Ur. 506 Erstes Blatt 178. Jahrgang Montag. 51. Dezember 1028 (Erjd)etnt täglich, außer sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. vezugspretr für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspjenmg für Träger» lohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnick und Verlag: vrLhl'Iche Unlv«rstst Europa md)t verloren. --------!-- Hoover md die Repamionskonferenz. Großes Interesse -es künftigen amerikanischen präsi-enien an -en Sach- verstän-igenverhan-iungen. R e u y o r k. 29. De;. (111.) Die aus Washington berichtet wird, beabsichtigt Hoover während feine» dortigen zehntägigen Aufenthalts an Öen B e - sprechungen des Präsidenten Loo- (tbge mit Gilbert, General Dawes, Rafus Dawes und 3 o u n g teilzunehmen, da dabei die Instruktionen für die amerikanischen Beobachter der europäischen Reparationsberatungen festgesetzt werden sollen. Hoover ist an diesen Besprechungen einmal deswegen interessiert, weil er seinerzeit als üabinettsmitglied an der Reparationsschuldcnpolitik f e U genommen hatte, dann aber auch, weil die praktischen Auswirkungen der kommenden Reparatians- abmachungcn in seine Amtvperiode fällt Hoover ist schärsster Gegner der Reparativ n s - und Schutdenverquickung, außerdem gehörte er bisher zu der in Mehrheit befind- lichen amerikanischen Wirtfchaftsrichtung, die die Flüssigmachung deutscher Eisenbahn- b o n d s auf dem amerikanischen Markte größte Skepsis enlgegenbringt. Hoover wird zweifellos Gewicht darauf legen, daß in der kommenden Sachverständigenkonferenz nur rein wirtschaftliche Gesichtspunkte eine Rolle spielen. Aus diesem Grunde ist seine Interessiertheit stärkstens zu begrüßen. Man ist auch hier der Meinung, daß die Rheinlandräumung zur wirtschaftlichen Diedergesundung Europas gehöre. Aus diesem Grunde wurden Amerikas Beobachter zweifellos elnt starke Stühe für Deutschland fein. — Line weitere Washingtoner Meldung erwartet die endgültige Bekanntgabe der Kamen der amerikanischen Beobachter erst nach dem Eintreffen Hoovers in Washington. Die oben angeführten amerikanischen Beobachter erklären schon jetzt, daß es schwer halten werde, eine wissenschaftliche Basis für die kommenden Verhandlungen zu finden. Deutschland müsse, um seinen Reparationsverpflichtungen nachzukommen, die Ausfuhr erhöhen und die Einfuhr drosseln, was sich zweifellos auf den englischen handel ungünstig auswirken werde. Eine OeckungSvorlage der Heichs- regiernng. Berlin, 31. Dez. (Priv.-Tel.) Den Morgenblättern zusolge ist fest damit zu rechnen, daß das Reichsfinanzministerium nach dcr Rückkehr des Reichskanzlers den endgültigen Haushaltsplan dem Reichska' i.-.ett vorlegen wird. Das Reichskat inctt wird aldann auch einen bestimmten Vorschlag zur Deckung des Defizit s machen. Das Kabinett wird sich nicht aus die Vorlage eines Leeretats beschränken. Dadurch werden indessen Verhandlungen über die Deckungsfrage mit den Parteien, die in der gegenwärtigen Regierung durch Minister vertreten sind, keineswegs ausgeschlossen. Es darf angenommen werden, daß der Reichsrat den Haushalt für 1929 so schnell erledigt, daß für die Beratung im Reichstag noch genügend Zeit bleibt. Die Vorlage eines Rotetats ist deshalb auch noch nicht vorgesehen. Eine neue Ausweisung aus Oberschlesien. Es wird für Polen Platz gemacht. Berlin. 29. Dez. (Sil.) Wie der demokratische Zeicungsdienst mitteilt, ist dem kaufmännischen Leiter der gesamten Plehschen Gruben, S r e i t f d) le , durch die polnische Polizeidirektion in Kattvwih ohne Angabe von Gründen d i e weitere Aufenthaltsgenehmigung auf polnischem Staatsgebiete ver- weigert worden. Gegen diese Entscheidung hat der Oberdirektor Treitschke beim Obersten r polnischen Gericht in Warschau Beschwerde er- '' ^bau Die Klage schwebt noch, aber es ist dem v ObeiVireftor Tritschke von der polnischen Verwaltung mitgeteilt worden, daß über den 31. Dezember hinaus eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung nicht e r f o l g en würde. Treitschke hat sich in seiner Beschwerde auf eine Verfügung des polnischen Staatspräsidenten vom 13. August 1926 berufen. Es liegt gegen ihn nicht öaä Geringste vor, sondern in dieser Maßnahme der polnischen Behörde kommt erneut das Bestreben zum Ausdruck, einen leitenden deutschen Beamten von seiner Stelle zu entfernen, u m ■ ü t einen Polen Platz z u 1 cf) a f f e n. Es ist zu hoffen, daß die Klage Treitschkes günstig auslaufen wird. Die deutsche Gesandtschaft in Warschau hat wegen dieses Falles bei den zuständigen polnischen Behörden Vorstellungen erhoben, die leider erfolglos geblieben sind. Oer Neujahrsempfang beim Reichs- präsi-enten. Berlin, 31.Dez. (Priv.-Tel.) Reichskanzler Hermann Müller tritt die Urlaubsreife in den Schwarzwald unmittelbar nach Reujahr an. Am Reujahrstag ist der Kanzler noch in Berlin, um dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des gesamten Kabinetts zum Jahreswechsel zu überbringen. Zu diesem Zweck sind sämtliche Reichsminister, soweit sie von Berlin abwesend waren, hierher zurück- gekehrt. Der Gratulationsemp.ang beim Reichspräsidenten wird auch diesmal in dem für die Republik traditionell gewordenen Rahmein gehalten sein. Das Jahr 1928. Don Professor D. Or. Martin Schi an, Generalsuperintendenten in Äreslau. Hat der (angfame Ausstieg des beutfdien Volkes, den ich Ende 1927 feststellen zu dürfen glaubte, an- gehalten? Oder standen wir still? Oder ging es gar rückwärts? Eins muß ganj klar gesagt werden: 1928 brachte chwere Enttäuschungen. Die Locarno-Politik hat die Erwartungen nicht erfüllt, die große Telle des deutschen Volks auf sie setzten. Das Rheinland ist nicht geräumt; es ist auch gar keine Aussicht darauf, daß es geräumt wird. Die Besetzung greift sogar sichtlich wieder schärfer ein als früher. Frankreich bleibt zäh in der Behauptung jeder Position, die es einnimmt. 1928 brachte sogar die Ueberraschung, daß der verhältnismäßig verbindlichste der französischen Staatsmänner, Briand, Deutschland gegenüver unhöflich wurde. Das ist ein Symptom. Dazu kam die andere Enttäuschung, daß England bis zum letzten an Frankreichs Seite blieb. Deutschland ist also wieder einmal zu optimiftlfd) gewesen. Diesmal gilt das nicht bloß von dem Teil des deutschen Volks, der grundsätzlich den Franzosen und Engländern alles Gute zutraut. Rein, der Optimismus hatte weite Kreise der Rechten erfaßt; er war sozusagen offiziell gewesen. Um so größer die Enttäuschung. Wenn wir doch endlich lernen wollten: Frankreich ist Deutschlands Feind in jeder Hinsicht und mit allen Mitteln. Ganz gleich ob es freundlich redet oder grob spricht: Frankreich gönnt Deutschland nichts, auch nicht das Brot zum Sattwerden. Unb England ist, weil Frankreich die Macht auf dem Kontinent hat, Frankreichs Gefolgsmann geworden, sofern Deutschland in Frage kommt. Enttäuschung — und zwar in wachsendem Maß — brachte auch der Völkerbund. In diesem Fall nicht bloß uns, sondern der ganzen Wett, sofern sie etwas von ihm erhofft hatte. Seine Ohnmacht ist groß, seine Schwerfälligkeit noch größer, am größten ist aber der — uns feindliche — Machtwille der im Völkerbund Maßgebenden. Ich will hier gar nicht davon reden, ob der Eintritt in den Völkerbund richtig war oder nicht. Rach meiner Auffassung mußte er geschehen. Aber er mußte ohne jeden Enthusiasmus geschehen, fast ohne Hoffnung. Der Bund ist und bleibt ein Machtinstrument der gegnerischen Großmächte. Immerhin: Deutschland ist im Völkerbund ein paarmal den anderen recht unbequem geworden. Es hat Briand dazu gebrockt, daß er sich in einer groben Rede bloßstellte. Es hat — durch Siresemann — dem unerhört unverschämten Polen Zaleski kräftig die Wahrheit gesagt. Aber was nützt alles? Der Völkerbund bleibt Frankreichs Herrschgebiet. Für viele wächst die Enttäuschung. Selbstverständlich nicht für die deutschen Pazifisten, die bekanntlich die Welt nicht sehen können, wie sie ist. Bleibt der Kellogg-Pakt. Er konnte bisher noch keine großen Enttäuschungen bringen, weil er noch sehr jung ist. Aber daß er Enttäuschungen bringen muß und wird, zeigt schon die Erfahrung der wenigen Monate feit seiner Unterzeichnung. Alle Mächte haben feierlich den Krieg geächtet; aber die meisten Mächte rüsten weiter, ja sie rüsten sogar mehr als bisher. Frankreich hat Kriegsmöglichkeiten vorbehalten und rüstet ins ungeheure. In Amerika sagt man vom Kellogg-Paki, was Einsichti-ge längst dachten: eine Geste, nicht mehr. Trotz der Abrüstungskonferenzen gehen die Rüstungen weiter. Diese Abrüstungsverhandlungen haben sich gerade 1928 als völliger Versager herausgestellt. Es ist für jeden Sehenden über olle Maßen deutlich, daß weder Frankreich noch England noch Italien noch die Tschechoslowakei noch Polen auch nur im mindesten abrüsten werden. Sie sagen es ja selbst; vergleiche Briands Rede! Also — sofern jemand auf Abrüstung hoffte — Enttäuschung! Enttäuschung! Das Jahr 1928 hat nach Absicht der deutschen Politik auch die Revision des Dawes-Vertrags in Gang bringen sollen. Frankreich ist in diesem Stück schwerhörig. Frankreich verjchleppt. Wagt noch jemand zu hoffen? Mir scheint, daß auch hier bereits eine bittere Enttäuschung sich abzeichnet. Wahrscheinlich wird Frankreich sogar versuchen, uns noch nicht einmal jetzt die Endsumme unserer Schuld zu nennen. Es will uns in ewiger Schuldhaft halten. Sollte es aber genötigt werden, Endzahlen sestsetzen zu lassen, so wird es sie so hoch zu berechnen suchen, daß wir darüber zugrunde gehen müßten. Mit mir fragen sich schon viele ernste Menschen in Deutschland, wie lange die ge- genmärtige Praxis der Bezahlung von Schulden durch Schulden noch weitergehen kann. Brachte die Außenpolitik Enttäuschung über Enttäuschung, so sieht man um so begieriger auf das innere Werden. Hier scheint es doch besser gegangen zu sein? Wir haben keine Revolution gehabt, wir haben wenig Streiks gehabt (dafür aber eine gewaltige Aussperrung). Man kann sagen, daß der gegenwärtige Staat sich weiter konsolidiert hat; wir haben ja auch keine Putsche gehabt! Will man das alles als Aktivposten buchen, so mag man es tun. Wenig genug ist es. Der neue Reichstag brachte sehr unsichere Regierungsverhältnisse; eine Reichs- reaierung kam ganz mühsam zustande, und sie steht auf sehr schwachen Füßen. Das Verhältnis von Reich und Ländern ist als unhaltbar erkannt; man hat begonnen, nach Wegen zu feiner Umgestaltung zu suchen, aber man hat noch keine gefunden. Das Reich und Preußen befehden sich. Das Reick und Bayern stehen sich schlecht. Neuerdings entorennt Kampf zwischen dem Reich einerseits, Baden und Sachsen anderseits. Die Reichsfinanzen stehen nicht gut; die Finanzen von Ländern wie Preußen und Hessen geben zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Wo sind die günstigen Momente? Vielleicht sieht man fte r in der einfach nicht mehr zu überbtetenben Offenheit und Rücksichtslosigkeit, mit der alle diese Streitigkeiten heute behandelt werden? Es liegt nahe, am Silvestertage 1928 um zehn Jahre Iurückzudenken. Silvester 1918, bas ich in Gießen verlebt habe, steht mir in unauslöschlicher (Erinnerung. Damals zitterte das ganze Volk, zitterte auch die Einwohnerschaft von Gießen in namenloser Erregung. Nicht etwa Furcht war es, was sie bewegte. Vielmehr der ungeheure Wandel der Zeiten, die gar nicht zu fassenden Erlebnisse des Herbstes 1918, die völlige Unsicherheit der Zukunft, die schroffen Gegensätze der Anschauungen, das alles mußte ein Volk innerlich zu verarbeiten suchen, das von seelischem und physischem Leid zermürbt war. Die Zügellosigkeit der Silvesternacht 1918 zu 1919 vergesse ich nicht, — obschon sie in Gießen viel gemäßigter auftrat als in den großen Städten. Mancher hat damals die deutsche Zukunft ganz dunkel gesehen, hat wohl gar das Ende des Reichs gekommen geglaubt. Die Erinnerung mag uns heul, am Schlüsse eines Jahres der Enttäuschungen, das, wie mir scheint, jedenfalls keinen Fortschritt, höchstens einen Stillstand, vielleicht einen Rückschritt gebracht hat, einen Trost bedeuten. Gott gab uns eine Frist, zu ringen und zu kämpfen. Am deutschen Volk wird es liegen, daß es diese Frist nutze, um sich trotz allen Feinden, trotz schwerer Ungunst der Zeiten dennoch zu behaupten. Frankreich vor einer neuen Regierungskrisis? gnnerpolitischcs Unbehagen. Paris, 29. Dez. (TU.) Der offiziöse .Excel- swr" beschäftigte sich mit der innerpolitischrn Lage und stellt fest, daß die ministerielle Lage nicht mehr so fest sei. wie zu 'Beginn der Haushaltsberatung. Äachdem sich der Ministerpräsident und der Finanzminister tm offenen Gegensatz über die Frage der Diäten- erHöhung befunden hätten, sei dies kein Ee- heimnis mehr. Das Blatt halt es für sicher, daß im Januar endgültige Klarheit geschaffen werden wird. Die Entscheidung der radikalen Kammergruppe, an die Regierung über die allgemeine Pvlittk eine Anfrage einzubringen. werde dem Ministerpräsidenten außerdem Gelegenheit geben, die Vertrauensfrage zu stellen, falls es Poincare nicht vorziehen sollte, dem Präsidenten der Republik den Rücktritt des Kabinetts mitzuteilen. — Der .Petit Pari- sien" charakterisiert die parlamentarische Lage wie folgt: 3n parlamentarischen Kreisen herrscht Unbehagen, verursacht einerseits durch die Kontroverse zwischen Kammer. Senat und innerhalb der Regierung anläßlich der Frage der Erhöhung der Diäten und der Frage, ob Parlamentarier sich geschäftlich betätigen dürfen, andererseits durch die Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Kammerfraktivnen über die Frage der Wiederzulassung der religiösen Ordens- und Missionsgesellschaften. Dieses Unbehagen wird verschärft durch die Finanz- und andere Skandal« der letzten Zeit. 3n der Kammer und im Senat hat man den deutlichen Eindruck, daß politische Zwischenfälle eintreten würden, wenn man sich nicht in der Zeit des budgetären Waffenstillstandes befände. — „Quotidien" bemerkt, es schein« nicht zweifelhaft, daß die Kammer dieses Mal, vom Senat ermutigt, ihrerseits der Erhöhung der Diäten z u st i m m t. Was wird dann? fragt das Blatt. Poincare scheint nicht geneigt zu sein, eine Doppelniederlage hinzunehmen. Wird er von den Gruppen verlassen, die ihm bis jetzt gefolgt sind und auch vor seinen eigenen Ministern eine geringere Macht behalten wollen? Allgemein glaubt man das nicht. Ein Mitglied des Kabinetts sagte gestern: Wirsindsogut wie zurückgetreten! Politik und Wirtschaft. Frankreich verbietet seinenParlamcntariern die Nebernahme von Aussichisratspoften. Paris, 29. Dez. (WTB.) Der Senat Hot in seiner heutigen Rachmittags itzung den von der Kammer bereits angenommenen Gesetzentwurf der den P a rl a m e n t a r te r n die Heb er* nähme von Aufsichtsrats stellen und sonstigen führenden Posten in Finanz- und Wirt- fchastSunternehmen verbietet, durch Handaufheben seinerseits angenommen. Der Berichterstatter hob hervor, es sei nicht möglich, vom Parlament alle di« auszuschlleßen, die einen Beruf ausüben, der irgendwie mit der Finanz im Zusammenhang stehe. Tue man das, dann gelange man dahin, baß man nur noch Berufspolitiker zum Parlament zula fe. Was verhindert werden müsse, sei, daß brr Parlamentarier mit dem Prestige Handel treibe, das ihm sein parlamentarisches Mandat gebe. Senator Francois M a r s a l fetzte sich für die Ablehnung des Gesetzentwurfes ein. Er erklärte, es sei im Gegenteil bebäuerlich, daß in Frankreich die politischen und wirtschaftlichen Kreise sich nicht besser durchsetzen. Viele englische Pariarnentarier seien Präsidenten von Danken ober großen Znbustriegesellschaften. Frankreich hätte nur zu gewinnen, wenn es durch Fachleute vertreten werde, die mit den ausländischen Finanzleuten diskutierten. Sei es in diesem Falle also logisch, die Parlamentarier von den Geschäften, die für das Leben des Landes notwendig seien, auszuschließen? Der Gesetzentwurf verbietet nicht die Beibehaltung derjenigen Posten, die die Parlamentarier vor Uebernahme ihres Mandates bereits bekleideten. Er betrifft auch nicht di« Llebemahme von leitenden Stellen in landwirtschaftlichen Genossenschaften, staatllch kontrollierten Versicherungsgesellschaften: er betrifft wohl aber die Danken und Fi - nanzgesellschaften. Gr verbietet auch Re- gierungS- und Parlamentsmitgliedern, ihren Titel auf Dokumenten finanzieller, industrieller oder Hanbelsuntcmehmungen an führen zu lassen. Der Gesetzentwurf sieht für Hebertretungen Geldbußen vor. Annahme des französischen Budgets. Paris, 31. Dez. (WB.) Der Senat hat in seiner Rachtsitzung vom Samstag die Beratung des Einnahme-Budgets beendet und das Ge- lamtbubget mit 273 gegen 17 Stimmen verabschiedet. Auch die Kammer hat Sonntagabend das Budget mit geringfügigen Abänderungen tm Tert des Senats mit 450 gegen 112 Stimmen angenommen. Der neue Text wurde alsdann vom Senat ebenfalls, trotz dieser Fiel neu Abweisungen, mit 274 gegen 16 Stimmen ge- Das politische Gesicht Europas am Neujahrstage 1929. Die Uebersichtskarte der Regierungen Europas am Reujahrstage 1929 spiegelt die zunehmende Stabilisierung des Bürgertums wider. Die in bet Nachkriegszeit weit verbreiteten sozialdemokratisch-bürgerlichen Koalitionsregierungen sind Rechtsregierungen von Polen und Albanien, führen zu den offenen, ohne Parlamente regierenden Diktaturen in Italien, Spanien, Portugal und Litauen über. Regierungen des liberalen Bürgertums. wie sie in Rumänien, Griechenland und Preffgeo] BRITANNIE MLANT. OZEAN DÄNEMARK JRI5CMER FREISTAAT , x/ er M MW! REICH I LU Das politische Gesicht Europas 1. Januar 1929. !M££zrumä- fgft=NlEN rm Bürgerliche Diktatur (oh ne Parlament) * UM Burger I .-parlamentarische Rechtsregierung * Par!.Koalition d, bürgert. Rechte und Linke ♦ Pari, bürgerl. Linksregierung♦ Pari, bürgerlich-sozial* demokratische Koalition ♦ A Diktatur des Proletariats ♦ außer in Deutschland, Danzig und Estland überall verschwunden und rein sozialdemokratische Regierungen gibt es gegenwärtig nirgendswo mehr. Dafür bildeten sich in einer Reihe von Staaten Regierungen des rechten Flügels des Bürgertums, so in Großbritannien, Frankreich, Oesterreich, .Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Schweden, Dänemark. Die scheinparlamentarischen Rorwegen augenblicklich bestehen, sind nur vereinzelte Erscheinungen. Lesters trisft man dagegen eine allgemeine Koalition der bürgerlichen Parteien. Eine ständig sich vertiefende Kluft besteht zwischen diesen zumeist rechts gerichtetrn bürgerlichen Regierungen West- und Mitteleuropas und der kommunistischen Rätediktatur in der Sowjetunion. Giraßenschlachi im Berliner Osten. Oer Verein «-Immer freu'* überfällt eine Versammlung von Zimmerleuten. — Blutige Schlägerei. — Das Bü >enunwesen in der Reichshaupistadi. Berlin, 31. De;. (Prio.Tel.) Zu einer schweren Schlägerei kam es gestern abend gegen 11 Ahr in einem Lokal am Schlesischen Bahnhof zwischen Mitgliedern des Vereins „Immer freu“, der dem sogenannten „Ring“ angefchlossen ist. und Zimmerleuten. Die Auseinander- sehungen nahmen auf der Straße ihren Fortgang, während die eine Partei mit Tischbeinen und Bier- gläsern vorging, machten die Zimmerleute von ihren Hegten Gebrauch, lieber die wüste Schlägerei wird berichtet: Die Mitglieder des Vereins „Immer treu" sind vielfach Leute, die o o r b e st r a f t sind oder mit dem Gesetz sonst in Konflikt stehen. 21m Samstagabend hatten die Zimmerleute in ihrem Stammlokal eine Versammlung einberufen. Gegen 23 Uhr erschienen plötzlich acht bis zehn elegant gekleidete Männer, die zum Teil Zylinder, Lackschuhe, Smokings und andere Gesellschastsktei- dung trugen und dem Verein „Immer freu“ angehörten und griffen öie Zimmerleute an. Alsbald entstand eine allgemeine Schlägerei; als die Polizei und das Ueberfallkommando erschienen, waren die Angreifer schon aus dem Lokal verschwunden. Eine Stunde später brach der Tumult von neuem los und nahm noch ärgere Formen an. Zu dieser Zeit kamen noch vier Zimmerleute, die auch ihr Vereinslokal aufsuchen wollten und von dem Dorangegangenen feine Ahnung hatten. Die Mitglieder des Vereins „Immer treu“ drangen auf sie ein. Auf die Hilferufe der Bedrängten kamen ihn?» ihr^ fioßegen zur Hilfe. Die Angreifer zogen P ist o^ . I e n und schossen in das Lokal, hierbei wurde ein Zimmermann so schwer getroffen, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus starb, während der Kampf noch tobte, fuhren etwa 30 bis 40 Autodroschken vor, denen vereinsfreunde der Angreifer entstiegen und sich sofort auf die Zimmerleute stürzten. Rur mit Mühe gelang es dem verstärkten lleberfaUtommanbo und zahlreichen Schupo- und firiminalbcamten, der Ausschreitung endlich ein Ende zu machen. Die Angreifer und ihre Anhänger waren beim Eintreffen der Beamten schnell in ihren Autos davon- gefahren. Die Veranlassung zu dem Kampf soll darin zu suchen fein, daß zwei Vereinsleute am Tage vorher von Hamburger Zimmerleuten auf der Straße angerempelt wurden. In der Stra- Heuschlacht sind mehr als vierzig Schüsse gefallen. Acht Personen liegen in bedenklichem Zustande im Krankenhaus. Der Zustand eines Schwerverletzten ist irahezu hoffnungslos, da ihm die Schadeldecke durch hieve zertrümmert worden ist. Rach den Schilderungen von Augenzeugen hat eine Schlägerei stattgefunden, wie sie in der Kriminalgefchichte Berlins einzig dasteht. Im Laufe der Rächt zum Montag werden sämtliche Lokale in der Umgegend des Schlefifchen Bahnhofs durchsucht werden, es ist mit einer ganzen Reihe von Verhaftungen zu rechnen. Im Polizeipräsidium haben eingehende Besprechungen über den Vorfall stattgefunden. Auher der Reserve-Mordkommission sind unter Leitung des Kriminatrats Golzow fast .sämtliche Kriminalstreisen des Berliner Polizeipräsidiums beauftragt, dem Bandentum im Berliner Vörden und Osten endlich ein Ende zu bereiten. billigt. Das nunmehr endgültig angenommene Budget für 1929 stellt sich tote folgt: Einnahmen: 45 430 717 3-18 Franks. Ausgaben: 45 366 130 503 Franks. Ueberschuß der Einnahmen: 64 586 845 Franks. Aus aller Wett. Aischertragödie auf dem Peiputzsee. Auf bcni über 3500 Quadratkilometer großen, 143 Kilometer fangen und 50 Kilometer breiten Peipus°See im Osten Estlands spielte sich eine furchtbare Fischert. agodie ab. 160 Fischer sind auf einer großen Eisscholle durch starken Wind mit allen ihren Rehen in den offenen Peipus-See abgetrieben worden. Mit größter Mühe ist es gelungen, 77 Fischer zu retten. 83 Fischer werden noch vermißt. Es muß angenommen werden, daß sie zum russischen Äser abgetrieben wurden. Am Samstag wurden estländische Militärflugzeuge zur Versorgung der Abgetriebenen mit 5tl ibung und Rahrung aus gesandt. DaS estländische Kabinett befaßte sich mit Maßnahmen zur beschleunigten Hilfeleistung. Neuschnee im Schwarzwald. — Der Rhein führt Hochwasser. Der (Sonntag hat dem südlichen Schwarzwald * nach dem Tauwetter der letzten Tage erneuten Schneefall gebracht. Cs sind bis zu zehn Zentimeter Reuschnce gefallen, während es im Tale ziemlich heftig geregnet hat. Da die Temperatur erheblich über dem Rullvunkt liegt, iit mit einem weit eren Ansteigen der Wasserlaufe zu rechnen. Der Oberrh.in ist in den letzten zwei Tagen bereits annähernd um 50 Zentimeter gestiegen. Tie Wasserläufe des südlichen Schwarzwalds führen ihm weiterhin große Wassermengen zu. — 3n den Fluten drr hoch- gehenden Dreisam ist in Freiburg ein achtjähriger dünge ertrunken. Der falsche Prinz von Croy. Die Kriminalpolizei verhaftete in einem der vornehmsten Hotels Berlins den 38 Jahre alten, ehemaligen Kaufmann Max Firnstein, der fett vielen Monaten von den Kriminalbehörden als der falsche Prinz von Croy gesucht wurde. — Seit Monaten liefen aus verschiedenen großen Städten des Reiches Anzeigen wegen Z e ch - betruges, Warenbetruges und Diebstahls ein, bei denen stets angedeutet wurde, daß man den Täter in einem hochgestellten Manne vermute. Alle Bestohlenen hatten mit einem eleganten Herrn verkehrt, der sich bald „von Ahlers- berg", bald „Prinz Croy", bald wieder anders nannte. Auch in Berlin stieg in einem Luxushotel Unter den Linden ein Herr in mittleren Jahren ab, der ein ganzes Apartement mietete und sich als Prinz Croy in das Fremdenbuch eintrug. Der Gast suchte bekannte Schneibel a t c l i e r s und Ju weitere auf, bestellte hochelegante Anzüge und kaufte — natürlich ohne bar z u bezahlen — kostbare Ringe und andere Schmucksachen. Der Zufall wollte es, daß zur gleichen Zeit der wirkliche Prinz Croy in einem Hotel in der Nähe des Potsdamer Platzes wohnte, und so gingen die Rechnungen feines vermeintlichen Bruders an ihn, wo sie Erstaunen heroorriefen. Aus dem Hotel Unter den Linden verschwand eines Tages aber der Gast, ohne feine Logisrechnung und die Liquidation eines Arztes zu begleichen. Die Kriminalpolizei, die den Spuren des raffinierten Hochstaplers eifrig nachging, ermittelte, daß er nur wenige Tage von Berlin fortgewesen war. Dann war er jurüdge« kehrt, hatte aber das Zentrum der Stadt gemieden und war in einem Hotel im Westen eingekehrt. Hier legte er sich den Namen „Baron von T h e l c n" bei. Ehe er von seinem neuen Quartier aus wieder Streiche verüben konnte, erschien überraschend die Kriminalpolizei und nahm den Schwindler fest, der sich dann als ein ehemaliger Kaufmann Max Tirnstein entpuppte. Ein „Beerdigungsschwindler" gesoßt. 3n einem Berliner ®afe kamen Kriminalbeamte dem lange gesuchten Gauner P i h überraschend auf die Spur und lieferten ihn in das Polizeü- gefängniS ein. Aus Zeitungsannoncen "ersah er. wann und wo Beerdigungen stattsanden. Die Abwesenheit der trauernden Angehörige^» machte er sich dann zunutze, telephonierte m der nur von den Hausangestellten betreuten Wohnung an und teilte den entsetzten Mädchen mit, daß die Herrschaft auf der Fahrt zum Friedhof verunglückt fei. Gr verlangte, daß einem Boten sofort Kleider und Mäntel für die Verunglückten ausgehändigt würden. Die Hausangestellten fielen auch meist auf diesen raffinierten Trick herein. (Ein „Blindendieb" verhaftet Ein fett längerer Zeit gebuchter Dieb Rolf Ressel, der vorwiegend Blinde bestahl und zuletzt noch in einer B inden chule fünf Aktentaschen von Blinden entwendet uni ihres Inhalts beraubt hatte, wurde jetzt von dec K iminal- polizei verhaftet. Wie jetzt feststeht, £ai chc auch eine Reihe junger Mädchen, mit benen er Bekanntschaft geschlossen hatte, ihre Gridbörseir gestohlen. Opfertod eines Fünfzehnjährigen. Beim Schlittschuhlaufen brach in der Nähe von Bebitz bei Könnern (Provinz Sachsen) ein Kind durch die Eisdecke und ertrank. Ein ISjähriger Schuler geriet bei einem Rettungsversuch selbst unter bas Gis. Er konnte ebenfalls nur als Leiche geborgen werden. Die Wetterlage. lIX Sonntag. .DezO.1928,8Brr ywoiRCRioi. öRtdtf. onai» •*«<*!.» «ging. O oeacui » Schnee A Sreupeln. e htDti K 6fe'itlcr.(§)w 'roiulK.-O-' k» lichter O*i ^5 »MSiflt» tüdiuoeftn Q ilurm»en im Etikett H.C.Könisr, SleinhascnVwestfi (ML Aus der provlnzialhauptfiadt Gießen, den 31. Dezember 1928. Jahreswechsel. - Lagcskalender für Dtadtthrater: „CharleyS Tante, 19,30 V.s.B 08: Silvesterfeier im Vereinsheim. — Lichtspielhaus, 'Bahnhofstraße: „®r geht recht«, sie geht links". — Ästoria-Lichtspiele: „Ossi auf WSN. Marburg, 30. Dez. Der Negierungspräsident hat eine Belohnung von 10 00 Mark für die Ermittlung des Mannes ausgesetzt, der am Abend des 27. Dezember in der Frankfurter Strahe den Studenten Erich Schwerdtfeger durch einen Revolver - s ch u ß in den Unterleib schwer verletzte. Der Täter wird wie folgt beschrieben: Alter 2K bis 30 Jahre, eckiges Gesicht, Brille, ziemlich kräftige Statur, 1,70 bis 1,75 Meter groß, dunkelbrauner Mantel mit Nückengürtel, grauer Hut, ähnlichfarbige Stoffgamaschen. Berliner Börse. Berlin, 31. Dez. (WTB. Funkspruch.) Das Geschäft ist im heutigen Frühverkehr noch ganz unentwickelt. Die Tendenz scheint aber weiter freundlich zu bleiben, zumal der heutige Zahltag so gut wie überwunden ist. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nennt man: Paris 124,08, Mailand 92,78, Madrid 29,74, Schweiz 25,1825, das Pfund 485,45 und den Dollar 4,198250. am 16. Januar in „Nathan der Weife*. — Am Neujahrstag wird 15 Uhr voraussichtlich zum letztenmal das Kinbermärchen „Pinke- punk" aufgeführt. Abends gastiert das Frankfurter Neue Operettentheater mit einer Neueinstudierung von Buchbinders Operette „Die Försterchristel". Nudolf Nudolfi, der erste Operettentenor des Düsseldorfer StadttheaterS, wird in der Nolle des Földessy gastieren. Die Försterchristel spielt Fräulein Lydia Petry. — Am Mittwoch, 2. Januar, findet die zweite Wiederholung von Tolstois „Unb das Licht scheinet in der Finsternis" statt. Spielleitung Oberspielleiter Hans Tanner t. — Freitag, 4. Januar, findet die erste Wiederholung von Thomas beliebtem Schwank „CharleyS Tante", Musik von Hugo Hirsch, statt. Kapellmeister Bauer von hier hat die musikalische Leitung ** Militärpersonali«n. Generalleutnant v. Stülpnagel, bisher Jnfanteriesührer V, wurde mit dem 1. Januar zum Kommandeur der 4. Division und Befehlshaber im Wehrkreis IV, Oberst Fleck, bisher Kommandeur des 3. (Preuß.) Jnf.-Regts., mit dem 1. Januar Autn Infanterie- führet V ernannt. Oberfähnrich Breith bet Kapelle vorgetragen. Alle, von bet „Hymne an die Nacht" von Beethoven bis zum „Rhein- glauben" von Sonnett waren prachtvoll. Hoffent- sich erfreuen die Gießener Gesangvereine auch ferner die Patienten der Anstalten öfter« mit solchen Darbietungen. ** Auftrieb o u f dem heutigen Frankfurter Scylachtviehmarkt: 417 Ochsen, 62 Bullen, 579 Kühe, 386 Färsen, 404 Kälber, 61 Schafe und 2509 Schweine. Zeppelin, wo sein Werk heute noch in seinem Geiste sortlebt. Der Redner besprach dann die Vorbereitungen zur großen Amerikasahrt, schilderte die Abfahrt aus der Heimat und die Reise über das Weltenmeer. Intercsiant waren die Erzählungen über die Eindrücke während der Fahrt, der objektive Bericht über die Beschädigung der Stabilisationsfläche, sowie der notwendigen Reparatur während der Fahrt. Mit großer Begeisterung sprach der Redner von dem herzlichen Empfang in Amerika, und dem dort herrschenden Jubel, welcher der deutschen Arbeit gegolten habe. Er sprach dann noch über den Aufenthalt in Amerika, dabei seine persönlichen Eindrücke schildernd, und übermittelte aufgetrogene Grüße unserer dort weilenden Landsleute, die mit Stolz sich ihrer Heimat erinnern. Der Redner schilderte hierauf den Abschied und die Abfahrt von Amerika, sowie die Rückfahrt, welche sich durch den teilweise sehr starken Rebel noch schwieriger gestaltete als die Hinfahrt, sprach von dem eindrucksvollen und herzlichen Empfang in der Heimat und verband damit den Wunsch, daß das von Graf gewiß ein gutes Zeichen — nach einigen Umstellungen sämtliche Leute, die ihm feit vielen Jahren angeboren. Die Versammlung wies einen guten Besuch auf. # LI tphe, 30. Dez. Das hiesige Hof gut bet gräflich Solms-Laubachschen Standesherr- schaft ist durch Kauf an ben Fabrikanten Rinn in Heuchelheim bei Gießen übrrgegaugen. Das Gut umfaßt etwa 700 Normalmorgen und gilt in der ganzen Welterau wegen feiner Lage und feines ausgezeichneten Lößbodens als eines der besten Güter. # Trais-Horloff. 30. Dez. Der Arbeiter O b e r h e i m von hier stürzte beim Reinigen bes Löffelbaggers aus ansehnlicher Höhe zu Boden. Er zog sich dabei einen Riß der Milz zu, an dessen Folgen er im Krankenhaus zu Hungen verstarb. Kreis Friedberg. LPD. Friedberg, 29. Dez. Auf Antrag des Milchhändlerverbandes fand eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern deS Frankfurter Milchhändlerverbandes zwecks Neuregelung des Milchpreis e S statt. Die Vertreter des Handels verlangten einen Abschlag. Eine Einigung kam nicht zustande. Daraufhin setzten sie den Preis diktatorisch um2Pf. vom 1. Januar 1929 ab herab. Sämtliche weitere Anträge der Vertreter der landwirtschaftlichen Organisationen bzw. der Arbeitsgemeinschaft wurden von den Händlern abgelehnt. 00 Aus be r Wette rau, 30. Dez. Als Folg« des Regens und der Schneeschmelze ist die Nidda stark angeschwollen und teilweise über die Ufer getreten. — Infolge der Abwässer, die die Horloff der Nidda zuführt, geht der Fisch- bestand immer mehr zurück. In letzter Zeit wurden wieder tote Fische bis zum Gewicht von zehn Pfund festgestellt. OOStammheim, 30. Dez. Im G e m e i n d e - wald wurde in die Hütten der Jagdpächter eingebrochen und Schuhe, Anzüge und Gebrauchsgegenstände gestohlen. Die Diebe nahmen sich Zeit, die vorhandenen Lebensmittel in Ruhe zu verzehren. Bis jetzt find die Täter noch nicht ermittelt. Kreis Schotten. ± Köddingen, 29. Dez. Wie alljährlich, so wurde auch in diesem Jahre toteber am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags in der Kirche eine liturgische W e i hn a ch t s feier gehalten, die hier allgemein als „die LichtercheSkirch" bezeichnet wird. Dabei wirkte der von Herrn Lehrer Schmidt geleitete und wegen seiner Tüchtigkeit bekannte Ködbinger Männergesangverein, ffrei m Freitag in der Turnhalle bei außerordentlich gutem Besuch einen Vortragsabend, bei dem Philipp Lenz aus Klein-Linden an Hand von Öriginalbilbern in schlichter, aber packender Weise von seiner Amerikafahrt an Bord des „L. Z. 127" berichtete. In seiner Einleitung erwähnte der Redner zunächst die Leistungen der Zeppelin-Luftschiffe während des Krieges, lobte die Opferfreudigkeit des deutschen Volkes für den Bau von Luftschiffen, um sich dann eingehend mit der Entstehung und dem Ausbau, sowie den staunenswerten Einrichtungen des „L. Z. 127" zu beschäftigen. Weiter schilderte er die Eindrücke der ersten Fahrt des „L. Z. 127" über den Bodensee, zeigte die Naturschönheiten dielet Gegend und führte die Zuhörer im Geiste zur (gebürte- und Wirkungsstätte des Erfinders Grafen , wegen". Tageskalenber für Dienstag. S abttheater: „Pinkepunk". 15 bis 17,30 Uhr, 1-15 bis 22 Uhr: „Die Försterchristel". — Licht- s^irshaus, Bahnhofstraße: .Er geht rechts, sie acht links". — Astoria-Lichtf ptele: „Ossi auf Abwegen". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Silvestervorstellung beginnt bereits um 19.30 Uhr, um ben Theaterbesuchern Gelegenheit zu geben, zu her Silvesterfeier wieder rechtzeitig zu Hause sein zu können. — Die Intendanz hat für den Monat Januar die Uraufführungen zweier be- beutenber Autoren angenommen. „Karl und Anna" von Leonhard Frankist für den 18. Januar vorgesehen (Spielleitung Intendant Dt. P rasch), der Termin der zweiten Uraufführung „Das Dorf Sankt Justen" von Werner Johannes Guggenheim (Spielleitung Oberregisseur Tannert) steht noch nicht fest. Zu Lessings 200. Geburtstag gastiert Dr. Ludwig Wüllnet Oberheffen. Landkreis Giehen. Z Lollar, 30. Dez. Eine sehr schön oertau- feil«, stimmungsvolle Weihnachtsfeier veranstaltete der hiesige Turn- und Gesangverein (Dirigent: Berufsschullehrer Eberle) in dem bis zum letzten Platze besetzten Saale „Zum Schwanen", wozu sich die Mitglieder mit ihren Familien eingesunden hatten. Einleitend trug Herr Schneider, der den Wend noch mit weiteren Dorträgen verschönern half, Diolin- soll vor: das Gebet aus „Freischütz" und .Weih- nachtsmelodie". Nach einem trefflich gelungenen Männerchor, „Wiegenlied in der Weihnacht", begrüßte der Vorsitzende H a r b u s ch die Erschienenen. Dann erscholl die liebe alte Weihnachtsweife: „Stille Nacht" als gemeinsamer Gesang. Ein Mädchenchor brachte darauf mit Klavier- begleitung eine Anzahl Wcihnachtslieder in schöner Weise zu Gehör. Ein von Kindern des Vereins gespieltes, von Herrn Nuhl eingeübteS .Weihnachtsspiel" in drei Auszügen fand wohlverdienten Deisall. Für die Kinder fand nun bei brennendem Ehristbaum eine Bescherung statt, während für die Erwachsenen eine Verlosung veranstaltet wurde. Damit auch der Humor zu seinem Rechte kam, wurde noch ein luftiger ©in» alter in flotter Weise zur Aufführung gebracht. Der Verein darf mit Stolz auf den Abend zuruck- blicken. , l Hau bringen, 30. Dez. Der „Gesang- verein Saubringen" (Dirigen!: Berufsschullehrer Eberle. Lollar) veranstaltete im Saale der Gastwirtschaft Weimar eine Weihnachtsfeier. Nach dem vorzüglichen Vortrag passender Chöre und der Amprache des Der» einsvorsihenden R o t h, der in seiner Rede Weih- nachten als schönstes, echt deutsches Fami i.n- fest pries, sand eine Verlosung statt. Hieran schloß sich Tanz, der die Anwesenden noch einige Stunden vereinte. Alles in allem: ein schöner Abend. _ • Alten-Buseck, 30. Dez. Zu dem Bericht aus unserem Orte über die elektrische Heizung in der Kirche ift berichtigend mitzuteilen, daß die Heizungsanlaze nicht von der A.E.G., sondern vom städtischen Elektrizitätswerk in Gießen auSgeführt wurde; lediglich die Heizkörper sind von der 2bE.G. durch das Elektrizitätswerk bezogen worden. Weiterhin ist berichtigend zu erwähnen, daß trotz Fehlens verschiedener Materialien, das die Fertigstellung der Anlage verzögerte, das Gießener Elektrizitätswerk die Anlage zu den Feiertagen unter Hintansetzung anderer Arbeiten in Betrieb setzen konnte. gck. Grohen-Duseck, 30.Dez. Gestern hielt der Turnverein „Gut Heil" in seinem. Dereinslokal die diesjährige Hauptversammlung ab. Der stellvertretende Vorsitzende gab nach einer Ehrung der im Weltkrieg gefallenen Vereinsmitglieder «inen kurzen Bericht über die auS dem verflossenen Jahre zu erwähnenden Ereignisse, darunter einen Mai-AuSslug nach der Saalburg und den Heber tritt deS Vereins zu* Deutschen Turnerschaft. Es folgten die Berichte deS Schriftführers und Rechner», die genehmigt wurden. Die hierauf vor genommene Vorstandswahl ergab nur geringe Aenderungen. Da der frühere Vorsitzende, Lehrer Ortwein, eine Wiederwahl als erster Sprecher ablehnte, trat an seine Stelle Heinrich Größer; zweiter Sprecher wurde Karl H e n ß; erster Schriftführer W. Franz; erster Turnwart W. Hahn; Rechner D. D o n a r i u s. Der neue Vorstand umfaßt — wie der hiesige Schülerchvr mit. Arn Abend des zweiten WeihnachtssciertagS hielt der K r ieger- verein sein diesjähriges Wintervergnügen oder den „Kriegerball" ab. + Stumpertenrod. 29. Dez. Am heiligen Abend sand hier in der Kirche eine liturgische Weihnachtsfeier statt. Dabei wirkten mit der hiesige, von ßebrer Kunz geleitete Gemischte Chor „Eintracht', den Schülerchor und ein Chor des hiesigen Jung- mädchenvereinS. KreiS Alsfeld. t. Ober-Ohmen, 29. Dez. Am zweiten Weihnachtsseiertag begingen die Messerschmied August Kratz Eheleute das Fest der goldenen Hochzeit. Rheinhessen. WSN. Mainz, 30.Dez. Wie wir hören, ist bei der Prüfung der Kasse und der Belege in einer chemischen Fabrik in Mainz-Amöneburg ein Fehlbetrag von etwa 1 45 000 Mark fest gestellt worden. 3n die Angelegenheit sind zwei frühere Angestellte, die in Mainz und Wiesbaden wohnhaft sind, verwickelt. Die Staatsanwaltschaft ist zur Zeit mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. Preußen. Kreis Wetzlar. ch Mudersbach, 29. Dez. Heute mittag versuchte der wegen eines Nervenleidens in ärztlicher Behandlung stehende I. Sch. von hier Selbst- m o r d zu verüben, indem er einen Stein an c.ncm Draht befestigte und die en über öle Hochspannung warf, während er das andere Ende des Drahtes in der Hand behielt. Mit furchtbaren Brandwunden wurde der bedauernswerte Mann im nahen Wasser aufgefunden. Er ist sofort nach Gießen in die Klinik übergesührt worden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. WSN. Braunfels. 30. Dez. Auf Dem Bahnhof Braunfels (Lahn) geriet ein Dort wohnender 25jähriger Beifahrer zwischen zwei mit Eisenerz beladene Lastkraftwagen, die aus der Bahnhofsrampe verschoben wurden. Der Unglückliche wurde s o schwer gequetscht, dah er, obwohl sofort ärztliche Hilfe zur Stelle war, bald daraus Zeppelin begonnene Werk sich immer weiter ausbauen möge, zum Besten unseres deutschen Baier« landes. Mit einem Dankeswort von Pfarrer Becker an den Vortragenden und dem Deutschlandlied fand die für alle Teilnehmer eindrucksvolle Veranstaltung ihr Ende. — Am Samstagabend sprach der Redner über das gleiche Thema vor einer überfüllten Versammlung in Klein-Linden, am Sonntagabend ebenfalls vor einer großen Zuhörerschaft in Großen-Linden. Beidemal war dem Redner und der von ihm vertretenen Sache großer Erfolg beschieden. '^Konzert in der Heil - und Pflegeanstalt. Man berichtet uns: Am Sonntag, 23. Dezember, von 14 bis 15.30 Uhr bereitete der Quartettverein Gießen unter Leitung seine- Dirigenten, Musiklehrers Leib, den Patienten der Heil- und Pflegeanstalt eine große Freude. Zehn Gesänge wurden von ihm mit großer Kraft in Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Montag, den 31. Dezember. Kapelle des Alten Iriedhoss. Abends 6 Uhr: Pfarrer Lenz. — Alten-Vujeck. Abends 6. Dienstag, ben 1. Januar. Neujahr. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr; 5: Pfarrer Becker. — Dohannesllrche. 9.30: Pfarrer Bechtols- Helmer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfarrer Bechtolsheimer; 5: Pfarrer Müller. — Kapelle des Allen Ariedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — 11: Kinderkirche; Pfarrer Lenz. — Elifabethklein- kinderschule. 1)45: Pfarrer Müller. — wiefeck. 9.45: Opfer für die kirchliche Armenpflege; 11: Kinder- kirche. — Alten-Luseck. 10. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte; 1.30: Mainzlar. — Haufen-Garbenteich. 10: Garbenteich, 1: Hausen. — Dahenborn- Sleinberg. 1: Predigtgottesdienst; Kollekte. — Cich. 10: Stiftsdechant. Kahn; 2: Stiftspfarrer lüc. Schor- lemmer. Satholifche Gemeinden. Montaa, ben 31. Dezember. Giehen. 4.30 unb 7 Uhr: Deichte; 5: Silvester- prebigt unb Anbacht. — Cid). Abenbs 8: Silvester- anbacht. Dienstag, 1. Januar. Fest ber Befthneibung Christi. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Prebigt; 11: Messe mit Prebigt; 5: Anbacht mit Segen. — Grünberg. 9.45: Messe mit Prebigt. — Hungen. 9JO: Hochamt mit Prebigt. — Cid). 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8 30: Hochamt mit Predigt. — Schollen. 10.30: Hochamt mit Predigt. Donnerstag, ben 3. Januar 1929. Gießen. Nachmittags 5 30 Uhr: Beichte. Freitag, ben 4. Januar 1929. Gießen. Darmittoge 6.45 Uhr: Segensamt._____ Sonntagsdienst o. tterzre u. Apotheken am 1.1.29 Dr. Klewitz. Dr. Schäffer. Htrschavocheke. Zahnarzt: Dr. Jäger*D Doch optimistisch, wie der Mensch nun einmal ist, erhofft er für die Zukunft goldene Tage. Das neue Jahr, so denkt er, wird bringen, wonach mein Herz begehrt: Freiheit von lästigen Sorgen, Arbeit, die sich lohnt, erwünschte, wohltuende Ruhe, auch etwas Freude und Sonnenschein. Für den Augenblick bleibt es frellich da- bei Wo du nicht bist, da ist das Glück. führer V ernannt. Oberfähnrich B reit tja upt. Diese Betrachtungsweise geht nicht auS rechter 1. Ball. Jns.-Regt. 15, würbe mit Wirkung vom Lebensweisheit hervor. Die ist da, wo man die 1. Dezember 1928 zum Leutnant befördert, rechte Stellung zum Heute, zum Augenblick. zur Haltepunkt Erdkauterweg. In Kilo- Gegenwart einnin mt, und diese Stellung ift nur meter 1,9 ber Strecke Gießen—Gelnhausen wirb ab bei dem zu finden, der sich mit dem lebendigen, 2. Januar 1929 zwischen ben Zugmelbestellen Riegel- persönlichen Gotte verbunden weih und der pfab—Gailsche Fabrik ber neuerrichtete Halte- Ueberjeugung lebt, dah alle Fügungen seines punkt El bkauterweg eröffnet. Es halten aus Lebens von dem guten Gotte bestimmt Werden. Richtung L i ch die beiben Frühzüge Erbkauterwcg Im 62. Psalm steht ein unvergleichliches Wort, an 6.20 Uhr, *b 6.21 Uhr, Gießen an 6.27 Uhr; Da spricht ein frommer Mensch aus seiner Lebens- Erbkauierweg an 7.22 Uhr, ab 7.23 Uhr, Gießen an erfahrung heraus: „Meine Seele ist stille zu 7.29 Uhr; bie beiben Nachmittagszüge nach R-chtung Gott, der mir hilft." Es kann kein größeres Lich Gießen ab 16.34 Uhr, Erbkauterweg an 16 40 Glück geben, als wenn ein Menfch stille getoor- Uhr, ab 16 41 Uhr; Gießen ab 17.33 Uhr Erbkauter- den ist, stille über Vergangenheit und Zukunft, weg an 17.39 Uhr, -b 17.40 Uhr. Die Züge halten, stille über Heiteres und Dunkles in seinem Le- soweit sie verkehren, nur an Werktagen, an Sonn- ben, stille über da-, was ihm der Tageslauf unb Feiertagen sind dort keine Aufenthalte, bringt, stille über alle Hemmungen, die ihm "DieMufeen sind am Neujahrstage zwischen die Menschen in den Weg legen. Ein Mensch n unb t uhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet dieser Art hat bie 53btgfeit. das Gute zu sehen Die Räume sind geheizt. da» ihm der Augenblick bringt. Em freundliches •• Beratung in Erziehung«- unb Wort aus dem Munde eines anderen, ein Fort- Ehefragen. 3u der Veröffentlichung unter schreiten der Arbeit, eine ruhig« Aussprache im Heberschrift in Nr. 304 des „Gießener An- Familienkreise, ein Gang durch daS reife Korn ^gerS" ^rd uns von Herrn Dr. phil. Joh. in der SmteAeit, ein ©ornienuntergang am Neumann geschrieben: Sine ungenannt« „ärzt- Wintertage, alles nimmt der, der still geworden Il($c Sette" polemisiert in Nr. 304 vom 28. Deist. dankbar aus Gottes Hand entgegen. zember 1928 gegen meinen Artikel über Er- Wo diese Gesinnung Platz gegriffen hat. da ziehungs- unb Eheberatung mit nicht zutreffenden läßt der Menfch auch davon ab, sich mit anderen Argumenten. Erziehungsfragen dürften Fachge- zu vergleichen und babri zu meinen, die anderen biet des Erziehungsfachmanns sein, Heilpäda- seien ihm in jeder Beziehung weit voraus. Besitz aogik Fachgebiet des Heilpädagogen. Der Schluß- iind soziale Stellung spielen hierbei eine große fotz: „Da es sich hierbei um Gebiete handelt, für Rolle Menschen, die körperlich schwer arbeiten deren Beherrschung eine gründliche, langjährige, müssen, glauben vom Schicksal weit hinter denen fachärztliche und psychologische Erfahrung not- zuri.ckgesctzt zu sein, die kapitalkrästig sind. Der wendig ift, erfolgt die Auskunft an diesen Stel- Taglöhner. der Holzfäller, der Bauer mit kleinern (en durch besonders hierfür vorgebildete Fach- Besitz. t)er Beamte mit geringem Einkommen ärzte" trifft für meine rein Pädagogisch-Psycho- nimmt an, daß der Generaldirektor, der Mi- logische Arbeit nicht zu, wenn, wie es scheint, Nister, der Dörsenmann auf der Höhe deS Le- damit gesagt sein soll, daß mir diese Fachaus- benS wandle. Die Frau, die neben ihrer Haus- bildung fehle. arbeit noch die Hände regen muh, um miizu- •• Zeppelin-Vortrag. Der Cvang. Ar- verdienen. glaubt hinter der Frau zurückge ctzt beiteruerein unb ber Wartburgverein veranstalteten tU sein, die über viele dienende Kräfte vermgi. ~ - ..... ' ..... Ist das eine der großen Täuschungen des Menschenlebens. dah in dec Vergangenheit al es ro.ig gewesen sei, so ist es eine nicht kleinere Täuschung. wenn man wähnt, daS Glück sei nur bei den anderen zu finden. Unter der Krankheit hat ber Kfmia von England gerade fo zu leiden, wie ein Industriearbeiter im rhein-mainischen Gebiete. Wenn man im Sommer durch deutsche Dörfer geht, fo findet man, bah nur die ganz kleinen Kinder und die ganz Alten zu Haufe geblieben sind. Hinter Blumentöpfen, am offenen Fenster fitzen die alten Frauen, die s.ch nicht mehr viel bewegen können, auf den Dän en vor ben Häusern ober unter Bäumen im Hofe sieht man die alten Männer, sie träumen auf ihren Stock gestützt vor sich hin. Die Alten, die vornehm und reich sind, werden durch die Kurgarten zu Baden-Baden und Wiesbaden im Rollstuhle gefahren. Wer vermöchte hier einen Unterschied zu erkennen? Lerne dich bescheiden mit beinern Lose und erfasse den Augenblick; wer diese beiden Lehren besofgt, der rüstet sich in ber Silvesternacht in der rechten Wri.e auf d e Zukunft. Und wer durch Gott stille geworden ist in feinem Leben, der sieht auch mit ruhiger Gelassenheit dem Augenblick entgegen, da für ihn die große Stille anbricht. H. D. Wenn sich bei dem Glockengeläute der SUvester- nacht die Jahre scheiden, so finn^n Mele Menschen der Vergangenheit nach und Preisen die Tage, die gewesen sind. Damals war es schön, so sagen sie. da ich noch mit einem Sprung über einen Bach Hinwegseyen konnte, da ich vor den Traualtar trat, da meine Kinder klein waren unb vor mir in einer Gartenecke spielten. Jetzt aber ist alle« schal und unersprießlich, ich zerbreche mir ben Kops, woher ich das Geld für Steuern und Abgaben nehmen soll, jeder Tag bringt eine große Enttäuschung und seinen kleinen Aeraer es will im Geschäfte, im Berufe nicht der Ausführung übernommen, reckt vöranaehen. Manchem klingt es bei einem — Reichsbanner Schwarz-Rot- foldjcn Rückblick aus der Seele, was Walther Gold. Am morgigen Neujahrstage veranstaltet oon ber Dvgelweide bei einer Heimkehr in das das Reichsbanner in der Turnhalle am OSwaldS- l?anb feiner Geburt vor 700 Jahren gesagt hat: garten eine Winter-Sonnwendfeier. Nachnnttags Cent' und Land da ich erzogen ward als findet eine Veranstaltung für die Kinder statt, Kind, am Abend ist für die Erwachsenen Unterhaltung Die mir sind fremd geworden, als wär e» und Tanz. Wie man uns mttteiÜ, hat der Dor- eitl Wind. stand ein reichhaltiges Programm zusammenge- unb | stellt, um den Besuchern einige angenehme Stunden zu bereiten. Näheres in ber heutigen Anzeige. — Gewerks chastSbund der Angestellten (G.D.A.), Ortsgruppe Gießen. Born 14. Januar 1929 ab finden auf Veranlassung der Ortsgruppe Gießen deS G.D.A. für die Mitglieder Kurse über DerkaufSkunst, Bilanz, unb Steuerfragen, Lackschrift und Plakatmalen statt. Die Jugendgruppe veranstaltet am 3. Januar in der Jugendherberge einen Heimabend. Interessenten seien auf die Anzeige in ber SamStagausgabe besonder- hingewiesen. Gießen, 1. Januar 1929 Dolkengaffe 231 lergen prächtiges Sonntagsmädel angekommen 11520D Annie und Emil Pfeffer Nachruf Gießen, den 30. Dezember 192S Sch< Liebigstraße 68 IT Z. 3- Kath. Schwesternhaus LI54JD Kräftiger Stammhalter angekommen vnfera Justus Frank jr um 2 Uhr statt. 11M1D Statt Karten Gießen, den 29. Dezember 1928. 11225D II. Teil 11498D Annerod, den 29 Dezember 1928. kauft 09056 gebändert Hk. 0,28 Bandtfldier, weifi, gesäumt und H426D Cafe Amend 10903D Wf gebändert - Frottiertücher Wischtücher • ML 0,68 ML 0,75 ML 0,19 fomm 8U! fragen ° ffs Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen saßen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. Fritz Euler, Hamnistratze 16. im PerciuSlokat (Hopseid). Rege Betetltgunfl erwünscht. Der Vorstand. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Marie SackWwe., geb. Flett. Saalöffnnng 19 Uhr. Anfang 20 Uhr. Unterhaltung u.Tanz wozu alle Kameraden nebst Angehörigen herzlichst eingeladen sind. Abend» haben Kinder unter 14 Jahren keinen Zutritt. Heute früh entschlief unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Carl Caemmerer iiiiiimiiiiirtimiiimiiiiimii Photographen- Apparat Au kamen gesucht. Schrift!. Angeb. nut PreiSang. «genauer Befchreibunq, auch des Objektios. unter 0906t a. d. Gieb. Anz. illlllllHIIIIIIIIIIIIIlHIIHIHIII Lollar, den 29. Dezember 1928 z. 3- Kath. Schwesternhaus berliner «ustkolis. wm fiot 'öonragi Der i Mjen, ßabuna ? K-'lle Aufsichtsrat und Vorstand der Volksbank e. G. m. b. H. Giefeen Unsere Vermählung beehren wir uns anzu zeigen Georg. Kirschbaum und Frau Mari'echen geb. Becker 4000 NM. I bei 9’/<» aus erste Hv-1 voibeü mtßAuleibcn. Schriitl. Angeb. um. 09073 a. d. Gietz-Anz.' rin Aecht InttooTtl ba8 Änr Dorten I Deriraue Der Qh Loh du solche 3a heihung 1 Dolk. D verstehst frag ft, bit dich in so! als Wens stch em D« Schob le? Tngcl: 3 Solches Gottverir Hönde-ln- dort aus rechten 'S sollst, du Antworte Körper b tn dem sreudlge Aeuwerlx denn du m Dec/ -u erfülle tveror- schöne «ndnick. heftens Ränder Mß wir I Erde einr die 5onn' ein groß iccht ZU Am 1. Januar abends nochmaliges Auftreten des Künstlers 3a, " -lerne, r Selbst k richt der «rohen S solche 34 rerisches - kitsstrvm damit Wi’ finken, alt in dem borgen li' ltngsv'ed eine, das Das an 2lume lei selbst, nut wort Verl to wird, fommt iff dein Aeic Reich d« bist mit a Haus-LLr Metzgerei in Giesten ober kl. Landstädichen, bet 10-15 00') M An^lllg. »u taufen gesucht. Schr. Angebote von Besitzern um. 09058 an den Gieh. An». Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes sage ich auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Frau E. Scharmann. VMler-HlioeGietzen ira v. L v SWeMM: Montag, 31. Des., Pulvcrmüble. Monatr- versammlung und Siegerehrung: SamStag, 5. ^nu., Pulvcrmüble. Irden Mittwoch, Treffpunkt: C’af6 Amend. 11543D Der Vorstand. Schühenstraße 2 II 5.12V Dankeagung. Für die herzliche Teilnahme bei dem Heimgang unserer Heben Entschlafenen Frau Katharine Langohr besonders für die tröstenden Worte des Herrn Pfarrers Sattler danken vielmals Alfred Langohr. Poeteekret&r, und Frau. Darmstadt (Land), Breite Allee 281. Damen-Beielnlguna 1877-1878. Donnerstag, Z.^Zan. abends 8 Hbr. tn der Stadt Mainz: VeiWMsleler. Um vollzähliges Er- scheinen btitet ,15'2D Der Vorstand. an unseren Derkaufsleiter der Organisalions.Lbteilung Süd Herrn J. Blazek, Heidelberg, Steigerweg 8, einsenden. IRir hjpfpn kostenfreie Ausbildung in der Vertreterschule, laufende Wil UlvIvU Wocheniimesfe auf Konto der Provision, Aufstiegmöglichfett und Derkaufsunterstützung durch den Distriftsleiter von Berkel & To., Berlin W 9, Potsdamer Straße 13 AutvM. Schnellwaagen u. Aufschnittsckneidemaschinen. Eigene Fabriken Deutschland, Holland, Oesterreich, Belgien, England, Amerika u. Italien 11517V im 76. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Helene Bepler geb. Bepler und Kinder Kinzenbach, den 31. Dezember 1928. Beerdigung: Am 1. Januar 1929, nachmittags 2 Uhr. Stadttheater Dienstag, 1. Jan., muhet 'Abonnement» Kindeivoniellung von 15 bis 17'/, Uhr WCDlHir Märchenkomödie tu fünf Akten von «Fritz Peter Buch. 2)iunr von HanS Satiler. Von 19'/. bis 22 Uhr fnivicr Abonnement- Hemden Vorstellung Gastspiel des Reuen Operetten-Theaters Frankfurt a. M. (Sinmnltfle Aufführung! Die ZvrMMislel Cvcxetie in 3 Sitten v.Berich.ittuchbinder Musik o. Gg. Jarno. Mittwoch, 2.Jan., MlMOMtl.-BllL von 19l/a biö 22l'.Ubr Ond das Liebt scheinet in der Finsternis Drama tn 4 Akten von 2eo R. Tolstoi. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres Heben Entschlafenen sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Scheid Wwe. Altersvereinigung 1877 — 1927. Wir erfüllen hiermit die betrübliche Pilicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Altersfreundes Carl Caemmerer in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Mittwoch, 2. Januar, nachm. 3 Uhr, statt. Beteiligung der Mitglieder erbeten. 115540 Der Vorstand. Damenwäsche, Herrenwäsche, Kinderwäsche, BettwäsM Strümpfe, Trikotagen. 10% Rabatt oder bei je Mk. 10,— Einkauf 1 Los im Werte von Mk. 1,— d.Wohltahrts-Lotterie, Hauptgewinn 1 Wohnhaus im Werte von Mk. 25000,-. Peter Kolling Manufakturwaren Gießen, Bismarcks trabe 6 ______11538» Gießen, den 31. Dezember 1928. n34iD Ab 2 Januar 1929 Mein Sais -Ausverkauf bietet Ihnen unübertreff bareVorteile Aas meiner Stoliableiiang: Nessel......von Mk. 0.36 an Bemdentodi... von ML 0,38 an Schünendrndi 140 cm breit - - von Mk. 1.20 an Handtnchstolf - - von Mk. 0,14 an Finne!.......von ML 0.50 an Bettuchbiber -- von ML 1.68 an Größte Auswahl, alle Gewebe, alle Preislagen Mantelstoffe, Klelderstofle Ans meiner WSsdieabteifang: Handtücher, Oran, gesäumt und Am 24. d. M. verschied Herr Lehrer Weisel Garbenteich. Der Verstorbene war Mitbegründer unseres Instituts und seit Bestehen Vorsitzender des Aufsichtsrats. Ausgestattet mit hervorragenden Charaktereigenschaften, reichem Wissen und genossenschaftlicher Treue, hat er sich um die Entwicklung unserer Bank große Verdienste erworben. Sein Andenken wird von uns allezeit in Ehren gehalten werden. sind die Preise unserer sämtlichen Waren, die wir restlos ausverkaufen. Sie haben daher Gelegenheit, erstklassige Artikel Anzugstoffe v Futterstoffe Mäntel Sportartikel zu ni« gekannten billigen Preisen zu kaufen, so daß es sich empfiehlt, auch jetzt schon späteren Bedarf zu decken 10838D A. Schuster & Co,, Gieben SESi« ftfertafflte des HeiclisIiaiineFS Sräwarz-Rol-ßold Ortsverein Gießen am 1. Januar 1929 in der Turnhalle am Oswaldsgarten L Teil Anfang 15 Uhr Kinderfeier verbunden mit UeberraRchangder Kinder unserer Kameraden. Nachruf. Am 25. d. M. verschied plötzlich unser lieber Alterskamerad Karl Scharmann. Wir verlieren einen treuen Anhänger unserer Vereinigung und werden ihm ein bleibendes Andenken bewahren. Die Alteravereinlgung 1878 - 1928 LA.: Gg. Todt, I. Vor». 11531D Allen Kameraden zum Jahreswechsel ein tranig W-SIp-ffUkkOb! Lonntag, 20. ftatu abends 20 Uhr: Familienabend Silvester-Feier - Tanz Dunkler Anno er- beten _^**'*v Heute nacht entschlief nach kurzer, aber schwerer Krankh eit mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, mein lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Karl Schäfer, Eisenbahner im 46. Lebensjahre. In tiefem Schmerz: Frau Marie Schäfer geb. Schepp Frieda iSchBfer Margarethe Schilfer und alle Angehörige. Lindenstruth. Harbach, den 30. Dezember 1928. Die Beerdigung findet am 1. Januar, nachmittags im 52. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen: Anna Caemmerer geb. Schneider. Gießen (Seltersweg 58), den 29.Dez.1928. Die Beerdigung findet Mittwoch, 2. Jan., um 3 Uhr nachmittags von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. Am 30. Dezember 1928 morgens 5 Uhr verschied sanft nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwager und Onkel Heinrich Bepler Landwirt Gchneltwaagen Wir suchen für Württemberg tüchtigen VeVimier Dankeagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unsrer lieben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege allen unseren berzl. Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich L’lm Familie Friedrich Lieh. Aliendorf (Lahn), den 29. Dezember 1928. ____________________09048 | Kaufgesuche | Junge, gute, dunkle Kuh Vogelsberger Nasse, erstklassig, fehlerfrei, emgefahren. z. kauf, gesucht. Vetzberg, Krofdorf. Str. 75. (tzuteS VMM tiji. . ।u ____ , 1 icniis ttnazeiinaen I •*y Der Ueuiiflcn Gesamtauflage des Gtenener Anzeigers liegt ein Proiveki der Bottina Schub ttzelellfch. m. d. <*., bei. ■6" < löv d Ll ßer | ieti j I I54JD t WWg 1878. 1541D tag/LLan. !br ,n Ser Mainz: Ml. Mgeö Grilltet w'-o Vorftaud. WM LV M: , S\. Trz. tmublc. )not$= mlung unö rdining: 10, l'. dotl' ermuble. Mittwoch, mit: Caf6 L l^D Vorstand. .theater ft.«*1'11 ZÄL ete< nloinödle' -Z W- SSeatct» «All»./ Illinois HK K- E BL a >L tolM -'L° V o Sanietobtn ihieoweM kräiiw tp-Wll»! l6, '20.9«* ;sA Nr: niliett- sr OPttlb'1 $ettll'flun|1 IHontjg, 5’. Dezember M8 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr 505 Zweite; Blatt tore mit -y- cud) las^ Gilvestersitten. Don Max Jungmckel. GeÖankenstärke der Besten unteres Vaterlandes gelingen wird, neue Ideen mit den kostbaren Schätzen der früheren Zeit zu verschmelzen und aus ihnen vereint dauernde Werte zu prägen, zum Heile unseres Daterlandes." Wit solchem Vertrauen, mit solchem Hoffen, das wir uns auf unser eigenes Innere, aber nicht auf die Welt da draußen stellen wollen, auf unsere Seelenstärke und unser Gottvertrauen, das uns schon so manches Mal aus schwerer Notzeit. die als Prüfung unserer Starte über uns dcchinging, wieder zur Höhe geführt hat, wollen wir über die Schwelle des Iahres gehen, nicht im Taumel, sondern gerüstet mit den Waffen unseres Geistes und unserer Liebe, gepanzert mit dem Willen zur Tat, geleitet von unserem Glauben an die helfende Daterhand über den Sternen! Taten für Dienstag, I.Zanur. 1864: der Geograph Alfred PhiUppson in Bonn geboren; 1888: der Historiker Johannes Hohlfeld in Reichenbrand i. Sa. geboren. Mir fällt eine alle Uhren-Jnschrist ein, die ich als Silvesterweisheit in meinem Heimatdorfs Es gab natürlich allerlei Zugaben, viel Applaus, außerdem eine sehr hübsch zufammen- geftellte Tombola, zuletzt Tanz, Tanz, Tanz bis in die aschgrauen Pechpuppen. Rohrpost. Auch einige andere Vervollkommnungen des Bureaubetriebes fehlen noch in vielen großen ilntemebmungen. In Amerika gebraucht man allgemein die Diktier maschine, bei der in eine sich drehende Wachswalze das Bild der Stimme eingegraben wird, so daß das „Manuskript" von" der Maschinenschreiberin zu jeder Zeit abgehört werden kann. EinTelegraphon dient dazu, durch Einschaltung in den gewöhnlichen Fernsprecher jedes Ferngespräch unvergänglich niederzuschreiben und so einen füllen Zeugen für getroffene Verabredungen zu schaffen. Schaltet man diesen Apparat an ein in den Tisch des Konferenzzimmers eingebautes2ausch-- mtkrophon, so kann man alle Gespräche belauschen, die z. B. der Einkäufer mit den Vertretern führt, und man kann sie gleichzeitig schriftlich festhalten. Wichtig sind auch die Chis s r i erma schi - neu, die es ermöglichen, jeden Text so umzu- wandeln, daß es für einen anderen unmöglich ist, ihn zu erraten, sowie die eigenartigen Stenographiermaschinen, die auf 45 Tasten neben den üblichen noch eigene Stenographie- Sigel enthalten, so baß man noch einen besonderen Stenographtesyslem ebenso rasch Briese schreiben kann wie man spricht. Freilich muß der Empfänger dieses Stenogramm zu lesen verstehen. Ob Mefc neuen Apparate sich allerdings immer ft> bewähren, wie sich der Erfinder das vvrstellt? Da muß man einmal einen Soldaten der österreichischen Armee fragen, der einem das Folgende erzählen kann: .Wir hatten in Kriegszellen an allen Fronten ähnliche gebaute Abhorchstationen wie das Lauschmikrophon. In Villach, dem Hauptquartier der 10. Armee de- Kärntner KrieyS- zufchauplatzkS. wurde ein obskure- Hotel in eine Gefangenenstation für italienische Ueberläufer umgestaltet; in die Wände der Zimmer waren Lauschmikrophonc eingebaut, die mit einer Ab- horchstation in der Mitte des Gebäudes verbunden wurden. Eifrig bemühten sich die Dol- metfcher, aus den Gesprächen der Gefangenen wichtige Rachrichten zu erhalten. Die Dache hatte nur einen großen Fehler: wenn die Gefangenen nicht gerade aus Langeweile schliefen, unterhielten sie sich über die schlechte Kost oder den Mangel an Tabak, niemals aber über Strategie. So blieb nichts übrig, als einen geschickten Oesterreicher zu ihnen zu schicken, der sie ungeniert und meist sehr erfolgreich interviewte und alles aus ihnen herauszog, was für die Kriezs- führung von Wichtigkeit war. Um aber das arme Mikrophon nicht schlecht zu machen. Neideten wir unsere Protokolle in die Form von erlauschten Gesprächen und schufen damit unserem Leiter der Rachrichtenstelle viel Ansehen beim Armeeoberkommando." fachste wäre die gewöhnliche Drahtpost, bei der Heine Wägelchen mit Katapulten auf gespannten Drähten von einer Station zur anderen geschossen oder durch ganz schwache Motor« mit Druckknops-Betätigung wie in Auszügen befördert werden. Zweckmäßiger sind die durch Drehscheiben bewegten S e i l p o st e n, bei denen man kleine Wägelchen am endlosen Sell feftflemmt; die Dries- fachen werden dann an der bestimmten Stelle von selbst durch eine Auslösung abgeworfen. Ebenso zweckmäßig ist die vielfach benützte Moderne „Geisterstimmen". Die Konferenz der abwesenden Direktoren. - „Derkehrsprobleme" des Großbetriebes. - Ein Bureau der Zukunst. - Der „mechanische Botenjunge". Das verräterische Lauschmikrophon. - Eigenartige Stenographiermaschinen. Von Dr. Siegfried Kurth. Man besucht den Direktor eines großen Industrie- llnternehmens. der gerade im Zimmer aut und ab geht; plötzlich ertönt eine scheinbar aus dem Richts kommende Geisterstimme, ruft ben Direktor beim Rainen und stellt an ihn eine Frage. Er antwortet ruhig, und bald komnll mit seinem unsichtbaren Panner eine angeregte Unterhaltung in Gang, bei der er ungehindert seinen Spaziergang im Zimmer fortsetzt. Es ist, als unterhielte er sich mit einer Person, die unter einer Tarnkappe versteckt im Zimmer weilt. -- Das ist kein Märchen, man kann diese Situation tatsächlich erleben. Aus eine erstaunte Frage wird der Direttor auf einbraunesKästchen Hinweisen, das im Zimmer, von einigen Akten verdeckt, auf einem Tischchen steht. „Das ist ein Apparat," kann er erklären, „der mich mit vielen Abteilungen unseres großen Betriebes über weite Höfe ►’intoag' verbindet. Gr ist einfach an die Lichtleitung angeschlossen, arbeitet ohne kostspielige Derstärkerlarnpen und gibt durch ferne starte Lautsprecheinrichtung die Möglichkeit, mich durch Drücken eines Reinen Hebels mit einer beliebigen Abteilung zu verbinden. Dort kann meine Stimme laut gehört werden, wie auch ich alles laut höre, was in den anderen Abteilungen in das Wandtelephvn gesprochen wird. So kann ich trotz der Entfernung alle Anordnungen erteilen, Briefe diktieren und ganze Be- trieoskonferenzen abhalten, indem ich gleichzeitig mehrere Stellen einschalte. Richts stört mich in meiner Konzentration, ich kann jeden Müit- arbeiter stets sofort er reichem kann aber auch Anrufe, die ich nicht wünsche, ablehnen. Freilich ist es nicht sehr wahrscheinlich. daß der Apparat für Konferenzen sehr weit entfernter Teilnehmer der Ünterrebung benützt werden kann, etwa für Besprechungen zwischen Berlin, Paris und Rom, denn die Kosten für die Apparaturen wären dabei vorläufig noch außerordentlich hoch; der Apparat dient vielmehr nur dem Hausverkehr." Man stelle sich aber einmal vor, wie bedeutungsvoll diese neue Einrichtung für einen Großbetrieb werden kann! Der Direktor wird z. D. von einem Reisenden seiner Firma angerufen, der im Zug nach Hamburg sitzt und über eine gelungene Verhandlung berichtet. In diesem Fall kann die Direktion die Verkaufsabteilung mit- Horen lassen. Während der Direktor nun eine Muschel des Apparate- selbst ans Ohr legt, hängt er die andere an und schallet gleichzeitig den Einkaus ein, so daß diese Abteilung ebenfalls hört, was der Vertreter auf dem durch Mecklenburg rasenden Zug der Firma erzählt. Es ist lehrreich, mit dem Direktor eines so fortschrittlichen Betriebes einen Rundgang durch die Arbeitsstätten zu machen. Man wird bann auf einige andere Einrichtungen aufmerksam, bte dem von Ford ausgesprochenen Grundsatz entsprechen: »Jeder ersparte Schritt ist C e w i n n". Wie werden die Schriftstücke innerhalb des ganzen Dureauhauses verteilt? Bisher war ein regelmäßiger Verkehr durch Boten,ungen organisiert, die in bestimmtem Abstand von 15 ober 30 Minuten Rundgänge durch das ganze Haus antraten. In* jedem Zimmer die in einem Drahtkorb bereitgelegten Stücke aufnahmen und die mitgebrachten Briefsachen in einen anderen Korb legten. Alle Stücke wurden in einer Haus- postzentrale sortiert und dort mit größter Pünktlichkeit den Botenjungen mitgegeben. Run will man „mechanische Dotenjungen" einsühven. Dazu • kommen mehrere Verfahren in Betracht: DaS ein- Goethe-Bund. Vortragsabend Refi Langer. Sine ausgezeichnet besuchte Sondervevanstal- tima des Goethe-Bundes in den Raumen des KlubS brachte am Samstagabend bie bekannte Berliner Brcttldiva Rcsi Langer mit ihrem musikalischen Begleiter und Genossen m Apoll, fern Komponisten Dr. Stefan Weisel an den ^Wer^die^ Kabarettistin einmal erlebt hat. wird sie lange im Gedächtnis behalten unb wird wissen, worin ihre Eigenart und ihre aSirfung bestehl. Wer sie nicht kennt, dem kann man schwer eine Vorstellung vom künstlerischen Wesen dieser Vertreterin einer einst — zu Wrdekinds Seiten — in hoher Blüte stehenden, nun aoer fast auS- gestorbenen Gattung des literarischen Kunstgewerbes vermitteln. Man muß sie also ge ißen, man muß sie vor allem gehört haben. 2luf das Gehörte kommt es an, nicht auf den Augeneindruck. __ Wir fanden sie. seit wir ihr vor etwa drei Jahren in einem kleinen Kabarett des Berliner Westens zum ersten Male begegneten, wenig verändert. Die erstaunliche Dchlagfcrtigk.tt und der entwaffnende Redeschwall, auf dnn ein mcht Sringer Teil gerade des reichshauptstädtischen nsehens der Langer beruht, haben sich womög- ,rch noch vervollkommnet. Dies hat aber lediglich mit der Wirkung auf die Publikumsmenge tu tun, nicht mit ihrer literarischen Sonderbe- gabung, die stets nur von einem Heineren und - fonderes zu bieten hak. Die verschiedenen „Rummern" waren erprobte, zugkräftige Programmstücke im echten Drettlstil, scharf pointtert und frech wie „Der Schrank', mit hübschem Refrain wie „Der schauderöse Ferdinand", mit „ernstha.ten" Ambitionen wie der handfeste Edelkitsch der „Galeere" ... alles ohne die literarische Rote, wie sie seinerzeit etwa der Ehrgeiz der „Elf Scharsrichter" war. Silvester ging in meiner Heimat, in der Niederlausitz. der Kantor mit zwölf Chorjunaen singen. Dafür hatte er Geld zu beanspruchen; denn dieses Gelb war das gesamt« Kantoreinkommen. Aber nicht alle Kirchspielbewohner gaben ihm freudig diese Abgabe. Oft waren Tür und Tor verschlossen. Da kletterten eben einige jungen über das Hostor unb riegelten es von innen auf. Dos gesamte Geld bekam ber Kantor, der damals wirklich das arme Dorsschulmeisterlein war, bas sich durchhungerte unb bas sich schon ein ganzes Jahr lang auf diesen Singsang freute. Am Schluß der Singesahrt beka- men die Chorjungen in der Kantorstube Suppe und Schweinebraten ausgetischt. Als Nachtisw wurde Lotto gespielt. Als Gewinn stand Kuchen bereit — Ja, ja: Die gute, alte Zeit! „Die größte Wurst soll seine jein, dem armen Dorfschulmeisterlein." Don der Christnacht bis zum Tage .Heilige Dreikönige" sind die .^mölf Nächte". In diesen zwölf Nächten geht die sogenannte Bauernuhr. Das sind Regeln, graue Weisheiten, nach denen sich mancher besorgte Bauer richtet Wollen wir diese seltsame Bauern-- ubr einige Ewigkeitsminuten aussagen lassen: „Wenn die Sonne am heiligen Christlag scheint, so bedeutet es ein glückliches Jahr. Den zweiten bedeutet es Teuerung, den brüten bedeutet es Wi- einigfeit, den vierten drohet es den Kindern Masern und Blattern, den fünften gerät das Obst wohl, den sechsten gibt es Ueberfluß an Douernsrüchten, den siebenten gute Viehweide, hingegen Teuerung an Korn, den achten viele Fische und wilde Vögel, den neunten den Kaufleuten glückliche Handelschaft, den zehnten gefährliche Gewitter, den elften große Nebel und Krankheüen, den zwölften bedeutet es | Strieg und Blutvergießen." — Man bekommt 3um neuen Jahre! Don Dr. A. W. Krannhals. Was kommt tm Jahr, kannst nit duvchschaun, Mußt hoffen und auf Gott vertraun 1 Luther. Unb wieder stehen wir vor dem dunklen Vor» bang, den wir Menschen uns selbst gezogen. Fragen, bange und verzweifelnde. heischende, btt- tenbe, hassende Fragen werden laut oder verbergen sich scheu im Herzen, ewige Fragen, Die Wir Erdgesessellen immer wieder stellen, wenn ein Iahr dem andern im Scheidegruß und Will- komm zugleich die Hand reicht. Was ist dieses Fragen mitten in der Zeit, das doch über bie 3eit hinaus will, bie unS unerbittlich in ihren hämmernden Stunbenschlag bannt, anderes, als ein Selbstbesinnen, toa« kann es anderes sein, da wir doch trotz aller Mühen wissen, daß «Hernes Schweigen allein die Antwort ist. und oäbe es keinen Gleichgültigen. und wäre solche Frage nach dem. was da wird, ein einziger Schrei der gequälten Wenschheitl Unö doch! Daß wir fragen, baß wir uns solche Stunde ber Selbstbesinnung selbst schaffen, daß wir sie gerade an die Stelle sehen, da unsere Erde einmal Öen Laus um unsere Weltenmutter, bk Sonne, oollenöet. gerade Darin liegt ja schon eh groß Teil Der Antwcrt selbst, wenn wir nur r«d>t zu lauschen verstehen auf öas Rauschen der Zeit, das in unfern Herzen wiedertönt. In unfeDcn Herzen! Der laute Lärm der Welt Ist stumm mit seinem Rauschen, Ersehnst bu Gottes Wort, Mußt bu nach innen lauschen. 3a. in beiner Brust sind deines Schicksals Sterne, nut in ihr, in dem besten Teile deines Selbst kann dir solche Antwort werden. Ist es nicht ber ewige Sonnenglaube, ber uns eng dem großen Geschehen des Alls verknüpft, der dich solche Jahreswende, die doch eigenllich. nur rechnerisches Menschen werk ist. das den großen Ewig- keitsstrom ber Zeit in Heine Tröpslem zerteilt, damit wir kleinen Erdenkinder nicht im ihm versinken als etwas Geheimnisvolles empsinben läßt, in dem Doch zugleich so starke Hossnung geborgen liegt, die uns aus ber ewig neuen Fruh- lingswiederkeht der Sonne erwächst? Das ist das dne, öas schon Antwort ist aus all Öas Fragen. Das andere aber erblüht aus ihm, wie eine Blume leuchtender Erkenntnis: Daß nur aus dir selbst, nur aus Deiner eigenen Brust Dir Die Antwort werden kann auf die Frage nach dem, was da wird. In Der Bibel steht: daS Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; auch für dein Reich, für deinen Lebenstrris und für das Reich des deutschen Volkes, dem du verhaltet bist mit allen Fibern deines sehnendeii, pochenden Herzens, gilt das Wort: „Es ist der Geist, der sich Öen Körper baut!" Der Geist! Daß öu Nr solche Stunde schafsst. daß du in ehrlichem Ringen um Dein selbst solche Jahreswende begehst, daS ist schon Verheißung für das kommende Iahr, dir und deinem Volk. Denn dieses dein Fragen, so du eS recht verstehst und nicht nach den Dingen der Welt fragst, die Motten und Rost fressen, und so du dich in solchen Fragen nicht über deine Grenzen als Mensch erhebst, sondern dein Haupt in kindlichem Vertrauen Dem Lenket bet Welten in den Schoß legst, ist schon für sich ein Ringen mit dem Engel: Ich lasse dich nicht, bu segnest mich denn Solches Rachinnenlauschen und solch kindliches Gottvertrauen ist dann kein schwächliches Die- Hänbe-in-Öen-Schoß-legen. Rein, es ist die Antwort aus Die Frage deines Herzens nach Dem rechten Weg den du in dem neuen Iahte gehen sollst, bu unb alle mit dir. Solches Fragen unö Antworten aber, Öas ist öer Geist, ber dir Öen Körper baut. So hast öu Öen Sinn gewonnen, in öem schier sinnlos erscheinenöen Tun. Die fteuölge Gewißheit, öaß jede Erneuung, leöeö Reuwerden nur aus dir selber kommen kann Wenn bu nur die Hände regst und mitbaust «M Werte deines Lebens, deines Kreises, Den du au erfüllen hast, deines Volkes, deines Vater- landes Wer sich ums Leben drückt, hat weder ein Recht auf fein Fragen, noch erhält er eine Antwort'. Rur tatfroher Glaubenssinn schafft baS Reue, so wie ein Hindenburg ihn in den Dorten lebt unö bekundet: „Ich habe dos sichere Vertrauen, daß es der Gedankentiese und der Bezirkssparkasse Gießen. Dieser Tage wurde in Anwesenheit des Der- tr t rs der QLf ichtsdeh rbe, Oierr:g erungsrats Dr. H e ß, die d es.„hrige ordentliche Mitgliederversammlung ber Dezitks- sparkasse Gießen abg halten. Der D«- sitzendr. Dir ktor Zach eis, gib nach enlcit.irden Worten der Begrüßung, auch an den erschienenen Vor'iy.nben des Hessischem Sparkassen» und Girov:rbandes, Iu' i rat Dr. R e h (Darmstadt), zunächst einen kurzen Ueierb.ti ü er bie feit der letzten Qöitg ieb .trrtfammluni bei der Sperl, s o o:rg'.n:mm:re i g fetzl chen ReK ioncn, sowie über die llmstel ung des Spat- und Dat- lehensvcrlehrs auf maschinelle Grundlage und tia beabsichtig e Errichtung einer Re enftclie in L i ch. Er gedachte sodann in ehrenden Worlen des verstorbenen Tkrtrri rS G.m in erat Im'tri ebs W l- helm Weber in K ein-Linden und ber e enjalls verstorbenen früheren Auf ichtsratsmitglieder Orbig (Gießen) unö Walther ('Saubringen). 6 ob amt trug der Vorsitzende den Rechen- schasts - und Geschäftsbericht über bert Abschluß der Rechnung, über die Bilanz, sowie Gewinn- und Verlustrechnung für 192Z vor. Aus dem Geschäftsbericht geh' hervor, daß bic Spareinlagen im Berichtsjahr eine erfreuliche Entwicklung genommen haben. Sie fliegen von 3 935 000 Mk. auf 6 118 000 Mk., haben somit eine Zunahme von 2 183 000 Mk. erfaßten. Die Kontokorrent-ur langong em. geeignet« Tüttglett aus diese Leise unterstützt und sind aus bitte selbstverständliche Pflicht auch angewiesen. 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In wenigen Stunden vollendet das Jahr 1928 seinen tauf und steigt aus dem Dunkel der Zukunft das neue Jahr 1929 empor. Jeder Mensch mit ernster Lebensauffassung hält in der S t u n d e d e s Jahreswechsels einmal inne auf der Dahn seines Wirkens und Planens, um rückblickend das Ergebnis des verflossenen Jahres festzustellen und juchend und hoffend seine wunscherfüllten Gedanken vorauszuschicken, dem Neuen entgegen. Eine solche Bilanzstunde am Jcchrcsschluß ist aber nicht nur den einzelnen ein bedeutsames Ereignis; gleichermaßen wichtig ist sie auch für die Gesamtheit des Volkes, für eine Bürgergemeinschaft. An den Erfolgen, die man bei einem solchen Rückblick feststellen kann, erfreut man sich noch einmal, stärkt man seinen Willen und seine Kraft zu neuem Schaffen für neue Ziele, die man im kommenden Jahre zu erreichen hofft. Diese Frucht einer besinnlichen Jahreswechselstunde ist von hohem Wert für den einzelnen, wertvoller aber noch für den, der am Werke für die Allgemeinheit mitarbeitet. Wenn man heue die GicßenerKom munal- bilanz von 1 928 zieht, so ist als wertvollster Aktivposten zunächst zu verzeichnen, daß unser städtischer Haushalt, obwohl sehr angespannt, bisher intakt geblieben ist. Die große Bedeutung dieser Tatsache wird besonders klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß andere Städte, wie z. B. Hanau und Staffel, infolge der verminderten Reichssteuerüberweisungen, schwerer industrieller Rückschläge und überaus stark gesteigerter sozialer Anforderungen in erhebliche Haushaltsnöte geraten sind und sich zu beträchtlichen Kommunalsteuercrhöhungen (Kassel!) bzw. allerschärfster Aufgabcndrossellung (f)anau, wo die Steuererhöhungen nicht bewilligt wurden) gezwun- gen sahen Die übergroße Vorsicht unserer Stadtverwaltung und des Stadtparlaments bei der Gestaltung des Haushalts hat durch die Entwicklung der Dinge vollste Rechtfertigung erfahren. I n d u st r i e, Handel, Gewerbe, Handwerk und H a u s be s i tz, die Hauptlastträger der heutigen Kommunalwirtschaft, werden diesen Stand der öffentlichen Finanzen besonders begrüßen, denn er schützt sie, die auch hier bereits eine schwere Steuer- uud Soziallast zu tragen haben, vor unmittelbarer weiterer starker Inanspruchnahme. Das ist gewiß ein ansehnlicher Vorteil, auch wenn man sich heute schon zweifelnd fragen muff, ob eß möglich sein wird, ihn im neuen Jahre beibehakten zu können. Denn man darf nicht vergessen, daß unser städtischer .Haushalt 1928 schon von Beginn seiner Geltung an ein ungedecktes Defizit in Höhe von rund 250 000 Mark aufzuweisen hatte, das sich dank sparsamster Geschästsführuna in allen Verwaltungsstellen bis heut», nicht wefenllich veränderte, dessen Beseitigung die Stadtverwaltung aber im nächsten Jahre unter allen Umständen — mit Recht! — herbeiführen will. Immerhin brauchen wir uns durch diese Frage die Genugtuung über den bis jetzt unerschütterten städtischen Haushalt nicht trüben zu lassen. Mit groffer Befriedigung kann man auch auf den Fortgang der Bautätigkeit im Lahre 1928 zurückblicken. Auf dem Gebiete des Straßenbaues sind vom städtischen Tiefbauamt erhebliche Leistungen vollbracht worden. Der Umfang der Biirgersteigbefestigungen, die im Jahre 1928 vorgenommen wurden, beläuft sich auf 10 489 Quadratmeter, von denen 1080 Quadratmeter auf Befestigungen mit Klinkersteinen, 8432 Quadratmeter auf Zemcntplatten und 977 Quadratmeter auf Gußasphalt entfallen. Diese 10 489 Quadratmeter neuer Bürgersteige entsprechen ungefähr der (Entfernung Marktstraße/Ecke Bahnhofstraße— Schulstraße—Neuen Bäue—Gartenstraße bis Lud- wigsplatz—Kaiserallee—Grünberger Straße bis $um sog. Pröfessoreneck, und zwar durchweg beiderseitig! Die neuen Fahrbahnbefestigungen bedecken eine Fläck)e von 31163 Quadratmeter: hiervon entfallen 4820 Quadratmeter auf Gußasphalt, 15 633 Quadratmeter auf Kaltasphalt, 2040 Quadratmeter auf Groffpflaster und 8670 Qudratmeter auf Klein- pflaftcr. Die neuen Fahrbahnen im Gefamtumfang von 31163 Quadratmeter in eine ßängenentfer- nung gebracht, würde der Wegstreckte von der Mar- burger Straffe Ecke Wiesecker Weg—Walltorstraße— Lindenplatz — Kirchenplatz — Markt — Mäusburg — Kreuzplatz—Seltersweg—Frankfurter Straße bis zur Stadtgrenze von Klein-Linden entsprechen. Die Kanalbauten im scheidenden Jahre nehmen eine Länge von 635 Meter ein. Berücksichtigt man, daß das Tiefbauamt neben diesen umfangreichen Straßenbauten bzw. -Erneuerungen und Kanalbauten u. o. noch erhebliche Arbeitsleistungen auf dem Flug. Hafengelände und im Stadtwald, sowie die außerordentlich wichtige Umstellung der Müllabfuhr mit der Beschaffung von zwei Automobil- Müllwagen und von rund 3000 Mülleimern zu organisieren und zu überwachen hatte, so wird man zu geben müssen, baff im Verlaufe dieses Jahves ein zroßes Stück sehr produktiver Arbeit von dem ver- hältnismäßig nur kleinen Beamtenapparat dieser Dienststelle geleistet worden ist. Das Ergebnis des -tädtischen Tiefbaujahres 1928 steht übrigens hin- sichtlich der Straffenbauarbeiten sehr erheblich über bem Resultat von 1927, wo infolge mangelnder Finanzierungsmöglichkeiten das auf rund eine Million Mark bemessene Straffenbauprogramm für 1927 schon kurz nach feiner Inangriffnahme wieder nifgegeben werden muffte, nachdem man Arbeiten 'iir rund 190 000 Mark hatte ausführen lassen. Eine umfangreiche Produktivität konnte auch das städtische Hvchbauamt, an dessen Spitze im Laufe dieses Jahres als neuer Leiter der Stadtbaurat ® r aber t trat, wieder entfalten. Diese Dienststelle hatte im Jahre 1928 folgende Bauten in Arbeit: den Ausbau des Kulissenhauses für das Stadttheater, die Erweiterung der Autoomnibushalle in Krofdorf, 20 Not- wohmungen an der Margaretenhütte, ein Akkumulatorenhaus für das städtische Elektrizitätswerk, eine siebenklassige Schule mit Rebenräumen in der Gabelsbergerstraffe, die Rohbauten der Gewerbeschule und der Schillerschule, die Fertigstellung der Wohnungsbauten in dec Licher- Straffe und in der Welckerstraffe, sowie die Erd- imb Fundamentarbe'ten für die 24klassige Volksschule in den Eichgärten und für das Markt- aubenrebäude. — Aus dem Gebiete der W o h - nungsbautätigkeit in Gießen, durch die das städtische Hochbauamt ebenfalls mit in Anspruch genommen wurde, ist für 1928 folgendes Ergebnis zu verzeichnen: Privatbauten 41 Häuser mit 59 Wohnunger (1927 : 39 Häuser mit 113 Wohnungen): von Genossenschaften wurden errichtet 79 Häuser mit 213 Wohnungen (1927 : 25 Häuser mit 61 Wohnungen); von der Stadt wurden erstellt 3 Häuser mit 47 Wohnungen (1927.: 10 Häuser mit 22 Wohnungen) ; durch Reichs- und Staatsbehörden wurden errichtet 2 Häuser mit 18 Wohnungen (1927: 5 Häuser mit 18 Wohnungen). Insgesamt wurden also 1923 errichtet: 125 Häuser mit 337 Wohnungen (1927: 79 Häuser mit 214 Wohnungen). Die erstellten Wohnungen verteilen sich folgendermatzen: 1 92 8: 18 Sin- zimmer, 26 Zwe zimmer, 198 Dreizimmer, 28 Dierzimmer, 50 Fünfzimmer, 3 Sechszimmer, 11 Siebenzimmer, 3 Reunzimmer. 1 92 7: 13 Einzimmer, 30 Zweizimmer, 97 Dreizimmer, 44 Dierzimmer, 25 Fünfzimmer, 1 Sechszimmer, 1 Achtzimmer, 1 Zehnzimmer und 1 Zwölfzimmer. — Baubera tungen erfolgten durch das Hochbauamt: für Grabsteine 1928 : 394 (1927 : 237). für Anstriche von Hausfassaden 60 (25), für Reklameschilder 66 (30), für Antennenanlagen 52 (27). — Mit dem Ergebnis der Arbeit des städtischen Hochbauamtes in diesem Jahre kann die Bürgerschaft wiederum recht zufrieden sein, beim auch hier ist auf allen Gebieten ein erfreuliches Dorwärtsschreiten zu verzeichnen. Oie Wohnungsfrage ist leider auch in unserer Stadt im Jahre 1928 immer noch ein Schmerzenskind der kommunalen Arbeit geblieben, obwohl durch die rege Wohnungsbautätig, feit viel zur Beseitigung dieser Not getan wird. Die Nachfrage nach Wohnungen zeigt die folgende Aufstellung: GesamtDringend Ohne eig. Mit Monat zahl geführt Wohnung Wohnung 1.1. 28 1524 503 697 827 1.4. 28 1506 466 684 822 1.7.28 1533 430 695 838 1.10. 28 1544 440 708 836 1.12. 28 1303 474 572 731 Auf die kleinen Wohnungen (1—2 Zimmer), die mittleren Wohnungen (3—4 Zimmer) und die großen Wohnungen (5 und mehr Zimmer) verteilen sich die Wohnungsuchenden wie folgt: a) Kleine Wohnungen/: Monat 1.1.28 Gesamt- Dringend Ohne eig. Mit Löhnung 181 zahl 580 geführt Wohnung 9 191 399 1. 4. 28 574 177 397 177 1. 7. 28 581 161 403 178 1.10. 28 587 165 410 177 1.12. 28 455 164 308 147 Monat Gesamt- Dringend Ohne eig. Mit Löhnung zahl geführt Wohnung y 1.1. 28 857 279 286 571 1. 4.28 845 258 275 570 1.7.28 857 239 278 579 1.10. 28 863 245 284 579 1.12. 28 759 275 250 509 c) Große Wohnungen: Monat Gesamt- Dringend Ohne eig. Mit Löhnung zahl geführt Wohnung 1 1.1.28 87 33 12 75 1.4.28 87 31 12 75 1.7.28 95 30 14 81 1.10. 28 94 30 14 80 1.12. 28 89 35 14 75 Im Oktober/Rovember d. I. wurde eine Bereinigung der beim Wohnungsamt geführten Kartothek vorgenommen. Alle in dieser Zeit nicht erneuerten Wohnungsgesuche wurden abgelegt. Die für den Monat Dezember 1928 angegebenen Zahlen ergeben deshalb ein genaues Bild über die Wohnungsverhältniffe in Gießen. Unter den Wohnungsuchenden mit Wohnung sind 30 Familien, die in baufälligen Häusern wohnen, und 78 Familien, die in imhygienischen Wohnungen untergebracht sind, gezählt. Bei den Wohnungssuchenden ohne eigene Wohnung handelt es sich um Familien, die noch bei Angehörigen wohnen. oder als Untermieter untergebracht sind. Die Dergebung der verfügbaren Wohnungen erfolgt durch den Beirat des Wohnungsamts, der aus zwei Stadtverordneten (1 Vertreter der Hausbesitzer, 1 Vertreter der Mieter) und einem Beamten des Wohnungsamts besteht. Im Kalenderjahr 1923 wurde von dem Beirat des Wohnungsamts in 48 Sitzungen über 364 Wohnungen verhandelt. Frei geworden sind: Heine Wohnungen 87, mittlere Wohnungen 72, große Wohnungen 37, zusammen also 196 Wohnungen. Die Zahl der fehlenden Wohnungen in Gietzen muff mit 700 angegeben werden. Maßgebend für die Errechnung des Wohnungsbedarfs ist die Zahl der Haushaltungen und nicht die Einwohnerzahl. Zu den 572 Wohnung such enden ohne eigene Wohnung find die 30 Wohnungen in den 11 baufälligen Häusern und die 78 un- hygienischen Wohnungen hinzuzurechnen. Das städtische Gaswerk konnte im Jahve 1928 die Gas abgabe gegen das Vorjahr um rund 83 000 Kubikmeter auf 3 367 000 Kubikmeter steigern. Die größte Tagesabgabe belief sich auf 11 300 Kubikmeter, gegen 10 840 Kubikmeter Im Jahr zuvor, die geringste auf 6510 Kubikmeter (5850 Kubikmeter). Das Gasrohrnetz erfuhr eine Erweiterung einschließlich der Ferngasleitung nach Wieseck um 4090 Meter und hat nun die stattliche Lange von rund 55',» Kilometer. Reuanschlüsse wurden 35 ausgeführt. Gasmesser sind mit Ende dieses Jahres 7114 und Vorausbezahlungsgasmesser 1038 vorhanden. Das Gas für Raumheizungszwecke bürgert sich dank der Wärmeeinheiten, Die ein Kubikmeter Steinkohlengas besitzt, und des hohen Ruheffektes der in der letzten Zeit her- gestelltenRaumheizungsöfen erfreulicherweise mehr ein. Die Fe r nv er sor g u n gs a n l a ge n a ch Wieseck wurde in diesem Jahre trotz großer Schwierigkeiten durchgeführt. Die 2560 Meter lange Fernleitung transportiert das Gas unter erhöhtem Druck bis zur Gemarkungsgrenze und passiert, bevor es in das von der Gemeinde Wieseck erbaute, etwa 5y2 Kilometer lange Orts» rvhrnetz tritt, ehe Meß- und Regleranlage. Am Walltor wurde im Anschluß an dir Wiesecker Ferngasleitung eine Reglerstation errichtet, die bei etwaigem Druckabfall im nördlichen Teil des Stadtrohrnehes den Gasdruck selbständig wieder erhöht. Die zu der gehörende Kompressvranlage, die durch eine neuzeitige Gaskraftmaschine angetrieben wird, wurde auf dem Gaswerks Hof errichtet. Das städtische Wasserwerk wurde infolge des trockenen und heißen Sommers, soweit das Pumpwerk Queckborn in Betracht kam. außerordentlich stark beansprucht. Die Förderung des Pumpwerks ist von 2 670 000 Kubikmeter im Jahre 1927 auf 2 870 000 Kubikmeter im Jahre 1928 gestiegen. Der direkte Zulauf aus den Brunnen- und Stollenanlagen im Stadtwald und bei Großen Bmeck ist gegen das Vorjahr mit rund 210 000 Kubikmeter fast unverändert geblieben. Die größte' Tagesabgabe belief sich in diesem Jahre auf 11 942 Kubikmeter, gegen 10 333 Kubikmeter im vorigen Jahre, die kleinste auf 6108 Kubikmeter. Das Wasser- r o h r n e h wurde um 1940 Meter verlängert und ist einschließlich der Zubringerleitungen von Queckborn und der Brunnen- und Stollenanlagen insgesamt 116,4 Kilometer lang. Die Zahl der Haus- und Gartenanschlüfse stieg um 49 auf 2822, die Zahl der Wassermesser auf über 3000 und der Hydranten auf 421. Das Ortsrohrnetz Queckborn wurde um vier Hausanlchlüsse erweitert. Die im Oktober 1927 begonnene 400 Millimeter weite Zubr.ngerleitung wurde ferlig- geftellt und die Teilstrecke Hochdruckbehälter — Moltkestraße im Mai d. I. — rechtzeitig vor der einsetzenden Trockenperiode — in Benuyung genommen; die Schlußstrecke durch die Moltke- ftraffe, Ostanlage und Marburger Straße war Ende September 1928 betriebsfertig. Das Walser wurde vom Chemischen Untersuchungsamt der Provinz Oberhessen allmonatlich bakteriologisch und im Oktober d. I. chemisch untersucht; das Wasser war immer einwandfrei und fasst ohne Keime befunden. Das städtische Volksbad hatte sich auch im abgelaufenen Jahre eines regen Besuches zu erfreuen; die Besucherzahl hat sich um rund 6000 gehoben und ist auf 162 000 gestiegen, gegen 67 184 Besucher im Jahve 1923 nach dem Uebergang des Bades in städtischen Besitz. Auf den Kopf der Bevölkerung errechnet sich eine Frequenz von 4,66 Bädern. . Der Mehrbesuch belastet bauptsächlich das Schwimmbecken, das namentlich von der Jugend gern benutzt wird und sich an manchen Stunden als zu klein erwies. Die Erbauung einer »weiten Schwimmhalle toirf) daher immer dringen der. Der obligatorische Schwimmunterricht ist nunmehr in sämtlichen Volks- und höheren Schulen durchgeführt, und es kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß etwa 95 Prozent der Schiller und Schülerinnen das Schwimmen erlernen. Auch von den Studierenden der Universität, die das Schwimmbad während der Semester wöchentlich 6 Stunden gemietet hatte, wurde es gern auf gesucht. Den Sportvereinen stand von Montag bis einschl. Freitag von 19 bis 2IV2 Uhr das Schwimmbecken zur Verfügung; auch hier konnte eine stetig wachsende Beteiligung festgestellt werden. Wie in den Vorjahren, wurde das Schwimmbeckenwasser durch das Chemische Untersuchungsamt der Provinz Oberhessen regelmäßig untersucht; nach der Filtrierung und Chlorung war das Beckenwasser, das täglich dreimal mngewälzt und monatlich erneuert wurde, vollständig klar, fast keimfrei und hygienisch vollkommen einwandfrei. Erfreulicherweise wurden auch die medizinischen Bäder mehr als früher benutzt; das Dampf- und Heißluftbad stand an m-®eleUl913 . . - 4% Unßanldjc ftronenne..... 4% tüd. Zc-Uanleche v. 1911 . 4% Züttildi« eaflbabbatm-enl., Serie I 4% betgl Serie II . . . • 4% tiumäntn conbert Rte. . - - ,V,% DhimäMP »Ölbad, m 1*13 81.E Ä . . . Bergmann . . . . Vela. Ltelerunge«. . Lickt unb Äiafi - . eilen 4 ©uiüeaume. ®el. f. Gitta Untern- Ha mV (Sieht. Werke . «»ein. Gitta. . . . Schiet- Gitta . . . Sckucken . . . • KranUurter Börse Frankfurt a. M., 31. Dez. Tendenz: freundlich. — Die letzte Börse im alten Jahre eröffnete in freundlicher Haltung, da die Tendenz von günstig lautenden Nachrichten beherrscht wurde. Der feste Schluß der Neuyorker Börse vom Samstag bot eine starke Anregung, auch die flüssige Geldmarktlage am hiesigen Platze und die reibungslose Ueberwindung des heutigen Zahltages gab der Börse eine Stütze. Das Geschäft bewegte sich jedoch in engsten Grenzen und beschränkte sich nur auf favorisierte Werte, die gegenüber den Schlußkursen von Samstag 2 o. H. gewinnen konnten. Nachteilig und geschäftshemmend wirkte der spärliche Orders- Eingang von außen her, so daß die Spekulation auf sich selbst angewiesen war und zu neuen Engagements über den Jahresultimo hinaus wenig Neigung zeigte. Im Vordergründe standen Kupfer» werie, die lebhaftere Umsätze zu verzeichnen hatten, da die Kupferhausse immer noch günstig nachwirkte. Otavi-Minen plus 2,75 o. H. Auch für einige Elektrowerte zeigte sich weiter Deckungsbedürfnis. So konnten Elektrische Lieferungen und Siemens bis 1,5 v. H. gewinnen. Nach anfangs etwas lebhafteren Umsätzen wurden I.-G.-Farben später vernachlässigt. Kaliwerte auf Realisationen angeboten, bis 1,5 d. S). schwächer. Banken lagen durchweg fester und gebessert, da hier einiges Auslandinteresse bestehen soll. Am Auwmarkt konnten Daimler * Sie Neichsindexziffer für die L e - benshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „Sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Rcichsamts für den Durchschnitt des Monats Dezember auf 152,7 gegenüber 152,3 im Vormonat. Sie ist sonach um 0,3 v. H. gestiegen. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen (1913 14 = 100): für Ernährung 152,7, für Wohnung 125,9, für Heizung und Beleuchtung 150,8, für Bekleidung 172,6, für den „Sonstigen Bedarf" einschl. Verkehr 191,0. ** Stillegung der Ei s enwer ke Gag- genau A.-G., Gaggenau. Die Ei entoerte Gaggenau, die bekannt.ich schon feit längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten sind, wurden am Samstag f-ii(gelegt, wodurch 1203 bi« 1403 Arbeiter und Angestellte beschäftigungslos werde:. Wie Dürgermeiiter Schneider, Gaggenau, in der in der Handelskammer Karlsruhe stattg?fun»enen a. o. G.-V. der Gesrllschast mitteilte, hat das andere große Werk in ©aggenau (Daimler-Den,;) die Zusage gegeben, die in Gaggenau wohn- hotten Arbeiter nach Mög i h.'e t bei sich aufzunehmen. Das Work ist neben sozialen Rück lichten auch insofern an der Weiterbeschäftigung der Arbeiter interessiert, als die GemeindL für die Unterstützungen unverhältnismäßig hohe Mittel auswenden müßte, was für das Werl als größter Steuerzahler nicht gleichgültig sein kann. Es wird nätürlich nur ein kleiner Tel der 2IrLe ter un te - gebracht, da säst alle anb.ren Gemeinden des Murglales Arbeiter des Ci enwerkes Gaggenau als Einwohner haben. "Norddeutsche G r u n d - C r e d i t - B a n k, Weimar. Das zur Gemeinschastsgruppe Deutscher Hypothekenbanken gehörige Institut empfiehlt zum Anlagetermin den Anlauf der an der Berliner Börse soeben eingeführten, vor dem Jahre 1935 nicht kündbaren achtprozentigen Goldpfandbriefe 6m. XXII (Börsenkurs: 97,50 v. H.), sowie der vor Berlin. 29 Derembet Aronjüiiscde 'Jtoiui..... LollSndischr Note« ...... trtülünitoe Noten . . . . . Norwegische Noten..... DkUisch-Qesterr, i 100 Kronr» Rumäottche Noten Schwedische Noten ...... Schwerer Noten ■ ...... Evanttchc Noten ....... TschechoNoivakische Rote» . . Ungarische Rote» I 117.5 |114.2^ ; 118 4 I 90.9 -87.5 139-.' | M.5 ,137.25 125 197,2a 238. u 185.5 -54 151 2. -70 j 158.2- 182 2. -29.25 261,75 1-8.5 183.75 84,25 '-7.1- 124,2,. 1-4.2- 138 132.2.. 236 106.25 l3l.2d 132,9 H7.2o 114.. 118.2 ul. 2 287 .40.7.) 53.2., 6,5 -06 -98.7o 532,t -70.. 128 b9 106 Wirischafi. Konjunktur, Preisbewegung und Börse 1928. Das Institut für Konjunkturforschung gibt soeben seine abschließenden Untersuchungen über die Wirtschaftsentwicklung im Jahre 1 928 bekannt, die sich sowohl auf die Konjunktur, als auch auf die Dorfen und den Geldmarkt beziehen. Der Konjunkturrückgang, dessen erste Anzeichen sich im Herbst 1927 bemerkbar machten, hat während des ganzen Jahres 1928 angehalten. Er hat sich jedoch nur zögernd entwickelt und ist überdies in seinem Umfang wesentlich geringer, als beim letzten Konjunkturrückgang 1925 26. Die einzelnen Lei le der Wirtschaft wurden von dem Äo.'junfturrüdaang nicht gleichzeitig und nicht in gleicher Intensität ersaht. Während in den Pro- duttionsinittelindustrten neuerdings schärsere Abschwächungen eintreten, ist in den Berbrauchs-- güterinbuftrien der Rückgang teilweise bereits zu einem gewissen Stillstand gekommen, betrachtet man das Bild der gegenwärtigen Konjunkturlage im ganzen, so konnte es scheinen, daß die Wirtschaft ohne merkbare Krisis bereits in eine Depression hinabgesunken sei. Daß dies jedoch nicyt der Fall ist, ergibt sich aus zwei Tatsachen, erstens dem erst geringen Rückgang der Eejdsätze, zweitens der nach tote vor gespannten Lage auf dem Kapitalmarkt. Der Bedarf der Wirtschaft an langfristigen Krediten ist immer noch größer als das Angebot. Das gesamte deutsche Preisniveau hat sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert. Die Stabilität des Preisniveaus für Industrteerzeugnisse mag zu einem Teil eine Auswirkung des überzögerten Tempos im Konjunkturabschwung sein. Die geringe Veränderung ist darauf zuruckzusühren, daß die industriellen Pveissteigerungen durch den Preisrüc^ang der Bodenerzeugnisse (bessere Ernte) weitgehend ausgeglichen worden sind. Auf dem Effektenmarkt hat die Stagnation während des ganzen Lahres 1928 angehalten: eine gewisse Konsolidierung, auf die die Widerstandsfähigkeit des Aktienlursniveaus und die jüngste Teilbelebung auf den Markt festverzinslicher Papiere hin .uteten, scheint sich jedoch angebahnt zu haben. Da zu Beginn des kommens den Jahres der Geldmarkt verhältnismäßig flüssig sein wird, ist von dieser Seite her ein Druck auf dte Aktienkurse fürs erste kaum zu erwarten. Die Aktienkurse zeigten in 1928 eine ausfallende Sta? bilität: der niedrigste und der höchste Stand des durchschnittlichen Kursniveaus des Jahres 1928 weichen nur um 11 Prozent voneinander ab, gegen rund 40 Prozent in 1927, 63 Prozent in 1926. Auf dem Geldmarkt bahnte sich eine fühlbare Entspannung erst im dritten Vierteljahr 1928 an. Es ist zu erwarten, daß nach dem Iahresultimo die gegenwärtige Anspannung mindestens wieder ausgeglichen wird, wahrscheinlich wird sogar mit leichteren Geldmärkten als zu Beginn des Jahres 1928 zu rechnen sein. Auf lange Sicht liegt eine Verringerung der Zins- spanne gegenüber den ausländischen Märkten im Bereich der Möglichkeiten, da der sinkenden Tendenz des deutschen Zinsniveaus steigende Geld- sähe im Aus lande gegenüb erstehen. Ob die rückläufige Konjunktur hie Entspannung der Geldmarktlags im Januar 1929 beschleunigen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Auf jeden Fall sind aber die dem Geldmarkt zufließenden Beträge aus Zinszahlungen auf Wertpapiere, Hypotheken usw. wesentlich größer, nach Oregon. Aach einer Steife von vielen Monaten langten sie endlich in Portland an, wo damals die ersten Ansiedler mit dem Urwald und den Rothäuten lämpften. Weeker erlebte den Ausstieg des Landes in Oregon mit, und im Alter von 76 Zähren entschloß er sich, die Fahrt quer durch den Kontinent im Ochsenwagen noch einmal zu unternehmen, diesmal nicht aus grimmer Notwendigkeit, denn er hätte ja auch mit der Eisenbahn fahren können, sondern um das Andenken an jene Pioniere von neuem zu beleben. Er zimmerte drei dieser alten Planwagen, die sich noch erhalten hatten, zusammen, bespannte sie mit seinen Ochsen und fuhr nun von Küste zu Küste 22 Monate lang, von der Vevöllerung mit Jubel begrüßt. Aber mit fünfundneunzig Jahren wagte er noch eine andere Durchquerung, durch die er dem Geiste der neuen Zeit huldigen wollte. Er reifte im Flugzeug von Seattle nach Washington, und zu der Fahrt, für die er mit seinen Ochien 22 Monate gebraucht hatte, genügten jetzt 24 Stunden. Das kleinste Restaurant der Delt. Das kleinste Restaurant in Paris und wahrscheinlich auch in der ganzen Welt ist von einem Berichterstatter entdeckt worden. Es befindet sich am Fuße des Montmartre in einer engen Straße in der Nähe der Kirche Notre Dame de Lorette. Das Lokälchen ist so winzig, daß der Kellner — es gibt natürlich nur einen — ungefähr mit der einen Hanp in die Küche reichen und mit der andern an den Tischen servieren kann. Gewöhnlich sind drei kleine Tische nebeneinander ausgestellt, an denen zwölf Personen sitzen können. Aber bei Hoch'etrieb wird noch ein vierter Betrieb hereingcstellt, so daß 16 Personen hier ihre Mahlzeit einnehmen, allerdings in fürchterlicher Enge. Doch was an Raum fehlt, das wird durch liebenswürdige Bedienung und dur-b glänzende Versorgung von Magen und Kehle reichlich ausgeglichen. Der Wirt selbst rühmt von seinem Miniaturwirtshaus, daß man sich nirgends sonst so zu Hause fühle wie bei ihm. „Bei mir", sagte er, „wird man sofort bedient. Niemand braucht zu warten, keine Speise wird kalt, und es hen-scht eine ,intime* * ** Stimmung, wie sie nur in einem kleinen Kreise entstehen kann. Da gibt es keine Massenabfütterung. Die Wünsche jedes einzelnen werden befriedigt; ja, der Gast kann sich sogar selbst bedienen und braucht, wenn er Brot verlangt, nur in die Küche zu langen oder über den Schanktisch zu greifen, wenn er eine neue Flasche Wein haben will." Bei dieser Reklame, die jetzt für das Ueinftc Restaurant gemacht worden ist, muß man allerdings befürchten, daß die Ueber- füllung lebensgefährlich werden wird. «Hfl DratxDc tzamdura>»«trila Satti • • • • feemb -eftbaai Dar» »sich. Oclbcrgcr (Scmeel .... 10 temeut RatlitaM ...... 8 Wavb » Freitag .... 10 LchuItheiS $a»enWet ... 16 Cfttoerft ..... 12 Öer. Glanzstott . . • • . 18 Lemberg ....... 14 Bcllftoff «ckdhos.....12 SeUftoff Wdjaffenbutt ... 12 (Hjarlottenbutgct Wan« ... 7 Teliauer Sai ...... 8 Daimler Mstorev ...... 0 Demag ....... 0 -IMeanede Äteötl ...... 6 Luvw. Loewe ..... 10 Rat. lutemato , ...... 0 Ctrnftein * »°v«i.....S Leonhard Tietz ...... 4 Bamag-Megrria ....... 0 ,rraaf(. «aickt«» ...... 6 Sritzu« ...... U Heyligenstaetzt ....... v äungban» ...... 4 Leckwrrte ........ 8 Matnlroinoert» ...... .8 Miog ....... 10 jleläriulma ........ 8 'Lerer« Union ...... 8 Sebr. Roeder . ...... 10 Böig, t fearfhiei ...... 8 Sädb. ßuda ........ 8 (48 | 137.76 175 1351 281 ZV7 74.^ 88,75 24 70 118 113.6 1,39 17.75 105.5 125 (57 — w. rO o e* 8c ® > *1 1 J 1 1 i 8 1 . 1 1 1 1 1 1 » 1 3 1 ) ® >11(1 I ' * -- J29.75 483.65 544. b 444 283.. 134.75 120,25 iU 46,76 24? öl 75 101 294. J 23 70. n 117.7b 83 -9.» 28. 104 210 184.75 5 ( | -.SJ.21O.3^5^3 : 1 1 H l ' SIMM' 2 iM__2_____ 89. Dezember 8) Dezemb r Amtliche 'Jlßri.rima Amtliche Dotierung Br.e- ^eld 1 Jönc aaxfUSott Bueu--LtreS (Sbrrfnantti Ropinbadcn l.1 10.-65 21.90 20,401 'jlanorl • > 1,19 5 4,2013 4,1955 4,2035 'BariS. . . . C cb weiz .. U.4O5 16.445 lu.li 10.45 >u,85 11,01 >0.84 1.00 eoa fcn . -8.41 68.65 •8,44 »8.68 Im-an . . -Nio dr 9«a 1,92b -498 1,032 1.500 l,9<0 -.490 1,933 9.501 Sten tn P-- Ctil abgeü Unw jj.u7 12,43 60,19 12,46 -9,1- 12,433 -9.22 12.453 BeUrad • • i.36. 7,39? 7.588 7.402 Dodavek. •3,14 <3,68 73.12 7 0,46 6ul arten ,ü2y ',029 ',025 Lissabon 18.67 18.61 18.S- 18.57 S'anrio - PanöaBtto. 81,42 2,008 1,58 ,072 i£ bl ,58 2.073 9Hben 5,42a 6,435 -.425 5.435 Laooda 4,184 4.102 1.185 4.198 Uta MMY . 4,276 4.281 4,27t 4,284 Cato» ... 46.872 20,013 58,677 20,117 —- _ Siemen» & yolBU . • • • • 18 — 33,13 Transrodio ....... 8 -* 2,4 — Vahmenfi 6 6e.. . • • • « 10 - 26,13 Buverur ....... ö - Deullcke ...........« TT — Stiener SteinkoW ...... 8 Gelkntrrcheuer ... t H 3- < —* 1,7 —- Harpen ei ...... 6 11,9 11.3 11,b Hoetch Site». ...... ..8 Jl|t Bergbau ........ 8 11 11.75 ftlödnerroette ....... .7 — — Rdln-SReufiiee. . ...... 9 — DianneSmana . ....... 8 19,63 T ManSlelder .......7 C btrlcblel Sriend Vedart... 6 — Odrrickiet r^oklwetie . . . « 141 >41,4 141 Hbßntf Bergbau . - 180 Sibeintlcke örmuilcfcltB 10 176 Rhtinktabi f. % 3* *V; 136.9 1-^,5 l.»7 iNtebed Montao ... 7,2 >11,4 141.1 ’^errtnlate Sta-lw. . , , . 0 Olavi Minen .....• sh 145 145 146 249.. 149 7.. 249.7. «all .............10 i:»8.b TJ8.7. >98 6 «art Orsleregela ..... 10 298.. 2»5 294.7. «alimer, SaUderiMl» tb i73,. 173.5 .) » ^cbtn.Jntram* ... 12 U>7 iu? Um ®t>namü Wobei ...... 6 178.ü 173.25 ..78.7a SdiriManfinit . ...... 8 — 216 217 Goldicknribt ....... b 142.7a 141- Hl-a Lütgerewerte ....... 4 339,5 89,5 40 mttalleeftift<6NU • • • •. r» Berlin, 29 Deiembcr ■4ei6 föne' Ämcnlantidte ‘Xotze ..... 4 173 4.193 Belgische Noten ....... 58.18 58,42 Dänische Sloten ....... 111.78 112,88 tEufllifdc 5taten. •...»•» 40.317 40.397 MM g G I - -W DA A > M 'M ■ MD .'N k 3nh; Für Silvester H480A Drogerie Wmterholi < Kreuzglatz 10 a Feuerwerkskörper große Auswahl 10596A Rum, Arrak versdiiedene Punsdie Bordeaux- u. Burgunder-Weine, Sekt 1 , 1 I ' MG I Von Silvester ab täglich frische Berliner Pfannkuchen und Kreppeln sowie Neujahrs-Brezeln in bester Qualität zu haben bei Heinrich Weimar, Gießen Bäckerei, Konditorei und Cafe Frankfurter Straße 41 Fernsprecher Nr. 883 11453 Lehrkursus in Selbstanicrtiguna verbunden mit Zu chneiden und Anproben beginnt am *2. Januar. 11551V Anmeldungen täglich. LN. GaE Dame«-Mode», Goetbcslraüe 31. Für Silvester! 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Gießen s Seltersweg -O' Montag, 51 Dezember 1928 Gietzener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Gberhesten) Nr. 596 vierter viatt ünferen werten Gästen, Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr! Carl Häuser X- und Familie ^Dilhelmshöhe", Steinberg 11524D nur Aehn- Skan- sogar Beob« Neigen gegen den Meeresspiegel zu nicht in England allein beobachtet wurde, liche Vorgänge sind auch in Japan, Italien, dmaoien, längs der Nordküste Asiens und in Nordamerika beobachtet worden. Verwaltung sauf gäbe das Reich doch stärker werden soll und eine politische Maiminie die Gefahr nur eines schwachen Reiches ist. Schließlich kv'.n- men alle Versuche eingestandener und uneinge- standermastcn darauf hinaus, Daß der Dualismus zwischen Reich uub Preußen irgendwie beseitigt wird. 3m Dismarcl-Reich war preußische Staatsgewalt und Reichsgewalt zu einer Einheit verschmolzen. Da eine preußische Hegemonie jetzt nicht mehr in Frage kommt, muh ein anderer Weg zur (Srrctdxung d^s Zieles beschritten werden. wofür von den verschiedensten politischen Persönlichkeiten in immer st:igendem Maße als gangbare Lösung die Schaffung eines Reichslandes vorgeschlazen wird, vermittels dessen Preußen, wie man es ausgedrückt hat, zum Reich emporwächst. Erst wenn wi der eine einheil» licheGewalt an derSpihedesDeichs- ganzen herrscht, wird es möglich sein, die Verwaltung überall im Reiche zweckmäßig zu organisieren Darauf aber kommt es für das praktische Verhältnis d.-s einzelnen zum Staate an. Qluc dann kann dem hingebungsvollen Arbeiten der Beamtenschaft der rechte Erfolg beschieden sein, abgesehen davon, daß bei zweckmäßiger Gesamtorganisation Regieren unD Verwalten billiger werden und jenen Höchstgrad von Wirkung erreichen können, dessen wir zur Entfaltung aller freien Kräfte unseres Volkes und zur Wiedergewinnung unserer Freiheit bedürfen. resorm Im engeren Sinne, nicht nur erforderlich, sondern auch zeitlich dringend ist. 3n der gleichen Richtung wirkt die Rotwen.ig- keit, unser Verwaltungswesen zu ent- wirxeo. Der von manchm empfohlene und tatsächlich schon beschrittene kalte Weg der Reichs- reformierung, nämlich die zusammenhanglose Der- mchrung der Zuständigkeiten des Reiches und Schaffung besonderer neuer Reichsbehörden kann zu keinem guten Ende führen. Um unser Doll wirtschaftlich zum Staatsvolk zu erziehen, muß der Staat an dos Volk und dos Volk an den Staat herangebracht werden. Dazu bedarf eS vor ollem einer gewissen Durchsichtigkeit deS Staatswesens, wo sich f>eute kaum mehr der gelernte DerwaltungSmann in dem Zuständigkeitsknäucl von Reichsbehörden, Länderbehörden usw. zurrchtfinüet. Deshalb das Verlangen nach einer durchgreifenden Reform, die ebrnr mir aus einem zielbewuhten Staats- Willen erwachsen kann. Die Auffasfunasunter- schiede über den Weg der Resorm, die obendrein vielfach mir infolge ihrer schlagwortar igen Zuspitzungen bestehen, müssen durch eindringllche, sachlich Arbeit überwunden werden. Sehr zu begrüßen ist, daß die Länderkonferenz sich auf bestimmte Richtlinien geeinigt hat, die. Wie allgemein bekannt, auf die differenzierte Gnd- lösung abzielen. 3n solcher Differenzierung liegt auch niemals die Gefahr einer Wainlinie, weil bei aller Betonung des Heimatlichen und der Selbst- DasReich muß stärkerwerden Von Dr. Hans Luther, et)em. Reichskanzler. Man hört jetzt öfters dis Meinung, daß die Gefchichtsichrcibung der Verluch fei, in daö Sinnlose Sinn zu bringen. Dor Der Tatsache, daß der größte Teil der Lheinlande immer noch besetzt ist, trvt» aller Reparationsabmachungen und trotz Locarno, könne man tatsächlich am vernünftigen Sinn der Geschichte zweifeln. Was soll nach dem Eintritt in den Völkerbund die französi,che Flagge auf dem Ehrenbreitstein noch bedeuten? Jedesmal, wenn ich ans besetzte Rheinland komme, wünsche ich aufs neue, daß die ganze Bevölkerung des unbesetzten Deutschlands einmal mit eigenen Augen die Tatsache der Besetzung sr^en möchte. Trotzdem will ich mir die Anschauung »on der Sinnlosigkeit der Geschichte nicht zu eigen machen, sondern bin überzeugt, daß ^ie Gedanken des Rechts und des Friedens, venen Deutschland dienen, fortgesetzt auch der Wucht militärischer Tatsachen entgegengehalten werden mühten. Dieses Beginnen hat um so größere Grfolg- aussichlen, je ruhiger und je mehr, seiner eigenen Kraft bewuht, Deutschland sein gutes Recht vertritt. Mer der Ansicht beistimmt, Laß es auch für den Erfolg nach außen wesentlich auf die seclischr Haltung des deutschen Volkes ankommt, wer darüber hinaus die Wirkllchlort grvher Ideen in der Weltgeschichte anerkennt, der kann sich auch für die Ausbildung der eigenen deutschen Kraft nicht etwa nur auf den Druck wirtschaf.kicher Tatsachen verlassen, sondern muh sehen, dah eine Reichsreform nur dann zu einem guten Ende kommen werde, wenn auch sie von politischen Ideen und bewußtem Wollen getragen würde. Das Wichtigste Regt hier wie überall in Der Gesinnung. Wenn das besetzte Rheinland immer wieder kundtut, daß es eine Abkürzung der Besatzung auf keinen Fall durch Dauernachteile für Deutschland erlaufen will, so ist das eine Gesinnung von geschichtlicher Höhe, die ein Vorbild für ganz Deut schl and sein muß. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet hat der Zu- sammenschluh des Volkes zu einer Einheit immer stärker zu werden. So sehr wir die Ausfuhr brauchen, so muh es doch unser Ziel fein, die Lebensarundlage unseres Volkes möglichst unabhängig vom Export zu gestalten, um den Wechselfällen der Wrltwir schäft weniger ausgesetzt zu sein und dadurch für die großen Volksschichten eine bessere Gewähr für ein möglichst gutes Auskommen zu beschaffen. Ramentlich der Mittelstand, Der nicht nur Landwirte, Handel- und Gewerbetreibende. Angestellte und geistige Arbeiter aller Art umfaßt, sondern dessen Stärkung auch durch ein Emporwachsen innerhalb Der Arbeiterschaft erforderlich ist, muh nach seinem erschütternden Zusammenbruch in den Zeiten Der Inflation auch in wirtschaftlichem Interesse wieder aufgebaut werden. Denn sein Derbraucherbedarf regt gerade solche Zweige unserer Erzeugung an, die hinwiederum gesteigerte Ausfuhrmöglichkeiten zu erschließen in der Lage find. Der Aufbau des somit als wirtschaftliche Hausmacht Deutschlands dringend notwendigen inneren Marktes hängt entscheidend ab von einer zielbewuhten Politik des Reiches, besonders auch wegen der Landwirtschaft. So sehr Die Landwirt- - schäft letzten Endes alles a u 8 eigener Äraf t leisten muh, so bedarf sie in unserer jetzigen Lage doch an vielen Stellen der verständnisvollen Führung durch Den Staat. Das ist neben dem allgemeinem Sparsamkeitserfordernis Der toirt- schÄtliche Hintergrund, warum eine Derfassungs- und Derwaltungsreform, also die Re i chs - Copyright by Greiner & Co., Berlin NW 6. Die Idee, daß England ober Nordamerika oder ein anderes stark bevölkertes Land sich plötzlich zu senken beginnt und mitsamt feinen Millionen von Einwohnern vom Meer verschlungen wird, war immer ein beliebter Stoss für phantastische Romane. Jetzt haben Wissenschaftler, die Beobachtungen an der englischen Küste ansteUen, erklärt, daß diese Gefahr wirklich bestehe. Sie berichten, daß England und Schotlland sich immer mehr dem Meere zuneigen, so, als ob eine riesenhafte Hand es im Westen hochheben und nach Süden und Osten zu dem Meere nähern würde. Glücklicherweise geschieht dies sehr langsam, beinahe unmerklich: die Senkung beträgt in hundert Jahren kaum einige Zoll. Es wird also kein plötzliches Versinken stattsinden und es wird voraussichtlich noch Jahrhunderte dauern, ehe sich auch nur ein Anlaß zur Beunruhigung zeigt. Trotzdem ist fchon dieses unmerkliche Neigen von großer Bedeutung sowohl für die Wissenschaft als auch für die Industrie, denn die Wirkungen machen sich an der Küste bereits bemerkbar und sind von großer Bedeutung für die Anlage von Brucken und Docks. Am interessantesten ist wohl, daß dieses Es bedurfte nicht erst der aufmerksamen achtung und der schwierigen Messungen seitens der Wissenschaftler, um darzutun, daß sich wichtige Veränderungen an der englischen Küste abspieien. An der Ostküste der Grafschaft Sussolk, etwa 75 Meilen von der Themsemündung entfernt, stehen die Ueberrefte der einstmals stolzen Stadt Dun wich. Vor etwa tausend Jahren war Dunwich die Haupt- stadt von Ost-Enaland. Es war Bischofssitz und sein Handel war bedeutender als der des heutigen London. Heute ist nichts mehr vorhanden, als eine alte, halbzerfallene K irche, die auf der äußersten Klippe steht. Diese Kirche ist das Symbol für das Schicksal von Dunwich. Bald wird auch sie eine Beute des Meeres werden, wie alles andere es bereits geworden ist. Es waren nicht wirtschaftliche Niederlagen, die den Niedergang dieser Stadt veranlaßten: sie ist buchstäblich vom Meere verschlungen worden. Mit jedem Jahrhundert haben sich die Wogen immer mehr Deute geholt und nichts übriggelassen, als die niedrige Klippe, auf der sich heute die Reste der einstmaligen ötabt befinden. Dunwich steht mit seinem Schicksal nicht allein da. Wenige Meilen südwärts liegt die moderne Stadt Adelburgh, deren dem Meer zugewandte Stadt- Halle einen wundervollen Ausblick bietet. Doch die Besucher, die einem der Einwohner ihre Begeisterung über dieses so vorteilhaft angeleate Bauwerk aussprechen, werden höchst unfreundlich angesehen: denn diese Anlage war durchaus nicht beabsichtigt. Nicht die Halle war an der Meeresküste errichtet worden — das Meer selbst hatte diese enge Nachbarschaft begründet. Vor wenigen Jahrzehnten noch befanden sich zwischen Halle und Meer eine Anzahl Straßen mit Warenhäusern und anderen großen Bauten, die nach und nach derSee zum Opfer gefallen sind. In weniger als zwei Jahrhunderten haben sich in diesem Teil Ostenglands und im Norden von Yorkshire die gleichen Vorgänge abgespielt: mehr als dreißig reichbevölkerte Städte an der Seeküste wurden von der See verschlungen und ihre Bewohner in alle Windrichtungen zerstreut. Ein« merkwürdige Begebenbett spielte sich kürzlich in ©alten, einem kleinen Ort an der Ostküste südlich von Harwick ab. Im Jahre 1398, so wird berichtet, versank die Waltoner Kirche im Meere. Im Laufe der Zeit geriet dieser Vorfall In Vergessenheit und nur die Fischer, deren Netze manchmal in das alte Mauerwerk am Meeresgründe gerieten, wurden dadurch an die versunkene Kirche erinnert. Arn 3. Januar 1928 herrschte stundenlang ein furchtbarer Sturm in der Gegend von W a 11 o n. Gleichzeitig Wird England in das Meer versinken? Von Professor Bruns. setzte eine ungewöhnlich starke Ebbe ein — und plötzlich tauchten die muschelbedcckten Mauern der dot sechs Jahrhunderten versunkenen Kirche aus dem Meere auf. Einige Mutige versuchten, sich dem Bauwerk zu nähern, doch die schnell einsctzends Flut machte ihr Vorhaben zunichte. Aehnlich liegen die Verhältnisse an der südlichen und südwestlichen Küste. Einige Geologen erklärten, daß dieses Sinken des Landes nur auf die zerstörende Wirkung der Wogen zurückzufüh- ren sei. Sie führten als Beispiel Helgoland, das einstmals Deutschlands bedeutendste Seefestung war. an und noch andere Seeländer. Tatsächlich Ist jedoch von der heutigen Wissenschaft nadigeroiefen worden, daß die Ursachen nicht in den Einflüssen des Meeres, sondern im Lande s e l b st zu suchen sind. Durch irgendwelche unterirdischen Einflüsse im Erdinneren wird diese Senkung erzeugt. Diese Bewegung ist äußerst schwierig zu messen. Die See ist niemals ruhig. Nicht nur dis ewigen Wellen erschweren die genaue Feststellung des Niveaus des Meeresspiegels, sondern auch Ebbe und Flut müssen in die Berechnungen mit einbezogen werden. Oie Wissenschaftler sprechen von einem „Durchschnitts- Niveau ' des Meeres, bei dem alle diese Umstände in Betracht gezogen sind. Es bedarf jedoch jähre» langer Forschung bei täglicher Beobachtung aller Umstände, um dieses Durchschnittsniveau an allen Punkten der Küste genau festzustellen. Dor zwei Jahrhunderten hat der große schwedische Naturforscher Professor Anders Celsius bereits feftgcfteUt, daß irgendetwas an der schwedischen Küste und im baltischen Meer vor sich gehe. Da Beobachtungen nur eines Punktes wenig ergeben konnten, bereifte er viele Teile der baltischen Küste und studierte die Anzeichen dessen, was er entdeckt hatte. Er stellte fest, daß Schweden sich langsam, etwa drei Fuß innerhalb von einem Jahrhundert, aus dem Meere emporhebe. Ein Zeitgenosse und Freund von Celsius, der große Botaniker Karl von Linus, setzte im Jahre 1749 einen Stein an der schwedischen Küste, der die Cclsiussche Theorie erweisen sollte. Doch 87 Jahre später stellte man fest, daß der Stein sich dem Wasser um hundert Fuß genähert hatte, wodurch die Celsiussche Theorie widerlegt war. Die modernen Wissenschaftler missen heute, daß weder Celsius noch Linus völlig im Irrtum waren. Tatsächlich heben sich Schweden und Norwegen in der Mitte immer mehr, während sie sich im Süden fortschreitend senken. An der dalmatinischen K ü ft e, wo sich einstmals das Florida ober die Riviera der reichen Römer befallt, blicken jetzt die Fischer aus einer Höhe von zwanzig Fuß auf geplusterte Höfe und Mauern der ehemaligen römischen Dillen herab, die durch Erdbeben ins Meer versanken. Aehnlich wie in England senken sich die j a p a n i s ch e n I n s e l n . jedoch in entgegengesetzer Richtung: die japanischen Geologen haben festgestellt, daß die östlichen und südlichen Teile sich immer weiter aus dem Meer erheben, während die nördlichen und weltlichen Partien allmählich versinken. In Nordamerika gehen die gleichen Dinge vor sich, doch man weiß noch nicht genau, in welcher Weise. Dor zwei Jahren ist ein besonderer Ausschuß gebildet, der sich mit der Erforschung dieser Vorgänge befaßt, doch gehören auch hier viele Jahre eingehender Studien dazu, um genauere Einzelheiten feftzustelleu. Zur OesuntolM I lein Weisel, bieben, bonnenstrafte 6, Telephon Nr.M MMDdlehes Unserer werten Kundschaft, Gästen, Freunden und Bekannten in glückliches neues Jahr! , Wilhelm Fries und Familie | Gastwirtschaft und Kolonialwaren- Handlung, Krofdorf H322D ; nferer werten Kundschaft von Lollar 11 und Umgegend, sowie allen Verwandten £ i und Bekannten 11 ein frohes Neujahr! j jl Schuhhaus Schnell, Lollar .Hauptstraße 94 11318D t Meiner werten Kundschaft, Verwandten, Freunden und Lekannten die herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel! Heinrich pempfer, Friseur • Meiner werten Kundschaft, Verwandten und Bekannten | die herzlichsten Glückwünsche zum ZahreewechseU 1 Heinrich MoosVU u. Frau, Lollar Metzgerei und Wirtschaft 113I4D •: 09067 r. 11300D r. 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Wirtschaft, Dieseck, Alicestr. 1I42JD Unserer werten Kundschaft, Verwandten,Freunden und Bekannten ein frohes, neues Fahr! Metzgerm eister Emil Schäfer und Frau Wieseck Unseren werten Gäften, Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Zahre! Familie Heinrich Hormann Gastwirtschaft Zum kühlen Grund Wieseck Unseren werten Gästen und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahre! Familie L Wenner Nest. ^Zum Andres", Sonnenstraße 29 u906A Meiner werten Kundschaft sowie Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Fahri Georg Schäfer, WeißbindermMer Gießen, Ludwigstraßo 36 09054 Motner werten Kundschaft sowie Freunden | und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr! Wtth^reiling,Diehhandl.wFamllie | Wieseck 11408V f \ Zum Jahreswechsel wünsche ich meiner » verehrlichen Kundschaft, allen Freunden und Besonnten ein t gesegnetes glückt, neues Zahl! Familie Zoh. Steinbach | Fahrrad- und Nähmaschinen - Handlung | Cig.Reparaturwerkstatt, LudwigstraßebL M445D | Meiner werten Kundschaft sowie Freunden und Bekannten ^herzliche Glückwünsche zum neuen Zahr! | Gg. Marx Nachfolg. Karl Herling Marktstroße 12 1 H4JID i Unserer werfen Kundschaft, Verwandten, Freunden und Bekannten ein frohes neues Fahr! Wilhelm Haas, Metzgermeisier, und Familie, Wieseck 11408D Meiner werten Kundschaft I herzliche Glückwünsche I zum neuen Zahr! Hübner, Schneidermeister Bahnhofstraße 44 I1374D Unserer w. Kundschaft, Freunden u. Bekannten wünschen wir ein glückliches neues Zahr! Heinrich Beppler und Familie, Lang-Göns Manusakturwaren und Konfeftion 113O3D I Meiner werten Kundschaft sowie offen Freunden und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum neuen Zahr! r IL- Kronenberg, Bäckermeister Gießen, Löwengaste 23 II398D | Meiner werten Kundschaft, Freunden I und Bekannten ein glückliches neues Fahr! Ludwig Weber und Frau Krofdorfer Straße 30 11386V Heinrich Bechtold Cfieftre - InstafkatlonSgeschäst Giefien-Klein-Linden 11»1D Heinrich Braun und Familie Gastwirtschaft und Metzge-rei Wieseck Gießen 11418V Meiner werten Kundschaft sowie Freunden, Verwandten und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum neuen Zahr? peierHahn,Mikchhanölung Steinback) U532D Mever im Scbnh ruft allen seinen Kunden Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten ein glückliches neuesFahr I Georg Albold und Frau 11525V Gin glückliches neuesFahr wünscht meiner werten Kundschaft sowie allen Freunden u. Bekannten 08071 Autoverkehr Beuern wünscht seinen verehrten Fahrgästen, Freunden und Gönnern ein glückliches neues Hahr! Otto Damm Unserer werten Kundschaft, Gäften u. Bekannten wünschen wir ein gesegnetes neues Fahr! Familie Franz Pech Bäckerei und Cafe, Leihgestern, Schillerftraße s 11298V Meiner werten Kundschaft, sowie Freunden und Bekannten ein frohes neues Fahri Oberhesflsche Fleisch' und Wurflwaren Wilh. Zager Bfeichstraße 18 nszso Unseren werten Gästen, Freunden und Bekannten I herzliche Glückwünsche zum Zahreswechsel! Ludwig Dem und Frau dose und Konditorei, Grvßen-Ltnden U308D Meiner werfen Kundschaft, Freunden und Bekannten herzliche Glückwünsche zum Zahreswechsel? Bäckerei Weitzel, Lang»Göns ... 11306V Rudolf B!um Möbelfabrik / Lager Steinstraße 63 115400 Unserer werten Kundschaft, Schülern, Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Fahr! Gießener Privat-Fahrschule Znh. Heinrich Appel 11526V 11508V 090» Allen meinen werten j Kunden, Freunden und Bekannten i ein herzliches neuesFahr! Unserer verehrten Kundschaft zum Jahreswechsel | die herzlichsten Glückwünsche! | Metzgerei Gebrüder Zalob Neuenweg 10, Telephon 1160 115100 Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Fahr! Karl Schlosser, Karosseriebau Orünhtgen Meiner werten Kundschaft die herzlichsten Glückwünsche zum Zahreswechsel l Zakob Pfeiffer, Milchwirtschaft Hofgut Helberishausen Die besten Glückwünsche zum Zahreswechsel wünscht feiner Kundschaft Otto Heyder, Schleiferei Wehsteingaste 8 115080 Unserer werten Kundschaft, Freunden und Bekannten die besten Glückwünsche zum neuen Zahre! Heinrich Kmhl und Frau, Großen-Llnden Brot- und Feinbäckerei 113070 Gin glückliches neues Fahr wünscht seiner ver/hrten Kundschaft, Freunden und Bekannten Ludwig Schäfer und Familie Tabakfabrikate, Heuchelheim 11545V Prosit Neujahr! Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten herzl. Glückwunsch zum neuen Zahr | Fa. Zean Weisel Mineralwaffer-Großhandlung | Sonnenstraße 6 09064$ I M. Ii'ebler, Hutzentrale Asterweg 12 11495V Unserer werten Kundschaft, Verwandten und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum Zahreswechsel! Dal. Kehl u. Familie.KleinLinden Schreinerei und Möbelhandlung N414V Unserer werten Kundschaft, Verwandten und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum Fahreswechsel! Anton Mohr und Familie Gchuhmachermeister, Klein-Linden ... 114I1D Unseren werten Gästen, Freunden und x Bekannten . die herzlichsten Glückwünsche I zum neuen Zahre! Georg Häuser XIV und Familie * -Zur Krone-", Steinberg 11283V k t Unserer werten Kundschaft, Verwandten, Freunden und Bekannten t die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Fahre I | Zoh. Heß, Metzgermstr., u. Familie r Gastwirtschaft zum Adler, Leihgestern t 112971 L Unserer werten Kundschaft, Gästen und Bekannten wünschen wir ! ein glückliches neues Fahr I s Familie Heinrich Lotz Metzgerei und Wirtschaft Gardenteich 113060 Unserer werten Kundschaft, Gästen, | ; Freunden und Bekannten wünschen wir | ein gesegnetes neues Jahr! | Georg Sommer VI. u. Familie | Metzgerei und Gastwirtschaft, Watzenborn t ...._____' ...... N28VP s 1 ...................r...... r Unseren werten Gälten. Freunden und X Bekannten t ein glückliches neues Zahr< t Christine Faber und Familie Carl philipp,Watzenbom | -Zum goldenen Stern" t 11287V t Unserer verehrten Kundschaft sowie Verwandten und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum Fahreswechsel Heinrich Degen und Frau Friseurgeschäft und Rauchwaren Watzenborn-Steinberg 11498V Unserer Werten Kundschaft, Gästen, t Freunden und Bekannten wünschen wirf ein glücklichesNeujahr k Georg Lutz und Familie | Bäckerei und Cafe, Klein-Linben r .... . ....... r . 114I0P f Meiner werten Kundschaft I hie herzlichsten Glückwünsche | zum neuen 3af?r! Henn. Christmann, Metzgerei I und Wirtschaft, Staufenberg | ..... ...,,r.,..T.r., . .. f Meiner werten Kundschaft sowie | Freunden und Bekannten | herzlichen Glückwunsch \ zum neuen Zahre! Wilhelm Lecke und Familie I Milchhandlung, Steinberg U2TOD r Unseren werten Gästen, Kunden, t Freunden und Bekannten ein glückliches neues 3ahr! k Karl Delten IL und Familie | -Zur Detterau", Steinberg --[[iir1 ■ 11290V t Unserer werten Kundschaft, Gästen, Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Zahr! Familie Georg Philipp IL Metzgerei und Wirtschaft, S l e l n b e rq | ,f f| r ,112^0 J r r Krofdorf, Silvester 1925 I1O53D t r Wolkengaste 16 114340 r 113NV H3I0D ein frohes neues Hahr! ! Burg Staufenberg 11205D r Z Sonnenstrafie 7 11435D 1M16D 2 r t r r - - r r r Meiner Kundschaft,allen Freunden u. Bekannten die besten Neujahrswünsche! Unserer werten Kundschaft und Gästen, Freunden und Sefannfen ein glückliches neuesFahr! Heinrich tausch und Frau Metzgerei und Wirtschaft / Aeustabt 78 113*80 Wen Geschäftsfreunden und Bekannten die besten Wünsche zumHahreswechsel! Familie W. Feuerbach Gießen, Marburger Straße 25 113O7D Unserer werten Kundschaft, Gästen und Bekannten Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten ein glückliches neues 3af)r! Meinen werten Gasten, Freunden und Bekannten A.^ahnefeld» .pfalzerHof'' HS14D Läckerei Schomber, Walltorstraße I1380D Unserer werten Kundschaft, Verwandten und Bekannten herzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel! Friedrich Stein, Bäckermeister, und Familie Kkein-Linden 11412D Unseren werten Gästen, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Hahr! Ludwig Faber und Familie, „Zum Rebstock' Großen-Linden Zlllen Gästen, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jä^rl Frih Kremer Wwe., Restaurant Stadt Marburg Marburger Straß« 21 nTist) Unserer werten Kundschaft, Verwandten, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr! Wilhelm Hinterlang und Familie * Metzgerei Klein-Linden 114150 Meiner werten Kundschaft und allen Bekannten ein frohes neues Fahr! Ferdinand Link «art giert Ziachf. Kunst« und Vauschkosteret, Gteßen HM6D Unseren werten Gästen, Freunden und Vekannten herzliche Glückwünsche zum Jahreswechsel! Karl Dolkmann VII, und Familie Gastwirtschaft, Heuchelheim U321D Meiner wrrten Kundschaft sowie allen Freunden und Gönnern ein glückliches neues Hahr! H. Pfeiffer / Schuhmachermeister / Gießen Meiner werten Kundschaft sowie Gästen, Freunden u. Vekannten zum FahreSwechsel die herzlichsten Glück- und Segenswünsche! Paul Bender und Familie Bäckerei, Konditorei u. Cafch Schubertstr.2 114050 Meiner werten Kundschaft, Freunden und Vekannten dieherzlichstenGlückwünschezumneuenIahr! Willy Keller Väckerei, Konditorei, CafL / Licher Straße 29 U512D Familie 3. Bechtold Metzgerei u. Wirtschaft, Rodheim a. d. Bieber Meiner werten Kundschaft und Gästen, sowie allen Freunden und Vekannten ein glückliches neues Hahr! Familie Karl Haas Väckerei, Konditorei, Safä / Bkelchstraße 21 Meiner werten Kundschaft, allen Freunden und Vekannten ein glückliches neues 3uf)r! Heinrich Willwohl, Friseur, und Frau Unserer werten Kundschaft, Gästen, Freunden, Verwandten und Bekannten ein glückliches neues Fahr! Frih Hinterlang und Familie * Klein-Linden Metzgerei und Wirtschaft 11413D HerzlicheGlückwünsche zumHahreswechsel aNen Zrunden, Freunden und Bekannten Wilhelm Fleckenstein und Frau H376D Unserer werten Kundschaft, Gästen,Freunden u. Bekannten ein glückliches neues Hahr! Heinrich Bönsel u. Frau, Wirtschaft u. Metzgerei Hammstraße 11385D Meiner werten Kundschaft und Gästen, Freunden und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr! Caft und Bäckerei L. Müller, Bahnhofstr. 52a 1 11395D Meinen werten Gästen u. Kunden ein recht fröhliches neues Jahr! Weinstube und Kolonialwaren- Handlung Frih Seibel u. Frau II438D Unserer werten Kundschaft, Gästen, Freunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Hahr! Meinen werten Gästen, Freunden und Vekannten herzlichenGlückwunsch zum neuen Fahr! Unseren werten Gästen und Gönnern herzlichen Glückwunsch zum neuen Hahr! Emst Hebsireit und Frau CCdf6, Gießen, Franks. Str. 62 1145OD Unserer werten Kundschaft, Freunden und Bekannten herzliche Glückwünsche zum Hahreswechsel! Karl Krug, Mehgermeisier, und Familie Marktplatz 23, Telephon 1472 Meiner werten Kundschaft die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Fahr! Metzger Seibl, Gießen 114020 ($in frohes neues Fahr wünscht Louis Jutt Gießen, Ludwigsiraße 64 LcbenSmkttel, Obst, Gemüse, Südftüchte Weln und Spirituosen 11444b Unfern werten Kunden und Gästen, sowie Freunden und Bekannten ein herzliches Prosit Neujahr! Familie Eduard Abel Wwe. Brauerei und Gastwirtschaft Meiner Kundschaft, ollen Freunden und Bekannten die besten Neujahrswünsche! Backerei Lange, Neustadt 47 1139: > ............................ Unserer werten Kundschaft, Freunden und Vekannten wünschen wir ein glückliches neues Hahr! Ludwig Häuser u. Frau, Bäckerei, Steinberg 11Ä1D Zum Hahreswechsel meiner Kundschaft sowie allen Bekannten herzlichste Glückwünsche Ferdinand Heusohn und Frau Metzgerei Frankfurter Straß« 113 ........ ................ ........t. Ai-yup. | Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten ! die herzl. Glückwünsche zum neuen Hahr; Karl Wagner und Familie, Krofdorf | Drogen- Material- und Eisenwaren 11324D Unserer werten Kundschaft, Gästen, Freunden u. Vekannten zum neuen Hahre viel Glück und Segen! Gustav Stephan und Frau Metzgerei und Wirtschaft, Steinftr. 76 114910 Zum Hahreswechsel wünsche ich meiner verehrlichen Kundschaft, ollen Freunden und Bekannten ein gesegnetes glückl. neues Hahr! Gdgar Borrmann Eisenwaren-, Werkzeug-, Haus- und Küchengerätehandlung 11393V ! Unserer werten Kundschaft, allen Freunden und Bekannten ! herzliche Glückwünsche l zum Hahreswechsel! | Heinrich Meier und Frau Walltorstraße 46 11432b ........... .i i j i Meiner werten Kundschaft, Nachbarschaft, Freunden und Bekannten herzlichen Glückwunsch zum Hahreswechsel! Gustav Laichinger u. Familie Restaurant „3um Gras Zeppelin" Wilhelmstraße 49 11442V Friedrich ?R6 der Schrifturheber zu den »Optimisten" oder zu den ..Pessimisten" gehört. Ebenso leicht stellen wir die Stärke und Ausdauer seines Willens fest. Im Zustande des Wollens nämlid) nimmt sich der Körper zusammen; im Zustairde willenlosen Träumens, Betrachtens, Schwärmens läßt er »sich gehen". Die Folge davon ist, daß in den Handschriften typischer Tat — und Willensmenschen zahlreiche sog. SpannungsMerkmale zutage treten, wie vor allem Winkel, kräftiger Reibungsdruck, Snge. Kürzungen, Betonung der Unterlängen; wohingegen in der Handschrift des Gefühlsmenschen statt dessen mit wesentlich druckloser Federführung sich weiche Kurven zusammensinden. Das zweite Gesetz der Ausdruckslehre sagt uns, daß die DewegungSformen beeinflußt werden vom persönlichen Raumgefühl. Wer z. D. als ein ausgeprägt klarer Kopf an begriffliches Denken und strenge Unterscheidung gewöhnt ist, dessen Anschauungsvermögen hat eine ihm selbst unbewußte Wahlverwandtscha t zu scharf- gegliederten Raumgebilden, und der neigt deshalb dazu, Wörter und Zeilen weit voneinander zu trennen; wer hingegen ein mehr sinnlich konkretes und möglicherweise künstlerisch phantasievolles Denken besitzt, dessen Wortkörper heben sich minder fdjarf ai«3 der Zeile, dessen Zeilen minder scharf aus d"r Seite ab, und wer endlich der geistigen Klarheit ermangelt, der läßt feine Zeilen mit Over- unö Unterlängen rücksichtslos ineinandergreifen. Das Raumgefühl ausgesprod>en verschlossener wie ferner unaufrichtiger und lügenhafter Persönlichkeiten ist denjenigen Formen wahlverwandt, welche den Eindruck des Uel>erwölbens, Zuschließens, Verdeckens mad)cn: das Raumgefühl typisch osfenherziger den gerade entgegengesetzten Raumgestalten. Darum schreiben jene, ohne es zu wissen, die sog. Arkade (Dogenbindung oben), diese die sog. Girlande (Dogenbindung unten). Von sämtlichen Einwänden, die man gegen die diagnostische Schriftbetrachtung erhoben hat, pflegt feiner auf den Laien einen stärkeren Eindruck zu machen, als der, daß man die Schrift- eigentümlichkeiten willkürlich annehmen und sogar sich angewöhnen föan'. Di? T.itja^e selbst in ziilrcftend, immtref end aber die Meinung, daß sie den Diagnostiker zu täuschen vermöge. Es gibt neben dem ursprünglichen einen erworbenen Duktus, und wir kennen genau die Gesetze, nach denen sich dieser aus jenem entwickelt. Weil "ämstch die feineren Merkmale der eigenen Hand cyrift vom Schcifturh ber gar nicht beachtet werden, und ihm folglich unbekannt bleiben, so richtet sich sein Versuch, seine Handschrift zu verschönern", oder „origineller" und „interessanter" zu machen, mir auf gewisse gröbere, sog. repräsentative Züge, und lo wird der erworbene „Duktus" dem gewiegten graphologischen Praktiker zu einem Quell höchst wichtiger Aufschlüsse über das, für was der Schreiber in der Welt und nicht zuletzt vor dem eigenen Bewußtsein zu gelten wünscht. Vorstehende Ausführungen wollen dem Leser sagen, dah und warum die „Handschriftendeutung" möglich sei, nicht aber wollen sie ihm dazu die Handhabe bieten. Die Deutungstechnik ist eine schwierige und verantwortungsvolle Sache, mit der sich niemand befassen sollte, der nicht gründlich die ausdruckstheoretische und charakterologische Literatur studiert und darauf linier Anleitung eines Könners mindesten ein Iahr lang sia, geübt hat. Balzac bei -er Arbeit. Bal,;ac gibt in seiner Korrespondenz einige Aufschlüsse über die Arbeitszeit, die er zur Fertigstellung seiner Romane gebraucht hat. So behauptet er, wie in der „Literarischen Welt" mitgeteilt wird, für den zweiten Band seiner „Psychologie der Ehe" siebzig Tage gebraucht zu haben. Den „Colonel Chabert" will er in zwei Monaten fertiggestellt haben und im gleichen Jahr in derselben Zeit „Louis Lambert". Am „Landarzt" arbeitete er etwas länger: acht Monate; dagegen war „Eugenie Gründet" in drei Monaten geschrieben. „Cesar Birotteau" dauerte zwanzig Tage, „Ursule Mirouet" kostete ihn zwei Monate und die „Cousine Bctte" sechs Wochen. Dieser unermüdliche Arbeiter veröffentlichte im ganzen zwischen 1827 und 1848 neunzig Werke, umgerechnet ungefähr achtzehntausend Seiten; dabei sind seine vielen Artikel für Zeitschriften, Zeitungen und Revuen nicht miteingerechnet. Handschrift und Charakter. Don Or. Ludwig Klages, Zürich. Uiber das jetzt soviel diskutierte Thema der Graphologie bringen wir nachstehend einen Beitrag aus der Feder eines der berufensten ■ Vertreter dieser Wissenschaft. Ludwig Klages darf als der Begründer der wissenschaftlichen Graphologie angesprochen werpen und seine Ausführungen verdienen deshalb besondere Beachtung. Kem Mensch kann auch nur die kleinste Bewegung ausführen, ohne ihr ein Körnchen feiner individuellen Eigenart beizumischen. Von zehn Personen, welch« die Ahsicht haben, nach einem Buch« zu greisen, tut das xede auf eine besondere Weise, welche ihrer persönlichen Ratur entspricht, die eine hastig, die andere bedächtig. die dritte mit Würde, die vierte umständlich, die fünfte flüchtig usw., jede also gemäß ihrer Eigenschaft der Hast, Bedächtigkeit, Würde, Umständlichkeit. Flüchtigkeit usw. Würden wir statt nur auf den Zweck der Bewegung vielmehr aus die Art und Weise ihres Ablaufs achten, so könnten wir aus deren jeder wichtige Züge des handelnden Charakters entnehmen. Es gibt so viele verschiedene Arten des Ganges, des Gebärdespiels, der Mimik, Haltung und Stimmartikulation, als es verschiedene Menschen mit verschiedenen Charakteren gibt. Und es ist die Raturanlage einer gesteigerten Empfänglichkeit für dergleichen Unterschiede, was zu allen Zeiten und bei allen Völkern gewisse Personen befähigt hat, ihre Rebenmenschen oft auf den ersten Blick gleichsam hellseherisch zu durchschauen. Ohne Zweifel würde auch die Praxis der Ausdruckslehre längst Allgemeingut sein, stände ihr nicht eine Schwierigkeit entgegen, an der sie anfangs zu scheitern drohte. Alle Funktionen sind chrer Ratur nach flüchtig. Gang, Haltung, Redeform. Mimik, Gestikulatur, das alles verändert sich fort und fort. Wir können nur mit großer Mühe zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung machen, was kaum, daß cs da ist, schon wieder entgleitet, und zwar um so mehr, als unsere Erinnerungsbilder man- nigfachen Täuschungen ausgesetzt sind. Rur eine einzige Bewegung macht davon eine Ausnahme. die Bewegung des Schreibens, weil sie im Augenblick der Entstehung auch schon in bleibenden Formen fixiert wird, für Jahre und selbst für Jahrhunderte! Rehmen wir ein Manuskript des Leonardo da Vinci zur Hand, so sind wir in der Lage, mit vollkommener Sicherheit die Bewegungen festzustellen, welche der schreibende Griffel und die führenden Finger dieses großen Mannes vor Jahrhunderten ausführen muhten, damit die für uns sichtbaren Typen zustande kamen. - - Von Millionen Menschen, deren jeder in der Schule nach der gleichen Vorlage schreiben lernte, schreiben im Alter von 20 Ihren nicht zwei überein, sondern sie schreiben alle verschieden, dergestalt, daß die immer wiederlehrende Besonderheit der Abweichungen es sogar dem Laien ermöglicht, aus der bloßen Adreßaufschrift einer ihm wohlbekannten Person den Absender festzustellen. Don den Gesehen nun, welche die Olbhängig- feit des Ausdrucks von der Seele regeln, lautet das erste: jeher inneren Bewegung entspricht diese analoge äußere. Sind wir also z. D. innerlich heftig bewegt, wie im Falle des Ergriffenseins von einer starken Gemütsbewegung oder einem sog. Aftekt, so neigt auch unfer Körper zu heftigen Bewegungen; sind wir innerlich ruhig, so ist es and) unser Körper. Diese einfache Entsprechung ermöglicht die graphologische Entscheidung des „Stimmungsmenschen" vom Gleichmütigen. Und zwar weift jener erheblichen Wechsel zahlreicher Schrifteigenschaften auf, nicht nur mit dem Wechsel der inneren und äußeren Schreib- umstände, so daß er z. D. anders am Morgen als am Abend, anders vor Tisch als nach Tisch, anders wenn er heiter, als wenn er betrübt ist, schreibt, sondern sogar in jedem einzelnen Schriftdokumente. Der Grad des gewohnheitsmäßigen Schwankens der Schriftelemente bezeichnet genau den Grad der persönlichen Afftzier- barkeit. Unter den affektiven Charakteren unterscheidet man die „euphorischen" und die „depressiven", das will sagen, solche von vorwiegend gehobener Gemütsverfassung, die alles im rosigen Licht sehen, stets nur den Erfolg im Auge haben und freilich gar oft ihr Leistungsvermögen überschätzen, und solche von vorwiegend gedrückter, hypochondrischer-, trüber Gemütsverfassung, die „Schwarzseher", die vor lauter Abwägung wirklicher oder eingebildeter Schwierigkeiten nicht zum Handeln kommen und gemeinhin ihr Können unter schätzen. Es läßt sich nun zeigen, daß die gehobene Stimmung zu lebhaften, flotten, eiligen, große und zentrifugalen Bewegungen führt, die gedrückte aber zu langsamen, zögernden kleinen zentripetalen. Dies ergibt zwei höchst charakteristische Typenbilder der Lache Bajazzo! Roman von 3- Schneider-Foerfil. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 33. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie sand erst gar keine Erwiderung. Dann drückte sie seine Hände. „Ist das nicht zum Weinen? Hat das noch einen Sinn, wenn das geben solche Zufälle auswürfelt? Was mag der arme Mensch darunter gelitten haben! Und —" „Einen Augenblick, Herr Kollege!" Der Ches - arzt winkte Fehmann in eine Rische, während die Sängerin wieder in das Zimmer zurücktrat. ..Also, wir sind zu dem Schluß gekommen, dah e« keine Rettung n.e>r für den Baron gibt! Die vier anderen Kouegen, die sich ganz diesem Urteil anschließen, befinden sich noch im Konferenzzimmer; wenn Sie allenfalls noch selbst mit tgjten sprechen wollen, würde ich das nur billigen, damit sie hören, daß jede Möglichkeit erwogen wurde. Eine Operatton ist völlig zwecklos — sein Blut ist bereits durch und durch vergiftet!" „Und eine Transfusion — Herr Kollege? Haben Sie auch das in Betracht gezogen?" Feh- manns Stimme fiel wie ein Hammer. „Rein! Cs müßte sich jemand freiwillig melden. Seiner Mutter darf man es nicht sagen, die braucht die wenigen Tropfen ihres Blutes in ihrem Körper selbst. Und die Frau Jeska, ich weiß nicht, in welchem Verhältnis sie zu ihm steht, und ob sie nicht doch davor zurückschrecken würde, wenn es daraus ankor.nnt, sich für thn zu opfern!" „Cs kommt selbstverständlich niemand in Betracht als ich allein!“ war Fehmanns bestimmt gegebene Erwiderung. „Ich möchte Sie nur bitten, feine Minute mehr zu versäumen. Sie wissen, dah jcde für meinen Freund kostbar ist." „Als Arzt kennen Sie ja die Gefahr, in die Sie sich möglicherweise begeben, Herr Kollege!" wandte der Chef der Klinik ein. „ Fünfhundert Gramm Blut dürften in diesem Falle kaum genügen — ich rechne mit der doppelten Menge!" „Es kann auch die drei- oder vierfache sein! Rehmen Sie bis zum letzten Tropfen, wenn es nöttg ist!" sagte Feßmann ungeduldig. „Rur zögern Sie, bitte, nicht länger!" „Wollen Sie nicht zuvor Ihre Frau Gemahlin noch verständigen, Herr Kollege?" »Es ist hernach noch früh genug. — Treffen Sie, bitte, nie nötigen Vorbereitungen bei Hettingen. — Ich komme im Moment." Der Chefarzt bat die Damen, sich aus dem Zimmer zu entfernen, da man einen Eingriff beim Herrn Baron vornehmen wolle. „Sie werden ihm den Arm wegnehmen?" flüsterte die Mutter entsetzt. „Rein!" „Was sonst?" „Sie werden es erfahren, wenn es vorüber ist, gnädige Frau!" Er schob sie gütigen Blickes üoer die Schwelle, an der eben drei Aerzte in weihen, fleckenlosen Kitteln erschienen. Kaum hatte sich die Tür geschlossen, riß Fehmann den seinen herunter und warf die Weste zur Seite. Das Hemd glitt über die Achseln und wurde nur in der Mitte vom Beinkleid sestgehalten. Der Chefarzt trat auf ihn zu. ..Ich bin außer jeder Verantwortung. Herr Kollege?" „Außer jeder!" stimmte Fehmann zu. „Dann — in Gottes Ramen!" Ein Wattebausch fuhr über Fehmanns linken Oberarm — etwas Blitzendes bohrte sich in sein Fleisch — dunkelfarben floh sein Blut in das bereitgehaltene Gefäß, um von dort in Hettingens Venen übergeleitet zu werden. „Siebenhundert Gramm," konstatierte der Chefarzt und sah in Feßmanns farbloser werdendes Gesicht. Ein gleichmütiges Ricken. „Rehmen Sie, was Sie brauchen!" „Roch einmal die gleiche Menge dürste genügen“, sagte eine Stimme vom Bett her. too Hettingen in vollständiger Apathie lag und nicht wußte, was mit ihm geschah. Unaufhaltsam rann Fehmanns Blut! — Er sah bunte Rebel tanzen und die Dinge im Zimmer auf und nieder schaukeln. Hörte, was die anderen sagten, und sann den Tönen nach, als kämen sie aus meilenweiter Ferne. Dis weit in die Lippen hinein abgeblaßt, merkte er, wic jemand auf ihn zutrat, an fernem Herzen horchte und ihm bann mit geübten Händen eine Binde um die geöffnete Körperstelle wickelte. „Wie fühlen Sie sich, lieber Kollege?" „Ich bin vollkommen wohl!" sagte er und muhte sich zu gleicher Zeit gegen den Schrank hinter seinem Rücken lehnen, um nicht zu fallen. Einer der Kollegen brachte ihm ein Glas Wein, das er gierig leerte. Wie Feuer rann es durch seine Adern. Die Schwäche war überwunden. Er ging zum Bette und sah auf Joachim, der reglos in den Kissen lag. Die Kollegen standen noch im Gespräch beieinander, da neigte er sich hastig herab und küßte den schweigenden Mund. „Run rinnt mein Blut in dem deinen! Laß es als Sühne gelten für das, was ich dir getan habe!" bat er lautlos. Im Korridor warteten die Frauen in tödlich verzehrender Angst. Die Baronin erfuhr nichts vor dem Geschehenen. Rur Isabella Jeska erhielt die Mitteilung davon sowie Richthofen, der seit zwei Stunden im Wartezimmer sah, beide fuhren sie auf, warum man ihnen das Recht geschmälert hatte, sich auch zur Verfügung zu stellen. Als Isabella in Fehmanns Gesicht blickte, verstummte sie. „Wenn er gesund ist, werde ich ihm sagen. Herr Doktor, in welcher Schuld er bei Ihnen steht." Er hielt ihre rechte Hand in die seine geklemmt. „Das werden Sie nicht tun, gnädige Frau! Er muh selbst wieder zu dem Glauben kommen, dah ich das nicht bin, wofür er mich hält, und dah ich wirllich zu jeder Stunde Treue um Treue und Leben um Leben zu geben gewillt war." Die kommenden Stunden und die folgende Rächt verbrachte Hettingen verhälnismähig ruhig. Fehmann wich keine Minute von seiner Seite. Aber erst, als gegen 7 Uhr morgens der Chefarzt seine Meinung teilte, dah eine auffallende Wendung zum Besseren eingetreten sei, lieft er sich von Isabella auf das kleine Sofa drücken und lehnte den Kopf über eine halbe Stunde schlaftrunken gegen die Polsterung. Joachims Stimme lieft ihn unvermittelt auf* springen. Hettingen schob sich mit Hilfe der Mutter etwas hoch und lächelte ihm entgegen. „Ich habe so furchtbar komisch geträumt: man pumpte mir mein Blut aus den Adern und anderes floh dafür hinein — aber ich fühle mich seither viel Wohler, Herr Doktor!" „Dann hat der Traum ja feinen Zweck erfüllt, Herr Baron!" war die liebenswürdige Antwort. „Olun bleibt Ihnen nichts mehr zu tun — als sich gesund zu schlafen." Und das tat Joachim Hettingen. Feftmann hielt es schon nach drei Tagen nicht mehr für ratsam, noch länger in seiner Rahe zu bleiben. Möglicherweise, daß er ihn doch einmal erkannte, und dann waren die Folgen für den Genesenden unberechenbar. Ein Rückschlag muhte um jeden Preis vermieden werden. Als er nach sechs Tagen Abwesenheit nach Haufe kam, war sein Haar von grauen Strähnen durchzogen, und von den Rasenflügeln zum Munde herab zogen sich zwei scharfe, tiefrinnige Furchen. Ein stahlhartes Blitzen lag in den sonst so gütigen Augen und seine Sprache hatte etwas Barsches, kurz Abgehacktes bekommen. Frau Brunhildes Herz schrie auf vor Gram und Mitleid, als sie den Gatten so zurückbekam. „Din ich dir nichts mehr?" klagte sie, als ec sie wortlos zur Seite schob und nach seinem Zimmer ging. Die Hand bereits auf der Türklinke, sah er sie schweigend an. „Laß mich erst den Toten begraben — du bist mir ja geblieben, kleine Frau!" (Fortsetzung folgt) MM/ Pjr/V- 1 xvS**: / W Ms 7>\- -..-'7' WWf^ Weißwaren und B’wollwaren Handtuchstoff 1 fl gebrauchsfähige Ware . I Nessel ßR 78 cm breit .......... faU^i Hemdentuch <3R 80 cm breit, gute Qual. W Flockköper CO eingef. Stammqualität . 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Irgendein herumstreifen- Ler Junge hat sie in der Ferne erspäht, rasch wie rin Lauffeuer verbreitet sich die HunDe durch die umliegenden Straßen und Gassen, und alt und jung eilt, sich diesen in Städten selten gewordenen, ungewohnten Anblick nicht entgehen zu lassen. Längst vergessene Bilder und Erzählungen von malerischen Lagerfeuern der braunen Pußlasohne in dunklem Wald und auf blühender Heide, von ihrem bunten Leben und Treiben auf ihren Rastplätzen, von prunkvollen Hochzeiten gefeierter Zigeunerkönige bei feurigem Geigenspiel u. a. m., tauchen in den Erinnerungen der älteren Zuschauer auf. Und mit leichtem Gruseln gedenken sie zugleich auch der berüchtigten 5iv ifte der Zigeuner: der Wahrsagerei und des Pferdehandels, sowie ihrem durch nichts zu steuerndem Hange zum Nichtstun, Betteln und Stehlen. , Aber da kommen sie schon! Welch eine Enttäuschung! Mehr oder weniger herabgekommene, ab- cctriebene Gäule ziehen eiligst unter fortwährenden Peitschenhieben und harten, unverständlichen, aber offenbar antreibenden Zurufen ihrer braunen, dunkelhaarigen, unsauber und verwildert oussehenden, in Lumpen gehüllten Begleiter kleine leichte Wohnwagen und -karren in oft geradezu elendem Zustande, deren schmale Fensteröffnungen häufig genug mir mit schmutzigen Tuch fetzen dürftig verhängt sind, während verwahrlost aussehcnde Frauen, die ihre Kleinsten in Tüchern aus dem Buckel tragen, die Wagen schieben Helsen oder zusammen mit der heranreifenden Zigeuncrjugend und heiser bellenden, zottigen Köteln lärmend lahme Pferde, widerspenstige Tanzbären usw. vorwärts treiben. Hinterher und an den Seiten folgt schreiend und johlend die Stadtjugend, und schon noch wenigen Auaenblicken ist die voranhastende Horde wie ein Spuk dem Gesichtskreise der enttäuschten Betrachter entschwunden, um sich später irgendwo draußen bei einem kleinen Dörfchen auf wenige stunden oder Tage häuslich niederzulassen. Es ist nur zu wahr: die ehedem so vielgerühmte und -besungene Zigeunerron^intik liegt im Sterben. Die Zeiten, wo diese fahrenden Gesellen aller Herren Länder die Welt unstät und ruhelos durchzogen, sind endgültig vorüber. Die scharfen Grenzsperren oerbinbA-n je ziemlich den weiteren Ucbertritt aus- ländischer Zigeuner auf deutsches Gebiet, und in der Heimat arbeiten die Polizeibehörden unermüdlich an ihrer gänzlichen Beseitigung. Die Städte kennen den Zigeuner kaum noch, denn der meidet diese modernen Steinmüsten, die ihm fremd, unheimlich vorkommen, die ihn beklemmen. Er sucht die weite Landstraße, die Heide und den Wald, um dort die Freiheit, die er über alles liebt, wenigstens noch einigermaßen zu finden. Aber auch das platte Land steht heute dem Zigeuner nicht mehr freundlich gegenüber. Der Gendarm wacht, und schleuniger traben die Pferde, gellender erschallen die antreibenden Rufe, härter knallt die Peitsche, wenn der Tschako dieses ungern gesehenen Hüters der Ordnung irgendwo sichtbar wird. Denn nie weiß der Zigeuner, ob nicht wegen dem oder jenem kleinen Heu- oder Hühnerdiebstahl ober Pferdebetrug gesucht wird, er ist stets unsicher, ob er nicht schon wieder eine neue, ihm noch unbekannte Polizeiverordnung übertreten hat oder ob gor seine Horde einen steckbrieflich aesuchten Schwerverbrecher enthält. Immerwährend hat er ein schlechtes Gewissen, und dauernd ist er deshalb wie auf der Flucht, ruhelos, nie lange rastend, stets die Ferne suchend. . Wenn indessen auch die Stadt den aussterbenden Zigeuner eioentlich nur noch vom Hörensagen kennt, die Ortschaften auf dem flachen Lande wissen immer noch ihr Lied zur Genüge zu fingen. Keine Gemeinde freut sich, wenn eine solche Horde bei ihr lagert denn das bedeutet immer kleine, aber trotzdem peinliche Diebstähle, Bettelei, Merger und Verdruß. Alles atmet erleichtert auf, wenn die ungebetenen Gäste weiterziehen, und nur die Dorfjugend bedauert, daß dos farbenprächtige Bild einer rastenden Zigeunerhorde für einige Zeit aus dem Gesichts- kreis ihrer romantiksuchenden Seelen verschwunden ist. Die dauernde Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die das Zigeunerunwesen für jedes Land mit sich bringt, uno die fortwährenden Klagen der Landbewohner hierüber förderten in Ermanglung einheitlicher gesetzlicher Vorschriften eine Unzahl von Polizeiverordnungen der zuständigen Lokalbehörden zutage, die diesem Unfuge nach Möglichkeit zu steuern versuchlen. Unzweifelhaft haben sie viel Gutes gestiftet, denn die früher sehr große Zigeunerplage ist in den letzten beiden Jahrzehnten, insbesondere während des Weltkrieges, stark zurückgegangen. Zu einem einheitlichen Schlage gegen das Zigeunerturn kam cs jedoch seither nicht. Ja, selbst die Länder konnten sich zu durchgreifendem einheitlichen Vorgehen trotz einer von Bayern schon lange vor dem Kriege gegebenen Anregung nicht entschließen. Den Anstoß zur erneuten Ausgreisung dieses Problems gab nun vor einigen Jahren die dazu berufenste Stelle: die im Juni 1925 in Karlsruhe tagende Polizeifachkonferenz beschäftigte sich auch mit der Frage der einheitlichen Bekämpfung der Zigeunerplage. Sie wählte zu diesem Behufe eine Fachkommission, die einen Entwurf zu einer neuen Vereinbarung der deutschen Länder über die Bekämpfung der Zigeunerplage ausarbeitete, der insbesondere den Erlaß folgender Vorschriften empfahl: Verbot des Reisens in Horden (d. h. Vereinigung mehrerer Familien oder einzelstehender Personen zu gemeinsamen Fahrten), besondere Erlaubnis zum Mitführen von Wohnwagen- und Karren sowie von Tieren, für den Besitz von Schußwaffen und das Lagern im Freien, und endlich besondere Meldepflicht bei den Ortspolizeibehörden. Leider liegt dieser recht gute Entwurf zur Zeit noch immer dem aus Regierungsvertretern gebildeten Länderausschuß zur Begutachtung vor. Und bei der uns Deutschen nachgerühmten besonderen Gründlichkeit, mit der wir an alle Probleme Herangehen, werden wohl noch etliche Jährlein ins Land ziehen, bis dieser Ausschuß endlich einmal zu einem positiven Ergebnis kommt. Erwähnt fei jedoch, daß das neue Reichsschußwaffengefetz vom 12. April 1928 den künftigen Erwerb von Schußwaffen und Munition durch Zigeuner auf legalem Wege unmöglich macht. Die hessische Regierung hat sich deshalb (nach Bayern) in anerkennungswerter Weife zu schleunigem selbständigen Handeln entschlossen und dem Landtag vor kurzem einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung des Zigeuner- Unwesens (Zigeunergeseh) zugeleitet. Dieser Entwurf folgt im großen und ganzen den Vorschlägen der im Juni 1925 eingesetzten Fachkommission. Darüber hinaus schafft er aber weitere wesentliche Erschwerungen. So dürfen in Hessen Zigeuner mit Wohnwagen und -karren sowie mit Tieren nur umherziehen, wenn ihnen eine schriftliche, jederzeit widerrufliche Erl-aubnis von dem zuständigen Kreisamt erteilt worden ist. in der u. 51 sogar eine bestimmt bezeichnete Reiserichtung voraeschrieben werden kann, um sie so entweder von bestimmten Landesteilen fernzuhalten, oder aber auf dem kürzesten Wege über die Grenze zu bringen. Diese Erlaubnis darf jedoch nur denjenigen Zigeunern erteilt werden, die die deutsche Staatsangehörigkeit, einen ordnungsmäßigen Wandergewerbeschein — sie müssen also stets entweder gewerbliche Leistungen an- oder Schaustellungen darbieten — und eine amtliche Bescheinigung darüber besitzen, daß sie erkennungsdienst- l i ch behandelt worden sind. Denn von jedem Zigeuner muh heute ein Fingerabdruck genommen werden, um jederzeit seine Identität einwandfrei feststellen zu können. Ramen sind nämlich bei Zigeunern wie Schall und Rauch. Als besonders unzuverlässig bekannte Zigeuner und Landfahrer können somit durch Verweigerung dieser Einreiseerlaubnis von Hessen ferngehalten werden. Auch ist damit die Möglichkeit gegeben, die Zahl der Zigeuner in Hessen auf ein erträgliches Maß zu beschränken. Diese Erlaubnis zum Durchreisen hessischen Gebietes kann ausnahmsweise auch Staatenlosen gewährt werden, wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit durch den Friedensvertrag von Versailles verloren haben. Ausländische Zigeuner können somit hessisches Gebiet nur dann noch betreten, wenn sie Bestrafung und sofortige Ausweisung als lästige Ausländer riskieren wollen. Beschwert schon diese Bestimmung die Zigeuner überaus, so trifft sie aber die andere, daß sie schulpflichtige Kinder nur noch in Ausnahme- fällen mit sich führen dürfen, am allermeisten. Denn nicht nur, daß sie sich behufs Erfüllung dieser Vorschrift irgendwo einen auf längere Zeit berechneten Wohnsitz gründen müssen, um ihre Kinder daselbst zur Schule zu schicken, falls sie nicht überhaupt aus Elternliebe ganz seßhaft werden wollen, damit wird dem Zigeunerturn vor allem der Rachwuchs genommen. Es ist nämlich kaum anzunehmen, daß so kultivierte Ziaeuner- tinder nach achtjährigem Schulbesuch noch allzu große Sehnsucht nach der Landstraße mit ihrem unsteten Leben haben. Wenn diese Bestimmung erst einmal in Deutschland allgemein rechtens ist, dürste das noch verbliebene Zigeunerturn sehr bald ausgestorben fein. Den Zigeunern sind gleichgestellt die sog. Landfahrer, d. h. diejenigen Personen, die, ohne der Rasse nach Zigeuner zu sein, den Zigeunern ihrer Beschäftigung und Lebensweise ähneln und wie diese planlos im Lande umherziehen, z. D. manche Töpferwarenhändler, Kesselflicker, Scherenschleifer usw. Endlich sieht das Hessische Zigeunergeseh für Zuwiderhandelnde Haftstrafe bis zu 6 Wochen vor, ebenso die Einziehung der ohne Erlaubnis mitgeführten Tiere. Der Gesetzgebungsausschuß hat leider diesen Entwurf zunächst zurückgestellt und die Regierung aufgefordert, Unterlagen über die sog. Zigeunerplage zu beschaffen. Hoffentlich wartet die Landbevölkerung nicht allzu lange auf den Erlaß dieses für sie recht bedeutungsvollen Gesetzes, mit dem dann auch die letzten Reste fast verklungener Zigeunerromantik — wenigstens in Hessen — endgültig verschwinden. Oberhessische Gesellschaft für Raimund Heilkunde. In der jüngsten Sitzung der O b e r h e s s i - schen Gesellschaft für Ratur - und Heilkun de zur Feier des 100. Geburtstages des Ehrenmitgliedes der Gesellschaft, des Geh. Hofrats Prof. Dr. T h a c r, wies Prof. Dr. Sessons mit kurzen Worten auf die großen Verdienste Thaers hin, die er sich als erster Der- treter der Landwirtschaftswissenschaft an der Hessischen LandeSuniversität zu Gießen als würdiger <$nfel seines Großvaters, des großen Reformators der Landwirtschaft, um die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft erworben hat. Unter „kurze Mitteilungen" sprach Prof. Dr. Harrassowih über einen fossilen Boden aus dem SchwarzwLIde. Die Bodenbildung hängt von der Verwitterung und die Verwitterung vom Klima ab. So können wir in der Umgebung des Vogelsberges rote Böden finden, die auf Entstehung in tropischem Klima hindeuten, während wir vor den Toren Gießens diluviale Böden an treffen. Rach der Eiszeit folgte ein wärmeres und trockeneres Klima, als wir es heute besitzen. Ein Beweis dafür ist der Kmstand, daß z. B. in Alpengebieten (Hohe Tauern) gegen Ende der Bronzezeit Bergbau betrieben wurde, und zwar in Zonen, die heute mit ewigem Eise bedeckt sind. Einen Boden aus dieser Zeit konnte der Vortragende neuerdings im Schwarzwalde bei Hör- nisgrinde beobachten, wo unter einem Podsolboden ein Lehm ansteht, der vollständig in das Podsolprofil hineinragt. Der Podsolboden deutet auf ein kühles, feuchtes Klima, der Lehm auf ein warmes, trockenes hin. Aehnliche Prosile finden sich auch in Graubünden. In einem längeren, durch Lichtbilder erläuterten Vortrage behandelte darauf Prof. Dr. Sessons das Thema: Pflanzenkrankhecken (Bedeutung, Erkennung und Verhütung). Ausgehend von der Bedeutung dieses jüngsten Gliedes der Landwirt- schaftswissenschaft für Land- und Volkswirtschaft wies der Vortragende auf die jährlich durch Pflanzenkrantheiten verursachten Schäden hin. Die bei einem Gesamtwerte der lairdwirtschaftlichen Produktion von 13 Milliarden Mark 2 Milliarden Mark betragen. Ein Betrag, der ungefähr der Summe entspricht, die wir nötig hätten, um uns auf eigener wcholle zu ernähren. Darauf wurden ein gebeut) die im Deutschen Reiche bestehenden Organisationen zur Bekämpfung der Pflanzen- Eran(beiten besprochen. An Hand von Lichtblldern wurden die Pflanzenkranlheiten (Kartoffel-, Getreide- und Rübenkrankheiten) am Objekt erläutert und ihre Bekämpfungsweise angegeben. Bei Getreidekrankheilen gelingt es in den meisten Fällen, durch Raß- bzw. Trockenbeizen oder Saatgutwechsel der Krankheit vorzubeugen. Zur Belampfung der durch Btüteninfektion entstandenen Krankheiten der Getreidekörner, die äußerlich oft einen gesunden Eindruck machen, obwohl sie innerlich krank sind, wurde ein von Appel und Glaßner erfundenes neues Verfahren demonstriert. Bei Kartvffelfäule gelingt es meistens durch Züchtung und Kreuzung von Kultur- und Wildformen, der Krankheit Herr zu werden. Bei Kartoffelkrebs, der besonders in Hessen-Kassel sehr verbreitet ist, aber neuerdings auch in Helsen auftritt, empfiehlt es sich, sofort einen Fruchtwechsel vorzunehmen. Die sogenannte „Rübenmüde", die durch einen kleinen Aal verursacht wird, kann auch durch Fangpflanzen ausgerottet werden. Wie groß die Erfolge hinsichtlich der Dekämvfung von Pflanzenkrankheiten bei der Kartoffel schon gediehen find, geht daraus hervor, daß bereits 80 Kartoisilsorten als immun gegen Kartoffelkrebs erklärt werden können. Leider ist die Kenntnis von der Bedeutung und der Verhütung von Pflanzenkranlheiten noch nicht Allgemeingut des deutschen Bauernstandes geworden. Infolgedessen gehen noch immer große volkswirtschaftliche Werte verloren. Aufgabe Der Universitäten und Landwirtschaftsschuten muß es sein, noch mehr wie bisher in dieser Beziehung aufklärend zu wirken. Rundfunkprogramm. Dienstag, 1. Januar. 12 bis 13: Morgenfeier, veranstaltet vom Wart - burgverein E. B.. Frankfurt c. M. 13.30 bis 14,30: Miltagsständchen des Rundfunkorchesters. 15.05 bis 15,35: Stunde Der Fügend. 16 bis 18: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,30 bis 19,30: Lesestunde. 19,30 bis 20,30: Cello-Konzert. 20,30: „Reujahrs-Abend' (Musikalisch-literarische Veranstaltung). Anschließend: Schallplatten-Konzeri: „Erinnern Sie sich?" Mittwoch, 2. Januar. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk. 13,15 bis 14,15: Schallplatten-Konzert: AuS wenig gehörten Opern. 15.05 bis 15,35: Stunde Der Iugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 18,10 bis 18,30: Bücherftuirde. 18,45 bis 19,15: CBortraaSjDHuS der Industrie- und HandelÄannner «ycanffurt a. M-Hanau: Vortrag von Prof. Dr. Trmnpker. 19.15 btzS 19.30: Senckenberg-Viertelstunde. 19,30 bis 19,45: Französische Literaturproben. 19,45 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. 20.15: Rach Stuttgart: „Die Arlesierin". Schauspiel in fünf Akten von Alphonse Daudet, Musik von Georges Bizet. Donnerstag, 3. Januar. 6,30: Morgengymnastik. 12,30 bis 13,30: Mit- tagskoiizert des Rundfunkorchesters. 15,05 bis 15,35: Von Kassel: Stunde der Jugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Von (Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 19: Von Kassel: Vortrag. 19 bis 19,15: Englische Literaturproben 19 bis 19,15: Englischer Sprachunterricht. 20,15 bis 21,15: „DerWinter" (Musikalisch- literarische Veranstaltung). 21,15 bis 22,15: Kammermusik-Konzert. Heimweh nach der Schmiere. Von Arthur Kahane. (Rachdruck verboten.) Ich war leider nie an einer Schmiere engagiert: Denn Schmieren pflegen sich keine Dramaturgen zu halten. Aber ich habe als Zuschauer Schmieren kennen gelernt. Ich meine nicht Schmierenvorstel- -hingen in Wien, Berlin und München, Die frev sich auch, sondern richtige Schmieren, wo richtig .gut Schmiere gespielt wird. UnD ich werde nie meine Theater eindrücke in Guntramsdorf bet* 1 qeffen oder jenes Wirtshauslokal in einer ähn- I lichen Weltstadt, in der die Familie Mick Heinrich , Ibsens „weltberühmtes, erschütterndes Lebensbild: „Gespenster oder die Sünden der CDater zu grauenhaft eindrucksvoller Darstellung brachte. Aber das ist schon lange her, und m meiner qanzen Berliner Zeit ist mit derartiges nicht mehr zu Gesicht gekommen. Vielleicht gibt es die Schmiere überhaupt nicht mehr. Es sind ver- bienstliche Unternehmungen entstanden, Wanderbühnen und Theaterbünde und VuhnenvEs- kunstverbände aller Art und Gesinnung, die sich bemühen, die Wirkung klassischer und anderer populärer Bühnenwerke in anständigen Aufführungen von mittlerem Provinzniveau in Die Dörfer zu tragen. Haben sie die Schmiere verdrängt? Ersetzen können sie sie nie. . Vielleicht hat sich mittlerweile auch die Schmiere modernisiert und es gibt bereits eine Stllschmiere, und sie spielt vor schiefen Pappendeckeln, auf Treppen (an der plebejischen Schmiere sind es natürlich nur Hintertreppen) oder in (den Geld- verhältnrssen entsprechend reduzierten) winzigen Erdkugeln mit eckigen Marivnettengesten und Dem „aufs Wort" gestellten und der Schmiere ja von früher wohlvertrauten, neupathetischen Tiraden- gebrüll Bronnensche Exzesse und ähnliche Raspu- tmaDen. Arme Schmiere! Wie hättest du dich verändert! Ich will's aber nicht glauben: Denn Die Schmiere ist konservativ und hat sich lange ein uraltes Repertoire erhalten, das von den regulären Bühnen seit Jahrzehnten verschwunden war. „Der gefchun-ene Raubritter" und „Der Räuber von Maria Kuhn", „Die beiden Waisen" und „Jane Eyre, die Waise von Lowood". „Das Schloß am Meer" und „Verlorene Ehre", Mosen- thals „Sonnwendhof" und „Deborah", „Ma- rixmne. ein QBeib aus Dem Volke" und der „Turm von Resle", und des alten Holtei un* verwelkbarer „Lorbeerbaum und Bettelstab". Herrltzch! Aber wer kennt das alles noch außer Karl Etlinger und mir! Raupachs berühmter „Müller und sein Kind in meiner Jugendzeit noch vorn Ensemble des Wiener Burgtheaters alljährlich am Allerseelentage als traditionelles Benefizgastspielstück verwendet, Mitterwurzer und Lewinsky spielten abwechselnd den Müller Reinhold, ist längst zu Den Schmieren abgewandert, zu deren eisernem Spiel- planbestande es gehörte. Alle spielten mit einem heiligen und unerschütterlichen Ernst, mit einer rührenden Hingabe, daß Die Kulissen wackelten. Die dramaturgische Bearbeitung hauste mit der rabiaten Kühnheit Der Ahnungslosigkeit und strotzte von Lleberraschungen, der Souffleur (Die vielseitige Gattin des Direktors) beherrschte Den Text besser und lauter als jeder Schauspieler: Der Text bestand nur noch aus improvisierten Extempores, von denen eines komischer als das andere ausfiel. Die Verse wälzten sich zerrissen auf Dem Boden, die Kostüme waren von einer tollen Freiheit vager Zeitandeutung, die Masken waren noch toller als Die Kostüme, der technische Apparat versagte tadellos, es passierten die drolligsten Zwischenfälle, und zum Schluß gab es bengalische Beleuchtung und Apotheose, jedes primitive Her^ weinte und war erschüttert, jeder kultivierte Geschmack lachte und war erschüttert, Kritik verstummte beschämt, und es war nicht eine Vorstellung, die nicht wenigstens eine gute Anekdote gezeitigt hat. von der noch Die spätesten Geschlechter zehren werden. Es ist nicht wahr, daß sich die Klassiker in ihren Gräbern umgedreht haben, denn sie haben ihr Stück ebensowenig erkennen können, wie sie es heute in den berühmtesten modernisierten Aufführungen erkannt hätten. Ich kann mir nicht helfen, ich fand in Der rührend willigen, rührend hilflosen Kunsts der Schmiere immer noch mehr Kunst, mehr Schönes, mdjr echtes Theater als in sämtlichen Derhun- zungen der Weltliteratur durch den Film. Wer das noch einmal sehen könnte, alle die schönen schlechten Rührstücke und richtige, schlecht- gemalte Kulissen und Die Rampenbeleuchtung durch stinkende Oellämpchen, und Die Ritter- ftiefel, die entweder so hoch waren, daß sie fast den Bauch verdeckten, was nicht immer leicht war. oder so breit, daß sie nur fo um die Deine schlotterten, und die ungeheuren Schlapphüte, unwahrscheinlich schief ins wallende Gelock gedrückt, mit mächtigen, wallenden Federbüschen dran und überlebenslange Schwerter oder Säbel, die locker in ihren Schärpen staken oder gar nur im bloßen Hosengurt, und wer das noch einmal hören könnte, das prachtvolle Gebrüll der jugendlichen Helden und die uralten und doch immer neu belachten Spähe Der reichlich schwitzenden Komiker, die saftig-tapfer in Die Aktualitäten des Vormärz hineinleuchteten, und alle die Seufzer und Tränen unglücklicher Liebe! Seitdem es die unglückliche Liebe nicht mehr gibt, macht einem die ganze Liebe, inklusive Erotik, nur noch Den halben Spaß. Die Mädchen auf Der Bühne waren meist nicht schön und lange nicht so schön, wie sie geschminkt waren, sondern sahen oft recht dürftig und nach erwünschtem Abendbrot aus. Ich will's nur gestehen, es gibt heimliche Stunden, in Denen ich mich nach Der Schmiere zurücksehne. Aus Dem Chaos unD Der Stilverwir- rung und Der tastenden Zielstrebigkeit des Betriebes weg nach Dem Paradies Der theatralischen Unschuld, nach jener gewiß nicht großen, sondern fleinen, aber sicheren und sich chres Weges Wohl bewußten Kunst. Die keine Zweifel und keine Problematik kannte, die nichts wußte von Dynamik und Rhythmus und Mentalität, sondern die nichts anderes als Theater wollte, als das über alles geliebte Theater, Verkleidung, Verstellung. In der noch nichts von Mechanisierung war, sondern Der Mann seinen Mann stellen mußte, recht und schlecht. Die sich lächerlich ernst nahm, aber ohne Diesen Emst und Glauben kann Das Theater nicht leben. Rach dieser Schmiere sehne ich mich. Ich sag's ja nicht laut, und es bleibt unter uns. und ich Denke, um Gottes willen, nicht gar Daran, daß von Da etwa Die Reform über das Theater kommt. Die Zeit läßt sich nicht zurückschrauben, und aus Der Wiedererweckung atavistischer gönnen wächst kein Heil: vor dieser Reform möge das so arg verarztete Theater wie vor den meisten übrigen Reformen behütet bleiben! Aber ich sehne mich auch nicht, wie einer, Der Drüber steht, nach der Schmiere, mit dem vvmHmen Lächeln Der Ueberlegenheit: mal auch so was wieder, vielleicht als Hautgout! *21 ein. richtig untertauchen müßte man, als einer, j Der Dazu gehört! Vielleicht fände man Dort | jenes verlorene Tempelgefühl wieder, das man in seiner Jugendzeit hatte, so oft man ein Theater betrat. Es war kindisch, aber göttlich schön. Das hat nur der, der dazu gehört. Lind wer es nicht hatte, Der hat beim Theater nichts zu suchen. Jeder wirlliche Theatermensch gehört irgendwie dazu. Denn Die Schmiere ist Hennat und Llrzelle des wirklichen Theaters. Nuancen. Theodor Döring spielte einmal auf einem Gastspiel in Mannheim den Bankier Müller von Müllershausen in dem längst vergessenen Stück „Liebesprotokoll" und gab dabei die Rolle in der Maske eines der ersten Bankiers der Stadt. Als dieser Bankier am nächsten Bormittag sich bei Döring melden ließ, empfing ihn der Künstler etwas betreten, aber der Geldmann plauderte ganz freundlich und erwähnte erst am Schlüsse leichthin, daß ihm die Aufführung des „Liebesprotokoll" ausgezeichnet gefallen habe. „Ihre Maske war vortrefflich," meinte er, „bis auf eine kleine Nuance, die Sie sich an meiner Kleidung erlaubten. Ich pflege echte Brillantknöpfe am Hemd zu tragen und die ihrigen waren unecht. Sie gestatten mir wohl, daß ich den Fehler verbessere: ich tue es nur in meinem Interesse, damit nicht das Publikum aus der Kopie einen Rückschluß auf das Original zieht." Und damit drückte er Döring ein Kästchen mit echten Brillantknöpfen in Die Hand. Bogumil D a ro i} o n hielt bei feinen Gastspielreisen immer darauf, daß sich seine Mitspieler sehr genau nach ihm richteten, und unterrichtete sie vorher eingehend, wie sie sich beim Spiel mit ihm benehmen sollten: So nahm er sich auch einmal, als er als Othello gastierte, den Darsteller des Jago vor und sagte zu ihm: „Also, lieber Herr Kollege, in der Szene, in der in mir die Eifersucht erwacht, da müssen Sie genau auf mein Spiel achten. Ich rücke Ihnen Dann ganz nahe auf Den Leib, packe Sie, reiße Sie an Den Haaren, schleuDere Sie auf Die Bretter, daß es nur so knackt, unD spucke Sie an." „Schön", antwortete Der anDere mit größter Seelenruhe. „Aber ich habe als Jago an dieser Stelle auch eine besondere Nuance. Wenn Sie mich nämlich so behandelt haben. Dann stehe ich auf und "haue Ihnen eine Ohrfeige runter. Das ist immer von ungeheurer Wirkung!" . M StafHOOO Worte 1000Jeden wählen Sie, was — nicht der Rede wert zum Bedarf—die Preise sind belanglos i Damen-Wäsche Handschuhe Mk. Mk. ...Mk 2.25 kräftiger Trikot, moderne Einsätze Herren-Socken 10 PROZENT RABATT & GIESSEN Bahnhofstraße 14 Seltersweg 31 Hermanns Mchheim I' .Serie I Mk. 0.65 Serie II Mk. 0.85 1.35 0.70 a 1.25 Büstenhalter K’Seide Büstenhalter K'Seide Herren-Stricksocken grau, Wolle plattiert... Herren-Sooken farbig, neueste Muster Damen-Handschuhe Leder-Imit., mit moderner Stulpe . Damen-Handschuhe la Trikot, mit Halbfutter Damen-Handschuhe Leder Imit, mit Plüschfutter Herren-Handschuhe la Trikot, innen gerauht Herren-Handschuhe la Trikot, durchgefüttert Damen-Clacö-Handschuhe 2 Dr., grau, braun und beige Damen-Nappa-Handschuhe 2 Dr., besonders weiches Leder... Herren-Nappa-Handschuhe l Dr., kräftige Strapazierqualität.. 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