Nr. 28 Erster Blatt 179. Jahrgang Samstag, 2. Zebruar 1929 IEr|d)etwt täglich,cwh« Sonnlage und feiertags. Beilaaen Die Illustrierte Lietzener Famttienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Fezngrprei $ für 2 wachen: 1 Reichsmark und 16 Reichspfennig für Träge» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer (Bemalt Fernsprechanfchlllsser 61. 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen, potlfchecktonto: Hrantftut am Main 11686. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrrrck «nb Verlag: vrühl'sche UniverfitLtr-Vuch' und Zteivdruckerei H. Lange in Sietzen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2Ou,o mehr Chefredakteur. Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An> zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen. Der Dornenweg zur Großen Koalition. Rach ber Neuwahl des Reichstages im vergangenen Frühjahr hat es Wochen und Wochen bi» in den Sommer hinein gedauert, bis es Hermann Müller, dem Beauftragten der Sozial- demokratischen Partei gelang, ein Gebilde zustande zu bringen, das wenigstens entfernt so aussah, wie eine Reichsregierung. Freilich dem politisch ungeschulten Staatsbürger in seinem auch heute noch beschränkten Untertanenoerstand wirb an diesem Reichskabinett, das ihn nun für die nächsten Monate regieren sollte, kaum etwas Besonderes ausgefallen fein. Mit Ausnahme des Reichswehr- minifters Groener, der zu der Spezies der sog. Fachminifter ohne parteimäßige Bindung rechnet, bestand das neue Reichskabinett aus Beauftragten der Parteien, die man sich gewöhnt hat unter dem Sammelbegriff „Große Koalition" zu verstehen. Was läge also näher, als auch die so zu- standegekommene Regierung als eine Regierung der Großen Koalition zu bezeichnen? Weit gefehlt, lieber Leser! Die parlamentarische Regierungs- tunft hat hier Feinheiten und Nuancen herausgearbeitet, von denen sich der Laie nur schwer die rechte Vorstellung machen kann. Das Kabinett Hermann Mittler war zwar schon eine Regierung, in der die Parteien der Großen Koalition von den Sozialbemokraten bis zur Bayerischen Volkspartei vertreten waren, aber diese Parteien hatten es gleichzeitig abgelehnt, das aus ihren Ber- trauensmännern gebildete Kabinett als i,hr Kabinett firmieren zu lassen. Man wollte sich nicht binden, wenigstens noch nicht, solange nicht, als die Nachwehen des nicht für alle Parteien glücklich geführten und noch weniger glücklich ausgetrogenen Wahlkampfes überstanden waren. Die Parteiorganisation war gelockert, Kämpfe um die Führerschaft machten die Taktik nicht sicherer, man fühlte das Bedürfnis nach Ruhe, nach einer Atem- Paule, um die Fähnchen zu sammeln und wieder Ordnuna In die eiaenen Reihen zu bringen. So war aus diesen begreiflichen Gründen die Begeisterung für eine Uebernahme der Regferungsverantwor- tung nicht gerade groß. Es gab genug Leute, die sogar meinten, die eigene Partei habe lange genug in der politischen Drecklinie des vordersten Kampfes gestanden, um sich nun auch einmal eine gründliche Erholungszeit gestatten zu können. Diese eben geschilderte Situation traf im Vorsommer de» vergangenen Jahres in erster Linie für da» Zentrum zu, das sich denn auch nach dem leider üblich gewordenen, darum aber nicht weniger unerquicklichen Hin und Her mit der Entsendung eines Horchpostens in Gestalt des Reichsverkehrsministers v. Guörard in das Kabinett Hermann Müller begnügte. Diese freiwillige Enthaltsamkeit des Zentrums, dein ursprünglich drei Ministerportefeuilles angeboten waren, hatte natürlich zur Folge, daß die anderen Parteien von sich aus mehr Ressorts besetzen mußten, als ihnen dem Stärkeverhältnis nach zustand. So erhielten die Sozialdemokraten vier statt der vorgesehenen drei Minister und die Demokraten zwei stall des einen ihnen eigentlich zustehenden, während Bayerische und Deutsche Volkspartei ihre bisherigen Vertrauensleute auch im neuen. Kabinett beließen. Es waren also keineswegs übertriebenes Prestigebedürfnis, Herrschsucht und Raffgier, was die anderen Parteien bei der Verteilung der Ministersessel leitete, sie handelten vielmehr durchaus in einer Zwangslage, in die sie die Zurückhaltung des Zentrums gebracht halte. So halte sich der demokratische Parteiführer Koch- Weser keineswegs zur Uebernahme des Reichsjustizministeriums gedrängt und die Besetzung des Reichsarbeilsministeriums durch den Sozialdemokraten Wisset! sahen seine Parteigenossen auch nur mit sehr gemischten Gefühlen. Run, noch einem guten halben Jahr ist endlich auch das Zentrum mit sich selber im Reinen. Es hat den Prälaten K ä a s zum Parteivorsitzenden und den Führer der Christlichen Gewerkschaften, Sieger-- wald, zum Fraltionsvorsitzenden gewählt. Die schwere Führerkrisis, schon lange latent, scheint damit gelöst, die drohende Gefahr einer Absplitterung des gewerkschaftlichen Flügels vorerst behoben zu sein. Die neuen Führer fühlen dos Be- dürfnis, ihren Befähigungsnachweis zu erbringen, und das möglichst bald. Tatendrang schwellt chre Brust. Das Zentrum hat nie gern zugesehen, wenn andere regierten. In der jungen Republik hat es wohl keine Regierung ohne Zentrumsleute gegeben. Eie setzen nicht gerne die Erfolge einer ebenso geschickten wie rücksichtslosen Personalpolitik durch ein allzu langes Fernbleiben von den Regierungsge- schäften aufs Spiel. Dazu kommt noch, daß das von ihnen so sparsam beschickte Kabinett daran geht, in der Justizreform sowohl, wie in Kultur- fragen — beides Dinge, die dem Zentrum besonders am Herzen liegen —, entscheidende Schritte 3u tun. Gründ genug also, um die so lange frei« willig und aus sehr eigensüchtigen Btotiven zu- riiitgefteUten Ansprüche auf eine stärkere Beteiligung iin Kabinett nun anzumelden. Wenn gerade von Zentrumsseite bei der Einleitung dieser Aktion außenpolitische Gründe vorgeschoben werden, zeugt dies gewiß von der oft und mit Recht gerühmten taktischen Geschicklichkeit dieser Partei. Denn zweifellos bestehen, wie wir schon früher hier barlegten, ernste Bedenken, mit einem so schwach fundierten Kabinett, wie dem gegenwärtigen, mit bem sich in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht eine einzige Partei auf Gedeih und Verderb verbunden fühlt, in die Reparationsverhanbinngen Zu gehen, die am 11. Februar mit bem Zusammentritt des Sachverständigenkomitces in Paris beginnen. Diese gewiß triftige Besorgnis darf aber nicht dazu dienen, die wirklichen Hintergründe der Die bayrische Kriegserklärung gegen Berlin. Münchener Kommentare. München. 1. Febr. (WB.) Der Bericht der „Münchener Telegrammzeitung" über die Aeuße- rung der bayerischen Minister in der gestrigen vertraulichen Pressebesprechung wird von den Münchener Dlättem ausführlich kommentiert. So schreiben die „M. *21. QL“: Richt oft genug kann darauf hingewiesen werden, daß man den Sinn des Kampfes um die Reichsreform völlig verkennt, wenn man ihn als einen Kampf der Länder gegen das Reich, des Südens gegen den Rorben, Bayerns gegen Preußen auffatzt. Es sind sehr scharfe Worte gefallen, die der Sache sicher nicht genutzt haben; aber wir glauben uns in Üebereinftimmung mit den Ministern zu befinden, wenn wir sagen, daß diese Worte sich in keiner Weise richten gegen das Reich, das wir lieben, oder gegen das Land Preußen, mit dem wir in unauflöslicher nationaler Gemeinschaft in Treue verbunden find, sondern nur gegen den für Deutschlands Einigkeit verhängnisvollen politischen Mißbrauch, der mit den Machtmitteln und, wir möchten sagen, mit dem Namen beider betrieben wird; untrennbar bereinigt in der großen Schicksalsgemeinschaft des Reiches müssen wir wenigstens in diesen Tagen, wo sich unser Schicksal auf lange Jahre in Paris entscheidet, Frieden und Ruhe halten unter uns Deutschen. — Die sozialdemokratische »Münchener Post" bemerkt: Der Vorgang kann seDstverständlich nicht ohne ernste politische Folgen bleiben, denn das Verhalten der drei bayerischen Minister b2beutet nichts anderes als eine offene Kriegserklärung im innenpolitischen Kampf. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß diese Reden gar nicht für die OeffentlichkÄt bestimmt gewesen find. — Von weiteren Blätterst im men sei noch erwähnt der Kommentar der oeutschnat tonalen ,M ü n che n - A u g s b u r H e r A be n bz e i t u » g", in dem u. a. gesagt tm.rb: Scharf tlingtn die Worte der bayerischen Regierung .gegen die 2Irt unh Weise, wie sich der sozialistische Ministerpräs'.dent in Preußen, Braun, vordrängt, der berechttgte Ansprüche der übrigen Länder verhindert. Die bayerische Regierung hat mit dieser 21 rt des Vorgehens v 0 llständig recht. Der Protest richtet sich gegen die heutige sozialistische Regierung in Preußen, nicht aber gegen Preußen als Land, mit bem Bayern innerhalb des Reiches fest verbunden ist. Der Kampf gegen die sozialistische heutige preußische Regierung ist für jeden, dem die alte Geschichte Preußens und die Zukunft Deutschlands am Herzen liegen, notwendig. würde bas preußische Zentrum nicht seit Jahren die sozialistische Regierung mit allen Mitteln unterstützen, bann könnte Ministerpräsident Braun feine solche diktatorischen Gelüste haben. Sn einer 2Iusla,sung bet „Bayrischen Volls- partei-Korresponbenz'' heißt es: Es braucht wohl nicht erst betont zu werden, daß dem Ministerpräsidenten Dr. Held als auch dem Staatsminister Dr. Schmelzle nichts ferner lag. als die bayrische 2ltmofphäve mit antipr^ußi schen Stimmungen r Stärkung der so oft zitierten Staatsautorität für wünschenswert. Sollten die Sozialdemokraten nach dem Debüt ihres Parteigenossen Wissell keinen Wert mehr auf die Besetzung dieses Ministeriums legen, so würde gewiß Herr Dr. Stegerwaid die sich bietende Gelegenheit gerne ergreifen, seine» Befähigungsnachweis als So- zialvollliker auch einmal in höchster verantwortlicher Stellung zu erbringen. Wir glauben allerdings. daß die Wünsche des Zentrums sich in anderer Richtung bewege». Man scheint z. D. den schon im Sommer ausgeheckten Plan einer Bizekanzlerschaft Dr. Soseph Wirths wieder im gegebenen Augenblick hervorhole» zu wollen und auch die Besetzung be3 in ei» Ministerium für die Grenzgebiete umzugestaltenden Rhein- m i n i st e r i u ms für sich zu beanspruchen, zwei im Zeichen der Rationalisierung der höchsten Reichsämter zumindest merkwürdige Projekte. Aber soweit ist es ja noch gar nicht, denn die Verhandlungen, die Reichskanzler Müller auf den Vorstoß des Zentrums hin offenbar ohne große innere 2lnteilnahme, in die CBege geleitet hat, sind nun schon seit Wochen nicht einen Schritt vorwärtsgetomnien. Das hat seine guten Gründe. Denn in bem Augenblick, wo das Zentrum mit seinen vom Sommer her vertagten Ansprüchen herausrückt, fühlt sich selbstverständ- lich auch die Dvlkspartci berechtigt, nun ihrerseits auf Wünsche zurückzukommen, die sie damals im Snteresse des endlichen Zustandekommens eines arbeitsfähigen Reichskabinetts schweren Herzens zuruckstellto. Es ist die alte wohl- begründete Forderung nach einer homogenen Regierung im Reich unb in Preußen, also bie llmbtlbung bes preußischen Kabinetts Braun zu einem Kabinett ber Gwßen Koalition unter Hinzuziehung ber Dollspartei. Die eigenartige Stellung Preußens im Reich, wie sie die Weimarer Qkrfaffung unter rabifalcm Druch mit dem Bismarckschen Staatsgedanken konstruierte, hat sich in ber Praxis mehr unb mehr als ber Kardinalfehler in unserem Staatsaufbau herausgestellt. Das Gegeneinanderregieren der beiden Spitzen in Berlin hat schwere Rachteile gezeitigt, die niemand leugnen kann. Was ist verständlicher, als das ‘Bedangen nach einer politisch gleichgearteten Regierung im Reich unb in Preußen, wenn bie Voraussetzung hierzu, ähnliche Mchc- heitsverhältnisse in ben beiden Parlamenten, gegeben ist? Aber Herr Dr. 23raun. Borussiae rex, wehrt sich mit der ihm eigentümlichen Hartnäckigkeit. von sich aus irgendwelche Schritte zu einer älmbildung seines Kabinetts zu tun. Sm Sommer hieß eS. bie Zeit bazu sei noch nicht ba, so etwas müsse langsam reifen. Man gab Versprechungen, verschleppte bie Sache bis in bett Herbst, vertröstete weiter, unb nun beginnt erneu! bieser seltsame Eiertanz zwischen Müller, Braun unb ben Parteien. DaS Zentrum, das seiner Schlüsselstellung in Preußen nach sehr wohl einen gelinden Druck auf den Ministerpräsidenten ausüben könnte, sagt: bie Dinge im Reich sind unabhängig von ber Entwicklung tn Preußen zu regeln; wohlverstanden, so sagt es heute, wo ihm bie im Sommer getroffenen Abmachungen für bie Erreichung seines Zieles im Reich unbequem werden, in Preußen habe der Kabln e t t s ch e f die SnitiatiDe zu ergreifen. Aber Herr Braun stellt sich auf ben Standpunkt, mich geht das gar nichts an, mögen b t e Parteien unter sich einig werben, von mir aus hat nichts zu geschehen. Sein Parteigenosse Hermann Müller, ber Reichskanzler, versucht, ihm gut zuzureden. Doch ber Preuße zeigt auch ihm bie kalte Schulter. Der bayerische Mtnisterpräsibent Held, der giftgeschwollen von der Berliner Länderkon- ferenz heimkehrte, hat dort in einer mehr temperamentvollen als gerade diplomatischen Kriegserklärung an Preußen seinen preußischen Kollegen den Diktator unb Vormund des Reiches genannt. Wie man jetzt eben wieder den Ministerpräsidenten Preußens fast kniefällig anfleht, nun doch auch seinerseits etwas dazu zu tun, um im Reich stabile Regierungsverhalt- nisse zu bekommen, tonnte fass als Slluftratlon zu den aufgeregten Fanfaren des bayerischen Löwen bienen. Daß wir auf biefe Weise nicht vom Flea kommen, liegt auf ber Hand. Das sollte sich auch Herr Dr. Braun sagen, vor dessen Klugheit unb Zielbewutzthett wir allen Respett haben. Der Reichskanzler verspricht sich etwas von einer ©cneralbebatte aller beteiligten Minister unb Parteiführer. Vielleicht, daß dieser letzte Trumpf sticht, sonst bleibt wieder einmal als letzte Rettung Hindenburg, zu d .1 Kanzler unb Parteiführer immer bann flüchten, wenn sie selbst mit ihrem Lotew am Ende sink). diese Drohung waHrgemacht toütbe. Tb wfftc das für die Gestaltung der politischen Veryalt- msse tm Reich sicherlich nicht angenehm. Aber eine Gesamtdemission der Regierung Müller würde es nicht zur Folge haben. Sur Regierung würde zunächst Weiterarbeiten und es darauf ankommen lassen, ob das Zentrum sich entschlichen könnte, sie im Reichstag kurz vor Beginn der Reparotionsverhandlungen durch ein Mißtrauensvotum zu stürzen. Für eine Reform Ser Invalidenversicherung. Gewerkschaftliche Forderungen. Berlin. 2. Febr. (Priv.-Tel.) Die Spitzen- organisationcn der Gewerkschaften haben an den Reich-arbeitsministcr cme Ei ng a be gerichtet, in der für die Reform und den Ausbau >der Invalidenversicherung folgende Hauptforderungen aufgestellt werden: Erhöhung der Renten durch Aufbau weiterer Lohn- und Beitragsklassen: Herabsetzung b er 3 n - validitä tsgrcnze von 662/3 auf 50 Pro;.: Gewährung von Witwenrenten auch ohne vorliegende Invalidität: Beseitigung der Kur- zungsbestimmungen nach § 1311 der Reichsversicherungsordnung und Reuregelung Der Lastenverteilung -wisch:n Inval d:n- und Angestelltcnvcrsichcrung. Erhöhung des Grundbetrages der Renten und Herabsetzung der Al ter-s grenze von 65 auf 60 Jahre werden von den Gewerkschaften als zur Zeit nicht dringlich betrachtet. Wie der „Vorwärts dazu nntterlt. besteht wenig Wahrscheinlichkeit, daß die Gewerkschafts- sorderungcn in ihrer gegenwärtigen Form vom Reichstag angenommen werden. Die Meinungen find auch bei den Befürwortern der Reform noch nicht einheitlich. Im Reichstag sucht man nach einem anderen Ausweg aus den Schwie- rigteiten. Erst Rheinlandräumung - dann Reparationsanleihe. Angebliche amerikanische Bedingungen. London. 1. Febr. (TU.) Der diplomatische Mit« arbeitet des „Daily Telegraph" will aus amerikani« sehen Kreisen hören, daß man dort einer kürzlichen Erklärung des Senators B 0 r a h , in der dieser die baldige Räumung des Rhein land es Der- langte, große Bedeutung beimesse. Dieft Erklärung, so werde versichert, müsse im Zusammenhang mit den Bemerkungen der amerikanischen Mitglieder des neuen Reparationsausschusses gelesen werden, wonach die Kommerzialisierung der deut- schen Dawesobligationen nur dann als möglich in Erwägung gezogen werden könne, wenn die Sachverständigen die Gesorntver- pflichtungen des Deutschen Reiches festgesetzt hätten. Rach Ansicht der führenden amerikanischen Dankfirmen sei offenbar e t n Abkommen über eine baldige Rdeinlandräumung für die amerikanische Teilnahme an der Auflegung einer Reparationsanleihe Voroussetzuna. Der Mitarbeiter der „Daily Telegravh" erinnert in die- Jem Zusammenhang daran, daß die amerikanischen 'und britischen Bankiers, die die erste Dawesan- leihe nach der Londoner Konferenz im Sommer 1924 auflegten, sich hierzu nur verstanden hatten, nachdem Frankreich und Belgien der baldigen Räumung des Ruhrgebiete» Äugest i m m t hatten und nachdem ein System der Schiedsgerichtsbarkeit zwischen den Alliierten und Deutschland geschaffen war, das in Zukunft ähnliche Ereignisse verhindern will. Während der kommenden Verhandlungen würden die amerikanischen und englischen Bankiers eine ähnliche Haltung im Zusammenhang mit der Finanzierung der Reparationsobligattonen einnehmen. Die Ukrainer im Polenstaat. Heftige Nngrisse gegen die polnische MinderheitenpoUtik Warsch au. 1. Febr. (WTD.) Der polnische Landtag hat gestern in später Abendstunde die Beratungen über das Budget abgeschlossen. Das Wort ergriffen hierbei fast ausschließlich oppositionelle Redner. Gröhes Aufsehen erregte eineRede deS LlkrainersPalijis. Die polnischen Erklärungen, den Ukrainern zu helfen, seien lügenhaft, unö diejenigen Ukrainer, die den Polen glaubten, seien entweder Raive oder Verräter. Die Ukrainer seien keine Feinde des polnischen Staates, wohl aber Feinde jenes historischen Irrtums, den Polen in seinen heutigen Grenzen darstellr. Ein anderer ukrainischer Redner. W a l n i ck i. betonte den revolutionären Charakter der ukrainischen Freiheitsbewegung, die keinrK 0 m- promiss« kenne. Er warnte die Polen davor, auf die Soldaten ukrainischer Rationalität zu zählen, sie könnten sich nur grimmig verrechnen. Der Sprecher des ukrainischen KlubSudi, betonte. dah die polnische Wirtschaftspolitik nur dazu diene, die nationalen Minderheiten zu untrr- drücken. Die polnische Rechtspresse ist über diese Erklärungen der ukrainischen Abgeordneten sehr entrüstet. „Kurjer Warszawski" nennt sie eine mit kalter Berechnung fabrizierte Propaganda, um die seit Iahrhunderten zu Polen gehörigen ruthenischen Länder abzutrennen. Die nation ^demokratische „Gazetta Warszawska" verlangt scharfe Maßnahmen gegen die ukrainische Agitation, da der polnische Sejm nicht die Tribüne abgeben dürfe für die gegen den polnischen Staat und das polnische Volk geschleuderten Schmähungen. polnische Phantasieblüten. Berlin, 2. Febr. (Priv.-Tel.) Gin Beispiel für die muntere polnische Ersindungsluft zum Schaben Deutschlands gibt eine Mitteilung der polnischen Zeitung „Illustrowanh Kurier Cod- zienny". die in Krakau erscheint und als Berliner Vertreter den seinerzÄt durch Öen Höllenmaschr- nenslcmdal bekannt gewordenen Korresponden.ten Heller zu ihren ^Mitarbeitern, zählt. Das Blatt behauptet,.im Dezember habe in Berlin eine Geheimsitzung ukrainischer Pvliti- k e r stattgefunden, mit dem Ziel, ein Programm für die Zerreißung deS friedliebenden Polens aufzustellen. Die Phantastik erreicht aber ihren Höhepunkt, indem behauptet wird, daß natürlich deutsche Militärs diese Aktion finanziell unterstützen und dah General Der Reichstag lehnt das Wartefiandbeamtengesch ab. Keine verfassungsändernde Mehrheit. - Die Oeuischnationaien lehnen ab. Die bayrische VolksparLei enthält sich. Ein böses Borzeichen. Am Freitag stand die dritte Beratung und die Schluhabstimmung über das Wartestandsbeamtengesetz auf der Tagesordnung. Schon das gut besuchte Haus zeigte. welches Interesse man iiesem Bera.>,ngsgcgens.an') e tg g .b achte, der in den letzten Lagen den Ausschuß sehr eingehend beschäftigt hatte und von dem man unmittelbar nach der Vorlegung des Gesetzentwurfes bereits, annahm, daß er schon mit Rücksicht auf die verfass ungsänüern den Bestimmungen. die er enthält, eine qualifizierte Mehrheit nicht auf sich vereinigen würde. Außerdem hatten aber auch die Regierungsparteien selbst mancherlei Bedenken, so dah sich die Vorlage im Ausschuß verschiedene Aen- derungen gefallen lassen mußte. Infolgedessen blickte man nach der Beendigung der Ausschußberatungen wesentlich optimistischer in die Zukunft. Man sprach bereits davon, daß alle Gefahrenklippen umschifft worden seien, und dah es nunmehr gelingen werde, den Entwurf durch den Reichstag zu bringen. Bei der Schluhabstimmung gab cS aber doch einige Überraschungen. Von den 412 Abgeordneten, die im Saale anwesend waren, stimmten nur 250 mit ja, während 122 Mitglieder des HauseS Rein-Karten abgaben. 140 Reichstagsabgeordnete dagegen entstiel- t e n sich der Stimme, unter ihnen f a st sämtliche Bayrischen Volksparteiler. So kam die für dieses Gesetz erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht zustande, weil 26 Stimmen an ihr fehlten. Präsident Loebe muhte also feststellen. dah das Gesetz vom Reichstag abgelehnt worden ist. Für die Reichsregierung ist dieser Ausgang der Schluhabstimmung höchst unerfreulich. Ganz abgesehen davon, dah das Kabinett Müller sich eine Riederlage zugezogen hat, läßt sich die Tatsache nicht übersehen, dah bei der Beratung der Steuergcsehe die Dinge genau so laufen werden, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, dem Kabinett eine ausreichende Mehrheit zu sichern und vor allem auch die Bayrische Volkspartei so weit zufrieden zu stellen, daß sie nicht wieder wie in Diesem Falle beiseite bleibt und die Regierung ihrem Schicksal überläßt. Gihungsbenchi. Berlin, 1. Febr. (D.D.Z.) Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Wartestandsbeamtengesetzes. 2ll>g. Gottheiner (Dnl.) erklärt: Der jetzt in das Gesetz aufgenommene Antrag Morath sei ein zweifelhaftes Manöver. Wenn die volle Anrechnung der Wartezeit nach diesem Antrag erst beim Inkrafttreten deS neuen Beamtengesetzes wirksam sein soll, so habe das gar keinen Wert, denn mit dem neuen Beamtengesetz werde alles frühere Recht, also auch daS vorliegende Gesetz, aufgehoben. Der Redner beantragt die volle Anrechnung deL Wartezeit. Bei Ablehnung dieses Antrags würden die Deutschnationalen die volle Anrechnung vom 1. April 1931 ab beantragen. Sollten alle Aenderungsanträge abgelehnt werden. so würden die Regierungsparteien bei der Annahme des Gesetzes dis Deutschnationalen nicht an ihrer Seite haben. Abg. Siegfried (Wirt.P.) stimmt der Vorlage zu. Sie bringe immerhin den Wartestandsbeamten eine wesentliche Verbesserung ihrer bisherigen Rechtslage. Die Aussprache ist damit geschlossen. Der von den Deuischnationalen und den kommu- nisten gestellte Antrag auf volle Anrechnung des IDavtegeibes wird mit 285 gegen 120 Stimmen abgelehnt. Abgelehnt werden auch alle weiteren Aenderungsanträge. In der namentlichen Schluß- abstimmmrg über die Vorlage werden 250 Stimmen dafür. 122 dagegen abgegeben bei 40 Stimmenthaltungen. Danach ist die für verfassungsändernde Gesetze erforderliche Zwei-Drlttel-Mehr- h e i f der Anwesenden nicht erreicht und das Gesetz ist a b g e l e h n t. Geschlossen gegen die Vorlage haben gestimmt die Deut? ^nationalen, die Som- munislen, die Rationalsozialisten, die meisten Rill' glieder dec Dayrischen Volkspartei haben sich der Stimme enthalten. Es folgt die zweite Beratung der Handwerksnovelle zur Gewerbeordnung. Der Ausschuß hat nur unwesentliche AenLerungen, an der Regierungsvorlage vorgenvmmen. Wirt- schaftsminister Dr. Eurtlus erklärt sich mit den vom Ausschuß gefaßten Beschlüssen einverstanden und wendet sich gegen die auch jetzt noch folgenden Aenderungsanträge. Die Innungs- kcankenkassen hätten mit dieser Vorlage nichts zu tun. Eine Heraufsetzung des WahlalterS über 21 Iahre hinaus würde nicht zu recht- fertigen sein, weil die Handwerker mit 21 Iahren selbständige Meister und Innungsmitglieder werden tonnen. Abg. Robert Schmidt (Soz.) weist auf die große Zahl der proletarisierten Allein- meister im Handwerk hin. Diese wirtschaftlich schwachen Handwerker hätten von der Orggni- sallon des Handwerks wenig Rutzen. Der vorliegende Entwurf bedeute sicherlich einen Fortschritt gegenüber der bisherigen Organisationsform. 2lbg. Dr. Wienbeck (Dntl.) äußert einige DedeÄen gegen Einzelheiten der Vorlage, besonders gegen das allgemeine Wahlrecht der Handelskammer im Gegensatz zu dem bisherigen Verfahren des Wahlrechts der Innungsvorstände. Die Wahlordnung werde hoffentlich so ausfallen, daß demagogische Wahlmanöver innerhalb der Handwerksorganisation vermieden werden. Die Innungen müßten gegen einen weiteren Abbau ihrer Rechte geschützt werden. Der Vorlage würden die Deutschnationalen Kustimmen. Abg. R i e n t i m p (Ztr.) beantragt öie Wieder- Herstellung des im Ausschuß gestrichenen Paragraphen 7, wonach diejenigen Mitglieder, welche einer Zwangsinnung anzugehören haben, auS der bisherigen Innung auszuschallen, es sei denn, dah sie einen entgegenstehenden Willen ausdrücklich erflären. Der Reichstag vertagt sich auf SamStag: Verträge mit auswärtigen Mächten. Groener sich zusammen mit Ludendorff in das Protektorat und den Vorsitz der ukrainischen Versammlung geteilt hatten. Wie ahnungslos diese Konchinationen hergestellt sind, ergibt sich schon aus der einfachen Tatsache, daß bei den bekannten nicht gerade freundschast- lichen Beziehungen zwischen Groener und Luden- dorsf von einer solchen Zusammenarbeit g a r keine Rede sein kann. Diese beiden Männer setzen sich nicht zusammen an einen Tisch. Darüber hinaus aber ist e3 selbstverständlich ausgeschlossen, daß sich deut'che Militärs und ein Mann wie Groener mit derartigen ukrainischen Uiiternehmunoen abgeben. Spaniens Lage nach dem putsch. Keine Lösung der inncreu Schwierigkeiten. Paris, 1. Febr. (WB.) Das „Iournal des Debats" hat von einer gestern abend aus Spanien eingetrofsenen. zu dem Blatt in Beziehungen stehenden Persönlichkeit nähere Angaben über die Lage in Spanien erhalten, aus denen sich ergibt, dah die Situation doch ernster zu sein fefceint. als man auf Grund der offiziösen und osfiziellen Mitteilungen annehmen könnte. Besonders schwere Unruhen seien in Ciudad Real, aber auch in Merida, Burgos, C 0 - runa, Cartagena und Bilbao zu verzeichnen. Der verhaftete Sanchez ©uerra habe allem Anschein nach Grund gehabt, in Valencia auf Unterstützung zu rechnen. Die Intervention Guerras fei jedenfalls ein ernstes Symptom, und gewiß habe er sich nicht leichtfertig in ein Abenteuer gestürzt. Er besitze immer noch ein großes Prestige, und wenn er gehandelt habe, so deshalb, weil er auf einen Erfolg zu hoffen berechtigt gewesen fei Die ilnierbrudung der gegenwärtigen Rebellion fei jedenfalls keine Lösung. Es fei bezeichnend, daß die Oppositionskundgebungen gegen die Diktatur einen wachsenden Umfang annähmen. Das gegenwärtige Regime wird von dem Gewährsmann des „Journal deS Debats" als verbraucht und beim Volke wenig beliebt bezeichnet. In einem von den Aufständischen In Spanien verbreiteten Manifest werden die Gründe für die Erhebung angegeben. Unter anderem wird In diesem Manifest erklärt, daß die Wiederherstellung eines normalen Regimes in erster Linie gefordert werden müsse, um dem Lande den unteren Frieden zu geben, den es vor allem angesichts der bevorstehenden großen Ausstellungen in 'Barcelona und Sevilla haben müsse Das Manifest fordert für alle Spanier die Eigenschaft von Bürgern und nicht von Untertanen. Das Volk verlange, daß die Armee der Schirm der Ration sei, und nicht die Eskorte des Diktators aber des Königs. v.um Schluß wird auch die Rotwendigkeil betont, die Finanzen, die ernstlich bedroht seien, zu sanieren. Oie Gründe des Scheiterns. Der Gcneralkapitan von Valencia versagt die Gefolgschaft Paris, 2. Febr. (WTB. Funkspruch.) „Journal" berichtet aus Valencia, daß die Hauptursache des Scheiterns der Aufstandsbewegung in der Weiterung des Generalkapitäns der Provinz 23a- encia, E a st r 0 Girona, zu suchen sei, dem Aus- tanb die versprochene Unterstützung zu leihen. Einige der Leiter der Bewegung in Spanien hätten dem General schon längere Zeit mißtraut und zu Sanchez ©uerra nach Paris Delegierte gesandt, um ihn davon zu überzeugen, daß es notwendig sei, die Leitung der Aufstandsbewcgung in der Gegend von Valencia in andere Hände zu geben. Sanchez ©uerra habe erwidert, daß er das Ehrenwort ©ironas erhalten habe und a u f seine Loyalität rechne. Valencia habe der Pfeiler der ganzen Verschwörung werden sollen. Als Sanchez ©uerra eingetrofsen war, habe ihn Girona gebeten, nach Frankreich zurückzukehren. 2lls ©uerra unter Berufung auf die Verabredung sich geweigert habe, habe ©irona den Gouverneur von der 2lnkunft Guerras benachrichtigt. Auf diese Weise fei die Verhaftung des ehemaligen Ministerpräsidenten erfolgt. Aus aller Welt. Die Bankräuber als Trefarmieler. Da c3 jetzt als sicher angenommen wirb, baß die Räuber deS Tresvreinbruchs selbst ein Tresor gemietet haben, um an Ort und Stelle die Räumlichleiten auszukundschasten, wird die Kriminalpolizei voraussichtlich alle Tresorinhaber, die in der Depvsitenkasse der Disconto- Gesellschaft ein Tresor besaßen, vernehmen, um etwa auftauchenden Verdachtsmomenten, die zur Ergreifung der Täter führen könnten, nachzu- gehem Dieses Vorgehen der Polizei ist im Augen- blick das einzig aussichtsreiche Unternehmen, das eventuell zu einer Klärung des Einbruchs führen kann. Durch den Anschlag ist, wie jetzt fest- gestelll werden konnte, auch die Dank , elbst geschädigt. Die Täter haben u. a. eine Safe erbrochen. In dem ein Teil bet Kasse der Bankfiliale untergebracht war. Allein aus diesem Safe haben die Verbrecher etwa 20 000 Mk. erbeutet. Der Totgesagls mit den zwei Frauen. Der 51jährige Instrumentenmacher Sngeler hatte sich vor einem Berliner Schöffengericht wegen Bigamie zu verantworten Cs handell sich rnn einen ungewöhnlichen Fall, da Engeler auf Antrag feiner ersten Frau ohne sein Wissen amtlich sür tot erklärt worden war. Engeler erklärte bei seiner Vernehmung, daß seine erste Che sehr unglücklich gewesen sei, so daß er es als Erlösung betrachtet habe, als er bet Ausbruch des Wellllieges ins Feld rücken mußte. Tatsächlich habe er im Weltkriege den Tod gesucht, um dem .Höllenleben" mit seiner Frau zu entrinnen. Das Gericht konnte feststellen, daß Öngeler in der Tat al- erster in seiner Kompagnie wegen Tapferkeit vor dem Feind das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten hatte. Rach dem Krieg war der Angeklagte nicht mehr zu seiner Frau zurückgekehrt und hatte 1919 t n Königsberg zum zweiten Male geheiratet. Er erklärte, daß ihm damals gar nicht der Gedanke gekommen sei, sich von seiner ersten Frau scheiden zu lassen. Erst als er 1925 bei feiner Rückkehr nach Berlin erfuhr, daß seine erste Frau ihn für tot hatte erklären lassen, strengte er die Scheidungsklage an und die Ehe wurde dann auch ohne weiteres geschieden. Die geschiedene Frau hatte aber durch den Prozeß von der Doppelehe Kenntnis erhalten und An• zeige erstattet. Das Schöffengericht verurteilte den bisher unbescholtenen Mann, der mit seiner zweiten Frau in glücklicher Ehe lebt, wegen Bigamie zur MindeAstrafe von sechs Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist. Gerichtliche» Rachspiel zu den Schwelgasoergislungen In Halle. ©egen vier Direktoren und den Betriebs« fthrer der Grube „Alwine" der Gewerkschaft dec Bruckdorf-Nietlebcner Bergbauvereins in Druckbar! bei Halle ist Anklage wegen Unterlassung geeig' neter Vorsichtsmaßnahmen und fahrlässige: Körperverletzung erhoben worden. Durch die Abgase der Schwelerei der genannten Grube sind vor einiger Zeit schwere gesundheitliche Schädigungen m der Bevölkerung von Halle und Umgebung verursacht worden. Das Urteil im Sonnenburger Zuchihausprozeß. Im Sonnenburger Zuchthaus r.zeß wurden 15 Beamte, darunter die sämtlichen Hauptwacht« meister, freigesprochen, der Oberwachtmei ster 01 aumann wurde wegen fortgesetzten ein- fachen Diebstahls a u vier Monaten Gefängnis verurteilt, von den übrigen wegen des gleichen Delikts bzw. Hehlerei der Inspektor Heinkel zu 100 Mark Geldstraf< an Stelle einer an sich verwirkten Freiheitsstrafe von 20 Tagen Gefängnis, die übrigen zu Geldstrafen von 15 bis 50 Mk. an Stelle von an sich verwirkten Freiheitsstrafen von drei bis zwanzig Tagen Gefängnis. Auf einer Stllour tödlich verunglückt. In S i l v a p l a n e (Graubünden) unternahmen zwei Hotelgäste eine Skitour ins benachbarte Gelände. Bei einem Abhang löste sich ein Schnee- breit los und riß belbe Touristen mit sich. Der eine, namens Gabler aus Zürich, tonnte sich, trotzdem er bis zur Brust mit Schn« bedeckt war, hevauLarbeiten; fein Freund, der 23 Iahve alte Diplombergbauingenieur Walter Rervegno auf Köln, war tn den Schneemassen verschwunden. Gabler setzte sich mit einem Bergführer in Verbindung, um sofort Hil> zu holen Die RettungSkolonnen aus St. Moritz und Sil» vaplane konnten den Verunglückten rasch bergen Er Lag unter einer 1,70 Meter dicken Schnee» schicht, und war bereits tot. als man ihn fand Oie Wetterlage. (oruni rreitag. L tFeb.1929,.7* abds. © vofxenmi s neuer o nei» oedeext » woitia. • otoecei • ♦ Schnee »Graupem «Hebei K6fWit‘er.(g)uind5itiit «O* teichie* Cm *«s$ioe« luasud-e» q Mormccne* -tordweil tie Pfeiie fliegen mn dem Wtnflt Du eei et* Stationen ittncnota Zafr len geoen die Temperatur an. Die Limen vero-oe» Oru M «UM» -uezesniveae umaereenneteo LüIUtmO Wettervoraussage. Wettervorhersage fürS 0 nnt 0 g. SRetf heiteres und wolkiges Wetter, nachts strenger Frost, tagsüber Erwärmung. W i t t e r u n g s a u »s i ch t e n für Montag: Stellenweise neblig, wolkig, weiterhin Nachtfrost, tagsüber Temperaturen um Null und darüber. Lufttemperaturen am 1. Februar: mittags —1,5 Grad Celsius, abends —9,9 Grad Celsius, am 2. Fe- bruar: morgens —15,5 Grad Celsius. Mar mun —1,4 Grad Celsius, Minimum — 15,9 ©rod Celliu« Erdtemperaturen am 1. Februar: abends —2,8 örai Celsius: am 2. Februar: morgens — 3,9 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: 5% Stunden. Mnlerfporlnachrichlev der Hess. Dellerdlenslstelle. Vogelsberg (Hoherodskopf): Heiter, —11 Grad Celsius, 30 bis 35 Zentimeter Schnee, gekörnt Ski und Rodel sehr gut. — Herchenhoiner Höhe Heiter, — 11 Grad Celsius, 35 Zentimeter Pulver schnee. Ski und Rodel sehr gut. Odenwald (Tromm): Heiter. —11 Grad C. 50 Zentimeter Pulverschnee. Ski und Rodel sehr gut. — Reuickirchen: Heiter, — 15 Grad Celsius. 50 Zentimeter Pulverschnee. Ski unö Rodel sehr gut. TaunuS (Kleiner Feldberg): Heiter, — 12 Grad Celsius. 45 Zentimeter vchnee, stark verharscht. Ski mäßig. Rodel gut Sauerland (W nteeberg): Heiter. —13G at Celsius. 45 Zentimeter Schnee, etwas verharscht Sti unb Rodel sehr gut Schwarzwald (Feldberg): Heiter, — 8 Gral Celsius, 115 Zentimeter Schnee, etwas verharscht Sö unb Rodel gut. — Ruhestein: Heiter, - 12 Grab Celsius, 88 Zentimeter Schnee, etwas verharscht. Sti und Rodel gut. Alpen (Hirschberg): Heiter, — 12 Grad Celsius, 270 Zentimeter Schnee, etwas verharscht: nur Ski möglich. R. sonders hingewiesen. 4,50 am. Boruotizen. stehn TBafl baS Duch spricht! eines AXdlionert'BelrteLes sdner SPEZIÄL-MAZEDONEN-MISCHUNO — TageSkalenderfürSamstag. Dorern der Keunde dos humanistischen Gymnasiums: Vortrag: »Horaz als Loisebogloi:« in Italien", Ich gehe als guter Freund doS Menschen von Hand zu Hand: darum behandle mich gut. das Sprichwort. DaS du nicht willst, daß man dir tu, daS füg auch keinem andern zu! Wenns auch .nur" ein Buch ist! Dom Wintersport in Gießen. Sie, _ . ob, hier schon fremdes Gut ist. Alle geliehenen Bücher werden, wenn sie nicht schon geschützt sind, in ein Zeitungspap^er ein» geschlagen und an einen besonderen Ort gelegt, daß man sie jederzeit greifen kann. All diese Maßnahmen gellen auch für die^ Erwachsenen. Jeder, der gern liest und öfters Bücher leiht, sollle sich in seinem Bücherschrank eine Ecke für diese Merke freihallen, dann kann er zu jeder Stunde mit gutem Gewissen das Verlangte zurückgeben und wird nie in Verlegenheit kommen, oder gar im ganzen Hause nach einem verlegten Buche suchen müssen. In den Bänden aus den öffentlichen Büchereien iglML übernahmen uchbartr Grein öchnee- mit sich. Da konnte sich, r brockt war, 3 Ich« alte iewegno auf ffen ver> einem Berg- H e zu ho'.m rih und 611» rasch bergen lidzn Kchnee- man ihn sand Pfarrer Heumanns Heilmittel stets vorrätig in der Niederlage Hirsch-Apotheke Gießen, Frankfurter Straße Nr. 4 Das Pfarrer Heumann-Boch 272 Seiten, 150 Abbildungen, erhält jeder Leser vollständig umsonst und portofrei von Ludwig Heumann & Co.. Nürnberg M 613. 104D ..Älillll MmnOlimwnfbwKhiHlIf»» ‘ ,„n S««*^ £S*S «täS- «w» ö'“ * lp1ifnmnt.iiii||innnuiiiiiinnmu||||ininin!inm|nuii,nnnniiii] i DER GÄNSEKIEL DIENTE EINSTMALS •* Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch das Landeskirchen amt wurden ernannt: Pfarrvikar Wilhelm Köhler zu We- nings zum Pfacrverwalter der evangelischenPfarr- stelle zu Wenings, Dekanat Büdingen: Pfarr- assistent Friedrich Axt zu Rüsselsheim zum Pfarrverwaller der evangelischen Pfarrstelle zu Romrod, Dekanat Alsfeld: Pfarrer Edwin Mar- guth zu Winnerod wurde mit der Berwallung der evangelischen Pfarrstelle zu Södel, Dekanat Hungen, beauftragt. •• Die Museen sind am Sonntag zwischen 11 und 1 Tlhr bei kleinen Preisen geöffnet — Städtische D re n n h o lz v e r ste i ge- rungen. Bei den Brennholz-Versteigerungen am Mittwoch im Philosophenwald, Bezirk des Försters Drück, und am Freitag im Bezirk des Försters Geisel wurden im Durchschnitt folgende Preise erziell: Duchenscheit 19 Mk., Cichonscheit 12 Mk., Ki-fernscheit 12,60 Wk., Duchenknüppel 15 Mk., Eia^nknüppel 6,40 Mk., Kiefern knüppel 11,60 Wk., Birkenknüppel 10 Mk., Fichtenknüppel 7 Wk., Eichenstöcke 6 Mk., Kiefernstöcke 8 Wt, Fichtenstöcke 4,80 Mk. je Raummeter: Buchen- reisig 32 Mk., Eichenreisig 15 Mt, Kiefernreisig 13 Wk., Fichtenreisig 15 Mk., je 100 Wellen: Fichtenderbstangen 1. Kl. 2,20 Mk., Fichtenderbstangen 2. Kl. 1,80 Mt je Stück. •* Diehmärkte in Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet hier Rindvieh. (Nutzvieh.) Markt statt, dem sich am Mittwoch Schweinemarkt anschließt. •• LichtbildervvrtraginderStodt- kirche am Sonntagabend. Don der tiefen Rot unseres Dolles reden viele Tatsachen. Am erschütterndsten aber ist die Sprache der Selbstmorde. Alle Stände und jedes Alter kommen hier in Betracht. Ernste Fuaren des wirtschaftlichen, sozialen, sitllichen, religiösen Lebens treten da vor uns hin und verlangen unerbittlich unsere Auseinandersetzung mit ihnen. Es muh uns ergreifen und nachdenklich machen, wenn wir von der Statistik Horen, dah die Zahl der Selbstmorde in Deutschland in 1924: 14 338, in 1925: 15 200 und in 1927: 16 800 betrug, in 1928 nicht lesen. Wir sind heute in der Ausstattung unserer Bücher einen guten Schritt vorwärts gekommen. Einband, Druck usw. sind meistens mustergültig. ES tut einem oft im Herzen Weh, wenn solche Bücher, die man schon wegen ihreS Aeuheren lieb haben must, zurücüommen. Verbogen, Eselsohren darin, Zigarrenasche zwischen den Blättern, von Fettflecken ganz zu schweigen! Woher kommt diese Rücksichtslosigkett? Es fehlt die Achtung vor dem fremden Eigentum! Die ganze Frage ist letzten EndeS eine Erziehungsfrage. 11ns Ellern liegt die Pflicht ob, hier schon bei den ganz kleinen Kindern anzufangen, lind wenn ich Büchereiverwaller in einer Schule wäre, dann entzöge ich jedem Schmierfinken für einige Zett jedes Buch. Dah die Kinder beim Spielen im Freien oder sonstwie schmutzige Finger bekommen, ist natürlich, aber ebenso natürlich sollte es sein, dast man sie anhält, sich ihre Hände vor dem Lesen zu waschen und das Buch sorgfältig zu behandeln, indem man darauf aufmerksam macht, dast es hollr. Betriebs, erkschost der n Bnickdgsj -N yutä) dir ;, Rannten 'n Halle iml ** Born Auto über fahren und schwer verletzt. Der 62 Jahre alle Landwirt und Müller Wilhelm Weigel aus Mendorf (Lahn) wurde auf dem Wege von seinem Dorfe nach Dutenhofen von einem aus Wiesbaden stammenden Auto überfahren und schwer verletzt Der Chauffeur verbrachte mit einem Auto den bedauernswerten Mann nach der Chirurgischen Klinik in Gießen. Hier liegt der Den unglückte mit schweren Schädelverletzungen in seht bedenklichem Zustande darnieder. •• Zur Auswan derung nach Rord- amerika. Die Hamburg-Amerika-Linie lenkt Aufmerksamkeit der Interessenten auf die bei den amerikanischen Konsulaten vor sich gehende Registrierung von Gesuchen um Aufnahme in die Warteliste für die Erteilung des amerikanischen Einwanderungssichtvermerkes, die seit Aufhebung der Sperre den Konsulaten zugegangen sind. Ein übersichtlich gehaltenes Merkblatt, das alle erforderlichen Papiere aufzählt, ist kostenlos bei der Hapag-Dsrtretung in Gießen erhältlich. ** Reichsverein der hauptamtlichen Lehrkräfte deutscher Berufsschulen, Landesverein Hessen. Die Lehrkräfte der hessischen Berufs- und Fachschulen, die früher in dem Verband hessischer Gewerbeschulmänner und dem hessischen Berufsschuloerein zusammengeschlof. en waren, haben sich kürzlich zu einer Organt- ation vereinigt: dem Reichsverein der hauptamt- ichen Lehrerschaft deutscher Berufsschulen, Landes« verein Hessen. Der Landesverein setzt sich aus vier* zehn Bezirksvereinen zusammen, deren Sitz in den Kreisstädten des Landes sich befindet. Der De- zirksverein Gießen hielt dieser Tage sein« erste Versammlung ab. In dieser wurden die folgenden Herren zum Vorstand gewählt: Vorsitzende: Schmidt, Leichum, Schriftführer: Rust, Rechner: Schneider, Beisitzer: Ost, Tiel- mann. Der Verein bezweckt die Förderung deutscher Berufsschulen, tätige Mitarbeit am Aus- und Aufbau dieser Schulen, sowie die Vertretung und Förderung der wirtschaftlichen und rechtlichen Angelegenheiten seiner Mitglieder auf gewerkschaftlicher Grundlage. *• Die Frauenschule Friedberg fordert im heutigen Anzeigenteil zur Anmelduna der Schülerinnen auf. Interessenten seien auf die Anzeige be- ssS äs s. entunet" * tiSradö ,zA.a' 'Mill .Wtoa! «L §rau chei. ei"et S. Stau N « die b5WeiIfc E Itinei Te, Grippegefahr beugt vor «WW Der diesmalige Winter hat uns ein Wetter be- schert, wie wir es in den lebten Jahren kaum erlebt haben. Im Gegensatz zu früher war die Zahl der nahkatten Tage sehr gering, dafür hatten wir bis jetzt trockene, erträglich kalte Wochen, von öfterem Schneefall unterbrochen. Der Schnee ist nun in der Stadt zum größten TeU ^usammengcschrumpst und bildet meistens nur noch eine graue, schmutzige Masse. Bei einem Spaziergang vor die Tore der Stadt leuchtet uns aber überall in Feld und Wald die weiße, von „Frau Holle" gespendete Decke noch entgegen. Kein Wunder, daß die Anhänger des Wintersports die günstige Gelegenheit wahrnchrnen und seine Freuden noch Möglichkeit auskosten. Vor allem ist es der Rodelsport, den man auf allen „schiefen Ebenen" außerhalb der Stadt pflegt. Arn Leihgestcrner Weg geht die Fahrt einige hundert Meter hinter der Gummifabrik in das dem Erdkauterweg zu gelegene Tal, unbeschadet, ob einige Büsche „verkehrshindernd" im Wege stehen: am Kugelberg befährt man den abfallenden Weg hinter der Kaserne — kurz, jede nur einigermaßen fahr- bare Strecke wird in Betrieb genommen. Als größere Wintersportplätze kommen das Gelände am Schis- enberg und auf dem Trieb bei den „drei Birken" und am „Eulenkopf" in Bettacht Hier Herrs äst namenttich am „Weekend" und Sonntags reges Treiben. Schneefchuhläufer beiderlei Geschlechts zeigen hier chre Kunst und suchen sie zu vervolllommnen, um nach Erlangung der nötigen Fertigkeit und (Erfahrungen größere Wintersport- rlätze aufzusuchen. Auch hatte man in den letzten Tagen Gelegenheit, das in der Bilderbeilage „Illu- ttierte des Gießener An eigers" Rr. 4 vom voriaen Samstag im Bild gezeigte Skijöring in der näheren Umgebung von Gießen zu beobachten. Mehrere Skiläuferinnen und -läufer wurden von flinken Pferden, die ebenfalls Retterinnen und Reiter trugen, an langen Lederzugleinen pfeilschnell über die weißen Fluren gezogen. Auch bei diesem Sport konnte man beobachten, daß er von den Skiläufern große Gewandthett und Geistesgegenwart verlangt. Diese Sportart sand aber auch gleich wieder ihre Nachahmung: zwei junge Leute benutzten statt Pferd und Schneeschuhe--Fahrrad und Rodelschlitten (aneinandergekuppett). um schneller zu den „drei Birken" zu gelangen, wobei sie die Lacher auf ihrer Sette hatten. Dort herrscht namentlich in den Abendstunden Großbetrieb, oft bis gegen Mitternacht. Alt und jung, Männlein und Weiblein, Mutti mit ihrem drei- oder vierjabriaen Liebling, sie alle geben sich dem reinen Vergnügen hin, und namentlich den Kleinen bereitet die eintretende Dunkelheit ein täglich viel zu frühes Ende der Herrlichkeit. Großes Interesie und viel Heiterkeit erregt hier auch ein großer „B o b", der, aus starken Bohlen her- gestellt und oben gepolstert, oft sechs bis acht Fahrgäste trägt und nach gut gelungenem Start sausend und ab und zu auch hopsend seine Fahrt bis tief in das Ginstergestrüpp am unteren Trieb ausführt. Talen für Sonntag, 3 Februar. Sonnenaufgang 7.36 Uhr, Sonnenuntergang 16.53 Uhr. — Mondaufgang 2.50 Uhr, Monduntergang 1721:\er Rettergenerol Friedrich Wilhelm von Seydlitz in Kalka geboren (gestorben 1773); — 1786: der Orientalist Wilhelm Gesenius in Rordhausen geboren (gestorben 1842); — 1809: der Komponist F. Mendelssohn-Bartholdy in Hamburg geboren fge- ftorben 1847); 1845: der Dichter Ernst von Wilden- brud) in Bayreuth geboren lgestorben 1909); — 1924: Woodrow Wilson, Präsident der Bereinigten Staaten, in Washington gestorben (geboren 1856). Gießener Wochenmarttpreise. 68 kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 25 bis 30, Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 25 bis 30, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Räben 15 bis 20, Spinat 50 bis 60. Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 25 bis 30, Rosenkohl 50 bis 60, Feld'alat 150 bis 180, Tomaten 80 bis 90. Zwiebeln 20, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 5 bis 5'/-. Aepfel 20 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50. junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Tauben 80 bis 85. Düsse 70 bis 80 Pf. das Pfund; Eier 18 bis 20. Blumenkohl 70 bis 140. Salat 40 bis 45. Endivien 40 bis 60. Lauch 15 bis 20, Rettich 10 bis 20. Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück: Kartoffeln der Zentner 3,80 bis W« Wtn. SSK Mansch tam aQP loS an diesen furchtbaren Tatsachen vorübergehen. Darum wird man einem Dorttag, der sich vom christlichen Standpunkt auS damit auseinandersetzt, gewitz grostes Interesse entgegenbringen. Der Bundeswart der evangelischen Hessenjugend, der durch seine mannigsachen Beziehungen zu jungen Dlenschen einen ticken Einblick auch gerade in di« jugendliche Seele hat, wird am morgigen Sonntagabend in der Stadtkirche über .Di« Flucht vor dem Leben" sprechen und dabei auch eindrucksvolle Lichtbilder zeigen. Jedermann ist dazu herzlich eingeladen. (Siehe heutig« Anzeige.) •• Beim Holz o bla den schwer verunglückt Heute vormittag verunglückte der Arbeiter Ludwig Kreiling aus Wieseck beim Ausladen von Holz aus einem Guterwagen am hiesigen Bahnhof dadurch, dah die Holzlabung plötzlich ins Rutschen kam und zum grohen Teil auf den Mann stürzte. Der Bedauernswerte trug dabei schwere Verletzungen am Kopfe, sowie innere Derletzungen davon. Rach erster Httfelcistung durch die Sanitäter der Feuerwache wurde ec von der Wache mit dem städtischen SanitätSauto der Ehirurgischen Klintt zugeführt. " Eine KindeSleiche gefunden. Gestern wurde in dem Keller eines Hauses In Löbrrs Hof die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefundcm. Wie die Ermittlungen ergaben. ist das Kind in der Rächt zum 1. Februar von einer unverheirateten Bewohnerin des betreffenden HauseS zur Welt gebracht worden.' Blutspuren, die von anderen Hausbewohnern rühmorgens im Hausflur und auf der Keller- reppe bemerkt wurden, erregten Derdacht und uhrten zu dem Funde. Ob das Kind nach der Geburt gelebt hat, muß erst die heute stattfin- dende Sektton ergeben. Gießen, den 2. Februar 1929. Oas geliehene Buch. von vielen werden Bücher geliehen, so- wohl in der Stadt, wie auf dem Lande. Ich spreche hier nicht von dem Lechen aus öfsenttichen Biblio- cheken, sondern nur von dem Lechen der Bücher, die im Besitz einzelner Personen sind. Im allgemeinen sind ja die Bücher — bis auf wenige Ausnahmen — dafür bestimmt, daß sie von recht vielen Leuten gelesen werden. Es ist auch nicht jeder in der Lage, sich gerade das zu kaufen, das er gern hätte. Da sieht er ein Buch, das in der Zeitung ober sonstwo lobend besprochen worden ist, bei seinem Freunde im Bücherschrank stehen. Es ist ganz na- turllch, daß dann die Frage folgt: .Können Sie mir bas nicht einmal leihen? Und wer wird da ungefällig fein? Es gibt wohl ganz wenige Menschen, die eine solche Bille abschlagen. Aber ich kann mir denken, daß auch die Antwort lauten kann: „Nein! Ich verleihe grundsätzlich keine Bücher" Es hat hall jeder seine Erfahrungen mit dem Beriechen gemacht. Sind es aber gute Erfahrungen. Frage hundert Bekannte, und bu wirst von neunundneunzig hören: „Am liebsten wäre es mir. wenn ich gar keine Bücher auszulechen brauchte. Aber was will man machen?" Ich selbst habe eigentlich immer ganz gern Bücher verliehen, hauptsächlich solche, die zur Unterhaltung dienen; denn wenn man sie gelesen hat, stehen fi« meisten- unnütz im Bücherschrank. Aber heute gehöre ich auch zu Len neunundneunzig. Einige mir wertvoll« Werke sind beim Derlethen einsach verschwunden, andere kamen — wie man sagt — so stark „zerlesen" zurück, dah es mich jammerte. An Entschuldigungen fehlte eS natürlich nicht Der Herr X hatte das Buch an Herrn D- wettergegeben, von Lern erhtett es ein anderer Bekannter usw., die Frauen und schließlich die erwachsenen Kinder, auch die Dienstmädchen, lasen mit. ES gibt gar viele Menschen, die empfinden nicht einmal, welche Rücksichtslosigkeit, ja man kann sagen Llngezogenhett sie mit diesem Betragen zeigen. ES ist ja „nur14 ein Duch! Dieses Wörtchen „nut44 spricht Bände. Ich habe mir deshalb angewöhnt, meine Bücher nur unter gewissen Bedingungen zu verleihen. Die erste lautet: Richt weitergeben! Die zwette: 3n einigen Wochen oder auch Tagen — je nachdem — hoffe ich auf ein Wiedersehn! Außerdem habe ich mir einen besonderen Zettelkasten angelegt, in dem alle Bücher alphabettsch einzeln auf Zetteln vermerkt sind. Der Zettel eines verliehenen Buches wird heraus^enommen und besonder- gelegt. Aus die Dücksette kommt der Harne des Leihers und da- Datum. So bin ich gesichert Auch scheue ich mich nicht, wenn eS Zett ist. um Rückgabe eines Buches zu bitten. Billige Bücher (Reklamcheftchen usw.) soll man grundsätzlich nicht verleihen: denn wer sich von seinem Taschengeld nicht soviel ersparen toUI. indem er einige Zigarren weniger raucht oder auf ein paar Glas Bier verzichtet, der soll auch im DootShauS. — Artilleristen-Derein: Monats- versammlung, 8.30 Ahr. im Vereinslokal. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: Pat und Patachon in .Die blinden Passagiere'. — Astoria-Lichtspiele: .Chikago". Maskenbälle der Vereine: Spielver- einigung 1900 e. CB.: 7,11 Ahr. Im Case Leib. — Verein für Bewegungsspiele 03: 8,11 älhr, Lie- biaShöhe. — 116er: 8.32 Ahr, Cafö Astoria. - 1. Reichskurzschriftgesellschaft „®abelSber,.er“ und Damenabteilung e. CB.: 8.20 Ahr: »Stadt Lich". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Kleine Komödie", 18 bis 20 Llhr. — Stadlkirche, Lichtbildervortrag „Die Flucht vor dem 2ef>cn (Selbstmord)", 8 Uhr. — Spielvereinigung 1900/03. f. CB.: Llnterrichtsabteilung für die leichtathletischen Abteilungen deS Der- bandssportlehrers Hole ab 9.30 Ahr vorm. in der Turnhalle der Pestalozzischule. — Verein vertriebener Elsaß-Lothringer: Hauptversammlung, nachm. 4 Ahr „Zur Stadt Lich". — 21t.-S.-CB.: Oeffentliche Dorfüchrung des Boxens, 3 bis 5 Ahr nachm. in der Turnhalle der Oberrealschule. — Akademische SkOvett kämpfe auf dem Hoherods- kopf. — Damen-Friseur- und Perückenmacher- Gehilfen-Verein: 1. Stiftungsfest, 7 älhr, Turnhalle Oswaldsgarten. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Dorm. 11.15 ilfjr, Kulturgroßfilm „Die Rordsee"; abends: Pat und Patachon in „Die blinden Passagiere". — Astoria-Lichtspiele: „Chicago". — Maskenbälle der Vereine. Gießener Karnevalsgesellschaft: Große Fremdensitz.ung, anschließend Dohnenball. 5.11 Ahr, Cafe Leib. — Die Große Gießener Karneval- Gesellschaft veranstaltet morgen nachmittag im Saale des Cafe Leib eine große Fremdensitzung. Die Freunde des karnevalistischen Treibens seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Dia nächste Premiere im Schauspiel bringt ein Gastspiel von Auguste P r a s ch - G r e v e n b e r g, die beretts in Gießen durch ihre Gastspiele in „Finden Sie, dah Constance sich richtig verhüll?", „Fünf Frankfurter", „Der 13. Strchl" und „Das Dorf Sanct Iusten" sich einen großen Publikumskreis erworben hat. Frau Prasch-Vrevenberg wird als Fürstin Eugenie in Molnars „Olympia" gastieren. Am Dienstag, 5. Februar, wird „Rctthan der Weise" gegeben. Die morgige einmalig* Wiederholung von Siegfried Geyers „Kleine Komödie" beginnt 18 Ähr. Ermäßigte Preise. Fremdenvorstellimg In dem Lustspiel spielt F-ällein AlixKrahmer die we bl ch? Hauptrolle der Maria. Cs wirken ferner mit die Damen Heß und Koch; in den männlichen Rollen sind beschäfttgt Baste, Gareis, Gehre, Linkmann und Tannert. Spielleitung: der Intendant. «o-prozch. ) vurdeir I! vauptvochi, renvachlmei Aschen ein ahn ttl bet BelHub lnlhritSstrch gen ju Selb- e von an sich l biS zvmzh «US der provinziachauptffa-t. L7' ** Bei allen geliehenen Büchern denke auch an KUR AR CfG0»£T7tN Jn Ö&*/kc In der Wöbe vom Bahnhof Atvci beiz- bare möblierte Echlasz,mmer ein doppeltes u. ein einfaches, z. 1. Marz u. berufet. (Lheoaar tDauerm.) nef Schr. Ang.u.0::84n ",G.A. 0390 stellt etn 0285 sucht. Schloß Hungen (Oberhessen), Januar 1929. I0I8D 1049D WiW Wieseck, ^en 31. Januar 1929. aoiD I036D I WßM WtM 0233 fragen an 0401 Mädchen 9593V Gesucht sofort 1042 D Senchclbe m. |g. MöWe» Bodbelm a. d. Bieber. ^teiienangejote Werbereisende oder fiäter M-Zimmr-W ung W'lb. Cckaum, Nlein<'inden. Louis Vetter. Kaiserauee 15. SUDD.MOBEL-INDUSTRiE GEBR.TREFZGERGMBH RASTATT Jüngerer Mechaniker vünkil. u. nüdit.. der ntöfll. schon auMähmafch.ge- urbeuet bat, ver fof. ob. iväierges. Schr. Angeb. u. 1025D an die Ge- fchäfiSst.d.G.Anz. Bssacbt die Baqdels- echote Konzelmano l 6 □ Maschinenfabrik Fulda GA EleKtrolux, (Sie hem im 82. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Juliane Kammer geb. Müller. Heute entschlief nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Suchende lit bereit, sich bt» zu chrer (im- arbeitung ohneBer- Bellersheim, Gießen, den 2. Februar 1929. Die Beerdigung findet Montag, den 4. Februar 1929, nachmittags 2l/i Uhr statt Lehrling der Schmiede und Lauschlosserei erl. will, aut Ostern nennt Au bei). Schrtstl. Angeb. mit Piets u. 0393 au d. Gu.";.'.ins. Ellsahelh Prinzessin zu Solms-Braunlels ieh. Prinzessin RenBLL -EIN-BESUCH UNSERER'AUSSTELLUNG-. i FRANKFURT A/M VILßELERSTR629^IRty.SIE^BfRZEUGEN Ich suche für meinen Haushalt nach Nord-Amerika auf schönem Landsitz, eine bessere BanemiochLsr «Aller 2t bis 36 Jahre), die gut kochen, backen einmacherr verste t und der an einer Dauerstellung aeleien ist. 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Februar 1929. tl Lauer» traie 11. Die Beerdigung findet in der Stille in Wetzlar statt an allen Orien steif,ine. strebsame Personen zur Ueoernähme einer imßla^a-u.Sinwfstntaßi auf unserer,>elninastrlckmaschine. r eich» ter und daher Verdienst. Günstlge Be- dtnaungen. Borkennimsse nicht ersor- derlich. Prospekt gratis und franko. Trikotagen- und Strumpffabrik Neber & Fohlen, Saarbrücken 3 Pension Brandl Bäue"22. Sonnige möblierte Zimmer. lloe6L> füll'1 Küche, Telephon 1885. Zwei unmöblierie und Damen rum Berkans von Margarine und Zkassee an Privatklmdschast gegen Zeitlohn und Provision gesucht. Bei Bewahruttg feile Anstellung. Schriftliche Angebote unter 0342 an den Giessener Anzeiger erbeien. Je ein Stadt- und Laudreisender von erstem feinem Faurl'^gesch. gegen feste tSpes. u. gut Einkotnin. per sofort od. bald ges. Betreff, kann, wenn v. gut. Auftret. u. nueht., aus jed. Berufe sein, da eingearb. wird. Genaue Olf. m. Altvrs- ang. unt. 10241) an den Gieß. Anzeiger. 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Zebruar 1929 wordener Völker dos Inhaber der Grashofdenkmünze und der Dunsen- . sind 8300 bis 10 000 Hü I Vettenkofer-Ehrentafeb Deine Vaterstadt Rheydt, geschaht worden, so daß | hie Städte Dessau und Aachen ernannten ihn I Stadt Adrianopel bere.ls die Abwanderung an- Wir Deutschen bon 30 Staaten DlaatSvoU in 5 in Oesterreich, in sind allein in Europa in 21 seit alters seßhaft: wir find Staaten: im Deutschen Reich, Danzig, in Luxemburg und in sind Mitträger der Staatlich- ie- ier Außendeutschtum und Binnendeutschtum. Don Or. Kr. König. Diese Darlegungen des Herrn Verfassers knüpfen an einen Vortrag an, den er vor einigen Tagen vor der Vereinigung auslanddeütscher Studierender in Gießen gehalten hat. Der Aufsah scheint uns ein wesentlicher Beitrag zu der Frage des Winderheitenprob'.ems zu sein, das auf die Initiative Stresemonns hin bekanntlich in der nächsten Dölkerbundstagung eingehend behandelt werden soll. nisse« von Staaten und _____ so daß sich vielerorten der Ruf einer Reuordnung unter volklichen Gesichtspunkten erhebt. Von der Lösung der Völkerfragen hängt der Frieden, hängt das Schicksal der abendländischen Kultur ab. Wir Deutsche sind infolge unserer zu ziehen. Europa ist der Erdteil, in dem sich heule infolge der Gemengelage vieler, alter, bewußt ge- ‘ " Problem des Derhält- Völkern vor allem stellt. Lichtenstein: wir kett in der Schweiz, und in einer Teilrepublik Ausstreuung über den Kontinent vor allen andern daran interessiert, daß eine rechte Lösung gefunden werd«. Hm unseretwillen und um der abendländischen Kultur willen, um des Frieden« und um gerechten und sittlich begründeten Völker- gerneinsc^ftSlebenS willen müssen wir diese Frage tn den Mittelpunkt unsere« DenkenS und Streben« rücken. Indem wir unser Volksproblem lösen, treiben wir auch da« anderer Völker der Lösung, führen wir Europa glücklicheren Zei- trn zu. ., m „ DaS historische Auge de« deutschen Volke« war vor 1918 aus das Reich vom Jahre 1870, auf die Donaumonarchie, auf das Zarenreich eingestellt. Erst als die Reich« untergingen, begann sich der Horizont der Deutschen, insbesondere der Reichsdeutschen, zur Hmfassung der Gesamwollheit zu weiten. Wir schauen heute ganz anders in den Raum und erleben ganz anders die Volkheit in diesem Raum, wir schauen auch ganz ander« in die Tiefe der Zeiten und finden ein ganz anderes Verhältnis zu der alten Reichsgeschichte vor 1800. zu der alten Volks- geschichte vor der Reformation. Wir kommen so endlich zu einem Raum und Zeit umspannenden einheitlichen Bild deutschen Lebens in Ver- aangenhcil und Gegenwart. ES ergibt sich daraus „eine ganz neue gern eindeutsche Der - so heute inS Bewußtsein, daß Staatsbürgertum unb Volksbürgertum nicht dasselbe sind. Wir Deutsche insbesondere sind beiden Pflichtkreisen verpflichtet: dem einen, der aus unserer Staatlichkeit. dem andern, der aus unserer Gesamt- vvlkheit erwächst. Wir haben daraus die Folgerungen sür den einheitlichen Aufbau deutschen Kulturleben« in Europa, in der Welt eigenen deutschen Staate«. 3n ihren Raum« sind andere Völker staalsverwaltend. 6c groß nun aber auch die Wert« eigenstaatlichen Lebens sind, es hat auch seine Geiaßren, wenn die Menschen allzu scchr verstaatlichen. ES vor- kümmert leicht die Fähigkeit zur Selbsthilfe. eS verkümmert leicht das organische Gemeinschafts- bewuhtsein, es verkümmert die Anteilnahme am Volksgenossen und an seinem Los. Wir Reichsdeutsche waren aus dem Wege dazu. Die Volkdeutschen im Ausland aber sehen ganz ander«, da sie keinen Staat haben, in den organisch überkommenen Werten des volkstümlichen Gemeinschaftslebens. das sie vor den fremdvöMschen StaatSgenossen Auszeichnende: Sprache, Gewohnheit, Sitte. Lied. Spiel und Tracht, die eigene Schule und die eigene Kirche, all daS ist ihnen ungleich wertbetonter und schafft eine volkliche Heberlieferung, wie sie der staatSgebundenc Binnendeutsche so nicht mehr kennt. Es ist schon so: wer Volkstum als menschenverbindende Kraftquelle kennenlernen will, der gehe hinaus zu den außendeutschen Volksgruppen: er wird bri ihnen volkstümliche Gemeinschaftswerte finden, die wir so nicht mehr haben, gerade weil wir ein so stolzes Staatsvolk geworden waren. DaS was einen verbindet, ist nicht der Staat: eS ist einfach die Tatsache, daß man ein deutscher Mensch ist. Der Hmkreis des deutschen Lebens ist noch leicht überschaubar: man erlebt daS Fremde alle Tage und legt daher um so größeren Wert auf die eigene Art: man weiß, daß die Vorfahren einst als Kolonisten ins Land kamen, daß eS bald gut, bald schlecht ging, daß bald Krieg war. bald keiner, daß auf Zeiten der Verfolgung Zeiten der Duldung und gedeihlichen Zusammenarbeit mit den fremden Völkern folgten und umgekehrt: man hält aus. auch wenn die Zeiten noch so widrig smd, denn man weiß, daß die Sonne auch wieder einmal scheinen wird. Die Heimat des Binnendeutschen ist nicht so vom Meere fremder Völker umspült, er erlebt daher fein Volkstum nicht so bewußt, bei ihm wirken daher die parteipolitischen Gegensätze, wirkt die Großstadtzivllisatwn. wirkt das Dll- dungswesen sehr viel mehr aufspaltend. so daß gar leicht jene Atomisierung des Lebens cüntrit^ die das Individuum seelisch von der Hrsprungs- gemeinschaft löst, die Gesellschaft entseelt und daS DolkStum inS Hnterbrwußisein zurücksiicken läßt, so daß es verkümmert und jene lebenspendende Kraft nicht mehr besitzt. Dazu kommt, daß die Lebensbedingun-, gen der Erhaltung völkischen Bewußtseins im ganzen günftkjer sind. Es fehlt die Großindustrie. daher ist die alte Schichtung bet Gesellschaft besser erhalten: man ist nicht so zwischen die Mühlsteine des hochkapitalistischen Wirtschaftsprozesses geraten und ist daher stärker auf die natürlich« Lebensgemeinschaft hingewiesen. Andererseits aber standen die Völker, mit denen man zusammenlebt, im ganzen auf primitiverer Kulturstufe: die Deutschen waren Vorbild, sie haben ihnen die mitteleuropäische Kultur gebracht und haben ihr Leben ungemein befruchtet. DaS gab einem hohen volllichen Stolz. ES ist schon etwas, daß man ein Deutscher ist. und die Hmwelt in Ostmitteleuropa erkannte daS und erkennt eS auch an. Man weiß, daß man. als Deutscher Wert auf sich legen muß. damit die' Achtung erhalten bleib«. Man weiß auch, daß btej Vorfahren einst al« Frei« In ein« Welt der Hnsreiheit gezogen sind, daß man zu wertvoller Arbeit inS Land gerufen ward unb daß man wertvolle Arbeit geleistet hat. ES war kein Almosen, da- man empfing: man hat. was man empfangen hat. mit Zins unb Zinseszins zurückgezahlt unb nimmt so, stolz und sechstbewußt, die Heimat, die man sich erarbeitet hat, für sich in Anspruch: man verlangt daher mit gutem Rechte auch heute von den Mehrheitsvöllern die Freiheit, die die Altvordern einst besaßen. Hnd wenn uns gar manche bet deutschen Volksgruppen auch als primitiver erscheint, wie die Menschen im Reich, dies mag sie uns erst recht empfehlen. Gerade das Primitive ist für ein Volk unentbehrlich: nur der ist tn Wahrheit noch schöpferisch, der irgendwie noch primitiv ist. Wenn die Volkdeutschen im Ausland auch im ganzen zivilisa- Die Technische Hochschule in München und die Hnioersität Gießen haben Junkers zum Ehrendoktor crnm t. Tie Gewe.b.h.chschule Cöthen ernannte chn zum Chrcnsenator, ebenso die Technische Hochschule in Aachen. Junkers ist getreten hat. Da die wirtscha't.ichen Verhältnisse in absehbarer Zeit sich nicht bessern werden, so ist anzunehmen, daß bet Abwan de rungs- pro.-eh auch weiterhin Fortschritte machen wird. Das Ende der alten berühmten Stadt, die als Hauptstadt des g eichnamigen Wilajets und als wichtiger Eisenbahn- und Handelsplatz eine bedeutsam« Rolle im Wirtschaftsleben der Türkei spielte, scheint damit gekommen zu sein. Denn was von Adrianopel übrig bleibt, ist nicht trid mehr als ein bedeutungsloses Dorf. Spielhagens schauspielerisches Fiasko. Dichtgedrängt sitzen die Zuschauer im Theater, in dem ein elendes Stück auS dem Leben Karls XII. in Szene geht. Den Helden spielt ein junger Schauspieler, der chuite zum erstenmal in einer größeren Rolle auftritt. Im 4. Auszug muß sich der Held nach einem öden Monologe eilig von der Szene zurückziehen und erschießen. Aber die Tücke des Schicksals will es, daß die Tür trotz allem Rütteln unb Schütteln nicht aufgehen unb dem Darsteller den Albgang ermöglichen will. Der Souffleur flüstert immer wieder: .Schuß! Schuh!": in feiner Kopflosigkeit feuert bet sich an ber Tür abquälende Darsteller seine Pistole ab, während die Zuschauer vor Lachen bersten möchten. AIS endlich durch einen Fußtritt die verflixte Tür geöffnet ist, muß der Vorhang fallen und mit dem begrabenen Stück auch alle Hoffnungen deZ jugendlichen Adepten ber Schauspielkunst für immer verbacken. Hnd welche Hvflnungen, welche Entwürfe hatte dieser Darsteller im Herzen gehegt, der schon als Schüler des Stralsunder Gymnasiums unb später als Berliner, Donner, Greifswalber Student im Krei« seiner Freunde ein bewunderter Deflator, Literaturkenner und Dichter gewesen, Rach dem Hnglücf auf ber Dühne feiner Vaterstadt Magdeburg mußte er sich tagen, daß ihm der Weg zum Theater ebenso verbaut war. wie so manch? and«.en Wege. Mo er früher eingeschla en hatte. Rirmand konnte ahnen, daß dieser verunglückte Schau pieler Friedrich Spielhagen kur-« Zeit daraus mit dem Lorbeer des Dichters gekrönt wurde. Seinen Weg und seine Bedeutung für unsere Gegenwart zeichnet Dr. Hans Henning im Februarhest von Delhagen & Klasings Monatsheften. zum Ehrenbürger. Fast mehr als alle diese Ehrungen bedeutet es aber, daß ber Rame Junkers im Herzen de« deutschen Volkes geradezu zu einem Begriff für ein Flugzeug geworden ist. wie man den Ramen Zeppelin mit dem Begriff deS Luftschiffe« verbindet: Wie der Rame Zeppelin, so wird auch bet Rame Junkers in ber deutschen Luftfahrt auf ewige Zeiten weiterleben. Oer Untergang einer großen Stadt. Durch den Friedensvertrag von Lausanne vom 14.3uli 1923 ist die uralt« türkische Stabt Abrianopel zum Hntergang verdammt worden. Dadurch, daß ber Friedensvertrug ohne jegliche Rücksichten auf die wirtschaftlichen Rot- wendialeiten des betroffenen letzten Restes ber türkischen Bef Hungen auf europäischem Boden geschlossen wurde, und die Stadt dadurch von ihrem Hinterlande volllommen abgetremnt worden ist, ist sie langsam dem wirtschaftlichen Tode entgegen gegangen. Der Handel mit der Türkei ist durch die schlechten Verkehrs- und Grenz- bebingungen vollkommen lahmgelegt und mit anderen Ländern durch hohe Zölle erschwert. Da die Mittel nicht vorhanden stnd, kostspielige Eisenbahnverbindungen zu schaffen, di« Grenzregelung dies auch nicht zulassen würde, stnd die Bewohner ber Stadt auf den Gedanken gekommen, auszuwandern, unb zwar auf eine der Stadl gegenüberliegende Stelle lenseits der griechischen Grenz«, wo die neu« Stadt Altun Karagatsch erbaut wird. D.e Wirkung des Vertrages von Lausanne auf die Entwick.ung bet Stadt Adria- nopel läßt sich aus der Tatsache erkennen, daß die Einwohnerschaft in den letzten fünf Jahren von 120000 auf 30000 zurückgegan- gen ist. Das benachbarte griechisch« Thrazien Lag?gen, wo die neue Stadt gegründet wird, erfreut sich eines beträchtlichen Wohlstandes und eines gewaltigen Zuflusses von Menschen. die sich hier eine neue Heimat suchen. Da hier Häuser seh en, in Adrianopel solche jedoch überflüssig sind und leer stehen, so ist man auf den Ausweg gekommen. solche auf„maufen, abzureißen und nach Griechenland zu verfrachten, wo sie zum Aufbau der neuen Stadt dienen. D.sher sind 8000 bis 10 000 Häuser über die Greiz« ' 'i ein großer Teil der Professor Dr. Hugo Zunkers. Zu seinem 70. Geburtstage. Don Ingenieur Karl Gkowronnek. Rachdruck verboten I Der Rame Junkers hat heute Weltbedeutung erlangt. Der große Qimeritaflug von Hauptmann Köhl, die Wellhöchst eistung im Dauer- flug und zahlreiche andere Spitzenleistungen in ber Flugtechnik in den letzten Jahren sind mit dem Ramen Junkers verknüpft. Hugo IunkerS wurde am 3. Februar 1859 in Rheydt im Rheinland als Sohn eines Weberec- besitzers geboren. Seine erste Ausbildung erhielt er in Barmen und besuchte dann die dortige höhere Gewerbeschule. 1878 bestand er die Reifeprüfung: an den Technischen Hochschulen tn Berlin, Karlsruhe und Aachen studierte er bann Ingenieurwissenschasten und Maschinenbau. 1883 wurde er Regierungsbauführer. Der Diertaltgasmowr Ottos und der tn feinem Examensjahr von Daimler erfundene schnell- laufende Gasmotor regten ihn besonders auf Veranlassung von S 1 a b y an, auf diesem Gebiete hochwertige Leistungen mit geringem Aufwand anzustreben. Hierzu gründete er zusammen mit Oechelhäuser im Jahre 1889 eine Versuchsanstalt für Saskraftmaschinen. Zum Studium ber Wärmewirkung beim Verbrennungs- Vorgang in diesen Motoren erfand er einen Wärmemesser, den er auch zur Prüfung anderer Wärmevorgänge verwendete. Dies führte chn z. D. Äur Schaffung seines bekannten Gasbadeofens. der in wärmetechnischer Hinsicht das höchste Maß von Wirtschaftlichleit erreicht. Wegen seiner wärmewirtschaftllchen Arbeiten erhiell Junkers im Jahre 1897 einen Ruf als Professor an die Technische Hochschule in Aachen. Während seiner vierzehnjährigen Tätigkeit schuf er unter anderem den Doppe.kolb' Jnctor, einen Viertaktmotor, bei dem zwei Kolben durch die VerbrennungSgase auseinander getrieben werden. Der Vorteil dieses Motors besteht darin, daß der Wärme- unb bamit ber Arbeitsverlust durch Wärmeabgabe an den Zylinderboden vermieden wird. 3n einer Werrstätte in Magdeburg — später in Dessau — wurden bann Motoren von kleinen schnellaufenden achtpferdigen Maschinen an biS zu Großleistungsmaschinen von mit ihr Wesen, ihre Gemeinschastskultur unb hebt sie dadurch doch auch wieder deutlich von den Dinnendeutschcn ab. Aus dieser Sonderlage. aus dieser Sonderkultur erwächst aber gerade ihre Bedeutung für das gesamtdeutsche Leben. Was ist eS mit dieser Sonderlage? Da ist vor allem eins: fie entbehren be« Sowjetrußlands: in ber Wolgarepublik: wir sind MinderheitSvolk tn 14 Staaten, in Belgien, Frankreich, Italien. Jugoslawien. Ungarn, Rumänien, Tschecho-Slowakei. Polen, Litauen. Lettland. Estland. Sowjetruhland. Dänemark, wobei wir von dem zu einem westgermanischen Sonder- Volk gewordenen Holländertum unb den Blamen Belgiens und Frankreichs absehen wollen. Das deutsche Volk ist eine all diese Staaten ÜberwölbendeGesamtpersönlich- keit. Wir werden nie in einem Staate zusam- menlcben können, wir werden aber eine überstaatliche kulturelle Volksgemeinschaft fein können. im Volkstum und daher im Geistig-Seelischen verbunden. ES will so scheinen, als ob sich heute der Staatenwelt gegenüber die Völker auf recken unb um Gemeinschaftsformen ringen, die ihnen die Einheit ihrer kulturellen Volkspersönlichkeit auch über die staatlichen Grenzen hinweg gr Währleisten. Der Staat ist eine Realität, abi auch die Volkheit ist eine Realität: beide bin- den. beide verpflichten die Menschen. ES bringt Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, Januar 1929. Im glücklichen Lande Spanien schlummert bte Politik, es gibt keine Ministerkrisen, es gibt keine Unruhen, es gibt im Grunde gar nichts Aufregern des — wenigstens für die große Masse des Volkes — denn General Primo de Rivera hält über allem feine Hand und sorgt für alles. Seit fünf Jahren, feit dem Staatsstreich vom September 1923, lassen de Spanier sich willig und gefügig regieren und fühlen sich dabei besser als in ber unruhigen Cortez-Zeit. Aber Primo de Rivera ist nicht ber Mann, der untätig fein kann, und da die reine Politik schweigt, so soll Spanien um so mehrauf kulturellem Gebiete leisten. In ber Tat wird das Jahr 1929 ganz besonders die Aufmerksamkeit der Welt auf Spanien lenken. Binnen wenigen Wochen wird In Barcelona die Weitaus- fteUung und in Sevilla die iberocimerikantsche Ausstellung eröffnet werden. Auf Veranlassung Primo de Riveras sind Einladungen an die Mitglieder des Dölkerbundsrates und an die beim Völkerbund akkredidierten Journalisten ergangen, als Gäste Spaniens zuerst die Hauptstadt Madrid zu besuchen um bann auf Staatskosten nach Barcelona unb nach Sevilla geführt zu werben. Das, was Spanien auf den beiden Ausstellungen geleistet hat, ist wirklich vewundernswert. Man will dort die Käufer und die Verkäufer dreier Erdteile auf einem großen Markt der Industrien und der Technik sehen. Ueber 100 Millionen Mark sind ver- ausgabt worden, um aus dem Montjuichpark ein prächtiges Ausstellungsgelände zu schaffen, darüber hinaus sind ungezählte Summen ausgeworfen, um Barcelona mit allen modernen Mitteln des Der- kehrs und der Fremdenindustrie auszustatten. Die „Plaza Catalufia* wird zu einem prunkvollen Der- kehrszentrum, die Untergrundbahn wird vervollkommnet und verlängert. Ganze Stadtteile werden untertunnelt — kurz, Barcelona, das schon heute die größte Stadt am Mittelmeer mit ihrer etwa einen Million Einwohnern und die größte Handelsstadt Spaniens ist, wird nun wirklich Großstadt. Ganz neue Riesenhotels werden errichtet, um den erwarteten Massenzustrom an Gästen aufnehmen zu können. Leider aber ist Spanien kein billig es Land, und roenn auch am 12. Dezember des Vorjahres ein königliches Dekret veröffentlicht wurde, das, um die Besucher vor Ausbeutung zu schützen, eine Erhöhung ber Preise in den Ausstellungsstädten über ^50 Prozent hinaus untersagt und schwere Strafen für die Uebertreter vorsieht, so ist der Trost nur gering, denn schon die Normalpreise sind bedeutend höher als in Deutschland, zumal wenn man die ortsüblichen, reichlich mit Knoblauch gewürzten und in Del gesottenen Speisen nicht ver- tragen kann, und wenn man Anspruch auf ein nach nordländischen Begriffen gut möbliertes Zimmer erhebt. Die großen Hotels sind auch ohne den Auf- schlag von 50 Prozent sehr kostspielig, dafür aller- dings auch sehr luxuriös mit vortrefflicher Verpflegung. Ohne Extraausgaben wird man dort wenigstens 100 bi» 150 Pesetas täglich pro Person (eine Peseta gleich etwa 70 Pfennige) brauchen. Die mittleren Hotels sind billiger, jedoch auch dort kostet die Pension ohne den Ausstellungsausschlag 24 bis 30 Pesetas. Dazu kommt, daß die Trinkgelder in Spanien höher als in Deutschland bemessen werden: üblich sind etwa 20 v. H. der Rechnung. Die Weltausstellung in Barcelona zerfällt in drei Hauptabteilungen: 1. Industrie, Handel und Land- wirtschaft: 2. Altertumskunde und schöne Künste: 3 Sport. Dazu kommen zwei Sonderabteilungen: 1. Die Missionen und Geschichte der Missionen unb bundenheit". Die Deutschen außerhalb des Reich« erscheinen uns daher nicht mehr als wertlose, zum Untergang verurteilte Dtaspora. sie sind uns „Deutsche schlechtweg mtt besonderen Ausgaben in ber deutschen Entwicklung . Die Außendeutschen sind aber in anderer Lage wie die Dinnendeutschen. Diese bestimmt 6000 Pserdestärken gebaut unb nahmen ihren Weg in alle Teile der Erde. Im Jahre 1910 nahm Junkers ein grundlegendes Patent auf dem Gebiete des Flug- wesens. In diesem Patent beschreibt er etn Flugzeug, in dem die ganze Rutzlast unb auch die Motoren in den Flügeln untergebracht sind, eine Bauart, die ja auch Rumpler für fein Riesenflugzeug verwenden will. Der Hauptzweck, den er dabei verfolgte, war die Verringerung des Luftwiderstandes unb auch bte Zugänglichleit der Motoren während des Fluges. Er entschied sich dazu, Flugzeuge ganz auS Metall zu bauen und kam so zu ihrer Herstellung aus Duralumin, ein Schritt, der für die Flugzeugherstellung ber ganzen Welt vo.bckdlich geworden ist. Was mit diesen Flugzeugen geleistet wurde, braucht hier nicht berichtet zu werden: Es ist in frischer Erinnerung. Den Besuchern der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung im vorigen Jahre in Berlin wird gerade ber Besuch des Junkers-Standes ein Erlebnis besonderer Art gewesen fein. Mehr als ein Drittel der jetzt täglich im Weltluftverkehr geflogenen 6000 Kilometer werden von Iunlersflugzeugen zurückgelegt. Hngeheures hat der Deist dieses Mannes für die Menschheit geleistet. Es sei z. D. daran erinnert, daß das große Flugzeug G 31 im Jahre 1927 große Mengen von Impfstoff zur Bekämpfung einer Choleraseuche in drei Tagen von Deutschland nach Persien gebracht hat. Hnzähligen Menschen ist dadurch das Leben gerettet worden. In Reu- Guinea bringen die Iunkersflugzeuge das Gold von den 3000 Meter hoch gelegenen Goldfeldern in einer Stunde an die Küste unb befördern auf dem Rückwege Maschinenteile, Lebensmittel u’to. in den Goldbezirk, während diese Beförderung früher ungefähr drei Wochen dauerte. Was Iunkersflugzeuge für di« Volkswirtschaft durch die Schädlingsbekämpfung in den Wäldern und durch Vereinfachung der Kartenherstellung durch Luftbilder leisten, ist von gewaltiger Bedeutung. Weltausstellung in Barcelona Don unserem W^Beridjterftatiet. 2. das spanische Volk tn seiner Kulturentwicklung, in seinen Sitten unb Gebräuchen. Alle diese Abteilungen haben Ausmaße, die ins Gigantische geben, und die auf ber Höhe der Weltentwicklung stehen. Für die Sportabteilung ist eins ber schönsten Stadions in Europa errichtet worden, der Palast der Schonen Künste sucht seinesgleichen auf der Welt, an der technischen und maschinentechnischen Abteilung beteiligen sich alle Länder, auch das Deutsche Reich steht im Wettbewerb. In ber besonderen spanischen Abteilung soll versucht werden, dem Auslande einen richtigen Begriff des spanischen Dolkslebens zu geben, man will der romantischen, aber falschen Carmen- Legende ein Ende machen, man will das Volk zeigen, so wie es lebt, arbeitet und oorwärtsstrebt. — Die Weltausstellung steht unter der Leitung eines Ehrenausschusses, dessen Vorsitz König Alfonso XIII. führt, und dem Mitglieder der Regierung unb ber Stadtverwaltung von Barcelona angehören. Diesem Ehrenausschuß untersteht ein Ausstellungsdirelwrium mit dem Bürgermeister von Barcelona an ber Spitze, bas wieder ein ausführendes Komitee ernannt hat. Die ausländischen Aussteller find den spanischen gleichgestellt unter der Bedingung, daß sie sich den Vorschriften des Ausschusses unb ber Gerichtsbarkeit der Tribunal« von Barcelona unterwerfen. Barcelona ist die Hauptstadt Kataloniens, ber Induftrieprovinz Spaniens. Dort finden etwa 150 000 Arbeiter in den 3?”tilfabriten Anstellung. Der Wert der jährlichen Produktion beträgt etwa eine Milliarde Pesetas. Di« Umgangssprache eines großen Teiles der Bevölkerung Kataloniens ist nicht das Spanische, sondern bas Ka- talonische, b. h. die Sprache ber Troubadoure, die „Langue b'oc". Madrid und Barcelona haben oft Fehden auszukämpfen gehabt, ja es hat sich sogar häufig eine separatistische Bewegung bemerkbar gemacht, unb nod> vor zwei Jahren plante der katalanische Separatistenführer, Oberst Macia, von Andorra aus einen abenteuerlichen Feldzug gegen Kastilien, um sein engeres Vaterland vom „Madrider Joch" zu befreien. Wenn aber heute die separatistische Bewegung nicht ernst genommen zu werden braucht, so bestehen doch weitgehende regionale Bestrebungen, denn der Charakter der Katalanen und ihre Lebensweise unterscheiden sich sehr mertlid) von denen ber übrigen Spanier. D>e Besucher ber Weltausstellung werden demnach, um einen richtigen Eindruck von Spanien zu erhalten, sich nicht auf einen Besuch von Barcelona allein beschränken dürfen. Don Madrid trennt sie eine Nachtfahrt Im Schnellzuge, Valencia erreichen sie in wenigen Stunden unb von bort ist e» ganx nah nach den herrlichen Oartenpflaruungen bei Murcia und Olifante und nach Den Dattel- palmenhainen bei Elche. Aber auch die Eisen- oahnen in Spanien sind nicht billig, um so weniger, weil fast alle Schnellzüge nur erste Klasse führen unb weil eine Steife in ben langsamen söge- nannten Postzügen im allgemeinen wenig empfehlenswert ist. Barcelona ist allerdings vom Aus- lande schneller als Madrid zu erreichen — von Marseille nach Barcelona sind es nur zwölf Stan- den Fahrt — aber die vielen Spanienvesucher, die im Ausstellungvjahre erwartet werden, können sich den Preis der Fahrkarten bedeutend ermäßigen, wenn sie an ber Grenze einen sogenannten Kilo- meterschein losen, ber bei Rundreisen eine sehr große Ersparnis gewährt. Die Dauer ber Weitaus- ftellung ist auf ein Jahr berechnet, ebenso bie ibero- amerikanisch« Ausstellung am Guadalquivir in Sevilla. Dieses Jahr will Primo de Rivera zu einem Festjahr für Spanien gestalten. torisch imb technisch tw8 Tempo unserer Zett- Uufte ntcht so mitgemacht haben wie die Binnen- deutschen, wenn sie im ganzen beschaulicher sein mögen und Zeit haben, freuen wir uns dessen, daß es auch dies noch im Bereich des deutschen Lebens gibt. Es kann für uns alle ein Quell der Gesundung sein. Natürlich greift der internationale Ztvutsa- tionsprozeß auch in die auhendeutschen Bereiche über, aber er wirkt heute stärker auf die staats- verwaltcnden Mehrheitsvöiker ein. Ihre große Zeit war die des Leidens und des Kampfe.) gegen den alten Herrschastsstaat! damals haben sie die volklichen Kräfte entwickelt, die ihnen die Selbstbehauptung bis zu dem Augenblick ermöglichten, in dem ihnen der Staat in den Schoß fiel. Aber jetzt, wo sie aus der Armeleuteluft heraus sind, wo sie den Anschluß an die große Welt des Westens gefunden haben, da scheint auch ihrem Leben die Gefahr zu drohen, sich in der Zivilisation des Westens aufzulösen. Unsere aüßendeutschen Gruppen sind mehr in den Schat- ten geraten: Prag, Bukarest. Belgrad. Warschau und In der Ferne Paris spielen dieselbe Bolle nicht wie beim Mehrheitsvolk. Die großstädtischen Zentralen des Mutterlandes aber Hegen zu fern, als daß sie das auhendeutsche Leben so leicht in ihren Strudel einbeziehen konnten. Man lebt doch auch wieder geruhsamer, man hat eine „stärkere Fähigkeit der Borarbeitung". Aber eS drohen doch auch Gefahren, der Mensch ist doch nicht nur ein Glied der natürlichen Lebensgemeinschaft seines BolkStums. die Bolksgemeinschaft beruht doch nicht nur auf der Zwangsläufigkeit der natürlichen Dor- ausseyungen, sie beruht auch auf freiwilligem Entschluß. Der auhendeutsche Mensch tritt doch auch in Interessenkreise ein, die ihn mit Menschen des anderen Bolkstums verbinden, er erlebt auch die volkfremde Welt und kann so auch an den Scheideweg geraten, der ihn von seinem Dolk ab und zum sremden Dolke hinführt. Es kann so zu einem Zersehungsprozeh kommen: er beginnt zumeist bei der Intelligenz. Gar leicht ersteht bei ihr das Verlangen zu ter staatStragen- ben Oberschicht deS fremden Dm.es zu gehören: inan will sozial aufstetgen und findet das ererbte DolkStum als ein Hemmnis im Wege: man beginnt sich die Sprache und den Lebensstil dieser Oberschicht zuzulcgen und den eigenen Volksgenossen gegenüber Distanz zu üben. So ward der elsässische Bourgeois leicht -um Franzosen, der deutschungarische OberschichtSmensch leicht zum Magyaronen, der Lodzer Fabrikant zum Glied der polnischen Gesellschaft. Darüber mühte die Masse der Volkheit ins reine Vegetieren bineingeraten. Die Gefahr bestand weithin vor dein Kriege, AlS unser Reich so machtvoll dastand, drohten wir weithin unser Dolk zu verlieren. Als unser Reich zerschlagen ward, haben wir es wieder gefunden. Damals stieg die Vision dym Gesamtvott auf und gab uns nur Ziele. Sie stieg vielleicht mehr noch wie im deutschen Binnenland bei denen draußen auf und wirkt seither zu un- herein. AlS die Staatengehäuse zusammenbrachen, da entstand jene- neue Lebensgefühl. daS gar viele draußen, die sich dem Staatsvolk verbunden fühlten, zum eigenen deutschen Heimat- Volk »urückführte. DaS Gemeinschafisbewutztsein erwachte zu neuer Kraft und trieb neue Formen deS Gemeinschaftslebens auS sich heraus: man suchte darüber hinaus Fühlung nicht nur mit dem Htammvolk Im Reich, sondern auch mit den anderen deutschen Volksgruppen Europas, so dah die grobe deutsche Dolksgruppenbewegung entstand, die zu dem Kongreß der organisierten deutschen Volksgruppen Europa- führte, die au der Fühlungnahme mit den anderSvölkischen Volksgruppen ähnlicher Lage führte, die die europäische Minderheitenbeweguna erzeugte, welche ihren Mittelpunkt im Kongreß der organisierten Volksgruppen Europas gefunden hat. Ein neues — ein volkiiches Freiheitsideal erwächst so vom Dolkstumsboden her: bei allen Volksgruppen ertönt der Rus nach kultureller Autonomie, wie sie vorbildlich in Estland verwirklicht ist. DaS Verlangen aber nach wirklicher DolkSsreiheit in Europa drängt zu einer Reuordnung deS Verhältnisses von Volkheit und Staatlichkeit, drängt zur Hebcrtolnbung deS selbstsüchtigen Rationalismus des 19. Jahrhunderts, drangt zu wirklicher Dölkerbefriedung hin. Daraus aber kann unserem deutschen Volke ein neuer Glaube und ein neues LebenSgefühl erwachsen, -um ersten Male seit den Tagen Herders und FichteS steigt wieder das Ideal gesamtdeutschen Gießener Konzeriverein. VII (Lymphonie») Konzert. Das letzte Eymvhoniekonzsrt der Saison richtete seinen Blick auf da- Muficschaffen der slawischen Länder, die bei aller Eigenart doch letzten Endes in starker Abhängigkeit von unserer westeuropäischen Musik stehen. Es war sehr reizvoll zu beobachten, welche individuellen Abwandlungen der Musikcharaiter durch die einzelnen Pevsönlichkeiten erfuhr. So hinterließ Smetanas Ouvertüre zur „Verkauften Braut" einen sehr starken Eindruck durch die sprudelnde Frische, ein sich überftür- izendes Melos, durch gesund pulsende Rhythmik; Bem impulsiven Aufwallen stand Versonnenheit, der satten Instrumentation klang'iche Durchsichtigkeit gegenüber. Hniversitätsmusi.dircklor D r. Temesvary erfaßte das Werk mit Verve, erfüllt mit echter Musikantenglut und -geist; und so wirkte es sich zündend im Hause auS. Strawinskys Pulcinella-Suite bedeutet im Vergleich zu den weiter zurückliegenden Werten einen starken Fortschritt im Stil. Das Durchgehen durch die Thematik Pergolesis hat sich bei ihm besonders reinigend ausgewirkt. Pulcinella, die heitere Charaktermaske der Commedia dell'arte, wird für ihn zum Sinnbild für das Schwanken zwischen Sein und Schein, zwischen Sein und Wollen. Und hinter heiterem, komischem Spiel offenbart sich ein ernster Sinn. Der Komponist fühlt sich berufen, in naturhafter Frische uns manches weniger Beachtete zu sagen, und möchte uns eine Umwertung bieherioer musikalischer Klangwerte verständlich machen Die Mittel dazu besitzt Strawinsky, vor allem den Geist zu neuartigen, originellen, ost überraschenden Einfällen. Was Strawinsky aus den Pergolcsischen Grundthemen macht, kann man, wenn auch mit Einschränkungen, als positiven Wert hinnchmen. Der alte konzertante Stil wird wieder wach, die solistische Durcharbeitung des Orchesters erfd^int in das Kammermusikalifche abgclenit. neue Klangkombinatiemen erstehen: instrumentale Klang- llnd Geräuscheffekte werden dienstbar gemachi, .st in Instrument soll mrhr seinen gefühlsbetonten Eigenwert zur Schau tragen; selbst die Posaune, deren Ton sonst nur bei gewichtigstem Erleben hörbar kulturellen Gemeinschaftsleben- auf, der Glaube auch an eine Sendung de- deutschen Volke« in Europa. So liegt denn heute die neue Aufgabe klar vor Augen: jede Gruppe in sich zu lebendiger Einheit zusammenzusassen, zwischen den Gruppen lebendige Wechselbeziehung zu schaffen, sie alle mit dem Muttervolk in lebendige Wechselwirkung zu setzen und in ihr zu erhalten, das gesamtdeutsche Volk aber in das Ringen um eine gerechte Reuordnung in Europa einzuseyen. Das Verhältnis aber zwischen dem Reichsvolk und den Gruppen draußen hört darüber auf, das Verhältnis de« Betreuers zum Betreuenden au fein, es wird zu einem Verhältnis wechselseitigen Gebens und RehmenS. Die Volkdeutschen im Ausland werden so aus Objekten der Fürsorge zu Subjekten im deutschen Ge- famtkulturreich. Damit ist aber die Bedeutung der Außenreichs- deutschen für das gesamte Deutschtum nicht erschöpft; sie haben nicht nur eine Aufgabe nach innen, fte haben auch eine Aufgabe nach außen. Sie leben als deutsche Menschen in fremden (Staaten und inmitten fremder Völker, sie sind mit ihren Interessen in das Geben dieser Staaten und Völker eingeflochten, sie kennen diese Völker und ihre Kulturen, man hat sich trotz aller Gegensätze doch im täglichen Leben auch wieder aufeinander eingespielt, eS ist auch hier ein Geben und Rehmen hin und her: Die Außendeutschen find so die gegebenen Vermittler zwischen dem deutschen Dolke und den fremden Völker n. Don dem Ansehen, das sie genießen, hängt das Ansehen mit ab, welche- das deutsche Gesamtvolk genießt; sie haben die Ausgabe, „in ihren Staaten auf eine innigere Verflechtung der politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zu Deutschland hinzuarbei- ten". Sie sind al» Vorposten deS deutschen Volkes Brückenpfeiler für die Herausbildung eine- auf Dölkersreiheit und Gemeinsamkeit der Interessen aufgebauten Mitteleuropas. Sie hatten einst bei dem Kulturgefälle nach Osten hin die große Aufgabe, west- und mitteleuropäische Kultur zu den jungen Völkern des Osten- hinzutragen, sie haben diese Völker einst in den Bannkreis deutschen Lebens hineingezogen, so dah auch heute noch die deutsche Sprache die unentbehrliche Der- mittlungssprache zwischen den ostmitteleuropäischen Völkern ist. Wenn wir auch in den letzten Jahrzehnten einen Zusammenbruch des deutschen Kulturlebens bei den aufstrebenden Völkern des Osten- erlebt haben, es ist doch immer noch ein großes Altivum vorhanden. In dem Maße, in dem die Wogen des Chauvinismus abebben, wird sich die- wieder geltend machen, vorausgesetzt, dah die Dinnendeutschen aus der Engstirnigkeit des reinen Staatsbürgertums sich zu universalerer Betrachtung wieder werden aufschwingen, vorausgesetzt, daß sie sich zu dem Bewußtsein durchringen, dafür in erster Linie verantwortlich zu sein, dah sich In Europa eine auf Recht gegründete Ordnung durchsetze. Damit die Auhen- deulschen aber wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, Vermittler fein können, müssen sie „kulturell den Kleinvölkern stets um eine Zeitspanne voraus bleiben“. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit engster kulturpolitischer Zusammenarbeit zwischen dem Dinnendeutschtum und den volkdeutschen Außengruppen. Sie bedürfen um ihrer Ausgabe willen dauernder Befruchtung vom Mutterlande her. Das Mutterland muh ihnen das geistige und technische Rüstzeug zur Verfügung stellen, auf daß sie sich selbst in ihrer deutschen Art steigern können, auf daß sie auch die Mittler zwischen dem Oesamtvolk und den Mittel» und Kleinvölkern des OstenS sein können. Oie Schnee- und Dustbmchschä-en im Oberwald des Vogelsberges. Don llniv.'prof. Or. Donselow, Gießen. Die Dalbgebiete deS VogelsbergeS in einer Höhenlage von etwa 503 m aufwärts führen die Bezeichnung „Oberer Vogelsberg" oder kurz „OberWald". Sie sind infolge ihrer rauhen Lage, hohen Niederschläge (etwa 1200 mm Im Jahre und somit daS Doppelte von Gießen, und ter dadurch bedingten lange dauernden und "tiefen Dchneelage das hauptsächlichste Skigelände von Oberhessen. das durch seine ausgedehnten Wälder, die weite Fernsicht und den Wechsel von Tälern und Kuppen gleichzeitig reich ist an landschaftlicher Schönheit und auch in dieser Hinsicht ten Anforderungen der Sportausübung astethisch und technisch voll entspricht. Jedem Skiläufer fällt aber störend und fein Schönheitsempfinden verletzend die Tatsache auf. dah In der sonst anscheinend so harmonischen Waldnatur deS Oberwaldes unzählige Stämme der aus fast der Hälfte der Fläche verbreiteten Fichte durch Schnee- und Duftbruch an Gipfel und Schaft gebrochen sind, zersplittert und abgestorben umherliegen und mit dem unverwertbaren ReiS- holz oft meterhoch den Boden bedecken. Sinnend hält er an, staunt über die furchtbaren Zerstörungen. die hier der Schnee, dem er seine Lust, seinen Sport und seine Ausspannung verdankt, angerichtet hat und fragt sich wohl mit Recht, ob und warum es der Forstwirtschaft nicht gelingt, diese Schäden zu vermeiden. Schäden, die das landschaftliche Bild nicht weniger verunstalten. als sie offenbar ten Ertrag der Waldwirtschaft schmälern, da es sich bei den gebrochenen Bäumen in ter Hauptsache um schwaches, oder nicht hiebreifes und deshalb minderwertiges Holz handelt. Die Ursachen dieser Erscheinung liegen im folgenden: Der Oberwald war ursprünglich ein reine« Laubholzgebiet, das Nadelholz fehlte dem Vogelsberg überhaupt und fomit auch den oberen Lagen vollständig. Eine Statistik berichtet aus dem Jahre 1832. daß damals noch etwa 49 Prozent der Bestockung ans Laubholz, und zwar vorwiegend Buchen bestand, der in geringer Anzahl Der Bergahorn, die Dirke, Vogelbeere und Winterlinde beigemischt war, und auf nur etwa 6 Prozent ter Fläche wuchsen Fichte mit toe» 'n. i iMwrw » »rrmn i-uim J-.M ntgen Kiefern und Lärchen. Die ungünstigen Derwertungsverhältnisse des Buchenholzes, da- bis vor wenigen Jahrzehnten fast nur Brennholz lieferte, im scharfen Wettbewerb mit der billigeren Kohle lag und damit eine geringere Rentabilität ter Laubholzwirtschast bedingte, veranlaßten feit Ente des vorigen Jahrhunderts einen Wechsel im Anbau der Holzarten, wodurch die fchnellw ach sende. Nutzholz in größter Menge liefernde, überall auf dem Markt begehrte und damit den größten finanziellen Effekt versprechende Fichte so begünstigt wurde, dah im großen Teil te« Oberwaltes. besonders in der Um« gegend de- HoherodskopfeS ihr Anteil bis auf Die Hälfte der gesamte Waldsiäch« anwuchs. Die Hauptinvafion ter Fichte erfolgte in ten Jahren 1890 bi« 1910, und die jetzigen Fichten» bestände besitzen dementsprechend meist ein Alter von 20 bis 40 Jahren. Die Fichten find fomit im Oberwald nicht autochthon, fentern außerhalb der Grenzen ihre- natürlichen Verbreitungsgebiete- auS rein wirtschaftlichen Erwägungen durch ten Forstmann künstlich angepflanzt. Beim Anbau einer Holzart außerhalb ihrer urfprüng- lichen Grenzen muh aber, wie die Erfahrung ter letzten Jahrzehnte lehrte, forgfältig Rücksicht Darauf genommen werten, dah nur solche Rassen der neu einzuführen den Holzart Verwendung finden, die aus einem klimaparallelen Heimatgebiet stammen. Dort hat in jahrtausendelangem Kampf mit ter Hmwelt eine scharfe Auslese ter Individuen staltgefunden, so dah nur solche Stämme und ihre Nachkommen übriggeblieben sind, die ten örtlichen Verhältnissen am besten anaepaht sind und ihren Gefahren am sichersten widerstehen. Diese wichtige Tatsache kannte man in der Perode des Hauptanbaus der Fichte noch nicht. Man benutzte wahllos Damen und Pflanzen, wie sie die Klenganstalten und Pflanzenhandlungen lieferten, die aber zum großen Teil wegen des reicheren und häufigeren Fruchtens ter Tiefstands-Fichtenrafsen wohl von solchen abstammten. Tieflandsrasfen besitzen breitere und dichtere Aeste, brüchigeres Holz als Höhenfichten, sie können die schwere, häufig einseitige Belastung durch Schnee schlechter auswird. wird zum thematischen Instrument; das Thema herrscht, die Posaune ist nur noch Darsteller, der von allem hergebrachten Wesen entkleidet ist. Kontrabah und Posaune werten in dem Duett gegenübergestellt; kühne Thematik wird in den Varia- tionen entfaltet. Die edle Menuettenmelodie wird versachlicht, aus dem Bereich des Sentiments gezogen. sich im Augenblick grotesk gebärend. Im Finale ein Sprühen, ein Taumeln; Heterophonie bis zur Kakophonie. Aber alles ist geisterooll gemacht; Musik, die mit dem Intellekt bei großem Können und starkem Selbftbewußtsein geschaffen wurde, die den Gemütsimpuls nicht kennt und auch niemals gelten lassen würde, die aber mit ihren sublimierten Feinheiten sich interessant, anregend, prickelnd und witzig gebärdet. Nicht Humor, ter aus Tatsachen, Erlebnissen und Gegebenheiten heraus spricht, sondern Witz, der sich in ter Zuspitzung ter Formelierung gibt Hnb wie das alles fein, sprühend herausprofiliert wurde. daS war geistvoller Witz im Musikalischen, beten Pointe stets treffend an rechter Stelle faß. Den Ausführenten gebührt hinsichtlich ter Schwierigkeit tes Werkes und seiner spröden, schwer zugänglichen Art eine ganz besondere Anerkennung für die geleistete künstlerische Arbeit Den Höhepunkt des Abends stellte Tschaikowskys .Pathetische" bar. Hier übertraf Temesva r y sich selbst Da wuchs das Werk groß, gigantisch an seinen Höhepunkten heraus; da versank es; da schwebte graziöse, wenn auch teilweise verhaltene, Heiterk.it durch den zweiten Satz. Triumph hallte im dritten wider. Das große SHicksalserleben der Ecksätze war ein Gebanntfein für alle, von ter e.sten bi« zur letzten Note. Das Orchester folgte dem Impuls des Dirigenten, in treue.-, sachlicher Hingegeben- beit; ein jeder sch en den anderen noch überbieten zu wollen in der Feinheit. b:r musika i- schen Nuancierung. Befon e:s zu loben war die verhaltene Weichfeit ter tiefen Bl ch.Instrumente. Die Reihe ter Orchesterveransta'tnngen hat mit diesem musikalischen Glanzpunkt leitet ihr Ente erreicht. Was in den drei Konzerten geboten wurde, das war erle ene Kunst, die durch- | aus jeden Vergleich nach je ter Richtung hin j aushalten konnte. Dr. H. Oer Film als Silbermine. Wie jede junge Industrie hat auch die Film- fabritation zunächst mit einer großen Verschwendung gearbeitet, und es sind riesige Summen nutzlos vertan worden. Hm ein Filmdrama von 50CO Fuß Länge in ten Lichtspieltheatern zu zeigen, verbrauchten die Regisseure manchmal 50 000 bis 200 000 Fuß Filmband. weil die auf genommenen Szenen immer wieder verworfen und durch andere Aufnahmen ersetzt wurden. Schließlich haben sich die Fabrikanten solche Vergeudung von Zeit und Geld nicht mehr gefallen laßen, und man ist zu sparsameren und praktischeren Methoten bet Herst.llung fortgeschritten. Erst kürzlich erzählten Pariser Filmstars, bie bei einer deutschen Filmaufnahme mitgewirkt hatten, in Pariser Blätter bewundernd, wie vorzüglich die Organisation In Deutschland sei und wie hier bie ganze Zeit ausgenutzt werde. Zu solchen Sparmethoden ist jetzt auch der amerikanische Film gezwungen, der sich solange im Gefühl seines Reichtums um ,Kleinigkeiten" nicht gekümmert hat. DaS Zilmgeschäft in Amerika i"t auch keine Goldgrube mehr, und so hat man in Hollytoood wenigsten- versucht, sich aus dem Film selbst eine kleine „Silber- grübe" zu gestalten. In den Bottichen der großen Filmateliers, die die für bie Herstellung verwendeten Chemikalien enthalten, finden sich Silberwerte von Tausenden von Dollars, bie bisher nicht beach et wurden. Die Chemikalien, durch die bie vie.en Kilometer Filmband entwickelt werten, nehmen etwas von dem Silber tes Films an. Ein Fuß Film läßt freilich nur eine so winzige Menge Silber in den Gesäßen zurück, daß man sie ohne Mikroskop kaum sehen kann. Aber wenn Millioren Fuß Film entwickelt werden, bann bleibt eine sehr beträchtliche Wenge Silber zurück. Während man bei uns schon lange biten wertvollen Heberresten Aufn-.erksanne-.t widmet, ist man in Hollywood erst jetzt dazu Übergebungen, durch ein einfaches Dersahren das Silber zu retten. Auf diese Wei e toerben in jedem Atelier wöchentlich mehrere Pfund Silber gewonren, und der Gesamtertrag dieser „0i[Termine“ geht jährlich in viele Hun- derttausende von Dollar. Man erstreckt aber halten und erliegen deshalb leicht den Hndilben des Oberwalbwinters. Da- ist bie eine, sehr bedeutende Hrsache de- Schnee- und Eisdruche- in ten hohen Lagen des Vogelsberges. Hätte man bie Provenienzfrage schon früher ernannt und beachtet, hätte man eine geeignete Gebirgsrasse ter Fichte. Fichten mit langen, dünnen, biegsamen Aesten. ten Typ ter „Säulenfichte" verwendet, wie er sich besonders im Hochgebirge, im Schwarzwald und in den nordischen Reichen Schweden, Norwegen, besonder- in Finnland findet. ter den Schnee an ten Aesten abgleiten läßt, so hätten Verheerungen von dem Ausmaße, wie sie sich jetzt Im Vogelsberg finden, kaum entstehen können. Immerhin ist das nur eine Hrsache der Schäden. Eine zweite, ebenfalls wichtige liegt darin, dah die Fichten im Obcrwald auf Standorte kamen, bie von Natur aus nährstoffreich und, da als Vorfrucht Laubholz ftanb. auch physikalisch und biologisch in bestem Zustand waren.'Die Erfahrung lehrt auch hier, daß nach einem solchen Fruchtwechsel auf gutem Boten das Holz zwar sehr rasch wächst, aber bet Anteil ter weit» lumigen Zellen sehr groß, da- Holz weniger zug- und bruchfest, also leicht brüchig und schnee- bruchgefährdet ist. Diese Wirkung hätte allerdings innerhalb gewisser, wenn auch engerer Grenzen auch bei einer Gebirgsrasie der Fichte mit in Kauf genommen werten müssen. Zudem find die Fichten im Alter von 20 bi- 40 Jahren besonders gefährdet; je älter sie werden, desto mehr mindern sich die Schäden. Außer diesen naturgesehlich bedingten Faktoren spielen aber noch sch.idenerhähente Momente mit, bie in ter Art ter früheren Fo.stwirlschafts- führung im Oberwald begrüntet sind. Dazu zählt insbesondere die dichte Erziehung ter Ficht en- beftänte in ten ersten Jahrzehnten ihre« Leben«, wodurch die Kronen hoch am Stamm binaufgelrieben tourten, sich ungleichmäßig entwickelten und ter Schwerpunkt tes schlanken Stammes weit nach oben zu liegen kam. Das hatte zur Folge, dah die Dvuchgefahr ter Krone und des Schaftes aus statifchen Grünten erhöht wurde. Die meisten und verheerendsten Schn.e- und Duftbruchschäden finden sich deshalb im gleichaltrigen, reinen, wenig durchforste en Fichten-estand. Allgemein zeigt sich anderseits im Oberwald, dah emztln- stehente Fichten in Mischung mit Buchen lange, gleichmäßige Kronen bilden und damit in viel höherem Maße von ten Schnee- und Duftschäten verschont bleiben. Beite Beobachtungen geben dem Forstmann ten nicht zu übersehenden deutlichen Wink, In Zukunft die Zusammensetzung ter Holzarten und ten Destockungsaufbau im Oberwald so zu gestalten, daß Reinbestänte — Monokulturen — nach Möglichkeit vermieten werten. und ferner die einzelnen Bäume im lockeren Dcstantesschlusse und in ungleichaltri er Best an- besstruktur auf wachsen. Forsttechnisch begeidynet man eine solche Destantesform als »Dlenber- wald". Gr findet sich in ter Natur überall in den gesährte.en, w.ndumbvaustrn und sch. eer.ichen Hochlagen ter Alpen, an der Baumgrenze, in ter »Schutzwaldregion". auch in ten höheren Lagen teS Schwarz walte- und tes bayerischen Waldes. Seine Vorzüge, auch für den Wirt- sHaftswald. werden aber in ter jüngsten Zeit, insbesondere hinsichtlich feiner außerordentlichen Sicherheit gegenüber allen Gefahren ter anorganischen und organischen Natur, immer mehr etfannt, und er findet deshalb in ihm Eingang, wo schwierige Produklionsverhältnisfe vorliegen, die durch Suimacinflüf,«, ungünstige Humu-zer- setzung u. dgl. bedingt find. Die Hrsache te- Hebel- erfermen, bedeut et, wie überall, fo besonder- in ter Forstwirtschaft, schon fast seine Heilung. Die Waldtesitzer des Ober» Waldes, — die hessische Staatsforstverwaltung. die Freiherrlich von Rieteselsche Forstverwaltung usw. —, geben mit Eifer und großem Verständnis daran, auf den verwüsteten, bisher schlecht rentierenden Waldslächen unter Ausnutzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und bet eigenen Erfahrung, neuen, gegen Gefahren besser gesicherten und ertragreicheren Wald anzulegen. Sorgfältige Beachtung ter Rassenfrage bei ter Auswahl tes Saatgutes, Bejründung von gemischten, möglichst ungleichaltrigen Beständen, Erziehung ter einzelnen Stämme im lockeren Schluß nach Art tes BestockungsaufbaueS im Blenterwald sind die Programmvunkte des neuem Wirtschastszieles im Obertoalb. Es ist zu hoffen, dah in Zukunft — viele Jahre, ja Jahrzehnte wird es bei den langen Produktson-tzeiträumem diese eigenartige Bergwerkstätigkeit jetzt nicht nut aus den entwickelten Film, sondern auch auf bi« großen Mengen von Filmband, bie nicht verwertet werten, weil bie Aufnahmen auS irgendeinem Grunde nicht befriedigten. Tonnen solche« Filme wurden früher achtlos fortgeworfen; man kann jetzt Millionen von Dollar zurückgewinnenr indem man diesem Film das Silber entzieht. Hochschulnacknchten. Profesior Dr. jur. HanS Carl Nipperdeh an der Hniversität Köln hat den Duf an bie Handelshochschule Berlin abgelehnf. hier sollte er bas durch das Ableben teS P^>I. Eltzbacher erledigte privatrechtliche Ordinariat übernehmen — Professor Dr. jur. Franz Beherle in Basel hat den Ruf auf Öen Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht und Hante'.srecht an der Hniversität Greifswald als Nacholger von Prof. W. Schönfeld zum Beginn des Sommer- femeftcr« angenommen. — Der an bet Hniversität Breslau neu* errichtete Lehrstuhl für öffentliches Recht ist ten» Königsberger Ordinarius Dr. jur Ludwig Walbecker angeboten worden. Darmstädter von Geburt, widmete sich Waldecker in Gießen und Würzburg dem Studium der Recht^wifsen» schäften, wurde 1S02 Referendar in Gießen. 1909 As elfer in Darmstadt und war dann mehrere Jahre bei ter Verwaltung bet hessischen direkten Steuern bcschä tlgt. 2m Jahre 1911 promovierte Waldecker in Gießen und erwirkte zwei Jahre später seine Zulassung al 3 Privatdozent für ösfent iche- und Genossenscha'tlrecht an ter Hni- versität Berlin. — Der durch den Weggang deS Prof. H. Meerwein an ter Hniversität Königsberg erledigte Lehrstuhl der Chemie ist dem auhcror.enll.chm Prosessor und Abteilue'.gs- vorstch'.r am chemischen Institut ter Hnversit t Berlin Dr Fritz Paneth ang?bolen worden. — An der Innsbrucker Hniversität ist der außerordentliche Professor Dr. 2os:f Bruch 8um ordentlichen Professor der romanischen Philologie ernannt worden. tn der Forstwirtschaft Immerhin dauern — Schnee- und Duftschäden durch Rauhreif, Rauhfrost und Rauhei» nahezu vollständig vermieden werden können. Der Wald wird dann nicht mehr die schrecklichen Spuren der Verwüstung zeigen wir jetzt, er wird wieder ursprünglicher. urwüchi^er, aber auch bedeutend ertragreicher werden, die Schönheit der Landschaft und die Wirtschaftlichkeit des Waldes werden in gleicher Weise gewinnen. Das Gießener Echühcnfest. Die Vorbereitungen zu dem 3 0. Verbands- schießen (Vaden. Wittelrhein und Pfalz) in Gießen sind seit mehr denn Jahresfrist in vollem Gange. 3m verflossenen Jahre hat der Schützenverein Diesten unter Aufwendung erheblicher W ttcl seine Schieststände mit allen der Jetztzeit entsprechenden Erfordev- ntssen völlig neu aufgrbaut. Eine bedeutenda Erweiterung deö Geländes, wobei umfangreiche Holzfällungen nötig waren, gestattet für das kommende Fest di« Einrichtung folgender S ch e i- benslände 300 Meter 12 Stande 175 Meter 14 Pisto.en 3 u Laufender Keller 2 w Aehbockstand 2 Klcintaliber 15 „ dazu noch eine Reihe von Standen für die bcc* schiedenen Festscheiben. Der Schützenverein Diesten hat sich mit der Llebernahme dieses großen Schießens eine nicht zu unterschätzende Aufgabe gestellt, aber er weist zugleich die Ehre zu würdigen, daß die drei Verbände Vaden. Mittelrhein und Pfalz ihr 30. DerbanbSfchiesten in seine Hände gelegt haben. Er wird mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dafür ein treten, daß auch der Erfolg nicht auSbleibt. Schöffengericht Gießen. * Gießen, !. Febr. Heute nachmittag wurde fn der Strafsache gegen Isidor St. und Genossen da» Urteil verkündet. Das Gericht sah a'S erwiesen an. daß sich der Angeklagte Isidor St. eines Vergehens gegen die Konkursordnung und sämtliche vier Angeklagte des Betrugs und der Urkundenfälschung schuldig gemacht Hütten, nahm bez'g ich der sämtlichen unter Anklage stehenden Ernzelfälle eine fortgesetzte Handlung an und verurteilte Isidor 6t au einem Jahr und drei Monaten, Emil St zu zwei Jahren, Julius St. zu sechs Monaten und Tilly St zu drei Monaten Gefängnis. Strafm ld rnd zog daS Gericht den bisherigen guten Ruf der Angeklagten und ferner die Tatsache in Betracht, daß fte bemüht waren, den Schaden wieder gutzumachen, anderseits mußte aber bei der gewissenlosen Art. mit de« die Angeklagten Leute, die selbst nicht in glänzenden Verhältnissen lebten, um erhebliche Beträge gebracht hatten, auf emp- ftichliche Strafen erkannt werden. Preußen. KrciS Wetzlar. Krofdorf, 1. Febr. Bei der Holz Versteigerung aus dem Gemeindewald Krofdorf- Gleiberg wurden folgende Preise erzielt: Fünf Fichtenstangen erster Klass« durchschnittlich 9 bis 10 Mark, zweiter Klaffe 5 bis 6 Mark, dritter Klaffe 3 bis 4 Mark, vierter Klaffe 0,50 bis 1 Mark. Eichennutzholz das Meter 10 bis 11 Mark, Eichen- knüppei 9 bis 10 Mark, Buchenscheit das Meter 20 bis 23 Mark, Buchenknüppel 15 bis 17 Mark, Duchenreiser 10 Meter 25 bis 33 Mark. Z Groß-Rechtenbach, 1. Febr. Dieser Tage fand im Gemcindesaol im neuen Schulhause für die Einwohner des Amtsbezirkes Rechtenbach auf Der- anlastung des Dorfitzenden des Zweigvereins vom Roten Kreuz für den Kreis Wetzlar ein Lichtbil - deroortrag statt, tn weichem der Film „E r st e Hilfe bei Unglücksfällen" gezeigt wurde. Seiten- des Zweigoereins wohnten der Dorführung Kreisinfpektor Dreydoppel (Wetzlar) und Oberst- leutnarü a. D. von Lbtzverg (Wetzlar) bei. Im Anschluß an den Filmvortrag sprach Kreisinspeltor Dreydoppel über di« gemeinnützigen Bestrebungen des Roten-Kreuz - Vereins und regte die Gründung einer Sanitätskolonne für den Bezirk des Amtes Rechtenbach an. Don den Besuchern des Dortrages erklärten sich sofort 16 Personen bereit, sich für die erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen ausbilden zu lassen. Lr. meci.E rle r (Hörnsheim) erklärt« sich bereit, die Ausbildung kostenlos vorzunehmen. Amtsobersekretär Sänger (Groß-Rechtenbach), der als Vertreter des Bürgermeisteramtes zugegen war, übernahm es, an die Sport und Jugenpflege treibenden Vereine des Amtes Rechtenbach heranzutreten, um möglichst aus jeder Gemeinde des Amtsbezirkes einige Mitglieder für die Bildung einer Sanitätskolonn« zu gewin- nen. Die Gründung der Kolonne wurde einer spä> teren Versammlung Vorbehalten, in der auch die Wahl des Vorstandes und die weiteren Formalitäten erledigt werden sollen. — Dem hiesigen Kriegeroerein wurde aus Anlaß seines fünfzigjährigen Bestehens die vom Preußischen Landes- kriegerverbande gestiftete Fahnenmedaille verliehen. Die Ueberreichung erfolgte dieser Tage durch den Vorsitzenden des Kriegeroerbandes .Hüt- tenberg", Förster Große (Oberkleen). Der 82 Jahre alte Deteron Friedrich Hofmann, Mitglied des Kricgeroereins und Kriegsteilnehmer von 1870 71, rourb? vom Preußischen Landeskriegerverband mit dem Ehrenkreuz 2. Klaffe am schwarz-weißen Bande ausgezeichnet, das ihm bei der gleichen Gelegenheit durch Förster Große überreicht wurde. ________ Die Jagd im Februar. ^Winterernot — Wildeslob." Rundfunkprogramm. Sonntag, 3. Februar. 8.30 bis 9.30: Katholische Morgenfeier. 11 bis 11.30: Elternstunde. 12 bis 13: Von der Friedenskirche Kassel: Geistliches Konzert. 13.10 bis 15: Don Klingenthal: Deutsche Siimeisterschast. 15 bis 16: Stunde der Jugend. 16 bis 17: Stunde des Landes. 17.11: Don Mainz: Fremdrnsitzung der Mainzer Karnevalgesellschast. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 4. Februar. stunde. 18,33 bis 19: »Joseph Conrads Persönlichkeit und Werk'. Vortrag von Dr. Erich Franzen. 19,30 bis 20: Unterhaltungsmusik des Rundfunkorchesters. 20 bis 23,20: Einführender Vortrag in Bernhard Shaws »Heilige Johanna" von .Die von Leo Sternberg. Rüdeshrim: Vorlesungen aus Westerwald-Dichtungen von Ria Volland. 19.15 bis 20: Unterhaltungsmusik deS Rundfunk-Orchesters. 20.15: Von Stuttgart: Sinfvn'e-Konzert des Philharmonischen Orchesters. Darauf: Schallplattenkonzert: Wunfchabend. Dienstag. 5. Februar. 6.30: Morgengymnastik. 13.30: Schallplattenkonzert: »Karneval am Rhein und an der Donau". 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16.05: Haussrauendienst. 16.85 bis 13.05: Rach Stuttgart: Konzert bei Rundfunkorchesters: Zum 120. Geburtstag Mendelssohns (geb. 3. Februar 1809). 18.15 bis 18.45: Don Kassel: Dortrag. 18.45 bis 10.15: Funkhochschule. ^Aberglaube tn Gefundheitspfle7e und Krankenbehandlung II.“, Dortrag von Dr. meß. Alfred Martin, DaD- Rauheim. 19.15 bis 19.30: Englische Literaturproben. 19.33 bis 20: Englischer Sprachunterricht 20: Von Stuttgart Militärkonzert 21: Junge Komponisten. Mittwoch, 6. Februar. 6.30: Morgengymnastik. 12.45 bis 13.15: Schulfunk. 13.15: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend, 15.55 bis 16.05: HauSfrauendienst. 16.35 bis 18.05: Rach Stuttgart: Konzert deS Rundfunkorchesters: Alte Operetten. 18.10 bis 18.30: Büchcrstunde. 18.30 bis 18.45: .Viertelstunde aipueller Technik", Vortrag von H. Laßwih. 18.45 bis 19.15: Steno- graphcscher Fortbildung! kursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 63 Silben auswärts). 19.15 bis 1930: Senckenberg-Viertelstunde. 19.30 bis 19.45: Französische Literatur- Proben. 19.45 bis 20.15: Französischer Sprachunterricht 20.15: Rach Stuttgart: ^Der Schicksalstag" (Der Blitz). Oper in drei Akten von F. Halovh. Donnerstag, 7. Februar. 6,30: Morgengymnastik. 12,30: Schallplatten- Konzert. Orchester-Konzert. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauen- dienst 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18,33: Lese- Hartung, der Januar, hat seinem Namen alle Ehre gemacht u..u unter ei| gun 'Jtoro und starkem Frost sein weches tieinentud) über Flur und Forst gebreitet. Aus höheren Lagen unseres Mitte.geoages treffen Nachr.chlen über Die Not des Wildes em, und auaj in den tiefer gelegenen N.viercn beobachtet der Weidmann mit Sorge, wie sein W.ld sich nur mit Mühe Aesung frcilegen kann. So wird es sc.ne Hauptaufmertsamleit erfordern, sein W.ld vor Mangel und Hui.ger zu schützen, wahrend die Jagdausübung erst in zweiter Itiue kommt. Das Rotwild steht in großen Rudeln zusammen und sucht durch Pratzen Eicheln oder Heide unter Dem Schnee sreizulcgen. Bei höherem Schnee, der zum Teil noch verharscht ist oder aus mehreren durch Eis getrennten Lagen besteht, sind Entkräftung und Verluste unvermeidbar, wenn Die Fütterung fehlt. Starke Hirsche beginnen m t dem Abwcrfen. Für das weibliche Wild beg.nnt mit dem Beginn des Monats die $ Aas Schwarzwild steckt in tiefen Dickungen oder wechselt weit, Aesung suchend, umher. Schnee und gefrorener Boden erschweren ihm das Brechen im Erdre.ch, und tümmerhd) muß es sich durchschlagen, wo es nicht gefüttert wird. Dieses letztere Dürfte ober In unseren Gegenden, wo das Schwarz- w.ld verfchmt ist, nirgends erfolgen, während man in solchen Teilen Deutsch'.ands, Die starke Verluste durch Waldschädlinge erlitten, heute eine Schanze.t für Sauen fordert, Da Diese Durch Das Brechen im Boden eine Unmenge dieser Schädlinge oder ihrer Larven und Puppen aufnchmsn. Der häufige Schneefall erleichterte das Festmachen Der Sauen, und so find Die Streckender chte aus Dem Vogelsberg und Taunus zum Teil erstaunlich hoch. Sie zeigen aber auch, daß man das Schwarzwild auch mit der Büchse kurzhalten kann und daß man nicht zu dem Mittel des Saufanges zu greifen braucht, Der von Der üderwältigenDen Mehrheit Der Deutschen WciDmänner abgelehnt w'.rD. Das Rehwild steht meist in Sprüngen zusam- men und bevorzugt warme und sonnige Stande. Ihm ist In diesem Jahr Die re che Eichelmast zugute ge- kommen. Nur wenig sah man es Draußen auf Den Saaten stehen, wo ihm Dieser Leckerbissen im Walde zur Verfügung stand. Ueberall findet man in den E chelschlägen seine PHtzstellcn. Sollten sich Die Schneeverhältnifse aber ungünstig entw ckeln, so sollte man nicht säumen, gutes Heu oder Hafergarbcn zu bieten. Da bie Wechsel vielfach gerade jetzt sehr genau eingehalten werden, empfiehlt sich öfteres Ausgehen, um Schlingerst'-llern auf die Finger zu sehen. Bei einem Revieraang siebt man, wie nahe Der Hofean die menschl chen Ansiedlungen herankommt und sucht, ob er nicht irgendwo einen gefrorenen Kohlkopf, ein ungeschütztes Obstbäumchen findet. Aus Saatfeldern versucht er durch Scharren eine keines- weas reichl'che Aesung freizuleaen. Ueberall, wo Ab- fallholz beim Schneiden Der Obstbäume liegenblieb, wimmelt es von Hasenfährten. Bietet man dem Hasen Weichholz in gleicher Weise, so hilft man ihm über die schmale Zeit hinauszukommen. Ebenso werden Rüben und Möhren, an Wechseln ausgelegt, 6.30: Morgengymnastik. 12.30 Schallplatten» Konzert: „Helleres aus Schwaben und Bayern". 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 biS .16.05: Hau'frauendienst. 16.35 bis 18 05: Don öfarje Schneeverwehungen im Westerwald. WSR. Hachenburg, 1. Fc.br. Durch den starken Schneefall der letzten Tage srnd Die Landstraßen und insbesondere die Rebrn- wege im Westerwald bi« z u einem Meter hoch verweht. Die entlegenen Dörfer sind nur mit großen Schwierigke" en zu erreichen, da der Omnibusbetrieb fast überall eingestellt worden ist. Auch die Arbeiter d:r Dasaftbrüche formen nicht mehr zu ihren Arbeitsstätten gelangen. Die Kleinbahn Seilers—Hachenburg b'teb am Mittwoch im Schnee stecken, so dast die Reisenden zu Fuß nach Hachenburg wandern mußten. Französisches Dankte egramm. Paris, 1. Febr. (WTD.) Krirgsrninister P a i n l e v 6 hat an Reichskanzler Müller folgendes Telegramm gesandt: „Ich bitte Sie, meinen Dank für dir Hilfe entgegenzunehmen, die die Mainzer Feuerwehr der französischen Armee bei der Löschung des Brandes in dem Automobilpark geleistet hat Ich danke für die Solidarität, die die Feuerwehrleute bei ihrer Pflichterfüllung hier bewiesen haben. Ich bringe Ihnen mein Beileid zu dem tragischen Tod des Feuerwehrhauptmanns zum Ausdruck, der als Opfer seiner Pflichterfüllung ums Leben ge- kvmm«n ist, und gleichzeitig meine Wünsche zur Wiederherstellung der verletzten Feuerwehrleute. rasch angenommen. Durch solche Fütterungen im Revier bleibt Der Bestand erhalten und Der Hase auch verschont von Den Gefahren, Die ihm an uuD in Den Soifgärten Drohen. W.rd Das Wetter im Februar günstiger, so beginnt bald Die Rammelzeit Häufig werDen im Februar schon Die ersten Junghäschen gefunbetL Auch Das Federwild leidet unter dem Winter. Dick aufgeplustert sitzen Die Hühner wie schwarze Klumpen tm Schnee, weithin sichtbar, von Hunger und Kälte entkräftet, eine leichte Beute vierbeiniger oder gefiederter Räuber. Und Dann sucht man in allen m^gl.chen Dingen Die Ursache für einen Dauern- Den Rückgang Der HühnerjagD! Heublumen, an Hecken gefahren, und Fütterung mit Getreideabfall bieten Dem Huhn Aesung an geschützter Stelle. Fasanen, Die nicht ausreichend gefüttert werden, verstreichen auf Der Suche nach gastlicheren Revieren oder fallen dem Raubwild zum Opfer. Für alle Jäger, die in Preußen jagen, sei Darauf hingewiesen, Daß Das Haselwild, Das ja in Den benachbarten preußischen Revieren erfreulicherweise noch seinen Stand hat, bis zum 31. Dezember 1931 auf Antrag des Allgemeinen Deutschen Jagdschutz- Vereins und des Preuß schen LandcsjagDverbandes vollständig für das gesamte preußische Staatsgebiet unter Naturschutz gestellt ist Seine Jagd ist also verboten. Die Ente genießt in Hessen ab 1. Februar Den Schutz des Gesetzes. Da jedoch in den letzten Jahren mit Rücksicht auf Die rheinische Jägerei die Schußzeit bis zum 1. März verlängert wurde, ist dies auch für dieses Jahr nicht ausgeschlossen. Eine ent- sprechende Bekanntmachung bleibt abzuwarten. Da man im Februar bereits Den Beginn Der Paarung bet unserer Stockente beobachten kann, wäre Schonung wünschenswert. Der Fuchs ranzt. Auf allen Bauen steht seine Spur und zeigt, daß er Dort nach einer Liebsten gesucht hat. Doppelspuren in Wald und Feld verraten Dem Kundigen auch, daß es Zeit ist, Die Baue zu revidieren, den Fuchs zu sprengen ober auf dem Ansitz zu strecken suchen. Dabei ist sein Tisch nicht überladen, und le'chter als sonst folgt er bei Schnee und Frost den verführerischen Tonen der Hasenquäke oder des Mausepfiffs. Auch Marder, Iltis und Wiefel ranzen. Bei Schnee lassen sich setzt Wechsel und Gewohnheiten dieser kleinen Räuber gut beobachten. Der aufmerksame Beobachter ro'rh daraus lernen können, wo er b-csen Schädlingen seiner Niedersagd mit Der Ke enfolle nachstellen kann. Der D a ch s , der in Preußen schon Schonzeit hat, >st in Hessen auch ab 15. Februar geschützt. Im Laufe des Monats wirft die Dächsin zwei bis fünf Junge. Sollte für Das Frühjahr das Aussetzen von Fasanen voroesehen fein, so müssen die Bestellungen alsbald abgegeben werden, um rechtzeitige Lieferung sicherzustellen. Erwünscht wäre es dringend, wenn dieses edle W ld in möglichst viele Reviere seinen Einzug hielte. Erfährt Der Fasan die nötige Pflege, die durchaus keine große Müde und Kosten voraus- setzt, so ist er ein dankbares Wild. Hubertus. etuttgart: Korz rt deZ Rundfunkorchesters. 18.10 trag in Bernhard Shaws .Heilte Jo)anna bis 18.33: Lesestuntze. 18.30 bis 19,15: Stunde des Pater Muckermann. 2320: Don Köln: Rhein-Mainifchcn Verbändes für Volksbildung: heilige Johanna", eine dramatjsche Chrom! von Stunde dcr Heimat: .Dor Wosterwald". Dortrag i Bernhard Shaw.________________________ 630: Morgengymnastik. 12.15: Schallplatten- Kvnzert: Märsche. 15.05 bis 15,35: Stund« der Jugend. 15,55 bis 16.05: HauSfvauendienst. 16,35 bis 17.15:, HauSsrauen-Rachwittaa. txrranftaüd vom Frmckfurler HauSfrauenoevein. 17.15 bis 17,45: Vortragszyklus deS Frauciwerbandes Hes- sen-Rasfau: »Was muß die Frau vom Rechtsverkehr dcs täglichen Lebens wissen?" Vortrag von Br. Ilse Schmidt. 17,45 biS 18.33: Don Köln: Kammermusik. 1883 bis 18,45: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für Mutter und Kind. Vortrag von Mathilde Meissel. 18,45 bis 19.15: Von Staffel: Vortrag. 19.45 bis 23.05: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Lechnik. 20,15: Von Kassel: Karnevals-Kon'ett des Phll- harmonifchen Orchesters. 21.30: Rach Stuttgart: Singstunde für die Rundfunkhörer, von Prof. Fritz Jöde: Alte und neue Schelmenlieder. Samstag, 9. Jebcuar. 6,30: Morgengymnastik. 12.45 biS 13.15: Schulfunk. 13,15: Schallvlatten-Konzert: Orstester-Kon- zert. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15.55 bis 16,05: HauSfrauendienst. 16,35 bis 18.05: Konzert des Rundfunkorchesters: Al:« Tanzmusik. 18.10 bis 1830: Lesestund«. 18,30 bi» 18.45: Driefb'sten. 18,45 biS 19,15: Esperanlo-ftnler- richt. 19.15 biS 19,45: Schachstunde. 19.45 bis 20,15: Stunde deS Frankfurter Bundes für Volksbildung: ,Die Epochen de» weltgeschichtlichen Geschehens". Dortrag von Dr. DoriS Dau- ber. 20.15: Hetterer Karnevals-Abend. Anschließend bis 0L0: Von Berlin: Tanzmusik. Berliner Lörse. Ber 1 in, 2. Febr. (WTB. Funkspruch.) Nach dem festeren Verlauf der gestrigen Abendbörse ist die Stimmung auch im heutigen Vormittagsverkehr weiter freunblid). Der Markt liegt oorläusig noch ohne Geschäft, es werden aber weit höhere Kurst taxiert, zumal bekannt wurde, daß zum Montag Dia Reichsbank eine Zentralauslchußsitzung einberufen hat von der eine weitere Dislontberabsetzung erwartet wird. An Kursen find zu hören: Siemens 376 Geld, J.-G.-Farben 253,50 bis 254, Salzdetfurth 492 und (Beffürel 239 Geld. Am Devisenmarkt nennt man London gegen Paris 124,0950, Landon gegen Mailand 92,6450, London gegen Spanien 30,4$ London gegen Kabel 4,8485, London gegen Berlin 204225 und Kabel gegen Berlin 4,212250. Geschäftliches. siyffhäuser-Technikum, Bad (Vranfenhaufea. Das Sommerierncster beginnt am 9. April. Anmeldungen müssen baldigst erfolgen, wenn sie für das kommende Semester Berücksichtigung finden sollen. Di« Geltung des Instituts hat seit 26 Jahren Professor Huppert inne. Man beachte Die heutige Anzeige. Kirchliche Nachrichten. Evangelische (Bcmdnben. Sonntag» Den 3. Februar. Sexuaaesima«, Stadtkirche. 9L0 Uhr: Missionar Jürgen»: Äinderkirche für Die MarkusgemeinDe. Pfarrer Becker; 5: Pfarrer Becker. — Johanne»kirch«. Pfarrer Ausfeld; 11: KinDerkirche für Die Johannes- gemeinDe; Pfarrer Ausfeld; 5: Pfarrer Bechtols- h.imer; 8: Bibekdefpr^chung im Johanneslaaft Pfarrer Müller. — Kapelle de» Kitto Zrirdhof*» 9.30: Pfarrer Lenz. — Elisabeth-KletnkinderfchulL 9.45: Pfarrer Bechtolsheimcr. — ftltln-Clnbtn. 11: Kindergotttsdienft 1.30: Hauptaottesdienst. — Wie* scck. 9.45 11: äinderkirche. — AUcn vuseck. 10, 1. — Kirchberg. 10: Kirchberg 1.30: Lollar. — Hausen- (Barbenteld). 10: Hausen; 1: Garbenteich. — IDoßc» born-Steinberg. 10.15: Hauptaottesdienft; 11.15; Kinderkirche. — Cid). 9.45: Beichte; 10: Stiftsvfarrei Lic. Schorlemmer; hl. Abendmahl; 12.45: Kinder» gottesdienst; 2: Stiftsdechant Kahn. Dienstag, Den 5. Februar. Kirchberg. Abends 8.30 Uhr: Lollar. Blbelftunbe- — Lich. Im Gemeindesaal: Missionar Simon (Labrador). Mittwoch, Den 6. Februar Cid). Bibelstunde. katholische Gemeinde»» Samstag. Den 2. Februar. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, Den 3. Februar. Sonntag 6eroge|hnafe„ Glesien. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Rommunien der Männer. — 8: Kommunion: 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 5: Thristenlehre und Andacht. Nach jedem Gottesdienst wird Der 6t. Blasiussegen erteilt. — Grünberg. 9.45: Meise mit Pr«-» DigL — Hungen. 18: Andacht. — Laubach. 10: Messe mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Lonnra - ■’öienft 0. 'lernte u. iWotbefen am 8.2.28 Dr. S. Klein. Dr. Meyer. ®ellfanapotb«te, Zahnarzt. I»r. ®nwn UD ,—Was ist Togal?—>. Togal-Tabletten find ein hervorragendes Mittel bet Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven- u. Kopfschmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht Durch minderwerttge Mittel. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5000 Ärzte, Darunter viele bedeutende Pro- sefsvren. Die gute Wirkung bei Togal- Fragen Sie Ihren Arzt 3n allen Apotheken Mark 1.40 0.46 Chtn. \2A Uth.. 743 Add icet Mi ed 100 Amyl Bei Husten mit Auswurf nehmen Sie etwa alle 4 S'unden einen bnlben (5fp töfiel voll eV n n u o i n. D'etes auSnezeichneie. oft flcrrrberi verblllfiend schnell wnkcnde Sve^mtmtuel erhallen Sie tn ilrmtüefcn. Beimndreite sind ass der Packin-a angeorben. 105v Philippsburger Herbariä -T ee’s brachten tcbon Tausenden Linder! na. Bcsieruna und Hcilunn Sie sind keine r-beltcut i»n tlniverial TecS wildern nur Gr uns der ^oifdmnflS« uns Priiiuans' (Siaebnifie Ictanntet und er ol ucicbci Wifscuichn't' ler tteto nam iveuell nut die vc"essende itrankbeit und teicn Jealenersch-.-miuiaeu abg.» uinntie Svc- Aini «iiiiitenees. ärbenfvn öeSlmlb auch crb:rin (Sntrcttunocf.ee. .sctttebienb und hoff* wechleliö d rn) v.m» nachte.lige Rebenwtrknna und nu.ubicnedme» Abiiihten. Herb tr.a OlaUcnstc n:ce. Zur Ansläiunn und Ans- KlieiDuun von G Jiciiüeineit Gallen;n> st üuer« inaßincr WaiienpioDutuou. Herbaria Gicht- unb llibcumatec. W.rkt aufl9- lend und aiiSWibenb auf varnfäuteablanerun’ nen t n Blut. «Urfacue von Gicht und Rheumad Hrruarta-Vfimorraordal-Tec. Bl ureiniiend und blitt.ittt nö icnelt Ltoftwechttl und Ausscheidung schiech,en Bin es. Hcrbaria-Herztee. Fördert Blnt^trknlaiion und regelt 4)ciAtanoieit. Bet hin Novellen ■vewtö> rnngeit, Leiden bei D'üsen und Gewebe unv. Hcrbartn-^ung'nnadri lz ee. ^ör^en Verkalkung bet £nUeuniofe. enischletntcnü, nebermildernd. aoorti anuMcnD unb hält leirD. Hcrbarta Magendittcrtee. Nentrattsiert Magen- faiie. be im luHaenfdjin.T^cn ooi. Gegen ^cagen- frtiucübcrrdjuü, Soobrennen nim. Hcrbaria-Rervcntce. Nervenstärkend und beruhigend für alle geHttg und körverlich Ueberattgf ftiengten. Gegen Schloilosigketi ufiu, Hcrbar a Wcchicliabrsicc. Gcaro WechieliahrS- deich,verdcn iväbtenb der Uebetaang-^elt. Hcrbarta-Wurmtee. Gegen Band». 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Kurhaus Bad-Nauheim Samstag,9.Februar, ebenda 8.11 Uhr Der große Kurbaus-MaskenBall Größte karnevalistische ■ Veranstaltung Oberbesseug Fünf Taneorche» ter Zutritt haben auch nichtmaskierte Personen. — Kiutrittskeirfeu ein- SchlieUllch Kleiderablage lui Vor verkaul bis Freitag abend Mk. 5.-. am t-ull.atzH (Samalagl Mk. 6.50. Kartenvorverkauf an der K urhaus kasse. m G 1. tiey MusikaLenhand lung Uha 11 i er, Neuenweg U, und Reisebüro Loeb. Seiler»weg U3 Oh>l V. f. B.-Jugend nntno, 3. Februar, vorm. 9.15 Uhr Vsvttrag zporilcbTCr Hookc. Siadllnaben chuie tirfebeinen in Trei, ist 'Laheit ______Der Iua-ndanviikhntz. 10431) Mechaus Onkel Franz Morgen Sountaa in den keltl.ch ßc= itumiicftcn Näumen Groß r Karneval-Rummel Humor, Etiiumun^, fkbenew.Tetoraiton Um fxeunblt.Dcn Besuch bittet 039Y V. Lancrborv MUMM Heute Samstag: Wvkl-MNß Sonntag Humoristischer Abend Möchten Sie nicht auch einen Radioapparat besitzen? Schon Für RM 39.50 bekommen Sie einen echten Telefunkenapparat. 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Zunächst alle unehelichen Kinder, die stet- einen Vormund erhalten müssen: ferner alle Dollwaisen und die Kinder einer noch bestehenden Ehe. in der der Vater aus irgendwelchen Gründen — meist werden sie auf sittlichem oder moralischem Gebiete liegen — die elterliche Gewalt verwirkt hat. Kinder aus geschiedenen Ehen erhalten nur dann einen Vormund, wenn die Mutter ebenfalls die elterliche Gewalt verwirkt oder sich wieder verheiratet hat. 2lber nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die infolge Geisteskrankheit, sinnloser Verschwendung oder Trunksucht entmündigt sind, muh ein Vormund bestellt werden, da ja auch sie zweifellos als schutzbedürftig anzusprechen sind. Wer kann nun für diese schutzbedürftigen Personen zum Vormund bestelll werden? Falls nicht der Vater oder die ehelich« Mutter durch letzt- willige Verfügung eine bestimmte Person zum Vormund bestimmt hat — was in den Fällen, wo Vater und Mutter die elterliche Gewalt verwirkte«. übrigens unmöglich ist — wählt das Dormundschartsgericht den Vormund aus und hat bei dieser Auswahl möglichst auf das religiöse Bekenntnis des Mündels Rücksicht zu nehmen und in erster Linie Verwandte oder Verschwägerte des Mündels zu berücksichtigen Wer vom Gericht als Vornrund ausersehen ist, kann die Uebernahme dieses Amtes nur durch Geltendmachung ganz zwingender Gründe verweigern. Der Hinweis, daß er mit seinen eigenen Angelegenheiten schon gerade genug zu tun hat, ist durchaus nicht stichhaltig, sondern es müssen für den Berufenen schon ganz besondere Gründe vor- liegen, um mit Erfolg dieses Amt ablehnen zu können. 6ct es, dah er zu weit vom nächsten Sitz des Gerichts entfernt wohnt, als dah er die Vormundschaft ohne große Belästigung führen könnte, sei es auch, dah er über 60 Jahre alt oder krank und gebrechlich ist, oder mehr als vier eheliche Kinder hat: in diesen Fällen hat der zum Vormund Dorgeschlagene das Ablehnungsrecht. 3m Falle unbegründeter Ablehnung Tann das Vormundschaftsgerichl sogar Zwangsmittel anwenden und Geldstrafen bis zu 300 Mk. festsehen. Empfindlicher als dieser Zwang kann sich aber noch die eventuelle Schadenersatzpflicht auswirken, die darin besteht, dah der, welcher die Uebernahme der Vormundschaft ohne Grund ablehnt, im Falle des Verschuldens für einen Schaden, der dem Mündel durch die Verzögerung entstanden ist. verantwortlich gemacht werden famt Welche Pflichten hat der Vormund und wie ist sein Wirkungskreis? Am treffendsten können wir wohl den Vormund als gesetzlichen Vertreter des Mündels bezeichnen: der Vormmrd »nacht also alles das. was der Mündel, tnerai er erwachsen wäre, selbst tun würde. So leistet er z.B. in einem Zivilprozeh des Mündels für diesen den Eid, im Dtrafprozeh stellt er für den Mündel den Strafantrag und tritt als dessen Beistand auf. Dor allem aber hat der Vormund die Erziehung und Beaufsichtigung deS Mündels und kann hierbei auch von ihm geeignet erscheinenden Zuchtmitteln Gebrauch machen. Etwaiges Vermögen des Mündels ist vom Vormund in sicheren Papieren anzulegen, z. D. in sicheren Wert» vapieren oder Hypotheten inländischer Grundstücke. Zum Verkauf eines dem Mündel gehörenden Grundstücks oder zum Kauf eines Grundstückes für den Mündel bedarf der Vormund jedoch der Genehmigung des Dormundschafls- gerichts. desgleichen auch bei Ausschlagung einer dem Mündel zugesallenen Eroschast, beim Ab» schluh eines Pachtvertrages über einen gewerblichen Betrieb oder ein Landgut und bei Ausstellung eines Wechsels. Bevor das Vormund- Das Erbrecht einst und jetzt. Von Zustizinspettor Schröder, Äuhbach. Für den Deutschen war von alters her die Hinterlassenschaft nicht etwa — wie im römischen Recht — eine „ruhende Erbmasse": die „Sippe" (Blutsverwandtschaft) trat ohne weiteres in den Besitz des Rachlasses: dazu bedurfte Ls weder einer Erbeinsetzung noch einer Erbschaftsannahme. Das Sippen vermögen war das Gesamtvermögen aller männlichen volljährige»! Sippengenossen, Vermögen „zur gesamten Hand". Sief er Gedanke an die „Gemelnderschaft" unserer Vorfahren lebt noch heute im Volke: der Bauer betrachtet das an sich kärgliche Erbrecht des überlebenden Ehs- gatten als ein Unrecht gegenüber der Familie, der Sippe, des Verstorbenen. Als die Germanen seßhaft wurden, verlor die Sippe an Bedeutung: eS entstanden die Warkgeno.senschäften, die Dorfgemeinden. Die einzelne Familie erwarb jetzt Persönliches Eigentum, die „Huje". Haus urb Hof, während ein großer Teil des Grundbesitzes der Dorfgemeinde Gesamtvermögen verblieb, die sog. „Allmende". Mit dem Erwerb eigenen Vermögens bildete sich für das Familienoberhaupt auch das Recht heraus, darüber zu verfügen: es durste jedoch bei einer solchen Verfügung die Familie nicht ganz übergehen. Die germanische Gemeinde» schast tritt uns heute noch entgegen in der „fortgesetzten Gütergemeinschaft" des Bürgerlichen Gesetzbuchs, einer Erbengemeinschaft „zur gesamten Hand". Um das Vermögen der Sippe zu erhalten, hat man das sog. „Anerbenrecht" ein- geführt. Das Einsührungsgesetz zum BGB. läßt die landesgesetzlichen Vorschriften über das Anerbenrecht in Ansehung landwirtschaftlicher und forstwirtschaftlicher Grundstücke nebst Zubehör unberührt. Tatsächlich besteht dieses Recht in manchen Gegenden noch fakultativ und ist notwendiges Recht für die sog. Renten- und Ansiedlungsgüter. Dem „Anerben" (Uebernehmer des Gutes) wird das Gut unter dem Marktpreis angerechnet, während ein Teil, das „Präzipium", ihm außer- noch unentgeltlich überlassen wird. Der Rest wird unter alle Erben, einschließlich des Anerben, gleichmäßig geteilt; die Anteile der Miterben stellt der Haupterbe hypothekarisch sicher. Unter dem Anerbenrecht ist Westfalen daS klassische Land der Landwirtschaft geworden. Dort führen einzelne Bauernfamillen ihren schastsgericht diese Genehmiguirg erteilt hat, ist nur der andere Teil, also der Dertragsgegner, gebunden, der Vormund und damit auch der Mündel jedoch nicht verpflichtet. Voll totrff am werden alle diese Verträge erst dann, wenn der Vormund die erteilte Genehmigung des Gerichts dem Dertragsgegner mitgeteilt hat. Man kann diese Betrachtungen dahin zusarn- menfaffen, daß der Dormund in erster Linie Pflichten mit seinem Amt übernimmt, für die er noch dazu in sehr seltenen Fällen materielle Entschädigung beanspruchen tarnt Trotz der angeführten Beschränkungen durch das Dormund- schastsgericht ist aber die Tätigkeit des Dor- nrundes eine durchaus selbständige, denn keineswegs ist das Gericht befugt, tn Fragen Ser Berufswahl. Aufwendungen für den Unterhalt des Mündels und der Erziehung dem Dormund Dorschriften zu machest Dem Vormund ist die Erziehung und Gestaltung eines jungen Menschen anvertraut, und diese hohe Aufgabe trägt für den, öer. sie mit ernstem Verantwortungsgefühl übernimmt und durchführt, ihren schönsten Lohn rn sich selbst. Die polizeiliche Beschlagnahme. Von Dr. jur. Kuß. Allgemein ist nach den Bestimmungen der Strasprozeßordnung eine Beschlagnahme von Gegenständen zulässig, wenn sie als Beweismittel für die Untersuchung von Bedeutung sein Binnen, ober der Einziehung unterliegen. Eingezogen werden können nur aber solche Gegenstände, welche durch ein vorsätzliches Verbrechen oder Vergehen hervorgebracht worden sind, oder welche zur Begehung eines vorsätzlichen Verbrechens oder Vergehens gebraucht oder bestimmt sind. Voraussetzung der Einbeziehung ist dabei, daß die Gegenstände dem Täter oder Teilnehmer der Straftat gehören. Gegenstände, die einem Dritten, Unbeteiligten gehören, dürfen nicht ein- gezogen werden. Um nach Möglichkeit Mißgriffen vorzubeugen, ist die Anordnung einer Beschlagnahme dem zuständigen Richter Vorbehalten. Ehe eine solche Anordnung aber ergeht, wird häufig kostbare Zeit verloren gehen, so dah die Gefahr besteht, dah die Beschlagnahme dann nicht mehr durchführbar ist. Gerade bei der Derorecherversolgung kann ein solcher Zeitverlust die Verfolgung einer Straftat, ihre Aufklärung und die Ueberführung des Täters unmöglich machen. Diesem Uebelstand wird das Gesetz gerecht, wenn es das Beschlagnahmerecht bei Gefahr im Verzüge auch der Staatsanwaltschaft und den Polizeibeamten, soweit diese Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft sind, überträgt. Daneben kann die Polizei eine Beschlagnahme aus rein polizeilichen Gründen ungeachtet der genannten Vorschrift im Interesse der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung vornehmen, z. D. um Ruhestörungen zu verhindern. Entscheidend für die Rechtmäßigkeit einer polizeilichen Beschlagnahme zum Zwecke der Strafverfolgung ist es also stets, dah „Gefahr im Verzüge" obwaltet. Dieser Fall wird dann als gegeben zu erachten fein, wenn der Beamte nach pflichtmähigem Ermessen annehmen muß, dah die richterliche Beschlagnahme zu spät kommen wird. Wann das der Fall ist, richtet sich ganz nach den örtlichen und sachlichen Verhältnissen. Häufig wird der Beamte gezwungen sein, um einen Gegenstand sicherzustellen, sofort zuzugreisen. Dann kommt die Einholung der richterlichen Anordnung überhaupt nicht in Frage. Wieder anders liegen die Fälle je nachdem, ob es sich um eine Großstadt, Kleinstadt ober ländliche Verhältnisse handelt. 3n der Großstadt muß der Polizeibeamte bedeutend selbständiger handeln. Hier liegt viel öfter Gefahr im Verzüge vor. Die Großstadt mit ihren weiten Entfernungen und der Ueberlastung der Gerichte bedingt es. daß die vorgängige Einholung der richterlichen Deschlagnahmeanorbnung nicht möglich ist. Schon wegen der technisch unmöglichen richterlichen Beschlagnahme in den weitaus meisten Fällen ist die Annahme der „Gefahr im Verzüge" begründet. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf dem Lande. Hier bedingen die weiten Entfernungen die „Gefahr im Verzüge". Der zuständige Richter sitzt meist in der Kreisstadt, wie soll ihn da der Beamte schnell erreichen und die Beschlagnahmeverfügung in Empfang nehmen? Da muh der Beamte sich selbst helfen. Rur in Kleinstädten, in denen ein Gericht seinen Sih hat, wird der Polizeibeamte verhältnismäßig viel öfter in der Lage sein, die vorherige richterliche Beschlagnahme nachzusuchen. Eine alte Erfahrungstatsache ist es nun, daß oft Meinungsverschiedenheiten zwischen dem eine Beschlagnahme durchführenden Polizeibeamten und den Inhabern der beschlagnahmten Gegenstände entstehen. Diese bestreiten dann, dah Gefahr im Verzüge obwaltet, ober bah die Gegenstände beweiserheblich ober für die Untersuchung von Bedeutung sind, wie bas Gesetz sagt. Oft kommt es bann zum Wiberstand gegen ben Beamten, ba ber von bet Beschlagnahme Betroffene dessen Amtshandlung nicht für rechtmähig halt. Gin solcher Widerstand kann für den ihn Leistenden recht bedenlliche Folgen hoben. Leistet Ser Täter, weil er die Rechtmäßigkeit ber Amtshandlung bezweifelt, Widerstand, ist die Amtshandlung nach Ansicht des Gerichtes aber doch notwendig, bann ist er wegen Wiberstandes gegen die Staatsgewalt zu bestrafen. Ein sehr gutes Beispiel für dieses Fragengebiet gibt ein Urteil des Reichsgerichts (vergl. Jur. Wochenschr. 55/9). Der Entscheidung lag der Fall zugrunde, daß ein Kriminalbeamter auf dem Anwesen eines Besitzers versteckte und vergrabene Maschinen bei einer von ber Staatsanwaltschaft veranlaßten Durchsuchung vorgefunden und beschlagnahmt hatte. Der Beamte war der Ansicht, dah die Maschinen als Beweismittel für die gegen den Besitzer eingeleitete Untersuchung wegen Pfandbruchs von Bedeutung sein könnten. AIS der Beamte am nächsten Tage die beschlagnahmten Maschinen zwecks Sicherstellung abholte, wurde ihm Widerstand geleistet. Der Besitzer hielt das Einschreiten deS Beamten für rechtswidrig, wurde aber trotzdem wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verurteilt. Ein die Beschlagnahme durchsührender Beam- ! ter hat nach pflichtgemäßem Ermessen zu beurteilen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen einer I Beschlagnahme gegeben sind. Dazu gehört InS- ; besondere, ob die betreffenden Gegenstände für i die Untersuchung von Bedeutung sind. Solange ! sich ber Beamte bei Durchführung ber Beschlag- , nähme in diesen Grenzen pflichtgemäßen Ermessens hält, Ist seine Amtsausübung rechtmähig. Das gilt selbst dann, wenn er s r ch in einem tatsächlichen Punkte irrt Richt daraus kommt es an, ob der dann Widerstand Leistende diese Rechtmäßigkeit erkennt ober vom Gegenteil überzeugt ist. Der Täter kann sich, um sich Straflosigkeit zu sichern, nicht darauf berufen, er habe das Vorgehen des Beamten nicht für rechtmähig gehalten. Wir sehen, dah das Reichsgericht das Vorgehen der Polizei tn weitgehendem Maße deckt. Das hat zwar gewisse Rachtelle, ist aber doch im allgemeinen polizeilichen Interesse und damit im Interesse des Publikums, nur zu begrüßen. Autounfatt durch Menden. Die Klagen, dah durch zu starke Scheinwerfer die Gefahr von Verkehrsunfällen infolge Ser außerordentlichen Blendwirkung im befonberen Maße heraufbeschworen werbe, wollen nicht verstummen. Trotzdem lassen es viele Kraftfahrer immer noch an der nötigen Vorsicht fehlen, und trotzbem bas Reichsgericht in seiner Rechtsprechung einen besonders scharfen Maßstab anlegt, wenn es sich um die strafrechtliche Beurteilung dadurch hervorgerufener VerlehrZunfälle handelt. Als warnendes Beispiel sei hier eine vom Reichsgericht erst in neuester Zeit gefällte Entscheidung (RG. I. Str.-Sen. I. D. 882/28) genannt. Zwei Kraftwagen begegneten sich auf einet Landstraße. Der eine Wagen fuhr mit 30 Kilometer Geschwindigkeit und mit der keine Blend - Wirkung verursachenden Stadtbeleuchtung. Der Fahrer des Wagens wurde durch die Scheinwerfer eines entgegentommenben Kraftwagens und insbesonbere burch ben in Tätigkeit gesetzten Sucher so stark geblendet, bah er überhaupt nichts mehr sehen konnte. Er schaltete des- halb sofort die Gänge aus und lieh Sen Wagen im Leerlauf gehen; trotzbem überfuhr er in diesem- Augenblick einen vor ihm gehenden Straßenpassanten. Beide Kraftfahrer wurden vom Reichsgericht bestraft. Das Reichsgericht führt dazu aus, daß einmal ber Fahrer bes Kraftwagens, ber die Scheinwerfer unb Sucher eingestellt hatte, durch Blendung des entgegenfommenSen Fahrers ben Unfall in schulbhafter Weise herbeigesührt hätte. Sein Verschulden wirb barin erblickt, dah die Verwendung des Suchers an einer verkehrsunübersichtlichen Stelle nicht angebracht war und von dem Fahrer nur gewählt wurde, um die von ihm eingehaltene hohe Geschwindigkeit nicht herabsetzen zu brauchen. Der Fahrer muhte damit rechnen, daß ber Blenbstrahl seines Suchers entgegenkommende Fahrer treffen konnte, und dah deren bann erfolgende Blendung Derkehrs- unfälle leicht zur Folge haben konnte. Den Ausführungen, die das Reichsgericht macht, wird man unbedingt zustimmen können, unb die Forderung, die das Reichsgericht an ben Kraftfahrer stellt, erscheint keineswegs zu hoch gegriffen. Einen bedeutend schärferen Maßstab legt das Reichsgericht aber noch an bei der Beurteilung des Verhaltens des anderen Fahrers, der, durch den Sucher geblendet, den Mann überfahren hat. Diesem macht das Reichsgericht zum Vorwurf, dah er bei der von ihm eingehal- tenen Geschwindigkeit von 30 Kilometern immer noch mit einer verhältnismäßig zu hohen Geschwindigkeit gefahren ist, ba Die eingeschaltete Beleuchtung die Straße nur aus etwa 20 Meter erhellte, außerbem war der Wagen nicht leicht zu bremsen. Don diesem Fahrer verlangt das Reichsgericht, dah er tn den Kreis seiner Erwägung es hätte elnbeziehen müssen, daß er von einem Blenbstrahl eines Ihm entgegenkommenden Wagerrs getroffen unb seine Sehfähigkeit dadurch behindert wurde. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes und in Anbetracht ber schweren Bremsfähigkeit des WagenS war der Fahrer verpflichtet, eine noch geringere Geschwindigkeit einzuhalten, so dah er den Wagen auf allerkürzeste Entfernung zum Stehen bringen konnte. Nötigung. Wer einen andern durch Gewalt ober auch burch Bedrohung mit einem Verbrechen ober Vergehen zu einer Hanolung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird bestraft, wenn er zu seinem Verhalten keinen Rechtsgrund hatte. Solche Fälle der Nötigung finden wir häufig, wenn es sich darum handelt, einen Mieter, fei es Haupt- oder Untermieter, zum Der- lasten der von ihm bewohnten Räume zu bewegen. Stammbaum bis auf Widukind zurück. In Immermanns „Oberhof" erzählt der stolze Hofschulze, bah „das echte und aufrichtige Schwert Caroli Magni, womit er auf dem Oberhof den Freistuhl gesehet und errichtet hat, feit tausend und mehr Jahren im Besitze seiner Familie sei". Rach dieser kurzen rechtsgeschichilichm Betrachtung kommen wir zu unserem heutigen Erbrecht. Auch bas DGB. bestimmt als Erän die Verwandtschaft. Es sind Erben der ersten Ordnung die Abkömmlinge des Erblassers: lebt ein solcher Abkömmling zur Zeit des Erbfalls nicht mehr so treten an dessen Stelle die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge (Erbfolge nach Stämmen). Kinder erben zu gleichen Seiten. Wenn Abkömmlinge nicht vorhanden, sind als Erben der zweiten Ordnung berufen die Eltern des Erblasters ober deren Wkömmlinge (das find die Geschwister des Erblassers ober Abkömmlinge solcher). Die Ellern erben zu gleichen Teilen; an die Stelle eines verstorbenen Ellernteils (also für seine Hälfte) treten dessen Abkömmlinge. Sind weder Erben der ersten noch der zweiten Ordnung vorhanden, so kommen als ßrben der dritten Ordnung die Großeltern des Erblassers oder deren Abkömmllyge m Betracht: leben die beiten Grohellernpaare noch, so erben sie zu g eichen Teilen, das heiht, jeder Großellernteil ein Viertel. An die Stelle eines verstorbenen Grohelternteils treten besten Abkömmlinge; sind solche nicht vorhanden, so fällt der Anteil des verstorbenen dem anderen Teile des Grohrltern- paares und. wenn dieser nicht mehr lebt, dessen Abkömmlingen zu: ist ein Grohelternpaar ohne Abkömmlinge verstorben, so erben die anderen Groheltern oder deren Abkömmlinge allein. Falls Erben der drei eben erwähnten Ordnungen nicht vorhanden sind, so sind gesetzliche Erben der vierten Ordnung die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge; leben die Urgroßeltern noch, so erben sie allein, mehrere zu gleichen Teilen, und zwar ohne Unterschied, ob sie derselben Linie oder verschiedenen ßmten angeboren; leben Urgroßeltern nicht mehr, so erbt von ihren Abkömmlingen derjeinge, welcher mit dein Erblasser dem Grade nach am nächsten verwandt ist; mehrere gleichnahe Verwandte erben zu gleichen Teilen. Gesetzliche Erven der fünften und ferneren Ordnungen sind die entfernteren Voreltern des Erblassers und deren Abkömmlinge: für die Beerbung gelten die eben bei den Urgroßeltern bargelegten Bestimmungen. Das Erbrecht des Ehegatten des ErblasterS ist wie folgt geregelt Er erbt; 1. neben Verwandten ber ersten Ordnung (Abkömmlingen) ein Viertel: 2. neben Verwandten ber zweiten Ordnung (Eltern und beten Abkömmlingen) die Hälfte; 3. neben Großellern die Hälfte, falls jedoch an die Stelle eines verstorbenen GroßelternteilS dessen Abkömmlinge treten würden, auch von ber anderen Hälfte deren Anteil. Sind weder Verwandte ber ersten und zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, so erbt der überlebende Ehegatte allein. Reben Erben ber zweiten Ordnung unb neben Großeltern des Erblasters hat der Eyegatte außer seinem Erbteil auch die zum ehelichen Hausstand gehörenden Gegenstände und die Hochzellsgeschenke als sog. „Voraus" zu beanspruchen. Hat der Erblasser weder Verwandte noch einen Ehegatten hinterlassen, so ist der Staat gesetzlicher Erbe. Die bisherigen Ausführungen behandellen bas gesetzliche Erbrecht. Der Erblasser kann jedoch über seinen Rach laß anderweitig verfügen, unb jtoar entweder durch Testament (eine einseitige Verfügung, die jederzeit widerrufen werden kann) oder Erbpertrag (eine zweisellige und bindende Verfügung), lieber das Testament ift vor längerer Zell ein Aufsatz in diesem Blatte veröffentlicht worden. Der Erbvertrag kann nur vor einem Richter ober vor einem Rotar errichtet werden; er kann nur durch Vertrag von den Personen aufgehoben werden, Sie ihn geschlossen haben. Wenn ber Erblasser in seiner Verfügung von Todes wegen seinen Ehegatten, einen Abkömmling ober, falls ein Q(bfömmling nicht vorhanden ist, seine Eltern übergeht, haben diese Personen das Recht, chren Pflichtteil geltend zu machen; das können sie auch schon dann tun, wenn ihnen weniger als die Hälfte, des gesetzlichen Erbteils zugewendet worden oder die Zuwendung mit lästigen Beschränkungen behaftet worden ist: in solchen Fällen wird die Ergänzung des Pflichtteils verlangt. Der Pflichttell besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Da der Pflichtteilsberechtigte nicht Erbe ist, hat er nur Anspruch auf den Wert in Geld; bei ber Berechnung wird ber Bestand ■ des Rachlasses zur Zeit beS GrbfallS zugrunde gelegt. Bei ber Berechnung beS Pflichtteils der Eltern bleibt ber dem überlebenden Ehegatten gebührende „Voraus" (die zum ehelichen Hausstande gehörenden Gegenstände und HochzeitS- geschenke) außer Ansatz. Der PflichttellSan sprach ist vererblich und übertragbar. Er verjährt tn drei Jahren von dem Zeitpunkte an, tn welchem der Pflichtteilsberechtigte von dem Eintritte des Erbfalls und von der ihn beeinträchtigenden Verfügung Kenntnis erlangt, auf alle Fälle aber In dreißig Jahren von dem Eintritt des Erbfalls an. Die Entziehung des Pflichtteils durch letztwillige Verfügung ist nut möglich, wenn ein Abkömmling oder die Eltern dem Erblasser, dessen Ehegatten oder einem anderen Abkömmling nach dem Leben trachten ober sich einer schweren, strafbaren Handlung gegen ben Erblasser ober bessen Ehegatten schuldig machen, wenn bet Abkömmling die ihm dem Erblasser gegenüber gesetzlich obliegende Unterhallspflicht böswlllig verletzt (desgl. auch die Ellern des Erblassers), wenn der Abkömmling einen unsitllichen oder ehrlosen Lebenswandel wider ben Willen deS Erblassers führt, wenn der Ehegatte sich einer Verfehlung schuldig macht, die einen Ehescheidungsgrund darstellt. Das Recht zur Entziehung des Pflichtteils erlischt durch Verzeihung. Roch zu erwähnen ist die Entziehung des Pflichttells einem Abkömmling gegenüber, der ein Verschwender ober so überschuldet ist, daß sein späterer Erwerb erheblich gefährdet wird; der Erblasser kann in einem solchen Falle daS Pflichttellsrecht des Abkömmlings durch die Anordnung beschränken, daß nach dem Tode be£ Abkömmlings dessen gesetzliche Erben bas ihm Hinterlassene oder ben ihm gebührenden Pflichtteil als Aacherben oder Rachvermächtnisnehmer erhallen tollem Auch kann bet Erblasser für die Lebenszell des Abkömmlings die Verwaltung einem Testamentsvollstrecker übertragen. Der „Erwerb von Todes wegen" ist zweifellos ein sehr angenehmes und müheloses Geschäft, das jedoch auch einen bitteren Beigeschmack haben kann, wenn ber Erblasser nicht nur Vermögen, sondern auch Schulden hinterlassen hat, insbesondere wenn diese jenes übersteigen. Hebet die Haftung für Rachlaßverbindiichkeiten. EtS- schaftsausschlagung unb Beschränkung ber Erben- Haftung folgt später ein befonberer Aussa-, L§ tft deshalb schon außerordentlich oft zu Strafverfahren gekommen, und immer wieder muh darauf hingewiesen werden, daß der Vermieter, wenn er seinen Mieter zur Aufgabe der Räume zwingen will, dabei nicht eigenmächtig vorgehen darf, um ich nicht etwaiger Strafverfolgung auszusetzen. In >ieser Beziehung sei daran erinnert, daß schon viel- ach Bestrafungen erfolgt sind, weil z. B. der Vermieter Türen und Fenster ausgehoben hotte oder in ähnlicher Weise aggressiv gegen den Mieter vor- ging. Ein warnendes und lehrendes Beispiel gibt eine Entscheidung des Reichsgerichts (Jur. Wochenschrift Rr. 47,1928). Der wegen Nötigung Angeklagte hatte den zu dem Zimmerofen führenden Schornstein mit einer Maurerkelle und Dachpappe verstopft. Das Reichsgericht hat darin eine strafbare Gewaltanwen- düng erblickt, wenn sich diese Tätigkeit allerdings unmittelbar nur gegen eine Sache, aber mittelbar auch gegen die Bewohner des Zimmers richtete, da aus dem Ofen der Rauch durch den verstopsten Schornstein nicht abziehen konnte, so daß er das Zimmer füllte und auf die Zimmermieterin und ihr Kind körperlich derart einwirkte, daß dies« unpäßlich wurde und ihr Kind fast erstickt wäre. Wettbewerbsverbot und Auskunfispflicht. Wer als Angestellter einer Firma nach seinem Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis durch ein Weltbewerbsverbot zum Unterlassen solcher oder ähnlicher Geschäfte verpflichtet ist, ist, wenn er gegen diese Besttmmungen verstößt, zum Schadensersatz verpflichtet. Für den von dem verbotenen Handeln Betroffenen ist aber die Feststellung seines Schadens außerordentlich schwer, wenn er über die entgegen dem Wettbewerosoerbot getätigten Geschäfte keine genügende Auskunft erlangen kann. Es entsteht also in dieser Verbindung die Frage, ob von dem Wett- bewerbtreibenden eine Auskunft über die von ihm entgegen dem Verbot getätigten Geschäfte verlangt werden kann. Das Reichsgericht hot diese Frage in einem rechtskräfttgen Urteil (Jur. Wochenfchr. Nr.33, 1928) bejaht. In dem genannten Falle handelte es sich um einen Handlungsagenten, und das Reichsgericht führt in seiner Begründung aus, daß es dem den gesamten Rechtsverkehr beherrschenden Grundsatz von Treu und Glauben widersprechen würde, wenn der Agent, der sich schadensersatzpflichtig gemacht hat, gleichwohl sich der Auskunft über Geschäfte ent- ziehen dürfte, die er unter Mißachtung des bei Ver- ttagsschluß in ihn gesetzten Vertrauens abgeschlos- sen hat und die zu erkunden und zum Gegenstände eines substantierten Schadenersatzanspruches zu machen, dem Geschästsherrn in aller Regel jede Möglichkeit fehlt. ______ Oberheffen. Großzügi es Wohnungsbauprogramm in Bad-Nauheim. < Lad-Rauhelm, 1.Februar. Die heutige Stadtverordnetensitzung behandelt« in zweistündiger Beratung das von Bürgermeister Dr. Ahl ooryelegte Wohnungsbauprogramm für das Rechnungsjahr 1929. Die Vorlage, di« von verschiedenen Seiten desHauses als großzügig und weitblickend anerkannt wurde, fand noch geringfügigen Abänderungen die große Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung. Dagegen waren nur die zwei Vertreter der Wirtschaftspariei und der kommunistische Stadtverordnete, letzterer, weil ihm die Mietsätze zu hoch erscheinen. Die Stadtverwaltung, die in den letzten Jahren der Wohnungs- not In vorbildlicher Weise schon nach Straften steuert«, indem sie jährlich etwa 40 neue Wohnungen schuf, will in diesem Jahre einen verstärkten Wohnungsbau (zusammen etwa 70 Wohnungen) ausführen und damit die größte Not im wesentlichen abstellen, um sich in den kommenden Iah- ren mehr auf andere kommunale Aufgaben (Kran- kenhaue usw.) einrichten zu können. Sie hat deshalb für dos Bau>ahr 1929 an verbilligtem Geld insgesamt 460 000 Mark zur 'Verfügung gestellt. Die Verwendung der Mittel wurde wir folgt beschlossen: 140 000 Mark für den Privatwohnungsbau, und zwar 20 Darlehen zu je 7000 Mark pro Wohnung, 20 000 Mark für den Altwohmmgsbau: 116 000 Mk. für eine moderne Siedluna in der Blücherstraße, bestehend aus 16 Reihenhäusern, von denen zwölf als Dreizimmerhäuser (Küche, 3 Zimmer, Bad, Kammer) und 4 als Vierzimmerhauser (Küche, 4 Zimmer, Bad, Kammer) errichtet werden. Ein Dreizimmerhaus wird sich einschließlich Straßen- und Kanalbaukosten aber ohne Grund und Boden auf 14 000 Mark, ein Vierzimmerhaus auf 18 000 Mark stellen. Die Häu> ser werden von der Stadt erbaut und können nach Fertigstellung entweder vermietet, ober zu Eigentum, ober in Erbbaurecht verkauft werben. Der Rest der verbilligten Wohnungsbougclber wirb zur wei- teren Bebauung des Daublocks in der Homburger Straße verwandt. Vorgesehen ist die Schaffung von 24 Zweizimmer, und 10 Dreizimmer-Wohnungen. Wichtig ist der Beschluß, daß die Mieten der neuen Häuser so festgesetzt werden, daß sie bi« der Stadt erwachsende Lasten decken. Bei den Reihenhäusern in der Blücherstraße wird sie monatlich etwa 80 Mark für das Dreizimmerhaus, 110 Mark für dos Vierzimmerhau» betragen. Rabiate Zigeuner. st. G a m b a ch, 1. Febr. Seit einiger Zeit macht fine Harfe Z i g e u n e r b a n d e — 7 Wagen und 15 Bären — die hiesige Gegend unsicher. Gestern abend erschienen sie nun in der hiesigen Gastwirtschaft Haas und verlangten für etwa 14 Pferde und die Bären Stallung. Als der Wirt nicht soviel Platz zur Verfügung stellen konnte, versuchten sie fid) gewaltsam Unterkunfts- räume für die Tiere zu schaffen. Dadurch tarn es zu tätlichen Auseinandersetzungen, in deren Verlaus von den Zigeunern Mobiliar und F e n st e r des Wirtshauses demoliert wurden. Der Gastwirt Haas erhielt ziemliche Verletzungen, besonders im Gesicht. Der Zugang zur Gastwirtschaft wurde'von den Büren „bewacht", so daß die Ortseinwohlier kaum HUfe bringen konnten. Erst ein herbeigerufenes Kommando der Schutzpolizei Butzbad) konnte weitere Ausschreilun- gen dadurch unterbinden, daß die Zigeuner zwangsweise adtransportiert wutden. Sie mußten vor Eberstadt lagern und wurden in der Nacht von vier Mann Schutzpolizei bewacht. Heute morgen erfolgte ihr Abtransport unter polizeilicher Bedeckung — nach Aufleilung der Bande — zur Grenze. Ihrem Abtransport widersetzten sie sid) nod) mit der Behauptung, sie seien feine Zigeuner, da sie als Bärenführer Wandergewerbescheine besaßen. Wegen ihrer Vorgehen in der hiesigen Wirrsch!t werden sie gerichtlich bestraft werden. Der Fall zeigt, daß es höchste Zeit in Hessen war, das Zigeunergesetz zu erlaßen. Sache der Polizeiorgane ist es nun, für die strikte Durchführung Sorge zu tragen. Landkreis Gietzen. Bg. Großen-Buseck, 1.Februar. Bei der gestrigen Holzoersteigerung bewegten sich die Preise auf der nun schon fast zur Gewohnheit geworbenen Höhe. Für 2 Raummeter Buchenscheitholz würben im Durchschnitt 40 Mark, für Buchenknüppel 35 Mark, für Buchenreisig 20 Mark erzielt. Bei Nutzholz kostete der Festmeter Eichen etwa 100 Mark. : Beuern, 1. Febr. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1929 unserer Gemeinde stand gestern in öffentlicher Gemeinderatssitzung zur Be-. ratunfl. Der Haushaltsplan schließt mit einer Summe von 83609 Mark in Einnahme und Ausgabe ab. Er wurde vom Gemeinderat einstimmig gutgeheißen. : Aus der Rabenau, 1. Febr. Bei der gestern in den Freiherrlich von Rabenauschen Waldungen, Distrikt Eichwald, abgehaltenen H o l z v erst e i g e r u n g machte fid) gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung der Brennholzpreise bemerkbar. Es kosteten Buchenscheiter 28 bis 31,50 Mark, Buchenknüppel 25 bis 27 Mark, Eichenknüppel 12 bis 14 Mark, Buchenftücke 12 bis 14 Mark für zwei Raummeter, wahrend Duchenreisig mit 2 bis 3 Mk. pro Raummeter bezahlt wurde. • Bersrod, 31. 3an. Der hiesige Gesangverein „Sänger kränz" brachte bei seinem diesjährigen Wintervergirügen ausgezeichnete gesangliche Leistungen unter der. Leitung des Chor- meisters Christ. Möbus, Reiskirchen, zu Gehör. Dankbarer Beifall belohnte die Sänger für ihre Mühe. Die von der Kapelle Möbus dar- gebotenen Konzertstück« ernteten gleichfalls reichen Beifall. Der Verein steht erst seit 3uni vorigen JahreS unter der Leitung des Chormeister M ö b u s, und er hat sich in d'.eser kurzen Zeit gesanglich schon gut aufwärts entwickelt. • Daubringen, 31. Ian. Der hiesige Männcrturnverein. der dem Turngau Lahn-DunSberg angehört, hielt jetzt sein Wintervergnügen ab. Der Vorsitzende Hch. Michel entbot den Turnern und Gästen den Willkom- mengruß des Vereins. Die Kapelle der 5tev- willigen Feuerwehr Lollar brachte ihre musikalischen Darbietungen in vortrefflicher Weise zu Gehör. Ferner wurde durch humoristische Vorträge die frohe Stimmung des Abends noch bereichert. f Grünberg, 1. Febr. Am Donnerstagabend hielt die hiesige Freiw. Feuerwehr ihre Hauptversammlung im Gasthaus „Wilden Mann" ab. Es waren über hundert Kameraden anwesend. Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen: Im Jahre 1928 fanden sechs Hebungen statt, darunter eine Nachtübung, Brände fanden nicht statt, bei zwei kleinen Zimmerbränden war das (Eingreifen der Wehr nicht erforderlich Die Wehr beteiligte sich mit ihrer Kapelle an dem Herbftver- banbstag in Heuchelheim, desgleichen nahmen ihre Vertreter teil am Kreisverbandstag in Gießen und der erste Kommandant am Landcsoerbandstag in Frankfurt, über dessen Verlauf Bericht erstattet wurde. Erwähnt wurde noch und lobend anerkannt, daß Kamerad, Bäckermeister Heinrich Meyer im Dezember auf eine 52jährige aktive Mitgliedschaft zurückblicken konnte. Aus diesem Anlaß wurde ihm damals ein Anerkennungsschreiben des Reichspräsidenten v. Hindenburg zugesandt. Für 20jährige Mitgliedschaft wurden ausgezeichnet die Kameraden: Hermann Eiertänzer und August Leineweber. Kamerad Möller hielt einen lehrreichen Vortrag über Autobrände. Beschlossen wurde, eine Sanitätskolonne ins Leben zu rufen. Der Vorstand wurde durch Zuruf mieberge- wählt, an Stelle von Heinrich Meyer, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde, trat Kamerad Konrad Trinkaus. Der Vorstand fetzt sich folgendermaßen zusammen: 1. Kommandant: Karl Seifart II., 2. Kommandant: Carl Schmidt, Schriftführer: Friedrich Jäckel L, Rechner: Otto Allmendinger, drei Beisitzer: Wild Schorn- b e r, Karl Jöckel VI. und Karl Hoffmann II. Obmann der Steigmannschaft: Gebauer, Stellvertreter: Georg Haas; Obmann der Spritzenmannschaft: Karl Böß, Stellvertreter: Konrad Trinkaus, Obmann der Hydrantenmannschaft: Karl Heidt, Stellvertreter: Karl Möller, Obmann der Wachmannschaft: Hermann Eiertänzer, Stellvertreter: Karl Decker. i. Ettingshausen, 1.Febr. Auf Grund des Altersgrenzeaesetzes wurde unser erster Lehrer Heinrich Knöll in den Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlaß fand gestern abend eine Feier statt, nachdem sich Herr Knöll schon nachmittags von den Schülern und Fortbildungsschülem verabschiedet hatte. Um acht Uhr abends versammelten sich im festlich geschmückten Schulsaale der ersten Klasse der Ortsoorstand, der Sd)uloorstand und zahlreiche Gemeindemitglieder. Der Gesangverein „Konkordia" trug unter Leitung von Lehrer D ö r» m e r (Lich) einen einleitenden Chor vor. Hierauf hielt Bürgermeister O p p e r eine Ansprache, in der er der Verdienste des scheidenden Lehrers um die Gemeinde gedachte. Als äußeres Zeichen der Aner- kennuna überreichte er Lehrer Knöll einen wertvollen Armstuhl. Nach einem Chor des Gesangvereins „S ä n g e r l u fr, geleitet von Lehrer S i - man, ergriff dieser selbst als Vorsitzender des Schulvorstandes das Wort und gedachte der eigentlichen Lehrertätigkeit des in den Ruhestand versetzten Kollegen. Für den Kirchenvorstand sprach Pfarrer Nies über das rechte Verhältnis von Kirche und Schule, die beide berufen sind, Dienst am Volk zu leisten. (9anx besonders dankte er Herrn Knöll für seine langjährige Mühewaltung als Organist. Zum Schluß ergriff Lehrer Knöll das Wort. Er Ätc der langen Jahre, die er in der Gemeinde t hatte, feiner Tätigkeit als Lehrer und als Leiter der von ihm gegrünbeten Sparkasse und seiner sonstigen Bemühungen um unser Dors. Man merkt« es ihm an, wie schwer ihm der Abschied von seinem Amte wurde. Auf seine Aufforderung hin fangen alle Anwesenden gemeinsam das Lied „Nun danket alle Gott". Im Anschluß an die Feier lud Herr Knöll die Vorstände der Gemeinde, der Schule und der Kirche zu einem Beisammensein im Saale des Gastwirts Sommer ein. Hier blieb man mehrere Stunden bei gemeinsamen Liedern und Chorgesängen in schönster Harmonie beisammen. Als Nachfolger des Herrn Knoll wurde Schuloerwaller Nummer Ich aus Worms bestellt. W,a tzenLorn - Stetnberg, 31. San. Der hiesige Ätie gerne rein feierte int Gast- hause „Zur Krone" fein 55. Stiftungsfest. Der Vcreinsvorsitzende Schäfer begrüßte die Mitglieder und Döste mit ctr.?r Ansprache, an deren Schluß er ein begeistert aufgenmnnrened Hoch auf den Reichs Präsidenten. General e > -arschall von I Hindenburg, au brachte. Rach dem von Frl. Marie 3 ung gesprochenen Prolog erfreute I eine Theateroufsnhruna die Besucher des Abends. ferner wurde gute Unterhaltungsmusik von der Iugendkapelle geboten. )( Lich, 31. 3an. Aus dem kirchlichen Bericht des Jahres 1 928 sind außer den bereits mitgeteilten Zahlen noch folgende Angaben von allgemeinem Interesse: Es wurden 61 Haupt- und 52 RebengotteSdienste gehalten und von 18 371 Erwachsenen besucht (Durchschnittszahl der erwachsenen Kirchenbesucher an einem Sonntag also etwa 20 Prozent). Zum Heiligen Abendmahl gingen 1080 Gemeindeglieder, oder etwa 57 Prozent der Erwachsenen. An Kollekten usw. gingen ein: allgemeine Kirchen- kollekten 366 Mark, an Gaben für Vereine und Anstalten 2086 Mark, für Arme und Kranke 190 Mark, für sonstige kirchliche Zwecke 983 Mk., zusammen 3625 Mark, oder 1,92 Mk. auf den Kopf der erwachsenen Gemeindeglieder. Das Vermögen des einst reichen Marienstlfts ist infolge der Inflation fast völlig verloren gegangen und beträgt heute nur noch 6145 Mk., das der 1. und 2. Pfarrei, die ebenfalls über ein großes Vermögen verfügten, 4577 bzw. 4065 Mark. Infolge Ablösung der Baulast an den Pfarrhäusern in Langsdorf und Dillingen mutzten etwa 21 Morgen Grundstücke an diese beiden Gemeinden abgetreten werden, eine weitere Verringerung erfuhr der Grundbesitz des Marienstifts durch Abtretung mehrerer Bauplätze. Das Grundvermögen besteht heute für das Marienstift aus etwa 90 Morgen, für die erste und zweite Pfarrei aus 82 bzw. 26 Morgen. Eine in den letzten Tagen für Die Jahre 1924 bis 1927 gemachte Zusammenstellung ergibt jedoch, daß die Einnahmen aus den Grundstücken des Marienstifts noch nicht ein mal ausreichten, die Steuern und sonstigen Abgaben des Marienstifts für feine eigenen Grundstücke und diejenigen der beiden Pfarreien zu bestreiten. Für die kommenden Iahre dürfte sich hierin eine Deine Besserung geltend machen. Daß unter solchen Umständen daS Marienstift nicht in der Lage ist, seinen baulichen Verpflichtungen an der sehr erneuerungsbedürftigen Kirche nachzukommen. muh im Interesse der Erhaltung dieses herrlichen Baudenkmals sehr bedauert werden. # Hungen, 1. Febr. Der Zweigver- ein Hungen und Umgegend deS Oberhe s- fischen Bienenzüchterverbandes hielt im „Solmser Hof" seine erste diesjährige Versammlung ab, in der sich der Vorsitzende. Pfarrer Göckel, von den Mitgliedern verabschiedete. An seine Stelle wurde durch Zuruf Lokomotivführer H. Kich von hier zum Vorsitzenden gewählt. Stellvertreter des Vorsitzenden ist Pfarrer Weber, Trais-Horloff. Die Dechnungsab- lage durch Gustav Kohlheyer ergab, datz der Zweigverein finanziell gesichert dasteht, verfügt er doch einschließlich der Bestände an EinheitS» gläsern und Kunstwaben über einen Kassenbestand ton über 300 Mark. Der Verein beabsichtigt, Im Vorsommer eine Lehrfahrt zu einem größeren Musterstand der Provinz zu unternehmen. r Obbornhofen. 1. Febr. Der hiesige Kriegerverein hielt dieser Tage seine diesjährige ordentliche Generalversammlung im Gasthaus „3um Adler" ab. Der Vorsitzende, Landwirt Wilh. Müller, erstattete den Iahres- bericht, aus dem hinsichtlich des Mitgliederstandes zu entnehmen war, daß trotz nahezu völligen Fehlens neuer Beitritte der Verein 49 ehemalige Feldzugsteilnehmer und gediente Leute als Mitglieder z hlt Rechner März verlas die Rechnung: daraus war zu ersehen, daß die Kassenverhältnisse in Ordnung find und der Verein bereits wieder über ein Vermögen von 124 Mk. verfügt. Man beschloß u. a.. sich an. dem Bezirks- kriegerfest In Langd zu beteiligen. # Aus der Wetterau. 1. Febr. Obwohl wegen der herrschenden Kälte die Schweinemärkte schlecht befahren werden, -eigen die Ferkel- preise steigende Tendenz. Die Verkäufe werden hauptsächlich im sog. Stallhandel getätigt. Gegenwärtig kosten 7 bis 8 Wochen alte Jungtiere 24 bis 27 Mk., die um Weihnachten noch zu 20 Mk. zu haben waren. Die niedrigen Kartosselpreise bei hohem Stand der Fettschweinepreise regen zur Mast an, wodurch in letzter Zeit wieder stärkere Nachfrage einsetzt. Auch die Preise der Schlachtschweine sind In der leht"n Woche um etwa 2 Pf. auf 72 bis 74 Pf. je Pfund Lebendgewicht gestiegen. Kreis Friedberg. --- Bad-Nauheim. 31. Ian. Im Bildungsverein hielt Prof. Dr. Blecher (Friedberg), ein trefflicher Kenner der Vorgefchichte unserer Heimat, einen fesselnden Lichtbildervortrag über .Der Mensch der Steinzeit und die früheste Besiedelung der W e 11 c r a u". Der Redner, der zunächst eine Einführung in den Werdegang der vorgeschichtlichen Wifenschast gab, ging aus von den ältesten menschlichen Kulturfunden und Kulturäußerungen, behandelte kurz die Kultur der älteren Steinzeit, wie fie uns in den berühmten Funden von Treis a. d. Lumda hinterlassen ist. um dann ausführlich die jüngere Steinzeit (5000 bis 2000 v. Chr.) zu fchildern. Die hinterlassene Töpferei (Keramik) ermöglicht es, die Herkunftsländer der verlchieoenen Wetterauer Siedler festzustellen. Dir finden hier an Ackerbauvölkern Abkömmlinge der Pfahlbauern aus dem Schweizer Borland und Angehörige der sog. Bandkeramiker aus dem Donaugebiet, an Iägervölkern vor allem in den angrenzenden Waldgebieten aus der Thüringer Gegend die sog. Schnurkeramiker und R ö s s e n e t (nach dem Hauvtfundort Rössen). Die letzteren gingen in der Wetterau durch bandkeramifchen Einfluß zum Ackerbau über. Bon Frankreich her drang das Iägervolk der Zonenkeramiker bei uns ein. Die zahlreichen Lichtbilder von Wetterauer Fundorten der jüngeren Steinzeit zeigten anschaulich den Hüttenbau, die Entwicklung verschiedener Geräte usw. Dabei erscheint besonders beachtlich, daß eine ganze Reihe technischer Formen (Radel, Henkel. Meißel. Fachwerkbau) in ihrer Entwicklung schon in der jüngeren Steinzeit zur Vollendung geführt wurden. • Griedel, 1. Febr. Nachdem von der Krie- gerkameradfcha't „Hassia". Bezirk Butzbach-Dad» Nauheim, dem hiesigen Kriegerverein das Bezirksfest des Iahre» 1929 übertragen worden ist, beginnen in unserem Dorfe allmählich die Vorbereitungen zu diesem Feste. Der Verein verbindet damit Die Feier seines 55jährigen Bestehens. Als Festtage finb der 7. und 8. Iull bestimmt. Der Festplay tolrb, wie bei dem letzten großen Sangersesto, der In unmittelbare: Nähe xs Dorfes gelegene Din- gertberg 'ein. Es ist ein historischer Festzug, sowie die Ausgabe eines Festbuches geplant. Kreis Büdingen. △ Nidda, 1. Febr. Wiederholl waren in der letzten 3cit in dem großen Harbwald vnb auf den angrenzende« Seibern mehrere Rude! DI TU» chweinc beobachtet worden. Deshalb begaben ich in dieser Woche mehrere Säger auf die Iagd dieses sonst hier seltenen Wildes. Sie trafen in der Harb in der Schmidtswiese auf ein Rudel Wildschweine von zehn Stück, konnten aber keines der Borstentiere erlegen. — Gestern wurde die Jagd der Stadt Nidda, die 1050 Hektar, Darunter 80 Hektar Wald, umfaßt, auf neun Iah« verpachtet. Höchst bietender blieb Mühlenbesiver Hermann Erk von hier mll 1255 Mark jährlichem Pacht betrag. Die hier seither bestandene Jagdgesellschaft wird sich weiter an der Ausübung Der Jagd beteiligen. Der seitherige Pacht- betvag war 600 Mark jährlich. # Unter-Widdersheirn, 31. Ian. Zu der hiesigen Verpachtung derGemeinde- j a g d hatten sich zahlreiche Liebhaber au» der Umgegenb eingefunden. Höchstbietender blieb Brennmaterialienhändler Ferd. D i r-l a m m, Frankfurt a. M, mit dem Gebot von 625 Mark. Das Jagdgebiet umfaßt 235 Hektar Feld und 52 Hektar Wald und weist einen guten Wild- bestand auf. Der seitherige Pächter Landwirt Karl Schneider von Berstadt zahlle jährlich 280 Mark Pachtgeld. • Hirzenhain, 3L Jan. Der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs hielt dieser Tage feine Jahreshauptversammlung ab. Der 1. Vorsitzende Albrecht Stein gab einen kurzen Bericht über den Stand der Gesamt-VL.C.-Bewegung, die im vergangenen Jahre durchgeführten Derbesserungen in den Klubhäusern, den Ankauf deS Dr. Jägerfchen Anwesen Z und das DereinSleben im allgemeinen. Der Mitgliederstand mit 72 bat sich gegen das Vorjahr nicht wesentlich verschoben. Fünf Neuanmeldungen konnten gebucht werden. Die Jugendgruppe zählt 28 Jugendliche. Das Wandern wurde eifrig gepflegt. Der Jahresbeitrag blieb in unveränderter Höhe. Der Wanderplan für das neue Dereinsjahr wie» 12 Pflichtwanderungen auf. Der Vater-Benderheim- Gemeinde trat der Verein als Mitglied bet In den Vorstand wurden einstimmig gewählt: Albrecht Stein 1. Vorsitzender, Wilhelm Hill 2. Vorsitzender, Heinrich Meih 2. Rechner, Hans Kraft Schriftführer, Willi Weber Wander- wart und Wegebezeichnungsobmann. Konrad I ö r d e n S und Georg Stroh Beisitzer, Richard Rupp Jugendobmann. • Dodenhausen I bei Ortenberg, 31. Ian. Unser Turnverein hielt seine diesjährige Generalverfammllmg unter der Leitung deS Vorsitzenden Otto Wacker ab. Nach der Begrüßungsansprache des Borsitzenden, der dabei zu weiterer eifriger Mitarbeit an den Bestrebungen deS Vereins aufforderte, erftattet« her Rechner Reuter den Kassenbericht, der mit Entlastung des Rechners genehmigt wurde. In den Vorstand wiedergewähll wurden die seitherigen Beisitzer Albert Dietz und Iohs. C h r i st, neu- gewählt wurde als Zeugwatt Reinhard Nies Nach der Annahme verschiedener Anträge d«S Turners Ernst Wacker konnte der Dorsitzend« die Versammlung schließen. Kreis Schotten« Y Gedern, 1. Febr. Bel der gestrigen Brennhol§oersteigerung der fürstl. Der- roaltung wurden hohe Preis« erzielt. Es wurden geboten für Buchenscheit enter Klass« 16 bis 20, zweiter Klasse 12 bis 15, Knüppel durchschnittlich 10, Astreifer 1, Stammreifer 2 bis 3 Mark. Die Versteigerung war sehr stark besucht. —/— Rainrod. 30. Ian. Unter der Leitung feine» ersten Borsitzenden, Bürgermeister Decher t, hielt der hiesige Kriegerverein dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach einem kurzen Rückblick des Vorsitzenden auf daS verflossene Jahr erstattete der Schriftführer V i e h l seinen Bericht, hieraus brachte der Bereinsrechner den Stand der Kasse in Einnahme und Ausgabe zur Kenntnis der Mitglieder. Die Rechnung schließt mit einem Ueberschuh ab und wurde unter Entlastung des Rechners genehmigt. Der seitherlae Vorstand wurde in seine Aemter wledergewählt. Man beschäftigte sich weiter mit der Errichtung einer S ch u tz e n a b t e i l u n g Innerhalb deS Kriegervereins, und bestimmte dabei, daß nunmehr der Schießstand endgültig fertiggestellt und die Schießabtellung ins Leben gerufen werden foIL -fc Sellnrod, 31. Ian. Gestern traten der Kirchenvorstand und die Kirchenge- meindcvertretung zusammen, um den Voranschlag für 1 929 zu beraten. Der Voranschlag wurde von beiden Instanzen genehmigt. Der erste Teil schließt ab mit 2494,94 Man in Einnahme und Ausgabe. Den örtlichen Fehlbetrag von 1959,53 Mk. tragen die bürgen lichen Gemeinden Sellnrod, Schmitten und Altenhain nach einem bestimmten Verhältnis. Alljährlich wird eine größere Summe für die geplante Kirchenheizung eingestellt und verzinslich angelegt. Am Pfarrhaus fallen einige Re- paraturarbeiten zur Ausführung kommen. Der zweite Teil des Voranfchlags schließt ad nut 1489.12 Mk. in Einnahme und Ausgabe. Kreis Alsfeld. • Dieder-Ohmen. 1. Febr. Dieser Tag« hiell der Geflügel- und Vogelzucht- Verein für Nieder-Ohmen und Umgegend fetne diesjährige Generalversammlung ab. Der 1. Vorsitzende, Fißler. erstattete den Iahres- bericht und wies dabei auf die d.esjährtge Drut- saison und die in Niedev-Ohmen stattfindende Bezirks-Geflügelschau hin. Sodann erstattete der Rechner und Schrislsührer M o h r den Deicht über das vergangene Bereinsjahr. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Bei der folgenden Vorstandswahl wurde der 1. Vorsitzende 8161er wiedcrgewählt. Als 2. Vorsitzender wurde W. Böck berufen Rechner wurde Otto Reichel. Schriftführer O. Reiz. Der Vorstand wurde dann noch erweitert durch die Mllglieder H. Seibert, H. Tröller und Ph. Laub. Zum Devrinsdiener wurde K. Mohr in. bestimmt. 3ixw Schluß wurde noch ein Antrag angenommen der bestimmt, daß jedes Vorstandsmllglied für den ihm anvertrauten Posten die volle Veranl Wortung zu übernehmen Hai. r Ober-Ohmen. L Febr. Die hiesige K ir chengemcinde trägt sich mit der Absicht der An läge einer Kirckenheizung. Da eigene Mittel nicht zur Verfügung stehen, wird geaenroärlig eine flaue sainmlung veranstaltet. Zur Zeit sind schon über 1000 Mark eingegangen, doch dürfte sich naH den bisherigen (Erfahrungen und nach Vorsicht gen Schatzungen die Endsumme auf ungefähr 1500 Mark belaufen. Zur leichteren Begleichung der gezeichneten Beiträge ist ein Drelmonatsratensystev' eingenign l worden VMkbW üon StlO6en6flH- I Nrbeitsverqebnnq 993D getrennt vergeben werden: Wellerskopf. 1032V Wasserwild. 824V Müller. 664V la-Kla Ib-Ala 2a-ftla 2b>ftta 3s-Kla 3bKla Holzversteigerung im Muschenheimer Gemelndewald Dtensiag, den 5. Februar 1929. : am teils* 660,5 rm 3,1 rm 2,0 rm 94,0 rm 6,0 rm 6,0 rm 608.0 rm 247,5 rm Nutzholzversteigerung Dienstag, den 5. Februar L3., vormittags von 9 Uhr au. kommen aus den Waldungen der Gemeinde Großen-Buseck, Distrikt Wellerskopf zur Versteigerung: Buchenstamme (A). 3. Klasse 6 Stück, 5,57 fm 4. Klasse 15 Stück, 20,22 fm 5. Klasse 6 Stück, 9 58 fm Luchenstämme (N). 3. Klasse 3 Stück, 2,58 fm 4. Klasse 14 Stück, 16,37 fm Fichtenabschnitte (F). 4a-Klasse 1 Stück, 0,44 fm 4b-Klasse 2 Stück, 0,80 fm 5. Klasse 1 Stück, 0,51 fm Die Zusammenkunft ist am Woldeingang Holzversteigerung. Donnerstag, den 7. Februar L 3., soll in dem Wald der Gemeinde Beuern nachverzeichnetes Brennholz versteigert werden: Distrikt Heegwald. moteiloiilelennsen.gielnDflüftei' oiöelUn öfiö jüliileiilüngen. Auf Grund der Reichsverdingungsorb* nung sollen nachstehend aufgeführte Ar* beiten und Lieferungen für Ausbau und Unterhaltung der Provinzialstraßen der Provinz Oberhessen im Rj. 1929 noch Losen Zagdverpachtung. Freitag, den S. Februar 1929, nachmittags 3 Uhr, kommen im hiesigen Rathaussaale die Jagdbezirke 3, 4 und 5 auf sechs Jahre zur Verpachtung. Jagbbyirf 3 umfaßt 1406 Morgen Feld und 57 Morgen Wald (Höllerswarte). Jagdbezirks umfaßt 1007 Morgen Feld. Jagdbezirk 5 umfaßt 1305 Morgen Feld und 17 Morgen Wald (Galgenberg). Das Jagdgebiet ist in etwa halbstündiger Bahnfahrt von Gießen zu erreichen. Guter Wildbcftand ist vorhanden. Je nach Loge und Art des Bezirks kommen vor: Rehe, Hasen, Hühner, Raubzeug und 23 F chtenderbstangen mit 1,50 fm 1 Hainbuchenstamm mit 0,23 fm. Gleichzeitig kommen aus dem Markwald zirka 7 fm Eichenstammholz und zirka 30 fm Kiefern- und Fichtenstämme verschiedener Klassen zum verkauf. 1001V Zusammenkunft vormiltagv 9V> Uhr im Gemeindewald D.strikt Küchenstaatswiese. Muschenheim, den 30. Januar 1929. Bürgermeisterei Mufcheiheim. Becker. Zagdverpachtung. Mittwoch, den 6. Februar 1929, nachmittags IV) Uhr, finde auf oem Rathaus zu Ober-Hörgern die Neuverpachtung der Feldjagd der Gemarkung Oder-horgern auf weitere sechs Jahre statt. Die Jagd umfaßt 1300 Morgen Feld und hat einen erstklassigen Wildbestond in Hasen, Hühnern und Wildenten. Ober-Hörgern ist Bahnstation der Butzbach-Licher-Eisenbahn. Ober-Hörgern, den 19. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. Fichtenstämme. je 10 Stück, 1,76 fm je 17 Stück, 6,48 fm je 47 Stück, 31,74 fm je 27 Stück, 25,63 fm je 15 Stück, 15,57 fm Großen-Buseck, den 1. Februar 1929. Hessische Bürgermeisterei. Gans. Scheiter: Buche Eiche Fichte Knüppel: Buche Eiche Fichte Reifer: Buche Stocke: Buche Zusammenkunft oormittaas 9% Uhr Waldeingang der Straße Beuern—G< hausen. 997V 1. Für gewöhnliche Unterhaltung (getrennt nach Baubezirken). a) Flickmaterial. Die Lieferung frei Ber* Wendungsstelle der einzelnen Straßen* strecken von zteka 30 000 cbm Hartbasalt- tleinschlag und zirka 10 7000 cbm Binde* matermlien (Splitt, Kies, Sand) und zirka 4700 cbm Teersplitt. b) wolzmaterial. Die Lieferung — wie vor — von zirka 9350 cbm Kleinschlag, zirka 1465 cbm Splitt, zirka 700 cbm Ba- mltmchl und zirka 1775 cbm Kies ober Sand. Angebotsvordrucke sind, soweit der Borrat reicht, gegen Erstattung der Selbst- tösten bei unseren Bezirksbaubeamten in Gießen, Cid), Caubach, Homberg a. d. Ohm, Alsse.d, Lauterbach. Jloßbert», Schotten, Nidda, Bübingen und Friedberg erhältlich. Angebote sind bei denselben bis zum Eröffnungstermin am Freitag, dem 15. Fe- btuar 1929, vormittags 11 Uhr, verschlossen und postfrei mit entsprechender Aufschrift »ersehen, elnzureichen. 2. Für Kleinpflasteranlage. a) Die Lieferung frei Em fangsstation der einzelnen Strecken von zirka 5750 t Rheinsand, 13 900 t sonstigem Flußsand, zirka 5400 t Basaltsplitt und zirka 2000 t Basaltmehl. b) Die Lieferung von zirka 11400 Sack Portlandzement frei Derwendungsstelle an den einzelnen Straßenstrecken. c) Die für zirka 25 km Kleinpflaster* anlage erforderlichen Vorprofilierung»' und Kleinpflaslerarbeiten, Randfteinsehen und Herstellung der Gräben und Bankelle. d) Das Ausladen, Anfahren und Abladen an der Baustelle von zirka 27 000 t Sand und Splitt. Angebotsvordrucke können vom 5. Februar ab gegen Erstattung der Selbstkosten — soweit der Vorrat reicht — bei uns erhoben werden. Angebote sind verschlossen und postfrei, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum Eröffnungstermin am Dienstag, dem 12. Februar 1929, vormittag, 11 Uhr, bei uns (Gießen, Johannes- ftraße 17) einzureichen. Zujchlagsfrist für 1 und 2 vier Wochen. Gießen, den 31. Januar 1929. Hessische Provinzialdirektion Oberhessen. Tiefbau. E e l l a r i u s. . se 4 Stück, 4,73 fm 4a ft la je 5 Stück, 6,06 fm Grünberg (Hessen), den 26. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Grünberg. Zagdverpachtung. Die 3agb der Gemeinde v.llingen, Kreis Gießen, bestehend in 600 Hektar' Feld und 300 Hektar Wald (gute Rehjagd, Hirsche als Wechselwild) soll am Donnerstag, dem 7. Februar 1929, oormittaas 19% Uhr, auf hiesige, Rathaus öffentlich auf sechs Jahre verpachtet werden. 666V -.te Jagd kommt in zwei Jagdbezirken un auf Wunsch nochmals im ganzen zum Ausaebot. Billingen ist Station der Bahn Friedberg—Hungen—Mücke. Billingen, den 20. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Billingen. Pauli. Für den Um- und Erweiterungsbau der Gewerbeschule sollen nachstehende Arbeiten unter Zugrundelegung der Reichsverdingungsordnung vergeben werden: 1021C 1. die elektrischen Licht-, Kraft- und Klingelanlagen, 2. die Jnstallationsarbeiten (Ent- und Bewässerung, 3. die Glaserarbeiten. Angebote auf Vordrucke sind verschlosien und verfiegett bi, zu dem Eröffnungs- termin am Montag, dem 11. b. 2H. vormittags 11 Uhr bei uns einzureichen. Zeichnungen und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Zuschlags- und Bindeftist: vier Wochen. Gießen, den 1. Februar 1929. Städtisches Hochbauamt: Gravert. Hotzverpeigerung. Freitag, den -.Februar, vormittags 9% Uhr, werden im Saale des Gastwirts I. Höchst in Kesselbach aus den Freiherrlich von Nordeck zur Rabenauschen Forstorten Dbentopf, Dbenburg, Rangen, Wasserschaft unb Hörnes versteigert: 996V Scheiter rm: Buche 1. Klasse 370, 2. Klasse 39, Eiche 17. Knüppel rm: Buche 1. Klasse 250, 2. Klasse 6, Eiche 7, Fichte 3. Reisig: Buche 1230, Eiche 19. Stöcke rm: Buche 1. Klasse 106, 2. Klasse 23, Eiche 4. Das Holz kann vorher besichtigt werden. Spätere Beanstandungen werden nicht berücksichtigt. Die mit 00 bezeichneten Rum- morn kommen nicht zur Versteigerung. Nähere Auskunft erteilt Herr Förster Kornmann in Rüddingshausen. Londorf, den 31. Januar 1929. Hessisches Forstamt Rabenau. ________vr. Zimmer.________ Alltz* u. Srennholzlmsteigerung im Fürst Solms-Braunfelsschen Forst- revier hunger» am Mittwoch, dem ».Februar b. 3., 10 Uhr vormittags, im Saale ber Gastwirtschaft Strock in Bidingen. Zum Verkauf kommen aus Distrikt Die- trlchsberg bei Billingen: 1019V Buche rm: 54 Nutzrollen, 375 Scheiter, 350 Knüppel, 18 Stöcke, 580 Reiser. Eiche rm: 83 Knüppel. Aus Distrikt Tiergarten bei Hungen: Fichte Stück: 60 Reisstangen 4. Klasse, 1400 Reisstangen 7. Klasse, 2000 Bohnenstangen. Fichte rm: 17 Knüppel. Buche rm: 40 Scheiter, 48 Buchen- und Hainbuchenknüppel, 80 Reiser. Für die auswärttgen Käufer steht am 7*Uhr°Zuge vormittags am Bahnhof Lil- linaen ein Führer zur Besichtigung des Holzes zur Verfügung._________________ Beuern, am 1. Februar 1929. Hessische Bürgermeisterei Beuern. ________Linden st ruth._________ Vrennyolz-Velsteigernng im Butzbacher Stab tarnte. Donnerstag, den 7. Februar 1529, kommt in den Foistorten Struth, Jungwald und Dillenburg nachstehendes Holz zur Derstei* gorung: 998v 30 rm Buchen-, 148 rm Eichen-, 3 rm Hainbuchen-, 1,4 rm Lindenscheiter. 34 rin Buchen-, 3 rm Hainbuchen- unb 32 Eichenknüppel. 2100 Buchim-Mischmellen 1. Durchforstung, 250 Hainbuchen- unb 4-340 Eichen- to eilen. 32 rm Buchen- unb 44 rm E'chenstöcke. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr am Eleeberger Kreuz. BuKbach, den 30. Januar 1929. Der Bürgermeister: Dr. Raufen. Zagdverpachtung. Donnerstag, den 7. Februar, nachmittags 2% Ilhr, findet auf dem Rathaus zu Holz- hetm bte Dervachtung der hiesigen (3e- meinbejagb auf sechs Jahre statt. 752V Das Jagdgebiet umfaßt 680 Hektar Feld unb 80 Hektar Wald unb wird in zwei Bezirken verpachtet. Holzheim, ben 24. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. W e tz. Düngen Äeßkalk sömittche Sotten KoosIdOnger stets auf Laaer. "“D H. Trechsler filoulete l AkMlllW werd, fachgemäß tu vretSwert ge* stimmt u. revar G.Edkrl^ (Meßen. DlomtUl icleolwn 2403 Verkan! v. neuen u. aebi. Klav Büötuoet Mltttte Qü lltölsroote versendet 11010D Frz. Gockel, Biidtnaen. Sparen trA^t fiold. Früchte Wenn Sie tlgllch nur 1 Mark xurüddegeo. erhallen Sie sofort ohne Anzahlung herrllctui. toudiöDes Piano von SOM. monatlich an. Lang], Garantie, ahbew. Fabrikate. 1 Bat» 6Bt tm April dleteii Jahre», vorhg keinerlei tehlunt Zuechr. unter F 440 (1030V) e. d. Giebener Anzeiger Asbest- Platten. 1,2,3,4 und 5 mm wieder am Lager. 67850 CarlSchunck HH Dk WasthbarkdT farbiger Sachen prüft man durch Eintaueben eines Zipfels b klares Wasser und Auspressen über weißem Tucb. Wie Kunstseide waschen? Nach Prüfung der Farbechtheit in klarem Wasser in kalter Persil* lauge leicht durchdrücken. Der milde Persilschaum reinigt rasch und schonend. Mehrmals kalt spülen und dem letzten Spülbad etwas Essig beigeben. Sie werden staunen, wie herrlich die Farben wieder leuchten. Zum Trocknen rollt man Seidensachen in saubere weiße, feuchtigkeitaufsaugende Tücher, bügelt feucht und mit mäßig warmem Eisen von links. Persel das ideale Waschmittel für Kunstseide. öuchenjiamm- und Schwellenholz verkauf. Nachstehende Mengen von Buchen- Stamm- und Schwellenholz sollen im Sub- misstonsweg verkauft werden unter den für ben Holzverkauf in der Hessischen Staats- sorstverwaltung üttigen allgemeinen Bedingungen: 995V Aus dem Staatswald der Forslamts Stehen: Los 1. Güteklasse N 12 fm Stammholz 3. Klasse. 5 fm Stammholz 4. Klasse. Aus dem Wald der Gemeinde Allendorf an der Lumda: Los 2. Stammholz Güteklasie A 3. Klasse 4 fm, 4 Klasse 6 fm, 5. Klasse 15 fm. Stammholz Güteklasse N 3. Klasse 2 fm, 4. Klasse 7 fm, 5. Klasse 1 fm. Los 3. Schwellenholz 1. Klasse 46 fm. Aus dem Wald ber Gemeinde Treis an der Lumda: Los 4. Stammholz Güteklasse A 3. Klasse 1 fm, 4. Klasse 4 fm, 5. Klasse 2 fm, 6. Klasse 1 fm. — Stammholz Güteklasse N 3. Klasse 4 fm, 4. Klasse 16 fm, 5. Klasse 2fm. Los 5. Schwellenholz 1. Klasse 39 fm. Au'- dem Wald der Stadt Gießen: Los 6. Schwellenholz 1. Klasse 70 im. Das Holz von Los 1, 4 unb 5 ist ohne Rinde, bas ber übrigen mit Rinbe ge- mesien. Schriftliche verschlossene, mit ber Aufschrift „Buchen-Stamm und Schwel- lenholzoerkauf" versehene Gebote (mb losweise, nach Sortimenten unb Klassen getrennt, bis 20. Februar 1929 einzureichen an bas hessische Forstamt Gießen in Gießen, wilhelmstrahe 56, welches näh re Auskunft erteilt.___________________ Nutz-und Srennholzversteigerung im Licher Sladlwald. In den Distrikten E.senlaute, Oberfpeier- lingskopf unb Dickstelle werben nach vor* heriger Zusammenkunft am Burkhards* selber Weg in ber Eisenkoute am Donnerstag, dem 7. Februar 1929, vormittag» 10 Ayr, versteigert: 1000V a) Brennholz. Knüppel rm: Buche 75, We.chholz 20. Reisig Durchforstungswellen: Buche 12255, Riefer 400, Fichte 200, Weichholz 800. • Stücke rm: Kiefer 14, Fichte 25. b) Ruhholz. Stämme: Fichte la-Klasse 7 Stück, 1,31 fm, Ib-Ksasse 6 Stück, 2,37 fm, 2a-Klasse 6 Stück, 4,03 fm, 2b-Klasse 6 Stück, 5,37 fm, 3a-Klasse 1 Stück 1,98 fm, 3b-Klasje 1 Stück, 2,91 fm, 4a-Klasse 1 Stück, 3,77 fm. Derbstangen: Fichte 2. Klasse 13 Stück, 0,78 fm, 3. Klasse 3 Stück, 0,09 fm. Lich, den 30. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich. ______________Geil.______________ Licher Iostnachtsmarkt. Schaf., Schweine- unb Krämermarkt am Montag, dem 11. Februar 1929. Bei Beschickung des Diehmarktes sind die seuchenpolizeilichen Vorschriften zu be* achten. Ursprungszeugnis für Züchter, ötachweis für Quarantäne für Händler. Es dürfen nur Tiere aus unoerseuchten Gemeinden der Kreise Gießen, Friedberg, Schotten unb Büdingen aufgetrieben werden. Austriebszeit vormittags von 9 bis 10 Uhr. 1020V Lich, ben 31. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. Bekanntmachnng. Der nächste Diehmarkt in Gießen finbet statt: 992C Dienstag, den 5. Februar 1929, Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt, Mittwoch, den 8. Februar 1929, Schweinemarkt. Auftriebszeit an den beiden Markttagen von 8)4 bis 10 Uhr vormittags. Auf dem Rtnbviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul* unb Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 2. Februar 1929. Der Oberbürgermeister. I. D.: Klingspor. Bullenverkauf. Nächsten Dienstag, den 5. Februar L X, nachm ita"L 2 Uhr, soll auf hiesiger Bürgermeisterei ein fetter Bulle vergeben werden. Angebote sind schriftlich pro Zentner Lebendgewicht abzugeben. 994V Bedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeben. Besitzer junger Simmentaler Zuchtbullen wollen sici bei unterzeichneter Bürgermeisterei melden. Steinbach, am 30. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. _________Krämer._________ Nutzholzversteigerung im Albacher Gemelndewald. Mittwoch, den 6. Februar, wird im Distrikt Eisenhand versteigert: 999V Eiche: Abschnitte unb Langholz N 1.» 2 , 3. und 4. Klage 68 Stück, 27,43 fm. Eiche: Abschnitte A 5. Klasse 4 Stück, 3,36 fm. Bucye: Abschnitte A 3., 4., 6. Klosse 6 Stück ,7,96 fm. Buche: Abschnitte N 3. unb 4. Klage 9 Stück, 7,65 fm. Fichte: Abschnitte A 3d-, 4a-, 4b-, 5a- Klosse, 9 Stück, 7,90 fm. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr am Hattenröder Weg beim Pflanzgarten. Albach, ben 30. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. _____________Lenz._____________ Zagdverpachtung. Samstag, den 9. Februar 1929, nachmittags 2 Uhr, m’“b im Gemeindesaal zu Kirch-Göns die Gemeindejagd, bestehend aus zirka 200 Hektar Wald unb 600 Hektar Feld, auf weitere neun Jahre öffentlich meiftbi.tenb verpachtet. Der Wildbestand besteht hauptsächlich aus Rehen, Hafen unb Hühnern. Kirch-Göns ist Bahnstation ber Main-Weser-Bahn inmitten des Jagb- bezirks. 751V Bemerkt wirb noch, daß dieselbe in drei Bezirke eingeteilt wird. Der dritte Bezirk liegt in der Gemarkung Pohl-Göns und ist nur Walbjagd, er umfaßt zirka 130 Hektar. Kirch-Göns, den 23. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. Hanack. k Frankfurt a.M. i Pferde-Märkte Mti 4. Februar, tl. März, 15. April. 13. Mal, 80| 6 1V. Juni, 8 Juli, 19. August, 7. Oktober. ) Dezember. [iltiV He I Durchschnittlicher Auftrieb 700 Pferde B9 aller Rassen, auch Schlachtpferde; größte WB Auswahl u. beste Gelegenheit f. Kauf od. BhB Tausch. Ein Besuch dieser Märkte Ist zu Uffl :3m empfehlen. Der Bandel Sonntags verbot Holzversteigerungen der Fürstlichen Oberförsterei Lich. Montag, den 4. Februar, werden in bet Harb bei Koinhausen versteigert: rm Scheiter: Buche 70, Fichte 5; Knüppel: Buche 23, Eiche 2, Kiefer 6, Fichte 14; Stöcke Buche 22, Eiche 2, Fichte 29; Reiser Wellen: Buche 1200, Eiche 50, Erle 150. Dabei kommen 900 Fichtenreisstangen, 1100 Bohnenstangen, zirka 10 fm Eichen- unb Bu- chen-Wagnerholz unb einige Gartenpfosten zum Ausgebot; danach zirka 100 fm Fichte- Bauholz — zumeist Sparrenbolz — unb 30 fm schwächere Derbstangen (Gerüst- unb Spalierholz). Zusammenkunft 9% Uhr auf ber Straße Lich—Butzbach am Forsthaus Fasanerie. Dienstag, den 5. Februar, werden in der Meilbach versteigert: rm Scheiter: Buch« 197, Birke 5, Fichte 5, Knüppel: Buche 145, Eiche 14, Birke 5; Stöcke: Buche 63, Eiche 2, Fichte 19; Reiser Wellen: Buche 7200, E che 50. Dabei kommen 60 fm Buche-, 9 fm Eiche-Schnitt- unb Magner- Holz, 2 fm Eschederbstangen, 30 Stück Hainbuche-Langwieden, einige Garten- pfosten unb 500 Bohnenstangen zum Ausgebot. Zusammenkunft 9% Uhr auf der Straße Lich—Hattenrod am Steinbruch. (Das Nutzholz kommt von 10)4 Uhr ab.) Montag, den 11. Februar, werden in den Distrikten yöler, Schwarzwald, Mühlberg, Graudorn unb Konzebühl versteigert: rm Scheiter: Buche 280, Eiche 8, Fichte 5; Knüppel: Buche 73, Eiche 14, Fichte 2, Stöcke: Buche 164, Eiche 29, Fichte 12; Reiser Wellen. Buche 6750, Eiche 750, Kiefer 50. Dabei kommt folgendes Nutzholz zum Ausgebot: fm Schnittholz: Eiche 8, Esche 3, Buche 23; Stammholz: Eiche 32 (Wagnerholz), Birke 1; Derbstangen: F.chte 8 fm; Reisstangen 1700 Stück; Bohnenstangen 2200 Stück. Gartenpsosten: Eich« 370 Stück. (Die Buchenstämme im Konzebühl kommen am Schluß.) Zusammenkunft 9 Uhr aus ber aller Gießener Straße: Waldeingang bei Steinbach. Dienstag, den 12. Februar, werden im Riedwald versteigert: rm Scheiter: Buche 86; Knüppel: Buche 40, Eiche 2; Stöcke: Buche 85, Eiche 4; Reiser Wellen: Buche 2400, Eiche 230, Kiefer 240 (dabei Forst- wellen). 8 fm Eiche (Wagnerholz) kommen dabei Aum Ausgebot. Nachmittags etwa von 1 Uhr ab werden in der Meilbach, an der Straße Lich—Hattenrod, 183 fm Fichtenbauholz unb 11 fm Derbstangsn (Gerüst* unb Spalierholz) versteigert. Zusammenkunft 9% Uhr: Pfaffenschneise (Hattenrod—Ettingshausen), Wold* eingang. Folgende weitere Versteigerungen sind vorgesehen: Montag, den 18. Februar: Fuchsstrauch, Kellersberg, dabei: Buche^Schnitt*, Eiche. Wagnerholz, Gartenpfosten. Dienstag, ben 19. Februar: Langeberg, Mühlwälbchen, dabei: Fichte-Derv* und Bohl Zangen. Montag, den 25. Februar: Höler (Südseite), dabei: Baustangen, Gerüst- und Spalierholz. Dienstag, ben 26. Februar: Münchwald, dabei: Fichte-Stammholz, Baustongc?.' Gerüst- unb Spalierholz. MnsteiilnderPM Gießen. Bahnhofstrasie 92 I. 1007 D 877A Muskator »iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinD Besucht per 15. Februar oder später 6. m. b. H. 11206D für Vberhesten 99OD Dvethestratze 29 Telephon 1383. dieses Ausschreiben nicht mehr. 991V Ser MskMMkM: MIIIPUS Zur Krühjahrssaat JP'i 1022D empfehle trb: zu an Lagerbalien/Äotogaragen / Werkslällen r/ I0J8D 0368 Krofdorfer Strafte 1 Mobei Die Verwaltung hat jetzt , (frühere Reichshalle). Die Geschäfts- Mitgliedern Genossenschaftstreue. Warenabgabe erfolgt nur an die Mitglieder! in einfachster und reichster Ausführung! Mitglied kann jeder werden. Beitritt nur 50 Pf Langfristige Teilzahlung nur bei Hausrat Gießen Lindenplatp 1 I046A hat gegen die verschiedenen FuOkiden besondere Mittel und Behelfe. Sie werden in jedem Falle individuell anpepaßr, geben sofort Erleichterung und afl» sollen schön, von guter Qualität u. billig sein. Unsere Möbel haben diese Vorzüge! mShfidi durchgreifende Besserung. Seit mehr als 2$ Jahren auf der grasen Welt erprobt. 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Lyzeum und Frauenschule mit Fröbel -- Kindergarten Anmeldung für das neue Schuljahr der MlUt Mim Freitag, den 8. Februar 1929, von 4 bis 5 Uhr, ebenda Zweijährige gründliche Ausbildung in samt» lichen hauswirtschastlichen und in wesentlichen wissenschaftlichen Unterrichts - Gegenständen. Ausgenommen werden Mädchen, die die II b eines Lyzeums oder einer Höheren Knabenschule mit Erfolg durchlaufen haben i ebenso Mädchen, die im 16.Lebensjahre stehen. Für ältere Mädchen besondere Lehrgänge. Oie Schülerinnen sind je nach ihrer Vorbildung zu besonderen llnterrichtSgmppen vereinigt. Dorzulegen ist bas letzte Schulzeugnis. Prospekte durch die Direktion, die zu jeder weiteren Auskunst bereit ist. Bereits angemeldete Schülerinnen betrifft 0Ht grobe ZMWkMMW deSLandwirtkchaftSkammerauSfchuffcs für Overbcsten am Donnerstag, den 14. Febr. 1929 vormittags 11 Uhr in Alsfeld in der Btehhalle auf dem Lfndenvlay. Zur Berfteigerung stnd gemeldet rd. 80 $5uUcn des hefüfch. Fleckvieh fchlages. Gemetuden und Zuchtgenosienschafien ist hier beite Gelegenheit gebo en, gute Zuchttiere zu erwerben. 7H4D rallvwlNMslslomllier MssüM für Sverhesi. ‘htevsefan, von. AmSr EL FUSSCHMERZEN SIND LEIDEN VON GESTERN Die Wlssenscnalt hat sie heute überwunden, wie eie viele andere Krankheiten überwunden hat. denen unsere Großeltern noch machtlos gezenüberstanden. Alle Freudeo des Lebens, alle Erfolge gründen sich auf Fußgesundheit. DsMiolls Fusspflege System KÄÄM mit 2 Läden u. 2x4- ^.-Wobn^ htmttten der Stadt, bei 5—(i Mille An,- f. 20 000 Mark zu verkaufen. Näb. d. G. Katz. Ludwtgftr. 45. oe,; Ein vom DR. SCH OLL-INSTITUT entsandter FuDspcziafist steht Ihnen am: Montag, den 4., und Dienstag, den*5. Februar mit kostenlosem Rat und Auskunft zur Verfügung. Alle, die bereits Dr. Scholl’s Einlagen tragen, werden zur kostenlosen Nachuntersuchung eingeladen. 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Die Sozialisten hatten ihren flanbibutcn zugunsten des letzteren zurückgezogen und der Bischos von Straßburg halte unoerhülll für ihn, einen Geistlichen, und gegen den Aulonomislen, eingegrissen. Co setzten also die französischen Kreise große Hoffnungen auf den Ausgang. Aber diese ist völlig enttäuscht wordenl Das war ein Erfolg der Heunattreucn von großer Bedeutung, und ein Ftn- aeridfl für bie französische Politik, daß es auf dem bisherigen Wege nicht geht. Daß die Kammerdebatte nun eine grundsätzliche Einsicht und Umkehr bringen werde, hat man natürlich auch in Elsaß-Lothringen nach den Erfahrungen des letzten Jahrzehnts nicht erwartet. Poincor^ Hot in seiner großen Rede olles mögliche dariiber zusammengetragen,. was die französische Regierung für das Elsaß geleistet habe. Aber bas besagt alles nichts gegenüber der Tatsache, daß man in Frankreich absichtlich die Augen davor verschließt, daß eben für 80 v. H. der Bevölkerung in diesem annektierten Lande das Deutsche die Muttersprache ist, und daß dort ein uraltes, bodenständiges Deutschtum lebt, das seine Sprache festhalten und gesichert haben will. Und damit steht eben die französische Regierung und Politik vor un- überfteigbaren Schwierigkeiten, wenn sie das Land als französisch behandeln und die französische Sprache als die maßgebende durchsetzen will. Mit dieser Aussassung des schwierigsten Punktes im gan- zen Problem, der Sprachenfrage, kommt die Pa- rtser Politik in der elsässischen Frage nicht weiter und wird die Enttäuschung in der Bevölkerung von Elsaß-Lothringen stärker und stärker. Weder mit einem Diktaturgeseg noch mit Ausführungen, wie sie PoincarS in seiner großen Rede machte, zwingt man die Heimatberoegung auf die Knie, die ihre Kraft und tiefe Berechtigung eben in einem urein- gesessenen deutschen Volkstum findet. So kommt das Land bestimmt nicht zum Frieden, während für die Pariser Regierung die elsässische Frage ein sehr Ichwere» Problem bleibt, dessen Lösung sie sich aber ewußt selbst versperrt. * Am 25.Januar ist in Moskau das deutsch- russische Schlichtungsabkommen unter- zeichnet worden. Es war schon im sogenannten Der- uner Vertrag vom 24. April 1926 in Aussicht genommen und konnte setzt zum Abschluß gebracht werden. Eine Schlichtungskommission aus ]e zwei Vertretern der beiden Lander ist ^ur Schlichtung ter aus den teutsch-ruffischen oolitischen und wirt- schaftlichen Verträgen sich ergebenden Schwierigkei- ien in Aussicht genommen. Die Mitglieder werden von den Regierungen ernannt Cie Frage des Obmannes ist im Abkommen nicht ausdrücklich vorgesehen. Darüber müssen oder können sich die Parteien im gegebenen Falle einigen. Insofern ist die Regelung noch nicht vollständig. Praktisch dürfte diese Lücke für die beiden Beteiligten ohne Bedenken Iein. Grundsätzlich und allgemein wäre der Fort- chrilt noch größer, wenn die Frage des Obmannes, der natürlich bann aus einem neutralen Lande entnommen werden würde, wie sonst m derartigen Abkommen bereits entschieden märe. Aber das ist der für Rußland schwierigste Punkt, das immer auf dem Standpunkt gestanden hat, nicht einen Schiedsvertrags-Vorsigenden aus einem kapi- taliftischen Lande anerkennen zu können. Und ein solcher Obmann muß ja aus einem kapitalistischen Lande kommen, weil es außer dem Sowjetstaat kein anderes kommunistisches Staatswesen gibt. Immerhin hat dieser neue deutsch-russische Abschluß eine große symptomatische Bedeutung. Er ift als weiterer Fortschritt in den deutsch-russischen Beziehungen zu begrüßen und ist von allgemeiner Be- veutiing, weil es das erste Schlichtungsabkommen zwisä)en Der Sowjetunion und einer bürgerlichen Regierung ist. Dabei enthält es noch eine Neuerung, indem es alle etwa aufzuwerfenden Fragen einbezieht, die von einer einzigen Kommission Lache Vaßarro! Roman von 3- Gchneider-Foerstl. llrdeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 61 Fortsetzung Nachdruck verboten. Ein Neigen des Kopfes, dann ging sie aus dem Zimmer und ließ Joachim mit den Seinen allein, ,, . „ . .3d) finde, daß sie fürchterlich jung ift, be- merkte 3faÄ0a abfällig und sah habet an Joachim vorüber. Der Doktor zuckte die Achseln. »Alle Hilfskräfte sind infolge des Unglücksfalles im Krankenhause festaelcgt." 3ch konnte nicht lange wählen und zudem — — der Kollege würde sie mir kaum geschickt haben, wenn sie nicht verlässig wäre. Wenn ich sehe, daß ich nicht zufrieden mit ihr bin, beantrage ich selbstverständlich einen Wechsel. Joachims Hand hob sich etwas. .Ihr düttt ihr nicht wehe tun. Sie tut mir so furchtbar leid, daß sie nun tagelan; zu mir hereinverbannt ist. .Wenn du es nicht bist, müßte sie eben einen anderen pflegen!“ gab Feßmann kühl öuruck. .Die wird gewußt haben, was sie tat, als lie sich diesen Beruf erwählte. Jeder trägt, was er sich selbst auferlegt hat." „®a$ stimmt I" gab Richthofen zu. Joachim, die Mizzl laßt dich bittn, daß s' ein nal kommen darf, wann s dir besser geht. Sie hat mir die Rosen dort für dich mitgeon, und ich soll dir sagn, du möchst die Dlumerln halt net gleich nausschmeißn laßn. — Soviel hat s gweint, wie oem Hubs sein Telegramm eintroffn ist, daß f nicht mitsahrn darf. Auer nachher hat sie s doch selber eingsehn. daß das kein Gut getan hätt!" Joachims Blick tour.-e müde, verschwommen. Feßmann hielt es für nötig, ihn wie.er eine Stunde ungestörter Ruhe zu verschaffen. Man verlieh das Zimmer, nur er selber blieb zurück und klingelte nach der Schwester. Sie erschien ungesäumt. äu verhandeln wären. Bekanntlich scheiden die bisherigen Verträge über den schiedsgerichtlichen Aus- trag von Streitigkeiten die rechtlichen und die politischen Fragen, lassen die ersteren durch die Kommission entscheiden und behandeln die anderen In einer anderen Form. • Deutschland wird nunmehr den Kellogg- Pakt ratifizieren. Dabei sei an die deutsche Note vom 27. April 1928 erinnert, in der Deutschland den amerikanischen Vorschlag annahm, dazu aber „die bestimmte Erwartung aussprach, daß das Zustandekommen eines Paktes von solcher Tragweite nicht verfehlen werde, alsbald seinen Einfluß auf die Gestaltung der internationalen Beziehungen fieüenb zu machen." So müßte diese neue Garantie ür die Erhaltung des Friedens den Bemühungen um die Durchführung der allgemeinen Abrüstung einen wirksamen Impuls geben. Außerdem aber müßte der Verzicht auf den Krieg als notwendiges Gegenstück den Ausbau der Möglichkeiten fördern, vorhandene und entstehende Gegensätze der Völkerinteressen auf friedliche Weise zum Austrag zu bringen.“ Es ist selbstverständlich, daß Deutschland an diesen Gesichtspunkten oder Voraus- setzungen ober Erwartungen, wie man das bezeichnen will, auch heute festhält und das auch bei der Ratifikation zum Ausdruck bringt. Eigentliche sogenannte Vorbehalte sind auch bei der amerikanischen Ratifikation n i d)t angenommen worden und ebenso ist Kellogg über die Vorbehalte der unteren seiner Zeit hinweggegangen. Die amerikanische Regierung, der Präsident wie der Staatssekretär sehen in den letzteren nur Interpretationen des Vertragstextes, wie dergleichen auch in der amerikanischen Senatsdebatte ausgesprochen wurden. So wenig die Bedeutung dieses Paktes, der zu- nächst nur eine Proklamation darstellt, zu überschätzen ist, ebensowenig darf er unterschätzt werten. Man muß die Abneigung in den Vereinigten Staaten gegen die sogenannten „verwickelnden“ Beziehungen mit der Außenwelt kennen, um zu würdigen, was dieser Entschluß ter Regierung im vorigen Jahre bedeutete und was jetzt seine Durchführung bis zur Ratifikation bedeutet. In jedem Falle liegen heute die Vereinigten Staaten mit der Verpflichtung zu irgendeiner Beteiligung moralisch fest, wenn eine Kriegsgefahr ausbricht. In Sonderheit werten sie sich dann der Antwort auf bie Frage nach dem Angreifer gar nicht entziehen können, und wie die Antwort dann von ihrer Seite erfolgt, das wird bei tei ungeheuren politischen und wirtschaftlichen Macht dieses Landes selbstverständlich auf eine solche Konfllktsgesahr einwirken. Ebenso selbst- verständlich aber muß ter zunächst nur allgemein gezogene Rahmen ausgefüllt werden. Anders aus- gedrückt: das Programm muß die Maschinerie finden, die seine Durchführung erst ermöglicht. • Nun wird ter Pakt natürlich zunächst entwertet, wenn gleichzeitig eine gewaltige Flotten- rüstungsoorlaae im amerikanischen Senat behandelt wird. Daß es soweit kam, daran ist in erster Linie bie englische Politik schuld, ihre Verhandlungen mit Frankreich und ter Span- nung mit Amerika, die aus dem englisch-französi- schen Flottenkompromiß entstand. Der Kamps um die sogenannte Zeitklaufel aber zeigt, daß man in Amerika die große Linie einhalten will. Coolidge namentlich wie auch Hoover treten zwar für die Annahme ter Kreuzer-Vorlage ein, aber sie wün- schen nicht bie Dinbung, baß binnen einer bestimmten Zeit (drei Jahre) bie Vorlage ausgeführt fei. Die Absicht ift klar: die amerikanische Regierung will freie hanb behalten, um jederzeit den Druck auf den Fortgang ter Abrüstungserörterung ausüben zu können, den sie wünscht und den sie für notwendig hält. Zugleich ist damit ein weiterer Vorstoß von außerordentlicher Bedeutung erfolgt, indem ter bekannte Senator Borah in ter Beratung ter Kreuzervorlage am 24.Januar beantragte: Im Zusammenhang mit dem Marinebauprogramm eine Konferenz, die bas Seerecht kotisizieren und die Rechte ter neutralen Mächte auf Frei- Helt der Meere feftlegen solle. Man hat im Verfolg ter Verhandlungen über den Kellogg-Pakt zumeist übersehen, daß dieser Gesichtspunkt, dieser Vorstoß und Wille schon im Kellogg-Pakt se 1 bst steckte. Vielleicht ist dieser große weltpoli- tische Zusammenhang auch den Urhebern des fiel- logg-Paktes gar nicht einmal so völlig klar gemartert, daß nämlich die Anregung auf den Kriegs- oerzicht zugleich die Frage der Freiheit der Meere ,Run wollen wir noch nach der Wunde sehen, und dann sollst du schlafen, mein Alter. Schwester, ist alles hergerichtet, falls der Verband zu erneuern wäre?" Er sah flüchtig nach dem Tische hinüber, wo sie mit geschickten Fingern in Mullbinden und Bandagen wählte. „So, nun kommen Sie, Schwester Elisabeth. Ich werde dir möglichst wenig Schmerz zu ver- Ursachen suchen, mein Lieber — hab keine Angst.“ Hettingen stöhnte unterdrückt auf. als Fehmanns Hände ihm den Verband in einem Zuge von der Hüfte risien. Der Schweiß stand ihm in dichten Tropfen auf der Stirne. „Hat S weh getan, Achim? Es ging nicht anders. Langsamer wäre es eine endlose Marter gewesen." Eine weiche zarte Fraue Hand schob sich unter seinen Rücken. »Legen Sie sich ganz fest auf meinen Arm. Herr Baron. — Herr Doktor, soll ich nicht beiden Hüften eine Stütze geben?" ilnö als Feßmann nickte, schob sich der andere Arm unverzüglich unter Hettingens Körper und blieb reglos, vis alles vorüber war. „Ohm bringen Sie unserem Kranken zur Belohnung eine Tasse Bouillon, Schwester! Dann darf er schlafen und ganz etwas Schönes träumen. Ja, Achim! Ich gefje dann ein bißchen hinüber, mit den anderen zu plaudern. Wenn etwas sein sollte, wird mich Schwester Elisabeth rufen.“ Sie war schon nicht mehr im Zimmer. Als sie mit der Tasse heißer Fleischbrühe eintrat, entfernte sich Feßmann. Richt Hofe ns beide Hände umspannten feinen Ami, als er im Eßzimmer- erschien. „Hans! Todesangst hab ich ausgstandn!“ »Ich auch, Poldl!" »Ich hab schon lang nimmer teil“ warf Isabella ein, »Aber heut hätt ich fünf Händ zu unserem Herrgott aufghobn, toenn ich sie ghabt hätt! Er hat sich mit zwei zusriebn gebn mü,sn!" Die Baronin sah von Weinen durchschüttelt. „Er ist doch noch ganz ein Kind, mein Junge." teere, Destirn- e n eigenen und allernächsten I n te r. e berühren! aufrollt und, was bk Hauptsache tft, Englands be- kannten Standpunkt dazu In Frage stellt. Bei England: Herrschaft über die Tb mung des See- und Blockade-Rechtes nach dem eng- lischen Interesse, wie nunmehr ein Jahrhundert und länger, dazu eine Monroedoktrin für bestimmte Geletzt mit Deutschland siegreich durchgefochten Hot Das ist für England vorbei! Man sieht, welche ungeheuren Schlußfolgerungen und Kombinationen sich an die Auseinandersetzung über den Kellogg-Pakt knüpfen. Zu alledem gehen die Interessen Deutschlands mit dem Standpunkt der Vereinigten Staaten durchaus para Uel. Deutschland hat alle Deranlassung, in der Behandlung des Paktes und ter ganzen Frage diese Uebereinftimmung auf bas deutlichste zum Ausdruck 3U bringen. Diese Parallelität in so großen politischen Fragen wirft ja gewiß nicht unmittelbar auf Nordamerikas Haltung in den Reparationsocrhand- limgen ein, aber ohne Bedeutung ist sie selbstver- stündlich auch dafür nicht. Darum nnch die deutsche Auffassung und Behandlung des Kcllogg-Paktes jetzt und seine Weiterführung aufs stärkste im Auge behalten, wie sehr diese für ein maritim schwaches Deutschland scheinbar ferne liegenben großen Fragen: Flottenrüstung, Freiheit ter Meere, Verhältnis von Amerika und England doch auch unsere biete des englischen Weltreiches. Bei Amerika: Kriegsächtung und Kriegsoerzicht, Freiheit der Meere und neutrale Rechte darauf, Parität der Flolte mit ter Englands. Letzteres entweder in gemeinsamer Bindung ter Tonnage usw. oder, wenn England daraus nicht eingeht, eine eigene Flotten- rüffung, die England zum Nachgeben zwingt. Wenn das Problem so scharf hervortritt und z. B. Chamberlains letzte Rede in Birmingham am 27. Januar zeigte, daß er das nunmehr auch begriffen hat, so ist klar, daß das Spiel fürEng- lanb von vornherein verloren ist. Denn es kann weder im Frieden ein Wettrüsten mit ten Vereinigten Staaten aushalten, bie unter allen Umständen ten längeren Atem haben, noch es auf eine kriegerische Auseinandersetzung mit ihnen über die Herrschaft zur See anfommen lassen, wie England ein le solche mit Spanien, Holland, Frankreich und zu- Geschichten aus aller Welt. Ein Holeldicb alS preisgekrönter Dichter. (g) Rom. Bei einem Preisausschreiben für abendfüllende Bühnenwerke. veranstaltet von der italienischen Theaterzeitschrift .Comedia", trug den ersten Preis ein bisher völlig unbekannter Dichter RamenS Riccardo Testa davon. Kaum wurde das Ergebnis bekannt, erschienen in der Redaktion nicht etwa der glückliche Sieger und sein Verleger, sondern — zwei wackere Karabinieri mit ausgepslanztem Bajonett. Sie suchten den Preisträger, der — wegen Diebstahls steckbries- sich verfolgt wer. Der Chrftedaktcur der .Comedia" war zwar unangraehm überrascht, konnte aber nicht umhin, die Adresse des Preisträgers an- zugeben. Daselbst fand man aber den Schwerverbrecher nicht mehr auf; er zog es aus begreif sichen Gründen vor. zu verzich en und seinen neuen Aufenthalt ort nicht anzugeben. Zwei Tage später meldete sich sodann ein Freund deS Dichter-Diebes bei der 3c.hing und bat um An zahlung deS Preises in Hohe von 10 020 Lire. Der Verleger war Menschen reundlich genug, diesem frommen Wunsch — nicht nachzukommen, wenngleich der Freund des steckbrieilich Der- solgten beteuerte, das neu entdeckte Genie auf diese Weise retten zu können. Signor Testa hatte nämlich tatsächlich einen Diebstahl verübt und Wertsachen für etwa 7500 Lire enteignet; nun wollte er es gern versuchen, ben Fehltritt wieder gutzumachen, und den Schaden zu erstatten. Rach- dem die Sanierungsaktion mißglückte, fahndeten die Behörden weiter nach dem berühmt gewordenen Hoteldieb. Die Recherchen blieben jedoch erfolglos, bis sich bet Gesuchte eine- Tages ganz plötzlich selbst bei der Polizei meldete, und um seine Verhaftung bat. Man tat ihm denn auch diesen Gefallen, und nun sitzt Italiens neuer D'Annunziv hinter schwedischen Gardinen. Sein ungetreuer Freund Pietro Scala und helfen Freundin Columbina Bobino teilen sein Schicksal. Die beiden hatten nämlich ben Dieb bestohlen, worauf dieser sich lieber selbst mit einsperren ließ, aber prompt die Leutchen anzeigte. Ganz unabhängig von dem Prozeß, der dem leider ein klein wenig verspätet entdeckten Dichter einige Jahre Kerckerstrafe einbringen bürste, wird jetzt in einem der größten Theater von Rom seine Urau fü^rung vorbereitet, bet die Fachleute mit gesteigertem Interesse entg genfeben. Ang blich handelt es sich bei dem Drama des HoteldiebeS um ein Kunstwerk von großem Format. Wenn der Herr Minister zerstreut ist .. . (r) Kopenhagen. Am Südufet deS zweitgrößten schwedischen Binnensees Vättern liegt die kleine Industriestadt Jönköping. Außer etwa 30 000 Einwohnern weist sie die größten Streichholzsabriken Europas auf. Auch kürzlich wurde wieder ein Fabrikneubau vollendet und feierlichst eingeweiht. Roch feierlicher als sonst, denn daS Städtchen erwartete einen hohen Gast: den schwedischen Wirtschaftsminister. Exzellenz sollten im Auftrage des Königs dem Erbauer der neuen Fabrik ben Wasa-Orden zweiter Klasse überreichen. Es kam leider anders. Ein Aboer Blatt weiß nämllch folgendes zu erzählen: Exzellenz kamen wohl mit dem fahrplanmäßigen Zuge an, wurden am Bahnhof von den Honoratioren mit den üblichen, nie endenwollenden Reden begrüßt und sodann nach dem besten Hotel der Stadt gebracht. Daselbst zog sich der Minister sorgfältig um (Frack mit sämtlichen Au.'zcichnungen). steckte den Text seiner zu improvisierenden Rede in die linke und ba3 Etuis mit dem zu überreichenden Orden in die rechte Tasche und begab sich nach der neuen Fabrck, wo ihn bereits eine festlich wogende Menge erwartete. Er zog bie Rede aus der linken Tasche und „improvisierte" sie mit bestem Gelingen. Dann zog er das Etuis programmäh.g aus der rechten Tasche, überreichte es dem überglücklichen Architekten und forderte ihn auf, die Aufzeichnung in Ehren zu tragen. Hierauf öfincte der Held des Tages die kleine Kassette, um sich den Orden anzustecken. Kaum warf er jedoch einen Blick auf den Inhalt, bekam der Mann einen roten Kopf, klappte das Kästchen zu und sah den Minister mehr als entgeistert an Die Situation war außerordentlich peinlich, um so mehr, als der Architekt unbegreiflicherweise unterließ, sich für die Auszeichnung zu bedanken. (Wenngleich sich auch in seiner Tasche bas Konzept der zu stammelnden Dankesworte befand!) Exzellenz und die übrigen Honoratioren waren unangenehm überrascht und konnten sich diese Flegelhaftigkeit gar nicht richtig erklären. Im wetteren Verlauf des Festes blieb bie Stimmung so gedrückt, daß der Minister an dem anschließenden Bankett gar nicht teilnahm und sich vorzeitig verabschied oete. Er war eben unangenehm überrascht... Eine zweite, ebenfalls recht peinliche lieber* raschung sollte Exzellenz am nächsten Morgen In seinem Hotelzimmer erleben. Als er sich nämlich rasieren wollte, und anstatt seine- Rasierapparates den Wasa-Orden zweiter Klasse ta seinem Handkoffer vorfand... TaS Abenteuer in der Pferdebahn. (u) 5t o ton ft. Während bei uns in Deutschland lebe „befiere* Kleinstadt i.)re Straßenbahn auito.it, gondelt in Kowno trotz einer Einwohne.schäft von 180 000 Selen noch immer die vorsintflutliche Pferdebahn durch die holperigen Straßen. gab Wohl schon immer zwei Parteien in Kowno: die eine wollte den Betrieb gern ellltift lü.ren, die Partei der „Romalli.'er" hielt diese Reform für überflüssig und behielt bei diesbezüglichen Ab- ftimmungen stets bie Oberhand, um so mehr, als sie selbst den Oberbür geratet,‘ter zu ijeen Anhängern zählen durfte. Run erlebte aber das konservative Etadtoberhaupt ein an Filmwmödien erinnerndes Abenteuer in der Pserdchahn, das ihm dieses Defi.'el ein für allemal verleidet haben dürfte. Saß da der Bürgermeister in seine Zeitung vertieft, als ei te junge Dame an feiner rechten Seite Platz nahm, und sich ungeniert zu .Morgen, mein Junge! Morgen!" tröstete die Baronin und hielt die Hände des Sohnes liebkosend zwischen den ihren gebettet Sechs Wochen lag Hettingen nun an sein Schmerzenslager gefesselt. Der Arzt hatte für den nächsten Tag das erste Aufstehen erlaubt, denz der Kranke nun entgegenfieberte. Schwester Elisabeth kam zur Türe herein und nickte ihm lächelnd zu. „Dierundzwanzig Stunden noch, Herr Baron! Dann stehen Die wieder auf eigenen Füßen." Er nickte und Ragte vorwurfsvoll. „Run haben Sie mich ja glücklich zum Krüppel gepflegt, Schwester!" „Zum Krüppel?" Sie lehnte ben Kopf etwas zurück und trat an fein Bett. „Ich wüßte nicht, Herr Baron, was Sie xu dieser Aeußerung berechtigt. Wenn Sie erst wieder volle Wangen haben, sehen Sie aus wie früher!" „Haben Sie mich denn früher gelaunt, Schwester?" Ein mattes Rot belebte ihre blassen Wangen. „Rein, das nicht. Aber ich kann mir vorstellen, wie Sie gewesen sind." Er erwiderte nichts mehr. Rach einer Weile, während er sie schweigend betrachtete, wie sie Wäsche in einen Schrank schichtete, fragte er unvermittelt: „Haben Sie Verwandte in Wien?" Sie verneinte, ohne aufzusehen. „Warum stellen Sie diese Frage an mich, Herr Baron?" Lange sprach keiner von allen mehr, bis Fetzmanns Stimme wieder als erste in das Schweigen klang. Drüben aber stand die Schwester über den Kranken geneigt und lauschte auf dessen etwas rasche Atemzüge. AIS sie mrrkie, daß er fest ein- geschlafen war. glitt sie vor >.n Bett In bie Knie. Eng gefaltet hoben sich ihre Finger zu dem holz- geschnitzten Christus über feinem Haupte. „Erbarme dich feiner! Ich will es dir danken mit einem ganzen Leben der Entsagung." „Ich dachte nur! Sie sehen meiner Braut ähnlich!" Ihr Kops hob sich aus der gebückten Stellung hoch. „Ich wußte gar nicht, daß Sie verlobt sind!" „Gewesen, Schwester!"-verbesserte er. „Ach so!" Ihr Gesicht glitt wieder über die Wäschestücke. „Es gibt so viele Enttäuschunge« im Leben!" „Haben auch Sie schon welche erfahren, Schwester Elisabeth," fragte er teilnehmend. Etwas zurückgelehnt, sab sie zu ihm hinüber. „Mein Verlobter starb drei Wochen vor der Hochzeit! — — Das Leben ist seit dieser Stunde wertlos für mich! So bin ich Schwest.r geworden. — — Irgendetwas muß man doch aus- füllen im Dasein, sonst wäre es nicht zu ertragen.“ Sie war mit dem Sortieren der Wäsche fertig geworden, nahm einige der defekten Stücke und setzte sich zu ihm an das Bett. Er sah schweigend zu, wie chre weißen Finger den Faden durch das geschsitzte Gewebe zogen. Plötzlich legte er feine Hand darüber. „Plaudern Sie ein bißchen mit mir, Schwester!" Ein Klopfen unterbrach seine Worte. Diebow steckte ben Kopf zur Türe herein, und bann kam dessen ganze Person zum Vorschein. „Darf ich, Joachim? Deine Frau Mutter hat mir gesagt, daß du morgen daS erstemal deine Deine wieder in Schwung setzt. — — Da habe ich meinen Kodak mitgebracht, dich noch rasch in den Federn zu knipsen." Hetttngen wehrte lachend ab. „Was fällt dir ein? Hast du wirklich das Bedürfnis, mich als Knochengerüst verewig' zu schen?" Ehe er noch fcrtiggei^rodjen hatte, war das Ganze schon erledigt. „Frau IeSka hat mich darum gebeten," erklärte Diebow. „DaS weißt du doch, daß eS da kein Rein gibt. Allenfalls hätte ich dich festgebunden, wenn du nicht ruhig gefeffen wärst." (Fortsetzung folgt) Wirtschaftsleben und Berufsauslese Don Bianca fiolb, Berufsberaterin beim Arbeitsamt Gießen. Die auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens ein- setzenden Rationalisierungsbestredungen verfolgen den Zweck, durch geringsten Kraftaufwand Höchstmögliches zu leisten. Dabei bricht sich in immer stärker werdendem Maße die Erkenntnis Bahn, daß die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft nicht nur von der technischen und organisatorischen Vervollkommnung des Produktionsprozesses abhängig ist, sondern in ebenso starkem Maße von der bcstmöglichen Verwendung der vorhandenen Menschenkraft und der Heranbildung hochwertiger Facharbeiter bedingt wird. Besonders die Großindustrie ist es, welche diese Notwendigkeit schon längst erkannt hat. und deshalb psyckotcchnische Untersuchungen einführte. Dadurch hat sie die Möglichkeit, die ihr zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte auf ihre psychischen Leistungen und manuellen Fähigkeiten zu prüfen, und ist in der Lage, den „rechten Mann an den rechten Platz" zu stellen. Doch nicht nur die In- dustrie, sondern in ebenso großem Maße müssen heute auch.Handel und Gewerbe eine starke Derufsauslese vornehmen, denn nur so können sie den immer größer werdenden Anforderungen, die an sie herantreten, gerecht werden. Nur gute Fachkräfte verbürgen eine einwandfreie und gewinnbringende Führung des kaufmännischen Be- triebes, und nur erstklassige Handwerker können die Achtung vor dem Handwerk weiterhin aufrechterhalten und es vor vollkommener Jndu- strialisierung, die zum Schaden des Dolksgesamten wäre, schützen. Bei der Auswahl älterer Arbeitskräfte, die ihre Berufsausbildung zum größten Teil schon hinter sich haben, wird diese starke Derufsauslese auch in beh meisten Fällen bereits oorgenommen. Ebenso wichtig ist es jedoch, daß auch bei den Jugendlichen, die noch vor der Frage der Berufs- wähl stehen, mit der gleichen Systematik und Energie oorgegangen wird.. Die Wahl des Berufes nach körperlicher und geistiger Eignung, sowie noch der Neigung des Jugendlichen wird zweifellos eine weit größere Befriedigung in der Arbeit auslösen und bamit weit bessere Resultate zeitigen, als die Arbeit in einem falsch gewählten Beruf, in dem sich der Jugendliche unbefriedigt und unglücklich fühlt, was in fast allen Fällen zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit führen muß. Deshalb darf die Berufswahl nicht als Lotterlefpiel betrachtet werden und dem Zufall überlasten bleiben. Sie ist von eminenter Bedeutung für Berufsanwärter und für Arbeitgeber und sollte deshalb in allen Einzelheiten genau überlegt werden. Eine große Anzahl weitsichtiger Arbeitgeber in den Kreisen von Handel, Gewerbe und Industrie hat dies bereits erkannt. Sie wissen, daß sie sich bei der Einstellung ihrer Lehrjungen und Lehrmädchen nicht mehr n u r auf den äußeren Eindruck des jungen Menschen und auf das Schulzeugnis, das ja nur die Urteile über das in der Schule er- worbene Wissen enthält, verlassen können. Um eine in ihrem eigenen Interesse beste Wahl zu treffen, bedienen sich solche Lehrherren der Berufs- berat ungs stellen, deren Aufgabe zum großen Teil darin besteht, der Wirtschaft tüchtigen beruflichen Nachwuchs zuzuführen. Die Berufsberatungsstellen find dazu in der Loge, weil es ihnen auf Grund der Urteile über die geistige und seelische Entwicklung des Jugendlichen von feiten der Schule, der körperlichen Konstitution von seilen des Arztes und auf Grund eigener Erkenntnis mit Hilfe psychotechnischer Eignungsprüfungen möglich ist, über die Veranlagungen, sowie über die psychischen und physischen Leistungsfähigkeiten des Ju- gendlichen genau orientiert zu fein. Ist nun die Berufsberatungsstelle in der Lage,' sich ein ziemlich genaues Bild über jeden Schüler und jede Schülerin zu machen, so ist es andrerseits wichtig, daß sie über sämtliche vorhandenen offenen Lehrstellen orientiert ist. Nur dann ist es möglich, eine der volkswirtschaftlichen Lage entspre- chende Verteilung vorzunehmen und wirklich jeden Jungen und jedes Mädchen an jene Stelle zu bringen, an der sie das, ihrer Anlage und Fähigkeit entsprechend. Bestmögliche leisten werden. Darum muß die zum großen Teil noch bestehende Plan- losigkeit in der Berufswahl, also auch das planlose Suchen nach einer Lehrstelle, einer Einrichtung Platz schaffen, die sich bisher in allen größeren Städten bestens bewährte und die im weitesten Maße den Interessen der gesamten Volks- wi rtscha s t bient Dazu können in erster Linie die Lehrherren beitragen, indem sie jede offene Lehrstelle der Berufsberatungsstelle melden. Diese wird dann auf Grund der ihr zur Verfügung stehenden Unterlagen den Lehrherren nur solche Lehrjungen und Lehrmädchen zuweisen, die wirklich für den betreffenden Berus geeignet sind. Auf diese Weise werden die Lchr- Herren einerseits von dem gerade hier sehr stark eingeführten lästigen und zeitraubenden „lieber- laufen-Werden" wegen einer Lehrstelle befreit, andererseits erholten sie auf Grund einer gewissen- haften Berufsauslese die Gewähr, daß sie nur solche Menschen ausbilden, die durch ihre Anlagen und Fähigkeiten eine gewiße Garantie bieten, später in ihrem Beruf etwas Tüchtiges zu leisten. tomtnfen begann. Es war eben eine Dam« ber .Gegenpartei", die für neuzeitliche Erscheinungen, wie Lippens.i t, Puderdose. Straßenbahn und dergl.ichen mehr schwärmte. Der Vater der Stadt warf mtn der Person strafende Blicke zu und diese war sogar so schamlos. die strafenden Blicke falsch zu verstehen. MlerdingS hatte sie einigen Grund dazu, denn auf einmal wurde sie etwas unzart grknif en. QIm linken Bern, ilnö sie saß doch rechts vom Bürgermeister. Da mußte doch dieser der Schuldige fei i, um so mehr, als rechts von der Dame ein alter Dauer saß und schlief. Ti? Dame ließ aber, um einen Skandal zu vermeiden, zunächst Gnade für Recht walten und tat so. als wäre nichts geschehen Q1U sie aber nach wenigen QHinuten abermals, unb zwar wiederum am Hafen D i i gekniffen wurde, riß ihre Geduld unb sie verabreichte dem maßlos erstaunten Bürgermeister eine krä'tige Maulschelle. Die hierauf folgende Szene war naturgemäß recht laut. Da schrak auch der alte Dauer aus dem Schlaf und zerrte xum lebhaften Gaudium des mitfahrenden Publikums feinen Korb hervor, der unter ber Sitzbank der Pferdebahn versteckt lag. Sine fröhlich d^einschauende Gans kam zum Vorschein: ber imraTdje Schwerverbrecher ! Die Fahrgäste brachen h ein schal- lenbc-s Gelächter aus: sie verstanden di? Zusam« menhänge. Rur der vor aller Oef entlichteit ge« ohrseigte Bürgermeister hatte keine recht? Lust zum Mitlachen. und auch der Dams war eS nicht gerade lustig zumute. Sie wurde denn auch zu einer größeren G lbstrafe wegen ungebührlichen Benehmens und Erregung öffentlichen Aerger- nisseS verurteilt. Der Durgermeister soll aber geschworen haben, nie wi'der die Pferdbahn zu benutzen, und so haften die „Modernen" wieder einmal auf die baldige Elektrst izierung . . . Irrfahrten eines modernen LdhffcnS. — Pari-. Der Athener Mediziner Dr. Odysseus K. Pelle» malzogleuS war vor Jahren einer der Führer der Royalistenpartei. Rach dem entscheidenden Sieg der Republikaner zog er es vor, seine hellenische Heimat zu verlassen unb siedelte nach Paris über. Er wollte viel Geld verdienen, doch merkte er gar bald, daß dieS leichter gesagt als getan sei. Mit ehrlicher Arbeit ging'S leider nicht: waS halfen die medizinischen Kenntnisse da wo sich keine Patienten meldeten? Rach einigem Kops-erbrechen kam jedoch Dr. Pelsemalzogleus auf ein« neuartig«, glänzende Sbee. Er sah ein. daß. während für „gewöhnliche" Aerzte keine Möglichkeiten blühten. Spezialisten immer noch ganz gute Geschäfte mach'.en. Da wurde auch er ein Spezialist. Richt etwa für innere Krankheiten ober dergleichen mehr, sondern für — Unfälle. Genauer auSgedrückt: für nicht vor gekommene Unfälle. Er behandelte seine Kranken auch nicht wie dieS Aerzte sonst zu tim pflegen, sondern vielmehr für Unfälle, indem er solche konstruierte. Ratürlich — und daraus war gerade daS Spezialgeschäft deS tüchtigen OdhsseuS aus- gebaut! — nur bei Leuten, die gegen Unfälle versichert waren. Di« Unfallfabrik erwieS sich «US ein glänzende- Geschäft unb toäre Wohl nie au-gehoben worden, wenn nicht ein „Schüler" deS gerittenen Unfallkonstrukteurs noch schlauer als sein Meister hätte werden wollen. Er^ließ sich nämlich die Versicherungsprämie für eine vov» getäuschte Armverletzung unter verschiedenen Romen von sechs verschiedenen Gesellschaften auS- zahlen. Der Detrüger wurde dabei gefaßt, brach unter einem Kreuzverhör zusammen unb entlarvte unvorsichtigerweise auch Dr. PellemalwgleuS Als ble Kriminalbeamten in dessen vornehme Privat- klinlk eindrangen, war der geschickt« Spezialist gerade mit ber „Herstellung- eineS gebrochenen "Beine- beschäftigt. Gr wurde natürlich sofort verhaftet: mit diesem leider nicht konstruierten Unfall brach die Unfallfabrik zusammen unb endete auch die Odyssee de- wackeren griechischen Emigranten. ... Er hatte. im Verlaus von nur vier Jahren rund zwanzig große Dersicherungs- gesellschasten um Millionen geschädigt unb konnte ein Jahreseinkommen von über 500 000 Franken aufweisen. Seine „Penelope" (Freundin und Assistentin zugleich) brachte es in der kurzen Zeit ebenfalls zu einer Villa unb einem Sechssitzer. Dr. Pelsemalzogleus darf als ein Typus der neuesten Zeiterscheinunq. de- sog. „wisienschaft- lichen Betrügers" angesehen werden: biete Epidemie greift infolge b?r schlechten Wirtschastsvev- hältnisse immer stärker um sich. provinzialversammlunq der Evang. Volksgemeinschaft. J. Stockheim, 31. San. Am Sonntag sand hier eine Provinzialversammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft unter dem Vorsitz von Apotheker Veesenmeher (Gedern) statt. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Mahl deS Provinzialvorstande S. ES wurden gewählt: Apo heker Dee- fenmeyer (Gedern), Schuhmacherme.st?rZahn (Ortenberg), Pfarrer W ah l (Dutzbach). Landwirt unb Dür verweist er Pfannstie KDermuthkh in). Dermcssungsin^ekior Wenzel (Ridda), Orgelbaumeister R i c o l a u s (Lich) unb Obrrrangier- meister Hehler (Dad-Rauheim). Als Tagungsort für kommende Sitzungen des Prvvinzialvov- standes wurde Ridda festgelegt. Heber die Winterarbeit und die Kommunalwahlen im Herbst machte zunächst Pfarrer Weidner (Oberlais) längere Ausführungen. An Hand ber Ergebnisse der Reichstagswahl am 20. Mai zeigte er. wie die neue Bewegung überall da beträchtliche Stimmen erhalten hatte, wo durch Versammlungen oder durch einen regsamen Vertrauensmann die Gedanken der Evangelischen Volksgemeinschaft propagiert wurden. Sn vielen Orten unserer Provinz sei nach der Wahl der Ruf nach Versammlungen laut geworden. Die neue Partei sei notwendig, weil der neue Staat entchristlicht unb bas konfes.tonelle Gleichgewicht im Parlamentarismus ohne eine evangelische defensive Dereitschaftspartei rettungslos verloren sei. Dazu komme, daß der sozialen Rot nach evangelischen ©runb-äben gesteuert werben müsse. Darugr bestehe kein Zweifel, bah die neue Bewegung immer mehr an Boden gewinnen werde. Schuhmachermcister Zahn (Ortens erz) wies auf die Notwendigkeit der Kleinarbeit h.n. d'.e immer Erfolg bringe. Der Geschäftsführer der Ev^ 'ge- lischen To ls emeinschrft f r et rsinbur'.. Ritz ?l (Ofsenbach), berichtete über die ersm r.icheW..oe- arbeit vornehmlich in den Kreisen Offenbach und Dieburg. Es wurde die Veranstaltung eines Dednerkursus in Gedern vom 9. bis 12. März beschlossen. Geschäftsführer Ritzel soll im Anschluß a:i diesen Kursus in ber Hauptsache in bc" Kreisen Gießen und Alsfeld die Organisasivnsarbeiten betreiben. Rachdem noch die Wahlen besprochen worden waren, an denen sich die Evangelische Volksgemeinschaft in allen Kreisen beteiligen wird, und bte Der- trauensmännerllste ergänzt worden war, wurde die Versammlung geschlossen. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sotmtag, 3. Februar, 15 bis 1730 Uhr: Trilltrall unb seine Drüber. 19 bis 22.30 Uhr: Die Fledermaus. Montag. 4. Februar. 19.30 bis 22.15 Uhr: Cavalleria ruftlcana. Hieraus: Der Bajazzo. Dienstag. 5. Februar, 19.30 bis nach 22.30 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch, 6. Februar, 19.30 biS 22.30 Uhr: Don Suan. Donnerstag. 7. Februar. 20 bis nach 22.30 Uhr: Madame Butterfly. Freitag. 8. Februar, 19.30 biS 23 Uhr: Aicha. SamStag 9. Februar, 19.30 bis 22.15 Uhr: Der fliegende Holländer. Sonntag, 10. Febr., 1930 bis gegen 2230 Uhr: Samson unb Daliia. Schauspielhaus. Sonntag. 3. Februar, 20 bis 22.30 Uhr: Die Petroleum-Inseln. Montag. 4. Februar. 20 bis 22.15 Uhr: Stein unter Steinen. Dienstag. 5. Februar. 20 b s 22.15 Uhr: Stein unter Steinen. Mittwoch. 6. Februar, 20 bis 22.30 Uhr: Schluck unb Sau. Donnerstag, 7. Februar. 20 bis 2230 Uhr: Karl unb Anna. Freitag. 8. Februar. 20 bis 2230 Uhr: Die Petroleum-Snseln. Samstag. 9. Februar. 20 bis 22.30 Uhr: Schluck unb Sau. Sonntag. 10. Februar. 20 bis 2230 Uhr: Der brave Soldat Schwejk. Montag. 11. Februar. 20 bis nach 22 Uhr: Ehen werden im Himmel geschlossen. Turnen, Sport und Spiel. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Am nächsten Sonntag fahren die 1. unb bie 2. Mannschaft bes F.C. 26 Grohen-Duseck nach Saubad) au den fälligen Derbandsspielen. lieber den Ausgang der Spiele kann nichts vor- ausgesagt werden, da beide Mannschaften gleichwertig sind. Sn ber 1. Mannschaft Grohen- DufeckS sind Umstellungen vorgenomyten worden, bie eine bedeutende Verstärkung ber Mannschaft zur Folge haben. Obwohl Laubach in seiner Spielstärke etwas nachgelassen hat, ist es. besonders auf eigenem Platz, immer noch als ein guter Gegner zu betrachten. Auch über das Spiel ber 2. Mannschaft läßt sich nichts Voraussagen, da auch hier das Kräfteverhältnis gleich ist und ein Unentschieden in Frage kommen kann. $. C Teutonia Steinberg. Kommenden Sonntag ist der Spitzenführer Gast in Steinberg. Für den Platzoerein gilt es, bie Scharte vom Vorspiel (4:3 für Leihgestern) wieder auszugleichen, unb für Leihgestern, alles daranzu- setzen, um nicht die Spitzenstellung zu gefährden. Die Platzbesitzer werden in neuer Ausstellung dem Gegner bas Siegen schwer machen. Durch Senior- erkläruna vier Jugendlicher verspricht man sich mehr Durchschlagskraft als seither. Im günstigsten Falle sollte Steinberg ein Unentschieden erzielen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) 0.®. Am 1. September 1922 waren 6400 Papiermark = 20,67 Goldmark. ph. Sch. in Nordeck. Die Entscheidung des Arbeitsamts Marburg besteht zu Recht, da ein Lehrling auch bei vorübergehender Arbeitsausjetzung nicht aus dem Lehrvertrag ausscheidet. Die Beitragszahlung des Lehrlings zur Arbeitslosenversicherung war übrigens gar nickt notwendig, da bei einem Lchr- oertrag, der mindestens zwei Jahre läuft, die Befreiung von der Beitragszahlung für die Arbeitslosenversicherung beantragt werden kann. Bereits gezahlte Beiträge werden nicht zurückerstattet. Wirtschaft. Wirtschaftslage und Geldmarkt. 3m Februao-Dericht ber Dresdner Bank wirb daraus bingewtefen, daß die Zunahme der Arbeitslosigkeit, bie gegenwärtig mit über zwei Mill.onen den bisher um bieten Termin erreichten Höchststand überlchreitet. zweifellos durch die fortschreitende Verschlechterung der Konjunktur mit bedingt und nicht etwa nur auf den Fort all salsonmähiger Beschäftigungs- möalichkeiten zucückzuführen ist. Rein saison- mäßig wäre nämlich im Rovern der nur eine Steigerung von 40 Prozent, im Dezember eine solche von 50 Prozent zu erwarten gewesen. Tatsächlich ergibt sich eine solche von 53 bzwe 65 Prozent unb für Januar eine weitere ausgeprägte Verschlechterung. Es Ist damit zu rechnen, daß ble Minderung der Kaufkraft, die sich aus ber. Zunahme ber Arbeitslosigkeit ergibt, in den nächsten Wochen den Absatz der Konsuminbustrien noch weiter ungünstig beeinflussen wird. Indessen ist darauf hinzuweisen, daß von Februar ab erfahrungsgemäß wieder eine Abnahme der Arbeitstosigkeit einzulreten pflegt. Raturgemäh ist als Rückwirkung auf die bisher bereits eingetretene Entwicklung inzwischen im Handel eine fühlbare Verminderung des Geschäftsumfanges eingetceten. Auch die schon im Dezember zu beobachtende leichte Absenkung der Fertigwarenpreise hat unter diesen Umständen im Januar chren Fortgang genommen. obwohl saisonmäßig eine Zunahme zu erwarten gewesen wäre. Die Ermäßigung les Reichsbankdislonts bedeutet für die Wirtschaft infolge der entsprechenden Verbilligung der Bankkredite natürlich eine gewisse Entlastung, einen Einfluß auf den langfristigen Kapitalmarkt kann sie jedoch unter den jetzigen Umständen kaum haben. D e Unterbringung von Anleihen ist schwierig geblieben, oder nur unter beträchtlichen Zugeständnissen hinsichtlich der Zins- unb Rückzahlungsbebingungen er- solgversprechenb. Bet der Beurteilung der Lage des Kapitalmarktes als Konjunktursymptom ist zu berücksichttgen, daß er sich in Deutschland in einem Zustand steter Anspannung be- sindet, und zwar beinahe vollständig unabhängig von der jeweiligen Konjunkturlage. Snfolge- dessen ist auf eine durchgreifende Verflüssigung des Kapitalmarktes, wie sie unter normalen Verhältnissen in anderen Ländern bei Erreichung des Tiefstandes der Depression einzutreten pflegt, in Deutschland kaum, jedenfalls nur unter ber ganz außerordentlichen Voraussetzung einet rapiden Zunahme ber langfristigen Kapitaleinfuhr aus dem AuSlanbe zu rechnen. Daher wird auc- seine Verfassung für die Beurteilung bet künftigen Konjunkturentwicklung nur in bedingtem Maße als charakteristisch betrachtet werden können. Unter diesen Umständen gewinnt a.s kennzeichnendes W?rkmal für die Konjunkturlage gegenwärtig der kurzfristige Geldmarkt mehr an Bedeutung, um so mehr, als dieser infolge der besonderen Verhältnisse auch in größerem Umfange für die Befriedigung desjenigen Bedarfs, der unter anderen Umständen langfristig finanziert werben würde, herangezogen wirb. Trotzdem ist zu erwarten, daß die an* haltende Entspannung auf dem Geldmarkt mit der Zeit auch zu einer gewissen Erleichterung auf dem Kapitalmarkt führen müßte, wenn auch dieser verhä tnisnäßig eng1 Grenzen gezogen sind. Weitere Erleichterung des Geldmarktes Eine wci e:e Erlelch erung des Geldmarktes hat wie WTB.-Hande.sdienst erfährt, die Preußische Staatsbank (Scehandlung) veranlaßt, erneut eine Ermäßigung einzelner für den Geschäftsverkehr mit Danken und Bankiers geltender Zins- i ä tz e vorzunehmen. Für tägliche Gelder, welche Über Ultimo bei ber Oiaattoant ftebenblrfbtn, ist der Satz von 6,4 Prozent auf 5.9 Prozent herabgesetzt worden. Für feste bzw. Kündigungs- gelber wurde der Satz um 0.4 biS 03 Prozent geteuft Es werden jetzt für Einlagen auf einen Monat fest 6,1 (bisher 6<6) Prozent, auf zwei Monate fest 6,4 (6,75) Prozent, auf drei Monate fest 63 (6,9) Prozent vergütet Auf Sonderkonto „H" (Darlehen auf einen Monat fest mit dem Recht zu gleichzeitiger Einzahlung) werden auf ber Debetseite 7,5 (8 25) Prozent, auf der Halbfette 43 (5,25) Prozent berechnet. Darlehen auf Konto „J“ (im Monatsverlauf, von und nach Monatsbeginn bis vor Monatsende) kosten 5,6 (6,4) Prozent Für Einzahlungen darauf werden 4.5 (5.4) Prozent Habenzinsen bezahlt. Sufion Mitteldeutsche Crediibank — Commerzbank. Die AussichtSräte ber Mittelbe ulschen Creditbank unb ber Commerz- unb Privatbank haben b.sch'osicn. den Generalversammlungen am 28. Februar bie Fusion vorzuschlagcn. Die A tionäre bet M tt lbeutschen erhalten für je 100 Mk. Rennbetrag ihrer Aktien (Vorzugs- unb Stamma'tien) neue Stammaktien ber Commerzbank in gleichem Rennbetrage. divi- benbenbercd)tigt ab 1. Januar 1929. Die Aktionäre ber Mitteldeutschen sollen ferner gegen den Gewlnnanteilschcin für 1928 10 Pro;, bei Nominalbetrages dieser Aktien abzüg ich Kapital- ertragSfteucr erhalten (im Vorjahre 9 Pro;.) Die Commerzbank erhöht ztt diesem Zweck ihr Kapital um 15 von 63 auf 75 Millionen Mark. Dr. Kaheneklenbogen unb Direktor Reinhard von der Mitteldeutschen treten in den Vorstand der Commerzbank ein. sämtlich? Auf- sichtsratsmit'liebcr ber M tteldeutschen sollen in den Aufsichtsrat ber Commerzbank zugewählt werden. Neue hessische Anleihe. Ein Dankenkonsortium unter Führung bet Deutschen Dank, dem auherbem noch die Commerz- und Privatbank, Direktion ber Disconto- Gesellschaft. Dresbner Dank. Mitteldeutsche Creditbank. Dcnkhaus S. Dreyfus & Co.. Hessische Girozentrale. Hessische Landesbank — Staatsbank —, Kommunale Landesbank, Rheinische Cre- bi'banf unb Süddeutsche Disconto-Gesellschaft an* gehören, hat mit der Hessischen Regierung eine 8prozentige Anleihe im Detrage von 12 Mill. Mk. abgeschlossen. Die Anleihe wird erstmals zum 2. Sanuar 1936 kündbar sein und alsdann innerhalb von 15 Sahren serienweise im Wege ber Auslosung zu 102 Prozent amortisiert. Die Auflegung zur Zeichnung wirb bereits Mitte nächster Woche erfolgen. Der Emissionskurs beträgt 93,80 Prozent. Den Sn- Habern der am 1. April 1929 fälligen 5 Millionen Mark Hessischen Schahanweisungen von 1926 wirb bei beten Einlieferung vorzugsweise volle Zuteilung ihrer Zeichnung versprochen Urtiter entgegenkommender Verrechnung ber Zinsen per 1. Februar 1929. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Sn ber neuen Woche stand bte Börse b» Zeichen de- Ultimo unb ber kommenden Reparation-Verhandlungen, denen tn Döv- fenfreiten mit großem Pesstmt-mu- entgegengesehen wirb. Die Haltung war daher sehr zurückhaltend, und daS Geschäft bewegte sich nach wie vor tn den allevengsten Grenzen. Als kurz nach der Löwenberg-Affäre eine Beruhigung ein» getreten war. hatte eS ben Anschein, als wollte Die Beruhigung weiteren Doden gewinnen unb bie Tendenz würde ein freundlichere- Aussehen annehmen. Diese Tatsache wurde noch durch ben sehr flüssigen Geldmarkt stark unterstützt. Die feste Reuyorker Börse, bie Zunahme ber Spareinlagen bei ben preußischen Sparkassen und einige eintreffenbe Auslandorders gaben hierzu noch einen gewissen Anreiz, unb Spezialwerte erfreuten sich auch zeitweise lebhafterer Rachfrage. Doch machte sich halb wieder eine große Zurückhaltung unb Unsicherheit bemerkbar. da wieder stark in Erscheinung tretende mv günstige Momente das anfangs freundliche Aussehen vollkommen verwischten. Die Stimmung war im allgemeinen sehr gebrückt, .bie Spekulation hielt sich stark im Hitttergrunde unb tarn, da auch von außen her Abgaben vorzenommen wurden, meistens nur mit Material an ben Markt das auch bei der Autnahmefähigkeft ber Börse nur mit Verlusten untergebracht werden formte. Auch unternahm bie Daissepartei verschie- bentlich einen Vorstoß, so daß ble KurSeinbrüche oft sehr beschleunigt wurden. Die Aussperrung in ber sächsisch-thüringischen Textilindustrie, bas weitere Ansteigen ber Arbeitslos!zkeil im Reiche, die schwache Verfassung ber Reuyorker Börse, die eingefübrien Feierschichten im Rubrberzbau infolge Absayrnangels trugen zur allgemeinen Verschlechterung der Lage bei. Die KurSgestal- tung unterlag zumeist größeren Schwankungen. Zeitweise hatten Sntereffenfäufc oder Sntettwn* ttonen von Dankseite einen Ausgleich zur Ange, bie anfänglichen Verluste fonitten verschiedentlich wieder eingeholt werden Bei einem Vergleich der Vorwoche konnten sich somit bie Besserungen unb bie Verluste ziemlich bie Waatze halten Sn ber Hauptfach« war ble Tendenz jedoch immer na unten gerichtet, unb eine gewisse Vorsicht unb Unsicherheit blieb unverkennbar. AlS bann noch bie Berliner Danktragödie der Finna Katz & Wohlauer bekannt wurde, nahm die Dörse ein sehr klägliches Aussehen an. Das Geschäft beschränkte sich von dieser Zeit an nur auf ein Minimum, unb zeitweise lag der Handel fast völlig still. Rachdem jedoch dieser Fall etwas überwunden war, konnten die meisten Papiere von dem erheblichen Kurseinbruch toieter etwas zurückgewinnen. Montanwerte zeigten eigen.sich bie ganze Woche hindurch eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Eine gewisse Stühe boten hier verschiedene Rheinische Käufe, unb es waren zumeist Besserungen bis zu 3 Prozent festzustellen. Rur Harpener (minus 4 Prozent) traten hier aus bem Rahmen, da die beschloßene Dividende losigkeit verstimmte. Auch Kupferwerte konnten auf die erhöhten Kupserpreise in Reuyork vermehrtes Interesse auf sich lenken. Am Farven- martt wurde anfangs der Woche den Farven- aftien größeres Interesse entgegengebracht. da eine Meldung, wonach die Preise der 2lifa- Travis-Seide, die von ber I.-G.- Farbenindustrie in den Handel gebracht wurde, unverändert belassen würden, stimulierend wirkie. Doch als Gerüchte umliefen, die besagten, daß in ber am 31. Januar statt'indenden AufsichtSratssitzuna keineswegs die Cr tterung einer Kapiialerhvhung zur Behandlung kommen würde, trat auch an diesem Markte eine starke Derflauung ein, so ba6 der anfängliche Gewinn mit ntinug 5 Prozent unterschritten wurde. Elek.roLerte hatten am stärksten unter der schlechten Lage der Börse zu leiden, und hier waren Verluste, oStooftt bei verschiedenen Ee ellschaf.en höh.-re Di.idrnd.m5ur Ausschüttung kamen bzw. kommen, bis zu 9 Prozent keine Seltenheit. Dur AEG. blieb gut br- Kauplet und lag so'ar noch etwas gebessert. Hier bot die Produktiv ns steigeruni des Betriebes eine Anregung. Dei Siemens und Schuckert war eine gewisse Widcrstandsfähi leit unverkennbar. Auto- werte blieben knapp gehalten. Eine Ausnahme bot der Dankrnmarkt. Diese Werte waren übrr- wiegend etwas erholt. Besonders Commerzbank (plus 5.50) Warrn aus Fusionsgerüchte dieser Gesellschaft mit der Mitteldeutschen Creditbank und einer wah.scheinlich höheren Dioidrnde lebhafter gehandelt. Auch OreichSbanlantei'e h'.tten retes Geschäft zu verzeichnen. Aach anfänglichem Verlust von etwa 18 Prozent erfolgte auf Gerüchte aus Spekulatio.tskreisen, wonach doch eine Erhöhung der Dividende vor-esehen sei, lebhafte Rachsrage, auch von Auslandseite, die eine sprunghafte Steigerung dieses Papieres nach sich zog. Doch traten hier wieder Abbröckelungen ein, als sich diese vagen Gerüchte als unbegründet herausstellten. Zum Wochenschluß war die Stimmung wieder beruhigter. Die Kurs» zeigten sine allgemeine Aufwärtsbewegung, doch als das Kommunique d:r I.-G.-Faröen- industrie, das allgemein enttäuschte, bekannt wurde, gingen die anfänglichen Gewinne wieder verloren. 'Do,s. Zig." von den Royrbach- werken-Meta.lilug^eug^au dem größten Teil der Angeste.lten gekündigt. Als Grund für diese schwerwiegende Maßnahme wird Arbeits.mangel info.gr Ea-e.terns ver Auftragsverhandlungen mit dem Reichsverkehrsministerium angegeben. Frau.,urtcr Vörie Frankfurt a. M., 2. Febr. Tendenz: weiter etwas freundl.cher. — Im Anschluß an die erhöhte gestrige Abendbvrse war die Stimmung zu Beg.nn der heutigen Samstagbörfe etwas freundlicher. Das Geschäft bueb jedoch nach wie vor gering und beschränkte sich nur auf vereinzelte Weite. Eine gewisse Zurückhaltung war jedoch nicht zu verkennen, da der unregelmäß.ge Schluß der Neuyorker Bvrse und die bevorstehenden Repara- tionsoerhandlungen r Igcmein zur Zurückhaltung mahnten. Auch schritt die Spekulation im großen und ganzen unbeeinflußt hiervon in Spezialwerten zu Deckungen, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse we.tere Kurserholungen dis zu 2 v. H. zu ver» zeicynen waren. Etwas regere Nachfrage hatten vor allem Siemens m.t plus 2 0. H., Schuckert m t Plus 1,75 v. H., Chade-Aktien mit plus 2 Mark, Rheinische Braunkohlen mit plus 2^v. H, Westeregeln nach starker Sernathläffigung der letzten Tage mit plus 1,75 0. H. aufzuwe.fen. Etwas niedriger eröffneten I.-G.-Farben m.t minus 0,75 0. H. Banken vernachlässigt, teilweise etwas niedriger. Sch fs- sahrtswerte bis etwa 1 v. H. fester. Sonst waren nennenswerte Umsätze nicht zu verzeichnen. Renten still. Deutsche Anleihen eher etwas schwächer. Schutzgebiete waren eine Kleinigkeit höher. Mutmaßun» gen über eine weitere baldige Diskontsenkung stützten die Börse. Bei den meisten Werten traten weitere Erholungen ein, die zum Teil 1 v. H. überschritten. I.-G.-Farben konnten ihren anfänglichen Verlust um etwa 0,5 v. H. überschreiten. Die Umsätze waren jedoch sehr minimal und das Geschäft beschränkte sich nur auf vereinzelte Werte. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 6 5o. H. unverändert. Am Devisenmarkt lag die Mark wieder schwächer. Man nannte Mark gegen Dollar 4.2150, gegen Pfund 20 43, London geaen Kabel 4,8415, gegen Paris 124,09, gegen Madrid 30,50, gegen Mailand 92,65. Bc.lircr Börse. Berlin, 2. Febr. Nachdem schon im gestrigen Nachmittagsverkehr und an der Frankfurter Abend» börfe Deckungskäufe zu beobachten waren, die nicht allein auf die festeren Neuyorker Anfangskurse zurückgeführt werden konnten, denn das Geschäft war etwas lebhafter als sonst, wurde im heutigen Dorrn ttagsverkehr der wahre Grund hierfür bekannt. Die R e i ch s b a n k hat zum Montag eine Zen» tralausschußsitzung einberufen, und der Gedanke liegt nahe, daß diese beabsichtigt, eine er» neute D i s k 0 n t e r m ä ß i g u n g vorzunehmen. Man erwartet in der Sitzung günstige Auslassungen Dr. Schachts. Es ist aber durchaus denkbar, daß diese Sitzung nur im Zusammenhang m t der be> vorstehenden Generalversammlung abgehalten wird. Die übrigen Momente, die vorlagen, Wirtschasts- berichte der Commerz-Bank, der Dresdener Bank, der preußische Handelskammerbericht für Januar waren nur von untergeordneter Bedeutung. Etwas mehr wurden die Erklärungen der Polyphonverwal- tung über die Dividendenaussichten bei diesem Unternehmen beachtet und der erste Kurs der Voly- ohonaktien stellte sich 13 v. H. höher als gestern. Auch sonst konnten sich bei allerdings nur kleinem Geschäft über iegend Kursbesierungen durchsetzen, die bei Papieren wie A.-G. für Verkehrswesen, Berliner Handel^''esellschaft. Commerzbank, Re'chs- bank, Schubert & Salzer. Deutsche Linoleum, Ilse Bernbau. Saftdetfurth, I.-G -Farben und bei den mriffen E'ektrowerten dis zu 5 v. H., bei Glnnzstoff, R W E., Berger, bis zu 10 v. H betrugen. Deutsche Anleihen und Ausländer gelch'iftslos. Auch Dfand- briefe ruhig Liau'dat'onspfandbriefe und Anteile zum Teil aber freundlicher. Der Geldmarkt war auch heute noch ziemlich angespannt, doch machte sich in den Sätzen zum Teil eine kleine Erleichterung fühlbar. Tagesgeld 6 5 bis 8,5 n. H.. Monatsaeld und Warenwechsel unreränberL Im Verkaufe kam der Samstag wieder stärker zu feinem Recht, die Vm- saktätwkeit ließ infolge fehlender Orders w'eder nach, h'e Anf-ngskurse konnten sich nicht behauv» fr- Gla"»staff gaben 4 v. H.. Dolnphon etwa 2 v. H. ihres Anfanasaewlnnes wieder her. Später trafen noch Kaufarders -in, die das Kursniv-au teil» weis? wieder über Anfang fetzten. Die Kurse waren teilweise noch bis zu 1 v. H. gebeffert. Büchertisch. — Lessing. Don Rich. M Werner. Hev- auSgegeben von Professor Dr. Georg Witkowski. Dritte verbesserte Auslage. In der Sammlung „Wissenschaft und Bildung". 141 Seiten. Gev. 1.80 Ml. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (29.) — Unter der großen Zayl der Lebensschilderungen Lessinas verdient die von Witkowski betreute Diog.aphie aus der Feder von Professor Werner besondere Beachtung. Denn hier ist auf dem knappen Raum von noch nicht 150 Seiten nicht nur alles Wichtige und manches charakteristische Detail aus Lessings Leben von liebevoller Hand gesammelt, sondern es wird auch eine treffende Besprechung seines Schass-rnS geboten. In zeitlicher Reihenfolge nach den wechfel- vollen Lebensfchicksalen Lessrngs geordnet, werden im Zusammenhang mit fernem äußeren Ergehen seine eintelnen Werke analysiert und erläutert. Das Buch kann auch unserer Jugend aufs beste empfohten werden. — Das Gothaische Jahrbuch 1 9 29. Das unentbehrliche Handbuch des Journalisten ist soeben im 166. Jahrgang erschienen. Der Verlag Justus Perthes in Gotha hat es verstanden, das einzigartige Werk immer noch zu bereichern und zu vervollständigen. Der Arttkel über die süd- und mittelamerilanischen Staaten, sowie über die Kolonien und Mandate wurden, vor allem in den Zweigen von Handel, Verkehr und Erzeugung, erheblich ausgebaut. Vor allem gebührt dem Der.ag Da^>k dafür, daß er in das außer> ordentlich komplizierte System der gefamtrussb« schen Räteftaaten Licht gebracht hat. Slark erweitert wurden ferner die amtlichen und nichtamtlichen internationalen Hoheitsausschüsse und Gemeinscha'ten. Der „Diplomatenkalender" bietet eine llebersicht über die Landesfeiertage und die Geburtstage der Staatsoberhäupter. Das ausgezeichnete Werk ist geschmückt mit den Bildnissen des neugewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Herbert C. Hoover, und des italienischen Diktators Benito Mussolini. — „Den Freunden des Verlag- F. A. Brockhaus". Achte Folge. 1928/29. — In einem schmuck-n Dändchni legt der alte Leipziger Verlag den Rechenschaftsbericht über die Arbeit des b egangenen Jahres vor. Bedeutsam steht im Mittelpunkt das Erscheinen deS ersten Bandes des neuesten RachschlagewerkS „Der Große Brockhaus", Handbuch deS Wissens in 20 Bänden. Ein einleitender Aufsatz von Dr. Hermann Michel, Ehefredakteur des „Großen Brodaus", gibt ein lebendiges Bild von dem allmählichen Wach'en und Werden des Werk-. Daneben finden wir zahlreiche Tertproben aus den neuen Reisewerken des Verlags, von Sr,en Hedin, Fridtjof Ransen, Colin Roß, Georg Wegener und dem Amerikaner Beebe. Einige Illustrationsproben runden das Bild ab. Das Büchlein dürfte den zahlreichen Freunden des Verlags Drockhaus sehr willkommen sein. — Carl Haensel: Der Kampf um« Matterhorn. Ein Tatsachenroman. (In der Reihe „Lebendige Welt", herausgegeben von Frank Thieß.) Stuttgart 1929. 3. Engelhorns Rachf. Mit 16 Bildern. Seinen 6,50 Wk. (45). — In der majestätischen Landschaft der südschweizer Alpen spielte sich im Jahre 1865 ein unvergeßlicher Wettkamps ab. Das gletscherumstarrte Matterhorn hatte bis dahin allen Versuchen, seinen schroffen Gipsel zu erklimmen, getrotzt. In diesem Jahre aber wurde es bezwungen, unft zwar im Verlauf eines erbitterten und tragischen Kampfes, der mit nahezu übermenschlicher Anspannung aller Kräfte zwischen dem englischen Touristen Whymper und dem italienischen Bergführer Carrel ausgetragen wurde. Dies ist das Gerippe der Tatiachen, die Carl Haensel nach eingehrnden historischen und örtlichen Studien zu einem ungemein spannenden Roman geformt hat. Vermischtes. Ein korsischer Räuberhauptmann erschösse«. Der auf ganz Korsika gekannte un» gefürchtete Bandit Castelli, der viele Morde begangen hat, ist von einem Unbekannten erschösse« worden. Castelli, dersechsrnalim Abwese n°- heitsverfahren zum Tode verurteilt wor en war, hatte sich fett 1911 seiner Verhaftung entziehen Binnen. Zehn Personen in einem brennenden Hause umgekommen. 3m Wohnhaus der Familie Fines in Buckannon (Virginia USA.) brach in der Nacht ein Brand aus, der mit so vernichtender Schnelligkeit um sich griff, daß sämtliche Mitglieder der Familie, 10 Personen, in den Flammen umfamen. Die einzige Person, die sich retten kannte, war ein Schwiegersohn der Familie, der schwere Brandwunden davongetragen hat. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Pavieren angelübrten Zistern geben die S^cbe der AUleftt belchlostenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6.5 Prozent, Lombardzinsluß 7,5 Prozent. 5a'ik’urt a. M SerH» Lchlutz Ä'>re I-Ubr- fl'ir» Sch u(j ft "TS »mang ftur- Duinn M 2- 2 118 | 2. 2. Mfc tl »tWanlrtbr 3 1027 S7.4 — 17.5 - tt Inl.-iHbloi SHiult Bill Lu» Urt.-OkdHcn — 63.6 »3.75 »3.75 te»al ubnr fcueloi. • 13,5 13,6 7% Ttnintl Huv. «I »olbv» an künbdm M» 1932 90 — - — *bcimfd>» »ap.-eant Stau 81.3 — — LS.e obst ft orfnege. Obligation tüdwblbal 1232 - - — - 4% ettirury itiunoeeb.-tüni. 97 — 31.9 — 4% CfitrnrtdHKtie ütolorte. ■ 3,3 4,20% Crftrn jsübenit 3.13 4% Crflerretd) einbctti Wie 4% Unganicb? (Bulette 26,4 — 25.3 — 4% Ungariidit Staats: o 1910 41,.1 23.5 — ‘h% oregl von |9|3 23 — 4% Ungarildir Äiunrnttc. 1.93 — 2 05 2,1 4% lütt 3ollanltihr o 1911 — *- 11,6 — 4% lurhlctof Bagdoddabri-Lnl Srrie 1 11.35 _ 11.1 — 4% Ortfll 5rrt# II — — 11.5 —• 4% ih'umantn conoert iRte — - — 144% ähjmänrn (Mnltonl von 1818 19.1 — — — flllg Crutidit dnen'-utm 4h ftambutg Zlnirnia Lair! 6 Hamb eüOJtn Xamvfld) 8 panio Eami’iichllf 10 >27.75 128.5 27.5 1-8.5 - 126.25 17 ,4» 161.5 161 75 Rurbbeunditi L'lont 8 126 146.5 1.6 2^ ttilg Erutidir tSrrOUanft io • 38.5 158,9 1.9,» Barnu-r yonfoerttn lo — I4u 133.«u tterlinei vdnorlegrirllliti 12 — — 425.. 2.9 Sommeti- unv Pavoi-Banl 11 198.5 198.5 196 1V8.J tarmii u Wanormlban! 12 276.25 -76 -78 teutidir Boni >o • ;u 17u I7ü.u HUfontu-tHcielhtbafi SnL lu H.4.75 164.25 1 4,75 1 5 ®re»nnn Banl *° ।70.25 l«U .70 l7O.7u Dhrtelbrundif 4z«bulxns3 9 — •56,5 196 196.. ■UtoUban! ...... 8 IjÜ.. — 130,5 — Wllnnl - ’« o!2 — 08.s 313 J'onk’urt a- M Terlln Serlin Oerltn i. V-brnnr (Selb 9*ref __________________________________________________________________________________________________________________________________1 fft öikT siS- ® o» «i ob «o o»S«o<»Soao9«t 174.75 174.7o 211,75 165 211 211,5 • 41 239 240 222 228,75 75.5 77.ü 167 - 128.5 127 ist 210 125 125.5 - 112.5 95 96 269,5 272 luü 151 -6,4 °-7 69 X7O.5 • 75,. 277 491.25 53.5 X52.75 178 - 83.5 93.2o - 173.4 209.65 161..i 208.7; 40.75 137.75 14 IW 2-7.. 5 221 3.-,2u 158 7j Iti 43.75 128 1'5 i26.6u 1.1.9 119.2» 2.8.75 lob 118 24.13 112.5 92.<5 IUÖ.0 «5.2u :68.5 ■29,Zo 96.75 »,75 .69.5 -76 490 •51 17.75 68.5 96,5 175.7. 2I1,| 167 211 140.25 163 •* 211 34 ,77.73 128.5 116.75 131.0 12.1.5 -11 l"U6 Ä1.25 125.9 tli.7u 108 96 272..- .31,5 d7.4 •8,9 271 494 253 48.75 98,25 tjbuiuu vuijuiane ... 7 Cxibelbrrgct meei .... 10 5emmt RarifiaBt . ..... 8 ffianfc A (jttitag .... 10 Sdiultbeti Patzradoser ... 15 Cftroertr ..... 12 ■8er. «lanjtofl ...... 18 Bern berg ..... 14 SelHtoff eelbtrot .... 12 jdlftoff afebaffmbut* ... 12 ISbarlottrnbürget Lana ... 7 tfbauet . .... 8 Taimin ISototen ...... 0 Demag ...... 0 >21t>lm»«tf »Ieva ...... 6 Luvw. Komm ..... 10 Slot. Automobil ...... 0 Ctrmtrin 6 fl ovvs . .... 6 Leon dato Ztr* ...... 8 Bomog Megur» ...... 0 .rranlf Maitdtae» ..... 6 <3n*nei ...... 11 t*DligfnftoeM ....... 0 .lunghOT» ....... 4 Leck werte . ....... 8 •yiaintraftöcrti ....... 8 i'iiao ......10 ilrfanulmn . .....8 Beter» Union ....... 8 Voigt S carfraei ...... 8 tzüvv Zucker ..... 8 Dank 129 130.75 Ito i 108 76 24 101.5 212 145.75 noten. ä 1 • 1 M 1 i | 1 l I 3 । । । • । | 1 i 1 1 1 1 I 1 I - 124.i. 132 .85.75 242 44u 403 255.75 I90.2o 1.6.2o 110.dö 58-75 dO,75 58 222.5 42 VI 252 60 108.5 76.25 143 24.75 102 212 146.25 t | 1 | i * I l i 1 | 1 1 58 1 1 | ssrk's i 2!LS 1 b. 1 1 • t. F bruar x. Februar Amtliche (»eilt flott runa Br«' Lmtluvc flonecuufl iHcld | Briet flmft» flott Buen.-Ltre- **rfl.-ÄntTD ttbrrftianio Yovendoaen Ctodbolm öelfinatort- Q tolten . London. . . fleunotf . . Pari- . . . Schwel» . . 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