Nr. 126 Erstes Blatt 179. Jahrgang Somstag, 1. Juni 1929 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Dn'd und Verlag: vrühl'fche Univerhtäls Buch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Erfchelni täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreirfür2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Tröger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°,, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für bett Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Sieg -er Nüchternheit. Die größte politische Partei Deutschlands, die im Reichstage mit mehr als 150 Köpfen die stärkste Fraktion stellt und auch in der gegenwärtig amtierenden Reichsregierung mit dem Kabinettschef und drei weiteren Ministern ausschlaggebenden Einfluß besitzt, die Vereinigte Sozialdemokratie hat nun endlich in Magdeburg ihren Parteitag abgehalten. Lange genug hatte es die Parteileitung verstanden, sich um die Rechtfertigung ihrer Politik vor der höchsten Parteiinstanz herumzudrücken. Sogar das Frühlingshochwasser mußte herhalten, um die den Führern unbequemen Auseinandersetzungen coram publico hinauszuschieben. Aber nun ist alles halb so wild gekommen, wie man es von den Regierenden in manch dunkler Stunde gefürchtet hatte. Und wer gar von diesem Parteitag so etwas wie einen großen Krach mit nachfolgender Spaltung der „Vereinigten" Sozialdemokratie oder auch nur einer Sezession eines Häusleins Unentwegter erwartete, wird sich nach diesem Parteitag vermutlich bitter enttäuscht sehen. Sehr rosig war nun zwar die Stimmung nicht gerade, die dem Parteiführer Hermann Müller aus den Reden der aus dem Lande zusammengerufenen Genossen entgegenschlug. Die Opposition gegen den gegenwärtigen Parteikurs umfaßt immerhin ein Drittel der Partei, also eine starke Minderheit, die den Führern schon Kopfzerbrechen machen kann. In Magdeburg ist es indessen gelungen, alle wesentlichen Anträge der Opposition niederzustimmen. Seinen Sieg verdankt Hermann Müller dem großen taktischen Geschick, mit dem dieses große Parteipalaver in Szene gesetzt worden war und konsequent Lurchgeführt wurde. Man ließ die ost recht temperamentvollen Reden der Wortführer der Opposition ruhig über sich ergehen, Reden, die -noch häufig genug an die seligen Zeiten des schärfsten Kampfes gegen den Staat erinnerten, den die Sozialdemokratie währenddes sich erobert lat. Erst dann schritten die Regierenden zur Abwehr. Mit klug verteilten Rollen sprachen -Hermann Müller und Hilferding, Severing und “Braun zu den vier großen Problemen der aktuellen Parteipolitik. Koalition, Steuern, Reichswehr und Konkordat mit dem Erfolg, daß es der Opposition in keinem Punkte gelang, ihre Auffassung durchzusehen. Imponierend ist der Sieg der Führer nicht, die Opposition war immerhin so stark, daß Hermann Müller es auf eine (lare Abstimmung nicht ankommen lassen wollte, «andern sich mit einem taktischen Erfolg, dem .Hebergang zur Tagesordnung" begnügte. Es ist ganz ausgesprochenermaßen ein Sieg der 'Nüchternheit, ein Sieg der realen Politik, hie sich erreichbare Ziele steckt und ihre Arbeit hem unter den gegebenen Verhältnissen Möglichen zuwendet, über die schärfere Tonart der khemaligen „Unabhängigen“, die heute noch wie damals „alles, oder nichts" wollen. Diese einander grundverschiedenen Anschauungen der politischen Taktik traten besonders hervor bei der Behandlung der Koalitionsfrage. Die Minderheit hatte wieder einmal den leidigen Panzerkreuzer benutzt, um an ihm ihre Auffassung von der allein echten sozialistischen Politik, Die sie sie verstanden wissen will, zu demonstrieren. Die Reichstagsfraktion hatte bekanntlich während der letzten Koalitionsverhandlungen sich mit erheblicher Mehrheit gegen die Bewilligung her zweiten Baurate für den Panzerkreuzer A ausgesprochen. Run wollte ein Antrag der Ber- ;iiner Organisation auch die sozialdemokratischen Minister zur Fraktionsdisziplin verpflichten, sie "sollten also gegen den Antrag der Regterung, 2er sie selbst angehören, stimmen. Mit 256 ge° .gen 138 Stimmen ist man nun über den Berliner Antrag zur Tagesordnung übergegangen. Her Parteitag hat es abgelehnt, eine zweifels- freie Entscheidung in einer Frage zu fällen, die lei der Umbildung des Kabinetts Müller um em Haar den Bruch der Koalition verursacht hätte. Hamals wär man von feiten der bürgerlichen Loalitionsparteien, namentlich vom Zentrum, aber den ablehnenden Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion mit Stillschweigen hinweg- begangen, weil man vpn dem Parteitag eine giare Entscheidung erwartete. Sie ist jedoch aus- •seblieben. Man hat sich lediglich grundsätzlich für eine Koalitionspolitik mit bürgerlichen Par- deien ausgesprochen, solange die Sozialdemokratie wicht stark genug ist, eine rein sozialistische Regierung auf die Beine zu stellen. Aber jeöe Bindung der Fraktion oder gar der sozialdemo- tratifefcen Kabinettsmitglieder in einzelnen fragen hat der Parteitag abgelehnt. Bei der Abstimmung über die zweite Rate für den Panzerkreuzer werden wir also vermutlich wiederum das erhebende Schauspiel haben, daß die stärkste Regierungspartei gegen Sie Regierungsvorlage stimmen wird, wenn auch Ihren Ministern der Gang unter das kaudinische Joch des Fraktionszwangs erspart bleiben wird. Man glaubt, sich diesen Seitenfprung in die Opposition in dem beruhigenden Gefühl leisten ja können, daß die Deutschnationalen ihre Drohung, auch in diesem Falle gegen die Regierung zu stimmen, schon nicht wahrmachen werden, wenn es hart auf hart geht, sondern statt dessen aus ihrer grundsätzlichen Einstellung zur Dehrfrage heraus, auch diesmal der Regierungs- fialition aus der Patsche helfen werden, in die sie die stärkste Regierungspartei ihrem ehemals »unabhängigen" Flügel zuliebe Mncingeritten hat. Sollte die Rechte den sozialdemokratischen Opportunitätspolitikern den Gefallen nicht tun. Schwere Wahlniederlage der englischen Konservativen. Arbeiierregiemng oder bürgerliche Koalition. — Außenpolitische Konsequenzen. Der außerordentlich eindrucksvolle Wahl- erfolg der ßabour Party in dem englischen Wahlkampf hat zwar nicht ganz hingereicht, um der Partei die absolute Mehrheit zu sichern. So wenigstens läßt sich das Ergebnis übersehen, zu dem noch einige Wahlkreise fehlen und bei dem die nichtumstrittenen Wahlkreise und die erst später stattfindenden Wahlen der Uni- versitciten nach den eigentümlichen Bestimmungen des englischen Parlaments hinzugerechnet werden müssen. Aber auch ohne die absolute Mehrheit ist die relative derartig stark, daß es ein großes Wagnis ist, die einzige augenblicklich sichtbare andere Lösung der Regierungsfrage, nämlich eine Koalitionsregierung aus Konservativen und Liberalen zu versuchen. Wje dem aber auch sei, ob Labour-Regierung oder bürgerliche Koalitionsregierung, in der künftigen Politik Englands wird sich der Volks- Wille zur Geltung bringen müssen, der durch dieses Wahlergebnis zum Ausdruck gebracht worden ist. Man kennt die wichtigen außenpolitischen Programmpunkte der ßabour Party: Abrüstung, Rheinlandräumung und Schiedsgerichtsbarkeit, d. h. vor allem Beitritt zu dem Haager Statut. Weiter gehört dazu, soweit es Punkte von Interesse für Deutschland sind, die Forderung nach einem Verzicht auf das Liqui- dcttionsrecht des Versailler Vertrages, auf die Freigabe deutschen Eigentums. Man wird aber auch nicht vergessen dürfen, wie Snowden, der Finanzminister im früheren Kabinett Macdonald, sich kürzlich sehr entschieden gegen jede englische Konzession in der Reparationsfrage ausgesprochen hat, die sich z u g u n st e n Fra n k- rerchs auswirken würde. Hnd man darf sich keinen Illusionen darüber hingeben, daß etwa ein Kabinett Macdonald, namentlich ein solches, das als Minderheitsregierung auf Schonung nationaler Empfindlichkeiten angewiesen wäre, nun radikal auf die Dahn der Verständigung, der Konzessionen oder gar einer internationalistischen Politik begeben könnte. Wir haben im einen, wie im anderen Falle mit einer Politik zu rechnen, die man als libe* r a l bezeichnen kann, ohne daß damit etwa eine Politik der trotz aller Propaganda nur . sehr gering angewachsenen liberalen Partei ßloyd Georges gemeint wäre. Hnd wir haben selbstverständlich in Auswirkung dieses Volksentscheids auf eine stark Völkerbundfreund- liche und auch abrüstungswillige englische Politik zu rechnen, die z. B. in der Frage der Marinerüstung Amerika gegenüber erheblich verhandlungswilliger fein wird, als die bisherige, starr von den Diehards beeinflußte Politik einer mit mächtiger absoluter Mehrheit ausgerüsteten konservativen Parteiregierung. Vielleicht würde auch bei einem Kabinett Macdonald die politische Parallelität gegenüber einem deutschen Kabinett Hermann Müller (obgleich man die englische ßabour Party nicht mit Sozialdemokraten schlechthin gleichsehen kann) eine gewisse Erleichterung des Verkehrs bedeuten. Aber auch kaum mehr. Denn die starke Erhöhung der Stimmung der ßabour Parch bedeutet in viel geringerem Maße als etwa ein entsprechendes Wahlergebnis bei uns den Hebertritt der Massen zur Partei der von ihnen Gewählten. In einer viereinhalbjährigen ununterbrochenen Regierungstätigkeit nutzt sich überall und jede Partei einigermaßen ab und alle die Unzufriedenen gehen in solchem Falle in England, das seinen Parlamentarismus auf einen jahrhundertealten Zweiparteiensystem aufbaut, einfach zur Opposition über, gleichviel, welche parteipolitische Doktrin diese vertritt. Soweit sie nun aber nicht überzeugte Sozialisten sind, stellen sie auch an ihren gewählten Abgeordneten Ansprüche, die der spezifisch englischen Geistesverfassung, der Auffassung von Patriotismus entsprechen, die dort „Old England First" und alle anderen Interessen erst in zweiter oder dritter ßinie lautet. So interessant und so wichtig also auch der Ausgang der englischen Wahlen für Deutschland und die Welt ist, wäre es verfehlt, davon einen radikalen Gesinnungsmantel der englischen Außenpolitik selbst in solchen Fragen zu erwarten, die in England als nationale Reservate gelten. Das vorläufige Wahlergebnis. Was tut Baldwin? London, 31. Mai. (2DIB.) Rach einer Heulet- Meldung von 22.40 Ahr verteilen sich die 597 Mandate, über die bisher entschieden wurde, wie folgt: Arbeiterpartei 287 konservative 251 Liberale 52 Unabhängige 7 Rach derselben Quelle waren bis 21 Uhr folgende Stimmen gezählt worden: 8 449 426 für die konservativen, 8 265 183 für die Arbeiterpartei, 5 155 353 für die Liberalen, 220 369 für die Unabhängigen und 50 614 für die Kommunisten. Baldwin ist in seinem Wahlkreise mit einer Mehr- heit von 14 018 Stimmen wiedergewähll worden. Auch der Führer der Liberalen, LloydGeorge. wurde wiedergewählt. Auch die Tochter Lloyd Georges ist gewählt worden, von bekannten politischen Persönlichkeiten, die wiedergewählt sind, wurden weiterhin noch folgende bekannt: Macdonald, Churchill, Sir Robert Home, ehemaliger Schahkanzler, Miß Bondfield, ehemaliges Mitglied des Kabinetts Macdonald und der bisherige Generalpostmeisler Sir Mitchell Thomson. Ferner von der Arbeiterpartei Snowden, Schahkanzler im Kabinett Macdonald und Kenworthy von den Liberalen, die bekannten Führer Walter Run- ciman und Sir John Simon von den Konservativen und die Herzogin von Atholl, die unter der Regierung Baldwin als parlamentarische Unlerskaalssekretärin im Erziehungsamt tätig war. Die Ramen bekannter Arbeiterführer werden im neuen Unterhaus auch durch ihre Söhne vertreten fein, da der Sohn Macdonalds in vaffetlaw (Rottingham) und der Sohn Hendersons in? Wahlkreis Cardiff-Süd gewählt wurden. Obwohl von den bisher gewählten Unabhängigen mindestens einer mit der Arbeiterpartei Zusammengehen dürfte, ist es der Arbeiterpartei nicht mehr möglich, eine absolute Mehrheit im Unterhaus zu erlangen. Selbst wenn sie die sämtlichen der noch ausstehenden 18 Mandate gewinnen sollte, würde sie es nur au f 307 Mandate bringen und um eines hinter der absoluten Mehrheit Zurückbleiben. Es wird als sicher angesehen, daß Baldwin beschließen wird, am 25. Juni vor das neue Parlament zu treten, um den Liberalen die Verantwortung zu überlassen, ihn durch ihre Abstimmung zu st ü r z e n. Da jedoch eine Verbindung der konservativen und der liberalen Stimmen im Unterhaus nur einen sehr geringen Sicherheitsspielraum lassen würde, so ist es auch möglich, daß nach Zusammentritt des Parlaments sich Baldwin dahin entscheiden wird, daß er die Regierung nicht in nützlicher Weise weitersühren kann. Indessen muß wiederholt darauf hingewiefen werden, daß ein Rücktritt der Regierung vor dem Zusammentritt des Parlaments nicht zu erwarten ist. womit immerhin gerechnet werden muß, so ist eine Riederlage des Kabinetts Hermann Müller und eine neue Regierungskrisis unvermeidlich. Eine nicht minder harte-. Ruh als die Koalitionsfrage war das Wehrprogramm für den Parteitag. Eine vielköpfige Kommission hatte unter dem Vorsitz von Di tt mann Richtlinien zur Wehrpolitik ausarbeiten müssen, die nun dem Parteitag zur Begutachtung vorgelegt wurden und hier auf schärfste Kritik stießen, obwohl die radikalen Mitglieder der Kornnnsswn in dieses Wehrprogramm schon so viel hineingeschrieben hatten, daß man hätte meinen sollen, auch der linke Parteiflügel hätte mit diesen äußerst bescheidenen Wehrforderungen einverstanden sein können. Das Wehrprogramm will, solange „die Machtpolitik imperialistischer und faszrsttscher Staaten mit konterrevoluttonären Interventionen und neuen Kriegen droht, Deutschland als Aufmarschgebiet mißbraucht und wider Willen in blutige Verwicklungen hineingerissen werden kann" ..... zum Schuhe der Selbstbestimmung des deutschen Volkes eine Wehrmacht aufrechterhalten, für die dann eine Reihe von Forderurr- gen ausgestellt wird, deren Verwirklichung summa summarum die berüchtigte „Dernokrati s i e - rung“ der Reichswehr nach österrerchr- schern Muster bedeuten würde. Severing, den man gegen die oppositionellen Kritiker ins Feld schicken mußte, hat zwar stark abschwächend von „Republikanisierung" gesprochen nach dem Muster der Umgestaltung der preußischen Polizei unter seinem Regime, aber wir wisfen aus Erfahrung grade durch den Vergleich mit der preußischen Polizei, daß Republikanisierung im Sinne Severings sich keineswegs auf die Zuverlässigkeit der Reichswehr als staatliches Machtinstrument der Republik bezieht, sondern lediglich den Wunsch der Sozialdemokratie verbirgt, namentlich durch Einflußnahme auf den Offiziers- und Mannschaftsersatz, die Reichswehr zu einer sozialdemokratischen Parteitruppe umzugestalten. Daß die Erreichung dieses Ziels die Schlagkraft unseres kleinen, uns nach dem Versauter Diktat noch belassenen und aller moderner Kampfmittel beraubten Heeres, bis zur Unfähigkeit für die Landesverteidigung mindern würde, müßte auch einsichtigen Anhängern der Linken klar sein. Aber der Kampf gegen den innenpolitischen Gegner scheint den Vätern des sozialdemokratischen Wehr- programms wichtiger zu fein, als der Schutz der Reichsgrenzen. Und wenn auch ein Mann wie Severing weit davon entfernt ist, die Notwendigen der Landesverteidigung zu leugnen, so konnte doch einer der Ultraradikalen auf dem Magdeburger Parteitag, wenn auch unter stürmischem Widerspruch aus der Versammlung, erklären „die Arbeiter haben auch heute noch kein Vaterland ... Der Feind steht im eigenen Lande, den wollen wir schlagen! Das Bürgertum hat also allen Grund, vor den sozialdemokratischen Anschlägen auf unsere kleine Wehrmacht auf der Hut zu sein. Wenig erbaut wird man in den Kreisen der bürgerlichen Parteien auch von den Erklärungen zur Steuerfrage sein, die Breitscheid als Berichterstatter der Reichstagsfraktion abgab. S) i l f e r • ding, der für die Finanzpolitik der Koalitionsregierung verantwortlich zeichnet, hat zumindest nicht widersprochen, als Breitscheid die Notwendigkeit neuer Steuern erörterte und erklärte, das Sparprogramm der Regierung sei nur aus koalitionspolitischen Gründen angenommen und bedeute daher lediglich ein Provisorium. Wenn sich nicht durch die Pariser Verhandlungen wesentliche Erleichterungen für den Reichshaushalt ergäben, müsse doch zur Ausschreibung neuer Steuern geschritten werden. Man wird also mit dem Versuch der Sozialdemokratie rechnen müssen, die alten Hil- ferdingschen Pläne auf Erhöhung der Biersteuer und der Reichsvermögenssteuer wieder zur Debatte zu stellen. Daß sie dabei bei den bürgerlichen Koalitionsgenossen auf entschiedenen Widerstand stoßen wird, ist anzunehmen. Besonderes Interesse beanspruchte die Debatte über das Preußenkonkordat. Es ist schon lange bekannt, daß die Verhandlungen zwischen dem preußischen Kabinett und dem Berliner Runzius Pacelli zur Formulierung eines Vertrages geführt haben, der in absehbarer Zeit den verfassungsmäßigen Instanzen zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Heber seinen Inhalt sind bislang nur Gerüchte an die Oeffentlichieit gelangt, die zu ernsten Besorgnissen Anlaß geben mußten, aber von den zuständigen Stellen regelmäßig dementiert wurden. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun sah sich nun doch gezwungen, dem Parteitag eine Erklärung über die Verhandlungen Preußens mit dem Vatikan abzugeben, die allerdings sehr vorsichtig und diplomatisch gehalten war und nicht mehr sagte, als unbedingt notwendig war. um die erregten Wogen der gegen das Konkordat sturmlaufenden Genossen zu glätten. Braun berief sich bei der Verteidigung des Konkordats — in dem übrigens angeblich das Wort Schule gar nicht vorkommt, sondern lediglich kirchenorganisatorische Angelegenheiten ihre Erledigung finden — auf die Rotwendigkeit „für den Staat doch wenigstens einen Teil der Rechte zu retten, die dem Staate durch die Weimarer Verfassung aus der Hand geschlagen worden sind". Das klingt höchst ulkig im Munde eines sozialdemokratischen Führers, dem vor zehn Jahren diese Rettung zweifellos erheblich leichter gefallen wäre. Gewiß wird niemand leugnen wollen, daß die schon über ein Jahrhundert alten Abmachungen zwischen Preußen und der Kurie den veränderten staatsrechtlichen Verhältnissen angepaht werden müssen. Aber bedarf es dazu eines Konkordats? Die Spuren des Dahernkonkordats schrecken. Solange der Inhalt des preußischen Vertragsentwurfs nicht in allen wichtigen Zügen bekannt ist, wird die Beunruhigung in all den Kreisen anhalten, die eine gerechte Machtverteilung zwischen Staat und Kirche wünschen und den Grundsatz vertreten, daß, was der katholischen Kirche recht ist, der evangelischen billig sein muß. Man spricht davon, daß die Zustimmung zum Konkordat der Preis sein soll, für den sich für die Volkspartei die Tore zur Regierungs- foalition in Preußen öffnen würden. Wir möchten die Sehnsucht der Volkspartei nach preußischen Ministersesseln nicht für so groß halten, daß sie jeden Preis dafür zu zahlen bereit wäre. Sie wird sich jedenfalls das Ergebnis der Verhandlungen, die bisher zwischen dem Kabinett Braun und dem päpstlichen Runzius hinter verschlossenen Türen geführt wurden, sehr genau ansehen müssen, bevor sie ihr Placet gibt. Rimmt man den bisherigen Verlauf des Magdeburger Parteitages der Vereinigten Soz:al- demokratischen Partei Deutschlands als Ganzes, so ergibt fich wieder das alte Lied, das im Grunde doch völlig vergebliche Bemühen, die alten Mehrheitssozialisten Ebertscher Prägung mit dem Flügel der ehemaligen „Unabhängigen“ zu einer in sich konformen Partei zu verschmelzen. Zu einer neuen Spaltung kommt es zwar nicht, ab et in der Partei bestehen die Gegensätze weite« und verschärfen sich vielleicht noch, wofür der Magdeburger Parteitag einige sinnfällige Beispiele gab. Die Führer sehen ein, daß die Partei wohl zu schwach ist, um allein regieren zu können, aber doch zu stark, um nicht mitregierenl zu müssen. Mit mehr als 150 Mandaten kann man nicht konstant im Schmollwinkel sitzen und Übelnehmen, wie es die radikale Linke der Partei möchte. Die Mehrheit fühlt die Pflicht zur Mitübernahme der Verantwortung, aber der Radikalismus der ehemaligen „Unabhängigen" hängt wie ein Mühlstein am Halse der Partei und hindert sie, aus der Erkenntnis ihrer Pflicht dis volle Konsequenz zu ziehen. So entsteht die Halbheit, daß die Partei wohl die Vorteile der Regierungsverantwortung genießen möchte, aber nicht bereit ist, die Vorteile der Opposition aufzugeben. Würde die Sozialdemokratie einmal vor die Rotwendigkeit gestellt sein, allein dis Verantwortung für die Regierungsgeschäfte zu übernehmen, käme sie in die Verlegenheit, ihr Parteiprogramm, ohne sich mit Kompromissen unb Koalitionsschwierigkeiten entschuldigen zu können, hunderprozentig zur Durchführung bringen zu können, dann wäre die große Enttäuschung unausbleiblich, wenn die Führer ihren Anhängern im Lande klipp und klar bekennen müssen, daß sich mit Parteidoktrinen allein nicht regieren läßt. Oie Einigung in Paris. Oer Eindruck in Paris. Tränenreicher Abschied von Chamberlain. Paris. 1. Juni. (W.T.D.-Funkspruch.) Die Morgenpresse nimmt ausführlich Stellung zu dem Ergebnis der englischen Wahlen. „OK atin" hebt ihre außenpolitische Bedeutung hervor, Frankreich könne nicht die unverändert freundschaftliche Haltung und die aufrichtige Unterstützung vergessen, die es bei Chamberlain gefunden habe. Die Zusammenarbeit mit Macdonald werde sich unter einer anderen Form in einem neuen Rahmen zeigen, aber die Gedanken und die Absichten Brrands, hinsichtlich des Wiederaufbaues und der Ratifizierung Europas, könnten bei Macdonald nur ein sehr sympathisches Echo finden, wenn man sich die Mühe nehme, sie ihm zu unterbreiten. — Der sozialistische „P o p u l a i r e" schreibt: Man kann nicht mehr darauf hoffen, daß die Arbeiterpartei die absolute Mehrheit der Sitze erlangt. Unter diesen Umständen wird das Kabinett, das Macdonald bilden wird, keine stabile Mehrheit haben. Es wird wahrscheinlich binnen kurzem durch die Koalition der beiden Parteien des bürgerlichen Kapitalismus gestürzt werden. — „Excelsior" schreibt, Frankreich habe ein Kriterium, um die wirklichen Absichten Macdonalds, der wahrscheinlich der neue englische Premierminister sein wird, gegenüber Frankreich kennenzulernen: das sei die Wahl des Schatzkanzlers. Würde Snowden nach seinem heftigen Angriff auf Frankreich wegen der Richtratifizierung des Cail- laux-Churchill-Abkommens Schatzkanzler werden, so wäre das gewiß- geeignet, jenseits und diesseits des Kanals die treuen Anhänger der en- tente cordiale zu beunruhigen. Oie Liberalen, das Zünglein an der Waage. London, 1. Juni. (WTB. Funkspruch.) Die liberal« „Daily News" führt zum Ergebnis der Unterhauswahlen aus: Das hervorragendste Merkmal der Neuwahlen ist der gewaltige Triumph der Arbeiterpartei. Das Ergebnis der Neuwahlen wird eine gesündere, ehrlichere Politik zur Folge haben. Das Blatt erklärt, es sei ein Ende der zur verhüllten Einführung des Schutzzolles eingefädelten Intrigen und di« offizielle Annahme einer weit energischeren Friedenspolitik von feiten Englands zu erwarten. Es scheine sicher, daß die kleine liberale Partei das Schicksal der anderen beiden Parteien in ihrer Hand halten wird. Trotzdem könne kein Liberaler die Wahlen ohne aufrichtige bittere Enttäuschung betrachten. Das Blatt hält es für sehr wahrscheinlich, daß das neue Unterhaus kein sehr langes Leben haben wird. — Auch die liberale „Daily E h r o n i c l e" tröstet sich damit, daß die liberale Partei im Unterhause das Zünglein an der Waage sein wird. Das Blatt ist der Ansicht, daß auch die Arbeiterpartei darauf Anspruch hat, das Wort zu führen. Niemand brauche anzunehmen, daß, weil das neue Haus keiner Partei eine absolute Mehrheit gibt, seine Tage gezählt feien. Zeugenvernehmung im Jakubowski - Rogens - Prozeß. N e u st r e l i tz, 31. Mai. (WTB.) Im weiteren Verlauf des Jakubowski-Nogens-Prozesses wurden die Angeklagten Blöcker und August Nogens vernommen. Den Blöcker soll Jakubowski einmal gefragt haben, ob man den kleinen Nogens wohl finden würde, wenn er im Kaninchenloch stecke, worauf Blöcker geantwortet haben soll: „Wie kann man einen großen Jungen ins Kaninchenloch stecken?" August Noaens bleibt dabei, er habe von Jakubowski gewußt, daß der Mord von Blöcker begangen worden sei. August Nogens gibt zu, bei seinen Aussagen früher nichtbeiderWahrheitge- b l i e b e n zu sein. Fritz Nogens erklärt, sein Bruder August habe ihm bei einem Zusammentreffen in Lübeck gesagt, er, A u g u st, hätte dem kleinen Ewald die Kehle zugedrückt. August Rogens bestreitet diese Aeußerung. Als erster Zeuge gab Pastor Buhre ein knappes Charakterbild über Frig Nogens und Frau Kähler und erklärte, daß er mit Jakubowski in der Zeit zwischen dem Mord und der Auffindung der Leiche auch über das Verschwinden des kleinen Ewald gesprochen habe. Jakubowski habe erklärt, er wäre nicht schuldig. Er, der Pastor, habe den Eindruck gehabt, daß Jakubowski ja von dem Mord gewußt habe, daß er ober nicht selbst den Mord begangen hätte. Auf die Frage, ob Fritz Nogens wohl zur Zeit des Mordes geistig so entwickelt gewesen sei, daß er die Tragweite seiner verbrecherischen Handlung habe erkennen können, erklärte der Zeuge, daß Fritz Nogens den Plänen der anderen kein energisches Nein habe entgegensetzen können. Die Frage des Nebenklägers, Nechts- anwat Dr. Brandt, ob Jakubowski nach Ansicht des Zeugen in der Lage gewesen sei, einer Gerichtsverhandlung in deutscher Sprache zu folgen, beantwortete Pastor Buhre mit einem unbedingten Nein. Schließlich bezeichnete Buhre die Familie Nogens als die am mooralisch tiefsten stehend« Familie der ganzen Gegend. Der Zimmermann Wunder, der Vormund der beiden Kinder Jakubowskis, erklärte u. a., daß Jakubowski in der ersten Zeit seinen Verpflichtungen immer nachgekommen sei. Rach einem halben Jahre habe sich das jedoch geändert, und Jakubowski habe der Frau Rogens fünf Mark monatlich abgezogen. Jakubowski wurde darauf von dem Zeugen Duncker zur Rede gestellt, warum er so nachlässig bei den Zahlungen der Alimente sei. Darauf erklärte Jakubowski, daß er, solange die Kinder von Frau Rogens nicht besser behandelt würden, nicht mehr zahlen würde. Der Zeuge Duncker erklärte im Anschluß hieran: Ich habe stets die Auffassung gehabt, daß Jakuwobski Ewald gerne l o s sein möchte. Rebenkläger Rechtsanwalt Brandt wirft dem Zeugen Duncker vor, daß er eine vorgefaßte Meinung von der Schuld des Hingerichteten Jakubowski mitgebracht habe. Darauf tarn ein weiteres Indiz, das zur Verurteilung Jakubowskis führte, daß Jakubowski mit lächelnder, zynischer Miene nach längerem Suchen nach Ewald erklärt habe: „Ich weiß nicht, wo Ewald ift“, zur Erörterung. Der Zeug« Duncker macht das Lächeln Jaku- Parls, 31. Mai. (WB.) Die Verhandlungen von Delegation zu Delegation über die Formulierung dec noch offenstehenden Vorbehalte und Bedingungen find heute nachmittag so gefördert worden, daß man von einer grundsätzlichen Einigung aller Delegationen sprechen kann. 3n den nächsten Tagen kann daher bereits mit der fertig ft ellung des endgültigen Berichts für die Regierungen gerechnet werden, lieber das Ergebnis der Verhandlungen über die Vorbehalte werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: 1. was die höhe der ungeschützten Annuitäten betrifft, ist grundsätzlich eine Einigung dahin zustande gekommen, daß sie einschließlich, des Zinsendienstes für die Dawesanleihe konstant 660 Millionen Mark betragen soll (571 Millionen ohne den Zinsendienst für die Dawes- anleihe). 2. Zur Tilgung der 21 letzten Annuitäten für die Schuld bei Amerika soll die Bank für internationale Zahlungen in der weise herangezogen werden, daß 80 v. h. ihres Gewinnes vom ersten Tagendes Funktionierens ab in einem für diesen Zweck bestimmten Fonds angesammelt werden. Die Abtragung der 21 Jahres- zahlungen soll also durch Anwendung der Methode der Akkumulierung vor sich gehen. Ein weiterer Beitrag zur Deckung dieser letzten 21 Annuitäten wird sich aus einer evtl. Herabsetzung der amerikanischen Schuldenforde- rungen ergeben können. Für diesen Fall ist unabhängig von dem Reparationsbericht, also ohne Mitarbeit der amerikanischen Delegation, ein Verteilungsabkommen in Aussicht genommen, das Deutschland 66,67 v. h. dieser eventuellen amerikanischen Nachlässe verspricht, den anderen Ländern 33,33 v. h. mit der Maßgabe, daß, solange nicht vollständige Deckung für die letzten 21 Annuitäten vorhanden ist, diese Länder von ihrem 33,33-v. h.- Anteil 8,33 v. h. von dem gesamten Nachlaß in den diesbezüglichen Fonds der Bank für internationale Zahlungen abführen. 3. Das Kapital der Bank für internationale Zahlungen soll 400 Millionen Mark betragen. Es sollen einzahlen die allier- ten Länder: I. zinslos einen Betrag von 200 Millionen Mark, stammend aus den in der Kasse des Generalagenten für die Reparationszahlungen liegenden Summen, II. einmalig den Betrag des ungeschützten Teiles einer Jahreszahlung, also etwa 660 Millionen Mark, und zwar diese zinsentragend und ohne daß eine Eigenkumsänderung vor sich geht. — Deutschland soll entsprechend Einzahlungen leisten und zwar s) zinslos 100 Millionen Mark, stammend aus den beim Kommissar für die Reparationszahlungen durchgehenden Summen, b) — jedoch hat dieser Plan noch keine bestimmte Gestalt angenommen — etwa 300 bis 400 Millionen Mark als zinstragende Anla^e ohne Eigentumsänderung, vielleicht in Form von Raten ä 50 Millionen Mark. Die Notenbanken sollen gegen einen geringen Zinssatz bei der Bank für internationale Zahlungen einen Devisenbetrag hinterlegen, dessen höhe noch nicht bestimmt ist. 4. Die geplante Regelung sieht Abschaffung aller Kontrollen vor. Die Eisenbahn- und 3n- dustrieobligationen werden verschwinden. Die Reichsbahngesellschaft zahlt auf Grund besonderer Abmachungen mit dem Reiche 645 Millionen Reichsmark im 3ahre in Form einer Steuer. Dieser Betrag wird von der Reichsbahngesellschaft unmittelbar auf das Konto der Bank für internationale Zahlungen bei der Reichsbank eingezahlt: der Betrag, der nahezu den ungeschützten Teil der Annuität deckt, läuft also nur durch den Etat durch. 5. Berücksichtigt wird ferner das Recht Deutschlands, sich je nach Lage der Umstände den Rückkauf von ausgegebenen Anleihen oder konvertierten Anleihen vorzubehalten. 6. was die Heranziehung der Nachfolge ft a a t e n zur Aufbringung der Leistungen angeht, so wird das Gutachten der Sachverständigen dahin gehen, die Gläubigermächte aufzufordern, innerhalb der Frist eines 3ahres zu bestimmen, was damit geschehen soll. bowstis in charakteristischer Weise nach. Rechtsanwalt Dr. Brandt sprang erregt auf und erklärte: „Es ist unmöglich, Herr Duncker, daß Sie nach so langer Zeit das Lächeln noch so genau nachmachen können. Ueberhaupt spricht aus all Ihren Aussagen eine vorgefaßte Meinung. Auf Grund dieser JhrerErinn e- r u n g an die lächelnde Miene ist seinerzeit Jakubowski hingerichtet worden. Skagerrak-Zeier der Reichsmanne. Kiel, 31. Mai. (WTB.) Am heutigen Tage jährt sich zum 13. Male der Tag der Seeschlacht am Skagerrak. Aus diesem Anlaß fand heute vormittag auf dem Garnisonfriedhof eine Gedächtnisfeier an den Gräbern der Gefallenen statt, an der Abordnungen aktiver und inaktiver Offiziere und Mannschaften sowie die Hinterbliebenen in großer Zahl teilnahmen. Anschließend nahm der Stationschef, Konteradmiral Hansen, auf dem Flandern-Platz eine Parade ab. In seiner Ansprache gedachte Konteradmiral Hansen des Führers in der Schlacht, Admirals Scheer, und mahnte zur Geschlossenheit und O p f e r b e re i t s ch a f t des deutschen Volkes, damit die Kräfte, die uns zur Skagerrak-Schlacht befähigten, unser Volk wieder groß, stark und frei machen könnten. Oas Notariat in Hessen. DerGesetzgebungsausschutzlehntdenAntrag Best ab. Darmstadt, 31. Mai. Der Gesetzgebungs» ausschuh des Hessischen Landtages befaßte sich erneut mit dem Antrag auf Abänderung des hessischen Rotariatswesens. Dr. Best (Volksrechtspartei) ging auf die mündlichen Erklärungen der Vertreter der Regierung ein. Finanzminister 7. Die Liquidationsmaßnahmen hören innerhalb eines 3ahres auf (ebenso die Schiedsgerichts- und Ausgleichsverfahren). 8. Das Aufbringungsmoratorium wird mit dem Transfermoratorium, das ihm in der Anwendung vorausgehen muh, verbunden werden. Das Transfermoratorium soll nach dem Plan von feiten der deutschen Regierung auf zwei Jahre erklärt werden können. Nach einem Jahre soll die deutsche Regierung die Möglichkeit haben, für die Hälfte der Summe, für die der Transfer- schuh in Anspruch genommen wurde, das Aufbringungsmoratorium zu verlangen. Die Entscheidung hat im Einvernehmen mit dem zuständigen Prüfungsorganismus der Dank für internationale Zahlungen zu erfolgen. 9. Die in Deutschland angefammelten Beträge bedürfen nicht, wie von den Gläubigern anfänglich gefordert worden war, einer besonderen Sicherstellung, sondern die Reichsbank soll hinsichtlich ihrer Anlegung freie Hand behalten. Der Bereich der Verwendung dieser Summen soll sich nicht nur aus die Gewährung von zinsbringenden Anleihen beschränken, sondern auch zur Finanzierung von Spezialsachlieferungen dienen, dh. Sachlieferungen solcher Art, bei denen feststeht, daß sie nicht zu Lasten des kommerziellen Exportes gehen, sondern alszusählicherExport anzusehen sind. Der R e c o v e r y Act, der 20 Prozent für Sachlieferungen ausmacht, wird sich der fallcn- den Kurve der Sachlieferungen (von 750 Millionen durch jährliche Verminderung um 50 Millionen auf 300 Millionen) anpaffen und infolgedessen von 150 auf 60 Millionen sinken und alsdann mit den Sachlieferungen erlöschen. Alle noch bestehenden Diskriminierungen werden abgeschafft. Dem Bericht werden mehrere Anhänge beigegeben, so ein Sachlieferungsanhang, ein Anhang, der das Statut der Bank für internationale Zahlungen enthält, und ein Anhang, der den Verteilungsschlüssel der Zahlungen unter die Gläubiger festlegt. Eine Interpellation der Oentschnationalen. Die Neichsregierung soll die Pariser Vereinbarung ablehnen. Berlin, 31. Mai. (V.D.Z.) Die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei hat folgende Interpellation beim Reichstag eingebracht: Die durch amtliche Mitteilung der Pariser Konferenz vom 29. Mai bekanntgegebene Einigung über die deutschen Jahreszahlungen rechtfertigt alle Besorgnisse, zu den seit September 1928 die Einleitung und Führung der Pariser Verhandlungen Anlaß, gegeben hat. Entgegen den getroffenen Vereinbarungen hat die Konferenz nicht ein wirtschaftliches Gutachten abgegeben, sondern ein in die Form sachverständiger Begutachtung gekleidetes politisches Abtommen getroffen. Dabei sind alle rechtlich und politisch begründeten Forderungen Deutschlands unberücksichtigt geblieben. Auch die bisherigen deutschen Leistungen sind nicht angerechnet worden. Die auf dieser Grundlage vereinbarten Zahlungen übersteigen die Leistungs- fähigkeit Deutschlands. Die am 29. Mai in Paris getroffene Vereinbarung ist unausführbar. Ist die Reichsregierung gewillt, die in Paris getroffenen Vereinbarungen abzulehnen und hat sie die Gewißheit geschaffen, daß der Herr Außenminister im Falle seiner Teilnahme an der Tagung des Dölkerbundsrates in Madrid es vermeidet, Vereinbarungen im Sinne der Pariser Verhandlungen zu treffen oder festzulegen? Wie wir von deutschnationaler Seite erfahren, ist die Regierung ersucht worden, sich zur Beantwortung der Interpellation unmittelbar nach der auf Dienstag, 4. Juni, angesetzten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses, jedenfalls aber vor der geplanten Abreise des Reichsauhen- ministers bereit zu erklären. Danach sind zu Beginn oder Mitte nächster Woche Plenarverhandlungen im Reichstage über die Tributfrage zu erwarten. Reichskanzler Müller hat zugesagt, die deutschnationale Interpellation s o - fort nach Abschluß der Pariser Verhandlungen im Plenum des Reichstages zu beantworten. Airnberger hielt an seiner ablehnenden Haltung fest. Besonders betonte er, daß eine entschädigungslose Entlassung der Notare nicht in Frage kommen könne, da sie im Beamtenverhältnis mit Pensionsrecht stünden. Abgeordneter S t u r m f e l s (S.), der selbst Rotar ist, sprach über die Einnahmen und Ausgaben im hessischen Rotariat. Die Ausgaben, die mit dem Rotariat selbst verbunden seien, würden häufig zu niedrig eingeschäht. Von feiten der Deutschen Volkspartei schloß man sich im allgemeinen den Ausführungen des Justizministers an. Das Notariat habe sich in Rheinhessen linksrheinisch und rechtsrheinisch sehr gut bewährt, so daß es schwierig sei, diesen seit 30 Jahren bestehenden Zustand dadurch zu ändern, daß man die Notariatsgeschäfte den Ortsgerichten übertrage. Das würde einen erheblichen Rückschritt bedeuten. Die Best- schen Anträge seien eine rein finanzielle Angelegenheit. Wenn der Antrag Best durchgeführt werden könne, nach seiner Ansicht eine Ersparnis für den Staat erreicht werden könnte. Der Vertreter des Zentrums wandte sich gegen die Destschen Anträge, setzte sich aber f ü r ein« Senkung der außerordentlich hohen hessischen Gebühren ein. Das Zentrum hätte sich mit den Bestschen Anträgen einverstanden erklärt, wenn es sich um eine Einschränkung des Notariats gehandelt habe, so aber liefen die Anträge auf eine Aufhebung hinaus. Don den Abgeordneten Werner (srccktions- lvs) und Böhm (Dntl.) wurde beantragt, die Regierung möge einen Gesetzentwurf vorlegen, in dem die Notariatsfrage zugunsten des hessi- Staates etwa nach badischem Muster geregelt werde. Der Vertreter des Bauernbundes sprach sich dahin auS, daß die gesetzlichen Bestimmungen über die Ruhe- und Hinterbliebenenversorgung der Notare beseitigt und die Gebühren herab* gesetzt werden möchten. Bei der Abstimmung wurden sodann sämtliche Destschen Anträge sowie der Antrag Werner und Böhm gegen wenige Stimmen abgelehnt. Annahme fand ein Antrag der Abg. Schreiber und o. H e l m o l t (Bbd.), der von der Regierung wünscht, baldigst dem Landtag einen Gesetzentwurf vorzulegen, der unter Anpassung an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit namentlich im Grundstücks- und Grundbuchverkehr eine Senkung der Stempel- und sonstigen Gebühren in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vorsieht. Ferner möge die Regierung in die sofortige Prüfung der Frage eintreten, ob ohne Verletzung wohlerworbener Rechte eine Beseitigung der ft a a 11 i d) e n Pen- ons - und Hinterbliebenen »ersorgung ü r das Notariat durch Schaffung einer selb- tändigen Zwangspensionskasse unter selbständiger Verwaltung der Notariatskammer möglich ist und bejahendenfalls im Landtag eine entsprechende Vorlage einoringen. ilO.ReichSfrontsoldateniaginMünchen. München, 31. Mai. (Privatmeldung.) Der 10.Reichsfrvntsoldatentag nahm heute durch Eröffnung der Stahlhelmaus st ellung und mit einer M u st e r m e s s e im Kunstgewerbeverein seinen Anfang. Am Abend versammelte der Stahlhelm seine Anhänger zu einer Kundgebung un Löwenbräu-Keller, bei der der Bundesführer S e l d t e in einer Rede die Ziele des Stahlhelms darlegte. Er erklärte u. a., der Stahlhelm kämpf« dafür, daß das deutsch« Volk wieder zu einer politischen Volkse g e m e i n s ch a f t werde, wie sie im Kriege vorhanden gewesen sei. Die Bedeutung d.s Stahlhelm-Volksbegehrens sei, in die weitesten Kreise des deutschen Volkes die Ueberzeu- gung hineinzutragen, daß das heutige politische Regierungssystem den Zustand der Unfreiheit und Versklavung verewigen wolle. Der Stahlhelm wolle keine Revolution. Mit allen Kräften steuere der Stahlhelm wieder zu Bismarcks Wegen hin, um an die Stärke der Vergangenheit anzuknüpfen und von ihr aus deutsche Zukunft zu formen. Schluß deer sozialdemokratischen Parteitags. Magdeburg, 31. Mai. (WTB.) Im weiteren Verlauf des Parteitages sprach Schreck, Dielefeld über Arbeitersport und 6o< zialdemokratie. Die Einrichtungen der Arbeitersportbewegung repräsentieren einen Wert von 50 Millionen Mark. Besonders diene der Arbeitersport auch de mKampfe gegen den Alkoholismus. Zum Schluß wurde ein Antrag angenommen, der erklärt, der Parteitag erwarte von der Reichstagsfraktion, daß sie in das Reichsschankstättengeseh einen verstärk- ten Jugendschuh gegen den Alkoholismus einzubauen versucht. Ein weiterer Antrag trat unter der Betonung der Ablehnung jeder kulturkämpferischen Unduldsamkeit für voll« Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und des künstlerischen Schaffens ein. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Zum Schluß des Parteitages gab der Vorsitzende Wels unter großem Beifall die Erfolge bekannt, die die englische Arbeiterpartei bei den Wahlen errungen habe, und teilte mit, daß als letzte Handlung des Parteitages ein Glückwunschtelegramm an die Arbeiter Englands geschickt werben solle. Oie Wetterlage. Nordoyan. io Kiagent freitaa. '.31. Hai 1929. 7h aDds. ©wolkenlos.3 heiter. 3 naio oedeext. »woikio® Gedeckt. -Reget * Schnee Graupeln eNeoei K Qe*/itter.(Q)windstiiie. •O' leichter Ost massiger Sudsidwest stürmischer «ordwes» Oie Pfeile fliegen mit dem Winde Die oeioen Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien veromden Orte mit gleichen! auf MeeresniVeau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die Temperaturen wurden weiterhin durch den Zustrom kühler Luftmassen beeinflußt. Wenn auch tagsüber durch die Einwirkung der Sonne wieder kräftige Erwärmung stattfand, so erfolgte nachts eine ebenso starke Abkühlung. Von Spanien her steigt neuerdings der Luftdruck wieder kräftig an. Gleichzeitig nähert sich ein Druckfallgebick im Nordwesten. Infolgedessen wird allmählich der Herantransport kühler Luftmassen beendet und wärmere Luft kommt zum Vordringen, was sich aber erst zu Beginn der nächsten Woche auswirken wird. Voraussage fürSonntag: Teils heiter, teils wolkig, nachts noch sehr kühl, tagsüber Erwärmung, trocken. Voraussage für Montag: Wärmeres Wetter, zeitweise stärker bewölkt. Lufttemperaturen am 31. Mai: mittags 21,8 Gras Celsius, abends 13,2 Grad: am l.Juni: morgen« 11,1 Grad. — Maximum 24 Grad, Minimum 9,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 31. Mai: abends 24,6 Grad: am 1. Juni: morgen! 26,1 Grad. — Sonnenscheindauer 12z Stunden. ' von fceAre.'' "•Ät.ätn«»1-1' Ö' äMs h,Q9 eine entlpro E°gmMnchM 5*«®un6.) $, ^>eu‘e durch E r, teyv11«’« '^^lnstgewerbe. 2 L?Vmet Kund ■r’ b^drr der Dun. J'JJ dre Ziel? Jftu, da 2P, d°s deutsche M U'lchen Volke. ®'e sie im «ritte ^e Bedeutung [j ’e’. in die toeitb die lleberzeu. ^ Heutige politische md der Unfreiheit wolle. Der Stahl. Mit allen Staffen ju VismarckL De- der Vergangenheit M deutsche Zutun!! ^motrati[d)en lgs. ii. (DT2.) 3m tot!' itages sprach Lchrr^ trsport und 6o< I Einrichtungen der 2lc sentieren einen Wer! Besonders diene bet* ampfegegen den Schluß wurde ein An« flärt, der Parteitag issraktion, dah sie in ; einen verstärk« jen den Alkvho- cht. Ein weiterer 1t- mg der Mlehnu'i nduldsarnkeit sür vo'u )?n Forschung und ds Auch dieser Antrrg i " Schluß des Partei- M unter grofatt ut die die englische ch'len errungen W- letzte Handlung de- ^telegramm an D;< ,t werden solle. erlöge. vrKi. //H S-’SSi’S*^ ,„n vt'C|ndtn iftdru“ icn t><* 'W .ifunS '„foU".*:. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. 3uni 1929. Don der Kunst des Schweigens. Es ist nützlich, von Zeit zu Zeit einmal in alten Büchern zu lesen. Man kann da manches lernen, auch die Erfahrung machen, daß die Menschen sich eigentlich in allen Zeiten gleich bleiben. Hm das Jahr 1500 lebten einige Schriftsteller, die sich scharf gegen den Lebenswandel aller Stände wandten. (Sebastian Brant in dem /Kar* renschiff" und sein Freund Geiler von Kaisersberg in seinen Schriften.) Da fand ich dieser Tage auch eine Stelle vom Schweigen. „So einer merkt, wann er mit einem redet, dah der- selbige ein Klappermann ist, so schweigt er, denn er macht ihm nicht genug Antwort geben. Wann er ein Wort redet, so muh er dreißig dagegen hören." 2a, es wurde und wird noch zu viel geredet, und die Leute, sür die hier das treffende Wort „Klappermann" geprägt wurde, die uns nie einen Satz aussprechen lassen und für ein Wort von uns ganze Dorträge halten, sterben nicht aus. Sich mit ihnen in ein ernstes Gespräch einlassen, wäre vergebliche Mühe. Sie sind nur durch Schweigen von unserer Seite zu heilen. Dann haben wir solche Mitmenschen, die von allem etwas verstehen und mitreden wollen. Sie richten viel Hnheil an und machen sich ost lächerlich. „Das Schweigen ist vernünftig, da einer schweigt zu den Dingen, die er nicht gelernt hat." (Geiler.) Wie oft aber möchte man das lateinische Zitat „O si tacuisses . . .“ Wenn du geschwiegen hattest, wärst du ein Philosoph geblieben, anführen. Auch um der Klugheit willen muß man schweigen können. „Man mutz nicht an allen Stätten und zu allen Zeiten die Wahrheit sagen." Wieviel Feindschaft, Winfriede und Streit gäbe es in der Welt weniger, wenn wir zur rechten Zeit schweigen könnten! Menschen aber, denen das Herz auf der Zunge sitzt, müssen die Kunst des Schweigens lernen. Es hilft da nicht nur der Gedanke an das bekannte Sprichwort, es handelt sich um Selbsterziehung. Wer viel in der Aatur allein ist, wer auf einsamen Wegen Wald und Heide durchstreift, kommt ganz von selbst dazu, das Schweigen zu üben. Cs gilt nur, es auch den Menschen gegenüber anzuwenden. 2ch hatte einen guten Freund, der Krieg hat ihn mir leider entrissen, der verstand die Kunst des Schweigens. Auf einer Pfingstwanderung durch den Thüringerwald brachte er es fertig, zwei Stunden lang nichts zu sagen. Ich hatte besonders darauf geachtet. Aber hier war auch das Schweigen sicher das einzig Richtige: denn einen solch schönen Morgen habe ich selten erlebt. Was helfen da alle Beteuerungen, wie herrlich, wie wunderbar usw. alles ist? Solche Stunden muh man in sich aufnehmen, still und voll Andacht. Hnd das konnte mein Freund, und ich habe versucht, es ihm nachzutun. Da finde ich in meinem Schweizer Tagebuch eine Stelle: .....Wir waren noch nicht müde und mad)ten deshalb einen Spaziergang nach der Hochalm (Große Scheidegg). Cs war ein wunderschöner Abend. Dor uns erglänzten die Schneespitzen des Welt- und Wetterhorns. Ringsum klingende Kuhherden, sonst Frieden überall. Ein wundersames Gesühl beschlich uns. Wo die Ratur solche Schönheit ausstreut, da muß selbst dem schlimmsten Menschen das Herz höher schlagen. Wir standen st u m m und ergriffen, es war uns wie beim Gebet. Gesprochen haben wir nicht... Cs war eine kleine Seitentour, aber sie wird uns unvergeßlich bleiben." Heute, nach 18 Jahren, kann ich das bestätigen. Das Bild jenes Abends steigt immer wieder vor meinem Auge auf, wenn ich irgendwo staunend die Wunder der Ratur betrachte. Oder du wandelst durch die Herrlichkeiten eines Domes. Kannst du da sprechen? Stört dich nicht der näselnde Ton des Fremdenführers? Solche Kunstwerke mußt du allein, ohne Begleitung, auf dich wirken lassen. Dann werden sie zum Er- lefcnid. Deshalb rate ich dir auch, wenn du auf hohem Berge stehst und den Sonnenaufgang genießen willst, fliehe die anderen Reisenden, die dort auf dem Turm stehen und sich nur noch in Superlativen ergehen. Du hörst dann nur Worte, Worte und vergissest, die goldene Pracht in dich aufzunehmen. Hast du schon einmal allein einen Sonnenaufgang erlebt? Dann weiht du ja Bescheid. Schlimm wird's, wenn wir in Konzerten, im Theater sind. Da kann man kaum allein fein. Wir sitzen mitten unter den Zuhörern, und glücklich ist nur der, dessen Rachbarn auch schweigen können. Welche Wirkung hatte z. B. der Ausspruch jener sonst ganz braven FraU, als im Don Carlos das Wort fiel: „Königin, o G ott, das Leben ist doch schön!" Da seufzte sie tief ergriffen auf und sagte: „Ja, aber teuer!“ Solche Rachbarn wünsche ich niemand, sie stören uns den ganzen Abend. Rimmst du sie aber von der humoristischen Seite, wie jener Gatte, der auf die staunenden Ausrufe seiner Frau: Prächtig! Prächtig! nur sagte: „Ich breche mich nicht, du vielleicht!", dann kommst du leichter über nichtssagende Redensarten hinweg, und ein befreiendes Lachen hilft dir, die Sache von der komischen Seite zu betrachten. Aber diese Fälle sind selten, und unsere Ehefrauen rufen auch nicht immer: Prächtig; denn sie wissen auch zu schweigen! Oder stimmts nicht? Freiwillige Ganitätökolonne vom CRoten Kreuz. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich ist. hat die Freiw. Sanitäts-Kolonne vom'Roten Kreuz in Gießen eine ständige Wache im Depot der Kolonne, Sonnen st raße 2 eingerichtet. Schon längere Zeit bestand dafür ein dringendes Bedürfnis, doch wegen Wangels an Mitteln muhte die Derwirk- lichung des Planes immer wieder hinausgeschoben werden. Bei der ständig wachsenden Inanspruchnahme der Freiwill. Sanitäts-Kolonne, bedingt durch die steigende Zahl der Derkehrsunfälle, war die Schaffung einer solchen Wache mit Fernsprechanschluh jetzt aber zur dringenden Rotwendigkeit geworden Bedenkt man, dah seit dem Jahre 1921, als die Kolonne neu organisiert und auf Friedenstätigkeit umgestellt wurde, bis heute über 17 000 Personen die Hilfe der Kolonne in Anspruch nahmen — davon wurden bis heute 10 407 Personen wegen Erkrankung ober Verletzung transportiert —, so nahm rechnungsmäßig jeder zweite Einwohner der Stadt Gießen in den letzten 7 Jahren die Hilfe der Kolonne in Anspruch, und jeder dritte wurde transportiert. In derselben Zeit wurden aus der Verleih- anstaltfürKrankenpflegegeräte über 1500 Geräte an Kranke ausgeliehen, manchem Schwerkranken wurden durch üleberlassung von Wasserkissen, Luftringen, verstellbare Keilkissen usw. die Schmerzen erleichtert. Seit Jahren bildet die Kolonne auch Vetriebshelfer aus. Die Erfahrung hat gezeigt, wie segensreich diese Hunderte von Rothelfern in den letzten Jahren bei Betriebsunfällen wirken konnten. Zur weiteren Aufgabe hat sich die Freiw. Sanitäts-Kolonne vom Roten Kreuz gemacht, durch Gründung einer Iugendabtetlung Jünglinge von 14 bis 18 Jahren unter der Leitung erfahrener Sanitätsmänner nach besten Kräften zu gesunder Lebensführung und körperlicher Ertüchtigung, sowie zu tätiger Hilfsbereitschaft im Dienste der Allgemeinheit zu erziehen. Hm den gestellten Aufgaben gerecht werden zu können, bittet die Kolonne die Allgemeinheit, die Sammlung am diesjährigen Dotkreuztag zu unterstützen. Sammlungen für das Rote Kreuz. Auf die vorn morgigen (Sonntag ab stattfindenden (Sammlungen zu Gunsten des Roten Kreuzes sei an dieser Stelle noch einmal besonders hingewiefen. Die über das ganze Reich sich erstreckenden Sammlungen sollen es dem Roten Kreuz ermöglichen, in immer weiterem Hmfange seinen großen Aufgaben gerecht zu werden, zu denen vor allem die Errichtung von Krankenhäusern, von Schwesternhäusern, Kinderheimen, Altersheimen, sowie die Ausbildung von Schwestern und Sanitätskolonnen gehören. Alle diese Einrichtungen haben seit vielen Jahren eine reich gesegnete Tätigkeit entfaltet. Daraum darf man wohl hoffen, daß die Sammler in den kommenden Tagen allenthalben offenen Herzen und freundlichen Gebern begegnen werden! Man beachte die heutige Anzeige. Gictzcncr Wochcnnrarktpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200, Matte 30—35, Wirsing 20—25, Weißkraut 20 -25, Rotkraut 20—25, Spinat 10 bis 20, Römischkohl 20—25, Spargel 30—80, Erbsen, grün, 40—50, Mischgemüse 15—20, Tomaten 80—120, Zwiebeln 15—20, Schwarzwurzeln 40—80, Rhabarber 15—20, Kartoffeln, alte, 6, neue 20—25, Aepfel, ausl., 45—70, Dörrobst 35 bis 40, Kirschen 70—80, Erdbeeren 150—200, Honig 40—50, Rüsse 70—80 Pf. das Pfund. Blumenkohl 70—150, (Salat 10—25, Salatgurken 60—100 Ober-Kohlrabi 20—25, Lauch 10—20, Rettich, neue, 20—30, Sellerie 20—100 Pf. das Stück. Gelbe Rüben, neue, 20—25, Radieschen 15—20 Pf. das Bund. Käse 10 Stück 60—140, Eier das Stück 12 Ps. Junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100—120 Pf. das Pfund. Tauben das Stück 70—90 Pf. Kartoffeln per Zentner 5.50 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Marineverein Gießen: Monatsversammlung im Cisenbahnhotel Hopfeld. — Artilleristenverein: Monatsversammlung im Hotel Köhler. — Gießener Schwimmverein: Familienabend in der „Bergschenke", 20.15 Hhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Weiberkrieg''; 22.45 Hhr: „Das Mysterium der Liebe". — Tageskalender für Sonntag. Volkshochschule: Zweiter pflanzenkundlicher Ausflug. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Programm wie Samstag. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es ist der Intendanz gelungen, das „Theremin-Trio" (Professor Theremin) zu einem Aetherwellen- konzert für Donnerstag, 6. Juni, zu gewinnen. Diese musikalische Veranstaltung, der nur ein kurzer einleitender Vortrag vorangeht, findet nur einmalig statt. Das Spielen erfolgt durch freie Bewegung der Hände im Raum. Der Abend wird ganz auf das Konzert eingestellt fein. ' Professor Krausmüllers Rachfolge im Stadtrat. Gestern hielt dieStadt- wahlkommission für den Etadtrat eine Sitzung ab, in der über die Mandatsnachfolge von Professor Dr. Krausmüller Beschluß zu fassen war. Als neuer Inhaber dieses Mandats kommt der Landwirt Heinrich Gottmann in Betracht. " Die Rückkehr unserer Garnison erfolgte gestern gegen 19 Hhr durch den Einmarsch in die Stadt mit klingendem Spiel. Wiederum hatte, wie bisher stets, eine gewaltige Menschenmenge unsere Soldaten erwartet und ihnen dann das Geleit bis zur Kaserne gegeben. Die innige Verbundenheit zwischen Bürgerschaft und Militär wurde auch bei dieser Gelegenheit wieder in eindrucksvoller Weise sichtbar. ** Straßensperre. Wegen Ausführung von Kanalisationsarbeiten wird die Provinzialstraße Gießen—Wieseck vom 5. bis 25. Juni für jeglichen Verkehr gesperrt; Hmleitung erfolgt über Trohe—Rödgen. Bis auf weiteres für schwere Lastautos gesperrt, ist wegen Ausführung von Drückenbauarbeiten die Provinzialstraße Lindenstruth—Queckborn—Grünberg, Ortsdurchfahrt Queckborn; Hmleitung über Grünberg bzw. Münster. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Ortsdurchfahrt Beuern ist wieder aufgehoben worden. " Die Museen sind am Sonntag von 11 bis 13 Hhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet. "Von derRodelbahn. Gegenwärtig sind auf dem Hinteren Trieb Crdarbeiten im Gange, um durch größere Erdbewegungen die seitherige „wilde" Rodelbahn in eine solche nach allen Regeln der Kunst zu verwandeln. Die neue Bahn wird bei einer Breite von 10 Meter eine Länge von nahezu 300 Meter haben. " Abonnements-Konzerte unserer Militärkapelle. Wie man uns schreibt, veranstaltet die Kapelle unseres Bataillons, wie in früheren Jahren, auch in diesem Sommer wieder eine Reihe von Abonnements-Konzerten auf der Liebigshöhe. Die Konzerte sollen möglichst Donnerstags stattfinden. Das erste ist auf Donnerstag, 6. Juni, festgesetzt. Es ist hierfür Streichmusik vorgesehen; Obermusikmeister Löber hat für diesen Abend Kompositionen von Thomas, Wagner, Rossini, Mendelssohn, Lehar, Strauß, Liszt usw. auf das Programm gesetzt. Einige Konzerte werden unter Mitwirkung von auswärtigen Solisten gegeben. Der große Zuspruch, den hiese Veranstaltungen bisher hatten, wird sicherlich auch den kommenden Konzertabenden zuteil werden. Abonnements sind im Vorverkauf auf der Liebigshöhe, ferner an den Konzerttagen an der Kasse zu haben. Man beachte die heutige Anzeige. " Oeffentliche Bücherhalle. 3m Mai wurden 1156 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 818, Zeitschriften 52, Iugendschrifien 57, Literaturgeschichte 6, Gedichte und Dramen 10, Länder- und Völkerkunde 53, Kulturgeschichte 3, Geschichte und Biographien 77, Kunstgeschichte 13, Raturwissenschaft und Technologie 40, Heer- und Seewesen 2, Haus- und Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 7, Sport 4, Fremdsprachliches 2 Bände. Rach auswärts kamen 5 Bände. ** Wiedersehensfeier. Die kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Angehöriger des L a n d st u r m-3 nf. -Regts. Rr. 20 hält ihre diesjährige Wiedersehensfeier am Sonntag, 9.3uni, in 2 i m b u r g im Evangelischen Vereinshaus ab. Der Beginn der geschäftlichen Tagung ist auf 10 Hhr vorm. festgesetzt. Rachmittags geselliges Beisammensein. " Richtigstellung. Die am Donnerstag von uns mitgeteilte Verordnung der hessischen Regierung über die Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft in Hessen tritt nicht am 1.3uli, sondern am 1. 3uni in Kraft. "Aufwertung von Lebensversicherungen. Die Aufwertung des alten deutschen Markversicherungsbestandes der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt in Zürich, mit Geschäftssih für Deutschland in München, gestattet, den Aufwertungssah für den 14. Februar 1924 auf 34 Prozent des für die einzelne Versicherung in Betracht kommenden Goldmarkwertes festzusehen. Die bar zu befriedigenden Ansprüche erhöhen sich durch die Zinsen bis Ende 1929 auf rund 41 Prozent der Goldmarkmaßzahlen. Der auf dieser Aufwertungsquote beruhende Teilungsplan für Kapital- und Rentenversicherungen ist in Vorbereitung. Es besteht die Absicht, die Aufwertung noch im laufenden Jahre durchzu- führen. Von dem ihr gesetzlich zustehenden Recht, Barauszahlungen der seit 14. Februar 1924 fällig gewordenen Leistungen bis zum 31. Dezember 1932 zu verweigern, wird, wie man uns berichtet, die Anstalt keinen Gebrauch machen, sondern sie wird alle fällig gewordenen Leistungen sofort bar auszahlen. Aus dem AmtsverkündigungSblatt. '• Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 3 7 vom 31. Mai enthält: Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft. — Schiedsverfahren vor dem Mieteinigungsamt. — Die Erhebung von Deckgeld. — Straßensperren. — Reichssteuerüberweisungen. — Polizeiverordnung über das Fahren mit Hunden. — Daupolizeiordnung der Gemeinde Reiskirchen. — Heberwachung des Schulbesuchs der Fortbildungsschüler. — Vokal- typatmungsmethode — Feldbereinigungen in Lauter und Watzenborn-Steinberg. — Dienstnachrichten. Spielplan der frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 2. 3unl, von 19.30 bis 22.15 Hhr: Erstes Gastspiel Umberto Urbano: Amelia oder Ein Maskenball. Montag, 3., von 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Der Wildschütz. Dienstag, 4., von 19.30 bis gegen 22 Uhr. Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Mittwoch, 5.. von 19,30 bis 22,15 Uhr: Der fliegende Holländer. Donnerstag, 6., von 19.30 bis nach 22.30 Uhr: Figaros Hochzeit. Freitag, 7., von 19.30 bis 23 Uhr: Aida. Samstag, 8., von 20 bis 22.30 Uhr: Tiefland. Sonntag, 9., von 19.30 bis gegen 22 Uhr: Das Mädchen aus dem goldenen Westen. Montag, 10., von 20 bis 22.30 Uhr: Letztes Gastspiel des Umberto Urbano: Rigoletto. Schauspielhaus. (Sonntag, 2. Juni, vorn 20 bis gegen 22,15 Uhr: Katharina Knie; Montag, 3., von 20 bis gegen 22.15 Uhr: Kalev Lampe. Dienstag, 4., von 20 bis gegen 22 Uhr: Das Gerücht. Mittwoch, 5., von 20 bis gegen 22 Uhr: Das Gerücht. Donnerstag, 6., von 20 bis gegen 22.15 Uhr: Kater Lampe. Freitag, 7., von 20 bis gegen 23 Uhr: Wilhelm Teil. Samstag, 8., von 20 bis gegen 22 Uhr: Das Gerücht. Sonntag, 9., von 20 bis gegen 22.15 Uhr: Kater Lampe. Montag, 10., von 20 bis gegen 22 Uhr: Das Gerücht. Berliner Börse. Berlin, 1.3unt. (WT2. Funkspruch.) Rach den Realisationen, die die Spekulation gestern abend vorgenommen hatte, kann man heute wieder Deckungsneigung beobachten und es sollen sogar bereits Kauforders vorliegen. Die gestern in Paris erfolgte Einigung auch über die Dor7 behalte wirkt sich sehr günstig aus, auch am Geldmarkt scheint eine Entspannung einzutreten. Die Kurse liegen 1 bis 2 Prozent über dem Abend- niveau. AEG. 197,5 bis 198, Schuckert 256,5 bis 257, Siemens 390 Geld bis 391 Geld, Farben 257,5 bis 258 Geld. Am Devisenmarkt hört man London - Kabel 4,84, London gegen Berlin 20,3475, London gegen Madrid 34,50, Kabel gegen Berlin 4,1960. GefcyaMlcheS. Zum sparsamen, tropfenweisen Gebrauch von Maggis Würze dient bekanntlich der kleine Sprihkorken (Würzesparer- auf dem Maggi- Fläschchen. Sollte dieser einmal, was ja Vorkommen kann, verstopft fein, so spüle man ihn einfach mit heißem Wasser durch, und im Augenblick ist er wieder gebrauchsfertig. DAKRYSOL^ aus dem Laboratorium Prof. Dr. Sigmund, Stuttgart-Degerloch, sind das Vollkommenste und Wirksamste, was Wissenschaft und Praxis gegenwärtig gegen Haarausfall, Schuvpenbiidung, vorzeuigeöErgrauen bieten. Man verlange vorher den illustrierten Prospekt mit Urteilen über die Wirkung. 4861V Kaiser-Drogerie, Lindenvl. 5. Parsümer. Cchnecko, Ludwigstraße 22. Löwen-Drogerie, Selterßtvea 79. Kreuz Drogerie, Bahnhofstraße. Friseur-SalonS: Cb. Kaiser, Bahnhot. H. Gött,Asterweg. C. Schön, Frankfurter Straße. H. Herrmann, Kaserne. F. Reich, Schulstraße. Eine Enifeiiungs-Kur im Frühling ist ganz besonders Erfolg versprechend. Daher raten wir allen Korpulenten und zum Starkwerden Ber- I anlagten in der jetzigen Jahreszeit eine Kur mit den echten Toluba- Kernen durchzutllbren Sie erhalten Tvluba-Kerne in den Apotheken. 1460V Länder- und S t ä d t e w a p p e n aller Erdteile in Cold- und Silberdruck: Die FREUDE des KURMARK-RAUCHER S. AUwo tdf) ginkomme in. Slclöl unb Laub. 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Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmeh Auktionator und Taxator. Nr. 126 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, I. Juni 1929 WeißesKapilalundfarbigeArbeit Von Otto Corbach. Eino soeben (24. Mai 1929) vom Völkerbünde herausgegebene Schrift über „Weltproduktion und Welthandel" enthält den ziffernmäßigen Nachweis, daß der ungefähre Anteil Afrikas an der Gesamterzeugung der wichtigsten Welthandelsgüter seit 1913 um 20 v.f). ge(Hegen ist, während derjenige Europas um 9 u.S). sank. In diesen Ziffern spiegelt sich deutlich di« wachsende Bedrohlichkeit der Verbindung zwischen weißem Kapital und farbiger Arbeit wider. „Weißes" Kapital mobilisiert die gewaltigen Ardeitsreseroen farbiger Rassen, während es in den Ländern der Völker der weißen Rasse die Arbeitslosenheere anschwellen und die Produktionsapparate in immer größerem Umfange leer laufen läßt. Jungfräuliche Gebiete von gewaltiger Ausdehnung innerhalb des europäisch-amerikanischen Kulturkreises bleiben u n - entw ickelt, weil es an Kapital fehlt, sie durch Bau von Bahnen, Straßen, Städten usw. für die Ausnahme großer Einwanderermassen aus übervölkerten Teilen Europas vorzubereiten, während sich die Finanzgruppen der „Weltmächte" auf den Arbeitsmärkten für Farbige in unwürdiger Weise gegenseitig den Rana abzulaufen suchen. Das mit tiilfe farbiger Arbeiter und Krieger besetzte Deutschland wird gezwungen, seine Kapitalquellen durch Reparationszahlungen zu «erschöpfen, damit das beschleunigte Tempo des Kapitalexports der Siegerländer nach kolonialen und halbkolonialen Arbeitsmärkten ja nicht Nachlasse. Niemals waren die weltwirtschaftlichen Kommandogewalten in wenigen Händen vereinigt und niemals wurden sie verantwortungsloser im Sinne einer Wahrung des Kulturerbes der Völker weißer Rasse mißbraucht. In Afrika ist die politische Herrschaft des weißen Mannes im ganzen genommen, immer noch am ro c n i g ft e n gefährdet und es würde noch für alle absehbare Zukunft ein Eldorado für weiße Kapitalisten bleiben, wenn nicht gerade in den ehemaligen Iagdgefilden des Sklavenhandels die einheimischen Arbeitsreserven am raschesten zu erschöpfen drohten. Die Greuel der Sklavenjaaden früherer Jahrhunderte rächen sich an den Erven kolonialer Eroberer. Auf dem riesigen Hochlande, das den größten Teil Afrikas südlich des Aequators, außerhalb des Kongobeckens, bildet, das sich in durchschnittlicher Höhe von 1200 Meter von der Gegend nördlich Kapstadts bis in die Nachbarschaft der großen Seen erstreckt, wohnen in einem Raume, wo sich in Europa 300 Millionen Menschen drängen, nur gegen 25 Millionen Schwarze. Das kleine Belgien hat fast so viel Einwohner wie der achtzig mal so große Kongostaat. Die britischen Besitzungen Rhodesia, Nyassaland, Tanganjika, Kenya und Uganda umfassen eine Gesamtfläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, Frankreich und Italien zusammengenommen, und haben noch keine 14 Millionen Einwohner, weniger als die Tschechoslowakei. Was Wunder, daß der Hunger nach billigen Arbeitskräften die Kolonialverwaltungen mehr und mehr zu Methoden der „A n we r b'u n g" verführt, die zu der heuchlerischen Mandatspolitik des Dälker- bunöcs in schreiendem Gegensatz steht. In der südafrikanischen Union verfügen gegen 1,5 Millionen Weiße über 232 Millionen acres 1 acre = 0,4 ha) Landbesitz, die gegen fünf Millionen Eingeborenen hingegen weniger als 26 Millionen acres. 2lehnlich liegen die Dinge in anderen Kolonialgebieten. Ohne Land ist der Schwarze gezwungen, seine Arbeitskraft auf den Arbeitsmärkten der Weißen anzubieten. Dieselbe Wirkung haben hohe Steuern, da der Eingeborene in der Regel sich das dazu nötige Geld erst im Dienste Weißer beschaffen kann. In manchen Gegenden sind zahlreiche einheimische Arbeitskräfte durch die Einrichtung der patriarchalischen H a u s s k l a v e r c i gebunden. Gegen diese Sklaverei richtet sich der sittliche Eifer der Politik des Völkerbundes. Der Arbeits- zwang für öffentliche A r b e i t e n , durch den die Kolonialverwaltungen alle Arbeitskräfte erfassen, die trotz aller mittelbaren Druckmittel dem „freien" Arbeitsmarkt nicht zuströmen, darf sich un- gcl)emmt entfalten, trotzdem durch ihn auch eine umfangreidje Sklaverei in Diensten privater Unternehmer verschleiert wird. Entennovelle. Von Hans Friedrich Blunck. Einen schönen Heinen Ententeich haben wir jetzt. Hinterm Knick, der unfern Garten begrenzte, hatte der Dauer eine alte Mergelkuhle, die sommer-i als Viehtränke diente. Vun hat er Doggen ausgesät, er braucht das Wasser nicht mehr. Ich habe mein Gitter aus der Erde gehoben und gegen einen kleinen Pachtgroschen die Erlaubnis bekommen, die Grenzdfähle drei Schritt hinter den Pullweiden, die die alte Kuhle um» rainen, neu einzuschlagen. Und meine grau, die frühlingsüber das Schnattern auf unferm Hof entbehrte — richtig entbehrte, hat aus ihrem Wirtschaftsgeld einen kunterbunten Erpel und zwei schneeweiße Enten gekauft, die. verwöhnt und ihrer hohen Zucht bewußt, auf dem Teich als rechte Herren hin- und herfahren, kopfüber stehen, sich im Gras sonnen und von Zeit zu Zeit ohne Grund, nur aus Vermessenheit oder Wohlbefinden, in jene Töne ausbrechen, die die Herrin des Hofes aus Vesihfreude so liebt, wir Männer auch, vielleicht, weil wir dabei schon den seinen Duft eines Bratens in den Vasenflügeln spüren. Qlber davon wissen die Enten Gott sei dank nichts. Sie haben es so gut, wie man es nech unferm menschlichen Verstand gut haben kann. Sie haben Wasser zum Schwimmen, sie haben Gras zum Aesen, sie haben, ach, wie oft versagt das der unüberlegte Mensch den armen Tieren, — der Enterich hat zwei schneeweiße Frauen, und die Frauen ein schillerndes Prachtstück von Mann, grün, blau, weih. Sollten sie nicht glücklich miteinander sein? Leider geht's indes bei den Tieren nicht anders als — glücklicherweise immer seltener bei uns. Seit einigen Tagen höre ich mit der Dämmerung — sie kommt schon früh, der Herbst ist auf dem Weg, — ich höre, wenn ich beim alten Knick leise vorbeikomme, ein fremdes Schnatterns Jagen und Flügelschlagen. Und einmal, wie ich leise durch den Knick breche, — ach. er verteidigt sein Haus, denke ich — sehe ich meinen Erpel sprühend zwei wilden Schwestern folgend, die sich auf meinem Wasser niedergelassen haben. Zornsprühend? Ich gerate zugleich in Zweifel. Trotz aller dieser Maßnahmen sind in manchen Teilen Afrikas die Quellen der Arbeiterzufuhr in weitem Umkreise erschöpft. In Süd-Rhodesia ist bereits die Hälfte der von Weißen beschäftigten schwarzen Arbeiter aus anderen Gegenden e i n g e - wandert, lieber 100 000 Neger aus Portugiesisch- Ostafrika arbeiten in den Goldbergwerten bei Io- hannisburg. Ganz Afrika gleicht einem riesigen aufgestörten Ameisenhaufen. Die Eingeborenen werden massenhaft von der Scholle gelöst, aus dem Stammesverbande herausgerissen, auf Tausende von Kilometer verschleppt. Trotzdem beginnen sie sich ihres steigenden Seltenheitswertes bewußt zu werden. Die „Farbenschranke", die sie besonders in Südafrika bisher von den besser bezahlten Stellungen „gelernter" Arbeiter ausschloß, wird überall durchbrochen und schwarze Gewerkschaften schulen immer größere Massen einheimischer Arbeiter f ü r einen organisiertenKampf gegen das weiße Kapital, der mit der Zeit in einen politischen Befreiungskampf unter der Parole „Afrika den Afrikanern" Umschlagen muß. Gerade umgekehrt liegen die Verhältnisse in den asiatischen Interessensphären des weißen Kapitals. Indiens dreihundert und Chinas vierhundert Millionen bieten unbegrenzte Möglichkeiten für die Rekrutierung industrieller Reservearmeen. Ohne einen revolutionären Nationalismus einheimischer groß- und kleinbürgerlicher Schichten wäre aud) jede gewerkschaftliche Bewegung in Betrieben, die von fremden Kapitalisten kontrolliert werden, zur Ohnmacht verurteilt. Für jeden Streikenden könnten Tausende Streikbrecher aus den jeweiligen Hungergebieten herangezogen werden. England hat seine Herrschaft in Indien mehr als anderthalb Jahrhunderte dadurch zu sichern vermocht, daß es seine alten Gewerbe durch ein Handelsmonopol zerrüttete und jedem wirtschaftlichen Fortschritt so enge Schranken setzte, daß er ihm nicht gefährlich werden konnte. Zu seinem Unglück hat die weltpolitische Situation, die sich aus dem Weltkriege ergab, zu dem Zwange geführt, die moderne industrielle Entwicklung Indiens, mit eigenen Händen zu fördern, statt, wie früher, zu hemmen. In einem neuen Weltkriege würde Englands Herrschaft in Indien die Achillesferse des britischen Imperiums bedeuten, zugleich aber auch die wichtigste Basis für die Verteidigung aller Machtstellungen im oder am Indischen und Stillen Ozean. Das erfordert eine beschleunigte Industrialisierung Indiens, da England als industrielle Basis für eine moderne Kriegführung in Asien zu entlegen ist. Aus diesem Wandel der Einstellung gegenüber Indien erklären sich sehr einfach die wachsenden Schwierigkeiten für die Aufrechterhaltung der britischen Herrschaft in Indien. Im Schatten des britischen Imperialismus entfaltet sich in tropisch üppigem Wachstum eine einhei - m i s ch e U n t e r n e h m e r s ch i ch t, die sich ihrer nationalen Würde bewußt wird, und der die bri- tisd)e Herrschaft unterwühlenden revolutionären Propaganda in Arbeiter- und Bauernkreisen ihren Lauf läßt. Viel leichter haben es natürlich die nationalen Revolutionäre in China. Wenn auch das System der „ungleichen Verträge" nur eine verschleierte Form tatsächlicher Beherrschung durch fremde Imperialisten bedeutete, so waren diese doch unter s i ch nicht einig. Man konnte die eine Gruppe gegen die andere ausspielen und nach Ueberwindung innerer Gegner ihre grundsätzlid;e Zustimmung zur Aufhebung jener Verträge erlisten. Die Verbindung von weißem Kapital und farbiger Arbeit bedeutet nur so lange eine sichere Gewinnquelle für den weißen Kapitalismus überhaupt, wie die politischen Verhältnisse in den Ländern mit farbiger Bevölkerung von den Vormächten der weißen Rasse kontrolliert werden. Ein auf die Dauer unvermeidlicher weltpolitischer Umschwung zugunsten der farbigen Völker wird gerade durch die H emmungs- 1 o s i g k e i t beschleunigt, mit der in den Mittelpunkten der Weltfinanz heute Kapitalströme aus Gebieten der weißen Rasse in solche farbiger Völker gelenkt werden. Es ist höchste Zeit, daß sich die führenden Staatsmänner der europäisch-amerikanischen Kulturwelt dieser verhängnisvollen Entwicklung bewußt werden und auf Mittel und Wege sinnen, einer Freizügigkeit des Kapitals Schranken zu setzen, die die wirtschaftliche Entwicklung afrikanischer und asiatischer Länder auf Kosten europäischer und amerikanischer begünstigt. 3m Kampf der Milliarden. — Oer deutsche Chemietrust im Wirtschaftskrieg der amerikanischen Oollarkönige. Fords Bündnis mit der Z.-G.-Farben. Einer vom Standpunkt des deutschen Wirtschaftspolitikers geschriebenen Würdigung des bedeutsamen Zusammenschlusses von Ford und I.-G.-Farben lassen wir hier nun eine Betrachtung folgen, die außerordentlich plastisch die starke weltwirtschaftliche Verflechtung der großen Trusts schildert. Ein Wirtschaftskampf ist entbrannt, der sich in seinen Folgen noch nicht übersehen läßt. Man hat in den letzten Jahren oft von wirtschaftlichen Konflikten berichtet, die die Welt erschüttern sollten: das Wort „Weltkampf" ist daher mit Recht in Mißkredit geraten, kann aber dennoch in diesem Fall nicht umgangen werden. Aus dem alten Kampf der General Motors gegen Ford ist soeben ein offener Krieg der bedeutendsten Trustherrschcr in der 2Uten und der Venen Welt geworden. Ford hat, wie jetzt bekannt wird, in Deutschland einen mächtigen Bundesgenossen gefunden, nämlich die I.-G,-Far- b e n i n d u st r i e; schon vorher ist ihm in Amerika die R o ck e f e l l e r - G r u p p c an die Seite getreten. Den Herrschern über Farben, Chemikalien, Petroleum und Automobilen steht nun aber der mächtige Konzern der General Motors nicht etwa isoliert gegenüber, sondern diese größte Automobilgesellschaft der Welt stützt sich auf ihre beiden Hauptaktionäre, auf den Pulverkönig Dupont und den Bankier Morgan. Diese Gruppe hat ferner ein Abkommen mit dem britischen Chemietrust des Lord M e l ch e 11. Die Kapitalkraft, über die jeder der beiden Gegner auf diese Weise verfügt, ist unermeßlich und übersteigt alle Summen, die bisher jemals in einem Wirtschaftskampf eingesetzt worden sind. Hat schon der Verkauf der Opel-Werke an die General Motors in Deutschland und in der ganzen Welt berechtigtes Aufsehen erregt, so ist der Gegenschlag Fords, der in diesem Augenblick bekannt wird, als eine Sensation ersten Ranges zu bezeichnen. Als im Dezember vorigen Jahres 2 800 000 Kleinaktien zu je 20 Mark der neugegründeten englischen Fordgesellschaft ausgegeben wurden, entstand ein aufregender Kampf der Londoner und der Veuyorker Makler, die sich um die Beteiligungen an dem Automobilunternehmen stritten. Zwei Tage nach der Ausgabe waren die Aktien auf den doppelten Wert gestiegen. Vun stand seit langer Zeit die oft angekündigte Ausgabe von Aktien der d e u t s ck) e n Fordgcsell- schaft bevor, und die Finanzwelt beobachtete natürlich sorgfältig die Vorbereitung dieser Emission. Die deutsche Fordgesellschaft besitzt ein Kapital von 15 Millionen Mark, von denen etwa 40 Prozent, also 6 Millionen Mark, durch Aktien- zeid)nung in Deutschland aufgebracht werden sollten Die Vachricht, daß diese 6 Millionen nun vom deutschen Chemietrust in das Geschäft eingebracht werden, wäre an sich nicht aufregend, da ein solcher Betrag sowohl für das deutsche wie für das amerikanische Milliarden- unternehmen sehr unbedeutend ist. Dennoch hat die Meldung — mit Recht — alarmierend gewirkt. Sie hat gezeigt, daß die bekannte Amerikareise der deutschen Chemiemagnaten in diesem Frühjahr nid)t nur der Verständigung mit dem amerikanischen Petroleumkönig diente, sondern darüber hinaus eine Art deutsch-amerikani- f d) c n Dreibund der Rockcseller, Ford — aber da sind die Fremdlinge, husch, auf und davon und über mein Gitter hinweg. Fast hebt sich mein Freund noch ihnen nach. Aber mein belobigender Pfiff und der Lärm der beiden echten Frauen, die vom Ufer aus die Sache beschnatterten, belehren ihn, daß er seine Pflicht getan hat. — Wirklich nur seine Pflicht? Ich weiß nicht, ob die Frauen ganz meiner Meinung find, sie empfangen ihren Erpel mit vorgereckten Hälsen. Sie haben etwas gegen ihn, das läßt sich nicht verkennen. Aber sie wehren sich doch nicht, als er sie ins Wasser führt, von wo aus alle drei mir lange, prahlende Geschichten erzählen, jedes für sich, deutlich unterscheidbar. Sollte — frage ich mich plötzlich, ja. am Ende waren die Fremden arme Witwen? Die Füchse nehmen überhand. Sollte mein Freund das schmucklose Kleid der wilden Vachbarn lieben? Ist das möglich, wenn man so prachtvolle schneeweiße Liebsten hat? Und doch ist es möglich. Kein Zweifel, der Ehefrieden auf meinem Teich ist gestört. Kommen die wilden Frauen vielleicht jeden Abend nur, um sich verjagen zu lassen? Ich meine, wir tragen alle unfern Zwiespalt im Herzen, sollte ein armer Erpel besser daran sein? Aber das Unerhörte habe ich selbst erlebt. Zugegeben, daß zwei Frauen etwas wenig für einen Erpel sind. Viag er sich also mit Fremden auf meinem Teich verlustieren, mich geht s nichts an. seine Frauen legen keine schlechten Eier. Aber daß er dies Geben bequemer Muße, Sicherheit und Futter in Fülle verlassen und den Wildfängen in ein unstetes Leben folgen wollte, das ist doch unbürgerlich und wider alle Vernunft, nicht wahr? Wie kann nur jemand, der es so gut hat, wie mein bunter Freund, um solch befremdlichen Begehrens willen zugleich zwei Herzliebste lassen, dem Fuchs vor dem Fang und dem Jäger vor die Flinte laufen, kurz alle Wechselfälle dieses Lebens auf sich nehmen? Er tat’3, wahrhaftigen Himmels, mein Erpel versuchte es. Als ich gestern abend wieder neugierig von Wasserplätschern und Flügellärm mich langsam zum Teich durchschob, rrt, — sausten die bunten Fremden auf. Unö hinterdrein, ich traue meinen Augen nicht, hinterdrein schwirrte mein flügellahmer Erpel, kam wahrhaftig vom Wasser auf, kam übers Gitter, — da platschte es, während die Versucherinnen zum Moor hochzogen, schwer in den Roggen. Ach, das Leben der Wildbahn ist nicht für ihn bestimmt, die Schwingen seiner Vorfahren tragen nicht höher als über ein Gitter hinweg. Da hat er's nun, kaum ist der Absturz geschehen. regen sich die schönen weihen Frauen, die bislang lautlos vom Ufer dem Sprung der Hngebär&c folgten. Rufen ihn. Und kleinlaut kommt et aus dem Roggen zurück. Da watscheln auch sie, sehr unschön und wenig bräutlich zum Gitter und schnattern, erst schadenfroh, dann erbarmend, schließlich in heller Angst den Ungetreuen an. Schnattern? Oh. noch nie habe ich solch klägliche Sorge zweier Verzeihungsbereiten gehört. Mein Erpel nimmts an. Aber er hat noch nicht die Zeit zu Entschuldigungen. Er ist plötzlich auf das Gitter gestoßen, erstaunt zunächst, dann verdutzt. Dreimal versucht er den Hals hindurch zu stecken, siebenmal denkt er. das Ding müsse ein Ende haben. Endlich begreift er. daß ihn wirklich und wahrhaftig etwas vom alten Leben aus- schlieht. Und da kommt denn auch der rechte heilende Schreck mit Gewalt über ihn. Hilferufend beginnt er am Zaun auf und ab zu rennen, hin und her, entsetzt lockend laufen die Frauen ihm nach, diesseits und jenseits drei Enten. Und kommen nicht zueinander und haben alles vergessen und jammern höher und höher und schnattern Diskant und flehen nur noch um eins: wieder beieinander zu fein! Wie gut, daß der kluge Herr eine Pforte offnen und den planlos Rennenden den Gattinnen zutreiben kann. Wie gut, daß er, kaum daß die Enten den Erpel wiederhaben, kein Schelten, Auszanken, nur versöhnliches Zurechtweisen und dann schon bald ein verliebtes Schnattern hört, ..Gott sei Dank, daß wir dich wiederhaben". Da kann der atme Mann, — ist das Tierleben picht oft ein Gleichnis? — in Muße seine Betrachtungen anstellen, erstens wie bitter viel schwerer alles im menschlichen Geschlecht zugeht, liebe Hausfrau. Zum andern aber auch, man soll nicht fliegen, wenn man nur knavp übers Gitter kommt. Ist dem nicht so, lieber Freund? Vielleicht hat wenigstens das Entenvolk eine gute Lehre daraus gezogen. und Bosch gegen den Ausdehnungsdrang der gegnerischen Gruppe vorbereitete. Der deutsche Farbentrust kann durch sein Bündnis mit den Amerikanern manche Vorteile erringen. Schon vor zwei Jahren, im August 1927, erfuhr man, daß die feit einiger Zeit zwischen der Standard Oil Company und der I.-G.-Farbenindustrie geführten Verhandlungen zu einem Abkommen über die Verwertung der beiderseitigen Patente und Erfahrungen auf dem Rohölgebiet geführt hatten. Gleichzeitig fand damals eine eingehende Erörterung der Zusammenarbeit aus den übrigen gemeinsamen Gebieten statt. Der Vertrag, der Den Erfolg der Kohleverflüssigung nutzbar machen sollte- wurde gleich bei seiner Bekanntgabe von der englisch-holländischen Petroleumgruppe Deter- dings sehr mißtrauisch betrachtet. Er ist inzwischen durch die Anfang Mai dieses Jahres erfolgte Gründung einer Tochtergesellschaft des deutschen Chemietrustes in Amerika ausgebaut worden. Man staunte vor wenigen Wochen nicht wenig, daß in den Aufsichtsrat dieser amerikanischen Filiale des deutschen Chemietrusts nicht nur Vertreter der Standard Oil eintraten, sondern auch Mr. Sdsel Ford Aufsichtsratsmitglied wurde. Edsel Ford, der Sohn des Automobilkönigs, sitzt nun auch im Aufsichtsrat der deutschen Fordgesellschaft neben Geheimrat Dr. Carl Bosch aus Heidelberg, dem Vorsitzenden der 2.-G.-Far- bcnin.Duftric. Das künstliche Benzin, das in den deutschen Werkstätten des Chemietrusts erzeugt, und zum Teil durch die Vertriebsorgani- satoren Rockefellers verkauft wird, soll also dazu dienen, Fords Automobile zu treiben. Ader cS handelt sich offenbar nicht allein um „flüssige Kohle" und um „künstliches Bezin", sondern auch um künstlichen Kautschuk. Es wurde schon vor einiger Zeit bekannt, daß die deutschen Versuche mit künstlichem Gummi weit genug gediehen sind, um an ihre industrielle Ausnutzung zu gehen. Kautschuk wird aber heute in erster Linie für Automobilreifen gebraucht, und eine Interessengemeinschaft mit Ford muß daher eine gute Grundlage für den Absatz dieses neuen künstlichen Rohstoffes bieten. Hat doch Ford schon vor längerer Zeit selbst versucht, in den Urwäldern Brasiliens Gummiplantagen anzulegen, um sich von dem englischen Gummimonopol freizumachen. Man weiß auch daß der achtzigjährige Edison vor wenigen Monaten von einer neuen Erfindung für die Versorgung der Welt mit künstlichem Gummi gesprochen hat: Edison ist bekanntlich Fords bester Freund, und vielleicht ' iu hier auch eine Brücke von Edisons berühmtem Laboratorium zur deutschen Industrie geschlagen worden. Damit sind die Aussichten der I.-G.-Farben- inbuftric aus Der neuen Verbindung freilich keineswegs erschöpft. Die Fabrik der deutschen Fordgesellschaft in Berlin entwickelt sich sehr gut, und man plant noch für dieses Jahr Die Errichtung eines neuen Werkes. Schon jetzt benutzt Die Berliner Fabrik sehr viel deutsches Material, hauptsächlich Lacke, Werkzeuge, Reisen, Glas und Leichtmetalle. Alle diese Dinge stellt nun aber Der deutsche Chemietrust her, von dem man .annimmt, daß er sich mindestens für die europäischen Fordfabriken ein Liese- rungsrecht ausbedungen hat. Wie weit der deutsche Chemietrust 'gorbs Fabriken aud) in Detroit mit Zelluloid, Maschinen und anderem Material versehen wird, läßt sich vorläufig nicht abschähen, da Der amerikanische Automobilkönig bekanntlich in seinen gewaltigen Anlagen fast alle Rohstoffe selbst Herstellen und bearbeiten läfit Für die deutsche Automobilindustrie sind die Aussichten, Die sich mit dieser neuen Verbindung eröffnen, allerdings nicht sehr rosig. Vachdem die General Motors in Rüsselsheim festen Fuß gefaßt und das beste deutsche Werk an sich gebracht haben, schafft sich Der zweite meistgefürchtete Konkurrent in Deutschland ebenfalls eine gewaltige Produktionsgrundlage, um den Kamps mit den General Motors auszy- nehmen: aber beide gemeinsam werden „nebenbei" versuchen, die deutsche Automobilindustrie niederzuringen. Ob das Geschäft, das sich Der deutsche Chemietrust ausgedacht hat, sehr glatt abgewickelt werden kann, steht vorläufig eben- £)er Niagara und die Badewanne. Seltsam spielt oft das Schicksal mit den Menschen, „Das Schlimmste, was mir geschehen könnte, wäre, zwischen Federbetten meine Seele auszuhauchen", so sprach Alexander Petöfi, der Tyr- täus der Magyaren, und fiel kurz darauf im ehrlichen Kampf unter den Kugeln Der Oester- reicher. Aber nicht immer meint es Das Leben so gut mit den Sterblichen. Oft treibt es mit ihnen ein ruchloses Spiel voll Spott und Hohn, jagt sie durch Gefahren und Abenteuer, um sie bann eines mehr als profanen Todes sterben zu lassen. Erst unlängst geschah es ja, Daß ein Welt- reisender nach gefahrvollen Kämpfen mit den Tieren und Menschen der Wildnis bei der Heimkehr vor Dem Londoner Viktoria-Bahnhof, angesichts der ihn erwartenden Angehörigen, von einem Omnibus überfahren und auf der Stelle getötet wurde. Das ist Dabet noch gar nicht einmal etwas so außergewöhnliches. Was soll man aber zu der Geschichte des jungen John H. Ölst aus Buffalo (11. S. A.) sagen, dessen Bild vor kurzem erst ob seiner wunderbaren Errettung aus den Fluten des Viagara. in die er gestürzt war, durch fast alle Blätter der Union ging? Einige mutige Männer zogen ihn im letzten Augenblick, als er bereits wenige Meter vom Strudel entfernt war, aus Den Wassern. Und jetzt, einige Wochen später, ist dieser selbe junge Mann daheim, in einer Badewanne ertrunken. Offenbar war er plötzlich von Bewußtlosigkeit befallen worden, sein Kops sank zurück, und als man ihn endlich aufsand, war er bereits tot. Zufall, reiner Zufall, oder Bestimmung? Hochschulnachrichien. Prof. Dr. thcol. Sigmund Mowinckel an der Universität Oslo (Vorwegen) hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl des Alten Testaments an der Universität Marburg als Vachfolger von Prof. G. Hölscher abgelehnt. Prof. Mowinckel ist Dr. theol. h. c. von Gießen, Lund und Straßburg. Professor Dr. Paul Krüger an Der Universität Berlin folgt einem Ruse als Ordinarius der Zoologie an die Universität Wien als Vachsolger von Prof. K. ©robben. - • — • B trilrirh -Sai z 80 04 88 5 7 3 293 191 und 33 und und 06 63 850 217 "04 und Passiva (Lchuldcn). 58 und 4 Holzsnbmifsion. und 42 und b-Kl. N 77 und und se 1 Stück, gemessen, 13. aber s.~>i>217 |~Ö4 Alte, rcnomm. mittl. in fi 06 46 b-Kl. N b-Kl. N b-Kl. N b-Kl. N 8. 9. b-Kl. N b-Kl. dl 13 Stück, 81 Stück, 116 Stück, 41 Stück, 10 Stück, 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. Ib-Kla 2a-Kla 2b-Kla 3a°Kla 3b-Kla se se se se 73 06 75 b-Klasse N b-Klasse N b-Klassc N 2,93 km 34,74 fm 92,47 fm 45,86 fm 17,71 fm 2,65 fm JIM 22 579 3 163 5 095 12 000 827 5 340 5 154 24 710 30 26 50 27 672 258 107 837 6 535 116 3 700 5 547 9 241 Kiefernabschnitte, 2a« = 22,08 fm, Kiefernabschnitte, 3a. = 38,41 fm, Kiefernabschnitte, 4a- = 4,54 fm. Zlgarren- Fabrik Oberbessen. ist falls nicht fest. Der Automobillrieg kann sehr leicht auf andere Märkte übergreifen, da der Hauptaktionär der General Motors, Pierre S. Dupont, der Beherrscher des äme- titanischen Chemietrusts ist. Dupont, der erst während der Kriegsjahre in die Reihe der Milliardäre gerückt ist, schuf den größten Teil seines Vermögens durch die Pulverfabriken, die sich noch dem Ende des Krieges auf Chemikalien umstellten: jetzt gehören ihm die wichtigsten amerikanischen Farbenwerke, Düngemittelfabriken und Kunstfeidenunternehmungen. Richt nur im Automobilkonzern der General Motors, sondern auch im amerikanischen Stahltrust ist Dupont der Kompagnon Morgans geworden, so daß die Verknüpfung dieser beiden Wirtschaftskönige außer- ordentlich eng ist. Run ist Dupont nicht nur der natürliche Konkurrent des deutschen Chemietrusts, sondern Morgan ist außerdem ein Rivale RockefellerS im Besitz der wichtigsten amerikanischen Eisenbahnen. Leute, denen so viel gehört, finden immer Gebiete, um die sich noch streiten läßt. Morgan hat freilich in diesem Kampf der Milliardäre schon einen Triumph errungen: einst rühmte sich Ford, stets ohne fremdes Geld zu arbeiten und ohne Einschränkung Herr über seine Unternehmungen zu sein. Das konnte dem größten Bankier der Welt nicht angenehm in die Ohren klingen. Heute hat sich aber Ford dazu bequemen müssen, in sein Geschäft Teilhaber aufzunehmen. Die weltwirtschaftliche Verflechtung ist selbst einem Mann von dem Format Fords über den Kopf gewachsen. Benz-Lastwagen 3,5 t, ganz neu durcbrepariert, gut bereift, zu sehr günstigem Preis und günst Zahlungsbedingungen zu verkaufen. Schriftl. Ang, unt. 4916V an den Gieß. Anz. Geschäftsguthabcn der Mitgliedc Reservefonds Betriebsrücklage Baufonds........* Spareinlagen Anleihen gegen Scheine . . . Schulsparkasscn Schuld in lausender Rechnung. Nicht fällige Passivzinsen . . . Vorausbczahltc Aktiv-Zinsci . Avale Girovcrbindlichkcitcn. . ’ . * Reingewinn 631 939,92 30 321,— 9 997,38 I. Kassenbestand, fremde Gelbsorten u. Koupons 2. Wertpapiere r 3. Aktiv-Wechsel (diskontierte) ’ ’ 4. Beteiligungen . 5. Schecks 6. Geschäftsmobiliar und Einrichtung . " * 7. Grundstücke St. Fichtenlangholz, la« und - 86,54 fm, § 99 wegen Todesfalls, billigst zu verpachten evenr. zu verkaufen. Schriftl. Angeb. unt. 4623Oa^>. Gieß. Anz. JIM 15 908 11 300 10 272 7 500 20 20 Bekanntmachung Die Hebliste für das für das Rechnungs- jahr 1928 zu erhebende Standgeld für unsere Synagoge liegt acht Tage lang in oem Bureau des Unterzeichneten — Alicenstraße 2 — zur Einsicht der Betei- ligten offen. 4890D Nur wahrend dieser Zeit können Einwendungen gegen die Richtigkeit erhoben werden. Gießen, den 31. Mai 1929. Der Vorstand ber israelitischen Religionsgemeinde Gießen. Louis Marcus. Geschäftshaus ’ SaÄtf”2bcn einschl. Postscheckamt ' und Reichsbank............ Guthaben in laufender Rechnung * * ' ‘ Darlehen auf Schuldscheine * .. gegen Hinterlegung * Hypotheken Güterkaufschillinge Zessionen......... * Konto pro Diverse Fällige Aktivzinsen Ausstehende Provisionen Zurückzucmpfangendc Steuern . . Wertberichtigungskonto. . . . Avale ...... Girovcrbindlichkclten. * * * * * 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. Preußen. Kreis Wetzlar. $ Wißmar, 31. Mai. Am Mittwoch tagte hier die Amtsvertretung des Amtes Launsbach unter dem Vorsitze des Bürger- meisters Brockmeier von Krofdorf. Die gewählten und von der Aufsichtsbehörde bestätigten Beigeordneten Gemeindevorsteher Bodenben- de r (Salzböden) und Gemeindevorsteher Pfaff (Launsbach) wurden in ihr Amt eingeführt. Die Verbesserung des Fortbildungsschulwesens für die männliche Fugend stand auf der Tagesordnung. Auch im Amt Launsbach sotten die ländlichen Fortbildungsschulen aufgelöst und die jungen Leute aus sämtlichen Gemeinden des Amtsbezirks den Be- r u f s sch u len in Gießen überwiesen wer- oem Aach dem letzten Schuljahr sind es in der Gemeinde Launsbach 12, in Odenhausen 10, in Salzboden 8 und in Wißmar 41 Schüler, zusammen 71. Vertragsabschluß mit der Stadtver- waltung Gießen, zunächst auf 3 Fahre fest und Mit beiderseitigem einjährigem Kündigungsrecht, sowie der Erlaß einer entsprechenden AmtS- satzung und die Tragung der Fortbildungsschulkosten wie bisher durch das Amt wurde beschlossen. Es kam auch die Errichtung von Mädchenfortbildungsschulen wieder zur Sprache. Die Vertretung wünschte Feststellung darüber, ob auch für die Mädchen etwa die Aeberweisung in Berufsschulen nach Gießen möglich ist. Der Haushaltsplan des Amts 70 91 34 50 71 63 206 234 883 162 820 11 881 171 130 49 080 2 555 362 20 517 136 973 44 551 3 700 5 547 Nähere Auskunft erteilt Förster Braun, Daubringen. Staufenberg, den 30. Mai 1929. Hessische Bürgermeisterei Staufenberg- _________Meyer. Drucksachen allerArt LLÄL'KÄLLLWÄlLLL Hainbuche-, Esche- und Lindeabschnitte, 2. und 3. Klasse N = 2,46 fm, Fichtenabschnitte, 3b>, 4a- und b-Kl. A - 6,77 fm, Fichtenabschnitte, 2a- und b-Klasse dl - 0,60 fm, Laub- und AabelnutzhM Verkaus der Stadt Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am 4899D Montag, dem 17. Juni 1929, vormittags M Uhr, in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" in Gießen versteigert, bzw. auf dem Weg des schriftlick)en Angebots verkauft werden: 30 Eichcnabschnitte 2. bis 5. Klasse A - 25,22 fm, 65 Eichenabschnitte, 2. bis 5. Klasse N = 45,26 fm, VermögensbilanzperZi.Dezembmy28 Aktiva (vermögen). «u „ Der Borstand der Spar. o. Leihkasse zu Hungen cingctr. Gen. m. beschr. Haftpft. Verkett. .Wieder st ein. G. Kohlheyer. ■ St. Fichtenlangholz, 2a- = 147,35 fm, l St. Fichtenlangholz, 3a- = 47,47 fm, 4 St. Fichtenlangholz, 4a- = 6,99 fm, ScHlOOJahrtnunQbertröHongeg.aHe Verdauungsstörungen, Sodbrennen etc. 250 g 0.60, Tabletten 0.25 u. 130. Nur echt m. d. Bilde des Erfinders. Berlin W 57. 221 Fichtenderbstangen, 1. bis 4. Klasse 2,2 rm Kiefernutzscheiter, 4 rm Fichtennutzknüppel. Es werden auch schriftliche Angebote (getrennt für jedes Los), die bis zum li.Juni 1929, mittags 12 Uhr, bei mir fid)?ig9tn9C" finb/ gegebenenfalls berück- Stundung des Kaufgeldes kann bis 11. Rovember 1929 gewährt werden, flungen werden unentgeltlich abgegeben. Losecinte.lungen nebst Verkaufsbedin- ^me weitere Ruhholzverwertung findet nirM‘ft Wirtschaftsjahr voraussichtlich nicht mehr statt. Gießen, den 31. Mai 1929. Der Oberbürgermeister. 2. V.: Dr, Rosenberg, Führe MH- und Zernfahtten aus mit 1*/, t Liefer- wagen bei billigster Berechnung. 03483 GeorgOülfer Telephon 1103 Freiwillige Versteigerung. Am Donnerstag, dem 6. 3uni 1929, nachmittags 3% Uhr, wird auf dem Amtszimmer des Ortsgerichts Gießen, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 16, das im Gkunb- buch von Gießen, Band 61, Blatt 3528 dem Johannes Vogel und Ehefrau, Elisabeth geb. Kern, in Gießen als Gesamtgut der Errungenschaft zugeschriebene An- wesen Liebiastraße 95 44220 Flur V, ftr. 15336/ioo = 282 qm Grabgarten, Flur V, Nr. 153M/1Oo = 270 qm Hofreite Zum Zwecke der Auseinandersetzung versteigert. Die näheren Bedingungen sind während der Amtsstundcn vormittags 10 bis 12 Uhr bei uns einzusehen. Gießen, den 15. Mai 1929. Hessisches Ortsgericht. Leo. sucht sein hätte dürfen, war ein großer künstlerischer Erfolg. Das Publikum, — außer Kurgästen aus allen Weltteilen auch einheimische Musikfreunde von hier, Butzbach, Friedberg, Gießen, Marburg usw. —, nahm die Darbietung mit starkem dankbaren 'Beifall auf. Während die vorjährigen Meisterspiele Strauß, Wagner und Beethoven feierten, sind die diesjährigen Mozart und Beethoven gewidmet. Als nächste Veranstaltung folgt „Fidelio". Kreis Büdingen. • Büdingen, 31. Mai. Unser schönes Städtchen, von der Ratur mit einer reizenden Umgebung begünstigt, dessen mittelalterliche Bauten ihm ein besonderes Gepräge geben, hat die ihm zustehenden Märkte neu eingerichtet und ausgestaltet. Ein hübscher, geräumiger Marktplatz mit zweckmäßigen Boxen für Pferde und Rindvieh gestatten dem Verkäufer eine zweckmäßige Aufstellung der Tiere und dem Käufer eine gute llebersicht. Außer den bereits bestehenden Frühjahrs- und Herbstmärkten soll in diesem Fahre am 23., 24. und 25. Funi der wohl älteste Pferde-, Vieh- und Krömermarkt wieder ganz besonders hervorgehoben werden. Da in dieser Zeit meist das Wetter günstig ist, dürfte ein gut besuchter Markt sicher sein. Kreis Alsfeld. (-) Groß-Felda, 31. Mai. Die hiesige Spar- und Darlehnskasse hielt dieser Tage unter der Leitung des Aufsichtsratsvor- sihenden, Altbürgermeister M e r s ch r o d (Zeil- bach), in Gegenwart von über 200 Mitgliedern aus allen Orten der Umgegend ihre diesjährige Generalversammlung ab. Der Reingewinn der Kasse im verflossenen Fahre beläuft sich auf 7849,60 Mk. Die Vorschläge des Vorstandes wurden genehmigt. Bei den Wahlen wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder Mersch- rod (Zeilbach), Sch arg (Windhausen) und Köhler (Ermenrod) einstimmig wiedergewählt für das versetzte Vorstandsmitglied Förster Blum (Schellnhausen) wurde Maurermeister Dlöscr (Kestrich) gewählt. vergeduW von BunurDeiten. »?ift(u5füt)run9 von etwa 200 qm öasaltschichtsleinpflaster in der Gemeind« Staufenberg soll auf Grund der Reichs- Verdingungsordnung im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Der Voranschlag liegt auf der Bürger- meisteret offen. 48980 Offerten sind mit entsprechender Auf- Ichrift versehen, portofrei und verschlossen an die Bürgermeisterei Staufenberg bis 3um IHonfag, dem 10. Juni, vormittags 10 Ahr, einzureichen, woselbst die Eröff- nung im Beisein etwa erschienener Bewerber erfolgt. Freie Wahl unter den Bietern bleibt vorbehalten. Zuschlagsfrist 14 Tage. Staufenberg, den 30. Mqi 1929. > Husche Bürgermeisterei r . Mene». Zd i' Oberheffen. Landkreis Gietzerr. Hungen, 31. Mai. Die 90. ordentliche Ge- nerawersammlung der Spar- und Leihkasse e. G. m. b. H. zu Hungen fand gestern im Gasthaus „Zur Traube" hier bei guter Beteiligung der Mitglieder statt. Der Fahres- abschluh zeigt auch in diesem Fahre wieder ein zufriedenstellendes Bild. Der Umsatz betrug nahezu 8 Millionen Mark. Der Geschäftsbetrieb war äußerst lebhaft. Cs wurde ein Reingewinn von 9241,46 Mark erzielt und, wie wir hören, eine 15prozentige Dividende auszuschütten beschlossen. Die neuen Geschäftsräume werden im Laufe dieses Fahres noch bezogen werden. Grüningen, 1. Funi. Morgen, Sonntag, begeht die ä l t e st e Frau in unserer Gemeinde, Georg Amend Witwe, in vyller geistiger und körperlicher Rüstigkeit ihren 9 0. Geburtstag. Kreis Friedberg. 4 Dad-Rau he im, 30. Mai. Rach dem großen künstlerischen Erfolg, den die vorjährigen ersten Deutschen Meisterfestspiele brachten, war es der Wunsch aller Musikfreunde, daß auch das musikalische Leben dieser Saison seinen Höhepunkt m einer gleich bedeutsamen Veranstaltung finde. Rach sorgfältiger Vorbereitung durch die Bad- und Kurverwaltung und Generalmusikdirektor Sein« Songarß konnten die Meister- Festspiele 1 9 2 9 heute abend im Großen Konzerthause eröffnet werden. Mozarts „ Figaros Hochzett' fand eine hervorragende künstlerische Darstellung und wurde in der gesamten Wiedergabe zu einem verheißungsvollen Auftakt der heurigen Festspielwoche. Die Rollen waren von ganz bedeutenden Kräften beseht, und auch das Kurorchester unter Heinz Dongavhs Leitung hielt wahrend der ganzen Darbietung die hohe künstlerische Linie ein. Fosef Gareis vom Frankfurter Opernhaus wurde als Spielleiter der ihm gestellten Aufgabe in jeder Hinsicht gerecht. Die Aufführung, die noch etwas besser be- * 180 St. Kiefernlangholz, la- = 63,73 fm, 485 St. Kiefernlangholz, 2a- = 327,07 fm, 60 St. Kiefernlangholz, 3a- - 73,96 fm; Bücheriisch. Frevel am Volk. Gedanken zur deut- schen Sozialpolitik. Von Professor Dr. Ernst: Horneffer, Gießen. 8°. 80 Seiten. R. Voigt- anders Verlag, Leipzig CI. Angebunden 2 Mk. (229) — Den Fehlern und Mängeln unserer bisherigen Sozialpolitik nachzuforschen, dazu will die vorliegende Schrift des Gießener Philosophen ^lfen. Sie sucht die wirtschaftlichen und sittlichen Schaden aufzudecken, die bereits entstanden sind, und will warnen, zum Schaden des Ganzen weiter gegen den Geist der freien Wirtschaft zu sündigen. Fn einigen Aufsätzen, die im Anhang beigefügt sind und mit der Sozialpolitik in engem Zusammenhangs stehsn, nimmt sie ferner grundsätzlich zur Lohnkampffrage Stellung. — Der Schmied Roms. Ein- Mussolini- Buch von Rumpelstilzchen. Preis: Broschiert 3 Mk, geb. 4 Mk. Brunnen-Verlag. Karl Winckler Berlin SW 48. (233) — Das Buch öeS bekannten politischen Schriftstellers, das ik - n. Kindheit seines Helden zurückreicht, enthalt nicht nur die wandlungs- und abenteuerreiche Geschichte Mussolinis, sondern auch eine Fülle von eigenen Erlebnissen des Verfassers in Ftalien und von Mussolini-Geschichten. — Der Roman „Die Drei um Edith" v?n Walther H a r i ch führt mitten hinein in die gewaltige und gefährliche Umwelt der modernen Großindustrie, in den grausamen Wettkampf innerhalb eines riesigen Konzerns. Ein rätselhafter Mord an einem der Hauptaktionäre geschieht, das Unternehmen gerät an den Rand des Zusammenbruches, und während mit dem ganzen Aufgebot kriminalistischer Feinarbeit an der Aufdeckung der Tat gearbeitet wird, entrollt sich — mit besonderer schriftstellerischer Technik gestaltet — nach rückwärts der Kampf der zwei Machtgruppen, die in den Personen ihrer Führer um die erregende und geheimnisvoll schillernde Figur einer schönen Frau kreisten. Walther Hartch zeigt in diesem Roman, daß er mit seinem geschmackvollen Stil zu den führenden Deutschen ^gtC§ernnn?wr68^eIICrn ^llstein-Der- — Ludwig Karpath: Lachende Musiker. Erlebtes und Racherzähltes. 131 Seiten 8°. Verlag Knorr & Hirth, G. m. b. H., München l929"«.- 157 — Die meisten dieser Anekdoten hat Karpath selbst erlauscht, einige wurden ihm von unmittelbaren Erben erzählt, wie etwa Heiteres aus dem Leben des Hornisten Franz Strauß von dessen berühmtem Sohn Richard Strauß, und die eine oder andere Anekdote von Künstlern, die Zeugen einer bestimmten Begebenheit waren. Auf diese Weise gelang es dem Verfasser, eine durchaus authentische Anekdotensammlung zustande z-.t bringen. Darin liegt der Wert dieses Buches. Karpath schöpft aus erster Hand, alles was er berichtet, entspricht der Wahrheit. Obendrein hatte er das Glück, in der Tat überaus wthtge und lustige Anekdoten für sein Buch festhalten zu können. Kammersänger Leo Slezak, nicht nur ein Erster seines Faches, sondern als Verfasser humoristischer Werke, auch als amüsanter Schriftsteller bekannt, hat dem Anekdoten- band ein Geleitwort vorangeschickt. Lragen Sie diejenigen, die Goodyear fahren. Alle werden Ihnen bestätigen, daß Goodyear- Reifen unübertroffen sind V Autorisierte Goodyear-Verkaufsstellcn; &Y NEILS & KRAFT P Gießen, Marburger Str. 68 / Fernspr. 1089 u. 109t) • f W. & A. R V H L Gießen, Südanlage Nr. 7 / Fernsprecher 2556 9rt lcbctn betrug 25 und der Abgang 6 mit- fitn Jhtghcberftcmb am 31. Dez. 1928 163. Die Geschästsaut gdben haben stch gegen bas Vorjahr um 2710,67 J? <( »n^bie vermehrt. Die Gesamthaftsunttne Enbe bes Gcschäftsiahres betrug 326 000,— J? J( Hungen, bett 31. Mai 1929. ' ‘ ' 4903 D _ jse 1 Slü-', Das Holz ist mit Rinbe entrindet. Der Schälerlohn muß im An- gebot enthalten sein. Angebote sind bis dem 5. 3uni, nachmittags 2 uvr’ auf hiesiger Bürgermeisterei ein- zureichen. Launsbach wurde im einzelnen vorgetragen beraten und auf 42 500 Mk. Gcsamteinnahme und -ausgabe festgesetzt. Fm Z u g v e r k e h r auf der Strecke Lollar — Wetzlar soll eine Verbesserung Wetter verfolgt werden. Der Bericht über - Zahnbehandlung der Schulkinder "" l928 to _____________________ Adresse: ..... Offener Umschlag und 5 Pfg. Porto genügt Sie geben em Vermögen für Miete aus, das für Sie ewig verloren ist, weil Sie nicht einen einzigen Baustein damit erwerben. - Sie können statt in engen Mieträumen im gesunden eigenen Hause wohnen, wenn Sie monatlich 10 oder 20 oder 30 oder mehr RM. auf Sperrkonto sparen wollen und wenigstens ein halbes Jahr warten können. Sie erhalten das unkündbare Darlehen zinsfrei. Sie sind gleichzeitig ohne ärztliche Untersuchung prämienfrei auf den Todesfall versichert, so daß die Erben ein schuldenfreies Heim besitzen. Verlangen Sie durch untenstehenden Abschnitt unvcrbindl.Zusend, unser. Prospekts Ihre Vermählung geben bekannt Heinrich Gottmann und Frau Zlse geb. Meyl Domäne Iesberg (Bezirk Kassel), 1. Iuni 1929 4882D Statt Karten! 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Liebevoll strich er über seine Brust- lasche, hier hielt er seinen kleinen Apparat verborgen, ein kostbares Ding, mit dem man bei jedem Tageslicht Aufnahmen machen konnte, mit dem man knipsen konnte, ohne daß der andere etwas davon merkte. Lind dieser Heine Apparat war heute abend zweimal in Tätigkeit getreten und Zules Smith verwahrte in seiner Kassette zwei Aufnahmen, die, wie er wußte, der alte Stanley mit Gold aufwiegen würde, wenn er sie bekäme — aber er würde sie nicht bekommen! Ellinor hatte Mabel zu einer Taxe gebracht. Jetzt hieß es, ohne Verdacht zu erregen, von ihr frei zu kommen. Ein Gedanke schoß ihr durch den Kopf. Sie lachte leise. „Armer George, nun wirst du wieder einmal von mir mißbraucht, ober es geht nicht anders!" Mabel war schon in das Taxi gestiegen und erwartete, daß Ellinor nachkäme. Ellinor ergriff plötzlich Mabels Hand, neigte sich ganz dicht zu ihr und flüsterte: „George Wellton beobachtete uns, es ist besser, Sie fahren allein, ich komme nach!" Ehe Mabel antworten konnte, hatte Ellinor den Schlag zugeworfen und rief dem Chauffeur die Adresse zu. Der Wagen sauste davon. Ellinor sah sich um. Gott sei Dank, sie war allein, auch dec unheimliche Smith war nirgends zu sehen. Sie ahnte nicht, daß Iules Smith soeben mit schadenfrohem Schmunzeln die dritte Platte in seine Kassette schob. Wenige Minuten später sauste der Lift mit Ellinor zum fünfzehnten Stockwerk. In einem kleinen Zimmer erwartete sie Chung Li mit den bestellten Kleidern. Llnbernerkt verließ Ellinor nach einiger Zeit den Madison Square Palast, niemand achtete auf die Dame im schlichten Pelzmantel, die aussah, wie tausend andere Frauen in Reuyork. Zules Smith schrieb an diesem Abend noch lange in seinem kleinen Hotelzimmer, und als er den Brief spät in der Rächt in den Kasten steckte, da wußte er, das nun der schönste Skandal im Gang war und daß der Wettlauf um Ellt- nor nun wohl andere Formen annehmen würde, als es sich der alte Stanley gedacht hatte. Zules Smith sollte recht behalten: Der Skandal kam in Gang. Der Skandal ließ sich nicht mehr aufhalten. Er wanderte vom Stenogrammblock der Sekretärin in die Schreibmaschine, von der Schreibmaschine in die Setzerei, aus der Setzerei in den Rotationsmaschinenraum, vom Rotationsmaschinenraum in die Falzerei, in der Falzerei wurde er gebündelt und schließlich wanderte dev Skandal in Form von riesigen Zeitungsbündeln in die Oeffentlichkeit. Expreßzüge brachten den Skandal durch ganz 11. S. A. Telephone klingelten ihn nach Reuyork und das Heer der Zeitungsverkäufer heulte ihn durch die Straßen! „All about Ellinor! Die größte Sensation! Bluff, Bluff! Die entzückendste Frau des Iahr- hunderts! Alles lacht über Ellinor!" Za, der Skandal war im Gange! Alles lachte über Ellinor. Manhattan lachte, Hoboken lachte. Zersetz City schüttelte sich vor Lachen! Diese Ellinor! Sollte man es glauben? Diese Ellinor hatte den größten Erfolg auf dem Broadway, den cs jemals gegeben hatte! Zm Frack war sie in die Metropolitan Opera gegangen — keiner hatte sie erkannt! Irgend einem Dandy (Ramcn waren ja leider in dem Bericht nicht genannt!) hatte sie beim Spiel 20 000 Dollar abgeluchst, und der Zdiot hatte nicht gemerkt, mit wem er spielte. Eine Frau hatte dieses Teufelsmädchen ausgcführt und diese Frau hatte sie für einen Kavalier gehalten. Man konnte noch sterben vor Lachen! • Als Bobby Carlton die Morgenausgabe der Evening Review in die Hand bekam, stieß er einen so lauten Iuchzer aus, daß Phil schreckensbleich in das Schlafzimmer gestürzt kam, weil er dachte, seinem Herrn sei etwas zugestoßen. Bobby tobte im Bett herum, wie ein Wilder. „Phil," schluchzte er vor Lachen, „Phil, ich glaube, ich werde verrückt!" Phil sah seinen Herrn bekümmert an: „Cs hat den Anschein", sagte er dann resigniert. ..Phil." schrie Bobby, „Phil, hast du schon mal einen Menschen gesehen, der ein kompletter Zdiot ist? Aein? Run, dann schau mich mal ganz genau an, ich bin einer!" Phil erkundigte sich mit unendlich zarter Stimme, ob er vielleicht einen Eisbeutel wünsche. Aber Bobby antwortete nur mit einem wiehernden Gelächter. Phil hatte einmal irgendwo gelesen, daß man Zrre möglichst sanft und zart behandeln müsse, da sonst das größte Llnglück geschehen könne. «Mr. Carlton," sagte er in einem Ton. wie vielleicht ein Großvater zu seinem schwachsinnigen Enkelkind sprechen würde, „Mr. Carlton, kann ich irgend etwas für Sie tun?" Bobby schnappte nach Luft. Die Tränen liefen ihm stromweise das Gesicht herunter, so hatte er gelacht. „Das Telephon!" keuchte er. Phil stürzte ins Äebenziwmer und holte den Apparat. „Verbinde mich mit Mr. Wellton!" Phil gehorchte. Rach wenigen Minuten hatte er die Verbindung hergestellt. Bobby tutete in den Apparat: „Hallo, George, hallo, bist du da? So, selbst am Apparat? George, Herzensjunge, ich wollte dir ja nur sogen, daß du das größte Kamel bist, das auf Gottes Erdboden herumläuft! Warum ich dich am frühen Morgen schon beleidige? Ach George, lies die Geschichte von Ellinor in der Morgennummer der „Evening Review", und wenn du sie gelesen hast und dann noch behauptest, ich hätte Llnrecht, dann zahle ich dir die 20 000 Dollar zurück, die du verspielt host, du Idiot!" Bobby knallte den Hörer in die Gabel, ehe George antworten konnte. „Phil," flüsterte er ganz leise, „Phil, hol' was Gutes aus dem Keller, mir ist ganz schwach vor Lachen!" Zur selben Stunde tobte auch ein anderer im Bett, aber diesmal nicht zum Vergnügen! Iulis Smith war außer sich! Wie hatte das passieren können? Sein ganzer schöner teuflischer Plan war zerstört! Wie waren seine Bilder, die er eigenhändig in den Brief gelegt hatte mit einem ausführlichen Bericht, der dem alten Stanley den Hals brechen sollte, in die Hände von Stanley gelangt? Er hatte den Brief selbst geschrieben, er hatte die Adresse selbst ausgefüllt, er hatte schon tausendmal die Adresse seiner Redaktion geschrieben, er konnte sich nicht geirrt haben! Irgend ein Schuft muhte die Hand im Spiel haben. Seine Bilder waren gestohlen worden, seine Bilder prangten in der Morgenausgabe der „Evening Review". Lind der „Herald", für den die Sache bestimmt gewesen war, hatte nichts gebracht, gar nichts! Iules Smith schellte nach der Bedienung. Er drückte seinen Daumen so hart auf die Klingel, daß es ihn schmerzte, aber dieser kleine Schmerz tat ihm sonderbar wohl. „Das Kursbuch!" schnaubte er. Sein Auge fuhr suchend die Spalten entlang. Wenn er den Frühexpreß nahm, konnte er am Abend an Ort und Stelle sein. Vielleicht traf er die Herren noch beim Abendtisch an, dann konnte seine grandiose Idee noch einigermaßen gerettet werden. Die Hauptsache war ja verpufft, immerhin bestand die Möglichkeit, daß man die Sache'noch einigermaßen arrangieren konnte. Man mußte ihm beim „Herald" doch dankbar sein, wenn er Material brachte, daß man gegen Mae Stanley verwenden konnte. In sliegender Hast packte Iules Smith seinen Koffer. Er nahm nur wenig Sachen mit, denn er war fest entschlossen, die Jagd nach Ellinor nicht aufzugeben, er hielt ja die besten Trümpfe in der Hand. Er wußte die Rümmer von Etti- nors Wagen, er wußte, wem der Wagen gehörte, eine kleine Rachfrage bei der Polizei hatte genügt, um festzustellen, daß die kleine rote Limousine NY 1124 Miß Mary Kington gehörte, und daß • Miß Mary Kington in der Winsloestreet eine kleine Villa besäße. Lim diese kleine Villa war Iules Smith gleich am nächsten Tag wie ein Spürhund herumgeschlichen, und wenn er auch von Ellinor nichts gesehen hatte, so hatte ihm allein schon die Anwesenheit Chung Lis genügt, der in der Garage gestanden hatte und den Wagen abgespriht hatte. ' Run saß Ellinor in der Falle, er brauchte sich nicht zu beeilen, er hatte sie sicher. Er wollte nut' noch seinen ehrgeizigen Traum erfüllen, mit einem Schlag berühmt zu werden, mit einem Federzug sich an die Spitze der Herald-Reporter zu stellen, mit einem Federzug Mac Stanley, den Zeitungskönig, zum Zittern zu bringen. Der erste Angriff war abgeschlagen worden. Durch wessen Schuld, das mußte erst festgestellt werden, aber Iules Smith, der sein Leben lang gehungert hatte, der durch alle Höllen der Erde gegangen war. und der keine Achtung mehr vor der Anständigkeit hatte, dieser Iules Smith war kälter als Cis und härter als Stahl, er würde die Sache schon zwingen. Smith bestellte telephonisch eine Karte zum Expreß, befahl dem Hotelchef sein Zimmer zu reservieren, bis er in den nächsten Tagen wieder- käme. und als er in das wartende Taxi stieg, da sah er aus, wie ein würdiger Gentleman, der sich zu seinem Office begibt. Wenige Minuten später trugen ihn die ratternden Räder des Expreß Philadelphia entgegen. Roch vom Zuge aus telephonierte er mit der Redaktion des Herald und kündete sein Kommen in wichtiger Angelegenheit für den Abend an! Ein junger Postbote aber, aus der 67. Street in Philadelphia ahnte nicht, daß er durch seine LInachtsamkeit, die ihn einen für den „Herald" bestimmten Brief an die „Evening Review" abliefern ließ, mit dem Geschick dreier Menschen Fangball gespielt hatte. Dieser junge Postbote lehnte am Abend dieses denkwürdigen Tages am Fenster seiner dürftigen Wohnung. In der Ferne glühten wie funkelnde Feuerwerke die beleuchteten Fenster des riesigen Zeitungspalastes der Evening und des Herald. Er ahnte nicht, daß er an diesem Abend ein wenig Schicksal gespielt hatte... Run dauerte die Konferenz im Zimmer Austen Weellys, des Chefs des „Herald", schon über eine Stunde, und immer noch schallten erregte Stimmen aus dem Zimmer. Austen Weekly hatte alle maßgebenden Herren zu sich gebeten, um mit ihnen gemeinsam zu beraten, was man in der Angelegenheit Mac Stanley unternehmen könne. Vor einer Stunde hatte ein Bote von der Evening Review einen Brief gebracht und die erregte Debatte im Zimmer Austen Weeklys war eine Folge dieses Briefes. „Wir können nichts machen, meine Herren, man hat uns in einer Art und Weise die Hände gebunden, daß es einfach unmöglich ist. der Angelegenheit näher zu treten. Mac Stanley ist schlau, Mac Stanley ist der gerissenste Hund des Iahrhunderts. Man muh ihn bewundern, wie er sich jetzt aus der Affaire zieht. Smith hatte die Sache schon richtig berechnet: wenn wir die Sache so aufgemacht hätten, wie er es sich gedacht hatte, dann hätte es dem alten Stanley den Hals gebrochen. Es wäre ja etwas schuftig gewesen, aber immerhin .. Weekly qualmte eine dicke schwarze Brasil und lief wie ein gefangener Löwe auf und ab. „Selbstverständlich muß man bei der Post recherchieren, wie es kommen konnte, daß der wichtige Brief in Stanleys Hände kam. Stanley hat selbstverständlich die kompromittierenden Bilder seiner Tochter an sich genommen, man kann cs ihm nicht verdenken. Den Text, den dieser gute Smith dazu geschrieben hat, schickt er mir eben und appelliert an meine Anständigkeit, die Sache nicht zu bringen! Stanley appelliert an meine Anständigkeit, was bleibt mir übrig?“ „Donnerwetter, dann ist es allerdings aus,“ warf der Feuilletonchef ein, „sehr, sehr schade, so eine nette kleine Spitze gegen die ganze Ellinor-Angelegenheit hätte ich gern gebracht, selbstverständlich in anständigen Grenzen!" „Das ist es ja eben,“ schnaubte Weekly wieder, „es wäre wirklich sehr nett gewesen, wenn man eine kleine Glosse über den Ellinor-Rummel gebracht hätte, aber der Smith hat einem ja alles vermanscht. Es ist für ein seriöses Blatt ausgeschlossen, mit unvornehmen Mitteln zu arbeiten, und die Methode dieses Iules Smith ist absolut unvornehm. Sie ist unmöglich, und das hat Stanley gewußt, und nun packt er uns an der Ehre und bindet uns dadurch die Hände. Die Rennbahn nach Ellinor ist uns gesperrt, meine Herren, schade, auch Ihnen, wir lassen uns nichts nachsagen!" (Fortsetzung folgt.) '»'.IHK MM-, ■ WekhesWasxr duicti spart Seife! Weiches Wasser erhöht die Wasch Wirkung! Weich wie Regenwasser wird das Wasser durch einige Handvoll Henko-Bleichsoda, die Sie stets vor Bereitung der Waschlauge in den mit kaltem Wasser gefüllten Kessel geben sollten. Nur so nutzen Sie das Waschmittel voll aus, nur so haben Sie eine vollkommene und waschkräftige Lauge mit wundervoller Schaumbildung. Die Parole jeder rechnenden Hausfrau heißt beim Waschen: Nur in Originalpackung — niemals lose! Hersteller auch von Persil, dem Waschmittel für jede Wäsche. Nr. 126 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 1. Juni 1929 Oer Gießener Voranschlag für 1929. IV.*) Das Kapitel „Allgemeine Verwaltung" erfordert nach dem Voranschlag für 1929 einen Zuschuß von 532 997,09 Mark gegen 526 5J3.84 Ml. im Vorjahre. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf den Titel „Stadtverwaltung", für den allein 352 935,80 Mk. gegen 346 077,84 Mk. Zuschuß zu leisten sind. Die an sich geringe Steigerung ist auf zwangsläufige Auswirkung des Besoldungsgesetzes auf erhöhte Leistungen für Kranken- und Invalidenversicherung und auf Materialpreissteigerungen zurückzuführen. Die Aufwendungen für die Besoldung der Mitglieder der Stadtverwaltung selbst haben sich gegenüber dem Vorjahre verringert, da durch das Ausscheiden des Bürgermeisters Dr. Frey aus der Stadtverwaltung bekanntlich eine Ma- gistraisstelle frei geworden ist, die aus Ersparnisgründen nicht wieder beseht wurde. Durch diese Senkung des Gehaltskontos für die Mitglieder der Stadtverwaltung war es möglich, erhöhte Anforderungen an anderer Stelle dieses Titels auszugleichen und infolgedessen auf die in der Gesamtheit nur mäßige Erhöhung des Zuschuh- betrags zu kommen. Besonders erfreulich ist, daß. in diesem Titel die Mittel für Derkehrswerbung in gleicher Höhe wie im Vorjahre, nämlich mit 10 000 Mk., vorgesehen sind. Wenn auch manche Wünsche auf eine größere Bemessung dieser produktiven Mittel keine Erfüllung gefunden haben, so ist es doch wenigstens mit Genugtuung zu vermerken, daß der Zwang zu Abstrichen infolge der Ersparnisnotwendigkeiten sich nicht auch hier ausgewirkt hat. Beim Titel „Versicherungsamt, Standesamt, Ortsgericht" ist eine Ausgabenverminderung infolge verringerter Besoldungs- aufWendungen zu vermerken: hier konnten rund 6000 Mk. eingespart werden, so daß. für diese drei Dienststellen im neuen Wirtschaftsjahre insgesamt nur ein Zuschuß von 29 276,67 Mk., gegen 35 053 Mk. im Vorjahre, erforderlich sind. Der Titel „Wohnungsamt, Mieteinigungsamt und Instand- sehungsstelle" hält sich mit einem Zuschuß von 8947,62 Mk. gegen 8923 Mk. im Vorjahre ungefähr auf alter Höhe. Dagegen hat der Titel „Ruhegehalte, Witwen- und Waisengelder" eine geringe Erhöhung auf 141 837 Mk. Zuschuß, gegen 136 500 Mk. im Vorjahre, erfahren. Für das Kapitel „P o l i z e i v e r w a l t u n g" sind im Verwaltungsjahre 1929 nach dem Voranschlag 155 255,46 Mk., gegen 147 612 Mk. im Iahre 1928, als Zuschuß aufzubringen. Davon entfallen auf die Baupolizei 30 660,46 Mk. (im Vorjahre 22 325 Mk.), auf die Feldpolizei 20190 Mk. (im Vorjahre 19 692 Mk.). In beiden Fällen sind die Mehraufwendungen durch erhöhte Besoldungsverpflichtungen und gesteigerte Materialkosten bedingt. Der Beitrag unserer Stadt zu den Kosten der staatlichen Polizei (87 Polizeistellen je 1200 Mk.) beläuft sich auf 104 400 Mk., während er im vorigen Iahre 105 600 Mk. ausmachte. Erhebliche Mehraufwendungen werden für das Kapitel „Schulen" angefordert. Hier soll sich der Zuschuß für das Rechnungsjahr 1929 auf 487 069,73 Mk. gegen 402 561 Mk. im Vorjahre belaufen. Das Stadtschulamt mit einem Zuschuß von 3167 Mk. steht nicht wesentlich über der Aufwendung im Vorjahre im Betrage von 2910,50 Mark. Für die Volksschulen sind nach dem neuen Voranschlag 86 597,70 Mk. gegen 67 044,20 Mk. aufzubringen. Diese Erhöhung wird in der Hauptsache bewirkt durch die Einstellung von 15 0Ö0 Mk. Zinsen für die Anleihe, die zur Errichtung des neuen Dolksschulgebäudes ausgenommen werden mußte, sodann durch zwangsläufige Erhöhungen für Gehälter und Materialbeschaffungskosten. Daß wir diese Mehrbelastung auf uns nehmen müssen, liegt auf der Hand, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß der neue Schulhausbau wirklich einer dringenden Notwendigkeit entspricht, nachdem man vor dem Kriege nicht zu einer Erweiterung der Volksschulgebäude geschritten war. Die Horte, für die im vorigen Iahre 7618 Mk. auf» zuwendcn waren, sollen im neuen Iahre 7403 Mark erhalten. Für die Fortbildungsschulen hat sich eine Zuschußnotwendigkeit von 23 169,80 Mk. gegen 9767,30 Mk. im Vorjahr eergeben. Auch hier erklären die Zinsen in Höhe von 10 000 Mk. für die Anleihe zu Fortbildungsschulneubauten den gesteigerten Bedarf zum größten Teile, während der Restbetrag auf erhöhte Materialbe- schaffungslosten entfällt. Lyzeum und Studienanstalt sind mit einem Zuschuß von 100 114,23 Mk. gegen 94 844 Mk. im Vorjahre aufgeführt; davon entfallen auf das Lyzeum 71 963,83 Oliart (im Vorjahre 65 956,50 Mark) auf die Studienanstalt 28150,40 Mark (im Vorjahre 28 887,50 Mark). Beim Gymnasium hat sich der städtische Zuschuß von 60 334 Mark un Vorjahre auf 56 402 Mark im neuen Iahre vermindert, beim Realgymnasium dagegen von 58053 Mark im Iahre 1928 auf 78 457 Mark und bei der Oberrealschule von 87 479 Mark im Vorjahre auf 101 243 Mark im neuen Iahre erhöht. Beim Realgymnasium spielt ein Betrag von 15 225 Mark für außerordentliche Herstellungsarbeiten an dem Gebäude eine besondere Rotte bei der Kostensteigerung, bei der Oberrealschule sind für außerordentliche Herstellungsarbeiten 2250 Mark in Ansatz gebracht. Im übrigen bewegen sich die Ziffern dieses Sitelä teilweise in Senkungen und Erhöhungen auf dem Gehaltskonto. Insgesamt wären im neuen 2apre für die drei höheren Knabenschulen 235 598 Mark Zuschuß, gegen 205 362 Mark im Vorjahre zu leisten. Die Gewerbe- und Maschinenbauschule macht für das neue Iahr einen Zuschuß von 24 000 Mark gegen 8000 Mark im Vorjahre notwendig. Dem Verein Alice-Schule sollen für seine Anstalten im neuen Rechnungsjahre 6000 Mark gegen 5000 Mark im Vorjahre zufließen. In der Gesamtheit betrachtet ist zu sagen, daß die Schulen auch in diesem Iahre erhebliche Anforderungen an den Stadtsäckel stellen. Es handelt sich hierbei aber um die Heranbildung des Nachwuchses. der später schwere Aufgaben in der Leistung der Wiederaufbauarbeit unseres Volkes zu erfüllen hat. Für die geistige Befähigung unserer Iugend zur Bewältigung dieser Aufgaben derart finanzielle Anstrengungen zu machen, mag manchen Bürgern schwer erscheinen, diese Opfer *) Teil! in Nr. 109 vom 11. Mai, II in Nr. 115 vom 18. Mai, III in Nr. 120 vom 25. Mai. 25 Jahre Hess. Handwerkerzenlrasgenossenschaft. | Am 1.Juni 1929 kann die hessische Hand- werkerzentralgenossenschaft die 2 5. Wiederkehr ihrer Gründung feiern. Als Einrichtung der Handwerkskammer zu Darmstadt von umsichtigen Führern des Handwerks mit inzwischen abgelöster Staatshilfe gegründet, hat sich diese Genossenschaft aus kleinen Anfängen zu einer beachtenswerten Höhe entwickelt. Ursprünglich mit der Versorgung des Handwerks mit Wertmaschinen befaßt, die im Laufe der Jahre Taufende von Handwerksbetrieben maschinell neuzeitlich versorgte, wandte die Genossenfchaft ihre Aufmerksamkeit später anderen Arbeitsgebieten, z. B. Versorgnung des Bäckergewerbes mit Kohlen, Backmaterialen u jw.zu. In mühsamer Kleinarbeit aufbauend, durch persönliche Tüchtigkeit der Leitung gelang es, von Jahr zu Jahr die Umsätze zu steigern, den Handwerkern, die sich dieser Einrichtung bedienten, im wahrsten Sinne des Wortes Helfer und Förderer zu sein. Die Kr i e g s j a h r e brachten der Handwerker- zentralgenossenschaft neue und schwere Arbeitsgebiete. Mit der Handwerkskammer in engster Gemeinschaftsarbeit wurde versucht, eine Beteiligung des hessischen Handwerks an den Heeres- lieferungen herbeizuführen. Nachdem alle Schwierigkeiten in organisatorischer und technischer Hinsicht überwunden waren, konnten weite Kreise der verschiedensten Handwerkszweige des Hessenlandes laufend während der Kriegsjahre mit Arbeit versorgt werden. Zwangsläufig ergab sich dann, die aus den Kriegsmaßnahmen entstandenen Verhältnisse zum Nutzen des Handwerks zu verwerten, was durch Inbetriebnahme der Lederzuschneidestelle, der Nohstoffversor- g u n g zahlreicher Handwerkszweige, der Verwertung von Altmaterial, Versorgung Minderbemittelter und was diese schweren Zeiten alles mit sich brachten, durchaus gelang. Es ist wohl angebracht, auch an diese Dinge einmal zu erinnern. Neue Ausgaben, nicht minder schwer zu lösen, ergaben sich dann in den Nachkriegsjahren. Zunächst galt es, an der Verwertung des Heeresgutes in einem für die Wirtschaft günstigen Sinne mitzuarbeiten, für das hessische Handwerk Arbeitsmöglichkeit bei der Lieferung von Reparationsmöbeln zu gewinnen. Dann kam die schwere Zeit der Inflation, die der Genossenschaft größte Belastung aufer- legte. Die Markstabilisierung, die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Getreide brachte wieder neu zu lösende Probleme. Neue Abteilungen für Bearbeitung der von der Handwerkskammer sofort nach der Inflation aufgenommenen Kreditwirtschaft, für Versorgung des Bäckergewerbes mit Mehl, des Schuhmacherhandwerks mit Rohmaterial wurden geschaffen und jahrelang durchgeführt zum Nutzen des gesamten Handwerks. So hat die hessische Handwerkerzentralgenossen- schast in den 25 Iahren ihres Bestehens, sich besonders beweglich anpassend an alle neuen großen Aufgaben der von fortgesetzten wirtschaftlichen Erschütterungen heimgesuchten letzten 15 Iahre, als eine durchaus zuverlässige Einrichtung für das heimische Handwerk sich erwiesen. Wie viele handwerkliche Einrichtungen gleicher Art in Deutschland sind den Zeitverhältnissen zum Opfer gefallen! Die hessische Handwerkerzentralgenossenschaft konnte sich trotz der Zeiten Mißgunst behaupten, zum Segen und Nutzen des heimischen Handwerks, dank der in jeder Weise uneigennützigen, nur auf das Wohl des von ihr betreuten Berufsstandes bedachten Leitung. Möge die hessische Handwerkerzentralgenossenschaft, unentwegt von Zeit- und wirtschaftlichen Strömungen, auch weiterhin ihre segensreiche Tätigkeit für das hessische Handwerk entfalten! Mutterbau zeigt festgetretene Der alte vor seinen sitzen auf Hasen und Nie raubt Flächen Fliegen lleberall entdeckt der Kundige im Walde die Spuren, wo Grimbart, der Dachs, im Boden nach allerlei Würmern und Larven „gestochen" hat. Hat er auch in Hessen schon seit 15. Mai Schuhzeit, so sollte man ihn als einen Feind zahlreicher Schädlingslarven, Darunter auch der Larve der Rachenbremse, die unser Rot- und Rehwild bedroht, doch ungeschoren lassen. Wenn im Walde die Beeren reifen, beginnt eine Zeit, wo es besonders heißt, die Augen aufmachen und die eifrigen Sammler etwas unter die Lupe nehmen. Zu oft sind Beeren und Pilze nur Vorwand, und Schlingensteller und verwandte „Gewerbetreibende" verstecken sich dahinter. Hubertus. recht starke Iunghasen, ein Zeichen, dah doch nicht alles vom ersten Satz dem langen Winter und späten Frühjahr zum Opfer fiel. Bei unserem Wildgeflügel sind vielfach die Gelege schon ausgefallen, und die Henne führt ihre Kinderschar ins Leben ein. Der Ausfall der Hühner- und Fasanenjagd hängt, wie der der Entenjagd, nun häufig noch stark von der Entwicklung der Witterung ab. Daneben aber muh, wie stets, der Schutz des Menschen gegen die Feinde der Niederjagd, stromernde Katzen, jagende Hunde, schlüpfende Wiesel und lüsterne Krähen, helfend eingreifen. Voller Erwartung schlug manches Iägerherz dem 1.3uni entgegen. Bedeutet er doch für den hessischen Iäger den Aufgang der Jagd, die für die Mehrzahl deutscher Weidmänner den Höhepunkt des Weidwerks bedeutet: die Iagd auf den roten Dock. In tiefem Schwarz liegen sonst die Jagdscheine, Hegezeit überall. Durch besondere Verordnung hat der preuhische Staat für verschiedene Wildarten besondere Schuhzeiten zum Ausgleich der Winterverluste eingeführt und dabei auch den Aufgang der Dockjagd für sein Gebiet erst für den 1. Iuli freigegeben. Nach langem, entbehrungsreichem Winter hat das Rehwild sich wieder erholt und trägt nun fein leuchtendes Sommerkleid. Steckt es zu Monatsbeginn noch meist im Walde, so locken bald die hohen Getreidefelder, wo die lästigen Dlutsauger aus der Insektenwelt es nicht so quälen, und wo es die Ruhe findet, die es liebt. Dorthin führt die Ricke ihr Kitz, und dort nascht auch der Dock gern an Feldrainen und Ackerrändern ynd fühlt sich sicherer als am Waldesrand und auf der Waldwiese, die ihm im Mai die Aesung boten. Nach dem harten Winter muh Mahhalten im Abschuß Gebot sein. Nur ein planvoller Abschuh bietet auf die Dauer die Gewähr einer stetigen Nutzung und gewährt dabei Weidmannsfreude und Defrie- digung. Auch Rot -und Damwild haben „verfärbt". Das Wild steckt gern in geschlossenen Laubhölzern, oder im Getreide. Suhlen und Salzlecken üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Ende des Monats beginnen die Hirsche mit dem Fegen. Das Schwarzwild findet überall in Forst und Flur reiche Aesung und ist im Einhalten der Wechsel wie in der Zeit des Austretens ganz unzuverlässig. Der Haie sorgt werter für die Erhaltung seiner Sippe. Erfreulicherweise sieht man schon Rohren, und buntschillernde _ _ Resten von Mäusen, Maulwürfen, Hausgeflügel: Reinekes Kinderstube. ____ _____die Fähe mehr als jetzt. Dald aber sind die Iungen so weit entwickelt, dah die Mutter sie in die Felder hinausführen kann, wo vielfach ein einfacher Notbau bezogen wird, älnd von hier lernt dann die junge Sippschaft, wie ein Fuchs sich durch das Leben schlägt. Die Lag- im Juni. sind aber — wenn wir es einmal materiell ausdrücken sotten — zweifellos eine gute Kapitalanlage, die unserer Dolksgesarntheit später wieder zugute kommen wird. Das Kapitel ,Lunft und Wissenschaft" schließt mit einem Zuschußbedarf von 125 666,97 Mark gegen 100 761,97 Mark im Vorjahre ab. Davon entfallen auf das Stadttheater und die Waldbühne (letztere steht nur mit 200 Mark für bauliche Unterhaltung der Einrichtungen im Voranschlag, spielt mithin keine besondere Rolle), 88 876 Mark gegen 67 938 Mark im Vorjahre. Bemerkenswert ist beim Stadttheater vor allem, daß man die Ausgaben für Opern- und Dperettengaftfpiele von 62100 Mark im Vorjahre auf 60 000 Mark für das neue Jahr herabgemindert hat, während für Fundusunterhaltung und -Neuanschaffungen eine Erhöhung von 14 500 Mark auf 18 000 Mark vorgesehen ist, weiter ist wichtig, daß man für den Ausbau der Feuerschutzanlagen im Theatergebäude 7800 Mark aufwenden will, ferner für Unterhaltung und Neuanschaffungen für die Bühneneinrichtung und Umbau des Bühnenstellwerks 7000 Mark (im Vorjahre 2000 Mark) rechnet. Die Erhöhung für Fundusunterhaltung und -Neuanschaffungen um 3500 Mark erscheint uns recht knapp, wenn man sich von Augen hält, was ein solcher Betrag bei einer derartigen Aufgabe heutzutage bedeutet. Eine Etat- Überschreitung ' dürfte jedenfalls hier recht wahr- fchcinlich sein. Im übrigen dürfte auch dieser Titel zu Bemerkungen wohl keinen weiteren Anlaß geben. Dem Oberhessischen Museum läßt die Stadt mit einem Zuschuß von 11 315 Mark (im Vorjahre 8651 Mark) ihre Förderung zuteil werden, dem Oberhessischen Kunstverein sollen wieder, wie im Vorjahre, 2050 Mark zufließen, der Volks-Lesehalle ebenfalls der Vorjahrsbetrag in Höhe von 3912,80 Mark, für Beiträge an Vereine im Dienste der Wissenschaft und Kunst sind 6603 Mark (im Vorjahre 6300 Mark) vorgesehen, für die Zwecke der Landesuniversität 12 910,17 Mark (im Vorjahre 11910,17 Mark), sämtlich Beträge, gegen die wohl nichts einzuwenden ist. Taten für Tonntag, 2. Juni. I 2. Iuni: Der Maler Fritz August v. Kaulbach in München geb.; 1863: Der Komponist und I Dirigent Felix v. Weingärtner in Zara geb. Taten für Montag, 3. Juni. 3. Iuni: 1844: Der Dichter Detlev v. Lilien- cron in Kiel geb.; 1875: Der Komponist Georges Dizet in Dougival geb. Die Verlängerung her Polizeistunde. Die Hess. Amtliche Pressestelle teilt mit: Der Minister des Innern hat eine Anordnung getroffen, die am 3. Iuni 1929 in Kraft tritt und eine Neuregelung der Polizeistunde und der öffentlichen Tanzlustbar- leiten bringt. Dem von mehreren Seiten geäußerten Wunsch auf gänzliche Aufhebung der Polizeistunde konnte allerdings nicht ftattgegeben werden. 11. a. stand dem die notwendige Rücksichtnahme auf die im Gastwirtsgewerbe beschäftigten Arbeitnehmer entgegen. Die Polizeistunde wurde einheitlich für das ganze Land auf l llhr festgesetzt. Eine besondere, der weitergehenden preußischen Regelung in Frankfurt und Wiesbaden angepaßte Anordnung für Offenbach und Mainz ist nicht getroffen worden. Dagegen ist die seitherige, sehr weitgehende Praxis, wie sie gegenüber Gesuchen um Verlängerung der Polizeistunde in Hessen aus- geübt wurde, vorbehaltlos beibehalten worden. Im übrigen ist erneut veranlaßt worden, daß die Gewerbeaufsichtsämter besonders streng auf die Einhaltung der Arbeitszeitbestimmungen, die zugunsten der Arbeitnehmer erlassen sind, achten. Auch über öffentliche Tanzlustbar- leiten enthält die Anordnung des Ministers neue Destimmungen, durch welche die von der Devölkerung vielfach als mißliebig empfundenen Deschränkungen der seitherigen Regelung aufgehoben werden. Die öffentlichen Tanzlustbarkeiten sind nicht mehr auf wenige Tage in der Woche oder im Monat oder gar im Iahr — wie dies in den Landgemeinden vielfach der Fall war — beschränkt, sondern es kann unabhängig davon, wie oft bereits in der betreffenden Gemeinde getanzt wurde, Tanzerlaubnis erteilt werden. Die seither gültigen Richtlinien, die genau bestimmten, wieviel Tanzvergnügen an einem Orte innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts stattfinden durften, sind außer Kraft gesetzt. Das Gießener Siudenienhans. Wie schon mitgeteilt, findet die Grund- teinlegung für das Gießener Studentenhaus am morgigen Sonntag, 2. Iuni. pünktlich um 12 Uhr statt. Es werden daran — wie man uns schreibt — führende Persönlichkeiten Hessens aus Politik, Industrie, Handel und Beamtenschaft teilnehmen. So werden der Staatspräsident Dr. h. c. Adelung und der Präsident des hessischen Landtags Delp anwesend sein, um 11,30 llhr werden der Asta und die Korporationen mit ihren Chargierten in geschlossenem Zuge unter Begleitung der Militärkapelle von dem Universitätsgebäude zum Bauplatz hinaufmarschieren und dort Aufstellung nehmen. Der Bauplatz selbst ist festlich hergerichtet. Die Feier wird mit Musik der Militärkapelle eröffnet. Dann werden sprochen: Der 1. Vorsitzende der Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, der Staatspräsident Dr. h. c. Adelung, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Herzog, der Oberbürgermeister der Stadt Gießen, Dr. h c. K e 11 e r, und der Vorsitzende der Gie- jencr Studentenschaft stud. jur. Klaus. Nach Verlesung der Grundsteinlegungsurkunde undEin- ügung der Kapsel in den Grundstein erfolgen die Hammerschläge, worauf das Gaudeamus igitur den Abschluß des Festaktes bilden wird. Für die reibungslose Abwicklung des zu erwartenden starken Verkehrs wird die Gießener Polizeiverwal- tung Sorge tragen. Da diese Grundsteinlegung ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der Landesuniversität darstellt, wird der Festakt sicher die größte Beteiligung und das berechtigte Interesse aller Kreise der Gießener Bevölkerung und Oberhessens finden. Als Auftakt fand gestern abend in der Neuen Aula em öffentlicher Vortrag mit Lichtbildern über das Thema „D a s Studenten- haus" statt. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft, Dr. T i 11 m a n s - Dresden, sprach einleitend über den Studenteichausgedanken im allgemeinen, wobei er hervorhob, dah diese Einrichtung zur Förderung der wirtschaftlich schwer ringenden Studenten auch heute noch ihre volle Berechtigung hat. Er legte dann im einzelnen die Leitgedanken des Studentenhauswerkes dar, die vor allem bezwecken, durch die Studentenhilfe aus dem Kreise der Hilssbedürf- tigen die Auslese, d. h. die Qualität der Studierenden zu fördern, dabei jebod) den Grundsatz der energischen Selbsthilfe des einzelnen im Rahmen feiner Möglichkeiten nicht auszuschliehen oder zu verwischen. Das Hilfswert der Studentenschaft dürfe sich aber nicht beschränken auf die Befriedigung materieller Bedürfnisse, sondern es müsse sich auch auf die Erfüllung geistiger Notwendigkeiten, wie Bücherbeschaffung usw., erstrecken. Die in Gießen geplante Form des Studentenhaufes, mit dem auch em Wohnheim für die Studierenden verbunden ist, bezeichnete der Redner als sehr zweckmäßig. Dem hiesigen Hilfswerk sprach er zum Schlüsse seine besten Wünsche namens der studentischen Wirtschaftshilfe aus. 2m Anschluß daran wies der erste Vorsitzende der Gießener Studentenhilfe, Professor Dr. Eger, an Hand einiger Lichtbilder die völlige Unzulänglichkeit der bisherigen Räume der Studentenhilfe überzeugend nach und begründete daraus sehr berechtigt die.Notwendigkeit der Schaffung des neuen Studentenbauses. Weiter machte er an Hand von Lichtbttdern (Bauzeichnungen) mit der geplanten Einrichtung des Studentenhaufes näher bekannt. Zu bedauern war nur, daß der aufschlußreiche Abend einen sehr geringen Besuch aus der Bürgerschaft gefunden hatte. Verbandstagung der Hess. Kreise und Provinzen. Dieser Tage fand die diesjährige Tagung des Verbandes der hessischen Kreise und Provinzen in Dingen statt. Die drei Ministerien waren unter Führung des Ministerialdirektors Dr. Reitz stattlich vertreten, ebenso der Hessische Städte- u'nd Landgemeindetag. Der Deutsche Landkreistag war vertreten durch seinen Präsidenten, Baron von Stempel. Der geschäftliche Teil umfaßte Rechnungsablage, Voranschlag und den im Druck vorliegenden Geschäftsbericht. Der Teil des Geschäftsberichtes, der sich mit der Hessischen Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte besaßt, wurde einer besonders eingehenden Erörterung unterzogen. Sie gipfelte in dem Wunsch und dem Antrag, dah die bevorstehende Behandlung des Gesetzes in der Kammer eine endgültige Befreiung der Gemeindeverbände von der Versicherungspflicht bringen möchte. Nach der Vornahme von Ersatzwahlen für den in den Ruhestand getretenen Kreisdirektor Wolff für den Kreisdirektor Schön (Worms) in den Vorstand und Kreisdirektor von Werner (Erbach) als Stellvertreter für den Hauptvertreter im Vorstand des Deutschen Landlreistages eintrat, erstattet: Präsident von Stempel ein umfangreiches Referat über a I - tueHe Fragen der Kreiskommunalpol i t i k. In kurzen, aber treffenden Ausführungen berührte er die hauptsächlichsten Gebiete der Kommunalverwaltung. Er ging auf den Stand der Reichsreform ein, behandelte ausführlich die finanziellen Fragen, besonders den Stand der Auslandanleihen und die Ausgaoen- wirtschaft der Gemeindeverbände, verweilte bei den Steuerprojckten, Finanzausgleich usw., um sich dann dem großen Gebiet der Sozialpolitik zuzuwenden, wobei ausführlich die Kleinrentnerfürsorge, Arbeitslosenversicherung und Wohnungsbau behandelt wurden. Zum Schluffe wurde auf dem Gebiete des Straßenwesens das Vorhaben der Reichsregierung, Richtlinien für den Ausbau von Femstraßen zu erlassen, besprochen, und im Zusammenhang hiermit andere Fragen der Strahenunterhaltung und des Kraftwagenverkehrs behandelt. Auf besonderen Wunsch ließ sich der Referent noch bestimmen, seine Ansicht über das Kreisverfassungsrecht in Preußen vorzutragen. Den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine angeregte Aussprache, die unterbrochen wurde durch den fesselnden Vortrag des Bürgermeisters R i h e r t (Darmstadt) über die Gasfernversorgung in Hessen. Diese Frage, die wohl zur Zeit die umstrittenste in Hessen ist, regte zur lebhaften Debatte an. Wandern und Reisen - Bäder und Sommerfrischen. Nordlandparadies. Don Paul Eipper. Schweden ist ein Land mit wenig Ortschaften, aber vielem Wald. Unö in den Wäldern liegen überall große Moränenblöcke, graue, wild verzockte Steinungeheuer. Pferde stehen auf den Weidegründen. Wohlgenährte, schöne Tiere, braun-graue, gelblichfahle. Einige grasen, indes der Pullmancar vorüberrast. Aber die meisten stehen und schwingen aus, lockern sich in den Gelenken und lassen alles hängen, den Kopf, den Hals und die Deine. So, als seien sie auch am Ruhetag noch müde vom Fortkarren der steinernen Sündflut, die alle Felder, alle Wiesen und Wälder überschwemmt hat, als vor tausenden von Zähren die Gletscher zum Ostmeer wanderten. Der Reisende sieht lichte Herrensitze, von hohen alten Räumen umgeben: Bauernhäuser in stumpfem Rot, mit Weiß abgeseht. Alles aus Holz. Sehr interessant, das Entstehen solcher Häuser zu beobachten: Untergrund sind jene Moränensteine, die einen kühlen Keller abgeben. Darüber wachsen die Wände auf, in der Tat über Rächt: denn die gefugten Bretter werden einfach in- und übereinandergeschoben. Sn zwei Schichten, mit Seegras dazwischen zur Ssolierung — eine schnelle und saubere Bauweise. Steil geschrägte, ungebrochene Dächer krönen diese Häuser wegen der Belastung durch enormen Schneefall. Der Freund hat einen großen Park am Meer. Mit zehntausend Rosenbüschen in vielgestaltcter Art, protzige, bescheidene, hochgestielte, buschige, altmodische, hängende und kletternde Rosen, in rot, weiß, blaßrosa, gelb, orange, purpur und schwarz. Dazu dreißig verschiedene Kirschensorten und herrlich süße Erdbeeren. Sm Hühnerhof und draußen auf der Bucht zwischen den Felsblöckcn im Meer Casarca-Enten vorn Himalaya, wilde Schwäne, kanadische Gänse, Goldfasanen und weiße Puter. Ein englisches Bollblut zum Morgenritt und einen schwarzen Terrier, der seine Seele in den Augen trägt. Pfirsiche wachsen an der Südwand des Gästehauses, wilde Heckenrosen und ein Feigenbaum. Das Schönste aber, unvergleichlich, ist der ovale Wasserrosensee, den nur ein schmaler Weg vom Ostmeer trennt. Landeinwärts überschatten ihn hohe, schwarze Tannen, Findlingsblöcke liegen an den Ufern, und üppig sproßt das saftige Gras zwischen den Steinen. ~ Masserrolensee gleicht einem buddhisti- schen Götterauge. Warm ist das Wasser, unbewegt und still: da es vom Tannenwald herbci- geleitet wird, glänzt es schwarz wie seidiger Samt. Große, rote Goldfische bewegen sich gedankenschnell dahin, stehen plötzlich still, senkrecht fast, und knabbern an den grünen Stengel- schlangen, die zu den Wasserrosenblättern leiten. Es sind runde Tellerblätter, große, leuchtend grüne, kleine, braune, glatte und gezeichnete. Unö die Blüten haben englische Ramen, lateinische und pittoresk klingende indianische. Aus dunklen Kästen wachsen vom Grund herauf die Blumen, schieben sich dichtgeschlossen und ganz langsam über den Spiegel und atmen durch ihre großen Tellerscheiben. Manche kriechen weit weg vom mütterlichen Platz und spannen die Stiele wie Saiten einer Geige: andere sitzen angeschmiegt im Herzen des eingeschnittenen Blattes. Weiße Blüten sind da, gelbe, rote, und auch die ganz seltene blaue Wasserrose vom indischen Hochgebirge. Wie zauberhaft ist solch eine Blume! Goldgelbe Staubfäden stehen in der Mitte, ein sechsfacher Stern von dünnen Dlütenblättern umschließt den Stempel, innen purpurrot, nach außen erblassend zu zartem Rosa — kostbaren Kelchen gleich. Am Morgen, wenn wir bei Sonnenaufgang die Retze hochnehmen im Meer, sind alle Blüten keusch geschlossen, jungfräulich und herb. Um zehn Uhr, wenn die Sonne heiß herniederbrennt, öffnen sie sich, enthüllen ihre Farben: der äußerste Stern ist niedergeklappt, berührt fast den Wasserspiegel. Sobald die Sonne sinkt, so schließen sich die dünnen Schalen und hüten ihren Samen. Auf einem bräunlich genarbten, kleinen Tellerblatt sitzt die große, dunkelrote Wasserrose mit dem indianischen Ramen. Sie brauchte fünf volle Tage, bis sie ihre geschlossene Spitze über den See erhob. Run springt sie zum erstenmal auf, entfaltet sich voll und tiefrot, zeigt im Herzen die goldgelbe Scheibe des Fruchtbodens, den Kreis der flaumigen Staubfäden, den vielfachen Kranz der Blätter. Rur einen Tag dauerte die volle Pracht. Am nächsten Morgen legten sich die Staubfäden rot und fruchtschwer wie ein Baldachin gegen den Mittelpunkt, und um vier Uhr schloß sich die stolze Blume. Am andern Morgen öffnete sie sich nicht mehr, lag müd und schwer als dicke Knospe seitwärts geneigt, und ging dann an der Stengelschlange langsam ins Wasser zurück, in den Tod. Am späten Abend hat ein mitleidiges, grünes Tellerblatt die dahingeschwundene Herrlichkeit verdeckt. Dampfer und Segelboote ziehen als Schemen grau in grau auf der Linie des Horizonts am Meer. Bon rechts naht nach dem Mittelgrund ein Schiff, das Langholz geladen hat. Hellgrüner Rumpf, große, ehemals weiße Segel mit regellosen Flicken in grau, gelb und rotbraun. Schmale, unterschiedlich lange Stoffbahnen schieben sich wie die Pfeifen einer Orgel zackig nach der Mast- spitze, an der ein gelber Wimpel mit dem blauen Kreuze weht. Man sieht keine Bewegung auf dem Schiff: aber es wird klein und immer kleiner, bietet bald die Breitseite und wird dann spitz, versinkt im flimmernden Horizont. Die Ducht ist leer, und still liegt das Meer. Als der Abend aufkommt, treibt ein Fischer seinen schweren, plumpen Kahn in unseren Hafen. Er hat die Retze meines Gastfreundes gesäubert und bringt sie, sorgsam an runden Stangenhölzern aufgereiht, zurück. Sm Dug des Rachens sitzen auf schmalem Brett seine beiden Enkelkinder, Knabe und Mädchen von zwei und drei Sahren, ernst in der Haltung, bewegungslos und stumm. Das Mädchen hat eine Puppe im Arm aus alten bunten Stofflappen, und beide Kinder tragen Flachsköpfe, die silbrig weih leuchten im letzten Sonnenlicht. Schwer fällt dem fremden Gast der Abschied, und während das Trajektschiff im Gewittersturm sich bäumt wie ein übermütiges Roß, liegt er im Schlafwagen unten im Bauch des Dampfers und Berlin ist keineswegs ein begehrenswertes Ziel für ihn. Am Chiemsee. Don Wilhelm Haufenstein. Er ist groß und zart. Cs gibt Morgen und Abende, wo er, von Westen nach Osten hin, am Gebirg vorüber angeschaut, die Weite eines Meeres zu haben scheint. Man kann das östliche Ufer aus den Augen verlieren. Doch auch von Rorden nach Süden gesehen, von der Anhöhe bei Gstad herab und mit dem kräftig-eleganten Hintergrund der Kampenwand, also recht in seinen deutlichsten Grenzen aufgefaßt, verliert er nichts von seiner Gröhe. Und also an diesem See, um seine Größe her und mitten in ihr wird man niemals jenes Gefühls verlustig, das einen Zustand edlen Behagens, zarten Vertrauens verbürgt: immer erlaubt dieser große, dieser bedeutende See, er, der so im geistigen wie im sinnlichen Maße weit ist, intime Empfindungen. Wer die Vereinigung des Snnigen und Zärtlichen mit dem Großen liebt, die Verbindung des Lieblichen mit dem schier Grenzenlosen, der wird diesen See suchen müssen und lieben. Shn wahrlich nicht minder als den Bodenseel Freilich denke ich jetzt nicht an die stürmischen Augenblicke. Sie sind schlimm; schlimmer wohl als auf irgendeinem der bayrischen Seen. Seine Weite kann schrecklich sein. An trüben Tagen kann sie im Faden vergehn. An diese Augenblicke denke ich nicht. Sch entsinne mich jetzt der ruhigen, sonnigen Tage: jener Abende, da die Salzburger Alpen ganz hinten, jenseits des Südostufers, in der rosiggoldenen Luft verglühn und in ihr aufzugehen scheinen mit einer großartigen Liebenswürdigkeit: an die Pfingsttage denke ich, wo die Wiesenraine der Ufer voller Blüten stehen. Dann ist der Chiemsee groß und zart im selben Augenblick. Und daß dies sein kann, ist wunderbar wie ein Märchen. Die Fremden kennen ihn fast nur vom Hochsommer: wenn Ferien sind, wenn man in seinem linden Wasser badet. Wer Sommers dort ist, sollte sich vornehmen, ihn im Frühjahr wiederzusehen. Dann wird der Fremde durch ein Ge- schäume von Obstblüten streifen; das Land am Bodensee kann keinen süßer blühenden Daumfrühling haben, als diese Oase in der sonst zumeist rauhen Herrlichkeit Oberbayerns. Sn früheren Sahren liebte man auch die Winter des Chiemsees; man befuhr die gefrorene Fläche mit dem Schlittschuh und sah im Gebirge drüben die kalte Bläue der Schatten im Schnee und die wundersam falsche Glut dec Gipfel in der frühen Abendsonne. Aber dies scheint vorbei wie die klassischen Winter überhaupt und wie alle Klassik der Sahreszeiten. Die H e r r e n i n s e l ist ein kleines Fürstentum, und wenn ich der Rapoleon von Bayern wäre, würde ich mich auf dies Elba verbannen lassen. Man braucht Stunden, um die Snfel abzulaufen, in die Quer und Länge; Wiesen wechseln mit Park und Forst: Straßen führen an weidenden Kuhherden vorüber: Waldwege lenken den Schritt angenehm im Zwecklosen umher. Man kann die Snfel richtig verwalten, und wenn man in die musterhaften Ställe schaut, wo die kauenden Tiere ruhig im Schatten stehen, so sieht man befriedigt, daß es geschieht. Aber das Allerschönste auf der Herreninfel: der alte Baumgarten vor dem alten gelblichen Stiftsgebäude, in der Wärme der durchsonnten Südmauern, und um die Ecke hin der Platanengarten, der ein Salon im Freilicht ist. Hier ist der Süden in den Rorden hineingedichtet von der zivilisierenden Kraft vornehmer Kleriker, die im römischen Strahl standen. Sie sind tot; ihr Stift ist profan geworden: aber ihre edlen Bäume stehn, und die fortdauernde seine Pflege des Baumgartens und der Daumhalle ist von ihren in silbriger Luft unsichtbar umherschwebenden Seelen, lichten Seelen, silbrigen Seelen, freundlich gesegnet. Shr solltet auch einmal in das alte Schloß hineingehen, wo sie zusammen waren. (Sch rede von dem alten Schloß oder Stift, nicht von dem neuen Schloß, das aus dem traurig-schrecklichen Wahn Ludwigs II. an den irrsten Platz gesetzt wurde — eine tief verstimmende Travestie von Versailles.) • Die nahe F r a ue n i n s e l ist um eine köstliche alte Linde geordnet. Es ist wohltätig, dort zu sitzen und über dem bißchen Land des säubern Dörfchens die Fischernehe trocknen zu sehen oder sich darüber zu wundern, daß. die Farben der Ruderboote, Original und Spiegelbild im Wasser, so scharf, ja fast hitzig sind . . . Dies Paradies enthält seitwärts eine Merkwürdigkeit von fast furchtbar bannender Kraft: das uralte Portal der Kirche von Frauenchiemsee. Es ist romantisch. Cs ist in meiner Erinnerung tief rotviolett. Sn einem Maß ist es romanisch, in einem Ur-Sinn, daß es anmutet wie ein allererster Versuch ungeschlachter Heiden, ein noch schlechtartikuliertes Wort des christlichen Glaubens auszusprechen. Sa, dies Tor mutet an wie ein noch heidnischer Opferort, und n^an wundert sich, daß an den Säulen und Tympanon nicht Blut herunterlauft von vorchristlichen Opfern an unfreundlich« Götter. Wer die Deine rühren mag, der soll, nachdem ihn erst das nette, weiße Schiff nach Seebruck im Rordosten getragen hat, nach dem alten Kloster Seeon wandern. Es liegt nach Rorden hin in einer verwunschenen Senseitigkeit, die von feiner Bahn erreicht, von der eitlen Torheit deS Automobils verschmäht wird. Der Gang führt über Straßen, zwischen Feldern und Wäldern hin, auch über kleinere Wege. Eine barocke Turmzwiebel, ein See mit moorig-schwarzem Wasser, umher gesättigtes Grün jeder Höhe und Tiefe: es ist ein Bild des Trübner, ins Wirkliche zurücküberseht. Er hat dort gemalt. Sein straffer Geist geht auch in dieser stillen Milde um, die freilich nicht ohne Alternativen zu sein scheint, nicht ohne Bestimmtheit: es ist ein deutliches, festes Kloster. • Und sonst in der Rähe des Chiemsees — tote viele Möglichkeiten! Auserlesene! Man ist so nahe bei Rosenheim und also nahe an Wasserburg, das als eine italienische Stadt in einer von sandig-falben Hochufern umschlossenen Schleife des milchiggrünen und schwerflüssigen Snns gelegen ist. Burghausen an der Salzach ist zu erreichen, Salzburg ist nahe. Ein Ausflug von früh bis spät jeweils, vielleicht einmal ein voller Tag mit einem Uebemachten im Umlauf von vierundzwanzig Stunden gestattet die reichsten Erkundungen. Don den Fischen des Chiemsees, die den Gasthöfen beider Snfeln eine besondere Anziehung geben, zu den Bachforellen von Schelleberg zwischen Salzburg und Berchtesgaden auszufahren, lohnt der Zunge und dem Geist, der eine Zunge ebenso zu lenken wie ihr Gegen Gicht-, Stein- u. Stoffwechselleiden! - Ermäßigte pauschal!.: Oie ersten 3 Wochen sMindestd.: pauschalpr. Mk. 189.- / 4. Woche Mk. 61.25. Bewilligung v. Kreditkuren auf Antrag Fm Kurhaus: Wochenpauschalpreiö Mk. 80.50; im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.—. Auskunft auch über Hauskuren durch die Äadeverwaltung. 2347V Q Sommerfrische 403SD um 3.30 Uhr Gießen Nr. 183 Besuchen Sie 4864D 4165D Staatliches Kurhaus, Otto Baumgarten. Telephon Nidda 99 Haue Hunold, Telephon Nidda 90 Bad-NatEheim Hotel-Restaurant Gaudes föad-JKau fieim Der Milteipunkt aller sommerlichen Veranstaltungen der weiteren Meßend Zum Wochenende schnell u. bequem auf Sonntagskarte zu erreichen. 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Hessens, im reizvollen Riddertal gelegen, von tannen- und laubbewaldeten Höhen umgeben, hatte bereits im vergangenen Jahre die dreifache Frequenz gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. Reben der vorzüglichen Heilquelle und ihren Erfolgen ist es gerade die wohltuende Ruhe und Abgeschiedenheit von Bad Selters, die immer wieder die Erholung und Gesundung Suchenden lockt. Das in anderen Badeorten übliche mondäne Dadeleben und -treiben fehl gänzlich, was von den Besuchern immer wieder mit größter Befriedigung ausgenommen wird. Heilquelle, Liegekuren, Wälder, Wiesen, Luft, Ruhe und Sonne stellen die Vorzüge' von Bad Selters dar. Die um das Kurhaus liegenden Parkanlagen wurden im vergangenen Winter um fünf Morgen erweitert, während für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung neuerdings Kraftfahrzeuge zur Verfügung stehen. Bad Selters ist mit der Eisenbahn von Gießen in I1/4 Stunden und von Frankfurt in 2 Stunden zu erreichen. Bad Salzschlirf. Aus der an bunten Trachten reichen Umgebung von Bad Salzschlirf hebt sich die Schlitzer Gegend und ganz besonders die Schwalm durch die Originalität ihrer bäuerlich-malerischen Kostüme und ihr zähes Festhalten an den alten Gebräuchen und Symbolen hervor. Ein Hochzeitszug im Schwälmer Ländchen ist heute noch eine Sehenswürdigkeit für Kenner, besonders wenn die alten Patrizier dieser Gegend ihre Kinder verehelichen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 2. Juni, 1. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Mahr. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäusge- meinde: 9.30 Uhr: Pfarrer Becker: 11 Uhr Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker. — Johannesklrche: 8: Pfarrer Bechfolsheimer: zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukas- gemeinbe; 9.30: Pfarrer Ausfeld: 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfarrer Ausfeld: 8: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarrer Lenz. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Luthergemeinde. — Elisabeth - üleinkinderfchule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas: 10.45: Kinderkirche. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst: 10: Kindergottesdienst. — Wieseck. 9.30; 10.45: Kinderkirche. — Alten-Buseck. 10; 1. — Kirchberg. 10; Kirchberg 11: Christenlehre für die konfiermierte weibliche Jugend; 1.30: Mainzlar. — Haufen-Garbenteich. 10: Hausen; Christenlehre; 1: Garbenteich. — wahenborn- Sfeinberg: 9: Kinderkirche; 10: Hauptgottesdienst. — Lieh. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die weibliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; 2: Gottesdienst in Nieder-Bessingen. katholische Gemeinden. Samstag, den 1. Juni. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 2. Juni. 2. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt — Laubach. 10: Messe mit Predigt. — Cid). 7.30: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst der 3fr. Religionsgesellschast. Sabbatfeier den l.Juni 1929. Freitag abend 7.45; Samstag vormittag 8; nachmittag 4; Sabbatausgang 9.25. Wochengottesdienst: morgens 6.15; abends 7.15. eonntan-sötcuit 1. diente 11. Uuothctcn am 2.6. 29 Prof. 0r. Honigmann. Or. Meyerhofs. Peltkanavoih. Zahnarzt: Dr. Baum. ,3D emnal I ioi NORDSEEINSEL BORKUM Prospekte durch die Badeverwaltung Seltersweg 13 Fernruf 2534 4878V WÄltofc Duftige Muster, 80 cm 6.20, 5.50, 4.00, 3.80, 6.80, Prima iüirco 486oD 8.90, 3.65, 3.45, 3.25, 2.90, 6.50, per Meter 2.65, 2.50, 2.45, Gebr. Imheuser 4884A Gießen Herborn Angenehme Damen C.Röhr&Co 4894A Mitaai 'S 49i5D 03451 "rei TriRoüne Panama Auto-Licht-Zentrale Emil Althoff, Gießen schung Öic Au! der per Meter... Voll-Voile per Meter.. Veloutine Aufenthalts' und Bürogebäude io zerlegbarer Holz-, Beton- oder Eisen- Beton-Ausführung. KL 2(b 1. 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Die Vörse bekundete aber doch durchweg eine beachtenswerte Wider standsfähig k eit, so daß an allen Tagen Kurseinbrüche in größerem Ausmaße vermieden werden konnten. Im großen und ganzen war die Tendenz Schwankungen unterworfen und von jeder neu auftauchenden Rachricht nach beiden Seiten beeinflußt. So stimmte der Ausweis des Reichsbankinstituts zuversichtlicher. Mit Vefrie- digung wurde die kräftige Entlastung dieses Instituts, die Devisenzunahmc und die Deckungsquote von 48 Prozent ausgenommen. Iedoch machte sich bald wieder ein Umschwung bemerkbar. denn es traten Anzeichen dec nahenden ^lltimoliquidation ein. Man befürchtete infolge der schlechten Geldmarktverhältnisse diesmal verschiedentlich Schwierigkeiten zu deren Lleberwin- dung, was sich dcchin auswirkte, daß die Spekulation in stärkerem Maße zu Vlanioabgaben schritt. Da die Aufnahmelust ganz erheblich einschrumpfte, traten bei verschiedenen Aktien doch größere Rückschläge ein. Rur die Papiere, in denen das Ausland unvermindertes Interesse zeigte, blieben gut behauptet, oder konnten teilweise sogar etwas gewinnen. Der AEG.-Markt wurde bei lebhafter Geschäftstätigkeit hiervon besonders berührt. Als nun der Prämienerklä- rungstag herankam, zeigte sich die Spekulation sehr reserviert, schritt vielmehr zu Abgaben. Doch waren die Befürchtungen, die man in dieser Hinsicht gehegt hatte, verfrüht, denn als das herauskommende Material untergähracht war, machte sich plötzlich starkes Declungsbedürfnis geltend, und die Kurse konnten sich wider Erwarten teilweise kräftig bessern. Das Geschäft blieb aber vorerst noch gering, da evtl, doch noch eine Nachwirkung in Erscheinung treten könnte. Rach- dem aber die Gewißheit bestand, daß der Ultimo reibungslos vorübergegangen war, nahm die Kulisse Interessenkäufe vor, zumal sich auch wieder das Ausland in großem Umfange am Geschäft beteiligte. Die Umsätze nahmen besonders in Svezialwerten lebhaftere Formen an, und die Folge davon war, daß ganz erhebliche Gewinne eintraten. Auch die in der letzten Zeit stark gedrückten Rebenmärkte wurden hiervon mitgezogen. Der unveränderte Stand der Pariser Verhandlungen machte auf einmal gar keinen Eindruck, man war in dieser Angelegenheit sogar eher pessimistisch gestimmt. Auch die weitere Befestigung der Mark wirkte sich günstig aus, und die schwache Reuyorker Börse wurde im Gegensatz zu sonstigen Zeiten begrüßt, da im Zusammenhang hiermit in Börsenkreisen die Hoffnung auftauchte, es wäre Wohl möglich, daß der Diskontsatz am dortigen Platze unverändert bleiben dürfte. Die Tendenz nahm ein sehr festes Gepräge an. Im Vordergründe standen wieder die alten Favoriten, deren Kreis konnte sich aber ganz erheblich vergrößern, da sich das Ausland auch jetzt stärker auf andere Werte konzentrierte. Bei lebhafter Rachfrage wurden in größeren Posten AEG., Schuckert, Siemens, Chade, Bergmann, Rheag, I.-G.-Farben, auch Zellstoffwerte und besonders Kaliaktien dem Markte entzogen. Letztere wurden in der Hauptsache von französischer Seite gesucht. Es ergaben sich durchweg 7—12prozentige Gewinne gegenüber der Vorwoche. Salzdetfurth plus 20 Prozent. Zum Wochenschluh konnte sich das Geschäft weiter stark ausprägen. Anregend wirkte vor allemFas immer größere Interesse des Auslandes und die daraufhin einsehende Unterstützung der Privatkundschaft. Die endgültige Einigung in der Annuitätenfrage wirkte wie eine Befreiung, die jedoch immer iwch ungeklärten Vorbehalte konnten keinen Eindruck ma- machen, da man auch hier mit einer baldigen Lösung rechnen zu können glaubt. Die bestehenden Geldmarktsorgen schwanden fast vollkommen, man erhofft auch hier in nächster Zeit nach Abschluß der Pariser Verhandlungen eine Besserung der Lage. Das Geschäft war sehr lebhaft und die Tendenzhaussierend. Zu den obenerwähnten Besserungen kann man im allgemeinen einen Tagesgewinn von durchschnittlich 6—14 Prozent rechnen. Auch für Montanwerte, Kupferaktien, bestand lebhaftere Rachfrage. Bevorzugt waren noch Bauunternehmungen. Danatbank. Reichsbank. Dt. Linoleum. Auch die Rebenmärkte profitierten hiervon. Renten schlossen sich der allgemeinen Lage an. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt hatte auch in dieser Woche ruhiges Geschäft. Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb etwas geringer, als in der Vorwoche. Bei ruhigem Handel und etwas anziehenden Preisen verblieb lieber» stand. Der Export beteiligte sich nur mäßig am Geschäft. Auch war das angetriebene Vieh nur von mittlerer Qualität. Kälber hatten trotz des erheblicheren Auftriebes regeres Geschäft zu verzeichnen. Die Preise gaben in Reaktion aus die vorwöchige starke Steigerung etwas nach. Der Markt konnte geräumt werden. Der Schweinmarkt verzeichnete bei sehr großem Austrieb schleppendes Geschäft. Ramentlich in Fettschweinen war das Geschäft sehr ruhig. Rach schleppendem Handel und nachgebenden Preisen verblieb Ueberstand. Schafe wurden wegen des geringen Auftriebs nicht notiert. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1463 Rindern, darunter 279 Ochsen, 71 Bullen, 597 Kühen und 398 Färsen, ferner aus 1768 Kälbern, 62 Schafen und 6347 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vorigen Woche waren 60 Rinder und 5 Schafe weniger, dagegen 2173 Schweine und 689 Kälber mehr angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen: a 1 59 bis 62, a 2 54 bis 58, b 1 47 bis 53; Dullen: a 53 bis 56, b 49 bis 52; Kühe a 44 bis 49, b 39 bis 43, c 34 bis 38, d 26 bis 33, Färsen a 59 bis 62, b 54 bis 58, c 48 bis 53; Kälber b 78 bis 83, c 72 bis 77, d 62 bis 71; Schafe nicht notiert; Schweine b 69 bis 72, c 70 bis 73, d 70 bis 73, c 67 bis 71. Verglichen mit den Rotierungen der vergangenen Woche konnten Ochsen und Färsen je 2 Mark, Bullen und Kühe je 1 Mark anziehen, während Kälber bis zu 4 Mark und Schweine bis zu 2 Mark nachgaben. ' D i e Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten im Mai. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Mai mit 153,5 gegenüber 153,6 im Vormonat nahezu unverändert geblieben. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913 14 gleich hundert): für Ernährung 154,1, für Wohnung 126,0, für Heizung und Beleuchtung 149,0, für Bekleidung 172,5, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 191,7. * Elektrizitäts A. G. Dorrn. Schucker t & C 0., Rürnberg. Die G. V. genehmigte die Regularien. Cs kommen 11 Prozent Dividende auf die dividendenberechtigten Stammaktien und 6 Prozent Gewinnanteile auf die Genußrechte für Al'tbesitz an Markanleihen zur Verteilung. Der anhaltende Konjunkturrückgang ist auch bei den -Unternehmungen, an denen Schuckert beteiligt ist, nicht ohne Einfluß geblieben. Der Bestellungseingang bei den Siemens-Schuckert-Werken hält sich im großen und ganzen auf der Höhe des Vorjahres. Auf einigen Gebieten eingctcetene Verschlechterungen werden auf anderen wiederum ausgeglichen. Die Stromabgabe- und Frequenzziffern bei den Stromversorgungs- und Bahnunternehmungen zeigen eine weitere Steigerung, aber nicht in dem Umfang der vorjährigen Steigerung. Soweit sich die Ergebnisse im Laufe des Geschäftsiahres übersehen lassen, ist die Entwickelung der Beteiligungen den Verhältnissen entsprechend immer noch zufriedenstellend. • Polyphonwerke 21.-®., Berlin. Die G.-V. genehmigte die Verteilung einer Dividende von 20 (14) Proz. Zur Bilanz wurde mitgeteilt, daß das Bankguthaben sich durch die beiden Emissionen des Vorjahres und durch den guten Geschäftsgang stark erhöht habe. Die Ende des Iahres noch nicht eingezahlten 1,5 Mark aus der Kapitalerhöhung sind inzwischen eingegangen, so daß die der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Varsummen über 14 Mill. Mark betragen. Die starke Finanzlage der Gesellschaft ermöglicht es ihr, sich der Ausdehnung der Geschäfte in Ruhe zu widmen. Die ersten fünf Monate des neuen Iahres hatten wiederum ein befriedigendes Wachsen des Geschäftes zu verzeichnen. Auch die Tochtergesellschaften haben eine befriedigende Entwicklung genommen. Mit Rücksicht auf die gestiegenen Umsätze und die Erweiterung des Geschäfts glaubt die Verwaltung auch in Zukunft den Aktionären weiter ein befriedigendes Ergebnis in Aussicht stellen zu können. * Dynamit A. - G., norm. Alfred R 0 - bei & Go., Hamburg-Köln. Die Gesellschaft schlägt entsprechend dem mit der I.-G - Farbenindustrie A.-G. bestehenden Vertrags- Verhältnis eine Dividende tfon wieder 6 Prozent vor. Ebenso schlagen die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff A.-G., Köln, und die Siegener Dynamit-Fabrik A.-G.. Köln, entsprechend ihrem Vertragsverhältnis eine Dividende von wieder je 4,8 Prozent vor. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 1. Juni. Tendenz freundlich. — Obwohl fid) im Vormittagsverkehr infolge der Nachwirkung der gestrigen Realisationen eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar machte, war die Stimmung freundlich. Die vollständige Einigung in Paris und das Ergebnis der englischen Wahlen trugen aber zu einer allgemeinen Befestigung bei. Das Geschäft entwickelte fid), da auch wieder Orders ein- trafen und Abgaben nur in geringem Umfange vor- genommen wurden, recht lebhaft. Auch rnachien sich Anzeichen einer etwas besseren Geldmarktoerfassung bemerkbar, was ebenfalls ^ur allgemeinen Aufmunterung beitrug. Das Geschäft war aber doch nicht so rege wie am Donnerstag. An den führenden Märkten waren immerhin beachtenswerte Abschlüsse zustande gekommen. Das Hauptinteresse wandte sich wieder den Elektrowerten zu, auch hier waren es heute die Nebenmärkte dieses Marktes. Lah- meycr eröffneten plus 4 v. H. Auch für Licht 8: Kraft mit plus 3,75 v. H. bestand regere Nachfrage. Siemens, Schuckert und AEG. lagen dagegen nur bis 1 d.5). fester. Am Chemie markt gewannen J.-G.-Farben 2,5 v. 5). Montanwerte etwas stiller, doch durchschnittlich bis 2 v. H. gebessert. Besonderes Augenmerk richtete sich noch am Bankenmarkt auf Reichsbankanteile, die 9,5 v. $). gewinnen konnten. Deutsche Linoleum zogen 5,75 0. H. an. Zu erwähnen sind noch Berliner Handelsgesellschaft mit plus 4 v. H. und Kaliwerte, die bis 3 v. H. höher lagen. Sonst waren Umsätze von Bedeutung nid)t zu verzeichnen, doch waren überall Besserungen bis zu 2 v. H. gegenüber der gestrigen Abendbörse zu verzeichnen. Nur Süddeutsche Zucker lagen gedrückt. Renten still, aber ebenfalls höher. Jin Verlaufe war das Geschäft still, die Spekulation verhielt sich abwartend, doch war man freundlich gestimmt. Die meisten Werte waren gut behauptet. Etwas anziehen konnten Farben und Siemens. Regere Nachfrage stellte sich für Ehadeaktien mit plus 5 Mk. und am M 0 ntanrnarkt für Rheinstahl und Mannesmann, die erneut bis zu 1,5 v. H. gewannen, ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,5 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt besserte sich der Dollar weiter etwas. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1960, gegen Pfund 20,2450, London gegen Kabel 4,8490, gegen Paris 124,04, gegen Mailand 92,66, gegen Holland 12,0690. Berliner Börse Berlin, 1. Juni. Nach der Abschwächung, die infolge von Realisationen im gestrigen Abendoer- kehr bemerkbar war, konnte man heute vormittag wieder Deckungsneigung bei der Spekulation feft- stellen, und an der Vorbörse gingen die Kurse um mehrere Hundertteile in die Höhe. Zur offiziellen Börse war es zwar nicht so fest wie vorbörs- lid), doch ergaben sich überwiegend 1 bis 2-v. H.- Besserungen gegen die gestrigen Mittags-Schluß- kurse. Die vollständige Einigung in Paris wirkte sich natürlich günstig aus. Dagegen verstimmte der Bericht des Instituts für Konjunkturforschung. Die Mo- natsberid)te der Banken wurden nicht unfreunblid) ausgenommen, konnten aber auch keine Anregung bieten. Auf den Farben markt konzentrierte sich heute wieder das Hauptinteresse. Man beobachtete große Auslandorders, und die Börse schritt zu Meinungskäufen. Elektrowerte waren ebenfalls überwiegend fester. AEG. konnten aber den Verlust von der Abendbörse nicht ganz wieder aus- gleichen. Lebhafter und fester waren nod) Sprit- werte, einige Bankwerte, Feldmühle, Waldhof, Mannesmann (letztere auf die Bewegung am Röhrenmarkt) und Schlesische Zement. In Reichsbank fanden sehr große Umsätze statt. Das Ausland hatte hier große Kaufaufträge vorgelegt. Auch Polyphon waren lebhaft und 8 v. H. fester, dagegen lagen BMW. und Wiking Zement.aus den bekannten Gründen 5 bis 6 v. H. sd;ivächer. Deutsche und ausländische Renten waren gut behauptet. Pfandbriefmarkt geschäftslos, doch gehalten. Am Geldmarkt zeigte sich bereits heute eine Erleichterung Tagesgeld stellte sich auf 9 bis 11, stellenweise auf 8,5 v. H., Monatsgeld auf 10 bis 11 v. H. Nach den ersten Kursen wurde es überwiegend etwas schwächer, dann wurde es aber, ausgehend von Reichsbank, Montanwerken, Spritwerten und einigen anderen Spezialwerten lebhaft und 1 bis 3 0. H. fester. Gegen 11.45 Uhr ließ das sehr lebhafte Geschäft zwar etwas nach, dod) konnten sich die höheren Kurse weiter gut behaupten. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Anzeigenauflröge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt cingesandle Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Schluß- «ure i>Uhr Sture Schlub-iAnsang Schluß- Sture t Uht- •flur« Schlup- Kure Anfang- flute Shire Stute Dalum 31-5. 16. 31 5. 1 6. Datum 31-5. 1-6. 31-5. 1- 6. 5% Dl. Reichsanleihe o. 192. 87,3 — 87,5 — -A.E.G. . - .......d 196,25 196,75 193,5 196,75 Dl. Anl.-Ablös.-Schuld mit Au4 Bergmann ......... 9 — 223 222 223,75 los.-Rechten 51 — 51 — Gicht. Lieferungen.....10 — — 168,25 16b Desgl. ohne AuSIos.-Rechte . - - 10,4 10,65 10,5 10,7 Licht und Straft ..... 10 221,75 225,5 223,75 225,9 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldv!- un Selten & Guilleaume. .... 6 143 — 144 144 kündbar bis 1932 88 — — — Ges. f. Glettr. Untern.....10 225 — 226,5 228,75 4yt% Rheinische Hyp.-Bank fitau. Hamb. Eicht. Werke .... 10 - — 143 — Goldvl- — — Rhein. Elektr.........9 — — 163,75 164 B.E.G. abg. Borkriegs-Lbligalion Schles. Elektt........10 — 191 193 rückzahlbar 1933 86,5 — — —— Schuckert ..... 8 254,25 255 255,5 254,9 Siemens L Halske ..... 1- 390 390,75 390.5 391,75 4% Schwerz. BundeSb.-Anl.. — — Transradio . . . ...... 8 156,75 156 4% Oeslerreichijche Golvrle.. . ■ 28,25 — 28,5 169 173 169,75 _ 4,20% «Dellen. Silberne. 2,6 2,7 — 1 R —— 72,25 74,5 69,5 4% Ungarische Goldrle..... 22,5 — 22,5 — Deutsche Erdöl ....... 6 — 117,25 117 4% Ungarische Slaalsc. v. 1910 — — 21 — Essener Steinkohle......8 — — 119,5 120 4Yi°/o besgl. von 1913 — — 20,75 - Gelsenkirchener ... f. ¥i 3- 4 132 134,5 134,3 134,5 4% Ungarische Kronenrte.. - 1,8 — 1,9 — Harvener..........B 142 — 143 143,5 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 - 8,9 8,9 — Hoesch Ersen. .......8 — — 125,5 126,4 4% Türkische Bagdadbahn-Anl.. 8,75 _ Ilie Bergbau . .......8 flläcknerwerke ....... .7 215 103 — 213,5 103,13 214,25 103,25 4% deSgl. Serie l! 8,25 — 8,9 —— Köln-Neuessen........9 — — 123 123,75 4% Rumänen converl. Rle. - - - — — — Mannesmann........8 123,5 125 123,25 124 4%% Rumänen Aoldanb von 1913 9 — 16,65 - Mansselder.......... 132 —— 131,5 131,75 Lberschlel. Eisenb. Bedarf . . . 5 — — 84,25 84.5 cbetschles. Kokswerke.....6 — — 108,5 108,75 Mg. Dcunche iSlenbaljn . 4/. — — — ... “ Phönix Bergbau......ö’z 91,25 93 92,13 92,25 Hamburg-Amerika Paket ... 8 121,5 — 122 . 121,23 Rheinische Braunkohlen... 1C 291,5 — 293,75 294,5 Hamb.-Südam. Damvtich. . . 8 — — 183 — Rheinstahl t. V* Jahr 41, 122,5 124 124 125 Hansa Dampsjchiss ... 10 — — 148 146,25 149,25 —— Norddeutscher Lloyd .... 8 111 111,9 111,5 111,5 Vereinigte Stahlw......f 96,5 98 96.75 97,5 ßUlg. Deutsche Eteditanst. . . 10 124 — 124,25 124,5 Otavi Minen.......2 sh 70 69,4 69,9 Barmer Bankverein ... 10 —— — 127 128 Kali Aschersleben.....IC 244 247 247 Berliner Handelsgesellsch. . 12 219 223 219,5 223 Kaki Westeregeln......IC 250 252,75 254 253 Commerz- und Privat-Bank 11 186 186,25 186,25 186,25 Kaliwerk Salzdetfurth ... 1b 406 408 408,5 408,5 Darmst. u. Nationalbank 12 265 ■ 266,13 267,5 Deutsche Ban, 10 164 — 164 165,5 I. ®. Farben-Industrte ... 12 255 257,5 257 285 Diskonto.Geiellschafi Ant.. 10 54,5 — 154.5 155 Dynamit Nobel ....... 6 — —- 120,25 120,5 Dresdner Bank ■ • 1° 161 160,75 160.75 160,75 edieiBeanftalt . . ...... 9 — 166 — —- Mitteldeutsche CredilbarU ... 9 — 83,25 — 83,75 83,25 — —— — — 92.25 —— 92 91,75 ..................12 313,5 323 315 319,75 ........................U 130 130,5 130 — Frankfurt a. 'Di. Berlin Berlin, 31- Mai Geld Brief Scblug- fture i-Unr- flute Schluß Mure Anfang flute Franzoincve Holländische Stnfientirhe Noten. . . Noten . . . 16,35 168,16 21.94 111,45 58,75 2,53 111.88 80,61 58.83 16,41 168,84 22,02 111,89 58,99 2,55 112,32 80.93 59.07 Dalum 3 .5. 1.6. 31.5. 16. Norwegische Noten...... Deutsch Sestcrr .ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische 'Noten . . Phuipv Hotzmann . . Heidelberger (Semen! . Gement Karlstadt . . Wayß & Freitag . . . • 10 . 8 10 116,5 137 178 113,5 117,25 137,5 114,5 116 113,5 2 111 Schultheis Patzenhoser 15 — — 311,5 314.75 12.405 12,465 Cftwerle...... 12 - —- 252,5 254.5 ungarilche Noten .... 72.85 73,15 Ber. Glanzstoss . . . Bömberg...... 18 14 440,5 445 442 350 444 352,5 Devisenmarkt Derlin -Frankfurt a. M. flellstois Waldbof . . Zellstoff Aschaffenburg Charlottenburger Stalle - • 12 247.5 194 250 247.5 194,75 250,5 Te legraphische Auszahlung. • * 8 . 0 . 0 — — 110,75 919 9R 212,25 53 50,25 31. M ct 1- Juni Daimler Motoren .... Teullche Maschinen-Fabrik 54,5 — — 54.5 51.25 Amtliche Notierung (Seit» l Briet Amtliche 'JiDlieruna iÄeld Briet Adlerwerke itleoer . . . 5 53 53,25 51,5 — ÄMN-- R0N. 168.43 168,77 168.3/ 168.71 Ludw. Lvcme .... 10 — _ 203,75 205 Buen.-Aires 1.756 1,760 1,757 1,761 Rat. Auiomobil . . . . 0 — 28.75 28,13 Brss-Antw 58,21 58,33 58,23 58,35 Crenftein & Koppel . . b — — 93.5 93 Christtania. 111.61 111,83 111,65 111,87 Leonhard lieg . . . . 6 — - 295.75 294,5 flopenbaotn 111,63 111,8 111,64 111.86 Bamag-Meguin . . . Franks. Maschinen . . . 0 . 6 50 — 50 Stockholm . Helsing sors. 112,03 10,53 ii2,za 10,55 112,02 10,528 112.24 10.548 G)eigner . . . . • 11 74 73.25 _ Statten . . . 21,93 21,97 21.94 21,98 Heyligenstaedt . . . 3unfihjn3. . . . Lechwerke. . • • • . 0 . 4 . 8 r8 107,5 — I I 1 ! 1 1 1 London. . . Neunork . . Baris. . . . 20,324 4.191 16,37 20,364 4.199 15.41 20.322 4.1915 16,38 20,362 4,1995 16.42 Mainkrastwerke . • • . 8 — _ _ Schwei; .. 80,63 80,84 80,64 80.80 Miag. . . . ■ - 10 — — 123 123 Spanien. 58#78 58,90 58,83 58.95 Nekarjulmer . . . . . t — — Japan . . - 1 #863 1,867 1,855 1.859 Peters Union . . . . Gebt. Roeder . . . . Boigt & Haesrnrr . . Südd. Zucker .... ... 8 . . 10 ... 8 ... 8 Dan — 210 151 knoten Illi 121,25 210 149,25 Illi Rio de Jan Wien in T-- Ceft- abgest Prag . . . Belgrad . - Budapest - - Bulgarien Lissabon . Danzig. . . .flonft ntin. 0.497 58,83 12,415 7,36 73,03 3,027 18,73 81,12 2,024 0,499 58,95 12,435 7,37 73,17 3,033 18,77 0,4975 58,83 12,414 7,363 73,02 3,029 18,78 0,4975 59,95 12,434 7.377 73,16 3.035 18,82 Berkin, 31. Mai Geld Bries 81,38 2,028 5,455 81,24 2,018 S.d.IS 81,40 2,022 5.445 Lmerikantiche 'Noten 4,178 4,198 Athen. . . 5,445 Belgische Noten . . 58,14 58,38 Canada 4,156 4,164 4,158 4,166 Tämkchc Noten . . 111,40 111.84 Um uao . . 4,066 4,074 4,066 9,074 Englische Roten. • • • * * • 20,302 20,382 Cairo . . 20,85 20,89 20,849 20,889 Salomon ®it& Btjv Schulstraße Nr.4 4918A PHOTO s» bei 1201 Zentner 20°/, 4802D SeMadhthoi Gseisen Auto Sensen Klein&Stiefel 88V machen Sie a für Knaben: und Lehrstellenvermittung erfolgen völlig kostenlos und unverbindlich 4860D S§3®r*a*hoBz Rudolf Blahut Deschenitz 98 ®Sr 4816A Schi-Wolle Gebr. Weil Neustadt 10. 4896A 487 JV Photo? ££&BK3HÜ-. 5a Auf- und Umarbeiten / Modernisieren sehr preiswert 41 u V b Bengels Mübelwerhstätten Speisezimmer / Schlafzimmer und Küchen einzelne Möbel preiswert Chaiselongues... ,. von 48.00 RM. an (MsefonO.-Decken von 12.50 RM. an Divan piüsch von 90.00 RM. an ^epolsmatratzen