"'n bti^erte lebt bele%> Sen kAvare A°n n 3oge?>e, «is Deutfi 1 Der yN Mm &rSurf^S‘ 6lW «I»i>h A*1 Weift .*» iS d* *■ ^te^cbÖ\\, Xütung i !? Maaren *• VL^ notiert nru; ab- )is 22 ZS fi56" 23,75 MH Äie IN Ml a’ÄJ^Ä ns, Sv/ K8 »wdte 2,1 ^N: lachtviehmarkt. ft« unb Saugkälber 64 - iis 63; Schweine: sto inb Lebendgewicht 77 fe ne von etwa 240 bis 300 5 bis 79, noRfl 66)öt\xve Pfund LebevbM^ 16 e von etwa M bis 200 bis 79, fleischige Schweine funb 2tbtnbgtn)id}t 63 bis 1 — Marktoerlauf: s Geschäft, nahezu y- :tib, Uebe^laxvb. Nwe: taufl HAf Austrieb: 1493 ff5'»«bi- lontnge vollst ober ous- h e: lungere, vollst, hoch. MM 28; Färsen (Minnen achrichien. 6,0r«f3eppelm'. (HL Vrahlmelbung.) Zum la“ übet Jteugort ist daß bas cuftfchifs unter bem on Cong Islanb fern- reo Stabffrif überflog, hier- oberen Stobt zu, um bann ibcn. las Cuftfchifs bol im lerfers einen wunder- ch bet Ueberfllegung W In juW °« 1M5 *' « 3nfet Cong 3M am • Annahme bestätigt, baß » ballen roirb. Suez nach öer aerooo Borb be» W ««. i» w *5 n nnb für ble non bet amen ete Hilfe herzNG beödnfk !ftin J „ k 1 u n fl' ahiuNL- B Dftol)r Ä 1> 58,#5 ül.fl Ul,Hi s iS 12,4^ ß 8 J).»5 S1Z uX 72,8’ 163,« 28,60 (11,9* 59,Iß 2,565 118.« 30, <8 ol.iÖ »i ch^Lus ds__.- ri rang 8nV-J- wu 111,91 111,K Ä 21,B 2V,368 4>? 16,Ui PU,»» 61,5? 1F U.W» tf.l" ts 13,17 Ä Ä !ß « 1,168 58,395 111." U2.03 Wc 10,56? 21.99J 2V,5,3 I.W10 1.Ä o> *ä S “s ls osent ___ --TZÄ (61,16 ■ 21, L ' 111,» • 58.78 ■ 2,5« 111,» ' s. ».* Nr. 256 erstes Mail 178. Jahrgang Dienstag, 50. ©ftober 1928 Laaah»» oen Snjeigei für bie lagtsnnmmer bis zu« Nachmittag vorher. Preis fflr [ mm höh« für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt hillman«, sämtlich in Gießen. Ersch.tnl rag UL, «der Ä Sonntags and Friertags JH6MBK7 IgV ö mGletzener Anzeiger infolge höherer Gewalt. ZZW General-Anzeiger für Gberhefsen Vostfchecttomv: RM groiffert-mmatniirae. Dm#nt Bert««: vrSHI'Iche Untoerfitats-Bii^ nnö Sttinörnderd B. tätige ht «letzen. SchrifÜewm, und «ef^äftsjfene: rqul»e«tz« 7. „Graf Zeppelin" auf der Heimreise über dem Atlantik. Mer Herren folgen dem Metten Flug, dein unser großes, schönes Luftschiff .Gras Zeppelin" nunmehr in der Richtung Lakehurst — Friedrichshafen zurücklegt. Es scheint, alS ob er dieSma-l günstigere Wetterbedingungen angetroffen hat und den kürzeren nördlichen Kurs eingefch^agen hat. Wenn alles gut geht, kann er Mittwochabend oder Don- nerSt<^früh die heimatliche Halle am Bodensee wieder beziehen, um sich für neue Taten zu rüsten. Mle Deutschen hoffen inbrünstig, daß diese erste Fahrt in westöstlicher Richtung ohne einen Zwischenfall veriäust wie die erste nach Amerika. Wenn wir daS schöne Schiff bei der glücklichen Ankunft in Deutschland begrüben, dann erfüllt uns als Deutsche doppelte Genugtuung. Wir sind stolz darauf, daß sich deutsche Technik und deutsche Wissenschaft abermals so glänzend bewahrt haben und die Bewunderung der ganzen Welt erringen. Wenn sich hier und da Reid und Mißgunst hineinmischen, so soll daS unsere Freude nicht stören. Darüber hinaus aber empfinden wir ganz besondere Freude darüber, daß wir nicht wie vor vier Jahren den „Gras Zeppelin" den Amerikanern als Eigentum überlassen muhten, sondern daß wir ihn in unserem festen Besitz haben und behalten. Hoffentlich wird er noch oft die deutsche Handelsflagge in allen Gegenden der Welt zeigen und so werben für den deutschen Ramen. Ein besseres Mittel, unsere Stellung als Ration unter den Völkern der Erde zu stützen und zu stärken, als die Fahrten des „Graf Zeppelin'^ vermag man sich wirklich nicht vorzustellen. Schon hieraus geht hervor, dah es s i che rlich kein Luxus ist den sich das deutsche Volk mit dem Bau dieses Luftschiffes geleistet hat. sondern dah das Unter- nehmen einen sehr realen Hintergrund hat. Wir wissen noch nicht, ob und wie sich die Pläne Dr. Eckeners verwirklichen werden, die darauf abzielen, eine ganze Anzahl neuer Lufb- schrsfe zu bauen, die den Verkehr mit Amerika und anderen Teilen der Welt in regelmäßigen Fahrten aufnehmen sollen. Gr hat ja mit interessierten Männern der FinanzwÄt drüben eifrige Besprechungen gepflogen, und wir wollen wünschen, daß seine Pläne bald in die Tat umgesetzt werden können. Gew ist, am liebsten würden wir es sehen, wenn das deutsche Volk auseigener Kraft imstande wäre, die gewaltigen Mittel aufzubringen, die erforderlich sind, um eine solche Flotte von Handelsluftschiffen zu bauen. Aber dazu sind wir nun einmal leider nicht in der Lage, und wir müssen uns damit begnügen, daß uns das Ausland mit Kapital hilfreich zur Seite steht. Mindestens darf man sagen, dah sich die deutsche Luftschiffahrt bereits jetzt das volle Vertrauen der ganzen übrigen Welt erworben hat, und darauf können Dr. Eckener und seine Mitarbeiter fußen. We>nn je ein gesunder Optimismus angebracht ist. daun trifft es hier zu. Es ist durchaus kein Hirngespinst und kein leeres Phantasiegebilde, wenn man sich ausmalt, dah in wenigen Zähren Zeppeline, noch gewaltiger als das jüngste Produkt der Friedrichshafener Werst, das Lüstmeer nach allen Richtungen durcheilen und den Verkehr über Entfernungen vermitteln. die noch vor kurzem als kaum überwindbar erschienen. Man braucht nur daran zu denken, was für ebne Entwicklung das Flugwesen hinter sich hat. um daran zu beurteilen, was für eine Rolle im künftigen Döllerverlchr die Zeppellne spielen können und werden. Aber sie allein sind dann mit dem deutschen Volk und dem Ramen des Mannes verbunden, den das jetzt auf seinem zweite>n Fluge den Luftozean zwischen Amerika und Deutschland kreuzende Schiff trägt. Oer Start in Lakehurst. Glatte Startmanöver. Lakehurst, 29. Oft. (WTB.) Der Start des „Graf Zeppelin" zu seiner Heimreise ging ebenso schnell und lercht vonstatten, wie die Landung, die vor 14 Tagen erfolgte. Die Hilfsmannschaft, aus über 300 Matrosen bestehend und durch die Manöver mit der „Los Angeles" trainiert, marschierte zu den ihr angewiesenen Posten^ hielt den Luitriesen fest, und auf das Kommando des Offiziers wurde das große Luftschiff, das über seine garue Länge erzitterte, von den Seeleuten im Marsch- schritt aus der L u f t s ch i f f h a l le gezogen. So wurde auch die Gefahr vermieden, dah das Luftschiff seine silbernen Flanken an den Pfosten der Luftschiffhalle zerrih. Das Luftschiff glich einem riesigenschwarzen Ginget ü m, dessen Rücken von dem Lichtbild des Mondscheins silbern erglänzte. Das Luftschiff drehte sich darauf nordwärts und bewegte lich vorsichtig unter der Führung der Matrosen einer kleinen Bodensenkung zu, weit genug von der Luftschiffhalle entfernt, so dah nicht mehr die Gefahr bestand, dah es vom Winde gegen die Stahlpfosten getrieben werden konnte. Diese Arbeit benötigte weniger als zehn Minuten. Als die Mannschaften, die den „Graf Zeppelin" auS der Luftschiffhalle geholt hatten, die Seile losliehen, und das Rattern der fünf großen Mofore die nächtliche ©tüte unterbrach, schoh das Luftschiff aufwärts, dem Mond entgegen und beschrieb einen großen Kreis um die Flugstation, die seit seiner Airkunft von Deutschlarrd sein Heim war. Darm nahm daS Luftschiff nordöstlichen Kurs, dem Ozean entgegen. Oer erste Tag der Rückfahrt. Die amerikanische Küste hinter sich. Nacht über dem Meer. Reuyork, 30.OM. (MTV. Juntfprnd).) Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das, wie schon gemeldet, am INontagftüh 1.58 Uhr Reuyorker Zeit in Lakehurst gestartet war, und 3.16 Uhr nachts (9.16 MEZ.) Reuyork überflogen hatte, wurde am 5.50 Uhr von der Küstenwache von Gay head mit Kurs auf Jalmoulf) (Cape Cob) gesichtet. Die Fahrstrecke entlang der Ostküste wurde sehr rasch zurllck- gclegf. „Gras Zeppelin" verlieh das Festland bereits um 6.05 Uhr amerikanischer Zeit Inder Rühe von Chatham (Massachusets) in nordöstlicher Richtung und nahm Kurs auf das offene Meer. Mit groher Geschwindigkeit wurde Rantucket Sund, etwa zwischen der Mitte des Leuchtturms Great Point und Monotony Leuchtturm an der Spitze des Cape Cod überflogen. Die Leuchtturmwärter und eine Jägergruppe, die das Luftschiff beobachteten, schätzten die Geschwindigkeit auf achtzig Meilen, die höhe auf 1600 Fuh. Der letzte Mensch auf dieser Seite des Ozeans, der das Luftschifs sah, war der Wärter aus dem Leuchtturm von Ranlucket, Larsen, der, wie et berichtet, den „Graf Zeppelin" erst aus den Augen verlor, als bereits mehrere Meilen zwischen dem Luftfchiss und der Insel lagen. Da» erste Schiff, das den „Gras Zeppelin" über dem Meere gesichtet hat, war der amerikanische Schifssdampser „Dld- geon" nm 7.15 Uhr amerikanischer Zeil 75 Meilen nordöstlich Chatham. Um 10.15 Uhr wurde das Schiss von dem Dampfer „Caconia“ etwa 90 Meilen südwestlich Cape Sabel (Reuschottlaud) gesichtet. Radiotelegramme, die von Borb des Luftschiffes nach der Funkstation von Portland (Maine) gegen 10 Uhr übermittelt wurden, berichteten, dah an Borb de» Luftschiffe» alles wohl sei. Die Motoren arbeiteten ausgezeichnet, das Wetter sei wundervoll. Der hapagdampfer „Deutschland" ist mit dem „Graf Zeppelin" um ein Uhr nachmittags Greenwicher Zeit in drahtlose Verbindung gekommen. Ct konnte das Luftschiff jedoch nicht sehen. Wegen schlechter atmosphärischer Verbindungen war eine Positionsangabe nicht zu erreichen. Die erste Strecke. Reuyotk, 30.Oft. (WTB. Funkspruch.) Cs wird hier angenommen, dah der „Gras Zeppelin" um 6 Uhr früh MCZ. etwa ein viertel der Gesamtstrecke Lakehurst—Friedrichshafen zurückgelegt hat. Die Fahrtgeschwindigkeit in der Rähe der Reufundlandinseln wird auf zeitweilig 160 Kilometer geschäht, wobei man den starken Rückenwind in Rechnung stellt, doch wird aus den Position»- und Kursmeldungen geschlossen, dah der „Gras Zeppelin" in mehrere Sturmböen geriet. Offenbar ist das Luftschiff in der Rähe von Reusundland. Oie Passagiere des „Gras Zeppelin". N e u g o r f, 29 Oktober. (WB.) Don den 63 Personen an Bord des „Gras Zeppelin" sind 25 Passagiere, darunter drei amerikanische Marineoffiziere. Herr von Wiegand befindet sich nicht unter den Miisahrenden. Auch Lady Drum- m o n b fehlte, da sie angeblich an einer Filmdar- fteUung des letzten Zeppelinfiugs beteiligt ist. Auf der Passagierliste befand sich dafür William UH» mann, ein Sohn de» Teilhabers des Herrn Joseph Jes sei, der selbst kurz vor der Abfahrt noch einen Unfall hatte. Jesi'el war mit seinen Familienangehörigen im Automobil zu dem 16 Kilometer entfernten L a k e w o o d gefahren, um zuAbend zu speisen. Auf der Tpäten, schnellen Rückfahrt über dunkle, schmale Zufahrtstrahen zur Flugstation stürzte das Automobil in einer Kurve um, wobei die Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Jesfel selbst erhielt Risse und Abschürfungen im Gesicht, wurde schien» nigst in Lakewood notdürftig verbunden und mit Jod eingepinselt und traf in Lakehurst gerade oor bem Abflug des Luftschiffes ein. Seine schwerer verletzte Mutter drängte ihren Sohn, trotz des Unfalls, sich die Mitfahrt nicht zu versagen. Die Passagiere des Zeppelins waren zwar bereits gestern abend davon unterrichtet worben, baß der Zeppelin in den nächsten Tagen starten würde und hielten sich in der Nähe des Luftschiffes auf. Die Benachrichiiguna war jedoch so plötzlich erfolgt, daß die Passagiere nicht rechtzeitig zu Abend essen konnten. Da sie zu spät in Lakehurst eintrafen, waren sie darauf angewiesen, in der Kantine der großen Halle sich mit warmen Würstchen und Limonade zu begnügen. Das Luftschiff hat diesmal als M a s c o t ein chinesisches Pala st Hündchen mit, das von der Eesevsck)aft gestiftet wurde, die das Benzol für den Zeppelin geliefert hat. Ein blinder Passagier an Bord. Der .Lokalanzeiaer" meldet von Bord be» „Graf Zeppelin": Um 6 Uhr morgen» wurde ein blinder Passagier an Bord entdeckt. Ein 17jähriger blonder amerikanischer Junge, der bei einem Rechtsanwalt arbeitet. Wir haben um 6.30 Uhr das Feuerschiff Pollock passiert. Jetzt ist es trotz herrlichem Sonnenaufgang über dem Ozean sehr falt Der blinde Passagier Clarence Terhune, der nach seiner Vaterstadt den Spitznamen S t. L o u i s sührt, erklärte, in der vergangenen Woche geheimnisvoll zu feinen Freunden, er werde bald weggehen. Die Freunde glaubten, er meine Kalifornien. Er muß jetzt Geschirr waschen. — Nach feiner Entdeckung erhielt er zuerst etwas zu essen, da er völlig ausgehungert war. Er ist übrigens kein Neuling auf dem Gebiet des Umsonstfah» rens da er bereits als blinder Passagier die Jungfernfahrt des größten amerikanischen Motorschiffes „California" mltgemacht hat. Oie Ladung des Luftschiffs. Lakehurst, 29. Ott. (WB.) Außer einigen Daumwollballen nahm der „Graf Zeppelin" drei weitere Frachtstücke an Bord, bestehend aus zwei Reiseschreibmaschinen für die Freund Company in München, eine K i st e gravierter Kupferplatten, die vom Marinebureau von Amerika einer Versicherungsgesellschaft zuAestellt werden, und ferner eine Kiste mit weiden st off, der nach dem Beginn des Amerikafluges des „Graf Zeppelin" gewebt wurde und das Luftschiff in seinem Fluge über Reuyork zeigt Das Gepäck der Passagiere war auf je 44 Pfund beschränkt Die Post di« 32 Postsäcke füllte, hat ein Gesamtgewicht von 1531 Pfund. Sin letztes Interview mit Eckener. Zukunftspläne — Der vorautzftchtlicheKurs. Reuyork, 29. Ott. (T. 11.) In einer Unterredung mtt dem Reuyorker Vertreter des „Acht älh v Abendblatt es" äußerte Dr. Eckener u. a., daß die Zeppelinfahrt bereits den RachweiS geliefert habe, daß das Luftschiff in keiner Hinsicht verbesserungsbedürftig sei. Eine größere Geschwindigkeit könne mit den vorhandenen Motoren nicht erreicht werden und sei auch nickt beabsichtigt, da der „®raf Zeppelin" künftig a l s Schulschiff zur Ausbildung weiterer Zeppelinmannschalten Verwendung finden soll. 3m übrigen ist 6ei den späteren Fahrten des Zeppelin mehr an die Beförderung von Post als an Passagiere gedacht. Ein Dienst, der sich nach Ansicht Dr. Eckeners durchaus gewinnbringend gestalten muß. Es habe nicht in der Absicht Dr. Eckeners gelegen, bei seinen Verhandlungen mit amerikanischen Finanzkreisen bereits zu endgültigen Ergebnissen zu gelangen, das sei eine Frage der Zeit und der kommenden Entwicklung. Rach dieser Demonstration eines Amerikafluges würden die amtlichen deutschen Stellen höchstwahrscheinlich Subventionsvorschläge zu machen haben und er hoffe, selbst bald in Berlin Gelegenheit zu haben, zu hören, welcher Art diese Vorschläge sind. Auf die Frage nach dem Kurse des Rückfluges erklärte Dr. Eckener, daß eine U e 6 erflieg u n g Berlins ungewiß sei und davon abhänge, wo das Luftschiff Europa an- steuert. Wenn es über England oder dem Kanal ankommt, würde die Route natürlich über Berlin gehen. Falls jedoch ein südlicher Kurs ein geschlagen wird, würde es üben Mittel- und Südfrankreich via Va- s e l direkt nach Friedrichshafen gehen. Letzte Mfchiedsgrüße. Washington, 29. Oft. (WB.) Der deutsche Botschafter, Dr. von Prittwitz und Gaff- ron, sandte, sobald er die Rachricht vom Abflug des „Gras Zeppelin" erfahren Hatto, folgenden Funkspruch an Dr. Eckener: ^Empfangen Sie, sehr verehrter Herw Dr. Eckener, beim Verlassen des amerikanischen Ffttlandes nochma5s den Ausdruck meiner Bewunderung und meines Dankes für das hier im deutschen Interesse Gelei st ete. Ich wünsche Ihnen, Ihrem Schiff und allen Mitreisenden glückliche Heimfahrt. Gez. P r i 11 to i tz." Der Llnterstaatssekretär im Marine- amt, Warner, richtete folgenden Funkspruch an Dr. Eckener: „Bedauere lebhaft, daß es mir unmöglich ist, Lakehurst vor dem Abflug zu erreichen. Wünsche Ihnen gute Fahrt b i s Friedri chshafew Mir sind dankbar dafür, dah drei Marineoff:ziere Gelegenheit zur Teilnahme an der Fahrt haben und sehen mit Freude Ihrer nächsten Amerikafahrt entgegen. Persönliche Grüße an alle an Bord." DieWetterlage Überbein Wanlik Günstige Aussichten für eine schnelle Rückreise. Hamburg, 29. Oft. (WTB.) Das Seeflugreferat der Deutschen Seewarte gibt über die Wetterlage auf dem Rordallantifchen Ozean heute nachmittag folgende Liebers ich t: Die Wetterlage auf dem Atlanttschen Ozean weist am Rachmittag nur geringe Aenderungen gegen den Vormittag auf. Roch immer zieht sich eine Rinne tiefen Luftdruckes von Labrador osttwrdostwärts in Richtung auf die Farör und das europäische Rordmeer. Das heute morgen an der Ostküste von Labrador gelegene Tiefdruckgebiet zieht langsam ostwärts, wäh- reno das Tiefdruckgebiet nordwestlich von Irland bei wenig veränderter Lage sich noch vertieft hat. Sein Kern weist Barometerstände von nur 735 Millimeter auf. Vom Labradortief greift ein Ausländer über den Lorenzgolf und über Reuschvttland hinweg, während vom zweiten Tiefdruckgebiet mehrere Ausläufer über 45 Grad nördlicher Breite hinweg südwärts reichen. Südlich der Tiefdruckrinne zieht sich am heurigen Nachmittag vom Innern des amerikanischen Festlandes ein Hochdruckgürtel ostwärts bis nach der Iberischen Halbinsel. Seine Achse liegt etwas längs des 40. Breitegrades. 2m Bereiche des Ausläufers der nördlichen Tief- druckri77ne wird das Luftschiff kräftige, zwischen Südwest und Rvrdwest schwankende Strömungen anftefsen, deren Geschwindigkeit streckenweise 50 Stundenkilometer betragen wird. Dabei wird wieder im Bereiche des Tiefausläusers vielfach schlechtes Flugwetter anzutrefsen sein. Aus niedrigen Wolken wird Regen vielfach in Form von Schauern fallen. Im Bereich eines auf ungefähr 35 Grad Westlänge gelegenen Tiefausläusers wird strichweise auch Hagel auf treten. Sollte das Luftschiff jedoch einen Kurs über den Mittelatlantik einschlagen, so wird es in der Rähe des 40. Breitegrades größtenteils schwache Winde und vielfach heiteres Wetter antreffen. Aus dem Gebiete der Azoren auf dem Raume zwischen dem 35. und 43. Grad nördlicher Breite und 45. und 55. Grad westlicher Gänge werden sogar leichte östliche Winde am heutigen Nachmittag gemeldet. Setzt das Luftschiff feinen Kurs dagegen weite r nördlich an, so daß es mxh unter den Einfluß des zweiten atlantischen Tiefdruckgebiets kommt, so werden Regenfälle aus niedrigen Wolken ungünstiges Flugwett er, eine kräftige westliche Strömung aber rasches Dor - wärtskommen nach Osten bedingen. Im allgemeinen stellen die nördlich von 43 Grad Nordbreite stehenden westlichen Winde eine verhältnismäßig rasche Rückreise in Aussicht. Oie Lage in Samoa. Das Fiasko der ncusecländischen Mandats- Verwaltung. Gens, 29. Olt. (WTB.) Die Mandatskommis ion des Völkerbundes hat von den zuge oge- nen neuseeländischen Deriretnrn, darunter von dem früheren Verwalter von West-Samoa, General Richardson. Auskünfte über de jejige Lage in diesem Mandatsgebiet verlangt, um sich Gewißheit zu verschas en über getoi se Nachrichten. die von einem Weiterbe stehen von Mißstimmungen bei einem Teil d.w Eingeborenen berichteten. Nach den Auskünften Richardsons besteht in West Samoa noch e n Geheimbund, der mit de n ausgewiesenen Anstifter der Unruhen, dem Mischlingskaustmann Nelson, in Verbind ng sie-t. ftfte älnzuf.ied n- heit unter den (Singe jor;nm werde von die e n durch die Verbreitung falscher Nachrichten auf- rechlerhalten. Nach weiteren Auskünfien des neuseeländischen Olerlommi sars in London, Sir James P a r r, habe sich die Lage im letzten Halbjahr gebessert, man dürfe jedoch keinen unmi t.'lcaren Er'olg erwarten. Die Ordnu'g werde aufrechterhalten, aber die Verwaltung stoße auf passiven Widerstand, inSbe onde e durch die Verweigerung der Steuern. Neu-Seeland werde, toi? er im Namen f.iner Regierung hinzufügte, äußerste Geduld anwenden, bevor es zu Zwangsmaßnahmen schreiten werde. Das tschechische Nationalfest und die Deutschen. Ltürmijche Kundgebungen imPragcrLenat. Prag, 29. Oft. (WTB.) Im Namen der deutschen Opppfttionsparle'.en, deren Vertreter sick gestern in Reichenberg versammelt hatten, erklärte Senator Hartl heute im Senat: „Die Deutschen haben durchaus keinen Gmind, sich an den Iubiläumsfeierlichleiien der Tschechoslowakei zu beteiligen, denn diese Tage erinnern sie nur an das in den abgelaufenen 10 Jahren an den Deutschen verübte Unrecht. Sie gedenken in tiefer Trauer der Opfer, die während dieser Zeit gefallen sind, und sind fest entschlofsen, f ü r d i e endgültige nationale Freiheit und Selbständigkeit der Deutschen zu kämpfen." Der Redner wurde vom Vorsitzenden wiederholt unterbrochen. Die tschechoslowakischen Senatoren protestierten stürmisch gegen die Ausführungen des deuffchen Senators und brachten Hochrufe auf die Republik aus. Senator Proshek wandte sich nachdrücklich gegen d e Ausführungen des Senators Hartl unb sagte, den Deutschen fei während der zehn Jahre kein Unrecht widerfahren. Er wünsche nur, daß allen Minderheiten anderswo so viel Recht zuteil werde, wie dem deuffchen Volke in der tschecho- slowakischen Republik. Wahren- Proshek sprach, gingen die Kundgebungen für die Republik weiter, bis anhaltender Lärm entstand. Der Vorsitzende muhte ununterbrochen mit der Glocke zur Ruhe mahnen. Oie Strafrechtsreform. Rauschgifte. — Sicherungsverwahrung. Berlin. 30. Oft. (V. D. Z.) Der Straftechts- ausschuh des Reichstages setzte seine Arbeiten beim Paragraph 58 des Strafgesetzentwurfes fort, der die Unterbringung in einem Arbeitshause oder in einer Erziehungsanstalt, sowie die Behandlung von kranken Verbrechern in Heil- und Entziehungsanstalten behandelt. Der Ausschuß hörte dazu mehrere Vertreter des Reichsgesundheitsamtes über die Regelung der Einfuhr und Abgabe von Rauschgiften. Oberregierungsrot Hesse (Reichsgesundheits- amt) bemerkt dazu: Gegenüber der Vorkriegszeit ist die Zahl der Morphinisten und der mit anderen narkotischen Mitteln Vergifteten sehr erheblich gestiegen. Rach der Heilanstaltsstatistik hat sich ergeben, daß in den Jahren 1923 24 die Zahl der in den Heilanstalten behandelten Kranken dieser Art bei Männern um 200 o. H., bei Frauen um 150 v. H. zugenommen hat. Es sind gestorben infolge von Morphinismus und anderen narkotischen Vergiftungen 1923: 32; 1924: 18 und 1925: 39 Personen. Direktor Kerp bezifferte die Einfuhr Deutschlands an solchen Giften auf 2400 Kilogramm, die Ausfuhr auf 9520 Kiwgramm. Wenn man den Weltbedarf auf 40 000 Kilogramm beziffere, betrage die deutsche Ausfuhr höchstens ein Viertel des Weltbedarfs. Gegenüber der Anregung, die deutsche Produktion auf den Jnland- bedarf zu beschränken, wies der Redner darauf hin, daß nur Deutschland, England, die Schweiz, Frankreich und Japan Produktionsländer seien. Die legale Verwendung sei gesichert. Geheimer Regierungsrat Rost bemerkt ergänzend, das) der schädliche Einfluß zunächst ein persönlicher ist, sich im körperlichen, seelischen und moralischen Verfall der Persönlichkeit äußert und unter Umständen einen schweren Einfluß auf den Zerfall der Familie ausübt. Während aber der Morphinist noch lange arbeitsfähig öleiben kann und allein seinem Laster frönt, versucht der Kokainist, auch andere zu verführen. Der Koiainist kommt mit dem Strafgesetzbuch öfter in Konflikt. Das einzige Heilmittel gegen diese Gifte ist die Entziehung mit Entwöhnung und langdauernder psychischer Rachbehandlung. Sie ist ohne Schädigung des Patienten, z. D. bei Kokain, ohne weiteres möglich. Dem Reichsrat ist eine Rovelle zum Opium- Gesetz corgelegt worden, um u. a. bestimmte Rauschgifte, wie Eucodal, Paramorsan usw. auch in das Opiumgesetz aufzunehmen. Ferner sollen die Suchtgifte, wie z. D. Kokain, nicht mehr in die Hand der Patienten gelangen dürfen, es sollen die Aerzte keinen dieser Stoffe in Substanz mehr verschreiben und Opium oder Morphium mangels augenblicklicher Möglichkeit, die Entziehung einzuleiten, nur dann verschreiben, wenn der Arzt darüber Buch führt. Mit den anderen Opiaden einen Süchtigen zu versorgen, wird in Zukunft nicht mehr auf legalem Wege möglich sein. In der Weiterberatung bemerkt Abg. Dr. H a n e - mann (Dn.), daß ein Verbot der Ausfuhr unserer tüchtigen Jnbustri' doch nur dann einen Erfolg verspreche, wenn andere Länder, wie England, Frankreich und die Schweiz den Weltbedars ganz bestritten. Tatsächlich sei dies nicht der SWL. Deshalb verspreche er sich von der eingebrachten Entschließung nichts, die — über den Rahmen des Strafgesetzes hinaus — eine Ausfuhr deutscher Rauschgifte verbieten wolle. Abg. Frau P f ü l f (Soz.) betont den ungeheuren Einfluß, den die Rauschgifte auf die Willensbildung und deshalb auf die Kriminalität ausübten, und weist "bie Befürchtungen des Vorredners zurück. Ministerialdireltor Dr. Reichert (Wirt- schaftsministerium) meint, verbiete man die Ausfuhr, so sei fraglich, ob sich die Fabrikation bei dem geringen Jnlandverbrauch überhaupt noch lohne. Er widerrate deshalb solcher Entschließung. Es wird dann mit großer Mehrheit folgende Entschließung angenommen: „Die Reichsregierung wird ersucht, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um die Herstellung von Rauschgiften in Deutschland auf das durch die Bekämpfung von Krankheiten in Deutschland gebotene Maß zu beschränken. In der Abstimmung über den materiellen Inhalt des Paragraphen wurden alle Vorschriften gestrichen, die von der Unterbringung in einer Erziehungsanstalt handeln. Dagegen blieben die Vorschriften bestehen, welche die richterliche Anordnung der Unterbringung in einem Arbeitshaus ^handeln. z; 59 (Sicherungsverwahrung) lautet nach der Regierungsvorlagr: „Wird jemand, der sch^n rinmaf zum Tode oder zu Zuchthaus verurteilt war, nach § 78 als ein für die öffentliche Si:,erheit gefährlicher Gewohnheitsverbrecher zu Zuchthaus oder zu einer Gesängnis- strafe von mindestens einem Iahre verurteilt, so kann das Gericht daneben auf Sicherungsverwahrung erkennen, jedoch nur dann, wenn der Täter bei Begehung der neuen Tat über 21 Jahre alt ist." Rcichsjustizminister Koch-Weser bemerkte, je mehr man in der Strasandrohiv.g von Zuchthaus abseh: und kürzere Strahn festsetze, um io notwendiger werde es zu überlegen sein, wie die menschliche Gefellschaft vor solchen Verbrechern zu sichern sei, die hier in Rede ständen. Oer Bahnhofsbau in Rüsselsheim. D a r m st a d t, 29. Okt. (WTB.) In der bekannten Angelegenheit des Bahnhofs Rüsselsheim hat die Botschafterkonferenz in Paris in Abänderung früherer Entscheidungen nunmehr den Anschluß des Verladebahnhofs der Opelwerke an die Hauptgleise der Reichsbahn genehmigt. Damit erfährt der Abtransport der Opelerzeugnisse eine erfreuliche Erleichte- runa. Allerdings steht die Genehmigung der Dot- schafterkonfereuz zu der geplanten Anlage des neuen Hauptgleises Rüsselsheim—Bischofsheim leider noch aus. Erst mit dem Bau dieses Gleises dürften die großen Schwierigkeiten, die mit den engen Bahnhofsoerhältnissen in Rüsselsheim Zusammenhängen, als behoben anzusehen fein. Hoffentlich gelingt es den weiteren Verhandlungen bald, den Widerstand der Botschafterkonferenz gegen den Bau des neuen Gleises zu überwinden und damit dieses letzte Hemmnis einer freien wirtschaftlichen Fortentwicklung zu beseitigen. Räumung und Reparation. Das pariser Spiel. Die Franzosen sind wieder einmal an der Arbeit, das Reparationsproblem mit der Räumung der Rheinlande zu verquicken. Ein Blick in ihre Presse zeigt, daß sie keinen stärkeren Wunsch als den haben, uns mit dem Köder der vorzeitigen Räumung der zweiten, wenn nicht gar der dritten Zone aufs Glatteis zu locken und uns bann auf Reparations- und Räumungsbedingungen festzulegen, deren Umfang und Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft des deutschen Volkes wir uns nur schwach oorzustellen vermögen. Daß sie bei uns mit Andeutungen von einer evtl, früheren Räumung gegen entsprechende Zugeständnisse deutscherseits stets einen großen Eindruck heroorzurufen wißen, ist ihnen längst bekannt. Wir sind schon des öfteren auf Versprechungen und Hoffnungen, die sie uns gemacht haben, hereingefallen, haben uns auch zu 23 orte i ft u n g e n bereitgefunden, ohne daß man sich dann in Paris bequemte, nun seinerseits ein- gegangene Verpflichtungen einzulösen. Auch die jetzt auftauchenden Meldungen über Abmarschbefehle an Offiziere und Mannschaften des besetzten Gebietes und Räumungstermine, die vor den im Versailler Vertrag festgesetzten Terminen liegen, werden von den Franzosen nur zu dem Zweck in die Welt gesetzt, unsere Front zu unterhöhlen, unsere Regierung unsicher und unsere politischen Parteien nervös zu machen, um aus dieser Situation Vorteile zu ziehen. Nichts wäre für uns im Augenblick gefährlicher, als das von den Franzosen inszenierte Spiel mit der vorzeitigen Räumung mitzumachen. Augenblicklich steht das R e p a r a t i • onsproblem zur Debatte, das unsere vollste Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und t einerlei Belastungen durch Räumungsoersprechungen ertragen farm, deren Erfüllung ja schließlich doch nur von der Zuerkennung weitgehendster Kontrollrechte im Rheinland auch über das Jahr 1935 hinaus abhängig gemacht wird. Ist die Reparationsfrage gelöst, bann können wir uns der Räumung zuwenden. Was wir verlangen, ist bekannt, wir fordern eine umfaßende Bereinigung aller Angelegenheiten des besetzten Gebietes, zu dem wir auch das S a a r g e b i e t rechnen, wobei wir auf eine vorzeitige Räumung der zweiten Zone, die ohnehin in einem Jahr fällig wirb, keinen Wert legen. Für uns kommt nur eine allgemeine Befreiung des Rheinlandes in Frage, auf bie wir übrigens auf Grunb bes Versailler Vertrages einen berechtigten Anspruch erheben können. Hösch und Schacht Sei Stresemann in Wiesbaden. Wiesbaden. 29. Okt. (TU.) Am Sonntag- vormittag traf, von Berlin kommend auf der Durchreise nach Paris der dortige deutsche Botschafter v. Hösch in Wiesbaden ein und begab sich zu längerem Besuch des Reichs- auhenministers in das Hotel „Rose". Er reiste nachmittags gegen 6 Ahr nach Paris weiter und wird voraussichtlich noch heute. Montag, dem französischen Außen- min ist er einen Besuch ab statten. — Am Montagvvrmittag traf Reichsbankpräsident Dr. Schacht zum Besuch des Außenministers in Wiesbaden ein. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird voraussichtlich nur kurze Zeit in Wiesbaden herweilen. Kritische Lage in der nordwestdeuischen Eisenindustrie. Oie Arbeitgeber lehnen den Schiedsspruch ab. — Erneute Verhandlungen. Oie Möglichkeit der Aussperrung. Eigene Drahtrneldung bes „Gießener Anzeigers". Berlin, 29. Okt. Die Delegiertenversommlun- gen ber brei Metallarbeitergewerkschaf- t e n haben den Schiedsspruch für bie norbwest- deutsche Eiseninbustrie angenommen, währenb ber Arbeitgeberverband ben Schiebsspruch für bie Eiseninbustrie ab lernte. In ber Versammlung ber Christlichen Gewerkschaften herrschte gewisse Zufriedenheit, weshalb die Gewerkschaften ohne aufgeregte Debatten die Verbindlichkeit beantragten. Nur die Akkord- und Prämienarbeiter gaben ihrem Unwillen darüber Ausdruck, daß die Differenz zwischen dem auf dem Leistungsprinzip beruhenden Akkordverdienst und den Stundenlöhnen durch die Neuregelung zu Ungunsten der Akkorbarbeiter stark verkürzt worden sei. Der Arbeitgeberverband begründete die Ableh- nung des Schiedsspruches u. a. wie folgt: Die in letzter Stunde erfolgte Herabsetzung ber gewerkschaftlichen Lohnforderungen von 15 auf 12 Pf. konnte nur als eine taktische Maßnahme angesehen werben, da auf ber Grunblage einer 12-Pf-Forberung ebensowenig eine Einigung unter ben Parteien herbeigeführt werben konnte. Der Spruch bes Schlichters, ber bie weitest- gehenben Angebote ber Arbeitgeber sämtlich außer acht ließ, und bie 12-Pf.-Forberung der Gewerkschaften juminbeften glatt halbierte, mußte die Arbeitgeber überraschen. Durch den Schiedsspruch dürfte die finanzielle Mehrbelastung größer sein, als beim Spruch vom Dezember des Vorjahres, und in feinen Auswirkungen eine Hinauffchrau- bung des gesamten Lohnniveaus mit sich bringen. Die zwangsläufige Erhöhung ber Löhne für die qualifizierten Stundenlöhner wird auch eine Erhöhung der Akkorde über das in dem Schiedsspruch festgesetzte Ausmaß hinaus nach sich ziehen, da durch die insgesamt in Erscheinung tretenden Lohnverschiebungen der Anreiz zum Akkord vermindert wird. Die Gesamtbelastung des Schiedsspruchs dürste sowohl für die weiterverarbeitende, als auch für bie eisenschafsenbe Industrie 4 bis 5 Prozent betragen. Seit bem letzten Schiedsspruch im Dezember des Vorjahres ist die Konjunktur weiter rückläufig gewesen. Die Gestehungskosten haben sich erhöht, die Durchschnittserlöse trotz gestiegener Inland- und Auslandpreise vermindert. Die Arbeitgeber betrachten das Fe st halten bes heutigen Preisniveaus als bringenbfte Geaenwaits- aufgabe der deutschen Wirtschaftspolitik. Da sie für eine Erhöhung des deutschen Preisniveaus die Ver- antroortung zu übernehmen nicht in der Lage sind, lehnen sie den Schiedsspruch ab. Sie können auch in ber Langfristigkeit bes Schiedsspruchs unter den gegebenen wirtschaftlichen Verhältnissen keinen Ausgleich für die schweren Belastungen erblicken, die ber Spruch zur Folge haben muß. In Arbeitgeberkreisen gibt man der Meinung Ausdruck, daß es durchaus möglich sei, daß es zu einer Aussperrung komme, die allerdings auf das Gebiet des Arbeitgeberverbandes Nord- West beschränkt bleibe. Die Zahl der in diesem Gebiet von der Aussperrung ^trofsenen würde bei der Hüttenindustrie 125 000 Mann und bei der Weiterverarbeitung rund 100 000 Mann betragen. Die Entscheidung über eine Aussperrung wird jedoch erst Dienstag oder Mittwoch fallen, da am Dienstag vormittag int Reichsarbeitsministerium erneut eine Besprechung zwischen dem Arbeitgeberverband der nordwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und den Gewerkschaften über den vom Schlichter gefüllten Schiedsspruch stattfinden wird. Don Arbeitgeberseite wird erklärt, daß sie einen tariflosen Zustand nicht lasse und daß für den Fall, daß keine Veretn- barung zustande kommen sollte, die für den 31. Oktober ausgesprochene Gesamtkündi- gung in Kraft treten werde. Eine Verbindlichkeitserklärung des soeben ergangenen Schiedsspruchs hält man mit Rücksicht auf die daraus sich ergebende Mehrbelastung nicht für möglich. Man erklärte, bis zur letzten Stunde zu einer Vereinbarung bereit zu sein. Es wird nun alles davon abhängen, welches Ergebnis die am Dienstag im Berliner Reichsarbeitsministerimn stattfindenden Verhandlungen bringen werden. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß, wenn die Gewerkschaften sich hierzu bereitfinden werden, auch die demnächst spruchreif werdenden Arbeitszeitfragen bei den Berliner Verhandlungen nicht berücksichtigt werden. Saisonmäßige Zunahme der Arbeitslosigkeit. Berlin, 29. Oft (WTB.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung weist in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober der Icchreszeit entsprechend eine stärkere Steigerung auf, als in den vorangegangenen Berichtszeiten. Sie stieg von rund 577 100 auf 593 600, d. i. um 16 500, oder um 2,9 v. H. Auch diesmal ist die Steigerung nur auf die Zunahme der männlichen Hauptunter- stühungsempfänger zurückzuführen, deren ZahS um rund 19 700 oder um 6,6 v. H. gestiegen ist. Demgegenüber ist die Zahl der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger wiederum zurückgegangen, unZ) zwar um 3200 oder um 2,1 v. H. Aus aller Welt. Mordprozetz Gioth. In Frankenthal begann der Prozeß gegen den 27jährigen ledigen Elektriker Gioth, der, am 18. April d. I. im Werk Ludwigshafen der Farbenindustrie mehrere Meister und Beamte des Werkes niedergeschossen hatte. Der Borsihenbe, Landgerichtsrat Guggenmoos, zählt die Vorstrafen des Angeklagten auf, deren wesentlichste 2 Monate Gefängnis wegen schwerer Urkundenfälschung, und von 3000 Papiermark Geldstrafe wegen Aufforderung zur Abtreibung sind. Auch lommen einige Verfehlungen Gioths als Iugendlicher zur Sprache. Dann wird der Eröffnungsbeschluß verlesen. Gioth war vom 14. Iuli 1922 bis 12. April 1928 in der Farbenindustrie als Elektriker in Stellung. Nachdem er bereits 1925 Akkord- zeitstreitigkeiten mit mehreren Meistern und Kalkulatoren gehabt hatte, wurde er zur Vermeidung weiterer Reibereien in die Turbinenzentrale, später in den elektrischen ‘Betrieb zu Dr. Gröneveld versetzt, wo er den Meistern Heiß und Platz, dem Hilfsmeister Dis- que und dem Kalkulator Graf unterstellt war. Am 11. April war Gioth wegen nicht rechtmäßiger Ausführung eines Auftrages von dem Hilfsmeister Disque zur Rede gestelll. Darauf ging Gioth mit einer Eisen st ange auf den Hilfsmeister l o s und verletzte ihni am Arm erheblich. Hierauf erfolgte seine fristlose Entlassung. Bei seiner Entlassung kündigte er an, daß er sich an allen, die ihn ungerecht behandelt hätten, rächen würde. Nachdem sich Gioth am 17. April von dem Zeugen Heiß eine Selbstladepistole mit 25 Patronen gekauft hatte, schlich er sich am Tage darauf in Arbeitskleidung mit zwei Pistolen und einem geöffneten Messer in die Fabrik, überfiel zunächst im Bau 87 den Meister Schneider und den Kalkulator Lauper mit den Worten: „Ihr Schufte" und tötete Schneider durchvier Schüsse. Lauper wurde durch zwei Schüsse tödlich verletzt. Irn Dau 565 schoß er auf den ihm entgegeneilenden Disque, der schwer getroffen wurde, sich aber noch auf ihn warf. Gioth riß sich los, flüchtete nach einem anderen Dau und schoß dort auf Graf. Die Waffe versagte. Er spannte nnt und schoß mehrmals. Da Graf sich blitzschnell zu Boden fallen ließ, wurde er nicht getroffen, h ngegen der hinzueilende QReifter Heiß durch zwei Schüsse. Beim Verlosten des Baues schoß Gioth noch den Zeugen Platz ins linke Bein. Platz warf sich sokort zu Boden, so daß die weiteren Schüsse ihr Ziel verfehlten. Daraus flüchtete Gioth, erschien aber bald wieder in der Werkstatt und schoß erneut auf Heiß. Dieser erhielt einen schweren Wirbelschuh, der zu gänzlicher Lähmung und zum späteren Tode führte. Als Graf telephonisch Polizei ich« Hilfe herbeirufen wollte, kam Gioth und zielte auf den sofort flüchtenden Graf. Gioth stellte sich daraus aus der Polizeistation. Gioth ist dreier Verbrechen des Mordes und dreier Verbrechen des versuchten Mordes in Tateinheit gemäß § 211 und 43 des RStrGB. an* geklagt. " verbandstag bes Reichsverbandes der deutschen poft- und Telegraphenbeamten. Im weiteren Verlauf bes Verbanbstages bes Reichsoerbanbes ber beutfchen Poft- unb Telegraphenbeamten ergab sich zum Geschäftsbericht eine ausführliche Aussprache, in ber bie Tätigkeit bes Vorstandes im wesentlichen gebilligt würbe. Dem Vorstände wurde Entlastung erteilt. Der Schatzmeister bes Deutschen Beamtenbundes, Jenz, hatte nochmals die Stellungnahme des DBB. zur Besoldungsreform erläutert. Frick begründete bann einen Antrag des Verbanbsvorstandes, der den 23er- banbsbeitrag von 1,30 auf 1,80 Mark erhöhen will, um die sozialen Aufgaben beffer als bisher erfüllen zu können. Weiter fei bie Beitragserhöhung namentlich für Bilbungszwecke gedacht. Der Verbandstag vertagte bann bie weiteren Verhandlungen auf Dienstag, um den acht Ausschüssen Gelegenheit zu Vorberatung der mehreren hundert vorliegenden Einzelanträg'e zu geben. Am Dienstag werden die Vertreter der Behörden offiziell den Verbandstag begrüßen. Auch ist ein Vortrag von Unioerfilätsprofeßor Dr. S o rn- bar t (Berlin) über wirtschaftliche Fragen vorgesehen. Schwere Aulounsälle. In Westfalen, zwischen Lennep und Dergisch- Tom, ereignete sich ein schweres Autounglück, dem zwei Personen xum Opfer fielen. Der einem Bahnübergang rutschte das Auto tri' sechs Meter hohe Böschung hinab und stürz'e auf die Gleise. Die beiden Insassen, ein Bier- verleger aus Düsseldorf und sein Chauffeur, waren sofort tot. Da die Aufräumungsarbeiten! längere Zeit in Anspruch nahmen, erlitt ben Zugverkehr ehre mehr als halbstündige Verspätung. Bei Hannover im amerikanischen Staate Maryland überfuhr der Baltimore — Ohio-Expreß an einem Bahnübergang ein Auto, wobei sieben Personen den Tod fanden. Drei der Insassen wurden aus dem Wagen weit weggeschleudert. Zwei verfingen sich in den Trümmern: eine Mutter und ihr Kind blieben mit dem Benzinbehälter des Autos an der Lokomotive hängen und verbrannten, als bet Behälter explodierte. — In Cleveland wurden beim Zusammenstoß cin.'d Personenautos mit einem Lastauto fünf junge Leute getötet, die in früher Stunde von einem Gelage zurückkehrten. Der Führer des Personenwagens ist schwer verletzt. Erfolglose Fahndung auf ein Schmuggelauto. Da der Polizei In Iülich die Durchfahrt eines mit mehreren Zentnern geschmuggelten Kaffees beladenen Autos gemeldet war, wurden früh 6 Uhr zwei Beamte an der Roer-Brücke aufgestellt, um das Auto abzufangen. Nachdem mehrere Wagen erfolglos durchsucht worden waren, näherte sich ein Auto in auffälliger Elle. Als dieses auf der Brücke einen Karren Überholen wollte, verbarrikadierten die Beamten die Straße mit einem kleinen Kastenwagen. Der Autoführer setzte aber in voller Fahrt mit abgeblendcten Lichtern über das Hindernis hinweg, fo daß der Kas'enwagen zertrümmert wurde. Das Auto blieb unbeschädigt und enttarn unerkannt. Agathe Thoma f. In Karlsruhe ist im 80. Lebensjahre bie Schwester bes Altmeisters Hans Thoma, Agathe Thoma, bie eine treue Weggenossin unb Helferin bes großen Künstlers war, gejtorben. Sie hat sich befonbers um bas Karlsruher Hans-Thoma-Archio Verbienste erworben. Oie Wetterlage. Thorsft- Montag, 1.1928,7hat>ds. ©wofKenlos.® neuer ® naro eeaecKt ® woixiae oeoecni »Schnee & Gravpem »Neoet K 6ewitter.(Q)windstiiit. •O'X* •eichtet O$l y massige' Sodsuawpt stürmischer "ordwest Ale Pfeile flieoeo mit dem winde Pie omoen Stationen stentnden Za* len gehen die Temperatur an Pie Limen rcromdeo Qrw eit gleiche*