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Nr. 256 erstes Mail
178. Jahrgang
Dienstag, 50. ©ftober 1928
Laaah»» oen Snjeigei für bie lagtsnnmmer bis zu« Nachmittag vorher.
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Chefredakteur.
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt hillman«, sämtlich in Gießen.
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mGletzener Anzeiger
infolge höherer Gewalt.
ZZW General-Anzeiger für Gberhefsen
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„Graf Zeppelin" auf der Heimreise über dem Atlantik.
Mer Herren folgen dem Metten Flug, dein unser großes, schönes Luftschiff .Gras Zeppelin" nunmehr in der Richtung Lakehurst — Friedrichshafen zurücklegt. Es scheint, alS ob er dieSma-l günstigere Wetterbedingungen angetroffen hat und den kürzeren nördlichen Kurs eingefch^agen hat. Wenn alles gut geht, kann er Mittwochabend oder Don- nerSt<^früh die heimatliche Halle am Bodensee wieder beziehen, um sich für neue Taten zu rüsten. Mle Deutschen hoffen inbrünstig, daß diese erste Fahrt in westöstlicher Richtung ohne einen Zwischenfall veriäust wie die erste nach Amerika.
Wenn wir daS schöne Schiff bei der glücklichen Ankunft in Deutschland begrüben, dann erfüllt uns als Deutsche doppelte Genugtuung. Wir sind stolz darauf, daß sich deutsche Technik und deutsche Wissenschaft abermals so glänzend bewahrt haben und die Bewunderung der ganzen Welt erringen. Wenn sich hier und da Reid und Mißgunst hineinmischen, so soll daS unsere Freude nicht stören. Darüber hinaus aber empfinden wir ganz besondere Freude darüber, daß wir nicht wie vor vier Jahren den „Gras Zeppelin" den Amerikanern als Eigentum überlassen muhten, sondern daß wir ihn in unserem festen Besitz haben und behalten. Hoffentlich wird er noch oft die deutsche Handelsflagge in allen Gegenden der Welt zeigen und so werben für den deutschen Ramen. Ein besseres Mittel, unsere Stellung als Ration unter den Völkern der Erde zu stützen und zu stärken, als die Fahrten des „Graf Zeppelin'^ vermag man sich wirklich nicht vorzustellen. Schon hieraus geht hervor, dah es s i che rlich kein Luxus ist den sich das deutsche Volk mit dem Bau dieses Luftschiffes geleistet hat. sondern dah das Unter- nehmen einen sehr realen Hintergrund hat.
Wir wissen noch nicht, ob und wie sich die Pläne Dr. Eckeners verwirklichen werden, die darauf abzielen, eine ganze Anzahl neuer Lufb- schrsfe zu bauen, die den Verkehr mit Amerika und anderen Teilen der Welt in regelmäßigen Fahrten aufnehmen sollen. Gr hat ja mit interessierten Männern der FinanzwÄt drüben eifrige Besprechungen gepflogen, und wir wollen wünschen, daß seine Pläne bald in die Tat umgesetzt werden können. Gew ist, am liebsten würden wir es sehen, wenn das deutsche Volk auseigener Kraft imstande wäre, die gewaltigen Mittel aufzubringen, die erforderlich sind, um eine solche Flotte von Handelsluftschiffen zu bauen. Aber dazu sind wir nun einmal leider nicht in der Lage, und wir müssen uns damit begnügen, daß uns das Ausland mit Kapital hilfreich zur Seite steht.
Mindestens darf man sagen, dah sich die deutsche Luftschiffahrt bereits jetzt das volle Vertrauen der ganzen übrigen Welt erworben hat, und darauf können Dr. Eckener und seine Mitarbeiter fußen. We>nn je ein gesunder Optimismus angebracht ist. daun trifft es hier zu. Es ist durchaus kein Hirngespinst und kein leeres Phantasiegebilde, wenn man sich ausmalt, dah in wenigen Zähren Zeppeline, noch gewaltiger als das jüngste Produkt der Friedrichshafener Werst, das Lüstmeer nach allen Richtungen durcheilen und den Verkehr über Entfernungen vermitteln. die noch vor kurzem als kaum überwindbar erschienen. Man braucht nur daran zu denken, was für ebne Entwicklung das Flugwesen hinter sich hat. um daran zu beurteilen, was für eine Rolle im künftigen Döllerverlchr die Zeppellne spielen können und werden. Aber sie allein sind dann mit dem deutschen Volk und dem Ramen des Mannes verbunden, den das jetzt auf seinem zweite>n Fluge den Luftozean zwischen Amerika und Deutschland kreuzende Schiff trägt.
Oer Start in Lakehurst.
Glatte Startmanöver.
Lakehurst, 29. Oft. (WTB.) Der Start des „Graf Zeppelin" zu seiner Heimreise ging ebenso schnell und lercht vonstatten, wie die Landung, die vor 14 Tagen erfolgte. Die Hilfsmannschaft, aus über 300 Matrosen bestehend und durch die Manöver mit der „Los Angeles" trainiert, marschierte zu den ihr angewiesenen Posten^ hielt den Luitriesen fest, und auf das Kommando des Offiziers wurde das große Luftschiff, das über seine garue Länge erzitterte, von den Seeleuten im Marsch- schritt aus der L u f t s ch i f f h a l le gezogen. So wurde auch die Gefahr vermieden, dah das Luftschiff seine silbernen Flanken an den Pfosten der Luftschiffhalle zerrih. Das Luftschiff glich einem riesigenschwarzen Ginget ü m, dessen Rücken von dem Lichtbild des Mondscheins silbern erglänzte. Das Luftschiff drehte sich darauf nordwärts und bewegte lich vorsichtig unter der Führung der Matrosen einer kleinen Bodensenkung zu, weit genug von der Luftschiffhalle entfernt, so dah nicht mehr die Gefahr bestand, dah es vom Winde gegen die Stahlpfosten getrieben werden konnte. Diese Arbeit benötigte weniger als zehn Minuten. Als die Mannschaften, die den „Graf Zeppelin" auS der Luftschiffhalle geholt hatten, die Seile losliehen, und das Rattern der fünf großen Mofore die nächtliche ©tüte unterbrach, schoh das Luftschiff aufwärts, dem Mond entgegen und beschrieb einen großen
Kreis um die Flugstation, die seit seiner Airkunft von Deutschlarrd sein Heim war. Darm nahm daS Luftschiff nordöstlichen Kurs, dem Ozean entgegen.
Oer erste Tag der Rückfahrt.
Die amerikanische Küste hinter sich. Nacht über dem Meer.
Reuyork, 30.OM. (MTV. Juntfprnd).) Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das, wie schon gemeldet, am INontagftüh 1.58 Uhr Reuyorker Zeit in Lakehurst gestartet war, und 3.16 Uhr nachts (9.16 MEZ.) Reuyork überflogen hatte, wurde am 5.50 Uhr von der Küstenwache von Gay head mit Kurs auf Jalmoulf) (Cape Cob) gesichtet. Die Fahrstrecke entlang der Ostküste wurde sehr rasch zurllck- gclegf. „Gras Zeppelin" verlieh das Festland bereits um 6.05 Uhr amerikanischer Zeit Inder Rühe von Chatham (Massachusets) in nordöstlicher Richtung und nahm Kurs auf das offene Meer. Mit groher Geschwindigkeit wurde Rantucket Sund, etwa zwischen der Mitte des Leuchtturms Great Point und Monotony Leuchtturm an der Spitze des Cape Cod überflogen. Die Leuchtturmwärter und eine Jägergruppe, die das Luftschiff beobachteten, schätzten die Geschwindigkeit auf achtzig Meilen, die höhe auf 1600 Fuh.
Der letzte Mensch auf dieser Seite des Ozeans, der das Luftschifs sah, war der Wärter aus dem Leuchtturm von Ranlucket, Larsen, der, wie et berichtet, den „Graf Zeppelin" erst aus den Augen verlor, als bereits mehrere Meilen zwischen dem Luftfchiss und der Insel lagen. Da» erste Schiff, das den „Gras Zeppelin" über dem Meere gesichtet hat, war der amerikanische Schifssdampser „Dld- geon" nm 7.15 Uhr amerikanischer Zeil 75 Meilen nordöstlich Chatham. Um 10.15 Uhr wurde das Schiss von dem Dampfer „Caconia“ etwa 90 Meilen südwestlich Cape Sabel (Reuschottlaud) gesichtet. Radiotelegramme, die von Borb des Luftschiffes nach der Funkstation von Portland (Maine) gegen 10 Uhr übermittelt wurden, berichteten, dah an Borb de» Luftschiffe» alles wohl sei. Die Motoren arbeiteten ausgezeichnet, das Wetter sei wundervoll. Der hapagdampfer „Deutschland" ist mit dem „Graf Zeppelin" um ein Uhr nachmittags Greenwicher Zeit in drahtlose Verbindung gekommen. Ct konnte das Luftschiff jedoch nicht sehen. Wegen schlechter atmosphärischer Verbindungen war eine Positionsangabe nicht zu erreichen.
Die erste Strecke.
Reuyotk, 30.Oft. (WTB. Funkspruch.) Cs wird hier angenommen, dah der „Gras Zeppelin" um 6 Uhr früh MCZ. etwa ein viertel der Gesamtstrecke Lakehurst—Friedrichshafen zurückgelegt hat. Die Fahrtgeschwindigkeit in der Rähe der Reufundlandinseln wird auf zeitweilig 160 Kilometer geschäht, wobei man den starken Rückenwind in Rechnung stellt, doch wird aus den Position»- und Kursmeldungen geschlossen, dah der „Gras Zeppelin" in mehrere Sturmböen geriet. Offenbar ist das Luftschiff in der Rähe von Reusundland.
Oie Passagiere des „Gras Zeppelin".
N e u g o r f, 29 Oktober. (WB.) Don den 63 Personen an Bord des „Gras Zeppelin" sind 25 Passagiere, darunter drei amerikanische Marineoffiziere. Herr von Wiegand befindet sich nicht unter den Miisahrenden. Auch Lady Drum- m o n b fehlte, da sie angeblich an einer Filmdar- fteUung des letzten Zeppelinfiugs beteiligt ist. Auf der Passagierliste befand sich dafür William UH» mann, ein Sohn de» Teilhabers des Herrn Joseph Jes sei, der selbst kurz vor der Abfahrt noch einen Unfall hatte. Jesi'el war mit seinen Familienangehörigen im Automobil zu dem 16 Kilometer entfernten L a k e w o o d gefahren, um zuAbend zu speisen. Auf der Tpäten, schnellen Rückfahrt über dunkle, schmale Zufahrtstrahen zur Flugstation stürzte das Automobil in einer Kurve um, wobei die Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Jesfel selbst erhielt Risse und Abschürfungen im Gesicht, wurde schien» nigst in Lakewood notdürftig verbunden und mit Jod eingepinselt und traf in Lakehurst gerade oor bem Abflug des Luftschiffes ein. Seine schwerer verletzte Mutter drängte ihren Sohn, trotz des Unfalls, sich die Mitfahrt nicht zu versagen.
Die Passagiere des Zeppelins waren zwar bereits gestern abend davon unterrichtet worben, baß der Zeppelin in den nächsten Tagen starten würde und hielten sich in der Nähe des Luftschiffes auf. Die Benachrichiiguna war jedoch so plötzlich erfolgt, daß die Passagiere nicht rechtzeitig zu Abend essen konnten. Da sie zu spät in Lakehurst eintrafen, waren sie darauf angewiesen, in der Kantine der großen Halle sich mit warmen Würstchen und Limonade zu begnügen. Das Luftschiff hat diesmal als M a s c o t ein chinesisches Pala st Hündchen mit, das von der Eesevsck)aft gestiftet wurde, die das Benzol für den Zeppelin geliefert hat.
Ein blinder Passagier an Bord.
Der .Lokalanzeiaer" meldet von Bord be» „Graf Zeppelin": Um 6 Uhr morgen» wurde ein blinder Passagier an Bord entdeckt. Ein 17jähriger blonder amerikanischer Junge, der bei einem Rechtsanwalt arbeitet. Wir haben um 6.30 Uhr das Feuerschiff Pollock passiert. Jetzt ist es trotz herrlichem Sonnenaufgang über dem Ozean sehr falt Der blinde Passagier Clarence Terhune, der nach seiner Vaterstadt den Spitznamen S t. L o u i s sührt, erklärte, in der vergangenen Woche geheimnisvoll zu feinen Freunden, er werde bald weggehen. Die Freunde glaubten, er meine Kalifornien. Er muß jetzt Geschirr waschen. — Nach feiner Entdeckung erhielt er zuerst etwas zu essen, da er völlig ausgehungert war. Er ist übrigens kein Neuling auf dem Gebiet des Umsonstfah» rens da er bereits als blinder Passagier die Jungfernfahrt des größten amerikanischen Motorschiffes „California" mltgemacht hat.
Oie Ladung des Luftschiffs.
Lakehurst, 29. Ott. (WB.) Außer einigen Daumwollballen nahm der „Graf Zeppelin" drei weitere Frachtstücke an Bord, bestehend aus zwei Reiseschreibmaschinen für die Freund Company in München, eine K i st e gravierter Kupferplatten, die vom Marinebureau von Amerika einer Versicherungsgesellschaft zuAestellt werden, und ferner eine Kiste mit weiden st off, der nach dem Beginn des Amerikafluges des „Graf Zeppelin" gewebt wurde und das Luftschiff in seinem Fluge über Reuyork zeigt Das Gepäck der Passagiere war auf je 44 Pfund beschränkt Die Post di« 32 Postsäcke füllte, hat ein Gesamtgewicht von 1531 Pfund.
Sin letztes Interview mit Eckener.
Zukunftspläne — Der vorautzftchtlicheKurs.
Reuyork, 29. Ott. (T. 11.) In einer Unterredung mtt dem Reuyorker Vertreter des „Acht älh v Abendblatt es" äußerte Dr. Eckener u. a., daß die Zeppelinfahrt bereits den RachweiS geliefert habe, daß das Luftschiff in keiner Hinsicht verbesserungsbedürftig sei. Eine größere Geschwindigkeit könne mit den vorhandenen Motoren nicht erreicht werden und sei auch nickt beabsichtigt, da der „®raf Zeppelin" künftig a l s Schulschiff zur Ausbildung weiterer Zeppelinmannschalten Verwendung finden soll. 3m übrigen ist 6ei den späteren Fahrten des Zeppelin mehr an die Beförderung von Post als an Passagiere gedacht. Ein Dienst, der sich nach Ansicht Dr. Eckeners durchaus gewinnbringend gestalten muß. Es habe nicht in der Absicht Dr. Eckeners gelegen, bei seinen Verhandlungen mit amerikanischen Finanzkreisen bereits zu endgültigen Ergebnissen zu gelangen, das sei eine Frage der Zeit und der kommenden Entwicklung. Rach dieser Demonstration eines Amerikafluges würden die amtlichen deutschen Stellen höchstwahrscheinlich Subventionsvorschläge zu machen haben und er hoffe, selbst bald in Berlin Gelegenheit zu haben, zu hören, welcher Art diese Vorschläge sind.
Auf die Frage nach dem Kurse des Rückfluges erklärte Dr. Eckener, daß eine U e 6 erflieg u n g Berlins ungewiß sei und davon abhänge, wo das Luftschiff Europa an- steuert. Wenn es über England oder dem Kanal ankommt, würde die Route natürlich über Berlin gehen. Falls jedoch ein südlicher Kurs ein geschlagen wird, würde es üben Mittel- und Südfrankreich via Va- s e l direkt nach Friedrichshafen gehen.
Letzte Mfchiedsgrüße.
Washington, 29. Oft. (WB.) Der deutsche Botschafter, Dr. von Prittwitz und Gaff- ron, sandte, sobald er die Rachricht vom Abflug des „Gras Zeppelin" erfahren Hatto, folgenden Funkspruch an Dr. Eckener: ^Empfangen Sie, sehr verehrter Herw Dr. Eckener, beim Verlassen des amerikanischen Ffttlandes nochma5s den Ausdruck meiner Bewunderung und meines Dankes für das hier im deutschen Interesse Gelei st ete. Ich wünsche Ihnen, Ihrem Schiff und allen Mitreisenden glückliche Heimfahrt. Gez. P r i 11 to i tz."
Der Llnterstaatssekretär im Marine- amt, Warner, richtete folgenden Funkspruch an Dr. Eckener: „Bedauere lebhaft, daß es mir unmöglich ist, Lakehurst vor dem Abflug zu erreichen. Wünsche Ihnen gute Fahrt b i s Friedri chshafew Mir sind dankbar dafür, dah drei Marineoff:ziere Gelegenheit zur Teilnahme an der Fahrt haben und sehen mit Freude Ihrer nächsten Amerikafahrt entgegen. Persönliche Grüße an alle an Bord."
DieWetterlage Überbein Wanlik
Günstige Aussichten für eine schnelle Rückreise.
Hamburg, 29. Oft. (WTB.) Das Seeflugreferat der Deutschen Seewarte gibt über die Wetterlage auf dem Rordallantifchen Ozean heute nachmittag folgende Liebers ich t:
Die Wetterlage auf dem Atlanttschen Ozean weist am Rachmittag nur geringe Aenderungen
gegen den Vormittag auf. Roch immer zieht sich eine Rinne tiefen Luftdruckes von Labrador osttwrdostwärts in Richtung auf die Farör und das europäische Rordmeer. Das heute morgen an der Ostküste von Labrador gelegene Tiefdruckgebiet zieht langsam ostwärts, wäh- reno das Tiefdruckgebiet nordwestlich von Irland bei wenig veränderter Lage sich noch vertieft hat. Sein Kern weist Barometerstände von nur 735 Millimeter auf. Vom Labradortief greift ein Ausländer über den Lorenzgolf und über Reuschvttland hinweg, während vom zweiten Tiefdruckgebiet mehrere Ausläufer über 45 Grad nördlicher Breite hinweg südwärts reichen.
Südlich der Tiefdruckrinne zieht sich am heurigen Nachmittag vom Innern des amerikanischen Festlandes ein Hochdruckgürtel ostwärts bis nach der Iberischen Halbinsel. Seine Achse liegt etwas längs des 40. Breitegrades. 2m Bereiche des Ausläufers der nördlichen Tief- druckri77ne wird das Luftschiff kräftige, zwischen Südwest und Rvrdwest schwankende Strömungen anftefsen, deren Geschwindigkeit streckenweise 50 Stundenkilometer betragen wird. Dabei wird wieder im Bereiche des Tiefausläusers vielfach schlechtes Flugwetter anzutrefsen sein. Aus niedrigen Wolken wird Regen vielfach in Form von Schauern fallen. Im Bereich eines auf ungefähr 35 Grad Westlänge gelegenen Tiefausläusers wird strichweise auch Hagel auf treten.
Sollte das Luftschiff jedoch einen Kurs über den Mittelatlantik einschlagen, so wird es in der Rähe des 40. Breitegrades größtenteils schwache Winde und vielfach heiteres Wetter antreffen. Aus dem Gebiete der Azoren auf dem Raume zwischen dem 35. und 43. Grad nördlicher Breite und 45. und 55. Grad westlicher Gänge werden sogar leichte östliche Winde am heutigen Nachmittag gemeldet. Setzt das Luftschiff feinen Kurs dagegen weite r nördlich an, so daß es mxh unter den Einfluß des zweiten atlantischen Tiefdruckgebiets kommt, so werden Regenfälle aus niedrigen Wolken ungünstiges Flugwett er, eine kräftige westliche Strömung aber rasches Dor - wärtskommen nach Osten bedingen. Im allgemeinen stellen die nördlich von 43 Grad Nordbreite stehenden westlichen Winde eine verhältnismäßig rasche Rückreise in Aussicht.
Oie Lage in Samoa.
Das Fiasko der ncusecländischen Mandats- Verwaltung.
Gens, 29. Olt. (WTB.) Die Mandatskommis ion des Völkerbundes hat von den zuge oge- nen neuseeländischen Deriretnrn, darunter von dem früheren Verwalter von West-Samoa, General Richardson. Auskünfte über de jejige Lage in diesem Mandatsgebiet verlangt, um sich Gewißheit zu verschas en über getoi se Nachrichten. die von einem Weiterbe stehen von Mißstimmungen bei einem Teil d.w Eingeborenen berichteten. Nach den Auskünften Richardsons besteht in West Samoa noch e n Geheimbund, der mit de n ausgewiesenen Anstifter der Unruhen, dem Mischlingskaustmann Nelson, in Verbind ng sie-t. ftfte älnzuf.ied n- heit unter den (Singe jor;nm werde von die e n durch die Verbreitung falscher Nachrichten auf- rechlerhalten. Nach weiteren Auskünfien des neuseeländischen Olerlommi sars in London, Sir James P a r r, habe sich die Lage im letzten Halbjahr gebessert, man dürfe jedoch keinen unmi t.'lcaren Er'olg erwarten. Die Ordnu'g werde aufrechterhalten, aber die Verwaltung stoße auf passiven Widerstand, inSbe onde e durch die Verweigerung der Steuern. Neu-Seeland werde, toi? er im Namen f.iner Regierung hinzufügte, äußerste Geduld anwenden, bevor es zu Zwangsmaßnahmen schreiten werde.
Das tschechische Nationalfest und die Deutschen.
Ltürmijche Kundgebungen imPragcrLenat.
Prag, 29. Oft. (WTB.) Im Namen der deutschen Opppfttionsparle'.en, deren Vertreter sick gestern in Reichenberg versammelt hatten, erklärte Senator Hartl heute im Senat: „Die Deutschen haben durchaus keinen Gmind, sich an den Iubiläumsfeierlichleiien der Tschechoslowakei zu beteiligen, denn diese Tage erinnern sie nur an das in den abgelaufenen 10 Jahren an den Deutschen verübte Unrecht. Sie gedenken in tiefer Trauer der Opfer, die während dieser Zeit gefallen sind, und sind fest entschlofsen, f ü r d i e endgültige nationale Freiheit und Selbständigkeit der Deutschen zu kämpfen." Der Redner wurde vom Vorsitzenden wiederholt unterbrochen. Die tschechoslowakischen Senatoren protestierten stürmisch gegen die Ausführungen des deuffchen Senators und brachten Hochrufe auf die Republik aus. Senator Proshek wandte sich nachdrücklich gegen d e Ausführungen des Senators Hartl unb sagte, den Deutschen fei während der zehn Jahre kein Unrecht widerfahren. Er wünsche nur, daß allen Minderheiten anderswo so viel Recht zuteil werde, wie dem deuffchen Volke in der tschecho-
slowakischen Republik. Wahren- Proshek sprach, gingen die Kundgebungen für die Republik weiter, bis anhaltender Lärm entstand. Der Vorsitzende muhte ununterbrochen mit der Glocke zur Ruhe mahnen.
Oie Strafrechtsreform.
Rauschgifte. — Sicherungsverwahrung.
Berlin. 30. Oft. (V. D. Z.) Der Straftechts- ausschuh des Reichstages setzte seine Arbeiten beim Paragraph 58 des Strafgesetzentwurfes fort, der die Unterbringung in einem Arbeitshause oder in einer Erziehungsanstalt, sowie die Behandlung von kranken Verbrechern in Heil- und Entziehungsanstalten behandelt. Der Ausschuß hörte dazu mehrere Vertreter des Reichsgesundheitsamtes über die Regelung der Einfuhr und Abgabe von Rauschgiften. Oberregierungsrot Hesse (Reichsgesundheits- amt) bemerkt dazu: Gegenüber der Vorkriegszeit ist die Zahl der Morphinisten und der mit anderen narkotischen Mitteln Vergifteten sehr erheblich gestiegen. Rach der Heilanstaltsstatistik hat sich ergeben, daß in den Jahren 1923 24 die Zahl der in den Heilanstalten behandelten Kranken dieser Art bei Männern um 200 o. H., bei Frauen um 150 v. H. zugenommen hat. Es sind gestorben infolge von Morphinismus und anderen narkotischen Vergiftungen 1923: 32; 1924: 18 und 1925: 39 Personen.
Direktor Kerp bezifferte die Einfuhr Deutschlands an solchen Giften auf 2400 Kilogramm, die Ausfuhr auf 9520 Kiwgramm. Wenn man den Weltbedarf auf 40 000 Kilogramm beziffere, betrage die deutsche Ausfuhr höchstens ein Viertel des Weltbedarfs. Gegenüber der Anregung, die deutsche Produktion auf den Jnland- bedarf zu beschränken, wies der Redner darauf hin, daß nur Deutschland, England, die Schweiz, Frankreich und Japan Produktionsländer seien. Die legale Verwendung sei gesichert.
Geheimer Regierungsrat Rost bemerkt ergänzend, das) der schädliche Einfluß zunächst ein persönlicher ist, sich im körperlichen, seelischen und moralischen Verfall der Persönlichkeit äußert und unter Umständen einen schweren Einfluß auf den Zerfall der Familie ausübt. Während aber der Morphinist noch lange arbeitsfähig öleiben kann und allein seinem Laster frönt, versucht der Kokainist, auch andere zu verführen. Der Koiainist kommt mit dem Strafgesetzbuch öfter in Konflikt. Das einzige Heilmittel gegen diese Gifte ist die Entziehung mit Entwöhnung und langdauernder psychischer Rachbehandlung. Sie ist ohne Schädigung des Patienten, z. D. bei Kokain, ohne weiteres möglich. Dem Reichsrat ist eine Rovelle zum Opium- Gesetz corgelegt worden, um u. a. bestimmte Rauschgifte, wie Eucodal, Paramorsan usw. auch in das Opiumgesetz aufzunehmen. Ferner sollen die Suchtgifte, wie z. D. Kokain, nicht mehr in die Hand der Patienten gelangen dürfen, es sollen die Aerzte keinen dieser Stoffe in Substanz mehr verschreiben und Opium oder Morphium mangels augenblicklicher Möglichkeit, die Entziehung einzuleiten, nur dann verschreiben, wenn der Arzt darüber Buch führt. Mit den anderen Opiaden einen Süchtigen zu versorgen, wird in Zukunft nicht mehr auf legalem Wege möglich sein.
In der Weiterberatung bemerkt Abg. Dr. H a n e - mann (Dn.), daß ein Verbot der Ausfuhr unserer tüchtigen Jnbustri' doch nur dann einen Erfolg verspreche, wenn andere Länder, wie England, Frankreich und die Schweiz den Weltbedars ganz bestritten. Tatsächlich sei dies nicht der SWL. Deshalb verspreche er sich von der eingebrachten Entschließung nichts, die — über den Rahmen des Strafgesetzes hinaus — eine Ausfuhr deutscher Rauschgifte verbieten wolle.
Abg. Frau P f ü l f (Soz.) betont den ungeheuren Einfluß, den die Rauschgifte auf die Willensbildung und deshalb auf die Kriminalität ausübten, und weist "bie Befürchtungen des Vorredners zurück.
Ministerialdireltor Dr. Reichert (Wirt- schaftsministerium) meint, verbiete man die Ausfuhr, so sei fraglich, ob sich die Fabrikation bei dem geringen Jnlandverbrauch überhaupt noch lohne. Er widerrate deshalb solcher Entschließung.
Es wird dann mit großer Mehrheit folgende Entschließung angenommen: „Die Reichsregierung wird ersucht, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um die Herstellung von Rauschgiften in Deutschland auf das durch die Bekämpfung von Krankheiten in Deutschland gebotene Maß zu beschränken.
In der Abstimmung über den materiellen Inhalt des Paragraphen wurden alle Vorschriften gestrichen, die von der Unterbringung in einer Erziehungsanstalt handeln. Dagegen blieben die Vorschriften bestehen, welche die richterliche Anordnung der Unterbringung in einem Arbeitshaus ^handeln.
z; 59 (Sicherungsverwahrung) lautet nach der Regierungsvorlagr: „Wird jemand, der sch^n rinmaf zum Tode oder zu Zuchthaus verurteilt war, nach § 78 als ein für die öffentliche Si:,erheit gefährlicher Gewohnheitsverbrecher zu Zuchthaus oder zu einer Gesängnis- strafe von mindestens einem Iahre verurteilt, so kann das Gericht daneben auf Sicherungsverwahrung erkennen, jedoch nur dann, wenn der Täter bei Begehung der neuen Tat über 21 Jahre alt ist."
Rcichsjustizminister Koch-Weser bemerkte, je mehr man in der Strasandrohiv.g von Zuchthaus abseh: und kürzere Strahn festsetze, um io notwendiger werde es zu überlegen sein, wie die menschliche Gefellschaft vor solchen Verbrechern zu sichern sei, die hier in Rede ständen.
Oer Bahnhofsbau in Rüsselsheim.
D a r m st a d t, 29. Okt. (WTB.) In der bekannten Angelegenheit des Bahnhofs Rüsselsheim hat die Botschafterkonferenz in Paris in Abänderung früherer Entscheidungen nunmehr den Anschluß des Verladebahnhofs der Opelwerke an die Hauptgleise der Reichsbahn genehmigt. Damit erfährt der Abtransport der Opelerzeugnisse eine erfreuliche Erleichte- runa. Allerdings steht die Genehmigung der Dot- schafterkonfereuz zu der geplanten Anlage des neuen Hauptgleises Rüsselsheim—Bischofsheim leider noch aus. Erst mit dem Bau dieses Gleises dürften die großen Schwierigkeiten, die mit den engen Bahnhofsoerhältnissen in Rüsselsheim Zusammenhängen, als behoben anzusehen fein. Hoffentlich gelingt es den weiteren Verhandlungen bald, den Widerstand der Botschafterkonferenz gegen den Bau des neuen Gleises zu überwinden und damit dieses letzte Hemmnis einer freien wirtschaftlichen Fortentwicklung zu beseitigen.
Räumung und Reparation.
Das pariser Spiel.
Die Franzosen sind wieder einmal an der Arbeit, das Reparationsproblem mit der Räumung der Rheinlande zu verquicken. Ein Blick in ihre Presse zeigt, daß sie keinen stärkeren Wunsch als den haben, uns mit dem Köder der vorzeitigen Räumung der zweiten, wenn nicht gar der dritten Zone aufs Glatteis zu locken und uns bann auf Reparations- und Räumungsbedingungen festzulegen, deren Umfang und Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft des deutschen Volkes wir uns nur schwach oorzustellen vermögen. Daß sie bei uns mit Andeutungen von einer evtl, früheren Räumung gegen entsprechende Zugeständnisse deutscherseits stets einen großen Eindruck heroorzurufen wißen, ist ihnen längst bekannt. Wir sind schon des öfteren auf Versprechungen und Hoffnungen, die sie uns gemacht haben, hereingefallen, haben uns auch zu 23 orte i ft u n g e n bereitgefunden, ohne daß man sich dann in Paris bequemte, nun seinerseits ein- gegangene Verpflichtungen einzulösen. Auch die jetzt auftauchenden Meldungen über Abmarschbefehle an Offiziere und Mannschaften des besetzten Gebietes und Räumungstermine, die vor den im Versailler Vertrag festgesetzten Terminen liegen, werden von den Franzosen nur zu dem Zweck in die Welt gesetzt, unsere Front zu unterhöhlen, unsere Regierung unsicher und unsere politischen Parteien nervös zu machen, um aus dieser Situation Vorteile zu ziehen. Nichts wäre für uns im Augenblick gefährlicher, als das von den Franzosen inszenierte Spiel mit der vorzeitigen Räumung mitzumachen. Augenblicklich steht das R e p a r a t i • onsproblem zur Debatte, das unsere vollste Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und t einerlei Belastungen durch Räumungsoersprechungen ertragen farm, deren Erfüllung ja schließlich doch nur von der Zuerkennung weitgehendster Kontrollrechte im Rheinland auch über das Jahr 1935 hinaus abhängig gemacht wird. Ist die Reparationsfrage gelöst, bann können wir uns der Räumung zuwenden. Was wir verlangen, ist bekannt, wir fordern eine umfaßende Bereinigung aller Angelegenheiten des besetzten Gebietes, zu dem wir auch das S a a r g e b i e t rechnen, wobei wir auf eine vorzeitige Räumung der zweiten Zone, die ohnehin in einem Jahr fällig wirb, keinen Wert legen. Für uns kommt nur eine allgemeine Befreiung des Rheinlandes in Frage, auf bie wir übrigens auf Grunb bes Versailler Vertrages einen berechtigten Anspruch erheben können.
Hösch und Schacht Sei Stresemann in Wiesbaden.
Wiesbaden. 29. Okt. (TU.) Am Sonntag- vormittag traf, von Berlin kommend auf der Durchreise nach Paris der dortige deutsche Botschafter v. Hösch in Wiesbaden ein und begab sich zu längerem Besuch des Reichs- auhenministers in das Hotel „Rose". Er reiste nachmittags gegen 6 Ahr nach Paris weiter und wird voraussichtlich noch heute. Montag, dem französischen Außen- min ist er einen Besuch ab statten. — Am Montagvvrmittag traf Reichsbankpräsident Dr. Schacht zum Besuch des Außenministers in Wiesbaden ein. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird voraussichtlich nur kurze Zeit in Wiesbaden herweilen.
Kritische Lage in der nordwestdeuischen Eisenindustrie.
Oie Arbeitgeber lehnen den Schiedsspruch ab. — Erneute Verhandlungen. Oie Möglichkeit der Aussperrung.
Eigene Drahtrneldung bes „Gießener Anzeigers".
Berlin, 29. Okt. Die Delegiertenversommlun- gen ber brei Metallarbeitergewerkschaf- t e n haben den Schiedsspruch für bie norbwest- deutsche Eiseninbustrie angenommen, währenb ber Arbeitgeberverband ben Schiebsspruch für bie Eiseninbustrie ab lernte. In ber Versammlung ber Christlichen Gewerkschaften herrschte gewisse Zufriedenheit, weshalb die Gewerkschaften ohne aufgeregte Debatten die Verbindlichkeit beantragten. Nur die Akkord- und Prämienarbeiter gaben ihrem Unwillen darüber Ausdruck, daß die Differenz zwischen dem auf dem Leistungsprinzip beruhenden Akkordverdienst und den Stundenlöhnen durch die Neuregelung zu Ungunsten der Akkorbarbeiter stark verkürzt worden sei.
Der Arbeitgeberverband begründete die Ableh- nung des Schiedsspruches u. a. wie folgt: Die in letzter Stunde erfolgte Herabsetzung ber gewerkschaftlichen Lohnforderungen von 15 auf 12 Pf. konnte nur als eine taktische Maßnahme angesehen werben, da auf ber Grunblage einer 12-Pf-Forberung ebensowenig eine Einigung unter ben Parteien herbeigeführt werben konnte. Der Spruch bes Schlichters, ber bie weitest- gehenben Angebote ber Arbeitgeber sämtlich außer acht ließ, und bie 12-Pf.-Forberung der Gewerkschaften juminbeften glatt halbierte, mußte die Arbeitgeber überraschen. Durch den Schiedsspruch dürfte die finanzielle Mehrbelastung größer sein, als beim Spruch vom Dezember des Vorjahres, und in feinen Auswirkungen eine Hinauffchrau- bung des gesamten Lohnniveaus mit sich bringen. Die zwangsläufige Erhöhung ber Löhne für die qualifizierten Stundenlöhner wird auch eine Erhöhung der Akkorde über das in dem Schiedsspruch festgesetzte Ausmaß hinaus nach sich ziehen, da durch die insgesamt in Erscheinung tretenden Lohnverschiebungen der Anreiz zum Akkord vermindert wird. Die Gesamtbelastung des Schiedsspruchs dürste sowohl für die weiterverarbeitende, als auch für bie eisenschafsenbe Industrie 4 bis 5 Prozent betragen. Seit bem letzten Schiedsspruch im Dezember des Vorjahres ist die Konjunktur weiter rückläufig gewesen. Die Gestehungskosten haben sich erhöht, die Durchschnittserlöse trotz gestiegener Inland- und Auslandpreise vermindert. Die Arbeitgeber betrachten das Fe st halten bes heutigen Preisniveaus als bringenbfte Geaenwaits- aufgabe der deutschen Wirtschaftspolitik. Da sie für eine Erhöhung des deutschen Preisniveaus die Ver- antroortung zu übernehmen nicht in der Lage sind, lehnen sie den Schiedsspruch ab. Sie können auch in ber Langfristigkeit bes Schiedsspruchs unter den gegebenen wirtschaftlichen
Verhältnissen keinen Ausgleich für die schweren Belastungen erblicken, die ber Spruch zur Folge haben muß.
In Arbeitgeberkreisen gibt man der Meinung Ausdruck, daß es durchaus möglich sei, daß es zu einer Aussperrung komme, die allerdings auf das Gebiet des Arbeitgeberverbandes Nord- West beschränkt bleibe. Die Zahl der in diesem Gebiet von der Aussperrung ^trofsenen würde bei der Hüttenindustrie 125 000 Mann und bei der Weiterverarbeitung rund 100 000 Mann betragen. Die Entscheidung über eine Aussperrung wird jedoch erst Dienstag oder Mittwoch fallen, da am Dienstag vormittag int Reichsarbeitsministerium erneut eine Besprechung zwischen dem Arbeitgeberverband der nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und den Gewerkschaften über den vom Schlichter gefüllten Schiedsspruch stattfinden wird. Don Arbeitgeberseite wird erklärt, daß sie einen tariflosen Zustand nicht lasse und daß für den Fall, daß keine Veretn- barung zustande kommen sollte, die für den 31. Oktober ausgesprochene Gesamtkündi- gung in Kraft treten werde. Eine Verbindlichkeitserklärung des soeben ergangenen Schiedsspruchs hält man mit Rücksicht auf die daraus sich ergebende Mehrbelastung nicht für möglich. Man erklärte, bis zur letzten Stunde zu einer Vereinbarung bereit zu sein. Es wird nun alles davon abhängen, welches Ergebnis die am Dienstag im Berliner Reichsarbeitsministerimn stattfindenden Verhandlungen bringen werden. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß, wenn die Gewerkschaften sich hierzu bereitfinden werden, auch die demnächst spruchreif werdenden Arbeitszeitfragen bei den Berliner Verhandlungen nicht berücksichtigt werden.
Saisonmäßige Zunahme der Arbeitslosigkeit.
Berlin, 29. Oft (WTB.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung weist in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober der Icchreszeit entsprechend eine stärkere Steigerung auf, als in den vorangegangenen Berichtszeiten. Sie stieg von rund 577 100 auf 593 600, d. i. um 16 500, oder um 2,9 v. H. Auch diesmal ist die Steigerung nur auf die Zunahme der männlichen Hauptunter- stühungsempfänger zurückzuführen, deren ZahS um rund 19 700 oder um 6,6 v. H. gestiegen ist. Demgegenüber ist die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger wiederum zurückgegangen, unZ) zwar um 3200 oder um 2,1 v. H.
Aus aller Welt.
Mordprozetz Gioth.
In Frankenthal begann der Prozeß gegen den 27jährigen ledigen Elektriker Gioth, der, am 18. April d. I. im Werk Ludwigshafen der Farbenindustrie mehrere Meister und Beamte des Werkes niedergeschossen hatte. Der Borsihenbe, Landgerichtsrat Guggenmoos, zählt die Vorstrafen des Angeklagten auf, deren wesentlichste 2 Monate Gefängnis wegen schwerer Urkundenfälschung, und von 3000 Papiermark Geldstrafe wegen Aufforderung zur Abtreibung sind. Auch lommen einige Verfehlungen Gioths als Iugendlicher zur Sprache. Dann wird der Eröffnungsbeschluß verlesen.
Gioth war vom 14. Iuli 1922 bis 12. April 1928 in der Farbenindustrie als Elektriker in Stellung. Nachdem er bereits 1925 Akkord- zeitstreitigkeiten mit mehreren Meistern und Kalkulatoren gehabt hatte, wurde er zur Vermeidung weiterer Reibereien in die Turbinenzentrale, später in den elektrischen ‘Betrieb zu Dr. Gröneveld versetzt, wo er den Meistern Heiß und Platz, dem Hilfsmeister Dis- que und dem Kalkulator Graf unterstellt war. Am 11. April war Gioth wegen nicht rechtmäßiger Ausführung eines Auftrages von dem Hilfsmeister Disque zur Rede gestelll. Darauf ging Gioth mit einer Eisen st ange auf den Hilfsmeister l o s und verletzte ihni am Arm erheblich. Hierauf erfolgte seine fristlose Entlassung. Bei seiner Entlassung
kündigte er an, daß er sich an allen, die ihn ungerecht behandelt hätten, rächen würde.
Nachdem sich Gioth am 17. April von dem Zeugen Heiß eine Selbstladepistole mit 25 Patronen gekauft hatte, schlich er sich am Tage darauf in Arbeitskleidung mit zwei Pistolen und einem geöffneten Messer in die Fabrik, überfiel zunächst im Bau 87 den Meister Schneider und den Kalkulator Lauper mit den Worten: „Ihr Schufte" und tötete Schneider durchvier Schüsse. Lauper wurde durch zwei Schüsse tödlich verletzt. Irn Dau 565 schoß er auf den ihm entgegeneilenden Disque, der schwer getroffen wurde, sich aber noch auf ihn warf. Gioth riß sich los, flüchtete nach einem anderen Dau und schoß dort auf Graf. Die Waffe versagte. Er spannte nnt und schoß mehrmals. Da Graf sich blitzschnell zu Boden fallen ließ, wurde er nicht getroffen, h ngegen der hinzueilende QReifter Heiß durch zwei Schüsse.
Beim Verlosten des Baues schoß Gioth noch den Zeugen Platz ins linke Bein. Platz warf sich sokort zu Boden, so daß die weiteren Schüsse ihr Ziel verfehlten. Daraus flüchtete Gioth, erschien aber bald wieder in der Werkstatt und schoß erneut auf Heiß. Dieser erhielt einen schweren Wirbelschuh, der zu gänzlicher Lähmung und zum späteren Tode führte. Als Graf telephonisch Polizei ich« Hilfe herbeirufen wollte, kam Gioth und zielte auf den sofort flüchtenden Graf. Gioth stellte sich daraus aus der Polizeistation. Gioth ist dreier Verbrechen des Mordes und dreier Verbrechen des versuchten Mordes in Tateinheit gemäß § 211 und 43 des RStrGB. an* geklagt. "
verbandstag bes Reichsverbandes der deutschen poft- und Telegraphenbeamten.
Im weiteren Verlauf bes Verbanbstages bes Reichsoerbanbes ber beutfchen Poft- unb Telegraphenbeamten ergab sich zum Geschäftsbericht eine ausführliche Aussprache, in ber bie Tätigkeit bes Vorstandes im wesentlichen gebilligt würbe. Dem Vorstände wurde Entlastung erteilt. Der Schatzmeister bes Deutschen Beamtenbundes, Jenz, hatte nochmals die Stellungnahme des DBB. zur Besoldungsreform erläutert. Frick begründete bann einen Antrag des Verbanbsvorstandes, der den 23er- banbsbeitrag von 1,30 auf 1,80 Mark erhöhen will, um die sozialen Aufgaben beffer als bisher erfüllen zu können. Weiter fei bie Beitragserhöhung namentlich für Bilbungszwecke gedacht. Der Verbandstag vertagte bann bie weiteren Verhandlungen auf Dienstag, um den acht Ausschüssen Gelegenheit zu Vorberatung der mehreren hundert vorliegenden Einzelanträg'e zu geben. Am Dienstag werden die Vertreter der Behörden offiziell den Verbandstag begrüßen. Auch ist ein Vortrag von Unioerfilätsprofeßor Dr. S o rn- bar t (Berlin) über wirtschaftliche Fragen vorgesehen.
Schwere Aulounsälle.
In Westfalen, zwischen Lennep und Dergisch- Tom, ereignete sich ein schweres Autounglück, dem zwei Personen xum Opfer fielen. Der einem Bahnübergang rutschte das Auto tri' sechs Meter hohe Böschung hinab und stürz'e auf die Gleise. Die beiden Insassen, ein Bier- verleger aus Düsseldorf und sein Chauffeur, waren sofort tot. Da die Aufräumungsarbeiten! längere Zeit in Anspruch nahmen, erlitt ben Zugverkehr ehre mehr als halbstündige Verspätung.
Bei Hannover im amerikanischen Staate Maryland überfuhr der Baltimore — Ohio-Expreß an einem Bahnübergang ein Auto, wobei sieben Personen den Tod fanden. Drei der Insassen wurden aus dem Wagen weit weggeschleudert. Zwei verfingen sich in den Trümmern: eine Mutter und ihr Kind blieben mit dem Benzinbehälter des Autos an der Lokomotive hängen und verbrannten, als bet Behälter explodierte. — In Cleveland wurden beim Zusammenstoß cin.'d Personenautos mit einem Lastauto fünf junge Leute getötet, die in früher Stunde von einem Gelage zurückkehrten. Der Führer des Personenwagens ist schwer verletzt.
Erfolglose Fahndung auf ein Schmuggelauto.
Da der Polizei In Iülich die Durchfahrt eines mit mehreren Zentnern geschmuggelten Kaffees beladenen Autos gemeldet war, wurden früh 6 Uhr zwei Beamte an der Roer-Brücke aufgestellt, um das Auto abzufangen. Nachdem mehrere Wagen erfolglos durchsucht worden waren, näherte sich ein Auto in auffälliger Elle. Als dieses auf der Brücke einen Karren Überholen wollte, verbarrikadierten die Beamten die Straße mit einem kleinen Kastenwagen. Der Autoführer setzte aber in voller Fahrt mit abgeblendcten Lichtern über das Hindernis hinweg, fo daß der Kas'enwagen zertrümmert wurde. Das Auto blieb unbeschädigt und enttarn unerkannt.
Agathe Thoma f.
In Karlsruhe ist im 80. Lebensjahre bie Schwester bes Altmeisters Hans Thoma, Agathe Thoma, bie eine treue Weggenossin unb Helferin bes großen Künstlers war, gejtorben. Sie hat sich befonbers um bas Karlsruher Hans-Thoma-Archio Verbienste erworben.
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Die trauernden Hinterbliebenen.
Vorirotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Die Ballerina des Königs", Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22 Uhr. — Gesellschaft für Erd« und Völkerkunde: Lichtbrldervortrag, 815 Uhr, in der Neuen Aula der Universität — Lichtspielhaus, Bahn« Hofstraße: „Die heilige und lyt Narr". — Astoria- Lichtspiele: „Der Schrecken von Colorado.
— Stadttheater Gießen. Nus dein Stadttheaterbureaiu wird uns geschrieben: Die Vorstellung „Die Ballerina des Königs" beginnt heute abend 19.30 Uhr. — Morgen, Mittwoch, gastiert das Frankfurter Neue Operetten- cheater mit „Gräfin Eva". Beginn der Vorstellung pünktlich 19.30 Uhr. Auf vielfache Anfragen sei hierdurch nochmals ausdrücklich betont, daß die Operettengastspiele nicht mehr durch das Operettenensemble Sander gegeben werden, sondern daß die 3ntenZ>an.) des Stadttheaters für sämtliche Operettengostspiele das Frankfurter Reue Operettentheater (Direktion Glock und Land) verpflichtet hat. Das Frankfurter (Neue Operettentheater gehört zu den führenden Operettenbühnen Deutschlands. Alle Aufführungen kommen in der Frankfurter Orginalbesehung in Giehen heraus.
— Gokdenehochzelt. Botenmeister 1.9t. und Kirchenoorsteher Andreas Göbel, Ebelstraße 11a, kann heute mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit begehen.
* Diebstahl. Der heutige Polizeibericht meldet: Am 24. d. M., gegen 18 Uhr, wurden einer Bewohnerin der Hofmannstrabe aus dem hinter dem Hause gelegenen Garten sechs Paar fast neue, hell- seidene Damenstrümpfe entwendet. Als Täter kommt eine Dame von etwa 1,70 Meter Größe, die mit einem dunklen Mantel und einer dunklen Mätze bekleidet war, in Betracht. Personen, die Wahrnehmungen über den Verbleib der Sachen bzw. die Täterin gemad)t haben, werden gebeten, der Kriminalabteilung Mitteilung zu machen.
" Vortrag im D. H. V. Die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Derbandes veranstaltete dieser Tage ihren zweiten dieswinterlichen Vortragsabend. Aach den Degrüßungsworten des Bildungsobmanns, Prokurist Hirsch, sprach Dr. B o e ck - Rorschacherberg (Schweiz) über .Indische Gletscherfahrten in Oft- und West-Himalaya, im Banne deS Mount Everest". Der Vortragende berichtete dabei in außerordentlich interessanter Weise üben die Erlebnisse auf einer Studienreise, die er im Jahre 1889 in jenes Gebiet unternahm. Mit Spannung folgte man den bilderreichen Schilderungen. die der Vortragende auf Grund seine« reichen Erlebnisse geben konnte. Am Schlch'se seiner Darlegungen zeigte der Redner in eine« großen Zahl von Lichtbildern wunderbare Aufnahmen von Land und Leuten In Neapel, insbesondere von seiner grandiosen Dera- unL» Gletscherwelt. Reicher Beifall dankte ihm für seine fast dreistündigen Ausführungen. Es war ein wertvoller Abend, den man dem D. H. V. wieder zu danken hat.
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Im ersten Teil wurden Werke alter Meister geboten, und zwar zunächst eine Sonate für Cello und Klavier von Mariello (1686 bis 1739). Ernst Schneider war dem Werk ein feinfühliger Interpret. Sein Ton ist stark und schön, feine Technik einwandfrei. Eine markantere dynamische Kon- traftierung hätte den langsamen Sätzen noch mehr plastische Wirkung verliehen. Es folgte eine Suite von Domencio Scalatti (1685 bis 1757), die in ihrer Durchsichtigkeit typischen Scarlattischen Kla- viersatz aufweist. Frau Schlesier-Altmann (Klavier) spielte die Suite mit Geschmack und sauberer Technik und verstand die Thematik geschickt herauszuarbeiten. Eine Arie aus Händels Terxes (Frau Michaelis-Sander) wurde in ihrer Wirkung durch zu starke Begleitung seitens Klavier und Cello etwas beeinträchtigt.
Im zweiten Teil kam zuerst eine Sonate für Cello und Klavier von Richard Strauß zu Gehör. Der erste Satz dieses Jugendwerkes des Meisters ist der stärkste. Herr Schneider (Cello) und Frl. Eckard (Klavier) musizerten mit großer Hingabe und technischer Sicherheit und boten — jeder an seinem Platz — eine eindrucksvolle und abgerundete Wiedergabe des Werks. Die danach folgende Konzert-Etüde von Kullak für Klavier ist mufika- lisch recht flach und eignet sich eigentlich kaum für den Konzertvortrag. Frau Schlesier-Alt- mann wertete sie soviel wie möglich musikalisch aus, blieb ihr jedoch rein technisch hin und wieder etwas schuldig. Schließlich sang Frau Michae- lis-Sander noch je zwei Lieder von Strauß und Pfitzner, die sie mit ihrem wohlklingenden Organ mit prägnantem Ausdruck den Hörern vermittelte. Frau Schlesier-Altmann begleitete die Gesänge dezent und mit glücklicher Anpassung. Der Beifall war bei jeder Darbietung sehr herzlich.
xy.
Daten für Mittwoch, 31. Oktober 1928.
Sonnenaufgang 6.50 Uhr, Sonnenuntergang 16.36 Uhr. — Mondaufgang 18.07 Uhr, Monduntergang 10.11 Uhr.
1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaßhandel an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg; — 1835: der Chemiker Adolf von Baeyer in Berlin geboren.
Gießener Wochenmarktpreise
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 200 bis 210; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 12 bis 20; gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15; Spinat 25 bis 40; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 15; Meerrettich 50 bis 150; Schwarzwurzeln 40 bis 70; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Birnen 10 bis 30; junge Hähne 100 bis HO; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 90 bis 120; Rüsse 60 bis 100; das Stück: Eier 17 bis 18; Blumenkohl 50 bis 150; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 30; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20: Sellerie 20 bis 50; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig; der Zentner: Wirsing 10; Weißkraut 6,50 bis 7; Rotkraut 12; Kartoffeln 4,50 bis 4,80; Aepfel 22 bis 35; Dirnen 10 bis 20 Mark.
E i n Mädchen vermißt. Wie der heutige Polizeibericht mitteilt, wird seit dem 21. Oktober die 17 Jahre alte Margarete Wieth aus Gießen vermißt. Gründe für das Verschwinden des Mädchens sind nicht bekannt. Das Mädchen ist etwa 1,60 Meter groß, schlank, hat ovale Grsichtssorm, braune Augen, blondlockigen Bubikopf, als besonderes Kennzeichen an der linken Hand verstümmelten Mittelsinger. Es trug bei seinem Fortgänge dunkelblauen Mantel mit schwarzem Pelzkragen, dunkelblaues Kleid, buntgestickte Bluse, braune Strickjacke, braun« Spangenschuhe, halbseidene Florstrümpf«. Personen, die Wahrnehmungen über die Vermißte machen können, werden gebeten, der Kriminalpolizei Gießen Kenntnis zu geben.
** Anlagenkonzert findet morgen, Mittwoch, 16 Uhr, durch das Musikkorps des 1. (Hess.) Bataillons, bei günstiger Witterung am Liebigdenk- mal statt. Leitung. Obermusikmeister L ö b e r. Die Musikfolge ist: 1. Armeemarsch II, Nr. 160, Pepita- marsch von C. Neumann. 2. Große Fantasie aus der Oper „Siegfried" von N. Wagner. 3. Rheinwellen, Walzer von W. Löber. 4. Vom Rhein zur Donau, Rheinlieder-Potpourri von M. Nhode. 5. Unter dem Sparrenschild, Marsch für Heroldtrompeten und Kesselpauken von M. Henrion.
** Personalien. Ernannt wurden der Gen- darmeriehauptwachtmeister Jakob Manz zu Rom- rod zum Gendarmeriemeister mit Wirkung vom 1.September 1928 ab; der Schulamtsanwärter Goswin R a i ß aus Frankfurt zum Lehrer an der Volksschule zu Steinfurth (Kreis Lauterbach); die Schul- amtsanwärterin Emma Müller aus Lang-Göns zur Lehrerin an der Volksschule zu Großen-Linden.
** Eine Achtzigjährige. Nachdem am 1. Oktober der frühere Steinbruchbesitzer, jetzige Rentier Johannes Nickel, Großer Steinweg, feinen 81. Geburtstag feierte, kann heute dessen Ehefrau ihren 80. Geburtstag in voller Frische begehen.
Aus her Provinzialbaupistadi.
Dießen, den 30. Oktober 1928.
Herbstlicher Erdgeruch.
Du fdjreüeft über die herbstliche Flur. Bevor der Linier seine Unbill schickt, willst du noch ein wenig □ oi, der Natur erhaschen, und du freust dich der werten Stimmungsreize, die sich dir freigebig an- bieten Dort schweben Nebelschwaden durchs Tal wie ccgleier von Elfen geworfen. Das gebrochene Licht wirst sich zart über die Dinge, über den fernen Wald, nbcr das Dörfchen dort am Hügel. Und noch ein oberes ist um dich, das dich aufmerken läßt: Ein qmz eigenartiger Duft kommt zu dir, herb und süß zugleich Vielleicht ist er es vor allem, der dir gibt, cas du herbstliche Stimmung nennst. Er macht dich ia erst empfänglich für das andere, das deine Augen chen, durch ihn gewinnst du erst richtig die nahe Seziehung zum Herbst.
Erdgeruchl Diele gibt es wohl, die sich von der natur entfernt haben, daß ihnen dieser Duft nur itienig zu sagen hat. Aber ganz entziehen kann sich ihm wohl keiner. Freilich — den vollen Gehalt schöpft wohl nur aus, der an seinem Grund und Boden h ingt, sich mit ihm so eng verbunden fühlt, daß er ! lein Leben gar nicht denken kann ohne diesen Besitz, | bun seine Sorge, seine Mühe gilt, von dem er aber - and) Ernte und Freude empfängt. Wenn der Land- itiann über feinen Acker schreitet und den herben Duft atmet, dann kommt ihm das echte frohe Heim- g.:fühl. Mag der Winter drohen, der über die Berge h-reinsieht, was tut's? Das neue Werden wartet ja schon wieder.
Rein, es ist svgar schon da. Denn was ist Eier Duft denn anderes alS das Weben und schaffen in der Werkstatt der Ratur? Richt die Erdschollen duften ja, sondern ganz kleine Boden» bckterien sind am Werke, abgestorbene Pflanzen »nb Tiere im Boden zersehend und sie dem mmen Kreislauf in der Ratur zu führend. Kleine Heinzelmännchen sind es, deren Aufgabe es ist, Helfer zu sein für die Erhaltimg des Gleichgewichts in der Ratur. Was sein Ziel erfüllt hat, muß abtreten und ist dem Untergang geweiht. Aber es gibt keine völlige Vevniichtung in Haushalt der Ratur: AuS dem Zerfallenden baut sich Reues auf, daS wieder zu Blüte und Dust und Frucht führt. Ein ewiges, wunder- scnneS Wechselspiel ist es, dem zu lauschen, dem nachzuforschen mit schauenden Lingen, die hinter die Dinge sehen, einen eigenartigen Reiz besitzt.
So ist bann der herbstliche Erbgeruch nicht nur , Slimmungsreiz, fonbern mehr: Einblick in bas im großen und kleinen urgewaltige Schaffen und Wirken im Weltall ist es, bas Kleinste verwanbt bem Gang her Weiten, und bas Größte auch nur Wirkung jenes U „begreiflichen, vor bem der Mensch in Andacht oer- i«nken steht. S.
Konzert im Realgymnasium.
Frau Schlesier-Altrnann gab am Sarns- faa in der Aula des Realgymnasiums ein Konzert, bei bem noch Frau Lore Michaelis-Sander I (Oefang), Frl Marie Eckard- Gießen, (Klavier) , u nb Herr Ernst Schneider -Gießen (Cello) mit- wirkten.
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Dienstag, 30. Oktober 1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheifen)
Itr 256 Zweites Blatt
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Die Not der Grenzmark
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Von der Aeichshauptstadt bis zur polnischen I PosenS in Ackerland zu verwandeln. Das damals venze sind es nicht viel mehr alS 165 Kilometer, entlegene Ostpreußen wäre in verloren gewesen,
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Kunst und Wissenschaft.
Neuerscheinungen des Volksverbandes der Bücherfreunde.
Wie die WeihnachtSnachrichtennummer des VolksverbandeS der Bücherfreunde, Wegweisev- Verlag G. m. b. S>-, Berlin-Charlottenburg 2, mitteilt, läßt der D. d. B. allein zum diesjährigen WeihnachtSseste 105 neue Werke erscheinen. Hierunter sind die klangvollsten Hamen des modernen deutschen und ausländischen Schrifttums mit Werken vertreten. Um nur einige zu nennen: Bartsch, Bethge, Ebner-Eschenbach, Wilhelm Busch, Eulenberg, Finckh, Lissauer, PreS-
wenn nicht Westpreußen und Posen eine feste und unzerstörbare Landbrücke gebildet
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Oie erste Erschießung.
Don unserem römischen ^-Korrespondenten.
Rom, Ende Oktober.
DaS Revolutionstribunal arbeitet. Mussolini läßt erschießen. Terror. —
Man hört sie kreischen, die Internationale. Menschen die tausend Morde auf dem Gewissen haben werden ausbegehren, weil jetzt auch einmal rn Italien ein Todesurteil gefällt und vollstreckt
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.............einen einzigen Gegner kraft Urteil und Gesetzes an die Wand gestellt zu haben. Soll sich das nun ändern? Gehen wir einer Robespierrezeit entgegen?
RichtS unwahrscheinlicher als daS. Die Gegner - fehlen nämlich- ES gibt an nicht- fafzistifchen Zeitungen nur den Osservatore Romana, daS Organ deS Vatikans, daS sich in die innere Politik deS von der Kirche überhaupt nicht anerkannten Königreiches Italien nicht einmischt, eS fei denn, die ewige römische Frage erfordere wieder einmal eine Erklärung, oder eine religiöse Angelegenheit beunruhige den Statthalter Christi. CS gibt keine nichtfaszisti- schen Katheder oder Lehrer mehr, eS gibt nur noch eine einzige Partei. Da das Schutz- geseh schon die mündliche Verbreitung unziemlicher Äußerungen bestraft, gibt jedermann auf seine Zunge acht. Man muß also, kurz gesagt, schon schießen, um erschossen zu werden.
Und daS hat ein gewisser Michele Della Mag- giora getan Er nahm einen Revolver, ging in eine Osteria und schoß den erstbesten Fa- szisten über den Haufen, einen bescheidenen Arbeiter, der den Mörder überhaupt nicht kannte. Dann feuerte er auf den Fuhrmann, der gerade Wein abladen wollte. Tot. Auch der Fuhrmann war Faszist, wie fast jeder Mann in Italien.
heute in den Händen der Polen, die nichts tun, aber auch alles lassen, um die Versumpfung des Flußbettes zu verhindern. Das führt notwendig zu Heberschwemmungen im Unterlauf der Warthe, so daß z. B. die Uferländereien bei der Kreisstadt Schwerin monatelang unter Wasser sichen. Der mangelhafte Forstschuh, den die Polen ihren Wäldern angedeihen lassen, war auch mit Ursache, daß 1924 und 1925 die Forleule, die Raupe des grauen Schmetterlings, aus Posen über die deutschen Laub- und Radelwälder in Milliardenschwärmen hereinbrechcn konnten. Fünfzigtausend Morgen Waldbestand sind damals von der Forleule kahlgefressen worden, deren traurige Reste nicht einmal mehr als Brennholz dienen können.
Die Kreise der Provinz Grenzmark tragen durchweg landwirtschaftliche sGePräge. Industrie hat sich nicht entwickeln können, da für ihre Erzeugnisse der unmittelbare Absah- marft fehlt. Wenn der Boden an sich auch nicht hochwertig ist. so bietet er doch den RahrungS- spielraum für Tausende von Bauernhöfen. Allein diese Dauernsiedlungen müssen er st geschaffen werden, wozu Geld gehört, das der armen Provinz Grenzmark mangelt. Es gehört Geld und nochmals Geld dazu, weil Tausende von Morgen wieder Sunrpfland geworden sind, so daß es nichts Ungewöhnliches ist, auf der einen Seite eines Feldweges leidlichen Ackerboden, auf der anderen Seite Sunipf und Moor zu ftnden, in denen Menschen und Vieh versinken. Welch ein Gegensatz: in der 150 Kilometer entfernten Riesenstadt Berlin werden Millioneii und Aberniillionen jährlich für die Erwerbs- losenfürsorge ausgegeben, toaS nicht zum wenigsten deshalb notwendig ist, weil vom Osten her ununterbrochen der Einwanderer ström nach der Reichshauptstadt anhält. Die Grenzmarkkreise fmb menschen- r e e r geworden, müssen noch menschenleerer werden, wenn es nicht gelingt, der Versumpfung des Landes Einhalt zu tun.
Cs kann der preußischen Regierung der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie die Grenzmark vernachlässigt hat. Gerade weil die Polen nicht nur eine strategische Grenze geschaffen haben, sondern auch mit allen technischen Mitteln versuchen. die deutsche Grenzmark wirtschaftlich abzudrosseln, sind außerordentliche Hilfsmaßnahmen notwendig. Diese müssen bann bestehen, zunächst einmal durch Userschuhbauten art der Warthe daS Land vor Heberschwemmungen zu schützen. Durch Trockenlegung der Sumpfe lassen sich die Voraussetzungen für die Errichtung spannfähiger Bauernstellen schaffen, für die auch das geeignete Menfchenmaterial in der Grenzmark selbst vorhanden ist. Da die Polen den Verkehr über die Grenze hindern, ist es notwendig, ein dichtes Verkehrsnetz durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen der Grenze entlang von Rordeii nach Süden zu schaffen. Wenn dafür jährlich 10 Millionen Mark auf gewandt werden, so ist daS eine wahrhaft voWwirtschastliche Kapitalanlage, die auch dazu ftchren kann und muh, den Arbeitsmarkt schon dadurch zu entlasten, daß ihm nicht immer wieder überschüssige Arbeitskräfte auS der Grenzmark zuströmen. Wir brauchen ein Bollwerk an der Grenze in Form von Bauernhöfen und ertragfähigen Gütern, die schon in wenigen Jahren dazu imstande sein werden, große Mengen cm Getreide und Vieh hervorzubringen.
Hochschulnachrichten.
Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Professors Max Wentscher an der Universität Bonn erledigten Lehrstuhls für Philosophie ist ein Ruf an den a. o. Professor Dr. Erich Rothacker in Heidelberg ergangen. — Der an der Universität Köln neugegründete Lehrstuhl der Archäologie ist dem a. o. Professor Dr. Andreas Rumpf in Leipzig angeboten worden. — Der Lehrstuhl der gerichtlichen Medizin der Universität Breslau ist dem a. o. Professor an der Hamburger Universität, Physikus und Leiter des Instituts für gerichtliche Medizin, Dr. med. Karl Reuter angeboten worden. — Der Dozent an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin, Dr. Hermann Heller, hat einen Ruf als planmäßiger außerordentlicher Professor für öffentliches Recht an die Universität Berlin erhalten. — Der durch die Emeritierung des Geh. Rates Professor Curtis an der Frankfurter Universität erledigte Lehrstuhl der englischen Philologie ist dem Ordinarius Dr. Rudolf Jmel- manninRostock angeboten worden. — Der durch die Emeritierung des Geh. Medizinalrats Professor R. Beneke an der Universität Halle erledigte Lehrstuhl der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie ist dem Privatdozenten an der Ham- burger Universität und Prosektor am Allgemeinen Krankenhause Barmbeck, Dr. med. Werner (3 er- la ch, angeboten worden. — Zum Nachfolger von Professor O. Riesser auf dem Lehrstuhl der Pharmakologie an der Universität G r e i f s w a l d ist der Privatdozent ebenda Dr. med. Paul Wels ausersehen.
Die Privatdozentin für innere Medizin an der Frankfurter Universität Dr. med. Klothilde Gollwiher-Meier ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. ernannt worden. — An der Erlanger Universität ist vom 1. Rovember d. I. ab der a. o. Professor für Geschichte Dr. Bernhard Schmeid- ler zum ordentlichen Professor ernannt, und die durch daS Ableben des ord. Professors G. Beckmann erledigte Professur für mittlere und neuere Geschichte, hauptsächlich neuere und neueste Geschichte, dem außerordentlichen Professor Dr. Otto Brandt von der Universität Kiel unter Verleihung des Titels und Ranges und der akademischen Recht« eines ordentlichen Professors übertragen worden.
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Wolfsjagden im Flugzeug.
Der amerikanifche Präriewolf oder Kohote ist ein furchtbarer Feind der Schafherden in den amerikanischen Südstaaten und Mexiko. Er tötet nicht nur ein Tier, um seinen Hunger zu stillen, sondern ein einziger solcher Wolf reiht ein ganzes Dutzend Schafe und mehr nieder, um das Blut seiner Opfer auszusaugen. DZ dem schnellen und ausdauernden Lauf der Präriewölfe ist aber
die sich an den Brandherden deS Antifaszismus in Frankreich mit flammendem Haß gegen das Regime des LictorenbündelS vollgefteßen hatten. Der Staatsanwalt erllärte, es müsse dem Volk gezeigt werden, wie der Staats daS Leben auch seiner bescheidensten Anhänger werte, wie ihr Schicksal dem Duce am Herzen liege. Daher wäre die Gerichtsverhandlung nach Lucca verlegt, wo so zahlreiche italienische Auswanderer vorhanden seien, die noch fern über dem Meere bezeugen Fönnten, mit welchem Ernst der Faszismus Recht spreche.
Die auch für den Komplicen beantragte Todesstrafe wurde in 18 Jahre Zuchthaus umge- wandelt, Della Maggiora aber vor die Gewehre gestellt. Gegen das Urteil des Sonder- gerichtS gibt eS keine Berufung, nur der König kann von feinem Begnadigungsrecht Gebrauch machen. Tut er es nicht, so ist die Hinrichtung binnen 24 Stunden zu vollziehen. Der Todeskandidat rief die Gnade des Königs an. Sie wurde verweigert. Hm 5 Hhr morgens sah sich Della Maggiora plötzlich geweckt, er mutzte sich schleunigst anziehen, brausen warlete schon das Automobil. In der französischen Revolution war es nur ein Karren gewesen.
Hinter dem Friedhof 5 eiten die Wagen und der Faszistentöter erblickte zu feinem Erstaunen ein mächtiges menschliches Viereck. Ein Viereck, gebildet auS sechshundert Schwär Hemden, Mi iz- soldaten der 94. Legion, die in Pistoia liegt und sich La Fedele heißt. Der Rest vollzieht sich in wenigen Minuten. Der Feldwebel übergibt den Verurteilten dem Konsul. Der läßt ihn auf einen Stuhl fesseln und die Binde umlegen. Jetzt treten, von einem Maniprl.ührer kommandiert, zwölf Mairn aus dem Viereck heraus und bilden zwei kurze Reihen. Der arme Sünder, der den Priester zurückgewiesen hat, schreit plötzlich auf, will offenbar eine Ansprache halten, aber schon überlläfft ihn die Salve.
Die beiden Faszisten sind gerächt, von ihren Kameraden gerächt. Mussolini hat gezeigt, daß das Liltorenbündel nicht bloß ein Hoheitszeichen des neuen Staates, sondern blutig ernst gemeint ist. Mit der Hinrichtung war die Aufgabe der Pres e erledigt. Sie wendet kein Wort mehr an die Sache. Der saszistische Stil duldet keine Erörterungen.
„Oie Heilige und ihr Narr."
Lichtspielhaus Bahnhofstraße.
Im Lichtspielhaus läuft seit gestern ein neuer großer Film: „Die Heilige und i h r Narr", von Kurt I. Braun und Charlotte Hagen- brud), der Gemahlin Wilhelm Dieter les, welcher die Regie hat und die männliche Hauptrolle spielt.
Der Film, nach dem sehr bekannten Roman der Agnes Günther gearbeitet, ist, wie man lieft und hört, überall ein starker Publikumserfolg ge- wesen und scheint, nach dem gestrigen Besuch zu urteilen, auch bei uns volle Häuser zu machen. Es ist gleichwohl kein guter Film — das Beste an ihm ist, daß er wieder an das Buch erinnert und zu ihm zurückführt', aber das kann ja nicht der Sinn und die Aufgabe gewesen sein, das wurde auch die immerhin bedeutende Arbeit kaum recht- fertigen.
Sondern der Film wollte dock) wohl, in einer gewissen Unabhängigkeit vom Roman, etwas Selbständiges und Eigenes geben, und das ist fast durchweg mißglückt. Man muß hier wiederbolen, was an dieser Stelle bei vielen Gelegenheiten immer wieder Hai ausgesprochen werden müssen, und was leider für die ganz überwiegende Mehrzahl der literarischen Filme gilt: solange ein Film, der den gleichen Stoss behandelt, wie ein Buchwerk (Roman, Novelle, Drama) — nicht in irgendeiner Form, aber jedenfalls nicht äußerlich, über das literarische Urbild hinausreicht, solange ist er vom künstlerischen Standpunkt aus verfehlt: jede an Wert geringere Wiederholung ist abzulehnen. Und man braucht den Roman der Günther keinesfalls zu überschätzen, um einzusehen, wie weit er die filmische Gestaltung hinter sick) läßt, die nur in ganz wenigen Punkten an die der Erzählerin überhaupt heranreicht.
Nach dem Gesamteindruck ist dies festzustellen: der Film kommt in eigener schöpferischer Formgebung niemals vom Buch los, er braucht überall und iierate an den entscheidenden Stellen die Mittler- chaft des Wortes, weil das Bild versagt. Wo aber >as Bild an sich von guter Wirkung ist, lyrisch- idyllisch oder dramatisch-bewegt, da handelt es sich um äußere unwichtige Dinge, die eben um der Bildwirkung willen aufgetrieben und gesteigert werden mußten. Es ist hier wie beim „Faust' und bei den „Webern" und manchem andern Werk erlauchten Namens: die Filmgestaltung macht das Ursprüngliche, das Eigentliche, das in der literari-
Grenze sind es nicht viel mehr als 165 Kilometer. Was sich an dieser Grenze als P rovinz W e ft- m a r k entlangzieht, ist für den größten Teil des deutschen Volkes leider unbekanntes Land. WaS im Ausgang des 18. Jahrhunderts bei der ersten und zweiten Teilung Polens an Preußen fiel, also wesentlich die späteren Provinzen W est - Preußen und Posen, war ein Gebiet von trostloser wirtschaftlicher Verfassung. Unter Preußens Königen wurde das Äetze- und Warthe- Gebiet fruchtbar gemacht, wurden Straßen und Kanäle gebaut, so daß sich im Ablauf der Jahrzehnte blühende Provinzen entwickelten, in deren Städten und Siedlungen Bürger und Dauern wieder seßhaft wurden. Weder Posen noch West- pveuhen waren unter preußischer Herrschaft polnische Hnruheherde, wie daS mit dem benachbarten Kongrehpolen der Fall war. Es war der staatsmännische Weitblick D i S m a r ck S. der schon in den sech iger Jahren des vorigen Ia> under S erkannte, das) die preutzischen Ostprvvmzen eine starke G r enz s iche rung und Abriegelung brauchten, um die Heberftutung der Provinzen durch slawische Enw an derer zu verhindern. Das war eigentlich der Sinn der BiSmarckschen Polenpolitik, die Posen und Westpreußen eine ruhige wirtschaftliche Entwicklung zu sichern suchte, was nur möglich war, wenn nationalpolnische Umtriebe ferngehalten werden konnten. Der preußische Staat halte es sich beträchtliche Summen
die Jagd auf diese Räuber sehr schwierig, und auf dem Steppengebiet lassen sich auch Kraftwagen und Motorräder zur Verfolgung nicht benutzen. Da die Schaf- und Rinderzüchter ein großes Interesse daran haben, daß möglichst viele Koyoten erlegt werden, ist für jeden Wolf eine Schußprämie von 10 Dollar ausgesetzt; der Jäger behält außerdem noch das Fell. daS ihm dieselbe Summe bringt Die Jagd auf Koyoten ist also ein einträgliches Geschäft, wenn man nur die genügend große Beute nach Hause bringt. Um dies Ziel zu erreichen, ist nun ein Flieger aus Rapid City in Süd-Dakota, Clyde Ece. auf den Gedanken gekommen, das Flugzeug zu verwenden. und er Hat damit so große Erfolge erzielt. daß jetzt die Jagd auf Präriewölfe vom Flugzeug aus in dieser Gegend zu einem ebenso aufregenden wie gewinnbringenden Sport geworden ist. Heber die Art dieser merkwürdigen Jagd macht R. C. Mc Loud in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik' nähere Mitteilungen. Ece unternahm seinen Probeflug mit zwei guten Schützen, und schon nach einer Stunde brachten sie zwei Wölfe nach Hause. Die größere Erfahrung und bessere Hebung führte dann dazu, daß man bei jedem Flug über einem Gebiet von etwa 100 Quadratkilometer Fläche drei bis vier Wölfe eriegte und in einem Monat durchschnittlich 80 Koyoten zur Strecke bringt. DaS Flugzeug gleitet in etwa 300 Meter Höhe dahin, und man kann von ihm bei der klaren Luft Süd-Dakotas auf eine Entfernung von einem Kilometer jeden Wolf am Boden erkennen. Hat man die Wölfe gesichtet, bann geht das Flugzeug auf 15 bis 20 Meter herab. Man muß sich dabei nach dem Verhalten der Wölfe richten. Gewahren diese daS Flugzeug, so drücken sie sich platt auf den Boden, lassen es über sich wegfliegen und springen dann nach allen Richtungen auseinander. Der Führer muh sich dann blitzschnell entschliehen, nach welcher Seite hin die besten Aussichten sind; er geht nieder, überfliegt den Wolf, und dann ist der Augenblick zum Feuern gekommen. Ist der Wolf erlegt, so landet das Flugzeug, um die Beute zu bergen. Das ist natürlich auf der amerikanischen Steppe recht schwierig, und so muh sich der Flieger die besten Landungsstellen aussuchen und die Wölfe mit seinem Flugzeug nach jenen Stellen treiben, an denen er gefahrlos landen kann. Diese Art der Wolfsjagd Hal bereits so gute Ergebnisse gezeitigt, daß die Viehzüchter von den größten Schädigungen befreit sind.
CEDaS ist geschehen? Ein Kommunist hat zwei Faszisten niedergeknallt. Prozeß. Verurteilung wegen vorbedachten MordeS. Todesstrafe wie in jedem Lande, 6aS sie noch nicht gänzlich abgeschafft hat. Eben nicht, toerben die Parteirich- 1er einwenden: bei politischen Verbrechen muh ein anderer Maßstab angelegt werden. Der faschistische StaatSanwalt ist ganz dieser Meirnrng, nur hält er dafür, daß die Strafe in einem solchen Falle um so schwerer auSfallen müsse, well bie Sicherheit des Staates mitspiele und infolgedessen der Mord nicht vor den gewöhnlichen Gerichten verhandelt werden könne, sondern das Sondertribunal interessiere.
DaS Sondergericht oder RevolutionStribuncll, wie man erstaunlicherweise jetzt wieder in der sasziftischen Presse lesen kann, obwohl seinerzeit diese Bezeichnung als eine „Verleumdung beS faszistenfeindlichen Auslanbes" gebranbmarft würbe, ist nach dem letzten Attentat auf Mussolini eingesetzt worden. ES stützt sich auf em Schutzgeseh für den faszistischen Staat, ähnlich dem Schutzgeseh für die Republik. baS man in Deutsch!anb einsühren zu müssen glaubte. Die Todesstrafe, die Italien feit einem Menschenalter nicht mehr kannte, bildet daS Kernstück der neuen Gerichtsbarkeit. Die saszistische Revolution wollte schon deswegen auf eine solche Möglichkeit nicht verzichten, well ihr mit unsagbarer Dummheit immer wieder von ihren Gegnern vorgeworfen wurde, sie sei ja gar keine .richtige" Revolution gewesen, Mussolini habe, niemals zur Guillotine ober zu Massenerschie-- tzungen greifen muffen! Sein einziger Fehler! gaben die Radikalen zurück, und sie waren es auch, die wenigstens bas Sondergericht mit fernen furchtbaren Strafen durchdrückten.
Das Blutexempel war also schon seit zwei Jahren fällig. Bisher hatte eS nur Verbannungen und Zuchthausjahre geregnet Jeder des Kommunismus Verdächtige muhte daran glauben. Zwanzig Jahre, dreißig Jahre, der Staatsanwalt war da nicht knauserig. So erhielten auch die ßltern des törichten Knaben in Bologna, belauf den Duce geschossen hat. wie die Anllage behauptet, und stehenden FußeS gelyncht worden war, dreißig Jahre. Aber die Revolution
scheu Form Wertvolle und Innerliche oberflächlich, sie verwässert und vergröbert.
Dabei ist zu sagen, daß die Manuskriptbearbeitung nicht einmal eine glückliche Hand verrät; denn aus dem Roman, wenn er schon verfilmt werden mußte, wäre an sich mehr herauszuholen gewesen, wären vor allem Motive zu behandeln gewesen, mit deren Gestaltung der Film vermöge der ihm zu Gebote stehenden technischen Mittel über den Roman wenigstens stellenweise hätte hinauswachsen können, wenn man eine geschickte und geschmackvolle Bildregie voraussetzen Durfte. Wir meinen die transzendenten Hintergründe der Erzäh. lung, die übersinnlichen Kräfte, die im Wesensbilde der Heldin einen nicht unwichtigen Zug ausmachen; aber gerade an diesen Dingen ist der Film (mit einer Ausnahme, die noch dazu regiemäßig nicht sehr gelungen ist) seltsamerweise vorübergegangen.
Auch andere Motive sind verzeichnet und ver- zertt, vor allem das Bild der Fürstinmutter, die von Anfang an als ein wahres Scheusal geschildert wird, sodaß ganze Szenengruppen nur noch wie Ausschnitte aus einer grausligen und kitschigen Geschichte von der bösen Stiefmutter wirken, und man vergessen könnte, wie unendlich viel seiner, zarter und innerlicher Menschen und Dinge im Roman gestaltet worden sind.
Was bleibt, ist eine Reihe schöner und ftim- mungsooller, aber ganz äußerlicher und nickst immer verständlicher Bilder, eine klare und gute Photographie, und wenigstens in den beiden Haupt- rollen eine brauchbare Besetzung. Die Rosemarie der Lien Dycrs entspricht wohl nicht vollkommen den Borstellungen, die man vom Buch mitbringt, aber sie ist ausdrucksvoll und wandlungsfähig. Der Graf Harro ist in Die ter les männlich-gütiger und sympathischer Derkörperung sehr glücklich ge-
Man zählt zwanzig Mlllionen Faszisten mit den durch den Gewerkschaftsstaat ohne weiteres der Staatspartei angehörenden Arbeitern. Italien hat vierzig Millionen Einwohner.
Vor Gericht beantwortete der Mörder auch die tödlichen Fragen des Staatsanwalts mit einem glatten Ja. Habt Ihr die beiden erschossen. bloß well sie Faszisten waren? 2a. Habt Ihr mit der festen Absicht, zu töten, geschossen? Ja. ES war nichts Dramatisches in diesem Verhör. Der Mann ist Soldat gewesen, bei dem Zusammenbruch von Karfreit gefangengenommen worden, wurde lungenkrank, hat kein» Arbeit. Hier könnte vielleicht ein Sozialpolitiker einsetzen, ober italienische Staatsanwälte pflegen gerne bei ihrem Leisten zu bleiben.
Der Laie wußte schon, WaS es geschlagen hatte, alS er die Zeitung las. Während die Presse sonst über die Prozes'e vor dem Sondergericht mit denkbar knappen Referaten hinweggeht, durften die Journalisten über diese Verhandlung in Lucca des langen und drei en erzählen. Ein derartiger Musterfall für die saszistische Gerichtsbarkeit findet sich nicht wieder so leicht, denn selten ist ein Mann, wenn es um seinen Kopf geht, so aufrichtig — zynisch, wie es in der Gerichtssprache heißt.
Ein Mord also, nichts zu diskutteren. Warum aber Schutzgeseh und Sondergericht? Die Begründung des Staatsanwalts ist lehrreich: ES handett sich um ein Gemetzel, bas durch mehrere Personen ausgeübt wirb. In einem solchen Falle, und wenn bas Verbrechen einem Attentat gegen die Sicherheit $?S Staates gleichkommt, muh das Sondertribunal eing-ei'en. Beide DorauSsetzuneen waren gegeben, denn der Mörder hat den 'Revolver von einem Komplizen bekommen und die Ermordeten waren Faszisten, deren De'eitigung eine große Erregung in der Bevölkerung verursacht, also die öffentliche Ordnung gestört hat. Damit war die Sicherheit gefährdet, der Funke hätte zu einem ausgedehnten Brand mit sehr schweren Folgen führen können.
Auch wer diese Begründung für nicht recht überzeugend ansieht, wird anerkennen muffen, bah man in Rußland weit weniger Hmftänbe macht. Belastend fiel ins Gewicht, daß beide Angeklagte fuorisciti gewesen waren, Flüchtlinge,
hätten. ,
Es war nicht die Schuld Bismarcks, dah die Besiedlung der Ostmarken mit deutschen Dauern nur längs am vorwärts ging, daß insbesondere in den neunziger Jahren eine gewisse Stv ck u n g eintrat, die später niemals wieder ganz überwunden worden ist. Wie die Ansiedlungspolittk in Posen vor allem hätte beschaffen fein müssen, bas haben uns ja bie P ölen selber gezeigt, als sie auf Grund des Versailler Vertrages Posen und Westpreußen vom Deutschen Reiche loSreißen konnten. Der Rih ging mitten durch deutsches Gebiet, denn die neue Grenze schieb nicht die deutsche von der volnischen Rcttion. sondern sie umfaßte nur Gebiete, die durch deuffche Arbeit, die durch deutschen Fleiß fruchtbar gemacht worden waren. WaS beim Reiche blieb, das waren einzelne Kreise, die nicht in das polnische System der strategischen Grenz- sicherung paßten. Preußen mußte sich damit begnügen, die zerrissenen Kreise in Posen und Westpreußen als P rovinz Grenzmark zu einer Verwaltungseinheit zusammenzufassen. Daß das zu schweren wirtschaftlichen und sozialen Rückschlägen führen muh, ergibt sich nicht nur auS der verkehrspolitischen, sondern auch aus der UMu« ö —....... klimatischen und natürlichen Verbundeicheit des
kosten lassen, um 'die Heide- und Sumpf gebiete ganzen Gebietes. Der Oberlauf der Warthe ist
9M4A
Oberheffen.
Lauvkreis Gießen.
X Klein-Linden, 29.DEL Die des Dcnkmalsausschusfes für
Mitglieder die (fr- für d i e
her, Rosegger, Wassermann, Wedekind, Claude Qlnet, Colette, Anatole France. Maurois, Chesterton, Kipling, Shaw, Wallace, Dang, Laurids Bruun, Huch, Kircheisen, Lllitz.
richtung eines Ehrenmals Gefallenen traten dieser Tage zu einer Sitzung
zusammen, um über die zu unternehmenden Schritte zu beraten, die durch die Verzögerung der Errichtung des Denkmals, durch Verschulden der zuständigen örtlichen Organe, notwendig geworden sind. Der erste Vorsitzende legte zur Orientierung der neu beigetretenen Mitglieder eingehend den seitherigen Verlauf der Denkmalssache seit 2 Jahren dar, woraus ersichtlich war, daß der Ausschuß mit allem Eifer die Sache betrieben und die Ortsein- wohner große Opfersrcudigkeit gezeigt haben. Die Arbeiten des Ausschusses seien jedoch durch die nicht erwarteten schleppenden Verhandlungen mit dem Gemeinde»at wegen Freigabe eines Teils des alten Friedhofs gehemmt worden, woran sich dann noch die Verhandlungen über die Preisgabe der Rechte der Kirchengememde angeschlossen hätten. Zwischen den einzelnen Verhandlungsterminen hätten nicht Tage oder Wochen, sondern Monate gelegen, was von der Versammlung mit scharfen Worten getadelt wurde. Anstatt daß der Gemeinderat im Interesse der Sache baldigst bestimmte und feste Entschlüsse gefoßt habe, sei man immer hin und her gependelt. Der gesamte Denkmalsausschuß von über 20 Mitgliedern sei daher zu dem Eindruck gekommen, daß anscheinend eine vorsätzliche Verschleppung die Ausführung des Denkmalsplanes hindere, wenn diese nicht ganz Hintertrieben werden solle. In Anbetracht der Unzufriedenheit unter den Ortseinwohnern über die Verzögerung der Denkmalsaus- führung war der Ausschuß festen Willens, die Sache abzugeben und die Errichtuntz des Denkmals der Gemeindevertretung selbst zu überlassen. Aus der Mitte der Versammlung wurde aber darauf hingewiesen, daß in diesem Falle jedenfalls niemals ein Ehrenmal hier errichtet würde, und vorgeschlagen, daß dem Gemeinderat ein letzter Termin von 3 Wochen gestellt werden möge, um dem Ausschuß schriftlich einen festen Beschluß zukommen zu lassen, von welchem Termin ab und in welcher Größe für diesen Zweck am neuen Friedhof Gelände zur Errichtung des Denkmals überwiesen wird. Das Projekt der Errichtung des Denkmals auf dem alten Friedhof ist somit ohne Verschulden des Ausschusses gescheitert. Von der Gemeindevertretung wird es nun abhängen, zu entscheiden, ob die Ausführung des Denkmals in kürzester Frist erfolgen kann.
Durkhards, 29. Oft. Um die Kosten des Bezirkskrankenhauses zu ermäfyi- gen, will man in den einzelnen Gemeinden eine Raturaliensammlung abhalten Die Vorbereitungen sind nun soweit fortgeschritten, daß mit dem Abholen begonnen werden kann
cP Aus dem Vogelsberg, 29. Oft. Die ersten Jagden haben begonnen. Das Ergebnis kann als gut bezeichnet werden; besonders sind es Rehe und Hasen, die zur Strecke kamen Der Oberwald ist auch nach dem trockenen Sommer ein ergiebiges Wildrevier, das viele 3äger aus den nahen Städten herauflockt.
(p Breungeshain, 29. Oft Diese Woche verläßt uns unser langjähriger Lehrer Wedel, um eine Stelle in Rauheim, Kreis Groß- Gerau, anzutreten Rur ungern sieht man ihn von hier scheiden; hat er es doch verstanden, sich die Zuneigung der Kinder und das Wohlwollen der Eltern zu erwerben und zu erhalten
Kreis Alsfeld.
** Alsfeld, 29. Okt. Die in der letzten Woche vorgenommene Ausftfchnng des städtischen Erlenteiches hatte eine große Zu» fdjauermenge angelockt. Cs wurden etwa 5 Zentner Schleien und Karpfen, die vor drei Jahren eingesetzt wurden, verkauft. Die von der Stadtverwaltung gestellten billigen Verkaufspreise hatten derartig viele Kauttiebhaber angelockt, daß vor dem Verkaufsraum ein fast lebensgefährliches Gedränge entstand und nur ein Teil der erschienenen Käufer befriedigt werden konnte. Es ist beabsichtigt, den jetzt abgelassenen Teich in seinem oberen Teil etwa 30 Zentimeter tiefer zu legen, da es sich herausgestellt hat, daß der Teich an dieser Stelle für die Ruderboote nicht die nötige Tiefe hatte. Außerdem soll das gesamte Ufer mit einer festen Steinpackung versehen werden, um die Unterhöhlung des Dammes durch das Wasser zu vermeiden. — Der Bau des neuen Postgebäudes geht im Rohbau seiner Vollendung entgegen. In etwa 14 Tagen wird das Dach aufaesetzt werden. Die in den letzten Wochen zwischen der Stadt und dem hessischen Denkmalpfleger wegen der Gestattung der Fassade entstandenen Meinungsverschiedenheiten sind im Wege gütlicher Verhandlungen beigelegt worden.
Der 38 Meter lange Bau, der auf dem Gelände des ehemaliaen Hotels „Zur Krone" errichtet wird, und der sich in seiner äußeren Ausführung dem Stadtbild anpaßt, wird eine Zierde für den ganzen dortigen Stadtteil werden. Die gesamten Baukosten sind auf 211 000 Mark veranschlagt. Das Gebäude selbst wird von der Stadt gebaut und an die Post- verwaltung mit Vorkaufsrecht vermietet. Die Inbetriebnahme soll am 1. Oktober 1929 erfolgen. Das alte Postgebäude geht in den Besitz der Stadt über, welche es nach einer mit der hiesigen Dezirksspar- fasse getroffenen Vereinbarung an diese wieder verkauft, da die gegenwärtigen Räume der Sparkasse völlig unzureichend sind. — Am Sonntagabend veranstaltete in der Walpurgiskirche der bekannte Leipziger Organist Kurt Borges ein Orgelkonzert, das Werke alter Meister, Bachs und neuzeitlicher Orgelmusik brachte. Das feine, von großem Können und Virtuosität zeugende Spiel des Künstlers hätte mehr Zuhörer verdient.
* Nieder-Ofleiden, 29. Okt. Am Mittwoch, 31.Oktober, b zeht die älteste Einwohnerin unseres Ortes, Frau Heinrich Pfeil II. Wwe., ihren 8 5. Geburtstag.
•P Ober-Ohmen, 29. Okt. Gestern hielt tu der hiesigen Kirche Missionar Schmoll aus Hersfeld einen Missionsgottesdienst ab. Missionar Schmoll war jahrelang in China bei der Baseler Mission tätig und kehrte im Jahre 1922 zurück. Rach Beendigung des Gottesdienstes hielt der Redner den Kindern eine besondere Missionsstunde. Rachmittags sprach Missionar Schmoll dann zum Erntedankfest in der Kirche zu Ruppertenrod. Abends war das ganze Kirchspiel zu einem Lichtbildervortrag in der Kirche zu Ober-Ohmen eingeladen. Hier zeigte der Redner interessante Bilder von der Missionstätigkeit im fernen Osten. Der Posaunenchor älnter-Seibertenrod wirkte bei diesem Lichtbildervortrage mit.
Kreis Lauterbach.
tz Lauterbach, 28. Okt. Die Ortsgruppe Lauterbach der Deutschen Dolkspartei hielt im Hotel Schüz ihre diesjährige Mitgliederversammlung ab. Die Rechnung für das abgelaufene Dereinsjahr kam zur Vorlage, der Vorstand wurde wiedergewählt, bzw. ergänzt und verschiedene Organisationsfragen erörtert. Rach Erledigung des geschäftlichen Teils der Tagung hielt Bürgermeister Dr. R i e Po t h, Schlitz, M. d. L., einen Vortrag über Wirtschaftsfragen. 3n formvollendeter Weise zeichnete der Referent ein Bild der Außenpolitik des Deutschen Deiches unter Stresemanns Führung; er skizzierte die irmerpolittsche Lage und kam dann ausführlicher auf die hessischen Verhältnisse zu sprechen Die Stellung der DBP. zu den einzelnen Tagesfragen wurde gekennzeichnet und eingehend begründet. Die De^ammlung gab ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Redners durch reichen Beifall zu erkennen.
... Lxf6
auf,
denn nach 20.
des
besser.
5. d7-d6
Schafft eine
gsil'
(Lust. Dl.)
13. Sf3xe5
14. f2 — f4
9.
10.
11.
12.
Lg4 ge-
13. d6Xe5
14. Se8-d6
5. e2-e4
6. h2-h3
Wichtig, ab tauschen
Ddl-d2 Lfl-d3 »2-24 0-0
9. 27-20
10. T»8-b8
II. Sf6-eS 12. Sd7-d5
Weih.
setzt in drei Zügen Ka2; Tc4, h6; Lh7;
und aber
Weih
Weiß:
B25, b4.
1. Sg8-f6
2 g7-g6
3. Lf8-g7
4. 0-0
zieht und
11 Steine. c2, d2, 14.
6. . . .
7. Lei -e3
8. d4-d5
matt
Sa3, c5;
6. Sb8-d7
7. c7-c5
8. Dd8-25
Partie Nr. 119
Gespielt im internationalen Meisterturnier Berliner Schachverbandes.
Indische Partie.
Weih: Grünfeld, Wien.
Schwarz: Helling, Berlin.
1. d2-d4
2. Sgl -f3
3. c2-c4
4. Sbl -c3
dürfte der weiße 16. Dd2-f2 17. »4-25!
18- Le3xc5
19. Df2xb2
20. f5 — f6!
Eine kurze und drastische Partie!
Lösung des Problems Dr.182.
Don G. 3. Nietvelt.
1. Lc2-f5! usw
Aus der SchachwelL.
Das in der Zeit vom 22. September bis 6. Oktober vom Berliner Schachverband vcranstaftete internationale Turnier hatte folgendes Ergebnis: 1. Preis mit 8'/2 Punlten Bogoftubow; 2. Preis mit 8 Punkten Sämisch; 3. bis 4. Preis geteilt mit je 6Vr Punkten Grünfeld und Kostitsch: den 5- bis 6. Preis teilen mit je 5Vr Punkten Ahnes, 3ohner, List und Richter; es folgen Helling 4Vai Rotenstein 4, L. Steiner 3Vz und v. Holzhausen 2V2 Punkte.
Schach-Ecke.
Bearbeitet von W Orbach.
Schwarz ist stark eingeengt und will mm versuchen, aus des Gegners Damensette durchzubrechen, aber diesem unzweideuttgen Plane begegnet der Weiße mit einem energischen Vorstoß des f/Bauern, welcher das Spiel entscheidet.
um den Springer f3 nicht durch zu laffen, der hier notwendig braucht wird.
Schwarz: 9 Steine. Kd5; Tg2; Lg8, h4; Sg5; Ba7, e4, t2, 15.
Vorstehende Aufgabe wurde im 8. Turnier des Skakdl. 1927 mit dem 1. Preise ausgezeichnet.
Problem Nr. 185.
Don A. Prhh. Schwarz, decket
Angriff durchdringen.
16. b/-b6
17. b6xa5
18. Db4xb2
19. TbSxb2
Falls der Rachziehende den Dauern schlägt, erlangt Weiß durch 15. Lxf4, T28 16. e5 eine überwiegende Stellung.
15. f4 — f5 15. Da5-b4
Hier kam 15.....f6 in Frage, aber auch danach
Schwarz gab auf, denn nach 20.....
21. Txf6, exf6 22. Lxd6 entscheiden die weißen Mittelbauern; 20..... Sb7 hat jedoch einfach
21.fXg7 zur Folge.
. . spätere Schwäche auf c5 kommt dem t-Dauern-Durchstoße entgegen; Schwarz stand bereits nicht mehr erquicklich.
Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers".
Hiernach gelangt Weiß zur völligen Deherr- schung der Mttte, und wenn es Schwarz nicht gelingt, diese zu zerstören, so ist fein Spiel auf die Dauer unhaltbar; wir halten 4. ...» d5 für
Die Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.
Ansichtssache.
Die Mieterin kam zum Hauswirt. Sie hielt einen böse zugerichteten Hut in der Hand, und sie sagte aufgeregt:
„Herr Druscheck, wie finden Sie den Hut?"
„Wie ich den Hut finde? Hm! Er ist hin, wie es scheint 1"
„3a, er ist hin! ilnö ich will Ihnen auch sagen, wie das gekommen ist. 3ch hatte den Hut auf dem Kops und ftanb im Eßzimnrer. Plötzlich kam von der Decke ein großes Stück Putz herab und direkt auf den Hut. Rim?"
„Aber liebe, gnädige Frau, was müssen Sie auch im Eßzimmer 'n Hut aufhaben l"
(Lust. Dl.) Nichts zu machen.
3ch hatte meinem Mädchen ein Billett für den Zirius geschenkt. Am nächsten Tage erzählt sie mir u. a.:
„Es isch au e .Klohn' do gsi.“
„Einen Clown meinst du? '
„Rei, e Klohn."
„3a, aber das heißt .Clown'!"
„Rei, es isch abr e .Klohn' gsil"
„3a. ich weiß wohl, was du meinst. Cmmili, aber man spricht das Wort nicht Klohn, sondern Klaun aus."
„Rei, es isch abr doch e .Klohn* gsi!"
«Ra ja, es war ein Wann mit einem bemalten Gesicht, der immer Späße machte, gelt?"
„3a!“
„Run höre also mal zu: es ist ein englisches Wort und wird so geschrieben: c 1 o w n , und es wird gesprochen Klaun. Ra, nun sag mal Klau n.“
,„Klaun — — abr e Klohn isch es doch
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gefielen besonders der Tormann, linker Verteidiger und Mittelläufer. Bei Heuchelheim spielte der Mittelläufer ganz hervorragend. Der Sturm toar sehr eifrig, besonders gut die beiden Außen. Schiedsrichter Fischer vom D.f.D. Gießen toar sehr gut.
Spielvereinigung 1926 Leihgestern.
Vollbringen II — ceihgestern I 1:3 (0:3).
Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum fälligen Verbandsspiel in Vollbringen. Nach zehn Minuten Spieldauer konnten die Leihgcsterner drei Tore erzielen. Saubringen konnte diesen nichts entgegensetzen. Mit diesem Resultat ging es in die Halbzeit. Nach der Pause verteidigte Daubringen stärker, so daß es den Gästen nicht mehr gelang, die zahlreiche Verteidigung des Gegners zu überwinden. Kurz vor Schluß konnte Daubringen das Ehrentor erzielen.
$♦ Sp. B. Steinbach.
Am Sonntag wellte „Teutonia" Steinberg beim Fuhballsportverein Steinbach, um das fällige Verbandsspiel auszutragen. Steinbach stellte eine Mannschaft in den Kampf, an der „Teutonia" nicht rütteln konnte. Halbzeit 1: 0 für Steinberg. Rach der Pause konnte Steinberg dem Siegeswlllen der F. Sp. D.-Els nicht mehr standhalten und mußte sich mit 7:1 Toren geschlagen bekenn en. Schiri Deck, D. s. B. Gießen. toar dem Spiel ein durchaus gerechter Lci.er.
Fußballklub 1926 Großen-Buseck.
Daubringen I — Großen-Buseck l 1:3. Großen-Buseck II — Queckborn l 1:3 (1:0). Obwohl die 1. Mannschaft des F. C. Großen- Buseck am Sonntag gegen die gleiche Mannschaft von Daubringen auf dessen Gelände sich fast durchweg überlegen hielt, war es nicht möglich, den erzielten Halbzeitvorsprung von 3:1 weiter zu erhöhen. Die Busecker Mannschaft arbettete in allen Teilen gut. Auch der Sturm konnte am Sonntag bester genügen. Daubringen scheint wieder im Kommen zu sein.
Die zweite Mannschaft von Großen-Buseck hatte weniger Glück, obwohl sie auch überlegen spielte. Durch diesen Sieg hat sich der Fuhballverein Queckborn seine ersten Punkte geholt.
Der Sportverein von 1920 Heuchelheim ließ seine Jugend nicht antreten.
Aieder-AZeisel I — Lollar I 0:2.
Die erste Mannschaft Lollars war am Sonntag in Rieder-Weisel zu Gast. Mit 2:0 für Lollar ging es in die Pause. Rach Seitenwechsel konnte beiderseits nichts Zählbares mehr erreicht werden.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Friedberg I — Gießen I 8:0.
Gießens I. Mannschaft toar zu ihrem zweiten Spiel der Rachrunde nach Friedberg gefahren. Schon in den ersten fünf Minuten konnte Friedberg 3 Tore erzielen, die aber wegen angeblichem Abseits vom Unparteiischen nicht anerkannt wurden. Gießen machte einen müden, abgespielten Eindruck und konnte nicht verhindern, daß Fried-
den Blick der Hausherrin und erkundigte sich, ob es Bier, Grog oder Rotspon gäbe.
„Grog? An einem so heißen Tag?"
„Homöopathie, Herr Pastor. Warm oertreibd warm." Alle lachten gefällig, und es war nicht schwer zu merken, daß dieser Witz von Papendick bei jeder gleichen Gelegenheit gemacht wurde.
Beim Essen hielt der Pastor eine lanae Rede auf den Heimgekehrten, der mit Bedauern für sich fest- fteUte, daß die Klopse inzwischen kalt wurden. Endlich war auch das überstanden, und eine Weile hörte man nur das Klappern des Geschirrs und der Gabeln.
Papendick entkorkte die Rotweinflaschen: er tat es wie eine feierliche Handlung. Einen Augenblick sah es aus, als ob auch er eine Rede halten wollte. „Verehrte Anwesende!" begann er, um dann zu vollenden: „Na, Pröstchen allerseits!"
Frau Karola lachte, daß sie sich die Seiten halten mußte, und der Redner setzte sich befriedigt.
Kurt Grotteck faß im Wohnzimmer an dem alten Schreibtisch, an dem er in Kinderjahren so oft den Vater hatte sitzen und rechnen sehen.
Er war früh aufgewesen — zu einer Zeit, wo er in der Stadt noch friedlich schlummerte — und war auf dem Braunen ins Land geritten. Herrlich war es gewesen, wieder ein Pferd zwischen den Schenkeln zu haben. Im wilden Galopp war der Braune matt und zahm gemacht worden, bis er den Herrn erkannt hatte und fromm dahingetrabt war. Bis an die Weichsel waren sie gekommen, die schwer und dunkel dahinstoß, beherrscht von den Dämmen, die die Niederung schützten. Der Ritt hatte ihn frisch und elastisch gemacht.
Das war nötig. Denn die Bücher grinsten ihn herausfordernd und feindlich an, mit jener infamen, unangreifbaren Treuherzigkeit des Inspektors. Er warf sich mit Feuereifer auf sie. Stundenlang saß er stirnrunzelnd davor, notierend und vergleichend. Aber die Versuche, in das Chaos dieser Buchführung einzudringen und den Wirrwarr dieser Tabellen, Rechnungen und Quittungen zu überschauen, waren aussichtslos. Endlich gab er es auf.
(Fortsetzung folgt)
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in Pfennig per Pfund
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heim 7 Tore vorlegen. Nach Seitenwechsel trat ; Marburg nur noch mit 8 Mann an. Nachdem __ - . « • er___ hi«S Atu m ot oyOY
* Die
427 Punkte 389 Punkte
die
Berlin. 29 Oktober
granklurt a. M I Berlin
Kur»
29. 10. | 30. 10.
29. 10. 30. 10
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Devisenmarkt Berlin—Frankfurt
136,23
149,75
149,5
145,5
146,5
Banknoten.
>00,6
132
178
131,5
81
106,5
30 106,5
125
212 148.5
278.75
205
18,5
122.25
88
286 185,5 291,9
162,5
169
kampf zeigte
Reck Pferd Barren
135,5
131
288 l»5,25 292,25
135
300,5
Marburg war in Naunheim zu Gast, allerdings nur mit 10 Mann Naunheim hatte seine Mannschaft stark verjüngt. Bis Halbzeit konnte Naun-
136,5
29,5
Berlin Bremen Breslau Chemnitz Dortmund Dresden Düsseldorf Elberfeld Esten Frankfurt Hamburg Hannover Husum Karlsruhe Kastel Kiel Köln Leipzig Magdeburg Mannheim München Stettin Stuttgart Zwickau
Schluß: I Anfang Kur» I Kur»
~ ' V -----
Naunheim noch ein Tor errang und em weiterer Spieler der Gäste das Feld verließ, mußte der Unparteiische das Spiel abbrechen.
Hungen I — Burkhardsfelden I 3:0.
Burkhardsfelden weilte in Hungen. Schon nach einigen Minuten ging Hungen durch Elfmeter in Führung. Dach Seitenwechsel erzielte Hungen ein weiteres Tor. 211s es dann sein drittes Tor schoß, brachen die Gäste ohne Gründe das
. . 8 . . 8
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132,5
u21
275
561
481
279
205
125.25
189
80,5
49,5
103
243
55
109
274
19.25 72.5
121,25
87
1244 Punkte 1135 Punkte, diese Veranstaltung fuhr
145,75 115,25
141,75
288 185,25 .92,6 >07,5 1-2,75 IU9.25 208,5
302.25
berg bis Halbzeit zwei Tore vorlegen konnte. Trotzdem Gießen alle Kräfte aufbot, konnte 00.75
166,51 22.00
111,94
59,IM 2,56
112,27 80,76 67,56 "W
a.M.
Schafe in 9100 (9900) und Schweine in 84 500 (90 300) Stück aufgetrieben.
Der Großviehmarkt verlief im allgemeinen recht schleppend. Lediglich Dullen waren etwas gefragter. Die Preise konnten sich nur knapp, bei Kühen nicht bchaupten. Kälber schwächten sich in den Dotierungen gleichfalls überwiegend um Klei- nigkeiten ab. Prima Kälber waren jedoch wieder recht knapp. Die Preise für Schafe verschoben sich nicht wesentlich. Schweine hatten verlang- samten Handel bei Preisnachlässen von durchweg 1—3 Pf. Schwere, prima fette Tiere waren gesucht und wurden über Dotiz bezahlt.
Dachstehende Preise i“ e(ö
16.475
167,83
21.92
111,50
58.80
2,54
111,83
80,46 67,28
12.385
72.90
Olm Sonntag fanb in Gambach der Rückkampf im Gerätewetturnen zwischen dem dritten und sechsten Dezirt des 9. Kreises statt. Der Dorkampf, der im Frühjahr in Wieseck stattfand ergab den 3. Bezirk mit 79 Punkten Vorsprung als Sieger. Der Wettkampf vom Sonntag brachte abermals, jedoch mit 109 Punkten Vorsprung. den 3. Bezirk als Sieger. Am Samstagabend sand eine Werbeveranstaltung statt. Ein abwechslungsreiches Programm, ausgefuhrt von den sechs besten Turnern beider Bezirke, sowie der Freien Tumerschaft Gambach und Du ch fand ungeteilten Beifall. Hervorzuheben war iv;er schon das Barrenturnen des 3. Bezirkes. Der am Sonntag ausgetragene Wett- folgendes Resultat:
3. Bezirk 6. Bezirk 404 Punkte 378 Punkte 413 Punkte 368 Punkte
Französische 'Jiotcn Holländische Noten...» Italienische Noten ..... Norwegische Noten . . . .
Demsch-Oefterr. i 100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten Schweiler Noten ..... Spanische Noten - Tschechoslowakische Stofen . - Ungarische Noten
'»eld 4,176 58,13
111.58 20.295
Brie' T196 58,37 112.02 20.375
OO Münchholzhausen, 28. Oktober. Die Quellschürfungsarbeiten für eine Wasserleitung in der hiesigen Gemarkung sind nunmehr beendet. Zunächst ist nur die obere Quelle im „Zehnersborn" aufgeschlossen und gefaßt worden. Die nach der Fassung vorgenommene Messung hat eine Wassermenge von rund 50 Kubikmeter je Tag ergeben. Von sachverständiger Seite wird es für notwendig gehalten, auch die untere Quelle zu fasten, um den Wasserbedarf für die Gmeinde in jedem Falle sicherzustellen. Die bisher vorgenommenen Schürfungsarbeiten erforderten einen Kostenaufwand von über 9000 Mark.
z Groß-Rechtenbach, 28. Oktober. In der Umlegungsfache der hiesigen Gemeinde fand dieser Tage die Vergebung der Herstellung der Gräben, Durchlässe, Wegeplanierunaen und Chaussierungsarbeiten statt. Der vom Kulturamt zu Wetz- (ar ausgestellte Kostenanschlag schloß mit einem Gesamtbeträge von 48 000 Mark ab. Es wurden jedoch zunächst nur Arbeiten im Werte von etwa 30 000 Mark vergeben. Die Verdingung der rest- lichen Arbeiten soll im Herbst nächsten Jahres erfolgen. Die in diesem Herbst und Winter zur Aus- führung kommenden Arbeiten wurden dem Wenigst- fordernden, Bauunternehmer Zöller (Dornholzhausen), zu seinem Angebot von 12 v. H. unter dem Kostenanschlag übertragen. Wenn man bedenkt, daß das Höchstgebot 24 v.H. über dem Kostenanschlag betrug, zwischen ihm und dem niedrigsten also eine Spanne von rund 11000 Mark liegt, so kann man hier von einer besonderen Submissionsblüte sprechen. Im ganzen waren auf die Ausschreibung der Arbeiten 14 Angebote eingegangen.
Kreis Biedenkopf.
T Waldgirmes, 28. Oft. Frau Schmidt Witwe aus Münchholzhausen, deren Mann von hier war. ließ hier neun Grundstücke zur Versteigerung bringen. Da unsere Gemarkung sich in der Zusammenlegung befindet, ist wenig Verlangen nach Land vorhanden. #ur 36 46 Ar wurden nur 1420 Mk. erzielt. Man nimmt an, daß die Versteigerung keine Genehmigung findet.
Dillkreis.
$ Offenbach, 28. Oktober. Wie vor einiger Zeit gemeldet, wurde der 46jährige Schuhmacher Sälzer von hier am 16. September auf der Land- , straße bei Bischoffen tot auf gefunden Nachdem man ursprünglich Ung 1 ückssa 11 festgestellt hatte, beantragten die Angehörigen des Verstorbenen Obduktion der Leiche, da man annahm, S. könne einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Die Untersuchung der Leiche hat jetzt stattgefunden, so daß man bald eine Klärung der Angelegenheit erwarten darf.
Maingau.
WSR. Frankfurt a. M., 28. Oft. 3n der vergangenen Woche wurde der Generalbebauungsplan der Stadt Frankfurt am Main dem Oberbürgermeister vorgesuhrt. Der Generalbebauungsplan sieht eine Scheidung von Wohn- und Industriegebiet vor. Das Haupte industriegebiet wird sich am Osthasen befinden. Umfangreiche Siedlungen sind vor altern un Riddatal, sowie in der Gegend von Griesheim, ferner bei Schwanheim und Oberrad vorgesehen. Der Sachsenhäuser Berg östlich des Hainerwegs sott unbebaut bleiben. — Der lange gesuchte Mansardeneinbrecher, der in den letzten Wochen die Stadt unsicher machte, ist von der Kriminalpolizei in dem Augenblick f c st g e n o m- men worden, als er von einem neuen Einbruch kam und die gestohlenen Sachen an den Mann zu bringen versuchte. Es handelt sich um den 57jährigen Emil Ladach, der der Polizei und dem Gericht fein Hnbcfanntet ist. Ladach betrieb sein dunkles Gewerbe mit einer bodenlosen Frechheit. Von BausteNen besorgte er sich jeweils eine Maurerklammer und brach damit am hellen Tage die Mansardentüren auf. Die Bestohlenen waren meistens Hausangestellte die der Verlust ihrer Habe besonders empfindlich traf.
Spiel ab.
Geräte-Wetturnen.
Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse.
Sie Eint« den Papieren angefüErten Ziffern geben die Höhe der «uietzi be,chi°ffenen Dividende an. - «ei»sban!di«k°n, 7 Prozent. Lombardzinsinb S ProzmE
Berlin, 29. Oktober
Ämerllanildjt 9totea . . , t^laHdx Noten . . . .
Dänische Notes .....
Englische Notes .....
Rinder
Kälber
Schake Schweine
17-51
40-92
28-67
59-83
20-50
40-78
—
50-75
16-54
45-72
45-63
68-82
20-56
58-86
40-50
64-84
25-55
50-90
36-53
62-76
24-58
60-89
30-65
70-85
20-54
50-86
—
62-80
20-56
50-85
—
60-79
24-55
50-110
40-55
62-79
22-58
55-76
30-48
65-80
15-52
32-88
19-62
60-81
15-50
40-87
25-50
62-75
18-53
—
45-52
—
42-56
55-79
—
73-83
20-54
«H — OS
—
61-85
18-53
28-84
36-57
50-76
20-55
50-110
32-54
60-81
25-57
45-78
30-60
65-83
18-55
35-75
28-54
60-80
16-57
44-75
42-45
64-80
19-57
60-82
—
60-79
15-53
30-80
20-57
63-75
17-56
58-78
—
57-83
20-54
60-80
40-60
72-85
Frankfurt a. M
Berlin
Schiub-l
1-Uhr-
Schutz-!
Ansang
Kurs |
Kur»
Kur»
Kur»
Datum
29 10.
30. 10
29 10.
30 10.
6% Dt. «elchsanlethe o »S27
87.25
—
87,5
—
Dl. am.-äbldl.-®d>ult> mtl QuL- tol^Rechlen
ftrtfll. ohne «llKo^Rechre . . -
7% Qtantl. Hyp.-Bt OoIbDI. tot»
50,8
14,7
14,8
50,9
14,8
60,5
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kündbar bi« 1932 -
4H% RdrtnilLe Hvo-Bcwk 8toU-<
90
75,9
(Solvvs.
C.C.® abg. «ortriegö»Obligattori., rürdabwar 1933 - -
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—
1% Öeftenddrt|d>e Goldrte.. . -
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2,8
4% Oesterreich ein heilt. Rte. . .
—
—
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4% Ungarische Goldne. - - - 4% Ungarische StaatSr. v. 1910
—
—
4H% Oeifll von 1913 ■ - -
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26
2
—
4% kürt. fioUanleüje v. 1911 . .
4% Türkische Bagdadbahn-Anl., Serie 1
—
13
12,75
12,8
12,5
13
12,5
12,6
—
12,6
12,75
*% Rumänen emroert Rte. . . Rumänen fflolbonL von 1913
10,25
—
—
—
24,3
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$rau6furt a. M
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Anfang
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Kur»
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Datum:
29 10. |
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29. 10.
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Bergmmm..... 9
Elektt. Lieferungen..... io
Licht und «raft .....10
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Ges. f. Elektt. Untern.. ... 10
182,25 |
183.5
182.6
184
208
238
149
270,25
208.5
239
270.5
208
172.5
238,5
148,5
269,25
209,5
173,5
150,75
Hamb. Elektt. Werke .... 10
—•
—
146,5
146,75
Rhein. Elektt. .......9
Schles. Elektt. . ...... 10
Schuckert ....... 8
210,9
158,76
214.25
t5«,75 2-24.75 411,5
226
215
(Atomen! 4 Halök« . « • • • 12
393
397
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144.5
396,5
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144,5
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163
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162,9
—
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Deutsche Erdöl.......6
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125,6
138
—
120
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138
131,25
Ilse Bergbau.........
Klöcknerwerke ........ 7
242
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—
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