Nr. 1 Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 2. Januar 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Vie Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsfe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten. Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen DruS und Verlag: Vrühl'sche Universitatr-Vuch- und Steindruckerei R. Lanze in Eichen. Schriftieitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe X. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 200 , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Neujahrsempfänge beim Reichsoberhaupt. Oer Reichspräsident nimmt die Glückwünsche des diplomatischen Korps, der Reichsregierung und anderer Behörden entgegen. Berlin, 1. Ian. lWB.) Der offizielle Reu- jahrstag des Reichspräsidenten begann um 10 Ahr vormittags mit der militärischen Wachtparade, die durch das Brandenburger Tor über die Linden und die Wilhelmstraße zum Palais des Reichspräsidenten zog und deren Meldung der Reichspräsident vor dem Portal des Hauses entgegennahm. Hieran schloß sich ein Morgenständchen der Kapelle des Wachtregi-- mentes im Park des Hauses, ihn 12 Ahr empfing der Reichspräsident von Hindenburg in der üblichen Wrise dieChefs der hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen, zu deren Anfahrt sich in der Wilhelmstraße größeres Publikum angesammelt hatte. Eine im Ehrenhof des Reichspräsidiums ausgestellte Abteilung Reichswehr erwi^ den fremden Diplomaten militärische Ehrenbezeugungen. Oer apostolische Nuntius, Monsignore pacelli, brachte als Doyen die Glückwünsche des diplomatischen Korps in einer Ansprache zum Ausdruck, in der es in Aeversetzung u. a. lautet: „Herr Reichspräsident! Mit einem Gefühle innerer Genugtuung versammelt sich das in Berlin beglaubigte diplomatische Korps anläßlich der Jahreswende von Reuem um Ihre Person. Getragen von der Verehrung und Lieoe des Volkes erfüllen Sie, Herr Reichspräsident, in besonders bewundernswürdiger Geistesund Körperfrische unaufhörlich Ihre so hohe Aufgabe. Wir hegen die innigsten Wünsche für die Erhaltung Ihrer kostbaren Gesundheit, damit Sie sich noch lange den Werken widmen tonnen, auf den unerschütterlichen Grundfesten der Wahrheit die Größe und das Wohl der Ration zu mehren, deren höchstes Amt Sie bekleiden. Trotz unvermeidlicher Enttäuschungen. t'-otz schmal«H'-r H 2 m rn u n - gen, trotz zntweiüger Rückschläge schreitet die Menschheit auf dem majestätischen Wege des Friedens voran. Deutschland selbst hat sich, indem es gleich im Anfang dem Pakt zum Verzicht auf den Krieg als ein Mittel der na ionalen Politik b;itrat, feierlich zum friedlichen Ausbau der Beziehungen zwischen den Staaten bekannt. Möge das heute beginnende Jahr die glückliche Lösung der wichtigen und heiklen Ausgaben bringen, von denen die Ruhe Europas ab- hängt. Möge es so ein Meilenstein bilden auf dem erfolgreichen Pfade zum allgemeinen Frieden und zur brüderlichen Einigung aller Menschen auf Erden. Geruhen Sie, Herr Reichspräsident, diese ehrerbietigen Grüße entgegenzu- r.ebmen, die wir in Ihrer Person zugleich an das ganze deutsche Volk richten. Möge die göttliche Vorsehung, ohne deren Beistand alle menschlichen Anstrengungen hinfällig bleiben, gnädige Erhörung geben. Oer Herr Reichspräsident antwortete hierauf mit folgenden Worten: „Herr Nuntius! Es ist mir eine große Freude, auch an diesem Neujahrstage wieder von Ihnen die Glückwünsche entgegenzunehmen, die Sie im Namen des Diplomatischen Korps Hem deutschen Volke dargebracht haben. Lassen Sie mich Ihnen dafür unb zugleich für die mir persönlich gewidmeten freundlichen Worte und Wünsche aufrichtig danken. Sie haben von den Enttäuschungen und Rückschlägen gesprochen, von denen die Völker in ihrem Streben nach friedlicher Entwicklung getroffen werden. Seien Sie versichert, daß kein Land solche Enttäuschungen und Rückschläge härter empfindet als Deutschland, daß trotz seiner ernsten Bemühungen um Herstellung einer wahren, auf vertrauen und Gleichberechtigung beruhenden Friedensgemeinschaft noch immer von der Sorge um die Erfüllung berechtigterErwartungcn bedrückt wird. Mit besonderer Bitterkeit empfindet es das gesamte deutsche Volk gerade heute am Eintritt in das neue 3a(jr, daß einem großen Teil unseres Gebietes immer noch die Freiheit vorenthalten wird, aus die wir nach göttlichem und menschlichem Recht Anspruch haben und deren Wiedererlangung Deutschland längst erhoffte. Dir wollen trotz herber Enttäuschungen hoffen, daß Im neuen Jahre dem deutschen Volke die volle Selbstbestimmung zuruckgegeben wird; denn n u r zwischen freien Volkern können die hohen Gedanken der Verständigung, des Friedens und der Entwicklung der Menschheit voll zur Auswirkung gelangen. Für die Aeborwinbun.q der Hemmnisse, die einer gesunden und natürlichen Entwicklung ent- gegenstehen, alle Kräfte cinzusetzen, ist Deutschland stets bereit gewesen und wird es auch toeiter sein. Zur Erreichung dieses für die Ruhe Europas entscheidenden Zieles g'hört die freie und verständnisvolle Zusammenarbeit aller Rationen. Dafür ist während des vergangenen Jahres mit der von Ihnen erwähnten, von Deutschland aufrichtig begrüben Anterzeich- i'ung des Paktes über den Verzicht auf den . 'rieg eine neue Grundlage geschaffen worden. Es gilt, aus dieser Grundlage weiterzuarbeiten, um die gesunden Gedanken dieses Abkommens zu verwirklichen, die dahin gehen, die noch zwischen den Völkern stehenden Probleme ohne Rückstcht auf die Machtverhältnisse nach dem Grundsätze der Gerechtigkeit zu lösen und so der Welt 'diejenige Siche- rung des Friedens zu geben, die di: Gewähr ter Sauer in sich schließ!. Im Ausblick auf dieses Ziel spreche ich Ihnen, Herr Runtius, und Ihneir, meine Herren, zugleich für Ihre Slaatsober- häupter, Regierungen und Völker, im Ramen des deutschen Volles und im eigenen Ramen meine aufrichtigsten und herzlichsten Reujahrswünsche aus." Rach dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Herr Reichspräsident die einzelnen Botschaf- ter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Reujahrswünsche. An dem Empfang nahmen Reichskanzler Hermann Müller, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, die Staatssekretäre Dr. v. Schubert und Dr. Meißner sowie der Chef des Protokolls, Gesandter Köster, teil. Empfang derReichmegierung. Der Reichspräsidentweist auf die besondere Not der Landwirtschaft hin. 2m Anschluß hieran empfing der Herr Reichspräsident den Reichskanzler sowie die Reichsminister und die Staatssekretäre der Reichsregierung. Oer Reichskanzler begrüßte den. Herrn Reichspräsidenten mit folgender Ansprache: „5>err Reichspräsident l Ich habe die Ehre, am heutigen Tage Ihnen die herzlichsten Glückwünsche der Reichsregierung zu über* m'Ueln. Sie wünscht Ihren m'-t dem. grar.Jen deutschen Volke auch im neuen Jahre Gesundheit und Wohlergehen. Die Reichsregierung ist sich mit allen Deutschen volt Stolz der Tatfach e b e w u ß t, an der Spitze des Reiches einen Mann zu wissen, dem die ganze Welt die größte Achtung zollt für die Art. in der er sein hohes und schweres Amt ausübt. Das vergangene Jahr ha: die Hoffnungen und Wünsche auf außenpolitischem Gebiet, die jeder Deutsche hegt, nrcht in Erfüllung gebracht. Das wird uns nicht abhalten, unablässig wie bisher an ihrer Verwirklichung zu arbeiten und auf ihre Erfüllung zu drängen, bis Rhein, Saar und Pfalz von fremden Truppen befreit sind. Hoffentlich wird uns hierin das neue Jahr endlich weiterbringen. Die bevor- steheivde Zusammenkunft der Sachverständigen wird, so hoffen wir, die für Reich und Volk so entscheidend wichtige Reparationsfrage in Fluh bringen und damit die vormals kriegführenden Rationen der völligen Liquidierung des Krieges näherführen. Seit der Staatsumwälzung ist ein Jahrzehnt verflossen, und wir können heute, trotz all dem Furchtbaren, das unser Volk in dieser Zeit erlitten hat. doch seststellen, daß sich unsere innere Lage gefestigt hat und daß cd vorwärts geht. Manchmal will uns aber scheinen, als ob die Fortschritte, die wir gemacht haben, übertrieben werden unb manche ausländischen Beobachter Deutschland in einem Zustand der Blüte sehen, der nicht den Tatsachen entspricht. Denn schwere Sorgen und Schwierigkeiten lasten auf uns, und wir haben oft in kurzer Zeit Aufgaben zu bewältigen, die in früheren Epochen ein vielfaches der uns zur Verfügung stehenden Zeil erforderten. Ich brauche nur an das Problem „Reich und Lande r", an die schweren Wirtschaftskonflikte und an die Schwierigkeiten zu erinnern, die uns d i e finanziellen Lasten des verlorenen Krieges auferlegen. Wir hoffen, sie wie bisher Schritt für Schritt zu überwinden, gestützt auf die Tatkraft unseres Volkes und im Vertrauen auf die politische Erfahrung, über die das deutsche Volk, seitdem es fein Geschick selbst in die Hand genommen hat, von Jabr zu Jahr in größerem Maße verfügt. Die vielfachen Leistungen, die deutscher Wagemut und Unterneljmitngsgcift gezeigt haben, l)aben uns in der Welt wieder Sympathien und Freunde geschasst. Die Uebcrfliegung des Ozeans durch deutsche Flieger, die Fahrten des Zeppelin-Luftschiffes Haden bewiesen, daß die Spannkraft deutschen Geistes und deutschen Willens die alte ist. Sie sind ein Beweis dafür, daß unsere Zuversicht nicht trügt, die an dem Wiederauf- ft i c g und die Zukunft unseres Volkes glaubt. Möge auch im neuen Jahre der Weg aufwärts gehen, und möge es bessere Tage bescheren für unser Volk, dem unsere ganze Arbeit gilt/ Oer Herr Reichspräsident erwiderte darauf u. a.: „Herr Reichskanzler! Meine Herren! Für die Glückwünsche, di? Sie, Herr Reichskanzler, na» mens der ReichSrcgierung mir in so freundlichen Worten ausgesprochen haben, sa r ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank. Ich erwidere sie mit gleich herzlichen Glückwünschen für Ihr aller persönliches Wohlergehen und für guten Erfolg Ihrer Arbeit im brgi.menden Jahr. Mein erster Gruß am heutigen Tage gilt unseren Brüdern und Schwestern im besetzten Ge- biet, deren ich mit dem gesamten deutschen Volke in schmerzlicher Anteilnahme gedenke. Es war die schwerste Enttäuschung des vergangenen Jahres, daß die berechtigte Erwartung, die wir für die endliche Befreiung des besetzten Gebietes von sremder Militärgewalt hegten, bis heute noch keine Erfüllung fand. Mit Befriedigung begrüße ich daher Ihre Erklärung, Herr Reichskanzler, daß die Reichsregierung entschlossen ist, unablässig daraus zu drängen, daß Rhein, Saar und Pfalz von fremdem Druck befreit werden. Daß dies bald gelingen möge, ist der besondere Wunsch, den das gesamte deutsche Volk beim Eintritt in das neue Jahr bekundet. Mit Genugtuung kann ich es besonders begrüßen, daß es der tatkräftigen Mitarbeit der Reichsregierung und der Derftäniigcn Einsicht der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber gelungen ist. den Wirtschaftskampf im Industrie g e b i e t R o r d w e st d e u t s ch ! a n d s und in Sachsen büzulegen und den wirtschaftlichen Frieden, den wir so dringend für unseren Wiederaufbau benötigen, zu sichern. Ein lebenswichtiger Zweig unserer Volkswirtschaft leidet ganz besonders, die Landwirtschaft, namentlich im östlichen Deutschland. Ihr wieder aufzuhelfen und sie wieder in die Sage zu fetzen, ihre Aufgabe, die Docksernährung Deutschlands zu erzeugen, zu erfüllen, wird eines der dringlichsten Probleme der nächsten Monate fein. Mit schwerer Sorge um die eigene Existenz und um die 3ur fv.iiit ber v, wi'.L.n L/ ij;uiilid)cn jnueit bilden die deutschen Landwirte, die Großbesiher ebenso wie die mittleren und Kleinbauern, auf das neue Jahr. Deshalb wiederhole ich Ihnen, Herr Reichskanzler und der Reichsregierung gegenüber die dringliche Bitte, in Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Frage alle Kräfte für die Vehebung derRot der de utschenLandwirtschafteinzu setzen. Mit Ihnen, Herr Reichskanzler, bin auch ich. wie schon eingangs angedeutet, der Auffassung, daß trotz aller Schwere der Zeit unsere innere Lage sich gefestigt und gebessert hat. Ja es Wick mir sogar scheinen, daß Gegensätze, die unser Volk so unheilvoll durchziehen, sich gemildert haben oder wenigstens nicht mehr in solcher Schärfe zutage treten wie früher. Möge bas deutsche Volk auch im kommenden Jahre fortfahren, im Gedanken an das Vaterland und seine Zukunft persönlichen und politischen Widerstreit zu überwinden und zu überbrücken. Dann wird auch unserem schwergeprüften Volke Gesundung und eine bessere Zukunft beschieden sein, an die ich mit Ihnen. Herr Reichskanzler, unerschütterlich glaube." Hierauf begrüßte der Herr Reichspräsident jeden einzelnen der Reichsmini stec und der Staatssekretäre. Gegen 1 Ähr empfing der Herr Reichspräsident den Reichstag Zprändenten Löbe und den Vizepräsidenten des Reichstages Graes, die ihm die Glückwünsche des Reichstages zum neuen Jahr Übermittelien. Dann übermittelten Minister Dr. Steiger und die Gesandten v. P r c g e r, Dr. Gradnauer, Dr. B o s l e r und Boden dem Herrn Reichspräsidenten die Glückwünsche des Rcichsrots. Die Glückwünsche der Heeresmacht überbrachten der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Heye, und der Chef der Marineleitung, Admiral Räder. Später überbrachte noch Generaldirektor Dr. Dorpmüller die Glückwünsche der Deutschen Reichsbahngesellschast und Vizepräsident der Reichsbank Dreyse die Glückwünsche des Reichsbankdirettvriums. Die Glückwünsche Oesterreichs und Angarns. Berlin. 31.Dez. iWTD.) Reichspräsident v. Hindenburg und der österreichische Bundespräsident M i k l a s haben anläßlich des Jahreswechsels herzliche Glückwünsche ausgetauscht. Das Telegramm des Reichspräsidenten hatte folgenden Wortlaut: „Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen, Herr Bundespräsident, meine aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche aus. Möge das neue Jahr auch Ihrem Lande Glück und Segen bringen. Gez.: Reichspräsident v. Hindenburg." Der Bundespräsident hat folgendermaßen gedrahtet: „Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Euer Exzellenz an der Wende des neuen Jahres die wärmsten und aufrichtigsten Glückwünsche für Ihre Person und Ihre Familie, sowie für das Blühen und Gedeihen des großen deutschen Brudervolkes auszusprechen. Während des vergangenen Jahres war es Lester- reich vergönnt, ungezählte Angehörige des Deutschen Reiches in seinen Grenzen zu begrüßen. Möge die dadurch bewirkte neuerliche Festigung der Bande des Gei st es und der Kultur auch für die Zukunft mächtig fortwirken und die besten Erfolge zeitigen. Gez.: Bundespräsident Miklas." Reichspräsident v.Hindenburg hat an den ungarischen Reichsverweser, Admiral v. H o r t h h, folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: „Eurer Durchlaucht sende ich anläßlich des Jahreswechsels aufrichtigste Glückwünsche. In alter Gesinnung. Reichspräsident v. Hindenbur g." Gleichzeitig ist beim Reichspräsidenten nachstehendes Telegramm des Reichsverwesers eingegangen: „Anläßlich des Jahreswechsels bitte meine wärmsten und innigsten Glückwünsche entgegenzunehmen. Mit herzlichsten kameradschaftlichsten Grüßen. Reichsverweser v. H o r t h y." Mjahrserlasse an dieWehmacht Berlin, 31. Dez. (WTB.) Aus Anlaß des Jahreswechsels sind folgende Reujahrserlasse an die Wehrmacht ergangen: „An die Wehrmacht! Der deutschen Wehrmacht entbiete ich zum Reuen Jahre meine herzlichsten Wünsche und Grüße! Es war mir eine Freude, im abgelaufenen Jahr Heer und Marine bei ihrer ernsten und verantwortungsvollen Arbeit sehen und ihre guten Leistungen anerkennen zu können. Ich habe die feste Zuversicht, daß die Reichswehr auch im neuen Jahr ihre Schuldigkeit tun wird. Der Reichspräsident, gez. v. Hindenburg." „Qln die Wehrmacht! Asien Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften, allen Beamten. Angestellten und Arbeitern der Reichswehr meine herzlichsten Reu- jahrsgrüßel Der Wille läßt sich nicht in Fesseln schlagen. Geist ist unabhängig von Starrheit der äußeren Form. Wicken und Geist zu schulen ist unser bester Dienst am deutschen Volk. gez. Groener, Reichswehrminister." „An das Reichsheer! Allen Angehörigen des Reichsheeres meine besten Glückwünsche zum Reuen Jahr. Wir wollen weiter unsere Pflicht tun. gez. Heye, General der Infanterie und Ches der Heeresleitung." „An die Reichsmarine! Zum Jahreswechsel spreche ich der Reichsmarine meine besten Wünsche aus. Auch im kommenden Jahre werden wir unsere Pflicht erfüllen, einig im Ziel und fest im Glauben an Deutschlands Zukunft I gez. R a e ö e r. Admiral, Dr. h. c. Ehef der Marineleitung." Aeujahrsempfang in Darmstadt. Hessen erwartet im neuen Jahre die Befreiung seines Gebietes. Darmstadt, 1. Ian. Im Staatsministerium fand heute vormittag ein Reujahrsempfang statt, zu dem eine größere Anzahl Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bevölkerung erschienen war, um mit dem Staatspräsidenten und den Ministern Glückwünsche auszutauschen. Anwesend waren neben den Vertretern hessischer Zentral- und Lokalbehörden die Leiter der Reichsbehörden in Darmstadt sowie Persönlichkeiten der Politik, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Presse. Staatspräsident Or. Adelung richtete an die Versammelten folgende Ansprache: „Das Jahr 1923 ist im Schoße der Zeiten versunken. An der Schwelle des neuen stehen wir mit Wünschen, deren Erfüllung wir vom kommenden Jahr erhoffen. Die Wirkung der Rachkriegszeit, die Deutschland bedrückt, lastet vor allem auf dem Hessenlande, das zehn Jahre nach dem Friedensschluß i m m e r noch f a st zur Hälfte von fremdem Kriegsvolk besetzt ist. Das dahingegangene Jahr hat uns die ersehnte Erleichterung und und Befreiung leider nicht gebracht: Wirtschaft und Kultur bleiben auch bei uns fürderhin behindert und gehemmt. Es wird deshalb wohl überall verstanden, wenn hier an Deutschlands Westmarl in erster Linie der Wunsch levendig ist, daß der Weltfriedensgedanke immer mehr Gemeingut aller Völker werde und so die Vorbedingungen geschaffen werden für ein gedeihliches Zusammenleben der Rationen. Hessen wünscht vor acken Dingen die baldige Befreiung seines Gebiets und aller deutschen Landesteile von den Lasten der fremden Besatzung, die uns Wirtschaftlist und kulturell schwer benachteiligen, und die eine ständige Gefährdung des Friedens bilden, ilnö Hessen wünscht ferner, daß seine durch die Besatzung verursachten besson deren Röte auch überall in Deutschland Beachtung und Verständnis finden und die Bereitwilligkeit auslösen. diese Bürde mit uns tragen zu helfen. Ich bin gewiß, daß sich tn diesen Wünschen nicht nur die Volksgenossen dl« Parteien irnd Bekenntnisse in Hessen, sondern bn ganzen deutschen Vaterlande einig zusammenfinden. In dieser Hoffnung wünsche ich von Herzen ein gesegnetes neues Jahr!" Poincars beugt sich. Der Ministerpräsident verzichtet auf seine Demissiondabsichten. Paris, SL. Dez. (XU:) Der M.inisterrot prüfte heute vormittag die politische Lage. Ministerpräsident P o i n c o r Ö erklärte seinen Kollegen, er habe, als er sein Kabinett vom 11. November gebildet habe, die Absicht gehabt, eine Verlängerung der Krise zu vermeiden, um die Diskussion und die Abstimmung für den Haushaltsplan 1929 sicherzu- stellen. Heute aber, da das Budget verabschiedet werde und die Stabilisierung auf der anderen Seite ihre Probebe st anden habe, sehe er seine Aufgabe, die er sich gestellt habe, als vollbracht an und habe daher die Absicht, seine Demission einzureichen. In dem lebhaften Meinungsaustausch, der diesen Erklärungen des Ministerpräsidenten folgte, war sich die Mehrzahl der Minister darüber einig, daß trotz der Bedeutung der bereits erledigten Aufgaben die wichtigen internationalen Fragen und die innerooli- tischen Schwierigkeiten einerLösunaharrten, von der die Durchführung des Haushaltsplanes und die Aufrechterhaltung des Frankenkurses abhängig fei. Daher sei das Verbleiben Poincares an der Spitze des Kabinetts eine dringende Notwendigkeit, um den Erfolg zu sichern. Der Ministerpräsident beugte sich diesen Argumenten seiner Kollegen und zog vorläufig bis zum Zusammentritt der Kammer seine Demission zurück. Der Kabinettsrat wandte sich hierauf der Behandlung der politischen Fragen zu, die bei dem Zusammentritt der Kammer am zweiten Dienstag im Januar zur Aussprache stehen werden. Er beschloß, die allgemeine politische Generalaussprache sofort nach Wiederzusammentritt der Kammer auf die Tagesordnung zu setzen. Poincars erklärte seinen Kollegen, daß er vor der Kammer fein politisches Programm entwickeln und die Kammer ausfordern werde, dazu Stellung zu nehmen. Oie Gazette du $ranc. Poris, 31. Dez. (WTD.) Der angebliche Vermittler zwischen Frau Hanau von k Minister in Mecklenburg-Schwerin. Tod in den Bergen. Beim Aufstieg zum Peischellopf unweit von I Gt.Christoph am Vorarlberg ist bet ’ Ingenieur Hermann Dölcker au8 Plauen im Vogtland tödlich verunglückt. Er war mit seinem Bruder, dem bekannten Hallenser Chirurgen Professor Dr. Dölcker, und drei anderen Herren m i t einem (abgetretenen Schneebreti ab- gexutscht und verschüttet worden. Während die anderen Mitglieder der Gruppe sich ohne weiteres aus der wieder zum Stehen ge- fommenen Schncemasse befreien tonn.en, war bei Ingenieur Dölcker, als ihn seine Gefährten nach kaum fünf Minuten aus dem Schnee befreiten, bereits der Tod eingetreten Beim Döllerschießen tödlich verunglückt. Das Reujahrsschiehen hat in Hornbery im Schwarzwald ein Menschenleben gefordert. (Einem 23 Jahre alten Mechaniker, der in den städtischen Anlagen zwei von ihm selbst verfertigte Doller zur Entzündung bringen wollte, wu:h- durch die Explosion deS einen Böllers der Unterleib aufgetiff en, so daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Rücksichtsloser Autofahrer. Auf der Wanheimer S'raße bei Duisburg fuhr ein Kraftwagen in voll?c Fahrt in eine Gruppe von einer S i lv e st e r f e re r heimkehrender Personen, denen es nicht möglich war, auszuweichen. Der Kranführer Buchenheim wurde überfahren und auf der Stelle getötet. 1 während eine andere Person verletzt wurde. Ohne sich um die Opfer zu kümmern, fuhr der Fahrer mit ab- geblendeten Lichtern schleunigst davon. Raubmord In der Silvesternacht. In der Silvesternacht wurde die Zigarrenhand' ter in Witwe Marie Henke in ihrer in der Bött- cherstraße in Lübeck gelegenen Wohnung auf dem Fußboden mit einem Knebel im Munde von ihrem Sohne tot aufgefunden. Die Wohnungstür war mit einem Dietrich geöffnet. Es liegt Raubmord vor. Dem Täter bürjten etwa 30 Mark Bargeld und einige Zigarettenpackungen in die Hände gefallen fein. Die Wetterlage. ■UnMjytn- K iMocMv Dlenstaa d.l.Jan.1929.8*ing5. £ O t>vontrmeiöeenet »m» wertet e*oter» e orortet •neww # Scheu e trever nwiteiveae Wettervoraussage. Das Hochdruckgebiet, daS sich von den brttischen Inseln biS nach Skandinavien erstreckt, läßt es in Verbindung mit dem südlichen Lief zur toeö- terxm Zufuhr kalter Rordostluft kommen. Während des gestrigen Tages lagen di« Temperaturen durchweg unter dem Gefrierpunkt und das Minimum lag in der vergangenen Dacht noct) um «inen Grad Eelfius tiefer als In der vorletzten. Da wir zunächst noch im Kaltluftbereich verbleiben, so halten sich die Temperaturwerte wetrerhin unter Rull. Auch der WitterungS- charakter dürfte sich wenig ändern, so daß fernerhin vereinzelte Schneeschauer nicht ausgeschlossen sind. Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkiges, auch stellenweise aufheiterndes Wetter, Temperaturen unter Null. Keine oder nur verein zelte Schneeschauer. Witterungsausfichten für Freitag: Wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 1. Januar- mittags —0,8 Grad Celsius, abends — 0,9 Grad Celsius; am 2. Januar: morgens —1,6 Grad Celsius. Marimum — 0,5 Grad Celsius; Minimum — 2 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 1. Januar: abends 0,7 Grad Celsius; am 2. Januar: mordens 0,3 Grad Celstu». Aus 6 er Provinztafhaupisiavt. Gießen, den 2. Januar 1929. Oie Zwölfnächte. Uralter Aberglaube wird in den zwölf Nachten van Weihnachten bis zum Feste der Heiligen Drei Könige lebendig, und wenn wir auch alle ziemlich weit über den Aberglauben hinausgewachsen zu sein meinen, ein wenig blieb doch hängen. Wir erinnern uns der alten Bräuche und Sagen und tun wohl selbst mit, wenn es gilt, der Zukunft etwas abzuluchsen. Was von der Wahrheit sehlt, ersetzt der Glaube, in den sich viele Zweifel mischen mögen, der sich aber doch auch wieder von der alten Erkenntnis nährt: Wir wissen nichts und können nichts wissen. Wenn wir nicht zuweilen überheblich saücn: Wir wissen alles. Aber darüber wird man bald eines Besseren belehrt. Rauhnächte nannten sie die alten Germanen. Sie fürchteten diese Nächte, denn in ihnen ritt Wodan auf dem weißen Roß Slcipnir an der Spitze des Wilden Heere«, über die Fluren. Wehe dem Sterblichen, der dieser wilde., Jagd ansichtig wurde! Den Mädchen, die in diesen Nächten spannen, fügte Frau Holle, die umging, Unheil zu. Darum mußte in diesen Nächten die Arbeit ruhen, und das Spinnrad wurde bis nach dem 6. Januar verborgen gehalten. Die Tiere erhielten in den Rauhnächten die Gabe des Sprechens, besonders in der ersten Nacht. Und manches Orakel knüpfte sich an diese Nächte, die mit geheimnisvollem Dunkel verlocken zu allerlei geheimem Tun. Diele wunderliche Bräuche wären von den Zwölf Nqchten zu erzählen. Sie leben noch heute verstreut auf dem Lande, und auch in der Stadt sind sie noch nicht völlig ausgestorben, wenngleich sie immer seltener werden. Die Zeit der stampfenden Maschinen und der wissenschaftlichen Aufklärung so manches Geheimnisses nimmt den Bräuchen den Boden. Und sicher werden im Laufe der Jahre noch viele solche Brauche dahinsinken, und nur wenige werden sich in künftigen Zeiten dieser Wunderlichkeiten noch erinnern. In alten Büchern wird man sie vielleicht verzeichnet finden, und man wird sich — wie man das schon heute tut — fragen, wie es möglich war, daß Menschen solch törichtem Aberglauben dienen konnten. Aber so verwunderlich ist es gar nicht. Man braucht nur daran zu denken, daß die Menschen von einst viel enger mit der Natur verbunden waren, , daß ihre Geheimnisse viel stärker auf sie wirkten, daß sie ihnen manche Rätsel ausgab, die uns als gelöst erscheinen, und daß die immer lebendige Phantasie am Werke mar, Märchen und Sagen zu ersinnen. In lebhaften Bildern wollte man denken, fabulieren wollte man. Und wenn wir es richtig bedenken, so finden wir auch manche kostbare Perle schöner Dolkspoesie in diesen Bräuchen, die uns staunen läßt über den Reichtum des Gemüts und der Empfindung, die in den Menschen von einst wirkten zur Gestaltung solcher Poesie. Wenn das alles aber versinkt, weil sich die bessere Erkenntnis Raum verschafft, so entsteht erst die Fraae, ob dadurch nicht eher ein Verlust, als ein Gewinn entsteht. S. Bornotizen. — TaaeskalenderfürMittwoch. Stadt- cheater: „Und das Licht scheinet in der Finsternis".— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Er geht rechts, sie geht linfs*. — Astoria-Lichtspiele: „Dffi auf Abwegen". — Der Goethe-Bund hat, wie man und schreibt, für kommenden Montag den Dichter Carl Zuckmaher zu einer Vorlegung aus eigenen Werken eingeladen. Carl Zuckmayer hat sich binnen kurzer Zeit zu einem der am meisten auf- geführten Dramatiker entwickelt. Wenn der Dichter als Gast des Goethe-Bundes in Gießen aus seinen Werken vorliest, so darf man ihm mit warmer Anteilnahme begegnen. (Siehe heutige Anzeige.) — Born Konzertverein wird uns geschrieben: War es dem Konzertverein gegluckt, seine Spielzeit mit dem ^kultiviertesten" (wie sich die Presse au;druckt) Geiger der Jetztzeit, Joseph Szigeti, cinzuleiten, so kann er heute wiederum einen gleich hohen künstlerischen Genuß, durch das Gastspiel Wilhelm Backhaus', des Großmeisters des Klaviers, für Sonntag, 6. Januar, ankündigen. Wer die Berichte der Zeitungen und Musikzeitungen in letzter Zeit verfolgt hat, wird mit Anteilnahme von den Triumphen gelesen haben, dir dem auch hier so beliebten, genialen Musiker allenthalben, sei es in London, Paris, Wien. Berlin, und anderen Großstädten bereitet worden sind. Insbesondere ist es dir Pariser Presse, die in voller Begeisterung feine große Künstlerschaft preist — La Liberty le Recital, le Gaulois „depuis Risler nons n’avons pas entendu de plus grand ex6- gete de Beethoven“ usw. Auch Wien („Neue Freie Presse") bewunderte Backhaus als Festpianist, bei der dortigen großen Schubert-Feier, und I. Korngold schreibt: „Die Tasten tour» den zu singenden Stimmen; dazu besitzt Backhaus den satten, blühenden Klavierion, der auch im Fortissimo nicht an Schönheit, nicht an Sonorität einbüßt." In s.iner ihm eigenen Bescheidenheit schreibt der Künstler in einem Brief an hiesige F.-eunde über seine Konzerterfolge und fügt hinzu „noch interessanter i't mir persönlich die soeren telegraphi'ch eingegaugene Ernennung zum Ehrenmitglied der Gesellschaft der Muftl- freunde in Wim. Da das erste Ehrenmitglied Beethoven war, so freue ich mich der neuen Würde ganz ungebührlich". Backhaus ist uns Gießenern kein Unbekannter mehr. Es wurde nicht in seinem Sinne sein, hier weiteres über die beispiellosen Erfolge, die ihm auch im Auslande (Amerika, zuletzt in Australim und neuerdings wieder in Deutschland) beschießen waren, zu berichten. Ein Besthvvenpvogramm, wie es der Künstler zum Bestm gibt, ist erfreulicher- weise und ganz besonders geeignet, seinen Ruhm als unerreichten Beethoven-Interpreten zu be- krästigm. Er wird hier Vorträgen die PathL- tigue, Waldstein-Sonate, Appasinata und als Schluß die große E-Moll-Sonate, ein Programm, das an sich, wie auch durch dm Aamen des Künstlers fesselnd ist. •• Silbe ft er und Neujahr in Gießen. Die Silvesternacht und der Äeujahrstag sind in unserer Stadt erfreulicherweise ohne besondere Zwischenfälle miautet. Der Zugverkehr lei der Reichsbahn war lebhaft, aber nicht übermäßig stark. Der Jahresschluß-Gottesdienst am Silvesterabend brachte in allen Gemeinden einen sehr guten Kirchenbesuch. Die Polizei hat, wie wir hören, Ruhe gehabt; Ausschreitungen find nicht vorgekommen. Im übrigen hat sich das neue Jahr gut bei uns eingeführt: der 1. Januar war ein prachtvoll klarer und sonniger Wintertag. Dagegen setzte heute in den Morgenstunden wieder leichter Schneefall ein. ** Sie Sanitätskolonne in der Silvesternacht. In der Silvesternacht wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz eine Bereitschaftswache gestellt. Diese wurde zweimal in Anspruch genommen; es handelte sich um einen Patienten mit Kopfverletzung und einen andern mit einem Stich im Unterarm. Beiden wurde die erste Hilfe geleistet. •* C i n schwerer Unfall ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhop Der 55jährige Arbeiter Hartung aus der Lindengasse kam mit dem Zug um 9.30 Llhr von seiner Arbeitsstätte bei Buderus, Wetzlar. Er stürzte die Treppe des Bahnsteigs 6 herunter und blieb mit einer Wunde am Hinterkopf bewußtlos liegen. Der herbeieilende Bahnarzt verordnete sofortige Heber- führung in die Chirurgische Klinik. ** Zwei Achtzigjährige. Geh. Baurat a.D. Otto Hahn, Gießen, begeht am 2. Januar feinen 80. Geburtstag. Der Jubilar stammt aus Braunfels, studierte in Berlin und war Leiter zahlreicher Wasferämter, zuletzt in Frankfurt a. M. Bor einigen Jahren verlegte er seinen Wohnsitz nach Gießen, wo er bei seiner 84 Jahre alten Schwester wohnt. — Ebenfalls am 2.Januar begeht Herr Daniel Harrn a n n, Gießen, in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. ** Schulpersonalie. Dem seit vier Jahren als Leiter der Realschule zu Vilbel tätigen Studienrat Dr. Albert Eharnbr 6, der vorher an der Oberrealschule zu Gießen angestellt war, wurde die Amtsbezeichnung „Studiendirektor" verliehen. ** Arbeitsjubiläum. Der Dorschlosser Aug. Mahr, Schottstraße 15, kann am 2.Januar sein 30jahriges Arbeitsjubiläum bei dem Reichsbahn- Ausbesserungswerk Frankfurt a. M. begehen. ** Der Bund erblindeter Krieger, Untergruppe Gießen, hielt gestern, Sonntag, auf der Liebigshößr eine gut besuchte Weihnachtsfeier ab. Rach einigen Musikvorträgen, ausgeführt von Mitgliedern der Kapelle Topp, und einem von Frl. B i c r a u gesprochenen Prolog, erfreute zunächst bet Bauersche Gesangverein durch zwei gut zum Dortrag gebrachte Chore von Schubert. In einer zu Herzen geh-.nden Ansprache begrüßte der Dorfitzende, I. Kranz, die erblindeten Kameraden und die zahlreich erschienenen Gäste, habet besonders hervorhebend, daß das Weihnachtsfest auch ein Fest der Kriegsblinden fet, das Liebe und Frieden vrrkütrbe. Zufriedenheit fei das größte Glück, sie bringe den inneren Frieden. Denn auch die Lichter des Weihnachtsbaunies nicht das Dunkel, das die Kriegsblinden umgebe, erhellen könnten, so mochten sie wenigstens die Herzen der erblindeten Kameraden erleuchten. Desonörrer Dank gebühre allen denen, welche durch reichliche Spenden und tatkräftige Llnterstühung die Feier ermöglicht Hütten. Aach dem gemeinschaftlichen Lied: „Stille Äacht, heilige Aacht", fand die Bescherung der Kriegsblinden statt, die Über das Gebotene sichtlich erfreut waren. Aach der De cherung sprach Bürgermeister Dr. Selb namens der Stadt Gießen, dabei besonders betonend, daß es MenfchenpfNcht frt, bett Kriegsblinden mit Aat und Tat zur Seite au stehen; hier biete sich schöne Gft.genhcit, soziale Tat zu bette en. Hieran anschließend wartete Frau Ienhen? Schreiber, die über eine sympath sche Stimme berügt, mit zwei Siebern: »Die Strn ge" und „Maria Wiegenlied" auf. In der Pause wurden die Kriegsblinden, deren Begleiter, sowie de Kinder mit Kaf ee und Kuchen (letzterer gestiftet von der Däckerinnung» bewirtet, außerdem verteilte der Ai'olaus (Otto Wahl» noch besondere Gaben an die Kinder der Kriegsblinden. Der zweite Teil des Programms brachte außer wei-i teren Liedervorträgen der Frau Jenhen-' Schreiber und Chören des Ba.erschen Gesang- ‘ Vereins ein T.ompeten olo von Muftnnei' er^ Topp, Darbietungen des Heimatdichters Gg. ( Heß, die, wie immer, reichen Beifall fanden. Stimmungsvoll war auch ein von dem Kriegs- i blinden Müll (Gambach) vo.g:tragen s, 'el ft» | verfaßtes Gedicht, sowie eine Ansprache des, frieg.b t ;ben Stnd cndir k.ors Hertsch (Schotten), in welcher dieser für das Gebotene und । die weitgehende Teilnahme an den Geschick der Kriegsb.inden öan'.te und betonte, daß die Kriegsblinden den Beweis liefern wo! ten, daß sie sich als brauchbare Glieder der menschlichen Gesell- / schäft fühlen. Sein Hoch galt dem Dnrstand und, seinem schaffensreichen Wirken für die Kriegs- / blinden. Oer angeschossene Marburger Student gestorben. ][ Marburg, 1. Jan. Der am Abend des 27. Dezember durch einen Schuß in den Unterleib schwer verletzte Student Erichs Schwerdtfeger ist gestern nachmittag in der 1 Chirurgischen Klink gestorben. Die Aach-1 forschungen nach dem Täter werden eifrig fort- ' gesetzt. Amtlich wird gemeldet: Der Tat dringend verdächtig ist der Sattler Johannes Beckers aus Ockershausen, der zuletzt in Marburg, Bar- füßerstrahe, gewohnt und seine Frau seit längerer Zeit verlassen hat. Becker zieht in der' Welt umher und war bis jetzt nicht aufzufinden, f Die Pressemeldung, daß es sich um ein politisches i Attentat handele, trifft nicht zu. Offensichtlich! handelt es sich um den Racheakt eines gewalt- ' tätigen Menschen, der Beziehungen zu dem Schwerdtsegerschen Dienstmädchen gehabt haben soll und sich von Schwerdtfeger nicht zur Polizei bringen lassen wollte, weil er Interesse daran hatte, seine Persönlichkeit zu verbergen. // Fester- und Brand Schaden in Kleidern, Wäsche und Teppichen werden in 3 bis 4 Tagen tadellos repariert Kunststopferei König Gießen, WitorStraße 12, Tel. 736 O9U78 Homöopathie ■. . ft ; T. . . Madaus i .•i'!.. : vx. ■ '■; ft. aefuebt. 11552D Familie Wilhelm Volk Familie Karl Müller II. 00)77 39D 03089 gesucht 06082 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Januar, nachmittags 2 Uhr, statt. 09075 Gießen, den 31. Dezember 1928. Drucksachen aller Art stattung lilreln unb’prtUwer bk BrüNW Unloerfltäts-VrvckLrei, B. Lange. Sieben. Schutftr. 1 H342D 09080 Hauten bei Gieße«, Bachgane 20. Klein-Linden, Gießen, den 2. Januar 1929. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Januar, nachmittags 21/, Uhr, vom Sterbe hause Kirchstraße 13 aus statt. im Alter von 78 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen Familie Marie Weller Wwe. Familie Wilhelm Müller Familie Luise Diehl Wwe. Familie Wilhelm Junge!, Frankfurt a.M. Familie Hch. Jüngel Wwe., Daubringen Familie Lndw. Jüngel Wwe., Burkhards Adolf Oswald, Lindenstruth Danksagung. Für die wohltuende Teilnahme bei dem Heimgang unseres Heben Entschlafenen Herrn Heinrich Meyer, Schutzmann LR. sagen wir allen, insbesondere Herrn Stittsdechant Kahn für die trostreichen Worte, Herrn Bürgermeister Geil, sowie dem Krieger- Verein für den ehrenden Nachruf und allen Verwandten. Freunden und Bekannten für die überaus zahlreichen Kranzspenden unseren herzlichsten Dank. Elisabeth Meyer geb. Lotz und Kinder. Lidl, den 2. Januar 1929. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hmscheiden uuseies uiiver~eüli<‘h«n Entschlafenen, sowie für die tro.-lreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir auf diesem Wege innigsten Dank. Geopa. j^ckel nnd Familie. junger Burfdjn der etwas von Land- wirtichast versteht, f. kleinen landw. Betrieb mit 1 Pferd al8 Knechi Nachruf. Heute verschied plötzlich und unerwartet Herr Carl Caemmerer Wir verlieren in ihm einen liehen und all verehrten Mitarbeiter, ein Voruild treuer Pflichter füllunp. Sein Angedenken werden wir stets in Ehren halten. Die Beamten und Anceetellten de« VereorgrunKsamte Gießen. Gießen, den 29. Dezember 1928. Nachruf Am 31. Dez. 1928 verschied ganz plötzlich und unerwartet unser wertes Vereinsmitglied Julius Grünewald Wir verlieren in dem leider so früh Dahingeschie- denen einen treuen Anhänger und eifrigen Förderer unserer Kunst, der uns als lieber Freund unvergeßlich bleiben wird. Gabelsberger Stenogr. Vereinig, und Damen Abt Wieseck. In der Neujahrsnacht entschlief sanft in dem Herrn nach kurzem, schwerem Leiden meine innigst geliebte Gattin, unsere treusorgende Mutter, Schwägerin, Gote und Tante Frau Eiisabethe Jüngel geb. Müller im 43. Lebensjahr. Die trauernden Hinterbliebenen: Vermietnpgen j L zimmer in. ei. V. im Zentrum 1 ocr Stadt au oerm.! Wo? feint dieGefchst. । d. Gteß An . 09076 Möbliert. Hw mtt el. t*. zum 1. ob. 15. Jan. zu vermiet. 3uetfr. i. d. Gefchst. d. Gieß. Anz. 11476V Nadi Gottes unerforschllchem Ratschluß verschied am 31. Dezember 1928, abends ßa/4 Uhr, nach kurzem, schwerem Leiden unser guter Vater. Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Schwager und Onkel Karl Müller I. Befallt. Jos kotze" Sri ersweg. Ordentliches Mädchen iüt tagsüber für fo- «ort gesucht. 09090 Bogt, Sonnenstr. 14. Hermann Jüngel Marie Jüngel \ Kinder Wilhelm Jüngel / IUn°er Familie Will). Schmitt V., Saasen Saasen, den 1. Januar 1929. | Kaufgesuche | Haus mtt bertehb. tz-Zim.« 2Bot)nfl„ Liebig- ob. Witdelmstrane, au laufe» gesucht. 'S dir. Angeb. unter 09079 an den Gieß. Anz. Suche zu Kausen lllerle jeder Art, speziell Gemälde u. Stulp» turcn religiöser Darstellung. Schrnti. Angeb. unt 28D a. d. Gieß. An». Für getragene öetrentieiöet zahlt höchste Preise £. rrosenzweig, 6le8en.5elter5ro.58i. Karie genügt. ,IXIOSA Ich habe mich in Gießen als staatL gepr. Masseurin niedergelassen. Gestützt auf langjährige Erfahrung durch meine Tätigkeit als Krankenschwester, ausgebildet und examlert an der staatl. orthopädischen Univ.-Klinik (Prot. Dr. Ludloff) Frankfurt a. Main, empfehle ich mich in Ganz- und Teilmassagen, orthopädischem Turnen usw. Meine Spiech- und Arbeitsstunden befinden sich in dem Hause Gießen, Senckenbergstra6e 7 I. Sprechstunden allwerktÄglich von 3—7 Uhr nachm Magdalene Hansult staatlich geprüfte Masseurin. Friwi;eÄ zur Aushilfe ob. für dauernd gesucht. Schr. Ang. u. 09092 an d. Gieß.An^ erb. Jüngerer l*0* Hausbursche oef. Babobofstr. Mädchen vom Lande. mtt gut. Emviehlungen, t)n8 schon im Ge- fchäit tätig war, in Dauer stellnng »um 15. 1. 29 gesucht. m Brot-n.Fetnbäckeret Slonöttorci u. Cais Ernst Stritter, Giekru,Neustadt 24. Ordentliches MW« Mietgesuche Akademiker sucht atmen., absolut rubigeS Zimmer iofoct, evtl, mit Mi-tagstifch u. Zen- iralbetuini. Schr. Angebote unter SOU an den (Siek. An^. BerufS'äiiger Aka- demtter such: f. sofort miisfl. Zimmer coti. mit Pension. Schr. Angeb. unter 38u an den (Sn. An». Wieseck, den 31. Dezember 1928. 1-8U6U Nachruf Gießen, den 31. Dezember 1928. Glitch & Co Gießen, den 31. Dezember 1928. werden ihm ein liebevolles Andenken bewahren. wieseck, den 2 Januar 1929. HU Telephon 773 Kreuzplatz 15 Auf alle regulären Artikel 10 Prozent Rabatt r den lll!llllllllll»^ or Der bcutiacn Gesamtauflage deS Gteszener SlNAeigerS Item ein Prospekt der J-irma CarlDrcnckdors. Gictzen, bet. MD Familie Wilhelm Balder X, Familie Heinrich Balder XII., Gastwirt Familie Karl Günther, Lehrer Familie Edgar Borrmann Elise Schwalb. In tiefer Trauer: Familie Meier Grünewald. Gießen, Ludwigstraße 62, den 31. Dezember 1928. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Januar 1929, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt Beileidsbesuche dankend verbeten. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 2. Januar 1929, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause Alicenstraße 3 aus statt Wer ihn gekannt, weiß was wir an ihm verlieren. Von Kranzspenden bitten wir abzusehen Heute entschlief nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, Mutter und Schwiegermutter Frau Frieda’Vogel geb. Lenz im 45. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Johannes Vogel Mariechen V ogel Theo Schneider Nachruf. Heute morgen verschied nach längerem Leiden unser lieber Mitarbeiter Herr Julius Grünewald aus Wieseck Wir verlieren in dem Verstorbenen einen lieben, treuen Kollegen, dem wir stets ein ehrendes Andenken bewahren werden. Die Angestellten und Arbeiter der Firma Oroßhandelsgesellschaft Strauß & Co. Rödgen, Muschenheim, Gießen, 1. Januar 1929 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Januar, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehaus aus. statt •008 1 Heute verschied unser treuer Mitarbeiter Herr Julius Grünewald aus wieseck Wir betrauern in ihm einen braven, fleißigen Menschen von vorbildlicher Pflichterfüllung und werden ihm für allezeit ein ehrendes Andenken bewahren Heute morgen 8 Uhr entschlief sanft nach langem schweren Leiden unser lieber herzensguter Sohn, Bruder und Verwandter Julius Grünewald im Alter von 27 Jahren. Nachruf! Am Montag morgen verloren wir durch den Tod des Herrn Julius Hrtnew« einen lieben Nachbarn und trotz seines schweren Leklens einen immer frohen Gesellschafter. Freundinnen und Freunde Todes-Anzeige Heute mittag 3 Uhr verschied sanft nach langem schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Schwägerin Frau Elise Halber Ä Erb im 76 Lebensjahr, welches wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten schmerzerfüllt mitteilen. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, Vater, Schwiegervater, Großvater und Schwager Wilhelm Weil (ehemaliges Landwirtschaftskammermitglied) im Alter von 73 Jahren nach kurzem Leiden in ein besseres Jenseits abzuruien. I. N. der trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharine Weil Familie Wilhelm Weil Witwe Familie Eugen Weil. Lang-Göns, Oberhörgern, den 2. Januar 1929. Die Beerdigung findet Freitag, 4. Januar, nachm. I1/? Uhr statt 180 35A Nr. l Zweites Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fist Gderheffens Mittwoch, 2. Januar 1929 0er Gkandal der „Gazette du Franc". Don unserem L- dl.-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Paris, Ende Dezember 1928. Zwei Gesichtspunkte gibt es in diesem famosen Skandal der „Gazette du Franc", der jetzt ganze Spalten in der Pariser Presse ausfüllt: Einerseits offenbart er eine Gaunerei von gigan- tischen Ausmaßen, die, von ihrem Umfang abgesehen, im Grunde genommen eben doch nichts anderes ist. als eine Gaunerei. Andererseits aber ist der Skandal hochpolitisch und wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf Frankreichs Politik und Presse. Äes allein ist für uns von Interesse. Daß zwei Leute ohne Recht und Gesetz mit Hilfe von ein paar anderen Filous 30 Millionen Mark zusammenschrappen konnten, das ist höchst gleichgültig für uns, deren Pfennige nicht mit dabm waren: es wird immer naive Menschen geben, die an finanzielle Wunder glauben, unb es wird immer Schelme geben, die sich dieser Naiven gebührend annehmen. Was bemerkenswert an dieser Geschichte ist, das ist die A r f und Weise, mit der das saubere Pärchen Hanau-Bioch sich die Kanäle des provinzialen Geldes öffnete. Ich will nicht behaupten, daß die Methode neu wäre, aber „Madame" Hanau — ein zweifelhaftes Frauenzimmer — ist an diese Kanäle mit einem unvergleichlichen Geschick und vor allein mit einer tiefen Kenntnis der Politischen und journalistischen Bühne Frankreichs herangeschlichen. Die Käuflichkeit der französischen Presse war schon lange vor dem Kriege ein öffentliches Geheimnis. Man braucht nur einmal die Korrespondenz der diplomatischen und finanziellen Emissäre Rußlands in Paris mit ihren Ministern zu lesen, um eine Idee davon zu bekommen, wie französische Blätter ein .befreundetes unb all'iertes Land" schröpften. Rach dem Kriege hat sich das Feld dieses einträglichen Geseiftes erheblich vergrößert. An die Stelle des einen Petersburg, das nur murrenb und ewig schachernd zahlte, traten Warschau, Prag, Bukarest, Belgrad, Sofia und viele, viele andere. Diese alle müssen zahlen, ohne handeln oder murren zu dürfen. Aber außer den Alft- ierten und diesen Kleinstaaten, die die ftanzö- sischen Blätter zur 'Rentenzahlung zu veranlassen wissen, gibt es noch andere Geldquellen: höchst seriöse und unglaublich patriotische französische Blätter, wahre Hüter der bestehenden Gesellschaftsordnung und überzeugte Verfechter des heiligen Privateigentums wie etwa der „Temps" finden nichts dabei, sich von Zeit zu Zeit mit den schlimmsten Feinden dieser Ordnung und dieses Prinzips einzulassen — mit den Bolsche- wisten. Jüngst erst hat die „Action Francaise" mit Angabe pikanter Einzelheiten die Geschichte einer llebcreinkunft erzählt, die der „Temps" 1923 mit den Sowjets schloß, in welcher sich dieses Blatt für eine respektable Summe Schweizer Franken (svonzöfischc lohnten sich ja dmnals nicht) zu einer Kampagne für die Anerkennung bei: Sowjetregicrung durch Frankreich verpflichtete. Es ist auch kein Staatsgeheimnis, daß ein anderes großes Pariser Blatt, das vor zwei Jahren eine heftige Fehde gegen die Sowjetregierung führte, noch vor vier Jahren ein rundes Sümmchen für günstige Rachrichten über die Sowjets erhielt. Dabei' muß man wissen, daß solche „Gemütsbewegungen der ftanzösischen öffentlichen Meinung", soweit sie von Alliierten mit Geld her- vorgerusen werden, der französischen Regierung vorher stets bekannt sind. Andererseits ist es sehr schwierig, in den großen französischen Blättern eine Information zu finden, die den großen Banken mißliebig sein könnte. Ein Beispiel: tm Laufe emes im Jahre 1925 von dem Direktor einer fvanzö- fischen Bankfiliale im fernen Osten angestrengten Prozesses kam es heraus, daß die Bank von Parts mit Riesensummen den Frank herunter- zuspekulteren geholfen hatte. 'Als diese Geschichte in der „Times" erzählt war, berichtete der Pariser Korrespondent dieses Blattes, der sicher keine leichtfertigen Anklagen erhebt, und der sehr genau weiß, was er sagt, kein einziges Pariser Blatt habe diesen Teil des Prozehberichtes abgedruckt, da alle großen französischen Blätter im Solde der Banken stünden. Wir dürfen hinzufügen, daß auf diesen Borwurf vis heutigen Tags noch kein einziges französisches Blatt geantwortet hat... Obwohl nun die Käuflichkeit der französischen Presse beinahe bis auf die Höhe der einzelnen Preise bekannt ist, glaubt das französische Pu- blikum, besonders der Provinzler, blind an seine Zeitung. Rechts wie links. Madame Hanau hatte die glühende Idee, diese Leichtgläubigkeit der Leser, diesmal der Leser radikaler Blätter, zu einem Raubzug auf deren Taschen auszunuhen: Madame Hanau hat einfach das finanzielle Bulletin der einflußreichsten radikalen Zeitungen von Paris und der Provinz gekauft, u. a. das des ..Quotidien", des „Reveil du Rord", der „Depeche de Toulouse" usw. Sie zahlte dem „Quotidien" z. D. 280 000 Franks monatlich für die Pacht des Bulletins unter der Bedingung, dies s e l b st oder durch ihre Beauftragten zu redigieren, wobei benierft werden muh, daß das Bulletin selbstverständlich unter die moralische Berantwortung des „Quotidien" fiel. Die Leser des „Quotidien" oder des „Reveil du Rord" nahmen die guten Ratschläge und bfe Empfehlungen entgegen, die ihnen die Hanau-Bloch in verschiedenen Formen vorletzten, Und wenn solche Empfehlungen, mit denen die Hanau die naiven Leser geradezu überschüttete, bei diesen eintrafen, dann geschah das in einer Form, daß diese glauben mußten, Herrtot selbst sei der Ratgeber gewesen. Run, die Erfahrung hat gelehrt, daß die Pressegewaltigen aus dem radikalen Lager, wie z. B. der Herausgeber d s„Quotidim", sich ebenso leicht und nicht viel teurer t> er taufen als ihre Kollegen aus dem Lager der Rationalisten. Es ist immer wieder jene, wenn nicht direkt juristische, so doch moralische llnverant- Wörtlichkeit der Leiter des frcrnzösischeit Journalismus, die es dem Paar Hanau-Bloch so leicht machte, seine Betrügereien im großen d»rrchzuführeir. Das alles hat aber der Hanau nicht genügt Sie faßte den noch viel „genialeren" Gedanken, ihre Machenschaften unb Betrügereien von den angesehensten und geachteftrn Politikern, wie Poincare, Driand, Herriot und Paul-Boncour decken zu lassen, und gründete zu diesem Zweck eine besondere Zeitung für die Verteidigung des Frank, „La Gazette du Franc". Dieser edlen Ausgabe gesellte man schließlich auch die Verteidigung der Ideen des Völkerbundes und des Pazifismus bei... Der geniale Zug der Hanau zeigte sich aber nicht allein in der Gründung eines politisch-finanziellen Organs, das so hohe patriotische Ziele verfolgte, sondern: auch, und vielleicht noch mehr, in der Aufforderung an Pierre Audibert, die Leitung dieser Zeitung zu übernehmen. Wer ist Pierre Audibert? Für ganz Frankreich — ein niemand: er ist weder Schriftsteller noch Journalist, noch Poll- ttter; aber für jene ganze kleine Clique (auch das republikanische Regime hat seine Cliquen), die die Männer der französischen Politik umgibt, war Pierre Audibert ein Kamerad, einer von jenen, die alles Vertrauen genossen, und denen man nichts abschlagen konnte. Pierre Audibert wurde Direktor des Sekretariats von de Mon- z i e, als dieser Minister war. In jener Eigenschaft machte Audibert das schöne und auch das schlechte Wetter. Er hatte auch alle Aussichten, aufs neue denselben Posten bei de Monzie oder einem anderen Politiker zu erhalten. Audibert fand also überall offene Türen, und es war ihm ein leichtes. Interviews, Unterschriften und Empfehlungen für die „Gazette du Franc" zu erhalten, Empfehlungen sowohl von Bertbelot als auch von Poincare. Unglücklicherweise ist es ein bezeichnender Zug für den französischen Parlamentarismus, daß alle jene Staatsmänner, die so leichter Hand Interviews für die „Gazette du Franc" gaben, und Artikel schrieben, die Spalten dieses Blattes nur als eine Mauer betrachteten, auf die sie ihre Reklamezettel flehten. Sie legten sich keine Rechenschaft darüber ab, was mit den übrigen Artikeln und mit den sonstigen. Unternehmungen der Frau Hanau bezweckt wurde, fragten sich auch gar nicht, wer denn jene hervorragende Frau wäre, und woher sie das Geld nähme, um den Frank zu verteidigen und Lobeshymnen auf den KelloZg-Pakt und den Völkerbund zu fingen. Für dte naiven Leser der „Gazette du Franc" jedoch bürgten die Flamen Bri- ands, Poincares und Paul-Doncours für den gesamten Inhalt der Zeitung — einschließlich der Reklame für die Unternehmungen des Paares Hanau-Bloch. Und der Leichtsinn der Leiter der französischen Politik, die einen Teil der moralischen Verantwortung für die Vergehen der Frau Hanau tragen, dieser Leichtsinn bildet zusammen mit der Käuflichkeit der radikalen und der nichtradikalen Journalisten sowie deren UnveraM- wortlichkeit den Grund dafür, daß die Affäre Hanau-Bloch zu einem regelrechten politischen Skandal, zu einer Staatsaffäre, geworden ist. Das Wirtschaftsjahr 1928. Von Dr. 3ng. Georg Gothein, ehem. Veichsschatzminister. Auch eine wirtschaflliche Iahresrundschau roirl unseren Lesern neben der politischen willkommen sein. Mehr als je bestimmen heute neben den ideellen Faktoren die materiellen die Gestaltung des öffentlichen Lebens. Einer der besten Kenner wirtschaftlicher Verhältnisse ergreift in Nachstehendem das Wart. Das Wirtschaftsjahr 1928 zeigte kein erfreuliches Gesicht, ^roar brachte es im Gegensatz zu 1927 eine quantitativ wie qualitativ bessere Getreidernte, die unsere Handelsbilanz durch ein Mindereinfuhrbedürfnis günstiger gestalten dürste. Aber dem Plus von 1 Millian Tannen Roggen, 0,3 Millianen Tannen Weizen, 0,2 Millianen Tonnen Gerste stand ein Minus van 0,2 Millianen Tannen .Hafer und fo gesunkene Preise gegenüber, daß der Erntewert mit 4209 Millionen Mark hinter dem des Vorjahres noch um 275 Millionen Mark zurückblieb. Dazu kam eine sehr ungünstige Rauhfutterernte, eine mäßige Kartoffel. eine nur wenig größere Zuckerrübenernte bei andauernd rückgängigen Zucker- und Rübenoreisen. Die bis Mai schweren Verlust bringenden Schweine» preise hoben sich allerdings auf einen für Züchter und Mäster lohnenden Stand, lagen für Schlachtrinder aber andauernd unter Varkriegspreis, was sich angesichts der teuern Kraftfuttermittel und der gestiegenen Frachten befanders nachteilig auswirkt und zu einer umfangreichen Eigenverfütterung von Roggen und Gerste führen dürfte. Für tierische Erzeugnisse, für Kälber und Schafe konnten dagegen die Produzenten befriedigende Preise erzielen. Alles in allem hat sich aber die Lage der Landwirtschaft kaum gebessert, für die Rübenbauwirtschaften angesichts der rapide steigenden Rohrzuckergewinnung, der hohen Zuckerzölle und der Prämienwirtschaft der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, des Dumpingexportes der Tschechoslowakei und Polens und der Einschränkung polnischer Wanderarbeiter sogar recht ernst gestaltet. Rach wie vor klafft die Preisschere stark zuungunsten der Landwirtschaft, die niedrige Preise erzielt und — von künstlichen Düngemitteln abgZehen — alle ihre Bedürfnisse weit teurer bezahlen muß wie früher. Von wenigen Gegenden abgesehen, hat sich demnach auch die Kaufkraft der Landwirtschaft nicht gehoben. Ilm fo weniger, als ihre Selbstkosten — vor allem Löhne und Steuern — weiter gestiegen find. Richt günstiger war die Wirtschaftslage der 9 n > b u ft r i e. Vom Spätherbst 1927 ab schwächte sich die Konjunktur langsam ab. Manche wollten das nicht sehen und machten den Weiterblickenden den Vorwurf, die Konjunktur totzureden. Als ob man die Nachfrage mit einer Vogelstraußpolitik steigern könnte! Gewiß kein Konjunkturabsturz, keine Krise! Aber der innere Markt büßte langsam an Auf- nahmefähigkeit ein. Die schöne sozialdemokratische Theorie, jede Steigerung der Löhne bewirke eine solche Zunahme der Kaufkraft der breiten Massen, daß die Vollbeschäftigung der Werke deren Selbstkosten und damit die Preise senke, wurde durch die Tatsachen grausam desavouiert. Die Ausnutzung der Detriebsanlagen ging trotz fortgesetzter Stilllegung von bei dem gesteigerten Lohnniveau mit Verlust arbeitenden Werken zurück. Die Preise gerade der industriellen Fertigwaren, an denen der Lohnanteil besonders hoch ist, stiegen erheblich', im Innern ging der Verbrauch zurück. Die Lager des Handels füllten, der Zahlungseingang verschlechtere sich, die Zahl der A rbeitslosen und Kurzarbeiter stieg. Schon vor der Aussperrung in der Metallindustrie Nordwestdeutschlands war die Arbeitslosenzahl um z Million größer als zur gleichen Zeit des Vorjahres und fit steigt weiter. Und das, trotzdem nach dem Jahresbericht des Gewerkschaftsbundes die Verhandlungen der Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden in 1927 eine Jahreslohnaufbesseruiig von 1148 30111- Nonen Mark und gegen das Jahr 1925 eine solche von 5268 Millionen Mark gebracht haben und im ersten Halbjahr 1928 die tarifmäßigen Stundenlöhne der gelernten Arbeiter weiter um 5,1, die der ungelernten um 5,4 v.H. gestiegen waren. Der Industrie wurden die Produktionskosten durch steigende Löhne und Soziattasten, durch Steuern und Gebühren fortgesetzt verteuert. So wurden Eisenbahngütertarise durch- schnittlich um 11 v. H. erhöht, noch weit mehr die Postgebühren, während in England die Steuer gesenkt und die Bahntarife ermäßigt werden. Die englische „Economist" schreibt: „Die Zeiten, wo die deutschen Werften uns große Aufträge wegnehmen konnten, find vorbei. Heute vermögen die deutschen Schiffbauer nur ganz geringe Aufträge für sich zu buchen. Seit jener Zeit ist nämlich der deutsche Stahl erheblich teurer geworden, der britische bat sich wesentlich verbilligt. Dasselbe gilt für die Brennstoffe. Deutsche Kohle kostet feit 1924/25 pro Tonne einige Mark mehr und britische Kohle ist für einige Schilling pro Tonne herabgesetzt worden. — Die Transport kosten sind dort bedeutend höher als hier. D-w ausländische Schiffbau geht im ganzen zurück, während sich unsere Wettbewerbsfähigkeit bessert." Die überaus ungünstige Lage der deutschen Schiffswerften fand im Berichtsjahr in den Stillegungen und Zahlungseinstellungen großer Werften, wie des Sultan und der Nüscke Werft in Stettin, der Schichauwerft in Elbing, der Werft Jansen & Schmiellnski in Hamburg, der Tecklen borgroerft in Bremen, der Flanderwerft in Lübeck, in der Zusammenlegung und Stillegung anderer bc rebten Ausdruck. Trotzdem wird seit dem 1. Oktober auf sämtlichen deutschen Seeschiffswerften gestreikt. Recht ungünstig arbeitete auch der Steinkohlenbergbau. Weitere zahlreiche Fördeschächte mußten stillgelegt werden. Die Löhner Höhung im Frühjahr zog höhere Inlandpreise und Verminderung des Absatzes nach sich. Der scharfe Wettbewerb der englischen Kohlengruben im sog. bestrittenen deutschen Gebiet führte ebenso wie der polnischen zu Verlustpreisen im Auslaird. Bei gesteigerten Selbstkosten verringerte Durchschnittserlöse. Wo nach Dividenden und Ausbeuten gezahlt wurde, geschah das — wie das Schmalenbach-Gutachten erwies — meist auf Kosten der notwendigen Gießener Giadttheater. Brandim Thomas: .Eharleys TaMc". Die gute alte Tante. Sie ist offenbar un° verwüsllich. Immer wieder wird sie ausgekramt, abgestaubt, ausgeputzt, frisiert und onduliert. Besonders zu Silvester. Wie viele Theater haben sich seit Jahrzehnten gegen Ende Dezember auf diesen englischen Schwank besonnen, der sich vor seinen unzähligen deutschen, französischen und sonstigen Geschwistern in der Bühnenliteratur durch eine, man möchte sagen: hemmungslose Ausnutzung der Situationen auszeichnet. Und durch die immer wieder ihre gang besondere Anziehungstrast ausübende Hauptrolle, die falsche, verkleidete, untergeschobene Tante, männlichen Geschlechts, des Offocber Studenten Eharleh Wykeham. Diese Rolle ist eines der wenigen berühmten Gegenstücke zu vielen großen und begehrten Hosenrollen der internationalen Theaterliteratur. Eharleys Tante spielte in Berlin — es ist noch gar nicht so lange her — Werner Krcmh. Der große Krauß, der sonst Wallenstein. Hannibal, Gneiseiran und andere sehr männliche Gestalten der großen Historie darzustellen liebt und wundervoll lebendig macht. lieber den Inhalt etwas zu sagen, würe auS mehreren Gründen durchaus vecsehtt. Wenn man daran erinnert, daß alles auf dem Doppelspiel mit Eharleys echter und untergeschobener Tante beruht, welche ein zu. diesem undankbaren und mit tausend Peinlichkeiten verbundenen Geschäft gepreßter Student und Collegekamerad des jungen Charley darzustellen unternimmt —. wenn man das ins Gedächtnis zurückruft, dürfte der Pflicht des Reserenten in diesem Punkte reichlich Genüge getan sein. Die Aufführung unter Golls bewährter und verständnisinniger Regie, von Silvesterlaune beschwingt, mit Musik (unter Leitung von Franz Bauer) verziert, ganz und gar aus entfesselte Heiterkeit und moderne Gesten, völlig auf Parodie und groteske Wirkung geftünmt*. sie wurde ein großer, ein stürmischer, ein richtiger Jahreswechsel-Erfolg, der einen vortrefflich gelungenen Ausklang darstellte. 'Besonders der zweite Aktschluß gestaltete sich mit Wiederholung. Applaussturm und Hervorrufen zu einem festlichen Ereignis. Die revueinätzige Aufmachung der verschiedenen Einlagen und die sehr lustige, farbenfreudige Dekoration von Karl L ö f f l e r. die sich der ornamentalen Mitwirkung von Puppen, Teddybären, Katern, Schaukelpferden, Kläpperstörchen und Papierschlangen bediente, bereitete dem Sil- vesterpublikum sichtlich viel Vergnügen. Als die falsche Tante, prachtvoll ausstafsiert mit wallender Robe und blonder Perücke, feierte Baste, beweglich, fix, witzig, mit Gesang und Tanz, wahre Trimnphe. Auch alle übrigen waren in guter Laune bei der Sache. Dis blonden Eton-Jünglinge K n u r und Wes euer lEharley), die mit Stch'chleisen, Söckchen. Zipfelröckchen und aufgepapptem Herzen ausgestotteten Plapperback, siche Scherer, K r a h m e r und Jahn. Die echte Tante ans Brasilien, wo die Affen wohnen: Lieselotte Fuhrmann, sehr elegant Ebert-Grassow und Gareis, zwei ältere Kavaliere von lächerlicher Verliebtheit. L i n k- m a n n, ein barockes Faktotum mit bemerkenswerter Revuebegabung. — Alles in allem: eine heitere Vorbereitung aufs Bleigiehen. Or. Th. Nansen über Amundsen Der Tod des „letzten Wikingers" Roald ‘21 munöfen, der von der norwegischen Regierung durch einen Ralionaltrauertag begangen wird, gehört zu den erschütterndsten Ereignissen des vergangenen Jahres. Das Bild dieses modernen Helden hat fein großer Landsmann Fridtjof Raufen in einem ergreifenden Rachruf gezeichnet, der in „Reclams Universum" veröffentlicht wird. „Für alle Seiten wird er dastehen, als ein Typus für sich in der ganzen Geschichte der Erforschung der Erde," sagt Ransen, „als ein Typus, entsprungen aus den tiefsten Wurzeln des Volles. So unglaublich kurz scheint die Spanne Zeit, seitdem er feine Laufbahn begann, und jetzt ist diese für immer abgeschlossen. Aber welche Großtaten umfaßt die Spanne Zeit! Die Erforschung des ..Magnetischen Nordpols", die Rordwestdurchfahrt, die Eroberung des geo- graphischen Südpols, die Rordostdurchfahrt und damit die Amschiffung des ganzen nördlichen Polarmeeres und schließlich ben Flug über dieses Meer und über den Rordpol selbst. Es war gleichsam eine explosive Kraft in Amundsen, als ein glänzender Stern tauchte er an dem bewölkten Himmel des norwegischen Dolles auf. Der strahlte in Ausbruch auf Ausbruch. Dann erlosch er jäh, und wir blicken wieder auf einen teeren Platz im Raum." Ransen läßt feine Erinnerung zurückschweifen in die Zeit vor 27 Jahren, da ihn Amundfen zum erstenmal aufsuchte und üjm seinen Plan vorlegte, den Magnetischen Rordpol zu erforschen. Der erfahrene Polarforscher sah sofort, daß dieser junge Mann einen eisernen Willen und eine erstaunliche Klarheit feiner Ziele offenbarte, daß in ihm ein neuer Entdecker ersten Ranges erstehen werde. Er hatte sich gleich ein Schiff gekauft, um sich Erfahrungen zu erwerben und eine Fangreise ins Eismeer zu unternehme,:; mit der Beute hoffte er, die Kosten der Fahrt zu decken. Das Materielle stand bei ihm stets im Hintergrund, und doch bildete es eine der großen Schwierigkeiten, die er im Leben hatte. Auch als er dann zu seiner nächsten großen Leistung, der Eroberung des Südpols, aufbrach, hatte er die Expedition auf das glänzendste vorbereitet, doch machte ihm die Geldfrage soviel Schwierigkeiten, daß er davon müde wurde. .,Es zeigte sich bald, daß die Mittel, die er hatte, bei weitem nicht ausreichten", schreibt Ransen. „Haushalten und Wirtschaften war nun einmal nicht Amundsens starke Seite. Eine zuverlässige Rechnung der wahrscheinlichen Kosten einer Fahrt aufstellen und dann diese Berechnung einhalten, das konnte er nie. Die Ausgaben fliegen auf das Mehrfache dessen, was er angeseht hatte, und er schnitt immer wieder schlecht ab. Das bereitete ihm vielleicht die größten Hemmnisse in seinem ganzen Wirken und verbitterte ihm oft das Leven." Doch kein Mißerfolg konnte feine unbeugsame Willenskraft schwächen. Das zeigte sich besonders bei seinem Plan, über den Pol zu fliegen, der an Kühnheit alle seine früheren Pläne übertraf. Als er diese Leistung vollbracht hatte, da hatte er alles erreicht, was er sich vorgenom men hatte und stand endlich am Ziel. Er war kein Wann der Wissenschaft, aber durch feine Fahrten hat er unsere Kenntnis von der Erbe außerordentlich erweitert unb unschätzbare Ausbeute mitgebracht; nur toar er nicht dazu zu bewegen, sich an der Bearbeitung der Ergebnisse zu beteiligen. „Ebenso wichtig wie all die wissenschaftliche Ausbeute war die Tat selbst, und das war es wohl auch, was Amundsen lelbst als das wichtigste ansah. Der Jugend unserer Zeit ist er dadurch ein leuchtendes Vorbild geworden. Alles, was er tat, ist erfüllt von seinem zähen, mutigen Willen. Sein ganzes Mannesalter und alles, was er hatte, opferte er der Arbeit, die Ideale seiner Jugend zu verwirklichen. Unb bann, als er die Tat vollbracht, kehrte er zu den Weiten des Eismeeres Zurück und sand ein unbefamxte8 ®rab unter dem reinen Himmel der Eiswelt, wo der Flügelschlag der Ewigkeit den Raum erfüllt. Aber von bet großen weißen Stille wird, umstrahlt vom Rordlicht sein Rame bet Jugend Vorwegens durch bte Jahrhunderte leuchten. Männer mit Mut, mit Willen, mit Kraft, wie sie Amundsen eigen waren, sind es, die uns Glauben an unser Geschlecht, die un3 03 er trauen auf die Zukunft geben. Die Welt ist noch jung, die solche Söhne hervorbringt." Hochschnlnachnchien. Der durch den Weggang t?s Professors Dr. Emil Wehrle an der Handelshochschule 'Nürnberg frei werdende Lehrstuhl der Volkswirtschaftslehre wurde dem Honorarprofessor Dr. rer. pol. Swen Hekan - der an der Universität K. e l angeboten. Zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls der romoNischen Philologie an der Universität Bonn (nu Stelle des Geh. Rats W. Meyer-Lüdke) ist ein Rus an den Ordinarius Dr. Ernst Robert Curtius in Heidelberg ergangen. Curtius' Sondergebiet ist die neuere französische Literatur. Er ist ein geborener (Elfäffer (geb. 1866 zu Thann). Seine Leh' rer waren der Romanist Gröber unb in der Philosophie Th. Ziegler unb W. Winbelband. Seine akademische Laufbahn begann Dr. Curtius Michaelis 1913 als Privatdozent in Bonn, wo er später zum Extraordinarius befördert wurde. 1919 wurde er nach Marburg als Nachfolger von Wechsiler unb 1924 nach Heidelberg als Nachfolger von Fritz Neumann berufen. Berufungen nach Pofen, Dresden unb Frankfurt a. M. hat Professor Curtius abge- lehnt. — Der durch bas Ableben des Professors E. Steinitz au der Universität Kiel erlebigte Lehrstuhl der Mathematik ist dem a. o. Professor Dr. Theodor Kaluza an der Universität Königsberg ongeboten worden. Der ordentliche Profeffor für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Frankfurter Universität, Dr. jur. Earl Grünberg, ist zum 1. April 1929 von ben amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. — Der durch die Emeritierung des Prof. Stefan Lorck an der älniversität Köln erledigte Lehrstuhl der romanischen Philologie ist bvm ordentlichen Professor Dr. Hanns Heist in Freiburg siD. angeboten worden. — Der Lehrstuhl für deutsches bürgerliches Recht an der Universität Greifswald a*n Stelle von Prof. W. Schönfeld ist dem ordentlichen Professor Dr. Franz Beyerl« an der Universität Basel angeboten worden. Abschreibungen. »»fonber» traurig lagen bt» Der. HSUntsse im Waldenburger Revier, wo schließlich der Staat helfend eingreifen mußte. Besser Im ober, schlesischen, dem durch den Zollkrieg noch die pob irische (ostoberjchlesische) Kohle ferngehalten wird and in den Braunkohlenrevieren, die Förderung end Brtkettfabrikation weiter zu steigern verachten. „ Die Verteuerung der Kohle durch die Erhöhung ler Löhne wie Frachten, die Verkürzung der Sir beitMdt steigerten auch die Selbstkosten der eisen- schossenden Industrie. Höhere Eisenpreise brachten bei der stark nachlassenden Aufnahmestibig- teil des Inlands trotz der Besserung auf dem Aus- iandmarkt keinen Ausgleich. Durchschnittserlös und Beschäftigung gingen zurück. Im September war die Rohstahlgewinnung um 186000 Tonnen, die Walzwerkserzeugung um 185 000 Tonnen niedriger als im September 1927. Hob sie sich auch angesichts der drohenden Stillegung im Oktober ein wenig, jo hat diese doch In den weiter arbeitenden Ge- üieten wie Oberschlesien umfassende Feierschichten nicht zu verhindern, geschweige Preissteigerungen derbeizuführen Die vollen Läger der Händler deckten den laufenden Bedarf. Die durch den verbindlich erklärten «chlichterspruch diktierte Lohnerhöhung kann nicht durch Preissteigerung kompensiert werden. In den ersten neun Monaten verschlechterte sich die deutsche Kohlenbilanz um 170 Millionen Mark. Weit härter al» die Eisen schossende wird durch ihn die Eisen verarbeitende Industrie: Kleineisenindustrie, Maschinenbau usw. betroffen, bei der eine Rentabilität seit Jahren nur noch uei ganz wenigen Unternehmungen besteht. Dio meisten arbeiten mit schworen Verlusten. Wo noch ein Gewinn erzielt wird, steht er außer iedem Verhältnis zu den hohen Zinsen, die für Kredite bezahlt werden müssen. Am allerjchlimmsten ist der Lokomottybau trän; die Bestellungen der Reichsbahn fehlen. Wohl hat sich die Ausfuhr dank der Güte des deutschen Fabrikats gehoben, aber sie erfolgt bei der billiger arbeitenden Konkurrenz des Auslandes ohne Gewinn. Ebenso trotz hervorragender technischer Fortschritte bei der Automobil fobrikation. Trosllos war die Lage der Schuhindustrie, die der billig arbeitenden tschechischen Konkurrenz nicht mehr gewachsen ist. Aus einem starken Exportland sind wir darin ein ganz überwiegendes Einfuhrland geworden. Die tschechischen Löhne sind halb so hoch wie die deutschen, die französischen um 30 bis 40 v. H. niedriger. Die Ungunst des Wetters — spätes Frühjahr, langer, schöner Herbst — verdarb do» Geschäft noch besonders. Gut beschäftigt war die Pelzzurichterei, leidlich die Ledersabrika- tion. Leinen-Spinnerei wie .Weberei litten unter der Teuerung und der schwierigen Beschaffung von Flachs; sie dürfte ihre Kapazität kaum zu 4 ausgenützt haben. Die Wollspinnerei litt unter dem weit billiger arbeitenden Wettbewerb Frankreichs, Belgiens und der Tschechoslowakei, die Weberei unter dem schlechten In- landabsatz, während sich die Ausfuhr unter Preis- opfern noch steigern lieh. Gut beschäftigt war die Sammet-, die Teppich- und Möbelst o f s w c b e r e i. Auf» schwerste Zu kämpfen hatte die Baumwollspinnerei gegen die Kon- kurrenz der vorgenannten Länder und Italiens, teilweise auch Oesterreichs. Auch In Geweben war sie von Frankreich und dem Elsaß so empfindlich, daß gegen den französischen Handelsvertrag Sturm gelaufen wird. Die mangelnde Aufnahmefähigkeit de» Inlandes zwang namentlich in bedruckter Ware zu vermehrter Ausfuhr. $n Strümpfen und Wirkwaren ließ sie nach, da diese immer mehr von Kunstseide verdrängt werben. Deren Industrie hotte noch ein recht gutes Jahr zu verzeich- nen, aber auch hier droht die Ueberproduktion und die Verdrängung bisheriger Produktionsmethoden durch neue. Bei dem deutschen Kapitalmangel dringt selbst in sie immer mehr das ausländische Kapitol ein. — Die Konfektion klagte bitter Über stockenden Jnlandabsatz, gefüllte Läger und schlechten Zahlungseingang. Auch sie litt arg unter dem anormalen Wetter. In Tonwaren » Steinzeug - und Porzellanindustrie war der Innere Markt etwas aufnahmefähiger; teilweise konnten Preiserhöhungen durchgejetzt werden; doch war die tschechische niederländische, französische und belgische Konkurrenz auf dem innern wie auf dem auswärtigen Markt ehr empfindlich. Aehnkich war die Lage der Glas- nbuflrie. die jedoch in optischen und photographi- chen Gläsern die Ausfuhr etwas zu steigern per» mochte. Sin gute» Fahr hatte die chemische Industrie. die auch in den Erzeugnissen Der chemi- schen Großindustrie, In Düngemitteln, in pharmazeutischen Erzeugnissen — nur wenig in Farben — ihre Ausfuhr steigerte. Ebenso infolge fortschreitender Konzentrative und Rationalisierung die Kaliindustrie bei verstärktem Absatz nach In- und Ausland. Wirtschaft migen '21 e; -T—. , Zeitalter der Trlasformation. Sah« 1927 acht Paar» getraut wurden, fand Im vergangenen Jahr« kein« elnzigeTrau - un g statt, ein selbst für unser kleines Lors seltenes Begebnis. ArciS Friedberg. * anrerikanischm Zink- Produzenten sich an dem europäischen Zinkkartell sowohl In bezug auf ihre iiüandische Grzeugung als auch die Sinstellung ihrer Ausfuhr beteiligt hätten, gibt G.S. Brooks, der Präsident der von der Anaconda Copper Co. kontrollierten Giesche, Sp. Akc.. eine Erklärung ab. daß die,e Behauptungen falsch seien, da ein solches Abkommen den amerikanischen Antttrustgesehm widersprachen würde. _ • Kapitalerhöhung der Deutsch- Oftafrikanischen Gesellschaft, Berlin. Die Verwaltung her DeutsÄ-Ostasrirant- schen GeseNschast, Berlin, beabsichtigt, ihrer auf den 21. Januar 1929 einberufenen außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des Grundkapitals um 1,5 Millionen Mark neue An- teile vorzuschlagen, die den alten AnteilSinhaLern zu Pari zum Bezüge angeboten werden sotten. Das bisherige Grundkapital beträgt 3 Millionen Mark. Das BezugsverhältniS stellt sich also auf 2; 1. Die Gewährung dieses günstigen Bezuges ist bet Gesellschaft möglich, nachdem die Sntfchädi- gungssvage endgülttg geregelt worden ist. DaS jetzt zu Ende gegangene Geschäftsjahr verspricht zufriedenstellende 'Resultate. Mit der Ausschüttung einer Dividende kann gerechnet werden. Frant.urter Börse. Frankfurt. 2. Jan. Tendenz zurückhattend. ab. • freundlich. — Am ersten Börsentaae im neuen Jahrs machte sich eine größer» Zurückhaltung bemerk- bar. Die Grundstimmung war aber wieder freund- lit»', da ungünstig lautende Meldungen kaum Beachtung fanden, Der pessimistisch gehalten» Jahresbericht der Düsseldorfer Handelskammer und die weitere Konjunkturabschwächung, die im Bericht der Dresdner Bank zum Ausdruck kommt, traten ganz in den Hintergrund. Dagegen fand der feste Schluß der letzten Neuyorkcr Börse und die glatte ileberwin- düng des Zahltages ein» günstige Beurteilung. Der Jahresbericht de» Reparationsagenten Parker ® Ite bert wurde mit Stllllchwelgen ausgenommen. In daß eine Auswirkung nach irgendeiner Seite schlecht sestzustellen war. Die Spekulation übte Zurückhaltung und schritt nur zögernd zu neuen Engagements. Das Ge chöft war daher recht klein und be|chrankte Das gleiche ist von der kartellierte« Paprer- wie von der Kautfchuktnduftrie zu berichten. Auch die elektrotechnische I n d u st r i e war für Stark wie in Schwachstrombedarf des In- und Auslandes recht gut beschäftigt. Nicht minder die R a d i o l n d u st r I e. Auch der Musikinstrumenten, ebenso wie der sonstigen Jnstrumentenindustrie fehlte es nicht an Aufträgen. Das Baugewerbe war ungleich, im großen ganzen aber nicht unbefriedigend beschäftigt. Die Zcmentfabriken nutz, ten ihre Kapazität nur etwa zur Hälfte aus, erziel, ten aber durch Festhaltung der Jnlandpretfe gute Gewinne. Das Handwerk war sehr ungleich beschäftigt. Alle Installateure hatten voll zu tun; überwiegend — nach stiller Zeit im ersten Vierteljahr -- auch die Bauhandwerter. Der steigende Fleischverbrauch kam dem Fleischerhandwerk zugute, das mit gutem Gewinn arbeitete. Trotz rückgängigen Brotver- brauch) auch das Bäckerhandwerk. Dio moderne kurze Haartracht der Frauen und das Glattrasiert- sein der Männer gibt dem Friseurhandwerk reichliche lohnende Beschäst'.gung. Unbefriedigend war diese für Schneider und Schuhmacher, namentlich m landwirtschaftlichen Gegenden^ auch für Tischler, Stellmacher, Schmiede und Sattler. Letztere waren gut für den Karosseriebau beschäftigt. Der Kleinhandel litt unter starker Heber- setzuna bei wachsender Konkurrenz der Warenhäuser und Konsumvereine und bei hohem Preisniveau unter rückgängiger Kaufkraft namentf ch in den landwirtschaftlichen Gebieten, aber auch in den von längeren Streik» und Aussperrungen betroffenen. Allgemein wurde über schlechten Zahlungseingang geklagt. Die Unterbringung deutscher Anleihen aller Art auf Auslandmärtten mar weit schwieriger als im Doriahr; kurzfristige Kredits wurden von ihm aber weiter gegeben. Das deutsche Publikum hielt sich vom Börsengeschäft zurück, da» nur bann Be- lebung zeigte, wenn das Ausland al» Käufer Im Markt war. Die Zinssätze stiegen weiter, trotzdem bei der geringen Inanspruchnahme de» Geldmarktes durch die Industrie eine gewisse Geldflüssigkett bestand. Ein trauriges Zeichen unserer völlig unge- ntigenben Kapitalbildung, woburch die Produktion»- kosten und Preist erhöht. Jnlandabsatz und Ausfuhr gedrosselt werden. Die großen Kapttalerhöhun- gen von Rordd. Loyd und Bemberg muhten dem Ausland überlassen werden. Gerade unsere besten Unternehmungen werden immer mehr überfremdet. Die Konjunktur des Jahres 1927 nannte man Eine geborgte. Die von 1928 war nur deshalb nicht noch stärker rückgängig, weif uns — wenn auch weniger — weiter geborgt wurde. Das deutsche Polt ist sich In allen seinen Schichten noch picht klar darüber geworden, baß es über seine Verhältnisse lebt; das die von ihm geführte Aerteuerungspolitik die ungeeignetste ist, zu gesunden Zuständen zu kommen. Deshalb sind auch die Aussichten des kommenden Wirtschaftsjahres feine rosigen. Obcrbeffen. Landkreis Gießen. k Rädgen, 1.Jan. Unter der gesch'ckten Lei» tung des Herrn Konrad Nicolai aus Großen- Buseck beging am Sonntagabend der Gesangverein „Konkordia" In Wagner» Saalbau ein diesjähriges Wintervergnügen. Der Saal war dicht besetzt, und die Gäste lauschten gespannt den schönen Chören, die der Verein sang. Nach inem Weihnachtsstückchen wurde eine kurze Operette, „Frühling am Rhein", flott gespielt. Arn Schluß der Veranstaltung sangen die Sänger unter Orchester- begteitung „An der schönen blucn Donau" von Strauß und erwarben sich damit reichen Beifall. s. Beuern, 1. Jan. Am Silvestertag ereignete sich hier ein bedauelicher Unglücksfall. Ein bei dem hiesigen Bäckermeister Muth zu Besuch weilende zehnjähriger Junge aus Lollar machte sich an dem Tor der Autyhalle zu schassen, wobei dieses umfiel und dem Jungen ein Bein zerschlug. Nach der ersten ärztlichen Hilfeleistung wurde der Verletzte in die Klinik nach Gießen verbracht. ri. L t ch. 1.Dm vergangenen Jahre ।anbei In der evangelischen Gemeinde Lich statt: 43 Taufen (1027; 45), 23 (19) Trauungen und 28 (26) Beerdigungen. Nach altem Brauch werden die drei ältesten der Beerdigten im DeujahrSgvttes- dienst von der Kanzel verlesen. Dies« drei, im Volksmrmd „die Kirchenältesten" genannt, waren diesmal Anna Margarete Schmidt geboren« Fuhr, die Witwe des Schreinermeisters Heinrich Schmidt (geboren 1840), Juliane Kretschmann Eyefrau geborene Fischer (geboten 1842) und Johann Heinrich 3 i m m «t VlIL, Bäcker und Landwirt (geboren 1641). r. 21 i e b e r - B e f s i n g e n. 1. Jan. Im Jahre 1928 sanden in unserer feinen, von Lich aus pastovierten Kirchsngemeinds 9 Taufen (1927 8) und 1 (8) Beerdigungen statt. Während im sich nur auf bevorzugte Werte, bis fedoch reckst lebhaft qehondelr wurden. Gegenüber den Schlußkurfen non Montag überwogen jedoch die Kursgewinne bi» etwa 1,5 v. H. Im fBorbergrunbe des Jntcreffes standen C h a d e a k t i e n mit plus 3 v. H. Auch Kupferwerte waren weiter verlangt und tonnten erneut bis 1 o. H. anziehen. Sonst bestand noch Nachfrage nach Siemens mit Plus 2 o. H. und Ehade- attien blieben gut behauptet. AmFarbenmorkt waren Farben mit plus 1 v. 5). etwas reger verlangt. Auch Schcideanitalt konnten bei etwa» v»r- mehrtein Jntecefst 8 v. H. gewinnen. Starker an« geboten waren am Mo ntanmarkt Rhsinifch » Braunkohlen mit minus 4 v. H. Buderus minus 1 o. H. Die übrigen Papier» waren durchweg etwas höher. Don Bankwerten waren ,42i) (.185 4,Sih 3J.h77 WLuii 1.19 ä -8,49 1.92» i.4l« LÄ U.M si.te 4.IM« 4, |W W3T 1,76h 5S.4M iu:il l'J.AHi 41.vy 20,401 t.E lü.4ö -1.00 «.53 0.60t 49.19 14.454 US IH N öl.5» 4.072 4.436 4.193 »Jlf ija'te 41.89 113.08 68,10 S,li 73.« Srahjoiffme Jtoren..... Holländische Noten ...... ^talttnifibe Noten ...... Nonvraiiche Vloini . . . . . Deuttch-oesteer, 41f® fTOJKB RumänUch» Noten...... Schwedisch' Moten...... Schwier RostN....... Spanische Note»....... äschechoilowakisch, fteten . ngarttche tOou» K tte.M iU.ail -1.9« 4.2015 16.446 Sl.üti -4.H3 l.Wtt 1.600 >9.4« U.4M l.iSO i3.84 W Äii 6.4to Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. et» bintn den Papieren angeführten Zistern geben Me Höhe der- zuletzt be1cbte>nentn Vlpldende an. — RelchSbankdlskont 7 Brvzent. LomdardzlnSsutz 8 -man. >«DtW nto opendagrn tockbvjm IftnaiBi». alten. . onbon. . . Neovork .. Patt«.... Schwelt .. St.au les. E? Wien tx D» Ctft- abodl vrtta • vudaveft. > tiitt, arten yifiahon Damt» • «onft.ntta, Biden Canal» Ura an ■ Breiilifurt 0- M »eriin lAhr- Schuhit ftllT» | Üniiong nur« Dotrmr: 31. ia a. i 31. 14. -Ltzrüpp pv^manii......1 140 .5 -•* fit 141.76 Hrtdeloergei (ierneit .... 10 138 175 138.5 W1 9 Cernent »atiftatt......8 — — 1 — Woyb 4 F«Ua§ ...... 10 t34.o 135,5 135 — Sdmitbc« ewehetn ... 16 "OT. y 328.5 Ollwcrtk ..... W 284.il — ■544 41 2enftoff^0«ftW ..... tt iS 4ti 483.4 44' 4Ä SeUltoh » ÖMtlPhenhuaet Aass« ... 1 208 UH.2<. 208 138.6 fcelfeun rmi>«uri e. M »ertto JrBiifciuna, *W Der in___ Schiub' Äniaäg bchlüß- .Uhr- aiutflna «v»W Äurs Äur» 1 feu»» Hure flur» Ä Datum 31. 12. | «... 31 12. 2 Tatuw ai. ii 2 1. 31.11 s 1. Lop^Bk «Oft«, «uv ttMtbM bti 18W 47 ..1 53 14.7» 14,75 L«.G. ...... ................ Stein. etelWM* • » * • • Licht unb Uralt ..... 8 • 10 16 ftdr -'33. b <83.5 261 19u.5 195 237 184.5 251.7a 195.--' 235. ü 18a.23 248,4 SV - Wien Gel- j- tzamv. Rhein- Schlei. Schuck« i (SutBeaume . . • • äetn. Uniexsu. . • . . « 10 150 26? 281 26b 4U% Sld-teische fca^Ctnil Gien» Seifest. JUL» atz. 8mi*ee»-e*8<*m. xfÄeWa I6»o SV. 8 iiV.6 - Ittetit. Werte . • • . Deltt........ lief». . ... Cf ...••« tt> V> . v 181,26 338.6 Jill 15k 134 17» 6 ■42Ö35 358.6 SISSMBCS::: 4,80% Veiten Sübeirtt. . . . • 4% ptftrnel» riatzeiü. Stt . • 4% tingvrW Mbl«. • • - 4% Un»«NsLr eteotti. d. 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An die Bundesmitglieder erfolgt dieses Vierteljahr die Ausgabe der neuen Mitglieds« und Eintrittskarten nicht durch unseren Kassenboten, sondern die erforderlichen neuen Ausweise sind umgehend in der Musikalienhandlung Challier gegen Zahlung des fälligen Vierteljahrsbeitrags für 1. Quartal 1929 in Höhe von Mk 5.— einzulösen. (16D iwisurscliiile tlMirgW.h Maschinenbau - Elektrotechnik Prospekt frei «o^der ei^jahr® de* a;;6es.rufen aus w?r Alte^ den schnell wachsenden Forderungen ihrer Zeit Rechnung zu tragen. Da wirft sich die Frage auf: Sind form bte bisherigen Inhaber berungen gerecht geworden? ihni bwfe »rag richtig beantworten zu können, müssen wir uns vergegenwärtigen, wie verschiedenartig bi hältnisse in den drei Generationen warm.. Sm Iabre 1829 als die Druckerei durch Georg Daniel Brühl gegründet wurde hatte-man in Deutschland fast nur Handpressen, im Buch druck sowohl, wie iin Steindruck. Die mgren, von ihrem Erfinder Friedrich König herg^tellten Duchdr-ucklchnellpressen fanden um d^se^it e^t zögernd in Deutschland Eingang, so in Augsburg Berlin, Magdeburg, etwa 20 Jahre g in England. In kleinen Druckorten bürgertest sich die Schnellpressen erst viel spat^t em. schon wegen der hohen Anschaff ungi-kosten. Handab ziehpressen, ähnlicher Att, wie Gutenberg sie auch benutzt hat, dienten zur Herstellung ^der typographischen Drucksachen, Steindruck-Han^ pressen zur Gewinnung von kkthvgraplstchen zeugnissäi. wie Formularen. Tabaksetiretten und war also ^uch- und Stern- bruder und. wie wir gleich erfahren, auch Buchhändler. Rach dem, was uns über kommen ist, muß er ein tüchtiger Sachmann gewesen sein. Er stammte aus Biedenkopf, machte sich hier 1828 seßhaft und kam zunächst »um.Er theilung der Eoncesslon zur Emnchtung einer Kunst-, Musilalien- und Verlagshandlung ern ^ Diese wurde ihm am 10. April 1828 erieur. pflanzt. Das Neue, das Alte, verknüpfe, gestalte Zum ewigen Bund der lebendige Sinn. Ein Sängerchor, zusammengestellt aus Angehörigen aller Betriebsabteilungen, fang hierauf unter Leitung des Herrn Gutjahr den feierlichen Chor „Das ist der Tag des Herrn". Im Anschluß an Die Rede des Chefs des Hauses sprach zunächst als der dienstälteste, soeben mit der goldenen Gedenkmünze ausgezeichnete Mitarbeiter Herr Hermann Ette: Ich darf wohl annehmen, daß mir als dienst- ältestem Angestellten Vollmacht erteilt wird, im Ramen der heute mit einer Auszeichnung bedachten Mitarbeiter unseren herzlichsten Dank für die ehrende Würdigung unserer Arbeit im Dienste der Brühlschen Druckerei hiermit auszusprechen. Ein oft angewandtes Sprichwort lautet: Geteilte Freude ist doppelte Freude!; ich möchte dieses Sprichwort ändern in den Satz: Geteilte Ehrung ist doppelte Ehrung; die uns gewordenen Auszeichnungen ehren nicht nur die damit Bedachten, sondern tn hohem Matze auch den Betrieb, der seine Mitarbeiter eine Re ihe von Jahrzehnten zu halten versteht. Persönlich empfinde ich eine besondere Freude darüber, daß es mir vergönnt war, seit über einem halben Jahrhundert Zeuge und Mitarbeiter an dem Aufstieg der Brühlschen Druckerei gelten zu sein. Dieses freudige Rückblicken auf langjährige Tätigkeit teile ich mit denen, die heute ebenfalls einer Auszeichnung gewürdigt wurden. Die Rückschau auf unsere Mitarbeit trübt uns aber nicht den Blick in die Zukunft, von Der wir hosten, daß auch sie die Brühlsche Druckerei auf der Höhe findet, die unser schönes Handwerk ihr anweist. Richt zum fröhlichen Jagen, aber zum mutigen Wagen und Wirknt, von der Mitwelt bewundert, hinein ins zweite Jahrhundert. Darauf sprach im Ramen des gesamten technischen und Hilfspersonals Der Vorsitzende des Betriebsrats Herr Heinrich Schneider: seinem Tode weiter. Bei der Uebernahme des Geschäftes durch mich im Jahre 1898 waren die Räume in der Schul- strahe schon wieder zu eng. Deshalb benutzte ich gerne die sich bietende Gelegenheit, das an das Hinterhaus anstoßende Gebäude, Kanzleiberg 9, auf dem wir uns hier befinden, zu erwerben. Bald er= tand auf dem Hofe dieses Grundstückes ein kleiner Teilbau, der sechs Jahre später, 1904, zu dem jetzigen, hinter uns liegenden Druckereigebäude erweitert wurde. . . Während also Redaktion und Setzerei im alten Hause blieben, sanden Druck und Plattenherstellung, sowie die Auslieferung der Zeitungen in dem kleinen Neubau statt. Aber auch diefe Erweiterung konnte den Raummangel nicht lange beheben, ganz abgesehen davon, daß die alten Arbeitsräume den zeitgemäßen hygienischen Ansprüchen nicht mehr genügten. So entstand 1907 der oben erwähnte geräumige Bau mit Linoleumbelag, Entstaubungs- anlage, großen Fenstern in hohen Räumen und Zentralheizung. Die alten Schnellpressen wurden durch neue ersetzt, 1913 kam zu der alten Ratations- maschine eine neue löseitige mit neuer Stereotypieanlage hinzu. In den letztverflossenen Jahren mußten neue schnellaufende Druckpressen angeschafft werden, die mit automatischen Anlegeapparaten versehen wurden. Mit der ersten Rotationsmaschine hielt die erste Typograph-Zeilen-Sctz- und Gießmaschine ihren Einzug, sieben weitere gesellten sich dazu, nach dem Kriege noch zwei Linotype- und eine Intertype-Setz- und Gießmaschine. Nach der Inflation tarn auch eine Monotypeanlage und die Erweiterung der Buchbinderei hinzu. Nunmehr ist die Ißfeitige Rotationsmaschine durch eine 32seitige ergänzt, um den Druck der Zeitung noch schneller und sicherer bewältigen zu können. Beide Maschinen haben im Erdgeschoß dieses Zeitungsanbaues Aufstellung gefunden. Warum diese dauernde Vervollkommnung der maschinellen Einrichtungen? Weil wir vor dreißig Jahren bei der Uebernahme des Geschäftes durch mich etwas mehr als den fünften Teil der jetzigen Auflage druckten, weil wir die Zeitung früher mit den Nachmittagszügen nach außerhalb beforberten, jetzt mit den Mittagszügen. In vier Stunden muh etzt das Redigieren, Setzen, Drucken und Expedieren der Zeitung bewerkstelligt werden, früher druckten an manchen Samstagen eine Doppelfchnell- preffe und mehrere einfache Schnellpressen fast »en ganzen Tag an der Bewältigung der kleinen Auf- laae jetzt benötigt eine Rotationsmaschine anderthalb bis zwei Stunden zum Druck der weit höheren Stückzahl, fertig gesalzt und eingesteckt. Darüber wie Die Dritte Generation ihre Aufgabe gelöst hat, urteilt bei der Zeitung die große Gemeinde Der Leserfchast, Die sich besonders bei unserem Zeitungsjubiläuni im Jahre 1925 von allen Seiten und aus allen Devolkerungs. schichten zum Wort gemeldet hat. Der Ausfall dieser Urteile hat uns alle, Die wir an Der nugtuung erfüllt. UnD feit dieser Zeit haben wir nicht gerastet, vielmehr den Weiterausbau gesördett. Ob wir auch in Der Druckereiabteilung Vor angenommen sind und vor allen Dingen gute Leistungen vollbracht haben, ergab sich einerseits aus Dem stetigen Anwachsen unseres Drualunden- kreises, Dem nicht nur hiesige Verlagsfirmen, son- Dem auch namhafte auswärtige Verlage angehören, anDererseits aus Der Bewertung unserer Erzeugnisse auf Den von uns beschickten Ausstellungen in Der Rahe und in der Ferne, zuletzt im Kriegsjahr 1914 in Gießen auf Der Gewerbe- schau, in Köln auf Der WerkbunDausstellung und in Leipzig auf Der Internationalen Buchdruck- ausstellung, Der Bugra. An Den Drei Plätzen haben wir — z. T. mit Dem Auslände — in scharfem Wettbewerb gestanden und ehrenvoll abgeschnitten. Wir alle haben ein Recht, stolz auf diese Leistungen zu sein. Daß wir auch seit 1914 trotz des verlorenen Krieges, trotz des Zusammenbruchs, trotz des jahrelangen Mangels an gutem Material — besonders in Papier und Farbe — oorangekommen find, möge auch im Rahmen einer kleinen Auswahl von Drucksachen gezeigt werden, die zusammen mit einer Uebersicht über die Entwicklung der Schrift heute und in den beiden nächsten Wochen tn Dem nahegelegenen Aus stellungsraum des Turmhauses am Brand öfsentiich ausgestellt sind. Dem Vorsitzenden des Oberhessi- schen Kunstvereins, Herrn Landgerichtsdirektor Bücking, sowie Herrn Oberbürgermeister Dr. Keller als Hausherrn danke ich für die Liebenswürdigkeit, mir Den Raum für Diese Zeit zur Verfügung gestellt zu haben. Sie alle. Die Sie hier aus Dem Betriebe versammelt sinD, haben an einem guten Gelingen unseres Werks Ihren Anteil, jeder an seinem Platze. Dafür Ihnen allen heute meinen herzlichsten Dank zu zu sagen, ist mir ein Bedürfnis. Daß verschiedene unserer Mitarbeiter schon über Die halbe Zeit unseres Betriebsjahrhunderts in Der Druckerei tätig sind, gereicht ihnen, wie dem Geschäfte zur Ehre. Es freut mich besonders, ihnen die von dem Deutschen Buchdruckerverein für langjährige Tätigkeit in dem gleichen Betriebe geschaffene Gedenkmünze mit Zustellungs- urkunde heute überreichen zu können, und zwar die goldene den Herren Loos, Elle, Ettel und Bender, Die silberne Den Herren B c ck und Lenz. Ich wünsche und hoffe, daß gleiche Ehrungen noch vielen meiner Mitarbeiter in Der Brühl'schen Druckerei beschieDen fein möchten. Den nächsten Markstein in Der Geschichte Der Brühl'schen Druckerei nach 50 Jahren werden wohl Die wenigsten unter uns erleben, Doch hege ich Den innigsten Wunsch, daß Der in unserem Betriebe waltende Gei st sich Durch die kommenden Generationen fort- Nachdem Der Gießener Anzeiger, der im Berlage der Brühl'schen Univerfitäts Buch und Stein- Druckerei R. Lange erscheint, bereits vor Drei Jahren seinen 175. Jahrgang hatte vollenD.n können, war am gestrigen 1. Januar 1929 Die hundertste Wiederkehr des Gründungstages der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lang e-gekommen. Dieses Ereignis war für Den Geschäftsinhaber und feine Mitarbeiter Anlaß zu einem frohgestimmten Feiertag, bei Dem der Geist der Werk- und Arbeitsgemeinschaft als ein alle umschließendes Band in bester Weise zutage trat. Am Tage vor dem Jubiläum hatte Der Geschäftsinhaber, Buchdruckereibesitzer und Verleger Richard Lange, alle seine Mitarbeiter durch eine Iubi - läumsspende erfreut. Der Festtag, dem strahlender Sonnenschein nach Dem wochenlangen trüben Winterwetter noch eine besondere Note gab, wurde mit einer Msrgenftier im obersten Saale des am Kanzleiberg unter Der Leitung des Architekten Ernst Schmidt (Gießen) neuerftanDenen Erweiterungsbaues Des Betriebsgebäudes eingeleitet. Zu dieser Feier waren neben allen Mitarbeitern als Ehrengäste erschienen Se. Magnifizenz Der Rektor Der LanDes-Universitat, Prof. Dr. Herzog, Provinzialdirektor Graes als GHief Der ProvinzialDirektion Oberheffen, Oberregierungsrat Dr. Heß als Vertreter Des Kreisamts Gießen, Landgerichtspräsident Neuen- hagen als Leiter der oberhefsifchen Justizbehörden, Bürgermeister Dr. 6 ei b als Vertreter des Oberbürgermeisters und Der Stadtverwaltung Giessen der Kommandeur des hiesigen 1. Batls. Jnf.- Regts 15 Major Lüter s mit feinem Adjutanten, Oberleutnant ©(ft euer Pflug, als Vertreter der Reichspostbehörden in Gießen Postdirektor Korber, Telegraphendirektor T e tz l a f f, Telegraphen- baudirektor Gabel, für die Industrie- und Handelskammer Gießen-Alsseld-Lauterbach deren Präsident, Kommerzienrat Schirmer (Gießen), für Die Gießener Bankenvercinigung BankDirektor Grießbauer (Gießen), als Vertreter Der Uni- versitats-Bibliothek Pros Dr. H e p D i n g ferner Stadtschulrat Prof. Dr. Alles (®ie6en), Ober- studiendirektor Henk (Gießen) Studienrat Prof. Oßwald, Prof. Dr Velke (Gießen), der Vorsitzende des Oberhefsifchen Kunstvere.ns Landge- richtsdirektor i. R. Bücking ( furchtbar demütigen wolltest.' „Joachim!" — Richthofen sprang in die Höh^ daß die Blätter und Briefe zu Boden flatteiten. „Als eine Demütigung hast du das aufgfafet? Do war's nicht gemeint! So nicht! Ich hab anders gerechnet, ich hab gedacht, es könnt doch einmal wieder ein Vergessen und ein Verzeil>«r fein, und dann wär der Weg von der Faorik in die Mariahilferstrafen nicht gar zu weit gwesn, für dich!" „So hast du gerechnet!" Hettingen liefe bis Arme schwer über die Lehne seines Stuhles hängen. „Poldl, ich bin dir gut, tote immer, nichts steht zwischen uns — das weifet bu! Aber noch einmal zu dir kommen — als Freier in drin Haus — das mufet du nicht erwarten — das nicht." um ein Fest zu feiern: Vor 30 Jahren Herr Lange den Betrieb übernommen, und zwar nicht als Fachmann. Herr Lange hat es aber verstanden, sich in die Welt des Duchdruckwesens einzuleben. Er hat ein außerordentliches Interesse für den Beruf mitgebracht und hat durch eifrige Arbeit feine Kenntnisse erweitert und vertieft. 11 n b wenn wir heute des Iubeltages der Drühl- fchen Druckerei gedenken, so müssen wir auch der Persönlichkeit gedenken, die seit 30 Jahren an ihrer die schwarze Kvnst die Wissenschaft ihre Verbreitung und Freizügigkeit bekam. Die Verwehrung der Universitäten setzte nicht ohne Grund zu derselben Zeit ein, wie die Auswirkungen der Buchdrucker- kunft. Die Professoren arbeiteten mit ihren Druckern zusammen die großen Ausgaben „ und wissenschaftlichen Werke aus. Dieses Pieta t s- yerhältnis hat sich bann, als die Selbstverwaltung der Universitäten immer mehr vom Staate aufgelöst wurde, m ein mehr geschäftliches verwandelt. Aber auch in diesem mehr äußerlichen Verhältnis waren die Beziehungen zwischen unserer Universität und der Brühlschen Druckerei immer sehr gut, ganz b e - sonders mit ihrem Kern, dem Gießener Anzeiger. So konnte die Universität vor drei Jahren bei dem Jubiläum des Gießener Anzeigers chren Dank für sein verständnisvolles Interesse an allem, was die Universität betraf, zum Ausdruck bringen. Wenn wir nun in die Zukunft schauen, so ist die G e s ch i ch t e der Drühlschen Duchdruckerei gerade in den letzten , „ . Jahrzehnten und Jahren ein ganz besonders er» als einer bewährten Pflcgcstätte edelster deutscher freuliches Vorzeichen für unser Volk, D— Hettingen liefe sich, seinen Hut zur Seite legcnb, auf tarn Staple nieder, in welchem zuvor Maria gesessen hatte. Sein Gesicht war noch etwas schmal und von schwachem Krlorit, aber Er schüttelte mißbilligend ,. _ Extreme, Mizzl, — einmal willst bu zu ihm gehn und dich vor ihm auf die Kicke toerfn — Generalleutnant von Oidtmau« Präsident der ^Hassia^. WSN. Darmstadt, 1. Ian. Mit Wirkung vom 1. Januar 1929 ab übernimmt Generalleutnant von Dlbtmann das Amt des ersten Präsidenten der ,ft)assia". Preußen. Kreis Wetzlar. -<5- Lützellinden, 30. Dez. Unsere Gemeinde wurde in diesem Jahre durch verschiedene außergewöhnliche Ausgaben sehr ift Anspruch genommen. Einige Arbeiten, die für hiesige Verhältnisse ansehnliche Beträge erforderten, haben die im Voranschlag für das laufenoe Rechnungsjahr angesetzten Betrage bei weitem überstiegen. Hierher gehört vor allem der Bau des neuen Gemeind «bullen ft alles, der mit 18 000 Mark veranschlagt war, aber nahezu 30 000 Mark erfordern wird, worin die Beihilfe des preußischen Landwirtschaftsministers in Höhe von 8000 Mark mit einbegriffen ist. Der Umbau des restlichen Teils des e l e l t r i f ch e n O r t s l e i t u n a 3- Netzes erforderte rund 5000 Mark. Um die Ge° meindekasie nicht zu sehr zu belasten, wurde eilt Drittel des Ortsleilungsnetzes bereits vor zwei Jahren umgebaut. Vor mehreren Monaten hat die Gemeinde mit den P l a n i e r u n g s a r b e i t e n des Weges an der „Alten Holzburg" begonnen. Da cs sich hier um beträchtliche Erdbewegungen handelt, dürften 3000 Mark hierfür kaum ausreichen. Zu der nachfolgenden Chaussierung dieses wichtigen Weges hat sich die Gewerkschaft Gießener Braun st einbergwerke vormals Fernie ver- tragiich verpflichtet, so daß unserer Gemeinde hierdurch eine bedeutende Kostenersoarnis entsteht. Durch den Bauunternehmer Al l e n o ö r s e r hat die Gemeinde in diesem Jahre auch verschiedene W e gebauten vornehmen lassen, die einen Kostenaufwand von mehreren tausend Mark erforderten. Es handelt sich hierbei um den Ausbau des Weges „Am Bitzen" in Länge von mehreren hundert Meter, ebenso wurde eine größere Teilstrecke des Weges „An der Tränk" ckaussiert. Die zum Wegebau erforderlichen Steine wurden in einem eigenen Bruche .der Gemeinde gewonnen. Mancherlei dringende Pläne harren im kommenden Jahre noch der Verwirklichung. So ist der Plan der Erbauung eines neuen Gemeindebackhauses in Erwägung gezogen: zwecks Erbauung einer zentraleit Wasserversorgungsanlage sollen innerhalb unserer Gemarkung Schürfungen vorgenommeit werden, ferner ist die Einrichtung einer elektrischen Heizung in der Kirche vorgesehen; außerdem sollen wieder verschiedene Wegebautcn ausgeführt werden. Die jährlichen Haupteinnahmen unserer Gemeinde begründen sich auf einen ansehnlichen Waldbesitz, auch hat sie in den letzten Jahren durch bedeutende Geländeoerkäufe in den nördlichen Gemarkungsteilen an die Gewerkschaft Gieße.reff Braunsteinbergwert erhebliche Einnahmen erzielt. » 11 hatte. Die G/ESSEN*MX£USBU£>G ICT 22* 33V komplett, fast neu. gerriucher 2 Straße 74, etnzureichrn. 21D 26D Inventur Ausverkauf o fenjOMin Adolphe I l 1 e rufamet ==s Rabatt auf sämtliche anderen Waren \ Herrenkonfektion / Tuchhandlung 1I350D 3C Der Wahlkommissar. Louis Marcus. 10% Rabatt auf Einzelstücke u. zurückges. Sachen GIESSEN Goethestrafee 22 Eisu-,Ma:,:Betten“: Ftahltnatratzen. günstig an Private. Katalog 565 frei, Rlaenmttbelfnhrlk KnhI iThiirhuf.). Donnere-og, öen 3. Januar 1929, nncümUtonB 2 Uhr, versteigere ich im Littven, Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung, bestimmt: 1 Ladeneinrichtung ramounf film im verleii Der«, seüAlsvoWeSer In Eletzen Sielniirane 13. WW geiiet. Für die Pooinzinl-Pflegeanttalt in Gienen wird zum 1. Februar 1029 ein int Kochen bewandertes Mädchen als Beiköchin gesucht. Bezahlung nach Tarif. Meldunnen unter Anschluß von Beuanisadschrtsten sind sofort bei der Direktion der Pro» vinztal-Pfleaeanstatt in Wirken, Ltcher beginnt am 3. Januar. Auf alle nicht herabgesetzten Waren, Markenartikel ausgenommen 10% Rabatt Die Wahlakten über die am 30. Dezember 1928 erfolgte Wahl des Vorstandes der Israelitischen Religionsgemeinde Die» ßen liegen während dem 3., 4. und 5. Januar 1929 in der Wohnung des Unterzeichneten — Vlicenstraße 2 — zur Einsicht der Beteiligten offen. 25- Dießen, den 2. Januar 1929. su lagen: Li- tm ' oartn ein M- is ihnen u£,„e, lSn'6 'S wr !k ! id,,ön* r/M i,b'« Ä,"nb mii 2 8iÄi“nb *s ** ««km ad» auch ?°ben. Dor 3bet $rSnl» N b.ele i !ftr ÄÄ hob. jJSQm liann ift du Jr*',r otm Wui. Inventur-Ausverkauf ” eiW bad m ihrenf iki: '9« gemorbtn! 1 1 rit^eÄna Sßlfl Üb-NZ AsrK- S v Ksw; ft M ich auf wJmu ich _ fofll SeÄÄ" »nicht .;A Ö-6.S KM । " nfl * Drucksachen aller Art stattung stilrein und preirverl die Vrübl'fche Univerfitatr-Vruckcrsi. 8. Lange, Sieben. Stbulftr. r schmeckt Wurst und Schinken noch einmal so gut Aber welche Nachteile hat In der Räucherung der al e gemauerte Räuchcrschrank, wie er tum Schaden seines Besitzers noch oft verwendet wird. Er bietet nicht genügend Schutz gegen Ungeziefer, hat selten genügend Luftzirkulation und wird leicht feucht. 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Unsere Gemeinde che durch vtrschiedene he Ausgaben sehr m il'nige Slrbeilcn, die für hie- ehiUiche Beträge erforderten, schlag für das laufende 'M- i Betragt bei veilem überort vor allem der Lau de; Ibullenflallts, der mit M «ar. aber nahezu 30000 worin die Beihilfe des preuhi- Ministers In höhe von 8000 n ift. Der Umbau des test' lriichenvrtsleslunar. und 5000 Mark. Um die Erseht zu belasten, wurde ein igintßei bereits vor zwei W nehreren Monaten hat die De- onlerungsarbeiten der n holzdurg" begonnen. Da er lljch, Erdbewegungen handelt, erfür kaum ausrcichen. Zu der i((itrung dieser wichtigen t Sewertschast 4itB«ntf werke vormals Fernie ver- o tat i* ; 5 Tage kostenlos i zur Probe! B H B 9 NiiliBmiaaBiiiaiaaaaaBd 10223V Viele tausend Anerkennungen bestätigen die hervorragende Wirksamkeit des „Karfort-Inhalator mit dem Nebelsporn“, Man lese z. B. die nachfolgenden, hier wörtlich und mit vollen Adressen wiedergegebenen Zuschriften: Starker Katarrhl Gleichzeitig kann ich es nicht unterlassen. Ihnen meine Bewunderung über die Wirkung Ihres Apparates auszusprechen. Ich halte schon mehrere Wochen einen starken Katarrh, verbunden mit einem gual- vollen Lüsten, der nun durch Ihren KarsorteInba- lator inner bau» acht Tagen verschwunden ist. Also an dieser Stelle meinen bergt Dank für Ihre Liste durch den Apparat. Gießen, Grabenstraße 6, t. Fritz Leib, Musiklehrer. * Rachenkatarrh I Ich teile Ihnen gerne mit, daß ich mit Ihrem mir zugesandten Inhalator mit dem Rebelst)orn sehr zufrieden bin. Ich hatte mehrere Apparate probiert, konnte aber keine Besscrung erzjeien. Nach bwöchent- sichern Gebrauch Ihres INyalatvrS war ich meinen Rachenkatarrh los. Pfassendorf, Krs. Koblenz. Filltnger, Tel.-Inspektor. * Asthmal Der von mir für meine Frau gegen Asthma bezogene Inhalator hat sich sehr gut bewährt und kann ick denselben jedem Aflhmaleidenden warm empfehlen. Er fördert den Schieimauswurf und wirkt wundervoll aus die übrigen Atmungsoranne, so daß Evkaltungserscyeinungen nwisteus im AnsangSstadtum erstickt werden. Auch ist Der Betriebsstoffverbrauch (Inbalationsvl) so gering, daß ich es wohl csis das billigste und vollkommenste Heilmittel gegen dieses Leiden bezeichnen kann. Ernsthckrsen (KrS. Frankenberg/Eder). Stationsmeister a. D. A. Bä hing. * Bronchialasthma! Ich fühle mich berufen, Ihnen für den übersandten Apvarat bestens zu danken. Da ich schon mehrere Mittel erfolglos genommen hatte, »vor ich auch erst Im Zweifel mit Ihrem Apparat, aber jetzt «lach acht- wöchentlicher Benutzung Ihres Karsort kann ich Ihnen unttellen, daß ich ein wahres Wunder erlebt habe. Nicht nur gebessert hat sich inesn Leiden, sondern es ist bald völlig geheilt. Ich kann nur jedem, der mit einem solchen Leiden (Bronchialasthma) behaftet ist, dazu raten, sich einen Karfort-Inhalator anzusckaffen, denn bann hat er das Richtige gewählt. Ich werde stets bestrebt sein, Eie weiter zu empfehlen. Vilbel/Lesstn, Frankfurter Straße 81. Andrea» Siehl. ♦ Seit langen Jahren schwere Atemnotl Seit langen Jahren leide ich an schwerer Atemnot und besonders in letzter Zeit an zunehncender starker Verschleimung. Alle möglichen angewandten Mittel zeigten keine ober eine kaum merkliche Erleichterung. Ddr von Ihnenprobeweise erhaltene und nun 2% Tage benutzte „Karfort-Inhalator" hat mir In dieser kurzen Zejt eine über alles Erwarten große Besserung gebracht, so daß ich diese segensreich« Erfindung jedem Leidenden nur wärmsten« empfehlen kann. Selbstverständlich behalte ich diesen Apparat und überweife Ihnen mlj gleicher Post auf Ihr Konto «Cetvitg 84631" den Gegenwert in Höhe von Mk. 9,—. Darmstadt, Leinrich-Fuhr-Straßc 11. Emil Birnbaum. * Uebertrlfft die Erwartungen! Mit dem tpir zugesandten Karfort-Inhalator bin ich sehr zufrieden und übertraft derselbe In leber Be- ziehung meine Erwartungen. Ich hatte feit beinahe 2 Jahren einen Rachenkatarrh und auch neuerdings einen starken Bronchialkatarrh. Nach 3—4 maliger Inhalation verspürte ick, schon große Erleichterung, und nach einigen Tagen bürte der duften gänzlich auf, so daß ich jetzt nach 14 tägigem Gebrauch trotz meines hoben Alters (74 Jahre) gänzlich befreit bin. Ich Werde nicht verfehlen, Ihren Karfort-Inhalator zu empfehlen, wo ick nur kann. Klingenberg am Main. Rud. Schilling. Luftröhrenkatarrh I Am 20. 4.1927 bezog ich von Ihnen einen Karsort» Inhalator. Seit etwa 1 Jahren litt ich an starker Verschleimung der Bronchien und bekam noch im März d. I. einen mich furchtbar quälenden Luft- röbrenkatarrh, der trotz allen angewandten Mitteln nicht besser wurde. Nachdem ich Ihren Inhalator etwa 6—7 Tage in Benutzung batte, war mein Leiden schon viel besser und ist jetzt vollständig verschwunden. Ick bin sehr froh, daß ich Ihren Inhalator mir schicken ließ. Ich werde Ihren Inhalator in meinen Bekanntenkreisen auf das wärmste empfehlen. Frankfurt a. M./Siid, Paradiesgasse 45. August Fröfchle. ♦ Bronchialkatarrh I Der Karfort-Inhalator ist unversehrt imgekommen. Nachdem ich denselben jetzt 5 Tage bemrtzt habe, kann ich es nicht unterlassen, ihnen über den überraschend günstigen Erfolg Mitteilung zu mad>en. Eine schwere Grlppeerkrankung hatte einen so starken Bronchialkatarrh aut Folge, daß ich wegen heftigen Lustenanfcillen keine Nachtruhe mehr hatte und wegen starker Verschleimtma oft in Erstickungsaefabr kam und deshalb aus Angst häufig aus dem Bette sprang. Nach fünftägiger Inhalation bin ich. Gott fei dank, vollständig von diesem Leiden befreit. Ick kann Ihnen nur mellte volle Anerkennung zollen nno danke Ihnen von Aergcn für die Ailfe in großer Not. Ich werde den Apparat wegen feiner ausgezeichneten Wirkung und bequemen Handlichkeit überall einpseh- len. Auck bet meinem mehr als zehnjährigen Nasen- und Rachenkatarrh spüre ich schon große Besserung. Lämmerspiel, Kreis Offenbach a. M. Keller, Rektor. * Asthma verschwunden I Ihr Karfort-Inhalator hat mir wunderbar geholfen, mein Asthma ist verschwunden und ich kann Nachts ruhig schlafen. Ich hätte Ihnen meinen Dank schon früher ausgesprochen, aber da ich in diesen Sachen sehr vorsichtig bin, weil Ich schon verschiedene Sachen hatte, habe ich ihn richtig auSprodiert imd er ist jedem Leidenden zu empfehlen. Ich habe ihn fchoy vielmals weiterempfohlen. Frankfurt a. M.-Niep, Neuste. 14. Ferdinand Bracht, Friseur. * Chronischer Katarrhl Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen meinen wärmsten Dank für den mir gelieferten Apparat auszu- sprechen. Wider alles Erwarten hat er uns in ftounen versetzt. Meine Frau leidet seit drei Jahren an einem chronischen Katarrh nebst Lüsten, an dem sie oft halb erstickt ist. Da laS ich von Ihrem Inhalator, den ich mir gleich kommen ließ. Er wirkte wie ein Wunder, nach 14tägigem Gebrauch war der Lüsten verschwunden und sie ist wieder ganz glücklich. Mein Schwiegersohn und besten Schwager bestellten daraufhin jeder einen Apparat. Ich werde bemüht sein, beu Apparat in meinem Bekanntenkreise zu empfehlen und sage Ihnen nochmals meinen besten Dank. Bergen, KrS. Lanau. Friedrich Still. Asthmal Ich bestätige hiermit den Empfang Ihres Rarfort- Inhalators. Ich bedauere sehr, daß ich erst jetzt durch einen Freund auf denselben aufmerksam gemacht wurde. Ich leide an schwerem Asthma unb muß bestätigen, daß ick nach kurzem Gebrauch Ihres Inhalators eine bedeutende Uhtberung verspüre. Ich kamt wieder leicht atmen und daher auch gut mar» schieren. Ich spreche Ihnen meinen verbmdlichsten Dank aus und iverde Ihren Apparat bei allen Freunden und Bekannten aufs wärmste empfehlen. Lampertheim. Franz Berg, Schneidermeister. * Luftröhrenkatarrh I Ich bestätige gern, daß Ihr Karfort-Inhalator ein mißerordentllch erfolgreiches, dabei mud wirkend s Bekamvftmgsmittel akuter Luftröhrenkatarrhe bar- stellt. Er dürfte zu den wenigen Lett Mitteln zählen, welche stets Erfolg haben, sofern man sich der kleinen Mühe des regelmäßigen Gebrauchs mrtcrjfebt. Meine ftarfe katarrhalische Erkrankung war nach sechswöchssntsichern Gebrauch des Apparates wie wcggehkasen. Siegburg, Kaiserste. 78. Dr. Wcibeler. * Chronischer Rachenkatarrhl Nachdem ick Ihren Karfort-Inhalator mm zwei Jahre im Besitz habe, kann ich mir erlauben, xin Urteil darüber abzugeben. Ich hatte den Apparat wegen einem dauernden Lustenreiz angcsclmfft. Dex Arzt nannte ed „chronisci>en Ri^heniatarrh", derselbe ist vollstchtvig verschwunden. Es kommt überhaupt eine Erkaltung der Atmungsorgarre bei mir nicht mel>r vor. Sobald ich merke, daß etwas hn Lalse nickt fttmmt, nehme ich den Apparat und nach ein- bis zweimaligem Gebrauch ist alles wieder in Ordmmg. Bemerken möchte ich noch, daß ich mich als Jäger viel und bet jeder Witterung draußen aufhalte. Ihren Inhalator empfehle ich bei jeder Gelegenheit. Niedersü-eL/Dillkrs. Adolf Maage. ♦ Ueber ein Jahr BrustkatarrhI Möchte Ihnen mitiellen, daß ich püt Ihrem Kar- fort, Inhalator sehr zufrieden bin. Ich litt schon über ein Jahr an Prustkatarrh. Seit dem Gebrauch des Karsort-INhalatprs fühl« ich mich wie neu geboren unb kann Ihren Apparat einem jeden empfehlen. Besse, Kreis Fritzlar, Ganfcweide 14. Konrad Rausch. * Jahrelanger quälender Husten I Durch den Gebrauch Ihres Karsort-InhalatorS bin Ich wieder ein gesunder Mensch geivorden. Ich werde ben Apparat jedermann empfehlen. Mein jahrelanger, quälender Lüsten ist nach dem Gebrauch Ihres Apparates verschwunden und ich kann wieder Treppen steigen, ohne Beschwerden zu hoben. Kassel, Ludwigstraße 1 III. Selene Svlzhauer. Schwerer Bronchialkatarrh, Atemnotl Der von Ihnen bezogene Karfort-Inhalator bat und fehr gute Dienste geleistet. Meine Frau hat feit Monaten einen schwere» Bronchlqlkatarrh und sehr bartnödlgcn Lüsten; ick batte eine schwere Atemnot. Wir sind vollständig von unseren Leiden in kurzer Zeit befreit. Ich muß Ihnen meine vollste Anerkennung und vielen Dank sägen unb werde den Karfort-Inhalator meinen Freunden und Bekannten aufs wärmste empfehlen. Kassel, Oberste Gasse 20,1. L Paul Dubig. * 10 Jahre Bronchltlsl Der von mir bei Ihnen Anfang d. I. bestellte Inhalator hat sich sehr gut bewährt. IchJitt feit nahezu 10 Jahren an akuter BronchitiS. Bei erst- maliger Benutzung des Inhalators löste sich Schleim in ungeheurer Menge. Die Bronchitis ist fast verschwunden. Sie haben mit Ihrer Erfindung der Menschheit viel gegeben. Nehmen Sie meinen besten Dank ent- gegen. Labe verschiedentlich Ihren Apparat emp- fohlen. Frankfurt a. M., Frankenalle« 161. Sonja Brunner. * Kopfschmerzen und Schnupfen I Vorigen Monat erhielt ich Ihren Karsort-In- balator mit dem Nevelsporn und möchte Ihnen hierdurch meinen berjlicbften Dank «uSsprechen. Ich kann sagen, daß ich meine nervösen Kopfschmerzen und den Schnupfen vollständig los geworden bin. Großalmerode, Bez. Kassel, Gelsterstraße 308. Fran Mart« Mepwirth. ♦ Schweres Bronchialasthma! Teile Ihnen freundlichst mit, daß bet Karfort-gn- haiator meiner Frau unb mir sehr gute Dienste gc- leistet hat. Er ist ein Wohltäter meiner Familie geworden. Meine Frau litt seit drei Jahren an schwerem Bronchialasthma, und nach viermaligem Gebrauch war eS vollständig verschivunden. LarleShausen bei Kassel, Am Kreuzstein 11. Dernh. Lohaus, Lokomotivflihrer. ch Heftiger Bronchlalkatarrhl Durch Vermittelung meines SobneS rourbe meiner Frau von Ihnen ein Karfort-Inhalator übersandt, da meine Tochter von einem heftigen Bronchial- katarrh befallen war. Ich kann Ihnen hierdurch Mitteilen, daß der Katarrh nach kaum dreitägigem Gebrauch vollständig behoben war. Kassel, Bahnhofstraße 25/27. L. Kunze. 20 Jahre Bronchlalkatarrh und Asthmal Ihr Karsort - Inhalator mit dem Nebelsporn, welchen ich schon feit Februar d. I. im Gebrauch habe, bat mir ausgezeichnete Dienste geleistet. Mein hartnäckiger Bronchialkatarrh und Astbmaleiden, die mir schon Uber 20 Jahre schwer »u schaffen machten, sind wie verschwunden. Ich spreche Ihnen nochmals meinen herzlichsten Dank aus und werde Ihren Inha- lator In meinen Bekanntenkreisen bestens empfehlen. Mainz, Bvppstraße 17, 1IJ. Jos. BvHland, Oberkellner. * Katarrhe der Lunge I Möchte Ihnen hierdurch unaufgefordert mitteilen, daß der mir gesandte Apparat stets zu meiner vollkommenen Zufriedenheit seinen Zioeck bei Katarrhen der Lunge erfüllt hat. Ich hielt mit meiner Begul- achtung so lange zurück, um auch eine nachhaltige Wirkung seslzusteUen, was ich hiermit bestätige. Nieder-Ingelhelni/^rhein, Garl^prcche 8. $ ♦ Asthmal Sprech« Ihnen für Ihren Karfprt-Inhalator meinen herzlichsten Dank aus und kann denselben jedem, der ein solches Leiden hat, bestens empfehlen. Ich leide schon lohgc Jahre an Asthma und fühl« mich, seit ich Ihren Inhalator benutze, sehr wohl. Spreche Ihnen nochmals meinen herzsichsten Dank aus. Nauhttm b. Riederbrechen, Kr. Ciniburg/Cohn. Alb. Knapp. * Hals wieder In Ordnung l Ich möchte nickt versa,unen, Ihnen für Ihren vor Jahresfrist gelieferten Inbalattonsapparat mehren herzsichsten Dani auSzussnechen. Durch übermäßiges Rauchen und schwere Erkaltungen hatte ich mir die AtmungSwege so verdorben, daß kein Mittel dauernd hals. Nur Ihrem Apparat allein danke ich es, daß mein LalS wieder in Ordmmg ist und ich ün (Aiiang- vvrein meinen Platz als Tenor wieder einnehinen kann. Offenbach/Main, Bivinarcksw.7 p. bei Schleicher. Heinrich Länglich. * Bronchlalkatarrh und Atemnotl Meine Tochter, jetzt 13 Jahre alt. litt seil drei Iabren an Bronchialkatarrh und Atenmot. Wir hohen viele Mittel angewandt, aber nichts Hai geholfen. Selbst ütt Sommer ist das Lind den Katarrh nicht los geworden. Daher waren wir erstaunt, als sich nach zivelmaligem Gebrauch Ihres Karfort- Inhalator der Schleim zu lösen begann (dicS haben wir vorher nur durch wockenlange Bettruhe und viele nasse Umschläge erreicht). Leute, nach uicMebn« tägigem Gebrauch, kann ich Ihnen mitteilen, daß der Katarrh sowie die K'urzannigkeit behoben ist. Ich fage Ihnen hiermit meinen besten Dank. Mawz-Mombach. Peter Leinweber, Schneidermeister. 5 Tage kostenfrei zur Probe schicke ich den „Karfort-Inhalator mit dem Nebelspom* Aerzten sowie allen Katarrh- und Asthmaleidenden ohne Unterschied der Person und des Standes. Genaue und deutliche Adresse mit Angabe von Stand oder Beruf erforderlich. — Wenn Nachnahmesendung gewünscht wird, bitte ich dies anzugeben; Porto, Nachnahme und Verpackungsspesen trage ich in diesem Falle. Carl Angus! lauere, Naumburg (Saale) 702. 8^-Z- ZL c a "Ms -ZMs 61-»OVO* £ i c o In offenem Umschlag als Drucksache 5 Pf. Porto, wenn außer Name und Adresse keine weiteren Zusätze. Probe-Bestellschein (Probesendungen werden nicht gemacht, ivetm Angabe von Stand oder Beruf fehlt.) Firma Carl AugustTancre, Naumburg (Saale) 702 Senden Sie mir, wie ün „Gießener Anzeiger* an geboten, unverbindlich, kostenfrei zur Probe a) den LauSapparat b) den Taschenapparat (Nichtgewünschtes durchstreichen) Dorname, Name, Staub (Beruf), genaue Adresse: (eigenhändige Unterschrift) laitttWr 1.-7 I 'M. unttrficht J" onitte a|t° Nichl mtte * W« Auguit Tancfe ' 6urä (Saale) 702 ÄÄÄ'» ;Ää km P , S,™- ^oftforti cutugl .Jl1»S?®Sro5«nfi«l. »Sssfe ®Wttt mit «na fc t>idt Dt^i 5^01*5« W> , 'ir Probe! '. I 10223V fronchlaltatarrh und .IMalor mit hm ^^rrn; 'T^Tfttb-us p. 3. im Erdrauu) '^toionb'unb Astbmalridrn, die Rk ftf.tr« zu i-basim madM ‘ 3* [hrcd>? 3^ '*?l< ^'Khl-md,0berhllner. ♦ der Lungel _ btattirf) unoufgtfr^SS: fl teöCMw meiner vou iMtUJÄ Wet Äatorr^ « “2. hLnil btfo* ♦ ider m ßr -ZW§ * „j Atemnot। Ikaiarrl; v"d ' 3tet, «' & <*?CÄrf al# SSöSftj „ItertnS^ fische«1 ■•'Ä02 _^fcirtP»*w Nr. 1 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsens ' 7 77K3T i „Der Kampf ums Matterhorn." Der neue Ufa-Bergfilm. Berlin, im Dezember. Die Hauptdarsteller dieses unter der lUgie m>n Mario 2 0 nnard und Ihmtio Mala- s omma gedrehten Hochsikmes sind: Das Matterhorn, Marcella Albani, LuiS Tren - k e r und Peter Boß. Es ist immer wieder ein Genuß, — bei dem bedauerlichen Mangel des deutschen Films an männlichen Männern — den herrlichen, wie aus Zirbenholz geschnitzten Kopf dieses Luis Lrenker zu sehm. Ein Genuß, sein naturnaheZ, ungekünsteltes Spiel zu erleben, dos eben kein Spiel ist, sondern Ernst. Gin Genuß, zu beobachten, wie er, der sich ferne Studiengelder als Bergführer verdiente, in Fels und Gletscher arbeitet. Genuß schon sein Schreiten und Springen. — Da t)at der andere, der mit ihm um das Matterhorn ringt, keinen leichten Stand. ‘ Aber der Mann mit dem feinen, sympathischen Engländerkops ist seiner Aufgabe in jeder Beziehung gewachsen. Er heißt Peter Boß. Man möchte ihn Wiedersehen. Ob diese beiden Männer mit der Pfeise im Munde trotzig vor der Hütte stehen oder mit Pickel und Seil an den exponierten Felszacken klettern. Es fällt schwer, einem von ihnen den Vorzug zu geben. — Marcella 'Albani spielt die Frau zwischen diesen beiden Männern mit schlichtem Ernst, ohne durch übertriebene Schauspielerei zu zeigen, daß sie eigentlich aus einer anderen Welt stammt. Selten ist ihre Schönheit so stark zum Ausdruck gekommen. Hof.en wir. daß Trenker in ihr endlich die Partnerin gefunden hat, die er seit langem braucht. Den stärksten Eindruck aber vermittelte eine andere Frau in diesem Film. Die prachtvolle Alexandra Schmitt als Mutter. Keine der fUmüblichen Aührmütter, sondern eine wurzel- haste alte Bäuerin, der man das »verfluchter Hund", das sie ihrem mißratenen Stiefsohn nachruft, gern glaubt, und die in einer ergreifenden Szene zwischen Lachen und Weinen die Zu- f schauer zu spontanem Beifall hinriß. — Wenn sich zu diefen Prachtmenschen noch der lebendigste und schönste aller Berge, das Matterhorn, s hinzugefellt, mit seinen steil aus der Ebene ousschteßenten Graten, seinem trotzig in die Wolken stechenden Kopf, feiner rauchenden Reoel- kappe, ist es dann ein Wunder, wenn eine Dild- reche von vollendetster Schönheit und packendster Gestaltung von den vorbildlich arbeitenden Ka- tr.e.’aLeuten Sepp Allgeier und Willy Winke r st e i n e.ngefangen werden konnte? Und doch! — Jedem wahren Freund der t Alpen, jedem, der weiß, daß Whymper, nicht, • wie im Programm zu lesen ist, ein englischer ii Tourist war, sondern jener eisenköpfige Eng- !. Lnder. der in jahrelangem verbissenen Bingen ■ zusammen mit Ea rrel. dem nicht minder ver- bisfenen und dickköpfigen Schweizer Bergführer. . Has Matterhorn bekämpfte, jedem, der seinen | erschütternden Sieg — der ein Pyrrhussieg war I in all seinen Phasen kennt, krampft sich das Sterz zusammen, wenn er sehen muß, wie hier mit Siefen, dem Alpinisten heiligen Dingen umge- gangen wird. Hätte dieses Wirklichkeitsdrama kenn nicht genug Wirkung gehabt, wenn es so 8 gezeigt worden wäre, wie eö sich tatsächlich abgespielt hat? Muh da unbedingt, um der sogenannten breiten Masse zu genügen, Kintopp- esfenz hinzugemipt werden? Muß da von Herrn Dr. Arnold Fank ein Kinoschuft er,unten toer- < Len, der mit hämischen Grimassen zwischen Whymper und Garrel Eifersucht schürt? (Glifsor Ma: L a g l e n spielt diesen. Schürer und erinnert durch übertriebene Mimik unangenehm an amerikanische Musterschufte). Ist die breite Maße wirklich so flach, daß sie das Maß an Tragik, das der Kampf um das Matterhorn in sich (5m Tag Film. Von einer jungen Gießenerin in Berlin. Das Geratter des Weckers schreckt aus dem Sch'af: 6.10 Uhr. Gebadet: aage?ogen. De: Kaffee muä stark fein; man ginnt sih lünf Minuten, da' ci ;u fih?n. 7 Uhr. Zwe.rnal tu et d e Auto- Hupe. Vor dem Hau^tor ist Dämmerung, und c3 weht ein kalter Wind. Man ste'gt ins Auto, ist ! jetzt ganz wach. Durch dir Straßen geht s. Man hat das Gefühl, es riecht nach frischen Semmeln ‘ iinö Kaftee. Mädchen mit Haus chuhen und ! Tüchern tragen Mllchlöpfe und führen Hunde an der Leine. — Straßenkehrer... ein paar Lastwagen. Sonst sch'äft die Großstadt noch oder macht Morgentoilette. Die Lichter werden blasier, der Tag kommt. Setzt sieht man feine Häuser mehr — Felde.', Krähen fliegen darüber — Birten stehen am Weg — ein Stückchen Föhrenwald — fceert -- ter’affene Boote darauf — Schilder mit Auf- schristen von Schwimmbädern; — ganz kurz denkt man an den Sommer. Schon fährt der Wagen in die große H^le. ■3um Atelier I. zum Atelier II. III, lv usw. Man geht zum Atelier II, weil man gestern da war. Eine andere Gesellschaft filmt heute dort. Alan findet zum Atelier III. 3n den Garderoben ift großes Getriebe. Drei Friseure schmin en öte Statisten. Heute wird die große Straszewzene fle ilmL Man wird grsch ninkt. 9 Mfyr.Ql le^ ist punkt ich auf dem Platz; eine Straße ist aus-- ge6adt. Hau er mit Lichtreklame. Autos stehen bereit Aoch ist alles fri ch; d e Slatisten lungern umher, es sind viele Schauspieler batet, tee hier I einen Äebenverdicnst iuchen. Es werden Gest spräche geführt über Berufe. Steuern. Hance, Kochrezepte und manches andere. Man könnte ii an ein wirkliches Straßenbild glauben, wenn ein Himmel da wäre. _ Warum geht es nicht los? Rrbenan wird eins Großaufnahme des Stars gemacht Die Scheinwerfer brennen da schon. Die Aumichme muß ein paarmal gemacht werden — der ©.ar hat seinen schlechten Tag. Man wartet; 211 ältester Regisseur teilt die Gruppen auf der Straße ein. die von links, dle von rechts kommen, die stehen bleiten, die sich umsehen. Die Autos werden hindurchdirigiert. Oetzt werden die Schein- werter und unendlich viele elektri che D.rnen eingeschaltet. Der Star hat eine Szene vor einem Schaufenster; viel Licht fällt auf ihn. e n Spwgel reslektiert es noch. Es wird unerträglich beift. — . Aus der Wett des Films. birgt, nicht ertragen kann, ohne durch den Der- llner Spaßmacher Paul G r a e tz aufgeheitert zu werden, der den buckligen, tapferen Träger Metz- net zu einer lächerlichen, völlig unalpinen Figur macht? Ist der ©runb zu einer solchen Degradierung dieses Films nicht vielmehr wieder einmal in dem von Filmfabrikanten und Filmverleihern erfundenen ^Uärchen vom Stumpssinn des Publikums zu suchen, mit dem endäch aufgeräumt werden muß, well es das Publikum schlechter und oberflächlicher macht, als es wirklich ist und die Hersteller dazu zwingt, jedem Fllm die bestens bewährte Eftektschablone aufzudrucken? — Wenn man schon ein solches Kinodrama in den Alpen spielen läßt dann soll man haltmachen vor Hamen wie Whymper und Earrel. Der reinste Genuß aber wäre es gewesen, wenn man nur die schlichten, erschütternden historischen Tatsachen hätte sprechen lassen, „iter Kampf ums Matterhorn" wäre dann ein würdiges Seiten stück zu dem stärksten bisher gesehenen Bergfllm gewesen, der ,Zum Gipfel ter Welt" hieß, wirkliches ungeschminktes Erleben zeigte und für den Zuschauer auch ein wirkliches Erlebnis war. E. A. Mm und Wirklichkeit. Amerikas Anpassung an den europäischen Filmgeschmack. Don Emil Iaumngs, Hollywood. Die freundliche Aufnahme, die meine letzten Filme beim großen Publikum aller Aationen und nach den liebenswürdigen Briesen aus Deutschland zu schließen, vor allen Dingen auch in meiner Heimat gefunden haben, hat mich zu der Lleterzeugung gebracht, daß sich eine große Wandlung des Puolikumsgeschmackes vollzogen hat. Der »schöne Mann", der eine Zeit lang die Filmkunst beherrschte, und daS sogenannte „happy end" scheinen wenigstens zur 3eit aus dem Reich des Films entschwunden zu sein. Ich bin nicht eitel genug, um anzunehmen, meine Volkstümlichkeit sei durch meine frappante Ähnlichkeit mit Adonis erworben. 3m Gegenteil, die Charaktere, die ich in den letzten Filmen darstellte, verkörverten meist den alternden Mann oder den Mann in der Mitte der vierziger Jahre, ter durch irgend einen Sch-icksalsschlag halt- und hilflos im Leben steht und auf den stiirmischen Wogen dieses Lebens treibt. 3n dem Film „Der Weg allen Fleisches" spielte ich einen durchaus bürgerlich eingestellten. etwas philiströsen Vater, den ein kleiner Seitensprung vom Wege seines tägllchen Lebens und die Drlanntschaft mit einem leichtsinnigen Mädchen zu einem verZweis-lnten Trunkenbold und schließlich zu einem ungewaschenen, schmutzigen Landstreicher macht, der mit gläsernen 2higen in die Welt stiert, ein haltloser Mensch, dem Untergang verfallen. Sicherlich ein wenig ansprechender Charakter, wenn auch vietteicht einiges Mitleid erregend. Bevor ich indessen versuche, die psychologischen Wandlungen des Publikumgeschmackes zu untersuchen, mag es mir gestattet sein, den Aufstieg einer Reihe „schöner" Fllmdarsteller, wie Rudolph Dalentino, Ramon Rovarro und Ronald Colman unter die Lupe zu nehmen. Alle diese drei Schauspieler — wahre „Beaus" des Films — waren, aus dem Stadium relativer llnte- kanntheit in die Höhen bewunderten StavtumS ausgestiegen. Es ist wirklich nicht mein Wunsch und meine Absicht, diese Idole von dem hohen Piedestal der öffentlichen Gunst herunterzuholen. Ich möchte jedoch darauf Hinweisen, daß alle drei früher in einer ganzen Anzahl von Fllmen vor das Publikum getreten waren, ohne daß sie irgendwelches Aufsehen erregt hätten. Erst die iteale Kombination eines guten Drehbuch:s, eines genialen Regisseurs und eines beliebten weiblichen Stars bahnte ihnen den Weg zum Erfolg. Valentino war unbekannt, bis Rex Ingram ihn in feinem Film „Die vier apokalyptischen Reiter" herausstellte. Rovarros schöne Männlichkeit fand wenig Beachtung, bis derselbe Regisseur sie in dem Film „Der Gesangene von 3enter“ offenbarte, und Ronald Colman war nur ein sympathischer, hin und wieder gern genommener Schauspieler, bis sein spezifisch englisches Temperament in dem Fllmspiel „Beau Geste“ den erforderlichen Hintergrund fand. Der Typ des „schönen" Filmschauspielers bleibt solange unbeachtet vom Publikum, bis der geeignete Rahmen für seine Persönlichkeit gefunden wird oder bis ein wohlwollender R^isseur sich für eine erfolgreiche Placierung einsetzt. In anderen Worten, gutes Aussehen macht es beim Film nicht allein, es muß von der Gabe begleitet sein, einen Charakter im Filmspiel überzeugend darzustellen. John Barrhmore ist das typische Beispiel eines ungewöhnlich talentierten Filmschauspielers, dem es gelungen ist, sich trotz seines guten Aussehens und nid£t etwa infolge dieses Aussehens durchzusehen. In den frühen Tagen des Filmes wurde kein Drehbuch näher geprüft, in dem der Held und die Heldin nicht Muster an Tugendhaftigkeit und die Schurken nicht schwärzer als schwarz gezeichnet waren. Die Folge dirser Einstellung war, daß der Film in den Ruf der Unwirklich- teil und der Gezwungenheit kam. Lange Iell verging, bis die Filmschriftsteller erlanmen, daß man dem halbwegs intelligenten Zuschauer nicht durch die Darstellung derartiger Charaktere — oder soll ich lieber sagen Karikaturen — auf ter Leinwaud gefühlsmäßig näher kam. Als in- tessen die Autoren begannen, in ihren Drehbüchern Menschenschicksale echt zu schlldern und gute wie böse Charaktereigenschaften in dem Leben nachgefühltem Maße zu mischen, erwachte das Interesse des Publikums von neuem für den Film. Die Erklärung für diesen psychologischen Vorgang ist recht einfach. Vermag das Publikum infolge klarer und lebensgetreuer Linienführung des Films sich selbst in das Schicksal der Hauptpersonen des Spiels hineinruversetzen, so wird fein Interefse wach und fein? Antttlnahme gefesselt. In den Geburtsjahren des Fllms konnten die Zuschauer mit Recht weder die Eigeilliebe ausbringen, sich selbst in die Lage des stets edlen und aufrechten Filmhelden zu versetzm, noch konnte man ihnen die Laster infinuieren, die dre Schurken im Filmspiel jener Tage kennzeichneten. Wenn der Film bestrebt bleibt, einen Querschnitt des wirklichen Lebens zu bieten, anstatt der übertriebenen und abstohend.n Sentimentalität. wie sic bei den Nlmschriftstellern vor zehn Jahren beliebt war, wird er neue Freunde in dem Teil des Publikums gewinnen, dem es mehr um eine künstlerische Darstellung als um eine endlose Serie sentimentaler Großaufnahmen und unmöglicher happy ends zu tun ift In Hollywood wäre es noch vor zwei Jahren unmöglich gewesen, solche Filme wie „Der letzte Die Szene ist erklärt und einmal durchprobiert Es wird gezählt bann der Ruf: Mu.'kl Das K avier ertönt: „Ich füife Ihre Hand, Madame", — „Was anderes", ruft ter Regisseur, „etwas Lebendiges, Frohes" — so ertönt; „Heinzelmännchens Wachtparads" — der Regftscur gibt es auf. mehr Ansprüche zu stellen. „Lins, zwei, drei, fertig! — Aufnahme!“ Zwei Apparate surren, die Operateure drehen. Halt! Ün- mvg'ichl Rochmal? Gine Gruppe muß umarrangiert werden. Wieder wird gedreht, w etec ab» gerufen — zehnmal zwölfmal. Dann eine Ausnahme, die erste, die kopiert werden soll — daraus gelingt fie wieder. — Die Scheinwerser und Apparate rüden zusammen. Die 6;ene konzentriert sich auf das Spiel des Stars und seines Partners vor dem Schaufenster: Fertigt Aufnahme! Sehr oft wird das noch gerufen; der Star ist heute wirklich nervös. — Doch jetzt ist Mittagspause, es ist schon 2 Uhr. In der Kantine sitzen die merkwürdigsten Gestalten: Herren im Frack, in Uniformen, in zer- schnssenen Anzügen, in Kostümen aus ver- schietenen Iahrhundetten. Halbnackte Frauen suchen ihre Reize nicht zu verbergen, tebe will hier eine andere an Starallüren übertrumpfen. Finster und dämerifch blickt Ater e ne Über ten mit abgegebenen Tellern bestellten Tisch. Eine andere macht auf „hoheitsvo l", wieder eine andere läßt sich dauernd die Hände füf.en. ES ist sehr amüsant da. — Die halbe Stunde Mlltagspause ist hermn. Im Atelier III wird jetzt eine Zimmerfzene geprobt. Das Zimmer ist an einer anderen Stelle der Halle auigeteut. Die <5tali.ten sitzen herum. Sie muffen dablciben, denn vielleicht kommt eZ noch zu der Szene, wo sie als beg.isterte Menge, in das Zimmer eindringen müssen. — U n 8 Uhr ist Schluß. Die Szene kommt morgen dran. Jetzt ist eine Art Autorennen auf der Straße nach der Großstadt. Regisseure, Operateure und Schau pieler eien zur „Folterkammer", dem Vorführungsraum. Jener wird in einem kleinen Raume — einem Kino für zehn Personen — vorgcführt, was am Tage vorher aufgenommen wurde; die gliche Szene ein paarmal. Manchmal findet der Regisseur alles davon so gut. daß er nicht weiß, was er für den Film herauS- fchneiden soll — manchmal aber auch so mi erabel, daß er ob der verlorenen „Meter" sluchll Man hat sich selbst gesehen, ist mehr oder weniger be- ftiedigt Man denkt: „ich muß bei diesem und jenem Gesichtsausdruck, auf diese und jene Bewegung achtgeben. sieht nicht gut aus." Dann fährt man heim. Es ist fast 10 Uhr. Man ist ' todmüde, stillt seinen Hunger und finkt ins Bett. Morgen früh 6.10 Uhr raffelt der Wecker. — Fertig! — Achtung! — Aufnahme! — Jahresbilanz des Zilms. Die junge Filmindustrie, die sich so rasch zu einer Weltmacht aufgekchwungen hat, steht am Ende dieses Jahres eigentlich zum ersten Male mitten in einer großen Krise. Richt daß es in einzelnen Ländern nicht schon öster „gekriselthatte: ter deutsche Film bat sich ja eigentlich von Krise zu Krise entwickelt, und seine gewiß nicht unbedeutenden Leistungen sind ihm unter ten schwierigsten Verhältnissen abgecungen worden. 2iber teis Bezeichnende in der Jahresbllanz von 1928 ist es. daß auch der bisher sicherste Pfeller des Filmgeschaftes, nämlich Amerika, zu Wanken beginnt. Roch nie feit dem Kriege sind die Verhältnisse tm amerikanischen Fllmreich so undurchsichtig gewesen wie jetzt. Trotz einigen bewundernswerten Spitzenleistungen und einigen großen Künstlern hat der amerikanische Film künstlerisch ein Fiasko erlitten, denn das Publikum hat sich mehr und mehr von dem eintönigen Einerlei der ewigen Liebesgeschichten, der Wettrennen und grotesken Tricks abgewendet. Deshalb hat man auch in den Vereinigten Staaten die neuen Erfindungen, die den Fllrn vollkommen umzugestalten scheinen, mit solchem Eifer und solchem Wagemut ergriffen, well man im Tonfilm die einzige Rettung aus dem drohenden Verfall sah. Die ersten Sprechfilme, die in ter neuen Welt erschienen, habeii ungeheures Aufsehen erregt und einen gewaltigen Zulapf gehabt. Dem gewöhnlichen Film war damit völlig der Rang abgäaufen, und so müssen alle Gefell- schaften sich umstellen, wodurch ein wahres Chaos entstanden ist. Phantastische Kapitalien sind In den neuen Erfindungen angetegt; alles muh um* lernen, ter Regisseur und Kameramann so gut wie der Darsteller. Und dabei weih niemand, wie sich diese noch nicht völlig erprobten neuen Erfindungen tewähren, ob fte das Publikum dauernd fesseln werden und welche neuen Überraschungen die Filmtechnik dem Filmgeschäft im nächsten Jahre bereiten könnte. Wenn aber selbst in dem überreichen Amerika der Fllm fich in einer schwierigen Lage befindet, wie sollte er es nicht in dem verarmten Europa fein? Den größten Aufschwung unter den führenMittwoch, 2. Januar 1929 Befehl“. „Der Weg allen Fleisches" und „©et Patriot" zu drehen. In Amerika beginnt sich der Publikumsgeschmack zu wandeln, er toten reifer und paßt sich in immer erhöhtem Maße dem europäischen Filmverftändnis an. Auch ter tragische Schluß, falls er mir in logischer Kon*> sequenz erreicht wird, findet in allen Ländern des Kulturkreises das gebührende Interesse. Di« nächsten Jahre werden die Dollsttimlichkell von Filmspielen bringen, die eine stark dramatisch« Rote bergen und deren Schluß keinerlei Kompromiß mit einem vorgeblichen PublikurnSgo- schrnack bietet Die Tendenz in der Literatur und in der Schauspielerkunst bewegt sich gleichfalls i« dieser Dichtung. Man ist realistisch geworden. Das unerbittliche Drama ist an der Reihe. Ich will mich durch diese meine Ausführungen! nicht etwa als hochmütiger Intellektueller oder Mifanthrop zeigen. Es liegt mir auch völlig fern, etwa vorzuschlagen, die Romantik ganz aus dem neuzeitlichen Film zu bannen. Ich liebe ten Realismus, sofern er gesund und nakurtoahr ist. und trotzdem möchte ich die Romantik nicht misfen. Beide müssen eng ineinandrrzreisen unb innig miteinander verschmolzen sein. Denn selbst: das wirlliche Leben ist nicht nur steter „Realismus", sondern es erlaubt uns auch manchal. die blaue Blume ter Romantik zu pslücken. Und was ist der Film anders -- oder sollte er anders sein — als ein Spiegelbild des Lebens?! Versunkene Filmgrößen. Von Warlotte loege. Wer keimt sie noch, die Getreuen, die einst, da der Film noch arg in dm Kinderschuhen steckte, da er noch im „Kirntopp" residierte und keine Prachtbauten besaßt ihr Können ober i reu guten Willen in den Dienst der Sache stellten. Die damals, als ter Film noch etwa Ungeheueres und Erregendes war, in den staunenden Mitmenschen Entzücken und Begeisterung auslösten und in einen Schleier von geheimnisvollen Gerüchten gehüllt wurden? Die Zci.-en Hoven sich geändert, der Film i,t zu einem gesellschaftlichen Ereignis geworden und eine um so größere Teilnahme wird jetzt dem privaten Lebeir 5er Filmkünstler und »lunjtlerirrnen entgegen gebracht, und was wird nicht alles um den Bereich der Flimmer! i iwand durchgehechelt und ausgekundschaftct! Aber trotzdem, tote schnelllebig ist tie Welt, tote leicht vergißt sie heute, was sie geftern mit Sensationshunger a-ifgefcgen hat! Dem Mimen flicht die Rachtoell keine Kränze. Auch dem der Glashalle nicht. In ganz besonderem Maße hat d'.es Wort Bedeutung für den Filmstar. Täglich schreien fettgedruckte Lettern eilten neuen Romen in die Welt, mit allen Fanfaren des Pressechefs wird die neue Hoffnung dem ahnungslosen Bürger ins Gehirn gehämmert, und alles greift freudig nach dem Wunder, es bereitwilligst auszunehmeu. DaS Reu« siegt — das Alte ist vergessen. Riemand» denkt daran, daß er schon eine ganze Reih« solcher „Reuen" begeistert empfangen und vergessen hat. Wer hat Zeit, noch an das Gewesen« zu denken, wer Lust, etwas Bleibendes zu verlangen? Der Film ist eti Mvl'ch, er reibt die Menschen auf, verzehrt fte, sie ft xb gewesen. Es ist nicht uni xtereffant, einmal tee alten« Rainen aufklingen zu lassen, eine halbe Minute ihrer zu gedenken. Da ist Wanda Treu- mann, die rassige Frau mit ten schwarzen» Augen, bi? mit Ijrer Tollkühnh.ik die Kriminalfilme zu einem ErlebniZ machte. Sie filmt schon lange nicht mehr und leitet heute mit ihrem ehemaligen Partner Viggo Larsen zusammen einen Filmverleih. WaldemarPsylander. der sympathische Däne, einst gefeiert und um* schwärmt wie heute etwa 'narr') Liedtke dem den Filmländern der mitten Welt hat England gemacht, das bisher «igenllich in ter ganzen Geschichte des Films im Hintertreffen gewesen war. Man hat den nationalen Ehrgeiz mit allen Mitteln ter Propaganda angestachelt, hat die Sicherheit des Britischen Reiches, die durch den amerikanischen Film gefährdet werte, ebenso ins Feld geführt w:e das englische Prestige und die Aussicht auf große Gewinne. So sind Diesen- kapftalien im letzten Jahr in der englischen Filmindustrie angelegt worden, ein britisches Hollywood ist entstanden mit vorzüglichen Ate>- liers, und verschiedene große Filmgefellschasten haben sich gebildet, die hervorragende Künstlec und Deg'.sfeuve, besonders aus Deutschland, gewonnen haben, um „rein britische" Filme zu drehen. Was bisher herausgekommen ist, steht wohl kaum weit über dem Durchschnitt. Aber England ist am Ente dieses Jahres sehr ^offnungsfreudlg und erwartet Großes vorn englischen Fllrn, der mit so vielen Opfern und Mühen geschaffen Worten ist. Jedenfalls ist das Filminteresse außervrdenllich gestiegen. Ob freilich diese „Blütenträume" rctsen werten, ist sehr fraglid). In D e utsch land dauert die finanzielle Krise des Films an, wie die letzten Berichte der Ufa zeigen, und wir dürfen höchstens eine ganz langsame Gesundung der Verhälttüsse bei vorsichtigster Produktion erwarten. Aehnlich üegt es in Frank- reich, wo ebenfalls über den Mangel an Kapitalien, über das Gegeneinanterarbeiten ter Gesell- scha ten und über zahlreiche Mißstände der Organisation gekiogt wird, die feine rechte Entsaftung ter vorhandenen starken künstlerischen' Kräfte zulassen. Während d;e s k a n d i n a v i s ch « Produktion sich in ganz bescheidenen Grenze« hält und imntec mehr in die Abhängigkeit von Amerika geraten ist, macht ein anteres Land, das ebenfalls in den Anfängen des Films Triumph« gefeiert hat, jetzt neue Änstrsigungen, um eine«: nationalen Film zu schallen. Das ist Italien, wo die Regkerung die ganze Organisation in die Hand genommen hat und versucht, mit bedeutenden Summen eine staatliche Industrie aufzubauen, die gegen die Herrschaft Amerikas ein Gegengewicht bieten soll. Da sich aber diese Gründungen noch in den Anfängen befinden, ist es schwio* rtg. über die Zukunftsaussichten des italienischen Fllms etwas zu sagen. Jedenfalls dürsten tob) im neuen Jahr manche Ueberroschungen erleben, denn mit dem Siegeszug des Tonfilms wird stch das ganze Gesicht ter bisherigen Filmindustrie verändern. Dr. F.S. et auch im *3enteren glich, rst Drrt*ve vergessen, Don ihm erzählte man, daß er ,ich bei bet Schlußszene feine« letzten Films ,Der tanzende Tor" schossen habe. Die Rolle schrieb diesen Ausgang vor und man soll die Szene zu Ende gedreht haben, ohne zu ahnen, daß sich da eine echte Tragödie abspielte. Max Lindner, der fesche Pariser Lustspielhell), fiel ten Rauschgiften sum Opfer, das gleiche Schicksal teilte die be- üebtc Grete Lund. Das sind aber, ausgenommen Eva Moy. deren Selbstnrord vielleicht noch in Erinnerung tft, !üe einzigen, von denen man weih, was aus ihnen geworden ist. Tie vielen anderen — sie find untergetaucht In der grohen Masse und niemand fragt nach ihnen. Wer tentd noch Hedda Vernon die liebliche Blondine, entzückend als Lady Godiva, die als Beitel durch die Strahen citt, nur bedeckt von der Fülle ihres Haares? 'ZSer besinnt sich noch der bezaubernd charmanten Esther Earenna? Sie war schauspiele- risch großartig i?. ihrsn Fllm ^Wenn C-olvrnbiire winkt". Sascha Gura, die schone mondäne Frau, Edith Podzka mit dem wunderbar ruhigen Gesicht, sehr eindrucksvoll im ^Para- dies der Damen" nach dem Roman von Z o l a, aber sonst nie mehr gesehen. R i a 3 e n bc, die temperamentvolle Raive, Gertrude Welker, die Gräsin Toldt in .Dr. Machuse", ® er - Hard Staut mann, Martha Orlando. Lu Sy n d und viele andere — sie und Gebäud.steuer gilt toi :bcr dieselbe Sperr- bestimmung, dast eine Genuiidr die ©tcuertoertc des Grund- und Gebäudebesitzes mit höheren Ausschlägen als 15 Reichspfennig je 100 Mark Steuerwert der Gebäude und Bauplätze und 30 Pf. je 100 Mark Steuerwert des land- und fvrstwirtscha tlich genutzten Grundbesitzes nur dann belasten darf, wenn sie zusammen mit den Ge- meindeverbänden an vorläufiger S ndergebäude- fteuer den obengenannten Höchstsatz von II Pf. erhebt. Während die Gewerbesteuer für 1928 endgültig zu veranlagen ist, hat es hinsichtlich der G r u n d- steüer und Sondergebäudesteuer für 1928 bei den Vorauszahlungen sein Bewenden. Der Art I bestimmt daher, dast die staatliche Grundsteuer und 6o a b :r geb äubefteuer für 1928 abgegollen sind durch die Gablungen, tte auf Grund des Steuervorausza)lungsgefetzes für daS Rechnungsjahr 1928 zu triften waren. 'Diese Bestimmung kann durch bit zuständi 'en Mini- sterien entsprechend für dir kommunalen Steuern für anwendbar erklärt werden. Es wäre im Interesse nicht nur des Staates und drc Gemeinden, sondern auch im Interesse aller Steuerzahler dringend notwendig, dast endlich dieses System der Vorauszahlungen einmal a u f h ö r e n würde. Wir man aus zuverlässiger Quellr erfährt, ist aber mit ber Einführung der neuen Einheitswerte für die Üanbcs» steuern nicht vor dem Jahre 1931 zu rechnen. Daten für Mittwoch, 2. Januar. Sonnenaufgang 8.05 Uhr, Sonnenuntergang 16(13 Uhr. — Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 11.51 Uhr. 1582: Eröffnung der Universität Würzburg: — 18d8: der Schauspieler Joseph Kainz zu Wiefelburg In Ungarn geboren (gestorben 1910), — 1861: der Schriftsteller Wilhelm Dölsche in Köln geboren; — 1921: der Maler Franz von Defregger in München gestorben (geboren 1835). Die Jagt) im Januar. Die großen Schlachten in Wald und Feld sind geschlagen. die Haupterntezeit des Weidmannes geht mit der Jahreswende ihrem Ende entgegen. Die jagdlose Zeit beginnt Die meisten Durchschnitts, jäger sehen ihre Tätigkeit als beendet an. Die Waffe wandert in den Schrank, um nach Wochen vielleicht, wenn die Schnepfe streicht, oder wenn es dem roten Bock gilt, wieder herausgeholt zu werden. Das sind nicht die Weidmänner von denen es beißt: Doch wer sich ergötzet an Wild und an Wald. Auch wenn es nicht blitzet und wenn es nicht knallt. Und mer noch hinauszieht zur jagdlosen Zeit, Wenn Heide und Holz sind vereist und verschneit, Wenn mager die Aesung und bitter die Not, Und hinter dem Wild einherschleicht der Tod, Und wer ihm bann wehret, ist Weidmann allein. Der .<)lgcr, der Pfleger kann Jäger nur sein. Der Dezember hat uns den ersten Schnee ge^ bracht War er noch kaum von nachteiliger Wirkung für das Wild, so konnte er eine Warnung sein an den Säumigen, daß nun bald Herr Hartung, der gestrenge Januar, sein Regiment führen werde. Und so wird es die Haupttätigkeit des Beständers bleiben, sein Wild vor Not zu bewahren. Ausreichendes und fleißiges Füttern wird ihm später reich gelohnt werden. Hat er keine Fütterungen angelegt, so gehe er zur Schneezeit wenigstens hinaus und reche Stellen frei, wo die Heide wächst oder schlage mit dem Standhauer da und dort Weichholz ober veranlasse den Dbftpfleger, dah Obstreisig, das beim Pflegen der Bäume abfiel, draußen liegen bleibt. Alles wird dankbar angenommen. Mitte! und Wege zur Wildpflege gibt es genug, auch ohne große Kosten, wenn nur das Gefühl dafür und ber Wille vorhanden find. Wenn auch der Jagdschein wieder mehr und mehr ! Schonzeit zeigt, so ist deswegen noch Gelegenheit ! zur Iagdausübung genug geboten. Im Rotwildrevier gilt der Abschuß dem Kahl- wild und geringen Kalbern sowie schlecht veranlagten Hirschen. Die Jagd auf Schwa rzwild wird fortgesetzt und jede Neue zum Kreisen benutzt. Das Rehwild hat Schonzeit Hasen treibjagben finden noch bis Mitte des Monats statt. Dann hat auch Mümmelmann wieder Ruhe. Der Hauptabschuß ist zu Ende und der Abschuß im Januar sollte, wie das meist auch geschieht, tunlichst eingeschränkt werden. Der Frost im Dezember hat uns starken Zuzug von Enten gebracht, die sich an den offenen Stellen fließender Gemässe^ in großer Zahl ein- finden. Auch Gänse find'als seltene Gäste auf= getreten. So vermag die Wasserjagd dem Jäger noch manche Jagdfreude in Aussicht $u stellen. Bor allem aber gilt die Winterjagd jetzt dem Raub wild. Sein Balg ist nun, nachdem wir eine Frostperiode hinter uns haben, vollwertig geworden. Der Fuchs beginnt Mitte des Monats zu ranzen. Dann steckt er häufig im Bau, aus dem ihn der schneidige Erdhund vor die Flinte bringen kann. Da er auch die Baue gern auf ber Suche nach der Fähe absucht, kann der Ansitz am Bau morgens oder abends zum Erfolg führen. Ebenso kann man ihn ein kreisen und bann versuchen, ihn auf dem bekannten Wechsel zu strecken. Auch anderes Raubzeug, wie z. D. unsere Marder, können in ähnlicher Weise bei einer Neuen bestätigt werden. Das weiße Leinentuch der Erde zeigt dann leicht, wo das Gelbkehlchen aufbaumte, um einen hohlen Baum anzunehmen, oder wo es ein Krähen- oder Eichhornnest bezog oder sich unter einem Holzstoß steckte. Mausepfeifchen und Hasenquäke sollten jetzt stete Begleiter im Revier fein. Denn sie wirken auf alles Raub wild. Auch die Luderhütte muß nun zum Erfolg führen. Neben Wildpflege und Iagdausübung darf der Jagdschutz nicht fehlen. Angenehme Nachbarn versuchen, Wild zu sich herüber au kirren, Wilddiebe jagen in mondhellen Schneenächten und zehnten die aufgebaumten Fasanen. An den Dorfgärten warten Schlingen in Hecken und Zaunlücken, oft auch die Flinte hinter dem Fenster. Der Beständer ober Jagdschutzbeamte, der jede Nacht im warmen Bett ober im Wirtshaus zubringt, merkt davon nichts. Aber der Schnee weiß mcmd}es Lied von zwei- und vierbeinigem Raubzeug zu fiingen, Drum sollte der Jäger keine Neue ungenutzt lassen. Sie zeigt ihm sein Revier, als blicke er in ein aufgeschlagenes Buch. Im Januar kommen auch die ersten Jagdverpachtungen. Was helfen alle persönlichen Anstrengun- gen, Entsagungen und Opfer Derer, die ev mit ber deutschen Jagd gut meinen, wenn immer noch Jagden auf Zeiten verpachtet werden, di» zur Hebung einer Jagd zu kurz sind. In sechs Jahren kann eine abgeschossene Jagd nichts werden. Neun Jahre müßte die Mindestzeit fein, zwölf Jahre wäre noch besser. Die Jagd ist ein Stück Vermögen des Verpächters, das der Pächter verwaltet. Es kann der Gemeinde u. E. nicht einerlei sein, wie dies geschieht. Hat der Pachtlustige die Aussicht, das Revier länger zu bekommen, so wird er gern mehr dafür ausgeben und mehr Dafür tun, als wenn er sich einer zu kurzen Pacytzeit gegenübersieht. Jagden von zu kurzer Pachtbauer find nur für Schießer da, die eine Jagd pachten, möglichst rasch in Grund und Boden ruinieren und dann nach Ablauf ber Zeit ein neues Feld ihrer Tätigkeit suchen, ber Gemeinde ein leeres Revier zurück- lassend, für das niemand etwas gibt. Die Interessen der weidgerechten Jägerei und ber Gemeinden gehen Hand in Hand. Wann wird man das in letzteren einmal einsehen? Hubertus. Gängertag des Gängerbundes ^Mittleres Niddatal". # Ober-Widdersheim. 1. 3ani Dieser Tage sand hier Im Saale von Ferdinand Weis der diesjährige ordentliche Dertretertag des Sängerbundes ,M ittlere- 21 i b b a- t a l" statt. Aach einem Bcgrüßungschor durch den Gesangverein .Eintracht" und den Willkommen- grutz durch dessen Vorsitzenden, Steinbruchbe- siher A i ck e i dahier, erstattete der Dundesvor- sitzende. Lehrer Lentz von Geih-Aidda. den Geschäftsbericht. Dem Bunde gehören nun zehn Vereins an: B-ellrmtth. Blofeld, Dorsdvrs. Dauernheim, Fauerbach. Geitz-Aibda. Ober-Wid- dersheim, Ranstadt, Steinheim und Wallemhau- sen. deren. Vertreter sämtlich anwesend waren. Die Zahl der Sanger hat sich im Geschäftsjahre nur unmerklich erhöht: sie beträgt jetzt mehr als 300. Im Berichtsjahre wurden zwei Sängertage, zwei DvrstcnÄssihungen, ein Dirigententag und ein Dundessinaen zu BorSdors abgehalten, das ganz im Zeichen des großen Tonmeisters Franz Schubert stand. Es wurden verschiedene Mißstände gerügt, die sich dort gezeigt hatten. Rach den gefaßten Beschlüssen sollen in Zukunft Kinder unter 14 Jahren keinen Zutritt £u Dun- desveranstaltungen haben und alle Vereine künftighin mit ihrer vollen Sangerzahl an den Massenchören sich beteiligen. Es hat sich erneut gezeigt, daß der Bund in dem Bestreben, in chor- technischer Hinsicht die Stiftungen zu heben und auf eine gute Chorwahl hinzuwirken, auf dem besten Wege nach vorwärts ist. Bei der Rechnungsablage konnte der Dundesrechner Fleischhauer (Gciß-Aidda) seiner Freude Ausdruck geben über den pünktlichen Eingang der Bundesbeiträge. Der Kassenbestand beläuft sich bei einer Einnahme bzw. Guthaben von 588,95 Mk. und einer Ausgabe von 219,78 Mk. auf 369,17 Mk.. welcher Betrag nach Abzug von 50 Mk. Betriebskapital zinstragend angelegt wurde. Da der Bund im kommenden Jahre auf sein 20j ahriges Bestehen zurückblicken kann, soll ein Bundesfest in größerem Ausmaß mit Wertungssingen abgehalten werden. Wegen der vorhandenen Räumlichkeiten wurde Dauernheim das Fest übertragen, das am 26. Mai 1929 erfolgen soll. Der Vorsitzende gab bei diesem Punfte d:r Tagesordnung in gedrängter Form das Wichtigste aus der Geschichte des Bundes bekannt, der sich am Gründungstag, 10. Januar 1909, zum Wahlspruch „Singet“ ausgesucht habe. Jedem Verrin wurde aufgegeben, einen Pflichtchor und einen Chor nad) freier Wahl, der ein Volkslied ober volls- tümliches Lied fein muß, vorzutragen. liebet die Zahl dec Werter und die sonstige i Bestimmungen soll der Bundesvorstand entsprechende Beschlüsse fassen. Man war jedcch der Meinung, einen erfahrenen Praktiker, der auch den finan» ziellen Verhältnissen des Bundes gerecht wird und möglichst in feiner Organisation ist, zu bestimmen. Aus Anlaß der Dundesjubelseier soll eine Ehrung verdien ter Mitglieder und älterer Sänger stattfinden-, es wurde mit großer Mehrheit beschlossen, allen Sängern der Bundes-Gründervereine, die 20 Jahre ununterbrochen im Dienste des deutschen Liedes gestanden haben, und bei den übrigen Vereinen, die nachträglich dem Bunde beigetreten sind, alle treuen Sänger und Mitglieder mit mehr als 35jähriger Dereinszugehörigkelt, mit einer Gedenkmünze auszuzeichnen- Mit Rücksicht auf das ansehnliche Dundeevermögen wurde der Bundesbeitrag auf nur 30 Pf. je Sänger festgesetzt. An dem früher gefaßten Beschlüsse der Gleichbehandlung aktiver und passiver DereinSmitglieder soll auch weiterhin festgehalten werden, wenn für letztere der DundeSbeitrag entrichtet wird. Eine lebhafte Aussprache rief der Punkt „Beitritt zum Hessischen und Deutschen Sängerbund" hervor. Die allgemeine Meinung war, dah eS an sich nur zu begrüßen sei, wenn alle Gesangvereine in einer Grvßorganisation $u* sammengeschlossen seien, doch müßte dabei mehr als seither auf hie finanzielle Lage gerade der kleinen ländlichen Gesangveveine Rücksicht genommen werden, die schon jetzt ost unter den größten Opfern einer kleinen Sängerschar in ihrem Bestehen gehalten werden könnten.' Wan beschloß einstimmig, auch weiterhin eine abwartende Haltung einzunehmen, bis von feiten der Organisation die Möglichkeit geboten werde, beizutreten. Scharfe Kritik wurde an dem Verhalten der Gema und Agfa, der Verbände zum Schutze der 11 ö- heberrechle, geübt, wodurch eS den Landvereinen unmöglich gemacht werd«, neuere Chöre zur Aufführung zu bringen, da die Verbände für jeden öffentlichen Vortrag 10 bis 20 Mk. verlangen. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, die alten Volkslieder auszu graben und Chöre von solchen Komponisten zu beziehen, die sich ein Aufführungsrecht nicht bezahlen lassen. Mit der Mahnung an die Sangesfreunde, auch weiterhin ihre volle Kraft dem deutschen Liede zu weihen, das gerade in Zeiten schweren wirtschaftlichen Druckes Kraft und Erquickung spende, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die hessische KnmmalstaiWk 1927. WSA. Im Bezirk des hessischen Oberlandesgerichts wurden im Jahre 19 2 7 insgesamt 8658 Angeklagte wegen Vergehens gegen das Strafgesetz verurteilt, und zwar 6620 Fälle wegen Vergehens gegen das allgemeine Strafgesetz, 5 wegen Vergehens gegen das Militärstrafgesehbuch und 2033 wegen Vergehens gegen sonstige Gesetze. Reben 43 Ausländern wurden insgesamt 1094 weibliche Personen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. In 1110 Fällen endete das Verfahren mit Freispruch, in 289 Fällen mit Einstellung. Insgesamt 395 Jugendliche, darunter 42 weibliche Personen, standen vor dem Richter, der in 366 Fällen zur Verurteilung schreiten mußte. In 138 Fällen verhängte er Erzichungsmaßregeln, und zwar 23ma( Schutzaufsicht und zehnmal Fürsorgeerziehung, während 149 Verurteilten Strafaussetzung zuteil wurde. Reben einem Fall, in dem auf Todesstrafe erkannt wurde, erscheinen 72 Verurteilungen zu Zuchthaus. 2639 Verurteilungen zu Gefängnis (200mal zu mehr als 1 Jahr, 737mal von 3 bis 12 Monaten, 1702mal bis zu 3 Monaten). In 5390 Fallen wurden Geldstrafen verhängt. Die Ehrenrechte wurden in 80 Fällen abertannt, unter Polizeiaufsicht kamen 12 Personen. Sehr interessant ist. wie sich die Vergehen und Verbrechen nach ben einzelnen Gebieten verteilen: Es erscheinen da (in Klammern weibliche): Hoch- und Landesverrat 3 (1). Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte 208 (6), Landfriedensbruch 114 (8). Geldfälschungen 8, Verletzung der Ädespflicht 27 (13), Blutschande 13 (3), 8 175 7, unzüchtige Handlungen an Kindern 66, Aotzucht 13, Kuppelei und Zuhälterei 18 (12). unzüchtige Handlungen 62 (3), Beleidigung, Verleumdung 865 (232). Mord 2, Totschlag 9 (3), Abtreibung usw. 64 (40), Körperverletzungen, leichte und schwere, 1246 (50), Nötigung und Bedrohung 109, einfacher und schwerer Diebstahl 1177 (185), Unterschlagung 551 (62), Raub 9. Erpressung 16 (1), Hehlerei 141 (32), Betrug 815 (76), Urkundenfälschung 190 (26), Wildern 132. Sachbeschädigung 278 (16), Brand- stiftung 24 (6), Aahrungsmittelfälschung 321 (134), Diehseuchengesetze 120 (6). Amisgrrichi Gießen. In der Nacht vom 29. auf 30. September v. F I entstand in einer hiesigen Wirtschaft zwischen zwei Gästen ein heftiger Wortstreit. Der eine bedrohte den anderen mit einem Stuhle, und ber Debrohte stellte in Aussicht sich gegebenenfalls mit dem Messer zu wehren. Sein Gegner verließ bann dte Wirtschaft, öffnete aber gleich darauf wieder die Türe und rief von außen provozierende, auf den Angeklagten gemünzte Worte herein, die diesen veranlaßten, ebenfalls die Wirtschaft zu verlasten. Kaum war er vor ber Türe, da stürzte sein Gegner zu Boden; er hatte einen Messerstich tief in den Oberschenkel erhallen, der von dem Angeklagten, wie er selbst zugab, herrührte. Der Angeklagte behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben, er sei von dem Verletzten gleich nach dem Verlassen der Wirtschaft angepackt worden, zudem sei dieser in bas Messer hmeingerannt. Notwehr lag aber nach Ansicht des Gerichts nicht vor: die ganze Situation spricht dagegen. Der Angeklagte hätte nicht non dem Messer Gebrauch machen dürfen? zumal der Verletzte keinerlei Waffen trug und diesen nur mit der Hand angepackt haben konnte. Wenn der Verletzte wirklich in das Messer hineingerannt sein sollte, so ändert dies an der Tatsache ber Körperverletzung nichts; das herein rennen lag dann in ber Absicht des Angeklagten, der selbst zugab, das Messer — angeblich zur Abwehr — vor sich gehalten zu lyrben. Ein solches Verhallen kommt einer auf eine unmittelbare Körperverletzung gerichteten vorsätzlichen Handlungsweise gleich uno kann nicht c. va als eine fahrlässige Körperverletzung angesehen werden. 9tur einem Zufall ist es zu verdanken, baß ber Verletzte sich nicht auf der «straße verblutete. Oer häusig vorbestrafte Angeklagte erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten: er hätte noch mehr erhalten, wenn der Dertetzte nicht den ganzen Vorfall provoziert Ijätte. Rundfunkprogramm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sreitog, 4. Jannm. 830: Morgengymnastik. 12 bis 13c Schall- Platten-Konzert: Berichncke Sänger und Sängerinnen. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 17,35: Hausfrauen-Ra chmi'.tag. vrransteltet vom Frarrksuner Haussrauen-Berern G. V., Frankfurt a.M. 17,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30. Less- stunde. 18,30 bis 19: Stenographischer Fprtbil- dungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben auswärts). 19 bis 19.20: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19,20 bis 19,30: Film-Wochenschau. 19,30: Vom großen Saal des Saalbaues: Aach Stuttgart: Konzert der Museums-Gesellschaft. Anschließend: Schallplatten-Konzert: ^Erinnern Sie sich?" Samstag, 5. Januar. 6J0: Morgengymnastik. 13,15 bis 14,15: DVt- tagskonzert des Rundfunkorchesters. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Haus- frauendienst. 16,35 bis 18,05; Aach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Karl Goldmark (gest. 2. Januar 1915). 18,10 bis 18,30: Lese- stunde. 18.30 bis 18,45: Briefkasten. 18,45 bis 19,15: Esperanto-Unterricht. 19,15 bis 19,45: ,Aufbau, dichterische Formen, einleitende und entworfene abschlieberrde Dichtungen in Goethes , Faust", Dort vag von Pfarrer Tae-ler. 19,45 bis 20.15: Stun§r des Frankfurter Bundes für Volksbildung: »Erziehung zur Menschlichkeit. Vortrag von Henriette Fürth. 20,15: Don Slutte ! gart: -Dallnacht". Operette von Oscar Straus. I Anschließend bis OJO: Tanzmusik. Bücheriisch. — Coli« RoßrMit Kamera,Kind und Kegel durchAfrika. 175 Seiten 8°, mit 32 Abbildungen. Geh. 3,25, Leinen 4 Mark. F. A. Brock- hau», Leipzig 1928. (774.) — Das lebendig und spannend geschriebene neueste Afrika-Buch des bekannte« Weltreisenden Colin Roß, besten Vortrag in Gießen noch in guter Erinnerung sein dürste. — Das Insel schiff (eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages: Preis: 75 Pf.) hat sein Weihn^chisheft 1928 als eine Festgabe zum 50. Geburtstage des Dichters Hans Caro s-sa herausgebracht, dessen Werk im Inseb- Veriage erschienen und früher hier zum Teil besprochen worden ist. Albrecht Schaffter gibt in einem umlassenden Leitaufsatz eine auSgezelchuete, liebevoll vertiefte und formvollendete Einführung in das dichterische Wesen Carossas; Gedichte und ein Prosastück runden das Bild des kürzlich mit dem Dichterpreis der Stadt Müirchen Gelrönten ab und laden dazu ein, sich mit ihm bekannt zu machen. Aus dem übrigen Inhalt des bibliophilen Heftes seien Gedichte und Briefe Rilkes, Gedichte von Ernst Bertram, Hoftnannsthals ©in- üritung zu den Erzählungen aus Tausendundeiner Rächt, lotoie eine Szenenkette aus Leonhard Franks Heimkehrerschauspiel „Karl und Anna" hervorgehoben, das demnächst bei uns, gleichzeitig mit Berlin, urausgrführt werden soll. — Zeitschrift für Musik. Vlonatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. Herausgegeben vom Steingräber-Verlag.» Leipzig. .tzauptschriftleiter Dr. Alfred Heuh. Dezemberheft 1928. Heftpreis 1,50 Mk., Wonne- mentpreis vierteljährlich 4 ML -- Aach einem Appell der Schriftleitung an die. Leser xuai Jahreswechsel legt Hermann Zilcher das Glaubensbekenntnis eines deutschen Musikers ab und nimmt zu den verschiedensten musikalischen 3e.it- frageh bestimmt und entschieden Stellung. Zwei Schubert aufs ätze des vorigen Heftes (Richard Gottschall: ..Franz Schubert im Lichte übler Nachrede"; Alfred Heuh: „©in trunkenes Iüng- lingslled von Franz Schubert)" werden beendigt Konrad Huschke (Weimar) stellt die beiden großen 6-Dur-Trios der deutschen Wusll einander gegenüber: Schuberts op. 99 und Bee Hovens op. 97. Dem Geigenfreund bietet eine Plauderei über altitalienische Geigen von Georg Schmidt (Schweinsurt) mancherlei In eressantes. Heber bie 7. Deicheschulmusilwoch-e in München berichtet 3. Müller-Glattau (Königsberg), über das 16. Deutsche Dachfest in Kassel Alfred Heuh, über die Darmstädter Festwoche ter Tonkünstler Robert Hernried (Berlins. In die im Steingräber-Verlag erscheinende Volksausgabe des Locheimer-Liederbuches führt Wilhelm Weismann ein. (In ber Musikbeilaae neben anderen Gaben ein Lied als Probe.) Bilder, Konzertberichte.