschwemmt. In dem Lleberschwemmungsgebiet liegen zahlreiche wichtige Städte und Dörfer. Die Negierung von Bombay steht nicht nur der Aufgabe des Abtransportes, sondern auch der Unterbringung und Ernährung der 100 000 von Menschen gegenüber, die, von Panik ergriffen, aus den betroffenen oder bedrohten Gebieten fliehen. Alle verfügbaren Truppen, sogar die Insassen der Gefängnisse werden zur Befestigung der Fluhufer an den wichtigsten Punkten verwendet. Ein Trauerfall im Hause de» Reichspräsidenten. Die einzige Schwester des Reichspräsidenten, Fräulein Ida von Benneckendorf und Hindenburg ist nach einer Operation im Auguste-Biktvria-Krankenhaus in Potsdam gestorben. Fräulein von Hindenburg lebte als Stiftsdame im Fräuleinstift in der Dehlert- strahe. Sie stand vor der Vollendung des 7 8. Lebensjahres. Reichspräsident v. Hindenburg wird Dietramszell verlassen und sich nach De tlin zurückbegeben, um der Beerdigung seiner Schwester beizuwohnen. Eine Reise des Reichspräsidenten nach Friedrichshafen zur Rückkehr des «Graf Zeppelin" wird unter diesen Umständen nicht in Betracht kommen. Ramens der Reichsregierung hat der Reichskanzler dem Herrn Reichspräsidenten anläßlich des Hinscheidens seiner Schwester telegraphisch innige Anteilnahme ausgesprochen Der Berliner INädchenmord. Sn der Mordsache Zäpernik hat das chemische Untersuchungsamt des Polizeipräsidiums das Gutachten über die Kleider des Wächters Schulz fertiggestellt. Die Blutflecken am Rocke des Wächters liegen so tief im Gewebe, daß man über ihre Zusammensetzung nichts Genaues sagen kann. Wie weit sie für den Wächter belastend sind, steht noch nicht fest. Schulz gab an, daß er den Rock bereits neun b i s zehn Sabre trage. In Stettin sei er einmal in eine Schlägerei geraten. Die Blutflecken konnten wohl daher rühren. An den Hosen des Wächters ist nichts Verdächtiges gefunden worden. Durch Zeugenvernehmungen wurde fest- gestellt, daß Schulz an jenem verhängnisvollen Montag zum letztenmal um 5.34 Uhr gesehen wurde. Die Rrassenvergiftungen in Ungarn. Von den 27 Frauen und drei Männern, die sich wegen der Massenvergiftungen im Szvl- noker Bezirk in Untersuchungshaft befinden, ljaben bisher zehn ein Geständnis abgelegt. Mehr als dreißig Leichen sind exhumiert worden, bei fast allen wurden Spuren von Arsenik vorgefunden. Die Verteidigung beabsichtigt, den Boden des Friedhofs chemisch analysieren zu lassen, da die Möglichkeit bestehe, daß das Arsenik aus dem Erdreich in die ©arge gedrungen ist. Sn den Dörfern Tisza- kürt und Czibakhaza ist man gleichfalls Dergif- tungsfällen auf die Spur gekommen. Auf dem Friedhof von Czibakhaza wurde vor einigen Tagen aus einem Grabe der Sarg beseitigt, vermutlich um die Untersuchung zu verhindern. Das Ende des Trinkers. Dor wenigen Tagen verübte in Berlin die 27jährige Frau GertrudTaub er mit ihren zwei- und einjährigen Kindern in ihrer Wohnung Selbstmord. Frau Tauber hatte während der Abwesenheit ihres Mannes, der dem Alkohol stark zuneigte, die Gashähne geöffnet Der Mann, der zunächst verschwunden war, fand sich am Dienstag wieder in der Wohnung ein. Er nahm sich die Tat seiner Frau so zu Herzen, daß er sich aus dem Fenster der im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung auf den H o f hinab stürzte. Er starb bald an den erlittenen Verletzungen. Berliner Börse. Berlin, 3. Sept. (WTD. Funkspruch.) Nachdem es gestern abend in Frankfurt auf Deckungen eher freundlicher war, ist im heutigen Frühverkehr bei stillem Geschäft eine Tendenz noch nicht ausgesprochen. Man taxiert vorläufig wenig veränderte Kurse, doch wird viel für die Börse selbst von der Weiterentwicklung ,des Kunstseidenmarktes abhängen. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,93, London gegen Mailand 92,70. London gegen Spanien 32,91, London gegen Kabel 4,8480, London gegen Berlin 20,37 und Kabel gegen Berlin 4,2015. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 28. Aug. Wegen Rückfalldiebstahls hatte sich ein auswärts wohnender Althändler zu verantworten. Gelegentlich einer Fahrt nach Gießen sah er auf dem Feld in der Gemarkung Rödgen einen fast noch neuen eisernen Pflug stehen, den er abends auf der Rückfahrt auf seinen Wagen lud und mitnahm. Er bestritt den Diebstahl und will den Pflug durch seinen Mitarbeiter erhalten haben, den dieser unterwegs während seiner Abwesenheit von einem Unbekannten gekauft haben wollte, was dieser aber entschieden bestritt. Das Gericht schenkte den Angaben des Angellagten keinen Glauben und verurteilte ihn wegen Diebstahls zu fünf Monaten Gefängnis. Der Vorsitzende einer auswärtigen Krankenkasse hatte in einem an die Verwaltung der hiesigen Augenklinik gerichteten Schreiben, das der Geschäftsführer der Krankenkasse entworfen hatte, die Assistenzärzte dieser Klinik verdächtigt, daß diese aus persönlichen Gründen die Patienten an bestimmte Optiker verwiesen. Wegen dieses ungeheuerlichen Vorwurfs stellte die vorgesetzte Behörde der Betroffenen gegen den Verfasser und Unterzeichner des Schreibens Strafantrag wegen Beleidigung. Sn der heutigen Verhandlung wurde in eingehender Beweisaufnahme einwandfrei festgestellt, daß diese Unterstellungen jeglicher tatsächlichen Grundlage entbehrten. Trotzdem kam aber das Gericht zu keiner Verurteilung des Angellagten, da sich herausstellte, daß der erforderliche Strafantrag nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist eingegangen toar. Das Verfahren muhte daher eingestellt werden. Eine geschiedene Frau, die von einem auswärtigen industriellen Unternehmen zum Werben von Anschriften von Sntereffcnten für Staubsauger angestettt war, hatte in drei Fällen Bestellscheine gefälscht und dem Gefchästsleiter zwecks Erlangung der Provision übergeben. Sn einem Fall erhielt sie auch sofort die Provision ausgezahlt, in den beiden anderen Fällen wurde die Fälschung aber noch vorher aufgedeckt. Wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit m!t Betrug wurde die Angeklagte unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Wochen ®5598 Perfekte Stabil für 1. Novbr. d. I. v. hiesigem Engros- gefchäft gesucht. Schr. Angeb. U.7247V an d. Gieß. Anz. erb. lüditlges MW das gut kochen kann, zum 15. Sept, oder später gesucht. Vorzustellen v. 5—8 Uhr. Frau Bankier Herz, Neuen Baue 231 •06M LO r^- T— UD — — CO •— T- O A.E.G............8 Gleltr. Lieferungen.....10 Licki und Kraft ...... 10 Felten 4 Guilleaume..... 6 («cf. f. Elektr. Untern.....10 Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rhein. 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Fatben-Jndustrie ... 12 Dynamit Nobel ....... 5 Scheideanstall........9 Goldschmidt ........6 Rütgerswerke ........ 6 Metallgesellschaft. • • • . • 11 197,75 229,5 214,75 141,5 216 390 172 77,75 144 149 218 121,75 141,5 111,5 272 130,9 121 237 242 398 229,25 76,5 85 127 196,9 230,25 514,5 232,25 390,5 76 144,5 119,5 121,75 111,5 270,5 131,75 121,13 72 236 241 396 229 75,5 85 127,5 197 229,25 214 141,5 218 145 153,5 184 233,5 388 150 172 76,65 116,5 143,5 143,75 148,75 137,5 219 117,65 134 121,25 140,25 87 107,9 110,9 291,5 130,5 120,75 71 237 241,65 396 228.65 108,5 76,25 85 127,25 198 169 215 142,5 218.5 145 153,5 185,75 234 391,5 117 144,75 144,25 149,5 137,5 219,25 119,25 134,25 141 87,9 108,5 111,6 272,5 131,6 120,5 72,5 396 230 108,6 85 PHUipp Hotzmann.....> Heidelberger Gement . r. . 10 Gement Karlstadt......8 Wayß & Freitag......10 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwerke.........12 Set. Glanzstost......18 Bernberg.........14 Zellstoff Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 Ehatlottenburger Wasser ... 7 Dessauer Gas........8 Daimler Motoren......0 Deutsche Maschinenfabrik . . 0 Adlerwerte ftleoer......6 Ludw. Loewe.......10 Rat. Automobil ....... 0 Lrenstein & Koppel ..•••“ Leonhard Tietz.......« Barnag-Meguin.......0 Franks. Maschinen......« Lechwette. ...... 8 Mainkrastwerke.......8 Mag......... • 10 Rekarsulmer......... Peters Union........8 Gebt. Roeder.......1° Loigt 4 Haessua......8 Südd. Zucker........8 Dan 108,5 132,25 185 104 349 158,5 52,75 43,5 55,5 60 64 106,5 106,5 126 110 222 159 knoten 132,5 103 337 241,5 52,75 3 158 108,5 104 301,5 237 351 278 241,5 158,5 108 197,25 53,13 56,5 44,25 208 26,5 89,75 206,5 55,5 60 63 126,5 222 303,5 236 344 278 242,25 199 53 56 89,25 126,5 1 - Rumänische Schwedische Schweizer N Spanische N Tschechoslowc Ungarische N Devif« Te Amst.»Rott. Buen.-AireS Brsi.'Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helsingsors. Italien. . . London. . . Neuyork .. Paris.... Schwei» .. Spanien. . Japan . . . Rio de Jan. Men in D- Oest. abgest. Prag Belgrad . . Budapest. . Bulgarien - Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . Cauada . Uruguay. Cairo . » Noten . . . Noten . . . . oten..... iten..... kische Noten oten . . . »nmarkt 0 egraph 2. Septe Amtliche 57 Geld 1 168,40 1,759 58,33 111,73 111,72 112,39 10,544 21,95 20,348 4,198 16,41 80,76 61,80 1,960 0,4975 59,09 12,425 7,373 73,18 3,035 18,80 81,35 2,002 5,42 4,166 4,101 20,865 öe ll mk Vtl -3 Au 8 3 5 5 4 1 4 9 8 6 5 2 2 >4 )5 21 15 37 32 11 34 51 2,475 12,23 80,63 61,68 2,395 73,07 rank sza Am G 168 1, 58 111 111 112 10, 21 20, 4.1 16 80 61 1, 0, 59 12, 7, 73 3, 18 81 2, 4 4 2( t ur evt c 9 | 2,495 112,67 81,01 61,92 12,455 73,37 a. 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Nachfolgend die Ergebnisse: Herren-Einzel, Klasse A: Sieger: Erwen, Frankfurt; 2. Preis Tüscher, Kassel; 3. Preise Dr. Kirchner, Gießen, Noll, Gießen. Der favorisierte Erwen konnte von keinem seiner Gegner ernstlich gefährdet werden; er schlug in der Borschlußrunde den Gießener Noll und siegte in der Schlußrunde gegen den jungen Tüscher, der vorher Dr. Kirchner, Gießen, ausgeschaltet hatte, 6:2, 6:1, 6:3. Klasse B Sieger: Sack, Gießen; 2. Preis Dr. Dönges, Gießen; 3. Preise v. Grolman, Gießen, Müller, Gießen. Diese Konkurrenz brachte insofern eine Ueberraschung, als es dem Junior Sack, Gießen, gelang, in der Vorschlußrunde Sieger über v. Grolman in drei harten Sätzen und in der Schlußrunde über Dr. Dönges, ebenfalls in drei Sätzen, zu bleiben. Damen-Einzel, Klasse A: Siegerin Frl. Wenzel, Frankfurt; 2. Preis Frl. Kempff, Gießen; 3. Preise Frl. Blümlein, Homburg, Frau Diehl, Kassel. Ausgezeichnet hielt sich Frl. Kempff, die nach gewonnenem Spiel gegen Frl. Berg, Gießen, in härtestem Kampfe gegen Frl. Blümlein siegreich blieb und in der Schlußrunde Frl. Wenzel heftigsten Widerstand im zweiten Satz entgegensetzte. Frau Dumur, Gießen, mußte krankheitshalber das Einzel streichen. Klasse B: Siegerin Frl. Li Stückrath, Gießen; 2. Preis Frl. Lo Stückrath, Gießen; 3. Preise Fr. v. Stockhausen, Gießen, Frl. Eiermann, Frankfurt. Frl. Li Stückrath wurde durch Siege über Frl. Sack , Fr. v. Stockhausen und über ihre Schwester verdiente Siegerin. Beachtlich ist der Sieg von Frl. Lo Stückrath über Frl. Kuhlmann, Gießen, mit 7:5, 7:5. Herren-Doppel: Sieger Erwen - Noll; 2. Preis Tüscher-Dr. Kirchner; 3. Preise Dr. Fischer- Dr. Grüder, v. Grolman-Engisch. Die Schlußrunde dieser Konkurrenz mar wohl das interessanteste und sportlich wertvollste Spiel des ganzen Turniers. Fn fünf aufregenden Sätzen konnte der bekannte Frankfurter Erwen dank der vorzüglichen Unterstützung von Noll, Gießen, über die sich gut ergänzenden Tüscher-Dr. Kirchner siegreich bleiben. Mixed, Klasse A: Sieger Frl. Wenzel-Dr. Kirchner; 2' Preis Fr. Dumur-Erwen; 3. Preise: Frl. Kempss-Tiischcr, Frl. Berg-Noll. Die Schlußrunde brachte erbitterten Kampf. Nach verlorenem 1. Satz wurden Frl. Wenzel-Dr. Kirchner zusehends besser, gewannen den 2. Satz glatt 6:1 und holten im 3. Satz von 2:5 gegen sich auf. Die harten Schläge von Frl. Wenzel brachten wertvolle, entscheidende Punkte. Frau Dumur-Erwen hatten vorher Frl. Kempfs-Tüscher, Frl. Wenzel-Dr. Kirchner die rein Gießener Kombination Frl. Berg-Noll ausgeschaltet. Klasse B: Sieger Frl. Li Stückrath-v. Grol- man; 2. Preis Frau Düttmann-Dr. Dönges; 3. Preise Frau Erwen-Dr. Grüder, Frl. Eiermann- Jung. Das letzte Spiel des Turniers, das am Montagabend zum Austrag kam, ergab einen Dreisatzsieg der Kombination Frl. Stückrath-v. Grolman, die in der Vorschlußrunde gegen Frau Erwen-Dr. Grüder überraschend glatt 6:0, 6:1 gewonnen hatten. Leichtathletik 6er Gp.-Vg. 1900. Erfolge in Koblenz. ö. Die Veranstaltung des S.C. 1900/02 Koblenz hatte den erwartet starken Anklang gefunden. Die betonnteften westdeutschen Leichtathletikvereine wie Kölner Ballspielklub, Düsseldorf 99, Schwarz-Weiß Barmen usw., das Saargebiet sowie Süddeutschland (Stuttgarter Kickers) waren vertreten. Sogar die Jnternationalität wurde gewahrt, und zwar durch das Erscheinen des ersten luxemburgischen Leicht- athletikklubs. Die 1900er hatten in Anbetracht dieser Umstände einen äußerst schweren Stand, zeigten sich aber konkurrenzfähig und brachten einen zweiten und drei dritte Plätze mit nach Hause. Die Zweitplacierung kam beim 800-Meter-Lauf der Klasse I durch Bepperling zustande. Im ersten Teil der Strecke wurde kein sonderlich forsches Tempo angeschlagen, so daß der Spurt den Ausschlag geben mußte. Hier schob sich der Gießener, der sich im Hintergrund gehalten hatte auch stark vor, blieb aber im Ziel von dem Ersten noch um einen Meter getrennt. Es wurden notiert: 1. Kruger, Siegburg, 2:07 M.; 2. Bepperling. Gießen 1900, 2:07,2 M.; 3. Struwc, N.-Lahnstein, 2:08,2 Minuten. Einen beachtenswerten Erfolg errang auch Geist im 200-Meter-Lauf, Klasse 11. Obwohl er kurz vorher ein scharfes 300-Meter- Rennen in der Schwedenstaffel gelaufen war, belegte er in 24,3 S. den dritten Platz hinter S c z e • panick, Siegburg, und einem Luxemburger. Bei den Werfern war Hopfcnmüller stark indis- paniert und kam nicht über den Vorkampf des Speerwurfs Kl. I hinaus. Klos war jedoch in guter Form und belegte in der genannten Konkurrenz den dritten Platz. Es warfen: Wolf, Kölner B.C., 49,75 Meter; Weiland, Trier, 48,50 Meter; Klös, Gießen 1900, 47,45 Meter. In der Schwedenstaffel der Kl. II hatten die Spielvereini- gungsleute gute Siegesaussichten. Bepperling als 400-Meter-Mann kam ober arg ins Gedränge und mußte beim Stabwechsel mit Geist stark ab- stoppen. Dieser lief jedoch ein ausgezeichnetes Rennen und machte wieder viel Boden gut. Hopfen- müHer büßte dann wieder eine Kleinigkeit ein und übergab, an dritter Stelle liegend, den Stad an den für Seipp eingesprungenen Schlußmann Täubert. Da sich Täubert tapfer hielt, konnte der Platz vor Schwarz-Weiß Barmen beibehalten werden. Erster in dem Rennen war Koblenz 1900,02 in 2:07,6 Minuten, 2. D.f.L. Siegburg in 2:10 Minuten. Das 9. Frauenturnen des Turngaues Hessen (O.T.) in Lich. Sondsrbericht des „Gießener Anzeigers". • Lich. 1. Sept. . Zu den oberhessischen Landstädtchen, in denen in besonderem Maße der Turngedanke lebendig ist, gehört seit den Gründungstagen unseres Turnvereins im Jahre 1860 schon immer auch unsere Stadt. Sie konnte es wiederholt beweisen, wenn sie dem Gau Hessen zu größeren Veranstaltungen in ihren Mauern gastliche Ausnahme bereitete. Es waren die Gauturnfeste 1870, 1885 und 1908. Bei ihnen trat noch ausschließlich das deutsche Männerturnen in Erscheinung. Das Frauenturnen, das erst in den letzten Jahrzehnten in aufsteigender Entwicklung sich den berechtigten Platz im Betriebe der Leibesübungen erobert hat, konnte hier bisher noch nicht durch eine größere Kundgebung vor der breiteren Oessentlichkeit für sich werben. Deshalb wurde es allgemein begrüßt, daß der Gau Hessen die Vorbereitung des 9. Gaufrauenwetturnens unserem Turnverein übertragen hatte. In emsiger Arbeit, die die Antcrstützung der gesamten Bürgerschaft fand, konnte diese Aufgabe in jeder Hinsicht zur vollsten Zufriedenheit gelöst werden. Daß das 9. Gaufrauenturnen, das gestern und heute bei herrlichstem Hochsommerwetter durchgeführt wurde, eine festliche Veranstaltung nicht nur des Turnvereins, sondern der ganzen Stadt war, das zeigte schon äußerlich der überaus reiche Straßenschmuck und das empfanden angenehm und dankbar über 500 Turnerinnen und Kampfrichter, die bereits gestern hier eintreffen muhten und in Freiquartieren mit herzlichster Gastlichkeit empfangen wurden. Altbürgermeister Hrch. Fuhr entbot den mit Musik vom Bahnhof zum Rat- hausplah geleiteten Gästen den herzlichen Willkomm der Bürgerschaft. Mit der Kampfrichtersitzung am Samstagnachmittag im Gasthaus zum „Löwen" wurde sofort in die Arbeit eingetreten. Der Vorsitzende des Turnvereins, Reinhard Zimmer, begrüßte das Kampfgericht im Auftrage des Turnvereins, Gau- oberturnwart Wilhelm Will (Gießen)im Ramen der Gauleitung. Gausrauenturnwart Rud.Paul (Gießen) traf sachkundig die letzten Vorbereitungen für die turnerische Arbeit des Festes, die in so reicher Fülle vorlag, daß schon die Begrüßungsfeier am Samstagabend in der überfüllten Turnhalle in ihren Dienst gestellt werden muhte. Ein Teil der Sondervorführungen der zahlreich gemeldeten Vereinsriegen wurde bereits gewertet und gab dem lebhaft interessierten Publikum Gelegenheit, sich an dem vielgestaltigen Formenreichtum des deutschen Frauenturnens zu erfreuen. Der von Prokurist Felix Mendelssohn verfaßte und von der Turnerin Emmi Menges wirkungsvoll vorgetragene sinnige Vorspruch und die Begrüßungsansprachen priesen das deutsche Turnen und die Segnungen der Leibesübung für das weibliche Geschlecht. Turner Hermann Schmidt, der sehr schön ausführte, dah zum deutschen Turnen das deutsche Lied gehöre, dankte den Gesangvereinen für ihre bereitwillige Mitwirkung, ferner der Stadtverwaltung und der gesamten Einwohnerschaft für die rege Teilnahme an den gemeinnützigen Bestrebungen des Turnvereins, ©auoberturntoart W. Will (Gießen) überbrachte die Grüße der ©auleitung, betonte den werbenden Charakter der Veranstaltung und gab einen interessanten Ueberblicf über die Entwicklung des Frauenturnens. Sein begeistert aufgenommenes „Gut Heil" galt der Volksgemeinschaft, auf die gerade von der Deutschen Turnerschaft in ernstem Bemühen hingearbeitet werde. Freudige Aufnahme fand ein vom 2. ©auDertteter Schneider (Butzbach) und von dem bekannten Gießener Turner Karl Reuter gesandter telegraphischer Gruh aus Amerika. Unter der frischen Leitung des Gaufrauenturn- warts R. Paul (Gießen) zeigten Abteilungen der Vereine von Gießen, Wetzlar, Butzbach, Lauterbach, Friedberg, Lich, Heuchelheim, Krofdorf und Grünberg in flottem Tempo neuzeitliches Frauenturnen in seinen vielseitigen De- triebsformen. Rhythmik, Gymnastik, Körperschule, Volkstanz und auch das Gerät kamen zur Geltung und bezeugten fast ohne Ausnahme den erfreulichen Aufstieg, den das Frauenturnen im ©au Hessen in den letzten Jahren genommen hat. Die Chöre der gut geschulten Gesangvereine „Cäc ilia", „Rothscher Männerchor" und „Einigkeit" und die frischen Konzert- weisen der Feuerwehrkapelle waren dankbar aufgenommene Beigaben zur eindrucksvollen Tum- folge des schönen Festabends. Dem Wetturnen des Sonntags ging am frühen Morgen eine Stunde der inneren Sammlung voraus. Die Katholiken wohnten dem Gottesdienst in der katholischen Kirche bei, und auf dem Turnplätze hielt Stiftsdechant Kahn unter Mitwirkung des Posaunenchors einen Feldgottesdienst für das evangelische Bekenntnis. Der Redner, ein Schwiegersohn des früheren Gauvertreters Helm und ein warmer Freund der Tumsache, sprach im Anschluß an das Bibelwort t. Kor. 3, 16 bis 17 von der innigen Beziehung von Leib und Seele und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Deutsche Turnerschaft getreu ihrer Ueberlieferung den Doppeldienst der leiblichen und seelischen Ertüchtigung auch weiterhin dem deutschen Volke erweisen möge. Um 8 Ahr konnten unter der tatkräftigen Leitung des ©ausrauenturnwarts. dem etwa 80 erfahrene Kampfrichter zur Seite standen, rund 350 Turnerinnen aus 34 Vereinsorten in 22 Riegen zum Wettkampf antreten, der bis um die Mittagszeit reibungslos durchgesührt war. Die Turnerinnen bestritten in einer Oberstufe und einer Unterstufe einen Zehn kämpf (Ge-" rate, Stabübung, drei volkstümliche Alebungen) und einen Siebenkampf (Geräte, Stabübung). Die Jugendturnerinnen hatten in der Oberstufe einen Zehnkampf (wie oben) und in der Unterstufe einen Achtkampf (Geräte, Stabübung, zwei volkstümliche Uebungen) durchzuführen. Dazu kam noch ein stark besetzter volkstümlicher Vierkampf, der für alle Altersstufen offen war. Das Interesse des Publikums an den gebotenen Leistungen war sehr rege. Unfälle, zumeist leichterer Art, ließen sich bei der tropischen Hitze des Tages nicht vermeiden. Dankbar wurde daher die Anwesenheit der Licher Freiwilligen Sani« r'ätskolonne empfunden, die unter Leitung von Kolonnenarzt Dr. Roth hilfsbereit und sachkundig sich ihrer Aufgabe entledigte. Rach dem frischen, wirkungsvollen W e r b e - umzug der Turnerinnen und hiesigen Vereine, der in den' reichgefchmückten Straßen überall mit Blumen und freudigen Zurufen von der Bevölkerung begrüßt wurde, gehörte der Rachmittag nochmals ganz der Turnerei, die zunächst mit den MasSendarbietungen der allgemeinen Stab« Übungen und mit reizvollen Volkstänzen, ausgeführt von 17 Tanz>rc'sen den starken Beifall der zahlreichen Zufchauer fand. Sonder- vorführungen der Vereinsriegen von Freienseen, Alsfeld, Großen-Linden, Marburg, Wetzlar, Gr.° Eichen, Ockershaufen, Echzell, Ridda und Bad- Rauheim boten mit zum Teil recht Schönen Leistungen einen Einblick in die Mannigfaltigkeit turnerischer Betriebsweise. And auch der spannende Staffellauf und das für Frauen besonders geeignete Faustballspiel sorgten für die Unterhaltung der zahlreichen Festbesucher, die im Laufe des Sonntags noch aus nah und fern eingetroffen waren. Bürgermeister Geil ! hatte namens der Stadt Lich herzlichst willkom- men geheißen und in humorvollen Ausführungen für das Frauenturnen, das vom Standpunkt des Arztes und des Aesthetikers zu fordern sei, eine Lanze gebrochen. Bestrahlt von Sonnenschein hat das 9. ©au» frauenturnen in unserer gastlichen Stadt einen Verlauf genommen, der allen Teilnehmern in angenehmster Erinnerung bleiben wird. So ist zu verstehen, daf; die Siegerverkündigung am Spätnachmittag ausklang in Worte des Dankes, die Gauoberturnwart Will an Stadt, Bürgerschaft und Turnverein Lich, Gausrauenturnwart Paul an die Turnerinnen des Gaues und alle, die ihn bei der Durchführung des Turnens unterstützt, vermittelten. Die Ergebnisse des Wetturnens bringen wir im Auszug; sie sind nach der amtliches Siegerliste des Berechnungsausschusses zusammengestellt. Zehnkampf, Turnerin nen-Ober- stufe (25 Teilnehmer, 17 Siegerinnen): Ehrensieg Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen, 188 P.; 1. Elli Langbein, T. u. Epv. Butzbach, 180 Punkte; 2. Lotte M o h r, Tv. 1 8 4 6 © i e ß e n, 172 P.; 3. Ria Schwan, M t v. Gießen, Jdel Hauck, Tv. 1 846 Gießen, 170 P.; 4. Wilhelmine Walz, Tv. Lich, 169 P.; 7. Emilie Rinn, Tv. Heuchelheim, 152 P.; 10. Käthe Bath, Tv. Heuchelheim 141 P.; 12. Gertrud Bock, Tv. Grünberg, 138 P.; 13. Emilie Reuschling, Tv. Heuchelheim, 133 P. Siebenkampf, Turnerinnen-Ober- stufe (25 Teilnehmer, 23 Siegerinnen): 1. Elfriede Münnich, Tv. 1 846 Gießen, 134 Punkte; 2. Lotte Mohr, Tv. 1 846 Gießen, 128 P.; 3. Ria Schwan, Mtv. Gieße n, 124 P.; 4. Jdel Hauck, Tv. 1 846 ©ie- ften, 120 P.; 6. Wilhelmine Walz, Tv. Lich, 117 Punkte; 9. Else Klemmrath, M t v. Gießen, 111 P.; 10. Emilie Rinn, Tv. Heuchelheim, 110 Punkte; 13. Gertrud Dock, Tv. Grünberg, 104 P.; 14. Marie Dietz, Tv. Griedel, 103 P.; 15. Emilie Reuschling, Tv. Heuchelheim. 101 P.; 16. Käthe Dath, Tv. Heuchelheim, 93 P.; 18. Emilie Gilbert, Tv. Heuchelheim, Gretel Keller, Tv. Lich, je 95 P. Zehnkampf, Turnerinnen-Anier- stufe (66 Teilnehmer, 48 Siegerinnen): 1. Else Bickelhaupt, M t v. Gießen, 190 P.; 2. Tilli Hamel, Tv. 1846, Gießen, 172 P.; 3. Marta S e i f e r t $ , M t v. Gießen, 172 P.; 4. Gertrud Zimmer, Tv. Lich, 169 P.; 5. Hilde Süßkind, Tv. Krosdorf, 166 P.; 7. Elfriede Weller, Tv. Klein-Linden, 159 P.; 8. Else Germer, Tv. Heuchelheim, 157 P.; 10. Marie Sack, Tv. Heuchelheim, 154 P.; 11. Pauline Knapp, Tv. Heuchelheim, Emmy Münnich, Tv. 1846 Gießen je 153 P.; 13. Helene Zimmer, Tv. Lich, 151 P.; 17. Gretel Spengler, Tv. Klein- Linden, 145 P.; 19. Kunigunde Bellos, Tv. Lich, Elfe Davidssohn, Tv. Ortenberg, je 143 P.; 22. Ida Albohn, Tv. Lich, 140 P.; 23. Gerta Kaiser. Tv. Lich, 139 P.; 25. Lina Langsdorf, Tv. ®am» bach, 137 P.; 27. Lina Beiz, Tv. Gambach, 135 P.; 28. Erna Carl, Tv. Ortenberg, Marie Menges, Tv. Lich, je 134 P.. Si ebenkampf, Turnerinnen-An- t e r ft u f e. Außer den genannten Zehnkampf- Siegerinnen wurden von den Turnerinnen, die nur am Siebenkampf teilnahmen, u. a. noch folgende Siegerinnen: 20. Ltesel Lichtenfels, Tv. Grün- berg, 99 P.; 23. Käthe Fuchs, Tv. 1846 Gießen, 96 P.; 21. Minna Opfermann, M tv. Gießen, 95 P.; 25. Elli Leinberger. Tv. Heuchelheim, 94 P. Zehnkampf, Jugendturnerinnen- Ober stufe (85 Teilnehmer, 58 Sieger): 1. Ria Philippi, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 191 P.; 2. Mathilde Koch, Tv. 1 846 Gießen, 190 Punkte; 3. Martha Becker, Tv. 1 8 4 6 Gießen, 173 P.; 5. Emma Lein, Tv. Grünberg, 166 P.; 6. Johanna Kaiser, Tv. Lich, 164 P.; 7. Käthe Stauf, Tv. Grünberg, 163 P.; 8. Käthe Preiß, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Hilda Schmidt, Tv. Krosdorf, je 162 P.; 9. Klara Amend. Tv. Krofdorf, 160 P.; 10. Agnes Koch, Tv. ©rünberg, 159 P.; 14. Gertrud Gombert, Tv. Krofdorf, 153 P.; 16. Lina Gober, Tv. Heuchelheim, 151 P.; 19. Marie Eis enbr and t, Tv. 1 8 4 6 Gießen, Ida Fett, Tv. Großen-Linden, Liefe! Hofmann, Mtv. Gießen, je 148 Punkte; 22. Elisabeth Menges, Tv. Lich, Henny Obmann, M t v. Gießen, je 145 P.; 23. Lina Kern, Tv. Griedel, Herta Wilhelm. Mtv. Gießen, 144 P.; 26. Johanna Pusch, Tv. Heuchelheim, 141 P.; 28. Marie Wagner, Tv. Krosdorf, 138 P.; 33. Hilda Erzberger, Tv. Echzell, Gretel Davidssohn, Tv. Ortenberg, je 133 Punkte. Achtkamps, Jugendturnerinnen- Anter stufe (90 Teilnehmer, 73 Sieger): 1. Tonwerke Abendstem ■EHMQHBÄBffli G.m.b. H. Gegründet 1888 / Bahnstation Abendstern / Telephon Nr. 84 Amt Gießen Gießen-Abendstern Doppelfalzziegel Biberschwanzziegel Firstziegel naturrot - altschwarz - altbraun Stallbodenplatten der beste und gesündeste Belag für Viehställe Ringofensteine Jahres-Produktion 12 Millionen Stück 497 ID w» Morgen u.DonnerStag cintreffenb ff.Schellfiichci.Ausfchn.,Pfd.7O<- Pa. Cabliau I.AuSfchn., Pfd.50ie Hiesige, schon seit mehreren 20 Jahren bestehende Kleinkindarschule hat sich seit ihrer Gründung als eine außerordentlich segensreiche Einrichtung erwiesen. Sie wird gegenwärtig von der Schwester Luise Rühl geleitet, die auch dem hiesigen Jungfrauenverein vorsteht. SO H o ch e l h e i m , 1. Sept. Die von Studien« rat Dr. Detter gegründeten und geleiteten Hessischen Lichtspiele für Schul- und Volksbildung veranstalteten dieser Tage in der hiesigen Gemeinde einen Filmvortrag, welcher von der hiesigen und den Schulen der benachbarten Gemeinden besucht war. Es wurde der Film „Der Rattenfänger zu Hameln" vorgeführt. -c- Aus dem Kleebachtal, 1. Sept. In den Wiefengründen des Kleebachtales ist gegenwärtig die G r u m m e t e r n t e in vollem Gange. Der Ertrag feucht gelegener Wiesen ist befriedigend, dagegen zeigen die Wiesen in trockenen Lagen nur einige vertrocknete Grasstengel, so daß sich hier ein Schnitt kaum lohnt. Bei Fortdauer der jetzigen Witterung dürfte die Grummeternte in kürzester Zeit beendigt sein. — In bedenklicher Weise wirkt sich die anhaltende Trockenheit aus die G r ü n f u t t e r b e st ä n d e unserer Landwirte aus. Ein dritter Schnitt ist beim Rotklee nicht mehr, höchstens noch bei der Luzerne zu erwarten. Mehr als in anderen Jahren müssen Dickwurzblätter zur Fütterung herangezogen werden, da auch der Futtermais, der sich bei oller Trockenheit gut entwickelt hat, nur unzureichend vorhanden ist. Die Futterrunkeln sind schon etwas im Wachstum zurückgeblieben, während in den schattigen Kartoffelfurchen noch eine gewisse Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist. Das Getreideinfahren ist soweit beendet, so daß nach Beendigung des Felddrusches die D r c schm cf* schinen die Wanderung in die Dörfer angetreten haben. ----- Verantwortlich für Lokales: i. 23. Dr. T h y r i o t. An vielen Dingen des täglichen Lebens geht inan häufig achtlos vorüber. Haben Sie sich z. B. cipmal die Umhüllung eines Maggi-Fleischbrüh» Würfels genau angesehen? Haben Sie auch gelesen, daß der Würfel in gut 1 Liter kochendem Wasser aufgelöst werden soll? Beachten Sie dies, dann wird die Fleischbrühe immer gerade recht sein und wie eine aus frischem Fleisch hergestellte munden. 246D TRAGT DIE GUTE SCHMÜCKER-KLEIDUNG 7085A Theater-Cale Ernst Ludwig Künstler-Trio Hahn konzertiert täglich ab 4 Uhr nachmittags 05596 3n dankbarer Freude zeigen wir die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens an Dr.-Zng. A. Schliephake luise Schliephake geb. Hein Gießen (Ludwigstr. 72), den 1. September 1929 ......................... ... 05602 Für die anläßlich unserer Vermählung erwiesenen ! Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Otto Schäfer ! und Frau Elisabeth geb. Mvater j Gießen, den 30. August 1929 tttrri........ .......T.............- r Liebigshöhe Am Donnerstag, dem 5. September Grobes MilitärStreichlwert ausgeführt vom Musikkorps I./15 Leitung: Obermusikmeister Löber Anfang 8'/. Uhr! u5634 Anfang 8 . Uhr! | Empfehlungen | Salat- undSpeise kartoffeln in Denen Quolitöfen empfiehlt 71241) H. Trechsler Stein str. 73. 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