Nr. 205 Erstes Blatt 179. Jahrgang Montag, 2. September 1929 Eriche int täglich, auster Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig sür Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschliisse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatr-Vmh- und Zleindruckerei R. Lange in Glehen. Zchnftlettung und Geschäftsstelle: schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Diesten. Die Weltbank. Don unserer Berliner Redaktion. Rachdem nun die Annahme des Boungplanes erfolgt ist, werden die verschiedenen Organisationskomitees an ihre Arbeit herantreten, unter dem im Besonderen das Komitee zur Organisierung der Reparationsbank von größtem Interesse ist. Die neue Regelung der Reparationsfrage schließt die Durchführung verschiedener bankmäßiger Aufgaben ein, die die ganze Arbeit der äußeren Verwaltung zu leisten Hot, wie den Empfang und die Verteilung der Zahlungen und außerdem die Kommerzialisierung derjenigen Teile der Annuitäten durchführen muh, welche kommerzialisiert werden können. Die Kontrolle über die Geschäftsführung der Weltbank ist nach den Pariser Abmachungen i n d i e Hände der Zentralbanken gelegt worden. In steuerlicher Hinsicht kann die Bank nicht einem bestimmten Lande zugerechnet werden und bei der Verwendung der Reingewinne der Bank soll angestrebt werden, einen angemessenen Reservefond zu bilden. Das Gründungskapitol wird 100 Millionen Dollar ausmachen, wobei der ganze Betrag emittiert werden soll. Die gesamte Kontrolle der Geschäftsführung der Bank wird bei dem Direktorium liegen. Der Präsident der Zentralbank jedes der sieben Länder, die zu diesem Ausschuß gehören oder der von ihm vorgeschlagene Vertreter ist Direktor der Dank ex officio. Was nun die Bank im allgemeinen betrifft, so muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß dieselbe von ihrer Arbeit alle politi schen Ei nflüsseausschlieht. In dem natürlichen Lauf der Entwicklung darf erwartet werden, daß die Bank mit der Zeit eine Einrichtung werden wird, die sich nicht nur oder in erster Linie mit Reparationen zu befassen hat, sondern die auch der internationalen Handels- und F i n a n z w e l t bisher fehlende wichtige Möglichkeiten zu schaffen in der Lage ist. In Wirtschaftskreisen erhofft man, daß. die Dank ein immer festeres und wertvolleres Band für die allgemeine Zusammenarbeit der Zentralbanken werden wird, eine Zusammenarbeit, die wesentlich ist für die Aufrecht- erhalt um g döS" Kr cirt t ft) stemrS der Welk. Die Vorteile, die die Dank für Deutschland darstellt, ergeben sich vor allem darin, daß sie ihrer Ratur nach in der Lage ist, schon im voraus die Umsätze aus dem Wege zu räumen, welche von sich aus zu einem Transferaufschub führen kennen. Tenn einmal kann l'.e Banf von ihrer Befugnis, Kredit zu gewähren, Gebrauch macyen, um die Transferierung der Annuitäten vorübergehend zu erleichtern, und dann wird die Bank immer in der Lage sein, im Einverständnis mit der Reichsbank die auf ihrem Konto bei derselben laufend eingehenden Reichsmarkbeträge i n Deutschland anzulegen, wodurch der deutschen Wirtschaft ein Teil der Annuität wieder zugeführt werden kann und anderseits mit Hilfe oes Kreditmechanismus der Bank die fremden Devisen beschafft werden können, mit welchem die Anteile der Annuität der Gläubiger gezahlt werden müssen. Im großen und ganzen stellt diese Reparationsbank also eine Goldclearingstelle als Giro stelle der Rotenbanken dar. Lind hier zeichnet sich schon jetzt ein Weg vor, der der zukünftigen Finanzpolitik der Welt von größter Bedeutung sein wird. Die alten Schulden. Die Verschuldung dcröffenllichcn Wirtschaft Berlin, 29. Aug. (Priv.-Tel.) Die zahllosen finanziellen Erhebungen der letzten Zeit, so die vom Reichssinanzministerium durchge- sührte Feststellung der Reuverschuldung der Länder, Gemeinden und Ge° mcindeverbände, wie aber auch die neuerliche Festsetzung der gesamten Reparationsschuld des Deutschen Reiches haben die Tatsache der alten Verschuldung etwas in den Hintergrund treten lassen. Aber gerade deshalb erscheint es im gegenwärtigen Augenblick notwendig, auch noch einmal diese Einzelheiten ins Gedächtnis zurückzurufen, damit man sich ein besseres Bild von der Gesamtverschul- 2 u n g Deutschlands machen kann. Die Altverschuldung aller öffentlichen Eebiets- lörperschaften wird auf 5722 Mill. Mk. geschätzt. Der Hauptteil davon entfiel auf das Reich, 2as durch die Ablösung der Kriegsanleihen und der mit den Eisenbahnen auf das Reich übergegangenen Vorkriegsschulden der Länder etwa vier Fünftel dieser Gesamtverschuldung inne» Hat. Die gesamten Gemeinden und Gemeindeverbände, ohne die Hansestädte, wiesen zu Beginn des laufenden Rechnungsjahres eine Altverschuldung von etwa einer Milliarde Mark auf. Bei den Ländern ist die Altverschuldung ganz geringfügig, zumal hier die Tilgungen in bedeutend größerem Maßstabe vorgenommen werden konnten, als es z. D. beim Reich der Fall war. Die Gesamtsumme der bisher erfolgten Tilgungen erhöht sich nach den letzten vorgenommenen Tilgungen, die fast restlos auf die Einlösung von Auslosungsrechten entfallen, auf über 600 Mill. Mk. Im Durchschnitt werden die Länder und Gemeinden in den nächsten 20 bis 30 Iahren alljährlich etwa 100 Mill. Mk. zur Zahlung der Zinsen und zur Tilgung der alten Schulden oufbringen müssen, die zu der Verzinsung und Tilgung der seit 1924 entstandenen und recht Die Schlußsitzung der Haager Konferenz. Das Kinanzkomiiee beendet seine Arbeiten. Haag, 31. Aug. (WB.) Das Finanzkomitee der Haager Konferenz hat heute vormittag seine Arbeiten beendet. Das Schluß Protokoll ist fertiggestellt. Es enthält verschiedene Anlagen: 1. die Vereinbarung zwischen den Gläubigermächten untereinander und zwischen Deutsch-' land und den Gläubigermächten über die neue Verteilung der deutschen Leistungen; 2. die Reuregelung der Sachlieferungen, wozu eine Sinteranlage sür den Fall eines Moratoriums und der Sachlieferungen in diesem Falle, ferner eine zweite Unter» anlage über das italienisch - englische Kohlenabkommen und die Annahme eines Teiles der italienischen Quote durch Frankreich gehören; 3. ein Reglement sür die Llebergangs- periode einschließlich der gestern getroffenen Regelung über die Leistungen Deutschlands während der Zeit bis zum Inkrafttreten des Voung-Planes; 4. die Einigung über die Frage der Besät- zungskosten und die Gründung einer gemeinsamen Kasse sür Kosten, die nach dem 1. September aus der Besatzung entstehen. Es wurde dem Präsidenten Iaspar überlassen, den Zusammentritt und den Tagungsort der verschiedenen Unterkomm issionen und ebenso Zeit und Ort für die Schlußkonferenz zu bestimmen. In der Sitzung kam es noch einmal zu einer ziemlich s ch arfen Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der Gläubigermächte und den deutschen Delegierten, den Reichsministern Dr. Curtius und Dr. Hilferding. Es wurde von Deutschland verlangt, daß es aus Grund von Kapitel 9 § 143 des Voungplanes eine Verzichterklärung abgebe, die sich auf alle Entschädigung slorderungen, nament- iich-folcher -eaus dem beschlagnahmten deutschen Eigentum erstrecken sollte. Man verständigte sich jedoch angesichts des hartnäckigen deutschen Widerstandes schließlich dahin, daß eine besondere Unterkommission für d i e weitere Behandlung dieser Fragen eingesetzt wird. Die Schlußsitzung. Haag, 31. Aug. (WB.) Die Schlußsitzung der Konferenz stand zunächst unter dem formellen Vorsitz des deutschen Delegationsführers Reichsaußenministers Dr. Stresemann, der ihn mit Worten des Dankes an den belgischen Ministerpräsidenten Iaspar übertrug. Iaspar stellte fest, daß die Berichte des politischen und finanziellen Komitees vorlägen, von der der erste bereits bekannt und genehmigt sei, während für den zweiten die Genehmigung nachgesucht würde. Diese wurde erteilt, und hierauf erfolgte die Unterzeichnung der Schrift st ücke, die als ein Zwischendokument nicht durch die Delegationsführer, sondern durch den Präsidenten und den Generalsekretär vorgenommen wurde, um dann den Gesandten der beteiligten Mächte im Haag zur Weiterübermittlung an ihre Regierungen ausgehändigt zu werden. Iaspar dankte Stresemann, Snowden, Mosconi, Adatschi und Ch6ron besonders. Er brachte ferner den bereits abgereisten Ministern Briand und Henderson Grüße dar und drückte alsdann den Dank der Konferenz an die Adresse des Generalsekretärs Sir Maurice Hankes aus. Schließlich wurde ein Telegramm an d i e Königin der Riederlande gerichtet, in dem die Konferenz aus Anlaß ihrer letzten Sitzung der Königin die herzlich st en Wünsche zu ihrem heutigen Geburtstage ausspricht. In einer Erwiderung auf die Rede des Präsidenten betonte u. a. Snowden, daß der Gedanke der europäischen Rekonstruktion auf dieser Konferenz einen großen Fortschritt gemacht habe. Um 12.55 Uhr verliehen die ersten Delegierten das Sitzungsgebäude. In diesem Augenblick spielte der ausgestellte Bläserchor das Riederlän- Berlin, 1. Sept. (WB.) Rach den zahlreichen Sprengstosfanschlägen, die während der letzten Wochen in den Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover sowie im Freistaat Oldenburg verübt worden sind, ist jetzt die Reichshaupt st adt Schauplatz eines Sprengstoffattentats geworden, heute früh kurz nach 4 Uhr erfolgte am Reichs- t a g eine weithin hörbare Detonation. Der Tatort wurde sofort in weitem Umkreis durch Schutzpolizei abgesperrt. Der Rordeingang des Reichstagsgebäudes birgt im rechten Flügel in den Kellerräumen ein Zeilungsarchiv und im Hochparterre die Garderobenräume. 3m ersten Stock des Flügels bösln2en"fich"in einer Front von etwa 20 Bietern das Zimmer des Aeltestenrates, daran anschließend die Waschräume und dann die Freitreppe. Durch die Explosion wurden sämtliche im Erdgeschoß liegenden Fenstersch iben zertrümmert, die Fensterkreuze zum Teil herausgeschleudert, während die Inneneinrichtung nur nebensächliche Beschädigungen erlitt. 3m Hochparterre wurden ebenfalls die Fensterscheiben, die hier eine Stärke von 18 Millimeter haben, vollkommen zertrümmert, während im ersten Stock nur das Fenster des Waschraumes beschädigt wurde. Bald nach der Explosion erschienen der Polizeipräsident Dr. Weih, Regierungsdirektor Dr. Wündisch mit Kriminalkommissaren der Abteilung I A zur Feststellung des Tatbestandes. Es wurde festgeslellt, daß an der Rordseite des Reichstagsgebäudes nahe dem Portal 5 in dem Lufisch a ch t der Anßensront eine Spreng- stoffladung jur Explosion gebracht worden war. Es wurden zahlreiche Reste der difche Dankgebet und anschließend „Eine feste Burg ist unser Gott" und mehrere Choräle. Die versammelte Menge entblößte das Haupt und brachte den einzelnen Delegierten Ovationen dar, die beim Erscheinen von Dr. Strese- ma nn einen besonders stürmischen Charakter annahmen. Die hessische Staaisregierung an Rheinhessen. Telegramniwcchscl mit Minister Wirth. D a r m ff a b f, 31. Aug. Das hessische Gesarnt- minfferium erläßt folgenden Aufruf an das hessische besetzte Gebiet: 3m Haag sind gestern die Fristen für die Körnung des besetzten Gebietes bestimmt worden. Späte st ens am 1. 3 u l i 1 9 3 0 wird auch die Mainzer Zone und damit das hessische Gebiet frei sein. 3n dieser Stunde möchte ich namens der hessischen Sfaats- regierung und des ganzen Hessenlandes der Be- Sprengslosfladung, insbesondere Teile einer Weckeruhr und von Taschenlampenbatterien gesunden, die teilweise bis auf die gegenüberliegende Straßenseite geschleudert worden waren. An einem Straßenbahnmast, der in höhe des Sprengherdes auf dem Bürgersteig steht, wurde eine sogenannte Klebemarke vorgefunden, die das Hakenkreuz und die 3nschrist: „Grohdeulsch- land erwach ei" trägt. Der von der Polizei sofort hinzugezogene Sachverständige Dr. Richter vom Chemisch-Technischen Reichsinstitut, der auch bei der Aufklärung der früheren Sprengstosfan- schläge in Oldenburg und Lüneburg als Gutachter tätig gewesen ist, hat an Ort und Stelle eine vorläufige Untersuchung vorgenommen. Zwar hak er bisher noch nicht die Art des Sprengstoffes genau feststellen können, nach seiner gutachtlichen Bekundung ist aber die Sprengslofsladung ähnlich wie die bei den Anschlägen in Oldenburg und Lüneburg vorbereitet gewesen. Ein Zusammenhang des neuesten Berliner Anschlags mit den früheren Sprengslosfatlentaten ist daher anzunehmen. Der Polizeipräsident hat eine Belohnung von 25 000 Mark ausgesetzt. Bon dem Betrag sind 10 000 Mark als Belohnung für die Personen bestimmt, die zur Aufklärung des Sprengstofsan- schlags im Reichstag, insbesondere zur Festnahme der Täter beifragen. Den weiteren Befrag von 15 000 Mark erhalten diejenigen Personen, durch deren Angaben der Rachweis eines Zusammenhanges des Berliner Anschlages mit den früheren Anschlägen erbracht wird. Lin S-rengstoWeiM auf das Reichsiagsgebäiide Mr Sachschaden angerichtei. — Zusammenhänge mit den Bombenanschlägen in Norddeutschland? umfangreichen Reu Verschuldung hinzukom- men. Cs ist deshalb völlig irrig, wie es vor allem im Auslände geschieht, von einer Entschuldung der öffentlichen deutschen Wirtschaft zu sprechen. Deshalb wird sich die deutsche Finanzpolitik noch lange, lange Zeit eine außerordentliche Beschränkung auserlegen müssen, um den gewaltigen finanziellen Anforderungen auch restlos Rechnung tragen zu können, und damit die deutschen Finanzen einer Sanierung entgegenzuführen. Hilgenberg gegen den young-plön Eine Kundgebung am Hermannsdenkmal. Detmold, 1. Sept. (TU.) Am Sonntag- nachmittag fand auf der Grotenburg eine vom Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren einberusene Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge und den Voung» plan vor dem Hermannsdenkmal statt. Müdem Stahlhelm hatten sich der Westfälische Landbund, die Rationalsozialistische Arbeiterpartei, der Alldeutsche Verband, der Deutschnationale Dolks- verband. die Christlichnationale Bauernpartei und die Vereinigten vaterländischen Verbände eingefunden. Geh. Rat Dr. Hugenberg betonte in längerer Rede u. a.: „3m Angesicht dieses Denkmals, das zwei Iahrtausendc unserer Geschichte vor unser Auge stellt, wollen wir uns zu dem Bunde zusammenschließen, der diesem neuen Deutschland zustrebt. Wir wollen n ich t z u Sklaven volksfremden auswärtigen Kapitals werden. Wir wollen uns das alte deutsche Bauernziel des freien Menschen auf freier Scholle nicht nehmen und von niemanden die gottbegnadete deutsche Seele rauben lassen. Wenn wir auch mit dem Schwerte für diese Ziele nicht kämpfen können, so können wir doch mit der Härte unseres Herzens und der Stärke unseres Willens dafür kämpfen. Wir wollen den Pariser Tributplan nicht, wir wollen die Lüge der deutschen Kriegsschuld nicht mehr hören, wir wollen hinter den Schanzen unserer schlechten Verträge eine Zeitlang die Zähne aufeinanderbeißen und das Gespenst der Wirtschaftsnot, die uns von hinten erdolchen soll, rechtzeitig zum offenen Kampf stellen, dann wird der Welt in neuem Licht die deutsche Frage vor Augen stehen." — Der Vorsitzende des Bayerischen Landesausschusses für das deutsche Volksbegehren, Oberst a. D. von T y l a n d e r, erklärte, daß die im Haag vorläufig gefallene Entscheidung alles andere als ein Erfolg für Deutschland sei. Dadurch, daß Stresemann gesagt habe, wir zahlten die ungeheuren Tribute, weil wir den Krieg verloren hätten und nicht infolge der Kriegsschuldlüge, habe Stresemann den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge als unmöglich bezeichnet. Endlich muß aufgeräumt werden mit diesem Schwindel, denn es handele sich um die Schuld der Feinde. Stresemanns Politik ziehe nur die Katastrophe hinaus, die unausbleiblich sei. Das Handwerk zum Volksbegehren gegen den 8oung-plan. Berlin. 31. Aug. (WB.) Die Vorstände des R e i ch s v e r b a n d e s des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammer- t a g c s haben auf einer gemeinschaftlichen Sitzung für die Handwerks- und Gewerbekammern, für die Fachverbände und die übrigen im Reichsverband des deutschen Handwerks vereinigten Vertretungen des Handwerks den Beitritt zum Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren mit der Begründung ab - gelehnt, daß die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Voung-Planes eine rein politische Angelegenheit sei, die über die Zuständigkeit der beruflichen Dertre- tunaen des Handwerks hinausgehe. Diese Stellungnahme der Spihenverbände des deutschen Handwerks deckt sich mit dem Standpunkt, den der preußische Handels mini st er in einer vor kurzem getroffenen Entscheidung eingenommen hat, daß öffentlich-rechtliche Körperschaften des Handwerks keinen Verbänden angehören dürfen, die über die Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen hinaus sich allgemein politisch betätigen und die parteipolitische Reu» tralität verletzen. Eine Kundgebung des Fungdeuischen Ordens. Rcichsminister Dr. Dietrich spricht. Dresden, 1. Sept. (WB.) Die Großballer Sachsen des Jungdeutschen Ordens veranstaltete in Dresden eine mitteldeutsche Kundgebung, die durch eine wirtschaftspolitische Konferenz eingeleitet wurde. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete am Sonntagmittag eine Kundgebung im Zirkusgebäude, das mit schwarzrotgoldenen, schwarzweißroten Fahnen sowie den sächsischen Farben geschmückt war. Nach einer Rede des Ordenshochmeisters M a h r a u n , der in den Vordergrund den Kampf gegen die internationale Pluto- fratie stellte, ergriff Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft D r. Dietrich das Wort. Er unterstrich die Notwendigkeit, das Einigende hervorzu heben und das Trennende zurückzustellen. Der Minister ging sodann auf die Bauern frage ein und beklagte sich, daß die Notlage der Landwirtschaft vielfach unter dem Gesichtspunkt reiner Schlagworte behandelt werde. Als Bismarck seinerzeit das Reich schuf, mußten Millionen Deutsche draußen stehen. Das Ziel aller muß es jetzt sein, ein neues Reich zu schaffen, das allen, die deutscher Zunge sind, eine Heimat sei über die gegenwärtigen Grenzen hinweg. Nach der Zertrümmerung der österreichisch-ungarischen Monarchie hätten die Deutschen in ganz Europa heimgefunden und sähen in Berlin ihre Zentrale. Auch die innerpolitischen Gegensätze müßten aufhören. Im Iungdeutschen Orden erblicke er, so erklärte der Minister, eine Schar deutscher Männer, die dazu geschaffen seien, die Kraft ihrer Ideen in die Tat umzusetzen und zu verwirklichen. Nach einer Reihe weiterer Ansprachen schloß die Kundgebung mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes. Begrüßungstelegramme hatten u. a. gesandt Reichsverkehrsminister Stegerroalb, die früheren Reichsminister Dr. Külz und Koch-Weser sowie die sächsischen Minister Richter und Weber. »Alterung des hessischen besetzten Gebietes Glückwünsche und Grütze übermitteln. Die Jahre der Unfreiheit und Prüfung sind über eine Bevölkerung dahingegangen, die fest zum Reich und zur engeren Heimat gestanden hat im Bewußtsein der Aufgabe, die ihr auferlegt war in einer für die Zukunft Deutschlands entscheidenden Zeit, aber auch imverlrauen auf die Bereitschaft des ganzen deutschen Volkes, die Rot der Lande am Rhein mittragen zu helfen. Möge die große politische Entscheidung bestimmend sein für eine glückliche Zukunft unseres Vaterlandes, hessisches Ge- samtminislerium. 3. v.: Leuschner. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, hat aus Scheveningen dem Staatspräsidenten Dr. Adelung folgendes Telegramm zugehen lassen: 3n heutiger Sitzung der Haager Konferenz wurde die Räumung rheinischer Gebiete festgelegt. 3n diesem denkwürdigen Augenblick drängt es mich, meiner herzlichen Freude Ausdruck zu geben, daß die in langer Prüfung glänzend bewährte rheinische Bevölkerung das hohe Gut der Freiheit wiedererlangl hat. Mit aufrichtigen Wünschen für eine glückliche Zukunft der Lande am Rhein. Reichsminister Dr. Wirth. — Dem Minister wurde ein in herzlichen Worten gehaltenes Danktelegramm der hessischen Regierung übermillelt. Auch der Oberpräsident Dr. Fuchs spricht in einem Antwortlelegramm namens des besetzten Rheinlandes der deulschen Delegation und dem Minister für die Lrkämpfung der rheinischen Freiheit den herzlichsten Dank aus. Sie sei um so wertvoller, als sie ohne Einbuße an nationaler Würde erreicht worden sei. Der Oberpräsident gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß der 29. August ein Markstein werden möge auf dem Wege der Befriedung und der Völkeroersöhnung, die recht bald auch die unnatürliche Schranke des Laarge- bieles niederreitzen werde. Der Reichskommiffar über die Befreiung des Rheinlandes. Eine große Kundgebung in Mainz. Mainz, 1. Sept. (WD.) Zu einer machtvollen vaterländischen Kundgebung gestaltete sich der Huldiaungsakt des ADAC. am -U f e c des Rheins vor der Stadthalle, die im Rahmen der Huldigungsfahrt des Mainzer 2hito- mobilklubs an den Rhein stattfand. Bei dieser Veranstaltung nahm der Reichskommissar für die besetzten Gebiete Botschafter Dr. Frhr. Langwerth v. Simmern das Wort. Er führte u. a. aus: Och stehe nicht an, der ich jetzt 14 Lage im Haag gewesen bin und gestern von dort kam, heute hier an der geheiligten Stätte des Rheins zu sagen, daß nach unserer Lleber- zeugung ein neuer Ausgangspunkt der Weltgeschichte eingesetzt hat. Man muh sich nicht darüber täuschen, daß es überall nicht nur in Deutschland, sondern bei allen Völkern Leute gibt, die nicht begreifen wollen, dah die Weltgeschichte voranschreitet, dah es neue Entwickelungsstufen, neue Formen und Aufgaben gibt. Der vorgestrige Tag hat gezeigt, dah Europa entschlossen ist, neuen Zielen zuzustreben, dah wir neuer Formen bedürfen. Es ist eine große Sache, Ihnen heute sagen zu können — vorbehaltlich der Zustimmung der Parlamente — daß die Befreiung des gesamten Rheingebietes bis späte stens Ende O u n i 1 9 3 0 f e st g e l e g t ist. Es ist eine große Sache, heute aussprechen zu dürfen, wir wisse n, wann wir frei werden. Wir haben nichts übernommen, als was nicht bereits durch Locarno festgelegt worden ist. Die finanziellen Opfer sind, wann man genau zusieht, nicht so groß, daß sie gegenüber der Befreiung der deutschen Lande und gegenüber dem sittlichen Aufstieg der ganzen Welt in die Wagschale fallen kannten. — Sein Hoch auf den Rhein fand ein vieltausendstiin- miges Echo. Dann sang die unzählige Menschenmenge das Deutschlandlied. Oer Sitz der Meinlandkommission. Wiesbaden, 31. Aug. (WTD.) Eine offenbar tendenziöse Darstellung Sauerweins im „Matin", daß die Rheinlandkommission von Koblenz nach Wiesbaden verlegt werden soll, hat gerade in Wiesbaden große Bestürzung hervorgerufen. Den deutschen Stellen ist von dem Plan einer Verlegung der Rheinlandkommission nach Wiesbaden nichts be- rannt. Fest scheint jedoch zu stehen, dah die Rheinlandkommission allerdings im verringerten Umfange nach der Räumung der zweiten Zone in die dritte Zone übersiedeln wird. Oer pariser Ministerrai billigt Briands Bericht. Rückversicherungen aus dem Versailler Vertrag. Paris, 31.Aug. (WB.) In dem unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Dou ° m e r g u e , abgehaltenen Ministerrat erstattete Ministerpräsident B r i a n d Bericht über die Haager Verhandlungen und die Ergebnisse der Konferenz sowohl vom finanziellen wie vom Gesichtspunkt der Rheinlandräumung aus. Die Regierung, so besagt das offizielle Kommunique, dankte einmütig dem Ministerpräsidenten und der französischen Delegation für die Art und Weise, in der sie in Liebereinstimmung mit den Erklärungen des Regierungschefs, die vom Parlament am 31. Juli gebilligt worden sind, im Haag die französische These verteidigt habe und beglückwünschte sich zu der erfolgten Einigung. Die Pariser P nesse unterstreicht allgemein die Tatsache, dah die Regierung einstim- m i g dem Ministerpräsidenten dankte. Das „Echo de Paris" weih auf Grund eigener Erkundigungen mitzuteilen, daß die Ausführungen Briands auf die Mitglieder der Regierung einen starken Eindruck gemacht hat. Was die Räumung des linken Rheinufers anlangt, scheine es, daß Briand fein Möglichstes getan hat, um die Stellung zu wahren, die P o i n c a r e in dieser Frage eingenommen hc^te. Aus den Erllärungen des Ministerrats gehe hervor, daß für den Beginn der Räumung die Herabsetzung desVoungplanes unentbehrlich sei. Briand erflärte zudem, dah der Brief an Dr. Stresemann auf keinen Fall an die Stelle des Artikels 430 des Versailler Friedensvertrages treten könnte, der vorsieht, dah, „falls während der Besatzung oder nach Ablauf der 15 vorgesehenen Oahre die Reparationskommission zu der Auffassung kommen sollte, Deutsch- „Graf Zeppelin" auf dem Rückflug nach Friedrichshafen. Start in Lakehurst am Sonntagmittag. — Montagnachmittag über den Azoren erwartet. Lakehurst, 1. Sept. (WB) „Gru, Zeppelin" ist am Sonntag um 13.18 Uhr 2NLZ. gestartet. Der Start des Luftschiffes ging glatt vor sich. Kur; vor 7 Uhr wurden die Hallentore geöffnet. Um 7 Uhr wurde der Zeppelin ins Freie gezogen, um 7.15 Uhr wurden die Motoren angeworfen, und um 7.18 Uhr startete das Luftschiff und steuerte direkt ostwärts, dem Meere zu, ohne Reuyork zu berühren. Die Funkstation der Radio Marine Company in Chatham (Massachusetts) steht mit dem „Graf Zeppelin" seit feinem Abflug ununterbrochen in lebhafter Funkverbindung. Das Luftfchiff befand sich Sonntag um 21 Uhr MEZ. 38,12 Grad nördlicher Breite und 62,20 Grad westlicher Länge und am Montagmorgen 5 Uhr MEI. auf 49,30 Grad westlicher Länge und dem 38. Grad nördlicher Breite. Auf Grund der bisher eingegangenen Meldungen nimmt man an, dah das Luftschiff die Azoren am Montag 16 Uhr MLZ. erreichen und noch vor dem bisher angenommenen Zeitpunkt in Friedrichshafen eintreffen wird. Ein seltsames Intermezzo. Ein amerikanischer Pfändungsbefehl gegen den „Graf Zeppelin". Lakehurst, 31. Aug. (WB.) Ein Photograph aus Liberty im Staate Reuhork, namens Otto Hillig, der gegen die Betriebsleitung des „Graf Zeppelin" eine Schadenersatzklage im Betrage von 125 005 Dollars erhoben hatte, weil er für den Weltrundflug eine Passage belegt hatte, aber nicht unterkommen konnte, hat beim Gericht von Tomsriver einen Deschlagnahmebefehl auf den „Graf Zeppelin" erwirkt. Der mit der Beschlagnahme beauftragte Sherift vermochte jedoch den Auftrag nicht auszuführen, weil der Kommandant des Flugplatzes Lakehurst sich weigerte, die gerichtliche Verfügung entgegenzunehmen, da der „Graf Zeppelin" sich auf der Bundesbehörde gehörigem Boden befindet. Das Marineamt teilt dem Kommandanten mit, falls die Behörden des Staates Rew Zersetz den bereits gemeldeten Beschlagnahmebefehl gegen „Graf Zeppelin" durchsetzen wollten, müßten sie das Luftschiff spätestens eine Stunde vor der festgesetzten Abfahrtzeit aus dem Schuppen entfernen. Die Staatsbehörden hätten die Rechtsgewalt in Sachen des Be- schlagnahmebefehls, da der Schuppen auf Land liege, das nicht unumschränktes Eigentum der Bundesbehörden fei. Falls die land weigere sich ganz oder teilweise die Verpflichtungen einzuhalten, die sich für es aus dem Vertrage bezüglich der Wiedergutmachung ergeben, ganz oder Teile der im Artikel 429 genannten Zone unmittelbar von den Alliierten und Associierten von neuem besetzt würden". Das „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß diese beruhigenden Zusicherungen den Ministerrat befriedigt hätten. Zudem werde das Abkommen der Ratifizierung den französischen Kammern unterbreitet werden. Begeisterter Empfang Gnowdens in England. London, 1. Sept. (WB.) Heute früh traf Schatzkanzler Snowden, vom Haag kommend, hier ein. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge bereitete dem Ankommenden herzliche Kundgebungen. Snowden erklärte: Die Konferenz hat unsere größten Hoffnungen erfüllt. Die Regelung des Reparationsproblems wird ein Gefühl der Sicherheit zur Folge haben und den wirtschaftlichen Aufbau Europas bewirken. Die Wiederherstellung der politischen und wirtschaftlichen Souveränität Deutschlands war eines der größten Werke der Konferenz. Die Konzessionen, die in der Frage der Weiterausfuhr von Sachlieferungen gemacht worden sind, werden dazu beitragen, den durch die Sachlieferungen dem britischen Handel zugefügten Schaden erheblich herabzumin- bern. Das Uebereinkommen über die Rheinlandfrage ist das größte politische Werk seit Locarno. Die Delegation ist durch die Einmütigkeit der britischen Presse und der öffentlichen Meinung in erheblichem Maße unter« stützt rooroen. Oie deutsche Delegation wieder inBerlin Berlin, 1. Sept. (WTB.) Die Reichsminister Dr. Stresemann, Dr. E u r t i u s und Dr. H i l f e r d i n g sind mit der deutschen Delegation heute vormittag in Berlin wieder eingetroffen. Am Montagvormittag ist eine Sitzung des R e i ch s k a b in e t t s zur Besprechung der Ergebnisse der Haager Konferenz angesetzt worden. Außenminister Dr. Stresemann wird an dieser Sitzung noch teilnehmen und erst Montagnachmittag nach Genf reifen. Tagung derAuslanddeuischen. Berlin, 1. Sept. (WTB.) Om Plenarsaal des ehemaligen Herrenhauses fand die Arbeitstagung des Bundes der Auslanddeutschen statt. Rach Liedervorträgen begrüßte der Präsident des Bundes, Gouverneur z. D. Dr. Schnee, die Erschienenen. Der Redner hob hervor, daß aus allen Erdteilen Vertreter deutscher Vereine und Verbände erschienen seien, welche sich dem Bund der Auslanddeutschen angeschlossen hätten. Man werde sich im Auslande, aber auch in der Heimat immer mehr dessen bewußt, dah eine stärkere Verbindung zwischen A u s I a n d d e u t s ch t u m und Heimat im deutschen Gesamtinteresse liege. — Rechtsanwalt Dr. Osterrieth, Vertreter des deutschen Vereins in Brüssel, betonte als nächster Redner u. a., solange wir unsere Kolonien entbehren mühten, müßten wir versuchen, durch Verträge mit anderen Völkern diejenigen wirtschaftlichen Wirkungen zu erreichen, die wir erzielen würden, wenn wir im Besitz von Kolonien und damit einer überleeifchen Behörden von Rew Jersey das Luftschiff „Graf Zeppelin" mit Beschlag belegen sollten, so mühten sieesmiteigenerMannschaft entfernen und eine Unterfunft für das Luftschiff finden. Die Anwälte der Good Bear Zeppelin Company hinterlegten bei dem höchsten Gericht von Rew Jersey eine Bürgschaft von 25 000 Dollar, um die Beschlagnahme des Luftschiffes „Graf Zeppelin" zu verhindern. Die Hinterlegung der Bürgschaft erfolgte, nachdem der Llnterschirisf die Absicht bekanntgegeben hatte, den „Graf Zeppelin" durch denfrühe» ren Zeppelin-Piloten Anton Heinen in Besitz nehmen zu lassen. Heinen war von dem Scheriff dazu engagiert, das Luftschiff aus dem Schuppen herausbringen zu lassen und es an einem grohen Baum zu befestigen. Empfangsvorbereitungen in Friedrichshafen. Friedrichshafen, 2.Sept. (TU.) Für den zu erwartenden F r e m d e n z u ft r o m für die Tage der Rückkehr des „Graf Zeppelin" von seiner Weltfahrt hat die Stadtverwaltung Friedrichshafen alle notwendigen Vorkehrungen getroffen. Außer den Hotels und Gaststätten werden Privatquartiere und für den Notfall auch Massenquartiere in genügender Zahl bereit gehalten werden. Man wird auch auf die benachbarten Orte übergreifen müssen, um alle Fremden unterbringen zu können. Bei der Ankunft des Luftschiffes werden sämtliche Glocken der Stadt läuten. Böllersalven werden das Erscheinen des Luftschiffes ankündigen. Nach kurzer Begrüßung der Besatzung und der Gäste durch die Behördenvertreter wird im Rathaus eine kurze Begrüßungsfeier durch die Stadt veranstaltet. Dann ist eine Ruhezeit für die Besatzung und die Passagiere vorgesehen. Am Tage nach der Ankunft des Luftschiffes wird um 1 Uhr mittags im Kurgartenhotel von der württem- bergischen Staatsregierung und der Stadtgemeinde Friedrichshafen eine offizielles Frühstück gegeben werden. Wie die Telegraphen-Union erfährt, haben bereits der württemberoische Staatspräsident Dr. Bolz, ferner Lloyd George, der sich zur Zeit in Freudenstadt aufhält, und der frühere Reichskanzler Dr. Cuno ihr Erscheinen zugesagt. Außerdem sind für die Vertreter der Reichsregierung bereits Zimmer belegt. Auch für den Reichs Präsidenten v. Hinden bürg sind vorsorglich Zimmer im Kurhotel bereitgestellt, obwohl es noch zweifelhaft ist, ob der Reichspräsident nach Friedrichshafen kommen wird. Rohstoffbasis, Absatzgebieten und Siedlungsland wären. - Der Vertreter der „Deutschen Zentrale Cleveland (Ohio)", Felix Schmidt, führte aus, daß, wenn je eine umfassende Einigung aller deutschen Kulturinteressen erreicht werde, dies nur durch das Auslanddeutschtum geschehen könne. In der sich an die Vorträge anschließenden Debatte wurde eine Reihe von Entschließungen angenommen und die Tagung dann geschlossen. Oer Freiburger Katholikentag. Freiburg, 1. Sept. (WB.) Der Sonntag brachte den Höhepunkt des diesjährigen Katholikentages. Etwa 100 000 Personen nahmen an dem großen Gottesdienst auf dem Fe st platz teil. Der Präsident, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, begrüßte den Nuntius Dr. Pacelli. Wie tief die Zuneigung der deutschen Katholiken für den apostolischen Nuntius sei, gehe am besten daraus hervor, daß er von ihnen als bester Freund des deutschen Volkes bezeichnet werde. Prälat Dr. K a a s hielt darauf ein Referat zur kulturellen Wendung der Katholiken im Volksganzen. Oberbürgermeister Dr. Otto Hipp (Regensburg) sprach über das Thema: „Die deutschen Katholiken und der Statthalter Christi". In seiner Schlußrede betonte der Präsident, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, die Freiheit und die Rechte des katholischen Volkes und der katholischen Kirche bedürften auch der Waffe des politischen Kampfes. Nur durch Einigkeit könnten die Katholiken den Sieg erringen. Diese Einigkeit auf politischem Boden sei in Freiburg erreicht worden. Die Katholiken dürften im politischen Kampf ihre Grundsätze niemals aufgeben. Auch der Sozialismus tue das nicht. Mit anderen Weltanschauungen gäbe es für die Katholiken wohl Arbeitsgemeinschaften, aber keine Jdeengemeinschaften, keine ideenmäßige Verbindung. Für ihre Zähigkeit und Festigkeit, mit der die Katholiken Deutschlands die Rechte der christlichen Familie verteidigten und jede Erleichterung der Ehescheidung ablehnten, werde man sicherlich später einmal auch in andersdenkenden Kreisen den deutschen Katholiken dankbar sein. Es müsse aber auch gefragt werden, wie lange d i e Katholiken der anderen Länder es noch dulden wollen, daß es den deutschen Katholiken m i t R ü ck- sicht auf d i e vertragsmäßigen schweren Lasten unmöglich ist, das Leben ihrer Familien so zu gestalten, wie es für eine christliche Familien erforderlich sei. Die Ausbringung vertragsmäßig schwerer Lasten sei vom deutschen Volk übernommen worden, sie gefährden aber d i e Existenz der christlichen Familie. Aus aller Well. Die Katastrophe des „Sau Juan". Die Reuhorker Morgenblätter bringen zahlreiche Schilderungen von Augenzeugen der Katastrophe des Dampfers „San Juan", die als das schlimmste Schiffsunglück bezeichnet wird, das die Pazifikküste jemals erlebt hat, insbesondere, weil das Schiff mit so fürchterlicher Schnelligkeit gesunken ist, daß kaum drei Minuten seit dem Augenblick des Zusammenstoßes verflossen waren, ehe das Meer sich über dem Wrack schloß. Es ist nur wenig Hoffnung vorhanden, daß die vorläufige Derlckstliste, die mit 70 Todesopfern rechnet, noch zusammenschrumpft. Rach dem Zusammenstoß spielten sich die entsetzlich st en Schreckensszenen ab. Die Angstschreie von Frauen und Kindern erfüllten die Luft. Eine Mutter, die ihr Kind zu retten versuchte, schleuderte es an Bord des Tankdampfers, der noch in unmittelbarer Rähe des „San Juan" lag; sie konnte aber selbst den rettenden Sprung nicht mehr tun, da im selben Augenblick die Schiffe auseinandertrieben. Die Passagiere waren sich unmittelbar nach dem Zusammenstoß darüber klar, daß das Schiff im nächsten Augenblick sinken würde. Die elektrische Lichtanlage hatte sofort versagt, was es vielen unmöglich machte, die Schwimmgürtel anzulegen. Viele der Passagiere, die gerettet worden sind, mußten sich retten, wie s ie aus dem Bett gespr ungen waren. Da fast allen bewußt war, daß sie sich in Gefahr befanden, durch die Saugwirkung der beim Llntergang des Schiffes entstehenden Wirbel in die Tiefe gerissen zu werden, warfen sich die meisten paar- oder gruppenweise ins Wasser. Diejenigen, die davor zurückschreckten, sind sämtlich mit dem Wrack versunken. Ein Polizeibearnler vor dem Emser Kurhaus erschossen. Zu einem aufregenden Zwischenfall kam es am Sonntag unmtttelbar vor dem Kurhaus. Ein fest genommener Landstreicher benutzte ein Gedränge am Ausgang der Lahnbrücke dazu, um plötzlich einige Schritte vorzuspringen und einen Schuß auf den Beamten abzugeben, der auf der Stelle tot zusammenbrach. Der Landstreicher entkam im Gedränge. (Ein Sporlflug;eug abgeffür;t. Von dem Flugplatz auf der Vahren Walder Heide bei Hannover stieg ein mit zwei Studenten besetztes Sportflugzeug der Technischen Hochschule zu einem Lieberlandflug in Richtung Osnabrück auf. In einer Kurve verlor der Führer offenbar die Herrschaft über das Flugzeug, das ab stürzte. Beim Aufschlagen auf den Boden geriet der Benzintank in Flammen, so daß das ganze Flugzeug vollständig verbrannte. Der Student Eggen- bracht war sofort t o t, während der andere Student, Strasemann. schwere, aber nicht tödliche Verletzungen davontrug. Renn Tote bei einem Branbunglücf in Kanada. In Winnipeg sind bei einem Brand, der ein im Zentrum der Stadt gelegenes fünfstöckiges Gebäude zerstörte, 2 Frauen, 3 Kinder und 4 Männer in den Flammen um- gekommen. 10 Personen erlitten Verletzungen. Diele der in dem brennenden Haus Eingeschlosse- nen konnten nur mit Hilfe von Sprungtüchern gerettet werden. Verhaftung eines Gattenmörders. In Görlsdorf (Reumark) ist der 34 Jahre alte Stallknecht Finger unter dem Verdacht verhaftet worden, seine Ehefrau, die am 2. Juli d. I. auf der Bodentreppe ihres Wohnhauses tot aufgefunden wurde, ermordet zu haben. Der Verhaftete, der wegen seiner Roheit berüchtigt war, ist geständig, seine Frau erwürgt zu haben. Außer diesem Morde werden ihm noch zwei andere Verbrechen zur Last gelegt. Seine erste Frau wurde im Jahre 1919 in einem Karpfenteich ertränkt aufgefunden. Die Leiche war mit einem Sack beschwert, in dem sich 80 Pfund Steine befanden. Finger behauptete damals, die Frau habe Selbstmord begangen. Im Mai 1926 verstarb unter verdächtigen Llmständen ein Mädchen, mit dem Finger Verkehr hatte und an dessen Tod er, wie man annimmt, gleichfalls niet ganz unbeteiligt war. (Ein Rlascagnl-Konzert In bet Abelsbetget Grotte. In der Adelsberger Grotte bei Laibach fanden am Sonntag unter der ßeituna des berühmten italienischen Opernkomponisten Mascagni zwei große Symphonie-Konzerte statt, zu denen etwa 20 000 Zuhörer in Sonderzügen aus allen großen Städten eingetroffen waren. Mascagni lobte in einer Unterredung mit Pressevertretern besonders die außerordentlich gute Akustik des unterirdischen Konzertsaales. Oie Wetterlage. .Sonntaci, 6 5 MApari M-’tk deen 4S 2=5 d.1.5ept 1929,8n mas — -- X Owomenfos ® neuer, o nare oedeext ® wonug. • oedeext eKetiltx ¥ Sehnet a Graupeln. - Neoei K Gewitter.® Windstille.-Q^ seh# «enter Os» ^5 «lässige- Südsüdwest, q stürmischer nordwesl Oie »feile fliegen mit dem winde Die oeiden Stationen stenenden Zahlen gehen die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen} •vf Meeresniveau umoet-eeboeten Lultdrucfc Wettervoraussage. Die Hochdruckwetterlage, die durch bas jetzt nach Nordost abziehende Tief gefährbet war, hat sich wieder erneut gekräftigt, lieber Mitteleuropa, und ganz besonders über England, ist der Luftdruck stark angestiegen. Es wird daher das schöne sommerliche Wetter noch anhalten. Wettervoraussage für Dienstags Meist heiter, warm und trocken. WitterungsaussichtensurMittwochs Noch Fortdauer des schönen Wetters. Lufttemperaturen am 1. September: mittags 29,9‘ Grad Celsius, abends 19,5 Grad: am 2. September; morgens 17,6 Grad. Maximum 30 Grad, Minimum 14,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 1. September: abends 28,6 Grad; nm 2. Septembermorgens 20,1 Grad Celsius, .SoMeRlcheikdauA M SlundkL MV Kftnb« Sie Orl "‘UM lands u gokomo hallen -u schastsyau Denner gut besuc k$e ungluäs Lorenz 1 Thema- ber$; bunöcn schon 2(1 nächst eine schichte um ben letzten erwähnens in den let Talvesplal dic unsere IoungM Höhe von « zensalls ko> bezogen tw; falschen Ho faum aus le jungen im ■ Dindungen, find, lvürdc für unsere Kjchsbahn Vweichun setzgebung btad)t; nie bahngener der Eehal des Aufsii stehe der 1 eis ander Abwcichun tzisenbahne die Deseit dem Reich allgemeine mngen bei schließt- übrigen 21 lullion zur Srle von warnte voi M Mitarb gel, die bet Diskussion 1 ner, hot nem Echlu die Unterst unserer b< TCO 000 A ei ur c. -«en, PK Kä .&?> BaV'a* "°LÄr t «IMtn. Wj® !am « kJ® .Mau” b^'cherbe' J^r ßÄrüdt E ^rzuspringen eamtenL -usammenbrach Gedränge. ftütjL y^nfoab W8 ein mit Wuz btt Tch. Wanbilug-m Utl ^unx bttlot K°st über bai Beun. Wogen ^nzintank in 6°nze Flugzeug Mnt Eggen. )renb bet anbete teere, aber nicht. Wck in fianaba. nnem Drand, ber genes sünislöckiges en, 3 Äinbet Jlommen um« ticn Verlegungen, 'aus Eingeschloslc« >n Sprungtüchern mörbets. ist bet 34 Jahre :t dem Verbucht israu, bie am chpe ihres Wohn« , ermorbel ju egen seiner Rohei! eine grau etteürg! orbe werben ihm rechen zur Lasi . teurbe im Jahre iränkt aufgefunben. I beschwert, in dem n. ginger behaup« Selbstmtd began- unter verdächtigen mit dem ginger Tod er, Wie man f. ganz miöetei« Ibebberger Grolle.U bei Laibach sonder des berühmten ito- Rascagni zwei zerte statt, ju be- mderzügen aus allen iren. Mascagm lohn enertretern beionbns ik des unterilbischen ? !<" W . 9* P^x I 'n ro । age. S4Z»g ’ Di.""" >pA "”«2 6*3 Aus der Provinzi'alhauptfiadt. Gießen, den 2. September 1929. Eisenbahnerversammlung in Gießen. Die Ortsverwaltung Gießen des Einheits- Verbands der Eisenbahner Deutschlands und die Ge w e rksch a f t Deu t sch er Lokomotivführer, Ortsgruppe Gießen, hatten zu einer Versammlung ins Gewerkschaftshaus eingeladen. Gewerkschaftssekretär Denner, Wieseck, begrüßte als Leiter die recht gut besuchte Versammlung und gedachte auch der Opfer des letzten furchtbaren Eisenbahnunglücks bei Düren im Rheinland. Referent Lorenz B r e u n i g , Berlin, behandelte das Thema: »Das Reparationsproblem, der Voungplan und die damit verbundene Reuorganisation der deutschen Reichsbahn". Der Redner gab zunächst einen allgemeinen Rückblick über die Geschichte und die Leistungen unserer Eisenbahn in den letzten 15 Jahren, dabei die schweren Opfer erwähnend, die unsere Eisenbahner besonders in den letzten fünf Jahren nach Abschluß des Dawesplanes haben bringen müssen. Die Summe, die unsere Reichsbahn mit dem Abschluß des Boungplanes zu leisten hat, habe sich auf der Höhe von 660 Millionen jährlich gehalten, nötigenfalls können die Beförderungssteuern miteinbezogen werden. Jedoch solle man sich da keinen falschen Hoffnungen hingeben: das Reich werde kaum auf letztere verzichten können. Auch Aende- rungen im Reichsbahngeseh seien vorgesehen, und Bindungen, die rein deutsche Angelegenheiten sind, würden sicherlich nicht zu Erleichterungen für unsere Eisenbahner beitragen. Schon das Reichsbahngeseh nach dem Dawesabkommen habe Abweichungen von der allgemeinen deutschen Gesetzgebung zum Rachteil der Eisenbahner gebracht: man denke an die Befugnisse des Reichsbahngeneraldirektors in bezug auf Festsetzung der Gehalte, der Arbeitszeit, des Urlaubs und des Aufsichtsrechts. Auch nach dem Voungplan stehe der Eisenbahner rechtlich viel schlechter da als andere Volksgenossen, erinnert sei an die Abweichungen von dem Arbeiterschuhgeseh. Die Eisenbahner forderten deshalb mit vollem Recht die Beseitigung besonderer Behandlungen nach dem Reichsbahngesetz und Eingliederung in die allgemeine deutsche Gesetzgebung. Die Forderungen des Vortragenden wurden in eine Entschließung gefaßt und diese, wie auch die übrigen Ausführungen in der anregenden Diskussion zur Aussprache gebracht. Lokomotivführer Erle von der Gewerkschaft der Lokomotivführer warnte vor falschen Hoffnungen und forderte zur Mitarbeit auf an der Beseitigung der Mängel, die der Voungplan bietet. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch die Herren Wagner, Hörr, Zecher und Benner. In seinem Schlußwort forderte B r e u n i g , Berlin, die Unterstützung aller Volksgenossen, zum Wohle unserer deutschen Reichsbahn und ihrer rund 700 000 Arbeiter und Beamten zu kämpfen. Gewerkschaftssekretär Benner sprach in herzlichen Worten dem Redner den Dank der Versammlung aus. Die folgende Entschließung sand einstimmige Annahme: Die vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands und der Lvkomotivführergewerkschaft gemeinsam einberufene, gut besuchte Eisenbahnversammlung des Verwaltungsbezirks Gießen hat von dem Boung-Plan und dem Stand der Verhandlungen im Haag Kenntnis genommen. Die Versammlung begrüßte das bisherige Der- handlungsergebnis als einen wichtigen Schritt zur endgültigen Liquidierung des Weltkrieges und für die künftige friedliche Zusammenarbeit der Völker. Die Eisenbahner erwarten aber, daß bei den Vereinbarungen über die Inkraftsetzung des V»ung°Plans ihre Forderungen auf rechtliche und wirtschaftliche Glei ch - st e l l u n g mit den übrigen vergleichbaren Arbeitnehmern Deutschlands Berücksichtigung sin- den. Die beteiligten Regierungen werden ersucht. ihre Vertreter im Organisationskomitee anzuweisen, daß das durch die Reichsbahngeseh« vor fünf Jahren an den Eisenbahnern begangene Unrecht wiedergutgemacht wird. Die deutschen Eisenbahner appellieren an alle Freunde des Fortschritts und der Freiheit, sie in ihrem Kamps um die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu unterstützen. Das Personal in Stadt und Land wird aufgesordert, sich für die Durchsetzung der in der Denkschrift des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer aufgestellten Forderungen mit aller Energie einzusehen und sofort alles zu tun, um ihre gerechte Sache im Interesse ihrer Familien und der kommenden Generationen kraftvoll zu unterstützen. Die Versammelten geloben, ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, um die volle soziale und staatsbürgerliche Gleichberechtigung, der Eisenbahner Autschlands zu erkämpfen. Bornotizen. — TageskalenderfürMontag. Schützenverein: Ehrung der Sieger vom 30. Verbands- schießen. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wenn d-" weiße Flieder wieder blüht.". ** Von der Landesuniversität. Der neue Rektor, Professor Dr. B r ü g g e m a n n, hat heute sein Amt übernommen. ** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (21. d. D.) Gießen: Wegen Ausführung von Walzarbeiten wird die Strecke Ernrenrod—Schellnhausen im Zuge der Provinzialstraße Gießen—Grünberg— Alsfeld vom 3. September ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Hainbach—Elpenrod. — Die Sperre auf der Provinzialstraße Lauterbach—Willofs—Schlitz am Rordbahnhof Lauterbach ist ab 2. September auf gehoben. — Die Sperre auf der Provinzialstraße Lauterbach— Alsfeld, Abteilung Lauterbach — Reumaar ist ab 2. September aufgehoben. ** Aufgehobene Straßensperrungen. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Die Sperrung der Stephanstraße und die Sperrung der Bismarckstraße zwischen Löberstraße und Ludwigstraße ist aufgehoben. ** Schulfrei in Preußen am Tage der Zeppelinankunft. Der preußische Kultusminister hat, einer Privatmeldung aus Berlin zufolge angeordnet, daß am Tage der Ankunft des „Graf Zeppelin" in Deutschland oder am folgenden Tage in den Schulen eine Feier stattfindet, in der die Jugend auf die Bedeutung des Weltfluges des Zeppelins hingewiesen wird. Außerdem hat der Kultusminister angeordnet, daß an diesem Tage der Schulunterricht ausfallen soll. ** D i e Schmückung der deutschen Kriegergräber im Auslande hat sich bekanntlich der Dolksbund Deutsche Kriegsgrä- berfürsorge zur Aufgabe gemacht. Für die diesjährige Schmückung von Kriegergräbern zu Allerseelen, Totensonntag und Weihnachten müssen bereits jetzt die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden. Der Volksbund selbst übernimmt die Schmückung der großen Samir^lgräber, die mit meist unbekannten Gefallenen belegt sind. Zu diesem Zweck findet im September eine Haussammlung statt, die dem Opfersinn der Bevölkerung angelegentlich empfohlen fei. Im übrigen ist auf die ausführliche Bekanntmachung im Anzeigenteil des „Gieß. Anz." vom Samstag zu verweisen. ** Falsche 20-Mark-Scheine. Ein in Elberfeld ansässiger Schreiner hat am Donnerstagvormittag in einem Zigarrengeschäft in Mainz eine Kiste Zigarren gekauft und mit einem falschen 20-Mark-Schein bezahlt. Die Unechtheit des Geldscheines wurde erst bemerkt, nachdem der Käufer den Laden bereits verlassen hatte. Ladeninhaber machte jedoch sofort einen Polizisten auf den Mann aufmerksam. Es gelang, ihn festzunehmen. Bei einer sofort vorgenommenen Durchsuchung wurden noch 165 falsche 20- Mark-Scheine vorgefunden. Sie tragen alle das Ausgabedatum des 11. Oktober 1924 und die Rümmer D 734 659. Es wird angenommen, daß es dem Täter gelungen ist, auch anderwärts sein Falschgeld unterzubringen. ** Zur 300-Jahr-Feier des Darm« städter Gymnasiums. Aus Anlaß der Feier des 300jährigen Bestehens des Darmstädter Gymnasiums läßt die Historische Kommission für den Volksftaat Hessen ein Heft der Hessischen Biographien als Festgabe erscheinen, das eine Reihe von Lebensbildern hervorragender Direktoren, Lehrer und ehemaliger Schüler des Gymnasiums enthält. Dieses im Hessischen Staatsverlag zu Darmstadt erscheinende Heft wird sicher von allen ehemaligen Angehörigen des Darmstadter Gymnasiums begrüßt werden. (96 Seiten.) ** Achtung, Invalidenversicherung! Durch die neue Gesetzesänderung steht nunmehr auch solchen Witwen von verstorbenen Versicherten die Witwenrente zu, deren Ehegatte bereits vor 1912 verstorben oder dauernd invalide im Sinne des Gesetzes war. Es wird deshalb den in Betracht kommenden Witwen (evtl, auch Witwern) empfohlen, ^lnträtz auf Hinterbliebenenrente bei der Bürgermeisterei bcs Wohnortes zu stellen, selbst wenn ein etwaiger früherer Antrag auf Grund der alten Bestimmungen schon einmal zur Ablehnung kam. Nähere Auskünfte in dieser Angelegenheit erteilen die Bürgermeistereien, die Landesversicherungsanstalt und deren Kontrollbeamte. **HerrenlosesGut. Am 27. Juli d. I. rourba im Schiffenberger Wald in einem Gebüsch bei den Eisteichen ein noch gut erhaltener dunkelblauer Kindersportwagen ohne Verdeck, mit dem Zeichen I. R. G. M. Nr. 866466, gefunden und sicheraestellt. Anscheinend ist er ungefähr drei bis vier Tage vorher an die Stelle gelangt. Der Eigentümer konnte trotz allen Bemühungen bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Personen, die ihr Eigentumsrecht geltend machen bzw. sachdienliche Mitteilungen über den Eigentümer machen können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Zimmer 67, zu melden. ** Deffentlidje Bücherhalle. Im August wurden 1171 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 866, Zeitschriften 15, Ju- gendschriften 57, Gedichte und Bramen 6, Länderund Völkerkunde 65, Kulturgeschichte 10, Geschichte und Biographien 86, Kuüstgeschichte 13, Naturwissenschaft und Technologie 21, Heer- und Seewesen 2, Haus- und Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 4, Staatswissenschast 7, Fremdsprachliches 14 Bände. Nach auswärts tarnen zwei Bände. ** Einheitskurzschrift im hessischen Staatsdienst. Nach einem Beschluß des hessischen Gesamtministeriums haben die in der Zeit vom 1. Oktober 1928 bis 31. März 1930 in den Vorberei- tungs- oder Probedienst bei jier Staatsverwaltung eingetretenen oder noch eintretenden Personen den oorgeschriebenen Nachweis der Kenntnis in der Einheitskurzschrift (mindestens 120 Silben lesen und 80 Silben schreiben) längstens bis 31. März 1931 zu erbringen. * Kriegerverein Gießen. Auf dem gestern in Offenbach a. M. abgehaltenen Schluh- schießen des achttägigen Hassia-Verbandspreis- schießens der Kriegcrkameradschaft Hassia hat sich die Schietzabteilung des Kriegervereins Gießen (vertreten durch die Mitglieder Kaufmann Wilhelm Georg, Zugführer Wilhelm H a i n b a ch, Lokomotivführer Heinrich M o o h und Bäckermeister Schilling) unter sehr starker Konkurrenz die Landes-Derbandsmeisterschaft mit 547 Ringen geholt: der damit verbundene Wander- preis ist im nächsten Jahre zu verteidigen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Sarmelltergctft AMOL 7 M-Hll«, s muei-.i N-lk.., e Bitt.-, 5 Zimt- und fHo6marin-Dtf, 18,14 M-Nlhol, 600 Spirit., 400 gDaff. — erfrischt - belebt bet Ohnmächten. Ermüdung, Strapazen. Nerven- und ©Hebet- schmerzen, ^Verstauchungen unb Verrenkungen. Gegen Insektenstiche. Mund- u. Gurgelwafler. In Apotheken u Drogerien erhältlich. 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Zu erfragen in der Geschäftsstelle des Giess. Anz. 05560 Warnung. Hiermit erkläre ich dass ich für Forderungen an meine Ehefrau Elisabeth Weber geb. Born, Kirchenplatz 9 I, sowie für Schulden, die mein Sohn Wilhelm Weber gemacht Hai, nicht aufkomme. Gleichzeitig bitte ich Zahlungen tttr mich, entw. an die Bezirks- Sparkasse (1722) ober direkt an mich zu leist. Hch.Weber, Installa- tion, Seltersweg 631. LU N ffhecdori r 1ml Nr. 205 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejsen) Montag, 2. September 1029 Oer Krieg im Dunkeln. Oie Völkerverpflanzung am Bosporus. — Mussolinis Vermittlung zwischen der Türkei und Griechenland. Don unserem H.-T./Berid)tcrftatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Athen, August 1929. Europa hat cs schon seit den Tagen des Dr. Faust nicht weiter tragisch genommen, wenn hinten weit in der Türkei die Völker aufeinander- schlugen und glaubt infolgedessen auch heute den Papierkrieg, der seit einer Reihe von Jahren, mit Aktenbündeln, Tabellen und Statistiken, zwischen den türkischen und griechischen Delegierten in Angora durchge- sochten wird, leichten Herzens als „querelles orientales“ abtun zu können. Dabei vergißt man aber nur allzu leicht, daß gerade vom Ausgang dieser Tragikomödie sehr wesentlich die Gestaltung der kommenden Dinge im östlichen Mit» tclmcer abhängig ist. — Grund und Ursache des Streites ist zu bekannt, als daß man beides des langen und breiten noch einmal zu wiederholen brauchte: mit der Unbeschwertheit, mit der von jeher in Asien die großen Rassen- und Völkergegensähc gelöst zu werden pflegten, hat sich der Türke der anato- lischen Griechen entledigt: dafür haben die Griechen ihre türkischen Mitbürger exiliert und nun geht es um den Ersah und den Ausgleich der Schäden, die diese Völkcrvcrpflanzung ganz zwangsläufig für die beiden Erbfeinde im Gefolge gehabt hat. Selbstverständlich versucht jeder der beiden Kontrahenten den anderen nach bestem Wissen und Gewissen über dos Ohr zu hauen, der grüne Tisch der Diplomaten hat die Hondelsmethoden des Vasars übernommen und wie bei jedem orientalischen Kuhhandel, ist auch hier kein Ende des Palavers abzusehen. Zumal über dem Ganzen eine „neutrale Kommission" schwebt, Männer, die sich bei hohen Gehältr>rn und wenig Arbeit sehr wohl fühlen und die erklärlicherweise das größte Interesse daran haben, das schwelende Feuer nie ganz ousgehen zu lassen, oder höchstens erst dann, trenn die Streitmasse verprozessiert und aus dem kümmerlichen Rest Gehälter und Gebühren nicht mehr aufzubringen sind. Zur Erheiterung aller neutralen Zuschauer wird außerdem jede Woche ein Kommunique, herausgegeben, das heute von dem „unmittelbar bevorstehenden Abschluß der Verhandlungen" zu berichten weiß, morgen „Ausflüchte" der Griechen oder der Türken vermeldet und übermorgen den entsetzlich gelangweilten Festgenossen „neue Einigungsvorschläge" serviert. „Vevorstehende Llnterzeichnung — Vertagung — Annäherung — Ablehnung —“ so geht es im ermüdenden turnus ad infinitum weiter, und man könnte leichten Herzens über diesen häuslichen Streit zur Tagesordnung übergehen, wenn eben nicht von der griechisch-türkischen Einigung in der Entschädigungssragc sehr wesentlich die weiteren Pläne Mussolinis im östlichen M i t t e l m e e r beeinflußt würden. Die Ziele Mussolinis sind bekannt: der alba« nisch-ungorische-bulgarische ..Angriffsring", den er um dos jugoslawische Faß zu schmieden versucht, soll durch den „Reservering" Angora-Athen verstärkt oder durch Ausschaltung der Rücken- bedrotz'ung - also durch Aufputschen der Griechen gegen die Türken und umgekehrt — um so ongriffstüchtiger und angriffsfreudiger gemacht werden. Dieser letzte Weg ist zeitraubend und kostspielig und „ungewiß ist der Erfolg", selbst wenn dabei zum Schluß für Italien die Möglichkeit herausspringen sollte, gleichzeitig und mühelos auch noch den Dodekanes- und den Smyrna- Rahm abzuschöpfen.. Oder aber — die für die Abrechnung mit Jugoslawien erforderliche Rückensreiheit wird auf andere Weise sicher- gestellt: durch einen von Rom protegierten „Freundschaftsvertrag" Athen-An- g o r a. Um dos Groteske dieses Planes und die iln- Natürlichkeit dieser Verbindung auch nur einigermaßen verstehen zu können, muß man schon Vergleiche aus dem Tierreich heranziehen: Angora-Katze und die Eule von Athen sollen sich unter Assistenz der Wölfin paaren, obgleich diese drei Tiere, ihrer ganzen Ratur nach, jedes für sich und alle untereinander, geborene und geschworene Feinde sind, die sich nur aus dem einen Grunde noch nicht zerrissen haben, weil keiner es mit dem anderen zur Zeit aufzunehmen wagt. Merkwürdig, daß Mussolini, der doch sonst ein so guter Psychologe ist, ausgerechnet in der türkisch-griechischen Frage gewisse Imponderabilien so ganz außer acht läßt: seit hundert Jahren und länger haben sich Griechen und Türken Urfehde geschworen. Dieser Krieg wird auch heute noch trotz des Friedens von Lausanne mit ungeschwächter Erbitterung fortgesetzt, auch wenn an Stelle von Gewehren und Kanonen nicht minder tödlich wirkende „Dekrete" und „Verordnungen", „Konferenzen" und „Verhandlungen" getreten sind. Gewiß, die Möglichkeit, daß die beiden Erbfeinde aus dem Papier eine „tragbare Einigungsformel" finden, besteht durchaus, und wenn Rom in der Loge ist, in bar oder in Ratur gehörig zu zahlen, wird Mussolini seinen erstrebten An- qora-Athen-Pakt befriedigt „zu den übrigen" fegen können. Rur ist der springende Punkt dabei der: In „Süd-Ost-Europa", — ein unfreiwilliger Witz, der Zeugnis für die fortschreitende Valkanisierung eben dieses Europas ablegt — auf dem Valkan und in der „Reuen Türkei" hält man es mit Verträgen, wie die „Mädels vom Chantant" mit der „Liebe": Beide pflegen beides nicht sonderlich „tragisch" zu nehmen. „Unterschreiben — soviel ihr wollt — verschont uns nur mit Lesen!" Dieser Isolani-Standpunkt gilt auch hier, ganz zu schweigen davon, daß jeder Vertrag mit der reservatio mentalis abgeschlossen wird: „Wie drücke ich mich am besten vor meinen Verpflichtungen, wenn die Stunde der Erfüllung naht?" Mit einem Wort: eine aufrichtige türkisch-griechische Verständigung, die auch nur die leiseste Belastungsprobe ertragen soll, ist zur Zeit e i n absolutes Ding der Unmöglichkeit. „Eher wird" — um mit Vater Herodot zu reden — „der Himmel unter der Erde sein und die Erde in der Luft, eher werden die Menschen tm Meere wohnen und die Fische da, wo die Menschen sind" — eher werden Zeichen und Wunder geschehen, als daß sich Türken und Griechen versöhnt in die Arme sinken. Wenn sie es d o ch tun, dann eben nur, um die verwundbarste Stelle am Körper des Gegners abzutasten, um dort bei nächster Gelegenheit das Messer ansehen zu können. Wie stehen die Dinge in Wirtlichkeit? Für Angora kommt e s daraus an, die Vernichtung des griechischen Elements, die 1920 begonnen wurde, restlos durchzuführen. Anatolien ist gesäubert, jetzt wird der Besen in K o n st a n t i n o p e l angeseht. Dort wohnen noch etwa 180 000 Griechen, die nicht unter den Austauschparagraphen fallen. Mit Gewalt können sie nicht abgeschoben werden, also geschieht es auf trockenem Wege in Form jener aalglatten, Schikanen, in denen der Türke unerreichter Meister ist. Bezeichnenderweise beschränkt sich dabei die türkische Offensive nicht allein auf Konstantinopel, auch in Aegypten zieht die nationalistische, zunächst von Angora nur gegen das dortige Griechentum geschürte Bewegung immer weitere Kreise, ilnö zwar in einer Form, daß man in Athen bereits eine Demarche bei der ägyptischen Regierung in Erwägung gezogen Uraufführung in Vad-Aauheim. Paul Frank: Grand Hotel. Uraufführung; gleichzeitig mit Berlin (Lustspiel- Haus) und mehreren Orten in der Provinz. Wie dort die Premieren ausgefallen sind, wird man lesen; in Nauheim war sie ein sehr freundlicher, fast l>erzlicher Erfolg. Ehe die naheliegende Frage beantwortet wird, ob wir den Erfolg für verdient halten, sei darauf hingewiesen, daß der Autor mit den drei zur Zeit berühmtesten Franks in der Literatur nicht zu verwechseln ist: also weder mit Leonhard noch mit Bruno noch mit Hans, der sich außerdem mit ck schreibt. Paul, aus Wien, ist aber auch kein Neuling mehr und mit einer Reihe von Dramen und Romanen gut eingeführt, von denen „Das Mangobaumwunder" (1316) hcrvorgehoben sei. * Was das neue Lustspiel angeht, so verfügt es über zweierlei, was den äußeren Erfolg rechtfertigt oder doch nicht unverdient erscheinen läßt: einen hübschen Einfall und einen anständigen dritten Akt. Natürlich dürfen auch die Mängel nicht verschwiegen werden. Der recht durchschnittliche, oberflächliche und manchmal platte Dialog, der nur hin und wieder durch ein wienerisches Bonmot belebt wird. Und vor allem: der Mangel an Wirklichkeit. Das scheint viel verlangt; aber auch ein gutes Lustspiel sollte einen Schimmer davon haben; wenn nicht in der Fabel, so doch in der Stimmung und im Stil, in dem die Fabel abgewandelt wird. (Schwer zu beschreiben: es äußert sich vielleicht darin, daß man mittendrin die Augen zumachen und die Fabel weiterspinnen kann und vielleicht auf ein paar Augenblicke vergißt, daß man im Parkett sitzt; hier verlor man keine Sekunde das Bewußtsein, daß der dritte Akt um 22.15 Uhr beendet jein und daß man bequem den letzten Zug erreichen würde.) 'Alles was geschieht, geschieht so unwahrscheinlich, daß die einzige Realität babei nur das Theater sein kann. Es ist ober zuzugeben, daß es sich hier um handfestes, gutes Theater handelt. Es gibt dichterisch viel wertvollere Lustspiele, die technisch viel schlechter sind. Die meisten haben mit dem zweiten Akt ihr Pulver verschossen. Dieses Stück hat die wirklich seltene Fähigkeit, im letzten nicht nur noch etwas sagen zu können, was zur Sache gehört, sondern sogar erst hier die Pointe zu bringen und infolgedessen die Spannung bis kurz vor dem dritten Vorhang zu halten. Die Idee: daß ein harmloser junger Mann mit baren zehn Schillingen im Sack sich im Foyer des Grand Hotel in eine unerhört vornehme Dome verliebt, sie anspricht und zum Souper einlädt — mit der totsicheren Chance vor Augen, knapp noch dem letzten Gang mit hörbarem Eklat hinausgeschmissen zu werden. Der Mittelakt schlachtet die dankbare Idee bis hart an die Schwankgrenze aus. Der junge Mensch, in einem grotesken Anfall von Wundergläubigkett und im verzweifelten Vertrauen auf abenteuerliche Zufälle, lädt noch zwei schwerreiche Bekannte der Dame dazu ein, indes fein nach Hilfe ausgeschickter Freund mit immer leeren Händen zurückkommt. Im dritten Akt, der schon im „Appartement" spielt, wartet man mit leisem Mitgefühl auf ein unvermeidlich scheinendes tragikomisches Fiasko —, da ergibt sich eine überraschende Lösung mit der geschickten Einführung des Motivs vom betrogenen Betrüger. Der Hochstapler aus Phantasie wird auf eine sehr freundliche und taktvolle Weise dadurch sowohl entlarvt wie gerettet, daß die andern fein Spiel teils durchschaut hoben, teils durch den Mitwisser gebeichtet bekommen ... und teils verliebt, teils großzügig und humorvoll genug sind, dos Spiel auf ihre Art zu einem glücklichen Ende zu führen. Die Inszenierung (Regie: lanncrt) war lebendig und spannend, mit Sinn für Humor und Gefühl für die starke Theoterwirkung, die aus den drei Akten herauszuholen ist. * Die Aufführung steht und fällt mit der Besetzung der beiden Hauptrollen; Mario Koch als Dame Glay sah blendend aus: war anfangs uneinheitlich und zu unvermittelt im Uebergang zum zweiten Akt , fand erst im dritten die Wärme des Tons und dos gütig überlegene Lächeln, was beides diese Figur hoben muß, wenn man sie verstehen soll. * hat. Ob und inwiefern dabei allerdings Engländer und Aegypter unter einer Decke stecken, mit dem Ziel, sich die sehr gefährliche Konkurrenz des griechischen Kaufmanns vom Halse zu schaffen, läßt sich zur Zeit noch nicht klar erkennen. Fest steht nur, daß man in Aegypten seit einiger Zeit nicht nur die uransässigen Griechen, sondern vor allem die aus den ehemaligen türkischen Provinzen stammenden auf jede Weise schikaniert: diese Griechen sollen gezwungen werden. im Laute von sechs Monaten entweder die ägyptische Staatsbürgerschaft zu erwerben, oder nach Ablauf dieser Frist das Land zu verlassen. Beides' wäre gleichbedeutend mit dem wirtschaftlichen Ruin der davon Betroffenen. Die Mittel, die Aegypten gegen das dortige Griechentum in Anwendung bringt, stehen hier nicht zur Debatte, dafür erläßt Angora jeden Tag neue Verfügungen, die systematisch auf d i c wirtschaftliche Vernichtung der Kospoli-Griechen hinzielen. Kein Tag vergeht, an dem nicht unter geschickter Berufung auf die tatsächliche Rotlage der eingeborenen Türken für die Fremden — das heißt Griechen — ein Beruf nach dem anderen gesperrt wird. Mag es sich um Hebammen oder Lastträger, Direktoren oder subalterne Schreiber, um Kutscher. Wechsler. Rechtsanwälte, Portiers, Straßenhändler oder Fremdenführer handeln — mit allen „erlaubten Mitteln" soll das griechische Element zur Abwanderung gezwungen werden. Und die Tragik für Athen liegt darin: es steht mit gebundenen Händen dabei und vermag auch nicht einen Finger für feine Volksgenossen jenseits &ef Grenze zu rühren. Es hat an feinen „Pros-Fhges" schon übergenug zu tragen, jeder einzelne, etwa noch zuwandernde Grieche kann der Tropfen sein, der das Faß zum ileberlaufen bringt. Denn die Kospoli-Griechen sind Städter, sie können auf dem Lande nicht angcfiebelt werden und in den Städten ist für diese Bedauernswerten weder räumlich noch wirtschaftlich Llntcrbringungsinöglichkeit vorhanden. Ein neuer Massenzuftrom würde für Griechenland nichts mehr und nichts weniger als den völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Daher die verzweifelten Bemühungen Athens mit den Türken, selbst unter den härtesten Bedingungen zu einer Einigung zu kommen..« nur um das „Gespenst der 180 000" zu bannen! Diese Angst vor den eigenen Volksgenossen ist das große Plus, das Angora für sich zu buchen hat. ein Trumpf, den cs nur dann aufgeben wird, wenn Mussolini in der Lage ist. von sich aus zum mindesten Gleichwertiges oder noch Besseres zu bieten. Ist er dazu nicht imstande, dann wird Angora sich erst in dem Augenblick bereit finden, mit Athen den von Mussolini so heiß erstrebten Freundschaftsvertrag zu schließen, wenn der letzte Grieche den Staub Konstantinopels von seinen Füßen geschüttelt hat. Denn ein solcher Pakt — er mag enthalten was er will — muß logischerweise auf der Basis des jeweiligen Status quo abgeschlossen werden. Ter Stein des Anstoßes, die Kospoli-Griechen, ist beseitigt. Angora wird sich bereitwilligst von Athen „Sicherheit", Frieden und Freundschaft garantieren lassen und großmütig das gleiche versprechen. Auch der Heiratsvermittler Mussolini wäre dann am Ziele seiner Wünsche angelangt, nur fragt sich, ob sich das junge Paar dann noch bereit erklären wird, ihm die Vermittlungsgebühren in Form von antijugoslawischer Hilfsstellung zu honorieren. Auch darüber dürfte die Entscheidung wohl ad calendas graecas hinausgeschoben werden ... Turnen, Sport und Spiel. Deutsche Leichtathleten in Paris siegreich. Frankreich imLänderkat Pf 66: 7Sgeschlagen Dem vierten Leichtathletik-Länderkampf gegen Frankreich sah man in Deutschland mit einer gewissen Skepsis entgegen, denn die französischen Athleten hatten fick) in letzter Zeit derart verbessert, daß ein Sieg der Franzosen diesmal durchaus im Bereich der Möglichkeit stand. Aber unsere Mannschaft schlug sich ganz ausgezeichnet und sicherte mit 79:66 Punkten einen neuen Sieg. Der Kampf fand von 30 000 Zuschauern bei einer wahren Gluthitze auf den klassischen Bahnen des Stade de Colombes bei Paris statt. Die Zuschauer begrüßten die Deutschen mit einer überraschend großen Herzlichkeit und zeigten auch im Verlauf der Kämpfe eine wohltuende Objektivität. Bei dem Festbankett am Abend ließ der deutsche Außenminister Dr. Stresemann unter dem Jubel der Versammlung für die französische Mannschaft einen Goldpokal überreichen, eine Geste, die auch bei den französischen Offiziellen und Behördenvertretern Beifall fand. Die Ergebnisse: 10 0 M eter: 1. Eldracher-Deutschland 10,6 Sek.; 2. Dr. Wichmann-Deutschland 1 Meter zur., 3. Rousseau-Frankreich weitere 2 Meter zur.: 4. Auvergne- Frankreich. 2 0 0 Meter: 1. Dr. Wichmann-Deutschland 21,4 Sek.' 2. Eldracher-Deutschland Brustbr. zur.; 3. Auvergne-Frankreich 4 Meter zur.; 4. Mour- lon- Frankreich. 4 0 0 Meter: 1. Moulines- Frankreich 48,2 Sek. (Französischer Rekord); 2. Büchner-Dcatsch- land 48,4 Sek.; 3. Stortz-Deutschland; 4. Feger- Frankreich. 800 Meter: 1. Keller-Frankreich 1: 55,8Min.; 2. Dr. Pelher-Deutschland 1:36 Min. 2 Meter Tannert selbst hat mit dem jungen Mann ohne Geld wieder eine der immer dankbaren, immer sympathischen Rollen, die seinem Bonvivant-Temperament fo sehr entgegenfommen; die hier zu spielende Mischung aus Frechheit und Naivität, Verliebtheit und Verlegenheit, großspurigem Galgenhumor und händeringender Angst vor einem fatalen Ende gelingt ihm reizend und sichert den halben Erfolg. Von den beiden wirklichen Magnaten war Hais sehr amüsant, Ebert-Gras sow nicht immer glaubhaft, ihm scheinen solche Industriellen großen Stils nicht besonders zu liegen. Zwei gute Chargen: Heinrich Hub und Karl V o l ck. — Das Premiörenpublikum war angeregt und verständnisvoll bei der Sache; so kam der Erfolg zustande, von dem schon gesprochen wurde. Dr. Th. Geschichten von Auflernfreffern. In einem soeben in London erschienenen Buch „Die ruhmreiche Auster" singt Hector B o l i t h o den Preis dieses wohlschmeckenden Schalentieres und sagt: „Ich bin niemals einem Mann von Witz, Verstand und Feinheit begegnet, dessen Augen nicht groß werden und dessen Gesicht nicht von einem seligen Lächeln überglänzt wird, wenn eine Schüssel mit Austern vor ihn hingesetzt wird." Die Vorliebe für Austern gilt ihm auch als der einzige Entschuldigungsgrund für Gefräßigkeit, so daß er den Titel eines „Austernsressers" nicht für beleidigend hält. Mit Behagen berichtet er von den großen Taten, die solche unermüdlichen Austernfresser vollbracht haben. Er erwähnt den römischen Kaiser Ditellius, der auf einen Sitz 1000 Austern verschlingen konnte. Aus der Autobiographie von George Pauling zitiert er eine Stelle, die auf ähnliche Taten in moderner Zeit hinweist: „Drei von uns — ich unterdrücke die Ramen meiner Gefährten — verspeisten 1000 Stück Austern, die wir mit acht Flaschen Charn- vagner herunterspülten."- Ein berühmter Austern- sresser war der Mann, der „wettete, daß er 12 Dutzend Austern mit Hilfe von 12 Gläsern Champagner in der Zeit vertilgen werde, in der die Kirchturmsuhr 12 schlagen würde. Er gewann die Wette, indem er je 12 frische Austern in 12 Weingläser legte und sie dann immer auf einen Zug mit dem Champagner herunterspülte." Das Buch ist voll von Austerngeschichten aus dem zur.: 3. Sera Martin 1:57,2 -Min.; 4. Müller- Deutschland weitere 2 Meter zur. 1 5 0 0 Meter: 1. Ladoumegue- Frankr. 3:55,4 Min.: 2. Böcher-Dcutschl. 3:58 Min.; 3. Dabat- Frankr. 4:02 Min.; 4. Wichmann-Deutschl. 4:08,4 Min. 5000 Meter: 1. Dartigues-Frankr. 15: 37,4 Min.; 2. Diekmann-Deutschl. 15:37,8 Min., 3. Helber-Dcutschl. 12 Meter zur.; 4. Marchall- Frankr. 60 Meter zur. 4x100 Meter: Beide Mannschaften disqualifiziert. 110 Meter Hürden: 1. Troßbach-Deutschl. 15 Sek.; 2. Welscher-Deutschl. 3 Meter zur.; 3. Adelheim-Frankr.: 4. Sempe-Frankreich. Kugelstoßen: 1. Llebler-Deutschl. 14:71,5 Meter; 2. Roel-Frankr. 14:41,5 Meter; 3. Schneider-Deutschland 14:28 Meter; 4. Drecq-Frankr. 13,32 Meter. Diskuswerfen: 1. Roel-Frankr. 45,40 Meter; 2. Winter-Frankreich 45,35 Meter; 3. Paulus-Deutschland 44,24 Meter; 4. Hoffmeister- Deutschland 41,73 Meter. Hochsprung: 1. Menard-Frankreich 1,90 Meter- 2. Philippon-Frankr. 1,85 Meter; 3. Köppke-Deutschland 1,85 Meter (durch Stechen entschieden); 4. Rosenthal-Deutschs. 1,80 Meter. 4x400 Meter: 1. Deutschland (Stortz, Engelhardt, Pelher, Büchner) 3:17,6 Min.; 2. Frankreich (Jackson, Martin, Feger, Moulines) 3:20,6 Min. Weitsprung: 1. Meier-Deutschl. 7,11 Met.; 2. Dobermann-Deutschland 6,89 Meter; 3. Ro- bert-Frankr. 6,50 Meter; 4. Flouret-Frankr. 6,44. Stabhochsprung: 1. Wegener-Deutschland 3,80 Meter; 2. Ramadier-Frankr. 3,60 Meter; 3. Vontousky-Frankreich 3,60 Meter; 4. Dober- mann-Deutschl. Speer: 1. Molles-Deutschl. 61,60 Meter; 2. Schlokat-Deutschl. 56,25 Meter; 3. Degland-Fr. 53,42 Meter; 4. Angeli-Frankr. 52,20 Meter. Gesamtergebnis: 79:66 Punkte für Deutschland. „alten lustigen England". Da wird von einem 97jährigen Postmeister aus Lismore, Huddy, erzählt, der eines schönen Tages im Jahre 1821 auf Grund einer Wette von feiner Heimatstadt nach Fermoy fuhr, und zwar „in einer Austertonne, die von einem Schwein, einem Dachs, zwei Katzen und einem Igel gezogen wurde; er selbst saß in der Tonne mit einer großen roten Rachtmühe auf dem Kopf, in der einen Hand die Peitsche eines Schwcinetreibers, in der andern ein gewöhnliches Kuhhorn, in das er bl-es, um fein Gespann anzufeuern." Hochschulnachrichten. Amtlich wird die (Ernennung des o. Professors Dr. med. et phil. Richard Hönigswald von der Llniversität Breslau vom 1. April 1930 an zum ordentlichen Professor der Philosophie an der iln'iüerfität München als Rachfolger des verstorbenen Geheimen Rcgierungsrates Erich Decher bestätigt. Prof. Hönigswald, dessen Sondergebiete Erkenntnistheorie, Grundlagen der Psychologie, sowie Theorie der Pädagogik sind, ist Herausgeber und Begründer der Schriftenreihe „Wissenschaftliche Grundfragen" (Philosophische Abhandlungen), seit 1924. Der durch das Ableben von Prof. M. Lidz- barski an der LIniversität Göttingen erledigte Lehrstuhl der orientalischen Philologie ist dem ordentlichen Professor Dr. Rudolf Tschudi in Basel angebotcn worden. Dr. Tschudi. der durch seine Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Geschichte und Kultur des Islams bekannt gewordene Gelehrte, ist ein geborener Schweizer (geboren 1884 zu Glarus). In Basel, Erlangen, Berlin und Greifswald oblag er dem Studium der klassischen und orientalischen Philologie als Schüler von Georg Jacob. Friedrich Giese und Ch. Decker und promovierte 1910. Dann wurde er wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Seminar für Geschichte und Kultur des Orients in Hamburg bei Professor Decker. Später widmete sich Dr. Tschudi privaten Studien, unternahm Studienreisen in der Türkei und folgte Michaelis 1914 einem Rufe als Professor nach Hamburg, als Rachfolger von Ch. Decker. 1919 kam Tschudi. nach Zürich und drei Jahre später nach Basel. Professor Tschudi ist Mitherausgeber der von Georg Jacob gegründeten und heran sgegebeneni „Türkischen Bibliothek'. Auch die Schweiz geschlagen. Deutschlandgewinnt denLänderkamPf83:54 3n Zürich fand am Sonntag ein großes Dlu- menfest statt, das auch dem auf dem Platze des F.C. Zürich ausgetragenen neunten Leichtathletik-Länderkampf Deutschland — Schweiz Abbruch tat. Es kamen nur 2000 Zuschauer, und das war sehr bedauerlich, denn der Kampf nahm einen spannenderen Verlauf, als man erwartet hatte. Die eidgenössischen Leichtathleten kämpften sehr tapfer und entrissen der zweiten deutschen Garnitur einige sicher erwartete Erfolge. 3m Gesamtklassement blieben unsere Vertreter, zwischen denen sich einige Versager befanden, aber doch mit 83:54 Punkten ganz klar Sieger. Die Ergebnisse. 100 m: 1. Körnig°D. 10.6 Sek. 2. Schlößke-D. 11 SÄk. 3. Vogel-Sch. 4. Enderle-Sch. 7:3 Punkte für Deutschland. 2 0 0 m: 1. Körnig-D. 22 Sek. 2. Schlößke-D. 22.6 Sek. 3. Vogel-Sch., dichtguf. 4. Goldsmith- Sch. 7:3 Punkte für Deutschland. 4 0 0 m: 1. Schneider-Sch. 50.1 Sek. 2. Krebs- D., Brustbr. 3. Single-D. 4. Goldfarb-Sch. 5:5 Punkte. 8 0 0 m: 1. Kausmann-D. 2:06.3 Min. 2. Dec- Sch. 3. Tarnogrocki-D. 2:07,1 Min. 4. Rarnrnel- meyer-Sch. 6:4 Punkte für Schweiz. 1 5 0 0 m: Schilgen-D. 4:06.5 Min. 2. Osch- Wald-Sch. 4:08.2 Min. 3. Walpert^D. 4. Rydeg- ger-Sch. 6:4 Punkte für Deutschland. 5000 m: 1. Petri-D. 15:30.8 Min. 2. Kohn-D. 15:43.8 Min. 3. Marthe-Sch. 15.48 Mim Dernez- Sch. 7:3 Punkte für Deutschland. 110 m Hürden: 1. Schneider-Sch. 15.5 Sek. (Schweizer Rekord). 2. Steinhard-D. 16,1 Sek. 3. Stauber-Sch. 4. Weih-D. 6:4 Punkte für Schweiz. 4mal 10 0 m: 1. Deutschland (Körnig, Nathan, Großer, Schlöhke) 42.1 Sek. 2. Schweiz (Vogel, Enderle, Straub, Sutter) 43.6 Sek. 3:1 Punkte für Deutschland. 4mal 4 0 0 m: 1. Deutschland (Tarnogrocki, Weiß, Krebs, Single) 3:20.8 Min. 2. Schweiz (Rarnmelmeher, Goldfarb, Vec, Schneider) 3:25 Win. 3:1 für Deutschland. Stabhochsprung: 1. Meier-Sch. 3.60 m. 2. und 3. Kiesow und Stechemesser-D. je 3.50 m. 4. Kirchhoffer-Sch. 3,40 m. 5:5 Punkte. Weitsprung: 1. Mölle°D. 7.11 m. 2. Meier- Sch. 7.01 m. 3. Sutter-Sch. 6.75 m. 4. Darth.-D, 6.70 m. 5:5 Punkte. Hochsprung: 1. Donneder und Schwarz- fischer-D. je 1.80 m. 3. Stauber-Sch. 1.75 m. 4. Lamberts-Sch. 1.70 m. 7:3 Punkte für Deutschland. Diskus: 1. Hirschfeld-D. 44.53 m. 2. Weih- D. 38.83 m. 3. Vogler-Sch. 37.62 m. 4. Vachmann- Ech. 35.18 m. 7:3 Punkte für Deutschland. Kugelstoßen: 1. Hirschfeld-D. 15.90 m. 2. Vogler-Sch. 13.29 m. 3. Weih°D. 13.16 m. 4. Zeli-Sch. 12.68 m. 6:4 für Deutschland. Speerwerfen: 1. Weimann-D. 62.93 m. 2. Schumacher-Sch. 56.06 m. 3. Darth°D. 54.34 m. 4. Meier-Sch. 54.32 m. 6:4 Punkte für Deutschland. Gesamtergebnis: 83:54 Punkte für Deutschland. Oie Fußball-Derbandsspiele in Güddeutschland. Auch der diesmalige Verbandsspielsonntag war nicht frei von den üblichen Lleber- raschungen, wenn auch die weitaus meisten Kämpfe mit dem Siege der favorisierten Mannschaften endeten. 2m Bezirk Wain-Hessen holte sich in der Gruppe Main der F.Sp.V. Frankfurt seine ersten Punkte gegen Germania Bürgel, die 0:3 geschlagen zurückkehrte. Kickers Offenbach war gegen Eintracht Frankfurt sichtlich unterlegen, erzielte aber doch mit 1:1 Toren den Gewinn eines Punktes. F. C. 1 893 Hanau gewann gegen Rvtweiß Frankfurt durch einen vom Frankfurter Torwächter gröblich verschuldeten Elfmeter mit 2:1 Toren. Sp. Dgg. 02 Griesheim und Union N iederrad lieferten sich einen sehr harten Kampf, der 3:3 endete. Die Gruppe Hessen sah in Worms den harten Kampf der beiden Ortsrivalen, der von Wormatia gegen Alemannia 4:1 gewonnen wurde, trotzdem die Alemannen den Platz stellten. Der Liganeuling, S. V. 9 8 D armstadt, bereitete dem F. S p. D. 0 5 Mai n z, der nicht recht in Schwung kommen will, mit 3:1 eine bittere Niederlage. S. V. Wiesbaden zeigte sich dem V. f. L. Neu-Isenburg mit 3:1 überlegen, und Hassia Dingen nutzte den eigenen Platz zu einem 5:1 gegen den F. C. 0 3 Langen aus. Im Bezirk Bayern stellte sich erneut heraus, daß die Gruppe Nordbahern zur Zeit in der Sp.Vgg. Fürth ihre beste Mannschaft hat. Der Deutsche Meister schlug auf fremdem Platze den V. f.N. Fürth mit 8:1 Toren. Der 1. F. C. Nürnberg dagegen scheint weiterhin völlig außer Form, denn er holte sich beim A.S.D. Nürnberg nur ein mageres 3:2. Der Gruppennculing, die Sp. Dgg. Hof unterlag dem älteren Ortsbruder, Bayern Hof, mit 0: 4 Toren. Der 1. F. .C. Dahreut h hatte dem F.V. 04 Würzburg mit einem knappen 1:2 erwartungsgemäß die Punkte mitzugeben. Aus der Gruppe Südbahern werden zwei normale Ergebnisse gemeldet: D. S. V. München gegen Bayern München 1:3, und F. D. 9 4 Ulm gegen S. V. 1860 München 2:4. Dagegen überrascht das 5:4 der Teutonia Münch en gegen Schwaben Augsburg, und noch mehr der 3:0 Sieg, den Iahn Regensburg über Wacker München erfocht. In der Gruppe Württemberg gelang dem V. f. B. Stuttgart nur ein 1:0 gegen V. f. R. Heilbronn. Der F. C. Pforzheim bewies seine ansteigende Form durch ein 4:1 gegen Sportfreunde Stuttgart. Der F.C. Birkenfeld rang Germania Brötzingen mit 1:1 einen Punkt ab, aber die größte Ueberraschung zeitigte Union ‘Bedingen, die die Stuttgarter Kickers 2:1 schlugen. Noch toller ging es in der Gruppe Baden zu, wo der Liganeuling, F. V. Schramberg. den berühmten K. F. D. Karlsruhe 4:2 abfertigte. Der F.C. Villingen hielt sich mit seinem 2:2 gegen Phönix Karlsruhe ebenfalls sehr gut, aber der S. C. Freiburg mußte dem F. D. Rastatt mit 1:2 beide Punkte mitgeben. Vom Bezirk Rhein — Saar blieb die Gruppe Rhein von allen Ueberraschungen verschont. S. V. Waldhof Mannheim schlug Lindenthal 08 Mannheim ganz glatt mit 5:2 Toren, V. f. L. Neckarau behauptete sich mit 2:1 gegen Phönix Ludwigshafen. In den beiden restlichen Treffen verloren die Platzherren. Sp. Vgg. Müntz e n h e i rn gegen V. f. R. Mannheim 1:4, F.Vgg. Rohrbach gegen Sp. Vgg. Sandhofen 1:3. Die Gruppe Saar hatte nur ganz knappe Ergebnisse zu melden, darunter zwei Unentschieden. 6 a ar 05 Saarbrücken gegen Sportfreunde Saarbrücken 1:1, und V. f. R. Pirmasens gegen V.f.R. Kaiserslautern 3:3. Borussia Neunkirchen kam mit 3:1 Toren gegen den 1. F. C. 07 Idar zu zwei Punkten, aber F. V. Saarbrücken nützte gegen den F. C. Pirmasens nicht einmal den Vorteil des eigenen Platzes etwas. Er verlor mit 2:3 Toren. 9. Herbst-Regatta des Lahn-Regatta-Lerbaades. Veranstaltet vom Verein Rudersport Gießen 1913. Erster Tag. Am Samstag waren die ersten Dorrennen fällig, die nachfolgende Ergebnisse zeitigten: Iungmann-Vierer. 1. Lauf: 1. Cochemer Rudergesellschaft 6:41; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 6:58. 2. Lauf: 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:35,4; 2. Mainz-Kasteler Rudergesellschaft 1880 6:43. Es qualifizieren sich demnach für das Hauptrennen die Cochemer Rudergesellschaft und der Wetzlarer Ruderclub 1880. Iungmann-Vierer. 1. Lauf: 1. Limburger Rudergesellschaft 1920 6:23,4 ; 2. Offenbacher Ruderverein 1874 6:29,8. 2. Lauf: 1. Gießener Rudergesellschaft 1877 6:23,8; 2. Limburger Ruderclub 1907 6:30,4. Infolge Eingangs eines Protestes wird am Sonntagvormittag das Vorrennen für den 1. Lauf dieses Wettkampfes wiederholt. Zweiter Tag. Die Dorrennen nahmen am Sonntagvormittag ihren Fortgang und wiesen folgende Resultate auf: Anfänger-Vierer. 1. Lauf: 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:31; 2. Mainz-Kasteler Rudergesellschaft 1880 6:35,6. 2. Lauf: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 6:31,6; 2. Limburger Ruderclub 1907 6:33. 3. Lauf: 1. Cochemer Ruder- Gesellschaft 6:34,2; 2. Marburger Ruderverein von 1911 6:40,2. Das Hauptrennen wird bestritten von dem Wetzlarer Ruderclub 1880, dem Verein Rudersport Gießen 1913 und der Cochemer Ruder-Gesellschaft. Erster Lahn-Vierer. 1. Lauf: 1. Limburger Ruderclub 1907 6:14,4; 2. Limburger Ruderverein 1895 6:19,6. 2. Lauf: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 6:27,6; 2. Marburger Ruder-Verein von 1911 6:31. In das Hauptrennen kommen der Limburger Ruderclub 1907 und der Verein Rudersport Gießen 1913. Lahn-Iungmann-Vierer. 1. Lauf: 1. Limburger Ruderclub 1907 6:26,4; 2. Limburger Ruderverein 1895 6:34,4. 2. Lauf: 1. Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 6:22,2; 2. Limburger Rudergesellschaft 1920 6:22,6. Im Endkampf wird dann der Limburger Ruderclub 1907 und b;e Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 zu sehen sein. Ermunterungs - Vierer. 1. Lauf: 1. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:51; 2. Marburger Ruder-Verein von 1911 5:51,2; 3. Limburger Ruderclub 1907 6:51,6. 2. Lauf: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 (2. Boot) 7:36; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 (1. Boot) 7:40. Im Hauptrennen treffen sich demnach der Wetzlarer Ruderklub 1880, der Marburger Ruder-Verein von 1911 und der Verein Rudersport Gießen von 1913 (2. Boot). Iungmann - Vierer: Wiederholung des 1. Laufes aus dem Vorrennen vom Samstag. 1. Offenbacher Ruder-Verein 1874 6:37,4; 2. Limburger Rudergesellschaft 1920 6:38,4. Das Hauptrennen bestreiten somit der Offenbacher Ruderverein 1874 und die Gießener Ruder-Gesellschaft 1877. f)aupfrennen. Am vergangenen Samstag und Sonntag gaben sich in Gießen die Ruderer des Deutschen Ruderoerbandes aus der näheren und weiteren Umgebung ein Stelldichein, um Zeugnis abzulegen von dem, was sie in dem verflossenen Sommerhalbjahr alles gelernt und gesehen hatten. Dämonen derzeit. ZRoman von Arthur Brausewetter. 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Ich weiß nicht, weshalb ich es tat... noch dazu einer mir völlig Fremden gegenüber. Es ist doch sonst nicht meine Art. Aber es war etwas so Harmloses in dieser Ditte, daß ich ihr nicht zu widerstehen vermochte. „ilnb jetzt. .. nicht wahr, jetzt sind Sie nichts und haben nichts? Das konnte sich ja gar nicht besser treffen. Unb nun werde ich Ihnen von mir erzählen." Den Kopf lässig hintenüber gelegt, fuhr sie mit der leise singenden Stimme fort: „Ich spiele allabendlich im Wintergarten des „Danziger Hofs". Ich bin bis jetzt nur in großen Konzerten aufgetreten, aber der Besitzer, der mich im Klind- word-Echarwenka-Saal in Berlin hörte, verpflichtete mich für sein Unternehmen. Er hat es nicht zu bereuen gehabt; denn er hat feinen Wintergarten mit jedem Abend voller und hütet sich, mich freizulassen, obwohl ich meine Bedingungen täglich steigere. Der Geiger, mit dem ich bisher spielte, ein blutjunger, hochbefähigter Mensch, hat sich gestern nachmittag, nachdem er sein Allerletztes im Zoppoter Kasino verseht hatte, eine Kugel durch den Kopf gejagt. Das ist an sich nichts Absonderliches und schließlich nur seine Angelegenheit. Aber er war rücksichtslos genug, mir nichts von seiner Absicht mitzuteilen, ich hätte mich sonst beizeiten nach einem Ersah umgesehen. Jetzt hat er mich in die größte Verlegenheit versetzt; denn einen Geigenspieler, mit dem ich zusannnrnpasse, finde ich nicht so leicht. Ich hatte eben eine Anzeige auf gesehen unb, schlenderte ratlos hier durch die Straßen, da hörte ich Sie spielen, und schon nach den ersten Klängen wußte ich, das ist der Mann, den du brauchst... und haben mußt! Unb wären Sie in Stellung oder in Amt und Würden, und wären Sie mit tausend Ketten gebunden — ich hätte Sie doch bekommen ... Wissen Sie? Ganz sicher hätte ich Sie bekommen ... Ich brauche nur zu wollen, dann kann ich auch." In den Augen der Künstlerin brannte ein Funke auf. Es waren Augen, die durchsichtig waren, trotz ihrer sprühenden Helle, Augen, die man nicht erraten und nicht enträtseln konnte. „Wäre ich nicht stellenlos, hungerte ich nicht nach Tätigkeit und leider auch nach Brot . .. ich möchte sehr bezweifeln, ob Sie mich für Ihren Zweck gewonnen hätten!" meinte ich. „Wir wollen darüber doch nicht streiten," erwiderte sie, „lieber Herr ... sehen Sie, nun weiß ich noch nicht einmal Ihren Namen ... Also, lieber Herr Körber, dte Hauptsache ist, daß Sie einwilligen, und dafür danke ich Ihnen, über die Bedingungen werden wir uns später einigen. Um acht Uhr beginnen wir. Ich darf Sie bann wohl auf bem Pobium des Wintergartens erwarten." „Heute abenb schon?" fragte ich in höchstem Erstaunen. „Das ist boch unmöglich." „Weshalb unmöglich. Sie haben es boch einfacher als ich. Sie brauchen nur Ihren Frack unb Ihre Geige." „Aber ohne jebe Vorbereitung ... jede Probe bes Zusammenspiels?" „Das ist völlig überflüssig, wir spielen eben heute nur bekannte Sachen. Ich führe Sie ganz sicher auf bem Flügel unb mein Cellist —“ Sie brach ab. Eine merkbare Unrufje war plötzlich über sie gekommen. „Es ist bie höchste Zeit. Er wirb auf mich warten ... Also auf Wiebersehen heute abenb.“ Ob sich bie nervöse Unruhe, bie bas reuenbe Geschöpf plötzlich überkam, mir mitgeteilt hatte, ber ich sonst nicht so leicht aus bet Fassung zu bringen bin? Iebenfalls hatte ich sofort, nachbem sie mich verlassen, meinen besten Gesellschaftsfrack aus bem wurmstichigen Kleider- schrank genommen unb war genau zu der festgesetzten Stunbe auf bem Podium des Wintergartens. Die Tartini war schon da, und ber Cellist, ein nicht mehr junger Mann, sah, in ben Noten blätternb, auf seinem Platze. Sie stellte mich ihm vor. Er sah mich mit einem schnellen, prüfenben Blick an unb vertiefte sich Wiebe rum in seine Noten. Nun begannen wir zu spielen — was sage ich „wir"? Sie spielte, wir waren bie Trabanten, bas wesenlose Beiwerk ihrer Kunst, gegen die nichts anderes nufzukomnvv vermochte, Unb wenn sie 7hre Hände, bald mit einer Zartheit, die etwas Anbachtsstimmendes hatte, als sänge ein Chor von Sngcto ttüu tiu$, b»ld ;mÜ einer Kraft, hx der ein Aufruhr lobte, atfs wären alle Dämonen der Finsternis in ihr entfesselt, über die Tasten gleiten ließ, bann verstaub man es, bah selbst eine Zuhörerschaft wie die des Wintergartens, bie üblichen Schüsseln beiseite schob, in ihrem Kauen unb Schwatzen innehielt, um biefer Musik zu lauschen. Ich habe eine merkwürbige Beobachtung gemacht. Schon am ersten Abend siel es mir auf, dann wurde es mit jedem Male deutlicher und zugleich unbegreiflicher, daß dies Mädchen von bem Augenblicke an, wo es düs Pobium betritt, ein ganz anberer Mensch ist. Ich kann nicht recht sagen, welcher Art biese Deränberung ist ... etwas Ungebunbened, Unfreies ist in ihr, als wäre sie gar nicht mehr sie selbst, als hanbeite . unb lebte [te unter einem fremden Einfluß Auch wenn sie am Flügel sitzt unb man ihr anmerkt, wie ihre Kunst sie ganz in ihre Banden schlägt ... bies Fremde, sich selbst Entrückte, weicht nicht von ihr. Ich sehe sie vor mir, wie sie damals auf meiner kleinen Bude ben Bogen führte. Mit welchem Vergnügen, welcher federnden Leichtigkeit sie sich jeder Schwingung ihrer Kunst hingab, mit welcher Unbefangenheit unb kindlichen Fröhlichkeit sie mit mir lachte und plauderte — unb fange an, über biese merkwürdige Wandlung nachzudenken. Etwas Seltsames hat sich ereignet. Ein wenig früher als sonst kam ich heute in den Wintergarten. Er war nur halb erleuchtet und völlig leer. Einige Kellner waren mit der Ordnung der Tische unb dem Auflegen ber Gedecke für ben Abenb beschäftigt. Die dunkelblaue Seidenjacke der Tartini und ihr Hut mit den zwei großen Straußenfedern! hingen am Garderobeständer. Sie war also schon da. Aber auf dem Podium traf ich sie nicht. Da hörte ich von dem Künstlerzimmer her, in das sie sich meist allein in den Pausen zurückzuziehen pflegte, und dessen Tür nur angelehnt war, eine gedämpfte, in der unterdrückten Erregung schwer wahrnehmbare Stimme, die heftig auf sie einsprach, während man von ihr selbst nicht eine Silbe vernahm. Nur eine kleine Weile war ich der unfrei- willige Zeuge dieser Unterhaltung, dann wußte ich, daß diese Stimme keinem anderen gehören konnte als bem Cellisten. Ich hatte bem Manne bis dahin wenig De- achtunz ges Henkt, hatte tauin etn Wort mit ihm gewechselt. Er war zu Gesprächen nicht aufetVat A«ch mit der Tartini fsvsch xr km , Still, den eckigen K»pf ndt dem perückengle^chen, schwarz unb weiß getupften Haar unb ber steilen, gelblich schimmernden Stirn sah er da, auch wenn er nicht spielte, tief über sein Instrument gebeugt, unb schien von ber Außenwelt so wenig Notiz zu nehmen, wie sie von ihm. Dann unb wann nur, wenn er eine größere Pause in ber Begleitung hatte, ober die Tartini ohne solche spielte, hob er bas Haupt. Dann aber lag in dem schnell zufassenden und festhaltenden Blick seiner bohrenden, scheinbar ganz ruhigen Augen etwas — unb nun mit einem Male wußte ich, weshalb bie Tartini eine anbere war, sowie sie das Podium bestieg. Es kam von diesem Manne, ber jetzt bort nebenan mit einer Stimme auf sie einsprach, in ber kaum etwas Hartes ober gar Scheltendes war, unb die boch so scharf unb einbringeub klang. Hatten sie Mich gehört? Das beste Ruderwetter begünstigte an den zwei Tagen die Veranstaltung. An beiden Ufern der Lahn hatten sich eine stattliche Anzahl Zuschauer eingefunden, die mit großem Interesse den Verlauf der verschiedenen Rennen verfolgten. Zwischen den einzelnen Wettkämpfen sorgte eine Musikkapelle für die nötige Unterhaltungsmusik. Die M e l d e e r g e b n i s s e zu dieser Regatta wiesen eine ausgedehnte Besetzung auf und man konnte annehmen, daß demzufolge guter Sport geboten wurde, worin man auch nicht getäuscht wurde. Die Abwicklung der einzelnen Wettkämpfe erfolgte ziemlich pünktlich. Bedauerlich ist es nur, wenn während einer Regatta gemeldete Rennen zurückgezogen werden aus Gründen, die dem Zuschauer, also keinem Ruderer, unbekannt sind. Diese Feststellung muß man so ziemlich auf jeder rudersportlichen Veranstaltung machen. Ein nicht zu entschuldigendes Verhalten während der Regatta zeigten zahlreiche Paddler. Man konnte auch jetzt wieder beobachten, daß die ganze Rennstrecke mit Paddelbooten aller Art befahren wurde. Es wirkt nicht allein störend aus die Ruderer, sondern die Paddler sollten es auch vermeiden, an Regattatagen die Rennstrecke, die nun einmal an solchen Tagen den Ruderern vorbehalten bleibt, zu bevölkern, schon deshalb, weil eine erhebliche Gefahr des Zusammenstoßens damit verbunden ist. Nachstehend die Ergebnisse der Hauptrennen (Bahnlänge zirka 1800 Meter): Lahn-Achter (Ehrenpreis): 1. Limburger Ruderklub 1907 5:50 Min.; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 (H. Haller, W. Beck, Aug. Giffey, O. Keller, A. Krug, E. Heck, K. Dietrich, Eugen Heck; St.: Mühlich) 5:53 Minuten. Nach den 1000 Meter schiebt sich Limburg vor unb behauptet seinen Vorsprung bis ins Ziel. Iungmann-Vierer (Ehrenpreis): 1. Cochemer Rudergesellschaft, 6:339/io Min.; 2. Wetzlarer Ruderklub 1880 6:39 Minuten. Aus ber Streck« kommt Wetzlar vor Cochem zu liegen, muß aber kurz darauf, scharf bedrängt von Cochem, die Führung an diese abgeben und Cochem geht als sicherer Sieger aus dem Rennen hervor. Jungmann-Einer (Ehrenpreis): 1. Mainzer Ruderoerein (Hans Apel) 7:14 Min.; 2. Bon^ ner Ruderverein 1882 (Ionia Lehmann) 7:246/to Min.; 3. Wetzlarer Ruderklub 1880 (Erich Stein) 7:34 Minuten. Eine sichere Sache für den Sieger« Anfänger-Vierer (Ehrenpreis): 1. Cochemer Rudergesellschaft 6:45 Min.; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 6:54 Min. (G. Haas, K. Höpf- ner, A. Heinz, K. Heinstadt; St.: H. Mühlich). Der Start vollzieht sich ziemlich glatt. Bei zirka 900 Meter gibt der Wetzlarer Ruderklub 1880, der auch mit in dem Rennen lag, auf. An der 1000-Meter- Grenze kann sich Gießen einen kleinen Vorsprung schaffen, muß ihn aber wieder, weil Cochem gut aufkommt, abgeben. Cochem vergrößert seinen Vorsprung bis ins Ziel auf zirka eine Bootslänge und ist somit sicherer Sieger. Staatspräsidenten - Vierer (Herausforderungspreis): 1. Mainz-Kasteler Rudergesellschaft 1880 6:30 Min.; 2. Limburger Ruderverein 1895 6:33R/io Minuten. Mainz-Kastel sichert sich von vorneherein die Führung unb siegt unangefochten mit etwa eineinhalb Bootslänge voraus. Iungmann-Vierer (Hermann-Happel-Ge- dächtnispreis): 1. Gießener Rubergesellschaft 1877 6:446/io Min. (W. Roth, W. Heußel, W. Flimm, H. Hochstätter; St.: H. Loh). Die Gießener Nuder- gesellschaft 1877 fährt ein schönes Rennen in guter Verfassung nach Hause. Der Dffenbnd/cr Ruderoerein 1874, ber auch in dem Rennen lag, gab bei 1500 Meter, nachdem er etwa eine Boots- länge zurück war, auf. Herbst - Achter (Georg - Appel - Gedächtnis- preis): 1. Mainzer Ruderverein 5:55 Min.; 2. Cochemer Rudergesellschaft 6:10 Minuten. Die Mannschaft des Mainzer Ruderoereins fährt in gutem Schlag mit drei Längen Vorsprung zum Sieg. Schüler - Vierer (Chrenplakette, Bahn- länge 1000 Meter): 1. Limburger Ruderverein 1895 3:44.4 Minuten; 2. Gießener Rudergesell- Das Gepräch verstummte. Die Tartini unb ber Cellist traten auf bas Podium, begrüßten mich, er in seiner kühlen, sie in ihrer flüchtig befangenen Art, unb setzten sich schweigend an ihre Instrumente. Einige frühe Gäste waren inzwischen erschienen. Die Tartini öffnete ben Flügel, rieb mit dem seidenen, spitzenbesetzten Taschentuch die schlanken Finger, ün denen sie ein leises Zittern spürte, schlug einige Tasten an, wir stimmten unb begannen mit dem Chor ber Friedensboten aus bem „Rienzi". Ich war wenig bei der Sache, kam sogar einmal so bedenklich aus dem Texte, daß mich ein verwunderter Blick aus den heute leise umflorten Augen traf unb mich noch mehr verwirrte. Meine Gebanken gingen ihre eigene Dahn, irrlichterten hin unb her, kehrten den ganzen über, gleichviel, ob ich beschäftigt war. ober müßig saß, immer zu dem einen zurück: In welchem Verhältnis stand dieser Mann zu der Tartini? Heute erschienen der kleine Zehden und der tolle Kemp. Ich habe sie seit jenem Regimentsabend im Ratskeller nicht wiedergesehen. Es muß ihnen gut gehen. Sie bestellten ein festliches Mahl, und der Kellner brachte gleich den Kübel mit der Sektflasche. Warum auch nicht? Die Zündhölzerfabrik, die der kleine Zehden leitet und in deren- Aufsichtsrat „zwei Senatoren sitzen", soll mächtig emporschießen, und für den tollen Kemp blüht bei seiner Skrupellosigkeit ber Weizen wie nie zuvor. Der Kreis um bie beiden wird größer. Mehrere Reginientsk.Lm'erLdsn haben sich ihm zugesellt. Keiner sieht oder erkennt mich. Aber zur Tar- tin) ^feiten bie lüsternen Blick« mghr nbc- rcin- der verl^ch^o. hinaus, rasten sn ihr auf unb nieder. Sie sieht und hört nichts. Sie spielt in einer Selbstvergessenheit, bie etwas aller Gegenwart Entrücktes an sich hat, als führten unsichtbare Mächte ihre Hände. Wenn ihr einmal ein kleines Versehen unterläuft, ober sie fehlgreift, zuckt ihr Antlitz zu bem Cellisten hinüber. Der sitzt in seiner unbeweglichen Art, streicht sein Instrument, als hätte er nicht bas geringste bemerkt, ilnb doch habe ich das Gefühl, als hätte er sie fortwährend in ben Augen, als leitete unb verfolgte sie jeder seiner Blicke. Unb toieber taucht bie Frage in mir auf: Welch ein geheimnisvolles Band verknüpft das junge, entzückende Geschöpf mit dem alternden Manne? (Fortsetzung folgt) v schast 1877 (E. Weidig, E. Hartmann, F. Göh. M. Rubohn; St.: H. Loh) 3:50,4 Min.; 3. Verein Rudersport Gießen 1913 (H. Lich, 21, Freitag, K. Schlaudraff, H. Seipp: S.: I. Schmitz) 3:52 Minuten. Limburg seht sich kurz nach dem Start an die Spitze und siegt unangefochten. Um den zweiten Platz gibt es einen erbitterten Kampf, aus dem schließlich die Mannschaft der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 als die bessere hervorging. Er st er Lahn »Vierer (Herausforderungs- Preis): 1. Limburger Ruderclub 1907 6:49 Min. 3n dem Rennen startete außerdem noch der Verein Rudersport Gießen 1913, der jedoch infolge Dootdefekts aufgeben mußte. Jung mann - Lichter (Herausforderungspreis): 1. Mainz-Kasteler Rudergesellschaft 1880 6:02,2 Min.; 2. Rudercl. Limburg 1907 aufgegebcn. Erst der dritte Start bringt die Boote glatt auf die Dahn. Vei 1000 Meter hat Mainz bereits einen Vorsprung von eineinhalb Dools- längen, bei 1500 Meter gibt Limburg auf und Mainz wird sicherer Sieger. Junior - Vierer (Ehrenpreis): 1. Verein Rudersport 1913 (QI. Gisset), C. Heck, K. Dietrich, Eugen Heck; St.: H.Mühlich) 6:36 Min.; 2. Marburger Ruderverein von 1911 6:38,4 Min.; 3. Offenbacher Ruderverein 1874 bei etwa 700 Meter aufgegeben. Gießen seht sich an die Spitze und behauptet seinen Vorsprung bis ins Ziel. Herbst - Vierer (Ehrenpreis): 1. Mainzer Ruderverein 6:24,8 Min.; 2. Cochemer Ruder- Gesellschaft 6:26 Minuten. Oluf der Strecke schafft sich Mainz Terrain und gewinnt sicher, obwohl Cochem kurz vor dem Ziel mächtig aufläuft. Lahn-Einer (Ehrenpreis): 1. WetzlarerRuderclub 1880 (Ernst Leih jun.) zugesprochen. Freundschafts - Olchter (Vahnlänge etwa 1200 Meter, gefahren von Ruderern über 30 Jahre): 1. Offenbacher Ruderverein 1874, Abteilung Rugby 2. Verein Rudersport Gießen 1913. Lahn » Iungmann - Vierer (Herausforderungspreis): 1. Gießener Rudergesellschaft 1877 6:21 Min. (W. Roth, W. Hcußel.W. Flimm. H. Hochstätter; St.: H. Loh); 2. Limburger Ruderclub 1907 6:25,8 Minuten. Gießen nimmt sofort die Spitze ein und beendet das Rennen als sicherer Sieger. Ermunterungs ■ Vierer (Ehrenpreis): 1. Verein Rudersport Gießen 1913 (2. Doot), (H. Haller, W. Beck, A. Krug, O. Keller; St.: H. Mählich) 6:29 Min.; 2. Wetzlarer Ruderclub 1880 6:40 Min.; 3. Marburger Ruderverein von 1911 6:42 Minuten. Gießen geht vom Start weg mächtig ins Zeug und hat bei 1000 Meter schon einen Vorsprung von etwa drei Vootslängen, der zu einem sicheren Sieg voll ausreicht. Großer Achter (Wanderpreis): 1. Mainz- Kasteler Rudergcsellschaft 1880 5:44 Min.; 2. Verein Rudersport Gießen 1913 (H. Haller, W. Teck, A. Giffeh, O. Keller, 21. Krug, E. Heck, K. Dietrich, E. Heck; St.: H. Mählich) 5:47 Minuten. Mainz hat die bessere Mannschaft und gewinnt somit das Rennen, wenn auch nur mit einem kleinen Vorsprung. Daten für Dienstag, 3. Lcptembcr. Sonnenaufgang 5.15 Uhr, Sonnenuntergang 18.43 Uhr. — Mondaufgang 4.39 Uhr, Monduntergang 19.10 Uhr (Neumond). 1609: Gründung der Stadt Neuyork; — 1658: Oliver Cromwell, der Lordprotektor von England, gestorben; — 1859: der französische Politiker Jean Saures geboren; — 1883: der russische Dichter Iwan Turgenew in Bougival gestorben. 300-Zahr-Jeier des Ludwig-Georgs-Gymnasiums. WSR. D a r m ft a d t. 1. Sept. Die älteste Schule Hessens, das L u d w i g-G e o r g s-G y m» nasium in Darmstadt, feierte gestern und heute ihr 300jähriges De st ehe n. 2m schlichten Festschmuck steht das alte Pennal und blickt auf eine aus aller Herren Länder hcrbei- oeeilte vielhundertköpfige Schar dankbarer Schuler, die sich unter der über 100jährigen Dilthey- Kastanie sammelten. Am Samstag fand bereits die Hauptversammlung des Vereins Ludwig-Ge- orgs-Gymnasium statt, bei der Sanitätsrat Dr R ö l l n e r zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Aus dem Kassenbestand von über 17 000 Mark wurde eine Gcdächtnisstiftung zugunsten hilfsbedürftiger Schäler errichtet. Der Begrüßungsabend und die Wiedersehcnsfeicr, verbunden mit einem Kommers, fanden in den überfüllten Räumen des Städtischen Saalbaues statt und nahmen einen harmonischen Verlauf. Der Sonntag brachte zunächst einen Gedächtnisgottcs- dienst und unter ^Beteiligung der Spitzen von Staat und Stadt die akademische Feier. Den Reigen der Darbietungen schloß am Abend eine gespielte Schüleraufführung der „Dö- Aristophane! im Hessischen Landes- Oberheffen. Landkreis Gießen. = Lollar, 30. Aug. Die Mitteilung aus Holzhausen (Kreis Marburgs über das Auftreten des so selten gewordenen Fischreihers gilt auch für die Lumda-Riederung, unweit unseres Dorfes. In dieser und in der verflossenen Woche konnte man oberhalb der Holzmühle ein Fischreiherpaar beobachten. Hofsentlich macht sich dieser schöne und auf dem Aussterbeetat stehende Vogel bei uns heimisch. — Aus dem mittleren Lumdatal, 1. Sept. 2m gesamten Tale ist die Grummeternte im Gange. Infolge des herrlichen Sommerwetters gehen die Arbeiten rasch vvnstatten. Da die kaum nennenswerten Riederschläge den Graswuchs wicht allzusehr fördern konnten, ist der Grasstand in ausgesprochenen Höhen- und Trockenlagen sehr mäßig. Feuchte Wiesengründe oder solche, die im Laufe der letzten Wochen durch künstliche Anlagen bewässert werden konnten, zeigen recht gutes Futter. Obwohl die Quantität bei weitem nicht an die vorjährige Grummeternte heranreicht, so ist die Qualität hervorragend. Die Trockenheit macht sich nun auch aus den Kartoffel - und Dickwurz- f e l d e r n sehr bemerkbar. Die Frühkartoffeln sind vollkommen abgestorben, bald folgen, wenn nicht in der allernächsten Zeit ein durchweichender Regen eintritt, auch empfindliche Sorten der Spätkartoffeln. Die Blätter der Dickrüben hängen tagsüber vollständig welk da; das Dickenwachstum schreitet kaum vorwärts; genau so ist es auch bei den Kartoffeln. Der Mangel an Grünfutter macht sich immer stärker bemerkbar. Da der dritte Kleeschnitt in diesem Jahre wegfällt. so lassen viele Landwirte einige Wiesen zur Grünfütterung stehen, die in sonstigen Jahren zu Grummet gemacht wurden. Obwohl die Stoppelerbsen, die in unserer Gegend noch mit Ackersenf untersät werden, anfangs recht schön aufgegangen waren, sangen sie auf besonders heißen Aeckern bereits an, das Wachstum einzustellen. Ueberall werden Klagen laut über die mangelhafte Entwicklung der Kohl- gewächse im Garten sowohl als auch auf den Feldern. Die stärker auf tretenden Raupen tun das ihrige dazu. Die Dreschmaschinen haben den Felddrusch beendet und sind in die Dörfer gefahren. * Lauter, 1. Sept. Bei dem vorn Reichsverband Deutscher Klcinkaliber-Schützenvereine ausgeschriebenen Wettkampfschießen errang die Mann schäft des hiesigen Kleinkaliber-Schützcnvcreins mit 1080 Ringen den Ehrenpreis des Reichspräsidenten in Silber mit einer Ehrenurkunde. # Hungen, 30. Aug. Der hiesige Männer- gefangberein „Sängerkran z", Dirigent Lehrer Schmidt, feiert im kommenden Jahr das Fest seines 40jährigen Bestehens, verbunden mit Fahnenweihe und Wertungssingen des Horloff- Wettertal-Sängerb' sides. Schon jetzt werden die Vorbereitungen, 1H ji getroffen. U S) u , 30. Äug. Dieser Tage fand hier eine Vectreterversammlung der Ortsgruppe Hungen und Umgebung des Hessischen Landjugendbundes statt. Zur Besprechung stand das am 8. September von den Reitergruppen Hungen, Reichelsheim (Wetterau) und Echzell, die sämtlich dem Landjugendbund angegliedert sind, vorgesehene Reitturnier. In der Aussprache einigte man sich auf folgendes Reitprogramm: 1. Schulreiten der drei Gruppen, 2. Dressurreiten, 3. Trabreiten, 4. Galoppreiten, 5. Jagdspringen, 6. Flachrennen. Hierbei kommt der von Dr. Schmidt gestiftete Wanderpreis zum Austrag. Für das Turnier, das einen größeren als unseren seitherigen Reitplatz erfordert, hat Ehrenmitglied, Gutspächter Kammer, einen genügend großen Acker an der In- heidener Straße zur Verfügung gestellt. s. Utphe, 1. Sept. Dieser Tage fand die Grummetgrasversteigerung auf dem Gemeindewiesengelände statt. Wegen des immer fühlbarer werdenden Mangels an Grünfutter wurden unverhältnismäßig hohe Preise erzielt. Die billigsten Morgen brachten 20 bis 30 Riark, trotz spärlichstem Graswuchs. Die Morgen mittlerer Güte kamen mit 40 bis 50 Mark heraus, während die besten Stücke auf der sog. Sauweide sich auf 50 bis 70 Mark je Morgen stellten, der teuerste sogar auf 77 Mark. Die Preise lagen sämtlich über den vorjährigen, obwohl die Beteiligung, besonders auch von Auswärtigen, geringer war. Versteigert wurde das Futter von 28 Rormalmorgen. — Auf dem hiesigen Guts- h o f werden zur Zeit umfangreiche bauliche Veränderungen durch den neuen Besitzer Rinn vorgenommen. Ein altes Wohngebäude für das Personal wurde abgebrochen und durch ein größeres neues erseht. Das Herrenhaus hat drei hohe Treppengiebel aus Sandstein erhalten, die wesentlich zur Hebung seiner Architektur beitragen. Auch die Innenräume werden zum großen Teil umgebaut. Die Arbeiten werden sehr gut gel" des theater. durch den hiesigen Bauunternehmer Bürger« meister Dietz ausgeführt. Kreis Büdingen. „?" Bad Salzhausen, 29. Aug. Die Räum, lichkeiten des hiesige- Kriegsblindenheims erweisen sich als zu klein, einer größeren Zahl hessischer Kriegsblinden die Segnungen unseres Bades zukommen zu lassen. Aus diesem Grunde ist ein Erweiterung bau geplant, zu dem die Mittel, soweit wie möglich, durch freiwillige Spenden aufgebracht werden sollen. Auch eine Kriegsblinden- Lotterie ist ausgeschrieben. Das Heim untersteht dem Bund erblindeter Krieger (Unterbezirk Hessen). Vorsitzender ist Reallehrer Kranz (Friedberg). Wirtschaft. ' D i e Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung. Wohnung, ‘Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Rcichsamts für den Durchschnitt des Monats August auf 154,0 gegenüber 154,4 im Vormonat. Sie ist sonach um 0,3 Proz. zurück- gegangen. Dieser Rückgang ist im wesentlichen auf das saisonmäßig bedingte Qkachgeben der Preise für Kartoffeln und Gemüse zurückzuführen. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 = 100): für Ernährung 155,0 für Wohnung 126,2, für Heizung und Beleuchtung 149,7, für Bekleidung 171,9, für den sonstigen Bedarf einschließlich Verkehr 192,0. * D i e amtliche Großhandelsindexziffer. Tie auf den Stichtag ches 28. August berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist mit 137,9 gegenüber der Vorwoche (138,0) nahezu unverändert. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,3 Prozent auf 132,0 (132,4) nachgegeben. Die Indexziffer für Kolonialwaren hat um 0,4 Prozent auf 130,2 (129,7) angezogen. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren sowie für industrielle Fertigwaren stellten sich unverändert auf 131,4 und 157,5. * Waggonindustrie und Reichsbahn. Nachdem die Waggonfabrik Uerbingen und die Hannoversche Waggonfabrik e:..ärt haben, daß sie den Sondervertrag mit dem Konsortium der Straßen- und Kleinbahnen nur geschlossen haben, um sich deren Kundschaft zu erhalten, daß sie aber keineswegs beabsichtigen, aus einer gegensätzlichen Stellung zur Deuwi sich besondere Vorteile zu sichern, sondern dem Vertrage der deutschen Reichsbahn mit der Wagenbauvereinigung entsprechend an der Rationalisierung im Waggonbau auch weiterhin fördernd mitzu- arbeiten," hat die Deutsche Reichsbahn ihnen nunmehr den vorläufig noch zurückgehaltenen Arbeitsanteil aus dem 100 Millionen Reichsmark-Kredit zur Lieferung übertragen. ______i--- --------—„ Sommerkur für Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezialknranstalt Hofheim in Tannas bei Frankf.a.M. — Prospekte durch DMg San.-Rat Dr. M. Schulze -Kahleyss, Nervenarzt MM l "»ISN Hw M M I W SHELL BENZIN SHELLAUTOOELE DieErzeugungsstatten sprechen für das Erzeugnis! In den vorbildlichen Fabrikanlagen der Rhenania-Ossag Mineralölwerke A.-G., die die größten ihrer Art in Deutschland sind, werden die SHELL- Produkte mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik nach Wissenschaft* liehen Erfahrungen hergestellt. Die Fabriken einschließlich derTankläger bedecken in Deutschland eine Bodenfläche von über 2 Millionen qm. Zahlen sprechen und beweisen, daß SHELL das Benzin der Millionen ist. DYNAMIN das Shell-Spezialgemisch, der Betriebsstoff für hochkomprimierende Motoren, erhältlich an allen Shell-Pumpen, die entsprechend gekennzeichnet sind. ' ♦ Zur Dieheinfuhr aus Dänemark. Nachdem am 23. August eine Einigung zwischen einer deutschen und einer dänischen Delegation über die Notwendigkeit einer Verminderung der dänischen Dieheinfuhr in den Herbstmonaten erzielt worden war, haben am Freitag im Reichstage Besprechungen mit an der Einsuhr interessierten deutschen und dänischen Firmen stattgefunden. Es bestand liebereinftimmung darüber, dah unter allen Umständen ein weiteres Abgleiten der Rindviehpreise verhindert werden und zu diesem Zweck im beiderseitigen Interesse die Zufuhr von dänischem Vreh während der kommenden Monate in dem erforderlichen Maße eingeschränkt werden muß. Es wurde eine Kommission eingesetzt, die zusammen mit der Reichsregierung die Einzelheiten regeln soll. Die Kommission trat am Samstag zum ersten Male im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen. * Sie Exportkreditversicherung der Frankfurter A l l g em einen. Für die von der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs A.-G auf dem Gebiete der mit Reichshilfe eingerichteten Erportkreditvcrsicherung abgeschlossenen Versicherungsverträge hat bekanntlich die Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs A.-G. die Garantie übernommen. Die Weiterführung dieser durch die Garantie geschützten Exportkredit- Versicherungsverträge erfolgt durch die Hermes Kreditversicherungsbank QI.-®.. Berlin, die sich nunmehr in den nächsten Tagen mit den einzelnen Versicherungsnehmern wegen llebernahme ihrer Cxportkreditversicherungspolicen in Verbindung seht. Ob der Wegfall der Frankfurter Allgemeinen Aenderungen im Betrieb der Ex- portkreditversicherung erforderlich macht, ist noch Gegenstand eingehender Prüfung. * Sie neuen Frankfuvter Schah- anweisungen. Wie uns von Frankfurter Emissionsbankseite mitgeteilt wird, sind die Zeichnungen auf die neuen 8prozentigen Schahanweisungen der Stadt Frankfurt a. M. bis jetzt weiter in befriedigendem Umfange eingelaufen. Sic fest übernommenen 15. Mill. Mk. scheinen, soweit dies zu übersehen sei, ausverkauft zu sein. Wie weit die Option auf die weiteren 15 Mill. Mk. aus- geübt werden, sei jedoch erst in einigen Tagen festzustellen. * Sie Stadt Kassel und die Elektrizität s A.-G. M i t te l d e u t s ch l a n d. Sie gewerbliche und die Finonzkommission der Stadt Kassel nahmen in einer gemeinsamen Sitzung eingehend Stellung zu der unlängst veröffentlichten Senkschrift des Eleltrozweclverbandes Mitteldeutschland betr. Gründung einer Elektrizitäts A.-G. Mitteldeutschland in Kassel und Beteiligung der heute dem Elektrozweckverband angeschlossenen Städte an dieser Gesellschaft. Eine solche Beteiligung würde die lleberführung der gewerblichen Werke der Stadt Kassel oder wenigstens des städtischen Elektrizitätswerkes in eine Aktiengesellschaft zwecks Austausch von Aktien zur Voraussetzung haben. Rach Entgegennahme eines Vortrages des gegenwärtigen Verbandsvorstehers des Elektrozweckverbandes, Generaldirektor Sr. Dosberg, wurde eine Un- terkommission gebildet mit der Aufgabe, den gesamten Fragenkomplex zu klären und Vorschläge für die erforderlichen Verträge und Satzungen zu machen. "Aus der Siegerländcr Indu ffr i c. Im Bergbau war die Beschäftigung im August gegenüber dem Vormonat unverändert. Rückwirkend ab l.Juli ist durch Schiedsspruch eine 3-v. ch.-Lohnerhöhung eingetreten. — Zn der Hüttenindustrie lag das Geschäft fast unverändert. Feinbleche waren stark gefragt. Die Abrufe vom Roheisenverband gingen regelmäßig ein. Das Auslandgeschäft war still, ym allgemeinen wird die Lage als befriedigend angesehen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 2. Sept. Tendenz: abgeschwächt. — Rach der zweitägigen Unterbrechung des Börsengeschäfts zeigte die Börse heute eher ein unsicheres Aussehen, hervorgerusen durch eine Abwärtsbewegung des Glanzstaffmarktes. Ebenfalls verstimmten die wieder größeren Goldabfüfse der Bank von England, so daß erneut Befürchtungen einer wahrscheinlichen Diskonterhöhung auf« tauchten. Die erwarteten Auslandorders waren nur in ganz geringem Umfange eingetroffen. Auch fehlten sonstige Anregungen, so faß die Börse keine Stühe erfahren.konnte. Entmutigt von dem neuen Unsicherheitsfaktor (Abwärtsbewegung der Glanzstoffaktien), übte die Spekulation große Zurückhaltung, so daß gegenüber den Schlußkursen vom Freitag zumeist Abschwächungen bis zu 2,5 v. Sy eintrnten. Das Geschäft bewegte sich ober nur in sehr bescheidenem Rahmen. Stärker angeboten lagen am Elektro- markt Siemens mit minus 3,75 d. Sy, Ges- fürel minus 3 v. Sy und AEG. minus 2,5 v. Sy Auch machte sich hier die zunehmende 2Ibgabeneipung der Kulisse bemerkbar. Dagegen bestand an diesem Markte für C h a d e a k t i e n mit plus 3 Mark einiges Interesse. Auch ElektrischeLieferun- g e n waren etwas gebessert. Farben eröffneten 1,75 v.H. schwächer. Deutsche Erdöl leicht erholt. Am stärksten gedrückt lagen Glanzstoffaktien mit minus 20 d.Sy Das hier herauskom- menbe Material fand nur schwer Aufnahme. Die geplante Dividendenreduzierung und die schwächere Veranlagung dieses Papiers, die durch ausländische Börsen veranlaßt wird, mahnte zur Zurückhaltung. Sonst war aber bei Ausschaltung dieser Momente die Grundstimmung der Börse nicht unfreundlich. Am M o n t n n m a r f t fielen Stahlverein durch schwache Haltung mit minu^stH v. H. auf. Rhein- st a h l und M a n n e s m HnzÄ küßten je 1,75 v. Sy ein. Leicht erholen konnten sich Kp.^-n Otavi- m i n c n. Commerzbank minus 1 v. H. Die übrigen Werte blieben gut behauptet. Einige Nachfrage konnte man noch für W a t; ß & Freytag feststellen mit plus 1 v. H. S ü d d e u t f ch e Z u ck e r ebenfalls fester. Renten still, vereinzelt etwas höher. Im Verlauf blieb die Spekulation lustlos, doch blieben die Kurse durchweg gut behauptet. G l a n z st o f f a k t i e n konnten sich vorübergehend etwas erholen, gingen aber bald wieder auf ihren neuen Tiefstand zurück. Von Abgaben war kaum etwas zu spüren. Am Geldmarkt war Toges- geld mit 7,75 n. Sy gesuchter. Am Devisenmarkt lag die Mark schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2023, gegen Pfund 20,372, London gegen Kabel 4,8475, gegen Paris 123,92, gegen Mailand 92,70, gegen Madrid 32,92, gegen Holland 12,10. Berliner Börse. Berlin, 2. Sept. Von der schwachen Veranlagung der K u n ft f e i b e n w c r t e ausgehenb, hatte sich schon vorbörslich bei der Spekulation Ab- gabeneigung gezeigt. Die Provinz war zwar noch hier und ba mit kleinen Kaufaufträgen am Markte, diese genügten ober nicht, um, wenn auch relativ geringe Abschwächungen der Kurse zu verhindern. Auch sonstige Momente boten keine Anregung. Man verwies auf die Benzinpreiser Mäßigung um 3 Pfennig, auf die stagnierende Ruhrkohlen- förberung, auf ben geringen Koliabfah. Viel besprochen würben auch bie Befürchtungen hinsichtlich ber Conboncr Diskontrate am kommenden Donnerstag, doch find bie Ansichten über biefen Punkt in hiesigen Bankkreisen geteilt. Eine Verstimmung ging ferner von ber schwachen Hal« tung ber heutigen Amsterdamer Börse aus, von Lonbon wollte man wissen, baß es nach unent- schiebenem Beginn rückläufige Kursbewegung Hatto. Im allgemeinen betrugen bie Rückgänge zu ben ersten Notierungen 1 bis 3 d. Sy, bei Spezial- ro c r t e n 5 bis 7 d. 5)., unb Kunstseibenwerte eröffneten 12 bzw. 15 d. Sy niebriger. Relativ fest lag ber Montanmark t. Auch 0 t a d i m i n e n waren bei lebhaftem Geschäft 1 Mark höher. Maxi- milianshütte konnten 6 v. Sy gewinnen. Deutsche Anleihen eher freunblicher. Aus - l ä n b e r geschäftslos. Pfandbriefe geholten, aber sehr ruhig. Der Geldmarkt hatte bei unveränderten Säßen ziemliche Nachfrage. lagesgelb 8,5 bis 10,5 o. Sy, Monatsgelb 9,25 bis 10,5 o. Sy, Warenwechsel 7,90 bis 7,75 v. H. Auch im Verlaufe überwog bie Abgabeneigung. Die Börse verkaufte bie in ben letzten Tagen übrigbehaltene Ware, nachdem sie durch ben heutigen Drbermangel enttäuscht war. Das Angebot war aber nicht bringenb. G l a n z st o f f, bei benen bie Divibenbenaussichten auf 10 ü. Sy gesunken finb, gaben weiter noch. Auch der Rückgang ber Reichsbankanteile bis auf 308 fand Beachtung. An ben übrigen Märkten verloren bie Kurse bei ruhigem Geschäft etwa 0,5 bis 1,5 v. H. Schultheis minus 2,75 v. Sy, Deut- s ch o Linoleum minus 3 d. Sy ©Ian 3 ft off und Bömberg blieben jetzt etwa 6 d. Sy unter Anfang. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 2. Sept. Zum Wochen- beginn war das Geschäft am Produktenmarkt ruhig, doch stellte sich später einiges Interesse für Brotgetreide ein. Schwächer lagen dagegen am Futtermittelmarkt Roggenkleie und Mais für Futterzwecke. Olm Mehlmarkt war eine kleine Belebung festzustellen, bei Besserungen bis 0,25 Mark. Schwächer und angeboten lagen Hafer beider Sorten. Es wurden notiert: Weizen 25,35 bis 25,45; Roggen 20,10; Sommergerste für Brauzwecke 21,50; Hafer, inländischer, (neu) 19.50 bis 20; (alt) 18,75 bis 19; Mais (gelb) 20,75; Weizenmehl, südd., Spezial 0 38 bis 39,25; Roggenmehl 28,75 bis 30; Weizentleie 10,65, Roggenkleie 10,50; Erbsen 35 bis 48; Linsen, 50 bis 90; Heu, süddeutsches, 10,75 bis 11; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 5,25 bis 5 50; Weizen- und Roggcnstroh, gebündelt 4,50 bis 5; Treber, getrocknet, 17,25 bis 18,25. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 2. Sept. Auftrieb: 1534 Rinder, darunter 330 Ochsen, 98 Bullen, 612 Kühe, 468 Färsen; 407 Kälber, 34 Schafe, 4593 Schweine. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 54 bis 61, ältere 54 bis 57, sonstige vollfleischigc, jüngere, 50 bis 53; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 53 bis 57, sonstige vollfleischige, oder ausgemästete, 49 bis 52; Kühe: jüngere vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bis 49, sonstige vollfleischige oder ausgomästete 41 bis 45, fleischige 35 bis 40, gering genährte 30 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollflcischige, ausgemästete, höchsten Schlachtworts 58 bis 62, vollfleischigc 54 bis 57, fleischige 48 bis 53; Kälber: beste Mast- unb Saugkälber 76 bis 81, mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 75, geringe Kälber 65 bis 71; Schweine:: vollfleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 87 bis 89, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Psund Lebendgewicht 84 bis 87. Marktverlauf: Rinder ruhig, äleberstand.Schweine ruhig, geringer ileberftanö. Kälber und Schafe ruhig, ausverkaust. Frankfurter Eicrmarkt. Das Geschäft am Frankfurter Eier- markt war in dieser Woche sehr ruhig und die Preise fast unverändert. Es notierten (Ausland- cier unverzollt ab Grenzstation, Jnlandeier ab Station): Italiener 11 bis ll1 2, bulgarische 9- 4 bis 10, holländische 11 bis 123 4. südslawische 91/» bis 93/4, polnische 8'/r bis 83/t, russische 10 bis 11, dänische 10*/2 bis 13. belg.-flandrische 11,2 bis ll1/-. rumänische 9'/e bis 93/<. schlesische ll*/4 bis 11''2, bayerische ll1/« bis 11' 2, norddeutsche 11 bis 12. Tendenz ruhig. Letzte Nachrichten. DerEmserMrder aus derIlucht erschossen. Bad Ems, 2. Sept. (WTB.) Drahtmeldung.) heute vormittag gegen 11 Uhr wurde nach umfangreicher Streife der Mörder des Polizei- wachtmeifters in Nievern gestellt, als er gerade d i e Brücke überschreiten wollte, um in den Westerwald zu flüchten. Er legte mit einem Revolver auf einen Koblenzer Polizeibeamten an. Ein Nieverner Einwohner schlug ihm jedoch auf den Arm und schon saß ihm ein tödlicher Schuh des Polizeibeamten in der Brust. Die Leiche wurde nach dem Emser Rathaus gebracht. Brandkatastrophe in einem oberfränkischen Dors. Kronach, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Das meist von Heimarbeitern bewohnte Dorf Teuschnitz in Oberfranken, das etwa 1500 Einwohner zählt, ist heute nacht von einer schweren Feuersbrunst heimgesucht worden, bie 59 Wohnhäuser, 37 Scheune^ 15 Schuppen und 20 bis 30 Nebengebäude cinäschcrte. Nahezu 2 00 Familien sind obdachlos. Der Brand ist, wie es heißt, burchein ineiner Scheune untergestelltes Motorrad verursacht worben unb griff bei dem herrschenden winkt mit großer Schnelligkeit um sich. Das Großvieh konnte rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, das Kleinvieh verbrannte. Der Schaben ist nur zum kleinen Teil durch Versicherung gedeckt. Verantwortlich für Lokales: i. V. Dr. Thyrio^ Gewinnauszug 5. Klaffe 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klaffen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, unb zwar « je einer auf bie Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I unb II 21. Ziehungstag 31. August 1929 Sn ber Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinn« jn 1OOOO M. 67548 227227 2 Gewinne zu 5000 M. 195417 8 Gewinne zu 3000 M. 46652 80251 218509 260816 20 Gewinne »n 2000 M. 53723 59804 73433 84705 124517 150452 258803 297472 307799 311718 38 Gewinne zu 1000 M. 3929 14970 18662 48738 52428 123679 157409 167705 209689 214028 217748 253605 264677 265909 298066 328442 332390 341002 374850 104 Gewinne zu 500 M. 6283 9366 10517 18779 22440 44333 78586 79866 83754 85686 96050 99160 102955 138784 154059 157377 162819 167611 179089 188368 188468 202861 203091 206161 214958 216150 224595 229853 230762 242727 250065 262120 263576 274845 274970 280769 281700 286315 287365 287993 289558 298648 318141 332495 332750 337476 339090 341340 352818 354230 354650 367486 256 Gewinne zu 300 M. 7846 9323 10121 12981 13011 13901 29740 31461 34599 36153 46881 52168 53716 53887 53994 56707 59424 62633 63369 64184 65122 67596 72194 79129 83498 84716 87364 88946 103627 111638 121282 122754 124226 124638 130638 134889 137506 138506 142374 144816 145472 148260 151247 152039 154498 160454 167380 169673 173469 174267 179943 183116 184249 186453 189676 195659 196780 199947 200419 201887 202338 205382 207047 212536 218282 219631 220303 222408 226978 227365 228005 228061 230629 231346 232882 234980 236597 239827 241253 244710 244944 245092 247106 247197 261547 262169 264706 275208 277325 287188 288848 289048 295784 295886 296689 300971 302899 305751 309220 311555 313278 313568 318236 330155 330221 330660 338367 339880 340695 341805 346364 350709 351148 351925 353768 360408 365197 370291 375235 376021 379240 362"60 382706 389430 390193 391450 394776 396934 , Sn der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« zu 60000 M. 128746 2 Gewinn« xu 10000 M. 392502 2 Gewinne zu 5000 M. 228980 6 Vewinne zu 3000 M. 254215 278995 303029 10 Gewinn« zu 2000 M. 107 27071 193307 223482 253248 26 Gewinn« zu 1000 M. 9118 10811 17423 66748 91660 92524 138920 240161 242648 268097 324090 333832 393451 76 Gewinn« tu 500 QU 17525 36099 41644 42967 48996 79317 82898 100901 112581 115479 124679 153585 168322 168129 178032 185052 236260 246561 246274 253168 257357 267414 261017 261963 262302 271909 280124 280402 315959 319011 320391 326997 340590 342986 346524 355083 372445 384954 190 G«winne zu 300 M. 206 2443 13014 15528 20164 25558 28186 29516 30571 30790 32546 35348 42198 42286 43868 44187 56149 66234 62259 67168 67219 74918 75908 78897 80291 90041 90976 95992 100507 107080 111579 118660 128395 142976 144196 146247 148434 152394 163731 159400 162560 163109 166939 172996 176732 177335 179258 181628 183169 183754 184140 186271 188343 189411 193242 209713 211113 213174 213845 216993 217638 224043 253066 254868 267056 270385 274992 283572 288567 288749 301974 316577 324312 327738 329748 333583 335187 337418 338227 338960 339677 340063 342496 345114 349786 363030 354490 368040 373129 373195 376224 378480 384053 388112 391622 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu fe 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu Je 75000, 24 zu je 10000, 82 zu je 5000, 108 zu je 3000, 192 zu je 2000, 506 zu je 1000, 1856 zu je 500, 8058 zu je 80Q M. 1,75 7,35 123,25 122.9 122 Banknoten 161 313 ;15 Drohen Linden, Watzenborn-Steinberg in Küchenherden 3992V Stephanstr. 46 Fernspr. 2218 9-12 unb 3—5 Uhr. 7233V 05563 182 276,5 169,5 8 8 10 8 m io 10 10 10 8 114 126.25 129,5 210 183 276,5 169,5 154.25 161 163 114,75 126,25 129,25 210 183 276 169,75 154,75 161 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Nuszahlung. Drucksachen aller Art liefert In jerjer gewünschten Ausstattung sti'rein and preiswertste Brühl’ichc Unit.-Druckerei. K. Lut» Geniess sowie sämtliche lanbwirtschaftl. Bedarfsartikel Edfiar Borrmann, Haus- u.Küdienfierfile tlllfl. TeuNche Giieitbiilm . . Hamburg Arnerila Patel . . Hamb.-Lüdam. Tampfsch. . Hansa Dampfschiff..... Norddeutscher Lloyd . . . . Allg. Deutsche G red! laug. . . Barmet 9)mittlerem . . . . Berliner HandelLgcsctlsch. . . Commerz, und Privat Bant. Tarnlst. u. Siatiouolbanl . . Deutsche Bant...... Tiekonto-Mesclllchast 8lut.. . Dresdner Bant...... Metallbau I........ BelchSbaut........ 28,75 2,35 22,6 21,75 1,7 7,3 28.75 । 22,5 I 20.3 22 1,75 7,4 7,6 i 7,4 Sie sparen Geld bei Verfeuerung heizkräftiger Ruhr-Nußkohlen Dr. Marie Gürtler Aerztin 162,75 114 126 128 .10,5 182 275 169 , 154 161 310,5 4% Schweiz. Buubelb.-Ani.. . . 4% Oesletteichijche Goldrle.. . . 4,20% Oesterr. Silbettte..... 4% Oesterreich, cinheitt. Rte . - 4% Ungarische Goldtte...... 4% Ungarische Staalot. V. 1910 . *!i% bcfifll. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrle..... 4% Türk. Zollanleihe v. 19i i . . 4% Türiiiche Bagdadbahn-Aul., Serie I........... 4% deSgl. Serie II....... 4% Rumänen convert. Nie. . . 4' 2 % Rumänen (Molboni. Von 1913 Von der Reise zurück Otto Rudolfs Dentist, staatl. geprüft Mim Betitelet zum Vertrieb eines Svezialariikels ber Autobranchc für größeren Bezirk gesucht. Höchste Provision. AitSkun it durch unfern Bevollinächtigien. Herrn Ullmann, Hotel Schütz,'Mittwoch von Wieder eingetroffen ! Allium venenum bekannte Knoblauchkur gegen Arterienverkalkung, Wechsel],- Beschwerden, Störung im Gesamtorganismus, Stoffw.- etc. Leiden. Reines Pfanzenmittel zur Wiederauffrischung von innen heraus Kräuterhausjung Gießen, Schulstraße 5 05564 praktiziert wieder 05565 Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe ber zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Geld 4.175 58.18 111,40 20.305 tirief 4.195 58,42 111,84 20.385 ________•Berlin. 30. 21ii«mt 2tnieUke.,l,iche 'Jiotcn . . . Belgische Noten...... Dänische Noten...... Enolifche Noten...... Berlin, 30- August Geld Brief >>ran;osische Noten..... 16.42 16.48 Holländische Noten...... italienische Noten...... Norwegische Noten...... 167.76 22,00 168,44 22.48 111,48 111,92 Deulsch-Oesterr., aioo Kronen 58,95 59,19 Rumänische Noten...... 2.49 2.51 Schwedische Noten ...... 112,08 112,52 Schweizer Noten....... 80,54 80.86 Spanische Noten....... 61,60 61,84 Tschechoslowakische Noten . . 12.405 12,465 Ungarische Noten...... 72,98 73,28 Stonlfutt a M. Berlin Schluß Kurs 1-Uhr Kur-' Schlutz- Kur« 1 Ansang. Kurc Datum 30-8. 2.9. 30 8. 2.9. 6% Ti. Reich-auleihe o. FJx< . . Ti. Slnl. Ablos.-Schuld mit AuL- 87,4 - 87.5 — los.-Rechten......... 52,65 52.75 52,75 52.9 DeSgl. ohne Autzlos.-Nechle . . . 7% Franks. Hhp.-Bk. Goldps. un- 11,425 11,6 11,4 11.6 kündbar bis 1932....... *’/i% Rheinische Hyp.-Bank Liqu.- 85,5 — — choldps............ AEG. abg. BotkriegS-Obligation., 78,25 — rückzahlbar 1932 ....... 86,5 — — — Aianlfurt a M. Berlin Schluß.^ I'Uhr Kurs | Kurt Schlutz^ Anfang- Kurs | Kurs Datum 30.8. 2.9. 30-8. 2.9. Bergmann...... 9 (Sicht. Lieferungen..... io Licht und Krasl......10 gelten L Guillequme. .... 6 (ifei. s. (Hehr. Untern..... io Hamb. (Llehr. Werke .... 10 Rhein, Elektr.........9 Schlei. Gicht........10 (schildert...... 8 Eiemens 4 Halske . • • • • 12 Transradio..... 9 Lohmener 4 Co.. ..... 10 Buderus........ . L Deutsche Erdal.......t> Essener Steinkohle......k Gelsenkirchener ... f. '/* g. 4 Harpener..........6 Hoeick Eisen. ........ b Ilse Bergbau ........8 Rlödneriöerle........7 Küln-Neuesien........*.' ’Diannevtnann........8 Manäsclder.........7 Obersck'.es. Eisesib. Bedarf. . . 5 Ebrrirblei. RotoDCtfr.....6 Phönix Bergbau......b'/t Üihcinische Braunkohlen... 10 llllieiuftahl . - s. Jahr 4' i Niebeck Montau......7,9 Bercinlgie Siahlw......> Llavi Minen.......2 sh Kali Aschersleben.....10 Kall Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 16 51. G. Farben-Induitrie . . . 12 Dnnamit Nobel.......5 ScheideanstaN........ 9 etzoldschmidt ........ 6 Rülgerswerke........6 Metollgeiellschast......ll 200 234 171 215,5 143.5 217 154,75 235,75 393.5 172.9 117 144,79 151 220 118,9 123 139,5 112 292 132,9 122,5 70,13 240,5 245,5 404 231 154.5 77 86 127.5 197,25 171,5 217 233,5 389,25 117,5 144,25 121,4 111,25 131 120.25 70.6 — — 228,25 154 85,5 127 199 233 171 215,75 144.25 220 146 153,5 185,5 236 393.75 151 173 77,25 117,25 146 144,9 150,5 139,6 220 118,65 135,75 122,75 139.5 88 109,25 111.75 293,5 133 121,4 70 241 245,75 402 229.25 110 77,25 85.5 127.5 197.75 229,25 214 141,5 218,5 153,5 185,5 233 389 150 76,6 117 144 144,25 150 138 117,5 134,25 139 87 107,25 110,6 293,5 130,75 121 71 238,5 397 229 109 77 85,13 Ftanltutt a M. Berlin Schluv- flur-3 | 1-Uhr Kurs Schlutz-, Kurs Anfang. Kurs Datum 30.8. 29. 30.8. 29. PHUtpp Hol;mann ...» 109.75 — 109,5 108,75 Heidelberger Gement .... 10 131.5 — — — Gement Karlstadt..... . 8 185 -— — — Wahß 4 Freitag...... 10 103 104 105 — Schultheis Patzenhoser . . . 15 — — 304,65 303.5 Oslwerke......... 12 - —— 242 238 Ber. Älanzstoss...... 18 369 349 372 357 Bcmberg......... 14 — — 298 286 Zellstoss Waldbos..... 12 245 242,5 244,25 242,5 Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 160.5 159,25 161 —— Gharlottenburger Wasser . . - 109,25 108,75 Dessauer (Wa-i....... . 8 — 199,75 198.6 Daimler Motoren..... . 0 54 — 54,5 53,75 Deutsche Majchiiieu-Fabtik . . 0 — 56,75 56,9 Adlctwetke Klcver..... . 5 - - 45 Ludw. Loewe....... 10 — — 210,75 207,5 9Int. Automobil...... . 0 — — 27.65 27.5 Crenftem & Koppel .... . 5 — — 91 90,25 Leonbard Tietz...... . 6 — — 209 208 Bantag-Mcguin...... . 0 — — — Franks. Matchinen..... . 6 • — — 56 — ttzritzner......... 11 57 — 58 — Hepligenstaedt ...... . 0 9.25 —— — Iunghau»......... . 4 64.5 — 63.5 —— Lechwcrke......... . 8 107 .— — Älaintrastwerke ...... . 8 107 — —- — AI tag........... 10 — —— 125,25 126 Aekariulmet....... . 8 — — — Beters Union....... . 8 126 — 126,25 — «Hebt. Roeder....... 10 I09.5 — Bolgt 4 Haessnet..... . 8 222 222 — Südd. Zucket....... . 8 159 159.9 159,9 —1 30. August 2- September Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Äcld Briet (ÄCld Briet Amst-Nott. 168.13 168,47 168,40 168,48 J Buen. Aites 1,759 1,763 1,759 1,763 Btss.-Aniw. 58.335 58,465 58,33 58,45 Gbriftmnia. 111,71 111,93 111,73 111,95 .Mopettbageii 111,70 111,92 111,72 111.94 Stockholm ■ 112,26 112,58 112,39 112.61 Helnngfoils. 10.542 10.562 10.544 10,564 Italien. . . 21.95 21.99 21.95 21 .99 London. . . 20.343 20,383 20,348 20,188 Neu»ork . . 4,1965 4,2045 4,193 4.206 Paris.... 16,42 16,46 16.41 16,55 Schwei; . . 80,74 80,90 80,76 80,92 Spanien - - 61,80 61,92 61.80 61,92 Japan - - - 1,956 1,960 1.960 1.964 -Hio de Ian. Wien in D-- 0.497 0,499 0,4975 0,4995 Test, abflcit. 59,09 59,21 59,09 59,21 Prag .... Belgrad . . 12,425 12,446 12,425 12,445 7,371 7,385 7,373 7,387 Bndap.-st. . 73.175 73,315 73,18 73.32 Bulgarien 2,037 3,043 3.035 3.041 Lissabon 18,81 18.85 18,80 18,84 Dan;ig. . . 81,35 81,51 81.35 81,51 Konstantin. 2,000 2,004 2,002 2.006 Athen. . . 5,42 5,43 5,42 5.43 Ganada . . 4,164 4,172 4,166 4,174 Uruauat) . . 4,101 4,109 4,101 4,109 Cairo • - - r0,8F 10.90 20,865 20,905