Nr 368 Erstes Blaff 178. Jahrgang Samstag, 29. Dezember 1928 (Er|d)etnt täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Popscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAMiger Generas-Rnzeiger für Oberhefsen Vn-S »nd Verlag: SrLhI'Iche Uni»erfitö«s-V«ch- «nd Ltcini!Nickerei H. Lange ht Sietzea. Schrtftlettung und Seschäftsftelle: Schulitratze r. Annahme von Anzetgen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur: Dt. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Zur Jahreswende. Don Dr. Karl G. von Loesch, Vorsitzendem des Deutschen Schutzbundes. Die Jahreswende 1928/29 steht im Zeichen einer zehnjährigen Wiederkehr folgenschwerster Ereignisse für das deutsche Gesamtvolk. Dem Zusammenbruch folgte das Friedensdiltat — dir Deutschen müssen seitdem in 21 von 31 europäischen Staaten leben. Zehn Jahre, eine kurze Spanne im Leben der Völker, nur ein Hundertstel der tausend Jahre, seit aus germanischen Stammen Mitteleuropas, etwa mit der Reichsneugründung Heinrichs I., das deutsche Volk im heutigen Sinne entstanden war; aber auch ein besonderes schicksalschweres Jahrzehnt, das den Mitlebenden zur Pflicht macht, ohne anzuklagen, ohne zu jammern, ohne zu verzweifeln, ^hne sich in die Vergangenheit zu retcen oder Trugbilder einer glücklichen Zukunft an die Wand zu zaubern, die eigene Lage unt> den Zustand der Tlmwelt zu prüfen, um den Weg zum Handeln zu erkennen. Wie viele Hoffnungen sind in diesen Jahren zu Grabe getragen worden, die anknüpsten an Wilsons Selbstbestimmüngsrecht, an Völkerverständigung oder allgemeine Abrüstung, und nicht zuletzt an den Schuh der Minderheiten! Gewiß, es besteht ein Völkerbund in Genf, in den auch das Deutsche Reich aufgenommen wurde. Er hat manche Probleme angefaßt und untergeordnete gefördert, aber keines der großen auch nur zu Teillösungen gebracht. Dort, wo er Richter fein und Recht weiterentwickeln sollte, wie in Minderheitenfrageir. versagte er sich oder er wich aus. So wuchs die Rechtlosigkeit, blieb zehn Jahre noch dem „Siege" des Selbftbestim- mungörechtes für die Lage Europas kennzeichnend, daß die Rechte der einzelnen Völler weder im Leben der Völkergemeinschaften, noch innerhalb der Staaten anerkannt, gewährleistet und trotz der Minderheitenschuhverträge tatsächlich gesichert sind. Die materielle Lage des Grenz- und Auslanddeutschtums hat sich nicht gebessert! Das muß auch am Ende des ersten Dezenniums der Versailler Friedlosigkeit festgestellt werden. Wir können uns die Schilderung der Lage.in den deutschen Außengebieten im einzelnen ersparen; doch auf zwei Gebiete sei besonders hingewiesen, weil in ihnen die volkspolitische Entrechtung ihr höchstes Ausnraß erreichte, weil hier jener Kamps zwischen Staat und Volk um die Anerkennung des Volkstums als Eigenpersönlichkeit in seiner europäischen Bedeutung die ausgeprägteste Form erhielt: Südtirol und Elsaß-Lothrin- g e n. Der faszistische Staat Italien mit) der demokratische Staat Frankreich nehmen Staat und Volk als Gegensatz, der zum Schaden des Volkstums gewaltsam beseitigt werden muß. Der Colmarer Autonomistenprozeß offenbarte die völlige Verständnislosigkeit, die Frankreich den Forderungen des deutschen Volkstums in Elsaß und Lothringen entgegenbringt; aber er offen- bartc auch den wachsenden Widerstand eines sich bewußten Volkstums gegenüber den Zwangsmaßregeln des Staates. Das gleiche Bild in Südtirol, wo die faszistische Diktatur nunmehr bis zur zwangsweisen Jtalianisierung der Familien- namen vorstieß, ein Eingriff in die persönlichen Rechte des Menschen und das Kulturrecht eines Volkes, wie er im Zeitalter des Selbstbestim- mungsrechtcs bisher nicht mehr für möglich gehalten wurde. Auf die Gesamtlage Europas übertragen: in der Auseinandersetzung zwischen Volkstum und Staat, die ja nicht nur die deutschen Minderheiten (die freilich die Höchstzahl stellen) betrifft, stehen dem entwaffeneten Deutschtum fast nur moralische Waffen zur Verfügung: der Anspruch auf das Recht. Wenn ihnen im Kampf um eine höhere Rechtsordnung Europas, in der sich die Rechte des Staates und die des Volkstums besser abgrenzen, eine besondere Aufgabe zufallen soll, so bedarf ihre äußere und innere Haltung einer Geschlossenheit des Willens, der nicht abirrt, wenn sich ein kleiner Tagesvorteil bietet. Die neue Auftassung von Volk, Volkspersönlichkeit, Volkstum und Volksgeist will von der Ration im westlichen Sinne, von gewaltsamer Gleichsetzung von Volt und Staatseinwohnerschaft nichts mehr wissen. Die neue soziale Auffassung vom Volk rückt von der des selbstzerstörerischen Individualismus ab und stellt das Ganze, zurückkehrend zu Traditionen der Vorfahren, vor das Einzelne. Eine solche Auffassung vom Recht jedes Volkes, die von Volksvergottung so ferne ist. wie von Staatsvergottung, scheint geeignet au sein, der Mittelstein im programmatischen Bau der Deutschen, ihr vornehmstes volkspolitisches Ziel zu werden: Jedes Volk soll künftig das Recht haben, seinen Volksbestand zu erhalten und sich frei zu entwickeln. Die einzige Einschränkung, die notwendig ist — so wie das Recht des Einzrlmenschen im Staate eingeschränkt werden muß zugunsten der Erhaltung des Ganzen — geschieht zugunsten eines geordneten Zusammenlebens der Völker: Aus den „Rechten der Völker" folgen also auch „Pflichten der Völker". Als Polltische Grundrechte der Völker sind anzusehen: für das geschlossene Siedlungsgebiet jedes Volkes das Recht auf einen eigenen Staat, für die nicht von diesem umfaßten Dolksteile, welche außerhalb bleiben und in fremden Staaten als deren Bürger leben, das Recht auf Erhaltung des Dosis- bestandes (Dolksgruppenrcchte). Recht zu suchen, war immer Sache der Schwachen. Die Vorteile einer solchen Politik, die ernsthaft die Kernprobleme nicht nur für &a£ eigene Doll, sondern auch für die Rachbarn zu lösen bemüht ist, liegen auf der Hand: sie wirbt Freunde in allen Lagern, zeigt Auswege, denen alle Ehrlichen zustimmen werden und bringt Bewegung von innen her in ein versumpftes Trümmerfeld. Sie wird praktisch unterstützt durch die geschlossene Mittellage des deutschen Dolkes in Europa und die Streulage seiner Dosisgruppen. Diese Lage verhindert, daß eine europäische Wirtschaftsfödera- tion von Bedeutung ohne Zustimmung der deutschen Staaten zustande kommen könnte, und seine großen Märtte und Erzeugungsgebiete im Reiche und in Oesterreich sind für alle Rachbarvölker von ausschlaggebender Bedeutung. Die Zugehörigkeit des Deutschen Reiches zu Mitteleuropa bestreiten zu wollen, wie manche es in Prag versuchen, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Landkarte widerlegt es. Lage und Märkte sind die einzigen Druckmittel der Deutschen, außer denen, die auf geistiger Ebene liegen. Sie sollten aber nur in aufbauender, nicht in hindernder Absicht verwendet werden. Die Herzlage in Europa verpflichtet die Deutschen geradezu in diesem Sinne. Sie werden sich dieser von Raum und Geschichte (was nicht genau dasselbe ist) ihnen vorgeschriebenen Einigungsarbeit, die im Interesse aller Dosier Europas liegt, unterziehen oder sie werden mit den anderen Völkern Europas verelenden. Der Inhalt dieser Arbeit, welche die Deutschen des 19. Jahrhunderts zu unternehmen teagischerweise nicht im Stande gewesen waren, ist die Schöpfung und Gestaltung tragbarer Formen des Zusammenlebens verschiedener Völler in einem Staate und der Staaten untereinander. In diesem Zusammenhänge muß auch die neue Verordnung des preußischen Staates über die Regelung der Volksschulen für die dänische und polnische Minderheit gewertet werden. Welch ein Gegensatz zwischen diesen Bestimmungen und etwa dem neuen südslawischen Volls- schulgesetzentwurf, der den Hauch eines neuen Aeujahrswüllsche der Reichsregierung. Berlin, 29. Dez. Eine Reihe von Mitgliedern der Reichsregierung, ferner auch der preußische Ministerpräsident haben sich zum Jahreswechsel mit folgenden Aeußerungen an das deutsche Volk gewandt: Reichskanzler Hermann Müller: Mein sehnlichster Neujahrswunsch ist, daß das Jahr 1929 dem deutschen Bolte die endliche Befreiung von Rhein und Saar bringen möge. Zu Deutschlands Stellung als gleichberechtigtem Mitgliedsstaat im Völkerbund steht die Besetzung deutschen Gebiets durch fremde Truppen in Widerspruch. Ferner möge der einsetzende Sachverständigen - Ausschuß eine für Deutscl land erträgliche Einigung in der Repar-tions- frage finden, damit das deutsche Volk weiterhin mit verstärktem Antrieb und in politischer Freiheit seinen wirtschaftlichen Aufbau vollziehen kann. Reichsaußenminister Or. Stresemann: Das kommende Jahr stellt uns außenpolitisch vor folgenschwere Entscheidungen. Wir werden namentlich in der Frage der Regelung der Reparationsfrage nur dann ein für uns einigermaßen erträgliches Ergebnis erzielen können, wenn wir uns zusammenfinden in einheitlichem Willen und Wollen. Aeichsjustizminister Koch-Weser: Was ich dem deutschen Volke für 1929 wünsche? Recht möge vor Macht gehen! Geht im Leven des deutschen Volkes Recht vor Macht, so werden die Gewalten der Reaktion und der Revolution durch eine vorwärtsschreitende, weitblickende Evolution des Rechts überwunden werden. Geht im Leben der Völker Recht vor Macht, so werden uns die Freiheit und die Gleichberechtigung nicht länger versagt bleiben, auf die wir als ein Volk Anspruch haben, das der Well viel gegeben hat und in einer besseren Zukunft noch mehr wird geben können. Reichswirtschastsminister Or. Luriius: Stetige Reformarbeit im Innern und erfolgreiche Befreiungspolitik nach außen sind nur auf der Grundlage einer starken Wirtschaft durchführbar. Die Gesundung unserer Wirtschaft aber hängt ab von: Erleichterung unerträglicher Kriegstribute, ausreichendem Spielraum für Eigenkapitalbildung, Gemeinschaftsarbeit zwischen Staat und Wirtschaft unter Führung des Staates und Ausgleich der Interessen von.Kapital" und „Arbeit". preußischer Ministerpräsident Sraun: Dem deutschen Volke wünsche ich für das Jahr 1929 die wachsende Erkenntnis, daß die republikanische Staatsform und die Lebensnotwendigkeiten des Volksftaates uns allen zu wahrhaft so- zialerEinstellung und stärk st en gegenseitigen Bindungen menschlicher S o - l i d a r i t ä t verpflichten. Nur eine derartige Staats- und Lebensauffassung wird uns die Kraft und die Slusbauer geben, durch alle inneren und äußeren politischen Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Kämpfe hindurch unbeirrt den geraden Weg zum Wiederaufbau und zur echten und wahren Einheit Deutschlands zu gehen. Faschistische „Mlioraüonen" in Südtirol. Innsbruck, 28. Dez. (TU.) Die „Innsbrucker Nachrichten" berichten aus Bozen: „Eine Angelegenheit, die die Gemüter in Südtirol schon seit langem beschäftigt, hat nunmehr durch eine Entscheidung des Ministerrats in Rom ihren Abschluß — allerdings zuungunsten der Deutschen Südtirols — gesunden. Es handelt sich um die Enteignung der gesamten E t s ch • Auen zwischen Bozen und Meran unter dem Titel von Meliorationsarbeiten. Durch eine Verfügung der faszistischen Regierung wurde seinerzeit für ganz Italien die Möglichkeit solcher Enteignungen geschaffen. Im alten Staat gibt es wirklich große, noch unkultivierte Landflächen, die auf diese Weise der Urbarmachung zugeführt werden sollen. Aber cs ist für alle, die Sudtirol kennen, unverständlich, daß dort und insbesondere im fruchtbaren Boden des Etschtales erst Urbarmachungen notwendig sein sollen. Trotzdem erfaßten die faszistischen Behörden auch die sogenannten Etsch-Auen, die sich von Bozen bis Meran hinziehen. Diese werden den gegenwärtigen Besitzern enteign et und Mitgliedern der faszistischen Organisationen, ehemaligen italienischen Kriegsteilnehmern, zur Besiedlung zugewiesen. Es handelt sich um etwa 11000 Hektar Land, das sich auf ungefähr 2000 Deutsche, die f a ft durchweg Kleinbauern find, verteilt. Nun sieht das italienische Gesetz vor, daß solche Enteignungen nicht durchgeführt werden sollen, wenn die betreffenden Grundbesitzer s e l b ft einen Mcliora- tionsplan aufstellen, der zur Durchführung geeignet ist. Aus diesem Grund schlossen sich vor etwa einem Jahre die von der Enteignung bedrohten Besitzer im Etschtal zu einer Genossenschaft zusammen, die von italienischen Fachleuten aus Turin und anderen Städten einen Plan zur Melioration des Tales ausarbeiten und der Regierung zur Genehmigung vorlegen ließ. Die Kosten, die den deutschen Etschtaler Dauern dadurch erwachsen sind, belaufen sich allein aus etwa 60 000 Lire. Die Regierung hat aber diesem Vorschlag die Anerkennung versagt, obwohl weder von den Behörden noch von den Kriegsteilnehmerverbänden auch nur die Skizze eines anderen Vorschlages ausgearbeitet worden war. Die Entscheidung der Regierung wird, wie verlautet, damit begründet, daß die bisherigen Besitzer doch nicht den e r n st e n Willen hätten, die llmtoanölung der Grundfläche durchzuführen. Die Abfindungssumme, die die bisherigen Besitzer für die 11 000 Hektar erhalten werden, soll sehr gering sein und nicht einmal 50 v. H. des Preises betragen, der sonst im Grundverkehr erzielt werden kann. Dabei schwebt über den Grundbesitzern im Etschtal noch eine wellere Gefahr, da das erwähnte Enteignungsgesetz erflärt, daß, wenn der für Meliorationen enteignete Grund und Boden zur Sicherung der wirtschaftlichen Eristenz der Siedler nicht ausreicht, weiterer Grund von benachbarten Gütern ebenfalls im Enteignungswege herangezogen werden kann, auch wenn es sich um guten kultivierten Boden handelt. Wer die Verhältnisse in Südtirol kennt, muß damit rechnen, daß zur Durchführung der sogenannten „nationalen Durchdringung", der die Enteignungsaktion dient, auch diese Gesetzesbestimmung reichlich herangezogen werden wird." Geistes nicht spüren läßt. Diese preußische Verordnung enthält dm monumentalen Sah: „Das Bekenntnis zur Minderheit zu gehören, darf weder nachgeprüft noch be st ritten werden". Eine Grundforderung des Volkstums, für die sich die deutschen Minderheiten draußen bisher vergeblich eingesetzt haben, wurde damit im Reiche anerkannt, und so, ganz abgesehen davon, daß die innerhalb des Reiches lebenden Minderheiten alle ihre Wünsche erfüllt erhielten, den deutschen Volksgruppen draußen .ein fester Rückhalt für ihre Volkstumsforderungen gegeben. Werden die heule stark ausgerüsteten Staatsvölker je daran denken, von ihren so oder so erworbenen „Rechten" zugunsten eines höheren Ganzen etwas nachzulassen, von Andersvölkischen bewohnte Grenzlande freizugeben, noch dazu unter Aufgabe des Vorteils, den sie mit ihrer Bewaffnung gegenüber den Entwaffneten (Deutschen, Ungarn, Hfrainern, Bulgaren usw.) haben? Auch wer nicht des Glaubens ist, daß sich jemals das reine Recht gegenüber der Macht durchsetzen kann, wird zugeben müssen, daß das deutsche Volt von jeher seine besten Kräfte immer dann entfaltet hat, wenn es sich im Glauben an eine höhere Rech tsordnung zusammensand. Einheit und Freiheit sind wohl ein ewiger Lebensdrang unseres Volkes. Aber sie müssen mit der jeweiligen Entwicklung der Tlmwc.lt epochal jedesmal wieder ,neugestaltet werden. Einheit und Freiheit der Deutschen und Einheit Europas und Freiheit seiner Völler sind gemeinsame Ziele und nicht Widersprüche. Gerade auch die Selbstbehauptung des Grenz- und Auslanddeutschtums beruht ja auf der moralischen Erkenntnis, daß es um eine gute Sache, um das Recht schlechthin geht. Aus der höheren Rechtsauffassung aber, auf die sich ein Doll geeinigt hat, erwächst auch die Stoßkraft kraftvollen außenpolitischen Handelns. Oie „Legende von der deutschen Armut." LcydouxstclltDeutfchlands„D)ol)lstand"scst Paris, 28. Dez. (TL1.) In einem Artikel „Die Legende von der deutschen Armut" im „Petit Parisien" kommt der befannte französische Wirtscha ftsp olitiker Sehdoux zu folgendem Schluß: „Die Einnahmen der französischen Eisenbahn-- gesellschaften werden für 1928 in runden Ziffern etwa 15 Milliarden Franken ausmachen. 3n Deutschland werden sie 5,15 Milliarden Goldmark, d. h. 31 Milliarden Franken betragen, also das D o p p e l t e der französischen Einnahmen. Gleichzeitig beträgt der französische Staatshaushalt 45 Milliarden Franken, der deutsche 10 Milliarden Goldmark, d. h. ungefähr 60 Milliarden Fr. Das Verhältnis der deutschen Eisenbahneinnahmen zum deutschen Hausball ist also 1: 2, während das Verhältnis in Frankreich sich auf 1:3 beläuft. Es gebe kein besseres Anzeichen für den Wohlstand eines Landes, das ein ausgedehntes wohlorganisiertes Eisenbahnnetz besitze, so schreibt Seydoux, als feine Eisen- bahneinnahmen. Wan erkenne also, daß die Lasten, die auf der deutschen Wirtschaft ruhten, durch die Elemente des allgemeinen Wohlstandes viel mehr ausgeglichen seien, als in Frankreich. Frankreich im Reparationskomitee. Gläubiger und Schuldner. Paris, 28. Dez. (TU.) Der halbamlliche „Excelsior" erinnert im Zusammenhang mit der amerikanischen Weigerung, eine Verbindung der Reparations- und der Schuldenfrage zuzulafsen daran, daß Frankreich das einzige Land fei, das bisher noch nicht das Schuldenabkommen mit Amerika ratifiziert habe. Die beiden bisher geleisteten Jahreszahlungen stellten nur eine einfache Abschlagszahlung dar. Man habe daher Grund zu der Frage, ob die französischen Sachverständigen im Repaiativr.sausschuh sich nicht in einer schwierigen Lage befinden würden, da in dem Ausschuß auch Amerikaner sitzen würden. Diese hätten dann mit Ausnahme der Franzosen nur Vertreter derjenigen Länder vor sich, die ihre Schulden mit Amerika geregelt hätten. Wie könne die französische Regierung gleichzeitig ihre Rolle als unentschlossener Schuldner gegenüber Amerika aufrechterhalten? Die französisch-amerikanische Zusammenarbeit sei für das Gelingen eines Kommerzialisierungsplanes der deutschen Schuld unerläßlich. Die Unterbringung der deutschen Eisenbahn- und Jndustrieobligationen sei nicht möglich, wenn sich die großen amerikanischen Finanzmärkte dem verschlössen. Oiäteudebatte in Frankreich. Poincarä geqen sein Kabinett. Paris, 28. Dez. (WTB.) Der Senat hat gestern vormittag die Beratung des Einnahmebudgets begonnen und hofft damit im Laufe der heutigen Nacht zu Ende zu kommen. Man sieht keinerlei Schwierigkeiten voraus, doch sind zwei Fragen zu erledigen, mit denen man sich hinter den Kullsien seit einigen Tagen beschäftigt: Die Frage der E r <■ Höhung der Diäten von 45 000 auf 60 000 Franken, die die Kammer mit schwacher Mehrheit beschlossen hat, sowie die Forderung, daß von nun an Parlamentarier keinerlei Stellungen in Aktiengesellschaften usw. annehmen dürfen. Finanzminister EHLron hat den Finanzausschuß des Senates einen neuen Entwurf vorgelegt, der die Erhöhung der Diäten von 45 000 Franken um je 1250 Franken Wohnungsentschädigung im Monat vorsieht. Im Kabinett scheint eine Einigung hierüber nicht erzielt worden zu sein. Namentlich P o i n - care soll sich gegen jede Erhöhung der Diäten wenden, jedoch großen Wert auf das Gesetz legen, das Parlamentariern irgendwelche maßgebende Tätigkeit in Handelsunternehmungen verbietet, namentlich die Annahme von Aufsichtsrats ft ellungen in Finanzinstituten. Bei der Beratung im Senat erhob ein Senator der Rechten gegen die Vorlage Einspruch, weil die öffentliche Meinung gegen die Erhöhung sei. Bei der letzten Diätenerhöhung sei versprochen worden, die Zahl der Parlamentarier herbzusehen, sie sei aber im Gegenteil erhöht worden. Finanzminister ©beton vertrat die Regierungsvorlage. Die bisherigen Diäten in Höhe von 45 000 Franken jährlich seien zu gering. Der Senat müsse die Initiative ergreifen, da die Kammer dem öffentlichen Stimmrecht und daher dem Druck der öffentlichen Meinung mehr unterliege als der Senat. Mit der jetzigen Vergütung könne kein Parlamentarier leben. Der Parlamentarismus werde seit einiger Zeit in der ungerechtesten und lebhaftesten Weise angegriffen. Bei der Beratung hatte sich Ministerpräsident Poincare, seiner Ankündigung gemäß, in dem Augenblick, als die Diätenfrage zur Beratung gestellt wurde, erhoben und den Sitzungssaal verlassen, um an der Diskussion und Abstimmung nicht teil* nehmen zu müssen. Als erster Redner hatte dann ein Mitglied der Fraktion Poincarö erflärt, daß eine Erhöhung der Diäten nicht zu rechtfertigen I sei, und die Beseitigung des Antrages verlangt. I,. 'J I I Revolution in Krähwinkel. Es ist zwar Lerne Revolution und es handelt sich auch nicht um das deutsche Städtchen Krähwinkel, sondern um das souveräne Fürstentum Monaco, aber die Geschichte ist doch interessant genug. Monaco war bis zum Jahre 1911 ein absoluttztisch regiertes Fürstentum. Seit damals ist es ein parlamentarisch regierter Staat, dessen Parlament, der Nationalrat, aus 21 auf vier Jahre gewählten Mitgliedern besteht. Daneben gibt es noch eine „Beratend« Kammer", die aber keine beschließenden Funktionen hat. und einen Kommunalrat, dessen Funktionsbereich sich mtturgemäh, La dieser selbständige Staat eigentlich nur aus einem Städtchen besteht, sich ungefähr mit demjenigen des Landesparlaments deckt. F ü r st L u d w i g II. aus dem Hause der Gri- maldi-Matignon, vermählt mit einer ebenso hübschen wie „proletarischen" Brüsselerin, hält sich meist auf seinen Besitzungen in Belgien oder Frankreich auf, im Gegensatz zu seinem Bater, dem verstorbenen Fürsten Albert, der ozeanographisch« Forschungen an Bord seiner Vacht seinen autokratischen Funktionen als Landesoberhaupt seiner 22 000 Untertanen vorzog. Bisher hat man dort von Umsturzversuchen wenig gehört, denn weder der Fürst, noch der Nationalrat haben sich Sorgen um die zweckmäßigste Verwaltung, um das Budget und um die politischen Beziehungen des Landes zur Umwelt machen müssen. Die Spielbank bestreitet alles. Sie hat einen Teil ihrer früher getooltigen Einnahmen aus die Unterhaltung aller öffentlichen Anlagen zu verwenden, den Monegassen eine schöne, saubere, gepflegte Stadt, alle Einrichtungen des mobernen Komforts und, was das Wichtigste ist, Steuerfreiheit zu gewährleisten, und sie Jt diesen Ausgaben bisher offenbar zufriedenstellend nachgekommen. Aber in den letzten Jahren acht das Geschäft schlechter. Die Nachbarstädte Nizza uiti> Merrtcme haben in ihren Kasinos Spielbanken von nicht ganz der gleichen Ausdehnung und Varietät, aber doch recht beträchtlicher Anziehungskraft ausgebaut, andere Attraktionen geschaffen, und der Zustrom der Fremden, die ilyr Geld regelmäßig in den Kassen des goldstrotzenden Palastes in der Ducht von Monte Carlo abzulicfern pflegten, ist dünner geworden. Vielleicht auch nur. weil die Menschheit weniger Zeit und Geld hat, um sich dieser anstrengenden Erholung mit dem früheren Eifer zu widmen. Jedenfalls ist zwischen dem Parlament Monacos und der Sprslbank eine Differenz entstanden, die die Grundfesten des Staatswesens zu erschüttern droht. Der Nattonalrat ist in seiner Gei amtheil zurückgetveten und der präsumtive Thronerbe, Prinz Peter von Polignac — der die Tochter aus der fürstlichen Ehe zur Frau hat — ist herbemeeilt, um den Konflikt beizulegen. An den Pforten des Schlosses ist eine Kuirdgebung des Fürsten angeschlagen worden, in der er seine Landesknrder flehentlich ersucht, nicht an der Schwelle der Saison, die doch für das Wirtschaftsleben so lebenswichtig sei, politische Kämpfe auszutragen. Es ist anzunehmen, daß sich die Monegassen, die fast alle indirekt von dem schicksalsvollen Rad der Roulette oder den 42 Karten des LLente-eL-Quarante leben, wenn oder weil sie selbst nicht spielen dürfen, sich diesen landesväterlichen Ermahnungen auf die Dauer nicht verschließen werden. Aber einstweilen kann man beobachten, daß die leidige Politik selbst die festgefügtesten Einrichtungen, die auf dem Golde her anderen beruhen, bedroht. Wird Shrien eine Monarchie? London, 28. Dez. (WTB.) Daily Erpreß meldet aus Paris, es verlaute, daß vorbehaltlich der Zustimmung der Mandatskommission des Völkerbundes die syrische Verfassung vielleicht geändert und das französische Mandatsgebiet Syrien in eine Monarchie umgewandelt werden würde. Die endgültige Wahl für den Thron werde wahrscheinlich auf Prinz Adil Ben Äy ad fallen, dessen Kandidatur jetzt in einflußreichen Kreisen in Paris erörtert werde. Adil Ben Ayad ist ein Nachkommen der Omaijaden-Kalifen. Seine Frau ist eine Nichte des Königs Fuad von Aegypten. Er selbst ist französischer Bürger, lebt in Passy und steht im Alter von 45 Jahren. ©er Vatikan gegen die auionomisiischen Geistlichen. Paris, 28. Dez. (WTB.) Die Zeitung .La Rspublique" kündigt an, daß bet Erzbi chof von Straßburg, Ruch aus Grund eines Schriftwcch- sels mit dem Vatikan Abb6 Haegy, dem Leiter des „Cliäs-ischen Kuriers" in Colmar, und Abbs Schieß, dem Leiter des in Straßburg erscheinenden „ Elsässer", die Ausübung der geistlichen Tätigkeit verboten habe. *21666 Schieß sei hiervon bereits verständigt worden. Oie Treuhänderernennungen für denVerwattungsrat der Reichsbahn Berlin, 28. Dez. (WB.) Am 26. Dezember hat der Treuhänder in Paris die ihm zustehen- den Ernennungen zu Mitgliedern des Derwal- tungsrates der Deutschen Reichsbahn vollzogen Wiedcvcrnannt tourten Margot und Manco, an Stelle von Habich wurde D r. Silver - berg neu ernannt Dr. Silverberg ist betannt» lich Vorsitzen der des Auf sichtsvats des Rheinischen Drauniohlerrsyndilats. Oie Rechisrefonn, Berlin, 29. Dez. (Priv.-Tel.) Wie verlautet, wird im nächsten Jahre eine von den deutschen Landesregierungen beschickte Kommission unter Beteiligung der zuständigen Reichsministerien über die Llusgestaltung und Vereinheitlichung der juristischen Vorbildung beraten. — Im Zusammenhang damit steht die angestrebte Freizügigkeit der Rechtsanwälte. Es ist auch eine Verbesserung der juristischen Ausbildung in der Richtung der stärkeren Betonung der öffentlich-rechtlichen volkswirtschaftlichen Schulung in Aussicht genommen. OerNeujahrSurlaub der Reichsminister Berlin, 28. Dez. (Privat.) Während die meisten Reichsmullfter über Neujahr tn Berlin bleiben werden, wird Reichskanzler Müller vom 1. bis 14. Januar sich im Schwarzwald aufhalten. Reichswshrminister G r o e n e r wird am 10. Oanuar von einer Reise zurückkehren Reichsminister des Innern. Severin g, fährt Amensitzung des preußischen Landings. Das kommunistische Mtrauens- voMgegendieKonkordatspolilik Berlin. 28. Dez. (DDZ.) 318 Präsident Bartels die heutige Landtagssitzung eröffnete, waren von den 450 Abgeordneten etwa 100 erschienen, was den Abg. Haake (Nat.^Svz.) zu dem Zuruf veranlaßte: „Der Stall ist ja noch leer!“ Auf der Regierungsbank war Kultusminister Becker an der Spitze mehrerer Beamter anwesend. Presse- und Publikumstribünen waren gut besetzt. Nachdem Präsident Bartels minutenlang die Liste der Abgeordneten verlesen hatte, die für heute Urlaubswünsche ein#» gereicht haben, beantragte Abg. Schwenk (Kom.) auf Grund der Geschäftsordnung die Herbeirufungdes Ministerpräsidenten. Für den Antrag stimmten außer den Kommunisten die Deutschnationalen, die Wirtschaftspartei und die Nationalsozialisten. Die Deutsche Volkspartei enthielt sich der Stimme. Gegen den Antrag waren die Regierungsparteien. Die Her- beizitierung des Ministerpräsidenten wurde mit diesem Stimmenverhältnis abgelehnt. Dann begründete in längerer Rede Abg. Kor ff (Komm.) den Mißtrau en S- a n t r a g seiner Fraktion gegen daS Staatsmiai- fterium. Das kommunistische Mißtrauensvotum gegen die Staatsregierung anläßlich ihrer Kvn- kordatspolitik sei voll begründet. Der sozialdemokratische Tanz um das Konkordat werde nur der Ministersitze halber ausgeführt. Der Redner fragt die Staatsregierung, ob an die Fraktionsvorstande der Demokratischen Partei, des Zentrums, der Deutschen und der Deutsch- nationalen Volkspartei oder an einzelne Mitglieder dieser Parteien eine Mitteilung über den Stand der Konkordatsverhandlungen ergangen, bzw. ob ihnen die Denkschrift des Kultusministers über Form und Inhalt der Konkordatsverhandlungen zugegangen ist. Das Konkordat bezeichnet der Redner als einen Rückschritt zum Absolutismus. Aus den Zuchthäusern und Gefängnissen werde der kommunistische Messias erstehen. (Beifall und Hand.klatschen bei den Kommunisten, an dem sich auch die Tribünenbesucher beteiligen.) Abg. Dr. v. Winterfeldt (Dn.) gibt folgende Erklärung ab: Heber das Konkordat habe ich in meiner Rede vom 13. d. M. alles erklärt, was toit" aut Zett dazu zu sagen haben. In derselben Rede habe ich auch die Gründe angegeben, aus denen wir diesem Staatsministerium mit schärfstem Mißtrauen gegenüberstehen. Wir machen uns die Begründung des kommunistischen Mißtrauensantra^es nicht zu eigen, werden aber aus den in den beiden Reden erwähnten Gründen für den Antrag stimmen. Abg. Dr. Ausländer (K.) meint, als der Staatssekretär Weismann sagte, der Kultusminister Becker habe ihn händeringend angefleht, (Hört, hörtl bei den Kommunisten), doch nicht über die Konkordats frage zu sprechen, habe das für Herrn v. Winterfeldt genügt, um seine Anfrage zurückzu stellen. Das beleuchte diese Art von Opposition, die sich heute bei den Kommunisten anschmieren möchte. (Sehr wahrt bei den Kommunisten, Gelächter bei den Deutsch- nationalen.) Abg. Hestermann (W.P.) erklärt, seine Partei habe absolut fein Vertrauen zur fetzigen preußischen Regierung der Weimarer Koalition, weil alle ihre Gesetze dem Mittelstand feindlich ausgeschlagen seien. Aber die Konkordatsfragr habe das Licht der Oeffcntlichkett nicht zu scheuen. Deshalb müsse endlich der Schleier von den schwebenden Verhandlungen genommen werden. (Zustimmung bei der Wirtschaftspartei.) Den kommunistischen Mißtrauensantrag lehne seine Fraktion ab, toeil er einen Vorstoß gegen den Einfluß derchristlichenReligion auf unser Staatswesen bedeute. (Lärm bei den Kommunisten.) Abg. Christian (Deutsche Fraktion) gibt folgende Erklärung ab: Die Deutsche Fraktion steht auf dem Standpunkt: 1. Staatsverträge zwischen den evangelischen K.rchen und dem Staate sind im beiderseitigen Interesse erfordernd), desgleichen ist ein Staatsvertrag zwischen Katholischer Kirche und dein Staate notwendig: 2. beide Verträge mü'fen gleichzeitig und im all- fertigen Einverständnis geschlossen werden. Diese Notwendigkeit besteht um so mehr, als wir bei dem heutigen unchristlichen Staat die Belange des christlichen Volkes nicht für gewahrt erachten. Abg. K u b e (NS.) erklärt, seine Partei werde dem kommunistischen Mißtrauensanttag zu - stimmen. Bei dem Konkordat handle es sich nicht nur um Fragen der Religion, sondern auch der Erziehung. Damit schließt die Aussprache. Die namentliche Abstimmung über den kommunistischen Miß« trauensantrag wird auf den 2. Januar vertagt. Ewrß nach Neujahr nach Berlin zurück, auch der Reichsernährungsminister, D i e t r ich, ist zur Zeit auf Reisen. Wie der demokratische Zeitungsdienst mitteilt, wird die nächste Sitzung des Reichskabinetts voraussichtlich erst am 14. Januar stattfinden. Aus aller Welt. Eine Flaschenpost von Roald Amundsen? Die aus Tromsö gemeldet wird, ist an der fi ü ff e von Alnmarken eine Jlflfdje mit 2H l f- teilungen über die Tragödie des Flugzeuges „Laiham" gefunden worden, die die Unterschrift Roald Amundsens tragen und in denen Amundsen angibt, die „Lathan," sei in dcrRähe d e r B ä r e n i n s e l u verunglückt und sinke schnell. Die Zeitung ,/Elbens legn“, die verschiedene Sachverständige befragt hat, ist der Ansicht, daß die aufgefundene Meldung in vieler Hinsicht anzuzweifelu sei, doch wäre es ttohdem möglich, daß sie autentisch sei. Die Mitteilung seiineinerenglischeu Bierflasche aufgefunden worden und es sei niemandem bekannt, daß die „Latham" englisches Bier an Bord halte. Weiterhin sei das Papier, auf dem die Nachricht geschrieben ist, völlig verschieden von dem Papier, das Amundsen unmittelbar vor dem Antritt seiner Reise erstanden hatte. furchtbares Schicksal eines Höhlenforschers. Die Leiche des seit Juli vermißten Realschul- dircktors Fritz Ratschüler aus Steyr in Oberöstcrreich wurde durch Gra er Höhlenfor'chcr in der Frauenmauerhöhle bei Eisenerz (Steiermark) gefunden. Direitor Ratschu'er war beim Durchforschen der Höhle in einen (Seite n ft o H e n geraten und konnte den Ausgang nicht mehr finden. Aus Aufzeichnungen deL Loten ght hervor, daß er eingrauenvolles Ende gesunden hat. Er hat in seinem Notizbuch niedergeschmeben. daß er mit Schrecken wahrnehme, wie seine Krrze dem vollständigen Niederbrennen nahe fei, und daß er feine LebenSm ttel vollständig aufgezehrt habe. Er knüpft daran die Besorgnis, daß er ohne Licht den Ausgang aus der Höhle nicht finden könne und deshalb in der Hohle ums Leben fommeit müsse. Dann schreibt er weiter: »Ich muß jede Hoffnung auf Rettung aufgeben." In den letzten Worten grüßt er Frau und Kind. Familienangchör ge und Freunde. Damit schließt dieses Dokument. Erneute Bedrohung Sylts. Der wieder auffrischende heftige Sturm in der Nordsee bedroht die Insel Sylt wiederum aufs schwerste. Die Südländereien der Insel stehen zum Teil schon unter Wasser, das bis zum Hindenburgdamm vvrgedrungen ist. Auch die Bahnlinie von der Anlegestelle der Helgoland-Dampfer bis Westerland ist überflutet. Es taucht die Frage auf, ob nicht der Hindenburgdamm die Schuld an den hohen Wasserständen trägt. Lin toter König vor Gericht. Im Amtsblatt Nr. 51 der Regierung zu Hannover vom 22. Dezember wird König Ernst August von Hannover, der seit 1851 im Mausoleum zu Herrenhausen ruht, auf Antrag der preußischen Regierung vom Amtsgericht zu Hannover durch öf entliche Vorladung aufgefordert, spätestens in dem auf den 20. Februar 1929, vormittags 9 llljr, einberufenen Aufgebotstermin feine Rechte auf den Besitz des Leib- nizhauses anzumelden, widrigenfalls feine Ausschließung von dem Besitz erfolgen soll. Die fraglichen Desitzverhättnifse sind etniger- maßen unklar. Jedenfalls ist durch die Gigen- tumSregelung von 1868 in dieser Beziehung keine zweifelsfreie Entscheidung getroffen worden. Die Stadt Hannover steht auf dem Standpunkt, daß der preußische Staat Eigentümer sei. und diese Auffassung dürfte zu Recht bestehen. Der König von Hannover hatte das Haus um 1840 erworben, um den Abbruch des architektonisch außerordentlich wertvollen hochberühmten Bauwerkes zu verhindern und in späteren Jahren wurde es mit Unterstützung der Stadt, deren größte bauliche Sehenswür- bigteit es ist, zum Kunstgewerbemuseum auSgebaut. Die Stadt Hannover hat die Absicht, das Haus anderen Zwecken nutzbar machen, und aus diesem Grunde dürfte die Klärung des Besitzverhältnisses erforderlich werden, aber zweifellos ist es eine juristische Kuriosität, daß die Regierung einen längst entschlafenen König, wenn auch nur der Form halber, vor Gericht zu zitteren sucht. 3m Schneesturm erfroren. Bei Katholisch-Hennersdorf wurde auf einem Felde in der Nähe des Dorfes die 23jährige Tochter Helene eines Maurers erfroren aufgefunden. Das geistig etwas schwach begabte Mädchen war am ersten Feiertag spazieren gegangen, hatte sich verirrt und ist im Sturm in einer Schneewehe liegen geblieben und erfroren. Starke Zunahme der Millionäre in Amerika. In einer Ansprache vor der Amerikanischen Statistischen Gesellschaft erklärte Carl Snyder von der Federal Reservebank in Neuyork, bie Zahl der amerikanischen Millionäre sei von 7000 im Jahre 1914 auf 30 000 bis 40 000 im Jahre 1928 gestiegen. Diese starke Zunahme sei zum Teil auf die Geldentwertung während der Jnflations- jahre, zum Teil auf Börsenspekulationen während des letzten Jahres zurückzuführen. Polnischer Paßschwindel. Die Verhaftung eines Sekretärs des polnischen Hafeiikommandanten in Gdingen als Haupt- veteiligter in einer Bande von Paßfälschern erregt Aufsehen. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Aißfälscherbande gewerbsmäßig falschePer - sonalbeschreibungen gegen entsprechende Bezahlung anstellte und damit die Erlangung falscher Auslandpässe ermöglichte. Neben dem Sekretär des polnischen chafentommandanten Tara- szkiewicz wurden drei Mitbeteiligte verhaftet, die außer Paßfälschungen auch Betrügereien mit polnischen Postsparkaffenbüchern verübten. Einer der Mitbeteiligten wurde gefaßt, als er auf ein gefälschtes Sparbuch bei der Post in Putzig 73 000 Zloty abheben wollte. Die Stipendien der Deutschen Albrecht-Dürer-Stiftung. Die im Jahre 1928 gegründete Deutsche Al° brecht-Dürer-Sttftung vergibt zum ersten Male zum 6. April 1929 Stipendien an hervorragend begabte Maler und Graphiker zur Förderung ihrer künstlerischen Entwicklung, zum Beispiel zum Besuch von Schulen, für Studienreisen, zur Beschaffung von Werkstoffen und Arbeitsgeräten. Die Stiftung kann auch an hervorragend begabte Künstler zur Ausführung bedeutsamer Werie auf Grund vorgelegter Entwürfe Zuschüsse leisten oder einzelne ausgezeichnete Kunstwerke solcher Künstler erwerben oder sich an der Erwerbung beteiligen. Deutsche Maler und Graphiker, die aus den Mitteln der Stiftung bedacht werden können, müssen ihre Bewerbung bis zum 30. Januar 1929 bei dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Deutschen Al- brecht-Dürer-Stiftung, Oberbürgermeister Dr. Luppe-Nürnberg, einreichen. Bilderfälschuugen. Eine Strafanzeige gegen den Kunsthändler Wacker, der beschuldigt wird, an Fälschungen van Goghscher Werke mittel- ober unmittelbar beteiligt zu fein, wird eine außerordentlich schwierige und komplizierte Rechtslage schaffen. Cs wird jetzt besonders die Frage geklärt werden müssen, wie die Käufer unechter Bilder gegen die Verkäufer Vorgehen können, und das ist die Hauptfrage aller kommenden Prozesse. Ein hervorragender Jurist erklärt uns in diesem Zusammenhang allerdings, daß trotz der schwierigen und komplizierten Rechtslage die Aussichten für die Käufer der gefälschten Bilder auf eine Entschädigung durcha us nicht ungünstig seien. Die Käufer können einmal ihre Abschlüsse wegen Irrtums anfechten, wofür sie allerdings nur sechs Monate Frist haben, aber auch wegen arglistigen Verschweigens ihr Recht fordern. In diesem Falle bleibt ihnen sogar ihr Anspruch auf Schadensersatz und Rückgängigmachung 30 Jahre lang. Die Tatsache, daß Wacker über die Herkunft der von ihm verkauften van Goghs nichts verlauten läßt, könnte ihn eventuell so stark belasten, daß er wegen arglistigen Verschweigens nicht nur zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wird, sondern auch gezwungen wird, die durch seine Manipulationen verrcrsachten Schäden wieder gutzumachen. Bei lebendigem Leibe auf dec Schlackenhalde verbrannt. Auf der Halde der Laurahütte in Kattowitz wurde ein Obdachloser, der dort Schutz vor der Kälte in einer Mulde gesucht hatte, von glühenden Schlackenmassen verschüttet und verbrannte bei lebendigem Leibe. Die Arbeiter, die die glühenden Schlackenmassen ausschütteten. hatten den Mann nicht bemerken können. Eine Mediziualfiattstik. Das Reichsgesundheitsblatt veröffentlicht das Ergebnis einer Bestandsaufnahme des berufsmäßig tätigen Personals im Deutschen Reiche. Danach wurden 227 665 Personen gezählt, die sich dem Krankendienst widmen. Don ihnen waren 109 200 Männer und 118 65 Stauen. 3m einzelnen stehen im Krankendienst in Deutschland 43583 Aerzte, 8465 Zahnärzte, 10573 approbierte Apotheker und 3712 Apotheker ge- hllfen, 29 343 Hebammen, 15 062 Zahntechniker. 8142 Heilgehilfen und Masseure, 88 872 Äranten» Pflegepersonen. 2283 Säugling p le eiinnen, 1283 Wochenpflegerinnen, 4584 Desin eitoren und 11 761 Laienbehandler. Eine sehr ftarte Zunahme weist der Anteil der Frauen in diesen Berufen auf, besonders auch innerhalb der Aerztefchaft. so daß nunmehr auf 2 4 männliche Aerzte eine Aerzttn kommt.Ebenso hat die Frau im Apotheker beruf einen erheblichen Eingang gesunden. Auf 100 männliche Personen des ApothererpersonalS kommen nunmehr 32.4 weibliche. Am größten ist der Antcll des tocib.ia;en Krankenpflegepersonals. Auf eine männliche Person kommen hier fünf weibliche Personen. Der überwiegende Teil des gesamten Krankenpflegepcronals besitzt die staatliche Aner.ennung. Als Laienbehandler sind in der Statistik bezeichnet sonstige, nichtapprobierte, mit der Behandlung Kcanker sich berufsmäßig befas ende Personen. Ihre Zahl war außerordentlich gesteigert, so daß heute auf 100 Aerzte 27 Laienbehandler kommen gegenüber 4,9 im Jahre 1876. Oie Wetterlage. 5 Freitag- d.28.DezD.1928t7h aDdS o L* sd» fclcMtf O51 y maisige' 5uo>QOwt>i MumacM» «oröwcjt Pfeile fUcaen mit atm Mist O« oeetn Siebenen iientndta Za* kn gtBtn die Temperatur an Du Limen «rfcadee Ort« ptticac# «B» lUertsmru» «ca Wettervoraussage Durch das nordwestliche Druckfallgebiet kommt es an feiner Südseite zur Zufuhr maritimer Luftwaffen, die auf unser Gebiet überfluten. Infolgedessen herrscht weiterhin vorwiegend wolliges Wct ter. Die Temperaturen gehen, da die Lustmassen aus höheren Bretten stammen, etwas zurück. Niederschläge treten mehr vereinzelt auf. Wettervoraussage für Sonntag: Bewölkt. Temperaturen etwas zurückgehcnd, noch vereinzelte Niederschläge. WitterungsaussichtenfürMontag: Meist wolliges Wetter ohne ftärtere Temperaulr- schwankungen, kein oder nur geringer Niederschlag. Lufttemperaturen am 28. Dezember: mittags 1.1 Grad Celsius, abends 1,3 Grad Celsius: am 29. Dezember: morgens 1,5 Grad Celsius. Maximum 2,8 Grad Celsius. Minimum 0,6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 28. Dezember: abends 0,0 Grad Celsius; am 29. Dezember: morgens 0,8 Grad Celsius. winterfportnachrichien der Hess. Wetterdienststelle. Vogelsberg (Hoherodstopf): Rebel,Schneehöhe 10 Zentimeter, gekörnt, Temperatur 0 Grad Celsius. Sportmöglichkeit für Ski ziemlich gut Odenwald (Tromm und Neunkirchen): Keine Sportmöglichteit. Sauerland (Wrnterber^): Bewölkt, Temperaturen minus 2 Grad EelsiuS. 25 Zentimeter Schnee, Pappschnee, Ski und Rodel gut. Schwarzwald (Feldberg): Bewölkt» 0 Grad Celsius. 40 Zentimeter Schnee, verharscht. Ski und Rodel gut. Alpen (Garmisch-Part enkirchen): Heller. Temperaturen 0 Grad Celsius, 30 Zentimeter Schnee, Pappschnee, Ski mäßig, Rodel gut les". Gert mit t Lnlbe W seiner 1W® Harri lichen Om dcrlüs tpin^ (N‘i aus./ W joriiDi Freud uni> 3 mneti pruril und \ die v verbu es al ein P lunger reit n Aecht der, tr deutele Ml der deutsch von ch ten;« und? Dehr war j ebife$i Wiese, Frucht den IN W ch tzema W 'M muss« Ürner Jamil noch ir ünd e tonet Wen Treue Scholl auch Herze leeren Keim Achtu tupm benö ternü. ihren dini ton stehen 15® Pr Do Stadt Dar lepri „ib 85 dem Das Preis 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Los-Nr. 558 703 294 892 398 180 782 058 253 278 800 581 912 426 237 672 483 021 245 567 538 486 •268 651 584 663 988 861 950 456 (Opel-Limoufine) (Schlafzimmer) (Mittelmeerreife) (Standuhr) (Nähmaschine) (Ledersessel) (Klubsessel) (Bett-Chaiselongue) Herren-Fahrrad (Staubsauger) (Nähmaschine) (Damen-Fahrrad, komplett) (Rauchtisch, komplett) (Gasherd) Lluswanderers". — Stadttheater Gießen. Aus Stadttheaterburecru wird uns geschrieben: erfolgreiche kriminalistische: Zugstück „Der Prozeß Mary Dugan" von Bayard Veiller wird am Sonntag, 30. Dezember, als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen das letzte Mal wiederholt. Regie: Intendant Dr. Prasch. Beginn 18 Ahr. — Für die Silvesteraufsührung hat die Intendanz „Charleys Tante" mit den humorvollen Kompo- sitionen von Leo Hirsch erworben. Rudolf Goll ______(Waschmaschine) Zahlreiche Anfragen nach dem Ergebnis der Aus- e(ung, die während der letzten Tage bei uns ein« u :ccn. müssen wir dahin beantworten, daß die Jn- resjenten sich wegen Auskunft über ihre Gcwinn- iiummern an den Dorstand des Verkehrsvereins wird die Aufführung heraushringen. Das Bühnenbild hat Karl Löffler entworfen, die Kostüme der Damen sind nach Figurinen von Erika S z u b i n s k i hergestellt worden. Es wirken mit die Damen Fuhrmann, Jahn, Krahmer, Scherer und die Herren Baste. Ebert Grassow, Garens, Knur, Linkrnann, Wefener. Die Hauptrolle des Lord Dabberled spielt Dastß. — „M i t ,Graf 3 e p p e l i n‘ über den Ozean und zurück." Ueber dieses Thema finden heute und morgen Lichtbilderoorträge in Klein-Linden und Großen-Linden statt. Näheres in der heutigen Anzeige. ** Der Postdienst bei der Jahreswende. Am morgigen Sonntag wird im Postamt I neben dem üblichen Sonntagsschalterdienst ein besonderer Markenschaller in der Zeit von 13 bis 18 Uhr geöffnet: im Postamt II wird ebenfalls ein besonderer Markenschalter von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr dem Publikums- Verkehr zur Verfügung stehen. Für den übrigen Pvstdienst gelten die üblichen Sonntags-Bestimmungen. — Am Reujahrstage wird der Schalterdienst wie an Sonntagen durchgeführt. Die Briefkastenleerung erfolgt gleichfalls wie Sonntags, die Ortsbriefzustelllmg nach Bedarf, mindestens jedoch eine Zustellung vormittags. In der Orts-Geldzustellung erfolgt ein Bestellgang ohne Rachnahmen und Postaufträge. Die Ortspaketzuftellung ruht. Rach den Landorten findet eine Briefzustellung statt. •• Die Polizei am Silvestertage. Das Polizeiamt teilt mit, daß am 31. Dezember (Silvester) Sonntagsdienst stattfindet. Eilige Anträge können an diesem Lage in der Zeit von 11 bis 12 Ahr auf dem Polizeiamt, Weidengasse 5, ihre Erledigung finden. ** Die Museen siick) am Sonntag. 30. Dez., geschlossen. ** Nacheichung der Maße und G e Wichte. Die in zweijähriger Wiederkehr gesetzlich vorgeschriebene Nacheichung der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Meßgeräte (Längen- und Flüs- sigteitsmaßc, Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohlmaße, Gewichte und transportable Handelswaogen bis ausschließlich 3000 Kilogramm) wird in unserer Stadt innerhalb der nächsten drei Monate wieder durchgeführt. Im Monat Januar sind die Meß- aeräte zur Nacheichung beim Eichamt Gießen wie folgt vorzulegen: Vom 2. bis 5. Januar 19 2 9: Bezirk I: Kreuzplatz, Seltersweg, Maigasse, Plock- straße, Teufelslustgärtchen, Johannesstraße und Diez- straße. Vom 7. bis 12.Januar 1 9 29: Bezirk II: Marktplatz, Mäusburg, Lindenplatz, Kirchenplatz, Schulstraße, Schloßgasfe, Kapkaneigasse, Wagengasse, Aus der Provinzialhaupistadi Gießen, den 29. Dezember 1928. Oie eigene Scholle. Wan könnte einen Widerspruch daraus herauslesen, daß eine Zeit, wie die unfrige, die so viel Wert darauf legi, Entfernungen zu überwinden und die Ferne bequem und schnell zu erreichen, auch einen so ausgeprägten Hang zur eigenen Scholle hat. Oft wird ein Gärtchen mit schweren Entbehrungen erkruft, aber der Käufer achtet die Mühen darum gar nichts gegen die Freude an seinem Besitz. Und mag das Fleckchen Erde noch so llein und gering sein, er ist doch stolz darauf und umhegt und pflegt es als einen köstlichen Schatz. Im Grunde ist natürlich gar nichts Verwunderliches daran: im Gegentell, es wäre ver- wunderlich, wenn es anders wäre. Ein köstliches Gut ist die Scholle. Heiliger Odem geht von ihr aus, Seelenkräfte bindet und ftärft sie. Heimat- gefühl ruft sie wach und pflanzt es tief in die Herzen. Es ist eiwas anderes, ob man im Vorüberaehen an einem wohlgepflegten Gärllein Freude Hal, oder ob man die Scholle, die Blüte und Fttichte bringt, sein eigen nennen darf. Tiefinnerlich ist die Besitzerfrcude. sie prahlt und prunkt nicht. sie findet in sich selbst ihr Genügen, und sie schöpft daraus die großen Seelenkräfte, die von je mit der Scholle und dem Desihrecht verbunden waren. Vs gab eine Zeit, in der man es als Verstiegenheit betrachtete, wenn Dichter ein Preislied der Scholle sangen und in Erzählungen die Rot der Echollengebundenheit darstellten, als man den Besitzern den Boden und chr Recht daran raubte. Man versteht es heute wieder, was es für die Bauern der alten Zeit bedeutete, als sie von Haus und Hof vertrieben wurden: man versteht die Rot der Grenzlanddeutschen, als man ihnen den Besitz nahm und sie von ihrem angestammten Eigentum gehen mußten: man begreift es, daß sie die Hand erhoben und Flüche schleuderten, oder sich mit Gewalt zur Wehr setzten und ihre Scholle verteidigten. Es war ja nicht nur das Desihrecht, für das sie sich einsehten, denn Haus und Hof. die Aecker und Wiesen aufzugeben, die ihren Schweiß um karge Frucht gesehen hatten, den Wald, der in Stunden der Rot mit lindem Rauschen besänftigte, war ihnen Heimat, und das Hingeben dieser Heimat bedeutete ihnen, daß man ihnen das Beste aus dem Herzen riß. Außerordentlich hoch wird man eS einschähen müssen, wenn man heute trotz allem noch Besitztümer findet, die Jahrhunderte hindurch einer Familie zugehörten und deren Besitzer auch heute noch mit allen Wurzeln an ihrer Scholle hängen. Und es ist erfreulich, daß es noch so viele Besitztümer solcher Art gibt. Zu wünschen und zu hoffen ist, daß sich die junge Generation die alte Treue zum Helma thaus und zur nährenden Scholle bewahrt. Eine hohe Aufgabe ist hier auch den Erziehern zugewiesen, die in junge Herzen, in die so leicht das Verlangen nach dem leeren Glanz der weiten Well einzieht, den edlen Keim echter Heimatliebe zu Pflanzen haben, die Achtung vor dem Besitz der Väter. ler. Lotterie in Gießen. Wohl selten hat eine Werbemaßnahme unserer Stadt so starke Anteilnahme gefunden, wie die Waren lotterte des Gießener Der- kehrs-VereinS anläßlich der Werbewoche „Gießen im Licht". Die Rachfvage nach diesen Losen, die bekanntlich in den hiesigen Geschäften während der 'Werbewoche beim Einkauf kostenlos abgegeben wurden, war so groß, daß der Ver- keAs-Verein anstatt der ursprünglich vorgesehenen 500 000 Lose schließlich deren eine Million ausgeben mußte. Richt nur das kaufende Publikum in Gießen, sondern auch weit draußen in der Provinz hat sich durch rege Käufe in den Besch der Lose gebracht, von denen manche Familien weit über 100 Stück und noch mehr ihr eigen nennen. Gestern nachmittag fand nun im Saale des Cafe Leib dieAussPielungderGewinne statt. Da die Verlosung öffentlich war, hatte sich eine außerordentlich große Menschenmenge, die nach vielen hundert Köpfen zählte, in dem Verlosungslokal eingefunden. In den Vormittagsstunden waren eine Million Rummernröllchen mit den Losnummern in die große Gewinntrommel, di« extra von Leipzig hierher geschickt worden war. eingefüllt worden. Um 2 Uhr nachmittags begann dann die Verlosung, die ebenso wie die Füllung dec Gewinntrommel am Vormittag unter polizeilicher Aufsicht vor sich ging. Mit gewaltiger Spannung verfolgte das Publikum die Ausrufung der Gewinnummern, dabei eifrig schreibend oder auch in den mitgebvachten Losen blätternd. Die Verlosung fand erst gegen V-6 Ahr ihi,Ln Abschluß. Insgesamt wurden 3 250 Gewinne ausgespielt, von denen der größere Tell in Gutscheinen besteht, die zu Einkäufen in hiesigen Geschäften verwandt werden können. Rach- stehend bringen wir das Verzeichnis der ersten ISGewinnc. Diese fielen auf di. Losnummern: Diplome bekamen die Fuhrleute 2ldam Heß. Friedrich Konrad. Georg Naumann und Wilh. Schwarz. Geldspenden erhielten die Äriminalhauptwacht- meister Losch und M ö b u s, die Polizeihauptwacht- meister Kohn, Äor eil, Löffler. Se na und Volz, Polizeioberwachtmeistcr K ü ft e r. Amts- aehilse Becker, Feldschütz Simon sowie die Fuhrleute Johann Becker, Karl Becker, August D o r m e h l, Alfred G e o rg , Karl L e s ch h o r n, Heinrich L i ch c r, Heinrich M a l k e m u s, Adolf Marquardt, H 'irich Schaub, Karl Stark und Heinrich Wagner. Nach einer kurzen Ansprache des Bäckerobermeisters L ä b e r und der des Kriminalhauptwachtmeisters M ö b u s war die eindrucksvolle Feier beendet. Taten für Samstag, 29. Dezember. Sonnenaufgang 8.05 Uhr, Sonnenuntergang 16 Uhr. — Mondaufgang 19.09 Uhr, Monduntergang 10.35 Uhr. 1809: der Staatsmann William Edward Gladstone in Liverpool geboren; — 1832: der Buchhändler Johann Friedrich Cotta m München gestorben: — 1843: Königin Elisabeth von Rumänien (Carmen Sylva) bei Neuwied geboren. Taten für Sonntag, 30. Dezember. Sonneaufgang 8.05 Uhr, Sonnenuntergang 16.01 Uhr — Mondaufgang 20,34 Uhr, Monduntergang 11.01 Uhr. 1819: der Dichter Theodor Fontane in Neuruppin geboren: — 1861: der Ingenieur Max Mannesmann in Bliedinghausen geboren: — 1926: der Dichter Rainer Maria Rilke in Paris gestorben. Daten für Montag, 31. Dezember. Sonnenaufgang 8.05 Uhr, Sonnenuntergang 16.02 Uhr. — Mondaufgang 21.54 Uhr, Monduntergang 11.21 Uhr. 1868: Professor Adolf Scllmann geboren. J-ic?" :r Wo^ ^Marktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 170, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 15 bis 20. rote Rüben 15 bis 20, Spinat 25 bis 35, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 80 bis 90, Zwiebeln 15 bis 20. Meerrettich 50 bis 150« Schwarzwurzeln 50 bis 60, Kartosseln 5, Aepsel 20 bis 40, Birnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 60 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 120 Pf. das Pfund; Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 12 bis 15, Aepsel 20 bis 35. Birnen 10 bis 20, Kartoffeln 3,80 bis 4,50 Mark der Zentner: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Sier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120, Endivien 15 bis 25, Lauch 10 bis 15. Rettich 10 bis 20. Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück. Bornotizen. Tageskalender für Samstag. Goethe-Bund: Gesellschaftsabend unter Mitwirkung der Dortragskünstlerin Resi Langer, 8 Ahr, im Klub. — Quartettverein Gießen e. D.: Weihnachtsfeier, 4 Uhr nachrn. im Postkeller. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Harold, der Pechvogel". — Astoria-Lichtspiele: „Die Abenteuer eines Auswanderers". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: „Der Prozeß Mary Dugan", 18 bis 2074 Ahr. — D. H. V.: Weihnachtsfeier, 4 Ahr, Im Katholischen Dereinshaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Harold, der Pechvogel". — Aftoria-Lichtspiele: „Abenteuer eines ocnden müssen. Ehrung treuer Tierpfleger und Tierfchüher. Der Vorstand des Gießener Tierschutzoereins hatte beschlossen, auch in diesem Jahre PrämienfürtreueTierpflegeundtat- kräftigen Tierschutz zu verleihen. Die Verteilung der Preise fand am zweiten Weihnachtstage im Kaufmännischen Vereins Haufe statt. Bevor die Ehrengaben, vier Diplome und 21 Geldspenden im Betrage von je fünf Mark den edeln Tierfreunden überreicht wurden, hielt der 1. Vorsitzende, Lehrer i. 9t. W Fritzel, eine längere Ansprache. Dettergasse, Kirchstraße, Durggraben, Auf der Dach, Drechäujergasse und Branüplag. Vorn 14 bis 2 3. Januar 1 929: Bezirk III: Marktftraße, Rittergafse, Neustadt, Löbershos, Mühlstraße, Kleine Mühlgasse, Kornblurnengassc, Westanlage, 9lorban- lage, Oswaldsgarten, Hammstraße, Lahnstraße, Rod- Heimer Straße, Ärofdorfer Straße, Schützenstraße, Hardt, Sandgasse. Die Neigungswaagen werden am Standort der Waagen geeicht, jedoch ist diese Eichung beim Eichamt besonders zu beantragen. Eichpslich tige, die weitere Auskünfte wünschen, mögen sich an die zuständigen Polizeireviere wenden. •' Gerichtspersonalie. Mit Wirkung vom 1. Oktooer 1927 an wurde Justizwachtmeister Max Schietzel bei der Staatsanwaltschaft Gießen zum Iustizoberwachtmeister ernannt. •• Weihnachten in bet Herberge zur Heimat. Am Heiligen Abend kehrten in der hiesigen Herberge zur Heimat 72 Wanderer ein, denen dank der Opferwillig.eit unserer Bürgerschaft eine reichliche Weihnachtsbe dt-Tung bereitet werden konnte. Rachdem alle Herbergsgäste an wei Haedeck ten Tischen Platz genommen hatten, hielt Pfarrer Lenz eine zu Herzen gehende Ansprache. Im Anschluß an das gemeinschaftliche Abendessen, bei dem es auch an einem Glase Bier nicht fehlte, blieb man un.er dem Absingen der WeiHnachtslleder und beim Genuß einer Zigarre noch einige Stunden in sroher Stimmung beisammen. ** DerDeutscheOstbund, Ortsgruppe Gießen, veranfto.iete dieser Tage eine wohl- gelungene Wcihnach!s eie-- -t der sich fast sämtliche Mitgli der im Saale des Hotels Hindenburg eingefunden hatten. Der brennende Lichterbaum, SMll der Hwmiliei W» auf das Fest der Liebe abaestimmte Worte des Vorsitzenden R. Rautenberg, Musikvorträge des Mitgliedes O h l y. ein nettes Singspiel zweier Jungmädchen, das Weihnachtsgedicht eined_ der Kleinsten und gemeinsame Weihnachtslieder lösten von Ansang an Weihnachtsstimmung aus. Rach der Kaffeetafel nahmen die Kleinen freudestrahlend die von der Ortsgruppe gestifteten Weihnachtsgaben in Empfang. Den Höhepunkt der Feier bildete die Descheerung der durch die Verdrängung . Klein. Dr. Klewitz. Veltkanavotheke. Zabnarzt: Dr. Adam. *D Sprechstunden der Redaktion 12 bis 1 Uhr mittag», 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge find lediglich an bk Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne bcigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen. ZuverttisstgeS | MVA» gesucht. 114-25 D Gießen (Bahnhofstraße 8), 29. Dezember 1928. sieht. 11454D tffeparaiorm 11486J) Friedhofes aus statt Schaumweine gefünltesteu Dank aus. 09024 von 8—6 Uhr. 09041 3524V Seit 1895 r 6927V Lunösv 11423D Jüngerer Weißbinder und Anstreicher U475D nachmittags erteilt wird. 10985D | 7ü5V Kaufgesuche MITHEIZUNG WOLF NETTER 8JACOBIwep« Bf RUN W 15 « FINNENTROP '/WESTE VeFlr.: Emil Becher, üammslr.43, Gießen, Tel. 1190 w I1484D ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Apfelwein ’/i Fl. 0.60 2 Pfd.-Dose . 2.00 Laden - WM Gerichtsvollzieher in Biehen Doeti-» trahe 29, Telephon 1383. das Küchen- ».Hausarbeit versiebt, für sofort ob. z. 15. Jan. Die Beerdigung findet Montag, den 31. Dezember 1928, vormittags 11 Uhr, vom Portal des neuen israelitischen X $ o Heute nacht entschlief nach schwerem Leiden meine liebe Mutter, Schwester und Tante WELLBLECH - BAUTEN «wmMMHTOUtk'J'aAt WMHoaraMaegtrm E. Fink, Heilkundige Gleiten, üühhtraße 33, 1. Stock. nrm in allen Arbeiten und nur an sauberes Arbeiten gewöhnt, für sofort gesucht. 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Entstehung verdankt, unzulänglich sein, so ist dennoch etwas in ihm enthalten, was immer über die an sich für uns unwichtigen Träger einer (dürftigen) Handlung hinaus bleiben und Bedeutung haben wird, — ja selbst über den viel beredeten und umstrittenen Fall des russischen Grasen hinaus, der hier geehrt werden sollte. Sieht man über zeitliche, persönliche und vor allein stilistische Bedingtheit und Begrenztheit dieses Dramas hinweg, so wird sich das immer währende, immer irgendwie und irgendwo in der von Menschen bewohnten Welt aktuelle, brennende. gegenwärtige Problem herausschälen. machen. 3n den letzten Bildern wurde die Aufführung gelöster, fliehender, sogar dramatischer und im Dühnensinne wirksamer: nachdem in zwei (an sich sehr guten) Bildern die breit unb manchmal aufdringlich geschilderte Zuständlichkeit deS Ganzen durch expressionistische Akzente zwar durchbrochen, aber auch belebt worden war. — Im ganzen eine anständige unb fleißige Regiearbeit. die sich sehen lassen kann. Sarhnzew, der Gutsherr, predigt wie fein berühmteres Hrbild eine neue Religion, eine neue Moral, eine neue, gerechtere, menschliche Gesinnung und soziale Ordnung. Er predigt — ost überraschend zeitgemäß anzuhören — gegen das Kapital, gegen den Militarismus, gegen faule Bequemlichkeit im Leben und Denken, gegen Ausbeutung und unverdientes, in den Tag hinein genießendes Drohnentum. Er predigt und klagt, er klagt und predigt... und tut nichts. Handelt nicht, leidet nicht, opfert nichts, nimmt nichts auf sich, kann sich nicht losreihen von den Seinen, deren Tun und Treiben, Sinnen und Trachten ihm verderblich und sündhaft erscheint, rafft sich nicht auf zur Tat. * Leiden und opfern: das tim andere für ihn, in seiner Lehre, nach feinem Gebot. Und er vermag, obwohl willig dazu, sie nicht zu erretten erwuchs. * Zu dieser, menschlich und innerlich zu empsin- denden Unzulänglichkeit der Zentralgestalt tommt eine künstlerische, eine dramaturgische Schwache hinzu: Sarhnzew predigt, im Grunde, gegen die Wand: er hat keinen einzigen, ernsthaften Gegenspieler, niemanden sich gegenüber, der die Energien, die immerhin von ihm und seiner Rede ausgehen, aufzufangcn. zu erwidern, zu steigern, zu lösen oder zu brechen vermöchte. Sehr viele Menschen find um ihn herum, lauter Kontrastfiguren, erläuternde, erklärende, theatralisch beschreibende, Stimmung, Umwelt und Zustände malende Personen, — aber nicht einer, der ihm ernstlich gegenüberzustelken wäre kraft eines ebenbürtigen geistigen Formates. Mag also dies Stück aus manchen Gründen, aus den bssondeven Gründen auch, denen es seine und nicht zu erlösen. Er predigt es nur... vier Akte lang, ganze l unfertige) Stück mutet an wie ein ziqer Monolog. Dies liegt (auch) am Ssil, von dein wir sprachen. Zustandsfchilderung, Anklage schließlich jenes fast verühnü gewordene .. Sande verlaufen" sind Kennzeichen und typische Wesenszüge einer Literatur, aus der das Drama Auf der Gegenseite stände viele. Verschieden im Aussehen, im Alter, im Geschlecht. 3m Grunde immer wieder die gleichen: einzeln« aus einer; großen Menge, wie sie oben angedeutet wurde. Hätte nur einer von ihnen mehr Umrih und geistige Haltung, es wäre um das Schauspiel (alS Drama) besser bestellt. Wir nennen von ihnen Scherer, Kuu», Jüngling, Jutta von Pagendorf (/2 Uhr. Wenn Demarche in Belgrad morgen nachmittag 5 Uhr gemacht wird, würde sie also noch währeiid Anwesenheit Poincares in Petersburg bekannt werden." Darauf antwortete der deuftche Botschafter in Wien. v. Tschirfchky. cmr 23.: „K. u. t. Regierung dankt wärmstens für Information. Baron Giesl (österreichischer Gesandter in Belgrad) ist angewiesen, Hebergabe um eine Stunde zu verschieben." Diese österveichischen und deutschen Urkmiden beweisen schlagend, daß Deutschland über das Datum wie über den Ernst des Ultimatums (an Serbien) genau Bescheid wußte und daß es sich mit Oesterreich ins Einvernehmen setzte, um seine Heber g ab e hinauszuschieben. In welcher Absicht? Rach einem Telegramm Tschirschkhs soll Oesterreich bloß haben vermeiden wollen, daß man vor meiner Abreise auf der Reede von Kronstadt „in der Champagnersttm- mung" eine Verbrüderung feierte, die Frcmk- reich« und Rußlands Haltung beeinflussen könnte. Eine klägliche Erklärung l 3n Wahrheit fürchtete man, daß die französische und die russische Re-- gierung, die in dem Augenblick, wo sie das Hltt- matum ersahren hätten, Fühlung miteinander hatten, sofort eine freundschaftliche Intervention zur Erhaltung des Friedens vereinbaren könnten. Man zog es vor, daß fte getrennt waren, daß sie sich aus der Ferne bet fragmentarischen, oft verschiedenartigen Rachrichten ins Einvernehmen sehen mußten, und man hoffte sehr, daß Oesterreich während meiner dret Aufenthalte in den skandinavischen Ländern Zeit haben würde, Serbien eine Lektton zu geben. Doch den Augenblick, wo ich von ihm Abschted nahm, hatten die Regierungen in Wien und Berlin abgewartet, um zu handeln. Hatten sie bis dahin gefürchtet, meine Anwesenhett beim Zaren und Vivianis Anwesenheit bei Sasonow würden uns unmittelbares Zusammenwirken ermöglichen, um die ersten Flammen der Feuersbrunst zu ersticken? Jedenfalls hat Oesterreich sich über meinen Reiseplan im voraus aufS genaueste erkundigt. Die vom Grafen Szecsen ini 3uli 1914 abgesandten und erhaltenen Telegramme sind später durch unser Chiffrierbureau entziffert worden. Sie zeigen, wie sorgfälltg man ich am Dallplah über meinen Reiseplan informiert hatte. „Ministerium des Auswärtigen Wien an österreichisch-ungarische Botschaft Paris, 11. 3jHi 1SH4. 1 Hhr Ar. 142. Geheim. Rur für den Botschafter selbst. Betrifft die Geheiminstruktton Rr. 8. Völliges Einvernehmen mit Deutschland betreffs der politischen Lage, die sich aus dem Attentat von Sarajevo ergibt, und aller etwaigen Folgen erreicht." „Ministerium des Auswärtigen Wien an österreichisch-ungarische Botschaft Paris, 12. Juli 1914, 1.15 Uhr, Rr. 143. Bitte Girre Exzellenz um Bekanntgabe der Abreise deS Präsidenten nach Rußland und der vermutlichen Dauer seines dortigen Aufenthaltes, sowie um Angabe über das Reiseprogramm." „Oesterreichisch-ungarische Botschaft Paris cm Ministerium des Auswärtigen Wien, 13. Juli 1914 (ohne Stundenangabe), Ar. 105. Reife des Präsidenten. Telegramm Ar. 143 von Eurer Exzellenz erhalten. Wie ich aus glaubwürdiger Quelle erfahre, wird der Präsident Frankreich am 16. verlassen. Don hier wird er wahrscheinlich am 15. abreifen. Er wird sich auf der „France" einschiffen und von Kriegsschiffen begleitet werden. Ankunft in Rußland am 20. Aufenthalt in Rußland wahrscheinlich vier Tage. Auf der Rückkehr macht der Präsident vielleicht kurze Desuche am schwedischen, dänischen und norwegischen Hose. Heber das Reiseprogramm ist bisher nichts veröffentlicht. Da nicht genau feft- steht, ob das Parlament seine Arbeiten am 14. beendet, kann die Abreise sich möglicherweise et* Der sensationelle, zweite Band der deutschen Ausgabe von Poincares Memoiren, dar sich ..Der Ausbruch der Katastrophe" betitelt, erscheint in Kürze im Verlag Paul Aretz, Dresden. (Ganzleinen 25 Mk.) — Wir stehen in den Entschei- dungstagen des Juli 1914. Poincare schildert die polittsche Lage, knapp vor der Kriegseicklärung Oesterreichs an Serbien. Wir geben diesen Abschnitt mit Erlaubnis des Verlages im Vorabdruck wieder. In der Reede von Kronstadt stoppt die Pacht und wirft Anker. Ich steige zuerst m ein Depeschenboot der „France", das mich nach dem Panzerkreuzer bringt. Mir ist als verließe ich eine andere Well, um Frankreichs Boden wieder zu betreten. Ich habe in Rußland die freund- bhaftlichstr Ausnahme gesunden, und doch habe ich ein Gefühl der Erleichterung. Ich ahne aus voller Brust, während ich auf dem Verdeck der , France" auf und abgehe. Kurz darauf kommt der Zar und die kaiserliche Famille nach. Ich bin mit dem Diner n ich t sehr zufried e n. Das finb die kleinen Leiden offizieller Empfänge, die kein Frauenauge überwacht. Aachdem wir Platz genommen haben, läßt die Suppe auf sich warten. Die, Gänge folgen aufeinander, ohne daß ich den Küchenchef beglückwünschen könnte. Alle Gäste finden wenigstens das an Bord gebackene Brot vortrefflich: es hat den gleichen Wohlgeschmack wie unter gutes Landbrot. Der Großfürst Ar ko lac, der stets geneigt ist, eine Gesellschaft in ötirnmung zu bringen, verzehrt zwischen zwei Lachsalven sechs bis fieben große Stücke. Aber durch das Hntoettec ist alles in Hnordnung geraten. Das Zell ist beinahe weggerisfen worden hier und da tropft Wasser durch die nasse Leinwand. Untere Gäste scheinen trotzdem sehr befriedigt. Die Unterhaltung geht ihren Gang. Am Ende der Mahlzeit bringe ich auf den Zaren einen Trinkspruch aus. in dem einige franzosenfeind- lichr Geschichtsschreiber, die offenbar ein falsches Ohr haben, in den letzten Jahren einen kriegerischen Ton entdeckt haben wollen. Selbstverständlich hatte ich diese Rede Viviani, dem französischen Ministerpräsidenten, im voraus mitgeteilt, mid er hatte nichts daraii auszusetzen. Aber heute scheint es gewissen Auslegern so. als ob das Reden vom Ideal eines Friedens in Kraft, Ehre und Würde im Jahre 1914 so viel hieß, wie den Krieg wünschen. Hätten diejenigen, die diese Paradoxie verfochten, wohl gewünscht, daß ich einen Frieden in Schwäche, Unehre und Demütigung rühmte? Sehr kurz antwortete der Zar. Rach dem Mahle bleiben die Zarin und die Großfürstinnen auf dem Deck sitzen, das leider von den Regengüssen ganz naß ist. Der Admiral Le Dris fühtt den Zaren auf dic Kommandobrücke, wohin ich beide begleite. Paleologue. der französische Botschafter in St. Petersburg, Sasonow und Iswolsky entwerfen gemeinsam die übliche Mittellung an die Presse. Dann zeigen sie mir und Viviani den Entwurf, den Paleologue schon an der Tafel aufgesetzt hat und der wie folgt lautet: „Die beiden Regierirngen haben die völlige Ueberem- ftiimnung ihrer Ansichten und ihrer Bestrebungen zur Erhaltung des europäischen Gleichgewichts, besonders auf der Balkanhalbinsel, fest gestellt. Viviani und ich finden, daß diese Fassung, m der das Wort Friede nicht vorkommt, uns zu sehr verpflichten würde, der russischen Politik auf dem Balkan zu folgen. Das ist auch de Margeries Ansicht. Wir lassen den Entwurf also in dem Sinne abändern, daß wir uns die Zukunft ofsenhalten, unsere friedlichen Absichten unterstreichen und uns größere Handlungsfreiheit wahren. Der Wortlaut, der schließ- sich der Presse mitgeteilt wird, ist ebenso kurz wie allgemein. .Der Besuch des Präsidenten der Republik bei Seiner Majestät dem Kaiser von Rußland hat den beiden befreundeten und verbündeten Regierungen Gelegenheit gegeben, die völlige Hebereinftimmimg ihrer Ansichten über die verschiedenen Probleme festzustellen, die die Sorge um den allgemeinen Frieden und das europäische Gleichgewicht den Wachten, besonders im Orient, auf gibt“ Aach diesem Wen Zeugnis unserer Mäßigung und unseres Frre- denswillens sagen wir unseren Gästen Lebewohß tauschen lange Händedrücke. Komplimente und Wünsche. Der Zar wiederholt mir, er freue sich, im nächsten Jahre nach Frankreich zu kommen: er hofft zuversichtlich, daß die Zarin gesund genug sein werde, um ihn zu begleiten. Depesc^n- boote bringen die Zarenfamisie und unsere übrigen Gäste nach der Jacht ^Alexandria . Zahl" reiche beflaggte und illuminierte Schifte durchfurchen ringsum die Reede. 'Als die „Alexandria die Anker lichtet, geben die „France" und der „Jean Bart", selbst glänzend erleuchtet, 21 Salutschüsse ab. Dann gehe ich mit Viviani auf die Kommandobrücke, um den Aachtwind em^u atmen. Völlig hergestellt und von den offtziellen Frondiensten befreit, die er verabscheut, ist der Mmr- sterpräsident glücklich wie ein entlaufener Gefangener. Aach Mitternacht lichten beide Panzer die Anker, und wir fahren durch die stillen Gewässer des Finnischen Meerbusens nach der Ostsee. Als Viviani im Jahre 1916 mit einem wichtigen Auftrage der französischen Regierung nach Rußland zurückkehrte, brachte er mir ein Handschreiben des Zaren mit. Es erwähnt unsere Begegnung von 1914 und lautet wie folgt: Gr. Hauptquartier, 30. April/13. Mai 1916. Lieber und großer Freund! In diesem Augenblick, wo Rußland und Frankreich enger denn je in dem Ringen ohnegleichen verbunden sind, das sie im Verein mit ihren getreuen Verbündeten bestehen, war es mir sehr angenehm, Mitglieder der französischen Regierung nach Rußland kommen zu sehen. Mit großer Freude habe ich den jetzigen Justizminister Viviani wieder- gesehen. den ich bereits kannte, und mich bei dieser Gelegenheit meiner letzten Begegnung mit Ihnen erinnert. Damals dachten wir mir an die friedliche Entwicklung unserer beiden Länder, während der Feind bereits seinen Anschlag gegen den Frieden Europas ausführte. in der Hoffnung, die Weltherrschaft an sich zu reiften.“ Der Rest des Schreibens bezog sich auf die Ereignisse von 1916: wir werden ihm später wieder begegnen. Aber diese paar Zeilen eines Persönlichen Schreibens zeigen zur Genüge, daß der Zar im Juli 1914 so wenig wie wir an einen bevorstehenden Krieg dachte. Aichtsdestoweniger hat man nach dem Kriege in Deutschland Schriften veröffentlicht, in denen der Zarismus — so In der Rote der deutschen Delegation bei der Friedenskonferenz — der schlimmsten Verschwörung gegen die Ruhe Europas bezichtigt wurde, ebenso Streitschriften, in denen ich selbst als Kriegstreiber hingestellt wurde. So schrieben die ..Süddeutschen Monatshefte" in München: .,Aach- dem das Qlttentat von Serajewo verübt worden war, reiste Poincarö bekanntlich nach Petersburg, und es gelang ihm dort, in geschicktem Zusammenspiel mit den russischen Kriegshetzern im Stil eines Rikolai Aikola- jewitsch beim Zaren die letzten Bedenken gegen das Dlutvergieften zu beteiligen.“ Dann wurde in den vier Akten zeitlos das stets wieder erkannte, erlebte, erlittene, gestaltete Gleichnis in Worte und Figuren und Räume gefaßt: seht her: zu allen Zeiten wird einer da sein unter vielen, einsam, verlassen und aus- gestoßen, unerkannt und unverstanden unter Tausenden, gegen Zehntaufende,... einer, der mehr weiß, tiefer fühlt, gewissenhafter und ernsthafter denkt als die anderen,... einer, der etwas zu sagen hat und nicht gehört wird.... einer, der zu früh geboren ist, der Heller sieht, der handeln und schaffen und bessern könnte, was die andern nicht können, nicht sehen, nicht verstehen.... einer, der um seiner Einsamkeit, um feiner Gröhe teilten zerbricht und verblutet an der Dummheit, an der Kurzsichtigkeit, Engstirnigkeit, Fühllosigkeit der übrigen, die in erdrückender Mehrzahl sind. Dies ist der tragische Kern des Dramas, dies sein noch heute und immer wieder gültiger Sinn, dies sein (mit Schleiern verhängtes und von Schatten getrübtes) Evangelium, das uns wich» tiger erscheint, als Sarynzew, seine Jünger und feine Widersacher, wichtiger selbst als der zufällige, durch nichts als den Kalender bedingte Qltüaft des Spiels. Sannert hat das Fragment inszeniett. Er nahm ihm nicht seine verstaubte Einkleidung, nicht die Atmosphäre, in der es zum Leben kam. Das war richtig. Er löste die fchwerfälligen Alle in Bilder auf, die fast drehbühnenmäßig schnell verwandell wurden. Er mühte sich mit einem pfleglichen Zusammenspiel, mit guten Gruppen, mit Farben, malenden Tvnfolgen und russischen Akkorden, die schwer in Gang kommende szenische Masse zu beschwingen und beweglich zu Neujahrsempfang -es hessischen Gesamtministeriums!. Ein Neujahrsempfang des Gesamt- Ministeriums wird am Dienstag, 1. Januar 1929, vormittags 11.15 Uhr, im Staatsministerium in Darmstadt, Neckarstraße 7, stattfinden. Diese Einrichtung, die einem vielfach an den Staatspräsidenten herangetragenen Wunsche entspringt, soll vor- aussichtlich zu einer ständigen Gewohnheit werden, um alljährlich allen denjenigen, die darauf Wert legen, Gelegenheit zu geben, mit den Ministern Raymond poincare als Friedensengel. Aus den Memoiren des ehemaligen Präsidenten der Republik.- Auf der Re^e von Kronstadt in den entscheidenden Zulitagen 1914. - Das französisch-russische Bundms. ta Künstler-Kalender ISA 32. Sortierung. Nachdruck verboten. Diva Eine (Fortsetzung folgt) war alles erzählt Oberheffen. Landkreis Gießen. Kostenlose Ausgabe an hie Leser des Gießener Anzeigers erfolgt vom Montag, dem 31. Dezember, an. JJeu hinzutretende Bezieher haben Anspruch auf den Kalender; sie bestellen deshalb zweckmäßig sofort in Gießen bei der SeschSstsstelle oder bei den Trägerinnen, auswärts bei den örtlichen Vertriebsstellen oder bei der Post Don Professor $. S. Ehmcke (München) zur Erinnerung an das hundertjährige Bestehen der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei N. Lange entworfen und von ihr in drei Karben gebrurff Lachs Vaiazzo l Roman von J. Schneiöer-Koerfil. Vrbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. „WaS redest denn. Achim! Ich werd doch die Mutter nicht Im Stich lassen — aber es ist ja alles eine unnütze Angst von dir." Die muhte innehalten und ihr Gesicht in sein Haar drücken, daß er ihre Tränen nicht sah. Krankheit macht jeder durch! Wann da einer gleich sterben mühte!" Chöre der Kinder, eingeübt von Lehrer und Organist M e i d t. Die Lieder und Gedichte der Kinder erfreuten eine zahlreiche Festgemeinde bei dem Schein der Kerzen des Christbaumes. (P Garbenteich, 28. Dez. Unter stardrr ‘Beteiligung der Gemeinde wurde am zweiten Weihnachtsseiertag« Lehrer Weisel zur letzten Ruhe statte geleitet. Besonders zahlreich erschienen waren die Lehrer der Vachbarorte, um ihrem Kollegen die letzt« Ehre au erweisen. Der Pfarrer hob in seiner Grabrede die vortrefflichen Eigenschaften des Verstorbenen gebührend hervor. Schulrat Professor Dr. Alles (Gietzen) ehrte den Entschlafenen im Hamen des Kreis' schulamtes und würdigte ihn als tüchtigen Lehrer, der 31 Jahre in unserem Dorfe wirkte. Es folgten dann weitere Ansprachen, ans denen hervorging. daß der Verewigte feinen Beruf sgenvssen ein lieber Kolleg«, ein guter Freund und Berater war. der immer unter Zurückstellung der Ausklang in einer Ansprache des Pfarrers fanb, und jedem Festgast etwas mitgab von der rechten Weihnachtsfreudc. Z W - r b e r g, 28. Dez. Die Christ mette am heiligen Abend versammelte im Gotteshaus eine zahlreiche Gemeinde. Der Gesangverein Göbelnrod unter Leitung von Herrn M e b u.s (Reiskirchen) wirkte mit. Die Feier wurde veranstal- tet von Lehrer und Organist Allendörfer (Göbelnrod) mit seinen Schulkindern. Das Krippen- Schattenspiel, mit großer Sorgfalt eingeübt und mit freudiger Begeisterung bargeboten, mit seinen vortrefflichen Chören au Ehren des Christkindes fand den ungeteilten Beifall von groß und klein. 6 Harbach, 28. Dez. Auch in unserer Kirche fand eine Christfeier am ersten Weihnachtsfesttage statt, bei der die Kinder unter Leitung von Lehrer und Organist Faber einige Chöre fangen und auch durch ihr Wort bei der Feier mitroirften. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die Schulfeier fand am 29. Dezember statt. 5 Reinhardshain, 28. Dez. Bei dem Festgottesdienst am zweiten Feiertage wirkte der hiesige Gesangverein unter Leitung von Lehrer und Organist Müller mit. Das Gotteshaus vermochte dir Gemeinde kaum zu fassen. Die Weihnachtsfeier der K.nder im Schul)aal. veranstaltet von Lehrer Müller, muhte dreimal aufgesührt werden, um allen Interessenten Gelegenheit zu geben, zu sehen und zu hören, was dir Kinder gelernt hatten. 5 Beltershetn, 28. Dez. Die Christ- mette am heiligen 2lbend mar verschönt durch die das ihr enlgegenfah. „Wenn Herr Professor nicht wohl sind, wurde ich für Ablösung sorgen." Er verneinte mit einer Handbewegung. Hettingens Finger suchten tastend über die Decke und trafen auf die küUrn, reglosen des Arztes. In halbem Erwachen öffnete er die Lider. „Hansl" Tief beugte sich der Doktor zu ihm herab. „Kcurn ich Ihnen irgend etwas tun, Baron?“ Ein verzerrtes Lächeln. — »Ich habe nur geträumt!" u Bon mir geträumt — trotz allem — wie muß er mich geliebt haben, dachte Fehmann erschüttert. Was war ihm gegönnt zu tun. um die ungeheure Schuld an dem Freunde wieder gutzu- machen? Würde der Himmel Erbarmen haben und ihn siegen lassen in dem Kampfe mit dem Schnitter Tod? In entsetzlicher Langsamkeit schlichen die Stunden bis zu Sonnenuntergang. Fehmann empfand ein ©rauen vor der Vacht, die nun kommen würde. Was würde sie bringen? Ohne einen Bissen zu sich genommen zu haben, harrte er schon feit dem Morgen und horchte auf jeden Atemzug, der aus der Brust kam. Ab und zu griff er nach den fieberheißen Händen und schloß sie in seine kühlen, lebenskräftigen, als müsse fein eiserner Wille durch sie hindurch in die Seele des Freun° deS bringen. Gegen Mitternacht fuhr Hettingen hoch und faßte nach seinem Arm. .Hang, hilf mir! — Er will mich erwürgen i — Er erdrückt mich. Hans!" »Er kann dir nichts anhaben. Joachim! — Ich bin bei dir!" Die Baronin fuhr von dem Divan auf. wohin die Ditte der Schwester sie für eine Stunde gezwungen hatte, und lief nach dem Bett ihres Sohnes. „Was ist dir. mein Bub?“ -Er spricht im Fieber!" beschwichtigt« sie Feß- man. »Beunruhigen Sie ihn nicht." Wortlos kauerte sie sich in einen Stuhl zu seinen Füßen. Mit lähmender Schwere tannen die Stunden. Ab und zu rief der Kranke Bruch- teile zusammenreimbarer Sätze in das tödllch eigenen Wünsche stets das Wohl der Allgemeinheit in den Vordergrund stellte. Zahlreiche Kranzniederlegungen begleiteten die Ansprachen. * Leihgestern, 28. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertagabend versammelten sich die Mitglieder des Gesangvereins „Lieder- kränz" und des Turnvereins „Frisch- Auf" zu gemeinsamer Weihnachtsfeier im Vereinslokal. Wit trefflichen Worten begrüßte der Vorsitzende des Turnvereins. Will, die Weraus zahlreich erschienenen Freunde und Gaste beider Vereine, die als erweiterte Familie tn dem einigenden Band der hohen Ziele Veranlassung genug erblicken könnten, das schönste deutsche Fest gemeinsam zu feiern. Der brennende Weihnachtsbaum und das gemeinsam gelungene Cteb ..Stille Vacht, heilige Dacht" schufen die rechte Wechnachtsstimmung. Prachtvollen Chören des Gesangvereins unter der bewährten Leitung des Herrn Blaß folgten turnerische Aufführungen. die Turnwart Schmidt und feiner Schar reichen Dank und Beifall einbrachten. Ein lustiges Theaterftückchen. flott gespielt und viel belacht, anschließend eine Verlosung, beschloß den ersten Teil des Abends. Im zweiten Teil spielte eine schneidige Kapelle, die vorher schon mit schönen Musikstücken erfreute, zum Tanz auf, dem alt und jung noch bis lange nach Mitternacht, huldigten. Daß die Vereinsvorstände mit dieser Weihnachtsfeier das Richtige getroffen, insbesondere, daß he auf die Mitwirkung fremder Kräfte verzichtet hatten und durch die Darbietungen dem 2ll>end den Charakter eines rechten Familien- abends gaben, sicherte ihnen den Dank Äler Anwesenden, der sich am schönsten darin kundtat. baß Sänger und Turner lange noch in echter Fröhlichkeit beisammen sahen. 0 © rüningen, 28. Dez. Dem Beispiel vieler Gemeinden des Vogelsberges folgend, wurde auch hier durch Beschluß des GemeinderateS die Schafherde ab geschafft. Schäfer Voll, der 34 Jahre zu größter Zufriedenheit der Schafzüchter das Hirtenamt ausübte, tritt in den wohlverdienten Ruhestand. > Holzheim, 28. Dez. Nachdem am zwei den Weihnachtstag die hiesige Ortsgruppe deS Landjugendbundes im vollbesetzten Saale des Gastwirts Sames einen wohlgelungenen Theaterabend veranstaltet und, umrahmt von Konzertstücken der Kapelle Sarnes, die 'Theaterstücke „Der Schmied von Ruhla" und „Annelies von der Pfalz" zur vollendeten Darstellung gebracht hatte, die reichen Beifall fanden, beging die hiesige Bruderschaft des Jung» deutschen Ordens, wie alljährllch, am Abend des dritten Feiertages im großen Rat- haussaal ihre Weihnachtsfeier. Vach den Älängen alter bekannter Armeemärsche und nach der Begrüßung durch den Großmeister Ze ist hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Weber, eine Ansprache, der er die 'Weihnachtsworte „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" zugrunde legte. Im ersten Teil der Feier wechselten Klaviervorttäge, Weihnachtsgedichte, Er- mnerungen an Kriegsweihnacht und gemeinsame Weihnach'slieder miteinander ab. die durch passende Darbietungen eines Doppelquartetts des Gesangvereins „Harmonie" ergänzt wurden. Der zweite Teil der Feier war dem deutschen Rhein und dem deutschen Vaterland geweiht. Auch hier fanden alle Darbietungen aufmerksame unb bankbare Zuhörer. In einem kernigen Schlußwort dankte Ordensbruder Seipp allen Mittoirken- ben unb entwarf in klaren Worten ein Bild jungdeutscher Bruberarbeit. # Villingen, 28. Dez. Ihren 8 8. Geburtstag feierte in diesen Tagen Frau Margarethe Hörny Witwe. Sie ist die älteste Einwohnerin unseres Dorfes und erfreut sich noch einer verhältnismäßig guten körperlichen und geistigen Rüstigkeit. ill R o d h e i m a. d. H o r l o f f, 28. Dez. Unser Pfarrer hatte die Gemeinde zu einer schlichten Weihnachtsfeier am heiligen Abend in den Schulsaal eingeladen. Der überfüllte Saal, sowie die Andacht, mit der die Zuhörer den Worten des Redners lauschten, zeigten den starken Eindruck, den die Feier bei allen Teilnehmern hinterließ. Am ersten Feiertagabend sand m der Kirche ein überaus stark besuchter, liturgischer Weihnachtsgottesdienst statt. Ein gut eingeübtes Hirtenspiel wurde aufgeführt. Die Feier wurde verschönert durch Chvrgesang unserer Schulkinder. y. Aus der nördlichen Wetterau, 28. Dez. Erst kürzlich haben hier die Schafzüchter ihre Zuchtschafe zur Winterung eingestellt. Das schneefreie Herbstwetter gestattete diesmal ein längeres Verweilen der Herden im Freien, wodurch viel Futter gespart wurde. Do aber bereits viele „Aber ich — ich, Isa! Das fühlt man doch! Bei mir gebt es aufs Ganze!" „Aber geh! Weil dir ein bisserl schwach und Äend ist. das gibt sich wieder. In einer WochN fahren wir auf den Semmering." „Glaubst du, daß ich nicht schon früher reife» werde?" srug er mit einem Lächeln, ba-8 ihr ins Herz schnitt. „And soviel muh ich zurücklassen, Isai Soviel! Die anderen gar nicht zu rechnen, die ich schon verloren habe!" „Wen hast denn verloren, mein Diunmerl, ©ar niemand! Grad selber machst dir daS Herz so schwer. And mir mit War der Fehmann schon da? Was sagt er denn?" Schweigen. Die Ahr auf dem kleinen Tische tickte unermüdlich in die Stille, unaufhaltsam hetzten die Minuten vorwärts. Die Diva ftret- chäte die trockenheihen Hände Joachims und drückte ihren Mund daraus. „Hast denn kein Bertrauen zum Fehmann, Achim? Er soll so tüchtig fein, er setzt fein Leben für dich ein, wann's nötig ist!" „Glaubst du, Isa? Du bist noch nie in Vvt gewesen, sonst würdest du anders reden, aber es soll fein Borwurs sein! Ich habe Fehmann nicht der geringsten Schuld zu zeihen — nicht der geringsten. Aber was soll ich ihn noch bemühen! Er könnte mir ja doch nicht mehr helfen!" „Sie dürfen nicht foviel sprechen. Herr Baton! Ich mühte sonst die gnädige Frau bitten, sich für eine Stunde zurückzuziehen, bis Sie wieder ruhiger geworden sind!" Isabella Jesko starrte etwas unsicher nach dem Arzte, der. am Kopfende des Bettes stehend, die Warnung an Joachim gerichtet hatte. Vermochte eine Stimme so zu täuschen? Oder war er es wirklich? AIS er zehn Minuten später auf den Korridor trat, folgte sie ihm. Er nahm die Drille ab und verneigte sich. „Verzeihen Sie die Komödie, gnädige Frau! Aber es muh sein! Er duldet mich sonst nicht an seinem Bette." Mit wenigen kurzen Worten Seine Gedanken suchten vergeblich zur K'arhcit Mi gelangen. Dann ein blitzartiges Erinnern: Deine Elle gestern abend, um zum Südbahnhof zu kommen — bet Arbeiter an der Tür — das gestreifte Hemd — seine knappe Abweisung — die Worte der Schwester — der atme Mensch hätte ihr furchtbar leid getan, noch an der Treppe habe er sich umgesehen und nicht glauben können, daß er gehen müsse. — Unb baS war Joachim gewesen! — Joachim! Der Doktor preßte bte Finger über den Mund, daß ihm kein Laut entschlüpfte. Es gab Dinge, die einen von einer Minute zur anderen dem Wahnsinn überlieferten. — Schuldig war er geworden an dem Menschen, der ihm nach feinem Weibe doS Liebste auf der Erde wat. And wie muhte eS Joachim getroffen haben! — Abgewieien zu werden von dem Freund, dessen ganzes Glück fein Werk war. — Don dem Mann, dem er seine ganze glänzende Existenz schuldete, mußte er sich der Andankbarkeit zeihen lassen. Auch wenn Joachim am Leben blieb — war er ihm für Immer verloren. Er sah ihn wieder auf der Treppenstufe sitzen an jenem Abend, wo er ihm feine ganze Rot anvertraut hatte, und hört« ihn sagen: „Ich habe hier gewartet, damit du nicht weit zu gehen hast, wenn du mich etwa brauchen solltest." And er — er hatte ihn gestern abend fort- geschickt zu einem völlig Fremden, damit er bei diesem Hilfe find«. Vie und durch nichts würde die gähnende Kluft, die sie nun beide trennte, zu überbrücken fein. AIS er wieder in ßaS Zimmer zurückkam. . erschrak di» Schwester über daS farblose Gesicht, wurde ihrer Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Desucher gerecht. :—: "Beuern, 28. Dez. Am ersten Weihnachtsfeiertagabend fand in unserer Kirche eine eindrucksvolle Weihnachtsfeier statt. Pfarrer Wagner hatte mit den Schulkindern der ersten und zweiten und einem Teil der dritten Klasse ein biblisches Weihnachtsstück eingeübt, das von den Kindern in schöner Weise ausgeführt wurde. Das Quartett des Gesangvereins „Liederkranz" brachte den stimmungsvollen Chor „Hymne an die Vacht" ausdrucksvoll zu Gehör und trug damit wesentlich zur Verschönerung deS Gottesdienstes bei. — Die hiesige Freie Turnerschaft hielt im Saale „Zur Germania" ihr diesjähriges Wintervergnügen ab. Die Pyramiden bei bengalischer Beleuchtung, sowie die übrigen turnerischen Leistungen zeigten, daß vorzüglich« turnsportliche Kräfte in dem Verein vorhanden sind. Die theatralischen Aufführungen wurden mit großem Geschick gegeben; die Mitwirken den ernteten lebhaften Bei,all. Anschließender Tanz hielt die Teilnehmer noch einige Stunden zusammen. a. Reiskirchen, 28. Aug. Durch Jahrzehnte hindurch wurde die Spar, und D rieh ns- kaffe Reiskirchen unb Umgegend mit großer Umsicht unb Sorgfalt verwaltet. Diese Umstände ermöglichten es, daß die Kosse gleich den staatlichen Bezirkssparkassen aufwerten konnte, und zwar in der beträchtlichen Höhe von 15 Prozent. Im Laufe des Sommers wurden di Umrechnungen vorgenommen, durch öffentliche Dekonntmachung im „Gießener An' Seiger sind die Sparer jetzt aufgefordert worden, ob 10. Januar die alten Sparbücher zur Umschreibung vorzulegen. Allen Leuten zeigt die Kasse besonderes Entgegenkommen. Um diese noch in den Genuß der Aufwettung kommen zu lassen, erhalten sie auf Wunsch gleich ein Sechstel des Äufwettungs- betrages ausbezahlt, lieber dieses Sechstel hinaus kann auf Vorstandsbefchluß noch weitere Zahlung an alte Leute erfolgen. Rur durch die sehr günstige Ent- Wicklung der Kasse war es möglich, die Aufwettung in diesem Ausmaß vorzunehmen. Z Veitsberg-Eaosen, 28. Dez. Wie all- jährlich so hatte auch dieses Jahr unser Organist, Lehrer Huber, mit seinen Schülern eine erhebende C h r i ft m e 11 c veranstaltet, die am Abend des ersten Feiertages stattfand. Unser Kirchlein auf dem Veitsberg konnte die Festgemeinde nicht fassen, so groß war der Besuch. Die Kinder hatten neben anderen weihnachtlichen Gedichten ein Krippenspiel eingeübt. Es war eine rechte Weihestunde, die ihren Neujahrswünsche auszutauschen. Staatspräsident Adelung wird bei dem Empfang eine Ansprache halten. Georg Philipp Gail, 2L -©., tn Gießen, bat Anfang Aovernber ihre hiesig« Zigarren- fabril auf unbestimmte Zett geschlossen. Dadurch sind 42 weibliche Personen arbeitslos geworden. An männlichen Arbeitslosen haben wir zur Zeit 32, insgesamt also 74, eine für eine Gemeinde mit zirka 900 Einwohnern verhältnismäßig hoh« ZahL — Bel der gestrigen Treibjag d wurden 44 Hasen erlegt. chSIllendorsa. d. Lahn, 28. Dez. Am Donnerstag vor dem Christfest verunstaltete die Mittelklasse unserer Schule einen Weihnachtsabend, dessen Vorführungen am Samstag wiederholl tour« den. Die Kleinen der Unterklasse gaben Freitag abend ihr Bestes, und die Obertlasse unter Leitung unseres langjährigen Lehrers Jager hiell am Tage vor Weihnachten eine sehr stimmungsvolle Feier ab. Alle Veranstaltungen der Schule waren bis zum letzten Platz besetzt und zeugten oon größtem Interesse der Gemeinde für derartige Darbietungen. — Die Sonntags schule der christlichen Gemeinschaft hatte . ire Feiern für die Kleinen unb Kleinsten auf Sonntag mittag und Sonntag abend gelegt, wo Herr Richard B i n z das Ganze in schöner Weise leitete. Jedes Kind erhielt hierbei ein prak- tisches Weihnachtsgeschenk, nämlich Löffel und Gabel. — Die Gottesdienste waren an den Feier- tagen sehr gut besucht. Am ersten Weihnachtsabend beim brennenden Cyttstbaum war oon einer oiel- hundettköpfigen Menge sogar der letzte Stehplatz besetzt. Der Kirchenchor half an diesem Abend den Gottesdienst durch weihevolle Gesänge verschönen. Am zweiten Feiertage oredigte der Geistliche von Klein-Llnden hier, der seine christliche Jugendver- einigung mitgebracht hatte. Die Jünglinge sangen sehr schön zum Gottesdienst. Auch der Musikchor der Vereinigung wirkte in dankenswerter Weise mit. X W i e s e d , 28. Dez. Am ersten Christtag wirkte im Hauptgottesdienst wieder der Frauenchor mii, dessen Leitung seit kurzem wieder fein erster Dirigent, Philipp Groß, übernommen hat. Angewohnt war eine Weih- nachtsüberraschung bei der Ehristvesper in Gestalt einer Veihe von Schattenbildern: „Die Geschichte vom Weihnachtsstern", zu der der Ortsgeistliche den Text sprach. Den größeren Teil dieses Gottesdienstes füllten Chöre der Ober- klaffe aus unter Leitung von Lehrer Petri und Gedichte, sogar zwei Soli von Kindern der Kinderkirche; dazu Worte von Verheißung und Erfüllung aus der Heiligen Schrift. Bei einer Bescherung wurden die beiden Oberklassen, sowie die Kinder der Kinderkirche mit Büchlein und Wandsprüchen bedacht. §Z)aubringen,28. Dez. Zwei Tage vor Weihnachten hat her Lern m er s ch e Steinbruch am Lollarer Kopf seinen Bc'rieb geschlossen unb sämtliche Arbeiter — 25 an der Zahl — entlasten. I Wie man hört, soll der Hauptgrund in der Unren- | Labilität des Betriebes zu suchen sein, da zunächst I immer noch gewaltige Schutt- unb Erbmassen ab- I beförbert werben müssen, bis zum Schlagen brauch, bares Material in genügenben Mengen wieber zutage tritt. — Die Holzhauerarbeiten haben in unserer ©emeinbe begonnen. Trotz der nicht geringen Zahl Arbeitsloser war bie Bildung einer Rotte Holzmacher anfangs mit Schwierigkeiten verknüpft. Endlich brachte man eine genügende Zahl Leute zusammen, die auch in diesem Jahre bie übliche Menge Holz, runb 420 Festmeier, schlagen. Hauptsächlich werben Kiefernbestände durchforstet unb gelichtet. V Mainzlar, 28. Dez. Am zweiten Weih- nochtsfeiertage hielt unser Turnverein im Müllerschen Saale sein diesjähriges Wintervergnügen ab. In Anbetracht der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten hatte man von turnerischen Darbietungen abgesehen und sich auf die Aufführung einiger Theaterstücke befchränkt. In einer kurzen Ansprache hieß der erste Sprecher deS Vereins. W. W e h n, die zahlreich erschienenen Mitglieder, sowie die Vichtmitglieder, willkommen. dankte den afttpen Turnern für die im verflossenen Jahre geleistete Arbeit und ermahnte gleichzeitig zu weiterer Pflege der Körper und Geist stählenden deutschen Turnerei. Ein größeres, flott gespieltes Theaterstück erntete verdienten Beifall, während eine Tombola-Verlo- sung eine abwechslungsreiche Anterhaltung bot Die Kapelle Bürger, die den musikali- lchen Teil der Veranstaltung übernommen hatte, | lastende Schweigen. Dann horchten die beiden angsterfüllten Menschen, die bei ihm wachten, auf. „Hans, nun fei ein wenig nett! — Der Ringler gibt feine Praxis auf! — Erstes Viertel! — Da möchte ich dich hineinlancieren!" Fetzmanns Rücken sank tief nach vorne, daß fein Gesicht beinahe auf die Bettdecke zu Regen kam -Es war doch schön gewesen, Oskar? — Vicht? — So viele Jahre haben wir und gehabt und hat nie Streit gegeben!" Fassungslos schluchzte die Baronin auf. Der Kranke wurde unruhig, da drückte sie beide Hände fest gegen das Gesicht, um nicht hinauszuschreien vor Verzweiflung. Gegen vier Ahr morgens wachte er aus seinen Fieberträumen auf, loh die Mutter über sich geneigt und hob ihr die Hand entgegen: „Guten Morgen, Mama! Warum weinst du denn? Du hast mich ja noch! — Ist Isa noch nicht gekommen?^ Die Baronin verneinte. Da sank er wieder zurück, aber Fehmann merkte, wie er auf jedes Geräusch horchte, das durch die Stille drang. Endlich — es war einige Minuten nach halb fünf — hielt drunten vor dem Haus ein Wagen. Hettingen hob sich mit aller Mühe hoch. Sie muhte es sein! "Mußte! — Gin Schritt lief den Korridor entlang — von der Türe her kam ein Luftzug, dann schlangen zwei Arme sich um den verfallenen Körper: „Bub — mein lieber Bub, was machst du denn für Sachen?" Hettingens gesunde Hand Hämmerte sich um Ihr Gelenk! „Run muh ich sterben, Isa. Aber ich kann nicht — die Mutter — versprich mir, daß du sie nicht allein läßt — sonst hole ich sie!" Geschichten aus aller Welt Reid und Scheelsucht die die Konkurrenten mit m zweiten 'Pe bet tot 6qoIc tlwigmen itterau, ^aszüchter eingeslrlll. licsmal ein n, wodtllch ereils vielt die Frau aus erster Che der Täter am Leben ge* der unseligen Tat ist ver- Wie es hmßt, soll die M die. '-wurde I m dv De- cau Mar. Slteste nfteut sich örperlichen r)ez< Unser : schlichten ‘2ßcnb m illte 0aa!, h')«r den den starken cilnehmrn । smd m », IttlM. statt Tin infgefüfct chorgesang er sich selbst durch Ein kleines ZNnd. das mitgebracht hatte, hat lassen. Der Beweggrund zu man doch' todj lind «W her tdg as chr^ ntüM» jit rechten. AlltMti. ner. Dsch- )iva dm» keut ; dich eut sE , - E ***!' LÄ ^Äortep i> .Anne« Erstellung ndqr. bv> 8 3unj» 'sich, am sten Kaf. M dm und wuh - Äeih ter, eine e »Friede llgefalfaf eiu wech. ichte, Tr« emeinsame >ie durch rtetts der eben. 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Denn nichts anderes als Reklame steckte dahinter, wie Herr Lazcano selbst eings- stand. Er stellte fest, daß von 8000 Brötchen, die konsumiert worden waren, 2700 nicht b«ahlt waren. Aber Herr Lazcano hatte keinen Schaden davon, weil er sich seine Reklame absichtlich soviel kosten lassen wollte, — im Gegenteil, sein Rame war bekannt geworden, sein Lokal war ständig überfüllt, die Kunden hatten sich an ihn gewohnt, und er konnte von da an Aekordziffern aufweisen, die seine Kollegen vor Mißgunst erblassen ließen. Dis 1914 hatte er über 60 Millionen belegter Brötchen verkauft, und sein Restaurant steÄ auch heute noch in vollstem Flor. AuS der Unehrlichkeit der anderen Kapital zu schlagen, daS ist wirklich ein Kunststück! Herrn Lazcano ist es glänzend gelungen. >6,x. fc't ’Ne £ns«tt ÄUnJ U^nin« I N'ges 1 belacht eUeeme 1 'chonen u.liW MLchtS. N dch e derzich. P> Wien- Eer 2n° , hmbtat, ® Hütet geraten sein. Berliner Börse. Berlin. 29. Dez. (WTB.-FunksPruch.) Im heutigen Bormittagsverkehr hält di> freundliche Tendenz des gestrigen Tages an. Das Geschäft ist zwar noch unentwickelt, aber für Reichsoank. A. E. G. und Farben scheint etwas Interesse zu bestehen. Die gestrige feite Reuyocker Börse bietet eine Anregung. Die Kurse liegen etwas höher, als gestern Mittag Schluss Man hört Ä.G.G. 195.50 bis 195, I.-G.-Farben 271.50 bis 272 mrd Reichsbank 335 Geld. Am Devisenmarkt nennt; man Paris 124.05, Mailand 92.72, Madrid 29.7650, den Dollar 4.1985 und das Pfund 4.856250. WSR. Dillenburg, 28. Dez. 3m Verlaufe ehelicher Auseinandersetzungen hat In Hoben, bach (Dilllreis) der 28 3abre alte Landwirt Wilhelm Paul seine 23 3ahre alte Frau, eine frühere Witwe, mit der er erst seit einem Jahre verheiratet war, erschossen. Dann hat ....... ‘ ' einen Schuß entleibt wird veröden. Das Geleise Friedrichs Hütte— Laubach (1500 Meter) wird abgetragen werden. ch Gedern, 28. Dez. Die vergangenen Festtage brachten sehr Raa besuchte und liturgisch reich ausgestaltete Weihnachtsgottesdienste. Bei der Christfeier am heiligen Abend wirkten der Kirchengesangvecetn und der Kinberchor mit Außerdem wurden noch von zwei Konfirmanden Weihnachtsgedichte gesprochen. Eine freudige und allgemein dankbar gewürdigte Heberraschung wurde der Gemeinde noch zuteil durch den weihevollen Dortraa von „O du fröhliche" und „Stille Rächt" durch den Musikverein Gedern, der auf dem Kirchturm Ausstellung genommen hatte und die feierlichen Weisen in dte Christnacht hinein erkllngen ließ; eine große Menschenmenge lauschte in tiefer Ergriffenheit den erhabenen Klängen. 3m Hauptgottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag wirkte der Mannergesangverein „Liede r k r a n z" mit. Am Rachmittag des ersten Feiertages fand die Weihnachtsfeier des Kindergottesdienstes statt, wobei die übliche Verteilung von lleinen Spruchbildchen und <8r= zahlungsheften bei der 3ugcnd Freude arts- lösten. Die an den beiden Festtagen für die Heidenmission erhobene Kollekte erbrachte den Betrag von 64.10 Mark. — 3m Gemeindesaal der Kirche veranstalteten der G u st a v - A d o l f - Frauenverein und der Mädchenbund chre Weihnachtsfeiern, wobei ein schlichtes Weihnachtsspiel mit dem Leitgedanken „Sein Licht kommt!" durch Mitglieder des Mädchenbundes zur Darstellung kam. Lebhaftes 3nteresse erweckten auch zwei stimmungsvolle Weihnachtsreigen, die mit viel Geschick von Mädchenbündlerinnen vorgeführt wurden. Zum Schlich erschien der Rikolaus und tellte an die Erschienenen kleine Weihnachtsandenken aus. V Gedern, 27. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hielt der hiestge Gesangverein „Liederkranz" einen wohlgelungenen llnterhaltungsabend im Derawirtshaus unter Mitwirkung des Sinfonieorchesters Gelnhausen und des Zithervirtuosen, Gendarmerie- hauptwachtmeisters Hans H a u b n e r dahier, ab. Der Vorsitzende des Vereins, Postassistent S e u m, begrüßte in herzlichen Worten die Erschienenen. Ein Dorspruch, betitelt „Das deutsche Lied", leitete dann zum Dortrag der Ouvertüre zu Schuberts Oper „Rosamunde" über, die von Solisten des Gelnhäuser Sinfonieorchesters gespielt unb von dem Publikum sehr beifällig aufgenommen wurde. Dann folgte das zweiaktige, ebenfalls mit starkem Beifall aufgenommene Schubertspiel „Am Brunnen vor dem Tore". 3n Hauptwachtmeister H a u b n e r lernten wir einen vortrefflichen Zitherspieler kennen. Zwei vom Dopppelquartett gesungene Chöre unter Leitung von Lehrer Riedel leiteten zu der Fantasie „Aus Schuberts Skizzenbuch", dem letzten Pro- wwmmputckt deS ersten Teils, über. Der übliche Tanz schloß die Deranstaltung. Ober-Schmitten, 28. Dez. Die Weih- n a cht s v e r a n st a l tu n g des hiesigen Man- neraesongvereins in Form eines „Bunten Abends^ erhielt dadurch ein besonderes Gepräge, daß sich die Schule in den Dienst der Sanges- sachc stellte. Mit dem zweiaktigen Volksstück „Weihnacht in der Pecherhütte" eröffneten dte jugendlichen Darsteller den Abend. Ihr belebtes, ausdrucksvolles und natürliches Spiel verinnerlichte den Weihnachts- gedanken und schuf die still-fröhliche Stimmung, die im Wechselgesang oes Liedes ,JD, du fröhliche, o du selige" ihren Ausklang fand. In dem Märchenspiel „Pechvogel und Glückskind" zeigten sich die jungen Darsteller von ihrer heiteren und humorvollen Seite. Das Publikum amüsierte sich köstlich und dankte durch reichen Beifall. Der übrige Test des Abends wurde von dem Männergcfangverein und seinen bekannten Kräften bestritten. Das Zwiegespräch in oberhessischer Mundart Hannes gidd uff de Näidder Wettstreit" wurde so urwüchsig und drastisch wiedergegeben, daß es ständig von Lachsalven unterbrochen wurde. Auch die folgenden blummem, die sich aus Schwänken, Temetten und Gesamtspielen gruppierten, ernteten stürmischen Beifall. Der Besuch war so stark, daß das letzte Plätzen im Saale gefüllt war. Die Leute standen auf Tischen vor der Eingangstür und viele mußten umkehren. Die neue Dül) Neueinrichtung, von dem 1. Borsitzenden, Prokurist Michel, und dem Malermeister Stoll entworfen und in Oel gemalt, vermag in künstlerischer Hinsicht auch verfeinerten Geschmack zu befriedigen. Das uneigennützige Wirken dieser beiden Herren sei besonders hervorgehoben. Die Tombola, die von Freunden und Gönnern des Mannergesangvereins mit mehr als 200 wertvollen Spenden bedacht wurde, gab dem Publikum Gelegenheit, mit wenig Geld viel zu gewinnen Der musikalische Tell lag in den Händen der Schottener Kapelle Appel Nainrod, 28. Dez. Sein 25jöhriges Arbeitsjubiläum als Packmeister bei der Papierfabrik W. und G. Moufang zu Ober- S ch m i t t e n beging in diesen Tagen der hiesige Gastwirt Straub. Dem Jubilar wurde seitens der Firma eine schöne Ehrung zuteil. - Rainrod bei 6 a) d 11 e n, 28. Dez. Am zweiten Weihnachtsabend hielt der hiesigeT u rn- verein feine diesjährige Abendunterhaltung ab. Der Schlörbsche Saal war bis zum letzten Platz besetzt. Der Schristwart und Leiter der Veranstaltung, Wilh. Schmidt, begrüßte mit herzlichen Worten die Gäste und dankte im Damen des Turnvereins für den zahlreichen DHuch. Er wies u. a. auch auf die idealen Ziele und den Zweck der Turnvereine hin und bat die Anwesenden, auch für die Zukunft den Verein in seinem Wirken kräftig zu unterstützen. Der Turnverein hat durch seine bisherigen trefflichen Darbietungen einen guten Rus, und auch diesmal hatte er ein Programm aufgestellt, das alle Erwartungen übertraf. Der Glanzpunkt des Abends waren die Weihnachtsaufführungen: „Weihnachten in der Waldschenke", ein Einakter, und „Heimgesundrn", ein Viercckter. Beide Stücke stellten große Anforderungen an die Mitspielenden, wurdrn aber vortrefflich aufgeführt, und reicher Beifall wurde den Darstellenden gezollt. Die dazwischen vorgetragenen Couplets und Duette, sowie ein humoristisches Stück erregten wahre Lachsalven. Kreis Alsfeld. («*) Groß-Felda, 28. Dez. älnsere Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen waren sehr Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wo bleibt der Hauptmann? (f) London. Es war einmal vor vielen 3ahren ein schneidiger junger Hauptmann und königlicher P^uz zugleich, dem seine Kameraden vom Regiment eines Tages einen schönen bunten Papageien schenkten. Lotti, so hieß der luftige und in höchstem Maße tntelligeitte Bogel, ward mit der Zeit der Liebling seines Herrn. Die 3ahre gingen dahin, der Papagei wurde alt und merkte es nicht, sein Herr wurde auch alt und der merkte ess... Was der Vogel aber begriff, das war die Tatsache, daß ihm der .Hauptmann" vor einigen Wochen nicht wie sonst den täglichen Besuch abstattete. Lotti wurde nervös, und machte einen Mordsspektakel; die im — Buckingham- Palast herrschende drückende Stille wurde alle zehn bis fünfzehn Minuten von den: Geschrei des treuen Tieres unterbrochen: „Wo bleibt der Hauptmann? Hauptmann! Dringt mich zum Hauptmann!" Da sich auch der „Hauptmann" nach dem licbgctootoenen Vogel sehnte, so gaben die Aerzte schließlich die Erlaubnis, den Papageien im Zimmer des schwerkranken Königs von England unterzubringen. Kaum wurde Lotti daselbst ihres Herrn gewahr, verstummte sie auf einmal, als verstünde sie die gefährliche Situatirn und verletzte keineswegs die Erikette. Der Hauptmann, der längst König geworden war, sah stumm den Vogel an und der Vogel sah seinen Herrn — und schweigt seitdem. D'Annunzio — der Mönch. (g) Rour Verschwunden sind die Zeiten, da d'Annunzio seine Heldengesänge schrieb, da er gar mit wehender Trrkorore „erobernd" über di« Adria zog. 3n klösterlicher 2lbgeschiÄ)enheit verbringt er bekanntlich am Ufer des Garda-Sees den Rest seines Lebeits, dessen Eintönigkett nur hier und da durch kriegerische Spielerei, Fahrten auf einem Miniaturkriegsschiff und mit einem Flugzeug, unterbrochen wird. Einer der intimsten Freunde d'Annunzios, der Baron Aterno, der sich mit dem Gedanken trägt, auf seine alten Tage mit einem jungen Mädchen vor den Traualtar zu treten, hatte nun kürzlich den „Dichterfürsten" eingeladen, zur Hochzeit als Gast zu erscheinen. D'Annunzio lehnte jedoch ab. „Rur das nicht, teurer Freund," fd)rieb er, „nur das verlangen Sie nicht von mir. Wenn Sie fordern, daß ich 3hretwillen einen Zentner auf meine Schultern labe und diese Last so lange trage, bis ich umfalle vor Erschöpfung, ich werde nicht zögern, es zu tun. Wer mich unter Menschen zu begeben, einen Frack anzuziehe.n: jedem zuzulächeln, der sich mir nähert, nein, das verlangen Sie nicht von mir, teurer Freund. 3ch habe die Welt satt. Meine Seele und mein Körper verlangen Ruhe. Mögen mich die Menschen zufrieden lassen, ich behellige sie ja auch schon längst nicht mehr." Dte heldenmütige Lia Piecaver. (r) Wlen. Kürzlich war an einem Abend In der Wiener StaatSoper „Bajazzo" mit Alfred Piccaverin der Titelrolle angesetzt. Piecaver ist ein ausgesprochener Liebling deS Wiener Publikums, und dementsprechend jubelt ihm jedeSmal ein aus» verkauftes Haus entgegen. Der Kammersänger verließ seine Wohnung gegen 6 Uhr, um noch einige Besorgungen zu machen, und ahnte nicht, daß seine Frau, eine gefeierte Schönheit der Wiener Gesellschaft, bereits gegen halb sie.en Uhr, also volle anderthalb Stunden vor Beainn der Vorstellung, wegen einer bedrnllichen Blind» darmenlzundurg operiert wurde. Tie heldenmütige kleine Lia Piecaver verbot es nämlich ganz energisch, ihren Mann zu verständigen; sie wußte ja, daß er sonst die Vorstellung sofort oblagen würde. So kam eS denn, daß Dajazzo- Piccaver unbekümmert lachen tonnte, während feine Gattin auf dem Operalions.i ch des Sanatoriums in Lebensgefahr schwebte. Glück.icher- tocife war das Schick al dem Bajazzo hold^ der Eingriff ist ausgezeichnet gelungen, und nach Lheaterschluß konnte der endlich aufgeklärte Sänger zu seiner tapferen Frau. eilen. Immerhin dürfte Piecaver diese Da,azzo-Aufführung nicht sobald vergessen. Rekord in belegten Brötchen. (f) Buenos Aires. Konkurrenzkampf — das ist der Streit um die Gunst Seiner Majestät des Kunden. Wer dem Kunden seinen (Hamen am lautesten und nachhaltigsten einzuhämmem versteht, hat das Spiel gewonnen. Es gibt eine Unzahl von mehr oder minder wirksamen Mitteln, Kunden zu werben; auch diese Tätigkeit ist nachgerade eine moderne Wissenschaft geworden, deren sich die Geschäftswelt ja gerade jetzt zu Weihnachten ausgiebig bedient. Einzigartig jedoch dürfte die propagandistische Methvde fein, die Herr Lazc ano in Buenos Aires angewandt hat. Lazcano eröffnete dort im 3ahre 1882 eine Bar, in der u.0. auch belegte Brötchen verkauft wurden. Ar» und für sich nichts Besonderes. Aber das Ungewöhnliche in diesem neu eröffneten Restaurant warr die Tatsache, daß man mehr belegte Brötchen verzehren konnte, als man zu bezahlen brauchte. Riemand bekümmerte sich darum, ob man -.D. vier Brötchen aß und nur zwei bezahlte. Riemand kvntrolllerte die Rechnungen, die von den Gästen selbst ausgestellt wurden, lediglich mit der Bezahlung der Getränke wurde es sehr genau genommen. Sv etwas spricht sich natürlich herum. Kaum hatte daS Gerücht die Runde gemacht, so konnte sich Laz- canos Dar einer Riesenkundschaft erfreuen, aus gut besucht. Am heiligen Abend sand, tote ub» sich, eine Christvesper statt. Diese wurde eingeleitet mit der Arie für Geige und Orgel von Pergolesd durch Pfarrer Durst und Lehrer Schad. Hierauf fang der Mannergesangverein. Dann folgte die Arie in C-Dur von 3. E. Dach- Hierauf führten unsere Kinder ein sehr schönes Krippenspiel auf, welches von Pfarrer Durst sorgfällig einstudicri war. Wit dem Weihnachts- liebe „O du fröhliche, o du selige" fand die cindruckSvolle Feier ihr Ende. -- 3m benachbarten Windhausen wurden die Gottesdienste durch Lieder des Frauenchors und deS Männergesangvereins verschönert. Ein von Lehrer Schad einstudiertes Weihnachtsspiel gefiel sehr gut. Auch in Kestrich verschönerte der dortige Gemischte Chor die Weihnachtsgottesdienste. xr Ni eder-Gc münden, 28. Dez. Am gwet* ten Weihnachtsseierlag veranstaltei-n der hiesige Gesangverein „Eintracht" und der ÄriegetDcretn einen wohlgelungenen Theaterabend. Die Vereine warteten mit mehreren schön vorgetragenen Chören und drei ebenfalls gut gelungenen Theaterstücken auf. Sämtliche Mit- wirlende gaben ihr Bestes und ernteten reichen und wohlverdienten Beifall. Tanzvergnügen beschloß die Veranstaltung. Starkenburg. WSN. Darmstadt, 28. Dsz. Ein in den 60er Jahren stehender Nkann aus der Arheilger Straße wollte aus einer Flajche Kognak trinken. Er er- wifchte jedoch die S a l m i a k s l a s ch e und erlitt dabei so schwere Derbrennungen, daß er bewußtlos ins Krankenhaus verbracht werden mußte. Lpd. Darmstadt, 28. Dez. In Reichenbach i. O. entstand am Freitagoormillaa in der Hofreite des Theodor Bitsch Feuer, das durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr lokalisiert werden konnte, so daß nur Stallung und Scheune niederbrannten. Bei der Untersuchung des niedsr- gebrannten Stalles fand man die völlig verkohlte Leiche des Knechtes Schmidt, der seit etwa acht Wochen bei dem Landwirt Bitsch bt- Ämar. Man vermutet Brand st iftung n ums Leben gekommenen Knecht. preuhen. Ar. .s Biedenkopf. Waldgirmes, 28. Dez. 3n diesen Tagen waren 40 Jahre verflossen, daß unsere Hebamme. Luise Schmidt Witwe, geb. Koch, ihren Dienst in Treue und Gewissenhaftigkeit in unserer Gemeinde versieht. Gne neue Bluttat, in Marburg. WSR. Marburg, 28. Dez. Am Donnerstag abend ereignete sich in Marburg eine neue schwere Bluttat. Der in den zwanziger Jahren stehende Student der Chemie, Erich Schwerdtfeger, Sohn eines Llniversitäts- professors, befand sich kurz vor 11 il&r auf dem Heimwege, als er in der Moltkestrahe einen jüngeren Wann erblickte, der sich in verdächtiger Weise zu schaffen machte. Schwerdtfeger trat htn- zu, fragte den Unbekannten nach seinem Tun und forderte ihn, alS et ein« unbefriedigende Antwort erhielt, auf, ihm zur Polizeiwache zu folgen. Dieser Aufforderung kam der Fremde zunächst nach, wandte sich nach etnlaen Schritten ledoch gegen Schwerdtfeger, der sich zur Weht setzte. Darauf zog der Unbekannt« einen Revolver und gab einen Schuß auf Schwerdt- f ege r ab. der diesen in den Bauch traf und ihn zu Boden streckte. Der Verletzte mußte in die Klinik gebracht werden. Sein Vefinden war zunächst bedenklich, besserte sich jedoch im Laufe deS Freitags. Als Täter kommt ein etwa 26 3ahre alter Mann in Frage, der vermutlich einen Einbruchsversuch unternahm. Die zunächst verbreiteten Gerüchte über eine politische Bluttat bewahcheiteten sich bei dieser Sachlage nicht. Mit den Ermittlungen ist ein Krimmal- beamter des Kasseler Polizeipräsidiums betraut Ehetragödie im Dittkreis. Mutterschafe zu lammen beginnen, mußten diese Tiere nun in den Ställen nachts eingestellt werden. Nur Hammelherben bleiben hier in de» letz- • ten Jahren während des Winters im Freien. Die Besitzer der Herden pachten von Gemeinden, die keine Gemeindeschäsereien mehr unterhalten, die Winterwelde von Anfang November bis Anfang März wodurch den betrefsenden Gemeindekasien für Paöst ui*b Pfercherlös eine ansehnliche Einnahme zufließt. S» erhält z. B. die Gemeinde B o r s d o r f für die Winterjchasweide 490 Mark Pacht und den ganzen Erlös für den Pfe-rchnächte. Kreis Friedberg. Bad-Rauheim, 28. Dez. Unter den Weihnachtsfeiern der Vereine erfreute sich die be$ Turnvereins von 1 860 eines besonders starken Zuspruchs. Der turnerische Teil des Programms stand auf beachtlicher Höhe. Die Ge- sangsabteilung Les Vereins und ein besonders zusammengestellter gemischter Chor, beide von Lehrer Diehl geleitet, sorgten mit feierlichen Deihnachtsweisen für echt weihnachtliche Stimmung. Der l. Vorsitzeirde, Kaufmann PH. Weiß, konnte als sinnige Weihnachtsgaben schlichte turnerische Auszeichnungen an mehrere verdiente Turner aushändigmr. U. a. erhielt Hugo Rietzsch, der langjährige Gausechtwart des TumgaueS Hessen, den Oau ehre nbrlef, während der bekannte Altersturner des Gaues Hessen, der über 60 3ahre alte H. Henes, mit dem Ehrenbrief des Mittelrheinkreises ausgezeichnet wurde. K Rockenberg, 28. Dez. Auf eine in jeder Hinsicht wohlgelungene Weihnachtsfeier kann, wie im Vorjahre, wieder der hiesige Bibliotheks- oerei n zurückblicken. Eine treffliche Bortragsfolge mit Liedern, Gedichten, szenischen Darbietungen und Lichtbildvorsührungen bot alt und jung gediegenste llnterhaltung und fand daher ungeteilten Beifall. Arcis Büdingen. nb. atibbo. 28. Dez. Die kirchlichen Weihnachtsfeiern unseres Kirchspiels fanden in erhebender Weise unter starker Beteiligung der Gemeindemitglieder statt. Am ersten Weih- nachtStage war im Vormittags- und Abend- gvtteSdienst das Gotteshaus überfüllt. Der eüangeL Kirchenchor trug in beiden Gottesdiensten durch feierliche Weihnachtschöre wesentlich zur Feierstimmung bei. Abends sangen die beiden oberen Volksschulllassen unter Leitung von Lehrer Dieter die Weihnachtslieder. Auch ün Kindergvttesdienst am zweiten Weih- nachtStag sand beim Lichterglanz eines großen Weihnachtsbaumes eine schöne Weihnachtsfeier statt, die von Pfarrer Laut veranstaltet war. — Am Nachmittag des zweiten Feiertags bereitete der Turnverein für die Turnerjugend eine hübsche Weihnachtsfeier, wobei die Turn- schüler durch die Bescherung schöner Geschenke erfreut wurden. Für die Mitglieder und deren Angehörigen hielt der Turnverein am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags in der Turnhalle, wie alljährlich, einen sehr gut besuchten Turnerball ab. Kreis Schotte«. Q Laubach, 28. Dez. Die neuen Fabrikanlagen der Eisengießerei Adolph Röm he Id sind soweit ferttggesteltt, daß voraussichtlich schon mit Beginn des nächsten 3ahres mit der Arbeit im neuen Gebäude begonnen werden kann. Der neue Fabrik bau hat eine Länge von 58 Meter bei einer Breite von 16 Metern. Den vorderen Teil des GedäudeS, auf der Ostsette nach dem Bahirhos zu. bildet die Schlosserei und Dreherei, den mittleren die Formerei und Dreherei, den hinteren, auf der Westseite die Gießerei. Mit der Verlegung der Eisengießerei von der Friedrichshütte nach Oaubach wird eine Industrie verpflanzt, die vier Jahrhunderte lang, abges hon von den Störungen durch den 30jäbn- ycn Krieg, an der oberen Horloff ihren Standort behauptet hatte. Berctts um die Mitte des 16. Jahrhunderts war hier ein kleiner Hoch- oder Blauofen in Betrieb. Um 1580 wurden dort gußeiserne Oefen, das Stück zu 7 Gulden im Durchschnitt. sowie etwas später sogar gußeiserne Qlm- bohunterlagen hergestellt. Diese Fabrikanlage befand sich an der Stätte, wo später das ausgedehnte Buchenholzlager der chemischen Fabrik war. Das zu dieser Gießerei gehörige Hammerwerk stand zwischen der „Hessenbrücke" an der Detter und Wetterfeld (Hessenbrucker Hammer). Schon im 3ahre 1507 hatte Kaiser Maximilian den Grafen zu Solms das Erz- unb Bergwerkregal gewährt. So finden wir denn noch heute an vielen Slätten der alten ReichsgvasichaftSolms die Spuren von früherem Bergbau. Der dreißigjährige Krieg brachte den Verfall der industriellen Anlagen der Friedrichshütte. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts dachte man wieder an die Belebung des Bergbaues und deS Eisen- mbuRriebetricbeg in der Reichsgrafschaft. Es galt, die gewaltigen Holzmengen rationell zu verwenden. 3m Frühjayr 1706 faßte die reichsgräf- Nche Regierung zu Laubach den Entschluß, ein Hütten- und Hammerwerk zu errichten. 3n den Jahren 1706 big 1707 wurde dieser Entschluß ausgeführL Ende September 1707 wurde her neue Hochofen angeblasen. Die Anlage wurde noch Lern Grafen Friedrich Ernst zu Solms-Laubach .Friedrichshütte" benannt Das Werk entwickelte sich vorerst günstig. 3m 3ahre 1716 verpachtete der Graf jebodj wegen ilnren abil.tät die Hüttenwerke an 3ohann 3akoo Qleu bürget in Orlen- 4>erg. Alm 1717 trat 3oh. Wilhelm Buderus aus Rafsau als Schreiber in den Betrieb ein und errang bald eine lei ende St.llung in der Fabrikanlage. 3m 3ahre 1728 wurde der Pachtvertrag mit Reuburger nicht mehr erneuert Pächter wurde der Hüttenverwalter 3ohann Wilhelm 'Buderus. Diese Familie behauptete sich in der Pacht der Friedrichshütte bis 1870, verlegte jedoch um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Sitz nach Hirzenhain und ließ den Betrieb der Friedrichshütte durch Verwalter führen. 1870 pachtete 3ultus Rbncheld den Hüttenbetrieb auf 3 3ahre und überließ ihn dann feinem Bruder Adolph in DachL Der Hochofenbetrieb lohnte jedoch nicht mehr, und tteshcclo beschränkte sich Adolph Röm- Held 1878 auf den Cupolenosenbelrieb. Roch im 3abre 1870 errichtete der „C h em i s ch e D « l ei n" ttSitz Mainz) eine HolzverkohlungSanlage. die sich sehr gedeihlich entwickelle. Dieser Betrieb wurde jedoch vor zwei 3ahren einäest-llt Der Betrieb der Eisenaießerci wurde nach dem Tode von Adolph Römheld (1924) in eine Gesellschaft rn. b. H. umgewandelL an deren Spitze Philipp Römheld, der Sohn jenes Adolph Römheld. stehL Vor zwei Jahren beschloß dieser, die Eisengießerei nach Laubach zu verlegen. SXefer Beschluß ist nunmehr ausgeführL Die Friedrichs- Hütte, wo gegen 125 Arbeiter beschäftigt wurden, 17 G^' D, lr—--------— Siegfried Fritz Stern Beate Stern geb. Strauß Vermählte Mannheim C7,15 Gießen Trauung: Sonntag, 30. Dezember 1928,130 Llhr, im Hotel Schütz ri,i,..i.ii..riT..tinn.-............................ 09033 Ihre Verlobung geben bekannt Liefet Mecky August Bergener Uffhofen Mheinhessen) Glichen 30. D^ember 1928 Luise Huber Wilhelm Grölz Verlobte Äeuern Mainzlar Sonntag, 30. Dezember 1923 00037 Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Hans Helfrich und Frau Mia geb. Fischer Gießen (Hotel Victoria), 29. Dezember 1928 Für die uns anläßlich unserer goldenen Hochzeit erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Friedrich Opper und Frau Meseck, den 26. Dezember 1928 U465D Für Silvester Heute Tanz-Abend Voranzeige: Montag, 31. Dezember Große Silvester-Feier mit Tanz Gesellschaftsanzug erbeten. 1.Janu r 1929 Neu-Jahr-Tanz-Abend 09046 Verjüngungsmittel mannigfaltigster Art werden jetzt von vielen Seiten angepriesen, das beste ist jedenfalls dasjenige, das die Gebrechen des Alters gar nidit erst auf- kommen lässt. Wer regelmässig täglich seine Flasche Nährbier (Alleinhersteller Hackerbräu München) trinkt, wird über vorzeitigen Verfall der Kräfte nicht zu klagen haben, denn es gibt nichts, was diesem köstlichen Haustrunk an Nährkraft gleichkäme. Moderne Beleuchtung 29.- wUIH’llUW Gefütterte la Seidenschirme* 35 0 400 500 550 Sämtl. 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Januar 1929, nachmittags 5 Uhr, in der Neuen Aula der Universität — Fünftes Konzert — Wilhelm Backhaus (Klavier) - Beethoven-Abend Sonate op. 13 (Pathetique) — op. 53 C-Dur (Waldstein) — op.57 F- Moll (Appassionata) — op. 111 C-Dur Der Bechstein-Konzertflügel ist aus dem Pianolager R. Schönau, Seltersweg 91 Eintrittskarten: Mk. 5.00, 4.00 und 2.50 bei Emst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten Mk. 1.50 bei Herrn Wo beschließen wir bas alte Zahr? ÄnKwen Neuenweg 28 Gtimmungskonzert — Vockbier im Anstich sowie gepflegte Export, und Pilsener Biere, imsod Ml! Graf Zeppelin Ober den Ozean unä zurück Lichtbilder - Vortrug, gehalten von Philipp Lenz, Bord-Elektriker auf L.Z. 127 In Klein-Linden am Samstag, dem 29. Dezember 1928, abends Sl/4 Unr, im Gasthaus „Zur d< utschen Eiche“ In Großen-Linden am Sonntag, abends 8’^ Uhr. in dem >aale «les Gastwirts >chau ■>. o*»? Verstärkte Kapelle z Jazzband I1424D Löwen-Drogerie W. Kilbtoger Nacht Seltersweg 79a 1I46ID Cafe Amend Q Silvesterfeier Medizinal 11479A Zur Grog- und Punschbereitung: Rum und Arrac in reicher Auswahl Düsseldorfer Punsche • Liköre u. Weinbrände aller führenden Firmen Süd-und Medizinalweine »Weine aller Weinbaugebiete aus eigener Weingroßhandlung • Schaumweine sämtlicher ersten Firmen hdl**™ Hermann Elges Seltersweg 68a Sonntag von 12-6 Uhr geöffnet Zu Silvester Brezeln, Kreppet Berliner PiannMmSMneller empfiehlt in bekannter Güte Bäckerei, Konditorei u. Cale Karl Sommer Bismarckftraße 26 / Fernsprecher 939 Drucksachen aller Art X? JÄ'S'Ä. >ie vrühl'sche NniverfitSts-vrvckerei, B. Cong«, Giefttn, Zchnlstr. 7 Nr. 505 Drittes Vlatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 29. Dezember {928 Sine neue Phase des «eMMchen Gummikriegs 3m November wurden die seit 1922 bestehenden Beschränkungen der Rohkcmtschukaussuhr aus den Malayen-Staaten Ceylon und anderen britischen Kolonien (Indien, Britisch-Borneo, Sarawak) aufgehoben; damit tritt der zwischen den Bereinigten Staaten von Amerika und dem Britischen Reich schon seit mehreren Jahren tobende Gummikrieg in eine neue Phase. Lieber die Hälfte der Weltproduktion an Kautschuk wird in den oben genannten südasiatischen britischen Kolonien geerntet und auch die Planin den letzten zwei Jahren kaufte die Firestone Rubber Co. in Libera (Afrika) 1 Million Acre, Ford in Brasilien 6 Millionen Acre plantagefähiges Land. 3n diesem Augenblick der hohen Investitionen des amerikanischen Kapitals erfolgt nun als Gegenstoß der britischen Produzenten, die Aushebung der Ausfuhrbeschränkungen und damit eine Verbilligung des Kautschuks. Eine nähere Liebersicht über die Gewinnung von Rohkautschuk einerseits, dem Bestand an Kraftwagen der wichtigsten Staaten anderer- 6R RJ a.Vv JNDh •Ernte 1927. % og*Ki- IHntMen 1 Wilder 'tinien Hiutsrhuk \W<)ulscbuk • e DER GUMMI KRIEG. VER. v.AK Schlechte Auspizien. Außenpolitische Umschau. Von Dr. OttoLoehsch, o.profesior der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. X l^un i*- nach wochenlangen Verhandlungen das Vorspiel in der Reparationsfroge mit der Formulierung des Auftrages an die Sach- verständigen beendet, wie sie in der Verständigung zwischen Deutschland, Belgien. Frankreich. England. Italien und Japan vom 22. Dezember mitgeteilt wurde. Ein Aus chuß von unabhängigen und an Instruktionen nicht gebundenen Finanz- sachverständigen, auf der anderen Seite von der Regierung ober Reparation kommission. auf unsrer Seite von der deutschen Regierung ernannt, soll die Vorschläge für eine vollständige und endgültige Regelung ausarbciten. Der Ausschuß berichtet an die Regierungen, die in ihrer Stellung dazu und Entscheidung darüber völlig freie Hand haben. Einigen «ich die beteiligten Regierungen darüber, so würde danach eine neue internationale Konferenz den Abschluß bringen. Einigen sie sich nicht oder kommen schon die Sachverständigen, was wir für sehr möglich halten, nicht zu einem einheitlichen Vorschläge, so zieht sich die ganze Verhandlung entsprechend länger hin. Die Vorschläge dieses neuen, zweiten Sachverständigen Komitees, das damit ins Leben treten soll, sollen die Verbindlichkeiten regeln, die „sich aus dem zwischen Deutschland und den Gläubigermächten bestehenden Verträgen und Abkommen ergeben". Das ist immerhin eine beweglichere Formel, als sie Po.ncare vor- schwebte, der ja meinte, die deutschen Jahresleistungen seien bereits endgültig festgesetzt. Aber sie ist lür unser Interesse immer noch zu eng! Sind die Sachverständigen dnnach frei genug für die erste Voraussetzung ihrer Arbeit und für die erste Voraussetzung, daß Deutschland überhaupt sich auf diesen Gang einlassen kann, daß sie nämlich frei und uneingeschränkt zuerst die Leistungsfähigkeit d.r deutschen Wirtschaft und Finanzen zu prüfen haben? Wir brauchen hoffentlich im Gang der Verhandlungen an diese unsere Frage, an dieses unser Bedenken nicht zu erinnern1 Obwohl nun damit eine Verständigung mühselig genug herbcigesührt war, hat sich Poin - card beeilt, sofort wieder seine Position zu betonen. Gleich am selben Tage hat die französische Regieimng noch einmal ver ffen.l chl, daß Frankreichs Bedingungen in den bekannten Redcn Poincarss niedergelegt seien. Poincare versucht Ülso schon zu Beginn der Verhandlungen i)iere festzulegen. Die deutsche Auffafsung ist in der Reichstagsrede Stresemanns vom 19. November dargelegt: eine Lösung nur, wenn sie im Rahmen unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bleibt, und volle Gntschlie- hungsfretheit Deutschlands, wenn das neue Gutachten der Sachverständigen vorllegt. Zum Materiellen sei heute nichts weiter gesagt, als der Hinweis auf die neue französische Idee, die Iahreszahlungen Deut chlands i n zwei Teile zu teilen, einen, der die Schulden der Alliierten an Amerika decken solle (was zugleich England zufriedenstellt) und den anderen, der für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete dienen solle. Mobilisiert oder kommerzian tert soll jetzt gleich der zweite Teil werden, während man für den ersten Teil warten würde mit dieser Operation, bis das ganze Problem der interalliierten Schulden gelöst sei. Für dielen Plan gilt zunächst, was für die Idee der Kommerzialisierung überhaupt gilt. Man muß es dem deutschen Volke immer wieder einhämmern, daß 1924 über ein Provisorium entschieden wurde und jetzt über ein De - finitibum, und zwar über ein solches, das, weil die Schuld aus einer Verpflichtung des Staates De. t'chland in eine Anleihe, also dann eine sogenannte private, Anleihe umgewandelt werden soll, nicht mehr abzuändern ist. Man stelle sich irgendeinen Betrag vor, der in Form tagen von Riederländisch-Indien, welche ein Drittel der Weltkautschukernte liefern, stehen zum größten Teil unter britischer Kontrolle. Dagegen befinden sich über drei Viertel der gesamten Rohkautschuk verarbeitenden Gmnmi- industrie der Welt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Gummiinüustrie beschäftigt sich zu 90 Prozent mit der Herstellung von Autoreifen, wobei von den 27 838 000 Kraftwagen der Welt wiederum über drei Viertel, nämlich 22 137 000 Kraftwagen auf die Vereinigten Staaten entfallen. 2luf diese Weise ist die Gummi- und Autoindustrie der Vereinigten Staaten von Amerika fast vollständig von der Kautschukproduktion von Südostasien abhängig, was von den Produzenten in den letzten Jahren weidlich ausgenutzt wurde. Der Pfundpreis von Gummi, der infolge der Vergrößerung der Erzeugung, dank dem erweiterten Absatzmarkt (Aufschwung der Autoindustrie) in der Nachkriegszeit auf 13 Cent fiel, schnellte, nachdem 1922 die Ausfuhrbeschränkungen (hohe Verzollung des Kautschuks) des sogenannten Stevenson Actes, für das Britische Reich eingeführt wurden, auf 1 Dollar 23 Cent, also auf das Elfsache. Das amerikanische Gummi- und Autokapital versuchte dieser Verteuerung durch Errichtung von eigenen Plantagen aus dem Wege zu gehen: einer solchen Anleihe in Amerika ausgenommen worden wäre und dessen Stücke nun überall in der Welt Anlagepapiere sind! Das ist dann in Wahrheit eine Last, die nicht mehr abzuändern ist, der gegenüber es dann nur die Alternative gibt: entweder sie tragen, auch wenn es über oie Krast ginge, oder den Zinsendienst einstellen, was gleichbedeutend fein würde mit Zusammenbruch des eigenen Kredits und bann auch der Währung. Das ist die furchtbar schwere Entscheidung, die jetzt heraufzieht, und darauf ist immer und immer wieder hinzuweisen. Nun wundert man sich auch hier, mit welcher Naivität in solchen Plänen die Franzosen über das Geld — des amerikanischen Kapitalisten verfügen. Denn, was immer zu betonen ist, die ganzen Operationen sind ja überhaupt nur mög'ich, wenn der arnerikani che Markt derartige deutsche Anleihen aufnimmt! Die Entscheidung liegt absolut in der Hand der Amerikaner. Rechnet vielleicht Poincarö damit, daß seits vermittelt unsere Karte und die folgende Tabelle: Gewinnung von Rohkautschuk im Jahre 1 927. Tonnen Malahische Staaten (britisch) 245 880 Riederländisch-Indien 233180 Ceylon 56 900 Sawarak (britisch) 11180 Dritisch-Indien 10160 Französisch-Indochina 7 620 Dritisch-Nord-Borneo 7110 Brasilien (nur Wildkautschuü 28 450 übrige Gebiete mit Plantagenkautschuk 7 620 übrige Gebiete mit Wildkautschuk 9 140 617 240 Bestand an Kraftwagen im Jahre 1927. Tonnen Vereinigte Staaten von Amerika 22 137 000 Groß-Britannien 1 148 000 Frankreich 891 000 Canada 820 000 Australien 375 000 Deutsches Reich 369 000 Argentinien 223 000 —■OMYnHmr~nw-' ■mF*r es ihm gelingen könnte, die amerikanischen Vertreter einschließlich des ReparationZagenlen zu gewinnen, einzufangen und zu überreden, wie es Clemenceau mit Wilson gelungen ist? Eine sehr ernste Frage ist damit gestellt und eine sehr große Aufgabe der deutschen Führung und Diplomatie! Es ist keine Frage, daß Amerika sich an diesem neuen Sachverständigen-Ausschuß beteiligen wird. Es ist weiter absolut selbstverständlich, und man könnte sich in den Zeitungen die Erörterungen darüber sparen, daß natürlich Nordamerika sich offiziell, als Regierung und Staat, ebensowenig beteiligt, wie es das 1923/24 getan hat. Die Männer, die aus Amerika kommen, kommen als private Sachverständige, unabhängig von ihrer Regierung, aber selbstverständlich mit ihr in enger Fühlung, genau so, wie jeder der anderen Sachverständigen in engster Fühlung mit seiner Regierung steht. Das ganze ist eine wirtschaftliche und finanzielle Arbeit, aber selbstverständlich mit den größten politischen Hintergründen. Man kann weiter annehmen. daß die Männer, die aus Amerika zu dieser neuen und schwierigen Arbeit kommen, sich über das Wesen der Sache ebenso klar siird, wie über den Gang, den sie nehmen soll. Schwerlich wird irgend jemand aus der amerikanischen Finanz, *fcer daran mit arbeitet und der Europa genau kennt, glauben, daß der Dawesplan, wie er 1924 sestgestellt wurde, auf unabsehbare Zeit durchführbar ist, daß Deutschland insonderheit die „Normallast" von 2,5 Milliarden Mark über 1929 hinaus tragen kann und daß Deutschland, wie auch die Regelung dann zustande komme, den Transferschutz entbehren könne. Aber ausdrücklich sei davor gewarnt, zu glauben, daß damit nun Deutschland, seiner Regierung und seinem Volke, bei diesen Verhandlungen gewissermaßen von Amerika ein Ruh wissen bereitet sei, auf dem wir uns behaglich niederlassen könnten. Ohne die ganze zielbewuhte und bis zum Letzten entschlossene Mitarbeit und den entsprechenden Willen Deutschlands werden die amerikanischen Vertreter ihre Linie nicht durchhalten kömienl Von Tag zu Tag aber wächst die Sorge, daß die Voraussetzungen und Notwendig l e i t e n auf unserer Seite für eine solche Zusammenarbeit, für die zielbewußte und ent* schlossen«: Vertretung unserer Interessen in der Reparativnsfrage nicht vorhanden, noch nicht gegeben sind. Wir wollen oftmals Gesagtes nicht ausführlich wiederholen. Aber von Tag zu Tag wird wohl überall klarer, wie Deutschland die Aufrollung der Reparationssrage mit dem Genfer Kompromiß vom 16. Dezember ungenügend vorbereitet über den Kopf gekommen ist, und wie begreiflicherweise — hat die deutsche Vertretung, die in Genf das Kompromiß sich abeingen ließ, denn das nicht gewußt? die Mitarbeit Nordamerikas gerade in diesen entscheidenden Vorlereitungsmona'en durch die Präsidentenwahl gehemmt war. Selbstverständlich hat doch jeder, der drüben in der Reparationsfrage etwas mitzusagen hat, sich zunächst zurückgehalten, bis die Wahl entschieden hatte. In Amerika existiert die seltsame Einrichtung — das hat die deutsche Vertretung in Genf int September auch gewußt —, daß der neugewählte Präsident erst am folgenden 4. MäiR fein Amt antritt, erst bann sein neues Kabinett bilbet und das die bis dahin weiter Amtierenden, Präsident und seine Staa.s- fefretäre, den und die Nachfolger in öen ganz großen Fragen gar nicht binden können. Es ist daher ziemlich belanglos, was heute Präsident Cvolidge in dieser Frage sagt. Entscheidend kommt es auf Hoover an, der jetzt von Südamerika zurückkehrt. Don ihm weih man nicht, wen er zum Finanzminister und zum Außenminister machen wird und seine Gesamtvorstellungen über Schulden und Reparationsfrage sind auch nicht aller Welt bekannt. Wie soll aber mit diesen „Llnbekannten" in der Rechnung die amerikanischen Vertreter bis in den MLrz hinein in dem neuen Ausschuß das ganze Gewicht ihres Staates einsetzen, wie es damals beim Dawesplan bei Fall war? So beginnt unter ungünstigen und schwierigen Vorzeichen, nun nachdem das Vorspiel zu Ende ist, das Drama. Wir sind nicht Zuschauer, sondern wir sind verantwortliche Mitspieler in diesem entscheidenden Kampfe, der das Jahr 1929 bestimmen wird. Lind wir wiederholen: nach unserer Lieberzeugung ist Deutschland dafür noch nicht genügend vorbereitet und gerüstet. Nur in schwerer Sorge kann jeder, der sich überhaupt die Mühe gibt, in die ungeheuer verwickelte und im Grund doch wieder recht einfache Reparationsfrage einzudringen, auf das blicken, was darin von deutscher Seite in den letzten Monaten geschehen und nicht geschehen ist. und was darin heute geschieht unb nicht geschieht! Lieber dieser wichtigen Frage treten die deutsch-russischen Verhandlungen in der öffentlichen Aufmerksamkeit zurück. Aber sie sind wirtschaftlich, und noch mehr politisch von großer Bedeutung, und darum begrüßen wir es, daß am 21. Dezember die erste Phase in Moskau, wie es scheint, günstig und positiv zu Ende gegangen ist. Der neue Botschafter, Herr v. D i r cf- einer Art von Stilleben der Bildwirkerei entwickeln sich die sogenannten „fßeririiren", die Pflanzen, Blumen und Früchte roibergeben und schon seit dem 15. Jahrhundert auch hie und da als Hintergrund für Wavpendarstellungen dienen. Die kirchliche Glasmalerei findet in Deutschland noch zur Zeit der Spätgotik ihr Ende in bedeutenden Leistungen wie dem Vokkamer-Fenster der üo- renzkirche und dem sogenannten Maximiliansfenster der Sebalduskirche zu Nürnberg. Hingegen schreitet die niederländische völlig neuen Zielen zu, die sie in ihrem idealen Stil und in chrer Renaissance- Ornamentik ganz an die Seite der Wcmdteppiche führen. Für die Glasmalerei wird Antwerpen zum Vorort. Als Kartonzeichner erscheinen auch hier wieder Dernaert van Orley und seine Schüler Pieter Coecke van Aelst und Michiel Cocxie, deren Erfindungen ebenso wie die der Wandteppiche eine freie Weltlichkeit verraten. In das Bürgerhaus findet die Glasmalerei durch die gemalten Scheiben Eingang. Holbein hat manche Vorlagen zu solchen gezeichnet, und dank seinem Vorbild ist diese Gattung in der Schweiz besonders beliebt geworden. Dem Stil der Architektur folgen die Arbeiten in Holz. Mit reichgeschnitztem Schmuck werden Cbor- gestühl, Täfelungen, Möbel aller Art, wie besonders Schränke, versehen, in Deutschland und den Niederlanden, ebenso wie in Frankreich, wo die Möbel im Stlle Heinrichs II. eine starke Verwandtschaft mit der Dekoration eines Jean Goujon zeigen. Für Deutschland sind Prunkschränke, zur Auf- bewahrung von Kostbarkeiten und Raritäten aller Art bestimmt und in der prachtvollsten Art verziert, besonders bezeichnend. Zu einer außerordentlichen Bedeutung gelangt die Goldschmiedekunst in allen drei führenden Ländern des Nordens. Von der Spätgotik führt hier eine stark bewegte Entwicklung, an der Künstler wie Dürer, Holbein. Flöt- ner, durch Entwürfe teilnehmen, zur Renaissance. Pokale, Kannen, Schüsseln, Tafelaufsätze, selbst Herrscherkronen von großem Reichtum der Dekoration werden geschaffen. Welcher weite Weg wird hier von der edel einfachen Naturalistik der Spätgotik, etwa des Bechers Maximilians I., bis au dem vielseitigen, neuerlich auch auf die Natur und selbst auf ihre getreue Absormung zurückgehenden Renaissancestil, etma von Wenzel Jammnitzers prächtigem Merkelschen Tafelaufsatz, durchlaufen? Schmuck- E'tänbe aller Art verraten eine ähnlich fort- mde künstlerische Gesinnung von weltlicher ng. wodurch eine Art von Romantik der Naturliebe entsteht. An die Spitze unserer Bemerkungen über das Kunstgewerbe stellen wir 9Banbteppid)e und Glas- gemäloe. Beide Gattungen möchten aber wohl eher der hohen Kunst zuzurechnen sein. Ihnen fehlt freilich notwendigerweise, da die entwerfende» unb aus- führenden Hände verschieden sind, die Eigenhändigkeit, was aber immer ebenso bei der Architektur, vielfach bei der Plastik und hie und da selbst bei Malerei und Graphik der Fall ist. In gewissem Sinne vertritt im Norden die Kunst der Wandteppiche die hier seltene Monumentalmalerei und gelangt, besonders in den Niederlanden, während des 16. Jahrhunderts zu einer sehr hohen Blüte. Während noch in den Niederlanden des 15. Jahrhunderts Tournai die Vorherrschaft auf diesem Gebiete innehatte, geht diese zu Anfang des 16. Jahrhunderts an Brüssel über, bas von nun an den Mittelpunkt der niederländischen Bilbwirkerei bilbet. Die Entwürfe werben fast immer von bekannten Malern geschaffen, und ber Stil der Gattung entwickelt sich daher fast gleichlaufend mit dem der Malerei. Schon um die Wende des Jahrhunderts zeigt sich hier, ähnlich wie etwa in den Schöpfungen Quinten Metiys' (der übrigens auch einige Entwürfe für Bildteppiche geschaffen zu haben scheint), in Komposition, Bewegung und Ausdruck eine Art von Befreiung, und bald danach bringen einzelne Renaissancemotioe auch in biefe Gattung ein. Die Technik erhebt sich zu einer unnachahmlichen Vollendung, außer den bunten Wollfäden, die die bildmäßige Modellierung bewirken, werden Metallfäden, besonders aus Gold unb Silber, verwendet, die mit ihrem schimmernden Glanze den figürlichen Kompositionen einen gewissen Reiz von Unwirklichkeit verleihen. Dank Ser Anregung, die von Raffaels Teppichen ausgeht, die in Brüste! gewirkt werden, entsteht ein neuer Jdealstil, der in seiner großartigen Bewegtheit die Wandteppiche beherrscht unb in ihnen zu einem höheren Ausdruck gelangt, als in ber Malerei. Als Zeichner der Kartons für Folgen von großen Tapisserien, die, sechs bis zwölf an ber Zahl, zum Schmuck von Sälen im In- unb Auslande verwendet werden, sind vor allem die Maler Bernaert van Orley, Pieter Coecke van Aelst, Jan Vermeyen, Michiel von Cocxie zu nennen. Einen besonders reichen Schmuck erhalten die Bordüren, die bald mit allegorischen Gestalten, bald mit Blumen und Früchten, bald mit reinen Ornamenten, verziert werden. Zu Das Kunstgewerbe im 16. Jahrhundert. Soeben erscheint im Propyläen - Verlag, Berlin, als Band X der Propyläen - Kunstgeschichte „Die Kun st der Renaissance in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, us w." von Gustav Glück. Das Werk behandelt die stolzeste Epoche der ganzen deutschen Kunstgeschichte — das 16. Jahrhundert. Die Namen Dürer, Grünewald und Holbein allein würden genügen, um dem mit besonders reichem Abbildungsmaterial und vielen mehrfarbigen Tafeln ausgestatteten Bande bas ganz befanbere Interesse, selbst bes breitesten Publikums, zu sichern. Wir geben hier — mit Erlaubnis bes Verlages — eine Probe aus dem Werk: Eine starke Vorliebe für Kunstgewerbe und Kleinkunst war schon zur Zeit der Spätgotik am Hofe der Herzöge von Burgund vorhanden, unb die Golbschiniebekmist stand hier in hoher Blüte, was wir, mehr noch als den oorhcmbenen wenigen kostbaren Stucken, den — freilich oft etwas einsilbigen — Beschreibungen in Inventaren zu entnehmen vermögen. Diese Neigung wächst mit ber zunehmenden Verweltlichung der Künste und ihrem Eindringen in bas Priocckhaus. In allen nördlichen Ländern ist dies der Fall, besonders aber in Deutschland, wo das Kunstgewerbe von der Mitte des 16. Jahrhunderts an neben der Graphik geradezu die Führerrolle unter den bildenden Künsten übernimmt. Die Prunkliebe der Fürsten, Adeligen und wohlhabenden Burger vermehrt noch die Nachfrage nach reichverzierten Möbeln und Hausgerät aller Art. Große Künstler wie Dürer und Holbein verschmähen es nicht, Entwürfe für Kleinkunst zu liefern. Der Stil ist zumeist beherrscht von einer mehr idealistisch gerichteten Gesinnung, welche — vielfach mit Hilfe des kräftig eingreifenden Ornamentstichs — die der italienischen Renaissance und der Antike nachgebildeten Dekorationsformen zu hoher Pracht entwickelt. Dazu kommt noch als eine wichtige Nevenerscheinung ein kräftig naturalistischer Zug, welcher zmn Teil aus dem spätgotischen Geschmack fußt, zum Teil im Anschluß an dis italienische Renaissance bis zur mechanischen Absormung von Tieren, Pflanzen und anderen Dingen geht. In den Goldschmiedearbeiten spielt auch die Technik des Emails eine nicht unwesentliche Rolle. Als besondere Gattung wie sie schon früher in den Schmelzarbeiten von Limoges auf getreten und bildet sich in den Arbeiten der Limousin und Cour- teys dem neuen Stile folgend weiter. Von Ton- arbeiten entstehen, auch in Frankreich, die köstlichen Fayencen von St. Porchaire mit ihren edlen Zierformen, und Bernhard Pakissy schasst in seinen Schüsseln, die zumestt mit nach der Natur abge» gossenen Tieren und Pflanzen geschmückt sind, einen neuen Zweig des Kunftgewerbes. Diesen französischen Arbeiten in Ton vermögen die Deutschen chre reich aufgebauten und verzierten Kachelöfen und ihre eigenartigen Krüae vorzüglich rheinischen Ursprungs, die Niederländer hauptsächlich ihre im Floris-Äil gehaltenen Antwerpener Majoliken gegenüberzustellen. Hochschulnachnchten. Drei neue Privcrtdozenten habilitierten sich an der Frankfurter Universität: in der medizinischen Fakultät Dr. med. Helmut Mommsen. Assistent an der Kinderklinik, für das Fach der Kinderheilkunde: in der Wirtschafts- und sozial- wissenschaftlichen Fakultät Dr. jur- et phil. Julius Kraft für das Fach der Soziologie und Dr. Friedrich Pollock für das Fach der Volkswirtschaftslehre. — Die naturwissenschaftliche Fakultät der Llniversität Frankfurt a. M. hat den praktischen Arzt Dr. med. Oskar Bernhard in S t. Moritz, den Begründer der modernen Heliotherapie, zum Ehrendoktor der Naturwissenschaften ernannt. Dr. Bernhard genießt seit langer Zeit in medizinischen Kreisen eine besondere Verehrung. Für die Naturwissenschaft erschloß Bernhard durch seine erfolgreich« Ausnutzung des Hochgebirgskllmas ein ganz neues Forschungsgebiet, das Studium der Sonnen» und Hlmmelsstrahlung, wie überhaupt die Dioklimatologie. Diese Forschung hat besonders in Frankfurt a.M. eine Pflegestatte gefunden. Der nichtbeamtete a. o. Professor an der Uni* versität Leipzig Dr. phil. Paul Hermberg hat einen Ruf auf eine außerordentliche Lehr- 1 stelle in der Wirtschaftswissenschaftlichen Abtei-« lung der rechts- und wirtschal iSwls,-nschaftllch«1 5aMW ber Universität Sena «halten. f c n, der an Stelle des verstorbenen Grafen Rantzau nun das schwere Amt in Moskau übernimmt, hat die Aufgabe, die weiteren Fragen, die noch schwieriger sind als die bisher behandelten, )u lösen. Er kennt die Verhältnisse und das Gelände ausgezeichnet und bietet die Gewähr dafür, daß die bisherige Linie weiter eingehalten wird. Es dreht sich dabei nicht nur um die bekannten Fragen des Wirtschaftsver- kehrS oder des Kredits und dergleichen. Es dreht sich um sehr große politische Zusammenhänge! Die Sowjetregierung blickt gespannt nach Washington und erhofft von dein neuen Präsidenten und seinen Mitarbeitern die diplomatische Anerkennung und die große wirtschaft- li'che Zusammenarbeit mit Amerika, nach der sie sich sehnt. Andererseits sind unzweifelhaft die Faden zwischen Vertretern der russischen und englischen Wirtschaft wieder ausgenommen. Auch hier ist es nicht nur der wirtschaftliche Gesichtspunkt, der Druck der City und der Wirtschaft, die fürchten, daß mit der jetzigen englischen Politik gegen Rußland das ganze Feld dort endgültig an die Amerikaner und die Deutschen verlorengeht. Etwas spielt dabei auch mit der politische Gesichtspunkt, das Verhältnis zu Amerika, das die englische Politik im abgelaufenen Nähr so heillos verfahren und gefährdet hat und dos nicht mit ein paar freundlichen Reden wiederherzustellen ist. Wirtschaft. Oie Bankabschlüffe. Die nächsten Wochen stehen bei den Banken im Zeichen der Arbeit für die Ausstellung der Iahresoilanzen über das Jahr 1928. Die Troß- bonkabschlüsse interessieren nicht nur die Aktionäre und andere unmittel.ar Beteiligte, sondern auch die breitere Oeffentlichkeit, weil sich in ihren Zahlen die wt tschaftliche Entwicklung und der Tätigkeitsgrad der gesamten Wirtschaft besonders eindringlich widerspiegeln. Was die Dividende Aussichten der Großbanken onbclangt, so ist wohl damit zu rechnen, daß von allen Großbanken die Dividendenzif- f er n deL Vorjahres gehalten werden, schon weil Prestigegründe zu einer stabilen Divi- dendenpolilik zwingen. 3m allgemeinen hat man den Eindruck, daß diese stabile Dividendenpolitrk um so berechtigter ist, als die Gewinne des Jahres 1928 denen des Jahres 192? durchaus gleichkommen werden, obgleich es im Jahre 1928 andere Kosten gewesen sind, als in den Jahren 1926 und 1927, die diese Gewinne abwarfen. Das Jahr 1927 ift für die Banken ein ausgesprochenes Llebergangsjahr zur normalen geschäftlichen Tätigkeit und Entwicklung gewesen, nachdem das 3ahr 1926 infolge seiner Sonderkoniunktur auch bei den Banken Sondrrgewinne gebracht hatte. Die Auswirkungen des Jahres 1926 hielten bis zum Mai des Jahres 1927 an, und die Banken konnten damals im Börsen- und Emissionsgeschäft große Gewinne erzielen. Bereits in der zweiten Hälfte 1927 trat eine grundlegende Aenderung ein. Das Kontokorrentgeschäft nahm bedeutend -ui, und am Ende des Jahres 1927 konnten die Banken feststellen, daß die durch den Ausfall des Börsen- und Emissionsgeschäfts verloren gegangenen Gewinnmöglichkeiten im regulären Geschäft, weim man so sagen will, ausgeliehen werden konnten. Eine Beurteilung der Gewinnmöglichleiten des Jahres 1928 kann natürlich nicht an der rückgängigen Konj unktu rbewe- flung, die uns das 3ahr 1928 gebracht hat, und deren Auswirkungen in der zweiten Hälfte stärker hervorgetrcten sind, vorübergehen. 3n der Ookomotivi'.dustlie, im Schilfbau, im Steinkohlenbergbau und in manchen Teilen der Textilindustrie find sogar Depressi -nserscheinungen zu verzeichnen. Anderstes gibt es aber eine ganze Reihe von Teilgebieten der Wirtschaft, die im Lahre 1928 eine ziemlich rege Tätigkeit, zum Teil sogar lebhafte, au-zuweisen hatten, so die Elek- trizitätsi.dustrie, die chemische Industrie, der Braunkohlenbergbau und vor allem das Dau- aewerbe. Die wichtigsten älmsatzziffern der deutschen Wirtschaft (Wagengestellung der Reichst ahn, Arbeitslosenziffern) zeigen, daß sich auch im Lahre 1928 reiche Detätigungsmöglichkeiten für Handel und Industrie, damit auch für die Banken boten. Alles in allem kann man also wohl sagen, daß sich das gewerbliche Kreditvolumen bis zum Herbst d. IS. ständig ausgedehnt hat. Diese Tatsache, verbunden mit der vorhandmen Tendenz zur Zinssatzsteigerung, hat den Danken Mehreinnahmen geschaffen, die das Fehlen von Schi der gewinnen im Jahre 1926, die in 1927. wie oben gesagt, bedeutend geringer waren als 1926, mehr als ersetzen. Der Abstieg der Konjunktur toni je sich ferner ohne Zweifel viel rascher vollzogen haben, wenn nicht der immer» währende Zufluß von Auslandgeldern die Ge- schaftstätigkeit stkrs von neuem belebt Hütte. Auch hieran Haven die 'Banken verdient. Hinzu kommt, daß die Fi lanzierung beä Außenhandels, der bekanntlich die 10-Milliarden°Grenze und die Vorjahrszahlen überschritten Hal, erhebliche Mittel der Danken beanspruchte. Unter diesen Umständen wird man bei einzelnen Banken wohl nicht fehlgehen, wenn man sogar größere Gewinne als im Vorjahre annimmt. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. In der Berichtswoche beschränkte sich die Dörsentätigkeit in Anbetracht der Weihnachtsfeierlage auf drei Tage, an denen naturgemäß die Umsahtätigkelt außerordentlich gering war. Es machte sich weiterhin die denkbar größte Lustlosigkeit und Zurückhaltung bemerkbar. Von einer Beteiligung sowohl des Auslandes. als auch des privaten Publikums konnte wieder nicht die Rede sein, und der andauernd herrschende Ordermangel drückte wieder stark auf die Stimmung. Der Ultimo veranlaßte einige weitere Realisationen seitens dec Spekulation, wobei das wenige an den Markt kommende Material nur zögernd ausgenommen wurde. Die Tendenz neigte daher im allgemeinen eher weiter etwas zur Schwäche: Kursrückgänge erheblicheren Ausmaßes konnten jedoch vermieden werden. Ein starkes Moment der Zurückhaltung war der von Reichsinnenminister Severing gefällte Schiedsspruch für die nordwestdeutsche Eisenindustrie, der an der Börse geteilte Aufnahme fand. Meist war man sich jedenfalls über feine voraussichtlichen Auswirkungen noch vollkommen im unnaren. Ferner trug die Ungewißheit über das Ergebnis der Auffichtsratssihungen im Siemenskonzeru eine gewisse Unsicherheit in den Börsenverkehr. Als dann die 14prozentige Siemensdividende und die Höhe des Reingewinnes bekannt wurde, war man vielfach in seinen hochgespannten Erwartungen enttäuscht. Man hatte auch ein etwas aus schlußs icheres Coin- munique erwartet. Doch war wohl der Hauptgrund für die nunmehr einsehenden Abgaben in Elektrowerten die Tatsache, daß der Anreiz des Unbekannten in Wegfall tarn. Verschiedentlich konnte man nun Taufchoperationen von Elektrowerten gegen I.-G.» Farben feststellen, für die man weiterhin die bekannten Dividendenerhöhungshoffnungen hegte. Mit einiger Unsicherheit sah man dem Jahresultimo am Geldmärkte entgegen. Zwar betrachtete man die Vorbereitungen dazu, wie sie auch in den Monatsbilanzen der Großbanken zum Ausdruck kamen, für ausreichend, doch namentlich seitens der öffentlichen Stellen war der Geldbedarf unverändert groß. Am Privatdiskontmarkt nahm das Angebot von Tag zu Tag zu, doch wuroe das Material zunächst zu unverändertem Satz ausgenommen. Schließlich ließ sich aber eine Erhöhung des Satzes um //8 Prozent auf e8/« Prozent nicht mehr berme.öen. Jedenfalls wollte man in dem klar ersichtlichen Bestreben, den Prioatdiskont- satz niedrig zu halten, verschiedentlich die Absicht der Aeichsbank erkennen, zu Beginn des neuen Jahres den Reichsbankdiskont zu senken, wie es schon einige Zeit von verschiedenen Stellen gefordert wird, um den weiteren Rückgang der Konjunkturentwicklung etwas aufzuhalten. * • D i e Hessische Landesbank — Staatsbank — in Darmstadt empfiehlt im heutigen Anzeigenteil ihre reichsmündelsicheren 8Vo°Gvld-HyPothekenpfandbriefe und 8°/0- . Gvld-Schüldverschreibungen zur Kapitalanlage. x * Hessische E i s e n b a h n - A.»G., Darmstadt. Die auf den 18. Januar 1929 einberufene außerordentliche Generalversammlung der Hessischen Eisenbahn - A.-G. soll Beschluß fassen über die Aufnahme von Darlehen in ausländischer Währung (Amerika-Anleihe) gegen Ausgabe von Jnhaber- Teilschuldoerschreibungen und die hypothekarische und anderseitige Sicherstellung der Darlehen. * Einlagen statt st ik der Preußischen Sparkassen im November. Nach der „Deutschen Sparkassen-Zeitung" betrug in Millionen Mark bei den preußischen Sparkaisen der Bestand der Spareinlagen Ende November 4217,0, der Zuwachs im November 107,8, die Einzahlungen 347,5, die Rückzahlungen 239,7. An Giro-, Scheck, Kontokorrent- und Depositeneinlagen betrug der Bestand Ende November 925,5, die Einzahlungen im No- oember 2200,7, die Rückzahlungen 2180,5. Verlängerung des Zementverbandes. Die Verhandlungen über die Verlängerung des Zementoerbandes über den 31. Dezember 1928 hinaus haben zu dem Ergebnis geführt, daß der Verband zwar verlängert worden fft, jedoch in Anbetracht der ungeklärten Verhältnisse wiederum nur auf die Dauer eines Jahres, d. h. bis zum 31. Dezember 1929. * D i e Reparationsaufträge derPhi- lipp H o lz m a n n - A. - G., Frankfurt a. M. Die kürzlich gemeldeten Verhandlungen über größere Reparationsaufträge für die Philipp Holz- mann - A.-G. Frankfurt a. M. find, wie der Fwo. erfährt, vor einigen Tagen zum endgültiaen Abschluß gekommen. Es handelt sich außer früheren Aufträgen hier um die Arbeiten am Aisne-Oise- Kanal, die Holzmann gemeinschaftlich mit der Firma Etablissement Fougerolles in Paris nasführt. Das Objekt beläuft sich auf etwa 17 Millionen Mark. Der dritte große Reparationsauftrag steht, wie der Fwd. noch hört, unmittelbar vor dem Abschluß. Die Verhandlungen darüber werden augenblicklich in Paris geführt. Dabei handelt es sich um die Ausführung von Hafenarbeiten, dis gleichfalls ein mehrfaches Millionen-Objekt bar» stellen. • Köln-Reuessener Bergwerksver- et n, Essen. Zur derzeitigen Geschäftslage wurde in der gestrigen Generalversammlung ausgeführt, die Verhältnisse auf dem Kohlenmarkt hatten in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres eine wesentliche Aenderung nicht erfahren. Die Förderziffern seien ungefähr dieselben wie in den beiden letzten Monaten des Vorjahres. Rur der Rovember weise etwas bessere Ziffern auf. Das Bezeichnende bei dieser Entwicklung sei, daß der Absatz im unbestrittenen Gebiet start nachgelassen habe unb der Ausgleich hauptsächlich in einer Verstärkung des Absatzes im bestrittenen Gebiet gefunden worden sei, so daß der Absatz in das umstrittene Gebiet im Verhältnis zum Gesamtabsah sich ungefähr so gestellt habe, wie er vor der durch das Syndikat borgenommenen Abdrosselung gewesen sei, nämlich auf 47 Prozent. Man setzte also fast die Hälfte nach Gebieten ab, wo die ab Mainz beschlossene Kohlenpreiserhöhung überhaupt nicht in Frage kommt. Die Folge fft, daß sich diese Preiserhöhung auch nur zur Hälfte auswirken farm. Darüber hinaus aber würde die Lage dadurch außerordentlich ungünstig beeinflußt, daß alle Lohnerhöhungen die Gesellschaft besonders stark treffen, in der Lohnanteile auf den Selbstkostenpreis eine weit größere Rolle spielten, als in fast allen anderen Industriezweigen. Rechne man dieselben Ausgaben, die mit der Höhr der Arbeitslöhne anteilmäßig steigen, also die Beiträge zur Knappschaft, zur Derufsgenossenschaft, zur Erwerbslosettsürsorge und die Lohnsummensteuer hinzu, so betrage der zur Zeit von der Lohnhöhe abhängige Anteil der Selbstkosten über 70 Prozent. Gegenüber solchen Verhältnissen zur Zeit einen Ausgleich zu finden, fei sehr schwer. Er sei nur durch Maßnahmen ntäglich, die tm Interesse des großen Ganzen besser unterblieben. Zu diesen Maßnahmen zähle die Abdrosselung des Auslandabsatzes. Man bringe dadurch den Durchschnittserlös in die Höhe, man müsse aber als unerwünschte Folge eine geringere Förderung und dadurch Arbeiterentlassungen und Einleguitg von Feierschichten in Kauf nehmen. Man dürfe sich nicht verhehlen, daß die Verhältnisse, wie sie sich in der letzten Zeit herausgebildet hätten, den Ruhrbergbau auch weiterhin vor größte Schwierigkeiten stelllen. * Bayrische Motorenwerke A.-G., München. Dir Bahr. Motorenwerke A.--G., München, haben, wie der Auto-Pressedienst mitteilt, allein durch die auf der Berliner Automobilausstellung getätigten Abschlüsse bereits einen erheblichen Teil ihrer Produktion für 1929 verkauft. Das im Jahre 1928 durch den Dau großer Hallen und eine eigene Versuchsrennstrecke erweiterte Werk ist voll beschäftigt. Ab Frühjahr 1929 ist das neue 750 eem-Modell in Stahl- preßrahmen-Aussührung lieferbar. Auch über die Produktion der kürzlich von BMW. erworbenen Dfti-Werke ist bereits jetzt für 1929 zu großen Teilen verfügt. AranLsurter Börse. Frankfurt, 29. Dez. Tendenz freundlich. Bei Eröffnung der heutigen Samstagsbörse machte sich wieder eine freundlichere Haltung bemerkbar. Der feste Schluß der gestrigen Neuyorker Börse blieb nicht ohne Einfluß auf die Stimmung, doch waren die Umsätze sehr bescheiden, da sich das Fehlen von Auslandorders störend bemerkbar machte. Auch war von einer Beteiligung der Bankkundschaft am Börsengeschäft nur wenig bemerkbar, so daß sich die Spekulation äußerst reserviert verhielt. Das Geschäft beschränkte sich nur auf Spezial- werte, die zeitweise etwas reger verlangt waren. Die Tendenz erfuhr eine weitere Befestigung, da der verhältnismäßig flüssige Geldmarkt und die glatte Ueberwindunq des Ultimos allgemein günstig beurteilt wurden. Im Vordergrund des Interesses standen vor allem Kaliwerte, da hier bei der am 10. Januar stattfindenden Generalversammlung günstige Ergebnisse erwartet werden. Auch der bisherige günstige Geschäftsgang bei den Kaligesellschaften fand gute Beurteilung. Aschersleben lagen 4 o. H. und Westeregeln 4,5 v. H gebessert. Am Elek- tromarft machte sich besonders für Rheinische Elek- trijität mit plus 4,75 v. H. lebhaftere Nachfrage be« merkbar. Auch die übrigen Werte dieses Marktes konnten 2 v.H. gewinnen. Farben lagen bet verhältnismäßig kleinen Umsätzen 1 v S) erhöht. Scheideanstalt eher angeboten. Lebhaft und bis etwa 4 v H. gebessert waren noch Reichsbank, Waldhof und Holzmann, letztere auf erneute Reparationsaufträge. Von den übrigen Werten ist im allgemeinen nur wenig zu berichten, doch gingen die Kursbesserungen überwiegend bis 1,5 v.H. gegen- über der gestrigen Abendbörse. Vernachlässigt lagen Norddeutscher Lloyd und am Automarkt Daimler. Am Rentenmarkt waren die Umsätze beschränkt. Ablösung ohne Option konnten etwas an zieh em Von Ausländern Türken angeboten und etwas schwächer. Nach einer vorübergehend kleinen Abschwächung wurde es im Verlaufe weiter etwas fester. Das Ge schäft war jedoch sehr klein, und es kamen nur noch Abschlüsse in den bevorzugten Werten zustande. Nur Rheinische Braunkohlen wurden lebhafter verlangt und waren erneut 4,-5 v. H. gebessert. Auch die übrigen Werte lagen weiter etwas erhöht. Nur J.-G.- yarfaen waren etwas schwächer und aageboten. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1958, gegen Pfund 20,3790, gegen Paris 124/)5, London gegen Kabel 4,8565, Madrid 29,78, Mailand 92,74, Holland 12,0775. Bc uer Börse. Berlin, 29. Dez. Wie gewöhnlich an Sams tagen, war das Geschäft auch heute äußerst gering. Orders lagen nur wenig vor. Die Spekulation zeigte auch weiterhin zögernd Neigung, neue Engagements einzugehen. Für einige Spezialwerte bestand wieder etwas Interesse. Die feste gestrige Neuyorker Börse stimmte trotz des immer noch steifen Tagesgeldes doch eher freundlich. An vorliegenden Momenten war vor allem die gestrige Hoesch-Generaloerfammlung zu erwähnen, die nicht gerade günstig aufgenommen wurde, da aus dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, daß der Auf. tragsbestand gegen das Vorjahr zurückgegangen ist. Auch die Stöhr-Generalversammlung rief Verstimmung hervor, da man der Ansicht ist, daß die Aktionäre größere Vorteile aus der Freigabe hätten erwarten dürfen. Am Montanmarkt sprach man von der heutigen Nachricht, daß ein europäisches, Kohlenkartell geplant sei, dagegen verstimmten aber die rückgängigen Eisenpreise. Die ersten Kurse waren meist 1 bis 2 o. H. höher, vereinzell waren aber auch, besonders am Montanmarkt, kleine Rückgänge festzustellen. Neichsbank waren auf angeblich holländische Käufe fast 6 v.H. höher und ziemlich lebhaft. Sehr fest lagen Kali Westeregeln, die 12 v.H. anzogen, dagegen waren Salzdetfurth vernachlässigt. Am Elektromarkt waren Rheinisch-Westfälische Elektrizität und Rheinische Elektrizität A.-G., Mannheim, 4 bis 5 o. H. höher. Auch Gesfürel waren etwas gefragter. Holzmann konnten etwa 3 v. H. anziehen, ebenfalls Schlickert und Salzer, Danatbank und Spritwerte. Deutsche Anleihen lagen fest. Ausländer ebenfalls eher befestigt. Zolltürken 0,5 v. H. höher. Der Pfandbrief- markt war bei großer Geschäftsstille uneinheitlich. Der Geldmarkt war noch nicht ganz zu übersehen. Tagesgeld stellte sich auf 6,5 bis 8,5 v. H Nach den ersten Kursen wurde es zettwellig etwas schwächer, später aber wieder allgemein fester. Rheinisch-Westfälische Elektrizität gewannen erneut 2,25 v. H., Chadeaktien. Salzdetfurth, Westeregeln und Waldhof 2 v. H. Ablösungsschuld für Neubesitz zogen bei weiter lebhaftem Geschäft an. Rundfunkprogramm. Sonntag, 30. Dezember. 8,30 bis 9.30: 'Juocsenfeier, veranstaltet von der Freireligiösen Gemeinde. 11 bis 11,3ft Eltern- stunde. 11,30 bis 12: Stunde der Jugendbewegung: „Die Jugend und der Friede", Vortrag von Dr. Otto Reinemann. 12 bis 13: Bruckner- Zyklus III: Dritte Sinfonie in O-Moll. 15,30 bis 16,30: Stunde der Jugend 16,30 bis 18: Konzert des Rundfunkorchesters: Operiunusik. 18 bis 19: Stunde des Landes. 19 bis 19,30: Sport- Nachrichten. 19,30 bis 20: Stunde des Rhein- Mainifchen Verbandes für Volksbildung. 20,30: Alte Gassenhauer, Reue Schlager. Darauf bis 0,30: Tanzmusik. Montag, 31. Dezember. 6,30: Morgen -ym.rasttt. 12,30 ois 13,30: Schall- Platten-Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 1555 bis 16,05: Haus- frouendienst. 16,05 bis 17,15: Konzert des Rundfunkorchesters. 17,15 bis 18,15: Von Kassel: Geistliche Silvester-Feier. 18.30: Vom Frankfurter Opernhaus: „Die Fledermaus", Operette in drei Akten von Johann Strauß. Anschließend: „ES geht auch anders", eine Funi-Revuc. 23,45: Reujahrs-Ansprache an die Rundfunlhörer. 24: Funk- Reportage: Silvester-Betrieb auf den Frankfurter Straßen. Darauf bis 1: Von Berlin: TcmzmusiL Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren ange'übrten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlosfenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Frankfurt a. M Verlin Schlich-l Rur» । l.Ufjr. Rt'rs 2ch,uh Kur» Aniang flut* Dtrtimt 28 12. 29. 12. |28 12. ) 29 12. 6% Di R-lchsanleihe o 1927 87,3 — VLb" _ t>t am -Ablrt.-Schulv mü au» lvl -Rechten * — »2.7i 32.8 Lt^g! ohne au£lo).-Sed)tt . • 14,76 14,5 14,5 7 :„ Hyp.-Bi wolbpf. en lesbar bl* 1932 90 — — 4 y,'iRljetirtldie Hyp.-Banl Stau- Ololtpf. 80,75 — * — B.e « ab» Bcrfrteo#»Ot>Hfl 10 IM 300,5 296 Rdtoed Gelibethttil • • 16 534 533 533 3 ® ,yarbrn-3n6uttie Dynamit Nobel . . U . 6 71.75 :72,?ö 71,75 872.5 Sätet be an ft alt . . . M • A . 9 188 urt.5 ■ Gsldlchmtd! , t « • a A . » 97.5 - 97.7- ^7 7 j Rütfterflmerte . • • Mk.a!chelell!ch^r. . « • e A . • 106 107 106.25 106,75 • • • U 195 JraubSurt a. TO Berlin Schluhft Kurs 1-Uhr. Rurs Sch.ub Rur» Anfang Rurs Datum: 28. 12 29. 12 | 28. 12. | 29. 12 Philipp Hofmann petbelberger Cenieut Semem Rarlftabt Waytz 4 Freilos . . Schultheis PoHmhoft Cfrroede 8?et. eianitofl . . Bernberg ... ZellKofs Daldhol . Zellstoff A'chirffenbm LharloNenb :ger ®a< Deftaucr ®o_i Daimler TOoloten . Demag . . übler®erft Slroer . Lubm. Loewe . Rat. HntomobO . . Ctenftehi 4 Roppd Leonhard Xlee vamag^steguiu . . Frank!'. TOaidrtnei . Brihner . . Hegligenftaed! . . ffungbane . . , geduoerte . » , TOalnhaftroede . » 52 lag . . • «elanulmet . . , Gebt. Roeder . . Loigi 4 haeffuer . 6üoo. Zucker . - .....7 .... 10 . .... 8 . . . . 10 S . . . 15 . . . . 12 . . . . 18 . . . . 14 . . . 12 ... 12 ifa . . . 7 .....8 .....0 .....0 *••*.& . . . . 10 . . . . . 0 ...... . . 6 . . . 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Uno arische Roten Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,11 168,21 -1.89 UL 8 58.93 2.M 112,20 80,88 68.11 12,386 72.92 —5tanfe*rl Auszahl R7T; 168.89 21,97 112,12 69,17 2,54 ll2,i 4 81,20 8.39 12.446 73.22 o. rn. u ng. 28. Dezember 29 Dezemb r Änttliche Noti run^i Ämrliche Notierung 'Hcld Brm' iÄeld Sner 3mft.- Ron 168,61 168,90 168,54 168,88 Bnen^Stre-o Liu2 1, Ul, 94 LU.16 stopcnbaaen 111,92 112,14 112.04 112,.6 eiortbolm Ipeliinflfort. 112.51 112,73 112.34 112.56 10,53b 1O.55S 10,54.5 lO.oiö fttciun . . . 21.95 21.99 21,955 21,995 tzon 0 on. . . 20,363 20.40, 20, ot 40.4U Weunort . . 1,1930 1.201« 1,19 5 4.20 Li Pari«.... 16.41 16.45 1..405 16.143 Schweiz . . .0.96 1.12 •U.83 it.ül Spanten • 8.39 »8.53 8.41 08.55 yavan 1.934 1,926 1.932 ’Hio de tlan •.49&j 0.5005 '498 ■ .500 ®ien tn D-- '9,wo »3,07 »9,19 £tft abaefi >-9,lo Prag *2.426 12.44^ 12,43 U-.45 tkljrab <,3W 7.402 7,38. 7,397 Bndavest. • «ul arten '3,11 <3,e5 •3,14 73.28 ,029 ,,ou» ,029 »,U34 t'tfiabon Uj.5, 18.57 18.57 18.61 Danrto Dl.42 61.58 ,1.42 1.58 flonft-Hrin e,068 2.072 2.068 -.072 Atben ».425 5,435 5.425 5.435 Ccmada 4.181 1.189 4,184 1.192 hoi aaq . 4.27b 4.284 4,276 4,284 Wn .. . e0.88 20,12 10,872 -0.912 Auch in Ihren Apparat gehören W 10137V U nur die bekannten VALVO -Röhren! 2.-15. 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