Nr. 78 Erstes Blatt 178. Jahrgang Samstag, 31. Mürz 1928 Erscheint täglich,archer Sonntag» «nb Feiertag» Beilagen: Gießener Famllienblätter Heimat im Bild Die Scholle MonaU'Bezvgrpretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheineneinzelner Nunnn ern infolge höherer Gemalt. Fernsp rech ans chlüss«: 54, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gtetze«. poftscheckkoMo: Frankfurt am Main 11688. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrnS und Verlag- vrühl'Zche UntoeefilSts-vuch- und Steinöraderei N. Lange in Siegen. Schrtftieitung und Seschäfkftelle: Sdiulftrafje 2. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für R-- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Biegen. Hände weg! Es regt sich was im Odenwald! Gin frisches Frühjahrslüsterl' weht schon recht stürmisch durch den Wallotbau, die berühmten »Wahlschatten" schreiten gespenstisch durch Die Couloirs des Parlaments. Der Deutsche Reichstag, der dritte der Republik rüstet sich, in Schönheit zu sterben. Wochen intensiver, fachlicher Arbeit liegen hinter ihm, aber nun, wo es dem Ende zugeht, wittern die Dolkstribunen Morgenluft. Da werden kurz vor Loresschi uh noch einmal alle Fenster weit aufgestoßen, die Rednertribüne des Reichstags wird zur Rostra, der Sitzungssaal zum Wahllokal und garstig und schrill werden die ersten Wahlreden tnS Land hinauSgeschmettert, daß eS sich rüste zur Schlacht, die nach dem Osterfest über das Aussehen des neuen Reichstags. der neuen Regierung entscheiden soll. Zwar etwas blechern tönen die Fanfaren denen ins Ohr, die in erregten Zeiten gewohnt sind, doppelt aufzuhvrchen. Die Berliner Herren nehmen es nicht immer so genau, wenn sie ins Streiten kommen, und nun gar im beginnenden Wahlkampf! Aber draußen im Lande pflegt man ein feineres Ohr zu haben für falsche Töne, und ein besseres Gedächtnis für die lauten Proklamationen und feierlichen Eide, die ihre Urheber später nicht schnell genug vergessen lassen möchten, wenn sie erst wieder in der Reichshauptstadt vor der zwingenden Forderung stehen, praktische Politik zu machen. Also lieber etwas weniger Phrase, meine Herren, nicht so schnell heraus mit den Versprechungen, von denen Sie genau wissen, daß Sie sie ebensowenig halten können, wie ihre Gegner: etwas Bedacht, bevor Sie in der Hitze des Gefechts die Hand zum Schwur reden, wenn Sie nun in den kommenden Wochen von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf zichen, um uns politischen Hinterwäldlern das einzig wahre Evangelium zu predigen. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen", das Bibelwort möge mahnend und warnend über jedem Rednerpult dieses Wahlkampfes hängen, dann bleibt viel leeres Stroh ungedroschen, manch hohle Phrase ungesagt und manch böser Zwist unbegonnen. Zum Ruhen der Wähler, die schlieh- lidj auch nicht so dumm sind, nicht zu wissen, daß überall mit Wasser gekocht wird, zu noch größerem Ruhen der Gewählten, denen es pem- ließe Erinnerungen erspart, wenn sie auch im erbittertsten Wahlkampf das Panier des politt- schen Anstandes, der Wahrheit und Sachlichkeit hvchgehalten haben. Warum wir diese Gebrauchsanweisung heute schon geben, hören wir überraschte Leser fragen. Run, wir möchten mit unserer Kapuzinerpredigt nicht zu spat kommen, und nach den ersten Wahlreden im Reichstag scheint uns Eile geboten. Wir sind doch schon wieder drauf und dran, die Außenpolitik zum Gegenstand erregter Auseinandersetzungen zu machen und »Hie für, hie gegen Locarno" zum Feldgeschrei im Wahl- kämpf zu erheben. Die Quittung für dieses törichte Unterfangen wird uns ruch diesmal von der Gegenseite zu gegebener Zeit prompt präsentiert werden. Das Duell zwischen Stresemann und den Deutschnationalen war nicht gerade ern erhebendes Vorspiel für kommende Dinge. Es ist selbstverständlich, daß bei der letzten Generaldebatte, die im sterbenden Reichstag aus Anlaß der Verabschiedung des Etats abgerollt wird, auch die Außenpolittk »ur Sprache kommt. Es ist selbstverständlich, daß dabei auch ihr Grund- vroblem, das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich erörtert wird, es ist weiter selbstverständlich, daß seine, gerade im Augenblick aktuellste Seite die Frage der Abrüstung zur Debatte gestellt wird, und man sich über das von ganz Deutschland als Fiasko empfundene Ergebnis der Genfer Konferenz ausspricht. Aber nicht selbstverständlich finden wir es allerdings, das et ne arohe nationale Problem zum Anlaß zu nehmen, um in alten Wunden zu wühlen uno auf ein Stadium unserer politischen Entwicklung zurück- zurückzugreifen, das als solches abgeschloften und von den Krittlern von heute vor Iahr und Tag als Grundlage unserer gegenwärtigen Außen- volittk sanktioniert ist. Richt selbstverständlich finden wir es auch, sondern in hohem Maße unangebracht und geradezu gefährlich, wenn nun. in Wiederholung noch in peinlicher ©nnnetung lebender Präzedenzfälle, mit total falscher Front gekämpft wird und Koalitwnsgenossen von gestern auf offener Szene aufeinander los- pauken, die von Rechts wegen nebeneinander gehörten. Wir sind alle darüber einig, daß die deutsche Politik in Genf eine empfindliche Schlappe erlitten hat. Es wäre verhängnisvoll. sich selbst darüber irgendwelchen blauen Dunst vorzumachen. Richts wäre törichter als eine Jllusionspolttck alten Musters. Aber wir sind uns doch auch darüber klar, daß wir zur Zeit nicht die Dor- Hand haben, und daß unser Sprecher in Genf G r a f B e r n st o r s f. den deutschen Standpunkt mit einer Schärfe und Prägnanz vertreten hat, wie man eß schwerlich schärfer und deutlicher hätte wünschen mögen. Das bescheinigt dem Grasen auch ausßrücklich unser geschätzter Mitarbeiter, Professor Otto Hoehsch.. 'n seiner heutigen Umschau", zweifellos der fähigste außenpolitische Kovi der deutschnationalen Reichstagsfraktion, de/als ständiges parlamentarisches Mitglied der deutschen Völkerbundsdelegation auch den gc nügenöen Einblick in die Genfer Derhaltnisse bat obne deshalb sich sein unabhängiges ilr teil' durch allzu rosigen Optimismus wichen zu lassen. Das zwar urwüchsige, aber tm doch ein bißchen primitive Berliner Kraftwori »Die janze Richtung Paßt unS nich , genügt doch Annahme des hessischen Beamtenbesoldungsgesetzes. Tumuliszenen im Landtag. - Oie Anträge zur Not der Landwirtschaft werden gegen die Stimmen der Rechten einem Ausschuß überwiesen. Darmstadt, 30.März. Der hessische Landtag hat am Freitag in einer Gewaltsitzung die Beratungen über die Not der Landwirtschaft beendet und das hessische Beamtende sol- dungsgesetz verabschiedet. Gegen den Wider- pruch des Bauernbundes wurden die zahlreich vorliegenden Anträge einem Sechferausschuß überwiesen, der sich über die Hilfsmaßnahmen äftüfsia werden wird. Bei der Beratung des ®e= amtbeioldungsgesetzes nahmen die Opposittonspar- teicn nochmals eingehend Stellung zu der Vorlage und brachten eingehend ihre Einzelwünsche vor. Dabei kam es zu einem heftigen Zusammen- toß zwischen dem Abg. Dr. Wolf und den Abgeordneten Reiber und Stork, weil ersterer den beiden Abgeordneten vorwarf, sie hätten ihre Stellung im Finanzausschuß dazu benutzt, um für ich besondere Vorteile herauszuschlagen. Es entstand ein großer Tumult, und nach Wiä)erauf- nahme der Sitzung regnete es Ordnungsrufe.^ Die Regierungskoalitton stimmt alsdann alle Abänderungsanträge der Opposition mit der en-bloc-2£n» nähme des Gesetzes in der Ausschußsassung nieder. Damit sind die wichtigsten Fragen, die den hessischen Landtag vor den Osterfeiertagen beschäftigten, erledigt. Wahrscheinlich beginnt am 18. April die Etatsberatung, die man in etwa vier Wochen zum Abschluß zu bringen hofft. Sitzungsbericht. Präsident Delp eröffnet das langsam sich füllende Haus gegen 10,30 Ll.hr. Die Tribünen sind wegen der angekündigten _ Beratung deS DeamtenbesvldungsgesetzeS überfüllt. Präsident Delp teilt mit, daß er beabsichtige, heute noch die Desoldungsvorlage erledigen zu lassen. Zunächst geht die Aussprache über Die Rot der Landwirtschaft. weiter. Abg. Schott (D.D.) erflärt: Durch den Riedergang der Landwirtschaft werde auch die verbundene Industrie kirnt dem Hnndel schwer geschädigt. Der Harchtsehler der Regierung liege darin, daß sie nichts für die Hebung deS Verbrauches an einheimischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen getan habe. Gerade in den letzten Jahren habe die Landwirtschaft unter den Gestehungs- kosten verkaufen müssen. Die gegebenen Kredite der Regierung mühten aber doch zu- rückgezahlt und verzinst werden. Rur langfristige Kredite mit niedrigem Zinsfuß könnten Helsen. Der Zvllfchutz in Deutschland müsse für Industrie und Landwirtschaft gleich fein. Es werde dem deutschen Bauern nie gelingen, so zu produzieren, wie geographisch günstiger liegende Auslandsstaaten. Die gesamte Erzeugung der Landwirtschaft betrage im Zähre 22 Milliarden, die der Industrie nur 16 Milliarden jährlich. Mit dem Rot- prvgramm sei nicht geholfen: das System müsse geändert werden. Der Weg vom Erzeuger zum Verbraucher sei zu lang. Die von der Landwirtschaft gezahlten Löhne seien Tariflöhne. Die Regierung müsse jetzt unbedingt helfen. ®er Staat, der die Landwirtschaft aufgebe, gebe sich selbst auf. 2lbg. Lux (Soz.) läßt die Frage offen, wo bie Bot in den einzelnen Ständen am größten fei. Beim Abschluß von Handelsverträgen müsse das Interesse der Gesamtwirtschaft berücksichtigt werden. Auch der deutschnationaleReichsernährungs- minister könne nur zu einem Handelsvertrag kommen, wenn er die Wünsche des anderen Vertragspartners zum Teil erfülle. Die Landwirtschaft verlange vor allem Verbrauch ihrer Erzeugnisse, kaufe aber auch ausländische Erzeugnisse. Die Lage der Bauernschaft werde aber aus agitatorischen Gründen übertrieben. Das Parlament könne nicht viel helfen: die Landwirtschaft müsse sich aus sich selbst besinnen, zur Selbsthilfe schreiten. Dazu gehöre auch eine andere Stellung im Parlament. Hohe Lohne und Beamtengehälter dienten zur Hebung der Kaufkraft. Warum haben die Landwirtschaftskammern nicht eine Herabsetzung ihrer Abgaben vor genommen? Abg Winkler (Zentr.) führt aus, er habe bereits vor Iahren vor Llebernahme zu großer Kredite gewarnt. Helfen könnten vor allem auch die Versicherungen gegen Mißernten. Hier müsse die Regierung gegen Ausbeutungsversuche der Versicherungsgesellschaften einschreiten. In erster Linie müsse das Reich die Spaniie zwischen Erzeugerpreisen und Konsumpreisen vermindern helfen. Die Vereinsbank Butzbach nehme Zinssätze bis zu 14 und 15 Prozent. In der Bank seien gerade Dauernführer mafege b e n b , bie sonst bas Heft in der Hand haben. Diese Genossenschaftsbank suche andere Institute zu untergraben, die Regierung wird aufgefordert, sich einmal um diese Dinge zu kümmern. Die Regierung wird ersucht, bei der Einbringung der Ernte durch Bereitstellung von Arbeitskräften helfend einzugreifen. Abg. Kindt (Dntl.) lehnt den Antrag des Bauernbundes auf Ablehnung der Beamtenbesoldung ab. Der Ermäßigung der bäuerlichen Grundsteuer um 50 Proz. stimmt er zu. Der ü b e r s e tz t e Zwischenhandel sei schädlich. Er vermißt noch die richtige Erkenntnis von der Bedeutung der Landwirtschaft als Basis des inneren Znduftrieabfatzes. Es gt.je jetzt nl^t um Partttfcagen, sondern um das Leben unseres Volkes. Abg. Dr. Wolf (Volksrechtp.) stellt neben die Not der Souernjdtoft die katastrophale Lage der Jnflationsge,chädigten. Er hebt die Rolle der hohen Zinsen hervor, die jeden Betrieb erdrücken müßten. Solange wir Geld aus dem Ausland zu erdrückenden Zinssätzen borgen müßten, sei eine Besserung nicht zu erwarten. Er betont, daß er und seine Freunde den Bauernbundanträgen teilweise zustimmen. Abg. Dr. Werner (Dntl.) erklärt, in dem Auf- sichtsrai der Butzbacher Vereinsbank säßen auch Mitglieder anderer Parteien. Der Redner wendet sich gegen Ausführungen des Abg. Lux. Mit dem CouLschen Rezept: „Es geht der Landwirtschaft besser und besser" sei nicht zu hellen. Die Kaufkraft weiterer Schichten sei bereits gegenüber der Vorkriegszeit erheblich gestiegen. Der Redner tritt bann für ausreichenden Zollschutz für die Land- wirtschaft ein. Die SOprozentige Grundsteuerermäßigung müße möglich gemacht werden, bis der Landwirt aus dem Ertrag seine Steuern bezahlen könne. Die Sondergebäudesteucr müsse gerechter gehandhabt werden. Er warnt vor einer weiteren Äusgabebewilligung des Landtages auch in der Beamtenbesoldung. Wenn die Republik Unterstützung bei der Bauernschaft finden wolle, so müsse sie auch den Bauern mit ihren parlamentarischen Mitteln helfen. Abg. Eberle (Dem.) warnt die Führer der Bauernschaft vor einer weiteren Radikalisierung der Massen. Er begrüßt den Antrag auf Begrenzung der Pachtpreise und das Wirken der Saat» gutstelle Groß-Umstadt, die bereits jetzt mit ihren Glashauserzeugnissen (Bohnen, Gurken) auf dem Markt erscheine. Die hessische Regierung habe alles mögliche für die Landwirtschaft getan und solle das auch im ganzen Land bekanntmachen. Hessen marschiere mit an der Spitze der Länder in seinen Hilfsmaßnahmen. Oie Rachmittagssihung Llrn Vi4 Ufer eröffnet der Präsident die Sitzung, worauf sofort Finanzminister Dr. Kirnberger erklärt, die Beamtenbefol- dung sei dringend notwendig gewesen. Die unteren Beamtengruppen hätten kaum noch das Existenzminimum. Auch die oberen Beamten, die vielfach in der Inflation ihr Vermögen verloren hätten, kämpften schwer mit ihrer Existenz. Weite Kreise der Beamtenschaft seien verschuldet: nicht durch eigene Schuld, sondern gezwungen durch die besonderen Verhältnisse. Lieber den Beamten liege eine tiefe seelische Depression. Es gebe leider die Erscheinung, dafe einzelne Beamtengruppen gegeneinanderstünden. Die Beamten sollten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Die Vorlage fei im ersten Entwurf bereits fertig gewesen, als er sein Amt angetreten habe. Er trage jedoch die volle Verantwortung für den Entwurf. Ramens des Gesamtministeriums gibt er die Versicherung ab, daßeineErhöhungderLandessteuern nicht beabsichtigt sei. Hessen fei In der gleichen Lage wie die übrigen Länder, die gezwungen seien, Gehaltserhöhungen vorzunehmen, und nicht wüßten, womit sie die neuen Ausgaben decken sollten. Er erhoffe größere Einnahmen aus der Verbesserung deS Verteilungsschlüssels bei der Einkommensteuer, die durch eine Belebung der Wirtschas tsl a.ge noch gesteigert werden könne, weil die durch die neue Vorlage hinausgehenden Gelder rascher in der Wirtschaft zirkulierten. Auch der Finanzausgleich mit dem Reich müßte zufammen mit den übrigen Ländern verbessert werden. Hcsfen habe aufeerbem noch eine große Forderung an das Reich wegen der Liebertragung der ehemals hessischen Eisenbahn. Zur Hebung der Lage trage vor allem auch ein Beamtentum bei, das ohne drückende Sorgen seine ganzen geistigen Kräfte für den Staat einsetzen kann, die andererseits aber auch getragen sein müsse von dem Vertrauen der Gesamtbevölkerung. Der Minister bittet, die Vorlage nicht als ein Instrument an» zusehen, das lediglich Geld koste, sondern als eine Vorlage, die dem Lande diene. Präsident Delp nimmt zwischendurch die A b - ftimmung über die Anträge zur Rot der Landwirtschaft vor. Rach Geschäfts- ordnungsdebatte beschließt das Haus die Einsetzung eines Sechserausschusses zur Prüfung der Verschuldung und Kreditverhältnisse und der Hilfsmaßnahmen. Dem Ausschuß werden auch die vorliegenden Anträge als Material überwiesen. Hiergegen erheben die Rechtsparteien entschieden Einspruch. Das Plenum müsse entschließen, damit das Land draußen die Stellung des Parlaments erfahre. Die Anträge toer- ■ imiMiiniin—m-i--- " schließlich nicht, um auswärtige Politik zu treiben. Andere Rezepte weiß man nicht, verrät sie jedenfalls nicht, wozu also diese nutzlosen Attacken gegen eine Politik deren frühere Phasen wir nicht mehr änöem tonnen, und deren Ergebnis man als Grundlage unserer heutigen ausdrücklich gebilligt hat? Wozu ein System, das man im Iahre 1925 schon fast ein ganzes Iahr hindurch und seit 1927 wiederum mehr als ein Iahr lang als stärkste Regierungspartei mitgemacfet hat, tn Grund und Boden verdonnern, sobald die Trompete zur Wahlschlacht ruft? Cui bono wem zum Ruhen? Doch wohl kaum der Sache selbst. Das lehren zur Genüge die Pariser Preßkommentare und das malitiöfe Deifallsgemurmel aufdenBan- len der Linken, auf denen Herr Breitscheid als Erbe Stresemanns sich schon zufrieden die Hande Wir find keineswegs in der Lage. Srrese- manns Außenpolttik in jeder Phase ihrer Vergangenheit zu verteidigen. Wir haben auch gegenwärtig keinen Anlaß, mit unserer Meinung hinter dem Berg zu halten, dafe Wir Stresemanns Antwort an Poincare unbegrcijhd) lahm und seine optimistische Auffassung über Poincares Einstellung zur Rheinlandraumung durch die politische Vergangenheit des französischen Ministerpräsidenten in kerne-Weise aereeßtf ertigt sinden. Wir werden uns auch in Zukunft das Recht der Kritik Vorbehalten Aber das darf uns nicht hindern, zu sehen,'wo wir heute stehen und wo wir staiwen, als Stresemann die Leitung der deutschen Außenpolittk übernahm. Opposition muß sein. Wir wären die letzten, die Roiwendigkert gerade einer nationalen Opposition zu verkennen. Gäbe es sie nicht, so müßte sie erfunden werden. Ohne sie kein polittsches Leben, ohne sie tem Fortschritt, namentlich auf dem Gebiet der auswärtigen Politik. Unterem parlamentarischen Apparat wird es sichtbar schwer, die Eierschalen abzuftreisen. Schuld daran trägt wohl auch zum guten Teil der deutsche Doktrinarismus, den wir als Teil unseres Volkscharakters mit auf den Weg bekommen haben und sorgsam weiterpäppeln. Das ist eine schwere Belastung. Aber es gibt kein Hindernis, das nicht zu überwinden wäre Lind die Erziehung unseres Volkes zur Sachlichkeit in der Politik ist ein Preis, des Schweißes der Edlen wert. Ohne Sachlichkeit in der Politik, ohne rücksichtslose Verbannung jenes doktrinären Besserwissenwollens um jeden Preis, keine fruchtbare nationale Opposition, kein Zusammenspiel, kein H and- in-H andarbeiten zwischen Außenminister und nationaler Opposition. Lind in welch erschreckendem Maße dieses letztere uns Deutschen noch abgeht, hat leider wieder einmal die letzte Reichstagsdebatte gezeigt mit ihren giftigen Reibereien und ihrer von Reizbarkeiten und Empfindlichkeiten geladenen Atmosphäre. Die Schuldfrage zu untersuchen, ist nicht unsere Sache, ganz frei von Schuld pflegt bei dem Entstehen einer solch nachhaltigen Verstimmung keiner der Betelligten zu sein. Aber es wäre leichtfertig, ruhigen Bluts mitanzusehen, wie beide im Begriff stehen, in offenbarer Linier- schähung des großen Gemeinsamen uno Berken- nung des politisch Rotwendigen, das uns der kommende Reichstag bringen muß, mit falscher Front in den Wahlkampf ziehen, nur um einer billigen Wahlparole willen. Darum Hände weg von der Außenpolitik, sie ist Sache des ganzen Volkes, sie wird in der gegenwärtigen Lage Deutschlands von allen Parteien getragen und unterliegt in dies em Wahlkampf bestimmt nicht dem Votum des Wählers, der sich — soweit außenpolitische Dinge in Frage kommen — nur darüber klar zu werden hat, von welcher Koalittonsgruppe wir im neuen Reichstag eine starke vaterländische Außenpolitik zu ermatten haben. Der päpstliche Runttus Monsignore P a c e 111, gewiß einer der feinsten Köpfe des Berliner diplomatischen Korps, hat in einer wohldurchdachten Ansprache an die Auslandspresse von der „seelischen Front der Volker gegen die Llnterdrückung des Rechts, gegen die Geißel des Krieges" gesprochen und die Presse zum Kampf aufgerufen, „um den Primat des Geistes über die Materie, den Sieg der Wahrheit über den Irrtum, die Herrschaft des Rechts über die Gewalt zu sichern". Das ist Deutschlands Kamps um feine Zukunft, der Kampf des deutschen Volkes um sein Lebensrecht, um seinen Lebensinhalt. den der apostolische Runtius in diese liefen Worte faßte. Lind es ist ein guter Kampf, aber heißen Herzens nur in einiger Front. Wird sich unser Volk der ihm gestellten Aufgabe ge- Aber durchfechten werden wir ihn kühlen Kopfes, wachsen zeigen? Der Wahlkampf wird eine Probe aufs Exempel sein. Wird die ernste Mahnung des ehrwürdigen Abgeordneten Kahl — bei Freund und Feind gleich geachtet als toeit- schauender Politiker wie als Leuchte der deutschen Rechtswisserrschaft — sich durchsetzen, den Wahlkampf mit Ritterlichkeit und Anstand zu führen, im politischen Gegner den Menschen zu achten, der nicht weniger ehrlich für seine Lieberzeugung kämpft, nicht weniger vaterländisch denken mag als man selbst, obwohl er einer andern Partei angehört? Oder soll die häßliche Prügelszene, deren Schauplatz der Reichstag war, Symbol dessen werden, was unserer wartet? Die kommenden Wochen werden's uns lehren. den jedoch gegen die Stimmen der Rechten an den neuen Ausschuß verwiesen. Die altgemeine Aussprache zur Besol-ungSordnung. Abg. Dr. Keller (S.03.) stellt fest, daß es höchste Zeit sei, auch in Hessen die Reu- ordnung der Deamtenbesoldung vorzunehmen. Es sei gewiß für eine Oppositionspartei vor den Wahlen bekömmlich, schärfste Kritik an den Re- gierungsmoßnabmen zu üben. Er wolle sich jedoch auf einige grundsätzliche Bemerkungen beschränken. Gr wendet sich vor allein gegen die unbillige Ortsklaffeneinteilung. Auch die Feststellung der Kinderzulagen müsse nach dem Antrag seiner Fraktion vorgenommen werden. Er tritt für Ausstattung der älteren ledigen Beamten mit dem vollen Wohnungsgeld ein. Wan müsse verwitwete und geschiedene Beamte mit den ledigen Beamten, die im eigenen Haushalt Angehörige mit unterhalten, gleich behandeln. 3m übrigen sehe man dem ausstehenden Stellenplan der Regierung mit großem Interesse entgegen. Erst dann sei für seine Partei wie auch für die Beamtenschaft das entscheidende Wort zu sprechen. Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) bezeichnet als Mchüinien seiner Partei: wenig Beamte, tüchtige Arbeit und gute Bezahlung. Dos Beomtercheer sei aber zu sehr onaeschwollen. Zwei Gründe feien für die ablehnende Haltung seiner Fraktion maßgebend: Die finanziellen Lasten seien untragbar. Man übersehe die Geldbeschaffung noch nicht. Ob das Reich in errveitertem Maße einfpringe, sei höchst zweifelhaft. Schließlich werde die Belastung mir auf di e Steuer» za hier abgewälzt werden müssen. Die Der« waltungsresorm hätte oorausgehen müssen. Der cmtbere Grund sei die G e st a l t u n g der Vorlage: die zerrissenen einzelnen Beam- iengruppen in verschiedenen Gehaltsklossen. Dem Ortsklassensystem, den örtlichen Sonderzusä^ägen und den Kinderzulagen könne er nicht in der vorliegenden Form zustimmen. Abg. Werner (Dn.) ist ebenfalls mit der Vor« läge unzufrieden. Er hat vor allem Bedenken bei der Handhabung der Ausrückung von Beamten, daß diese nach parteipolitischen Gesichtspunkten vorgenommen werden würde. Es sei bezeichnend für die Regierung, daß sie keine Mittel für die Deckungder neuen Ausgabe habe. Die Reichsrcgierung sei unbedingt verpflichtet, ihr zu helfen, zumal das Reich durch seine Desoldungsvorlage vorangegangen sei. Der Redner verlangt Sparmaßnahmen, Verstaatlichung des Notariats, Betrauung der mittleren Beamten mit Aufgaben, die sonst höyeren Beamten Vorbehalten sind. 'Abg. 21 ? t (Dollsrechtp.) gibt für seine Partei die Erklärung ab, daß sic der Borlage zu - stimme. Er hofft aber auf dar anderen Seite, daß die Regierung sich in Berlin für ein friedenstellenücS Rentnerversorgungsgesetz energisch einseher, werde. Abg. Stork (Soz.) gibt für die R^ierungs- Parteien eine Erklärung ab, in der eS u. a. heißt: Die Regierungsparteien erkennen an, daß die Beamtenschaft von der allgemeinen großen Oiotlage, unter der alle Stände, insbesondere die Arbeiterschaft, die Landwirtschaft und daS Gewerbe zu leiden haben, nicht verschont geblieben ist. Rachdem das Reich und die anderen Länder mit einer Neuordnung der (Beamten- besvldung vvrangegangen sind, kann sich Hessen der gleichen Rotwendigkeit nicht verschließen. Hessen sei in einer Zwangslage, die es ihr nicht ermbgliche. allen Wünschm und Forderungen bet Beamtenschaft zu entsprechen. Aus diesem ®runbe müssen die Regierungsparteien die Anträge der anderen Parteien, die sie selbst eingehend beraten hatten und zum Teil als berechtigt anerkennten, jedoch ablehnen, um nicht das ganze Gesetz zu gefährden. In absehbarer Zeit, wenn sich die Auswirkungen des neuen Gesetzes übersehen ließen, würden in einer Rovelle die etwa vorhandenen Unebenheiten und Harten befeitigt werden. Die Regierung werde ersucht, bei der Reichs- regierung auch eine stärkere Hebung der unteren Gruppen und eine Angleichung der unteren und mittleren Gruppen an die höheren zu erreichen Der Hessische Landtag erwarte von der Leichsregierung, daß sie die Mehrausgaben für die Deamtenbesoldung au f daS Reich übernehme. Eine Tumultszene. Abg. Wolf (Bolksrechtv.) wendet sich sehr tem- perameytvoll gegen die „Verwurzelten" und fragt, in welche Gehaltsgruppe jetzt die Abg. Storck und Reiber einrückten. Er wendet sich scharf gegen die Regierungserklärung und meint, daß die Herren, die diese Erklärung abgaben, Sondervorteile beanspruchten. Der Abg. Reiber (Dem.) bezeichnet hierauf den Redner als Ehrabschneider und Schuft, wofür er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen wird. 2I6g. Dr. Wolf erwidert, daß in den Wandelgängen erklärt wurde, Reiber und Storck, zwei „Verwurzelte", hätten besonders für sich gesorgt. Es wäre doch interessant zu erfahren, wie sich beide Herren in der Besoldungsordnung klassifiziert hätten. Hierauf erhebt sich tm ganzen Hause unbeschreiblicher Tumult. Die Sozialdemokraten stürmen nach der rechten Seite hin, worauf einige Abgeordnete der Rechten schützend vorsprmgen. Während des Lärms, an dem sich auch die Tribunen beteiligen, schallt unaufhörlich die Glocke des Präsidenten, der hierauf die Sitzung unterbricht. Der Lärm hält, insbesondere aus den Tribünen, unvermindert an, während im Sitzungsaal die Kommunisten ein Rcvo ° Inti o nslteb anstimmen. Der Führer der Kommunisten, ® a I m, hält auf der Treppe zum Präsidium eine Rede. Rach einer Pause von 20 Minuten wird die Sitzung wieder eröffnet. Die Abg. Wolf, Reiber. Galm und Storcl erhalten je einen Ordnungsruf. Unter Ablehnung aller Abänderungsanträge wird dann bas Besoldungsgesetz in erster und zweiter Lesung angenommen. Daraus werden weitere Borlagen, tote der Ausbau des Pathologischen In- ft i t u t 6 der LandeSuniversität in Gießen, sowie Errichtung von Landarbeitertoohnungen aus fiskalischen Hofgütern, Maßnahmen zur Hebung des Bades Salzhausen angenommen und eine Reihe kleiner Anträge als erledigt erklärt. Damit ist die Tagesordnung erfcboptt Dos Ha'is vertagt sich. Annahme -es Etats im Reichstag. Neue erregte Debatten.— Parlament un-Regierung gegen eine Tariferhöhung -erReichsbahn Berlin, 30. März. Rach Annahme einer Reihe von Gesetzentwürfen und Erledigung von Rückständen aus einzelnen Etat- wird die Amnestiedebatte fortgesetzt. 2lbg. Landsberg (Soz.) verliest unter großer Heiterkeit des Hauses die von der „Roten Fahne" gegebene Schilderung der gestrigen Tumultszene unter der .Überschrift „Die angeprangerten Amnestieverräter über, allen kommunistische Abgeordnete". Die Sozialdemokratie habe immer gefordert, daß unter die Urteile von 1921 bis 1923 ein Strich gemacht werde und baß auch Max Hölz amnestiert werde. Eine Ausnahme müsse aber gemacht werden mit jenen Fememördern, denen im Gerichtsurteil bescheinigt wurde, daß ihre Laten nicht politischen Motiven, sondern unmenschlich roher Gesinnung entspringen. Die Sozialdemokraten wollten die proletarischen Opfer der politischen Justiz nicht mit diesen Fememördern auf eine Stufe stellen lassen. Me Sozialdemokraten unterstützen den Antrag auf namentliche Abstimmung. Aus kommunistische Pfuirufe nach dieser Rede antworten die Sozialdemokraten mit Beifallsklatschen. Die Pfuirufe der Kommunisten und Beifallskundgebungen der Sozialdemokraten dauern minutenlang an. Abg. Dr. Heuh (Dem.) verlangt größeren Schutz der Autorität DeS Staates. Es gehe nicht an. daß eine Einheitsfront von Hergt bis Höllein die Staatsauto rrtät dadurch untergräbt, daß sie durch Amnestie gewissen Organisationen geradezu eine Lizenz auf Mord und Totschlag gibt. Der R^ner fragt den Iustizminister, ob er wirklich dieses Amnestieverlangen unterstütze. Reichsjustizminister Hergt verweist darauf, daß er schon im Ausschuß betont habe, hier bandele es sich um einen Initiativantrag, bei dem die Regierung Zurückhaltung wahren müsse. 3m übrigen habe er die alten Bedenken der Regierung gegen wiederholte Amnestien ausgesprochen. Abg. v. Frehtagh-Loring- hoven (Dn.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Dr. Kahl. Er betont, er habe keinesfalls die Borwürfe erhoben, die Abg. Dr. Kahl aus seinem Artikel herausgelesen habe. Dr. Kahl, so fährt der Redner fort, hat mich beleidigt und der Vizepräsident hat ihn nicht zur Ordnung gerufen. Auf meine Frage, warum er das nicht getan hätte, antwortete er nur: „3ch kann dem alten Manne keinen Ordnungsruf erteilen!" (Hört! Hört! rechts.) Ich verzichte darauf, Herrn Dr. Kahl in derselben Weise zu antworten, ich überlasse es ihm. wie weit er die Schonung mißbraucht, die man ihm hier angedeihen lieh. Ich hoffe, er wird mich verstehen. (Lebhafter Beifall bei den Deutschnationalen, stürmische Pfuirufe und Gntrüstungskundgebungen bei der Deutschen Dolkspartei.) 2lbg. Schmidt-Hirschbera ruft dem Abg. v. Freytagh-Loringhoven zu: „Unverschämter Kerl". Präsident L S b e : Ich rufe den Abgeordneten v. Frsutagh-LoringHoven wegen seiner letzten Aeuherungen zur Ordnung, auch den Abgeordneten Schmidt - Hirschberg wegen feines Zurufs. Der gestern amtierende Vizepräsident Esser sagt mir, er habe die vom Vorredner angeführte Auskunft gegeben, nicht um dadurch eine Herab' setzimg, sondern eine Ho ch sch ätzung de» Abg. Dr. Kahl auszudrücken. (Beisall.) Aba. Dr. Koch-Weser (Dn.): Der verehrte Abg. Dr. Kahl erfreut sich bei allen Parteien einer solchen Hochschätzung, daß die Angriffe des Abg. o.Frcvtagh nicht an seine Fußspitzen reichen. (Beifall bei der Mehrheit; Lachen bei den Deutz ^nationalen.) Die Abgeordneten Hollem (Kam.) und Lands-berg (Soz.) machen bann persönliche Bemerkungen gegeneinander, die mit lärmendem Beifall tmb Mißfa llonskundgebunaen ihrer Parteigenossen unterstrichen werden. Abg. Torgier (Kom.) erhält dabei zwei Ordnungsrufe. Dann werden in einfacher Abstimmung die kommunistischen und sozialdemokratischen Anträge über die Amnestierung politischer Verbrechen und Vergehen angenommen. Der Antrag der Kommunisten, der Zuchthausstrafen für Mord oder Totschlag aus politischen Motiven in Festungshaft umwandeln will, wird mit 243 gegen 122 Stimmen der Kommunisten und der Rechten bei fünf Enthaltungen unter stürmischen Psui-Ausen der Kommunisten abgelehnt. Mit den Stimmen der Mitte gegen die Rechte und die Kommunisten wird der sozialdemokratische Antrag angenommen, der von Der Amnestie ausschließt vollendeten oder versuchten Mord oder Totschlag und Teilnahme an einer solchen Straftat. In der Schmß- abstimmung wird die ganze Vorlage mit 226 Stimmen gegen 140 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei neun Enthaltungen abgelehnt. Beim Berkehrsetat wendet sich Abg. Dr. H i l- ferding (Soz.) gegen die überraschende An- Lündigung einer Tariferhöhung bei der Reichsbahn. Die Regierung, die ja nur ein ge- schäftssührendes Kabinett sei, dürfe dieser Tariferhöhung nicht zustimmen. Abg. Mollath (W. Vgg.) begründet folgende Entschließung: Der Reichstag erkennt eine Olotwendigkeit für die Erhöhung bet Eisenbahntarife zur Zeit nicht an und erfucht die Reichsregierung, der geplanten Erhöhung der Eisenbahntarife die Zustimmung zu vers agen. Reichsverkehrsmini st er Dr. Koch: Ich kann erklären, daß ich den Beschluß des Derwaltungsrats der Reichsbahn bebaute. Et hat schriftlich bie Stellungnahme der Reichs- regierung mitgeteilt bekommen. Die Finanzlage bet Reichsbahn ist in biesem Jahre nicht schlechter, fonbem besser geworden. Ich denke nicht daran, einer Tariferhöhung zu zustimmen. Die Beamtenbesoldung hat mit der Tariferhöhung gar nichts zu tun. Sie hat bet bet Reichsbahn 50 Millionen mehr gekostet, als veranschlagt war, aber bet Finanzbebats von 350 Millionen war schon vorher vor- h a n b e n. Die Entschließung Mollath (W. Bgg.) wird einstimmig angenommen, ebenso bie in gleichem Sinne gehaltene Entschließung der Deutschen Dollspartei- Rach Annahme deS HaushaltSyeseyes wird über den Haushaltsplan &te Schlußabstimmung auf beutschnationalen Antrag namentlich vorgenommen. Gegen den Etat stimmen Sozialdemokraten, Demokraten, Wirtschastspartei. Kommunisten und Rationalsozialisten. Die Mil-- glieder der Bolksrechtpartei enthalten sich der Stimme. Der Bayerische Bauernbund, Deutsch- Hannoveraner und Völkische stimmen mit den bisherigen Regierungsparteien für den Etat. Der Etat, mit dem durch den Ergänzungsetat auch das Rotprogramm verbunden ist, wird mit 200 gegen 170 Stimmen bei vier -Enthaltungen angenommen. Ohne Aussprache wird auch bet Rachtragsetat fitz: 1927 in dritter Lesung angenommen. Die deutschen Waffen in China Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 31. Mörz. Der Reichstag hat noch kurz vor Toresschluß ein Gesetz über den Waffenhandel mit Chino angenommen, das eigentlich insofern vollkommen unnötig ist, als uns der Versailler Vertrag und das Kriegsgsrcite- aesetz bereits jede Herstellung und Ausfuhr von Kriegsmaterial verbieten. Wenn sich aber das Reichskabinett trotzdem veranlaßt sah, noch ein Gesetz ausarbeiten zu lassen, bas sich speziell mit dem Waffenexport nach China beschäftigt, dann geschah das lediglich mit Rücksicht auf die Chinesen selbst. In letzter Zeit sind der Reichsregierung wiederholt sehr ernste Klagen aus chinesischem Munde zugegangen. wonach man es als einen uns reuno- 2m Larmat-Prozeß, der feit eineinviertel Jahren das Gericht beschäftigt ist jetzt das Urteil gesprochen. Di« Strafen, die dabei verhängt sind, muten im Vergleich zu dem Aufsehen, das die Ler hastung der Brüder Barmat seiner Zeit hervorrief, und zu dem forensischen Aufwand einigermaßen geringfügig an. Man muß sich nun einmal oorstellen, welcher Apparat für diesen Zweck aizfgebaten war. Am 1. Januar 1925 hat die Berliner Staats- anwaitzchaft bie Brüder Barmat verh astet. 400 Polizeibeamte waren mobil gemacht, um ihren Luxusbejih in Schwanenwerder zu umstellen und ihre Flucht zu unterbinden. Das Verfahren wuchs sich ins Abenteuerliche aus, als auch der Reitt)spostininister Dr. Höf le darin verwickelt und noch Niederlegung seines Amtes verhaftet wurde. Die Parlamente mischten sich ein. In Preußen uni) im Reich wurden Untersuchungsausschüsse eingesetzt. Vteben-her lief die gerichtliche Lormitersuchung, die dazu führte, daß Anfang 1927, also nach zwei Jähren der Vorbereitung, das Hauptverfahren vor dem Großen Schöffengericht beginnen formte. Seitdem ist her Prozeß unentwegt tm Gange gewesen. Er schläat wohl sämtliche Rekorde, bie wir bisher aufgeftettt haben. Eine Hauptoerhandlund, die volle fünfzehn Mo- not e mit 200 Sitzungstagen ausfüllte, das ist noch nicht da gewesen. Di« Anllageschrift, ein Buch von 650 Druckseiten, dazu ein Aktengebirg« von liebzig Hauptbänden und 1000 Nebenbänden, 500 Zeugen tmb fünfzig Sachverständigen, fünf Staatsanwälten, elf Angeklagten siebzehn Rechtsanwälten und Prozeßkosten von über einer Viertel- Million Mark, wovon allein die Drucklegung der Anklageschrift 10 000 Mark gekostet Hot. Das ganze mutet fast amerikanisch an und rein äußerlich besehen besteht ein arges Mißverhältnis, das angesichts dieses Aufwandes nur Strafen von elf Monaten Gefängnis abwärts verhängt sind, während in einem großen Teil bet Anklage Freisprechung erfolgen mutzte, allerdings, wie daS Gericht hin- zufugte. nicht wegen nochgetoiesener Unschuld, sondern nur, weil der Tatbestand nicht mehr genau nachzuweisen war und bet alte Rechtsgrund- satz in Äraft treten mutzte, daS im Zweifels- falle zugunsten bes Angeklagten entscheiden sei. Aber das Strafausmaß ist ja nicht so sehr ausschlaggebend, die QlngeETagicn selbst interessieren die Oeffentlichkeit weniger, sie sind durch die Haft und durch die Verluste, die ihnen aus dem Zusammenbruch ihres ganzen Konzerns entstand, bestraft genug, vermutlich werden sie rechtzeitig einen Teil ihres Geldes im Ausland in Sicherheit gebracht haben, aber ihr Rabobtraum ist doch auägeträumi und wahrscheinlich werden sie so rasch als möglich daS für sie so ungastliche Deutschland zu meiden trachten, was wir mit großer Fassung zu tragen wissen werben. Die Akten über das Kapitel Darmat sind geschlossen, auch wenn sie ihren Kampf noch weiter fortsetzen und versuchen sollten, in zweiter Instanz das Urteil anzufechten, soweit eine Bestrasung erfolgte. Was biesem Prozeß feine unerfreuliche De- beutung verlieh, bas war bas ganze politische unb wirtschaftliche Milieu, in das er hinein-- leuchtete. Die Fiebererscheinungen der Inflation, die ja vielleicht notwendig entstehen mußten, als bas Gefüge unserer Gelbbasis ins Wanken geriet, sind nirgends so kratz blohgelegc worben wie hier, nirgends auch konnte bet Nachweis einer mehr ad peinlichen Verquickung zwischen Gefchäftsmacherei unb Politik so unerfreulich nachgewiesen werden. Der frühere Reichskanzler Bauer, einst eine Säule der Sozialdemokraten, ist darüber gestürzt, der Polizeipräsident Richter, ebenfalls ein Sozialbemokrat. versank in ber Versenkung. Andere sozialdemokratische Führer wurden schwer kompromittiert, llnb dem unglücklichsten Opfer, dem früheren Postminister H ö f l e. hat nur der Tob seine bürgerliche Ehre retten können. Die Anklage wäre ihm nicht erspart geblieben, bie Derurtellung wäre, das ergibt sich aus der mündlichen Begründung. unvermeidlich gewesen. Daß man gerade über diesen Fall sich möglichst ausschweigt, schon um einem Toten nicht unnötig Steine nachzu« Wersen, ist selbstverständlich, zumal, da auch für Herrn Dr. Hoslr tote für die anderen Beamten, die in die Fänge der Hyänen der Inflation gefallen sind, niemand die Böswilligkeit voraus- zusetzen braucht. Die Geschäftspraktiken jener Jahre hatten einen besonderen Händlertypus gezüchtet, der. weil ihm jede Härunung oder wenigstens Bindung des ordentlichen ÄtnifmarmS fehlte, mit brutaler lichen 21E t empfinde, daß von deutscher Seite die Armeen her sich bekämpfenden Generäle m i t Kriegsmaterial au sgerüstet würden. Als Beweis für diese Behauptungen ist darauf aufmerf- sam gemacht worden, daß man öeinahe auf jedem Gewehr, auf jeder Pistole ober jedem Geschütz die deutschen Fabrikmarken finden könne. Unser Auswärtiges Amt hat fick alle erdcntticl)« Mühe gegeben, um die Chinesen zu vesäuvichtigen. es hat den deutschen Handelsgesellschaften nahe gelegt. fei< mrlei Woffentransporte nach China zu übernehmen, es hat auch versucht, die chinesischen Regierungen tm Norden und Süden ü b < r b i e rkunft dieser deutschen Waffer aufzuklären. Der Gedanke, daß es sich hier um b'C in den europäischen Kampfgebieten zurückgelassenen ober von Deutschland an bie Alliierten abgetretenen und bann an die chinesischen Machthaber weiter verkauften Waffcn- beftänbe handeln könne, scheint den Regierungen in Peking unb Nanking nicht gekommen zu sein. Um nun ein für allemal chinesischen Beschwerden die Spitze abzubrechen und zu verhinderet, daß uns aus dem ewigen Hinweis auf die deutschen Waffen" politischer Schien entzieht, ist das oben erwähnte Gesetz dem Reichstag vorgelegt unb auch von ihm angenommen worden. Hoffentlich wird man sich m China jetzt zu frieden geb en und uns glauben, daß die noch immer in chinesischen Höfen zur Ausladung kommenden ehemals deutschen Gaffen nicht von deutschen Absendern herrühren. Rücksichtslosigkeit arbeiten konnte und in feiner Wesensart bie Voraussetzungen nicht mehr hatte, die sonst die ungeschriebenen Borbedmgungerr jedes Verkehrs zwischen den Beamten unb dem Kaufmann gewesen waren. Bedauernswert die Menschen, die in dieses verhängnisvolle Räderwerk hineingerieten unb mit ihrer wirtschaftlichen Existenz ihre Unerfahrenheit bezahlen muhten. Trotzdem ist es vielleicht gut, daß der ümtze Prozeß über uns hinweggegangeii ist. Er bedeutet ein Schulbeispiel, wie die Wechselbeziehungen zwischen Kapital unb Politik nicht sein sollen, er bedeutet eine Warnung, btt hoffentlich überall beherzigt worden ist. "21 entmann hat einmal das WoZ geprägt, das Demokratie und Korruption sehr leicht einmal Schwestern werden können unb jenseits unserer Gren- sind ja Wethodeit einer anrktchigen Ge- ftspolttik geradezu fanittsniert. Für uns hat ber Barmatsall noch ein rechtzeitiges Erwachen gebracht, er wird dafür gesorgt Haden, daß Rein- iKfcfeit und Sauberkeit zurückkehren, denn niemand wird das Bedürfnis haben, aktiv oder passiv an einem neuen Barmawrozeß beteiligt zu sein. Das Genfer Kiasko. Die Folgerungen für Deutschland. L v n b o n. 30. März. (WB.) DaS Mitglied bet Arbeiterpartei, Elhden, kam heute In einer Rede in Sunderland u. a. auf den Mißerfolg der internationalen Politik der Regierung in bezug auf die Abrüstung zu fpre^n. Elyden sagte, die Enttäuschung werde immer großer. Der Völkerbund könne nur sortbestehen. wenn die Minister einen anderen Weg einschlagen, um die Ausrichtigkert ihrer eigenen Beteuerungen zu beweisen. 2lach dem Kriege haben sie ihren Feinden hie Abrüstung auf erlegt mit dem feier- lichen Versprechen, daß dies nur ber Anfang sei unb baß bie anderen Rationen folgen werden. Wir muffen, so fuhr Clyden fort, entweder unser Wort wahr machen, ober uns auf öen Anspruch gefaßt machen, daß Deutschland das Recht hat. zu seinem früheren Zu st and ber Autorität als bewaffnete militärische Macht zurückkehren. Die Minister haben diese Frage erörtert, ohne einen wirklichen Geist für die Abrüstung an den Tag zu legen. Wenn irgendein Land das Recht hat, aus Gründen der Verteidigung umfangreiche Rüstungen zu beanspruchen, so haben alle das Recht dazu. Dis polnische Grenzzonenverordnung. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 31. März. Die polnische Preise beschäftigt sich, anscheinend auf einen Wink von amtlicher Seite her, sehr eingehend mit der Grenzzouenverordnung Pilsudskis. Dabei behauptet sie, daß sie einen ganz allgemeinen Charakter habe, also gar nicht gegen Deutschland gerichtet sei, unb daß die Reichsregierung nur beabsichtige, die Derhand- lungsgrundlagen zu verschieben. Wenn nicht eben erst bie diplomatischen Verhandlungen über diese Streitfragen wieder eingeleitet worden wären, würden wir darauf verzichten, auf diese Vorwürfe einzugehen. So aber mag doch noch einmal festgestellt werden, daß sich die Qkcorbmmg trotz ihres angeblichen allgemeinen Charakters in der Praxis nur gegen Deutsche richtet, bie an der ganzen polnischen Westgrenze, vornehmlich ober in Ost-Oberschlesien, seßhaft sind. Damit hat also Polen dieVerhanblungsgrund- tage verschoben, während wir uns jetzt bemühen, sie wieder zu gewinnen. Würden wir den schlechten Willen haben, den unS bie Polen tiortoerfen. dann hätten wir längst alle Anstren- gungen aufgegebat. mit den Polen eine Verständigung herbeizuführen. Aegyptens Antwort an England. London. 31. Mär? (WTD. Funkspruch.) „Times" berichtet aus Kairo: Die ägypttsche Regierung erhebt in ihrer, dem britischen Oberlmn* miliar überreichten Antwort auf die Rote ber britischen Regierung zur Frage der öffentlichen Sicherheit vorn 4. Marz Einspruch gegen diese Einmischung in bie inneren Angelegenheiten Aegyptens unb erklärt, bie britischen Beziehungen mit Aegvvten müßten Das Ende des Bannatprozeffes. -SS“ Legler iSs Sichery^ §r vom blickstchc" lassen St r 31 Ä' S-ni. "-ehe,. Präsides ifi he^e rt* - « 2?Dhr&tioT unb 1 angehörte Mrend dienste. wählt. Dach » Verbund M Schveiz dort M tt jedoch aus Q ter nieder. Au- Lof 3n Lettin wui Suntturms auf ei htrSuntfpi» flA um ben utn Tagen dn iottt. von w«hr, dir mit L mehr in Aktion Tjnien wieder a Schutzpolize Das Luftschiff Äprilwoche j oetztäMch ist bi dm atmMansi Ä wrrd i eüs in landen. Ein Hfl zwischen nach E sein Ziel erreicht antreten. Die 0 fein, wo muh bi werden soll. Der .Kilometer betrag bis 16 Personen und bereits an haben. Ein Teiln Franz Bchinok Zusammenstoß Auf der Penn bexth-Eepr feit auf den auf Äah-Lirniie Drei Dagrn wurdm Inein mittleren Dagc VklMdKg Tie für den 91 Hanfe» in Villip otiieiten werden tzA*»gebote cbm Lruchst steinmauerwctt). ^Kunststein) (J,8( xnst-rbänke). (16 cbm Tanner ™«6)- IV. 6 Niet). V.tzw Mr unb 6d): atbeü'a $ aus unserem 4f abfl y^nungen un «m Äittttod Luschlagsstjst. 9ie6cn, den Fisches < M r fenjng Xie sieaelt S9ebo1 5«un Hk WO v. fin schmackhaftes Essen für Groß und Klein I aber Eiernudeln ErEFmussen-s sein1 ne r und Pettersheim (Station der Strecke Fried- lnisch« «•ttm ItnoTb. 416116,23 1527890,82 Bei 6i30«889,SS Rückstellung für Aufwer- tungszwecke ..... Borerhobener Diskont . . Dividende '....... Vortrag ........ Eberverkauf. Dio Gemeinde Rieder-Bessingen ver- kauft wegen Inzucht einen zur Zucht noch tauglichen Eber. Angebote sind schriftlich, für den Zentner Lebendgewicht, bis zum Mittwoch, dem 4. April 1928, vormittags 10 Uhr, bei der Bürgermeisterei abzuaeben. Zuschlagsfrist 3 Tage. Der Eber wird auch eventuell in Tausch gegeben. 35001) Rieder-Bessingen, 29. Mörz 1928. Bürgermeisterei. der Züge wurden verletzt. Ungefähr die Hälfte davon trug so schwere Verletzungen davon, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden muhten. Das Unglück ist mittelbar durch einen Schnee- (türm verursacht worden, der den Betrieb der Lichtsignale störte, wodurcy der Vroadway-Lüni- ted gezwungen war, auf freier Strecke anzuhalten. Lin weiblicher psarrkandidoi. Unter den acht Kandidaten, die sich in Karlsruhe der zweiten evangelisch - theologischen Prüfung in diesem Frühjahr unterzogen haben, und unter die badischen evangelischen Piarrkandidaten aufgenommen worden sind, befindet sich auch eine Dame, Fräulein Anneliese Burma NN au» Bochum. Im Faltboot über den Ozean. Lach einer Meldung aus Lissabon hat der Deutsche Franz Römer Lissabon in einem 3 Meter langen Kautschuk-Faltboot verlassen, in dem er versuchen will, den Ozean zu überqueren, und Neuyork zu erreichen. Er glaubt drei Monate hierfür zu gebrauchen. Bluttat eines Geisteskranken. 3n Lüneburg bewaffnete sich der Sohu eines Postbeamten, der sich seit dem 16. Lebensjahr in her Hell- und Pflegeanstalt befindet unb zu einem Besuch in seinem Elternhaus weilte, mit einem Dell und einer Drahtrolle und überfiel am hellen Tage ein löjähriges Mädchen auS dem benachbarten Erbstorf. Der Geisteskranke rih das Mädchen von dem Fahrrade herab, band ihm die Hände zusammen und verletzte es schwer durch mehrere Veilhiebe. Dor- Her hatte der Irrsinnige in der Nähe der Heil- und Pflegeanstalt eine ältere Frau überfallen und ebenfalls durch Deilhiebe schwer verletzt. Aach der Bluttat ging der Geisteskranke ins Kino, too er durch herbeigerufene Polizeibeamte verhaftet und der Irrenanstalt wieder zugeführt werden konnte. 3ünf Kinder ermordet. 3n Chambery wurde eine Kriegerwüwe ver- haftet, die im Verlause von acht Zähren von ihren sechs unehelich geborenen Kindern fünf beseitigt hatte. Sie verbarg die Leichen in einem Koffer, der nunmehr entdeckt wurde. Ittelfchwindeleicn. auf derselben diplomatischen Grundlage ruhen, wie die anderer Länder. Weiter versichert die ägyptische Regierung, daß es ihre und deS ägyptischen Parlaments Absicht sei, die ösfentliche Sicherheit aufrechtzuerhalten und die Interessen der Fremden zu schützen. Während die Antwort nicht ausdrücklich die Deklaration vom 28. Februar 1922 zurückweist, bringt sie — dem .Times"-Korrespondenten zufolge — Har die Abficht zum Ausdruck, die Grundlage des augenblicklichen Regimes in Aegypten äusser acht zu lassen. ag. ^eichsbah, Ä ®*>' Seit, 'N'! •’SSyi Hk« m jÄ ki- nesisches, tW ien ini S?a,lb ® irSÖA ift h-. 2? Weiten" M9 oben entetfini, ÄS’*»* ' Fiasko. « TrBtzlvtd xr.) DaSMalieddtt fmn heute in einer auf den Mherfvla dn t Legierung in öezuz sprechen. LlM fault immer gröber. oübeftchen. Venn 6k Deg einichlLgen. : eigenen Beteuerungen stiege haben l'e Fm aserlegr mü bem teitr- nur der Anfang ,n Tiaiioncn foi . (D fuhr Elyden btt jnjsrt Arbeitsvergebnng. Für die Stabt Sich sollen Wasser- leitlingsarbeiten, Los I, und Kanalisationsarbeiten und Lieferungen, Los II, in der Jahnstraße und Langgasfe aus Grund der Reichsverdingungsordnung öffentlich Bet* geben werden. Die Vergebungsunterlagen ; iegen bei uns zur Einsicht offen. Angebotsvordrucke sind von uns zu erhalten. Die Angebote sind verschlossen und poftftei bis zum 11. April 1928, vormittags 10 Uhr, einzureichen, freie Auswahl bleibt ausdrücklich Vorbehalten. ZufchlagSftist 14 Tage. (liegen, den 28. März 1928. 3502D Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Reg.-Bamat. schienener Bewerber erfolgt. , _ Die Binde- und Zuschlagsftrst Betrag Arbeitsvergebung. Auf Grund der ReichSverdinguugsord nuna sollen die Arbeiten zum Ausbau dec Uhlandstraße (Straße zwischen der Bni ■ unb Ebelstraße, südlich der Obrenkbml) öfseutlich vergeben werden. I. Kanalarbeiten, 2. Lieferung von Zcmentrohrcri. ~ Angebotsvordrucke sind beim ^todt bauamt, Zimmer 7, erhältlich. Die Angebote sind verfchloßen, ver- siegell und mit entsprechender Aufschrift versehen bik zum Donnerstag, dem S. April 1928 vormittags 10 Uhr beim Stadtbauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung m Gegenwart etwa er- Bekanntmachung. Das Fahren der Leichenwagen ftir die Zeit vom 1. April 1928 bis 31. März 1929 soll nochmals öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen liegen bei uns zur Einfickt offen. Angebote find bis zum TonncrStag, dem 5. April 1928 vormittags 11 Uhr verschlossen, versiegelt und mit entsprechen- der Ausschrist versehen an das Stadtbauamt abzugeben. Zuschlags- und Dindefrist 14 Tage. 3501B Gießen, den 30. März 1928. Stadtbauamt. Braubach. 10000,— 4624,80 26603,10 4036,46 2171590,46 MgebW non Bönotöeilen. Die für den Neubau eines Lchrerwohn- Hanfes in Villiugen erforderlichen Rohbauarbeiten werden auf Grund der Reichs- verdingungsordnung im öffentlichen Wett- bewerb ausgefchrieben. l. Erd- und Maurerarbetten '10 cbm Erdausyub, 63 cbm Bruchstei: 100 cbm Ringofen- steiumauerwcrk). - Sterohaucrarbctten (Kunststein) (1,80 com Treppenstufen und Fensterbänke). HI. Zimmcrarbc.tc« (19 cbm Tannenholz, 1100 m Verzimmerung). IV. Eisenlieferung (1100 kg Dräaer). V. Grobfchrosfcrarbcitcn (125 kg Anker und Schrauben). VI. Dachdeücr- arbeitell (140 qm Biberfchwanzdach). VII. Sp^nalerarbeiten (65 m Hängelandel und Abfallrohre). Angebotsvordrucke werden vom 4. April ab auf unferem Amte, Stephanstraße 18, Etmer 4, abgegeben, woselbst auch Die chnungen und Bedingungen emzuseyen 34960 «m Mittwoch, dem 11. April d. werden die Unterlagen von vormittags jjy __ 14 Uhr bei der Bürgermeisterei m Billingen offengelegt. Die Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, rostfrei, bis zum Montag, dem 16. Apr» d. I., vormittag» 11 Uhr, bei uns einzureichen. Zum Eröffnungstermin haben die Bieter Zutritt. Zufchlagsftist 4 Wochen. Gießen, den 30. März 1928. Hessisches Hochbauamt Gießen. I. V.: Kuhlmann. ____ Erlcmgimg eines Titels fldegen mar, sind von Albers um erheblich« Beträge geschädigt worden, jÄioch war auch aus anderen Tellen Deutschlands seine Kundschaft zienllich groß. Lntwijchl. Einer der gefährlichsten Berliner Smbrechrr, der Arbeiter Paul C o l a n u s, der vor acht Tagen nach aufregender 2agd feUgcnommen werden konnte, ist seinen Transporteuren, die ihn in die Strafanstalt Plbhenseo übecführen sollten, entwichen. Gr versetzte dem einen Beamten auf dem belebten Alexanderplatz einen wuchtigen Stoß vor die Brust, brachte den anderen durch eine Fustsalle zum Straucheln. Aoch in der gleichen Aacht wurde am Kurfürst endamm ein Einbruch verübt.der nach der Ausführung ohne Zweifel EolanuS zuzuschreiben ist. linier dem Verdacht, die Flucht des ^rbrechcrs unterstützt und begünstigt zu haben, wurden dessen Braut Dora Sleitner aus der Wiesenstraße unb eine Verwcmbte, Frau Mann aus der Brunnenstraße, fest genommen. Bombenanschlag in Ronjas Eily. In Kansas City wurde ein Speicher dlirch einen Bombenanschlag teilweise zerftöri. Etwa zwanzig Personen trugen Verletzungen davon. In der letzten Zeit waren bereits zahlreiche Bom- benanschläge verübt worden. Es wurde nunmehr ein früherer Sträfling feftgenommen, der «in- gestand, als Führer einer Bande täti^ gewesen zu fein, deren Aufgabe es fein sollte, «Sachgüter so lange zu zerstören, bis die Arbeitgeber gezwungen gewesen wären, lediglich den Gewerkschaften angehörige Arbeiter einzustellen. Einsturz eines Turmes aus dem Jahre 800. In Tours stürzte ein im Sabre 800 n. Ehr. erbauter Turm ein, der, wie man lagt, bte Grabstätte Hildegards, einer der Frauen Karls des Großen bergen soll. Zwei neben ihm liegenbe Häuser wurden durch den Einsturz stark beschädigt. Menschen sind nicht zu Schaden ge- kommen, da im Hinblick auf die Einsturzgefahr fämlliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden waren Gustav Ador t- Genf. 31. März. (W.T.B.) Bmwesrat Gustav Ader, ehemaliger Bundespräsident und Präsident des Internationalen Roten Kreuz- lomitses, ist heute nacht um 1.30 Llhr. 83 Jahre alt. gestorben. — Gustav Ador wurde 1845 in Genf geboren. In feiner Vaterstadt studierte er Jurisprudenz unb machte sich dann bald als Advokat einer. Flamen. 1889 wurde er in den Schweizer liationalrat gewählt, dem er bis 1917 angehörte und dessen Präsident er 1901 war. Während deS Krieges erwarb er sich als Präsident des Schweizer Roten KreuzeS große Verdienste. Vach dem Rücktritt des Bundesrats Hoss mann von der Leitung der auswärtigen Geschäfte der Schweiz wurde er im Juli 1917 als Bundesrat dessen Aachfolger. Ende 1918 wurde er zum Bundespräsidenten für 1919 gewählt. Vach dem Beitritt der Schweiz zum Völkerbund wurde er zum Delegierten der Schweiz dort ernannt. Im September 1924 legte et jedoch aus Gesundheitsrücksichten diese Aem- ter nieder. Aus aller Welt. Aus der Tunkturmspihc. In Berlin wurden Passanten in der Nähe des Funkturms auf einen Mann aufmerksam, der a u f der Funkspitze herumturnte. Es handelt stch um den Artisten Ernst Meyer, der vor vier, zchn Tagen den Kölner Dom erklettert hatte. Ine von den Passanten alarmierte Feuerwehr, die mit Leiterwagen anrückte, brauchte nicht mehr in Aktion zu treten, da der Kletterer bereits unten wieder an gelangt war, wo er von der Schutzpolizei empfangen wurde. Hohites Polarslug. Das Luftschiff „Italia" wird in der zweiten Aprilwoche.zu feiner Pcllarsahrt starten. Selbstverständlich ist das genaue Datum der Abfahrt von den atmosphärischen Bedingungen abhängig. Das Luftschiff wird zunächst nach Stolp fliegen und dort bereits in der settiggestellten Luftschiffhalle landen. Ein italienischer Kreuzer wird inzwischen nach Spitzbergen fahren. Sobald er sein Ziel erreicht hat, wird das Luftschiff die Reise antreten. Die Operationsbasis wird K i n g s b a y fein, wo and) die Verproviantierung vorgensmmen werden soll. Der Aktionsradius dürfte 3000 bis 4000 Kilometer betragen. Die Besatzung besteht d-ue 15 bis 16 Personen, die fast sämttich Italiener sind, und bereits an der früheren Fahrt teilgenommen haben. Ein Teilnehmer ist Schwede und der Funker Franz Behunok ist Tschechoflowake. Zusammenstoß zweier amerikanischer Erprehzüge. Auf der Pennsylvania-Vifeinbakm fuhr der L i - berty-Erpreh mit 40 Weilen Geschwindigkeit auf den auf freier Strecke haltenden CBrDab» watz"Limited-Siipreß von hinten auf Drei Wagen des Broadway-Limited-Exprey wurden ineinandergefchoben, es sind die mittleren Wagen des Zuges. 40 Passagiere bei- Aktiva Lasse......... Reichsbank-Guthaben. . . Posischeck-Guthaben . . . Guthaben bei Banken . . Wertpapiere...... Wechsel: a) Geschäftswechsel: JUt 331460,37 b) Vorschußwechsel. JRX 84655,66 Kontokorrent- Schuldner Bürgschaftsschuldner: JMt 306889,65 Grundstück ....... Geschäftseinrichtung . • . Emer großen Titelschm'nrdeiei ist die Lei p z i - ge r Kriminalpolizei mit Hilfe eines Journalisten auf die Spur gekommen. Es handelt sich um die Verleihung von Ehrendoktor-Titeln und um die Ernennung zum Konsul. Der Journalist hatte sid) im Än-icKuß an ein Inserat, in dem Interessenten für einen Äonjulatstitel gesucht werden, an die chiffrierte Adresse nach Budapest gewandt imb wurde von dort aus wieder nach Leipzig verwiesm. In Leipzig sollte er mit einem gewissen Dr. Edgar Albers verhandeln. Dabei wurde ihm non Alders die Ernennung zum Konsul gegen einen Preis von 20 bis 25000 Mark angeboten. Für einen Doktortitel sollte er 6 dis 10 000 Mark bezahlen. Es kämen eine b € i g i { d) e und eine itolienis che Uniat m Frage, vorzugsweise der Dr. phil. Dr. rer. pol. Die italienische Universität sei etwa-" teurer, die belgische billiger und gesüitte außerdem eine Teilzahlung in zwei Raten, jedoch seien beide Universitäten gleich gut. Der Journalist «ranlahle dann die Festnahme des Dr. Albers. Er wurde non Statsanwatt Dr. Fischer in Untersuchungshaft genommen. Wie sich bisher bei der Untersuchung hei'aussteMe, ist Alders der Beauftragte eines Berliner Titelfchwtnd- l e r s und sollte die Leipziger Geschäfte uxihrnehmen. Dies ist dem Schwindler auch tn großem Maße gelungen. Derschiedene Leipziger Einwohner, darunter bekannte Persönlichkeit en, denen an der Blutreinigungs-Kuren im Frühling wirken verjüngend. Nehmen Sie morgens und abends je 2 Herb ex-Ker ne, bte aeeiflnet lind. Un- i-einiflteiien aus dem Körver auszuicheiden und Blut und Säfte »u regenerieren. Die erhalten alt echten Herbex-Kerne schon in Packungen zu 30 Gramm in Jen Anoiheken. (t7S3sl Die Mitgliederzahl der Äenossenschast betrug am Jahresschluß 1639. Im Jahre 1927 traten 152 neue Mitglieder ein. Durch Tod unb Kündigung schieden 84 Mitglieder aus. Die Geschäft-guthaben vermehrten sich in der gleichen Zeit um JMl 107 833,85, die Laftfumme um 5LM- 115000,—. Letztere betrag am Jahresscklnß insgesamt 1828000,—. 3516D Gießen, den 31. März 1928. Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 1. April. Palmarum. Lande», vutz. unb Bettag. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mohr; 11: Linder kirche für die Mattbäusgemeinde. Pfarrer Mahr: 6: Pfarrer Becker. — Zohanneskirchc. 9.30: Pfarrer Ausfeld, 11: Kinderkirche für die Johamresgemeinde, Pfarrer Ausfeld: «: Pfarrer Bechtolsheimer: Beichte und hl. Abendmahl für Lukas-, Johannes- unb Lu- thergemeind«: 8: Bibelbesprechung im Johannes- faal, Pforrverwatter Dotzert. — Kapelle be» Alten Friedhofs: 9.30: Pfarrer Lenz. - wtefeck. 9.45: Opfer für die evangelischen Diafporagcmeinben; 11 Kinderkirche, 6.30 unb 8: Pasfions-Lichtdilderandacht — Kirchberg. 10: Kirchberg (Kollekte). 11: hl. Abend mahl für die jungen Männer unb Frauen von Lollar. 1.30: Kirchberg (Kollekte). — Alten Bufeck 10; 1. — Watzenborn-Steinberg. 10: Kinderkirche. 1: Predigt (Kollekte). — Lich. Kollekte für die hessische Diaspora: 9.30: Pfarrer Egelhoff (Griedel): 12.45: Kindergottesdienst: 2: Stiftspfarrer Schorlemmcr — katholische (Bemeinben. Samstag. 31. März Gießen. 4.30 unb 7 Uhr: Beichte. Don 4 bis 8 Uhr wird ein fremder Priester Beichte hören. Sonntag, 1. April- Palmsonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte: 7: Mess«. Äpmmunior. der Männer unb des Katholischen Kausmanmschev Vereins: 8: Kommunion: 9: Hochamt. Bor dem Hochamt werden die Palmen geweiht. 11: Messe: 5.30: Christenlehre und Andacht. — Gruuberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 18: Fastenandacht.— Lanbach. 10: Messe mit Predigt. — Lich. 7.30' Palmweihe unb Hochamt. SonnragSdieu't o. llerttr u.Ävotbeke« am t.4.:2S Prof. Dr. Ho.iigmann. Dr. Geoer. Pelikanapotheke. Zahnarzt: Dr. Baum.*D Wettervoraussage. Die westliche Störung hat sich mit ihrem Kerngebiet unter Abflachung nach England hin verlagert. Ihr Einfluß macht sich weiterhin auf unsere Wetterlaae geltend, so daß mit Fortdauer des wolkigen Wetters zu retfcnen ist. Dabei treten zunächst noch mehrfach Viederfchläge auf. Die Temperaturen gehen langsam noch etwas weiter zurück. Wettervoraussage für Sonntag: Wechselnd wolkig mit vorübergehendem Auf- klaren, etwas frischer, noch zeitweise Niederschläge. Wittern ngsauSfichten für Montag: Wolkiges Wetter, mäßig warm, strichweise Neigung zu Viederschlägen. Lufttemperaturen am 30. März: mittags 15,5 Grad Celsius, abends 2.3 Grad Celsius: am 31. März: morgens 2 Grad Celsius. Maximum 15,7 Grad Celsius, Minimum 7,3 Grad Celsius. — Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 30. März: abends 9,1 Grad Celsius: am 31. März: morgens 7,4 Grad Celsius. — Niederschläge: 5,7 Millimeter. — Sonnen- scheindauer 3 Stunden. Berliner Börse. Berlin, 81. März. (WTB. Funkjpruch.) Nach dem festen Verlauf des geftriaen Abendverkehrs steht es heute ftüh eher etwas ruhiger aus. Die Tendenz ist zwar noch freundlich, doch scheinen die Ausfiih- berg—Hungen) in seinem Betriebe lagernd, wegen Ausgabe deS Geschäfts fteiwMig meistbietend gegen Barzahlung versteigern: Zirka 50 Kubikmeter Schreinerholz, ge- schnitten, mehrere Jahre trocken gestapelt, flute ausgereiste Ware, alle Dimensionen hauptsächlich 5 und 7 m Länge; darunter ichten und Kiefern ou 18—50 mm, irta 14 Kubikmeter Linde von 25 bis 50 mm (Durchmesser dieser Stämme von 50—85 cm); mehrere Stämme Biru- und Kirschbaum, sowie Pappcl unb EiHe. Besichtigung kann vorher täglich erfolgen. _ M66D Mori. Gerichtsvollzieher m Lich. Große Aachlaß- Hobiliarversieigemng. Montag, bett 2. 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So hat erst an einem ber letzten Tage der in den Vereinigten Staaten zu Gast weilende berühmte deutsche Schriftsteller Emil Ludwig, der Biograph Goethes, Bismarcks und Dapoleons, Henry Ford in einem kurzen Watch 27 Murmeln abgewonnen, was in den Presseberichten als erstrangiges Sportereignis gebührend hervorgehoben wurde. Täuscht uns nicht alles, so wird dieses neue Sportspiel wie alles andere, was aus dem gesegneten Amerika kommt, sehr bald einen Siegeszug um die ganze Welt antreten. (Matth. 18, Vers 3.) _________ Ein Nekordflng von Kibihen. Aus Deufundland wird von einem beispiellosen Flug einer großen Anzahl von Kibihen über den Atlantischen Ozean berichtet. Während man sonst den Kibitz hauptsächlich als Einzel- flieger findet, handelt es sich hier um eine Massenwanderung, und zwar haben die Vögel, wie die Beringung erweist, von England bis Deufundland die Strecke von 1730 engt Meilen, also fast 2800 Kilometer, zurückgelegt. Sie müssen ohne Aufenthalt und Dahrung etwa 20 Stunden geflogen sein. Die Schnelligkeit des Kibihfluges eträgt etwa 40 eng. Meilen in der Stunde, kann sich aber bei starkem Wind auf 70 Meilen und mehr steigern. Das „Thespis-Schiff". Der Thespis-Karren steht am Anfang der Geschichte des Theaters, und seitdem sind die Komödianten oft auf Wagen durch die Lande gezogen. Aber das »Thespis-Schiff" ist eine Deu- peit in der Theatergeschichte, und seine Erfindung war dem Deuyorker Theaterdirektor Iames Adams Vorbehalten. Er besitzt ein schwimmendes Theater, em großes Schiff, in dem sich ein riesiger Theatersaal befindet, sowie Garderoben und aller Zubehör. Mtt diesem Theaterschiff fährt er an den Küsten von Dirginien und Dord- Karolina entlang, dampft die großen Flüsse hinauf und legt an den Städten an. Die Bürger, die sich den seltenen Theatergenuh verschaffen wollen, kommen dann an Bord und wohnen hier den Vorstellungen bet Seeabrüstungskonferenz am gleichen Ort im vorigen Jahr, ilnb deshalb spielte England — baß bedarf keiner befonberen Erklärung mehr Seit der ersten Erwähnung durch Schacht hat der Gedanke, Kolonien auf rein wirtschaftlicher Basis zu gründen, immer weitere Verbreitung gefunben. Augenblicklich findet man dieses System der Charteredgesellschaften nur im portugiesischen Afrlla, wo der Derfasier kürzlich Gelegenheit hatte, die Vor- und Dachleile aus eigener Anschauung lernten zu lernen. „Sie stehen hier unter dem Schutze der Com- pcmhia de Mozambique, Senhor!" Mit diesen Worten wird man von der Hafenpolizei tn Beira empfangen, die den Pah zwar genau prüft, das portugiesische Visum aber keines Blickes würdigt. Tausendfach wird dieser erste Eindruck betätigt. Alles, was mit der Verwaltung zusammenhängt, liegt in den Händen der wirtschaftlichen Vereinigungen der Charteredgesellschaften. Portugal selbst beschränkt sich darauf, Soldaten und Offiziere zu stellen und seine Gefängnisse zu verwalten (auch die alte Burg Mozambique ist zum Gefängnis für deportierte Portugiesen umgewandelt). Der Staat überträgt jedes finanzielle Risiko den Charteredgesellschaften und schützt seinen Haushatt vor Belastungen. Daß eine kaufmännische privilegierte Gesellschaft mit schwachem staatlichen Hintergrund eine Kolonie lenkt, ist im Grunde nichts Deues. Eine solche Gesellschaft — wenngleich in viel kleinerem Der Schlußakt bringt musikalisch so gut wie nichts mehr, ist im Dialog schwach, mehr schlecht als recht und stellt mit bemerkenswerter Biederkeit die Ordnung wieder her. Das Abenteuer der großen Pompadour ist aus, ehe es mit der in ihrem Sinne einzig möglichen Pointe zum Abenteuer wurde. Renö wird seiner Gemahlin wiedergegeben, Ealicot, vom Tode errettet, bekommt die Zofe, Madame verzichtet, und Ludwig, der ein fürchterlicher Trottel ist, gibt feinen Segen dazu. Die Musik von Fall ist weder revolutionär, noch überraschend, noch originell; aber sie ist weich insttu- mentiert, ansprechend, operettenmäßig wirksam und hat ein paar zur Popularität geschaffene, effektvolle Lieder. Im ersten Akt das Pompadour-Chanson und Madames ausgelassene Verheißung^ „Heut könnt einer sein Glück bei mir machen ..im zweiten Akt ein galantes Terzett und eine reizende, witzig vertonte Tanzparodie mit Tutanchamonmoliven: „Josef, ach Josef ..singt die Pompadour als Potiphar, und es ist sehr lustig. Im dritten Akt nichts. Die musikalische Wiedergabe (am Pult: Kapell- meister Reff) war frisch, sauber, voll Schwung und gutem Tempo; Beckers Regie: korrekt, aber ohne die fühlbaren Schwächen verdecken zu können, am wirksamsten im Mittelakt; hier auch ein hübsches Bühnenbild: aparter Rokokoraum in zarten Pastell- tönen. (Das Arbeitszimmer des Königs, zuletzt, war farbig recht unruhig.) Dekorationen: Karl Löffler. In der Rolle der Pompadour erschien Meta L i e- b ermann (Freiburg i. Br., als Gast); eine sehr glückliche Besetzung; wirklich die „große Dame , als die sie im Eingangslied angekündigt wird, pikant, elegant, leichtsinnig und dennoch überlegen, eine Courtisane von Format, mit geschmackvollen darstellerischen Mitteln und bestechendem gesanglichen Einsatz. - Mar Patschky (a. G.) bemühte sich mit weiser Zurückhaltung um die wahrhaftig nicht beneidenswert ausgestattete Partte des Königs — Steinbrecher gab den Renä mit erfreulichem Temperament, vermochte aber gesanglich den Anforderungen der Partte nicht überall zu genügen. Don den übrigen: Hechinger (als Bänkelsänger und keuscher Josef), Käthe Itter (Kammerkätzchen), Phily Marfa (die betrogene Madeleine) und C Hirsch (der Polizeiminister von grotesker Un- fähigkett). — überbrückt. Die ausgedehnten Beziehungen, die Portugiesisch-Ost mit Rhodesien, Transvaal und Datal unterhält, wären ohne die rein wirtschaftliche Orientierung der Charteredgesellschaften unmöglich. , Außer Frage stehen ihre tatsächlichen Ersolge, solange es sich um die innere Verwaltung der Kolonie handelt. Mehr als andere müssen sich die portugiesischen Besitzungen gegen England behaupten, und wenn es sich um Wahrung außenpolitischer Interessen handelt, versagt das System vollständig. Weniger bei Qlngola, das die Rolle eines Pufferstaates zwischen dem französischen und dem englischen Afrika spielt, und dem das politisch farblose Kleid sehr gut steht. Um so größer aber ist die Bedeutung von Portugiesisch-Ost. Beira ist die Psorte für Rhodesien und Lorenzo Marques der Hafen für Iohannisburg für alle von Dorden kommenden Schiffe. Man dachte erst daran, einen eigenen Hafen nördlich von Durban zu bauen, um daS portugiesische Gebiet zu umgehen. Aber es scheint, daß man jetzt auf diesen Plan verzichten will. Für England konnte eine Grenze wie die portugiesische kein Hindernis bedeuten, und so baut man einfach Lorenzo Marques für die englischen Interessen entsprechend aus. Ohne die Charteredgesellschaften wäre das nicht möglich gewesen. England vackt sie an der richtigen Stelle und beteiligt sich mit seinem Kapital an den portugiesischen Unternehmungen in einer Höhe, die es ohnehin für Zölle ausgeben müßte. Dadurch sichert es sich außer Zollfreiheit eine Stimme, durch die es seinen Durchgangsverkehr wirksam unterstützen kann. Das also ist das Ergebnis der Chartered- Gesellschasten! Sie erschließen ihre Kolonie einem Austausch mit den anschließenden Ländern — auf Kosten ihrer eigenen Existenz. Man glaubt, mit England glänzende Geschäfte zu machen, die Gewinne steigen — aber das ganze Land wird allmählich englisch. Ohne es zu merken, leben vielleicht heute schon die Gesellschaften von der Substanz, nämlich von dem Verkauf ihres eigenen Landes. Das gleiche Schicksal würde Deutschland treffen. Eine Produktion wäre nur möglich unter Aufwendung nennenswerter Kapitalien, die zu einem großen Teil aus dem Ausland stammen und von vornherein die Selbständigkeit unterbinden mühten. Weiterhin würden wir nicht nur erzeugen, sondern auch Kulturland schaffen und das in Ländern, in denen kein unmittelbarer Schutz für fremdes Privateigentum besteht. Und endlich: die Summe von ausgeführter Arbeitskraft, UnternefjmungSgeift und Kapital wird von fremden Kolonien als Kulturdünger aufgesogen, wahrend die politische Selbständigkeit in nur allzu kurzer Zeit verloren geht. Denken wir an die Ungardeutschen, die Brasilianischen, die Wolgadeutschen, und denken wir an die Deutschen in Südwestafrika, die vor kurzem ungefragt die deutsche Rationalität mit der britischen vertauschen muhten. Sie alle bestätigen die traurige Erfahrung der letzten zweihundert Jahre, dah die ins Ausland abgeleiteten Teile unseres Volkes erst als politische, dann als Kultureinheit für immer verloren gehen. Regierungsrat Orth sagte in einer seiner -Reden: „Es darf niemals der Endzweck unserer Produktions- wie Bevölkerungspolitik sein, Rohstoffe zu schaffen, die wir nicht selber verarbeiten oder frei verwerten, und Menschen auszuführen, ohne sie völkerrechtlich mit dem Mutterland dauernd geeint zu wissen." Das Prinzip der Chartered-Gesellschaften wird also niemals als nationale Ausdchnungsmöglich- teit, sondern höchstens als Unternehmen privaten Kapitals in Frage kommen. Die politische Selbständigkeit liehe sich vielleicht erhalten, wenn ganz Afrika in der Hand von wirtschaftlichen Unternehmer wäre. Reben einer fremden Politik wird sie aber nicht bestehen können, vor allem nicht vor dem strafen kolonialen Prinzip des britischen Weltreiches. Oie Genfer Krisis. Antzenpolitifche Umschau. Don Or. Otto Hoehsch, o. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. b. "5V Die vorbereitende Abrüstungskonferenz in Genf ist mit einem vollen Fiasko ausgegangen. Mit einem Fiasko für den Völkerbund und die Abrüstungsarbeit und mit einer Diederlage für Deutschland. Im Völkerbund ist es im allgemeinen nicht üblich, wichtige BundsSmttglieder zu überstimmen, zu majorisieren. Diesmal ist Deutschlands überstimmt worden, und nicht in einer gleichgültigen Angelegenheit, sondern in einer entscheidenden Frage, vielleicht der entscheidenden Frage des Döl^rbundes. Sowohl die russischen wie die deuftchen Vorschläge wurden abgelehnt. Abgelehnt in erster Linie der deutsche Antrag, mm endlich das Datum für die Abrüstungskonferenz zu bestimmen und diese möglichst bald abzusetzen. Doch niemals ist, trotz der schon ziemlich zahlreichen Enttäuschungen im Völkerbunde Deutschland so mit einer glatten Diederlage nach Hause gegangen! Das ist nicht die Schuld der deutschen Vertretung, insbesondere des Grafen Dernstorff. Wir sind im Gegenteil mit dessen Haltung durchaus einverstanden! Er hat auch ganz richtig und scharf die so entstandene Lage in seiner Schluherllärung charakterisiert und sie auf die Ankündigung zugespiht, daß Deutschland mm an die Dundesversammlung im September Berufung einlege. Somit ist der anderen Seite ganz schgrs vorgehalten worden, dah der Völkerbund selbst sich mit dieser Komödie zum Gespött mache, und dah die andere Seite absichtlich diese Hauptfrage ber- s Menügeführt wurde die Diederlage zunächst natürlich durch den entscheidenden Widerstand Frankreichs. Dessen Vertreter ist diesmal so wett gegangen, dah er Deutschlands Anspruch auf die Abrüstungspflicht der anderen Mächte glatt verneinte. Damit zog Frankreich überhaupt der Abrüstungsarbeit des Völkerbundes den Boden unter den Füßen weg. Wird dieser Ausgangspunkt, was bisher niemals geschah, bestritten, so hat die ganze Arbeit noch weniger Zweck und Sinn. Dann entsteht überhaupt eine neue Lage. Mit Frankreich natürlich gingen feine getreuen Anhänger, der Grieche und der TschecA und wie der gairze Kreis heißt. Auch der Vorsitzende, bekanntlich der Gesandte Hollands in Paris, hat sich diesmal wie immer als ein getreuer Gefolgsmann Frankreichs erwiesen, besonders durch seine durchaus parteiliche Haltung gegenüber den Russen, die sich ja das auch mit einem Schreiben an den Generalsekretär mit Recht sehr entschieden verbeten haben. Dann kam hinzu, dah R o r d a m e r i k a sich so schroff gegen Ruhland stellte. Wesentlicher aber als dieS ist der Umstand, dah die Diederlage Deutschland« nur möglich wurde durch das Zusammenspiel von Frankreich und England. England hat mit großer Schärfe und Regation die russischen Vorschläge bekämpft und sich auch gegen den deutschen Standpunkt gewendet. Es hat Frankreich derart sekundiert, daß Frankreichs Vertreter so auf treten konnte, wie er das tat. Woher kommt das? Jetzt machen sich die Wirkungen der Spannung zwischen den beiden angelsächsischen Weltmächten bemerkbar, die durch das Scheitern der Genfer Seeabrüstungskon- f e r e n z im vorigen Sommer einverstanden ist. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß diese Spannung sich weithin auswirten wurde. Jetzt merkt man es! Wenn die Frage der See- abrÜstüng und ihrer Beschränkung nicht vorwärts kommt, so wirkt das auch auf die Genfer Erörterungen, wenn sie sich auch in der Hauptsache auf die Landabrüstung richten. Deim. gehen die stärksten Faktoren der Weltpvlitik in der Ab- rüftungsfrage nicht voran, so hm das selbstverständlich auch nicht die zweitstarksten Darum hat die Gegnerschaft Frankreichs hier Unterstützung darin gefunden, daß die drei groben Flottenmächte im Sommer letzten wahres rn Genf nicht übereingekommen sind. Das Fiasko jetzt in Genf ist eine Folge des Scheiterns der Ein hübscher Erfolg vor vollem Hause. Dr. Th. gen Tagen Mitteilungen gemacht wvrden über Ausführungen eines Reichstagsabgevrdne.en im Haushaltsausschuß des Reichstags. Es wurde daran die Bemerkung geknüpft, daß bei maßgebenden politischen Persönlichkeiten leider noch immer nicht genügend Verständnis für die besonderen, durch die Besetzung hervorgerufenen hessischen Schwierigkeiten vorhanden sei. Aus dem Stenogramm ist nunmehr zu entnehmen, daß der betreffende DeichstagSabgeordnete im weiteren Verlauf der Aussprache ausdrücklich erklärt habe, die Gewährung von Reichsmitteln an das Land Hessen sei nicht zu beanstanden. Hieraus ergibt sich, daß die oben wieder- gegebene Bemerkung über mangelndes Verständnis gegenüber Hessen im vorliegenden Falle nicht zutrifst. Vatikan und Kapitol. Es hat wohl mancher Deutscher schon seit längerer Zeit über die Entwicklung der Dinge in Italien im Stillen verwundert den Kopf geschüttelt. Die Selbst- und Gewaltherrschaft Mussolinis hat Anerkennung, vielfach sogar begeisterte Bewunderung gefunden und auch der unbefangene Zuschauer muh zugestehen, daß der tatsächliche Herrscher Italien« Eigenschaften entwickelt hat, die ihn hoch über jeden Durchschnitt emporragen lassen. Rur drängte sich gleichzeitig auch die Frage auf, wie lange ein einziger Mann imstande sein würde, die selbst au, erlegte Last zu tragen, denn es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, dah mit seiner Person das faszistische Regiment in Italien steht und fällt. Die Wandlung, die er hervorgerufen, ist zu plötzlich und unvermittelt gekommen, als dah man die Gewähr für ihre Dauer außerhalb der Persönlichkeit Mussolinis finden könnte. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen des italienischen Faszismus war die scheinbare Aussöhnung de« staatlichen Italiens mit dem Vatikan, die vor rund zwei Iahren sich angebahnt hatte und im Herbst 1926 bei der Iahr- hundertseier des Heiligen Franz von Assisi ihren Höhepunkt erreichte. Damals sprach man sehr ernsthaft und bestimmt von einer völligen Aussöhnung zwischen Vatikan und Kapitol. Zwar hielt der Papst seine freiwillige Gefangenschaft im Vatikan noch aufrecht. Aber er lieh sich durch Kardinäle bei den verschiedenen Feiern vertreten und diesen wurde als den persönlichen Repräsentanten des Heiligen Vaters königliche Ehren erwiesen. Bei einer solchen Feier erwiderte der betreffende Kardinal auf eine Anspielung des Regierungsvertreters mit ausdrücklicher Zustimmung des Papstes, daß dieser durch ihn in Person anwesend sei, was in ganz Italien und außerhalb als die tatsächliche Anerkennung eines neuen Verhältnisses auch zwischen Pius Xl. und Mussolini angesehen werden konnte und muhte. Seither hat sich jedoch manches geändert, wenn auch in der Oessentlichkeit. und namentlich bei der großen Masse des italienischen Dolles noch immer der Eindruck sich erhalten hatte, daS zwischen diesen beiden seit jeher miteinander ringenden Gewalten, der Kirche und dem Staat, ein durchaus befriedigendes Verhältnis vorherrsche. An der Aenderung ist, wenn auch uneingestan- denermahen. die Knechtung der deutschen Bevölkerung Südtirols durch Mussvlrni zu einem nicht geringen Teil mit Schuld. Solange sich die Unterdrückung dieses deutschen DollSstammes durch den italienischen Machthaber auf das politische, finanzielle und juristische Gebiet beschränkte, sah die Kirche ruhig zu. Als jedoch die Italiener daran gingen, auch auf kulturellem Gebiet, namentlich in der Schule, im Religionsunterricht und in der Kirche, alles Deutsche aufs schwerste zu bekämpfen, wendete sich das Blatt. Die katholische Geistlichkeit Südtirols richtete au« tiefster Brust stammende Bitten an den geistlichen Oberhirten und an die Katholiken der ganzen Welt, ihnen bei Wahrung des Grundsatzes zu Helsen, nach dem der Religionsunterricht und die Kirchenbeichte in der Muttersprache als höchstes Gut der Menschheit zu betrachten ist. Wer auf diesen heißen Appell eine sosortige entsprechende Antwort des Vatikans erwartet hatte, wurde freilich bitter enttäuscht. Man schwieg und wartete ab. Dieses Schweigen ist offenbar unter den italienischen Katholiken nicht verstanden worden und deswegen hat sich nunmehr der Papst veranlaßt gesehen, deutlicher zu werden. Roch in Befolgung der bisherigen Politik hatten Vertreter der katholischen Voltspartei, der sog. P o p o l o r i, bei einer Versammlung in Rom als politische Partei Mussolini aufgesucht und ihn ihrer Anhängerschaft versichert. Rach dem Vatikan waren sie nicht gezogen, wohl weil sie eine älnterscheiduüg zwischen politischen und religiösen Veranstaltungen machen wollten. Diese Unterscheidung hat ihnen der Papst übel genommen und in einer Ansprache hat er sich sehr scharf gegen dieses Verhalten ausgesprochen. Besonders wandte er sich gegen die Allmacht des Staates und verlangte die Dorherrschast der Kirche auf dem Gebiet des Religionsunterrichts in der Schule. Südtirol hat Pius XI. dabei mit keinem Wort erwähnt, ater men konnte doch wohl durchfühlen, daß er an die italienische Unterdrückungspolitik in Südtirol lebhaft dachte al« er diese Forderung aufstellte. Man muß in diesem Schritt des Papstes eine offene Kriegserklärung gegen Mussolini erblicken und eS ist nicht ausgeschlossen, daß sich daraus ein Kulturkampf in Italien entwickelt. Mussolini selbst hat, feiner Art entsprechend, sofort eine gleich energische Antwort erteilt, indem er kurzerhand die Weiterverbreit tung der päpstlichen Ansprache in der Öffentlichkeit verbot. Das italienische Volk weiß also gar nicht, was der Papst gesagt hat und wird es auch kaum erfahren, denn bekanntlich ist die gesamte italienische Presse von den Faszisten für sich monopolisiert worden. Rur der gebildetere Teil deS italienischen Volkes wird den Inhalt der päpstlichen Ansprache langsam auf dem Umweg über daS Ausland erfahren. Mit der ihm eigenen Unbekümmertheit hat sich gleichzeitig Mussolini abermals über Südtirol ausgesprochen und dabei eine verblüffende Gleichgültigkeit gegen alle Forderungen der Logik bewiesen. Den Ungarn gestand er zu, Grenzen ihrem Volkstum entsprechend zu erhalten, den Deutschen Südtirols, die er wegwerfend al« einen österreichischen Volksstamm bezeichnete, sprach er dieses Recht ob, weil der Brenner die natürliche Grenze Italiens sei. Daß der Brenner tatsächlich nie die Grenze Italiens gewesen ist, ist eine Kleinigkeit, um die sich der italienische Gewaltherrscher nicht kümmert. Es wäre nicht das erstemal in der Weltgeschichte, daß sich aus einem nach Ansicht der jeweiligen Machthaber geringfügigen Anlaß ein heißer Kampf entwickelt, dessen Ende nicht abzusehen ist. Ein wirklicher Kulturkampf in Italien könnte geeignet sein, der Herrschaft Mussolinis den Boden unter den Füßen wegzuziehen. zum Schaden des Volksganzen engt man bte persönliche Freiheit des einzelnen manchmal so ein, daß ihm die Freude, für daS Ganze zu ♦* Der Beginn der Borftellungen im Stadttheaterbureau Rußlands Wirtschaft und die Deutschen-Verhaftungen Ein authentischer Äericht über die Lage. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 31. März 1928. Landeü-Duß- und Bettag. Je älter man wird, um fo skeptischer denkt man über den Wert eines Landes-Buß- und Det- tages. Dieser Tag wird längst nicht mehr von dem ganzen Volke gefeiert. Weite Kreise sind dem kirchlichen Leben ganz entfremdet, die Veranstaltungen ihrer Kirche liegen ihnen so fern, als ob eS Veranstaltungen eines fremden Volkes wären. Buße tun heißt den Sinn zum Guten ändern. Sind die Menschen überhaupt geneigt, ihren Sinn zu ändern? Martin Luther gebraucht In seinem Kleinen Katechismus bei der Erklärung der Taufe eine Redewendung, die manchem Menschen der Gegenwart vielleicht etwas derb vorkommt, die aber ungemein plastisch ist und eine tiefe Kenntnis des menschlichen Seelenleben« in sich birgt. Er fragt: „Was bedeutet denn solch Wassertaufen?", und gibt die Antwort: „Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buhe soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten und wiederum täglich heraus- kommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe." Der alte Adam, daS ist der Mensch mit feinen Gewohnheiten, Fehlern, Eigenheiten und Leidenschaften. Diesie lassen sich so leicht nicht beseitigen, der alte Adam ist nicht so ohne weiteres zu ersäufen, er bricht immer wieder mit großer Gewalt hervor, und Luther hat auch darin recht, daß er sagt, es sei schwer, alte Schälke fromm zu machen. Dennoch ist es eine sehr heilsame Sache um einen Bußtag. Gr legt dem Menschen die Verpflichtung auf, unablässig, täglich sich selbst zu prüfen, ob fein Denken und Tun vor feinem Gewissen Geltung behalten kann, ob fein Irdisches vor Gott besteht. Wie hast du deine Zeit tung derselben durch die im Abrechnungsoerfahren zuaelassenen Steuerpflichtigen. Ohne Schonfrist. 2 0. April: Steuerabzug vom Arbeitslohn für die Zeit vom Im Zusammenhang mit der Verhaftung der deutschen Ingenieure im Donez Gebiet ist selbstverständlich die Frage in den Vordergrund gerückt, wie zur Zeit die Lage überhaupt in Rußland ist, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten noch vorhanden sind, und wie sich nach den Verhaftungen die Beziehungen schließlich gestalten können. Im Rahmen der deutsch-russischen Wirt^chastsbesprechungen in Berlin hat sich die Oessentlichkeit schon manmg- fach mit den russischen Fragen beschäftigt, es ist ober doch interessant, noch einmal in großem Zusammenbang eine Schilderung zu geben, die keine Tendenz verfolgt, sondern nur dem einen Zwecke dienen soll, die richtige Ansicht über Rußland im Auslande und namentlich in Deutschland zu verbreiten. Es dürfte dieses namentlich für die Wirtschaftsbeziehungen von grundlegender Bedeutung fein. Folgendes Bild, as dem WTB.-HandelSdienst ein guter Kenner Rußlands gegeben hat, ist deshalb außerordentlich interessant, zumal es einen tiefen Einblick in die russischen Verhältnisse der Jetztzeit gewährt. Der Gesamteindruck, so sührt unser Gewährsmann aus, zeigt ein Bild, das namentlich in den Städten sich in den letzten Monaten sehr verschlechtert hat. Die Ladengeschäfte sind zum großen Teil geschlossen, zum Teil durch die Verstaatlichung in einem derartigen Zustande, der den Rieder gang der russischen Wirtschaft, der auf den letzteren Umstand wesentlich zurück- gesührt werden muh, erkennen läßt. Die ungeheure Teuerung hat ebenfalls ihren Grund darin und gleichfalls der Mangel einer ganzen Reihe von Produkten, wie Butter, (Sier, weißes Mehl, Kleiderstoffe, Wäsche, Speiseöl usw. Man könnte sagen, daß einRegiefehler vorliege. Jedenfalls ist dieses nichtderalleinigeGrund. Vielmehr haben die Russen, um Geld hereinzubekommen, ihre Landesprodukte in so großem Umfange ausgeführt, dah dieses große Agrarland Mangel an den wichtigsten Nahrungsmitteln aufweist. Textilwaren fehlen deshalb, weil weder fertige Waren, noch genügend Rohstoffe wegen Geldmangel eingeführt werden können. Unter diesen Zuständen leidet das gcprze Volk, und namentlich leiden diejenigen, welchen durch die Einführung des Sowjetsystems am meisten geholfen werden fällte, nämlich d i e Armen. Was nun den Import anbetrifft, so interessiert in erster Linie der Anteil, den Deutschland daran hat. War der deutsche Export nach Rußland durch die Gewährung des 300-Millionen Kredites auch angestiegen, so muß man doch jetzt, nachdem dieser Kredit erledigt ist, feststellen, daß die bei der deutschen Wirtschaft Plazierten Bestellungen ganz rapid abgenommen haben. Was das für Rußland bedeutet, erkennt man daraus, dah Rußland auf den Import deutscher Fertigfabrikate j e d e r A r t angewiesen ist. Aus zwei wirtschaftlichen Gründen dürften für Rußland gute Beziehungen zu Deutschland von Vorteil fein. Einmal ist fein Export nach Deutschland sehr groß, d. h. wir sind einer seiner besten Kunden, und schließlich finanzieren wir einen großen Teil seines Imports, indem wir gegen Wechsel unsere Maschinen liefern, wodurch der Sowjetunion die Möglichkeit gegeben wird, ihre Wirtschaft aufzubauen. Man hört in Deutschland häufig die Befürchtung, daß, falls wir das russische Geschäft nicht machen, oiefes von England und Amerika gemacht werden würde. Diese Umschaltung ist jedoch n ich t wahrscheinlich, und zwar schon deshalb, weil namentlich die Engländer ebenso wie wir mit russischen Wechselnfaturiert sind. Der Handel mit diesen Ländern vollzieht sich außerdem jetzt schon zuvielschlech terenBedingungen für die Russen, als der mit Deutschland. Die Engländer fordern Barzahlung bis zum Versand der Ware mit mindestens 50 Proz., und die Amerikaner gehen in dieser Hinsicht noch weiter. Es kann wohl gesagt werden, dah die deutsche Industrie der Schrittmacher für die rasst- WoÄ ÄÄ Äer Dichter August Seinruf) Sofmann non hörigen gestellt hattest du reine Hände in deinen I Fallersleben in Fallersleben geboren (geftorben Geldgeschäften,' bist du immer in solcher Gesell- 1874); — 1805: der Achter Hans Christtan Andersen schäft und bei solchen Freunden gewesen, dah m Odense geboren (gestorben 1875), — 1840. der du vor deiner Mutter, wenn sie dabei gewesen Schriftsteller Emile Zola in Pans geboren (ge- wäre, nicht hättest erröten müssen? Das sind ftorben 1902). Fragen, die der einzelne am ersten Tage der Gieftener Wochenmarktpreise. Volksgemeinschaft einer kritischen Sichtung unter- 18° ?9S' A Ä 50 ODe?6* ziehen. Vielleicht ist unser Volk in den letzten 10 6h«f) 60 btä1 140 OBirRng 4C1 bi« 50 Wv zehn Jahren etwas innerlicher geworden, als Rotkraut 40 bis 45, früher. Man arbeitet nicht mehr soviel mit 20 bis 25, rote Rüben 15 bi« 20. Spinat 40 bis pathetischen Reden und mit großen Gesten, man 50, ^^er^hlrabi 12 bis 2 . h ist davon abgekommen, durch Massenversamm- ^ ^pfenfobl bO bis 80 Selbfalat 150 Bts ZW, langen and Massenresolutionen Erstrebenswertes Aidiwen 100 bis 120^ Tomaten^130 Zwiebln 25. S SÄ« 2a^Ä "K Ä L M.100 w heilsamen Leibesübungen werden völlig zum Bornotizen. Sport, der, wie der Name schon besagt, in Deutschland nicht seinen Ursprung hat, sie er- r\iRr^TmnSrfübruna Dn Ml- toten in der Jugend das geistige Leben. Em hanneskirche- a , Finanzskandal jagt den anderen, man wirtschaftet ^9«.Arn. ^^ener Tur. sch s . yr leichtsinnig mit öfsentlichen Mitteln: Bestechung Neichs unMrist- und Korruption sind tägliche Erscheinungen. So- Zou-^mmwa^-Erste Rerch-turzschrist- lange man in Deutschland noch von Menschen Gesellschaft -Gabelsberge: 8^Ollhr .Stadt als „Material" redet, muß eS mit der Men- U Dttfannnüm» Lichllprelchmi«, Baynyop schenliebe und der sozialen Gesinnung sehr im stsaße. Sv küßt nur eure Wienerin . f Argen liegen. Man redet gegen den Geburten- Lichtspiele, ' ^elphogor' 1-, SW.« ÄM W-r VON dem ©eburtenrMgang rebzt. fotl nicht -WS»f vergessen. Bon der Inflation zu sprechen, die Ml die Ersparnisse des deutschen Volkes vernichtet na-Lichtspiele. „Delphogor hat, von der heutigen Arbeitslosigkeit und da- von, daß heute der Arbeiter und der Beamte ** Der Beginn der Borftellungen im oft zu einer Zeit, in b?r er noch viel Nützliches Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau leisten könnte, zum Richtstun verurteilt wird, wird ans geschrieben: Um vielfach im Publikum ge« Torheiten, die so tief In das Familienleben äußerten Wünschen entgegenzakommen. hat sich die einschneiden würden wie die seiner Zeit flür- Intendanz des Stadttheaters entschlossen, ab 1. April misch geforderte Staatsdienstpflicht der Frau, alle Vorstellungen werktags, deren Dauer die Zeit scheinen heute ja überwunden zu fein, aber * von zwei Stunden nicht wesentlich überschreiten. wirken, vergeht. Gegen alle diese Schäden helfen keine behördlichen Aiwrdnungen und keine öffentlichen Aufrufe, dagegen hilft nut her Hinweis auf das Wort des Heilandes: „Du sollst lieben Gott, schen Geschäfte ist und wohl auch bleiben wird, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Wenn dieses bis jetzt in positiver Hinsicht ge- Seele and von ganzem Gemüts. Dies ist daS schehen ist, so kann es nach den bekannten Vor- I vornehmste und größte Gebot. Das andere aber fallen eintreten, daß wir es auch in nega- jst dem gleich: Du sollst deinen Rächsten lieben tiber Richtung sein müssen, aber zum Scha- als dich selbst." Trachten wir darnach, mit den den Rußlands. ewigen Mächten in Verbindung zu kommen, geben Was nun die Konzefsionsverträge be- wir dem Rächsten in Treue und persönlicher trifft, fo dürfte bekannt sein, daß diese durchweg Anteilnahme das Seine, so wird es in vielem so scharf abgesaßt sind und baß den Konzessiv- unter uns besser werden, zum mindesten wird nären bei der Fabrikation und beim Abwickeln in vielen der Wunsch erwachen, den alten Adam ihrer Geschäfte soviel Schwierigkeiten gemacht wer- in sich zu ertöten, damit täglich herauskomme den, daß ein nennenswerter Verdienst und auferstehe ein neuer Mensch. H.D. nicht verbleiben rann. Es ist ein Soll er... bekannt, in dem sich der Konzessionär verpflichten I ötCUetTOiCtWCr für 4lprrt. mußte, sein verdientes Geld in Rußland 311 1 April: Rentenbankzinsen neuer Art 1.Rate lassen. Andere, denen das nicht vorgeschrieben ist, tür Rechnungsjahr 1928 auf Grund der für Rj. 1925 haben sehr große Schwierigkeiten, wenn sie ihr zugestellten Grundschuldbescheide. verdientes Geld ins Ausland überweisen wollen. I 5 April Steuerabzug vom Arbeitslohn Als Auswirkung aller dieser Wrnnente hat sich (Lohnsteuer); Abführung der für die Zeit vom in Rußland ein Zustand herausgebildet der sehr 16 März 1928 bis 31. März 1928 einschließlich an die Zeit der deutschen Inflatron &cr erften Märzhälfte einbehaltenen noch erinnert. Rußland ist völlig im A a sver - nj*t abgelieferten Beträge, ohne Rücksicht auf deren kauf begriffen ja, man kann wohl sagen, daß es ^öt)e @Icid)d<,itig jst die Abgabe einer entsprechenschon zum großen Teil ausverkauft ul. In den den Bescheinigung über die Richtigkeit der im Geschäften, wie 3utoeüer-2aben u. bgl, m denen März 1928 einbehaltenen Beträge erforderlich, die Wertsachen, Möbel uftp. der früheren wohl- £>kne Schonfrist. habenden Besitzer zum Verkauf gelangen und in 10 April: Einkommen- und Körperschafts- denen man vor einigen Monaten noch kostbare steueroorauszahluna 1. Rate 1928. Ohne Schon- Gegenstände sehen konnte, tft fast nichts mehr Richt für Landwirte. Umsatzsteuervoraus- zu haben. Zahlung für das 1. Viertel des Kalenderjahrs Do ist ber Eindruck, den man heute von der ^28 unter gleichzeitiger Abgabe einer eutsprechen- rullischen Wirtschaftslage gewinnt. Was in diesem I &en Voranmeldung. — Börsenumsatzsteuer: Entrich- Zusammcnhange die Verhaftungen der' --- ■ - • ■ • — - deutschen Ingenieure an Auswirkungen zeitigen werden, liegt auf der Hand. Verspricht schon die Wirtschaftslage, wie sie jetzt ist und 1 Lohnsteuer) Abführung der , solange fte nicht gebessert Ard k ein e günstigen J April bis 15. April 1928 einbehaltenen Beträge, 2lusftchten auf einen reg«t Geschä tSverkch^so ist -fern sie mehr als 200 Mk. betragen. Ohne Schon, der Handelsverkehr durch die Deuftchenverhas-- leWöerftimbliÄ n*$! nuc *tn Bei Posteinzahlungen find jedesmal die Steuer- arie Srühl'sche Unlver-täU-vNttkerei. 8. Lange. Sietzen. Zchulfn. 7 Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen sagen wir innigsten Dank Peter Will und Kinder Annerod, den 31. März 1928 Todes-Anzeige. Heute nacht um 12 Uhr entschlief nach langjährigem Leiden meine liebe Frau, Mutter, Schwiegertochter und Schwester Frau Marie Vogel geb. Mecker im Alter von 37 Jahren. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsern lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Ludwig Schadeck II. nach kurzem Leiden im 68. Lebensjahr zu sich in die Ewig- Heute morgen entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein Heber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater J ohannes Weber V. im Alter von 75 Jahren. MM auf Teilzabluug Reparaturen schnell und billig VUSmel Aüerweg 3. Prima oe® MIW Llliltcher Rambur LPfd.MBf.. ».haben Weserstraße 6 L Beerenobsthoch- stämmc Beerenobst- sträuchcr Himbeersträucher Rosenhochstamme Schlingrosen Buschrosen darunter die beiten Neuheiten Edle Flieder Feinere Plüte«- tträucher empfiehlt au reellem Vrelö 02502 Gärtnerei Dönges, Gießen, Marburger Straße 67, Tel. 748. F Große Nu-wablin Men, gflnnrien, Wonnen, ®olöfil(6en,Sollet nnö Deintenflüen. Geber Vogelhaus Wolkengaste 17. 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Wir Entscheidung d< zeichnen können nchtig, daß ni bisher allein d> die Straße in auch alle Mir niehern des ( Rechte mid aber auck gle wäre allerding bührenlast aus denn in der Ti Straßen ihren des allgemeines die steuerliches Regelung nicht oder übÄ mit modus abslnd Straßenreinigu gleichem Maß ordnungfü Müllabfuh der erstgenam geklärt war, ei liche Debatte, i antrag verhind Mit besondere richt über die Straßenbol Wunsche vorgebi mitgeteilten Zis stir die Schle von über 28 000 ZU schuß zur § ®'r finden, da' Kostenaufwand i H W selten l°st Pielige ledenfallg im un ten Kapital steh feine vorschlugen, di ?E/aßengal chendurchae laues neuen A stoben und auß, !ine künftige A gieltge $dj(e r ^rden. 2 7'eben-D N der 6tto Mm Betrieb K der heutige d '"^eifel bn S*“8 E Aarkl.-entspl Mit L den steuer ^rekte 'N i)ök7 iur schluß n'e Öbir Nr. 78 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, Zs. März 1928 für der Wohnungsbaues allgemein anerkannt ist, verzichtet das Haus auf eine Aussprache. Gebührenordnung Beseitigung der Vorgärten in der frankfurter Strohe. Da die Frankfurter Straße sich zu einer Der- kehrSstrahe ersten Ranges entwickelt hat, Wien Der Bebauungsplan und die Ortssatzung das Gebiet an der Grünberger Straße und Straße nach Rödgen werden genehmigt. Bauangelegenheiten. für die Benutzung der städtischen Strahenreinigung. Im Rechnungsjahr 1928 wird für die städtische Straßenreinigung eine Ausgabe von 121 234 Mk. entstehen. Um dafür Deckung zu schaffen, hat der Finanzausschuß mit Mehrheit beschlossen, den seitherigen Gebührensatz von 20 Pf. je Quadratmeter Reinigungsfläche auf 32 Pf. zu erhöhen und die Erhebung noch Maßgabe der Gebührenordnung von 1922 vornehmen zu lassen. Ein Antrag Launspach, Löber, Haubach, Dr. Krausmüller fordert, für die Besitzer unbebauter Gnmdstücke an dem städtischen Straßennetz eine besondere Gebührenregelung zu schaffen, die eine Ermäßigung der Gebühren für diese Straßenflächen bringt, damit die Besitzer der unbebauten Grundstücke nicht so hart getroffen werden. Stadtv. Hornberger (Soz.) weist darauf hin, daß die seitherigen Straßenreinigungskosten in der gesetzlichen Miete mitenthalten waren. Wenn jetzt eine Umlegung dieser Kosten aus die Mieter vorgenommen werden solle, so könne sich diese nur auf die Erhöhung um 12 Pf., aber nicht auch auf die bisherigen 20 Ps. mit beziehen. Stadtv. Schmahl (Dn.) vertritt dieselbe Ansicht wie Stadtv. Hornberger, darüber hinaus, meint er aber noch, eine Umlegung sei überhaupt nicht möglich, denn das Gesetz bestimme anders. Er sei der Aufsassung. daß die Stratzen- reinigungskosten überhaupt von der Allgemeinheit zu decken seien, d. h. aus allgemeinen Steuermitteln, denn der allgemeine Verkehr Jet es ja. durch den die Straßen verunreinigt würden. Stadtv. Nicolaus (Wirtsch. Vg.) schließt sich diesem Standpunkt grundsätzlich an, da hicr aber eine Kostendeckung durch Gebühren in Betracht komme, mühten diese Beträge auch mit auf die Mieter umgelegt werden. Stadtv. Fischer (Dem.) erklärt für seine Fraktion daß diese grundsätzlich gegen jede indirekte Besteuerung sei, hier aber doch die Stadtverwaltung i unterstützen wolle und deshalb der Vorlage zu- i stimmen werde. Er sei ebenfalls der Meinung, daß nur der über die bisherigen 20 Pf. hinausgehende Betrag von 12 Pf. umgelegt werden könne, wenn überhaupt eine Umlegung m Betracht komme. Stadtv. Launsbach (Wirtsch. I Vg.) weist auf das bekannte Schreiben des Mmi- die Vorgärten von Fall zu Fall aufgehoben werden. um für eine spätere Straßenverbreitsrung günstigere 'Bedingungen zu schassen. Dem Anträge der Stadtverwaltung entsprechend, wird beschlossen- Die Stadtverwaltung wird ermächtigt, im Einzelsall die Genehmigung zur Aushebung von Vorgärten zu erteilen unter der Bedingung, daß das Dorgartengelände nach den Bestimmungen der Stadtverwaltung zweckentsprechend angelegt, befestigt, entwässert, gereinigt, von Schnee und Eis gesäubert, unterhalten und nur als Gehweg — also nicht zum Auf- und Unterstellen irgendwelcher Gegenstände — benutzt wird. Umgestaltung der Westanlage. Auf Antrag des Dau-Ausschusses wird einstimmig beschloßen, eine Umgestaltung der Baufluchtlinie in geringem Ausmaß nach früher schon genehmigten Plänen vorzunehmen. Orlssahung für das Gebiet an der Grünberger Straße und der Straße nach Rödgen. Das Gießener Wohnungsbauprogramm 1928 genehmigt. Neuordnung der Giraßenreinigungs- und Müllabfuhr-Gebühren. — Eine interessante Straßenbahn-Rechnung __i bisher 20 Pf. für jeden ^Quadratmeter" Reinigungsfläche auf 32 Pf. ür jeden Quadratmeter erhöht. Die Erhebung er- olat nach Maßgabe der Gebührenordnung von «''«'2. __ Der Antrag Launspach-Löber-Haubach- Krausmüller wird einstimmig dem Finanzaus- Gießen, 30. März 1928. Rach mehrwöchiger Pause trat das Stadt- parlament heute wiederum zu einer Sitzung zusammen, die jedenfalls die letzte vor den Reichstagswahlen gewesen ist. 3n dieser Sitzung wurde durch die Erledigung zahlreicher Vorlagen freie Dahn geschaffen für die Beratung des städtischen Haushaltsplans 1928, der nach einer Aeußerung des Oberbürgermeisters Dr. Keller auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung stehen soll. Die heutige Sitzung brachte in ihrem öffentlichen Teil die Entscheidung über einige sehr bedeutsame Vorlagen. Zunächst ist hier auf die Finanzierung des Wohnungsbauprogramms für 1928 hinzuweisen, die von den Stadtverordneten in erfreulicher Einmütigkeit bewilligt wurde. Daß man bei dieser Vorlage. nach chrer eingehenden Begründung durch den Abdruck der bekannten Denkschrift in der Presse, auf eine Aussprache verzichtete, war angebracht, aber im Hinblick aus die unbestreitbare Wohnungsnot auch nur eine Selbstverständlichkeit, über die man weiter keine Worte zu verlieren braucht. Immerhin verdient der großzügige Beschluß der städtischen Körperschaften in dieser Angelegenheit volle Aneriennung. Die Geschäftsanteile beim Elsenbahnerheimställenverein. Der Erhöhung der drei Geschäftsanteile beim Eisenbahnerheimstättenverein, e. G. m. b. H.. von je 50 Mari aus je 100 Mari wird zugestimmt und die Aufzahlung von insgesamt 150 Mark bewilligt. Urbarmachung von früherem Daldgelände beim Flughafen. Die sämtlichen Arbeiten zur Urbarmachung von früherem Waldgelände beim Flughafen, sowie zum Ausbau von Feldwegen in Flur 56 der Gemarkung Gießen werden der Firma Gebr. Gerl ach in Krofdorf zum Angebotspreis von 16 656,50 Mari übertragen. Anschaffungen für das Elektrizitätswerk. Die Lieferung von 425 Holzmasten im Gesamtbetrag von 15 000 Mari wird der Firma Katz & Klumpp in Gernsbach übertragen. Für die Beschaffung eines Kabeltransportwagens und der erforderlichen Einrichtungs- gegenstände für diesen wird ein Betrag von rund 4000 Mari zur Verfügung gestellt. Die Lieferung wird der Firma Hermann Rüter in Langenhagen übertragen. Gleiserneuerungen bei der Straßenbahn. Für die Beschaffung von Ersatzteilen des Stra- ßenbahngleisnetzes wird ein Betrag von 10 305 Mark zur Verfügung gestellt. Die Lieferung wird der Firma Phönix A. - G. in Duisburg- Ruhrort übertragen. Die Straßenbahnrechnung für Kj. 1926. Die in Einnahme und Ausgabe mit je 327 116,27 Mari abschließende Rechnung der städtischen Straßenbahn für das Rj. 1926 wird genehmigt. Dem Emeuerungsstock sind als Rücklage 11 468,04 Mari, dem Reservefonds ebenfalls als Rücklage 820,38 Mari überwiesen worden. Die Kapitalaufnahme bei der Stadtkasse zur Bestreitung der Herstellungskosten der Schleifenanlage hinter dem Schützenhaus beziffert sich auf 28 240,87 Mari, der Betriebszuschuh für Rj. 1926 beläuft sich auf 15 307,01 Mari. 3m Anschluß an die Rechnungsablage werden zahlreich« Wünsche au« dem Hause vorgebracht. Sitzungsbericht. Anwesend: Oberbürgermeister Dr. Keller die j Büraermeister Dr. Seid und Dr. Frey,.die Bei- । geordneten Dr. Hamm, Justizrat Dr. Rosenberg und Kommerzienrat K l i n g spo r, sowie 38 Stadtverordnete. Der Zuhörerraum ist nur mäßig b^efeL Wohnungsbaukredit für 1928. Aus Antrag bet Stadtoerwaüimg wird einstimmig 1928 au|3un0men. Mit der direkten Ausleihungi des aus der Souder, fteuer 1928 zur Verfügung stehenden Staat^ntel^ In Höhe von 192 000 Mk. ist man emoerstandem Die Ausleihung des zur Verfügung stehenden ©efamtbe Saas von rund 642 500 Mk. wird der Beschluß- Mung des B°u- und Finnnzauslchuff-- überlas Da Vie grundlegende Denkschrift für diesen De schluß vor einigen Tagen in der »5« »urte und die Notwendigkeit und Dringlichkeit de. u. a. Schaffung von städtischen Pendel-Auto- linicn im Anschluß an die Straßenbahn, Heizung der Straßenbahnwagen, Senkung der Fahrpreise, Einstellung von Anhängern an Sonntagen^ beim Verkehr nach und von den Sportplätzen. Bürgermeister Dr. S e i b erklärt, daß sich die Betriebsdeputation mit diesen Wünschen beschäftigen werde. Rechnung des städtischen Dolksbades für Rj. 1926. Die Rechnung wird in Einnahme und Ausgabe mit je 72 974,47 Mk. genehmigt. Der Zuschuhbedarf wird auf 3473,58 Mk. festgesetzt und durch Entnahme aus dem Erneuerungsstock gedeckt. Stadtv. Fischer (Dem.) regt im Sjinblid auf die sehr gute Frequenz eine Erweiterung des Volksbades durch Schaffung neuer Auskleidezellen an; vielleicht könnten die Zellen in zwei Etagen angeordnet werden. Dem Andrang der Bade- lustigen könne man dann noch besser Rechnung tragen als bisher. Oberbürgermeister Dr. Keller sagt Prüfung dieses Vorschlages durch die Verwaltung zu. Beschaffung von Schulbänken für die Volksschulen. Für die Beschaffung von Schulbärcken wird ein Betrag von 4300 Mk. zur Verfügung gestellt. Der Den dem Schulausschuß bereits erteilten Ermächtigung zur freihändigen Beschaffung wird zugestimmt. Die Anschaffung war dadurch erforderlich, daß sich mit Beginn des neuen Schuljahres die Zahl der Dollsschüler um 244 erhöht. Stadtv. Moos- dorf (Soz.) wünscht bei dieser Gelegenheit, die die Stadt möge auch auswärtigen Firmen gegenüber, ebenso wie dies in Gießen schon geschehe, den Standpunkt vertreten, daß nur solche Firmen städtische Aufträge erhielten, bet denen geregelte Tarifverhältnisse mit der Arbeiterschaft beständen. Pachtvertrag mit dem Schühenvercin. Dem mit dem Schützenoerein Gießen abgeschlossenen Pachtvertrag vom 1. März 1928 über die Verpachtung von 12 Morgen Gelände auf 40 Jahre zum jährlichen Pachtpreis von 335 Mk. wird zugestimmt. Wochenmarktordnung der Stadt Gießen. Dem Entwurf zum Erlaß einer neuen Wochen- markwrdnung für die Stadt Gießen wird zugestimmt. Die neue Ordnung hebt überholte Bestimmungen auf, faßt manche Nachträge zusammen und bringt Verbesserungen. Mit der üblichen amtlichen Bekanntgabe der neuen Vorschriften dürfte in Bälde zu rechnen sein. Arbeitsgemeinschaft der deutschen Zucht- und Ruhviehmärkte. Dem Beitritt der Stadt Gießen zur Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Zucht- und Nutzviehmärkte e.D. mit einem Jahresbeitrag von 200 Mk. wird von 1927 ab zugestimmt. Schankkouzessionsgesuche. Befürwortet werden die Gesuche von Adolf Hopfe l d für Friedrichstraße 4, Erwin Haas zum Aus- schank von Kaffee im Hause Neuenweg 2, Heinrich Dörr für Schillerstrahe 14. Abgelehnt wird ein Gesuch von Fritz T e i g l e r für Wiesecker Weg 44. Die Baugesuche von Heinrich Ehrhardt für die Friedhvfsallee und Prof. Dr. Brügge- mann für den Wartweg werden antragsgemäß güj-1 Beschaffung von 3x3- und 3X4* Zimmerwohnungen, sowie zwei Mansardenwohnungen, bestehend aus zwei Zimmern mit Küche, durch Valentin Dittmar auf seinem Grundstück in der Löwengasse (das bisherige Haus- grundstück Dittmars muhte bekanntlich unter städtischer Einwirkung wegen Baufälligkeit nie- bergelegt werden. D. Red.) wird ein städtisches Daudarlehen von 60 000 Mk. bewilligt. Für den Einbau einet Kammer im Dachgeschoß des Hauses Ederstraße 30 wird ein Betrag von 600 Mk. bereitgestellt. Kredit für das Männerfreibad. Zum Wiederaufbau und zur Vergrößerung der Halle und der Aus- und Ankleidezellein des Männerfreibades wird ein Kredit von 1500 Mark bewilligt. — Bekanntlich wurde das Männerfreibad durch den gewaltigen Sturm in der Rächt zum 11. 3anuar schwer beschädigt. Diese Schäden sollen nun mit städtischer Kre* dithilse wieder behoben werden. Stadtv. Sch wieder (Dt.Vp.) empfiehlt, dem seiner Zeit ebenfalls durch den Sturm schwer geschädigten Badeanstaltsbesitzer Müller auch eine Beihilfe zum Wiederaufbau der Badeanstalt zu gewähren. Beigeordneter Dr. Hamm bemerkt, daß die Stadt hier mit Holzlieferungen au8 dem Stadtwald helfe. Frau Stadtv. Bi er mann (Dem.) regt bet dieser Gelegenheit an, doch die Sandkästen auf den Kinderspielplätzen in den Anlagen mit frischem Sand füllen und fortlaufend in Ordnung halten zu lassen. Beleuchtung der Bahnhofsbrücke. Die Anbringung einer Straßenlampe auf dem nördlichen Brückenkopf der Fußgängerbrücke vom Bahnhofsvorplatz nach der Friedrichstraße wird genehmigt. Die erforderlichen Kosten in Höhe bis zu 500 Mark werden bewilligt. Stadtv. Schwjeder (Dt.Vp.) regt an, auch in der äußeren Marburger Straße die Beleuchtung zu verbessern. Stadtv. Dr. Krausmüller (Dt.Vp.) tritt für die Beleuchtungswünsche der Anwohner „Olm Stadtwald" Grünberger Straße bei der Straßengabelung Rödgen—Reiskirchen) ein, Beigeordneter Dr. Hamm weist bemgegenübet aber darauf hin, daß dieses Straßenstück bisher noch gar nicht der Stadt gehört, sondern Provinzialstraße ist, außerdem hätten ja diese Anlieger vor ihrem Baubeginn sich unterschriftlich damit einverstanden erklärt, daß die Stadt für diese außerhalb des Bebauungsplanes liegenden Wohnstätten keine Straßenbeleuchtung stelle. Die Deutsche Landsmannschaft. 1868-1928. 3n diesen Sagen sind es 60 3ahre, daß in Kassel die auf deutschen Hochschulen bestehenden Landsmannschaften sich zusammengeschlossen haben zu einem Landsmannschasterverband, dem späteren Coburger L. C., der heute in der „Deutschen Landsmannschaft" 106 Landsmannschaften auf allen Hochschulen des deutschen Sprachgebietes umfaßt. Rach den Freiheitskriegen gingen die Landsmannschaften, die vier 3ahrhunderte auf Deutschlands hohen (Schulen die Vorherrschaft hatten, zum größten Seil in neu benannte Korporationen, den Corps auf: die burschenschaftliche Bewegung setzte ein mit dem 3deal der Einhett der Burschen entgegen der vorhandenen Zersplitterung. Getreu dem heute noch geltenden Wahlspruche: „Ehre — Freundschaft — Vaterland" setzte sich die Landsmannschaft ein für Reinhaltung der Burschenehre mit der eigenen Waffe im Sinne der Gleichberechtigung, und trat ein für Freundschaft untereinander, bei bewußter Ablehnung polittscher und religiöser Bestrebungen, für das einige deutsche Vaterland. Am 2. 3uni 1863 fand in Zwingenberg an der Bergstraße im „Löwen" die Unterzeichnung der in Kassel festgesetzten Statuten statt. Run war der Unterbau gelegt für ein gesundes Wachstum des landsmannschaftlichen Lebens, das ganz besonders durch die Einführung der Bestimmungsmensur im Wettbewerb mit den Corps fein Gepräge erhielt. Seit dem 3ahre 1873 tagt der Verband jährlich einmal in Koburg. Am Weltkriege haben sich die Landsmannschaften in hervorragendem Maße beteiligt; mehr als 1300 sind gefallen. Rach der Rückkehr aus dem Felde fanden sich bie„ studentischen Verbände wieder zusammen und stärkten ihre schon vor dem Weltkriege begonnenen Einheitsbestrebungen in Bildung von großen Gruppen. An diesem Zusammenschluß haben die Landsmannschaften in ihrer neuen Bezeichnung „Deutsche Landsmannschaft" in erster Linie mitgewirkt. Bei ihrer Arbeit ging sie von der Erwägung aus, daß dem Ehrgefühl die entscheidende Bedeutung für den Wert und die Stärke und für das Selbstbewußtsein des deutschen Menschen und entsprechend für das Rationalbewußtsein des Volkes zukommt, und daß im Freundschaftsgefühl, dem umfassenden Begriff für Treue und Hingabe, die Urkraft liegt, die der Persönlichkeit den Auftrieb gibt zur höheren Gemeinschaft im deutschen Volkstum. Die ganze Entwicklungsgeschichte des deutschen Volkes umfassen diese beiden Worte „Deutsche Landsmannschaft, die heute ein Begriff sind, verwirklicht im Leben alter und junger Akademiker: die Wurzeln, die in den germanischen Vvlksstämmen, In ihren Heimatländern liegen, die deutschen Gaue mit ihren deutsch sprechende« Bewohnern, die deutsche Einhett im Kampfe, daS deutsche Volkstum! Eine eingehende Aussprache wurde aber der Gebührenordnung für öle Benutzung der städtischen Strahenreinigung gewidmet. Hier kam es zu einer Scheidung der Geister: Auf der einen Seite wurde die Ansicht vertreten, daß mindestens der bisherige Gebührensatz für die Strahenreinigung in der gesetzlichen Miete enthatten und demgemäß nicht auf die Mieter umzulegen sei, während die andere Seite sich auf die bekannte Aeuherung des Hess. Ministeriums stützte, wonach die Strahenreini- gungsgebühr, aber auch die Gebühr für die städt. Müllabfuhr für unsere Stadt nicht im Rahmen der gesetzlichen Miete stehen, mithin auf die Mieter anteilmähig umgelegt werden können. Der Widerstreit der Meinungen, kam auch bei der Llbstimmung zum Ausdruck, jedoch wurde dabei die Vorlage der Verwaltung, die eine Deitragspflicht der Mieter auf dem Wege der Umlegung der Gebühren vorsieht, angenommen. Wir müssen gestehen, dah wir diese Entscheidung des Hauses nur als gerecht be* oeiannre w« -.....- zeichnen können Denn eS doch unbestreitbar wonach die Strahenreinigungs- richtig, dah nicht nur die Hausbesitzer die ’ un6° Müllabfuhrgebühren in der gesetz- bisher allem diese Gebühren zu leisten hatten. — ’ Miete nicht enthalten seien. Seine Fraktton die Straße in Anspruch nehmen, sondern daß &er Q}orIagc nur zustimmen, wenn nach auch alle Mieter gleichermahm zu den Vorschläge der Stadtverwaltung, d. h. ilm- uiehern des Straßennetzes gehören. Gleiche t der Beträge, gehandelt werde. Stadtv. Dr. Rechte und gleiche Annehmlichkeiten bebmgen ({ » (D.Vp.) bittet, sowohl bei aber auch gleiche Pflichten. Noch richttger Krau-«un«M Behandlung wäre allerdings eme Regelung, die diese Ge- wirtschaftlichen Dinge die Schlagworte nicht bührenlast aus allgemeinen (Steuermitteln deckte, hervcwzukehren, damit mehr dem Frieden denn in der Tat hat ia die Verunreinigung der ^ent toer^ Beigeordneter Dr. Hamm weist Straßen ihren Hauptgrund m der Abwicklung §arauc dah das Ministerium daran festhalte, des allgemeinen Verkehrs Iedoch sind zur Zett toag im Fahre 1914 in der Miete die steuerlichen Möglichkeiten für eine solche nij?t war, auch heute nicht darin ent- Regelung nicht gegeben, so daß man sich wohl sein könne. Die Kosten der Sttaßenreini- oder übel mit dem heute Jeftgclcgten Gebühren- 9 6er Müllabfuhr seien 1914 aus allge- Was hier von den s Mitteln gedeckt worden. Seiner Auf- faffung nach feien die bisherigen ^Beiträge für Strahenreinigung und Müllabfuhr zu Unrecht von dem Grundbesitz erhoben worden, er warne aber davor, jetzt eine rücklaufende Erhebung vornehmen zu wollen, da dies nur zu Mihhettigketten führen werde. 3edoch in Zukunft seien die Strahenreinigungs- und Müllabfuhrkosten entsprechend den Verhältnissen von 1914 und der Stellungnahme des Ministeriums umzulegeru Stadtv. Horn (D. Dp.) weist darauf hm daß der Finanzausschuß mit überwiegender Mehr^tt zugestimmt hat, die Gebührensätze nach dem OriS- modus absmden muh ---- , Strahenreinigungsgebuhren gesagt ist, gut tn gleichem Mähe auch von der Gebührenordnung für die Benutzung der stadt. Müllabfuhr. Rachdem bei der Beratung der erstgenannten Vorlage im Grundsatz alles geklärt war, erübrigte sich eme zweite ausführliche Debatte, die denn auch durch einen Schluh- entrag verhindert wurde. Mit besonderem Interesse betrachtete man den Be. richt über die Rechnung der städtischen Straßenbahn für 1 9 26, bei dem allerlei Wünsche vorgebracht wurden. Uns interessiert an den 6ugk,|lululu yui, v.v .... o,rthrirx mitaeteilten Ziffern zweierlei: Einmal die Kosten 3, vo" T FrätaS- Glasende Zengmire und Gutachten Borbiet een Sevilla ello - Storno. runo; ,7 int Ä 21 Haus Charlotte, Georg chultr. iüngung. iolMtt meidet M ter die Sache r, bitte. »ff W ff, ich möchk mir ?er axtV- ist bei rnmer ^ Mnn Sie beuk > schon ükmorga (2ufL Xi irscheiahest. rchen, Sdjnttbttg. Irenen, Franko- Herren-, Damen- und Kindergarderobe, welche bis Dienstagabend in meine Läden gebracht werden, werden noch bis Ostern tadellos gereinigt. Färberei C. F. Croon Plisseebrennerei 02533 Fabrik u. Lager: Marburger Str.40 Filiale: Seltersweg 25. 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Geschichten aus aller Welt Trotz österreichisch-italienischer und ungarisch- ranzösischer Spannung, trotz Investigation, Be- setzungsstrett, ja trotz des Skandals in der Dow- ningstreet, zerbricht man sich in England über den Mann den Kopf, der sich einfallen läßt, einen Hund zu beißen. Glückliches Großbritannien! Die Reiseliquidation des Herrn Bloem. (r) Amsterdam. Reichsversicherungsordnung mehr als bisher zur Geltung kommen müssen. Hier liegen eine Reihe von Aufgaben für die Haussrauenverbände. Diese „Ich bitte Sie," so heißt es in dem Brief, „künftighin diesen Weg benutzen zu wollen. Ich habe mir außerdem erlaubt, für die Herrschaften zur ungestörten Erledigung Ihrer Gespräche und Unterredungen einen kleinen, intimen Salon einzurichten." Auf die Bühne allerdings dürfen die „Kunstliebhaber" nicht mehr hinauf. Aber daraus werden sie sich wohl nicht mehr viel machen, nachdem man ihnen sogar den kaiserlichen Schleichweg und einen .intimen" Salon zur Verfügung Wirtschaft. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. In dieser Woche macht« die Beruhigung der Stimmung und die Besserung der allgemeinen Börsensituation weitere Fortschritte, und auf den meisten Marktgebieten konnten sich neue Kurserhöhungen durchsetzen. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als die äußeren Umstände im allgemeinen noch keineswegs günstiger geworden sind. Weiterhin verhielt sich das private Publikum fast vollkommen passiv, da die verschiedenen Pfandbriefemisfionen die von dieser Seite frei werdenden Geldmittel immer noch zum großen Teil absorbieren. Die Umsahtätigleit war daher wieder gering und beschränkte sich im wesentlichen auf die Kulisse, die verschiedentlich etwas größere Unternehmungslust an den Tag legte. Unterstützt wurde sie darin durch die Teilnahme des Auslandes, das namentlich auf dem Elektromarkt als Käufer ausgetreten sein soll. Allgemein befriedigend wirkte der verhältnismäßig reibungslose Verlauf drr Ultimoliquidation. Die Befürchtungen hinsichtlich seiner Ueberwindung waren allerdings schon in der vergangenen Woche ziemlich verschwunden in Anbetracht der umfangreichen Vorbereitungen am Geldmarkt. Tatsächlich trat am Lage der Prämienerklärung nur am Tagesgeldma t eine etwas verstärkte Rachfrage ein. Bereits am nächsten Tage konnte der Satz wieder auf 6 Prozent ermäßigt werden, um allerdings dann wieder auf 7 Prozent zu steigen. Einige Sorge bereitete der Börse der Geldbedarf der Reichspost, die die Auflegung einer Anleihe von 150 Millionen plane. Die in nur beschränktem Maße herauskommende Prämienware wurde ziemlich glatt ausgenommen, da offenbar noch einige Baissepositivnen abgedeckt werden mußten. Etwas verstimmend wirkten die Mitteilungen des Rheinischwestfälischen Kohlen- shndikates über einen Absayrückgang. Demgegenüber verwies man jedoch aus die säst unveränderte Ruhrrohlenförderung und dabei besonders auf die Tatsache, daß in der vergangenen Woche keinerlei Feierschichten wegen Absah- mangels eingelegt werden muhten. Günstig aufgenommen wurde der letzte Wirtschaftsbericht der Deutschen Bank, ferner die weitere mäßige Entlastung der Reichsbank nach dem Ausweis per 23. März. Eine stärkere Anregung ging von ! dem Abschluß der750000-Pfund-Anleihe der Metallbank aus, was als Beweis dafür betrachtet wurde, daß man mit Recht mit dem Wiederingangkommen der Auslandanleihen gerechnet hatte, zumal auch Reichsfinanzminister Köhler im Reichstag die Erklärung abgegeben hat, daß die Prüfungsarbeiten der Beratungsstelle über den Anleihebedarf der Kommunen in kurzem abgeschlossen sein werden. Außerdem befriedigte es, daß der Lohnkonflikt bei der Reichsbahn als beigelegt betrachtet werden farm. Di« | Hauptanregung ging jedoch diesmal wieder von der starken Rachsrage nach Spezialwerten aus. So waren Metallbank und Metallgesellschaft auf den Anleiheabschluh stark verlangt und Z bzw. 6 Prozent höher. Lebhafteres Interesse machte sich ferner in erster Linie, wie schon erwähnt, auf Auslandkäufe, für Elektrowerte, bemerkbar. Licht & Kraft, Gesfüvel, Kranlenversicherungspflicht vorübergehender Dienstleistungen. gestellt hat. n Die grauen Gespenster Richelieus, langst verstorbener Minister, Gesandte und Könige lachen ' ins Fäustchen. Die Operabonnenten lachen ins Fäustchen, Paris lacht, Rouche lacht. muß das Mitglied der Ortskrankenkasse dies ganz aus eigener Tasche bezahlen, wenn nicht die Kassensatzung bestimmt, daß die Kasse freiwillig einen Anteil davon übernimmt. Das Umgekehrte müßte aber Platz greifen. Es ist also durchaus möglich, die ganz kleinen Fälle mehr als bisher der Selbstverantwortung des einzelnen zu überlassen. Wer die Verhältnisse bei Hausangestellten kennt, weiß, daß gerade dort die Kasse am allerwenigsten für solche ganz keinen Fälle in Anspruch genommen wird. Ein Wegfall der jetzigen Bestimmungen würde nicht nur eine übermäßige Inanspruchnahme der Aerzte und die Verordnung überflüssiger Heilmittel verhindern, er würde auch die viel wichtigere Folge haben, daß ungefähr die Hälfte der Derwaltungskosten gespart werden könnte. Da ein großer Teil der Hausgehilfinnen monatlichen Lohn bekommt, so ist es bei kürzeren Krankheiten nicht notwendig, schon nach den ersten drei Tagen Krankengeld au erhalten. Das ist etwas anderes beim Handarbeiter, dessen Lohnanspruch mit dem Tage der Krankheit oder der Stunde des Einfalles aufhört. Es braucht nicht weiter ausgeführt zu werden, daß auch durch diese Bestimmung wesentliche Ersparnisse erreicht werden können. Schließlich ist ähnlich wie bei der Erwerbslosenfürsorge darauf hinzuweisen, daß die berufsständischen Bedürfnisse in der turereigniffe sind auch versicherungsfrei, wenn sie nicht länger als drei Tage dauern. In Zweifelsfällen, die gerade bei Prüfung dieser Frage auftauchen, müssen die Krankenkassen oder die Spruchbehörden entscheiden. Hauswirlschafi und soziale Lasten Don vielen Hausfrauen werden die sozialen Beiträge für die Hausgehilfinnen als sehr hoch empfunden. Das trifft tatsächlich auch zu. Die Krankenkassenbeiträge sind im allgemeinen in den letzten Jahren gestiegen. Sie haben für die Hausgehilfinnen teilweise verhält» nismäßig noch mehr angenommen. Dazu kommt, daß durch das Gesetz über Arbeitslosenversicherung die Bestimmung gefallen ist, wonach Hausgehilfinnen von den Beiträgen zur Arbeitslofen- unlerstühung befreit werden konnten. Rach den jetzigen gesetzlichen Bestimmungen sind auch die Hausgehilfinnen bei der Arbeitslosenversicherung zwangsversichert. All diese Vorgänge haben in unseren Hausfrauenkreisen ein schmerzliches Scho empfunden, verschärfend wirkt, daß vielfach nicht nur der gesetzliche Anteil, sondern die gesamten Kosten von der Hausfrau übernommen find. Diese sozialen Ausgaben treffen die Familien des Beamtentums, des mittleren und kleineren Mittelstandes be- vnders hart. Diese Schichten sind zum Teil gezwungen, sich Hilfskräfte zu halten. Es handelt ich hier nicht um Luxus- und Bequernlichkeits- ragen, sondern bei vielen Geschäftsleuten, bei Kranken und alten Leuten, bei kinderreichen Familien u. a. m. ist eine unbedingte Notwendigkeit für eine Hilfe im Haushalt vorhanden. Dazu kommen die vielen Haushaltungen, die deshalb aus eine Hausangestellte angewiesen sind, weil mit den physischen Kräften der Hausfrau und Mutter in den letzten Jahren Raubbau getrieben wurde. r • r ra • Run wird niemand etwas gegen soziale Bei^ . träge sagen, die gerecht sind und denen auch entsprechende Leistungen gegenü&er- stehen. Gerade aber unter diesem Gesichtspunkt I Wird die heutige soziale Belastung der Hausfrauen als ungerecht bezeichnet werden müssen. Bleiben wir einmal bei den Beiträgen zur Erwerbslosenversicherung, dann steht fest, daß gerade die Hausgehilfinnen wenig Veranlassung haben, über Erwerbslosigkeit zu klagen. Sie bilden tatsächlich nichts anderes als eine Verbesserung des Risikenausgleiches in der gesarn- I len Erwerbslosenversicherung. Aber auch bei den Krankenkassenbeiträgen muß festgestellt werden, daß die stärkste Belastung, die die Ortskrankenkassen haben, nicht auf die Hausangestellten zurückzuführen ist. Die Verpflegung im Krankenhaus wird von allen Hausangestellten am wenigsten in Anspruch genommen. Hier sind, wenn man I die jährlichen Gebührensummen zusammenrechnet, die Kosten der anderen Volksschichten wesentlich höher. So entsteht dann die Frage, ob und wo kann eine gesetzliche Regelung gefunden werden, um die sozialen Beiträge der Hausgehilfinnen auf das gerechte Maß zurückzuschrau- b e n. Das ist möglich, sobald man sich frei madrt von dem in 6er deutschen Sozialpolitik immer noch vvcherrschenden Schematismus sozialistischer Ruf- I fassung und anstelle dessen stärker als btther die in den einzelnen Berufen vorhandenen Rot- Wendigkeiten und Verhältnisse berücksichtigt. Beginnen wir bei der Arbeitslosen Versicherung. Als seinerzeit das Gesetz über Arbeitslosenversicherung geschaffen wurde, ist von deutschoolkspartellicher, aber auch von deutschnationaler Seite vielfach der Gedanke erörtert worden, sogenannte Ersatz lassen zu schaffen. Diese Vorschläge haben sich auch zu Anträgen verdichtet, die aber nicht durchkamen? weil von den damaligen Regierungsparteien das I Zentrum opponierte, und weil außerdem die I Sozialdemokratie die Schaffung von Erfatzkassen aufs schärfste bekämpfte. Wären solche Grsatz- taffen «schaffen worden, dann hätte man Dabei auch die Hausgehilfinnen besonders berücksichtigen können. In demselben Augenblick aber wurden die Hausgehilfinnen nicht als Risilenausgleich für die gesamte Erwerbslosenversicherung gedient haben, sondern die Beiträge hätten niedriger angesetzt werden können. Ebenso liegen für die Krankenversicherung durchaus Ersparnismöglichkeiten vor Die stärkste Belastung für Hausangestellte zeigt sich in den Großstädten, die wie Berlin und andere heute Mammutortskronkenlassen aufweifen mit 100 000, 200 000, ja 300 000 oder mehr Mitgliedern. Die großen Ortskrankenkassen sind aber, eben weil sie so groß sind, auf Grund der vor- handenen Statistik außerordentlich teuer. Sv ergibt sich nach einer Statistik des Hauptverbandes deutscher Krankenlasfen, daß der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag bei eurer Krankenkasse bis zu 3000 Mitgliedern 59,51 Mark beträgt, daß er aber bei Krankenkassen bis zu 200 000 Mitgliedern auf 89,56 Mark unb bei Kassen bis zu 400 000 Mitgliedern auf 91,79 Mark pro Kopf steigt. Diese Kassen haben eben hohe Derwaltungskosten, weck sie auch mehr Kontroll- und sonstige Vorschriften schaffen I müssen. Würde man Ortskrankenkassen an eine bestimmte Mitgliederzahl binden und für größere Orte die Gründung von 2. und 3. Kassen verlangen, dann würden die Verwaltungskosten so- fort herabgesetzt werden Eine solche Bestimmung hat noch einen weiteren Vorteil Sie bewirkt einen gesunden Wettbewerb der Kaffen untereinander. Dabei mühte den Versicherungs- Pflichtigen das Recht der Wahl unter den verschiedenen Kasten des betreffenden Ortes oifen- gdaffcn werden. Beides würde zu geringeren Beiträgen, resp. zu größeren Leistungen der Kassen führen. Es gibt nun eine weitere Reihe von Derbesse- runasvorschlügen, durch die die heutigen Kran- kenkafsenbeittäge ohne Rachtell des sozialen Zwecks herabgesetzt werden können. Dazu gehört Zahlung des Krankengeldes nur für jeden Arbeitstag, Aufhebung der Kaffenbestimmung, wonach die Kasse die Wartezeit der ersten drei Tage abkürzen bzw. aufheben kann. Außerdem würde eine Bestimmung, die der Kasse die Berechtigung gibt, durch die Satzung die Wartezeit bis aum Bezug des Krankengeldes auch über drei Tage hinaus auszudehnen für fol<$e: Olhtglicber, die während der Krankheit Anspruch auf Aort- zahlung von Lohn oder Gehalt haben, wesentliche Verbilligungen zur Folge haben- Ein großer Teil der aufgebrachten Mittel der Krankenkasten wird für Heine der Unpäßlichkeit und ähnliche Krankheitsfälle verwendet, während umgekehrt die großen Heilmittel bei schweren Krankheitsfällen unter Umstanden von den Krankenkassen a b g e l e h n t werden konnew Verschreibt also der Arzt ein Heckmittel, das 50 Pf. kostet, dann muh die Kaste zahlen, verordnet er ein Heilmittel von 50 Mark, dann die jedoch angesichts der langen Reisedauer und der auf ihr verzeichneten kostspieligen Fahrpreise I für Eisenbahn und Auto einigermahen erklärlich waren, sondern auch einen schonungslosen Bericht über die Zustände in Semarang, für die niemand anders als Herr Lokhorst zur Rechenschaft zu ziehen sei. Die Behörde zahlte Herrn Bloem die liquidierten Reisefpesen aus und richtete an Van Lokhorst die geharnischte Aufforderung, sich wegen der von Bloem an feiner I Amtsführung gemachten Ausstellungen umgehend zu verantworten. Diese „Verantwortung" fiel leider ganz, ganz anders aus, als es sich Herr Bloem und seine Behörde wahrscheinlich gedacht hatten. Mijnheer Van Lokhorst erzählte in seinem Antwortschreiben rücksichtslos von d«i herrlichen, durch keiner- lei amtliche Tätigkeit beeinträchtigten Freuden, die Herr Bloem als sein Gast genossen habe. Man dachte an die Liquidation, machte eine Rückfrage und ging den Angaben Dan Lokhorsts I nach. Der Ressortchef Bloem hat jetzt, bis zum Ausgang des gegen ihn eröffneten Verfahrens wegen Betrugs am Staate, Muhe genug, darüber nachzudenken, dah auch auf Java Untreue ihren eigenen Herrn schlägt, und wer anderen eine Grube gräbt, selbst hineinzuplurnpsen Pflegt. — Die Geheimtür der Großen Oper. (—) Paris. Paris hätte beinahe wieder eine Rovvlution erlebt. In der „Opera", bekanntlich einem der altehrwürdigsten Institute der Kulturwelt. — Denn in der „Opera" gibt es eine kleine, nur Eingeweihten bekannte Tür, die aus dem Publikumsraum Zugang zur Bühne, zu den Kulissen, zum „foyer de la danse" und zu den Anlleioe- räumen der Künstler und, was bei dieser Ge- | schichte allein ins Gewicht fällt, der Künstlerinnen gewährt. Schon Richelieu hatte versucht, dieselbe Tur in der Vorgängerin der heute bestehenden Oper schließen zu lassen, Kardinäle und Könige nach ihm hatten denselben Versuch unternommen. Und sie wurde auch wiederholt geschlossen, aber immer nur für einige Tage, denn Paris, das Paris der Oper-Habitues, die eine kleine Macht im Staate vorstellen, wünschte Zugang zu dem geheimen Weg hinter die Kulissen und ließ sich diese zwangsweise Aussperrung njcht gefallen. Es fanden Verschwörungen statt, Minister verloren dieser Türe wegen ihre Posten, und sie ward wieder geöffnet Zur Zeit der Romantik ging durch sie das ganze diplomatische Korps ein und aus zu den Räumen, in denen die Sterne von Ballett und Oper funkelten, und vom Firmament soll man bekanntlich niemanden aus- schliehen. — , A Der heutige Leiter der Pariser Oper. Herr Jacques R o u d> 6 , glaubte, mächtiger zu fein als alle seine Vorgänger. Er beschloß und — schloß. In den Foyers steckte man erregt die Köpfe zusammen. In den Restaurants begann ein gefährliches Murren, in den Klubs erhob sich dunkles Drohen: Rouchs fühlte feinem geplagten Direktorhaupte eine gewitterschwangere Wolke nahen, sein Direktionssessel schwankte unter ihm, und siehe da: er öffnete die Tür wieder. — Das heißt, er rettete sich auf ehrenvolle Weife. Jeder Abonnent der Oper erhielt dieser Tage ein zuvorkommendes Schreiben, in dem Rouchö sich die „höfliche Mitteilung gestattet", daß er einen neuen, noch sichereren Weg geöffnet habe, nämlich den allen, ganz geheimen der sogenannten „Passage de l’Empercur* (Ha! — also auch die Rapoleone?!) Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Die Eva von Virginia. (a) Reuhvrk. Die Universität von Virginia kämpft, wie man weiß, einen harten Kampf gegen die Invasion weiblicher Hörer, und, wenn es nach den Wünschen der gegenwärtigen männlichen studentischen Vertreter ginge, so wäre das, was diese. zum Schuh gegen Frauen täten, mit dem ungarischen Numerus clausus gar nicht zu vergleichen. Die Studenten von Virginia sehen in der Frau eine Gefahr, und sie haben hierbei unerwartet von „berufener Seite" Unterstützung gefunden. Der Professor M.D.Oshea von der Universllät von Wisconsin in Madison hat die Oststaaten der Union bereist, um die Dortigen Universitäten und Hochschulen hinsichtlich der in ihnen herrschenden Moralbegriffe zu untersuchen. Sein Urteil über die Universität von Virginia ist geeignet, die gesamte Weiblichkeit der Vereinigten Staaten, soweit sie noch emen_ Funken von Ehrgefühl im Leibe hat, aufs höchste zu empören. Professor Oshea erHärte nämlich über die Universllät von Virginia: „Die Moral auf dieser Universität steht denkbar hoch. Die Begriffe Lügen, Betrügen und Stehlen sind den jungen Leuten dieser Weisheitsanstalt fremd. DaS ist aber erklärlich, denn Virginia ist eine männliche Universität, zu der Frauen keinen Zutritt haben. „What do women do to men!“ (Zu was sind doch Frauen imstande!) — 3n Amerika herrscht bei Der Damenwelt die Mode Der langen Rägel, und es ist ein Glück, daß die Augen Professor Osheas durch dicke Brillengläser geschützt sind. — Der Man«, der den Hnnd beißt... (f) London. lieber die Frage, wie eine Zeitung gelesen werden muh, und über die, was eine Rachricht ist, tobt gegenwärtig im ganzen vereinigten Königreich ein lebhafter Streit. Angefacht wurde er durch das seltsame Testament eines Mr. Fred Hanse, seines Zeichens Großgrundbesitzer, der der Universität von Oxford 10 000 Pfund Sterling vermachte, mit dem Ersuchen, deren Zinsen jährlich dem zukommen zu lassen, der den Beweis I erbringt, daß er eine Zeitung verstandesgemäß lesen könne. Man sieht, ein I „spleen“ ist eine angelsächsische, keine rein amerikanische Angelegenheit. Cs trat also eine besondere Prüfungskommission zusammen, der nun Sie I mehr oder weniger dankbare Aufgabe zufälll, I unter den zahlreichen „Kandidaten", die sich I meldeten, den einzig Würdigen auszuwählen. Im Zusammenhang damit begann nun die erwähnte Diskussion über den Begriff der Rach- richt, und was da die Blätter der englischen Hauptstadt und der Provinz berichten, mutet zum Teil recht naiv an. ist es wohl auch, tote der Angelsachse überhaupt im Grunde seines Wesens eigentlich naiv ist. Allerdings hat er es mit dieser Raivität ja ziemlich weit gebracht... Also die Zeitungen erteilen ihren Lesern Ratschläge. und hierbei wird häufig das Wort eines englischen Journalisten größten Formats zitiert, der da erklärte: „Wenn ein Hund einen Mann beißt, so ist das keine Rachricht. Wenn aber ein Mann einen Hund beißt, so ist dies wohl erwähnenswert." Diese Definition trifft aber nicht unbedingt zu. da das Zitat aus dem Munde des berüchtigten Rorthclisfe stammt, und da die Leser gewisser Blätter in England es wohl erfahren hätten, wenn der „Große Lord" selbst von einem Angehörigen der mensUnfreundlichen Vierbeinerrasse gebissen worden wäre... , , , Ein Blatt der Arbeiterpartei benutzt den Streit um den Begriff der Rachricht zu folgenden Ausführungen: Man will nicht durch die Zeitungen erfahren, dah ein Eifenbahnzug die Kvpf- station pünktlich verlassen und ebenso pünktlich sein Ziel erreicht hat. Wohl will man jedoch erfahren, wenn ein Zug entgleist, mit einem anderen zusammenstöht, aus diesem oder jenem Grunde seinen Bestimmungsort nicht erreich^ oder wenn der Mann, der den Zug führt, sich weigert, weiter Dienst zu tun, bis er mehr Geld erhält. , r „ _. Auch der gute Wells muh herhalten. Em Provinzblatt erklärt: Keiner wird sich besonders dafür interessieren, wenn wir berichteten: Gestern hat Herr Wells ein herzhaftes Frühstück genossen, bann bis Mittag gearbeitet und nachmittags einen kleinen Spaziergang unternommen Wohl wird es jedoch interessieren, wenn eine' Fischgräte im Halse von Mr. Wells stecken bleibt und der Doktor zu Hilfe gerufen wird, oder wenn Herr Wells beim Betteten femes Studierzimmers eine Ringelnatter auf seinem Schreibtisch findet, wenn Herr Wells von seinem I Spaziergang nicht wieder zurückkehrt, oder wenn er sich gar dazu entschließt, als Unterhausmitglied zu kandidieren. Behände sollten einmal den Gedanken propagieren, Ersahkassen genau so wie bei den kaufmännischen Angestellten auch für Hausgehilfinnen zu schaffen, die nach Lage der Dinge wesentliche Deittagsersparniffe für die Hausfrauen zur Folge haben würden. All diese Vorschläge, die in ihrer Gesamtheit eine starke Entlastung bedeuten, find zusammen- gefaßt tn einer Entschließung, die die Reichstagsabgeordneten Thiel, Dr. Moldenhauer, Dr. Pfeffer und Genossen im Reichstag eingebracht haben und die dem sozialpolitischen Ausschuß sich überwiesen wurde. Die Entschließung selbst ist I sich natürlich zugeschnitten auf eine Revision im | und gesamten Krankenkassenwesen. Es war deshalb notwendig, die Auswirkung dieser Forderungen auch auf die Hauswirtschaft besonders ßerauszufchälen. Jedenfalls sieht man bei diesen Vorschlägen, daß es durchaus möglich , a_.,.,. . . ist, auch unter BerÜ sichtigung des Die Krankenversicherungspflicht nach der Reichssozialen Standpunktes ttagbare Er- versicherungsordnung besteht, wenn eine Be- sparnisse zu schaffen. Prakttsche Vorschläge wie schäfttgung, außer bei Lehrlingen, gegen Entgelt die eben gekennzeichneten sind aber jedenfalls erfolgt unb diese Beschäftigung im üorau^ nig)t wirkungsvoller als fruchtlose Krittk, wie man sie als eine vorübergehende anzusehen ist Durch eine sehr oft hören kann, mit der aber ein Erfolg Verordnung vom 17. Rovember 1913 wurde Der nicht erreicht wird. W. F. Begriff Der vorübergehenden Bdchastigung er- --- I läutert. Danach sind von Der Krankenversicherungspflicht befreit Personen, Die keine berufs- mäfjige Lohnarbeit verrichten unD Die nur gelegentlich als Aushilfen arbeiten; diese gelegentliche Arbeit darf aber im voraus nicht mehr als eine Woche in Anspruch nehmen. Personen, die berufstätig sind und bei vorübergehender Arbeitslosigkell Aushilfe von nicht länger als drei Tagen leisten, unterliegen auch nicht dem Versicherungszwang. Außerdem bleiben vorübergehende Dienstleistungen versicherungsfrei, wenn sie von Personen, Die sonst keine berufsmäßige Lohnarbeit verrichten, zwar in regelmäßiger WieDerkehr, aber nur nebenher und gegen einen geringfügigen Entgelt ausgeführt werden. Als geringfügig gilt Der Lohn, wenn er für den , Lebensunterhalt während des Zeitraums, innersten A. I. I. Bloem, Resfortchef im Justiz- halb Dessen die Befchäfttgung in regelmäßiger departement von Java, hat einen hübschen und. Wiederkehr ausgeübt wird, nicht wesentlich ist. wie uns scheint, nicht ganz unverdienten Rein- Die Frage, ob ein Entgelt geringfügig ist. kann fall erlebt, der ihm teuer zu stehen kommen tarnt. nur im Einzelfall unter Vergleichung mit Den Er unternahm vor einiger Zeit eine Inspektions- I üfmgen Einkünften des Beschäftigten und unter reise in die Distrikte Semarang, Soerabaja und Berücksichtigung seiner Lebenshaltung entschieden Djokja und bediente sich dabei bis Semarang werden. Einen gewissen Anhalt, jedoch keine feste der Eisenbahn. Dort blieb er vorläufig 14 Tage Abgrenzung, gibt hierbei der Umstand, ob Der als Gast im Hause seines Untergebenen Dan Lohn ein Drittel Des vom Dersicherungsamt feft- Lokhorst, der ihm zu Ehren festliche Banketts gefetzten Ortslohnes übersteigt. und herrliche Iagdpartien veranstaltete und ihm Lersicherungsfrei find dann noch Beschäftigun- schließlich, als er feine Dienstreise wieder fort- 6ic ;eman& während eines an sich beftehen- sehen mußte, sein eigenes Automobil für den gen’ Lohnarbeitsverhältnisses für andere Arbeit- Rest des weiten Weges zur Verfügung stellte. .x nebenher noch ausübt. Diese Leistungen Als Herr Bloem jedoch wieder in Wellevreden, ? , ttnalücksfällen, bei Verheerungen durch Ra- feinem Amtssitz, ankam, reichte er seiner vor- I ■ 0.....* r- —----•0<—* 1 gesetzten Behörde nicht nur eine Reiseliquidation mit enormen Endsummen ein, Schuckert und Siemens konnten 7 bis 9 Prozent anziehen. Eine starke Kurserhöhung erfuhren die nunmehr in den Terminhandei einbezogenen Karstadtaktien mit plus 17 Prozent. A.-G. für Verkehrswesen konnten auf Kapitalerhöhungshoffnungen 10 Prozent gewinnen. Begehrt waren außerdem Bauunternehmungen, von denen Holzmann 8 Prozent anzogen, ferner Kaliwerte auf die Abschlüsse im Salzdetlurthkvnzern mit plus 4 bis 8 Prozent. Die Farbenaktie war nur wenig verändert, ebenso J.-G.-Bonds mit etwa 144 Prozent. Auf den übrigen Marktgebieten überwogen die Kursbesserungen im Ausmaße von 2 bis 5 Prozent. Deutsche Anleihen lagen still, doch etwas höher, ausländische Renten fast geschäftslos. Am Devisenmarkt herrschte weiter Angebot an Devisen, und die Mark erreichte gegen den Dollar einen Höchstkurs von 4,18. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. 3m Anschluß an die schwächeren Ausland- Notierungen war der Beginn der neuen Woche ebenfalls schwächer. Das Geschäft bewegte sich in engstem Rahmen. Dem Markte fehlte jede Anregung, auch blieben die Käufe der Mühlen und die Beteiligung des Konsums vollkommen aus, so daß eine größere Unluft und Zurückhaltung dec Händler eintrat. Doch trat bald wieder ein Tendenzumschwung ein, und die Stimmung wurde wieder freundlicher, auch traten die Händler teilweise aus ihrer anfangs geübten ZurüclhaUung heraus. Die günstiger lautenden Meldungen des Auslandes und die höheren amerikanischen Rotierungen übten eine gewisse Anregung aus. Auch die neuerliche Beteilung des Auslandes an deutschen Getreidemärkten verfehlte ihre Wirkung nicht. Trotzdem trat aber doch keine größere Belebung des Geschäftes ein, da die zweite Hand Ware an den Markt gab mit der Hoffnung größerer Gewinnsicherungen. Das Angebot in Weizen war ziemlich groß, nur Futterweizen wurde etwas reger gesucht. 3n Roggen konnte sich rm Laufe Der Woche wieder lebhafteres Geschäft entwickeln, da hier kaum Ware vorhanden war und das AuSlan) besonders für diese Ware größeres 3ntereffe bekundete. Sommergerste kam nicht an den Markt, so daß Umsätze hier überhaupt nicht zu verzeichnen waren. 3n Hafer kamen kaum Abschlüsse zustande, da hier die Forderungen der Provinz von selten der Händler als zu hoch erachtet wurden. M a i S (beibe Sorten) lagen still und vernachlässigt. Rur für Futterzwecke bestand von der Landwirtschaft etwas Interesse. Mehle lagen durchweg gefragter und fester. Auch in Kleie konnten größere Hm» sätze getätigt werden. Zum Wochenschluß war das Geschäft ruhig. Rur Futterartikel, besonders prompte Kleie, neuerdings wieder Hafer, wurden lebhafter begehrt. Kleie, ferne Sichten wird zu billigeren Preisen in größeren Posten angeboten. Verglichen mit den Rotierungen der vergangenen Woche war Weizen 0,25 Mk.. Hafer und Mais für Futterzwecke je 0,50 Mk. und Mais (für andere Zwecke) 0,75 Mk. billiger. Roggen, Weizen- und Roggenmehl blieben gut behauptet. Roggenkleie wurde 0,25 Mk. höher notiert. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen I 26,50 Mk.. Roggen 27,25 bis 27,50, Hafer 26,75 bis 27, Mais (für Futterzwecke) 24,25 bis 24,50, Mais (für andere Zwecke) 25 bis 25,25, Weizenmehl 37,75 bis 38. Aoggenmehl 37.75 bis 38, Weizenkleie 14,75, Roggenkleie 15,75 bis 16,25 Mk. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt konnte sich in dieser Woche nur langsam entwickeln. Der überwiegend größere Antrieb genügte vollkommen, es verblieb bei den meisten Biehgattungen Heberst and. Trotzdem in S ch a f e n der Auftrieb ziemlich klein war. konnte sich auch hier kein lebhafteres Geschäft entwickeln, es verblieb sogar noch Heberstand. Am Rinder markt waren In dieser Woche durchweg Qualitätstiere vertreten, so daß dem Begehr der Käufer hierin voll Rechnung getragen werden konnte. Der Export beteiligte sich diesmal hauptsächlich nur am Rindermarkt. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1603 Rindern, darunter befanden sich 385 Ochsen, 79 Bullen. 671 Kühe und 380 Färsen, ferner aus 1841 Kälbern. 376 Schafen und 6635 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche standen in dieser Woche 167 Rinder. 111 Kälber und 157 Schweine mehr zum Verkauf: während 180 Schafe toeftiger angetrieben waren. bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen A I 58 bis 60, II 54 bis 57, B I 50 bis 53, Auflösung des Reichstags. Der Reichskanzler verliest das Auflösungsdelret des Reichspräsidenten. Berlin, 31. März. (WTB. Drahtmeldung.) Zn der heutigen Reichstags- sihung verlas ReichskanzlerOr. Marx kurz nach 12 W nach kürzerer Ansprache, in der er die Arbeiten des Reichstags würdigte, die Verordnung des Reichspräsidenten, durch die der Reichstag aufgelöst wird. II 42 bis 48. Bullen A 53 bis 55, B 48 bis 52. C 44 bis 47, Kühe A 45 bis 49, B 40 bis 44, C 33 bis 39, D 25 bis 32, Färsen A 58 bis 62, B 53 bis 57, C 48 bis 52, Kälber B 76 bis 30, C 65 bis 75, D 58 bis 64, Schafe A 45 bis 50, B 38 bis 44, C 33 bis 37, Schweine B 51 bis 54. C 52 bis 54, D 52 bis 55, E 50 bis 54. 3m Vergleich zu den Rotierungen der vorigen Woche gaben Rinder eine Mark, Schafe bis zu sechs Mart und Schweine bis zu einer Mark nach. Kälber blieben gut behauptet. • Kommunale Landesbank, Darm- st a d t. Rach dem soeben erschienenen Geschäftsbericht der Kommunalen Landesbank in Darmstadt beträgt bei der Bank der Bestand an langfristigen Darlehen über 38,75 Millionen Mark, derjenige an kurzfristigen Kommunaldarlehen über 15,5 Millionen Mark. Der Hmlauf an Goldschuldverschreibungen erhöhte sich im Berichtsjahre auf rund 32 Millionen Mark. Die Bank konnte von Rovernber 1927 bis jetzt über 7 Millionen kurzfristiger Gemeindeschulben in langfristige Darlehen umwandeln. Der Hmsatz im 3ahr 1927 beläuft sich aus über 1,7 Milliarden Mark. Der Zinssatz für die kurzfristigen Kommunalbarlehen wurde wiederum so niedrig wie möglich gehalten, er schwankte zwischen 7 Prozent als niedrigstem und 9.5 Prozent als höchstem Satz. Die Schuldverschreibungen der Dank sind, sofern sie einer regelmäßigen Tilgung unterliegen, — dos ist bei den bis jetzt emittierten Goldschuldvcrschreibungen Reihen 1 bis 6 sämtlich der FÄl — zur Anlegung von Mündelgeld im ganzen Reichsgebiet geeignet. * Discontogesellschaft. Die Generalversammlung der Discontogesellschaft, auf der 75 Kommanditisten mit einem Kapital von 95 258 980 Mark vertreten waren, genehmigte den bekannten Abschluß mit 10 v. H. Dividende. • Vereinigte Stahlwerke. Wie wir erfahren, drücken sich die starken Einschränkungen aller Reichsbahnaufträge, wie vor einigen Tagen Generaldirektor Dr. Vogler auf der Generalversammlung des Stahlvereins hinwies, auf die Produktionsverhältnisse der Schwerindustrie immer stärker aus. so daß EinschränkungSmah- nahrnen erforderlich werden. Bei den Vereinigten Stahlwerken werden in diesen Tagen ganz wesentliche Einschränkungen der Erzeugung der Dortmunder Hnion vorgenommen werden, u. a. wird ein Hochofen gedämpft. Es dürsten zum mindesten eine Zahl von 1500 bis 2000 Arbeitern zur Entlassung kommen. * Deutsche Eisenhandel A.-G. Die in der gestriaen Aufsichtsratssitzung vorgelegte Bilanz weist nach Abschreibungen und Reseroestellung einen Reingewinn von 1548 652 Mark aus. Der Aufsichtsart beschloß, der auf den 15. Mai einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 6 v. $). (im Vorjahre 6 v. H.) auf die Vorzugsaktien und 6 v. $). (4 o. H.) auf die Stammaktien vorzuschlagen und die restlichen 470 096 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. * Daimler-Benz,*2l. -G., Mannheim. In der gestern in Mannheim abgehaltenen Generalversammlung waren von 50 Millionen Mark Stammaktien 36,26 Millionen Mark vertreten. Der VvkMende Dr. o. S t a u ß sprach zunächst von der bedeutenden Umsatzsteigerung von 68 auf 120 Millionen Mark, die auch im neuen Jahre angehalten Hal. Innerhalb eines Jahres konnte die Belegschaft von 7500 auf 15 000 Mann erhöht werden. Direkwr Schippert (Stuttgart) gab zu dem Posten der Vorräte in der Bilanz eine Erklärung ab. Die Verwaltung teilte mit, daß sie nach reichlicher Ueber- legung dazu gekommen sei, keine Dividende zu verteilen, sondern die Gelder für die innere Vervollkommnung anzulegen. Trotz der bedeutenden Auslandkonkurrenz hat sich der Umsatz im neuen Quartal gehoben. Gegen die Stimme eines Aktionärs, der Protest zu Protokoll gab, wurde die Bilanz genehmigt. Der Großaktionär Schapiro teilte mit, daß es nicht richtig sei, daß er für eine Dividenden- Verteilung eingetreten sei. Außerdem habe er volles Vertrauen zu dem Werk, ein Vertrauen, das auch im Auslande vorhanden fei. * Deutsche Hypothekenbank in Meiningen. — Preußische Boden- Credit-Actien-Bank in Berlin. Die beiden, der Gemeinschastsgruppe Deutscher Hypothekenbanken angeschlossenen Banken geben im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß sie je GM. 10 000 000 ihrer 8 Prozentigen Gold-Pfandbriefe Em. XVII — beide nicht rückzahlbar vor dem 1. 3uli 1933 — (mit April/Oktober-Zins- scheinen) zum Kurse von 97,5 Prozent zum öffentlichen Verkauf stellen. Die Rückzahlung der angebotenen Emissionspapiere muh mit 100 Prozent erfolgen. Die Stücke lauten in beiden Fällen über 100, 503, 1030. 2033 und 5033 Goldmark. Aufträge werden -von allen Banken und Bankiers, Spar- und Girokassen entgegengenommen. o * Brown Boveri & C o., Mannheim. Die gestrige G.-V. genehmigte alle Anträge der Verwaltung einstimmig. Danach gelangt aus dem Reingewinn von 1,466 Millionen Mark eine Dividende von 9 Prozent, d. h. auf die Altbesitzgenußrechte ein Gewinnanteil von 6 Proz. zur Verteilung. Auf neue Rechnung werden 20 555 Mk. vorgetragen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 31. März. Tendenz: freundlich. — Die heutige Samstagbörse eröffnete in weiter freundlicher Haltung. Eine Anregung ging von der glatten Ueberwindung des gestrigen Zahltages und des günstig lautenden Ber.chts der Com- merzbank aus, doch blieben die Umsätze ziemlich bescheiden, da der Ordereingang bei den Banken sehr gering ist und der weiter stabile Geldmarkt eine gewisse Zurückhaltung bei der Spekulation hervorrief. Bevorzugt und lebhafter gefragt blieben einige Spezialwerte. So hatten am Elektro- markt Siemens & Halske (plus 1,75 v. H), Schuckert plus 1,5 v. H., AEG. plus 0,75 v. H.. Gesftirel 1,25 v. H. größere Umsätze zu verzeichnen. Auch Schiffahrts werte begegneten weiter größerem Interesse. Hapag konnten 1 o. $). und Nordlloyd 1,75 v. j). anziehen. Am Montan- markt verstimmte die Produktionseinschränkung beim Stahlverein etwas, doch überwogen auch hier die kleinen Kursbesserungen. Rheinbraun lagen nach den größeren Kurssteigerungen der letzten Tage leicht vernachlässigt. Am Farbenmarkte herrschte eher Angebot, und J.-G.-Farben waren nur k napp behauptet. Am Bankenmarkt waren Danat mit plus 2 v. H, und Deutsche mit plus 1,5 o. H. bevorzugt. Disconto und Dresdner blieben knapp behauptet, während Reichsbank sogar 1,25 v. H. nachgeben mußten. Von Bauunternehmungen lagen PSayß 8c Frey- tag plus 1 v. H. und Holzmann plus 1,75 v. H. erhöht. Dagegen gaben Zement Heidelberg 1 o. H. nach. Zellstoff Aschaffenburg waren 1,5 v. H. und Waldhof 1 vH. höher. Am Auto markt waren Daimler auf die gesteigerte Umsatztätigkeit lebhafter verlangt. Auch konnten in Verbindung damit Kleyer und RSU. etwas anziehen. Am heimjschenRen- tenmarkt bestand für Ablösung ohne Option größeres Interesse bei anziehenden Kursen. Ausländer lagen still, aber behauptet. Im Verlause beschränkte sich die Umsatztätigkeit auf verschiedene Spezialwerte. Deutsche Erdöl konnten 1,75 o. H. und Commerz 2,5 o. H. anziehen. I.-G.- Farben lagen nur ganz geringfügig gebessert. Am Geldmarkt war Tagesgeld lebhafter gesucht und auf 8 v. H. erhöht. Am Devisenmarkt konnte die Reichsmark wieder anziehen. Man nannte Reichsmark gegen Dollar 4,1814 gegen London 20,406, London gegen Kabel 4,8815, Paris gegen London 124,02, Mailand 92,375, Madrid 28,95, Holland 12,1213. Berlirrc Börse. Berlin, 31. März. Vorbörslich war die Teil- denz zunächst s e h r u n e n t s ch i e d e n, da die Ausführungen in der gestrigen Generalversammlung der Discontogesellschaft verstimmten. Doch war die Stimmung zum offiziellen Verkehr wieder freundlicher: das Geschäft war aber kleiner als an den Vortagen, was wohl in erster Linie mit dem Samstag und vielleicyt auch mit dem Ultimo zusam- menhängen dürfte. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld und Geld über den Ultimo, was heute dasselbe ist, blieb mit 8 bis 9,5 o. H. gesucht. Monatsgeld 7,5 bis 8,5 v. H. Warenwechsel 7 v. H. und darüber. Die Produktiynseinfchrän- gen beimStahlverein verstimmten am Montanmarkt, doch waren auch hier gegen gestern mittag zumeist noch 1- bis 2-o. H.-Kurssteigerungen festzu- stellen. Die in den letzten Tagen vernachlässigten Far- benaktien lagen auch heute fest, nachdem sie schon gestern abend in Frankfurt höher gehandelt worden waren. Die ersten Kurse waren überwiegend 1 bis 2 v. H. gebessert. Mitteldeutsche, Glanzstoff, Spritwerte, Dessauer Gas, Deutsche Maschinen, Rheinstahl, Siemens, Stolberger Zink und J.-G.-Farben lagen durchschnittlich bis 3 v. H. erhöht. Dagegen Berger, Polyphon und Svenska niedriger. Arn deutschen Anleihemarkt war die Haltung freundlich. Ausländer lagen bis 0,5 v. H. erholt. Am Pfandbrief markt konnte sich bis jetzt noch kein Geschäft entwickeln. Im Verlaufe bestand Realisationsneigung. Auch scheint die Frankfurter Arbitrage zu geben. Die Kurse gingen mit Ausnahme weniger Werte um 1 bis 2 v. H. zurück. Lebhafter gehandelt wurden noch Dessauer Gar plus 3 d. H., Zellstoff Waldhof plus 5 v. H. Schiff, fahrtswerte nur gehalten, Karstadt unverändert. Berliner Produktenbörse Berlin, 30. März. Die Weizenhauffe in lieber» see fand gestern ihre Fortsetzung: die Gründe für die Preissteigerung werden hier mit einigem Zweifel ausgenommen. Die Cifpreise für Weizen und Roggen waren von der ersten Hand auch ziemlich beträchtlich erhöht, die zweite Hand ist jedoch weiter verkaufswillig. Hier kann sich der befestigende Einfluß der Auslandnachricht nur wenig geltend machen, da vom Konsum sede Anregung ausbleibt. Das inländische Wcizenangebot namenllich aus zweiter Hand, ist weiter zu beobachten. In erster Linie wird geringes Material offeriert, das bet der Unnachgiebigkeit der Forderungen nur schwer abzu- setzen ist. Das Roggenangebot ist sehr knapp, das Geschäft ist jedoch äußerst still, da die geforderten Preise nicht erzielt werden können. Für Weizemnehl werden verschiedentlich höhere Preise gefordert, die aber nicht durchzusetzen sind. Roggenmehl, in den Forderungen unverändert, ebenfalls sehr still. Am ßieferungsmartte stellten sich die Preise für Weizen und Roggen auf einig« Deckungskäufe höher, Umsätze im allgemeinen aber gering. Für Hafer bewilligt der Export höhere Preise und daraufhin greift auch der Konsum wieder etwas lebhafter zu. Gerste wieder ruhig. Es notierten (1000kg): Weizen, märkischer (74,5-kg/Ii!-Gewicht), 247 bis 250, Mai 274,50 bis 274 (Brief), 3uli 284 bis 283,50 Brief; Roggen, märkischer (69-kg/KI-Gewicht), 259 bis 261, März 275, Mai 282 bis 281,50, Juli 265,50 bis 264,75, September 246 bis 245 (stetig): Sommergerste 232 bis 280 (behauptet): Hafer, märkischer, 235 bis 243, März 253, Mai 262 bis 261,50 Brief, Juli 266,50; Mais, zollbegünstigter Futtermais, 237 bis 239 (stetig); (100Kg): Weizenmehl 31,25 bis 35 (stetig): Roggenmehl 34,15 bis 36,75 (befestigt); Weizenkleie 17 (fest); Roggenkleie 17 (fest); Biktoriaerbsen 46 bis 57; kleine Erbsen 35 bis 37; Futtererbsen 25 bis 27; Peluschken 24 bis 25; Ackerbohnen 23 bis 24; Wicken 24 bis 26; Lupinen, blau, 14 bis 14,75; Lupinen, gelb, 15,25 bis 16; Serradelle, neu, 25 bis 28; Rapskuchen 19.60 bis 19,70; Leinkuchen 24 bis 24,20; Trockenschmtzel 14,30 bis 14,70; Soyafchrot 22,20 bis 22,60; Kartoffelflocken 25,90 bis 26,60 Mark. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Enneccerus 85 Jahre all. Der Senior der Hniverfität Marburg, Geheimrat Professor Dr. jur. Ludwig Ennecce- r u s, vollendet am 1. April sein 85. Lebensjahr. Der Gelehrte ist wegen seiner grundlegenden Arbeiten über das Rechtsgeschäft des gemeinen Rechts und wegen seines ausgezeichneten Lehrbuchs des Bürgerlichen Gesetzbuchs berühmt geworden. Gebürtig aus Reustadt a. A., Provinz Hannover, studierte er Rechtswissenschaften in Göttingen, wo feine Lehrer Friedrich Mommsen, gründe, Briegleb, Kraut und Zachariae waren. 1870 habiiitierte sich Enneccerus in Göttingen, wurde dort Extraordinarius und siedelte 1873 als Ordinarius nach Marburg über, wo er bis zu seiner 1921 erfolgten Emeritierung römisches und deutsches bürgerliches Recht vertrat. Geheimrat Enneccerus war Mitglied beS Hessischen Kommunallandtages und später auch des Hessen-Rassauischen Provinziallandtages, ferner Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses sowie des Deutschen Reichstages. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — ReichsbankdiSkont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Fraudsurta. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Schluß. Kur» 1-Uhr. Kur, Schuch Kur» Ansang Kur^ Schluß- Kur» »'Uhr. Kur» Sch.utz s Anfang Kur» Kur Datum 30 8. 81. 8. | 30 8. | 31. 8. Datum: 30 3. 31 3. 30. 3. 131 3 Pf« Dl BeichSanletde v 1927 Dt Hat ilblös Schuld mit Auelol -Rechten DeSal. ohne ßtuSlcf ,gie4tcn 7”/o Franks Hnp..«t. So dvl 87,8 51,9 14,6 16 87.5 S2 14,7 52,1 14,9 LES.........7 Bergmann ........8 Eletlr. Lieferungen . . . lo Liebt und Kraft . . . . io Felten & Guilleaume . . .6 Ges r Glekir Unttm. . . 10 156.75 181.5 419.25 120.5 281.75 157.25 181 219,25 156.5 179.4 175,5 218 120 6 285 (57.75 181,75 173,5 <19.25 121,75 285 unkündbar bis 1932 — — 285.75 *'/t% Rheinisch, 6dd -Bank Liqu -Goidvi «ES abo BorkrtegS-Ob- liganonen. rudwblbar 1932 17» Schwei, Bundekb.-Avl. 4®/« Oesterrtchtsche Goldrte Oefttrr ich Silbern, «7o Oesterreich tim tül- Rle <®/0 Ungarische Goldrte 4% Ungarische StaotSr. v 1910 <7//.. desgl von 1913 «®/o Ungarische «ronenrte 4°/ Türk Zollaoleihr v 1911 4°/o Türk Vagdadbabn-Anl Serie I 4°/„ beSgL Serk !l- . . 4°e Rumänen converr Rte 47,'° Rumänen Goldanl. von 1918 Ulla Demlche Etlenbahn 47, Hamburg-Amerika Palei 6 Hamb -Südam Damvisch 8 Banfa Dampfschiff 6 Norddeutscher vloDb 6 Kilo Deutsche Creditanft. lü Dann r Bankverein io ■ ""i"": 'Z " 'Z''ZZZ 1 1 I 1 1 1 1 II l’T II III« l 5 ' ä L 2 84.75 13,3 13,6 12.5 14,4 155.75 218 229 149.5 146 149,5 l 1 1 1 1 1 1 1 1 lw. IÄ ' 1 !2 r» «j Hamb Elettr Werke . . 10 Rhein Elektr.......8 Schlei. Elettr ........ Schucken ....... 7 Siemens k Ha Mr . ... 16 Tran:radto . . ..... .8 Labmever k 4o-........ BuberuS . ..... 0 Deutsche Erdöl ...... .6 Essener S etalobU.....8 Geilenkirchener t. 3 4 Harvener .... 8 voelch Eisen ......... nlse Bergbau ....... .8 Klöckaerwerke ....... 5 Köln-Neuesten ......67, Mannesmann .f. 7, I 4 ManS'elder . .. 7 Odettchles Eisend. Dedart 0 Oberschiei KolSwerke . v Phönu Bergbau s 7, 3 3 Rheinische Braunkohlen 10 RhetaNadl 0 Rieberl Monrao .....6 vereintste Stablw- f. •/, 9 3 Oravi Minen 1 th Kali AscherSleden 10 KaliWetteregel» 10 Kaliwerk SaUdetkurtb 12 3 G Farven-Industrie 10 Dynamit Nobel.....0 Scheid, anstatt . .... .8 Goldschmidt .....5 RurgerSwerkr . .......0 TOtiaÜgekQ dxh ..... 10 Sfeö 5 § 181 i i aS । i SS»। i 1 z i *- S» - *• -ank 9 vinalldank..........8 Ürttilberf.........lü 178.5 243 166 160.65 160.5 190 178.9 .'44,9 167.o 160.5 163.4 180.75 254.7» 118,9 242 166 160 162.75 213.25 135.25 188.75 <65 178,9 244.5 167 160 4 162,9 216.5 189.75 176 186,5 :61 191 Ul 103,75 176 271,5 '50,76 192 111 103,6 17« 186.25 <69 248.6 120.5 109.5 102.5 Banfootnt Frankfurt a. M Berlin Schluh-j l-Uhr- schiust Anfang Kur» kur» Kurs Kur Datmn: 30.8. |SL3. 130. 3- | 31. 8, Hl-mop Hotjmann . vz Heidelberger Lernen! . . 8 164.0 165 160,5 165.75 149 148 Temen, Karlstadt .....8 179 — War>ß k Rrthaa .10 138 139 — SchoithnS Pavardskrr. . is — — 348 351 Cftroerte . . . 12 287 289.5 Ber. Glanistoff .... 15 ■w — 727 730 Bem berg ........« — — 513 517.5 ^ellstoii «alddof. . . . 12 270 270,5 269,5 271 Jeaftofi Aschasfenbnra • 10 172 173.5 170 171 Kbariottrnburaer Baffer 7 — 122 122.5 efiauei Gas . . 6 •W — 187,5 190 Taün ter Mo'orrv.... o 89.5 90,5 89 91 Demag ...... 0 — * 47.5 50,12 Adlerwerre Kleve». . .. o 86.76 87,5 85,5 86.75 Lovw eocict . . . . > — — 249 250 75 Rai Automobil .... 6 •* 94.5 94,9 Cr-nfteni & Kovvel .... 4 133,75 132 6 Linke Hvimrurn . .. . v — — — — Leonhard Lieh .... 6 Bamag. u egum ..... o — 214 <6 215,75 ssraaks Maschinen .... o 73 —> 72.75 — 137.5 — 136.13 Hevliaeustaedr ...... 0 23,5 — — Aunabane ...... 6 88 -W- 87,65 Lechwerke ...... 8 119 — — Matakroftwerke ...... « 119.9 - — — Miag ...... 10 141 — 142 113 Nekarlulmer ...... 8 59.5 59.75 o9 25 Bereit Union • ...... 8 98 — 97.5 — Rebr Roeder ...... IC — — — — Borg' * Haeftne» .... 6 Svdd Rud.tr ..... o 174 132.5 — 176,25 132.4 — Berlin, 30. Mgr^ 1 ^eld Brrr- Amerikanische Roten..... belgische Noten...... Dänische Noten ...... Englische Noten ....... 17167 58.18 111,68 20.362 4,187 58.42 112,12 20.442 Telegraphische Auszahlung. Berlin 30 Märt Geld Brret ?sränjösische Noten..... 16,51 iä.5? Holländische Noten ... 167.95 Htalicuische Noten...... Norwegische Noten...... 22.17 111.28 58,67 II Deutsch,Dcsterr-, ä ioo Kronen Rumänische Noten...... 2,59 Schwedische Noten...... 111,93 Schweizer Noten....... 80,34 80.66 Spanische Noten ....... 70,3! 70.60 Tschechoslowakische Noten > - 12,345 12,40,5 Ungarische Noten • • 72 80 73,10 Devisenmarkt Derlm —Frankfurt a. M. 30. März 31 März Amtliche Noti.rung Amtliche Notierunä Geld Briet Geld Briei Amtt^Ron i68,2ä 168,59 168.23 168.57 Buen-AtreS 1.786 1.790 1,78b 1.79» Brss.-Äntn, »8.31 58,43 58,31 58,43 Ldrrsttanio 111,51 111,73 111,51 111,73 Kopenhagen 111,94 112.16 111.98 112.20 Ltockdotai 112.LZ 112.34 112.11 5s belstagsorS- 10,515 10,635 10.515 Italien. . <2,075 22,115 22,075 22,115 20,43 4,1855 London. . . <0.391 20,131 20,39 'RtUDBrf . . 4.1780 4,1860 1,1775 Baris.... 10,445 16.485 16,44 &A Schweiz .. >0,445 80,605 80,475 Svaiiea 70,38 70.52 70 33 <0 47 Japan 1.95 1.99 1,998 2,002 •Hü> de Jan Wien in D-- 0.503 0.595 d-502 0.504 Sest- abgest ■'S,77 12,379 68.89 »8.77 68.89 Prag Belgrad 12.390 12,382 12.402 7,348 7,362 7.348 7,367 Budapest. 78,97 73,11 72,94 Bal arten 3,919 3,025 3,019 9'ffabon 18,08 18,U 18,13 18.17 Danzig 81,50 81,66 81,52 81,68 «onst.iorta 2,118 2,222 2,118 2,122 atbtii 6,534 5.54V 5.534 6,646 Lana do 4,181 4.189 4,181 4,189 U ru aav 4,326 4,334 4,326 4,334 Wkr» . . . 20.916 20.4)66 80.916 80,956 Osteranwä Konfektions-Abteilung 3505a Bestellungen erbittet frühzeitig C. 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Die Automobil-Derkaufsgesellschaft m. b. H., Gießen, ist in Liquidation getreten und Herr Ludwig Schultheiß, Gießen, Dismarckstrahe 36, zum Liquidator ernannt. Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntnis und ersuchen alle Gläubiger, ihre Ansprüche, die sie noch an die Firma zu stellen haben, umgehend bei dem vorbezeichneten Liquidator zur Anmeldung zu bringen. Gießen, den 30. März 1928. Automobil-Derkaufsgesellschaft m. b. H. KiHderwagen-Spezialwerkstätte Löberstrafee 19 Vollkommenes Aufarbeiten v. Kinderwagen prompt, billigst Beziehen u. Füttern v.Verdecken, Rüschen, Gummireifen usw. Grofee Auswahl in Kinderwagen, Leiterwagen, Leitern, Kinder-Sportfahrzeugen Spiel-u. Holzwaren, Kuxmann-Fahrräder Reparaturen — Ersatz* und Zubehörteile Chr. F. Götte, Gießen, Löherstraße 19 Kinderwagen-, Holz- und Spielwaren-Industrie 0UM MANN] Flecke SPECTROL NICHT FEUER GEFÄHRD CH Entfern ung verschiedener Flecke cji.e Spectrol- Flecktabelle grati > in allen •: fachgeschdften aus GEBHQUEB KBONER. 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Erhöhung der Getränke fteuern gewinnen soll. Die wirtschaftlichen Spitzenverbände, darunter auch der Deutsche Industrie- und Handelstag, haben gegen diese Herausforderung der Wirtschasiskreise schärfsten Protest erhoben und auch die amt- Die Industrie- und Handelskammer' Gießen für die Kreise Gießen, Alsfelb und Lau- [ tcrbach erledigte in ihrer jüngsten Sitzung folgende 'Angelegenheiten: Der im Entwurf vorgelegte Jahresbericht für 1 9 2 7 wird in seinen Grundzügen von der Versammlung genehmigt. Die Vorsitzenden und Geschäftsführer der hesfi- Muster einzusetzen. 3n einer gemeinsamen Eingabe der hessischen Industrie- und Handelskammern ist der Deutsche Industrie- und Handelstag gebeten worden, sich beim Reichsjustizministerium für eine den veränderten Zeitverhältnissen entsprechende Erhöhung der handelsüblichen Verzugszinsen (§ 352 HDD.) zu verwenden. Diele där am Arbeitsgericht verhandelten Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind daraus zurückzuführen, daß vor Beginn des Dienstverhältnisses Leistung und Gegenleistung beider Parteien nicht schriftlich vereinbart wurden. Jeder Geschäftsherr und zeder Angestellte sollte es sich daher zur Pflicht machen, vor Antritt eines Dienstverhältnisses. wenn auch in einfachster Form, aber doch klar und übersichtlich, die einzelnen Bedingungen schriftlich festzulegen, um unangenehmen Weiterungen zu entgehen Wie aus den Klagen des Einzelhandels hervor- qeht. nimmt das Dorgunwesen seitens des kaufenden Publikums bedrohlichen Umfang an. Es wird dabei leider nicht bedacht, daß das langfristige Borgen und der unpünktliche Eingang fälliger Zahlungen nicht nur dem Geschäftsmann, sondern mittelbar auch dessen Kunden Schaden und Rachteile mancherlei Art bringt. Denn die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, dessen Inhaber es durch zu spät oder gar nicht eingehende Zahlungeii unmöglich gemacht wiro, seinen eigenen Derpflichtungen rechtzeitig nachzu- kommen. muß sich natürlich -nit der Zeit vermindern. Hierunter hat aber letzten Endes das kaufende Publikum zu leiden. Außerdem verleitet der Gedanke, etwas auf Borg kaufen aktion beteiligt. Bei Gelegenheit einer Aussprache der hesiischen Industrie- und Handelskammern mit dem neuen hessischen Gesandten hat die Kammer Wünsche ihres Bezirks vorgetragen, welche vornehmlich di: Lahnkanalisation und die Rotlage des oberhessischen Eisenerzbergbaus betrafen. In einer gemeinsamen Eingabe an den Herrn Minister für Arbeit und Wirtschaft haben die hessischen Industrie- und Handelskammern zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung und des Handelsgesetzbuches (Handwerksnovelle) Stellung genommen. Sie haben darin die grundsätzliche Forderung ausgestellt, daß in den Entwurf Bestimmungen ausgenommen werden, welche eine Gewähr dafür bieten, daß alle ihrem wirtschaftlichen Charakter nach nicht dem Handwerk zugehörigen gewerblichen Unternehmungen gegen jeden Versuch der Unterstellung unter die Handwerksgesetzgebung gesichert und geschützt werden. Gegenüber den Bestrebungen auf Umgestaltung der Berufsgenossenschaften mit dem Ziele einer gleichberechtigten Beteiligung der Arbeitnehmer an der Verwaltung der Berussgc- nossenschasten haben sich die hessischeii Indust^e- und Handelskammern ablehnend ausgesprochen weil daniit der eigentliche Zweck der Derussge- nossenschaften. nämlich die Haftpflicht des einzelnen Unternehmers für die Folgen von Unfällen auf möglichst breite Schultern zu legen und dadurch' für den einzelnen erträglicher zu gestalten. völlig verwischt wird. Die gegenwärtig sehr geringe Verzinsung von bei Gericht hinterlegten Geldbeträgen hat die hessischen Industrie- und Handelskammern veranlaßt, bei der Regierung sich für eine Erhöhung des Zinssatzes nach preuy. zu können, leicht dazu. Dinge anzuschaffen, die man bei Barzahlung entweder gar nicht, oder doch in einfacherer Ausführung gekauft hätte, wobei es nicht selten geschieht, daß die nachträglichen Zahlungen durch irgendwelche Umständ? — Krankheit. Stellenlosigkeit u. dgl. - zur drückenden Last werden. Es kann daher jedem einzelnen Verbraucher zu seinem eigenen Wohle und zum Besten seiner Lieferanten nicht dringend genug anempfohlen werden, das Borgen zu unterlassen und es sich zur Pflicht zu machen, jeden Einkauf sofort bar zu bezahlen. In der Zeit vom 1. bis 13. Oktober d. v>. finden „Gießener F e r i e n i u r 1 e" statt, welche von der Landesuniversität für Deutsche und Ausländer veranstaltet werden. Die Teilnahme an diesen Kursen, in welchen ..Deutsches Leben in Wirtschaft und Kunst" zum Gegenstände der Betrachtung gemacht werden wird, kann wann empsohlen werden. Der Preis für die Teilnehmerkarte ist niedrig gehalten. Rähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle in Gießen. Dis- marckstraße 22 (Sekretariat der ilniberfität). Oie Paßschranken fallen weiter. Als Maria nun das Dorf erreicht hatte, war sie erfrischt und auch ruhiger. Nun fühlte fie es doch wie eine leise kommende Freude, wieder zu Hause ^Maria sand es anders daheim, als sie es erwartet hatte- besser. Weshalb der Vater jetzt vergnügter war, wußte sie nicht, sie fragte auch nicht warum. Es ging ihm eben jetzt besser, und damit begnügte sie sich. Sie kam auch gleich in sehr viele Arbeit, die schlug wie Wellen über ihr zusammen, sie ging darin unter und war dessen froh. Ein Arbeitstag folgte dem anderen, diese tfo ge war eintönig, einförmig immer dasselbe, aber dieses Einerlei lullte ein. Und es tröstete: man vergißt darüber, was gewesen ist und was sein wird, man sorgt nur für das Heute; für das Morgen wird man dann morgen sorgen. Es gab Tage m denen Maria nichts anderes dachte als: meine Arbeit, und Stunden, in denen von der alten Heiterkeit etwas kam, wie huschender Sonnenstrahl über verregnete 5 Gs ging allen hier so. Wer Sorgen hatte sparte die auf für die Nacht, der Arbeitstag ließ sie nicht w aber kam dann die Nacht, dann war man so müde, daß man fest schlief. Ein gnadenreicher Ausgleich. Nun die Weinberge geschlossen waren, ging man in den Nott. „ . , . Oben auf den Höhen, wo kein Wein mehr gedeiht, auch in den Hängen zwischen den Rebenanpslan- zungen gab es noch Streifen von Oedland, sttup- piges Gebüsch, Ginster und Brombeeren und wilde Rosen mit blutroten Hagebutten, da rodete man, schiffeite und brannte, um im nächsten Sommer em wenig Roggen sich dort zu gewinnen. Mühselige Arbeit, Hänge halsbrecherisch steil,. ober den, der Weinbergswege gewohnt ist, dünkt s nicht zu steil Ueberall auf Moselbergen sch'stelte man - Acker tat ja so not — überall sah man jetzt an grau sinkenden Frühlingsabenden gleich feurigen Augen Rottfeuer glimmen und Rauchwolken mit langen Zungen hm- frSimon Brernm und seine Jungen gingen mit Art und Hacke auch in den Rott. Mannerarbeit aber Maria meinte, so gut wie Peter und Paul könne sie's auch. Bremrn war dagegen; keine Arbeit für eine Tochter, er schalt, als sie, fernem Gebot zuwider, sich ihnen anschloß. Aber eigensinnig gab sie nicht nach: hatte sie nicht mehr Kräfte als die zwei zu freuen? Und die kannte nicht einmal den, von dem sie das Kind hatte! War die im Grunde nicht ?u verachten? Nein, doch nicht! Nettchens ernste, fast feierliche Weise fiel Maria ein, und ihr stilles Froh- jein — ach ja, ja, die war wirklich froh, die tat nicht nur so unbekümmert. Die hatte es ihrßeben lang schwer gehabt, so schwer mit dem Buckel, daß ihr das jetzt nicht >nehr so schwer zu ertragen war. Aber mir, mir!" Maria preßte im Weiterschreiten die Faust gegen die Stirn, hinter der es wühlte. Sie hatte keinen Buckel gehabt, frei von jebem Makel war sie auf die Wett gekommen - aber letzt, Jesus Maria, jetzt war sie nicht ohne Makel mehr, jetzt hatte auch sie einen Buckel. Die Wandernde preßte die Lippen fest auseinander: Porten war aufgetaucht. Nein, es war nicht möglich, denen zu Haus zu sagen, was sie selber erst nicht falte begreifen können. Die wurden es nie begreifen. Die würden sie verachten. Mußten sie auch verachten und mit vollem Recht. Verachtete sie sich selber denn nicht? Ja, o ja! Mit einem Aufstöhnen setzte sich Maria am Grabenrand nieder: nur eine Viertelstunde noch, und fie war schon im Dorf — nein, sie konnte sich noch nicht entschließen, daheim einzutreten Noch eine Weile warten, nur ein ganz kleines Weilchen noch warten' Als sie Räder knarren und sich nähern horte, duckte sie sich schnell im Ehaufseegraben nieder; sie zerkratzte sich dabei am Brombeergestrüpp, sie suhlte es nicht, daß ihr ein Blutstropfen übers Gesicht rann. Rur nicht gesehen werden, nein, o nein! ' Gemächlich trabte der Dorftrottel vorüber Das Pferd norm Karren kannte allein seinen Weg. Das Pittchen hatte sich aus Weidenrohr eine tllote geschnitten, nun blies er mißtönend daraust Das breite Maul gespitzt, blinzelte er blöd in die eonne. Dor dem hätte sich Maria nicht zu d)ömen gebraucht, aber selbst vor ihm scheute sie sich. Es dauerte lange, bis sie sich entschloß, noch die letzte Viertelstunde zu gehen. Wie hatte Nettchen gesagt., „Andre merkens noch nicht, kannst ganz ruhig sein. Gott sei Dank, da konnte sie es aljo doch wagen Uno sich gewaltsam aufraffend, kletterte sie lensetts der Chaüsiee vom Ufer herunter und nm,ch an der Rwse Gesicht und Hände. Lange kühlte sie sich die bren nende Stirn und die Augen — ah, das tat ja jo wohl! Wie eine lindernde Hand war das weiche Wa,- fer; und es wusch allen Staub, allen Schmutz ab, machte sehr rein. 8 bis 9: Morgenfeier, veranstaltet vom Wart- burgverein Frankfurt a. M. 12.15 bis 13: Von Mannheim: Der Tod Jesu, für Soli, Chor Orchester und Cembalo von Josef Martin Kraus (1756 bis 1792). 13 bis 14: Schallplatten-Konzert. Aus Richard Wagners „Parsifcll". 17 bis 18: Geistliches Konzert. 18 bis 19.30: Kon^rt des Rundfunkorchesters: Aus Händels „Messias . 19.30 bis 20: „Albrecht Dürer", Dortrag von Dr. Oswald Götz, Assistent am Städelschen Kunst - Institut. 20: Don der Katharinenkirche: Die Iohannespassion von Bach. Samstag, 7. April. 13 bis 14: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15 bis 15.30: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Brahms. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Der Briefkasten. 18.45 bis 19.15: „Ausbildungsgang, Betätigungs- Möglichkeiten und Berufsaussichten des atabemifd) gebildeten Landwirts". Vortrag von Dr. Weitzer. 19.15 bis 19.45: Vortragszyklus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes: „Die Invalidenversicherung unter Berücksichtigung der neuen Bestimmungen", Vortrag von Arbeiterselr. Dom- heim 19.45 bis 20.15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Die Frühjahrssym- bolik in Strindbergs .Ostern"', Vortrag von Alfred Auerbach. 20.15: Kammermusik-Konzert. Jungen, sollte sie nicht auch eine Hacke schwingen können? Ha, die hineinhauen in den Boden, wie in etwas, was man aus der Wett schaffen mochte — Steine poltern, dürres Wurzelwerk stiebt auseinander — weg, weg damit! Sie irrte sich, sie konnte es doch nicht. Und ein seltsames, früher ihr nie bekanntes Gefühl von Schwindel überkam fie, als sie am steilen Hang hinuntergehen mußte; Schweiß brach ihr aus. Aber den Rott zusammentragen wollte sie wenigstens. Anzünden, gleich alles aus einmal anzünden, nicht dieses langsam freßende, schwelende Feuer, nein, eine große Flamme, die alles auf einmal verzehrt! Aber der Rott zündete schwer, und er brannte nicht hell; es blieb, wie es überall war, das Feuer kroch wie etwas Unterirdisches, sich an der Oberfläche nur hier und da Zeigendes, langsam und heimlich weiter. Und Mana wußte auf einmal, daß sie so schwere Arbeit bald nicht mehr leisten konnte. — , Laßt Ihr Eure Maria mit in den Rott gehen?" fragte Kaspar Dreis den Brernm, als er den das nächste Mal traf, scheinbar zufällig — oder war es nicht zufällig? „Dat is doch zu schwer! „Sie will doch partout", entschuldigte Bremrn. „Ihr dürft bat nit leiden!" Rein das wollte er nun auch nicht. „Du gehst nit mehr mit in den Rott", sagte der Vater streng. „Warum nit?" Sie wagte es, ihm zu widersprechen. „ ... „Weil ich nit in der Leut Mautcr kommen will. Weil et sich für meine Tochter nit schickt. Der Kaspar Dreis hat ganz recht." . „Wat der weiß!" Sie warf den Kopf in den Nacken. v , ... „Der weiß, wat sich gehört und wat sich nit gehört." Und Frau Bremrn sagte noch schnell hinterher- Wie sich der Dreis um uns' Maria kümmert! Dat is wirklich schon. Kommt er uns bann nit besuchen? Er hat die Maria noch gar nit gesehn. Rein, noch nicht! Gott sei gedankt, der Kaspar noch nicht! Warum lief sie denn weit hinaus auf die Oedländereien, warum hielt sie sich denn Sonntags immer im Haus, war noch nicht einmal den Stationsweg drüben herauf oder an der Mosel entlang Gegangen? Sie fürchtete eine Begegnung mit ihm. Das Blut stieg ihr ins Gesicht, wenn sie ihn nur nennen hörte. (Fortsetzung folgt.) Rundfunkprogramm. Sonntag, 1. April. 8 bis 9 Uhr: Don Kassel: Morgenfeier veranstaltet von der evangelischen Gemeinde Kassel. 11 bis 11.30: Die Ctternstunde. 12 bis 13: Von Kassel: Passions- und Osterdichtung. 16 bis 17: I Die Stunde der Jugend. 17 bis 18: Kammes musik-Konzert. 18 bis 18.30: „Ernährung durch Rohkost". Vortrag von E. Grohinger-Lehmrade. 18 30 bis 19: „Ernährung und Höchstleistung , Vortrag von Oberregierungsrat Dr. Malkwitz. 19 bis 20: Stunde des Rhein-Mamischen Verbandes für Volksbildung: ..Dürer m unserer Zeit" Vortrag und Vorlesung aus Durers Schriften von Dr. L. Reundörfer. 20: Von Stuttgart: Sinfoniekonzert. Leitung: Generalmusikdirektor Leo Blech. Montag, 2. April. 12 30 bis 13.30 Uhr: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15.30 btä 16: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Kon- Die Bemühungen der deutschen Behörden um die Aufhebung der internationalen Paßschranken sind besonders in den lehteii zwei Monaten von bemerkenswertem Erfolg gewesen, und auch die Erfolge der letzten Wochen bringen für die internationalen Reifenden, und insbesondere für die deutschen, wesentliche Erleichterungen in der Vifumfrage. Von außer-' ordentlicher Bedeutung für den internationalen Reiseverkehr ist das Fallen der Paßschranken zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei vom 5. April ab, und damit sind die oft unerfreulichen Formalitäten aus der Welt geschafft. Erfreulicherweise ist es jetzt auch gelungen. den Sichtvermerkzwang im Verkehr zwi- schen Deutschland und Ricaragua aufzuheben. was freilich für den Reiseverkehr von nicht allzu großer Bedeutung ist. Der Visen- z w a n g ist gegenwärtig aufgehoben zwischen Deutschland einerseits und Oesterreich. Schweiz, Riederlande. Danzig, Liechtenstein, Luxemburg. Dänemark. Schweden, Finnland, Island. Jugoslawien. Portugal. Haiiti. Kuba. Panama, der Dominikanischen Republik. Japan. England und Rorwegen andererseits. Roch immer ist es freilich nicht gelungen, die Paßschranken zwilchen Deutschland und Ungarn. Italien, Frankreich und Belgien oufzuheben. Diese Tatsache macht sich beim Reiseverkehr immer noch ganz besonders unangenehm bemerkbar. Verhandlungen tmt diesen Ländern schweben schon seit langem, und die deutsche Regierung versucht alles Erdenkliche, um die Freiheit der Paßgrenzen durchziehen, stößt dabei aber immer wieder auf nicht unerhebliche Widerstände von feiten der genannten Länder. Eine gewisse Erleichterung zwischen Deutschland und Belgien ist aber m der letzten Zeit dadurch herbeigeführt toorten, daß daS Transitvisum bei der Reise nach England jetzt direkt beim Grenzubertritt ausgestellt wird. send mit den Fragen der V e r w a 11 u n g s - und 1 Verfassungsreform beschäftigen soll. In ber < ersten Sitzung wurden Referate über folgenbe Themen erteilt: Derwattungs- und Derfaßungs- resorm im Reiche, Vorschläge zur Aenberung ber Reichsverfassung, gegenwärtige unb zukünftige Gestaltung Hessens. In ber am 14. Februar b. I. stattgehabten Vollsitzung bes Hessischen Landtags hat der neue hessische Staatspräsident in ber von ihm abgegebenen Regierungserklärung bezüglich ber Regelung ber Gewerbe st euer folgendes ausgeführt: „Die Steuerzahlungen für bie Steuerjähre 1925 bis 1927 sollen nach ben im Sommer 1927 abgegebenen Erklärungen als enbgültig gelten. Die Regierung wirb aber in einem dafür zu erlaßenden Gesetze Sorge tragen, daß Rechtsmittel dagegen nachträglich gewährt unb Härten abgestellt werben können." Die hessischen Industrie- unb Handelskammern haben diese programmatische Kundgebung zum Anlaß genommen, erneut in Verhandlungen mit der Regie- ’runq einzutreten unb es sich dabei besonders angelegen sein lassen, mit dem neuen Finanzmimster persönliche Fühlung zu suchen. Eine Mitwirkung ber amtlichen Berufsvertretun- qen für Handel unb Industrie bei ber Aufstellung bon Richtsätzen für bie Veranlag ungoon nicht buchführenden Gewerbetreibenden zur Einkommensteuer hält die Kammer ihrerseits wegen ber Schwierigkeit ber Beschaffung der hierfür nötigen Unterlagen, wegen der außerordentlichen Derschiebenheit der Verhältnisse selbst innerhalb ein unb desselben Erwerbszweiges und schuctz- lich wegen ber zu erwartenden Rückwirkungen auf die buchführenden Gewerbetreibenden für unangebracht. . . Der Deutsche Landkreistag, ber Verband ber preußischen Provinzen sowie ber Deutsche Stäbtctag haben in einer gemeinsamen Eingabe an den Reichsverkehrsminister eine Verstärkung ber Schutzvor- idiriften gegen übertriebene S d) a b i > qungen be% Strafe en burrf) Kraftfahrzeuge gefordert und zu diesem Zwecke eme Reche von Vorschlägen bezüglich der Bereifung, des H öchst - gewichtes, ber Zugmaschinen, ber Wagenkastenbrette sowie ber Spurweiten unb Hohe gemacht. -Die Kammer verkennt durchaus nicht die Berechtigung der aufgestellten Forderungen, muß aber ihrerseits verlangen, daß hier die richtige Mitte zwischen ben Belangen des Verkehrs unb den Sonbermterefeen der Wirtschaft gesucht unb gefunben werden mutz. Dem Reichswirtschaftsministerium s'nd von den unmittelbar beteiligten Kreisen zahlreiche Vorschläge auf Abänderung der Vorschriften der Gewerbe- orbnung über das Wandergewerbe, die Wanbei- taqer in Gast- unb Schankwirtschaften, den Hausier- unb Straßenhanbel unb ben Marktverkehr unterbreitet worden. In grundsätzlicher Stellungnahme zu dielen Vorschlägen vertritt bie Kammer bie Aus- fa un« d°ß die außerordentliche Belastung des Einzelhandels mit Steuern unb Abgaben unb ber infolgedessen immer schärfer ^dcnde Konkurrenzkampf den Ruf des berufsmäßigen seßhaften^Einzelhandels nach einem stärkeren staatlichen Schutz vor dem Wettbewerb von oft saaxunkunbigen und noch obendrein unzuverlässigen Elementen als vollauf begründet erscheinen laßt. Nur dürfe bei ber Prüfung aller dieser Vorschläge mcht außer acht gelassen werden, daß durch eine allzu große Einschränkung ber Gewerbefreiheit berechtigte Lebens- interessen nicht gefährdet werden. Urner diesen Gesichtspunkten wird die Kammer die Vorichlage prüfen, wenn sie sich zu einem Eesetzentwurfe verdichten '° Da« Präsidium des Deutschen Stödtetages hat die ihm angeschlossenen Städte zu einern^Propa^ 5crt des Rundfunkorchesters. Die Oper der Woche 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 18.45: ..Zum 230. Geburtstag des Frankfurter Kapelldirektors Heinrich Valentin Beck (4 4.1698 bis 1758)“, Vortrag von Dr. Bodo Wolf 18.45 bis 19: Englische Literaturprobeiu 19 bis 19.30: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Vom Frankfurter Opernhaus: Cosi fan tutte. Komische Oper in zwei Akten von Mozart. Anschließend: Vortragsstunde Josef Bunzl. Dienstag, 3. April. 12.30 bis 13.30 Uhr: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15.30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters. Alte Operetten. 17 45 bis 18.05: Die Lesestunbe. 18.30 bis 18.45: Von Kassel: ..Die Stunde der Frau“, Vortragende: Mathilde Weißel. 18.45 bis 19.15: Von Kassel: „Der Funkempfang im Sommer' , Vortrag von Postinspektor Wilhelm Heerdt 19.15 bis 19.45: Von Mannheim: „Die Mannheimer Kunstbewegung“, Vortrag von Dr. E. Strübing. 20.15 bis 22.15: Konzert des Rundfunkorchesters. Mitwirkung: Kammersänger John Gläser. Anschließend: Schallplattenkonzert. (Aus ^cr „Missa solemnis“ von Beethoven und dem „Messias von Händel.) Mittwoch, 4. April. 13.30 bis 14.30: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15,30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16,30 bis 17,45: Konzert des Rundfunkorchesters: Walzer. 17,45 biä 18,05: Die Bücherstunde. 18,30 bis 19: Die Schachstunde 19 bis 19,30: Stenographischer Fortbil- dungs'lursus für Anfänger und Fortgeschrittene lDiltat von 80 Silben aufwärts). 19,30 bis 20. Französischer Sprachunterricht. 20 bis 20,15: Senckenberg-Diertelstunde: „Giftschlangen , Vortrag von Dr. R. Mertens. 20.15: Der Urfaust von Goethe. Donnerstag, 5. April. 13,30 bis 14,30: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 14,30 bis 15: Die Stunde der Jugend. 15 bis 16: Konzert des Rundfunkorchesters: Joseph Haydn. 16 bis 17,30: Von Kassel: Karfreitags-Mysterien von Manfred Kyber. Als Sendespiel bearbeitet von Manfred Marlo, Musik von Eugen Bodart. 17,30 bis 18,05: Vortragsstunde Gerd Fricke: Aus den Christuslegenden" von Selma Lagerlöf. 18,uO bis 19: Von Kassel: Stunde der Landwirtscha>ts- kammer Kassel: „Kurze Anleitungen für ben Obstgarten“, Vortrag von Garteninspektor Veckel von der Obftbauanstalt Oberzwehren 19 bis 19,30: Stu..de des SDwestdeut.chen Radio-Clubs. 20: Vom Großen Saal des Saalbaues: Konzert des Caecilienvereins und Rühlschen Gesangvereins. Freitag, 6. April. Vie goWemrr Berge. Vornan von Glara Diebig. Copyright bh Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 28 Fortsetzung. Nachdruck verboten Herr Dousemont war bewegt gewesen. »Mit dir lä&t mich bat lebte Stück Jugend cm St-ch. M-tn Sohn, ber hat nu seine Frau, für die er l^^b, wat hat ber alte Vater noch viel von bem? dacht, öu wardst solang bei mir bleiben, bis blch em braver Mann zum Traualtar fuhrt.“ Er hatte an ben netten men|d)cn, den Sreis, gedacht, aber ei unterdrück - die Anspielung, |ie ----trug ja lern Necken, er w°me fie -ium Schluß nicht noch ärgern. „Aver zur chocy leit fernen ich, ba laben ich auch schon heut bei L e.n Dann tanzen wir zwei den -rpenSon.. Unb Lachen bie Bewegung zu unterbrucken, bic ihn über- '°Oh"w°nn°d°r'- wüßte! Es halte sie W« forenat* Scham, Zorn, Abjchiebsschmerz und Ber- WSL-MMZ tür'^Er kam ihr auf einmal heute so alt vor. Sie SSM S7 L-n1"Zn'u-«r d°°°?I°°en l- "?"°'^."°-7dVch"s°g-n"" Di- Näherin hatte ihr lanftdik'Ände uam gelädjelt: „Sefa>■ "’X nü ba^ft unb weißt nit ihm" 6ic batta bin Finger erhoben: wohin mit ihm. ö ju nlt 3u vercmt- S^mutk?Crmariar" Neltchr7w°7 emsige, worben, fast feierlich. „ hie stanb allein, Sie hatte flut Än. ..Sage war eben Lch anÄre Wie Af -- I°nst möglich, sich nach Unser greller Gardinen Verkauf 3 vom Samstag, dem 31. März © I G bis Mittwoch, den 4. 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