Amerika lehnt Frankreichs Me um Hinausschiebung des Zahlungstermins ab Tod der übrigen Insassen verhindern sehen werden, welchen Fehler sie gemacht haben. Poincarö wird jetzt wahrscheinlich seine Absicht durchsetzen, die Befugnis zur Ratifizierung | Gerade Poincare war es, der leidenschaftlich immer wieder die französische Theorie Amerika gegenüber verfochten und zu heftigen Angriffen der gesamten Öffentlichkeit Frankreichs gegen den amerikanischen Shylock Anlaß gegeben hat. Er hat nun endlich eingesehen, daß er mit seiner Theorie gegen die harte Praxis der amerikanischen Regierung nicht anzukämpfen vermag, und er war bereit, klein bcizugeben. 2m entscheidenden Augenblick aber brach in der französischen Kammer die Erregung ob der bevorstehenden Enttäuschung durch, und es wurde gegen den Wunsch und gegen die Mahnung Poin- cared und Driands einstimmig der Beschluß gefaßt, noch einmal in Washington vorstellig zu werden. Run kann die amerikanische Regierung ohne die -Zustimmung des Kongresses in der Angelegenheit selbständig überhaupt keinen Schritt tun. und der Kongreß hat sich vor . kurzem bis zum Herbst vertagt. Es mußte also jedem halbwegs verständigen Menschen klar sein, daß ein neuerlicher Versuch, in Washington vorstellig zu werden, sich als ein Schlag in die Luft erweisen würde. Der Kongreß hat auf Anregung des Präsidenten nach entsprechender Fühlungnahme mit der französischen Regierung Stundung der Handelsschuld bis zum 31. Mai 1930 zugestanden unter der Bedingung, daß das Mel- lon-Berangersche Abkommen über die allgemeine Schuldentilgung mit Einschluß der Handelsschuld ratifiziert ist. Diese Sachlage war so vollkommen klar und durchsichtig, daß es einfach unbegreiflich ist, wie sich die französische Kammer darüber hinwegzusetzen vermochte. Daß die Antwort so schnell kam. wie es in der Tat der Fall war. wird nun wohl so abkühlend auf die Franzosen wirken, daß sie ein» skungsfähigkeit bei gleichzeitiger Verbilligung, Reform der Budgetgebarung der öffentlichen Schul'denabkommens auf dem Wege einer Verfügung zu vollziehen. können. Wie weiter bekannt wird, geht es den Geretteten verhältnismäßig gut, abgesehen davon, daß beide einen Rervenchock erlitten haben. Beide liegen im Lindauer Krankenhaus. An dem Rettungwerk beteiligte sich auch die Landespolizei Lindau, Pri- vatbootbesiher, der Schwimmverein und die Sani- tätskolonne. 21m 8.30 Uhr abends waren sämt- d e s ö f f e n t - Presseberichte über die Sitzung der französischen Kammer vom letzten Donnerstag vom amerikanischen Kabinett behandelt worden. Die Verfassung gebe dem Präsidenten nicht die Befugnis, die Fälligkeit einer Schuld hinauszuschieben, und überdies hätte die Entschließung des Kongresses vom 19. Iuni ihm diese Befugnis, wenn er sie besessen hätte, genommen. Bezüglich der Einberufung des Kongresses machte Lindau, 29. Juni. (WTB.) Ein überaus schweres Flugzeugunglück ereignete sich Samstag zwischen 17 und 18 auf dem Bodensee bei Lindau. Das Flugzeug D 1620, eine neue Flugmaschine, die vor ganz kurzer Zeit in den Dienst des Vodensee-Aero-Lloyd gestellt worden war, wollte eben nach einem Rückflug mit fünf Passagieren, dem Flugleiter und dem Piloten an Bord a u f das Wasser n i e d e r g e h e n, als sich das Flugzeug nur wenige Meter über dem Wasser nach einem scharfen Knall, wahrscheinlich von einer Explosion herrührend, überschlug und dann nach wenigen Minuten im See versank. Rasch herbeigeeilte Hilfe konnte zwei Personen, den Apotheken- besiher Hans Firley aus Friedberg in Hessen und den Kaufmann Hermann W ü st e r aus Barmen, mit Hand- und Rippenbrüchen bergen. Erst später konnte der Rumpf des Flugzeugs ausgeschlagen werden und dann die Leichen des Flugleiters des Bodensee-Aero-Lloyd in Lindau, Ed. h a g g e, des Oberbaurats Haag aus Friedberg, Vor- j stand des hochbauamles Friedberg, und die der beiden Frauen der Schwerverletzten Frau Firley und Frau W ü st c r, herausgeholt werden. Der Vorderteil des Flugzeugs mit dem Motor liegt noch auf dem Grund des Sees, vermutlich befindet sich in ihm auch die Leiche des Piloten Zins- m e i st e r. Alle Bemühungen, das Flugzeug an Land zu ziehen, mißlangen, so daß der Rumpf des Flugzeuges mit einem Trajektkahn unter Wasser in den Hafen von Lindau geschafft werden muhte, um hier mit einem Kran hochgezogen zu werden. Das Flugboot soll dadurch verunglückt sein, daß der Pilot, der gegen Westen bei glatter See in der Rähe von Lindau nach einem Rundfluge landen wollte, von der Sonne stark geblendet wurde und sich dadurch beim Abfangen der Maschine verschätzte. Das Flugboot geriet mit dem Bug unter Wasser und überschlug sich, wobei der Vorderteil des Bootes mit dem Piloten- sih abriß und unterging. Dadurch konnte das Wasser so schnell in die Pafsagierkabine eindringen. Sofort eilten Motorboote, Segler und Ruderboote von dem wenige Minuten entfernten Bad Schachen nach der Anfallstelle. In diesem Augenblick passierte der Bodenseedampser „Baden" in etwa 100 Meter Entfernung die Unglücksstelle. Laute Hilferufe drangen noch aus dem sinkenden Flugzeug heraus. Ruderer fuhren an den Dampfer heran und ersuchten um schleunige Hilfe. Der Führer des Dampfers lehnte aber jede Hilfe ab und fuhr unter den Schreckensrusen der Zuschauer zur Landungsstelle in Bad Schachen. Die Empörung, die dem Kapitän entgegenschlug, veranlaßte diesen nun doch, zur Unfallstelle zurückzukehren. Es war aber zu spät. Das Flugzeug war inzwischen versunken. Rach Aussagen von Sachverständigen hätte sofortige Hilfe durch Auswerfen von Slahltrossen und Abschleppen des verunglückten Flugzeuges sicher den Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot x für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigentell Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eichen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. Den wahren Grund der starren Haltung der amerikanischen Regierung hat man allerdings in Paris immer noch nicht verstanden. Sowohl Präsident Coolidge wie Präsident Hoover, Staatssekretär Kellogg und Schahamtssekretär Mellon, haben immer wieder erklärt, daß für Amerika keine Veranlassung vorliege, in die München, 29. Iuni. (WTB.) Der hauptaus- schuß des Deutschen Industrie- und Handelstages hat einstimmig eine Entschließung gefaßt, die die folgenden Gesichtspunkte betont: Die Deutschland auferleglen Summen überschreiten erheblich das Maß dessen, was die deutsche volkswirl- chaft aus eigener Kraft leisten kann. Die Maßnahmen, die nach dem Plan von der deutschen Volkswirtschaft die Gefahren fernhalten sollen, die die llebertragung von Zahlungen ins Ausland mit sich bringt, können ihr Ziel nur dann erreichen, wenn stets beachtet wird, daß Reparationsleistungen und Ilebertragungen nur aus Wirtfchaflsüberschüssen durch deutsche Ausfuhr möglich sind, also auch eine gesteigerte Bereitwilligkeit der Gläubigerländer vorausschen, deutsche Waren abzunehmen. Für die Würdigung des Plans im ganzen ist es von höchster Bedeutung, ob mit ihm die abschließende Gesamtliquidierung des Krieges verbunden und erreicht Schweres WgboownM aus dem Bodensee. Ein Passagierflugzeug bei der Landung auf dem Wasser versunken. — Fünf Personen ertrunken. - Zwei Friedberger unter den Todesopfern. Schwedischer Königsbesuch in Riga. Neuorientierung der baltischen Staaten? Riga, l.Iuli. (TU. Funkspruch.) Der von herrlichstem Sommerwetter begünstigte erste Tag des Besuches des Königs von Schweden in der Hauptstadt Lettlands schloß mit einem Festessen im Rigaer Schloß, an dem die Regierung und das diplomatische Korps teilnahmen. Bei dieser Gelegenheit wechselten der schwedische König und der lettländische Staatspräsident Reden, denen große Bedeutung zugeschrieben werden muß. Sn seiner an den König in sehr herzlichem Ton gerichteten Ansprache sagte der lettländische Staatspräsident, daß er überzeugt sei, daß der Besuch des Königs die Freundschaft zwischen den beiden Staaten noch mehr festigen werde und daß diese Bande sich zur festen Grundlage für eine weitere volle Verständigung zwischen beiden Staaten gestalten werde. Lettland werde unermüdlich alles daran sehen, um ein wirklicher Friedensfaktor am OstuferderOstseezu sein. Die Stadt ist in den lettischen und schwedischen Farben reich beflaggt. Sämtliche -Zeitungen bringen Begrüßungsartikel, in denen die enge wirtschaftliche und tut tureIle Zusammenarbeit befürwortet und die politische Snteressengemeinschaft an der Ostsee betont wird. Das Rigaer Stadtober^ Haupt begrüßte den König mit einer Ansprache, in der er der Zeit der Schwedenherrschaft in Livland als einer lichten Zeit in I den harten Schicksalen des lettischen Volkes ge- I dachte. Durch den Besuch des schwedischen Königs erhält die skandinavische Orientierung de« baltischen Staaten großen Antrieb. Einige Blätter fordern sogar die Schaffung eines skandinavischen Staatenbundes, zu dem unter der Führung Schwedens auch die baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen gehören sollen. Die schon am ersten Tage vorhandene Begeisterung der Bevölkerung Rigas über den Besuch des schwedischen Königs Gustav schwoll am 2. Festtage, dem Sonntag, zu einem rauschenden Subei an. UeberaH wurde der König mit Hochrufen und Tücherschwenken begrüßt. Am Sonntag fand eine große Parade sämtlicher Waffengattungen des lettländischen Heeres statt, an der 6000 Mann teilnahmen. Am Rachmittag besichtigte der König die Sehenswürdigkeiten der Stadt und gab anschließend ein Festessen für den lettländischen Staatspräsidenten in der schwedischen Gesandtschaft. Alm 10 Llhr abends begab sich der König d. h. vorbehaltlose Räumung des Rheinlandes, Rückgabe des Saarge- bietes, Einstellung b;w.Rückgängigmachung aller Maßnahmen zur Beschlagnahme und Liquidation deutscher Güter. Die Entschließung weist dann darauf hin, daß die Lage von allen wirtschaftstätlgen Bevölkerungs- schkhlen besondere Anstrengungen und Opfer und pflichtbewußte Zusammenarbeit im Sinne einer sparsamen Wirtschaftsführung verlangt. Damit sei auch die entscheidende Stunde gekommen, die staatliche Wirt- schafls-, Finanz- und Sozialpolitik einheitlich und folgerichtig auf die Steigerung der Produktivität unserer Gesamtwirkschast hinzuwen- den. Als Forderung in diesem Sinne werden aufgestellt: Förderung der kapitalansamm- lung, Staats- und Verwaltungsreform mit dem Ziele der Steigerung der Lei- Oie kalte Dusche. Auf den patriotischen Rausch in der französischen Kammer ist sehr schnell die kalte Dusche in Gestalt der ablehnenden Antwort aus Washington eingetroffen. Diese Abreibung zur Beruhigung der erregten Gemüter in Paris war dringend erforderlich; aber die Promptheit, mit der die Staatsmänner in Washington auf die Forderungen der Franzosen reagiert haben, wird selbst Poincare und Briand überrascht haben. Beide hatten in sicherer Erwartung dessen, was kommen mußte, eifrig davor gewarnt, sich auf Experimente einzulassen, die von vornherein zum Fehlschlägen verurteilt waren. Aber es scheint nun einmal das Schicksal von Parlamenten, namentlich solcher von romanischen Ländern. zu fein, sich von Hitzköpfen und Demagogen zu unüberlegten Schritten hinreißen zu lassen. Die politische Blamage kommt dann sofort hinterher. Es ist richtig, daß sich Poincare und Briand mit aller Macht gegen den Beschluß der Kammer gestemmt haben, noch einmal in Washington zu versuchen, eine Stundung der Zahlung der am 1. August fällig werdenden 400 Millionen Dollar und der Ratifizierung des Mellon-Derangerschen Schuldenabkommens zu erlangen. Ein wenig kühle und ruhige lieber- legung hätte genügen sollen, um der gesamten Kammer ohne Ausnahme klarzumachen, daß die amerikanische Regierung politisch und rechftich gar nicht in der Lage war, einem solchen Gesuch stattzugeben. Sahrelang haben sich die Franzosen unter der Führung von Poincare selbst in der Hoffnung gewiegt, daß es wohl doch noch einmal gelingen möge, den harten Sinn der Amerikaner zu erweichen und die Streichung der französischen Kriegsschuld zu erlangen. Dabei haben sie von vornherein den großen Fehler begangen, d i e eigentlichen Kriegsschulden, die sie in der Form von Anleihen gemacht haben, also politische Schulden, mit der Handelsschuld von vierhundert Millionen Dollar in einen Topf zu werfen. Diese ist die Bezahlung von Vorräten jeglicher Art, die von den amerikanischen Truppen nach Kriegsschluß in Frankreich zurückgelassen und vor zehn Sahren von der französischen Regierung angekauft worden sind. Das ist also «keine Anleihe zu Kriegszwecken, sondern ein reines Handelsgeschäft, wosi die Ueberlassung einer bestimmten Warenmc,rze die Bezahlung einer bestimmten Summe innerhalb einer bestimmten Frist vereinbart worden war. Wenn die Franzosen immer wieder betont haben, daß sie im Weltkrieg die größten Opfer gebracht hätten und deswegen ein Recht, wenigstens ein moralisches, auf die Streichung ihrer Kriegsschulden an Amerika und England zu erlangen, so kann man darüber verschiedener Ansicht sein. Die Amerikaner haben aber vom ersten Augenblick an keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie auf die Rückzahlung wenigstens eines Teiles dieser Schulden unbedingt bestehen müßten, nachdem sie bereits die Hälfte tatsächlich erlassen hatten. Industrie und Voung-plan. Oer Industrie- und Handelstag fordert Gesamtliquidierung des Krieges. Innerpolitische Folgerungen. Streichung der Schulden zu willigen, solange Europa mit Frankreich an der Spitze sich den Luxus leistet, gewaltige Rüstungslasten den Völkern aufzubürden. Der Wink ist deutlich genug. Frankreich und England mit ihrem Anhang brauchen nur eine andere Haltung in der Abrüstungsfrage einzunehmen, dann wird auch Amerika Vorstellungen in der Kriegsschuldenfrage zugänglicher sein. Das ist des Pudels Kern. Ader es scheint, daß man dagegen in Paris noch immer taube Ohren hat. Die Antwort Stimsons. Washington sind die Hände gebunden. Paris, 29. Iuni. (wTv.) lieber die gestrige Unterredung des französischen Botschafters in Washington mit Staatssekretär S tim- s o n über die von der Kammer geforderte Demarche wegen der Hinausschiebung des Zahlungstermins für die von Frankreich 1919 gekauften amerikanischen heeresbestände hat Innenminister Tardieu nach Beendigung der Sitzungen der Kammerausschüsse für Finanzen und auswärtige Angelegenheiten folgende Erklärung abgegeben: Nachdem der französische Botschafter um Hinausschiebung des Verfalltages des 1. August gebeten halte, hat der amerikanische Staatssekretär erklärt, als aller Freund Frankreichs, in dessen Adern französisches Blut fließe, habe er drei Iahre hindurch gearbeitet, damit sein Land in den Krieg e i n t r a t. Er sei mit 50 3atjren zum Militärdienst eingerückl und habe den ganzen Feldzug milgemacht. Die von der französischen Regierung aufgeworfene Frage sei auf Grund der General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl',che Universitätr-Buch- und Steindruckerei B. Lange tn Liehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7. Nr M Erstes Blatt w » 179. Jahrgang Montag, 1. Juli 1929 Eichener Anzeiger liche Leichen der Passagiere gebot« Staatssekretär Stlmfon darauf aufmerksam, daß I gen, während die Leiche des Piloten Zins- alle Mitglieder des Repräsentantenhauses und des m e i f( e r noch nicht aus dem Flugzeug herausge- Senats sich gegenwärtig nicht in Washington auf- holt werden konnte, da sie in der Führer- halten und daß viele von ihnen, darunter der vor- kabine eingeklemmt ist. fitzende des Repräsentantenhauses, bereits außer- halb Amerikas weilten. Außerdem beständen (Qfo iW ReMlUlMll. Schwierigkeiten, auf die die sehr bedingte Vertagung A/lV l ’T , durch die Entschließung vom 19. Iuni gestoßen sei, Frankreich Mit einem Aufschub bls MMS so daß dem Wunsche Frankreichs, einen August einverstanden. zusagenden Beschluß zu^fassen nicht: e »t s pro - £onbon>1- 3ult (WTB. Funkspruch.) „Times" chen werden könne. Der Staatssekretär habe m mG(öe{; Wichtige Besprechungen über die Frage der Bedauern zum Ausdruck gebracht, daß bte offe t- ßoncecen} )ur endgültigen Regelung des Key ar a- ^»nung in Frankreich ^ beunruhigt fei. tion6problcm5 bec Rheinlandräümung usw. sind noch Aber die M einunginbe Ve^gten ,^en Paris und London im Gange. Staaten fei es n i d)f ro *i1 g r. $taa(sfe re ^^Wch? Regierung hat den britischen Bor- lat Stimson habe weil^ erklärt, daß die Der- baft die Konferenz in London ebgchalten einigten Staaten freundschaftlich gegenüber Frank- ro(?rben joU(e> nod) nicht beantwortet, aber reich gehandelt hatten; denn durch das Abkommen ben britischen Botschafter in von 1926 hatten sie in Wirklichkeit den Betrag der It)rtcU |ejnc Ansicht übermittelt, daß die von Frankreich wahrend, des ^ges de Zusammenkunft, wenn dies Macdonald angeneh- amenkamschen Schatzamt ab9effme[ sein sollte, bis Mitte August ausge- abtommen g e ft eichen und die Last Frankreich b e n werden könnte, unter der Voraussetzung. T3 ;LUn-b aUCm $ * Vfl n b Ö daß zunächst die führenden Regie rungs- Nachkriegszeit beschrankt. unb interessierten Minister zu- ____________ fammentreten würden, um eine Vereinbarung übet die Grundsätze zu erreichen. Alsdann wäre das Feld für die verschiedenen technischen Ausschüsse freigegeben, die ein paar Monate Zeil brauchen würden, um ihre besondere Arbeit zu erledigen, hieraüf würde eine neue Konfei renz im Spätherb st abgehalten werden müssen. Bezüglich des Ortes der Zusammenkunft vertritt die französische Regierung die Ansicht, daß Frankreich als Hauptgläubiger Deutschlands und als Macht, die vor allem an der Rheinlandbesehung interessiert ist, verlangen könnte, daß die Konferenz in Paris abgehalten werde. Aber um die Behandlung Deutschlands als eines gleichberechtigten heroorzuheben, wird ein neutrales Land wie die Schweiz bevorzugt, und man hofft, daß die britische Regierung dieser Anregung zustimmen werde. werden wird. Eine solche Gesamtliquidierung ver- form der Buögetgebarui langt, daß die Politik der Diskriminierung, der Körperschaften und Reform Pfänder und Kontrollen endgültig verlassen wird, Glichen Steuersystems. an Bord des Kreuzers „<3nötige", -um nach Stockholm zurückzukehren. Tausende hatten sich im Hafen eingefunden, um bei der Abfahrt des Königs zugegen zu sein. Als der König den Panzerkreuzer betrat, ertönten nicht endenwol- lende Hurra-Rufe. Was Delbrück nicht sagen durste. Berlin, 30. Juni. (Priv.-Tel.) In den preußischen Iahrbüchern wird demnächst die Rede im Wortlaut erscheinen, die der bekannte, kürzlich 80 Jahre alt gewordene Berliner Historiker Hans Delbrück am 28. Juni, dem zehnjährigen Tage der Unterzeichnung des Versailler Friedens, in der Berliner Mniversität halten wollte und die vom preußischen Ministerpräsidenten verboten wurde. Delbrück hat den klaren Nachweis geführt, daß die feindliche Behauptung von be*r deutschen Alleinschuld am Kriege nicht etwa auf Grund der damaligen Kriegspsychose in gutem Glauben aufgestellt worden ist, sondern daß es sich um nachweislich gefälschte Dokumente handelt, die den Grund für das von uns erpreßte Schuldbekenntnis hergeben muhten. Man sollte meinen, daß es der deukschen Außenpolitik nur dienlich sein kann, wenn ein Gelehrter von Weltruf wie Hans Delbrück in dieser deutschen Frage, in der es wirklich keine Parteien geben sollte, sich zum Worte meldet. Wir können uns auch nicht denken, daß das Auswärtige Amt von dem polizeilichen Eingriff in Preußen übermäßig begeistert gewesen ist. Aber bei dem herrschenden Wirrwarr der Zuständigkeiten ist es ja doch stets so, daß ein zweckmäßiges Zusammenarbeiten der verschiedenen Instanzen allein dem Zufall überlassen bleibt, und bekanntlich hat es dieser Zufall noch nicht häufig mit uns gut gemeint. Mm so dringender ist die Forderung, daß endlich einmal eine verantwortliche Spitze geschaffen wird, in der die Fäden der Regierung so zusammenlaufen, daß eine, einheitliche Durchführung der Absichten gewährleistet ist und daß die östliche Hälfte der Wil- helmstraße nicht stets das Gegenteil von dem tut, was in der westlichen gewünscht wird. Ein Protest der Universität Breslau. Breslau, 29. Iuni. (WB.) Rektor und Senat der Mniversität Breslau haben folgendes Protestschreiben an den Kultusminister gesandt: Rekor und Senat der Schlesischen Friedrich- Wilhelm-Mnivcrsität haben von dem an die Behörden gerichteten Verbot der Reichs- und preußischen Staatsregierung Kenntnis genommen. Sie haben daraufhin die wohlvorbereitete Versammlung des Lehrkörpers und der Studenten heute abgesagt. Denn der Sinn dieses Tages vertrug keinerlei Gegensatz zwischen Staat und Volk. Sie sind aber der Meinung, daß ihnen das Recht zu einer solchen Versammlung zu st and und zusteht, aber auch die Pflicht. Es liegt im tiefsten Interesse des Staates, daß die Mniversitäten nicht auf Weisung ihre Stimme erheben oder schweigen, weil dadurch das Gewicht ihres Mrteils und die Kraft ihrer Erziehungsarbeit aufgehoben werden. Das demokratische Wirtschastsprogramm. Tie hessischen Demokraten zur Frage der Hekoga. wsn. Frankfurt a.M., 30.Iuni. Der Landesausschuß der Hessischen Demokratischen Partei trat zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung die Frage des Wirtschaftsprogramms und ein Vortrag über „Die Hekoga im Rahmen des demokratischen Wirtschaftsprogramm" stand. Der Geschäftsführer des Hansabundes, Dr. Reif, Berlin, erklärte, daß die Grundauffassung des Wirtschaftsprogramms der Demokratischen Partei die Anerkennung der individua- listischen Wirtschaftsform und die Anhängerschaft der kapitalistischen Wirtschaft — auch mit ihren Schwächen und Fehlern — sei. Eine zweite Aufgabe sei dann noch, diese Schwächen und Fehler der kapitalistischen Wirtschaftsform zu überwinden oder zu beseitigen. Im Mittelpunkt stehe natürlich das Kartellproblem, die freiwilligen Bindungen der Wirtschaft und die Frage der Monopole. Es bestehe in der Kommission kein Zweifel darüber, daß eine staatliche Kontrolle der Monopolbindungen unter Zugrundelegung einer gesetzlichen Basis für die Kartelle und Monopole unerläßlich fei; schwieriger fei die Frage, wie diese Kontrolle zu gestalten fei. Eine andere wesentliche Frage sei die der Ausdehnung der ö f f e n t - lieben Hand. Hier stehe die Kommission grundsätzlich aus dem Standpunkt, daß die öffentliche Hand dazu da fei, zu verwalten und nicht zu fabrizieren, zu handeln und in Konkurrenz zu Gewerbe und Mittel st and zu treten. Eine Ausnahme bilde selbstverständlich der Regiebetrieb in kleinem Ausmaße, wie dieser ja schon früher, z. D. im Salinenwesen, bestanden hätte. Dem Mittelstand werde im Programm die größtmöglichste Mnterstühung zugesagt werden. Man werde aber keine Forderungen auf staatliche Hilfe aufstellen, sondern das Verlangen an den Staat richten, den Wirtschaftsorganismus des Mittelstandes durch möglichst wenige staatliche Eingriffe zu gefährden. In der Steuerfrage werde das Programm zwei Fragen kennen, nämtlich 1. die Frage, in welcher Form die Besteuerun eregggelt werden soll und 2. die prinzipielle Frage des Steuerzwecks, ob die Besteuerung geregelt werden soll und 2. die des Staates und der Verwaltung zu decken oder ob das Instrument der Besteuerung auch ein Mittel der Politik und des Eingriffs in die Verteilung 'des wirtschaftlichen Erträgnisses fein solle. Zum Schluß werde das Programm an einer Kritik! der heutigen Form der Sozialpolitik mit ihrer derzeitigen Schematisierung und Bureaukratisierung nicht vorübergehen können und positive Vorschläge in Form einer Auflockerung machen müssen. Meber „D i e Hekoga im Rahmen des demokratischen Wirtschaftsprogramms" sprach Dipl.» Ing. Weniger, Dad-Raüheim. Rach, einer Darlegung der bekannten Auffassungen der einzelnen Interessenten sagte der Redner noch u. a.: Es fei vor allem zu betonen, daß die Frage der Gasfernversorgung eine rein wirtschaftliche und keine politische sei. Die eine Gruppe halte die kapitalistische Wirtschaftsordnung für das Richtige, während die andere daS Räumung der Koblenzer Zone am 1. September? Umfangreiche Rücktransports französischer Regimenter. Köln, 1. Juli. (2DB.) Die „Köln. Zlg." meldet aus Koblenz: Die Räumungsuorbereitun- g c n der Besahungsbehörden in Koblenz und Ehrenbreitstein fcheinen, sicherem Vernehmen nach, doch von größerem Umfange zu sein, als es anfangs den Anschein Halle. Der oberkommandierende General der Vesahungslruppen im Rheinland Hal seine Maßnahmen auf eine Räumung der Koblenzer Zone zum 1. September eingestellt, wie wir hören, sollen bereits in den nächsten 14 Tagen zwei Regimenter in die Heimat abtransportierl werden. Es handelt sich um die beiden französischen haupl- regimenter, die in Koblenz stehen, und zwar um ein Infanterie- und ein Artillerie-Regiment. Jur die frühzeitige Räumung der Koblenzer Zone scheint weniger der Stand der Verhandlungen um die Ratifizierung des Zoung-Planes als vielmehr die Tatsache maßgebend zu sein, daß die Koblenzer Zone sowieso nach dem Versailler Vertrag am 1 0. 3 a- nuat 1 9 3 0 geräumt werden mühte. Bei den nun in Betracht kommenden Räumungsoorbereitungen soll auf französischer Seite auch die rein praktische Erwägung eine Rolle spielen, daß eine Räumung der zweiten Zone bis zum 1. September die hier abrückenden Besahungsangehörigen nicht den gleichen durch die Ivinterkälle bedingten Unannehmlichkeiten ausseht, wie das damals bei der Umsiedlung der Besahungslruppen der ersten Zone nach Frankreich der Fall gewesen ist. Keine britischen Gommermanöver am Rhein. Räumungsvorbereitungen in Wiesbaden? London, l.Iuli. (WTD. Funkspruch.) Rach der „Daily Mail" werden die üblichen Sommer-Manöver der britischen Be- sahungstruppen im Rheinlande in diesem Iahre nicht abgehalten werden. Man hatte immer erwartet, daß die Räumung des Rheinlandes durch die britische Desahungsarmee sich über eine Reihe von Wochen, wenn nicht Monate ausdehnen würde. Ende diese Woche soll das Hauptquartier in Wiesbaden Anweisung erhalten haben, die einen solchen Plan radikal ab* ändert. Seit der Besetzung vor mehr als zehn Iahren waren der wichtigste Teil der Ausbildung die Sommermanöver, bei denen die Truppen im Freien übernachteten. Das Aufgeben der Sommer-Manöver in diesem Iahre deutet darauf hin, daß die Truppen entweder in kürzester Frist oder wenigstens en b I o c zurückgezogen werden sollen. Der Sonderberichterstatter der „Daily Mail" in Wiesbaden meldet: Das britische Kommando wünscht eine schrittweise Zurückziehung der Truppen, denn die Meber* gäbe des besetzten Gebietes schließe eine unge* heure Menge Arbeit ein. In Wiesbaden allein sei es notwending, in mehr als 1000 von Engländern belegten Gebäuden eine Inventur aufzunehmen und Schadenersatzansprüche zu erledigen. — Observer" sagt in einem Leitartikel: Die öffentliche Meinung Englands ist bereits ungeduldig geworden. Zweifellos hat die Frage der Rheinarmee der Regierung bei den Parlamentswahlen Stimmen gekostet. Man wird sagen, daß Eile verhängnisvoll ist, und daß eine Räumung am 31. August unmöglich fei. Wir glauben das nicht. Zehn Wochen genügen bei gutem Willen vollauf, um eine Armee abzubefördern. Auf zwei Wochen früher ober später kommt es nicht an, aber es kommt darauf an, daß ein endgültiges Datum für die Zurückziehung der letzten britischen Soldaten vom Rhein festgesetzt und noch während der jetzigen kurzenParlaments- sessivn bekannt gegeben wird. Wir wünschen dringend, in dieser Frage mit unseren Freunden in Paris und Brüssel gemeinsam zu 'handeln, aber wir können nicht ihretwillen weiterhin die tiefsten Gefühle unserer Freunde in Berlin verwunden. Großbritannien muß seine Truppen zurückziehen, wenn möglich m i t Frankreich und Belgien, wenn nicht, dann allein. marxistische Ideal der Sozialisierung der Produktionsmittel anstrebe. Da letzteres ein Programmpunkt der Sozialdemokratie sei, so erklärten sich daraus der Versuch der Beeinflussung dieses Problems durch die Politik und fernerhin die bekannte Einstellung des hessischen Ministers L e u s ch n e r. Was nun die Gefahr einer Zentralisation der Gasfernversorgung und die eventuell sich daraus ergebenden Schlußfolgerungen bei Streiks, Störungen usw. betreffe, so sei festzustellen, daß einerseits schon durch die einzelnen, von einander getrennten deutschen Kohlengebiete, wie Ober- schlesien, Ruhr, Saar usw. eine Zentralisation nicht in Frage komme, während andererseits das im Projekt vorgesehene R i n g s h st e m der Gasbelieferung — wie dies heute schon bei der Elektrizität der Fall sei — in kurzer Zeit eine Gefahr der teilweisen oder völligen Lahmlegung des Gasbezuges unmöglich mache. Schließlich sei doch bei der Millionengröße des Objektes die Wirtschaftlichkeit der schwerwiegendste und ausschlaggebende Faktor, auf welche Weise der Gasabnehmer ambesten, billigsten und günstigsten bedient werden könne. Fengyuhfiang soll ins Ausland geschickt werden. Peking, 29. Juni. (Agentur Indo Pacisique.) In einem Interview erklärte Präsident Tschiang- kaischek, daß Fengyuhsiang von den tonfc munistischen Elementen, die sich wieder gegen die Nankingregierung organisiert hätten, getäuscht worden sei. Da Fengyuhsiang seinen Irrtum eingeschen habe, werde die Nationalregierung die gegen ihn angeordnete Strafexpedition nicht unternehmen. Sie werde ihn jedoch als chinesischen Oberkommissar zum Studium der europäischen und amerikanischen Industrie i n s Ausland entsenden. Indessen ist Fengyuhsiang noch nicht auf die Angebote der Regierung eingegangen. Aus aller Welt. Die Besatzung der „Rumancia" gerettet. London, 29. Iuni. (Reuter.) Rach einer Meldung der britischen Admiralität Hal das britische Flugzeugmutterschiff „Eagle" das vermißte spanische Ozeanflugzeug in der Rähe der Azoren aufgefunden und an Bord genommen. Die Besatzung ist gesund und wohlbehalten. Der „Eagle" ist nach Gibraltar unterwegs. Die Besatzung des Flugzeuges besteht aus Major Franco, Kapitän Ruiz da Al da, Major Gallarze und dem Mechaniker Madaraiga. Major Franco hat über den verunglückten Flug der „Rumancia" folgende Mitteilungen gemacht: Ich verlieh Los Alcacares am 21. Iuni um 17 Mhr und passierte Cap Vincent um 21 Mhr. Infolge sehr starker Luftwirbel waren wir gezwungen, von da ab höher zu fliegen. Von Cap St. Vincent bis zu den Azoren spannte sich eine ununterbrochene Wolkendecke, die wir überfliegen mußten. Später bildete sich eine zweite Wolkendecke über uns. Wir glaubten, am 22. Iuni um 9 Mhr Greenwicher Zeit die Azoren zu erreichen, aber ein starker Rordostwind brachte es mit sich, daß wir die Azoren während der Rächt überflogen. Rach Tagesanbruch stellten wir nach dem Stande der Sonne fest, daß wir uns südwestlich der Azoren befanden. Deshalb gingen wir durch die Wolkendecke nieder, um Brennstoff zu sparen und unsere genaue Position festzustellen. Rachdem dies geschehen, nahmen wir Kurs in Richtung Fayal, aber infolge des starken Gegenwindes war unser Denzinvorrat ungefähr sechzig Kilometer vor Fayal zu Ende, und wir mußten auf das Wasser niedergehen. 'Starke nordöstliche Winde trieben uns nun nach Süden, und am folgenden Tage, dem 23. Iuni, waren wir ungefähr 460 Kilometer von Fayal entfernt. Der Wind drehte sich sodann nach Südwesten, erreichte Sturm stärke und trieb uns auf die Insel St. Maria zu. Dom 24. bis 27. Iuni warf uns der Wind, dessen Stärke und Richtung ständig wechselten, umher. Am Morgen des 27. Iuni war die Lage infolge des starken Windes und des hohen Seeganges äußerst ernst geworden. Am 29. morgens fand uns das Flugzeugmutterschiff „Eagle" und nahm uns an Bord. Die Haltung der Besatzung und die Leistung der Motoren waren großartig. Schwere Explosion beim Kohleverflüssigungsverfahren. In Duisburg-Meiderich explodierte bei der Probevornahme des Kohleverflüssigungsverfahrens nach der bekannten Methode Bergius ein unter hohem Druck stehender Apparat. Durch den ungeheuren Luftdruck wurde der den Apparat bedienende Mann buchstäblich zerrissen, ein in der Arbeits- Halle anwesender Ingenieur trug sehr schwere Verletzungen davon. Die obere Hälfte des Raumes samt dem Dach wurden auseinanberge« rissen und fortgeschleudert. Unter den in der Nähe des Werkes der Kohleverflüssigungs-Gesellschaft wohnenden Personen entstand eine Panik. Hunderte von Menschen umlagerten noch spät nachts das Tor des Werkes. Worauf die Explosion zurückzuführen ist, muß erst die Untersuchung ergeben. Schwerer Bloforrabunfatt. Vier junge Leute aus Pößneck und Mmgebung, die mit ihren Motorrädern einen Ausflug unternommen hatten, veranstalteten auf dem Rückweg eine Rennfahrt. Hierbei streifte ein links vorfahrender Fahrtteilnehmer ein rechts von ihm befindliches Motorrad derart, daß beide Motorräder ungefähr 45 Meter fe st aneinandergekuppelt nebeneinander herfuhren. Der eine Fahrer wurde dann gegen einen Baum geschleudert und das Rad stürzte einen Abhang hinunter. Die Beifahrerin erlitt einen schweren Schädelbruch und st a r b alsbald. Der Fahrer wurde ebenfalls mit einem schweren Schädelbruch dem Krankenhaus zugesührt, wo auch er gestorben ist. Die Fahrer auf dem zweiten Motorrad erlitten nur geringe Verletzungen. Ein Lastauto fährt in die Menschenmenge. Bei der Rückkehr von einem Waldfest der Freiwilligen Sanitätskolonne Ochsenfurt fuhr am Samstagabend in der Rähe von Hopferstadt ein mit Gerätschaften beladenes schweres Lastauto infolge Versagens der Bremse an der steilen Hop- ferstadter Steige in die Menschenmenge hinein, wodurch zwei Personen getötet, acht schwer und sieben leicht verletzt wurden. Eine ganze Familie das Opfer eines Autounglücks. Bei einem Autozusammenstoß in Angola (Indiana) kam ein Elternpaar mitseinendrei KindernumsLeden. Die ganze Familie verbrannte unter den Trümmern des Autos, das sofort nach dem Zusammenstoß in Flammen aufging. Schweres Botsunglück auf dem Tegeler See. Auf dem Tegeler Tee bei Berlin kenterte etwa 50 Meter vom Ufer entfernt, wahrscheinlich i n - folge der Wellen eines oorüberfah- renden Schleppzuges, ein Paddelboot, in dem sich zwei, nach anderen Aussagen drei Personen befanden. Die Insassen fielen ins Wasser und gingen sofort unter. Augenzeugen benachrichtigten alsbald den Reichswasserschutz und ein Feuerlöschboot, das die Suche nac" den Verunglückten auf» nahm. Nach kurzer Zeit wurde einer der Insassen tot geborgen. Die Suche nach den übrigen In- fassen war bisher erfolglos. Fünf Personen beim Einsturz einer Brücke ertrunken. In der Umgebung der Stadt Quebek (Kanada) stürzte eine über einen Kanal führende Brücke ein, auf der sich gerade fünf Personen befanden. Sie sind sämtlich ertrunken. 3m Boxkampf getötet. In Münster hatte der Schausteller Bergmann eine Sport- und Kraftschaubude aufgebaut. Trotz des bestehenden Verbotes rief der Schausteller zum Boxkampf auf, zu dem sich ein Münsteraner meldete, Er erhielt im Laufe des Boxkampfes einen unglücklichen Stoß in die Lebergegend und starb an dieser Verletzung. Festnahme eines gefährlichen Heiratsschwindlers. Der 34jährige Kaufmann Leopold Lehmann, -in von bei Polizei feit anderthalb Occhren gesuchter berüchtigter Heiratsschwindler, ist in 'Bert lin verhaftet worden. Lehmann trat als Groß-, laufmann auf und spiegelte heiratslustigen Damen eine Erbschaft aus Amerika vor. Aus diese Weise gelang es ihm, etwa 40 Mädchen um Summen, die sich zwischen 800 und 7000 Mk. bewegen, zu schädigen. Ein Räuber zu vier 3ahrcn Zuchthaus verurteilt. In Stettin wurde der 22 Jahre alte Arbeiter Bradl wegen fortgesetzten schweren Diebstahls zu einer Zusatzstrafe von vier Jahren Zuchthaus zu einer bereits verhängten Strafe von zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Herbst v. I. waren die Bewohner der Buchheide-Dörfer durch das Treiben eines Räubers monatelang in Angst und Schrecken versetzt worden. Der Täter sprach in einsam gelegenen Gehöften vor, erkundete die Oertlich- feiten und drang dann, wenn die Bewohner auf dem Felde waren, in die Häuser ein. Er stahl alles, was ihm in die Finger kam; vielfach erbeutete er größere Summen und Wertsachen. Wurde er einmal bei der Tat durch Frauen oder Männer überrascht, so schüchterte er die Leute da- durch ein, daß er mit seinem Revolver drohte und entkam auf einem im Walde versteckten Fahrrad. Durch Zufall wurde Bradl gefaßt. Er war in 29 Fällen geständig. Sieben Todesurteile in Sowjetrußland. Das Kriegsgericht in Mohilew (Weißrußland) verurteilte wegen Riederbrennung des Fleckens Schurawitfchi und landwirtschaftlicher Genossenschaftsbetriebe, wegen eines Anschlags auf Vertreter der Ortsbehörde und einer Reihe anderer gegenrevolutionärer Delikte sieben Angeklagte, darunter einen früheren Geheimpolizisten und Spekulanten zum Tode, 19 weitere Angeklagte zu Gefängnisstrafen von verschiedener Dauer. Fünfzehn Tote bei einem Bauunglück. Beim Bau eines Eisenbahntunnels in der Nähe von I g a g u e (Kolumbien) wurden infolge eines Einsturzes 15 Personen getötet und 15 verletzt. Unter den Toten befinden sich zwei italienische Ingenieure und zwei polnische Arbeiter. Kunst und Wissenschaft. Vom Hesfen-Rassauischen Wörterbuch. Meber die Arbeiten an diesem großen Heimatwerke im Iahre 1928 berichtete in den Sitzungsberichten der Preußischen Akademie der Wissenschaften im Auftrag von Professor Dr. Wrede Fräulein Privatdozentin Dr. Luise Berthold, daß im Berichtsjahr die zweite Lieferung (Lausteufel bis Leseholz) erschienen ist. Reben der Weiterarbeit für diese Ausgabe stand unverändert der Ausbau des Gesamtapparates. 50 größere Eingänge aus allen Teilen des Wörterbuchgebietes mit zusammen 3007 Zetteln konnten gebucht und eingeordnet werden. Das Ausziehen gedruckter wie ungedruckter wissenschaftlicher Dialektliteratur sowie das unserer Fragebogen wurde fortgesetzt. Der Mmfang des Apparates stieg dadurch auf rund 226 000 revidierte Zettel. Außer den Einsendern der genannten Beiträge sind wir besonders denjenigen verbunden, die uns die aus der Ausarbeitung fließenden Fragen unermüdlich beantworteten. Das sind als ständige Helfer vor allem Frau Arndt in Eitelborn, Hauptlehrer Abel (für Hilders), Mittelschullehrer Kappus (für Weisel), Lehrer i. R. Schaefer (für Densberg), Studienreferendar Dr. Schudt (für Wetterfeld), Schulrat i. R. Schwalm (für Obergrenzebach). Zu ihnen gesellen sich die vielen Lehrer, deren Hilfe wir in fortwährenden Fragekarten aus allen Ecken des Wörterbuchgebietes erbitten mußten. Oie Wetterlage. Qwoihenios. ® neuer. <> naib bedeoa, ® woixig. • oedecKt. • Regfffc V Schnee a Graupeln. - Mebel KGeWitier.@wind5Ulic-O-.scV «ferner Osi £ massiger Südsüdwest, q stürmischer «ordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die neiden Stationen stenenden Zah» (en geben die Temperatur an. Die Limen Verbinden Orte mit glclcttcgfr •wf Meeresniveau umgertchneien Luftdruck Wettervoraussage. Die Biscaha-Störung ist rasch nordostwärts gewandert und liegt mit ihrem Kern heute morgen über Rord- und Mitteldeutschland. Sic sucht in Verbindung zu treten mit dem über Skandinavien sich südwärts bewegendenTief. Wir gelangen jetzt an die Rückseite der Störungsgebilde und erhalten polare Luftzufuhr. Daher werden die Temperaturen einen geringen Rückgang erfahren. Bei wechselnder Bewölkung, wobei auch gelegentlich Aufheiterung eintritt, sind ganz vereinzelt Regenschauer nicht ausgeschlossen. Wettervoraussage für Dienstag. Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, etwas kühler, ganz vereinzelt noch Regenschauer. Wettervoraussage für Mittwoch. Mehr aufheiterndes Wetter und Rachlasfen der Riederschläge. Lufttemperaturen am 30. Juni: mittags 22 Grad Celsius, abends 16,4 Grad; am 1. Juli: morgens 17,2 Grad. Maximum 22,6 Grad, Minimum 13,3 Grad. — Erdtcmperaturen in 10 cm Tiefe: am 30. Iuni: abends 23,2 Grad; am 1. Juli: morgens 17,8 Grad Celsius. — Niederschlag 2,8 mm. —* SonnMcheindaurr Stuodeg, Festakt im großen Burgsaal. Zahlreiche Behördenvertreter, Angehörige der Wissenschaft und Kunst, der Wirtschaft und andere an hervorragender Stelle stehende Männer hatten sich hier eingefunden, um das Interesse an der sehr verdienstvollen Arbeit des Gleibergvereins zur Erhaltung der Burgruine auch sichtbar zu bekunden. Frl. Rolshaußen (Krofdorf) brachte zu Beginn der Feier in wirkungsvoller Weise einen Borspruch, anschließend daran ein Gesangsvortrag. Hierauf richtete der Dorsitzende des Gleiberg- Vereins, Provinzialdirektor Graef, Gießen, eine Ansprache an die Festversammlung, in der er sagte: Als im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts die Burg Gleiberg zu zerfallen drohte, und die Burg von den Bewohnern der umliegenden Orte als Steinbruch benutzt wurde, kamen einflußreiche Raturfreunde von Wetzlar, Gießen und anderen Orten der Umgegend auf den " Gedanken, die Burg vor dem Untergang zu retten. Sie gründeten im Jahre 1837 den Ge - selligkeitsverein Gleiberg, der es sich zur Aufgabe machte, das Interesse an der Burg neu zu beleben und dem Zerfall entgegenzutreten. Alsbald fetzte eine rege Werbetätigkeit cm, cs wurden Mittel aufgebracht, um die dringlichsten Arbeiten vornehmen zu können und den zerstörenden Einwirkungen der Witterung und der Anwohner entgegenzuarbeiten. Die Bemühungen des Geselligkeitsvereins Gleiberg waren von Erfolg gekrönt, und die Tätigkeit des Gleibergvereins fand die Anerkennung der preußischen Staatsregierung. Aber der Gleibergverein begnügte sich nicht mit den Erfolgen, er hatte sich allmählich eine größere Ausgabe gestellt. Im Jahre 1879 stand an der Spitze des Gleibergvereins der TIniversitätsprofessor Dr Gare i s von Gießen, an der Spitze des Kreises Wetzlar der Landrat von Tieschowih. Den Bemühungen dieser beiden Herren ist es gelungen, daß vor jetzt 50 Jahren die preußische Staatsregierung das Eigentum an der Burg dem Gleibergverein zu treuen Händen übertrug. In diesem wichtigen Akt lag damals die rückhaltlose Anerkennung für die bisherige Tätigkeit des Gleibergvereins, auf die die damaligen Leiter des Bereins stolz sein konnten. Wenn wir heute dieses 50jährigen Eigentums an der Burg festlich gedenken, so tun wir es nicht, um ein Fest zu feiern, sondern um vor den maßgebenden amtlichen Stellen und vor der Oeffentlichkeit Rechenschaft abzulegen darüber, wie wir unsere vertragsmäßig übernommenen Verpflichtungen aufgefaßt und wie wir versucht haben, sie zu erfüllen. Die Burg Gleiberg liegt auf preußischem Staatsgebiet. Die Mehrzahl der Mitglieder des Gleibergvereins wohnt in Hessen; man hat Geheimerat Prof. Dr. Behaghel, Gießen, sprach als Vertreter der Llniversität Gießen herzliche Glückwunschworte und gab dabei der engen Verbundenheit zwischen Universität. Studentenschaft und Gleiberg beredten Ausdruck. Privatier Wohlmuth, Gießen, überbrachte als Geschenk von etwa hundert Freunden des Gleibergvereins einen Kupferstich, der den Generalissimus Herzog Ferdinand von Braunschweig darstellt, der in schwerer Kriegsnotzeit 1759 in Krofdorf gewohnt, seinen Generalstab aber auf dem Gleiberg untergebracht hatte, ferner ein Bild von Professor Kramer nach einem Gemälde von Krauß als Geschenk zur Ausschmückung eines Burgzimmers. Kaufmann Val. Frey, Gießen, gedachte mit warmen Worten der großen Verdienste des Vorsitzenden, Provinzialdirektor Graes, um den Gleibergverein und seine hohen Ziele. Provin- zialdireltvr G r a e f dankte herzlich für die Ausführungen der verschiedenen Redner und gab den ihm persönlich gewordenen Dank zum größten Teile an seine Mitarbeiter im Vorstand weiter. a ufs chnit t. _ > Holzheim, 29. Juni. Die hiesige Bruderschaft des Jungdeutschen Ordens hatte gestern abend zu einer Kundgebung gegen Versailler Vertrag und Kriegsschuldlüge in den großen Rathaussaal em- qeladen. Rach einer kurzen Begrüßung durch den Gefolgschaftsmeister Karl Jakob I u n g gab Ordensbruder Paul Seipp in packenden Worten ein Bild von den ungeheuerlichen Destnn- inungen des Versailler Vertrags und den sich daraus ergebenden Härten für Deutschland. Der Redner besahte sicl) auch mit der von unseren Kriegsgegenern aufgesteltten Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege, lieber dieses Thema sprach dann auch der Ortsgeistliche. Pfarrer Weber, der vor allem an die Versammlung den Appell richtete, endlich einmal aufzuräumen mit der Gleichgültigkeit hinsichtlich dieser ernsten nationalen Sache. Kreis Friedberg. - Bad - NauheiIN , 30. Juni. Im Sprudelhotel fand heute nachmittag eine Kundgebung gegen die Kricgsschuldlüge statt, zu der alle bürgerlichen Parteien eingeladen hatten, und die gut besucht war. Landtagsabg. Oberstudiendirektor Dr. K e ll e r (Büdingen) hielt die Protestrede. Er hob hervor: Keine Regierung der deutschen Republik hat die AUeinschuld Deutschland s am Weltkriege anerkannt. Alle Führer ?r Parteien von links nach rechts treten ein für die Beseitigung des Artikels 231 des Diktats. Es sei vor zehn Jahren keine andere Wahl geblieben, sich dem Zwang zu beugen. Er (Redner) selbst sei mit Scheidemann der Meinung gewesen, daß nicht unterzeichnet werden solle; aber beute frage er sich: Wäre etwa ein Frieden an der Elbe besser gewesen? Redner führte weiter aus: Vieles hoben die deutschen Regierungen durch ihre Unterhandlungen mit den ehemaligen Gegnern schon erreicht; jetzt- wollen wit mit Hindenburg, mit der jetzigen deutschen Regierung für die Beseitigung der Kriegsschuldlüge eintreten und arbeiten, Mit Taten für Montag, 1. Juli. Sonnenaufgang 3.47 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. — Mo'ndaufgang 0.15 Uhr, Monduntergang 13i4646?'ber Philosoph Gottfried Wilhelm von Leibniz in Leipzig geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Leicht- athletische'Meisterschaften der Universität, nachmittags 3 Uhr. — Lichtspielhaus Dahnhofstr.: „Durchs Brandenburger Tor". * •• Festschrift des Gleibergvereins. Die Festschrift des Gleibergvereins. nach der ge- stern bei dem Gleibergfest viel gefragt wurde, ist jetzt noch bei dem Schriftführer des Berans, Kreiskassedirektor Schäfer (Kreisamt Gießen) zum Preise von: 1 Mk. zu haben. " Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen Uraufführung „Liebe auf den zweiten Blick" hat Oberspielleiter Hans Tannert die Spielleitung. Es wirken ferner mit die Damen Heß, Jüngling, Scherer und die Herren Arzdorf, Linkmann, Tannert. •* Preußisch-Süddeutsche Klassen, lotterte. Die Erneuerung der Lose zur nächsten Ziehung muß bis zum 5. Juli erfolgen. " Auftrieb zum h e u t i g e n F r a n k - furter Schlachtviehmarkt: 96 Bullen, 250 Ochsen. 668 Kühe, 421 Färsen, 461 Kalber, 26 Schafe, 3402 Schweine. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. Juli 1929. Gefährliche Pflanzen. Sommersonne und Ferienzeit locken jung und alt hinaus ins Freie zu Wanderungen durch Feld und Au. Die Freude an der Ratur teilt sich dabei auch den Kindern mit, und un nnD- lichen äleberschwang sind sie oft geneigt, nicht nur allerlei Blumen zu pflücken, sondern auch ihre Stengel oder Blätter in den Mund zu nehmen. Eine solche Unsitte, deren sich gelegentlich auch Erwachsene schuldig machmr, kann indessen für die Gesundheit recht erhebliche Rachteile haben; denn nicht jede Blume die auf dem Felde oder im Walde wachst, ist frei von Giftstoffen. Am bekanntesten ist die Giftigkeit des Goldregens, durch den, besonders bei Kindern, schwere Dergiftungserscheinungen aus- aelöst werden können. In ähnlicher (weise wirkt die T o l l k i r s ch e, die speziell im Walde häufig mit anderen Früchten verwechselt und von Kindern ahnungslos verzehrt wird. Die schlimme Gistwirkung der Schierlings ist unter anderem auch aus der Geschichte bekannt Fingerhut und Maiglöckchen enthalten ein in der Medizin verwandtes Herzgift, das bei unvernünftigem Jndenmundnehmen der betreffenden Pflanzen gleichfalls erhebliche Erkrankungen auslösen kann. Als Zierpflanze erfreut sich die Primel allgemeiner Beliebtheit. Soweit es sich dabei um unsere einheimischen, gelben Primeln handelt, besteht dabei keine Gefahr, Wohl aber ist die japanische und chinesische Primel, die meist in Töpfen gezogen wird, als Giftpflanze zu betrachten. In den an der Unterseite der grünen Blätter sitzenden Drüsenhaaren der japanischen Primel befindet sich ein Giftstoff, der schon bei der bloßen Berührung mit der Hand, etwa beim Abbrechen der Blätter, austritt und meist nach Stunden, aber selbst noch nach Tagen Rötung und Schwellung der Haut, Masenbildung, ja schließlich Fieber und ernste Krankheit verursachen kann. Auch Augen und Rasenschleimhaut, die beim Riechen an dieser Blume mit den Giftstoffen in Berührung kommen, können dabei erkranken. Es ist deshalb notwendig, vor jeder Berührung mit der japanischen farbigen Primel sich in acht zu nehmen und ganz allgemein Spaziergänger und Kinder davor zu warnen. Pflanzen, die ihnen nicht genau bekannt sind, zu pflücken oder gar in den Mund zu nehmen. -Segen unserer Heimat. Ein Rundgang durch die Burgruine unter der sachkundigen Leitung des Aniversi- tätsprofessors Dr. Rauch, Gießen, beschloß den Festakt. In dankenswerter Weise unterrichtete der Führer seine große Zuhörerschaft über Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung m der Geschichte des Gleibergs, und mit großer Spannung verfolgte man allenthalben die interessanten und klaren Darlegungen des Vortragenden. Sinter dieser Leitung wurde der Rundgang durch die Ruine zu einem wahren Erlebnis. Ein Festessen bereinigte Dann die Ehrengäste und die Mitglieder der Festausschüsse im Festsaale der Burg. Hier begrüßte der Vereinsvorsitzend, Provinzialdirektor G r a e f, die Ehrengäste und Mitglieder der Festausschüsse und sagte allen — sowohl den Behörden für ihre bisherige Unterstützung, wie auch den Ausschußmitgliedern und allen Mit- wirkenden bei dem Feste — im Rainen des Vereins herzlichsten Dank. Keiner wurde bei der Aufzählung dieser langen Liste von Freunden und Helfern des Gleibergs mit dem gebührenden Danke übersehen, die Rücksicht auf den Raum verbietet es uns jedoch, hierüber im einzelnen zu berichten. Der Redner bat, dem Gleibergverein und seiner Burg auch weiterhin volles Interesse und warme Unterstützung zu schenken. Oberregierungrat Doebereiner, Koblenz, sprach im Ramen des Oberpräsidenten der Rheinprovinz und des Regierungspräsidenten in Koblenz dem Verein zu seinem Jubiläum herzliche Glückwünsche aus und versicherte, daß die preußische Regierung auch fernerhin für diesen guten Dereinszweck mit Rat und Tat mitarbeiten werde. Der Gleibergverein hat mit seiner Feier des 50jährigen Besitzes der Burg Gleiberg riesig Glück gehabt! Noch bis zur Mitte der vorigen Woche war es so herbstlich kühl— trotz Juni! —, daß man am liebsten den Ofen wieder in Betrieb gesetzt hätte, der Aufenthalt in einem Restaurationsgarten aber ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre. Dann trat eine Besserung der Wetterlage ein, und als am Samstagnachmittag auf der Burg Gleiberg die Jubiläumsfeier eröffnet wurde, herrschte prächtiges Sommerweter, das auf den längeren Aufenthalt im Hofe der hochgelegenen Burg Gleiberg angenehm machte. Dem schönen Auftakt der Jubiläumsfeier mit der Aufführung des Festspiels „Gleiberg" von Rud. S ch in e l i n g am Donnerstagabend tm Stadttheater folgte am Samstagnachmittag auf der Burg Gleiberg ein geselliges Bcis am - m e n | c i n , das eine ansehnliche Schar von Mitglieder und Freunden des Gleibergvereins bis zum späten Abend vereinte. Die B u r g b e l e u ch t u n g mit Scheinwerfer und vielen Glühlampen bot einen fehr schönen Anblick der Burg, insbesondere von der Gießener Peripherie aus. Am gestrigen Sonntag vormittag um 11 Uhr versammelte sich eine große Anzahl geladener Gäste in der festlich geschmückten Burg zu einem cs auch schon damals verstanden, sich über die Landesgrenzen hinaus zu gemeinsamer, fruchtbringender Arbeit die Hände zu reichen zum Ruhen der Allgemeinheit. Die Gießener Einwohner haben Einfluß auf die Erhaltung der Burg Gleiberg, des alten Wahrzeichens der Stadt Gießen, und der Preu» ßische Staat hat keinen Rachteil, wenn in der Hauptsache mit hessischen Mitteln die Burg er- halten wird. Wir sollten aus diesem harmonischen Zusammenarbeiten lernen, daß es immer von Rachteil ist, wenn man nicht versteht, aus der Enge herauszutreten, und wenn man an kleinlichen Gesichtspunkten festhält. Der Gleibergverein hat mit Recht den Ra - men „G e s e l l i g k e i t s v e r e i n" abgelegt, unser Ziel ist nicht die Pflege der Ge- sclligkeit, sondern die Erhaltung .unserer Burg" nach den anerkannten Grundsätzen der Denkmalspflege im Einvernehmen mit der preußischen Aufsichtsbehörde und darüber hinaus den Heimatpflegevereinen im besten Sinne des Wortes. Wir lieben nicht nur unsere Heimat, wir sinden auch Freude an Gottes schöner Ratur; wenn wir auf die Burg hinaufwandern und von oben auf das gesegnete Land sehen, dann geht uns vor Freude das Herz auf, wir vergessen unsere kleinen und großen Sorgen für einige Stunden und schöpfen aus der Ratur neue Kraft für den Kampf mit dem Leben. Man darf nicht untergehen im Alltag. 92 Jahre Geschichte des Gleibergvereins hegen hinter uns, auf die wir stolz zurückblicken dürfen. Große Aufgaben haben wir noch zu erfüllen. Bei unseren äußerst bescheidenen Mitteln können wir nur an einen langsamen Ausbau der vorhandenen und noch nicht benutzbaren Räume und an die Beseitigung von Schuttmassen denken, unter denen sicher noch sehr wertvolles Material für die Erforschung der Vergangenheit vergraben ist. Aber wir haben die Hoffnung, daß wir bei den maßgebenden amtlichen Stellen Interesse für die weiteren Pläne finden, und daß man bereit fern wird, uns mit Rat und Tat zu unterst ü h e n. Der heutige Tag soll dazu beiüragen, die Verbindung zwischen den amtlichen Dienst- stellen und dem Gleibergverein inniger zu gestalten und das Interesse für unsere Bestrebungen zu vertiefen. Dann wird das Gleibergfest ein Ausgangspunkt fein für einen neuen Aufstieg des Gleibergvereins zum Ein Volks- und Heimatfest bereinigte am Rachmittag und Abend eine riesige Besuchermengc auf der Burg Gleiberg, wobei alles in drangboller Enge beieinander sah. Dr. Lampe. Gießen, hielt dabei die Festrede, in der er einleitend daraus hinwics, daß es Chatten, also Hessen, waren, die diese Burg errichteten zur Verteidigung ihrer Heimat. Er malte dann seinen Zuhörern mit beredten Worten im Geiste ein Bild bon dem Leben und Treiben der Burgbewohner in friedlichen Tagen und in ernsten Zeiten. Ev erinnerte an den Untergang der Ritterzeit und an den Slcbergang zu einer neuen Epoche. Die enge Verbundenheit zwischen der Gießener Uniberfität und dem Gleiberg stellte der Redner in kurzen, markanten Sätzen heraus, wobei er an die Studentenauszüge erinnerte. Er pries weiter den Gleiberg als eine schöne Stätte der Erholung und der Ausspannung bon den Alltagsmühen, dem unsere ganze Liebe gehören müsse, weil er uns ein Stück kostbarer Heimat darstelle. Mit der Aufforderung an seine Zuhörer, den Gleibergverein in seinem Streben und Arbeiten zum Ausbau und zur Erhaltung der Burg allezeit zu unterstützen, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall ausgenommene Ansprache. , Ein historischer Festzug unter der kunst- lerischen Oberleitung des Dramaturgen Dr. R i t - ter vom Gießener Stadttheater brachte hierauf in zehn Bildern einen Einblick in die ereignisreiche Geschichte des Gleibergs. Mit starker künstlerischer Kraft und sehr glücklicher Hand hat der Spielleiter Dr. Ritter in Gemeinschaft mit dem künstlerischen Beirat des Stadttheaters Karl Löfs le r und bei historischer Beratung durch den Universitätsbibliothekar Dr. Wal- brach der gewaltigen Zuschauermenge hier eine Reihe von sehr wirkungsvollen Bildern vor Augen geführt, die mit Recht allenthalben lebhafte Anerkennung fanden. Um das Gelingen dieses historischen Kalenders des Gleibergs haben sich außer den obengenannten Herren noch verdient gemacht: Herr Kurz hoff für die Inspektion, Herr Bourgois für die Pyrotechnik, der Bauersche Gesangverein mit feilten Chorgesängen unter der Leitung seines Chor- meisters Otto Gör lach, der Orchester- verein urjter der Leitung bon Herrn Kurt Varges. Zu bedauern war nur, daß die vortrefflichen, bon Gießener Studenten und jungen Damen mit großer Begeisterung glänzend gestellten Bilder bei der großen Enge des Raumes nicht so zur Geltung kommen konnten, wie sie es berbienten. Jedoch tut diese Feststellung der Leistung keinerlei Abbruch. Im weiteren Verlauf des Festes erfreute der Gießener Iugendtanzkreis mit Sonderborführungen, die Kapelle spielte flott auf, ein Ballon wurde in die Lüfte entlassen, und andere Volksbelustigungsmittel boten noch reichliche Unterhaltung. Der Wetterprophet dos Vereins hatte mit dem schönen Wetter bis gegen 20 Uhr Recht behalten. Dann fing es wieder an zu regnen, und sogar tüchtig, aber der Verein konnte zu dieser Stunde auf einen wohlgelungenen Verlauf seiner Jubiläumsfeier zurückblicken. Turnen, Gpori und Spiel. Deutsche Fußballmeisierschast. Tie Zwischenrunde. Bei den hier Paarungen der D. F. B.-Zwi- schenrunde wurde, wie erwartet, von allen Beteiligten erbittert gekämpft. Sieht man von der Riederlage der Münchener Bayern •in Breslau ab, da die Vorausmeinungen über diesen Kampf sehr geteilt waren, so haben sich nirgends Überraschungen ergeben. Die beiden süddeutschen Spitzenklubs, der l.F. C. Nürn berg und die S P i e l ve r e i n i g u n g J5ürth. gewannen ihre Treffen mit klarem worunter- fchied Der ..Klub" siegte allerdings keineswegs leicht über Tennis-Borussia Berlin und mußte sich teilweise ganz gehörig strecken. Sein Sturm erfüllte nicht alle Erwartungen, wahrend die gesamte Berliner Elf sehr angenehm enttäuschte. Schließlich gewannen jedoch die (Nürnberger mit 3:1 Toren vor 18 000 Zuschauern. Trotz des gleichzeitig in Hamburg zum Austrag gelangten „Deutschen Derbys" fand die Begegnung des H. S. V. Hamburg und der Spielvereinigung Fürth ebenfalls 28 000 Zuschauer. Die Süddeutschen gewannen glatt und sicher mit 2:0 Toren. Der Sieg ist m jeder Weise verdient. Der dritte süddeutsche Vertreter schied durch seine 3: 4°Riederlage in Breslau gegen den ©. (S. 08 Breslau aus dem weiteren Wettbewerb aus. Allerdings mußte der Kampf beim Stande bon 3:3 Toren um zweimal 15 Minuten verlängert werden, doch ist der Erfolg der Schlesier verdient. 'Bei den Bayern enttäuschten gerade die bekannteren Spieler, wie Hoffmann, Pöttinger und Schmidt II. Westdeutschlands letzter Vertreter, der F.C. 04 Schalke, schied durch seine 1:4-Riederlage gegen H e r th a -D. S. C. Berlin aus dem Rennen. Die Westdeutschen hielten zwar bis zur Pause, bei der sie 1:0 führten, gut Stand, waren dann aber sichtlich am Ende ihrer Kunst. Berlin erzielte 5 Tore, von denen 4 gegeben wurden, und bewies somit, entsprechend den Lei- ftunge*: der Tennis-Borussen, daß auch der Berliner Meister zur Zeit in bester Form ist. Die Termine der Vorschlußrunde. Sofort nach Bekanntwerden der gestrigen Ergebnisse der Zwischenrunden-Spiele um die D. F. B.- Meisterschaft hat der D. F. B.-Spielausschuß folgende Terminfestsetzungen für die am kommenden Sonntag auszutragende Vorschlußrunde angesetzt. Es treffen sich in Frankfurt a. M. Spielvereinigung tfurti) und F. C. 08 Breslau unter Schiedsrichter Kuyenz (Essen) und in Berlin (P o st st a d i o n) Hertha B.S.C. Berlin und der I.F.C. Nürnberg unter Schiedsrichter ©pranget (Glauchau). Bekanntlich findet dann das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft acht Tage später im Stadion in Nürnberg statt. , Regatta in Gießen. (Regatta des Gießener (Ruderklubs „Hassia" (Süddeutscher Ruderverband). Die diesjährige Regatta des Ruderklubs ..Hassia" am Samstag und Sonntag ist sehr gut verlausen. An den beiden Tagen war schönes Wetter, was natürlich wesentlich dazu beitrug, daß sich trotz einiger anderer Veranstaltungen viele Zuschauer eingefunden hatten. Die beiden beteiligten Gießener Vereine konnten aus verschiedenen Rennen als Sieger hervorgehen, und zwar der Gießener Ruderklub ..H a s s i a" im Anfänger-Vierer, 2. Jungmann- Vierer und Jungmann-Achter; der Waffer- Iportverein „Hellas". Gießen im Jung- mann-Einer und im Leichtgewicht-Schüler-Vierer. Ausführlicher Bericht folgt morgen. (LS.Dezirlsfest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Das diesjährige Bezirksfest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes 9. Kreis 3. Bezirk fand Samstag und Sonntag in Heuchelheim statt. Samstag nachmittag gegen 4.30 ilfjr begannen die Wettkämpfe, die Sonntag vormittag fortgesetzt wurden. Die sportlichen Sonder- vorführungen am Samstagabend waren für Heuchelheim ein Ereignis. Die Wettkämpfe ergaben gute Einzelleistungen auf allen Sportarten, Näheres im morgigen ausführlichen Bericht. tartem Beifall dankte die Versammlung dem Redner ür seine sachlichen, eindrucksvollen Ausführungen. Begeistert wurde das Deutschlandlied gesungen. Folgende Entschließung sand einstimmige Annahme: „Die heute im großen Saale des „Sprudelhotels" zu Bad-Nauheim versammelten Männer und Frauen der verschiedensten Berufsstände und Parteien erheben feierlichen Protest gegen die allen geschichtlichen Tatsachen widersprechende, im Artikel 231 des Versailler Diktats dem deutschen Volke auf- gezwungene Lüge von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege, die der Grundstein für das System der Ausbeutung Deutschlands bildet. Sie fordern die Einberufung eines Sachoer st ändigenaus- s ch u f f e s, der über die Verantwortung am Welt kriege ein unparteiisches Urteil abgeben soll. Sie fordern die sofortige be d i n g u n g s l o s e R a u- rnung der besetzt en Gebiete, die Rückgabe des Saarlandes und die Anerkennung des Anspruchs des deutschen Volkes auf Kolonialbesitz. Sie lehnen jede fremdstaatliche Kontrolle als des deutschen Volks unwürdig und für es unerträglich ab." Ein Universitäts-Institut für gerichtliche Medizin. Frankfurt a. M., 30. Juni. Am Samstagmittag wurde in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden, der Aerzteschaft und der Wissenschaft das neugegründete Jnskitut für gerichtliche Medizin an der Universität Frankfurt eröffnet. Nach einer kurzen Ansprache des Dekans der Medizinischen Fakultät, ProfessorB l u n - schli, der auf die Bedeutung des neuen Instituts hinwies, hielt Professor Vorkastner, der Direktor des Instituts, einen Vortrag über „Werden und Wesen der gerichtlichen Medizin". Anschließend verkündete der Rektor der Universität, Prof. H e i m- berget, die Verleihung der Würde eines Ehrenbürgers der Universität an Otto Goldmann, der sich um. das Zustandekommen der Stiftungen außerordentlich verdient gemacht hat. Prof. Kockel (Leipzig) überbrachte die Glückwünsche der Deutschen Gesellschaft für gerichtliche und soziale Medizin. An den feierlichen Akt schloß sich ein Rundgang durch das neue Institut. Das Gleiberg-Jubiläum Oberheffen. Landkreis Gießen. > Saubringen, 28. 3uni. Ein weiteres Stück unseres Straßennetzes, die Stein- straße, ist nun auch kanalisiert worden. Zur Zeit wird die Straße, die am Schulhaus vorbeiführt, neuhergesteUt. — Heute morgen verunglückte ein hiesiger Arbeiter in unserem Q u a r z i t st e i n b r u ch. Beim Wegspringen vor einem herabfallenden Stein fiel er so unglücklich, daß er sich am Unterarm die Schlagader Heute beginnt mein e-s——— vT , -7 Saison - Ausverkauf _JL zu bedeutend herabgesetzten Preisen Kurz-, Weife- und Wollwaren 249D im Alter von 59 Jahren. 5708V Die trauernden Hinterbliebenen: Henny Hamburger geb Meyer Otto Hamburger. Gießen, Frankfurt a. M, Bensheim, Weinheim, München, Hof, Amsterdam, den 30. Juni 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 3. Juli 1929, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes statt Statt jeder besonderen Anzeige. Heute morgen starb nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, Vater, Bruder, Onkel, Neffe und Schwager JiisM Otto Balliger Eis- Schiffchen Tüten 237 D Huscheln Böden sowie Kismark und Pulver und Eismaschinen liefert preiswert Ernst Muth Gießen Ludwigstraße 42 Fernruf 721. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. Juli, nachmittags 3*/, Uhr statt 5696V [04171 um 3 Uhr statt. 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Seeleute ohne Heuer, Arbeitslose, die lieber' ins Ungewisse fahren, als die Gewißheit der Trostlosigkeit erdulden. Manchen auch war der Boden, auf dem sie lebten, ein wenig zu heiß unter den Füßen. So versuchen sie die Flucht auf das Meer. Selten sind das ausgesprochen Kriminelle, meist nur Gestrauchelte, die einen Ausweg suchen. blinder Passagier spekulieren. Oft bilden sie eine Clique im Hasenvolk, eine Organisation sozusagen, die sich in besonderen Kneipen aufhält, sich untereinander hilft und den Reulingen mit Rat und Tat zur Seite steht. 2a, es gibt sogar „Agenten", die gewerbsmäßig das heimliche Einschiffen blinder Passagiere bewerkstelligen. Oft stecken sie auch mit einzelnen Leuten der Schiffsbesatzung in Verbindung, die ihnen Unterschlupf gewähren und Rahrung zustecken, bis der Dampfer auf hoher See ist. ... Der zukünftige blinde Passagier treibt sich im Hasen herum, beobachtet die ein- und auslaufenden Schiffe, ernährt sich vielfach von milden Gaben mitleidiger Matrosen und wartet, bis ein Schiff im Hafen ist, dessen Reiseziel annähernd das seine ist. Meist kommt er dann tagsüber an Bord, das ist weit unauffälliger als nachts, wo nur die Wache auf Deck ist, tut so, als hätte er irgend etwas zu erledigen, verschwindet irgendwo in Kabinengängen oder Ladeluken, verkriecht sich im Kohlenbunker, im Hellegat oder in irgendeinem anderen Winkel, wartet bis das Schiff ausgelaufen ist und die hohe See erreicht hat und kommt dann zum Vorschein. Die seltsamsten Verstecke werden ausbaldowert: so erlebte ich einmal auf der Reise von Casablanca nach Buenos Aires, wir waren etwa sechs Stunden auf See, daß sich plötzlich die Schranktür in meiner Kabine Öffnete und ein junger Mann herausstieg, der sehr um Verzeihung wegen der verursachten Störung bat und sich als „Blinder' entpuppte. Ein anderes Mal, wir waren mit Holz von Jugoslawien via Algier unterwegs nach Südamerika, die Holzpranken waren auf Vor- und Achterdeck etwa zehn bis fünfzehn Meter hoch gestapelt, hatten sich zehn junge Dalmatmer in dem unglaublich engen Raum zwischen Ladung und Mast verkrochen, sich etwas verproviantiert und dort sieben Tage ausgehalten, denn sie wollten warten, bis das Schiff die -Zwischenstation Algier verlassen hatte, um nicht vorzeitig an Land gesetzt zu werden. Der Raum um den Mast herum war so eng, daß sie nur zum Teil sitzend dort kampieren konnten. So waren sie denn auch körperlich so geschwächt, daß sie nur durch Hilferufe ihre Entdeckung herbeiführten und mit Tauen heraufgehievt werden mußten. Verwaltung und der Kreistag feien natürlich! auch in hohem Maße an Ibier zivilen Seite interessiert. Die Kreisverwaltung habe sich sofort nach dem Bekanntwerden des Falles an die Erben Kautz' gewandt mit der Anfrage, ob sie ihre Erfahpflicht anerkennen. Die Erben lehnten diefe Anerkennung einer Ersatzpflicht ab mit der Begründung, daß fie sich nicht denken könnten, datz Kautz etwas derartiges getan habe. Der Kreisausfchuh habe nun beschlossen, einen Rechtsanwalt mit einer Klage im Zivilwege gegen die Kautzschen Erben zu beauftragen. Was dabei hcrauskomme, müsse abgewartet werden. Von der Kreisverwaltung und dem Kreisausschuh werde nichts versäumt werden, was Licht in diese dunkle Angelegenheit bringen könne, und es werbe alles getan werden, um den Schaden für den Kreis zu reparieren. Kreistagsabg.Schieferstcin (Ldbd.), Lich bezeichnete es als kaum fahbar, datz im Laufe von drei Monaten über 70 000 Mk. aus der Kreiskasse auf solche Weise herausgezogen worden seien. Das Kassewesen in der heutigen Art sei veraltet. Man könne nicht verstehen, datz einem einzigen Mann die Verfügung über derart hohe Summen anvertraut worden sei. 2m privaten Betriebe könnten derart plumpe Unter* schlagungen wie hier überhaupt nicht vorkommen. Wenn ein Mann gegenzeichne, könne etwas derartiges gar nicht vorkommen, dann sei es unmöglich. Er vermisse eine Mitteilung darüber, daß ein höherer Beamter des Kreisamts das Recht habe, die Kassenbestände nachzuprüfen. Von den Steuerzahlern werde das Geld rücksichtslos eingezogen und dann lege man es in den Kassen hin; das sei unglaublich. 2m Voranschlag für 1929 sehe er 4742 Mk. Pension für die Witwe Kautz angefordert. Er empfehle, diese Pension au sperren und gar nichts zu bezahlen. Er sei minder Mitteilung der Kreisverwaltung nicht zufrieden. Es sei auffällig, datz solche Fälle sich in verhältnismäßig kurzer Zeit wiederholt gezeigt hätten. Kreislagsabg. Mütter(Ldbd Bellersheim fraate an, ob eine Aufsicht über die Kasse geführt vortreffliche Kassensührung ausgestellt worden, so daß es ganz natürlich gewesen sei, daß man ihm vollstes Vertrauen geschenkt habe. Rach dem Tode Kauß' habe sich herausgestellt, daß in einem Hilfstagebuch, das Kautz immer unter persönlichen Verschluß gehabt habe, eine Reihe von Posten als verausgabt eingetragen worden seien, die an den verzeichneten Empfangsstellen nicht eingegangen waren. Das habe sich herausgestellt, als die Oberrechnungskammer die Kreiskasse dem neuen Kreiskassedirektor überliefert habe. Daraufhin habe Provinzialdirektor G r a e f als Kreisdirektor eine Kassenrevision ohne Rücksicht auf Zeit und Kosten zur schärfsten Durchprüfung der Sachlage veranlaßt. Das Ergebnis sei gewesen, daß mehrere Beträge von insgesamt etwas über 70 000 Mk. nicht an den Stellen eingegangen waren, wohin sie nach den Büchern überwiesen wurden. Die Kreisverwaltung habe nod> gehofft, ebenso auch die Oberrechnungskammer, daß im Laufe der weiteren Untersuchung die Unstimmigkeiten sich aufklären würden. Diese Erwartung habe sich nicht erfüllt. Die Sache fei dann, im Einverständnis mit dem Kreisausschuß, von der Kreisverwaltung der Staatsanwaltschaft zur Untersuchung übergeben worden, da dieser Behörde natürlich weitergehende Möglichkeiten zur Ver ügung stünden, als der Kreisverwaltung. Diese Untersuchung bei der Staatsanwaltschaft s,/webe noch, und über das bisherige Ergebnis könne er (Redner) dem Kreistag keine Mitteilung machen, da er darüber nicht orientiert fei. Er habe der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, daß die Kreisverwaltung alle Maßnahmen unterstützen werde, um den Vorfall restlos aufzuklären. Die Sache werde allerdings dadurch erschwert, daß der vermutliche Täter inzwischen das Zeitliche gesegnet habe. Man werde es aber menschlich verstehen, daß man bei dem Andenken an einen Mann, der feit über 40 Jahren allgemein als Ehrenmann angesehen worden sei, doppelt vorsichtig sein müsse; jedoch solle durchaus nichts verheimlicht, sondern alles soweit wie möglich aufgeklärt werden. Deshalb fei die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben. Das sei die kriminelle Seite der Angelegenheit. Die Kreis- Am Samstag trat der reistag des Kreises Gießen im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz des Oberregierungsrats Dr. Heß zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen. , , , Nachdem der Vorsitzende den im letzten 2apre verstorbenen Kreistagsmitgliedern L. Haas II Watzenborn, und He nr. Will VIII., Treis a. d. Lumda, einen ehrenden Nachruf gewidmet und der Kreistag die Entschlafenen durch Erheben von den Sitzen geehrt hatte, hierauf die Mandats- nachfolger Ludw. K l ö h , Treis a. d. Lda., Heinr. Wilh. Schmand t, Holzheim, in ihr Amt ein- geführt und verpflichtet worden waren, beantragten Abg. Schiefer st ein, Lich, namens der Rechten und Kreisausschußmitglied Benner, Wieseck, namens der Linken eine Besprechung der ausgedeckten LWimmig- leittn bei der Kreiskasse Gießen nach dem Tode des KreislaffedirttwrS Kauß Der Antrag wurde einstimmig angenommen und gleichzeitig die Verwaltung um Auskunft darüber ersucht, was sie getan habe und in Zukunft zu tun gedenke. Kreisausschutzmitgl Benner (Loz ), Wicseü betonte, es sei unverständlich, daß noch vor einem 2aVe in der Kreiskasse alles in Ordnung getreten sei und jetzt nach dem Tode des Kreiskassenoirektors Kauß mehr als 70 000 Ml. in der Kasse fehlen, die einfach verschwunden feien. Der Borsitzcndc.ObcrregicrungsratDr. Hetz, erklärte, der Antrag des Hauses sei ihm sehr willkommen, da er andernfalls die Sache von sich aus namens der Kreisverwaltung zur Sprache gebracht haben würde. Die Verwaltung sei über diese Unterschlagung sehr erschüttert und erstaunt gewesen. Kautz habe über 40 2ahre dem Kreise Gießen als Kreiskasferechner gedient und sich überall des höchsten Vertrauens und unbedingter Anerkennung erfreut. Bei den Revisionen der Kreiskasse durch die OberrechnungLkammer seien ihm stets die allerbesten Zeugnisse über seine Rasieren mit Musik. Don Muntepnuke. R a g u s a, 3uni 1929. Den Stradone herunter bis knapp zur alten Rolandsäule in Ragusa, dann scharf rechts abgebogen: dort ist der saubere Rasiersalon des Herrn Riko Kucar. Dort wird man mit Musik barbiert. Und ein besonderer Lehrling ist da, der lediglich das Grammophon zu bedienen hat. Herr Kucar ist nicht nur sehr musikalisch, sondern er weih auch sogleich, welcherlei Rationalität die Gäste sind, und behandelt sie höchst individuell hinsichtlich der musikalischen Ehrung. „Aus Berlin?" fragt er noch einmal und befiehlt' „Ouvertüre Turandot von Puccini, gespielt vom Orchester der Berliner Staatsoper unter Kleiber!" Wann hätte je in der deutschen Reichshauptstadt Herr Kleiber meine Rasur dirigiert! Dazu muß man schon in den Ferien nach Ragusa fahren. Sanft wie Puccini trällert das Messer über meine Wange und glättet sie herrlich — wie denn überhaupt auch sonst schon die Dalmatiner die besten Raseure der Welt sind. Das Gespräch bleibt im streng Musikalischen. Schon sind wir bei Tino Pattiera. Der aus der Umgegend von Ragusa stammt und ein echter Kroat ist. Bei wem läßt sich Pattiera, wenn er in der Heimat ist, rasieren? Bei seinem Freunde Riko Kucar! Durch Zufall bin ich gleich an die richtige Adresse gekommen. Und da brauche ich nur die eben gekaufte neueste illustrierte Zeitung aus der Tasche zu ziehen, um Herrn Kucar die letzte Photo von dem berühmten Sänger zusammen mit seiner jungen Gattin, der scharmanten Erika von Thell- mann zu zeigen; womit die jugoslawisch-deutsche Freundschaft definitiv besiegelt ist und ich mit den glattesten Wangen der Welt, Puccini nachzitternd, den Salon des Herrn Riko Kucar verlasse, ihn im Herzen längst zu meinem ragusai- schen Leibbarbier ernannt habend. Ohne Musik rasiert zu werden, kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen. Und zwar behandle man mich musikalisch individuell, nicht etwa nach dem Zufall irgendeines Radio-Lautsprechers! Oer blinde Passagier. Don 3. M. Sorry. Einmal möchte ich einem Seemann begegnen, der mir nichts von blinden Passagieren zu berichten weih. 2ch glaube, es gibt keinen so wie es wohl kaum einen Transoziandampser gibt, der nicht schon blinde Passagiere an Bord gehabt hätte. Sie gehören zur Seefahrt, wie Schwielen zu Matrosenfäusten, sind ein unvermeidliches Uebel. Man rechnet mit ihnen und ist ihnen eigentlich nicht einmal ernstlich böse. An allen Küsten der Welt lungern sie herum und warten auf die günstige Gelegenheit. 2rgendwo liegt da ein Schiff im Hafen, ladet, löscht oder bunkert. Arbeiter kommen an Bord, Händler, Agenten, Reisende, Reugierige und... blinde Passagiere. Wer will sie unterscheiden von den anderen? Da nutzen keine Kontrollen, kein Absuchen aller Schlupfwinkel, Vorwände um an Bord zu kommen, finden sich immer. Blinde Passagiere sind Menschen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten, mit den unterschiedlichsten Charakteren und Veranlagungen, nur das eine ist ihnen gemeinsam: der Mut zum Leben, auch durch das Abenteuer. Grund und Ziel trennt sie schon wieder voneinander. Manche sind eigentlich ehrsame, harmlose Dürgernaturen, denen die Heimat zu eng geworden ist und die Sehnsucht nach der gerne zu groß. Einmal auf fremder Erde, sind sie wieder Bürger wie ehedem, wachsen fest, arbeiten und schaffen. Die Fahrt als „Blinder" bleibt dann „das" Abenteuer ihres Lebens. Die anderes sind Abenteurer aus Pas- dem Papst, nun und nimmer verzichten. Wenn er Eroberer heranbilde, so dürfe das Wort nicht schrecken. Friedfertigkeit und Gesättigtheit zur Schau tragen, das könnten sich die am Ziel angelangten Völker leisten, nicht aber Völker, die erst noch unterwegs sind. Unsere Luftwaffe muß stärker sein, als die aller Nachbarn. Wir haben bereits England überflügelt und in drei Jahren werden wir hinter Frankreich nicht mehr zurückstehen! Sagt der Luft- wehrminifter Mussolini. Und sendet ein mächtiges Geschwader von fünfunddreißig Einheiten zur ersten Auslandsparade aus. Der Flug ging unter Führung Balbos und De Pinedos über Athen und Konstantinopel nach Odessa. Journalisten, das ist bezeichnend für die Propaganda der Himmelswaffe, saßen neben den Piloten und meldeten Tag für Tag die Erfolge, die begeisterten Empfänge bei den neuen Bundesgenossen im östlichen Mittelmeer, die unzweideutigen Trinksprüche, den Jubel der Russen und — die Scheelsucht der Franzosen. Die guten Bolschewisten scheinen die Faszisten förmlich in Butter gewickelt zu haben und zerschmolzen vor Rührung. Ein paar Dummköpfe, die darüber ins Schütteln gerieten, sollen nach Sibirien geschickt worden sein, um dort zu lernen, daß ein richtiger Kommunist zwei Gesichter haben muß, eines für den Hausgebrauch und eines für die Gäste. In Rom, das allerdings eine starke Festung ist, sind wir die donnernden Propeller schon so gewohnt wie die Sonne, die tatsächlich auf Sekunden verdunkelt wird, wenn die gewaltigen Maschinen tief fliegen. Nur die Unkenntnis der Ziele Musso- linis oder militärischer Unverstand konnte glauben, Italien werde die Pineta Sacchetti, wo sich eines der gebracht hätte, diese Banalität bei den Hörnern zu fassen. Mit schönen Worten überzeugt man mich nicht. „Unsere Fahnen umstrahlt der Ruhm von gestern, auf unseren Bajonetten aber glänzt die Hoffnung von morgen!" So schloß unter dem donnernden Beifall des Rates der Vierhundert der fafziftifche Sekretär Turati (eine Rede zum Wehretat. Der Oberkommandierende der Schwarzhemden, eine Armee, die größer ist als das stehende Heer, nickte zu diesen Worten so ernsthaft, wie er ironisch zu den Aufklärungen des Salonreporters genickt halte. Die fafziftifche Miliz, so beantwortete er eine besonders im Ausland oft erörterte Frage, wird im Kriegsfälle Schulter an Schulter mit den königlichen Truppen kämpfen. Einige Tage später sah man ein entsprechendes Bild bereits bei der Königsparade. Die ausländischen Offiziere, die ihr beiwohnten, waren des Lobes voll über die Ausrüstung,, den Schneid und den Drill der Truppen. Die säszistische Miliz hat es naturgemäß schwer, Schritt zu halten, was den äußeren Glanz anbetrifft. Das mehr praktische als dekorative Schwarzhemd beeinträchtigt etwas den Schmiß. Dafür geht sie mit dem Elan der Jugend vor und Jahr für Jahr wachsen dem Duce neunzigtausend neue Gewehre durch die kriegerische Erziehung des Nachwuchses in die Arme. Auf diese kriegerische Erziehung durch den Staat und nur durch den Staat könne er, so antwortete er Rom, Juni 1929. Während die „Flügel Italiens" die Sonne verdunkelten von Brindisi bis Odessa, ein Kreuzer- gejchwader aus den spanischen Gewässern zurück- rehrte und eine Flotille von Unterseebooten und Torpedojägern zu einem Vorstoß in den Atlantischen Ozean auslief, hat Mussolini mit einem Federstrich die Altersgrenze für die militärische Dienstzeit vom neununddreißigsten Lebensjahr auf das fünfunbfünffligfte hinausgerückt. Zeichen der Zeit, die nur der nicht verstehen kann, der den Genfer Diplomatendialekt für die Weltsprache hält. Oder gläubigen Herzens ist wie jener brave deutsche Professor, der in Rom die Hauptstraßen mit riesigen Buchstabengirlanden überspannt sah, die in Flammenschrift die bummelnde Nacht- sagend mahnten: Tretet ein in die arma del cielo! Worauf er sich hinsetzte und einen Artikel schrieb, Mussolini lade die Jugend ein, mit den Waffen des Himmels, das heiße also, mit christlichem Gebet, für den Frieden zu wirken. Ein kleiner llebersetzungsfehler, denn mit der Himmelswaffe find Bombenflugzeuge gemeint. Gefährlicher als solche Ausdeuter find natürlich die gewerbsmäßigen „Pazifisten", die nicht müde । werden, mit dem Geschrei über die Tod und Ver- j derben sinnende deutsche Reichswehr mit ihren Tanks aus Kistenholz die fieberhaften Ruftungen der wirklichen Militärmächte zu verschleiern. Oder die fragwürdigen Politiker, die über den Militarismus der Hunderttausendarmee zetern, um die bereits über den Rhein und bis an die Tore Dresdens vorgedrungenen Millionenheere zu rechtfertigen. Auf keinem Gebiet wird ja mit so viel Heuchelei und Eamousbage gearbeitet, wie auf militärischem. Gibt es doch sogar ständige Kritiker der Schweizer Miliz, die schon verdächtig erscheint, weil sie tüchtig ist. Eines aber ist merkwürdigerweise verschwunden: die tit. Firma Haß k Hetze hat ihren zugkräftigen Entrüstungsartikel „Schimmernde Wehr liquidiert. Ausoerkauft. Nicht mehr gefragt. Merkwürdig? Nicht doch, denn er ist ja von anderen Mächten übernommen und folglich salonfähig empfunden worden. Was beim Ka'jer shocking war, ist bei PoincarE dernier cri. Als General Hojfmann in Breft-Litowsk kräftige Soldatenworte gebrauchte, ad) (Sott, wie rang da die Welt über den Säbel- rafflet die Arme. Als ein Jahr später Marschall Foch im Walde von Compiegne nicht weniger geräuschvoll mit seinem Säbel umging, da lispelte dieselbe Welt mit gottgefälligem Augenauffchlag von dem Triumph des Rechts und der Gerechtigkeit. Die „schimmernde Wehr" in deutschem Munde war ekelerregend, wenn heute Italien stolz darauf ist, rührt sich keine Feder der damaligen Moralprediger. Und das ist auch in der Ordnung so, denn bekanntlich haben wir vor zehn Jahren ein für allemal den Frieden eingeführt. Ab und zu kommen Leute nach Rom und machen Mussolini darauf aufmerksam. Ein Salonreporter hat ihm versichert, daß nicht nur die deutsche Republik, sondern auch Paneuropa eine vollzogene Tatsache sei. Emil Ludwig gab sich, um vorgelassen zu werden, als das Gegenteil dessen aus, was er jenseits der Alpen mimt, schwärmte von Napoleon und Gewaltmenschen und fand den Duce einfach bestechend. Mussolini nickt zu allem liebenswürdig und tut wie oben. Es ist ja schrecklich, es gestehen zu müssen, aber leugnen läßt es sich nun einmal nicht: er glaubt nicht an den Genfer Storch! Er rüstet, rüstet, rüstet. Und er ist nicht bescheiden wie der scheinheilige Lumpe, sondern freut sich der Tat. Je wehrfähiger er sein Volk weiß, um so höher trägt er die Stirne. Ich bin ein Ketzer, pflegt er zu sagen, wenn man ihm mit dem Weihrauch der Abrüstungskomödien kommt, denn ich glaube nicht, daß man den Krieg bannen kann, indem man den Schwächeren noch schwächer und damit den Stärkeren um so angriffsluftiger macht. Wir sind gerne bereit, die Waffen niederzulegen in dem Augenblick, w o auch die anderen es tun, und wenn das banal klingt, so ist doch noch niemand in' Genf aufgeftanben, der den Mut auf- wichtigsten Forts befindet, dem vermeintliches Kirchenstaat abtreten. Das harte Erwachen aus dem Kirchenstaatstraum wird ja überhaupt manchen ver*. anlassen, Mussolini fortan nicht mehr so zu sehen, wie man ihn gerne haben möchte, sondern so, wie er ist. Und der M a r i n e m i n i ft e r Mussolini? Er will an Qualität wettmachen, was ihm an Masse fehlt. Der deutsche Panzerkreuzer A wurde In dieser Beziehung als Muster aufgestellt. Die Engländer haben bereits herausgebracht, daß die zwölf neuen italienischen Kreuzer die schnellsten der Welt sind. Die Geschwindigkeit der „Trento" und „Triefte" wurde bisher nur von Torpedobooten erreicht. Sie entwickeln 150 000 Pferdestärken, das sind 6000 mehr als der englische Modellkreuzer „Hood", und laufen 37 Knoten. Ein Rekord, den auch die kleinere Klasse der „Cadorna" und „Diaz" erreicht. Namen, die ebenso wie die „Bolzano" und „Sorizia" zeigen, das Italien nicht gewillt ist, auf seinen Kriegsruhm zu verzichte^, mag er nun im Ausland bestritten werden oder nicht. Der Innenminister Mussolini hat volles Verständnis für den Vorschlag des Kriegsministers Mussolini, die Freude an der schimmernden Wehr mit allen Mitteln im Volke zu wecken und zu pflegen. Wohin steuert er denn nun? Was will er eigentlich? fragt die Welt. Nun, die Antwort, die der Chef der italienischen Regierung, Mussolini, gegeben hat, ist sehr einfach: Er hält es nicht für ausgeschlossen, daß Europa von einem neuen Krieg heimgesucht wird. In fünf ober längstens zehn Jahren wirb ber kritische Zeitpunkt erreicht sein. Unb Italien will bann nicht wehr* l o s bastehen. Das ist alles. „Blinde" kann sich zudem noch unter der Kohle vergraben. Als ein Häufchen schwarzen Unglücks kommt er da wieder heraus. Dann erfolgt ein mehr ober weniger ernst gemeinter Anschnauzer durch den Kapitän, und der blinde Passagier wird au die Dauer der Reise in die Arbeitsgemeinschaft des Schiffes ausgenommen. Für Verpflegung unb Unterkunft leistet er seinen Dienst als Matrose ober Heizer bis zum nächsten Hafen. Dort beförbert man ihn, wenn es geht, an Canb. Aber bas geht nidjt immer. Einige Länber, besonders Amerika und das Britische Reich, haben strenge Vorschriften für Aussetzung blinder Passagiere. Der Kapitän des jeweiligen Schiffes muß hohe Kaution für den Abtransport des „Blinden" hinterlegen, die zu zahlen er sich natürlich scheut unb ben Sünber bann lieber bis zum nächsten Hafen mitnimmt. So passierte uns auf einer Reise von Marseille nach Schanghai, baß sich zwei blinbe Passagiere an Bord fanben, bie ein Einreisevisum für China besahen. Wir fuhren über Alexanbria, Aben, Kolombv, Singapur. Alle biese Häfen stehen unter englischer Oberhoheit, mithin war es, um Kosten zu sparen, natürlich rentabler, bie beiben bis Schanghai mitzunehmen unb bort auszuschi-fen. Manchmal sinben sich auch blinbe Passagiere nach ben Vereinigten Staaten. Ein Anlanbs^affen ist aud) mit beträchtlichen Kosten verknüpft unb so ist man gezwungen, sie auf ber Rückreise mitzunehmen. Ein beliebter Trick ber „Dlinben" ist, in engen Seepassagen, in Kanälen ober in ber Rähe von Canb über Dorb zu springen. Oft werden sie dabei eine Beute der Haie. 2m Panamakanal sprang uns einmal ein „Blinder" über bie Reeling. 2m Wasser schwammen einige Krokobile, anbere lauerten am Ufer. Aber bas Wunber geschah bennoch. Der Tollkühne erreichte glücklich bas Ufer. Es kommt auch vor, bah man die „Dlinben", wenn sie tüchtige Seeleute finb, an Borb behält unb anheuert. 2a, mancher Kapitän ist zuweilen froh, blinbe Passagiere an Borb zu haben. Sie finb Arbeitskraft, bie seine Besähung entlasten. Eines ist sicher: blinbe Passagiere finb ein un- vermeibliches Uebel. Solange Schiffe burch bie Ozeane fahren, wirb es bie „Blinben" geben. Sie finb ein Stückchen Romantik in der sonst so sachlich geworbenen Seefahrt! Italiens schimmernde Wehr Don unserem römischen ^-Korrespondenten. ,u,en und Reis--* ii*ow t! . »*niW „Rabat* I K-*“ L NfAü tmachmig. j der Benjian 6ah Ehegehörige, in Steinbach egene Hofreiteanwesen iofteile im Ott, 151 qm 5694D en 10. Juli 1929, ös 8 Ähr it Ritter" in Steinbach finden Notar freiwillig nb versteigert werden. Juni 1929. erg, hessischer Notar. lsche abci$ i Abnehmerkreisen nackv führten 5694 •itlidie Werbemittel unb ewerbumienml'Mßabe S'KS iSifc toorbett fet ober nicht. Ohne Aufsicht könne die Kasse doch nicht gewesen sein, eine Vorgesetzte Behörde müsse sie doch haben. ÄrcisauSschutzmitgl. Hombcrger (Toz.), Gießen teilte mit, das Hilfstagebuch weise vier Posten auf, nach denen insgesamt die Summe von rund 70 000 Mk. in verhältnismäßig kurzer Zeit als Vorrat der Kreiskasse an die Banken abgeführt worden seien. Das sei aber den Tatsachen widersprechend. Lberrcgieruugsrat Dr. Hetz antwortete auf die Anfrage des Abg. Müller, nach der gesetzlichen Vorschrift müsse die Kasse in einem Zeitraum, der drei Jahre nicht übersteigen solle, revidiert werden. Don der bevorstehenden Revision erfahre vorher nur der Kreisrat durch ein persönliches Schreiben der Oberrechnungs- kammcr, der von diesem Schreiben natürlich niemand Kenntnis gebe. Es stehe aber auch nichts im Wege, daß die Oberrechnungskammer schon kurze Zeit nach einer Revision zu erneuter Prü- fung wiederkomme. Daß die Unterschlagungen plump gemacht worden seien, wie Abg. Schiefe r st e i n behauptete, sei nicht der Fall. Die Tatsache, daß die Revisionsstclle nichts davon bemerkt habe, dürfte Wohl beweisen, daß die Sache sehr geschickt angefangen worden sei. Die Sperrung der Pension der Witwe K a u h sei im Krcisausschuß wiederbolt erwogen worden, man sei aber nach langen Erwägungen zu dem Schluß gekommen, daß eine solche Sperrung nicht angängig sei, weil die Witwenpension nicht ein Anspruch des Herrn Kauft, sondern der Frau Kauft sei. Würde man diese Pension sperren, so wäre die Folge, daß der Kreis auf Zahlung der Pension verklagt werde und neben der Pension dann auch noch die Kosten des Prozesses bezahle. Kreistagsabg. Müller (Ldbd.),Bellersheim erklärte sich mit der Antwort des Verwaltungsvertreters nicht zufrieden. Er möchte wissen, in welcher Weise das Kreisamt die Aufsicht über die Kasse geführt habe, oder führt. Kreiskassedirektor Kauß habe uuch eine ganze Reihe von Jahren keinen Urlaub genommen, während alle anderen Beamten in Urlaub gegangen seien. Das sei doch verdächtig. Oberregierungsrat Dr. Hetz antwortete, die Revisionen der Oberrechnungskammer und des Kreisamtes seien gesetzlich gleichgestellt. Technisch sei es unmöglich, daß nach der Prüfung der Kasse durch die Oberrechnungskammer, die immer mehrere Wochen in Anspruch nehme, die Kasse noch einmal nachgeprüft werde, weil hierdurch der Geschäftsbetrieb zu sehr aufgehalten und gestört werde und dazu außerdem noch Arbeitskräfte erforderlich seien. Es seien aber jetzt weitere Maßnahmen getroffen worden, um für die Zukunft derartige Vorkommnisse soweit wie möglich zu verhindern. KreiSautz' itzmitgl. Hombcrger Gießen erklärte, eine solche Kontrolle der Kasse koste stets etwa 1400 bis 1700 Mk. KreiSausschutzmitgl. BonnerSheim (Ldbd), Langsdorf betonte, die Anfrage Müller sei immer noch nicht beantwortet. Er wolle wissen, ob «in Regierungsrat vom Kreisamt beauftragt sei, von Zeit zu Zeit die Kreiskasse zu revidieren. Kreisausfchußmitgl. Fenchel (Ldbd.), Oberhörgern unterstrich die Worte des Vorredners dringend und erklärte weiter, jede Bank gebe doch halbjährlich einen Ausweis heraus, aus dem zu ersehen sein müsse, ob die Gelder dort eingegangen seien. w tost« iiwa ooa £ooö9i Roman von Edgar Wallace. 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Larry kam mühsam auf die Füße, nahm seine elektrische Taschenlampe auf upd fand den Revolver, der ihm bei dem ungleichen Kampf entfallen war. Er stürzte zum Fenster, öffnete es hastig und blickte hinaus. Aber Jake der Blinde war bereits um die Straßenecke verschwunden. Jetzt brachte jemand eine andere Glühlampe, und Larry bemühte sich um die junge Frau. Sie wär immer noch bewußtlos, und blutrote Flecken an ihrem Halse sprachen von der unerhörten Kraft des Blinden. „Es ist besser, Sie holen einen Arzt," sagte Larry zu der Wirtin, die ihn argwöhnisch und mit Mißtrauen betrachtete. „Was hatten Sie hier in dem Zimmer zu suchen?" fragte sie. „Ich werde einen Schutzmann holen lassen." „Lassen Sie meinetwegen zwei holen," war Larrys Antwort, „und vor allen Dingen einen Arzt." Glücklicherweise befand sich das Polizeibureau ganz in dec Rähe. Der Polizeiarzt war nach dort gerufen worden, um einen Fall zweifelhafter Trunkenheit zu untersuchen, und war wenige Minuten später zur Stelle. 3n der Zwischenzeit war Fanny zu sich gekommen, hatte aber einen hysterischen Anfall bekommen, der für die Zuschauer am peinlichsten war. „Wäre es nicht besser. Doktor, wenn wir sie nach einer Llnfallstelle oder in ein Hospital bringen ließen?" schlug Larry vor, und der Arzt pflichtete bei. Mit dem Ausdruck höchster Verwunderung untersuchte er von neuem die Strangulationsmarken. „Ein Mensch hat das nicht mit den Händen machen können," sagte er, „er muß irgendeine Art Instrument gebraucht haben." Larry lachte — cs war ein sehr wehleidiges Lachen. „Wenn Sie das annehmen, Doktor, sehen Sie sich bitte auch mal meinen Hals an," und er zeigte ihm die roten Striemen, die Jakes Daumen und Finger hinterlassen hatten. „Wollen Sie mir vielleicht sagen, daß er Ihnen das zugesügt hat?" fragte der Doktor ungläubig. „Ich möchte am liebsten so wenig wie möglich sagen", entgegnete Larry. „Die ganze Geschichte ist kein Abenteuer, auf das ich hervorragend stolz bin. Er hat mich aufgehoben wie einen Tennisball und in die Porzellanausstellung am Fenster geworfen." Kreisausschußmltgl Benner (Soz.), Meseck bezeichnete es als ein Versäumnis der Kreisverwaltung. daß die Kasse nicht öfter geprüft worden sei. Aber das sei erklärlich durch die außerordentlich glänzenden Zeugnisse, die Kauß bei den Revisionen durch die Oberrechnungskammer erhalten habe. Der Redner bezeichnete weiter den Zeitraum von drei Jahren für die Revisionen als viel zu lang, ferner beanstandete er. daß die Kasse und solche Beträge der Verfügung eines einzelnen Mannes unterstellt worden waren. Ein Mann allein dürfe nicht über so große Summen verfügen können. Für den Vorfall machte der Redner das ganze Kassen- und Revisionsshstem verantwortlich. Bei der Liebergabe der Kasse an den neuen Kreiskasse- rechncr sei das Hilfstagebuch überhaupt nicht dagewesen. Den Schlüssel zu dem Geheimfach wo Kauß das Buch aufbewahrte, habe er selbst immer gehabt. Der Redner forderte eine Aende- rung des Systems dahingehend, daß eine einzige Person nicht mehr über die Kasse allein verfügen könne, daß eine GegenbuchführUng eingerichtet und jeden Abend der Stand der Kasse festgestellt werde. Die Kassenausweise müßten durch einen Regierungsrat auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Daß man der Witwe Kauß jetzt auch noch Pension zahle, sei ein geradezu grotesker Zustand. Aber die Juristen seien der Ansicht, daß daran nichts zu ändern sei. weil es sich hierbei um ein erworbenes Recht handele. Der neue Kreiskasserechner Schäfer teilte mit. daß er von sich aus sofort nach Lleber- nahme der Kasse eine vollkommene Aenderung eingeführt habe insofern, als er nicht allein über die Gelder verfügen wolle, sondern das stets nur in Gemeinschaft mit seinem Stellvertreter tue. Die Gegenkontrolle habe er eingeführt, und bis jetzt habe sie sehr gut gearbeitet. An jedem Monatsende werde der Stand der Kasse festgestellt. Der Redner erläutert im übrigen das neue, von ihm eingerichtete Kontrollsystem mehr. Kreisausschutzmitgl. Fenchel (Ldbd.), Oberhörgern betonte, man habe das Vertrauen zu der Staatsanwaltschaft, daß sie Licht in diese Sache hineinbringen werde. Der Redner bestätigte weiter, daß für die Zukunft schärfere Kontrollmahnah- men vom Kreisausschuh beschlossen worden seien. Kreistagsabg. Müller (Ldbd.) .Bellersheim stellte fest, daß bisher von der Kreisverwaltung eine Aufsicht über die Kasse nicht geführt worden sei. Eine solche Aufsicht habe durchgeführt werden müssen. Kreistagsabg. Schudt (DBP), Gießen hob hervor, wenn die Erben die Erbschaft Kautz' nicht ausgeschlagen hätten, dann bestehe auch ihre Haftung für das Kassendefizit. Man habe dann die Pension zwar nicht sperren, aber aufrechnen können. Kreisausschutzmitgl. Hombcrger (Soz.), Gietzeu erklärte, wegen einer Sperrung der Pension werde nichts zu machen sein, denn das seien persönliche Ansprüche der Witwe Kauß. die erst entstanden seien mit dem Tode ihres Mannes. Man spreche hier von Llnterschlagungen. Das werde zur Zeit noch untersucht. Es handele sich bis jetzt um einen Fehlbetrag von rund 70 000 Mk. Wo diese Summe hingekommen sei, werde vielleicht auch die Staatsanwaltschaft nicht herausbekommen. Damit wurde dieser Gegenstand verlassen. Rach der Genehmigung des Beitritts des Kreises Gießen zu dem Zusammenschluh der hessischen Provinzen und Kreise für alle unfallversicherungspflichtigen Betriebe zu einem Ver- sicherungsverband, wandte sich das Haus der Der Arzt stieß einen überraschten Pfiff aus. Mittlerweile hatte sich die Wirtin über Larrys verdächtige Anwesenheit beruhigt und floß gleichzeitig mit Entschuldigungen und Tränen über. Tränen über die Entweihung ihres Hauses durch die Anwesenheit eines Polizeibeamten, obwohl dieser nur eine Rächt in ihrer Pension gewesen war. Larry ging auf die Straße hinunter, um frische Luft zu schöpfen. Er fühlte sich schwindlig und am ganzen Körper wie zerschlagen. Die Tatsache an sich, daß er. Larry Holt, der Anwartschaft hatte, die Amateur-Mittelgewichts- Meisterschaft zu gewinnen, wie ein Punchball behandelt worden war. kränkte ihn nicht so sehr, Was ihn aber viel mehr beunruhigte, war das Bewußtsein, daß in der Welt, in der Stadt London, ein Verbrecher frei herumlief, der gefährlicher war als ein Tiger der Dschungeln, der die Riesenkraft des Bären mit der Verschlagenheit des Assen verband. „Lind damit ist der ganze Zoologische Garten erschöpft", sagte Larry, als er über die verschiedenen lieblichen Eigenschaften seines Angreifers nachgedacht hatte. Eine halbe Stunde später war jedes Polizeibureau Londons im Besitz der Personalbeschreibung. und die allgemeine Jagd nach dem blinden Jake begann. Lim drei Lihr morgens betrat Larry feine Wohnung und fand Sunny friedlich schlafend in einem Stuhl. Er weckte seinen Diener mit einem leisen Klopfen auf die Schulter. „Sunny," sagte er, „was ich heute durchgemacht habe, genügt mir für mein ganzes Leben." „Das scheint mir auch so, Sir", blinzelte Sunny sich selbst wach. „Wünschen Sie etwas Kaffee?" Larry war tief in Gedanken versunken. Mit den Händen in den Hosentaschen stand er breitbeinig vor dem Kamin und blickte auf den Teppich. „Er packte mich beim Genick. Sunny." fagte er leise, „und warf mich quer durchs Zimmer." „Wirklich, Sir?" fragte Sunny. „Wann wünschen Sie morgen früh Ihren Tee?" Müde und zerschlagen, wie Larry war — er konnte sich des Lachens nicht erwehren. „Wenn man mich nun eines Tages mit gebrochenem Halse nach Hause bringen würde", sagte er gereizt, „was würden Sie da eigentlich machen?" „Ich würde sofort die Morgenzeitungen abbestellen", sagte Sunny ohne jedes Zaudern. „Das wäre doch wohl das Nächstliegende, Sir." „Haben Sie denn gar kein Herz?" rief Larry. „Rein, Sir", war die überraschende Antwort. „Der Doktor hat gesagt, es wäre Magenver- , stimmung." Beratung des Voranschlags für 1929 zu. In der vom Kreisausschuh angenommenen Fassung schließt der Voranschlag in Einnahme und Ausgabe in der Detriebsrechnung mit 769069 Mk., in der Vermögensrechnung mit 234191 Mk.. insgesamt also mit 1 003 260 Mk. ab. Bei der Durchberatung der einzelnen Kapitel wurde mit 18 Stimmen der Rechten ein Antrag angenommen, nach dem ein Betrag von 2000 Mk., der für die Tätigkeit eines Daukontrol- l e u r s in den Voranschlag eingestellt war, g e- st r i ch e n wurde. Die Antragsmehrheit vertrat den Standpunkt, daß für die Baukontrolle schon genügend Vorsorge getroffen sei, und wenn die Regierung einen weiteren Baukontrolleur wünsche, dann auch die Kosten vom Staate getragen werden mühten. Weiter wurde mit den Stimmen der Rechten ein Antrag auf Streichung des Beitrages von 25 Mk. an den Arbeiter-Samariter- b u n d angenommen, da es sich hier um eine Organisation mit politischem Charakter handele, wie auch aus den neuesten Statuten wieder hervorgehe. Von sozialdemokratischer Seite wurde dieser Ansicht widersprochen. Ein sozialdemokratischer Antrag, den Beitrag für den Arbeiter- Samariterbund von 25 Mk. auf 50 zu erhöhen, war durch die Annahme des weitergehenden Streichungsantrags hinfällig geworden. Eine längere Aussprache entspann sich bei der Beratung der Ausschlagsätze für die Kreisumlagen. Ein Landbund-Antrag forderte bei der Festsetzung der Ausschlagssähe für die Sondergebäude st euer eine einheitliche. für die Stadt Gießen und alle Landorte gleiche Festsetzung des Ausschlags- sahes auf 4 P f g. von 1 Mk. staatl. Steuerfall, während nach dem Voranschlag für den Gesamtkreis (Stadt Gießen und Landorte) 2 Pf. von 1 Mk. staatlichem Steuersoll, und in den Landgemeinden allein weitere 6 Pf. von 1 Mk. Steuersoll erhoben werden sollen. Rach den Vorschlägen der Landbundvertreter sollten die 6 Pfennig weiteren Ausschläge für die Landgemeinden allein gestrichen und der Ausschlagssah für den Gesamtkreis von 2 Pf. auf 4 Pf. erhöht worden. Da ein gleichlautender Antrag schon im Kreisausschuh vorgelegt worden war, hatte sich die Kreisverwaltung um Auskunft anfragend an das Ministerium gewandt. Von dort erging durch Erlaß des Ministers Bescheid, daß er die vom Landbund angeregte Lastenverteilung nicht genehmigen werde. Der Sinn des Landbund-Antrages ging nämlich, wie Kreisausschuhmitglied Dr. Lenz (Du.), Gießen, rechnerisch darlegte, dahin, die StadtGiehen neben ihren anderen Verpflichtungen noch mit zu den Lasten heranzuziehen, die nach den gesetzlichen Bestimmungen die Landorte allein zu tragen hoben. Ländliche Sprecher, wie Kreisausschutzmitgl. Bommers- h e i in, Langsdorf, und Abg. Müller, Bellersheim, befürworteten den Antrag des Landbundes nachdrücklich und bewnten, die Sondergebäudesteuer sei die ungerechteste aller Steuern, während die Kreisausschutzmitgl. Dr. Lenz (Dn.), Gießen, und Benner (Soz.). Wieseck, auf die Schattenseiten des Antrages hinwiesen. Bei der Abstimmung blieben die Landbundvertreter mit 13 Stimmen in der Minderheit. Sämtliche städtischen Abgeordneten der Rechten stimmten zusammen mit der Linken — insgesamt 16 Stimmen — gegen den Antrag, so daß also die Vorschläge des Kreisausschusses zum Beschluß erhoben waren. Kreistagsabg. Schiefer st ein (Ldbd.), Lich, beantragte eine Senkung der Gewerbesteuersätze. wobei er von dem Kreisausschußmitglied Bommersheim (Langsdorf) nachdrücklich unterstützt wurde, der betonte, daß die Gewerbesteuersätze für das ohnehin nur auf beschränkte Wirtschaftsmöglichkeiten angewiesene Gewerbe der kleinen Städte und der Landorte zu Larry zuckte in ohnmächtiger Verzweiflung die Schultern, fuhr aus den Schuhen, zog Jacke und Weste aus, legte Krawatte und Kragen ab. knöpfte die Hosenträger los. warf sich auf das Bett und zog mit einem Ruck die Bettdecke über sich. Er tat dies, weil er erstens mal sehr müde war. dann aber auch, weil er wußte, daß Sunny sich darüber ärgerte. 16. In St. George. Hannover Square, fand eine sehr elegante Hochzeit statt. Eine lange Reihe von eleganten Automobilen und Kupees zog sich auf beiden Seiten der Strafte nach beiden Richtungen hin und füllte zum Teil den großen Platz aus. Sinter denen, die dabei „bemerkt wurden", wie die Zeitungen zu schreiben pflegen, befand sich auch unser Freund Mr. Fred Grogan. Zwei Gründe waren die Veranlassung, daß man ihn nicht eingeladen hatte. Erstens mal war er dem Brautpaar und dessen Freunden unbekannt, und zweitens wäre er nie eingeladen worden, falls diese doch das zweifelhafte Vergnügen seiner Bekanntschaft gehabt hätten. Aber eine solche Kleinigkeit wie eine Einladungskarte beunruhigte Fred nicht im geringsten. Er wußte ganz genau, daß bei einem ersten Zusammentreffen der Familien von Braut und Bräutigam, die sich gegenseitig mit ausgesprochener, Zurückhaltung und Mißbilligung betrachteten, wo alle Sorten von Vettern und Basen aus der Vergessenheit, in die sie glücklich gesunken waren, plötzlich wieder auftauchten und kaum den Hauptdarstellern in diesem großen Drama bekannt sind, er wußte, daß eine elegante Figur wie die seine jede Musterung bestehen und einen der besten Plätze in der Kirche erhalten würde. So erschien er denn in St. George mit glänzendem Zylinder, weißen Glaces und wunderbar gebügelten Beinkleidern. Als er den Chorgang entlang ging, hielt man ihn versehentlich für den Bräutigam. Er war weniger aus dem Grunde gekommen, um sich Eingang in die gute Gesellschaft zu schaffen, sondern weil die letzte Mode den Damen das Tragen von kostbaren Juwelen auch in den Vormittagsstunden gelegentlich einer solchen feierlichen Handlung vorschrieb. Er war ohne festen Plan für einen feiner Diebesstreiche hierhergekommen und wollte nur wie ein guter General die verschiedenen Möglichkeiten eines eventuellen Schlachtfeldes auskundschasten. Trauungen an sich interessierten ihn gar nicht. Er betrachtete diese als nutzlose Förmlichkeiten, mit denen sich müßige Reiche und hoffnungslose Phllister amüsierten. Die Feierlichkeit dauerte sehr lange und langweilte ihn bis zur Bewußtlosigkeit. Aus tiefstem Herzen bedauerte er, einen derartig ins Auge fallenden Platz eingenommen hoch seien. Nachdem Kreisbureaudirektor Fabian (Giehen) darauf hingewiesen hatte, daß es sich hier nur um eine andere Verteilung der neu festgestellten Cteuerwertgrundlagen Handels und daß das Gewerbe nicht höher als früher belastet werde, wurde der Antrag Schieferstein! zurückgezogen. Der Voranschlag fand die einstimmige Genehmigung des Kreistages unter Berücksichtigung der obenerwähnten beiden Abstriche, ebenso wurden die Ausschlagssähe für die .Umlagen in der vom Kreisausschuh vorgelegten Fassung genehmigt. Oie weiteren Beschlüsse. Die Rechnung der Kreiskasse und der Verwaltungsbericht des Kreisausschusfcs für das Rj. 1927 wurden genehmigt. Die R-echnung für 1927 schließt wie folgt ab: Betrieb: Einnahme 845 369,30 Mk.. Ausgabe 629 653,10 Mk.. Rest 215 716,20 Mk., der bestecht aus einem baren Vorrat in Höhe von 207 312,69 Mk. und aus liquidierten Ausständen von 8403,51 Mk.; Vermögen: Einnahme und Ausgabe je 27 344,12 Mk. Genehmigt wurden der Tätigkeitsbericht der Dezirksfürsorgestelle und des Krersjugendamtes für 1928, sowie der Bericht des Kreisschiikärztes für 1928. Auf Vorschlag des Kreistagsabg. Wagner (Dt. Vp.). Geilshausen, wurde beschlossen, beim Ministerium die Genehmigung zur O f f e n h a l - tung der Ladengeschäf te indenLand- o’rten bis 9 LIhr abends wäh?end der Erntezeit anzuregen. Lleberall auf dem Lande sei,dafür ein dringendes Bedürfnis vorhanden, da die Landleute von frühmorgens bis spätabends auf dem Felde zu tun hätten und bei der Heimkehr noch Besorgungen für den Haushalt machen mühten. Schluß der Sitzung. Wirtschaft. Fortschreitende Entspannung am Geldmarkt. Die Entwicklung des Geldmarktes in der abgelaufenen Derichtswoche bestätigt die Erwartungen auf eine leichte Lieberwindung des Halbjahrsultimo. Der Ausweis der Reichsbank vom 22. Juni hatte ein befriedigendes Aussehen, nicht nur hinsichtlich der auf dem Wechselkonto eingetretenen Entlastung, die die Llltimobeanspruchung vom Mai in Hohe von rund 650 Millionen Mark zum Ausgleich gebracht hat, sondern auch hinsichtlich der bei der Meichsbank vollzogenen Reservenstärkung durch Aufnahme neuer erheblicher Devisenbeträge und in der Berichtswoche sogar eines neuen Goldbetrages aus England. Selbstverständlich hat der Ultimo in den letzten Tagen zu einer leichten Anspannung, auch am Markte für Tagesgeld geführt, aber das Bestreben der Banken auf möglichst hohe Liquidität hat ein so reichliches Angebot an Tagesgeld zur Folge, daß jeglichen Ansprüchen genügt werden konnte. Die Lage am Privatdiskontmarkt war weiter normal und das durch den Ultimo nicht unerheblich verstärkte Angebot konnte ohne weiteres von der kursregulierenden Stelle bzw. der Reichsbank ausgenommen werden. Daß sich Termingeld nach wie vor teuer stellt, hängt auch mit dem Zwang nach höherer Liquidität bei den Banken zusammen, die in ihrer Liquidität, wie aus den Bankbilanzen hervorgeht, durch die Restriktion Schaden erlitten haben. Infolgedessen kann auch jetzt nur von einer Entspannung des Geldmarktes. aber nicht von einer Verflüssigung gesprochen werden. Allerdings steht letzterer, wenn die Verhältnisse so bleiben, und die Entspannung weiter zunimmt, nichts mehr im Wege, nachdem das Reich durch den Abschluß der Amerika- Anleihe, abgesehen von der Plazierung gewisser Schatzwechselbeträge nicht mehr an den Geldmarkt zu haben, der es ihm unmöglich machte, sich heimlich zu empfehlen oder wenigstens die Anwesenden aus dem Hintergründe beobachten zu können. Endlich war die Zeremonie beendigt, die Orgel lieh triumphierende Klänge hören, und Braut und Bräutigam, die sich außerordentlich über sich selbst zu schämen schienen, schritten feierlich den Mittelgang entlang. Fred schloß sich der Prozession an und erschien inmitten der Gerechten und Llngerechten auf den Stufen der Kirche. Gr war noch unschlüssig, ob es klug und ratsam wäre, sich an dem Empfange zu beteiligen — die Adresse, wo dieser stattfand, hatte er schon längst ausfindig gemacht — als jemand seinen Arm berührte. Fred fuhr herum. „Hallo, Doktor Iudd", sagte er erleichtert. „Ich dachte, es wäre wieder der verfluchte Holt. Er ist mir ständig auf den Fersen urtb fällt mir direkt auf die Rerven." Doktor Iudd, eine stattliche Figur in seiner zeremoniellen Kleidung, sah ihn streng an. „Sie haben mir doch erzählt, Sie fahren nach Rizza?" sagte er. „Ich habe den Zug verpaßt," antwortete Fred geläufig, „und mein Freund mußte ohne mich abfahren. Ich gedenke noch ein paar Tage hier zu bleiben, bevor ich abreise." Doktor Iudd sagte nachdenklich: „Kommen Sie ein paar Schritte mit. Ich möchte einiges mit Ihnen besprechen." Ohne ein weiteres Wort gingen beide über Hannover Square und bogen in die Bond Street ein. „Sie fallen mir auf die Rerven, Mr. Grogan", begann Doktor Iudd. „Dis jetzt fand ich doch wenigstens eine gewisse Befriedigung in dem Gedanken, daß Sie auf dem Kontinent Hals und Kragen riskierten. Statt dessen sind Sie hier in London und leben herrlich und in Freuden." „Hatten Sie nicht gesagt, Sie wüßten nicht, daß ich immer noch hier wäre?" fragte Fred schnell. „Keinen Ton davon erwähnt," sagte der Doktor ruhig. „Ich habe nur erwähnt, ich dachte, Sie hätten gesagt, nach Rizza göhcn zu wollen." „Sie wußten also, daß ich noch hier war?" sagte Fred. „Das habe ich gehört," war Doktor Iudds Entgegnung. „Hören Sie mal zu, Mr. Grogan. Halten Sie es nicht auch für besser, wenn wir beide zu irgendeiner Einigung kommen?" Fred war ganz Ohr. „In welcher Weise denken Sie sich das?" fragte er vorsichtig. „Rehmen wir mal an," sagte Doktor Iudd, „ich zähle Ihnen eine Pauschalsumme unter der Bedingung, daß Sie mich nicht weiter belästigen." (Fortsetzung folgt) Geschichten aus aller Welt Solange hier die Deutsche ,$er lebende Leichnam." (r) W ie n. ganqen ist. . 'Die Reichsindexziffer für die L e - benshaltungstvsten im 3 uni. Die Reichsindexziffcr für die Lebenshaltungskosten (Ernährung. Wohnung, Heizung. Beleuchtung. Bekleidung und „sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats 3uni mit 153,4 gegenüber 153,5 im Bormonat nahezu unverändert geblieben. Die Indexziffer für die einzelnen Gruppen betragen (1913/14 gleich 100) für Ernährung 154,0, für Wohnung 126,0, für Heizung und Beleuchtung 148,9, für Bekleidung 172 4, „für den sonstigen Dedars" einschliehlich I Verkehr 191,8. ♦ Große Aufträge für die Odenwald er Granitindustrie. Der Odenwal- der Granitindustrie ist es gelungen, auf Reparationskonto Millioncnaufträge in Pflaster- und Werksteinen abzuschliehen, wodurch auf Jahre hinaus Deschäftigungsmöglichteit geboten ist. Es ist dies im 3nteresse der Arbeiterschaft und der beteiligten Gemeinden seht zu begrüben. * Hermann Wromßer QI.®., Frankfurt a. M. Die G.-B. genehmigte den Abschlub mit wieder 8 Prozent Dividende. Wie mitgeteilt wurde, hat das erste Halbjahr des neuen Geschäftsjahres trotz der lange anhaltenden Kälte eine Erhöhung des älmsatzes um etwa 10 Pro- 1 zent gebracht: die Spesen seien etwas zurück- gegangen. 3m übrigen hofft die 'Verwaltung, wieder eine angemessene Dividende verteilen zu können. Frankfurter Eiermarkt. Franksurt a. M., 29. 3uni. Das Geschäft am Frankfurter Eiermarkt war gegen Monatsende ruhiger. 'Bei stetiger Tendenz notierten in Pfennigen: bulgarische 9,6 bis 9,8, holländische 9,7 bis 12,5, jugoslawische 9,75 bis, 10, polnische 7,8 bis 8,5, russische 9 bis 10, dänische 10 bis 12,75, belgische 10,3 bis 10,8, französische 10 4 bis 11,2, schlesische 10,25 bis 10,50, bayerische 10 bis 10,25, norddeutsche 10,25 bis 11, rumänische 9,5 bis 9,7. (Auslandeier unverzollt ab Grenzstation, deutsche ab Station.) Frankfurter Börfe. Frankfurt a.M., 1. Juli. Tendenz lustlos. Auch zu Beginn der neuen Woche war tue Stimmung recht lustlos und die Umsätze beschränkten sich daher wieder auf ein Minimum. Die Kulisse schritt jedoch heute nicht mehr in so großem Maße zu Abgaben, so daß sich gegenüber der Samstagschluß- börse nur verhältnismäßig geringe Abschwächungen einstellten. Im großen und ganzen neigten die Sätze zur Schwäche. Ausführungen in einem Aufsätze Prof. Cassels, in denen der Young-Plan detailliert wird und besonders auf die daneben bestehende erlaubnis zu erhalten. Widrecheff lebt, wie es heißt, inzwischen wieder mit seiner zweiten Frau in chönster Harmonie. Vogelsang Holland—Indien. (r) Amsterdam. Wie schade, daß alle neuen Dinge das Wunderbare verlieren, sobald wir uns ein bißchen daran gewöhnt haben! Cs ist noch gar nicht so lange her, da wurde in jedem Haushalt qualvoll und mühsam „Klavier geübt", um ein bißchen Musik in der eigenen Stube zu produzieren: heute haben wir das nicht nötig, wir brauchen auch nicht mehr lange in der Reihe zu stehen, um einen Platz für ein Konzert zu erringen: ein Griff an den Knopf des Wunderkastens, den wir Radio nennen, und die ersten Künstler kommen zu uns in die Stube. Die Wiener Oper, die Philharmonie in Berlin, spanische Rationalmusik aus Barcelona und die beste 3azzband von England können wir herbeizaubcrn uno wir staunen schon nicht mehr darüber. Qlber daß der Gesang des einfachen kleinen Bogels, von dem viele Menschen träumen und den nur wenige in ihrem Leben gehört haben, bis weit nach dem fernen 3ndien getragen wird, ist bisher nur einmal borge» kommen. Es war in den ersten Morgenstunden an einem der letzten Maitage. 3m Studio von Philips in Holland spielte das Grammophon „Abendmusik" für Holländisch-3ndien: gelangweilt steckte der Beamte seinen Kopf aus dem Fenster, um sich ein bißchen an dem Frühling da draußen zu erfrischen, als plötzlich ein unerwarteter Klang an sein Ohr schlug: eine Nachtigall! 3m Ru war das Fenster aufgerissen, das Mikrophon herangerückt, und es gelang! 3n den warmen, indischen Abend trug das Radio die Stimme der kleinen Rachtigall, begleitet vom Rauschen des Windes da drüben im fernen Holland. Eine halbe Stunde dauerte das seltsame Konzert. Dann war's mit dem Programm zu Ende. Es war 4 Uhr morgens, nach holländischer Zeit, der Beamte wünschte seinen Antipoden gute Rächt und ging selbst zur Ruhe mit der Absicht, das perirnent bei nächster Gelegenheit zu wiederholen. Hat die kleine Rachtigall bemerkt, daß ein Wunderapparat ihre Stimme um die halbe Welt trug? Antrieb zu stärken. « * Die amtliche Großhandelsindex- ziffer. Die auf den Stichtag des 26. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts hat sich mit 135,9 gegenüber der Vorwoche (135,2) um 0,5 v. S). erhöht. Don den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,4 v. H. auf 126,7 (125,0) gestiegen. Die Indexziffer für Kolonialwaren stellte sich auf 123,9 (123,6)). Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren lag mit 131,7 (131,4) um 0,2 v. H. höher als in der Vorwoche, während diejenige für industrielle Fertigwaren um 0,2 v. H. auf 157,3 (157,6) zuruckge- Wochenschluß zu verzeichnen und der Privatdiskont hatte eine Ermäßigung erfahren. Entgegen den Hoffnungen sind ober die Londoner Goldabschlusse bisher noch nicht zum Stillstand gekommen, so daß die Gefahr einer Diskonterhöhung immer noch bestehen bleibt. Eine gewisse Stütze boten dann allerdings zu Beginn der Börse Auslandkäufe an dem AEG-Markte, die sich schon des öfteren in der letzten Zeit bei schwacher Börse behaupten konnten. Trotzdem betrugen aber die Verluste durchweg 1 bis 2 v.H. Glanzstoff, Schultheis, Essener Steinkohle, Salzdetfurth, Westeregeln, Deutsche Linoleum, Siemens, B.H. G. usw. büßten bis 5 v. H. em; Tietz 7 5, Siegen-Solingen 11,25 v.H., d. h. 10 v.H. ihres Effektenwertes. Etwas fester eröffneten dagegen Reichsbank, Mix & Genest, Schlesische Gas und BMW. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer geschäftslos. Mazedonier wieder 0,5 v. H. fester. Pfand- briefmartt uneinheitlich. Geld blieb auch heute noch geucht. Tagesgeld 11,5 v.H., Monatsgeld 9,5 bis 10 5 v. H. Im Verlaufe zunächst eher schwächer, ging später vom AEG-Markte eine Anregung aus. Für Montanwerte regte eine Meldung an, nach der be- reiis jetzt Vorbereitungen für die Räumung der zweiten Rheinlandzone am 4. September getroffen würden. Die Erholungen betrugen hieraufhin 1 bis 2 v. H. Kunstseidenwerte gewannen 3 bis 4 v. H. Infolge des Ordermangels ließ das Geschäft aber dann wieder allgemein noch. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 1. 3uli. Der Frankfurter Produktenmarkt verkehrte in fester Haltung. Die wieder höheren Auslandnotierungen boten eine Anregung, doch erfuhr das Geschäft nur in einzelnen Gctreidesorten hiervon eine Belebung. Interesse bestand besonders für Weizen und Roggen, die um 0,50 bis 0,75 Mk. anziehen tonnten. Auch Mehle waren lebhafter gefragt und beträchtlich erhöht. . Für heute muß besonders berücksichtigt werden, daß bei Weizenmehl, sud- deutsch, Spezial 0, die Frachtparität im Preise mitenthalten ist. Auch am Futtermittelmarkt bestand für Mais, Weizen- und Roggenkleie regere Rachfrage von feiten der Landwirtschaft. Hier spielte auch das ungünstige Wetter eine gewisse Rolle und war vor allem der Anstoß sür eine lebhaftere Umsatztätigkeit. Hier traten Besserun- gern bis zu 1,25 Mk. ein. Es wurden notiert: Büchertisch. — Zeitwende (C. H. Decksche Verlagsbuchhandlung, München). Zwei Schöpfer deutscher Geistesform sind die beiden Sammelpunkte für die Stoff-Fülle des 3uniheftes. Mit „Luthers Formgebung in seiner Bibelverdeutschung" beschäftigt sich Adolf Risch. Für jeden, der dieses gewaltige Sprachdenkmal des deutschen Volkes liebt, wird es einen eigenen Reiz haben, hier an Hand der Quellen unter Führung eines ausgezeichneten Kenners Luther selbst bei seiner Uebersehungsarbeit belauschen zu dürfen. — Die Düsseldorfer Erstausführung von Bachs Kunst der Fuge lieh den Bildhauer 3osef Weih ein Bachdcnkmal erschauen, das von den traditionellen Barock-Bach-Denkmälern in Eisenach und Leipzig abweicht. Ludwig Reeg sagt, „daß Bachs reifste Kunst Mathematik sei, die letzte, die klingende mathematische Weltordnung". Das kommt besonders in der „Kunst der Fuge" zum Aus- drull und auch in der großen plastischen älrforrn des Weißschen Entwurfs eines Bachdenkmals, worüber hier zum ersten Male die Oeffentlichkeit vom Künstler selbst näher unterrichtet wird: Zwei Abbildungen sind beigegeben. — „Zeitschrift für Musik", Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. Hauptschriftleiter: Dr. Alfred Heuß. Steingräber- Verlag, Leipzig, 96. Jahrgang, 1929, Heft 6. Das Schicksal dieser 1834 von Robert Schumann als „Reue Zeitschrift für Musik" begründeten Mo- natsschrist wird insofern zum 1. Juli d. I. ein Wendung erfahren, als sie von diesem Termin an bei Gustav Bosse (Regensburg), dem Herausgeber der Deutschen Musikbücherei, erscheinen wird. Zwar behält Dr. A. Heuß, der sich um das geistige Niveau der Zeitschrift große Verdienste erworben hat, dw Hauptschriftleitung; es treten aber Nebenschnftlei- tungen in Berlin (Dr. FritzchStege) und Regens- bürg (Gustav Bosse) hinzu, so daß der Auswir- kungskreis bedeutend über die bisher doch mehr ober weniger im Vordergründe stehende Leipziger Sphäre erweitert wird. Den Bestrebungen der sich für die Kulturwerte der deutschen Musik einsetzenden Zeitschrift ist ein voller Erfolg für die Zukunft zu wünschen. — In der Frage der Heranbildung des musikalischen Nachwuchses rollt Dr. A. Heuß die Entscheidung, ob Universitäts- oder Mustkerbil- düng ob Wissenschaft oder Fachbildung, auf. Eugen Tetzel führt instruktiv in I. Brahms' Schumann Variationen ein. Professor Heinrich Zöllner (Freiburg i.B.) versucht, Gesichtspunkte für die Beurteilung neugearteter Musik zu gewinnen. Eine köstliche Jeremiade („Unsere kleine Musikantenwelt ) steuert Willy von Moellendorff (Gießen) bei. Ueber bis künstlerische Pionierarbeit ber Sinfonieorchester in Nordamerika berichtet Georg Schmibt. Paul Stefans Schubert wirb von Paul Dietsch (Leipzig) einer grünblichen Kritik unterzogen. Als Notenbei- läge veröffentlicht Sebastian Röckl (München) einen bisher unbekannten „Trinkspruch" von Franz Liszt für Männerchor. Weizen 24,75: Roggen 22,75—23; Hafer, inländischer, 23; Mais (gelb) für Futterzwecke, 21,25 biS 21,50; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 35,25 bis 35,50; Roggenmehl 30,50—31,50; Weizenkleie 11—11,25; Roggenkleie 12; Erbsen, je nach Qualität sür Speisezwccke 33—50; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke, 40—110; Heu, süddeutsches, altes 12, neues 10; Weizen« und Roggenstroh, drahtgepreht, 5; Weizen» und Roggenstroh, gebündelt, 4,50; Treber, getrocknet, 17,50—18,50. Tendenz: fest. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 1. 3uli. Auftrieb: 1463 Rinder (darunter 250 Ochsen, 96 Bullen, 668 Kühe, 421 Färsen), 461 Kälber. 26 Schafe, 3407 Schweine. Es wurden notiert: Rinder (Ochsen): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 61 bis 64 Mk., (ältere) 56 bis 60; sonstige vollfleischige (jüngere) 50 bi« 55; (Bullen): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 55 bis 59; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 50 bis 54; (Kühe): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 49 bis 52; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 43 bis 48; fleischige 36 bis 42; gering genährte 25 bis 35; (Färsen — Kalbinnen, 3ungrinber —): voll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 61 bis 64; vollfleischige 56 bis 60; fleischige 50 bis 55. — Kälber: beste Mast» und Saugkälber 78 bis 82; mittlere Mast- und Saugkälber 71 bis 77; geringe Kälber 62 bis 70. — Schweine: voll- fleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 90 bis 91 Mk. — Marktverlauf: Rinder mäßig-rege, geringer Lieberstand. Schweine lebhaft, geräumt. Kälber inäßig-rege, ausverkauft. Film und Bühne haben sich seit geraumer Zeit bes Problems ber für tot erklärten Ehegatten bemächtigt, bie plötzlich, nachbem die anbere Ehehälfte längst mehr ober weniger glücklich verheiratet ist, wieder auftauchen und Verwicklungen über Verwicklungen schaffen. Das wirkliche Leben übertrumpft jedoch bisweilen die kühnste Phantasie des Dichters, Da hat z. B. jetzt hier ein Prozeß die Oeffentlichkeit erregt, der geradezu danach schreit, von schriftstellerischer Hand bearbeitet au werden: die Geschichte des Herrn und der Frau Thoman, die beide in Ruhe und Frieden in Bozen lebten, bis der Krieg ausbrach und John Thoman in russische Gefangenschaft geriet. Seine Frau hörte nichts mehr von ihm, ob er tot ober gefangen war. Nachbem sie lange Zeit um ihren Gatten getrauert hatte, lernte sie einen jungen Russen aus guter Familie, Wassil Widrecheff, einen Kriegsgefangenen, kennen, verliebte sich in ihn, und als der Krieg zu Ende gegangen war, die Gefangenen heimkehrten und Thoman nicht unter ihnen war, entschloß sich seine Frau, dem Russen die Hand zum ehelichen Bunde zu reichen. Beide gingen nach Wien, da Frau Thoman nicht in ihrer an Italien gefallenen Heimat bleiben und Widrecheff nicht in das bolschewistische Rußland zurückkehren wollte. John Thoman wurde auf Veranlassung seiner Frau i für tot erklärt, und die neue Ehe konnte zustande kommen. Wieder vergingen Jahre, und plötzlich erhielt Frau Widrecheff einen Brief ihres früheren Mannes, dem es gelungen war, unter ungeheuren Schwierigkeiten von Sibirien über China nach Bozen zurückzukehren. Den Gewissenskonflikt, in den die arme Frau geriet, kann man sich vorstellen. Sie bat und flehte Widrecheff an, sie zu verlassen. Er tat es — und heiratete eine andere. John kehrte zu seiner Frau zurück und lebte mit ihr, bis der Nachbarn böse Zungen ihm das Geheimnis der Ehe mit Widrecheff verrieten. Neue Konflikte, neue Tränen. Widrecheff wurde wegen Bigamie angeEIagt und feine zweite Ehe für nichtig erklärt. Er wollte aber zu feiner zweiten Frau, Frau Thoman zu ihrem ersten Mann — und endlich, endlich kam das happy end: die Ehe Widvecheffs mit Frau Thoman wurde geschieden, Thoman selbst kehrte zu seiner Frau zurück und wartet nur noch darauf, daß er wieder „für lebend erklärt" wird, um die Heiratsgroße Auslandschuld Deutschlands und bie damit verbundenen Schwierigkeiten hingewiesen wird, verstimmten stark. Auf ber anberen Seite konnte der sehr feste Schluß der Neuyorker Börse vom Samstag keinen Eindruck machen. Orders fehlten fast vollkommen und die meisten Märkte lagen sehr verödet. Aus dem Rahmen der allgemeinen Tendenz fielen Elektrowerte. Hier wurden Rückdeckungen vorgenommen, bie noch von vereinzelten Aufträgen von außenstehenben Kreisen gefestigt würben. Bei etwas regerer Nachfrage konnten AEG. 3 unb Schuckert 2 v.H. anziehen. Angeboten waren mieber Gesfürel mit minus 2 v. H. unb Chabe-Aktien mit minus 4 Mark. Farben lagen etwa 1 v. H. schwächer. Montanwerke eröffneten durchschnittlich von 1 bis 1,5 v. H. niedriger. Klöckner blieben recht gut behauptet, Stahlverein sogar etwas gebessert. Kaliwerte ohne Geschäft. Autowerte behauptet. Frankfurter Ma- schinen wieder etwas bevorzugt unb 0,75 v. H. hoher. Auch ber Bankenmarkt hatte kein bebeutenbes Geschäft. Das starke Angebot in Glanzstosfaktien hatte erheblich nachgelassen, so daß nur ein Kursverlust von 1 v. H. eintrat. Renten still. Ablosungsschulb leicht gebrückt. Schutzgebiete dagegen erneut etwas verlangt unb eine Kleinigkeit höher. Im Verlause trat bie Baissepartei mieber stark in Erscheinung unb setzte ihren Vorstoß vom Samstag fort. Es ergaben sich bei kaum vorhanbener Aufnahmelust verschiedentlich erneut Rückgänge von 2 v. H. Auch i bie anfangs stärker verlangten Elektrowerte lagen I unter Druck. Siemens gaben 5 v. H. nach, Schuckert I verloren bis 1,5 v.H. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man bie Mark mit 4,1988 wieder schwächer, gegen Pfund 20,353, London gegen Kabel 4,8597, gegen Holland 12,0790, gegen Paris 123,97, gegen Mailand 92,67, gegen Madrid 33,98. Berliner Börse. Berlin, l.Juli. Im heutigen Vormittagsoer- kehr war wieder einmal erkennbar, wie gering das Interesse für bie Börse geworben ist. Die Reise- unb Ferienzeit macht sich doch fühlbar, unb der an unb für sich schon in letzter Zeit geringere Order- eingang schrumpfte noch weiter zusammen. Nach dem letzten Baissevorstoß vom Samstag, ber um so mehr Erfolg haben konnte, als bie Börse so gut wie keine Aufnahmeneiguvg zeigte, war bie Tendenz sehr undurchsichtig. Neuyork hatte einen festen mit Forderungen heranzutreten braucht und die Relation zwischen Debetzinsen der Banken und Reichsbankdiskontsah wieder hergestellt worden ist. Die Entwicklung am Devisenmarkt stand in der Berichtswoche unter dem Einfluß der Gold- käufe in London, die auch von deutscher Seite eingesetzt haben. Es handelt sich um einen Betrag von 13,2 Millionen Mark, der am offenen Markt für deutsche Rechnung gekauft worden ist. Angesichts der Schwäche des Pfundkurses ist wohl durch die Freigabe der Arbitrage mit weiterer Goldzufuhr aus London zur Reichsbank zu rechnen. Die Reichsbank hätte an und für sich schon seit längerer Zeit das zur Verstärkung ihrer Valutensituation notwendige Gold in London kaufen können, wenn sie nicht gegenüber der Bank von England sich zur Zurückhaltung vcr» pslichtet hätte, um deren Position nicht zu schwachen Die Befürchtungen, daß die Bank von England ihren Diskont doch erhöhen würde, haben sich nicht erfüllt und werden sich wohl m nächster Zeit nicht erfüllen. Die Reise des Gouverneurs der Bank von England nach Reuhork beweist, daß diese andere Wege als den der Diskonterhöhung gehen will, um des Devisenmarktes wieder Herr zu werden. Solange hier keine Klärung erfolgt ist, wird die Deutsche Reichsbank keine Diskontmaßnahme treffen, so möglich an sich eine Diskontermähigung erscheint. Für die Wirtschaft wäre jetzt eine Diskont- erinähigung das geeignete Mittel, um den auf verschiedenen Produktionsgebieten vorhandenen Berlin, 23- Juni 422 423 50,25 50,25 252,5 46,9 72,75 72 122,5 121,5 125 8 Banknoten !, Lombarbzinsfuh 8,5 Prozent. 222 143 112 195,5 8 0 249 183,5 123 115,5 223 143 51,4 50,25 208 6 10 , 0 . 6 , 6 , 0 , 6 11 . 0 302 244,5 419 328 248,5 90,13 245 8 8 in 8 . 8 10 46,25 72 10 74,5 15 18 18 14 12 12 306 245,25 422 327,5 248 185 112,5 197 57,9 51,4 50 207,75 27,25 Schultheis Patzenhoser . . Cflroerfe........ Ber. Slanzstoff Scmbetfl........ SeUftofl Daldbos .... Zellstoff «ichassenbma . . Charlottenburger Waller . Dejiauer Gas...... Daimler Molaren . . . Deutsche Majchincu-Fabril Adlerwerte Sleoer .... Ludw. Loewe Nat. Automobil Orenstetn & Koppel ... Leonhard Tietz . • Bamag-Mcguin . . . • • Franks. Maschine» . . . . Grihner » Heqligenstaedt Hunghan»........ Lechwerke - - Mainkraftwerke . . . • • Aliag........ » Nekari ...... VelerS Union...... Gebr. Roeder Doigt L Haessner . . . . Eüdd. Zucker...... Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Di- hinter den P-pi-r-n nngesührten Ziffern geben die Höhe der zuletzt *•"*» ->" - «ei-bSbnnIdiSIont 7,5 Pr°,e Geld 4,172 58,28 111,43 20,28 Brief 4,192 58,45 111,87 20,36 Französisch« Diolen..... Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch-Oesterr.Lioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... Devisenmarkt Berlin - Telegraphische Auszahlung. Berlin, 29. Juni Anierikaniiche Noten •. Belgische Noten . . . . Dänische Noten . .. . Englische Roten .... Geld Brief 16.445 16,505 167,96 168,84 21,99 22,07 111,53 111,97 58,98 59,22 2,48 2,50 112,10 112,54 80,58 80,90 59,23 59,47 12,405 12,465 72,90 73,20 Frankfurt a. M. Frankfurt a.M. Berlin Schluß. Kurs l-Uhr- Kurs Schluh- KurS Anfang Kurs Datum 29.6. 1.7. 29.6. 1.7. Philipp Holzmonn......< Heidelberger Cement.... 10 Gement Karlstadt......= Wayb & Freitag......10 1Ü 138 180 103 Illi ___L nr 102,5 112,5 Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Schluß- Kurs 1-Uhr- KurS Schluß Kurs Lnfang- Kurs Schluß- i Uhr- Kurs 1 Kurs Schlutz-^Anfang- Kurs Kurs Damm 129-6. 1.7. 29 6. 1 7- Datum 29-6. | 1.7. 29.6. 1-7. 6% Dt. Reichsmrleche v. 192? - Dt. Anl.-Ablöi^Schuld mit AuL los.-Rechten ------ DeSgl. ohne AuSios^Rechte . . - 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldps. im- 50,9 10,13 85,25 79,13 90 29,5 2,5 23 7,75 7,75 113 127,75 130,5 223 186,5 277,5 171 157 164 — — 329 | | | | | lllllllll IIJI llllllllo-lll^llo; 1 q> in co 87,5 50,9 10,2 29,5 2,6 23,2 22,4 1,8 8 7,8 8 122 194 158 113,25 128,25 130,5 222,25 186 276 171,25 157,4 164 328,5 w —* —Ma —• -fu; r? 2 CO m *IMUI M *OCT> M o »i i "SsSsS? i ab i r. > im lllllllll 1 1 1 — 1 Bergmann.........•> Elektr. Lieserunge».....1« Licht und Kraft ...... 10 Felten 4 Guilleaume.....6 Ges. s. Elektr. Untern.. . . . 10 Hamb. Elektr. Werke .... 10 220 157,25 218 135,5 223 152 236 394,5 169 76 117,5 140,5 144 216 109 123,5 139,5 86 99 291 128^5 104 70,5 240 248 407 237,25 162 75 87,75 128,5 31 1 1 13 1 1 1 13151K1 13K181 1 1 3 1 13 I 1 1L1 1 >- 131 1. 218,5 156,5 216,5, 134,5 221,25 142,5 192,5 236,75 393,25 149 167,5 75,25 117,65 130,5 140 144 132,75 214 108,75 129,9 121,5 139 104,13 97,75 291 127 103,5 70,4 238,5 247 405,75 236,75 116,75 75 87,75 128 217,6 156,25 216 133,25 220,75 142,5 195 236,25 391 148,5 117 127,6 150 132,25 214 108,25 121,25 139 105,9 98,13 290,5 126,25 104,75 70,25 237 244 401,5 236 88 W/oWWe Hyp^Bank Stau.. A.E.G. aba. Vorweg». Obligation., Schlei. Elektr........»0 Schuckert . . Transradio ..,.•••• «® Lahmeyer & So.. • • • • • 10 Buderus . ........* Deutsche Erdöl.......” Essener Steinkohle . . - - - - « Gelsenkirchener ... f- n 3- 4 ..................” Harsch Eisen.........® gife Bergbau....... ° ...................... «öln-Reuesseii........= ..................9 MonSselder . ------ • • ' Lbersch'.es. Etsenb. Bedarf. . . b Oberschlei. Kottwerke. . - . - « Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen... 10 Rhetnstabl . . . f. '/« Jahr *Vt Rtebeck Montan......7,2 Veceinigie Stahl»......6 Olavi Minen.......2rb «alt Aschersleben.....1° Kalt Weiiereaeln. ..... 10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 15 F. ®. Farben-Industrie... 12 Dvnamit Nobel.......6 Echeideanstalt........9 Goldschmidt ........6 RütgerSwerke ........ 6 Metallgeiellschast......11 4% Schweiz. BundeSb-'Anl.. . - 4% Oesterreichische Goldrte.. . • 4% Oesterreich, einheitl. Rte. - - 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 - 4/1% 6eSoL Don 1913..... 4°/o Ungarische Kronenrte..... 4% Türk. ZoUanleihe D 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., Serie ............ 4°/« desgl. Serie II. - - - - - • 4% Rumänen convert. Rte. . . - 4'/i% Rumänen Doldaul. von 1913 eilig. Deutsche Eisenbahn . . 4% Hamburg.Amerlla Paket . . . 8 Hamb.-Südam. Dampsich. . • = Hansa Dampfschiff..... Norddeutscher Lloyd . . . • • Allg. Deutsche Ereditanll. . . M Barmer Bankverein - - - ** Berliner Handelsgesellsch. . . 12 Commerz- uni Privat-Banl . 1. Darmst. u. Nationalbank . • 1 Deutsche Bank......ff DiSkonlo-Gefellschail Anl.. . K Dresdner Bank......*• Mitteldeutsche Erediibaut . . • NeichSbank . • ...... 1^ 127,5 29. Juni l.Juli Amtliche '.Notierung Amtliche Notierung Geld 1 Brief Geld Brief Ämft.-Nott. 168,28 168,62 168,34 168,68 Buen^AireS 1,757 1,761 1,759 1,763 B nl.-Antw. 58,23 58,35 58,25 58,37 Christiania - 111,68 111,90 111,72 111,94 Kopenhagen 111,66 111'88 111,71 111,93 Stockholm . 112,32 112,54 112,37 112,59 HelsmgforS. 10,537 10,557 10,537 10,557 Italien. . . 21,945 21,985 21.95 21.99 London. . . 20,325 20,365 20,335 20,375 'j? ent) ort • . 4,192 4,200 4,1935 4,2015 Parts. . . . 16,405 16,445 16,395 16,435 Schweiz . . 80,645 80.805 80,67 80,83 Spanien • ■ 59,46 59,58 58,74 58,86 Japan • . . Rio de Jan. 1,834 0,4965 1,838 0,4985 1,853 0,497 1,857 0,499 Dien in D.» £tft. abgest 58,89 59,01 58,96 59,08 12,418 12,438 12,415 12,435 Belgrad . 7,365 7,379 7,365 7.379 Budapest. Bulgarien 73,08 3,027 18,73 73,22 3,033 73,09 3,032 73.21 3,038 Lissabon . 18,77 18,73 18,77 Danzig. . Konstantin. Athen. . 81,34 2,018 5,425 81,50 2,022 5,435 81,35 2,013 5,426 81,51 2,017 5,435 Tauada . 4,154 4,162 4,156 4,164 Ürucmay. 4,036 4,044 4,036 4,044 Cairo .. 20,845 20,885 20,855 20,895 36551 > Fritz Kahle, Gasthausbesitzer Erna Kahle, geb. Hensel beehren sich ihre Vermählung anzuzeigen Gießen, Wetzlarer Weg 11 04152 feilte!! Ers maliges Gastspiel 4» THE FOUR RAMBLERS Im Cafe „ERNST LUDWIG** Cafe Astoria Das Gastspiel der Kapelle Cap Polonio bis auf weiteres verlängert Dienstag, den 2 Juli Wunfchabend > U 56 Marburger Festspiele Juni 1929 Juli Wilhelm Teil/Viel lärm um nichls Vorverkauf durch Hapag - Reisebüro, Giehen Seltersweg 93 — Tel. 4197 5701A Gesellschaften nnd Schüler von 25 Personen an erhalten EnnafiiM M6ganMMan«wmiiii nii !■■■—— KINDT & BUCHER VERLAG G.M.B.H. GIESSEN - KOLONNADEN BAHNHOF • TEL. 812 5695D iRSenieurschule Altenburg TNr.h Maschinenbau — Elektrotechnik Automobil- und Flugzeu gbau. MeinSaison-Ausverkauf beginnt ab heute, den 1. Juli, und unterstelle ich während dieser Zeit mein gesamtes Lager diesem Ausverkauf. 10% auf alle regulären Artikel wie Gardinen,Teppiche (auch Marken- qualitäten ohne Ausnahme) und andere von mir geführte Waren. Ein Posten Steppdecken, sowie Woll- und Kamelhaarkolter bis zu 2O°/o Ermäßigung. Günstige Einkaufsgelegenheit von Tisch- und Diwandecken in Plüsch und Gobelin. 56ätiA Beachten Sie bitte meine 5 sehenswerten Schaufenster.