Montag, 5. Juni (929 (79. Jahrgang Nr. 127 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Zleindruckerei K Lange in Gießen. Zchriftleitung und Sefchäftzstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klamcanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen. Erscheint lägtlch,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreis für2Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eine neue Klippe der pariser Konferenz. Belgien als Siurmbock gegen Deutschland. Der Abschluß. Wenn aüch noch manche wichtige Arbeit zu leisten ist, so darf man doch sagen, daß im wesentlichen die Tätigkeit der Sachverständigenkonferenz zum Abschluß gebracht worden ist. Es handelt sich jetzt noch, nach der grundsätzlichen Einigung, über die Fertigstellung des Gesamtberichts, wobei eine beträchtliche Summe von banktechnischer, juristischer und stilistischer Arbeit bewältigt werden muß. Bei solchen Schriftstücken kommt es häufig auf einen einzigen Ausdruck an, da für Klarheit nach jeder Richtung gesorgt werden muß. 3n diesem besonderen Fall treten noch sprachliche Schwierigkeiten Hinxu, denn das Gutachten wird ja doch wohl in drei Sprachen abgefaßt worden sein oder abge- saßt werden, nämlich in Englisch, Französisch und Deutsch. Da wir bisher nur telegraphische Auszüge aus den letzten Beschlüssen erhalten haben, müssen wir mit dem endgültigen Urteil zurückhalten, bis das Gutachten im Wortlaut vorliegt, weil sich dann erst die ganze Tragweite der einzelnen Kapitel übersehen läßt. Mit diesen Einschränkungen darf man wohl das Gesamturteil dahin zusammenfassen, daß es schließlich noch besser gegangen ist, als man zu mancyen kritischen Augenblicken der Verhandlungen erwarten konnte, daß aber trotz alledem immer noch sehr schwere Bedenken vorhanden sind und daß unseren Sachverständigen die Zustimmung sicherlich nicht leicht geworden ist. Wir müssen uns mit dem Gedanken abfinden, daß wir nicht die fühlbare Erleichterung unserer Tributlast durchgeseht haben, auf die wir eigentlich rechnen mußten und die nach einer sorgfältigen Prüfung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands uns zugebilligt worden wäre, wenn rein wirtschaftliche und nicht politische Gesichtspunkte für die Vertreter der anderen Mächte ausschlaggebend gewesen wären. 3n diesem Zusammenhang ist für uns von Bedeutung, daß es wenigstens gelungen ist, die Revisionsklausel, den Transserschuh und das Aufbringungsmoratorium für den größeren Teil unserer Tribut- zahlungen durchzusehen. Hierin liegt die Kennzeichnung des neuen Abkommens insofern, als es sich abermals als eine Zwischenlösung und nicht als die ursprünglich gedachte endgültige Lösung des Reparationsproblems darstellt. Die Welt ist eben noch nicht reif, die Kriegszeit ist noch zu nah, um im Geist des Wohlwollens und der Gerechtigkeit solche Fragen zu lösen, wie sie heute noch zwischen den Völkern stehen. Wenn wir somit reichliche Veranlassung haben, das Ergebnis der viermonatigen Beratungen als sehr mager und unbefriedigend hinzustellen, so wäre es doch auf der andern Seite verkehrt, nunmehr nur die Schattenseiten und Rachteile hervorzuheben, nicht aber auch daran zu denken, daß die neue Zwischenlösung immerhin mannigfache Vorteile gegen den jetzigen Zustand bringt. Untere Zahlungen sind immerhin heruntergeseht worden, wenn sie auch noch immer unsere Leistungsfähigkeit beträchtlich übersteigen. Hier muh man auf eine bessere Zukunft und größere Einsicht rechnen. Aber es fallen doch nun diese ganzen häßlichen Kontroll- mahnahmen, die eine seelische Bedrückung unseres Volkes, unserer Wirtschaft und unserer Finanzgebahrung bedeuteten. Wir haben keinen Reparationsagenten als Aufpasser für die Gestaltung unseres Reichdshaushalts mehr in Berlin. Aus der Reichsbahn und aus der Reichsbank verschwinden die fremden Treuhänder und Aufsichtsräte, unsere Industrie braucht sich nicht mehr von fremden Agenten und Aufpassern bespitzeln zu lassen. Vor allen Dingen können wir jetzt mit größtem Rachdruck auf unserem moralischen und juristischen Recht bestehen, die Räumung des Rheinlandes zu fordern. Ein kleiner Lichtblick für die Zukunft eröffnet sich auch darin, daß etwaige Rachlässe der amerikanischen Regierung für die Kriegsschulden der Alliierten zum weitaus größten Teil Deutschland zugute kommen müssen und daß sich dementsprechend unsere Zahlungen ermäßigen würden. Man darf auch darauf vertrauen, daß die zu gründende Reparationsbant imstande sein wird, genügende Fonds an» zusammeln, um daraus die Zahlungen für die zweite Hälfte der Gesamtperiode, also für einundzwanzig Iahre nach Ablauf der ersten sieben- unddreihig ohne Inanspruchnahme Deutschlands leisten zu können. Cs wird auch aufgeräumt mit dem letzten Rest der Kriegsmahnahmen, Td_ daß sich England und Polen dazu bequemen müssen, mit den Liquidationen deutschen Eigentums Schluß zu machen. Das alles sind beachtenswerte Momente. Ein Hindernis bleibt noch übrig. Belgien besteht hartnäckig auf seiner bekannten Mark- Forderung an Deutschland, und es hat die Zusage der alliierten Mächte erhalten, daß das Gutachten ohne seine Zustimmung nicht unterzeichnet wird. Zwischen der deutschen und der belgischen Regierung ist die diplomatische Fühlung über die Regelung dieser Frage aufgenommen worden, da die deutschen Sachverständigen mit vollem Recht erklären, daß diese Angelegenheit mit der Reparationsfrage nichts zu tun habe und sie daher nichts angehe. Wir wollen in Ruhe abwarten, was bei der diplomatischen Fühlungnahme herauskommen wird. Schon einmal standen wir unmittelbar vor einer Einigung, die das Schicksal, von Eupen und Malmedy in sich begriff. Damals machte Poincare mit roher Faust einen Strich durch die Rechnung. Belgische Quertreiberei. Tie Markforderung. London, 3. Juni. (WTB. Juntfprud).) Die Morgenblätter bringen ausführliche Berichte über die Einzelheiten der Pariser Beschlüsse und bekunden ihre Befriedigung über die erreichte Vereinbarung. Sie äußern aber gleichzeitig die Besorgnis, daß wegen der Frage der belgischen Markforderung noch im letzten Augenblick eine Krisis eintreten könnte. Eine Arbeiterregierung wird prophezeit. Roch niemals ist die Regierungsbildung in England so schwierig gewesen, wie diesmal, auch nicht nach der vorvorigen Wahl, die zum kurzfristigen Kabinett Mac Donald führte. Denn damals gab Lloyd George dem Führer der bisherigen Opposition fair play und ließ ihn ein paar Monate regieren. Diese Kombination erscheint jetzt vollkommen ausgeschlossen. Der englische Liberalismus, der außenpolitisch mit den Sozialisten ein großes Stück zusammengehen kann, ist innenpolitisch der schärfste Gegner der Labour-Parth. Auf der anderen Seite dürfte die Bildung einer konservativen-liberalen Koalitionsregierung gleichfalls auf große Schwierigkeiten stoßen, ganz abgesehen von der knappen Mehrheit, über die sie verfügt und die ihr in iln* terhaussitzungen gefährlich werden kann. Man mag die Dinge drehen und wenden wie man will; was jetzt möglich ist, kann nur eine Verlegenheitslösung sein. Dabei ist es auch gleichgültig, in welcher Weise sich die Eröffnung des Parlaments vollzieht. Möglich, daß Baldwin schon in den nächsten Stunden aus der Wahl die Folgerung des Rücktritts zieht. In diesem Falle würde nach altem englischen Herkommen der König Mac Donald zu sich berufen und mit der Kabinettsbildung beauftragen. Mac Donald würde dann voraussichtlich nicht, wie das in Deutschland Sitte ist, vier bis sechs Wochen mit anderen Parteien, hier also mit den Liberalen, über sachliche und personelle Fragen verhandeln, sondern er würde Jein Kabinett bilden und vor das Unterhaus treten. Vielleicht aber entschließt sich Baldwin, trotz der Wahlniederlage zu bleiben, dem Parlament die Thronrede vorzulegen und den Miß- trauensantrag abzuwarten. Dies alles sind Fragen, die in die taktischen Erwägungen der englischen Innenpolitik hineingehören und vielleicht die ersten Anfänge des Aufmarsches für die nächsten Wahlen bedeuten. Denn trotz des Optimismus von Macdonald, daß dieses Unterhaus zwei, vielleicht auch mehr Iahre lang leben könne, wird sich England bald aus Neuwahlen einrichten müssen. Die englische Politik liebt diese Unklarheiten, wie sie sich durch das jetzige Wahlergebnis herausgestellt haben, auf die Dauer nicht, lieber den weiteren Gang der Dinge auch nur Mutmaßungen aufzustellen, ist völlig verfehlt. Er hängt davon ab, ob es den Konservativen gelingt, sich zu reorganisieren und ihre Führerschaft zu verjüngen, er hängt weiterhin davon ab, welche Rolle die Arbeiterpartei in einer künftigen Regierung spielt, und schließlich auch davon, wie weit es Lloyd ® e o r g e gelingen wird, trotz des jetzigen Mißerfolges seiner Partei künftige Möglichkeiten zu erschließen. Für die englische Außenpolitik der kommenden Zeit wird man sich von keiner Regierung wesentliche Aenderungen versprechen dürfen. Eine Arbeiterregierung im Kommen? London, 3. Juni. (MTB. Funkspruch.) „T i - mes“ sagt in einem Leitartikel: Das wesentliche Ergebnis der Wahlen ist, daß die Arbeiter- Partei die nach st e Regierung bilden wird. Die Arbeiterpartei kann ein- für allemal auf den verdacht verzichten, daß die konservativen eine untätige Alliance vorbereiten. Das Land hat tatsächlich für eine Arbeiterregierung gestimmt, und angesichts dieser klaren Tatsache, ist die Frage, ob eine solche Regierung schon im Lause dieser Woche, oder erst im Laufe dieses Monats gebildet wird, verhältnismäßig unwichtig. Welche Entscheidung Baldwin auch in dieser Beziehung treffen mag, es sollte von vornherän klar gemacht werden, daß eine ^Inanspruchnahme liberaler Hilfe zur Verlängerung des Lebens der jetzigen Regierung nicht in Frage kommt. Auch „M o r n i n g p o ff“ sagt: Der Gedanke, daß eine Regierung wie die konservative nach Der Pariser Korrespondent der „Times“ meldet: Die französischen und in geringerem Grade auch die italienischen Delegierten haben erneut den belgischen Anspruch unterstützt. und außerdem behaupten die Belgier, daß alleGläublgergruppen sich verpflichtet hätten. nicht zu unterzeichnen, bevor die belgische Forderung geregelt ist. Einige der Gläubigergruppen aber, und darunter die britische, befreiten glattweg, daß sie dne solche Verpflichtung übernommen hätten. Der Pariser Korrespondent der „Financial Times“ sagt: Die belgische Regierung hat für eine weit höhere Summe deutschen Geldes Ersah getriftet, als tatsächlich von den Deutschen bei der Räumung in Belgien zurückgelassen wurde. Viele skrupellose Personen haben später — Was tun Baldwin und Lloyd George? einer derartigen Niederlage mühselig ihr Leben weiter fristen sollte, würde der Selbstachtung Baldwins und seiner Anhänger schwerlich entsprechen. Eine antisoziatistische Koalition kommt nicht in Frage; denn erstens würde auch ein Zusammenschluß der Konservativen und Liberalen keine Mehrheit ergeben, die für praktische Arbeit genügen würde, und zweitens ist die ganze Politik der Liberalen nicht auf eine Niederlage der Sozialisten, sondern der konservativen Regierung gerichtet gewesen. „Daily Telegraph“ vertritt dagegen nach roic vor die Auffassung, die gegenwärtige Regierung sollte reorganisiert werden und dann dem neuen Unterhaus gegenübertreten. Der liberale „Daily Ehronict e“, der als Sprachrohr Lloyd Georges gilt, zitiert Snowdens Ausspruch, daß eine Arbeiterregierung ein Programm dringlicher Maßnahmen aufstellen könne, dem die Liberalen ihre Rnterstühung gewähren müßten, und bemerkt dazu: hieran braucht nicht der leiseste Zweifel zu bestehen. Die Liberalen werden sich nicht von engherzigen Parteirücksichten leiten lassen, und cs wird nicht nur ihre Pflicht sein, sondern auch in ihrem Jntereffe liegen, alle gesunden fortschrittlichen Maßnahmen zu unterstützen. Sie haben das in dem Parlament der Wahlen von 1924 getan, und werden es von neuem tun, welche Partei sich auch an der Macht befindet, aber unter einer Bedingung: sie werden bestimmt auf einer Reform des Wahlrechtes beharren. Das Blatt weift darauf hin, daß im neuen Parlament die Arbeiterpartei für je 29 000 abgegebene Stimmen, die Konservativen für 33 609 Stimmen, die Liberalen dagegen für je 91700 Stimmen einen Vertreter haben, und sagt, wenn alle abgegebenen Stimmen gleichen Wert hätten, dann würden jetzt 141 Liberale im Unterhaus einziehen. Dem Skandal des jetzigen Wahl- systems muß ein Ende gemacht werden. Vorzwei Jahren leine Neuwahlen Eine Aeußerung Macdonalds. London, Iuni. (WD.) Macdonald erklärte heute in einem Interview, in dem die durch den Wahlausgang geschaffene eigenartige Situation behandelt wurde, mit besonderem Rachdruck: „Wenn ich es irgendwie vermeiden kann. wird England vor Ablauf von zwei Jahren nicht durch einen neuen Wahlkamps aufgewühlt werden.“ Weiterhin führte Macdonald im Verlaufe der Unterredung u. a. noch aus: „Ich lege so großen Wert darauf, daß die Industrie Gelegenheit zu ruhiger Entwicklung hat und daß zu Hause und im Auslande Vertrauen und Zuversicht geschaffen wird, daß ich jede Spur vor Einfluß, über die ich verfüge, aufwenden würde, um während der von mir angegebenen Zeit die Rotwendigkeit neuer Wahlen zu vermeiden. Meiner Ansicht nach sollte sich das neue Parlament eigentlich sogar noch langer lebensfähig erweisen. Meine Erklärung darf jedoch von den anderen beiden Parteien nicht dahin mißverstanden werden, daß die Arbeiterpartei um des lieben Friedens willen sich mit jeder Unbill abfindet. Es wird bei den anderen Parteien liegen, ob nicht doch die Rotwendigkeit neuer Wahlen früher eintritt. Iedenfalls sollte jeder Regierung, die sich zur verantwortlichen Leitung der Geschäfte bereit erllärt hat, die Möglichkeit gegeben werden, ihre Politik zu entfalten. Heber die gegenwärtige Regierung hat," so schloß Macdonald, „das Land ein unmißverständliches Urteil abgegeben." deutsches Papiergeld nach Belgien eingeschmuggelt. Die Deutschen weigern sich daher, den ganzen geforderten Betrag zu bezahlen. Die Belgier ihrerseits sind der Meinung, daß es sehr schwierig sein wird, Deutschland oder die Alliierten zu einem späteren Zeitpunkt für eine ernstliche Prüfung der Frage zu interessieren. Wenn auch die alliierten Sachver st ändigen bis zu einem gewissen Grade versprochen zu haben cheinen, für die Befriedigung der belgi- d)en Forderung einzutreten, so ist es doch chwer zu glauben, daß sie zulassen werden, daß die Konferenz an einer solchen Nebenfrage cheitert. Pariser Mutmaßungen. Paris, 3. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenpresse stellt wieder die Frage der deutsch- belgischenLinigung über dieMarkbank- ir o t e n aus der Zeit der Besetzung in den Vordergrund. Einige Blätter scheinen der Ansicht zu sein, daß man diese Frage durch eine Art Vertrag und durch einen ft arten Druck regeln könne, und behaupten, von ihrer Lösung hänge die Unterzeichnung des Sachver st ä n - digenberichtes In Paris ab. So schreibt das „Journal“: Es handelt sich nicht darum, daß Berlin eine Lösung sucht, es handelt sich darum, der Zahlung von 37 Annuitäten von je 25 Millionen Goldmark zuzustimmen. So liegen die Dinge. Es bleibt nichts anderes übrig, als die Deutschen der Tatsache gegenüberzustellen, daß alle Delegationen der Konferenz entschlossen sind, Belgien bis zum Ende zu folgen. Dagegen glaubt der „Petit Parisien“, daß schließlich doch eine ruhigere Auffassung sich unter den Gläubigerdelegationen durchringen werde. Das Blatt spricht von der Möglichkeit einer vermittelnden Lösung durch Aufnahme von Verhandlungen über die Markbanknoten und schließliche Unterzeichnung des Berichtes der Sachverständigen ohne auf die Beendigung dieser Verhandlungen zu warten. Wenn schließlich die Unterschrift Belgiens fehle, so glaubten gewisse alliierte Delegationen doch, daß man so verfahren könne. Der „Temps" Über die Sachverständigeneinigung. Paris, 3. Iuni. (TU.) Rach dem „Temps" hat die Verftändigungsgrundlage keine der in Frage kommenden Parteien befriedigt. Die deutschen Vorbehalte, die in ihrer ursprünglichen Form unannehmbar gewesen feien, hatten im Laufe der Besprechungen der letzten Woche ihre besonders gefährliche Seite verloren. Hinsichtlich der belgischen Markfrage erklärt das Blatt, 'Me deutsche These, wonach es nicht möglich fei, die Markbeträge ohne Gegenleistung aufzuwerten, sei juristisch nicht haltbar. Es handele sich nicht um eine Aufwertung der Markbeträge, sondern um eine Entschädigung Belgiens, das durch die zwangsweise Entfernung der deutschen Drsahungsmark das Opfer einer wirkllchen Beraubung geworden sei. Anderseits sei es wichtig, diese Sonderregelung gleichzeitig mit der der Kriegsschulden vorzunehrnen, weil die Deutschen bei späteren Verhandlungen zwischen Berlin und Brüssel versucht sein könnten, eine Einigung von politischen Bedingungen abhängig zu machen, die auf jeden Fall unzulässig seien. Deutschland gehe aus diesen langen Verhandlungen mit neuen Vorteilen hervor, die schwer zu rechtfertigen seien. Aber die poli- schen Sorgen hätten unter den gegenwärtigen Umständen eine solche Bedeutung angenommen, daß man allgemein eine mittelmäßige Regelung jur wertvoller halte, als gar keine Regelung. Oer preußische Finanzminister zum pariser Ergebnis. Reparationen und Steuern. Hannover, 2. Iuni. (WB.) Auf dem Rord- westdeutschen Handwerkertag führte der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschofs u. a. aus: Die öffentliche Meinung hat die Pariser Verhandlungen nicht so einheit« lich begleitet, wie es notwendig gewesen wäre, weil in Deutschland immer noch jene nationale Disziplin fehlt, die in der auswärtigen Politik den Parteistreit zurückstellt. Das gllt besonders von denen, die der Reichsregierung immer wieder öffentlich vorwerfen, daß sie unseren Unterhändlern das Rückgrat gebrochen hätten. Der Einigung der Sachverständigen wird die Einigung der R e-, gierungen folgen. Dann wird eine Reche politischer Aufgaben zu lösen sein, der Abbcnr des Kontrollsystems und die Räumung des bes setzten Gebietes. Wer wird England regieren? Es bleibt die bange Jrage, ob Deutschland auf die Dauer das Uebernommene leisten kann. -Zunächst sind die finanziellen Auswirkungen der Reparationregelung die Voraussetzung für eine dauerhafte und zweckmäßige Gestaltung unseres Steuerwesens, und das Handwerk wird gut tun, hier die Augen offen zu halten, denn es könnte sonst leer ausgehen. Der Redner stellte dann als dringendste Erfordernisse einer Steuerreform heraus: Aenderung des Tarifes der Einkommensteuer, Senkung der Real steuern, vor allem der Gewerbesteuer, und eine Gemeindeselbstverwaltung, die Fehlbeträge nicht aus Realsteuern deckt, sondern auf breite Schultern umlegen kann. Stärkung der schwächeren Gemeinden durch die stärkeren auf dem Wege eines verstärkten Polizei- und Schullastenausgleiches, Senkung der Realsteuern durch größeren Spielraum bei der Einkommensteuer und Rückkehr zu den Miquel- schen Relationen. Ersparnisse durch die neue Reparationsregelung dürften k e i n c s s a l l s für neue Ausgaben verwendet werden. Wenn die Ersparnisse aus der Reparationsregelung nicht ausreichten, dann müsse man zu einer stärkeren Besteuerung des Alkohols greifen, aus der Frankreich jährlich 2,4 Milliarden, Deutschland aber nur 600 000 Mk. Sieht. Morgan auf der Rückreise nach Amerika. Paris, 1.Juni. (WTB.) Pierpont Morgan hat an Bord der „Mauretania" von Cherbourg aus die Rückreise nach den Vereinigten Staaten angetreten. Reichsbahn und Reparationsregelung. Bon der ausländischen Kontrolle befreit. Berlin, 3. Juni. (Priv.-Tel.) Rach der in Paris erzielten Einigungsformel in den Reparationsfragen wird sich für die Reichsbahn eine Befreiung von der bisherigen Kontrolle des Auslandes ergeben. Richt nur der Cisenbahnkommissar und der Treuhänder für die Reichsbahnobligationen werden zurückgezogen, sondern es ist auch anzunehmen, daß nach einer endgültigen Einigung über die Reparationsfrage die ausländischen Mitglieder des Verwaltungsrates aus der Reichsbahn ausscheiden werden. Der Verwaltungsrat besteht heute aus 18 Mitgliedern, von denen neun von der Reichsregierung ernannt werden, während die anderen neun der ausländische Treuhänder für die Reichsbahnobligationen bestimmt. Rach dem Eisenbahngesetz des Dawes-Abkommens hat der Treuhänder aber das Recht, von dem er auch Gebrauch gemacht hat, von den neun ihm zur Vergebung zustehenden Verwaltungsratsihen fünf an Deutsche zu verleihen. So ergab sich, daß von den 18 Ver- waltungsratsmitgliedern bisher nurvierAus- l ä n d e r waren, die sich auf Frankreich, Belgien, England und Italien verteilten. Trotzdem die Deutschen im Verwaltungsrat also die Majorität haben, ist die Befreiung der Reichsbahn vor allem durch das Verschwinden des Treuhänders und des Eisenbahnkommissars zweifellos ein erfreulicher Fortschritt. Weniger bedeutsam ist dagegen die Kürzung der von der Reichsbahn zu leistenden Reparationsabgaben von 660 auf 645 Millionen, wobei die Verkehrssteuer in Höhe von 290 Millionen Wohl auch weiterhin bestehen bleibt. Bei einem Etat von 5,5 Milliarden bedeutet eine Herabsetzung der Leistungen um 15 Mill, relativ wenig. Wie sich der neue Derwaltungs- tat später zusammensetzen wird, ist noch nicht zu übersehen. Die Reichsbahn sucht 43 Millionen Der Schiedsspruch für die Reichsbahnarbeiter. Berlin, 3. Juni. (Priv.-Tel.) Durch den Schiedsspruch im Lohnkonflikt der Reichsbahn, der für diese eine Mehrbelastung von rund 43 Millionen bedeutet, ist für den Reicksarbeitsminister, der vor die Frage der Berbindlichkeitser- klärung des Spruches gestellt ist, eine außerordentlich heikle Situation entstanden. Es scheint nun, daß der Reichsarbeitsminister, der zwar die Verantwortung für die Verbindlichkeit trägt, doch nicht selbständig handelnd vorgehen will, denn eine Ministerbesprechung sott sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Die Reichsbahn steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ihr ohne Deckungsmöglichkeiten die Aufbringung der 43 Millionen unmöglich sei, während andererseits ein Vermittlungsoorschlag vorliegt, nach dem oom Ueberschuß der Reichsbahnabgaben üb er die Reparationsablieferungen hinaus 43 Millionen vom Reich der Bahn für einen bestimmten Zeitraum zur Deckung zur Verfügung gestellt werden. Aber auch diese Lösung ist aus prinzipiellen Gründen heftig bekämpft, da man fürchtet, daß nun nach dem Beispiel des Ruhrkohlenschiedsspruchs die Suboentionie- r u n g von Lohnerhöhungen aus Steuermitteln zur üblichen Gepflogenheit zu werden droht. Hinzu kommt noch, daß über die Ueberschüsse der Reichsbahnabgaben bereits in dem sehr angespannten Etat Hilferdings verfügt ist. Oie Neparaiionsinterpellation der Oeutschnationalen. Berlin, 3. Juni. Die deutschnationale Reichstagsfraktion teilt mit: Die Reichsregierung hat es durch Schreiben vom 31. Mai abgelehnt, die Interpellation der Fraktion über die Pariser Verhandlungen unmittelbar nach der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses und vor der Abreise Dr. Stresemanns nach Madrid zu beantworten. Sie könne sich mit einer alsbaldigen Debatte über die Reparationsfrage im Plenum vorläufig noch nicht einverstanden erllären, weil dazu nach ihrer Ansicht der Abschluß der Cßcr- handlungen und das Vorlicgen des Berichtes des Sachverständigenaus- s ch u s s e s notwendige Voraussetzung sei. Abreise der deutschen Delegation nach Madrid. Berlin, 2. Juni. (WTB.) Heute abend verließ unter Führung des Staatssekretärs von Schubert die deutsche Delegation Berlin, um sich zur Teilnahme an der Tagung des DölkerbundSrates nach Madrid za Oer Giinnes-prozeß. Berlin, 1. Juni. (WTB.) 3m Stinnes- Prozeß wurde die heutige Verhandlung ausgefüllt von fast zusammenhängenden, nur durch kurze gelegentliche Fragen oeS Vorsitzenden unterbrochenen Darlegungen des Angeklagten Bela Groß, der eine ins einzelne gehende Schilderung der verschiedenen Teiltransaktionen des Kriegsanleihegeschäftes gab. Der Angellagte bekundete u. a., daß auf Grund einer Vereinbarung mit dem Angeklagten Rothmann, dessen Bruder, Rechtsanwalt Rottzmann, die Einreichung der Anleihe vornehmen und die Quittungen darüber aufbewahren sollte. Dabei kommt auch zur Sprache, daß der Angeklagte Schneid, der gegen eine Sondervergütung das Sortieren der neu eingekauften Papiere übernommen hatte, eines Tages erklärt habe, er fühle sich hintergangen und warne vor der Einreichung der Stücke, da er falsche Rummern darunter gelassen habe. Der Angeklagte Groß hat nach seiner Darstellung darin eine Erpressung gesehen und zunächst sich auf nichts einlassen wollen. Schneid hat aber, immer nach der Darstellung des Groß, sich bereit erklärt, eine Liste mit den Rummern der eingeschmuggelten Fälschst ücke schon für 500 Mark herzugeben. Groß hat, wie er bekundete, diese 500 Mark durch einen Mittelsmann an Schneid gegeben und darauf auch die Aste erhalten. Entgegen der Behauptung Schneids sei das Geschäft dann nicht etwa aufgeflogen. Er habe lediglich persönlich den Verkauf der auf dem Verzeichnis angegebenen Falschstücke veranlaßt. Rach einer Rücksprache mit Rechtsanwalt Rothmann in Hamburg, dem Sitz der Firma Stinnes, sei er dann nach Wien gefahren, wohin die Firma Stinnes ihm weitere, 100 000 Mark überwiesen habe. Damit habe er | versucht, in Rumänien bei Banken und Sparkassen weiteres Anleihematerial zu bekommen. Da nach der Einreichung die Erledigung der Angelegenheit sehr lange auf sich warten ließ, hat dann Groh nach seiner Schilderung den Regierungsrat Steiger im Mini st e - rium für die besetzten Gebiete aufgesucht und ihn gebeten, mit Hilfe seiner guten Beziehungen auf Beschleunigung der Sache hinzuwirken. Regierungsrat Steiger stellte b e - stimmte Honorarforderungen, die schließlich vereinbart wurden. Er verlangte sogar eine Vollmacht, um offiziell als Vertreter der Anleihegeschäfts-Interessenten auftreten zu können. Rach Darstellung des Angeklagten hat Steiger durch Rothmann auch eine beschränkte Volmiacht erhalten, die ausdrücklich den Zweck seiner Tätigkeit angab. Im weiteren betonte der Angeklagte Groß, daß er persönlich an dem ganzen Anleihegeschäft kein Interesse gehabt habe, sondern damit nur den Zweck verfolgt habe, mit dem Hause Stinnes in geschäftliche Verbindung zu kommen. Dies sei ihm nicht geglückt. Rach Mitteilung Rothmanns hat Stinnes keine Kenntnis von der Tätigkeit des Angeklagten im Anleihegeschäft gehabt. Groh hat sich dann, da sein Wunsch nicht erfüllt wurde, wie er behauptet, von April an bemüht, das ganze Anleihegeschäft r ü ck g ä n - g i g zu machen. Für die tatsächliche Altanleihe aus dem rumänischen Geschäft sei Ablösungsschuld in vollem Umfange gegeben worden. Wer sie erhalten habe, könne er nicht sagen. Wahrscheinlich sei sie Rothmann als berechtigten Empfänger ausgeliefert worden. Weiterverhandlung Montag. Das Zeugenverhör im Zakubowski-prozeß. Reustrelih, 1. Juni. (WB.) Im Rogens- Prozeß suchte der Rebenkläger. Rechtsanwalt Brandt, sestzustellen, welche Rolle der früher wiederholt belastete Paul Kreutzfeld in der Mordsache gespielt habe. Er erinnerte Frau Kähler an ihre frühere Aussage, daß Kreutzfeld einen starken aber schlechten Einfluß auf ihren Sohn Fritz Rogens ausgeübt habe. Sie habe Kreuhfeld als einen brutalen, zu allem fähigen Menschen geschildert, der sie zweimal geschlagen habe. Die Angeklagte Kähler bestätigt die Richtigkeit dieser Angaben. Oberstaatsanwalt Weber fragte Frau Köhler, ob ihre Aussage zutreffe, daß Jakubowski sie vor Kreutzfeld' gewarnt habe. Frau Kähler bestätigt auch dies. Dr. Brandt wies dann Frau Kähler darauf hin, daß man den Eindruck haben müsse, daß sie aus Angst vor Kreuhfeld etwas Belastendes verschwiegen habe. Frau Kähler bestritt dies: sie habe deshalb nichts verschwiegen. Rechtsanwalt Brandt fragte den Angeklagten August Rogens, ob Kreutzfeld beim Roggenmähen versucht habe, ihn anzustiften, Ewald Rogens umxubringen. Er, August Rogens, habe behauptet, daß Kreutzfeld erllärt habe, wenn er keine Stube von Rogens abbekäme und wenn auch eine Beschwerde beim Wohnungsamt nichts nutze, dann müsse eben eines der Kinder beiseite gebracht werden. Angeklagter August Rogens: „Jawohl, das hat Kreuhfeld gesagt." — Die Frage des Rechtsanwalts Dr. Brandt, ob er wisse, welches Kind gemeint war, verneinte August Rogens. Rechtsanwalt Dr. Brandt: „(Sie haben gesagt, daß Sie aus Furcht vor Kreuhfeld Jakubowski belastet hätten, Sie hätten auch geglaubt, daß Jakubowski nicht auf Grund Ihrer Aussagen hingerichtet würde, sondern daß er nur fünf bis zehn Jahre Zuchthaus bekäme." August Rogens: „Ja, das ist möglich, daß ich Angst vor Kreuh- feldt gehabt habe." Rechtsanwalt Dr. Brandt: „Also, Sie haben aus Angst vor Kreuhfeld etwas verschwiegen?" August Rogens: „Ja, das ist möglich." Es wurde sodann in der Vernehmung der Zeugen fortgefahren. Der Hofbesiher Eggert, bei dem Jakubowski während der Jahre 1924 und 1925 mehrere Male gearbeitet hat, bekundete, daß er mit Jakubowski sehr zufrieden gewesen sei. Jakubowski sei zuverlässig gewesen, er habe fleißig gearbeitet. Gelegentlich habe er es allerdings mit der Wahrheit nicht sehr genau genommen. Der Zeuge bezeichnete August Rogens als faul, verlogen und unzuverlässig, während er sich über den damals erst 15 Jahre alten Fritz Rogens kein genaues Urteil bilden konnte. Die bei ihm wiederholt bedienstet gewesene Frau Kähler sei fleißig und sauber gewesen. Auf die Frage des Vorsitzenden, welchen Ruf Paul Kreuhfeld genoß, antwortete der Zeuge: „Man hörte nichts Gutes von ihm." — Zeugin Arbeiterwitwe Karoline Wegner will am Mordnachmittag einen Kinderschrei gehört haben. Landgerichtsdirektor Peters und Oberstaatsanwalt Weber teilen mit, daß sie diesem Kinderschrei, der ein Indiz für das Todesurteil gegen Jakubowski war, keine große Bedeutung mehr beilegen. Die Zeugin gibt an, daß sie diesen Kinderschrei aus der Nähe gehört habe, und zwar als sie Milch zur Molkerei getragen habe. Der Zeuge F a u st, der seinerzeit die Leiche des Heinen Ewald gefunden hatte, schilderte, wie er beim Frettieren auf die Leiche gestoßen sei. Aus den Angaben des Zeugen ergab sich, daß die Leiche Ewalds nach dem Verstecken unmittelbar im Anschluß an den Mord später noch einmal wieder umgebettet worden ist. — Frieda Schare n b e r g erzählte, daß Jakubowski, der zur Hochzeit ihres Bruders eingeladen war, kurz vor dem Mordtage noch einen Anzug und einen Schlips gekauft habe, da er Ewald mit zur Hochzeit nehmen wollte. Wörtlich habe er zur Zeugin gesagt: „Da wird sich der Junge sehr freuen.“ — Richard Scharenberg erklärte, Jakubowski habe darüber geklagt, daß die Kinder von der Großmutter, der Frau Kähler, sehr schlecht behandelt worden seien. Auf die Frage des Rebenklägers Rechtsanwalt Brandt: „Halten Sie es für möalich, daß Jakubowski den kleinen Ewald ermorden konnte?" antwortete Scharenburg (bestimmt): „Rein, das halte ich für ausgeschlossen." — Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt werden. begeben. Mitglieder der Delegation find: Ministerialdirektor Dr. Gauß, der Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, Gesandter Frey tag, Geheimrat von Weihäcker, Vortragender Legationsrat von Friedberg, Geheimrat Gür ich. ferner Konsul Re inebe ck und Legationsrat Röbel. Reichökabinett und Notlage der Landwirtschaft. Berlin, l.Iuni. (WTB.) Das Reichs- kabinett setzte in seiner heutigen Sitzung die Erörterung des vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Behebung der Rotlage der Landwirtschaft ausgearbeiteten Programms fort. Zur Begutachtung der auf dem Gebiete der Getreidewirtschaft vorliegenden Fragen wird eine Sachverständigen- Kommission eingesetzt, die ihr Gutachten innerhalb drei Wochen erstatten soll, worauf dann das Reichskabinett seine endgültigen Entscheidungen noch vor den Sommerferien des Reichstages treffen wird. Nationalisierung des Handwerks in Hessen. whp. Darmstadt, 1. Juni. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell, hat im Einvernehmen mit dem Finanzminister den Landtag ersucht, ihn zu ermächtigen, daß zur Hingabe von Darlehen zum Zwecke der Rationalisierung von Handwerksbetrieben der Hessischen Handwerkskammer ein Betrag von 100000 Mark darlehensweise zu- nächst auf die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung gestellt wird. Der Betrag soll im Wege As Staatstredits flüssig gemacht werden. Dem Beispiel der Industrie folgend, hat die Hessische Handwerkskammer im Anschluß an das For- e» für rationelle Betriebsführung in Karlsruhe eine unter der Leitung eines Fachmannes stehende besondere Betriebs- beratungs- und Gewerbeförde- r u n g S st e l l e für Hessen errichtet, die der 2tename, der Berufsausbildung, dem Musterschutz- und Patentwesen und der DetriebSratto- nalifierung dienen soll. Durch die Tätigkeit dieser Stelle soll ein großer Teil der hessischen Handwerksbetriebe lebensfähig gestaltet werden, was sich auch in steuerlicher Hinsicht für den Staat günstig auswirken werde. Oie Münchener Stahlhelm-Tagung. München, 2. Juni. (WTB.) Der 10. Reichsfrontsoldatentag des Stahlhelms erreichte heute mit der Abhaltung des Frontsoldatenappells und dem etwa vier Stunden dauernden Vorbeimarsch vor den Dundesführern seinen Abschluß. In der Stadt wehten zahlreiche Fahnen in den bay- rischen und in den Farben schwarzweihrot. Der ganzen Veranstaltung war schönes Wetter be- schieden. Gegen die Mittagszeit marschierten die Stahlhelmkolonnen, deren Stärke auf 100 000 Mann geschäht wurde, zu dem Appellplah am rechten Isarufer. Kurz nach 1 Uhr erschienen bie beiden Bundesführer des Stahlhelms und Generalfeldmarschall v. Mackensen. Sie schritten zuerst die Front der schwerkriegsbeschädigten Kameraden und der 35 neu einzu- weihenden Ortsgruppenfahnen ab. Der erste Bundesführer S e l d t e begrüßte sodann in einer Ansprache die anwesenden Abordnungen der Auslanddeutschen, der österreichischen Frontkämpfervereinigungen, des saarländischen Frontsoldatenbundes, der Gruppen aus den abgetretenen Gebieten und den ehemaligen deutschen Kolonien. 3n einer weiteren Ansprache erinnerte der zweite Dundesführer, Oberstleutnant a. D Düst er berg, an das Leitwort des 10. Stahlhelmtages: „Deutschlands Einigkeit, Deutschlands Freiheit". Die Veranstaltung des Stahlhelms wurde durch keinen Zwischenfall gestört. und Ricklin wiedergewählt. Paris, 2. Juni. (WB.) Bei Pen elsässischen Wahlen zum Generalrat waren im Oktober vorigen Jahres im Bezirk Colmar der Autonomist Ross6 und im Bezirk Dammerskirch der Autonomist Dr. Ricklin gewählt worden. Ihre Wahl war jedoch durch den Staatsrat für ungültig erk lärt worden. Bei der heutigen Ersatzwahl wurden Ross6 zmü Dr. Ricklin wiedergewatztt, Md -war ex hielt in Dammerskirch Dr. Ricklin 1203 Stimmen, sein Gegenkandidat 1067 Stimmen; in Colmar er» hielt Rosss als einziger Kandidat 3385 Stimmen von 4123 abgegebenen gültigen Stimmen. Aus aller Welt. Tausend Jahre Meißen. Zahlreiche Sonderzüge haben die auswärtigen Teilnehmer an der Iahrtausendfeier der Stadt Meißen herbeigebracht, und in den engen Straßen der alten Stadt entstand zeitweise ein fast lebensgefährliches Gedränge. Am Samstag ertönte zum ersten Male vom Turm der Frauenkirche das von der Staatlichen Porzellanmanufaktur aus Porzellan hergestellte Glockenspiel mit zartem, reinem aber doch weithin- vernehmbarem Klang. In der alten Albrechtsburg fand der feierliche Festakt statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. Dusch die Begrüßungsansprache hielt. Stadtarchivar Dr. Gröger umrih in feiner Festrede die tausendjährige Vergangenheit Meißens und wies im besonderen auf die industrielle Entwicklung der Stadt hin, die im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm und noch nicht abgeschlossen sei. Grüße überbrachten sodann der Präsident des Sächsischen Gemeindetages, ferner Oberbürgermeister Dr. Dlüher im Ramen der Stadt Dresden sowie Landesbischof Dr. Ihmels im Ramen der sächsischen Landeskirche. Im Auftrag des Domkapitels des Stiftes Meißen überreichte Staatsminister a. D. Dr. von Beck eine vom Domkapitel herausgegebene Festschrift. Der zweite Tag der Tausendjahrfeier brachte den Festzug. In 80 Bildern rollte vor den Zuschauern noch einmal die tausendjährige Geschichte Meißens ab. Es erschienen noch einmal die Mannen Heinrich I., die ersten Markgrafen von Meißen und zahlreiche Typen der mittelalterlichen Stadt. Die Repräsentanten des Meißens der Reformation zeigten sich. Dann leitete der Zug langsam auf die neue Zeit über. Johann Friedrich Döttger tauchte auf mit feinen Sigeln und Retorten. Fridericianische Soldaten marschierten vorüber. Die Postkutsche rumbeite schwerfällig hinterdrein. Liitzows wilde Jäger eskortierten den alten Geheimrat von Goethe. Den Meißener Jägern in ihren schmucken grünen Uniformen folgten die Innungen Meißens im stolzen Zuge, die Fleischer, Zimmerleute, Schneider, Bäcker usw. Der Reichspräsident auf der Ausstellung „hundert 3af)re Berliner Kunst". Reichspräsident v. Hindenburg stattete der Jubiläums-Ausstellung des Verein- Berliner Künstler „Hundert Jahre Berliner K u n st" einen ausgedehnten Besuch ab. Der Reichspräsident besichtigte eingehend sowohl die Abteilung der Altberliner Malerei wie die Säle mit modernen Bildern. Der Pour le Merkte für Wissenschaft und Kunst. Der Professor der Philosophie Geheimrat Stumpf, Berlin, Frau Professor Käthe K o l l w i tz, Malerin, Berlin, und Kapellmeister Furtwängler haben den Orden Pour le Me- rite für Wissenschaft und Künste von der Freien Bereinigung von Gelehrten und Künstlern erhalten. Der O-Zug Berlin—München überfährt ein Auto. Der Berlin —Münchener O-Zug überfuhr bei der Station Kieritzsch, zwischen Leipzig und Altenburg, ein mit zwei Personen besetztes Automobil. Das Auto wollte — anscheinend bei offener Schranke — den Bahnübergang noch passieren, wurde aber von dem Zuge erfaßt und etwa 50 Meter mitgeschleift. ®abei explodierte der Benzintank und der Wagen geriet in Brand. Don den Insassen erlitt der Rittergutsbesitzer von Stockheim aus Zeben s o schwere Verletzungen, daß er bald nach dem Unfall st a r b, der Führer des Wagens, Mühlenbesitzer Schwarzbcrgcr aus Zeben, wurde schwer verletzt. Oie Wetterlage. 10 8 76ck ß O Sonntaa. d.2. Juni 1929. 8" mas. 'o LonäT^—/V J TV* y Benin 7t Lzx* ,, **nM 73t Owolkenlos.O fierter. 9 M'D oedec*t. ® wolkig. • Bedeckt. eRegen * Schnee c» Graupeln ■ NeDei "R Gewin»r.(^)wind$tiiie. -O sehr leichter Ost y Südsüdwest K stürmischer «ordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden zahlen oeBeqdie Temperatur an. Die Linien veromden Ort» mit gleichens «ul Meerflfriiveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die nordwestliche Störung hat sich ostwärts fortbewegt und beeinflußt dabei mit ihrer Südseite unsere Wetterlage. DereitS in den gestrigen Rachmittagsstunden hat unter Südwestluft die Bewölkung jugenommen und vereinzelt trat auch in unserem Dezirk etwas Regen auf. Der Heran- transport ozeanischer Luftmassen dauert zunächst fort. Infolgedessen nimmt die Wetterlage keine Beständigkeit an. Unter wechselnder Bewölkung verbunden mit zeitweiser Aufheiterung tritt auch morgen gelegentlich etwas Regen auf. We ttervorhersage für Dienstag! Wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert. Strichweise etwa» Regen. Witterungsaussichten kür Mittwoch! Teils wolkiges Wetter, teils aufheiternd, tangfarM Erwärmung. Aus der Provinzialhauptsiadt. Gießen, den 3. 3unt 1929. Das Zähren mit Hunden. Im neuesten Amtsverkündigungsblatt veröffentlicht das Kreisamt Gießen eine Polizei-Verordnung über daS Fahren mit Hunden, der wir die folgenden Bestimmungen entnehmen. Ein Hund darf zum Anspannen und zum Ziehen nur mit pouzeilicher Erlaubnis benutzt werden. Dem Antrag ist ein amtstierärztliches Zeugnis des zuständigen Kreisveterinäramtes beizufügen, das die genaue Beschreibung des Hundes und die Angabe des Gewichts enthält, dos die von dem Hund zu ziehende Last ungefähr haben darf. Kleber den Antrag entscheidet für den Bereich der Landgemeinden des Kreises Dießen das Kreisamt Gießen, für den Bereich der Stadt Gießen das Polheiamt Gießen. Der Führer muß den polizeilichen Erlaubnisschein stets bei sich haben. Auf Verlangen hat er ihn jedem Polizeibeamten sowie dem zuständigen beamteten Tierarzt vorzuzeiaen. IedeS Hundefuhrwerk muß von einem Führer begleitet sein, der über 14 Iahre alt ist. Der Führer ist verpflichtet, stets ein Gefäß zum Tränken des Hundes mitzuführen. Im Winter muh er dem Hund beim Halten eine Decke oder irgendeinen trockenen Sack unterlegen. Während des Fahrens darf sich niemand auf das Hunbefuhrwerk sehen. Der Führer muß alle Vorschriften der Straßenverkehrsordnung genau beachten. Insbesondere muh er den Hund jederzeit in seiner Gewalt haben. Er darf nicht schneller als in gewöhnlichem Trab und nur auf der Fahrbahn, aber nicht auf den Fuh- oder Reitpfaden, Banketts und Trottoirs, fahren. Er muh in der Regel die rechte Seite der Fahrbahn innehalten. Rur beim Aeber- holen darf er vorübergehend die linke Seite der Fahrbahn benutzen. Es ist verboten, ein Hundefuhrwerk ohne zwingenden Grund auf einem öffentlichen Weg stehen zu lassen. Der Führer darf das Hundefuhrwerk nicht verlassen, ohne die nötigen Vorsichtsmaßregeln zur Vermeidung von Unglücksfällen oder Verkehrsbehinderungen getroffen zu haben. Auch darf er das Hundefuhrwerk in der Regel nicht ohne Aufsicht lassen. Wenn er genötigt ist, auf kurze Zeit sich von dem Fuhrwerk zu entfernen, so muh er den Hund entweder anbinden oder aussträngen. Während der Dunkelheit muh jedes auf einem öffentlichen Weg befindliche Hundefuhrwerk durch eine hellbrennende Laterne beleuchtet sein. Diese muh so angebracht sein, dah sie für die Führer der entgegenkommenden und der vorbeifahrenden Fuhrwerke sichtbar ist. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden, wenn nach den allgemeinen Strafgesetzen keine höhere Strase verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. _________________ Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Amtsverkündigungsblatt in Kraft. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus Bahnhofstrahe: „Pat und Patachon als Detektive". — Stadttheater Giehen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Eine Sensation bedeuteten in der vergangenen Saison die Vorführungen des Russen Leo Thercmins „Aetherwellen-Musik". Auf Professor Theremins Veranlassung ist jetzt ein Theremin-Trio von Musikern gebildet worden, das die Technik der Aetherwellen-Musik beherrscht. Ein einziges Konzert dieses Trios findet am Donnerstag, 6. Iuni, im Stadttheater statt. "Von der Landesuniversität. Der Ordinarius für Chemie an der Universität Erlangen, Professor Dr. Rudolf Pummerer, hat einen Ruf an die Landesuniversität Gießen als Rachfolger des in den Ruhestand getretenen Geheimrats K. Elbs erhalten. Cs handelt sich um den Lehrstuhl, als dessen Inhaber Iustus Liebig im Iahre 1835 zuerst in Deutschland ein großes Laboratorium in den Dienst des Unterrichts gestellt und damit eine äußerst erfolgreiche Schule deutscher Chemiker begründet hat. Professor Pummerers Spezialgebiet ist organische Chemie. " Die Ausstellung „Der Mensch", die bis zum 16. Iuni in der hiesigen Volkshalle gezeigt wird, wurde am Samstag vormittag vor einem Kreise geladener Personen eröffnet. Ansprachen hielten Beigeordneter Dr. Hamm als Vorsitzender des Dolkshalle-Dereins, Professor Dr. Bürker als Vertreter des Rektors der Landesuniversität und Obermedizinalrat Dr. Z i n ß e r als Vertreter des Kreisgesundheitsamts. In allen Reden wurde der hohe belehrende Wert dieser Schau hervorgehoben. 2m Anschluß an die Eröffnung fänd ein Rundgang durch die Ausstellung unter Führung des Obermedizinalrats Dr. Zinßer statt. Wegen Mangel an Raum muhten wir einen ausführlicheren Bericht bis morgen zurückstellen. ** Oes fentliche Impftermine. Für die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen sind folgende Termine festgesetzt: 1. Mittwoch, 5. Iuni, 14 bis 15 Uhr: Rachschautermin Mittwoch, 12. Iuni, 15 bis 15,30 Ahr. 2. Mittwoch, 12. Iuni, 14 bis 15 Ahr: Rachschautermin Mittwoch, 19. Iuni, 15 bis 15,30 Ahr. 3. Mitt- woch, 19. Iuni, 14 bis 15 Ahr: Rachschautermin Mittwoch, 26. Iuni, 15 bis 15,30 Ahr. Impflokal ist die Turnhalle der Goetheschule, Westanlage. (Räheres in der heutigen Bekanntmachung.) " Verkehrsunfall. Bei Kloster Arnsburg kam am Sonntagnachmittag ein Radfahrer infolge Gabelbruches mit seinem Rad zu Fall und erlitt ernstere Verletzungen an Knie und Kopf, die seine Aeberführung in die Chirurgische Klinik in Gießen erforderlich machten. ** Der Löwenzahn. Aus einem Schüleraufsatz: Der Löwenzahn ist eine Pflanze. Wenn er blüht, ist er gelb. Man macht dann Ketten. Der Löwenzahn heißt Löwenzahn, weil er Zähne hat wie Löwen. Der Löwenzahn wächst in den Gießener städtischen Anlagen. Wenn der Löwenzahn reif ist, wird er gemäht. Der Samen vom Löwenzahn fliegt dann. Das gibt neue Löwenzähne. Der Löwenzahn ist fehr nützlich. Er gibt viel Milch. Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 70 Bullen, 240 Ochsen, 546 Kühe, 319 Färsen, 641 Kälber, 76 Schafe, 4580 Schweine. Wilhelm von Opel zieht sich zurück. WSR. Rüsselsheim, 1. Iuni. Der bisherige Seniorchef der Opelwerke, Geheimrat W i l- helm von Opel, hat sich aus der Betriebsleitung zurückgezogen und die Generaldirektion der Rüsselsheimer Werke seinem Sohne Fritz von Opel übertragen. Geheimrat von Opel hat seinen Sih von Rüsselsheim nach Wiesbaden verlegt. Turnen, Sport und Spiel. Zußball-Lokalkamps in Gießen. Das gestrige Lokaltreffen der Ligamannschaften der Spielvereinigung 1 9 0 0 gegen D.f.B. auf dem Waldsportplah endete nach sehr spannendem fairen Kampfe mit 2:0 für 1900. Halbzeit 1:0. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ansere Stadtanlagen. Der Artikel im „Gieß. Anz." vom Donnerstag über den Zu st and der Stadtanlagen wird manchem Gießener aus dem Herzen geschrieben sein. In Ergänzung hierzu sei noch hinzugcfügt, daß auch dieAnlagevorHotel Kühne nicht modernen Anschauungen genügen kann: Die dortige Rasenfläche gleicht ebenfalls einer unordentlichen Ankrautwiese. In großer, freier Gestaltung der Landschaft wirken blumige Wiesen sehr schön: sie sind bedingt durch die Amgebung. Aber in engere^ Raum- gestaltung innerhalb des Stadtbildes müssen die Anlagen sich nur in gepflegtestem Zustande befinden, wenn sie dem Bürger Erholung und Freude bringen sollen. Sie sind Allgemeingut, und sollen es auch sein, daher auch der Wunsch, dah es anders werden möge. Ansere Anlagen werben nicht für den Fremdenverkehr durch den vernachlässigten Zustand, in dem sie sich augenblicklich befinden. Fast jede Stadt wirbt heute, um den Verkehr für Fremde so angenehm al- möglich zu machen. Gewiß ist die Anlage am Stadttheater freundlicher und sauberer gehalten: doch fehlt hier die ruhige, harmonische Form und Farbenwirkung zu der Umgebung und zu unserem schönen Theater. Die Gesamtanlagen mit ihrem zum Teil prachtvollen Baumbestand sind in ihrer natürlichen Art schön, sie stellen daS innere grüne Stadtband Gießens dar. Am ihre geschlossene Folge kann uns manche Stadt beneiden. Deshalb aber sind sie besonders wertvoll für die Bewohner unserer Stadt und bedürfen der besonderen Pflege. Es stehen sehr schöne Bäume oft so verborgen hinter minderwertigen Decksträuchern, dah sie nicht zur Geltung kommen können. Cs liegt innerhalb der gesamten Anlage zuviel Kleinmalerei, die namentlich am Theater nicht dem heutigen Geschmack entspricht. Einen geradezu erhebenden Eindruck erhält wohl jeder Besucher Gießens und jeder Blumenfreund, wenn er die Gemüsegärten am „Alten Zeughaus" sieht. Dah so etwas überhaupt möglich ist, kann nicht verstanden werden? Inmitten der Stadt am Markt werden so prachtvolle alte Gebäude, welche bei der Werbung Giehens im Licht extra beleuchtet und photographiert wurden, deren Bilder in der „Heimat im Bild" des Giehener Anzeigers veröffentlicht wurden, in ihrer äußeren Amgebung derartig vernachlässigt. Hier kann doch leicht Qlb- hilfe geschaffen werden. B. S. G. Berliner Börse. Berlin, 3. Iuni. (WTD. Funkspruch.) Wenn sich auch im heutigen Vormittagsverkchr eine ausgesprochene Tendenz noch nicht entwickelt hat, glaubt man doch, daß die Stimmung eher freundlicher werden wird. Das Geschäft ist zum Wochenbeginn natürlich noch sehr gering, für Farben, einzelne Montane und Spritaktien scheint Interesse zu bestehen. Man taxiert Schultheis 317,5, Siemens 392,5, Farben 258,5, Gelsenkirchen 139, Mannesmann 128,5, Deutsche Linoleum 351. Am Devisenmarkt hört man: London gegen Kabel 484,90, London gegen Madrid 34,50, London gegen Berlin 20,3450, Kabel gegen Berlin 4,1950. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samslag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefugtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Maschinenbau — Elektrotechnik Automobil- und Flugzeugbau. TAPETEN Bekanntmachung H. Hochstätter Brandplatz Schloßgasse Gas-unn Kochherde in altbekannter Güte und billigen Preisen bei Rudolf Rüdiger / Gießen WalltorntraOe 35 4925 A Eine große Partie RESTE in jeder Rollenzahl schöne, moderne Muster äußerst billig! Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen findet wie folgt statt: 1. Impftermin: Mittwoch, 5. Juni, von 14 bis 15 Uhr, Nachschautermin Mittwoch, 12. Juni, von 15 bis 15* Uhr; 2. Impftermin: Mittwoch, 12. Juni, von 14 bis 15 Uhr, Nachschautermin Mittwoch, 19. Juni, von 15 bis 154 Uhr; 3. Impftermin: Mittwoch, 19. Juni, von 14 bis 15 Uhr, . Nachschautermin Mittwoch, 26. Ium, von 15 bis 15i Uhr. Jmpslokal ist die Turnhalle der Goetheschule, Westanlage. 4926C Zu diesen Terminen können alle in 1928 oder früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher noch nicht erbracht wurde, vorgestellt werden. In 1929 geborene Kinder können in diesen Terminen nicht geimpft werden. Die Kinder müssen mit rein gewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zu- gelassen. Gießen, den 31. Mai 1929. Der Oberbürgermeister. ________I. V. Klings per. Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat beratene Voranschlag für 1929 liegt vom 4. d. 211. an eine Woche lang bei der unterzeichneten Stelle zur Einsicht offen. Bemerkt wird, daß eine Umlage erhoben wird, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Trohe, den I.Juni 1929. 4944D Hessische Bürgermeisterei Trohe. Schmidt. Bequeme Ratenzahlung NSU NSV Fahren Sie unser neues Modell 300 ccm. 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Wwe. sagen wir allen herzlichen I>ank. Die trauernden Hinterbliebenen. Nur zu haben In der Löwen-Drogerie Wilh. Kilbinger Nachf. Seltersweg 79a Ungeziefer- Vertilgungsmittel W. Kilbinger Nachf. Seltersweg 79a Telephon 1616 LoseHMk.ä°pf°?nnebrLiate versendet auch unter Nachnahme 20 Pf. mehr A. Dinkelmann, Worms Postscheckk.: 15194Frankfurta.M. Zu haben In Gießen bei: Cigarrenhaus E. Reuter, Fr. Buchacker, außerdem bei Jos. Chambrö, L. Eifert, Konr.Emmerich, Herrn. Kuhl, 8. Loeb, Friseur Lotz, Wilhelm Semmler, Wilhelm Weber 494iv Mittwoch, den 5. Juni, 4 Uhr nachmittags große Jugend-Vorsteilung Wer arbeitet billig u. gut SWlWden? Dauernde Beichäf- nguna. Schrtitltche Angeb. unter 4949V an den Giess. Anz. 800 Bark gegen gute Sicherheiten zu leihen gesucht. — Schrtitltche Angebote um. 03502 an den Giess. Anzeig. 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Lieber 3 Jahrzehnte hat der Verstorbene in unermüdlicher Schaffenskraft mit großem Erfolg die Interessen unserer Firma wahrgenommen. Wir verlieren in ihm einen selten befähigten Mitarbeiter und treuen Freund unseres Hauses, dem wir stets ein dankbares Gedenken bewahren werden. Eisen* Geldloilerie Zorn Besten des Thüringer Mnsenms Eisenach 3385 Gewinne zusammen Mark: MM flut Ctnaefübrt und mit der Kundschaft einwandfrei vertraut, werden von sehr leistungsfähiger Scheuertuch - Weberei gesucht. 4932V Angebote mit Referenzen unt. O. 781 an Ala Haasenstein & Bögler, Dresden. Fett- und Schmutzflecke entfernen Sie ohne Fiendbildung aus jedem Stoff mit Vehra Krystallwasser auch für Leder Probeflasche 45 Pf. Veroff 116 4U38D Heute Stammtisch! 2 WM elegant möbl ert, möglichst mit Bad, elektr. Licht und Heizung, tn guter Uage, gesucht. Schr. Anged. unter 48811) an den Giess. Anz. Aufforderung zur Zeichnung auf 7°/0 Anleihe des Deutschen Reiches von 1929 Wie bereits durch die Presse bekanntgegeben, wird die Zeichnungsfrist auf die obige Anleihe . bis zum 8. Juni d. J. einschließlich verlängert. Der Zahlungstermin für die erste Rate von 40°/-. deren Fälligkeit nach den bisherigen Bestimmungen auf den 8. Juni d. J. festgesetzt war, ist auf den 12. Juni d. J. worden. Die übrigen Zahlungstermine - weitere 3O7o bis zum 5. Juli d. J. und LCfe--h» 0 p-8 August d. J. — belben unverändert. Jederzeitige Vollzahlung sowie frühere Einzahlung der Raten sind nach wie vor zulässig — Der Zeichnunesnrek beträgt gemäß den früher veröffentlichten Zeichnungsbedingungen g P 99 Prozent unter Verrechnung von Stückzinsen. Die Anleihe lat befreit von : 1. der Vermögenssteuer. 8. der Erbschaftssteuer, soweit es sich um vom Erblasser selbstgezeichnete Anleihen handelt, 3. der Einkommensteuer beeügl. der Zinsen u. sonstigen Erträgnisse 4. ein Steuerabzug vom Kapitalertrag findet nicht statt. ' Zeichnungen können außer bei der Reichsbank bei allen Banken, Bankiers Snar- kassen und Kreditgenossenschaften angebracht werden. Im übrigen finden die Bedingungen der Zeichnungsaufforderung vom 17. Mai 1929 Anwendung. Berlin, den 31. Mai 1929. Der Reichsminister der Finanzen. Dr. Hilferdlng. Eis- Schiffchen Tüten 237D Muscheln Böden sowie Eismark und Pnlver und Eismaschinen liefert preiswert Ernst Muth Gießen Ludwlgstraße 42 Fernruf 721. alle Farben M. G. Grode Frankfurter Str. 19 5 Metall- DpffAM Stahl- (/) Bolz- H Matratzen Ul Fester,Scfalafzimmer.Chatselongues UJ an Private, Ratenzahlung. Katalog 225 tret 385V Eisenmöbelfabrik Suhl (Thüringen). Sa tönmöbsl besonders Friedhof-Bänke. Sessel usw. 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Ab heute bis einschließlich Mittwoch wiederein erstklassiges Doppel-Programm Erster Schlager: Patund Patachon die ewig Unzertrennlichen, die Meister europäischen Humors, haben einen neuen Film geschaffen, in dem sie den Kriminalfilm auf zwerchfellerschütternde Weise parodieren. Sie treten in diesem Film als Detektive auf und schaffen alles, was den gewiegtesten Kriminalisten nicht gelingt, sie machen ein junges Paar glücklich und einen Räuber unschädlich. Zweiter Schlager: Prinzessin Olala Ein Film in 7 Akten nach der gleichnamigen Operette von Gilbert. — In den Hauptrollen; Walter BUIa Georg Alexander Carmen Boni. Diese Namen bürgen dafür, daß sich unser Publikum gut unterhalten wird. 4934C Nr. 127 Zweiter Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 5, Zuni 1929 Spanien und Europa. Außenpolitische Umschau. Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. X Linser ständiger außenpolitischer Mitarbeiter, der sich auf einer Dortragsreise in Portugal und Spanien befindet, sendet uns aus Madrid folgenden Bericht über seine Eindrücke von der Reise. Spanien, mit seinen großen Ausstellungen dieses Jahres, der industriellen in Barcelona und der ibero-amerikanischen in Sevilla beschäftigt, sieht sich, als Ort der Tagungen soeben der Dölkerbundsligen und in wenigen Tagen des Dölkerbundsrates, ebenso des internationalen Autoren- und Derlegerkongresses mit Recht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Cs sieht in der Wahl des Tagungsorts einen Beweis der internationalen Achtung, des Vertrauens in die Festigkeit seiner inneren Zustände, in seine wirtschaftliche Energie und Entwicklung. So empfindet und betont man Freude und Optimismus über inneren Fortschritt und internationale Wertschätzung. Dein außenpolitischen Rundschauer liegt näher, als das, was über die innere Lage dazu zu sagen wäre, zu fragen, was Spanien in der großen Politik Europas bedeute. So interessant die darüber hinaus ragenden, gerade durch die Sevilla-Ausstellung angeregten Zusammenhänge mit dem spanischen Element Südamerikas, die „ibero-amerikanischen" Ideen sind, uns ist wesentlicher, was Spanien im Kräftespiel: England-Frankreich, Italien, Deutschland bedeutet, bedeuten kann, bedeuten will. Es ist ein Staat von 20 Millionen, der größte (wenn wir heute noch den Ausdruck brauchen dürfen) neutrale Staat Europas, mit einer ausgezeichneten Armee, einem kräftigen Volkstum. einer hervorragenden „geopolitischen" Lage und den berechtigten Ansprüchen und Richtungen einer Großmachtspolitik. Aber welches sind diese Richtungen? Rach Rordafrika, ins Mittelmeer, über das Weltmeer? Jedenfalls nicht nach Europa, nach Mitteleuropa herein! Was bedeutet doch auch hierin die Gebirgsbarriere der Pyrenäen! An der Grenzgestaltung in Europa, auch an der Minderheitenfrage, die man in unserem Sinne hier kaum versteht — man beachte das auch für die kommenden Verhandlungen dazu vor und bei dem Völkerbundsrat I — hat man und kann man kein rechtes Interesse haben. An der Machtverteilung in Europa gewiß! Aber da wird hier recht deutlich, wie die englisch- französische Entente auch Spanien lähmt und bindet in seinem außenpolitischen Willen, selbst wenn er stärker vorhanden wäre, als es heute, aus vielen zurückliegenden und neueren Gründen, der Fall ist. Lind man sieht nicht, daß das freundschaftliche Verhältnis zwischen Spanien und Italien ein Gegengewicht böte, daß die Entente Mussolini-Primo de Rivera irgendwelche Früchte getragen hätte. Man braucht dazu nur an das nächste, die M a r o k k o f r a g e, zu denken! Bei dieser Situation, die im ganzetr zu einer ziemlichen Passivität in der großen Politik überhaupt führt, ist dann ebenso erklärlich, daß Spanien auch im Völkerbund nicht sehr aktiv auftritt. Im Gegenteil, von seinem Vertreter dort, seinem Botschafter in Paris, Quinones de Leon, ist bekannt, daß er (wie alle im Völkerbund tätigen Sommer-Diplomaten) mehr oder weniger im Fahrwasser Frankreichs schwimmt. Er bildet mit Chamberlain und dem Japaner Adati die Dreierkommission, die nach der Entschließung vom 7. März die von Deutschland und Canada angeregte Minderheitenfrage weiter vorzubereiten hat. Deren Bericht soll am 6. Juni in Madrid verhandelt werden. Die Min- Rückblick auf die Berliner Festspiele. Die Mailänder Gäste. Berlin, Ende Mai. Cs ist wirklich nicht die Ausländerei, welche der Mailänder „Scala" hier- so ungeheuer enthusiastische Huldigungen bereitete, daß sie — besonders die Abschiedsovationen nach dem letzten „Aid a"-Abend — in der Geschichte des modernen Berliner Theaters ziemlich einzigartig dastehen. Diese Ausbrüche der Begeisterung entsprangen auch der Erkenntnis, daß das Mailänder Opernspiel auf natürlichen Voraussetzungen beruht, die diesen Italienern Selbstverständlichkeit bedeuten, bei uns aber unerreichbar scheinen. Dahin gehört in erster Linie die Schulung des Orchesters. Dieses Orchester ist deshalb so herrlich, weil T o s c a n i n i mit seinen Musikern in jahrelanger Zusammenarbeit auf die selbstverständlichste Art zusammengewachsen ist. Dieser innere und beinahe geheimnisvolle Zusammenhang läßt sich natürlich nicht erreichen, wenn die Proben — deren Ergebnis er eben rst - wie bei uns durch irgendwelche Vorschriften eingeengt werden, wenn die Arbeitszeit nicht überschritten werden darf. Zum andern: in Berlin wird — ebenso wie auf der Schaubühne vom Regisseur aus — bei der Oper das Gesamtbild der Rufführung zunächst von dem Dirigenten aus beurteilt. Wir befinden uns in einer dauernden Opernkrise? Gut, also will jeder Dirigent einmal zeigen, wie er seinen Beitrag zu ihrer Losung beisteuert. Also geschehen bei uns jene Experimente, die teilweise zu beträchtlichen Leistungen geführt haben, aber auch dazu, daß dem Orchester und den Sängern eine ganz persönliche „Auffassung" des Dirigenten aufgezwungen wird, die nun — koste es, was es wolle — aus dem Werk herauszupressen oder in es hineinzudeuten ist. Bei den Italienern gibt es keine persönliche Auffassung Toscaninis, sondern'nur die Auffassung des Komponisten, die in der Partitur liegt, nur den Dienst am Werk, der freilich nicht in einigen Proben vorbereitet, sondern in selbstverständlichster jahrelanger Erziehung des gesamten Opernkörpers erreicht wird. Der Dirigent ist selbst kein Star, daher gibt es auch unter den Sängern keine. Diese freilich, die großen Solisten sowohl wie die Choristen, verfügen alle über eine Schulung, die bei uns wieder undenkbar ist: sie fingen alle belcanto, sie scheuen sich nicht — mit Verlaub — ihren Mund groß aufzureißen, sie fingen weder nach einer „Schule" noch nach derheitenfrage ist natürlich auch auf der Tagung der Völkerbundsligen besprochen worden. Wird man nun wirklich wenigstens ein kleines Stück in dieser Angelegenheit, die doch auch zu den Fundamentalfragen des Völkerbundes gehört, wärts kommen? Cs sieht nicht so aus! Denn geschlossen steht die Front aus der kleinen Entente, Polen und Griechenland gegen auch nur den geringsten Fortschritt. Sie findet natürlich die Llnterstühung Frankreichs. Die englische Politik und das Dölkerbundssekretariat tun alles, um jeden Gegensatz, der doch dabei gar nicht zu vermeiden ist, in einem Wust von akademischen und juristischen, nach etwas klingenden und nichts besagenden Auseinandersetzungen zu ersticken. Bleiben Deutschland und Canada mit Ungarn — von den anderen mittleren und kleineren Völkerbundsmitgliedern ist vielleicht noch Finnland zu rechnen, sonst niemand recht. Da kann man sich schon denken, wie schwer Deutschlands Position sein und wie wenig herauskommen wird. Lind gerade die Minderheitenfrage wurde seinerzeit besonders als Grund für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund betont! Außerdem bietet von den 22 Tagesordnungspunkten nur noch einer ein gewisses Interesse: die Statusfrage für den Schiedsgerichtshof im Haag im Zusammenhang mit der Frage des Beitritts der Vereinigten Staaten von Amerika dazu. Lohnt das alles nun für die Staatsmänner die Reise nach Madrid? Haben derartige umständliche, Zeit und Geld kostende Ratstagungen überhaupt noch einen Zweck? Früher sagte man, daß die Llnbedeutendheit der Tagesordnung d i e freien Besprechungen der Staatsmänner über die bekannten, den Völkerbund nicht direkt berührenden, großen Fragen der europäischen Politik erleichtere. Aber die letzten Male haben diese Besprechungen tatsächlich nichts bedeutet. Wir glauben nicht, daß die drei Minister diesmal irgendetwas Wesentliches in der Abrüstungs- ober in der Rheinland-Besatzungsfrage fordern werden. Lind wird die Reparationsfrage dann vielleicht dafür spruchreif fein, die mit dem Döllerbund überhaupt nichts zu tun hat? Wir bleiben dabei: es ist wirklich für die deutsche Außenpolitik Zeit geworden, darüber nachzudenken, daß es mit der bisherigen Methode unserer Völkerbundspolitik nicht weiter geht, daß sie aktiver und aggressiver werden muß, und was und wie das zu machen ist. Es ist das Problem und Aufgabe, die nicht deshalb zurückgeschoben werden bütfen, well — was ja niemand bestreitet — die Reparationsfrage int Zentrum nicht nur der deutschen, sondern auch des größten Teils der europäischen Außenpolitik steht. Spanien, zu dem wir noch einmal zurückkehren. ist daran nicht beteiligt; zwischen ihm und Deutschland bestehen derartige Gegensätze nicht. Politisch ist es überhaupt so. daß Reibungsflächen und Konsliktsmöglichkeiten nicht existieren, daß daher aber auch, wie dann oft in den Staatenbeziehungen, die beiden Länder einander politisch nichts zu bieten haben, namentlich auch bei der Situation Spaniens, die eingangs geschildert wurde. Llm so wichtiger und aussichtsreicher sind dann die wirtschaftlichen und — nicht zu vergessen! — die kulturpolitischen Beziehungen Man freut sich, zu sehen, wie sich dafür, auf dem so bedeutungsvollen Gebiete der Auhen-Kulturpolitik, die immer stärker zu einem integrierenden Teil unserer Außenpolitik wird, doch schon gesehen oder wenigstens angeknüpft ist. Der Mittelpunkt in Madrid ist die deutsch- spanische Arbeitsstelle (Centro de inter- cambio intelectual germano-espanol), die von deutschen wissenschaftlichen Kräften ins Leben gerufen ist und getragen wird. Man darf solche Arbeit, so bescheiden und anspruchslos sie ist, nicht gering schätzen Sie lodert Boden der für andere Einflußnahme noch unzugänglich ist. Sie geht parallel und ergänzt, was Handel und Wirtschaft, Religion und Kirche, Auslandschule und das Auslanddeutschtum im ganzen tun. Dergleichen, also die Anknüpfung geistiger und kulturpolitischer Fäden, mochte vor dem Kriege als Ornament gelten. Heute ist es etwas sehr Wesentliches! Wie soll man anders das Bild Deutschlands, Kenntnis und Verstehen von ihm den Deutschen draußen und den fremden Völkern nahebringen? Die Haltung des Spaniers gegenüber Deutschlands ist ohne Zweifel die der Achtung, vielfach des Wohlwollens und auch des Interesses. Aber die beiden Kulturkreise, der deutsche und der spanische, sind einander doch recht femgerüdt, wenigstens was die Völker im ganzen und weitere Kreise in ihnen betrifft. Die Stagnation in der großen Politik von heute wird nicht immer so bleiben. Auch Spanien wird in ihr einmal eine andere Rolle spielen, und es ist und bleibt zudem Mutterland für Millionen spanisch Sprechender jenseits des Ozeans, die langsam, aber ganz unfehlbar auch einmal in eine aktive und bedeutende Rolle in der Weltpolitik einrüden werden. Dann aber ist es von größter Wichtigkeit, was man in diesem Kulturkreis und insonderheit in Spanien von Deutschland denkt und (als Voraussetzung dazu) von ihm weiß. So gewinnt auch bescheidene und unpolitische Gelehrtenarbeit zur Vermittlung und Verbindung ihre wichtige Stelle in der mühseligen Arbeit, die wir den Wiederaufbau der deutschen weltpolitischen Beziehungen im weitesten Sinne des Wortes nennen > Grundsteinlegung des Gießener Studentenhauses. Die Landesuniversität, die Stadt Gießen und das Hessenland hatten am gestrigen Sonntag ein geschichtlich denkwürdiges Ereignis zu verzeichnen: die Grundsteinlegung des Gießener Studentenhauses. Vom Wetter begünstigt, nahm die Feier einen sehr eindrucksvollen Verlauf. Kurz vor 12 Llhr hatten sich auf der mit Fahnen reich geschmückten Baustelle viele Ehrengäste — darunter Staatspräsident Dr. Adelung, hohe Ministerialbeamte, Landtagspräsident Delp und Mitglieder des Landtages, Angehörige des akademischen Lehrkörpers, viele De- hördenvertreter, Stadtvertreter mit Oberbürgermeister Dr. K e l1 e r an ber Spitze, enge Freunde der Llniversität usw., die Chargierten der Korporationen in Wichs und mit Fahnen, sowie zahlreiche Damen — versammelt, während vor der Baustelle in langer Front die Studentenschaft aufmarschiert war und ein zahlreiches Publikum den Platz rings umsäumte. Rach einem Musikvortrag unserer Militärkapelle unter Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r sprach zunächst der verdienstvolle Gießener Studentenvater Prof. Or. Eger. Er wies einleitend darauf hin, daß der Reichstag Mittel zur Errichtung von Studentenhäufern bewilligt habe und daß daraus Gießen ein erheblicher Betrag zugeteilt worden sei, und sagte dann weiter: Diese Förderung hat Gießen der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft zu verdanken. Rächst dem Reiche und der Wirtschaftshilfe gebührt der Hessischen Regierung und dem Hessischen Landtag, die dem Werk und der Arbeit der Gießener Studentenhilfe die regste Förderung angedeihen ließen, herzlichster Dank. Der Landtag hat eine große Summe für diesen Dau bewilligt. Dem Staatspräsidenten und dem Landtagspräsidenten gebührt besonderer Dank dafür, daß sie der Anteilnahme des Hessenlandes an diesem Bau durch ihr Erscheinen bei dieser Feier Ausdruck verleihen. Gefühle herzlichen Dankes werden auch der Stadt Gießen entgegengebracht. ist doch der Grund und Boden zu diesem Bau von der Stadt geschenkt worden. Freudig begrüßt die Studentenhilfe diese Gabe und die übrige Förderung durch die Stadt Gießen als neuen 2^weis der innigen Verbundenheit zwischen der Gießener Bürgerschaft und ihrer Studentenschaft, ja der ganzen Llniversität. Möchte immer der Wahlspruch gelten: „Hie Gießen, hie Freistatt der Wissenschaft". Auch der Provinz Oberhessen sind wir herzlich dankbar dafür, daß sie die Einrichtung eines Raumes in dem neuen Hause gestiftet hat. Die Gießener Studentenschaft selbst hat sich für diesen Dau eine Steuer auf erlegt, aus der schon ein namhafter Beitrag zu den Baukosten geflossen ist. Gießener Studenten haben als Werkstudenten an diesem Bau mitgearbeitet, und ich habe die feste Zuversicht, daß die Studentenschaft noch in weit größerer Zahl Hand mit anlegen wird bei diesem Werk. Dadurch bekennt sich die Studentenschaft zu dem hohen Ziel, das ihr als großes Vermächtnis überkommen ist von der studentischen Generation des Weltkrieges: Weiter arbeiten und nicht verzweifeln I Der Gedanke der Selbsthilfe und der Gemeinschaft aller Studenten soll hier feinen Ausdruck finden. Das Haus soll werden ein Sammelpunkt für alle Kommilitonen, eine Stätte des Gedankenaustausches für alle, die durch gemeinsame Arbeit im Dienste der Wissenschaft und Wahrheit verbunden sind. Möge das Gießener Studentenhaus erstehen zum Besten der Studenten, zum Besten der Llniversität und der Stadt Gießen und zur Förderung deutscher Wissenschaft und Kultur! Staatspräsident Or. Adelung als nächster Redner sagte: Je trüber die Lage einer Volksgemeinschaft ist, um so geringer wird für diejenigen, die über öffentliche Mittel als verantwortliche Treuhänder zu verfügen haben, die Möglichkeit, einem augenblicklichen, wenn auch noch so ehrlichen persönlichen Impuls bei der Verwendung dieser Mittel zu folgen. Betrachten wir die Verhältnisse in Deutschland, wie sie sich nach dem Kriege gestaltet haben, bann gewinnen vor allem die Beschlüsse des Reichstags und des Hessischen Landtags über die Bereitstellung erheblicher Gelder für den Bau von Studentenhäusern an Llniversitäten und Hochschulen, so gesehen, eine ganz besondere Bedeutung. Sie bekunden den festen Willen der Deutschen Ration, gerade in Zeiten der Rot eine uns gebliebene Chance nicht aufzugeben: auf der Grundlage eines arbeitsamen und in der Arbeit nachdenklichen Volkscharakters durch Förderung der nach Veranlagung ober Intelligenz Tüchtigsten aller Berufsstänbe ben kulturell- wissenschaftlichen Hochstanb zu bewahren unb auszubauen, ben wir uns in ber Welt errungen haben. Freilich: bie Bebingungen biefes Kampfes um unsere Welt-Geltung auf bem Gebiete ber Wissenschaft unb Technik sinb für uns unendlich schwerer geworden. LLnsere Schul- unb Arbeits- Methoben hat man im Auslanbe geprüft unb — mit ^Überlegung — zum großen Teile übernommen! Keine ber großen Kulturnationen hat aber in ben letzten 15 Jahren ihrer heranwach- fenben Generation, b. h. ihrem eigenen Schicksal im nächsten Menschenalter, ähnliche Entbehrungen auferlegen müssen, wie bie beutsche, feine hat mit derselben Rot zu ringen gehabt wie wir. Groh ist bie Gefahr, bie baraus erwächst. Ihr T II I II■ einem „System", es sei denn nach bem System ber einsachen Ratürlichkeit. Die gesamte „Scala" weiß nichts von Krisen, sie kennt nur den Begriff ber Oper unb bes Opernhaften. Ihn will sie verkörpern. Sie ist ganz Tradition, und gerade darum darf sie es wagen, uns mit alten und verstaubten Dingen zu kommen, weil diese eben in der Tradition wurzeln. Die Werke und der Geist seiner Wiedererwecker sind einander kongenial. Dazu haben bie Sänger einen Reichtum an Gesten, bie ben Gesang begleiten unb unterstreichen, der eben weiter nichts als opernhaff und ganz unnaturalistisch ist. Sie bringen ihr südliches theatralisches Temperament mit, sie haben keine Scheu vor den Ausbrüchen großer Leidenschaften, sie werden mit Fug unb Recht so verliebt ober wahnsinnig, wie man es nur im großen Theater ber Oper fein barf. So können sie es auch wagen, uns ben in jebem Sinne hun- bert Jahre alten Schinken „Lucia von Lamme r m o o r" zu servieren, ben Inbegriff einer Oper, bie sich (bei uns) längst überlebt hat. Hier wird sie, in ihre eigentümliche Srabition gesteckt, bis zu einem gewissen Sinne sogar tebenbig, obwohl hier ein Beispiel für Vorgänge vorliegt — Gattenmord, Wahnsinn, Selbstmord —, die uns gar nichts mehr kümmern und für eine Musik Donizettis, welche diesen schaurigen Dingen stracks zuwiderläuft und sich bemüht, sie auf eine möglichst heitere Art zu begleiten. Aber da ist die Lucia ber Sängerin Sott bal Monte, welche biefe große Wahnsinnsszene, von einer fabelhaften Sicherheit in ber Koloratur, von einer großartigen Reinheit ber Stimme unterstützt, wirklich schaurig-packend hinlegt, und da sind bie bekannten unb volkstümlich geworbenen Chöre, bie einmal in einer bekannten Klavierschule stauben, ba ist das Orchester, und da ist Toscanini selbst, der das alles zusammen- schweißt unb emporreiht. Im „T roubabour“ erweist es sich wieber, was Toscanini als Dienst am Opernwerk versteht: bie Ehrfurcht vor ber Verbi scheu Partitur, auch ba, wo sie bis zum Llnerträglichen abgegriffen unb banal geworden ist. Aber gerade diese Banalitäten gibt er mit einer unerschütterlichen Sicherheit, SiegeSgewihheit und Kühnheit, er deutelt nicht daran, unb erreicht zur allgemeinen Derwuuberuug aus biesen bekannten Roten unbekannte Wirkungen. Au biefem Abeub steht neben ihm der Tenor D o l p i im Mittelpunkt, eine junge geschmeidige Gestalt, ein sieghaft- heldisches Organ. — Die Inszenierung beider Werke geschieht wieder ganz im Stil ber großen Oper. Es ist auch über Puccinis „M a n o n“ nichts Reues zu sagen, höchstens über bie Art ber Aufführung unb Wiebergabe burch bie Mai- länber unb Toscanini. Wieber betounbert man, wie am ersten „Falstaff" -Abeub, bie große Eusernblekuust, bie nur burch jahrelange Hebung so festgesügt werben kann; man staunt wieber vor ber geschmeidigen Kraft bes Orchesters, bas aus ber Partitur alle mögliche Wirkung entfesselt. Der Dialog wirb zu einem leichten, natürlichen Hin unb Her, unb auch aus ben minber- toertigen Stücken ber Oper wirb etwas Echtes unb Großes. Es ist erstaunlich, wie bie Säuger wieber mit ber Kehle barftellen unb charakterisieren, man wirb, bei aller uorbischeu Kühle, boch von biefer Hemmungslosigkeit bes Spiels hingerissen unb versinkt nach Toscaninis Willen in ben alten romantischen Operutraum. Die Säuger sinb auch an biefem Abeub von großer Volleubuug unb Ratürlichkeit: Rosetta Pam - p i n i als Mauon, 21 u r e l i a u o Perti 1 o als bes Grieux. Rein, es ist gewiß keine Auslänberei im Spiel, wenn man von biesen Leistungen ergriffen ist. Mau beult an unsere Sänger unb findet, daß ihre Darstellungssteifheit auch ein wenig mit der Llugelenkigkeit ber Stimmbänder Zusammenhängen wird. Mau gewinnt aus diesen Abenden Erkenutuisse, bie eigentlich uralt sinb. Der letzte „Aiba"-Avenb faßt noch einmal alle Vorzüge ber Mailänber Gäste zusammen unb bie Entwicklungsfähigkeiten, welche biefe Oper ermöglicht — sie warb mit Vorbebacht an ben Schluß gestellt —, fetzen sie in bas hellste Licht. Wieber wie am ersten „Falstaff'-Abeub, finbet biefe Aufführung in ber Staatsoper statt, wieber erklingt bas Orchester gefchmeibig, sicher unb kraftvoll; wie werden bie Gruppen ber einzelnen Instrumente beutlich, wie hat biefes alte Haus plötzlich eine neue Akustik erhalten! Die Inszenierung — sie liegt auch an biefem Abeub bei Sorjano — arbeitet mit aller ägyptischen Tempelpracht, bie von diesem Stoff wohl nicht zu trennen ist, sie ist ganz unb gar nicht „modern" stilisiert, ebensowenig wie die Sänger unb bie Balletts. Aureliano Pertile ist ein Rabames von Format, bie Arraugi-Lombarbi bie Aiba, Albertina Dalmonte: Amueris. Toscanini unb bie Seinen sinb unter ungeheurem Abschiedsjubel von uns gegangen unb lassen uns zurück. Zurück mit einigen Erfahrungen, von benen einige eingangs angebeutet würben. Die beutlichste aber heißt, baß hier Musik um ber Musik unb Oper um ber Oper willen gemacht würbe. Das klingt sehr einfach unb einleuchtenb, aber biefe Forbexung ist anscheinend bei uns nicht zu erfüllen. B. D. Neues vom Rembrandt-Oeutscheu. Die Gestalt bes „Rembraubt-Deutschen" Julius Laugbehu, ber seinerzeit burch fein Buch „Rembraubt a l s Erzieher" unser Geistesleben so stark beeinflußte, ist burch bas Buch von Momme Rissen uns erst recht nahegerückt worben. Einige Ergänzungen unb Berichtigungen bazu bietet Hermann Brunn in ben Erinnerungen, bie er in ber „Deutschen Runb- schau" veröffentlicht. Der Verfasser ist ber Sohn bes großen Archäologen Heinrich von Brunn, helfen Schüler Langbehn war und mit bem sich ber eigensinnige Geist wie mit so vielen anbern entzweite. Der junge Brunn hat Langbehn wäh- renb feiner Stubentenzeit nahegestanben, unb er betont ben starken Eindruck, ben ber große blonde Germane auf alle machte; er verband liebenswürdige Herzlichkeit mit einer inneren Reinheit des Gemüts. Aber alles in feinem Wesen drängte ihn aus ber Archäologie heraus in das Bereich ber Philosophie unb ber Menschheitsverbes- lerung. Brunn glaubt, bah Langbehn schon wäh- renb seiner Münchner Stubienzeit sich mit jenen tiefgrünbigen Gebauten beschäftigte, bie später in bem Rembrandtbuch niebergelegt würben. Er hatte sich eine merftoürbige Rotizensammlung angelegt, bie sich nicht auf Archäologie beschränkte, fonbern sich auf bie verschiebenen Gebiete menschlicher Kultur ausbehnte. Daß Langbehn an diesen Dingen in Rom weiterarbeitete unb baher seinen archäologischen Stubien immer mehr entfrembet würbe, beweist bie Tatsache, bah er bamals von dem jüngeren Brunn Aufklärung über gewisse Fragen des Grenzgebietes zwischen Mathematik unb Kunst erbat, bie bann von ihm in seinem anonym erschienenen Werk verwertet würben. Heinrich von Brunn brach mit Langbehn, nachbem er verschiebene Klagen über fein Benehmen in Rom erhalten hatte, in einer heftigen Auseinanbersehung. ilnb als Frau von Brunn Langbehn bann fragte, was er nun tun werbe, ertoiberte er mit spitzem Sarkasmus: „Ich werbe nach Hamburg gehn unb Stiefel putzen!" Langbehn gehörte zu den Raluren, bie alles ober nichts forbern unb keinen Kompromiß kennen. Das zeigte sich auch in seiner Freunbschaft mit bem Maler Karl Halber. Wie Brunn erzählt, verlangte Langbehn von bem Freunbe, bah bei Meinungsverschiedenheiten so lange disputiert werde, bis der eine bie Gründe des anderen anerkenne, und Langbehn stellte an ihn Forderungen, bie ihn mit seinen Pflichten als Ehemann unb Vater in Konflikt brachten; er verlangte, bah, wer sein wahrer Freunb sein wolle, bie Freunbschaft über alles anbere fetzen müsse. zu begegnen, werden auch die Studentenhäuser geschaffen, deren einem wir heute hier in Gießen am Sitze der Hessischen Landesuniversität bei der Grundsteinlegung unsere innigsten Wünsche einverleiben wollen: Sie sollen die Söhne und Töchter unseres Volkes, die berufen sind, dermaleinst an den verantwortlichen Stellen unseres wirtschaftlichen und geistigen Lebens für Land, Volk und Menschheit zu arbeiten, für diesen Beruf in dngster Gemeinschaft und unter Beseitigung wenigstens der schwersten und drückendsten wirtschaftlichen Sorgen tüchtig machen. Groh ist das Opfer, das Reich, Land, Llniversi- tätsstadt und auch private Kreise für diese Aufgabe bereits gebracht haben — groß und ernst, wie das Ziel, für das es gegeben wurde: möge es stets nur Würdigen zugute kommen, und der Glaube an unfere -Zukunft, der aus solchen Opfern eindringlicher als aus Worten spricht, nicht trügen. Der Gießener Studentenschaft aber wünsche ich, daß sie unter dem einen Dache dieses neuen Hauses eins werde im Verständnis der Aufgabe aller an der -Zukunft des deutschen Volkes, das in der für uns Deutsche so bezeichnenden Hochachtung vor jedem echten Streben und Bemühen, ihr — der Studentenschaft — ein solches Heim schenkt. So möge es werden! <5r. Magnifizenz der Rektor Prof. Or. Herzog dankte nach kurzem Hinweis auf die dankbar zu begrüßende Reichs- und Landeshilfe für hiesen Bau vor allem dem Studentenvater Professor Dr. C g e r, der nach dem Kriege die Aufgabe auf sich nahm, für die aus dem Felde zurückgekehrte und unter der Rot leidende Studentenschaft zu sorgen, herzlich für alles, was er bisher auf diesem Gebiete in hingebungsvoller Weise geleistet. Er sagte dann u. a. weiter: Professor Dr. Eger hat diesen Gedanken der Studentenhilfe in beständigem Kampfe mit den Sorgen unserer Zeit, mit den Schwierigkeiten, die sich überall auftürmten, bis zu dem heutigen Werke gebracht, und wir dürfen der Zuversicht sein, daß er das Werk auch vollenden wird. Das geschieht aber nicht nur durch Tatkraft, sondern nur dann, wenn auch das Herz dabei ist. Der tiefere Gedanke dieses Werkes ist, unserem Volke zu helfen. Dieses Haus soll ein Gemeinschaftshaus werden, das in letzter Auswirkung unserem Volk und Vaterland dienen soll. In diesem Hause soll gezeigt werden, daß die Tüchtigkeit es ist, die sich durchsetzen soll im Leben und daß dieser Tüchtigkeit hier die Wege geebnet werden sollen. Hier soll gezeigt werden, daß die Universitas der Studenten unter uns, die Kameradschaft der Kommilitonen und die Einigkeit zwischen Schülern und Lehrern zur Wirklichkeit wird im Zusammenleben und Zusammenhandeln. Der Geist der Einigkeit möge immer bei den Verhandlungen in diesem Hause sein, der Einig- zum Besten der Universität und zum Besten unseres Volkes. Hier mögen die Studenten aus allen Gauen des Reiches und von jenseits der Grenzen zusammenkommen und sich gegenseitig verstehen lernen, hier mögen alle deutschen Studenten lernen, das Parteiische beiseite zu lassen und nur auf das Wohl unseres Vaterlandes bedacht zu sein. Ich hoffe und wünsche, daß unsere Gießener Studentenschaft den Gedanken, daß sie sich vorbereiten soll, dem Volke voranzugehen in dem Gedanken der Einheit und Einigkeit, in diesem Hause immer lebendig antreffen wird. Oberbürgermeister Or. Keller führte aus: „Stoßt an, kühne Tat lebe, hurra, hoch!", so singen die Studenten in dem altbekannten Liede, in welchem sie alle hohen Dinge preisen, die die Brust des freien Burschen schwellen. Eine kühne Tat ist das Werk, dessen Grundstein zu legen wir hier versammelt sind. Zu den mannigfachen großen Bauten, die in den letzten Iahren in unserer Stadt errichtet wurden oder in der Entstehung begriffen sind, gesellt sich ein Studentenhaus, hoch emporwachsend auf diesem schönen Platze, dessen Lage zwischen Hauptvorlesungsgebäuden und Kliniken eine besonders geeignete ist. „Die Tat ist alles, nichts der Rubm", meint Gosche im Faust. Gewiß — aber diese kühne Tat wird gerühmt werden, solange innerhalb der Stadt Gießen die Landesuniversität chren leuchtenden Platz in der deutschen Geisteswelt behalten wird, und das wird, so Gott will, für ewige Zeiten der Fall sein. Gerühmt wird werden bis in fernste Zeiten der Mut und die Kraft, der Gemeinsinn und die Hingabe aller, die zu diesem Werke geholfen haben. Reich und Land Hessen, Llniversität und Studentenschaft, die Stadt, die Wirtschaftshilfe und viele Private haben mit Rat und Tat dieses Werk gestützt und gefördert. Einen freilich wird und muß man besonders rühmen: den Vater und Schöpfer des Gedankens, aus dem die Tat geboren ist, den Mann, der mit Liebe und Treue, mit Tatkraft und Fleiß sein Bestes eingesetzt hat für die Entstehung dieses Werkes, Herrn Professor Eger, dessen Rame mit dem Studentenhaus unvergänglich verbunden sein wird. Man hat mir gesagt, daß d i e Mittel noch nicht vollständig zusammengekommen seien, die nötig sind, um bis ins kleinste außen und innen das Werk vollenden zu können. Aber wenn die Hände und Kräfte auch in Zukunft sich regen werden, die bisher beim Wägen und Planen in so lebendiger Weise wirksam waren, wenn mit dem Fortschreiten und Wachsen des Baues auch die Erkenntnis feiner unbedingten Notwendigkeit immer weitere Kreise erfüllen und zur Mithilfe anspornen wird, so bin ich voller Zuversicht, daß nichts dazu fehlen wird, daß das Gießener Studentenhaus in würdiger Gestalt 3um Wohle der Studentenschaft, zum Ruhme der Universität und zur Zierde der Stadt Gießen vollendet werden wird. Die S t a d t G i e ß e n hat von allem Anbeginn den Plan der Errichtung eines Studentenhauses mit regstem Interesse begleitet. Wie könnte es auch anders sein bei der engen Verbundenheit, die zwischen Universität und Stadt Gießen besteht? Universität und Stadt: durch mehr als drei Jahrhunderte sind sie treulich miteinander gewandert, in Freud und in Leid. Wenn gerade in den letzten Jahren bei dem erfreulichen Ausbau der Landesuniversität die Stadt sich der Universität förderlich erwiesen hat, so war dies nicht nur ein Zeichen dieser innigen Verbundenheit, sondern auch der Ausdruck des Dankes für alles das, was die Universität der Stadt bedeutet. Nun ist durch die Not der Zeit mit der Errichtung eines Studentenhauses ein weiterer Ausbau der Universität erfolgt, der ihre Anziehungskraft in bedeutsamem Maße vermehren wird. Ein kraftvolles Werk deutscher Erneuerungsarbeit soll zum Wohle der akademischen Jugend hier erstehen, ein Mittelpunkt studentischen Lebens, eine Pflegestätte des Gemeinschaftsgedankens, ein Heim, das allen, die in ihm weilen, zu tatkräftigem, hoffnungsfrohem, einigendem Wirken für Volk und Vaterland zusammenführen und erziehen soll. So werde ich denn die Segenswünsche der StadtGießen in den Grundstein legen mit den Worten: dem Wohle unserer Studentenschaft, dem Ruhme unserer Universität und Stadt, der Zukunft unseres deutschen Vaterlandes. Oer Vorsitzende der Gtudenienschast sind. jur. Klaus betonte, daß dieser Tag für die Studentenschaft von besonderer Bedeutung fei, denn das Werk, das hier erstehe, werde zum Besten der Studenten errichtet. Das Haus soll für die Studierenden eine Stätte ernster Arbeit, des Gedankenaustausches untereinander und mit den Professoren sein. Daneben soUe es aber auch den Studenten Erholung von der Arbeit geben. Der Redner dankte allen Stellen, die zu diesem Werke beigesteuert und an seiner bisherigen Errichtung mitgewirkt haben, herzlich im Ramen der gesamten Studentenschaft. Oie Grundsteinlegung schloß sich dieser Feier an. In den großen Mes- singbehältcr wurde folgende LI rkünde ein» gefügt: „Dieser Grundstein ist gelegt worden am 2. Iuni des Iahres 1929 unter der Reichspräsidentschaft Hindenburgs, in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten Adelung. Dauherrin ist die Gießener Studentenhilfe, ein Verein, der im Iahre 1921, dem dritten Iahre nach Beendigung des großen Krieges, in einer Zeit bitterster Rot des deutschen Volkes ins Leben gerufen wurde und dessen Zweck und Ziel es vor allem ist, dem großen Teil der Studentenschaft, der sich auch jetzt noch in schwerer wirtschaftlicher Bedrängnis befindet, Hilfe zu leisten. Der Entwurf für den Bau stammt von Herrn Regierungsbaurat von der Leyen, jetzt in Darmstadt, die Bauleitung liegt in Händen des Architekten Ernst Schmidt in Gießen. Der Grund und Boden, auf welchem das Gebäude errichtet wird, ist ein Geschenk der Stadt Gießen. Die bis jetzt für die Ausführung des Baues vorhandenen Mittel entstammen hauptsächlich Bewilligungen von feiten des Deutschen Reichstages und des Hessischen Landtages, wozu eine Gabe der Provinz Oberhessen und Spenden Privater kommen. Auch die Gießener Studentenschaft hat im Wege der Selbstbesteuerung einen namhaften Betrag aufgebracht. Der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e. D. in Dresden ist die Vermittlung der Reichsbeihilfe zu verdanken, und sie hat auch bei der Ausarbeitung des Projekts mit Rat und Tat wertvolle Hilfe geleistet. Das Gebäude soll als Studentenhaus dienen. Es soll eine mensa academica, Wohnungen für Studenten und sonstige Einrichtungen enthalten, die dazu bestimmt sind, tüchtigen, menschlich wertvollen, aber in wirtschaftlicher Notlage befindlichen Studenten die Durchführung ihres Studiums zu ermöglichen. Zugleich soll es ober auch ein Sammelpunkt und eine Stätte geistigen Austausches der ganzen Studentenschaft fein. Möge das Gebäude in einem glücklicheren Deutschland, das frei von den furchtbaren Lasten, die es heute als Folgen des großen Krieges zu tragen hat, dem Wohle der Gießener Studentenschaft, dienen und mit dazu beitragen, den Gedanken immer mehr Wirklichkeit werden zu lassen: Die deutschen Hochschulen den Besten der Jugend allen Schichten des Volkes!" Ferner wurden beigefügt Schriften über die Universität, Tätigkeitsberichte der Studentenhilfe, Geldscheine aus der Inflationszeit, Bargeld von heute, eine Anzahl Lichtbilder von der Universität, den beiden jetzigen Häusern der Studentenhilfe und dem bis jetzt erstandenen Bauwerk, außerdem eine Flug- zeugnaufnahme der Stadt Gießen, der „Gießener Anzeiger" und die „Oberhessische Volkszeitung" vom Samstag. Es sprachen Geleitworte zur Grundsteinlegung: Staatspräsident Dr. Adelung: „Unserer Jugend, unserer Zukunft zum Heile trotz Not und Gefahr." Landtagspräsident Delp: „Aus Gemeinschasts- sinn geboren, der akademischen Jugend zum Wohle, begleitet von besten Wünschen des hessischen Landesparlaments." Se. Magnifizenz der Rektor, Prof. Dr. H e r z o g : „Der Gießener Studentenschaft zum Nutzen, der Gießener Universität zur Ehre, dem Vaterland zum Wohle." Oberregierungsrat Dr. Heß als Vertreter des Provinzialdirektors Graef: „Der Wissenschaft zur Entwicklung, dem Volke zum Wohle, dem Vaterland zum Segen." Oberbürgermeister Dr. Keller: „Dem Wohle unserer Studentenschaft, dem Ruhme unserer Universität und Stadt, der Zukunft unseres deutschen Vaterlandes." Dr. T i l l m a n s (Dresden) namens der. Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft: „Ein Symbol deutschen Lebenswillens und deutscher Schaffenskraft, eine Stätte äußerer und innerer Verbindung aller Angehörigen der Universität, zur fruchtbaren Entwicklung deutschen akademischen Lebens." Geheimrat Prof. Dr. B e h a g h e l namens der Gießener Hochschulgesellschaft: „Rechtes Wollen, rechtes Denken schafft rechte Kraft." Prof. Dr. Eger namens der StudentenhilfeS „Eine Stätte brüderlicher Gemeinschaft, eine Stätte freudigen Strebens, Wirkens und Schaffens, eine Stätte wahrer akademischer Freiheit." Sind. jur. Klaus namens der Gießener Stu- dentenschaft: „Wachse empor, stolzer Bau, Zeichen der Nächstenliebe, Quelle der Erneuerung für unsere Volkskraft." Architekt Schmidt: „Weisheit lenke unser Sin- nen zu dem Bau, den wir beginnen. Stärke führe ihn aus mit Macht, Schönheit ziere ihn in Pracht!" Bauunternehmer Weimer: „Der Baumeister hat's ersonnen, der Werkmeister hat's begonnen, in Friede erstehe es, in Ewigkeit bestehe es." Mit dem Spiel des Gaudeamus igitur durch dis Militärkapelle und dem Abmarsch der studentischen Korporationen fand die Feier ihr Ende. Bei einem gemeinsamen Mittagmahle in kleinerem Kreise im jetzigen Studentenhaus „Schöne Aussicht" nahm Prof. Dr. Eger noch einmal Gelegenheit, allen herzlichen Dank zu sagen für die Förderung dieses Hilfswerkes, und ferner auf die Verdienste hinzu- weisen, die sich Oberschwester Martha als Leiterin der jetzigen Studentenhäuser um die Studierenden in außerordentlich reichem Maße erworben hat. Kleine Strafkammer Gießen. Giehen, 31. Mai. Ein Schlosser von Kaichens verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Vilbel, durch das er wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilt worden war. Er hatte auf einer Landstraße in der Rähe von Vilbel auf seinem Motorrad einen Radfahrer, der neben seinem Sohn auf der rechten Straßenseite dahinfuhr, statt links rechts überholt, indem er zwischen den beiden Radfahrern hindurchzufahren versuchte. Hierdurch war ein Zusammenstoß verursacht worden, durch den der Radfahrer zu Fall kam und die Hand brach. Der Angeklagte bestritt jedes Verschulden. Der Radfahrer sei nicht auf der rechten, sondern auf der linken Straßenseite gefahren und erst im letzten Augenblick nach rechts eingebogen: hierdurch habe er den Zusammenstoß selbst verschuldet. Da diese Behauptung durch die Aussage eines unbeteiligten Zeugen widerlegt wurde, mußte die Berufung zurückgewiesen werden. Ein Dienstknecht, der wegen Diebstahls und Llnterschlagung vom Amtsgericht Homberg zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, war trotz ordnungsmäßiger Ladung ausgeblieben. Seine Berufung wurde ohne Verhandlung verworfen. Rachträglich lief ein Schreiben von ihm, ein, durch das er seine Berufung zurücknahm. Taten für Dienstag, 4. Juni. Sonnenaufgang: 3.47 Llhr, Sonnenuntergang: 20.09 Llhr, Mondaufgang: 2.10 Llhr, Monduntergang: 16.08 Llhr. 1875: Der Germanist Robert Petsch in Berlin geb. Der Dichter Eduard Mörike in Stuttgart gest. (geb. 1804). WeMMssmLllimr. Roman von Senta Neckel. Copyright bei ©reiner & Co., Berlin NW 6. 12 Fortsetzung Nachdruck verboten. Weekly knitterte Stanleys Brief zusammen. Schrecklich, nun mußte er auf dieses Schreiben antworten, mußte in höflichen Worten bedauern, daß es Überhaupt vorgekommen war, daß einer seiner Herren in dieser offensichtlich böswilligen Art über ihn und seine Tochter schriebe, er hätte selbstverständlich nicht die geringste Ahnung davon gehabt, und er würde den Fall strengstens untersuchen. ... In diesem Augenblick öffnete sich die Tür. Ein Bote sagte mit leiser Stimme: „Mr. 3ul Lauter, 2. Juni. Obwohl die Kirschen in diesem Jahre ein ausgezeichnetes Dlütenwetter hatten und nicht durch Frost gelitten haben, ist der Fruchtansatz doch nur sehr gering. DieS wird zurückgeführt auf eine schlechte Entwicklung der Staubgefäße und Stempel der Blüten, im VvlkS- mund als falsche Blüte bezeichnet. Nur einige spätblühende Sorten, wie Hadelsinger Riesen usw., zeigen einen einigermaßen befriedigenden Fruchtansatz. — Nach der Heuernte soll im Rahmen der Feldbereinigung die Verlegung des Dachlaufes ausgeführt werden. Der Bachlauf erhält von der Dingmühle bis zur Walkmühle einen fast geraden Lauf. Große Strecken sumpfiger Wiesen werden dadurch entwässert. Dicht am Ort erhält die Straße Lauter—Laubach eine neue Straßenbrücke, zu der der hessische Staat einen namhaften Zuschuß bewilligt hat. tz Aus der Wetterau, 2. Zunr. Als Kunst und Wissenschaft. Die Krügersche Grönlandexpedition. Am Samstag verlief die zweite diesjährige deutsche Grönlandexpedition — die erste von Prof. Alfred Wegener hat die Reise bereits vor zwei Monaten angetreten — mit dem Dampfer „Hans Sgede" Kopenhagen. Die Expedition, die geologisch-mineralische Untersuchungen anstellen will, steht unter Führung von Dr. Krüger von der Technischen Hochschule Darmstadt. Es gehören chr ferner an: Dr. Drescher, ebenfalls von der Technischen Hochschule Darmstadt, Dr. Nie land, Heidelberg, und der frühere Assistent der grönländischen Verwaltung, der Däne D j a r r e, Kopenhagen. Mit dem „Hans Egede" begibt sich die Expedition zunächst nach P r ö v e n südlich von Llpernivik an der Westküste Grönlands, von wo die Fahrt mit einem eigenen mitgeführten Motorboot fortgesetzt wird. Während des Sommers wird die Expedition sich etwa einen Monat lang an der Llmanak-Ducht aufhalten, um dann lang* für den Ausgleich der Gegensätze. 3n den folgenden Ausführungen zeigte der Redner die Wichtigkeit der Schaffung eines sozialen Ausgleichs, an dem die Zukunft der Verfassung gemessen werde. Eine soziale Aufgabe des Vtaa- „ tes sei es, in der Verfassung nicht nur den I Stelle, der Polizeistation auf der auf dem 80. äußeren Rahmen zu schaffen, sondern auch da- 1 Breitengrad gelegenen Bache-Hal blnselan sam die Reise hinunter nach G o d h a y n fortzu- lehen, wo man Ende 3uli einzutreffen gedenkt. Während Dr. Drescher und Dr. Nieland auf diesem Gebiet ihre Arbeiten fortsetzen werden, um dann noch im August d. 3. nach Europa zurückzukehren, begeben sich Dr. Krüger und Bjarre von Godhavn aus an Bord eines kanadischen Regierungsdampfers, der einmal jährlich die Polizeistationen im kanadischen Archipel besucht, zu der nördlichsten überhaupt besiedelten Am Samstag und am gestrigen Sonntag fand in Gießen der 9. Der tretertag der Gewerkschaft hessischer Gemeinde» beamten statt. Aus allen Teilen des Hessen- landes hatten sich die Gemeindebeamten in sehr großer Zahl eingefunden. Zu den anwesenden 178 stimmberechtigten Delegierten kamen noch viele weitere Gewerkschaftsmitglieder, die ohne Mandat lediglich aus persönlichem 3nteresse an der Tagungsarbeit ihrer Organisation hierher- gekommen waren: dazu kamen dann noch viele Gießener Mitglieder, so daß der Saal der Lie- bigshöh« voll besetzt war. Nach einer kleineren Sitzung am Vormittag wurde am Samstagnachmittag im Saale' der Liebigshöhe die erste Haupisitzung von dem geschäftsführenden Vorsitzenden, Verwaltungsdirektor Zschech (Offenbach) eröffnet. Gr bedauerte einleitend, daß von den Wünschen und Forderungen des vorjährigen Vertreter- tages in Wimpfen noch eine ganze Reihe unerfüllt geblieben sei, wenn auch in einigen grundlegenden Forderungen grundlegende Aenderun- gen zu verzeichnen waren. Die Beamten hätten ein dringendes Bedürfnis, sich mit den Vorgängen der Oeffentlichkeit zu beschäftigen, dabei getragen von dem Gedanken, dem allgemeinen Wohl nützlich zu sein. Den Deamtenorganisa- tionen werde man nicht nachsagen können, daß sie Forderungen gestellt hätten, die für die Oeffentlichkeit ein Ding der Unmöglichkeit seien. Der Redner wies dann auf die Pariser Verhandlungen hin, von deren Abschluß man endlich auch die Befriedung des deutschen Volkes und insbesondere des besetzten Gebietes erwarte. Die Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten wünsche und hoffe, daß nun endlich die Zeit komme, wo man von dem befreiten besetzten Gebiet reden könne. (Bravorufe.) Er entbiete dem besetzten Gebiet die herzlichen Grüße der hessischen Gemeindebeamten und wünsche, daß es nun bald befreit werde von der fremden Besatzung zum Heil und Wohl seiner Bevölkerung und unseres geliebten Vaterlandes. (Bravorufe.) Sodann gab der Redner bekannt, daß Staatspräsident Dr. Adelung, Finanzminister K ir n b e r g e r, Provinzialdirektor G r a e f, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Her-- zog, Abg. Prof. Axt (Dolksrechtpartei) und Abg. Schreiber (Dem.) wegen anderweitiger dringender 3nanspruch nähme ihr Fernbleiben entschuldigt und ihre guten Wünsche für den Tagungsverlauf schriftlich übermittelt hätten, der Minister des 3nnern Leuschner und Landtagspräsident Delp den Verhandlungen am Sonntag beiwohnen würden. Ferner entschuldigten ihr Fernbleiben die Führer zahlreicher Beamtenverbände und des Hess. Landgemeinde- tagS mit ihrem weit entfernten Wohnsitz bzw. gleichzeitig stattfindenden Tagungen. Anschließend begrüßte der Vorsitzende Behördenvertreter, Landtagsabgeordnete, Vertreter befreundeter Verbände, die Gießener Organisationsvertretcr und die Presse als Ehrengäste deS Vertretertages mit herzlichen Worten. Oie Begrüßungsansprachen. Nach dem Vorsitzenden sprach als erster Redner Oberbürgermeister Dr. Keller (Gießen) im Namen der Stadt Gießen und in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Hessischen Städte- tages. Er entbot den Tagungsteilnehmern herzlichen Willkommengruß in Gießen und gab seinen aufrichtigen Wünschen für einen erfolgreichen Verlauf der Tagung Ausdruck. Weiter hob er hervor, daß die Gemeindebeamten den in immer größerem Ausmaß an sie gestellten Anforderungen im Dienste für daS Allgemeinwohl voll entsprochen hätten und dafür die uneingeschränkte Anerkennung der Parlamente und der gesamten Bevölkerung verdienten. Die Gemeinden zu starken Stützen des Staates zu machen und dem Wohle der Bevölkerung zu dienen, sei die Aufgabe der Gemeindebeamten, der sie sich mit Treue und Gewissenhaftigkeit hingeben. Der Redner schloß mit besten Wünschen für die Organisation. Regierungsrat Dr. Braun (Gießen) über- brachte als Vertreter des Kreisamts Gießen und der Provinzialdirektion Oberhessen herzliche Grüße und beste Wünsche. Aus der Arbeit der Tagung mochte für alle in Betracht kommenden Stellen gutes Material hervorgehen zum weiteren Ausbau des Gemeindebeamtenrechts. Landtagsabg. Hamann (Kommunist) sprach im Auftrage der kommunistischen Abgeordneten des Hess. Landtages und erstattete, wie er ausdrücklich betonte, Bericht über die Tätigkeit der kommunistischen Landtagsabgeordneten bei der Schaffung des Gemeindebeamtenrechts, dessen Ablehnung durch die Kommunisten der Redner zu rechtfertigen suchte. . Landtagsabg. Dr. Leuchtgens (Friedberg, Landbund) begrüßte den Dertretertag im Namen des Hessischen Landbundes und seiner Landtags- fraktion und betonte dabei, daß er und ferne politischen Freunde von der großen Bedeutung des Berufsbeamtentums und der Gememdebeam- ten voll durchdrungen feien. Was der Staat und die Gemeinden bedeuteten, verdankten fte rhren Beamten. Der Beamte werde m der.Oeffentlich» leit immer mehr gelten, je mehr er sich selbstlos in den Dienst der Allgemeinheit _ stelle. Auf der andern Seite habe ihm aber selbstverständlich an Ehre und Gehalt das zuzukommen, was seiner 'Bestimmung entspreche. Landtagsabg. W e ck l e r - Rockenberg (Zentrum) übermittelte die Grüße seiner Partei und rlniktion und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß seine Fraktion an dem Gemeindebeamtengesetz für die Beamten habe mitarbeiten können. Don der Zentrumsfraktion könne die Beamtenschaft gewiß sein, daß die Abgeordneten sich bewußt seien, was sie von den Beamten zu fordern, aber auch was sie ihnen zu geben hätten. An dem neuen Gemeindebeamtenrecht müsse noch viel geschliffen und gefeilt werden, jetzt aber wolle man erst einmal sehen, wie das Gesetz sich auswirke. . Weitere Begrüßungsansprachen, die wir mit Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum hier nur summarisch verzeichnen können, hielten Dr. Richard-Berlin als Vertreter des Deutschen Beamtenbundes, Direktor Ehr ma n n - Berlin vom Reichsbund der deutschen Gemeindebeamten, Böhringer- Karlsruhe als Vertreter des Verbandes der Gemeindebeamten Badens, Dr. Cla ß- Mainz für den Hessischen Beamtenbund und das Landeskartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes, Seibel- Gießen für das Ortskartell Gießen und H ö h.n - Gießen namens des Vorstandes der Ge- amtoereinigung der städtischen Beamten Gießens. I In allen Ansprachen kam die Genugtuung über das Zustandekommen des hessischen Gemeindebeamten, gesetzes, aber auch der Wille, dieses Gesetz auszu- bauen und bis zur höchsten Möglichkeit zu vervoll- tommnen, zum Ausdruck: ferner wurde die enge kameradschaftliche Verbundenheit aller Verbände betont und dabei ein starkes Bekenntnis zum Berufs- beamtentum abgelegt. Diese Tendenz der Reden un- terstrich der Vorsitzende Zschech in seinen Dankes- Worten an die Sprecher mit besonderem Nachdruck. Geschäftsbericht undRechnungSablage. Hierauf machte der Vorsitzende Zschech zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht längere Ausführungen. Er stellte mit Genugtuung fest, daß man in der Oeffentlichkeit mit Hochacbtung von der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten preche. Mit dem Deutschen Beamtenbund und mit )em Reichsbund der deutschen Gemeindebeamten werde sich die Gewerkschaft gemeinsam für die Sicherung der Beamtenrechte einsetzen und dafür auch kämpfen. Der hessischen Regierung und dem Landtag spreche er Dank aus für die Schaffung des Gemeindebeamtengesetzes. Zwar sei das Gesetz noch nicht vollkommen, die Gewerkschaft erwarte aber, daß dieser Vollkommenheit zugestrebt werde. Weiter orderte der Redner soziale Sicherung der Beamten- chaft aus staatspolitischen Notwendigkeiten heraus. Hinsichtlich der Besoldung sei zu wünschen, daß in manchen Gemeinden, über die noch geklagt werde, nicht erst das Schiedsgericht eingreifen müsse, um den Selbstverständlichkeiten Geltung zu verschaffen. Zum Schlüsse dankte der Redner allen Mitarbeitern und der Geschäftsstelle für ihre treue Unterstützung der Gewerkschaftsleitung. Die Rechnungsablage für 1928 weist in der Betriebsrechnung 131955,15 Mark Einnahme und 130 453,90 Mark Ausgabe, in der Dermöaens- rechnung in Einnahme und Ausgabe 36 434,45 Mark aus. Die Aussprache brachte in den Reden der Vertreter der Städtegruppen, der Kreisgruppen und der Fachgruppen eine vollkommene Billigung der vom Vorstand betriebenen Politik und eine starke Vertrauenskundgebung für den Gesamtoorstand und insbesondere für den geschäftsführenden Vorsitzenden. Der Voranschlag für 19 29 schließt in der Betriebsrechnung mit 133 400 Mark, in der Vermögensrechnung mit 14 250 D^ark in Einnahme und Ausgabe ab. Der Geschäftsbericht, die Rechnungsablage für 1928 und der Voranschlag für 1929 wurden einstimmig genehmigt und zahlreiche Anträge nach dem Vorschläge des Gesamtvorstandes verabschiedet. Einstimmig beschlossen wurde auch folgende Kundgebung des Vertretertages: „Die in der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten organisierte hessische Gemeindebeamtenschaft anerkennt die Bemühungen der hessischen Regierung und des Hessischen Landtages, das hessische Ge- neindebeamtenrecht zeitgemäß fortzubilden. Sie spricht die Erwartung aus, daß in dem gleichen fortschrittlichen Geiste die Durchführung und der Ausbau der Rechtsgrundlagen des Berufsbeamtentums der Gemeinden und Gemeindeverbände vorwärtsgetrieben wird. Die bisher von den politischen Parteien abgegebenen Erklärungen über die Anerkennung des Wertes und der Bedeutung des Derufsbeamtentums allein bieten der Beamtenschaft keine ausreichende Gewähr für die Sicherung der Beamtenrechte. Es muß vielmehr gewünscht werden, daß die von diesen Parteien getragenen gesetzgebenden Körperschaften bei den zu fassenden Beschlüssen die praktischen Folgerungen aus abgegebenen Erklärungen ziehen. Das am 1. Aprll 1929 in Kraft getretene hessische Gemeindebeamtengesetz bedarf nach Auffassung des 9. Vertretertages der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten ergänzender Bestimmungen zum ausreichenden Schutz für die Erhaltung des Beamtentums in seinem staatsrechtlichen Begriff in den Gemeinden, Gemeindeverbänden, öffentlich-rechtlichen Körperschaften, Sparkassen und 23ereinen öffentlichen Rechts. In zunehmendem Maße werden in den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen an Stelle von Beamten Angestellte auf Privatdienstoertrag beschäftigt. Dieses Dienstoertragsverhältnis ist jedoch aus allgemeinen staatspolitischen Gründen unvereinbar mit der durch die Aufgabe und die 23erantwor- tung als unabhängiges Vollzugsorgan des Staates und der Gemeinwesen bedingten Stellung der im Dienste der öffentlichen Verwaltungen und 23etriebe stehenden Personen. Es muß deshalb für die zu schaffende neue hessische Gemeindeordnung die Auf- nähme einer Bestimmung gefordert werden, wonach die Gemeinden verpflichtet werden, die Stellen, für die ein dauerndes Bedürfnis vorhanden ist, mit hauptberuflich tätigen Beamten zu besetzen. Die in der Weimarer Verfassung festgelegten Grundzüge eines freiheitlichen und fortschrittlichen Beamtenrechts harren noch der Erfüllung durch entsprechende Gesetze. Der 9. Vertretertag der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten erwartet nach all den Jahren des Versprechens und Vertröstens endlich den baldigen Vollzug dieser verfassungsmäßig gewährleisteten Grundrechte. Verantwortungsbewußt und einsichtsvoll schaffe das Reichsparlament dieses überfällige Werk. Die hessische Gemeindebeamtenschaft wird einmütig ihre Spitzenorganisation m der Abwehr gegen den Ansturm auf das Berufsbeamtentum unterstützen und geschlossen für die moderne Rechtsgestaltung sich einsetzen." Vorträge. Anschließend sprachen der Vorsitzende des Kontrollausschusses, K Ü h l w e i n, über ,D i e K o 1 - lektivversicherungen der Gewerkschaft" und der Berichterstatter des Bildungs- ausschusses, Weckbach, über .Aus bildungs- und Prüfungswesen der hessischen Gemeindebeamte n“. Hierbei wurde auch über Anträge entsprechend dem Vorschläge des Vorstandes entschieden. Nach über fünfstündiger angestrengter Arbeit fand die erste Hauptsitzung erst abends nach 7 Uhr ihr Ende. Begrüßungsabend. Am Samstagabend fand in den festlich dekorierten Räumen des Gesellschaftsvereins ein außerordentlich gut besuchter Degrühungs- abend, veranstaltet von der Ortsgruppe Gießen der Gewerkschaft, statt. Oberbürgermeister Dr. Keller brachte hier ein Hoch auf die Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten aus, der er weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschte. Der Vorsitzende, Verwaltungsdirektor Zschech, Offenbach, gab seiner Anerkennung über die gute Ausnahme des Dertretertaaes in Gießen Ausdruck. Sein Hoch Stadt- Gegenwar t". Er wies auf die derzeitigen Schwierigkeiten der Erhaltung der Rechte des Be- rufsbeamtentums hin und warnte vor einer weiteren Durchlöcherung dieser Rechte durch Besetzung von Beamtenstellen mit Angestellten. Ersparnisgründe könnten hier nicht maßgebend sein, denn es habe sich herausgestellt, daß die Verwendung von Angestellten an Stelle von geschulten Berufsbeamten wesentlich teurer sei. Eine der Hauptursachen der Angriffe gegen das Berufsbeamtentum sei die Auffassung, daß die heutige Staatsversassung mit dem Berufsbeamtentum nicht vereinbar sei. Diese Auffassung sei irrig. Auch die Annahme, daß die Beamtenarbeit nicht produktiv sei, entbehre jeder Grundlage. Redner hält eine Neuregelung des deutschen Beamtenrechts auf der Grundlage der Erhaltung des Berufsbeamtentums für erforderlich. Er kam dann auf die Verhältnisse in Hessen zu sprechen. Bei der Durchführung des Hessischen Gemeindebeamtengesetzes hätten sich erhebliche Schwierigkeiten herausgebildet, die teilweise eine Verschlechterung gegenüber dem seitherigen Recht bedeuten würden. Er bat dringend, mitzuhelfen, daß der in dem neuen Gesetz verankerte moderne, fortschrittliche Geist nicht durch beengende Ortsbestimmungen beeinträchtigt werde. Weiter hält der Redner das Versicherungsgesetz für Gemeindebeamte für reformbedürftig. Er verkennt nicht die drückende Finanzlage der Gemeinden, eine Kürzung des Etats der Presse. Landtagsabg. Widmann (Soz.) wies auf die Zusammenarbeit des Staates mit den Gemeinden als Urzellen des ersteren hin und betonte. daß auch die Gemeindebeamten und die Gemeindebürger auseinander angewiesen seien. Landtagsabg. Dr. Niepoth (D.Vp.) über- , „ - - - - - - —.-----, ■... mittelte die Grüße seiner Landtagsfraktion, dabei lästiger Gartenschädling macht sich allenthalten besonders darauf hinweisend, daß bei der Arbeit in der Wetterau die gefürchtete Kohlflrege im Landtag die Auffassungen über die Wege (Chortophila brassicae) fcmerfbar, Me eine grofce auseinandergehen könnten, daß aber das Ziel das Gefahr für den Gemüsebau bedeutet GS besteht gleiche sei, nämlich Förderung der Beamtenschaft auch für das noch zu sehende Gemüse erne nicht im Rahmen der Möglichkeit und unter Wahrung geringe Gefahr. Deshalb ist eilige Bekämpfung der 3nteressen der Allgemeinheit. des Schädlings dringend notwendig. Das unge- Drehme, Kassel, sprach von der Bedeutung wohnlich starke Auftreten der Kohlfliege in diesem der Aus- und Fortbildung des Nachwuchses der 3ahr ist verursacht durch die langanhaltende Beamtenschaft und regte die Schaffung einer Trockenheit. Die Gemüseaussaat die zum Aus- Arbeitsgemeinschaft auf diesem Gebiet zwischen setzen des Spätgemüses benutzt werden oll. der Hessischen und der Hessen-Nassauischen Or» leidet stark unter der Erdflohplage, viele Garten- ganifation an. bescher bringen die empfindlichen Pflänzchen nicht Minister des 3nnern Leuschner dankte, hoch. Auch der Drahtwurm tritt in diesem gleichzeitig auch im Namen des Landtagspräsi- 3ahre stark auf. Er richtet Schaden an den deuten und der beiden Ministerialräte, für die Gemüsepflanzen und vor allem auch am Kopf- Begrüßung. Gr glaubt die von dem Vorsitzenden I salat an. . . ausgesprochene Anerkennung über die Schaffung ÄtCtd Friedberg. des hessischen Gemeindebeamtengesehes auch auf <33^ Bad-Nauheim, 2. 3uni. Dieser den Umstand zurückführen zu können, daß es ge- wären es 30 3ahre, daß Rechtsanwalt langen sei, in der Gesetzgebung einmal Klarheit un£ Notar Stahl von hier als Syndikus zu schaffen. Bei den noch zu erlaßenden Aus- tfi Dienste der 3 ndustrie - und Han- sührungsbestimmungen werde die Mitarbeit der velskammer Friedberg trat. Die Kam- Beamtenschaft in weitgehendem Maße ermöglicht. mer ^dachte dieses Tages gelegentlich einer hier Er hoffe, daß dieses Rahmengesetz zur Zu» abaehaltenen Vollversammlung durch eine kleine friedenheit der Beteiligten ausfalle und daß die gleichzeitig dem 60. Geburtstag des Allgemeinheit erkenne, daß dieses Werk auch in Iuhil'ars galt. Als Ehrengäste waren hierzu ihrem 3nteresse liege außer dem Kreidirektor, den Bürgermeistern der Vorsitzender Zschech forderte von den De- Städte Dad-Nauheim und Friedberg, den Mitamten restlose Hingabe, Pflichterfüllung imd Dienst gliedern der Kammer und den Syndici der Schwe- am Volk, er betonte, daß die Deamtenschaft nichts ft€rfammern Staatsrat Karcher und Mini- Desonderes sein wolle, sondern sich als Diener ft€riairat Pennrich vom Ministerium für Ar- des Volkes fühle . . beit unb Wirtschaft in Darmstadt erschienen. Der Nach diesen Ansprachen folgten zwei über den 3u6Uar Gegenstand herzlicher Ehrungen Rahmen der allgemeinen Berufsfragen hinaus- toar, s^elt au$ im öffentlichen Leben der Stadt gehende Dad-Nauheim eine hervorragende Rolle: er ist SotfräflC. Beigeordneter, Vorsitzender des Aufsichtsrats _ ...... . m ...... . f... , . der Dad»Nauheimer Dolksbank und Vorsitzender Zunächst sprach Geschäftsführer Reck- Offenbach ßiefigcn Derkehrskommission. über „Beamtenpolitlche Fragen der ' *• Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 1. 3unt Die Stadt Wetzlar hatte im vorigen Sommer mit dem Dau eines Schlachthofes begonnen, dessen Kosten bei der ersten Deratung im Stadtparlament mit 750000 M k. angegeben wurden. Die erste Rate von 500 000 Mk. ist verbaut, und nun stellt es sich heraus, daß die Daukosten 1 1 50 000 Mark betragen werden. 3nfolgedessen mußten die Stadtverordneten in ihrer gestrigen Sitzung die Dewilligung zur Aufnahme einer Anleihe von 30000 Mark geben. Mit der Fertigstellung des Projektes, das den Wetzlarer Bürgern die Segnungen moderner Schlachthofshhgiene so millionenschwer macht, ist für den 1. Februar 1930 zu rechnen. Kreis Biedenkopf. OO Niederweidbach, 1. Juni. Bürgermeister Lang von hier hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt. Die Neuwahl hat gestern stattgefunden. Gewählt wurde Wilhelm F r i n k. der Ostküste Ellesmerelands. Hier überwintert die Expedition, um sich dann mit Beginn der Schlittenreisezeit im März 1930 quer durch das Ellesmereland zum Heu rika- Fjord zu begeben und im Grantland und Axel-Heiberg- Land zu arbeiten. Nach Abschluß ihrer Arbeit will die Expedition sich nach der Polizeistation auf der Smith-Insel an der Südküste von Ellesmereland begeben, um von dort durch den kanadischen Archipel und über Kanada nach Europa zurückzukehren. Die Geldmittel für die Expedition Dr. Krügers, der nach 14jährigem Aufenthalt in Südafrika 1925 eine Expedition nach der Arktis machte, stammen von der preußischen Akademie der Wissenschaften, der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, vom hessischen Staat sowie von der Industrie. Wirtschaft. Llnveränderte Geldmarkilage. Die älltimo-Vorbereitungen haben im letzten Monat recht frühzeitig und sehr umfangreich eingesetzt. Infolgedessen trat in der Derichts- woche in den Sähen für Tagesgeld eine vorübergehende Ermäßigung ein, soweit Ultimo» gelder für Tagesgeld zur Verfügung gestellt wurden. Iedoch verstärkte sich die Nachfrage in der zweiten Hälfte der Derichtswoche wieder, was vor allem auf die Anforderungen für den Überbrückungskredit des Reiches und die dadurch eintretende Verknappung zurückzuführen war, so daß die Sähe für Tagesgeld wieder auf 8 bis 10 Prozent stiegen. Monatsgeld stieg auf einen Satz von 10 bis 11,5 Prozent, die Derichtswoche brachte auch eine erhebliche Steigerung des Reportgeldsatzes um 1,25 Proz. bei einer Spanne von 10 bis 10,5 Prozent. Am Markte für Privatdiskonten hat das Angebot nur geringfügig nachgelassen, die Repartierungen seitens der aufnehmenden Stelle konnten entsprechend gemildert werden. Der unverändert hohe Stand der Geldsätze deutet darauf hin, daß die Reichsbank zum Ultimo ziemlich erheblich in Anspruch genommen werden wird, zumal da noch vom Ultimo April her ein Spihenbetrag von rund 250 Mill. Mark nach dem Ausweis vom 23. Mai nicht abgedeckt war. Die Kreditrestriktionen der Reichsbank haben das Devisenangebot beträchtlich vergrößert, man kann jetzt sogar von einer Flucht vor den Devisen sprechen, der Dollarkurs ist inzwischen wieder auf seine Parität von 4,198 zurückgegangen. Die Reichsbank hat inzwischen Devisenbeträge in Höhe von rund 95 Mikl. Mark ausgenommen, eine Veeinflussung der Geldmarktlage durch die Geldbeträge, die durch diese Devisenverkäufe flüssig gemacht worden sind, hat sich jedoch nicht besonders bemerkbar gemacht. Es ist anzunehmen, daß die Reichsbank nach der Abwicklung des Ultimos die Frage prüfen wird, ob ein weiteres Festhalten an der gegenwärtigen Destriktionspolitik am Platze ist. oder aber ob allmählich ein Abbau der Restriktionsmaßnahmen vorgenommen und damit die Frage einer Diskonterhöhung nähergerückt wird. Man muß bedenken, daß trotz der ergriffenen Restriktions- mahnahmen die Reichsbank die Herrschaft über den Geldmarkt nicht hat, der beste Beweis dafür ist die Erhöhung der Bankzinsen, und damit die Aufhebung des festen Verhältnisses zwischen Debetzinsen der Banken und Diskont der Reichsbank. Praktisch hat die Reichbank durch ihre Restriktionen einen Erfolg, nämlich den, daß jetzt durch Erhöhung ihrer Deckungsreserven sich ihr Spielraum für eine Ausdehnung des Noten-- bankkredits (schätzungsweise um etwa 350 bis 400 Mill. Mark) erhöht hat, was für die Abwicklung des Ultimo von Wert ist. Auf jeden Fall muß aber gerade, nachdem die Banken ihre -Zinsen erhöht haben, ein Abbau der Krediteinschränkung seitens der Reichsbank notwendigerweise zu einer Diskonterhöhung führen, um die feste Relation zu den Debetzinsen der Banken und zugleich die Herrschaft der Reichsbank über den Geldmarkt wiederherzustellen. Eine Diskonterhöhung würde zwar die gegenwärtige Lage des Geldmarktes nicht erleichtern, aber die Kredit- Verhältnisse wieder normal gestalten. Eine wesentliche Erleichterung des Geldmarktes kann nur dann eintreten, wenn an den internationalen Geldmärkten und im besonderen in Neuyork eine Entspannung eintritt. Mit dieser ist jedoch vorerst wohl nicht zu rechnen. * D i e amtliche Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 29. Mai berechnete Großhandelsindexzifser des Statistischen Reichsamtes ist mit 134,2 gegenüber der Vorwoche (135,6) um 1,0 d. f). gesunken. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 2,9 v.H. auf 122,3 (126,0) und die Indexziffer für Kolonialwaren um 0,9 v. H. auf 123,6 (124,7) zurückgegangen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat mit 131,2 (131,3) leicht nachgegeben, während diejenige für industrielle Fertigwaren mit 157,6 unverändert war. * Neue Konkurse im Mai. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im Mai 1929 durch den Reichsanzeiger 846 (im April 885) neue Konkurse — oh-ne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 454 (464) eröffneten Vergleichsverfahren, bekanntgegeben. * Nassauische E n e r g i e - G. m. b. H.» Oberscheld (Dillkreis . Mit ci em Stammkapital von 1,6 Millionen Mk. ist mit dem Sih in Oberscheld (Dillkreis) die Nassauische Energie G. m. b. H. gegründet worden. Gründer dieser G. m. b. H. sind der Bezirksvorstand des Regierungsbezirks Wiesbaden und die Hessen-Nas- sauische Aeberlandzentrale in Oberscheld. Gegenstand des Unternehmens ist die Erzeugung und Verwertung elektrischer Energie für den Dillkreis und Kreis Biedenkopf. Der Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden als einer der Gesellschafter, bringt in Anrechnung auf feine Stammeinlage Sachwerte (Grundstücke, gelegen in vier Gemarkungen im Dillkreis sowie zwei Wasserkraftwerke mit sämtlichen Maschinen und elektrischen Einrichtungen) sowie die Konzession zur Ausnutzung der Wasserkraft des Rehbaches im Dillkreis ein. Der Gesamtbetrag dieser Sacheinbringung beträgt 1 440 000 M?., der Restbetrag der Einlage wird von der Hessen-Nassauischen Ueberlandzentrale in bar eingebracht. Nachdem erst vor kurzem das Kraftwerk in Oberscheld nach modernsten technischen Grundsätzen ausgebaut worden ist, wird in Kürze ein neues Kraftwerk bei Merkenbach im Dillkreis errichtet werden unter Ausnutzung der Wasserkraft im Rehbachtal, die bisher Eigentum des Bezirksverbandes Wiesbaden war. Die Gesamtkosten dieser neuen Kraftanlage sind auf rund 1 Million Mark veranschlagt. Mit der technischen Einrichtung des Werkes ist, wie wir hören, die Firma Siemens & Schuckert beauftragt worden. • Mannesmannröhrenwerke, 21.-0. Die G.-V. der Mannesmannröhrenwerke, A.-G., genehmigte 7 (i. V. 8) Prozent Dividende. Zur Geschäftslage sei mitzuteilen, daß in den Monaten Ianuar und Februar die Verladungen erheblich hinter der gleichen Zeit des Vorjahres zurückgeblieben seien. Von Anfang März feien aber die Verladungen wieder normal gewesen. Der Versand der Bergwerke blieb in Kohlen vom Ianuar bis einschließlich 2lpril um 160 000 Tonnen gegenüber dem Vorjahre zurück, dagegen konnte der Koksversand um 30 000 Tonnen gesteigert werden. Alle Betriebe zusammengenommen ergäben in den ersten vier Monaten des Iahres ungefähr den gleichen Ueberschuß wie im Vorjahre. Bezüglich der zukünftigen Entwicklung müsse ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß schon bei den heutigen Belastungen die Lage immer schwieriger werde, mit billiger ar- beitenden Nachbarländern zu konkurrieren unb zur Aufrechterhaltung der Betriebe die notwendigen Arbeitsmengen zu sichern. Sollten die schwebenden Verhandlungen über die Arbeitszeit in den Bergwerken zu einer weiteren Belastung führen, so wären die Folgen nicht zu übersehen. Frankfurter Eiermarkt. Bei ruhigem Geschäft notierten: Bulgarische 8’/4 bis 81/», Holländische 8V2 bis lly2, ©üb- lawische 3 bis 31/», Polnische 61/. bis 7, Russische 77t bis 871, Dänische 972 bis 12, Belg.-flandr. 93/.1 bis IO1/,, Französisch 972 bis 10, Rumänische 8 bis 874, Schlesische 93/4 bis 107z, Bayrische 9 bis 93/4, Norddeutsche 97- bis 10 Pf. per Stück. (Auslandeier unverzollt ab Grenz- tation, Inlandeier ab Station.) Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 3. Iuni. Tendenz fest. Zum Wochenbeginn war die Geschäftstätigkeit der Börse wieder recht lebhaft, ©tintige Nachrichten über die Wirkung des Ab- chlusses der Pariser Verhandlungen lösten eine große Ermutigung aus, und die Kulisse schritt wieder in verstärktem Maße zu Deckungen. Auch konnte man eine lebhaf t e Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft bemerken. Dies wirkte sich besonders am Farben- unb Montanmarkt aus, da bei letzteren auch noch die Preiserhöhungen für Eisen anregten. Hier schritten auch rheinische Industriekreise zu Interessenkäufen. Die Tendenz war fest, und es ergaben sich gegen den Schluß von Samstag für Spezialwerte ganz beträchtliche Besserungen. Führend waren am Montanmarkt Harpener plus 4 Proz., Klöckner plus 3 Proz. und Rheinstahl plus 4,25 Prozent. Auch Mannesmann gewannen auf die engere Zusammenarbeit mit dem 2luslande 3,5 Proz. ^Bereinigte Stahlwerke plus 2,5 Proz. Kaliwerte lagen etwas ruhiger. Nur in Aschaffenburger war die Geschäftstätigkeit etwas reger, bei einem Gewinn von 4 Proz. Westeregeln plus 2,5 Proz., Salzdetfurth nur behauptet. Trotz lebhafter Nach- frage gewannen Farben zur ersten Notiz nur 1,5 Proz. Von den übrigen Chemiewerten zogen Scheideanstalt, Deutsche Erdöl und Goldschmidt bis 2,5 Proz. an. Am Elektromarkt waren die Besserungen auch bei kleinerem Geschäft nicht besonders groß, da erstens hier noch Realisationsneigung bestand, zweitens der Schuckert- Bericht immer noch einen ungünstigen Einfluß ausübte. Auch das Interesse von Auslandseite war hier etwas geringer. Das herauskommende Material wurde aber leicht ausgenommen, so daß sich wieder Erhöhungen bis zu 1,5 Proz. ergaben. Schuckert waren behauptet. Lebhafteres Interesse bestand noch für Karstadt plus 5 Proz. Am Dankenmarkt lagen Berliner Handelsgesellschaft mit plus 4 und Reichsbank mit plus 3,5 Proz. gebessert. Auch Schiffahrtswerte traten heute etwas in den Vordergrund. Hapag gewannen 3,5 Prozent unb Norddeutscher Lloyd 2,5 Prozent. Glanzstoff plus 5 Prozent. Frankfurter Maschinen lagen gedrückt. Zellstoffwerte bis 2,5 Prozent fester. Am Anleihemarkt zeigte sich bei beträchtlich gebesserten Kursen lebhaftes ©e- schäft. Ausländer lagen still. Auch im Verlaufe war das Geschäft lebhaft. Der Kreis der Favoriten vergrößerte sich noch. Es traten weitere Besserungen bis durchschnittlich 1,5 Prozent ein. Montanwerte blieben bevorzugt, aber auch für die anfänglich sehr vernachlässigten Elektroaktien bestand jetzt regeres Interesse. Siemens gewannen 2,5 Proz. 21.®.©. 1,5 Proz., Schuckert dagegen nur ganz geringfügig fester. Ilse Bergbau plus 4 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 Proz. unverändert. Am Devisenmarkt war die Lage wenig verändert. Man nannte: Mark gegen Dollar 4.1950, gegen Pfunde 20.357, London gegen Kabel 4.8495, gegen Paris 124.06, gegen Mailand 92.07, gegen Madrid 34.50, gegen Holland 12.0713. Berliner Börse. Berlin, 3. Iuni. Der Beginn der neuen Woche war weiter freundlich. Spezial- werte, deren Kreis sich erweiterte, konnten Gewinne boid 4 bis 8 Prozent verbuchen. Trotz des noch bestehenden Widerstandes Belgiens glaubt man doch die endgültige Einigung in Paris in Kürze erwarten zu Dürfen. Anregend wirkte vor allem der Artikel der „Financial News" über die Aussichten des Poungschen Planes. Tagesgeld stellte sich auf 8 bis 10,5 Prozent, Monatsgeld auf 10 bis 11 Prozent. Das Ausland zeigte sich an den verschiedenen Märkten als Käufer, auch die Spekulation schritt zu Deckungen. Vereinzelt waren auch Glattstellungen zu beobachten, die das Kursniveau aber nicht beeinflußten. Der Geldmarkt war heute weiter leichter. Lebhaft waren Farben, in denen eine große Kauforder vorlag. Elektrowerte waren nur vereinzelt fester. Auch heute beobachtete man Tauschoperationen an diesem Markte gegen Montanwerte, die daraufhin allgemein lebhaft waren. Besonders gefragt waren Rheinstahl, Mannesmann, Stolberger Zink. Von Banken waren Rheinische Hypothekenbank und Bayerische Der- einsbank 4 Prozent fester. Reichsbank weiter lebhaft. Spritwerte lagen weiter fest. Kunstseidenwerte, Schlesische Zement, Berger Tiefbau, Polyphon, Feldmühle Papier und Sarotti konnten bei größeren Umsätzen bis zu 8 Prozent anziehen. Deutsche Anleihen lagen ebenfalls fester. Ausländer nicht einheitlich. Pfandbriefe gut gehalten. Nach den ersten Kursen setzte sich eine weitere Aufwärtsbewegung durch. Im Vordergründe fanden Montanpapiere, Polyphon und AEG. ES ergaben sich neue Kursgewinne von 1 bis 3 Prozent. Hohenlohe zogen 6,5 Prozent an. Später wurde es wieder etwas ruhiger. Nur Kaliwerte und Bayerische Hypothekenbank waren 1 bis 2 Prozent niedriger. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Iuni. Trotz höherer Auslandnotierungen traten heute wieder erneute Abschwächungen ein. Das Angebot blieb wieder unverändert groß, aber die Nachfrage war nur gering, da die schlechten internationalen Getreide- märkte verstimmten. Die Tendenz neigte eher nach unten Besonders Brotgetreide hatten unter diesem Druck zu leiden, während Mehle, aber auch hier nur bei geringem Geschäft, gehalten blieben. Es wurden notiert: Weizen 23; Roggen 21,25 bis 21,50; Sommergerste für Drau- xtoeefe 23; tnl. Hafer 22 bis 22,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 19,75; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 31,50 bis 32; Roggenmehl 27,75 bis 28,50; Weizenkleie 11,75; Roggenkleie 12; Erbsen 33 bis 50; Linsen 40 bis 110; Heu 12 bis 12,50; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepretzt, 5,25 'bis 5,50; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt, 5; Treber, getrocknet, 18,50 Mark. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 3. Iuni. Auftrieb: 1205 Rinder (darunter 240 Ochsen, 70 Bullen, 546 Kühe, 319 Färsen), 641 Kälber, 76 Schafe, 4580 Schweine. Es wurden notiert: Rinder (Ochsen): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 61 bis 63 Mk., (ältere) 56 bis 60; sonstige vollfleischige (jüngere) 48 bis 55; (Dullen): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 58; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 49 bis 53; (Kühe): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 45 bis 50; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40 bis 44; fleischige 35 bis 39; gering genährte 28 bis 34; «Färsen — Kalbinnen, Iungrinder —): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 63j vollfleischige 55 bis 59; fleischige 49 bis 54. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 80 bis 83; mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 79; geringe Kälber 58 bis 71. — Schweine: voll- fleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 72 bis 74; von etwa 160 bis 240 Psund 73 bis 76; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 70 bis 72 Mk. — Marktverlauf: Rinder und Kälber rege, geräumt. Schweine rege, zum Schluß stark abflauend, geringer Ueberftanb. Schwere und Deckschweine schwer verkäuflich. Letzte Nachrichten. Bombenanschlag auf daee Oldenburger Finanzamt. Oldenburg, 3. Iuni. (WTB. Funkspruch.) In der letzten Nacht wurde kurz vor 3 Ahr auf das Lande sftnanzamt ein Bombenanschlag verübt. Die Sprengwirkung war so stark, daß sämtliche Fenster des Landesfinanzamtes auf der Seite zur Lamberti-Kirche vollkommen zertrümmert wurden. Auch in der gegenüberliegenden Kirche ist eine große Anzahl Fenster gesprungen, ebenso ist im Gebäude der Landesspar- kafse, das etwa 50 Meter von der Sprengstelle entfernt liegt, kaum ein Fenster ganz geblieben. Im Gebäude des Finanzamtes sind außerdem an der Sprengseite sämtliche Türen eingedrückt und aus den Riegeln gerissen worden. Die Bombe war außen am Gebäude ziemlich tief angebracht. Verwendet wurde eine Bombe mit Zeitzündung. Alles deu» tet darauf hin, daß es sich um ein gut vorbereitetes Attentat handelt. Motiv und Tater sind noch nicht bekannt. Großseuer in Neukölln. Berlin, 3. Iuni. (WTB. Funkspruch.) In den frühen Morgenstunden des Montag brach m der Automaten» und Maschinenfabrik Sielaff, A.-G., in Neukölln am Stichkanal ein Feuer aus, das allmählich einen solchen Umfang annahm, daß gegen 5 Ahr früh 10 Feuerloschzllge mit sieben B» und C- Rohren, sowie ein Feuerlöschboot an der Bekämpfung des Brandes unter Leitung von Oberbranddirektor G e m p p arbeiteten. Der Brand konnte gegen 6.45 Ahr auf seinen Herd beschränkt werden. Das Feuer war im Montageraum ausgebrochen, wo eine Feilbank in Brand geraten war. Don dort aus breiteten sich öle Flammen mit ungewöhnlicher Schnelligkeit aus und vernichteten nach und nach fast die gesamte Inneneinrichtung. Der Betrieb, der rund 500 Arbeiter beschäftigt, maßte geschlossen werden. Die Arsache des Brandes ist noch nicht ermittelt. Schweres Autounglück. Bayreuth, 3. Iuni. (WTB. Funkspruch.) Beim Nehmen einer scharfen Kurve ist gestern nachmittag in Wüstenselbih ein Lastauto der hiesigen Tapetenfabrik, das mit 17 Fußballspielern besetzt war, aus der Fahrbahn geraten. Es stieß in voller Fahrt gegen das Schulhaus und wurde zertrümmert. Sieben Personen wurden sehr schwer verletzt. Zwei von ihnen mußten in Münchberg in das Lazarett übergeführt werden, da sie nicht transportfähig waren. Die fünf übrigen wurden in bedenklichem Zustand ins Bayreuther Krankenhaus etngeliefert. Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse 2elegraphische Auszahlung. Banknoten. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der Dividende an. — 7,5 Lornbardzinsfuh 8,5 Prozent. Franksun a. M. Berlin Franksurt a. M. Berlin «chluh- Dl. Aul.-Ablöl^Schuld mit üiu> lol.-öirdjten . . Desgl. ohne AuSlos.-Rechle . . . 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldps. un- kündbar bis 1932. . . . 51 10,9 11,2 87,5 51 10,8 51,1 11,2 A.E.G............8 196 Bergmann..... 9 223 Elcktr. Lieferungen.....10 168,25 Licht und Krasl ...... 10 224,5 Felten L Guilleaume.....6 143 197,5 168,5 145,75 195,75 221 167 224 144,25 196,25 220 166,25 225 146 !'/*% Nhelntlche Hyp^Bank Llgu Goldps. ...... Ges. k. Elcktr. Untern.. ... 10 230 Hamb. Elektr. Werke .... 10 — Rhein. Elcktr...... 9 164 Schics. Elektr...... . 10 — 233 231,5 143,25 232,8 143,75 O.G.ii). abg. BorkrtegS-Obllgatton. rückzahlbar 1932 — 163,5 194,25 164 198 tomudert....... 8 255,5 546,13 255,4 245,75 4% Schmelz. Bundesb^Ant.. — — _ Siemen» & Hallke ..... 12 391 393,25 392,25 394,5 4% Oeslcrrelchlsche Golbrte.. . . — — - _ Transradio..... 8 156,25 4,20% >?i*(lprt .'ilbcrrte..... _ 175 173,5 4% Oesterreich, etnheill. Rte. . . ___ _ 4% Ungarische (Melotte...... 22/7 Subern»..........6 Deutsche Erdöl.......6 72,25 74,5 73 74,75 4% Ungarische SiaaiSr. v. 1910 . _ _ 119,5 122 119,25 121 4*/t% deSgl. von 1913 . ... _ _ 91 Essener Steinkohle......8 —— — 128 129,25 4% tingatische Kronenrle..... __ 1,85 1,9 Gelsenkirchener ... f. yt g. 4 139 139,9 139 140,5 4% Türk. Zollanlcihe v. 1911 . . — — 8,9 Harpener..........6 146,25 150 148 149,75 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., Serie 1 ......... 9,13 9 Hoesch Eisen.......... Ilse Bergbau ........ 8 Klücknerwerke ........ 7 220 — 132,5 220,75 134,25 221,5 4% deSgl. Serie II....... _ _ 106 109 107,75 109 4% Rumänen converi. Rte. . . . _ Käln^leuessen........9 Mannesmann...... . 8 ManSfelder.........7 — — 129,4 131,5 414% Rumänen (BoIbanL voa 1918 — — 16,?T — 128 134,5 131 128,75 135,75 130 136 Oberschles. Eisend. Bedars. . . b 82 _ 87,5 110.5 89,9 111,75 96,6 302,25 Wg. Deuriche Eisenbahn . . i‘/2 — — _ Oberschles. Kokswerle.....e _ Hamburg-Amerika Patel ... 8 Hamb.-Südam. Dampssch. . . 8 122,25 124,5 122,25 188 124,5 Bhönir Bergbau......5% Rheinische Braunkohlen... 10 R^nslahl . . . ,. % gafjt 4Y-. Riebeck Montan......72 95,5 301 97,5 303 96,13 301 Hansa Dampsschiss ... 10 — — 149 153 128,75 132,75 129 131 Norddeutscher Noyd .... 8 113 116,4 113,5 116 150 150 Ailg. Deutsche Eredltanst. . . 10 Barmer Bankverein ... 10 125 128 124,75 128,75 125,5 129,5 Bereinigte Stahlw......6 Otavi Minen.......2 sh 100 70 102,5 71 101,5 70,25 750 102,5 Berliner Handelsgesellsch. . . 12 223,5 227,5 224,25 225 Kali Aschersleben.....10 249 252 253,25 257,5 417.5 Kommerz- und Prival-Bon!. n 187 190 188,75 189,5 Koki Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth . . . 1b 255,5 258 256 414 larmfi. u. Nationalvank 12 267,5 270 270,25 415 415 deutsche Bank ... 10 Tiskonto-Geselllchast Aut.. . 10 Dresdner.Bank ... 10 'M.: ■ rutsche Ereditbaul ... 9 Virtoliban,...... 8 ’iVlrfxbanf ...... 11 166,5 154,5 161,5 320 I 13 1 167,9 157,5 163 320,25 167,5 165,75 163,5 324,5 3. G. Farben-Inbustri, ... 12 Dynamit Nobel.......5 Scheideanstall. ....... 9 Goldschmidt . .......6 Mütgcrswerke ....... e Metallgesellschaft........ 258,5 119,5 83,75 94 132,5 259,5 169,5 86 95,25 133,5 258,5 121 86 93,25 133 260 121,5 85,9 94,5 133,5 Franksurt a. M. Berlin Schluh- Kurs l-UH» Kure Cchluh» Kur« Ansong Kure Datum 1.6. 3-6. 1.6- 36. Phllipv Holzmann . . 118 118,5 118 117,25 Heidelberger Eement . ■ • 10 138 138 Eement Karlstadt . . . 8 —— _ Wayh & Freitag . . . 10 113,5 114,75 113,5 — Schultheis Potzenhoser ■ 15 — — 317 318,75 Oslmerke...... 12 — — 257,13 260,5 Ber. Glanzstoss . . . • e ■ 18 446 451 445 450 14 _ — 357 s LeUstoss Waldbos . . 12 253,5 256 253,5 255,5 Zellsross Aschaiienburg 12 195 197,5 195 196 Eharlotlenburger Wasser e . 7 — 113,5 114,9 Dessauer Gas .... . 8 — — 214,5 215 Daimler Motoren . . . 0 54 56,4 54,75 56,75 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 53 54 Adlerwerke Klever . . . 6 55 55 53,5 53,5 Ludw.Loewe ...» ■ 10 — — 207 210 Rat. Automobil . . . . O — 28,13 Lrcnstein <6 Koppel . • • e . 5 — — 95 96 . 6 — — 298 298 Bamag-Meguin . . . . 0 — — Franks. Maschinen . . . 6 53 52 51 _ Grihner...... 11 69,75 _ Heyligenstaedt . • • . 0 — _ _ Funghans...... . 4 68,5 - 65 _ . 8 _ Mainkrastwerke ... e e • . 8 — _ _ Miag........ 10 — — 123,5 125.5 Nekarsulmer .... • e ■ . 8 — — Peters Union .... . 8 122 123 Gebr. Roeder ...» 10 112,5 _ Voigt 4 Haeffner . * e e e . 8 210 _ 212 Südd. Zucker .... . 8 148 151 149,25 — Berlin, 1. Juni Geld Bries Fran;öiische Noten.... Holländische Noten...... (italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr-, i 100 Kronen Rumänische Noten ..... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten ..... Devisenmarkt Berlin 16,34 168,17 21,94 111,45 58,75 2,55 111,80 80,61 58,98 12,405 72,85 -Frankfur 16,40 168,85 22,02 111,89 58,99 2,57 112,24 80,93 59,22 12,465 73,15 t a. M. I- Juni 3. Juni Amtliche Notierung Geld 1 Briet Amtliche Notierung Geld I Brie> flmft.« Ron. 168,37 168,71 168,27 168,61 Buen-AireS 1,757 1,761 1,755 1,759 Brff-.Antw 58,23 58,35 58,22 58,34 Chriitiania - 111,65 111,87 111,63 111,85 Kopenhagen 111,64 111,86 111,61 111,83 Stockholm . 112,02 112,24 112.01 112,23 HelsingforS. Italien. . . London. . . 10,528 21,94 10,548 21,98 10,528 21,93 10,548 21,97 20,322 20,362 20,319 20,359 Ncupork . . 4,1915 4,1995 4.1900 4,1980 Paris. . . . Schwei, . . 16,38 16,42 16,375 16,415 80,64 80.80 80,66 80,82 Spanien . 58,83 58,95 58,59 58,71 Japan - . . Rio de ftan. 1,855 1,859 1,843 1,847 0,4975 0,4975 0,4955 0,4975 Wien in D-- Oe st. abgest 58,83 59,95 58,83 58,95 Prag .... 12,414 12,434 12.41 12,43 Belgrad . . 7,363 7,377 7,363 7,377 Budapest. . 73,02 73,16 73,02 73,16 Bulgarien 3,029 3,035 3,027 3,033 Lissabon 18,78 18,82 18,73 18,77 Daruig. . . Konstantin. 81,24 81,40 81,21 81,37 2,018 2,022 1,887 1,991 Athen. . . 5,435 5,445 5,425 5,435 (Sanaba 4,158 4,166 4,156 4,164 Urn. uav • 4,066 9,074 4,066 4,074 Cairo • • - 20,849 20,889 20,84 20,88 Berlin, 1. Juni Geld Brief Amerikanische Noten ..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Noten........ 4,178 58,13 111,38 20,304 4, 58 111 20, 198 ,37 ,82 384