Druck und Verlag: SriW'lche llnioersitStr-vuch- und Steindruckerei L Lang« in Sietzen. Schriftlettung und Seschästsftelle: Schulstratze 7. Die Versicherungsreform vor dem Reichstag Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20"/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Paris. 30. Sept. (WB.) Kolonialminister 2Na- ginot hat in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Generalrats des Waasdepartements in Ver- lreiung Poincores die Erösfnungsrede gehalten, wobei er sich noch Begründung der Ratifizierung der Schuldenabkommen mit Amerika und England und nach Besprechung des Poungplanes mit der Rheinlandräumung beschäftigte. Da die zweite Zone noch im Januar 1930 geräumt werden müßte, sei es sogar viel besser gewesen, den französischen Sol- baten die Anstrengungen einer Räumung mitten im Winter zu ersparen. Die Räumung der dritten Zone löse Besorgnisse aus. ein Teil der öffentlichen Meinung widerstrebe ihr. Ec habe diese Besorgnisse geteilt und oft beim Mi- nisterrat zum Ausdruck gebracht. Er glaube, daß es besser gewesen wäre, das Rheinland erst zu verlassen. wenn die Verteidigung der neuen französischen O st grenze organisiert sei. Die Politik der Regierung könne ober nicht allein von militärischen Gesichtspunkten abhängig sein. Deshalb habe er seine Zustimmung für die vor- zeitige Räumung der dritten Zone gegeben. Er Hobe aber im Gegensatz zu allen anderen Kabinettsmitgliedern seine Zustimmung nur unter gewissen Bedingungen gegeben. Es wäre unzulässig gewesen, wenn Frankreich aus der Räumung nicht Ruhen ziehen würde, in dem es etwas dafür eintaufche. wenn man in militärischen Krisen über den militärischen Wert der Anwesenheit der französischen Truppen am Rhein im hin- blick auf die Sicherheit streiten könne, so sei es doch unbestreitbar, daß Deutschland bestrebt sei, möglichst bald die Befreiung seines Gebietes zu erreichen und daß es daher ein offenkundiges Interesse an dem Aushören der Besetzung habe. Den französischen Unterhändlern im Haag habe also die Pflicht abgelegen, sich bei den schwierigen Verhandlungen des Trumpfes zu bedienen, den Frankreich besah und ihn nicht ohne die n o t w e n - digen Gegenleistungen auszugeben. Dies hätten die französischen Unterhändler ja auch getan. Die französische Delegation habe in ihren Brief vom 30. August die Bestimmung aufnehmen lassen, dah die Räumung unverzüglich nach Ratifizierung des Poungplanes durch das französische Parlament und nach Funktionieren des Poungplanes erfolgen werde. Diese Eriche »nl täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monats=Be$ugspret$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn. auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688. Damit ist die Aussprache geschlossen. Vizeprasi- dent Esser schlägt vor. die zweite Lesung am Dienstag zu beginnen. Abg. Stöcker (Kom.) widerspricht diesem Vorschlag und beantragt die Beratung sozialpolitischer Anträge seiner Freunde. Abg. Graf Westarp (Dn.) beantragt die Absetzung der Arbeitslosenverstche- rung von der Tagesordnung. Statt dessen sollte ein deutschnationaler Antrag beraten werden, der die Regierung ersucht, den Poungplan nicht vor dem Abschluß der Volksabstimmung zu ratifizieren. Die Gutachten der deutschen Sachverständigen bei den Pariser Verhandlungen müßten veröffentlicht werden. Die Anträge werden abgelehnt. — Dienstag zweite Beratung der Reform der Arbeitslosen- Fassung bedeute doch, dah es notwendig sei, dah der Poungplan angenommen und ausge- ü h r t werde, bevor die Zurückziehung der französischen Truppen beginnt. Diesen Sinn habe jeden- alls die französische Regierung diesem Sah beigelegt. Und wenn in demselben Dokument weiter unten davon gesprochen werde, dah die Räumung spätestens in acht Monaten durchgeführt sein werde und nicht über Ende Juni 19 3 0 verzögert werden dürfe, dann müsse man in diesem Deutschland gegebenen versprechen nur ein bedingtes versprechen sehen, dazu bestimmt. Deutschland einen Ansporn zu geben, die notwendigen Vorkehrungen zur Anwendung des Poungplanes möglichst bald zu ergreifen. Man würde in der Tat nicht verstehen, wenn eine andere Regelung zugelassen werden würde Wenn man Bedingungen stelle oder annehme, so verstehe man darunter, dah sie zuerst verwirklicht werden sollen und dah dann die angegebenen Fristen laufen. Lleberraschung in Berlin. Was sagt Briand? Berlin. 1. Okt. (TU.) Die Rede des französischen Kolonialministers hat in Berlin allgemeines Aufsehen erregt. Die „Germania" schreibt, es müsse aufs höchste überraschen, daß sich ein Kabinettsmitglied zum Wortführer der eigenartig en Auslegungsversuchc der französischen Rechten mache. Das entspreche in keiner Weise den im Haag übernommenen Verpflichtungen der französischen Regierung. Es sei zu hoffen, daß Briand als Ministerpräsident und Inhaber des außenpolitischen Ressorts diesen Stö- rungsversuchen ein eindeutiges Bekenntnis zu dem Ergebnis der Haager Verhandlungen entgegensetzt. — Die „B ö r s e n z e i t u n g" sagt, diese deutlichen Worte des französischen Kolonial- Ministers dürften wohl den amtlichen deutschen Räumungsenthusia 9'm u s erheb- lich abschwächen. Es bedürfe dringend der Aufklärung, was Frankreich unter dem Vorbehalt „n a ch F u n k t i o n i e r e n" des Youngplanes verstehe. Die Erfahrungen, die wir bisher mit französischen Auslegungen hätten machen müssen, ließen nichts Gutes erwarten. — Die „D. A. Z." siegt darin den Beweis dafür, daß Frankreich mit Vorbehalten die Räumung verzögere. Versicherung. Ein neuer Ausweg. Ltresemann schlägt Vertagung vor. Berlin. l.Ott. (TU.) wie das ..Berliner Tageblatt" meldet, ist in dem Kampf um die Reform der Arbeitslosenversicherung am Montagabend eine Wendung eingetreten. Nachdem der Reichskanzler die Vertreter der Regierungsparteien nach Fraktionen getrennt empfangen und befragt hatte, trat um 17 Uhr im Reichstag ein Minifterrat zusammen, in dem dem vernehmen nach Reichsauhenminisler Dr. Stresemann den wohl schon seit längerer Zeit erwogenen Vorschlag gemacht habe, die Regierungsparteien möchten sich dahin verständigen, den Hauptstreitpunkt in der Arbeitslosenresorm, nämlich die Frage der Bel- tcagserhöhung, bis nach der Ratifizierung der Pounggesehe und bis zur Erledigung der Finanzreform zurück- z u st e l l e n , die den Poungplan unter allen Um- ständen auf dem Fuße folgen müsse. Dieser Vor- schlag werde am heutigen Dienstagvormittag vom Reichskanzle. den Führern der Regierungsparteien unterbreitet werden, man denke daran, die Regierungsparteien dazu zu bestimmen, in einer gemeinsamen Entschließung die Streitfrage auf diesem Wege für die nächste Zeit aus der Welt zu schassen. gestellten pensioniert werden, bamit sie nicht den Arbeitsmarkt neu belasten. Die angeblich notleidende Wirtschaft sollte erst einmal abbauen die unverhältnismäßig vielen QI u f - sichtsratsposten mit den unverhältnismäßig hohen Gehältern. Ein Aufsichtsrat bei Siemens L Halske erhält 74 000 Mk. im Jahre. (Hort! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Wirtschaft ist sehr wohl in der Lage, eine Beitragserhöhung um ein Prozent bei der Arbeitslosenversicherung zu tragen. Wäre diese von uns ursprünglich beantragte Erhöhung beschlossen worden, dann wäre das Defizit der Reichsanstalt längst gedeckt. Wir halten die in der Vorlage enthaltene befristete Beitragserhöhung nicht für ausreichend, werden ihr aber zustimmen. Das Defizit muhte damit verschwinden, vorausgesetzt, daß die Wirtschaft nicht die Methode fortseht, ihre Gestehungskosten zu vermindern und die Lasten dafür der Allgemeinheit aufzubürden. Dann mühte aber die Allgemeinheit diese Wirtschaft energischer an den Kragen nehmen als bisher. Wir sind für die Ausschaltung der Mihbräuche, für die befristete allgemeine Beitragserhöhung und für die Herabsetzung der Saisonarbeiterunterftühung auf die Höhe der Krisenunterstühung. Wir sind aber gegen eine allgemeine Verlängerung der Wartezeit, gegen eine besondere Wartezeit der Saisonarbeiter und gegen eine besondere Beitragserhöhung für die Saisonarbeiter. Abg. Dr. Rademacher (Dn.) i weist darauf hin, dah die Geihel der Arbeitslosigkeit einschliehlich der städtischen Fürsorgegelder im letzten Etatsjahr dem deutschen Volke 1650 Millionen gekostet habe. Für die parlamentarische Leidensgeschichte der jetzigen Vorlage fehle der parlamentarische Ausdruck. Erst der Reichsrat habe die der Reichsregierung völlig fehlende Initiative übernehmen müssen. Der Redner nennt die vorliegenden I Entwürfe einen Tors o, dessen Beratung man I einer gesetzgebenden Körperschaft nicht öutnulen sollte. Gegenüber dem fehlenden Mut der Reichsregierung müsse festgestellt werdet^ dah b^ der Arbeitslosenversicherung auch auf Arbeltnehmer- seite zahllose Mihbräuche bestehen, so die Ar- I beitsverweigerung ohne genügenden Grund, <2a- I Kotierung übernommener Arbeit usw., vor allem aber der Anreiz, sich Renten auf Kosten der Allgemeinheit zu verschaffen. Der Redner lehnt jede Erhöhung der Beitrage ab Die Befristung stelle eine auf mangelndem Mut beruhende Unehrlichkeit dar. Auch die Lanbwirt- schaft habe schwere Bedenken gegen die Gesetze. I Die Deutsche Volkspartei sei als Gefangene ihrer Auhenpolitik gezwungen, die Gesetze mindestens zu tolerieren. Um 113 Milliarden m 60 Iahren zahlen zu dürfen, mache sie bewußt eine falsche Wirtschaftspolitik mit. Der Redner gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß diese Koalition und dieses System nicht m der Lage seien, eine Gesundung der Arbeitslosen- I Versicherung herbeizuführen. Abg. 0r. perlitius (3 ) ie Frankreich die Haager Räumungsvereinbarung auslegt. Erst nach Funktionieren des Voung-Plans sollen die Rheinlands geräumt werden, sagt der französische Kolonialminister Maginot. Berlin, 30. Sept. Vizepräsident Esser er- I öffnet die Sitzung des Reichstages mit einem von den Abgeordneten stehend angehortem Rachruf für die feit der letzten Sitzung verstorbenen Abgeordneten Lünenschloh (Wirtschp.), H ö l° I [ein (Komm.), Hermann Schulz-Königsberg (Eoz.) und Kuhlenkampff (D. Vp.) und die frühere deutschnationale Abgeordnete Frau Margarete Behm. — Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die erste Beratung der Vorlage zur Reform der Arbeitslosenversicherung. Die eine Vorlage enthalt die I weniger umstrittenen allgemeinen Verbesserungen, die andere die im Reichsrat angenommenen, bis zum 31. März 1931 be- I fristeten Änderungen, die u. a. eine Sonderbehandlung der Saisonarbeiter bringen. Reichsarbeitsminister Wissest erläutert die Punkte, in denen die erste Regierungsvorlage von den Vorschlägen des Sachvn- ständigenausschusses abgewichen ist. Mihbräuche I der Arbeitslosenversicherung sind zweifellos vor - aekommen; aber sie sind in der Öffentlichkeit stark aufgebauscht worden. Die Arbeitslosenversicherung hat sich als Ganzes bewahrt. Die Regierung rückt ausdrücklich ab von der Behauptung, dah die Arbeitslosenversicherung die Arbeitsmoral des ganzen Volkes untergraben habe. Die Versicherung hotte gerade in der ersten Zeit mit graften Schwierigkeiten zu kämpfen. Zunächst muhte die Organisation umgebaut werden, und dann kam der auhergewohr^ lich h a r t e W i n t e r, der eine auhergewöhnlich grofte Arbeitslosigkeit im Gefolge hatte. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz war von vornherein in manchen Punkten verbesserungsbedürftig. Diese Verbesserungen bringt der eine von den heute vorliegenden Entwürfen. Er defimert den Begriff „Arbeitslosigkeit". Heber diesen Entwurf werden grofte Meinungsverschiedenheiten kaum bestehen (Widerspruch bei den Kommunisten), zumal seine Bestimmungen zugunsten der Arbeitslosen weit über das hinausgehen, was beispielsweise in Ruhland besteht. Die zweite bis zum 31. März 1931 befristete Vorlage will das Mißverhältnis ausgleichen, das jetzt z w i - sch en den Einnahmen und Ausgaben der Arbeitslosenversicherung besteht. Die ^Versicherung schuldet heute dem Reich 250 Millionen I aiiart. Im kommenden Winter wird der Aus- gabenbedars die Einnahmen wesentlich, übersteigen. Rach dem Jahresdurchschnitt von 1926 bis 1928 ist mit einer Arbeitslosenzahl von 1,1 Millionen zu rechnen. Auf dieser Grundlage ergibt sich bei der Arbeitslosenversicherung em Fehlbetrag von rund 270 M illionen M k. Der befristete Entwurf will diesen Fehlbetrag abdecken durch eine Kombination von Ersparnissen und Erhöhungen der Einnahmen (Unruhe und Zurufe bei den Kommunisten). Auch dann gehen die Leistungen unserer Arbeitslosenversicherung noch um das achtfache über das hinaus, was in Rußland für die Arbeitslosen geleistet wird. Heber den in ber UJor- läge vorgeschlagenen Abbau der Leistungen will die Regierung nicht hinausgehen Jede weitere Kürzung der Hnterstühungen würde die Kaufkraft von Millionen der Bevölkerung schwachen und damit die Gesamtwirtschaft schädigen. In einzelnen Punkten weicht die Regierungsvorlage von der Reichsratsvorlage ab. Dabei handelt es sich um Fragen, die weniger finanzielle als grundsätzliche Bedeutung haben. Die Regierung erwartet nicht, daft ihre Entwürfe restlose Befriedigung schaffen werden: sie sieht aber in ihnen einen gangbaren Weg zur Losung der uns beschäftigenden großen Fragen. Abg. Großmann (Goz.) gibt eine Erklärung ab, in welcher die Zentrums- fraktivn den ersten der beiden Regierungsentwürfe begrüftt, weil sie in ihm eine Handhabe sieht, um die zutage getretenen Mißbräuche der Arbeitslosenversicherung zu beseitigen. Wenn auch diese Vorlage in einigen Punkten, wie z. B. bei der Wartezeit und der Anrechnung der Sozial- renten auch dem Zentrum noch abände» rungsbedürftig erscheine, so dürfte es doch in erster Linie Aufgabe der Selb st ver- waltung sein, bei der Ausführung des Gesetzes Miftstände zu beseitigen. Die Zentrumsfraktion würde es überhaupt begrüßen, toenn solche Fragen mehr als bisher von der Selbst- Verwaltung geordnet werden könnten. Die Erfahrungen bei den mannigfachen Sanierungsversuchen für die Versicherungsanstalten und die Verhandlungen der letzten vier Monate veran- laßten die Fraktion, diesen Wunsch nach stärkerer Selbstverwaltung auszüiprechen. Dieselbe Stellungnahme habe die Fraktion auch zu der zweiten Vorlage mit den befristeten Reformen. Sie bebaute es außerordentlich, daß ihr Bemühen gescheitert sei. diese Reform durch sozial tragbare Vorschläge herbeizuführen. Abg. Dr. Pfeffer (O. B. P.) betont, leider habe man noch immer nicht verhindert. baß erwerbstätige Ehefrauen Deren Männer auch verdienen, bei Arbeitslosigkeit iln- terstühung beziehen können. Die Deutsche Volks- Partei glaube nicht, daß man den Fehlern des Systems mit Beitragserhöhungen begegnen könne. Es müsse nicht immer jeder eintretende kleine Rotfall in die Versicherung einbezogen werden, damit man besser die großen Fälle betreuen könne. Die Deutsche Dolkspartei leite aus dieser ihrer Einstellung her die Forderung nach Verlängerung der Wartezeit ab, so daß Falle von zwei- bis dreiwöchiger Erwerbslosigkeit versicherungsfrei sind. Weiter verlangten seine Freunde eine bessere Relation zwischen Dei- tragshöhe und 11 n te r ft ü 6 u n g. Die volksparteilichen Kürzungsanträge gingen, von her Erwägung aus, daß einmal auch viele Saisonarbeiter sich außerhalb ihrer Saison Beschäftigung verschaffen könnten, und daß anderseits die Leistung des Saisonarbeiters zur Versicherung nur gering fei. Für später müsse führt aus, das gegenwärtige Wirtschaftssystem führe naturgemäß zu einer großen Arbeitslosenzahl Das werde sich erst ändern unter der von den Sozialdemokraten erstrebten, von der Oeffent- lichkeit kontrollierten Bedarfswirtschaft. Der außerordentlich harte Winter hat einen Rot- stand geschaffen, dessen Folgen nicht der Versicherungsanstalt aufgebürdet werden dürften, sondern für die der Staat eintreten muß. Die Wirtschaft, die eine Reservearmee von Arbeitslosen braucht, muß auch zur Erhaltung dieser Armee Reservemittel aufbringen. Der Abbau der Sozialpolitik würde zu wirtschaftlichen und politischen Katastrophen führen mit unübersehbaren Folgen. Immer dringender wird aber von den Gewerkschaften die Forderung eines Mitbestimmungsrechtes in der Wirtschaf t erhoben. Das Defizit der Arbeitslosenversicherung ist erzeugt worden durch Ereignisse, die nicht in der Versicherung selbst lagen. Eine Sanierung in der Weise, daß die Leistungen in eine Relation zu den Beiträgengebracht werden, leßnen to ir ab In England hat man mit diesem System schlechte Erfahrungen gemacht. Die Wirtschaft lehnt nicht nur eine Beitragserhöhung ab. sondern sie vermehrt durch ihre Maßnahmen noch die Zahl der Arbeitslosen. Durch das Zusammenlegen der Produktion verlieren immer mehr Arbeiter ihre Beschäftigung. Bei der letzten großen Bankenfusion sind viele Hundert Bankangestellte abgebaut worden, wahrend die Spitzenstellungen nicht vermindert werden Ein Dankdirektor verdient fobiei wie 200 bis 300 Bankangestellte. Die Angestellten verlangen. daß die abgebauten älteren Auman, da in den nächsten Jahren mit einem Sinken der Arbeitslosigkeit nicht zu rechnen fei, Son» derkassen für Angestellte und die Zulassung von Crsatzkassen fordern. Die Deutsche Volkspartei könne auf diese ihre grundsätzliche Forderungen nicht verzichten. Abg. Sreibd (W.P.) äußert Bedenken feiner Freunde wegen der Bereitstellung von 163 Millionen aus der Anleihe für bic anderenVersicherungs- anft alten für die Arbeitslosenversicherung. Dieses von den armen Invaliden und Angestellten genommene Geld werde die Arbeitslosenversicherung wohl nicht zurückzahlen können. Die Wirtschaftspartei wünsche, daft sich die Reichs- anftalt aus sich selbst heraus saniert. Die wichtigste Aufgabe sei. den Arbeitslosen Arbeit und damit auch Brot zu geben. Das könne geschehen durch Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft und die damit verbundene Belebung des Baugewerbes. Im Baugewerbe sollte im Sommer, wo die Bauarbeiter überhaupt nur tätig sein können, die Arbeitszeit erhöht werden. Die in der Vorlage vorgesehene besondere Beitragserhöhung für die Saisonberufe fei ganz unannehmbar. Abg. Dr. Haas (Dem.) gibt für seine Fraktion eine Erklärung ab, in der die Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung als selbstverständlich bezeichnet wird. Gerade deswegen sei aber die Beseitigung offenkundiger Mißstände notwendig. Der große Gedanke der Arbeitslosenversicherung sei nur bann verwirklicht, wenn die Bersicherung sich selbst trage. Der Redner nennt es unerträglich. baß bis jetzt für die Reform eine einheitliche Stellungnahme der Regierungsparteien nicht vorhanden sei. und daß die Regierung den Fraktionen es überlassen wolle, wie die Reform zu gestalten sei. Cs sei mit ges..nden parlamentarischen Zuständen nicht vereinbar, baß bie Regierung nicht führe. Solange bie Regierung nicht führenb die Regierungsparteien zu einer einheitlichen Stellungnahme gebracht habe, müsse sich bie demokratische Fraktion ihre Entschließung in allen Einzelheiten Vorbehalten. to 250 Ws Blatt >79. Mrgtmg Oieastag, 1. ®lfob«r 1929 GiejMlAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Oie Verständigungspolitik. Rechberg über die Haltung des Stahlhelms. Berlin, 30. Sept. (Prio.-Tel.) Nachdem der große (Sturm der Behauptungen und Gegenerklärungen über die Verhandlungen rechtsstehender Politiker mit Herrn Reynaud abgeflaut ist, bringt jetzt der „I u n g d e u t s ch e" gleichsam eine abschließende Erklärung Arnold Rechbergs, der dabei zu folgenden Feststellungen kommt: „Was die Politik der Stahlhelmleitung angeht, so bin ich auch heute noch fest davon überzeugt, daß die Führer des Stahlhelms ehrlich gewillt waren, über eine ernsthafte Einigung mit den West möchten und insbesondere mit Frankreich auf der Basis zu verhandeln, wie ich sie befürwortet hatte. Es bleibt daher nur die Vermutung, daß die Stahlhelmleitung zuletzt einer unmittelbaren Einwirkung des Geheimrats Hu- genberg nachgegeben hat. Dabei ist allerdings unverständlich, in welch sachlichen Motiven die Opposition des Geheimrats Hugenberg gegen die von mir befürwortete Politik begründet ist, nachdem sich der Kapitän Ehrhardt, dessen Patriotismus niemand zu bezweifeln wagt, öffentlich dafür geäußert hat." Rechberg versucht dann, eine Erklärung für die Einstellung Hugenbergs in diesem Falle zu finden, wobei er auf das Gerücht hinweist, daß der bekannte Oberst a. D. Nicolai zusammen mit dem Vertrauten Hugenbergs, dem Kapitän W i d e n- mann, auf der Jndustrietagung in Düsseldorf geweilt hätte. Oberst Nicolai war aber bisher als Vertreter einer scharfen antifranzösischen Politik bekannt, die sogar soweit gehen sollte, daß Nicolai ein Bündnis zwischen der deutschen Armee und den sowjetrussischen Truppen zum Kampf gegen Frankreich an der Elblinie für möglich hielt. Wir glauben aber kaum, daß Oberst Nicolai einen derart tiefgebenden Einfluß auf die Politik Hugenbergs besessen hat. Frankreich und dieZnlernakionale Zahlungsbank. Paris, 1. Oft. (WTB. Funkspruch.) 3m Hinblick auf den bevorstehenden Zusammentritt! des Organisationskomitees für die Internationale Zahlungsbank, setzt sich »Excelsior" mit den verschiedenen Tendenzen zur Ausgestaltung dieser Dank auseinander. Das Blatt formuliert den französischen Standpunkt folgendermaßen: Cs handelt sich keineswegs darum, eine Heberbank einzurichten, die in die souveränen Rechte der Staaten eingreifen oder auch nur die Borrechte und Befugnisse der zentralen "Notenbanken beschranken darf. Ebenso wenig handelt eS sich um die Schaffung einer neuen farblosen Reparationskommission ohne alle Kontrollrechte und Aktionsmittel. Die französi- sche Delegation wird sich auf den Boden des Sachverständigenberichtes stellen, der in seiner Gesamtheit von allen im Haag vertretenen Regierungen angenommen worden ist. Die 3nter- nationale Dank wird im wesentlichen die Aufgabe haben, die Goldwährungen vor jeder Entwertungsgefahr, die sich aus den internationalen Zahlungen ergeben könnte, zu schützen. Rur unter diesem Gesichtspunkt wird sie die finanzielle Verwaltung der Reparationen im Zusammen- hang mit den interalliierten Schulden und den Zahlungen Europas an Amerika übernehmen können. Die Internationale Dank wird als Verbindungsorgan zwischen den autonomen Danken der verschiedenen in ihrem Verwaltungsrat vertretenen Länder niemals auf die innere oder äußere Politik der Staaten Einfluß nehmen dürfen. Cs kann also in keinem Falle in Frage kommen, ihr in irgendeiner Form oder unter irgendeinem Vorwand die Möglichkeit der Kreditgewährung an die Regierungen zu geben. Oie englischen Bahnschuhiruppen verlassen das Saargebiet. Saarbrücken, 30. Sept. (2BB.) Der für heute nachmittag um 2.30 Uhr angesehte Abmarsch der englischen Bahnschuhtruppen vollzog sich ruhig und ohne Störung. Nach einer kurzen militärischen Feier und Einholung der Flagge zogen die Truppen durch die Stadt zum Bahnhof, wo fran- zösisches und belgisches Militär Spalier bildete. Die Truppen werden hier nach Wiesbaden verladen, um von dort aus in den nächsten Tagen mit ihrem Stammregiment zusammen nach England verladen zu werden. Die amerikanische Schiffsban- industrie und die Abrüstung. Shearer vor dem Untersuchungsausschuß. Washington, 30. Sept. (WTB.) Vor dem parlamentarischen Llntersuchungs- ausschuß, der sich mit der Rüstungspro- paganda der Schiffsbauindustrie besaht, wurde mit der Vernehmung des vielgenannten Agenten Shearer begonnen. Shearer erzählte, er habe bei einem von der Marine im November 1926 veranstalteten Essen eine Rede gehalten, und auf Grund dieser Rede sei die gesamte Schiffsbauindustrie an ihn herangetreten. — Wakeman, der Vizepräsident der Dethlehem Schifssbaugesellschaft, hätte zu ihm gesagt: „Wir denken, Sie sollten nach Washin g- t o n gehen und versuchen, eine Entscheidung des Dundeskongresses hinsichtlich der Kreuzervorlage herbeizuführen." Auf Wunsch der Schiffsbauinteressenten, die von der Wendung der Dinge in Washington entzückt gewesen seien, sei er dann später nach Gens gegangen. Kein einziges Mitglied der amerikanischen Delegation in Gens, so führte Shearer weiter aus, habe gewünscht, daß die Konferenz scheitere, und er habe auch niemals behauptet, daß er das Scheitern der Konferenz herbeigesührt habe. Er habe nicht den Fehlschlag der Konferenz erstrebt, sondern lediglich seinen Verstand und seine Fähigkeiten dazu benutzt, zu erfahren, wie die Dinge stünden. Auf eine diesbezügliche Frage erklärte Shearer, er sei niemals Alkoholschmuggler gewesen und sei auch niemals in London beschuldigt worden, einen Wechsel von 750 Pfund Sterling gestohlen zu haben. Er sei der Ansicht gewesen, daß er einen zehnjährigen Vertrag mit den Schisfsbaufirmen mit einem Gehalt von jährlich 25 000 Dollar habe. Auf die Frage, was er in Genf tun sollte, antwortete Shearer: „Ich ging nach Gens, um dafür zu sorgen, daß die amerikanisch« Marine hinsichtlich Oie Zulassung des Volksbegehrens Eine Verordnung des Reichsinnenministers Severing. — OaS Volksbegehren „ein Versuch mit untauglichen Mitteln". Berlin, 30. Sept. (WB. Amtlich.) Jm Reichs- anzeiger vom 1. Oktober 1929 wird eine Verordnung des Reichsministers des Innern vom 30. September 1929 veröffentlicht, in der das vom „Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren" beantragte Volksbegehren bekannt- gegeben und die E i n t r a g u n g s f r i ft auf die Zeit vom 16. bis 29. Oktober 1929 festgesetzt wird. Der Relchsminister des Innern hat hierdurch den Vorschriften des Gesetzes über den Volksentscheid vom 27. Juni 1921 entsprochen, ohne durch die Veröffentlichung zu dem Inhalt des beantragten Gesetzentwurfes irgendwie Stellung zu nehmen. Die Reichsregierung weih sich mit der erdrückenden Mehrheit des deutschen Volkes in der Auffassung einig, daß die Besserung der auhenpolitischen Lage nicht durch ein wie immer geartetes deutsches „Gesetz" zu erzwingen ist, sondern allein durch zähes Ringen im Verhandlungswege mit den Vertragsgegnern schrittweise erreicht werden kann. Die Reichsreglerung will dec Durchführung des Volksbegehrens die v e r - faffungsmähigen Garantien selbstverständlich nicht vorenthalten. In der Sache selbst wird sie dem Beginnen, das von Anfang an als versuch mit völlig untauglichen Mitteln erscheint und in der Wirkung nur geeignet ist, den innerpolitischen Zwist zu vertiefen, allen gebot enen Wider st and entgegensetzen. Volksparkei und Volksbegehren. Eine Entschließung des Reichsausschusses. Berlin, 30. Sept. (WB.) Wie die „Rational- liberale Korrespondenz" mitteilt, hat Reichsminister Dr. Stresemann heute in einer Sitzung des Reichsausschusses der Deutschen Volkspartei Bericht über die politische Lage erstattet. Der Reichsausschuß nahm einstimmig und ohne Aussprache eine vom Parteivorstand vorgelegte Entschließung an, in der zu dem Volksbegehren gegen Kriegsschuldlüge und Boungplan Stellung genommen wird. Einleitend wird darauf hingewiesen, dah jede deutsche Regierung, auch Reichspräsident v. Hindenburg und Reichsaußenminister Dr. Stresemann, Die Behauptung, Deutschland sei schuld am Weltkriege, mit Entrüstung zurückgewiesen habe. Der Kampf gegen die Schuldlüge werde mit allen tauglichen Mitteln fortgesetzt. Das Volksbegehren renne, wenn es zum Kampf gegen die Schuldlüge auffordere, offene Türen ein. Der Voungplan sei bisher in seiner vollen Auswirkung noch nicht zu übersehen. Dem deutschen Volke wurden keine neue Ve r p f lichtungen aufgebürdet, sondern weitgehende Verbesserungen des gegenwärtigen Zustandes gebracht. Die Bedeutung des Voungplanes erschöpfe sich nicht im Materiellen, es werde vielmehr in erster Linie um die endliche Befreiung Deutschlands von fremder Besatzung und um die Abschaffung i>es fremden Kontrollsystems gerungen. Die Entschließung spricht dem Reichsminister Dr. Stresemann den Dank für feine Hingabe an die große Sache aus und dankt weiter der Reichstagsfraktion für die energische Initiative, mit der sie in den bedeutsamen Fragen der Neugestaltung der Wirtschaft, der Ordnung der Finanzen und der Senkung der Steuerlasten borangegangen fei. Das aussichtslose Volksbegehren schaffe im deutschen Bürgertum einen neuen Riß, dessen -nheilvolle Wirkungen die Durchführung der dringend notwendigen inneren Reform aufs äußerste gefährde. Die Urheber des Volksbegehrens trieben ein frivoles Spiel mit den heiligsten nationalen Empfindungen und der wirtschaftlichen Rot des deutschen Volkes. , der Publizität ihr Recht erhalte. Die Schiffsbaufirmen haben mir niemals Halt geboten." Zu der plötzlichen Aushebung seines Vertrages mit den Schiffsbaufirmen erklärte Shearer: „Bardo kam hierher und berichtete, Kellogg hätte der Bethlehem-Gesellschaft gesagt, sie sollten mich loswerden, sonst würde das Iustizamt den von der Regierung im Jahre 1910 gegen die Bethlehem Steel Company anhängig gemachten Prozeß, bei dem es sich um 15 Millionen Dollar handele, eröffnen. Oie Zündholzwirischast. Eine amtliche Darstellung. Berlin, 30. Sept. (WTB.) Zu der Frage der Zündholzwirtschaft wird uns von den zuständigen Ressorts mitgeteilt, dah eine Auslieferung der Zündholzindustrie an den Schwedentrust nicht in Betracht kommt, Verhandlungen Darüber auch niemals gefüfjrt worden sind. Cs handelt sich vielmehr um folgendes: Die unhaltbare Lage aller in Deutschland produzierenden Zündholzfabriken und die Damit verbundenen Gefahren der Stille gung und weiteren Heberfremöung machen eine Reuordnung der Zündholzwirtschaft unvermeidbar. In diesem Zusammenhang ist die Frage einer Gegenleistung des Schwedentrusts für die Verbesserung der Lage des Zündholzsyndikates und damit auch der von den Schweben in Deutschland betriebenen Fabriken in Form einer Anleihe Gegenstand von Erörterungen gewesen. Die Reuregelung der Zündholzwirtschaft kann im übrigen nur durch Gesetz erfolgen. Oie Gta-t Berlin und -er Gklarekskandal. Bisher keine strafbaren Handlungen eines Beamten festgestellt. Berlin, 30. Sept. (WB.) Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Den Vertretern der Staatsanwaltschaft wurde von dem Bürgermeister Scholz und Stadtkämmerer Lange das gesamte Material über den Sklarekfall vorgelegt und, soweit es sich gegen städtische Beamte richtet, durchgesprochen. Aus der Besprechung hat sich ergeben, daß bisher keine strafbare Handlung eines Beamten fest gestellt ist, die der Staatsanwaltschaft zu einem Eingreifen Veranlassung gäbe. Es sollen daher nach der Besprechung alle weiteren Ermittlungen gegen die Beamten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft von der städtischen Verwaltung weitergeführt werden. Sollte eine strafbare Handlung noch in Erscheinung treten, so wird die städtische Verwaltung der Staatsanwaltschaft unverzüglich davon Kenntnis geben. Im übrigen sollen die Ermittlungen mit tunlichster Beschleunigung und Energie zu Ende geführt werden. Oie Brüder Sklarek und die K. p. O. Berlin, 30. Sept. (WTB.) Anläßlich der Affäre Sklarek hatte die Kommunistische Partei Stadtrat Degner den Vorwurf gemacht, er habe besonders enge Beziehungen zu den Gebrüdern Sklarek gehabt. Wie eine hiesige Korrespondenz erfährt, haben diese Angriffe Degner veranlaßt, die Konsequenzen zu ziehen und aus der Kommunistischen Partei a ü s- z u s ch e i d e n. Degner will ein Verfahren gegen sich selbst beantragen, um nachzuweisen, daß er mit der Kreditgewährung an die Gebrüder Sklarek nichts zu tun gehabt und daß er ihnen auch sonst keine Vorteile verschafft habe. Oer Berliner Oberbürgermeister auf Reisen. Washington, 30. Sept. (WTB.) Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Böß traf in Begleitung feiner Gattin hier ein und unter* nahm in Begleitung von Mitgliedern der deutschen Botschaft eine Rundfahrt durch die Stadt. Später wurde Dr. Böß von Präsident Hoover empfangen. Rach dem Besuch im Weißen Hause gab der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat Dr. K i e p, zu Ehren des Oberbürgermeisters und feiner Begleitung ein Frühstück, an dem bie Spitzen der hiesigen Verwaltung teilnahmen. Rachmittags veranstaltete Botschaftsrat Dr. Kiep einen Empfang zu Ehren der Berliner Besucher, bei dem die deutsche Kolonie und die Washingtoner Gesellschaft stark vertreten waren. Abends fuhr Oberbürgermeister Dr. Böß mit seiner Begleitung nach Detroit weiter, wo die deutschen Besucher Gäste des Automobilfabrikanten Ford fein werden. Die Kommunisten demonstrieren. Kundgebungen in Berlin. Berlin, 30. Sept. (WB.) Einer von den Kommunisten heute nachmittag veranstalteten Kundgebung im Lustgarten waren in sämtlichen zwanzig Berliner Bezirken Umzüge der Erwerbslosen vorausgegangen. Auch vor dem Reichstagsgebäude hatten sich Abordnungen von Erwerbslosen- und Frauen- Organisationen eingefunden. Die Polizei beschlag- ncchmte eine Anzahl von Plakaten und Schildern mit aufreizenden Inschriften. Einige Demonstranten, die die Uniform des Roten Frontkämpfe rbundes oder der Roten Iungfront trugen, wurden zwangsgestellt. Bei der Kundgebung im Lustgarten sprachen die führenden kommunistischen Reichstagsabgeordneten und Stadtverordneten. Der Abmarsch der Teilnehmer an der Kundgebung hat sich verhältnismäßig ruhig vollzogen. Während der Versammlung im Lustgarten wurden fünf Personen festgenommen, weil sie die Polizeibeamten gröblich beschimpft hatten. Beim Abmarsch wurden mehrere Züge aufgelöst, weil sie verbotene Lieder sangen. In der Rahe des Görlitzer Bahnhofs bewarf ein Trupp von etwa 100 Kommunisten ein Lokal der Rationalsozialiften mit Steinen. Auch dieser Zug wurde sofort von Polizeibeamten aufgelöst. Dis 21 IHjr waren im Polizeipräsidium zehn Kommunisten eingeliefert worden, die sich wegen Widerstandes, Beleidigung usw. zu verantworten haben werden. Aus aller Welt. Generalberfammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine. Die 16. Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauenvereine, an der über 1000 Vertreterinnen der verschiedensten Frauenorganisa- tionen teilnahmen, wurde in Königsberg eröffnet. Die Dundesvorsihende, Frau Ender, gedachte in warmen Worten der verstorbenen früheren Vorsitzenden Frau Louise Kieselbach. Die Wahl von Königsberg als Tagungsort fei in der Absicht geschehen, durch eine Organisation von zwei Millionen Frauen zum Ausdruck zu bringen, wie alle Frauen des Reiches sich eng mit dem Osten verbunden fühlen. Die Tagung wurde dann weiter durch den Oberpräsidenten Dr. Siehr willkommen geheißen. Für die Reichsministerien sprach Frau Oberregierungs- rat Lüders. Die Reichsregierung erhoffe eine stärkere Annäherung zwischen den Frauen des Landes und der Stadt. Gerade die Behörden, die zu strengster Sachlichkeit und Objektivität gezwungen totiren, begrüßten eine überparteiliche politische Organisation wie diese mit größter Freude. Denn leider leide die Arbeit durch schroffe parteipolitische Gegensätze unö durch die Gegnerschaft zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch sehr. Obgleich beide Richtungen in diesem Bunde vertreten seien, beweise der Bund Deutscher Frauenvereine zielweisend, wie man diese Gegensätze durch gemeinsame Arbeit überbrücken könne, um so eine Insel der Befriedung zu schaffen. Daher leiste der Bund für die Reichsbehörden wichtigste Arbeit. — Weiter sprachen noch Frau Gräfin Dohna für den Deutsch-Evangelischen Frauenbund und Direktor Bolte für die Vereinigung Evangelischer Frauenverbände. Schwere Mehlstaubexplosion in Saarbrücken. In der Daumschen Mühle am Saarhafen, die erst vor knapp einem Jahre von einem größeren Brand heimgesucht worden war, ereignete sich am Sonntag eine heftige Mehlstaubexplosion. An dem Kabel einer elektrischen Glühbirne, die ein Arbeiter zu Ausbesserungen in einem Mehl- fchacht des zweiten Stockwerkes benutzte, entstand Kurzschluß. Ein Funke entzündete den Mehlstaub. Die Gewalt der Explosiva war außerordentlich groß. Drei Arbeiter wurden durch Brandwunden schwer verletzt. Die eisernen Türen bogen sich wie Papier. Die schweren Mehlsäcke wurden auf die Straße geschleudert. Durch die Stichflamme entstand in zwei Fällen Feuer, das aber durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr erstickt werden konnte. Zwei Arbeiter, die außerhalb des Betriebes beschäftigt waren und denen durch die Explosion dieKleiderinBrandgeraten waren, hatten noch so viel Geistesgegenwart, ihren in einer Mehlkammer eingeschlossenen Kameraden, dessen Kleider ebenfalls brannten, herauszuholen. Die Maschinenanlagen wurden nicht beschädigt. Großfeuer im Dorf. In Steinbach bei Heiligenstadt brach am Montag früh ein Großfeuer aus, dem in kurzer Zeit drei Gehöfte zum Opfer fielen. Das Feuer sprang auch auf den Kirchturm über, und unter starkem Getöse stürzten die Glocken in die Tiefe. Die Feuerwehren der Nachbarorte sowie die Motorspritze der Stadt Worbis eilten zur Brandstätte und sind noch mit der Bekämpfung des Brandes beschäftigt. Gewaltige Vorräte an Getreide, Futtermitteln sowie landwirtschaftliche Maschinen sind vernichtet worden. Das Vieh konnte gerettet werden. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Oelbrand in Rumänien. Ein jetzt schon viele Wochen dauernder Bran^ der Petroleumsonde bei Moreni nimmt immer gefährlichere Ausmaße an. Der Brand wird von starkem, unterirdischemGe- töse begleitet, das in der Bevölkerung große Beunruhigung verursacht und tagtäglich für die Bewohner immer entfernterer Gegenden hörbar wird. Rach Meinung der Sachverständigen wird die Löschung des Feuers sich als eine äußerst bedenkliche Aufgabe erweisen, weil in dem brennenden Brunnen ständig Eruptionen vulkanischer Ratur vor sich gehen. Ein derartiger Versuch ist bereits mih- .glückt. Die Arbeiten an den neuen Bohrungen stoßen auf außerordentliche Schwierigkeiten. Fahrt mit einem brennenden Möbelwagen. Ein von Berlin kommendes großes Möbeltransportauto, das mit Möbeln beladen war, geriet auf der Hamburger Chaussee bei Friesack in Brand. Mehrere Kilometer fuhr der brennende Wagen, ohne daß der Chauffeur etwas bemerkte. Im letzten Augenblick konnte ec sich retten. Das Auto mit den Möbeln und mehrere Chausseebäume brannten nieder, trotzdem die Feuerwehr schnell zur Stelle war. Ein Faß Benzin konnte noch rechtzeitig gerettet werden. Der Teer und der Asphalt der Straße schmolzen. Die Reste des Autos wurden als Alteisen nach Rauen gebracht. Die Feuersbrunst im Dorfe Schwichlenberg. Die Feuersbrunst, die am 23. September in dem mecklenburgischen Dorfe Schwichtenberg 51 Gebäude einäscherte, hat nach den jetzt abgeschlossenen Feststellungen einen Gesamtschaden von II Millionen Reichsmark verursacht. Außerdem haben die polizeilichen Ermittelungen nunmehr endgültig Branostiftung als Ursache ergeben. Ein Schwichtenberger Besitzer konnte der Tat überführt werden. Er hatte sich dadurch verdächtig gemacht, daß er sich der Vernehmung entzogen hatte. Er wurde dann in einem Versteck aufgesunden und dem Oberstaatsanwalt zu- geführt. Oie Wetterlage. Nontaa H. <0' '■W- ZI @zo iNordoyari. r6tHf y 4 n . (Q Har- -«Oi © womenlos. O neuer. Q nalt> oedetKi ® woiKig. o oedetKt eltegtit • Schnee a Graupeln. e Hebel K Gewitter,(§)Wind$Ulle.O-. sehr «icnter O$i massiger Südsüdwest, q stürmischer «ordwcst Oie Pfeile fliegen mn dem winde. Die beiden Stationen slenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien Verbinden Orte mit gleiches} •ar Meeresniveau umaererhneten Luftdruck Wettervoraussage. Das gestern über den Britischen Inseln lagernde Regengebiet hat bei seinem Weiterzug bis in unseren Bezirk zu Niederschlägen geführt. Die Wetterlage wird durch den Einfluß eines Zwischenhochs von Südwesten her wieder eine Besserung erfahren, die jedoch nur vorübergehend sein dürfte, denn die Wirbeltätigkeit im Norden ist noch nicyt abgeschlossen. Die Bewölkung wird morgen wieder abnehmen, so daß unter wechselnder Bewölkung Aufheiterung eintritt. Dabei bringt die ozeanische Luft eine leichte Abkühlung mit sich, jedoch dürfte später mit der neuen Störung abermals Warmluft zum Vordringen kommen, die wieder Erwärmung sowie Eintrübung und vielleicht auch Niederschläge bringen wird. Wettervoraussage für Mittwoch: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, kühler, meist trocken. Wettervoraussage für Donnerstag: Wetterlage unsicher, wieder Uebergang zu milderem Wetter mit Neigung zu Niederschlägen wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 30. September: mittags 20,6 Grad Celsius, abends 10,9 Grad: am 1. Oktober: morgens 13 Grad. Maximum 21,1 Grad, Minimum 10,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. September: abends 16,3 Grad: am 1. Oktober: morgens 12,2 Grad Celsius. — Niederschlag 0,3 mm, — Sonnenscheindauer 2y» Stunden Eröffnung derGießenerKerienkurse , mitgeteilt vom v. D.) Gießen: Die dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf ** Straßensperrungen. Oberhessischen Automobil-Club (21. v. Sperre auf der Provinzialstraßenstrecke Angers- künstlerbühne „Feuervogel". — Astoria-Lichtsprele: „Der weiße Wildling" und „Ihr schönster Tag". — Aus b-em Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung „Vasantasena" beginnt um 19.30 Uljc. Am Mitt- wo-ch, 2. Oktober, wird Suppes Operette „Boccaccio" als erstes Gastspiel der Frankfurter Ope- retten-Gastspiele (Direktion Baars) aufgeführt. Die Ditelrolle d^er Operette wird Fräulein Mctha Liebermann, erste Sopranistin des Frankfurter Opernhauses, darstellen, die speziell in der klassischen Operette sich einen Barnen geschaffen hat. Die Altistin des Frankfurter Opernhauses, Frau Bertram, ist für die Altpartie verpflichtet. Die Rolle des Lambertutio spielt de,r Komiker Franz Menar, der zuletzt am Zentraltheater Dresden verpflichtet war. Erster Tenor Emmerich Miller Marten, erster Tenorbuffo Hans Schneider. Die Rolle der Fiametta wird von Anneliese Küstner, Berlin, verkörpert werden. Bei der Aufführung Wirkt die Frankfurter Laban--Schule mit. — Musikalische Abendfeier de r Darmstädter Musikanten-Gilde. Diese Veranstaltung am morgigen Mittwochabend in der Stadtkirche bringt für Gießen — so schreibt man uns — etwas Reues. Kein Konzertinstitut im üblichen Sinne ist es diesmal, das unter bewußter Betonung der Trennung zwischen Ausführenden und Zuhörern den letzteren einen musikalischen Genuß vermitteln möchte, sondern eine junge Sängerschar, die, aus den verschiedensten Berufen stammend, sich durch die Liebe zur Musik zusammenfand und durch treuen Dienst sich ein gutes Können erwarb, lädt ein, mit ihr zusammen eine musikalische Abendfeier zu halten. Die Gilde will durch ihre geistlichen Musiken dazu anregen, daß der Musik sowohl im Dasein des einzelnen, wie auch im Leben der Gemeinde wieder der Platz eingeräumt werde, der ihr gebührt. Das Programm bringt u. a. eine aus Sähen unserer großen Kirchenmusiker zusammengefügte Kantate über „Ein feste Burg" und als Kernstück eine achtstimmige Motette von Johann Sebastian Bach. Man beachte die gestrige Anzeige. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll Der Erfolg der im vorigen Jahre zum erstenmal abgehaltenen Gießener Ferienkurse hatte deren Leitung veranlaßt, sie auch für 1929 wieder auszuschreiben: die diesjährigen Kurse wurden gestern vormittag mit einer Ansprache Er. Magni- izenz des Rektors Professor Dr. Brüggemann eröffnet, der die Anwesenden namens der Lubo- viciana herzlich willkommen hieß; der Rektor bedauerte, daß die Zahl der Teilnehmer nicht größer ei, und wies auf die ideellen Bestrebungen der Heuer zum zweiten Male veranstalteten Kurse hin, in denen das gemeinsame Thema „Deutsche Denker, Dichter und Künstler" behandelt werden solle: Vermittlung nationaler Kulturwerte sei das Ziel der Kurse, und er wünsche, daß das Vorgetragene in den geistigen Besitz der Teilnehmer übergehen möge. Im Namen des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung hieß darauf Beigeordneter Dr. Hamm die Teilnehmer in Gießen herzlich willkommen mit dem Wunsche, daß die Kurse zur Be» ruchtung des geistigen Lebens unserer Stadt beitragen und den Teilnehmern bleibende Erinnerungen an Gießen mitgeben möchten. Prof. Dr. K ü st e r stellte sich dann den Teilnehmern als Kursleiter vor, begrüßte sie im Namen der Veranstalter und gab einen Ueberblick über das Programm. Die Vorträge und Veranstaltungen seien als eine geistige Einheit gedacht, es habe — im Lessinajahre. — nahegelegen, sie mit einer Würdigung Lessings einzuleiten und unter einem Namen gleichsam zusammenzufassen und zu verbinden. Im einzelnen seien Vorträge, Lehrausflüge und Veranstaltungen künstlerischer Art geplant: auch die Leibesübungen sollen nicht vernachlässigt werden. Der Kursleiter gab ferner seiner Freude darüber Ausdruck, nicht weniger als ein Drittel der vorjährigen Teilnehmer auch diesmal wieder begrüßen zu können und schloß mit den besten Wünschen für die beiden kommenden Wochen. Hierauf ergriff der Literarhistoriker unserer Universität, Prost Dr. Vietor, das Wort zu seinem Fe st vortrag über Lessing. Ausgehend von der neuerlichen Würdigung, die Lessing anläßlich seines 200. Geburtstages vielfach zuteil wurde, und anknüpfend an die bekannte Selbstkritik in der „Hamburgischen Dramaturgie" entwickelte der Vortragende in ausgezeichnet durchdachten, sehr klaren und feinsinnig formulierten Ausführungen eine kritische Abgrenzung von Lessings Wesen und Wirken: eine Abgrenzung innerhalb der äußersten Pole- Leidenschaft und Geist, schöpferische Phantasie und sittliche Gesinnung, Dichtertum und Schrift- stellerei: eine mit charakteristischen Beispielen belegte Absteckung der Grenzen Lessings, die zugleich eben auch die Begrenzungen seines Zeitalters waren. Lessing wurde dargestellt als der typischste und hervorragendste Aufklärer, den wir besessen haben; die sittlichen, nicht dieästhetischen Werte feines Schaffens wurden betont; sein noch heute gültiges Bild — das des Erziehers, des schöpferischen Kritikers und Schriftstellers — formte sich überzeugend in der weitausholenden, von glänzender I Durchdringung des Stoffes zeugenden Darstellung Prof. V i s t o r s, die den Eröffnungsakt der dies- | jährigen Kurse beschloß. — Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. Oktober 1929. 3m Gemeindebackhaus. Zu keiner Zeit des Jahres — von den Feierragen abgesehen — ist das Gemeindebackhaus so stark in Anspruch genommen als jetzt, in 'den Tagen der lieblichen Zwetschenkuchen. Vom frühen Morgen bis spät in die Rächt raucht der Schornstein, und wenn wir Wanderer Vorbeigehen, steigt uns ein würziger Obstkuchengeruch in die Rase. Ganz einfache, anspruchslose Häuschen sind es, die hier der Allgemeinheit dienen,, irgendwo in einer Ecke des Dorfes gelegen, meistens in der Rähe des durchfließenden Baches. Unb doch sind sie gewissermaßen der Mittelpunkt vom ganzen: denn hier wird das tägliche Brot gebacken, von hier aus werden die köstlichen Kuchen in die Häuser getragen: in ruhigen Zeiten wird über dem Backofen das Obst gedörrt usw. 3n einer Gemeinde sah ich ein großes Gebäude, in dem tatsächlich alles vereinigt war, was wir zum geistigen und körperlichen Wohl brauchen. Da waren Backstube, Schulsaal, Spritzenhaus, Lehrerwohnung und Gemeinderatssaal in einem Hause untergebracht. Das reinste Uni» versum. 3n einem anderen Dorfe nützt man die Wärme des Backofens aus, indem man eine Badeanstalt darüber errichtete. Es gab einst Brunnen, an denen Mädchen und Frauen Wasser holten, und während sich die Eimer füllten, wurden schnell einige Reuigkeiten erzählt. Die Brunnen sind verschwunden, aber im lieben Backhaus finden sich schon einige Minuten für den Dorfklatsch. Beim Backen kommen immer Rachbarn zusammen, denn niemand hat so viel Kuchen, um einen Ofen allein zu füllen. An kühlen Abenden, noch mehr im Winter, gibt es ja auch kaum einen traulicheren Ort, an dem sichs so schön schwatzen läßt, wie gerade im Gemeindebackhaus. Ich kann mich gut erinnern, wie gern wir Kinder beim Backen halfen. Besonders schön war es abends, wenn die Mutter die kleine Petroleumslampe anzündete — heute ist ja wohl in jedem Backhaus elektrisches Licht. Wir durften dann die Kuchen oder die Welle Holz oder das Backgeschirr tragen. Schon das Feueranmachen und die hellodernde Flamme gefielen uns. Dann wurde der Ofen „geputzt". Die Asche kam ganz links auf ein kleines Häufchen, und es wurde eingeschossen. Während die Kuchen in der Hitze lagen und die Erwachsenen Muhe hatten, war es am schönsten. 3m Sommer sangen die Heimchen in den Ecken des Backhauses, ab und zu huschte eine Maus, die ja gerade hier immer Rahrung finden, über den Steinboden, das kleine Lämpchen verbreitete eine ungewisse Helligkeit. Aber so recht einladend war es erst, wenn draußen der Wind um die Ecken fuhr, oder strenge Kälte alles in ihren Dann schlug. Die wohlige Wärme, der angenehme Duft kommender schöner Dinge machte uns das Herz froh. Gegenüber der Beute, auf der die Kuchenbretter lagen, war eine schmale Dank: darauf sahen wir und lauschten den Reden der Großen. Dann und wann sprang ein Funke aus der knisternden Asche. Alte Geschichten wurden auf» gefrischt, Reuigkeiten weitererzählt. Von Zeit zu Zeit sah man nach, ob die Kuchen schon gut waren. Dann wurde links in das Zugloch ein Pack Stroh gesteckt und angesteckt, denn die kleine Leuchte genügte nichst Beim „Ausschießen" der Kuchen hupften wir von unserer Bank. Sehr oft, besonders beim Drotbacken, wurden die kleinen „Beutekuchen" sofort angeschnitten und — noch warm — verzehrt. Das war immer ein kleines Fest, wenn wie die kleinen Mattenkuchen vertilgen konnten. Alle Kinder, die eine große Verwandtschaft hatten, waren in dieser Hinsicht gut versorgt, denn es war Sitte, daß man sich bei der Tante oder der Rachbarsfrau ein Stück Kuchen holen durfte. Es war ja die Zeit, in der wir ^die Brötchen noch als Leckerbissen betrachteten und von den „Fünfpfennigstückchen" überhaupt keine Ahnung auf dem Lande hatten. Heute ist das ja alles anders. Schön war es auch, als wir älter geworden waren und beim Losen sein durften. Beim Zehnuhrläuten kam der Ortsdiener mit den blechernen Losen, warf sie einer Frau in die Schürze und jeder, der Brot oder Kuchen backen wollte, nahm ein Los. Besonders unangenehm war das Montags „d". Denn wenn der Ofen den Sonntag über kalt gestanden hatte, war der Holzverbrauch stärker. Deshalb wurde gerade mit dem Montags „v" eine besondere Reihenfolge innegehalten. Zur Herbstzeit war die Rachfrage nach Kuchenlosen besonders stark. Wie oft waren wir im Felde und kamen erst spät nach Hause. Aber unfern Zwetschenkuchen wollten wir doch haben. Da wurde es bann manchmal Mitternacht, bis unsere Kuchen eingeschossen werden konnten. 3ch muh dieser Zeiten immer wieder gedenken, sobald auf dem Tische der saftige Zwetschenkuchen erscheint. Wir holen ihn heute beim Bäcker. Damals aber, so scheint es mir, schmeckte er doch besser, weil wir ja beim Backen helfen durften. bach —Rudlos, Abteilung Ortsdurchfahrt An» gersbach, ist wieder aufgehoben. — Wegen Ausführung von Brückenbauarbeiten wird die Provinzial» straße Ermenrod — Groß-Felda vom 2.Oktober ab für jeglichen Verkehr gesperrt. ** Das Telegraphenbauamt verlegt seine Diensträume am 4. Oktober von Liebigstraße 16 nach dem Telegraphenamtsgebäude im Hof des. Poft- arundftücks, Bahnhofstraße 85, Eingang im Nordflügel. ** Spende für das WohlfahrtsamL Das bei den Modevorführungen des Modehauses Carl Nowack erhobene Eintrittsgeld hat insgesamt den Betrag von 403,50 Mark ergeben. Da das Modehaus Nowack die gesamten Unkosten für die Modenfchau selbst getragen hat, konnte der vorerwähnte Betrag in vollem Umfange dem Wohlfahrtsamt für seine Fürsorgearbeit übermittelt werden. ** Jubiläum in der Bücherhalle. Am 1. Oktober 1899, heute vor 30 Jahren, wurde Frl. Ida D i n g e l b e i n mit der Verwaltung der Bücherhalle betraut. Sie wirkt noch darin mit ihrer ganzen Person als Hüterin des Bücherschatzes und als Vermittlerin des rechten Buches an den rechten Leser. Wer immer ihre Fürsorge erfuhr, wird ihrer dankbar gedenken. *' Geschäftsjubiläum. Am heutigen 1. Oktober kann die Firma Otto Rathschl ag in Gießen auf ihr 40jähriges Bestehen zurückblicken. Das älnternehmen wurde von dem jetzt noch der Firma vorstehenden 3nhaber am 1. Oktober 1889 gegründet und bis zum 3ahre 1912 als Wäsche- und Ausstattung?geschäft, verbunden mit Reise und Versand, betrieben. 3m 3ahre 1912 wurde das offene Ladengeschäft mit der Firma E. A. Hartmann G. m. b. H. in Marburg verschmolzen, während das Engros- und Der- fandgeschäft in Gießen unverändert unter der ursprünglichen Firma weitergeführt wurde. Dank seiner guten kaufmännischen Gepflogenheiten erfreut sich das Unternehmen in Oberhessen und weit über dessen Grenzen hinaus der besten Wertschätzung. ** Oeffentliche Bücherhalle. Im September wurden 1007 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 739, Zeitschriften 17, Jugendschriften 54, Gedichte und Dramen 4, Literaturgeschichte 3, Länder- und Völkerkunde 49, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 93, Kunstgeschichte 3, Naturwissenschaft und Technologie 17, Heer- und Seewesen 1, Religion und Philosophie 4, Staatswissenschaft 10, Sport 1, Fremdsprachliches 10 Bände. Nach auswärts tarnen 6 Bände. ** Einführungsoorträge zum Spielplan des Stadttheaters werden wieder im Rahmen der Volkshochschule veranstaltet. Eine allgemeine Einführung in den Winterspielplan aibt Heinrich Bitsch am Samstag, 5. Oktober, 20 Uhr, im Sinasaal des Realgymnasiums. (Siehe heutige Anzeige.) ** Hessis che Vereinigung furVolks- kunde. 3n der Hessischen Vereinigung für Volkskunde hält am nächsten Samstag der Volks- bildungsreserent für Oberösterreich, Professor Dr. A. Depiny, einen Vortrag über: „Ober- österreichisches Volkstum" (mit Lichtbildern). Die Mitglieder und Freunde der Vereinigung, insbesondere auch die Mitglieder des VDA., seien auf diesen Vortrag hingewiesen, der — von dem besten Kenner oberösterreichischen Volkstums gehalten — den Freunden der Volkskunde und unseres Volkstums vieles Lehrreiche und Anziehende bringen wird. (Räheres siehe heutige Anzeige.) ** Richtigstellung. In der Besprechung der Modevorführungen im Hause Nowack (ogl.Samstag- nummer) muß es richtig heißen, daß die vorgeführten Hüte von Frau Minna Bock in Firma Hof- Wenzel hergestellt waren. ** ZwölsMinuten Auslandtelepho- n a t e. Das Reichspostministerium hat der „B. Z." zufolge verfügt, daß vom 1. Oktober an Prioatge- fpräche im Auslandverkehr erst nach zwölf Minuten von den Telephonämtern getrennt werden dürfen. Bisher war die Frist nur 6 Minuten. Kunst und Wissenschaft. Pros. v.'Carl Mirbt f. Am 27. September verschied der emerit. ordentliche Professor der Kirchengeschichte und Missionswissenschaft an der theologischen Fakultät der Universität Göttingen, Geheimer Konsistorialrat D. Carl Mirbt im 70. Lebensjahre. Geheimrat Mirbt, geborener Schlesier (geb. 1860 zu (3naben= frei), widmete sich in Halle, Erlangen und Göttingen dem Studium der Theologie, erwarb 1888 in Göttingen den Lizentiatengrad und habilitierte sich gleich darauf für das Fach der Kirchengeschichte. Ein Jahr später wurde Mirbt Extraordinarius in Mar- bürg als Nachfolger A. v. Harnacks, erhielt dort die Ernennung zum Ordinarius und 1913 Konsistorialrat und 'Mitglied des Konsistoriums in Kassel. 1903/04 bekleidete er das Rektoramt der Marburger Universität. Von 1912 bis zu seiner am 1. Oktober 1928 erfolgten Emeritierung lehrte Mirbt in Göttingen als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats Paul Tschackert. Sein Spezialgebiet war die mittlere und neueste Kirchengeschichte und Geschichte der Mission. _______________ So ein kleiner poetischer Hauch liegt nun einmal über dem Gemeindebackhaus. Das empfindet man erst, wenn man nicht mehr hineinkommt. P. Unser neuer Roman. 3n der heutigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" bringen wir den Abdruck der Kriminalnovelle „Der Fall Pompejus Pym" des kürzlich verstorbenen Paul Rosenhayn zu Ende: gleichzeitig beginnen wir heute mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes. Ein junger, erfolgreicher Autor, dessen Werke seither außerordentlich gefallen haben, und der sich infolgedessen beim großen Publikum einen geschätzten Ramen gemacht hat, stellt sich mit seiner jüngsten Schöpfung auch unserem Leserkreise vor. „Liebe in Ketten" von Hans Mitteweider heißt der neue Roman des „Gießener Anzeigers", der zweifellos unsere Leser und vor allem unsere Leserinnen in seinen Bann schlagen wird — ein Gesellschafts- und Liebesroman, dessen bewegte, dramatisch sich steigernde Handlung um das ergreifende Schicksal einer schönen und begehrenswerten Frauengestalt gesponnen ist. Wir sind gewiß, daß man allenthalben dem Liebes- und Leidenswege der Heldin bis zu seinem glücklichen und befreienden Ende mit lebhafter Anteilnahme folgen wird. Das Werk ist, in klarer Erkenntnis der besonderen Eigenart und der Rotwendigkeiten des modernen Zeittmgsromanes, lebenlig und fesselnd geschrieben, und so glauben wir bei seiner Erwerbung eine glückliche Hand gehabt zu haben; wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, mit seiner Veröffentlichung den Wünschen unseres Leserkreises nach einer ungewöhnlich interessanten und zu Herzen gehenden Lektüre vollauf gerecht zu werden. Möge der Roman, wie so viele seiner Vorgänger, eine freundliche Aufnahme finden! Gietzerier Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 25, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grüne und gelbe 25 bis 30. Unter-Kohlrabi 12 bis 15, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 15 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 60 bis 150, Kürbis 5 bis 8, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln 5 (der Zentner 4 bis 4,50 Mk.), Falläpfel 4 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Preiselbeeren 35 bis 40, Pfirsiche 45 bis 70, Brombeeren 55 bis 60, Zwetschen 10 bis 12, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Rüsse 60 bis 70 Pf. das Pfund; Tauben 70 bis 90, Eier 15 bis 16, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 10 bis 15, Salat- qurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück. Vornotizen. — lagesfalenberfürDienstag. Stabt» theater: „Vasantasen^", 19.30 bis 22 Uhr. — Gießener Ferienkurse: Vortrag Prof. R o l o s f „Deutsche Historiker und Staatsmänner als Bilbner unb Hüter ber beutschen Sprache", 16 bis 18 Uhr, Botanischer Hörsaal. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das zweite Leben"; auf ber Bühne: Deutschrussische Klein- Fünfhundert Brieftauben ,m Mittwochvormittag 10 Uhr bei uns aufsteigen, künden die Eröffnung unseres Hauses an 8069D ___ Kaufhaus HANSA Gießen, Seltersweg 28 06258 Friedberg (Hessen), Aliendorf a. d. Lda., 30. September 1929. 0627 i Wieseck, den 30. September 1929. 8087D Gießen, den 30. September 1929. 06226 Kaufhaus HANSA Giefaen, Seltersweg 28 8086V Familie Familie Familie Familie Die Einäscherung findet statt: Donnerstag, den 3. Oktober, nachmittags 3.30 Uhr, in der Friedhofskapelle zu Friedberg. DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl'sche Drucherel Andreas Erhard Karl Reuter Heinrich Becker Karl Reuter jr. Johanna Augst geb. Grünewald Dr. med. H. Augst Else Augst geb. 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In Giefaen (Hessen) Laden Nachruf. Am 30. September 1929 verschied nach kurzem Krankenlager Danksagung. Fürdie überaus vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verlust sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Herr Kulturinspektor Buhl in Alsfeld Für unsere groß angelegte Spezialabteilung Damen- und Kinderkonfektion Arzdorf Ludwigstraße 81 erteilt 06250 Sprach- and Schauspiel-önlerricht Du tust mir nicht mehr lange weh, Du Hühnerauge auf der Zeh; Wirst ausgewurzelt kurzerhand Durch „Lebewohl" das Pflasterband. Höhneraugen-Lebewohl u. Lebewohl-Ballenscheiben 12 tüdjtige Vertreter gefmbt^ ^^^6257 von Weltfirma gegen höchste Be- Emil Kraus, zlige und anfangs feste Svesen Schuhmacher meister gesucht. Schrift!. Angebote unter SeUerSweg 39, 8074D an den Gieß. An-, erbeten. Eingang Goethestr. Vertreter welcher in Hessen-Nassau Möbel- u. polfkerwarengeschäfte besucht, von WuppertalerMöbekstoff'Großhand' lung zum Mitnehmen der Kollektion gesucht. 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Lebensjahr. Mit ihm verliert das Hessische Kulturbauamt Gießen einen, lange Jahre auf verantwortungsvollem Außenposten stehenden, tüchtigen und pflichteifrigen Beamten, der, auf gründliche theoretische und praktische Kenntnisse und große Lebenserfahrung gestützt, sich das uneingeschränkte Vertrauen der Bevölkerung des Kreises Alsfeld erworben hatte und der jedem mit Rat und Tat fördernd zur Seite stand. Das Kulturbauamt wird dem Entschlafenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Hessisches Kulturbauamt Giefaen H. Steinbach, Regierungsbaurat 8094 D Vertreter M1V gesucht für unsere erstklassigen Hoch- freaueuz.Heil-Avvarate „Helio-Lux" ges. gesch. Glänzender Verkauksarttkel! Unentbehrlich für jedermann! Günstigste Bedingungen. Große Verdlenstmöglichkeit. Bruno Mattbes & Co., Hamburg ß. Fabrik elektro-medlzinlscher Apparate. | Hansa Handelsschule J. Kunzeimann Gießen, Bahnhofstr. 60 15. Oktober neue Kurse. , Anmeld, tägl. V988D , [Vermietungen | Zu vermieten für 1. Novbr. 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InldjU b. unt B-Äni DRUCKSACHEN Iller Art liefert die Brthl'iche Druckerei tai- eln ihm [. 06248 iße 6. nisiert sind; auch in Südtirol wächst eine Generation heran, die der Gesahr unterliegt, den gegenwärtigen Zustand als eine Gegebenheit hinzunehmen. Wir sehen zwei Wege und Möglichkeiten dieser Hilfe' wir müssen im Reiche und in aller Welt die Llcbcrzcugung verbreiten, daß Italien solange nicht Anspruch auf den Namen eines europäi- chen Staates hat, solange es einem hochkultivierten Volkstcil die einfachen Menschenrechte verweigert. Wir müssen besonders in Deutschland den naiven Glauben ausrotten, ein solches Italien könne ernsthaft als politischer Partner angesehen werden; die Stellungnahme gewisser deutscher Kreise zur Frage Südtirol ist ein Musterbeispiel für die verhängnisvollen Wirkungen der ilebertragung innerpolitischer Sympathien auf außenpolitisches Gebiet. Diese mittelbare Arbeit muß ergänzt werden durch eine unmittelbare, praktische Hilfe, die sehr einfach ist: Reisen nach Südtirol. Laßt uns aus der R e i sefreudigkeit des deutschen Volkes eine politische Waffe >etn eniseg- M he 73» ig8L machen! Südtirol hat es nicht nötig, dah man seine landschaftlichen Schönheiten besonders anpreist, dies Land kann sich getrost mit der Schweiz messen, in die jedes Jahr große Summen deutschen Geldes getragen werden, ohne den geringsten Ruhen zu stiften. Jede Mark aber, die nach Alt-Italien getragen wird, ist ein politischer Verlust, während jede Mark in Südtirol einen politischen Dienst leistet. Der Aufenthalt im Etschland ist zugleich das beste Heilmittel gegen eine unangebrachte Faszis- mus-Schwärmerei. Wir müssen helfen, ehe cs zu spät ist. Wir dürfen dem Gegner nicht die kleinste Konzession machen; die italienischen Post- und Vahnbcamten verstehen die deutschen Ortsnamen ausgezeichnet. Wir müssen es als unsere Pflicht ansehen, die kleinen Unannehmlichkeiten gern zu tragen, die ein Aufenthalt im „Gefängnis Südtirol" mit sich bringt: was uns nur zum geringen Teile trifft und nur auf kurze Zeit, müssen dort deutsche Menschen Tag für Tag erduldend Südtirol hofft und vertraut auf uns — das ehrende Wort soll uns zugleich eine Verpflichtung fein. Die zahlreichen Skandale unserer Tage finden | oft ein zu gewichtiges Echo. Da spricht man von tragischen Schicksalen, erregt sich über den Zu- | sammenbruch scheinbar solider Häuser und wundert sich nach ein paar Zähren, dah die Träger hart mitgenommener Ramen seelenruhig im Geschäftsleben wieder auftauchen; oft gelingt es ihnen, ohne sehr große Schwierigkeiten, eine neue Existenz zu gründen. Roch kein Jahr ist vergangen, seit der Direktor eines chemischen Werkes in einem Verliner.Vorort verhaftet wurde, weil er durch schwere Urkundenfälschung und betrügerische Manipulationen seine Gläubiger um nahezu 10 Millionen Mark gebracht haben soll; da keine Fluchtgefahr mehr vorliegt, hat man ihn aus der Haft entlassen, aber der Skandalprozeß selbst steht noch bevor. Dennoch ist es diesem jungen Direktor, einem intelligenten und waghalsigen Spekulanten, schon jetzt gelungen, wieder in angesehenen Kreisen Fuß zu fassen und ein neues geschäftliches Unternehmen aufzubauen. Spieler und Hochstapler sind verwandte Ra- turen, deren gemeinsamer Renner Leichtfertigkeit heißt. Die Summe von 10 Millionen Mark wird auch bei dem Fall der Vrüder Sklarek genannt, deren Zusammenbruch weder tragisch noch sonst beunruhigend ist, wenn man davon absieht, dah er ein trübes Licht auf die Leichtgläubigkeit der Verliner Vehörden wirft. Die Sklareks sind ebenfalls im tiefsten Wesen Spieler, mögen sie nun an der Vörse spekuliert, mit Grundstücken Geschäfte gemacht, in den Spielklubs hohe Summen gesetzt oder eigene Rennstalle unterhalten haben. Solange die Spekulation glückte, war cs billig, von geschäftlichem Genie zu sprechen. Da sie jetzt fehlgeschlagen ist, wird nur die Tatsache offenbar, dah pfiffige und allzu eitle Spekulanten oft skrupellos in der Wahl ihrer Mittel sind, wenn sie Fehlbetrag« decken sollen. Der neue Reichtum siedelt sich mit Vorliebe im allerneucsten Berliner Luxusviertel an, i n W e st- c n d. Dort wohnen in der Ahornallee die beiden Vrüder Max und Willi Sklarek in zwei Villen, deren elegante Ausstattung berühmt ist. Leo ihren leisen Warnungsruf hörte, besann und unter die Bäume fuhr, deren Schatten sie beide vor den Blicken Reugieriger bargen. Dort zog er die Ruder ein und begann zu sprechen, leise nur, aber dringlich, und seine Stimme hatte einen bestrickend warmen Klang, seine Worte waren berauschend für das unerfahrene, junge Mädchen. „Käthe." sagte er. „Sie müssen sich nicht vor mir fürchten, Sie dürfen es nicht, denn ich liebe Sie, habe Sie geliebt, als ich Sie das erste Mal sah, und wenn Sie mir ein wenig gut sein können. dann will ich zu Ihrer Tante gehen und sie bitten, dah sie uns heirate? läßt ..." „Ilm Gottes willen!" schrak Käthe auf und hob die Hände. „Rur das nicht! Versprechen Sie mir. Herr Klauben, nicht zu meiner Tante zu gehen!' Das klang so angstvoll, dah es ihn durchschauerte. Warum fürchtete sie sich vor der alten Frau? Doch er fragte nicht, er ergriff auch nicht ihre Hände, er wollte sie nicht einschüchtern. Er sprach nur: „Käthe, ich liebe Sie und will Sie zu meiner Frau machen! Wie soll da die alte Frau uns hindern? Oder lieben Sie mich nicht?" „Ich — weih — nicht." flüsterte sie. „Sie wissen cs nicht. Käthe? Freuen Sie sich denn nicht jedesmal, wenn wir uns Wiedersehen? Fühlen Sie sich nicht glücklich, daß Sie jetzt mit mir zusammensein können? Ist in Ihrem Herzen nicht eine Stimme, die für mich spricht, ein leises Jubeln bei meinen Worten. Käthe?" Das junge Mädchen antwortete nicht. Er sah, dah üe den Kopf tief gesenkt hatte, und dann hörte er sie schluchzen. Da kniete er vor ihr nieder und faßte die Hände, die sie vor die Augen geschlagen hatte, zog sic herab und prehte sie an seine Lippen. „Käthe, nun weih ich. daß du mich liebst!' rief er froh. „Du zeigst es mir durch diese Tränen! ilnb nun werde ich dich nicht mehr lassen, nun muht du mein werden! — Käthe, sage mir nur einmal, ob du mich liebst!" Doch die ersehnte Antwort kam nicht. Rur das Schluchzen ward stärker als vorher. Die ganze zarte Gestalt erbebte. Und in unbeschreiblichem Mitleid umfaßte Berndt sie und zog sie an sich. „Käthe, zweifelst du daran, daß ich dich glücklich machen will? Mein Leben gäbe ich,für dich? Ich habe noch nie eine andere geliebt, ich werde nur dich lieben. Willst du nicht meine Frau werden?" Lind als sie immer noch schwieg, fuhr er eindringlich fort: „Du fürchtest die alte Frau, die streng und hart gegen dich ist. Aber sie kann das Glück unserer Liebe nicht stören, kann nicht hindern, dah ich dich heirate. (Fortsetzung folgt.) att> ilffl einer üiche 06266 i. erb. n »8. dchen nber. vot- :S zu «er, fcotb' übtl- itltig leichter als mit den Heereslieferungcn zu vcr- Die Sklareks waren keine Betrüger. Ihre Geschäfte wickelten sie so ehrlich ab, toic das nun einmal so üblich ist. Während des Krieges hatten sie zu hohen Preisen der Armee H ec r c s- materialicn verkauft, die nicht schlechter als die Lieferungen der Konkurrenten ausficlen. Als der Waffenstillstand diesem Geschäft em ®noe machte, siedelten die Brüder Sklarek aus Schlesien nach Berlin über und kauften das Heeres- material zu entsprechend niedrigen Preisen zuruck. Alle Textilien waren zu verwerten: aus Uniformen konnte man gute Zivilanzuge machen, denn das deutsche Volk hotte nichts mehr an- zuzichen. So verdienten Sklareks an den Web- warcn beim Verkauf und beim Rückkauf. Das Geschäft ging so gut, dah sie es nun nicht mehr nötig hatten, auf den Rennplätzen auf fremde Pferde zu wetten; sie wußten, daß man als Rennstallbcsiher in vornehmen Kreisen populär wird, und sic konnten sich diese Verbesserung ihres Rufes etwas kosten lassen. Der vorsichtige Max Sklarek hatte zwar zunächst Bedenken; aber die Brüder Willi und Leo kauften sich im Jahre 1920 ein paar Pferde des Gestüts Graditz und gründeten damit einen Renn- stall, dessen Jockeys eine schwarze Klippe, eine weiße Jacke und eine altgoldene Schärpe trugen. Das war eine ziemlich bunte Ausstattung, die aber bald volkstümlich wurde, weil wirklich gute Pferde liefen. Berühmt geworden ist vor allen Dingen der Hengst Famulus, dcr von dem Jockey Rastenberger im Jahre 1923 zum erstenmal zum Sieg geritten wurde. 3m vorigen Jahr war besonders erfolgreich das Pferd Lupus, das in den drei größten Rennen den Preis gewann. Die Erfolge dieses Rennstalles liehen dann auch Max Sklarek nicht ruhen, der sich ebenfalls einen Stall zulegtc, ohne die sportliche Bedeutung seiner Brüder zu erlangen. Es steht nicht fest, ob die Rennställe den Brüdern Sklarek etwas eingebracht haben oder ob ihre Unterhaltung sogar noch Geld kostete. Aber die Sklareks hatten es nicht nötig, mit cm paar zehntausend Mark zu rechnen. Die Inflationszeit konnte den rührigen Brudern nichts anhaben; im Gegenteil verstanden sie es. ihr Vermögen ständig zu vergrößern, während die Kapitalien der großen Masse dahinschwanden. Ein besonders gutes Geschäft machten sie dann mit der ilebemaßme der K.V.G.. der Kleiderverwertungsgesellschaft der Stadt Berlin. Dieses Unternehmen war in den Kriegsjahren geschaffen worden, um dem Warenmangel und der Rohstoffknappheit in der Reichshauptstadt ein wenig abzuhelfen. Ursprünglich wurden dort alte Kleider angeiammelt, die dann auf Kleiderkarten an die bedürftige Bevölkerung und an die Dienststellen der Stadt Berlin abgegeben wurden. In der K.V.G. vertrieb man auch die schrecklichen Bekleidungsstücke, die m jenen schweren Zeiten aus Papierfasern, Brennnesseln und ähnlichem Material hergestellt wurden. Als es endlich wieder Wolle und Baumwolle gab, geriet das Unternehmen in Schulden, und die Stadt Berlin war froh, dah die Brüder Sklarek die Firma übernahmen — freilich nur unter der Bedingung, dah die Reichshauptstadt für die vorhandenen Schulden haftete und einen festen Lief erver trag abichloh, nach dem die K.V.G. die Aufgabe behielt, die Behörden weiter mit Kleidungsstücken zu versehen. Das Monopol, das ihnen bei der Versorgung der kommunalen Stellen damit zufiel, haben die Brüder Sklarek gehörig ausgenutzt. Da sie keine Wettbewerber hatten, konnten sie die Preise festfetzen, die oft in argem Mißverhältnis zur Beschaffenheit der Ware standen. Aber sie hätten wahrscheinlich noch jahrelang die Stadt Berlin Aach einer Aeise durch Südtirol. Von Friedrich Nerfling. Der Ton macht die Musik, und die kleinen Er- lebnisse geben den Erfahrungen die Farbe. Es wirkt wie ein Symbol, daß zwischen der österreichischen Station Drennersee und dem italienischen Grenzbahnhof Brenner auf einer Strecke von 500 Meter die elektrische Leitung unterbrochen ist und eine Dampflokomotive umständlich die Verbindung Herstellen muß. Ihren ersten Pfiff wird kein Reisender vergessen; er ist das Zeichen eines allgemeinen Aufatmens. Endlich sind Beil und Ruten verschwunden, endlich haben die Schnüffler und faszistischc Miliz den Zug verlassen, endlich darf man sich wieder deutschen Landes freuen, nachdem in Südtirol Trauer und Zorn die Freude an diesem von der Ratur so reich beschenkten deutschen Volksboden verdunkelten. Ich fuhr vom Brenner nach Innsbruck mit zwei Oesterreichern zusammen, einem Kaufmann, der in Meran Verwandte besucht hatte, und einem unteren Eisenbahnbeamten; beide waren miteinander bekannt. Wie oft mochten sie schon über Südtirol gesprochen haben, auch diesmal sprachen sie von Land und Leuten hinter der frcvlerisch gezogenen Sperre, die sie aus ganzem Herzen verdammten. Sie waren fest überzeugt, daß eine solche Grenze, entstanden aus Lug und Trug, , keine Dauer haben kann. Sic kannten ihre neuen Grenznachbarn aus vier langen Kriegsjahren zur Genüge, um zu wissen, daß sie nur Schwachen und Ohnmächtigen gegenüber „stark" sind. Sic sagten einander: „Der Deutsche muh es machen!" Wer mit offenen Augen durch das gesegnete Etschland reist, ist beglückt von soviel Schönheit in immer wechselnder Gestalt. Wer diese Schönheit spürt und bei ihrer. Anblick des bitteren Gegensatzes zum Schicksal seiner Bewohner nicht eingedenk ist, dem spricht man vergebens von Volksnot und Volkskampf. Aber nur die kleine Schicht der Snobs und der professionellen Landesverräter kann gefühllos am Leid der Südtiroler vorübergehen. Wer mit eigenen Augen gesehen hat, wie die Südtiroler mit allen Mitteln der Politik und Verwaltung entrechtet und unterdrückt werden, für den kann, für den darf es nur eine Frage geben: Was können wir tun, um das Los der Südtiroler zu erleichtern, um den Kerker zu spreng en, zu dem ein zynischer Feind seinen „Sieg' ausgebaut hat? Italien, das Südtirol zum Symbol seines vermeintlichen Sieges im Weltkriege erhoben hat und aus militärpolitischen und strategischen Gründen im Besitz Südtirols die Garantie seiner Großmachtstellung zu sehen glaubt, wird niemals freiwillig das Land herausgeben, dessen unrechtmäßigen Erwerb es mit der grotesken Theorie einer Reitalianifierung zu verdecken sucht. Die letzte Entscheidung über das Schicksal Südtirols . liegt im Bereich der großen Politik; wir können dazu nichts anderes tun, als in einer opferbereiten Gesinnung die Grundlage für diese „neue Entscheidung" zu schaffen. Nachdem aber Italien die politische Führung der Deutschen Südtirols zerschlagen hat, nachdem die Schule völlig verwelscht ist und der Lateran-Vertrag dem italienischen Staat das Recht gibt, in allen Teilen des Landes auf die Bestellung italienischer Geistlicher zu dringen, nachdem schließlich auch die Wirtschaft in Abhängigkeit vom faszistifchen System gebracht worden ist, kann es uns nicht genügen, resigniert auf jene außenpolitische Ent- scheiduiVg zu warten. Mit jedem Tage wird die Zahl derjenigen kleiner, die aktiv und passiv Krieg gegen Italien geführt haben und dadurch gegen alle Verlockungen und Drohungen immu- Wie die Sklareks groß wurden. Millionäre des Krieges und der Inflation. - KonsektionSreisende^ennstallbesiher und Kleiderhändler en gros. Von Walter Sersky. w LudwigilrakeSI erteilt 06250 N-Mi MW4IM Als es Abend geworden war, schlich sich Berndt Klausen zu dem Hause unter den Ka» ft amen und umkreiste es, spähte bald durch dieses, bald durch jenes der unverhüllten Fenster, konnte aber nichts sehen, da alles finster war. Endlich ging er, aber am nächsten Morgen fragte er seine Wirtin nach der Tante Käthes und erfuhr, daß sie eine alte Jungfer namens Wohllcbe sei, die schon über zehn Jahre hier wohne und sich den Sommer über durch Plätten, Nähen und Waschen ernähre, im Winter aber wohl von ihren Ersparnissen lebte. Schlechtes könne ihr niemand nachsagen, sie spräche nur mit niemand mehr, als unbedingt nötig toar. „Und das junge Mädchen ist wirtlich ihre Nichte?" fragte Klausen. Es wird wohl so sein," erwiderte die »rau. „Lieber die Eltern des Mädchens wissen Sie nichts?" „Kein Sterbenswörtchen. Herr! Lind weil nur scheint, als hätte die Käthe es Ihnen angetan, Herr Klauen, möchte ich Ihnen raten, lassen Sie die Hand von ihr! Mit der Wohllcbe ift nicht gut Kirschen essen. Da könnten Sie was erleben!" Berndt Klausen lachte unbekümmert. „Man könnte es darauf ankommen lassen, erwiderte er. „Aber Sie sorgen sich umsonst, Frau Brandt. Mir tut das arme junge Ding bloß leib. Ein anderes Interesse habe ich mcht an ihr!" Aber damit hatte Klausen gelogen! Hatte er schon vorher alle Tage ausgclugt, ob er das liebe, blonde Mädel nicht zu erspähen vermöchte, nun hatte er schon gar keine Ruhe mehr, unb immer wieder trat er Käthe Fernau in den Weg. immer wieder bat er sie, ihm einmal abends eine Stunde zu schenken. ■ „Ich habe fcftgcftellt, dah Ihre Tante >ehr zeitig schlafen geht," sagte er einmal. „Da muß cs Ihnen doch ein Leichtes sein, aus bem Hause zu tominen, ohne daß sie etwas merkt. Wir fahren bann mit einem Boote ein Stuck auf den See hinaus, wo niemand uns beobachten und am nächsten Tage klatschen kann. — Ober furchten Sie üch vor mir, Käthe?" Olein, bas war cs nicht, aber vor der Tante hatte sic Angst, unb doch gewann sie es über sich, bah sic eines Nachts, zitternd vor Furcht, doch ein heimliches Glücksahnen im Herzchen, durch das Küchenfenster ins Freie stieg und zu dem Platze eilte, wo Berndt Klausen auf sie wartete. „Käthe!" jauchzte er auf, als sie zu ihm trat. Er wollte sic in seine Arme reihen unb sie küssen aber als er im Mondenschein ihre angsterfüllten Augen sah, lieh er die Arme wieder sinken und schritt neben ihr her zum Seeufer, half ihr ins Boot, griff nach den Rudern und steuerte hinaus auf den See, bis er sich, als er Dor den Blicken, die sie aus feinen Augen trafen, errötete dqs junge Mädchen und senkte den Kopf. Es fand keine Antwort, strebte ledoch, an dem Manne vorbeizukommen, ohne dah es glücken wollte. , , r. .... „Lassen Sie mich, bitte!“ sagte sie endlich flehend. „Wenn Tante mich mit Ihnen sieht ... „Ihre Tante ist wohl ein rechter Drachen? fragte Klausen, wieder lachend. „Dah muh sie ja auch sein, denn Drachen hüten immer Schatze, hier ein golbhaariges, blauäugiges Mägdelein. — Fräulein Käthe, haben Sie nicht Lust, nut in den Garten zu kommen? Lockt die MU,ik Sie gar nicht ein bihchen?" ‘ Käthe schaute unbewußt hinüber, und ebenso unbewußt kam in ihre Augen der Ausdruck heimlicher Sehnsucht. . Ach, wie sehr, sehr gern wäre sie gegangen, hätte sich unter die heiteren Menschen gesetzt, gelacht, geplaudert und alles andere vergeben'. Aber schon blickte sie hinüber nach dem Häus- cheii unter den Kastanien, das Tante gehörte. Lind sic atmete auf, als sie die alte Frau nicht unter der Tür stehen sah. Sie spürte immer eine Angst vor dieser tfrau die ihre einzige Verwandte auf Erden war unb ßie doch nie ein gutes Wort für sie hatte, noch weniger die geringste Zärtlichkeit — nie, ,eit Käthe denken konnte! Flehend hob sie nun die gefalteten schmalen Hände und schaute bittend in das sonnen- gebräunte, hübsche Gesicht des jungen Mannes. „Lassen Sie mich gehen, Herr Klausen! sagte sic. Da war es, als käme ein tiefes Erbarmen über ihn. Mitleidig schaute er sie an. „Armes kleines Mädchen!" sagte er leise, und diele Worte drangen Käthe Fernau ties in die Seele. Zum ersten Male hörte sie gute Worte. Zum ersten Male hatte jemand Mitleid mit ihr! ' . Fast erschrak Berndt Klausen vor dem Blick, der ihn aus ihren Augen traf. Was hatte er denn ge'agt, baß sie ihn so dankbar anschaute?" Lind plötzlich faßte er ihre Hände, drückte sie und sagte: , . . „Käthe, Fräulein Käthe! Ich muß Sic Wiedersehen! Ich muß! Lind sorgen Sic sich nicht mehrl Vielleicht kann ich Sie aus Ihrer Einsamkeit erlösen, Ihnen die Freude geben, nach der Sie sich so sehnen — ich sah cs Ihneü vorhin an .. Da biß sie sich los. Die Tür drüben war aufgegangen, die Tante stand auf der Schwelle. . Berndt Klausen schaute ihr nach, wie sie rasch hinüberlief, aber er sah nur noch, daß die hagere Frau ein wenig zur Seite trat, daß Käthe ins Haus schlüpfen konnte, bann sich umwandte unb die Tür hinter sich schloß. Htndelsschule JKunzelminn Gleßcn, Bßhnhofctr. 60 Oktober nau Kurse. Sklarek besitzt eine Villa in der Lllmenallec und ein Wochenendhaus in der Heerstraße, das freilich luxuriöser und eleganter als die Wohnung manches bekannten Industriellen eingerichtet ist. In diesen vier Villen, die mehr als sechs Millionen Mark wert sein sollen, trafen sich ständig zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, Kaufleute unb Künstler, auch Politiker unb natürlich die vielen Freunde, die in so reichen Häusern niemals fehlen. Es war der Ehrgeiz der Brüder Sklarek, eine Rolle z u spielen und mit der Aristokratie und der alten Finanz in einem Atem genannt zu werben. Dabei stammen Willi, Max und Leo Sklarek aus einfachsten Verhältnissen. Sie wurden in Schlesien geboren und begannen ihre Laufbahn als Konfektionsreisende. Schlecht unb recht ernährten sie sich durch den Besuch von Breslauer Firmen und durch Reisen in andere schlesische Orte. Als der Krieg ausbrach, schlug ihre große Stunde. Damals zerfielen alle Völker in zwei Teile: die überwiegende Zahl der Männer wurde zum Heeresdienst eingezogen und hatte nur die Sorge, die Heimat zu verteidigen, während eine Handvoll „klügerer" Persönlichkeiten sofort erfaßte, daß der Krieg nicht nur Opfer fordere, sondern auch große Gewinne ab* werfen könne. Die Brüder Sklarek gehörten zur zweiten Sorte. Sie waren unentbehrlich, unabkömmlich, reklamiert, denn sie mußten Zeltbahnen, Brotbeutel, Stiefel, Uniformen und die tausend anderen notwendigen Dinge herbei- schaffen, die man damals brauchte. Gewaltige Summen wurden leicht verdient und leicht aus- gegeben. Man weiß, daß die Generation der Kriegsgewinnler und Inflationshelden für das normale Wirtschaftsleben von Grund auf verdorben ist. Diese Männer haben nicht gelernt, mit Pfennigen zu rechnen und sich, wenn die Geschäfte schlechter gehen, nach der Decke zu strecken; sie vetstehen nur, mit bem Geld um sich zu werfen unb der Mitwelt den Wert ihrer kleinen Persönlichkeit durch luxuriöses Auftreten zu beweisen. Mit den ersten Kriegsgewinnen erwachte in den Brüdern Sklarek die Sucht zu imponieren und der Drang, am Spieltisch noch Liebe in Ketten. Roman von Hans Mitteweider. _ Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). Nachdruck verboten! Käthe Fernau kam aus dem Forsthaufc. wo sie einige Näharbeiten abgeliefert hatte, die Unke Hand in der Kleidtaschc, wo die Fmger sich um den fast neuen Zehnmarkschein schlossen, der ihren Sie war sehr sroh über diesen Schah. Wenn sie ihn der Tante gab, würde deren immer finsteres Gesicht sich vielleicht einmal erheitern Vielleicht würde sie gar ein Lob für sie haben Es wäre so schön gewesen. Die Somie strahlte so warm vom Himmel, und alle Men chen waren fröhlich. Aus dem Wirtshausgarten ,chaNte lärmende Blechmusik. Dort saßen die fremden mergäste beim Kaffee und schwatzten und lachten unb überlegten sich, was sie am Nachmittag be- Käthe aber würde höchstens vor der Tür sitzen unb zusehen können, wie der flinke ^eiue Dampfer den schmalen Kanal dahinsauste der aus dem großen See nach dem Meere hinuberfuhrtc. nach dem großen Badeorte, der nur eine Stunde von Herzogenheide entfernt war. den iie aber trotzdem noch nie gesehen hatte. Warum Tante nur so einsam für sich lebte unb mit keinem Menschen verkehrte: Ein Schatten fiel über den Weg des jungen Mädchens, das den blonden Kopf nachdenkUch gesenkt hatte und nun die großen blauen Augen fast erschrocken hob. Ein junger Mann stand vor ihr und zog höflich grüßend den leichten Hut. der ganz zu der eleganten Kleidung paßte, zu den braunen Schuhen, zu dem seidenen Oberhemd. Endlich finde ich einmal Gelegenheit. Sie an- zusprechen, Fräulein," sagte der Unbekannte leise, als gälte es ein großes Geheimnis. „Sie huschen immer so flink dahin daß 'ch Siecher vergebens einzuholen suchte. Haben Sie denn Nein'Herr," erwiderte Käthe, ohne sich über die Anrede besonders zu wundern. „Aber wenn Sie etwas für uns zu tun haben, so sagen Sie 'cs. bitte. Wir werden es schnellstens erledigen. Tante plättet ganz ausgezeichnet ... Da lachte er heiter. . . . ,.. „Vielleicht habe ich auch einmal etwas sur Ihre Tante, Fräulein — wie heißen Sie doch. Käthe Fernau? Ich nenne mich DerndtKlawen und bin Techniker — aber lassen wir das! Können Die sich wirklich nicht denken Fräulein Käthe, warum ich so sehnsüchtig darauf gewartet habe, Sie einmal sprechen zu können? ngenj ngeti ttoll B SZIm- rtidjl Ä ;g und ngung. guten ungen ngebote an den iet____ s iO&nuM an oder für ge- tb M 1.1 ge>. eb. unt. iHnJ; iteS y egend ben- *^ürt»fhan hl- 0BrCJaiL^l*®tert",d [Verschiedenes] Tüchtige WW nimmt noch Kunden an. 8u erft. In der GeschastSst.desGieh. Anzeiger. 06276 15ÖÖW gea. doppelte Sicher» beit und hohe Zinsen los.auseinig.Monate au leiden gesucht. Schttstl. Angeb. unt 06272 g.d.Gieh. An». Vereine MIM WM. 5. LIM. abends 9 Ubr 10629 Semüttiches Iei'sanMlisein jmk.c..WoML M Beginn d.schwitnm» Den Mittvo-b. bin 2. cktober 8 Öhr DaSS-billerlchwItN' mtnjam^*^ fiubertus sss“® WWM iwTi”1 •Smliunit» sAmL-d- ®iteÄ5ani5‘ "h“”«”*<«»• Stadttheater iSttflÄJubr i-M°, i« auf diese Weise Übervorteilen können, wenn sie ordnungsgemäß bei der Abrechnung vorgegangen wären. Tatsächlich ließen sie sich ledoch von der Berliner Stadtbank Aufträge beleihen dce überhaupt nicht gegeben u n d de ren Unterlagen gefälscht worden sind. Da die ersten Unregelmäßigkeiten schon vor vier.wahren begangen wurden, können die Sklareks *- iVorträöen . GastsP'®1 ä6iöunÖ1 goßD Itungen:.|raflvon20^ lorJ‘h,’SMi'flll“de,n?nhen fürdßn sSCS f8b*nd.7'v Turnen, Gpori und Spiet. V. f. B. V. f. B. schlug am Sonntag feinen Verbands- spielgezncr Sportverein Herborn mit 3:0 und gewann damit zwei weitere wertvolle Punkte. Die Gäste stellten eine gut eingespielte, forsche Elf und wußten durch ihr solides Können zu imponieren. Ihr bester Mann war der Mittelläufer, der eine glänzende Partie lieferte und seine Nebenspieler weit überragte. Die Verteidigung einschließlich Tormann war sehr gut und trug an den drei Toren keine Schuld. Der Sturm war im Verhältnis zu den anderen Mannschaftsteilen etwas weich, aber durchaus nicht ungefährlich. Herborn war durch Ausbleiben eines feiner Spieler genötigt, seinen Reisebegleiter als elften Mann einzustellen, der sich jedoch sehr gut in die Mannschaft einfügte. Die Platzmannschaft enttäuschte nach der angenehmen Seite. Sie war dem Gegner in der Kombination und im Stellungsspiel überlegen, auch in der Ballbehandlung war sie um eine Kleinigkeit besser. Was Herborn ihr voraus hatte, war Schnelligkeit und Wendigkeit, woran es besonders der Verteidigung anfangs stark mangelte. Dagegen hatte der Schlußmann einen sehr guten Tag. Läuferreihe und Sturm arbeiteten sehr gut zusammen und zeigten einen erfreulichen Kampfgeist. Trotz alledem muß auch gesagt sein, daß sich auch Mängel zeigten, die abge- stcllt werden müssen. Vom Anstoß weg kam V.s.B. vor das Tor Herborns, verpaßte aber die sehr günstige Gelegenheit. Dasselbe wiederholte sich etwas später. Bald finden sich auch die _(9äfte und warteten mit Gegenangriffen auf. Die Situationen wechselten fortgesetzt, beide Tore kamen öfters in Gefahr, das des Gegners jedoch mehr als das des Platzvereins, ohne daß ein zählbarer Erfolg erzielt wurde. Das Feldspiel blieb verteilt bis zur Pause, bei der das Resultat noch 0:0 lautete. Nach dem Wechsel verschärfte Gießen das ohnehin schon scharfe Tempo und griff mit aller Macht an. Herborn kam trotz eifrigster Gegenwehr immer mehr ins Hintertreffen. V.s.B. arbeitete in gut vorgetragenen Angriffen eine ganze Anzahl Torchancen heraus, von denen drei verwertet wurden. Der zweite Erfolg war allerdings ein Eigentor eines Herborner Verteidigers, jedoch hätte der Ball auch ohne dies den Weg ins Netz gefunden. Die Gäste versuchten ihr Glück in einzelnen Durchbrüchen, konnten jedoch trotz eines zugesprochenen Elfmeters an dem Resultat von 3:0 nichts mehr ändern. Die zweite Mannschaft fertigte die gleiche des V. f. R. Butzbach nach überlegenem Kampf mit 4:0 ab. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf. B. f. B. war technisch weit besser als sein Gegner, und gewann verdient. Butzbach wehrte sich sehr tapfer und zwang die B. f. D.-Elf zur Hergabe ihres ganzen Könnens. Auch die dritte Mannschaft gewann ihr Berbandsspiel gegen die erste L i ch s. Mit 2:0 mußte sich der Gegner beugen und die Punkte an Gießen abtreten. Die vierte Mannschaft sicherte sich durch einen 5:1-Sieg die Punkte. Großen-Busecks zweite kam gegen die in guter Form befindlichen B. f. Ber nicht auf un., ->ar stets unterlegen. Ein wenig günstiges Resultat holte die erste Jugend Mannschaft gegen die gleiche Lollars heraus. Sie muhte sich mit einem 2:2 zufrieden geben. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Die Blauweihen siegten am Sonntag auch im zweiten Treffen der Saison in Wa11au mit 4:3 Treffern. Der knappe Sieg der Gießener war verdient, da die ersatzgeschwächte Mannschaft den technisch weit besseren Fußball spielte, vor allen Dingen den Ball immer flach hielt und dadurch im Feldspiel größtenteils tonangebend war. Die vier Gießener Treffer waren fast 'amtlich das Produkt schöner Kombination, während die Tore des Gastgebers, des Fußballvereins Wallau, durch eifriges Rachsehen bei Schnitzern in der 1900-Hintermannschaft erzielt wurden. Außerordentlich viele Chancen wurden ausgelassen. Schon bald nach Beginn ging 1900 nach Ausführung eines Strafstoßes in Führung, aber noch vor der Pau'e ging diese an den Plahverein über, der kurz hintereinander zwei Treffer erzielte. Ein schöner Kombinationszug der Gießener mit abschließendem Torschuß ergab den Gleichstand (2:2) bei Halbzeit. Gießen wurde in der zweiten Spielhälfte leicht feldüberlegen, trotzdem übernahm Wallau bei einem schnellen Angriff erneut die Führung. Mehrfache Hmstel- lungen in der Gießener Elf hoben aber immer wieder deren Kampfkraft und reichten hin, mit zwei weiteren schönen Treffern den Ausgleich und 13 Minuten vor Schluß den Sieg sicherzustellen, da dann beiderseitige Bemühungen um Verbesserung des Resultats ergebnislos verliefen. Die Ligareserve blieb spielfrei, da der angesehte Gegner. Heuchelheims II., auf Spiel und Punkte verzichtete. 1900s dritte Mannschaft erlebte auf eigenem Platz gegen Steinbergs e r st e E l f die zweite Riederlage der Sai'on, wozu ein Eigentor beitrug. 2:1 muhten sich die Giehener geschlagen bekennen. Die zweite Jugend erzwang in Weh - lar-Riedergirmes gegen die dortige zweite Elf ein Unentschieden (0:0). Die dritte Jugend errang gegen die gleiche Mannschaft des Lokalgegners B. f. Deinen 4:l°S.eg. Auch 1900s zweite Schülerelf blieb über die 2. Schülermann^chaft des B. f. B. mit 1:0 Toren Sieger. Handball der Sp.-Vg. 1900. 1900 I — Oberrealschule I 6:1. ö. Auch das zweite Spiel gegen eine Schul- rnannfchaft konnten die 1900er siegreich gestalten. Allerdings kommt es überraschend, daß die Spielvereinigungsleute ihre Heberlegenheit durch ein 6: 1-Resultat zum Ausdruck bringen konnten. -o° Zu einem großen Gerätewettkampf im Kunstturnen treffen sich, wie schon kurz gemeldet wurde, die Gaue Frankfurt, Rhein- Mosel (Koblenz) und Hessen (Gießen, Marburg, Bad-Rauheim) Des Mittelrheinkreises der D. T. am 13. Oktober in der Bolkshalle z u Gießen. Jeder Gau stellt aus seinen besten, in zahlreichen Wettkämpfen erprobten Geräte- turnern eine Reuner-Mannschaft auf. Unter Leitung von ©auobertumtoart Wilh. Will (Gießen) wurde am Sonntag in der Turnhalle des Tv. 1846 zu Gießen durch scharfe Ausscheidungskämpfe die Reuner-Mannschaft des Hessengaues endgültig zusammengestellt. Durch ein mehrgliedriges Kampfgericht erhielten für vier Kürübungen in der endgültigen Reihenfolge Barren, Pferd (feit), Pferd (lang) und Reck 1. Adolf Fink, T.° u. Spv. 1860 Marburg, 108 P., 2. Alfred Eckhardt, Tv. 1859 Ridda, 100 P., 3. Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 95,5 P., 4. Richard Seht, Tv. Großen-Linden, 88 P., 5. Otto Sektor, T.° u. Spv. 1860 Marburg, 87,5 P., 6. Paul Goetsch, T.° u. Spv. 1860 Marburg, 86 P., 7. Albert Würtz, Tv. Krofdorf, 81 P., 8. Heinrich Keil, T.- u. Spv. 1860 Marburg, 81 P., 9. Willi Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Rauheim, ohne P., und Heinrich Keller, Tv. Burgsolms, 74 P. als Ersatzmann. Rach den ersten beiden Hebungen, Barren und Dem Spielverlauf nach hätten die Oberrealschüler auch noch ein oder zwei Tore verdient gehabt, aber die gesamte Hintermannschaft des Platz- Vereins war gut in Form und vor allem aufmerksam. Der Sturm stand auch stärker als am vergangenen Samstag. Der Mittelstürmer war im Feld, wie vor dem Tore gleich vorzüglich, bei dem Halbrechten war das Wurfvermögen ausgeprägt. Die Schüler hatten in dem Hüter ihren besten Mann, im übrigen gefielen sie durch ihr flottes und auch technisch ^ansprechendes Spiel. Bis zur Halbzeit führte 1900 3:0. Rach- dem der Dorsprung auf 4 Tore erhöht worden war. kam die Oberrealschule zu dem verdienten Ehrentor. Gegen Schluß lag die Spielvereinigungsmannschaft meist im Angriff, und der Mittelstürmer schloß zwei gut vorgetragene Angriffe mit Prachtwürfen erfolgreich ab. Handball im Männerturnverein (O.T) 1. T.D. 1860 Bad-Rauheim — 1. M.T.D. Gießen 4:2 (3:2). Am Sonntag stand die 1. Mannschaft des M. T. D. der gleichen des TV. 1 860 Bad- Rauheim im Derbandsfpiel gegenüber. Die durch vier Mann Ersatz geschwächten Gießener hatten gegen die Gäste einen sehr schweren Stand. Obwohl der Sturm der Einheimischen mit ziemlich viel Pech spielte — es wurden in der ersten Halbzeit über 20 Bälle knapp daneben geworfen — war das Spiel in der ersten Halbzeit ziemlich ausgeglichen. Da ein Gießener Spieler den Wurfkreis betrat, verhängte der Schiedsrichter einen 13-Meter-Wurf. durch den die Bad- Rauheimer mit 3:2 bei Halbzeit die Führung übernehmen konnten. In der zweiten Halbzeit bedrängten die M.T.V.er das gegnerische Tor stark. Die Gästemann'chaft versuchte nun mit allen zur Verfügung stehenden Leuten ihr Tor reinzuhalten. Als dann noch zwei Spieler des M.T.V. vom Platze verwiegen wurden, war es den übrigen nicht mehr möglich, eine Riederlage abzuwenden. Pferd (feit), werden Kür-Freiübungen eingeschoben, die von je vier Turnern der drei Gau- mantzschaften zur Darstellung gebracht werden. Aus dem Gau Hessen sind dies die schon oben genannten Turner Adolf Fink, Paul Goetsch, Willi Sinnwell und Heinrich Keil, als Ersatzmann Richard Seth. Im ganzen entfallen auf eine Reuner-Mannschaft demnach 36 Geräteübungen und vier Freiübungen, so daß der Gesamtablauf des Wettkampfes 108 verschiedene Geräteübungen und 12 verschiedene Freiübungen bringen wird. An einer großen Anzeigetafel (3 zu 2,50Meter) erscheint die Wettkampfnummer jedes Turners (Gau Frankfurt 1—9, Gau Rhein-Mosel 10—18 und Gau Hessen 19—27) im Augenblick seiner Hebung, in drei horizontalen Feldern folgt oben die Wertung jedes einzelnen der drei Kampfrichter, in der Mitte die Summe dieser Wertungen für den abgehenden Turner und im unteren Feld die Summe jeweils aller Punkte für die einzelnen Gaumannschaften, die vertikal nebeneinander angeordnet find. Dadurch und durch Perfonalangaben auf dem Programm wird es jedem Zuschauer ermöglicht,» den spannenden Wettkämpfen mit Anteilnahme zu folgen, sich ein Bild von den Leistungen jedes einzelnen Turners zu machen und jederzeit eine Gesamtübersicht über den Stand des Wettkampfes vor Augen zu haben. Drei große Gaue der O.T. im Kunst-Geräieweiikamps. Oie Reuner-Mannschast des Gaues Hessen. JerZallpompejuspym. Von Paul Rofenhayn. (Schluß.) „Zweimal war Mrs. Mac Comb in Tränen aufgelöst, als sie aus jenem Hause tarn; die fremde Dame ging ohne Gruß ins Haus zurück. Dann, einmal, ich werde es nie vergessen, da ist jene fremde Frau zu Mrs. Mac Comb ins Auto gestiegen. Der Wagen hatte einen Sprechschlauch, daran hatten die beiden nicht gedacht. Ein paarmal fing ich die Worte auf. die mich stutzig machten: so verlegte ich mich aufs Horchen. Plötzlich hörte ich. wie meine Herrin sagte: „Wenn Sie Ihre Drohung wahrmachen und meinem Mann telegraphieren, so treiben Sie mich in den Tod." Darauf antwortete jene Dame: „Ich werde Ihrem Mann telegraphieren!" Gleich darauf klopfte jemand an die Fensterscheibe: ich hielt. Die Fremde stieg aus und ging mit raschen Schritten in ein Haus: es war ein Laden der Telegravhengelellschaft. Frau Mac Comb stürzte hinter ihr her, faßte sie an der Schulter, redete auf sie ein; die Fremde wandte sich brüsk herum und ging ins Haus. Meine Herrin stand eine ganze Weile regungslos, dann kam ?ie langsam zum Auto zurück. Als sie in Clayton aus- stieg, hielt sie das Taschentuch vors Gesicht ge- gepreßt." , , „Siebente Avenue, West, Rr. 325,“ wiederholte der Staatsanwalt. „Wie will man heute noch feststellen, was das für eine Dame war, die vor acht Jahren in jenem Hause gewohnt hat!" „Ich habe mir die kleine Mühe gemacht," sagte Ioe Jenkins. „Der Superintendent ist zwar inzwischen einige Male umgezogen: aber ich habe ihn aufgefunden. In Brooklyn. Er hat mir den Ramen jener Dame gesagt; er erinnert sich auch, daß sie oft von einer Frau besucht wurde, die im Auto vorfuhr. Diese Bewohnerin des Hauses Siebente Avenue. West. Rümmer 325 ist dem Ge- richt nicht unbekannt. Es ist Frau Lilian Stone." „Frau Lilian Stone?" wiederholte O'Cardigan betroffen. „Wo ist Frau Stone?" Er blickte umher; Lilian Stone war nicht im Saal. „Frau Stone hat auf dem Dampfer „Columbus"," — der Verteidiger blickte auf Jenkins — „einen Selbstmordversuch gemacht. Frau Stone ist heute vormittag ohnmächtig geworden. Sie weiß mehr von die'en Dingen, als sie sagt. Ich bitte, Frau Stone sofort zu holen." „Hnd nun,“ sagte Joe Jenkins, „möchte ich Ihnen den letzten und wichtigsten Zeugen in dieser Sache vorstellen. Es ist übrigens kein Zeuge, sondern eine Zeugin. Es ist die Kassandra von Reuyork.“ „Hu, hu!" machte jemand im Saal. Schallendes Gelächter antwortete. „In Gottes Ramen: Frau Kassandra möge eintreten.“ Die Tür ging auf; eine Frau von unbestimmbarem Alter, auf ihren Schirm gestützt, trat langsam. mit müden Schritten, in den Saal. Hnter- drücktes Lachen schlug ihr entgegen; sie blickte geradeaus, vorüber an dem Angeklagten, der sie verwirrt, vielleicht erschrocken, betrachtete. Ihr Blick war glanzlos; ihre dunklen Augen hatten seltsam fremdländischen Schnitt; vielleicht mochte sie früher eine Schönheit gewesen fein. „Sie wollten uns wichtige Reuigkeiten erzählen?" fragte Higgins. „Cs kommt darauf an, ob Sie ihren Sinn verstehen." antwortete die Wahrsagerin mit tiefer brüchiger Stimme. „Wir werden uns alle Mühe geben.“ „Pompejus Phm ist unschuldig," murmelte sie. „Das ist ein Irrtum," unterbrach der Richter sie unmutig. „Pym hat eingestanden, daß er das Schiff angezündet hat." Die Wahrsagerin nickte. „Angezündet, ja. Angezündet. Warum soll er das Schiff nicht angezündet haben?" Eben wollte Higgins die Zeugin mit einer unwirschen Antwort entlassen, als sie zu feinem Erstaunen sagte: „Frau Mac Comb war ja gar-nicht auf dem brennenden Schiff!" „Was sagen Sie da?“ Der Richter sah der Frau ins Gesicht — in die dunklen Augen, aus denen plötzlich eine harte und erbarmungslose Intelligenz sprach — „Frau Mac Comb war nicht auf dem Schiff? Sie ist doch mit ihrem Geliebten Wilbur Perry zusammen verbrannt!" Die Zeugin machte eine wegwerfende Handbewegung: „Der war ebensowenig auf dem Schiff wie sie." „Was bedeutet das? Wo zum Teufel waren denn die beiden?" „Wünschen Sie alles zu wissen? Run gut. Lilian Stone hatte Mr. Mac Comb alles verraten: daß seine Frau einen Geliebten habe: Wilbur Perry. Die beiden wußten: wenn Mac Comb zurückkommt, geschieht ein Hnglück." „Sie hatten Zeit," sagte der Staatsanwalt. „Sie konnten fliehen." „Mac Combs Arm reichte weit. Sie wären ihm nicht entgangen. Es gab nur eins, um sich vor seiner Rache zu retten: Mac Comb mußte die beiden für tot halten. So kamen sie auf den Gedanken, das Schiff anzuzünden.“ „Die beiden leben al'o? Frau Mac Comb ist nicht ermordet worden? Aber wo ist sie? Warum tritt sie nicht hervor?" Die Zeugin wandte sich mit einem angstvollen Blick herum. „Sie wäre nie wieder aufgetaucht, die unglückselige Manuela Mac Comb, wenn nicht dieser arme Teufel Pompejus Pym unter dem Galgen stände. So bleibt ihr nichts übrig, als zurückzukehren aus der Vergessenheit." Mit leisem Knarren ging die Tür. Aller Augen glitten hinüber. Aber es war nicht Frau Mac Comb, die man im ganzen Saal in dieser seltsamen Heberspannung der Rerven erwartet hatte. Es war Herr Mac Comb. Die Zeugin wandte sich zu dem Eintretenden herum. Sie 'ah ihm ins Gesicht und stieß einen gellenden Schrei aus. Erst jetzt wurde Mac Comb der Frau ansichtig. Er streckte fa'sungslos, in ihrer Abwehr, die Hände aus. „Manuela!“ rief er in ungläubigem Entlehen. „Ja, Edward. Manuela. Deine Frau: Manuela Mac Comb!“ Er schüttelte den Kopf, schweigend, verständnislos, unfähig, dies alles zu begreifen. „Ich bin nicht wert, daß ich deinen Ramen trage, Edward. Ich weiß es. 2Iur eins will ich dir 'agen: was ich an Enttäuschungen erlebt habe in dielen Jahren — das wäre Strafe gewesen für ein weit größeres Verbrechen, als ich an dir verübt habe Du hast mich wohl nie recht lieb gehabt, du ließest mich allein, jahrlang allein. Ich brauchte Liebe. In meiner Rot kam ich an einen Mcnlchen, der mich kaltherzig nahm. Der meine Weltfremdheit erkannte, der über mein Vertrauen lächelte — der nur die gute Gelegenheit sah, ein Vermögen zu gewinnen. Ein Jahr lang reiften wir zusammen — dann waren wir arme Leute. Meine Kräfte waren zu Ende, meine Rerven zerrüttet. WaS sollt? ich tun?“ „Zu mir zurückkehren." Die zweite Mannschaft, die das Spiet mit nur neun Mann bestreiten mußte, unterlag, ehrenvoll gegen die 1. des T. u. Sp.D. Butzbach mit nur 2:0 bei einem Halbzeitrelultat von 0:0. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Die 2. Mannschaft des Tv. 1846 Gießen verlor am Sonntag gegen Tv. Heuchelheim 2:1. Sehr gut war die Hintermannschaft mit Ausnahme des Tormanns, einfach hilfslos dagegen war der Sturm. Handball im T. V. Großen-Buseck. Die erste Mannschaft des Tv. Großen-Buseck konnte am Sonntag auf eignem Platz einen 3:2 Sieg (Halbzeit 1:1) gegen Tv. 1846 Gießen erringen. Es ron: ein Spiel, das der immer sichere Frankfurter Schiedsrichter jederzeit in den Grenzen des Erlaubten halten konnte. Großen-Buseck hätte höher gewinnen können, immer war aber die Latte im Wege. Auf beiden Seiten sind die Torhüter besonders hervorzuheben. 3. Kreisjugendschwimmen IX. Kreis Mittelrhein O.T. Am Sonntag traf sich die S ch w i in in e r j u g e n d des Mittzelrheinkreises der D. T. zum dritten Male im Darmstädter Hallenschwimmbad, um in friedlichem Wettstreit ihre Kräfte zu messen. Das von der Turngemeinde 1846 Darmstadt gut vorbereitete Jugendtreffen wurde von rund 250 Wettkämpfern besucht. Im Vergleich mit dem zweiten Kreisjugendschwimmen im Vorjahre haben sich die Leistungen stark verbessert. Nachstehend ein kleiner 21 u s 3 u g aus der <5 i e g e r I i ft e : 200 Meter Freistil für Turnerjgd., 1. Sieg: Friedr. Jakob, Tgmd. Darmstadt, in 2:57,5. — 100 Meter Freistil für Tu.-Jug. von 14 bis 16 Jahre: 1. Sieg: Friedr. Jakob, Tgmd. 1846 Darmstadt, irt 1:15. <— 100 Meter Rücken für Tu.-Jug. (16 bis 18 Jahre), 1. Sieg: Otto Langjahr, Turnges., in 1:21,1. — 100 Meter Seite für Tu.-Jug. (16 bis 18 Jahre), 1. Sieg: Adolf Schmitt, Tgmd. 1846 Darmstadt, in 1:22. — 100 Meter Rücken für Tu.- Jug. (16 bis 18 Jahre), 1. Sieg: Gustel Breitung, Tv. Offenbach, in 1.39. Vom Gau Hessen beteiligten sich nur drei Jugendschwimmer an den Wettkämpfen, aber diese mit großem Erfolg. Im Springen der Tu.-Jug. (14 bis 16 Jahre) errang bei nur 4 Sprüngen mit sieben Punkten Vorsprung Fritz Werner, Tv. 1 8 4 6 Gießen, den ersten Sieg. Diesen schönen Erfolg hat er nur dem hohen Schwierigkeitsgrad seiner Kürsprünge zu verdanken. Außerdem konnte er noch im 100 Meter Freistilschwimmen der gleichen Klasse mit 1:22 den dritten Sieg erringen. — Das 100 Meter Brustschwimmen der Tu.-Jug. von 16 bis 18 Jahren (17 Teilnehmer) war Sache des M t v. Gießen. Erster Sieger wurde Hugo Baumann, Mw. Gießen, in 1:30,8. An zweiter Stelle konnte sich nach schönem Rennen sein jüngerer Bruder Friedrich Baumann mit der Zeit 1:33,5 behaupten und den entsprechenden Sieg erringen. Wer den Verlauf der Wettkämpfe verfolgt hat, der ist sich darüber klar geworden, daß das Turnerschwimmen immer größere Fortschritte macht und auf diese Weise mit seinen Leistungen immer näher an die des Schwimmverbandes heranreicht. Arbeiter-Turn- und Gporibund. Gießen I — Isenburg I 1:1. Isenburg, der Tabellenführer der 1. Gruppe der Krcisklasse, war am Sonntag in Gießen zu Gast. Gießen hatte wieder seine erprobte Mannschaft zur Stelle, Isenburg stellte ihr eine leichte, flinke Mannschaft entgegen. Bei keiner der beiden Mannschaften war ein schwacher Punkt zu entdecken. Völlig gleichwertig wurde das spannende Spiel von beiden Seiten durchgeführt. Das Resultat wurde dem Spielverlauf gerecht. „Rein, Edward. Ich war eine Tvte — und niemals hättest du mich wiederge'ehen, gälte es nicht, Pym zu retten. Der Tefreiungsveriuch. den wir unternommen hatten, war fehlgeschlagen.“ Richter Higgins hatte längst seinen Platz verlassen; die Geschworenen waren aufgesprungen. Der Staatsanwalt, der Verteidiger, alle An- toe'enöen in diesem Saal, hatten sich um die beiden: um Mac Comb und seine Frau geschart. „Eins mü'sen Sie mir erklären —“ Higgins, der Richter, trat in den Kreis. „Wie ist Pym m den Be'ih Ihres Schmuckes gekommen?“ Erstaunt gab Frau Mac Comb die Antwort: „Begreifen Sie das nicht? Ich selbst habe ihm den Schmuck geschenkt. Denn er war unser Mitwisser: er hat uns zur Flucht verhalfen; er hat alles getan, um den Schein eines Hnglücks- falleä zu wahren.“ „Warum hat er denn nicht einfach die Wahrheit ge'agt, als er in den furchtbaren Verdacht kam, Ihr Mörder zu fein?“ In Frau Mac Combs Gesicht trat ein Lächeln, das ihren verwüsteten Zügen einen Schimmer von mütterlicher Zärtlichkeit gab. Sie wandte 'ich herum zur Bank des Angeklagten: Pompejus Pym 'aß, den Kovf in die Hände vergraben, unbeweglich. „Warum er nicht ge'vrochen hat? Weil er ... weil er ...“ sie nahm den Kopf des Regers zwi'chen die Hände und preßte ihr Gesicht aus seine Wange; „weil er der einzige wahre Freund ist, den mir das Leben geschenkt hat. Er hätte ge'chwiegen, er wäre für mich in den Tod gegangen." ♦ • * Am Westausgang des Gerichtsgebäudes stand Cliie am Auto. „Wo ist meine Mutter, Mr. Jenkins?“ Der Detektiv hob den Blick zu den Fenstern des grauen Gebäudes. „Ich habe lange mit ihr dort oben gestanden. Frau Mac Comb hat ihre Tochter ge'ehen; sie ist glücklich — weiß sie doch, daß ihr Kind glücklich ist." „Warum kommt sie nicht, Mr. Jenkins?" „Frau Mac Comb hat fein Anrecht auf ein Leben an Ihrer Seile. Sie gehört in jene Kreise, für die sie sich in einer dunklen Stunde entschieden hat. Sie ist für eine kurze Spanne Zeit in das Helle Licht des Tages getreten, denn eine unabweisbare Pflicht hat sie gerufen. Sie ha-t ihre Pflicht erfüllt; nun ist sie.zurückgekehrt in daS Dunkel, aus dem sie gekommen ist." Oppenrod I — Odenhausen I 8:1. Odenhausen war am Sonntag in Oppenrod zu Gast. Dem Unparteiischen stellten sich die Gäste mit nur neun Mann, während die Einheimischen mit Ersatz antraten. Nach Anstoß ging Oppenrod gleich in Führung, dem die Gäste bald den Ausgleich entgegensetzen konnten. Dann erzielte Oppenrod in gleichmäßigen Abständen noch sieben Tore. Hm den Sordon-Sennett-Preis der Lüste. St. Louis, 30. Sept. (WB.) Von den neu n am Samstag gestarteten Freiballons, die am diesjährigen Wettfliegen um den Gordon- Ben nett - Preis der Lüfte teilnehmen, wurden bis Sonntagabend sieben als gelandet gemeldet. Ein Bravourstück leistete der viermalige Gordon- Bcnnett-Sieger D e m u y t e mit dem belgischen Freiballon, der um 2 Uhr nachmittags etwa 200 Meilen östlich von St. Louis in einer Baumkrone hängend gesichtet wurde, jedoch nach Abwurf des Funkapparates und des sonstigen Ballastes wci- terflog. Der argentinische Ballon, der von Bradley geführt wurde, stürzte 15 Meilen südlich von Terre Haute (Indiana) in der Nähe einer Form ab. Der Ballon wurde gegen einen Baum geschleudert und zerstört, der Pilot kam mit einem Beinbruch davon. Der deutsche Freiballon „Stadt Essen" mit L e i m k u g e l und F r ö b e l an Bord landete schon am Sonntagmorgen nach einer Meldung aus Danville (Illinois) in der Nähe von Catlin nach Zurücklegung einer Strecke I von 200 Meilen. Da sich die Windrichtung geändert hatte und der Ballon in Richtung St. Louis zurück- | getrieben wurde, entschlossen sich die Führer, auf offenem Felde zu landen. Noch eine Stunde früher, um 8 Uhr morgens, wurde der zweite deutsche Ballon „Barmen" (Kaulen und Dahl) in der Nähe von Melvin (Illinois) zur Landung gezwungen. Der dänische Ballon „D a n m a r k" landete gestern nachmittag in der Nähe von Bedford im Staate Indian und hat 204 englische Meilen zurückgelegt. Der deutsche Ballon „Barme n" hat 175 Meilen zurückgelegt. Der französisch eBal- l o n „L a f a y e t t e" ist bei Stinesoille im Staate Indian niedergegangen und hat in 22stündiger Fahrt 205 Meilen hinter sich gebracht. Nach den bisherigen Schätzungen scheinen die drei amerikanischen Teilnehmer am b c st e n abgeschnitten zu haben. Die drei Amerikaner haben sämtlich über 300 Meilen zurückgelegt. „Goodyear VIII" landete drei Meilen nördlich von Troyes (Ohio) 6 Uhr abends bei einem Streckenergebnis von 347 Meilen. Der in Celina (Ohio) gelandete amerikanische Armeeballon legte 338 Meilen und der in Steinesville (Indiana) gelandete amerikanische Marineballon 305 Meilen zurück. Der Führer des belgischen Ballons „B e l- g i c a", D e m u y t e , telegraphiert, daß er am Sonntagabend um 8 Uhr nach 28stündiger Flugzeit bei Corydon in Indiana gelandet sei. Die größte Höhe, die der Ballon erreichte, betrug etwa 5000 Meter. Es liegen nunmehr die Landungsmeldungen von sämtlichen neun Freiballons vor, die am Samstag zum Wettfliegen aufgestiegen waren. Wirtschaft. Kapital und Zins. Oscar Wassermann, eine der treibenden Kräfte bei der neuen Dankenfusion, hat den Schritt der beiden Geldinstitute mit der Rot- wendigkeit verstärkter Kapitalbildung in Deutschland begründet. Hnb ein anderes Vorstandsmitglied der Deutschen Bank hat auf der Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie'von der Produktionswirtschaft gleichfalls verstärkte Konzentration mit derselben Motivierung gefordert. Wen nun die Anzeichen nicht trügen, wird also der Rationalisierungswelle nach der Währungsstabilisierung jetzt eine zweite Konzentrationsperiode folgen, für die der Großbankenzusammenschluß nur den Auftakt darstellt. Privatwirtschaftlich vermehren Zusammenschlüsse von Kapital und Produktion in der Regel zweifellos die wirtschaftliche Kraft der Tln- ternehmen. Ob das auch volkswirtschaftlich gilt, ist in einer ganzen Reihe von Fällen jedoch sehr fraglich. Denn in der Regel wirft die Rationalisierung so mannigfache Probleme sozialer, kultureller und auch wirtschaftlicher Ra- tur auf, daß die durch sie erzielten Ersparnisse privatwirtschaftlicher Art sehr leicht entsprechende Kosten für die Allgemeinheit im Gefolge haben. Das ist natürlich kein Argument gegen die Betriebszusammenschlüsse, die in den Jahren 1924 und 1925 einfach deshalb notwendig wurden, weil die Produktionskapazität im Verhältnis'zu den disponiblen Mitteln viel zu groß war. Woran uns aber liegt, ist, aufzuzeigen, daß die Rationalisierung eben auch eine Kehrseite hat, die -man sowohl aus wirtschaftlichen wie aus kulturellen Gründen nicht mit einem Achselzucken übergehen kann. Man mutz sich also auch bei dem jetzigen Grohbankenzusammenschlutz die Frage vorlegen, ob er im volkswirtschaftlichen Sinne tatsächlich zu verstärkter Kapitalbildung und damit zu einer Erleichterung der allgemeinen Kreditverhältnisse in Deutschland führt. Ist das der Fall — schlüssige Antwort hierauf kann unseres Erachtens nur die praktische Entwicklung geben —. dann wird man ihn zu begrüßen haben. Run ist gewiß richtig, daß eine einzelne Bank, und sei sie auch noch so überragend, den deutschen Kapitalmarkt nicht allein beeinflussen kann. Sie ist als Institut der Privatwirtschaft nicht nur berechtigt, sondern ihren Aktionären gegenüber sogar verpflichtet, ihre Gelder nicht nur möglichst sicher, sondern auch möglich st gewinnbringend anzulegen. Dennoch gibt es auch hier noch Möglichkeiten, die für Kapitalanlagen genügende Aussichten bieten und die unseres Erachtens in den letzten Iahren viel zu kurz gekommen find. Durch die Richtung also, in der eine dominierende Großbank ihren Geldstrom leitet, kann sie manches zur Erleichterung der innerdeutschen Kreditverhältnisse tun. Wie man es im heutigen Deutschland nicht anfangen darf, dafür war der vielbeachtete Fall der Frankfurter Allgemeinen ein lehrreiches Beispiel. Die Industriegründerzeit der Banken ist vorbei, und das gilt selbst für ein so wohlhabendes Land wie Groh-Britannien, das ja auch eben erst seinen Finanzskandal in der Affäre Hatrh erlebt hat. Der Deutschland verbliebenen Wirtschaft mühte dagegen, soweit sie fest fundiert ist, das erforderliche Betriebskapital zu möglich st niedrigen Sätzen zur Verfügung gestellt werden. Wir haben aber nicht immer den Eindruck, dah auf diesem Gebiete von feiten der Banken Ausreichendes geschieht. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: der deutsche B a u m a r k t ist offenkundig trotz aller Bemühungen der öffentlichen Hand seit Kriegsende erheblich zu kurz gekommen. Run geben wir gern zu, da.h hierfür in erster Linie die falsche Politik von Reich, Staat und Gemeinden, vor allem dste Aufrechterhaltung einer längst überlebten Kriegszwangswirtschaft verantwortlich gemacht werden muh. Liebrigens liegen die Dinge nicht nur in Deutschland so, sondern unter ähnlichen Röten haben offenbar alle europäischen Staaten zu leiden, wofür die Berliner Tagung der „Steinernen Internationale", der Haus- und Grundbesitzerorganisationen, sehr aufschlußreich war. Gerade deshalb aber hätte vielleicht der Baumarkt ein verstärktes Interesse unserer Großbanken verdient, die ja immerhin einen sehr erheblichen Teil des deutschen Volksvermögens und Volkseinkommens verwalten. Zugegeben, daß die Zinsmöglichkeiten auf diesem Gebiete vorläufig noch nicht so grob sind wie in anderen Zweigen der Wirtschaft. Eine unorganische Mieterschutz- und Höchstmietengeseh- gebung hat die Grenzen nach oben wesentlich eingeengt. Und doch halten wir wesentlich verstärkte Kapitalanlagen gerade im Wohnungsbauwesen auch vom Standpunkt der privatwirtschaftlichen Rentabilität selbst unter den heutigen Verhältnissen noch immer für eine recht nützliche Angelegenheit, weil sie zwar keinen sehr hohen, dafür aber einen um so sicheren Zinsertrag bringen. Hier scheint uns nunmehr eine der bedeutungsvollsten volkswirtschaftlichen Aufgaben des deutschen Bankgewerbes zu liegen. Es kann Entscheidendes dazu tun, daß die großen Vermögenswerte,? die sowohl in landwirtschaftlichen wie in städtischen Immobilien festgelegt sind, wieder aktiviert werden. Mit der endlichen Angleichung des Wohnungsbaus an den vorhandenen Bedarf kann es wesentlich zur Rormalisierung unserer Wirtschaftsverhältnisse leisten, es kann dadurch vor allem praktisch auch das letzte Argument zur Aufrechterhaltung der bisherigen Zwangsbewirtschaftung entkräften. Trägt die Grohbankfusion in diesem Sinne zu verstärkter Kapitalbildung in Deutschland bei, sehen ihre leitenden Persönlichkeiten ihre Aufgabe nicht nur privatwirtschaftlich, sondern allgemein volkswirtschaftlich, dann wird man den Zusammenschluß des Bankenkapitals trotz seiner oben angedeuteten sozialen und kulturellen Kehrseite gutzuheihen haben. Ferngasverhandlungen in Frankfurt. Zwischen der H e k o g a und der Ruhrgas- A. - G. haben am Samstag Verhandlungen in Frankfurt a. M. stattgefunden. Mit der Süd west deutschen Gas.gesellschaft und der Ferngasgesellschaft Saar erfolgte ebenfalls eine Aussprache. Es handelt sich dabei um die Erörterung der gemeinsamen Gasversorgung des ganzen Rhein-Main-Gebietes, für die der hessische Innenminister in den von ihm Mitte August veranlaßten Darmstädter Besprechungen, die Initiative ergriffen hat. Außerordentliche Generalversammlung der Frankfurter Allgemeinen. WSR. Frankfurt a. M., 30. Sept. Ein Beweis für die große Erregung, die der Zusammenbruch des Konzerns der Frankfurter AllgemeinenVersicherungs-A.-G. in der Öffentlichkeit hervorgerufen hat, ist die Tatsache, daß in der heutigen außerordentlichen Generalversammlung, die die Verwaltung einberufen hatte, fast 1000 Aktionäre mit einem Aktienkapital von rund 20 Millionen Mark vertreten waren, um persönlich den Bericht des Aufsichtsrats über die Situation der Gesellschaft entgegenzunehmen. Mit der Leitung der Versammlung wurde der Präsident des Amsa- bundes, Reichstagsabgeordneter Dr. Fischer, betraut. Den Aktionären wurde hierauf ein Bc- bericht des Aufsichtsrats über die Situation des Konzerns überreicht. In diesem Bericht wird u. a. ausgeführt: Die dem Aufsichtsrat und der Generalversammlung im Jahre 1924 vom Generaldirektor Dumcke vorgelegte Goldbilanz wies ein Goldmarkkapital von 20 000 000 Mark aus, davon 5 000 000 Mark mit Einzahlung von 25 v. H. Es wird heute behauptet, daß die Goldbilanz zu günstig aufgemacht worden ist. Es ist auch jetzt erst dem Aussichtsrat zur Kenntnis gebracht worden, daß das Reichsaufsichtsamt gegenüber der Goldbilanz Bedenken geäußert hat. Die Revision wird sich auch auf die Nachprüfung der Goldbilanz zu erstrecken haben. Der Status ist so, wie es unter den heutigen Verhältnissen möglich war, aufgestellt worden; auf Vollständigkeit und Richtigkeit kann er noch keinen Anspruch erheben. Auf der einen Seite hat man eine Reihe von Abschreibungen und Rückstellungen vor- genommen, obwohl keine Gewißheit besteht, daß die hier vorgesehenen Verluste in voller Höhe ein- treten; auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, daß Ansprüche, die heute noch nicht zu übersetzen sind, zu berücksichtigen sind. Doch darf dabei erwähnt werden, daß, soweit Effektenverkäufe bis jetzt stattgefunden haben, das Resultat zum Teil ein günstigeres war, als die Ziffern des Status angeben. Schließlich kommt auch das Ergebnis der Abwickelung der Konzerngesellschaften hier wesentlich in Betracht. Die entstandenen Verluste rühren im wesentlichen aus folgenden Quellen her: 1. aus der Beteiligung bei der Absatzfinanzierung und aus den Bürgschaften der Fravag für von Tochtergesellschaften aufgenommenen Kredite; 2. aus der Beteiligung bei der Südwestdeutschen Bank und aus den Bürgschaften für die von Konzernbanken aufgenommenen Kredite; 3. aus Hypothekenausbietungsgarantien der Kautionsabteilung; 4. aus diversen Finanzkreditbürgschaften; 5. aus Abschrei- bungen auf Aktivhypotheken; 6. aus direkter Kreditgewährung und Umbewertungen. Insgesamt betragen die Verluste, soweit sich bisher übersetzen läßt, etwa 38 500 000 Mark. Der Verlust von 38 500 000 Mk. verteilt sich auf die oben genannten Verlustquellen, soweit bisher feststellbar, in runden Ziffern wie folgt: 1. aus der Absatzfinanzierung einschließlich der abgeschriebenen G.m.b.H.-Anteile 15000000Mk., 2. aus der Beteiligung bei der Südwestdeutschen Bank in Form von Forderungen, Avalen usw. einschließlich Abschreibung von nom. 250 000 Mk. Aktien rund 5 000 000 Mk., 3. aus Hypothekenausbietungsgarantien 2 500 000 Mk., 4. aus diversen Finanzkreditbürgschaften 3 500 000 Mk., 5. aus Abschreibungen auf Aktivhypotheken 1 200 000 Mk. — Der Rest des Verlustes ergibt sich aus direkter Kreditgewährung und aus Umbewertungen von Aktiven und Passiven. Es wurde nach langer Debatte ein sechs- köpfiger Gläubigerausschuß gewählt, bestehend aus Vertretern verschiedener Interessengruppen. Bei der Wahl des Schweizer Vertreters kam es zu Differenzen, da verschiedene Schweizer Aktionärvertreter mit dem vorgeschlagenen Herrn nicht einverstanden waren, da er angeblich keine freien Aktionäre, sondern die Interessen zweier Schweizer Bankhäuser vertrete. Mit großer Stimmenmehrheit wurde dieser Herr schließlich doch in die Kommission gewählt. Es wird nun Aufgabe dieser Revisionskommission sein, die Verhältnisse bei der Gesellschaft zu untersuchen und in einer neuen Versammlung den Aktionären Bericht zu erstatten. ' Die Reichsindexziffer für dia Lebenshaltungskosten im Septem ber. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats September auf 153,6 gegenüber 154.0 im Vormonat. Sie ist sonach um 0,3 v. H. gurü cf gegangen. Dieser Rückgang ist im wesentlichen auf eine Senkung der Ernährungsausgaben zurückzu- führen, bei denen Preisrückgänge für Kartoffeln und Gemüse durch Preissteigerungen für Milch und Milcherzeugnisse sowie für Eier nicht voll ausgeglichen wurden. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 gleich 100): für Ernährung 154,2, für Wohnung 126,3, für Heizung und Beleuchtung 151,2, für Bekleidung 171,1. für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 192,1. * Rheinisch-westfälisches Elektrizi - tätswerk. Die Gesellschaft schlägt die Verteilung einer Dividende von 10 v. H. (i. D. 9 v. H.) vor. * Kündigungen von Ange st eilten Bei der Commerz- und Privatbank. Die an der Börse umlaufenden Gerüchte über größere Kündigungen von Angestellten der Commerz- und Privatbank zum 31. Dezember d. 3. entsprechen, wie WTD.-Handelsdienst hört, bar Tatsachen. Die Bank habe sich bei der gegenwärtigen Geschäftslage durch die vielfache Zusammenlegung von Depositenkassen in der Provinz mit denjenigen der Mitteldeutschen Credit- bank zu dieser Maßnahme gezwungen gesehen. In Berlin dürften die Kündigungen die Zahl 100 nicht überschreiten, aus der Provinz lägen genaue Angaben über Zahlen noch nicht vor. • Rindermarkt in Gießen. Der heutige Gießener Rindviehmarkt war mit 921 Stück Groß- und Jungvieh und 205 Kälbern beschickt. Der Handel war recht lebhaft, so daß der Markt Zeitig geräumt wurde. Bezahlt wurden für Kühe erster Qualität 550 . bis 650 Mk., zweiter Qualität 450 bis 500 Mk., dritter Qualität 200 bis 355 Mark. Schlachttiere, sehr begehrt, 150 bis 350 Mk., Rinder, 1- bis 2jährig, 150 bis 300 Mk., Kälber 55 bis 65 Pf. je Pfund Lebendgewicht. Bessere Tiere erreichten Preise über Notiz. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers*. Frankfurt n. M., 1. Oft. Tendenz: unsicher. —< Die Unsicherheit und Lustlosigkeit, die? schon das Kennzeichen der gestrigen Abendbörse war, hielt bei Beginn des heutigen Vormittagsverkehrs an. Bei im allgemeinen recht st illem Geschäft bekundete die Spekulation überwiegend Abgabeneigung, und die Tendenz neigte weiter zur Schwäche. Zwar war die Kursgestaltung nicht einheitlich, doch ergaben sich auf den meisten Märkten überwiegend neue kleine Kursrückgänge. Von außen her lagen Orders kaum vor. In Börsenkreisen war man verstimmt über den Verlauf der gestrigen Generalversammlung der Faoag. Anderseits konnten günstige Momente, wie der gute RWE.-Abschluß, selbst auf den Elektromarkt nicht anregend wirken. Die Kursrückgänge betrugen überwiegend 1 bis 1,5 v. H. Stärker angeboten waren Glanzstoff, die 4 v. H. verloren. Auch in J.-G.-Farben war das Angebot zu 1,5 o. H. niedrigerem Kurse nicht unerheblich. Am Bankenmarkt setzten sich die Verkäufe in Reichsbank (minus 1,5 v. H.) in geringerem Ausmaße fort. Von den Fusionsbanken Deutsche Bank etwas schwächer, Disconto-Gesellschaft unverändert. Elektrowerte lagen nicht einheitlich. Chadeaktien plus 4 Mark. Mvn- tanmerte waren vollkommen vernachlässigt. Mans- felder 1 v. H. niedriger. Bald nach den ersten Kursen setzte sich, vom Farbenmarkt ausgehend, an dem Deckungen vorgenommen wurden, eine leichteErhol u n g durch. Farben konnten etwa 1 v. H. anziehen. Deutsche Anleihen gaben weiter leicht nach. Am Markte der Auslandrenten bestand für Ungarn und Türken bei anziehendem Kurse etwas lebhafteres Interesse. Im weiteren Verlaufe konnte sich die etwas freundlichere Stimmung nicht erhalten, und die Kurse bröckelten auf einige kleine Abgaben wieder ab. Auf die Stimmung drückten Befürchtungen hinsichtlich der innerpolitischen Situation, im Zusammenhang mit der Arbeitslosenversicherungsreform. Angeboten und bis etwa 1 v. H. schwächer waren Farben und Siemens. Stärker abgeschwächt lagen Svenska. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld 8,5 v. H. Am Devisenmarkt war das Pfund international sehr fest. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1935, gegen Pfund 20,385, London gegen Kabel 4,86, gegen Paris 123,87, gegen Mailand 92,83, gegen Madrid 32,76, gegen Holland 12,1025. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankfurt a M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Schlub-l Kurs | t-Uhr Kurs Schluß-i Anfang- Kurs | Kurs Schluß» Kurs 1-Uhr Kurs Schluß-s Kurs | Anfang- Kurs Datum 30.9. 1 10. 30.9. 1.10. Datum 30.9. 1.10. 30.9. 1.10. 6% Dl. Reichsanleihe v. 1927 . . Dl. Anl.-Ablbs..Schuld mit Aus- wf.-Rechtcn......... Desgl. ohne Auslos.-Rechte . . . 1% Franlf. Hyp.-Bk. Goldps. un- kündbar bis 1932...... *y.% Rheinische Hqp.-Bank Liqu- Äoldps............ 0.