Nr. l?l Erstes Blatt 178. Jahrgang Montag. 30. Juli 1928 frl^efe» tÄgli^.eib« Soulag« aut Fmettag» Beilagen. Eigener ^amilicnblätta Hermal im Bild DI» Scholle «aials*B«)ngepr, dah BiSmarck dies und jeneS getan, dies und jenes unterlassen haben würde, wellte er noch unter unS. GS wird ein neues „Problem" Bismarck konstruiert, da-einerseits von dem „Treuen - Diener - seines - Herrn“ - Mythos, andererseits von den Tatsachen Dis- marckscher Politik ausgeht. ohne ihre DorauS- fe Hungen ernzubeziehen. Die das tun, kennen den wirklichen Bismarck verteufelt schlecht. Strefemann hat vor Jahren bei einer Gedenk- seter deS Altreichskanzlers den Mann richtig gekennzeichnet, der im Augenblick deS Sieges, m Rikalsdurg, gegen die Erweiterung PreuhcnS auf Kosten SachsenS, gegen den glorreichen Einzug in Wien kämpft, weil er die Derständi- gung unter den deutschen Stämmen will, — der mit feinem König ringt und sich nicht scheut zu erzählen, dah ihn nach der Auseinandersetzung ein Weinte am pf befiel, — der seinem König erklärt, der beste Monarchist fei der. der den Mut bat, der Monarchie auf falschem Wege entgegenzutreien, — dem die Vergrößerung der preußischen Macht Im Bundesrat, der Titel deS deutschen Kaisers und all daS Aeuherliche gleichgültig ist gegenüber der graften Aufgabe und den Möglichkeiten einer seherisch und zugleich angstvoll überblickten Zukunft. Dieser selbe Bismarck hat als Staatsmann gegen nichts so sehr kämpsen müssen als gegen den Dorwurs der Grundsatzlosigkeit. gegen seine Bezeichnung alS Opportunist. Gr hat Eugen Richter einmal erwidert: „Konsequenz ist für unS Staatsmänner um so leichter, je weniger politische Gedanken jemand hat. Wenn er nur einen Hai. dann ist das Konsequenz". Ober bei anderer Gelegenheit: „Ich habe die Berechtigung, meine Meinung zu ändern, denn ich gehöre zu den fit Uten, die daraus Wert legen, mit der Z ei t ekwaS zu lernen, und ich habe mich niemals gescheut, eine Meinung zu ändern, wenn die Umstände mich nötigten". Glaubt man wirklich, dah dieser klarblickende Staatsmann, bellen leiblich unb geistig gewaltiges Auge durch Menschen unb Dmge und Himer Dinge sah, 1928 bas gleiche oder auch nur e:was Analoges getan haben würbe wie 1868, 1878 ober zu itgenb einem anberen Zeitpunkt seiner Laufbahn? Das hteste ihm unterstellen, bast er noch heute Automobil unb Fernsprecher verleugnet, sich auf bie ausschließliche Benutzung seiner Kalesche ober seiner Botenläufer beschränkt haben würbe! 3eher, bet bie unendlich feinen unb imme- von der gegebenen Wirklichkeit ausgehenden Talen und Meinungen BiSmarcks zwar als bie Funktionen eines ungeheuren Form- gestallers, aber zugleich auch als ben Ausstich bes vollenbeisten Realismus erkennt, der muh diesen Bismarck 30 Jahre nach seinem Tote, tast 40 Jahre nach feinem Rücktritt, auch im Rahmen berGegebenheiten leben können, mit denen bie deutsche unb bie Weltpolitik feit dem Krieg und dem Zusammenbruch, feit der in krampfhaften Zuckungen werdenden Reuformung des Völkerzusammenlebens zu rechnen hat. MnD er wird ihn, sofern er nur ein bistchen nachschaffen de Phantasie mit der Erkenntnis der geistigen unb schöpferischen Kurve Dismarckfcher Politik per- binbet. weit eher in der Rolle etwa eines Hindenburg, dessen erhabene menschliche Gröhe doch in der gleichen Dorwelt und Gedankensphäre wurzelt, als in derjenigen eines verbohrten, nationalistischen Reaktionärs sehen, der lieber Reich und Dolk zerschellen lassen als auf gegebenen Tatsachen aufbauen und neue, letzten Endes doch weitergesteckte Entwicklungen zum Belten der Gesamtheit nützen würde. Ltrese- mann hat bei der erwähnten Gelegenheit von ihm gesagt: „Bismarck hat als bewußter Opvor- tunist im gegebenen Moment mit den gegebenen BundesgerÄlen versucht, bas für bas Da ter- lanb Beste unb am wenigsten Schädliche zu tun, unb deshalb gehört er allen Parteien und nicht einer einzigen". Fragen wir uns. wann der Degrift „Vaterland“ für ihn über Preußen hinaus zum Deutschen Reiche gewachsen ist, so zwingt sich der Analogieschluß auf, bah ein lebender Bismarck vielleicht heute schon mit seiner visionären Gestaltungskraft den Begriff der europäischen Gemeinschaft ftelisch gestaltet und mit chm in souveräner Derachtung der äußeren Form unb all bet billigen Schlagworte, bie an ihr (Sine deutsche Demarche in Paris. Diplomatische Behandlung des Auslieferungsbegehrens. - Botschafter von Hoesch am Quai d' Orsay. — Günstige Aussichten für eine Beilegung des Zweibrückener Zwischenfalls. Pari», 28. Juli. (111.) Bon pariser amtlicher Stelle wird mllgelelU: Der deutsche Botschafter o. hoesch hatte heule früh in Abwesenheit des Mufjenminlfler« Briand mit dem Generalsekrelär de« Avhenmlnister«. S e r l h e l o I, eine Aussprache über den Zweibrückener Flaggenzwischenfall und seine Folgen. Diese Unterhaltung ergab, dah aus beiden Sellen der aufrichtige Wunsch und der gute Wille besteht, die Angetegenhcll im Geiste wechselseitigen Verständnisse« zu behandeln. wie die Berliner „IHonlagspofl" zu berichten weist, sollen die pariser Besprechungen zwischen Botschafter hoesch und Unterstaatvsekretär Berthe- lok abschliestend dazu geführt haben, dah Botschafter o. hoesch an da« Auswärtige Amt habe mitteilen können, die mastgebenden politischen Stellen in pari» bedauerten da« rigorose Borgehen der Besahung«be- Hörden in der Mu«lieferung«frage. Die französische Regierung habe an da« Kommando de« belebten Gebietes, das den Antrag auf Auslieferung gestellt hatte, die Anweisung ergehen lassen, da, Äuslieserungsbegehren zurückzunehmen. — (Eine Bestätigung dieser Meldung der ,.Montag«post" war bisher nicht zu erlangen. Wie die Telegraphen Union weiter erfährt, haben die zwischen Berthelot und o. hoesch in Pari« geführten Besprechungen über den Zweibrückener Flaggenzwischensall einen durchaus harmonischen Verlauf genommen Der Zwischenfall dürfte aus Grund dieser Besprechungen al« p r a k - tisch beigelegt betrachtet werden. Mit Befriedigung kann feftgefteBt werden, dah Frankreich sich nicht lediglch auf den formaljuristisch.n Sta 'tpunh gestellt hat, sondern auch die politische Gesamtlage berücksichtigt hat. Trotz des noch glimpflichen Ausgangs dieses Zwischenfalls unb trotz der offenfun« digen Bemühungen Briands, die angestrebte Der- ftändigungspoltik nicht zu Hintertreiben, muh bei dieser Gelegenheit nochmals und nachdrücklichst auf bie unheilvollen Folgen hmgewiesen werden, die sich immer wieder aus der Tatsache der Besetzung der Rheinlande ergeben tannen. Vielleicht wird man jetzt auch am Quai d'Orsay einzusehen beginnen, dast die Aufrechterhaltung der Besetzung nicht im Ein- klang steht mit der in Locarno e i n geleiteten Politik, die in wenigen Monaten auf ein dreijähriges Jubiläum zurückblicken kann. Herriol besucht die Kölnerpressa. pari«, 28. Juli. (WIv.) Der französische U n- kerrichlsminister herrioI wird sich am 1. August zum Besuch der pressa nach Köln begeben. Er trifft dort um 21.43 Uhr ein und nimmt an einem Abendessen teil, dah Ihm zu Ehren Oberbürgermeister Dr. Mbenaucr Im pressakurm gibt. Am Bormiltag de« nächsten Tage« wird er einige wohisahrlreinrichtungen besichtigen, mittag# ein Frühstück im Hotel Excelsior geben und nachmittag« die Besichtigung der pressa beginnen. Um 20 Uhr veranstaltet der Kölner Magistrat zu seinen Ehren ein Festesten. Am 3. August begibt sich herriol dann nach Königswinler, daraus nach Wiesbaden, von wo er die Rückreise nach Frankreich antreten wird. Die radikalsozialistische.VolontK" vergle.cht die künftigen Besuche Herriots auf ber Pressa- Ausstellung in Köln unb Strefemann in Paris aus Anlab ber tinterzcichnung des Kriegs- ächtunzsvertrages. Dadurch, schreibt bas Blatt, sei erwiesen, bast bie Rheinlandvesetzung ter beul ch-franzö ifchen Freundschaft fein Hindernis bereite. Es fei begrühenswert. bast man sowohl in Berlin tote in Paris fr.c rheinische Frage als eine Angelegenheit betrachte, die nur durch Derban dl ungen zu lösen sei, nicht aber als cin Mittel zur Aufhetzung ber belben Rachbar- völler gegeneinander Man verstehe tovhl, bast H e r r i o t ber rheinischen Bevölkerung lieber fei alS ein anberer französischer Minister, abgetefren von Briand. Herriol verbante man die große Entspannung von 1924, bie Milderung beS Re?a- rations streite«. die Schäftung von sympathischen Beziehungen zwischen Frankreich unb Deutschland. Man kenne jenseits des Rheins den Mut, den Herrivt auf bringen muhte, um eine Politik zu beginnen, bie heute fo bedeutsame Fruchte gebracht habe. Deglückwünschen wir uns dazu, so schreibt bas Blatt, bah ber Quai d'Orsay unb bie Wilhelmstrahe bie Rheinlandfrage leidenschaftslos unb mit politischer Objektivität werben erörtern können. Aber bestehen wir barauf, bast sie es ohne Aufschub erörtern. pariser Zriedensschalmeien. Hcrriot und Painleve über bie Aufgabe Frankreichs im Dienste beb Friedens. Paris, 30. 3uIL Prof. Dehounek, waren über Erwarten frisch und schienen chch bereits verhältnismästig gut erholt zu haben, tim 11,50 tihr setzte sich die Automobilreche in Bewegung. Robile haften, feinem Daterlandsgesühl unter Rutzung dieser neuen Möglichkeiten Geftung zu schäften gewustt hätte. Das Erz einer wahrhaft grohen Gestalt erstarrt niemals in endgültiger Form, sondern bleibt stets schmelzbereit in der Glut seines grohen Gedankens, um neue Formen anzunehmen. Abwendung der Streikgesahr im Saargebiet Saarbrücken, 29. Juli. (WB) Die Streif» gefahr im saarländischen Bergbau ist nunmehr ab- gewendet. Durch bie 3 e r m 1111 u n g der Regierungskommission ichlug die Berg» Verwaltung vor. vorläufig keine Erhöhung der Löhne eintreten zu lasten, da dies die jetzige Lage des Kohlenmarktes nicht zulasse. Sie ist jedoch auf der anderen Seite bereit, Vorschläge, welche die Organisationsoertreter eventuell zu unterbreiten wünschen und welche keine wesentliche Erhöhung der Lohnausgaben mit sich bringen würden. zu prüfen. Die Beraoerwoltunq erklärte sich bereit, wieder mit den Organisationen über die Lohnjragc im Geiste Des btiberjeitigen Entgegenkommen» zu verhandeln, wenn die wirtschaftliche Sage ber Bergoerwaltung eine tatsächliche Verbesserung aufweifen wird. Die Bcraverwaltunc, brachte weiter zum Ausdruck, sie wültzchc. ebenso wie im Jahre 1927, die durch Zusammenwirken aller Beteiligten erlangte äeiftungs- erhöhung anzuertennen und axrrbe demzuiolge. wenn bie jetzige Leistung bis dahin aufrechterhalten bleibt, am Ende des Jahres den Arbeitern dieselbe auherordentliche Zulage wie im letzten Dezember verteilen. Die Regierungskommission be« schlaft mit Rücksicht auf den durch die heutigen Feierschichten entftanDenen Lohnausfall, den Bergarbeitern ausnahmsweise eine einmalige Beihilfe von hundert Franken zu zahlen. Die beteiligten BergarbeiterorganHationcn haben nach eingehender Prüfung der Gesomtlage dem Ergebnis der Verhandlungen zugestimmt. Bela Kun wirb abgeschoben, von Wien überLwinemünde nach Leningrad Dien, 28.3uIL lTti.) D» ..Stunde“ berichtet: „Die Abschiebung des ungarischen Korn* munistenführers Bela Kun ist gestern nacht vollzogen worden tim 8 tihr abends wurde Be^a Kun gestern vom Dekan g«nenhauS des Landcs- gerichts in das GefängncS der Poftzeidireftisn auf der Gsisadech-PrvmeTtade in einem geschlossenen Auto übergeführt. Don dort wurde a un* milteibar vor Abgang de« Zuges um 9.45 tihr ebenfalls in geschloffenem Wagen zum Westbahn- hol gebrach!. Don zwei Kriminalbeamten be- gleitet. dulchichrftt Bela Kun im Eilschritt Die Dorhalle des WestbahnhosS und stteg in ein Abteil zweiter Klaffe ein. Die Wiener Polizet- Dtreftion und Die reich«deutschen Behörden befürchten Ztoftchensälle. Aus diesem Grunde blieb Die Rachricht von Der 2Tbreife Dela Kun« unbekannt. Der Abtransport erfolgte nach StDinemünbe, von wo Bela Kun heuleabcnd an Bord des Sowjet da mpferS „Herzen" d.e Fahrt nach Leningrad antceten soll. — Dela Kun war bekanntlich zu einer Arreststrafe von drei Monaten verurteilt worden, von denen zwei Monate als durch Die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurde. Die einmonatige Haft toar gestern abgelaufen. Da daS Gericht auch feire Aus to eifung aus Oefterreich verfügt ha.te. so wurde et von der W.e.rer Polizei noch gestern abertd mü dem vom Ostbahn Hof abgehenden Schnellzug nach Cun Den bürg trans- port.ert und Dort tschechoslowakischen Polizer- beamten übergeben, die ihn heute früh in Oderberg Den deutschen Behörden aus^iefetten. Der Transport Bc.'a Kuns ist ohne jeden Zwischenfall vor sich gegangen. «M „(S it und nm nächsten lagt den Sender » flleid) sie jchon nm er ft en Tage scch mik 8em ttalienifchen Gesandten im ersten Wagen. Da» Publikum verhielt sich außerordent- sich ruhig und färrett. Die Weiterreise. Kopenhagem 29. 3aIL (WTB.) Um ein zu großes Aussehen zu verhindern, traf General Roblle mit feinen Gerührten zur Ab-ahri bereit» um 9.30 Uhr auf dem Hauptbahnhof ein. 3n seiner Begleitung befand sich u. a. der italienische Gesandte. Auf dem Bahnsteig hatte sich die etwa 100 Mitglieder zählende italienische 3t &* 1 n n i e versammelt, die QZobile Blumen über- reichtc> und ihn auf saszistische Weife begrüßte. Alle- ging in größter Stille vor sich. Robile und seine Gefährten sowie der italienische Gesandte bestiegen dann den reservierten Schlafwagen, der auf da» Abfahrtgleis gefahren wurde, wo er bi» zur Abreise um 11.30 älhr stehen blieb. Zur Zeit der Abfahrt waren etwa 1000 Personen auf dem Bahnsteig versammelt. Blumen wurden durch Abteilfenster gereicht, an denen Robile und die übrigen ExpeoitionÄmit- alieder sich zeigten. Al» der Zug sich m Bewegung setzte, brachte die Menge Hochrufe auf Labile aus. Professor Behounek und seine Schwester begleiten die Italiener bi» Leipzig, von wo aas sie die Steife nach Prag sortsehen. AobileS Fahri durch Deutschland. Schwerin, 30. 3uIL (WTB. Funkspruch.) General Robile und die italienischen Mitglieder seiner Expedition kommen heute mit der in diesem Jahre neu eingerichteten Linie Skandinavien— Italien durch Deutschland. Die Italiener fahren mit einem skandinavischen Wagen der Internationalen Schlafwagengesellschaft. Ihr Zug passierte heute morgen 8.53 Uhr mit 10 Minuten Verspätung Schwerin. Hier stiegen mit der frübftüdbringenben Bedienung zwei Berliner Journalisten in den Wagen des Generals. Don den ExpeditionSmitgliedern läßt sich niemand außer der Bedienung sehen. Sämtliche gen* ft er de» Wagen» sind geschlossen und die Dorhänge herabgezogen. Der Wagen Robiles wird an die O-Züge angehängt und kommt im Lause de» heutigen Taaes durch folgende Städte: Stendal 10.47 11 pr, Magdeburg 11.41 Uhr. Halle 13.02 bis 13,14 Uhr. Dürnberg 19.08 bi» 19.18 Uhr, München 22.26 bi« 23.10 Uhr. Der Zug erreicht morgen früh 2.12 Uhr Innsbruck, 9.05 Deron a rnb ist morgen abend 23.10 Uhr in Dom. Oie Ursachen der „Italia"-Katastrophe. Eine Nnlcrrednnst mit Professor Behonnek. Kopenhagen. 29. Juli «TU.) Am Sonntag halte der '.Vertreter der Xe hm ton in der hiesigen tschechoslowakischen Gesandtschaft Ge- legenHert zu einer längeren Unterredung mit Professor Behounek, dem tschechischen Teilnehmer der Robile-Ezkpeditton. Behormek erflärte, daß die allgemein verbreitete Meinung, Malm- g ree n habe Dobkle vor dem letzten Aufstieg zum Pttlarflna gewarnt, seine» Wissens irrig sei. Wenige Stunden vor dem Start habe Malmgreen in der Luftschiffhalle gesagt, die Witterungsaussichten seien weder besser noch schlechter »fonimiRoriot für die Ablösung her Reichsanlrihcn ölten Besitzes hat der Staats Das Arbeiisschuhgesetz. Sntschließvnp.en des ReichSwirischastörafS. Berlin. 28. 3ult (DDZ.) Der sozialpolitische Ausschuß des vorläufigen ReichSwirtfchatts- rates hat seine Beratungen über das Arbeits- schuhge'etz, die etwa eineinhalb Jahre in Anspruch genommen haben, abgeschlossen. Rach dem Entwurf ist die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren verboten und die Arbeit von Jugendlichen bi» zum 18. Lebensjahre unter einschränkende Dorlchriften gestellt. Da die Dauer der Schulpflicht in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich geregelt ist und infolgedessen Kinder schon vor dem 14. Lebensjahre au» der Schule entlassen werden, aber nicht in ein Arbeitsverhältnis genommen werden Konen, wird in einer Entschließung eine einheitliche Regelung sowohl im Interesse der Jugend al» auch der Eltern al» notwendig bezeichnet Bezüglich der Schwarzarbeit wurde mit geringer Mehrheit eine Entschließ u.ng angenommen, die sich für ein gesetzliches De r bo t der Schwarzarbeit einsetzt. Schluß mit dem Hölz-Rummel Mißbrauch der Amnestie. Berlin, 30. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Amnestien sind dazu da. um unter gewisse Vorgänge einen Schlußstrich zu ziehen und sie der Vergessenheit auszuliefern. Auch die letzte Reichsamnestie war von diesem Gedanken getragen. Obwohl die Kommunisten an dem Zustandekommen des entsprechenden Gesetzes mlt- georbeitet haben, wollen sie heute von einem Vergessen nichts mehr wissen. Sie reichen zur Zeit den aus dem Zuchthaus entlassenen Mar Hölz im ganzen Reich herum, der bald hier, bald dort auftaucht, stets von Roten Frontkämpfern feierlich empfangen wird und natürlich beinahe jeden Abend in Versammlungen sprechen mutz. Rach Abschluß feiner Rundreise durch Deutschland soll er auch den Moskauern einen Besuch abstatten. Vorher jedoch ist geplant, ihn noch einmal durch das mitteldeutsche Kampfgebiet zu führen, damit er hier feine Anhänger auf den Jahren 1920 und 1021 um sich versammeln und für eine neuerliche Erregung der Dolksmassen sorgen kann. Wir sind der Ansicht, daß die Sicherheitsbehörden jetzt endlich einmal dem Hölz-Rummel ein Ende bereiten sollten. Die Amnestie war schließlich nicht dazu Da, Max Hölz den Weg zu einer nochmaligen Aufwiegelung bei Kommunisten Mitteldeutschlands und anderer Teile des Reiches zu ebnen. Läßt man ihm weiterhin freie Hand, dann werden wir sehr bald al» Folge feiner Agitation Erscheinungen zu verzeichnen haben, die wieder kommunistische Märtyrer schaffen. Jrankenffabiliflerung und Lebensmittelpreise. Pari», 29. Juli. (LU.) Rach der StabUifte- nmg des französischen Franken macht sich entgegen den Voraussagen der Regierung e i n starkes Anziehen gewisser LebenS- mittelpreise bemerkbar. Die» .trifft besonders für Butter und Zucker zu. So stellten sich die Preise für Rohzucker an der Pariser Handelsbörse, die für die Großpreise richtunggebend ist, im Juli 1927 auf 250 Franken. Am 18. Juli 1928 auf 289 und am 25. Juli 1928 auf 315 Franken. Die unerklärliche Häufle veranlaßte das Handelsministerium zu einer allerdings nicht offenen Intervention, die einen Rückgang von 1,50 Franken für 100 Kilogramm hervorrief. Man führt die Zuckerhauffe zum Teil auf eine Angleichung der französischen Preise an die Weltmarktpreise zurück, während für das starke Anziehen der Dutterpreise in der gegenwärtigen Zeit jede Erklärung fehlt. Aus aller Welt. Ei« schone- Beispiel. Die Holzmindener Presse aller Parteien veröffentlicht einen vom Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold. Stahlhelm-Bund der Frontsoldaten. Jung- deutschen Orden, von den Vereinigten Militär- veveinen und dem Magistrat der Stadt sowie der Stadtverordnetenversammlung von Holzminden unterzeichneten Aufruf zu r Errichtung eines Wahrzeichen s zu Ehren derRepäsentanten der deutschenRepublik, unserer beiden Reichspräsidenten. Dieses Wahrzeichen soll ein Sinnbild der Einigung aller Volksgenossen zu einer großen Volksaemeinschaft fein. Gs wird die Form eines Torhause» haben, da» in feinem unteren Stockwerk der Holzmindener Jugend geweiht ist und in den oberen Stockwerken zwei Wohnungen für Kriegsbeschädigte oder Krieger- Hinterbliebene enthalten wird. Die Deldsamm- lungen für dieses sollen in etwa zwei Wochen begrünen. „Gras Zeppelin" und „Co» Mngde»“. Die Leistungen de» LZ. 127 „Graf Zeppe - l I n“ werden die seines Vorläufer» LZ. 126, .Los Angele»" RZ. 3, in jeder Hinsicht u v e r t r e f - f e n. Trotz der durch den größeren Gasinhalt der Tragkörper (105 000 Kubikmeter gegen 70 000 Kubikmeter) bedingten stärkeren Tragkraft ermöglichen btt leistungsfähigeren Motoren Smal 530 statt 5mnl 400 P. 5.) eine vermehrte G e - schwindigkeit, nämlich 128 Kilometer (LZ 126: 125 Kilometer) bei größter Geschwindigkeit und 117 bei normaler Dauerlcistung. Während die „Loo Lngele»" z. v über 8000 Kilometer Weg 8000 Kilogramm Nutzlast befördern kann, ist bei dem neuen Luftschiff bei der gleichen Geschwindigkeit von 100 bi» 110 Kilometer auf einer «trecke von 10 000 Kilometer eine Nutzladung von 15 000 Kilo- gramm möglich. Schon daraus geht hervor, daß aud) die Wirtschaftlichkeit de» Luftschiffes wächst. In der Länge übertrifft „Graf Zeppelin* mit 236 Meter „Los Anaetes" um 36 Meter und erreicht damit die Länge des Aoydsdampfer» „Co* lumbu»**, der an Breite mit 30,5 Meter sogar um einige Meter übertroffen wird 3n der Form unter- Icheidet sich LZ. 127 von LZ. 126 dadurch, daß das l.'fitgenannte Luftschiff hn öucrschmtt nur 24 Ecken zeigt, well es unten abgeflacht ist, wahrend das - !? i neue Luftschiff im Querschnitt ein regelmäßige» 2-5-Eck bilbet. Die Besatzung wird bei dem größeren Schift um vier Mann auf 30 Mann erhöht. Rückflug bc» Jlicgcrhauptmann» Wirth oom Jungfrjujod). Zürich. 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) Wie erst jetzt bekannt w.rd. ist Hauptmann Wirch, dem e5, wie gemeldet wurde, gelang, auf dem Iungfraujochfirn zu landen, am Mitt- woch. 25. b. TL. mit feinem Klemm - Daimler- Flugzeug. das mit einem ® kitt ulen geflefl auS- gcftaltet ist. vom Iungsraufirn glatt und wohl- chalten gestern auf dem Flugplatz n ßaufanne gelandet. Es ist das erstemal. daß «g einem Flieger gelungen ist. aufeiner Landung»- strecke von nur 18 Meter Länge. und. ohne seine Maschine zu beschädigen, gu lanbcn und wieder abzufliegen. Lin neuer Kölner Ehrendoktor. Die philosophische Fakultät der Unioerfität Köln hat Dr. jur. Albert Ahn- Köln, ten Vorsitzenden de» Verein» Rheinischer ZeltungSver- Icger und der Arbeitsgemeinschaft der Rhrinftchen Presse, welcher zualeich als Vorsitzender des Verwaltunasrates Der Versorgungsanftalt der Reichsarbcilsgemeinfchaft der Deut'chen Pres'e und al» Mitglied deS Vorstandes de» Verein» Deutfcher Zeitungsverleger in Berlin über die Rheinvrodinz hinaus die Bedeutung der Drei c und ihre soziale Sicherung förderte, auf Grund feiner Verdienste um die Entwicklung des deutschen Zeitungswesens in besonderer Würdigung seiner Arbeit für den Ausbau brr internationalen Presfeausstelkung die Würde eine» Dr. phil. h. c. verliehen. Ma» Unvorsichtigkeit in den Tod. In der vergangenen Rocht kam der Sttfeim- lehrling Günther Warsow auf schreckliche Art ums Leben. Aus der F^hrt im Kletnbahnzuge zwischen Horst und Greifenberg in Pommern) lehnte er sich zu weit au» dem Fenster de» Abteils und schlug plötzlich gegen den Pfeiler einer Bahnüberführung. ®r brach mit zerschmettertem Schädel und gebrochenem Rückgrat zusammen und starb kurz nach feiner Einlieferung in» Krankenhaus. Schwere» BranbunglM in Lodz. In Lodz kam e» in der nördlichen Stadt zn einer schweren Explosion eines Benzin- und Chemikalienlagers, die in der ganzen Stadt hörbar war und in den nähergelegenen Stadtvierteln eine Panik heroorrief, weil sich das Gerücht verbreitete, daß ein M u - nitionslager in di« Luft geflogen fei. Kurz nach der Explosion standen vier Häuser in Flammen, die sich unter weiteren Explosionen rasch ausbreiteten. Die Hausbewohner konnten nur mit Mühe flüchten und fast nicht» retten. Die Löscharbeiten gestatteten sich außerordenllick» schwierig, weil die Feuerwehr nicht an den eigentlichen Brandherd gelangen konnte und sehr bald Wassermangel etntrat. (Erft in den Morgenstunden wurde die Feuerwehr de» Brande» flerr. Bei ban Löscharbeiten wurden 27 Personen teils durch Balkeneinstürze, teil» durch Verbriihunaen schwer verletzt. Durch den starken Luftdruck wuroen sämtliche Fensterscheiben in der Umgebung eingedrückt. 42 Grad Im Schatte«. Am Freitag wurde in dem Pyrenäen-Badeort Pau mit 42 Grad im Schatten nicht nur der heißeste Tag in diesem Jahre, sondern innerhalb der letzten 22 Jahve verzeichnet. In Xarbe» erreichte da» Thermometer in der Sorrnc 52 Grad. Die gestörte Rachtruhe der Pariser. Der Polizeipräfekt von Paris hctt z u r W a h- ru ng der Rächt ruhe der Bewohner von Paris eine Verfügung erlassen, oerzu- folge die Automobile von 1 Uhr nachts bl» 5 Ühr morgens die Fahrgeschwindigkeit so her- abseyen müssen, bah die Anwendung der Signalhupen unnötig wird. Oie Weiierlage. ewtrnitioww O w MWtn. e » Schnee a (irwpem • X ftewrnr x» ekMcr Oll )10r*Oflangen ranken sich um die weihen Latten. Gleich dahinter Hegt ein vtaudendeet. das ununterbrochen bllcht. , . Dw Deae sind mit silbernem Kies bestreut und so schart beättim. doh man glaubt, der Machbar neftmc zum Ad stechen eai Lmeal. Ob es daher kommt, dah er einst in Beruf« mit 3ir!e: und Aeihbrett umamat 34 wrift es nch! 3cdenfalls ist der Blick in kneten Garten em Genuss Dur das Grscht des Bell Hers paht eigentlich mch: hinein: denn selten sah ich ihn froh zwischen k nen Blumen. Ommer dieselbe arres- grdnntk Miene, als ob er beMnbtg nach Schädlingen uchen müh:e. Ich glaube sogar, das ist eine Lerdenlchafl von ihm. Bald streift er Blatt- läute von den Rosen ab. bald kauert er am CBobai und lieft die kleinen Schnecken aus den Aster», dann sucht er Aüuvchen, und die Blumen, die welken, zieht er vorsichtig aus der Erde und zertritt den teilen Engerling, der die Wurzeln abtrah. So steht man ihn morgen«, mittag» und abends Schade, doh der Mann so wenig Freude zeigt, oder wohnt diese nur imoendlos Gg »Hrb wohl schon so sein, sonst wachte er nicht mit dieser Sorgfalt und Liebe über den Blumen. Meine ®t oft mut et. die in ihrem Dauerngarten stets die schönsten Blumen im ganzen Dorfe hatte, sagte uns Kindern: „TDer Blumen lieb bat, der hat ein gutes Herz." Und das halte s t e auch Sie zog die Blumen auch nicht *ür sich allein. O nein! Wenn ein Zelt gefeiert werden sollte, eine Hochzeit oder eine Kindtau se, bann kam die ganze Verwandtschaft in auf« und absteigender Linie und plünderte den Garten. Auch wir Kinder durften uns schon einmal ein Strüuhchen Pftücken. ..Dafür sind ja die Blumen dal" Bei meinem Nachbar bin ich nicht ganz sicher, ob et diese Meinung teilt; denn nicht einmal sah ich ihn eine vollerblühte Blume abschneiden, die et vielleicht verschenken wollte Selten lieft er einen Gast in sein Borgärtchen. Dass et aber die Blumen nur für sich haben will, das beweist mir ein keines Erlebnis der letzten Tage. Aus der Strafte spielten einige Kinder, lange 3eit Aber aus einmal schienen sie sich entzweit zu haben, denn ein kleines Mädchen wollt» nwftt «ehr mitspteLen uqb stellte sich abseits, ‘jfdlb kam es über die Strafte und blieb hier an dem Gartenzaun meines Nachbars stehen. Lange schaute es nach den Blumen Dann ging es näher heran, roch an den Tiefen, und feine Augen wurden immer grösser und begehrlicher. 3d) sah ihm den Wunsch an. eine sülche Hofe zu besitzen Aengstlich, als ob es etwas Böses täte, streichele es eine voll erblühte weifte Ä fetter* roße Dann versuchte das Kind, die Hofe ab- zupskstcken Aber bet 6hei war zu bart. Es ging nicht. Die Hot macht erfinderisch. 3ch sah, tote es sich auf bet Strafte umschaute und etwas suchte. Nun kam es tnSeher und hotte einen stachen, scharfen Sie in. Bald hielt es bte Hofe in der Hand Mit welch glücklichen Augen betrachtete es fernen Schatz! Wie es die Blume streichelte. den Dust etnfog! Oin unendliches Glück leuchtete in dem Gericht des Kindes. Ich freute mich mit ihm und war deshalb auch ebenso erschrocken tote es, als plötzlich die knarrende Stimme des Nachbars erscholl. Gr war von fernem NachmittagSspazieraang zurück- gekehrt. hatte den D.ebstahl beinern und fupt das Kind hort an: »Du schlechte- Dina, ich will dir helfen, mir meine schönsten Hosen abzu- pstücken!* Sr rtft der Kleinen die Blume aus der Hand und ging laut schimpfend nach feiner Wobnung. Ganz zusammen geduckt schlich sch doS Kind weg Sicher standen Tränen in feinen ^Ser Blumen lieb hat, der hat ein gutes H«zN Ich mutz doch einmal mit meinem Nachbar reben. llnd wenn er die Hofe — wie ich annehme — unbeachtet irgendwohin gelegt halt, dann habe ich vielleicht einigen Grfvlg. P. Heimurlauber. Urlaub und möglichst weite Heften sind heute für viele eine fast unzertrennliche Ideen Verbindung geworden. Urlaub oder Ferien ohne Heise kommt den meisten wie ein entgangener Vorschuss auf die Seligkeit vor Als ob nur in der Ferne das Glück der Grholung blühte! Als ob nur anderSwo landschaftliche Heize zur (Sn!* fdLtung kämen, und die Sonne nicht da wie dort die gleiche belebende Därme spendete! Dem Deutlchen sitzt von jeher, wie den Zugvögeln, der Wandertrieb, eine Sehnsucht nach anderen Ländern als narrender Schalk im Haden, Biele kennen halb Guropa, aber an den Schön Herten in ihr« nächsten Umgebung, sind sie bisher vor- übeigegangen, wie wenn sie überhaupt keine Ahnung von ihrem Ttorbanbcnfetn gehabt hätten. Nun müften sie oft aus der Hot ernt Tugend machen und den Urlaub m der Heimat verbringen. Hot lehrt sie in diesem Falle sehen, tote berftn ben, entdecken DaS suchende Auge gewahrt plötzlich und mit Grstaunen allerorts dfe Uncrichöpftichkeit der Erfindung, mit der bte Das Kind vor Gericht. Don Vormundschaft«- und 3ugenbricfrtcr Kranz Gros. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Es gab einmal eine Zeit, in der einem Haushahn. der mit seinem Schnabel einem Kinde ein Auge ausgehackt hatte, förmlich der Prozess gemacht und er zum Tode verurteilt wurde. War wirklich so etwas möglich? Und wer war gröber Die Unvernunft des Tieres ober bu Bcrbobrtheu der ihn richtenden Volksmenge? Und es ist noch nicht lauge her. dass man Frauen. Mr ein Bündnis mit dem Teufel abgeschlossen haben sollten, gar al* Hefen verbrannte. Es geschah wohl zum letzten Male im Jahre 1782 in Glarus in brr Schwer Au- beiden Betspielen, die der Geschichte des Strafrechts entnommen sind, ersieht man. wie arm und bemitleidenswert ost menschliche Erkenntnis ist, denn man glaube nur nicht, daft die damaligen .Huftier — in Wirklichkeit war es saft das gesamte Dvlk — nicht von Der Nichtigkeit und der Gvttgewolliheit ihres Tuns überzeugt gewesen seien. Sie waren es genau io wie die Dolttmassen. die mit hoher Befriedigung die Hexen öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrennen sahen. Erst allmählich siegte die •rfennt- nis, daft solches Geschehen Unsinn und daft Verbrechen war. was unter dem Schutze der Obrigkeit geschehen konnte. Aber die menschliche Er- kennmts 'chreidet vorwärts Das gilt für das Strafrecht insbesondere heute hinsichtlich der Be- bandlung von Kindern vor Gericht. 3m Sturmschritt eroberte die Technik die Welt. Langsamer folgte na tu taemäb die Entwicklung starrer Hechts- grundsätze. die sich von Generation zu ®enc- ration oft unverändert forterbten. Die Gesetze der Natur, wie sie sich allmählich mcnlchlicher Forschung erschliessen, sind uretoia. Die Gesetze des seelischen Lebens sind aber vielfach noch in tiefes Dunkel gehüllt, und nur spärlich schimmert da und dort ein neues Licht in der Finsternis auf. Da ist es besonders die Seele deS Kindes, die noch der Erforschung harrt und viele sind dabei am Werke Heute wissen wir. dass ein Mensch nicht aus eigener Kraft das ist. was er ist, und oft es nicht ist aus eigener Schwäche. Er ist das Ergebnis ungezählter Generationen, die vor ihm waren, deren körperliche und seelische Eigenschaften ihm schon in die Wiege mit» gegeben tmirben. Das bekunden die biS fetzt bekannten Dercrbungsaesetze. Aber die Fähigkeiten und sittlichen Eigenschaften können und müssen gehoben und ausgebildet werden Wie das zu geschehen hat. ist Aufgabe der Erz'.ehungs- wiftenschaft, der Pädagogik, der Fach lehren und der Heligion, d. fr. frier der Stellung eines seden Menschen zu übersinnlichen Mächten. Wissen wir solches, so ist uns das Kind nicht mehr ganz so rätselhaft in seinen Handlungen wie früher. Wenn wir in freien Stunden unseren Verstand schärfen wollen, so raten wir oft Hälfet Anders ist es — keine müftige Beschäftigung — toemt wir, Berufs- oder Laienrichter, im Dienste des Hechtes HSftel raten müssen, und wenn dieses Hätfelraten mit den wichtigsten Folgen für andere verbunden ist, toerm unser elterliches und richterliches Gewissen durch Entscheidungen, die wir treffen müssen, aufs schwerste belastet wird. Das ist jedesmal dann der Fall, wenn ein Kind vor Gericht erfcheir^n muss. So. tote physikalisch gesprochen, Kälte nichts anderes ist als Mangel an Därme, so könnte als .Kind ein feder an- gesehen werden, der durch sein Alter, aber auch durch feine Handlungen mangelnde Verstandes- und Willens reife erkennen lässt. Ss ist immer bedauerlich trenn Kinder vor Gericht auf treten müllen Als Angeklagte können sie nur vom 14 Lebensjahre an vor das Jugendgericht gestellt werden Hierüber vielleicht ein andermal mehr Ader als öcugt kann jede« Kind in jedem Alter vor Gericht kommen, und an dieser Tatfache ändert die gcfenftche Vorschrift nicht», dass cm 3ugendllcher erst mit IS Jahren förmlich beeidigt werden fann. lieber den Wen oder Unwert von Kind«rau»- sagen find schon dicke Bände geschrieben worden. Es fragt sich, soll man auch schon ein Heine» Kind, wie da» schon geschehen ist. vielleicht noch auf dem Ttulterarmc ,aU Zeugen" vor Gericht bringen'' Letzt sich die Strafiustiz damit ntd^t einem ähnlichen öpott aut, so wie wir freute über den Prozess lachen, der dem oerdrecherifchen Gockel gemacht wurde, ober dem Ingrimm, wie mir Ihn freute über die alten f)t?enprowfif empfinden? Die Frage, ob Kinder al» Zeugen vor Gericht vernommen werden fännen, muh leider bejaht werden. Denn sanft stunde da» Kind schutzlos jedem Verbrecher, jedem Wüstling gegenüber, der sich etwa an ihm sittlich vergangen und es vielleicht moralisch für immer geschädigt hat. Da» Äinb wäre bann sozusagen vogelfrei, wenn e» nicht auf seine Art auch einen Verbrecher betasten könnte Aber die Aussagen von fiinbem, insbesondere in den Puder- latejahren. d. h in der Heit der werdenden Reise, und besonder» Über Vorgänge de» 6enialleben» find lUszunc bmen ho» Äinb ist leicht beeinHuftl’or, phantosievoN. e» schildert gar Vorgänge, die sich niemals ereignet haben. Die Ergebnisse der Psychologie der kindlichen Zeugen- nuefage beweisen, dass auch sogenannte Autoritäts- perionrn, Pflegeeltern Lehrer und Erzieher bewussten Lügen ausgesetzt sein können, und dass hohe ixahiflfeiten des Verstandes hysterische» Lugen nicht ausschliessen. C» kommt auch vor, dass Kinder In ihren Aussagen „orrfrärfet1* werden, d. fr., dass sie schliesslich selbst an die Wahrheit ihrer Unwahrheiten glauben. So sind Kinder uns oft ein Hätsel. Die Vernehmung jugendlicher Zeugen und 'Befcbulbiaten erfordert eine besondere Sorgfalt und ein besonderes Verständnis für bas Seelenleben der 3u- gendlichen. Unkundige richten nur Unheil an. Kindermund kann gleich einem Dolchstoss wirken. Wer mit seinem Kinde vor Gericht gehen muss, beeinflusse es niemals, frage vorher rechts auS ihm heraus und lege ihm nicht- auf die Zunge. Sonst hilft er nur dem Hechte Gewalt antun. Sr bewahre die Hechtsftndung vor Irrtümern unb schädige nicht am meisten — fein Kind selbst Auf Grund persönlicher Erfahrung darf ich noch feft ft eilen, dass die Mitwirkung von Frauen als Laienrichterinnen, b. fr. Iugendschössinnen im Jugendgericht, bei der Vernehmung junger Mädchen alS vfeuginnen oder Beschuldigte der Hechtspflege schon besonder- gute Dienste geleistet hat. Hoher auch tn der unscheinbarsten Gestaltung das Lfed des Lebens in immer neuen Variationen aufflingen läftt, das unsere schlagerbetäubten Ohren in ihrer leisen Sinnigkeit nicht mehr froren konnten Jeder Daum, jede Blume und jeder Strauch wächst bei näherem Hinsehen in eine gcheimnisumraunle Weite. Denn auch die Gernfte Sache wird gross mit dem Mass der L»ebe, das ton in sie frincinlragcn. So kommt es bann, daft sich langsam die Geringachtuna der Scholle, auf der wir wurden und sind, in heimliche Scham vor der Heimaterde wandelt. Dass wir innerlich Abbitte tun, und dass uns der Hetmurlaud zu einem Erlebnis wird. an dessen verjüngende Kraft feine noch so malerisch» Schönheit irgendwo heranreicht. Mancher mag Lustveränderung brauchen, aber bei den meisten ist völliges Ausacpann'fcin schon Medizin. Unb diese« Wunderkraut gedeiht auch in der Umgebung! Man muss nur die Wislur zu brauchen verstehen. Taten für Dienstag, 31. Juli. Lonnenausgang 4.22 Uhr, Sonnenuntergang 19bO Uhr. — Mondaufgang 19.46 Uhr, Monduntergang 2.23 Uhr 1818: der Geograph Heinrich Kieperi in Berlin geboren (gestorben 1R99); — 1843: der Schriftsteller Peter Rofeggcr tn Alol bet Krfeglach geboren (ge- ftorben 1918); — 1886: der Komponist Franz Liszt in Bayreuth gestorben (geboren 1811). Vornotizcn. — lageifalenberfürTiontag. Schützen- verein: Fusspariie tn die Schützenlaube abend» S Uhr. — Lühtspielhau», Bahnfrafttrasse: „I)a» Für- slenkind". — Astoria-Lichtspiele „An der schönen, blauen Donau" •' Offizieller Empfang ber f i e g • reichen Turner Die Sradivcrwalruna. an ihrer Spitze Oberbüvgerrne.ster Dr. Keller, wird den am Montagabend von Köln hier ein- treffenden Turner Heutet vorn Tv G-eften 1846, den Zwölfkampfsieger de« Deutschen Turnfestes. auf dem Bahnhof offiziell empfangen. ES ist angcorbnct wvrden. dass am Montag dfe städtischen Gebäude beflaggt werden, und eS ist zu erwarten, dass die Bevölkerung diesem Beispiel in ausgedehntem Masse Folge leistet. Zugleich mit Heutet werden auch die übrigen Turnsestsieger empfangen unb In festlichem Zuge nach der BollShalle geleitet werden, wo die Begrüssungsfeier statlsindct. ee Ruchlose Bubenhände haben In der Rächt vom 27. auf den 28. Juli in der Friedhofs- antage bzw. auf dem Alten Friedhof ihr schändliches Unwesen getrieben. In ber Samstognummcr wurde bereits berichtet, dass Düste und Sockel des Gustav- Heyer-Denkmals an der Mauer des Alten Friedhof» gewaltsam au» der Umrahmung entfernt und aus die Erde geworfen wurden, wobei der Sockel mehrfach beschädigt wurde. Die Büste selbst hat einige Lchürfstellen baoongetragen. Aber nicht genug mit dieser „Heldentat": Arn Samstag wurde uuf dem Alten Friedhof leibst an verschiedenen Grabdenkmälern schwere Beschädigungen sestgcstellt. So wurde am oberen öingana de» Allen Friedhof», links an der Innenseite der Umfassungsmauer ba» Grabdenkmal mit der Inschrift „Ferdinand Surf" und das Grabdenkmal der Familie Marita gewaltsam umgeworfen. — Auch auf dem oberen Nahrungsberg wurden in letzter Zeit öfter Beschädigungen der Gartene,nsriedigunaen und Dbft- und Beerendieb- stähle festgestellt. Hoffentlich gelingt e», die Täter bald zu ermitteln und der wohlverdienten Bestrafung entgegenzu führen. •• Der neu« Tennisplatz. Btefe fleissige Arbeiter ftnd feit Anfang dieses Monats mit den Vorarberfen für den neuen Tennisplatz am WaOxftngang frhrter dem Schützerrhaus beschäftigt. Es galt vorerst in diesem wüsten Gelände ge- toeftige Grvmallcn in Bewegung zu fetzen, welche, sowert sie nfefrt zur Einebnung Derwendung ge- funben haben, noch der Abfuhr harren. Mit der Klarierung wurde gleichzeitig eine umfaffenbc Tramage durch^eftrhrt und der geschaffene toeite Platz durch eine dichte Lchlackei.lchicht abgedeckt. Infolge bet fenbtnyen günstigen Witterung wurden alle Arbeiten sehr gefördert, so dass mit baldiger Vollendung der Gekamtanlage gerechnet werden kann. Es wär« sehr zu begrüben, wenn nunmehr auch Me bessernde Hack» an den Weg zu den Wakdivortvlätzen gelegt würbe. •• Derkehrsunfall. Samstag nachmittag gegen 6 Uhr wurde ein 14jahriger Radfahrer in ber Steinstratze von einem Auto angesafrren. Er erlitt eine leichte Gehirnerfchünerung und Hautabschürfungen. Die Freiwillige 6amtät»folonne vorn Roten Kreuz brachte ihn zur Ehirurgischen Klinik, von wo er nach entsprechender Behandlung endaffen werben lonnk *• Stabtl Heater Gfessen. Au» dem Stabttbeat erburrau wird un# gritfirrben 3n Geyer» .Kleiner KomSbfe" Tt*kn ent dfe Damen Hetz Koch Krahm«, und btc .'Vrm Bail., Gare.» Gehre Vfeihnann. Tormert. 3»» fprinon de Laftrv *’ Erledigte Lehrerstellen. 3m 5ircr» Hübingen sind fotgenbe Stellen erledigt Gin« Vefrrcrltdlc für einen evongefeschen Lehrer an ber BvtkSIchule zu Lridhecfen Diensttovimüng ist vve- franfvn Eme VefrtrrftcUe für einen enangeliturcüben, woselbst auch die Bedingungen bekanntaegeben werden. 6966 D Zuichlagsftist drei taac. Voller, den 2«. Juli 1928. Hessische Bürgermeisterei Lollar Schmidt. Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten AussCtttnng stilrein and preiswert die Biihrsche Uoh.-Dretiterti, R. Uagt, Bettvorlagen lillllllllUHIIillliiiihlilllilllilllliililiilliililiiiililll ■nimm Ober-Hemden mit Kragen .. Damen-Hemden mit Trägern von Hk. 3.95 an von Mk. 0.95 an größte Auswahl in allen Preislagen • Sonder-Angebot • Grobe Posten Herren-und Damen-Wäsdie beste Qualitäten tu billigsten Preisen H. Hochstätter Mäusburg Wäschebaas „Hansa“, Neustadl 19 _____________________________________ __________________0551» 05524 wolfgang 699 JD 0551t Goslar a. 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Wir bitten um recht zahkreiche Be- Verein Rudersport Gießen 1913 e.V. und Akad. Rüden abteilung. ZweckSAbholung des ersten Sieger» beim Deutschen turn reit Herrn Karl Reuter, treffen sich untere Mitglieder beute abend 7.15 Ltebigstr- Ecke Babnnosstr am früher. iVellentelier. Anzug: Dunkler Anzug, blaue Mützl- ^'D Der Veretand. T? 4r ßehcn Sie Immer, wenn Sie Ihre gift HSl Kleidungsstücke des öfteren bügeln, dämpfen und auffrisdien lassen Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nachmittag 1.40 Uhr meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Katharine Möbus geb. Schneider im Alter von 51 Jahren, in der Chir. Klinik in Gießen in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Chr. Möbus I. und Kinder. Reiskirchen, Burkhardsfelden, Gießen, Krofdorf, Göbelnrod, Wiesbaden, Mainz, den 29. Juli 1928. Die Beerdigung findet Mittwoch, 1. Aug., nachm. 3 Uhr statt" § o Bum Empfang des Liegers aus dem Deutschen Turnfest in Köln, des Tur» ners Kari Reuter vom T. B. 1846 werden die Mitglieder der ®. R.(ff. gebeten, nm Montag, dem 30. nli 2H, abdS. 7.15 llbr, Ecke -lebig-u.Babnbos- straffe (Anatomie) 'ich au versammeln. Dunkler Anzug und blaue Mütze erwünscht. Zug der (ffieffener Sportvereine vom Bahnhof zur PoikShalle. Zu Ehren des Liegers erwarten wir restloses Erscheinen der E. R. (tt. Ter Vorstand. Sonderangebot in Anzügen Solange Vorrat reicht, verkaufe ich folgende Posten als zuruckgesetzt: Knaben-Anzöge 8-jllhrige ß.- Jünglings-Anzüge 12.-, 15.-, 18.- Knaben-Anzüge llö 10.- Herren-Anzüge 20.-, 25.-, 30.- Verkauf nur gegen Barl Ml SWkk oderMechanilcr,nur vom Lande, der in her Äuiodranche tätig und im Äesch des Führerscheins ist, in Dauerstellung ge- sucht. Schristl.Äewerbungmitgenauen .Angaben über seitherige Tätigkeit und Alter unter 6935Ö an den Gießener Anzeiger erbeten. üeröorroQfnöe vecülküWöglWelk Für den Nertrieb meiner Spezialität: Billige Bestecke, sow. sämtt.Stahlw^ suche ich tüchtige Vertreter zum Besuch r>. Brio.» Kundlch.b.hoh.Proo. Angeb.unt.L.an die Aen.-Exped. Hlehard Elven, Solingen. Slenoljpislin per 15. August gesucht. Schrtstliche Angebote mit Zeug- ntSabschriiten unter 05521 an den Gtetz. Anzeiger erbeten. Butter und Käse $it AusuaAme-Veeik«» gültig bis Samstag, den 4. August Plötzlich und unerwartet verichied am Samstagnachmittag nach kurzem Krankenlager unfer lieber Sohn und Bruder Leopold im Alter von 25 Jahren. ImNamen der trauernd Hinterbliebenen: Adolf Stiebei. Aliendorf a. d. Lumda, den 30. Juli 1928. Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. Juli 1928, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhaufe aus statt. Zur Teilnahme am Empfang ded Turnersiegers versammeln wir un» beute abend 7'« Uhr Hotel Len». DaS Schienen fällt beute aus und findet morgen statt. **0 Pensioniertes Fräulein sucht beschlag- nabmefreie 2-3-Zimmer-Noling. Evtl. Bauzuschuff. Schr. Angeb. unter 05506 n. d. Gien. An». Für einzel. Herrn, der f. 2—3 Wochen n. Gleffen zur Erholg. kommt, wird in nur gutem Hause möbl. Zimmer m. Frühstück gesucht. Schr. Ang. u. 6973D an den (Miefe. Anz. • Tienotag, den 31. Juli l. I., nach- mittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", . 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Mitglieder gebeten, sich heute Abend um 610 Uhr tm BeretnSlokal Bum Schlvka- van pünktlich u. vollzählig einzufinden. Die nächste Singstunde findet am Mittwoch, 1. August, abends 8'/, Uhr, im kathol. BereinShauS [Stellenangebote) Architekten modern eingestellt, oerkaufSgewandt, zum bezirksweisen Verkauf u. Bau von Stahlhäusern gef. Schr.Angeb. U.6084V an d. Gtest. Anz. erb. Tüchtige Ginschaler Zemenleure und Arbeiter BlöiiL Simmel zu vermieten 05502 Kirchstr. 13 p. Ohtt möbliertes Woßnjinniiet an sch l. kletneSSchlai- zimmer, nut el. Zentralheizg. sofort zu vermieten [05514 «randvl. 1 111, r. | Mietgesuche Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme die uns von allen Seiten bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen zuteil geworden sind, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Besonderen Dank noch dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte am Grabe, den Beamten des hiesigen Postamts, dem Kn vallerieverein und der Schwester für die liebevolle Pflege. Frau Kath. Gerbig geb. Gundrum nebst Kindern und Angehörigen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer heben Entschlafenen, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Sattler, sowie für die liebevolle, aufopfernde Pflege des Personals der Heil- u. Pflegeanstalt, Frauen 3. in Gießen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Familie Karl Bello!. Wlopeck, den 30. Jun 192c. GIESSEN-MARKrSTR.28 WhX> ,-\o\ L Im’ ’üj -r. NI M Ht.177 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 50. Juli (928 IX. Olympische Spiele in Amsterdam. Vie Eröffnungsfeier. — Ohne die Franzosen. — Deutschlands erste Erfolge. Amsterdam, 28.3ufi. Schon am Vormittag begann der Zustrom zum Olympia-Sta- dion. mittags war bereits der ganze Dorploh völlig verstopft, so daft sofort, nachdem die Teilnehmer an der Eröffnungsfeier sich im eto- dion befanden, die Tore geschlossen wurden, um wettere Ansammlungen zu vermeiden Das schlechte Wetter vermochte nicht, die Zehntausend« fernzuhalten. Geregnet hatte e» nämlich di, ganze Nacht und fast den ganzen VormNiag hindurch, und erst, al, der Aufmarsch begann brach wenigsten, zuweilen die Sonne durch die Wolken. «kurz vor Beginn der Erossnungc-tcier traten die offiziellen (khrengäsle ein: Der Burger- mnfivr und der Polizeipräsident von Amsterdam, der Prinz Heinrich der Niederlande in Ber- tretung der Königin In der Ehrenloge sah man u. a. den deutschen Gesandten Grafen Zech, die deutschen Mitglieder de» I- D. E Vie Tore öffneten sich, und der Einmarsch der 43 Nationen begann. Griechenland al, das Land, in dem im Altertum die Olympischen Spiele stattsanden, führte den Zug an, die anderen Nationen waren nach dem holländischen Alphabet geordnet, so daß Deutschland an 1 4. Stelle folgte; das gast- qcbentx Land Holland bildete den Schluft. Die einzelnen Nationen wurden vom Publikum beifällig begrüht. Im allgemeinen herrschte Marineblau vor, die Schweiz trat in rotem Dreh an. Die deutsche Flagge wurde von Paulus.Wetzlar getragen, deutscher Schildträger war M ö s ch t e r vom Berliner R E Hellas. Vorn rechts marschierten die Delegierten, dann folgten die Leichtathleten mit der Hochschule für Leibesübungen in der Mitte, dahinter die anderen Sportarten. Ausfällig war, dah die Prominenten aller Nationen dem Aufmarsch ferngeblieben waren. So sah man beispielsweise weder Nurmi noch pelher. Noch Beendigung de» Aufmarsches postierte sich das Olympische Komitee vor der Ehrenloge, das Ehrenmitglied de» Niederländischen D. C, Dr. d c Visser, hielt eine kurze Ansprache, in der er die Olympischen Spiele prie», nachdem er auf die Anstrengungen hingewiesen hatte, die man in Holland vorwiegend aus privater Kraft gemacht hat, um einen erfolgreichen Verlauf der Spiele, soweit e» an der Organisation ließt, zu gewährleisten. Dann sprach Baron Schimmelpenninck. Prinz H e i n r i ch der Niederlande erklärte im Namen der Königin die 9. Olympischen Spiele für eröffnet. Die olympische Fahne stieg am Mast empor, Brieftauben flogen auf, Salven ertönten, auf dem Marathonturm flackerte da» heilige Feuer, Fanfaren. Holland» Mannschaft»- führer D e n i , war auf dem Podium erschienen, wo er den Olympischen Schwur sprach: „tßir schwüren, inehrlichem, ritterlichem G e i st e zu kämpfen, getreu den olympischen Ge- sehen, zur Ehre unserer Länder und zu (Ehren des Sport»!' — Wieder ertönte Musik. Dann sehte sich die Schor der Athleten in Bewegung, zog durch das Marathontor hinaus, auch die Zuschauer verliehen das Stadion. Die Franzosen machten den Einmarsch nicht mH, und zwar auf Grund folgender Vorgeschichte: Al» die französische Mannschaft am Freitag im Stadion trainieren wollte — sie hatte sich vorher die offizielle Erlaubnis dazu eingeholt — wurde ihr vorn Wächter de» Stadion» ber (Eintritt verwehrt. Es kam zu einigen unerfreulichen Szenen, in deren Verlauf ber Wächter auf den Führer der französischen Delegation, Mericamp, mit der Faust einschluo, wobei Mericamp am Auge verletzt wurde. Die Finnen befanden sich gerade im Stadion, die Deutschen schickten sich zum selben Zeitpunkt an, die Kampfstätte zu betreten. Frankreich» Delegierte wurden beim Komitee vorstellig, und Schimmelpenninck entschuldigte die Vorfälle beim französischen Generalkonsul. Der Wächter sollte entlasten werden. Als nun die französische Mannschaft zur (Eröffnungsfeier in da» Stadion ein« marschieren wollte, fand sie noch immer den Wächter vor, woraufhin die Franzosen umkehrten und am offiziellen Einmarsch nicht teilnahmen. Damit haben die Franzosen auch nicht den olympischen E i d abgelegt! Der BorfuKnbe des Niederländischen 0. 6 .‘Baton Schimmelpenninck van der Oye. führte in seiner Eröffnungsrede u. a. aus Die Ansicht, dah die geistige und körperliche Enttmck- lung des Menschen gleichen Schritt ballen muh. wenn ein harmvnttch?s Ganzes ^bildet werden soll, gewinnt täglich mehr an Boden. Bei der allgemeinen Sportausübung treten nun natürlich des onder- begabte Einzelpersonen hervor. Die Wettkämpfe, in denen diele Athleten sich messen, sind von größtem Werl als anschaulicher Beweis dessen, was bei einer richtigen Ausnutzung guter Anlagen und mittels Energie und Selbstzucht erreicht werden kann. Unter diesen Wettkämpfen nehmen die Olympischen Spiele einen hervorragenden Platz em. Die Hoffnung darf wohl ausgesprochen werden. dah die Spiele der 9. Olympiade in Heiner Weise den vorangegangenen nachstehen. Wir betrachten die llcbertragunfl der Organisation an Holland als Beweis groben Vertrauens, heilen wir uns würdig teigen wollen, und heiszen alle Athleten herzlichwillkommen. Dann bat Baron Schimmelpenninck den Prinzen, die Spiele zu eröffnen. Deutschlands erste Goldmedaille. Lieg im 6ktvid)t()cbrn. Amsterdam. 29. Juli. Am Tage der Eröffnung der 9. Olympischen Spiele in Amsterdam begannen auch die We ttkämpse tm Gewichtheben. Die Organisation ließ zu wünschen übrig, keine Ergebnisse wurden verlün- det, mühselig mußte man sich über den Stand der Dinge orientieren. Unter den Teilnehmern- traten übrigens auch die Franzosen an. Am ersten Tage wurden die Kämpfe im Federgewicht (60 Klgr.) und im Leichtgewicht (bis 67,5 Klgr,) durchgeführt. Die Wettkämpfe brachten Deutschland einen schönen Erfolg. Beichte es auch nicht zu einem unumstrittenen Sieg, so war die Leistung von Hell- big-Plauen un Leichtgewicht doch so hervorragend. dah er zusammen mit dem Oester- reicher Haas den ersten Platz belegte und beide die goldene Medaille erhalten. Beide brachten es bei gleichem Körpergewicht auf die gleiche Gewichtsleistung, auch auf die gleiche Leistung im Stotzen beidarmig, welches für den Fall eines unentschiedenen Resultats als ausschlaggebend gewertet wird, so datz zweiolhm- pische Sieger — wie es schon bei den Eisschnelläufen in ÖL Moritz vorgekommen ist — erklärt wurden. Der Sndkampf zwischen Hell- big und Haas war übrigens noch dramatisch. Die letzte Hebung, daS Stotzen beidarmig, sollte die Entscheidung bringen. Hellbig brachte 135 Kilogramm hoch, kaum war die Leistung als gültig vom Schiedsrichter abgewinkt, das Gewicht wieder auf dem Boden, als Hellbig ohnmächtig umfiel. Haas hob daS gleiche Gewicht verhältnismäßig leichter, die 2.5 Klgr. mehr schaffte er aber nicht. 3m Federgewicht holte sich mit dem 2tc- kordmann Andrifek gleichfalls ein Oester- reicher die Goldmedaille. W ö l p e r t» Deutschland verschenkte gewissermatzen den zweiten Platz, da er sich gleich zweimal 2.5 — 5 Klgr. zulegen lieft, diese aber nicht mehr hoch brachte. So kam er nur auf das gleiche Gewicht wie der 3taliencr Gabetti. und da dieser weniger wog. wurde Wölpert nur Dritter. Die Ergebnisse: Federgewicht: 1. Andri s e k - Oesterreich 287,5 Klgr.. 2. Gabetti - Italien 282,5 Klgr.. 3 Wölpert- Deutschland 282,5 Klgr. Lechtgewicht: 1. He llb ig- Deutschland und H a a S-Oesterreich 322,5 Klgr.. 3 Arnout - Frankreich 302,5 Klgr. Mittelgewicht: 1. Boger- Frankreich 355,5 Klgr., 2. (Jalimber t i - Italien 332.5 Klgr 3. Scheffer- Holland 327.5 Klgr. Roch eine (Holdmedaille für Deutschland Amsterdam. 30. Dull A!» glänzenden Ab schlaft der Schwerathletik-Konkurren ; e n brachte der Sonntagabend einen prachtvollen Sieg de» Schwergewichtler» Straft- berger - München. Straftberger erreichte im Sto- ften zusammen 272,5 Kilogramm und schlug mit dieser Ceiflung alle übrigen Teilnehmer überlegen au» dem Felde. L u h a a r - Estland folgte al» Zweiter mit insgesamt 260 Kilogramm. 3m Halbschwergewicht siegte der Aegypler o s s o i r. Beginn ber Leichtathleiikwettbewerbe. Hirschscld Tritier — Äugclftoftivcltrctorb. Amsterdam, 29. Juli. Am Sonittagnach- mittag begannen bei bedecktem Himmel, durch den nur hm und wieder ein Som,en strahl brach, die Olympischen Spiele auf der Aschenbahn, zu beten Beginn das Stadion noch grvtze Lücken auswws, die jedoch allmählich gefüllt wurden. Ohne besonderen Zeichens des Beginns wurden trie ersten Konkurrenzen gestattet. Mit ziemlicher Becspälung traten zunächst die 4 00* Meter-Hürdenläufer in Aktion, die in sechs Borläufen je zwei Beste für die Teilnahme an den Zwischenläufen ermittelten. Die Abwicklung geschah äutzerst langsam. Inzwischen standen die 100-Meler-Läu'er überall herum und warteten auf ihre Borläusc. Dr. Wichmanns B e r l« tz u n g hat sich zwar we'entlich gebessert, doch trat er zu den 100-BIeter-Bor.äulcn noch nicht an; er toitb neben der 4xl00-Mtt«-Staffel evtl, noch die 203 Meier laufen. Die 10 0» Meter-Borläufe wurden von den drei deutschen Teilnehmern siegreich beendet. Inzwischen war die erste Entscheidung im Kugel st often gefallen. Hier hatten sich die Amerikaner Kuck mit 15,43 Bieter, Bri, mit 15,75 Bieter, der Deu tfche Hirsch seid mit 15,72 Meter, der Amerikaner KrenA*mit 14,99 Bieter, der Finne Wahlstedt und der Deutsche Ile bl er mit je 14,69 Bieter für den Sndkampf qualifiziert, in dem nur noch Kuck seine Borkampffeiftung verbelsette und mit 15,87 Meter einen neuen Weltrekord ausstellte. Di« Kapelle spielte die amerikanische Baticmal* Hymne, am Siegesmast und am zweiten Blafl stieg daS Sternenbanner hoch, am dritten Mast (nach 16 Jahren wieder zum erstenmal) die deutsche Fahne. Das Ergebnis des Sonntags. Der erste Tag der leichtathletischen 'Wettkämpfe der 9. Olympischen Spiele im Amsterdamer Stadion sah ein reiches Programm vor. 3m allgemeinen war der Tag den Bor- und Zwischen! äufen Vorbehalten, tm Hochsprung und tm 10000-Meter-Lausen hei jedoch schon di« Entscheidung. Auch im Gewichtheben konnten die Entscheidungen herbeigesühtt werden. ®inen Zweikampf Burmi — Bitola brachte der olympische 10 OOO-Meter-Lauf. der daS Leichtathletik-Programm des Sonntags ab- schlotz. In dem 24 Läufer starken Feld hatten sich die beiden Finnen zusammen mit dem Schweden Wide bald abgesondert. Schlieftlich tonnte nach 7000 Bieter der Schwede da- scharfe Tempo nicht mehr mithalten und im Endspurt schlug Burmi feinen LandSmann Bttola mit etwa vier Meter Burmi 1 regte in neuer olympischer Rekordzeit 30:18.8 vor Bitola 30:19,4 und Wide (Schweden) 31:4. Den Hochsprung gewann King (Ber Staaten) mit 1,94 Bieter vor Hedges (Ber. Staaten) 1.91 Meter und Menard (Frankreich) 1,91 Meter. Die deutschen Teilnehmer Bonneber, Huhn und Köpke hatten sich zwar für Bismarck als Journalist. Zum 30. Todestage deS Altreichskanzlers. In der ganzen Zeit seines polittschen Wirkens hat BiSmarck in engen Beziehungen zur Zer- tungSwelt gestanden: er hat auch nicht nur zu einer gtoften Zahl von Zeitungsartikeln die Anregung gegeben, sondern ex ist selbst als Journalist tätig gewesen. Schon bei feinem ersten polittschen Auftreten spielten die Zeitungen eine Bolle. Im Jahre 1843 versuchte sich der Gutsherr auf Kniephof als Journalist, indem er auf einen abfällig kritisierenden Arttkel über Par- force-Iagden eine entrüstete Erwiderung schrieb: sie wurde allerdings von den ..Börsennachrichten der Ostsee" nicht ausgenommen. waS bei dem maft- voll liberalen Blatte verständlich war. da sich Bismarck in seinem Aussatz scharf ironisch gegen die Demokraten wandte. Dabei lebt aber, wie MarckS in seiner Biographie betDorbcbt. der geborene Journalist in dielen Hellen, scharfen Sätzen: der Aufsatz ist bis ins einzelne hinein klar geformt und wirksam aufgebaut, mit dem eingehendsten Fleitze burd)gearbeitet und gefeit: glänzend ist daS Wort gehandhabt, so wie es Bismarck stets zu brauchen wutzte, mit treffsicherer Stotzlraft, mit jener Eleganz und ©€1^5^14)- feit, mit der er als Fechter das Florett führte. ..So sehr auch der Deckmantel einer lichtscheuen Anonymität in Bliftfrcbit geraten,“ schreibt er zum Schluß dieses seines ersten Zeitungsaufsatzes. ..so werde ich doch, wenn ich vorstehende Bemerkungen unterzeichnen will, durch ein Gefühl tiefer Beschämung davon abgehalten, welches ich bei dem Gedanken empfinde, datz ich die Schlechtigkeit begangen habe, in dem Stande der ci-dcvant nobles geboten zu werden, deren, wenn auch we- nig bekannte, doch gewitz matzlose Privilegien mit eisernem Druck auf unferm unglücklichen Bolle lasten, deren, empörende» Borrechi d e Parttkel ..von" zu führen, wie ein Bebelgebilde, hinterlassen von der Bacht finsterer Zeiten, dem trauernden Deutschland die Morgensonne bürget- I licher und gesellschaftlicher Gleichheit verhüllt." | Während seiner Tätigkeit im vereinigten Landtag erkannte dann BiSmarck die unbedingte Bot- Wendigkeit, für seine und seiner Freunde Ideen eine 3citung zu gründen, und er trat für die Schöpfung eines solchen Blattes mit aller Kraft ein. Die Besprechungen der konservativen Abgeordneten im Jahve 1847 über diese Angelegenheit bildeten d e Grundlage dafür, datz ein Jahr darauf die Kreuz-Zeitung inS Leben gereimt wurde, er gehört zu den Paten und Mit- schöpfern bic-er wichtigen Zeitung. Seine Meisterschaft in der Behandlung der Tage-'vresse bewies er aber erst, als er Ministerpräsident geworden war. und von dieser Zeit an hat er bis zu feinem Tode stets die Mithilfe der Zeitungen gesucht und gefunden. Er war der Anficht, datz .feine Regierung. sei sie monarchisch, parlamentarisch, demokratisch oder sonstwas, auf die Mitwirkung der Prelle bei Durchführung ihrer Politik verzichten und den Zusammenhang mit ihr vertteren dürfe, ohne die Folgen am eigenen Leibe zu verspüren und die Landesinteresfen zu gefährden." So schuf er sich denn bald nach seinem Eintritt in das preutzische Staatsministettum da- Instrument für feine publizistische Tätigkeit, indem er die ihm von ihren (Eigentümern zur Bcrfügung gestellte .Borddeutsche Allgemeine Zeitung" zu feinem offiziösen Organ erhob. Auch auf andere Blätter gewann er Eins lüft, aber datz es eine .Presse deS Reichskanzlers1 gäbe, bat er des öfteren zurückgewiefen. so einmal tm Reichstag mit den Worten: .Ich habe Zeitungen, die unter Umständen mir wttftes Papier zur Verfügung stellen und in denen ich mich ausspreche. trenn ich feine andere Gfelegcnftcrt habe: aber mich deshalb für alle Arttkel verantwortlich zu machen, die darin stehen, das ist doch eine sehr weitge triebene Sache und ich kann es gewohn- hciismäftig — ich möchte sagen .sportmäßig" — nicht lallen, datz wenn ich gerade hier bin. ich mich gegen derartige Angriffe wehre.' Bismarck las persönlich eine ungeheure Menge von Blättern, und seine Mitarbeiter fanden ihn häufig, auf dem Sofa liegend. ringS um sich her eine Flut von ceitimgSbläftcm auSstreuend, die er durchflog. Sr hat nicht immer günstig von der Prelle gesprochen und mit scharfen Augen ihre Fehler und Schäden erkannt. Aber den Wert und die Bedeutung der gutgcl'Hctcn Prelle, die Tüchtigkeit der Iournalifttm ernannte er mit warmen Worten an. .Ich kann aus einem tüchtiMi Be» dakteur". erklärte er. .leichter einen Staatssekretär deS Bcuftem und Innern machen — bitte, denken Sie nur an Lothar Bucher — als auS einem Dutzend Geheimräte einen gewandten leitenden Beballeur." Oder „Ich gebe Ihnen gleich einen Leiterwagen voll von d e'en Geheimräten Iu» riften, T her logen mit lauter ersten Boten in die Lehre, und Sie ßnnen auS ihnen nicht viel mehr als einen Schneider machen, der mit der Schere irgendein geistloses Lokalblatt zusammen- stellt. DaS Zeug zum Redakteur, der seiber denkt, schafft und schreibt mit Schwung und Kraft, mutz men auch mit bringen.“ Richt feiten lieft der Kanzler Diplomaten von hohem Bange Watten, weil er vorher einen Journalisten empfangen wollte, auf des en MeinungSäufterung es ihm ankam. Hermann Sudermann lernt ,$rau Sorge" persönlich kennen. Das Auto rast nach Staaken. SS bringt Herman Sudermann zu den Aufnahmen deS Defu-FilmS der Defina .Frau Sorge , den Bobert Land nach des Dichters gleichnamigen Boman brauften in den Bie'enballcn inszeniert. SS ist das erstemal, datz Sudermann, obgleich eine Reihe seiner 'Werke bereit« verfilmt sind, einer Aufnahme beiwohnt. Kein Wunder datz ihn die intensive Arbeit in und neben den gewaltigen Halfen, der grafte technische Apparat und vor allem die sorgfältige Kleinarbeit bis eine Szene .richtig steht', in höchstes Erstaunen feU die Entscheidung qualifiziert fielen in dieser aber rafch aus. Im Florett-Mannschastskamps unterlag Deutschland gegen Dänemark 7:9. während Deut'ch and gegen Rumänien hei 8: b durch grössere XreffcruitK gewönnest hatte. Gegen Frankrv.ch unterlag Deutschland dann 6:10. Tie 8 r gcbntf le des Tages sind folgende: Kugel st often 1. Kuck. Amerika. 15.87 Met« tneuer Weltrekord«. 2. BriAmerika, 15.75. 3 Hirschfeld. Deutschland, 15,72. 100-Meter-Borläufe: 1. Lauf Fitzpatrick. Kanada, in 11 Sek. vor Eorts. Deutschland. 8. Laus: Houben. Deutschland vor Adams, 9. Lauf Lammers. Deutschland, 10,8 Set. vor Dhcar d. Haiti. 100-Meter-Zwischenläufe: 2. Laut: Mar Allistor. Amerika 10,8 Sek. vor E or l s- Deutschland: 3. Lauf: Bussel, Amerika, 103 Sek. vor Houben. Deutschland. 6. Laus: Brace y. Amerika, vor Lammers. Deutschland. 600-Blcter-BorIäufe: 2. Borlaus. Dr. Peltzer. Deutschland.« mit 137.1 vor Litt le und Tatham: 5. Borlauf 1. Lloyd Hahn, Amerika. 1:56.8: 2. Engelha rdt, Deutschland: 7. Borlauf: Sera Martin, Frankreich vor B a r f l, Ungarn und Müller. Deutschland. 10 000-Meter-Laus: Entscheidung: 1. Burmi, Finnland. 30:183; 2. Bitola, Finnland, 30:19.4; 3. Wide. Schweden. 31:043. Deutschlands Wafferbatter in der 1. Runde spielfrei Bei der in Amsterdam am Sonntag stallgehabten Auslosung der Wasserballspieler ergab sich, das; Deutschland in der ersten Runde | p i e l f r e l ist und in der zweiten Runde gegen den Sieger aus dem Tressen Belgien gegen Irland anzutreten hat. Die erste Runde ergab felgende 3ufominen(tcllun^: 1 Ungarn—Argentinien: 2 Spanien—Frankreich; 3. Tschechoslowakei—England; 4. Schweiz- Holland; 5. Malta—Luxemburg: 6. Belgien—Irland: 7. Amerika spielfrei; 8. Deutschland spiel- frei. 2. Runde: 9. Sieger Spiel 6—D eutsch 1 and; 10. Sieger Spiel 5—Spiel 2; 11. Sieger Spiel 3—Spiel 4; 12. Sieger Spiel 1—Amerika. Zwischenrunde 13. Sieger Spiel 11—Spiel 9; 14. Sieger Spiel 10—Spiel 12. Endrunde: 15. Sieger Spiel 13—Sieger Spiel 14. Hamburger Spott-Verein deutscher Fußballmeister. Hertha-B. 2. E. nach scharfem Kampf 2:5 geschlagen. Das Entscheidungsspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1927/28 im Altonaer Stadion gestaltete sich zu einem hochklassigen sportlichen Ereignisse. Bor einem dicht gefüllten Zuschauerraum — eS waren weit über 40 000 Futzlnlllenthusiasten versammelt — traten sich die beiden Mannschaften In der angekündigten stättsten Ausstellung gegenüber. Gleich nach Beginn deS Spieles hatte man den Eindruck, datz der HSB. unbedingt besser aufgelegt war. Die Mannschaft arbeitete viel energischer und zielbewuftter als die Berliner. Anfänglich fielen die Hamburger verschiedentlich auf das Abseitospiel der Berliner Berteidigung herein. Berlin kam hierdurch auch zuerst in gefährliche Bähe deS Hamburger TorS. Dock) wurde ein Torerfolg von Sobek in der letzten Minute durch Baier vereitelt. Bereits in ber 7. Minute ging der HSB. durch Harder in Führung. Eine gute Borlage von Halvor - s e n wurde zu einem unhaltbaren Tor verwandelt. Bereits 8 Minuten später war Harder wieder gute Schuftgelegenheit im Berliner Tvr- Ueber die Hallen und das Freigelände hat sich der milde Abend gesenkt, als Sudermann zu den Bauten der Hower und Scheunen kommt, die un Freien errichtet den Schauplatz ein« der dramatifchen Szenen von .Frau Sorge" abgeben I ollen Ein Pfiff, ein knappes Kommando ertönt, und hell schlagen zum dunklen Bachthimmel bio Flammen aus dem Anwefen deS alten Meyhof.-r. Blan> Tarr in ber Bolle der Frau Mcyhös«. stürzt auS der Tür. während Flammen, Bauch und beizend« Qualm Türen und Fenster durchbrechen. Al» Paul Meyhöser, dem Wilhelm D i c t e r l c feine erdgebundene Kraft verl: iht, herbeistürzt, züngeln die Flammen aus allen Fugen des HauseS, Balten krachen, und unter einem Funkenregen von unheimlich« Pracht stürzen dumpf btöftnenb Dach und Blau« ein. Sudermann sagt nur immer: .Fabelhaft, wundervoll. fabelhaft." Bur wenig spät« hat sich auch Meyhösers Tochter — Grete MoSheim — ux brr Gruppe von Blutter und Bruder gesellt, angstvoll, verstött blicken fee in die Flammen, die ihnen da» Letzte nehmen wollen. Unter des alten Meyhösers Kommando, von Fritz Kortner zu ein« grandio'en Leistung eines Phantasten und ausiichtSlosen Plänemachers gestaltet. arbeiten die Dorfbewohner an der Walser- pumpe, und suchen zu retten, wo eS nichts mehr zu retten gibt. 3mm« weiter wütet der Brandl Hoch hinaus peillcht d« Sturm die Feuerzurrgen in den geröteten Bachthimmel, und voll« Begeisterung «Härt Sudermann .Sehen Sie. so habe ich mir vor Jahrzehnten diese Szene vorgestelltl Präch- tig — wundervoll!" Ein denkwürdig« Bachmittag für den Dichter, der gleich bei feinem ersten Besuch im Bei cf) des FilmS eine Aufeahme yi sehen bekam, wie sie eindringlich« und grandios« selten gedreht wird. Aus Iugendträumen schien Wirllichkeit geworden zu sein... , ►---* , i N N fr tu ui d fd 6d frc vv lai he sich be’ )' at Die Siege der Gießener Turnerschafi beim 14. Deutschen Turnfest in Köln. sogar Gewinnchance enuräumen. Dock änderte llch sofort nach Beginn der -Veiten Hälfte die Jage Zwar wurden hier anfangs alle Angriffs- versuche des HSV. durch die Abseitstaktik der Herthaverteidigung unterbunden. Es w« aber nicht zu vermeiden, datz bei einem Durchbruch Rabes eine hohe Flanke von Horn unöaU- bar eingekövst wurde. Der Sieg war jetzt gesichert und stand unerschütterlich fest. als Kölzen ou* Vorlage von Harder dos 5 Tor für den HSV. erzielte. Grenzel buchte dann für Berlin noch den 2. Treffer. Der Sieg des HEB. ift ganz. auch der Höhe nach verbeut. Die Verteidigung und die Läuferreihe war eine Klalle besser als di« der Berliner. Sie waren ausschlaggebend für den Sieg. eine der l Mw ötimr güwft Uff I :Xüd 1 1.1 D-i Lei, ötn 6tx W vor ter rar hfi lei1 ter A lofl b«i ert ein nmr bemc Aersk Jahr Reunkampf der Aelteren unter 951 Mitbewerbern den 28. Sieg mit 139 P., Toni Schneider. Mtv im Fünfkampf der Aelteren unter 1332 Bewerbern den 10. Sieg mit 104 P., Ludwig Malkomesius, Mtv.. im Funftampf in volkstümlichen Hebungen unter 2202 Bewerbern den 34. Sieg mit 83 P., Paula Hofmann. Mtv., im Siebenkampf der Turnerinnen unter 1141 Bewerbern den 28. Sieg mit 100 P., Ria Schwan, Mtv. im Siebenkampf der Turnerinnen den .30, Sieg mit 98 P. Tilli Sspach. Mtv., im Vierkampf der Turnerinnen unter 667 Bewerbern den 18. Sieg mit 68 P, Glse Dickelhaup t. Mtv., tm Hochsprung den 2. Sieg Init 1.484 Meter, Turnerinnen st affe l, Mtv., 4x100 Meter den 7. Sieg mit 53,6 P. Ausklang in Köln. Teverings Festrede. Köln, 29. Juli. (WB.) Schon lange vor Beginn der Uebungcn waren die Erhöhungen an ;xrr Jahrnwiefe dicht besetzt. Allster den bereits rciiatmien Ehrengästen hatte sich u. a. auch 2ld- iniral Zenker eingesunden. Volkstänze der Turnerinnen leiteten die Veranstaltungen ein. Reichsstaffel und M a nn s cha f t - s pe« r- werfen fariden lebhaften Beifall. Bei Sonnenschein begann der über eine Stunde dauernde Einmarsch der cm d?" Massemidungen teil* nehmenden ) LOOOTurnerinnen und 25000 Turner sowie der Fahnen. Hinter dem Banner der Deutschen Turnerschaft kamen 120 alte Fahnen. zum Teil über 100 Jahre alt, und etwa 6000 weitere Fahnen. Roch einer eindrucksvollen Gefallenenehrung führten zunächst die TurneV-nnen ihre Freiübungen vor. Dann nahm Reichsm J ।ter Seb«ring das Mort und führte u. a. aus. er fei gekommen, um den Veranstaltern und den Teilnehmern am Deutschen Turnfest die herzlichsten Grütze der Reichsregierung zu übermitteln. Das Fest sei auherorktentlich gut gelungen. Wer Zeuge des farbenfreudigen Festzuges war, habe unverletzliche ®tnbrüae getotm* nen. Die Deutsche Turnerschaft will dafür sorgen, datz die deutsche Jugend, die deutschen Männer und Srauen auch in der Zukunft den Anforderungen des Lebens gewachsen seien. Sie wollen, fuhr der Minister fort, den deutschen Menschen heraus heben aus den Niederungen des Alltags, und in dieser Hinsicht tun Sie das am deutschen Volke. Sie Wolken Menschen gesund machen, denn nur ein gesunder Mensch kann arbeiten, unb Sie Wolken Deutschland neue Menschen für eine neue Zeit bilden. Für diese Tat danke ich Ihnen, denn l cd ist dir erste GruudlagL für den Staat. Deutsche Turner! Auf Suren Schultern liegt Deutschlands Zukunft! In hervorragendean Matze zeigt Ihr Such dieser Aufgabe würdig. Bildet Sure Männer nicht nur zu tüchtigen Turnern und frohen Sängern, sondern auch zu guten Stacrts- büigcrn aus! Aach der mit lebhaftem Beifall auf genommenen Rede führten die Turner ihre Freiübungen vor, die Helle Begeisterung auslösten. Darauf nahm der stallvertreten de Oberturnwart Ste- ding die Siegerehrung vor. Sr beglückwünschte die ersten Sieger des Zwölfkampfes Karl Reuter aus Dietzen und Smil P r e i tz aus Ehilago und drückte beiden den Siegerkranz aufs Haupt. Der herrliche Sieg, den Turner Karl Reuter vom T.D. 1846.in Köln errungen hat. kann nicht hoch genug gewertet werden. Ist eS doch daS erste Mal, datz ein Gietzener Turner als 1. Sieger im Zwölfkampf von einem Deutschen Turnfest Mmkehtt, auf dem doch nur die Besten der D. T. um die Siegesvalme ringen. Dieser Erfolg gereicht nicht nur dem Lieger und seinem Dererne, fonbetn auch der Heimatstadt zu hoher Ehre. Wird doch dadurch der Rame Dietzen hinausgetragen nicht mir in alle deutschen Gaue, sondern über die Grenzen Deutschlands hinaus, besonders auch in die Länder, wo Deutsche und deutsch« Turner wohnen. So dürften denn in diesen Tagen die Hamen Karl R « ut - r und Betzen in aller Munde sein. naiTnmtlich auch bei den Hunderttausenden von Festbesuchern, die in Köln -usammerrgelommen waren. Richt minder bedeutungsvoll ist ober auch der 2. Sieg, den die noch jugendliche Else B i cke lh a n p t vom M. T. V. im Kampfe um die Meisterschaft im Hochsprung mit 1,48» Meter errang. Hat sie damit doch die Erwartungen erfüllt, Die man nach ihren verschiedenen Siegen in Gau und KraiS auf sie gesetzt hatte, und hat sie so ebenfalls dazu bei- getragen, den guten Ruf Dietzens alS Turnerstadt zu wahren und zu festigen. Alber ovdh eine1- ‘reiteten 6 i <* A ->r i n sei rühmend geuacht. nämlich Lilli Ä l t h o f f WM L.D. 1846, die im 200 Meter-Lagen- s chwimmen den 1. und im 100 Meter- Brustschwimmen den 2. Sieg an die Fahne ihres Vereins geheftet hat. Auch dieses ErtegrllS dürfte dazu beitragen, die Achtung wr den Leistungen der Xtimerinnevt in Köln i r.) toefenti: h ,g); 2. Wald, Tv. Leipzig, und 2lnderSöach, Tv. Offenbach, je 1:40,4; 3. Eli, T. B. Stuttgart, 1:41,7. 4xl00-Meter-Lagenstaffel für Männer, Gnt- schrrdung: 1. Tumgcmeinde Darmstadt 5:35,3; 2. Ww. Stuttgart 5:30,5; 3. S. S. 6. Osnabrück 5:35,3. Hauptspringen für Turnerinnen: 1. Kapp, T. und Z. C. Frairlsurt, 59'/, P.; 2. Kahl. VfL. 58 Lharlottenburg 58’/» P; 3. Mieth, Mtv. Kiel, 57"-. P.; 4. Bach, Tv. Wiesbaden, 11915'fo P.: 3. Teschke, Akv BreSlan. 118^7* Puntte. 4x50-Meter-Freistilstaffel für ZunKrinnen: 1. Turngemeinde Darmstadt. 2:53 (neue DD- Bestlcistuna); 2. Turnerbund Stuttgart, 3:11,3; 3. ATV. Bonn 3:13.1. 100-W«ter-Brustschwimmen für Xumerinnen: 1. Westphal . Mw. Blankensee. 1:31.1 (neue DT.-Destleistung>: 2. Arndt, Tv. Gießen. 1:34.4; 3. Fecht-Mw. Stuttgart. 1:38.1. 100* -Meter-Brustschwimmen für Turner. Entscheidung: 1. S o m m c r . Tv. Mühlhausen. 121.4 (neue DT.-Bestleistung); 2 Schröder. Turnerschaft Dresden. 1:26; 3. Jachtmann. Tgm. Darmstadt. 127,1. Zußballmeiflerschast der O %. Das Endspiel um die Futzballmeifter- schaft der Deutschen Xu r ner f d> at t. daS im Kölner Stadion am Sonntag zum Aus trag kam. gewann der Hamburger Xurner- bund gegen den Allgemeinen Xurnerverrii, Leipzig-Paunsdorf mit 1:0 (1:0). - __ Handballmeisterschast der O.T. Im Endspiel um die Deu tl che Handbai l m e i st e r s ch a f t der Deutschen Turne r f ch a s t. die am Sonntag tm Kölner Stadion auSgc tragen wurde, schlug der Turnverein Chernnih-Gablenz den Turnverein Fürth 1860 mit 9:6 (3:4) nach Verlängerung, nachdem das Spiel bei Schluß des regulären Kampfes 6:6 gestanden hatte. Tv. Schweinfurt deutscher Zaustballmeister. Nachdem sich die Turnvereine Lichtluftbad Frankfurt a. M. und Hambura-Rothenburgsort fast ein - Jahrzehnt lang in der Meisterschaft abwcchselten, kannte in diesem Jahre sich als dritter verein der To. Schweinfurt in die Liste der Meister- schastsinhaber einzeichnen. Zum Gegner hatte der To. Schweinfurt den Tv. Hamburg-Rothenburgsort, dcr nur ganz knapp unterlag. Rothenburgsort war durch Ersatz im Sturm etwas geschwächt, dennoch war der Sieg des To. Schweinfurt vollkommen verdient. Mit 14:S hatte Hamburg- Rothenburgsort noch bei Halbzeit die Führung, doch zog der Tv. Schweinfurt bei 17:17 gleich und stellte das Resultat bis zum Schluß auf 19:18 zu feinen Gunsten. München 1860 deutscher Schlagballmeister. Im Kampf um die Schlagball-Melster- schuft gab es ein Ergebnis, das durchaus nicht Dem Starkeverbältnis der beiden Endspielgegner entsprach und lediglich auf da» Unwetter zurückzu- führen ist. Der Platz war völlig unter Master gc- seht, so daß sich die Spieler nur schwer aus der glätten Wiese halten konnten. Zunächst waren sich beide Parteien ziemlich ebenbürtig, dann setzte sich jedoch München 1860 durch und sicherte sich den Sieg mit 103:26. Nur zweimal fand ein Wechsel statt. Spielvereinigung Fürth schlägt Iuhballsportverein Frankfurt 4:1 (1:0) Beide Vereine lieferten sich ein scbr flottes und schönes Spiel, da» mit großer Fairneß durchgeführt wurde. Die produktive Stürmerreihe Fürth» vermochte einen verdienten Sieg herauszuholen, woran besonders Ascherl, Kißling und Rupprecht hervorragenden Antell hatten. Die Fürther Läufer waren im Zusammenspiel nicht auf der Höhe. Bei den Frankfurtern war der rechte Läufer, E s ch e n l o h r, der beste Mann. Dom Sturm mar nur da» Jnnentrio gut, solange Dritte- uillc es anführte. Nach dcr Pause ersetzte ihn Klurnpp nicht zufriedenstellend. Die letzte Viertelstunde der Spielzeit gehörte den Frankfurtern, jedoch konnten sie an dem Ergebnis von 4:1 nichts mehr ändern. (Sefellfchastsspiele in Sübbeuffchlanb. F. Sp. D. Mainz — Wormatia Worms 1:2. F. C. 1893 Hanau — Sp. vg. 60/94 Hanau 3:1. Sp. Dg. 1902 Griesheim — F. vg. 1903 Fechen- heim 7:1. Sp. Dg. Fürth — F. Sp. v. Frankfurt 4:1. Kickers Offenbach — V f. L. Neu-Isenburg 3:0. Sp. Bg. 1902 Griesheim — Viktoria 1912 Eckenheim 3.4. AomanehesjungenFrankrsich Im Jnfel-Derlag erscheint .zur Zeit eine Reihe von Romanen, d'c geeignet sinb, in ihrer Gesamtheit ein interessantes Bild der gegenwärtigen Strömungen der literarischen Moderne in Frankreich zu vermitteln, und im einzelnen sich als avtzerordentlich charakteristisch für die verschiedenen und untereinander höchst verschieden gearteten Träger des modernen Schrifttums unserer westlichen Rachbarn erweisen. Da ist zunächst Fran^oiS M a u r i a c. dessen Roman „Die Einöde der Liebe" vor kurzem mit dem französischen AkademiepreiS ausgezeichnet und seinerzeit auch in unserem „Büchertisch" besprochen worden ist. UnS hat das neue, in der l»ezeichneten Reihe vorliegende Werl. ..Die Tat der Tbcres« DeSqueyrour". stärker und mimiilcl&atcr angesprochen, als jenes preisgekrönte Buch, In dessen Stil und Stoff sich zu- rechtzuftnden unß einzulesen auch für den literarisch geschulten, zeitgenössischen Deutschen nicht ganz leicht schien. Der neue Roman ist viel straf- ser lonzipiert und auch gesammelter erzählt, mit Ta,ent und ausgesprochen romanischem Zorm- empfinden zum Vortrag gebracht. Der psychv- logische, säst pshckoanalylische Grundton deS Buches stört hier nicht die Rundheit und essentielle Geschlossenheit der Fabel: das Schicksal einer unverstandenen und aus dem Kreise ihrer flachen und spießbürgerlichen Umgebung ausbrechenden cm ihrer »usLlligen ..Familie" zugrunde gehenden Frau. DaS rein Tatsächliche ist dabei gering, oft aeradezu spärlich, die Vorgänge sind ganz nach innen getrieben, im Seelischen gespiegelt und aufgelöst; vielleicht toar über» lumpt nut ein Franzose, ein sensitiver Westeuropäer des 20. Jahrhunderts imstande, au« dcrn Vorwurf immerhin einen runden ui:b Übr'.grnS spannenden Roman zu spinnen. ouS dem ein deutscher Autor vielleicht nur eine knappe Ravel le in strindbergischem Halbdunkel destill.ert hätte. Die äleberfetzuna von ®. Iramet ist n-cht schlecht, aber doch nicht eine Io rcftlote E ndeutschung. daß man da» fremd- un"> -n v.eleStellen burchschimmrrnd? Original n .J>- 'chan nach kuezern Lesen als Vorlas und llr- tert empfände. Dann gibt es einen sehr merkwürdigen Roman von Paul Morand — der auch anderweitig, mit Rovellen z. B.. bei unS bekanntgeworden ist —, er heißt .Der lebende Buddha" und liest sich manchmal wie eine orientalische Paraphrase zu Spengler: Untergang des Abendlandes. vom Morgenlande aus gesehen und erlebt. DaS Stoffliche liegt einem zunächst — der Roman hebt an in einer erotischen LandschaftS- szensrie — sehr fern, doch ist man bald gefesselt, weil man spürt, daß die Einkleidung, daS Milieu und der Rahmen nicht ausschlaggebend sind, und datz der Autor die Handlung in einer ganz bestimmten thematischen Linie ausbaut; man ist interessiert, weil mau die allgemeinen. sagen wir kulturpolitischen ©runb* lagen des Romans sehr bald gewahr wird. Prinz Djali entdeckt Europa, et gibt ein Gastwiel als farbiger Globetrotter und buddhistischer Heilslchrer in London und Paris, findet sich indessen nicht im Lande zurecht und nicht in den Menschen des Landes — die enttäuschende Begegnung mit einer jungen Dame auS U. S. A. ist wohl symbolisch zu verstehen — und kehrt schlietzlich heim ohne Gewinn, ohne 'Beute auf den inzwischen verwaisten Thron seiner Väter in Indien. Für uns ist die Spiegelung der europäischen Gegenwartswelt Im Hirn und Herzen dieses wahryast Fremden und Außenstehenden von Belang, werwvller als die leichte, oft spannende Schürzung der Handlung, die streckenweise wie in einem Unteryaltungsroman dahin- läuft. Die Hebertragung von Th. Mutzende che r wird dem eigen rüntlkb prägnanten, häufig mit ganz geringem Aufwande sehr plastischen Stil des jungen Frcmzosen erfveulich gerecht. Da. dritte der aus der Reihe vorliegenden Werke führt den sonderbaren Xitel .Ariel oder DaS Leben Shelleys". Und stammt von Andr^ M a u r o t s. Man hört des öfteren sagen, Shelley sei namenlos langwellig, und ihn zu leien, tönnc keinem modernen Mitteleuropäer l-rnstlich zugemutet werden. Dir vermögen dies "-cht zu beurteilen. Aber wir müssen gestehen, dvitz uns dieser Roman, der bas Leben Shelleys mit einer außerordentlichen Phantasie und einer sozusagen historischen Genauigkeit und Wirtlichkeit schildert, sehr gefallen hat. am allerbesten von den dreien, datz er leicht, amüsant und fein geschrieben und also mit innerer Spannung und literarischem Genuß zu lesen ist. DieS liegt einmal an der bestechenden Bewegtheit und Farbigkeit der Fabel, dann an der Eleganz, dem Elan und überlegenen Temperament, mit dem der moderne Franzose sich deS toten englischen Dichters und feines stürmischen ErdendaseinS angenommen hat. Das ist alles glänzend gesehen, glänzend gesagt, von innen und offenbar aus einer gewissen Wahlverwandtschaft heraus empfunden und gestaltet. Und was den besonderen Reiz dieser Erzählung ausmacht: wenn man nicht ganz sichet wäre, die deutsche Uebetsetzimg eines französischen Buches in Händen zu halten, so würde man glauben können, einen deutschen Roman vor sich zu haben. Wir willen nicht, ob man der brillanten Uebersetzung von Karl L e r b S — der als «in Bremischer Anekdvtenerzäh- [er von sicherstem Stilgesühl bekannt wurde — ein besseres Lob spenden kann. — SS bleibt unS noch die Pflicht, abschliehend der wie immer vorbildlich schönen und gediegenen Buchausstattung zu gedenken, die der Insel-Verlag den drei neuen Werken (194/196) hat an- geocihen lassen. —y— Drei Jubelpaare vor dem Traualtar! Am 10. März 1707 fand in der Stadtkirche zu Gießen rin seltenes Fest statt, nämlich btr Ehepaare. hvchbetagt, standen vor dem Altar, um ihren Ehebund noch einmal kirchlich entlegnen zu lasten, worüber uns eine RÜberschrift jener Zeit berichten mag Qlrtrto 1707, beit lOtcn Markt, haben ihr Hoch- zecktest erneuert und rin solennes Andenken ihres vor so oktal nunmehr verflossenen Jahren geschlossenen »hebünhnilles mit öffentlichem Kitth- gang begangen brei folgende Paare: 1. Herr Jacob Ernst Doltz. Arrrts-Schultheiß zu Heuchelheim im 79. Jahre seines Alters und Frau Hedwig Juliana, eine geborene Steuber. im 77. Jahre hres Alters und 57. Jahre ihrer She 2. H. Joh. Melchior Plock, ältester Bürgermeister. RatS- und GerichtSschösfe und Ätr^ete ältester zu Gießen «n 80. Iahte seines Alters und Frau Anna Margarethe, geborene Qoni, tm 82. Jahre rhreS Alters und 62. Jahre ihres Ehestands. 3. Herr Johann Georg Dctegd, Stadtwacht- meifter in Gießen, im 83. Jahre seines Atters und Frau Anna Margarethe, eine geborene Hübner, im 79. Jahre ihres Alters unb 60. Jahre ihrer Ehe. Den Sermon hielt Ihre Hochwürden H Joh. Christoph BAefeld der Theol. toettberühmter Dvc tor unb Prof, theol. primarius. Erster öuperinten- beret unb Oberfirdyrnratb im der StatMrchc bei sehr volkreicher Versammlung. Der Text war Psalm 71, 05.17 und 18: -Gott, du hast mich von Jugend auf gelehret. und bis hierher vertu obige ich deine Wunder. Auch verlaß mich nicht. Gott, im Alter, wenn ich grau werbe, bis ich deinen Arm verkündige Kmdes- krndern und deine Kraft arten, btt noch kommen sollen." Der Introitus (fr h Eingangswort) war I.Samuriis 7.12: »Da nahm Samuel einen Stein unb letzte ihn zwischen Mizpa und Sen. und h»eh ihn Eben-Ezer, und sprach: .Dis hierher hat uns der Herr geholfen." Das Gtotbium (Schlußvvri) war Sacharia 8.4: .So spricht der Herr Zebaoth: .ES sollen noch fürder wohnen ht den Gassen zu Jerusalem alte Männer und Weiber, und die an Stecken gehen vor großem Alter." D.. Pfr. tn X Die Russen frinfen noch immer gern. Obgleich Vie Sowjets erklärt haben, daß sie nicht geringere Altoholgegner wären als die Repubtikam-r der Vereinigten Staaten, weist doch chr Alloholkvnsum gewaltige Ziffern auf. Während noch 1925 480 000 Hektoliter Alkohol verbraucht wurden, waren es 1927 bereits 3 Millionen und tn den offiziellen Blättern, die von den Sowjets!ontro(llett werden, wird versichert, baß der Verbrauch in diesem Jahre auf 5 Millumen steigen wird, wozu nock 3 Millionen ürmmen. d :ic Thrai n^toeinbrenner sich selbst brermen. DaS ©atuc stellt einen Wert von über 3 Milliarden Mark dar. 00 trorfe fltretj litjer brojd 9 glaube, dost der gegenwärtige Zustand in Aegnpten eine der bedeutsamsten Phasen der Geschichte barst eilt aber die biblischen Prophezeiungen über Aegvpten in den sogenannten .lehren Jagen* drängen nur die lieber» Acugung aus. dast Eha mberlain und die britische Regierung bk Bedeutung der Enttgncsie in Kairo mcht vcgcilfen bibenT Auch der Ein- slust Rutzlands auf die grnze Welt ist in der Pyramide bereit» nieder», legt Das britisch? 3m- prrimn wird gegen knesen Einslutz mit den Waffen in der >').inh zu kämpfen haben, aus dem schrecklichsten aller Kriege jedoch schliesslich als Luger hervor gehen! Run ist inzwischen der 29 Mai vvruLerge- ganflen. ohne drst auch nur der Schatten der prophezeiten Ereignisse aus die Welt gefallen wäre 3» ist und greislich dast diese Ereignisse sich die Pünktlichkeit nicht angewohnen können. Die Hofdame der Königin Luraha. (s) Warschau. Ter Betuch deS osmanisch« i Koniaspaares wIsen plötzlich neue Dascinsmöglichleilen zu enthüllen. So er» mng cs auch Fräulein Fe'icja Sawicka, ihres Zeichens Maniccuse in Warschau Kmialn Suraya war von der Geschicklichkeit ihrer flinken Finger so entzückt, dast sie Fräulein Sawicka den Dorschlag machte, sie solle ihr als Hofdame nach Kabul folgen. Und Fräulein Sawicka, die zwar durch ihre Tätigkeit in brr Lage war. ein behagliches. wcnn auch brfcheidrneS Dasein in Wai- ich-u zu führen, hatte von jeher den Drang in die weite Weit verspürt, und nun. wo sich die Gelegenheit bot. in ein sozial gehobenes und obendrein noch romantisches Leben auszusteigen, sagte sie ohn? Besinnung mU tausend Freudmi ja. C » verliest am 2 Mat zusammen mit dim aigpa- nischen Hofe die polnische Hauptstadt um über Moslau noch Angora zu fahren. Beneidet, bestaunt und viel bewundert von ihren Kolleginnen, Freundinnen und Kundinnen. Aber ach, mit des Geschickes Mächten... Es vergingen kaum zwei Monate, da tauchte Fräulein Sawicka wieder in der Heimat auf. So elend und abgespannt, hast Be sich zur Kur In ein Bad begeben muhte. Warschau, nicht nur ihr Freund, s'rlls, nein die ganze Oesscnllichkeit war ausS Lebhafteste interessiert und vermutete eine Sensation, öinc grosse Warschauer Zeitung schickte ihren Reporter in Felicja Sawickas Sanatorium, um Aufklärung über diese unerwartete Rückreise zu erlangen. Fräulein Sawicka war tief gerührt über Mefe allgemeine Anteilnahme. Schluchzend schüttete sie dem Zeitungsmonne ihr Herz aus. Gi? fei während Der ganzen Zeit von einem fürstlichen Kom- iort umgeben gewesen und hätte keinerlei Mangel weder an Geld noch an schönen, kostbaren Kleidern zu leiden gehabt' aber zunächst hätte sie da» Klima und die Hobe Temperatur nicht ertragen und ohne Unterlast an heftigen Kopfschmerzen gelitten. Dann aber habe sie da» barbarische Benehmen der Männer den Frauen gegenüber entsetzt. Denn die Afghanen halten. >o erzählte Ile, die Frauen für Ihre Sklavinnen, ilnb sie hätte schließlich ein so entsetzliche» Heimweh bekommen, dast die afghanische Königin, die mit ihr sehr zufrieden aewe'en fei. sie schließlich hätte ziehen lasen müssen; und so ist Fräulein Sawicka. ohne Kabul, die Hauptstadt von Afghanistan. gesehen zu babep. nach Warschau zurück- aefebrt. Aach ihrem Erholungsurlaub wird die Hofdame a. D. ihren alten Posten al» Maniceckse wieder bekleiden. Der Drang in die Weite und nach dem .Glück" ist ihr gründlich vergangen und fic ist froh, ihre Ho'damenwürde gegen die kleine Stellung wieder eingetauscht zu haben. Aeiktlichkeit ist eine Hier. .. — Paris. Der auch tn Deutschland bekannte Pariser Luft- spielautor LouiS Her ne ui l unternahm neulich einen Montmartre-Bummel, um neue Motive zu einem im Werden begriffenen Stück zu suchen, und luchte eine Gaststätte zweiten Danges auf Gr be- stellte sich eine Gänsekeule. unterzog Messer unb Gabel einer gründlichen Prüfung, fand, dast beide, milde ge 9 Id. tzchmu,. batit j)omtmrg. ie 5üt)rung, doch »tiä) und funtt 19:18 $u stinn «v.r. -th schlägt Uli 4 ,i (1:0) [ehr flottes ttnb neß durchgeftchtt ihe JüNhi woran tz und st«p- itten. Die Mstr kl nicht auf btr ir der rechte ßäu- lann. Dom ciurm [olonflc Briltr Pause ersetzte ihn ). Die letzte Sieben ^ranffurimL inis oon 41 nichts unter Baflei ge- r schwer auf brr machst waren fidi g, Dann |eto sich । sicherte sh den sand tin Wechsel LES /S»N* tiget 'jj* "* haben, A'di« Siaot^rW sfiJtog LS-*" m>° M «"■ 11^, “aa«. fet. >v.r. State 8 Mat L?18 "S Aol hier ständig wächst. Rur schnelle und um Bewohner Geschichten aus aller Welt Leopold htlvsem Jude am .Kopfe, S ie lln- .Ich sag' halt Schnucki zu ihr!", beteuerte wie ein Da» Unwetter von wo ähnliche Gin schwerer läge auf der >he Phra- Mai 1927 au» terauerscht zu werden." Den Amerikanern leuchtete diese Logik ein, und der Droschkenkutscher-Philosoph vom Leidiche Plein ist nun plötzlich bekannt und ein wesentlicher Bestandteil der hie'igen Jremdenindustrie geworden. So kann man auch heute noch durch Philosophie und Pserdedrvfchken Geld perbicnen. über unsere Gegend zog. hat in unterer Gemarkung strichweise groben Schaden anacrichtet. In dem Sommerfeld wurde em «roher Teil der Haferkörner durch den Hagel ausgefchiagen. auch haben die Hackfrucht« erheblich durch den Hagel gelitten, weicher derart heftig niederging, dah h'.eftge Einwohner, die auf dem Felde vom Ge- Witter üderrafcht warten sich nur durch platte» Hinleaen vor den Hagelkörnern schützen konnten. Der Blitz schlug in mehrere Kornhausen ein, welche verbrannten. auch wurden zahi- reiche Korn Haufen umgestürzt |t>a über Dorlar- Atzbach weiter, Schäden gemeldet werden. Braunfels. 29. Juli. von ihrem Stock fretgelaf'en. In dedelden Entfernung sieh man die gleiche Zahl von Tauben au» derem Schlage loSfliegen. Die ersten sechs Tiere, die nun den Weg nach ihrer .Behausung" finden würden, sollten alS Sieger anerkannt werden. Das Ergebnis war folgendes: Die erste Biene kehrte «ine ha lbe Minute vor dem ersten Dogel zurück und drei andere Bienen gelangten vor der zweiten Taube ans Ziel. Schliehlich fei noch ein Wettrennen zwilchen einem Straub und einem Pferde erwähnt, das kürzlich in Südostaustralien stattfand, und wobei auf langer Strecke der Straub mühelos den Sieg errang, wahrend auf kurze Distanz das Pferd die Spitze H elt. „Komm, sag doch Lchnmki zu mir!" (r) Wien, Sin biederer Wiener Pförtner oder wie man tu drüben nennt: Hausmeister wurde neulich al» Zeuge vor Gericht zitiert. Diese» .Ereignis" warf den einfachen Mann au» dem Gleichgewicht und er war vor Aufregung kaum imstande, feine Personalien richtig anzugeben. Aachdem der Dvrsitzende mit Mühe unö Avt erfuhr, dah der Mann Adam Müller hriht. vor etwa 30 Jahren das Licht dieser Welt erblickte und in der Paulanerstrahe wohnt, richtet« er an Müller die übliche Frage, ob er verheiratet fei. .Jawohl, Herr Gerichtshof", lautete die zaghafte Antwort. .Wie Hertzt Ihre Frau mit dem Mädchennamen?" Scheu und tödlich erschrocken blickte unser Adam den Richter grob an, wurde verlegen, strengte sein Gedächtnis an und erwiderte schlletzltch stotternd .Da» wei h ich nicht. Her rl" .Aanu", stutzte der Dorsitzende. .Sie werden doch den Hamen Ihrer angetrauten Ehehälfte kennen?" .Ich Habs vergessen." .Ist » menschenmöglich!" Der Richter war einfach platt. .Den Dornamen wenigsten» werden Cie doch wiKen?" .Auch nicht." (Starkenburg. Lpö. Darmstadt, 29. Iull. Gin tödlicher 2«i touns all ereignete sich grstern in den späten Abendstunden auf der Heide.verger Strahe. Unterhalb der Kiesgrube wurde ein fremder SerkSburfche von dem Auto eines Berliner fahrerS ersaht und. eh« das Auto zum nb gebracht werden konnte, eine Strecke weg» geschleift. Der Uebersahrene war in da» Dorderieil bet Wagens geraten. Die Feurvwehr muhte alarmiert uab der Wagen gehoben werden. um ihn au» feiner schrecklichen Lage zu befreien. Er konnte nur noch al» Leiche geborgen werden. D e Leich? wies schwere Ge- hirnverletzungen auf. Das Gesicht war bi» zur Unkenntlichkeit zerfetzt, lieber die Schuldsrag« ist noch nichts bekannt. Die Kriminalpolizei Hai sich sofort zur Aufnahme de» Tatbestandes an die 11 nfallsteile begeben. Rheinhessen. Sageluntveffer in Rheinhessen. Lpd. Alzey. 28. Juli. Im Umkreis von Alzey hat am SamStagm'ttag ein fchweres 11 n- toettet mit Hagelschlag getoüict von dem besonders zehn der ärmsten Gemeinden Rhein- hes ens betroffen wurden. Da die Ernte zum aröbten Teil vernichtet wurde, ist der Schaden sehr grob. Da die'eS Gebiet mit Gütern ohnehin nicht lehr gdegnet ist, find die Wirkungen dieser neuen Katastrophe äuHerst schwerwiegend, zumal Rheinhef en saft in jedem Jahr von einem llnuxtter heimgelucht wird und di« I 2« reiss war mantieibaft besucht da am gleichen Tage im benachbarten Ervtz-Fe^da und in ZeiDach ebenfalls Scheiben'chiehrn ftatttanden Infolge geringer Beteiligung konnte der 1. Prei». 30 AU., in bar, nicht ausbezahlt werden Der 2. Preis welcher dann zum 1. Preis gemach! wurde, war ein« Küchengarnttur Erster Schütze war Albert Momberger, Stornöorf. (.) Zeilbach. 2» Juli In biekn Tagen veranstaltet« der hidige Kreger-Deretn kin Scheibenfchiehen. Als erster Preis winkten 25 Mk Der glücklichste Schütze des Tages war IusiuS Seipel von hier. «reis Lauterbach. 9 Wernges 2s Juli. Durch Blitzschlag entstand in unserem Ort gestern abend cm Brand dem vier Hofreiten (bie.cnigc deS Andreas Schäfer, de» Dalentin Kohler des Konrad Eurich und deS Konrad Mer 1 chrot, zum Opfer gefallen find. Sie Löfchanstal- ten hatten fehr unter Wosiermangel zu leiden. eS find nur Privatbrunnen in der Gemeind« vorhanden. deren Da! er zum Cchutz der Aachbar» häulcr verwcndst werden mutzt». DaS Dieb der Brandgeschädigten wurde gerettet, während daS übrige Inventar ein Opfer der Flammen geworden Ist Oberheffen. Landkreis ^iefecn. X Aliendorf a. d. Lumda, 29. Juli. Dieser Tage landen Passanten zwischen Winnen und Leioenpofen, am sogenannten .Kalten Stall", einige Schritte abfeil» der Chaussee, tm Walde ha Imhof Einem m t S ammholz beladenen Pserde- suhrwerk zerbrach auf der abfchüsiigen Straf,« die hinter« Hemmschraube wodurch der schwerbeladene Tagen von den beiden Pferden nicht gehalten werden konnte und diese eine gröbere Strecke fortschleisie. Der auS Katzensurt stammende Fuhrmann wollte hierauf an der Dordcr- hemm bremsen, wobei von dein Gefährt ein Stamm auf ihn stürzte und ihn schwer verletzte. Ter Bedauernswerte muhte sofort in daS Wetzlarer Krankenhaus übergefährt werden. T Waldgirmes, 23. Just Das gestrige D e Witter mit starkem Hagel, daS frier die meisten Leute tm Feide uberr^ chte. bat grotzen Schaden k Arme gfeift, die den Rohbau chls eigenen Mitteln aufzufühoen in der Lage ftnö- Indirekt trägt er bamit auch zur Schaffung t>on Arbeitsgelegenheit bei. fo datz die Gewäh- Tung von Baudarlehen auch sozialen Zwecken dient. ,(J Groh-Felda. 29. 3uti. Das dieS- iÄrigc PrciSscheib en schieben war gut b«s«ht. Die besten Schützen de» Tage» waren: L Bürgermeister Merschrod. Zeilbach '36 Ainge>. 2. Otto Seim. Kestrich. 135) 3. 2oui» Steinbrecher. Kestrich. i34>. 1 Lehrer Müller. Ern'.enrvd (34). (.) Kestrich 29. Juli. Da» Preisscheibenschietzen deS hiesigen Krieg er- aui» H«rz. haben solchen Autobus? Jeden Augenblick lieft man von Unfällen. In fo einem Ting ist ja keiner feine» ßcbrn» sicher und darum sage ich: Bevor jemand fein Leben tn einem Aervpian zum bei | Empfehlungen I MV!!UWW!UW!WVI!l!!D!W!W!!M!UMMWWIM Bekanntmachung kaufen (tiülS Gießen, den 28.Juli 1928 Der städtische Turn- und Sportausschuß kauten. 05512 b96713 Musik - Kapelle — Tanz — Rheinführer Koblenz - Gießen. Maus ZadAauheim I _ , , z wrogor Buhnen aal Großer Bühnensaal u ' ' MMMii Daselbst Begrüßung 6962D des Kammersängers 6969 D 0MI3 Caf6 Schwarz. 6985D Der Vorstand, V. volkstümliche Rheinfahrt Sonntag, den 12. August 1928. Gesamtpreis 10 RM. Sonderzug und Sonderdampfer. Gießen - Mainz - Rüdesheim - Aßmannshausen- Dom Turnverein 1846 Gießen errang auf dem OeutschenTurnsest in Köln den tVaagerr und Gewichte aller Art empfiehlt u. . stellt eichfähig her Z letzt zum BadenX ' Bademützen alle Form, v 50 Pf en Badeschuhe. Bil llgtte Auswahl l Droierle Winterten ^3. Voeb. (»Heften, Bahnboi'str. 52a u. i. d. 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Die vielfachen 'JUür.'k und Anrrgungc i können nur kchrittwclse erfüllt werden, denn gerade aus dem Gebiet« der Paß-Politik Ift es norwend g. an dem Grundsatz br: is egen - seitigkeit MQubaltcn Die politischen Beziehungen zwilchen den einzelnen Staaten, ebenso die nnrrschostlichen E-eaenkätze verhindern eine schnelle, erfolgreich« Arbeit. »» sind dabei ferner neben den allgemeinvoliti'ären. die sicherh'Ne- polizeiltchen und ardeitsmarltpolitischen Belang: au beachten, und cs ist oft schwierig, zwischen diesen st aatspvli tischen Forderungen und bcn Dünichen. die in einem tunlichst weitgeh-nden Abbau der Pad- und Frembenpvlizdvoi'Hnf. ten die notwendige Voraussetzung für die freiheitliche Ausgestaltung des modernen Reiseverkehr» erblicken, den besten Ausgleich au finden. Das Deutsche Reich steht in der ersten Reihe dersenigen Länder, die den internotio- nnlcn Reiseverkehr fördern Bei Beendigung des Krieges bestand tn Deutschland der Pah- und ^ichtvermerkzwang uneingeschränkt, d H für Inländer und Ausländer ganz allgemein beim Grenzübertrltt. für Ausländer darüber hinaus beim Aufenthalt im Reichsgebiet. Seitdem wurde de Lichtvermc» kzwang fhftemahfd) abgebaut, und zwar fiel 1921 dec Sinreisefichtvcrmcrk^wang für Reichsan gehörige, während 1922 der Aus- reifesichtvermer! für Personen mit Wohnsitz oder da. crnbem Aufenthalt Im Inland auf bestimmte Fälle eingesrhr nikt wurde. 3m 3ohre 1924 wurde dieser .jvang für Reichsange-örige ganz aufgehoben und der Sichtvermerk nur noch von Ausländern bei der 6mreife nach Deutschland ncrlanat. Dom 3ahrc 1925 setzte dann eine neue Entwicklung in der deutfck^n Pah-Pvlitik ein, die daraus ausging, mit fremden Staaten Vereinbarungen über die Aush.'bang des Sichtvennerkzwanges zu treffen. Bis h:ute konnten mit 22 Staaten derartige Abkommen geschloffen werden, und zwar mit (tubei. Dänemark. Danzig, der Dominikanischen Republik. Ecuador. Finnland. Drostbritan- nien leinschl Kanada. Irland. Reusundland. Reuseeland. Südafrika. Süb-Rhodesicnf. Haiti Island. Japan, Jugoslawien, Lettland. Luxemburg, den Riederlanden. Ricaragua, Rvrwegen. der Schweiz unb der Tschechoslowakei Deutschland ift bereit, dielen Weg sortAuletzen. 3n der lebten >Zeit machen sich aber Im Auslande und auch in Deutschland Bestrebungen geltend, den Pahzwang überhaupt abzuschaffen. weil er den freien Fluß des Verkehrs behindert und die freund- Ichastlichen Reisen von Land zu Land erschwert. Sief er Ansicht kann man nicht beipflichten, da eine Reihe beachtlicher Gründe dagegen sprechen und der Pastzwana an sich den Reiseverkehr durchaus nicht zu bc.innen braucht: nicht der Pay. sondern das Bisum trägt die Behinderung in den Reiseverkehr hinein, uns es kann sich nur darum handeln, das Difum allge- mein obzuschassen. 3cber Reisende, der ein sremdeS Land besucht. sei es zu geschäftlichen Zwecken ober zum 1 ergangen imb Ötubtum. dient der Wirtschaft des Gastlandes. Es besteht kein einleuchtender Grund mehr, warum die Erlangung eines Sichtvermerks für einen achtbaren Ausländer mit Schwierigkeiten verknüpft fein muh. die nicht nur ost viel 3cit kosten, lonbcni auch Aerger und Derftimmung hervoirufen. liefet Zwang sollte mindestens in jedem Londe f n leicht a l s möglich gemacht werden. Die Staaten, die noch am Bisum festhalten. stützen sich aus das Argument, daft denjenigen Leuten die Einreise erschwert oder unmöglich gemacht werden soll, die ins Land kommen. um Unruhen und Revolution anzuzettcln Dieser Sinwand erscheint bei den m Europa herrschenden politischen BerhSltnissen verftändlich. Der Sichtvennerlztoang unterbinde den Massen- besuch derartige. Elemente, er versperrt aber die Einreise politischer Agenten nicht allgemein Es bwbelt sich dabei höchstens um in einigen europäischen Länder arbeitenden Fäl- fcherwx-rkstätt-Tn fltlic.t Pässe und Sichtvrrmcikr in »temUch großem Umfange aus und zu müflen; denn die rauchend« Damenwelt soll ble?c Steigerung bewirkt baten. Auch bem Staat kann dieser Zuwachs an Rauchern nur recht sein, denn während er im 3afcre 1924 25 513 Million:.. Mark an Tabaksteuern einnabm slol en Ihm In demselben Zeitraum 1927/28 .91 Millionen Mark zu. Durch den Dawesvertraq sind bic Tabaksteuern zu Reparativnszwecken verpfändet worben. und ein besonderer Kommissar wacht über Möwe im Sturm. von Sophie Rlotrfi. 27. Fortsetzung Nachdruck verboten. .3a," tagt« sie langsam, wie erwachend. ..jetzt erkenne ich eie auch. Herr Mollnianr. — Iu, nuf |o etwa» mutzte ich gesatzt fein. Aber bisher ift es immer noch uit mir vorübergcgongcn." ..Aber murum * Mutz dies fein?" Zweiiuol setzt« sie an. als wollte sie mrechcu. doch w»is lagen? — 3ji drei Worten lieft sich das nicht erledigen. Und überhaupt — trotz feiner damaligen Hilfe — er war doch ein Fremder „Es mutzte fein, Herr Kollrmmn. Bitte, fragen eie nicht weiter." „Fräulu," kam es fdjarf vom Büfett her. ..Di« Frau 3d)inoUcr. sie liebt es nicht, wenn wir mit den Gästen reden." Eh« er ein Wort einwerfen konnte, war sie fort. Aber seine Auqeu suchten sic unaufhörlich, folgten ihr aus jedem Tritt, und sein« Gedanken gingen schnell. Die, durfte nicht uxitergeben. Und e» war un möglich, erst Ihrer Hoheit, Fran Schutze, zu be^ rid)tcn. Gleich mußte gehandelt werden. MoUmann stand auf, bezahlte und trat Maria in den Weg. die durch den Raum ging. •M sehe, daß hier fein Ort zu einer Ausiprache ist Aber ich werde Ihnen schreiben. Aus Wieder sehen, gnädiges Fräulein." Er zog ihre;')anb fast 9cgen ihren Willen ehrerbietig an die Lippen und ging. ..tiräuln," kam es wieder laut und heftig vom Büfett her. Maria beeilte sich, wieder an ihre Pflicht zu ücden. aber sooft sic in Frau Schmollers ^alje kam, sah sic bic Augen der starken Hochlanden Fn,u mit einem echässigen Ausdruck aus sich gerichtet und spurte dos Wetter, das im An» jug_ tour. ^ie mochte diese Frau nicht, di« so sittenstreng tat und die ihr doch gewiß nichts nachsagen konnte. Ein einjigtsmül hatte sie mit Godesheim einige Worte gewechselt und nun diese kurzen Sätze mit flolb mann, unb boch wuftte sie, bie bort wartete nur auf emo Gelegenheit. ..,r eine Szene zu machen. — Eine kleine etunbe svatcr kam ein Dienstmonn mit einem Brief. ..Für da» Fräulein von Erdmann»- dorsi" Er qob ihn an Frau SchmoUer ab. „Was lassen 6* sich denn .von' (dumpfen,” fragte die und warf Tiana den Brief zu. Wie dem stolzen Mädckien bo j BUn in das Gesicht slog! Die Frau Schmoller lachte höhnisch. Maria nahm den Brus, sah. baft . s nicht Heinz' Schriftzuge waren, dachte lolgcrichtia sogleich an Möllmann und trat aus bem Lokal hinaus in die Heine fllnltrfhibe. wo sie ibn öffnete. „Emr Hoheit müssen mir uergeben, menn ich ohne lange Worte solgenden Borfdilag unterbreite. Heute nbcnb neun Uhr vierzig geh' ber v Zug nach Berlin. Ich werbe zwei Plätze belegen lassen und i'rroortc Euer Hoheit nach Ihrer Bestimmung am Bahnhof oder mit Auto am Privatausgang ber Monbitorci. Die gnädige Frau Tante werde ich telephonisch von der Ankunst morgen früh verständigen. Wollen Hoheit dem Boten schriftlich ober mündlich eine kurze Antwort geben? Eurer Hoheit ehrfurchtsvoll ergebener Möllmann.* Maria ritz einen ber Heinen Zettel ab, auf denen fic bcn Betrag der Gaste vermerkte, schrieb kurz darauf: ..Mit dem ehrlichsten Dank jur Ihre große Güte muß ich ablehnen, Moria" und rief den Dienst- mann. „Wohin sollen Sie bic Antwort bringen?" „on bcn Bäurischen Hof. Da ift der Herr ab- gestiegen." „Gut, eilen Sie sich." Sie wollte wieder hinaus in das Lokal, als Herr Schmoller, ber sich selten vorn sehen liefe, in die Stube trat. eie mochte den stets nach dem Friseur ousscheii- den und nach ihm duftenden Mann noch weniger als feine Frau, er aber suchte ihr bei jeder Gelegenheit in den !^cg zu kommen „91 un, Fraulein, mal 'ne kleine Pause in der arbeit? Wenn alle unsere Damen so pslichtgetreu wären —■" e „Ich mufe mich eilen, Herr Schmoller. bitte — Denn er stand mitten cor ber Tür. „Leisten Sie mir boch erst noch Gesellschaft bei einem kleinen (Turajao. Sie sehen aus, als hätten Sie es nötig, wie?" „Ich trinke feinen Likör, Herr Schmoller " „Sehr töricht. Das gibt frische Kraft —* „Fräul il —“ Frau Schmoller stand hinter dem Manne in ber Tur „Also, bofe ich es sag' — jo was ift mir doch noch nicht vorgekommen Mit ben Herren (charmu- zieren — Briefe kricgeu während der Arbeit, Antworten jd?reiben — Likör trinken —" „Id) habe eben gejagt, daß ich dergleichen nicht anrühre." „Sieh mal ou. — Aber menn man mit den feinen Herrn ausgeht, bann tnntt man da» gan, gern, was? Na. die bösen Augen braudjen o mir nicht au machen, ich weiß schon Bescheid. So eine, bic aus- sieht, als könnt' s' fein Wäjserlein trüben, jo eine — mit mein einen' Manu anbmbcn, was' Das tonnt' In paffen." Herr edjmoUrr batte jich still beiseite gc drückt „Wollen sich hier wohl warm reinjetzcn, was? Ist nicht so leicht, ich lass' mich nicht jortschieben, das lag" ich grab raus. Äon so ’ner windigen Tc:'rn, wo Mronen in den Hemdern hat und den Mops trägt wie ’ne Prinzessin — so eine, wo man nicht weife, wo sie sich das Zeug zusammenaeholt hat —” ..Frau Schmoller'" Maria» Augen waren dunkel vor Zorn. „Ich last' mir 'n Mund nicht verbieten Ich nicht. Und wenn ich merk', daß die cad)' nicht sauber ift, ruf' ich die Polizei Di« mag mal rcinidyou'n in die Korbe und Kasten." Maria wandte sich wortlos zur zweiten Tür. ging hinaus ging die Treppen empor zum Kämmerchen hoch oben un Giebel unb begann ganz mechanisch ihre Sachen zu packen. Nur hier heraus. Nur hier heraus. Wie es ging, so muhte es gehen. Und wenn sie sich irgendwo im Bergschnee zur Ruhe betten tollte. Alles besser, als solcher Person auf Gnade und Ungnade ausgeliefert fein. Sie halte nicht viel herausgenomnicn aus ihrem Roffcr. Hier im Haufe umgab man sich nur mit dem Nötigsten, unb doch hatte die Schnüfflerin in ihrer Wäsche gekramt unb auf ben Bürsten das goldene Monogramm gesehen. Unb glaubte — Der helle Zorn flog Maria in ben Adern Sie warf die Sachen hinein in den Koffer, wie fit fielen. Schnell, nur schnell. Jemand klopfte, unb ehe sie noch antworten konnte, staub Herr Schmoller schon in ber Tür. „No, aber was fcU denn nun werden? Hat si Ihnen rausge kehrt, die Hexe? Das gilt nicht, Fräuln Maria —* Er legte den Ton auf die erste Silbe. „Hier gilt mein Wort Sagen ©' nur, daß Sic mich ein bissel leiben können —" .Herr Schmoller! Aber sofort hinaus aus meiner Stube!" „Stab, immer stad mit die jungen Pferde — Alle» In Ehren. Ein gutes Wörtel, unb Ich geh' heut noch hin und lass' un» aufbieten —" „Ach, Sie find ja verrückt Sie sollten sich schämen, einem Mädchen noch solche häßlichen Redensarten zu sagen." „Wo ich es io ehrlich meine Die da unten ift ja gar nimmer meine Frnu Ist dos mal gewesen. Bor zehn Jahren. Dann hat f Dummheiten g macht, da find wir auseinander gegangen " „Da» ist mir vollkommen gleichgültig, Herr Schmoller." Der liefe sich n chl stören. „Das war in Regensburg. Bor drei Jahren, wie ich hier In München aufgemacfil hab’, ift ste wieder ongefommen. Ja. ja. hot ihre Erfahrungen gemacht Unb mit ben Buirtt- mamiells — na, ich war auch nicht gut gefahren. D>e hübschen schamiusteren mit ben (flafien die häfe- lichen wollen geheiratet fein. Da nahm ich sie wieder. Aber an bic Mette hab’ ich mich nicht wieder fegen lassen." Er machte ein« kleine Paos«. Maria antwortete nicht, sie hatte gor nicht recht zugehört ..Unb wie eie bei uns 'reinkommen sind, hab' ich gleich gemufet: Die. wenn die wollt' — aho Jia?" Wieder eine Pause. Moria schloß eben bcn Hoffer. „Sie. Fräuln Marie, ich hab' Moses unb bie Propheten. Nicht zu knapp. Fragen Sie mal auf der Deutfchen Bank' — Ich kann Ihnen was bieten. Das ift 'ne Goldgrube hier. In so'n fünf Jahren gehn wir nach Mudllal oder Leoni und kaufen uns Die feinste Billa —" Maria drückte bic Pelzmütze aus bic Flechten, sah sich noch einmal flüchtig im Zimmer um unb ging an ihm oarbei, die Treppe hinunter. „eit werden jemand finden, ber besser zu^hnen pafet, Herr Schmoller." Wütend blickte ber Mann ihr nach Alle Monieren verlietzen ihn. Mit bem Fuße ttampfk er auf. „So ein hochnäsiges Notz! vagosch. oerfluchte."-- Bon der Post aus hatte Maria Heinz Godrshelm im Atelier angerufen (Fortsetzung folgt.) die richtige Verwendung bicfer Summen. Die beträchtliche Erhöhung der Tabaksteuern Hot selbstverständlich auch den einzelnen 'Raucher schwer getroffen, und während im Jahre 1913 au> den Kopf der Bevölkerung eine Steuerbelastung von ungefähr 2,74 Mark kam, beträgt diese heute 13,40 Mark. Nicht weniger als 10000 verschiedene Sorten Zigarren und über 1C00 Zigarcttenmarlen stehen dem Raucher in Deutschland zur Verfügung, und damit befindet sich der deutsche Konsument in einer beneidenswerten Lage gegenüber dem Raucher aus den Ländern, in denen ein Tabakmvno- p o l besteht. Dort muh sich der Staatsbürger mit den wenigen Sorten begnügen, die der Staat her- stellt, und noch heute weih der deutsche Raucher nicht, in welcher Gefahr er schwebte, als der Dawesplan angenommen wurde. Dec Sachver- ständigenplan hotte nämlich damals ein Tabakmonopol vorgeschlagen, und nur dec Hinweis auf die 111 OCX) Arbeiter, die die deutsche Tabakindustrie beschäftigt, vermochte die Eachverstän» üigen von ihrem Vorsatz abzubringen. Der deutsche Verbraucher nützt die ihm gebotene Gelegenheit gründlich aus: denn ungefähr 770 Millionen Mark werden jährlich für Zigarren und 1,3 Milliarden für Zigaretten ausgegeben. Roch immer ist die Herstellung von Z i - garrenkisten ziemlich umständlich, und der Außenstehende kann sich kaum einen Begriff davon machen, welche Arbeitsleistung die Herstellung der Zigarrenausstattung erfordert. Während bei- lsüelsweife Zigarettenschachteln von grohen Maschinen in einem Arbeitsgong angesertigt und zugleich beklebt werden, muh daS Holz für die Zigarrenkisten zunächst einmal nach ten gewünschten Mähen zugeschnitlen werden. In grohen Maschinen wird dann dem Kistendeckel die gewünschte Marke eingebrannt oder aufgedruckt, und nun erst erfolgt daS mühselige Dekleben mit den gewünschten Innen- und Außenetitetten, dem Ausschlagpapier. den Streifen und den Verschlüssen. Außerdem muh der Deckel noch mit einem Gazestreifen an der Kiste befestigt werden, und mit Ragel- oder Heftmaschinen wird dann die Kiste verschlossen. Wirtschaft. fiofrlentrife - Kohlenverständigung. Der Ruhrtohlenrerband hat kürzlich der Welt- lohienkrise eingehende Darlegungen gewidmet, die weit über den Rahmen der engeren Kohlenwirt- schast hinaus von gröhter volkswirtschaftlicher tiitö auch politischer Bedeutung sind, so daß man ihnen nur weitgehende Beachtung wünschen kann. Die Ausführungen über die Produktionssteige- rnng seit 1913. über dir Zunahme des Absatzes während der letzten Jahre, namentlich nach Beendigung des englischen 'Bergarbeiterstreiks, und dann vor allem die Verminderung der Erlöse aus der Pcodultion, denen der Ruhrkohlenverband begreiflicherweise ausführliche Darlegungen widmet, das alles zusammen stellt für den wirtschaftlich denkenden Menschen ein einziges überzeugendes Plädoyer zugunsten einer internationalen Kohwnverständigung dar. War vor dem Kriege die Kohle in den Ländernr, die über derartige Bodenschätze verfügten, das Rückgrat des Volksreichtums. so hat sich in der Rachkriegszeit das Verhältnis sehr gründlich gewandelt. Die Phro- phezeiung des verstorbenen Hugo S t i n n e s, der in Spa erklärte, es werde einmal die Zeit kommen, da die Welt am ^leberfluh der Kohlen- produttion beinahe ersticken werde, ist schneller eingetroffen, als selbst die ärgsten Pessimisten aitzunehmcn wagten. Der Hunger nach hochwer- tiym Brennstoff, der die erste Rachkriegszeit beherrschte. und für wesentliche Teile des Der- saAler Diktats stark mitbestimmend war, ist einer gewaltigen Ueberprvduttion gewichen, die nun mit aller Gewalt auf die Absatzmärkte in den kohlenarmen Ländern drängt, so dah die grohen europäischen Kohlenproduzenten, in erster Linie England und Deutschland, in ihrer Drennstoff- proouktion heute nicht nur nicht mehr eine der wichtigsten Quellen ihres Volkseinkommens besitzen, sondern dah sie geradezu ein Kanal geworden ist, durch den wertvolses Rationalvermögen nach anderen kohlearmen Ländern abslieht. Dieser Stand der Dinge muh jeden Einsichtigen mit ernster Sorge erfüllen. Wirkliche Ab Hilfe kann nur, wie bereits gesagt, ton einer umfassenden interenropäischcn Kohle» Verständigung erhofst werden. Davon sind wir freilich augenblicklich weiter denn je entfernt. Mit einem einfachen Verzicht auf Teile des bestrittenen Gebietes, wie sic Schmalenbach in seinem Ruhrkohlengutachten fordert, ist dem Problem jedenfa'ls nicht bcizukommen. da die Krise ja nicht nur aus Deutschland beschränkt ist, sondern eine weltwirtschaftliche Angelegenheit von gröhter internationaler Bedeutung darstellt. Dabei können wir England, das sich so bitter über die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt beklagt, die Feststellung nicht ersparen, daß es selbst an der Schaffung dieses Zustandes mahgebend mitbeteiligt gewesen ist Solange England auf dem europäischen Kontinent nur mit einem einzigen grohen Kohlenprvduzenten. nämlich Deutschland, zu rechnen hatte, war eine lleberfättigung des Weltmarktes, wie sie heute zu verzeichnen ist. niemals zu befürchten. Die deutsche Wirtschaft sorgte durch geeignete Maßnahmen von sich aus dafür, dah der Abbau der wertvollen Brenn- stofslagec planmäßig und ökonomisch betrieben wurde, so dah die Kohleförderung sich stets im Einklang mit den Absatzmöglichkeiten auf dem Weltmarlt befand. Das ist aber erheblich anders geworden, seit die britische Regierung es durch ihre politische Trägheit zulieh, dah Polen sich mit französischer älnterstützung und mit Hilfe einer aewaltiamen Interpretation der Abstimmungsrichtlinien oes großen oberschlesischen Koh- lenauskon-mens bemächtigte. Auch die ileberlaf- sung der Saargruben an Frankreich für einen Zeitraum von fünfzehn Jahren hat die englische Kohlenwirtschaft scAver getroffen. Endlich sei an die umfangreichen Reparationslieferungen erinnert. die der britischen Kohle ihr französisches Absatzgebiet in großem Umfange streitig gemacht haben. Vor dem Kriege wurde die mitteleuropäische Kohlenerzeugung planmähig betrieben. Heute herrscht infolge der oben geschilderten Auswirkungen des 'Versailler Vertrages absolute Anarchie in der europäischen Brennstofferzeugung. bei der rücksichtslos und unter Einsatz aller wirtschaftlichen Machtmittel um den ersten Platz am Weltkohlenmarkt gerungen wird. Dah dabei alle gesunden ötonomischen Grundsätze zum Teufel gehen, dah die Kohlenförderung heute nicht nur in Deutschland, sondern mindestens ebenso sehr in England und Polen tm höchsten Grade unwirtschaftlich geworden ist. verschlägt anscheinend nichts. Deutschland, dessen Wirtschaftsführer ja schon sehr bald nach Kriegs- schluh auf die Notwendigkeit internationaler Pro- duktions- und Abfatzvereinbarungen hinwiesen, bleibt unter den gegebenen ilmftäifben nichts anderes übrig, als in dieser ebenso leidenschaftlichen wie wirtschaftlich sinnlosen Konkurrenz der Drennstoffproduzenten mitzumachen, woraus sich dann der groteste Zustand ergibt, dah in kohle- armen Ländern, wie etwa Rorwegen oder Schweden oder Italien, die Kohle billiger zu haben ist als bei uns im eigenen Lande. Ja, es wurde sogar vor einiger Zeit berichtet, dah englische Kohle bis ins Ruhrgebiet vorgedrungen sei Cs bleibt nur übrig zu hoffen, dah die Verhältnisse sich eines Tages stärker erweisen werden als die Menschen, die heute nur um einer utopischen Vormachtstellung willen sich nicht dazu entschließen können, die europäische Kohlenwirtschaft in vernünftige Bahnen zu lenken. Oie internationalen Stickstoffverhandlungen. Zu den wiederholt dementierten Verhandlungen über eine bevorstehende S t i ck st o f f - Vereinigung zwischen der I. - G. - F a r b e n- I n d u st r i e - A - G. und der Imperial-Chemi- cal-Industries wird von wohlinformierter Seite mitgeteilt, dah tatsächlich wiederholt eingehende Besprechungen über die Frage eines internationalen Stickstoff-Kartells zwischen den beiden Chemie-Trusts stattgefunden haben, dah jedoch seitens der Farbenindustrie eine Verständi - gung z wisch en den deutschen Stickst o s f e r z e u g e r n als Voraussetzung zu den endgültigen Verhandlungen über ein internationales Stickftoffkartell bezeichnet würde. Bekanntlich steht der Ruhrbergbau vor einer sehr erheblichen Steigerung ferner künstlichen Stictstoff- erzeugung. Vor kurzem haben über die Frage des Stickstofsproduktionsprogramines wiederum wichtige Verhandlungen zwischen führenden Persönlichkeiten des Ruhrbergbaues und dec I.-G.- Farben-Industrie stattgeßinden, die jedoch, wie man hört, ferne Anzeichen für eine Annäherung der beiden Gruppen ergeben haben. * Polyphonwerke, A.-Ä. In der telegraphisch einberufenen Aufsichtsratssitzung der Poly- phontverke A.-G. wurde beschlossen, der General- oerfammhing nm 29. September die Erhöhung des Aktienkapitals um 4,5 Millionen Mark vorziifchln- gen. Davon, sollen 2 512 000 Mark von einem Bcmk- konsortium zu 235 Prozent übernommen werden mit der Verpflichtung, fi** im Verhältnis 5:1 $um Kurse von 240 Prozent den bisherigen Aktionären anzubieten. 1 748 000 Mark sollen in Verbindung mit der Einführung der Aktien an der Londoner Börse Verwendung finden. Die Einführung der Aktien erfolgt durch die Union Corporation Ltd., London, der Kurs wird im Einverständnis mit der Gesellschaft festgesetzt. Der Erlös fließt restlos der Gesellschaft zu. 'Deutschechandelsbank.A.-G., Frankfurt a. M. Das Institut schließt mit einem Rein- gewinn von 1173 (32306) Mark ab. Auf die 500 000 Mark Aktienkapital kommt eine Dividende nicht zur Verteilung (im Vorjahre 8 v. H. auf 250 000 Mark): Prooisions- und Zinseinnahmen erhöhten sich auf 135 050 ( 53 393) Mark, während sonstige Einnahmen auf 81 250 (145 446) Mark zu rückgingen. Unkosten und steuern stiegen auf 144 791 (128 497) Mark und Provision-- und Zinsausgaben auf 71 741 (39 018) Mark. Qn der Bilanz erhöhten sich Bankschulden auf 139165 (39 210) Mk., Einlagen auf 192 718 (133 025) Mk., andererseits erscheinen 55 362 (58 002) Mark Bar mittel. 42 516 (80 509) Mark Bankguthaben. 50 365 (55 893) Mark Effekten und Devisen und 433 116 (267 031) Mark Konlokorrentschuldner. Ararrk-urtcr Börse. Fr a n t f u r t a. M., 30. Juli. Tendenz: überwiegend etwas fester. — Zu Beginn der neuen Woche war die Stimmung etwas freundlicher, wenn auch eine Belebung des Geschäftes nicht ein treten konnte. Reue Orders lagen kaum vor, doch schritt die Spekulation auf den meisten Markgebieten zu kleinen Deckungskäufen, angeregt durch den festen Schluß der Neuyorker Börse nom Samstag. Im Zu sammenhang mit den bestehenden Geldmarktsoraen war der Grundton der Börse etwas unsicher. Der heutige Zahltag brachte allerdings keinerlei Schwierigkeiten. Bei nicht ganz einheitlicher Kurs- cntwicklung ergaben sich zu den ersten Notierungen überwiegend kleine Kursbefferungen oon 1 b i s 2 o. $). Einige der in der vergangenen Woche besonders stark gedrückten Werte waren stärker er holt. So konnten sich nm Montanmarkt RheinijcheBraunkohlenöv. H. und Man nesmonn 2,5 v. H. erholen. Don Elektromer t e n waren Siemens 2,5 v. H. und A E (9. 1,5 o. H. gebessert. I.-G.-F a r b e n , G o l d s ch m i dt und R ü i g e r s w e r k e eröffneten je 1 o. 5). erhöht. Zellstoffwerte waren vernachlässigt. Wald h o s lagen 0,5 v. H., Aschaffenburger 1,25 v. S). gedrückt. Auch S ch i f f a h r ts w c r t e eröffneten eher etwas gedrückt. Am Banken in arkt waren Commerzbank 1,5 d. S). und Dis - conto Gesellschaft! v. H. erhöht. Deutsche Anleihen waren eher nachgebend. A u s l ä n . dische Renten unverändert still. Im Verlause ging das Geschäft auf ein Minimum zurück. Für I.-G.- Farben, AEG. und Siemens bestand einiges Interesse, ohne dah sich die Kurse wesentlich verändert hatten. Der Geldmarkt war etwas leichter. Tägliches Geld 7 v. S). Am Devisen- markt lagen Devisen fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1902, gegen Pfund 20,345, London gegen Kabel 4,8580, Paris 124,09, Mailand 92,84, Madrid 29,52, Holland 12,097. Berliner Börse. Berlin, 30. Juli. Der feste Verlauf der letzten Neuyorker Börse hatte im heutigen Vormittagsverkehr Erwartungen auf eine Besserung auch bei uns ausgelöst. Die Unsicherheit, die sich aber dann durch die Schwankungen am Polyphon- markte wieder entspannen, machten sich schon im Vormittagsoerkebr fühlbar und schien zu einem Vorstoß der Baisfepartei geführt zu haben, denn die kleinen Käufe, die zu Beginn der Börse zur Aus führung kamen, reichten nicht aus, um das Kursniveau einheitlich zu beeinslussen. Auch ist die Geldmarktlage zum Zahltag immer noch nicht ganz geklärt, obwohl der heutige Zahltag kaum noch Schwierigkeiten machen dürste. Es bestanden aber Befürchtungen betreffs einer Diskonterhöhung der Bank oon England am nächsten Donnerstag, da der niedrige Stand des Pfundkurfes verschiedene europäische Devisen (besonders der Mark gegenüber) bereits zu einem Abzug erheblicher Gvlddeträge der Bank von-England geführt hat, und, wenn sich hieran nichts ändere, nur eine Diskonterhöhung helfen könne. Trotzdem war der Grundton der Börse zu Beginn nicht un- freundlich. Die Hauptspelutionswcrte wie Berger, Tietz, Salzdetfurth konnten Gewinne bis zu 5 Proz. und mehr aufweisen. Bei den Nebenwerten waren die Abweichungen gegen die letzten offiziellen Notierungen vom Freitog nur sehr klein. Polyphon setzte mit 465, nach 455 vor börslich, 15 Proz. niedriger ein, verloren aber im Verlause noch weitere 7 bis 8 Proz. Ueberhaupt neigte die Tendenz nach den ersten Kursen eher zur Schwäche. Auf Abgaben des Hamburger Platzes, an dem eine Firma schwach geworden sein soll, lagen Deutsche Atlanten zeitweise bis zu 10 Proz niedriger. Deutsche Anleihen nachgebeno. Ausländer uneinheitlich. Anatolier und Türken etwas befestigt. Der Pfandbrief markt war still, nur Roggenpfandbriefe wieder etwas fester. Geld war zum Zahltag naturgemäß gefragt, aber nicht in dem Maße, wie zum heutigen Zahltag erwartet. Geld bis morgen 7,5 bis 9 Proz, Geld über Ultimo 8 bis 9,75 Proz., Monatsgeld 8 bis 9 Proz. Warenwechsel ohne Umsotz. Auch im weiteren Verlaufe war die Tendenz Schwab» Jungen unterworfen, dos Geschäft sehr gering die Kurse neigten eher zur Schwache. Fest Ingen auf gute Käufe Reichsbank und Tietz. ftnifUvtct »>c».c. c.*jvrje. Frankfurt a. M, 30. Juli. Der heutige Haupt- markt verkehrte bei ruhiger Tendenz in weiter etwas abgeschwächter Haltung Weizen und Hafer, ebenso Mais und Weizen- unb Roggenmehl verloren je 0,25 Mark, während sich die ubruien Getreide fort en bei stiller Tendenz unverändert hielten. Es wurden notiert: Weizen 25 Mark: Roggen 24,25: Hafer, in- löndifcher, 26,75 bis 27. Mais (gelb) für Futter- zwecke 24,75 bis 25: Weizenmehl, süddeutsches (Spezial 0), 34,50 bis 35: Roggenmeh! 35,25 bi- 35,50; Weizenkleie 14,10 bis 14,25; Rogyenkletc 1 \7 •_ Erbsen, je noch Qualität für Speisezwccke. 32 dis 60; Linsen, je nach Qualität für Speifezwcck. 50 bis 95; tf ' . gut, gesund :recke , 7,7)5 8; Weizen- und Roggenstroi), drahtgepretzt, l,3(i bis 4.50, Weizen- und Roggensircm, gebündelt 3,60 bis 3,70, Treber, getrocknet, 18,75 bis 19 Mark. — Ten denz: ruhig “ -- F-ra-lksurtcr Schlachtvie. markt. Frankfurt a. TL, 30. Juli. Auftrieb: 1659 Rinder: darunter 360 Ochsen, 9> Bullen, 715 Kühe, 430 Färsen, 588 Kälber, 54 Scho sc, 4954 Schweine. Rinder. Ochsen: ocUfl., ausqemäftctc, höchste» Schlachtwerts, jüngere 57 bis 60 Mark, ältere bis 56 Mk.: sonstige vollst jüngere 47 bis 52. Bullen: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts -I I bis 52; sonstige vollst, oder ausgemostete 44 bis 4>. Kühe: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 45 bis 50; sonstige vollst, oder ausgemästete 40 bis 41. fleischige 34 bis 39; gering genahri- 28 bis .13. Färsen (Kalbinnen, Iungrindcr): vollsl., au-gemäftek, höchsten ---chlachtwerts 57 bis 60; oollsteischiq" 53 bis 56; fleischige 46 bis 52. Halber: beste Mast und Saugkälber 71 bis 74; mittlere Mast und Saugkälber 65 b-s 70; geringe .Halber 56 bis 64. Schweine Fettjchrneine über 300 Pfund V-'bvnb gewicht 73 bis 75; Schweine ton etwa 240 bt. 300 Pfd. Lebendgewicht 74 bis 76; von etwa 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 75 bis 77. oon etwa 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 75 bis 77; fleischige Schweine von etwa 120 bis IGO Pfd. Lebendgewicht 70 bis 74; Sauen 60 bis 65 Mk. — Markiverlavf: Rinder ruhig, nahezu ausverkauft. Schweine lebhaft, geräumt. Kälber und Schafe bei ruhigem Verkehr ausv^kauft. Bücherirsch. — A u g tt st Skalweit: Die curo- päische Einwanderung in Südamerika. (Verlag Quelle & Meyer in Leipzig.) Der an seiner Gießener Forschungsstätte noch unvergessene, jetzt an der Universität Kiel lehrend-' Professor der Dolkswirtschastslehre August Stal- tocit gibt in dieser kleinen Broschüre den Seit eines Vortrages, der eines der interessantesten Probleme der modernen Devölkerungspolitik, die Auswanderung nach Südamerika, behandelt. Der Vortrag ist deshalb besonders wertvoll, weil er aus dem Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung die prakttschen Folgerungen zieht und deshalb in die Hand eines jeden gehört, der sich mit dem Gedanken trägt, auf dem südatncriIonischen Kontinent eine neue Heimat zu gründen. Es wird dann zweifellos mancher dem deutschen Boden und dem deutschen Volkstum erhalten bleiben, der heute in der Fremde nur attzuleicht dem rettungslosen Untergang ausgesetzt ist. 251 — Paul Meesmann, Dr. rcr. pol. h. c.: Grundfragen der Wirtschaft. (Verl?g des Mittelrheinischen Fabrilantenvereins, Mainz. Preis 3 Mk.) — Das wertvolle Buch ist entstanden aus Vorlesungen, die der Verfasser nach seiner Ausweisung aus dem besetzten Gebiet an der Hessischen Landesuniversität in Giehen gehalten hat. Es ist deshalb von besonderem Interesse. weil hier ein Mann der Praxis auf Grund jahrzehntelanger Erfahrungen im Wirtschaftsleben über die Probleme der Wirtschaft spricht. Das kleine Werk ist deshalb eine sehr schätzenswerte Ergänzung der nationalökonomischen Fachliteratur und besonders auch Studierenden warm zu empfehlen. 340 — Walter Fiseher: Hauptfragen der Amer i k a k u n de. (Bandlll ivr neupyilo- logischen Handbibliothek für die westeuropäischen Kulturen und Sprachen, Verlag Deshagen L Kla- sing in Leipzig) Der Anglist unsere' Landesuniversität veröffentlicht hier auf Grund früherer Einzclarbcilcn in knappster Form ein außerordentlich inlerefsanles und für die GrleimtniS Amerikas zweifellos wesentliches Material, aus dem wichtige und iniere'sanle Schlußfolgerungen gezogen werden. Das kleine Büchlein ist in hohem Maße geeignet, schneller und gründlicher, als manch dickleibige Kompendien uns den amerikanischen Eharakter nahezubringen. Besonder» interessant ist auch der Aussatz über die amerikanischen Universitäten. 330 Kurszettel der Berliner und Krankfurier Börse. _____________________Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — ReichsbankdiSkonl 7 Prozent, LombardzinSfuh 8 Prozent. ^ranNfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a.M Berlin Berlin. 27 3ali Mnet - trantd:tiG)c ylorni..... jotlöjibtfrfje ..... italienifrte ‘Kofen...... Uorn.’cflffctje iRoteit..... «-ftf’-r ..iioo Äronte Jiuniänrfcbe ‘Jlotat...... ed)trri>ifd;f Noten...... Schwerer Roten....... iZnan Noten....... L'chccho'Icwokische Noten . . ilngorhche Noten . ... DedisenmerU Berlin Teieoraphtsche ' 1, 167.99 22.01 111.5.' 59,1'1 3.51 111.70 MU, 69 «iS. 76 12.37 72,77 —Frankfurt Aus 4 ad lb.4i, 16«, «57 22,09 111.96 59.35 2,56 112.14 81.01 12.43 73.07 tt. BL UDO Sdjlub-, I-Uhr- Nur» | fiurs s*‘u6- Aut» Anfang flur» ächlub»! 1-Uhr» Aut» 1 tiurs Schmtz flure tunfang flure Sdjlufc. Mur» 1-Uhr- Rur» St% Rumänen QfolbanL von 1913 Hilft. DnUftbe l^icntobn . . 4)4 toinburn-Ämerita 45ch. . . 6 Faala TamvIWH.....10 «vrddeutscher Llohd.....k» 8fUg. TcudcbrCreeitona. . . 10 Qatmt: Vantverrin .... 10 Berliner Handrltoclclych. - . 12 kcminttj- unb Prrval-Bant ■ 11 'Tarnft. u. 91iirwnalbari . . 12 DeniIch« Lank......1° Dt4koma-»k>riy»asl «ni- ■ w Dresdner Bank......1<* heutige ... 9 Keiallbani ......... 8 ReUMbant ........ 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