Mittwoch, 2. Oktober m 179. Jahrgang Nr. 251 Erstes Blatt Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch. und Zteindruckerei R. Lange in Glesien. Zchriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Schwere Zusammenstöße im Reichstag Volkspartei und Zentrum in der Arbeitslosendebatte nicht bieten. 1611 l.cliobrr 1 setzt, glauben deren Teilen weil in dem des Staates hineingespielt einer Waffe 3 » iS f> * aber auch nicht, daß er mit an* seiner Vorlage Glück haben wird. Wunsch eines erhöhten Schutzes die Nebenabsicht sehr stark mit Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher» Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. wurde er aufgefordert, sofort sein Amt als besoldeter Stadtrat und sein Stadtverordnetenmandat niederz ulegen. Aach einer Korrespondenzmeldung wird Degner dieses Verlangen seiner Partei ablehnen. Preußens Staaisvertrag mit der Evangelischen Kirche. Berlin, 2. Oft. (Priv.-Tel.) Die Verhandlungen mit dem Evangelischen Oberkirchenrat wegen des Abschlusses eines dem Konkordat analogen TlebereinZommens sind soweit gediehen, daß etwa am 15. Oktober die erste Formulierung des Vertrages dem Ministerpräsidenten Dr. Braun unterbreitet werden kann. Hauptsächlich ist noch über die unabhängig von den Zuschüssen zur Pfarrerbesoldung zu gewährende Erhöhung der Dotationen zu verhandeln. Bisher bekamen die evangelischen Lösung so, daßd ie Hälfte des Defizits durch die Einsparungen, die andere durch die einhalbprozentige Beitragserhöhung gedeckt werden sollte. Dieser Antrag wurde im Ausschuß abgelehnt, auch mit den Stimmen der Deutschen Dolkspartei, der er nicht weit genug ging. Wir haben uns weiter ehrlich um einen Ausgleich bemüht und glaubten heute nachmittag schon den Weg frei, da überraschte uns die Dolkspartei mit ihrem Antrag, der das an sich gesunde Prinzip unseres Antrages Aie- sener so verzerrt, daß die Arbeitslosen bei solchen Tlnterstühungssätzen zum langsamen Hungertod verurteilt wären. (Hört! hört!) Wie soll ein Ehepaar von 13 Mark wöchentlich leben können? Wir würden Anträge, die zweimal im Ausschuß abgelehnt sind, nicht noch einmal im Plenum einbringen. Solche Parteipolitik läßt sich nicht rechtfertigen. (Tlnruhe bei der Deutschen Dolkspartei.) Die Folge einer solchen Regelung wäre eine große Mehrbelastung der W oh l f a h r t s a u s g a be n der Gemeinden und damit eine Erhöhung der Real- steuern. Außerdem würde der volksparteiliche Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monats--Be$ugsprei$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüsse untcrSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. 168,M 22,07 11132 59,« 2,« 112-J 11,01 62,07 12,615 73,27 ten, er hat sich zu den wesentlichen Einzelheiten des Entwurfs, die zunächst amtlich dementiert wurden, nachträglich bekannt. Da ist vor allem der Sibirien-Paragraph, der dem Gericht das Recht geben will, den Verurteilten einen Zwangs aufenthalt in bestimmten Teilen oder an bestimmten Orten des Reichs anzuweisen. Die Sozialdemokraten berufen sich darauf, daß eine ähnliche Bestimmung auch imaltenSchuhgeseh schon enthalten gewesen sei. Das ist richtig. Soweit wir wissen, ist sie aber niemals zur Anwendung gekommen, älnd außerdem, das erste Republikschutzgesetz war ein Ausnahmegesetz, oder wenigstens ein Sondergesetz, daS von Anfang an nur beschränkte Gültigkeit hatte. Jetzt aber will Herr Severing ein Dauer- g e s e h im Reichstag durchbringen. Er hat alle verfalsungsändernden Paragraphen gestrichen, um mit einer einfachen Mehrheit auszukommen. Diesen Verbannungsparagraphen aber läßt er bestehen. Merkwürdig genug, das ein sozialdemokratischer Minister ein Verfahren übernimmt, das früher nur im zaristischen Rußland und seither im fa- szistischen Italien in Schwung war. Wir glauben nicht, daß er sich im Reichstag damit durch- Die sozialen Folgen der Bankenfusion. Berlin, l.Okt. (WTB.) Der Deutsche Bankbeamtenverein teilt mit: Wegen der durch die bevorstehende Derschmelzung der Deutschen Bank und der Disconto- Gesellschaft für die Angestellten der beteiligten Institute zu befürchtenden R ü ck Wirkungen fand heute im Reichsarbeitsmini st e r i u m auf Wunsch des Deutschen Bankbeamtenvereins eine Konferenz der zuständigen Referenten mit dein Dorsitzenden Fürstenberg der genannten Organisation statt. In dieser Besprechung wurde u. a. das Eingreifen des Ministeriums erbeten und zugesagt. Don der Behörde wurde zunächst eine Besprechung mit den beteiligten Arbeitnehmerverbänden für Anfang der nächsten Woche in Aussicht gestellt. Mit den angeschlossenen Instituten haben die beiden Großbanken gegenwärtig rund 24 000 kaufmännische und gewerbliche Angestellte. Antrag gar nicht die Deckung des Defizits der Arbeitslosenversicherung bringen. Die Zentrumsfraktion wird darum die Anträge der DolkS Partei a b l e h n e n. (Beifall im Zentrum.) Abg. Hueck (D.D.P.): Unsere Fraktion nimmt für sich in Anspruch, daß sie das vorliegende Problem durchaus sachlich auch im Interesse der Arbeitnehmer behandelt hat. (Lachen links.) Wir stimmen dem Abg. Esser darin zu, daß bei Schaffung des Arbeitslosenversicherung die wirtschaftliche Entwicklung nicht richtig vorausgesehen wurde. Wir ziehen daraus aber andere Konsequenzen. Wir haben von vornherein Anträge gestellt, die daS Mindestmaß dessen darstellen, w a s e i n- gespart werden muhte, um die Reichsanstalt ohne Reubelastung der Wirtschaft zu sanieren. Wir berechnen aus der jetzt von unSl beantragten Derlängerung der Wartezeit nebst gestaffetter Leistungsminderung eine Einsparung von 2 7 9 Millionen, die neben den stillen Reserven zur Sanierung der Reichsanstalt genügen würden. Wir müssen es uns auf daS Nie Gteuerabbaupläne. Noch im Ltadium der Erwägung. Berlin, 2. Off. (Priv.-Tel.) Die Berliner Abendblätter beschäftigen sich eingehend mit Angaben der „kölnischen Zeitung" über den im Rahmen der Fi- nanzreform geplanten Steuerabbau. Danach sei zunächst eine Senkung der Einkommensteuer und der Realsleuern geplant, und zwar stufenweise im Laufe von fünf Jahren, von der vermögens st euer fallen vermögen bis zu 20000 21lt. frei bleiben. Bei den Realsteuern sei eine Senkung von 10 Prozent geplant. Bei der Einkommen st euer soll das steuerfreie Minimum heraufgefeht werden. Ledige Personen sollen bis zu einem Einkommen von 1800 Mark steuerfrei bleiben. Für verheiratete sollen d i e Familien- und k i n d e r a b s ch l ä g e erhöht werden. Ein verheirateter Mann mit zwei Kindern würde danach bis zu einem Einkommen von 3000 Mark steuerfrei bleiben. Als Ersah für die Senkung der Realsteuern soll den Gemeinden die Erhebung einer Kopf st euer, die jeder Gemeindeeinwohner in gleicher höhe zu zahlen hätte, gestattet werden. Die Kapitalertragssteuer soll bei fest verzinslichen Papieren beseitigt werden, jedoch nur mit Geltung für Reuausgaben. 3m Gegensatz zu diesen Steuerermäßigungen soll die Bier st euer erhöht werden, und zwar im Betrage von etwa 180 Millionen Mark. An dieser Erhöhung sollen die Länder beteiligt werden. Für die Abtragung der Rentenbankschulden soll die Frist erheblich verlängert werden. Die Verzinsung der Industrie- Obligationen soll schrittweise beseitigt werden, und zwar sei vorgesehen, im Laufe von fünf Jahren diese Belastung der Wirtschaft abzubauen. Rach der „D. A. Z." erklärt das R e i ch s f i n a n z- IN i n i ft e r i u m , daß die erwähnten Mitteilungen in wesentlichen Teilen richtig seien. Die Pläne befänden sich jedoch noch im Stadium der Erwägung, vor allem mit Rücksicht auf die noch schwebenden Po ung-plan - Verhandlungen. — Aehnlich äußerl sich die „G e r m a n i a“, die erklärt, daß die oben skizzierten Pläne des Reichssinanz- ministeriums er st in groben Umrissen fest ständen, endgültige Beschlüsse aber noch nicht gesoßt seien. Insbesondere habe sich auch das Reichs- kabinelt noch nicht damit befaßt. Oos Zündholzmonopol. Berlin, 2. Oft. (Priv.-Tel.) Die etwas undeutlich formulierte Erklärung der Reichsregierung zu den Derhandlungen mit dem schwedischen Industriellen Ivar K r e u - g c r, hat Anlaß zu einer Reihe von Vermutungen und Gerüchten gegeben, die wohl nicht ganz den Tatsachen entsprechen. Wie uns von gutunterrichteter Seite versichert wird, hat die Regierung tatsächlich nicht daran gedacht, das zu schaffende Zündholzmonopol einfach den Schweden vollkommen auszuliefern. Man wollte vielmehr das private Zündholzsyndikat, in dem die Schweden schon heute maßgebend beteiligt sind, in ein Reichsmonopol umwandeln, womit die russische Zündholzeinfuhr abgestoppt worden wäre. Da Ivar Kreuzer -aut diese Weise immerhin eine ihm lästige Konkurrenz losgeworben wäre, war der Schwede an der Schaffung eines Reichsmonopols interessiert und schien bereit zu sein, seinerseits alsGegenleistung eine Anleihe in der Höhe von 500 Millionen, also geringer als ursprünglich berichtet wurde, anzubieten. Tlebrigens verlautet, daß die Bedingungen dieser Schwedenanlekhe für das Reich recht günstig gewesen wären und wesentlich besser als alle anderen ausländischen Angebote. Ob der Plan nunmehr vollkommen fallen gelassen wird, ist noch nicht zu übersehen. Oer Gklarekskandal. Der Berliner Magistrat schon vor zwei Jahren vor dem Geschäftsgebahren der Sklareks gewarnt. Berlin, 1. Oft. (WTB.) Schon vor zwei Iahrcn war aus Kreisen der Wirtschaftspartei der Nachweis geführt worden, daß der Magistrat durch die Kleider-Vertriebs-Gesell- fchaft ganz erheblich überteuert wurde, und daß beispielsweise für Mäntel, die int Berliner Großhandel für 14,75 Mk. zu kaufen waren, von der städtischen Verwaltung 31,50 Mk. bezahlt werden mußten. Auf Veranlassung des Bezirks- vcrordncten Perl hatte der Cinzelhandelsaus- schuß der Berliner Handelskammer ein Gutachten abgegeben, in dem diese Angaben erhärtet wurden. Der Magistrat hat sich allerdings über dieses Gutachten der Berliner Sachverständigen des Konfektionsgewerbes hinweg- gesetzt und ist einem Gutachten gefolgt, das von einem Görliher Handelskammermitglied erstattet wurde und das sich auf den Standpunkt stellte, daß die von den Sklareks geforderten Preise angemessen seien. Die Handelskammer Berlin hatte übrigens auch dem Magistrat angebot^l, ihm ehrenamtliche Sachverständige zur Nach- vrüfunq der Preise zur Verfügung zu stellen. Der Magistrat bedankte sich in höflichen Worten für dieses Anerbieten und teilte mit, daß er davon gelegentlich Gebrauch machen Das Republikschutzgesetz. Schwere Bedenken gegen den Entwurf Geverings hat, das Republikschuhgeseh zu gegendie Parteipoltische Opposition auszubauen, und dazu wird, so hoffen wir wenigstens, der Reichstag seine Hand werde. In Wirklichkeit hat der Magistrat aber niemals die ihm zur Verfügung gestellten Sachverständigen gehört. Im Berliner Stadtparlament erklärte Bürgermeister Scholz: Bedauerlicherweise ist die Kontrolle der Geschäfte der Sklareks nicht genügend scharf gewesen, so daß Fälschungen vorkommen konnten. Außerdem haben die Sklareks für die Stadt Berlin besondere gefälschte Bücher geführt. Eine Schuld von 7000 Mark war in 700 000 Mark umgefälscht worden. Der Magistrat beschloß darauf, schleunigst mit Hilfe der Polizei die Betrüger festzunehmen und deren Vermögen sicherzustellen. Beim Magistrat hat sich inzwischen die Anschauung verdichtet, daß städtische Beamte etwas strafrechtlich Verfolgbares nicht getan haben. Die Höhe der Sklarekschen Verpflichtungen kann kein Mensch genau angeben. Die Passiven mögen rund 10,5 Millionen betragen, denen etwa zwei Millionen Aktiven aus dem Warenlager und den Außenständen gegenüberstehen. Der Verbleib der fehlenden Millionen ist ganz unklar. Vielleicht sind sie ins Ausland ver- sch o ben. Oie Sklareks und die K. p. O. Berlin, 1. Oft. (WTB.) Die Bezirksleitung Berlin-Brandenburg der K. P. D. teilt mit, daß die beiden Stadträte Gäbel und Degner an den Betrügereien der Sklareks nicht das mindeste Verschulden treffe. Gäbel habe aber als Dezernent des Magistrats im April d. I. die Verlängerung des L i eferungsVertrages mit den Slareks bis zum Iahre 1935 abgeschlossen, ohne die Fraktion, und die Partei vorher zu befragen. Dieses Verhalten werde von der Bezirksleitung auf das schärfste verurteilt. Bezüglich des Stadtrats Degner wird festgestellt, daß er nach seinen Angaben feit Iuli 1929 gesellschaftlichen Verkehr mit einem der Gebrüder Sklarek unterhalten habe. Wegen dieses die Partei schädigenden und „unproletarischen" Verhaltens P 1,7* 1'1'8 112'j s 16,# 80,92 62,18 2,003 0>5 5135 ■I:SS 73,11 ,037 II-’’ 81-# Ä 6,51 8örse. »ebener Anzeigers'. Tendenz: unsicher. - usllosigkeit, dis igen Abendbvrje war, i Lormittaasverkehrs stillem Geschäft :rwiegenb Abgabenei. weiter zur Schwäche, nicht einheitlich, dach Märkten überwiegend gange. Dan außen jn Särfenfreijen war auf bet gestrigen . Anderseits konnten lute RWE-Abschluß, ch! anregend wirken, berwiegenb 1 bis 1,5 Glanzstosf, die 4v.h. >n war das Angebot nicht unerheblich. Am erfäufe in Reichsbank n Ausmaße fort. Ban Sank etwas schwächer, ert Glettrowerie lagen pte 4 Mark. Man- vernachlässigt. Mans- nach den ersten Kursen t ausgehend, an dem den, eine leichte or- ntcn etwa 1 pj). anbei, weiter leid) nach, m bestand für Ungarn turie etwas lebhafteres je kannte sich die etwas erhalten, und die Kurse ^aben wieder °b- chtungen hinsichtlich de i Zusammenhang mit -efonn. Angeboten und aren Farben und vie- lag-n Eaenska. g । 11035 gegen Bfnnd ' gegen 3ZA GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen j i et f,- 115<» mV SfefiS RÜB »Ln®* Ü6tt ,,Dezember d 1 ^ngen gesehen. lagen genaue ht vor. , Gießen. 'bmarkt war mit 921 205 Kälbern beschickt. - daß der Markt 1 wurden für Kühe W., zweiter Qualität °t 200 bis 355 Mark, bis 350 Mk., Rinder, Mk-, Kälber 55 big )t. Bessere Tiere er- Der Sibirien-Paragraph. Von unserer Berliner Redaktion. Die Reichsregierung hat wirklich eine sehr unglückliche Hand. Wenn sie einmal eine Idee hat, dann kommt sie nicht dazu, sie auf ordnungsmäßigem Wege weiter zu entwickeln, sie wird jedes Mal durch eine der mit Recht so beliebten Indiskretionen gezwungen, sich mit Halbheiten herumzuschlagen. So ist es Herrn Dr. Htlferding mit seinem Zündholzmonopol gegangen, so geht es Herrn Severing jetzt auch mit der Neuauflage des Republikschutzgesetzes: hier noch mit der besondern Nuance, daß der Entwurf vielleicht aus einer anderen Regierungsstelle heraus vorzeitig in das Rampenlicht der Kritik gerückt worden ist, um ihn dadurch kaputt zu machen. Das wird vermutlich auch gelingen, denn was dort im Ressort des Herrn Severing zusammengekocht ist, schmeckt nicht gut; schmeckt auch einem überzeugten Demokraten nicht gut Gegen die Neuauflage des Republikschutzgesetzes an sich läßt sich ja schwer mehr etwas sagen. Die törichten Bombenattentäter haben dafür gesorgt, daß alle Gründe, die dagegen sprechen können, entwertet sind. Niemand wird es dem Staat verübeln können, wenn er gegen derartigen organisierten Wahnsinn seine Machtmittel schärfen will. Wir müssen uns also wohl oder übel damit abfinden, daß in irgendeiner Form das Schuhgesetz wieder ausblüht. Um so wichtiger aber ist es, von Anfang an dafür Sorge zu treffen, daß nur das Notwendigste geschieht, daß der Staat alle Angriffe abwehren kann. Aber weiter auch keinen Schritt. Und diese Grenze will Herr Severing doch offenbar überschrei- Kirchen an solchen besonderen Zuschüssen 1,8 Millionen. Man dürfte sich auf der Basis einer Erhöhung um eine Million einigen. England und dieSowjeiunion Einigung über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen. London, 1. Oft. (WB.) Auf der heutigen Zusammenkunft zwischen Henderson und Dowgalewski, dem nach England entsandten Pariser Botschafter der Sowjetunion, wurde eine Vereinbarung über das Verfahren erzielt, „das bei Wiederaufnahme der vollen diplomatischen Beziehungen einschließlich des Austausches von Botschaftern zur Regelung der zwischen den beiden Regierungen schwebenden Fragen befolgt werden soll", sowie -eine Vereinbarung über die Frage der Propaganda. Die Zusammenkunft sand bei Lewes, sieben Meilen von Brighton, dem Tagungsort der diesjährigen Konferenz der Arbeiterpartei, statt. Bei der Zusammenkunft waren nur der Leiter der Nordabteilung des Foreign Office, Seymour, ferner Mc. Cave vom Foreign Office und Hendersons Privatsekretär S e l b y zugegen. Die erörterten Fragen betrafen, wie Henderson mitteilte, 1. die Feststellung der Haltung beider Regierungen gegenüber den Verträgen vom Jahre 1924; 2. den Handelsvertrag und die damit zusammenhängenden Fragen; 3. Regierungsforderungen und private Forderungen und Gegenforderungen sowie Finanzfragen, die mit diesen Forderungen und Gegenforderungen verknüpft sind; 4. Fischerei und 5. Anwendung früherer Verträge und Konventionen. Das Schriftstück, das den beiden Regierungen unterbreitet werden soll und jetzt vorbereitet wird, wird von Henderson für die britische Regierung und von Dowgalewski für die Sowjetregierung unterzeichnet werden. Henderson erklärte: Ich wage es, zu glauben, daß das schließliche Ergebnis der ganzen Angelegenheit sein wird, daß die Beziehungen zwischen diesen beiden großen Völkern auf einer befriedigenden und nach meiner Ansicht dauernden Grundlage hergestellt werden: 1,763 58,« 112- 112,11 1'2-8 10358 21 ts 62,30 2,012 0,4995 58,07 'iS % 11-2 84 tS , «3* Sie gefährdete Koalition. Berlin, 1. Oft. Vizepräsident Gräf gedenkt bei der Eröffnung der Sitzung des 50. Jubiläums des Reichsgerichts, das eine Säule der Reichseinheit sei. Er übermittelt dem Reichsgericht die Glückwünsche des Reichstags. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlagen zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Abg. I ä ck e r (S.) weist die Behauptung zurück, daß die Arbeitslosen in größerem Umfang arbeitscheu seien. Es sei bedauerlich, daß die Landwirt- chaft nicht vollständig in die Arbeitslosenversicherung einbezogen sei. Abg. S t ö h r (Nat.-Soz.) bezeichnet die Vorlagen als einen schamlosen Raub an den Rechten der Erwerbslosen. Die Deutsche Volkspartei habe kein Recht, über gesunkene Arbeitsmoral zu klagen. (Rufe: „Warum wenden Sie sich nicht an die Deutschnationalen? — Hugenberg kommandiert Euch.") Abg. Behrens (Dnl.) betont, die Lage der Landarbeit in der Arbeitslosenversicherung sei in der neuen Vorlage verschlechtert worden durch Be- chlüsse, die auch mit sozialdemokratischen Stimmen gefaßt wurden. Das Gesetz bringe keine klare Begriffsbestimmungen der landwirtschaftlichen Facharbeiter. Abg. Litke (Soz.) äußert Bedenken gegen ver- chiedene Bestimmungen des Entwurfes, vor allem legen die darin vorgesehene Regelung für die Sai- onarbeiter. Er beantragt mehrere Aenderungen. Die Kommunisten seien im Sozialpolitischen Ausschuß viel sachlicher und vernünftiger vorgegangen als jetzt im Plenum. Abg. Graf Westarp protestiert gegen die Art der Verhandlungen. Minister Wissell habe sich noch nicht einmal zu den Ausschußbeschlüssen geäußert, durch die seine Vorlage durchlöchert worben fei. Der Reichsfinanzminister müsse er- ftäten, ob er das Millionendefizit der Arbeits- losenversicherung auf die Reichsfasse übernehmen wolle. , Vizepräsident v. Kordorfs verliest einige inzwischen handschriftlich eingegangene Aende- rungsanträge. Die Abg. Graf Westarp (Dntl.) und Rädel (Komm.) erklären, sie könnten zu den Anträgen erst Stellung nehmen, wenn sie gedruckt vorliegen. Die Beratung müsse bis dahin ausgesetzt werden. Auf Antrag des Abg. Esser (Ztr.) wird um 17.30 Uhr die Sitzung um eine Stunde ver tagt. Nach Wiedereröffnung der Sitzung betont Abg. Esser (3 ) die Entwicklung der letzten Stunden müsse jeden zum Nachdenken bringen. Die Arbeitslosenfrage sollte hier und da mit etwas mehr Ernst behandelt werden. (Sehr wahr! — Rufe bei den Kommunisten: „Mit weniger Heucheln!") Die wirtschaftliche Entwicklung werfe als Folge der Rationalisierung jeden Tag neue Massen von Arbeitern auf die Straße. Diese Entwicklung konnte bei der Schaffung des Arbeits- losenversicherungsgesehes nicht vorausge- sehen werden. Wir halten noch immer den Grundgedanken unseres Antrags für richtig, wonach d i e Leistungen den Beiträgen an« gepaßt werden sollen. Die Berechnungen ergeben aber, daß dabei in Einzelfällen zu niedrige Leistungen herausfärnen. Wir suchten dann die 167,86 21'A 111.48 58,78 2,475 112.13 Stic! entschiedenste verbitten, daß man unS wegen unserer Antragstellung den Vorwurf der Illoyalität machen will. Bei der vom Abg. Esser errechneten Wochen Unterstützung von 13 Mart handelt es sich um di« Ausnahmefälle mit ganz geringer Anwartschaft. (Rufe links: »Die Ausnahmen können verhungern!" — „Gemütsmensch!") Es ist eine maßlose Heber trei- jung, wenn Kommunalverbände behaupten, die Kürzung der Dersicherungsleistungen würde hundertprozentig durch Mehraufwendungen an Wohlfahrtsunterstützungen erseht. Es ist eine liebertreibung, wenn gesagt wird, unser Antrag gehe mit seinen Leistungssätzen unter das Existenzminimum herunter. Wenn manche Gemeinden ihre übertrieben hohen Wohlfahrtsleistungen etwas abbauen, so wäre das eine Wirkung unseres Vorgehens, die im ganzen deutschen Volk freudig begrüßt werden würde. (Pfuirufe links.) , , Abg. Graf Westarp (Dntl.): Rach biefer erfrischenden Auseinandersetzung haben wir endlich Klarheit darüber, was die Regierungsparteien wollen. Abg. Rädel (Komm.) bezeichnet die Rede des Abg. Hueck als unerhörte Frechheit gegen die deutsche. Arbeiterschaft, was Präsident Esser rügt. (Lärm bei den Kommunisten und Rufe: war eine unverschämte Rede." — Abg. Torg- ler (Komm.) wird zur Ordnung gerufen. — Die deutsche Arbeiterschaft werde dafür sorgen, daß Hueck und seine kapitalistischen Freunde selbst einmal auf Fürsorgeunterstützung gesetzt würden. (Lebhafte Zustimmung bei den Kommunisten und Rufe: „Aushängen!") Abg. Dr. Brauns (Ztr.) betont, der vom Abg. Hueck vorgetragene volksparteiliche Standpunkt verrate einen ungeheuren Mangel an sozialpolitischem Verständnis. Die Rede Huecks sei «ht scharfmacherisch gewesen. (Sehr wahr! links und im Zentrum.) Er habe im Auftrage seiner Parteifreunde den Ton, den die Rede Huecks zeigte, aufs tiefste zu bedauern, zumal dadurch auch das nationale Interesse gefährdet werde, das eine Verschärfung der Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht vertrage. (Beifall im Zentrum.) Nachdem noch Abg. S t ö h r (Nok.-Soz./ erklärt hatte, daß seine Freunde die Anträge der Rumpfkoalition ablehnen würden, war d i e " A u s - spräche geschlossen. Bei der Abstimmung wird auf Antrag der Regierungsparteien mit Ausnahme der Deutschen Dolkspar- tei die vom Reichsrat gestrichene Bestimmung wieder hergestellt, daß der Reichsarbeitsminister den Meldezwang für besetzte S teilen anordnen kann. § 89 a, der die Definition der Arbeitslosigkeit enthält, wird ih namentlicher Abstimmung mit 376 gegen 48 kommunistische Stimmen bei 10 Enthaltungen der Nationalsozialisten angenommen. Angenommen wird gegen die Stimmen der Kommunisten ein gemeinsamer Antrag der Kompromihparteien (Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum und Bayerische Volkspartei), wonach bei der ersten Erwerbslosigkeit Unterstützung nur gewährt wird, wenn innerhalb der letzten zwei Iahre ein Iahr Arbeit geleistet worden ist (Anwartschafts- zeit) oder bei weiteren Arbeitslosmeldungen innerhalb des letzten Jahres ein halbes Iahr Arbeit geleistet ist. Der volksparteiliche Antrag über die gestaffelte Leistungsminde- rung, gegen den sich Abg. Esser (Zentr.) ausgesprochen hatte, wird gegen die Dolkspartei, die Deutschnationalen und die Wirtschaftspartei abgelehnt. Der Teil des Kompromißantrages, der aus der befristeten Vorlage die Sonderregelung für die Saisonar beiter in die Hauptvorlage übernehmen will, wird abgelehnt. Dagegen stimmt auch das Zentrum. Das Zentrum hat zwar den Kompromißantrag unter- zeichnet, hatte aber zur Bedingung gemacht, daß die Dolkspartei auf eigene Änderungsanträge verzichte. Der Teil der Kompromiß- Vorlage, der sich auf die Wartegelder, Renten usw. bezieht, wird angenommen. Danach wird in diesen Punkten die Regierungsvorlage wieder hergestellt, mit der Aenderung, daß von den Sozial- und Zusatzrenten nicht 20, sondern 30 Mk. im Monat anrechnungsfrei bleiben. Nach dem Kompromihantrag wird ferner die Wartezeitbestimmung dahin geändert, daß die Warte- ^eitoeriängerung beschränkt wird auf solche Arbeitslose, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Sond erregelung für die Saisonarbeiter (Sähe der Krifenfürforge), die nach llebernabme des Antrags ßemmer auf die Hauptvorlage der einzige Rest der bis zum 31. März 1931 befristeten zweiten Vorlage geblieben ist, wird mit 229 gegen 115 Stimmen bei 11 Enthaltungen angenommen. Dritte Beratung der Arbeitslosenversicherung Donnerstag Krisenstimmung. Das Echo der Reichstagssitzung. Berlin, 2. Oft. (£-11.) Die Berliner Blätter nehmen zu der durch die Abstimmung über di« Arbeitslosenversicherung im Reichstag geschaffenen Lage eingehend Stellung. Die „Germania" schreibt, die Lage sei verworrener als je. Die Einigung, die in den Mittagsstunden am Dienstag erreicht war, sei durch die llnnachgiebigkeit der Deutschen Vollspartei wieder unmöglich gemacht worden. — Der „Vorwärts" spricht von einem Konflikt in der Koalition und sagt, politisch habe die Volks- Partei am Dienstag die bestehende Regierungskoalition bis hart an die Grenze der Kris« herangeführt. Die Auseinandersetzungen zwischen ihr und dem Zentrum seien noch nicht abgeschlossen. Der Kampf um die Arbeitslosenversicherung sei nur ein Vorspiel der großen Auseinandersetzungen, die sich um die F i - nanzrefvrm entspinnen würden. Bestehe die Regierungskoalition die gegenwärtige Belastungsprobe, so würde ihr eine noch schwerere folgen. — Die „D. A. Z." weist darauf hin, daß die Volkspartei fest bleibe. — Die „Börsen- zeitung" betont, daß sich der Arbeitslosenversicherungskonflikt trotz Vertagung der Dei- tragssrage verschärft habe und die Koalition schwer erschüttert sei. — Die „Vossische Zeitung" meint, der Volkspartei werde in der Fraktionsführerbesprechung am Mittwoch die Frage vorgelegt werden, ob fte für die Gesamtheit der Regierungsvorlage stimmen oder aus der Regierungsmehrheit und dem Reichskabinett auSscheiden wolle. — Das „Berliner Tageblatt" meint, toerni viÄleicht auch im Fünfzig Lahre Reichsgericht. Ein Festakt in Leipzig. - ©erReichspräsident an den höchsten deutschen Gerichtshof Leipzig, 1. Oft. (TU.) Die 50jährige Iu- belfeier des Reichsgerichtes wurde am Dienstagmittag durch einen Festakt eingeleitet. Die große Halle des Reichsgerichtes stand in festlichem Schmuck. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. die früheren Reichsjustizminister Emminger, Dr. Radbruch und Koch- Weser, den Staatssekretär Dr. I o e I, die rüheren Präsidenten des Reichsgerichtes und den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes in Wien, Dr. Dinghofer. Nach einer vom Ge- wandhausguartett vorgetragenen stimmungsvollen musikalischen Einleitung überbrachte Reichsjustizminister Dr. v. Guerard die Grüße und Wünsche des Reichspräsidenten, der Reichsregierung und des Reichskanzlers. Er feierte den Jubilar als den berufenen Hüter der Rechtseinheit und den Kämpfer der deutschen Rechts- enttoidlung und verlas dann einen Erlaß des Reichspräsidenten v. Hindenburg: An dem Tage, an dem das Reichsgericht auf ein ünfzigjähriges Bestehen zurückblickt, gedenke ich m i t ) e m Gefühl des Dankes und der Anerkennung alles dessen, was es für das Vaterland geleistet hat. Das deutsche Recht in seiner Einheit zu wahren und lebendig fortzuentwickeln, ist die hohe Aufgabe des Obersten Gerichtshofs. Unter diesem Leitstern hat die Tätigkeit des Reichsgerichts allzeit gestanden, in den Jahrzehnten einer ruhigen, glücklichen Entwicklung wie in den Zeiten der Not und Wirrnis, die die Rechtspflege vor Aufgaben von nie geahnter Größe und Schwierigkeit gestellt haben. Die Wünsche, die ich am heutigen Tage dem Reichsgericht für sein weiteres Wirken darbiete, sind getragen von der Sorge um die Zukunft unseres Volkes. An der Festigung des Staatsgedankens und des Geistes einer wahren Volksgemeinschaft mitzuwirken, ist die Rechtsprechung des höchsten Gerichtshofs in besonderem Maße berufen. Ihr fallt die große Aufgabe zu, den Glguben an das Recht und bas. Gefühl innerster Verbundenheit mit der staatlichen Rechtsordnung in unserem Volke neu zu beleben und wach zu erhalten. Möge es dem Reichsgericht be- schieden sein, diese Mission zu erfüllen zum Wohle unseres Vaterlandes! gez. von Hindenburg. ©er Präsident des Reichsgerichtes ©r. ©r. h. c. Dutnke dankte dem Herrn Reichspräsidenten und dem Reichsjustizminister, gedachte der Opfer des Weltkrieges und der dahingeschiedenen Kollegen, und führte dann u. a. aus: Die deutsche Geschichte lehrt, daß Rechtseinheit und Staatseinheit untrennbar sind. Darum gebührt den Männern Dank, die nach dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation den Gedanken der deutschen Einheit wachgehalten, schon für ihn gestritten und gelitten und für Deutschland ihr Blut vergossen haben. Nicht minder aber gebührt den Männern Dank, die unter der Führung des ersten Präsidenten des Deutschen Reiches, Friedrich Ebert, im Zusammenbruch nach dem Weltkriege der Reichseinheit und dem Reichs- gsdanken Treue gehalten und in der neuen Reichsverfassung wieder einen festen Rechtsboden geschaffen haben. Dem Zeichen, das uns an den heutigen Tag erinnern soll, sind die Worte auf geprägt: „Gin Reich — ein Recht!" Lassen Sie uns hoffen und dahin wirken, daß dieser Spruch in nicht allzu ferner Zeit dahin ergänzt werden kann: „Ein Reich — ein Recht; ein Volk — ein Geist!" Finden wir Deutsche uns im Gedanken sozialer Lebensgemeinschaft auf dem Boden des Rechts zusammen, so dürfen wir hoffen, daß auf derselben Ideengrundlage in absehbarer Zukunft die Volker der Menschheit sich verbinden und damit das Rechtsgefühl, das höchste Ziel des Rechts, verwirklichen werden. Im Namen des Reichsrats sprach dann der preußische Staatssekretär Dr. W e i s m a n n. Die Glückwünsche der deutschen Landesjustizverwaltungen und der sächsischen Staatsregierung über- brachte Iustizminister Dr. Dünger. Für Oesterreich, für die Freie Stadt Danzig, für das übrige Deutschtum im Ausland überbrachte, von der Versammlung besonders lebhaft begrüßt, der Präsident des Obersten Gerichtshofes in Wien, Dr. Dinghofer, die herzlichsten Grüße. Geh. Hofrat Prof. Dr. R i ch a rd Schmidt, Dekan der juristischen Fakultät Leipzig, übermittelte die Glückwünsche aller juristischen Fakultäten Deutschlands und Oesterreichs und teilte mit, daß die deutschen Juristen aus Anlaß der Jubelfeier des Reichsgerichtes ein sechsbändiges Werk über „Die Reichsgerichtspraxis im deutschen Rechtsleben" mit Beiträgen der bedeutendsten deutschen Hochschullehrer herausgegeben haben. Im Namen des Deutschen Reichstages sprach dann der Senior der deutschen Juristen und Vorsitzender der Rechtsausschüsse Des Reichstages, Geh. Rat Prof. D. ©r. Wilhelm Kahl dem Reichsgericht die Dankbarkeit und hohe Verehrung des Parlamentes aus. Was in diesen 50 Jahren das Reichsgericht geleistet hat, liegt in den Hunderten von Bänden seiner Entscher- düngen nur äußerlich erkennbar und meßbar vor dem Auge. Unsichtbar im Hintergründe steht das Riesenmaß von geistiger Arbeitsleistung seiner gewesenen und lebenden Richter, ihre Hingebung, ihre Pflichttreue, ihr WiUe zur Gerechtigkeit. Es ist keine Schmälerung dieses Ruhmes, daß auch sie der Kritik — oft scharfer Kritik — aus Wissenschaft und Praxis nicht entbehrt. Diese .Kritik ist unentbehrlich auf dem Wege zur Wahrheit. Eine allgemeinste Ursache für solche Konflikte und Spannungen liegt selbstverständlich und offensichtlich in dem gegenwärtigen Kurstiefstand des Rechtes überhaupt. Kaum ein kulturelles Gut hat durch die Nöte der Zeit so gelitten wie das Recht. Der Glaube, der Respekt vor dem Recht ist vielfach gesunken. Die besonderen und engeren Ursachen aber liegen in Bestandteilen des heute noch geltenden materiellen Rechtes selbst, in Mängeln und Rückständigkeiten und unzeitgemäßen Normen der bestehenden Gesetzgebung. Pflicht des Reichstages wird es sein, ein aus der Tiefe der Volksseele geschöpftes, dem Dollsbewußtsein verständliches und harmonisches, ein wahrhaft volkstümliches"' neues Recht zu prägen. Das Ziel ist eine Rechtsprechung in aller Freiheit. Frei im Geiste, frei von Formalismus und Gebundenheit an den Buchstaben. In diesem vaterländischen Vertrauen grüßt der Deutsche Reichstag den höchsten Gerichtshof des Deutschen Reiches. Verlaufe der Mittwochbesprechungen eine Einigung erzielt werden sollte, so sei doch sicher, daß die Festigkeit der Regierungsmehrheit durch die Vorgänge am Dienstag stark erschüttert worden sei. — Der „Lokalanzei- ge r" ist der Auffassung, daß trotz der Zusammenstöße zwischen den Regierungsparteien der Reichstag diesmal ohne weitere Krisenerscheinungen auseinandergehen werde. Die Krise komme erst im (Sinter. Shearer enthüllt weiter. Washington, 1. Okt. (WB.) Bei der Vernehmung des Agenten Shearer vor dem Untersuchungs^ ausschuß des Bundessenats stellte Senator Allen an Shearer die Frage, wer ihn bezahle, seit er nicht mehr für die Schiffbaufirmen tätig sei. Shearer antwortete, der Zeitunasverleger William Randolph Hearst habe ihm 2000 Dollar monatlich für die Arbeit gezahlt, die er im Interesse des neuen Kreuzerprogramms und zur Aufwiegelung der öffentlichen Meinung gegen den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Internationalen Gerichtshof leistete. Shearer fügte hinzu, Hearst habe ihm noch kurz vor dem Beginn der Enquete des Bundessenats seinen Dank ausgesp roch e n. Shearer wurde nach dem britischen Geheimdokument gefragt, das er angeblich im vorigen Jahre vorgezeigt habe. Shearer antwortete: „Hier ist es. Cs ist unterzeichnet von Sir William Weisman, der, wie jedermann weiß, der Leiter der britischen Spionage und des britischen Geheimdienstes in Amerika war und der jetzt bei der Kuhn-Loeb-Gesellschaft angestellt ist. Ich erhielt das Dokument von einem Richter Summers; es wurde von der Marinebehörde photographiert. Ich zeigte es auch dem Senator Reed; was Reed damit gemacht hat, weih ich nicht." Verdun fordert Grenzschutz. Drei Milliarden Franken für dieBefestigung der Nordostgrenze. Paris, 1. Oft. (WD.) An den Innenminister T a r d i e u richtete der Bürgermeister der Stadt Verdun eine Ansprache, in der er ausführte: Wir haben zu sehr unter dem Kriege gelitten, um nicht den Tag herbeizusehnen, an dem eine Wiederholung des Krieges unmöglich wird. Verdun liegt aber in derselben Entfernung von der belgischen, französischen und rheinischen Grenze wie 1914. Von Nordosten her Pflegen die Einfälle auszugehen, und ihnen steht nichts im Wege, weil die Forts Daux, Douaumont, Souvilles undFroideterre, die früher den Weg versperrten, nicht wieder instand- gesetzt worden sind. Wenn Verdun auch im Osten durch die Befestigungen von Metz und Diedenhofen geschützt ist, so ist es doch nach Norden hin frei, in erster Linie längs der Grenze. Also braucht Verdun eine starke Garnison, und die Verteidigung der Stadt muß entweder durch Wiederinstandsetzen der früheren Befestigung Verduns oder durch Anlegung neuer Befestigungen gesichert werden. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Rollin über den Stand der Arbeiten zum Schutze gegen Angriffe an der französischen Nordgrenze erwiderte Kriegsminister Painleve, daß das Verteidigungssystem folgende Maßnahmen enthält: 1. Dau von Straßen, Eisenbahnen, Kabeltelegraphenleitungen und die LagerungvonAr- tiUeriemunition längs der Grenze; 2. die eigentlichen Arbeiten zur Organisierung der Abwehr, d. h. die Ausrüstung der befestigten Plätze mit dem modernsten Verteidigungsmittel, so daß der erste Abschnitt, und zwar der besonders empfindliche, vor allem der Abschnitt der neuen französischen Grenze, verteidigt werden kann. Diese Arbeiten werden zur Zeit durchgeführt in der Gegend von Metz längs der Lauter, längs der Vogesen, längs des elsässischen Abschnitts des Rheins und der Alpen. Sie umfassen besonders die Verbesserung der noch bestehenden verwendbaren Festungswerke und namentlich die Anlage neuer Defestigungs- werke und sotten unter Beschleunigung derjenigen, die schneller durchgeführt werden können, in ein bis fünf Iahren abgeschlossen sein. Die gesamten dafür erforderlichen Kredite, einschließlich der bereits bewilligten, Werden sich auf 2,5 bis 3 Milliarden belaufen. Aus aller Welt. Hindenburgs Geburtstag. Der Reichspräsident verbringt seinen 8 2. Geburtstag fern von der Hauptstadt auf dem Lande. Von besonderen Feierlichkeiten ist deshalb abgesehen worden. Die Hindenburg- Spende schüttet wiederum an 2200 bedürftige Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Veteranen 425 000 Mark aus. Die Hindenburg-Spende, die der Herr Reichspräsident aus den ihm zu feinem 80. Geburtstag dargebrachten Mitteln errichtete, konnte u. a. bisher insgesamt 2 3 0 0 000 M k. an notleidende Kriegsopfer überweisen. „Graf Zeppelins" Polarfahrt. Diplomingenieur Lehmann, dem die Führung des „Graf Zeppelin" auf der für den kommenden April vorgesehenen Nordpolfahrt übertragen worden ist, erklärte über den Stand und die Aussichten der Expedition, daß die Polarfahrt des „Graf Zeppelin" ganz und gar keinen Bezug auf Derkehrspläne Der Zeppelin- Gesellschaft hat. Ein regelmäßiger Luftschiffsbetrieb in der Arktis erscheine schon durch den bis auf die Monate April und Mai fast immerwährenden Nebel ausgeschlossen. „Graf Zeppelin" wird über Tromsö und Leningrad nach Mur- man fahren, wo von den Russen ein Ankermast errichtet wird. Von Murman aus wird er In mehrtägiger ununterbrochener Fahrt längs der grönländisch-kanadischen Polseite Fairbanks in Alaska anfteuem. Von Fairbanks wird der mehrtägige Vorstoß in das unbekannte Polgebiet unternommen und nach abermaliger kurzer Erholungspause über das Behringsmeer und die sibirische Seite des Pols die Rückfahrt angetreten. Eine Zwischenlandung auf dem Treibeis ist nicht beabsichtigt: die Polarausrüstung einschließlich der Schlittenhunde ist lediglich als Rettungsmah- nahme bei einem Unfall des Luftschiffes gedacht. Es wird eine Heizung eingebaut. Gegen die Vereisung der Ballonhülle gibt es allerdings kein anderes Mittel, als der Schlechtwetterzone rechtzeitig auszuweichen. 3m übrigen ist „Graf Zeppelin" ja viel leistungs- und widerstandsfähiger als Nobiles nur 19 000 Kubikmeter große „Italia", von der, nebenbei bemerkt, noch gar nicht eststeht, ob sie wirklich durch Vereisung zugrunde gegangen ist. Hungertod dreier englischer Forscher. Die Leichen von drei englischen Forschern, die im Jahre 1925 d i e Nordwestküste der Hud- onbai zur Durchquerung der öden Landstrecken Nord-Albertas verließen, sind in einer einsamen Hütte entdeckt worden. Ein Tagebuch, das in der Hütte gefunden wurde, enthält einen tragischen Bericht über den Kampf der drei For- chungsreisenden gegen den herannahenden Hunger- od. Die letzte Mitteilung war auf dem Ofen ge- chrieben und aab bekannt, daß das Tagebuch im Ofen selbst zu finden sei. Neben dem Tagebuch be- anb sich das Testament, das einer der Forscher hinterlassen hatte. In der Hütte wurde nichts Eßbares aufgefunden. Eine Vrandftifierbande im Spreewald. Dem Untersuchungsrichter des Kottbuser Landgerichtes ist es zusammen mit Beamten des Branddezernats der Berliner Kriminalpolizei gelungen, ein^ regelrechte Brandstifterorganisation festzustellen, die in der letzten Zeit etwa 10 0 Feuer in G e - Höften der Umgegend angelegt hat. Bei der Staatsanwaltschaft schweben zur Zeit Verfahren gegen 30 Personen aus dem Spreewaldgebiet. Mehrere von ihnen sind bereits festgenommen. Die Organisation der Brandstifter verfolgte in erster Linie den Zweck, die ihr angehörenden Besitzer, die auf ihren eigenen Höfen Brandstiftungen begingen, durch einen Alibibeweis zu decken. In zahlreichen Fällen haben nicht die Besitzer selbst, sondern Fremde den Brand gelegt. Ein junger Bursche aus der Umgebung von Kottbus war dafür bekannt, daß er für 50 Mark jederzeit bereit war, Feuer anzulegen. Weiter wurde ermittelt, daß auch ein Bauunternehmer feine Hand im Spiele hatte. Bei einigen Besitzern, die unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung festgenommen wurden, fand man wenige Tage nach dem Brande bereits d i e Baupläne für neue Gebäude. Todesopfer eines Wohnungsbrandes. In Berlin entstand in einer Wohnung in der Novalisstraße aus ungeklärter Ursache ein Brand. Die Flammen ergriffen einen allem in der Wohnung anwesenden gelähmten alten Mann, der in einem Korbstuhl saß. Als einer der Mitbewohner kurz darauf nach Hause kam, standen der Korbstuhl und die Kleidung des Unglücklichen in hellen Flammen. Obwohl es gelang, das Feuer noch vor Eintreffen der Feuerwehr zu löschen, war der Gelähmte den furchtbaren Verletzungen bereits erlegen. vandilenüberfall in Mexiko. Banditen hielten in Amozec einen Omnibus an und gaben Schüsse auf die Reisenden ab. Eine Person wurde getötet, eine verwundet. Alle Reisenden wurden vollständig ausge - plündert und, nachdem man ihnen auch die Kleider fortgenommen hatte, in unbekleidetem Zustand auf der Landstraße zurückgelassen. Die Wetterlage. üienstaa, Thorsh. AAbei’i La Conina. \U Wand -O Jan Hayen- OWOiKtmos. öneuer. qnait> oedecKL» woitig, • oedem •Rege» w Schnee a graupeln. 9 Nebel K <>ewitter.(g)windstilie-O' sehr cicnte» O$i ^5 -nissiger Südsüdwest q $turm6cnct Nordwesl Oie »feile fliegen mit dem winde Die oeioen Stationen stehenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die Linien verpindco Orte mit gleichen^ euf Meeresniveau umaer«xbneten Luftdruck Wettervoraussage. Die fortgesetzte Störungstätigkeit im Norden wirkt sich weiter auf unseren Witterungscharakter aus. Die neue Störung hat sich zu einer Sturm- zyklone entwickelt, die heute morgen schon über dem Nordmeer lag. Infolgedessen bleibt das Wetter durch sie zunächst unbeständig und Niederschläge treten auf. Wettervoraussage für Donnerstag: Unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter, zeitweise Niederschläge, mehr in Schauer übergehend, Temperaturen schwankend, lebhafte, um West drehende Winde. Lufttemperaturen am 1. Oktober: mittags 17,7 Grad Celsius, abends 10,1 Grad; am 2. Oktober: morgens 14 Grad. Maximum 18 Grad, Minimum 9,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Oktober: abends 15,6 Grad; am 2. Oktober: morgens 12,4 Grad Celsius. — Niederschlag: 5,2 mm, — Sonnenscheindauer Ya Stunde. lohnuogsbrandes. ner Wohnung in der Ülo* t Ursache ein Brand. Die allein in der Wohnung i alten Mann, der in > einer der Mitbewohner m, standen der Korbstuhl Inglüdüdjen in Hellen gelang, das geuet noch Dthr zu löschen, war der Berlekungen bereits er- all in Mchlo. Imojec einen Omnibus auf die weisenden ab, tötet, eine vertoundet. i vollständig auSge* em man ihnen auch die hatte, in unbeflet' der Landstraße zuruck' •l86-i.lt L-ZÄ itafi; "echtdetLx kein 'Ngen ist «cht. SM *5o*r. ZS le im Spreeroalb. ?£f Kottbuser Landge. Jeamten des Brand, mmalpohjei gelungen, ^AoufestzusteSen, 1 lOOgeuer in@c, Angelegt hat. Bei b°n zur Zeit Verjähren 1 «preewaldgebiet. Meh. 1 ststgenominen. Die Dr. ÄJ* Linie ^nden Besitzer, die auf ? n Brandstistungen be. 'beweiszu decken.^ nicht die Besitzer selbst, and gelegt. (Ein junger von Kotlbus mar dafür Kork jederzeit be. n. Weiter wurde ennit- Unternehmer seine ei einigen Besitzern, die rbadjt der Brandstiftung ) man wenige Tage nach Saupläne für neue vndi M 1 Z° ** w-Ql. & • .Ull«"“, -A io(a»e'a®3 Äorden nQ^ataüe1 -ruE^jtterung^turn'' Ss> s H r D 0n n e rJi!iDe'ie üge fur ngettel, £ AB« sr;*r> Ä 0 , 11,1 >'BX 2. D,,°« «««•■' StutiK« > Slus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. Oktober 1929. Arbeit und - Sensation. Herbstpuh im ganzen Haus: für den Winter sollen noch einmal alle Ecken und Winkel richtig ausgefegt werden. Frühnebel, strahlende Sonne, blauer Himmel mit weißem Gewölk — ein herrlicher Tag! Da kommen die Schlafzimmer an die Reihe. Alles Bettzeug wird heraus in den Garten getragen, geklopft, gebürstet, gelüftet, gesonnt. Oede und leer starren die Bettstellen in den Raum, ihres Zweckes beraubt. Sie werden von der Wand abgerückt, und Mutti erscheint mit dem Putzeimer, um den ihr zugefallenen Teil am Laufband der Tagesarbeit in Angriff zu nehmen. Aber — oh Schreck! — Klein-Inge-- borg will auch mit vom Angriff sein! Hinaus in den Garten kann man sie nicht gut abschicken: es ist immerhin noch reichlich morgenfrüh, besonders im Schatten, und zur bewußten Sonnenanbeterin modernen Stils reichen ihre zwei Lebensjahre trotz guter körperlicher und geistiger Cntwicklungskurve noch nicht hin. So wirkt sie sich im häuslichen Kreise aus, d. h. sie läuft allen und jedem um die Deine herrrm, wählend, wo sie ihren Vorteil erspäht. Anscheinend bietet gerade jetzt Mutti die beste Konjunktur. Klein- Ingeborg ist nicht abzubiegen. Sie läuft in und um die Bettstellen herum und lacht laut auf, wenn das nasse Scheuertuch von irgendwoher in ihr Spielfeld hereinsaust. „Mir ist es Arbeit, dir ist es Sensation!" ruft die Mutter zwischen Wand und Kopfkeil knieend heraus. Aber alle Abwehr nützt nichts. Der Großvater wird zu Hilfe gerufen, er soll mit ihr tanzen gehen. „Ret Daanz mache, ins Häusi dehn!" bäumt sie sich «auf seinen Armen und zappelt in kräftigen Windungen wieder herab. „2ns Häusi dehn!" Hier schieden sich die Welten. Was dort nüchterne Arbeit zwischen leeren, öden Bettstellen ist, hier wird es zu einem fröhlichen und ergötzlichen Spiel im „Häuschen", Und wie abwechslungsreich ist dieses Spiel i Bald läuft Ingeborg läng dang mit wippenden Röckchen durch das „Häuschen" und patscht mit ihren kleinen Händchen gegen die Kopf teile: bald guckt sie schelmisch um die Ecken, klettert über die niedrigen Seitenteile, oder rutscht unten durch, um mit Mutti bald hier, bald dort „Kuckuck" zu machen. Und — sie siegt! Mutti vergißt bei ihrer Arbeit die Arbeit und bringt ihre Arbeit im Spiel zu Ende. Sie knien und hüpfen, arbeiten und spielen, scherzen und lachen, und als Mutti ihren Putzeimer hinaustragen will, nimmt sie erst ihr Kindchen in die Arme und drückt und küßt es herzhaft ab. Glückliche Mutter, die sich ihre Arbeit auch umrationalisieren läßt und ein paar Minuten ihrer andrängenden Hausgeschäfte hingibt, um Stunden des Glückes aus dem erwachenden Seelenleben ihres Kindes dafür einzutauschen. Ehret die Kleinen, sie flechten und weben, himmlische Rosen ins irdische Leben! R. B. Aerztliche Fortbildungskurse an unserer Universität. Die von der Medizinischen Fakultät unserer Landesunioersität veranstalteten ärztlichen Fortbildungskurse, die in der Zeit vom 30. September bis 5. Oktober stattfin- ben, wurden am Sonntag mit einem Begrü' ßungsabend in Gegenwart sehr zahlreicher Kursteilnehmer eröffnet. An dieser Veranstaltung «ahmen Aerzte aus allen Teilen Hessens, aus den benachbarten preußischen Kreisen und auch aus den übriyen Tellen des Reiches teil. Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Georg Herzog, begrüßte die zahlreich erschienenen Kollegen und wies darauf hin, daß es zur Zeit im allgemeinen wieder Aufgabe der medizinischen Fakultäten an den Universitäten werden und sein muß, die Fortbildung der Aerzte in die Hand zu nehmen, namentlich im Interesse der Einheit in der Medizin und der Selbständigkeit der praktischen Aerzte. Die Medizinische Fakultät unserer Landesunioersität werde auch in künftigen Jahren wieder Fortbildungskurse veranstalten, die aber vielleicht unter gemeinsamem Titel und in Verbindung mit seminaristischen Hebungen stattfinden sollen. Ein weiterer Zweck der Kurse an den Universitäten liege nach Ansicht des Redners darin, daß praktische Aerzte und Unioersitätsdozenten stets in kollegialen Be- ziebungen bleiben und die Dozenten mit den Praktiken Aerzten wechselseitige Aussprache pflegen über die Aufgaben, die den praktischen Arzt erwarten, während andererseits die praktischen Aerzte ein Interesse daran haben müßten, über die Wandlun- hingen im medizinischen Unterricht ständig unterrichtet zu sein. Seine Magnifizenz der Rektor, Prof. Dr. Brüggemann, wies besonders darauf hin, daß Gießen eine Arbeitsuniversität ist, die den Studenten vor Abhaltungen bewahre, die in der Großstadt eine Gefahr für das Studium seien. Als Vertreter des Ministeriums des Innern sprach Ministerialrat Dr. Fresenius, der betonte, daß die ärztlichen Fortbildungskurse auch für die beamteten Aerzte von großem Wert seien, und daß deshalb der Besuch dieser Kurse allen beamteten Aerzten dringend anzuraten sei, damit sie in der Wissenschaft auf dem laufenden bleiben und immer wieder den kollegialen Zusammenhang mit den praktischen Aerzten Herstellen, für deren Interessen sie oft genug bei der Regierung eintreten müßten. Sodann wurden von dem Dekan der Medizinischen Fakultät noch weitere Einzelheiten über die zahlreichen, neben den wissenschaftlichen Vorträgen einhergehenden Veran- staltungen der Kurse mitgeteilt. Von den Kursteilnehmern wurde es mit Dank begrüßt, daß die Stadtverwaltung die Kursisten als Gäste der Stadt für Freitag abend in das Stadttheater eingeladen hat. — Die Zahl der Kursteilnehmer beträgt über 100. Vorgestern und gestern fanden vormittags und nachmittags Vorträge statt, für heute nachmittag ist ein Besuch der Kursteilnehmer in Bad-Raudeim mit Besichtigung des dortigen Balneologischen Hniversi- tätsinstituts vorgesehen. Heute abend werden die Kursteilnehmer als Gäste der Nauheimer Kurver» verwaltung einem Symphoniekonzert beiwohnen. Daten für Donnerstag. 3. Oktober. Sonnenaufgang 6.03 Uhr. Sonnenuntergang 17.34 Uhr. — Mondaufgang 6.22 Uhr, Monduntergang 17.58 Uhr. 1817: der Literarhistoriker Johannes Scherr in Hohen-Rechberg geboren; — 1859: die italienische Schauspielerin Eleonore Düse in Vigeoanp geboren. Bornotizen. — TageskalenderfürMittwoch. Volkshochschule: Abendmusik der Darmstädter Musikanten, gilbe, 20 Uhr, Stadtkirche. — Stadttheater: „Boccaccio", 19.30 bis 22.15 Uhr. — 117er: Monatsversammlung, 20 Uhr, bei Kamerad Emil Sieck. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das zweite Leben" und auf der Bühne deutschrussische Kleinkünstlerbühne „Feueroogel". — Astoria-Lichtspiele: „Der weiße Wildling" und,Hhr schönster Tag". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Operettenvorstellung „Boccaccio" beginnt um 19.30 Uhr. — Freitag, 4. Oktober, wird zum erstenmal „Grand Hotel", Lustspiel in drei Akten von Paul Falk, gegeben. — Der Orchester-Verein Gießen veranstaltet am morgigen Donnerstagabend in der Neuen Aula der Universität fein erstes Symphoniekonzert. Als Klaviersolistin wirkt dabei Irl. M i m i Bock von hier mit, die das Mozartsche Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur mit Orchesterbegleitung zum Vortrag bringen wird. Frl. Bock fand bekanntlich im vorigen Jahre bei ihrer Mitwirkung im Konzert des Sängerkranzes als Begleiterin der Chöre und des Frankfurter Tenors Franz Völker reichen Beifall. Das Orchester wird die Ouvertüre „Der Wasserträger" von Cherubini sowie Haydns Symphonie Nr. 8 in B-Dur zu Gehör bringen. Die Veranstaltung, die zu volkstümlichen Preisen gegeben wird, sei der Beachtung aller Musikfreunde empfohlen. ** Wahlvorschläge zur Gießener Stadtratswahl müssen, wie die Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil bekanntgibt, bis spätestens zum 18. Oktober bei dem Stadtwahlkommissar im Stadthaus, Bergstraße, schriftlich eingereicht werden. Es sind 42 Stadtratsmitglieder zu wählen. Näheres ist aus der Bekanntmachung ersichtlich. ** Die Wahlvorschläge zur Pro- vinzialtags- und zur Kreistags- Wahl sind bis zum 18. Oktober bei Iler Provinzialdirektion (für die Provinzialtagswahl), Wenn Ihre Empfehlungsanzeige In der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf bzw. beim Kreisamt Gießen (für die Kreistags- Wahl) einzureichen. Für den Provinzialtag sind 35 Vertreter, für den Kreistag 30 Mitglieder zu wählen. Die näheren Bestimmungen für die Wahlvorbereitung enthält das gestrige Amtsverkündigungsblatt. "DieGießenerHindenburg spende. Wie erinnerlich, hat der Stadtrat Gießen durch Beschluß vom 30. September 1927 aus Anlaß des 80. Geburtstages des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg eine Stiftung von jährlich 500 Mark errichtet. Die Vergebung dieser Stiftung für das Jahr 1929 ist heute im Stadthaus, Gartenstrahe, an die durch den Beirat für Kriegerfürsorge vorgeschlagenen Personen er» folgt. Cs wurden zehn Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene mit je einer Gabe von 50 Mk. bedacht. ** Gießener Ferienkurse. Man schreibt uns: Don vielen Seiten ist der Wunsch ausgesprochen worden, daß auch der Besuch einzelner Vorträge möglich gemacht werde. Diesem Wunsche ist von der Kursleitung Rechnung getragen worden; am Eingang der Hörsäle sind Eintrittskarten, die für je eine Stunde gültig sind, für je eine Mark zu erhalten. Reben den im Inserat genannten Vorträgen seien noch die für die nächsten Tage im Programm genannten Vorträge der Herren Prof. Kinkel, Bieber, Hör- neffer, Bornkamm, Rauch, Gerber, König, Lau- tensach hingewiesen: am 4. Oktober trägt Prof. Weichelt ausgewählte Stücke aus Rietzsches ^arat.,ustra vor (10 bis 11 Bot. Hörsaal), am 11. Oktober (5.30, Bot. Hörsaal) bringt Dr. Ritter „Grabbes Napoleon, eine dramaturgische Gestaltung", lieber alle Einzelheiten des Stundenplans gibt die Geschässstelle Auskunft (Dis- marckstrahe 2). ** Der Goethe-Bund lädt, wie aus dem gestrigen Anzeigenteil zu ersehen ist, die Literatur- und Kunstfreunde zu seinem Vortragsprogramm 1929/30 ein. Auch in diesem Jahre war der Bund, wie man uns schreibt, nicht nur bestrebt, seine Vortragstätigkeit auf der gewohnten, anerkannten Höhe zu halten, sondern die Dun- desleitung war vor allem mit allen Kräften bemüht, das Dortragsprogrcunm in seinem künstlerischen Gehalt weitgehend zu steigern und durch den Ausbau der inneren Organisation in noch stärkerem Maße immer weiteren Kreisen unserer Bürgerschaft trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Zeitverhältnisse, die Möglichkeit zur geistigen Erbauung und zum Vortragsbesuch zu geben. Das neue Dortragsprogramm enthält vier Dichterabende mit Arnold Zweig, Walter von Molo, Alfred Reumann, Hermann Stehr, ferner wieder vier Morgenfeiern im Stadttheater: Goethe- Feier, Chinesisches Theater ein Tanzgastspiel von Senta Maria und eine Hofmannsthalgedenkfeier. Vier volksbildnerische Vorträge bringen wertvolle Lichtbildervorträge, sowie ein Konzert „Alte Kammermusik" auf historischen Instrumenten. In Zusammenarbeit mit dem Stadttheater werden, abgesehen von den obengenannten Veranstaltungen, im Kammerspielzyklus mehrere dramaturgische Vorträge und ein Gastspiel im Stadt- theater veranstaltet werden. Ferner ist es dem Bund gelungen, Professor Behouneck, den einzigen nicht italienischen Teilnehmer der Robile-Expedi- tion, zu einem Lichtbildervortrag über seine Erlebnisse auf dieser Expedition zu gewinnen. Im Mittelpunkt des gesamten dieswinterlichen Dor- tragsprogrammes wird sodann die Feier des 15. Iahresfestes des Bundes stehen, dessen Ehren- vorsih der Präsident der Deutschen Dichterakademie, Walter von Molo, übernommen hat. Mit diesem Vortragsprogramm wird der Bund sich sicherlich viele neue Freunde und Vortragsbesucher erwerben. (Siehe gestrige Anzeige.) ** Aufgehobene Straßensperre. Die Sperrung der Rodheimer Straße zwischen Krofdorfer Straße und Hardtallee ist von heute ab wieder aufgehoben. ** Eine Riesenbirne. Als seltenes Produkt eines Spalierobstbaumes wurde uns gestern von dem Metzgermeister Boller, Bahnhofstraße, eine Birne von ganz ungewöhnlichem Umfang und Gewicht übermittelt. Das Birnenmonstrum wiegt 1 Pfund und 180 Gramm. Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt. Aus dem Amtsverkündigungsblati. * Das Amtsverkündigungsblatt N r. 71 vom 1. Oktober enthält: Die Wahlen zum Prooinzialtag und Kreistag. — Erste Anlegung der Handwerks, üe. — Reichssteuerüberweisungen. — Lehrkursus für alkoholfreie Jugenderziehung. — Lehrgang für Bibel- und Jugendarbeit. — Feldbereinigung in Harbach. — Dienstnachrichten. /TS-Ö 0 •nur.KufeKe’ ufriscHE1 Du wir-sh Freude Hoben EIN WAGEN FÜR UNS! .... sagt Ihre Frau Iljin Autokauf ist eine so wichtige Angelegenheit, daß Sie sie sicherlich mit Ihrer Frau besprechen werden • • • Zeigen Sie Ihrer Frau den Opel 8 PS. Die rassige Eleganz seiner Linienführung und die einfache, sichere Handhabung wird sie entzücken. Dabei ist der Opel 8 PS der billigste 6 Zylinder-Wagen Deutschlands, ein dauerhafter, schneller Wagen • • • Legen Sie Ihr Geld getrost in einem Opel 8 PS an. Die erhöhte Arbeitskraft, der Erfolg, das Ansehen, das er Ihnen bringt, sind seine Zinsen • • • Preis abWerk, 4-fach bereift,von RM3600.- an, bequem aus dem laufenden Einkommen zu zahlen. KLUGE KÖPFE KAUFEN OPEL OPEL-General-Vertretung: PJÄGER Giefeen Frankfurter Straße 52/56 ■ Telephon 2487 und 3013 Butzbach Nieder-Weiseler Straße Telephon 146 Wetzlar Braunfelser Straße 69 ■ Telephon 2606 tWM Der C. C. der Hassia. I. A.: Willi R. Koch 8107D Ulrich im Alter von 3 Jahren sanft entschlafen. Köln, Gießen, Enkirch, den 1. Oktober 1929. (z. Z. Gießen, Frankfurter Straße 75.) Wilhelm Nather und Frau geb. Becker nebst Anverwandten. Nach Gottes unerforschlichem Willen ist heute früh unser herzlicher Bub, unser guter Enkel, Neffe und Vetter Unterfertigter C. C. betrauert tief das Ableben seines heben A. H. Die Beerdigung findet in Gießen in aller Stille statt. OÖ5JJ Ludwig Augst Oberforstmeister zu Friedberg. I. d. C, aktiv 1881. Nachruf. Am 30. Sept, verschied nach längerem Leiden Herr Karl Reuter Wir verlieren in dem Verstorbenen einen langjährigen Mitarbeiter im Vereinsleben von seltener gewissenhafter Pflichterfüllung und unermüdlichem Eifer. Sein Andenken wird für uns unauslöschlich sein. Gesangverein Heiterkeit Zu der Donnerstag, den 3. Oktober, nachmittags 2 Uhr, stattfindenden Beerdigung bittet um zahlreiche Beteiligung der Vorstand. 8i24D zleMWeGviiMzellklwM Unsere Mitglieder setzen wir hiermit in Kenntnis, das; unser langjähriger Vereinswart Herr Karl Meuter nach längerem Leiden am Montag, 30. Sevr., gestorben ist. Nahezu 26Jahre hat er unserer Wehr treu gedient und seine Obliegenheiten in vorbildlicher Weise gewissenhaft und zuverlässig aus- gesührt. Tie Wehr wird dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3.t>. SJ)L14 Uhr, statt und buten wir, sich recht zahlreich an derselben zu beteiligen. [8D4D Uniform: Tuchrock, Helm. Das Kommando: C. Wenzel. N. Bouffier. In den Neubauten Beethooenstraße sind mehrere 7963 D 3-Zimmer-Wohnungen teils mit und teils ohne Etagenheizung sowie kompletter Bade-Einrichtung per 15. Oktober bzw. 1. November d. Js. zu vermieten. Desgleichen find noch einige 2-Ztmmer-Wobnungen frei. Näheres bet Larl Haas V„ S chubertstr. 2, Tel. 3139. In (neben (Hessen) Laden von leistungsfähig.,altrenommiertem Großunternehmen sofort oder bald zu mieten gesucht. Schriftl. Angebote unf. 8040V an den Gieß. Anz. erbeten. I Vermietungen | 3-Zimmerwohnung m. Küchenbenutzung in gut. ruh. Hause, 2. Stock, zu vermiet. S chr. An fr. u. 06177 an den Gieß. Anz. Mb!.Zimmer zu vermieten 06299 Kirchstr. 13 v. Eckladen mit beschlagnahme freier 4 - Zimmer- Wobnung m.Kücbe für sofort zu verm. Adresse in der Geschäftsstelle des Gtetz. Anzeigers zu erfragen. 8121P | Mietgesuche ] Beamter, Akademiker, sucht baldigst 3-4 Zimmer mit Bad Neubau, evtl, mit Hypothekar. Bauzuschuh od. Altwohng^ evtl, mit Abstand. Schriftl. Angebote u. 06277 a.d.Gteß.Anz. Slud. sucht f. 15.Oft. Zimmer mügl. m. Zeniralhzg. Nähe Universität. Schriftl. Angeb. mit PreiSang. unt. 06280 an d. Gieh. Anz. erb. Dringend gesucht für 15. 10. 29 ein leeres od. möbl. Zimmer m. Kochgel. ii. el. L. v. kinderl. Ehepaar, evtl, auch 2 Dach- kammern.Schr.Ang. u. 06288 a.d. GH. Anz. Wir suchen zum Verkauf von gebrauchten Wagen tüchtige Vertreter zu sehr günstig. Bedingungen Dupont A. G., Automobile Frankfurt a,M., Kaiserstr.71 8ii5v Telephon: Hansa 4694 u.6836 TRAGT DIE GUTE SCHMÜCKER-KLEIDUNG 7085A Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 27. September 1929 eingetragen bei der Firma keramchemie, Gesellschaft für Herstellung und Vertrieb keramischer und chemischer Produkte m. b. h. zu Andernach am Rhein, Zweigniederlassung Gießen: Nachdem der Sitz der Hauptniederlassung nach Gießen verlegt und die Firma geändert ist, ist die Zweigniederlassung erloschen. 8130D Gießen, den 27. September 1929. Hessisches Amtsgericht. Gemütlich möbliert. Zimmer BI. Zier in gutem Hause gesucht, Nähe Brandplatz. El. heizb. Schr. Angeb. u.06281 a. d. Gieh. Anz. erb. mögt Südseite, in Nähe Schanzenstr. gesucht. Dipl.- Jng. Ramipeck, Hotel Köhler.06287 Wohnungstausch Kleine 4-Zimmcr- Wobng. Nähe der Klinik gegen 2 bis 3-Zimm. -Wobng. in nur gut. Haufe im Südviertel z. tausch, gesucht. Schr. Ana. u. 06285 a. d. Gieh. Anz. | Stellenangebote! WM f. BielefelderWälche geg. hohe Provision fofoti gelufflt. Ersttlass. Kollektion. Schriftliche Angeb. unter 06187 an den Gieh. Anz. erb. Mtv wasnen Gse IhrenÄewerbungen aus Anzeigen ohne Dlomcn Zeugnisse, Urkunden od. sonst wichtige Papiere beizufügen; Abschriften genügen zur Einleitung v. Anstellungsverhand» lunqen. Ost ist und der Auftraggeber unbekannt und in diesenZällen können wir nichts tun für d. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen GieSersev Sluzetgev v Zunger SlSuWMkl- eeOilfe für sofort gesucht. Zu erfr. i. d. Geschst. d. Gieh. Anz. 06298 Aelteres Mädchen perfekt in Küche und Haus für d. 15. Okr. gesucht. 06278 Frau Rothschild, Bergstrane 15. Gewandtes bliives Men das schon in bess. Hause in Stellung war, zum 15. X. oder 1. XI. gesucht. Wo? sagt d. Gefchit. d. Gien. Anz. 06293 Suche für sofort anständiges, ehrliches Mädchen das mit allen vorkommenden Hausarbeiten vertraut ist, bet hohem Lohn. Frau F-ritr Kehler, Giehen, Hj8D Neuenweg 33. Für ein bess. Haus auf dem Lande, in der Nähe lGiehens, wird zum 1. Nov. od früher ein ehrliches Hausmädchen gesucht. Schriftliche Angebote unt.8119D a. d. Gieh. Anzeiger. Ordern!., fleißiges MM bewand, im Kochen, zum 15. Okt. gesucht. Zu etfr. i. d. Geschst. d. Gieh. Anz. 06302 Laufmädchen gesucht 06291 Blumengeschäft Rüger, Kreuzpl. 4. [Stellengesuche Junges Mädchen mit gut. Zeugnissen, sucht in Gtehen oder Umgebung z. 1. 11. Stelle in einem Handarbeitsge- schäst. evtl, auch als Verkäuferin, [«»km Else Schmidt, Reu Isenburg, Fr. Ebert-Schule I. Mädchen vom Lande, 20 I., sucht Stelle als Stutze od. Hausmädchen zum 1. November. Gute Zeugnisse vorhanden. Näheres zu erfr. bei Fr. Demmer, Liebigstr. 99 I. Verkäufe Reit-Dniageopleri Rappenwallach 12 j., mit Hntichierwagen und Geschirr wegen Aufgabe des Fuhrwerks billig zu verkauf. Anfr. an Forst- meiiterBrnchhäuser, Etchelsdorf, Oberh. WrSosbefiher Entbehrlichketishlb. gebe 1 äuß. wachsam, scharfen Hofhund Neufundländer Einschlag für nur 48 Mk. ab. Ist mehr wie das doppelte wert. Ist auch sehr guter Hütehund. Ferner 1 Wurf sehr fchön. altdeutsch. Schäferbunde Eltern pa. Hüiettere deutsche Konkurrenz, sondern aus Der Angst vor Der deutschen Flotte geboren wurde. Damals verlangten die Engländer als Selbstverständlichkeit den „Z w e i m äch t e-S't anda rd", die Voraussetzung also, daß ihre Flotte so stark sein müßte, wie die Flotten Der beiden stärksten Seemächte zusammen. Mnd heute? Heute ist es ebenso selbstverständlich, daß die amerikanische Flotte so groß sein wird wie die englische. Ihre Admiralität kämpft eigentlich nur noch dagegen, daß sie sich von Den Amerikanern nicht überflügeln lassen will und wenigstens noch Kreuzer bauen darf, um die empfindlichen Seeanfahrt- ft raß en Englands zu decken. Wer Sinn für geschichtliche Ironien hat, könnte daraus Die Frage ableiten, ob nun Der Preis, um den die Engländer 1914 in Den Krieg traten, sich gelohnt hatte. Aber die Engländer selbst sind ein praktisches Doll, sie haben ihre Vorherrschaft zur See abgeschrieben und sind jetzt schon zufrieden, wenn sie sich mit Den Amerikanern Darin teilen können. Wobei sie nicht einmal entscheidendes Gewicht Darauf legen können, in diesem Konzern Der erste zu sein. Verlobung erwiesenen lr herzlichst denn wir befinden uns doch in einem Märchen, und ein Märchen muß glücklich enden. pnii £ li reifer ia> «* lldea wr Mrer -chr.Ans. d.GLM' (2q~26 u- r 1929 Thalfang 1----tu,............ II»; -Eh-; vW ,u 66 ,Ml0' 5 -«'S «.8“* rE W Ke«" Oie Salzburger Philologentagung Von Or. Fritz Heichelheim, Privatdozent an der Universität Gießen. Das Stück ist undramatisch und so völlig naiv, wie Märchen eben sind. Alles wird erzählt, umständlich oft, lyrisch sogar, mit mancher Ausschmückung, Unterbrechung, Verbrämung und Beigabe. Aber gleichwohl — dies ist das Merkwürdigste — erscheint das Ganze von einer sprühenden und springlebendigen Bühnenwirksamkeit. Die große Gerichtsszene zum Beispiel, in der Tscharudatta, der Geliebte, vom bösen Prinzen Samsthanaka des Mordes an Dafantasena fälschlich bezichtigt wird, entwickelt eine verblüffende Spannung, die sich fast körperlich mitteilt im Rhythmus der dröhnenden Paukenschläge, welche den Urteilsspruch akzentuie- ren... Ein überraschender Eindruck, wenn man sich bewußt bleibt, mit wie primitiven Mitteln hier gestaltet wird — und obwohl man ja weiß, daß Va- santasena gar nicht tot ist, sogleich auf der Szene erscheinen und alles zum Guten wenden wird, ... In Der wundervollen und mit alter Tradition geladenen österreichischen Grenzstadt Salzburg, die durch Kultur und Geschichte eine Drücke zwischen Deutschland und Oesterreich bildet, fand in der Zeit vom 25. bis 28. September Die 57. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner statt. Cs handelte sich hier um eine der ganz großen Tagungen, die deutsche Forscher und Schulmänner zu ernster wissenschaftlicher Diskussion zusammenführen, und die schon mehr als einmal Ereignisse im deutschen Geistesleben gewesen sind. Im Mittelpunkt Der Tagung standen diesmal Die Probleme Der Pädagogik und der philosophischen Fakultät in ihrer Beziehung zum Leben, also sehr aftuclle Fragen. Mnter den großen Vorträgen machte nach altem Brauch ein klassischer Philologe den Anfang, von Arnim, der versuchte, in ständiger Quellenuntersuchung das ethische Ideal der aristotelischen und nacharistotelischen Zeit den Hörern klarzulegen, das in so manchen Punkten von der modernen Auffassung abweicht. Diese kam dann in einem vor allem rhetorisch sehr geschickt aufgebauten Vortrag von He11pach zur Geltung über Raturgewalt und Amtsgewalt im Erziehungswesen, in dem in sehr einleuchtender Weise Der Erziehungstrieb als Raturgewalt, Die an und für sich weder gut noch böse ist, dem ethisch bestimmten, aber starren Erziehungswillen gegenübergestellt wurde. Es berührte sehr sympathisch. daß Hellpach den ethischen Willen und Die ethische Fähigkeit als alleinigeMomente herausstellte, auf denen ein Recht zur Erziehung auf- gebaut werden kann. Dor allem für die Frage, wie weit Familienerziehung in zersetzten Großstadtschichten anzuerkennen ist, wurde eine klare Ausgangsbasis geschaffen. Starken Eindruck machte ein Vortrag von Professor Messer, Gießen, der sich in sehr klaren, logischen und auch dem nicht philosophisch Geschulten unbedingt verständlichen Ausführungen gegen die im Augenblick sehr aktuellen Versuche wandte, die Pädagogik als eigene Wissenschaft von der Wertphilosophie zu trennen, die ihr bisher die Wege wies, und sie aus biologischen Tatsachen ohne ausreichende philosophische Begründung mit einer neuen Zielsetzung auszustatten. Gießener Ferienkurse. Gestern nachmittag sprach im Botanischen Hörsaal der Historiker der Landesuniversitat, Prof. Dr. R o l o f f, über das Thema „Deutsche Historiker und Staatsmänner als Bildner und Hüter der deutschen Sprache". Anknüpfend an die beweglichen Klagen Lew- nizens über Den Verfall der deutschen Sprache schilderte Der CßortragenDe Den allmählichen Aufstieg aus den Riederungen der sprachlichen Kultur im 17. und 18. Jahrhundert. Die Darstellung wurde zunächst mit typischen Beispielen aus der Stilistik Friedrichs des Großen und Maria Theresias belegt; nachdrücklich hervorgehoben wurden Dann Die Bemühungen des Historikers Justus Möser, der sich nicht gescheut hat, Friedrichs II. fatales Mrteil über die deutsche Sprache und Literatur seiner Zeit einer Kritik zu unterziehen. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang, wie der Vortragende betonte, weiterhin die Bestrebungen des preußischen Ministers Grafen Herhberg; erwähnenswert auch eine politische Denkschrift der Königin Luise aus dem Jahre 1810. Zu einer a ufschlußreichen Gegenüberstellung wurden Stilproben Steins und Hardenbergs herangezogen; als ein bedeutendes Sprachdenkmal kann der Briefwechsel W. von Humboldts mit seiner Gattin gelten. Der zweite Teil der Vorlesung war der im 19. Jahrhundert fortschreitenden Entwicklung der Sprachkultur gewidmet; besprochen wurde in diesem Zusammenhang Sprache und Stil der führenden deutschen Offiziere Scharnhorst, ©neifenau, Vorck, Doyeru Clausewitz, sowie der politischen Publizistik (Görres, Gentz) und der deutschen und österreichischen Kriegsmanifeste aus Den Jahren 1806, 1809 und 1813. SÄ „Vasantasena." Der Göttliche lächelt; er siehet mit Freuden Durch tiefes Verderben ein menschliches Herz... Goethe. Mrcchakatika, das ist: das irdene Wägelchen — so nennt sich ein altindisches Schauspiel in zehn Akten, welches dem Sudraka zugeschrieben wird. Der Prolog erwähnt ihn — Büßer und Soldat, König und Dichter — als schon Gestorbenen. Eine andere Version bezeichnet den Romanschrei- ber D a n d i n , Sudrakas Schützling, als den wahren Verfasser; wie der Dichter so ist auch die Entstehungszeit des Stückes ungewiß. Man darf es wohl ins 6. nachchristliche Jahrhundert datieren ... gleichviel: Name ist Schall und Rauch, und Die Zeit wird wesenlos, wo das Wort blühend und die Gestalt lebendig blieb über Jahrhunderte hinweg. * Das irdene Wägelchen ist ein Spielzeug, das Ro- hasena, Tscharudattas kleinem Sohn, gehört. Tscharudatta, ein armgewordener Kaufherr und Brah- mane, wird von der reichen und schönen Bajadere Vasantasena geliebt; sie wirft, vor des Geliebten Hause, dem Kleinen ihren Schmuck ins irdene Wägelchen, damit er, nach seinem Wunsch, ein goldenes Dafür haben kann. Dies winzige Spielwerk, also zum Gefäß spendender Zärtlichkeit geworden, heben zuletzt die Liebenden vereint empor als ein Sinnbild zugleich der ganzen Dichtung, die auch nur ein Spiel ist, ein Märchen, aber geboren aus Leben, beschattet von ihm und bewürbet, wie das kindliche Fuhrwerk vom Schmuck; so erhielt das Drama den alten und krausen Namen. * Die deutschen Bearbeiter — auch Feuchtwan - fler — wählten, auf das zierliche Symbol verzichtend greifbarer und aufs Herzstück der Dichtung hinweisend, den Namen des Mädchens, um das in Der Tat alle Begebenheiten sich sammeln. Nicht ohne Grund: denn die Liebesgeschichte der jungen Vasantasena macht den eigentlichen Inhalt des Schauspiels aus — in allen Fassungen, auch Der vorliegenden. Die man einem gegenwärtigen Autor oerDantt. Lion Feuchtwanger hat die Ze. nahe unD Die Volkstümlichkeit Der alten Dichtung gespurt, ihre blühende und ganz einfache Poesie — und ihre großen theatralischen Möglichkeiten. * Der geschichtliche und höchst politische Hintergrund, vor Dem Die Liebesgeschichte sich begibt, ist eine Palastrevolution: Die Entthronung eines sagen- haften und sehr fernen Königs Palaka durch einen jungen Hirten. Dies ist uns gleichgültig und gar nicht wichtig; wir vergessen den Namen des entthronten Herrschers schon und WÄM jd die Eigenschaften Des guten Ofens So fügt sich das National-Indische, das fern Geschichtliche ins Uebernationale und Allgemeinmenschliche ein, das die Dichtung bewegt und über Jahrhundert hinweg aus fernstem und fremdestem Kulturkreis in unsere Gegenwart gerettet hat, die doch sehr anderen Dingen zugetan ist. Im Märchen findet sich wie nirgends in der Dichtung das Widerstrebendste zueinander: Glück und Trauer, Liebe und Tod, Mord und Kinderspiel, Verleumdung und Güte, Aufruhr und Rüpelscherz, Armut und Reichtum, Wahnsinn und Zärtlichkeit wohnen in diesem Schauspiel dicht beieinander und mischen sich zu einer Einheit, die eben nur in dieser zeitlosen Form erträglich und möglich ist. * Deshalb gehört die Verschwörung so gut in die Liebesgeschichte (die immer freilich gleichsam im Vordergründe der Szene spielt) — wie eines braunen Mannes lärmend-lebendige Schilderung vom wildgewordenen Elefanten, der ausbrach und trompetend durch die Straßen stampfte... Oder wie die Episode vom Spieler, der seine Schuld nicht bezahlen konnte, seinen Partnern entläuft und, von den Verfolgern hart bedrängt, auf einen Sockel springt und dort erstarrt, als sei er ein Götterbild. Die andern finden ihn nicht in der Dämmerung und spielen weiter vor dem „Götterbild", bis das, von neuer Spielwut erfaßt, herausplatzt, herunterhüpst und Prügel bekommt. «Chr w *. lSml«h= Bm« »»< bei i1#M " n/W0"216 ,8D 715JA während des Spiels, und Palaka ist uns nur noch ***• irgendein namenloser Gekrönter, ein Märchenkönig 1 aus Tausendundeiner Nacht oder aus Samarkand ... Namen vergehen, aber die Sprache des Märchens ist zeitlos und wird von allen Völkern vernommen, weil es Die Sprache Des Herzens ist. Das sich überall irrten. Als Derblustige Kontrastfiguren sinD vor allem Linkmann, Volck und Ritter in ausgearbeiteten Chargen zu erwähnen. Hais gab Den ernstgemeinten fürstlichen Gegenspieler als eine Kreuzung von boshaftem Faun unD entartetem Dynasten; er schien uns dabei in Der schauspielerischen Verdeutlichung zu weit zu gehen; auch seine dialektischen Fähigkeiten kommen im Gesellschaftsstück, Das sein eigentliches FelD ist, erheblich besser zur Geltung. an 06303 Storm-Hendschel-Llohd-Kursbücher berücksichtigt sein. Diese Kursbücher zeichnen klarer Druck, übersichtliche Gruppierung und zuverlässige Vollständigkeit aller Angaben besonders aus. Alle Ausgaben besitzen aus langjähriger Praxis entstandene Einrichtungen, die ihren Gebrauch vereinfachen und es selbst dem ungeübteren Fahrplanleser ermöglichen, sich mit wenigen Blicken aus einer Storm-Ausgabe zu orientieren. Besonders erwähnenswert ist der sehr umfangreiche, auf farbiges Papier gedruckte Teil „Fernverbindungen", in denen nur die Ausgangs- und Ankunftsbahnhöfe des Schnellverkehrs mit den dazwischen liegenden Llmsteigestationen der betreffenden Route genannt sind. Die Reichsausgabe des Stormschen Kürsbuches und Hendschels Telegraph enthalten außerdem ganzseitige Ueber- sichtskarten mit tabellarischen Angaben über Fahr- und Bettkartenpreise und Schlafwagenmöglichkeiten. Storm-Kursbücher gibt es in sieben verschiedenen Ausgaben. Für unser Verkehrsgebiet kommt neben der großen Stormschen Ausgabe für das gesamte Reichsgebiet noch die kleine, billige Teilausgabe für Westdeutschland in Frage. * ** Aus dem Gießener Standesamts- re gift er. Es verstorben in der Zeit vom 15. bis 30. September: 16.: Ida Emma Marx, geb. Menh, 45 Jahre alt, Wolkengasse 18; 22.: Karl Ernst Wilhelm Finke, Klaviermacher, 62 Jahre alt, Westanlage 31; 24.: Auguste Marie Roese, geb. Wilhelm, 74 Jahre alt, Goethestraße 34; 25.: Levi Stern, Rentner, 74 Jahre alt, Ludwig- straße 29; 28.: Elisabeth Meyer, geb. Uhl, 62 Jahre alt, Westanlage 6; 30.: Karl Reuter 11., Steuerbote L R., 74 Jahre alt, Kaplaneigasse 9. *’ Geburt, Ehe und Tod in Hessen. Rach den Mitteilungen des hessischen Landesstatistischen Amts waren im Jahre 1928 in Hessen zu verzeichnen: Eheschließungen 12 982 (1927: 11 753-, Ehescheidungen 471 (515), Lebendgeborene 25 376 (24 673), Totgeborene 717 (790), Gestorbene (ohne Totgeborene) 15 223 (15 305), Säuglinge 1646 (1695). Im Jahre 1928 betrug die Säuglingssterblichkeit männlich 7.4, weiblich 5,5, ehelich 6,1, unehelich 9,9. Die größte Sterblichkeitsziffer bei Säuglingen weisen die Winter- und Frühjahrsmonate auf. ** Der Krankenstand im Monat A u g u st. Die Zahl der erwerbsunfähig Erkrankten im Hauptverband deutscher Krankenkassen (Sitz Berlin) betrug am Stichtag (1. September) bei einer Mitgliederzahl von 5 781 112 (3111 784 männlich, 2 669 328 weiblich) 3.79 v.H. männlich, 3,87 V.H. weiblich). Die Krankenziffer ist also gegen den Vormonat um 0,10 v. H. gefallen, denn am 1. August wurden 3,89V.H. Erkrankte gezählt. Dieses an und für sich günstige Ergebnis erfuhr bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) im Berichtsmonat noch eine wesentliche Besserung, als hier bei einer Mitgliederzahl von 10812 (6095 männlich 4717 weiblich) 2,91 v. H. (2,59 v. H. männlich, 3,33 v. H. weiblich) gezählt wurden; das bedeutet nach dem Stande vom 1. Aug. (3,79 v. H.) eine Besserung von 0,88 v. H. Richt ganz so günstig lauten die Ziffern bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen (Land). Dort betrug die Zahl der Mitglieder 8272 (5776 männlich, 2496' weiblich), davon waren krank 3,40 v. H. (3,45 v. H. männlich, 3,29 v. H. weiblich). Da am 1. August 3,63 v. H. Kranke vorhanden waren, so beträgt die Besserung hier nur 0,23 v. H. ** Dünsbergfeier. Unter Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung beging der Düns- bergverein am Sonntag in einfacher Weise die Feier des 30jährigen Bestehens seines Turmes auf dem Dünsberg. Das größte Aufgebot der Besucher hatten naturgemäß die um den Berg liegenden Dörfer gestellt, deren Bewohner, angelockt von dem prächtigen Herbstwetter, in großen Scharen zur Höhe geeilt waren. Doch guch von Gießen und Heuchelheim waren die Freunde des Berges in großer Zahl erschienen, hatten doch allein die beiden Zweigvereine des V.H.C. nahezu 100 Personen an Ort und Stelle aufzuweisen; ja selbst Marburg hatte seine Vertretung entsandt. Die Begrüßungsansprache hielt der Schriftführer des Dünsbergvereins, C. Faber, für den durch einen Unfall am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden Geh. Rat M i t t e r m e i e r. Der Redner schilderte u. a. die Entstehung des Turmbaues und gedachte dankbar der damaligen Männer, die es durch reiche Zuwendungen erst ermöglichten, den Bau zustande zu bringen. Auch die beiden Männer, die voll Liebe an dem Berg hingen und viele Jahre lang nichts schöneres kannten, als für den Turm und die Hütte zu sorgen, Fritz Kühn und Ph. Zehner, wurden mit Dankbarkeit erwähnt. Rach der mit einem begeistert aufgenomenem Hoch auf das deutsche Vaterland endeten Ansprache brachten die Vertreter der Wandervereine, Walter (Mar- D Lich, 30. Sept. Gestern vormittag wurde, — wie am Montag schon kurz berichtet —, im Rathause zu Lich die von dem hiesigen O b st - und Gartenbauverein mit Unterstützung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für die Provinz Oberhessen und der Stadtverwaltung Lich veranstalteteObst- ausstellung mit Prämiierung eröffnet. Als Ausstellungslokal diente ein größerer Saal im unteren Stock des Rathauses. Hier war der Aufbau der reich beschickten Ausstellung in fachmännischer Weise unter der Leitung des Obstbauinspektors En kl er von dem Landwirtschaftskammer-Ausschuh für die Provinz Oberhessen vorgenommen worden. Im Verein mit wirkungsvollen Blumen- und Papierdekorationen bot die Ausstellung ein farbenfrohes Bild und hinterließ bei den Besuchern der Veranstaltung einen nachhaltigen Eindruck. Reben der großen Menge der Einzelausstellungen üahmen die von der fürstlichen Gutsverwaltung Lich, der fürstlichen Gärtnerei Lich und dem städtischen Krankenhaus gestellten Sammlungen einen breiten Raum ein. Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine kurze Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Lokalvereins Konrad Schöne, in Anwesenheit eines größeren Interessentenkreises. Als Vertreter der Behörden und Vereine waren anwesend und überbrachten Glückwünsche ihrer Körperschaften für den Landwirtschaftskammer- Ausschuh Landtagsabgeordneter Fenchel, für den Kreis-Obst- und Gartenbauverrin Gießen Garteninspektor L R. Rehnelt, für die Stadt Lich Bürgermeister Geil. Sodann erläuterte Obstbauinfpektor Enkler Zweck und Ziele der Ausstellung. Besonders lehrreich war die anschließende Besichtigung der Ausstellung in den einzelnen Klassen unter seiner Führung. Das Preisgericht, bestehend aus Gartenmeister R e n t s ch (Friedberg) und Oekonom Fischer (Hof-Zwiefalten) hatte bei der Fülle und Güte des ausgestellten Materials keinen leichten Stand. Es hat sich jedoch in sachverständiger Weise der schweren Aufgabe gut entledigen können. Vom Landwirtschaftskammer-Ausschuh für die Provinz Oberhcssen standen für die Ausstellung in der Hauptsache folgende Aufgaben zur Lösung. Aufgabe 2: Drei Sorten Tafeläpfel (je zehn Früchte) die für die hiesige Gegend besonders anbauwürdig sind. Aufgabe 3: T^ei Sorten Wirtschaftsäpfel unter gleichen Voraussetzungen. Aufgabe 4: Drei Sorten Tafelbirnen desgleichen. Aufgabe 5: Zwei Sorten Wirtschaftsbirnen desgleichen. Aufgabe 6: Hervorragende Lokalsorten von Aepfeln und Dirnen je zehn Früchte. bürg) für den Oberhesstschen Gebirgsverein, L. K i n - zenbach für den V.H.C. Gießen und G. Bergen für den V.H.C. Heuchelheim, die Glückwünsche ihrer Vereine dar. Aus allen Reden klang die tiefe Liebe zu dem Dünsberg und seiner herrlichen Umgebung. In den Dienst der guten Sach« hatten sich in dankenswerter Weise der Gesangverein Concordia und der Mandolinenchor aus Fellingshausen gestellt, und erfreuten die Anwesenden durch den Vortrag einiger Männerchöre bzw. Musikstücken, die lebhaften und wohlverdienten Beifall ernteten. So gingen rasch die Stunden in froher Stimmung dahin, und nach einigen Dankesworten des Schriftführers, die in einem „Frisch auf!" auf den hochverdienten Vorsitzenden, mit dem Wunsch seiner baldigen Genesung ausklangen, verließen die Gießener die gastliche Stätte. Aufgabe 7: Drei Sorten Tafeläpfel, die für den Großhandel besonders geeignet sind, sonst wie vor, und als erste Sortierung in Einheitskisten verpackt. Aufgabe 9: Je drei der ertragreichsten Apfel- und Dirnsorten von Riederstämmen je zehn Früchte. Aufgabe 10: Eine grohfrüchtige Apfel- und Dirnsorte von Niederstämmen je 10 Früchte. Aufgabe 11: Eine Sammlung von Kern- und Steinobstfrüchten, Trauben, Quitten, Rüsse und so weiter. Aufgabe 13: Obst- und Deerenwein im Haushalt hergestellt. Aufgabe 14: Eine Sammlung von Ob stund Gemüsekonserven. In der Aufgabe 2 (Tafeläpfel) erschienen die von dem Landwirtschaftskammerausschuh und dem Kreisobstbauverein als Standardsvrten empfohlenen Aepfel häufig und in sehr guter Qualität. Die Sorten Doskoop, Goldreinette von Blenheim, Landsberger Reinette, Harbarts Reinette, Baumanns Reinette, sind bei den hiesigen Züchtern in größerem Umfange verbreitet. Die Aufgabe 3 (Wirkschaftsäpfel) wies gleichfalls eine überaus reichliche Beschickung auf. Sorten Wie Jakob Lebei, Geflammter Kardinal, Doikenapfel und gute anbauwürdige Lokalsvrten, Wie Anhalter und Eckapfel, wurden hier gezeigt. Die Aufgabe 4 und 5 (Dirnen) brachten weniger, aber gutes Material. Dies kann darauf zurückgeführt werden, daß die Dirnen diesmal eine schlechte Ernte lieferten. Dirnen find allgemein schlecht gefragt und daher auch im Preise niedrig. Die Aufgabe 7 (Tafeläpfel, in Einheitskisten verpackt) wurde von mehreren Ausstellern in guter Form gelöst. Viel und gut ausgebildetes Obst war für die Aufgaben 9 und 10 (Riederstammobst) vorhanden. Für die Aufgabe 11 (Sammlung von Kern- und Steinobstfrüchten) hatten besonders die fürstliche Gärtnerei Lich, die Gutsverwaltung Lich, das städtische Krankenhaus Lich und Stiftsdechant Kahn schöne belehrende Gruppen ge- Aufgabe 13 (Obst- und Beerenweine) wurde von verschiedenen Züchtern ausgestellt. Schöne Konserven stellte die fürstliche Gutsverwaltung Lich und das städtische Krankenhaus Lich für die Aufgabe 14 aus. In sehr anschaulicher Weise wurde von Obergärtner Heinrich Schmidt der Werdegang des Baumes durch eine Sammelausstellung dargestellt. Die Sammlung zeigte den okulierten Wildling bis zur Vollendung des Hochstammes. Auch die Urväter unseres heutigen Apfelbaumes waren vertreten durch die Mispel und den Holzapfel. Die Prämiierung. Es konnten nach dem Urteil des Preisgericht- folgende Preise zuerkanrck werden: Aufgabe 2 (Tafeläpfel): 1. Preise: Fürstliche Gutsverwaltung Lich. Stadt Lich. Konrad Schöne, Obergärtner Heinrich Schmidt. 2. Preise: Ernst Pein, Rieder-Dessingen; Dernhard Lind, Stadt Lich, Fürstliche Gutsverwaltung Lick. 3. Preise: Ehr. PH. Herm. Albohn, Franz Müller, Karl Ludwig Zimmer III., Heinrich Heller III. Witwe, Schuhmann Heinrich Kempf, Karl Vogt!., Jakob Eise, Heinrich Schmidt IX. Weiterhin drei Anerkennungen für gute Leistungen. Aufgabe 3 (Wirtschaftsäpfel): 1. Preise: Ernst Pein, Rieder-Dessingen: Karl Ludwig Zimmer III., Stadt Lich, Fürstliche Gutsverwaltung Lich, Obergärtner Heinrich Schmidt. 2. Preise: Konrad Schöne, Richard Radehki, Heinrich Wal- *er: .3. Preise: Heinrich Phil. Stengler, Joh. Heinrich Groh. Weiterhin drei Ane^ennungcn für gute Leistungen. Aufgabe 4 (Tafelbirnen): 1.Preis: Ober- gärtner Heinrich Schmidt. 2. Preise: Heinrich Phil. Stengler, Konrad Schöne. Ein weiterer Aussteller erhielt eine Anerkennung. Aufgäbe 5 (Wirtschaftsbirnen) und Aufgabe 6 (Lokalsorten): Hier wurden für gute Leistungen vier Anerkennungen ausgegeben. Aufgabe 7 (Verpackung in Einheitslisten): 1. Preise: Fürstliche Gutsverwaltung Lich, Konrad Schöne und Stadt Lich. Ein weiterer Aussteller erhielt eine Anerkennung. Aufgabe 9 (ertragreichstes Riederstammobst) : 1. Preis: Obergärtner Heinr. Schmidt, 2. Preise: Ernst Drechsler II. und Wilh. Giebel. Aufgabe 10 (grohfrüchkiges Riederstcunm- vbst): 2. Preis: Ernst Pein in Rieder-Dessingen, 3. Preise: Wilh. Giebel, Heinr. Loh, Konrad Schöne und Ludwig Vogt. Aufgabe 11 (Sammlung von Kern- un6 Steinobstfrüchten usw.): 1. Preis: Obergärtner Heinr. Schmidt, 2. Preis: Stiftsdechant Kcchn, 3. Preise: Hch. Phil. Stengler, Christoph Rollhaus und Fürstliche Gutsverwaltung Lich. Aufgabe 13 (Obst- und Deerenwein): 1. Pr.» Beigeordneter Ihring und Fürstl. Gutsverwaltung Lich. Aufgabe 14 (Obst- und Gemüsekonserven)! 1. Preis: Fürstl. Gutsverwaltung Lich, 2. Preis: Städt. Krankenhaus Lich. Für beste Gesamtleistung in Erzeugnissen des! Obstbaues in wirkungsvoller Ausstattung wurde der Fürspl. Gutsverwaltung Lich und dem Obergärtner Hch. Schmidt je ein Ehren- preis zuerkannt. Das Stadt. Krankenhaus erhielt ein Ehrendiplom. Weiterhin wurde für vorzüglich ausgestelltes Daummaterial in verschiedenen Formen und Arten aus der Fürstlichen Obstbaumschule Lich an Obergärtner Heinrich Schmidt ein Ehrendiplom verteilt. Um das Zustandekommen und den Aufbau der Obstausstellung, der ersten dieser Art in Lich nach dem Kriege, haben sich neben eines ganzen Reihe von Herren namentlich Obstbauinspektor Enkler vom Landwirtschaftskammerausschuh, der Vorsitzende des Lokalvereins, Konrad Schöne, der fürstliche Obergärtner Schmidt und Dürgermeister Geil besondere Verdienste erworben, die allgemein dankbare Anerkennung verdienen. rs Jahre Bürgermeister in Darmstadt. WSN. Darmstadt, 1. Ott. Bürgermeister August Buxbaum feiert am heutigen Tage kein 2 5. Bürgermeisterjubiläum in ifen Sten ft en derStadt Darm ft ab t. Die Stadtverwaltung und die Bürgerschaft schulden ihm für seine baukünstlerischen und organisatorischen Leistungen im letzten Vierteljahrhundert Dank und Anerkennung. Daß er sich auch für unpopuläre Bauprojekte einsetzte, was in manchen Kreisen bei der immer noch herrschenden Wohnungsnot nicht recht verstanden wurde, dafür zeugen seine Beinamen im Obst-Ausstellung in Lich. Liebe in Ketten. Vornan von Hans Mitteweider. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 1 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Käthe, ich war lange in England drüben in meinem Derufe tätig. Dorthin werde ich mit dir reisen, dort können wir ohne weiteres getraut werden. Wir brauchen nur zwei Zeugen, und die habe ich schnell genug zur Hand. Dann sind wir Mann und Frau, bann kann deine Tante ums nichts mehr anhaben, niemand kann es. Käthe, dann wirst du mit mir gehen, und ich will dir geben, was du entbehren mußtest! Alle Freuden sollst du nachholen dürfen, du sollst lachen und fröhlich sein, und ich will dir alle Tage von neuem dafür danken, daß du mir dein Herz und deine Liebe schenktest! Käthe, sa^e ein Wort! Sag' ja, Käthe! Und morgen abend schon hole ich dich! Morgen schon fahren wir beide dem Glück entgegen!" Doch so heiß er auch bat, Käthe Fernau antwortete ihm nicht, sprach das ersehnte Ia nicht aus. Er spürte, daß sie vor Angst zitterte, und in tiefem Erbarmen lenkte er das Doot dem Ufer zu, legte an und half ihr an das Land. Sorgsam führte er sie nach dem Hause ihrer Tante, aber unterwegs sprach er immer wieder auf sie ein, und zuletzt rief er noch: „Ueberlege dir alles, was ich gesagt habe, Liebling! Rur zweifle nicht an meiner Liebe und an meiner Aufrichtigkeit. Ich kann nicht verstehen, daß die Wahl dir schwerfallen kann zwischen dem Leben, das du jetzt führst,' und dem, was ich dir bereiten will! Ich will dich heiraten, Käthe, du sollst meine Frau werden! Und wie du dich auch entschließt, ich werde morgen abend wieder auf dich warten, an derselben Stelle. Kommst du, Käthe?" Sie nickte stumm, dann riß sie sich los, und bald war sie seinen Dlicken entschwunden. Derndt Klausen ahnte nicht, welche Stürme er in dem Herzen der armen kleinen Käthe entfesselt hatte! Schlaflos lag sie im Bett und hörte immer wieder seine Worte, die so berückend klangen, so wunderbar süß. Einen Menschen gab es auf der Erde, der sie liebte! Den ersten! Ihr Herz war so froh, es klopfte so laut, wenn sie dachte, daß sie nun endlich jemand haben sollte, zu dem sie sich flüch. ten. dem sie vertrauen konnte. Liebe! Was war das doch nur? War es Liebe, was ihr Herz erzittern machte? War das die Liebe, durch welche Gatten an- einandergebunden wurden? Und wollte er sie nicht heiraten? Frei, sollte sie werden von der Zucht der Tante, die Welt sehen, lachen und fröhlich fein dürfen! Welch ein unbeschreibliches Glück das sein mußte!! Aber die Tante? Die atme blonde Käthe fand keine Antwort auf all diese Fragen. Blaß und übernächtig erhob sie sich am nächsten Morgen, zitternd vor Angst, daß die Tante eine Frage an sie richten möchte. Aber die alte Frau dachte nicht daran. Sie schien nicht zu sehen, wie blaß und verstört ihre Richte aussah, nicht zu merken, wie sie von Zeit zu Zeit zusammenschauerte. Der Tag verging wie jeder andere, nur, daß Käthe heute nicht fortgeschickt wurde, um irgendeine fertige Arbeit abzuliefern. Und sie wat froh darüber, setzte sich auch nicht hinaus unter die alten Bäume, sondern blieb in dem Stübchen und stichelte emsig. Und dabei waren immer wieder die Frügen in ihr lebendig, die er an sie gerichtet hatte, sah sie d«as Leben locken, das drauhen war mit all seinen Freuden,, und das sie nicht kannte. Immer heißer wurde in ihr das Verlangen, sich ihm in die Arme zu werfen. Ach, nur ein ganz wenig Sonnenschein wollte sie haben! Rur einmal fröhlich sein mit anderen Menschen! Und als der Abend kam, als die Tante sich niederlegte, da wußte Käthe, daß sie zu Berndt gehen würde. Aber sie wußte noch immer nicht, ob das, was sie für ihn empfand, jene Liebe war, von der er so wunderbar geredet hatte. Sie trafen sich wieder an dem versteckten Plätzchen, und noch heller als am Abend zuvor jubelte Berndt Klausen, als er die zarte Gestalt in seine Arme schloß. Roch heißere, beredtere Worte als gestern fand sein Mund. Und als er sie fragte, ob sie mit ihm gehen wollte, da — da nickte Käthe Femau unmerklich. Aber er sah es und er wollte sie an sich reißen. Wiederum besann er sich. Er durfte sie nicht einschüchtern. Sie war so scheu wie ein Vögelchen, das noch nie das Rest verlassen hatte und das beim ersten Ausflug von einem Menschen gefangen wurde — dessen lleines Herz stürmisch gegen die Hand pochte, die es doch nur zärtlich umschloß, das sich fürchtete vor dem, der helfen wollte aus großem, reinem Erbarmen! „Du willst mit mir gehen, Käthelein?" fragte Berndt Klausen. „Morgen nacht schon können wir fort! Ich habe einen Schraubendampfer gemietet, der uns... Doch wozu das alles! Du hast dich entschlossen, mit mir zu gehen und mich dadurch unbeschreiblich glücklich gemacht — und dieses Glück soll mir niemand entreißen können, auch sie' nicht... Sfcin. zittere nicht wieder, Liebling! Traue nur! Ich bin stark und werde dich schirmen ««Sen allez. ^3 yXT drohen kann! Du sollst glücklich werden durch mich. Käthe, wenn du wußtest, tote sehr ich dich liebe! Und du?" Wieder wußte sie nicht, was sie erwidern sollte. Sie konnte nicht Iüg$n, sie ahnte nicht, ob Liebe oder sonst etwas ihr Herz so heftig schlagen ließ. Er drang nicht in sie, er küßte sie auch nicht. Er drückte nur ihre schlanken, weißen Hände an seine Brust; und als sie schieden, stand fest, daß sie am nächsten Abend fliehen wollten. Als er sie nach Hause begleiten wollte, bat sie ihn, es nicht zu tun. Eine schlimme Ahnung preßte ihr das Herz zusammen. Und er ließ sie gehen, beseligt durch die Gewißheit, daß sie nun sein werden würde. Käthe schlich sich an das Haus und wollte das Fenster aufdrücken, das sie angelehnt hatte, als sie hinausstieg. Sie erschrak, als es sich nicht offnen ließ! Zitternd stand sie da und mußte beide Hände auf das Herz pressen, dessen stürmisches Schlagen ihr den Atem raubte. Lange war sie nicht imstande, den Versuch zu wiederholen. Das Fenster mußte sich doch öffnen. lassen! Endlich drückte fi «wieder auf den Rahmen. Vergebens! Das Fenster war zu. Dielleickt hatte sie sich getäuscht? Sie eilte zum nächsten Fenster und drückte dagegen. Auch dieses war fest geschlossen. Was war denn geschehen? Hatte die Tante etwas gemerkt? Schauer der Angst durchrannen das arme Mädchen, das nicht wußte, was es beginnen sollte. Klopfen, bis die Tante erwachte? Rur das nicht! Rur das nicht! — Aber was sonst? Sie sollte sich nicht lange mit dieser Frage quälen müssen, denn schon wurde oben ein Fenster geöffnet und eine hart klingende Stimme sagte: „Gib dir keine Mühe! In mein Haus kommst du nicht wieder! Ich kann nicht mit einem Geschöpf zusammenleben, das nachts heimlich aus dem Fenster steigt, um sich mit einem fremden Manne zu treffen. Geh' zu ihm! Immer geh'! Ich habe belauscht, was er dir sagte! Fahr' nur mit ihm über das Meer! Ich habe nichts dagegen. Ich will den Tag segnen, da ich dich nicht mehr sehen muß. Fort mit dir, fort!" Da wankte Käthe Fernau lautlos davon. Sie kam aus dem tiefen Schatten der Kastanienbäume in das gleißende Licht des Mondes, sie wußte nicht, wohin sie ging, bis die Arme Berndt Klausens sie umfingen und stützten. Sie lieh sich von ihm in den Wirtshausgarten führen, und dort saßen die beiden fast regungslos die ganze Rächt, schweigend. KätA vor Angst zitternd, Berndt vor Glück. Als die Sonne aus dem Meere aufstieg, da geleitete er die Geliebte zu dem Dampfer und übergab sie dem alten Jansen, bis er fein Gepäck geholt hatte. Bald war er wieder bei ihr. Dann fuhren sie fort von Käthes Heimat, nach der Hafenstadt, wo der Dampfer sie aufnehmen sollte. Berndt Klausen hatte in der Hafenstadt für seine kleine Braut viel, viel kaufen müssen, denn sie hatte ja nichts mitgebracht als das, was sie auf dem Leibe trug. Ommer noch hatte er sich gehütet, sie durch Zärtlichkeiten zu erschrecken. Sie war ihm unbeschreiblich banfbar dafür, obwohl sie nicht wußte, was ihr hätte geschehen können. Sie war ganz und gar unerfahren, und sie fürchtete sich säst vor den vielen Menschen, die sie nun alle Tage sah. Sie formte sich nicht freuen, wenn er sie in der Stadt umherführte, und sie bat ihn flehentlich, sie daheim zu lassen, als er sie mit in ein Theater nehmen wollte. Er hatte zwei Zimmer gemietet. Und nie betrat er das ihre,, nie kam er zu ihr. ohne daß sie es erlaubte. Immer wieder versicherte er ihr, daß sie sich nicht vor ihm zu fürchten brauchte. Sie glaubte ihm, sie sah, wie er sich zurück- hielt, aber sie konnte die Furcht doch nicht aus dem Herzen bannen, in dem immer und immer wieder die Frage war: Ist das die Liebe, die herrliche, göttliche Liebe? Und bangen Herzens fuhr sie mit Berndt Klausen auf dem großen Schiffe über das Meer, bangen Herzens betrat sie die Riesenstadt an der Themse. Riesengroß war ihre Furcht, als sie durch diese Straßen fuhren, in denen das Leben brandete wie ein sturmgepeitschtes Meer. Fremde Laute schlugen an ihr Ohr. Sie verstand nicht, was Berndt Klausen zu den Menschen sprach. Sie lieh sich von ihm wieder in ein Gasthaus bringen, das freilich ganz anders war als das drüben in der Heimat — so kahl, so öde, so fremd, wie alles hier! Und nur, wenn Berndt Klausen zärtlich und liebevoll zu ihr sprach, atmete sie auf. Sie konnte sich an ihn schmiegen, das Köpfchen an seine Schulter pressen und seiner Stimme lauschen — stundenlang! Und dann führte er sie eines Tages in ein anderes Haus, das noch öder und fremder war als das Gasthaus, in eine Stube, wo ein Mann hinter einem tintenbeklecksten Tische sah und zwei andere an der einen Wand Platz genommen hatten. Und sie hörte wieder Worte, von denen sie nicht eines verstand. Dann raunte Berndt ihr zu: „Sage „Yes“, Liebste! Es heiht „3a“, denn er fragt dich, ob du meine Frau werden willst. Er traut uns, Kätherle!" Da schaute sie ihn an, dah er diesen Blick fein Leben lang nicht vergessen konnte. In tiefem Erbarmen zog er sie an sich. „Liebste, willst du mich denn nicht glückllch machen?" fragte er. (Fortsetzung folgt) Innung. tetet H Äär^fts. 'chaftsäpfen. , W3^ ' WL Stew^M ln drei oQet, ^h. 5^2 m'?^is: Ober, ^innch ä&' "*" juAv± «W ton ?:• eLDL Ar. Sn??*9 Lich. U SfcSÜS ^Md^mülch>nserven)k Jätung Ach, 2. Preis: -9. Ä V-^9* des 'Er Ausslatkmg wurde Haftung Sich M vchmdt ie em Ehren. Krankenhaus n. Weiterhin wurde für Daummaterial in der. Arten aus der Fürstlichen Obergärtner Heinrich plom »erteilt. mnen md den Ausbau er ersten dieser Art in . haben sich neben eines rren namentlich Obfibou- n Landwirtschaftskammer« dende, des Lokalvereins, er fürstliche Obergärtner emeister Teil besondere 'ie allgemein dankbare An« leifarindarmfabt , 1. Ott. Büraemrister :rt am heutigen Tage sein rjubiläum in oen Darmstadt. Die Stobt- lgerschast schulden ihm für ib organisatorischen Leiftun- .rhunderi Dank und Ancr- iud) für unpopuläre Lau- n manchen Kreisen bei der n Wohnungsnot nicht recht ■ zeugen seine Beinamen im tte in der Hafenstadt für [ viel kaufen müssen, denn ^gebracht als das, was und sie fürchtete sich Achen, die sie nunJ-He nicht fteaen, wem er >rsiihrte, und sie bat chn 'u lassen, als er sie mt in ächt vor -hm ia : ,a6i wsrssi - Ä'ffi« dar«« M' 2lccr ugepertM 5je per, en an rhr Ohr- ®cn« bt -laufen ra in ein id) von lhm war ftellich g^ 5ahl. s° -r Heimat es h>er zärtlich und rutit »* [. Sic k-«»> atmete'^,chen an fel_ i lauschen , in ein .fie-inesLderwa- rt/Lt und sr^m r^ann tjL Äs-he ^genommen eefffn h Platz 9; ^nCn i ^D°rte, von » wieder 5a"> St Dolksmund „August der Starke", „Mussolini" und „Diktator" letzteres aber auch namentlich im Hinblick auf die Rolle, die er mit Erfolg im Bürgermeisterkollegium und in der Stadtverordnetenversammlung spielte. Prof. Eberle, Darmstadt f. WER. Darmstadt, 1. Oft. Gestern nachmittag ist im Alter von 60 Jahren der derzeitige Rektor der Technischen Hochschule, Professor Eberle, im städtischen Krankenhaus nach kurzem Krankenlager einerSepsiserlegen. Durch den Heimgang Professor Eberles verliert die Technische Hochschule Darmstadt einen ihrer bedeutendsten Köpfe. Eberle, ein geborener Pfalzer, hat für die deutsche Wärmewissenschaft ganz außerordentliche Dienste geleistet. Während der schwersten rohstoffarmen Zeit Deutschlands, 1920 und 1921, berief ihn das Reich zum Leiter der Hauptstelle für Wärmewirtschaft. Als er im Jahre 1921 an die Technische Hochschule Darmstadt als Professor für Wärmelehre und -wirtschaft berufen wurde, siedelte die Reichswärmestelle nach Darmstadt über, wo jie Professor Eberle um» und ausbaute. Die dazu nötigen Mittel brachte er zum großen Teil aus seiner privaten Tätigkeit als Jndustrieberater auf. Für die hessische Regierung war er als Regierungskommissar für wärmewirtschaftliche Fragen tätig. So ist nach seinen Angaben u. a. das Braunkohlenkraftwerk Wölfersheim der Hefrag erbaut worden. Auch während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Darmstadt beeinflußte er maßgeblich den Bau und die Einrichtung westfälischer Großkraftwerke. Bekanntlich wurde bet Verstorbene auch in der Frage der hessischen Gasfernversorgung als Gutachter mit herangezogen. Ramens der hessischen Regierung hat Staatspräsident Dr. Adelung an den Prorektor der Technischen Hochschule in Darmstadt folgendes Telegramm gerichtet: „Schmerzlich bewegt spreche ich der Technischen Hochschule wärm st e Anteilnahme aus. Rektor Prof. Eberle wird in unserer dankbaren Erinnerung fortleben als vorzüglicher Gelehrter, uneigennütziger Ratgeber und trefflicher Mensch." Auch der Witwe des Verstorbenen hat Staatspräsident Adelung ein in den wärmsten Worten gehaltenes Beileidstelegramm übermittelt. Oberheffen. Landkreis Gießen. 0 L i ch, 2. Okt. Die Darmstädter Musikantengilde wird am Freitag, 4. Oktober, abends 8.15 Ähr in unserer Marien st ifts- kirche eine musikalische Abendfeier veranstalten. Diese Veranstaltung bringt für Lich etwas Reues. Die Gilde, in der sich aus Liebe zur Musik über alle Berufsgrenzen hinweg eine junge Sängerschar zusammengefunden hat, will durch ihr Singen dazu anregen, daß der Musik sowohl im Dasein des einzelnen, wie auch im Leben der Gemeinde wieder der Platz eingeräumt wird, der ihr zukommt. Die zahlreichen Abendmusiken, die der Chor in Darmstadt, Frankfurt und in einer Reihe von oberhessischen Städten veranstaltet hat, haben bewiesen, daß er berufen ist, in diesem Sinn zu werben. Das Programm enthält neben wertvollen zwei- bis fünfstimmigen Sähen unserer großen Kirchenmusiker als Kernstück eine achtstimmige Motette von Johann Sebastian Bach. Man beachte die heutige Anzeige. s. Utphe, 1. Okt. Die elektrische Stromspannung unseres Ortsnetzes, die seither 110 Bolt betrug, erwies sich schon seit längerer Zeit als zu schwach, da Landwirte und Gewerbetreibende mehr und mehr zum Motorbetrieb übergehen. Damit sich diese nun bei gleichzeitiger Benutzung nicht in ihrer maschinellen Kraftentfaltung beeinträchtigen, wird zur Zeit durch das Ueberlandwerk die Umschaltung auf 220 Volt durchaeführt, so daß der Uebelstand nun behoben ist. Wenn auch elektrische Geräte kostenlos umgearbeitet werden, so ist doch die Umstellung durch die Beschaffung neuer Glühbirnen, die der Stromverbraucher selbst zahlen muß, für viele Haushalte mit erheblichen Unkosten verbunden. 4= Rüddingshausen, 1.Okt. Bei der Versteigerung des Obstes an der Provin- zialstrahe Rüddingshausen—Deckenbach kam der Korb Dirnen im Durchschnitt auf 2 bis 3 Mk. Wie schon kürzlich gemeldet, hat der Sturm in den letzten Tagen einen beträchtlichen Teil der Früchte von den Bäumen gerissen, so daß der Behang merklich zurückgegangen war. Bei der Gemeindeobstversteigerung blieb der Erlös weit hinter dem Vorjahre zurück, da viele sonst stark behangene Apfelbäume in diesem Jahre fast keinen Ertrag lieferten. In der richtigen Erkenntnis, daß der Obstbau eine ergiebige Kapitalanlage ist, hat die Gemeinde schon vor Jahren an einzelnen Wegen junge Obstbäume angepflanzt, die nun die ersten Früchte bringen. Zu erwägen wäre nun, auch alles unge- SaiiernDerlrefer bei der hessischen Regierung. WSR. Darmstadt, 1.Okt. Wie vor einigen Tagen angekündigt, sprachen jetzt die Führer des Hessischen Landbundes bei der hessischen Regierung vor. In Anwesenheit des Staatspräsidenten Dr. Adelung, des Wirtschaftsministers K o r e l l, des Finanzministers Kirnberger und der Referenten fand eine dreistündige eingehende Aussprache über die Rotlage der hessischen Landwirtschaft statt. Der Vorsitzende des Landbundes, Abg. v. helmoll bezeichnete in seinen Ausführungen die Stimmung unter der Bauernschaft als an Verzweiflung grenzend, da die Preisbildung ihrer Produkte einen Lohn für die Arbeit des Bauers und seiner Angehörigen nicht mehr ermögliche. Kein Berufsstand arbeite so ungeheuer, wie die Landwirtschaft. Trotz der niedrigen Preise sei die Ernte kaum verkäuflich, deutsches Obst werde nicht verlangt, während z. B. Weintrauben aus dem Ausland in Riesenmengen eingeführt werden. Die Soziallasten und Steuern wirkten bei dem Sinken der Einnahmen doppelt drückend. Die hessische Regierung möge bei der Reichsregierung die schärfsten Mittel befürworten, auch wenn schließlich der Verbraucher etwas höhere Preise zahlen müsse. Mit Krediten und Subventionen sei der Landwirtschaft jetzt nicht mehr zu helfen. Die Rentenbankzinsen am 1. Oktober müßten Wegfällen. Auch die Abgeordneten Glaser und F e n - ch e l unterstrichen und ergänzten die Ausführungen des Vorredners, insbesondere im Hinblick auf die durch die Dürre eingetretene Futtermittelknappheit. Seit zwei Wochen habe man bereits zur Winterfütterung übergehen müssen. Der Vermahlungszwang für inländischen Weizen müsse schärfer gehandhabt werden. Reben Erleichterungen bei den Landes steuern möge die Regierung auf einen Abbau der Gemeindesteuern hinwirken. Minister für Arbeit und wirtschaft, 6orell betonte in seinen Ausführungen als Grund der schlechten Lage die diesjährige Trockenheit und neben der Konkurrenz des Auslandes den Mangel an Mitteln in allen Ständen. Die Schlachtviehregulierung sei notwendig. Handelspolitisch sei die Einfuhrsperre nicht tragbar. Die Standardisierung habe teilweise versagt, teilweise sich gelohnt. Teilweise sei die Absatzstockung auf Lieberproduktion zurückzuführen. Er werde demnächst den Bierbrauereien die Frage vorlegen, ob sie es bei den heutigen Dierpreisen noch verantworten können, dem Landwirt einen so niedrigen Gerstepreis anzubieten. Zollpolitisch sei er für Schuh von Sonderkulturen, von Vjeh und Diehprodukten, während er bei Getreide von der Wirksamkeit der höheren Zölle nicht überzeugt fei. D i e hessische Regierung werde gegenüber höheren ZollVorschlägen der Reichsregierung für Getreide nicht Rein sagen. Hinsichtlich des Vermahlungszwanges schloß er sich den gemachten Ausführungen an. Finanzminister fiknberger erblickte in dem Kapitalmangel einen wesentlichen Grund der Absatzstockung. Die Stadtbevölkerung sei leider vielsach nicht genügend über die heimische Landwirtschaft aufgeuärt. Die Regierung werde dem Landtag Steuerermä- higungsvorfchläge unterbreiten, wenn sich die Richtigkeit der geschilderten allgemeinen großen Rot erweise. Staatspräsident Dr. Adelung betonte zum Schluß, daß die Regierung den Vorwurf der Rückständigkeit gegenüber der hessischen Landwirtschaft zurückweife. Mit Worten des Dankes für die offene Aussprache schloß er die Unterredung. nutzte Oedland, wie beispielsweise den sog. Sau- Platz links der Straße nach Weitershain, mit Obstbäumen zu bepflanzen. Zwischen der Straße und dem Sportplatz ließe sich eine ausgedehnte Obstplantage Herrichten. Daß die Bäume mit Honigbirnen unrentabel find, hat sich auch bei der hiesigen Versteigerung wieder gezeigt. Für gut behangene Bäume wurden nur geringe Preise erzielt. Bei Wirtschaftsäpfeln kam der Korb auf 1 Mk. — In dem links der Straße Rüd- dingshauf en—Deckenbach gelegenen Basalt- steinbruch von Joh. Ranft, Rüddings- 5 auf en, wurde etwa 2 Meter unter der Erdoberfläche eine, einem umgestülpten Kessel ähnliche Höhle freigelegt. Der Durchmesser der Höhle beträgt etwa 1,5 Meter. Die Wölbung ist ziemlich glatt. Das Gestein ringsum sieht verbrannt aus. Rote Beimengungen lassen auf Eisengehalt schließen. Kreis Schotten. □ Laubach, 1. Okt. Die Kartoffelernte ist hier in der Hauptsache beendet. Sie kann im allgemeinen als recht gut bezeichnet werden. Besonders die Sorten „Industrie" und „Ella" haben reichliche Erträge geliefert. Weniger konnte die „Blaue Odenwälder" befriedigen. Wenn auch die Knollen der Kartoffeln teilweise an Dicke zu wünschen übrig ließen, so hatten sie doch in diesem Jahr alle den Vorzug der Gesundheit: faule Früchte kamen fast gar nicht vor. Die Aussaat des Kornes hat bisher nur ganz vereinzelt begonnen. Der Boden ist noch allzu trocken und die Bearbeitung des Erdreichs ist noch zu schwierig. — Am Sonntag hielt der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs seine Monatsversammlung ab, in der Prof. R oeschen ein Lebensbild des als „Schinderhannes' in weiteren Kreisen bekannten rheinischen Räuberhauptmanns Johannes Dückler entwarf. Der Vortragende hat bereits im Jahre 1891 die Äntersuchungsakten dieses Banditen durchforscht und auch verschiedenes über dessen Peinlichkeit veröffentlicht. Kreis Alsfeld. <5 Dannenrod, 1. Okt. Von der Arbeit heimkehrende Steinbrucharbeiter aus Lehrbach fanden am Samstagnachmittag an dem Waldweg nach Lehrbach (sog. Müllerweg) im Distrikt Hohe Halt auf der Lehrbacher Gemarkung den 65jährigen Waldarbeiter Otto Holz von hier neben einem Steinhaufen liegend tot vor. Morgens war er noch gesund zu seiner Arbeit (Steinschlagen) gegangen und an der Arbeitsstätte angelangt. Nach dem Zurechtlegen seines Geschirrs kam er durch einen unglücklichen Fall in eine schlechte Körperlage, die den Tod durch Ersticken herbeiführte. Großseuer bei der Vahnbedarss-A.-G. inDarmfladl WSN. D a r m ft a b t, 1. Okt. Heute nachmittag kurz vor 3 Uhr wurde Darmstadt durch eine E x» plosion aufgeschreckt. In der Schrauben- f a b r i k der B a h n b e d a r f s - A. - G., in der es erst vor kurzem zu einem Brande gekommen war, hatte sich eine Kohlenstaubexplosion ereignet. Ein dichter Rauchschwaden zog über die Fabrik hinweg. Als die Feuerwehr eintraf, war durch die Explosion der Dach st uhlder Schraubenfabrik in Brand geraten. Durch den starken Wind hatte das Feuer auch auf die anschließende Schmiedehalle übergegriffen, die ebenfalls in Hellen Flammen stand. Die Feuerwehr mußte mit mehreren Löschzügen eingreifen. Vier Arbeiter wurden mit schweren Brandwunden in das Krankenhaus befördert. Einer von ihnen ist seinen Brandwunden erlegen, während ein zweiter gleichfalls mit dem Tode ringt. Trotzdem ein heftiger Regen niederging, war das Feuer nach über ein« stündiger Tätigkeit noch nicht gelöscht. Preußen. Kreis Wetzlar. (l) Münchholzhausen, 1.Okt. Von einem schweren Unglücksfall wurde der Landwirt Heinrich Weller I. von hier betroffen. Er war damit beschäftigt, einen Wagen Kartoffeln vom Felde nach Hause zu fahren. Auf dem abschüssigen Wege wollte er die Vorderradbremse anziehen, wobei er ausglitt und zu Fall kam, so daß der mit Kartoffeln schwer beladene Wagen ihm über den Unterleib ging. Die Verletzungen waren derart schwer, daß der Verunglückte sofort in die Klinik zu Gießen übergeführt werden mußte. Kreis Biedenkopf. XX Frankenbach, 30.Sept. Lehrer Löll, der über ein Jahrzehnt an der hiesigen Schule gewirkt hat, ist vom 1. Oktober ab nach Naunheim versetzt. Berliner Börse. Berlin, 2. Okt. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr verhält/sich die Spekulation wieder sehr abwartend, und die Tendenz bleibt recht unübersichtlich. Nachdem die Kurse gestern abend weitere Abschwächungen erfahren hatten, taxiert man sie heute auf dieser Basis etwa behauptet. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,85, London gegen Mailand 92,85, London gegen Spanien 32,74, London gegen Kabel 4,8625, London gegen Berlin 20,3975 bis 20,40, Kabel gegen"Berlin 4,1945. Büchertisch. — Richard Dillinger: Gedichte. 127 Seilen 8°. 2m Insel-Verlag, Leipzig 1929. (202) — Dillinger, zuvor schon bekannt geworden durch sein „Perchtenspiel" und durch einige lyrische Proben in der bei Reclam erschienenen Anthologie (in der „Literarischen Welt" konnte man kürzlich auch eine kleine Erzählung von ihm lesen) — DiUinger also legt hier nun gleich einen ganzen Dand seiner Verse vor, und man erkennt, wenn man sie aufmerksam gelesen hat, daß sie dem gleichen, festumgrenzten,, kaum je durchbrochenen Dezirk entstammen, wie jenes Le- gendenspiel und jene Erzählung: der Welt süddeutschen Dauerntums: man könnte Dillinger also stofflich am ehesten dem kürzlich entdeckten Theodor Kramer benachbarn: doch scheint uns dieser eine stärkere und ursprünglichere Begabung zu sein als Billinger. Bei Billinger stört immer wieder der barocke Einschlag im Thema sowohl wie im Stil: eine oft und immer wieder zu spürende Verkrampftheit des Gefühls und des Ausdrucks: dazu kommen vielfach holprige Rhythmik und auch unreine Reime: Billingers Lyrik ist merkwürdig spröd und unmusikalisch. Dieser Eindruck ist bei der Mehrzahl der hier vereinigten Gedichte nicht zu verwischen; um so mehr freut man sich, einige aus der Sammlung herausgreifen zu können, die stark und eindringlich ins Ohr eingehen, die schlicht und unmittelbar gefühlt sind und ans Gefühl des Lesenden auch sich wenden: sie heißen etwa: „Ein Brotlaib", „Vorm Schlafengehn", „Gebet des Kindes für die kranke Mutter", „Wir Bauern", „Für die Herrn auf Hub und Hackledtl", „Der Garten haucht" und „Drueghel", eine farbenkräftige Vision vom Wesen und Werk des großen Riederländers. — Ernst Johannsen: Fronterinnerungen eines Pferdes. 54 Seiten 8°. Ladenpreis 1,50 Mk. Fackelreiter-Verlag, Hamburg - Bergedorf 1929 (362). — Das Buch ist „den 9 586 000 Pferden gewidmet, die dem Weltkrieg zum Opfer fielen". Gewiß ist, daß auch der stumm und treu im Kriege kämpfenden und leidenden Kreatur einmal ein Denkmal gesetzt werden sollte: Pferden und Hunden, den unermüdlichen Kameraden des Menschen an der Front. Es hätte zu einem solchen Buche aber die große künstlerische Kraft und die Tierfeelenkenntnis etwa eines Fleuron aufgeboten werden müssen. Johannsens Schrift enttäuscht: er gab mit seinen „Vier von der Infanterie" Stärkeres. Sein Buch geht am Eigentlichen vorbei; es ist nicht objektiv genug. Es hat einige eindringlich geschilderte Episoden, aber im Ganzen verliert sich die Darstellung in die Tierfabel; das Buch ist eine Tendenzschrift gegen den Krieg und vermittelt auf Umwegen die umständlich und durchsichtig zugleich verkleidete Sozialphilosophie des Verfassers. Dazu wäre der Umweg aber nicht nötig gewesen und ist der an sich gegebene, große Stoff zu schade. Entweder: Tendenz, Programm, Leitartikel — oder Bericht, Schilderung, Chronik. Die hier vorliegende Mischung macht keinen erfreulichen Eindruck. — Westermanns Monats 5*f t e , Verlag George Westermann in Braunschweig. — Das Oktober-Heft beginnt mit der Fortsetzung des neuen großen Romans von Rudolf Presber „Die Witwe von Ephesus". Eichner führt uns mit seinem hochinteressanten Beitrag in die farbige Welt des Malers H. Konnerth, der das absonderliche Reich der Künstler verläßt und gleichsam eine neue Gesinnung ankündigt. Richards lieferte einen Aufsatz über den berühmten amerikanischen Humoristen Mark Twain. Werner behandelt den Humor in der Malerei von Clodvwiecki bis Dix. Kappstein schreibt über Verjüngung, ein Thema, über das gerade in der letzten Zeit viel gesprochen und geschrieben wurde. Leutsrt gibt einen Lieberblick über die 8. Ausstellung der Jahresschau deutscher Arbeit „Reisen und Wandern". Detschs Wildwanderfahrt zwingt uns zum Rachdenken, weil der Aufsatz dns wahre Gesicht im Kampf mit Spiel und Sport um den Erfolg zeigt. Ein prächtiger Beitrag ist von Plahmann erschienen, die in Offsett- druck mit herrlichen Bildern über die deutschen Jugendherbergen berichtet. y Ctu/äs /ur Eine Suppe aus Hohenlohe ^Grünkernmehl. frischer Ernte^axftf&Sß SKeinrid) SKrevert &eine EH er t en- u. 2)amen-Sflaßfdjneiderei gießen, EPlocfiJtraße 7 &ernfpredjev 3323 Qualität und Qualitäts-SHrßeit ift das Sßefte, & leg antefte und Sßilligfte 8132D Große Auswahl • Damenhüte • in Filz und echten Velour. Stets das Neueste der Saison zu niedrigsten Preisen Gießen, SellersweO 501, Di teil 11 Eingang Wolkengasse Kein Laden, daher billig! MBH /779L Donnerstag, den 3. Oktober 1929, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: ein Klavier, sechs Büfetts, fünf Vertikos, sieben Schreibtische, vier Bücherschränke, zwei Eisschränke, einen Käseschrank, einen Bilderschrank, drei Kassenschränke, fünf Sofas, einen Serviertisch, einen Sicherschrank, eine Schreibtischkommode, einen Rollenschrank, ein Schrankgrammophon, zwei Teppiche, eine Standuhr, zwei Kredenzen, zwei Schreibtischsessel, einen Rauchtisch, zwei Kleiderschränke, zwei Regulatoren, drei Spiegel, fünf Chaiselongues, einen Elektrisierapparat, zwei Ladentheken, acht Warenschränke, vier Ladenkassen, einen Gartenschirm, sechs Haustruhen, ein Motorrad, zwei Stehleitern, sieben Reisekörbe, vier Schreibmaschinen, vier Blumenkrippen, eine Flurgarderobe, zwei Nähmaschinen, drei Kinderklapostühle, drei Divane mit Sessel, einen Schreibmaschinentisch, einen Glasschrank, zwei Korbmöbelgarnituren, vier photographische Apparate, acht Tische, 58 Stühle, zehn Rohrsessel, 22 m Unifor'nftoff, 51,5 m Wattierleinen-, 27,5 m Mantelstoff, 14,4 m Anzugstoff, 55 m Futterstoff. Oern Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Fernruf 4101 Da die Stadtverwaltung in diesem Zahre keine 002*6 Wetteifer liefert, bin ich bereit, die Lieferung zum Preise von 60 N-. vvo LVette zu übernehmen. Lieferung wle seit» her frei Garten. Bestellungen durch Postkarte an L. Rohde, Dahnhofslr. 26. Werbeberatung! Werbeberater übernimmt Ausarbeitung von Inseraten, Prospekten, Werbebrtesen usw. Honorar nach Vereinbarung. Schriftl. Anfragen ______unter 06296 an den Gieß. AnA. erb. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Gutempfohlener Rann der sich Aum Besuch von Prtvatkunden eignet, von allererstem Hause der Teil- zablungsbranche gegen SvesenAuschuh und bohe Provision gesucht. Schr. Angebote unter 8052V an den Gieß. Anz. sagt Onkel Mollig schmunzelnd, als er Ihren neuen „Frankenia“- Ofen sah. Das Ist wirklich ein Ofen, wie man ihn jeder Hausfrau für die Waschküche wünschen könnte, damit sie endlich einmal all den Wasch-Aerger los wird. Mit dem „Frankenia“ kommt kein gußeiserner und kein betonierter Ofen mit Ein gußeiserner rostet und bricht leicht und ein betonierter widersteht schlecht der Hitze und bröckelt bald ab. Der „Frankenia“-Kessel aber besteht aus Stahlblech mit einer garantiert rostsicheren Feuerverzinkung und einer 25 mm starken Ausmauerung, die die Hitze besser zusammenhält und so Brennmaterial spart. — Und für jeden „Frankenia“ habe ich schöne praktische Kupferkessel vorrätig. Sie sollten sich eine „Frankenla“-Waschanlage einmal bei mir ansehen 1 7J71A J. B. HAUSER, GIESSEN AM 0$ WAL DSCARTEN MA 0Ze flmZie ssfcmn ein. ^besonderer e'mandek des. Auch toirW !°nGeschö Slen Kursen er $®n nid S?ä< QfcJS dl Detter ei Auch die verbunden Sir Ä Teschöst, Ä schreitende ein ausge hier haben men, wähl beiden Lebensmitt auf der eu ^nheit hlerzu bej ümeinscha, fric oder M-mdlm iu weniflj Mil landesvtt Ior presse der Ml S Dank und trachtung werdens ist besonde bundenen Wirkung c mit"* «tel* leit™ die iZahl Zahl der zunickgega die Kime wird die treffen. wenn man Handels de hes Inter« f-chr, fchne sichtigen $ blemen dei Insbesoi Ichren d Lationt gestalti Mensch zelhani sonders i ®efW itiebäfi wollen ruh Punkten m der Deine liche Kem nünftigen: und vieles verbände \ ken für g durchweg das Derk flöten sol den Sinz Ab heute bis einschließlich Donnerstag, 10. Oktober veranstalte ich eine Herren-, Speise- lind Schlafzimmer Küchen und Polstermöbel neueste aparte Modelle 10% Rabatt auf alle polierten Zimmer Carl Stückrath, GieBen, Asterweü 47 8126A Der große Gau-Wettkampf im Kunstturnen der Gaue Frankfurt a. M.-Rhein-Mosel - Hessen findet am 13. Oktober, 14.30 Uhr, In der Volkshalle zu Gießen statt Eintrittspreise Im Vorverkauf: Numerierter Platz............ Mk. 2.- Unnumerierter Platz.......... Mk. 1.— An der Kasse: Numerierter Platz............ Mk. 2.20 Unnumerierter Platz.......... Mk. 1.20 Vorverkaufsstellen bei: Ernst Jung, Papierhaus, Seltersweg; Carl Schwan, Sporthaus, Mäusburg; Christian Spies, Lederwaren, Neustadt; Lang & Wiederstein, Porzellanhaus, Mäusburg; Sporthaus Güsters, Walltorstraße; Geschäftsstelle des Verkehrsvereins, Seltersweg sijod DER GAUVORSTAND Hie Fische SAIMe o.ß. Pfund.....45 Pf. NMsMeNMe Pfund.....60 Pf. ßflöeliöu o.8. Pfund.....60 Pf. SeelM 0.8. Pfund.....45 Pf. Zeine Mimen 1 Ltr.-Dose.88 Pf. Eanöörof 4Pfd.-Laib.75Pf. Ml-MMine Pfund.....65 Pf. 50I0IÖI 811JD Liter.......88 Pf. BeUalMleiscli Liebigstr.71, Tel.3685 Mein Geschält befindet sich jetzt MiorlerSM 0623t H. Benner II. reo. siiiegeltotpfen „ Sltzleien Blaüfeimen s™ vom Bodenfee SWedile frlfffln 3onöer Salm, Seüvllll sowie alle Sorten Seefische empfiehlt lil. fiGti) Ms. gägsbnrfll5, Tel.3612 Kaufen Sie Ihre Pelze in d. Kürschnerei bei Adolf Evers nur Schottstr. 7 I. Umänderungen und Reparaturen extra billig. [06251 Teppiche liefert ohne Anzahlung ausw. Spezialhaus zahlbar tn 12 Monatsraten. Erbitten Sie unverbindlich. Vertreter- besuch unter 809‘JV an den Giefi. Anz. Wiesenheu gutes Futter liefert frei Hof |8122D heim, jaget iv. Ulfa. Telephon 96. ßlaolete AMMW werd, sachgemäh u. preiswert gestimmt u. repar. ©.(Stierte Gießen, ölodflrll Telephon 2403. Verkant v. neuen u. gebt. Klav. Große Flach- und Hindernisrennen zu Sranffurf a. M.-Tliederrad Sonntag, den 6. Oktober 1929, nachmittags 2 Ubr Eintrittspreise: 1. Platz 5 RM. (mit Auto 6 RM.> 2. Platz 2 RM. 3. Platz 1 RM 2632V Die neuen Die neuen Die neuen Die neuen Die neuen bringen wir in einer Auswahl, deren Reichhaltigkeit und geschmackvolle Zusammenstellung, zu niedrigsten Preisen, nicht zu überbieten ist Herbst-Mäntel Tweed-Kleider Wiener Strickkleider Nachmittags-Kleider langen Abend-Kleider Unsere Spezialausstellung bitte zu beachten Unsere MaBanfertigung beweist unsere Leistungsfähigkeit FrxnkeL Spezialhaus für Damenbekleidung Steppdecken Woche 8J31A der mein gesamtes Lager unterstellt ist. Es gelangen an diesen Tagen Decken von der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen zum verkauf. Hiermit bietet sich eine günstige Einkaufsgelegenheit für Hotels und Private. Auf die nicht reduzierten Preise gewähre ich während dieser Sonderveranstaltung einen Rabatt von 10 Prozent Überzeugen Sie sich von der Riesenauswahl der Decken zu wirklich billigen Preisen in meinen Fenstern, die Ihnen mehr zeigen als diese Anzeige sagt. Ein Posten Kinderwagen-Steppdecken ganz besonders preiswert. Bahnhofstraße 31 • Telephon 3565 Suchen Sie einen bequemen Schuh, dabei strapazierfähig und preiswert, so finden Sie im WOLKO- Schuh den „Passenden". Damen - u. Herren-Schuhe zu Einheitspreisen 8.75 W.75 12.75 14.75 Alleinverkauf: Schuhhaus Meyer Gießen, Bahnhofstraße 30. - 1C'. Hs' Wahrhaftig, das Staatsministerium hat ein Einsehen gehabt: hier steht es schwarz auf weiß: „Onkel Frierlg“ darf sich fortan „Onkel Mollig“ nennen, denn er hat Im vergangenen Winter trotz der ungeheuren Kalte auch nicht eine einzige Minute gefroren. E»'”r1 zwareh* Kunststück, bei 30 Grad Kälte nicht zu frieren. Aber I.”Je7e,ihuing ”?nJk,el Mollig» hat es fertig gebracht Er hatte nämlich die Lokale und die Bekannten ausfindig gemacht wo ntan mit „Oranler-Oefen“ heizte. Nur sein eigener Name wollte ihn manchmal frösteln. Das hat nun auch ein Ende. Künftig wird er also nur als „Onkel Mollig» an die Oeffentlichkeit treten. Je B. HAUSER, GB ESS EN AM OSWALDSGARTEN 06300 Lutz Husemeyer vom 8. 0. „Cap Polonio“ mit seinem Salonquartett wurde weiterhin verpflichtet Die Gaststätte der Familie Das Haus moderner Unterhaltungsmusik Caf6„Astoria“ Geistliche Abendmusik in der St. Marienstistskirchc zu Lich ver- anstaliet von der Darmstädter Musikantengilde am Freitag, dem 4. Oktober, abends 8V, Ubr pünktlich. 81100 Choräle, Kantaten. Kanons, Motetten in 2—8stimmtger Besetzung u. Orgelwerke. Programme igleichzeing Eintrittskarten» 50 Pf. Reinerlös zur Hälfte für örtliche kirchliche Zwecke. Fehlt Ihnen die kaufmännische Ausbildung? Dann verlangen Sie sofort kostenlos unsere auf klärende Druckschrift Neue Kurse f 15. Oktober 1929 Vogtsche Handelsschulen Glefoen Herborn Direktion: Gieben, Ooethestra&e 32 8113A ff. Flußfische Hechte, Bresem, Zander Lebende Karpfen usw. In Seefischen größte Auswahl! Fischhaus„Cuxhaven“ Marktstr. 14 Gießen Telephon 2417 la Portland Zement bester Qualität, unter Syndikatspreis C. Röhsamen, Gießen 978D Fernsprecher 3659._______ Heute frisch von der See Schellfische ohne Kopf 8127C Pfund 45 Pfennige. Schade & Füllgrabe Filialen in allen Stadtteilen. Wegen Ausgabe meiner Metzgerei verkaufe ich billig: 1 Blitz, 1 Fleischwolf, 1 modernen Kühlschrank, 1 Aufschnitt- maschine, 1 Wurstkessel, eine Majolika- Waage. 1 Moior r/2 P. S. 06297 Die Maschinen können noch im Betriebe angesehen werden und befinden sich tn bestem Zustande. Conr. Malkomesius, Mäusburg 19 Telephon 3447._______ uckerkranke BJ2V Wie Sie obneHungern zuckerfrei werden, sagt Jedem unentgeltlich Pb. Hergert, WieibadeB.RUckertstr.160 Bahnhofs-Restaurant amiinwiiiii -mmh Vornehme Räumlichkeiten modernster Geschmacksrichtung / Geschlossener Raum für Gesellschaften 0942b CAFE LEIB Reichhaltige Speisekarte Gut gepflegte Getränke Donnerstag, 3. Oktober: Saure Nieren Mk.i.so 7278Ü Felle in allen Größen und Farben Günstiges Weihnachtsgeschenk im großen Ausverkauf Tapetenhaus Ferd. Nennstiel Plockstraße 14 8ioia Nähmaschinenreparaturen aller Fabrikate u. Systeme Fr. Böcker, Bahnhofstr. 5& Mittwoch, 2. Oktober 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Ur. 251 Drittes Blatt Zeitfragen des Mittelstandes ficherungswesen schwand dahin. abgelehnt hat. Zu 2. waltung. Zu 1 bittere Enttäuschung. Die Inflation beraubte auch das Handwerk seiner Rücklagen. In jahrzehntelanger, mühsamer Arbeit aufgesparte Kapitalien gingen verloren, die Versicherungen wurden wertlos, das Vertrauen in die Sparsamkeit und in das Ver- rnuß auf den Beschluß der Spitzenvertretung des Handwerks verwiesen werden, der eine solche Eingliederung als unvereinbar mit einem selbständigen Berufe ablehnt. Auch ist zu bedenken, welche starke Belastung dem einzelnen gung stellen, wenn nicht in jeder Weise lBewLhr für ordnungsmäßige Verwaltung fremder Gelder Insbesondere die alten, nicht mehr erwerbsfähigen Meister traf dies Geschick überaus hart, sie sahen sich von aller Welt verlassen, ja der öffentlichen Wohl- AllersversvWng für das selbständige Handwerk Von Handwerkskammerdirektor W. Schüttler. ström der Kunden ist je nach der Tageszeit verschieden stark und läßt dazwischen arbeitslose Pausen offen. Heue Probleme hat sich der Einzelhandel gestellt durch das Auftauchen der sogenannten Absatzfinanzierungen. Sn der Form der Abzahlungsgeschäfte und der Ratenkäufe des Automobil- und Möbelhandels sind diese Methoden nichts Neues. Qlber eine Ausbreitung besonders auf Konfektions-. Manufatturwaren- und Haushaltungsgeschäfte allgemein hat erst in neuerer Zeit stattgefunden. Es sind hier zwei Systeme im Gebrauch, die nach ihrem Ursprung als das Königsberger und berliner Kundenkreditsystem bezeichnet werden. Bei dem Letzteren ist indirekt die „Frankfurter Allgemeine" als Geldgeber aufgetreten. Eine Erörterung der außerordentlich heiß umstrittenen Frage: „Ist eine Kundenkreditfinanzierung volkswirtschaftlich berechtigt und gesund oder nicht?" soll an gleicher Stelle in einem späteren Artikel erfolgen. Sm Rahmen dieser Zeilen würde es zu weit führen. Ein Schlagwort der letzten Sahre heißt „Wirtschaftsdemokratie". Man kann darunter alles mögliche verstehen. Es darf nicht bedeuten, daß durch den Einfluß politischer Sn- stanzen der Ausbau der Unternehmungen der öffentlichen Hand gefordert wird, durch steuerliche Bevorzugung auf Kosten der Privatwirtschaft. Wir könnten hierin keinen Fortschritt im Sinne moderner Rationalisierung des Wirtschaftslebens, sondern in diesem System nur eine starke Vermehrung des bureaukratischen Verwal- tungsapparates erblicken, der die wahre wirtschaftliche Entwicklung nur hemmt. Was unsere Wirtschaft und vor allem der Einzelhandel braucht, ist verständnisvolles Eingehen des Staates auf die Sorgen und Nöte gerade der mittleren und kleineren Betriebe, ist wirtschaftliche Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit, losgelöst von allen kleinlichen, einengenben Vorschriften! Für die alten, arbeitsunfähigen und nicht mehr versicherungsfähigen Handwerker wurde die Schaffung besonderer Nothllfsmaßnahmen empfohlen. Die Hessische Handwerkskammer beschäftigte sich ebenfalls lebhaft mit dieser Frage. In einer ausführlichen Denkschrift trat der Vorstand am 2. November 1928 vor die Vollversammlung, in der die ganze Angelegenheit nach der historischen Entwicklung und den neuzeitlichen Forderungen beleuchtet wurde. Auch wurden einzelne Vorschläge besonders heroorgehoben und am Schlüsse eine Nothilfe für die alten Handwerker angeregt, zu der die Dollver- sammlung zunächst gutachtlich Stellung zu nehmen hatte. . Aus dem großen Problem gelang es, drei Hauptfragen herauszuarbeiten, zu denen Stellung zu nehmen war, und die auch zum besseren Verständnis hier kurz behandelt werden dürfen. Die Hauptforderungen gingen dahin: 1. Eingliederung in eine bereits bestehende soziale Einrichtung (Invalidenversicherung, Angestelltenversicherung). 2. Schaffung einer besonderen Versicherungsem- richtung für das Handwerk im Reichsgebiet auf Zwangsgrundlage. m r_, 3. Schaffung . einer zwangsweisen Versicherung durch die Handwerkskammern in eigener Ver- Gegen die Schaffung einer besonderen Zwangsversicherung durch das Reich für das Handwerk sprechen zunächst die gleichen Gründe, wie zu 1. Hier wie dort kommt aber noch hinzu die Schwierigkeit der Versorgung der alten Handwerker, die bereits jetzt in den Genuß einer Rente kommen müßten, ohne daß überhaupt Beiträge gezahlt wurden. Die für diesen Zweck erforderlichen Mittel könnten z. Z. weder von dem Reich, noch von dem Handwerk in seiner Gesamtheit aufgebracht werden. Ferner ist zu beachten, daß sofort andere Wirtschaftsgruppen mit gleichen Forderungen auf den Plan treten würden. Man muß doch bedenken, daß das Reich, wie jeder Berufsstand und jeder Betrieb, heute finanziell schwer zu ringen hat. Besondere Mittel für die gedachten Zwecke flüssig zu machen, würde doch nur eine erneute Anspannung der bereits schon über Gebühr belasteten Steuerkraft bedeuten. Zu 3. Die Schaffung besonderer Zwangseinrichtungen durch die Handwerkskammern für ihre Bezirke ist nach der derzeitigen Rechtslage unmöglich. Die Handwerkskammern sind keine Dersorgungs-, oder Versicherungseinrichtungen, diese Aufgaben sind ihrem Wesen, ihrem Tätigkeitsgebiet völlig fremd. Auch wird sich niemals eine gesetzaebende Körperschaft finden, die einer berufsständischen Interessenvertretung eine solche Aufgabe übertragen könnte. Alle diese Erwägungen führen zu dem Schluß, den neuerdings auch wieder der Sonderausschuß des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertags festgestellt hat, daß das Problem auf diesen Wegen nicht gelöst werden kann. Es bleibt für das Handwerk nur der Weg der Selbsthilfe übrig. Das deutsche Handwerk hat sich bereits selbständige Versicherungseinrichtungen geschaffen, die zu günstigen Prämiensätzen Handwerker und Gewerbetreibende in Kapital- und Rentenversicherung nehmen. Jeder Handwerksmeister sollte sich im eigenen und im Interesse seiner Familie um diese Einrichtungen kümmern und mit diesen wegen des Abschlusses eines Versicherungsvertrags in Verbindung treten. Bieten doch die selbstgeschaffenen Einrichtungen des Handwerks die Gewahr sicherer Kapitalanlage, sowie daß das Kapital aus Prämienzahlung, soweit es nicht zur Befriedigung fälliger Ansprüche und Sammlung der Reserven benötigt wird, wieder in Form von Darlehen in der Handwerkswirtschaft arbeitet. Das begreifliche Mißtrauen, heroorgerufen durch Jnflatton und sonstige betrübliche Erscheinungen auf dem Geldmärkte, muß wieder verschwinden. Das Experiment einer Inflation wird kein verantwortlicher Staat mehr auf sich nehmen. Für die Solidität der vom Handwerk geschaffenen Einrichtungen bürgen die Handwerkskammern. Sie würden sich nicht als gesetzliche Berufsoertretung hinter diese Bewe- vorhanden märe. Maßgebend für den Bezirk der Hess. Handwerkskammer ist die Südwestdeutsche Versicherungsanstalt für selbständige Handwerker und Gewerbetreibende Frankfurt a. M., die hinsichtlich der Lebensversic^- rung einen Vertrag mit der Schwestereinrichtung in Hamburg abgeschlossen hat. Werden in vorstehendem nach eingehender J3rü» ung der ganzen, schwierigen Materie die oersicherungsfähigen Handwerker zur Stärkung ihres Verantwortungsgefühls für sich und ihre Familie auf den Weg freiwilliger Versicherung bei den vom Handwerk selbst geschaffenen Einrichtungen verwies en, so bleibt immer noch die Frage offen, was nit den alten, nicht mehr arbeits- und versicherungsq ähigen Handwerkern geschieht. Uebereinstimmend geht hier die Meinung des Handwerks, und zwar in seiner Spitzenvertretung, wie in den bezirklichen und örtlichen Organisationen dahin, daß die Handwerkskammern verpflichtet sind, in Form einer Notmaßnahme für diese Personen! einzutreten. Die Frage ist, ob auf versicherungstech* nischer Grundlage, oder nach dem Prinzip der Fürsorge, d. h. durch Einstellung besonderer Mittel in den Haushaltsplan der Kammer für die Dauer einiger Jahre. Wegen der Durchführung einer solchen Mers- Hilfe auf versicherungstechnischer Grundlage liegt nun ein Gutachten des Prof. Dr. R i e b e {e 11 vor. Dieses geht zunächst von dem Standpunkt aus, die Altershilfe auf 15 Jahre auszudehnen, um ein Hereinwachsen der z. Z. 50jährigen Handwerker in dir Altershilfe mit 65 Jahren zu erreichen. Dies würde eine Hereinziehung sämtlicher aktiv tätiger Handwerksmeister und nach den ausgestellten Berechnungen eine Sonderbelastung von 84 Mark pro Jank bedeuten. Die derzeit unter 50 Jahre alten Handwerker kämen trotz Zahlung dieser Beitrage nickt mehr in den Genuß einer Rente. Für eine solche Regelung kann die Verantwortung nicht übernommen werden, und dieses Projekt sand denn auch von! den maßgebenden Instanzen des Handwerks Ableh- Kursen erneut gemacht werden. Don nicht geringem Einfluß, aber leider einem zwangsmäßigen, ist die Steuerpolitik. Die jetzt beendeten Verhandlungen des Deutschen Städtetages lassen den Schluß zu, daß auf diesem Gebiet mindestens soweit es die kommunalen Steuern angeht, für die nächste Zeit wenig zu offen ist. Das erneute Bekenntnis des Deut- chen Städtetages für die Beibehaltung der Gewerbesteuer, dieser von uns mit Recht als Son- dersteuer bezeichneten Abgabe, und die Forderung auf erhöhte Beteiligung an der Reichsein- kommensteuer. sowie Ausbau der Geträntesteuer müssen in unseren Kreisen eine entschiedene Ablehnung erfahren. Sollte unter der erhöhten Be- teiligung an der Einkommensteuer das Zuschlagsrecht der Gemeinden verstanden sein, so können wir uns damit allerdings befreunden, unter der Voraussetzung der Senkung der Realsteuern. Wrr sind nach wie vor der Meinung, daß nicht der Besitz (denn er ist oft ein schlecht rentierender), sondern das Einkommen in erster Linie Desteuerungsgrundlage sein muß. — Die für uns nung. Muß man hiernach die Unmöglichkeit erkennen, auf versicherungstechnischer Grundlage die Frage der Altershilfe zu lösen, so bleibt nur der Weg, geeignete Mittel in den Etat der Kammer als Notmaß- nähme einzustellen. Diesen Weg hat die Hessische Handwerkskammer auch beschritten. Die Vollversammlung 1929 bewilligte unter Anerkennung der vorgelegten Richtlinien zunächst auf die Dauer eines Jahres einen Betrag von 60 000 Mark, der ohne Erhöhung der seitherigen Umlagesätze aufgebracht wird. Hieraus erhalten arbeitsunfähige, bedürftige und würdige Handwerker, die z. Z. das 65. Lebensjahr über. schritten haben, eine monatliche Zuwendung, ledoch ohne Rechtsanspruch. Die Entscheidung hegt bet einer von der Vollversammlung gewählten Kommission, die auch die Höhe der Unterstützuna nach Prüfung der eingehend erforschten Verhältnisse sesd- setzt. Bericht über die Zuwendungen ist der Vollversammlung 1930 zu erstatten. Bemüht sich so das hessische Handwerk, durch seins Berufsvertretung im Rahmen eigener Mittel die Not der Veteranen des Handwerks einigermaßen ztt lindern, so kann diese ganze Aktton doch nur als eine vorübergehende Notmaßnahme betrachtet werden Und nur von diesem Gesichtspunkt aus ist bfe Angelegenheit zu beurteilen. Dem jüngeren Gs« schlecht muß aus Verantwortungsgefühl heraus für die Sicherstellung im Alter der Weg der Selbffr Hilfe, d. h. der Anschluß an eine bestehende Versicherungsanstalt empfohlen werden. Gewerbesörderung durch Beiriebsberatung Von Or. K Bönnings, Leiter der Gewerbeförderungs- und Betriebs- deratungsstelle der Hess. Handwerkskammer. Allgemein war und ist auch heute noch ÄS Meinung vertreten, daß die „Wissenschaft^ liche Detriebsführung" und die dadurch erzielte Rattonalisierung für die Industrie unbedingt zweckmäßig und notwendig ist, daß aber die Beschäftigung mit diesen Fragen sup das Handwerk von nebensächlicher Bedeutung sei. Hierbei läßt man sich von der Unterstellung leiten, daß man nur in bezug auf die vermehrte Einführung und Ausnutzung maschineller und technischer Vorrichtungen von einer Ratwnalisie- rung sprechen und hierdurch eine verbesserte „Be- triebsführung" erzielen kann. Diese Auffassung ist insofern nicht zutreffend, als diese Fragen mix einen Teil der für die Rationalisierung eines Betriebes in Betracht kommenden Fragen umfassen Gibt es doch zahlreiche Handwerksbetriebe, bei denen die Verwendung von Maschinen und anderen technischen Vorrichtungen eine untergeordnete Bedeutung hat. ,rt _ , Es werden also die Kostenersparnisse durch zweckmäßige Art, Aufstellung und Ausnutzung der Maschinen und der technischen Einrichtungen nicht von ausschlaggebender Bedeutung sein, sondern vor allem auch andere Momente, wie Materialeinkauf, Materialverwendung, das Fertigungsverfahren, die Frage der produktiven und unproduktiven Arbeit, Verwaltungsfragen, hierbei besonders die Kredittoirtschaft, und eine für das Handwerk zugeschnittene Buchführung alS Grundlage für die Kalkulation. Die Betriebsberatung für das Handwerk wird sich also auf alle als Gesamtaufwand für Arbeitsleistung in Betracht kommenden Faktoren erstrecken, auf 1. Materialkosten, 2. Fertigungskosten, 3. Verwaltungskosten, wobei unter Fertigung alle bei der Arbeitsausführung nött- gen Verrichtungen zu verstehen sind. Kann nun trotz der Sndustrialisierung und der dadurch für viele Handwerkszweige entstandene ungeheueren Konkurrenz das Handwerk mit Hilfe der „Betriebsberatung" als Kleinbetrieb Weiterbe stehen? Namhafte Führer der deutschen Volkswirtschast haben diese Frage in durchaus bejahendem Sinn beantwortet. Sie machen vor allem darauf aufmerksam, daß für erloschene Handwerkszweige stets neue auftauchen, wie z. D. die Auto- uno Schreibmaschinen-Reparaturwerkstätten und ühn- geleitet wurden. Die Spitzenoertretung des deutschen Handwerks beschäftigte sich eingehend mit dieser Frage und ließ ein ausführliches Referat von einem maßgebenden Sachverständigen, dem Professor Dr. R i e b e \ e 11 (Hamburg), auf dem Dertretertag in Köln im August 1928 erstatten. Die ausgiebigen Verhandlungen versuchten in das schwierige Problem einzu- bringen, sie tarnen zu einer Ablehnung der von vielen Seiten geforderten Zwangsversiche- rung, da unvereinbar mit dem Charakter des Handwerks als selbständiger Berufsstand, und empfahlen den Abschluß freiwilliger Versicherungen. fahrtspflege preisgegeben. In solchen Zeiten ist es nur zu verständlich, daß der Ruf nach Versorgung für die Zukunft sich in den Reihen des gesamten deutschen Handwerks erhob. Man wies auf die Sicherungen hin, die den Beamten, den Arbeitern und Angestellten gewährleistet ist und forderte auch für das Handwerk Schaffung gleichartiger Einrichtungen. Daß die berufenen Vertretungen des Handwerks aus eigener Ueberlegung an dieser äußerst wichtigen Frage nicht oorübergehen konnten, lag auf der Hand. Drangen zudem doch die handwerklichen Organisationen aller Art auf irgendeine Lösung, faßten Beschlüsse, die an die gesetzlich eingerichteten Instanzen Betriebe, der ja voll die Beiträge zu leisten hätte, auferlegt wird. Nach den Sätzen der Jnvalidenver- icherung wären z. B. zur Sicherstellung einer Rente von 864 Mark jährlich nach Erreichung des 65. Lebensjahres und einer Versicherungszeit von dreißig Jahren eine jährliche Beitragsleistung von 104 Mk., berechnet nach einem Einkommen von nur 36 Mk. pro Woche, Lohnklasse VII, von jedem Handwerksbetrieb zu erheben. Weiter stellte sich bei Erhebungen heraus, daß bas Bebürfnis nach einer solchen Versicherung in ber weitaus überrotegenben Mehrzahl ber Hanowerks- betriebe nur vorübergehenb in Notzeiten auftritt. Bei normalen Wirtschastsverhältnissen wirb ber größte Teil ber Hanbwerksmeifter bie Sorge für seine Zukunft selbst in bie Hand nehmen. Eine gesetzliche Binbung aber in solch anormalen Zeiten, wie ben heutigen, zu schaffen, müßte sich späterhin als ein schwerer Fehler an bem gesamten Berufs- ftanb erweisen, für ben bie berufenen Vertretungen Des Hanbwerks bie Verantwortung nicht übernehmen können. In diesem Zusammenhang barf darauf hingewie» fen werden, daß der Reichsverband des deutschen Einzelhandels dahingehende Bestrebungen eines Teils feiner Mitglieder, die, zum Mittelstand gehörig, sich z. Z. in einer gleichen Zwangslage wie das Handwerk befinden, mit ähnlichen Erwägungen _ » «Ar t / 1 so Wichtige Frage des Steuervereinheit- Der moderne Einzelhandel. I äax’: Don Or A. Moeßner, Syndikus des find Wir noch von einem wirklichen Finanzaus- Landesverbands des heffsschen Einzelhandels. Vor einigen Tagen ging durch die Tages- bänöe, ^er immer wieder energisch zu mahnen presse die Mitteilung von dem Zusammenschluß unb einc baldige Klärung dieser beiden wich- der zwei größten deutschen Banken, der Deutschen tigen fragen zu fordern. Bank und der Discontogesellschaft. In den De- Einen schweren Kampf kämpft der Einzelhan- trachtungen. die die Presse bei dem Bekannt- öeI dur Zeit mit den für ihn in keiner Weise werden dieser gigantischen Fusion angestellt hat, zurechtgeschnittenen Bestimmungen der so- ist besonders stark der Gedanke der damit ver- ziaipolitischen Gesetze. Die Wünsche und bundenen Rationalisierung dieser Unternehmen Bedürfnisse des Konsumenten sind hier oft nicht und die dadurch zu erwartende günstige Aus- in ($inflang mit dem Geschäftsgang des durch Wirkung auf die Wirtschaft erörtert worden, gesetzliche Vorschriften eingeengten Einzelhandels Nicht unerwähnt dürfte dabei aber bleiben, pao $u ßringen. Wir haben die Bestimmung, daß die eine solche Zusammenlegung auch ihre Schatten- Ladengeschäfte von 7 Uhr abends bis 1 Uhr feiten hat, die sich in ber Entlassung von einer morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlos- grohen Anzahl Angestellten und m einem ver- fcn gcf)alten werden müssen. Man denke sich in schärften Konkurrenzkampf der Banken unter» die peinliche Lage eines Einzelhändlers, beson- einander hauptsächlich auswirken muß. Diese Ge- Quf dem Lande, von dem während der dankengänge kehren wieder, ob es sich nun um @rntcdeit von den spät abends heimkommenden Zusammenschluß in der Bankwelt, in der Jndu- Landwirten oft noch um 10 oder 11 Uhr abends strie oder im Handel dreht. Gerade die vtruk- die Hergabe von Waren verlangt wird. Ver- turtoanblungen bei dem letzteren werden viel fauft er ste, so hat er sich strafbar gemacht, wei- zu wenig beachtet, obwohl auch sie von einfchnei- I gert stch, so hat er einen Kunden verloren, dender Bedeutung sind, insbesondere für die Ag soll hier ganz gewiß nicht an eine Rückkehr Frage der weiteren Existenzberechtigmig und ,u ^en früheren Zuständen gedacht werden, wo Existenzerhaltung des selbständigen Mittelstan- bie Geschäfte oft bis Mitternacht nutzlos äffendes. Auch im Einzelhandel sind riesenhafte Unter- gehalten wurden, aber für gewisse ländliche De- nehmungen durch Aufkauf und Fusion nut an- girf(» ^uh im Interesse der Konsumentenschaft deren Armen entstanden, es sei hier nur an die eine Ausnahme von der starren Reglementte- beiden Firmen Tietz, Karstadt und die großen rung möglich sein. Dasselbe gilt für den schema- Lebensmittelfilialfirmen erinnert. So bestimmt wischen Achtstundentag: der Einzelhändler kann auf der einen Seite durch diese Rationalisierung ni$t fcin Geschäft nur acht Stunden am Tag die Schlagkraft dieser Unternehmungen der auf halten; eine weitere Einstellung von Per- Warenhaus-, Lebensmittelfilialgeschäfte und gro- fonai würde die Spesen wesentlich erhöhen, ohne her Spezialgeschäfte erhöht worden ist so kami öen Einsatz zu steigern. Auch hier muß verlangt man doch nicht ohne ernste Sorge an die Ruck- werden, daß im Einzelhandel die sogenannte Wirkungen auf die übrigen Kreise des w Arbeitsbereitschaft anerkannt wird; denn der Zu- zelhandels denken. Das Strahenbild im Geschäftszentrum unserer Stadt hat sich gewandelt, die Zahl der Großfirmen hat zugenommen, die Zahl der kleineren und mittleren Geschäfte ist zurückgegangen, und wer von älteren Leuten noch bie Firmenschilder feiner Jugendzeit sucht, der wird die übergroße Mehrheit nicht mehram- i Q um bie Zukunft bei Arbeitsunfähigkeit treffen. Es kann daher Es^n b^s Emlel^ und Alter hat bie Angehörigen bes Handwerker- to™ man auch ^..>n drecken des Emzel- g alten Zeiten beschäftigt. Schon bie alten Handels der Modernifierung des Geschäftes gro i, Eimichtungen zur Hilfe bei Kränkstes Interesse entgegenbringt, und daß die 1 unb Mer ins lieben, stets aber war ber fahr, schnell rudftantng &u werden, ie^n en der hervorragenbsten Zeichen bes sichtigen Einzelhändler zwingtz sich mit den Pro- i \) o blemen der wirtschaftlichen Neuzeit zu befassen. y[s frei*er Beruf, gestützt auf feinen Arbeits- Insbesondere zwingt hierzu das seit einigen eifer, brachte es bie größte Zahl der selbständigen Jahren diskutterte Thema: „Wie ist eine Handwerker immer wieder auch in schweren Zeiten Rationalisierung in dem so viel- fertig, durch Sparsamkeit unb Enthaltsamkeit ein gestaltigen und hervorragend auf gewisses Kapital aufzusparen, einen Notpfennig für Menschenkr af t angewiesenen Ein- das Alter zurückzulegen. Vorsichtige schlossen bei- zelhandel möglich?" Hierher gehört be- 3eiten einen Versicherungsvertrag zur Versorgung sonders das Durchdringen und Erkennen des für bie Zukunft. Geschäfts mit den Mitteln moderner Be- Kriegs- unb Nachkriegszeit brachten allerbings t rieb s statt st ik und Buchführung. Wir auch bem Hanbwerk in diesen, man kann wohl wollen ruhig zugeben, daß es gerade in diesen sagen, berufsüblichen Gepflogenheiten schwerste unb Punkten noch bei vielen Firmen hapert. Gerade — der Betriebsstatistik verdanken wir eure gründliche Kenntnis der Geschäftsunkosten, einer vernünftigen Lagerhaltung, der Saisonschwankimgen und vieles mehr. Don einer ganzer Reihe Fach- verbände find seit einigen Jahren solche Statistiken für ganz Deutschland aufgezogen, die fast durchweg auf den Umsatz abgestellt sind und das Verhältnis der einzelnen Unkosten zu ihm klären sollen. Die Jahre 1928 und 1929 haben für den Einzelhandel keine erfreulichen Dilder ge- | zeigt. 1928 brachte eine erhebliche Steigerung 1 der Geschäftsunkosten bei an sich langsam fortschreitendem Umsatz; 1929 hat sich bis seht als ein ausgesprochenes Krisenjahr erwiesen, auch hier haben die Unkosten, rein absolut, zugenommen, während die Umsätze allgemein erhebliche Einbußen aufweifen. Desonders sind es die Monate Februar, März und September 1929, die starke Umsatzrückgänge gebracht habem Neben dem herrschenden Geldmangel hat hier das Wetter einen tiefgehenden Einfluß ausgeubt. Auch die Umfatzhäufigkeit und -geschwindigkeit, verbunden mit nicht zu großer Lagerhaltung, gehören in das Gebiet der Gefchäftsrationali- fierung. Um den mittleren und kleineren Geschäften die Einführung einer methodischen und praktischen Duchhaltung zu erleichtern, sind schon lange Bestrebungen für die Herausbildung einer Einheitsbuchführung im Gange; eine hierzu bestimmte Kommission bei der Haupt- gemeinschaft des Deutschen Einzelhandels wird gerade in diesen Tagen, am 4. Oktober, ihre Arbeiten fortsehen. Daneben soll auch das -Interesse von Geschäftsherr und Angestelltenschaft für alle modernen Fragen der Detriebsführung durch Abhaltung von Vorträgen und Kursen angeregt unb wach gehalten werden, die von der Abteilung „Derkaussberatung" der Hauptaemeinschaft des Deutschen Einzelhandels ausgehen. Die richtige Behandlung des Kunden ist von größter Wichttgkeit, und die Psychologie des Kundendienstes ist eine Wissenschaft, die in jebem Geschäft, ob groß ober klein, gepflegt bzw. angewandt werden kann. Speziell für unser Gebiet, Freistaat Hessen, wird von feiten unserer Landesorganisation in diesem Winter der Besuch mit Einrichtung von örtlichen ober bezirklichen liche. Man hat schon in der Zeit um 1880 allgemein von dem Niedergang des Handwerks gesprochen und ihm ein nahes Ende prophezeit. Aber bis heute lebt es noch, und es ist auch noch weiterhin lebensfähig, wenn es mit der Zeit geht. Dei, ersten Anstoß zu einem erneuten Aufleben innerhalb des Handwerks gab die Novelle zur Gewerbeordnung im Jahre 1881. die eine Neubildung von Organisationen anregte. Ein weiterer Schritt geschah in dem Handwerkergeseh pon 1897, das als Kontrollinstanz die Handwerkskammern brachte. Erst 1919 wurde im „Reichsverband der Deutschen Handwerkskammern" ein Zusammenschluß der beruflichen und wirtschaftlichen Interessen geschaffen. Hier konnten auch zuerst im großen Rahmen die Fragen behandelt werden, die heute wiederum im Mittelpunkt stehen: Die Frage der Wirtschaftlichkeit der Betriebe, die Konkurrenzfähigkeit gegenüber Angehörigen anderer Wirtschaftsverbände. Zur Bearbeitung und Untersuchung dieser Fragen wurde im Jahre 1919 mit dem Sih in Karlsruhe das „ Forsch ungsin st itut für rationelle Betriebsführung int Handwerk" gegründet mit der Ausgabe, das Handwerk planmäßig zu erforschen und die technischen und kaufmännischen Bctriebseinrichtungen zur Derbesserung der Wirtschaftlichkeit zu fördern. 3m 3ahre 1921 wurde dieses Institut als Zentralstelle für den Neichsverband des Deutschen Handwerks anerkannt. Gleichzeitig wurde durch den Neichsverband ein Institut in Hannover eingerichtet, und zwar „W issenschaftliches Forschungsinsti- tut für Handwerkerpoliti f“. Diese Stelle war eingerichtet zur Untersuchung folgender Fragen: 1. Welche Bedeutung hat das Handwerk als Berufsstand für das deutsche Volk? 2. Welchen Anteil hat es an der Gesamtproduktion der deutschem Wirtschaft? 3. Welche sozialpolitischen Massenerscheinungen gedeihen auf dem Boden des deutschen Handwerks? Da in manchen Punkten beide Institute gleiche Fragen zu lösen hatten, lag der Gedanke nahe. zusammenzulegen, und so entstand das „3 n - ft itut für Handwerkswirtschaft" (Deutsches Handwerksinstitut), mit dem Ätz in Berlin, mit folgendem Programm: 1. Die Einfügung des gesamten Handwerks und handwerklichen Schaffens in die neuzeitliche Entwicklung, Anpassung an dem neuen Aufbau der Gesamtwirtschaft. 2. Die Pflege und Entwicklung der technischen und kaufmännischen Betriebsführung im Handwerk und damit zugleich eine aktive Beteiligung des Handwerks an der technischen Weiterbildung des modernen Produktionsapparates. 3. Die Erforschung und Klarlegung der Beziehungen des Handwerks zur Gesamtwirtschaft, zum Staat, zu den übrigen gesellschaftlichen Schichten des Volkes, und Erziehung der jungen Heranwachsenden Handwerkerschaft zur Erkenntnis dieser wirtschaftlichen, - politischen und sozialen Bedingungen und Zusammenhänge. 4. Die Förderung der traditionellen Handwerkerkultur, sowie ihre organische Weiterentwicklung im Rahmen der modernisierten Betriebssorm. 5. Die Pflege der Idee des deutschen Handwerks als eines notwendigen Bestandteiles der Gesellschaft und Bolkskultur. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Zentralstelle nicht direkt befruchtend auf den „Einzelbetrieb" einwirken und daß sie nicht die hier erforderliche „Kleinarbeit" leisten kann. Deshalb wurden bei fast allen Handwerkskammern sog. „Gewerbefördtzrungs- und Betriebsberatungsstellen" für die Belange der einzelnen Kammerbezirke eingerichtet, die folgende Aufgaben zu erledigen haben: 1. Betrieb: Betriebsorganisation, Betriebs- aufnahmen, Llmstellung von Betrieben, Derbesserung der betriebstechnischen Einrichtungen, Materialbeschaffung, Materialuntersuchung, Absatzmöglichkeiten, Unterlage« für Kalkulation, Reklame, Ausstellungen. ■2. Berufsausbildung: Berufsberatung (hier: Gemeinschaftsarbeit mit den Berufs- ämtern); Lehrgänge für praktische Lehrlingsausbildung: Fachkurse: Fachschulen: - Vorbereitungen für die Meisterprüfung: Prüfungsordnung für die Gesellen- und Meisterprüfungen nach Ginzelberufen. 3. Vortragswesen. 4. Kaufmännische Detriebsfüh- tung: Hier Zusammenarbeit mit den Duch- stellen der Handwerkskammernebenstellen. 5. Musterschutz und Patentwesen: Beratung und Verwendung. Die einzelnen Bezirksstellen stehen in dauernder Fühlung miteinander und mit dem Deutschen Handwerksinstitut. Alljährlich einmal findet im Anschluß an die technische Messe in Leipzig eine Tagung dieser Stellen statt, auf welcher im Vordergrund immer wieder die Frage steht, auf welche Weise am besten die Erfahrungen und die Hilfe dieser Stellen an das Handwerk herangebracht werden. Das Handwerk ist seiner Einstellung nach sehr konservativ, nur Fälle von dringender Notwendigkeit veranlassen in der Regel den Handwerker, von dem altgewohnten Arbeitsgang abzugehen und sich neuerer Arbeitsmethoden zu bedienen. Dazu kommt, daß in der heutigen wirtschaftlich schweren Zeit, in welcher der Handwerker kaum die Barmittel in der Hand hat. seinen Betrieb in dem Zustand von heute zu erhalten, den meisten die Mittel fehlen, plmstellungen irgendwelcher Art vorzunehmen, auch wenn dec Erfolg dec Erneuerung überzeugend vor Augen liegt. Hier für die Bereitstellung von Mitteln zu sorgen wird also die dringendste und notwendigste Voraussetzung für eine durchgreifende Tätigkeit dieser Stelle sein. Es kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß dies wenigstens zum Teil im Freistaat Hessen gelungen ist, indem die Regierung von der Erkenntnis der Wichtigkeit und der Bedeutung handwerklicher Betriebe geleitet wurde. irtschafi Ul' Oie Wirtschaftslage in Preußen. Rach einer auf Grund von Berichten der preußischen Industrie- und Handelskammern und des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammer- tagcs im Ministerium für Handel und Gewerbe zusammengestellten Tiebersicht war die Wirtschaftslage im September in den Produktionsmittelindustrien nicht ungün- st i g, in den Derbra uchsgüterindu- ft r i e n dagegen weniger befriedigend. Im Handel und Handwerk war die Lage nicht einheitlich. Eie befriedigte nur teilweise. Die verhältnismäßig günstige deutsche Ernte vermochte die Lage der Landwirtschaft noch nicht zu bessern: auch konnten die ergriffenen gesetzgeberischen Maßnahmen wegen der günstigen Ernte des Auslandes dieses Ziel noch nicht erreichen. Die Ausfuhr stieg im August um 91 Mill. Mark gegenüber dem Vormonat. Der Ausfuhrüberschuß erreichte eine Höhe von 117 Millionen Mark. Die ungeklärte innerpolitische Lage, insbesondere die Finanzlage der öffentlichen Hand, beeinflußt den Geldmarkt und drückt zugleich mit den hohen Steuern die Entwicklung der Wirtschaft. Gießener Herbst-pferdemarki. Auf dem heutigen Pferdemarkt in Gießen waren 264 Pferde und 24 Fohlen auf getrieben, gegen 410 Pferde und 27 Fohlen beim Herbst- Pferdemarkt 1928. Der Besuch des heutigen Marktes ließ gegenüber den früheren Märkten zu wünschen übrig. Die Kauflust war gering, das Geschäft schlecht. Bei den zur Prämiierung vorgeführten Pferden handelte es sich durchweg um gutes Material, bei den zum Verkauf stehenden Pferden fielen die schweren Pferde (Belgier) besonders auf. Das übrige Material war meist von mittlerer Qualität. Als Verkaufspreise wurden erzielt: Schlachtpferde 100 bis 200, mittlerer Schlag 500 bis 700, schwere Pserde 1200 bis 1500 Mk., in einzelnen Fällen auch mehr. Schweinemarkt in Gießen. Der heutige Schweinemarkt in Gießen war mit 130 Ferkeln beschickt. Da infolge der unbeständigen Witterung wenig Käufer erschienen waren, ging der Handel etwas schleppend, so daß kleiner Ucberftanb verblieb. Es kosteten Ferkel bis zu 7 Wochen 32 bis 40 Mk., von 8 bis 10 Wochen 45 bis 50 Mk., von 10 bis 12 Wochen 50 bis 58 Mk. Der nächste Markt findet am 6. November statt. * Insolvenzen im September. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im September durch den Reichsanzeiger 657 (im August 739) neue Konkurse, ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung, und 364 (492) eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. * Ablösungsanleihe der Stadt Worms. Das hessische Gesamtministerium hat jetzt der Stadt Worms die Ausgabe von Inhaberschuldverschreibungen über 20 000 Mk. ohne Auslosungsrechte und über 515 000 Mk. mit Auslosungsrechten zum Zwecke des plrntausches von Markanleihen in Ablösungsanleihe genehmigt. Die Ablösungsschuld wird in 30 Iahresraten getilgt, die durch Barzahlung des sechsfachen Nennwertes und 5 Prozent Zinsen eingelöst werden. ' Kapitalerhöhung bei den Zschopau er Motorenwerken. Die bereits vor einiger Zeit angekündigte Kapitalerhöhung der Zschopauer Motorenwerke I. S. Rasmussen wird nunmehr durchgeführt. Das Aktienkapital wird von einer Million auf 10 Millionen erhöht. Die .Uebernahme der Aktien erfolgt teils durch den bisherigen alleinigen Aktionär und Leiter der Firma I. S. Rasmussen, teils durch ein Konsortium. Dadurch sind die verantwortlichen Mittel der Gesellschaft in ein angemessenes Verhältnis zu der in den letzten Iahren durchgeführten erheblichen Vergrößerung der Produktionskraft des -Unternehmend und der erhielten Umlähe gebracht. Weiterhin hat die Firma ein langfristiges Darlehen zur Konsolidierung ihrer Verbindlichkeiten ausgenommen. Der Iahres- umsah 1928 betrug etwa 42 Mill. Mk. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Oft. Tendenz: lustlos. — Auch heute erfuhr die allgemeine Börsenstimmung keine Besserung. Die schwache Haltung der gestrigen Auslanddorsen verfehlte ihre ungünstige Wirkung nicht. Daneben mahnte die ä u ß e r st angespannte Haltung der internationalen Geldmärkte hier zur Zurückhaltung, wobei man besonders auf den steifen Neuyorker Geldmarkt verwies. Außerdem wandte man heute der durch die Ungewißheit über die Arbeitslosenversicherung verschlechterten innerpolitischen Lage große Aufmerksamkeit;u. Die Geschäftstätigkeit hielt sich in unverändert engem Rahmen, da btc Kulisse und die Kundschaft Zurückhaltung bekundeten. Ferner wurden in nur geringem Umfange neue Realisationen oorgenommen, doch genügten diese Abgaben, um bei der bestehenden Aufnahmeunlust auf den meisten Märkten neueKursrückgänge herbeizusühren, zumal auch heute von einer Inter- oentionstätigteit der Banken zunächst nichts zu be- merken war. Einen erheblichen Kursrückgang erlitten die Glanz stoffwerte, die im Zusammenhang mit dem Tode des Vizepräsidenten der amerikanischen Glanzstoffgesellschaft auf größere Abgaben 9 v. H. einbüßten. Bemerkenswert abgeschwächt waren ferner Deutsche Linoleum (minus 4) und Zellstoff Waldhof (minus 3 v. H.) Am Elektro- marft konnten die Fusionsgerüchte der Gesfürel mit Löwe keinen Einfluß ausützen. Schuckert und Siemens verloren 1 v. Sy, Chadeaktien minus 5,5 Mark und stärker gedrückt. Am Chemiemarkt verloren I.-G.-Farben erneut 1 v. Sy, ebenso Scheideanstalt minus 1 v. H. Montanwerte und Schiffahrtsaktien waren etwa 1,5 v. H. gedrückt. Banken blieben überwiegend knapp behauptet. Am Markte der Bauunternehmungen gaben Wayß & Freytag 1 v. Sy und Zement Heidelberg 1,5 v. H. nach, während Hoch- und Tiefbau sich behaupten konnten. Adlerwerke konnten gegensätzlich zur Allgemeintendenz 1 v. H. anziehen. Neubesitzanleihe gaben weiter nach, Anleihen mit Auslosung dagegen geringfügig fester. Ausländische Renten still. Nach den ersten Kursen war die Haltung vorübergehend etwas freundlicher, da von Bankseite ein Teil des angebotenen Materials ausgenommen worden sein soll. Auch lagen von Berlin günstigere Nachrichten über d i e innerpolitische Lage vor, nach denen man mit ziemlicher Bestimmtheit die Vermeidung einer Regierungskrise erwartet. Späterhin zeigten die Kurse jedoch wieder lebhaftere Tendenz. Farben, Elektrowerte und Glanzstoff waren weiterhin angeboten und 0,5 bis 1,5 v. Sy schwächer. Am Geldmarkt trat eine gewisse Unsicherheit zutage. (Tagesgeld 8 v. H.) Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1952, gegen Pfund 20,40, London gegen Kabel 4,8618, gegen Paris 123,85, gegen Mailand 92,66, gegen Madrid 32,75, gegen Holland 12,1050. Berliner Börse. Berlin, 2. Okt. (Eig. Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Die schwache Haltung der internationalen Börsen, die weiteren Goldverluste der Bank von England und die im Hintergrund akut bleibende Gefahr einer weiteren Londoner Diskonterhöhung, innerpolitische Sorgen, eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage und ein ziemlich geheimnisvoller Tod eines Bemberg-Direktors in Amerika hatten im heutigen Dormittagsverkehr eine ausgesprochene Unsicherheit ausgelöst. Die schwächeren gestrigen Abendkurse wurden noch um mehrere Prozent unterschritten, und speziell Kunstseidenwerte waren stark angeboten. Schon vorbörslich machte sich bann aber eine gewisse Widerstandsfähigkeit bemerkbar, und die ersten Kurse lagen auf Interventionen desBankkonsortiums bereits schon wieder erholt. Das teilweise vom Auslande stammende herauskommende Material wurde, wenn auch zu gegen gestern 2 bis 3 v. Sy niedrigerem Kurse, ausgenommen. Bei der Spekulation blieb aber die Unsicherheit bestehen, Käufer waren in der Hauptsache Bankfirmen. Die Reichskreditgesellschast, die Disconto-Gesellschast und Mendelsohn zeichneten sich hierbei besonders aus. Heber den angegebenen Durchschnitt hinaus gedrückt lagen die Kunstsei» denwerte mit Verlusten von 7 bis 7,5 v. Sy Schubert & Salzer, Ilse Bergbau, Stolberger Zink und Gesfürel um zirka 4 v. Sy abgeschwächt. Bemerkenswert ist die feste Haltung der Tietz-Aktien, die 2,5 v. Sy höher einsetzten. Deutsche Anleihen zur Schwäche neigend. Von Ausländern Mexikaner weiter schwach, im Einklang mit der Schwäche dieser Renten in Neuyork. Pfandbriefmarkt eher freundlicher. Der Geldmarkt war eine Kleinigkeit entspannt. Die Sätze haben aber bisher noch keine Veränderung erfahren. Tagesgeld 9 bis 11 v. H., vereinzelt darunter bis 8,5 v. H.: Monatsgeld 9,25 bis 10,5 u. Sy ; Warenwechsel ohne zuverlässigen Satz. Nach den ersten Kursen machte die Erholung bei ruhigem Geschäft weitere Fortschritte. Bei den Haupt-Spekulationswerten betrugen die Kursbesserungen 0,5 bis 1,5 v. Sy Die heute bekanntgewordenen Fusionsabsichten zwischen der Gesfürel und Ludwig Löwe und der A.-G. für Wasser- und Elektro-Anlagen hatten auf die Kursentwicklung dieser Papiere keinen Einfluß. Der Reichsbankausweis, der eine Anspannung der Kapitalanlagen in Wechseln, Schecks und., Lombards um 662 Millionen, eine Vergrößerung des Notenumlaufes um 754 Millionen und eine Verschlechterung der Deckung um zirka 7 v. Sy auf 45 respektive 51,8 v. H. brachte, war wohl nicht der Grund für die spä ter uneinheitliche Tendenz, sondern außer der Geschäftsstille rief die Angst vor der Möglichkeit einer abermaligen Diskonterhöhung in London eine nervöse Stimmung hervor. Frankfurter Getreidehandelstag. Frankfurt a. M.. 1. Ott. Der Besuch deS Getreidehandelstages in Frankfurt a. M. war gut, besonders aus dem Rheinland, aus Mittel- und Süddeutschland. Der Osten Deutschlands war dagegen nur sehr schwach vertreten. Die allgemeine Wirtschaftslage bewirkte eine gewisse Zurückhaltung der Käufer, trotzdem wider Erwarten höhere Kurse vom Ausland Vorlagen. In 2n- landweizen war verhältnismäßig geringes Angebot: Mühlen und Händler traten stärker als Käufer hervor, so daß der Weizenpreis um 0,25 bis 0,50 Mk. erhöht werden konnte. In Roggen war Angebot und Nachfrage gering, der Preis lag 10 Pf. höher. Der Wehlmarkt lag ruhig, ebenso der Futtermittebnartt. Der Handel fand zu folgenden inoffiziellen Preisen statt: Weizen 24 bis 24,65. Roggen 19,15 bis 19,25, Sommergerste 20,75 bis 21, Hafer 18,75 bis 19, Mais 19,25 bis 19,50, Weizenmehl (süddeutsches und niederrheinisches) 37,25 bis 38, Roggenmehl 27,25 bis 29, Weizenkleie 10,75 bis 10,90, Roggenkleie 11 bis 11,10. Frankfurter Getreidebörse Frankfurt a. M., 2. Oft. Am heutigen Hauptmarkt blieb das Auslandangebot in Weizen weiter gering. Andererseits bekundete jedoch die Händlerschaft infolge der niedrigeren AuS- landnotierungen nur wenig Kaufneigung. Immerhin genügte die Nachfrage, um eine Preiserhöhung um 30 Pf. eintreten zu lassen. Das Roggengeschäft lag still, Angebot und Nachfrage bfteben klein, doch trat eine geringe Preiserhöhung ein. Das Mehlgeschäft war weiter außerordentlich ruhig, die Preise blieben hier unverändert. Es wurden notiert: Weizen 24,50 bis 24,65, Roggen 19,15 bis 19,25, Sommergerste für Brauzwecke 20,75 bis 21, Hafer, inländ., 18,75 bis 19, Mais (gelb) für Futterzwecke 19,25 bis 19,50, Weizenmehl, süddeutsches, Spez. 0 37,75 bis 38, Roggenmehl 27,25 bis 29, Weizenkleie 10,75 bis 10,90, Roggenkleie 11 bis 11,10 Mark. Tendenz: Ruhig. Letzte Nachrichten. SchwererVerkehrsunsattinLauterbach. & Lauterbach, 2. Oft. Gestern nachmittag wurden in der Lindenstraße ein 7j jähriges Mädchen und ein junger Mann von einem Personenkraftwagen überfahren. Das Mädchen wollte, wie Augenzeugen berichten, kurz vor dem Auto die Straße noch überqueren, wurde aber von diesem erfaßt und überfahren. An den erlittenen schweren Verletzungen ist das bedauernswerte Kind im Laufe des Nachmittags gestorben. Anscheinend war der Führer des Autos der Situation nicht gewachsen. Er versuchte, statt zu bremsen, seinen Wagen nach rechts herumzu» reißen, wodurch ein vor dem Auto herfahrender Radfahrer am Hinterrad erfaßt und zur Seite geschleudert wurde. Auch er mußte mit äußeren und schweren Inneren Verletzungen ins hiesige Krankenhaus verbracht werden. Heber die Schuldsrage find die polizeilichen Ermittlungen noch im Gange. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Deichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt o M. Berlin Franksurt a M. Berlin Schluß- KurS 1-Uhr Kurs Schluß- Jhiw Anfang, ffurt- Schluß» Kurs 1-Uhr Kurs Schluh- Kurö Anfang. Kurs Datum LIO. 2.10. 1.10. 2.10. Datum LIO. 2.10. 1.10. 2.10. 5% Dt. «dtManleite v. 1927 . . ®t «al..Wlül..Schu1d mit Aus- 87,5 — 87,5 — fl G ® . ....... v 187 187 188,25 187,5 Bergmann.........9 220,5 223,25 170,25 221 los.-Rechren......... 53,45 53,5 53,5 53,5 Elektr. Lieferungen.....10 — — 169,25 DeSal. ohne AuSlos.-Rcchte . . . 7% ötanlf. Hqp.-Bk. Goldpf. tnv kündbar bi« 1933....... 9,9 9,75 9,9 9,7 Licht und fitaft......10 196,5 —- 197 194,75 Felten 4 (MuUleaume. ... IVi 132,5 — —- 130,5 85,5 —— — Ges. f. Slektr. Untern.....10 — —- 197,5 193,25 4%% Rheioifche Hyp.-Bank £iqu.- Goldps.. . 76,65 _ Hamb. Nektr. Werke .... 10 Rhein. Elektr.........» Schlei (Llektr..... 10 — — 144,5 181 218,25 144 176,25 216 A.E.V.'aba. Borkrteg»-Obligation., rückzahlbar 1932 ...... 88 — — — Schuckert.........11 217,5 215,75 4% Schweiz. Bimderb-Ani.. . . 4% Oesterreichliche Goldrte.. . . 28,25 2,5 2,2 — 28,3 2,8 — Siemens & Halske.....16 Transradto..... ■ . . 8 LahMeyer LLo..... . 10 365 178 366 367,65 138 177,25 365 177 4% Oesterreich, einheiu. Rte. . . — ____ 68,25 67,5 4% Ungartfd)e (QolDrtc..... 22,8 2,10 22,8 20,25 22,25 2,05 22,9 25,5 2,05 Deutsche Ctböl ....... 6 Essener Steinkohle ...... ^ Gelsenlirchener ....... ^ 110,5 138,5 112 137 139 144 110,75 136 137 142,75 4% Ungarische StaaUr. v. 1910 . 4?A% deSgl. von 1918..... 4% Ungarilche kronenrte..... 138,5 143 4% Türk. Zollanlcihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., 7,5 — 7,35 Hoesch Eisen. ....... 6yf Fisc Bergbau.......10 219 — 125 219,5 124 215 Serie I........... 7,25 — 7,3 7,7 114 — 114 113 4% detgl. Serie II....... 4% Rumänen convert. Rte. . . .