Nr. 25 Erstes Blatt 178. Jahrgang Montag, 50. Januar 1928 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats.Bezvgspreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech ans chlüsse: 51, 54 ithb 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: zrantfurt am Main 11686. vnlS und Verlag: vrühl'fche Untverftlätr-Vllch- und Stetnörudcret R. Lange in Gießen. Schnstleitung und Geschäftsstelle: 5chulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfcnnig- für Re- klameanzeigen von 70 inm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrist 20v 0 mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot,- für den übrigen Teil Ernst Dlumfchcin; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Der Geburtstag des hessischen Staatspräsidenten. Darmstadt, 30. Ian. Aus Anlaß des 75. Geburtstages des hessischen Staats- Präsidenten Ellrich fand Samstag vormittag im Palais des Staatspräsidenten großer Empfang statt. Die offizielle Gratulation eröffnete der älteste Kanzleirat Winkler, der im Namen der Beamtenschaft des Staatsministeriums die herzlichsten Glückwünsche aussprach. Als oberster Beamter des Landesamts für das Bildungswesen sprach Ministerialdirektor Dr. LI r st a d t, der an der Spitze seiner Beamten- schäft erschienen war und in längerer Ansprache deren Glückwünsche zum Ausdruck brachte. Als Vertreter des Gesamtministeriums erschienen die Minister Raab und Dr. Kirnberger und die Ministerialdirektoren Dr. Schwarz und Schäfer, letzterer in Vertretung des erkrankten Finanzministers Henrich. Minister Raab hielt die Glückwunschansprache im Auftrag seiner Ministerkollegen. Zum Angebinde liehen die Minister dem Staatspräsidenten 100 Flaschen Domänenwein und ein Album mit ihren Bildnissen überreichen. Die Rektoren der Universität Gießen und der Technischen Hochschule Darmstadt, Professor Dr. Rosenberg und Professor Dr. Kammer, überbrachten die Glückwünsche der Hochschulen und dankten dem Staatspräsidenten für die Pflege des geistigen und kulturellen Lebens, dankten insbesondere für Erhaltung und Ausbau der Landesuniversität und für die Unterstützung des sozialen Hilfswerkes der Studentenschaft. In seiner Erwiderung wies der Staatspräsident auf die Notwendigkeit der Entwicklung der Wissenschaft hin, die nur dadurch ihr Daseinsrecht behaupten könne, wer aufhöre zu lernen, höre auch auf zu leben. Als Vertreter der Reichsbehörden gratulierten der Präsident des Landesfinanzamts Dr. G l ä s s i n g , Ober- rcgierungsrat Dr. Schneider von der Reichsbahndirektion Mainz und Vizepräsident Martin als Vertreter der Oberpostdirektion. Für die hessischen Ministerialdirektoren und Staatsräte sprach Ministerialdirektor Dr. Schwarz, für die hessische Richterschaft gratulierten die Herren Oberlandesge- richtsprösident Dr. Stein, Generalstaatsanwalt Hofmann und Landesgerichtsdirektor Härtner, für die evangelische Landeskirche Prälat D Or. Diehl, für die Oberrechnungskammer Präsident Suffert, für die Landwirtschaftliche Versuchsanstalt der 85jährige Geheimrat Dr. Wagner, für das Staatsarchiv Direktor Dieterich, für das Landesversickerungsamt Präsident Dr. Neumann, für die Schutzpolizei Oberst Car- r a c i o l a , für die Landespolizeischule Oberregie- rungsrat L a u t e n s ch l ä g e r, für die Landes- statistik Dr. Meller, für das Landestheater Generalintendant Ebert, für die Lcmdwirtschaftskam- mcr Präsident Hensel, für die Stadt Darmstadt Oberbürgermeister Dr. G l ä s s i n g und Bürgermeister Müller, letzterer zugleich im Namen der hessischen Flugbetriebs-A.-G. Die Glückwünsche des Landtags überbrachte Landtagspräfidcnt Adelung im Namen aller Parteien und überreichte als Geschenk eine Odenwälder Landschaft, gemalt von Prof. Lippmann. Die Zentrumsfraktion und die demokratische Fraktion liehen besonders gratulieren, ebenso verschiedene politische Organisationen, das Reichsbanner und viele andere. Die Provinzen und Kreise ließen Glückwünsche aussprechen durch die Provinzialdirektoren Dr. Kranzbühler, Dr. Ujinger und Grq,f, ferner Kreisüirektor Merck (Groß-Gerau) und Oberregierungsrat Dr. Strecker (Mainz). Außerdem ist eine große Anzahl offizieller und inoffizieller Glückwunschtelegramme und Schreiben eingegangen U. a. gratulierte telegraphisch Reichskanzler Dr. Marx in seinem und im Namen der Reichsregierung und gleichzeitig in seiner Eigenschaft als Reichsminister für die besetzen Gebiete. Ein herzliches Schreiben ist namens der preußischen Staatsregierung vom Ministerpräsidenten Dr. Braun eingegangen, ferner ein solches vom preußischen Innenminister G r ze s i n s k i, .vom Ministerpräsidenten Re m m e I e im Namen der badischen Regierung, vom braunschweigischen Ministerpräsidenten Dr. Jasper, vom Neichsminister a. D. Dr. David, vom Staatssekretär P ü n b e r, vom Oberpräsidenten Schwan der (Kassel), vom hessischen Staatsminister a. D. von Ewald und anderen. Am Abend sand in den mit Blumen und Blattpflanzen geschmückten Repräsentationsräumen des Staatsministeriums auf Einladung des Gesamtministeriums ein parlamentarischer Abend zu Ehren des Herrn Staatspräsidenten statt. Zu ihm waren erschienen: das Gesamtministerium, die Abgeordneten des Landtags und die hessischen Reichstagsabgeordneten, die Spitzen der hessischen Behörden und Kammern und die Reichsbehörden in Hessen, Stadt- und Gemeinde- vertrefangen. Führer von Organisationen und Verbänden sowie die Spitzen der Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst und Vertreter der Presse. Rach musikalischen Vorträgen wies Minister Raab aus das seltene Ereignis hin. das die Gäste hier festlich vereint habe. Das 75jährige Geburtstagskind könne auf ein arberts-, er- lebnis- und erfolgreiches Leben zurückblicken. Schon in seiner Jugend sei Karl ckllrich dem Kamps ums Dasein ausgesetzt gewesen, im Mannesalter sei ihm der Kampf ums Brot für seine Familie nicht erspart geblieben. Das alles habe ihn aber nicht abgehalten, für das deutsche Vaterland und seine öffentlichen Interessen seine Ideale durchzukämpfen. Wenn er jetzt nach einem langen arbeitsreichen Leben in erstaunlicher geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit unter seinen Gästen weile, so werde er es, ter wisse, daß ter Reid eine aufrichtige Antugend des Menschen sei, es niemand übel nehmen, wenn man ihn um seine Frische im Alter beneide. Seit fast 10 Jahren stehe Staatspräsident LIlrich jetzt an der Spitze des hessischen Staates und habe seine hohe Stellung in der schwersten Zeit der Rot angetreten. In all den Jahren habe er die Sorgen und Kümmernisse an verantwortungsvoller Stelle am härtesten gespürt und sei bemüht gewesen, sie erträglich zu gestalten. Damit habe er sich den vollen Dank des Hessenvolkes verdient. Wir sreuen uns mit ihm, daß er aus eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken darf. Staatspräsident Alrich erwiderte, Richtalternwollen sei eine Willensfrage. Man dürfe sich nicht alt fühlen, man müsse jung sein wollen. Der heutige Abend beweise ihm aufs neue, daß man das könne, wenn man es nur wolle. Schmerzlich vermisse er heute abend den Herrn Finanzminister Henrich, den meist angefeindeten Minister des Kabinetts. Im politischen Kampfe gehe es zwar nicht ohne Anfeindungen ab, aber manchmal sei es Henrich gegenüber doch brenzlich geworden. Da habe er dem Finanzminister gut zugesprochen, ec solle nicht weichen im Dienst am Volk und im Kampf für die Zukunft und Freiheit. Wenn er auch einmal nicht mehr im Amte sei, so gebe es für ihn keine Llntätigkeit, kein „Es war e.nmal". Er habe keine Reigung, eine Märchengestalt zu sein, sondern sei entschlossen, für das Hessenland im Rahmen des Deutschen Reiches .und für das deutsche Volk zum Besten des deutschen Vaterlandes weiterhin zu wirken. Weitere Darbietungen leiteten zum zwanglosen Teil des Abends über, dec zu regem Gedankenaustausch ausgiebig benutzt wurde und sicher allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Ein Fackelzug, veranstaltet von der Sozialdemokratischen Partei, dem Reichsbanner, den Gewerkschaften, den freien Arbeitervereinen und der Arbeiterjugend, bewegte sich am Abend zum Hause des Staatspräsidenten. Oer Glückwunsch des Reichspräsidenten Zu unserem Befremden müssen wir feststellen, daß in dem offiziellen Bericht über die Geburtstagsfeier des Staatspräsidenten Lllrich. der der Presse gestern von ter Pressestelle des Staats- ministcriums zugesandt wurde, in ter Reihe der Glückwunschtelegramme mit keinem Wort ter Glückwunsch erwähnt worden ist, den der Herr Reichspräsident vonHindenburg dem hessischen Staatspräsidenten nach einer Berliner Wolffmeldung telegraphisch übermittelt hat. Auch das folgende Telegramm des der deutsch- nationalen Partei angehörenden Reichsverkehrs- ministers Dr. Koch wird von dem amtlichen Festbericht mit keinem Wort erwähnt. Der Minister drahtete: „Zur Vollendung Ihres 75. Lebensjahres, das Sie in hoher verantwortungsvoller Arbeit erreicht haben, spreche ich Ihnen, sehr verehrter Herr Staatspräsident, meine herzlichsten Glückwünsche aus und erinnere mich dabei dankbar der vertrauensvollen Zusammenarbeit der hessischen Regierung mit dem Reichsverkehrsministerium in vielen bedeutsamen Fragen. insbesondere der Verrcichlichung der Wasserstraßenverwaltung, die nach dem Willen der Reichsverfassung alle deutschen Länder gleichmäßig an den Vorteilen einer einheitlichen Bewirtschaftung der deutschen Ströme teilhaben lassen soll." Der hessische Staatsgerichtshof. Neuwahl der Parlamentarischen Mitglieder D a r m st a d t, 29. Ian. Gestern nachmittag trat der Landtag zusammen, um die Neuwahl der parlamentarischen Mitglieder des Staatsgerichtshofes vorzunehmen. Aus Anlaß des 75. Geburtstages des Staatspräsidenten war dessen Platz am Regierungstisch mit einem 'Blumenstrauß geschmückt. Präsident Adelung richtete zunächst eine Ansprache an den Staatspräsidenten, worin er ihn als langjährigen Parlamentarier feierte. Der Staatspräsident dankte, indem er u. a. erklärte, daß er weiterhin an seinen Idealen festhalte und für sie eintreten werde. Präsident Adelung teilte dann den Protest der Ko mm uni st en mit, der sich auf Artikel 50 der Verfassung beruft, der bei der Wahl des Staatsgerichtshofes verletzt worden sei, weil er a l s Wahlverfahren die Verhältniswahl vorschreibe, während der Landtag sieben parlamentarische Mitglieder des Staotsgerichtshofes durch eine bm-bloc-Abstimmung wählte und ein Mitglied durch Stimmzettel. — Abg. D i n g e l d e h (D.Vp.) erstattet Bericht und gibt den Beschluß des Ältestenrates bekannt, die Wahl, unter Wahrung der Verfassungsvorschristen, noch einmal vorzunehmen. — Abg. Galm (Komm.) greift die Parteien an, weil sie bei der in Rede stehenden Wohl die Verfassung verletzt hätten; er fordert dann, daß sich der Landtag durch einen Beschluß selbst a u f l ö st. (Zurufe: Das ist ja eine Verfassungsverlehung; Heiterkeit.) — Abg. Dr. Wolf (Dolksrechtspartei) gibt im Namen seiner Partei eine Erklärung ab, worin der gegenwärtige Landtag als verfassungswidrig zustande gekommen bezeichnet wird; die Volksrechtpartei werde sich deshalb nicht an der Wahl beteiligen. — Der Auflösungsantrag Galm wird gegen die Stimmen der Volksrechtspartei abgelehnt. Es folgen jetzt die Wahlen der parlamentarischen Mitglieder des Staatsgerichtshofes, denen eine längere Geschäftsordnungsdebatte vorangeht, .in der die Kommunisten sich darüber beschweren, daß man ein Wahlverfahren in Anwendung bringe, das von vornherein die Kommunisten Stuttgart. 28. Ian. (WB.) Im württem- bergischen Landtage erklärte Staatspräsident Bazille in Beantwortung der großen sozialdemokratischen Anfrage wegen seiner Rede auf der Berliner Länderkonferenz, er habe die der Presse übergebene Rede im allgemeinen nach dem Manuskript gehalten, aber an einigen Stellen während des Vortrages Aen - derungen vorgenommen und gerade an der Stelle, die Gegenstand der Anfrage fei, Erläuterungen cingefügt. Er habe u. a. wörtlich ausgeführt: Die Sorge ist berechtigt, daß der Versuch gemacht wird, durch mehr oder weniger fünften Druck und auf ilmtoegen zum Einheitsstaat zu gelangen. Sollte dieser Weg beschritten werden, so wird unmittelbare Gefahr für den Bestand des Reiches heraufbeschworen. Denn nichts ist irriger und gefährlicher als die Meinung, die Länder würden sich schließlich in ihr unvermeidliches Schicksal fügen. So wie die Dinge in Europa liegen, kann die - s e s Spiel mit dem Feuer den ganzen Kontinent in Brand st ecken. Längere Wirren ernster Art in Deutschland bilden einen Anreiz für unsere Nachbarstaaten, die ausfallenden Reparationen durch, Stücke deutschen Landes zu ersehen. Es kann sich wiederholen, was wir bereits einmal erlebt haben: Besetzung der Rheinlande und des Ruhrgebiets durch Frankreich, aber auch Wegnahme Ostpreußens durch Polen. Solchen Zugriffen könnten aber England und Rußland, vielleicht auch Italien nicht ruhig zusehen. Schon oft hatten kleine Llrsachen große Wirkungen. Der Staatspräsident fügte hinzu, seine Worte seien keine Drohungen gewesen, sondern nurBefürchtungen. Niemand könne behaupten, daß er mit Landesverrat gedroht habe. Der preußische Ministerpräsident habe auf der Länderkonferenz ausgeführt, daß die Trennung des Reiches in zwei Teile, den Süden und den Norden, zu dem Au-seinan- Verfallen des Reiches führen werde. Der preußische Ministerpräsident habe also die gleichen innerpolitischen Sorgen gehabt. Er (Bazille) habe nicht den geringsten Anlaß, von seiner Berliner Rede auch nur ein Wort zurückzunehmen. (Beifall rechts). Von den Sozialdemokraten wurde ein Mißtrauensantrag gegen den Staatspräsidenten eingebracht, Berlin, 29. Ian. (WTB.) Im Reichsparteiaus- schuß des Zentrums, an der u. a. alle dem Zentrum angehörenden Mitglieder der Reichsregierung und der preußischen Regierung und u. a. auch die Abg Dr. Wirch, Jmbusch und Stegerwald teilnahmen, erstattete Reichskanzler Dr. Marx, der als Parteivorsitzender die Versammlung leitete, ein längeres Referat, in dem er ein Bild der Mitarbeit des Zentrums an dem Wiederaufbau des Reiches entwickelte. Die deutsche Republik sei heute gesichert. Langsam beginne sich der Wohlstand des Volkes zu bessern. Die deutsche Außenpolitik müsse auf dem in Locarno beschrittenen Wege fortgeführt werden. Innenpolitisch stellte Dr. Marx mit besonderem Nachdruck fest, daß das Zentrum die Verfassung und die gegenwärtige Staats- f o r m bejahe. Es sei absolut falsch, wenn man in dieser Frage Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Zentrumspartei konstruieren wolle. Das Zentrum stehe fest zur deutschen Republik, wie sie in der Weimarer Versüssung fcftgelegt ist. Hinsichtlich der Wahlrechtsfrage mies Dr. Marx auf die Mängel des bestehenden Wahlrechts hin, wobei er erkennen ließ, daß diese Mängel von dem gegenwärtigen Reichstag nicht mehr geändert werden könnten. Auf der Länderkonferenz habe sich trotz aller Meinungsverschiedenheiten die Einmütigkeit darüber ergeben, daß eine st a r t e Reichsgewalt unerläßlich sei. Zur Frage der Beamtenbesoldung betonte Dr. Marx, daß unter allen Umständen am Berufsbeamtentum fest- gehalten werden müsse, andererseits müsse aber auch der Arbeiterschaft ihr Recht werden. Was das Reichsfchulgefetz betrifft, so werde das Zentrum mit aller Kraft daran festhalten, daß die in der Verfassung von Weimar festgelegten Rechte, vor allem das Elternrecht, gewahrt bleiben. von ter Aussicht, einen ihrer Kandidaten durchzubringen. ausschließe. Abg. Dingeldey macht daraus aufmerksam, daß hier das gleiche Wahlsystem wie bei den Reichstags- und den Land- tagswahlen verwendet wird. Es wurden dann gewählt die Abgeordneten Schül (Zentr.), Wesp (Zentr.), Dr. Müller (Bauernbund). Scholz (D. D. P.). Schreiber (Dem.), Kaul lSoz.), Sturmfels (Soz.) und Ritzel (Soz.). Stellvertreter sind die Abg. Lang und Nuß (Zentr.), Glaser (Landbund), Dr. Kecker (D. D. P.) und Reiber (Dem.), sowie die Abg. Lückel (Soz.), Rechthien (Sozck und Weber (Soz.). Im wesentlichen sind also dieselben Abgeordneten wie bei dem ersten (dem angefochtenen) Wahlverfahren gewählt worden. in dem es heißt: Die Ausführungen'des wärt- tembergischen Staatspräsidenten auf ter Län- derlonferenz in Berlin entsprechen nicht ter Auffassung des württembergischen Dolles über das Verhältnis Württembergs zum Reich. Das würt- tembergische Volk fühlt sich mit dem Deutschen Reiche untrennbar verbunden und weist jeden Gedanken ter Möglichkeit einer Lostrennung Württembergs vom Reich als Folge einer Fortentwicklung zur völligen Einheit des Reiches mit aller Entschiedenheit zurück. Die Androhung schwerster nati- tionaler und internationaler Erschütterungen für den Fall der Verwirklichung des Gedankens der Reichseinheit durch den württembergischen Staatspräsidenten ist unvereinbar mit den Interessen Württembergs, wie des Deutschen Reiches und wird vom Landtage aus das schärfste mißbilligt. In der Aussprache über die sozialdemokratische Interpellation erklärte der Abg. Bock (Ztr.) fein Erstaunen darüber, daß nach den Erklärungen des Staatspräsidenten die Ausführungen der Sozialdemokratie noch möglich waren. Der Abg. Bock bezeichnet den sozialdemokratckchen Antrag als ungeheuerlich und erklärt schließlich, das württembergische Volk habe die Llnitarisierungs- beftrebungen satt. — Von demokratischer Seite wurde folgender Eventualantrag gestellt: Der Landtag ist mit den Ausführungen des Staatspräsidenten nicht einverstanden und bedauert, daß durch sie ein nicht zutreffender Eindruck von der Einstellung des württembergischen Volkes zum Reich und zum Reichsgedanken entstanden ist. Nachdem noch mehrere Redner in die Debatte eingegriffen hatten, gab Abg. Rath für die Deutsche Volkspartei eine Erklärung ab, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß die Form der Rede des Staatspräsidenten peinlich berührt habe und daß sie an einigen Stellen jede staatsmännische Zurückhaltung vermissen lasse. Seine Partei werde für den demokratischen Eventualantrag stimmen. — Der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt. Düsür stimmten Sozialdemokraten, Kommunisten und Demokrüten. Der demolratifche Eventuülüntrüg wurde ebenfalls übgelehnt. Düfür Hütte außer den genannten Parteien auch die Deutsche Dolkspartei gestimmt. Hier handle es sich um Grundsätze der Zentrums- Partei, auf die nicht verzichtet werden könne. Die Aussprache ergab vollkommene Einmütigkeit über die Stellung des Zentrums zur republikanischen Staatssorm. Die Spannungen innerhalb der Partei, die in offener Aussprache behandelt werten, liegen vielmehr aus sozialem Gebiet, wie aus den Ausführungen der Vertreter bet Arbeiterschaft her- vorging. Aus den Kreisen der Verhandlungs- teilnehmer verlautet aber, daß für alle Seiten das ernste Bestreben in die Erscheinung trat, über die gegenwärtige Spannung hinauszukommen. Eine längere Entschließung wurde schließlich unter lebhaftem Beifall der Versammlung einstimmig angenommen, in der es u. a. heißt: Der Ausschuß lenkt die Aufmerksamkeit der Gesamtpartei auf die Erfüllung der sozialen Grundgedanken, die von jeher das Fundament der deutschen Zentrumsparlei gewesen sind. Die deutsche Zentrumspartei kann ihrem inneren Wesen nach nur eine christliche und soziale Volkspartei sein. Weite Kreise des werktätigen Volkes in der Arbeiterschaft, im Mittelstand und in der Landwirtschaft haben in den Wirren der letzten Jahre den Anteil am Ertrag ihrer Arbeit nicht zu erringen vermocht. der ihnen zu ihrem Aufstieg und zur Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Ausgaben im Volksganzen zukommen muh. Alternde Arbeiter und Angestellte sehen sich vor steigenden Cki- stenzschwierigkeiten. Viele kinderreiche Familien haben nicht das zum Leben Notwendige. Noch immer sind eine halbe Million Familien im Deutschen Reich ohne Wohnung. Die Urproduktion in Industrie und Landwirtschaft bedarf in Rücksicht auf unsere schwierige Württemberg und das Reich. Oer Stuttgarter Landtag zur CKcöc des Staatspräsidenten Bazille auf der Berliner Länderkonferenz. Die Spannungen im Zentrum. Eine Entschließung des parteiausschuffes fordert zur Sammlung auf. Lage in der Weltwirtschaft einer besonderen planmäßigen Förderung. Durch sparsame Finanzwirtschaft und beschleunigte Verwaltungsreform muß namentlich für den Mittelstand in Handwerk, Handel und Gewerbe sowie für die Landwirtschaft eine E n t - lastung von den drückenden Steuern und Abgaben herbeigesührt werden. Die Zentrumspartei wird diesen dringlichen Zeitaufgaben mit allen ihr zu Gebote stehenden gesetzgeberischen Möglichkeiten gerecht werden. Die Zusammenfassung aller Schichten unter dem einigenden Gedanken einer christlichen, kulturellen, sozialen Gerechtigkeit und wahrer Volksverbundenheit im deutschen Volksstaat bleiben das unverrückbare Ziel der deutschen Zentrumspartei. Der Aeichsparteiausschuh erwarte! von der Fraktion des Reichstages, daß sie sich für die baldige Verabschiedung eines Reichsschulgesetzes, das unseren kulturpolitischen Grundsätzen entspricht, mit aller Kraft einseht. Der Reichsparteiausschuh spricht der Gesamtpartei, der Parteiführung und den Fraktionen Dank und Anerkennung für verdienstvolle Arbeit aus. Alle Angehörigen der Partei in Stadt und Land rüst der Parteiausschuh auf, in Treue einig und geschlossen der Partei zu ermöglichen, ihre erfolgreiche Arbeit weiter fortzusetzen. Ein starkes und geschlossenes Zentrum ist eine Dolksnot- wendigkeit für eine glücklichere deutsche Zukunft. Llm das Reichsschulgesetz. Zentrum und Volkspartei verhandeln um den § 20. Berlin. 29. 3an. (Priv.-Tel.) Der Fraktionsvorsitzende ler Zentrumspartei. D r. v. G u e- rard. hat der Deutschen Volkspartei mitgeteilt. Laß das Zentrum in der Frage des Schulgesetzes auf einer klaren Entscheidung bestehe und es ablehne, etwa die zweite Beratung im Ausschuh wochenlang hinziehen zu lassen. Dr. Stresemann soll dem Zentrum mit» geteilt haben, dah nach seiner Auffassung eine Aenderung der Haltung der Dolkspartei in den entscheidenden Punkten ausgeschlossen fei. Wie das „Berl. Tageblatt" glaubt auch die „Voss. Ztg." weiter, dah Vorbereitungen getroffen werden, um für den Fall einer Auflösung des Reichstages einen R v t e t a t vorlegen zu können. 3m Gegensatz dazu schreibt die „Germania":. Wie wir zuverlässig erfahren, trifft die Behauptung, tv Reichsregierung bereite einen Rotetat vor. nicht zu. Weder die Zentrums- Partei noch auch die Reichsregierung haben sich bisher veranlaht gesehen, die Frage eines Rotetats zu erörtern. Bekanntlich haben die beteiligten Parteien die Absicht, über den § 20 des Reichsschulge.etzes (Simultanschulländer) weitere Einigungsverhandlungen zu pflegen. Erst wenn deren Ergebnis vorliegt, werden sie in der Lage sein, weitere Entschlüsse in der hier aufgeworfenen Frage zu fassen. Vorläufig besteht dafür keine Rotwendigkeit, die Einbringung eines Rotetats zu erwägen. Deutscher Reichstag. Die zweite Lesung des Justizetats beendet. Berlin, 28. 3an. Dor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Präsident Lobe: 3n der aestrigen Rede des Abg. Dr. Frick, während deren sich des Hauses große Unruhe bemächtigt hatte, waren eine Anzahl grober Verstöße gegen die parlamentarische Ordnung enthalten, die den amtierenden Vizepräsidenten zu Rügen und weiteren Maßnahmen veranlaßt hätten, wenn ihr genauer Wortlaut zu verstehen gewesen wäre. (Gelächter links und Rufe: Er ist nur nach rechts taub!) Sie sind aber weder von ihm. noch von den Schriftführern so genau gehört worden, daß ein sofortiges Einschreiten möglich war. Der Vizepräsident hat auch sofort erklärt, daß er sich nach Einsichtnahme in das Protokoll weitere Maßnahmen Vorbehalte. 3m Einvernehmen mit ihm verkünde ich: Der Abgeordnete Dr. Frick wird für die Beschimpfungen, die er gegen die verstorbenen Minister und Abgeordneten Crzberger und Rathenau auch nach dem ersten Ordnungsruf noch fortgesetzt hat und die ich aus begreiflichen Gründen hier nicht wiederholen möchte und für die Ausführungen am Schluß seiner Rede, die den heutigen Staat, die Republik Deutschland, in gröblich st er Weise beschimpften, zur Ordnung gerufen. Die weiteren Maßnahmen, die zweifellos gestern sofort im ersten Ordnungsruf gefolgt wären, wenn diese Ausführungen verstanden worden wären, können heute natürlich nicht mehr eintreten. 3ch rufe weiter den Abg. 3 a d a s ch zur Ordnung wegen der Drohung, die er gegen den Herrn Vizepräsidenten ausgerufen hat. (Unruhe bei den Kommunisten). — Abg. T o r g l e r (Komm.) Die Gehörstörungen des Vizepräsidenten treten immer nut auf, wenn die Beschimpfungen von rechts kommen. (Sehr wahr links). Bei Zwischenrufen von Kommunisten ist er sehr hellhörig. Wir sind mit der Regelung dieser Angelegenheit nicht einverstanden, sondern verlangen die Aufhebung der Ausweisung der Abgeordneten Florin und Dertz. Wir verlangen weiter, daß der Vizepräsident Gräf von seinem Posten verschwindet. — Präsident Löbe: Lieber den Einspruch gegen die Ausweisung der beiden Abgeordneten kann erst entschieden werden, wenn das stenographische Protokoll der gestrigen Sitzung vorliegt. Hierauf wird die zweite Beratung des 3 u )i 15 e t a t 0 fortgesetzt. Abg Schölern (I nf. Komm.): Die gestrige Vorlesung des Hitlerbandi- ten and war nur möglich, weil gestern einer uec schlimmsten und brutalsten Reaktionäre als Vizepräsident amtierte, die man je erlebt hat. (Präsident Löbe ruft den Redner zur Ordnung.) Den zwecken Ordnungsruf erhält Abg. Schölern als er von der „schamlosen 3ustiz" spricht. Als er Dann den Senatspräsidenten Redner einen „Henkersknecht" nennt, erteilt Präsident Löbe den dritten Ordnungsruf und droht ihm Wortentziehung für einen weiteren Verstoß an. Abg. <5d)olem richtet heckige Angriffe gegen die Re- giernng unö nennt im Schlußsatz seiner Rede den Vizepräsidenten Gräf einen „stummen und brutalen Hausknecht". Präsident Löbe erteili nun den vierten Ordnungsrui. da wegen des Rede- ^Ä^^orlentziehung nicht mehr möglich ist . ?^og. Brodaus (Sem.) richtet an den Reichs, justizmimster die Frage, was er seinerseits zu tun gedenke, um den vom Staatsgerichtshv' fest- gestellten Anspruch Preußens auf den S l h im Reichsbahnverwaltungsrat zu erfüllen. Die Antwort des Reichskanzlers aus die Frage des Abg. v Guerard könne nicht befriedigen. Dr. Luther habe offenbar keine Empfiiidung dafür, daß es für ihn mindestens ein officium nobile wäre, durch freiwilligen Rücktritt den Platz für die Erfüllung des preußischen Anspruchs freizumachen. Der Redner beschäftigte sich dann mit der Vertrauenskrise der 3ustiz, die keineswegs behoben sei. Gegen links werde schärfer vorgegangen als gegen rechts. Sie Vertrauenskrise werde erst schwinden, wenn die gesamte Richterschaft von der Erkenntnis durchdrungen ist, das Deutsche Reich und die deutsche Republik sind unzertrennliche Begriffe. Abg. Dr. W i e n b o ck (Sn.) klagt über die Konkurrenz, die dem selbständigen Handwerk und Gewerbe durch die Arbeit in Gefängnissen und Strafanstalten gemacht werde. Sie Ablegung von Gesellenprüfungen in Gefängnissen sollte unterbleiben. Das Handwerk habe manche Beschwerde gegen die Praxis der Arbeitsgerichte vorzubringen. Das Reichsjustizministerium sollte eine Erhebung darüber veranstalten, welche Erfahrungen bisher mit den Arbeitsgerichten gemacht rooroen sind. Reichsjustizminister Hergt erklärt, es muß mit hoher Genugtuung festgestellt werden, wie sich das Derufsrichtertum den Arbeitsgerichten gegenüber verhalten hat. Untere Richter haben zwar starke Bedenken gegen die Sondergerichtsbarkeit geäußert, sie haben sich dann aber bei der Durchführung des Gesetzes zur Verfügung gestellt. Die Laienbeisitzer bei diesen Gerichten haben sich gut eingearbeitet, sie arbeiten mit den Berufsrichtern gut zusammen und die Entscheidungen der Arbeitsgerichte zeigen ein beachtenswert hohes Riveau. Das Reichs- a r b e i t s g e r i ch t hat seit einiger Zeit seine Praxis ausgenommen. Sie Sondergerichtsbarkeit betrachten wir aber als eine Ausnahme, mit der wir nun keineswegs fortfahren wollen. Sie Frage der Gefangenenarbeit werde Reichstag und Regierung noch eingehend beschäftigen bei der Reform des Strafvollzuges. Keineswegs sei eine weitere Schädigung des selbständigen Handwerks geplant. Ser Regierungsentwurf dazu verlange ausdrücklich die notige Rücksichtnahme auf Handwerk und freie Arbeit. Abg. Frau Dr. Lüders (Sem.) fordert eine schleunigere Reform des Rechtes der unehelichen Mütter und Kinder: der schon feit 3ahren angekündigte Gesetzentwurf müsse nun endlich kommen. Sehr dringlich sei vor allem eine Anpassung des veralteten Eherechts und Ehescheidungsrechts an die moderne Entwicklung. Dazu gehöre auch die gleichmäßige Verteilung der elterlichen Gewalt auf Mann und Frau. Reichsjustizminister Hergt erwidert, er könne noch keinen Termin angeben, werde aber die Erledigung der von der Vorrednerin erwähnten dringlichen gesetzgeberischen Aufgaben nach Möglichkeit beschleunigen. Das Haus vertagt sich auf Montag. Auf der Tagesordnung steht der Etat des Auswär - t i g e n Amtes. Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Gtrelitz. Starke Wahlbeteiligung. Reustrelitz. 29. 3an. (WTB.) 3m Freistaat Mecklenburg-Strelitz fand heute, vom schönsten Wetter begünstigt, die Wiederholung der Wahlen zum Landtag statt. Sie Wahlbeteiligung war sehr stark, sie ist gegenüber der Vorwahl um 15 Prozent auf rund 80 Proz. gestiegen. Während die Deutschnationalen ihren Stand ungefähr gewahrt haben, gewannen die Sozialdemokraten rund 4000 Stimmen. 3m einzelnen verteilen sich die Stimmen und Mandate nach den vorläufigen Feststellungen (wobei die Vergleichs,zisfern der für ungültig erklärten Wahl Dom 3. 3uli 1927 in K ammern gesetzt wurden) wie folgt: Sozialdemokratische Partei 19 264 (15 306), Mandate: 13 (12). Verband der Haus' und Grundbesihervereine: 1553 (1569), Mandate: 1 (1). Kommunistische Partei: 3564 (4172 \ Mandate: 2 (3). Verband für Handwerk und Gewerbe: 5172 (4615). Mandate 4 (4). Deutschnationale Dolkspartei: 10 605 (10 415), Mandate 9 (10). Aufwertungs- und Dolksrechtspartei: 1886, Mandate: 1 (0). Deutsche Volkspartei: 1825 (2031). Mandate: 1 (1). Vereinigte Erbpächter, Büdner und Häusler: 1414 (0), Mandate: 1 (0). Deutsch-völkische Freiheitsbewegung: 1960 (2294). Mandate 1 (I). Bund der K'einlandwirte: 635 (1765), Mandate: 0 (1). Dorfbund 559 (0), Mandate: 0 (0). Deutsche Demokratische Partei: 2362 (3058), Mandate 2 (2). Deutsche Reformpartei: 128 (0), Mandate: 0 (0). _____________ Ein Gchiedsvertrag mit Litauen. Abschluß der Verhandlungen mit Woldemaras. Berlin, 29. 3an. (ptiöatinformafion.) Wie wir erfahren, sind die Verhandlungen zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen, Dr. S trefern a n n , und dem litauischen Ministerpräsidenten Voldemaras über den deutsch - litauischen Schiedsgerichtsvertrag heule zum Abschlutz j gebracht worden. Lin deutsch - litauischer Schiedsoertrag wurde unterzeichnet, sowie ' kleine Abkommen über Jischereirccht, Grenzverkehr usw. Die Frage der w i r t s ch a s t s b e z i e h u n - | gen zwischen Deutschland und Litauen ist in den . Berliner Besprechungen soweit geregelt worden, daß ' die sachlichen Verhandlungen in Berlin und kowno während der nächsten Wochen weitergeführt werden können, von dem Verlauf und dem Abschluß dieser Handelsvertragsverhandlungen hängt auch die Frage ab, inwieweit dem litauischen Wunsch auf ein? Anleihe nähergetreten werden kann. Der litauische Ministerpräsident ist hcufc abend, begleitet von seiner Gattin und dem Ministerialdirektor Dr. Zaunius, wieder nach kowno abge reist. Zum Abschied hatten sich der litauische Gesandte Sidzikauskas mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft, zahlreiche Mitglieder der hieslaen litauischen Kolonie, sowie deutscherseits der deutsche G-smidke in Kowno, Moraht, der Chef des Pro- tokotls, Gesandter K ö st e r und Graf von B a s s e w i h vom Auswärtigen Amt auf dem Bahnsteig eingefunden. Or. Stresemann Ehrendoktor der Llniversität Heidelberg. Heidelberg, 29.3an. (WB.) Die staatswissenschaftliche Kommission der philosophischen und juristischen Fakultät der Llniversität Heidelberg hat dem Verantwortlichen Leiter der deutschen Außenpolitik, Rcichsminister Dr. Stresemann, Titel und Würde eines Doktors der Staatswissenschaft ehrenhalber verliehen. 3n der Lirlunde heißt es, daß die Verleihung erfolgte, weil er hoch verdient um die Befestigung von Staat und Wirtschaft, durchdrungen von Deutschlands Recht auf Leben und Freiheit mutig und trotz aller Widerstände und Rückschläge als Bahnbrecher einer Politik der geistigen Annäherung und friedlichen Verständigung der Völker sich eingesetzt und weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus Achtung und Ansehen errungen hat. Oer Zoll Zorn von Bulach. Paris, 28. Jan. (WB.) Nach einem Bericht des „M a t i n" über den Verlauf der Verhandlung der Berufung des Barons Claus Zorn von Bulach vor dem Colmarer Appellationsgericht hat Claus Zorn von Bulach noch erklärt, er übernehme die Verpflichtung, sein U e b e I wie dergutzu machen, das er, ohne es zu wollen, angerichtet habe. Zu diesem Zwecke sei er geneigt die öffentliche Meinung im E l -- saß über die Mentalität der Führer der Autonomiebewegung zu unterrichten, von denen g e - wisse mit dem Auslande in B e - ziehungen ständen. Aus aller Wett. Riefenbetrügereien in einem Berliner Lombardhans Die Kriminalpolizei stellte fest, daß der Inhaber des Berliner Allgemeinen Lombard- und Lagerhauses, Paul Bergmann, nicht nur waren belief), sondern sich auch beträchtliche Kapitalien dadurch verschaffte, daß er seine waren gleichzeitig an eine ganze Reihe von Geldgebern als Sicherheit verpfändete, denen er 36 b i s 48 Prozent Zinsen versprach. Als die Kriminalpolizei überraschend in den Betrieb eindrang, wurden außer gefälschten wechseln auch zahlreiche gefälschte Lombard sch eine vorgefunden. Die waren waren den Geldgebern, die einer vom anderen nichts wußten, b i s z u fiebenzehnmal als Sicherheit verpfändet worden, während das vorhandene Warenlager nach vorsichtiger Schätzung h ö cy st e n s eine Million wert hat, stehen ihm mehr als drei Millionen an aufgenom menen Darlehen gegenüber. Die Zinsforderungen der Geldgeber wurden mit Hilfe der neu aufgeno.u- menen Summen befriedigt. Bei der Fälschung der wechsel und der Lombardscheine erwies sich ein gewisser Solinger als tüchtige Hilfskraft. Außer dem Berliner Betrieb unterhielt Bergmann noch vier Filialen, und zwar in Hamburg, Hannover, München und Breslau. Bergmann wurde am Samstag in feiner Villa und Salinger auf offener Straße fe st ge n o m m e n. Sämtliche Ge- schästsbücher sowie die ausgedehnte Korrespondenz wurden beschlagnahmt und zur Prüfung den Sach- verständigen überwiesen. Der Betrieb wurde polizeilich geschlossen und die Räume versiegelt. Rach neueren Meldungen beginnt sich der Zuiam- menbruch des Lombardhausev zu einer riesigen Skandalaffäre auszuwachsen. Immer noch steigt die Zahl der sich meldenden Geschädigten; augenblicklich fi j es etwa 1 000 Personen. Die Schadensumme beläuft sich bereits auf wenigstens fünf bis sechs Millionen. Es wird wohl in den nächsten Tagen noch zu weiteren Verhaftungen kommen, da in die Betrügereien auch verschiedene andere, darunter auch in exponier- ten Stellungen befindliche Personen verwickelt zu sein scheinen. Das Bauprogramm der Heidelberger Universität. Das Bauprogramm der Llniversität Heidelberg sieht u. a. vor den Reubau der chirurgischen, sowie den Reubau der psychiatrischen Klinik, ferner Erweiterungs- und Umbauten der Fra u en kl inik, Hals-, Rasen - und Ohrenklinik, sowie einige weitere bauliche Veränderungen an klinischen Gebäuden und die Erneuerung der Wirtschaftsgebäude. Der Ge- samtauswand für die klinischen Bauten ist vorläufig auf acht Millionen Mark veranschlagt. Davon wird die Stadt Heidelberg voraussichtlich eine Million Mark übernehmen, 130 000 Mark (bestimmt für den Erweiterungsbau der medizinischen Klinik) werden aus dem vom Reich aus dem Grenzfonds zur Derfügung gestellten Mitteln übernommen werden. Dieser Erweiterungsbau mit einem geschätzten Bauaufwande von 300 000 Mark und Einrichtungsaufwande von 40 000 Mark soll sofort in Angriff genommen werden. Der Bauaufwand soll bestritten werden aus den erwähnten Reichsmitteln und aus einer ersten städtischen Rate von 170 000 Mark. 3m Staatsvoranschlag sind für die Einrichtung 40 000 Mk. eingestellt. Eröffnung der Schmittenhöhe-Bahn. 3n Zell am See weihte Fürsterzbischos Dr. R t e d e r von Salzburg die Schmittenhöhe-Bahn in der Talstation bei herrlichstem Wetter ein. Rachher wurde eine Feftmesfe auf dem Gipfel der Schmittenhöhe (2000 Meter) vom Weih- bischos Dr. Filzer zelebriert. Unter den Festkosten befanden sich u. a. der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. Rehrl, der Landeshauptmann von Tirol, Stumps, der bayerische Ministerpräsident, Dr. Held, und der deutsche Gesandte in Wien, Graf Lerchenfeld. Während der Festmesse umkreiste ein Flugzeug, das den Rainen „3eU am See“ trug, den Gipfel der Schmittenhöhe. Am Mittag sand ein Festmahl im Hotel Schmittenhöhe statt. Rachmittags wurde in Zell am See ein Trabrennen vor 5000 Zuschauern veranstaltet. Am Montag beginnt in Zell am See die große Wintersportwoche. Ermordung eines deutschen Gelehrten. Dr. Walter Stoll, der Südwestanatolien zu Sprachforschungen bereiste, war seit einiger Zeit verschollen. Die deutschen amtlichen Vertretungen in der Türkei betrieben seit Hagerem mit Hil e der türkischen B'hörden Rach,orschun° gen. Diese führten zu dem traurigen Ergebnis, daß Dr. Stoll in der Gegend von H a w a s. also auf türkischem Gebiet, erschossen worden ist. Der Mörder ist fc ft genommen und das । Verfahren gegen ihn eröffnet. Ein deutscher Beamter ist zur Beisetzung der Leiche und Sicherung des Rachlasses entsandt. Spurlos verschwunden. 3n Mecklenburg-Strelitz erregt das Verschwinden dreier Personen innerhalb kurzer Zeit Aussehen. Gestern ist eine Frau Ministerialrat Rieck aus Reustrelitz verschwunden. Sie wurde von ihren Bekannten in Friedland zum Zuge gebracht, ist aber am Bestimmungs- ort nicht eingetroffen. Vor kurzem brachte der Kaufmann S e e l h o f aus Sehsten seine Kinder nach Reubrandenburg zur Schule. Er wollte abends zurückfahren und wurde auch noch auf dem Bahnhof gesehen. Er ist aber zu Hause nicht angekommen. Ebenfalls vor einiger Zeit begab sich ein Rohbachmann, der in der llmgegenö von Reubrandenburg beim Dreschen beschäftigt war, auf die Reise nach Zehdenick, ist aber dort nicht eingetroffen. Auch von diesem Vermißten liegt keinerlei Spur vor. Schüsse auf Straßenpassanten. 3n Danzig gab der 24 3ahre alte Bäckergeselle Gerhardt Pichler gegen 10 U^r abends in der Rähe des Langfuhver plphagen-Parkes auf sechs Vorübergehende, wahrscheinlich in einem Anfall von Geistesgestörtheit, mehrere Revolverschüsse ab. Der in Ober» schlesien beheimatete Student Gerhardt Hoppe von der Technischen Hochschule und ein Fräulein Annemarie Hohlseld aus Langfuhr tourben schwer verletzt. An dem Aufkommen des Fräulein Hohlfeld wird gezweifelt. Der Täter richtete daraus die Waffe gegen s i ch selb st und war sofort tot. Pichler ist seit längerer Zeit arbeitslos und soll nertienfranf gewesen fein. 3m Streit die Stieftochter erschlagen. Ser 32jährige Arbeiter Kurasch in Berlin geriet mit seiner 14jährigen Stieftochter in Streit, in dessen Verlauf er dem Mädchen mit einem Beil einen so heftigen Schlag auf den Kopf versetzte, daß das Kind sofort starb. Kurasch wurde verhaftet. Die Typhusepidemie in Hagen. Rach den bisherigen Ermittlungen beträgt der Stand der Typhusepidemie bis Samstagmittag fünfzig Erkrankungen und fünf Todesfälle. Stürmische Szenen in einer englischen Kirche. Der Vikar der St. Cuthbert-Kirche in Darwin mußte Sonntag Polizei zu Hilfe rufen, um einer Kundgebung gegen den Anglo-Katholi- zismus su begegnen. Etwa 1000 Menschen füllten die K'rche und die Mehrzahl von ihnen nahm an der Kundgebung teil. Der Gottesdienst wurde unterbrochen und die Kundgebenden fangen die Rationalhymne. Rach dem Gottesdienst fanden Zusammenstöße auf der Straße statt. ::nd die Geistlichen, die an dem Gottesdienst teilgenommen hatten, mußten von einem großen Polizeiaufgebot gegen eine große Menge von nicht weniger als über 2000 Personen geschützt werden. Osloberschlesien ohne elektrischen Strom. Rachdem sich schon in den frühen Morgenstunden des Samstag vorübergeheirde Störungen in der Lichtversorgung bemerkbar gemacht hatten, ist feit 9 Uftr der ganze oberschlefische Teil der Woiwodschaft ohne Strom. Sie Störungen werden von den zuständigen Stellen mit 5 e- triebstechnischen Schwierigkeiten begründet, die noch eine geraume Zeit anhalten Dürften. Oie Wetterlage. Birtn-ins.-; • Ingö- ÄL o, •Memel 2 2 Genf1 Tmr * O 7’4- WarscH XÄ -3 ” fe a K - HM 2 OlUiflent ö^vor/7?. G wofrenios 0 heiter, o hait> bedeckt $ wolkig, ® »edecxi • Reget» * Schnee .a Graupein »riebet K Windstille O-> sehr •eichte» Ost massige» Südsüdwest 'S stürmische» Nordwest die Piene (hegen mit dem winde. Oie oeigen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem •ui Mreresniveau nmoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. 3m Gegensatz zu den Ticsdruckstörungen der letzten Tage, die sich ostwärts über Skandinavien weiter bewegten, verlagert sich das jetzige Tief südwärts über Frankreich nach dem Mittelländischen Meer hin. 3nsolgedessen dürfte unser Gebiet nur durch Bewölkung und ganz vereinzelte Riederschläge beeinflußt werden. Die Wärmeeinstrahlung läßt tagsüber die Temperaturen über Rull ansteigen und nächtliche Ausstrahlung führt zu weiteren leichten Rachtsrösten. Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig mit Aufheiterung: leichter Nachtfrost: meist trocken. W i t t e r u n g s a u s s i ch t e n für Mittwoch: 9m wesentlichen keine Aenderung. Lufttemperaturen: Am 29.3anuar, mittags, 2,9 Grad Celsius, abends minus 1,0 (Arad Celsius: am 30.3anuar, morgens, minus 2,9 Grad Celsius, Maximum 3,S Grad Celsius, Minimum minus 4,1 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 29. 3anuar, abends. 0,4 Grad Celsius: am 30. 3anuar, morgens, 0,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 53/< Std. Schutzmarke HaapüiiedeiNe iür Emser Kränchen in Men: Jean Weisel, Sonnenstrahe 6. Telephon 88. WMUl 1090D WwMWrSMW S&F.Kaffee Wcrbewodie! ES 1088c onmiiyimifluuiiiiiiiiiiiii) ] Verkäufe | «‘W™01«"”1 (Sm reinrassiger. Haus FULLGRABE TESSA Fi IM Aus eigenen Importen. Das Pfund M.4.6V, 4,06, 3,40, 3.L0, 2.80 Siaßfuri-Leopoldshall, den 28. Ian. 1928 z. Z. Gießen, Katholisches Schwesternhaus Napoleon Alexander. Kaiser von Rußland Talleyrand, Napoleons Minister Bertrand • Graf Hardenberg Graf Haiuwitz Herzog von Mecklenburg Fürst Blücher - Älterer eichener Kleid erseh rank mit etnnel. Holz lob. AornUutl sowie eine solche Truhe vreisw. aii verkaufen. 1072D Treis a d. Vnmba Hauolürane 54. •MnMHMI Egon v. Jordan Alfred Gerasch . Ferd. v. Alten . Theodor Loos Hans Waßmann . Dr. Rothanscr Mäx Pohl Hufeland. Arzt En.il Heyse Hofgesellschaft, Offiziere, Soldaten, Ordonnanzen, Lakaien, Volk. 0N!08N| iui$r Die glückliche Geburt eines Töchterchens geben sehr erfreut bekannt Or. W. Schüller und Frau geb. Schmincke •* Kein militärischer Zapfenstreich. In der Stadt wird vielfach erzählt, heute abend finde ein Zapfenstreich unserer Garnison für den in den nächsten Tagen von hier scheidenden Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Fritz, statt. Wie wir hierzu von zuständiger Seite hören, entbehren jene Erzählungen aller Grundlage. Es findet also kein Zapfenstreich statt. "VonderStraße „A mKugelber g". In der Straße „Am Kugelberg" wurden im vergangenen Jahre mehrere Neubauten errichtet, und zwar in der Richtung nach dem Sportplatz hin. Diese sind berc-ts alle bezogen. Während seither der nach dem 8 & Fs Kaffee !! die Marke der Kenner K Das Bahnprojekt Mücke — Ulrichstein — Lauterbach. WSV. Lauterbach, 28. Jan. Am Donner^' tag fand hier eine Besprechung über das schon vor einem Bierteljahrhundert ernstlich erwogene, jetzt aber erneut lebhaft erörterte Dahnbau- Projekt M ü ck c—2 auterbach statt. Anwesend waren die Vertreter des Kreisamts, der Freiherrlich Aiede'e schen Forstverwaltung, der hiesigen Handeiskrcr e, Mitglieder des Berkehrs- vereins und die Bürgermeister einer Anzahl von am Dahnbau interessierten Gemeinden. Die Versammlung war einstimmig der Ansicht, daß das Projekt M ück e—2 auterbach mit dec Liniensührung über Illrichstein-Engelrod—Hör- genarr—Hopsmanns»eld—Dirlammen—Allmenrod —Heblos—Aeu-Maar—Lauterbach vor anderen in der letzten Zeit lebhaft propagierten Dahn- Projekten wegen der geringeren finanziellen Anforderungen und des Fehlens besonderer Gclände- schwierigkeiten und größerer Krümmungen entschieden den Dorzug verdiene. EvfiSrasstses LebensmrttelsssrSSft sucbt für sofort oder später in bester Geschäffs- lage unter günstigen Bedingungen in Ihrer Heilwirkung gegen Katarrhe, Asthma, Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Giippe und Gnppelolgen, Magensäure (Sodbrennen), Zucker u. harnsaure Diathese sind die natürlichen Vorbeugung«- a. Heilmittel (aus den Staat!. Betrieben) Emser Wasser (Kränchen) / Pastillen z Quellsalz EmsolUh: das beste Mundpflegemittel; verhindert Zahnstelnbllduog. In Apotheken, Drogerien, Mineralwasserhandlnngen u. einschl. Geschäften. Aber man achte m auf die Bornotizen. — Tagcskalender für Montag. Ober- hessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 8.30 Uhr, Hörsaal des Zoologischen Instituts (Bahnhofstraße 84), Hauptversammlung beider Abteilungen mit Vortrag. — Konsumverein: 8 Uhr, Palast-Licht- 3chufzmarke rBM8“ und weite ledea BraatxprSparat zurück. Staatliche Bede- n. BrennendlrelrtJon 2. Teil und Schlafe tefil Personen: 50—60 Zentner vickwurz abzuaeben 07X9 A. Ebert, frankfurter Sir. 52. Luise, Könierin von Preußen . Mady Christians Friedrich Wilhelm 111.. Könis: von Preußen Matthias Wiemann Friederike vön Preußen, Prinzessin Solms Anita Dorris Gräfin Voß. Oberhofmeisterin Adele Sandrock Louis Ferdinand, Prinz von Preußen H. A. v. Schlettow Luise, Prinzessin Rudziwill, seine Schwester ... . Helga Molnnder Prinzessin Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt... Hedwig Wangel Charles Vaiiel nmnnfeiter einjähr. deuilcher Schäferhund zu verkaufen. wu Herrn. Hofsmann Krofdorf H6a. spiele, Filmvorführungen. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Königin Louise". — Astoria-Lichtspiele: „Der Chinesenpapagei". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei nochmals auf die Aufführung der „Fledermau s" am Mittwoch, 1. Februar, hingewiesen, die bekanntlich zu ermäßigten Ope- rettenpreifcn gegeben wird. — Der Goethe-Bund schreibt uns: Durch die Erkrankung von Hermann Hesse war eine große Lücke in das dieswinterliche Dor- tragsprogramm gerissen worden. Hm so erfreulicher ist es, daß es dem Borstande des Goethe- Bundes gelungen ist, sür diesen Ausfall einen vollwertigen Ersah zu bekommen: Die Buchhandlung Keißner, die den Dichter Wilhelm von Scholz schon vorher gewonnen hatte, erklärte sich in anerkennenswerter Weise im Interesse des Bundes bereit, den Dichterabend dem Goethe- Bunde abzutreten. Die Vortragsabende des Dichters hinterlassen tiefsten Eindruck, da Scholz ein ausgezeichneter Interpret seiner Wecke ist. (Siehe Anzeige vom Samstag.) — „Die Reform der Haushaltung' ist das Thema zweier Borträge, die am morgigen Dienstagnachmittag und Abend im Katholischen Ber- einshcms von Frau Amtsgerichtsrat Seeliger lLeipzig) gehalten werden. Eintritt frei. Näheres im heutigen Anzeigenteil. — U e b e r „D a n z i g, Polen undderVöl- terbunb" spricht am kommenden Donnerstag abend in der Neuen Aula Dr. Theodor Rudolph vom Danziger Heimoidienst auf Einladung des Amtes für politische Bildung der Gießener Studentenschaft. Der Bortrag sei unseren Mitbürgern zum Besuche empfohlen. (Siehe Anzeige in unserer Samstagausgabe.) — Volkshochschule. Montag, 6. Februar, im Cafs Leib Tanzabend von Hans E. Steinbad) und Maria Kübel. (Siehe heutige Anzeige.) Siabe Franks. Str., m. foi. beziehbarer 8-Zimmer-Wohna^ billig au oext. 0?;” I. Bacr, Ostkml.29. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiii! lF?gl gehen Sie immer, wenn Sie Ihre Kleidungsstücke des öfteren bügeln, dämpfen und auffrisdien lassen Per Anzug (im Abonnement nur Mark Jr«- nur Mark 1.50) Abholen und Zusenden kostenlos Amerik. Exprek-Dampf-Bügel-Anstalt ,-Wie-Neu“ Inh.:E. Kömpel, Schneider,Wolkengasse 23 Telephon 2503 / Alle einschlägig. Arbeiten werden schnell und billig ausgeführt. 0738 UtliisDielhaus, BaimheiMe 34 Ab heute: Mittwoch, den 1. Februar 1928 Metzelsuppe Vormittags Wellfleisch mit Kraut Abends Konzert! Laden zu mieten. Schriftliche Angebote unter 1022V an den Gießener Anzeiger erbeten. L8PIDP lä bei Erkältungsanzeichen, rheumatischen Schmerzen. 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Große Verdienste hatte er sah um den organisatorischen Ausbau der Deut schen Bolkspartei in Hessen erworben. Sportplatz zu gelegene Teil der Straße, wo die Neubauten stehen, abends noch in tiefes Dunkel gehüllt war, erstrahlen nun seit einigen Tagen auch hier mehrere Straßenlampen. *• Noch immer vermißt wird die seit dem 11. Ianuar abends abwesende, 24 Icchre alte Clisabethe Alexander von hier, die sich am 11. Ianuar von ihrer Dienststelle in der Crednerstrahe entfernt hat. Es wird angenommen, daß das Mädchen in die Lahn gegangen ist und dort den Tod sand. Sachdienliche Mitteilungen werden an die Kriminalpolizei in Gießen erbeten. ** Oluto-Unfall. Gestern mittag gegen fuhr ein von Gießen kommendes Klein- Tarameter-Auto bei Oppenrod mit solcher Wucht gegen einen Baum, daß dieser glatt abgebrochen wurde. Bei dem heftigen Anprall wurde das Auto sehr schwer beschädigt, so daß es abgeschleppt werden muhte. Der Lenker des Wagens, ein bei einer hiesigen Firma in Stellung befindlicher Chauffeur, der den der Firma gehörigen Wagen zu dieser NnglückLsahrt benutzte, erlitt Verletzungen am linken Knie und Aippen- quetschungen, letztere wahrscheinlich durch das abgebrochene Steuerrad. Sein Begleiter trug neben einer Verletzung des linken Ohres durch Glasscherben noch innere Schädelverletzungen davon. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Boten Kreuz in Gießen verbrachte die Verletzten nach dem Anlegen von Votverbänden in die Chirurgische Klinik, von wo der Chauffeur später nach Hause entlassen wurde. ** Sic Hessische Versicherungsanstalt f ü r gemeindliche Beamte, die ihren Sitz in Darmstadt hat, gibt ihren Ge- schästsöericht über die Zeit vom 1. 'April 4926 bis zum 31. März 1927 bekannt. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf 2 115 643,59 Mark, und zwar setzen sie sich zusammen u. a. aus Beitragen der Versicherten lH22 136 Mark), dem Beitrag des Staates (147 665 Mark) und den Umlagen der Anstellungskörper Schäften (1 301 423 Mark). Die Ausgaben betragen 1932 883,03 Marl, davon entfallen auf Leistungen an die Rentenempfänger 1 687 172 Mark. Die Gesamtzahl der Rentenempfänger belief sich am 31. März 1927 auf 1561, davon waren 798 Auhe- gehattsempfänger, 540 Witwen, 25 Vollwaisen und 198 Halbwaisen. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 283 Ochsen, 57 Bullen, 550 Kühe, 302 Färsen, 593 Kälber, 206 Schafe, 6198 Schweine. Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 30. Ianuar 1928. Oie Zunkerverhastung. Zu den Meldungen über den angeblichen „Landesverrat" von Reichswehr-Funkern und den Berichten, daß bereits 50 Mann in Süddeutschland verhaftet seien, erfahren wir aus gut unterrichteten Kreisen folgende Einzelheiten, die die ganze aufge- banschte Sensation etwas weniger unheimlich machen und sachlich richtigstellen. Tat|ächlich befinden sich augenblicklich nur noch 5 Funker der Reichswehr in Gießen in Haft. Diese Fünf hatten Haftbeseh w e r d e eingereicht, die aber vom Gericht ab- gelehnt wurde. Sonst befindet sich, wie uns mitgeteilt wird, lein Funker mehr in Hast, denn die vor einigen Tagen vorläufig festgenommenen fünf Funker in Fulda und ebenfalls 5 in Erfurt sind in zwischen freigelaüen worden. Zwar bestreiten auch die 5 Gießener Verhafteten, irgendeines Verstoßes schuldig zu fein. Aber das zuständige Zivilgericht ist vorlausig noch mit der Untersuchung in dieser Angelegenheit beschäftigt. Immerhin kann man schon jetzt jagen, daß es sich nicht um einen Landesverrat, wie behauptet worden ist, handelt, sondern nur um einen Verstoß gegen gewisse Dienst'oe- sttinmangen. Die betreffenden Gießener Funken haben ihre Nachrichten so herausgegeben, daß die Möglichkeit bestand, daß der Schlüssel ausländischen Stationen allzu eindeutig klargelegt wurde. Es handelt sich also allem Anschein nach um eine Fahrlässigkeit bei der Absendung chiffrierter Telegramme und nicht um einen beabsichtigten Landesverrat. Die endgültige Klarstellung wird inan dem Gericht überlassen müssen. Daten für Dienstag, 31. Januar. Sonnenaufgang 7.41 Uhr, Sonnenuntergang 16.46 Uhr. — Mondaufgang 11.41 Uhr, Monduntergang 2.34 Uhr. 1797: der Komponist Franz Schubert in Wien geboren (gestorben 1828); 1855: der Forschungs reisende Otto Ehlers in Hamburg geboren (gestorben 1895); 1871: Beginn des Waffenstillstandes zwischen Frankreich und Deutschland; 1926: Räumung der Kölner Zone durch die Truppen der Verbandsmächte. Asloria-Licbtsbieie, Selters weö 81 Ab hente bl* einschließlich Mittwoch: Der Chinesenpapagei Spannender Kriminal- und Detektivschlager in 7 Akten. Ferner: Die neue Villa Lustspiel In 2 Akten. Sowie: Der Kampf mit dem Kaktus Bauten: Ilans Jacoby. Photographie. Arpad Viraerh. Sowie: Das ansgezeichnete Beiprogramm und Eiltilmberidite aus aller Well Vom 30. Januar bis 4. Februar 1928 bei Einkauf von einem halben Pfd. 8 & FsKaSfee ein halbes Pfd.fcmen Kristallzucker, bei Einkauf von 6 Pf<3. 8 & F« Kaffee eine geschmackvolle Küchen » Dose GRATIS SCHADE 8 Lbsei 3ur bcvo ten der Weihri ÄrrtoModev tttiäti sch be nationalen uni unter den Dc in kleinen Zii russischen Hix haben, aber : Weg zu ihre eine kulturell« russische Presse um den Ansan entwickeln, Ein der politischen mit der Enlsi 1903 genannt moto"), also Ern, Qltbe arbeitenden 0 wähnten Lon Dolle spiest. Deltkrie , B Völker losen #aatli ” MM« 3« Ä Die -1 jlnö was Den bastb Ihre Wem bn Wem zeit Der ( Wer hat Das Leid Ungl Was wo Die blin Zu- liut gleichst mal auch enü mitten in EU Welt Kunde l Augenblick lieg ein Massen Verrats gege weihrussischen 5 („Hromada") W steht. Die Weißrusse etwa 7 bis 8 2 ments Minsk, '■ auch Smolensk und 13. Iahrhw eingebüht: ; Litauer, dann Polen. Der unter chnen, toi Er assimilierte Teil des Volke toeihrussische S aus. So war । das diese St wahrte, liebe Theorien, aus werden kann, volkstümlich 1 schen sehr na (sowie des Ak während die die Sprache d parallel mit d tat, aufkommen das Polnische -Leb Spuk Dich Aeber .Dir stehen N genau c N ber Kaufni den im Utol Musischen S) *n4s» W SM & w-$eer Ad auch ju ; roin am mei«,' l^es ^4eto6- tziZN M tt'ih d< TOTAL-AU SVIE RKA UIF wegen Gesdiäftsübergabe Beginn: Mittwoch, den 1. Februar Dienstag, den 31. Januar, nachmittags, und Mittwoch, den 1. Februar, vormittags, bleibt unser Geschäftshaus wegen der Vorbereitungsarbeiten geschlossen IEII'NE EUNZII m Saale des Caf6 Leib,Walltorsirahe Tam Abend Hans S. Steinbach, Maria Kübel Eintrittspreise: Numerierter Platz: Vorverkauf 1.50, Abendkasse 2.— Ml. Reservierter Platz: Vorverkauf 1.-, Abendkasse 1.50 Mk. Off. Sitzplatz: Dorverk.0.50, Abendk. 0.80 Mk. Vorverkauf bei Challier. iossd •HHMHHeiHMMHWM Feldbrand- Ziegelsteine billigster und bewährter Stein für alle Bauten. 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TicoStaSebl-JaL 1?.VleiIiIlIgHH ö 19*/. b. nefl. 22 ii u- ' EriiauMM» veerWt 5)ra?,l?9iÄ SÄjs® ir 1928 M 1 freil Ibock. mhauS ^nesj lietie, vwarze maiU. iE 60a •mann. !,Wrk 0106 ^schloss» g9tathm^batiS S .018» Nr. 25 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Montage 30. Januar 1928 Dasweißruthenischeproblem Von (5. Mulden. Der Weltkrieg hat viele vorher „geschichtslosen" Völker zu neuem Leben erweckt, ja ihnen zu einem staatlichen Dasein verholsen. Aber ein Volk gibt es heute gerade in dem umstrittensten Teil Osteuropas, dort, wo Polen, Litauen und die Sowjet-Llnion Zusammenstößen, ein Volk, das im Grunde nach wie vor eine unhistorische Existenz führt und auf das auch,heute noch die kennzeichnenden Worte seines' Rativnal- Lichters (Janka Kupale) zutresfen: Wer tritt denn da heran In Hellen Scharen auf den Plan? Die Weihruthenen sinds. Lind was tragen sie auf ihren sdürren Schultern? Den bastbeschuhten Fähen und blatt- striesenden Händen? Ihre Klage. Wem bringen sie diese Klage vor? Wem zeigen sie ihr Leid und Elend? Der ganzen Welt. Wer hat sie, die nach Millionen zählen, Das Leid zu tragen gelehrt und aus sdem Schlaf gerüttelt? Unglück und Elend. Was wollen sie nun aber jetzt, Die blinden, tauben, jahrhunderte- slang Geächteten? Zu Menschen werden. Rur gleichsam in dumpfen Erdstößen, die einmal auch eruptiv werden könnten, gibt dieses mitten in Europa verschollene Volkstum der Welt Kunde von seiner Existenz. Ein solcher Augenblick liegt auch heute vor, da in Kürze «in Massenprozeß wegen Landesverrats gegen Hunderte von Mitgliedern der weißrussischen Dauern- und Arbeiterorganisation („Hromada") vor den polnischen Gerichten an- steht. Die Weißrussen, die heute in einer Anzahl von etwa 7 bis 8 Millionen die früheren Gouvernements Minsk, Mogilew, Grodno und teilweise auch Smolensk bewohnen, haben bereits im 12. und 13. Jahrhundert ihre Selbständigkeit eingebüht: zuerst durch die Eroberungen der Litauer, dann durch die Union Litauens mit Polen. Der polnische Einfluß wirkte auch unter ihnen, wie unter den Litauern, überragend. Er assimilierte ihre höheren Stände, führte einen Teil des Volkes zum Katholizismus, schaltete die weißrussische Sprache aus dem amtlichen Verkehr aus. So war es auch hier nur das niedere Volk, das diese Sprache jahrhundertelang treu bewahrte. Lieber diese Sprache existieren viele Theorien, auf die hier natürlich nicht eingegangen werden kann. Rur soviel sei gesagt, daß das volkstümlich Weißrussisch dem eigentlichen Russischen sehr nahe steht, ja als Abart desselben (sowie des Llkrainischen) betrachtet werden kann, während die Schriftsprache, insbesondere die Sprache der erst in jüngster Vergangenheit, parallel mit der gesteigerten polittschen Aktivität, aufkommenden Publizistik viele Anklänge an das Polnische «ufweist. Reben dem Pvlentum begann nach den Teilungen Polens die russische Kultur stark auf die gebildeten Schichten der Weißrussen einzuwirken. So, durch den überwiegenden Einfluß zweier Rachbarkulturen, erklärt sich der überaus späte Beginn einer nationalen und politischen Selbstbesinnung unter den Weißrussen. Aus geringen Anfängen, in lleinen Zirkeln von Akademikern, die in den russischen Hochschulen ihre Ausbildung erhalten haben, aber nun, romantisch angehaucht, einen Weg zu ihrem Volkstum zurücksuchen, beginnt eine kulturelle Tätigkeit, beginnt eine weißrussische Presse in Wilna und Minsk sich langsam um den Anfang des 20. Jahrhunderts herum zu entwickeln. Einen stärkeren Anstoß, zugleich nach der politischen Seite hin, erhielt die Entwicklung mit der Entstehung jener „Hromada" (seit 1903 genannt „Weißrussische sozialistische Hromada"), also jener unter den weißrussischen Dauern, Arbeitern und Intellektuellen bis heute arbeitenden Organisation, die auch bei dem erwähnten Landesverratsproztzß eine so große Rolle spielt. Run beginnt auch das Verlangen Ibsens „Peer Gynt". Zur bevorstehenden Ausführung im Etadttheater. ..Leben heißt — dunkler Gewalten Spuk bekämpfen in sich. Dichten Gerichtstag halten Lieber sein eigenes Ich." Wir stehen im Jubiläumsjahr. Am 20. März wird genau ein Jahrhundert vergangen sein, seit der Kaufmannssohn Henrik Ibsen (gestorben im Mai 1906 zu Kristiania) in der südnorwegischen Handelsstadt Skien zur Welt kam. Schon sind in Oslo Zurüstungen im Gange, vor einem großen europäischen Publikum in prunkvollen nationalen Feiern, mit gewichtigen Ansprachen und würdigen Theatervorstellungen das Andenken des großen Mannes zu ehren. Lind auch bei uns in Deutschland besinnt man sich in bieten Wochen darauf, was Ibsen vor drei oder vier Jahrzehnten für uns, für die Prägung neuer geistiger Formen in Deutschland, für die Zertrümmerung morsch getoor beiter Götzenbilder und die Aufrichtung junger Gesetzestafeln bedeutet hat. und vielleicht auch heute noch oder heute wieder bedeutet. — Sinn dieser Zeilen ist der bescheidene Versuch, in gebotener Kürze den Theaterbesucher an das vielfältig verästelte, figurenreiche und in ungefüger Szenenfülle ausladende Werk heranzuführen. das man bei uns zur Feier und zum Gedächtnis auserlesen hat: das dramatische Gedicht „Peer G y n t". Es ist das jugendlichste, das skandinavischste und auch das romantischste Werk, das der Dichter hinterließ; jenes, von dem, unter allen andern, am meisten Wärme ausströmt, und das am mindesten in die Starrheit vernunftgerechter Klügelei gezwungen wurde; das allerdichterischste, welches, völlig unliterarisch, dennoch mit seinen fünf massigen Akten längst in die Weltliteratur hineingewachsen war, ehe es noch Halbwegs be* herrschter Defih des Theaters wurde. Eine Dichtung. die, soweit man suchen mag. nur zwei Werten klassischer Kreszenz und deutschester Hernach einer Autonomie für die Weißrussen innerhalb des russischen Reiches sich zu äußern, ohne freilich irgendwelche starke, organisierte Formen anzunehmen: so besaßen die Weißrussen z. B. in der Reichsduma feine eigene Fraktion. Erst der Weltkrieg, die russische Revolution und alle Aenderungen, die diesen beiden großen Llm- wälzungen folgten, brachten die weißruthenische Frage eigentlich in Fluß. Die provisorische Regierung Kerenskis hatte freilich, weil sie diese Frage von den Weißruthenischen Intellektuellen aufgebauscht und ohne Wurzel im Volk — damals sicherlich nicht mit Llnrecht — glaubte, den Gedanken einer Autonomie für die Weißrussen abgelehnt. Lind ebenso hat die in jenen Zeitläuften noch stark zentralistisch gesinnte Sowjetregierung den „Weißrussischen Kongreß", der in der Rächt vom 17. zum 18. Dezember 1917 eine unabhängige weißrussische Republik in Minsk aus rief, noch in der gleichen Rächt aufgelöst. Mit um so größerer Hoffnung klammerten sich nun die weißrussischen Rationalisten an die deutsche Okupa tivn. Hindenburg hatte ja beim Einzug der deutschen Truppen in das weißOie höheren Schulen in Hessen. Von Or. Karl Dölsing, Bürgermeister der Stadt Alsfeld. (Schluß.) Rachdem, wie ausgeführt, der Referentenentwurf des Hessischen Landesamtes für das Bildungswesen über ein Schulkostengeseh für die höheren Schulen nicht zur Erledigung gelangt ist. beabsichtigt die oberste hessische Schul- behörde nunmehr eine Zwischenlösung der Frage, die leider als völlig unzureichend bezeichnet werden muh. Dem Landtag ist ein Antrag der Regierung unterbreitet worden, wonach die Regierung die Ermächtigung erhalten soll, den S ch u l o r t g e m e i n b e n, d. h. den sogenannten Sihgemeinden, zu gestatten, sich mit benachbarten Gemeinden, die Schüler in die betreffende höhere Lehranstalt schicken, in Verbindung zu fetzen, um in geeignet erscheinender Weise im Wege freiwilliger Vereinbarung die Heimatgemeinden der auswärtigen Schüler zu den Kosten der Schule durch Beiträge heranzuziehen, oder statt dessen von auswärtigen Schülern einen Zuschlag zum Schulgeld bis zu 33V3 Proz. auch für Richthessen, zu erheben. Hierzu wäre zu bemerken, daß eine Erhöhung des Schulgeldes für auswärtige Schüler sehr bedenklich erscheint, da das Schulgeld schon jetzt eine Höhe erreicht hat, die für viele Eltern schwer tragbar ist. Dies beweist die große Anzahl der jetzt notwendig gewordenen, früher fast unbekannten Zwangsmaßnahmen zur Eintreibung des Schulgeldes. Die Regierung muh gewarnt werden vor allen Maßnahmen, die geeignet sind, die Bildungsmöglichkeiten zu erschweren, weil davon gerade die strebsameren Elemente aus unseren minderbemittelten Volkskreisen zunächst betroffen werden würden. Um einen festen Rechtsboden zu schaffen, muß das System der Gastschulbeiträge auf gesetzlicher und nichtauf freiwilliger Grundlage aufgebaut werden, da sonst die Ermächtigung praktisch wertlos ist, denn jeder Kommunalpolitiker weiß aus Erfahrung, daß freiwillig keine Gemeinde Beitrage zu denSchulkosten lei st en wird. Zu erörtern wäre auch der Gedanke, daß man das System der Gastschulbeiträge in die Form von sog. Schulgemeinschaften unter Gründung einer Art von Zweckoerband kleidet dergestalt, daß zunächst die Kosten oorlagsweise vom Staat und den Sitzgemeinden getragen werden und dann am Schlüsse des Rechnungsjahres festgestellt wird, in welchem Umfange die einzelnen Gemeinden des Schulbezirks ober Zweckverbandes entsprechend der Zahl ihrer Schüler zu den Kosten beizutragen haben. Jedenfalls muß festgestellt werden, daß z. B. die Aussichten für die Städte und Landgemeinden für eine alsbaldige gerechte Kostenverteilung noch wenig günstig sind. Die Kommunen werden aber in ihren hierauf gerichteten Bestrebungen nicht nachlassen und sind schließlich doch wieder einen Schritt vorwärts gekommen, insofern demnächst eine auf der kürzlich in Frankfurt a. M. stattgefundenen Ber- treterversammlung gewählte Kommission in gemeinsamer Verhandlung mit den beteiligten Ministerien, Finanzministerium, Landesamt für das Bildungswesen und Ministerium des Innern, die Frage der anberroeiten Verteilung der Kosten der höheren Schulen einer eingehenden Beratung unterziehen wird, da sich auch die hessische Regierung der Notwendigkeit nicht verschließt, daß eine Aenderung herbeigeführt werden muß, und zwar so bald wie möglich, wenn nicht eine ganze Anzahl höherer Schulen eingehen soll. Es darf aber nicht dazu kommen, daß sich die höheren Schulen in Hessen nur auf einige größere Städte konzentrieren, die anderen Anstallen aber verschwinden. Ein solcher Zustand müßte die ernstesten Bedenken erregen und kann auch der Regierung nicht gleichgültig sein. Bei dieser Gelegenheit sei auch auf eine weitere Llngerechtigkcit hingewiesen, welche die nach dem Kriege zu Vollan st alten ausgebauten höheren Schulen, sowie die zu Realschulen aus- gebauten höheren Bürgerschulen betrifft. Entgegen der Vorschrift des Gesetzes vom 21. März 1914 über die Kosten der höheren Schulen hat der hessische Staat bei dem Ausbau dieser Anstalten die Kosten für die neu errichteten Klassen allein den betreffenden Schulgemeinden aufgebürdet, ohne daß er den gesetzlich vorgeschriebenen prozentualen Anteil an den persönlichen Kosten trägt. Die davon betroffenen Schulgemeinden empfinden dies als eine Llngerechtigkeit und fordern mit Recht Gleich- ft e 11 u n g dieser Anstalten hinsichtlich der Kostentragung mit den vor dem Kriege zu Vollanstalten ausgebauten höheren Schulen, denn die Gemeinden mußten, wie oben bereits ausgeführt, diesen Ausbau vornehmen, weil sich infolge der erhöhten Ansprüche an die Vorbildung durch das Reich die Länder und die Privatwirtschaft ein sachliches Bedürfnis dazu herausgestellt hotte. Schließlich noch einige Worte über das Mitwirkungsrecht der Gemeinden bei der Verwaltung ihrer höheren Schu- l e n. Gegenwärtig ist auf diesem Gebiete der Zustand so. daß die betreffende Stadt oder Landgemeinde den Voranschlag der Schule zur Beschlußfassung und am Schlüsse des Rechnungsjahres eine nur aus Zahlen bestehende summarische Liebersicht der Einnahmen und Ausgaben erhält, wobei eine sachliche Prüfung der Kosten so gut wie nicht möglich ist. Damit ist das gemeindliche Mitwirkungsrecht erschöpft. Es ist daher wohl keine unbillige Forderung, wenn die Gemeinden mit höheren Schulen, die alljährlich ganz erhebliche Summen für ihre höheren Schulen aufbringen, Anspruch auf Erweiterung der Bestimmungen über die Mitwirkung der Gemeindevertretungen bei Verwaltung ihrer Schulen in Form einer Abänderung des Gesetzes vom 21. März 1914 erheben. Wer so weitgehende finanzielle Verpflichtungen übernimmt, darf auch ein entsprechendes Maß von Rechten billigerweise in Anspruch nehmen. Die vorstehenden Ausführungen dürften jedenfalls gezeigt haben, daß das hessische höhere Schulwesen an einem kritischen Punkt angelangt ist, an welchem auch die Hessische Regierung nicht achtlos vorübergehen kann. Das Hessische höhere Schulwesen galt vor dem Kriege als vorbildlich. Es muh Ehrenpflicht der Hessischen Regierung fein, diesen Vorsprung auf dem wichtigsten Gebiete der kulturellen Aufgaben eines Staates auch beizubehalten in schwierigeren Zeiten. Warnen möchten wir nochmals vor dem Versuch, über die schwierigen finanziellen Verhältnisse der höheren Schulen durch eine weitere Schulgelderhöhung hinwegzukommen, da alsdann die Schulen tatsächlich das werden würden, was unter allen Llmständen vermieden werden muß, nämlich Standesschukn. Das einzige Gut, was unser verarmter Mittelstand seinen Kindern mitgeben kann, ist, neben einer guten Kinderstube und Erziehung, die Möglichkeit einer guten Schulbildung in dem immer härter und rücksichtsloser werdenden Kampf um das Dasein. kunst benachbart werden kann: der menschlichen Tragödie im „Faust" und der Märchenkomödie Grillparzers, dem „Traum ein Leben". Mit diesen beiden ist es durch seine romantische Melodieführung-, die Weite des geiftigen Ausblicks und die Bogenspannung der dichterischen Schwingungen auf einer inneren Linie zu verbinden. Zwischen Auszug und Heimkehr, äußersten Polen der Fahrt in die Welt, verströmt sich hier wie dort die gleiche unbefriedete Sehnsucht ins Lln- erreichbare. Anitra und Solveig heißt bei Ibsen das Frauenpaar, das der klassischen Helena und der altdeutschen Margarete im gleichen Grade wechselweise verschwistert erscheint, wie der bäurischen Mirza und der königlichen Gülnare von Samarkand bei Grillparzer: unterm gleichen dichterischen Gesetz geboten, mit der gleichen menschlichen Sendung betraut. Dreifaches Echo hallt wieder aus allen Szenen der Irrfahrt im Rorwegermärchen: Suche nach dem Eigentlichen! Sei und bleibe du selbst! Werde wesentlich! Peer Gynt, Lügner, Träumer, Richts» tuer, Phantast und Schlemihl, ist der rrchelose Mensch der ewigen Llmwege und falschen Fährten; von hundert Erscheinungen geäfft, von tausend Stimmen genarrt, von jeder Wolke verführt, vom Wüstenspuk der Fatamorgana verhöhnt, vom mythischen Fabelglanz der urweltlichen Lrollgrotte geblendet, vom Versuchet betrogen in immer wechselnder Gestalt. Der jugendliche Weltsahret und Himmels- ftürmer Peer Gynt (vom Dichter mit tiefer Liebe als ein LIrbild seines Volkes erfühlt und lebendig gemacht) segelt, wie der verwandelte Faust des zweiten Teiles, mit tausend Masten dec großen Welt und dem tätigen Leden zu. nachdem er in der Heimat alle Zelte hinter sich abgebrochen hat, zurücklassend nur das karge Grab der Mutter und die stille Waldhütte der wahren, unwandelbaren und immerdar treuen Geliebten. Ihr Bild aber ist ihm. wie so vieles, mit Schleiern verhängt; der schwimmende Blick des Phantasten, der allezeit die Augen in den Wolken hat und sich am Himmel einen güldenen Thron auf richtet für fein erträumtes Weltkaisertum, ist blind vor dem Spiegel uralter, ureinfacher Weisheit gvethescher Prägung: „Sieh', das Gute liegt so nah ." Still auf gerettetem Boot, im Sinne des Wortes, nach verzweifeltem Schiffbruch drinnen und draußen, treibt in den Hafen der Heimat der Greis Peer Gynt. Im weihen Haar, mit leeren Händen und brennendem Heimweh steht der Weltsahrer wieder da, wo er als Jüngling auszog mit bewimpeltem Herzen, ein Königreich zu finden. Jetzt schließt sich der Kreis seines Lebens, aber der erträumte Thron steht noch immer in Wölkenkuckucksheim. Im Angesichte der Schären und Fjorde, der schimmernden Gletscher, der großen Wälder und der tiefen Einsamkeiten seines Vaterlandes erkennt er zu spät, im tiefsten Innern erschüttert von der singenden Stimme der Liebsten, die, fern von ihm, immer auf ihn wartend, hoffend und ausharrend, mit ihm gealtert ist —: „O Gott — hier war mein Kaisertum!" Endlich, nach langem Kreuzzug, darf er den müden Kopf im Schoß der Liebsten bergen, sein müdes Herz von ihrer mütterlich tröstenden Stimme in Schlaf fingen lassen. Die innige Weise des einlullenden Wiegenliedes verschleiert und beschwichtigt die schwer- nnitig-nordische Melancholie des Zuspät. Dem altgewordenen Peer ist kein befreites Erwachen aus wirrem Traum, kein tiefaufatmendes Abschütteln eines quälenden Alpdruckes vergönnt, wie jenem Austan; was er aber an Erkenntnis mit heimbringt von der Fahrt übers Meer, das Hingt ganz ähnlich wie die Zauberformel dec Grillparzerschen Märchenbekehrung: „Eines nur ist Glück hienieden, Eins: des Innern stiller Frieden Lind die schuldbefreite Brust! Lind die Größe ist gefährlich, Lind der Ruhm ein leeres Spiel; Was er gibt, sind nicht'ge Schatten, Was er nimmt, es ist so viel!" Auch „Peer Gynt" ist ein Märchen, aber aus leibhaftigem Leben geboren, von unentrinnbarer Wirklichkeit beschattet, ohne den erlösenden Seufzer des Ausklangs: es war ja nur ein Traum, und: Ende gut — alles gut! Rustan lebt seinen russische Gebiet eine Gleichberechtigung der weiß- russischen Sprache öffentlich zugestanden. Man sandte sogar Wilhelm II. ein Danktelegramm für die „Befreiung vom Moskauer Joch". Das Ende der deutschen Militärherrschaft verwies die Bestrebungen der Weißrussen abermals in eine neue Richtung. Sie suchten teils an den Litauern, teils an der heraufziehenden Großmacht des Ostens — den Polen — Halt zu gewinnen. Allein von polnischer Seite war man von vornherein allen Selbständigkeitsbestrebungen der Weißrussen abhold. „Das Selbstbestimmunas- recht der Völker, das Wilson proklamierte, sollte nur die Rolle von Giftgasen spielen, die den Gegner desorganisierten," erklärte dasselbe Polen, daß auf dieses Selbstbestimmungsrecht |o sehr pochte, nachträglich in zynischer Weise durch den Mund Wk. Studnickis („Wsprawie stosunka Polski do jej ziem Polskich“), d. h. „Zur Frage der Ostmarlen Polens". Linverblümt werden die von den Weißrussen bewohnten Gebiete als ein Kolonialland zur Liebersiedelung von Polen aus Pvsen, Kongrehpolen usw. bezeichnet und begehrt. Der Rigaer Friede hat dieses Begehren, wenn nicht vollauf, so doch zum beträchtlichen Teile erfüllt. Die nun folgende, die Gegenwart unmittelbar mitumfassende Entwicklung muß unter doppeltem Aspekt betrachtet werden: etwa 2 Millionen Weihruthenen wurden dem polnisch en Staat einverleibt, dec größte Teil, etwa 6 Millionen, ist bei Sowjetrußland verblieben. Allein, während die Weißrussen in Polen als Bürger zweiter, dritter Kategorie angesehen wurden, und wahrend man hier allenfalls noch mit den zahlenmäßig und politisch stärkeren Likrainern, nicht aber den Weißrussen rechnen wollte (die amtliche polnische Statistik gibt den Prozentsatz der Llkrainer zur Gesamtbevölkerung mit 14,3, den der Weißrussen mit 3,9 an), hat die Sowjetregierung am 16. Januar 1920 die Weißrussische Republik anerkannt und der 10. Allrussische Rätekongreh Ende 1922 diese Republik der Rätc- Llnion auf dec gleichen Grundlage der inneren Autonomie ein gegliedert wie alle übrigen Bundesrepubliken. Während ferner die Sowjetregierung die Agrarevvlutton vollzogen hatte und immer mehr dem Druck des Bauerntums nachgibt, sind noch 45 Prozent des Landes der polnischen Weißrussen in Händen polnischer Großgrundbesitzer. Die Agrarreform aber, die die polnische Regierung dort durchführt, ist eine Grenzkolonisation. Das arme weihrussische Bauerntum, das friHjer wenigstens Land von diesen Agrariern pachten konnte, das Servituten am Domänen- und Klosterland hatte, hat auch diesen Behelf jetzt nicht, weil der parzellierte Boden polnischen Kolonisten gegeben, Domänen- und Klosterland aber zu dem den gleichen Kolonisa tionszwecken dienenden Land- fonds eingezogen wird. Rach Sibirien oder Turkestan abtixmbem, wie früher, können diese armen Dauern ebensowenig. Hierzu kommt eine Bedrängung in kultureller Hinsicht: vor allem das weißrussische Schulwesen bleibt vernachlässigt . Dennoch hat der im Januar v. I.. als die Massenaktion der Regierung gegen die weißrussische Hromada begann, verhaftete Führer der Weißrussen Polens, 2kbg. Taraszkie» wicz, in seiner programmatischen Rede im Sejm am 23. Januar 1923 sich zu einem Ausgleich bereit erklärt unter folgenden kennzeichnenden Bedingungen: Einstellung der Ansiedlung von Militärpersonen in weißrussischem Gebiet und Agrarreform unter Berücksichtigung der ortsansässigen Bauern, Rückgabe des konfiszierten Landes, Kulturautonomie im Wege der Gesetzgebung, Zulassung der weißrussischen Sprache vor Behörden und Gericht, Richteinmischung in das religiöse Leben, Verwaltung durch Ortsansässige, territoriale Militärorganisation. Die hauptsächlichen, dringenden Forderungen betreffen natürlich vor allem die Agrarreform und die K u l t u r a u t 0 n 0 m i e. Doch selbst sie bleiben bis auf den heutigen Tag unerfüllt. Es schien, daß die Aera Pilsudski auch den slawischen Minderheiten Polens eine neue Aera werden sollte. Roch vor nicht allzulanger Zeit wurde aber in Pilsudskis Organ selbst, im „Glos Prawdy" die Stagnation auf diesem Gebiete Traum, Peer träumt sein Leben; jener erwacht zur rechten Stunde, dieser zu spät: vor Solveigs Hütte verdämmert der Lebenstraum des Abenteurers in Resignation; zwar unverklärt von der seelenbesreienden Verkündigung des Faustgedichtes „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen" — aber die singende Frauenstimme, die die nordische Dichtung verklingen läßt, bewahrt doch etwas von der heimführenden und begnadenden Kraft des seligen Engelchores. Die Wiederkehr des greisen Peer Gynt beschließt die zeitlose Tragödie des Mannes, der über seinen Schatten springen will, der erst am Grabesrand den Wettlauf mit dem eigenen Ich um den halben Erdball zu Ende bringt, und dec an der Schwelle zum Jensettigen erst fein wahres, ungetrübtes Spiegelbild erblicken soll: er schaut sich selber an und findet sich in den Augen der alt- gewordenen, einsam gebliebenen Geliebten, Solveig, seiner ewigen Braut und Statthalterin seiner toten Mutter. — Dr. Th. HochschulnachnchLen. Zum Rachfolger des in den Ruhestand tretenden Geh. Hofrats Prof. Dr. Hans Meyer auf den Lehrstuhl dec Kolonialgeographie und Kolonialpolitik an der Llniversität Leipzig ist Pros. Dr. Heinrich Schmitthenner von der Llniversität Heidelberg ausersehen. — Prof. Dr. Georg August Wagner an dec Prager deutschen Llniversität hat den Ruf auf den durch das Ableben des Prof. K. Franz an der Berliner Llniversität erledigten Lehrstuhl für Geburtshilfe und Gynäkologie angenommen. — Prof. Dr. Georg B. Gruber in Innsbruck hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Pathologie an der Llniversität Göttingen als Rachfolger von Geheimrat Ed. Kaufmann angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in der Göttinger medizinischen Fakultät erhalten. Prof. Lic. Hermann Dörries in Tübin - g,en hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte an der Llniversität Halle als Rachfolger von Pros. Seeberg angenommen. Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder... Von Gustav W. Eberlein, Der Himmel über Rom war rein wie die Ahnung kommender Liebe, aber der Heiland Frühlingstag ging noch nicht über die Via Appia, kalte Rächte hielten das Leben in den Gärten zurück, und man schrieb den 20. Januar 1928. Die Menschen auf den Straßen schlenderten an den besonnten Wänden hin, wie sie im Sommer die beschatteten suchten, auf den Kirchentreppen fröstelten in ihren wunderlichen Hüllen die Bettler mit den Apostelköpfen, die einst bessere Filmlage gesehen hatten, selbst die Hunde froren. Da geschah es, daß eines von den kleinen Mädelchen, die gewohnt sind, in die Höhe zu schauen, weil die blonde Miß so arg groß ist, die Augen noch weiter ausschlug, und, das mar- zrpanrosige Väschen wie angebunden an die Mondsichel, vor Staunen stehen blieb: Mamma mia — quanti uccejliI O die vielen, vielen Vögel! Und schon verfinsterte sich der Himmel, daß die Sonnensucher zusammenzuckten und Geizhaftig-- reir vorwarfen dem Licht des kargen Wintertages, das ihnen nach wenigen Monaten bereits das furchtbare Gestirn wird. Schwere Wolken hatten sich plötzlich in: Westen und Vörden heraufaeschv- ben. Es erlosch, was lieb und rein war, bas Vlau züngelte nur noch flammenhaft durch den Vauch, den bösen schwarzen Rauch. Die blonde Miß raffte den Mantel zusammen und zog das Kind fort. Aber nun blieben auch die Erwachsenen stehen die Vasen wie an Schnüren hochgewunden Rauch war das Rauch? Wolken? Das waren doch reine Wolken! Der Himmel schloß sich und riß auseinander wie ein Vorhang, schloß sich riß auseinander. — Der Rauch wurde heruntergedrückt. Die Wollen wanderten Schwebten auf und nieder, gingen durcheinander hindurch wie Schemen, aneinander vorbei wie eilige Menschen. Wie Tüllschleier am L,t>eaterhimmel wurden sie hin- und hergezogen, Tag und Rächt wechselten wie dort viel zu schnell, Winterdüster und Januarhelle begegneten sich. Aber das sind ja Heuschreckenschwärme! — Rein, Insekten, Myriaden von Insekten! -Stechmücken! Die bringen die Malaria! — Ach was, Regen gibt's. Wolke bleibt Wolke - Mamma mia — quanti, quanti uccelli! — waren Vögel. Starenwolken. Hatte man je so etwas gesehen? Und Rom ist doch schon alt. Rie, nie. Der Hunde bemächtigte sich eine seltsame Unruhe, die Pferde drehten den Kopf scheu zur Seite. Das wogte durcheinander in unbegreiflichem Rhythmus, in unsagbar weichen und doch plötzlich hart abbiegenden, in scheinbar planlosen und doch irgendwie festgelegten Linien, das kam mit elementarer Verfinsterung dächernah herunter und verflimmerte im nächsten Augenblick zu Konfetti, zu Kohlenstaub, zu Richts im Wesenlosen. Millionen, Myriaden von Vögeln. Das stieg dampfsäulenhaft "in die Höhe und knickte ein wie Kains Opferrauch, das tanzte durcheinander wie die Mückenschwärme im Sommer, aber mit einem ins Gewaltige gesteigerten Spiel der Unzahl. Das schrieb Zeichen einer unbekannten Sprache an die Himmelswand und schrieb und schrieb Buchstaben von Vögeln und verschwand. Das war da wie ein Gedanke und schweifte aus wie ein Gedanke, tastend, nach anderen suchend, findend und sich vereinend, kehrte um. verbesserte sich, nahm einen neuen Anlauf, kreiste^ kam wieder angestoben, oder waren es andere,' man wußte es nicht mehr. Zuweilen stießen wohl deutlich feststellbar von Norden, immer von Rorden her neue Zeilen hinzu, Kundschafter, Voten, wer will das unter- scheiden, ab und zu löste sich ein Zug, ein Schwarm ab, als suche er einen Ausweg aus einem magischen Zirkel, aber das unabsehbare Heer wurde weder kleiner, noch größer davon, so über alle Maßen zahllos war cs. Rauschen erfüllte die Luft wie das Getöse ferner Wasserfälle, ein Brausen winziger, durch die ungeheuerliche Menge aber zu 'Sturmes- orgeln gewordener Zwitscherstimmchen übertönte gebrandmarkt und eine Erneuerung verlangt, „toßnn man nicht will, daß die Ostmarken eines Tages tote die Steppe in plötzlichem Brand auflodern". Ein paar Tage nach dieser Warnung kamen die Massenverhaftungen, und derselbe Taraszkicwicz, der 1923 zum Ausgleich bereit war, s tzt jetzt im Gefängnis von Lukiszki. Mag sein, daß Polen recht haben mit ihrer Behauptung, die tocihrussische „Hromada" oder zumindest deren verhaftete Mitglieder sympathisieren mit der Sowjetunion, ja, gehen in dieser Richtung noch weiter — bis zu Bestrebungen, die letzten Endes auf Lostrennung des polnischen Teils von Weißrußland und dessen Verbindung mit dem russischen Teil ausgehen. Der kn Bälde bevorstehende Prozeß wird über die Bestrebungen mehr Licht verbreiten, als es bisher der Fall war. Aber wie dem auch sein mag: Der Grund dieser Bestrebungen liegt nicht nur in einer geschickten Taktik der Sowjetunion, die gerade an der Grenze mit Polen einen weißrussischen Bruderstaat anerkannte und somit den Grund zu einer weißrussischen Jrredenta legte, sondern viel tiefer: in der ganzen oben skizzierten Entwicklung der Weißrussen, die auf Autonomie und vor allem Lösung der Landfrage hindrängt. Solange hingegen die polnische Politik mindcrheitenfeindlich bleibt, wird die Anziehungskraft des großen, sprachlich und rassenmäßig verwandten Rußland sich stets geltend machen. „Wie Rußland immer beschaffen sein mag, es wird uns stets größere Vorteile bieten als die agressive polnische Politik", sagt der Hauptideologe der weißrussischen Selbständigkeit Zwikewitsch in seinem grundlegendcnBuche „Weißrußlands Wiedergeburt und Polen". Die „Hromada" zählt heute Zehntausende in ihren Reihen. Eine solche Organisation kann jedenfalls kaum durch Repressalien ausgerottet werden, die die Regierung Pilsudskis eingeleitet hat und nun im Begriff steht, in die Tat umzusetzen. Oberheffen. Landkreis Gietzcn. h. Lollar, 29. Jan. Heute feierte das älteste Glied unserer Gemeinde, Frau Christine Schmitt Witwe, die Schwiegermutter des Spenglermeisters Bierau, bei verhältnismäßig körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 9 0. Geburtstag. Aus dem nördlichen Teil des Kreises, 29. Jan. Die an st eckende Blutarmut bei Pferden tritt unter den Pferdebeständen in hiesiger Gegend immer häufiger auf. Vachdem der gesamte Pferdebestand des Gutspächters Philipp Reinheimer in Oden- Hausen an der Lumda der Krankheit zum Opfer gefallen ist, trat diese Krankheit auch in Reinhardshain auf. Hier mußte, nachdem schon ein Pferd eingegangen war. das andere auf Anordnung des Amtsveterinärarztes abgeschlachtet werden. In Linden st ruth fiel das Pferd des Zimmermeisters Karl Scheid der Krankheit zum Opfer. Dieser Tage mußten in Beltershain ebenfalls zwei Pferde abgeschlachtet werden. Cs ist das Schlimmste bei dieser Seuche, daß bei den davon befallenen Pferden keine Hoffnung auf Heilung besteht. t Allendorf a.d.Lda., 29.Jan. Hier war die Bautätigkeit in den letzten Jahren sehr rege. Vachdem im vorigen Jahre fünf neue Wohnhäuser im Rohbau fertiggestellt wurden, die im nächsten Sommer b^ugsfertig werden, sind für das kommende Frühjahr schon wieder fünf andere Baugesuche genehmigt worden, deren Ausführung zum Teil schon in Angriff genommen ist. Eine Wohnungsnot besteht in unserer Stadt nicht mehr. — Vachdem im vergangenen Sommer hier fast feine Erwerbslosen vorhanden waren, ist deren Zahl jetzt nieder auf 20 gestiegen und dürfte sich nach Beendigung der Holzhauerarbeiten auf das Dreifache erhöhen. z Rödgen, 29. Jan. Vach langem, schwerem Leiden st a r b hier der Gemeindcrechner Wilhelm B e ck e r l. im fast vollendeten 63. Lebensjahre. Sechzehn Jahre Hai er in unserer Gemeinde das Rechneramt treu und gewissenhaft geführt und war durch seine Arbeit so mit den Verhältnissen in der Gemeinde vertraut, daß man gern aus seinen Rat hörte. In den letzten Jahren fiel ihm die Ausübung seiner Pflichten infolge seines Leidens oft schwer: aber er meisterte immer wieder seine Sache. Besondere Anforderungen stellten die Lahre der Inflation an seine Amsicht und seine Geschicklichkeit: doch wußte er den damaligen Notwendigkeiten so gerecht zu werden, daß die schweren Zeiten reibungslos überwunden wurden. Neben seinem Amt als Gemeinderechner war er auch als Kirchenrechner tätig. Bedenkt man noch, wieviel Leid mit diesem Manne durchs Leben gegangen ist, so darf man sagen, daß der Tod eine starte Persönlichkeit aus unserer Gemeinde genommen hat. fr Grünberg, 29. Jan. Die jüngste Ge - meinderatssihung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Jöckel brachte u. a. folgendes: Die Ausschachtung für die Wasier- l e i t u n g . sowie Rohrverlegung, Verbleiung, Wiederausfüllung und vollständige Herstellung der Straßendecke wird an K. Buß in Grünberg vergeben. Es werden für den laufenden Meter 2,90 Mk. bezahlt. Das Gesuch des Heinrich Buß und Genossen betreffend Entwässerung ihrer Gärten wird vorläuftg zurückgestellt. Die Geländekommission soll erst eine Ortsbesichtigung vornehmen. Ein Gesuch des Kaufmannes Ehr. Schweißguth betreffend Gewährung eines Zuschusses für Vorträge der Volkshochschule wird vom Gemeinderat wohlwollend erledigt. Doch will man zunächst den Erfolg abwarten. Der Gemeinderot stellt vorläufig einen Saal, Heizung und Licht zur Verfügung. Auf Gesuch des W. M. Bock gestattet der Gemeinderat bis auf Widerruf die Anbringung eines Aushängeschildes an feinem Hause in der Bahnhofstraße. Studienrat Schot und H. Kreutzer ersuchten um Anbringung einer Lampe in der Nähe ihrer Wohnhäuser. Die Angelegenheit soll ihre Erledigung finden, sobald die Beleuchtungskommission dazu Stellung genommen hat. Gerichtsvollzieher König ersucht um Erlaß des Wassergeldes bei Errichtung seines Wohnhauses. Der Gemeinderat setzt die Erledigung aus, bis geklärt ist, woher König das Wasser entnahm. Einigen Bauherren werden die Kosten für die Wasserleitung bei ihren Neubauten bis 1. Oktober gegen Zahlung der Sollzinsen gestundet. K. Selb bat um Abgabe eines Bauplatzes in der Gartenstraße. Das Gesuch wird vorläufig zurückgestellt. Für vier Beamtenwohnungen (Reichsfinanzbeamte) sollen zwei Wohnhäuser errichtet werden, und zwar ein Haus mit zwei Vierzimmerwohnungen, und ein Haus mit zwei Dreizimmerwohnungen. Die beiden Bauunternehmer Jaeger und Bock werden aufgefordert, ihre eingehenden Pläne und Zeichnungen mit genauen Kostenberechnungen sofort einzureichen. Reinhardshain, 29. Jan. Die H o l z° hauerarbeiten in den hiesigen staatlichen Waldungen nähern sich bereits ihrem Ende. Durch die überaus starke Inanspruchnahme in den Nachkriegsjahren find die Bestände sehr licht gestellt worden. Infolgedessen sind dieses Jahr die Holzfällungen seitens des Forstamts stark gemindert. Während in den vorhergehenden Jahren in den Revieren Saasen und Reinhardshain je 3500 bis 4000 Raummeter geschlagen wurden, werden in diesem Lahre nur je 2000 Raummeter gefällt. Wenn nun aus dem Revier Reinhardshain die Gemeinden Beltershain, Göbelnrod und Reinhardshain mit Losholz beliefert werden, wird für die nachfolgende Versteigerung nicht allzu viel übrig bleiben. # Hungen, 28. Lan. Gestern lief im Gasthaus „Zum Darmstädter Hof" der Goslar- fiIm des V. D. A. (Verein für das Deutschtum im Ausland). Ungefähr 350 Schulkinder aus den benachbarten Dörfern Inheiden, Utphe. Dillingen, Trais-Horloff, Steinheim. Rodheim und Langd waren unter Führung ihrer Lehrer anwesend, um die eindrucksvolle Werbearbeit des D. D. A. auf sich einwirken zu lassen. Am Nachmittag wurde der Film den Schulen der hiesigen Bürger-, Volks- und Fortbildungsschule vorgeführt. Sämtliche Vorbereitungen lagen in den Händen des Bezirksvertrauensmannes des V. D. QI., des Lehrers Jöckel, von hier. T Obbornhofen, 29. Lan. Die ausgeschriebenen Wasserleitungsarbeiten und die Arbeiten für die Kanalisation des ganzen Dorfes sind in diesen Tagen vergeben worden. Cs hatten 19 Firmen, teilweise aus Süd- und Mitteldeutschland. Offerten eingereicht. Die Ausführung -tourbe dem Tiefbauunternehmer Stefan Kuhn von Lnheidenzum Preise von 120 000 Mk. einschließlich Materiallieferung übertragen. Der Unterschied zwischen dem niedrigsten Angebot und der Höchstforderung betrug cttoa 13 500 Mk. Mit den Erdarbeiten ist begonnen worden. Unter Aufhebuna seines früher gefaßten Beschlusses hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit 6 gegen 2 Stimmen doch die Erbauung einer K a n a l i ■ sationsanlage für das ganze Dorf beschlossen. obwohl ursprünglich keine oder höchstens eine teilweise Entwässerung vorgesehen war. cp Muschenheim. 29. Jan. Heute fand im Saale der Gastwirtschaft Roth eine außerordentlich stark besuchte Bundesversammlung des Sängerbundes „Wettert al" statt, zu der sämtliche Vereine Dertretcr entsandt hatten. Vach der Begrüßung durch den Bundesvorsitzenden, Lehrer Günther- Muschenheim. trat man sofort in die Tagesordnung ein. Hierbei ergab sich, daß im Lause der letzten Monate Unstimmigkeiten entstanden waren, die unüberbrückbar erschienen. Aus diesem Grunde wurde auf Beschluß der Bundesversammlung der Sängerbund „Wettertal", zu dem die Vereine der Gemeinden Muschenheim. Dettenhausen. Langsdorf. Treis-Münzenberg, Dorf- Gill, Grüningen, Eberstadt und Birklar gehörten. aufgelöst. Der Kassenbestand kam zur Verteilung. Das Inventar des Bundes wurde dem Bundesvorsihenden überreicht. Kreis Friedberg. Friedberg, 29. Jan. Die Hauptversammlung der hiesigen Turn gemeinde, des ältesten Vereins des Turngaues Hessen, ergab für das abgelaufene Jahr ein Bild reichster und vielseitigster Arbeit in den verschiedensten Abteilungen. Nachdem der Verein in letzter Zeit auch eine Frauenriege neben der Turnerinnenabteilung gegründet hat, zählt er insgesamt 12 Unterabteilungen. Insgesamt wurde an 676 Zeiten mit 16 000 Besuchern geturnt und gespielt, gefochten und geschwommen, gewandert und gesungen: das ergibt wöchentlich cttoa 13 Zeiten mit mehr als 300 Teilnehmern. An der Spitze des Vereins steht nach wie vor Studienrat Thierolf, unter dessen Führung die Turngemeinde einen starken Aufschwung genommen hat. Zum Besuch des Deutschen Turnfestes in Köln haben sich zahlreiche ältere und jüngere Mitglieder des Vereins angemeldet. ' Bad-V anheim, 29. Jan. Zu Beginn der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten teilte Bürgermeister Dr. Ahl mit, daß er an Staatspräsident Ulrich zu seinem 75. Geburtstage ein Glückwunschschreiben der Stadt gesandt und dabei auf die Beziehungen hingewiesen habe, die den Jubilar, der feit 34 Jahren alljährlich ein treuer Kurgast unseres Bades ist, im besonderen mit unserer Badestadt verbinden. Da sich mehrere Punkte der Tagesordnung mit V e r ke h r s- u n d Werbefragen befaßten, betonte der Bürgermeister in längeren einleitenden Ausführungen die Notwendigkeit, daß auch die Stadt nach Kräften zu der Hebung des Bades beitragen müsse. Cinstimmig bewilligt wurde dann eine Garantiesumme bis zu 150 Mk. für den vom Berke h.rsbundOberhessen herauszugebenden „Führer durch Oberheffen", der unserem Bade zwei Textseiten widmen wird. Für Aufstellung von Warnungstafeln zur ^Regelung des Krafttoagenverkehrs ist ein Kredit von 2500 Mk. erforderlich, der genehmigt wurde. Es ist gedacht an die Anbringung von drei Querschildern an den Haupteingangsstraßen zur Stadt, die mit nachts leuchtenden Prismen versehen werden, außerdem an Dreiecksschilder mit den üblichen Krastfahrzeichen und dem Vermerk „Kurstadt! Vehmt Rücksicht!"Gegen die Linke wurden 2000 Mk. als Garantiesumme für das im Sommer hier stattfindende Reit- und Fahrturnter bewilligt, unter der Bedingung, daß die örtliche Leitung der Ober- anftaltung einem Komitee übertragen wird, das sich aus Vertretern der interessierten Behörden und Organisationen zusammensetzt. Vach Einführung des Selbstanschlusses ' wurde im April vorigen Jahres das hiesige Fernsprechamt nach Friedberg verlegt, eine Tatsache, die sich. in vieler Hinsicht als nachteilig für das hiesige Kur- und Geschäftsleben erwiesen hat. Da die zwecks Rückverlegung nach hier unternommenen Schritte bis jetzt an der Haltung der Oberpostdirektion Darmstadt gescheitert sind, nahm die Versammlung einmütig eine vom Finanzausschuß vorgeschlagene Entschließung an, die unter Betonung der besonderen Verhältnisse des Weltbades den Bürgermeister beauftragt, mit allen Mitteln auf eine Rückverlegung des AmtesnachBad-Vau- h e i m hinzuwirken. Dem Geflügel-. Vogel- und Kaninchenzuchtverein wurden für die am 4. und 5. Februar stattfindende G e f l ü ge l a u s st e l - lung 100 Mk. zur Anschaffung von Preisen bewilligt. Eine Ergänzung der Ortssatzung über die Erhebung einer QJ ter ft euer erfolgte da- hln. daß dem § 1 der Ortssatzung folgender 2. Sah zugefügt wird: „Der Bürgermeister tst ermächtigt, die Biersteuer innerhalb des Höchstsatzes von 7 vom Hundert des Herstellungspreises je Hektoliter festzusetzen." Der Kredit für die Behelfswohnungen am Rödqerweq. der mit 35 000 Mk. festgesetzt war, wurde auf 42 000 Mk. erhöht. Eine längere Aussprache entspann sich über die Aufnahme von Kindern aus der Gemeinde Rieder-Mörlen in die hiesige Volksschule, wozu von Rieder-Mörlen ein Antrag vorlag. Es handelt sich um den Ortsteil des Vachbardorfes, der räumlich zu Dad-Aauheim gehört, da er sich an der Gemarkungsgrenze eng an unsere Stadt anlehnt. Dem Antrag wurde auf Widerruf und unter Geltendmachung der Rechtslage zugestimmt Unter Besprechungen regte Stadtv. Wieder - mann die Schaffung eines besonderen Schulvorstandes für die Fortbildungsschule an. Der Volks trauer tag am 4. März soll durck eine allgemeine städtische Fei-er auf dem begangen werden. Ein besonderer Ausschuß wurde mit den Vorbereitungen beauftragt. = Bad -Nauheim, 29. Jan. Die mehr- malige Vorführung des Goslar-Films durch den Verein für das Deutschtum im Auslande erbrachte einen Reinertrag von 70 Mk der der deutschen Schule in der Dobrudscha zugute kommt. ... ^ Bad-Nauheim, 29. Ian. Wir konnten vor längerer Zeit schon mitteilen, daß ein Vergleich der fünf größten deutschen Bäder für das hessische Staatsbad die größte Zahl der Hebern ad) tun gen ergab. Bad-Nauheim führte nach dieser Nichtung hin im Jahre 1926 mit weitem Vorsprung vor den Vergleichsbädern. Auch für 1927 lauten nach einer jetzt herausgekommenen Statistik der Bade und Kurverwaltung die Zahlen wieder äußerst gün- ftig. Bei einer Gesamtfrequenz von 39 279 Le suchern wurden 8 68 905 Uebernachtungcn gezählt. Auf 31 284 Kur fremde entfielen 868 9Q5 Uebernachtungen, also im Durchschnitt 27,77 Anwe senheitsiage. Auf 7995 Passanten (bis fünf Tage Aufenthalt), die zum Teil auf das Konto des Wochenend Verkehrs zu buchen sind, kamen 18 553 Uebernachtungen, im Durchschnitt also 2,32 Uebernachtungen. Für das Sommerhalbjahr vom 1. April bis 30. September 1927 betrug die Durchs fchnittsziifer 28,10 Uebernachtungen, während stc sich für das Winterhalbjahr auf 25,72 stellt. Da die Reichszentrale für deutsche Derkehrswerbung wie auch viele Fremdenverkehrsämter für die Berner tung eines Kurortes heute fast nur die Uebernach- tungszahl als Basis zugrunde legen, kann man er messen, welche Bedeutung unserem hessischen Staats bade im großen Verkehr zukommt. Auch die Ziffern 1 bes Ausländerbesuchs find wieder gestiegen. Die,e erreichten 1977 die Summe von 5841, d.h. 14,9 v.H. der Gesamtfrequenz. Insgesamt sind an dieser Zahl emschließlich Danzig 34 fremde Länder beteiligt, von denen Nordamerika mit 1349 obenan steht, während Australien mit 10 die geringste Zahl von Besuchern unseres Bades stellte. Unter den europäischen Ländern führt Holland, das 698 Kurgäste entsandte. Butzbach, 29. Jan. Die Dezirksge- f l ü g e l s ch a u war von über 200 Tieren aus An Ortsverbänden Butzbach, Lang-Göns, Kirch- Gons, Gambach. Oberhörgern, Nieder-Weisel bc- schickt. Die in ganz Deutschland bekannten Züchter der nördlichen Wetterau hatten ihr bestes Zmht- material ausgestellt: gezeigt wurden in erster Linie dre bedeutendsten Nutzrassen: Whandottes und Italiener in allen Farbenschlägen: daneben waren stark vertreten Minorka, Hamburger Sllberlack, Hessische Kröpfer und Brieftauben. Die oberhessischen Verbands Medaillen er- hielten für vorzügliche Leistung: Mai. Lang- Gons, für Minorka-Hühner und Ehr. Kaiser Lang-Göns, für Hessische Kröpfer: Träger der Ehrenpreise sind: die Butzbacher Züchter: Dechthold, Schmidt, Ester und Mel- ch i o r: ferner Rern, Pohl-Göns: B e p l e r und Euler, Kirch-Göns: Jäger, Oberhörgern' M a i und Kaiser, Lang-Göns: V o l p. Vieder- Weisel: Schneider, Ostheim. Außerdem wurden zahlreiche 1., 2. und 3. Preise vergeben/ Kreis Büdingen. Aidda . 29. Jan. Dieser Tage hielt Die hiesige S ch ü tz e n g e s e l l sch a f t ihre Hauptversammlung ab. In dem letzten Jahre den Straßenlärm, nur vergleichbar dem pausenlosen Zikadenzirpen südlicher Länder, diesem grandiosen Konzert, das fein mitten durchs Orchester rasender Schnellzug zertrümmern kann. Wer gab diesen singenden Wolken den Weg, wer schrieb ihnen Ziel und Richtung vor, wer den römischen Konzertsaal? Warum, wenn sie Hunger hatten oder müde waren, warum gingen sie nicht nieder vor den Toren, in der weiten, ungestörten Campagna? Sie hatten Vorläufer gehabt, auch keine schwachen Heere, aber das mochten, kilometerlange Züge, auf der Wanderung begriffene Zugvögel sein. Wer aber berief diese Versammlung ein? Wer leitete sie? Welchen Sinn hatte sie? Warum sprachen alle zusammen? Alle die Tage vorher waren die Schwärme zur Ruhe gegangen, sowie es Abend wurde. Sie übernachteten in den öffentlichen Gärten. An diesem 20. Januar nun geschah das Llnheim- lune, daß der lebendige Himmel auch dann nicht schwieg, als die Sonne unterging und die Sterne aufzogen, mit ihnen eisige Kälte. Eimnal ballte er sich zusammen zu einem dich- ten Klumpen und dieser Koloß, umgeben von toeitim Vogelringen wie der Saturn, fiel plötzlich in die Villa Torlonia ein, in die Residenz Mussolinis. Es war, als ob ein Gestirn her» untersiele, zerberstend in unzählige Splitter. In Sekunden war der Park mit flatternden und debattierenden Vögeln, die samt und sonders die gleiche Starenuniform trugen, bedeckt, Baum und Strauch überschüttet, schwarz in schwarz, wie in ben Tropen die Felder grün sein mögen bei niedergehenden Heuschreckenschwärrnen. Was hatte das zu bedeuten? Zwischen meinem Garten und dem Park Mussolinis liegt nur ein grüner Streifen, nach jeder Wahrscheinlichkeitsrechnung mußten ein paar Vögel auch bei mir einfallen, sei es auch nur aus Versehen. Nichts dergleichen. Sie statteten nur der Villa Torlonia einen mysteriösen Besuch ab. Ich habe seit Jahren einen immer leer gebliebenen Starenkasten an meinem Hause hängen. Mussolini hat keinen, in ganz Rom kennt man so etwas nicht. Gleichviel, nicht ein Schwanz ließ sich bei mir blicken. Wer kennt die Gesetze der himmlischen Heerscharen? Bis spät in die Nacht hinein hörte man fnal« len, mit Leun und Netzen werden sie ausgezogen sein, die Hebertreibung der Natur auszunüAn, wie die Heringsfischer schnell bei der Hand find, wenn in ihren Meeren die Natur übertreibt. Das schwarze Gewinnnel wurde dadurch nicht gelichtet. Als es immer kälter wurde, überfiel mich Der Gedanke, die Stare möchten vielleicht, Nachtfrost fürchtend, gezwungen sein, ihr Leben durch unaufhörliches älmherschwirren zu erhalten. Diese ileberlegung mußte ein unerträgliches Mitleiden heraufbeschwören, ich flüchtete in ein Theater, zu Gastgebern danach. Cs wurde getanzt, gelacht, der Wein war trefflich. Doch brach durch die Musik immer wieder jenes Rauschen und Brausen rastloser Himmelsvagabunden, und als ich in den ersten, den eisigsten Morgenstunden noch Hause zurückkehrte, da, ja da lieh ich vor Ver- zweiflung den Motor noch lange laufen, um nur möglichst wenig von Dem zu hören, was am Himmel vor sich ging und niemand mir erklären kann. Das Volk macht sich so seine Gedanken. Vor dem Kinderkreuzzug geschahen merkwürdige Zei- chen und Wunder, die Hunde lieferten sich noä Den Chroniken förmliche Schlachten, Geißler tric ben ihr Wesen. .Was ist Die Erscheinung eines Kometen gegen dieses Vogelrätfel? Vielleicht, vielleicht, men: toir nicht an überirDische Dinge glauben wollen nicht an Die DeutenDe unD mahnenDe Hand dn Schicksals, wenn wir auf unserer alten. lieber Erde bleiben, vielleicht ist es das: die Ahnung kommender Liebe? Vielleicht bedeutet es nur daß der Heiland Frühlingstag doch schon Di- Via Appia daherwandle? Als ich am Morgen in Den Garten hinaus stürmte, war weit und breit kein Vogel zu erblicken, zu meinen Füßen aber, ich zog Die Schuhe andächtig vor Dem Wunder zurück, leuchtete ein Schneeglöckchen. Ein richtiges Deutsches Schneeglöckchen, Das Gott weiß wie aus Dem Etoig- keitsboden dieser seltsamen Stadt aufgeblüht war , . t 'M spüle > Äf'ne Sg >^>s,roe Cszoo über •’to’W von 6 30 Fortsetzung. Raymond zuckle ■ haben. gehen." warf den Er 5m™nÄn M Jb ihr k Ä noiN s elben und Besucher au -Ausstellung für ( gierten die Herrei und Ostheim. 1 stand ausTertreti aus Vorständen i'aubacher 2ewvh volle Ehrenpreise Ausstellung war b Hühner. Enten, T Eine Tvmbola-A trieben wurde, er Die Firma Geb: balle im Hofrnum praktisch eingerichl Wner zur Ä munverung und Ai li Trotz.Tel' hier die erste Nutz gerung statt, bi scheiter 1. Klasse un 1 Klgsse zuin Äusx gerer war inäßig Nutzholz waren fo । Sr( und Stelle Der ö-’t’ bezahlt: 4 Ra: bis 41 Ml., 4 Ra S1 bi- 32 Mk, Brei T's teurer. Die ger 5 lchniitlich nicht di! \ Mrei DSD. Lautei Alang es, in Bl xeklameschwii Dauner schwindelte tEe eine Ef Nachdruck verboten W Fortsetzung vier eine von um- ff w» » Es zogen drei Äurschen u>ot)t über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. * SS," naen ^’ Lalten. M * °L Q°°°»* -s»‘s-ä mir ekM ,nb memano H J. Ks»S' VL Dinge g|fls7 c^nb f MW o I* KIM Äaymond zuckte die Achseln. Auch du magst recht ija-ben. Mer gegen seine Gefühle kann niemand iii-gcben." Wenger warf den Stopf zurück. Er reckte sich auf. ir war ein Bild urwüchsiger Kraft, die sich nicht )i)Te weiteres verdrängen lassen würde. „D, ich tät's schon mit ihnen aufnehmen, mit die- len messieurs! Nein, mich bringt keiner von meiner Scholle. Kennst du den Wappenspruch der alten Dränier? J’y suis et j’y reste!' Hter bin ich und Jier bleibe ich? —" Dann reichten sich alle drei zmn Abschied die .'jinb. „Kommt ihr zu mir in mein Landhaus?" lub Wenger nochmals ein. Er erhielt eine Zujage. 8a, wenn der Einzug der Truppen vorüber lei. lind als Dietivart letzt allein in das Dunkel einer Ü-benstraße einbog, um dem Trupp der sich anf- Irenben Stndentenschar aus dem Wege zu geben, 11A zum erstenmal an diesem Tage ein leises Lächeln in' leinen Zügen. Er dachte an Schwester Wendnla. l»r freute sich, sie in einigen Tagen Wiedersehen. flrt 14 neu« Mitglieder eingetreten, ein Beweis, »atz sich die Vereinigung immer mehr die Sym- »atbien der Interessenten erworben Hot. Da der l.vchützenmeister, Oberlandmesser Eich hier, in- Mge anderweitiger Verpflichtungen um Enterbung von diesem Posten bat. wurde an seiner Stelle Steinbruchbesiher Nickel in Ober- Dtdbersheim als 1. Schützenmeister gewählt. Die librtgen Vorstandsmitglieder wurden wieder- ^irwahlt. Ferner beschloß die Versammlung, eine Telephonanlage von den Scheibenständen zum Schützenhaus zu errichten und den Kleinkaliber- tand durch zweckmäßige Anlagen zu entwässern. * Nidda, 29. 3an. Die hiesige katholische Kirchengemeinde hielt im „Hanauer Hof" einen Familienabend ab. der non fast allen hiesigen katholischen Familien ,ad auch au8 der Umgebung Niddas sehr gut nesucht war. Nach einer längeren Ansprache von -Pfarrer Gondolf fanden ernste und heitere Vorträge von Gedichten im Wechsel mit musika- nschen Darbietungen, Einzel- und Chorgesängen statt, so daß alle Besucher befriedigt erst in vor- gerückter Stunde die Versammlung verliehen. (Sanz besonders verdient gemacht hatten sich nm das Gelingen des Abends Älusiklehrer Ackermann, Justizinspektor D a p p e r und Lokomotivführer Hillesheim, sämtlich von i>ier, die durch ihre vortrefflichen Musikvorträge wel zur angenehmen Unterhaltung beitrugen. Aus dem Seemenbachtal, 29. Jan. In ^n letzten Wochen haben mehrere Versammlungen stattgefunden, die die projektierte Eisenbahn Obcrfeemcn — Büdingen — Langen b e r g h e i m zum Thema hatten. Diele Gemeinden loollen namhafte Beträge zur Verfügung stellen. Die Büdinger Standesherrschast will große Gelände slkllen innerhalb ihres Waldes abgeben. Auch die Orte in den Nachbartälern sind sehr daran interessiert. Mreid Schotten. ,~] Laubach, 29. Jan. Unter der Schirmherrschaft des Geh. Regierungsrats V ö ck m a n n , Kreisdirektor in Schotten, fand gestern und heute Im Saale des „Solmser Hof" eine Geflügel- I ch a u für die Geflügelznchtvereine Lgubach, Schotten und Hungen unter zahlreicher Beteiligung der Bewohner Laubachs und der Umgegend ftfltt. In Verhinderung des Kreisdirektors eröffnete Bürgermeister Böhm mittags die Aus- siellung. Er gab seiner Freude über die gute Beschickung der Schau Ausdruck, hoffend, daß eine rationelle Geflügelzucht immer weitere Kreise interessieren möge, damit wir uns im Laufe der ^ahre von der Eier- und Geflügeleinfuhr unab- -.'rjchlagon... Vom Rheinc her stieß ein Morgenwind und trieb tos dreifarbige Fahnentuch auseinander. Wo war er geblieben, — der deutsche Rhein? ... Es lag wie ein Festrausch über der Stadl, als Straßen sich früh zu füllen begannen. Girlan hckngiger machen können. Mit dem Wunsche, daß die Ausstellung zur Zufriedenheit der Aussteller und Besucher ausfallen möge, erklärte er die Ausstellung für eröffnet. Als Preisrichter fungierten die Herren ©Öhler, Rieder-Gemünden und Ostheim. Echzell. Der Ehrenausschuh be- ' jtonb aus Vertretern der umliegenden Gemeinden, aus Vorständen von Kassen und einer Anzahl Bubacher Bewohner. Etwa 55, teils recht wertvolle Ehrenpreise waren gestiftet worden. Die Ausstellung war beschickt mit ungefähr 300 Tieren: Hühner, Enten, Tauben, Gänse und Truthühner. Cino Tombola-Verlosung, die recht eifrig beirieben wurde, erhöhte das finanzielle Ergebnis, üie Firma Gebr. Schmidt, Laubacher Wald, hatte im Hof raum des „Solmser Hof" einen sehr praktisch eingerichteten Hühnerstall für 30 bis IJ Hühner zur Ansicht aufgestellt, der viel Bewunderung und Anerkennung fand. Kreis Alsfeld. ( ) Groß-Felda, 29. Jan. Dieser Tage fand ijter die erste Nutz- und Brenn holzver st ct- qerung statt, bei der 249 Raummeter Buchen- irfjciter 1. Klasse und 207 Raummeter Buchenknüppel i stlgsse zum Ausgebot kamen. Das Gebot der Stei qexer war mäßig und langsam. Die Angebote auf iwtzholz waren so gering, daß eine Genehmigung an »Del und Stelle versagt wurde. Für Brennholz wur- hült bezahlt: 4 Raummeter Buchenscheiter 1. Klasse .)!) bis 41 'Ult., 4 Raummeter Buchenknüppel 1. Klasse Bl bis 32 9.Ht., Brennholz 2. Klasse war im Verhält Inis teurer. Die genannten Preise erreichten durch chnittlich nicht die Preise für Losholz. Kreis Lauterbach. DSN. Lauterbach, 28. 3an. Der Polizei gelang es, in Blitz en rod einen abgefeimten Aeklameschwindler zu verhaften. Der Saunet schwindelte hiesigen Geschäftsleuten vor. 5cv wolle eine Speisekarte mit Firmenreklame i in, 29 'DvSl^ Di« mtfc. "crtraA1"1 ^lanbc ui-in LU n 70 r ^obrudscho teilen,'^ ?nYTn UD[ 3te 3ah[ Ln.$c"'|rf)e Auheim fierte 1926 mit n. Auch für iS 5r|pn",fi Wahlen wieder äu&erft mT, Don 39279 T " Ä 27,77 Anwe Mnten (bis jünj lag; U das ^nto & r? ^.buchen sind, konW 'M DurchschM also JS» Dom wr 1927 betrug tne Dunh ttnadjtungen, während iit 'W M, 25,72 stellt. Da bi< jje JBertejrsmerbung wir W* für die Lewer cule ast nur bk Uebemach grunbe legen, kann man er n9 "lyerem hessischen Staats !r rukomrnt. Auch die Hem l> d) 5 sind wieder gestiegen, die summe von 5841, U «quenj. Jnsgestmt sind an h Danzig 34 fremde Länder Drbatneriia mit 1349 obenan en mit 10 die geringste Zahl Bades stellik. Unter der: Art Holland, da? 698 Km 3an Die Dezirksge- ron über 200 Tieren am chbach, Lang-Göns, Kirch- ärgern. 2?ieder»2Deifel be- tschland bekannten Süchte, u hatten ihr bestes 3ud)f' gezeigt wurden in erster n Äuhrasten: Dhandoit« n Zarbenschlägeni daneben en Minvrka, Hamburger Kröpfer und Briestauben rbandsmedaillen er- je Leistung: Kai, Lang- jühner und M Kaiser, jlche Wer; Träger bei ; Die BuSbacher Züchter ibt, Ester und Mel- Pohl-Göns; Bepler Md Säger, Oberhvrgm. mg-Göns.BolP,Meder- Ostheim. Auherlmn ivur- b 3. Preise vergeben Südingen. m Dieser Tage hielt ön ellschal' ihre Haupt , ^Ii^en^ehtel^ahrk HM Wenige Tage später, als ein grämlicher Novern- termorgen seine Dämmerschleier zögernd unb lässig ton der Stadt hob, leuchtete an jeder der Schnecken des Straßburger Münstertunnes fnnzösische Fehlte. Ja, die Trikolore Frankreichs blähte sich neuem über dieser seit Jahrhunderten heiß timpften Stadt! Straßburg, das Juwel in Deutschlands Kcuser- fror.e, von neuem geraubt. Die Deutsche Kaiserkrone KÄ'Ä'L'.,. 8ie^°tt3UuNel; ÄÄ ffcfeM ? %KdIÜ' • mbe jSe xfesis* SN. am 4 an, ’^tben. §jnQ.uf ^em ?cn ! drucken lassen, die er an Hotels unb Gasthäuser abfetzen wollte. Don den Geschäftsleuten, die ihm Aufträge gaben, verlangte er Vorauszahlung oder Teilzahlung. Auf diese Weise gelang es ihm. ganz erhebliche Beträge zu erschwindeln Preußen. Kreis Wetzlar. WEN. Wetzlar, 29. Jan. Am Freitag wurde in ein Geschäftshaus in der Silhöferstrahe eingcbrochcn. Der Dieb stahl ein Zigarrenkistchen, in dem sich 100 Ml. Geld und eine Anzahl Lotterielose befanden. Die Lose warf der Einbrecher, der unerkannt entkommen konnte, wieder in einen Briefkasten in der Bahtchofstrahe, da er cinsah, daß sie ihm nicht nutzen können. Bisher ist es nicht gelungen, eine <5pur zu finden —!— Brand ob erndorf, 29. Jan. Unsere Gemeinde hielt dieser Tage ihre erste diesjährige B r en nh o l z v e r st ei g ebu ng ab. die seyr gut besucht war. Es wurden bezahlt: Eichenscheit 5 bis 7 Mk. Eichenknüppel 4 bis 5 Mk. je Raummeter, Buchenscheit in Nollen 12 Ml.. Buchenknüppel 9 Mk. je Raummeter. 100 Buchen- wellen oder la Buchendurchforstungswellen kamen auf 13 bis 15 Ml. Tilltreitz. LPD. Dillenburg. 28. Jan. Eine große G e w e r b e s ch a u ist für den ganzen Dillkreis und Äachbaraebiete in der Woche nach Pfingsten in Dillenburg geplagt. Die Schau soll Zeugnis ablegen von dem Gewerbefleiß der Dill- und Lahnbewohner. Schon jetzt steht fest, daß die Ausstellung von allen Gewerbe- und Industriezweigen reichlich beschickt werden wird. Lberwestertvalvkreitz. WEN. Dreisbach, 29. Jan. Das Anwesen des Landwirts Joseph S)Hb I. ist am Samstag- morgen vollständig eingeäschert worden. Um 7.15 Ahr stand plötzlich die Scheune, in der mehrere Landwirte ihre Wintervorräte untergebracht hatten, in Flammen. Die sofort alarmierte Ortsseuerwehr konnte nicht verhindern, daß die Flammen auch das Wohnhaus ergriffen. In kurzer Zeit waren Haus und Scheuite bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die zur Hilfe herbeigeeilten Feuerwehren der Nachbarschaft tonnten sich nur darauf beschränken, die Häuser der Umgebung, die vielfach noch Strohdächer aufweisen, zu schützen. WSN. Alpenrod, 29. Jan. In dem Anwesen des Landwirts L e i ch e r brach ein F e u e r aus, das in kurzer Zeit das ganze Gebäude erfaßte und die umliegenden Häuser wegen des starken Sturmes gefährdete. Der Feuerwehr gelang es jedoch, ein weiteres Umsichgreifen des Brandes zu verhindern. Vieh und Mobiliar wurden rechtzeitig gerettet, dagegen brannte das Haus bis auf die Grundmauern nieder. Kreis Westerburg. LPD. Westerburg, 28. Jan. Im benachbarten Gemünden wurde nachts das Haus eines Einwohners durch einen verheerenden Brand bis auf die Umfassungsmauern eingeäschert. Die am Brandherd erschienenen Feuerwehren von Berghahn und Winnen konnten das eirkfesselte Element nur auf seinen Herd beschränken. Die Ehefrau des Hausbesitzers, die den Ausbruch des Brandes nicht rechtzeitig bemerkt hatte, und sich unversehens von den Flammen umzüngelt sah, muhte durch ein Fenster aus dem brennenden Hause gerettet werden. Kreis Biedenkopf. 4? Königsberg. 29. Jan. Auch in diesem Jahr dürfte die Bautätigkeit hier sehr gering sein und an neuen Wohnungen nichts gebaut werden. Die Baulustigen werden zur Untätigkeit gezwungen, denn es fehlt an ordentlichem Baugelände. Die Geüieinde verfügt zwar über einen noch unbebauten Platz, dieser ist aber für Landwirte so ungünstig gelegen. daß keiner es riskieren will, ein Objekt von 12 —15 000 Mark daraus zu bauen. Es wird wohl in allernächster Zeit die Gemeinde nicht umhin können, neues Baugelände zu erschließen, eine Straße anzulegen, oder eine Straße zu verlängern. Maingau WSN. Frankfurt a. M., 28. Jan. Am Freitagabend zwischen 20 und 20',Uhr wurde durch einen bisher Unbekannten die Neitungs- wache nach dem Hotel ,.A u t o p a l a st" in den von Hans zu Haus unb über die schmalen, alten Straßen hinübergefpannt. Zwilchen dem dunklen Grün zahllose knisternde, kleine blau-weiß- rote Fähnchen. Die Hauptstraßen und Plätze ringe« säumt von Fahnenstangen, an deren Spitze sich Wimpel in französischen und elsässischen Farben schaukelten. Alles war in seinen Sonntagsstaat ge schlüpft. Die jungen Mädchen trugen diesem denkwürdigen Tage besonders Rechnung, indem sie sich in elsässische Nationaltracht geworfen hatten. Kenner der ganzen Verhältnisse sahen, wieviel Masfe rade hierbei zur Schau kam. ®ei weitem waren diese Trachten nicht aus den gediegenen echten Stossen, wie sie auf dein Lande üblich waren, sondern zusammengestoppelle Sachen. Ach, wie manche Kötel oder Eugönie oder Jeanne hatte schnell in den letzten Wochen einen'weißen Rock blau gefärbt, eine weiße Doilebluse rot. und ein breites weißes Band als weiße „Schärpe" zur Vervollständigung des beliebten Kostüms in den französischen Nationalfarben genommen, um an den Trottoirs entlang Spalier zu bilden! Es war in den letzten Tagen gerabezu fieberhaft gearbeitet worden! Melusine hatte einen Einolick gewonnen, da Alceste mit Kopf und Kragen an der rechtzeitigen und glänzenden Inszenierung des Franzoseireinzuges interniert war, seitdem man ihn mit ins Comite de r^ception gewählt. Einer Clique unentwegter Franzosensreunde in der Stadt, die ein Interesse daran hatten, sich bei den neuen Herren und kommenden Behörden in ein gutes patriotisches Licht zu setzen und dem Einzug der Franzosen eine glänzende „miseen setene" zu geben, auf die man in Frankreich so besonderen Werl legte. 'Während Melusine zeitia am Morgen zur Graiw- mama hinausfuhr und ihr Blick das Straßenbild im Vorüberhuschen durch das Fenster des 2lutos betrachtete, tarnen ihr diese Gedanken. Draußen im Schlosse erwartete die Großmutter sie schon fertig angezogen. Es war eine eigene Feierlichkeit über die Greisin gebreitet, eine Feierlichkeit, über der noch ein Hauch von erwartungsvoller Unruhe lag! Im Vestibül stand der alte Jaques mit einer leichten Pelzdecke aus hellgrauem Feh zum Schutze während her Autofahrt in die Stadt. In seinem Gesicht lag ebenso ein Abglanz festlicher Erwartung, wie seine Herrin ihn heute trug. Die Bewegungen, mit denen er neben Melu- der TaunuSstrahe gerufen, um von dort au« einem Zimmer ein Mädchen abzuholen, dem eS angeblich schlecht geworden fei. Beim @intre f?n der Rettungswache wurde in dem betreffenben Hotelzimmer das Mädchen tot im Beil autgefunben. Dom Hotelpersonal hatte bisher niemand von dieser Tatsache Kenntnis. Die Feststellungen der Kriminalpolizei ergaben, daß es sich bei der Toten vermutlich um eine angebliche Käthe Imhsfs handelt, die bisher der Gewerbsunzucht nachgegangen ist. Irgendwelche Ausweis- papiere wurden bei ihr nicht vorgefunden. Raw Ansicht der Aerzte ist ein unerlaubter Gingriil verübt worden, so daß sie an Luftwegembolie verstorben ist. Die Verstorbene hatte gegen 191/, Uhr mit einem zirka 30- bis 40 jährigen Mann das Hotel ausgesucht. Der Begleiter machte den Eindruck eines besseren Arbeiter- und schrieb sich alS Monteur Karl Stamm aus Bitterfeld ins Fremdenbuch ein. Er dürste auch derjenige fein, der die Rettungswache alarmiert bat Stirnen, Spott und Spiel. Bezirk Heffen-Hannover. Die Spiele verliefen erwartungsgemäß. Die Favoriten blieben überall in Front. In Kassel schlug die junge Mannschaft des Dallspielclubs Sport den Spielverein mit 3:1 (3:0). Tura mußte vom Sportclub 03 eine 1:4-Riederlage einstecken. In Göttingen standen sich Sportclub 05 Göttingen und Eintracht Braunschweig gegenüber Die Braunschweiger zeigten nicht die erwartete Form. Göttingen gewann verdient 4: 3 (3:1). In Fulda trennten sich Borussia Fulda und Kurhessen Kassel unentschieden 2: 2 Um die Süddeutsche Fußball Meisterschaft. Die süddeutschen Fußball-Meisterschaftsspiele ergaben gestern in allen Gruppen eine große Anzahl von Lleberraschnngen. Bayern München gewann zunächst mit 5:2 sein Treffen gegen S p. V. W a l d h o f zahlenmäßig viel höher als erwartet, in Wirklichkeit aber sehr glücklich Cs war ein ausgeglichener Kamps, in dem anfangs sogar Waldhos überlegen war. Auch W o r - matia Worms überraschte ungeheuerlich durch fein 0: 0 gegen die Sp. Vgg. Fürt h. Auch hier war die Aeberlegenheit wenigstens nach der Pause auf feiten der Wormser. In der Hauptsache verdanken aber die Hessen ihrem Torwächter den günstigen Ausgang des Kampfes. Auch F.V. Saarbrücken lag bis zur Pause 1:0 in Führung, mußte dann aber den überlegenen Stuttgarter Kickers mit 5:2 den Sieg überlassen. In der Gruppe Südost der Trostrunde verlor der 1. F. C. N ü r n b e r g , der Deutsche Altmeister, gegen Wacker München mit 2:3 vor 20 000 Zuschauern in einem rassigen Kampfe, der auf beiden Seiten mit stärkster Aufstellung und restloser Hingabe durchgesührt wurde. Sportklub Freiburg war ursprünglich gegen D. f. D. Fürth nicht Favorit. Sein Stürmer Meyers arbeitete aber unermüdlich, bis der Sieg mit 3:2 sicher gestellt war. P h ö n i y Karlsruhe, in der zweiten Spielzeit nur mit 10 Mann spielend, schlug die ersatzgeschwächte Mannschaft von 1 8 6 0 München mit 2:1 Toren völlig verdient. Nicht minder überraschend kommt die Niederlage des V. f. D. Stuttgart gegen Union (Bedingen mit 2:4 Toren. Böckingen gewann das durch schlechte Schiedsrichterleistung halb verunglückte Treffen danl der größeren Vertrautheit mit dem eigenen Platze. Verhältnismäßig geordnet erscheinen gegenüber den obigen Liebe.raschungsresultaken dte Ergebnisse der Gruppe Nordwest. Rotweiß Frankfurt trennte sich von V. f. B. N e rf a r- a u mit einem glücklichen 1:1, das bereits bei Halbzeit erzielt war. Rotweih verdankt den Erfolg seinem Torwächter. Spv. 1905 Mainz hatte ebenfalls gegen den V. f. L. Neu-Isenburg mit seinem 2:2 viel Glück, denn Isenburgs junge Mannschaft war technisch und taktisch erheblich besser. Fußballgesellschaft 1 903 Ludwigshafen lieferte dem F.-Spv. Frankfurt em sehr spannendes und hartes 0:1-Spiel. Beide Parteien hatten gute Torgelegenheiten, vor der Pause Ludwigshafen die besseren. Später kam Frankfurt in Front, sein Linksaußen Brück konnte schließlich ein Tor erzielen, bei dem es bis zum Schlüsse blieb Handball in Baden. Das Entscheidungsspiel um die badische Handballmeisterschaft zwischen Polizei S. V. Mannheim gegen Polizei S V. Freiburg endete 7:5 (3: 3). Olympiasitzung des Deutschen ^eichsauöschuffes. Im Mittelpunkt des Programms der Olympia- sitznng des Deutschen Reichsausschußes stand die Frage der Unterbringung der deutschen Teilnehmer in Amsterdam In Privatquartieren und Hotels stehen etwa 10 000 Zimmer mit 20 000 Betten zur Verfügung An den Winterspielei: in St. Moritz nehmen 65 deutsche Vertreter teil Die Zahl der aktiven Teilnehmer für Amsterdam beträgt 282 Köpfe. Die Verteilung auf die ein seinen Sportarten ist folgende: Hockey 22. Fuß ball 22, Leichtathletik 85, davon 20 Frauei! Schwerathletik 17. Fechten 14, davon 4 Frauen olympischer Fünfkampf 5, Radfahren 12, Schwim men 40, davon 12 Frauen, Segeln 14. Rudern 27 Boren 12, Pferdesport 12. Das Stuttgapier Hallensportfest Wickelte sich gestern in Anwesenheit von ca 5000 Zuschauern ab. Den Sprinter-Dreikamp' gewann H ou h e n - Krefeld vor Suhr-Karlsruhe, W o n d r a t s ch e k-Stuttgart und Rata n - Charlottenburg. im Weitspringen siegte der deutsche Meister Dobermann - Köln mit 7,05 Meter, im Kugelstoßen Brecher macher München mit 13,75 Meter, während Steinhardt- Karlsruhe im Hürdenlausen erfolgreich war. Kickers- Stuttgart und V. f. B.-S t u 11 gart teilten sich in die Stege der Staffeln. Skirennen auf dem HoherodSkopf. Am gestrigen Sonntag kam auf dem Hvherode köpf ein Langstreckenskirennen für Herren, Damen und Jugend zum Austrag, das von prächtiaem Winterwetter und guten Schneeverhältnisfen unterstützt, einen glänzenden Verlauf nahm Mehrere hundert Zuschauer wohmen dem Rennen bei. Dem Rennen war am Samstagabend ein Fackellauf der Jugend am Hang vorausgegangen Heue deutsche Schwimmrekorde. Die denlsche Freistilmeisterin Frl. iKeni Erkens (Oberhausen», die erst vor kurzem einen neuen beut schen Rekord im 100-Meter-Freistilschwimmen auf stellen konnte, unternahm am Donnerstagabend im Ruhrorter Hallenbad einen Angriff auf die von Frl Lotte Lehmann (Dresden) gehaltenen Rekorde im 300« und 400-Meter°Freistil'fchwimmen. Es ap= lang Frl. Erkens, mit 4:28 bzw 6:08 die be stehenden Höchstleistungen von 4:46 bzw. 6:25 ganz erheblich zu verbesseni. Rademacher und Iriebschläger in Strahburg. Die deutsche Wasserballmannschaft ging auf der Rückreise von Paris in Straßburg an den Start. Rademacher siegte hier im 200>Meter-Bruft- schwimmen vor Schoebel. Das Wasserballspiel zwischen dem A. S. S. und der deutschen Mannsckast verlief 6:6 unentschieden. Riebfchläger zeigre ein vom Publikum stark bejubeltes Schanspringen. Eissport. Die deutsche Kunstlausmeisterschaft in Müssen. In der Damenmeisterschaft konnte grau Dlockhöf vom B. S. E. ihren Titel erfolgreich behaupten. Die Herrenmeisterschaft im Kunstlaufen konnte der frühere deutsche Meister Rittberger seinem Vereinskameraden Franke entreißen. Im Paarlaufen wurde das Berliner Paar Frl. Kihhauer-Gaste Sieger. Die schwedische Lisschnellausmeisterschasl wurde von Gustaf Andersson gewonnen, der seinen Siegen am Samstag in Köping über 500 und 10 000 Meter am (Sonntag zwei weitere hinzufügte Für die 1500 Meter benötigte Andersson 2,40, für die 5000 Meter 9,41:5 Min. sine ibie Greisin durch da- Vestibül zum Auto geleitete, hatten heute neben aller Untergebenheit und Di-skretion etwas Eigenes, Unausgeforochenes. Denn als die alte Dame, ehe sie den Fuß in den Wagen setzte, ihn anblickte und sagte: „Mon vieux, hättest du es wirtlich geglaubt, daß wir beiden es erleben würden: eines Tages wieder die Marseillaise in der Stadt hier hören zu dürfen?" — lächelte er mit einem Hauch von Ueberlegenheit und erwiderte: „D doch, Madame! Es ist das feit achtundoierzig Jahren mein Abend und mein Morgengebet gewesen! Ich bin beglückt, Madame heute auf diesem Wege begleiten zu dürfen?" Mit dem Eigensinn, mit der Kraft eines verletzten Nationalempfindens hatte die greife Baronin von Hannnerschlag es vermieden, seit der Deutsch- werdung des Elsasses Straßburg je wieder zu betreten. Sie erging sich in ihrem großen, weiten wundervollen Parke, sie umemahm Spazierfahrten in die weitere Umgebung Straßburgs, die selbst bis an den Fuß der Vogesen früher geführt hatten. Sie grüßte von ferne, von Lichtungen ihres Parkes zum Münster hinüber, weil er in feiner erhabenen Ma jeftät unverändert geblieben war ... doch sonst hatte sie auf ihrer Besitzung gelebt, gleichsam wie auf einer Insel. Nur durch die Angehörigen und gleichgefimtte Freunde und entferntere Verwandte wurde sie iwch mit der Gegenwart verbunden, wenn sie deren Besuche hier draußen empfing. Jetzt aber verband sie ihr Leben wieder mit dem dieser Stadt. Denn sie wußte: der letzte deutsche Soldat hatte den Boden des Elsaß verlassen. Die Fahrt zur Stadt verlief fast schweigend. Die Baronin sah unermüdlich zu den Fenstern hinaus. Trotz der schnellen Fahrt entdeckte sie, tuieuiel sich im Stadtbild in dem verflossenen Jahrhundert xxt ändert hatte. Ein ganz neuer Stadtteil war unterhalb der Orangerie bis zur Stadt selbst entstanden. Diel Neues, Stattliches, Imposantes und Schönes war ausgewachsen. — Das mußte selbst die Opposition den Preußen lassen? Sie hatte ihre 5)and auf dem Schoß der Enkelin neben sich liegen. Fest und doch voller Weichheit. Mit den ttnatisgesprochenen Worten: „Ich danke dir, Paß du in diesen für mich denkwürdigen Stunden neben mir bist? Deine Mutter hält sich fern. Aber deine junge Generation laß meine Hoffnung feinI Komm, hatte jetzt zu unserer Seite, wo du siehst, daß der Aar Frankreichs wieder so groß aufsteigt!" Melusine war das Schweigen not. Es hatte cun Morgen eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihr und Ranmond gegeben. Nur ganz kurz war sie gewesen. Nur wenige Worte waren gewechselt. Abei jedes der Worte l^tte Ijart geklungen, und ging fast messerscharf zum andern hinüber. Aus die erstaunte Frage des Brilders, wie es denn möglich fei, daß die fast gelähmte Großmutter eine Fahrt in dir Stadt und ein Huschauen vom Ministerium aus un ternehmen möge, hatte Meluttne mit verbissenem Mute geantwortet. ,Lch werde sie begleiten. Das habe ich ihr ange boten. Und Alceste wird uns am Portal des Mini- fteriume erwarten!" „Du hast der Grandmama deine (Begleitung an- geboten, Melusine? Du —, die du feit vier Jahren einem Freunde von mir dein Wort gegeben hast der als Offizier neben mir unter den deutschen Waffen gekämpft hat? Du bist bereit, jetzt den Tri umph der französischen Waffen mit amzüsehen und zu bewundern?" Noch mehr als (eine Worte hatten fein Blick und der Ton seiner Sttmme sie erregt und verletzt. „Bc denke, daß ich zweiundzwanzig Jahre alt bin, ^Raymond? Ich habe meinen freien, meinen eigenen Willen. Und nie erkenne ich eine Verpflichtung an. deinen Ansichten — und deinen Empfindungen hui digen zu müssen, — weil ich deine Schwester bfn'" Da hatte er sie fest und lange angesehen. Dann meinte er: „Wir haben uns als Geschwister immer nahe gestanden. Haben uns immer geliebt, Melu sine. Die ganze eigenartige nationale Zerrissenhei die nun einmal Inder in unserer Familie besteht, hat zwischen uns nichts Trennendes zu schiebe,', vermocht. — Aber ich fürchte, o, ich ahne es, Mc lasine, —dieser Tag heute wird beginnen, uns beidc zu scheiden! ... Die Stimmung eines verbissenen Trotzes hatte sich um sie gekrallt. Kein versöhnendes Wort war ihr möglich gewesen. Sie hatte ihn aus dem Zimmer geben lassen, ohne durch ein Dort, durch einen Blick feine ausgesprochene Vermutung zu ent- f raffen. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. In ihrem Monatsbericht schreibt die Deutsche Bank über die Berliner Börsen- und Geldmarktlage: Die Zuversicht, die die Börse bereits zum Ausgang des verflossenen Iahres in bezug auf die Gestaltung desGeld- Marktes im neuen Jahr an den Tag legte, hat nicht getrogen. Die Rückflüsse waren zu Beginn des neuen Iahres nach der starken Borversorgung zum Jahresultimo recht beträchtlich. Das Mah der Entspannung zeigt sich in einer starken Abnahme des Zahlungsmittelumlaufs, der am 19. Januar ungefähr eine Milliarde niedriger war als am Jahresende und in einer Verringerung des BZechselbestandes der Reichsbank in den ersten beiden Januarwochen um 800 Millionen. Die Verflüssigung hatte naturgemäß ein entsprechendes Sinken der Sähe am offenen Geldmarkt zur Folge. Dieser veränderten Gcldlage entsprach die Aufwävtsbewegung derAktienkurse nicht. Das Kursniveau stellt sich nach den Berechnungen der Deutschen Bank mit 160,1 im Durchschnitt nur 2’/2 Punkte höher als am 19. Dezember, die Terminpapiere sogar nur 1,1 Punkte. Daß eine neue spekulative Welle Börse und Publikum auf Grund der leichteren Geldverhältnisse erfaßt hätte, läßt sich also nicht behaupten. Im Gegenteil, das Publikum beteiligte sich nur in recht geringem Umfang an den Aktienmärkten, und vielfach fanden spekulative Kreise die Pariser Börse reizvoller. Denn wenn sich auch die Börsenlage von der Situation vor Iahresfrist dadurch unterscheidet, daß spekulative Engagements nur in mäßigem Umfang bestehen, so ist das Kursniveau bei weitem nicht niedrig genug, um Börse und Publikum über die möglichen Störungen, die die bevorstehenden innen- und außenpolitischen Entscheidungen unter Umständen mit sich bringen könnten. hinwegsehen zu lassen. Die Flüssigkeit des Geldmarktes allein vermag den nötigen Impuls nicht zu geben, weil man sich ja Rechenschaft darüber gibt, wie schnell sich solche Verhältnisse ändern können, wenn der gewiß nicht lange mehr zu unterdrückende langfristige GelN'bedarf, namentlich der öffentlichen Stellen, der auch bei Wiederaufnahme der Emissionstätigkeit im Ausland zum guten Teil auf den inländischen Kapitalmarkt angewiesen ist, sich wieder kräftiger zu regen beginnt. Das Interesse für festverzinsliche Anlagen hat sich, auch durch den Zins- tcrmin begünstigt, in der letzten Zeit zwar gehoben, ohne daß aber der Anlagesuchende etwa zu Konzessionen im Zinssatz genötigt worden wäre. Die lange Schonzeit des inländischen Kapitalmarktes brachte nach der Sperre des ausländischen Cmissionsmarktes auch eine Folge finanzieller Rotstandsmaßnahmen mit sich, kurzfristige Verschuldung, die nach Ablösung drängt. Man rechnet daher, Wohl mit Recht, damit, daß im Kapitalmarkt auf geraume Zeit die Rachfrage das Angebot immer übersteigen wird. Elekirofriede in Aorddeutschland. Die seit langem andauernden Verhandlungen zwischen der Preußischen Elektrizitätö- A. - G. und der E l e k t r o roe r k e - A. - G., die sich im reichseigenen Besitz befinden, haben nunmehr zu einem Uebercinkömmen zwischen den beiden Unternehmen geführt, welches nicht nur eine Gemeinschaftsarbeit bei der Braunschweigischen Kohlen- bergwerks-A.-G., sondern auch eine Verständigung über die Versorgungsgebiete herbeiführt. Mit der Einigung zwischen Preußen und dem Reich kann der Elektrofriede in Norddeutschland als gesichert bezeichnet werden. In die Elektrizitätsversorgung Nordwestdeutschlands werden sich von nun an die drei großen Unternehmungen, das Rheinisch-westfälische Elektrizitätswerk, die preußische Elektrizitäts A.-G. und die Elektrowerke A.-G. teilen. Die unwirtschaftlichen Konkurrenzmaßnahmen die besonders zwischen dem RWE. und der preußischen Gesellschaft immer wieder aufgetaucht sind, waren zwar schon durch den bekannten Vertrag der Preag mit dem RWE. fortgesallen, aber dieser Der- trag hat durch das mit den Elektrowerken getroffene Abkommen erst die sichere Grundlage erhalten, die ihn zu einem Erfolge im Interesse der Gesamtwirtschaft stempelt. Wenn jetzt der Weg für eme planmäßige Gestaltung d e r Elektrizitätsversorgung in Deutschland durch den Friedensschluß zwischen den drei größten elektrizitäterzeugenden Unternehmungen freigeworden ist. so gilt es jetzt, alles daran zu setzen, was sowohl einer Verbesserung, als auch Verbilligung der Elektrizitätsversorgung beitragen kann. Jedenfalls kann der Ausbau der Elektrizitätsversorgung in Noi^westdeutschland als dem Teil Deutschlands, welcher der größte Strom Verbraucher ist, in anbetracht der durch die abgeschlossenen Verträge garantierten Zusammenarbeit der Stromerzeuger planmäßig und nach rein sachlichen Jweckmäßigkeits- gesichtspunkten zum Besten der Verbraucher weiter fortgeführt werden. Die Strompreise in den einzelnen Wirtschaftsgebieten Deutschlands weisen Spannen auf, die klar beweisen, daß nur planmäßiges Zusammengehen der Elektrizitätsindustrie, deren Aussichten infolge des fortschreitenden Strombedarss durch die zunehmende Elektrifizierung recht günstig sind, zu einem Preisausgleich und zu einer Preis- verbilligung führen kann. * * D i e amtliche Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 25. Ianuar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Rcichsamts ist gegenüber der Vorwoche von 138,8 auf 138,4. oder um 0,3 v. S). zurückgegangen. Von den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrarstofse um 0.9 v. H. auf 130,9 (Vorwoche 132,1) gesunken. Gleichzeitig hat die Indexziffer für Kolonialwaren auf 129,8 (129,4) oder um 0,3 v. H. angezogen. Unter den Industriestoffen lag die Indexziffer der indu- strieUen Rohstoffe und Halbwaren mit 134,6 gegenüber der Vorwoche unverändert, während die Indexziffer derindustrieilen Fertigwaren auf 156,6 (156,3) oder um 0,2 v. H. gestiegen ist. * Betriebserweiterung b e i Buderus. Wie wir hören, werden die Werksanlagen der den Buderusschen Eisenwerke gehörigen Karlshütte in Staffel bei Limöurg zur Zeit durch den Bau einer neuen Gießhalle erweitert. ' Reuordnung der Zweimonatsbilanzen der Banken. Die seit einiger Zeit arbeitende Kommission zur Reuordnung der Zweimonatsbilanzen der Banken usw. hat ihre Arbeit zu Ende gebracht. Die Vereinbarungen, die noch der Genehmigung des Reichswirtschaftsministers bedürfen, betreffen im wesentlichen folgende Punkte: Aus Zweimonatsbilanzen werden im wesentlichen Eimnonatsöilanzen. Die Frist für die Veröffentlichung wird abgekürzt. Das Bilanzschema hat nach verschiedenen Richtungen hin eine präzisere Formulierung und Ausgestaltung gefunden. Das neue Schema ist so aufgestellt, daß es einheitlich für die privaten Kreditbanken, öffentlichen Banken, Girozentralen und Hypothekenbanken Verwendung finden kann. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens steht noch nicht fest, es ist aber damit zu rechnen, daß die Neuregelung in einigen Wochen praktisch wird. * Schuhfabrik Herz A. G., Frankfurt am Main. Die außerordentliche Generalversammlung genehmigte die bekannten Sanierungsvorschläge. Zur Beseitigung von Verlusten und zur Bildung von Rückstellungen wird das Grundkapital von 1 540 000 Mk. auf 405 000 Mk. herabgesetzt, und zwar derart, daß 4 Stammaktien über je 60 Mk. in 1 Stammaktie zu 60 Mk. zusammengelegt werden. Gleichzeitig erfolgt eine Zusammenlegung der Vor- zugskaticn von 40 000 auf 30 000 Mk. und die Aufhebung des mehrfachen Stimmrechts der Vorzuas- aktien. Gleichzeitig wurde Wiedererhöhung des Kapitals um 875 000 Mk. beschlossen. Von den neuen, ab 1. Juli 1928 dioidendeberechtigten Aktien erhält der neue Großaktionär Eugen Kaufmann (August Anathan Leder A. G., Frankfurt a. M.) 500 000 Mk., die restlichen 375 000 Mk. werden den alten Aktionären derart angeboten, daß sie auf 5 zu je 60 Mk. zusammengelegte Aktien 3 neue zu 100 Mk. zu pari beziehen können. Auf den Einwurf von Aktionärseite, daß nach der Bilanz per 30. Juni 1927 eine Zusammenlegung des Stammkapitals im Verhältnis 5:1 zu scharf sei, wurde von der Verwaltung ausgeführt, daß seit dem Verlust von 134 000 Mk. per 30. Juni 1927 im laufenden Jahr ein neuer Verlust von bereits 218 000 Mk. zu verzeichnen sei, da nach alten Abmachungen Artikel mit Verlust geliefert werden mußten. Bis die Sanierung durchgeführt sei, würden weitere Verluste eintreten, so daß die Sanierungsmaßnahmen als angemessen betrachtet werden müßten. Im Verlauf der Debatte darüber äußerte sich der neue Großaktionär Kaufmann über die eigentlichen Verluste der Gesellschaft, die am 30. Juni 1927 in Wahrheit bereits 300 000 bis 400 000 Mk. betragen hätten. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres sei bis jetzt ein monatlicher Verlust von 40 000 Mk. entstanden. Auch weiterhin sei das Eintreten von Verlusten so gut wie sicher, da der Verkauf beinahe ruhe und die Fabrik bereits verkürzt arbeite. e 21.-0. für Schrif tgießerei und Maschinenbau, Offenbach (Main).Wie der LPD. zuverlässig erfährt, ist das Geschäftsjahr 1927, soweit man bisher Tleberblick hat, derart verlaufen, daß der Vorjahresverlust von 42 752 Mk. beseitigt und darüber hinaus ein Tleberschuß erzielt ist. Doch könne man noch nicht ganz übersehen, wie der endgültige Abschluß ausfalle. Iedenfalls ist mit einer Dividende wieder nicht zu rechnen. Das Aktienkapital von 800 000 Mark befindet sich zu etwa 94 bis 95 Prozent in Händen der H. Berthold Messinglinienfabrik und Schriftgießerei A.-G.. Berlin, so daß an der Börse selbst höchstens 2 bis 3 Prozent schwimmen. • Rheinisch-Westfälisches Kohlen- s y n d i k a t. Die Mitgliederversammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndirats setzte, wie der WTB.-Handelsdienst meldet, einen Ausschuß ein, der die Frage der Neuregelung der Handelsorganisation im besetzten Gebiet beraten soll. Die .Umlage wurde für den Monat Ianuar unverändert mit 1,38 Mk. beschlossen. Die Versammlung gab ferner ihre Zustimmung dazu, daß bei den Eß- und Magerkohlen eine Anpassung an die Marktlage herveigeführt wird, indem einige Sorten im Preise herabgesetzt werden, bei gleich entsprechenden Preiserhöhungen bei anderen Sorten. Arauksurtcr Börse. Frankfurt a. M., 30. Jan. Tendenz: lustlos. — Zu Beginn der neuen Woche konnte eine Belebung des Börsengeschäftes wieder nicht eintreten. Es herrschte weiterhin starker Ordersmangcl und auch die berufsmäßige Spekulation zeigte keine Neigung zu einer stärkeren Betätigung. Die allgemeine Stimmung war recht lustlos und es machte sich wieder stärkere Unsicherheit bemerkbar, da sich die Befürchtungen hinsichtlich einer evtl. Gsldverknappung im Zusammenhang mit den bevorstehenden Jnlandemissionen verstärkten. 'Zur Zurückhaltung mahnte ferner der morgige Zahltag: man hält jedoch irgendwelche Schwierigkeiten für unwahrscheinlich. Die erhöhten Produ'k- tionsziffern der Vereinigten Stahlwerke blieben ohne Wirkung auf die allgemeine Stimmung, nur Stahlverein selbst konnten 1 v. H. anziehen. Im übrigen war die Tendenz bei den ersten Notierungen überwiegend schwächer und die Mehrzahl der Papiere gaben 1 bis 2 v. H. nach. Stärker abgeschwächt waren Zellstoffaktien, von denen Aschaffenburg 3 v. H. und Waldhof 5,5 v. H. nachgaben. Am Elektromart t verloren Gesfürel 3,75 v. H. und Bergmann 2,5 v. H. AEG. blieben dagegen behauptet. Die übrigen Werte dieses Marktes gaben je 1,5 v. H. nach. I. - G. - F a r - ben eröffneten 1 v. H. schwächer. Auch Farben- Bonds zu 139,5 v. H. eher angeboten. Stärker gedrückt waren Scheideanstalt minus 3 o. H. und Kleyer minus 2,5 v.H. Am Montanmarkt blieben Phönix gut behauptet, sonst gab es hier Kursrückgänge von 1 bis 2 o.H. Deutsche Anleihen lagen im Angebot und eher etwas schwächer. Bon ausländischen Renten Türken angeboten und abgeschwächt. Nach den ersten Kursen blieb die Stimmung lustlos und die Kurse gaben weiter bis 1 v. H. nach. Im weiteren Verlaufe erfuhr die Tendenz plötzlich eine Belebung, angeblich auf Käufe von Großbankseite. Es konnten sich Kurserholungen von 1 bis 2 o. H. durchsetzen. J.-G.-Farben wurden bevorzugt und zogen 2 v. H. an. Elektrowerte konnten auf Deck'.m- gen der Spekulation bis 3 v. H. anziehen. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld zu 5,5 v. H. gesucht. Im Devisen verkehr stellte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4.1963, gegen London auf 20,458. London-Kabel 4,8735. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,075, Madrid 28,60.' Berlin e. Börse. Berlin, 30. Ian. Im heutigen Dormittagsverkehr kam mangels jeglicher Anregung fauni eine Llmsahtätigkeit zustande und auch zum Börsenbeginn änderte sich hieran recht wenig. Aus Privatkreisen kam etwas Ware heraus, die von der Spekulation, die selbst eher nach unten eingestellt ist, nur zögernd aufgenommen wurde. -Bei teilweise behaupteten, teilweise schwächeren Kursen hielten sich die BeränderungeH in engen Greiizen und die Tendenz war als abwartend zu bezeichnen. Der Geldmarkt mahnte zur Zurückhaltung. Stärker abgeschwächt waren Schubert & Salzer minus 6 Prozent, Bem- berg minus 8,5 Prozent. Schadeaktien minus 5 Mark. Fester lagen Glanzstoff plus 8 Prozent. Heimische Anleihen etwas schwächer. Ausländer geteilt. Pfandbriefe aeschäftslos und auf Angebot etwas zur Schwäche neigend. Tagesgeld und Geld über den Ultimo stellte sich auf 6,5 bis 8,5 Prozent. Nach den ersten Kursen wurde die Tendenz auch leichte Deckungen etwas fester und die Kurse konnten 0,5 bis' Prozent anziehen. Man wollte eine Großbank, die in den letzten Tagen als schwächer gestimmt bekannt war, als Käufer beobachtet haben. Fester lagen Deutsche Waffen plus 2 Prozent und einige Elektrowerte. Später wurde die Stimmung allgemein wieder ruhig, doch lagen die Kurse immer noch etwas über dem Anfangsniveau. 3(fc, die anfangs um 4 Prozent gedrückt waren, gewannen 2 Proz. zurück. Gesfürel plus 2 Proz. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. Ion. Auch in der neuen Woche erfuhr das Geschäft am hiesigen Pxoduklenmartt keine Belebung. Die Tendenz war im allgemeinen behauptet. Etwas Interesse zeigte sich für Mais, der um 0,25 Mark im Preise anziehen konnte. Weizen lag dagegen 0 25 Mar: niedriger, besonders geringe Sorten waren angeboten. Cs wurden notiert: Weizen 1, gut. gesund, trocken, bis zu 1 Proz. Auswuchs 24,75 bis 25. Weizen 2. gut, gesund, trocken, bis zu 3 Proz. Auswuchs 23,25 bis 23,50. Weizen 3, ger ngerc Beschaffenheit, bis zu 23 Proz. Feuchtigkeit 22,75 bis 23,25, Roggen 21,50, Sommergerste für Brauzwecke 27,50 bis 30, Hafer, inländischer 23,50 bis 24, Mais (gelb) für Futter- zwecke 21,75 bis 22. Mais (gelb) für andere Zwecke 22,50 bis 22,75, Weizenmehl süddeutsches Spezial 0 36,75 bis 37,25, Roggenmehl 33,25 bis 35,25, Weizenkleie 14,15 bis 14,25, Roggen- kleie 15 bis 15,25, Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 32 bis 60, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 55 bis 100, Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken 8 bis 3,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 4,50. ..Weizen- und Roggenstroh, gcbinbelt 3,25 bis 3,50, Treber Roggenstroh, gebündelt 3,25 bis 3,50, Treber, getrocknet 17,75 bis 18. Tendenz geschäftslos. Frankfurter Schlachtdrehmarkt. Frankfurt, 30. Ian. Auftrieb: 1202 Rinder (darunter 283 Ochsen, 67 Dullen, 550 Kühe, 302 Färsen), 590 Kälber, 206 Schafe, 6198 Schweine. — Rinder lOchsen): Vollfleischige, auägemäfte;e, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 58 bis 62 Mk., (ältere) 55 bis 57; sonstige voll- fleischige (jüngere) 51 bis 54, (ältere) 47 bis 50; fleischige 42 bis 46. (Bullen): (Jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 52 bis 55; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 47 bis 51. (Kühe): Jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 47 bis 50; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 41 bis 46; fleischige 34 bis 40; gering genährte 23 bis 33. (Färsen — Kalbinnen, Jungrinder—): Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 63; vollfleischige 55 bis 59; fleischige 45 bis 54. - Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 72 bis 75; mittlere Mast- unb Saugkälber 65 bis 71; geringe Kälber 54 bis 64 — Schaf e: Mastlämmer und jüngere Mast- hämmel (Weidemast) 48 bis 54; mittlere Mast- lämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 46. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 56 bis 58: voll- fleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 56 bis 58; von etwa 160 bis 240 Pfund Lebendgewicht 55 bis 57; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 50 bis 54; Sauen 45 bis 52 Mk. Buntes Allerlei. Das Galafrühstück des Klubs der 13. Freitag, der 13. Januar, dieser „unglücklichste" । Tag des Jahres 1928, der zugleich der 13. Tag des Monats und des Jahres war, bildete einen besonderen Festtag für den Londoner Klub der 13, der sich die Bekämpfung des Aberglaubens in jeder Gestalt zur Aufgabe gemacht hat. Die Mitglieder vereinigten sich an diesem Freitag um 13 Ähr zu ihrer jährlichen Festsitzung, die durch ein Galafrühstück begangen wurde, an bem außer den 13 Mitgliedern auch Ehrengäste teil- nahmen. Diese wurden zuerst unter eine Leiter gestellt, was in England für besonders unglückbringend gilt. Alle möglichen älnglückszeichen, wie umgedrehte Hufeisen, zerbrochene Spiegel, gekreuzte Messer und Pfauenfedern waren zum Schmuck der Festtafel verwendet. Zwei geschmückte Esel wurden während des Essens feierlich herumgeführt, denn nach dem sardinischen Volksglauben gilt es als ein sehr böses Zeichen, wenn man zwei Esel sieht. Die Speisenfolge bestand aus seltenen Genüssen, die z. T. im Flugzeug nach England gebracht worden waren. Das Neumeyer Piano bereitet hohen musikalischen Genuß. Infolge seiner stabilen Bauart überdauert es Generationen. / Vertreter: August Förster * Gieben Bahnhofstraße 65 B Fernruf 1367 260 258.5 257,5 187 :, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Hi 92,9 191.5 111 94,4 179,5 258,5 125 I Farben-Industrie 10 Dynamit Nabel ......o Scheideanstalt....... .8 Goldschmidt....... . ,5 NulyrrSwcrke . . ......o Metall griellichak».....10 93 179 109,75 93 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdisfont 7 Proz, Frankfurt a. M. Berlin Schlich, stur» 1-Uhr- stur» Schluh«; Änsana Kur» fiuvs Datum: 28.1. 30.1. | 28.1- | 30. 1. F/„ Dt Reichsanleihe v. 1927 Ts, Anl Ablos. Schuld mit — - 87,5 - Auslos -Neckten..... DrsLl. ohne AuSlos.-Rechten 52,2 _ 52 52.13 16,525 16,4 16,65 16.4 7°/« Rranff. Huv -Bk. Go.dvs unkündbar bis 1932 . . . 93 128,75 127 128 138 133 185 138 222 119 138,5 144,5 Vldlerwerke Kleder. ... c ’Stin 1 1 1 1 1 ” 80,5 z 75 82 251 94 138,5 199,25 30 72,25 79,5 252,5 94,5 126 199 Essener Sieinkohle.....8 Gelsenkirchener . f. •/• 9- 4 Horvener ......... .8 voesckr Elsen ........ .5 Ilse Bergbau...... . .8 Klöcknerwerle ........ 5> Köln-Neuesten .....fi'/s ManneSmann • . .f. ’/» 9- 4 182 188 223 122 25 145.5 185.4 119 144,25 138 133,25 185.5 137.25 218 118,25 1.38 75 143 5 r^udw üoeirt ..... 1 Not. Automobil...... t Orenstein A. Kovvel Linke Hofmann...... Leonhard Tietz....... r Bamaa-Megnin....... Aranlf. Maschinen .... 0 ManSielder- .........7 117 117,5 115,4 Gritzner ..... 7 Heyliaenslacdt ...... r Oungbans . ...... < Leckwerke. ........fr Moinkraftwcrke ...... i Miag ...... ic Nekarlulmer....... s t.,0 — 129.25 — Oberschles. Eisenb. Bedarf c Oberschlcs. Kokswerke . . .0 Wbönir Bergbau. f. '/, 9 B ‘Hncintftbe Braunkohlen . 10 Nyeinstayl ........0 SHebert Montan.......c = 98 75 23i 163.25 151 99.5 162 100,5 93,75 99,5 229,5 160,75 144,5 101,25 98.7.5 99.4 ?29,25 161,5 Ä 123 140 102 1 1 1 1 1 1 86 140 101 — Vereinigte Stablw. f.9 3 Otadi Minen..... 1 $b Kaki Aschersleben.....10 102 42,13 103 172 in? 42,65 102,5 42,4 172 181 75 PeterS Union ....... fr (Sebr. Roeder.......ie Boigt t Haestner.....c 112 146.75 178 — 112 179.5 — Kaltrveftereqelll ... .10 182,5 18! 183 Südd. Zucker.......0 139,75 — HO — Kaliwerk Salzdeikurtb, . 12 248 246,5 246,5 Berlin. 28.