•x> = -9>" 5 c1 § n s 92 H,c> a’5 D 0 "T 82, rA - n 3 v n ch sO 2. r - aS« 3 2 3 3 3-9' ’S 8^55 «3 S® AnfO * r» ;£ »j g g 5>,^3< ,2 Q \l'l ro®3 s»t? 2 5.3« •«r<ö - 5.3° •r?: 1 al-sa? -i cr »•* 3 'J o =§2 stZkö-S -LS gVOrJ ?K er cP$$y SÖ 2 n -2- Nr. 257 Erstes Blatt 178. Jahrgang Mittwoch, Zl. Gttober 1928 6r|d)etm tägltd),oufeet Sonntags and feiertags. Beilagen; Bietzen« fjamilienblätta Heimat im Bild Die Schalle. DTonats-FejugspreU; 2 Reichsmark und 20 ReichspfeRnig für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen emgelner'Jlummen* infolge höherer Gewalt. $ern|pred)an|d)lüf|e: 61, 54 und 112 Nnlchrifl für Drahtnach^ richten Anzeiger Ließe». pofl|d?e erlaufen. Am Dienstag, 12 Uhr (mitteleuropäische Feit), wurde das Luftschiff 300 Meilen nordöstlich oon Kap Race (Neufundland) gesichtet. Um 13.19 Uhr (mitteleuropäische Zeit) meldete der Schnelldampfer „Naurelanla": „hatten eben Verbindung mit „Zeppelin", alles wohl an Bord, nehmen an, bafj er cflroas nördlich, aber nicht mehr als 50 Meilen, von u n» ist. Unsere Position mittags ist 45. Grad 53 2TUn. Jlorbbreile, 41. Grad 50 Rlin. Westtänge. Ls herrscht Slurm mittlerer Stärke aus Südost." wahrend des Tages sind nur spärliche Nachrichten der Fahrt des „Graf Zeppelin" in Friedrichshofen eingelaufen. Zwischen 17 und 18 Uhr befind sich das Luflschifs auf dem 35. Grad westlicher Länge und zwischen dem 40. und 45. Grad nördlicher Breite. 3n diesem Zeitpunkt hatte er bereits blc Hälfte der gesamten Strecke hinter sich. Die Alarschstrecke dürste bereits über 4500 Kilometer ausmachen. Sie ist länger als die kürzeste Route, weil das Schiss einen großen nach Südosten offenen Bogen ausgesührt hat. Daß das Schiff schon bis . je hl ausgezeichnete Zeit gemacht hat, geht am heften aus einem Vergleich mit der Europafahrl hervor, bei der es gut 34 Stunden unterwegs war utib etwa 3000 Kilometer zurückgelegt hat, also in derselben Zeil, die es bisher gebraucht hat. Nach einer drahtlosen Meldung des holländi- fchen Dampfers „wefterdyk" befand sich der „Graf ijeppelin" am Mittmochfrüh 0.15 Uhr Greenwicher 3<11 auf 48 Grad, 47 Minuten nördlicher Breite ueib 22 Grad 5 Minuten westlicher Länge, also ctwa 1000 Kilometer von der Südweslküste Irlands mit südöstlichem Kurs bei nördlichen winden utib schönem Wetter. Um 5 Uhr morgens Greenwicher Zeit war der Standort des „Graf Zeppelin" 48 Grad nördlicher Breite und 15 Grad 5 Minuten westlicher Länge. Aus die französische Küste zu. Friedrichshafen, 31. Okt. (TU. Drahtnachricht.) Nach e'.nem Funkspruch von Bord des „®raf Zeppelin" befand sich das Schiff um 11 Uhr normilfags (MEZ) etwa 220 Kilometer w estlich oon B r e ff. Nach dieser Standortmel- btitig nimmt man in Lustkreisen an, dah bas Schiff direkten Kurs aus Brest nimmt und gegen 1 Uhr das Fe st land überfliegen roirb. Für den Rest des Fluges gibt es zwei Möglichkeiten, einmal die Südroule mit Ueberflie- gwng von V ordeaux, Lyon und Bafel otar von Brest den geraden östlichen Kurs unter Umifliegung der sranzösifchen Feslungsgebiete über bi» Saargebiet, der Nordpfalz und über einen Teil von Baden, welche von beiden wegen bis Luftschiff nimmt, hängt von der Wetterlage in Frankreich ab. Friedrichshafen rüstet zum Empfang. Friedrichshafen, 30. Olt. (WTB. — Nmi Sonderberichterstatter des WTB.) LnKrei- lem des Luftschiffbaues rechnet man jetzt damit, dach der „Graf Zeppelin" doch erst am Don- a«» r s 1 a g v o r in i t t a g hier eintreffen wird, ßs wäre zwar möglich, das) er schon am QKitt* Lich in Deutsch.and wäre, aber den Heimathafen er ft nach Eintritt der Dunkelheit erreichen könnte. Sn diesem Falle wird das Schiff wahrscheinlich bi« Nacht über kreuzen oder einen älmweg etwa iber (Berlin machen, um dann bei Tageslicht in Friedrichshafen landen zu linnen. Inzwischen sind hier alle Vorbereitungen für den Empfang im Gange. Die Ho- :;I8 sind bereits überfüllt. Der Luftschiffbau hat di-esmäl Geiegenhe t geschaffen, dah möglichst vie'e üeule die Landung des Luftschiffes aus der (Nähe beobachten können. Er hat einen Teil des Platzes gegen ein Eintrittsgeld für die zu erwartenden 3»schauermengen zur Verfügung gestellt. Aeneraldirektor Eolsmann vom Luflschifs- bm hatte heute abend eine längere Konferenz nnt den beteiligten Stellen über die Gestaltung bei Empfanges für „Graf Zeppelin'. Es werden übrigens zahlreiche hervorragende Ehrengäste zetoartet, so hat der Reichsverkehrs- minister v. Guerard fein Erscheinen zu- gefagt. Außerdem werden voraussichtlich Der- trtter des württembergischen Ministeriums kom- m-m, ferner Vertreter des Reichsrates und der l> trlamente, der Hapag und des (Norddeutschen Whd und bec Vorsitzende des Aufsichtsrates bfct Deutschen Lufthansa. Günstige Wetterlage. Der Bericht für Mittwoch. Hamburg, 30. Okt. (TäT) Das Seeflug- ttfetat der Hamburger Seewarte gibt über die Detterlage aus dem Atlantischen Ozean u m 23 il b r den nachstehenden Bericht: Der Wetter- a«e auf dem (Nordatlantischen Ozean gibt ein umfangreiches Hochdruckgebiet das Gepräge, das mit Barometerständen von 775 Millimeter zwischen dem 25. und 30. Grad westlicher Länge und 40. und 50. Grad nördlicher Breite liegt. Diesem Hochdruckgebiet liegt e i n Tief gegenüber, das mit dem Barometerstand von nur 735 Millimeter westlich von Schottland sich befindet. Infolge des starken Luftdruckgefälles herrscht am (Nordostabhang des Hochdruckgebietes scharfböige nordwestliche Luftströmung, die stellenweise eine Geschwindigkeit bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreickst. Dabet sind tn der Aordwestströmung schrittweise Regen - und Hagelböen emgelagert. Südlich vom 48. Grad nördlicher Breite herrscht dagegen schwachwindiges ordentliches Flugwetter. Am westlichen Abhang d.S Hochs wehen südliche bis südwestliche Winoe, die 20 bis 40 Kilometer pro Stunde erreichen. Nachdem das Luftschiff von dieser südlichen bis südwestlichen Strömung in das Gebiet der nordw stlichen Winde eingetreten ist, wird es voraussichtlich schnelle Fahrt nach Osten machen. Oer blinde Passagier. Friedrichshafen, 30.Okt. (WTB.) Sehr interessant ist die Frage, was aus dem blinden Passagier des „Graf Zeppelin", Clarence Terhune, werden soll. Nach Erkundigungen an zuständiger Stelle wird er bei der Landung zu- nächst oon der Polizei festgehalten werden, die prüfen muß, ob er ein Visum oder überhaupt einen Paß hat. Gegen ein solches Paßvergehen würde auf eine möglichst niedrige Geldstrafe von vielleicht 20 Mark zu erkennen sein. Wenn die Bestimmungen oder Weisungen von höherer Stelle es gestatten, wird aber auch diese Strafe zweifellos niedergeschlagen werden. Das Betrugst iit dürfte kaum Vorliegen, weil Mitfahren gegen Bezahlung nicht möglich war, also die Absicht, den Luftschiffbau um das Fahrgeld zu prellen, kaum vorgelegen hat. Der Junge hat eben das ganze zweiffelos als eine sportliche Wageleistung angesehen, und so wird fein Unterfangen hier auch durchaus beurteilt Ja, man nimmt es sogar von der humoristischen Seite auf. Der amerl- konische Konsul in Stuttgart wird morgen selbst nach Friedrichshafen kommen und, wenn die Führung des „Graf Zeppelin" gün- ftig über das Betragen des Jungen aussagt, die erforderlichen Papiere ausstellen. Er hat bereits zu erkennen gegeben, daß er sich des Jungen annehmen will. Die Zweigstelle Aachen der Firma Leonhard Tietz A.-G. hat gestern Abend an Clarence Terhune bereits ein Telegramm aufgegeben, in dem sie ihm sofortige Anstellung in ihrem Geschäft anbietet. Clarence Terhunes frühere Streiche als blinder Passagier. Berlin, 30. Okt. (TU.) Clarence Terhune, der durch feinen tollen Streich über Nacht berühmt geworden ist, ist der Sohn eines in St. Louis wohn, haft gewesenen Barbiers, der anfangs Juni mit feiner Frau Selbstmord begangen hat. Nach dieser Tragödie habe sich der junge Terhune als b l i n - der Passagier auf einem Ozeandampfer eingeschlichen und den Stillen Ozean befahren. Vor zwei Jahren soll er auf Schusters Rappen eine Reise von St. Louis nach San Franzisko und zurück gemacht haben. Auf feinen Wander- touren durch die verschiedenen Staaten sei er zum berufsmäßigen Golfjungen geworden. Vor einigen Monaten habe er sich sogar auf ein Kriegsschiff geschlichen, das ihn bis Alaska gebracht habe. Vor drei Monaten sei er wieder plötzlich bei s inem Schwager in St. Louis aufgetaucht, um aber schon nach einigen Tagen wieder zu verschwinden. Dann hätten feine Verwandten erst wieder von ihm gehört, nachdem er Zeppelin-„Passa- gter“ geworden war. Seine Zimmervermieterin habe feine andere Begründung für feine Flugabsicht gefunden, als die: „Clarence liebt es fo sehr, zu wandern und neui Orte zu sehen. Er ist ja auch niemals vorher in Deutschland gewesen!" Ein deutscher Schritt in Pans, London nnd Sriiffet. Paris, 30. Oft (DB.) Botschafter v. h ö f ch hatte heute eine einstündige Unterredung mit dem französischen Außenminister B r i a n d. Der gestern nach Paris zurückgekehrte Botschafter benutzte diese Unterhaltung zunächst zu einer politischen Aussprache allgemeiner Art. 3m weiteren verlause der Besprechung wurde ein Meinungsaustausch über die Einsetzung des in Genf beschlossenen Sachoer st ändigenausschusses zur Regelung der Reparationssrage eingeleitet. Botschafter v. htzsch wird morgen mittag um zwölf Uhr von dem Ministerpräsidenten p o i n c a r e in der gleichen Angelegenheit empfangen werden. Lin ähnlicher Schritt wie in Paris, ist auch In , London erfolgt, wo der deutsche Geschäftsträger, Bolschastsrat Dieckhofs, im Foreign Office beim stellvertretenden Staatssekretär des Aeuheren, Lord Eushendun, vorsprach und mit ihm eine längere Unterredung hatte. Mle der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, wird die britische Regierung ihre Haltung gegenüber den deutschen Angelegenheiten in einigen Tagen bekanntgeben. vorher wird ein weiterer Meinungsaustausch mit den anderen interessierten alliierten Regierungen gepflogen werden, die in üblicher weise von dem deutschen Standpunkt in Kenntnis gesetzt worden sind. Auch der deutsche Gesandte in Brüssel, Horstmann, hatte mit dem belgischen Minister des Auswärtigen, Hymans, eine Unterredung über die bevorstehende Aufstellung der Sachverständigenkommission. Die bculfdje Regierung hat den Wunsch, daß die Sachverständigen unabhängige Persönlichkeiten sind, die auf Grund ihrer Sachkunde in Finanzfragen berufen werden, was ermöglichen würde, dah auch die amerikanischen Interessen in der Kommission eine Vertretung finden. Hymans behielt sich vor, dem deutschen Gesandten in einigen Tagen von der Auffassung der belgischen Regierung Mitteilung zu machen. Falscher Giart. Herr Poincare hat es nicht abwarten können, bis der deutsche Botschafter bei ihm vorsprach und ihm die Vorschläge der deutschen Regierung wegen des Zusammen- tretens der Reparationskommiss.on überbrachte. Er hat bereits in einer seiner üblichen Sonntagspredigten seine Antwort zum Teil vorweg- genommen und in dem Sah zusammengefaht, daß Frankreich bereit Wäre, alle ihm vorgetragenen Bitten anzuhören. „Bitten"? Das ist doch wohl ein Irrtum, Herr Poincare. Davon war nie die Rede, daß Deutschland antichambrieren und Bitten vortragen soll. Die Zeit ist hoffentlich endgülttg vorüber, nur Herr Poincarä hat es noch mcht gemerkt — oder will es nicht merken. daß seit dem Londoner Ultimatum auch in der' geistigen Einstellung einige Jahre vergangen sind. Wenn der französische Ministerpräsident diese Formulierung nur gewählt hätte, um seinem rechten Flügel die Rotwendigkeit eines Umbaues des Dawes-Gutachtens schmackhaft _ zu machen, dann könnte man stillschweigend darüber hinwegge hen, an sich brauchen ©tiqueltefragen nicht in den Mittelpunkt gerückt zu werden; aber hier handelt es sich doch um mehr, Poincare rüttelt damit an den Grundlagen, auf denen allein die Aussprache über die Festlegung der deutschen Kriegsentschädigung aufgebaut werden kann, ülnd deshalb ist es notwendig, schon in den Anfängen einer derartigen Beweisführung entgegenzutreten. Natürlich, das wäre fabelhaft einfach, wenn Frankreich nur die Bezahlung seiner Schulden an Amerika und was es sonst gern noch von Deutschland zum Ausgleich seines Etats haben möchte, in einen großen Topf wirft, in den dann auch noch die Ansprüche der andern Siegerstaaten kämen und Deutschlands Mitwirkung sich lediglich darauf beschränkte, den Gesamtbetrag, der sich dadurch ange- iammelt hat, zu bezahlen. Aber fo geht das nun doch wirklich nicht. Ausgangspunkt der ganzen Verhandlungen kann nur der fein, was Deutschland zu zahlen vermag, und diese Summe muß dann fchlüsselmäßig auf die Gläubiger umgelcgt werden. Ob das in Form von Jahreszahlungen geschieht oder durch den Versuch einer Kapitalisierung ist eine zweite Frage, aber primär ist jedenfalls u n - sere Leistungsfähigkeit. Das liegt auch im wohlverstandenen Interesse von Frankreich. Denn was hat es schließlich für einen Sinn, auf dem Papier mit hohen Milliardenzahlen zu protzen, die nachher nicht einzubringen sind, zumal da eine Wiederholung des Nuhreinbruchs wohl auch nach französischer Auffassung eine Unmöglichkeit ist. Wir werden also in der Kommission keine Bitte vortragen, wir sitzen als gleichberechtigtes Mitglied und werden unsere Unterschrift unter den Wechsel nur setzen, wenn wir die Ueberzeugung haben, daß die neuen Verpflichtungen, die wir eingehen, auch tragbar sind. Sonst bleibt es eben bei dem Dawesplan, folange bis auch Herr Poincarö eingesehen hat, daß die 2,5 Milliarden vielleicht durch die Steuerschraube in Deutschland herausgeholt, aber nicht in Form von Devisen für die Sieger nutzbar gemacht werden können. Dieser Nachweis ist ohne eine schwere Wirtschaftskrise in Deutschland nicht zu erbringen, indessen der Preis wäre immer noch billiger als eine auf Jahrzehnte verlängerte finanzielle Last, die unserer Wirtschaft die Wiederaufrichtung unmögiich machen würde. England und die einseitige Abrüstung des Kontinents. London, 30. Okt. (MB.) 3n einem Aufsatz der „Daily News" von 3. A. Spender heißt es: Der Locarnovertrag hat die Möglichkeit eines deutsch-französischen Krieges zur Voraussetzung. Man darf fragen, in welcher Lage England sich befinden würde, wenn es gezwungen sein sollte, an der Seite eines entwaffneten Deutschlands gegen ein Frankreich zu kämpfen, das mit Englands Zustimmung überwältigend ausgerüstet ist. Wenn das Zugeständnis an Frankreich bezüglich der ausgebU- beten Reserven seine Gültigkeit behält, dann muh England unvermeidlich dafür eintreten, baß auch Deutfchlanb zur allgemeinen Dienstpflicht zurückkehren bars. Die Notlage des besetzten Gebiets NeichsministervonGusrard nimmt inMainz die Wünsche der rtzeintzessischenBevölterung entgegen. Mainz, 30. Oft. 3m Kurfürstlichen Schloß zu Mainz fand unter dem Vorsitz des Reichsministers v. Guerard eine Besprechung über die wirtschaftliche und kulturelle Lage des besetzten Gebietes statt. Erschienen waren u. a. der hessische Staatspräsident Dr. Adelung, Staatssekretär Schmid, Reichskommissar Freiherr Langwerth v. Simmern, Vertreter des Verbandes der Stadt- und Landkreise des besetzten Gebietes, des Wirtschaftsausschusses und des Gewerlschaftsausschusses für die besetzten Gebiete, ferner der Vizepräsident des Reichstages, Esser. Oberbürgermeister Dr. K ü l b erstattete als Vorsitzender des Verbandes der Stadt- und Landkreise des besetzten Gebietes einen allgemeinen, Bericht über die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Lage im besetzten Gebiet. Diese Ausfüh- rungen wurden nach der wirtschaftlichen Seite von Dr. Meesmann und Dr. Kalle namens des Wirtschaftsausschusses und nach der sozialen Seite von Gewerkschaftssekretär Thomas namens des Gewerkschaftsausschusses ergänzt. Von den Vortragenden wurden für das besetzte Gebiet keinerlei Sondervorteile begehrt, sondern lediglichi die Räumung des besetzten Gebietes als ihr gutes Recht verlangt. Sie forderten Maßnahmen seitens des Reichs und der Länder auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Eine Wiedereinführung eines Härtefonds wurde einmütig abgelehnt. Oer Reichsminister für die besetzten Gebiete v. Gu^rard erwiderte auf die Darlegungen und Wünsche der einzelnen Redner, daß er es sich angelegen sein lasse, im Rahmen der finanziellen Leistungsfähigkeit des Rerches die vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen zu prüfen und zu vertreten. Die Hauptfrage sei die Erhaltung und Festigung der Wirtschaft im besehtenGe- biet. Bereits im Sommer sei das Rheinmini- sterium mit den Ländern in Verbindung getreten, um auf Grund einer Denkschrift dem Reichstag die Unterlagen zur Ergreifung derartiger Maßnahmen zu verschaffen. Die Fursorgemaß- nahmen für das besetzte Gebiet bewegten sich darüber hinaus in verschiedenen Richtungen, einmal in der Einwirkung auf die Befchaf - funasress orts des Reichs, der Länder und der Kommunen zwecks Vermehrung der öffentlichen Ausgaben für die besetzten Gebiete. Sodann komme in Betracht die Erhaltung des Klein- und Mittelstandes, die Stärkung des kulturellen Lebens, die Forderung des freien Wohnungsbaues, sowie die Erwägung von Kredit Maßnahmen, zum Teil vielleicht nach dem Vorbild des in der Zwischenzeit schon Gele steten. Der Minister wies besonders auf die Rotwendigkeit der lieber» Weisung von Mitteln der werteschaffenden Erwerbslosenfursorge für Rolstandsarbeiten im besetzten Gebiet hin, um dadurch der übergroßen Arbeitslosigkeit zu steuern. Was die Pensionen und Fürjorge- kosten für Beamten der Ländergemeinden, die tn Besahungsangelegenheiten tätig seien, betreffe, so sei inzwischen erreicht worden, daß die bisher auf den 1. April 1924 beschränkte Regelung auf den Zeitpunkt der Stabilrsierung der Währung, d. i. auf den 20. (November 1923, zurücköatiert worden sei. Unerbetene Ratschläge. Der „Tcmps" empfiehlt dieGrosteKoalition. Paris, 30. Okt. (WTB.) Der „Temps" bespricht die bevorstehende Rückkehr von Reichsaußenminister S t r e s e m a n n in die Wiihe.m- straße. Er schreibt: Dom innen- sowie außen* politischen Standpunkt aus gesehen hat die Rückkehr Stresemanns eine beträchtliche Bed.utung. 3n der Tat rechnet man besonders mit dem persönlichen Einfluß des Außenministers innerhalb der Dolksparlei, um diese endgültig z u dem Gedanken der Grohen Koalition zu bekehren, deren Verwirklichung allein dem nach links orientierten Kabinett eine dauernde Grundlage geben kann. — Der „Temps" bespricht sodann die Frage, die sich durch d i e Wahl Hugenbergs zum Vorsitzenden der Deutschnaiionalen herausgebildet hat, und fahrt fort: Die Lage ist heute klar. Weder die Volks- Partei, noch das Zentrum können daran denken, wieder eine Koalition der Rechten einzugehen, da jetzt die nationalistische Partei r-^Itommen in den Händen Hugenbergs ist und diese: sich offen gegen das durch die Weimarer Verfasfung geschaffene republikanifche Regime und gegen die Politik von Locarno und Genf, die Politik der Versöhnung und Annäherung, erklärt. 3n Berlin ist gegenwärtig kein anderer Weg mehr möglich, als der der ewomtntoi.® neuer <> neio oeoe<*t e won.g^e otoe<*i •**!2 # Sehnde » Oraupem • "eve, K lf*ller ©w.ndst.u«. 7O V» »Ichter Osi -ni$$iger Südsüdwest Q >turenÄ deinen H wir sy" Preis eme Liilch . ML M ®l1’ i ent tert von nurJ ßi(i £ $utt !^en ölgenschasien, SeL'wd»- r Fermenten, an A leisten den Nahrung phm Zustande W rii wird die rohe -i Mel, daS vvnleM. »en lann. Durch Evh unb Fermente der 1 Merdaulichleit der t >imgs, nur die Yh »rne Milch, die vor fcollierfcn und z »ammt, kann roh g 5cr Milch ist daher gemeinen Lollshygü Natürlich würde d rurgimrttd prozentu »•er zu reichlich Flü! laicht jedemanns Sa •ni sich zu nehmen. Peilung der verkch Duvpen in Frage, oJ'en Amätionen in »et. Die Milch die ÄdMchilnntz 'm ihre TnährunLSyWivlLW mib besonders Isg Vie sür die 'Danntä.i trirfen, zu bevorzuc Mährwerle enthält, ■arm, jedoch im Dui L>crt als äußerft 1 billig zur Dereitm ■•erroenben. Kefi t u verwechseln, da ■alkoholische Gärung Dekonvalefzcnten un Ver Wert des 3d. ivirkendes Dahrungs »nngeschätzt werden U «-rzeuMen ist der | Dobnilch sowohl als ft es als DLtbelag Wixts hervorzchebei •g. Ickern er enthä in hohem Dohrsaize, Milchsäuo tet anderes, -hnj-j 5er un'ecer El ^EerdlngS mitun man sich «samte gÄÄ Der Betrugsprozeß in Gießen MS 7‘M Zur fAlneahesser Ntilfrhdies z, j GesundiialtN Jean Weisel, (Heben, Sonnenstrafte 6, Telephon Nr. 88 Seleuditß Dein Heim besser! OSRAM tem 2luto ein Pai,j *) batineinen Man-/- >olvrr. Trstz der |t Vä\w ymeim ©ms Milch auf . . ßler auf . . . Kalbfleisch auf . Ochsensleifch auf 1,20 Oolbmatf 4,60 5.22 . 5,46 3n den meisten Haushaltungen ist eine Nähmaschine vorhanden aber fast immer ohne besondere Leuchte. Eine Leuchte mit einer Osram-N6hllchl»Lampe macht aber dle Näharbeit leichter. Sorgen Sie also dafür, daß Sie auch an der Nähmaschine elektrisches Licht haben. OsraM'Nählicht-Lampen sind In allen Fachgeschäften erhältlich. Wenn Hre EmpfehlungSanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahausstattung werven sott dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf! ,r.^‘ .^fügc« , Dichtung 1 j {juröö sgs#> TW* für i*1 !•; ME he. 6d)5btii m, < * 01 lb ?^ten » von folgenden Schützen geschossen: Rich. Koch. Ernst Magner, K. Dreher. Ä. Peter. F. Schilling, Th. W e i n e r t und H. S ch m a l L Jeder dieser Sieger wurde mit einer silbernen Hindenburg-Münze ausgezeichnet. Der seitherige Schützenkönig W. Georg und seine Ritter erhielten je einen silbernen Becher. Als Gaumeister des Gaues Gießen erhielten die Schützen H. Sauer, 21. Möhl und Dr. van Bentheim je eine Gaumeisterschaftsnadel. Gelegentlich dieser Feier übermittelte der erste Sprecher des Männerturnvereins Gießen, Lehrer Georg Kling, nachträglich noch die herzlichen Glückwünsche der Männerturner zu dem 50jährigen Bestehen des Schützenvereins. 2lls äußeres Zeichen der Verbundenheit zwischen Turner und Schützen überreichte Georg Kling eine Ehrenschcibe, die mit den Bildern der früheren Oberschützenmeister und Mitbegründer deS Männerturnvereins geschmückt ist. t- e^r b^= DS'Ä Boonen tracht Äbfter erschien letzt« ™ Unierbmst bat, trt 5W h.elt in der qanw 1 ab und besah G n amtlichen 3u|, m Bürgermeisteramt ii eine amtliche ibescheun, dah die Honnt untciw nführer ansprach mj nrn. Der Qhitoförer ta der Fcht fo jfa der Aonne loter not, m die Harfen M und auf. Eine Kk Hnung r. Er fr leiten, «Mich »be W-a unheimlich! vor, fctm] der ÄtafV jeder uf den "Lagen unb bei der räMen Mö Aus der Provinziakhauptstadt. Gießen, den 31. Oktober 1928. Die gesunde Milch und ihr Wert. Don Dr. Sans Kapff, Gießen. Cht den amerikanischen Haushaltungen wird Btrchschnittlich '/. dis '/» des insgesamt für In Ankauf von Nahrungsmitteln bestimmten Q.-lBefe für Milch und Molkereierzeugnisse ver- L^gabt. Der Amerikaner, der noch immer seinen Sbcteil zu wahren wußte, hat sich genau be- ttintet daß die Ernährung um so billiger wird. |t mehr Milch er verzehrt, und daß er damit |tntt Gesundheit, dem größten Kapital, das In Mensch besitzt, den wertvollsten Dienst lei- |d. Menn wir Deutsche auch nicht alle Wah- mlimen und Gewohnheiten des Amerikaners nach- dmen möchten, so wäre es dock sehr zu be- «iitzen, wenn wir ihm im Milchverzehr gleich- ßr.cn. Der Preis einer gleichgroßen Rahrungs- umge (In Aettokalorien) stellt sich für'): Milch 3.4 Milliarden. Wenn man bedenkt, daß im gleichen Jahr beispielsweise die deutsche Ma- schineniiidustri« Werte in Höh« von nur 3 Milliarden, und der Kohlenbergbau Werte in Höhe von nur 2,3 Milliarden Marl insgesamt produzierte, so wird der große volkswirtschaftliche Wert unserer Milcherzeugung offensichtlich. Wir haben also alle Veranlassung, diesem Zweig unserer Wirtschaft aiuch weiterhin unser vollstes Augenmerk zu widmen. Die Stadtbevölkerung kann in sehr bedeutendem Maße an der Steigerung der heimi'chm Produktion mitwirken, in- deni sie ihre Ernährung nach vernünftigen Grundsätzen handhabt und dabei die einheimischen Produkte den ausländischen voranstellt. Taten für Donnerstag. 1. November 1928. Sonnenaufgang 6.52 Uhr, Sonnenuntergang 16H5 Uhr, — Mondaufgang 18.56 Uhr, Monduntergang 11.34 Uhr. 1755: Lissabon wird durch ein Erdbeben zerstört: — 1865: der Philosoph Artur Drews in Uetersen geboren: — 1868: der Schriftsteller Felix Holländer in Leobschütz geboren: — 1903: der Geschichtsschreiber Theodor Mommsen in Charlotten- bürg gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Gräfin Eva", Anfang 19.30 Tlhc, Ende gegen 22.15 Uhr. — Volkshochschule: Beginn des Ku-cseS „Goethe". 20 Uhr. — Krieger- Verein Gießen: Monatsversammlung mit Familie, im Postkeller, 8.30 ilhr. — Reit- und Fahrklub Gießen und Umgebung «. V. Gießen: 6. Jagd. Treffpunkt 15 Uhr Forsthaus Hochwart. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Heilige und ihr Rarr. — Astoria-Lichtspiele: Der Schrecken von Eolorado. — StadttheaterGießen. Aus dem Stadt- thcaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Operettenvorstellung beginnt um 19.30 Uhr. — Am Freitag, 2. November, findet die dritte Ausführung von Shakespeares „Richard 111." statt. Spielleitung hat der Intendant. — Vortrags-Vereinigung. Am kommenden Donnerstag spricht der Physiker Wilh. P a u ck aus Berlin über „Die MusU im Licht der modernen physikalischen Forschung". 3n allgemein verständlicher Form, demonstriert an einer reichhaltigen Versuchsapparatur und ergänzt durch Lichtbilder, wird der Redner das Rätsel des musikalischen Klanges zeigen und am Schlüsse durch „Töne aus dec Luft" ein Konzert geben, das Chor- und Orchesterwerke, Orgelkonzerte und Armeemärsche zu Gehör bringt. — Evangelische r Bund. Am nächsten Freitagabend veranstaltet der hiesige Zweigverein des Cv. Bundes eine Reformationsfeier in der Johanneskirche, diesmal in Gestalt eines Luther-Weiheabends von Gustav Hildebrant, der in Gießen kein Unbekannter ist. Schon seit Jahren ist er mit der Deutschen Dortragsbühne bemüht, durch dramatische Weiheabende an der geistig-seelischen Wiedergeburt des deutschen Dolles mitzuarbeiten, Sehnsucht und Wunsch au Wille und Tat um- zuschmieden. Gustav Hildebrant hat unter den zahlreichen Lutherdramen den dritten Teil der Trilogie .Der Reformator" von 2ldolf Bartels ausgewählt: er eröffnet ihn durch ein Vorspiel in der Hölle auS dem „Reichstag von Hingebung steht sie sett 13 Jahren der Medizinischen Klinck vor. Wahrhaft treue Pflichterfüllung gegenüber den Kranken, Umsicht und Güte in der Leitung der Schwestern sind bei ihr verbunden mit einer tief inneren, persönlichen Bescheidenheit. So gibt sie ein heute seltenes Vorbild reinster und edelster Gesinnung. " Arbeitsjubiläum. Der Hutmacher Hermann Ragel, Mittelweg 4, kann _ am morgigen 1. Rovember auf eine 40jährige Tätigkeit bei der Firma W. & G. Schuchard, Seltersweg, zurückblicken " Gießener Schützenverein. Am Sonntag sand das diesjährige Ausschießen deS Schützenkönigs und der Ritter auf einer Adlerscheibe statt. An den, Schießen beteiligten sich 54 Schützen, die insgesamt 293 Schüsse abgaben. Rach dem Schießen am Vormittag und nachinll- tags vereinigte man sich am Abend im Schützenhaus zu einer Siegerfeier, bei der Oberschützenmeister Phil. R i c o l a u s das Ergebnis deS Schießens verkündete. Die Würde des Schützenkönigs errang Christian Weeg. Ritter wurden die Schützen F. Zeller (Krone), Heinrich Appel (Zepter), Willi Bette (Reichsapfel). Der Schützenkönig wurde mit der Königskette, die drei Ritter mit dem Adler dekoriert. Die Auszeichnungen bleiben bis zum nächsten Königsschießen im Besitze der erfolgreichen Schützen. Die sieben Sterne um den Kreis des Adlers herum wurden 8«nbli t 5%Hemikt! ireibtii* (o6 u,nM u SlToni getötet Wj Mitt Aus diesen Vergleichszahlen sehen wir, daß ßl- Rährstoffe der Milch nur den vierten bis ßhfien Teil des Preises der Rährstoffe anderer Mchligen Rahrungsmittel kosten. 1 Psd. Rind» ftä'ch und 9 Eier entsprechen z. B. dem Rähr- tri von nur 1 Liter Milch. Bei einem anderen Hijpiel haben 1 Liter Milch und 2 Brötchen Br. gleichen Rährwert wie ein Vesper von AL las Mein, 2 Brötchen und einer Platte mit Bt'Lnfen, Wurst. Butter, Kaviar und Fischchen. Gi Wert der Kuhmilch als Rahrungsmittel beicht: aber nicht nur auf der Zufuhr äußerst BUiger Rährstosse (Eiweiß, Fett, Zucker), die ltd> dazu einen hohen Grad der Verdaulichkeit »gen, und In dem so wichtigen Dasenüberschuß la Derbrennungsasche, sondern auch auf beson- Bttc-n Eigenschaften, welche die Vollmilch auf- frifi Sie ist reich an verschiedenen Schutzstosfen, er Fermenten, an A- und S-Vitaminen, die für Bi' Gesundheit und Lebensenergie des Menschen, ■eng besonders auch der stillenden Mütter, des Ecuglings, der Kranken und Schwachen, sowie eEcc arbeitenden Menschen eine so wichtige Rolle foeten. Die physiologische Forschung hat uns ge- Krt, daß solche spezifischen Eigenschaften am «nsten den Rahrungsmitteln zukommen, die in »hem Zustande verzehrt werden können, und so- eü wird die rohe Milch zu einem Rahrungs- ■r.ttel, das von keinem anderen übertroffen wer- Br kann. Durch Erhitzen werden die S-Vitamine nrh Fermente der Milch leicht zerstört, auch die IkirDaulichkeit der Eiweiße kann leiden. 2lller- BiiAs, nur die hygienisch einwandfrei gewon- Urne MUch, die von gesunden, fortwährend kon- jrlCietten und zweckmäßig ernährten Tieren Ichtmt, kann roh genossen werden. Die Hygiene Btr Milch ist daher ein wichttger Tell der all- kleinen Volkshygiene. LNatürlich würde die Milch als alleiniges Rah- ru-gSmiktel prozentual für den menschlichen Kör- )xr zu reichlich Flüssigkeit enthalten, auch ist es Iliht jedermanns Sache. Milch in ihrer Rohform x sch zu nehmen. Da kommt denn die Her- Hilümg der verschiedensten Milchspeisen und H, daß er den Brief valuttert habe. Worms" und ergänzt ihn durch Szenen aus Kohdes Roman .Dir Wittenbrrgisch Rach igall". Die musikalische Um ahmung Hit Organist Rabl ch t übernommen. (Raperes folgt Im Anzeigenteil.) ** Der neue Präsident der Oberpost- d i r e k t i o n D a r m st a d t. Der mit der Leitung der Oberpostdirektion Darmstadt seit 1. April d.I. betraute Abteilungsleiter Leister ist jetzt zum Präsidenten der Oberpostdtrektion Darmstadt ernannt worden. •• Di« Bele uchtung der Fuhrwerke. DaS Kreisamt Gießrn hat mit sosortger Wirk- samkeit folgendes angeordnet: Fuhren, die innerhalb der Gemar.'ung des Detriebssihes. oder benachbarter Gemarkungen für Zwecke der Land- und Forstwirtschaft ausgeführt werden (Wirt- s ch a f t s s u h r e n). sind von der Deleuchtungs- pfllcht nach § 4 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung dann befreit, wenn die Fuhren auf Feld- und Holzabfuhrwegen ausgesührt werden. Unter den gleichen Voraussetzungen sind zusammen- gekoppelte Fuhrwerke von der Verpflichtung, ein« zweit« Laterne am Hinteren Ende des letzten Fuhrwerks zu führen, befreit. Die Beleuchtung der Fuhrwerke muß aus einer hellbrennenden Laterne mit farblosem Glas« bestehen und auf der linken Seit« des Fuhrwerks so angebracht sein, daß der Lichtschein von entgegenkommenden und überholenden Fahrzeugen leicht bemerkt werden kann. Es müssen danach all« Fuhrwerk«, auch wenn si« der Einbringung landwirtschaftlicher Erzeugnisse unmittelbar vom Feld aus dienen, während der Dunkelheit und bei starkem Rebel vor'chriftSmäßig beleuchtet werden, sobald eine Provinzialstrah« benutzt wird. Dies« Anordnung hat sich als notwendig erwiesen, nachdem der Verkehr auf den Straßen einen derartigen Umfang angenommen hat. daß im Interesse der allgemeinen Verkehrssicherheit, und zwar nicht nur der Kraftfahrzeuge, sondern ganz besonders auch der Fuhrwerk« selbst, auf ausnahmslose Durchführung der Beleuchtung bei Benutzung von Provinztalstraßen nicht mehr verzichtet werden kann. Zuwiderhandlungen sind zur Strafanzeige zu bringen, falls Verwarnungen, die für die Uebergangszeit der nächsten Wochen rroch angebracht erscheinen, unbeachtet bleiben sollten. *• Geschäftsjubiläum. Am morgigen 1. Rovember kann die Seifenfabrik P. Jof. Möbs, Gießen, auf ihr SOjähriges Bestehen zurückblickeru Das Unternehmen wurde am 1. Rovember 1878 von P. Jos. Mobs gegründet, unter dessen umsichtiger und rühriger Geschäftsführung in Gemeinschaft mll seinen drei Söhnen das Geschäft aus kleinen Anfängen zu einem angesehenen Betrieb emporblühte. Rach dem Kriege übernahmen die Söhne den Betrieb. Im Jahre 1927 wurde die Fabrik durch Reu- bauten und Neueinrichtungen wesentlich vergrößert. Im Verlaufe der Jahre erfuhr das Fabrikationsprogramm des ^Internehmens durch Hin- zunahme weiterer, in das Fachgebiet einschlägiger Artikel eine immer größere Ausgestaltung, vis es auf den heutigen Stand neuzeitlicher Pro- I duktton gebracht wurde. •• 25 Jahre Schwester. Die Oberschwester der Medizinischen llniversitäts-Klmik, Katharine Lippert, sieht am 1. Rovember auf eine 25jährige Tätigkeit an der Gießener Frauen- und I Medizinischen Klinik zurück. Mit unermüdlicher Berliner Börse. Berlin, 31.Ott. (WTB. Funkspruch.) 9m heutigen Vormittagsverkehr ruht das Geschäft noch gänzlich. Die Tendenz ist abwartend, da von den Verhandlungen über den Ruhrschiedsspruch im Mrbeitsminifterium verlautet, daß sie ergebnislos abgebrochen sind. Mon nennt an Kursen Schuckert etwa 280, Siemens etwa 397, Farben etwa 252. Am Devisenmarkt hört man Paris 124,13, Schweiz 25,1990 bis 2013, Mailand 92,59 bis 62, Mark 4,1970 bis 1975, Pfund 4,8415 bis 4,8460. C6üv6 ÜMW wändii und pflegt man gründlich, einwandfrei and billig mit Lavaren. Eine Streudose, ausreichend zu wenigstens IO Kopfwäschen, hostet In den fadigcsdt&ften 60 Pfg„ Meine Padsungen für Einzelhopfwäschen SO Pfg. Zum Bau einer Scheune benötigte tm Frühjahr 1925 ein Schlosser von Königsberg etwa 2500 Mk. Der Angeklagte R. versprach gegen Aushändigung eines Hypothekenbriefes übet 3500 Mark, da er nur bis zu »/, belieben wurde, die Beschaffung des Geldes in etwa 3 bis 4 Wochen. Mll vieler Mühe erhtell der Zeuge tm Aurntst einmal einen Betrag von 100 Mk. ausg«zahlt. In der Fvlgezell hat er einen wetteren Gegenwert nicht mehr erf) alten 3m Rovember erfuhr er schlteßlich durch die Rodheimer Spariasse. daß der Hhpo:h«kenbnes b.i der Kommunalpsandbrief- bank in Frankfurt a. M liege. H. hatte auch diesen Dries, wre so manchm anderen, der Sparkasse Rodheim zur Sicherung für den chrn gewährten Kredit übergeben Ein Händler brauchte für sein Geschäft emen größeren Kredit. H. versprach ihm 6500 Mk. gegen Ausstellung ein?s Hypothekenbriefes m gleicher Höh«. Aus diesen Drres will der Zeuge Sund nach einschließlich der von den An- igtcn geforderten Provision, der aufgelau- it Zinsen, sowie sonstiger Kosten einen Betrag von annähernd 5800 Mk. erhalten haben Auch dieser Dries ging, nachdem ihn die Sparkasse Rodheim nach Angabe ihres Rendanten voll beliehen hatte, an die Girozentrale nach Frankfurt a. M., di« nunmehr von dem Zeugen einen Detrag von 6500 Mk. fordert. Ein totiterer Fall konnte noch nicht vollständig aufgeklärt werden, da der Zeuge die erforderlichen Unterlagen nicht mttgebracht hatte. Dem Zeugen wurde daher aufgegeben, diese Delege in der morgigen Sitzung vorzulegen. ^effedaae. Kleiderstoffe Mantelstoffe / Seiden Gießen, Nieder-Ofleiden, den 31. Oktober 1928 9576A Die Beerdigung findet am Freitag, dem 2. November, 07,1V nachmittags 21/. Uhr statt. Strumpfwerbetage 07713 gesucht. M. G. Grode 9564A SKonzert SSSSV Statt Karten! 07717 kauft 8568A ffniversitäts-Re-aurani Mainzlar, den 30. Oktober 1928 07716 Heute 95600 gesucht (7698 An geb. mit Preis- Frankfurter StraheNr.19 Donnerstag, den 1. £Yooemßer, aßends 8 TZ§r, TOi« der - er Öffnung meiner renovierten 3lestaurationsräume in riesengroßer, erlesener Auswahl, gediegenen Qualitäten, zu den denkbar niedrigsten Preisen Ich veranstalte diese Tage, um meinen verehrten Abnehmern immer und immer wieder zu beweisen, daß ich nur die beste Ware führe, denn das Beste ist stets das Billigste aller Art und bester Qualität in Sorten und Mischungen; Hafer und Heu Ecke der Liebig strahe Ernst Valentin Krofdorker Sir. 20. Telephon 830. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen meinen herzensguten, unvergeßlichen Mann, den stets treusorgenden Vater seiner Kinder, meinen braven Sohn, unseren lieben Bruder, Schwager, Neffen,Onkel und guten Schwiegervater Herrn Heinrich Pfeil Gchltchveriilgung Münchner Stimmung. BIS 4 Ubr offen. "Vorjüglidje SKüdje, auserlesene "Weine, ffm ddusstfank: Dortmunder Union, 3fjring-3deicfjior (SPilsner), Otlündjnet £öwenßräu fjeU und dunkel nach kurzem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden, Dienstag morgen 1 Uhr im Alter von 47 Jahren zu sich abzurufen. Die tieftrauemden Hinterbliebenen: I. d. N.: Helene Pfeil geb. Müller W Der heutigen Gesamtauflage Gtestener Anzeiger- Ucot ein Prosveu Bottiua Schub-Gesellsch. m. d. H- Latein. Nachbilse wird gründlichst erteilt. Schrtstl. Angeb. unt. 07687 o. d. Gietz. Anz. Vogelsand „Extur", Eierbrot usw.; ferner große Auswahl in Käfigen aus Metall u. Holz; Utensilien Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstr.-Ecke Wolkengasse/Tel. 1403 Caf€ Ernst Ludwig Heute abend 8 Uhr Grober bunter Abend einmaliges Gastspiel: Fräulein Berty Weigl, Operetten- u. Stimmungssängerin. Herr Herrn Christ, Conferencier und Vortragskünstler. Bis 4 Uhr nachts geöffnet. SKotel-ZRestaurant 3Cinden6urg 3nf>.: 31. 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Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 1. November, nachmittags 2*1. Uhr statt. Mrsmelulgun« m Iß IM Donnerstag, den 1. 9/oi)., abdS. 8Uhr. findet im Postkeller eine Generalversammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen wird gebet. tWU Der Vorstand. Drucksachen aller Art liefert In Jeder gevrünichten Ausstattung stilrein and nreiswert die RrOhl'sche Univ. Druckerei. R. Lauft Für die überaus zahlreichen Aufmerksamkeiten anläßlich unserer Silberhochzeit sagen wir Herz« lichsten Dank Lehrer Delsel und Frau Ottilie geb. Winter beste Qualität zu billigem kreis C.Rübsamen.Gießei Fernsprecher 1Ö59 1®* Sü-Vfi. 1900. Daö Aallentraining in d. TurnbaUc der Pestalorzrichule lRordanl.i beginnt Donnerstag. 0.1. Hoo.. für bie Aktiven von 8-10 Ubr abends, und Mittwoch, den 7. Nov. 1928» für die JugendUn Schüler v. 6—7 Ü. abdS. »Mat) Betitelet int sminiiibme für Hessen von letsiungStähigem. gröberen Werk gesucht. 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Aach ne Sachverständige zwar gutachtlic auch nur einix dah dir Aegie ein solches Gut über die S)öfc sind von Londi bestimmte ZUei 2 b^. 2,2 20 mit anderen CBc t&W, baf) toi vis M DÄivw gen LerhsWw t>um des 1 land, den Trc geben, ohi sere Gesa mindestens do bestände, daß wird, die für Bei der wii Wicklung der ganz unde? so geringen Ei zahümgen auf verzichten kann. Venn Deutschla? samten Äeparati ursprünglich ins Anleihe erhn Ein 5k 3on tzi .Eine mir um emmal in ZeMr , Ms junger N ™Wn. ohne re MM noch in getar Aanderbilt mit d Darauf R*n CH 8^ wurde eim wie die TB b-m NeL M Me bide !"e l Ö1 ? »a SÄ* tzZL M UZ' BliiletjiD'.etiein per Str. Atk. 9.50, versendet unt. Nachnahme, solange Vorrat reicht. Bet gröst. Bestellung entsprechend billiger. 0126D Otto Hachenburger, Isie»dGlm,Wetierau Wer nimmt einen kl. Bub zur Prioatpslege, auch für ganz, an? 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Während man von London, von Paris und Brüssel aus ganz ungeniert eine sehr zielbewuhte Politik in der Reparations frage treibt, die allerdings nicht durchaus einheitlich ist, sondern in der Hauptsache den jewelligen Sonderwünschen der einzelnen Gläubigerstaaten entspricht, hüllt man sich in Berlin m ein Schweigen, das der taktischen Situation Deutschlands nicht mehr angemessen ist. Die ersten Besprechungen mit Parker Gilbert haben im Kreise der interessierten Minister statt- gesunden. das Reichskabinett hat sich nunmehr auch in einer förmlichen Sitzung damit besaßt, die Borverhandlungen über das Zusammen treten der Expertenkommission dürsten nunmehr also abgeschlossen sein, nitb immer noch gibt das Reichskabinett der Oesfenllichkeit nicht die Auhalls- punkte. über die die große englische mtZ> französische Presse schon seit Tagen verfügt. Wozu diese Geheimniskrämerei? Warum machen die verantwortlichen Reichsstellen nicht nach dem Muster der Kabinette in den alliierten Hauptstädten Gebrauch von der Möglichkeit, der Welt auch die Forderungen und Wünsche Deutschlands an den Expertenausschuß und sein Beratungsziel zu unterbreiten? Bei der- arttgen Methoden darf man sich bei uns nicht wurchern, wenn Deutschland ins Hintertreffen gerät und wenn vor allem unser Schweigen in einem Sinne interpretiert wird, der für die Einleitung und den Verlauf der Sachverstän- digenberatungen vom deutschen Standpuntt aus alles andere als günstig ist. Einstwellen sind wir also nach wie vor darauf angewiesen, für die Beurteilung des tatsächlichen Standes der Dinge mehr auf die Stimmen des Auslands zurückgreifen, als wir es selbst wünschen. Es ist nun offenkundig so, daß man in Paris. London und Brüssel theoretisch zwar den Plan Parker Gilberts akzeptiert, der darauf hinausläust, unter gleichzeitigem Fortfall des Transferschuhes die kapitalisierte Reparationsschuld Deutschlands in einerEndsumme sc st zuseh en. daß man prakttsch aber wegen der internen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gläubigerstaaten die Aufgabe deS Sachverftändigen- ausschusses dahin abdrehen will, zunächst nur die künftigen Annuitäten Deutschlands, noch nicht aber das Reparations-Endkapital zu bestimmen, dessen Festlegung einem direkten Arrangement zwischen den beteiligten Regierungen Vorbehalten bleiben soll. Rach neueren Versionen sollen sich die Sachverständigen auch nach dieser Richtung hin zwar gutachtlich äußern dürfen, ohne daß aber auch nur einige Gewähr dafür gegeben wäre, daß die Regierungen sich auch ihrerseits durch ein solches Gutachten für gebunden halten. Auch über die Höhe der deutschen Jahresleistungen sind von London und Paris aus bereits ganz bestimmte Ziffern lanciert worden, die sich auf 2 bzw. 2,2 Milliarden Mark belaufen. Es wird mit ankeren Worten an uns also das Ansinnen gestellt, daß wir für einen Rachlah von 300 bis 500 Millionen gegenüber unseren gegenwärtigen Verpflichtungen das wertvollste Akti- vnm des Dawes-Planes für Deutschland, den Transferchutz, aus den Händen geben, ohne daß gleichzeitig unsere Gesamtschuld fixiert wird oder mindestens doch, ohne daß eine Gewähr dafür bestände, daß eine Endsumme fest gelegt wird, die für Deutschland akzeptabel ist. Bei der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung der letzten Jahre halten wir es für ganz undenkbar, daß das Reich bei einer so geringen Ermäßigung der deutschen Jahreszahlungen auf den Schuh _ber Transferklausel verzichten kann. Daran wäre nur zu denken, wenn Deutschland zur Mobilisierung seiner gesamten Reparationsschuld — die doch mindestens ursprünglich ins Auge gefaßt war — eine Anleihe erhielte, deren Zinsendienst sehr er- tch Ein Reiter im Dunkeln. Von Sigismund von Radeckl. Eine mir unvergeßliche Begegnung hatte einmal in Zentralasien. Als junger Bergingenieur war Ich dorth.n gekommen, ohne recht zu wissen, wie. Kurz vorher hatte ich noch in Dresden mit lieblichen Ameri- kanerinnen getanzt, von denen eine so ähnlich wie Danderbilt hieß und beim Pudern ihrer Stupsnase mit den zwei großen blauen Lichtern leuchtete. Darauf sah ich in Petersburg und sah zu. wie mein Chef den gewaltigen, zentral afiati- schen Kanal projektierte. Das machte man so: zuerst wurde eine Riesenkarte von Turkestan, so groß wie die Wand, hergestellt. Allerdings war dann Turkestan, als wir später hinkamen, ganz, 00113 anders als die Karte... Sodann nahm der Chef eine dicke rote Seidenkordel in die linke Hand, einen schweren Hammer in die rechte, und trat, den Mund voller Eisennägel, prüfenden Blickes vor die Karte. Rechts oben schlug er, an einem mit der Hand bequem erreichbaren Punkt, das Ende der Kordel mit dem Ragel tief in den Fluß Syr-Darja hinein. Dann lenkte er die Kordel frisch in die Wüste und befestigte sie, knapp vor dem Pamir-Plateau, mit einem herzhaften Schlag auf den zweiten Ragel. Darauf zog er den roten Seidenkanal in neckischem Zickzack um die Stadt Khokand herum und lieh ihn kühn in die Hungersteppe fließen, wobei er sich nach mir umsah und fragte: „Wird er noch Wasser haben?" — worauf ich als treuer Untergebener eifrig nickte. Dann schwankten wir noch etwas, ob wir ihn in das Kaspische Meer oder in den Aralsee munden lassen sollten, — aber da die Kordel gerade bis zur Stadt Afschabad reichte, und man sonst in die Eckbude laufen und neue hätten kaufen müssen, so ließen wir's gut fein und machten dort Schluß. Fertig war er, der Kanal. Dann sah ich, ziemlich nachdenklich, in der wirklichen Hungersteppe — einem Sandmeer so groß wie Frankreich, wo es nichts gab als Kamelgerippe und eine schlechtfunktionierende Tele- araphenlcitung. well nämlich die Turkmenen Draht brauchten. Milliarden Sandwellen standen re- aungslos in der Sonnenglut. Kam aber ein Wind, so fbtfl der Sand an zu fliegen, bis die Sonne nur heblich unter der Verzinsung liegen würde, die der Festsetzung der jetzigen Reparationsleisttmgen zugrunde gelegt worden ist. Dafür kriegt man aber in der ganzen Welt keine Mittel. Denn wir können uns keinen maßgebenden Geldgeber vorstellen, der etwa mit einer zwei- bis dreiprozentigen Verzinsung seines investierten Kapitals zufrieden wäre. Solange aber Deutschland nicht positiv in der Lage ist, wenigstens einen sehr angemessenen Teil seiner Reparationsvervflichtun- gen aus seinen Warenüberschüssen abzudecken, woran bei der außerordentlichen Passivität der deutschen Handelsbilanz in den letzten drei Jahren gar nicht gedacht werden kann, sind Jahresleistungen wie die von Paris und London geforderten ohne Transferklausel beinahe etwas wie ein Ansinnen an Deutschland, wirtschaftlichen und finanziellen Selb st mord zu begehen. Bei dieser Sachlage wäre es unseres Erachtens falsch, wenn die Reichsregierung dem Drängen der Alliierten nachgeben wollte, nunmehr von sich aus die Initiative zur Beschleunigung der Verhandlungen über die Gestaltung des Expertenausschusses nach der personellen und sachlichen Seite hin zu ergreifen. Deutschland hat absolut keine Veranlassung, in diesem Augenblick offiziell hervor- zutreten. Das stärkere Interesse an einem Reparationsarrangement, das Deutschlands Verzicht auf den Transferschutz in sich schließen soll, besteht ohne Frage auf der Gegenseite. Will man es in den alliierten Hauptstädten ernstlich, dann mag man uns entweder konkrete Reparationsangebote machen, oder aber man mag den Widerstand gegen einen unabhängigen Sachverständigenausschuß mit umfassendsten Vollmachten aufgeben. Ein Verzicht auf die Transfer- klausel ist ein so hoher Preis, daß wir wohl berechtigt sind, dafür eine anständige und ausreichende Gegenleistung zu fordern. Von Mer Snntz zu Lord Virkeuhead. Englands beftbezahlier Rechtsanwalt. — „Schäbige Mnistergehälter!" — Leidenschaftlicher Golfspieler, Jurist und Schriftsteller. Von George Croppen. Lord Birkenhead, ein führender Mann im britischen Kabinett und in der konservativen Partei, zieht sich aus dem politi- schen Leben zurück: der englische Zeitungskonzern de Berry soll ihm für die Heber» nähme eines wirtschaftlichen Postens ein Jähresgehalt von 400 000 Mark angeboten haben. Den rauchenden Schloten Liverpools gegenüber, mit dieser mächtigen Industriestadt durch einen anderthalb Kilometer langen Unterwassertunnel verbunden, liegt Birkenhead, eine Stadt von 150 000 Einwohnern, deren Bewohnerschaft sich im letzten halben Sälülum mindestens verdoppelt hat. Im Jahre 1847 wurde dort das erste Dock gebaut, und seitdem ist die aufstrebende Stadt ein wichtiger Platz der englischen Werft indu st rie geworden. Solche Entwicklung erzieht die Bewohner zu Arbeitseifer. Zielbewußtheit, klarem Denken und entschlossenem Handeln, und auch in der Familie des seinerzeit dort ansässigen, früh verstorbenen Advokaten Smith war man darauf bedacht, die fünf Kinder in dem betriebsamen Geist der Industriestadt auszuziehen. Unter diesen Kindern ragte schon von Jugend an der am 12. Juli 1872 geborene Frederick Edwin durch besondere Begabung, rasche Auffassungsgabe und eine schneidende, harte Intelligenz hervor: ohne diese Eigenschaften wäre es dem jungen Burschen, dessen Eltern in recht bescheidenen Verhältnissen lebten, nie möglich gewesen, in die vornehmsten Colleges der Universität Oxford einzudringen, wo man ihm eine Freistelle gewährte, und wo er die jungen Aristokraten kennenlernte, denen er später in seiner politischen Laufbahn teils als Freund, teils als Feind wieder begegnen sollte. Frederii Edwin Smith studierte Jura und Geschichte und lieh sich, 26 Jahre alt, a ls Advokat nieder Er war unbekannt, hatte keine Verbindungen und entsprechend viel Zeit. Das erste Jahr seiner Anwaltspraxis brachte ihm nur 40(0 Mk. ein, einen Betrag, von dem man kaum leben konnte: aber er hatte dafür Muße genug, Golf z u spielen — eine Leidenschaft, der auch der Sechsundfünfzigjährige noch verfallen ist — und ein kleines Buch über internationales Privatrecht zu schreiben. Vielleicht hat es den jungen Smith selbst überrascht, welchen Erfolg dieses Buch gehabt hat: es wurde immer wieder aufgelegt, machte auf den Autor aus merksam und verschaffte chm die Führung einiger Prozesse, in denen er sein bedeutendes Redetalent der Oesfentiichkeit zeigen konnte. Als er 30. Jahre alt war, brachte ihm seine Anwaltspraxis schon jährlich 120 000 Mark ein; über das Einkommen in späteren Jahren gehen die Schätzungen noch als feurige Kanonenkugel durch den braunen Staub schwebte. Des Abends stellten wir immer absichtlich die Petroleumlampe vor's Haus: alles was nur Käfer hieß und Flügel hatte, schoß dann aus der ungeheuren Dunkelheit auf dieses Licht zu — die Finsternis schien sich in lauter Käser zu verwandeln — sie kamen, sie kamen von allen Seiten mit einem anschwellenden Gebrause, daß die Glasscheiben zitterten und die Kalkwand in drei Minuten völlig schwarz war vorn Insekten- gef ribbel. Dann ritten wir los und fanden beim Gebirgseingang das Dorf Vuadil, wo die Leute mit den Turbanen und Bärten wackelten und uns Ungläubigen keine Früchte verkaufen wollten. Deshalb imp:vv.si:rtcn wir mitten tm Dorf eine kleine Dermesfung. lind zwar machten wir das so: wir zielten mit unseren RwellieraHparaten immer die dicksten Melonen an und stellten die Meßlatten zwischen den üppigsten Aprikosen auf. Das wirkte. Ein Triumph der Technik: im Handumdrehen hatten wir genug Früchte für eine kleine Cholera beisammen. Und nun ritten wir in das riesigste, menschenleerste, gottverlassenste Gebirge hinein, das je in einem Geographieatlas gestanden hat. Man konnte nur noch vertikal denken, es gab nur noch Wände und Wasser, und immer wieder Wände Es rauschte betäubend. Angenehm kühl pfiff der Wind um die Ecken. Tief in den Bergen trafen wir einen mohammedanischen Eremiten, der aus seiner selbstgegrabenen Höhle (mit Vor- gärtchen) heraustrat und uns den Weg erklärte. Doch da kam mir ein fuchsrotes Turkmenenpferd in die Quere: es steckte den Kopf zwischen die Vorderbeine, schlug aus, und traf mich genau auf den Knöchel. Ich war sofort ohnmächtig und fiel wie ein Sack Kartoffeln von meiner Stute. Die anderen mußten weiterreiten und überließen mich der Obhut jenes Helligen. Als die Sonne am Abend ihr Gold durch die Riesenschlucht schoß, Betterte ich mit Müh und (Hot auf den Sattel, und ritt nun durch die Dämmerung stromabwärts. Cs wurde immer dunkler. Jetzt hörte man nur noch das Wasser betäubend durch die Steine rauschen. Hoch oben sah man ein langes glitzerndes Band gefilmten Himmel. Ich war ganz allein. Ich kam mir vor wie ein Tropfen im Meer: verschlungen von der ungeheuren asiattschen Dunkelheit I Monoton trappelte das Pferdchen auseinander, sie bewegen sich aber alle in schwindelhafter Hohe, und man war sich damals einig, daß dieser Advokat der bestbezahlte Rechtsanwalt des Landes sei. Wenn der fast zwei Meter große, breitschultrige Rechtsanwalt Smith vor die Schranken des Gerichts trat und sein Plaidoyer mit einem Witz einleitete, um dann, scharf und doch liebenswürdig, schwungvoll, ohne schwatzhaft zu werden, eine hinreißende Rede zu halten, war Lumindest das Herz der Richter gewonnen — und solche Anwälte sind gesucht. Ein Zufall wollte es, daß der junge Rechtsanwalt in einer öffentlichen Versammlung dem berühmten Joseph Chamberlain auffiel, dem Vater des jetzigen britischen Außenministers; der alte konservative Politiker lauschte entzückt dem ideenreichen, formvollendet en Vorttag des jungen Smith, lieh sich den Rechtsanwalt vorstellen und führte chn in die konservative Partei ein. 2m Jahre 1903, 31 Jahre alt, zog der Advokat als Vertreter des Bezirks Liverpool in das Unterhaus ein, wo er damit debütierte, daß er den liberalen Führer Lloyd George grimmig angriff, dabei aber so geistvoll, witzig, gedanken- sprühend sprach, daß die Rede fetbft dem politischen Gegner gefiel. Mil einem Schlag hatte er sich durchgesetzt, der großen politischen Laufbahn die Wege geebnet. Man gab chm hohe richterliche Hosten, er wurde hn Krieg vorübergehend I u st i z m i n i st e r, sein alter Gegner Lloyd George ließ chn damals zum Lord o f Birkenhead ernennen; wenige Jahre darauf ernannte ihn der König zum Earl und später zum Viscount Fourneaux, einem Titel, von dem bisher nur Birkenheads Sohn Gebrauch gemacht hat. Don 1919 bis 1922 war Birkenhead Lordkanzler, und seit 1927 verwaltete er das Staa 1 s se k r e t a r i a t für Indien, das er jetzt aufgegeben hat. Im April dieses Jahres konnte man den britischen Staatssekretär in Berlin sehen, wo er so inkognito weilte, wie bekannte Staatsmänner eben zu reifen pflegen: von Journalisten interviewt, photographiert, in den Zeitungen abgebildet, von Stresemann auf einem großen Bankett gefeiert. Die britische Botschaft, die großen Wert auf dieses „Inkognito" ihres Ministers legte, beeilte sich auch mitzuteilen, daß seine Reise keinerlei polittsche Bedeutung habe: er sei vielmehr nur nach Berlin gekommen, um in Wannsee Golf z u spielen, und es kann nicht bestritten werden daß er sich diesem Sport während seines Berliner Aufenthaltes leidenschaftlich widmete. Er schlug dem deutschen Außenminister vor. seine Kräfte nicht im politischen Spiel zu erschöpfen, sondern zur Ablenkung möglichst oft hinter dem Ball auf dem grünen Rasen herunter mir her, — es ging eine Art Pahschritt, die sogenannte „Trapatä", welche allen Pferden in Turiestan andressiert wird. Ta — tat ata, ta — tatata ta — tatdta, klapperte es melancholisch durch oie Rocht. Auf einmal hörte ich von weitem eine andere, fremde Trapata mir entgegenkommen. Ich hielt mein Pferd an und lauschte. Rein, es war kein Echo. Es fam immer näher. Jetzt sah ich gespenstisch ein Paar Pferdeohren und hörte die Rüstern schnaufen. Plötzlich hielt ein Reiter, dunkel im Dunklen, dicht neben mir! „©uten Sag,'* sagte eine Stimme auf Englisch. Englisch ist in Turkestan so unbekannt wie Chal- däisch. „Guten Tag," versetzte ich, ebenfalls englisch. „Ach — ich komme direkt aus San Franzisko. Via Peking-Llrga." Was für ein Griff um den Erdball lag In in diesem „Via Peking-Llrga" I Warum sollte ich nicht auch kühn sein, ich tarn doch, glaub ich, aus Dresden! Lind so fragte ich unvermittelt und schlicht: „Wie geht es Miß van der Flitt?" „Many thanks!“ versetzte die Stimme aus dem Dunkel, ohne das mindeste Erstaunen: ausgezeichnet. She just returned from a trip to Europe!“ „Freut mich zu hören." Er zog die Zügel an, er hatte es eilig: „Good bye,“ sagte ec. „Good bye," rief ich über die Schuller zurück. Lind die zwei Pferdegetrappel entfernten sich voneinander, bis endlich das fremde tn der Rächt verschwunden war. — Gleich darauf zweifelte ich an feiner Existenz. Hatte ich mir diesen gespenstischen Jankee nicht bloß eingebildet? Dann wieder schien die Einsamkeit mit tausend Amerikanern geladen zu fein, und starrte mich schußbereit an... Es kam ein Wind und wehte jetzt durch die Schluchten. Fern ist nah und nah ist fern... Wo befand ich mich nur? War dieses Ganze doch nur ein Traum, eine Landkarte, und ich flog durch nächtliche Räume auf das eine goldene Lichtpünktchen zu? .. Da, — da sah ich e5 tief unten auf blinken!... Was war das? Der Knöchel schmerzte; das war das Dorf Duadll, das war die Ebene. Lind ich rastete im Dorfe Duadll, wo das Gletscherwasser soeben anlam, wo die Zweige trunken auf den geschwollenen Kanälen schleiften. zulaufen. Damit fand er bei Stresemann wohl ebenso wenig Gegenliebe wie mit den nebenbei geäußerten Vorschlägen, Deutschland enger an Großbritannien anzuschfiehen und ein Bünd - n i s gegen Sowjetrußland einzugehen. Ratürlich war das Golsspiel der Hauptzweck der Reise; aber Lord Birkenhead, der in England gesagt hat, das Wort „Rußland" könne man nur noch als Schimpfwort gebrauchen, wollte eS sich doch nicht versagen, auch in Berlin von seiner Bolschewistenfeindschaft zu sprechen. Während in der inneren englischen Politik er als ein gemäßigter Mann gilt, der auf dem linken Flügel der konservativen Partei steht und manchen Kamps mit den Diehards ausgefochten hat, war er in der Außenpolitik stets ein Scharfmacher, der gegen Rußland ebenso unnachgiebig wie gegen die indischen Rationalisten gewesen ist. Es ist bekannt, daß er sich in den letzten Monaten seiner Tätigkeit mit der britischen Regierung in Indien und vor allen Dingen mit dem Vizekönig nicht vertragen konnte; er ging auf die Reformvorschläge dieser wichtigen Stellen überhaupt nicht ein und verabsäumte es oft, wichtige Anfragen des indischen Vizelönigs überhaupt zu beantworten. Diese politischen Unftimmigfeitcn haben zwei eilos dazu beigclragen, daß er jetzt das Staatssekretariat für Indien aufgibt. Ein anderer Grund für die Demission be& Staatsmannes ist in der wirtschaftlichen Lage der englischen Minister zu suchen. Sie erhalten jährlich 100.000 Mark, ein Gehalt, von dem man wohl leben kann, das Lord Birienhead jedoch als schäbig bezeichnet. Der Minister ist aus seiner Anwaltszeit verwöhnt, er liebt es. nicht mit dem Geld zu rechnen und im großen Stil der britischen Aristokratie zu repräsentieren. Bei seinem Entschluß, aus dem politischen Geben auszuscheiden, nimmt er nicht einmal auf die schwierige Lage der konservativen Partei einige Monate vor den englischen Wahlen Rücksicht; ist es doch ziemlich sicher, daß man den glänzenden Redner im Wahlkampf sehr vermissen wird. Lord Birkenhead fürchtet wohl eine Rieders age der konservativen Partei und glaubt, ein glänzendes Angebot des Kabeltruftes und der Zeitungsgruppe de Derry den zweifelhaften Aussichten eines konservativen Politikers für die nächsten Jahre vorziehen zu sollen. Sein politischer Ehrgeiz ist befriedigt. Er strebt nicht nach der Dornenkrone des Premiers, er war niemals Partei mann aus Leidenschaft, sondern stets ein kühler Rechner, dessen Ehrgeiz nicht allein auf politischem, sondern auch auf literarischem Gebiet lag. Seine meisterhaften Reden, kleine stilistische Kunstwerke, ließ er in dem Buch „Points of View" drucken, und vor einem Jahr erschien fein Buch „L a w Life and Leiters", in dem der Autor über bekannte Persönlichkeiten, über Churchill, Lloyd George und Balfour entzückende Bosheiten sagt. Ein besonderer Abschnitt des Buches Ist übrigens dem Briefschreiben gewidmet. Lord Birkenhead teilt die Ansicht von Merirnee, daß ein vollendeter Brief mehr an den Absender als an den Empfänger gerichtet fei. Besonders gefährlich für den Qlbfcnber sind nach seiner Meinung Liebesbriefe; man sollte sie am besten gar nicht schreiben. Tue man es doch, so müsse man sich vor allem hüten, „leidenschaftlich zu sein". Man müsse bedenken, daß Empfänger von Liebesbriefen diese Schriftstücke gewöhnlich aufbewahren; infolge dieser häßlichen Angewohnheit könnten die Briefe eines Tages in die Hände eines Verlegers fallen und veröffentlicht werden. — Ein vorsichtiger Mann wird sich niemals kompromittieren, weder mit seiner Liebe, noch mit einem seiner Persönlichkeit angemessenen Gehalt, noch mit der voraussichtlichen Riederlage seiner Partei. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Arntßverkündigungsblatt Rr. 79 vorn 30. Oktober enthält: Straßensperre- Aufhebung. — Eröffnung des ordenttichen Lehrganges 1928/29 an den landwirtschaftlichen Schulen bei den hessischen Landwirtschajtsämtern. — Beleuchtung der Fuhrwerke zur Rachtzeit. — Schlüsselzahlen. — Wetterdienst in der Schule. und der Vogel Dillbül zwischen Laubwerk und Lampions im Käfig hing und mir mit seiner Stimme den grünen Ziegeltee versüßte. Allah ist groß. Aber diese Welt ist es viel- leid)! nicht einmal so. Jedenfalls nicht via Peking- ilrga. On parle fran^ais. Paris ist nun einmal auf den internationalen Verkehr angewiesen. Soweit es sich um Geschäfte handelt, ist der Franzose alles eher als ein Chauvinist. Bei dieser Einstellung nimmt es weiter gar nicht Wunder, daß einige Pariser Bahnhöfe zur leichteren Orientierung des deutschen Reisepublikums „Ausgang"- und „ Eingang"-Täf- lein aufweisen; eine Höflichkeit, weiter nichts. In den meiften Schaufenstern des Seine-Paradieses sieht man übrigens die einladende Aufschrift: „Man spricht deutsch", und zahlreiche Restaurants versprechen „deutsche Bedienung und deutsche Musik". -Unter der letzteren sind allerdings die Wiener Vorkriegsoperetten zu verstehn. Das tut aber nichts zur Sache; Tatsache ist und bleibt jedenfalls, daß die Pariser ihr möglichstes versuchen, ihren Gästen gleich welcher Nationalität den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Man geht sogar zu weit auf diesem Gebiete, und die französische Presse sowie die Pariser Kleinkunstbühnen nehmen gegen die Fremden-Vergötterung energisch Stellung. Was nutzt es: Paris ist verarmt und will ausländisches Geld haben. Insbesondere die Juweliere haben es auf die valutastarken Ausländer abgesehen, und ein solches Geschäft überbot neulich alles bisher Dagewesene, indem es recht auffällig folgende Reklamelafel in der Auslage anbradjte: „English spoken! Si parla italiano! Habla espagnola! Man spricht deutsch! Magyarul beszelnck!“ Gegenüber befand sich nun ebenfalls ein Juwelenladen. Der Inhaber mußte mit ansehen, wie die wahrhaftig „internationale" Werbung seines Konkurrenten ihre Wirkung tut, und rückte nach vielem Kopfzerbrechen zu einem sinnigen Gegenschlag aus. indem er ebenfalls eine große ReBametafel tn das Schaufenster stellte. Mit Riesenlettern verkündete diese die einzige „Spezialität" deS Ge- I schäftes: „On parle fran^aisl“ Dieses „Man spricht französisch" ftdlt bert Querschnitt des heutigen Paris dar,.« Oberhessen. La» r>lceis Giehen. CO Klein -Linden, 30.Okt. Alter Sitte gemäß eröffnete am Sonntagoormittag um 7 Uhr der hiesige Posaunenchor unter seinem Leiter, Kreisbaumwart Germer, mit dem Dortrag einiger Choräle vor unserer Kirche das diesjährige Kirchweihfest. Bis auf den heutigen Tag hat sich hier das Kirchweihfest als ein rein kirchliches Fest gehalten. Im Festgottesdienst, der durch die Mitwirkung des Posaunenchors oerjchänt wurde, gedachte Pfarrer Bremmer in seiner Festpredigt über Eo. Ioh. 4, Vers 19 bis 24 des Tages der Kircheinweihung vor nunmehr 62 Jahren. Am Sonntagabend versammelten sich, getreu der alten Ueberlieferung, die Mitglieder des Posaunen- und Kirchenchores und deren Freunde zu einem Fami- lienabenü im Germerichen Sälchen. Vorträge des Posaunenchores und Gemischten Chores trugen zur Verschönerung der Feier bei. Pfarrer Lenz (Gießen), der als Gast hier weilte, erzählte von Bildern aus vergangenen Tagen. * Klein-Li noen, 31. Okt. Der Männergesangverein „Qlrion“ ift in seiner letzten Hauptversammlung dem Hessischen und dem Deutschen Sängerbund beigetreten. V Mainzlar. 30. Okt. Wegen Aufgabe der Landwirtschaft verpachtete de er Tage die hiesige Chamottefabrik ihren unfa gr.ichen Grundbesitz auf die Dauer von 6 3alre,i. Da das Gelände, vor allem die Wiesen, in zum größten Tell sehr guten Lagen liegt, war die Beteiligung an der Verpachtung — auch von auswärts — sehr stark. 3m ganzen kamen rund 30 Morgen zur Verpachtung. Die Gebote für Wiesen bewegten sich zwischen 28 bis 30 Mk., für Ackerland durchschnittlich 14 bis 16 Mk. pro Morgen. : Gründ erg, 30. Okt. Die inmitten unserer Stadt gelegene sog. Hefetränke wird bald ein Opfer der Zeit geworden sein. Die Hefetränke war ursprünglich ein Weiher und diente als Wasserbehälter zum Löschen beim Ausbruch von Bränden. Nachdem jedoch die Wasserleitung gebaut worden war, verlor sie ihre Bedeutung, und in den letzten Jahren war sie nur noch ein Wassertümpel, der für Wassergeflügel und im Winter bei Frost für die Schuljugend einen Reiz hotte. Nunmehr soll die Hefetränke eingeebnet werden und ist deshalb zum Anfahren von Schutt und Abfall freigegeben worden. In kurzer Zeit wird das alle Wahrzeichen unserer Stadt verschwunden sein und Geschäftshäuser werden an seiner Stelle erstehen. Auch würde es wesenllich zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen, wenn der dadurch gewonnene Platz zu einer Anlage ausgebaut würde. t. Ettingshausen, 30. Okt. In der vergangenen Woche hat der erste Lehrer an unserer zweiklassigen Schule, Herr Knöll, fein 6 5. Lebensjahr vollendet. Obgleich Herr K. noch sehr rüstig ist, ist doch mit diesem Aller der Zeitpunkt gekommen, wo er nach den gesetzlichen Bestimmungen in den Ruhestand treten muß. > Grüningen, 30. Okt. Seit einiger Zell werden hier allgemein Klagen laut über die sehr schlechte Beschaffenheit der Durcy- gangsstraße nach Gießen. Tatsächlich befindet sich auch die Strecke Steinberg—Grüningen— Holzheim in einem derartig schlechten Zustand, daß eine baldige Behebung des Hebels sehr wünschens- wert wäre. Besonders bei feuchtem Wetter ist die Strecke kaum zu befahren; Infolge der vielen Löcher geht es ohne Fahrzeugschaden fast nie ab. Wie man hört, ist eine Beschotterung der Teilstrecke Grü- ningen—Holzheim In absehbarer Zell In Aussicht genommen, die erforderlichen Steine soll der Steinbruch der Gemeinde Holzheim liefern. In Anbe- tracht des starken Verkehrs, der allein durch die Autolinie Gießen—Gambach hervorgerufen wird, wäre aber eine gründliche Erneuerung unbedingt am Platze. Vor allen Dingen wäre eine Verbreiterung der Straße um 1 Meter sehr zweckmäßig, da seither das Ausweichen der großen Omnibusse nur mit größter Vorsicht des Führers möglich war. df. Langsdorf, 30. Okt. Am Sonntag begingen wir mit unserem neuen Geistlichen das Erntedankfest in einer eigenen und würdigen, seither hier nicht gekannten Art. Vom Schulhaus bewegte sich ein Zug der Schuljugend und Christenlehrpflichtigen mit dem Pfarrer zum Gotteshaus. Voran wurden ein mächtiger, mit bunten Bändern geschmückter Erntekranz und einzelne Feldfrüchte getragen. In der Kirche wurden die einzelnen Früchte nach jedesmaligem Spruch ihres Trägers geweiht Geld iälll vom Kimmel. Roman von Paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 31. Fortsetzung Nachdruck verboten Nur zwei Dinge schienen klar: daß die Einnahmen und Ausgaben liederlich notiert waren, wahrscheinlich, um den Betrug zu verschleiern, und daß es um Grotthausen geschehen war, wenn das noch eine Weile weiterging. Es mußte Ordnung geschasst werden. Aber wer half ihm, die entsetzlichen Zahlenkolonnen dieser verdammten Bücher zu enträtseln? Wie hatte es fein Vater nur fertig bekommen, Landwirt und Kaufmann zugleich zu sein? Zum erstenmal empfand er wieder den tiefen, dumpfen Respekt vor dem Mann, der dort aus der gerahmten Photographie blickte. Er hatte ihn nur als ernsten, wortkargen Mann in Erinnerung. Aber damals hatten wohl schon die ersten Schatten über Grotthausen gelagert. Die Mutter kam. „Du kommst doch mit in die Kirche?" „Erlaß es mir für diesmal. Ich habe den Kops noch ganz voll Zahlen, und das ist keine gute seelische Vorbereitung." „Du Aermster!" sagte sie aus tiefster Seele heraus. „Ruf' mir Specht her. Ich muß mit ihm hier einiges durchsehen. Alles ist ja wie Kraut und Rüben. Aber bas beste dürfte wohl sein, man läßt aus Danzig einen Bücherrevisor kommen." Er hatte keine Ahnung, was für Funktionen ein Bücherrevisor erfüllte, und er kannte den Titel nur aus Zeitungsinseraten. „Eine glänzende Idee!" bewunderte die Muller den Einfall. Ihre Augen strahllen. „Natürlich, ein Bücherrevisor!" Sie küßte ihn und huschte hinaus. Sie sah ganz erleichtert aus, als gäbe es nun auf Grotthausen keine Sorgen mehr. Specht wischte draußen seine Schaftstiefel ab, aber brachte einen starken Trangeruck ins Zimmer. Grotteck rümpfte die Nase, aber er begnügte sich, eine Zigarre anzustecken unb dem Inspektor eine an- zubieten. and auf den geschmückten Altar gestellt. Der schöne Erntekranz fand seinen Platz an der Kanzel. Die Gemeinde sang alsdann das wundervolle Erntelied: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land". In feiner zu Herzen gehenden Predigt sprach der Geistliche von dem rechten Stolz und dem königlichen Amt des Bauernstandes. Zur Verschönerung der Feier trug diesmal der Gemischte Chor bei. Ein so dicht besetztes Gotteshaus, wie am diesjährigen Erntedankfest, wurde lange nicht gesehen Am Abend hatte die Gemeinde noch einen musikalischen Genuß. Der seither hier stellvertretende Pfarrer Gockel (Hungen) fang mit seinem Mädchen- chor eine Anzahl geistl.cher und weltlicher Lieder. Es sollte damit der Gemeinde Langsdorf durch den Mund der Sängerschar ein Dank abgestattet werben. Pfarer Göcke 1 war nämlich vor kurzem in Anerkennung seiner gewissenhaften, recht äufopfern- ben unb fast zwei Jahre währenden seelsorgerischen Tättgkeit ein Bild von Fritz von Uhde überreicht morden. f Steinheim. 30. Okt. Durch das Hess. Landwirtschaftsamt Nidba fand hier in den „Drei Schwertern" ein Vortrag über „Betriebswirt- schaftliche Fragen unter besonderer Berücksichtigung der künstlichen Dünger" statt. Der Vortragende, Landwirtschaftsassessor Dr. Günther, behandelte das Thema in erschöpfender Weise. Die rege Aussprache, die sich anschloß, war sehr befruchtend und aufklärend. Zum Schluß richtete der Redner noch einen warmen Appell an die Teilnehmer, ihre Söhne an dem nun beginnenden Lehrgang an ben landwirtschaftlichen Winterschulen teilnehmen zu lassen. > Aus ber nördlichen Wetterau, 30.Okt. Die Felder find nun abgeerntet. Ganz vereinzelt stehen noch Dickwurz, die für die Mieten auf dem Felde bestimmt find und die deshalb bis zuletzt warten mußten. Während ber ausgesäte Roggen schon überall seine grünen Spitzen zeigt, ist man noch mit ber Aussaat bes letzten Weizens beschäftigt. Infolge des Futtermangels ist der Landwirt jetzt eifrig bemüht, die letzten spärlichen Grün- futterrefte einzuholen, die man in normalen Futter- jahren unterzuackern pflegte. Kreis VÄürrgen. nb. R idda, 29. Oft. Gestern fand unter Vorsitz von Pfarrer Lau tim Rathaussaale hier eine Versammlung der Kirchengemeindevertreter des Kirchspiels Ridda statt. Zuerst wurden die neugewählten Mitglieder der Versammlung, Obergärtner und Parkverwalter V e ck e r und Gärtner 3oh. Schäfer von Bad Salzhausen, sowie Dahnbeamter tm Luhestand Karl Repp ll., von Ginter-Schmitten verpflichtet und dann die beiden Organisten, Lehrer D o p p und Lehrer Mergott, sowie Lehrer Dieter, hier, als weitere Kirchengemeindevertreter einstimmig gewählt. Es wurde hierdurch zum ersten Male hier von der Bestimmung Gebrauch gemacht, daß solche Gemeindeglieder, die ein kirchliches Amt bekleiden, oder sich um das kirchliche Leben verdient gemacht haben, in die Kirchengemeindevertretung berufen werden können. Lehrer Dieter hat schon oft durch Einübung von Liedern mit der Mädchenvereinigung und dem Schülerchor zur Verschönerung der Gottesdienste und kirchlichen Feiern viel beigetragen. Zum Schlüsse sand die Wahl der Krrchenvorstands- Mitglieder statt. Es wurden säst einstimmig die seitherigen zehn Kirchenvorstandsmllglieder wie- dergewahlt, und zwar von Ridda: Rektor i. R. G a tz e r t, Bürgermeister Ringshausen, Geh. Justizrat R ö m h e l d, Spar afselontrolleui R u p- pel und Frau Helene Uh l; von Unter-Schmitten: Dürgermerster Döll und Deigevrdneler Ullrich; von Kohden: Altbürgermeister W. Odel; von Bad Salzhausen Bürgermeister Röper; von Michelnau Landwirt Karl Hofmann. Als Tag der Einweihung unserer renovierten Stadtkirche wurde der erste Advent, der 2. Dezember, bestimmt. 2ln der Feier werden der Präsident des Landeskirchenamts Prälat D. Dr. Diehl aus Darmstadt und Superintendent Wagner aus Gießen teiilnehmen. Vormittags soll der Weihegottesdienst in der Kirche, nachmittags eine Versammlung der evangelischen Kirchen gemeinde in der Turnhalle und abends daselbst eine Schluß- feier obgehalten werden. Der evangelische Kirchenchor und &ie beiden hiesigen Mannergesangvereine werden bei den Feierlichkeiten mitwirken. -= Ridda, 30. Oft Der stellvertretende Ge- richtsvbllzieher bei dem hiesigen Amtsgericht wurde auf Grund eines Haftbefehls heute in Gießen im Landgerichtsgefängnis in „Specht, ich finde mich hier nicht ganz zurecht Erklären Sie mir nur das eine: warum geht das Milchgeld von Monat zu Monat zurück? Kühe find keine verkauft. Wenigstens finde ich keine Abrechnung darüber, unb bas wäre ja wohl auch das letzte, was man verkaufen würbe." „Das soll wahr fein, gnäbiger Herr. Mer mit ben Kühen ist bas man so ’ne Geschichte. Sie geben nicht gleichmäßig her. Es ist nicht wie in ber Stabt bei ben Automaten, wo immer bas gleiche rausläuft." In sein treuherziges Biedermannsgesicht trat ein kleiner Zug von Bosheit, unb Grotteck fühlte sich unbehaglich, wie als Schüler vor einer Aufgabe, bie er nicht gelernt hatte. ,Zst benn bas Fuller nicht gut?"' fragte er unsicher. „Es ist nicht schlechter als anderswo in der Gegend. Das soll wahr sein. Aber die Kühe ruhen sich auch manchmal aus — gerade wie die Obstbäume/' „Machen Sie keine Witze, Specht. Die Kühe können sich im Winter ausruhen. Sagen Sie ihnen bas gefälligst. Wir dürfen nicht so wie bisher wirlscyaften. Ich muß doch mal mit Papendick darüber sprechen." Er hatte bas aufs Geratewohl gesagt, aber er schien bas Richtige getroffen zu haben. Specht würbe unruhig. „Man bloß nicht bie Nachbarn fragen. Die gönnen einem nichi bas Schwarze unter bem Nagel. Sie reben einem zum Munb, unb hinter dem Rücken lachen sie sich einen Ast." ,Hm", machte Grotteck. Er war auf bem richtigen Weg. Der Inspektor sah auf seine Transtiefel, als er sagte: „Wenn Sie aber Mißtrauen haben, kann ich ja auch gehen, gnädiger Herr. Ich bin zwar । hier ein alter Mann geworben, aber ich will doch | sehen, ob man ben alten Specht nicht noch irgenb- wo gebrauchen kann." Also bie Kabinettsfrage. Er hatte wohl viel Schulb. „Quatsch", meinte Kurt in gemütlichem Ton „Ieber Kaufmann muß sich Revisionen gefallen lassen. In Danzig sogar. Das ist keine Schanbe unb keine Kränkung. Kommen Sie, wir trinken einen Schnabus zusammen unb vertragen uns wieder." Während er zu dem kleinen Likörschränkchen ging, dachte er: dieser Bursche ist ein ausgepichter Betrü- Hast genommen. ES wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich an Geldern, die ihm amtlich anvertraut worden waven. vergriffen zu haben. Tie Höhe be: in Befracht kommenden Beträge kann erst durch die brhl.rb.iche Unter suchung festgesteltt werden. Ridda, 30. Okt. Die männliche und weibliche Jugend des Turnvereins Friedberg veranstaltete am vergangenen Samstag einen Ga st abend in der hiesigen Turnhalle. Reben turnerischen Darbietungen gelangten Volkstänze zur Vorführung. Außerdem wurde eine Posse wirkungsvoll aufgeführt. Die jungen Turner und Turnerinnen durften für ihre trefflichen Leistungen wohlverdienten ‘Seifaitl ernten. Am folgenden Tage belustigten sie die zahlreichen Zuschauer durch die Inszenierung eines Kasperltheaters. Lpd. Ortenberg, 30. Okt. 3m Rahmen des Kalten Marktes fand am Montag der Pferdemarkt ftath Er hatte eine Beschickung von 850 bis 900 Pferden unb Fohlen aufzu- weisen. Es blieben etwa 310 Stück Heberft and, die bei dem Dienstags-Pferdemar.t verkauft wurden. Auch der am Dienstag abgeholtrne Rindvieh- und Schweinemarkt hatte eine gute Beschickung aufzuwci en. Die neuen K.aftwagen- linien haben sich zu bie,en Märkten bestens bewährt. Krcis Schotten. V Gedern, 29. Okt. Dieser Tage fand im Gasthaus „Zum Löwen" eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe des Landbundes statt« Verschiedene landwirtschaftliche Belange innerhalb der Gemeinde wurden ausgiebig erörtert. Man kam jedoch immer wieder zu dem Ergebnis, daß für das laufende 3ahr keine bessernde Aen- derung mehr zu erwarten ist, da der Gemeindevoranschlag veröffentlicht und die gesetzliche Einspruchsfrist bereits verstrichen sei. — Der Milchpreis soll vom 1. Rovember ab von 22 auf 24 Pf. heraufgeseht werden. (-) Meiches, 29. Oft. Hier wurde im Auftrage des Gustav Adolf-Vereins der Film »Glaube und Heimat" vorgeführt. Die! Veranstaltung war gut besucht, der Film hat viel Beifall gefunden. Lardenbach, 28. Okt. Seit einem Jahre führt eine große Schlammleitung von Stockhausen aus über bas beste Ackerfeld nach ben hiesigen alten Löchern ber Eisensteingrube. Da aber bie Grube in biesem Jahre verkauft würbe unb ber Betrieb ftiUiegt, ist die Leitung bis jetzt nicht benutzt morden. Dafür sperrt sie in einer Breite von über zehn Meter dem Bauer sein Arbeitsfeld. Man hatte gehofft, daß nach ein bis zwei Jahren bie Leitung überflüssig sein werbe. Jetzt ist coftäufig kein Ende abzusehen, weil auch die Grube in Stock- hausen ftiUiegt. Die Mißstimmung in ber Gemeinbe ist natürlich groß, ba so schon ein ganzer Teil ber Gemarkung in ben alten Eisensteinlöchern brachlie- gen muß. Kreis AlsfeW. *1* Ruppertenrod, 29. Oft. 3n unserer Gemeinde wird es lebhaft bedauert, daß unsere Kirche noch immer ohne Heizung ist. Man würde es dankbar begrüßen, wenn diesem Mangel baldmöglichst abgeho. en würde. r. Ober - Ohmen, 29. Ott. Für den durch Tod freigewordenen Posten der 3ndustrie- lehrerin an der hiesigen Volksschule haben sich 20 Bewerberinnen gemeldet. Die zuständigen Stellen sind gegenwärtig mit der Auswahl einer geeigneten Lehrkraft beschäftigt. — Bei der Treibjagd in dem ungefähr 500 Hektar großen nördlichen 3agdrevier der hiesigen Gemarkung wurden 3 Rehe und 37 Hafen zur Strecke gebracht. Das Ergebnis ist zufriedenstellender, als vorher vom 3agdpächter angenommen wurde. (-) Groh- Felda, 29. Oft. Die Wahl eines Beigeordneten für Groß-Felda, Klein-Felda und Schellnhausen findet am 18.Ro- vember statt. Bis jetzt ist nur ein Wahlvorschlag eingereicht worden, lautend auf den Flamen de- Landwirts und Rendanten der hiesigen Sparund Darlehnskasse Rudolf S ch ü h l e r. (-) Kestrich, 29. Okt. Der Landhunger, der noch vor einigen 3ahren sehr ftarf In Erscheinung trat, ist jetzt völlig geschwunden. Bei der jüngsten Verpachtung der Gemeindeäcker wurde für viele Aecker fein Gebot abgegeben. Die Gemeinde läßt die Aecker nun zu Wiesen umgestalten. Oer Frankfurter Bühnenprozeß. WSR. Frankfurt a. M., 29. Oft linier dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Messer- s ch m i d t begann heute morgen der Prozeß gegen den früheren Dühnendirektor der Bühnen- A.-G. Frankfurt a. M., Otto Müller- Wieland, der am 24. Oktober 1880 in Reustadt in Holstein geboren ist. Der Eröffnungs- Schluß vom 1. Mai 1928 legt dem Angeklagten u. a. Betrug, Untreue, Untersch la- gung und Vergehen gegen das Handelsgesetzbuch zur Last. Der Angeklagte absolvierte eine Mittelschule und trat dann in die Handelsmarine ein. Wegen eines Halsleidens wurde er 1908 entlassen und erhielt eine Stelle beim Magistrat Kiel. 1910 ging er durch Vermittlung eines Direktors nach Pvsen und wurde Dorstandsbeamter des dortigen Theaters. An dem Weltkrieg nahm er als Adjutant einer Aufllärungs- Fliegerabteilung bei der Marine teil; später war er Leiter der Schießabteilung einer Fliegerschule. Rach bem Kriege ging er wieder nach Posen und wurde dort im März 1919 ausgewiesen. Er begab sich dann nach Barmen-Elberfeld, wo er Direktor des dortigen Theaters wurde, und kam über Düsseldorf, wo er eine ähnliche Stellung bekleidete, nach Frankfurt a. M. Die Vernehmung des Angeklagten. Zu Beginn der Verhandlung wurden bei dgr Vernehmung des Angeklagten zunächst die Vorgänge besprochen, die zur Eröffnung des Verfahrens geführt haben. Die Grundlage der Anklage 6Übet ein Bericht des Städtischen Revisionsamtes vom 22. Oktober 1926. 11. a. kam das Verhältnis des Angeklagten 'zur Zentrale für gemeinnützige Kun st pflege zur Sprache. Er soll da handelsrechtliche Untreue durch die Niederschlagung einer Forderung ber Vühnen- gesellfchaft an bie Zentrale in höhe von 20 440 Mark begangen haben. Der Angeklagte erklärte, diese Forderung habe größtenteils aas der Inflation bestanden, als er noch nicht Geschäftsführer ber Zentrale war. Als er die Zentrale dann übernahm, habe noch bei einer Bank eine Schuld von 20 000 Mk. bestanden. Vors.: Run wird 3hnen vorgeworfen, daß Sie die 20 000 Mk. niedergeschlagen hätten mit Rücksicht auf Ihren Monatsverdienst bei der Zentrale? Der Angeklagte verwies darauf, daß eine Abzahlung der Schuld erst 1928 für bie Zentrale tn Frage kam, nachdem die Bankschuld abgetragen war; es wird aber geltend gemacht, daß er wenigstens dafür hätte sorgen können, daß ein Teil der Schuld abgetragen wurde. Der Angeklagte will keine Absicht mit der Aiederschlagung des Postens verfolgt haben. Es kam bann bie Sprache darauf, daß der frühere Geschäftsführer der Zentrale eine Bürgschaft übernommen hatte, und daß er Bürge für die Schuld gegenüber ber Dühnen- gesellschaft war. Baum soll aus dieser Bürgschaft entlassen worden sein, aber ber Angeklagte will das mcht getan haben. Dor Beginn der Mittagspause wurde bann noch bie rechtswidrige Entnahme von 16 500 Mark aus ber Kasse ber Duhnen - A.-G. besprochen. Der Angeklagte wollte bas Haus Fallensteinerstraße 66 kaufen. Es wurde am 7. Oktober 1927 ein notarieller Vertrag gemacht, wonach ber Besitzer Pohl bas Haus für 48 000 Mark an bie Ehefrau bes Angeklagten verkaufte. Am 10. Oktober sollte bie Anzahlung von 12 750 Mark fällig fein, am 1. Dezember sollte bie Frau weitere 14 000 Mark bezahlen. Der Angeklagte behauptete, daß ihm die Summe von 12 700 Mark von einem Freund, den er nicht nennen will, zugesagt gewesen sei, es seien bann aber Verhältnisse eingetreten, bie es dem Freund unmöglich machten, bie Summe zu biesem Termin zu geben. Der Angeklagte schriÄ» nun eine Dorsch ußquittung in Form eines Schecks über 16 500 Mark. Der Scheck wurde auf das Bankkonto ber ger, aber, bis ich es ihm nachweisen kann, muß ich ihn mir warm halten. „Prost Specht. Unb erzählen Sie was Fideles." „Auf bie liebe gute Gesundheit! Aber was das Fidele anbetrifft, ba können Sie wohl mehr erzählen." Er goß bas Glas hinunter, wischte sich mit dem Handrücken ben Bart und setzte hinzu: „Wir haben eigentlich gedacht, Sie täten nicht allein Herkommen." „Nicht allein? Wie meinen Sie das?" „Na, mit einem Frauchen. So einem hübschen, kleinen Stück in die Wirtschaft, haha. Nichts für ungut" Groticck goß dem Inspektor ein neues Glas voll. ,3ch bin noch viel zu jung. Sagen Sie, können Sie eigentlich Russisch?" Der Gedanke an den Zeitungsausschnitt war ihm plötzlich gekommen. Zu irgend etwas mußte dieser Mensch doch zu brauchen sein. „Ein bißchen schon. Man kommt ja mit dem Volk öfter zusammen. Drüben im »Fröhlichen West- I preufjen' wohnt ja einer." „So. Na, bie sind ja früher auch zu uns ge= | kommen. Unb jetzt ist es ja nicht sehr gemütlich in | Rußland." „Das soll wohl wahr fein. Sie beißen sich ja dort gegenseitig die Köpfe ab." Grotteck sog heftig an seiner Zigarre. „Das ist überall so. Es kommt im Leben eben darauf an, wer bie besseren Zähne hat. No, unb was wird dieser Russe drüben groß sein. Viehhändler, was?" „Nee. Diesmal nicht. Er malt" „Er malt. Sieh mal an. Gibt cs so was denn noch? Wissen Sie vielleicht wie er heißt?" ,X£s ist so'n halb polnischer Name. Die Drüber heißen ja alle wie Husten unb Niesen zugleich." „Blinsky?" fragte Grolleck ganz ruhig. Sein Herz klopfte zum Zerspringen. „Nee. Ganz anders. Er soll notabene ein bißchen dwatsch sein. Der Krugwirt kennt ihn schon feit ein paar Jahren." Ein Stein fiel ihm von ber Seele. Wieber war er auf falscher Fährte gewesen, wie gestern auf ber Station. Er trank ben Korn aus, ber noch von seinem Vater stammte. „Pfui Teufel, schmeckt bas prächtig!" Er mußte sich schütteln. „Aber Sie trinken ja gar nicht, Specht. Muß ich Ihnen vor- trinfen?'r „Ach wo, in bem Fall bin ich schon ziemlich volljährig. Ich bin ein Mann von altem Schrot unb altem Korn, wie mein Vater selig immer zu sagen pflegte." „Was heißt Slowo im Russischen? „Wort/ „Wort? Weiter nichts" „Nein, weiter nichts." Was soll es benn schon groß heißen?" Grotteck zoo seine Brieftasche unb entnahm ihr ben Zeitungsausschnitt. „Können Sie es auch lesen?" „So für ben Hausgebrauch langt es schon. Man hat ja doch früher immer bie Pässe lesen müssen, wenn bie Erntearbeiter kamen. Man ist boch nicht auf ben Kopf gefallen." Nein, bas war Specht nicht. Was für ein Segen boch ein bummes Gesicht für manche Menschen war! Sie konnten jahrelang alles mögliche begehen, ohne daß man es ihnen zutraute. Der Inspektor drehte den Zettel hin unb her, kratzte sich öfter hinter bem Ohr und machte ein angestrengtes Gesicht. „Es ist etwas Politisches", sagte er endlich. Irgenbetwas aus so ’ner bamaligen Reichstagssitzuna — bas heißt: von ba brühen. Sowjets nennen sie s." „Und ber Inhalt?" Specht las wichtig: „Der Kapitalismus — sehen Sie, bas hier heißt Kapitalismus —, es ist fast wie im Deutschen. Also ber Kapitalismus kann nur durch eigne Mittel getroffen werben. Hier kommt etwas, was ich nicht ganz verstehe. Aber es bedeutet: überschwemmt. Das weiß ich genau. Also: man soll bie Welt mit Banknoten überschwemmen." „Ueberschwemmen? Wirklich?" „So steht es. Schwarz auf weiß. Ich hab' bas Wort boch oft gehört, jedesmal, wenn bie Weichsel hochkam. Schön gesagt, aber erst können vor Lachen!" „Da kommt ja gar nicht ,slowo' vor. Hier das unterstrichene Won." ,3a, das ist ber Schluß. Es heißt ... Das ist bas Wort, Genossen, an bas ihr euch hatten müßt ... Sie nennen sich alle Genossen ba drüben. Und wer es nicht tut, kann sich gratulieren." „Das ist doch eine ganz sinnlose Geschichte? Ober verstehen Sie bas?' (Fortsetzung folgt.) - M5 soll er denn W und entnahm ihr f'i*, a er °u!h ,Lonnen ö*e r^rs ■fftS«*’** ^h. ®erbt e> ? itoei ^r10- MK •ÄftSS afi m brachlte. Sseld. 29. Oft ■> ^uert, & Di« n bet 9b in ^chen & Wiäfc Ergebnis ist 9m ÄLW «Mr * ■*«?&$: Prozeß. *flk etfiörte, diese E 0.1s tot Inflation scht DrschWMrek bet »ak dann überquer Dan! eine Schuld en. Lors.: Tiun toiri> lö 2'.e die 20 030 M mit Rücksicht auf tyn it Zentrale? Der ',-. auf. daß ein« r die Zentrale« Huld abgrtrage-teii eL acht, das, «reniWnS men. dah tu Teil der k. Der LAe^e M rderschla^z drL ^vsKnZ dann di« 8-rachr daraus, ästsführer der Zentrale men fiatte, unb daß « Kgenüfa bei Dühne» foS azti dieser 2w n, aber der Arrtzetlagr Lvr. TSot 'LvzrM btt iuv noch die t van 16 500 Mark au» Büfjnen - A.-G. klagte lvollte das .fyniS laufen. Es tomde cm arieller Drrtiag genaht, ahl das Haus für 48000 -es Angeklagten verkaufte, te die Anzahlung von i am 1. Dezember sollte 30 Mark bezahlen. Der daß ihm die Summe von n Freund, den et nicht Mlen fei, es seien dann crten. die es dem Freund Summe zu diesem Temm ite schrieb nun «me Ror- im°b Lch-L ib°- yt mjfjg Sanftoto jet nn von altem Schrot UNS Ster selig immer zu sagen m Nussischen?' , _ schkl Ser W**|ft f«H » italismus 7'- tdnn W» *»*0*!* , „ar 0'l sitzende des Aufsichtsrats ist zugleich Dezernent des Magistrats. In der ersten Zeit seiner Amts- tätiget habe er sich im weiteren Maß als sein Amtsvorgänger mit den Geschäften des Aufsichtsrats besaht. Dies ging bis 1925, dann konnte er den Sitzungen nicht mehr regelmäßig bete wohnen, und eS wurden ihm von dem Justitiar Dr. Seckel Mitteilungen gemacht. Es sei natürlich, daß ihm so eine Reihe von inkriminierten Vorgängen nicht bekannt geworden sei. Der Vorsitzende verwies darauf, dah im Bericht der lllnterkommission bezüglich der Rundfunk- angelegenheit die nichtetatsmaßige Verwendung eines Betrags von 3744 Ma ick gerügt wird. Der Betrag soll für die Einrichtung von Bureaus benutzt worden sein. Belege sind nicht da und es bestehe der Verdacht, dah die Summe überhaupt nicht im Interesse der QI.-©, verwendet wurde. Der Zeuge meinte, es sei tatsächlich unmöglich, jetzt, nach vier Jahren, sich noch an jede Einzelheit' erinnern zu sollen, er habe mit dem Angeklagten viele Hunderte von Defprechungen über tausenderlei Fragen gehabt. Rach seiner Erinnerung handelte es sich nicht um den Rundfunk in seiner jetzigen Art, sondern um ein technisches Experiment, wie man es an der Münchener Oper gemacht hatte und wobei es sich, soweit er sich dessen noch entsinne, um die telephonische lieber- tragung von Opern drehen sollte. Der Angeklagte habe ihm damals gesagt, er habe sich mit ber technischen Frage besaht und es sei eine Bandubertragung gelungen. QllS die Künstler nach Einführung der Opernübertragungen ein Entgeld vom Rundfunk haben wollten, vertrat der Zeuge den Standpunkt, daß di« KünsUer hierauf keinen Anspruch hätten. Der Vorsitzende betonte, daß das Schiedsgericht diese Frage zugunsten der Künstler entschieden hat. Der Zeuge ift_ nicht der Ansicht, dah eine Sondervergütung an Müller-Wieland berechtigt war, da er festes Gehalt bezog, auch war er prinzipiell gegen die Bezahlung von Einzelleistungen. die m den Rahmen der allgemeinen Tätigkeit fielen. Der Zeuge äußerte sich dann über die Z e n - trale für gemeinnützige Kunstpflege. Die Gründung dieses Instituts habe zweifelsohne im Interesse der städtischen Theater gelegen. Sie fiel in die Zeit des Dermögensversalls. und man mußte bemüht fein, Besucher ins Theater zu bekommen. Der Angeklagte habe sich damals groß« Mühe um diese Zentrale gemacht. Der Angeklagte war damals der Ansicht, daß man ein: Theatergemeinde gewissermaßen in eigener Regie und nicht in Privathänden haben müsse, und die Pläne des Beschuldigten gingen darauf hinaus, die Theatergem rinde Daum enger zu erfassen. Es sei wohl möglich, dah Müller-Wieland dabei sagte, man molle ihn in die Direktion eintreten lassen. Dah der Angeklagte eine monatliche Der- gütung von 500 Mark dafür bekam, war dem Zeugen niemals bekannt. Es wurde dann über die Sommergastspiele gesprochen. Der Zeuge erklärte, sich absolut nicht erinnern zu können, dah der Angeklagte ihm gegenüber davon gesprochen habe, dah er von den überschüssigen Einnahmen einen Teil für sich haben wollte. Der Zeuge bekundete, dah sich die Bestimmungen bezüglich des Engagements von Bühnenmitgliedern durch den Ang:stellten-Aus- schuß nicht auf die Sommergastspiele bezogen, sondern nur auf die Bühnenangehörigen, mit denen ein ein- oder mehrjähriger Vertrag abzu- schliehen war. An den Zeugen wurden von dem Verteidiger und dem Vorsitzenden noch eine große Reihe Fragen gerichtet, die der Zeuge nicht pofitiv beantworten konnte, weil er an verschiedenen Sitzungen des Aufsichtsrates nicht teilnahm oder ihm die Vorgänge nicht zur Kenntnis tarnen. Nach der Mitagspause erfolgte die Vernehmung des Zeugen verwaltungsinspeklor Paul Witte. Vorsitzender: „Was wissen Sie über den Vorgang daß der Angeklagte einmal 16 500 Mark aus der Kasse der Städtischen Bühnen - A.-G. genommen hat?" Zeuge: „Von dieser Tatsache erhiell ich erst seit dem Tage der Ausscheidung des Herrn Muller- Wieland Kenntnis!" lieber die Verwendung von Rundfunkgebühren seitens des Angeklagten ist dem Zeugen nichts bekannt. Auch die Frage, ob der Angeklagte berechtigt war, sich für die Doppeloorstel- langen ein Sonderhonorar anzuweisen und aus der Kaße zu entnehmen, will der Zeuge nicht entscheiden, da er darin zu wenig Erfahrung habe. Zeuge Sladtrat Meckbach äußerte sich dann über die Abhaltung der Somme r g a st s p i e l e in den Jahren 1925 und 1926. An den ersten Besprechungen, die im Aufsichtsrat der Städtischen Bühnen-A.-G. ftattgefunben haben, hat der Zeuge nicht teilgenommen. Es kam erst in einer Sitzung, die im Mai 1925 stattsand, zu seiner Kenntnis. Der Zeuge sagte mit Bestimmtheit, daß er niemals Der Ansicht gewesen sei, daß der Angeklagte die Sommergastspiele für sich als Privatmann habe abhalten können. Muller-Wieland sollte die Sommergastspiele in eigener Regie alsDirektor d e r S15 d t i s ch e n B u h n e n- A. - G. veranstalten. Dieser Ansicht seien auch sämlliche Herren des Aufsichtsrates gewesen, die an ber Besprechung teilgenommen hatten. Müller- Wicland habe dem Untersuchunasausfchuß gegenüber erklärt, daß er der Auffassung gewesen sei, die Sommergastspiele hätte er in eigener Regie als Privatmann übernommen. Nach einem, Rechtsaut- achten, daß die Städtische Buhnen-A.-G. zur Klärung dieser Frage cingeholt habe, sei dem Angeklagten der gute Glaube nicht abzusprechen, jeden- stills der schlechte Glaube nicht nachzuweisen. Der Zeuge bestätigt die Frage des Verteidigers Dr. F ü r ft, daß dem Angeklagten von keiner Seite gesagt worden ist, daß er die Sommergastspiele als Direktor der Bühnrn-A.°G. abhalten sollte. Zeuge Schauf eler Alois Bcsni hat mit dem Angeklagten zusammen die Sommergastspiele arrangiert. Rach den Aussagen dieses Zeugen war zwischen ihm und dem Angeklagten vereinbart worden, daß ein Teil der Einnahmen, der als Lieberschuß zu betrachten war, geteilt werden sollte. „Sie Saison wurde auf Grund dieser Abmachungen gespielt. Ich erhiell eine Tagesgage von 150 Mark. Am Ende der Saison fragte ich: Ist ein Heberschuh ecziell worden? Es hieß nein! Dann bin ich gegangen!" (Heiterkeit.) Der Zeuge gab mit Bestimmtheit an, dah er der festen Üeberzeugung gewesen sei, dah Müller-Wreland die Sommergastspiele als selbständiger Unternehmer abhielt. Die Verhandlung wurde nun auf Mittwoch vertagt. nur sie wsscht HJeifoeug unb farbiges [o vollkommen f(honend, nur fie ist rein unö io spgrfsm, Sie gute, gilbe- 55227/7 mährte Sunlidif Seife. Geschäftliches! 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Die Diätetik gehört zu den ältesten Versuchen, den Kranken günstig zu beeinflussen; sie ist zu den Zeiten des Hippokrates bereits sehr sorgsam gepflegt worden und heute zu einer wirklichen Wissenschaft ausgebildet, die sich nicht nur auf Erfahrung, sondern auch auf den Grundsätzen der Ernährungsphysiologie und Pathologie aufbaut. Früher begnügte sich der Arzt mit allgemeinen Vorschriften, wie „reichliche, karge, milde oder kräftige Kost", wobei er manche Vahrungs- mittel und Zubereitungen verordnete, die sich in bestimmten Fällen besonders bewährt hatten, während die heutigen Vorschriften ganz ins einzelne gehen. Di« diätetischen Vorschriften sind in bezug auf die Mengenverhältnisse (quantitativ) und auf Art und Beschaffenheit der Nahrung (qualitativ) genau überlegt. Wir können zahlenmäßig feststellen, welche Nahrungsftoffmengen jeder Mensch nach Größe und Gewicht für seinen Bestand nötig hat, daß bei manchen, den gehen oder Fettsüchtigen, die gewohnt« Menge zu groß, bei anderen wieder, den Abgemagerten, zu gering ist. Es muß also das in jedem Einzelfalle notwendige Maß, das sich genau berechnen läßt, angegeben werden, damit die in beiden Fällen gefährdete Gesundheit wiederhergestellt werde. Die Beschaffenheit der Nahrung wird nach den Lebensgewohnheilen, den wirtschaftlichen Möglichkeiten, dem Geschmack, dem Appetit und dem vorhandenen Krankheitszustand bestimmt. Ihr« Zusammensetzung muß so sein, daß die notwendigen Nährstoffe^ Eiweiß (Fleisch, Eidr, Käse, Pflanzeneiweih), Kohlenhydrate (zucker- und mehlhaltige Speisen, Obst, Gemüse), Fette (Butter, Schmalz, Pflanzenfett), Salze (besonders in den Gemüsen und das Kochsalz) und Wasser in der richtigen Verteilung enthalten. Außerdem müssen, wie neuere Untersuchungen überzeugend ergeben haben, gewisse notwendige Lebensstoffe, die sogenannten Vitamine, die sich in den verschiedenen Nahrungsmitteln in verschiedener Menge finden, darin in genügendem Maße enthalten fein, da ihr Fehlen besonders bei Kindern schwere Gesundheils- und EntwicklungLstörungen zur Folge hat. Nach diesen Grundsätzen soll sich bereits die Nahrung des Gesunden zusammensetzen, um ihn gesund zu erhalten, viel mehr aber noch die des Kranken. Bestimmte Krankheiten des Stoffwechsels und des Verdauungsappara'.es verbieten und bevorzugen gewisse Nahrungsmittel. Der Zuckerkrank: beispielshalber, bei dem die Verarbeitung d?r Kohlenhydrate schwer gestört ist, muß je nach dem Stand seiner Erkrankung ihre Menge einschränken und dabei auch die Quantität der gesamten Nahrungsmenge für den Tag genau überwachen, da ihm ein Zuviel an Nahrung sehr schaden kann. Der Gichtkranke muß sich vor den Nahrungsmitteln hüten, bei denen Bestandteile vorhanden sind, aus denen sich die für ihn gefährliche Harnsäure entwickelt. Ebenso verlangen die mannigfachen (Sritanfunflcn deS Magens und Darms eine sorgfältige Auswahl der Speisen, die sich der bestehenden Störung, an» passen: einmal läßt sie mehr an Milch, leichten Fetten und Degetabilien reiche Mahlzeiten, ein andermal mehr Fleischnahrung wünschenswert er- scheinen. Der Nierenkranke muß unter Ülmständen den Salz- und Wassergehalt seiner Diät verringern, weil die beim Gesunden übliche Menge ihm schaden kann; Herz- und manche Nierenkranke müssen Anzahl und Menge der Mahlzeiten möglichst beschränken, um dem geschwächten Die moderne DamZnschneiderin. Von Else Rema. Die Damenschneiderei zäh'te früher zu einem der gewinnbringendsten weiblichen Berufe, und sicher gibt es auch heute noch 'Frauen, die ihm glänzende, zum mindesten sehr ausreichende Einkommen verdanken, aber ansehnliche Vermögen anhäufen, wie es einst zahlreiche Schneiderinnen konnten, dürfte heutzutage kaum mehr möglich sein. Denn die Verhältnille haben sich auch auf diesem Gebiet geändert. Aus vielen Tei en des Deutscl-en Reiches kommen Kiagen über sch echten Geschäftsgang, über mindere Löhne, und man steht vor der Notwendig'.eit, die Ausbildung von Gehilfinnen einzuschränken. 3m Interesse der Berufswahl der Heranwachsenden Weiblichleit und auch sonst ist es nicht uninteressant, den Llrsachen nachzugehen, die dem sonst so blühenden Gewerbe der Damenschneideiet am empftnd.ichslen Abbruch getan haben. Es gibt kaum einen so dehnbaren Begriff und einen Beruf, des en Möglichkeiten so weit zu spannen sind, wie der der weiblichen Schneiderei, die in früheren Jahrhunderten schwer gegen die männliche Konkurrenz zu kämpfen hatte und gegen die sie nicht aufkam, weil die Innungen die Frauen als Schneiderinnen klug zu beschränken wußten, indem man ihnen gewisse Anfertigungen überhaupt verbot. älnzählige Spielarten gibt es heutzutage, von der Hausschnciderin angefangen bis zur eleganten Inhaberin des großen, tonangebenden Ateliers. Aber auch hier haben starke Wandlungen stctttgefund.m. die den Rückgang des Gewerbes einerseits hervorriesen während sie andererseits zu seiner Hebung betrugen. Die Kunstgewerblerinnen waren es zunächst, deren Invasion Aufschwung und Abstieg zug'eich bewirkten, denn s e drängten die rein handwerkliche Schneiderei in den Hintergrund, sie räumten zuerst mit der billigen und gedank'nl.^sen Reklame „Modcs de P.-ri " auf, indem sie dafür die „indi- viduelle künstlerische Anf.rtigung" setzten und sie tatsächlich auch ausiührten. Sie waren es, die d?n Beruf der Damenschnei- derei zu einem der gehobenen weiblichen Berufe machten, sie waren in Anatomie ausgebildet, sie Herzen nicht zu groß« Arbeit aufzubürden. Fiebernde bedürfen, wie man seit jeher weiß, einer sehr kargen Ernährung; bei manchen Kranken ist die Einführung von sogenannten Hungertagen mit einer Art Scheinnahrung, die so gut wie gar keine Nährstoffe enthält, ein dringendes, sehr nützliches Gebot. Die zulässig« Menge von Flüssigkeiten ist bei einer großen Anzahl von Krankheiten aufs strengste zu überwachen. Genuhmittel wie Tee, Kaffee, Alkohol und Nikotin sind bei manchen Leiden ganz äu verbieten, bei anderen nur in der bescheidensten Menge zu gestatten, wenn sie aus gewichtigen persönlichen Gründen nicht entbehrt werden können. So erwächst dem Arzte die Pflicht, jedem Kranken nicht nur nebenbei, sondern an vorderster Stelle Ernährungsvorschriften auszuarbeiten, die dem Kranken sowohl die allgemeinen Grundsätze seiner Ernährung klarmachen, als ihm die Möglichkeit geben, innerhalb dieser Grenzen sich ausreichend seiner Lebenshaltung, seinem Geschmack und seinem Appetit entsprechend zu ernähren. Nie dürfen die Bestimmungen so sein, daß der Kranke sie als lästige Qual empsindet, weil sie sonst nicht lange durchzeführt werden können, was bei chronischen Krankheiten unerläßlich ist. Die Mahlzeiten sollen ihm wie dem Gesunden ein Vergnügen sein und dürfen ihm nie soweit sich dies durchführen läßt, das Bewußtsein des Krankfeins steigern; diee seelischen Beziehungen sind immer zu berücksichtigen. Das„laufendeBani)"imHaushali. Schont die Hausfrau! — Wie die Hauswirtschaft verbessert werden kann. — Zwölfmal jährlich mit dem Kohleneimer aus die Zugspitze. — Motor statt Dienstmädchen. — Oer Herd mit Alarmglocke. Von Herbert Ruland. Kürzlich hielt Dr.-Jng. Mengering. hausen in Berlin im Verein deutscher Ingenieure einen aufsehenerregenden Vortrag über „Sngenieurprobleme im Haushalt". Unser Mitarbeiter beschreibt hier die mannig- ! faltigen neuen Möglichkeiten, der Hausfrau ihren schweren Beruf auf billige Weise zu erleichtern. Die Ingenieure, die stolz darauf sind, daß wir dank ihrer Kunst fast keine Entfernung mehr kennen und uns das Reich der Lüfte untertan gemacht haben, scheinen sich jetzt dankbar des Ausgangspunktes all ihres Wissens und Könnens zu erinnern. Wann begann die Technik? Als der Mensch eine schüttende Hütte baute und die Kunst des Feueran- machens fand. Aus dem menschlichen Heim, der Höhlenwohnung oder dem Pfahlhaus, nahm die Technik ihren den ganzen Erdball erobernden Siegeslauf. Diesen Ursprung haben die Techniker allmählich vergessen; um die Ausgestaltung des haus- lichen Lebens nach technischen Grundsätzen hat sich der Ingenieur bis jetzt wenig gekümmert. Die Sorgen der Volkswirtschaftler, der Industriellen suchte er zu verringern, aber die Sorgen der Hausfrau, von deren Tätigkeit in erster Linie die Behaglichkeit unseres Heims abhängt, waren ihm ziemlich gleichgültig. Das bestätigte auch Dr.-Jng. Mengertng- häufen in einer aucy von Frauen besuchten Versammlung des Berliner Bezirksvereins Deutscher Ingenieure in seinem Vortrag „I ng e n l e u r p r o - bleme im Haushalt". Der Techniker ist stolz darauf, wenn er im Bergbau zeigt, wie durch rationelle Förderanlagen die Kohlengewinnung ohne Mehrkosten um wenige Prozent erhöht oder durch planmäßige Ausnutzung des Brennstoffs im Eisen- bahnverkehr der Kohlenverbrauch um ein bis zwei Prozent verringert werden kann. Aber im Haushalt wird oft eine unerhörte Verschwendung mit den Feuerungsmaterialien getrieben, eine Ersparnis von zehn, zwanzig und sogar dreißig Prozent ließe sich bei der Ofenheizung leicht erzielen, und man könnte dabei doch die gleiche behagliche Zimmertemperatur erreidjen. Im modernen Fabrikbetrieb wird der Gang der Arbeit so eingerichtet, daß nach Möglich- keit alle überflüssigen Wege vermieden werden. Der zu verarbeitende Gegenstand kommt — oft auf dem „fließenden Band'" — zum Arbeiter. Wie sieht es im Haushalt aus? Hunderte von Kilometer legt die Hausfrau im Jahr bei ihrer Tätigkeit im Helm zu- rück. Der Geist der neuzeitlid)en Technik fehlt im Haushalt; auch in der Hauswirtschaft ist im übertragenen Sinn das Kaufende Band" nicht zu ent. behren. Der Techniker beurteilt den Wert einer Arbeit nach ihrem Wirkungsgrad, und da muß er die häusliche Arbeit sehr niedrig einschätzen. Das ist keines. .......in«—■■iimm ■■■■ iiiiiuim—i .................... wegs die Schuld der Hausfrau. Wie man sich bei der Rationalisierung des Fabrikbetriebes erst über den Gang der Herstellung vom Rohstoff bis zum Fertigerzeugnis volle Klarheit verschaffen mußte, so ist eine genaue Erforschung des Hausbetriebes die Grundlage planmäßiger Ingenieurarbeit im Haushalt. Erst aus der Eigenart des Hausbetriebs ergeben sich die besonderen Aufgaben für den Architekten, den Bauingenieur, den Installateur, den Wärmeingenieur, den Kältetechniker und den Kon- strukteur hauswirtschaftlicher Geräte. Eine sehr große Arbeitsverminderung ließe sich schon bei immer wiederkehrenden Arbeiten durchführen, beim Abwaschen, Reinmachen, Abräumen. Doch werden sogar seit langem gewonnene Erkenntnisse nicht oer- wertet. Seit mehr als 20 Jahren weiß man, daß es weit vorteilhafter ist, wenn sich beim Abspülen die Abtropfvorrichtung links von der Arbeitenden be- findet. Trotzdem findet man zahlreiche Haushaltun- gen, in denen sie rechts angebracht ist. Welche Unsumme unnützer Arbeit wird beim Kochen verloren! Dabei wäre es sehr leicht, Einrichtungen einzuführen, wie sie Amerika schon seit einiger Zeit kennt. Da hat jeder Herd seinen 2Ilarm- mecker und seinen Temperaturregler für die verschiedenen Speisen. Für Suppen, Fleischgerichte, Kartoffeln sind auf einer Tabelle die Kochzeiten und die Kochtemperaturen verzeichnet; danach stellt man ein. Gleichzeitig ist auch die Kochzeit vermerkt. Sobald diese abgelaufen ist, läutet die Alarmglocke, und die Flamme erlischt von selbst Während der Kochzeit braucht sich die Hausfrau nicht mehr um die Bereitung des Essens zu kümmern Welche Arbeit verursacht es, die Kohlen aus dem Keller nach der vier Treppen hohen Wohnung zu schaffen? Die Arbeit, die eine solche Frau leistet, ist ebensogroß, als wenn man zwölfmal die Zugspitze besteigen würde. Der Architekt ist eben bei der Gestaltung der Wohnung rein gefühlsmäßig oorgegangen, ohne sich um praktische Bedürfnisse zu kümmern. Außerordentlich Diel Staub und Schmutz setzt sich auf den Treppen an, der durch Anbringung besonderer Klötzchen vermindert werden könnte. Dr.-Jng. Mengering- hausen tritt ferner für besondere Vorratskammern ein, in denen man die verschiedenen Lebensmittel aufbewahren kann. Er will ßüftungs- und Kühlem- ridjtungen miteinander verbinden, er ist ein Ver- fechter der warmen Luftheizung. Auch unsere Be- leuchtung steht nicht auf der Höhe. Das Ideal wäre das sog. „kalte Licht", bei dem so gut wie gar keine Wärmeentwicklung stattfindet Die jetzt noch übliche Art der Beseitigung des Mülls verrät durchaus keinen fortschrittlichen und ted)nischen Geist. Der Motor müßte weit mehr als bisher im Haushalt eingeführt werden. Ader man sollte nicht für jeden Gegenstand, für Staubsauger, Parkettbohner, Kar- toffelschälmaschine usw., einen besonderen Motor be- hatten die Kunststickerei erlernt, sie brachten historische Kenntni s« mit imb nicht zuletzt ein sicher erzogenes künstlerisches Empft den. Die Klmstgewcrb «rinnen ersä.i.nen mit der Re- formmode zugleich auf d.r Di.d.läche. Daß die letztere sich nicht durch e^te. war nicht ihr Verschulden, man war zu früh mit Neuerungen gekommen, für die die damalige Zeit nicht rftf genug war; der geistige Zusammenhang zwischen der Mode und der Konjunktur war nicht herge- stellt und darum mußte scheitern, was Jahrzehnte später sich zur Vollendung entwickelte. Aber die gebildete Frau hatte ihren Einzug unjoiderruflich in das Gewerbe und K inftaewerbe der Damenschneiderei gehalten; daß sie jene Kleidermacherinnen mit der Zeit verdrängen mußten, die nichts als die manuelle Vorbildung mit- brachten, farm nicht Wundernehmen. Denn das individuelle K eid, das künstlerische Gewand, das sogenannte Stift eid war nur einmal geboren, und in sämtlichen K mstschulen Deutschlands wurde mit Erfolg auf die,er Ba.is weitergearbeitet. Aber auch den Kunstgewerblerinnen erwuchs Konkurrenz und Einbuße durch die Vermännlichung der weiblichen Mode, die sich teils aus Laune, aus Lust an der Veränderung und aus Gefallen an den Extremen durchsetzte, gleichz i ig aber auch, weil sie den Dedürfni fen des heutigen sporttreibenden und berufstätigen weiblichen Geschlechts entspricht. Man braucht nicht Paul Po tret zu heißen, und man braucht nicht wie er ein Modekönig gewesen zu sein, um den Niedergang der Schneiderei zu beklagen; do-ch sein Stoß eufzer ist z:it- gernäß, er kennzeichnet die Verhältnisse, die den Niedergang der Damenschneiderei herbei, ührten, unter der nicht bloß die deutschen, sondern auch die französischen K eidermacherinnen leiden. „Meine Erfindungsgabe ist unnütz, und meine Phantasie kann sich in Sacklcinewand begraben lassen", stellt Poiret fest, indem er hinzusügt, „alle Poesie ist aus der Mode geschwunden." Nicht die Poesie, sondern mehr noch der Ballast, das Brimborium, das den weiblichen Körper nur zu sehr belastete und dem Geldbeutel Opfer auferlegte, ist ausgeschaltet. Man braucht sich nur das Bild einer Dame von vor fünfundzwanzig Jahren ins Gedächtnis zurückzurufen. um mit Schaudern an alle jene Zutaten zu denken, die sie mit sich herumschleppte und die tagelange Schneiderei beanspruchten. Wo war nicht überall Steifgage angebracht, wo befanden sich keine Fischbeine und Stäbchen, wie viele Haken und Oesen waren zu schließ m, wie viele Gurt bänder trug die Frau auf sich herum?! Und nicht nur das. Man erinnere sich des komplizierten Schnittes des Fraucickleides, der Taille, die wie „angegossen" sitzen mutzte, der Aermel, die nach oben Schinken und nach unten Futterale waren, der Röcke, die wie ein Falten- meer um die Trägerin wogten und beileibe nicht etwa „zipfeln" durften! Man hatte sogar kleine Instrumente erfunden, die es der Schneiderin ersparten, halbe Stunden lang auf dem Fußboden zu liegen und den Saum des Rockes im Schweiße ihres Anges chts zu egalisieren. Ein Kleid sich selber arbeiten, hi eh beinahe ein Kunstwerk bauen, und nur ganz geschickte Fraueichände, von Natur begabt und mindestens durch einen Kursus in die Elemcntargründe des Gewerbes eing.führt, konnten sich daran wagen; aber nur selten kam ein Resultat zustande, das sich mit dem Erzeugnis einer zünftigen Schneiderkunst hätte messen dürfen. Was selbst ein Prophet auf dem Gebiet der Mod« nicht hätte prophezeien können, was selbst Künstler und Kunstgewerbler, die einst die Re- formkleider propagierten, nicht zu träumen wagten. trat ein, heraufbeschworen vom Geist einer neuen Zeit, von einer Weiblichkeit, die auch in den Staaten der sogenannten Sieger umgelernt hatten. umlernen mußten. Das Iumperkleid. die Sweater die Pullover, die plissierten Röcke, die dec Kunst der Schneiderin gänzlich entraten können, die die Frauen selb- ftäntug machten, nicht nur im schwierigen Werk des Ankleidens, sondern auch der Anfertigung haben Daseinsberechtigung b.kommen, sind auf den Schild der Mode siegreich erhoben. Die Schneiderin begann das Los der Putzmacherin zu teilen, deren Genie von der Mode der vermännlichten Filzhüte sozusagen kallgestellt wurde. Di« Straußenfeder braucht nicht mehr graziös zu wippen, es bedarf keiner kunstvollen Rosetten mehr, und die Blume, die heute etwa die Krempe ziert, liegt flach auf. wie aufgepreßt, auch von Dilletantenhand zu meistern nützen, es wäre vielmehr ein Universalmotor zu konstruieren, der ohne weiteres für die verschiedenen Vorrichtungen umgestellt werden kann Uebrigens ist die Technik im Heim nicht eine Frage des Einkommens; wie es heute felbstoerständ- lid) ist, daß fast jeder seine Uhr in der Tafchc hat, und die Kunst des Lesens und Schreibens beherrscht, so wird auch eine Zeit kommen, in der ein Umgestalten des Haushalts nach rein technischen Grundsätzen etwas Selbstverständliches ist Um das aber zu erreichen, muß nidjt nur die Hausfrau technisch denken lernen, auch der Ingenieur muß bei der Hausfrau, wie verschiedene Redner in der Diskussion betonten, in die Schule gehen. Ingenieur Riebe, der bekannte Pionier der Kugel- lagertedjnit, schilderte mit vielem Humor, wie er in den Flitterwochen seiner Ehe seinen Haushalt „tech- visieren" wollte. Da sollte auch eine Scmmelreibe- maschine eingeführt werden. Eines Tages aber gestand ihm seine Frau, sie wolle davon nichts wissen, sie hätte mit zwei Freundinnen die Sache erprobt, und da hätten sich ganz schreckliche Dinge zugetragen. Der Tisch, auf dem die Maschine stand, raste fast durch die Küche, nur mit Mühe konnte die eine Freundin das hölzerne Ungestüm bändigen, aber geriebene Semmel gab es nicht. Der besorgte Gatte und sachverständige Ingenieur ließ fid) nun die Sache vvrführen. Da stellte sich folgendes heraus: Die Deffnung der Reibemaschine war viel zu groß. Während die eine Freundin mit Gewalt die Semmeln hineindrückte, wurde die Reibetrommel platt gedrückt, trat also gar nickt in Tätigkeit. Die immer stärker aufgewandte Kraft beim Drehen teilte sich nun dem Tisch mit, der in Bewegung kam E'ne Dame stopfte die Semmeln hinein, ole zweite suchte zu drehen, und die dritte hielt den Tisch fest. Don da an verzichtete der Techniker Riebe auf die Modernisierung in seinem Haushalt. Die technische Gestaltung der Wohnung muß dem Innenarchitekten entrissen werden, damit der Ingenieur mit der Hausfrau Hand in Hand arbeiten kann. Verschiedene Frauen machten darauf aufmerksam, wie unpraktisch in unserem technischen Zeitalter die Hauseinrichtungen sind. Da ist z. B. der Ausguß viel zu hoch. Eine ganze Reihe von Arbeiten, etwa spülen und bügeln, ließe sich ebenso gut im Sitzen verrichten, wenn nur die Einrichtungen entsprechend wären. Hausfrauen und Techniker wissen, daß der Ausguß am besten in einer Höhe von 40 Zentimeter über dem Fußboden angebracht wird: aber man sehe sich einmal die Küchen daraufhin an. All diese Verbesserungen — und manches Gute ist schon geschaffen worden — werden nicht ohne den sachverständigen Rat der Hausfrau durchgcsührt wer- den können. Der Ingenieur darf nicht vom grünen Tisch aus konstruieren. Außerdem" darf man nicht vergessen, daß in den meisten Haushaltungen die Frau auch wirklich tätig ist. Rur sieben bis acht Prozent aller Berliner Haushaltungen z. B. arbeiten mit einer bezahlten Hilfskraft. Hausfrau und Hand. Don Ruth Goeh. In früheren Jahren waren tri« verarbeiteten Hände der Frau maßgebend für ihre Tüchtigkeit im Hause. Die Wirtschaftlichleit stand hn umgekehrten Verhältnis zu chrer Eiaenpslege, so meint« die Welt. Glücklicherweis« hat sich auch hier em Wandel vollzogen, und die Frau der Gegenwart ist darauf bedacht, den QEihnenfd)en, dem Heim, den Kindern, besonders aber dem Mann einen erfreulichen Anblick zu bieten. Die Hausfrau von heute achtet darauf, datz die Arbeit die Ausdruckssähigkeit und die Schönheit ihrer Hand nicht verdirbt. Es sind da einig« Ratschläge zu befolgen, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, nicht etwa eine vermehrte Arbeit mit sich bringen. Oberstes Gesetz ist, daß die Haut nicht spröde und rissig wird. Die Haut darf nicht naß bleiben, wenn sie bei der Tätigkeit mit Wasser In Berührung kommt. Sie soll richtig abgetrocknet werden, so daß auch nicht die Spuren der Feuchtigkeit sich festsaugen kön- Konfektion und Weiblichkeit begriffen die Konjunktur. und ein übriges taten die deutschen Frauenzeitschriften, di« heute an der Spitze aller internationalen Zeitschriften marschieren, mit ihren xur höchsten Vollendung entwickelten Schnitten. die die Kundin in den großen Häusern zugleich mit dem Stofs kaufen kann. Paris und Berlin, di« beiden bedeutenden Zentren, Wersen Iumperkleider und Pullover usw. in Massen und zu billigen Preisen auf den Markt, von so entzückendem Reiz in Machart und Stofflichem, daß heutzutage dem „fertigen“ Kleid nichts mehr von dem Odium von einst anhaftet. Wenn eine Dam« heute ein besonders reizendes Kleid trägt und man fragt sie nach der Schöpferin, so wird in sieben von zehn Fällen die unausbleibliche Antwort lauten: „Ach, das habe ich mir selbst gemacht, ich habe mir einen Schnitt gekauft." Mod« und Weiblichkeit sind immer extrem und so kann es kaum wundernehmen, datz das Geschlecht der Berufsfrauen und Sportsiegei-innen di« Amat.u.in in der Schneid, rkunst entwickelt hat. Di« einst so begehrte, verhätschelte Hans- schneiberin hat heitte schweren Daseinskampf zu kämpfen, mit ihr die kleinen und größeren Schneiderinnen, während die Konfektion noch immer einen Riesenbedars an Arbeiterinnen, besonders von sog. Modellschneiderinnen, zu verzeichnen hat. Aber auch hier macht sich bereits der Ilm- sd-wung bemerkbar, man verlangt Frauen mit Erfindungsgeist, mit Zeichentalent kurzum, die hervorragenden Begabungen. Die Schneiderinnen mit Bildung und kunstgewerblicher Ausbildung tragen auch hier den Sieg davon. Man wird unter solchen Verhältnissen bei der Berufswahl sehr genau unterscheiden müssen, welchen Weg die Kandidatin einzuschlagen hat, und jene, deren Mittel es erlauben und wo die entsprechende Begabung vorhanden ist, wird gut daran tun, sich mit einem Höchst matz von Fertigkeiten und Kenntnissen auszurüsten, um ihrer Laufbahn nicht von vornherein unerwünschte Beschränkung aufzuerlegen. Es gibt auch weibliche Genies, denen alles angeboren ist, was die große Schneiderin macht, aber Genies sind Ausnahmen und können nicht als Vorbild aufgestellt werden. nen. 3n der Hast unterläßt die Hausfrau gu* weilen diese Vorschrift. Küchendüfte haften an den Fingern. Sie werden vertrieben, wenn unmittetbar nach der Beschäftigung mit scharf riechenden Küchenkräutern die Hände mit Kochsalz abgerieben und alsdann kalt abgewaschen werden. Ist Haus- und Küchenarbeit beendet, dann verabsäume die Hausfrau niemals, eine Einreibung mit einer Fettcreme vorzunehmen. Ein bvhnen- großes Stück Creme wird auf die Handinnen- fläche gebracht, mit der airderen Hand zuerst verrieben und nun mit Waschbewegung verteilt. Gleichzeitig müssen die Nägel berücksichtigt werden. Ein Holzstäbchen wird in ein entsprechendes Dagelwasser getaucht, und die Dagelhaut am oberen Dand wird damit zurückgeschoben. Von der Hautcreme, die sich auf Handrücken und Handteller befindet, wird mit dem Daumen der anderen Hand ein wenig über die Dägel verstrichen. Dadurch kommt das Vrechen und das Splittern der Fingernägel nicht mehr in Frage, und di« schönste Hand macht einen unansehnlichen Eindruck, wenn die abgebrochenen Dägel durch ihre ungleichen Längen in keinem Verhältnis zu den anderen stehen. Durch die Behandlung mit der Dagelfeile anstatt mit der Schere bcchalten die Fingernägel besser die Form, das Wachstum wird gleichmäßiger, die Suostanz bleibt unbeschädigt. Wird die Creme abgewaschen, dann weicht auch die Müdigkeit der arbeitenden Hand, das Spannungsgesühl läßt nach, das Aussehen ist weich und zart. Wenige Tropfen Zitrone dienen gleichfalls zur Pflege der Hand, weil sie die Haut geschmeidig machen. Eine harte Arbeitshand ist ein Beweis von Fleiß. Die undankbaren Menschen aber, die eigentlich dem Fleiß einen so hohen Wertmesser gegeben haben, mögen seine wahrnehmbaren Beweise dennoch nicht gern, tim die harten und verfärbten Stellen an der Innenfläche zu vertreiben, reibe man mit der geballten Rechten den Handteller der Linken, reibe man mit der Linken den der Rechten, tinterstüht wird die Wirkung dieser Massage gleichfalls durch Fettcreme, und eine Einreibung mit Kölnischwasser gibt der Haut einen zarten, angenehmen Duft. Vielfach ist ein Feldzug gegen den Nagellack geführt worden. Die Mode war stärker als alle Argumente, die dagegen sprachen. Es hat sich auch herausgestellt, daß ein guter Lack den Nägeln durchaus nicht nachteilig ist, daß er ebenso wie Polierstein und Polierer das schöne Aussehen und die Haltbarkeit der Nägelsubstanz erhöht. Alles muß mit Maß gehandhabt werden: Dägel sollen glänzen, aber nicht aussehen, als wären sie in Butter getaucht. Dägel sollen auch nicht stumpf sein. Bei festlichen Anlässen, bei einem großen Diner, einem Ball, darf der Dagel mehr brillieren als an einem Alltag. Der Geschmack und die Kultur der Trägerin werden chr das richtige Maß vor- schreiben. Eine Massage der Finger läßt ihre Form schon bleiben oder schön werden. Von der Spitze angefangen Qcfjt die Massage, die mit Daumen und Zeigefinger der einen Hand ausgeführt wird, herunter zur Wurzel. Im Laufe der Zeit bekommen dann auch die Nägel «ine gewölbtere, mithin eine bessere Form. Wirtschaft. Oie gegenwärtige Wirtschaftslage. In dem Monatsbericht der Dresdner Bank für November werden u. a. die nachstehenden Ausführungen über die Wirtschaftslage gemacht: Die Preisbildung vollzieht sich in Deutschland zu einem erheblichen Teil nicht im freien Spiel der Kräfte, sondern die Höhe der Preife wird wesentlich durch mehr oder weniger zwangs- mätzige Festsetzungen, die zum Teil auf dem Gebiete der Lohn- und Sozialpolitik l egrn, mitbestimmt. Auch wenn durch Schiedssprüche eine Beilegung der Streitigkeiten erfo'gt. bleibt jedesmal als Ergebnis eine neue Belastung für die betroffenen Industr «zweig«, was für die Gesamtwirtschaft besond.rs verhängnisvoll zu werden droht, soweit es sich, wie bei der Ei'en- industrie, dabei um Schlüs elindustr en handelt. Die dann in der Regel sich ergebenden Preiserhöhungen las en sich mit der je^igen Konjunk'ur- phase, die durch allmähliche Senkung des Zins- und Preisniveaus die Grundlage für einen neuen Aufschwung schaffen soll, schlechterdings nicht vereinen. Aber noch eine andrrr ernste Seite hat diese Handhabung der Lohnpolitik. D ie Rentabilität der tint.rnehmungen erhält eine immer ungewis'ere Grundlage, auch wenn es teilweise gelingt, durch erhöhte P eise die Stcizerunq der Kosten wettzumachen. Die Kapi albi d nq, deren stärkste Trägerin die produktive Wi tschaft ist, leidet um so mehr, als bei den tinternehmungen vielfach weder die erforderlichen Rückstellungen gemacht werden können, noch eine genügende Verzinsung des Anla^etapi als geboten werden kann. Daß, wie es beim niedrcschle ischen Steinkohlenbergbau der Fall war, lediglich durch öffentliche Hilfe die Exiftenzmöglichkcit der Werke ausreHterhalten wird, fü^rt sch ießlich zu einer allgemeinen Erstarrung des Wirtschaftslebens. die jede Initiative der tintern hmer lahmen und ersticken muß. Ferner kann vrn einen derartig hohenZins- Niveau, wie es zur Zeit nocy in Deutschland besteht, unmöglich ein Aufschwung aus ehen, und die Hohe der Zinssätze läßt darauf schlie'jen, daß der Tiefstand der Konjunktur noch nicht erreicht ist. Das Mißverhä'tnis -Wischer Kapitalbedarf und Krpitalbi düng ist andauernd so groß, daß diese selbst bei einem einge'chränit.m Pro- dukticnsstand. wir gegenwärtig, nicht annähernd den Ansprüchen genügt. Die Kapitaleinfuhr der letzten Wochen in Form von Gold hat im Oktober infolge der inzwischen cingetret nm Markabschwächrng nach- gelas en. Die'e Markabschwächunq läßt sich nur so erklärm. daß zum Oktobrrtermin größere Zins- und Kapital-Rückzahl'.M'en an das Ausland zu leisten waren und daß dec Repara'.ions- agent größere Devisenkäufe vor^enommen hat. Diese timstände brwi ken eine Labilität der Lage, die als Dauerzustand für die deutsche Wirtschaft untragbar ist. tinter diesen timstänken kommt an der Börse trotz der Aussichten, daß die Konjunkturlage mit Nachlas'en der Sai onbean pruchung des Geldmarktes auch im Sinne einer Erholung der Kurse wirken dürfte, in dem unentschiedenen 5)in und Her der Bewegung, in den Ansätzen zu einer Erholung und den wieder folgenden Rückschlägen die Skepsis zum Ausdruck, mit de' man die star'e Abhän'i'keit d r Wir shaft von dei internationalen Geldoerhä'tnis en, sowie dir in Gang befindlichen Lohnkämp e in ihrer Rückwirkung auf die Konjunkturentwicklung betrachtet. • • Deutsche Gold- und Silberscheide- anstalt Dorrn. Roeßler, Frankfurt a. Main. Die gestrige außerordentl'chr Genrral- versammlung genehmigte einstimmig die von der Verwaltung vorgefchlagene Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft von nom. 23 Mill. Mk. un 6,6 Mill. Mk. auf nom. 29,6 Mill. Mk. Die neuen Aktien mit Dividendenbercchtigung ab 1. Oktober 1928 werden einem Konsortium unter Führung der Darmstädter und Nationalbank, Filiale Frankfurt a. M., unter Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechts der Aktionäre zu 148 Proz. überlassen mit der Verpflichtung, hiervon 5,6 Mill. Mk. den alten Aktionären zu 150 Proz. im Verhältnis 4:1 anzubieten. Die restlichen 1 Mill, neuer Stammaktien werden von dem Konsortium zur Verfügung der Verwaltung gehalten. Sie sollen bei passender Gelegenheit verwertet werden. Wie mitgeteilt wurde, hat die Gesellschaft ein umfangreicheres Auslandgeschäft in Aus icht, zu dessen Finanzierung der Erlös für diese 1 Mill. Mk. Vorratsaktien abzüglich 2 Proz. für das Konsortium verwandt werden soll. 3m übrigen wurde die Kapitalerhöhung mit dem erweiterten timfang des Geschäftes, besonders in Chemikalien, mit den im Zusammenhang damit stehenden Aus- und Erweiterungsbauten, sowie der Hand in Hand damit gehenden finanziellen Anspannung begründet. So betragen die Bankschulden augenblicklich etwa 9 Mill. Mk. Eine Erleichterung der finanziellen Lage durch Freigabe des Amerikaguthabens sei vorläufig noch nicht zu erwarten, tieber die Ansprüche der Gesellschaft an das Reich wegen des Verlustes der in Hoboken bei Antwerpen belegenen Anlagen der Gesellschaft lasse sich ebenfalls nichts Positives sagen, besonders hinsichtlich der Höhe einer etwaigen Entschädigung. Die Beteiligung der Scheideanstalt an der Holzverkohlungsindustrie sei eher noch etwas niedriger, als vor dem Kriege. Es könne immerhin als «in gutes Zeichen für die Gesellschaft betrachtet werden, daß sie jetzt erst, lange nach der Goldumstellung, im Gegensatz Hu den meisten anderen Gesellschaften eine Erhöhung des Kapitals beantrage. * Kali-Industrie A. - G. In der gestrigen Sitzung des Aufsichtsraies der Kali-Industrie A.-G. Berlin erklärte der Vorsitzende des Aussichtsrates zu der bekannten Transaktion Win- tershall-Burbach, daß das Geschäft noch In der Durchführung begrif en sei. Mit Rücksicht hierauf könne er in dem jetzigen Zeitpunkt ins einzelne gehende Angaben nicht machen. Er wolle aber die grundsätzliche Erklärung abgeben, daß die Interessen der Kali-Industri« A.-G. bei dieser Transaklion in jeder Beziehung gewahrt seien. In der weiteren Besprechung wurden laufende Angelegenhei'en behandelt. Die Verwaltung war in der Lage, befriedigende Mittellungen über den Betrieb des Stickstoffwerkes in Rauxel zu machen. ' Kloeckner-Werke A. G. In t>:r gestrigen Sitzung des Aufsichtsrates der K oeckner- Werke A.G. wurde dec Abschluß für das am 30. Iuni beendete Geschäftsjahr 1927/28 vorgelegt. | Nach Verrechnung frrr allge.ncinen tin'vsten und Zinsen ergibt sich einschl eßlich des Vortrages auf 1926/27 mit 635 769 Wk. ein Betriebsüber- schuh von 34 162 445 (33 517 066) Mk. Nach Abzug der Steuern mit 8 017 023 (t 238 123) Mk., der sozialen Lasten mit 7 910 393 (7 593 3.0) 2Ht. der Obligationenzinsen mit 3 432 363 (3 383 406) Mark, sowie nach Abschr.il'unaen von 8 345 126 (8019 730) Wk. bleibt ein Reingewinn von 6 457 535 (7 232 129) Mk. Der auf den 8. Dezember einberufenen G.-V. soll die Verteilung einer Dividende von 6 Proz. vorgeschla-en werden Rach Abzug der Vergütung für den Aufsichtsrat blcibCTi dann noch 463 402 Mk. zum Vortrag auf neue Rechnung. Von den im vergangenen Iahre ausgegebenen 20 Mill. Mark neuen Aktien nehmen 15 Mill. Mark zur Hälfte an der Dividende teil. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 31. Okt. Tendenz: unsicher. — Die Tatsache, daß die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium über den Ruhrjchiedsspruch ergebnislos abgebrochen worden sind, trug eine merkliche Unsicherheit in den heutigen Börsenverkehr. Man will nun die Entscheidung des Reichsarbeitsministers abwarten. Das Geschäft war infolgedessen wieder sehr ft i l L Verstimmend wirkte auch der auf Glattstellungen schwache Schluß der gestrigen Neuyorker Börse. Von einer Anteilnahme außenstehender Kreise am Geschäft war nach wie vor kaum etwas zu spuren. Die Spekulation bekundete Abgabeneigung, so daß bei uneinheitlicher Kursentwicklung überwiegend Abschwächungen eintraten. Das Angebot war im allgemeinen nicht groß, die Aufnahmefähigkeit des Marktes aber andererseits wieder gering. Dor allem am Chemiemarkt wurden Abgaben oorgenommen. J.-G.-Farben eröffneten 2,13 v. $)., Scheideanstalt 4,5 v. S). schwächer. Auch am Elektromarkt herrschte auf Glattstellungen der Spekulation Abgabeneigung. AEG., Bergmann, Licht und Kraft, Schuckert, Ges- fürel, und Siemens verloren 1 bis 2,5 o. S). Sch'sif- fahrtswerte lagen 1 bis 2 o. H. gedrückt. Aschaffenburger Zellstoff minus 2 v. H. Montanwerke waren vernachlässigt. Gelsenkirchen minus 1 v. H. Mans- felber dagegen 1 v. H. fester. Einiges Intereste bestand für die Reichsbankanteile, die 3 v. S). gewannen. Von den Kaliaktien konnten Salzdetfurth 2,5 v. H. anziehen. Leicht erhöht waren ferner die Autowerte. Deutsche Anleihen gaben leicht nach. Arn Auslandrentenmarkt waren Türken weiter beachtet, Zolltürken aber auf Realisationen gedrückt. Im Verlaufe konnte sich die Tendenz nicht bessern. Bei unverändert stillem Geschäft bröckelten die Kurse meist weiter etwas ab. Zum heutigen Ultimo, der im übrigen, wie erwartet, keine Schwierigkeiten bereitete, war der Geldmarkt stärker angespannt. Tägliches Geld 7,5 o. H. Devisen waren wenig verändert. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1981, gegen Pfund 20,359, London gegen Kabel 4,8490, gegen Paris 124,15, gegen Mailand 92,60, gegen Madrid 31,08, gegen Holland 12,0925. Berliner Börse. Berlin, 31. Okt. Schon im heutigen Vormittagsverkehr konnte man eine starke Zurückhaltung bei den Banken beobachten, und diese Tendenz übertrug sich auch auf den Börsenverkehr. Der Abbruch der Cchiedsspruchverhandlungen im Arbeitsministerium machte doch einen größeren Eindruck, als es gestern den Anschein hatte. Jedenfalls wartete man die Entscheidung, die der Reichsarbeits- mlniftcr heute treffen will, ab. Da auch von Auslandbörsen schwache Meldungen vorliegen sollten, schritt die Börse wieder zu Rückkäufen, und es ergaben sich, abgesehen von einigen favorisierten Werten, meist kleineKursrückgänge. Es verstimmten neben anderen Betrachtungen der überraschende Dividendenrückgang bei den Chemischen Werken Charlottenburg, während die Bilanz und die Dividendenreduktion bei Klöckner von der Börse schon vorweggenommen waren. Auch die Ergebnisie der gestrigen Aufsichtsratssihung der Kaliindustrie konnten wenig befriedigen, da die Börse ausführlichere Mitteilungen erwartet hatte. In Reichsbank beobachtete man Käufe von guter Seite: man sprach von Auslandorders, und der Kurs konnte um über 3 v. H. anziehen, da man infolge gebesserten Geschäftsganges mit einer Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen rechnet. Auch Elektrowerte hatten größeres Geschäft aufzuweisen und konnten sich zum Teil bis 1 v. H. befestigen. Schwach lagen Bauwerte, wie Schlesische Zement und Holzmann. Deutsche Linoleum, Polyphon, Kunstseidenwerte und Kaliwerke verloren schon bei kleinem Angebot 2 bis 7 v. H. Sehr schwach lagen Svenska bei einem Verlust von zirka 10 Mark auf schwaches London. Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche. Ausländer bis auf Anatolier überwiegend etwas fester. Der Geldmarkt war für den Ultimo relativ leicht, wenn auch der Satz für Geld über Ultimo von 8 bis 9,5 v. H. ziemlich hoch ift Der Pfandbriefmarkt war übereinstimmend mit der übrigen Börse sehr still. Goldwerte lagen etwas schwächer. Auch im Verlaufe blieb das Geschäft still, und es ergaben sich an fast allen Märkten Kursrückgänge von 1 bis 2 v.H. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M.. 31.Oft 3m Zusammenhang mit den schwächerm Auslandno' ierungen war die Haltung am hiesigen Produktenmarkt abgeschwächt. Das Auslandangebo' in Roggen und Weizen hat sich weiter verstärkt, so daß die Käuferschaft größere Zurückhaltung 5‘fun- bet«. Bei minimalen Umsätzen gaben die Weizen- und Roggenpreise weiter etwas nach. Stärker angeboten war ferner Sommergerste, die 0,50 Mark schwächer notierte. Im Einklang mit den schwächeren Drotgetr:idepr:ifen lagen auch Weizen- und Roggrnmehl etwas niedriger. Der Futtermittelmarlt blieb we'ckn: vernachlässigt ber nachgebenden Kleic preisen. Es wurden notiert: Weizen 23,65 bis 23,75; Ro gm 22,50 bis 22.60; Sommergerste für Drauzweck- 24,50 bis 25; tnL Hafer 23,25 bis 23,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,73 bis 22; Weizenm.hl, süddeutsches Spezial 0, 33.75 bis 34,50; Roggenqrehl 30 big 30,50; Weizenkleie 13,75; RoggerÄeie 14,25 Mark. Tendenz: abgeschwächt. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 26. Okt. Arbeitslose erheben nicht selten Ansprüche auf Gewährung von tinter- stühungen, die ihnen nicht zustehen. Es geschieht dies tcils aus Unkenntnis, teils aber auch in betrügerischer Absicht. Ein Fall der letztgedachten Art stand heute wieder zur Verhandlung. Rach dem Reichsgeseh vom 16. 7. 27 erhält ein Arbeitsloser nur dann tinterstühung, wenn er bn dem letzten Iahre während 26 Wochen in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung stand. Der heutige, arbeitslos gewesene Angeklagte legte damals dem Arbeitsamt eine Bescheinigung seiner Arbeitgeberin vor, inhaltlich deren er bet dieser über 26 Wochen beschäftigt war. Das Formular der Bescheinigung hat er selbst ausgefüllt und von feiner Arbeitgeberin nach Verlesen und Genehmigung unterschreiben lassen. Da auch die übrigen Voraussetzungen xutrafen, gewährte man ihm die gesetzliche Arbeitslofen-tinterstützung, und der diensttuende Beamte des Arbeitsamts hat ganz richtig gehandelt. Der Inhalt der Bescheinigung war aber, wie sich später auf Meldung der Verdacht schöpfenden Arbeitgeberin herauS- stellte, falsch. Tatsächlich war der Angeklagte bei dieser nur wenige Wochen beschäftigt gewesen; für die üKitere-n Wochen hat er sich ihr nur zur Verfügung gestellt, und sie hat ihn be".' der Krankenkasse nicht abgemeldet, gearbeitet hat er nicht mehr. Auch der Durchschnittswochenlohn, auf Grund dessen die Höhe der tinterstützung fest- gestellt wird, war falsch — zu hoch — angegeben. Es erfolgte daraufhin Anzeige wegen Betrugs. Der Angeklagte will auch sein tinrecht eingesehen haben; er zahlte die tinterstützung dem Amte zurück. Wit Rücksicht hieraus und auf andere Umstand« erkannte das Gericht auf Grund deS Geldstrafengesetzes an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe auf eine entsprechende Geldstrafe. Letzte Nachrichten. Noch teine Entscheidung im Eisenkonflikt Berlin, 31. Oft (I. U. Drahlmeldung.) Die Schlichtungsoerhandlungen zwischen den Parteien in der Eisenindustrie bauern noch an. Der Reichsarbeit«- minisler, dem die verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruch» zufallt, berichtet au gen blick- sich im Reichskabinett über die Angelegenheit Wann die Entscheidung fallen wird, läßt sich noch nicht beurteilen. Die Arbeitgeber erklären, an der Aussperrung nach wie vor festzuhalten, da die von den Gewerkschaften gestellten Forderungen untragbar seien. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. £ür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Retchsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin granksurl a. M Berlin* Berlin. 30 Oktober <Äeid Briet Französische Jiokii Holländlschr Noten ..... ßt> lienische Violen ...... Vronvcgische Noten..... Deutsch Dcftrrr .ilOOÄnma Rumänische V7oten ..... Schwevische Roten ...... Schwei,er Roren ...... Spanische Viotcn....... Tschechoilowaktsche Noten . . Ungarische Noten DeoifenmarFt Berlin Telegraphische 16,36 167,86 21,92 111,58 58.81 2,535 111.85 80.48 67.30 12.385 72.85 -Frankfurt Auszahl CT 168,54 22,00 112.02 69,05 2.555 112,29 80.80 67.58 12,445 73.15 a. M. ung. Lchlutz- fltir» 1-Uhr- Kur» Sch uh Kur» 21 n lang Kur» Schiutz-s 1-Uhr- flurs Kur» Sch «13 Kurs Ansang Kur-, Schiuh>I Kurs 1-Uhr- K»r, Sch uh I tinlang Kars Sur» Datum 30 10. 31. 10 30 10. 31 10. Damm: | 30 10 | 31 10. | 30. 10. 31 10. Datum: 30. 10. 31. 10 30. 10. | 31. III. 1% tt. erltfcfanltlte d 19Z7 Dl. AnI-Ablöl.-GLuId wil LuS- loi.-8ted)icn ohne Auslol.-Siechte . . 7% Fran« Hyv.-Bi (Bolbtf. uw tünobai bis 1982 4H% iHbrtnW Hyp.-Banl Lian.. Soldos e.C.e aba eortrtege-CMiflatton.. rückzahlbar 1933 <% Lchwry äunttSb.-tiiU.. 4% OtflerrridjtW Boldrte.. . . 4,20% Letten Silberne..... 4% CrfUndd) ein Hel U 9tte . 4% Ungarische Soldrie. - - 4% Ungurtidif SlaalSr o. 1*10 4y,% Mtfll von 1913 . . . 4% Ungarische pronenrie.. - 4% Türk. Hollanleibf v 1911 . 4% Türkische Bogdodbahn-Anl., Serie 1 4% drsgl. Serie II 4% iKumänrn conoeri öNr. Rumänen Doldonl von 1913 UUg Deurich« tftirn'xchn Hamburg.timeriko Salti . . . 6 tzamv -Südain Domo sich. . . 8 Hansa Dampfschiil • • 10 Norddeutscher Ulopt ... 8 Ollfl Deutsche tfreditanll. . . 10 varmer Bankverein . 10 Berliner HanoetegelrUsch. . 12 Lommer». unv Privai-Baul 11 Darms! u NationaNxmk 12 Deursche Bank 10 Dttkonw-Selelllchasi tot. . 10 Dresdner Bank . . . l( VMieweulschi LredUdanl ... 9 RtiallbanC ........< Äd*46ael .......U 1 1 Scr I t O- O 1 1 CR 1 cne« 1 o 1 58 1 8 1 äo 1 S 1 *to 8 2>oc t» c 5 5j * g £ । । £ i iiet i 5. £i iiii si t i i i i 11 i i i fe« । 87,5 50,9 14.65 32,3 26,7 12,9 12,75 12,7 23,5 149.25 182,5 146.5 1-5.5 141.25 486 1X5.25 294.25 iu7.5 1-2.75 109 M.5 135,5 301.25 »s'es।»। i i «s s i i 11 i i i i • » । i .......8 Bergmann ........ S tflektt. Lieserunge«..... 10 Lichl und Kraft ..... 10 Ses. f. tflettr. Untern^ ... 10 Hamb, tftetti. Werte .... 10 «hetn ...............9 Schief. 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Anzeige degw Betrugs, ch fein älnrecht eingeschrn tkiteiftü^mg btm Lmtr wctuf uni auf entert ®et:d)t auf Grund te :el(e einer an sich ver ®x\ erxie emi^tt^enbt EL UM der Coj, s.^den W SSL ^ngebv' ^^atä ?^stirv u 3x9en rler die Dej. Wt 3m di? * s öhg» Lusza^V- Iahrestagung des Verbandes hessischer Schulgeographen. = Bad-Nauheim. 7 - Oktober. Der Der- band hessische: Schulgeographen, dem Lehrer aller Schulgattungen angehoren. hielt gestern und heute unter dem Vorsitz von Studienrat Dr. Änieriem hier seine diesjährige Jahrestagung ab, die aus allen drei Provinzen gut be- schickt war. Dem Geschäftsbericht des 1. Vorsitzenden und dem Kassenbericht Pros. Herberts (Worms) war zu entnehmen, daß der Verband zur Zeit 116 Mitglieder zählt und daß er sein Verhältnis zum Verband südwestdeutscher Schulgcographcn als ge- löst betrachtet. Innerhalb des großen Verbandes deutscher Schulgeographcn nimmt b": hessische Landesgruppe eine geachtete Stellung ein. Die Neuwahl des Vorstandes halte das folgende einstimmige Ergebnis: Es bleiben in der Verbandsleitung Studienrat Dr. K n i e r i e m als Vorsitzender, ferner Kreis- fchulrat Dieterich (Darmstadt), Professor Her- b e r t (Worms). Lehrer Ostwald (Vad • Nauheim), Rektor Dr. Rein (Wieseck), Studienrat Weih (Worms)-, durch Neuwahl kommen hinzu: Diplom-Handelslehrer Barthel (Bad-Nauheim) und Studienrat S t e l l w a g e n (Darmstadt). Zu regen Aussprachen führten die Berichte, die Studienrat Weih (Worms) über die Tätigkeit des Ausschusses für Wanderungen und Studienfahrten und Studienrat Dr. K n i e r i e m über den Stand der Lehrplanfrage erstatteten. Studienrat Weiß wurde beauftragt, für das kommende Jahr wieder eine dreitägige Lehrwanderung, möglichst nach Rheinhessen, vorzubereiten und dabei in erster Linie die praktische Erdkunde zu berüksichtigen In der Lehrplanfrage herrschte darin völlige Einmütigkeit, daß einmal zwischen höherer Schule und Hochschule, dann aber auch zwischen Grundschule und höherer Schule ein Zusammenarbeiten drin- gend notwendig ist. Zu den Karlsruher Thesen der Hochschullehrer der Geographie wurde kritisch Stellung genommen. Die Anpassung des Grundschullehrplans an den der Sexta und des Dolksschullehr- >lans an den der Fortbildungsschule soll ein be» anderer Ausschuß gemeinsam mit dem Kultusmini- terium beraten. Diesem Ausschuß gehören außer »en „Vätern" der für die einzelnen Schulgattungen vorliegenden Lehrplanentwürfe noch Vertreter der einzelnen Schulgattungen an. Einstimmig angenommen wurden zwei Entschließungen, von denen die eine die Aufstel- lunfl von Normalverzeichnifsen von Lehrmitteln für die einzelnen Schularten fordert, während die andere für eine noch stärkere Betonung des Freilustunterrichts eintritt und die Einführung des obligatorischen monatlichen Schulspaziergangs (Unterrichtsgangs) wie für di höheren Schulen auch für die Volksschulen für dringend notwendig hält. Angeregt wurde noch, daß sich auch der Geograph mehr als bisher der Naturschutzbestrebungen an- nehme und bei Feldbereinigungen und anderen Kulturmahnahmen der Erhaltung typischer Land- fchaftsbilder anstrebe. Die Tagung wurde mit einer Besichtigung der technischen Betriebe des Bades geschlossen. Die Darmstädter Aaturschutz Ausstellung. WSN. D a r m ft a b t, 29. Oft Auf der Naturschutz-Ausstellung wird der Offenbacher Verein für Naturkunde mit einer Sonder- abt.i'ung über das cin'ige hessische g öftere Schutzgebiet, den Heng st er, vertreten fci.ru Ferner wird Lehrer O ft w a l d - Bad-Nauheim von dem die erste Anregung zur Ausstellung auSgegangen ist, eine inlerelsante Ausstellung über die oberhessischen Salzpflanzen, die ein einig- artiges Naturdenlmal darstel'en, zeigen. D.e Eigenart der hes isa'.e.r Pslan'en- und Ti.rwe t wird durch eine Anzahl prächtiger Naturaufnahmen erläutert werden, die von verschiedenen Forschern (Lehrer Kellerbach-Darmstadt, Proses.or Mannheimer und Seitz-Mainz, Dr. Heil« Darmstadt, Dr. Evelbau m-Wies- baden) in jahrelanger, mühevoller Arbeit zu- fammengetragen wurden. Die intimen Reize der hesischen Landschaft haben de Amat u pho.v' graphen ton jeher gereizt. Die Ausstellung wird mancherlei Proben i ;rer K mst darb'.et n, und manchem Besucher werden die Augen dafür geöffnet werden, welche Fü'le von Schönhüten z. B. die Rhnae'ene auszuwnfen hat. Die Ausste'lung wird am 10. November im Kupferstich-Ko', i e t des Hesfischen Landesmuseums eröffnet werden. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar. 30. Oft Der 27 Jahre alte Schlossermeister Mengersen von hier war auf den Kaliwerken Gewerkschaft Raab mit Schweiß- arbeiten mittels einer Azetylenanlage beschäftigt. Aus ungeklärter Ursache zersprang die Schweißflasche, und ein abspringendes Teil zerschmetterte Mengersen den Schädel, so daß er bald darauf starb. ± Oberkleen, 23. Oft. Unsere Gemeindevertretung hat die Anschaffung einer neuen Turmuhr beschlossen. Die Lieferung ist der Turmuhrfabrik Weul« in Bockenem a. Harz übertragen worden. Große Strafkammer Gießen. • Gießen, 30. OEt. Ein Schneider aus Frankfurt hatte das Akzept eines Wechsels gefälscht und deshalb vom Dezirks- fchöffengericht Gieften eine GefängniZstrgfe von einer Woche erhalten. Die Strafe war darum so mild ausgefallen, weil der Angeklagte den Betrag gedeckt hatte. Auf seine Berufung hin, er beteuerte seine Unschuld, erhöhte die Strafkammer die Strafe auf zwei Wochen Gefängnis. Ebenfalls eine Straferhöhung erhielt ebn Schlosser aus Hatzfeld, der wegen Einbruchsdiebstahls und Betrugs vom Bezirks» schöffengericht Gießen zu einer Gefamtgesängnis- strase von vier Monaten und zwei Wochen verurteilt worden war. Die Strafkammer änderte auf Antrag der Staatsanwalt ch ist die Strafe des erstinftanzlichen Urteils in eine solche von sechs Monaten und einer Woche Gesang- n i S um. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) D. Schä. (Ba. 1. Wegen der Kündigungsfristen für Handlungsgehilfen verweisen wir auf die Pa ragrapben 66 ff. des Landesgesetzbuchs. 2. Nach Paragraph 70 kann fristlos gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Das Gesetz zählt solche Gründe nicht auf. Ein wichtiger Grund liegt vor, „wenn nach Lage der Umstände dem einen Teil nicht zugemutet werden kann, den Vertrag wider feinen Willen fortzujetzen." Die wirtschaft- liche Gefahr des Betriebes hat der Prinzipal zu tragen. Ein wichtiger Grund ist Tat- und nicht Rechtsfrage. Maßgebend sind auch hier Grundsätze von Treu und Glauben. 3- f). Nach Ihrer Schilderung hat Ihre Schwägerin, da die Annahme ihrer Dienste trotz Abschluß des Dienstvertrages grundlos verweigert worden ist, Atss-ruch auf Lohnzahlung und eventuellen weiteren Schadensersatz wegen etwaiger u n verschuldeter Stellenlosigkeit. Kommt eine gütliche Einigung nicht zustande, so muß sich Ihre Schwägerin an das hie- fige Arbeitsgericht wenden. Nundfunkprogramm. Donnerstag. 1. November. 6.30 Uhr: Morgengymnastck. — 13 bis 14: Don Stuttgart: Mittagslonzert. — 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. — 15.55 bis 16.05: Haus- srauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. — 16.35 bis 18.05: Nach S:uttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. — 18.10 bis 18.30: Lesest unde. — 18.30 bis 19: Von Kassel: Vortrag. — 19 bis 19.30: Stenographi cher FottbildungslursuS für Anfänger und Fortgeschrittene. — 20: Dom großen Saal des Saalbaues: Konzert der Frankfurter Sing-Akademie. Freitag, 2. November. 6.30 älhr: Morgengymnastck. — 13 bis 14: Schallplatten-Konzert: „Volkstümliches". — 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. — 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. — 16.35 bis 17*35: Hausfrauen-Nachmittag, veranstaltet vom Franffurter Hausfrauenverein. — 17.35 bis 18.05: Don Stuttgart: Konzert. — 18.10 bis 18.30: Lesestunde. — 18.30 bis 19: Stunde des Südwestdeutschen Radiollubs. — 19 bis 19.30: Esperanto-älnterricht. — 19.30 bis 19.50: Zwanzig Minuten Fortschritt in Wissenschaft und Technik. — 20: Von der Stuttgarter Liederhalle: Sinfonie-Konzert. Samstag, 3. November. 6.30 Uhr: Morgengymnastck. — 12.45 bis 13.15. Schulfunk: Musik, vorgetragen von Gesanglehrer Ferdinand Hofmann: „Die Natur als Dorbild in der Musik: Nachtigalleisschlag und plätschernder Dach in Bildern und Tcmstücken". — 13.45 bis 14.15: Nach Stuttgart: Mittagskonzert des Rundfunkorchesters. — 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. — 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst, unter Leitung von Fini Pfannes. — 16.35 bis 18.05: Von Etuttg.: Konz. d. Rundsunlvrch. —1810 bis 18.30: Lesestunde. — 18.30 bis 18.45: Don Kolonialwaren Letnunaötähtge Großhandlung sucbt iür Hessen / Oberhessen durchaus brauche! ndigen tüchtigen Reisenden nefenten AlierS. mit langjähriger ötetfeerfQbrunfl für einge- sühne Touren. 'Nur bestemv- iohlene Herren werden gebeten, sich unter Beniigung von Zeug- mS-Abschrtllen und Angabe von Gehattsansorüchen unter F. S. H. 281 durch Rudolf Bosse. Frankfurt a. M.» zu melden. v“°V Kaffel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für Frau und Kind. — 18.45 bis 19.15: Briefkasten. — 19.15 bis 19.45: Schachstunde. — 19.45 bis 20.15: Stunde des Frankfurter Bundes für Do.ksbcke düng: „Der Himmel im November: Die partiell« Sonnenfinsternis am 12-Novemb«", Vortrag von Prof. S.ttig. — 20.15: „Zwei glückliche Tage". Schwank in drei Akten, von Blumenthal und Kadelburg. — Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 31. Oktober. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 1. November. Allerheiligenfest. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte, 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 4.30: Beichte; 5: Andacht mit Segen; 530: Predigt; darauf Andacht für die Abgestorbenen; 7: Beichte. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Cid). 10: Hochamt mit Predigt. Freitag, den 2. November. Allerseelen. Gießen. 6 Uhr: hl. Messe , 6.30: Beichte und hl. Messe; 7, 7.30: hl. Messe; 8: Seelenamt für alle Verstorbenen der Pjarrei; abends 8: Andacht mit Segen. — Hungen. 8.30: Allerseelenamt. — Cid). 7: Allerseelenmefse. Für Stadt und Land! Alle Artikel für Kinder-, Damen- und Herrenbekleidung Tischwäsche, Decken, Bettwäsche, Kolter, Gardinen usw. liefert in großer Auswahl wirklich sehr preiswert 9421A Carl Horn,Giefeen,Marktstrafee 28 das solide Einkaufshaus für Jedermann Das größte Vermögen für jeder11 ann ist Gesundheit, Schaffenskraft und Wohlbehagen Durch den Gebrauch von Ferromanganin können Körper und Nerven gekräftigt und widerstände fähiger werden. In vielen Fällen ist es möglich, den Zustand des Blutes aufzufrlsehen und zu verbessern. I urch das altbewährte ärztlich empfohlene Ferromanganin wird der Appetit angeregt und besseres Aussehen und Wohlbehagen kann herboigelührt werden. Sehr angenehm von Geschmack und leicht verdaulich. Originalfiasche Hk. 3.35 in Apotheken und Drogerien. (8705V Ferromanganin-Gesellschaft Frankfurt a. M. Fimons Brot. 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Studentenkarten RM. 1.50 nur im Vorverkauf bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweis. Abonnements für alle 10 Konzerte Vortrags -Vereinigung (Goethe-Bond / Hanfm. Verein / Ortsgewerheverein) Donnerstag, den 1. November, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Experimental Vortrag von Physiker Wilhelm Pauck aus Berlin Die Musik im Lichte der modernen physikalischen Forschung (Rätsel des musikalischen Klanges) Mitglieder der 3 zusammengeschlossenen Vereine haben bis zu 2 Plätzen freien Eintritt gegen Vorzeigen des Kontrollabschnittes Nr. 2. — Nichtmitglieder Karten zu Mk. 2.— an der Abendkasse. Studentenkarten zu Mk. 1.— gegen Ausweis bei Herrn Sekretär Ritter, Univ.-Gebäude. 8M8D Darum säumen Sie nickt, sdion jetzt Ihren Bedarf in warmen Stricksacken und Wollgarnen einzudecken. Unübertreffliches in Qualität, Auswahl und niedrigsten Preisen bietet Ihnen * Else Dittmar SpezialwoBgesdiäft GIESSEN Löwengasse 20 9544A Früchte üenossensclieicher Arbeit! In der Zeit vom 6. bis 30. 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