Mittwoch, 5. Juli 1929 179. Jahrgang Oer Eindruck in Paris Der Vor Kammerwahlen in Holland Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Bietzen. London, 3.Suli. (WTD. Funkspruch.) gemäßigt konservative „D aily Telegraph schreibt: Sn ausländischen diplomatischen Kreisen ist es nicht unbeachtet geblieben, daß die Frage der Rheinlandräumung in der Thronrede mit der 'Reparationsregelung in Zusammenhang gebracht wurde, daß aber gleichzeitig der sog. „Bersöhnungs- und Feststellungs- ausschuh" unerwähnt blieb. — Der kvn- servattve „Daily Expreß" sagt: Sn einem Punkte ist die Thronrede zögernd und unbefriedigend. Don der Räumung des Rheinlandes wird gesprochen als sei sie irgendwie mit dem Reparationsproblem verquickt. Sie ist eine der Erbschaften, der Llera Chamberlains, die die Ration abgelehnt hat. D i e R a - tion verlangt einstimmig, daß unsere Truppen nach Hause befördert werden, gleichviel, ob der TZoung- Plan Annahme findet oder nicht. Wir hoffen sehr, daß der Premierminister in dieser Frage ebenso denkt wie die Ration. Cs wäre aber besser gewesen, wenn er es auch gesagt hätte. — „Financial Times" spricht unter Bezugnahme auf die Aeußerungen Snowdens über die interalliierten Schulden die Besorgnis aus, die Regierung könnte der Versuchung nachgeben, von einer Ratifizierung des Boung-Planes in seiner Gesamtheit abzusehen und Aenderungen vorzunehmen. Das Blatt erklärt warnend, alles Herumhantieren an | hem TZooung-Plan oder eine nur teilweise Annahme würde die ganze Reparationsfrage wieder | in Verwirrung bringen. Widerstand leisten und Macdonald und Snowden hinter sich haben. — Der konservative „Figaro" sagt: England zieht sich von der Rheinland- und Kontrollkommissionsfrage zurück. Diese Einstellung läßt voraussehen, daß die französischen Minister auf der Regierungskonferenz eine nicht leichte Rolle haben werden. Die Schwächung des französisch-englischen Standpunktes. der die sicherste Bürgschaft für die europäische Ordnung war, gibt Deutschland eine unerwartete Chance, Es ist ganz natürlich, daß das Reich bis zur äußersten Grenze des Möglichen daraus Rutzen ziehen wird. Kritik an Macdonald. Englische Blätter zur Thronrede. Einfluß des Parlamentes auf die Gestaltung der Regierung so gut wie bedeutungslos ist. Was aber die Bildung der Parteien betrifft: Auf diesem Gebiete lassen sich die Holländer nichts vormachen. Vor vier Sahren, bei den letzten Kammerwahlen, erschienen „nur' 33 Parteien auf dem Plan, diesmal sind es sogar 36. Diese Zersplitterung wird begünstigt durch die Tatsache, daß schon 23 Wahlberechtigte eine Kandidatenliste einreichen können. Was einmal zu der absonderlichen Erscheinung führte, daß sich zeine Partei der Bettler bildete, allerdings nur zu dem ausgesprochenen Zweck, diese Vorschrift ad absurdum zu führen. Aber da nur die sechs großen, in sich stabilen Parteien Aussicht auf Erfolg haben, besteht für die gegenwärtige Regierung kaum Gefahr, daß sie entscheidenden Verschiebungen der Parteikräfte nachgeben muh. Das politische Leben Hollands ist heute noch in höchstem Maße mit religiösen Momenten verwebt, der Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten ist nicht zu Werbrücken. Dabei hat der Katholizismus den großen Vorteil, daß er ein einheitliches Gefüae zeigt, während der Protestantismus dazu neigt, sich weiter zu zersplittern. Aber wenn auch die römisch- katholische Staatspartei mit dreißig Mitgliedern in der Zweiten Kammer führt, so reicht es dennoch nicht zu einem parlamentarischen Mehrheitsblock. Die Regierung ist deswegen — nack) einem kurzen Koalitionszwischenspiel —außerparla- m ent arisch zusammengesetzt, und die holländischen Politiker schließen aus der Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung wohl nicht mit Unrecht, daß sich dieser Zustand auch nach dem bevorstehenden Wahlergebnis nicht zu ändern braucht. Berlin, 2. Juli. (Priv.-Tel.) Am 3. Juli werden in Holland die Parlamentswahlen abgehalten, aber wer da meint, daß das Land vom Fieber des Wahlkampfes geschüttelt wird, wie das bei uns meistens der Fall ist, sieht sich getäuscht. Derartige Erregungen liegen scheinbar dem behaglichen Holländer nicht, daher gehen die Vorbereitungen zur Wahl sanft und geruhsam vor sich. Kaum daß irgendwo Wahlreden gehalten werden, nur hin und wieder plätschert ein wohltemperierter Wahlartikel durch die Spalten der Zeitungen. Aber wenn der Wahltag herankommt, ist doch die ganze wahlberechtigte Bevölkerung an der Urne, denn Wahlrecht ist in Holland wirkliche Wahlpflicht, die Beteiligung an den Wahlen zum Parlament unterliegt gesetzlich emZwange. Geduldig warten Manner und Frauen vor den wenigen Wahllokalen, bis sie ihren Wahlzettel, so groß wie ein Zeitungsbogen, kennzeichnen und abgeben können. Am Abend des Wahltages ist es dann leicht, die Stärke der vertretenen Parteien auszurechnen, schwieriger allerdings gestaltet sich die Feststellung der gewählten Personen. Wer ein Hundertstel aller abgegebenen Stimmen aus sich vereint, ist sofort gewählt, den folgenden Kandidaten der Partei kommt der Ueber- schuß der Stimmen zugute. Auch das holländische Wahlrecht ist nicht vollkommen, immerhin stellt es einen bemerkenswerten Versuch dar, ein wirkliches Verhältniswahlrecht zu schaffen. Hundert Abgeordnete bilden die Zweite Kammer, die jetzt durch allgemeine, direkte und geheime Wahl herausgelesen werden, die Erste Kammer mit nur fünfzig Sitzen wählen die Provinziallandtage. Der so leidenschaftslos geführte Wahlkampf läßt den Schluß zu, daß es ein parteipolitisch gefärbtes Ringen um die Macht in Holland nicht gibt. Run ist es zwar richtig, daß der Mit jenem feierlichen Pomp, den die Heber» lieferung im Ablauf der Sahrhunderte zu festen Formen gefügt hat. hat sich das englische Parlament am 2. Suli vom Lordkanzler die von Macdonald verfaßte Thronrede vorlesen lassen. Nüchtern und farblos, ängstlich bemüht, nichts zu tun, aber doch etwas zu sagen, so ist der Snhalt des Dokuments ausgefallen, das so etwas tote eine W ende der englischen Polittk bedeuten sollte. Run ist Macdonald kein Stürmer und Dränger, wie auch sein Glaube an den Sozialismus mehr religiös als politisch verbrämt ist. Wenn aber die Arbeiterpartei etwas mehr sein will als eine Partei, die wie die Tories oder Whigs, nur Glanz und Größe des britischen Smperiums in den Knochen hat, dann hat Macdonald für sich und seine Partei die große Stunde verfehlt. So konnte er in seiner Thronrede die Zeitgenossen mit der kurzen und bestimmten Mitteilung überraschen, daß die Regierung Seiner Majestät den Befehl gegeben habe, die englischen Truppen aus Rassau zurückzuziehen. Statt dessen wird in der Thronrede in,kautschukartigen Wendungen die Möglichkeit der Verhandlungen mit auswärtigen Re- gerungen über die Herabsetzung der Rüstungen in Aussicht gestellt. Der Befehl zur Räumung wäre em wirksamer Auftakt gewesen, denn er hätte zum mindesten Frankreich davon überzeugt, daß das neue England den Wahnsinn nicht mehr mitmachen will, von Abrüstung und Schiedsgerichtsbarkeit zu reden, während gleichzeitig die Unterhaltung von Truppen aus fremdem Gebiet ohne sittlichen und rechtlichen Grund eine dauernde Bedrohung des Vöikersriedcns darstellt. Ramsah Macdonald faltet elegisch die Hände, um seinen „Bruderparteien" in Deutschland und anderswo zu sagen, daß die Lösung des Tributproblems es den Besatzungsmächten möglich machen werde, die Rheinlandräumung durchzuführen. Anders hätte es aus der Thronrede auch nicht geklungen, wenn Baldwin statt Macdonald aus den Mahlen als Sieger hervorgegangen wäre. Das ist eine derbe Lehre für die deutschen Sozialisten, die nun wieder einmal an dem englischen Schulbeispiel die Erfahrung machen müssen, daß der englische Sozialist zunächst einmal Engländer ist, der gar nicht daran denken kann und darf, wirkliche oder vermeintliche britische Snteressen der sozialistischen Snternationale preiszugeben. Macdonals Thronrede zeugt in ihrer Verschachtelung davon, daß die Arbeiterpartei versuchen will, sich mit Unterstützung Lloyd Georges für absehbare Zeit am Ruder zu halten. So übernimmt Macdonald die Vorschläge Lloyd Georges zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. So verheißt die Thronrede zum Schluß, einen Ausschuß zur Prüf ung des gegenwärtigen Wahlrechts einzusetzen, was zwar noch kein festes Versprechen eines Wahlrechtsumbaues ist, wohl aber ein Wechsel auf Sicht. Ob aber die Arbeiterpartei die Unterstützung der Liberalen erhalten wird, sofern sie das in der Thronrede angekündigte sozialpolitische Füllhorn ausschütten will, bleibt abzuwarten. Macdonald ist in einer wenig beneidenswerten Lage, denn er hat im Wahlkampf den Mund so voll genommen, daß er nicht gut alles beim Akten lassen kann. Hinter ihm stößt und drängt der Bergarbeiterverband, der unter Führung Cooks vor drei Sahren den Kampf um eine Herabsetzung der Arbeitszeit auf der ganzen Linie verlor. Die Wiedereinführung der Siebenstunden-Schicht im englischen Bergbau ist aber nicht nur ein sozialpolitisches, sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem. Der englische Bergbau ist durch Arbeitszeitverkürzung und hohe Löhne zu einem Verlustgeschäft geworden, woran auch die bis zum Frühjahr 1926 gewährten Zuschüsse der Regierung nicht viel änderten. Wenn nach der Riederlage der Grubenarbeiter die Arbeitszeit auf 8V2 Stunden, also auf Vorkriegshöhe durch- gesetzt wurde, so führte das zwar zu einer Steigerung der Ausbeute, damit aud> zu einer Steigerung der Ausfuhr. Aber lohnend ist das Geschäst noch immer nicht, weil der englische Bergbau die Auslandpreise unter Selbstkosten gesenkt hat. Wieder sind es mittelbare Zuschüsse der Regierung, die diese Taktik möglich machen, die aber auch eine Warnung sind für die festländischen Kohlenstaaten, sich nicht zu früh dem englischen Wettbewerb zu beugen. Auch das ist noch ungewiß, ob die Liberalen mitgeben, wenn Macdonald das Gewerk- s ch a f t s g e f e tz von 1927 abzubauen sucht. Dies Gesetz ist eine Frucht des Generalstreiks vom Mai 1926, der von der Arbeiterpartei anfänglich unterstützt, dann aber vorzeitig abgeblasen wurde. Das Gewerkschaftsgeseh verbietet jeden Streik, der sich die Durchführung politischer Forderungen zum Ziele gesetzt hat; ebenso verbietet es, die Gewerkschaftsmitglieder mit sogenannten politischen Abgaben zu belasten. Das ist aus den besonderen englischen Verhältnissen zu verstehen, in denen die Arbeiterpartei nicht über eine festgefügte Organisation gebietet, sondern sich auch finanziell auf die Gewerkschaften stützt. Daß die Arbeiterregierung das Washingtoner Abkommen vollziehen will, ist an sich verständlich, aber deshalb ohne Bedeutung, weil weder Frankreich noch Stalien das Beispiel nach ahmen werden. Und sicher wird auch Oie Thronrede. London, 2. Juli. (Telun.) Im Oberhaus wurde heute das Parlament durch die Verlesung der Thronrede durch den Lordkanzler eröffnet. In der Thronrede heißt es: „Meine Lords und Mitglieder des Unterhauses! Während ich bedauere, nicht in der Lage zu sein persönlich zu erscheinen, danke ich dem allmächtigen Gott, daß ich nun mit Vertrauen meiner völligen Wiederherstellung meiner Gesundheit entgegensehen kann, für die die Gebete meiner Volker, verbunden mit einer Sympathie und Anhänglichkeit die meine tiefste Dankbarkeit findet, während der Monate meiner langen Paris, 2. Suli. (TU. Funkspruch.) Die Thronrede hat in Paris ihren Eindruck nicht verfehlt. Man war darauf gefaßt, daß fie ein weitgehendes soziales Programm entwickeln und in ben Fragen der internationalen Politik eine ehr gemäßigte Auffassung vertreten werde, doch hatte man eine s o entschiedene Stellungnahme in der Rh e i n l a n d f r a g e nicht vorgesehen. Die Rede wird in linksgerichteten politischen Kreisen aufs lebhafteste begrüßt, während die Rechtsparteien in ihr eine vorzeitige Festlegung für die kommende internationale Tagung erblicken. Sn den Wandelgängen der Kammer war die Rede Gegen- tand lebhafter Erörterung, man konnte vielfach die Auffassung vertreten hören, daß die englische auswärtige Politik unter der Regierung Macdonalds Wege beschreiten werde, die England und Frankreich in Gegensatz zueinander bringen könnten. Der sozialistische „Populaire" erklärt: Die Ausführungen der Thronrede über die Rheinland- rä’tmung zeigen, daß England die Solidarität der alliierten Mächte nicht brüsk zerbrechen will, aber auch nicht wünscht, daß diese Solidarität zur Aufrechterhaltung der militärischen Besetzung führt, deren nahe bevorstehendes Ende es angekündigt hat. — Die radikale „Volonte schreibt: Die Befürchtung, daß die Arbetterregierung die bevorstehende isolierte Ab beruf ung der englischen Besatzungstruppen aus dem Rheinlande ankündigen werde, ist u n b e g r u n d e t gewesen. Die Thronrede beschränkt sich auf die Feststellung, daß dieInkraftsetzungdesYoung- Planes es den Besatzungsmächten gestatten wird, das Rheinland zu räumen. . „ , Das nationalistische „Echo de Pans bemerkt: Die Ankündigung der englischen Thronrede über die Rheinlandräumung zeigt, daß, wenn die französische Regierung List und kleinliche Kniffe aufzuwenden und zu manövrieren versuchen würde, London gegen Frankreich auf der Seite Deutschlands stehen wird. Frankreich müsse aber die Räumung immer noch von der vorherigen Kommerzialisierung des ungeschützten TeilesderdeutschenSchuld und von der Schaffung einer Ausgleichs- und Fest- stellungskommission zur Ueberwachung der neutralisierten Rheinlandzone abhängig machen. Stresemann wird in beiden Fällen das englische Ausführungsgeseh, trotzdem es das Siegel Macdonalds trägt, so viel Hintertüren offen lassen, daß der Achtstunden-Tag auch in England nur auf dem Papier steht. Einen gro- ;en Spielraum für feine Politik traut sich Macdonald offenbar nicht zu. Und schließlich hängt alles davon ab, daß der Umbau des Wahlrechts so ausfällt, daß er Lloyd Georges Wünsche befriedigt. Ob bann aber Reuwahlen in absehbarer Zeit zu einem Wiederaufstieg der Liberalen führen, ist wenig wahrscheinlich, denn gerade diese Reuwahlen werden die Liberalen zwischen die beiden Mühlsteine der Unionisten und der Arbeiterpartei bringen. Erscheinl täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trager- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Der neue Regierungskurs in England. Macdonalds Thronrede zur Eröffnung des Parlaments. - Abwartende Haltung in der Frage der Rheinlandräumung und ernsten Krankheit erfolgten. Meine Beziehungen zu den ausländischen Mächten sind weiterhin freundschaftlich. Die unabhängigen Finanzsachverständigen, die ernannt wurden, um Vorschläge für eine völlige und endgültige Regelung der deutschen Reparationsfrage auszuarbeiten, haben einen einmütigen Bericht erbracht, der gegenwärtig durch meine Regierung geprüft wird, wie die Vorbereitung für eine Konferenz von Vertretern der beteiligten Regierungen, Line Regelung dieser Frage wird die 23e- sahungsrnächle in die Lage versehen, mit der Räumung des Rheinlandes fortzufahren. Die Verhandlungen haben begonnen mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika über die Frage der <5 lot t en ab rü ft un g. Sm Zusammenhang damit ist es der ernsteste Wunsch meiner Regierung, die Zusammenarbeir mit meinen Regierungen in den Dominien und der indischen Regierung und den Regierungen der ausländischen Mächte eine allgemeine Verwinde run g der Rüstungen in bet ganzen Welt zu erreichen. Meine Regierung ist der Ansicht, daß die Zeit gekommen ist, inter*. nationale Konflikte, in denen die beteiligten Par-, teteu über die Rechte nicht einig sind, der juristisch en Schiedsgerichtsbarkeit zu unterbreiten. Für diesen Zweck habe ich mich mit meinen Regierungen in den Dominien und det Regierung von Snbien in Verbindung gesetzt, wegen der Unterzeichnung der in den (Statuten; des Gerichtshofes für internationale Gerichte ein*, geschlossenen Optionsklausel. Meine Regierung prüft die Frage, unter welchen Bedingungen die britischen Beziehungen mit der Union der Sowjetrepubliken wieder ausgenommen werden können und ist daher in Verbindung mik meinen Regierungen in den Dominions und der Regierung in Indien getreten. Meine "Lords ur.d'Mr^lieder des Unterhauses! Es wird das an erster Stelle stehende Bestreben meiner Minister sein, die anhaltende Gefahr der Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Pläne werden vorbereitet werden, für die Verbesserung der Transportmittel, für dis Förderung der unter einer Depression leidenden Zweige des Ausfuhrhandels. Meine Regierung erwägt die Frage der R e o r g a n i s a ti o n der Kohlenindustrie, einschließlich der Arbeitszeit und anderer Fragen. Vorlagen für die Ergänzung und Verbesserung der bestehenden A r - b e i t s g e s e tz g e b u n g und für die Durchführung der in Washington im Jahre 1919 übernommenen Verpflichtungen werden ihnen unterbreitet werden. Meine Minister beabsichtigen gesetzgeberische Maßnahmen einzubringen, für eine ausgedehnte Politik zur Beseitigung des Wohnung s- elends und eine Verbesserung der Unterkunftsmöglichkeiten in den Außenbezirken der Städte und den ländlichen Bezirken. Meine Minister haben beschlossen, daß die Zeit gekommen ist, das ganze Gebiet der Gesetzgebung, die sich auf den Verkauf und die Versorgung mit alkoholischen Getränken bezieht, einer Prüfung zu unter- ziehen. Zum Schluß nimmt die Thronrede Bezug auf das bei den letzten Neuwahlen in Kraft getretene erweiterte Wahlrecht, das, wie es in der Thronrede heißt, „in die Hände meines gesamten Volkes reifen Alters die ernste Verantwortung für den Schutz der Wohlfahrt dieser Nation als einer k o n- ft i t u t i o n e 11 e n Demokratie legt", und betont, daß die Regierung in eine Prüfung der bei der Wahl gemachten Erfahrungen einzutreten beab- fidjtigt. Oie Aussprache. London, 2. Suli. (Funkspruch.) Die Aussprache über die Thronrede im Unterbaut beschränkte sich auf eintz erstes Rededuell zwischen Baldwin in seiner Rolle als Führer bet Opposition und Ministerpräsident Macdonald. Der arbeiterparteiliche Abgeordnete S n e 11 erklärte u. a.: Zu großer Genugtuung gereicht es uns, daß sich die Möglichkeit zeigt, öie englischen Truppen im Rheinland zurückzurufen und einem Volk, mit dem wir seit mehr als zehn Sahren in Frieden leben, die heißgeliebte Gegend zurückzugeben, die mit so glanzvollen und romantischen Erinnerungen der deutschen Geschichte verknüpft ist. Wenn dieses Sdeal in Erfüllung gehen würde, so würde das hier wohl mit fast derselben Zufriedenheit begrüßt werden, wie in Deutschland. Baldwin als Führer der Opposition ging in seiner Rede sofort auf die großen außenpolitischen Fragen ein. Er richtete an die Regierung die Frage, ob der in Angriff genommene Plan für dis Ueberfübrung des Sachverständig genberichts in eine endgültige Form dem Parlament zugeleitet werde, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen würbe. Hinsichtlich der geplanten Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland bat er um Aus* : funft, ob der Ministerpräsident zu den grundsätzlichen Darlegungen stehe, die er in feinen Anmerkungen zu dem Sinojew-Drief niedergelegt habe. Auch über die geplante Reise Mac* donalds nach Washington wünschte General-Anzeiger für Gberhesfen Druck und Verlag: vrllhl'sche Universitäts-Such- und Steindruckerei N. Lange in Si-tzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Nr. 155 Erstes Blatt Eichener Anzeiger Baldwin nähere Mitteilungen sowohl über den Zweck dieses Besuches, wie über die formale Frage, ob Macdonald die Zustimmung des Königs hierzu nachzusuchen gedenke. Er sei überzeugt, daß ein solcher Besuch in den Bereinigten Staaten begrüßt würde, hoffe aber gleichzeitig, daß weder der Ministerpräsident noch das Land von ihm zuviel erwarte. Baldwin schloß mit dem Ersuchen an die Regierung, dem Hause mitzuteilen, welche Politik sie in der Schutzzollfrage zu verfolgen gedenke und welcher Art die Vorlagen seien, die sie dem Hause hinsichtlich der angekündigten Maßnahmen im Bergbau unterbreiten wolle. Macdonald begann seine Antwort mit der Zusicherung, daß die Regierung es sich angelegen sein lassen werde, bei allen Fragen von Bedeutung dem Hinterhaus Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Die brittsche Regierung sei bestrebt, auf dem nun praktisch von allen Rationen der Welt rattfizierten Kellogg-Pakt ihre Abrüstungspolitik aufzubauen, die diesen Pakt als einen lebendigen und entscheidenden Einfluß auf die internationale Politik anerkennen würde. Die amerikanische wie die brittsche Regierung suche die sofortige Zusammenarbeit mit den anderen großen Flottenmächten, sobald eine wirkliche Verhandlungsgrundlage erreicht sei. Zur Reparationsfrage sagte Macdonald, Großbritannien habe Lasten übernommen, die es im Verhältnis zu der Leistungsfähigkeit der anderen Mächte nicht hätte übernehmensollen. Es solle in keinem Falle, in dem bereits Verträge bestünden, wieder rückwärts gehen. Die russische Frage streifte Macdonald nur kurz. Der innerpolitische Teil seiner Rede begann mit der bedeutsamen Ankündigung, daß die Regierung nicht bereit fei, die in Kraft befindlichen Schutzmaßnahmen für die Industrie nach Ablauf der Lauffristen zu verlängern, sondern sich das Recht Vorbehalte, bis zu einem früheren Zeitpunkt aufzugeben, wenn das zweckmäßig erscheinen sollte. Oie Truppeuverschiebuugeu am Rhein. Keine Anzeichen für Räumungsvor- bereitungen in Rheinhessen. Darmstadt, 2. 3uIL (Wolff.) Zu den Meldungen von Truppenabtransporten im besetzten rheinischen Gebiet, und zwar in der hessischen Zone, erfahren wir von zuständiger Stette, daß in den letzten Tagen von den französischen Militärbehörden zwar wiederholt Meldungen über Quartiernehmen in Groß-Gerau, Rauheim, Büttelborn. Klein-Gerau, sowie in Rierstein, Alsheim, Oppenheim und Guntersblum eingegangen sind. Diese Truppen sind aber in Richtung auf das Griesheimer Lager weitergegangen, wo sie auch eingetroffen sind. Da in einigen der letztgenannten Orte Festlichkeiten angeseht waren, war von den hessischen Stellen versucht worden, die Einquartierungen zu verschieben. Das ist nicht gelungen im Gegensatz zum Vorjahre, wo die Truppen aus Mainz usw. direkt nach dem Truppenübungsplatz Griesheim gingen. Es wurde angegeben, daß es sich um junge Soldaten handelt, denen man den Marsch nach Griesheim bei dem heißen Wetter nicht ohne weiteres zu- muten könne. Diese sommerlichen Truppenverschiebungen sind nichts R e u e s , da sie im Zusammenhang mit den alljährlichen größeren Scharfschiehübungen der Infanterie, Kavallerie und Fliegertruppen auf dem Griesheimer Truppenübungsplatz stehen. Bei den amtlichen hessischen Stellen liegen auch keinerlei Rachrichten vor, die eine De- stättgung für eine vermutete Rückwärtsbewegung der französischen Truppen nach Frankreich bieten könnten. Wie bekannt, sind auch beim Reichskommissar in Koblenz keine derartigen Mitteilungen der Besatzungsbehörden eingegangen. 3m besetzten hessischen Gebiet befinden sich nach den letzten Feststellungen insgesamt beinahe 27 Prozent der gesamten Desatzungsarmee. während das hessische Gebiet nur 13 Prozent des gesamten besetzten Gebiets ausmacht. Bauernvereine und Landbund Die Zusamruenfchlußbestrebungen im Rheinland. Berlin. 3.3uli. Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine, die von dem Reichsminister a. D. Dr. Hermes geführt wird, befindet sich in einer schwierigen Situation. Während die Berliner Spitze nur mit gemischten Gefühlen der ständig fortschreitenden Tendenz eines organischen Zusammenschlusses der Bauernvereine mit den anderen landwirtschaftlichen Organisationen, wie dem Landbund und der Bauernschaft, gegenübersteht, seht sich diese Bewegung in der Provinz gleichsam von unten heraus in der letzten Zeit immer mehr durch. Symtomatisch ist in dieser Richtung der Zusammenschluß des Rheinischen Bauernvereins und des Rheinischen Landbundes, der nüt einen kleinen Ausschnitt aus dieser breit angelegten Bewegung darstellt. Di« Führung der Vereinigung der deuttchen Bauernvereine ist über den Zusarn- merrschluh im Rheinland schon vor einiger Zeit unterrichtet worden, sie muhte aber der provinziellen Organisation freie Hand lassen. Sie hat zwar das vor rund vier Monaten von dem Westfälischen Bauernverein gestellte Ultima* tum auf Zusammenschluß der Berliner Spitzen- organisatton mit dem Landbund abgelehnt, aber es wird immer unübersichtlicher, ob die Vereinigung bei dieser Haltung auch in Zukunft bleiben kann. Unter diesen Umständen ist anzunehmen, daß vor allem die kommenden Herbstmonate für die Vereinigung wichtige Entscheidungen bringen werden. Ein nachahmenswertes Beispiel. Berlin, 3. Juli. (Priv.-Tel.) Wie verlautet, hat sich das thüringische Staatsmini st e- r i u m entschlossen, zu den üblichen Tagungen, Veranstaltungen usw. in Zukunft keine Mini st e - rialbeamten mehr zu entsenden. Dieser Beschluß der thüringischen Regierung wird mit der dringend notwendigen Sparsamkeit begründet. Hoffentlich wirkt dieses Beispiel Thüringens sich auch weiterhin aus, denn abgesehen von der damit verbundenen Einsparung an Spesen und Reisegeldern, aber auch an Ur- DieReparationskonferenzderRegiemngen. Paris, 2. Juli. (TU. Funkspruch.) Durch eine halbstündige Besprechung des deutschen Botschafters v. H ö s ch mit dem französischen Außenminister B r i a n d am Montagabend ist die deutsche Regierung in einen amtlichen Gedankenaustausch über Ort, Zeit und Inhalt der bevorstehenden diplomatischenKonferenz eingetreten. Da es sich hierbei um eine Fühlungnahme nur zwischen zwei Partnern — dem französischen und dem deutschen — handelte, konnte eine Entscheidung natürlich nicht gefällt werden. Dagegen verstärkte sich der Eindruck, daß noch manche Aussprache notwendig sein wird, bevor eine Einigung aller beteiligten Mächte erzielt werden kann. Die Reichsregierung hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß sie die Wahl des Konferenz- ortes d en anderen Regierungen überlasse, doch hat sie die französische Regierung wissen lassen, daß wichtige Gesichtspunkte für London sprechen. Eine Hinausschiebung der Konferenz über das Datum vom 5. August hält die deutsche Regierung für unerträglich, dagegen wird ein Zeitpunkt für wünschenswert gehalten, der zwischen dem 15. Juli und dem 5. August liegt. So wird man erwarten können, daß die Konferenz in ben er ft en Augu st tagen vermutlich in London ftattfinben kann. Wichtiger ist naturgemäß in den deutsch-französischen Verhandlungen Wesen und Inhalt der zukünftigen Konferenz. Auch hier ist der deutsche Standpunkt in der Unterredung vom Montagabend sehr deutlich zum Ausdruck gekommen, der es adle h n t, die Konferenz über Monate hinaus auszudehnen, um sie womöglich noft in drei Debet t e n ju zerlegen. Eine Vorkonferenz, die Genfer Besprechungen und eine Nachkonferenz. Die Reichsregierung legt vielmehr das stärkste Gewicht darauf — nach dem Vorbild der Londoner Konferenz von 1924 — in einem Zuge alle zur Erörterung stehenden Fragen endgültig zu entscheiden. Zahl und Umfang dieser Fragen ist nicht so groß, daß sie nicht mit gutem Willen von den Staatsmännern, unterstützt. Die durch die Arbeit von gleichzeitig tagenden Sonderausschüssen, in einem Zuge erledigt werden könnten. Französischerseits wünscht man bekanntlich eine Bindung der Rheinlandräumung an den Erfolg der Mobilisierung der deutschen Schuld. Deutscherseits wird man dem gegenüberhalten müssen, daß uns der Versailler Friedensvertrag nach Artikel 431 rechtlich völlig einwandfreie Unterlagen für d i e ForderungnachsofortigerRheinland- räumung gibt. Weiterhin wäre es nicht nur un- logisch, sondern widersinnig, den Erfolg der Mobilisierung, auf den ja Deutschland keinerlei Einfluß besitzt, in ein Geschenk an Deutschland in Form der Rheinlandräumung umwandeln zu wollen und, falls der Erfolg zu wünschen übrig ließe, das Rheinland weiterhin besetzt zu halten. Aehnlich liegt es mit der Saarfrage. Wenn hier der Standpunkt Deutschlands auch rechtlich anders ist als in der Rheinlandfrage, so ist § 38 der Anlage zu Artikel 50 des Versailler Vertrages eine durchaus wirksame Verhandlungsunterlage. Mindestens so wichtig scheinen aber auch die Beschlüsse vom Dezember 1928 zu sein, die die drei Außenminister Deutschlands, Englands und Frankreichs in Lugano gefaßt haben, und die besagen, daß nun endlich die Zeit gekommen sei, alle diejenigen Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten zu beseitigen, die die Rachkriegszeit trüben. Rur das eine möchte man noch zur Klarlegung des deutschen Regierungsstandpunktes hin- zusügen, daß sich die Deichsregierung unter der Formel der Ablehnung einer „Kontrolle im Rheinlande" nicht nur auf die Ablehnung einer ständigen Kontrolle beschränken, sondern klar zum Ausdruck bringen möge, daß sie unter keinen Umständen einer auch noch so kurz befristeten Kontrolle — oder gar einer Kontrolle über das 3ahr 1 9 35 hinaus zustimmen werde. Reue Phase im Siiuues-Prozeß. Regierungsrai Steiger vom Meinministerium wird als Zeuge vernommen. Berlin, 2. 3uli. (WB.) Bankier Kunert bekundet als Zeuge mit Dorregger, Dunkelblum und dem Angeklagten Schneid nach 3talien gefahren zu sein, um Aufwertungsansprüche zusammenzufassen und zu finanzieren. Das Geschäft sollte auf Grund des Paragraphen 10 des An- leiheablösungsgesehes in durchaus legaler Weise gemacht werden. — Ein ehemaliger Angestellter des Angeklagten Dela Grosz, Hausmann, bekundet, Grosz habe ihm in Berlin mitgeteilt, er sei an einigen rumänischen Banken interessiert, die deutsche Kriegsanleihe zur Aufwertung angemeldet hätten. Bela Grosz habe ihn gebeten, Dr. Steiger zu veranlassen, die Abwickelung zu beschleunigen. — Vorsitzender: „Sind Sie bei Dr. Steiger im Ministerium für die besetzten Gebiete gewesen?" — Zeuge: „3a- wohl, ich habe mit ihm über die Sache gesprochen und Dela Grosz mit ihm bekannt gemacht." — Rechtsanwalt Dr. Gollnick: „Haben Sie nicht auch von Regierungsrat Steiger Geld bekommen?" — Zeuge: „3awohl, ich habe mir hander t M a r k von ihm geborg t." — Rechtsanwalt Dr. Gollnick: „Haben Sie nicht auch einmal von Dr. Steiger 2500 Mark im Auftrage von Dela Grosz erhalten?" — Zeuge: „3a, das stimmt auch." — Vorsitzender: „Wie kamen Sie dazu, ausgerechnet Dr. Steiger anzupumpen? Sie legten doch Wert darauf, zu betonen, daß Sie Dr. Steiger für eine vornehme Bekanntschaft hielten, mit der Sie imponieren konnten." Zeuge: „3ch pflege immer bei höherge- steilten Personen zu borgen." Dors.: „Angeklagter Bela Groß, wieviel Geld haben Sie Dr. Steiger gezahlt?" Bela Groß: „Ungefähr 8000 bis 10 000 Mk." Der Zeuge, Regierungsrat Dr. Steiger, schildert, wie Hausmann ihn um seine Unterstützung in einem Anleihegeschäft gebeten habe. Er sei dann mit Groß zusammengekommen, der ihm versichert habe, daß es sich um ein v o l l - kommen korrektes Geschäft handele. Das sei ja auch die selbstverständliche Voraussetzung gewesen, unter der er sich überhaupt mit der Angelegenheit befaßt habe. Er habe zugesagt, auf die Beschleunigung der Angelegenheit hin- zuwirken. Der Zeuge betont weiter, er fei nicht direkt bei der Reichsschuldenverwaltung gewesen, sondern habe mit einem Vertrauensmann, einem gewissen 3akob, gesprochen, der die Beschleunigung des Aufwertungsverfahrens habe durchführen wollen, aber erhebliche Provisionsforderungen stellte. Bela Groß, dem er diese Forderungen des 3akob unterbreitet hätte, habe die verlangte Provision in Höhe von 10 000 Mark gezahlt. Vorsitzender: „Haben Sie das Geld in voller Höhe an Jakob weitergegeben ober haben Sie etwas für sich behalten?" — Zeuge: „Ich habe nichts davon behalten, aber die Eheleute Hausmann haben davon einen Betrag bekommen." — Vorsitzender: „Haben Sie einmal an Hausmann einen größeren Betrag gezahlt?" — Zeuge: „Ja, auf Veranlässung von Groß von dem Betrage für Jakob." — Vorsitzender: „Fiel es Ihnen nicht auf, daß jemand mit einem Anliegen zu Ihnen kam, das mit Ihrer Stellung im Ministerium für die besetzten Gebiete nichts zu tun hatte?" — Zeuge: „Jetzt würde es mir allerdings auffallen, aber damals sind täglich viele Leute mit allen möglichen Angelegenheiten zu mir ge« kommen, die mit meinem Amt auch nichts zu tun hatten. Einmal tarnen sogar zwei höhere preußische Justizbeamte, die in Moabit tätig sind, deren Namen ich aber nicht nennen möchte, in Beförderungsangelegenheiten zu mir." — R.-A. Dr. Gollnick: „Sie haben mir gesagt, Sie hätten keine materiellen Vorteile von dem Geschäft gehabt. Früher haben Sie anders gesagt. Es war die Rede von einem Ostergeschenk." — Zeuge: „Das halte ich auch jetzt noch aufrecht. Ich habe zu Ostern 1927 von Jakob ein Geldgeschenk von drei neuen Tausendmarkscheinen erhalten. Es ist möglich, daß das Geld aus dem Anleihegeschäft stammte." — R.-A. Dr. Gollnick: „Haben Sie nicht auch mit dem Finanzministerium in dem Anleihegeschäft Fühlung genommen?" — Zeuge: „Es ist möglich, daß ich mit dem früheren Reichsfinanzminister Köhler, der mein Landsmann und Parteifreund ist, darüber gesprochen habe, daß hier der deutschen Wirtschaft Geld zugeführt werden würde. Ich kann mich aber darauf nicht mehr besinnen." Nach längerer Beratung verkündet der Vorsitzende den Beschluß, daß das Gericht von einer Vereidigung der Zeugen Dr. Steiger und Hausmann A b - stand nimmt, da angesichts der Tätigkeit, die beide zur Förderung der Anleihegeschäfte entfaltet haben, der Verdacht der Teilnahme an der den Angeklagten zur Last gelegten Tat bei beiden Zeugen besteht. beitstraft, haben die zahlreichen Veranstaltungen oftmals wichtige Beamte von wertvoller Arbeit abgehalten. Der Versafsungstag in Preußen. Berlin, 2. 3uli. (WB.) Amtlich. Das preußische Staatsministerium hat zur Feier des Verfassungstages für den 11. August 1929 angeordnet, daß wegen der Beflaggung der Gebäude des Staates, der Gemeinden und Gemeindeverbände, der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen die Bestimmungen der Verordnung vom 29. 3uni 1929 zu gelten haben. Allenthalben sollen die verschiedenen Behörden sich vorher in der Richtung ins Benehmen sehen, daß die Veranstaltung möglichst gemeinsamer Feiern zustande kommt Und deren würdige äußere Gestaltung herbeigeführt werden kann. 3n bezug auf die Einzelheiten der Feiern (Ansprachen, musikalische oder sonstige Darbietungen) wird den Behörden weitestgehende Handlungsfreiheit gelassen. Zu den Feiern sollen Vertreter aller Kreise der Bevölkerung hinzugezogen und sie sollen möglich st volkstümlich zustande gebracht werden. Von den Staatsbeamten wird erwartet, daß sie sich an den Festakten beteiligen. Oas neue sächsische Kabinett. Eine Regierung von Fachleuten. Dresden, 2. Juli. (WB.) Ministerpräsident Dr. Bünger hat am Dienstagnachmittag sein Kabinett gebildet, das als Kabinett von Fachleuten angesprochen werden muß, dessen Bildung auf parteipolitische Schwierig- ketten zurückzuführen ist, die insbesondere von den kleinen Parteien der bisherigen Koalition gemacht wurden, und die eine andere Lösung vorerst nicht gestatteten. In dem neuen Kabinett sind neben Dr. Sänger, der außer der Ministerpräsidentschaft das Volks- bildungsminifterium beibehält, von der alten Regierung der deutschnationale Wirtschaftsminister Dr. Krug v. Nidda und der Finanzminister Weber (Wirtschaftspartei) vertreten. Neu in das Kabinett treten ein als Justizminister Ober- landesgerichtspräsident Dr. Mannsfeld und als Minister des Innern der Landeshauptmann von Bautzen Dr. Richter, die beide keiner Partei angehören. Dr. Richter gilt als einer der fähigsten Verwaltungsbeamten Sachsens. Das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium bleibt bis auf weiteres u n ° besetzt. Aus aller Wett. Der Pankower Primanermord vor dem Schwurgericht. Die Bluttat, der der Primaner Herbert Kley er am 22. Februar am Klausthaler Platz in Pankow zum Opfer gefallen ist, hatte ihr gerichtliches Rachspiel vor dem Schwurgericht des Landgerichts III Berlin. Wegen gemeinschaftlichen Totschlags und Beteiligung an einem Raufhandel, der ein Menschenleben zum Opfer gehabt hat, sind der Arbeiter Karl Schultz und der Bäckergeselle Gerhard R ö b e r angeklagt. Die beiden Angeklagten kannten sich aus der kommunistischen Bewegung und wohnten zusammen. Am Abend des 22. Februar waren sie in dem Jugendheim bei der Pankower Kirche gewesen. Auf dem Heimweg fuhren sie mit ihren Rädern durch die Straßen in Pankow und begegneten einem Trupp von vier jungen Leuten, die durch ihre Abzeichen als Angehörige des Stahlhelms kenntlich waren. Unter ihnen befand sich Kleher, der von Schultz mit einem Revolver erschossen wurde. Der Hauptangeklagte Schultz zeigte sich vor Gericht sehr zerknirscht: er weinte dauernd. 3nfolge einer unglücklichen Veranlagung habe er immer aus der Arbeit Weglaufen müssen. Der Angeklagte behauptet, sich an die Tat nicht mehr erinnern zu können, wie ihm dies schon bei anderen Vorfällen passiert sei. Er wurde wegen Totschlags vom Schwurgericht zu fünf 3 ahren Gefängnis verurteilt, während der Mitangeklagte Röber freigesprochen wurde. Der Weltrundflug des „Graf Zeppelin". Dr. Eckener, der in Begleitung des Kapitän- Lehmann zur Besprechung einiger mit dem Weltrundflug des „Graf Zeppelin" zusammenhängender Fragen in Berlin eingetroffen ist, erflärte: „3ch hoffe zuversichtlich, etwa am 10. Aug. die Weltfahrt antreten zu können. 3ch muh allerdings hinzufügen, daß das genaue Datum des Abfluges noch von dem Ergebnis der Untersuchung der Motoren und der darauf folgenden Probefahrten abhängen wird. Das Programm des Weltfluges bleibt unverändert. Wir landen in Tokio, in Kalifornien und in L a k e h u r st. Don da fliegen wir nach Friedrichshafen zurück. Ueberall ist alles für die Landung vorbereitet. Das Programm ist bis auf das letzte Detail :durchberaten." Sturz In die Tiefe. Ein Wanderbursche ist von dem etwa 100 Meter steil abfallenden Felsen „Schöne Aussicht" b e i Hönningen am Rhein in die Tiefe gestürzt. Er hatte sich mit einem anderen Wanderburschen unmittelbar am Rande des Felsens niedergelassen. Dabei war ihm ein Ausrüstungsstück entglitten und über den Rand des Felsens gefallen, wo es am Gestrüpp hängen blieb. Bei dem Dersuch, den Gegenstand wieder zu ergreifen, stürzte er, von Klippe zu Klippe auf- schlagend, ab und blieb mit schweren Kopfverletzungen und gebrochenen Gliedmaßen l e - b en s g es äh r l ich verletzt liegen. Der Der- unglückte, ein 22jähriger Anstreichergehilfe, stammt aus Diersen. Oie Wetterlage. ingö 755 < Uai O W tsiockh: Val. 75 O La (oruna »21 (S Tran» 48 bienst^a. d.2.Juli 1929, 7n aDds. , ' ~:£ «Ost- --O- 2 6/äMS r?' nalb bcdecKt.» woixig. • Gedeckt •Kegen * Schnee a Graupeln, e Nebel K Gewittfr,(§)Winostille.K>-. sehr «jenter Ost massiger Südsüdwest q stürmischer nordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem Winde. Die oeiden Stationen stenenden Zart» (en geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen^ •uf Meeresniveau umgerexhneten Luftdruck Wettervoraussage. Während im Laufe des gestrigen Tages durch den ansteigenden Luftdruck eine Beruhigung der Wetterlage einsetzte, wurde bereits durch die neuen Störungen der veränderliche Witterungscharakter wieder eingeleitet. Die Unbeständigkeit hält vorläufig an. Dabei treten strichweise Rie- derschläge und auch Gewitterstörungen auf. Die Temperaturen halten sich weiter, nur später dürfte eine leichte Abkühlung eintreten. Wettervoraussage für Donnerstag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, vorüber- aehend auch aufheiternd, warm, strichweise Niederschläge, teilweise gewitterhaster Art. Wettervoraussage für Freitag: We- nig Aenderung der Wetterlage, jedoch etwas kühler. Lufttemperaturen am 2. Juli: mittags 18,8 Grad Celsius, abends 15,3 Grad: am 3. Juli: morgens 19,9 Grad. Maximum 20,4 Grad, Minimum 14,6 Grad.— Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juli: abends 19,9 Grad: am 3. Juli: morgens 16,6 Grad Celsius. — Niederschlag 1,5 mm. — Sonnenscheindauer 3% Stunden . Reisewetterdienst der amtlichen Wetterdienststelle Oberhessen. Bayern (Garmisch - Partenkirchen): Gestern warmer Tag, meist heiter: heute morgen 18 Grad, Südwind, heiter. — (Berchtesgaden): Warmer Tag, meist heiter; heute morgen 16 Grad, Westwind, heiter. Küste (Westerland auf Sylt): Gestern vorherrschend kühl, meist trübe; heute morgen 14 Grad, Südostwind, wolkig. — (Swmemünde): Gestern kühle Rächt, meist trübe; heute morgen 15 Grad, Südostwind, wolkig. — (Borkum): Gestern vorherrschend kühl, regnerisch; heute morgen 13 Grad, Südostwind, Regen. Baden (Baden-Baden): Gestern der 3ahres- zeit angemessene Temperatur, teils heiter, teils wollig; heute morgen 20 Grad, Südwestwind, wolkig. (Tribera): Gestern warmer Tag, teils Hecker, teils wollig; heute morgen 16 Grad, Windstille, Regen. (Freiburg): Gestern der 3ahreszeck angemessene Temperatur, teils heiter, teils wolkig; heute morgen 20 Grad, Südostwind, Regen. Rheingebiet (Köln): Gestern milbe Rächt, teils heiter, tells wolkig; heute morgen 19 Grad. Südwestwind, wolkig. Thüringer Wald (Eisenach): Gestern milde Rächt, Wetter besser geworden; heute morgen 17 Grad, Rordwestwind, heiter. Schlesien (Schreiberhau): Gestern milde Nacht, Wetter besser geworden; heute morgen 14 Grad, Nordostwind, wolkig. i*Mi$ Tq sich Ns. toi« W* Tat ]rt lei. J”3e^eIin. »n" „ JM to» Hirt-": ährten M Tirrdmaßen 1 e . ^‘.Nen. Zer Der. itcrchngehisse^tennni läge. T55N •*«** ;GtVil!/r^)Wl3«tllli. «l£,ti£^ tfi« ittssage. gestrigen W* durch eine Drrchgung dtt X bereits durch die Brüche Ditterungs« t Die Unbeständlgleit ttterstörungen-us^M b weiter, nur IP«0 ibfuna eintreten. , für Donnerstag- Sfi: Mittags g -lull: morgens 14 6 ©tob.- ®i""^2Ä«M"bs “SSlÄ^S .•SÄ***1* Ää ?'Ä-äS S»-" -ife'-e Serif» ^'e"° a'tur. «d»»1' n Grad. SS** sr«*s5f •* heute n Landesrfariell Hessen im Deutschen Beamtenbund. WSD. D a r m st a d t, 30. Juni. 2m städtischen Saalbau begann heute unter zahlreicher Beteiligung der hessischen und der Spihenorgani- sationen des Deutschen Deamtenbundes die Hauptausschußsihung (Vertreter- tag) des Lendeskartells Hessen rm Deutschen Beamtenbund. Unter Leitung des Vorsitzenden des Hessischen Deamtenbundes, Dr. Claß, begann am Dormittag die Arbens- togung. Das Landeskartell seht sich nicht mehr, wie seither, aus den Orts- und Kreiskartellen zusammen, sondern baut sich auf den Säulen des Deutschen Deamtenbundes auf. Dach dem vom Borsitzenden erstatteten Geschäftsbericht wurde eine Entschließung angenommen die sich gegen den Abbau des Berufsbeamtentums und gegen die Einengung des Kreises der den Beamten zugewiesencn Aufgaben wendet. Alle Stellen, die ein besonderes Treuverhältnis zum Staate erforderten, müßten mit Beamten beseht werden. 2m hessischen Landeskartell sind in 23 Kreis- und 196 Ortskartellen über 32 000 Mitglieder organisiert. 2n der Aussprache wurde hauptsächlich bemängelt, daß das flache Land und insbesondere Oberhessen in der Kartelleitung zu gering vertreten seien. Dach der Mittagspause sprach Dr. Schumacher aus Wesselin über die Ortsklassenfragen und die sich hier ergebenden Mißstände. Mehrere Entschließungen wurden angenommen. Die beantragte Neugestaltung des Landeskartells wurde mit geringen Aenderungen gemäß den Vorschlägen der vorläufigen Kartelleitung angenommen. Diese soll allerdings bis zur nächsten Ausschuhsitzung weitere Aufbauvorschläge unterbreiten. Der Geschästsfüh- rendeDorstand seht sich aus Dr. C l a ß, Darmstadt, Direktor Zschech, Offenbach, und Postsekretär Schäfer, Darmstadt, zusammen. Dach den Wahlen zu den verschiedenen Ausschüssen wurde der Voranschlag 1 9 2 9 angenommen und weiter eine Reihe von Entschließungen, die sich insbesondere mit der Wahrung der Rechte der im Beamtenbund zusammengeschlossenen Minderheiten befaßten. Der nächste Vertretertag findet in DHeinhessen oder Oberhessen statt. Mit dem Gedenken an die Entschließung der Reichsdegierung zum 28.2uni und die Kriegsschuldlüge wurde mit einem Hoch auf das in der deutschen Republik geeinte Vaterland die Tagung geschlossen. Oragonertage in Butzbach. pb. Butzbach, 2. 2uli» Das ehemalige Leib - Dragoner - Regiment Dr. 24 ging aus dem früheren Garde-Chevaulegers-Re- giment hervor, von dem im 2ahre 1823 zwcc Schwadronen nach Butzbach in Garnison kamen. Ab 1. 2anuar 1860 bildeten die zweite, vierte und fünfte Schwadron dieses alten Regiments mit einer uniformierten Schwadron das 2. Hess. Reiterregiment mit dem Damen Lew-Chevau- legers-Regiment. Unter diesem Damen machte es die Kriege von 1866 und 1870/ZI mit. Am 1 Januar 18Z2 erhielt das Regiment den Damen 2. Groß h. Hess. Dragoner-Regiment (Leib-Dragoner-Regt.) Dr. 2 4. 2m Jahre 1896 verlieh Großherzog Ernst Ludwig dem Kaiser Dikolaus FT. von Rußland die erste 2nhaberstelle des Regiments, wobei es den Damenszug N II auf den Achselklappen erhielt. Gleichzeitig führte in diesem 2ahre die Vereinigung des Regiments zur Aufhebung der Garnison Butzbach. Am 25. Do- vember 1906 wurde der Dame in Leibdragoner-Regiment (2. Großh. Hess.) D r. 2 4 geändert. An dem Weltkrieg nahm das Regiment hervorragenden Anteil. Da die Dragoner noch heute bei einem großen Teil der Butzbacher Bürger in gutem Andenken stehen, nahm die Leitung des Bundes der ehem. Dragoner Veranlassung, ihren Regimentstag in Butzbach abzuhalten und ihn mit einer Gedenk st ein-Einweihung zu verbinden. Butzbach hatte zur Ehrung der Gäste die Hauptstraßen vom Bahnhof bis zur Festhalle am Wetzlarer Tor und die Häuser mit reichem Flaggenschmuck versehen. Die Tagung begann am Samstag mit einem F e st k o m m e r s in der Festhalle, bei dem Landgerichtsrat Dr. Wodaege (Gießen) die Begrüßungsansprache hielt. Er begrüßte insbesondere den letzten Kommandeur des Regiments, Generalmajor B. M e i st e r aus Bcrlin-Wil- mcrsdorf, der es sich nicht hatte nehmen lassen, zu der Tagung in der früheren Garnisonstadt, in welcher er einst als junger Leutnant gestanden, zu erscheinen. Musikstücke der Kapelle Topp- Krengel (Gießen), Liedervorträge des Gesangvereins Orpheus, sowie ein Theaterstück hielten die alten Dragoner und Bürger bis lange nach Mitternacht zusammen. Am Sonntag fand nach einem Frühkonzert auf dem Marktplatz der Empfang der auswärtigen Dezirksvereine statt, worauf um 11.30 Fcldgottesdienst und Gedenk st ein« weihe folgten. Hierbei hielt der Bundesvor- sihende, Rittmeister o. D. Dr. Chälons (Gießen), zunächst eine Ansprache, worauf nach Enthüllung des Gedenksteins Pfarrer Linden- struth (Butzbach) eine tief empfundene Weiherede hielt, die mit dem Absingen des Liedes „2ch halt' einen Kameraden" schloß. Rittmeister a. D. Dr. Chälons übergab dann das Denkmal in die Obhut der Stadt Butzbach. Bürgermeister Dr. 2 ansen übernahm cs mit einer kurzen Ansprache namens der Stadt in Obhut. Hierauf folgten seitens einer Anzahl Bezirksvereine, sowie verschiedener Offizier-Vereine Kranzniederlegungen. Zu dieser Feier waren auch der ehemalige Großherzog von Hessen mit Gemahlin, sowie die beiden Prinzen erschienen, die sich nach Schluß der Feier zum Rathaus begaben, wo sie vom Balkon aus die Parade der ehem. Dragoner abnahmen. Dachmittags fand in der Festhalle Bei den Klängen der Kapelle Topp-Krengcl gemütliches Beisammensein statt, an dem auch der ehem. Großherzog mit den beiden Söhnen bis gegen fünf Uhr teilnahm. Erwähnt sei noch, daß der G edenkstein an der alten Stadtmauer an der Ludwigstrahe aufgestellt wurde. Er besteht aus Muschelkalk, auf welchem eine Bronze-Plakette, einen ehemaligen Leibdragoner zu Pferd darstellend, angebracht ist. Unter der Figur ist folgende 2n- schrift angebracht: Zur Erinnerung an das Garde- Chevaulegers-Regiment, Leib-Chevaulegers-Regiment, Leib-Dragoncr-Regiment (Krone L) 1818 bis 1896 (Krone N II). Lichtspielhaus Heute Mittwoch, den 3. Juli PREMIERE Ein Weltereignis! Wer kennt nicht die Alle Vergünstigungen aufgehoben I 6714C DÄTfEl schwermütige Weise, das ergreifende, aus tiefstem, schwerem, russb schem Volkstum hervorströmende Lied, das sich die ganze Welt erobert hat? Das Lied von der Wolga! Stenka Rasin ist sein Held, der Abgott des Volkes. Anfang der Spielzeiten: 4, 6, 8.30 Uhr Sonntags: 3, 4.45, 6.30, 8.30 Uhr. Wegen des zu erwartenden Andrangs zu den Abendvorstellungen bitten wir, möglichst die Nachmittagsvorstellungen besuchen zu wollen! Wolga, Wolga ... I Mütterchen Wolga h./vvon SCH LETT SPIELT DEN STENKA RASIN Hierzu in allen Vorstellungen: Gesangliche Bearbeitung und Begleitung durch das Deutsch-russische Baran-Quartett Der neue Millionen-Film Nicht zu verwechseln mit dem Film: „Wolgaschiffer11 Die romantische Ballade Stenka Rasin Regie: W. Turjanski (Russe) Im Spiel: Stenka Rasin Hans Adalbert von Schlettow Prinzessin Zaineb Lilian Hall-Davis Iwaschka Boris de Fas Hadschi-Ali Rudolf Klein-Rogge Greisin Frida Richard Amme Zainebs Ellen Plessow Bojar Morosow Max Maximilian Wanjka Kain Georg John Sohn der Greisin Feodor Schaljapin jun. 04203 gebe, da gänglichl Mellci Las Stu ob dcr t Frcund rechtigt [innen 3: Schritt g und wie gegen dii Gedenkta Hebert dieses n MarS i dah es ' kommen in den c in Hnlä entfored Denkschi beitet fi gen im meßen von selbf nehmend^ nicht me Dichtung Hamel richtshi gebet, wurde, vollkom katastro Miüsant, KZ Tine 1 Quliabeni Theaterlk dürfen |( Seiflertes dieses Al , An zu IPieler gi die fjau] nbters r hübsch £ nicht ge Nül)n tonnte. ' elegant, foff, fiuil •*fl- aber feilte, in nnrtfame "nmer m genau [0 kartieret ® Wahr, Wr but gleich ge lachte, kleine (5 lunden da-Wo Bleib darüber Seehrte 'en nor^ K L'I Serbi bet hat nach -Ä i ä* 1 Ä : wech ' 5n^ 1 h olililft man 0« ladjM einer m» । ,um ®ut kein Zu! , an dein tretet d' empfang1 | gemacht j tonnte0 bah falt geburr trag liier P- bet Dm ' iöiung Stadt i klagt ui liier C Deutsch! Danzig' nachsol| denen i Zufall, l Lage v Wer Sommermarkt Mittwoch, 21 Juli Zuchtvieh-, Handelsvieh-, Schweine- und Prämienmarkt Bullen- und Gchafbockversteigerung Zum Markt zugelassen sind Tiere aus unverseuchten Gemeinden der Kreise Gießen, Friedberg, Kudin gen und Schotten. — Auftriebszeit von 7—9 Llhr. Zur Prämiierung zugelassen ist hessisches Fleckvieh und Vogelsberger Vieh. Anmeldungen zur Prämiierung haben bis spätestens Mittwoch, den 17. Zuli, bei uns zu erfolgen. — Anschließend an die Prämiierung Zuchiviehversteigerung (Lullen und Schafböcke). 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Marineingenieur und Diplomat, stammt der Italiener aus einer alten Familie, ist mütterlicherseits ein 11 r* enkel Liszts, da seine Mutter der Ehe HanS von Dülows mit Cosima Wagner entstammt. 2hm wird gute Kenntnis der Ostfragen und hoher Gerechtigkeitssinn nachgerühmt. Deides wird Gra- vina in Danzig Gelegenheit haben, zu beweisen, wenn er sein Amt ernst ausfaßt und seine Hauptaufgabe in der Ausübung einer gerechten schiedsrichterlichen Tätigkeit zwischen Danzig und Polen erblickt. Dei unvoreingenommener Betrachtung wird er in diesem Brennpunkt der Ostpolitik des öfteren gegen die polnischen Ausdehnungsgelüste Stellung nehmen müssen, wenn er die Reihe der unparteiischen Dolkerbundskommissare, die durch Hamel unterbrochen wurde, fortsehen will. Zuvorderst aber erwartet Danzig von seinem neuen Kommissar eines, nämlich, dah er die Grundlage der freistaatlichen Existenz Danzigs achtet. Dann must er auch Danzig als das anerkennen, was es ist: als ein selbständiges Machtgebilde, als ein freies deutsches Staatswesen, das die ihm aufgezwungene Eigenstaatlichkeit nicht an Polen opfern will und sich gegen alle polnischen Eroberungsgelüste zur Wehr sehen wird. cc® tittl Iles jute gen lauf, eltn: I47D r ’toii- . ein poincare im Juli 1914. Von Emil Ludwig. Mit Genehmigung des Berlages Ernst Rowohlt, Berlin, bringen wir vorstehenden Beitrag aus dem soeben erschienenen Buch von Emil Ludwig „3uli 14". Rauschend glitt die .France" durch die Rächt. Es war dieselbe Stunde, in der der serbische und der russische Premier in ihre Hauptstädte fuhren, den Entscheidungen zu, die ihnen der Schritt der Wiener Kriegsgrafen aufdrängte. Und wie die Gedanken der beiden Männer sich rückwärts wandten, als benützten sie die letzten Stunden der Muhe zu vergleichenden Erinnerungen, so ging es auch hier an Bord den Führern, deren Ohr in Europa jahrelange Verwicklungen entgegenlauschte. Poincare hatte seinen höchsten Moment erlebt. War dieser nicht noch größer als jener, da er, soeben erwählt, auf dem Balkon des Elysee erschien und ihm die immer mokanten Pariser seinen Ramen in einem Witzwort hinausriefen? Waren die Träume der Jugend nicht übertroffen, jetzt da er zur Linken der marmorbleichen Zarin durch das Döfilö der kaiferlichen Garde fuhr, und der Zar trabte neben dem glänzenden Wagen? Kaum an Feiertagen hatte sich der verschwiegene Ehrgeiz dieses Advokaten vor dreißig Jahren so hoch verstiegen. Run forderte das Leben höchste Spannung, um zu vollenden, was durch Jahrzehnte leidenschaftlicher Beharrlichkeit zu erringen war. Sein Volk in einen Krieg treiben, daS war unmöglich, er wüßte es wohl; gab aber der Erbfeind aus Leichtsinn einen Anlaß und fing an, . oder konnte man nur den Schein davon beweisen: wunderbares Geschick, in solcher Stunde Führer der Franzosen zu seinl Poincare glich in dieser Stunde einer Jungfrau, die der glühende Wunschtraum erfüllt, überfallen zu werden. Sonst freilich war er nicht eben unschuldig. Denn er gehörte zu jenen wenigen Mächtigen, die die im französischen Volk erlöschende Flamme der Revanche im eigenen Busen nährten. Kein Wunder, er war Lothringer und gestand nach dem Kriege: .Während meiner Schuljahre (dicht nach dem Siebziger Krieg) hat mein durch die Riederlage verdüsterter Geist unaufhörlich die Grenze überschritten, die uns der Frankfurter Frieden abgedrungen hatte, und wenn ich aus tadrtHa Mi Ws USW. 5757D r VereineJ iJVr’W, ' •5ül1' bei unj Qlt °"d Sänbler. Gesunden« ikräfligiM einem Roman, für den die andere verantwortlich zu machen ist, aus dieser etwas komplizierten Autorschaft an einem lustigen Sommerabend im Gießener Stadttheater könnten am Ende noch jenseits des Kanals Schwierigkeiten erwachsen, über die wir uns den Kopf heute nicht mehr zerbrechen möchten, -e. nifchen Kriegs schiffen wurde unter ihm das Ankerrecht im Danziger Hafen gewährt, obwohl Polen unter den Augen Danzigs den Konkurrenzhafen Gdingen errichtet, der die polnische Flotte ohne Schwierigkeiten beherbergen kann; auf der Westerplatte ist durch direkte Einflußnahme Hamels Polen das Recht zur Munitionslagerung zugestanden worden, was nicht nur eine drohende Gefahr für die Sicherheit der Danziger, sondern auch eine ständige Beeinträchtigung des Hafenverkehrs darstellt. Das sind nur einige der Schäden, die Danzig in der Amtszeit dieses Kommissars erlitten hat und für die Hamel voll und ganz verantwortlich zeichnet. ®r, der Freund Straßburgers, des Vertreters von Warschau in Danzig, hat es auch nie unterlassen, jeweils vor der Verhandlung eines neuen Streitfalles in Genf sich rechtzeitig in Warschau die nötigen Instruktionen zu holen. Wenn Hamel jetzt unter Hinterlassung einer bösen Erbschaft für feinen Rachfolger abgetreten ist, so richten sich die Blicke dem neuen Mann entgegen, in der Hoffnung, dah er sein Amt wahrhaft objektiv und neutral verwalten und die Grundsätze des Rechts und der Gerechtigkeit zur Geltung bringen wird, soweit diese dem vom Reiche losgerissenen Danzig im Versailler Diktat überhaupt zugebilligt wurden. Auf deren Handhabung wird es ankommen, von ihr wird es abhängen, ob Danzig noch weit«: poloni- I fiert werden darf. Was bisher über die Tätig- 1 drei bewährten Sangesveteranen zu Ehrenmitgliedern ernannt: Bürgermeister Heinrich Görlach X. zum Ehrenpräsidenten, der Dirigent in den Jahren 1902—KOS, Lehrer Junker. Södel, zum Ehrenmitglied und der jetzige Dirigent, Georg S a m e s , Holzheim, der den Verein bereits von 1893 bis 1902 führte, zum Ehrendirigenten. 3m Anschluß daran begann das Singen der Gastvereine, die durchweg ganz hervorragende Leistungen boten. 90 Jahre „Sängerkranz" in Nidda. A Ridda, 2. 3uli. Vom Wetter begünstigt, feierte am Sonntag der hiesige Männer- gesangverein „Sängerkranz" sein 9 0- jähriges Bestehen, verbunden mit großem Gesangswettstreit. Die Veranstaltung wurde am Samstag durch eine Gedenkfeier am Gefallenendenkmal und einen Degrüßungsabend in der Turnhalle eingeleitet, wobei der Vorsitzende des Geschäftsausschusses, Bankbeamter Philipp Bechtold, eine herzliche Begrüßung an die Gäste richtete, die sehr zahlreich erschienen waren. Sehr eindrucksvoll war die Ansprache des Lehrers Gengnagel (Grünberg), des Vorsitzenden des Hessischen Sängerbundes von Oberhessen. Am Sonntagvormittag fand das W ettfingen von 23 Vereinen in der Turnhalle und im Gambrinussaale statt. Das Preisgericht setzte sich aus Prof. Dr. Friedr. Roack (Darmstadt), Musikdirektor R. Forster (Essen), Musikdirektor Friedrich Gellert (Mannheim) und Oberreallehrer Lic^old Geller (Gießen) zusammen. Die Ergehn. e waren: 1. Stadt klasse: Gesangverein Lie - kranz-Düdingen 169 Punkte, Cäcilia-Lich 168 >>., Liederkranz-Geisenheim a. Rh. 168,5 P. (Der 2. Preis für die 1. Stadtklasse ist noch, nicht endgültig vergeben worden, weil „Liederkranz" - Geisenheim mit 168,5 P. und „Cäcilia"-Lich mit 168 P. darauf Anspruch erheben. Der von Geisenheim selbstgewählte Chor .Der Wagen rollt" von Zehn Jahre „freie Stadl" Danzig Don unserem ^.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Danzig. 3uli, 1929. Der bisherige Völkerbundskommissar in Danzig, £er Holländer 3 o o st Adrian van Hamel, Bat nach dreieinvierteljähriger Amtstätigkeit seinen Posten verlassen. An seiner Stelle verwaltet Dom 22.3uni ab der 3taliener Graf Man- s-red Gravina das Amt des hohen Kom- niissars des Völkerbundes in Danzig. Hieran ^üpft sich die Frage, die heute über 300000 Deutschen in Danzig auf der Seele brennt: Wird Lieser Perfonalwechsel auch einen System- wechsel bedeuten? 3n der schweren wirtschaftlichen, nationalen und politischen Rot. in der sich Danzig befindet, ist man geneigt, jedem Lichtstrahl besonders sehnsuchtsvoll entgegenzusehen, in jedem Anzeichen einer möglichen Besserung bereits eine Wendung Sum Guten zu erblicken. Vielleicht war es auch kein Zufall, daß der neue Kommissar gerade an dem Versailler 3ahrestag die Vertreter der Danziger, also der deutschen, Presse empfangen und ihnen gegenüber Ausführungen gemacht hat, die Aufsehen erregten. Ohne Zweifel konnte es dem Kommissar nicht verborgen bleiben, daß fast zu gleicher Zeit im Volkstag die K u n ö- gebung gegen den Versailler Vertrag stattgefunden hat, bei der im Ramen sämtlicher Parteien die unverbrüchliche deutsch? Treue der Danziger zum Ausdruck gebracht, die Loslösung der deutschen Bevölkerung der Freien Stadt gegen ihren ausgesprochenen Willen beklagt und dem großen deutschen Volk ein brüderlicher Gruß gesandt wurde. Einmütig war das Deutschtumsbekenntnis aller staatserhaltenden Danziger Parteien, ebenso einmütig, wie in den nachfolgenden überparteilichen Kundgebungen, an denen Zehntausende teilnahmen. War es nun ein . ufall, dah der neue Kommissar gerade an dem Sage von Versailles das Mussolinische Wort zitiert hat, daß eskeineewigenVerträge gebe, daß sie vielmehr alle dem Gesetz der Vergänglichkeit unterworfen seien? Vielleicht ist für den neuen Kommissar zunächst das Studium der Frage eine dankbare Aufgabe, ob der polnische Minister Straßburger, der Freund des bisherigen Kommissars Hamel, berechtigt ist, an Danzig so provokatorische Ansinnen zu stellen, wie es in dem seinerzeitigen Schritt gegen die Tagung der deutschen Historiker und wie es erneut in dem polnischen „Hinweis" gegen die Kundgebungen anläßlich des Versailler Gedenktages geschehen ist. lieberblickt man die Tätigkeit Hamels, dieses neutral sein sollenden früheren Kommissars in der Freien Stadt, so muß man sagen, daß es noch schlimmer eigentlich gar nicht mehr kommen konnte. Denn wenn feine ganze Tätigkeit in den ersten zwei 3ahren in der Hauptsache — in Untätigkeit bestand, nämlich dort, wo es sich entsprechend dem in der bekannten polnischen Denkschrift verkündeten Grundsatz: „Die Zeit arbeitet für Polen" darum handelte, Entscheidungen im 3nteresse Polens überhaupt zu vermeiden und die polnischen Früchte in Danzig von selbst reifen zu lassen, — so ließ sich bei zunehmender Verschärfung der Konflikte in der Folgezeit eine klare Stellungnahme allerdings nicht mehr umgehen. Für deren Charakter und Richtung aber spricht die Tatsache, daß van Hamel nicht nur von dem Haager Schiedsgerichtshof, sondern auch von seinem Auftraggeber, dem Völkerbund, mehrfach desavouiert wurde. Und wenn Danzig heute wirtschaftlich vollkommen damiederliegt, wenn dis Folgen der katastrophalen Union, durch die es auf Gedeih Gießener Gta-ttheater. Miles Mallcson-Margot Neville: „Liebe auf den zweiten Blick" (Uraufführung). Eine reguläre Uraufführung an einem schwülen Suliabenb ist immerhin ein Wagnis, das nicht jede Theaterleitung sich leisten kann, und ich glaube, wir dürfen sogar etwas stolz sein auf unser theaterbegeistertes Publikum, das so eifrig zum Gelingen dieses Absnds mithalf. An zweiter Stelle verdienen Regie und Schauspieler genannt zu werden. lannert, der selbst die Hauptrolle eines charmanten kleinen Schwerenöters mit allen Finessen hinlegte, hatte in einem hübsch gestellten Bühnenbild Karl Löfflers aus nicht gerade sehr Vielem eine abgerundete, flotte Aufführung zustande gebracht, die sich sehen lassen konnte. Ihn unterstützten wacker Franz Arzdorf, elegant, findig, hilfsbereit, ein Freund, wie er fein soll, Luise Jüngling, hochgestochen, herrschsüch- lig, abergläubisch, eine Tante, wie sie nicht sein sollte, in natura auch meist nicht ist, für bühnenwirksame Komödien und Schwänke vorläufig aber immer noch unentbehrliches Requisit zu sein scheint, genau so unentbehrlich wie der den Einfaltspinsel markierende Diener (Ludwig Linkmann), der in Wahrheit die verworrensten Situationen als einziger durchschaut und zum Schluß immer alles schon gleich gewußt hat. Um den Helden bemühen sich natürlich zwei Damen, abwechslungshalber einmal nacheinander, was die Situation wesentlich vereinfachte. Trude Heß, die sehr temperamentvolle kleine „Freundin", und Jngeborg Scherer, die aufs Ganze geht, mit Standesamt, Aussteuer, gesunden pädagogischen Grundsätzen und so — sogar das Wort „Kameradschaftsehe" fällt. Bleibt schließlich noch das Stück selber. Ja, und darüber ist nun nicht mehr allzuviel' zu sagen. Der geehrte Leser möge nur zwischen den Obengenannten nach bewährtem Muster die verschiedenen Diagonalen ziehen und er wird mit ziemlicher Sicherheit das Rechte treffen. Harmlos, liebenswürdig, amüsant, ohne schwerwiegende Probleme, wenn man gelegentlich auch so tut — aber nur keine Angst, es wird immer rechtzeitig wieder abgeblasen — ein Schuß Pikanterie, aber in durchaus bekömmlicher Dosierung, kurzum ein unterhaltsames Spiel, pem man ohne Reue einen Sommerabend opfern wird. Das Publikum verlangte stürmisch, dem Autor all der schönen Dinge persönlich feinen Dank zu Ohren zu bringen, vergebens — wir sind indessen sicher, der ihm gebührende Anteil am Applaus wird von treuen Händen übermittelt werden. Aus der Verteilung im einzelnen zwischen die Damen Malle- s o n und Neville, beides offenbar stolze Britinnen, von denen die eine die Komödie baute nach 75 Jahre „Liederkranz" in Ebcrstadt. 0 Eberstadt, 2. Juli. Der hiesige Gesang- verein „Lieder Iran z", der dem Haus- berg-Wettertal-Sängerbund angehört und Mitglied des Hessischen Sängerbundes, ist, beging am Sonntag die Feier seines 75jährigen B e st e h e n s. Der Verein wurde im 3ahre 1854 durch den damaligen Lehrer Hassel bäum auf Anregung des Pfarrers Cellarius gegründet. Seitdem blüht der Männergefang in unserem Dorfe, allerdings mit einer kurzen Unterbrechung in den Kriegsjahren 1914/18. Dem Fest am Sonntag ging am Samstagabend eine Gedächtnisfeier zu Ehren der Gefallenen am Denkmal und die Weihe der Gedenktafel für die gefallenen Vereinsmitglieder voraus. Dabei wurde der im letzten 3ahre verstorbenen aktiven Vereinsmitglieder Walter Sarnes und Richard Görlach in ehrender Weise gedacht. Sonntagmittag um 14 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug an dem ungefähr 30 Vereine teilnahmen, durch unser schmuckes Dorf. Auf dem Festplatz angekommen sang der Jubelverein unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Sarnes, Holzheim, den Begrüßunüschor. Rach einem feinen Prolog, vorgetragen von Fräulein Reitz, hielt der Vereinsvorsihende »Heinrich Müller eine kurze Begrüßungsansprache, worauf der Ortsgeistliche, Pfarrer K o d d i n g , die Festrede hielt. Er gab eine kurze Uebersicht über die Entwicklung des deutschen Liedes und betonte den Wert des Liedes als deutsches Volksgut, das zu pflegen und vor unreinen Einflüssen zu bewahren Aufgabe des deutschen Männergesangs sein müsse. Die Grüße des Hessischen Sängerbundes überbrachte der Vorsitzende des Gaues Wetterau, Lehrer Schenk, Melbach, der in seiner Ansprache zur Treue Mm deutschen Lied und zum deutschen Vaterland aufforderte. Die Frauen und 3ungfrauen des Ortes liehen durch Frl. Reih eine prächtige Fahnenschleife überreichen. Anläßlich des 75. Jubiläums wurden Wahrscheinlich denkt der Präsident in dieser Stunde die letzte Epoche noch einmal durch. Waren es wirklich erst fünf Wochen, seit er mit dem nervösen Diviani das Kabinett bildete? Kammerwahlen im April, dann die verteufelten Stichwahlen mit dem Siege der Sozialisten im Mai, und schließlich schleppte der Premier doch noch ein paar Gegner der dreijährigen Dienstzeit ins Haus. Paleologue vindizierte sich den Sieg: er hätte ihn überzeugte Und was mag Viviani in diesen Stunden an Bord der „France" denken? Beweglicher und zynischer als Poincare, weniger pedantisch, scheint er für dessen Marschallserscheinung den rechten Generalstabschef abzugeben. Macht er sich nicht im stillen lustig über Paleogues gesellschaftliche Erregung, und dah der Lemaitre eigens aus Paris hatte kommen lassen, um die Blumen zum Diner auf der Botschaft zu arrangieren? Dann hat ihm sein Botschafter freilich wichtige Stimmungszeichen übermittelt: bei der Revue im Zelte des Großfürsten hatten die beiden Montenegrinerinnen, Anastasia und Militza, in ihn hineingeplappert: „Das sind historische Tage, wissen ©ie! Heilige Tage! 3ch habe heute Depesche von Papa, daß wir zum Monatsende Krieg haben werden! Wissen Sie, daß das ein Held ist wie in der 3lias, mein Vater? Sehen Sie dies Büchschen, von dem ich mich nie trenne! Sie denken, Bonbons. Cs ist aber Lothringer Erde drin, ich habe sie jenseits des Grenze aufgehoben, als wir vor zwei Jahren in Frankreich waren. Hier ist alles mit Disteln gedeckt, die hab ich in Lothringen gepflückt, im annektierten Gebiet, einen Arm voll, und dann die Samen wieder säen lassen! Sie werden sehen, von Oesterreich bleibt nichts übrig, Elsaß kommt wieder, unsere Waffen treffen sich in Berlin" — und plötzlich brach sie ab und sagte leise: „3ch muh mich mäßigen, der Zar sieht zu mir herüber." Beide Franzosen, schlauer als ihre Kollegen in Berlin, aber keineswegs weniger zum Kriege bereit, stärker gebannt durch die Maschinerie einer Republik, aber in allen Kniffen betoarn öert, wie man die Menge täuscht: so über* denken sie die Gewitterschwüle dieser Festtage, wägen die Worte hysterischer Grohfürstinnen ab, wie sie später in den Memoiren erscheinen werden; ihre Stimmung gleicht der eines Zuschauers, der sich in der Pause den nächsten Akt ausmalt und wünscht, er möge so und nicht anders ver* laufen. Da springt ein Matrose die Treppe herauf, übergibt einen langen Funkspruch: es ist das nachgefunkte Ultimatum Wiens an Serbien. Erlösung! Poincare befiehlt direkte Rückreise ohne Umweg, Viviani beginnt noch in der Rächt Paris zu instruieren. Volldampf! Kurs Heimatj und Verderb mit der polnischen Wirtschaft verbunden ist, sich immer eindeutiger offenbaren, wenn eä in feiner Eigenschaft als kulturelles und nationales Bollwerk des Deutfchtums im Osten vor dem anstürmenden Polentum eine Stellung nach der anderen räumen muh und unter dem Damoklesschwert des Gdingener Konkurrenzhafens einer äuherst unsicheren Zukunft entgegengeht, — fo hat Herr van Hamel zu dieser Entwicklung in überreichlichem Mähe beigetragen. Schon bei seiner Ernennung waren Aeuherun- gen bekannt geworden, die er in der Kriegszeit und in den ersten Rachkriegsjahren getan hat und die feine Physiognomie trefflich zeichnen. Am 15. März 1919 empfahl er, bei den Frie- densverhandlur.gen das Reich als solches völlig zu ignorieren und Verträge zunächst ein ze l n mit Bayern, Sachsen, Württemberg usw. abzu- fchliehen, um dann Preuhen den Frieden zu diktieren. 3m 3ahre 1920 wurde Hamel Direktor der Rechtsabteilung des Völkerbundes und hat in dieser Eigenschaft wesentlich an dem Be- fchluh des Völkerbundes über die Zerstückelung Oberschlesiens mitgewirkt. Die fehlenden Züge in feinem Charakterbild werden schliehlich durch einige Vorfälle ergänzt, die feine persönliche Ehrenhaftigkeit in einem eigentümlichen Licht erscheinen lassen. Ueber die Umstände, unter denen seine Ernennung erfolgt ist, wird man vielleicht hinweggehen können. Roch heute sind die Gerüchte nicht einwandfrei geklärt, aber auch nicht widerlegt worden, die behaupteten, dah das Telegramm, welches die Ernennung van Hamels anzeigte, sagen wir einmal, durch einen gewollten Zufall in d i e Hände des Sohnes und nicht des Vaters van Hamel gelangt ist, der eigentlich von den entfcheidenden 3nstanzen in Genf für den Danziger Posten in Aussicht genommen worden war. Trotzdem hat er sich als auherordentlich sehhaft erwiesen: zweimal wurde ihm das Mandat von Genf verlängert, das fünf Kommissare vor ihm, durchweg Engländer, nur stets ein 3ahr lang ausgeübt haben, und schliehlich noch ein Viertel 3ahr drausgegeben, damit er sich „nach einer anderen Stellung umsehen" könne. Man sollte doch nicht übersehen, dah Hamel als der Vertreter eines Systems angesehen werden muh, dessen einseitige deutschfeindliche Einstellung den Drahtziehern in Genf gerade als die notwendige Qualifikation für eine Tätigkeit als Wahrer und Mehrer des Geistes von Versailles galt. Die Grenzziehung im Osten, die Schaffung des Korridors und des lebensunfähigen „Freistaates" ist ja nur eine der vielen Ungeheuerlichkeiten des Vertrages von Versailles, die noch auf lange Zeit hinaus eine Befriedung Europas unmöglich machen werden. Wenn es heute auch in den Köpfen der Frie- densmacher von Versailles zu dämmern beginnt, dah gerade mit der „Regelung" im Osten nicht der Stein der Weisen gefunden wurde, so betreiben die zum französisch-polnischen Interessen- kreis Gehörenden um so eifriger die Schaffung der bewußten Tatsachen, um im gegebenen Augenblick gegenüber allen Abänderungswün- schen auf die „bereits vollzogene Stabilisierung der Verhältnisse" Hinweisen zu können. Schrittmacher und Vollzieher dieser Pläne in Danzig war Hamel. Die Danziger Eisenbahn hat er in polnische Hände gebracht, wobei die deutschen Beamten und Angestellten zugunsten der landfremden Polen benachteiligt wurden; für die Schaffung der sogenannten „Grünen Linie", die der polnischen Post ihre Betätigungsmöglichkeit in Danzig sichert, dadurch die Einnahmen Danzigs schmälert und überall den Eindruck entstehen läßt, als handele es sich um das „polnische Danzig", ist er verantwortlich; den pol- meinen luftigen Wolken niederstieg, so sah ich für meine Generation einen Existenzgrund überhaupt nur in der Hoffnung, di>e verlorenen Provinzen wiederzugewinnen." Dies tiefste Erlebnis feiner Jugend konnte er niemals vergessen, und so durfte ihn nach dem Krieg«.' einer seiner Freunde „für die bewunderns Werts: Kontinuität feiner Handlungen" preisen. Diese erlitt Unterbrechungen, denn aus dem rachedurstigen Knaben war ein Staatsmann geworden, der hatte warten gelernt. 3n der Bosnischen Krise hat auch er seinen Verbündeten deutlich erklärt, Frankreich werde, sich niemals für russische Dalkan-3nteressen iv. einen Krieg ziehen lassen; ja, im August 1912 hatte er Sasonow gewarnt: ..Rechnen Sie nicht mit unserer militärischen Hilfe auf dem Balkan, selbst wenn Sie von Oesterreich angegriffen toerden!" Bald darauf aber, Rovember 1912, machte er die entscheidende Wendung, indem er zur großen Freude 3swolskis, den er übrigens nicht leiden konnte, einen „ganz neuen Gesichtspunkt" geltend machte: „Gebietserweiterungen Oesterreichs würden das allgemeine Gleichgewicht in Europa und dadurch die eigenen Interessen Frankreichs in Frage stellen"; hierbei könne Frankreich „in militärische Operationen verwickelt werden". (Dies ist die feige llmfdjreibung aller Diplomaten Europas, um das ominöse Wort Krieg zu vermeiden; so wie man Reubildung sagt, stallt Krebs.) 3m 3anuar 1914 hatte Poincare sogar durch Del- casse den Russen „im Ramen L-es französischen Außenministers versichern lassen, Frankreich werde so weit gehen, wie Rußland es wünscht". Diese entscheiden2>e Blanko-Vollmacht, die Paris jetzt nach Petersburg gab, nachdem es dieselbe zwei 3ahre vorher abgelehnt hatte, war zwar auf einen teftimmten Fall (Liman von Sanders in Konstantinopel) beschränkt, hatte aber doch einen Ähnlichen psychologischen Effekt, wie jene anderen, die Kaiser Wilhelm nach W^en gab, nachdem er sie zwm Jahre vorher abgelehnt hatte. 3m gleichen Monat hatte der Präsident zu Judet gesagt: „Rußland hat eine ungeheure Zukunft, feine Kraft ist in voller Entwicklung. In zwei Jahren wird es Krieg geben. Alle meine Bemühungen werden daraus gerichtet fein, uns in Bereitschaft zu setzen." Auf und nieder geht Poincare auf Deck, er denkt an die letzte höfische Stunde, in der der Zar als sein Gast hier an Bord mit ihm Trinksprüche tauschte, auf- und abgeschritten und seinen suggestiven Worten immer mit Beifall gefolgt war. Ob sie von dauernder Wirkung sein werden? Durchschaut hatte der Zur ihn gut, denn er erzählte bald darauf feinen dänischen Verwandten: „Jedenfalls will Herr Poincare nicht wie ich den Frieden um des Friedens willen. E r glaubt an einen guten Krieg." di«, büs «Äf* UNW Sdttry 1074v RerschSnesj &S"’s Ler^A^.mebk' IS-K & ei Ach ~~---A.___ 57430 !N 18? intl Ihm leimt, naturreinen, gibt Imker, nahe liebens, dos Pjund zu 1.20 Mk. ab. I8e» Iteüungen werden enigegenaenom. bei Schäfer, Südanlage Hr. 23 Hmferhaus. 01218 Mtinl MM lihtop MM MM tat VMtz Mm preiswert ru verlausen. : IMmftiiei Monemisieren billigst (04127 w. Kutzsdirad Wererand Igpeiienr, Weidengasse i _ iQ-aife Strämer) Wesen, fmpneblt 4 im Animi« und Umandern v. Dam.» U- Kindergarderob. A. Bergen, LiberrtrJI.I, Ä. Kämpf, war bezüglich der Schwierigkeit vvn den Preisrichtern mit 8 Punkten gewertet worden, ebenso der von Lich selbstgewählte Chor „Hoch empor" von F. Curti. Hiergegen erhob Lich Widerspruch und zeigte aus einem Verzeichnis einer Fachzeitung, daß der Geisenheimer Chor nur mit 7 Punkten Schwierigkeit zu bewerten sei und demzufolge Geisenheim nur 167,5 P., Lich 168 P. errungen habe und ihm der 2. Preis gehöre. Schließlich kamen die beiden Vereine überein, daß eine maßgebende Stelle in Köln den Fall endgültig entscheiden soll.) 2. Stadtklasse: Sängerchor des Turnvereins 1860 Ffm.»Fechenheim 171 P., Liederkranz-Ffm.- Ginnhetm 164 P., Eintracht-Offenbach 157,5 P., Gemütlichkeit-Wiesbaden-Erbenheim 153 Punkte. 3. Stadtklasse: Männerquartett Hain- Gründau 150,5 P., Liederlust 166,5 P., Sängerlust-Bleichenbach 155,5 P., Äordend-Wiesbaden- Diebrich 162,5 P. 2. Landklasse: Eintracht- Cichelsdorf 153 P., Eintracht-Klein-Linden 154,5 Punkte, Teutonia-Vordeck 149 P., Männeraesangverein Ober-Schmitten 152,5 P. 3. Landklasse: Liederkranz-Kalbach a. Taunus 150 P., Germania-Vilbel 142,5 P., Fidelio-Ober-Widdersheim 160,5 P., Sängerlust-Meerholz 160,5 P., Eintracht-Ober-Wöllstadt 147,5 P. Vichtpreisgekrönte Vereine: Männergesangverein Llnter-Schrnitten 135,5 P., Sängerkranz- Vodheim a. d. Horloff 142 P., Cintracht-Ober- Widdersheim 130 P. Der Hindenburgpreis fiel durch das Los zwischen Liederkranz-Büdin- gen und Sängerchor des Turnvereins Fechenheim dem letzteren zu. 2lm Vachmittag bewegte sich ein farbenprächtiger Festzug durch die reichgeschmückten Straßen der Stadt, an dem 58 Vereine mit ihren Fahnen, drei Musikkapellen und zahlreiche originell aufgeputzte Festwagen und Autos teilnahmen. Der hiesige Reiterverein mit etwa 50 Reitern eröffnete den Zug. Auf dem Festplahe hielten der Vorsitzende des Iubel- vereins, Philipp V e ch t h o l d , Bankvorstand Hermann S e u m und der Vorsitzende des Ridda- talsängerbundes, Sägewerksbesiher Schäfer (Eichelsdorf), herzliche Begrüßungs- und Glückwunschansprachen. Der Viddatalsängerbund verehrte dem Qubelvcrein einen wertvollen Fahnennagel. Bei Gesangs- und Musikvorträgen und Tanz entwickelte sich hierauf ein außerordentlich stark besuchtes Volksfest. Gestern abend fand dieses seine Fortsetzung und eine besondere Bedeutung durch Verbindung mit einem Kinde r- f e st der hiesigen Schuljugend, die vormittags das diesjährige Iugendfest der Real- und Volksschule im Harbwald auf einer großen Wiesenfläche, dem ehemaligen Paradeplatz der Viddaer Dürgergarde 1848, in herkömmlicher Weise gefeiert hatte. Die Ansprache an die Schuljugend hielt Studienrat W ö r th von hier. Der Fremdenverkehr am Hauptfesttage war so groß, daß nicht nur die sehr geräumige Turnhalle und das große Festzelt auf dem Festplatz, sondern auch alle ßolale in der Stadt überfüllt waren. Bundesfest des Schwalmtal-Längerbundes. H1 Alsfeld, 2. 3uli. Am Samstag und Sonntag fand hier, von schönem Wetter begünstigt, das 2 8. Bundesfest des Schwalmtal-Sängerbundes statt, mit dem die 90. Jubelfeier des Gesangvereins „Liede r k r a n z" in Alsfeld verbunden war. Zur Eröffnung des Festes fanden am Samstagabend auf dem Festplah Begrüßungsansprachen, Konzert, Gesangsvorträge und turnerische Vorführungen unter Mitwirkung des Turnvereins Alsfeld statt. Das Fest am Sonntag begann mit einem sehr stimmungsvollen Festgottesdienst auf dem Friedhöfe um 7 Uhr. Hm 8.30 Llhr begann das Wertungssingen der Vereine im großen Saale des „Deutschen Hauses", an dem sich 15 Vereine beteiligten. Zeder Verein hatte einen Pflichtchor und einen selbstgewählten Chor zu singen. Die durch einen Musiksachverständigen aus Darmstadt vorgenommene Wertung Vornan von Edgar Wallace. 17 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Aber der Vachmittag brachte ernsthafte Arbeit, und all sein Vachforschen nach urkundlichen Beweisen, daß Dianas Annahme richtig wäre und Mrs. Stuart Zwillingstöchter gehabt hätte, war erfolglos. Trotzdem sie die Register in Somerset House mit größter Sorgfalt prüften, fanden sie keine Anzeige über die Geburt der Kinder. „Reinfall Rümmer zwei", sagte Larry. „Den wir autmachen werden", sagte das Mädchen, „obwohl es mir sehr merkwürdig vorkommt, daß eine Dame wie Mrs. Stuart versäumt haben sollte, die Geburt ihrer Kinder anzuzeigen." Sie sagte dies lächelnd, und Larry fragte nach dem Grunde. „Mrs. Ward hatte ihre ganz besonderen Ansichten über derartige Sachen. Meine Tante, deren Vamen ich führe, haßte behördliche Anmeldungen und Impfen und hatte für Bildung nichts übrig." „Was ist denn aus Ihrer Tante geworden? — Ist sie gestorben?" fragte Larry. Das junge Mädchen schwieg eine Zeitlang. „Vein — sie ist nicht tot." Sie sagte das so eigenartig, daß Larry aufblickte, und sie wurde blutrot. „Man sollte nicht anfangen, über etwas zu sprechen, wenn man nicht zu Ende reden toilr, sagte sie leise. „Ich — ich stamme aus keiner guten Familie, Mr. Holt. Meine Tante hat ihren Chef bestohlen, und sie muß das andauernd getan haben, denn eines Tages, ich war gerade zwölf Jahre alt, ging sie für lange Zeit fort, und ich habe sie nie wieder gesehen." Larry ging auf sie zu und legte die Hand auf ihre Schultern. „Liebes Kind," sagte er, „Sie haben es fertig bekommen, sich von all diesem frei zu machen und sich in geradezu bewundernswerter Weise eine Position im Leben zu schaffen. Ich bin sehr stolz auf Sie." Als sie zu ihm aufblickte, hatten sich ihre Augen mit Tränen gefüllt. „Ich glaube, sie trank: aber ich weiß es nicht ganz sicher. Wenn ich sie sehr, sehr nötig hatte, war sie wirklich gut zu mir. Ich würde so gern wissen, was aus ihr geworden ist, aber ich wage gar nicht, mich zu erkundigen." „Ist sie ins Gefängnis gekommen?" DaS junge Mädchen schüttelte den Kopf. „Ich glaube in eine Trinker-Heilanstalt. — Lind was liegt für heut nachmittag vor?" fragte sie lebhaft. Larry legte ihr sein Programm vor, diktierte einige Briefe und ging fort, während sie ihre Arbeit beendigte. der einzelnen Gesänge wird den beteiligten Vereinen später bekannt gegeben, da man davon abgesehen hatte, die Resultate alsbald nach dem Wettsingen mitzuteilen. Es konnte festgestellt werden, daß die Leistungen der einzelnen Vereine wesentlich besser geworden sind und daß auch in der Auswahl der Chöre eine Besserung zu verzeichnen ist. Gegen 13.30 Hfjr bewegte sich ein stattlicher: F e st z u g durch die Straßen der Stadt Alsfeld, an dem fast alle Alsfelder Vereine und 26 Oaft«* und Dundesgesangvereine teilnahmen, der von mehreren Musikkapellen begleitet wurde. Auf dem geräumigen Festplahe angekommen, begrüßte der Vorsitzende des Gesangvereins „Liederkranz" die Festgäste. Vach einem von dem Bundesdürigenten Rektor Falk, Ziegenhain, dirigierten Massenchor des Schwalmtal-Sängerbundes „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" hielt Bürgermeister Dr. V o l s i n g die Festrede, in welcher er zunächst den Gesangverein „Liederkvanz" zu seiner 90. Jubelfeier beglückwünschte und dem Verein den Dank der Stadt Alsfeld anssprach für die Leistungen des Vereins auf dem Gebiete der Pflege des Gemeinschaftssinns und der Erhaltung alter Volkssitten. Im zweiten Teil seiner Ansprache würdigte der Redner den hohen geistigen Wert des deutschen Liedes unter besonderer Berücksichtigung der Aufgaben, welche die deutschen Männergesangvereine mit der Pflege des deutschen Liedes zu erfüllen hätten. Die Deutschen Sängerbundfeste sollen ein Wegweiser, ein Markstein auf dem Wege zur Volksgemeinschaft sein, und ein Mahnzeichen zur Einigkeit, sie sollen auch zur Lieberbrückung der sozialen und politischen Gegensätze dienen, wozu das deutsche Lied mit seiner einigenden Kraft besonders geeignet sei. Am Schlüsse der Rede gedachte Bürgermeister Dr. V ö l s i n g in schwungvollen Worten der allgemeinen deutschen Kundgebungen gegen die Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege, die auch aus dem Schwalmtal-Sängerbundesfest einen mächtigen Widerhall finden sollen. Die Rede schloß mit einem chrausend aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland, worauf die Musik das Deutschlandlied spielte. Alsdann folgten noch verschiedene Begrüßungsansprachen und Beglückwünschungen des Gesangvereins „Liederkranz" zu seinem 90. Jubiläum, wobei der Bundesdirigent dem Iubiläumsverein einen Fahnennagel und der benachbarte Gesangverein „Erheiterung" von Altenburg eine Fahnenschleife überreichte. Hierauf begannen die Gesangsvorträge der einzelnen Vereine am Festplah, die bis zum Schluffe ein interessiert lauschendes Festpublikum fanden und die teilweise recht beachtliche Leistungen von ländlichen Gesangvereinen aufwiesen. Abends fand Konzert und Tanz statt. Am Montagvormittag wurde in der Festhalle der Bundestag des Schwalmtal-Sängerbundes abgehalten. Am Vachmittag fanden nach einem Festzug durch die Stadt nach dem Festplah dortselbst Konzert, Volksbelustigungen und Iugendspiele statt, abends Gesangsvorträge, Konzert und Tanz. Die Anleiheablösung der Stadt Friedberg. WSV. D a r m st a d t, 2. Juli. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof beschäftigte sich in seiner* letzten Sitzung mit der Anleiheablösung der Stadt Friedberg. Die Stadt Friedberg hatte gegen den ministeriell genehmigten Satz von 15 Prozent Beschwerde erhoben, wähnend von dem Treuhänder Berufung nicht verfolgt war. Vachdem früher im Einvernehmen mit der Stadt Bad-Rauheim der Auf- wertungssatz auf 15 Prozent festgesetzt war, kam die SpruchbeHärde in ihrer Mehrheit zu der Ansicht, daß die Verhältnisse von Friedberg und Bad-Vauheim im Hinblick auf die Belastung des Grundes uni» Bodens, wie auch die (Steuerung Dermögensverhciltnisse ziemlich gleichliegend anzusetzen seien, und daß der Aufwertungssatz von 15 Prozent gerechtfertigt sei. Mit jedem weiteren Schritt wurde das Rätsel, das den Fall Stuart umgab, mehr und mehr verwickelt. Lleberall stieß er gegen unübersteig- bare Mauern, verlor sich in Sackgassen, und nicht einmal die Tatsache, daß Stuart ermordet worden war, war in Wirklichkeit erwiesen. Es war ja nur eine Theorie, basiert auf dem ungewöhnlichen Verhalten der Strömung, die den Körper auf den (Stufen der Llfertreppe zurückgelassen batte, und auf einem Stück Papier in Brailleschrift, das ihm jetzt wieder gestohlen war. Mitten in Jber Rorthumberland Avenue blieb er plötzlich stehen, zog sein Votizbuch heraus und las noch einmal kopfschüttelnd die rätselhaften Worte: „Gemordet... dear... See..." Warum „decrr"? überlegte er. Der Mann, der sich die Mühe gab, die Vamen seiner Mörder anzugeben, würde wohl kaum „dear Sir" geschrieben haben. Außerdem stand dann auch das „dear" an einem ganz falschen Platze, denn das junge Mädchen hatte ihm die betreffenden Zeichen am Ende der zweiten Linie gezeigt. „Dear, dear, dear", wiederholte er langsam weiterschlendenL, und auf einmal kam ihm ohne irgendwelche Veranlassung ein Vame ins Gedächtnis. Dearborn! Er lachte vor sich hin. Diese gute Seele von einem Geistlichen, der für jene Bedauernswertem wirkte und arbeitete, die in ständiger Dunkelheit ihr Leben verbrachten! Er schüttelte von neuem den Kopf. Es ist eine eigenartige Tatsache, die fast alle Menschen bezeugen können: Hört oder sieht man zum erstenmal einen ganz ungewöhnlichen Vamen, so kann man sicher fein, innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden noch einmal auf einen solchen zu stoßen. Sein Weg führte ihn durch die- Shastesbury Avenue, und als er an einem Theater vorbeikam, fiel ihm ein Vame ins Auge. Er blieb stehen und beugte sich vor, um die The ater anzeige zu lesen. „John Dearborn", las er. Dearborn tixKr augenscheinlich der Verfasser des Stückes, das hier aufgeführt wurde. Welches Theater war denn das? Er trat ein paar Schritte auf die Straße zurück und blickte nach dem farbigen Glasschild oberhalb des Einganges. Das „Macready-Theater". Lind aus dem Macready-Theater war Gordon Stuart verschwunden! Ohne Zögern betrat er das Vestibül und ging nach der Kasse, wo seine Augen auf den Theater- plan fielen, der vor dem Kassierer ausgebreitet lag. Rur wenige blaue Striche zeigten an, daß Plätze für den Abend verkauft worden waren. „Können Sie mir bitte sagen, wo ich Mr. Dearborn finden kann?" fragte er den Mann hinter dem Schalter. Der Angestellte sah ihn mit einem Ausdruck schmerzlicher Resignation ins Gesicht. Aus der pwvmzialhaupistadi. Gießen, den 3. Juli 1929. Geheimrat Professor Or. Haupt. Am Samstagmittag fand für Geheimrat Prof. Dr. Haupt, dem aus Anlaß seines 75. Geburtstages etwa vierhundert Glückwunschbriefe und -telegramme zugingen, im Hause des Gesellschaftsvereins ein akademischer Festakt statt, zu dem die „Gesellschaft für bur- schenschaftliche Geschichtsforschung", früher „Bur- schenschaftliche Historische Kommission" eingeladen hatte. Dor etwa 40 Teilnehmern — darunter neben der Familie Haupt die Vertreter verschiedener burschenschaftlicher Behörden, Se. Magnifizenz der Rektor, der Direktor der Gießener Uni* versitätsbibliothek u. a. — hielt der Direktor der Kasseler Landesbibliothek, Dr. Hopf, die Festrede. Er schilderte die wissenschastliche Tätigkeit Haupts, die sich anfänglich der alten Geschichte, bann der Kirchengeschichte des Mittelalters zugewandt hatte, seit Jahrzehnten aber in der Geschichte der deutschen Einheitsbewegung und vornehmlich der Burschenschaft aufgegangen ist. Durch die Arbeiten der Burschenschaftlichen Historischen Kommission, deren Vorsitz Haupt bei ihrer Gründung im Jahre 1909 übernahm, wurde die burschenfchaftliche Geschichtsschreibung auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Besondere Verdienste um das innere Leben der jungen Burschenschaft in den Jahren nach dem Zusammenbruch erwarb sich Haupt bei dem Zusammenschluß der drei burschenschaftlichen Verbände und bei der Schaffung einer neuen burschenschaftlichen Verfassung. Zur dauernden Ehrung Haupts hat die Deutsche Burschenschaft eine Plakette mit seinen Zügen schaffen lassen, die für Verdienste um die burschenfchaftliche Geschichtsforschung und -schreibung verliehen werden soll. Hierauf folgten die Glückwunfchansprachen Sr. Magnifizenz des Rektors, Prof. Dr. Herzog, des Direktors der Llniversitätsbibliothek, Prof. Dr. Ebel, der dem Ehrenmitglied auch die Grüße des Oberhesslschen Gefchichtsvereins überbrachte, und des Äniverfi- tätsprofessors Dr. Stengel, Marburg, im Vamen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, deren Mitbegründer der Jubilar ist. In längeren Ausführungen brachte der Gefeierte seinen Dank zum Ausdruck. Ein gemeinsames Essen bereinigte sodann die Teilnehmer des Festaktes. Am Abend veranstaltete die Vereinigung der alten Burschenschafter von Gießen und Umgegend einen Fackelzug, an dem sich auch die jungen Burschenschafter von Gießen, Marburg und Frankfurt, Vertreter des Vororts und benachbarter Ortsgruppen der V. a. B. usw. beteiligten. Der etwa 600 Mann starke Zug bewegte sich unter flotter Marschmusik vom Oswaldsgarten zur Wohnung von Geheimrat Haupt, wo auf dem Platze vor der Llniversitätsbibliothek der Jubilar mit dem Liede „Burschen heraus!" begrüßt und von dem Vorsitzenden der Burschenschafter Vereinigung, Dr. Walbrach, ein Hoch auf ihn ausgebracht wurde. In einem geschmückten Wagen fuhr dann Geheimrat H a u p t an der Spitze des Fackelzuges zur Liebigshöhe, um an dem ihm zu Ehren veranstalteten Festkommers teilzunehmen. Vach der Eröffnung des Kommerses hielt Dr. Walbrach eine Rede auf den Jubilar, in der er einen kurzen Lieberblick über Haupts Leben gab und sodann in eindrucksvollen Worten das Wirken des hochverdienten Mannes würdigte, der durch seine 36jährige Tätigkeit als Direktor unserer Llniversitätsbibliothek und durch seine Arbeit für die burschenfchaftliche Geschichte untrennbar mit der Geschichte der Burschenschaft und damit der Llniversität verbunden sei. Im Vamen der Gießener Ortsgruppe überreichte Dr. W a l b r a ch eine Adresse, durch die Geheimrat Haupt der Verehrung der alten Burschenschafter versichert wird, und lieh einen Salamander „Sind Sie. vielleicht ein Freund der Direktion?" „Ganz und gar nicht", erwiderte Larry. „Aber vielleicht zufällig ein Freund Mr. Dear- borns?" fragte der Mann leichthin, und als Larry den.Kopf schüttelte: „Sehen Sie, da kann ich Ihnen ja meine Meinung sagen. Ich wollte Sie nämlich nicht kränken. Ich habe keine Ah-- nung, wo Mr. Dearborn zu finden ist, und ich wünschte, die Direktion wüßte es ebensowenig! Ende der Woche höre ich auf, und da macht es nicht mehr viel aus, was ich sage. Dearborn ist so ungefähr der schlechteste Theaterschriftsteller, den die Welt jemals gesehen hat. Hoffentlich schrecke ich Sie damit nicht ab, falls Sie ein Billett kaufen wollten?" fügte er gutgelaunt hinzu. „Durchaus nicht", lächelte Larry. „Lind wissen Sie, ich möchte Ihnen auch nicht zureden, eins zu kaufen", sagte der Kassierer. „In der Samstagnachmittag-Vorstellung hatten wir ganze fünf Zuschauer, und es scheint so, als ob wir heut abend bis auf drei kommen. Die einzigen, die ein gewisses Interesse an unferm Stück haben, sind die Vervenärzte, die hierherkommen und das Publikum beobachten: und wenn ein Irrsinniger aus Hanwelll) ausbricht, werden die Wärter erst nach unserem Theater geschickt, um den Entsprungenen zu suchen." „Sie haben aber meine Frage noch nicht beantwortet. Wissen Sie, wo ich den Verfasser dieses unglückseligen Stückes finden kann?" „Er ist Vorsteher einer Mission für, ich weiß nicht was, im West-End. Armer Teufel, er ist blind, und ich sollte eigentlich nicht so über ihn reden. Aber er schreibt furchtbare Stücke." „Schreibt er denn schon lange?“ fragte Larry überrascht. „Schon lange? ...Er schreibt ununterbrochen," sagte der andere mit hohler Stimme. „Ich glaube, er schreibt auch im Schlaf." „Lind alle seine Stücke werden aufgeführt?" Der Mann nickte. „Lind alle fallen durch?" Der Mann nickte von neuem. „Aber wie ist denn das möglich? Keine Theaterdirektion wird doch immer wieder von neuem Stücke desselben Verfassers bringen, wenn sie regelmäßig durchfallen." „Aber unsere macht's," sagte der Kassierer verzweifelt, „darum ist ja auch der Vame .Macready' gleichbedeutend mit —" „Wie lange schreibt denn John Dearborn schon?" „So ungefähr zehn Jahre. Stellenweise ist es manchmal gar nicht so schlecht. Mehr verrückt als schlecht." „Kommt er manchmal hierher?" *) Hanwell: bekannte Irrenanstalt. auf den Jubilar reiben. Dr. Reh mann dankte im Auftrage der Würzburger Burschenschaft „Arminia" Geheimrat Haupt für die Treue, die er seinem alten Bunde bewahrt hat, und überreichte ihm zur Erinnerung ein großes Bild von Würzburg. Als Dritter sprach Res. Kümmel für die drei Burschenschaften, deren Ehrenband Haupt verliehen worden ist, und versicherte ihm, er werde das Bestreben dieser Burschenschaften sein, in der Idee und Lebenszielrichtung des Jubilars zu wirken und so Treue mit Treue zu vergelten. Kand. phll. Kraus (Alemannia, Gießen) entwickelte als Sprecher der gesamten burschenschaftlichen Jugend ein Bekenntnis zum Leben und seinen Aufgaben und entbot es als Gruß der Jugend Haupt, der „stets ein Förderer und treuer Helfer" der Jugend gewesen ist. In bewegten Worten und — wie er betonte — erschüttert von so viel Freundschaft und Liebe dankte Geheimrat Haupt für die Ansprachen. Was er im Laufe feiner 115 Semester für die Burschenschaft habe tun können, sei ihm immer als selbstverständlich erschienen, da seine ganze Lebensauffassung vorn Vaterhaus her nach burschenschaftlichen Zielen gerichtet gewesen sei. Die Zugehörigkeit zur Burschenschaft sei ihm für sein ganzes Leben eine Quelle inneren Glückes 'geworden, der enge Verkehr mit der studierenden Jugend und die Mitarbeit an ihren Aufgaben fei ihm noch heute ein Bedürfnis. In hoffnungsvollem Ausblick auf die Zukunft lieh der Jubilar feine Rede in einen Salamander auf die Deutsche Burschenschaft ausklingen. Betonstraßenbau in Oberheffen. In Rr. 118 des „Gieß. Anz." vom 21. Mai 1927 veröffentlichten wir einen ausführlichen, allgemein gehaltenen Artikel über „Detonstraßen- bau in Deutschland". Gegenwärtig läßt nun die Provinzialstraßen- Verwaltung auf der Hauptdurchgangs- straße Gießen — Frankfurt zwischen Friedberg und Ober-Wöllstadt durch die Firma Ioh. Georg Müller, G. m. b. H, in Wetzlar eine neuzeitliche Betonstraße ausführen, wie diese Firma schon eine solche im Jahre 1927 zwischen Wetzlar und Garbenheim erbaut hat. Mit dieser 1200 Meter langen und 6 Meter breiten Versuchs st recke erhält Oberhes- s e n seine e r ft e Betonstraße, die nach Art der Herstellung den besten Straßendecken ebenbürtig zur Seite gestellt werden darf. Für die Güte der Ausführung bürgen die zur Verfügung stehenden vorzüglichen Baustoffe (insbesondere erstllassiger Odenwaldgranit und Cisenportland- zement „Marke Buderus"). Man wird deshalb mit ziemlicher Sicherheit annehmen können, dah die sonst im Betonstrahenbau so gefürchteten Rissebildungen nicht eintreten werden. Peinliche Sorgfalt wird besonders der Ausbildung der sogenannten Dehnungsfugen gewidmet. Die Betondecke wird auf alter festgefahrenev Chaussierung in anschließenden Feldern (im Gegensatz zur Wetzlarer Ausführung, wo in abwechselnden Feldern gebaut wurde) ohne Eiseneinlagen hergestellt, Sie besteht aus zwei Schichten, und zwar einer 10 Zentimeter starken an den Rändern infolge starker Wölbung der alten Chaussierung auf 20 Zentimeter und mehr verstärkten T r a g s ch i ch t (Mischung 1:7) und einer 5 Zentimeter starken Verschleihschicht aus Granitsplittbeton (Mischung 1:3). Das Längs- gefälle der Straße beträgt bis zu 4 Prozent und die Querneigung der Fahrbahn 3 Prozent. Die Mischung des Betons erfolgt in einer Sonthofener Mischmaschine, das Einstampfen mit Preßluftstampfern und die Fertigstellung der Deckschicht mit einem Dinglerschen Strahensertiger ohne Glättband, um der Fahrbahn eine rauhere Oberfläche zu geben. Eine seitliche Einfassung der Decke mit Randsteinen ist nur in der überhöhten Kurve vorgesehen, im übrigen werden die Bankette mit Erde lagenweise gut beigestampft „Viemals," sagte der Mann kopfschüttelnd. „Warum, weiß ich nicht: aber er kommt nicht mal zu den Proben." „Roch eine Frage, bitte. Wem gehört das Theater?" „Einer Gesellschaft," erwiderte der Beamte, dem die Fragen anscheinend au viel wurden. „Darf ich wissen, warum Sie all diese Auskünfte wünschen?" „Aus keinem besonderen Grunde," sagte Larry lächelnd. Er fühlte, daß er nichts weiter erfahren könnte und verlieh das Theater. Die ganze Sache war unbegreiflich. Aber noch abgeschmackter würde es fein, das eine Wort „dear" mit dem Verfasser der schlechten Theaterstücke in Verbindung oder gar Mr. Dearborn, einen bekannten Philanthropisten, in falschen Verdacht bringen zu wollen. Als er vor dem Theater stand, kam ihm plötzlich ein Gedanke, und er kehrte noch einmal um. „Würden Sie mir eventuell einen großen, persönlichen Gefallen erweisen," fragte er, „und mir das Theater zeigen?" Der Kassierer machte erst einige Einwendungen, ließ aber schließlich einen der Theaterdiener rufen. „Sie werden es ziemlich dunkel finden," sagte er, „die Beleuchtung ist noch nicht eingeschaltet." Larry folgte dem Diener in den ersten Rang und betrachtete von dort aus das kleine Theater. Der Saal lag im Dunkel. Der Vorhang war herunter, und die Sitze steckten noch in den weihen Lieberzügen. „Wo ist Loge A?“ fragte Larry, der nur aus diesem Grunde zurückgekehrt war. Der Mann führte ihn einen Gang entlang, durch einen schweren Vorhang hindurch und dann in einen schmaleren Gang, der sich hinter den Logen befand. An seinem äußeren Ende blieb er stehen und öffnete eine Tür zu seiner Rechten. Larry trat in. die Loge, die in völliger Dunkelheit lag und steckte ein Streichholz an. Ein schwerer, kostbarer Teppich bedeckte den Boden, die drei Sessel waren wundervoll geschnitzt, aber sonst hatte Loge A nichts Llngewöhnliches an sich. „Sind denn die anderen Logen auch so kostbar ausgestattet?" fragte Larry. „Rein, Sir. Rur Loge A." Larry ging wieder hinaus und sah sich den Gang an. Gegenüber der Loge A hing ein großer, roter Teppich an der Wand. Er schob ihn etwas zur Seite und fand eine eiserne Tür, auf der in roten Buchstaben geschrieben stand: „Ausgang bei Feuersgefahr." „Wo führt denn die Tür hin?" fragte er. „In eine Seitenstraße, Sir. Cowleh Street. Es ist keine richtige Straße, sondern nur ein Privatgang, der zum Theater gehört und am anderen Ende abgeschlossen ist." (Fortsetzung folgt.) MZs 'A (£,$teue reunbtoQu ^°nte L t für bieLUn,b Lieb» .ns eÄn ßnnen, f»; jV iur dir lgt In einer Sonthchc, Linltamplen mit Preß« :rrtlgltcllung der Deck« ^erschen Strahensntiger Fahrbahn eine rauhere iine seitliche Einfassung en ist nur in der über« im übrigen werden die nweise gut beigestamplt ' Mann kopfschüttelnd. ; aber er lommt nicht tte. Dem gehört das rviderte der Deamte. npnt) m viel wurden. all diese Auskünfte n ®n*" W« « ,r nichts weiter erfahren ^« S-d-nK »”6 " tfs'gäss nen p ch dunkel tafcjd# ner Theater- ■fit *kfi &£*«■*■* „f.mrrg.e«'"'1 Art war. cnt[ang, n einen ^ang . &dnn 5'dNchxS Ms :en a?« ,, nch den °K« Die Jagd im Juli * WSN. Frankfurt a.M., 1. Juli. In der gestrigen Sitzung des Landesausschusses der Oberheffen. Landkreis Gießen. Klein-Linden, 2. Juli. Seit einiger " Oeffentliche Dücherhalle. 2mIum wurden ll 45 Bande ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 793, Zeitschriften 60, Iugendschriften 63, Literaturgeschichte 6, Gedichte und Dramen 7, Länder- und Völkerkunde 61, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 90, Kunstgeschichte 15, Naturwissenschaft und Technologie 25, Heer-; und Seewesen 3, Haus- und Landwirtschaft 1, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 7, Sport 2, Fremdsprachliches 1 Band. Nach auswärts kamen 6 Bände. Neu angeschafft und gern gelesene Bücher in Auswahl: Schöne Literatur: Hans Friedrich Dlunck: Kampf der Gestirne: Gustav Friedrich Renker: Der sterbende Hof: Bernhard Voigt: Auf dorniger Pad: Io van Ammers-Küller: Die Frauen der Coorn- velts: Ioher Galsworthy: Die Forsyta-Sage: Martin Andersen Rexö: Stine Menschenkind. Länderkunde: Arthur Dix: Politische Geographie: Hans Grimm: Dreizehn Briefe aus Deutsch-Südwestafrika; Arthur Heye: Brennende Wildnih: derselbe: Unter afrikanischem Groh- wild; Leo Frobenius: Zur Herrlichkeit des Sudan: Erich Koch-Weser: Rußland von heute. Geschichte des Weltkriegs: Kriegsbriefe gefallener Studenten: Hans Carossa: Rumänisches Tagebuch. Lebensbeschreibung: Heinrich von Treitschke: Deutsche Männer; Friedrich Ebert: Kämpfe um Ziele; Karl Storck: Mozart. Naturwissenschaft: Richard Goldschmidt: Die Lehre von der Vererbung: Joh. Thienemann: (Die Vogelwarte) Rossitten: Bengt Berg: Abu Markub. Technik: Anton Flettner: Mein Weg zum Rotor: Ludwig Seltmann: Mit dem „Zeppelin" nach Amerika (Aufnahmen eines Malers über dem Ozean mit erläuterndem Text): Michael Pupin: Vom Hirten- Partei Hessens will der Entscheidung der mahgeben» den Instanzen in Sachen der Ferngasver« s o r g u n g nicht vorgreifen. Sie erwartet jedoch aufs bestimmteste, dah bei der Entscheidung nicht allein die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise des Augenblicks den Ausschlag gibt, sondern dah im Interesse der künftigen Entwicklung des Rhein - M a i n • Gebietes auch dem Gesichtspunkt des Zusammenschlusses dieses Gebietes Rechnung getragen wird. Schon aus diesem Grunde begegnet die vertragliche Bindung an die R u h r g a s - A.- G. schwersten Bedenken. Die Demokratische Partei wünscht, ohne sich nach der einen oder anderen Richtung zu binden, dah das neue Angebot der S ü d w e g a und alle weiteren Angebote ebenso gründlich geprüft werden, wie die übrigen Angebote. Wir verlangen ferner, dah vor der Entscheidung die wesentlichsten Verbraucher und die größeren Städte als Verbraucher gehört werden." Auftrage des Städtischen Elektrizitätswerkes Gießen und der Prometheus-Gesellschaft das Thema be- handelte, besprach eingehend die Vorteile, die der Gebrauch des elektrischen Bügeleisens gegenüber dem Kohlen- und Gaseisen biete und gab wertvolle Anweisungen für die Behandlung der Wäsche, vom Einseifen und Einweichen an bis zum vollendeten Bügeln. Die Nachteile der bisher gebräuchlichen Gas- und Kohleneisen seien das Hinterlassen von Flecken durch anhaftende Aschenteile, die ungleichmäßige Erhitzung des Eisens, das Hin- und Hergehen zum und vom Gas- oder Kohlenherd und nicht zuletzt die Gefahren der Kohlenoxydgasvergiftung. Das elektrische Prometheus-Eisen sei mit Birkaregu- lierung versehen, die bei Erreichung der Höchsttemperatur den Strom selbsttätig ausschalte und bei Eintritt des niedrigsten Hitzegrades wieder einschalte, o daß ein Verbrennen der Wäsche ausgeschlossen sei und in Fällen, in denen aus Vergeßlichkeit oder sonstiger Verhinderung das Herausziehen des Steckers unterbleibe, die Entstehung von Bränden ausgeschlossen sei. Die während des Vortrages gebügelten Wäschestücke fanden den Beifall der anwesenden Damen. Frau Dr. Jakobi besprach weiter die ausgestellten Koch-, Heiz-, Back-, Bratöfen, die Waschmaschinen unter Hinweis auf die notwendigen Zeit- und Geldersparnisse und die ebenso notwendige Entlastung der Hausfrau. Durch den am Schlüsse vorgeführten Film wurde die Verschiedenartigkeit und Verwendungsmöglichkeit der Elektrizität im Haushalt nochmals erläutert. , , ,. •* Dullenversteigerung in Alsfeld. Wie der Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhessen im Anzeigenteil bereits bekanntgab, findet gelegentlich des bekannten Prämienmarktes in Alsfeld am Montag, 8. Iuli, vormittags 11 Uhr beginnend, eine Bullenversteigerung des Landwirtschaftskammerausschusses statt. Dazu sind rund 40 Bullen der hessischen Fleckviehrasse gemeldet, die vorwiegend aus den bekannten Zuchtgebieten der Kreise Alsfeld und Lauterbach stammen. Gemeinden und Zuchtgenossenschaften seien auf diese Versteigerung besonders hingewiesen. Die Demokraten zur Gasfernversorgung. Während der heißen Iunitage ist es still gewor- den im Revier. Rot- und Rehwild verließen vielfach den Wald und nahmen in der Riesendickung der zu- sämmenhängenden Getreidefelder, weniger von Fliegen und Stechmücken geplagt, ihren Einstand. Fernab vom nächsten Wald zeigt ein Feldweg die Fährten oder kommt zu ganz ungewohnter Stunde auf verborgenem Feldrain oder lockendem Kleeacker ein Stück zu Gesicht. Bald wird das wogende Aehrenmeer beginnen, sich zu verfärben, und bald wird die Sense klingen, die das Wild dann wieder dem Walde zuführt. Im R o t w i l d revier beginnen die Hirsche im Laufe des Iuli mit dem Fegen, das sich bis zur Feistzeit, d. h. Mitte August, hinziehen kann. In Preußen genießt der Geweihte noch den Schutz des Gesetzes, während er in Hessen frei ist. Kein Weidmann wird aber den Hirsch strecken wollen, ehe er vollkommen gefegt hat. Das Alttier führt sein Kalb und ist vor Beunruhigungen durch Menschen und vor allem Hunde zu schützen. Auch das Damwild hat Schonzeit. Ende des Monats tritt es in die Feiste. v Das Schwarzwild hat gute Zeit. Besonders wenn der Hafer vor der Reife steht, ist sein Tisch reich gedeckt. , _ Alles Wild, das sich zu suhlen pflegt, nimmt die Suhlen bei der Hitze und der Insektenplage gern an und ist dort leicht zu beobachten oder zu bejagen. Der Re hbock ist feist. Er geht wenig um sich, bis dann gegen Monatsende die Brunft des Rehwildes beginnt. Dann treibt er in langen Fluchten feine Auserwählte durch die Felder und Wiesen, und „Zirkel" im hohen Holz verraten dem Kundigen, daß hier ein Bock seine Liebste trieb. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo auch der älteste Schlaumeier, der gerissen war wie ein Feisthirsch, der nur austrat, wenn das Büchsenlicht schwand oder wenn der Jäger nach den Anstrengungen der Frühpirsch sich der Ruhe hingab, seine schwache Stunde hat, in der das Fiepen der Sehnsucht eines zierlichen Schmalrehes ihn alle Vorsicht vergessen läßt. Nur allein schon der Aufenthalt im Revier wird bei Ansitz oder Pirsch jetzt manchen guten Anblick bieten und auch den einen oder anderen Freiersmann im roten Frack vors Rohr bringen, von dem man sagen kann „man wußte nicht, woher er kam". Eine große Unruhe hat sich des ganzen Rehstandes bemächtigt und weit wechseln die Böcke oft auf der Suche nach den Schönen umher. Die „Blattzeit" ist da, wo es dem Weidmann möglich ist, sich durch Nachahmung der Stimmlaute des Rehwildes seinen Bock vor die Büchse zu zaubern. Der Erfolg hängt dabei sowohl von der Kunst des Jägers wie von der Geschlechtszusammensetzung des Reviers ab. In einem mit Ricken überhegten Revier wird man vergeblich auf große Erfolge bei der Blattjagd hoffen. Grundsatz Zeit mußte ein hiesiger Gärtner in seiner Erdbeeranlage die Beobachtung machen, daß ihm allnächtlich durch einen Dieb großer Schaden angerichtet wurde. In einer der letzten Nächte suchte er den Dieb zu erwischen und setzte sich auf die Lauer. Seine Bemühungen waren vom Erfolg gekrönt, denn es gelang ihm, den Dieb auf frischer Tat zu ertappen. Cs war ein Dachs, der sich unter dem Gartenzaun durchgegraben hatte und sich allnächtlich an den süßen Fwichten labte. Meister Grimbart konnte schnell noch die Flucht ergreifen und verschwand im benachbarten Fruchtfeld. ., , , § Saubringen, 2. Iuli. Die Reichsbahnverwaltung hat in den letzten Tagen die elektrische Beleuchtung auf unserer Station durchgeführt und damit einem dringenden Bedürfnis Rechnung getragen. Es erhellen jetzt fünf Lampen in genügender Weise den langen Bahnsteig, der besonders in den Morgen- und Abendstunden in voller Länge von den Hauptzügen in Anspruch genommen wird. Außerdem wurden noch je eine Lampe im Wartesaal, im Zimmer für das Bahnpersonal und im Aborthaus angebracht. Hoffentlich entschließt sich nun unsere Gemeindeverwaltung, auch die etwa 200 Meter lange Derbindungsstraße zwischen Dors und Haltestelle ebenfalls mit einigen Lampen zu versehen. + ©rünberg, 2. Juli. Der hiesige Motorsport-Club veranstaltete am Sonntag eine Sternfahrt. Zugelassen waren nur Mitglieder des Klubs. Der Start erfolgte von morgens 6 bis 6.30 Uhr, die Schlußzeit war 11.30 Uhr. Die Fahrtstrecke war jedem Teilnehmer frei- gestellt, Bedingung war nur, daß innerhalb der vorgeschriebenen Zeit mindestens 100 Kilometer zu» rückgelegt wurden. Der Nachweis mußte durch Bescheinigungen von Tankstellen, Hotels bzw. amtlichen Stellen der durchfahrenen Orte erbracht werden. Es beteiligten sich sieben Fahrer, die sich in folgender Reihenfolge placierten: 1. Karl Schlörb (Walkmühle bei Lauter, auf BMW. (500 ccm), 263 Kilometer, Endziel Limburg. 1. Preis: Goldene Plakette. 2. Hans Ranft (Lich) auf Standard (500 ccm), 228,1 Kilometer, Endziel Höchst a.M. 2. Preis: Silberne Plakette. 3. Freiherr v. Für- ft e n b e r g (Oberrealschüler in Grünberg), auf Zündapp (200 ccm), 205,9 Kilometer. Endziel Frankfurt a.M.—Homburg v. d. H. 3. Preis: Bronzene Plakette. 4. Alois Muth (Grünberg) auf Horex (500 ccm), 170,6 Kilometer, Endziel Weilmünster. Bronzene Plakette. 5. Ernst Appel (Lehnheim) auf NSU. (500 ccm), 140,8 Kilom., Endziel Weilburg. Bronzene Plakette. 6. Jacob B ü r ck y (Grünberg) auf NSU. (500 ccm), Endziel Friedberg, etwa 130 Kilometer. Bronzene Plakette. 7. Zahnarzt Dr. Weber (Grünberg) auf NSU. (500 ccm), Endziel Lauterbach, etwa 120 Kilometer. Bronzene Plakette. • Lich, 3. Iuli .Der Licher Sommermarkt, einer der beliebtesten und besuchtesten Märkte unserer Stadt, wird am Mittwoch, 24. Iuli, wieder in hergebrachter Weise begangen. Nach dem Marktplan sollte der Markt am Tage nach dem Licher Iugendsest stattfinden. Er mußte aber mit Rücksicht darauf, daß mit dem Markte wieder — wie in früheren Iahren — eine Zuchtviehversteigerung verbunden wurde, um eine Woche verlegt werden. Außer dem üblichen Schweine- und Krämermarkt ist jetzt ein Handelsund Zuchtviehmarkt, Prämiierung von hessischem Fleckvieh und Vogelsberger Vieh und eine Zuchtviehversteigerung (Bullen) vorgesehen. Am gleichen Tage findet auch, wie alljährlich, die Auktion von Iährlingsböcken der Stammschäferei der fürstlichen Verwaltung in Lich statt. Zuchtviehsuchenden Gemeinden, Handelsleuten und sonstigen Interessenten bietet sich hier eine gute Gelegenheit zum Erwerb erstklassiger Tiere. Am Nachmittag soll ein Umzug der prämiierten Tiere durch die Stadt erfolgen. Die beliebte Tombolaverlosung wird in größerem Mahstabe als seither ge- LaGeude sind der Ehrgeiz aller Eltern. Ernähren Sie Ihr Kind mit „Kufeke"! Sie werden bald sehen, wie es aufblüht. Nicht dick und aufgedunsen, sondern kerngesund und fröhlich wird Ihr Kind bei undfri scher sollte bei der Ausübung dieser Iagdart sein, nicht zu früh damit zu beginnen, damit gerade die guten Böcke, auf die es der Weidmann abgesehen hat, ihre guten Eigenschaften noch vererben können. Und die Augen auf! Auch die Ricken springen aufs Blatt! — Die Kitze sind schon wesentlich selbständiger geworden, sind aber immer noch durch Hund und Fuchs bedroht. Wo das Rehwild Salzlecken schätzen lernte, sind angenommene Lecken aufzufrischen. Um so eher wird sich das aus den Feldern zurückwech- selnde Wild wieder einstellen. Es ist zu hoffen, daß die warme Witterung des Juni auf das Aufkommen des jungen Federwildes günstig gewirkt hat. Alle Hühnerarten haben Schonzeit. Auch der I u n g h a s e n b e f a tz hat nicht unter Nässe und Kälte zu leiden gehabt. Nun aber ein wachsames Auge auf Hunde und Katzen, Krähen und Wiesel. Dann dürste vielleicht der Iahreserfolg doch nicht so schlecht werden, wie man nach dem strengen Winter hätte annehmen können. Die allergrößten Winterverluste haben unsere Wasservögel erlitten. „Hurra, die Enten!" konnte man sonst am l.Iuli in Preußen rufen. Erfreulicherweise sind sie dieses Jahr den ganzen Juli hindurch geschützt. Gerade im Juli werden in den großen Brutgebieten der Seenplatten Norddeutschlands eine Masse von noch unreifen Jungenten geschossen, die zum großen Teil diesmal bis zum Jagdaufgang flugfähig und damit schwerer besag- bar sein werden. In Hessen beginnt die Entenjagb alljährlich am 16. Juli. Ob darin mit Rücksicht auf die vorerwähnten hohen Winterverlufte eine Aende- rung eintreten wird, ist nicht bekannt. Jeder Jäger, der in seinem Revier die Entenjagd ausüben kann, sollte es sich zur Pflicht machen, die Mutterente zu schonen. Erpel sind in weit größerer Zahl vorhanden: Abschuß der Enten aber gefährdet den Bestand. Auch aus einem anderen Grunde als aus jagdlichen Rücksichten muß auf die Erhaltung der Enten Wert gelegt werden, der den Jäger direkt nur gelegentlich berührt. Die Enten sind die Hauptvertilger der Schnecken, die die Zwischenwirte des Leberegels sind, dieses Innenschmarotzers von Rind, Schaf und Ziege, der gewaltige Wirtschaftsschäden Hervorrufen kann. Auch Wild, das in nassen Wiesen zur Aesung zieht, ist durch ihn bedroht In Preußen ist ab l.Iuli auch die Schnepfe wieder schußbar, während sie in Hessen noch weiter- hin geschützt ist. Der Jagdschutz muß sich vor allem neben der Bekämpfung der bekannten tierischen Wildfeinde auf eine Ueberwachung „harmloser" Pilz- und Beerensammler erstrecken. Auch bei den Erntearbeiten geht manches Stück Jungwild verloren. Hubertus. und neben der Fahrbahn mit Dasaltschotter ge- ^^Die Vorzüge der Betonstraßen liegen wie bet ben Asphaltbetonstrahen im billigeren Preise wie Kleinpflaster, in ihrer Geräuschlosigkeit, ihrer geringen Staubentwicklung infolge verschwindend geringer Abnutzung der Decke, ihrer leichten Reinigungsmöglichkeit und ihrer großen Verkehrssicherheit infolge dauernd rauher Oberfläche. , . . Diese Vorzüge dauernd nutzbar zu machen liegt — wenn die immer noch zu befürchtende Neigung zur Rissebildung sich vermeiden läßt im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse. Bei dem Bau konnten viele ungelernte Arbeiter Beschäftigung finden. Daten für Mittwoch, 3. Juli. Sonnenaufgang 3.49 Uhr, Sonnenuntergang 20.19 Uhr. — Mondaufgang 0.49 Uhr, Monduntergang 'Vfilo^ber Schriftsteller Hans Jost in Seerhausen (Sachsen) geboren. Daten für Donnerstag, 4. Juli. Sonnenaufgang 3.49 Uhr, Sonnenuntergang 20.19 Uhr. — Mondaufgang 1.15 Uhr, Monduntergang 18.04 Uhr. 1715: der Dichter Christian Fürchtegott Gellert m Hainichen geboren; — 1776: Unabhängigkeitserklärung Nordamerikas: — 1888: der Dichter Theodor Storm in Hademarschen gestorben; — 1910: der Astronom Giovanni Schiaparelli in Mailand geworben; — 1920: der Bildhauer und Radierer Max Klinger in Großjena gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge, Redner: Universitätsprofessor Dr. Rolosf, 20.30 älhr, im Eafe Leib. — Verein Rudersport Gießen: Monatsversammlung 20.30 Ähr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wolga — Wolga". • L. U. Von ber Landesuniversität. Dr. jur. Erich Sachers, der sich für römisches Recht, antike Rechtsgeschichte und vergleichendes bur- gerliches Recht an unserer Universität zu habilitieren wünscht, wird Freitag, 5. Juli, 17 Uhr, in der kleinen $lula seine öffentliche Probevorlesung halteMber das Thema: „Das österreichische Eheproblem: Auflösung der Ehe und Wiederverehelichung". •* Don der Landesuniversität. Dem planmäßigen außerordentlichen Professor für experimentelle Physik an der Landesuniversität Gießen, Dr. Paul C e r m a k in Gießen, wurde die Amtsbezeichnung „persönlicher Ordinarius" verliehen. "DieKundgebunggegendieKriegs- fchuldlüge, die auf Einladung der Stadtrats- frattionen der Deutschen Volkspartei, der Mittel- ftanbsDtreinigung, der Freien Vereinigung (Deutsch- nation* Volkspartei und Zentrum) und der Deutschen Demokratischen Partei he u t e um 20.30 Uhr im Cass Leib stattfindet, sei unseren Mitbürgern noch einmal in Erinnern g gebracht. Als Redner wird Professor Dr. R o l o f f von unserer Universität sprechen. Man darf wohl hoifen, daß die gemeinsame Kundgebung der genannten Parteivertretungen einen starken Besuch finden wird. ** Offenhaltung von Läden am S ch ü tz e n f e st - S o n n t a g. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Den Bäckern, Metzgern, Zigarren- und Schokoladegeschäften sowie ausgesprochenen Spielwarengeschäften wird aus Anlaß des Schützenfestes am Sonntag, 7. Juli, gestattet, ihre Verkaufsstellen in der Zeit von 13 bis 18 Uhr offenzuhalten. In ab en zum Erfinder. Wirtschaft und Arbeit: Henry Ford: Mein Leben und Werk: Eugen Rosenstock: Werkstattansiedlung; Nationalisierung, Arbeitswissenschaft und Arbeiterschuh, herausgegeben von der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien. ** Einreiseerleichterungen in das besetzte Gebiet. Für Reisegesellschaften die das besetzte Gebiet auf Grund eines Sammelausweises besuchen wollen, gelten, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, zur Zeit die folgenden Anordnungen der Interalliierten Rheinlandkommission: 1. Die bevorstehende Neise ist bei dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete in Koblenz, Rheinanlage 10, anzumelden Die Anmeldung muß enthalten den Namen der Reisegesellschaft, Tag der Einreise, Dauer des Aufenthalts im besetzten Gebiet, den Reiseweg und die zur Benutzung vorgesehenen Verkehrsmittel, die Zahl der Teilnehmer, Namen des oder der Reiseleiter. Die Anmeldung muß auch die Verpflichtung der Veranstalter enthalten, dah sie die Teilnehmer zur Beachtung der Verordnungen und Entscheidungen der Rheinlandrom- mission anhalten werden. Namentlich was Äm- züge und Musik anbelangt, muh so rechtzeitig die Anmeldung erfolgen, dah sie der Reichskommissar fünfzehn Tage vor Antritt der Reise der Rheinlandkommission übergeben kann. Wird von der Kommission die Benutzung eines Sammelausweises abgelehnt, dann erhält der Veranstalter rechtzeitig Benachrichtigung. 2. Die Veranstalter der Reise haben ein Verzeichnis aufzustellen, das Name, Vorname und Wohnsitz aller Teilnehmer enthält. Dieses Verzeichnis muh der -Reiseleiter während der ganzen Reise bei sich führen. Außerdem muh jeder Reiseteilnehmer im Besitz einer von den Veranstaltern gestempelten und unterschriebenen Teilnehmerbescheinigung sein. ** Die Fünfmarkscheine werden zurückgezogen. Nachdem die deutschen Münzstätten in den letzten Monaten in ausreichendem Maße Fünfmarkstücke geprägt haben, sollen jetzt allmählich die noch im Umlauf befindlichen Papierscheine aus dem Verkehr gezogen werden. ** Vorträge über Glanzpla11en. t^rau I Dr. Iakob aus Frankfurt behandelte in zwei Vorträgen am Donnerstag und Freitag im Saale des Cafä Leib vor zahlreich erschienenen Hausfrauen,..»... d --- - Q wiirh_ und Angestellten die Behandlung der Stärkewäsche D e m o k r a t i sch e n Partei He s |je n s würbe mittels Glanzplättens. Die Vortragende, die im | folgende Entschließung gefaßt^Die^Demokratsiche^ VOMA@__ SÄaberist S_ „ dank.der unerreiddenQuaßiätundausgereLftesten^vonstruJitixyri * teqfld/idtschi IRasdiinenfat^Ag., dauert M Vertretung: Georg Karl Reit, GIESSEN, Marburger Straße 34, Fernsprecher 298. sind Schlagworte ohne Sinrt^ halten. Für sie stehen wertvolle Gewinne zur Verfügung. Hieran wird sich Volksbelustigung, Konzert und Tanz anschliehen. Die Anmeldungen zur Prämiierung haben bis zum Mittwoch, 17. 3uli, bei der Bürgermeisterei Lich zu erfolgen. Auf die im heutigen Anzeigenteil veröffentlichte Bekanntmachung sei besonders hingewiesen. s. Trais-Horloff, 2. 3uli. Hier wurde am Samstag und Sonntag die diesjährige ©au* turnfahrt des Gaues Wetterau (All- gem. Deutscher Turnerbund) abgehalten, verbunden mit der Bannerweihe des hiesigen Turnvereins. Das Bedenken, alle Wetturner und Kampfrichter in einer kleinen ländlichen Gemeinde unterbringen zu können, wurde durch die gastfreundliche Gesinnung der Bevölkerung von Trais und dem Nachbarort ältphe zerstreut. Den Auftakt des Festes bildete die am Samstagabend vollzogene Einweihung des Gefallenenehrenmals auf dem neuen Friedhof, die sich zu einer eindrucksvollen Feier gestaltete. Nach einem Aufmarsch aller Vereine mit ihren Fahnen hielt Pfarrer Weber von hier die Weiherede und verlas alsdann die Namen der 16 Gefallenen unserer Gemeinde. Nach einem stillen Gedenken sprach der Altveteran Blei packende Worte, worauf zahlreiche Kränze niedergelegt wurden. Das Ehrenmal war durch die Gärtnerei K a m - b e i tz, Hungen, mit herrlichem Blumenschmuck versehen worden. Später fand auf dem Festplah die Begrüßung der Gauleitung und der Wetturner statt. Um 21 llljr bewegte sich ein langer F a ck e l z u g durch die Straßen des Dorfes, und gegen Mitternacht wurde auf dem Festplah ein hübsch zusammengestelltes Feuerwerk abgebrannt. Am Sonntag früh um 7 llljr begann das Wetturnen, das sich bis gegen Mittag hinzog. Nachmittags um 2 Uhr bewegte sich ein glanzvoller Festzug durch das Dorf, an der Spitze mehrere Neiter in echter alter Lützower Uniform. Auf dem Festplah hielt Lehrer Roth von hier die Festrede und weihte anschließend das neue Banner unseres Turnvereins. Der Gauvorsitzende dankte für die Vorbereitungen des Vereins und der Gemeinde. Bald setzte ein festlich-frohes Treiben ein, begünstigt von herrlichem Sommerwetter. Einen wesentlichen Anteil an dem Gelingen des Festes trug die ausgezeichnete Musikkapelle Otter von Gießen. Am Montag fand für die näheren Nachbardörfer und die einheimische Bevölkerung noch einmal V o l k s f e st statt. Alles in allem kann der Gau Wetterau, wie auch unser Dorf auf ein glänzend verlaufenes Fest zurückblicken. Kreis Friedberg. I Steinfurth, 2.Juli. Dem Wunsche vieler Gemeindeglieder nachkommend, hat der Gemeinderat beschlossen, eine Gemeinde-Krankenschwe, st e r anzustellen. Am l.September soll die Gemeinde- Krankenschwesterstation, die früher einmal hier bestanden hat, wieder eingerichtet werden. WSN. A s s e n h e i m, 2. Juli. In dem benachbarten I l b e n st a d t wurde der 57jährige Arbeiter G e o r g M a u l in der dortigen Sandgrube unter abrutschenden Sandmassen begraben und konnte nur als Leiche geborgen werden. Ein Fuhrmann aus Nieder-Wöllstadt konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Kreis Büdingen. y. Bad Salzhausen, 2. Juli. Seit einigen Tagen weilt Oberbürgermeister Böß aus Berlin als Kurgast in unserem Bade, wo er im Kurhause Wohnung genommen hat. Oberbürgermeister Böß, ein geborener Gießener, kennt unser Bad schon seit vielen Jahren von seiner Gießener Heimat aus. Kreis Schotten. + Groh-Eichen, 2. Juli. Gestern abend schlug der Blitz in das hiesige Transformatorenhäuschen ein und entzündete die innere Verstrebung und die Balken Oes Daches. Erst in den späten Abendstunden, nachdem die Hauptleitung abgestellt war, konnte der Brand gelöscht werden. Nur dem Umstand, daß von außen her kein Luftzug an den Brandherd kommen konnte, ist es zu verdanken, daß nicht der ganze Dachstuhl abgebrannt ist. Größerer Schaden ist nicht entstanden. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 2.3uti. Am Sonntag abend erfolgte hier vor der Förster- wvhnung ein Zusammenstoß zweier Motorradfahrer, die mit ihren Maschinen in voller Geschwindigkeit gegeneinander rannten. Der eine Fahrer, namens Kirchner aus Maulbach, kam zum Glück mit geringen Hautabschürfungen davon, während sein Rad demoliert wurde. Dagegen erlitt der andere Fahrer, namens W i ß- n e r aus Deckenbach, einen doppelten Beinbruch, der — nach erster Hilfeleistung durch einen Arzt und die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz — die lleberführung des Verunglückten nach der Gießener Klinik notwendig machte. Das Kraftrad des bedauernswerten Mannes blieb unversehrt. Starkenburg. WSN. D a r m st a d t, 2. Juli. Der 23jährige Volontär Kurt Martin wurde heute nacht etwa 300 Meter südlich vom Böllenfalltor neben dem Fußweg nach dem Dachsberg miteinem Ko pfschußtot . aufgefunden. Die Ermittlungen der Polizei sind zur Zeit noch im Gange, und es steht noch nicht fest, ob Mord oder Selbstmord oorliegt. Der tödliche' Schuß ist aus einer kleinen Selbstladepistole abgefeuert worden, doch fand man die Waffe am Tatort nicht. Wiedersehensfeier und Fahnenweihen der ehemaligen 116er und 168er. WSN. Offenbach a. M., 1. Juli. Die Wiedersehensfeier und Fahnenweihen der ehemaligen 116er und 168er am Samstag und Sonntag gestaltete sich zu einem großen Tag für Offenbach. Am Samstagabend hielt Generalmajor a. D. v. P f e i l die Festrede im Stadtgarten, dem Festlokal, und sprach über die kameradschaftlichen Ziele der beiden Vereine. Alsdann übergab er die Fahnen ihrer Bestimmung. Vom ehemaligen Kaiser und vom ehemaligen Großherzog vonHes- s e n waren Begrüßungstelegramme eingegangen, die der Feier einen würdigen Verlauf und viel Glück wünschten. Am Sonntagmittag wurde am Gefallenendenkmal im Waldpark eine Gedächtnisfeier zu Ehren der Gefallenen abgehalten, bei der der ehemalige Divisionspfarrer Hofmann, Mainz-Mombach, die Gedächtnis- und Weiherede hielt. 3m Anschluß daran bewegte sich ein F e st z u g unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Straßen der Stadt. Der Zug wurde von den Einwohnern mit Blumen von den Fenstern aus beworfen. Ein geselliges Zusammensein am Nachmittag und Abend beschloß die Feier. Preußen. Kreis Wetzlar. (xd Hochelheim, 2. Juli. Zum Jahres- f e st des vor zwei Jahren erbauten Vereins- hauses hatte die hiesige Evangelische Gemeinschaft auf den vorigen Sonntag eingeladen. Sehr zahlreich war der Besuch aus der Gemeinde und den preußischen und hessischen Orten der Umgebung. Das Fest wurde von Prediger Trippler, Groß-Rechtenbach, geleitet, der nach einem Vortrag der Posaunenchöre von Hörnsheim, Hochelheim und Langgöns unter der Leitung von Karl Boller, Langgöns, den 100. Psalm verlas und mit Gebet eröffnete. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schneider, begrüßte die große Zahl der Festgäste und gab der Gemeinschaft als Losungswort für das neue Jahr mit: Sach. 8,3. Die Festansprache hielt Professor Schlarb, Gießen. Er sprach über das Thema „Weltharmonie" oder „Der Mensch für Gott". In einem kurzen eindrucksvollen Schlußwort über Matth. 5,1 bis 16 wies Pfarrer Harth, Klein-Rechtenbach, hin auf den Ernst der Nachfolge Christi. Gemeinsame Gesänge, unter Begleitung der Posaunen, und Gesangoorträge der Gemischten Chöre von Hochelheim und Hörnsheim umrahmten die Feier. Ein Schlußgebet von Pfarrer Schneider und das Schlußlied „So nimm denn meine Hände" beschlossen das schöne Fest. Die zahlreichen Gäste fanden freundliche Aufnahme in den Häusern unserer Gemeinde. Aus dem Amisverkündigrmgsblatt. *DasArntsverkündigungsblattNr. 46 vorn 2. Juli ei thält: Straßensperre. — Reichssteuerüberweisungen. — Dienstnachrichten. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 4.3ulL 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert. 16.35 bis 18.05: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 19.10: Bon Kassel: „Die Entwicklung der Harmonie im letzten 3ahr- hundert" mit Beispielen am Klavier von Prof. Dr. Hermann Stefani, Marburg. 19.10 bis 19,20: Französische Literaturproben. 19.20 bis 19.45t Französischer Sprachunterricht. 20.15 bis 21.15: Cello-Konzert. 21.15: Bon Kassel: Konzert für Streichorchester. Freilag, 5.3uli. 6.30 llljr: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: „Neuestes". 15.05 bis 15.35: Stunde der 3ugend: Aus der Technik des Alltags, vorgetragen von Mittelschulrektor Hans Rößler „Kehricht u. Spüllicht" (f. Kind, von 10 3. ab). 16.35 bis 17.35: Hausfrauen-Nachmittag. 17.35 bis 18.15: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.30 bis 18.50: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 18.50 bis 19.10: Funkhochschule: „Neue Sachlichkeit in jüngster deutscher Lyrik ', Vortrag von Prof. Franz Schultz, 19.10 bis 19.30: Stenographischer Fortbildungskursus. 19.30 bis 19.50: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.50 bis 20: Film-Wochenschau. 20 bis 20.25: Von Stuttgart: Lübecker Totentanz. Rundfunk-Komposition von Hermann Reutter. 20.25: Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe, großes historisches Ritterschauspiel in fünf Aufzügen von Heinrich von Kleist, Musik von Carl Maria von Weber. Samstag, 6. 3uli. 6.30: Morgengymnastik. 13.15: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 15.05 bis 15.35: Stunde der 3ugend. Aus dem deutschen Liederkranz, Liedervorträge Frankfurter Schulen. Weißfrauenschule, Klasse 2 und 3, Chorleiter: Lehrer August Lorbeer. 16.35 bis 18.15: Nach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Briefkasten. 18.45 bis 19.05: Esperanto-^lnterricht. 19.05 bis 19.15: „Wo uns der Schuh drückt", 3nterviews mit jedermann — 1. Chauffeure —. 19.15 bis 19.40: Nach Stuttgart: „Der Großstädter und die Natur", Vortrag von Dr. Werner Mahrholz. 19.40 bis 20: Stunde des Frankfurter Bunoes für Volksbildung: „Eine Studienreise des Frankfurter Bundes für Volksbildung nach Paris", Vortrag vonRck^or 3. Steßling. 20: Vom Würt- tembergischen Landestheater Stuttgart: „Orpheus in der Unterwelt", Operette in 3 Akten von 3acques Offenbach. 23 bis 0.30: Nach Stuttgart: Tanzmusik. Berliner Börse. Berlin, 3. 3uli. (WTD. Funkspruch.) Nachdem man gestern nachmittag etwas höhere Kurse feststellen konnte, ist man im heutigen Frühverkehr weiter freundlich gestimmt. Einen guten Eindruck machte besonders, daß gestern keine neuen Goldabflüsse aus England stattfanden, da sich besonders Amerika anscheinend in Liebereinkommen mit der Bank von England als Käufer zurückhielt. Zuverlässige Kurse sind noch nicht zu hören. Man taxiert 3. G. Farben 237, Siemens 395 und AEG. 195. Briefkasten der Redaktion. Stammtisch Rödgen. Der Oswaldsgarten ist 130 m lang und 55 m breit. KAISER GESCHÄFT vom 28.6. 1 Riegel Schokolade gratis aulärem 5% Rabatt (ZUCKER AUSGESCHLOSSEN) Über 1000 Filialen Für die Reise Heinrich Driesch 3 Lebensmittel / Feinkost tag ö-i. 04153 * 5647A Lager. 6785 D CarlSchunck Saison-Ausverkauf beginnt mit dem heutigen Tage 5760V ^10 Schaufenster] Beste Ware Preiswert Bettvorlagen Tischdecken Chaiselonguedecken usw. einen Rabatt von Wir gewähren auf alle Gardinenstoffe Dekorationsstoffe Möbelstoffe Läuferstoffe Lohholz-Versteigerung Nächsten Freitag, den 5. 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Von einem gewissen 2llter ab muh dre Frau die hohe Kunst kennen, entweder aus Schönheitsmittel zu verzichten oder sie mit einer sehr subtilen Diskretion zu gebrauchen. Versteht sie das nicht vollkommen, so wird sie schreckhaft älter aussehen, als sie wirklich ist. Dom Schmerz und der Melancholie gar nicht zu reden, denen sie erliegt, in den Stunden ihres Alleinseins und Herrichtens zu einem Kampfspiel, das für sie nur mehr eine Groteske ist. Das; man die Tochter nicht von der Mutter unterscheiden könne, das wird nur so kindliche und kindische Menschen wie die Amerikaner entzücken. Zu viel Lippenrot vernichtet die natürliche schöne Würde des Alters. Ebenso wie die natürliche Frische der Siebenzehnjährigen grau wird unter einer Puderschicht. Aber man tanzt so viel, man tennist so viel, man schwitzt, man glänzt und so wird alle fünf Minuten die Dose gezückt. „ Mit dem Sterben haben sich die Menschen schlecht und recht abgefunden. Aber mit dem Altwerden sind sie immer noch nicht zurecht- gekommen, und da biegt sich der Toilettentisch unter Flaschen, Dosen, Schachteln, Apparaten, und so sitzt die alternde Frau in Angst im Heiligtum chres angebeteten Leibes und doktert stundenlang allein oder mit großer Assistenz daran herum. Altsein heißt heute mehr als je abgedankt, ausgeschaltet, zum Zuschauer verurteilt sein und nicht mehr im »Betrieb" stehen, lind das ist das Entsetzlichste, was dem heutigen so sehr entseelten Menschen der Städte passieren kann. Denn das Leben, das er führte, ist weder so lustig noch so voller Freuden gewesen, als daß er nicht immer noch erwartete, es müsse erst kommen. Und so will er dafür gerüstet sein und das heißt: jung aussehen. Denn anders wendet sich das Leben ja von ihm ab und damit auch Ernährungsbehandlung von Krankheiten. Von Dr. W. Schtveishelmer. rationen) EMS J yiWUj IRUCK TH. WE INERT '$seiL ndpfati ?s SCHLOSS) < * - I Etwas allzu pragmatistisch hat man die Parfüme, chre Erfindung und ihren Gebrauch mit Zeiten zusammengebracht, wo sich die Menschen wenig wuschen, Königinnen das Hemd nur alle vierzehn Tage wechselten (nicht nur wenn sie trauerten wie jene Isabella, deren Hemd so gelb wurde wie d« Farbe, nach der man einen Fimmel benennt) und man am Tisch des vierzehnten Ludwig nach den Vratenstücken mit den Fingern griff. Gewiß spielte der dadurch etwas penetrante Körpergeruch jener Zeiten seltenen und ungenügenden Waschens und schwerer pompöser Kleidung eine Rolle, und es entsprachen ja auch die scharfen Parfüms, wie der damals beliebte Moschus dieser ungewaschenen Zeit. Aber es dürften damals, ungestört von Denzingeruch und Kohlenstaub, die Rasen etwas robuster gewesen sein als heute. . ... Es dürfte die Meinung falsch fern, daß die Menschen ihren natürlichen Körpergeruch, der so mannigfaltig ist wie der Mensch, durch ein Parfüm verbergen wollen. Es geht vielmehr der Wnstliche Geruch mit dem spezifischen Körpergeruch eine höchst subtile Mischung ein, die den Körpergeruch mildet, aber nicht beseitigt. Sowohl das außerordentlich große Angebot künstlicher Düfte als das besondere Wählen eines bestimmten Parfüms dürste dem Zweck dienen, eine diskrete Vermittlung des Eigengeruches hcr- zustelleü. Rur eine dieses Zweckes ganz unkundige Frau wird sich mit einem Parfüm so überschütten, daß man nichts sonst riecht, als auf zwei Beinen wandelndes Parfüm, womit eben der Sinn des Parfümierens aufgehoben ist. Eine Frau, die wie eine Drogerie riecht, ist ein Monstrum. Schönheitsmittel sind Verzungungsmrt- t e l. Ihr überaus großes Angebots erklärt sich aus einer Frauenmode, welche die Fünfzigjährige noch, wenigstens was die Toilette betrifft, wie ein junges Mädchen von 20 aussehen laßt. Rur läßt die Haut, lassen die Muskeln nach. Dem sucht die alternde Frau abzuhelfen. Auch die jüngere, werm ihr Körper unter zu viel Arbeit oder zu viel Richtstun leidet. Ob man von Schön- »Und was ist sonst zu hm?“ fragte der altere Herr besorgt, als der Arzt bei ihm eine Zuckerkrankheit festgestellt hatte. »Von allen Dingen am wichtigsten," antwortete der Arzt, »ist die richtige Kost, die Ihre Frau Ihnen verschaffen wird. Aus der Küche wird Ihnen der Wegweiser zur Gesundheit kommen." Eine ganz neue Entdeckung ist es, daß der Genuß von L e b e r zur erfolgreichen Bekämpfung verschiedener Blutkrankheiten zu verwenden ist. Es ist aber nicht leicht, Leber in größeren Mengen Monate hindurch zu verabreichem Das ist aber hier nötig. Die Verordnung des Arztes läßt sich nur durchführen, wenn geschickte Frauenhand dem täglichen Lebengericht immer neues Aussehen und verschiedenartigen Geschmack zu verleihen vermag. 3n der Tat: die richtige Auswahl und Zubereitung der Ernährung ist ausschlaggebend für die Bewahrung von Gesundheit, für Heilung und Besserung von Krankheiten. Die sorgende Hausfrau schafft hier mehr Gutes als hundert Medikamente und zehn Heilkuren. Denn nur auf das tägliche Leben kommt es an. Aerztliche Kuren lassen sich gewisse Zeit durchführen, dann verliert das beste Heilmittel seine Wirkung. Das Leben jedes einzelnen Tages, die Ernährung vom Morgen bis zum Abend, legt den Grundstein zum Gesundbleiben und zur Krankheits- bC3nrUbfeten Familien befindet sich wenigstens eine Person, deren Kost besonderen Zuschnitt erfordert. Die Frau, die für die Ernährung sorgt, mutz sich auch über die theoretischen Unterlagen des Erforderlichen klar sein. Besitzt sie Geschick, so weiß sie von diesem Grundstock aus mit leichter Mühe die übrige Kost zu gruppieren. Es soll etwa kohlehydratarm gekocht werden: Zugabe von Kartofseln wird auch die befriedigen, die nicht an diese Kost gebunden sind. Oder fettarme Zubereitung von Saucen und Gemüsen heißt die Losung, — dann wird daS Kind, das Fett braucht, durch Extrazugabe von Ferienausrüstung der Kinder. Von Margret Halm. Die Kinderkleidung zielt eigentlich dahin, bah jedes einzelne Stück so reizend und so medlnh cusgearbeitet ist, daß. bei natürlich Anverwöhnten Kindern jed^ Kleidchen ieder An- mg so lange er neu ist, „für gut tad^los gehen lann. Denn schließlich A doch nichtber otoed der Kinderkleidung, cm kleines Menschenhnd herauszuputzen, oder durch elegante Lleppigkeit hier etwas zu beweisen. Für ein ganz besonderes Fest, eine Hochzeit, ein Jubiläum — nun ja. Da mag • r Techni k I5.K: elschA > All. ■es«?. ."Ni?* 3ufi. Akte sS* aSS* 18'30: [V- -N bis 19.15: y Nm 19 Anreise des Ml nlbung nach 2' 20: AomDürl« Stuttgart: .Orpheus ! 8 Akten von ’ Aach Stuft. in oft bizarrer Farbengebung, doch nicht zu aufdringlich wirken, wenn sie in der richtigen Verarbeitung, von der richtigen Frau getragen werden. Große malerische Strandhüte, gleichfalls aus Bast oder durchbrochenem Stroh, kecke kleine Mützen mit aufgeschlagenem Rand, sog. „Bobby-Kappen", die ein Mittelding zwischen den vorerwähnten und den sog. „Radio"°Kappen sind, und eine Unmenge anderer individueller Badekäppis machen einen lustigen Eindruck und stimulieren die Laune am Strande. Aber noch weiter geht die Harmonie der „Badeausrüstung". Aus weichem Frotte in aparten Karos oder Tupfen werden hergestellt: der Badepaletot, der Strandschirm und die Badetasche, worin man die vielen Utensilien, deren man am Strande „un- umgänglich" benötigt, untergebracht sind, und schließlich sogar: Badeteppich, ein rechteckiges Stück Frott6, das letzte Erfüllung restlosen Zusammenklanges ist. Das eigentliche Strandensemble: Hose und Leibchen, ist im gleichen Dessin aus Seide gearbeitet und auch am Badeschuh findet man das Muster des Badetepvichs wieder. Aber, man kann sich bedeutend einfacher und billiger am Strande ausruben und amüsieren. Billige Kretons und indanthrenfarbene Stoffe ermöglichen dem bescheidensten Portemonnaie die Anschaffung einer Badeausrüstung, die zwar nicht gleichvollendet ist, aber, wenn sie gut paßt, von ebenfalls recht guter Wirkung sein kann. Sehr beliebt sind auch kurze Capes aus einem neuartigen Gummistoff in gleicher Farbe wie, Schwimm-Mütze und Badeschuhe. Auch die Gummi-Schwimmgürtel haben sich erhalten, da aus Tressen oder Leder geflochtene Gürtel im Wasser zu schwer werden und man auch am Strande den bunten Gummigürtel bevorzugt. Das Unwesen der vielen amerikanischen Schönheitskonkurrenzen in mondänen amerikanischen Seebädern hat einen Ueberluxus in Bade, und Strandkostümen mit sich gebracht. Wir wollen und müssen da nicht mittun, denn noch immer gilt in der Mode das Wort, daß „ein Weniger mehr als ein Zuviel", und notabene gute Laune, ein heiteres Gesicht, eine nette Gesellschaft und schönes Wetter (das „große" Portemonnaie nicht zu vergessen) sind die beste Gewähr für einen erfreuenden Sommer am Strande, vorzüglicher oft als das mondänste Badekostüm, Saucen und Gemüsen. Am wichtigsten ist bis Dcrminberung der Fettzufuhr; Gemüse, Kartoffeln und Mehlspeisen sind deshalb fettarm! zuzubereiten. Wenn man das beachtet, kann man unbedenllich zur Sättigung Brot, Kartoffeln in reichlichem Matze genießen. Don Zwischenmahlzeiten wird man ganz absehen. Die Haupte bestandteile der Ernährung sind mageres üleisch, Brot, nicht fetter Käse, Gemüse und Kartoffeln (ohne Fettzusatz), Salat, weiche und harte Eier (Rühreier und Spiegeleier sind mit Fett zubereitet), Obst. Das Gesühl von Hunger darf bet den gewöhnlichen Abmagerungsbestrebungen nicht in den Vordergrund treten. Wasser kann bei Abmagerungskuren in beliebiger Menge genossen , werden. Es soll ja nicht das Körpergewicht durch , Wasserentzug herabgesetzt, sondern überflüssiges । Fett abgebaut werden. Die Behandlung übermäßiger Magerkeit wird von all dem gerade das Gegenteil unternehmen, also reictstich Zwischenmahlzeiten, viel Fett in jeder Form. Gallen- und Leberleiden lassen den Gebrauch von Gewürzen einschränken und den Fettgehalt in der Ernährung beschränken. Die Galle ist ein Hauptmittel zur richtigen Fettverdauung: wo Störungen in der Gallentätigkeit bestehen, wird zu reichliches Fett in der Rahrung nicht richtig verwertet, es treten Beschwerden auf. Auch der Ciweihgehalt der Rahrung soll nicht zu hoch sein. Ein besonderes Augenmerk ist bet Der Anlage der Ernährung hier darauf zu richten, daß der Darm rasch und ausgiebig arbeitet. In der richtigen Darm tätigkei t liegt überhaupt ein Geheimnis für Gesund- und iJung- bleiben. Gewohnheitsmäßige Darmträgheit hält Stoffwechselreste zu lange im Körper zurück, sie wirken giftig auf alle Organe, es entstehen Krankheiten und seelische Verstimmungen. Eine allzu weiche, breiarttge Kost ist auf die Dauer für den gesunden Magen und Darm nicht geeignet. Kräftigere Reize fördern die Darmtättgkeit. Diq Zellulosebestandteile von Gemüse und Obst, Schwarzbrot usw. wirken in diesem Sinn, aber auch die Fruchtsäuren von Obst und Honig, die Milchsäure in saurer und Buttermilch, das Fett der Butter, Zucker, reichliches Wasser tragen zup Förderung der Darmtätigkeit bei. Bei chronischen Magen-undDarmstörungen können sehr eingehende Kochvorschriften notig werden, soll der Kranke nicht an neuen Verstimmungen leiden. Gerade hier lehrt meist erst die Erfahrung int Einzelfall, was dem Kranken unzuträglich ist, und was beschwerdelos vertragen wird. Die Ernährung bei Herzkranken wird im allgemeinen nur darauf Rücksicht nehmen, daß nicht allzuviel Flüssigkeit genossen wird und die Darmentleerung keine zu großen Anstrengungen erfordert. Kleinere Einzelmahlzeiten, wiederholt, sind manchmal einer größeren Mahlzeit vorzuziehen, weil der Druck des gefüllten Magens auf • Zwerchfell und Herz unangenehm empfunden werden kann. Gemischte Kost, Fleisch nicht in Tiebermah, ist für Herz- und Gefätzkranke (Arteriosklerose) am geeignetsten. Bei der Ernährung vonRierenleidenden kommt es zunächst auf die Feststellung an, ob Störungen in der Kochsalz- oder in der Eiweitz- ausscheidung bestehen. Milchkost ist wegen ihres geringen Kochsalzgehaltes angezeigt. Gemüse koch- salzarm zuzubereiten, erfordert Erfahrung, sonst ist der Geschmack zu langweilig. Dämpfen oder Schmoren der Gemüse mit Butter entzieht die Geschrnackstosfe weniger als Kochen in Wasser. Mehlspeisen und Obst spielen bei der Ernährung von Rierenkranken weiter eine große Rolle, Gewürze und Fleisch treten in den Hintergrund. Bei akutem Fieber fehlt meist Der Appetit zum Essen. Da soll der Kranke ruhig hungern, das Verlorene ersetzt sich in der Genesung in wenigen Tagen wieder. Richt den Kranken quälen durch Aufnotigen von Speisen I Das macht mißmutig, raubt die Ruhe und belastet auch körperlich durch Speisen, die Magen und Darm nur widerwillig verdauen, soweit nicht überhaupt Erbrechen eintritt. Flüssigkeit verabreicht man Bademoden — Badefreuden. Von Hilde Hanna Sitte-Hutter. Es klingt wie ein Paradoxon und ist doch richtig, wenn man von der Kleidung i m Ba d e und... im Wasser spricht. Denn das, was man anzieht, wenn man ins Bad geht, verträgt, Gott behüte, nicht das Wasser. Es gibt nämlich wirklich noch immer sehr viele Frauen, die jährlich ins Bad reisen und dabei nicht mit der großen Zehe ins Wasser gehen. Und so kann man tatsächlich von einer Zweiteilung der Bademode sprechen, von jener für das Bad und jener, die für das nasse Element bestimmt ist. Zum Letzteren: Die im vorigen Jahre lancierte Zweiteilung der Badetrikots hat sich teilweise überlebt, da man herausgefunden hat, daß die Quer- streifen des bunten Leibchens, an das sich, durch einen Gürtel getrennt, die andersfarbige Badehose schloß, schlanke Frauen breit, breite Frauen noch breiter machte. Die heutige Bademode hat daher der Wiener Strickmode berechtigten Vortritt gelassen, die glatte Trikots mit kubistischen Motiven oder sehr vielen schrägen Streifen, die schief über das ganze Badekostüm laufen und daher die Figur strecken, vorschreibt. Die Strandmode ist ein individuelles großes Staphel. Vornehm-Einfaches und extravagant Auf- fallendes hat modische Gültigkeit. Ja man kann heute sogar schon von einem Bade-Trousseau sprechen, so reichhaltig ist die Ausstattung jener Dinge, die der Langeweile am Strande oder im Kurorte dienen. Die verschiedensten Stoffe: Streton, Crepella, matte und glänzende Seiden, Lame, Satin, Bade- Tweed, sie alle müssen dazu herhalten, schöne Frauen in mehr oder minder extravaganter Fasson zu um- hüllen. Die Hose ist fast Vorschrift für das Damen- Complät am Strande. An der Hüfte an einen Sattel genäht, bis zum Knöchel reichend, unten etwas breiter ausfallend, meist aus Seide. Ab- stechend dazu das Leibchen oder Jäckchen und bar- über noch die dreiviertellange Jacke oder den Bade- Paletot. Der selige Bademantel aus dickem Frotts, in den man sich sorgfältig einhüllte, war zu wenig elegant, wurde unmodern und ist damit erledigt. Heute gibt es dafür katzenweiche, schmeichelnde Frottös, bafb artige Straiwstojje und viele andere NMeitep, die rasch. Dann aber ist auch das der Kinderkleidung sehr von Ruhen, daß der weiße Seesand kaum je ein Kleid beschmutzt. Mögen sie sich wälzen und kugeln nach Herzenslust, cur- graben und was noch mehr, kaum getrocknet klopft sich alles spurlos wieder ab. Ünd da man am Strande mit nadten Futzch^r, höchstens aber mit Segeltuchschuhchen herumlauft, ist ein einziges Paar Halbschuhe, das auf der Äeise und abends im Hotel gerade eben zur Mahlzeit getragen wird, vollauf gen^. Vier Paar Söckchen dazu und ein paar lange Strumpfe für einen kühlen Tag. . .. . - Zwischen acht und achtzehn Jahren tragt der Junge am Strande eine weiße Leinenhose, von einem Gürtel gehalten, und ein weiches Hemd mit offenem Kragen. Drei von jedem wird man da schon einpacken müssen. Eine Klubfade, euren Sweater oder Pullover und eine wärmere Hose und eins bis zwei Anzüge. Einen hellen für die Reise und einen dunklen zum Abend vervvll- ständigen seine Garderobe. . Das Mädel trägt an kühleren Tagen em helles Flanell- ober Strickkleid, sowie Sweater ober Jumper zu einem Rock. Hat Mama bann noch für zwei helle „feine Kleidchen" Sorge getragen, vielleicht auch eine Klubjade erlaubt, so ist die kleine Eitelkeit sehr gut versorgt. Ein Waschhut für beibe zum Schutze gegen allzu starke Sonne. Die Sailor's Cap hat's ihnen Heuer angetan. Dem Buben sonst nur eine Reisemütze, für das Mädel ein Filzhütchen und etwa eine Helle Stroh-Cloche. Ist der Reisemantel hell gewählt, | .decH®n «8 )li‘e Neue Bücher. Sagegen nach Bedürfnis. Anders ist es bei chronisch verlaufenden Fieberzuständen (Tuberkulose). Hier muß genügend Nahrung zugeführt werden, schmackhafte Zubereitung der Speisen, das Borsehen kleiner Mengen und das Streben nach Abwechslung werden am ehesten Erfolge erzielen. Man glaube ja nicht, daß diese Forderungen einfach zu erfüllen sind. Längere Zeit kochsalzarme Kost bei Nierenkranken oder kohlehydratarme Kost bei Zuckerkranken doch schmackhaft und anregend zu gestalten, ist eine große Kunst. Die ärztlichen Notwendigkeiten können hier auf die Dauer nur erfüllt werden, wenn sie praktische Verwirklichung durch die freudige Erfindungskraft und die schaffende Phantasie der Hausfrau finden. Wirtschaft. Normaler Halbjahresausweis -er Reichsbank. Daß sich der H a l b j a h r s u l t i m o normal a b g e w i ck e l t hat, zeigt eindeutig der Ausweis der Reichsbank vom 29. Juni. Die Anspannung der Reichsbank zum Halbjahrsultimo ist mit insgesamt 621,4 Millionen Mark gegenüber einer solchen von 771,4 zum Ultimo März d.J. und von 726,4 am Halbjahrsultimo des Vorjahres als durchaus normal anzusehen. Dem normalen Bild des Halbjahrs- ausweises kommt in diesem Jahre eine besondere Bedeutung zu, da in ihm zugleich der Abschluß der Restriktionstätigkeit der Reichsbank, und damit die Wiederherstellung normaler Verhältnisse auf dem Geldmarkt liegt. An sich sind die Anforderungen der Wirtschaft an die Reichsbank, wie aus der Zunahme des Notenumlaufs um 795 Millionen Mark hervorgeht, nicht gering gewesen. Die Wechseleinrichtungen erreichten aber nur einen Betrag von 415 Millionen Mark, bleiben also somit im Vergleich zum Ultimo Juni des Vorjahres mit 616,3 Millionen Mark nicht unerheblich zurück; aber die Wirtschaft hot nicht nur den Kreditweg zur Reichsbank benutzt, um den Ultimo zu finanzieren, sondern von ihr sind anscheinend größere Mengen Devisen veräußert worden und zur Reichsbank geflossen. Bemerkenswert ist, daß die Reichsbank das ihr zugeflossene Gold im Betrage von 147 Millionen Mark, welches restlos aus London stammt, nicht mit Devisen aus ihrem eigenen Bestand bezahlt hat, sondern anscheinend mit den ihr aus dem bezeichneten Wege zugegangenen neuen Devisen. Denn der Devisenbestand Der Reichsbank zeigt trotz der Goldkäufe eine Vermehrung um fast 30 Millionen Mark, so daß sich die Deckungsmittel insgesamt um 177 Millionen Mark vergrößert haben, was natürlich zu der günstigen Banknotendeckung von 47 v. H. gegen 44,8 v. H. zum Ultimo Mai beigetragen hat. Auf den Grad einer wesentlichen Entspannung deutet auch die in kurzfristigen Dispositionen zum Ausdruck kommende Erleichterung hin. Die Laufzeit der Wechsel ist gegenüber der letzten Zeit wesentlich kurzfristiger geworden, und was das Wichtigste ist, die Beanspruchung des Lombardkontos mit nicht weniger als 101,7 Millionen Mark und die Erhöhung des Reichsschatzwechsclbestandes um 103,7 Millionen Mark zeigen deutlich, daß man cs oorzieht, kurzfristig zu disponieren. Hinzu kommt, daß der bestehende Lombardsatz von 8,5 v. H., an den Sätzen des offenen Geldmarktes gemessen, als billig anzusehen ist, wenn die Banken nicht ihr Wechselmaterial hergeben wollen. Nach alledem ist mit einer raschen Entspannung der Ultimobeanspruchung zu rechnen, zumal der Zustrom von Auslandgeldern, der das Maß der Anspannung der Reichsbank wesentlich beeinflußt hat, anhalten dürfte. Die Reichsbank hat bekanntlich inzwischen ihre Goldkäufe in London fortgesetzt, die Devisenrückflüsse halten an, so daß sich die Notendeckung noch weiterhin erheblich bessern dürfte. Der gesamte Zugang an Gold und Devisen seit Aufnahme der Krcditrestriktion dürfte schätzungsweise 600 Millionen Mark betragen. Kleine saisonniaßige Konjunkturbelebung. Nach der auf Grund von Berichten der preußischen Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe zusammengesteUten Liebersicht hat der Abschluß der Pariser Reparationsverhandlungen die Sorge der Wirtschaft um die eigene Entwicklung nicht wesentlich zu mindern vermocht. Eine kleine, zumeist saisonmähige Belebung ist allerdings ein» getreten. Auch liegt ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit, der Eintritt eines gewissen Beharrungszustandes in den Zahlungseinstellungen und ein verhältnismäßig hoher Stand des Außenhandels vor, der erstmalig wieder einen Ausfuhrüberschuß von 54 Mill. Mk. ausweist, doch 1 — Einführung in d i e heimische Vorgeschichte. Von Prof. Dr. G. Blecher. 128 S. mit 130 Abbildungen und 15 Tafeln. (312) Verlag Sv. Bindernagel in Friedberg i. H. Preis 3,50 Mark. Endlich, endlich ist das Lehrbuch, das uns bisher zur Erteilung eines vollständigen Geschichtsunterrichts fehlte, erschienen. Jetzt ist es wirklich möglich, der Forderung des Lehrplans nachzukommen und Vorgeschichte in der Volksschule zu lehren. Die vorhandenen streng wissenschaftlichen Werke waren nicht brauchbar für die Hand des Lehrers. Hier aber hat Prof. Dr. Blecher, angeregt durch die heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften, eine Arbeit geleistet, die es jedem ermöglicht, sich schnell und spielend leicht in die heimatliche Vorgeschichte einzuarbeiten und sie alsbald im Unterrichte zu verwerten. Nur das zum Verständnis Wichtigste ist aus den großen wissenschaftlichen Werken zusammengetragen und sehr klar, verständlich und übersichtlich herausgearbeitet worden, so daß jeder Lehrende sich alsbald mit dem Stoff vertraut fühlen wird. Es wird leicht fallen, den Stoff in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht nur weltgeschichtlich, sondern auch, durch das angefügte Namen- und Sachregister vortrefflich ermöglicht, kulturgeschichtlich zu bearbeiten. Es läßt sich z. B. die Entwicklung der Werkzeuge, der Waffen, der Gesäße, hier insbesondere wie der Henkel geworden ist, des Ackerbaues, der Kleidung, des Handels, der Siedlungen, des Wohnungsbaues usm. in Längsschnitten behandeln. So wird die Grundlage für den weiteren Geschichtsunterricht gelegt. Der überreiche vortreffliche Bilderschmuck, der durch Epiprojektion allen Kindern gezeigt werden kann, erhöht außerordentlich den Wert des Werkes. Für den Arbeitsunterricht ist auf allen Stufen reichlich Stoff geboten. Das Werk ist eine schon lange notwendig gewesene Ergänzung, besser gesagt Voraussetzung, für unseren heimatlichen Geschichtsunterricht. Die Mitglieder der geschichtlichen Arbeitsgemeinschaften vor allen werden das Werk freudig begrüßen. Kann es doch für ihre Arbeiten wertvollste Grundlage und Stütze sein. Schon im 3. und 4. Schuljahr sollte die Vorgeschichte, in Auswahl, erläutert und belebt durch Erzählungen, der Ausgang für den geschichtlichen Unterricht sein. Hier sei immer wieder auf die vortreffliche Erzählung „Walo, der Pfahlbauer" von demselben Verfasser hingewiesen. Wer sie einmal unterrichtlich verwandt und ausgewertet hat, wird sie nicht mehr missen wollen, und sie vor allem jedem Kinde als Hauslektüre empfehlen. Prof. Dr. Blecher ist allen Lehrern Hessens, und darüber hinaus, als derjenige bekannt, der in der heimatlichen Vorgeschichtsforschung Führer ist. Er kennt nur praktische und ganze Arbeit. Wirklich Empfehlung genug für das Werk. Es sollte aber nicht immer nur von heimatkundlichem Unterricht geredet und geschrieben werden. ist die Arbeitslosenzahl mit 746 000 gegenüber 564 000 im Sommer 1928 und rund 300 000 im Sommer 1927 noch unverhältnismäßig hoch. Eine leichte Besserung in Industrie und Handwerk läßt deshalb noch keinen sicheren Schluß darauf zu, ob die langanhaltende wirtschaftliche Depression sich allmählich zu verflachen beginnt. Solange die Geldmarktlage keine entscheidende Des- terung erfährt, dürste auch die Wirtschaftslage im allgemeinen gedrückt bleiben. * Von der Frankfurter Börse. Vom 4. Juli ab sind 12 Millionen Mark 8-v. H.-Anleihe des Volksstaates Hessen von 1929 — auf Feingoldbasis, 1 RM. 1,2790 kg Feingold — rückzahlbar ab 2. Januar 1936 zu 102 v. H., eingeteilt in 13 Serien von je 800 000 Mark, zum Handel und zur Notierung zugelassen. ' Die Reifenfabrikation bei Opel. Die Deutsche Dunlop Company in Hanau teilt dem WTB.-Handelsdienst mit: In der Zeitungsnotiz über die Angliederung einer Reifenfabrik an den Opel-General-Motors-Konzern wird ausgeführt, daß eine Angliederung mit maßgeblichen deutschen Reifenfabriken ohne Erfolg geblieben sei, weil keines der besichtigten Werke dem modernsten Stand der Technik entsprochen habe. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Dunlop- Werke in Hanau nicht zu den besichtigten Werken gehören, daß keinerlei Verhandlungen mit den Dunlop-Werken geschwebt haben und solche auch voUkommen aussichtslos sein würden. Gerade diese Werke dürfen mit Fug und Recht von sich behaupten, so neuzeitliche Fabrikationseinrichtun- gen zu besitzen, daß sie in keiner Weise den Vergleich mit amerikanischen Reifenfabriken zu scheuen brauchen. * Gylo Schuhfabrik A -G., Frankfurt am Main. Rach dem Bericht konnte der Umsatz im Iahre 1928 weiter gesteigert werden; die ungünstige Witterung in den Schlußmonaten In die Tat umsetzen! Hier ist den Lehrern ein Mittel in die Hand gegeben, mit dem sie leicht arbeiten -können. Jeder Lehrer muß dieses preiswerte Werk besitzen, zum mindesten aber gehört das unbedingt notwendige Buch in das Inventar jeder Klasse, in der Geschichtsunterricht erteilt wird. — Fröderic C. Hill: Lincoln, der Schöpfer einer Nation. Verlag Paul List in Leipzig, mit acht Bildtafeln, Preis 8,50 Mk. — (271) Es ist begrüßenswert, daß der sehr rührige List- sche Verlag das zweifellos vorhandene Interesse des breiten Publikums für historische Biographien auch auf die uns leider im allgemeinen viel zu wenig bekannte Geschichte der Vereinigten Staaten lenkt. Dabei ist es nicht verwunderlich, daß seine Wahl gerade auf Lincoln gefallen ist, der mit Washington um den Ruhm streitet, der größte Präsident der Vereinigten Staaten zu fein. War Washington der Gründer der nordamerikanischen Freistaaten überhaupt, der die dreizehn Kolonien von den britischen Fesseln frei machte, so steht die monumentale Persönlichkeit Lincolns an der Pforte des modernen amerikanischen Staatswesens. Lincoln ist nicht nur der Sklavenbefreier und siegreiche Führer der Nordstaaten im Föderationskriege, sondern ein großer Politiker und, was noch mehr ist, ein großer Mensch, der in seinen Anfängen als armseliger Farmer, Tagelöhner und Holzarbeiter vielleicht der letzte Amerikaner alten Stils genannt werden kann, um dann über den seltsam verschlungenen echt amerikanisch anmutenden Weg des Soldaten, Schiffers, Anwalts und Abgeordneten zum Retter seines Volkes in der gefährlichsten Stunde seiner Geschichte zu werden. Das Buch von Hill ist eine sehr klare und gut lesbare Schilderung dieser interessanten Epoche der modernen amerikanischen Geschichte. — Handbuch des deutschen Staatsrechts, herausgegeben von Gerhard Anschütz und Richard Thoma. Verlag von I. C. B. Mohr, Tübingen. Der rührige Verlag, der eine Reihe großer wissenschaftlicher Lieferungswerke soeben beendet, zum Teil noch laufen hat, hat sich entschlossen, zur Herausgabe eines mit zwei Bänden vorgesehenen Handbuchs des deutschen Staatsrechts, das als Band 28 und 29 dem Sammelwerk „Das öffentliche Recht der Gegenwart" eingegliedert werden soll. Die Verfasser haben es sich zum Ziel gesetzt, einen systematischen Ueberblitf über das gesamte deutsche Reichs- und Landesstaatsrecht nebst der darüber erwachsenen Literatur und Rechtsprechung zu geben. Unter den zahlreichen Mitarbeitern finden sich van Kalter, Graf Dohna, Giese, Grulin, von Hippel, Hübner, Jacobi, Jellinek, Koellreutter, Meinecke, Poetzsch-Heffter, Radbruch, Saemisch, Schücking, Simons, Tartarin-Tarnheyden. (Subskriptionspreis je Lieferung 2,40 Mark.) des Geschäftsjahres brachte jedoch eine erhebliche Störung des Wintergeschäftes. Die Rückwirkung zeige sich in einer starken Anspannung aller Betriebsmittel und in den vergrößerten Warenvorräten. Letztere konnten aber im Iahre 1929 zum weitaus größten Teil abgestoßen werden. Es wurde ein erhöhter Bruttogewinn von 3182 (2485) Millionen Mark (einschließlich 30 217 Mk. Vortrag) erzielt. Andererseits stiegen Unkosten auf 2795 (1930) Millionen Mark und Abschreibungen auf 268 000 (146 000) Mk. Aus dem gegen das Vorjahr etwas ermäßigten Reingewinn von 120 199 (189 217) Mk. werden laut Beschluß der Generalversammlung wieder 6 Prozent Dividende auf 1.35 Millionen Mark Aktienkapital verteilt. 5000 Mk. dem Wohlfahrtsfonds überwiesen und 34 199 (30 217) Mk. vorgetragen. Der zur Zeit vorliegende Auftragsbestand sei günstig. Man hoffe, wieder ein normales Ergebnis erzielen zu können, zumal man günstige Auswirkungen der Interessengemeinschaft erwartet. * Interessengemeinschaft Schneider Creusot-Westinghouse. Die französischen Werke Ereusot traten mit Westinghouse Electric in Verbindung zwecks Gründung einer Interessengemeinschaft zur Herstellung von elektrischem Material, das auf den Westinghouse-Patenten basiert. Die neugegründete Gesellschaft trägt den Namen „Le Matänel Electrique S. W.“ und ist mit einem Stammkapital von 100 Millionen Franken ausgestattet, das durch einfachen Beschluß auf 200 Millionen Franken erhöht werden kann. Präsident der Gesellschaft ist Eugene Schneider, Vizepräsident L. A. Osborne. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 3. Juli. Tendenz: freundlich. Nachdem an der gestrigen Abendbörse das Geschäft in vereinzelten Werten etwas lebhafter war, hoffte man auch zu Beginn der heutigen Börse auf eine lebhaftere Geschäftstätigkeit. Diese trat aber nicht ein, da Orders nur in ganz geringem Umfange vorgelegen haben dürften. Die Stimmung blieb aber freundlich. Man war befriedigt, daß aus England keine neuen Goldabflüsse stattfanden. Besondere Anregungen lagen sonst nicht vor. Gegenüber der gestrigen Abendbörse traten zumeist Besser un genbiszul v. H. ein. Etwas lebhafter war die Geschäftstätigkeit am Montanmarkt und in einigen Elektropapieren. Buderus, Gelsenkirchen, Mannesmann, Phönix und Rheinische Braunkohlen gewannen bis zu 1 v. H. Ein etwas größerer Gewinn trat bei Mansfelder mit plus 2 v. H. in Erscheinung. Am Elektromarkt traten nur Chade-Aktien mit plus 4,50 Mark in den Vordergrund, AEG. und Siemens waren nur geringfügig gebessert. Sonst waren hier zur ersten Notiz fast kaum Umsätze zu verzeichnen. Am Chemiemarkt waren J.-G.-Farben zur amtlichen Notiz gegenüber der gestrigen Schlußbörse 1 v. H. schwächer, gegenüber der Abendbörse nur geringfügig ab= geschwächt, da sich hier schon ein leichtes Slbgleiten des Kurses bemerkbar gemacht hatte. Glanzstoffaktien konnten mit plus 2,5 v. H. ihre Aufwärtsbewegung etwas weiter fortsetzen. Am Bauunternehmungsmarkt Hoch- und Tiefbau bis zu 3 v. H. fester. Bank- werte waren bis zu 1 v. H. fester. Das Geschäft war am Bankenmarkt nicht von besonderer Bedeutung. Nur Neichsbankanteile traten mit plus 2 v. H. aus dem üblichen Rahmen. Zellstoffwerte bis 1 v. H. gebessert und etwas reger. Das Gefchäft^Iieß aber wieder zu wünschen übrig. Vor allem bildet die Ferienzeit einen maßgebenden Faktor. Renten still, Anleihen leicht nachgebend. Ausländer ebenfalls eher etwas schwächer. Im Verlaufe schrumpfte das Geschäft auf ein Minimum zusammen. Die Baissepartei kam wieder mit Material an den Markt, so daß die meisten Werte bei der geringen Aufnahmelust leicht nachgaben. Die Stimmung war aber nicht unfreundlich, da sich wieder erstmalig nach dem Halbjahresultimo eine Besserung des Geldmarktes bemerkbar macht, doch trat eine Geschäftsbelebung nicht ein, da Orders fast vollkommen fehlten. Am Geldmarkt erfuhr Tagesgeld mit 8 v. H. eine Erleichterung. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1974, gegen Pfund 20,351, London gegen Kabel 4,8482, gegen Mailand 92,68, gegen Paris 123,98, gegen Madrid 33,85, gegen Holland 12,0760. Berliner Börse. Berlin. 3. Iuli. Die freundliche Stimmung des heutigen Vormittagsverkehrs übertrug sich auch äus den offiziellen Börsenbeginn. Das trotz stark erhöhter Dörsenkredite und immer noch hohen Tagesgeldsatzes feste Neuhork regte an. Besonders die Steigerung der General-Electric-Aktie um 20 Dollar beeinflußte den hiesigen Elektromarkt, zumal noch die gemeldete Transaktion Osram-General Electric nachwirkte. Auch hofft man, daß morgen eine Diskonterhöhung der Bank von England vermieden werden Fann, da diese neue Goldverluste gestern nicht mehr erlitten hat. Die Berichte der preußischen Handelskammern sprechen von einer Saisonbelebung im Iuni. Die allgemeine Lage der Wirtschaft ist aber nach wie vor gedrückt. Die Pu- blikumsbbeteiligung blieb nach wie vor gering, während die Spekulation etwas Deckungsneigung zeigte. Im allgemeinen betrugen die Kurs- besserungen 1 bis 2 v. H. Glanzstoff, Siemens, Essener Steinkohle, Rheinische Braunkohlen, Deutsche Linoleum usw. gewannen darüber hinaus. Relativ schwach lagen Stolberger Zink bei geringem Angebot und Iunghans. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer teilweise fester. Pfandbriefe äußerst still. Vorkriegs-Kommunal- obligationen blieben gesucht. Am Geldmarkt sprach man von einer gewissen Beruhigung der internatinalcn Verhältnisse. und glaubt an eine Erleichterung nach den bevorstehenden Steuerterminen. Man weist auch besonders auf amerikanische Geldangebote hin, die für längere Sicht, etwa drei Monate, Vorlagen. Auch nach den ersten Kursen blieb die Stimmung zunächst ohne größeres Geschäft" freundlich. Später beteiligte sich die Baissespekulation wieder in stärkerem Maße. Besonders am Tietz- und BMW.-Markte führte dies zu Abschwächungen von 1 bis 3 v. H. Tietz minus 5 v. H. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Iuli. Tendenz fest. — Auch' heute war die Tendenz am Produktenmarkt fest. Die tpieder beträchtlich erhöhten Auslandnotierungen boten eine starke Anregung, so daß das Geschäft in Weizen- und Roggenmehl lebhaftere Formen annehmen konnte. Auch am Futtermittelmarkt bestand heute Interesse für Weizenkleie bei einer Besserung um 0,50 Mark. Es wurden notiert: Weizen25,50; Roggen23,50; Hafer, inländischer, 23 bis 23,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,50; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 36,50 bis 36,75; Roggenmehl 31,50 bis 32; Weizenkleie 12; Roggenkleis 12,50 Mark. Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Schluß- KurS 1 Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang- Kurs Schluß- Kurs 1-Uhr- Kurs Schluß- Kurs Anfang- Kurs Datum 2.7. 3.7. 2 7. 3 7- Datum 2.7- 3-7. 2.7. 3.7. 5% Dt. Reichsanlethe o. 1827 . Dt. Anl..Ablüs^Schuld mit AuS los.-Rechten........ DeSgl. ohne Auslos.-Rechte . . - 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldpf. Ufr kündbar bis 1932....... 4y,% Rheinische Hyp^Bank Stau.- Goldps............ L.E.G. abg. BorkriegS-Obligation.. rückzahlbar 1932 ....... 4% Schweiz. Bundesb..Anl.. . - 4% Oesterreichische Goldrte.. . - 4,20% Oesterr. Silberne..... 4% Oesterreich, einhettl. Rte. . . 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische Staats!. t>. 1910 . *¥i% beSgL öon 1919..... 4% Ungarische Kronenrte..... 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., Serie I.......... 4% desgl. Serie 11....... 4% Rumänen conoett. Rte. . . - 4%% Rumänen öoIbanL von 1913 Alla. Deutsche Eisenbahn . . V/i Hambura-Amerika Paket ... 8 Hamb.-Südam. Dampssch. . . 8 Hansa Dampfschiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 llllg. Deutsche Crediicmst. . . 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelvgesellsch. . . 12 Commerz und Privat-Bank . 11 Darm st. u. Rationalbank . . 12 Deutsche Bank......10 Diskonts-Gesellschaft Süd.. . 10 Dresdner Bank......10 Mitteldeutsche Ereditbaul ... 9 Reichsbank ........12 87,25 50,8 10,13 85,75 79,9 98 29,5 2,4 1,75 23 1,8 7,7 7,5 8,8 17 122,5 113 127,25 130 220 184,75 277 172,75 158 162,75 328 50,75 10,25 113,75 127,25 218,5 184,75 163 330 87,5 50,9 10 29,6 2,45 23,1 20 22,13 1,8 7,75 7,9 7,7 122,5 193,25 156 113,5 127,5 129,75 220 184,75 277 172,9 158 162,75 325,75 50,9 10,2 23,1 20 7,6 123 113,6 127,5 129,9 218,25 185 277 172,75 158 163 330,5 A.E.G............8 Bergmann..... 9 Elektr. Lieferungen..... 10 Licht und Krasl ...... 10 Fellen 4 Guilleaume. .... 6 Ges. f. Elektr. Untern.. ... 10 Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rhein. Elektr.........9 Schlei. Elektr........10 Schuckert..... 8 Siemens 4 Halske . • • • • 12 Lahmeyer 4 dLo...... • 10 BuderuS..........5 Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle......8 Geljenkircl)ener ... s. Z4 I- s Harpencr..........6 Hoejch Eisen. ........8 Ilse Bergbau..... 8 Klöckncrwerke........7 Köln-Neuessen..... 9 Mannesmann........8 Mansseldcr.........7 Lberschles. Eisenb. Bedarf. . . 6 Oberjchlcs. KokSwerkc.....6 Phönix Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen. . . 10 Rhcinstahl . . . f. % Jahr 4% Nicbeck Montan......7,2 Vereinigte Siahlw......6 Otavi Minen.......2 sh Kali Aschersleben.....10 Kalt Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 16 I. G. Farben-Jndustrie... 12 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstall........9 Goldschmidt........5 Rütgerswerke ........ 6 Metallgesellschafi. . • • . . 11 195 217 133,5 221 240 395,5 166 75 112,5 140 145 214 108,5 122,75 98,5 293 127 104,5 70,5 239 405 237,25 162 75 87,5 128,75 195,5 221 396 75,5 141 123,4 140,6 99 128 406 236,25 194,65 220,25 156 216,5 134 221,5 142 194,75 239,5 394 147,75 165,25 112,75 130,5 140 145,5 133 213,5 108,4 129,75 122,5 138,75 86,75 105,5 98,5 292,5 127 104,65 69,9 239,5 247,5 404,25 236 76 87,75 127,5 195,9 222,25 157,13 217,5 134,13 221 152 240,4 396,25 147,5 76 130 133,13 141 147,25 134 213,25 108,5 131 122,75 140,5 88,75 105,75 98,75 294,75 128,5 70,13 241 248 406,5 236,5 Frankfurt a.M. Berlin Berlin. 2. Juli Geld Brief Französische 'Noten..... 16,445 16,505 -Volländlsche Noten...... 167,98 168,68 Italienische Noten...... 22,01 22,09 Norwegische Noten...... 111,55 111,99 Teutsch-Oestcrr.,ä 100 Kronen 59,00 59,24 Rumänische Noten...... 2,485 2,505 Schwedische Noten...... 112,21 112,65 Schweizer Noten..... . 80,67 80,99 Spanische Noten....... 59,88 60,12 Tschechoslowakische Noten .. 12,42 12,48 Ungarische Noten....... 72,90 72,20 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Schluß 1-UYr- Schluß- Ansang Kurs Kurs Kurs Kur« Datum 2.7. 3-7 2.7. 3 7. Philipp Holzmonn....... 111 — 111 Heidelberger Cement .... 10 139 — — — Cemeni Karlstadt......8 180 — — — Wayß 6 Freitag...... 10 — 101,75 102,75 — Schultheis Patzenhofer ... 15 — — 304 305,9 Oftwerke......... 12 — — 244,5 246 Bcr. Glanzstoff...... 18 428 — 425 430 Bemberg..... ... 14 — — 333 — Zellstoff Waldhos..... 12 251 — 249,5 250 Zellsross Aschaffenburg . . . 12 180,25 181,5 180,25 — Ebarlottcndurger Wasser ... 7 — — 113,13 113,5 Dessauer Gas........ 8 — — 196,75 196,5 Daimler Motoren...... 0 58 — 58,5 57,5 Deutsche Maschinen-Iabrik . . 0 — — 51,2 5 52,25 2. Juli 3. Juli Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Bries Geld Brief Ädlerwerke Kleoer ...... 6 51 52 50,25 52 Ludw. Loewe....... 10 — — 207,5 205 Rat. Automobil....... 0 — - 26.75 26,5 Orenstcin L Koppel ..... 6 — — 90,4 90,13 Leonhard Tietz....... 6 — — 242,5 240 Bamag-Meguin ....... 0 — — — — Franks. Maschinen ...... 6 47 47,75 46 — Gritzner......... 11 73,25 — 72,75 — Hcyligenstaedt ....... 0 11,25 — — — JunghanS. ...... 4 71 — 72 — Nckarsulmer ..... 8 — — — sz, Beters Union ........ 8 123 — 122 — Gebr. Roeder.......1° 115 — — — Volqt 4 Haeffner...... 8 220 — — — Südd. Zucker........ 8 144 148,5 144 — Banknoten. Amst-.RoN. Buen.-Aires Brss.-Antw- Christicmia. Kopenhagen Stockholm . Helsingfors- Italien. . . London. . . Ncuyork . . Paris.... Schwei, .. Spanien . • Japan . . . Rio de Jan. Wien in D - Ccft- abgest Prag . . . . Belgrad .. Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada .. Uruguay. . Eatro •. • 168,37 1,757 58,21 111,68 111,70 112,32 10,538 21,945 20,336 4,194 16,40 80,68 60,04 1,868 0,4965 58,965 12,413 7,366 73,08 3,027 18,73 81,32 2,008 5,43 4,154 4,036 20,845 168,71 1,761 58,33 111,90 111,72 112,54 10,558 21,985 20,376 4,202 16,44 80,84 60,16 1,872 0,4985 59,085 12,433 7,380 73,22 3,033 18,77 81,48 2,012 5,44 4,162 4,044 20,885 168,34 6,759 58,22 111,72 111,69 112,42 10,54 21,95 20,335 4,1935 16,395 80,655 60,22 1,867 0,497 58,95 12,41 7,365 73,10 3,024 18,73 81,35 2,013 5,425 4,156 4,036 20,855 168,68 1,763 58,34 111,94 111,91 112,64 10,56 21,99 20,375 4,2015 16,435 80,815 60,34 1,871 0,499 59,07 12,43 7,379 73,24 3,030 18,77 81,51 2,017 5,435 4,164 4,044 20,895 Berlin. 2. Juli Geld Brief Eimern konische Noten ..... Belgische Noten ........ Englische Noten........ 4,174 58,25 111,55 20,304 4,194 58,49 111,99 20,384