Donnerstag, 2. Mai 1929 179. Zahrgang Nr. 102 Erstes Blatt Blutige Maifeiern in der Reichshauptstadt schweren Schuhwaflen nachgewiesen werden kann. «rsch eint täglich,aufter Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreis für 2Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Tröger, lohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Das Ermächtigungsgesetz. Wenig Wahrscheinlichkeit. — Stener- erhöhungen durch direkte Verständigung der Parteien. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20°/. mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Berlin, 2. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Polizei hatte bei dem Kampfe in der Kösliner-, Wedding- und Pankstrahe besonders aus einem Hause der Weddingstraße, in dem sich e i n R o t - frontkämpfcrlokal befindet, heftiges Feuer erhalten, so daß sich der Kommandeur der Schutzpolizei entschloß, das Haus s ä u b e r n zu lassen. Bei der um Mitternacht vorgenommenen Durchsuchung zeigte es sich, daß sich ganz am Ende des Lokales ein angebauter Saal befindet, der eben in höch ster Eile ve r l as s c n worden war; darauf liehen noch die glimmenden Zigarren schließen. Die Haussuchung forderte lediglich bei der Wirtin eine Schußwaffe zutage, die beschlagnahmt wurde. Anscheinend haben die Kommunisten von der Haussuchung Wind bekommen und sich über die Dächer ge - s l ü ch t e t. 2m Hausflur des Hauses fand man überall Spuren von Schüssen. Bemerkenswert ist dabei, daß den Kommunisten auf Grund von Kugelspurcn, die keinesfalls von der Schutz- Straßenkämpfe im Norden Berlins Die Kommunisten bauen Barrikaden und schießen aus den Zenstern auf die Polizei. „Hände hochI" und mit erhobenen Armen mußten sie bis zu den Sperrketten an den beiden Enden der Straße gehen, wo sie dann sestgestellt und auf Waffen untersucht wurden. Um zu verhindern, daß Gesindel, das sich namentlich in der Lindower Straße breit machte und m der Bähe der Rettungsstation sogar auf Krankenwagen schoß, in die verdächtigen Hauser eindrang, wurde niemandem mehr der Zugang zu der abgeriegelten Straße gestattet, auch lischt einmal den dort wohnenden Angestellten und Beamten, die während der Rächt anderswo unterkommen mußten. Gegen 22 Uhr war die Ruhe jedoch noch nicht ganz wiederhergestellt, es fielen immer noch vereinzelte Schüsse, und die Scheinwerfer suchten unaufhörlich an den Häuserfronten entlang, um zu verhindern, daß I das Schühenfeuer wieder auflebe. Die Zahl verwirklich Verletzten ließ sich am Abend nicht mehr feststellen. Es muß angenommen werden, daß m den Häusern noch eine ganze Anzahl Verwundeter sich befindet. Die Polizei wird voraussichtlich während der Nachtstunden die Kösliner Straße besetzt halten und am Donnerstag während des Tages gründlich Haussuchungen vornehmen, da die Revolverschützen sich des offenen Aufruhrs, Landfriedensbruchs und des Wider st andes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben. Zwölf Todesopfer. Vis gegen 2 Uhr nachts waren im Polizeipräsi- dium am Alexanderplah und in der Magazinstrahe etwa goosisiiertePersonen eingetroffen, die sich wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt, wegen Beleidigung oder Landfriedensbruchs ,u verantworten haben werden. Lin großer Teil der Sistierten konnte nach Feststellung der Personalien wieder entlassen werden. Die Zahl der Toten beträgt zwölf, die der verletzten Demonstranten 80, abgesehen von den vielen Verletzten, die durch ihre Genossen bzw. die Arbeitersanitäter weggefchasst worden sind, ehe die Polizei sie festzustellen vermochte. Die Zahl der Sistierten aus Anlaß der Maifeier Ist die höchste, die bisher bei solchen An- lassen vorgekommen ist. Eine Haussuchung. Der Polizeibericht. Bis 9 Uhr abends keine größeren Zwischen- fälle. — Ter erste Tolc Berlin. 1. M°i. iWTB.i 21 Uhr Ser Polizeipräsident teilt mit: Bis um 19 Lhr-ist der 1. Mai ohne größere Zwischenfalls lausen. Der Betrieb der Verkehrsgesellschaften setzte in den Morgenstunden infolge des sta t Aufsichtsdienstes der Polizei planmäßig em. ES gelang den Kommunisten auch im Lause o Tages nicht, den Verkehr irgendwie zu behindern. Der im Laufe des Vormittags unternommene Versuch des Baues von Verkehrs- sperren an verschiedenen Stellen der viaor, für den man die für den Untergrundbahnbau aufgestapelten Materialien benutzen wollte, tarn nicht über die ersten Ansänge hinaus. Die Versammlungen der Gewerkschaften verliefen ausnahmslos ruhig. Trotz der großen Beteiligung — an 32 Versammlungen nahmen fern und von Dächern beschossen und mit Steinen beworfen. Aehnliche Vorkommnisse ereigneten sich am Hackescher Markt, am Bülow- Platz, Senefelder Platz und in der Weißenburger Straße. 2n allen diesen Fällen befanden sich die Beamten in Notwehr und waren gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch au machen. Fe st genommen wurden im garten etwa 600 Personen, darunter der aus dem Rundfunkskandal bekannte Abgeordnete Schulz und der Abgeordnete Mende. Der letztere wurde in einem Zuge betroffen, in dem sich eine Funkstation der K.P.D. auf einem Kraft- wagen befand. Verletzt wurden 24 Veamte und, soweit polizeilich festgestellt werden konnte, 18 Zivilpersonen. Die Zahl der verletzten Zivilpersonen ist möglicherweise nicht erschöpfend^ da anzunehmen ist, daß einige Verletzte weggeschasft wurden, ohne daß Feststellungen durch die Polizei getroffen werden konnten. Leider ist auch e i n Toter zu beklagen. Als die Polizeibeamten in der Kösliner Straße angegriffen wurden und Schreckschüsse abgaben, stand der Mann am Fenster seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung und wurde von einer abirrenden Ku g e l getroffen. Dieser Todesfall ist um so bedauerlicher, als es sich um einen völlig Unbeteiligten handelte. über 60 000 Personen teil — vollzog sich der An- und Abmarsch ohne Reibungen. 3m Anschluß an die Gewerkschaftsversammlungen versuchten die Kommunisten Demonstra- tionszügc zu bilden, die, abgesehen von vereinzelten Fällen, im allgemeinen nicht mehr als 200 bis 300 Teilnehmer umfaßten. Es wurden etwa 70 solcher Zugbildungen festgestellt und zerstreut. Fast in jedem einzelnen Falle leisteten die Demonstranten den Polizeibeamten Wider« tand, so daß die Züge nur mit Gewalt a u f g e l ö st werden konnten. 2n der Regel genügte die Anwendung des Gummiknüppels und die Benutzung einer Schlauchleitung, die an die Hydranten angeschraubt wurde, um die polizeilichen Maßnahmen durchzuführen. Allerdings mußten auch Schreckschüsse abgegeben werden, in einigen Fällen sogar scharf geschossen werden. In diesen Fällen waren die Kommunisten vom passiven Widerstand zum Angriff auf die Polizei übergegan- g e n. So wurden in der Hasenheide bei Kliems Festsälen die Beamten mitDierseidelnbe- worfen und beschossen. Desgleichen wurden die Beamten im Norden Berlins (am Wedding, Kösliner Straße, Mittelbeck-Plah) sowie im Südosten, in Neukölln (Hermann-Platz) aus der Menge heraus, ja sogar mehrmals aus Häu- Die Maifeiern im Reich. Uebcratt ruhiger Verlauf. Essen, 1. Mai. (WTD.) An der Maifeier haben sich von der Belegschaft der Morgenschicht ausdenZechendesRuhrgebletes 26,86 Prozent beteiligt gegen 26,54 Prozent im Vorjahre. Sie ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Auch in Hamburg, Düsseldorf, München, Köln, Elberfeld-Barmen verliefen die Maifeiern ohne Störung, ebenso in Frankfurt. Dagegen kam es in Breslaii zu einer Ruhestörung. Em mehrere hundert Personen starker Trupp Kommunisten marschierte demonstrativ am sozialdemokratischen Gewerkschafts hause vorbei und stieß Schmährufe auf die Sozialdemokratie aus. Als Schuhpolizeibeamte eingriffen, um die Straße für den Verkehr freizumachen, kam es zwischen ihnen und den Demonstranten zu einem Zusammenstoß. Die Beamten wurden beschimpft und tätlich angegriffen. Es muhte polizeiliche Verstärkung herbeigerufen werden. Severing als ZRunhfunffriffofor. Köln, 1. Mai. (TA.) Aus Anlaß der Pressemeldungen über die Ablehnung des Vortrages des sozialdemokratischen Abgeordneten © o 1l - m a nn zum 1. Mai teilt der Westdeutsche Rundfunk mit: „Der Vortrag des Herrn Abgeordneten Sollmann „Ein Weltfeiertag" wurde von der Mehrheit des politischen Aeber- wachungsausschusses und von der Sendeleitung als nicht zu vereinbaren mit den rundfunklichen Richtlinien der Regierung an- gesprochen und daher abgelehnt. Der Herr Reichsminister des Innern griff darauf telegraphisch ein, so daß der politische Aeber- wachungsausschuß den Beschluß faßte: ^Auf An- I ordnung des Herrn Reichsministers des 2nnern ist der Vortrag des Herrn Abg. Sollmann z u - gelassen." Ruhe in Paris. P aris, 1. Mai. (WB.) Nach den heute mittag von der Polizeipräfektur gegebenen Auskünften ist in Paris und der Pariser Bannmeile der 1 Mai vollkommen ruhig verlaufen, und es sind keine Zwischenfälle zu melden. Das außerordentlich starke Aufgebot der Polizei hat schnell und sicher gearbeitet, so daß die zahlreichen auf den 1. Mai anberaumten kommunistischen Kundgebungen nicht ab gehalten werden konnten. Insgesamt sind bisher 2283 Personen festgenommen worden, darunter zahlreiche Ausländer, die wegen fehlender Ausweispapiere, verbotenen Waffentragens, Verstoßes gegen Ausweisungsbefehle, Verstoßes I gegen die Bestimmungen über den Aufenthalt sich zu verantworten haben werden. Die Zeitungen sind heute erschienen, da ihre Druckereien mit voller Besetzung arbeiten. Der Eisenbahn-, Autobus- und Antergrundbahnverkehr ist durchaus normal. Aus der Provinz liegen bisher Meldungen über Ruhestörungen nicht vor. Die Maifeier in Moskau. Moskau, 1. Mai. (WB.) An der Maikundgebung nahmen über 500 000 Personen teil. In Gegenwart der Mitglieder der Regierung, des Diplomatischen Korps und zahlreicher Arbeiterdelegationen aus vielen Städten der Sowjetunion fand auf dem Roten Platze die 93a* rade statt, die Woroschilow abnahm. Bis zum Anbruch der Dunkelheit defilierten die Kolonnen der Manifestanten mit ihren Transparenten und mit allegorischen Darstellungen internationaler Ereignisse am Lenin-Mausoleum vorüber. Die Feier dauert zwei Tage. Berlin, l.Mal. (WTV.) während es den 5ln- schein hatte, als ob die Maifeier in Berlin, wenn auch nicht ohne zahlreiche Reibungen zwischen Demonstranten und Polizei, so doch ohne besonders ernste Zwischenfälle zu Lnde gehen würde, ist es im Laufe des Abends leider doch i m Norden Berlins, in dem ausgesprochenen Industrieviertel des Wedding, zu schweren Straßen kämpfen gekommen. Die Kommunisten errichteten abends zwischen 17 und 18 Uhr an der Pankstraße, Ecke kösliner- und weddingstraße eine große Barrikade. In der Pankstrahe werden augenblicklich kanalisationsarbeiten vorgenommen. In der kösliner Straße befinden sich daher eine Anzahl von Baubuden, Gerätewagen, Lisenröhren und sonstiges Baumaterial Die Kommunisten stürzten die wagen dec Bauunternehmer um, rissen die Baubuden ein und errichteten daraus eine hohe Barrikade. Als die Polizei anrückte, erhielt sie von der Barrikade und von den Dächern in der Kos- liner- und der weddingstraße heftiges Feuer. Im ganzen sind etwa 1000 bis 1500 Schüsse auf die Polizei abgegeben worden. Die Kommunisten sind anscheinend mit Pistolen und Ueintali- brlgen Waffen ausgerüstet. Allerdings mußten auch einige Karabinerschüsse festgestellt werden. Durch das Feuer wurde eine Anzahl von Polizeibeamten verletzt. Die Polizei forderte so- fort Verstärkungen vom Polizeipräsidium an. Polizeioberst heymannsberg rückte mit mehreren Hundertschaften und Panzerwagen sowie Scheinwerferwagen in die Pankstrahe ein. hier erhielt er in der Gegend zwischen Kösliner- und Web- dingstrahe starkes Feuer. Lr gab nun strikte Anordnuna, dah keinFenster geöffnet wer- den dürfe. Die Häuser wurden mit Scheinwerfern av- geleuchlet, doch gelang es nicht, irgendwo Schützen festzustellen, da die Schüsse anscheinend in der Hauptsache aus D a ch b o d e n f e n st e r n abgegeben wurden und die Schützen sich beim (Einbringen der Polizei in das betreffende Haus über die Dächer in Sicherheit brachten. Dieser Feuerkampf dauerte bis gegen 21 Uhr. Dann flaute das Feuer in der Pank-Strahe etwas ab, und die Polizei konnte gegen die Kösliner Strotze hin vorrücken. Die Barrikaden wurden genommen, und die Polizei ging gegen die Häuser vor, aus denen geschossen wurde, wobei einige Karabinersalven abgegeben wurden, ©egen 22 Uhr ist die Wedding-Slrahe ruhig. Die Ponzer nimmt jedoch immer wieder Verhaftungen vor von Personen, die die Sperre zu durchdringen suchten, und bei denen dann bei der Visitation wassen in den Taschen gefunden wurden. Bisher wurden etwa 20 Personen mit Waffen in den Taschen sistiert. Aus dem Hause Kösliner Strafte 1 kam u. a. ein kommunistischer Führer heraus, der in der einen Hand eine weiße Fahne und in der anderen Hand einen schußbereiten Revolver trug. Er wurde sofort verhaftet und in das Polizeipräsidium eingeliefert. Die Polizei räumt auf. Berlin, 1. Mai. (WTB.) Gegen 21 Uhr trat in der Kösliner Straße allmählich etwas mehr Ruhe ein. Die Demonstranten erkannten offenbar, daß ihre Lage langsam hoffnungslos wurde, zumal die Polizei die einzelnen Häuser auszuräumcn begann. So entschlossen sie sich auf die Straße herauszukommen. Sobald sie die Hausflure verlassen hatten, tonte ihnen von den Beamten der Ruf entgegen: Berlin, 2. Mai. (Priv.-Tel.) Im Zusammenhang mit dem jetzt vielfach aufgetretenen und an dieser Stelle bereits gemeldeten Spekulieren mit dem Erniächtigungsgesetz wird uns von parlamentarischer Seite erklärt, daß ein solches Gesetz von diesem Reichstag wenigstens niemals angenommen werden könnte, da es als verfassungsändernd einer - ; - Mehrhe 11 bedürfe. Man erinnert an das bekannte Ermächtigungsgesetz von 1923, in dem ausdrücklich erklärt wurde, daß alle die Punkte herausgenom - men wären, die, da sie eine Beschränkung der Rechte des Reichstages darstellten, verfassungsändernd wären. Eine - '.-Mehrheit stellt die jetzige Regierungskoalition aber nicht dar, und cs ist kaum anzunehmen, dah die Kommunisten oder die Deutschnationalen für ein solches Gesetz stimmen werden, das einer Regierung die Ermach- tiqung gibt, die von den Sozialdemokraten geführt wird. Man nimmt an, dah die «Steuer- erhöh ungen, die unausbleiblich für den Herbst zu erwarten sind, auf dem Wege direkter Verständigung zwischen den Regierungsparteien gelöst werden können. Da ohne Frage einer Diersteuererhöhung von Bayern aus von Kugelspuren, die keinesfalls von uec oiyuy- i Schwiemgkeiten gemacht werden, glaubt man p°li,°i herrührcn, können, die D«w-ndung »°n | butj SompenfaHon« auf Jetern 0. > vorgeholt werden wird, muh dahingestellt bleiben. Ein ruhiger Vormittag. Ltarkcs Polizeiaufgebot. — Der Verkehr in vollem Betrieb. Berlin, l.Mai. (WB.) Um 10 Uhr vor- mittags begannen in den großen Lokalen die Maifeiern, zu denen die Gewerkschaften aufgerufen hatten. Aeuherlich hat sich das Straßenbild eigentlich nur insofern geändert, als man zahlreiche feiernde Arbeiter sieht, die den Ber- sammlungslokalen zustreben, und em starkes Polizeiaufgebot, namentlich an den Haupt- verkchrspunkten. Die Straßenecken der inneren Stadt sind mit dreifachen Posten be - setzt. Arn Potsdamer Platz, am Alexander- Platz, am Bülow-Bogen in der Nähe des Sportpalastes stehen besonders erhebliche Polizeikräfte. In den Seitenstraßen bemerkt man hier und da Bereitschaftsautos. Der Verkehr bietet dasselbe Bild wie an anderen Tagen. Straßenbahn, Autobus, Hoch- und Untergrundbahn sind voll in Betrieb. Bei der Hochbahn haben sich erheblich weniger Leute zur Maifeier beurlauben lassen, als im vorigen Jahr. Bei den Gas- und Elektrizitätswerken wird voll gearbeitet. Nur die Außenkolonnen fallen hier aus. Dafür sind andere Leute in Bereitschaft gestellt, um bei Versorgungsstörungen eingesetzt zu werden. In der Metallindustrie sind im allgemeinen nur wenig Leute zur Arbeit erschienen, besonders bei den großen Werken, während die Kleinbetriebe verhältnismäßig stark arbeiten. Aehnlich lauten die Berichte aus den anderen Industriezweigen, z. D. aus der Holzindustrie. Als eine Ausnahme in der Metallindustrie werden die Siemens w e r k c bezeichnet, wo die Belegschaft zum größten Teil zur Arbeit erschienen ist. Die ersten Zusammenstöße im Zentrum. Mit dem Wasscrschlauch gegen Demonstranten. Berlin, 1. Mai. (WB.) In den ersten Nachmit- tagsstunden nahmen die Ansammlungen auf dem Alexanderplatz, wo zur Zeit zahlreiche Bauzäune für den Bau der Untergrundbahn errichtet sind, einen derartigen Umfang an, daß die Polizei nach wiederholten vergeblichen Aufforderungen zum Auseinandergehen mehrmals mit dem Gummiknüppel gegen die Menge vorgehen mußte. Da sich aber immer wieder neue Trupps zusammenschlossen und den Verkehr behinderten, ging man schließlich mit dem Wasserschlauch gegen die Menge vor. Der Erfolg war verblüffend. Völlig durchnäßt ergriff alles die Flucht, und die Ruhestörer gingen nun endgültig nach Hause. Auch an weiteren Stellen der Stadt ist es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Kommunisten gekommen. In fast allen Fällen wurden die Beamten mit Steinen beworfen und beschimpft. In der Kösliner- nnd der Wedding-Straße erfolgten die Steinwürfe ans den Fenstern der Häuser. In der Kösliner Straße wurden sogar aus den Fenstern ungefähr dreißig Schüsse auf die Beamten ab- gefeuert. Eine Anzahl Beamte wurde durch Die Steinwürfe verletzt. Um die Angriffe abzuwehren, gaben die Beamten Schreckschüsse ab. An der „Vor- wärts"-Filiale in der Grätz-Straße in Treptow verbrannten Ruhestörer eine schwarz-rot-goldene n?Qhne, die sie von dem Gebäude heruntergerissen hatten. In Treptow kam es außerdem zu Zusammenstößen mit Syndikalisten, die dort eine Ber- ammlung einberufen hatten, aber nicht in den Saal gingen, sondern auf de r Stra ß e gegen die Polizei demonstrierten. In der Dirckienstraße beschlagnahmte die Polizei bei wilden Photographen, die von den Zusammenstotzen Ausnahmen machen wollten die Apparate. Auch auf dem Potsdamer Platz, wo seit den frühen Vormittagstunden bereits lebhafter Verkehr herrschte, mußte die Polizei wiederholt die Ansammlungen zerstreuen. Diese wurden immer stärker,' je mehr die ^-'ammlung-n in den Lokalen zu Ende gegangeni waren. Besonders lebhaft aina es am Bulow-Platz zu, wo immer wieder Hunderte von Kommunisten sich ansammelten link» bei der Räumung d 1 e Beamten mit Steinen bewarfen. Als einer der Denwn- ftranten eine Pistole zog, gingen auch die Be amten mit der Schußwaffe vor. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vriihi'sche Univerf.lälS'vuch' und Stetnöruderei B. Lange in Sieben, zchriftieilung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Sie Reichsresorm im Südwesten. Koch-Weser zu den hessischen Reformvorschlägen. Frankfurt a. M., 1. Mai. Der Führer Der Demokratischen Partei. Reichsjustizimmster o. D. Koch-Weser, beschäftigt sich in einem Zeitungsartikel mit den Vorschlägen der hessischen Minister Adelung und Leuschner sowie den Gegenvorschlägen des preußischen Innenministers Grzesinski zur Frage der Reichsreform. Der frühere Reichsjustizminister äußert gegen alle drei Vorschläge Bedenken und kommt zu folgendem Schluß: So wichtig die Der- waltungsreform ist, so wenig kann die Reichsreform über den Lmweg der Verwaltungsreform erreicht werden. Erleben wir doch seit Jahrzehnten einen Kampf um die Verwaltungreform in den Ländern, ohne in dieser Frage auch nur über die ersten Schritte von mehr oder weniger lokaler Bedeutung hinausgekommen zu sein. Das liegt in der Ratur der Sache. Denn es ist klar, daß die gegenwärtige uneinheitliche Struktur des Reichs eine weitgehende Lneinheitlich- keit des Verwaltungsaufbaues der Länder zur Folge hat, daß aus dem gleichen Grunde die vielfache Leberschneidung der Verwaltungsgrenzen zwangsläufig ist und daß, so lange nicht diesem Grundübel dur ch Herbeiführung einer einheitlichen Reichsorganisation mit einheitlicher organisierter Mittelinstanz gesteuert werden kann, die sogenannte Verwaltungsreform in der Beseitigung örtlich bedingter M ih- stände von relativ geringfügiger Tragweite stecken bleiben muß. Was hat die Erhöhung der Reichsbahntarife eingebracht? D e r l i n. 2. Mai. (Priv.-Tel.) Als die Reichsbahn zum Oktober vergangenen Iahres ihre Tariferhöhung erzwang, setzte sie auf die damit verbundenen Mehreinnahmen die größten Hoffnungen. Inzwischen ist ein halbes Iahr vergangen. aber trotzdem läßt sich, wie uns von zuständiger Seite erklärt wird, noch kein abschließender Leberblick über die finanziellen Auswirkungen dieser Tarrferhö- h u ng machen. Vergleichbar wären nur die verschiedenen Monate mit denen des Vorjahres, aber die anormale Entwicklung des Personenverkehrs durch die Aussperrung der Eisenindustrie im Rovember, die den Berufsverkehr fast ganz niederlegte und den geschäftlichen Verkehr auf lange Zeit hinaus fühlbar zum Stocken brachte, zusammen mit den verkehrshindernden Folgen des außerordentlich kalten Winters, verschieben jeden Vergleichsmahstab. Das gleiche gilt auch für den Warenverkehr, denn die Steigerung der Kohlentransporte, die nur zu sehr niedrigen Sätzen berechnet werden, scheint noch kein Aequivalent für den Ausfall fro st gefährdeter Waren zu sein. Interessant ist, daß die Meinungen der Fachleute über die Auswirkungen des Konjunkturabstiegs gegenüber dem Vorjahr, abgesehen von Aussperrung und Kälte, sehr auseinandergehen, ja, daß einige Theoretiker im Reichsbahn-Zentralamt glauben feststellen zu können. daß der reine Warenverkehr nicht wesentlich geringer geworden ist, so daß hier der Konjunkturabstieg noch nicht direkt fühlbar wäre. Unter diesen ilmftan&cn dürfte es auch im Oktober dieses Iahres. wenn die Tariferhöhung ein Iahr besteht, außerordentlich schwierig sein, ihre Auswirkungen einwandfrei zu berechnen. Die Mitte dieses Monats stattfindende Ver- kehrszählung ist eine der vier üblichen Prüfungen, die regelmäßig im Iahre vorgenommen werden. Vor neuen Kämpfen in China. Schanghai, 1. Mai. (Reuter) Der Präsident der Rationalregierung, General Tschiangkai- s ch e ck, scheint einen Feldzug gegen Marschall Feng zu planen. Die Krise ist dadurch auf ihren Höhepunkt gekommen, daß Fengs Vertreter, der den Auftrag hatte, Tsinanfu, die Hauptstadt von Schangtung, von den Iapanern zu übernehmen, plötzlich seine Streitkräfte nach der Provinz Honan zurückgezogen hat. Daß die Lage ernst ist, geht aus der Flucht zahlreicher Anhänger Fengs aus Ranking hervor, unter denen sich der Kriegsminister General Lutschunglin befindet. Gut unterrichtete Beobachter glauben, daß ein neuer Kampf unvermeidlich sei, wenn nicht Marschall Feng ins Ausland gehe. Viele Umstände begünstigten General Tschiangkaischeck, vor allem das Verschwinden der Wuhanpartei, deren Truppen jetzt zur Verwendung gegen Feng verfügbar seien und die ernste Krankheit Fengs, der Magenkrebs haben soll. Auch leidet Marschall Feng unter Mangel an Munition und infolge der in den Provinzen Honan und Kwansu herrschenden Hungersnot auch unter Mangel an Lebensmitteln. Deutsche Forderungen im Genfer Abrüstungsausschuß. Genf, 1. Mai. (WB.) Leber die Tabellen zur Erfassung der einzelnen Kategorien der Effektivbestände ist im Vorbereitungsausschuh für die Abrüstungskonferenz noch keine Leber ei n- st i m m u n g erzielt worden. Die Delegationen Frankreichs, Italiens und Iapans konnten sich zwar auf eine gemeinsame Formel einigen, die aber von der englischen und amerikanischen Delegation angefochten wurde, da die vorgeschlagenen Kategorien auf Länder mit Berufsheeren nicht angewendet werden könnten. Die Frage wurde schließlich zur Ausgleichung der neuen Schwierigkeiten vertagt. Ohne wesentliche Aenderung wurden die übrigen Artikel des Kapitels über die Effektivbestände dann in zweiter Lesung abgeschlossen, wobei jedoch ausdrücklich festgestellt wurde, daß die Erfassung der Flotteneffektivbestände erst bei Behandlung dieses Kapitels geregelt werden soll. Zur Frage der Effektivbestände der Luftstreitkräfte wurde von Frankreich ein Kompromißvorschlag eingebracht. Zum Schluß der Sitzung gab Graf Bernstorfs eine grundsätzliche Erklärung über die Rotwendigkeitv der Herabsetzung der Dienst dauer und des jährlichen Re - krutenkontingentes ab. Die deutsche Regierung wird bei der Prüfung der Frage, ob eine Herabsetzung der Rüstungen stattgefunden hat, nicht nur die Zahl der Effektivbestände unter den Fahnen und die Dienstzeit als entscheidend ansehen können. Sie wird in diesem Zusammenhang auch der Frage des Materials größte Bedeutung beimessen: denn wenn man schon nicht die Reserven selbst direkt beschränken will, so kann man doch das Material herabsehen, das die Voraussetzung zur Verwendung der Reserven zu Beginn eines Krites bildet. Die deutsche Delegation wird bei Behandlung des entsprechenden Kapitels auf diese Frage besonders zurückkommen. Der entscheidende Faktor für die Verminderung der Rüstungen eines Heeres der allgemeinen Wehrpflicht ist die Höhe des Rekrutenkontingentes, und ich halte es für unerläßlich, daß zur Herbeiführung einer wirllichen Rüstungsverminderung von Heeren der allgemeinen Wehrpflicht eine wesentliche Herabsetzung des jährlichen Kontingents erfolgt und die hierfür festgesetzten Zahlen von den vertragschließenden Staaten nicht überschritten werden dürfen. — Graf Bernstorff brachte im Sinne dieser Erklärung einen Abänderungsantrag ein. Auf eine Frage Litwinows über die wahrscheinliche Dauer der jetzigen Beratungen machte der Vorsitzende Politis Vorschläge über das Arbeitsprogramm, die jedoch, wie Lord Cushendun und Graf Bernstorff betonten, keinen verbindlichen Charakter haben. Rach diesem Arbeitsprogramm wird der Ausschuß zunächst noch die heute offengebliebenen Restpunkte über die Effektivbestände der Landstreitkräfte erledigen und dann in die Beratung des Kapitels über das Reserve- und gelagerte Kriegsmaterial eintreten. Aber auch hier soll nur der Abschnitt über die Landrüstungen behandelt werden. Der Ausschuß würde dann entweder bereits Ende dieser Woche oder im Verlauf der nächsten Woche seine gegenwärtige Tagung unterbrechen, aber vor der nächsten Völkerbundsversammlung zum Abschluß seiner Arbeiten, d. h. vor allem zur zweiten Lesung des Kapitels über die Flottenabrüstung, zusammentreten. Ein Datum für die Wiederaufnahme der Tagung wurde noch nicht angegeben. Außerdem schlug der Vorsitzende vor, im August einen Schlußbericht an den Völkerbundsrat auszuarbeiten, der in drei Abschnitte zerfallen soll: 1. Entwurf des Abrüstungsabkommens, 2. Analyse der gesamten Aussprache und 3. Vorbehalte und sonstige Erklärungen der einzelnen Delegationen. Tragödie einer Bergbesteigung. Ein leichtsinniger Lugendführer vor Gericht. Berlin, 1. Mai. (WB.) Die Tragödie am Matterhorn, bei der am 13. Juli v. I. der 16jährige Berliner Unterprimaner Alexander Bradt verunglückt ist, bildete heute den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin- Schöneberg. Angeklagt waren der 32 Jahre alte Hilfszeichenlehrer Walter Behm, der jetzt von seiner Lehrtätigkeit am Reform-Realgymnasium in Niederschönhausen suspendiert ist, und der 21jährige -student und Sportlehrer Werner Eichler, die durch ihre Fahrlässigkeit den Tod des jungen Bradt verursacht haben sollen. Der Angeklagte Behm hat sich seit langer Zeit als Führer von Jugend wandergruppen betätigt und in den letzten Jahren auch hochalpine Touren ausgeführt, obgleich er in dieser Beziehung Autodidakt ist und grundsätzlich auf die übliche Unterstützung durch ortskundige Führer verzichtete. So hat er auch mit den Primanern Bradt und Günther Stipp und in Begleitung Eichlers, der ihn schon bei früheren Hochtouren unter- stützt hatte eine Besteigung des Matter- yorns unternommen. Ungefähr 50 Meter unter dem Gipfel kehrte die Gruppe wegen eines heranziehenden Gewitters um. In der Nähe der Sol- vay-Hütte geriet die Gruppe in Nebel, und es entstand einige Unsicherheit über denWeg. Behm ging voraus, um das Terrain zu untersuchen, während Bradt, der nicht an geseilt war, bei Eichler und Stipp zurückblieb, die ihrerseits durch ein Seil miteinander verbunden waren. Eichler, der nunmehr als Führer der Gruppe zu gelten hatte, hat nun merkwürdigerweise zugelassen, daß Bradt sich von ihm trennte und allein oorausging. Von diesem Augenblick an blieb Bradt verschwunden. Auch seine Leiche ist niemals ge- fanden worden. Die Anklage macht Behm weiterhin noch den Vorwurf, daß er nicht sofort eine Rettungsaktion einleitete, sondern erst in Zermatt die Meldung erstattete. Die in der heutigen Verhandlung vernommenen alpinistischen Sachverständigen übten die s ch ä r f st e Kritik an dem Verhalten des Angeklagten Behm. Die beiden Angeklagten erklärten ihrerseits, daß der verunglückte Bradt genügend gewandt gewesen sei, um gefahrlos eine Tour wie die aufs Matterhorn, unternehmen zu können. In vorgerückter Abendstunde verkündete Land- aerichtsdirektor Ziegel das Urteil, das gegen den Angeklagten Behm auf 6 Monate Gefängnis mit Bewährungfrist und gegen den Angeklagten Eichler auf Freisprechung lautete. Der Vorsitzende wies in der Urteilsbegründung darauf hin, daß es als Fahrlässigkeit bei beiden Angeklagten bezeichnet werden müsse, sich m i t 1 6 j j ä h- rigen Jungen an die Besteigung des Matterhorns heranzuwagen, zumal vor der Abfahrt ausdrücklich betont worden fei, daß schwere Bergtouren unterbleiben sollten. Beide Angeklagten hätten in keiner Weise die zur Besteigung erforderlichen Voraussetzungen in alpinistischem Sinne erfüllt. Das Gericht, so betonte der Das Kind auf der Briefmarke. Von M. Büttner. Unsere Zeit ist so oft das „Jahrhundert des Kindes" genannt worden. Die stärkere innere Anteilnahme, die sich in unseren Tagen dem wahren Wesen des Kindes zuwendet, spiegelt sich auch auf einem Gebiet, von dem man es auf den ersten Blick kaum annehmen sollte: in den Darstellungen auf Briefmarken. Eine ganze Reihe graphischer Künstler des Postwertzeichens ist sich des Reizes be- wußt, den die Züge drolliger Kindlichkeit in der Zeichnung dieser kleinen amtlichen Dokumente auszuüben vermögen. So finden sich denn im Sammelalbum manche Marken, die mit niedlichen Kinderfiguren geschmückt sind, ähnlich wie sie als Putten in der bildenden Kunst und in der Architektur feit langem als beliebtes Ziermotiv und anmutig dekoratives Beiwerk verwendet werden. Besonders lebendig und lustig schauen uns die — auf allen Seiten — pausbäckigen beiden Knirpse an, die F. A. von Kaulbachs Zeichenfeder 1911 auf Marken Bayerns gelungen sind und die sich mit einem riesigen, das Porträt des damaligen Prinz- regenten umgebenden Früchtekranz abquälen. Etwas rokokohaft angehauchte Babypärchen sind auf den Postwertzeichen Liechtensteins von 1920—21 als Füllhorn- und Wappenträger emsig beschäftigt. Ein paar rundliche Rangen, die sich in aller Oeffent- lichkeit der amtlichen Briefmarke sogar zärtlich küssen, konnte man auf der Ausgabe 1900 von Frankreich bemerken. Auf einer Markenreihe des fernen Siam sah man zwei kleine braune Asiaten ein großes Medaillonbild des Königs vorsichtig balancieren. In ähnlicher Art stehen, nur mit Engelsflügeln und Bauchbinde bekleidet, zwei Kinder auf der Zehn-Schilling-Marke von Jamaika neben dem englischen König Wache. Ein kindlicher Schutzgeist des Ackerbaues, wie man ihn auch der notieibenben deutschen Landwirtschaft wünschen möchte, ist auf einer Marke Uruguays in der angenehmen Lage, aus einem offenbar reichhaltigen Füllhorn landwirtschaftliche Produkte spenden zu können. Aus einer anderen Briefmarkengruppe könnte )nan eine förmlich« Porträtgalerie hübscher Kinder» köpfe zusammenstellen. Es liegt nahe, daß die Post- verwaltungen in Ländern, in deren Herrscherfamilien sich niedliche Vertreter der jüngsten Generation finden, derartige gutgeratene Exemplare als bildliche Zierde der Briefmarke konterfeien. Das ansprechendste Beispiel in dieser Beziehung ist wohl das benachbarte Luxemburg. Wie der Neuheitensammler weiß, sind auf den Wohltätigkeitsaus- gaben der letzten drei Jahre nacheinander die Kopf- dildnisse des jungen Thronfolgers Prinzen Jean, der kleinen Prinzessin Elisabeth und der noch jüngeren Prinzessin Marie-Adelheid dargestellt worden — alles wirkliche kleine Schönheiten. Da übrigens die großherzoglichen Eltern noch ziemlich junge und rüstige Leute sind, darf die philatelistische Welt wohl noch mit mancher Fortsetzung dieser kindlichen Orgelpfeifen rechnen. Daß aus Kindern Leute werden, beweisen z. B. die Niederlande. Die bärtigen Marken zeigen von 1891 ab bie Königin Wilhelmina als kleines Mäbchen mit langen Locken, um sie bann auf späteren Ausgaben in verschiebenen Attersstufen zu charakterisieren. Einen noch ausführlicheren phila- telistischen Lebensfilm kurbelte bie Postverwaltung Spaniens. Sozusagen mit ber Zeitlupe begleitete sie Alfons XIII. von Äinbesbeinen an: 1889 wurde er als Kind, 1901 als Knabe und alle paar Jahre in weiteren Altersklassen auf den Postwertzeichen Spaniens und seiner Kolonien verewigt. Im benachbarten Portugal erschien bereits 1855 der Iüng- lingskopf Pedros V., ber ein Jahr später von ber glatten zur gelockten Haartracht überging, auf Briefmarken. Eine Wohltätigkeitsausgabe Rumäniens führte 1907 bie kinderreiche damalige Kronprinzenfamilie vor, und seit dem vergangenen Jahr schimmert bie weiße Seidenbluse des kindlichen Königs Michael I. auf den rumänischen Marken. Auch A e - gypten, das bank seinem markensammelnden König in der Erfindung neuer Gelegenheitsmarken besonders fruchtbar ist, macht diese Mode mit und schenkte erst kürzlich seinem Erbprinzchen Farouk quasi zum neunten Geburtstag Briefmarken mit seinem lächelnden Bildnis. (Weniger lächeln darüber bie leid- unb foftentragenben Markensammler!) In der Neuen Wett finben sich schließlich noch bei Neufunbland mehrere kindliche Mitglieder der britischen Königsfamilie in der postalischen Bildergalerie. f Die dritte und wohl größte Gruppe der Darstellungen unserer jüngsten Jahrgänge in der Philatelie erscheint im Jahrhundert des Kindes am zeitgemäße- ften — sie ist Zweck und Ausdruck der sozialen Kinderfürsorge, die insbesondere seit dem Kriege immer in den Vordergrund getreten ist. „Pro juventute“, „Orphelins de la guerrt“ (Kriegs- waisen), „Voor het Kind“ — so und ähnlich lauten die Inschriften bei dieser Markengattung, die diesem Zweig der Humanität dienen will. Es ist nur natürlich, daß auf solchen Markenbildern das Kind häufig in seiner besten Gesellschaft unb an feinem sichersten Aufenthaltsort dargestellt wird: im Mutterarm. Das fromme Symbol ber mütterlichen Liebe, bie Madonna mit dem Kind, zeigen Postwertzeichen einzelner Länder, wie z. B. Bayern, das Saargebiet, Liechtenstein, Ungarn. Andere, weltlichere und mehr familiäre Szenen der Mütterlichkeit kennt der Markenfreund etwa von Wertzeichen Oesterreichs, der Tschechoslo- wakei, Ungarns (das Kind in der Wiege), Rußlands usw. Allerdings hat der Marken- Zeichner die jüngsten Erdenbürger hie und da so stiefmütterlich behandelt, daß man mit Goethe mit» leidig fragen möchte: „Was hat man dir, du armes Kind, getan?" Um so erfreulicher wirken dann wieder so ausgezeichnete kleine Kunstwerke wie beispielsweise die beliebten Jugendfürsorge-Marken der Schweiz mit hübschen Kindergestalten in verschiedenen heimischen Volkstrachten ober etwa die Wohlfahrtsmarke U n - ga r n s, auf der ein wohlgerundeter Nackedei in kindlicher Sorglosigkeit über eine blühende Wiese trippelt, oder manches andere. Einen ernsteren Ton schlagen Postwertzeichen an, die eine Erinnerung an Schicksal und Not des Kindes in der Kriegszeit und in den folgendenJahren bilden. Kriegs- roaifen sehen wir auf f r a n z ö s i s ch e n und griechischen Marken: ein Kind führt einen erblindeten Soldaten (Bosnien): der ins Feld ziehende Vater nimmt von feinen Kindern Abschied (Rußland), ber aus ber Gefangenschaft Heimkehrende wird von ihnen begrüßt (Ungarn). Ein für das heutige Rußland besonders schwieriges Nachkriegsproblem, die Sorge für die vielen eitern- unb ob- dachlofen Kinder, findet in entsprechenden russischen Briefmarken einen gewissen sozialpolitischen Ausdruck. Zugunsten jener bedauernswerten Geschöpfe Vorsitzende, sehe eine Fahrlässigkeit Behms nicht darin, daß er an ber fraglichen Stelle abgefeilt habe: dieses Verfahren könne unter Umständen als durchaus zweckmäßig angesehen werden. Es sei ihm aber vorzuwerfen, daß er die übrigen in einer durchaus ungeroiffen Lage zurückae- lassen habe. Behms Verhalten sei auch insofern überaus fahrlässig gewesen, als er, nachdem er b e n richtigen Weg gefunden habe, nicht sofort umgekehrt unb zu den Leuten zurückgegangen sei, sondern daß er im Gegenteil erst noch die Hütte besucht und sich in ihr mit gleichgültigen Dingen beschäftigt habe. Die Möglichkeit eines Selbstmordes des Bradt halte das Gericht für aus- geschlossen. Die Frage, ob Behm die Straftat in Verletzung einer Berufspflicht begangen habe, sei vom Gericht verneint worden. Er habe die Alpenfahrt picht in seiner Eigenschaft als Zeichenlehrer, fonoern als Iugendführer unternommen. Strafschärfend sei der unerhörte Leichtsinn ins Gewicht gefallen, mit dem der Angeklagte zu Werke gegangen fei. Derart schwierige Bergbesteigungen dürften unter solchen Verhältnissen keinesfalls erfolgen, wenn die Jugend nicht den schwersten Gefahren ausgesetzt werden solle. Behm habe in ganz unverantwortlichem Leichtsinn gehandelt und dadurch e i n hoffnungsvolles Menschenleben vernichtet. Strafmildernd fei berücksichtigt worden, daß von eigennützigen Bestrebungen nicht die Rede fein könne. Behm fei unbestraft und habe die Fahrt aus ideellen Beweggründen unternommen, wenn er dabei auch eine falsche Richtung eingeschlagen habe. Oie Vorfälle in Oppeln. Unangebrachte Aufregung der Pole«. Kattowih, 1. Mai. (Privatmeldung.) An einer Prote st Versammlung des Westmarkenvereins im Zusammenhang mit den Oppelner Vorgängen nahmen etwa 5000 Personen teil. Die Vorsitzenden des Westmarkenvereins und der polnischen Theatergemeinde sowie der Chefredakteur der „Polska Zachodnia" hielten Ansprachen. In einer Entschließung wurde gefordert, daß die polnische Regierung die Oppelner Vorgänge vor das Forum des Völkerbundes bringe, weiter, daß die Regierung die deutsche Minderheit in Polen ebenso behandele wie die Deutschen die polnische Minderheit in Deutsch-Oberschlesien behandelten, aber unter Ablehnung der „barbarischen Methoden, wie sie in Oppeln gehandhabt worden seien". Don deutschen Theateraufführungen in Ostoberschlesien könne in Zukunft nur dann die Rede sein, wenn in Deutschland polnische Aufführungen möglich seien unb wenn diese dort ebenso subventioniert würden, wie das bei den deutschen Theatern in Polnisch- Oberschlesien der Fall sei. Don deutschen Aufführungen im Kattowitzer Stadttheater jedoch könne keine Rede mehr sein. Di« Entschließung werrdet sich sodann gegen die deutschen Filme und gegen die Geschäftsleute, die die deutsche Presse unterstützen. Diese sollten in der polnischen Presse namentlich genannt werden. Die Demonstranten zogen dann vor die Wohnung des Wojwoden, der die Demonstranten aufforderte, weiterhin für die polnische Sache zu kämpfen. — Die künstliche Erregung, in die sich die Polen mit amtlicher Hilfe hineinsteigern, ist angesichts der an sich gewiß bedauerlichen und scharf zu mißbilligenden Vorfälle in Oppeln zwar begreiflich, erscheint jedoch in sehr merkwürdigem Licht, wenn man sich des langen Sündenregisters schwerster chauvinistischer Ausschreitungen erinnert, die sich die Polen gegen die deutsche Minderheit in Oberschlesien, in Posen und Westpreuhen haben zuschulden kommen lassen. Wir würden sehr froh sein und wollen ja im Grunde nichts mehr, als daß die Polen die deutsche Minderheit genau so behandelt wie die polnisch« Minderheit bei uns in Deutschland behandelt wird. Daran ändert auch ein so singulärer Fall, wie die Vorgänge in Oppeln nichts. Abberufung -es Polizeipräsidenten von Oppeln Berlin, 1. Mai. (WB.) Amtlich. Die preußische Staatsregierung hat den Polizeipräsidenten von Oppeln, Mai, von seinem Posten abberuf e n und mit Wirkung vom 2. Mai 1929 i n erschienen 1927 Marken mit Kinderköpfen sowie einem Brustbild Lenins als Kind, während bie in diesem Jahr zum gleichen Zweck verausgabten Marken lebendige Szenen mit Kindern bei der Arbeit in der Werkstatt und auf dem Lande zeigen. Das Kind als Symbol für die durch den Krieg errungene nationale Freiheit erscheint auf einigen anderen Seiten des Markenalbums. Auf einer Ausgabe Lettlands von 1920 sieht man ein Kind in die Arme ber Mutter zurückkehren, — eine sinnbildliche Erinnerung an die Wiedergewinnung des Gebietes von Lettgallen. Südslawische Marken brachten eine beflügelte Äinbesgeftalt als Boten der Befreiung und des Friedens. An die schöne Heldensage ber Schweiz erinnert auf den dortigen Postwertzeichen der kleine Tellknabe mit Armbrust und Apfel. Das gleiche Land hatte 1927 den großen Kinderfreund P e st a l o z z i durch Briefmarken mit seinem Bildnis und fein Wirken symbolisierenden Kinderfiguren geehrt. In anderer Art eindrucksvolle Markenbilder, die leider in diesem wasserreichen Frühjahr wieder at- tuell wirken, sind den Sammlern von Liechtenstein her bekannt. Die Wohttätigkeitsausgabe 1927 zum Besten ber durch das Hochwasser des Rheins Geschädigten enthält u.a. die ergreifende Szene, wie Flüchtlingskinder vor den Ueberfchwemmungsgefah- ren errettet werden. Auf Marken mit menschenfreundlichen Zielen ist das Kind in den überseeischen Postgebieten nur recht selten anzutreffen. Es seien eine sinnbildliche Gruppe aus dem portugiesischen Mozambique unb bie kleinen Negerpärchen aus Jamaika mit der Inschrift „Child welfare“ (Kindeswohlfahrt) erwähnt. Mit dem Hinweis auf deutsche Postmarken mit freundlicherer Entstehungsursache — diejenigen zur Deutschen Gewerbeschau 1922 mit dem drolligen Münchner Wavpenkindl — sei unser Gang durch den philatelistischen Kindergarten beendet. Lochschulnachrichten. Der ordentttche Honorarprofessor für Steuerrecht, Arbeits- und Gewerberecht, Derkehrsrecht, Handelsund Wechselrecht, Urheberrecht sowie Dersicherungs- recht an der Technischen Hochschule in D a r m ft a_b t, Geheimer Iustizrat Erich Aron ist 3um persönlichen Ordinarius ebenda ernannt worden. so. Oie Wetterlage. lannaya —pwst LätoruM s gibt so Schlag worte, die im täglichen Leben benutzt werden. So be- BU LG ARIA fUSCHED arsc| < Mittwoch. f.Mai 1929. 7h_aMs. be« einstweiligen Ruhestand verseht. Die Abberufung ist erfolgt auf Antrag deS Preu- hifchen Ministers des Innern Grzesinskt, der nach der Rückkehr von einer Dienstreise am 30. April 1929 sich auf Grund der vorliegenden amtlichen Berichte über die Vorfälle in Oppeln am Sonntag, den 28. April, im Anschluß an eine polnische Theateraussührung zu dieser Maßnahme entschloß. Im Zusammenhang mit diesen Vorfällen sind auch die beiden leitenden Polizei- offiziere der Oppelner Schutzpolizei nut sofortiger Wirkung versetzt worden. Die Regierungsbildung in Oesterreich. Günstiger Fortgang der Verhandlungen. Wien, 1. Mai. (WTD.) Die Verhandlung gen zwischen den Mehrheitsparteien dauerten auch heute den ganzen Tag über an. Die fach* lichen Schwierigkeiten sind so gut wie behoben, so daß morgen der Christlich-Soziale Klub die Personenfrage losen und das neue Kabinett am Freitag, spätestens amSams- tag, gewählt werden kann. In den Verhandlungen mit den Großdeutschen standen die Fragen der Beamtenforderungen und die Erteilung des Ehedispens im Vordergründe. In beiden Fragen wurde eine prinzipielle Einigung erzielt. Die Hauptfrage in den Verhandlungen mit dem Landbund, die Einfuhrbeschränkung für polnische Schweine, wurde gleichfalls auf Grund eines Kompromisses gelöst, wonach der Ackerbaumini- ster durch eine vom Hauptausschuh zu genehmigende Verordnung ermächtigt werden soll, der polnischen Regierung zu notifizieren, daß für die Einfuhr nach Oesterreich nur die Quote des Jahres 1927 zugelassen wird, wie dies in den Vereinbarungen mit dem privaten polnischen Export-Syndikat festgelegt worden war. Die Berliner Philharmoniker in Paris. Paris. l.Mai. (WB.) Das zweite Konzert des Philharmonischen Orchesters brachte die Aufführung der 7. ^-Dur-Sinfonie von Beethoven, der 4. S-Dur-Sinfonie von Schumann sowie der Ouvertüre von Benvenuto Eellini von Hektor Berlioz. Wiederum war das Theater Champs Elysees bis auf den letzten Platz beseht, und wiederum konnten die Berliner Künstler und namentlich ihr Aus her Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. Mai 1929. Schuh gegen Waldbrände. Mit Beginn der warmen und trockenen Frühlingstage entsteht für die Wälder die Gefahr der Waldbrände. Sie ist in dieser Jahreszeit besonders groß, da die abgestorbenen und verdorrten Reste von Gräsern, Kräutern und Farnen bei Unachtsamkeit des Spaziergängers und Ausslüglers im Umgänge mit Feuer eine Quelle ständiger Brandgefahr bilden. Am meisten gefährdet ist die Umgebung vielbegangener Waldwege, an die Grasflächen stoßen. Sie sind immer die Ausgangspunkte der Waldbrände, da unachtsames Fortwerfen von brennenden Zigarren- und Zigarettenresten und Streichhölzern genügt, um die vertrocknete Bodendecke im Augenblick in Brand zu fetzen. Das Abbrennen der Pflanzenreste selbst ist kein Verlust, entscheidend ist vielmehr die große Gefahr, die dadurch für die angrenzenden Waldbestände entsteht. Die Kiefern- und Fichtenkulturen sind immer vertrocknet und so unmittelbar der Feuergefahr am meisten ausgesetzt. Zu großen Verlusten kann ein solcher Brand werden, wenn er Kiefern oder Fichtendichtungen erreicht. Hier bietet sich dem Feuer Gelegenheit, aus dem Bodenfeuer zum Wipfelseuer zu werden, das seine Rahrung zunächst in den trocken gewordenen Zweigen findet. Das Abbrennen dieser Dichtungen und angehenden Stangenhölzer ist der Uebergang des Feuers zur Ausdehnung des Brandes auf Altholzbestände. Don den Waldbäumen sind die Radelholzarten am meisten gefährdet. Don ihnen sind wiederum die jüngeren Bestände (bis zu Stangenholzstärke) durch Waldbrände am meisten heimgesucht. Erfahrungsgemäß ist die Ursache eines Waldbrandes in den häufigsten Fallen auf unachtsames Umgehen mit Feuer, hauptsächlich mit Zigarren, Zigaretten und Streichhölzern, zurückzuführen. Eine weitere Gefahrenquelle ist das im Frühjahr vielfach übliche Abbrennen von Hecken und Rasenflächen in der Rähe von Wald- — Deutscher yugendabend im Stadt- theater. Im heutigen Anzeigenteil veröffentlicht der Frauenverein vorn Roten Kreuz für Deutsche über See eine weitere Ankündigung zu dem am 5. Mai stattfindenden Deutschen Iugendabend im Stadttheater. Auf die Anzeige sei besonders hingewiesen. — Gießener Schwimmverein. Am nächsten Samstagabend findet im Dolksbad das Ab- schwimmen, verbunden mit einem Schau- und Werbe- schwimmen, unter Teilnahme des Marburger Schwimmvereins statt. Näheres in der heutigen Anzeige. e •* Wiedereinführung de r zweiten werktäglichenPaketzuftellunginGie. ß e n. Von morgen ab wird in Gießen die zweite werktägliche Paketzustellung, die seit 1. Februar 1922 ruhte, wieder eingeführt. Unstimmigkeiten bei der Gießener Kreiskasse wurden kürzlich bei der Uebergabe der Kassengeschäfte an den neuen Kreiskassenrechner durch die Oberrechnungskammer festgestellt. Die Un- tersuchung wurde sofort eingeleitet, ihre Fortführung wird jetzt der Staatsanwaltschaft übertragen werden, lieber die Ursachen der Unstimmigkeiten läßt sich naturgemäß vor dem Abschluß der Untersuchung nichts Bestimmtes sagen, so daß man den in der Stadt verbreiteten Erzählungen mit vorsichtiger Reserve gegenüberstehen muß. Als Differenz wird in der Bürgerschaft übereinstimmend ein hoher Betrag Fnedensverhandlungen in Mexiko. Nogales (Arizona), 1. Mai. (WB.) In Agua Prieta fand kurz nach Mitternacht im Beisein von amerikanischen Offizieren und Konsulatsbeamten eine Zusammenkunft zwischen einigen Generälen der Aufständischen und der Regierungstruppen statt, um die Mittel und Wege zu einer sofortigen Beilegung der revolutionären Bewegung zu besprechen. Die neutralen Teilnehmer verließen die Konferenz bei Morgengrauen, machten jedoch keinerlei Mitteilungen über den Erfolg der Verhandlungen. Der Re- vellengeneral E s c ö b a r ist nach einem geheim- gehaltenen Bestimmungsort abgereift. Das Gerücht, paß er sich über die Grenze nach den Bereinigten Staaten begeben habe, wird dementiert. Dirigent Wilhelm Furtwängler einen außerordentlich großen Beifall erzielen. Die Ovationen von gestern wiederholten sich in noch gesteigertem Maße. Die begeisterte Menge rief den Künstlern „Auf Wiedersehen!" zu. Der Beifall war so außerordentlich groß, daß sich Furtwängler entschloß, die Ouvertüre zu Wagners „Tannhäuser" als Beigabe spielen zu lassen. Die Pariser Revue Musicale veranstaltete heute mittag zu Ehren Prof. Furtwänglers ein Frühstück, an dem etwa 100 Personen der französischen Musikwelt sowie der deutsche Botschafter von Hoesch und der österreichische Gesandte Grünberger teilnahmen. Den Dorsitz führte Kriegsminister Painleve, der in einer Rede unter Bezugnahme auf den beispiellosen Erfolg des Philharmonischen Orchesters von Berlin während seiner zwei Konzerte von dem „Sieg der intellektuellen Kräfte über die materiellen Kräfte" sprach. Er nannte Furtwängler einen Botschafter der Kunst und der Schönheit und einen Abgesandten des Friedens. Für die französische Musitwelt sprach der bekannte Pianist C o r t o t, worauf Furtwängler selbst seinen Dank aussprach. Oie Wien-Fahri des „Graf Zeppelin". Schwieriger Aufstieg. Friedrichshafen, 2. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nachdem während der ersten Nachtstunden starke Regengüsse über dem Bodenseegebiet nieder- gegangen waren, klärte das Wetter in den frühen Morgenstunden zusehends auf. Da zugleich Windstille eingetreten mar, entschloß sich die Schiffs- leitung dazu, die Fahrt nach Oesterreich zu unternehmen. Die 25 Passagiere, unter denen sich auch der Ehefkonstrukteur des Luftschiffes, Dr. Dürr, befand, gehen um 4.30 Uhr an Bord. Im Luftschiff befinden sich einschließlich der Besatzung 75 Personen. Um 5.05 Uhr wurde das Luftschiff nach einer kleinen Verzögerung durch das Osttor der Halle auf das taunasse Gelände gebracht. Während die ersten Strahlen der ausgehenden Sonne die Südspitze trafen, wurde der offensichtlich ziemlich schwere Schiffsrumpf noch einmal kurz ausgewogen. Unmittelbar darauf wurden gleichzeitig mit dem Hochwerfen des Schiffes einzelne Motoren angeworfen, anscheinend um den Schiffskörper rascher hoch zu bringen. Die Belastung schien aber immer noch zu groß zu fein, denn erst nach Entleerung mehrerer Wasserballastsäcke ging das Schiff allmählich in die Höhe. Zunächst hatte es den An- schein, als ob es nicht gelingen würde, über die hart am Ostrand des Geländes stehenden Häusergruppen hinwegzukommen, da der rückwärtige Teil des Schiffes sich nur langsam vom Boden ab- läste. Schließlich glitt aber „Graf Zeppelin" doch noch glücklich über das Zeppelindorf hinweg und entfernte sich in langsamer Fahrt mit östlichem Kurs. Bei diesem unter ziemlich schwierigen Verhältnissen vollzogenen Aufstieg machten sich die Nachteile des kleinen und beschränkten Geländes sehr fühlbar. „Graf Zeppelin" überflog um 6.23 Uhr M u n ° dien und passierte um 6.45 Uhr die Stadt Mühl- dors am Inn. Um 7.30 Uhr befand sich „Graf Zeppelin" kurz vor Linz a. d. Donau, war um 8.55 Uhr über S t. Pölten und ist um 9.20 Uhr über Wien eingetroffen. Bei wolkigem Wetter ist er nur zeitweise sichtbar. Zu seiner Begrüßung sind 20 bis 30 Luftballons auf’ gestiegen. Zur Zeit kreist das Luftschiff über der Stadt. Q wolkenlos. Gntiter. Qnaib Bedeckt» wolkig. • Bedeckt • Regln. * Schnee a Graupeln. e Neoei KGewitier.@wind5tiiie.-O' sehr menter Ost massiger Südsüdwest q stürmischer Nordwest Oie Pfeile fliegen mit dem Winde. Die oeiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem auf Meeresniveau umgerexnnelen Luftdruck Wettervoraussage. Die füdskandinavische Störung, deren Rückseite den Kaltlufteinbruch über Deutschland brachte, zieht nordostwärts ab. Der leichte Druckanstieg, der bei uns zur Beruhigung der Wetterlage führte, hat keine weitere Zunahme erfahren. Da> gegen greift die atlantische Störung, dw sich gestern der Westküste Irlands näherte, südostwärts nach Frankreich vor. Bei uns wird vorläufig die herrschende Luftdruckvertellung dem Witterungscharakter wenig Aenderung geben. Wettervoraussage für Freitag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, nachts kühl, tagsüber etwas wärmer als seither, meist trocken. Lufttemperaturen am l.Mai: mittags 8,4 Grad Celsius, abends 4,3 Grad: am 2. Mai: morgens 5,8 Grad. Maximum 8,9 Grad, Minimum — 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Mai: abends 11,4 Grad: am 2. Mai: morgens 7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer % Stunden.____________ genannt. ** ©ine Uöarnung für Unfug ft iftcr. 3n der Nacht zum 10. Dezember v. I. wurden auf dem Marktplatz, bei der Alten Bürgermeisterei in der Gartenstraße und an der Ecke Wolfstraße die Feuer, melder aus Uebermut von einem Unfugstifter in Tätigkeit gesetzt, so daß die Feuerwehr in jener Nacht dreimal vergeblich ausrücken mußte. Erst nach langwierigen Ermittlungen gelang es, als jenen Unfugstifter den etwa 30 Jahre alten Arbeiter Franz Nau von hier zu ermitteln und ihn einwandfrei der Täterschaft zu überführen, worauf er sich bann zu einem vollen Geständnis bequemte. Gestern hatte er sich nun wegen dieses groben Unfugs vor dem hiesigen Amts- gericht zu verantworten, das ihm als Lohn für feinen Schabernack sechs Wochen Gefängnis zudiktierte, die er auch sofort annahm, weil er wohl nicht mit Unrecht befürchtet haben mag, daß er im Falle eines Einspruchs von der Berufungsinstanz eher noch eine höhere Strafe zu erwarten gehabt hätte. Hoffentlich lassen sich übermütige Zeitgenossen, die gern an Feuermeldern unnütz herumhantieren, diesen Vor- fall zur Warnung dienen. •* Das Maienblasen vom Turme der Iohcmneskirche aus fand am gestrigen Mittwochabend zum ersten Male wieder statt. Eine zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich wiederum, wie im vorigen Jahre, zu dieser stimmungsvollen Veranstaltung eingefunden. Ilm die Feierstunde machte sich der Bläserchor des Gvang. Arbeitervereins recht verdient. ** Öffentliche Dücherhalle. Im April wurden, 1221 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 836, Zeitschriften 71, Iugendschriften 71, Literaturgeschichte 3, Gedichte und Dramen 18, Länder- und Völkerkunde 65, Kulturgeschichte 7. Geschichte und Biographien 71, Kunstgeschichte 11, Raturwissenschaft und Technologie 28, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 11, Staatswissenschaft 12, Sport 4, Fremdsprachliches 7 Bände. Rach auswärts kamen 4 Bände. * Steuerliche Berücksichtigung der Witterungsschäden. Anläßlich der erheblichen Schäden, die der lange und starke Frost für die Landwirtschaft, wie auch für bestimmte Gewerbebetriebe (Baugewerbe, Schiffahrt, erhöhte Feierschicht im Bergbau) mit sich gebracht hat, weist der Reichssinanzminister in einem Erlaß vom 26. März 1929 — Seite 1940 — erneut auf die Möglichkeit hin, diese Schäden bei der Steuererhebung in angemessenem Umfange zu berück- sichtigen. Wie in den von Steuersynditus Hermann Will herausgegebenen „Aktuellen Steuerträgern“ mitgeteilt wird, sollen Erhebungen über das Ausmaß der Schäden und den Kreis der Betroffenen angeftcllt werden. Die Steuerpflichtigen werden darauf hingewiesen, daß sie nach § 100 des Einkommensteuergesetzes und § 124 der Ausführungsbestimmungen einen Anspruch darauf haben, daß die EinkommensteuervorauS- zahlungen herabgesetzt werden, wenn das Einkommen um mehr als den fünften Teil, mindestens um 1000 Mk.. niedriger wird. Bei kleineren Einkommen, bet denen ein Rückgang um 1000 Wk. nicht in Frage kommt, kann die gleiche Wirkung durch Stundung nach § 105 Abs. 2 RAO. erreicht werden. Außerdem wird auf die Ermäßigungs- oder Stundungsmöglichkeiten nach § 108 RAO. hingewiesen. * * Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die evangelische Kirchenregierung wurde dem Pfarrverwalter Karl Friedrich Kalbhenn zu Maulbach, Dekanat Alsfeld, die dortige evangelische Pfarrstelle übertragen. (Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt) die im täglichen Lenen oenuizi weraen. uc- haupten Raucher zuweilen, sie könnten nicht immer dieselbe Marke rauchen. Dies trifft nur dann zu, wenn man unter den vielenZigaretten die richtige nicht herausfindet Wer aber das Glück gehabt hat, eine Zigarette ausfindig zu machen, die wirklich Qualität ist, wird ihr auch treu bleiben. Es muß natürlich eine Zigarette sein de weitsten Tabake enthält Es muß eben BULGARI A-KRONE sein, das Meisterstück der 5-Pfennig-Zigaretten. grundstücken. ., Wenn auch verschiedene Gesetzesvorschrrften Strafen für Verfehlungen bei Umgang mit Feuerzeug in und in der Rähe von Waldungen androhen, so genügen sie doch nicht allein, der Waldbrandgefahr ausreichend zu begegnen. Sie können den Schaden nicht wiedergutmachen, den ein Waldbrand vielfach verurfacht. Deshalb ist eS erforderlich, in Vereinen und Schulen, besonders den Landschulen, einem größeren Personen- treis die Gefahren und Schäden der Waldbrände vor Augen zu führen und ihnen Verhaltungsmaßregeln zu geben. Wandervereine und Iu- gendabteilungen solcher Vereinigungen haben sich schon vielfach durch Löschung von Waldbränden ausgezeichnet. Kleine, im Entstehen begriffene Waldseuer können leicht durch Ausschlagen von der Seite her erstickt werden. Ist das nicht mehr möglich, so ist schleunigst der nächste Förster zu benachrtch- ttgen, oder aus dem nächsten Dorf Hilfe zu holen, ilnser neuer Roman In der „3Huiltlerfen". In der kommenden Ausgabe der Illustrierten des Gießener Anzeigers vom Samstag, 5. Mai, beginnen wir mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romans. Es handelt sich um das Werk eines modernen holländischen Romanciers, welches zum Erstabdruck erworben wurde: „Das Rätsel des 13. Dezember" von Ben van Eijsselsteijn. Das Ungewöhnliche und Unheimliche beherrscht den neuen Roman: das sprunghafte Tempo der Entwicklung und die Phantasie in der Verkettung seltsamer Menschenschicksale. Im Mittelpunkt steht die sympathische Gestalt eines Vertreters der Großmacht Presse, ein junger Journalist auf der Jagd nach sensationellem Stoff für fein Dlatt.Was er da erjagt, wie er versucht, Außergewöhnliches herbeizuzwingen und selbst ein Opfer der Geister wird, die er rief, — das ist ungemein fesselnd erzählt. Welche Fülle der Gestalten: der große Verbrecher und Hochstapler, der Petroleummagnat, der Chinese Tieng°Lung, der rätselhafte Mann mit dem schwarzen Bart, der Gärtnerjunge, der auf seinen Vater schießt, und als lieblichste Erscheinung die schöne Alice, deren Geburtstag am ominösen 13. Dezember die Jagd der Ereignisse durch den Mordanschlag in Haus Parklust in Fluß bringt. „ , Wir sind überzeugt, daß dieser phantastevoll geschriebene Roman unsere Leser und Leserinnen bis zum glücklichen Ende fesseln und in Atem halten wird. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater (Kammerspielzyklus): „Schauspiel in der Oper", 20 bis 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhof- I straße: „Die Frau, die jeder liebt, bist du". — Asto- • ria-Lichtspiele: „An der Grenze des Todes"._______ 6 "rankt 11 1?> I KRONE vtedmnav^terbcKfjeife —V- Greta Wetzstein Gießen (Roonstraße 6), Treis (Hessen), Neukirchen, Rochester, Neuyork, den 1, Mai 1929. 396>D Die Beerdigung findet Freitag, den 3. Mai, vormittags 11 Uhr, vom Portale des Neuen Israelitischen Friedhofes aus statt — Von Blumenspenden und Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. In tiefem Schmerz: Die trauernden Hinterbliebenen: Sally Wetzstein Else Wetzstein Meta Wetzstein und alle Verwandten. Statt besonderer Anzeige. Am Montag, dem 29. April, vormittags um 8 Uhr, verschied sanft, plötzlich und unerwartet, nach kurzem schweren Kranksein im blühenden Alter unsere innigstgeliebte, herzensgute, unvergeßliche Tochter, Schwester, Enkelin, Nichte und Kusine U2722 sowie Geprüfte Kindergärtnerin <20 Jahr« musikalisch ausgebild., aus lieft. Hause, sucht entsvr. Wirkuttgskr. in nur nuier Kn utile, evil. zur Erlernung des HanSlialts. Schristl. Angebote nnt. 3973V an den Gieß. Anz. Lieferwagen mit Plan u.Svriegel billig 'zu uerfnufen. O. Soüer. Zllisrzeuge. Mühlstraße 22. Gut erhalt. 6 25 PS- Wagen Mädchen v. Lande sucht sofort Stellung, tu kleinem Haushalt, wo Ge- legen Veit, sich im Kochen z. vervollkommnen. Auf gute Behandlung tvird mehr Wert gelegt als aus hohen Lohn. Schristl. Angeb. nnt. 02707 a. d. Gieß. Anz. Junger Kaufmann IFahrHandelsschule besucht, vcrf. tu allen Bureauarb., sowie in Stenogr. und Maschinenschreiben sucht fidi au verätidern. Schr. Ang. nnt.02720 q. d. Gien. Anzeiger. 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Innere Anftreicherarbeiten des Dachgefchoßaufbaues. 39641) Die Bauzeichnungen und Bedingungen liegen in den Geschäftsräumen der Neubauleitung Gießen, Landgraf-Philipp-Platz Nr. 4 (Wachtgebäudc bei der Zeughauskaserne) und beim Finanzamt in Grünberg während der Dienststunden zur Einsicht aus. Die Verdingungsunterlagen können, soweit der Vorrat reicht, dort bezogen werden. Die Angebote find verschlossen und mit entsprechender Anschrift versehen bis zum öffentlichen Verdingungstermin am 8.7Nai 1929, und zwar für Los 1: vormittags 11 Ahr „ 2: ,, 1154 ,, „ 3: „ ll/2 „ ,, 4: „ WA „ an die Nenbaulcitung Gießen, Landgraf- Philipp-Platz 4, einzusenden. Gießen, den 1. Mai 1929. Neubauleitung der Baugruppe des Landesfinanzamts. Die städtischen Tennisplätze können ab 2. Alai 1929 zu den gemieteten Spielzeiten benutzt werden. 3962C Gießen, den 1. Mai 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. S e i b. Aut Tennissd* wegen Aufgabe des Artikels 20% Rabatt! 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Aber ein Wagen, dessen Aeußeres seinen „geistigen Gehalt" in so auffälliger Weise verkündet, müßte auf dem Wege von Baltimore noch Neu« york schon von einer starken Abteilung Panzerautomobile begleitet werden, sonst wäre er vor den alle Häfen und Hafenstraßen belauernden Wegelagerern, die der Volksmund mit dem Namen „Hijackers" belegt hat, nicht sicher. Denn aus sechzig Kisten reiner, unvcrschnittener Spirituosen macht man hier mit Hilfe von Zuckerwasser und Holzspiritus annähernd zehnmal soviel, die unter Brüdern ihre dreißig bis vierzigtausend Dollar wert sind. Als „echte Bot- schastsware" sogar noch mehr. Oie endgültige Seweebesteuer für Der Gießener Stadtrat beschäftigte sich in seiner Sitzung vom Dienstag, 30. April, über deren wichtigsten Punkt (Schwarzlachprojelt), wie wir gestern schon ausführlich berichteten, noch mit folgenden Angelegenheiten: Endgültige Veranlagung der Gewerbesteuer für das Rj. 1928. Gemäß Antrag des Finanzausschusses wurde einstimmig beschlossen: Das laut Beschluß der Stadtverordneten-Dersammlung vom 29. 3uni 1928 gelegentlich der Verabschiedung des Voranschlags für das Rechnungsjahr 1928 auf 271 000 Mark festgesetzte Aufkommen an Gewerbesteuer, und zwar 125 000 Mark vom Anlage- und Betriebskapital und 146 000 Mk. vom Gewerbe- ertrag, wird bei Veranlagung zur endgültigen Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1928 wie folgt erhoben: a) mit 40 Pf. von je 100 Mk. Steuerwert vom Anlage- und Betriebskapital mit Ausnahme des land- und forstwirtschaftlichen Anlage- und Betriebskapitals: b) mit 1 80 Mk. von je 100 Mk. Steuerwert vom Ge- vergebung von Arbeiten und Lieferungen. Für die Verlegung, sowie für den Neubail einer Transformatoren st ation in Wieseck wurde ein Betrag von 7100 Mark unter der Vor- Rachdruck auch mit Quellenangabe verboten! Washington, April 1929. Die rücksichtslose Beschießung von mehr oder weniger verdächtigen Schiffen durch die aus Alkoholschmuggler jagenden amerikanischen Zollboote ist nicht die einzige merkwürdige Folge des Alkoholkrieges der U.S. A. Es dürfte interessieren, wie die Prohibitions- polizei mit den Diplomaten umspringt. Den enragierten Trockenheits-Aposteln ist die Immunität der diplomatischen Vertreter des Au slandes in Washington auch vor dem Prohibitionsgesetze von jeher ein Dorn im Auge gewesen, und es vergeht selten ein Tag, an dem man nicht in einer amerikanischen Zeitung eine Anrempelung der Botschafter und Gesandten lesen konnte, die anderwärts ein Auswärtiges Amt mindestens zum warnenden Ausdruck seines „Befremdens" an die Schriftleitung veranlassen würde, auch ohne daß die Diplomaten diese Amtsstelle erst daraus aufmerksam machten. — Es steht nicht fest, ob Neuyork, Chikago oder Washington Anspruch darauf erheben kann, als die „nasseste" Stadt in den Vereinigten Staaten zu gelten, aber auf jeden Fall wird die Bundeshauptstadt mit in die erste Reihe gestellt. Die Schnapsschieber, die Whiskyschleichhändler und Konsorten machen sich die Anwesenheit des diplomatischen Korps insofern zunutze, als sie auch den scheußlichsten Fusel als „Botschafter- Schnaps" verkaufen, den sie „direkt vom Bedienungspersonal" dieser oder jener „Embassy" ober „Legation" gekauft haben wollen. Wenn an dem Zeug überhaupt etwas echter Import ist, so ist es — in ganz seltenen Fällen — nur die Flasche mit dem Klebezettel, die man aus dem Mülleimer herans- gefischt hat. Gewöhnlich ist nicht einmal sie echt, denn Flaschen, Etiketten und Verpackung lassen sich überall nachahmen, wo es Glasbläsereien und Druckereien gibt. Zur Zeit wird die „Trockenlegung" Washingtons mit ganz besonderem Eifer betrieben. Namentlich seitdem Präsident Hoover in seiner Antrittsrede so entschieden für strengere Beobachtung aller Gesetze, besonders des Alkoholverbots, eingetreten ist. Die Polizei der Hauptstadt hat schon vor einigen Wochen die fremden Diplomaten darauf aufmerksam gemacht, daß sie in Zukunft jedes mit für Botschaften und Gesandtschaften bestimmten Getränken beladene Lastauto, das nicht von einem mit den nötigen Jmmunitäts-Kreditiven bewaffneten Attache begleitet ist, anhalten, die Fahrer verhaften und die Getränke beschlagnahmen wurde. Daß der Beauftragte der Botschaft in einem Privatauto hinterher fahre, genüge nicht, er müsse selbst mit auf dem Lastwagen sitzen. Die erste unter diplomatischem Geleit in Washington einziehende Schnapsfuhre kam letzte Woche ungefährdet an ihr Ziel, zwei Tage später ober wurde eine andere, von einem Sekretär der siamesischen Gesandtschaft begleitete, von einem Motorrad-Polizisten angehalten und nach der nächsten Revierwache dirigiert. Der Gesandtschaftssekretär wies zwar seine Papiere vor, aber wer sich auch nur flüchtiger Bekanntschaft mit der Washingtoner Schutzmannschaft „rühmen" kann, der weiß, daß man diesen Herrschaften mit Diplomaten-Ausweisen nicht zu imponieren vermag. Der Lenker des Kraftwagens, ein Amerikaner nebenbei, und fein Gehilfe wurden auf die Anklage der Verletzung der Bundes- Verfassung, die „Herstellung, Verkauf und Transport" von Spirituosen verbietet, unter je fünfhundert Dollar Verhörsbürgschaft gestellt.* Die Getränke konnte man nicht gut mit Beschlag belegen. Ein Beamter der Prohibitionsabteilung des Schatzamtes versuchte dann, den leeren Wagen, der bei dem Verhör der Fahrer als corpus delicti vorgeführt werden muß, eigenhändig nach einem Regierungsschuppen zu steuern, blieb Werbeertrag. x Die Stadtratsmitglieder Ricolaus (W.Vg.) und Kreiling (Dt.Vp.) erklärten sich trotz mancher Bedenken mit der Vorlage einverstanden, behalten sich aber vor, Abänderungsantrüge auf Milderung der Steuer zu stellen, sobald sich bei der Durchführung der Veranlagung - billige Härten für das ohnehin schon schwer Steuern belastete Handwerk ergeben. Dem Entwurf einer Ortsfahung über die Hebung einer Filialsteuer in Gießen wurde bei Stimmenthaltung der Soziatdemoiratie zugestimmt. Rach dem Entwurf sind zur Zahlung einer besonderen Gewerbesteuer (Filialsteuerverpflichtet die Ver"Drangs-, Bank-, Kredit- und Warenhandelsu. .eenehmen, die im Gemeindebezirk, ohne in ihm ihren Hauptbetriebs- fitz zu haben, Detriebsstätten unterhalten. Die Filialsteuer wird in der Form eines Zuschlags zur gemeindlichen Gewerbesteuer erhoben und beträgt: a) für Versicherungsunternehmungen, b) für Bankunternehmungen, c) für Kreditunternehmungen. d) für Warenhandelsunternehmungen je 100 v. H. der allgemeinen Gewerbesteuer. Mehrere Filialgefchäste eines Gewerbetreibenden in der Gemeinde gelten als ein Ganzes. Die Ortsfahung soll mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft treten, mit dem gleicheir Tage wird die Ortsfahung vom 5. Dezember 1927 Oer Schnaps der Diplomaten. Ein Kapitel zur Verschärfung des Alkoholkrieges in Ll. G. A Von unserem A. G. A.-Berichterstatter. Ausstellung in gesunden und kranken Tagen". Juni 1929 beabsichtigte Vorführung der Ausstellung „Der Mensch" in der Dolkshalle wurde eine Garantiesumme von 1000 Mark bewilligt. Die Mittel sollen, wenn sie überhaupt zu zahlen sind, je zur Hälfte aus der Stabt taffe und der Kasse des Wohlfahrtsamts entnommen werden. Das Kasperle-Theater lebt noch! Von Franz Hessel. Das beste und dankbarste Publikum hat der Kasperle. Richt nur. daß es „mitgeht", es spielt mit, es greift in die Handlung ein. Selbst die winzigsten unter den kleinen Leuten, bei denen ich als zugelassener Erwachsener in der Aula eines Berliner Gymnasiums sah, scheinen mit der Kasperleliteratur so vertraut zu sein, wie das Volk von Athen mit der Sagenwelt, aus der ihm ie- weils ein Stück vorgeführt wurde. Sie wissen, wie es weitergeht, und freuen sich doch festlich. Das Warten schon ist schön. Immer wieder zuckt und ruckt der rote Vorhang der kleinen Bretterbühne, hinter der die Pfeifen der Schulorgel rechts und links vorschauen. Da gibt es alle formen der seligen Aufregung. Kleine Mädchen sitzen still und heiß mit ihren Zöpfchen und Schleifen, manche Jungen fangen an zu raufen, freche rufen. Kasperle, Kasperle!, schüchterne nagen geduckt an den Rägeln. UnD ein blasser Altkluger erzählt einem Herrn Lehrer, was er von Kasperle weiß, hat Locken wie eine Frau", sagt er. Als endlich der Vorhang aufgeht, singen alle erst geduldig das Volkslied mit, das Meister und Meisterin des Spiels, zwei junge, liebenswürdige Menschenkinder mit Mandolinenbegleitung anstimmen. Dann erscheint — wie tn Goethes ..Faust" — als erster der Theaterdirektor und fragt die Kinder, was heut gespielt werden soll. Man entscheidet sich für das sinnreiche Spiel von von der Zauberflasche, die man immer billiger verkaufen muß, als man sie gekauft hat, und deren letzten Besitzer der Teufel holt. Kasperle, so strudellockig und übermütig er daherkommt, ist doch ein vernünftiger Berliner. Rachdem er die Flasche gekauft und mit Hilfe der Kinder für seine Gretl und sich Haus und Hof und Malzbonbons gezaubert hat, bringt er das gefährliche Objekt mit Hilfe der Kinder, die ihm schon einen Käufer wissen, wieder an den Mann. Ms ihn dann Gretl Pilze suchen schickt und er fragt: ,Wo ist denn hier ein Wald?', überzeugen sie ihn mit siegreicher Illusion, daß das grüne Tuch Wald fei. Er will einen Pilz kosten. Die Kinder warnen: .Giftig, giftig 1' Ach. nun hat er schon gegessen. Sie rufen: .GretlI" Und als sie kommt: .Den Doktor holend Aber der ist im Kino. ,Die Zauberflasche voni Zirkusdirektor zurückkaufen'. Gretl und die Kinder zaubern mit .Hopdi, Popdi! Eins, zwei, drei!' Kasperle wieder 1928. - (Sine neue Filialsteuer. Die Stadtratsmitalieder Horn (Dt.Vp./und Balzer (Wirtfch. Vgg.) begrüßten die Vorlage als gerechten Ausgleich gegenüber dem einheimischen Gewerbe, das durch die Filialbctriebe^ der großen auswärtigen Unternehmungen geschädigt werde. Stadtratsmitgl. Mann (Cda.) wies darauf hin, daß feine Fraktion früher diese Steuer ab- gelehnt habe, weil sie eine ungleichmäßige Belastung darstelle. Auf diesem Standpunkt werde feine Fraktton beharren und Sttmmenthaltung üben. volkshalle und Sfabt. Auf Antrag des Finanzausschusses wurde der Fehlbetrag des Volkshallevereins für da« Geschäftsjahr 1928 mit 11202,14 Mk. auf die Stadtkasse übernommen, und zwar der Betrag von 3128,82 Mk. endgültig, und der Betrag von 8073,32 Mk. zunächst vorlagsweise. Der Berichterstatter, Stadtratsmitgl. R i c o - laus, betonte, daß Der Volkshalleverein im verflossenen Iahre nicht soviel eigene Veranstaltungen wie früher veranstalten konnte und daher Der Cinnahrneaussall entstanden fei. obwohl Vereine die Volkshalle rege benutzt hätten. Qlber der Ruhen, den die Volkshalle bisher der Stadt Gießen gebracht habe, rechtfertige die ilebernabme dieses Zuschusses. Von ihrem Bestehen bis heute seien durch Veranstaltungen in der Dolkshalle Der Stadt an Vergnügung^, steuer 8356,95 Mk., der elektrischen Straßenbahn durch gesteigerte Freguenz an Fahrgästen 51 871 Mark zugeführt worden. Dazu komme noch der Vorteil, Den Die Gießener Geschäftswelt durch Den großen Zustrom von Fremden in direkter und indirekter Form erzielt habe, Denn die Zahl der Ortssremden bei Veranstaltungen in Der Volkshalle werde ganz vorsichtig auf mindestens 120 000 Personen geschäht. Der Vorlage wurde debattelos und einhellig zugestimmt. aber im weichen Grund im Hof hinter Der siamesi- schen Gesandtschaft stecken. Was ihn nicht gerade in gehobene Stimmung versetzte. Denn er und ein Polizist hatten vorher die sechzig Kisten abladen und in Den Keller tragen müssen, weil das Bedienungs- personal der Gesandtschaft dies mit dem Bemerken, Ablieferung ins Haus sei mit dem Baltimore«: Fuhrunternehmer, Der Die SenDung herübergeschafft, vereinbart, höflich aber bestimmt ablehnte. Mit Diesem Vorfall ist das Diplomatenschnapsproblem in Washington so akut geworben, Daß Das Staatsdepartement nicht länger bei seiner Politik des Nichldranrührens bleiben konnte. Nun mußte sich der nervöse Papa Kellogg noch kurz vor seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Amt Des Staatssekretärs mit so was abplagen. Aber, was tut man nicht um des lieben Friedens willen! Daß die Diplomaten über den Geniestreich der Washingtoner Polizei entrüstet sind, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Ihr Aerger wird nur von dem Interesse daran übertroffen, was das Endergebnis Der Angelegenheit fein, ob die Frage der Berechtigung des diplomatischen Korps auf ungehinderte Ein- und Zufuhr ihrer Wein-, Schaum- wein- und Likörsendungen endlich und endgültig klargestellt werden wird. Amtlicherseits wird natürlich aufs bestimmteste in Abrede gestellt, daß irgendein hoher Beamter es auf einen Vorstoß gegen die Immunität der diplomatischen Vertreter des Auslandes abgesehen habe, aber so ganz ohne scheint die Sache denn Doch nicht zu sein, denn es wurde gleich nach Bekanntwerden der Affäre behauptet, der Vorstoß gegen Das Ge- setz liege Darin, Daß Der siamesische GesanDtschafts- sekretär das Auto — es handelte sich um einen großen, geschlossenen Möbelwagen — nicht s e l b st g e ft e u e r t habe! Es wird sich für die Auswärtigen Aemter außerhalb Der Vereinigten Staaten in Zukunft empfehlen, ihren Diplomatischen Nachwuchs auch als Lastwagenkutscher auszubilden — für einen Washingtoner Posten Dürften solche Fähigkeiten mit der Zeit unentbehrlich werden. Prohibitionskommissar James M. Dor an wusch seine Hände in Unschuld, er erklärte, seine Agenten seien an dem siamesischen Fall nicht beteiligt und in der Haltung seines Bureaus gegenüber dem „Spiritus" Der Diplomaten sei keine AenDerung eingetreten. Im StaatsDepartement war man ob Des Zolles ganz konfus geworden. Herr Kellogg war abwesend: seine Beamten erklärten, es sei selbstverständlich ihre Aufgabe, Die Rechte Der Diplomaten wahrzunehmen, man wisse aber momentan leibet nicht, wie man sich in Dieser Angelegenheit zu verhalten habe. Man machte sich auch Sorgen, Daß Das Ausland Uebergriffe dieser Art mit Gegenmaßnahmen vergelten, daß da und Dort amerikanischen Konsulatsbeamten Das Privilegium Der untersuchungslosen und zollfreien Einfuhr von Gepäck, Lebensmitteln usw. entzogen werden konnte. Da die siamesische Gesandtschaft ihre Sendung schließlich doch noch erhalten hatte, ward sie nicht beim Staatsdepartement vorstellig. Als Herr Kellogg aus Neuyork, wo er das Wochenende in Privatgeschäften verbracht hatte, zurückkehrte, wurde er natürlich sofort von den Pressevertretern ausgesucht. Er ließ ihnen Mitteilen, daß er eine allgemeine Untersuchung des Diplomatenschnapsproblems angeorDnet habe, um einen Ausweg zu finden, aus Dem sich weitere Zusammenstöße mit Der Polizei und Den Prohibitionsagenten vermeiden ließen. Man faßte diese Erklärung dahin auf, daß er mog Uchen Vorstellungen der Siamesen zuvorkommen will. Es dürfte ihm hinterbracht worden fein, daß die Diplomaten diese Schikaniererei und all der unangenehmen Abenteuer mit Den Trockenheitsschergen nachgeraDe müde sind und in die siamesische Gesandtschaft bränaen, es endlich mal auf eine Probe ankommen zu lasten. Oie Wafferspiele. Von Anton Schnack. Die Wajserspiele in den Städten springen nun wieder zum ersten Male mit ihren hohen schlanken Silberfäulen. Hinauf zu Den Wolken. Hinauf zu Den Fetzen junger Himmelsbläue. Hinauf in das Unendliche. Wenn die Wafserfpiele steigen, kommt fröhlicher Glanz in die Stadt. Wenn Die Wasserspiele rauschen, weht eine zarte unD schöne Musik durch Die Straßen. Große und kleine Städte haben ihre Wasserspiele. Wasserspiele der Welt, seit gegrüßt. Ihr herrlich blauen und blitzenden Wasserspiele des Südens, in Genua, Nizza, Monte Carla, in Marseille und Lissabon, in Barcelona und Neapel, göttliche Brunnen voll Schönheit und Silber, seid gegrüßt. Wasserspiele der Gärten, der Märkte, der Höfe und Plätze, der Alleen und Parks, Wasserspiele im Wind, in Sonne, zur Mitternacht und im Abend, ich liebe euch. Euch lieben mit mir die Sehnsüchtigen und die Unruhigen, die Wanderlustigen und die Träumerischen, die Kinder und die Müden. Sehe ich Wasserspiele, so möchte ich Fürst des achtzehnten Jahrhunderts gewesen sein. In meinen Lust gärten hätten hunderte von Röhren Silber gespien. Sie wären gesprungen Tag und Nacht. 'Nachts hätte ich sie vom Monde beleuchten lassen ober von roter und wilber Fackelglul. Meine gelockte Geliebte, Mabemoiselle Florine, hätte barob sich herrlich gefreut und klingend gc lacht Waren wir Menschen manchmal wie Wasserspiele so leicht und hoch, so rein und silbern. Immer in dem Wufftieg nach Wolken, Sternen und Unend kichern. Aber wir sind dumpf und schwer. Verstrickt an die Gewalt und Niedertracht der Sorge, der Arbeit und des Bösen. Ich möchte vor meinem Fenster eine blaue und silbersprühende Fontäne haben. Aber ich schaue nur gegen verschlossene finstere Häuser. Finstere verschlossene Häuser mit müden Menschen schauen mich an. Und ich denke heiß und sehnsüchtig: oh, wenn nur morgen wieder das Wasserspiel gegen die Himmelsbläue spränge ... lebendig. Aber wie jetzt die Flasche loswerden? »Seeräuber, Seeräuber' schreien die Kinder, die aUes wissen. Run kommt eine bemerkenswerte Ruance: Die Flasche kostet nur noch einen Pfennig. »Soll ich dem Seeräuber das vom Teuselholen sagen? fragt Kasperle die Kinder beiseite. Einige rufen: „Rein, sag's ihnr nicht," andre und Kasperle selbst haben moralische Bedenken. Wir sind alle verlegen und besorgt. Als dann Kasperle dem Seeräuber die Wahrheit sagt, löst der zu unser aller Freude den Knoten mit der Erklärung: „Ach, ich komme sowieso in die Hölle. Ich habe schon soviel seegeräubert!" Und nun kann Kasperle mit seiner Gretl tanzen und die Kinder singen dazu. Und dann wirft er den Kopf zurück und ruft: „Auf ---“ und als er ihn vorschleudert, rufen die Kinder: „Wiedersehn!" Und noch draußen die nasse Koppenstraße entlang zaubert die kleine Gesellschaft weiter: »Hopdi, Popdi, eins, zwei drei!' Wenn die auswärtigen Diplomaten in Washing ton auch Diesmal nicht auf Klärung Der Situation bestehen, so wird Die Sache wahrscheinlich im Sande verlaufen. Natürlich sehen sie sich in einer etwas heiklen Lage, sie können nicht ohne weiteres Dem StaatsDepartement Vorschlägen, baß es ben unaus- hörlichen Scherereien damit ein Enbe madje, baß es Die Einsperrung unb Arntsentsenbung Der PoU giften unb Prohibitionsagenten, bie sich Uebergriffe zuschulben kommen lassen, veranlasse. Der mexi kanische Botschafter, Don Manuel C. Te11ez, er klärte ben Pressevertretern, er habe erst vor Drei Tagen eine Sendung Getränke „auf Dem gewöhnlichen Wege" erhalten, in Zukunft roerDc es aber vielleicht ratsam fein, s i ch eines Flugzeuges zu beDienen. Ein anderer angesehener Diplomat jagte, wenn er bie nächste Sendung aus der Heimat erwarte, werde er sich sofort an Das Staats Departement um Den nötigen Schutz wenden. Wenn Die amerikanische Regierung nicht wünsche, Daß Die Vertreter Des AuslanDes ihren Gästen zum Diner ein Glas Wein vorsetzen, so möge sie bas Den Diplomaten mitteilen, er zuminbest werbe sich Dann Daran halten. Vogelkot, zieht in die Rase, und schon erhebt sich brausend ein Riesenschwarm von schweren Vögeln in die Luft. Roch ein paar Schritte und ich stehe vor einer Kolonie, die etwa einen Durchmesser von 30 bis 40 Meter haben dürfte. In der Luft kreisen Hunderte von alten Reihern, und in den zahlreichen Restern wimmelt es durcheinander. Wie ich sehe, wird überall genistet, auf Weiden wie auf geknicktem Röhricht und auf dem Boden, je nach dec Artzugehörigkeit und auch manchmal nach Bedarf und Raummöglichkeit. Aus einem der Bäume sehe ich in Augenhöhe die Rester vom Löffler und Rächt« reiher. Schopf-, Purpur- und Fischreihernester werden sichtbar, und wenn man noch tiefer in den Sumpf eindringt, hat man das seltene Glück, des geradezu königlichen Reihers, des herrlichen Silberreihers, ansichtig zu werden. Zu Füßen der Rester fand ich nicht selten eine^roße Anzahl kleiner Fische, welche die OUten Toren halbflüggen Iungen fürsorglich hingelegt hatten." Professor Schmid brachte eine Anzahl von Iungen nach der Station: sie waren noch stark wärmebedürftig, legten aber bald alle Scheu ab und saßen später, als sie flügge geworden waren, oft auf seiner Schulter. Sie ließen sich auch ruhig gefallen, wenn sie zur Gewichtbestimmung auf die Waage gebracht wurden. Der tägliche Fraß der kleinen Tiere machte einen erheblichen Bruchteil des Gesamtgewichtes aus. und schließlich nahmen «nanche Arten innerhalb von 24 Stunden soviel Fischnahrung zu sich, wie das eigene Körpergewicht betrug. Die Reiher, die allgemein als scheu gelten, gewöhnten sich so vollständig an den Gelehrten, daß sie jegliche Rahrung nur von ihm erwarteten und ihn bei der Verteilung wie kleine Hühnerküken umstanden: gegen Fremde blieben sie weiter scheu. Von ihren Sinnesorganen sind besonders Auge und Ohr entwickelt: sie, vernehmen leiseste Geräusche und können im Dunkeln die Stimme ihres Herrn von der jeder andern Person unterscheiden. Auf den Zuruf Schmids antworten sie in ihrer Sprache. Geringste Bewegungen von kriechenden und laufenden Tieren werden unmittelbar wahrgenommen, Gestalten von bekannten und unbekannten Personen auf größere Entfernung unterschieden. Die Reiher haben im Gegensatz zu der bisherigen Annahme verschiedene Töne in ihrer Stimme, freilich sind einzelne Arten lauter als andere. Eine berühmte Reiher-Kolonie. Der Plattensee in Ungarn, der größte aller mittel- und südeuropäischen Seen, birgt noch so manches naturgeschichtliche Geheimnis, besonders in seiner reichen Dogelwelt. Die hier vorhandene Reiherkolonie hat seit dem Iahre 1835, in dem sie der berühmte deutsche Vogelkenner R a u nt a n n besuchte, einen Weltruf. Seit drei Iahren besteht am Plattensee zu Füßen der tausendjährigen Benediktiner-Abtei auf der Halbinsel Tihany ein biologisches Forschungsinstitut, und mit Unterstützung dieser Anstalt hat jetzt der bekannte Münchner Tierpsychologe Professor Bastian Schmid die jungen Reiher studiert und der Kolonie einen Besuch abgestattet, von dem er in der Leipziger „Illustrirten Zeitung" erzählt. „Das Ziel ist nicht gerade einfach zu erreichen," schreibt er. „Wenn man vom Südende des Sees aus mit dem Kahn gegen zwei Stunden lang aufwärts gerudert und in die Seitenkanäle vorgedrungen ist, dann heißt es, den pfadlosen Weg durch den riesigen Sumpf anzutreten und, bis zu den Knien, mitunter bis zu Den Hüften im Wasser stehend, sich fortzu- schleppen. Immer deutlicher werden Warn- und Lockrufe der alten Reiher, allerlei Freß- und Angstlaute der Jungen Dringen an unser Ohr. Da lichtet es sich. Ein fauler Geruch nach Der- Dorbencn Fischen, vermischt mit jenem nach JA! weil sie leicht durch HEBELZUG zu bedienen ist. einfach WUNBIR6 Generalvertretung für Gießen und Umgegend: Ing. R. Güngerich & Co., Gießen, Liebigstraße 58, Fernruf 4186 Nämlich dann, wenn Sie HENSCHEL -LASTWAGEN oder -OMNIBUSSE fahren Ihr Fahrer bremst dann Ihren Wagen mit der H E N S C H E L - M 0 TO R B R E M S E billig ■■■■»weil sie kemeBREMSBELAGEbeanspvucht unddi eANTRIEBSTEILE des Wagens wegenderweichen Bremswirkung schont, gefahrlosMweil sie die HERABSETZUNG der FAHRGESCHWINDIGKEIT in stoßfreier, elastischer Weise ermöglicht Kein Blockieren der Räder1 Sehr wichtig für lange Talfahrten1 Überzeugen Sie sich bitte bei einer für Sie unverbindlichen Probefahrt. Daten für Freitag, 3. Mai. 3. Mai 1469: der italienische Staatsmann und Geschichtsschreiber Riccolo Macchiavelli in Florenz geboren (gestorben 1527); — 1761: der Dichter August von Kotzebue in Weimar geboren (gestorben 1819). Aus dem Amisverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 2 9 vom 30. April enthält: Reichssteuerüber- weisungen. — Verhütung von Waldbränden. — Feldbercinigung Rabertshausen^ — Polizeiver- ordnung über die Reinigung der Straßen und das Wegschaffen des Mülls in der Stadt Gießen. — Dienstnachrichten. oussetzung bewilligt, daß die Gemeinde Wieseck zu' den Baukosten einen Zuschuß von weiteren 6000 Mk. leistet. Die erforderlichen Arbeiten werden dem Bauunternehmer Heinrich O ß w a l d, Wieseck, zu seinen Angebotspreisen von 5009,20 Mark für die Verlegung und 4831,30 Mk. für den Neubau der Trans- formatorenstation übertragen. Für die Umschaltung der Spannung des Ortsnetzes Londorf von 120/208 Volt auf 220/380 Volt wurde ein Kredit von 14 000 Mk. bewilligt. Das Elektrizitätswerk wurde zur Vergebung der erforderlichen Lieferungen ermächtigt. Die Lieferung des für die Akkumulatorenbatterie erforderlichen Einfachzellenschalters, so- wie von drei einpoligen Ueberftromschaltern mit Fernbetätigung und eines einpoligen Ueberftrom- und Rückstrom-Ausschalters des Elektrizitätswerkes wurde zum Angebotspreise von 7035 Mark den Siemens-Schuckert-Wcrkcn - A.-G., Frankfurt a.M., übertragen. Für die Lieferung und Derlegimg von 2100 Meter Hochspannungskabel, 1000 Meter Riederspannungs- kabcl, 2100 Meter Telephonkabel wurde ein Betrag von 48 650 Mark zu Lasten des Elektrizitätswerkes bewilligt. Die Lieferung der erforderlichen Kobel wurde der Firma Vereinigte Zünder- und Kabelwerke ° A.-G., Meißen, übertragen. Für das Rechnungsjahr 1929 sind in gleicher Weise wie für das Rechnungsjahr 1928 die erforderlichen Einfach- und Doppeltarifzähler zu gleichen Teilen von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und von den Siemens- Schuckert-Werken und die Dreifachtarifzähler mit .Uhren von den Aronwerken zu Lasten des Elektrizitätswerkes zu beziehen. Das Elektrizitätswerk wurde ermächtigt, die Zähler nach Bedarf von den vorgenannten Firmen zu beziehen. Eine ganze Reihe von Arbeiten beim Reubau von Obdachlosenwohnungen an der Margaretenhütte und beim Um» und Erweiterungsbau derGewerbeschule wurde an Gießener Handwerksmeister vergeben. Die Lieferung von Zement zum Angebotspreis von 1753,50 Mk. wurde an die Firma Th. G e i l f u h , und die Lieferung von Traß zum Angebotspreis von 450 Mk. an die Firma Gebrüder Kahl, Gießen, die Lieferung von Steinzeugröhren zum Angebotspreis von 8448,20 Mk. an die Firma Sack & Llughardt, Gießen, und die Lieferung von Zementröhren zum Angebotspreis von 4420 Mk. an die Firma Dern & So. vergeben. Die Erd-, Maurer- und Dctonarbeiten zum Reubau einer Wartehalle mit Reben- «inlagen und einer Transformatorenstation an der Vv lksh al le wurden an die Bauhütte Gießen zum Preise von 19 099,19 Mk. vergeben. Stadtratsmitgl. Schwieder (D. Dp.) erinnerte bei dieser Gelegenheit erneut an die Schaffung einer Dedürfnishalle für Männer und Frauen auf Oswaldsgarten. Die Maurerarbeiten zur Reubefestigung der Wagengasse wurden an die Firma M. Abermann in Gießen zum Angebotspreis von 3180,50 Mk. übertragen. Staütrolsmitgl. Horn (D. Vp.) bot im Ramen der Anlieger, die Herstellung dieser Straße doch alsbald in Qlngriff zu nehmen, damit sie noch bis Pfingsten serttggestellt werde. ■ Die Pflasterarbeiten zur Reubefestigung des WetzlarerWegs wurden an den Unter* nehmer H. Krombach in Wetzlar zu seinem Angebotspreis von 11 177 Mk. vergeben. Die Lieferung einer Waage mit 20 000 Kilo Wiegefähigkeit wurde der Firma Schenck in Darmstadt zum Angebotspreis von 3255 Mk. übertragen. seiüeS UeberkritfeS irr den DckchLöienst alL Seifet des Frankfurter Arbeitsamtes anzeigt. Dr. Frey gedenkt in dieser Zuschrift mit warmen Worten der Jahre seiner Tätigkeit bei der Gießener Stadtverwaltung, dankt der Stadtverwaltung und den Stadtratsmitgliedern für das Vertrauen und die Unterstützung, die sie ihm bei der Erfüllung seiner Pflichten zuteil werben ließen und versichert mit besten Wünschen für Gießens weitere Entwicklung, daß er Gießen stets tn_ guter Erinnerung behalten werde. — Oberbürgermeister Dr. Keller gab dem Bedauern der Stadtverwaltung über das Ausscheiden des Herrn Dr. Frey in warmen Worten Ausdruck und betonte, daß Bürgermeister Dr. Frey sich in seiner hiesigen Tätigkeit als ein Beamter erwiesen habe, der allen seinen Obliegenheiten mit größter Sachkunde und hohem Pflichtgefühl gerecht geworden sei. Sn seinem Wirkungskreise als Leiter des städtischen Wohlfahrtsamtes habe er mit starkem menschlichen Empfinden und großem Verständnis für die Linderung wirtschaftlicher Rot gearbeitet. Er sei den Mitgliedern der Stadtverwaltung ein geschätzter Kollege und Mitarbeiter, den Beamten ein wohlwollender und gerechter Vorgesetzter gewesen. Seine Tätigkeit werde in Gießen in bester und dankbarer Erinnerung behalten werden. Er (Redner) behalte sich vor, bei einer demnächstigen kleinen Abschiedsfeier für Dr. Frey dessen Tätigkeit noch besonders zu würdigen. Weiter gab der Oberbürgermeister Dr. Keller mit dem Ausdruck lebhaften Bedauerns bekannt, daß der bisherige Stadtschulrat Professor Dr. Alles wegen Erreichens der Altersgrenze aus seinem Amte geschieden sei. Professor Dr. Alles, der erste Gießener Stadtschulrat, habe sechs Jahre lang dieses Amt bekleidet und durch seine hervorragende pädagogische Begabung, seinen Pflichteifer und seine Tatkraft einen segensreichen und nachhaltigen Einfluß auf unfer Volksschulwesen ausgeübt und dadurch unsere Stadt zu großem Danke verpflichtet. Auf Antrag des Oberbürgermeisters gab ihm der Stadtrat einstimmig die Ermächtigung, den beiden verdienten Beamten den herzlichen Dank der Stadt Gießen zum Ausdruck zu bringen. Anfragen und wünsche. Stadtratsmitglied Balzer (Wirtsch. Vg.) fragte an, wie es mit dem Fortgang des Baues des Marktlaubengebäudes stehe. Die Arbeiten seien im Frühjahr nicht wieder ausgenommen worden. Es solle alles daran gesetzt werden, daß die Arbeit so rasch wie möglich wieder in Gang komme. Beigeordneter Dr. Hamm erklärte, daß die Bauarbeit in nächster Zeit wieder ausgenommen werde. Daß die Arbeit eine Stockung erfahren habe, liege nicht an der Stadtverwaltung, sondern an dem Unternehmer. Der Bauausschuß stehe einmütig hinter der Stadtverwaltung. Mehr möchte er zu dieser Sache öffentlich nicht sagen. Stadtratsmttgl. Homberger (Soz.) regte an, eine Entlastung der gefährlichen Straßenecke Walltor-Warburger Straße dadurch herbeizuführen, daß an der Eteinstraße ein Richtungspfeil angebracht werde, der die in Richtung Frankfurt fahrenden Kraftfahrer durch diese Straße weise, damit durch die Steinstrahe über die Westanlage ein großer Teil des Kraftverkehrs um* geleitet werde. Die Anregung wurde allseitig als aussichtsreiches Mittel zur Verhütung von Unfällen begrüßt, sie soll von der Verwaltung baldmöglichst geprüft und bann, wenn irgend an-" gängig in die Tat umgesetzt werden. Stadtratsmitgl. Balzer (Wsch. Dgg.) regte an, die in der Hammstrahe liegenden und jetzt nicht mehr benutzten Schienen der Diebertalbahn zu entfernen und bei der Reichsbahnverwaltung auf die Erhöhung der Schornsteine des Reichsbahngebäudes am Wetzlarer Weg in der Räße der Brücke zu dringen, damit die Rauchbelästigung der Passanten vermieden werde. Stsdtrats- mitgl. L o e b e r (D. Vp.) empfahl die baldige H e r st e l l u n g der K l i n i k st r a ß e , die sich zur Zeit in einem sehr schlechten Zustand befinde und bet den Krankentransporten für die Kranken eine Quelle von Schmerzen sei. Beigeordneter Dr. Hamm erkannte die Berechtigung dieses Wunsches an, betonte aber, daß er durch den Zwang zum Ausgleich des Voranschlages auf möglichst niedrigem Stande zwei Drittel des Strahenbauprogramms habe streichen müssen und dem auch viele dringende Straßenerneuerungen zum Opfer gefallen seien. Wenn der Verwaltung die Mittel zur Verfügung gestellt würden, stände der Erfüllung der Wünsche nichts im Wege. Aus 6er Provinzialhaupistadi. Gießen, den 2. Mai 1929. Wie wir den Frühling erleben sollten! Es ist eigentlich merkwürdig, wie verschieden die einzelnen Menschen den Frühling erleben. Mit Freuden begrüßt wird er allerdings von allen. Wenn nach langem Winterschlaf die Ratur erwacht und durch die erwärmenden Sonnenstrahlen überall neues Leben hervorquillt, schauen zunächst die Landwirte und Gärtner froh nach den: Himmel und freuen sich, daß sie nun mit ihrer Arbeit beginnen können. Ungeduldig haben sie von Tag zu Tag gewartet und alle Vorbereitungen getroffen. Run fängt ihre Tätigkeit an. Die dampfende, jungfräuliche Erde empfängt den Samen, und mit hoffender Zuversicht harren die Landwirte auf die Ernte. Das frische Grün auf den Kleeäckern und Wiesen ist für ihre Augen eine Wohltat; denn bald können sie junges, zartes Futter für ihr Vieh holen. Wenn die Bäume blühen, denken sie an die Obsternte. Die Blumen am Rain und auf den Wiesen beirren sie nicht in ihrer Arbeit. Sie erleben den Frühling — wenn man so sagen darf — rein praktisch. Sie haben ihn nötig wie das tägliche Brot. Ganz anders schauen die Schönheitssucher nach den sprossenden, blühenden Pflanzen. Ihr Auge s ch w e l g t in den zarten Farben, ihr Ohr lauscht auf den Gesang der befiederten Sänger. Mit allen Sinnen nehmen sie andächtig die ganze Pracht der schönen Frühlingstage in sich auf. Sie genießen den Frühling. Und die Kranken, die sich kümmerlich durch den Winter geschleppt haben, was erwarten sie nicht alles von den warmen Tagen, von dem Glanz der Sonne! Wie sie sich behaglich in ihrem Lehnstuhl, den sie in den Garten tragen ließen, ausstrecken! Leicht gerötet sind ihre Wangen von der Sonnenwärme, noch mehr von der Freude, daß sie wieder hinaus tonnen ins Freie, aus der dumpfen Stube in die frische, gewürzige Lust. Sie hoffen, daß ihnen der Frühling wieder volle Gesundheit und Lebensfreude zurückgibt. Die Dichter aber, und solche, die es werden wollen, wie schwelgen sie in ihren Empfindungen! Wie formen sich bei ihnen die Worte zu Versen, zu Strophen! Der Wohllaut ihrer Reime läßt sie die Schönheit ringsum vergessen. Ein Vogelruf, ein Veilchen entzückt sie und reizt zu neuen Versen. Sm stillen Kämmerlein werden dann die Entwürfe der Frühlingsgedichte geprüft, ausgewählt und gehörig gefeilt. Zu feiner Jahreszeit werden uns Gedichte in solcher Zahl „geschenkt" als in den Frühlingstagen. Auch der Maler steht vor seiner Staffelei und schaut und mustert. Sein entstehendes Bild fesselt ihn mehr und mehr. Die Frühlingswunder ringsum möchte er /bannen auf seine Leinwand und kommt vor lauter Eifer nicht zum Sichversenken in die Schönheit der Ratur. Alle miteinander fühlen sich gewissermaßen erhaben über den Frühling, über die uns umgebende Ratur. Sie gehen dahin, erfüllt von den Gedanken an ihre Arbeit... in schwelgerischem Genießen... in Worten stammelnd und der eigenen Liebe gedenkend... Aber den Frühling erleben sie alle nicht! Wenn wir uns nicht eins fühlen mit Wald und Feld, mit blühenden Bäumen _ unö duftenden Blumen, jubilierenden Vögeln j und gaukelnden Schmetterlingen, wenn wir nicht fühlen, daß wir Menschen doch nur ein Teil des Ganzen sind, dann sehen wir wohl den Frühling, aber er zieht nicht in unser Herz ein, wird nicht zum Erlebnis. Den Frühling muß man in sich aufnehmen wie ein kleines Kind, das mit Ungestüm die blumenreichen Wiesen umarmen und ans Herz drücken möchte. Es steht noch nicht „über der Sache", sondern mitten darin. Es hat den „erhöhten Standpunkt" noch nicht errungen, Gott sei Dank! 2hm sind Blumen, Käfer, Schmetterlinge und Vögel liebe Spielgenossen, Kameraden, mit denen es spricht, lacht und spielt. Die Fäuste voller Blumen, ein Kränzchen auf dem Kopf, so nimmt es in greifbarer Form den Frühling an sich. Am sonnigen Rain ein Purzelbaum, ein Rachahmen der Vogelstimmen und eine kurze Jagd auf fliehende Hasen, ein Pfeiflein vom Weidenbaum und ein frohes Lied, das in den aufhorchenden Wald geschmettert wird, all das legt Zeugnis davon ab, wie frische Kinder den Frühling begrüßen. Und auch wir müssen in diesem Gesühl, daß wir nichts Besonderes, sondern nur ein winziges Teilchen der uns umgebenden Ratur sind, den Frühling erleben. Das erst weckt auch in uns die rechte Freude über das Wachsen und Blühen ringsum und gibt uns fröhlichen Mut zu neuer Arbeit. P- Gießener Wochenmarktpreisc Es losteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 50; Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 bis 30; gelbe Rüben 20 bis 25; rote Rüben 20 bis 30; Spinat 40 bis 50; Spargel 130 bis 160; Unter-Kohlrabi Vougefuche. Die Baugesuche von Wilhelm Hainer, Ost- anloge 7, zur Errichtung eines Werkstättenge- bäudes, H. Heyne, Walltorstraße 5, zu einem Hallenbau und des Konsumvereins zu baulichen Veränderungen am Hause Asterweg 6 wurden antragsgemäß befürwortet. Instandsetzung einer Lagerhalle. Für die Beseitigung baulicher Mängel an dem an die Keramchemie G. m. b. H. Gießen verpachteten Fabrikationsgebäude an der Margaretenhütte wurde ein Betrag von 3000 Mk. zur Verfügung gestellt. Die Stadtverwaltung wurde ermächtigt, den Vertrag mit der Keramchemie ab- zuschliehen. Reue Baufluchtlinien in der Stephansmark. Dem Plan über die Aenderung von Baufluchtlinien im Gebiete der Stephansmark (Ecke Gnauth- straße, Dismarckstraße und Schiffenberger Weg) wurde zugestimmt. Reubefestigung in der Kaiserallee. Die Reubefestigung der Kaiserallee vom Ollten Rödger Weg bis zum Schützenhaus mit Klein- vflaster wurde genehmigt und der erforderliche Kredit von 105 000 Mk. aud den im Voranschlag für 1927 vorgesehenen und verfügbaren Mitteln bereitgestellt. Abschied zweier verdienter Beamten. Unter „Mitteilungen" verlas Oberbürgermeister Dr. Keller ein Schreiben des bisherigen Bürgermeisters Dr. Frey, in welchem dieser den Rücktritt von seinem Bürgermeisteramt infolge 10 2fr FeWfÄÄ 200 big 250,- Tomaten 80 bis 100; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 50 bis 120; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 60; Kartoffeln 6; ausl. Aepsel 40 bis 80; inl. Aepfel 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Russe 70 bis 80; das Stück: Tauben 90 biS 100; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 100 bis 150; Salat 20 bis 40; Salatgurken 80 bis HO; Lauch 10 bis 20; Sellerie 20 bis 100; das Bund: Radieschen 20 bis 25 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 5,50 Mark. * ** Zum Schutze des Waldes. Das Kreis» omt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsverkün- bigungsblatt eine Bekanntmachung, in der es zur Verhütung von Waldbränden darauf hinweist, daß das Rauchen und Feueranmachen in Waldungen und auf Heiden, sowie im Umkreis von. 20 Meter davon auf die Dauer von vorläufig vier Wochen verboten ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis zu 300 Mark bestraft. Auch das An- zünden von Hecken und Gras in der Nähe des Waldes ist streng verboten. " Der Verkehr auf dem Wochen- markt. Das Polizeiamt weist nochmals auf die am 25. Märrz erlassene Polizeiverordnung über die Regelung des Verkehrs auf dem Wochen- Marktplatz in Gießen hin und erwartet, daß die Bestimmungen nunmehr von den Verkäufern und insbesondere auch von dem den Markt besucheirden Publikum strengstens befolgt werden. Ra- mentlich ist das Befahren des Wochenmarktplatzes während der Marktzeit mit Fahrzeugen alter Art, einschließlich Kinder- und Handwagen, sowie das Reiten, Viehtreiben und Mitführen von Fahrrädern verboten. Verboten ist ferner das Mitbringen und llmherlaufenlassen von Hunden auf den Marktplätzen während der Marktzeit, sowie das 11 eberschreiten der auf der Erde auS- gebreiteten Waren. Die Polizeibeamten, die feit Inkrafttreten der Polizeiverordnung belehrend und ermahnend vorgegangen sind, haben nunmehr Anweisung, gegen alle die Bestimmungen dieser Polizeiverordnung übertretenden Personen mit Strafanzeigen Vorzugehen. ** Verlängerung der Hegezeit für Rehwild in Hessen. Der Minister des Innern hat aus Anlaß der schweren Schädigungen des hessischen Rehwildbestandes durch den letzten Winter am geordnet, daß die Hegezeit der Rehböcke in Hessen im laufenden Jahre bis zum 31. Mai verlängert wird. Die Schußzeit beginnt also erst am l.Funi. ** Sonderzug von Gießen nach Berlin zur Ausstellung „Gas und Waffe r". Vom Städtischen Gas- und Wasserwerk Gießen und dem Hapag-Reisebureau wird uns mitgeteilt, daß am 30. Mai von Gießen nach Berlin zur Ausstellung „Gas und Wasser" ein Sondcrzug fährt, um weitestgehenden Kreisen durch Fahrpreisermäßigung die Besichtigung der für jeden Gasverbraucher inter clsonten Ausstellung zu ermöglichen. In anschau kicher', allgemeinverständlicher Form werden dort die Verwendungsmöglichkeiten des Gases, die Gaserzeugung, die benötigten Rohstoffe und anfallenden zahlreichen wirtschaftlichen Nebenprodukte vor Augen geführt. Die Zentralversorgnung der Städte mit ein wandfreiem Wasser als Grundlage für deren Entwicklung und für die Gesundheit der Einwohner, die ganze Frage der Wasserversorgung, -Untersuchung und -behandlung, speziell auch die Hygiene des Trinkwassers und Badewesens, wird zeigen, welche Bedeutung dem Element „W a s s e r" zufällt. Diese gewaltige, in die kleinsten Einzelheiten führende Schau ist auf dem 50 000 Quadratmeter umfassen den Ausstellungsgelände aufgebaut worden. Die Reichshauptstadt ist ferner bemüht, ihren Gästen während der Ausstellnngsdauer mit einem großen Weltstadtprogramm und den vielen Reizen ihrer schönen Umgebung zu dienen. Besonderen Reichtum an Darbietungen auf dem Gebiete der Oper, des Theaters und der Musik werden aber diejenigen Gäste vorfinden, die ihren Ausstellungsbesuch in die Zeit von Ende Mai bis Ende Juni legen, d. h. in die Wochen der „Berliner Festspiele 1929". Näheres teilt die heutige Anzeige des Städtischen Gas- und Wasserwerkes mit. ** Schulpersonalien. Ernannt wurden der Lehrer Johann Fischer zu Ilbeshausen, Kreis Lauterbach zum Lehrer an der Volksschule zu Schwabsburg, Kreis Oppenheim; der Lehrer Heinrich Lichtenstein zu Grebenau, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Offenbach; der Lehrer Wilhelm Roddewig zu Munster, Kreis Friedberg, zum Lehrer an der Volksschule zu Butzbach, Kreis Friedberg; der Lehrer Heinrich Michel zu Bernsburg, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volks- schule zu Wisselsheim, Kreis Friedberg. ** Eine Werbewoche des Reichsbun des deutscher Kürschner findet gegenwärtig allenthalben im Reiche statt. Auch die hiesigen Pelz Warengeschäfte haben sich dieser Werbeoeranstaltung angeschlossen und ihre Schaufensterauslagen dement sprechend hergerichtet. Im heutigen Anzeigenteil machen zwei einschlägige Firmen auf die 3e» mühungen aufmerksam.________________________. Verstopfung ist eine Qual und schädigr den Organismus. Nehmen Sie abends 2 H e r b e r' K e r n e, die auch bet längerem Gc brauch ihre Wirkung nicht verlieren. Herber.Kerne erhalten Sie schon in Mengen von 30 ^rnnm in den Apotheken. l**60^ das Pfund. Sie schädigen sich selbst, wenn. Sie heute noch glauben, Margarine sei minder, gut als Buffer. Eine hochwertige Margarine wie „Alma* besitzt den gleichen Nährwert, den gleichen Geschmack und, die gleiche Bekömmlichkeit und ist eben so vielseitig verwendbar v- aber sie kostet weniger als die Hälfte. Warum, geben Sie also unnölig Geld für ein Vorurteil aus? „Alma, die Margarine für Alle" ist eine neue Margarine für wirtschaftliche Hausfrauen: sie wird in den bekannten Blauband Werken hergestellt und kostet nur W i Ahm DIE MAttCA R. I N E FÜR AU-E m—rr Man beachte unsere Schaufenster! Die Gießener Heizhäuser Georg Schultheis A. Kretschmar Marlisirciße 3 3945D VIM 5 Prozent Bar-Rabatt WeMMit Sonneborn Alicenstrabe 11 3936A VV V n 2 Ware wird sofort mitgegeben! 3Mk. 02 roe 5Mk. 5DTT. 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Gas- u.Wasserwerk Hapag-Reisebüro Seltersweg 93 39500 Sonder-Wot nur diese Woche iw* «MI Miiimomi« den-Bo Donnerstag, 2. Mai 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. W2 Dritter Blatt eahunocn Der Innungen, wwie uoer uie ^iuuw meyn-iui» : ,r < nv "-Nicht fiter, Me SanjnxtBramm«. aufaab« p l ° d - - crbfi° te Nachdruck verboten. 18 Fortsetzung. berechtigung sei Die Eintragung in Die Hand- werksrotte. Weitere Aenderungen bringe die HandwerkSnovelle sodann noch für die Bildung von Zwangsinnungen, für die Statuten und Satzungen der Innungen, sowie über die Staats- UW L UUUJ vxt- ---* ----- - , Stunden, die er im Kreise Der Kollegen auf den Konferenzen verbracht hatte. Grünberg, 1. Mai. 3n feiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Dem einberat mit der Festsetzung der endgültigen Gewerbesteuer für 1 9 28. Vor der Beschlußfassung soll der Gemeinderechner nochmals über die Sache gehört werden. Das Douaesuch Des Kaufmanns Christoph Schweihguth. der hinter dem Schloßgarten am sog. Rondell ein Wohn- hauS errichten will, wurde unter der Bedingung genehmigt, daß er auf die Zuführung von Licht. Wasser, Straßenbau und Kanalisation verzu^et. Da die'beiden hiesigen Sportvereine schon mehrmals die Instandsetzung desSp ort- Der brüllende Schlund. Aber es war nur ein kurzes, verzweifeltes Aus- bäumen, ein Versuch. Er mißlingt. Wieder schweigen die Maschinen. Run rast alles zu den Kabinen: niemand weiß wohl recht, warum. Gewiß — unter jedem Bett liegen die Korkwesten: jeden Vormittag haben die Schiffsjungen sie wie kleine Mannequins harmlos und unauffällig spa- zierengehenderweise vorgeführt. Aber während man diese entsetzlichen grauen Gürtel aus der Lade reißt, wird erst die Situation in nackter Brutalität klar. Immer näher kommt der Tod: ein kurzes Zappeln vielleicht in den eisigen Wassern des Kattegatt — und dieses herrliche Leben, mit Musik, mit Duft, mit Wein und Frauen, ist vorüber. Gibt es keine Rettung? Der Kapitän muß her! Wo ist der Kapitän? Tausende Füße rennen die Treppe hinaus, die zur Kommandobrücke führt: dort oben stehen Drei Männer, die den Anstürmenden weder freundlich noch feindlich entgegenblicken: der Ka' pitän, der erste Steuermann, der Steuergast. In ihren Händen blinken drei Brownings. Der Anblick der drei schweigenden Männer schafft eine neue Situation. Wer sich verteidigt, hat ein Ziel, das er zu retten wünscht: dieser Gedanke geht durch Hunderte von menschlichen Gehirnen zu gleicher Zeit. Es muß eine Hoffnung geben, sonst würden die drei Männer nicht hier oben stehen. Der Kapitän nimmt das Wort. „Die Gefahr ist nicht so groß, als Sie Deuten," sagte er langsam. „Und zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen sagen, daß zwei Engländer mit aller Kraft auf uns zusteuern. In zwei Stunden müssen sie hier sein." „In zwei Stunden," murmelte es aus der Menge, „in zwei Stunden ..." „Inzwischen werden wir. obwohl es überflüssig ist. die Rettungsboote in Bereitschaft sehen. Ich bitte aber, um Panik zu vermeiden, richig in die Kabinen zu gehen. Alles wird gut abgehen." Man hat das Gefühl, daß man diesem ernsten Manne mit Dem breitgekinnten Amerikanergesicht glauben darf. Man hat das Gefühl, daß er über Kräfte verfügt, über geheime Kräfte, die die Macht haben. Die Hilfe der Götter aus dem Richts herbeizurufen: daß ihm Wind und Wetter dienstbar sind, daß die Wellen der Marconi- Ration. Die Stimme der Sirenen feine Boten sind, über die er nach Belieben kommandiert. Und daß das Schicksal des einzelnen bei diesem starken und ruhigen Wanne in guten Händen ist. Man geht Die Treppe hinunter: unten warten dreißig, vierzig, fünfzig Stewards. Eie haben sich seltsam gewandelt: halb Kellner, halb Gefängniswärter, Die sie waren, haben sie ihren Kellnerberuf unter irgendeinem bestimmten Befehl plötzlich abgelegt. Man erkennt, daß sie zum äußersten entschlossen sind: obwohl man keine rechtigt zurückwies. Landkreis Gictzen. eingeschlossen. Kreis Schotten. □ Laubach, 30. April. Für die Schuler Der hiesigen Realschule und Volksschule, sowie der benachbarten Gemeinden fand im Saale des Solmser Hof" ein Vortrag über Tuberkulose, ihre Entstehung, Verbreitung und Bekämpfung durch Dr. Sell von der Landesversicherungsanstalt Darmstadt statt. Der Vortrag wurde durch Vorführung guter Lichtbilder den Schülern veranschaulicht. Abends wurde derselbe Vortrag für Erwachsene gehalten und erfreute sich reger Teilnahme. — G e m e inde r a ts- s j h u n g: Die von dem Lehrerrat der Realschule eingereichte Liste der Freistellen ini Schuljahr 1929'30 fand die Genehmigung des Gemeinderats. Zur Wiederbelebung der Bautätigkeit wurden für die im Jahre 1929 begonnenen Bauten fünf Jahre lang steuerliche Vergünstigungen befürwortet. Die aus Anlaß der Kanalisierung beschlossene OrtS- s ah u ng wurde genehmigt. Das Fahrend es Sprengwagens während des Sommerhalbjahres soll öffentlich vergeben werden. — Eine genußreiche Wanderung unternahm am Sonntag- mittag der hiesige Zweigverein d e s V o- gelsberger Höhenklubs unter Führung von Studienassessor Schweiß gu t. Man wanderte zunächst zum Tiergärtner Weiher, sodann nach Dem Lampertstor, Runde Steinswiese, zum sagenberühmten „Hälleschborn" au De s R a t h a us e S 6P”r “nb S8°rW,”er' m'Ä cToie uTa^tä Ä t Ä eins yKA werde Samstag wurde her Gemeinderat die Befreiung der im Iahre iii einei Konferenz des Bezirkslehrer- 1929 begonnenen Wohnungsneubauten von Der Vereins Lollar unser verdienter Lehrer Gemeindegrundsteuer für Das Iahr 1929 und «nr. Ehrenmitglied Des Bezirks- die nächstfolgenden 5 Iahre, vorausgeseyt. daß ?ereirtf ernannt Herr Kurz gedachte mit Wor- auch Der Kreis und die Provinz von Erhebung len des Dankes der schönen und gemütlichen, der Grundsteuer Abstand nehmen. - Die An- aber auch her arbeitsfrohen und anregenden schasfung einer Motorspritze su* dw aver aua) ver utinawi ---I Mittige Feuerwehr Ridda wurde zuruckgestettt. da die mit her Stadt Ridda im Brandhilfeverband stehenden Gemeinden fast ausnahmslos die Beteiligung an den Anschaffungskosten abgelehnt haben. — Die auf die Stadt entfallenden Kosten für die Umänderung der Straßenbeleuchtung belaufen sich auf 500 Mark und wurden übernommen. - - Gemäß Entscheidung des Ministeriums werden die A11 b e s i tz - anleihcnd er Stadt Ridda mit 17,5 Proz. lich hat sich der 1898 durch Oberreallehrer ®er- Hard begründete Gesangverein „H a r m o - nie" entwickelt. Sein Gründer leitete den Verein mit seinem künstlerischen Verständnis bis zum Ausbruch des Weltkrieges. In seinem Rachfolger Reallehrer Haas hat der Verein einen tüchtigen, strebsamen Dirigenten gefunden. Schon früher hatte der Verein in Konzerten und bei kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen zahlreiche Deweise seines Könnens gegeben. Sonntagabend trat er in einem gutbesuchten Konzert im „©olmfer Hof" erneut in die Oeffentlichkeit, wobei er seine treffliche rhythmische Disziplin und Tonfülle unter der sicheren Stabführung des Dirigenten bewährte. Die Vortragsfolge war sehr reichhaltig. Die Orchestervereinigung L a u b a ch (Leitung Christoph Högel) hatte ebenfalls wesentlichen Anteil an den schönen Erfolgen des Abends. Ebenso entzückte wieder die Konzertsängerin Liesel Döhm, verständnisvoll vom Pianisten Theodor Dröckelmann begleitet, durch ihren biegsamen, weichen Mezzo- Sopran. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Aus dernKreiseWetzkar, 30. April. Die Zahl der Arbeitslosen im Bezirke des Arbeitsamtes Wetzlar hat in der Zeit vom 15. März bis 15. April eine wesentliche Senkung erfahren; die Zahl der Hauptunterstühungsemp- fänger ist um über 1200 zurückgegangen. Am 15. März wurden unterstützt, a) in der Arbeits- losenversrcherung 1395 männliche und 145 weibliche Hauptunterstühungsempfänger mit 1849 Zuschlagsempfängern, b) in der Krisenfürsorge 82 männliche Hauptunterstützungsempfänger mit 156 Zuschlagsempsängern, c) in der Sonderfürsorge 1790 männliche und 19 weibliche Hauptunterstützungsempfänger mit 2246 Zuschlagsempfängern. Die Zahl der Llnterstühungsempfänger betrug am 15. April a) in der Arbeitslosenversicherung 1855 männliche und 199 weibliche Haupt- unterstützungsempsänger mit 2450 Zuschlagsempfängern, b) in der Krisenfürsorge 125 männliche Hauptunterstühungsempfänger mit 252 Zuschlagsempfängern. In der Sonderfürsorge wurden am 15. April Arbeitslose nicht mehr unterstützt. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 30. April. Die Frauen unseres Dorfes hatten am Sonntag einen seltenen Festtag. Es galt, das 40jährige Dienst- j u b i l ä u m der Hebamme Luise Schmidt Witwe zu feiern. Ein langer Zug unter Vorantritt des Posaunenchores, der Gemeindevertretung und des Ortsgeistlichen, bewegte sich am Rach- mittag von der Wohnung der Jubilarin zum festlich geschmückten Saalbau Weimer, wo bei Kaffee und Kuchen in verschiedenen Ansprachen der Verdienste der Gefeierten in ihrem verantwortungsvollen Berufe gedacht wurde. Der Kreisarzt aus Biedenkopf, die Aerzte Dr. Lang und Dr. Wetz aus Wetzlar, Dr. B u ch a ck e r aus Ahbach, sowie mehrere benachbarten Hebammen beteiligten sich an der Feier. Außer dem Posaunenchor verschönte noch der Gesangverein »Lie- derkranz" durch einige Lieder die Feier. Die Iubilarin wurde von der Gemeinde und von den Frauen reichlich beschenkt. Maingau. WSA. Frankfurt a. M., 1. Mai. Zu dem vor einigen Tagen gemeldeten Autodieb- st a h l, bei dem die Diebe im Stadtwald von einem Polizeibeamten gestellt wurden und es zu einer gegenseitigen Schießerei kam. wird mitgeteilt, daß es der Kriminalpolizei gelungen ist, die Täter zu ermitteln. Fe st genommen wurde der Arbeiter Otto Schaber. Der andere Beteiligte ist der entwichene Fürsorgezögling Rudolf K l ö s von hier, der bereits wegen verschiedener Autodiebstähle gesucht wird. Strafkammer Gießen. * Gießen, 30. April, tim seine Waren besser an den Mann bringen zu können, hatte ein in einer Großstadt wohnender Kaufmann bei tieber- sendung der Waren jedem Kunden eine Anzahl Kaufvertragsvordrucke zwecks Zuführung neuer Kunden beigelegt und diesem für jeden erbrachten Kunden eine seinem Konto gutzuschreibende Vergütung versprochen. Das Amtsgericht Bad- Rarcheim erblickte darin eine verbotene öffentliche Ausspielung von Waren und verurteilte chn zu einer Geldstrafe von mehreren hundert Mark. Auf seine Berufung hin wurde dieses Urteil aufgehoben und das Verfahren infolge Verbrauchs der S t r a f k l a g e eingestellt. Es wurde jetzt festgestellt, daß der Angeklagte wegen desselben Vergehens bereits durch ein anderes Gericht rechtskräftig verurteilt worden war. Ein wiederholt vorbestrafter Arbeiter verfolgte gegen ein tirteil des Amtsgerichts Vilbel zwecks Herabsetzung der Strafe Berufung. Im übrigen war er geständig, sich erneut zweier Diebstähle schuldig gemacht zu haben. Seine Berufung hatte insofern Erfolg, als die gegen ihn erkannte, Gefängnisstrafe aus ein Iahr herabgesetzt wurde. Wegen verbotener Iagdausübung war ein über 65 Iahre alter Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Da diese Strafe zu gering erschien, verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung. Der Angeklagte hatte kurz hintereinander einen Hasen, einen Fuchs und innerhalb der Schonzeit ein weibliches Rehwild abgeschossen. Wegen gewerbsmäßigen Wilderns wurde er jetzt zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und außerdem auf Einziehung des benutzten Gewehres und der übrigen Iagdgeräte erkannt. An der Kreuzung Licher Straße und Am Rahrungsberg war im vergangenen Iahr ein Hanomag mit einem Motorradfahrer zusammen- gestohen, wobei letzterer nicht unerhebliche Verletzungen davontrug. Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der Führer des Hanomag durch das Amtsgericht Gießen zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seine Berufung hatte keinen Erfolg. Auch jetzt kam das Gericht zu der tieber- zeugung, daß der Angeklagte den Zusammenstoß mitverschuldet hat, und verwarf kostenfällig die Berufung. Wirtschaft. Anhaltende Besserung der Wirtschaftslage des Handwerks. Nach dem Bericht des Reichsverbandes des deutschen Handwerks für den Monat April hat die bereits im März eingetretene langsame allgemeine Belebung der H a n d we r k s w i risch a f t ihren Fortgang genommen. Trotzdem darf die Feststellung nicht unterbleiben, daß der Beschäftigungsgrad im gleichen Monat des Borjahres wesentlich günstiger gewesen ist. Die Hauptbelebung ist in den Saisonhandwerken zu beobachten, jedoch konnte sich infolge der nassen und kalten Witterung die Geschäftstätigkeit auch in diesen Handwerksgruppen nicht in dem gewohnten Umfange entwickeln. Nachteilige Wirkungen der Witterung waren vor allem im Baugewerbe zu verzeichnen, wodurch die Bautätigkeit noch nicht in vollem Umfange einsetzen konnte und auch die Baunebengewerbe nur wenig in der Lage waren, Außenarbeiten in Angriff zu nehmen. Die volle Entwicklung der Bautätigkeit wurde ferner durch die in den meisten Zweigen des Baugewerbes geführten Tarif- und Lohnverhandlungen, die noch nicht überall zum Abschluß gekommen find, gehindert. Man hofft jedoch, daß alle diese Schwierigkeiten bald überwunden werden und dann durch guten Geschäftsgang die Verluste der vergangenen Monate ausgeglichen werden können. In den Bekleidungshandwerken, für die der Monat April mit zur Hauptgeschäftszeit gehört, war die Beschäftigungslage einigermaßen zufriedenstellend. In den Metall verarbeitenden Handwerken machte die immer weiter um sich greifende Normalisierung und Typisierung zahlreicher früher vom Handwerk hergestellter Artikel sich nachteilig für den Absatz des Handwerks bemerkbar. In den Nahrungsmittelhandwerken war die Geschäftslage nicht ganz ein- heillich. In den ländlichen Gebieten war infolge der Kapitalknappheit der Landwirtschaft die Lage des Handwerkes überwiegend schlechter, als in größeren Städten. Das Baugewerbe lag hier noch fast ganz still. Nachteilig wirkte sich auch der von landwirt- fchafllichen Organisationen verschiedentlich propagierte Käuferstreik für das Handwerk aus. Die Arbeitsmarktlage hat im Monat Aprll eine ganz bedeutende Erleichterung erfahren; vor allem im Baugewerbe wie in den Bekleidungshandwerken ist die Zahl der Erwerbslosen außerordentlich zurückgegangen. Trotz der schwierigen Geschäftslage find in den meisten Berufen neue Lohnforderungen gestellt worden. Die Beschaffung der Rohstoffe und Halbfabrikate machte keine Schwierigkeiten. Preisänderungen werden nur in geringem Umfange gemeldet. Oer Gaatenstand Mitte April. Die Preisberichtstelle beim Deutschen Landwirtschaftsrat hat am 15. April Erhebungen über den Stand derWintersaaten durchgeführt. Die Angaben der Berichterstatter wurden in Prozentziffern gemacht, wobei 100 Prozent einen Saatenstand bedeuten, wie er in einem allgemein günstigen Iahre in der jeweiligen Jahreszeit erwartet werden darf. Die Ziffern für Winterweizen lagen in den einzelnen Teilen des Reiches meist zwischen 82 und 93 Prozent. Darunter blieben u. a. die Pfalz mit 65,3 Proz. und Ostpreußen mit 67,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahre liegen die Verhältnisse in Ostdeutschland weniger ungünstig, während in Süd- und Westdeutschland etwa die vorjährigen Aussichten gemeldet wurden, die zwischen 75 und 92 Prozent schwankten. Der Stand des Winterroggens wird meist auf 80 bis 91 Prozent beziffert. Die östlichen Gebiete blieben im Gegensatz zum Vorjahre (außer Ostpreußen mit 64,4 Prozent gegen 66,2 Prozent im Vorjahre) kaum hinter den übrigen Teilen des Reiches zurück. Wintergerste zeigte einen ungleichmäßigen Stand. Die Angaben schwankten zwischen 44 und 88 Prozent. Bemerkenswert ist auch hier die niedrige Ziffer der Pfalz mit 44,2 Prozent gegen 90 Prozent im Vorjahre. Die Auswinterungsschäden hatten nur vereinzelt stärkeren timfang. In Prozent der Anbaufläche lagen sie nur in Ostpreußen und der Pfalz höher als im Vorjahre. In Braunschweig, Lippe, Hannover, Reg.-Dez. Kassel, der Rheinprovinz und in Oldenburg werden die Auswinterungsschäden etwas höher geschäht, als im übrigen Reiche. * * Konkurse und Vergleichsverfahren. Rach einer Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im April durch den „Reichsanzeiger" 885 neue Konkurse und 464 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für März lauten 930 bzw. 352. * Adlerwerke vorm. Heinr. Kleher A.-G., Frankfurt a. M. In der gestrigen Generalversammlung wurde über die Sanierungsanträge beraten. Rach langen und teilweise lebhaften Auseinandersetzungen beschloß die G.-D. Herabsetzung des Grundkapitals der Gesellschaft im Verhältnis 2:1 auf 9 635 500 Mk. gegen i 37 596 Stimmen und W e ereihö ung d s Stamm - aktienkapitals um 15 345 000 Mk. auf 25 Mill, und des auf 10 500 Mk. herabgesetzten Vorzugsaktienkapitals um 10 500 auf 21 000 Mk. gegen 35 621 Stimmen. Gegen diese Beschlüsse gaben fünf Aktionäre Protest zu Protokoll. Der Geschäftsinhaber der Darmstädter und Rationalbank. Jakob Goldschmidt, wandte sich gegen die zu Beginn der Versammlung gegen die Danatbank erhobenen Angriffe und betonte, daß - das Institut durch die tiebernahme der neuen Aktien zu 105 Prozent ein großes Risiko eingehe, doch halte er es für die Pflicht der Danatbank, der deutschen Automobilindustrie und insbesondere den Adlerwerken wie schon seither weiter beizustehen. Die Danatbank werde deshalb nicht von ihrem formellen Recht, von der tiebernahme- offerte zurückzutreten, Gebrauch machen. Verschiedene mit den Kapitalveränderungen verbundene Satzungsänderungen wurden einstimmig gutgeheißen, darunter die Einschaltung eines Zwi- schengeschäftsjahres vom 1. Rovember 1929 bis 31. Dezember 1929 und künftige Verlegung des Geschäftsjahres auf das Kalenderjahr. * Schriftgießerei D. Stempel A. - G., Frankfurt a. M. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 1928 einen Rohgewinn von (in Millionen Mark) 1,90 (1,75). Rach Abzug der tinkosten in Höhe von 1.24 (1,24) und der Abschreibungen von 0,30 (0,19) verbleibt einschl. 0,074 Vortrag ein Reingewinn von 0,47 (0,41), woraus 0,062 (0,05) den Rücklagen und Stiftungen zugeführt, wieder 6 Proz. Dividende auf 0,02 Vorzugsaktien und 10 (9) Prozent auf 3.20 Stammaktien verteilt werden. Zum Vortrag verbleiben 0.064. • Frankfurter Maschinenbau-A.-G. vorm. Pokorny & Wittekind, Frankfurt a. M. Die Bilanz von 1928 schließt mit einem Rohgewinn von 509 663 Mark (i. V. 705 228). In der gestrigen Aufsichtsratssihung wurde beschlossen, der G.-V. (28. Mai) vorzuschlagen. aus dem nach Abschreibungen von 224 990 Mk. (i. V. 208 064) verbleibenden Reingewinn auf die Stammaktien eine Dividende von 4 Prozent zu verteilen. Die Vorzugsaktien erhalten die sahungsgemäße Dividende von 6 Prozent. Das erste Quartal des laufenden Jahres hat sich befriedigend gestaltet. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 2.Mai. Tendenz zurückhaltend. — Nachdem im Vormittagsverkehr die Stimmung noch freundlich war, machte sich zu Beginn des offiziellen Marktes große Zurückhaltung bemerkbar. Der Hauptgrund war woyl in der gänzlichenOrderslofigkeitzu suchen. Auch die Auslandkäufe, die gestern in größerem Umfange vorlagen, haben heute beträchtlich nachgelassen, so daß das Geschäft äußerst minimal blieb. Zur ersten Notierung gelangten nur wenige Papiere. Eine gewisse Beruhigung ging davon aus, daß die Lage in Paris weiter günstig beurteilt wird. Im allgemeinen war es jedoch nicht unfreundlich. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung nicht uneinheitlich, bei den sonst bevorzugten Werten waren sogar noch Gewinne bis zu 2 v. H. zu verzeichnen. So waren Kaliwerte, die bis 2 v. H. gewannen, etwas gefragter. Auch setzten Elektropapiere, z. B. AEG., Bergmann, Felten, Gesfürel und Schuckert, bis 1,5 v. H. höher ein, Siemens dagegen angeboten. Auch J.-G.-Farben waren, nachdem vorbörslich ein Kurs von etwa 250,50 zu hören war, zur ersten Notierung angeboten und etwa 1 v. H. schwächer. Etliches Interesse bestand noch für Wayß 8-Freytag, Deutsche Linoleum. Am Montanmarkt lagen Mannesmann, die bis 1,25 o. H. anziehen konnten, lebhafter gefragt Hier regte die Mitteilung von einer Dividendeverteilung von 7 v. H., statt 8 v. H. an, da vor einiger Zeit die Mutmaßung umlief, daß evll. überhaupt keine Dividende ausgesetzt werden würde. Auch Vereinigte Glanzstoff waren mit plus 3 v. H. gefragter. Aus einige Jnteressenkäufe wurden Reichsbank mit plus 3 v. H. aus dem Markt genommen. Die übrigen Werte waren meist leicht gedruckt. Renten ohne besonderes Geschäft, jedoch zumeist weiter leicht nngeboten. Im Verlaufe wurde die Tendenz schwächer, und es traten bei stillem Geschäft auf Abgaben Kursrückgänge ein. Deutsche Linoleum und Siemens verloren je 3 v. H., Farben, AEG. und Schuckert 1 bis 2 v. H. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 5 v. H. etwas leichter. Am Devisenmarkt war die Lage im allgemeinen ruhig. Nur Spanien war etwas abgeschwächt. Man nannte Mark gegen Dollar 4 2175, gegen Pfund 20 473, gegen Paris 124.1750, London gegen Kabel 4 8534, gegen Mailand 92,65, gegen Madrid 33,90, gegen Holland 12,07. Berliner Börse Berlin, 2.Mai. Im heutigen Vormittagsverkehr zeigte sich das übliche Bild der Geschäftsstille, doch war die Tendenz immerhin recht freund- l i ch. Vorbörslich ergaben sich mehrprozentige Kursbesserungen, die sich aber zu Beginn des offiziellen Verkehrs nicht ganz halten konnten. Die ersten Kurse stellten sich aber doch meist 1 bis 3 v. H. über gestern Schluß. Man beurteilte auch heute die Aussichten für eine Einigung in Paris wieder g ü n ftj g und verwies auch darauf, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht wieder in Paris fei. Die gestrige Neuyorker Börse war zwar nicht einheitlich, Neu- york lag aber doch ziemlich fest und Tagesgeld war weiter leichter. Das Geschäft war sehr ruhig. Die Spekulation nahm einige Deckunaen und Rückkäufe vor, da man an verschiedenen Märkten (z. B. Kali) Auslandinteresse beobachten wollte. Außerordentlich schwach eröffneten Polyphon. Man brachte die großen Verkäufe von Grammophonaktien an der Neuyorker Börse in Zusammenhang mit einer Meldung, wonach die Grammophontrusteinigung schon gescheitert sei. Von Banken waren Berliner Handelsgesellschaft etwas niedriger. Nur Reichsbank bis 3,5 d. H. höher. Kaliwerte waren lebhafter. Von Montanwerten konnten Rheinische Braunkohlen und Stolberger Zink bis fast 5 v. H. anzie- ben. Aschaffenburger Zellstoff, Spritwerte, Deutschs Atlanten, Feldmühle, Papier und Bemderg waren etwas gefragt und bis 6 v. H. höher. Deutsche Anleihen zogen wieder stärker an. Ausländer durchweg schwächer, besonders Bosnier, Türken und Mexikaner. Nur Mazedonier etwas fester. Der Pfandbriefmarkt war ruhig und bis jetzt unverändert. Der Geldmarkt zeigte kaum Zeichen einer Entspannung. Tagesgeld war mit 8.5 bis 10,5 v. H. noch immer gefragt. Monatsgeld 8,5 bis 9,5 v. H. Warenwechsel ohne Umsatz. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 2. Mai. Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrte heute wieder bei äußerst geringem Angebot und abwartender Haltung der Händler in fast geschäftsloser Haltung. Für Brotgetreide, namentlich für Weizen, bestand einige Rachfrage, bei dem knappen Angebot konnte der Preis für Weizen um 0,25 Mk. anziehen. Es wurden notiert: Wei'.en 24, Roggen 22.75, Sommergerste für Brauzwecke 23,75 bis 24, Hafer, inländischer 24 bis 24,25, Mais (gelb) für Futterzwecke 22, Weizenmehl, südd. Spezial 0 32,25 bis 32,75, Roggenmchl 30 bis 31, Weizenkleie 1310, Roggenkleie 13,75. Tendenz ruhig. Buntes Allerlei. Alexander Wyneken tritt in den Ruhestand. Der Mitbegründer und bisherige alleinige Geschäftsführer und Chefredakteur der „Königsberger Allgemeinen Zeitung", Dr. Hauptvorstandes des Vereins Deutscher ZeitungS- h.c. Alexander Whneken, Ehrenmitglied des Hauptoorstandes des Vereins Deutscher Zcitungs- verleger, der 53 Iahre lang an der Spitze der Zeitung gestanden hat, tritt am 1.Mai in den Ruhestand. In Würdigung feiner Verdienste ist er in den Aufsichtsrat der „Königsberger AN- gemeinen Zeitung" gewählt worden. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Berlin Rranfrun a M. Schluß-sPnsang flute1 ftutj 1.5. ! 2.5. 2-5. Datum 1.5. Banknoten Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Brief 16,54 169,90 22,24 112,62 59,30 2,53 112,93 81,61 61,32 12,54 73,50 Schluß-. bUflt flute flute Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Philipp Holzmann .... Heidelberger Eement. . . Gement Karlstadt .... Wavß & Freitag..... Schultheis Pahenhoser . . Osiwetke........ Act. Glanzstoss..... Bembetg........ Zellstoff Waldhos .... Zellstoff ölschassenbiirg . . (Charlottenburger Wasser . Destauer GaS...... Daimler Motoren . . . . Deutsche Mafchinen-Fabrik Adierwerle ÄlcDcr .... Ludw.Locwe . . . . Nat. Automobil . . . . » Crenfidn 4 Koppel • ■ • Leonhard Tietz . . • • • Bamag-Meguin . . . • • grants. Maschinen . . . . Gtitzner . . . • • • aenstaedt . . > • • -mS. ...... Cediroerfe. • ..•••• Mainkrastwerkl..... Miag. ...... Nekarsulmer ...... Peters Union ...... Gebt. Roeder ...... Voigt 4 Haesfner . . . . Südd. Zucket..... Berlin' 1. Mai Geld Französische 'JZoten .... 16,48 Holländische Noten...... 169,22 Italienische Noten...... 22,16 Norwegische Noten...... 112,18 Deutsch Oesterr, ä 100 Kronen 59,06 Rumänische Noten...... 2,51 Schwedische Noten...... 112,49 Schweizer Noten ...... 81,29 61,08 Tschechoslowakische Noten .. 12,48 Ungarische Noten ..... 73,20 sstankfutt a. M. Berlin Ftanksutt a. M | Berlin Schluß- Kur« 1 Uhr- flute Schluß-IAnsang- Kurs ' flut« Schluß-! Kurs 1 1-Uhr- Rute Schluß- Kurs Anfang Kurs Datum 1.5- 2.5. 1 5. | 2 5. Datum | 15. 25- 1.5. 2-5. 5% Di. Reichsanlethe o. 1927 87,4 — 87,5 — A E.G. . .......H 169,25 168,5 169 169,5 DU Anl.-Mlos.-Schuld nut Aus 52,25 Bergmann . ...... vl 215 216 215,75 217 Wl.-Utem'en — 52,4 52,4 Glettr. Lieserungen.....1° 155 — 155,75 158 DeSgl. ohne AuSlos.-Rechir . 10,25 — 10,13 10,5 Licht und Kraft ..... 101 208,5 — 208.75 210.5 7% grann. vuv.-iöi- «soiooi. un Felten & Guilleaume.....6 143 144 143,5 144,75 kündbar bis 1932 4%% Rheinische Hyv.-Bank Clou. 88 — —- — Ges. s. Slektr. Untern.. ... 10 Hamb. Glettr. Werke .... 10 219 220 218,5 143 220 144,75 Goldpf. a.(fc®. abg. BorkriegS-Obligation. 76,3 — — Rhein. .........8 Schles. Glelir........1° — _ 159 192,5 161 191 tuazaowar i jöu 88 — —— Schuckert..... • • • - 8| 241 239.5 240 240 4% Schweiz. Bunvesb.-Ant.. 101 — __ 374 373 373 374,25 4% Oesterrcichische Goldtte.. . 29,75 — 30 23,6 Tranüradio . ..••••• 8 Lahmeyer & Go...... • 1° — — 142,5 145 4,20% Oeklerr. Silbertte. . . 4% Oesterreich. cinfjettL Nie. — — 166 — 166 165,85 — — — — Buderus ....... 6 Deutsche Erdöl ....... 6 Gelsenkirchener ... s. V» 3- 4 Hatpenet ......... 6 Hoesch Eilen. ........ 8 3üe Bergbau ........8 _ _ 71,9 72 4% Ungarische Goldtte. 4% Ungarische Slaatsr. V. 1910 414% deögl. von 1913 4% Ungarische ßtonentte.. . 4% Tütl. Zollanleihe v. 1911 4% T Örtliche Bagdadbahn-Anl.. Serie 1 4% beSgl. Serie 11 4% Rumänen conoett. Nie. . . - 4'4% Rumänen Goldanl. von 1913 23,75 1,9 8,65 11 11 1 1 23,7 21,1 22,13 1,9 8,8 8,7 1 11111 127,5 131 214 100,5 118,75 127 213 100,5 118,9 116 127,5 131,5 115,5 214 101,25 119,6 127,5 133 117,25 214,5 99.5 8,025 17 — 8,8 17 111 i.üln.Neuessen. ....... 9 Mannesman» ....... 8 Marisfelder...... 7 115 115,9 129,5 114,5 114,65 130 116,13 116,4 129 Oberfchlei. Eilend. Bedarf. . . 5 — — 82,25 83,25 enifl. Deutsche Eisenbahn . iVi — — — - Obetfchles. Kokswerke .... 6 Phönix Bergbau. . . . 6V2 — — 104,5 105,75 Hambutg-Amettla Palet . . 8 _ 123,25 123 124,5 92,5 — 92.5 93,25 Hamb.-Südam. Tampssch. . k _ — Rheinische Braunkohlen... 10 282 — 282.75 286,5 Hansa Dampsschiss . . 10 _ __ 153,5 154,5 Rheinstadl f. % Jahr iS 116,5 116,25 116 117,5 Norddeutscher Lloyd . . . 8 114.25 114,5 114,25 114,25 Riebeck Montan......7,2 — — 143 — AUg. Deutsche Eteditanst. . . IC 125,25 126,25 126 Bereinigte Stahlw......f 90.5 •— 91,13 91,75 Barmer Bankverein IC 128 _ 128,5 129 Otavi Minen . .... 2 sh — — 67 67,25 Berliner HanbelSgesellsch. 12 _ 216 219 Kali Aschersleben ..... 1< 238,5 — 236,25 239 Commerz, und Pttvat-Banl 11 187,75 187,25 186,75 187,25 RaH Westeregeln ..... 10 242 244 242,75 245,9 Darmst. u. Nationalbank 12 259,25 260,25 259,5 260 Kaliwerk Salzdetfurth ... Id 378,25 379 377,65 381 Deutsche Bank DiSkonto-Gesellschast Ctat. - 10 10 162 152,75 162,25 153 162,75 152,75 3- ®. Farben-Industtts ... 12 Dynamit Nobü . ...... 249,75 | 248,9 249 249,5 Dresdner Bank . . Mitteldeutsche Lredilbank . . Reüfrtbanl........ 10 18 158,75 301 158,5 304 158,5 299,4 158,5 304 Sdiuibeanftalt..... ’ . s Goldschmidt 5 RütgetSwerke . ....... 6 Metallgeiellichast. ..... 11 169 84.75 91 129,5 169 1 129,5 84,75 91,25 130,25 117 84,75 91 130 119,25 — 117,5 119,5 10 147 147 — — . 8 175 — — — 10 124,25 125,75 125 — 15 — — 294.5 299 12 — — 243 257,5 18 443 446 436 448 14 —— — 341 347 12 257,5 —- 257.5 257 12 184 — 181 185,25 ■ « —- — 111,75 112,9 . s — — 207,65 207,25 . 0 56,75 — 56 56 . 0 — —- 50,5 51,5 . 5 — — 50,25 50,5 10 — — 213 215 . 0 —— — — 29 . b — — 92 . 6 — — 283,5 282,5 • O — — — . G 53 52 55 — 11 85 — 85,5 — 10,5 — — — . 4 63,25 — 63,25 — . 8 113 — — — — — — — 10 123,5 — 122,13 123,5 — — 18 — — . 8 125 — 125 _ 10 114.5 — — 205 — 205 . 8 150,5 150,25 150 1. Mai 2. Mai Amtliche Notierung Amtliche 9 Geld Dotierung Briet (Seid Brie, Amit- :Hott. 169,39 169,73 169,41 169.75 Buen.-Aires 1,772 1,776 1,772 1,776 Btss.-Antw. 58,51 58,63 58,50 58,62 Chrtstiania - 112,35 112,57 112,36 112,58 Kopenhagen 112,38 112,60 112,36 112,58 Stockholm . 112.60 112,82 112,59 112,81 HelnngsorS. 10,593 10,613 . 10,592 10,612 Italien. - - 22,075 22,115 22,085 22,125 London. . - 20,448 20,488 20,449 20,489 Wenuort . . 4,2135 4,2215 4.2135 4,2215 Paris.... 16,47 16,51 16,465 16,505 Schweiz . • 81,19 81,35 81,15 81,31 Spanien • 60,59 60,71 60,34 60.46 Japan . . . 1,892 1,896 1,895 1.899 $io de Jan 0,502 0,504 0,502 0,504 Wien In D-- Ccit. abgcst 59,175 59,295 59,16 59,28 Prag . - - 12,471 12,491 12,47 12,49 Belirad • • 7,408 7,422 7,411 7,425 Budapest - - 73,40 73,54 73.41 73,55 Bul arten 3,042 3,048 3,044 3,050 Lissabon 18.85 18,89 18,87 18,91 Danzig. . . 81,74 81,90 81.76 81.92 Konst nnn. 2.067 2,071 2.065 2.069 Athen. . 5,46 5,47 5,455 5,465 Canada 4,180 4,188 4,181 5,189 Uru uay 4,076 4,084 4,076 4.084 Cairo ■ • 20,975 21,015 20,975 21,025 Berlin, 1. Mai (Äcld «trief '.'imeritaniicfcc Noten ..... 4,227 -1 247 I3elgifd]c Noten • ....... 58.38 58 69 Dänische Noten...... .. 112,13 112,57 Englische Noten........ 20,44 20,52