Ur. 281 Erstes Blaff 178. Jahrgang Donnerstag, 29. November 1928 £r|$ e ed noch weitere 320 Millionen Ausgaben voraus sehen. Frankreich ist auch gezwungen, die Verteidigung feiner Grenzen zu verstärken. Dis jetzt ist in dieser Beziehung beinahe nichts getan worden. KneßSminister painleve erklärte, man habe Ziffern angeführt, die nicht nur in Frankreich, sondern auch im Auslande eine gewisse Erregung ausgelöst hätten. 3n Wirklichkeit würde die Zahl der Streitkräfte des Heeres mit einjähriger Dienstzeit um 130 000 Mann hinter denen des Heeres von 1913 zurückbleiben. Aach Abzug der Ausgaben für das Desatzungsheer, das von Deutschland bezahlt werde, und nach Abzug der Kosten für die Tlnterhckltung der Kolonialtruppen, die in den früheren Budgets nicht unter dem Kriegsbudget aufgeführt worden seien, komme man auf eine Dudgetziffer von 7305 Millionen für 1929. Selbst unter Hinzurechnung der Kosten für die Befatzungstruppen käme man bei einem Papiersrankenbudget von 7800 Millionen auf ein Goldfrankenbudget von 1560 Millionen, also 20 Mill, mehr als 1913, Painlevs betonte, man habe Unrecht, wenn man den ftriegeminifter in Gegensatz zu bringen suche mit dem Außenminister. Er habe sich stets mit dem Auhenminister in voller Uebereinftimmung befunden. Lr habe mit Vriand zufammengearbeitet, als Frankreich in Genf das Friedenvprotokoll vorgefchlagen habe, er habe mit ihm zusammengearbeitet, als er den Locarnopakt unterzeichnete, keine Maß- nahme fei getroffen worden, ohne vollständige Uebereinftimmung beider Minister, (poincars ruft dazwischen: „Aller Minister!") PainlevL erllärt schließlich, es sei notwendig, die neue Grenze zu organisieren. Aoch nichts sei getan worden. Die französische Militärpolitik entspreche der Politik von Locarno. Frankreich wisse, daß seine Ohnmacht eine Ber- suchung darstellen würde. Gewiß werde ein Tag kommen, an dem ein Krieg zwischen zwei europäischen Staaten ebenso unwahrscheinlich erscheinen werde, wie zwischen zwei amerikanischen Staaten. Aber dieser Tag sei noch nicht gekommen. Frankreich bewahre seine nationale Verteidigung, seine Friedensstruktur. So stelle seine Berteidigung im Frieden einen Damm gegen die Lleberschwemmung dar. Es sei nicht möglich, diesen Damm zu zerstören, solange die Lleberschwemmung noch kommen könne. Abgeordneter D a l a d i e r erklärt bann im Aamen der Radikalen Partei, daß der Aufbau des französischen Heeres nicht den Lehren des Krieges Rechnung trage, wie es deutscherseits geschehe. Dem Einwand, die Militärausgaben zugunsten einer Erhöhung der sozialen und wirtschaftlichen Ausgaben zu vermindern, werde man den Grundsatz entgegenstellen, daß die nationale Sicherheit vorgehe. Gewiß! Aber die Erfahrungen hätten bewiesen, daß die Dichtigkeit des Eisenbahnnetzes, die Tüchtigkeit und Produktionsfähigkeit der Fabriken für die nationale Berteidigung von größter Wichtigkeit seien. Man stehe am Vorabend schwerer und heikler Verhandlungen. Man möge daran denken, daß Präsident Eoolidge erklärt habe, eine neue Anstrengung Amerika» könnte nur gleichzeitig mit einer neuen Herabsetzung der Rüstungen ins Auge gefaßt werden. Gewiß könne man als Gegenargument die militärischen Ausgaben Amerikas anführen. Richls- destoweniger aber fei es wahr, daß Amerika die Regelung der großen Probleme, mit denen man sich beschäftige, gebiete. Beim gegenwärtigen Stande der internationalen Politik könne Frankreich ohne Gefahr seine Rüstungen herabsehen. Marschall Fach habe sogar erklärt, daß man die Kölner Zone räumen könne. Man habe den Locarnopakt, den Kelloggpakt und viele andere Pakte abgeschlossen. Entweder bedeuteten die diplomatischen Verträge nichts oder sie Itützten die Sicherheit Frankreichs nicht, sondern eien nur ein Vorwand für offizielle Reden. In liefern Falle handele es sich um eine recht g e - fährliche Heuchelei, die schließlich die Entrüstung der Hintergangenen Volksmassen nach sich ziehen werde. Aber die Regierung selbst habe doch erklärt, daß die geschloßenen Abmachungen eine Steigerung der Sicherheit bedeuteten. Deshalb glaube er, daß man zusammen mit den anderen, die die heeresreform vorbereitet hätten, und in Zusammenarbeit mit ihnen zu einer Beschränkung der Rüstungen werde gelangen können. Oie deutsche Gefahr. Der Vorsitzende des heeresousschusies der Sammer, der Abgeordnete Oberst Fabry (Rep.-dem. Linke) lenkte die Aufmerksamkeit auf die Beachtung der Grenzdeckung während der ersten Sriegs- wochen, damit im Jnlande in aller Sicherheit die fi raffe organisiert werden konnten. Frankreich würde zur Grenzdeckung am Mobilisierungstage 240 000 Mann, eingeteilt in zwanzig Divisionen, bereit haben, denen 140 000 Mann durch die Verträge erlaubteR e i ch s we h r t r u p p e n gegen- übcrstehen würden, zuzüglich 110 000 Mann Schutzpolizei, Streitkräfte, die in Europa nicht Ihresgleichen hätten, weil jeder Mann Gruppenführer sei oder sogar noch einen höheren Rang bekleide. Diese 250 000 Mann könnten rasch aus 4 0 0 000 Ma an erhöht werden. General von Seeckt habe die Reichswehr so organisiert, daß sie beinahe sofort entscheidende Schläge aus- führen könne, um den Krieg in drei Wochen zu entscheiden. An dem Tage, an dem der deutsche Generalstab sich in der Lage glaube, den Krieg in drei oder vier Wochen zu regeln, würde eine sichere Gefahr vorliegen. Er frage daher, ob es nicht möglich sei, die Anzahl der französischen Divisionen herabzusehen, sie aber näher an die Grenze;» legen. Die unverzügliche Rheinlandräumung würde er begrüßen, aber ihr mühten gewisse Verhandlungen voraufgehen. Solange Frankreich im Rheinland stehen werde, werde Deutschland dies nicht zum Schlachtseid machen wollen. MeEmbemsimgderRepMtioMKmßäMseii. OieRolle derReparaiionslommission. — Englands Antwort ans dieBerlinerNote London, 29. Rov. (2BIB. Funkspruch.) Ein französischer Korrespondent de» „Daily Telegraph" meldet aus Paris zu den Reparafionsverhandlun- gen: Am Dienstag hat der britische Botschafter auf dem Quai d'Orsay formell vorgefchlagen, dah In Zukunft zwecks Erleichterung der Verhandlungen die fünf beteiligten Regierungen England, Frankreich, Italien, Belgien und Japan den notwendigen Meinungsaustausch untereinander In Paris vornehmen sollten. Kurz gesagt, es wird erwartet, dah P o i n c a r 6 schliehlich Vorschläge entwirft, die die Ansichten der Mächte verkörpern und die von jeder der Mächte bei Beantwortung der deutschen Rote benutzt werden. Die» bedeutet aber nicht, dah eine Kollektlvnofe nach Berlin gesandt wird. Es scheint, dah die britische Regierung keinen Einwand gegen die formelle Ernennung der Sachoer st ändigen durch die Reparationskommission erheben würde, vorausgesetzt, dah die deutschen Delegierten in dem Ausschuh vollkommen gleichberechtigt sind. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" sagt: Der britische Antwort- enfwurf auf die deutsche Rote vom 30. Oktober ist das Werk Churchills und des Schatzamtes und nicht des Foreign Office. Ls verlautet, dah die Antwort kurze und direkte Antworten auf die fünf in der deutschen Rote erwähnten Punkte enthält. Sie vermeidet es aber, zu sehr auf Einzelheiten einzugehen, um dadurch nicht gewissermaßen geringere Unterschiede zwischen dem britischen und dem deutschen Standpunkt, bzw. zwischen dem deutschen Standpunkt und dem der anderen alliierten Regierungen unnötig hervorzuheben, und dadurch eine Verzögerung herbeizuführen. Als Ort der Zusammenkunft der Sachverständigen wird jetzt von Parker Gilbert und den anderen Persönlichkeiten Paris bevorzugt. Es wird gehofft, dah die Meinungsverschiedenheiten wegen der von der Reparationskommission zu spielenden Rolle unverzüglich erledigt werden können, da sie mehr technischer Art und nicht von wesentlicher Bedeutung ist. Meinungsverschiedenheiten. P a r i s, 29. Rod. (WTD Funkfpruch.) Pariser Morgenblätter charakterisieren den Entwurf der Antwortnote, den die englische Regierung in der Frage des Zusammentritts der Sachverständigen- konferenz der französischen Regierung hat übermitteln lassen. Sie meinen, dah es sich mehr um eine Auszählung der Punkte handele, in denen London und Paris nicht einig seien. So behauptet das „Echo de Paris", die Sfische Regierung habe dem Quai d'Orsay ein- । ein. E^poss darüber überreicht, nach welchen ichtspunkten die Antwort an Deutschland erteilt werden könnte. Es sei jedoch nicht allzu kühn, zu behaupten, daß zwischen dem englischen und dem französischen Standpunkt bedeutende Verschiedenheiten bestanden. Erst wenn diese Meinungsverschiedenheiten be" gelegt seien, werde die Antwort an Deutschland erteilt werden können. Aexe SeiniihiiiWn um eine Menverständigung. Schon nach dem Scheitern der Genfer Abrüstungskonferenz schien es ziemlich aussichtslos, zwischen den Bereinigten Staaten und England eine Verständigung über eine Rüstungsbeschränkung zur See herbeizuführen. Wenn dennoch vielleicht irgendwelche Möglichkeiten vorhanden waren, beide Rationen später einmal an den grünen Tisch zu bringen, so sind sie endgültig durch das Dekanntwerden des englisch-französischen Flottenkompromisses zunichte gemacht worden. Das hat denn auch zu einem Vorprellen der Washingtoner Regierung in der Richtung der Schaffung einer riesigen Kriegsflotte geführt, wie sie die Welt noch niemals gesehen hat. Das bereits vorliegende Flottenprogramm ist aber dem amerikanischen Parlament noch nicht vorgelegt worden weil man sich augenblicklich darüber streitet, ob es nicht zweckmäßiger sei, zuerst an die Ratifizierung des Kelloggpaktes heranzugehen. Die Befürworter einer starken amerikanischen Marine fürchten aber, daß dann das allgemeine Interesse an Ler Flo .enaufrustung re t?ren gehen und vielleicht ein Teil des Flottenprvgramms ins Wasser fallen könnte. In diesem Augenblick hat nun der Vorsitzende des Marineauöschus.es des Repräsentantenhauses, Admiral Britten, dem englischen Ministerpräsidenten Baldwin den Vorschlag gemacht, dafür einzulreten. dah sich Mitglieder des Unterhauses mit Angehörigen des Repräsentantenhauses trä,en, damit die Parlamentarier denWegzueinerVerständigung ebnen können. Die amerikanische Presse ist über diesen Schritt Drittens sehr ungehalten, ihm wird vorgeworfen, dah er sich über die Regierung hinweg mit einer auswärtigen Ration in Verbindung gesetzt und somit gegen das Gesetz verstoßen habe. Dritten hat aber sicherlich vorher mit Washington Fühlung genommen, so daß man wohl annehmen darf, dah die Regierung der Vereinigten Staaten jetzt noch einmal einen letzten Versuch unternimmt, um die Engländer dazu zu bringen, sich mit ihnen zu ver- ftänfrigen, Oie Aktion Brittens. Bon der komischen Seite genommen. London, 29. Rod. (WTD.-Funlspruch.) Der liberale Abgeordnete Kenworthy wird am Montag im äln.el.haus den Premierminister fragen, welche Antwort er auf das Telegramm des Vorsitzenden des amerilanischen Ma.iaeausschus- ses, Admiral Dritten, erteilen werde, der, wie bekannt, eine Zusammenkunft des von ihm geleiteten Ausschusses und eines Ausschusses des englischen äln.erhuuses zur Erörterung der Frage der Seerüstungen angeregt hat. Der Washingtoner Berichterstatter der „Times" meldet: Dei den amtlichen Stellen Washingtons hat die Anregung Drittens Verblüffung hervorgerufen. Den Presseverlre- tetn gegenüber wurde es in gereiztem Tone abgelehnt, sich über diesen Vorschlag zu äußern. Der Derichterstatter weist daraus hin, daß es nach dem Strafgesetz eine Strafbare Handlung ist. ohne Ermächtigung der Regierung direkt oder indirekt mit anderen Regierungen oder fon,Ilgen am lichen S.el- len in Verbindung zu Ire en, um die auswärtige Politik einer fremden Regierung zu beeinflussen. Der Derichterstatter schlieht, der Vorschlag Brft- tens werde zwar nicht von Eoolidge, Kellogg und den Marinebehörden, aber sonst allgemein von der komischen Seite genommen werden. Pazifismus und Wehrhastigkeit. Neichswehrminister Grocner über die Zukunft von Heer und Marine. Berlin, 28. Rov. (Privatmeldung.) 2n der Deutschen Gesellschaft hielt Reichswehrminister (Sroencr einen Vortrag, den er mit einem Rückblick auf die Kämpfe um den Panzerkreuzer einleitete. Die Gegner des Panzerkreuzerbaues seien mit ihren Gründen zu sehr an der Oberfläche geblieben. Wenn einer der Artikelschreiber den Sah prägte: „Die Lebensinteressen des Reiches lassen sich durch ein paar Panzerkreuzer nicht verteidigen," so könne er darauf nur erwidern, dah daran auch niemand denke, daß es sich vielmehr nur um eine Verstärkung der Landmacht handeln könne. Jedenfalls fei der neue Panzerkreuzertyp eine hervorragende Leistung. Er könne mit keinem anderen zur Zeit aus dem Meere schwimmenden Kreuzer verglichen werden. Ausgezeichnet fei d ie Disziplin bei der Marine, die aus freiem Geist und freiem Willen geboren werde, ebenso das harmonische Verhältnis zwischen Heer und Marine, wie man es in Friedenszeiten nicht gekannt habe. Der Minister beschäftigte sich dann mit unserer Reichswehr, für deren Ausbau man noch heute dem ersten Reichspräsidenten Ebert dankbar sein müsse, der damals nach der Revolution das sogenannte „Volksheer" a b g e l e h n t habe. Der Minister verweilte einige Zeit bei den Waffengattungen, die durch den Weltkrieg eine gewaltige Vermehrung erfahren haben: Flugzeuge, Kampfwagen, Gas usw. Von dem sog. chemischen Krieg halte er nicht viel, er bestehe nach seiner Ansicht mehr in der Literatur. Welche Stellung der L u f t k a m p f in der Strategie einnehmen werde, sei noch unklar. Zum Schluß seiner Ausführungen betonte der Minister nachdrücklich, daß er auf dem Boden eines gefunden Pazifismus stehe, der auf dem Wehrwillen und der Wehrhaftigkeit basiere, wahrend der ungesunde Pazifismus im Unterwerfungswillen und Wehrlosigkeit bestehe. Dieser ungesunde Pazifismus mußte zum ideellen Landesverrat führen, der in den Folgeerscheinungen sehr viel schlimmer fei, als der materielle Landesverrat. Ebenso wie vor dem ungesunden Pazifismus muffe er auch vor dem Illusionismus warnen, der auf der U e b e r f d) ä t - zung der ideellen Kräfte beruhe. Die Ein- drücke, die der Minister auf feinen mehrfachen Truppeninfpektionen gewannen habe, ließen sich dahin zufammenfaffen, daß die guten Eigenschaften der alten Armee noch gesteigert seien. Trotzdem könne man nicht sagen, daß die Reichswehr ein bedrohliches Kriegsinftrument und eine Modellarmee der Welt fei. Diese müsse anders aussehen. Industriespionage und Rheinlandbesetzung. Das Wirken der franzöfifchen (Geheimpolizei WSR. B e r l i n , 28. Rov. Die Deutsche Volkspartei hat eine Interpellation im Reichstag eingebracht, in der es heißt: „In einem bei dem Landgericht Frankenthal schwebenden Strafverfahren ist durch das übereinstimmende Geständnis zweier der Angeschul- digten ermittelt worden, daß Beamte der S ü r e t e (der geheimen französischen Polizei im besetzten Gebiet) dauernd bemüht sind, von wichtige n chemischen Verf a hren , mit denen die I.-G.-Farbenindustrie A.-G. und deren Unternehmungen zur Zeit sich beschäftigen, ein» ge hend Kenntnis zu erlangen. Es besteht für diese Industriespionage ein besanderer Dienst, dessen Leiter mit den militärischen und anderen Dienststellen des französischen Desatzungsheeres in Verbindung steht. Die 'Beamten der öürete versuchen sich an die Beamten und Angestellten derjenigen Werke, gegen die sich die Industriespionage richtet, heranzumachen. Die Spionage erstreckt sich in der Hauptsache auf die besonders wichtige neuartige Entwickelung auf dem Gebiete des Kohlenverflüssigungsverfahrens und des Hochdruckverfahrens. Es ist bekannt, welch außerordentlich wichtiger Wert für die deutsche Volkswirtschaft gerade in dieser neuesten wissenschaftlich-technischen Arbeit der deutschen chemischen Industrie ruht. Wenn also die französische Regierung erklärt, die Besetzung des Rheinlandes diene ihr nur als ein Pfand für die Erfüllung des Dawesplanes, so beweist das Verhaften der „Sürete" in diesem Falle, dah im Rheinland weit darüber hinaus- gegangen und die Machtstellung dort dazu benutzt wird, um der deutschen Wirtschaft schwerste und dauernde Schäden zuzufügen. Was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um an maßgebender Stelle dahin zu wirken, daß eine weitere Fortsetzung der von den Desatzungsbehörden im besetzten Gebiet ausgeübten Spionage alsbald unterbunden wird?" Oer Fehlbetrag im Reichshaushalt. Berlin, 29. Rov. (Priv.°Tel.) Rach einer Meldung der ,D. Z." macht das Gleichgewicht für den kommenden Reichsyaustzalt noch immer einige Sorgen, obwohl es inzwischen dem Reichs- sinanzminister durch Abstriche gelungen sei. den rechnungsmäßigen Mehrbetrag b.r Ausgaben ron 600 Millionen Mark auf fast 3 0 0 Milli o n e n M a r k Herabzudrücke n.T tefer Betrag jedoch könne nur durch Steuer er Höhungen aufgebracht werden. Hier fei vornehm- lich eine Heraufsetzung der Steuersätze für Bier und Wein in Aussicht genommen. Die Widerstände gegen eine Erhöhung der Umsatzsteuer seien so ftarf und so groß, daß man davon Abstand nehmen werde. Eine Kommunalabteilung im Reichsinnenministerium. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers",) Berlin, 29. Rov. Wie wir hören, ist man im Reichsinnenministerium entschlossen, entsprechend einer früheren Aeutzerung Herrn Deve- rings, dem alten Wunsch der Städte nachzu- kommen und im Reichsinnenministerium eine besondere kommunalpolitische Abteilung zu schassen. Zu den bisher bestehenden drei Ministerialdirektorenstellen soll im neuen Eiat eine vierte Stelle angefordert werden, die der Minister unter allen Umständen durchdrücken will. Ein Vertreter des Deutschen Städtetages sitzt zwar heute schon in dem AeichSivneumi^isterium, aber seine Position ist außerplanmäßig. In der neuen Abteilung, für die zunächst die Spitze geschaffen werden soll, werben darm die ganzen kommunalpvlitischen Fragen endlich vereinigt werden. Für die Städtepolitik ist damit ein großer Fortschritt erzielt, der sich besonders bei den kommenden schwierigen Verhandlungen um das Rahmengesetz einer R e i ch s st L d t e o r d n u n g für die Gemeinden fruchtbringend auswirken kann. Man erwartet, daß der neue Ministerialdirektor seine Arbeiten, zu denen wahrscheinlich auch d i e Polizeifragen gehören werden, schon zum 1. April kommenden IahreS aufnehmen kann. Bei der Macht, die gerade den Sachreferenten in den Ministerien für ihr Arbeitsgebiet zukommt, und die sie sich meist über alle Wrnisterwechsel hinweg zu erhalten wissen, ist die zunächst scheinbar minder bedeutungsvolle Frage eines neuen kommunalpolitischen Referats unter einem Ministerialdirektor im Innenministerium praktisch von allergrößter Bedeutung. Die Düffeldorser Verhandlungen aus Samstag vertagt. Neue Möglichkeiten für eine Einigung. Düsseldorf, 23. Rov. (WB.) Regierungspräsident Bergemann hat heute mit den Parteien gesondert verhandelt und die Verhandlungen sodann auf Samstag vertagt. Rach einer Meldung der ..Voss. Ztg." hat man wohl deshalb die Verhandlungen in Düsseldorf bis auf Samstag vertagt, weil bis dahin die Frist für die Kündigung des Arbeitszeitabkommens abgelaufen ist, so daß unter Umständen ein neues Schlichtungsverfahren eingeleitet werden könnte, das Lohn- und Arbeitszeitregelung zu gleicher Zeit erfaßte. Voraussetzung dafür wäre natürlich die Zustimmung beider Parteien. Immerhin wird hier ein Weg sichtbar, auf dem es auch den Gewerkschaften ermöglicht würde, ohne Prestige- verlust von dem Schiedsspruch, an dem sie bisher mit Rücksicht auf ihre Mitglieder festhalten mußten, abzukommen. Außerdem gibt dem „Vorwärts" zufolge die Vertagung der Verhandlungen einer Dermittlungsaktion der ReichS- regierung Raum, Ein neuer Schiedsspruch für Hagen-Schwelm. Die Arbeitgeber lehnen ab. Berlin. 29. Rov. (TU.) Wie de »Dossische Ztg." berichtet, wurden die'Rachverhandlungen im Lohnlonftikt für die Metallindustrie des Bezirkes Hagen-Schwelm im Reichsarbeitsministerium nach mehr als 12stündiger Berhand ung am Mittwoch um 23 ä hr been d e t. Mit Zustimmung beider Parteien war e i n neuesSchlichtungsverfahren unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Heuer vom Reichs- arbcitsmi nsterium eingelcitet worden. Hierbei kam unter Aufhebung des Schiedsspruches des Sch ich- ters für Westsa'.en ein neuer Schiedsspruch zustande, der von den Vertretern der Arbeitnehmer sofort angenommen, und des en Verbind.i--k^it°erkl'irung beantragt wurde. Die Arbeitgebervertreter jedoch haben den Schiedsspruch abgelehnt. Dieser Schiedsspruch sieht vor, daß das bisherige Lohnabkommen am 31, Dezember 1928 wieder in Kraft treten, aber sofort eine Erhöhung der Spitzenlöhne um 2 Pf. bringen soll, während nach dem ersten Schiedsspruch diese Lohnerhöhung erst ab 1. Dezember 1929 erfolgen sollte. Oie Unterstützung der Ausgesperrten. Preußen gibt Mißstände zu. - Entsendung einer Kommission ins Ruhrgebiet. Berlin, 28.Noo. (TU.) Das Reichskabinett hat sich am Mittwoch in Anwesenheit des Ministers für Volkswohlfahrt. Dr. H i r t f i e f e r, mit den Richtlinien für die Unterstützung der aus- gesperrten Eisenarbeiter beschäftigt und nach einer Mitteilung des Amtlichen Preußischen Pressedienstes beschlossen, die Beschwerden, nach denen in Einzel- fällen die Unterstützung der öffentlichen Fürsorge und der Gewerkschaften den Lohn der Ausgesperrten überschreiten oder nahezu erreichen sollen, nachzuprüfen und erforderlichenfalls die Richtlinien zur Vermeidung einer solchen Auswirkung zu ergänzen. Zu diesem Beschluß stellt der Amtliche Preußische Pressedienst u. a. fest, daß es nach Paragraph 35 der Reichsgrundsätze und Artikel 3 der preußischen Derord- nung oom 20. Dezember 1924 den Fürsorgeverbänden unbenommen ist, ü b e r d i e Reichsgrund- sätze hinaus Hilfe zu gewähren. Ein solches Hinausaehen kann sowohl tn höheren Leistungen, wie in der Freilassung weiterer Bezüge als der von den Reichsgrundsätzen vorgesehenen bestehen, In der Regel wird allerdings die öffentliche Wohlfahrtspflege bei Arbeitskäm^fen ein solches Hinausgehcn vermeiden, um nicht zu den den Kämpfen zu- arundeliegenden wirtschaftspolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Im Aussperrungsgebiet hatten aber bereits einige Fürsorgeverbände mit Rücksicht auf das weit verbreitete Gefühl einer Rechtsverletzung die Gewerkschaftsunterstützung bei Bemessung der Fürsorgeleistung freigelassen. Nachdem die Fürsorgeverbände teilweise ihrer Befugnis gemäß so ooraegangen waren, hätte eine Richtlinie, die die Anrechnung vorschrieb und die Freilassung verbot, die Rechtslage zuungunsten der Arbeit- Gonderfürssrge für Saisonarbeiter Ein neuer Gesetzentwurf vor dem Reichstag. Berlin, 28. Rov. (DDZ.) Auf der Tagesordnung steht die erste Drraiung des Gesetzentwurfs über eine Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit. Es handelt sich dabei um die sogenannten Saisonarbeiter. Ihnen soll, abweichend von den bisherigen gesetzlichen Bestimmungen die A r - beitslosenunterstühung als Sonderunterstützung gewährt werden, wenn sie nach der Verordnung des Verwaliungsrats der Reichsanstalt aus der versicherungsmäßigen Unterstützung ausgeschieden sind. Zur Dek- kung des Reichsanteils an dem durch die Sonder- sürsorge entstehenden Aufwand sollen für das Etatsjahr 1928 2 8 Millionen zur Verfügung gestellt werden. Das Gesetz soll am 2. Dezember in Kraft treten. ReickBarbeitsminister W i s s e l l begründet die Vorlage: Die berufsüdliche Arbeitslosigkeit hebt sich von der Konjunk^urarbeitslosigkeit ganz deutlich ab. Das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung hat diesen Unterschied berücksichtigt. Der Verwaltungsrat der Rcichsanstalt hat. um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Versicherung nicht äu gefährden, die Höchstbezugsdauer der Änterstühung da eingeschränkt. wo es sich um berujsübliche Arbeitslosigkeit handelt. Mit Ausnahme der Iand- wirtschastlichen Saisonarbeiter, die meist gleichzeitig landwirtschaftliche Besitzer sind, hat es sich als notwendig erwiesen, die arbeitslosen Saisonarbeiter, die den Beschränkungen durch den Verwaltungsrat unterliegen, durch eine Sonderfürsorge zu entschädigen. Diese Sonderfürsorge lehnt sich im wesentlichen an die Einrichtungen der Krisenfürsorge an. Abg. Müller- Lichtenberg (So-.): Die Sozial» demoiiratie kann ihre Zustimmung zu dem vorliegenden Entwurf nicht erklären. Wir hätten gewünscht, daß der Verwaltungsrat der Re! .-anstatt und mit ihm der Minister andere Wege gegangen wären. Wir hätten für die Saisonarbeiter d i e Wartezeit verlängern können. Der Weg der Sonderfürsorge verschiebt die Bezugszeit so, daß die Saisonarbeiter gerade dann nichts bekommen, wenn sie mit Arbeitslosigkeit zu rechnen haben. Im Ausschuß werden wir prüfen, ob sich nicht andere Wege finden lassen, vielleicht durch Erhöhung des jetzigen Höchstbeitrages. Dem Ausschuß müsse auch der Katalog oorgelcgt werden über die von der Sonderfürsorge erfaßten Berufe. Abg. Dr. A g e n a (Dn.) erklärt, das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung habe gerade auf dem flachen Lande die schärfste Kritik erfahren. Die Berechtigung dieser Kritik werde indirekt anerkannt durch die Verlegung des jetzigen Entwurfs, der die üblen Wirkungen des Gesetzes we- nigstens auf einem kleinen Spezialgebiet mildern wolle. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz passe vielleicht für die Großstädte, nicht aber für das flache Land. Es gebe jedem das Gleiche, statt jedem das Seine zu geben. Unter der Wirkung dieses Gesetzes habe die Zählung der Ar- beitslosen auf dem Lande eine Steigerung von 1800 auf 13 000 in wenigen Jahren ergeben. Der vorliegende Entwurf bedürfe großer Verbesserungen im Ausschuß. Die Landarbeiter werden dadurch nicht erfaßt. Wenn sie einbezogen werden, dann werden sie allerdings im Winter lieber die Unter- stützung beziehen als arbeiten. (Großer Lärm links und auf den Tribünen. — Don den Kommunisten kommen Rufe: „Frechheit! Türmen Sie, Sie Lüm- nehmer verschlechtert und ein Eingreifen zu deren Nachteil in dem Arbeitskampf bedeutet. Lieber die Sitzung des Reichskabnretts berichtet das „B. L.": Das Kabinett, dem verschiedene Fälle vocgetragen wurden, in denen die Unter* stützungen der Ausgesperrten teilweise die Höhe der Löhne überschreiten, stellte sich auf den Standpunkt, daß ein derartiges Verfahren auf alle Fälle vermieden werden müsse. Der preußische Wohl.'ahrismiittster Hirtsiefer hat eine eingehende Prüfung dieser Vorgänge und eine sofortige Abstellung zugesagt. Im Reichskabinett kam weiter zum Ausdruck, daß alles getan werden müsse, um den Arbeitskonflikt, dessen Auswirkungen als katastrophal zu bezeichnen sind, schleunigst bei» $ ule gen. Der preußische Wohlfahrtsminister dürfte sich vermutlich noch im Laufe des heutigen Tages nach Westdeutschland begeben, um sich an Ort und Stelle von den Mißständen zu überzeugen und ihre Abstellung zu veranlassen. Wie In pvli.ischen Kreisen verlau et, wird als Ergebnis der Kabinettssitzung eine Kommission von preußischen Beamten ins Ruhrgebiet en sandt, die die Durchführung der Unterstützungsaktion nachprüfen soll. Im Reichstag wird angenommen, daß durch die Entsendung der Beamtenkommission die -zu Tage getretenen Mißstände beseitigt werden und daß damit auch der Konfliktsstoff entfällt, der diese Frage in den letzten Tagen zwischen den hinter der Aeichsregierung stehenden Parteien bildete. Oer Stellenplan vor dem Finanzausschuß. Höhere Schulen und Landesuniversilät. Darmstadt. 28. Rov. (WHP) Der Finanzausschuß des Hessischen Land.ages setzte die Beratung des Stellenplanes beim Kapitel 61 (Gymnasien und höhere Lehranstalten) fort. Auf Antrag der Koalitionsparteien wird hier ein Oberstudiendirektor in Gruppe A 1c zugesetzt. 65 Oberstudienräte und Konrektoren rücken in Gruppe A 2b, davon 19 Inhaber in Gruppe A 2a, und 429 Studiencäte in Gruppe A 2c und d. Die Anmerkungen des Stellenplanes werden gestrichen. Bei den Oberreallehrern und Reallehrern werden zehn Stellen der Gruppe 4 A zugesetzt, so daß 81 Stellen in der Gruppe 4 B verbleiben. Gin Antrag Keller (DDP.), 20 Oberreallehrer und Reallehrer in Gruppe A 3c, 50 in Gruppe 4 A und nur 78 in Gruppe 4 B enuuftufen, wird abgelehnt. Das Kapitel feLbft findet Annahme. Die Kapitel 61 a (A u f ba u s ch u le n), 62 (höhere Bürgerschulen und Höhere Mädchenschulen), 62 a (gewerbliche und kaufmännische Unierrichtsan- ftalten) und 65 (Volksbildung) werden angenommen. Einige Eingaben werden für erledigt erflärt. mell Sie Faulenzer haben keine Ahnung!". — Die Abgeordneten Schmidt-Köpenick (S.) und verschiedene Kommunisten erhalten Ordnungsrufe. Ein Zwischenrufer auf der Publikumstribüne wird entfernt.) Unter großem Lärm der Linken schließt der Redner mit dem Rus, es sei notwendig, die Arbeitswilligkeit zu stärken. Adg. Riesener (Zentr.) bezeichnet die Arbeitslosenversicherung als das Schluhglied in der Kette der großen sozialen DersicherungSwerke. Wenn heute schon eine Rovelle notwendig ist, so sei das verständlich, denn bei einer Zahl von 16 bis 17 Millionen Versicherten könne nicht von vornherein den Bedürfnissen aller Gruppen Rechnung getragen werden. Der Vorschlag des sozialdemokratischen Redners auf Erhöhung der Beiträge werde wenig Anklang finden, denn schon jetzt fei der Beitrag in einzelnen Derufsgruppen drückend hoch. Durch planmäßige Verteilung der Arbeitsaufträge und durch Rotstandsarbeiten auf dem Lande könnte die berufsübliche Arbeitslosigkeit genrilbert werden. Abg. Thiel (D. D.) macht die Sozialdemokraten dafür verantwortlich, daß jetzt schon eine Aenderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes notwendig sei. Diese Rotwendigkeit würde nicht bestehen, wenn sich nicht bei der Beratung des Gesetzes die Sozialdemokraten entschieden gegen jede Berücksichtigung berberufs st andischenGigenarten gewandt hätten. Die von den Sozialdemokraten durchgesetzte Schematisierung habe das soziale Verficherungswerk diskredi iert. Es sei eine Ironie des Schicksals, daß die Wiedergutmachung des von den Sozialdemokraten angerichteten Schadens jetzt von einem sozialdemokratischen Minister versucht werden muffe. Sin« Aenderung des bestehenden Gesetzes sei unvermeidlich geworden. Abg. F r e i d e l (Wirtsch.-P.) weist daraus hin, daß der Voranschlag der Arbeitslosenvev- sicherung weit überschritten worden sei. Den wirklich arbeitenden Elementen seien die Spargroschen durch die Arbeitsscheuen entzogen worden. Auf dem Lande seien die Leute nicht zur Annahme von Land- und Forstarbeiten zu bewegen, weil sie beim Bezug her Arbeitslosenunterstützung weit besser wegkommen. (Anruhe bei den Kommunisten.) Es Lommt auch vor, daß Ortsvorsteher gemeinsam mit den Beziehern der Arbeitslofenunterstühung in ausgedehntem Maße Schwarzarbeit leisten, (älnruhe bei den Komm.) Abg. Schneider -Berlin (Dem.) bezeichnet die Vorlage als eine Rotwendigleit. Würde man in der Arbeitslosenversicherung die Saisonarbeiter mit den übrigen gleichstellen, so wäre das eine Ungerechtigkeit gegenüber den übrigen Arbeitern und Angestellten, die größere Deitragslasten tragen. Rach der Ablehnung einer Sonderversicherung für die Angestellten müsse wenigstens innerhalb der Versicherung der berufs- ständifchen Eigenart der Angestellten durch Sonder bestimmungen Rechnung getragen werden. Der Angestellte, der jahrelang ohne Gegenleistung seine hohen Beiträge zahlt, empfindet es als ungerecht, wenn die Arbeitslosenunterstützung an Maurer gezahlt wird, die landwirtschaftliche Besitzungen von 16 Morgen und mehr haben und die .1928 7*aMs. yweftewtei-Onertef frnero ® weaio. eoedtm # Schutt ♦ tfaupeie «, -tvri K Orwitter.^JwindiWiC-•O' eichter Ost -eassiac- Stidsudwesi $iur*»cnci Rordwes» Ott Pf ent flieoe« mit et» winde Ok or «en staiio*e* iteaendeo zae- Rn QtOta die Temperatur an Pk Linie» verfrade» Ort« «ul gleiche* Ml iKtfeiniveae iMtwauu« urttdrac* Wettervoraussage. Der hohe Luftdruck wird durch dar im Worben liegende Tief mehr südwärts verdrängt. Die an der Vorderseite des Hochs in der Richtung der Isobaren nach Deutschland zufließenden Kaltluftmasien haben bereits Temperaturrückgang gebracht, lassen es aber immer noch zu Bewölkung und vereinzellen leichten Niederschlägen kommen. Der Witterungs« charakter wird sich zunächst wenig ändern, durfte aber später durch den weiteren 2Ibbau des hohen Druckes einen Umschlag erfahren. Wettervorhersage für Freitag: Wolkig mit Aufheile.u.rg, nachts zunächst noch leichte Frostgefahr, später unter Dewöllungszu* nahme milh und zunehmende Riederfch.agSnei- gung. Witterungsausfichten für Sams- t a g: Weiterer Witterungsumschlag wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 28. November: mittags 6,4 Grad Celsius, abends.4>5 Grad Celsius; am 29. Nov.: morgens 2 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 28. November: abends 4,8 Grad Celsius-, am 29. November: morgens 3,8 Grad Celsius. — Niederschlag 0,1 mm. — Sonnenscheindauer % Stunde. Amtlicher Dinlersport-Rachrichlendlensl der Hess. Wetterdienststelle. Sauerland. Winterberg: Leichter Schneefall, minus 1 Grad Celsius, Schneehöhe 27 Zentimeter, Ski möglich. Schwarzwald. Furtwangen: Wolkig minus 3 Grad Celsius, 22 Zentimeter Schnee, Ski und Rodel gut Alpen. Garmisch - Partenkirchen: Leichter Schneefall, minus 1 Grad Celsius, 52 Zentimeter Schnee, Rodel und Ski mäßig. Berchtesgaden: Leichter Schneefall, minus 1 Grad Celsius, 17 Zentimeter Schnee, Ski möglich. O WrBo Ug -.5 -A Mn r^Tl ' * Aus der Vrovinzialhauptsiadt. Giehen, den 29. Rovrmber 1928. in der Höhe der - Garantie zwischen Geschäftsinhabern und Haushallen vorhanden ist, dürfte allgemein nicht anders als rech' und billig empfunden werden, wenn man zudem berucksich.igt, dah die Hauptabnahme der Geschäfte für Licht- zwecke eriotgt, während im Haushalt die Qlb- nchme zu größerem Teile für Wärme- und Kpchzweae, also zu belastungs ärmer en Stunden geschieht. Anscheinend ist dem Einsender auch entgangen, daß bei dem Doppeltarif, wie bisher, Jahresabrechnung erfolgt. Dies bedeutet, daß, wenn beispielsweise der Verbrauch in einem Monat nicht die verlangten 125 Kilowattstunden erreicht, in anderen Monaten dieser Verbrauch aber überschril en wi.d. der Mehrverbrauch für die Monate mit Minderverbrauch aufgerechnet wird. Selbst wenn aber die 1500 Kilowattstunden im Jahre nicht erreicht werden würden, sondern beispielsweise nur insgesamt 1000 Kilowa tstunden, so müßte für diese 1000 Kilowattstunden der Betrag von 150 Mk. bezr.hlt werden: und die Kilowa'tstunde wurde dann 15 Pf. losten, was immerhin gegenüber dem Vormalstrompreis von 45 Pf. eine ganz wcsm.liche Ermäßigung bedeuten würde. Was den Dreisachtarif betrifft, so soll dieser, wie bereits oben erwähnt, in der Hauptsache für Geschäfte in De rächt kommen, die vor 22.00 Uhr auf einen ermäßig en Strompreis zu Schrusenfter- und Verlamebeleuchtungszwecken rechnen. Wir brben bei einem hiesigen größeren Ladengeschäft diesen Tarif probeweis eingeführt und hierbei festgestellt, daß bei richtiger Anwendung des Taci'es sich der beim früheren Doppeltarif als Durchschni tsprcis gefundene Kilowattstundenpreis von 33.5 Pf. beim Dreifachtarif auf einen durchschnittlichen Satz von 29 Pf. ermäßigt hat. Ferner sei bemerkt, daß der Gießener Strompreis sich gegenüber den Strompreisen in anderen Städten hinsichtlich seiner für die Abnehmer günstigen Gest^l unz wohl sehen lassen kann. Wir verweisen auf die Rachbarstäd e Marburg, Frankfurt a. M., Darmstadt und Mainz. Besonders unverständlich erscheint uns das Vorgehen des Einsenders int Hinblick auf das bevorstehende Lichtfest, das übrigens in erster Linie nicht den 3n*ereilen des Elektrizitätswerks, sondern den Interessen gerade der Geschäftswelt dienen soll. Das Elektrizitätswerk ist hier anerkanntermaßen ganz besonders weit entgegengekommen, indem es den Geschäftsinh.bern für besondere, zum Lichtfest geschaffene Anlagen einen Sonde r ra ba t von 50 Prozent auf die Strompreise einräumte. Wenn schließlich der Einsender meint, daß durch die Aenderung des Geschäststarifs die Verwendung von Staubsaugern, Bügeleisen und anderen elektrischen Appara en eingeschränkt werden würde, so glauben wir, daß eine Verwendung derartiger Appara e doch wohl in der Hauptsache nur in Haushaltungen erfolgt. Da eS sich aber bei der mi.geteilten Änderung des Tarifs lediglich um die Sondertarife für Geschäftsinhaber handelt, so weisen wir nochmals auS- drücklick darauf hin, daß der Tarif für Haushalte, sei es der Doppel'arif oder der Dreifach'arif, der noch besonders für Speicher- ^ppara.e einen 'Rach Strompreis von 6 Pf. vor- 'icht, nach Vie vor unverändert bestehen bleibt. Die Anwartschaft in der Angestelttenversicherung. Alle Anwartschaften in der An- qestelltenversicherung gelten bis einschließlich 1925 als aufrechterhalten, ohne Rücksicht darauf, ob für einzelne Jahre zu wenig (Beiträge, oder kein Beitrag entrichtet wurde. Erst vom Jahre 1926 an greifen die allgemeinen Dorfchristen Platz, nach denen der Versicherte vom 2. bis 11. Kalenderjahre seiner Versickerung jährlich mindestens 8, vom 12. Kalenderjahre an jährlich mindestens 4 Beitragsmonate zur Erhaltung der Anwartschaft Nachweisen muß. Die Vachzahlungsfrist für freiwillige Beiträge für das Jahr 1926 endet mit dem 31. Dezember 1928. Jeder berufsfähige Versicherte, der von 1913 bis Ende 1925 Die Karioffelsammlung der Gießener Studenienhilfe. Don dem Vorstand der Gießener Studentenhilfe wird und mitgeteilt: Die Gießener Studentenhilfe, die es als ihre vornehmste Aufgabe ansieht, begabten und strebsamen, aber unbemittelten Studenten mit Vat und Tat zur Seite zu stehen und ihnen das Studium in wirtschaftlicher Hinsicht nach Möglichkeit zu erleichtern, unterhält — wie allgemein bekannt ist — die Studentenheime „Durggraben" und „Schöne A u s s i ch t", in denen neben anderen gemeinnützigen Einrichtungen auch die munsa academica untergebracht ist. ES ist den Studierenden hier möglich, ein Mittag- bzw. Abendessen zum Preise von nur 55 Ps. einzunehmen. Das geringfügige Entgelt für das Esten konnte bisher nur deshalb so niedrig gehalten werden, well in der hochherzigsten Weise von allen Seiten der Devöllerung Lebensmittel gestiftet wurden. An diesen Unter- stühungen hat unsere hessische Landwirtschaft von jeher regen AntÄl genommen, ist sie es doch, die über 5 0 v. H. des jährlichen Kartoffelverbrauchs der St u- dentenheime durch freitoilligeSpen- den deckt. Bisher trat die Stubentenhilfe in jedem Herbst an einen der Kreise mit der Bitte heran, in den Gemeinden eine Kartoffel- s amm lung zugunsten der mensa academica der Landesuniverfität zu veranstalten. die auch jedesmal von vollem Erfolg gekrönt war. War es im Vorjahr der Kreis Alsfeld, so hatte man sich diesmal an die Kreise Schotten und Lauterbach gewandt. Die Sammlung, die dieser Tage ihr Ende sand, hat die erfreuliche Menge von rund 7 40 Zentner ergeben, wovon etwa 330 Zentner auf den Kreis Schotten und etwa 410 Zentner auf den Kreis Lauterbach entfallen. Der Winterbedarf der Studentenheime ist damit gedeckt. Kein Außenstehender weiß, welche Schwieria- keiten bei solchen Sammlungen zu überwinden sind. Trotzdem hat der Aufruf der Studentenhilfe unge» achtet der Schwere der Zeit und der mißlichen Lage der Landwirtschaft bei den meisten Widerhall gesunden, wenn der Gemeindebote mit der Schelle durch das Dorf zog, und um eine Kartoffelsamm' lung bat. Ein kurzer Ueberblick über den Verlauf der Sammlung ei hier gegeben. Kurz nach Schluß des Sommer emesters wurden die ersten Vorbereitungen getrof en. Wir wandten uns Öan die Kreisämter mit der Bitte um gütige lfe, die auch bereitwilligst zugesagt wurde. Von dort aus wurden Rundschreiben an die einzelnen Gemeinden gesandt, die zur Sammlung aufforderten, so daß uns alle Wege hierdurch geöffnet waren. Bei der Durchführung der Sammlung in den letzten Jahren hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, daß die Herren Lehrer der betreffenden Gemeinden durch Schulkinder von sich aus schon die gesocndeten Kartoffeln sammeln ließen, und so unser Lnstwagen in kurzer Zeit alles verladen konnte, was natürlich eine starke Zeitersparnis gegen früher bedeutete. In diesem Jahre wählten wir einen zentral gelegenen Ort an den Bahnstationen für unser Auto, um von hier aus, in Begleitung von Studenten, die tägliche Sammlung vorzunehmen. Deshalb waren wir außerdem noch an die Lehrer der einzelnen Gemeinden persönlich herangetreten und hatten um ihre Mithilfe gebeten, die mit wenigen Ausnahmen sofort zugesagt wurde. Mit großer Freude lasen wir die mit der Post eintreffenden Antworten, die von größter Bereitwilligkeit zeugten: „Zur Hilfe bereit", „Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit ..." oder gar die knappen, aber vielsagenden Worte: „Wird gemacht"!. So konnten Mllte Oktober die Lehrer benachrichtigt werden, mit der Sammlung zu beginnen. Die l tz en F h. en sind b:e :b t, die Fahrt» bericht der einz.lnen i5.ubm.tcn, bi: unser Auto beglcite'en, liegen vor. Fast überall heißt es, daß Bürgermeister und Lehrer in aufopferndster Weise g e jj olfen hab n, daß das Verständnis und das Interesse für dir Landesuniverfität an den meisten Orten viel reger getoefen ist. al3 man anfangs angenommen hatte: «Man wollte doch für die Stuben en auch etwas tun“. Manche Berichte toer'en aber auch ein grelles Licht in die Zustände unserer Zeit. Manch' irrige Ansicht herrscht immer noch auf dem Lande über den heutigen S-ubenken und das 6tub ntentum übe -Haupt. ES würbe zuwell füh.en, alle hochin'.eressan en Berichte hier tote» berzugeben. Kurz sei nur ein Bericht eines Bürgermeisters veröflen licht, der uns die Verbitterung der Landwirtschaft den lich vor Augen führt: „Wir berichten, daß wir nicht mehr Kartoffeln zusammenb' ingen konnten, die meisten wollten keine geben, sie sind zu sehr verbittert, weil sie keine Arbll er bekommen könnten und doch Millionen für Arbeitslose ausgegeben würden." Trotz aller Rot, die unsere hessische Landwirtschaft drückt, Hai sie es sich doch nicht nehmen lassen, noch freiwillige Gaben zu spenden. Allen Gebern sind wir zu größtem Dank verpflichtet: aber nicht jedem einzelnen, der an dem großen Werke mitgeholfen hat, können wir persöillich danken, so gerne wir es auch möchten. Wir wählen daher diesen Weg, und sagen allen Behörden und Privatpersonen, ganz besonders aber denjenigen, die durch Gaben selb st mitgeholfen haben, unseren tiefgefühltesten Dank. Sie alle habe x dazu beigetragen, daß den S utzenlen, die nur unter großen Entbehrungen ihr Studium durchführen können, über die schwierigsten wirtschaftlichen Röte und Alltagssorgen hinweggehol- fen werden kann. Es wäre als ein beträchtlicher Fortschritt zu begrüßen, wenn durch die Samm"ungen, bei denen die Devöllerung in engste Fühlu;g mit den Studenten selbst kommt, die Vorurteile, die hier und ba noch in der Bevölkerung leben, beseitigt würden. So bedeutet denn diese Sammlung auch einen weiteren Schritt zu der allgemeinen großen Volksgemeinschaft, die wir alle erstreben. mindestens 4 Pflichtbeitragsmonate Nachweisen kann, hat bis zum Schlüsse des Jahres 1928 noch die Möglichkeit, seine Versicherung wieder auf leben zu lassen. Wer im Jahre 1916 ober später In die Angestellten Versicherung eingetreten ist, muß für 1926 acht Beitragsmonate Nachweisen. Für die bereits 1913 bis 1915 eingetretenen Versicherten genügen für 1926 vier Deitrags- monate. Freiwillige Beiträge sind für die Zeit vom 1. April 1928 an in der dem jeweiligen Einkommen entsprechenden Gehaltsklasse, mindestens aber in Klasse B zu entrichten. 3n Klasse B können Beiträge nur von solchen Versicherten geleistet werden, die ohne Einkommen sind, oder deren Einkommen im Monat den Betrag von 100 Wk. nicht übersteigt. Für die Zeit vor dem 1. April 1928 sind freiwillige Beiträge mindestens in der Gehaltsklasse zu entrichten, die dem Durchschnitt der letzten 4 Pflichtbeiträge entspricht ober am nächsten kommt. 3n einer niedrigeren Dei- tragsklasse ist die freiwillige Weiterversicherung für diese Zeit dann zulässig, wenn diese Gehaltsklasse dem Einkommen des Versicherten entspricht. Es ist nicht ratsam, die Entrichtung freiwilliger Beiträge bis zum lehtzulässigen Zeitpunkt aufzuschieben. Denn regelmäßig ist nach Eintritt des Versicherungsfalles die Äachentrichtung frei» williger Beiträge unzulässig. Zeder freiwillig Versicherte regele daher möglichst lausend, wenigstens aber bis zum Schlüsse jeden Kalenderjahres seine Versicherung. Die zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft ersorderl.chen Beiträge für arbeitsloseVer- sicherte sind nach § 129 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 16. Juli 1927 während des Bezugs der Hauptunterstühung vom Arbeitsamt in Klasse B zu entrichten. W. Bs. Daten für Freitag. 3tt. November. ©ottnenaufgang: 7,41 Uhr, Sonnenuntergang: 15,56 Uhr. — Quonbaufgang: 18,25 Uhr, Mond- untergang: 11,25 Uhr. 1667: der englische Satiriker .Jonathan Swift in Dublin geboren (gestorben 1745); — 1796: der Balladenkomponist Karl Löwe in Löbejün geboren (gestorben 1869); 1817: der Seschichts- fareiber Thodor Mommsen zu Garding in Schleswig geboren (gestorben 19— 1835: der amerikanische Humorist Marl —®nn in Florida geboren (gestorben 1910). Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,10 bis 2,20; Matte 30 bis 35; Wirsing 12 biS 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 20; rote Rüben 10 biS 20; Spinat 25 bis 40; Unter-Kohlrabi 8 biS 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bi« 60; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 biß 20; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Dirnen 10 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 90 bis 1,20; Aüsse 60 bis 80: Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 1,20; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 20; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bi« 50; Wirsing Zentner 10 bis 12; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 12 bi« 15; Aepfel 20 bi« 35; Dirnen 10 bi« 20; Kartoffeln 4,30 bi« 4,60. Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Hauptversammlung, 8.30 Uhr abends, im Hörsaal des Forstinstituts. — Gießener Rudergesellschaft 1877: Lichtbildervortrag über „Rudern, der Sport für alle", 8.30 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Marter der Liebe". — Astoria-Lichtspiele: „Ein Bandit von Ehre". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Für Freitag, 30. Rov., und für Sonntag, 2. Dez., sind zwei Operettengastspiele des JJranEfurter Reuen Operettentheaters vorgesehen. Am Freitag findet die erste Wiederholung von ..Eine Frau von Format" statt. Diese Operette hat bei der Erstaufführung in Gießen einen Pub.ikumsersolg gehabt. — Dre populäre Operette „Die Dollar- Prinzessin" hat eine ungeschwächte Zugkraft beim Theaterpublikum seit ihrem Entstehen. Dieses klassische Operettenstück wird auf vielseitigen Wunsch der Th:aterbesucher nochmals als Frem- denvvrstellung am Sonntag, 2. D^.. gegeben. — Vortrag Paul Rohrbachs im V.D. A. Gießen. Man schreibt uns: Paul Rohrbach ist uns Gießenern ein alter Be- fannter. Wie wenige vr steht er drrch daS lebendige Wort zur Verantwortung für die Zukunft der Volkheit auszuru en. Er wird diesmal über: »Amerikanismus" sprechen; er wird die Hellen und die dunklen Seiten biS nordamerikanischen We'ens und seine Wirkung auf dir Welt barlegen; er wird im zweiten Teil seines Vortrags über den Amerikanismus bei uns sprechen und Dom Standpunkt itn eres Do'ks'ums aus Au ihm Stellung nehmen. P. Rohrbach zu hören ift nicht nur Genuß, es ist bleibender Gewinn. Der Vortrag findet am morgige i Freitagabend statt. (Räßeres siehe heutige Anzeige.) e **AbnachBerlin! Gestern abend gegen 9.30 Uhr marschierte die 1. Kompagnie unserer Garnison unter dem Befehl ihres Chefs, Hauptmann von Stackhausen, mit klingendem Spiel von der Kaserne durch das Zentrum der Stadt zum Bahnhof, von wo heu.e früh gegen 3 Uhr die Abfahrt nach Devlin erfolgte. Eine große Menschenmenge gab den Soldaten in flottem Marschtritt das Geleite zum Bahnhof, viele andere Bürger brachten den Truppen in den Marschstraben ihren Gruß dar. DaS ausgezeichnete Verhältnis zwischen Bürgerschaft und Garnison trat bei dieser Gelegen hell wiederum in schönster Weise zutage. Die Kompagnie wird bekannttich bis zum 2. März n. 3. der Wachttruppe zu Berlin angeboren. •* Schulpersonalien. Ernannt wurden die Schulamtsanwärter Heinrich D ö p p au« Wenings, Kreis Büdingen, zum Lehrer an der Volksschule zu Kefenrod, Kreis Büdingen; Karl Roth aus Langsdorf, Krei« Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Durgbracht, Krei« Büdingen; Rudolf Schmalz aus Hungen, K.'eis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Rieder-Mockstadt, Kreis Düdinaen. ** Unbegründete Anschuldigungen. Dor einiger Zett wurden von einem früher in Gießen wohnenden Metzgermeister Anschuldigun- gen gegen den Hallenmeister Malkomesius vom hiesigen Schlachthof erhoben, der sich nach den Angaben des Metzgers dienstliche Verfehlungen habe zuschulden kommen lassen. Um den Sachverhalt völlig emtixmbfrel zu klären, übergab die Stadtverwaltung die Untersuchung der Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft. Runmehr hat die Staatsanwallschaft der Stadtverwaltung die Mitteilung zukommen lassen, daß das Verfahren in dieser Sache eingestellt worden ist. Demnach kann man die Vorwürfe gegen den Beamten als unbegründet ansehen. •• D ie neuen Mülleimer sind, kaum daß sie einige Zeit ihrem Zwecke bienm, bereit« zu einem beliebicn Ob'ekt diebischer Zeitgenossen geworden. 3n verschiedenen Straßen wurden in den letz'.en Tagen neue Müllgefäße entwendet, neuerdings wieder in der Schulstraße, Ecke Wagengasse, der neue Mülleimer Rr. 1334 und im Wetzlarer Weg der Eimer 439. Personen, die über den Verbleib der Eimer und über die Diebe Angaben machen können, werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei in Verkündung zu sehen. ** Rowdytum in einem Caf6. Wie der Polizeibericht meldet, sind in der letzten Zell in einem hiesigen Cas6 wiederholt Toilettenspiegel entwendet und die noch vorhandenen zertrümmert worden. Die Spiegel waren aus geschliffenem ©la», hatten einen weißen Rahmen und eine Größe von 40 X 40 cm ** Gin Aushangkasten gestohlen. In der Zeit vom 24. bis 26. November ist in der Bahnhofstraße der Ausbangkastcn der hiesigen Volksboch. schule mit Gewalt abgemacht und dann fortgeschleppt worden. Der Kasten ist 40 mal 70 Zentimeter groß, hat gelben Anstrich, ist mit Glasscheibe versehen und trägt die Aufschrift „Volkshochschule". Die Kriminalpolizei bittet um Mitteilungen, die zur Aufklärung des Diebstahls geeignet sind. ** Dieostahl aus dem Sportplatz. Wie der Polizeibericht heute erst bekanntgibt, ist am 8. Rooember nachmttlagS auf dem Sportplatz de« Männerturnvereins einem Schüler eine silberne Taschenuhr mit der (Hummer 8540 gestohlen toov- den. Angaben über den Verbleib der stlhr werden an die Polizei erbeten. **EinRoller und Kinderwagenwäsche gestohlen. Zn der Senckendergstraße, Ecke Ostanlage, wurde vorgestern einem 6jährigen Jungen von einem größeren Bengel ein Roller gestohlen. Das Spielzeug hat schwarzlackierten Metallrahmen, gelbliches Holztrittbrett und ist mit Gummirädern versehen. — In der Nacht zum 22. November wurden von einem Kinderwagen, der im Hofe eines Hause» im Leihgesterner Weg stand, zwei Daunenkissen und eine Daunendecke entwendet. Der Ueberzug war weiß (Hohlsaumbezug). ** Auftrieb auf dem heutigen Frank- furter Schlachtvieh markt: 1107 Kälber, 411 Schafe, 389 Schweine. Kirche und Schule. Oekanalök-inferenz des Evangelischen Dekanats Gießen. * Die Konferenz am Dienstag im MnrkuS- saal zu Gießen hatte einen besonderen Charakter dadurch, dgß sie sich an die Dekanatsvifi- tation durch den Oberhirten der Provinz an- schloß. Rach Schriftlesung und Gebet von Pfarrer A u s s e l d begrüßte und eröffnete Dekan Guß- mann die Konferenz. Der Superintendent,Ober* kirchenrat Wagner, Verbreitete sich über die Bedeutung der Dekanatsvisitatton von einst und jetzt und den Wert des Amtes der Dekane. Anerkennung zollte Ar der Dekanatsbibliothek de« Dekanats, dre nunmehr im Pfarrhaus der Luther- gemeinde eine gute Unterkunft gefunden hat. Rach Besprechung einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten hielt Pfarrer Ausfeld einen Vortrag über das vom Landeskirchrnamt gewünschte Thema: Ziel, Stoff und Anord- nungdes Konfirmanden Unterrichts. Der Redner wünscht als Stoff zweites, viertet und fünftes Hauptstück, Psalmen, Gesangbuchlieder und Beginn mit der Heiligen Taufe; beim ?wetten Hauptstück hämische Kirchengeschichte; den Abschluß bilde B.ichte und heiliges 2ll>enL- mahl. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an den Vortrag an, in der u. a. betont tourSe, daß weder das religiöse, noch das kirchliche Ziel zu einfeitig verfolgt werden dürfe. Ausschlaggebend für die Stoffwahl ist auch, ob der Pfarrer die Kinder noch in der Schule unterrichtet. Vielfach kann das erste Hauptstück nicht entbehrt werden. Empfohlen wurden von xtoei Setten mehrmalige Prüfungen vor der Gemeinde in der Konfirmandenzett. Wichtig sei auch die Anleitung zu praktischer Bibel- und Gesangbuchbenutzung. Eine einheitliche Ordnung erscheine nicht angebracht, doch die Herausgabe eines hessischen Konfirmandenbüchleins, tote es Württemberg schon besitzt, sei erwünscht. Eine von Dekan G u ß m a n n vorgelegte Eingabe an daS Landesftrchenamt, bett. Heranziehung der Konfirmanden zu öffentlicheir Veranstaltungen Im letzten Teil ihrer Dorberettungs- zett, sand einmütige Annahme. Rach einem Schlußwort des Vortragenden schloß die Versammlung. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. *DasAmtsverkündigungsblattNr.85 vom 27. November enthält: Straßensperre. — Das 23< .lgen der Blutlaus. —- Staatsexamen der Bolts- sck)ulanwärter. — Merkbuch über die Verhütung des Stotterns. — Ueberweisung der Fortbildungsschuler. — Feldbereinigungen Großen-Buseck und Nonnen» roth. — Dienstnachrichten. Berliner- Börse. Berlin, 29. Äov. (WTD. Funkspruch.) Auch im heutigen Frühverkehr ist die S.immung Wetter günstig. Besondere Anregungen liegen zwar nickt vor. und das Geschäft bewegt sich wieder in sehr ruhigen Bahnen, für Speziatwerte scheint aber weiter Interesse zu bestehen. Man taxiert vorläufig die geftrigen hohen Frankfurter Abendkurse. Am Devisenmarkt nennt man: Mark gegen Paris 124,08. Mailand 92,59, Spanien 30,09, oa« Pfund 485,20, und den Dollar 4,1945. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religlonsgemeiude. Gotte'dienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 1. Dezenwer 1928. Vorabend 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4.40 und 5.20 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 1. Dezember 1928. Freitag abend 4.05 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgong 5.20. Wochengottesdlenst morgens 7; abends 4 Uhr, ■ 10422C 10429D rS359| 2i U 1O444D Heute mittag 1 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Langsdorf, Butzbach, den 29. November 1928. Die Beerdigung findet Freitag, den 30. November, vormittags 10 Uhr vom Sterbehause in Langsdorf aus statt. Blumenspenden sind im Sinne des Verstorbenen nicht erwünscht. WM« 18 btS 25 Jahre, gesucht. Gesund, krittlig u. einwandfrei im Lebenswandel Bedingung. Lohn nach Tarif. 10427D llntu.-neroentlinll Am Sieg 18. Trohe, Wieseck, den 28. November 1928. Die Beerdigung findet Samstag, den 1. Dezember, nachmittags 2’/3 Uhr, statt. Katharine Döll geb. Mahler im 71. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen t Eberhardt Döll und Familie. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, am 27. d. Mts., vormittags 7,9 Uhr, unseren lieben Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Herrn Heinrich Lotz Eisenbahn-Oberingenieur und Rechnungsrat In Mainz, im 65. Lebensjahre, In ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Lotz I. Förster Lotz und Familie Philipp LotzV. und Familie. Wieseck, den 29. November 1926. Die Beerdigung findet Freitag, den 30. d. M., nachm. 1/,3 Uhr, in Wieseck, vom Elternhause Alten-Busecker Straße 14, aus statt. DMeur für 5. De», gesucht. Schr. Angeb. unter 08342 a. d. Gien. Anz. Am 28. November verstarb nach kurzem Leiden unser geliebter Vater, Schwiegervater, Großvater u. Urgroßvater Ferdinand Kahn im fast vollendeten 83. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Nelkenstock geb. Kahn Isaak Nelkenstock Willi Wertheim u. Frau Hedwig geb. Nelkenstock Siddy Nelkenstock (Urenkel) Die Beerdigung unseres lieben Kameraden । EduardWeisel g findet Freitagnachmittag 3 Uhr y auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. Tüchtiger Reisender für mehrere EngroS- Artikel gesucht. Schr. Angeboie imt 08353 a. d. (Sieb. An eiger. Zum 1. Januar 1929 suche ich einen tüchtigen, branchekundtgen 10432D Deetäufec ebenfalls eine Dettäufedti für mein Spezial- Herren-Konfektions- Geschäft. Offerten mit Zeugnissen und Referenzen an MMWWlMr.MW | Verkäufe | Vogelsberger Kuh Ansangnächst.Monat mit d. 3. Kalbe kommend, au verkaufen. «Die Kuh ist nicht gefahren». Heb. Schon- bert, Weickartshain, am Bahnhof. 10471D Für sofort 2 gute, lowere Ml. MMl Wohn-Schlafzimmer oder Doppelzimmer, sowie ein großes Zimmer mit zwei Beiten für kinderloses Ehepaar gesucht. Zu erfragen Cafe Amend. [104331) Gut möbl. Zimmer mögt. m. elektr. Vtcßt und Zentralheizung, zu mieten gesucht. Schr. Angeb. unter 08348 a.d. Gieß. 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Hermann Schuster, o.Honorarprofessor an der Universität Göttingen Der Bayerische Staat hat vor drei Jahren mit der päpstlichenKurieein Konkordat geschlossen, d. h. einen feier ichen, völkerrechtlichen Vertrag, in dem das gesamte Verhältnis des Staates zur römisch katholischen Kirche grundlegend geregelt ist. Soba'd dies Konkordat nach einem kurzen, aber h ftig n Kamps im bayerischen Landtage mit einer knappen Mehrheit unter Dach und Fach gebracht war, erhob sich in deutschen Landen das Geraune. das) es damit nicht getan sei. Das Bayerische Konkordat sei nur ein Anfang, dem weitere Länder- Konkordate oder ein Reichs-Konkordat folgen sollten. Eine Zeitlang schien es in der Tat, als ob wir ein Reichskonkordat be ommen würden. Es ist kein Zweifel, daß trotz allem ossiziellen Dementi darüber sehr ernstlich verhandelt worden ist und daß auch gewisse Grundlinien eines Reichs-Konkordats schon gezogen waren. Der Widerstand der Oeffentlichkeit gegen ein Reichs- Konkordat war aber so stark, daß man es mindestens vorläufig fallen lassen mutzte. Mit verdoppelter Energie aber hat sich die Kurie an die Arbeit gemacht, einpreuhisches Konkordat zu schaffen. Es ist auch ein öffentliches Geheimnis, daß dieses preußische Konkordat ungefähr bis aus den letzten Federstrich fertig ist, daß es im Kabinett verhandelt wird und über kurz oder lang vor den Staatsrat und vor den Landtag kommen wird. Heber feinen Inhalt freilich weiß man nichts Genaues, da die Staatsregierung die wiederholt gegebene Zusage, den Landtag rechtzeitig von feinem Inhalt in Kenntnis zu fetzen, bisher nicht erfüllt hat. Diese Ungewißheit über den Inhalt entbindet uns nicht Yon der Verpflichtung. uns auf den por'amentari- fthen und öffentlichen Kamps zu rüsten, im Gegenteil, wir müssen uirs und die Oeffentlichkeit darüber auf klären, worum es sich handelt und worum es geht. Es darf sich nicht das bayerische Beispiel wiederholen daß Parlament und Oefsent- lichkeit durch das Konkordat überrascht werden imb in der Verwirrung eines unerwarteten Angriffs von vornherein di- Geschlagenen sind. .Ein Konkordat ist, wie wir oben schon sagten, ein völkerrechtlich bindender Vertrag, den die Kurie mit einem Staate schließt, um die Gesamtheit der kirchlichen Fragen zu regeln. Darin liegt dreierlei. Erstens: Es ist ein Vertrag nicht zwischen dem Staat und den Bischöfen nur eben dieses Staates, sondern zwilchen dem Staat und der päpstlichen Kurie, also zwischen dem Staat und einer außerdeutschen, von deutscher Staatshoheit und deutschem Änsluh unabhängigen Macht. Zweitens: Es ist ein Vertrag von völkerrechtlicher Bindung, von dem der Staat nicht durch einseitigen Willens- gkt zurücktreten kann, an den er vielmehr für alle Zeit gebunden ist, in dem Maße gebunden ist, daß seine Auslegung bei etwaigen Streitiglei'en vor ein internationales Forum (den Völkerbund oder das Haager Schiedsgericht) gebracht werden könnten. Und drittens: ist es ein Vertrag, der. wenn er wenigstens der idealen Theorie gerecht wird, den gesamten Komplex kirchlicher Fragen regelt. Und zu diesen kirchlichen Fragen rechnet die römische Kirche ganz vorzüglich auch die Schulfrage im weitesten Sinne des Wortes. Ein solches Konkordat hat die Kurie bisher noch nie mit einem (überwiegend) protestantischen Staat abgeschlossen. Ein preußisches Konkordat wäre also ein ilnitum in der Kulturgeschichte. So erklärt cs sich auch, daß kürzlich eine große spanische Zeitung das preußische Konlordat, mit dessen Zustandekommen sie sicher rechnet, als einen großen Triumph der römischen Kirche betrachtet. Die Beziehungen des preußischen Staates zur römisch-katholischen Kirche sind wenige Jahre nach Beendigung der napoleonischen Kriege (1821) Gießener Gtadttheater. Vruuo Frank: „Perlenkomödie". In Berlin, wo dieses Stück vor wenigen Tagen die fünfundzwanzigste Aufführung erlebte, wurde es gleichwohl zuvor heruntergemacht. In Frankfurt, von wo eine ähnliche Aufführungsziffer bisher nicht gemeldet worden ist, hat man es ebenfalls oerriffen, wie der schöne FachausdruÄ lautet. In Gießen, wo gestern die Premiere stattfand, wird es — hiermit — gelobt. (Was werden die Berliner sich ärgern und die Frank« furter sich giften.) Dieses Stuck ist kurz — es dauert kaum zwei Stunden samt Pause und Verwandlungen; ein großer Vorzug — und es ist gut. Kurz und gut Gesellschaftsstück. Kriminalstück. Ehestück. Alles zusammeir. In vier Akten. In vier brillant gebauten OUten. So ungemein gekonnt ist dieses Lustspiel, daß man stellenweise merkt, wie geschickt es gemacht ist. (Was man eigentlich nicht merken dürste; eine kleine Schwäche, die an der Gesamtaustassung wenig ändert, ... und ein Wink für die Regie.) DaS Ehestück bietet in den vier Akten den Hintergrund. Rur die Kulisse. Wäre es mehr, könnte das Ganze Komödie sein. Older das war wohl nicht beabsichtigt. Das Eigentliche liegt mehr an der Oberfläche. Auch das Krianinalstück ist nicht das Eigentliche. Der „Fall", um den es sich hier handelt, wird nicht recht ernst genommen. Die Polizei bekommt ein paar Liebenswürdigkeiten gesagt. Und der De.ektiv ist ein Hll, eine Karikatur ... nichts weicr. Das Gesellschaftsstück ist das Entscheidende, fnpbfx sitzend, elegant, federnd im Dialog, geschrieben aus der Freude am Spiel mit Worten, mit Situationen, mit Dingen und mit Schauspielern, die mehr sind als nur Figuren auf dem Thea erschachbrett, aber auch weniger, als man ton Menschen verlangt. 2m Spiel mit Menschen, in, der Komödie, geht das alles nicht so glatt, so prompt, so auf Stichwort und Abgang und Rollentausch und 'Vorhangfall berechnet. Abeo das Gesellschaftsstück, k«s flinke, amüsante ßuft- spiel ohne Schwere und Grübelei ... es lebt davon. Hnb wenn es in weniger als zwei Stunden aus kommt, ist das ein weiterer Vorzug. Soll man. vom Inhalt sprechen, von der Handlung? Wenn dgs Stück so viele Austührungen Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesseu) Donnerstag, 29. November 1928 durch Verhandlungen dec preußischen Regierung mit der Karie geregelt, die ihren Riederschlag fanden in der berühmten Bulle „D e s a I u t e animarum“ (und einigen e.'iän enden Schriftstücken). Diese Dulle beschä.tipte sich im wesentlichen mit der neuen Umgrenzung derBis- tüm er, die durch die Gebietsveränderungen nach dem Wiener Kongreß erforderlich geworden waren. Sie ist deshalb eine sogenannte „Zirkumskripfions-Dulle". Nebenher wurden damals auch andere Fragen äußerlicher Art geregelt, die Zusammensetzung der Domkapitel, das Verfahren bei der Bischofs- wahl, die Einrichtung von bischöflichen Priesterseminaren und nicht zum mindesten die staatlichen Aufwendungen (Dotationen) für die römisch-katho'i,che Ki.che. Irgendwelche Kulturfragen oder Fragen des inneren kirchlichen Lebens waren nicht berühr!. Es war also keineswegs die Gesamtheit der kirchlichen Beziehungen geregelt. Der Rame Kmlordat für diese Abmachungen konnte deshalb auch vermieden werden, wenn man sich darüber auch nicht im unklaren sein darf, daß sie ebenso gut völkerrechtlich bindenden Charakter haben, wie ein feierliches Konkordat. . Diese Abmachungen von 1821 und die ganz ähnlichen, die wenige Jahre darauf für das damollige Königreich Hannover und für die so- genarmte Oberrheinische Kirchenprovinz (Südwestdeutschland) getroffen wurden, stehen heute noch in Kraft, wenn auch von römisch-ckatho- lischer Seite der Versuch gemacht ist, sie für ungültig zu erklären, well durch die neue Regierungsform in Deutschland (die Staatsumwälzung von 1918/19) der eine Partner des Vertrages fernem Wesen nach ein anderer geworden sei. Diese Behauptung ist mit aller Entschiedenheit abzulehnen, hat doch auch das Konkordat, das einst Rapoleon I. mit dem Papst geschlossen hatte, die verschiedensten Umwälzungen in der Regierungsform Frankreichs während des 19. Jahrhunderts überlebt, bis es Ende des 19. Jahrhunderts dem französischen Kulturkampf zum Opfer fiel. Besteht dieses napoleonische Konkordat heute doch in Elsaß-Lothringen n o ch zu Recht! So wird ein pflichtbewußter preußischer Staatsmann unbedingt an der Gültigkeit der Vereinbarungen von 1821 feftfjalten, wie ja tatsächlich auch die preußische Staatsregierung bis zum Heilligen Tage, den damaligen Abmachungen entsprechend, je in den ungeraden Monaten des Jahres die erledigten Domkapitelstellen besetzt. 'Zu Recht besteht also auch heute noch der starke Einfluß der preußischen Staatsregierung auf die Bischofswahl, daß sie nämlich aus der Kandidatenliste des Domkapitels Persönlichkeiten, die ihr aus staatspolitischen Gründen unwillkommen sind, streichen kann und somit eine gewisse Gewähr besitzt für einen national zuverlässigen deutschen Episkopat. Diesem Recht der Staatsregierung steht auch die neue Re ich s v er f a s sun g nicht entgegen. Diese bestimmt freilich in Artikel 137,3: „Jede Religionsgesellschast ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Olemter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinden." „Innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes," damit ist dem Staat z. D. durchaus die Möglichkeit gegeben, von den Beamten der Kirche (den Geistlichen aller Grade) genau so wie von allen anderen Beamten zu verlangen, daß sie nicht nur die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sondern auch das Reisezeugnis einer deutschen höheren Schule und die Ausbildung auf einer deutschen Hochschule nachweisen. Wenn das bayerische Konkordat die Ausbildung auf der päpstlichen Hochschule in Rom zugesteht, so ist das ein nicht vorbildliches Zugeständnis, zu dem die Reichsverfassung nicht nötigt. „Sie verleiht ihre Olemter ohne Mitwirkung des Staates", damit ist das oben geschilderte Einspruchsrecht des Staates gegen gewisse erlebt, wie wir ihm wünschen, nimmt man allen, die es noch zu sehen bekommen, viel vorweg mit einer Inhaltsangabe, die über die besten Reize eines solchen Spieles mit nüchternen Worten referiert und die ohnehin nicht „große" Handlung umständlich auseinanderklaubt. Die Spannung lockert sich, wenn man schon was läuten gehört hat. Also es gibt zwei Paare. Hebers Kreuz. Eins ist verheiratet. Das andere nicht. Der verheiratete Herr liebt die unverheiratete grau. Hnd der unverheiratete Herr liebt die verheiratete grau. Diese Ehegattin hatte mal eine echte Perlenschnur. Von ihrem Mann geschenkt bekommen. Sie hat sie noch im ersten Akt ... aber da ist sie schon nicht mehr echt, sondern falsch wie Aprilsonne, obwohl sie unverdächtig aussieht. Die echte hat nämlich derweilen die Freundin. Im vierten Akt aber, da bat die greundin .... da hat der Herr Gemahl ..., da hat die gnädige grau ..., da hat der ledige Herr ... halt! Jeder hat etwas, es ist nur eine kleine, unbedeutende, fast geräuschlose und beinah unauffällige Veränderung vorgegangen. Mit den Perlen, mit den beiden Damen, mit den beiden Herren. Es ist sogar ein kleiner Einbruch passiert, bei Rächt, mit Musik, höchst ungewöhnlich, „romantisch" sagt man wohl. Mit zwei Sähen wäre alles erllärt. OEber das bißchen, was noch fehlt, wolle man sich gütigst selbst zusammensuchen. Im Theater. Es wird auch sehr gefällig gespielt. 'S a ft 6 inszeniert: fix, glatt, prompt, tote am Schnürchen. Es ist nur darauf zu achten, daß das Schnürchen nicht zu sehen ist: es schadet dem Stück und der Wirkung. Vielleicht kann gelegentlich im Tempo noch eine Kleinigkeit zugelegt werden: man darf gar nicht zur Besinnung und nicht ins Rachdenken kommen; man würde sonst allerlei merken, was man viel besser erst auf dem Heimweg überlegt. Dann schadet es nichts mehr — bei einem Gesellschaftsstück. Tannert muh zuerst genannt werden; es war ein Vergnügen. Er war selten so gut aufgelegt wie hier. So liebenswürdig-frech, so sicher und gewinnend wie in dieser Rolle. Sein Bon- vivantgemüt muß zufrieden gewesen sein. Trude Heß: seine ebenbürtige Partnerin. Ihre Darstellung hatte Charakter, was eigenllich von keiner Otolle in diesem Stück ernstlich gefordert werden darf, einen menschlichen Unterton aus der Wirklichkeit; echte Komödienfigur. Für Ebert-Grassow war Frank Falkner eingesprungen, vom Heuen Theater in Frankfurt. Persönlichkeiten auf der Dischofsliste nicht ausgeschlossen. Wir haben hierüber eine authentische Erklärung. Olm 17. Januar 1925 stand im Reichstag die Frage der Rechtsgülligkeit des bayerischen Konkordats auf der Tagesordnung. In diesem bayerischen Konkordat ist (wenn auch in einer sehr vorsichtigen und praktisch unwirksamen Form) ein solches Einspruchsrecht des Staates ausdrücklich vorgesehen. Zu seiner Rechtfertigung gab der Staatssekretär Zweigert vom Reichsinnenministerium, ein Mann, der die Entstehung der Reichsverfassmrg an veraillworllicher Stelle mitgemacht hatte, im Otamen der Reichsregierung die folgende Erllärung ab: „Unter Mitwirkung bei der Verleihung (von kirchlichen) Aenllern ist eine positive, aktive Mitwirkung bei dem Olkt der Verleihung zu verstehen. Ein Crinnerungsrecht (Vetorecht) des Staates ist noch nicht Mitwirkung in diesem Sinne." Dieser Erklärung ist damals von keiner Seite, auch nicht von feiten der römischen Kurie widersprochen worden. Wir kennen, wie gesagt, den Inhalt des preußischen Konkordats nicht, können deshalb zu Einzelheiten keine Stellung nehmen, können und müssen nur grundsätzlich das Folgende festlegen: Erstens: Die veränderten Verhällnisse erfordern zweifellos in mancher Beziehung eine Anpassung der alten Bestimmungen von 1821 an die gegenwärtige Lage. Einer solchen Anpassung wird sich niemand, auch Lin evangelischer Staatsbürger, widersetzen, denn selbstverständlich wollen wir mit unserer katholischen Mitbürgern in Frieden leben und ihrer Kirche geben, was ihr gehört. Zweitens Diese neue Regelung sollte — wie 1821 — in den Formen schlichter Vereinbarungen und nicht in der Form eines feierlichen Konkordats getroffen werden. Drittens: Sie muh sich grundsätzlich auf die Gegenstände beschränken, die damals geregelt sind. Insbesondere ist unbedingt zu fordern, daß Schul - und Kulturfragen unberührt bleiben, daß sie toeber in einem solchen Vertrag, noch in nebenher laufenden Erklärungen vorkommen. Diese Fragen sind einzig durch Staatsgesetz zu regeln. Viertens: Das Machtverhältnis zwischen Staat und Kirche darf nicht zu Ungunst en des Staates verschoben werden, insbesondere müssen die alten Bürgschaften für die Erhaltung eines drutschgesinnten Klerus bewahrt bleiben. Fünftens: Wenn der römisch-katholischen Kirche durch feierliche Verträge ihre alten Rechte, insbesondere finanzieller Art, gesichert oder In gewissem Umfange dem jetzigen Bedürfnis entsprechend erweitert werden, so müssen den evangelischen Kirchen gleichzeitig durch feste Vereinbarungen auch die ihnen gebührenden finanziellen Sicherungen verschafft werden. Rie- mals aber dürfen solche berechtigte Forderungen evangelischer Kirchen dazu verleiten, nach dem unerfreulichen bayerischen Vorblld ein Konkordat zu fördern, das mit der Autorität eines deutschen Staates und mit der Freiheit und Selbständigkeit deutscher Kultur und Wissenschaft nicht vereinbar wäre. Die wirtschafiLLche Bedeutung der Schädlingsbekämpfung. Insekten als Feinde der Volksgesundheit und des Volksvermögens. Mlliardenverluste durch Massenschädlinge. — Oer beste Schuh: die Reinlichkeit. Organisation der Schädlingsbekämpfung. Von llniversitäisprofessor Or. Max Oingler, Gießen. Die Erkenntnis, daß die Insekten die arten- und individuenreichste aller Liergruppen, in ihrer Bedeutung für die menschliche Wirtschaft und Lebensfiihrung eine außerordentlich große Rolle spielen, bricht sich mehr und mehr 'Bahn. Vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus sprechen wir von „nützlichen" und „schädlichen" Insekten, während alle jene, welche weder nützen iroch schaden, bei dieser Betrachtungsweise als „gleichgültig" außer acht bleiben. Bescheiden ist die Zahl der direkt nützlichen Insekten, welche uns Lebensmittel oder technisch verwertbare Rohstoffe liefern, und mit dem gortfdyreiten der chemischen Industrie schwindet ihre Bedeutung immer mehr. Rur zwei hervorragend wich- tige Arten kommen hier noch in Bettacht: die Honigbiene und der Seidenspinner, beides Insekten, welche nicht mehr (oder kaum mehr) in der freien Ratur an getroffen werden, sondern schon völlig zu Haustieren des Menschen geworden sind. Um so größer aber ist die Zahl und Wirkung der „Schädlinge", die einerseits für die Volks» gesundheit, andererseits für das Volks vermögen eine dauernde Gefahr von teilweise geradezu phantastischen Ausmaßen darstellen. Man bedenke, welch enorme Opfer an Menschenleben schon die Malaria, die Pest, die Schlafkrankheit und — vor allem im Kriege — der Flecktyphus forderten und daß der Mensch mit den Keimen dieser Krankheiten einzig mrd allein durch den Stich von Insekten infiziert wird; denn nut die Fiebermücke überträgt den Malaria- Erreger, ein Floh (auf dem Umwege über die Ratte) die Pest, die Tsetsefliege die Schlafkrankheit, die Kleiderlaus den Flecktyphus (und das Rückfallfieber). Und das sind nur einige, allerdings besonders schlagende Beispiele. Bei ihrer Erwähnung mag uns trösten, daß es sich dabei um Krankheiten handelt, die zumeist aus heißere Landstriche beschränkt sind und auf deutschem Boden kaum oder gar nicht auf treten. Aber auch in der einheimischen Insektenwelt fehlt es nicht an sogenannten fakultativen Krankheitsüberträgern, die gelegentlich Anlaß zu den ver- schiedenartigsten Erkrankungen geben können. Roch ist es nicht llargestellt, wieviel Gesundheit und Lebensglück unser gemeinstes Hausinsekt, die — nicht stechende — Stubenfliege und die ihr sehr ähnliche — empfindlich stechende — Stechfliege auf dem Gewissen hat. Masern, Scharlach, Augenkrankheiten, Pocken, Cholera, Tuberkulose, Typhus, Ruhr, spinale Kinderlähmung und viele andere müssen nicht, aber können durch diese unheimlichen, luftigen und unappetitlichen Hausgenossen übertragen werden. Handelt es sich bei solchen Insekten um Schädlinge, die nicht des Massenauftretens bedürfen, um verhängnisvoll zu werden, sondern schon als einzelnes Individuum menschliche Gesundheit und menschliches Leben gefährden können, so beruht bei der anderen Gruppe, nämlich jenen Insekten, welche das Volksvermögen bedrohen, die Schadenerzeugung auf der Masse. Für gewisse Arten ist eine ganz außerordentlich große 'VermehrungTendenz geradezu charatteristisch, und wo die Millionenheere einmal hervorgebrochen sind, steht ihnen der Mensch mit allen seinen geistigen und technischen Mitteln auch heute noch vielfach machtlos gegenüber. Aus diesem Grunde wird ein vorbeugendes Verhalten, welches die Millivnenheeve erst gar nicht hochkom» men läßt, zum besten Schutz und damit zur sozialen Pflicht. Auch hier sei zuerst ein ‘Sei* Er spielte gut, bewies Geschmack und Humor, machte sauber Konversation (nur, besonders im ersten Akt, etwas deutlicher, bitte!) und hatte im übrigen die undankbarste Aufgabe in diesem Stück. Alix K r a h m e r sprach nur einen knappen, aber wirksamen Dialog: er sah ihr so gut wie die bemerkenswerte Toilette (es gibt überhaupt allerlei hübsche Garderoben zu bewundern) und kam Schlag auf Schlag. Karl Ritter holte sich mit dem rührend harmlosen und drolligen Detektiv einen artigen Sondererfolg. — Cs war ein äußerst unterhaltsamer Abend. Dr. Th. Ion fristet sein Leben. Von Hans ORiebau. Ion stieg in einem der vornehmsten Hotels ab. „Zimmer mit Bad," bestellte er und ließ fein Gepäck nach oben bringen. Rach dem Essen, als der Kellner kassieren wollte, sagte er: „Schreiben Sie den Bettag mit auf die Rechnung." „Sehr wohl," verbeugte sich der Kellner. Vier Tage lebte Ion so. Da klingelte er eines Morgens in aller Frühe, verlangte den Direktor zu sprechen. Der Drrektor kam. „Ich bin," sagte Ion, „ja gewohnt, in den Hotels allerlei Dinge zu erleben. Aber s o etwas ist mir denn doch noch nicht vorgekommen I" Hnd er wies mit der Hand auf einen völlig zerfetzten Pelzmantel, der über einem Stuhl hing. Daneben lag eine tote Ratte. „Ich habe sie mit dem Briefbeschwerer tot* geschlagen," sagte Ion. Der Direktor stammelte eine Entschuldigung. „Völlig rätselhaft," dienerte er. „Aber selbstverständlich haben Sie Anspruch auf Schadenersatz." „Allerdings!" sagte Ion. „Der Pelzmantel hat 700 Mark gekostet." Der Direktor prüfte den Pelz, nickte. Ion packte den Rest des Mantels in den Koffer, und an der Kasse erhielt er nach Abzug der Hotelrechnung 500 Mark aus gezahlt. Dann lieh er sein Gepäck nach unten bringen, nahm ein Auto und fuhr zum Kammerjäger Häserling. „Ich brauche," sagte er zu dem, „von mm an jeden fünften Tag eine tote Ratte." Intendanienkrise und Theaterskandal in Frankfurt a. M. Sieben Piscatvr und Hartung kommt, wie aus Frankfurt gemeldet wird, der Intendant des Frankfurter Schauspielhauses, Weichert, in engere Wahl für den Posten des künstlerischen Leiters der 'Volksbühnen in Berlin. Dem Ersuchen, sich über seine eventuelle Bereitwilligkeit zu äußern, nach Berlin zu gehen, glaubte In.endant Weichert nicht entsprechen zu können, offenbar deshalb, weil er abwarten will, wie die jetzt akut gewordene ©c* neialintenbantenfrage t n Frankfurt gelöst wird und er inzwischen vernreiden will, Hnruhe in den Betrieb der städtischen Bühnen zu bringen. Weichert ist durch den in den letzten Tagen angefachten Sturm gegen das von ihm inszenierte Stück von Hasen clever „Ehen werden im Himmel geschossen" ebenfalls in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Der Anttag in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, in dem gefordert wird, „dem Intendanten des Schauspielhauses zu eröffnen, daß bei Wiederholung solcher Vorwmmnisse der Intendant für den dadurch ungedeckten Oluswand für Inszenierung des Stückes persönlich haftbar gemacht werde, wird von der Presse int allgemeinen als zu weitgehend abgelehnt. Abgesehen davon ist anzunehmen, daß Intendant Weichert bei seiner bekannten Einstellung zum zellgenössischen Schrifttum sich kaum freitoiHig dazu verstehen wird, daS Stück vom Spielplan abzusetzen. e • 'Sei der Aufführung von Hasenclevers „Chen werden im Himmel geschlossen", die am Mittwochabend im Frankfurter Schauspielhause ftattfanb, hat sich ein Theaterskandal ereignet Bereits vor der Sorftellung wurden vor dem Schauspielhaus Flugblätter verbreitet, und verteilt, die von den Frankfurter Pfarrern Manz und Schumann unterzeichnet waren und einen Protest gegen das Stück enthielten. Rach dem 3. Akt stand tn einer Dalkonloge einer der Protestler auf und hielt eine Ansprache an das Publikum, das sich aber ablehnend verhielt Der herbeieilende Direktor der Städtischen Bühnen, ©edel, konnte durch gütliches Zureden den Redner entfernen. Daraufhin wurde das Stück zu Ende-gespielt spiel aus fernen Ländern genannt: die schon im Alten Testament erwähnten Rissenschwärme der Wanderheuschrecken welche in Aegypten, in Syrien, in Mesopotamien der Schrecken der Landbevölkerung sind und durch ihren Fraß schon Hungersnöte verursacht haben, welchen nicht weniger Menschen zum Opfer fielen als der Malaria oder der Pest. Wir brauchen aber nicht so weit zu greifen, um uns von Insekten-Massen- vermehrungen und ihrer Wirkung auf die menschliche Wirtschaftsführung ein Bild zu machen. Geyt es auch nicht um Menschenleben, so geht es doch um Milliardenwerte, die in Forst- und Landwirtschaft. in Haus und Vorratsraum allein bei uns In Deutschland alljährlich eine Deute von Insekten werden. Ich sage Milliarden — und diese Zahl ist nicht übertrieben! Genaue Aufstellungen der jährlichen Gesamtverluste in Deutschland liegen zwar bisher nicht vor. während z. D. das französische Ackerbauministerium die jährlichen Ernteverluste durch Insekten in Frankreich aus 4—5 Milliarden Goldmark schätzt. Wir greifen nicht fehl, wenn wir allein den jährlichen Schaden der Kleidermotte in Deutschland auf 2—300 Millionen Mark, denjenigen der Obstmade (ebenfalls einer Kleinschmetterlingsraupe), durch welche etwa Iweidrittel unserer Apfelernte verlorengehen, auf 100 Millionen QUarf veranschlagen, And noch eine dritte Kleinschmetterlingsraupe sei genannt: der „Heu - und Sauerwurm", der z. D. im Jahre 1926 Zweidrittel der zu erwartenden Weinernte in der Rh^rnpsalz im Werte von ungefähr 20 Millionen Mark vernichtet hat. Denken wir daneben noch an den Maikäfer und seine Larve, den Engerling, an die Dorkenkäfer, an Rönne, Forleule und Kiefernspanner, an Frvstspanner und Kohlweißling, an Messing- käfer und Aagekäfer. Blattwespen, Maulwurfsgrillen, Reblaus und Blutlaus, so werden wir das Wort eines unserer bekanntesten Forscher aus dem Gebiet der Schädlingskunde. Professor Stellwaags. zu würdigen wissen, daß wir nicht das ernten, was wir säen, sondern b a S, was uns die Insekten übrig lassen. Als ernsthafte Forderung steht hinter diesem Worte das Gebot, alles, was in unserer Macht liegt, zu tun. um die Beruhte nach Möglichkeit emzuschränken und das älebel nicht noch größer werden zu lassen. Denn wie Pros. E scher i ch. dem wir den Aufschwung unserer Wissenschaft, der „angewandten Insektenkunde" oder „angewandten Entomologie", in Deutschland verdanken, hervorhebt, sind die gewaltigen Massenschäden durch Insekten in den letzten Jahrzehnten tatsächlich im Zunehmen begriffen — eine Tatsache, die jeder Forstmann bestätigen kann, älnb nicht nur die großen Betriebe m Land- und Forstwirtschaft, auch der einzelne scheint heute wett mehr durch schädliche Insekten in fernem Haushalt, seinen Vorräten, seinem Garten bedroht zu srrn. als wir es von vergangenen Iah^ehnten wiss.n. Als Beispiel dafür sei nur der Messingkäfer genannt, der in den letzten Jahren geradezu Mode — wenn auch eine sehr unfreiwillige und unerfveuliche — geworden ist: ein kleines Insekt, das fast in jedem Haushalt, in jeder LcbenSmittelhandlung in wenigen Stücken anzutreffen ist. hin und wieder aber sich so stark vermehrt, daß man sich schon zu dem verzweifelten Mittel, entichlossen hat, gcmze Gebäude niederzubrennen. um den Plagegeist wieder loszuwerden und nicht in fortschreitender Ueberhandnahme auf benachbarte Gebäude übergveifen zu lassen. Die moderne Technik hat manchs Wege ersonnen, solchen Wirtschaftsfeinden mit chemischen oder mechanischen Bekämpfungsmitteln beizukommen, und die Verwendung von Giften, vor allem Arsenverbinduiigen und Blausäure, gegen Insekten spielt heute eine große Rolle. Sie er- fördert freilich streng sachgemäße Ausführung und muß in vielen Fällen (Dlausäurel) den Händen von Fachleuten anvertraut bleiben, um nicht selbst wieder eine Gesahr für den Menschen zu werden. Auch ist ein solch radukales Be- kämpfungsverfahren nicht in allen Fällen anwendbar. So kommen wir wieder auf die schon erwähnte soziale Pflicht für jeden einzelnen zurück, nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch in dem seiner Mitmenschen alles zu tun, um durch vorbeugende Maßnahmen das Hebel überhaupt nicht hochkommen zu lassen oder da, wo ein schädliches Insekt einmal aufgetreten ist und §u gefährlicher ^leberhandnahme neigt, rechtzeitig und energisch ein weiteres Anschwellen zu unterbinden. Im großril und ganzen kann, wie in der menschlichen Hygiene, auch im Verhalten gegen schädliche Insäten der beste Weg einer grundsätzlichen Vorbeugung in einem einzigen Wort ausgedrückt werden: Reinlichkeit! Wie die Reinlichkeit am eigenen Körper, ist auch die Reinlichkeit in Wald und Feld, das Entfernen abgestorbener Pflanzen und Pflanzen- terle, die als Drutstätteii von Insekten dienen können, die Reinlichkeit im Hause, das Beseitigen von Abfällen, das gewissenhafte Bedecken von Lebensrnitteln, das Abschließen von Mülleimern, Dunggruben, Aborten, das häufige Lüften und Ausklopfen von Kleidern die gegebene Vorbeugung von Insektenschäden. Aber wie der Mensch durch Reinlichkeit allein nicht unbedingt von Krankheiten verschont bleibt, ist sie auch kein unbedingter Schutz gegen das Auftreten von Insekten, deren Lebens- und Erttwickllrngs- bedingungen noch dazu in vielen Punkten unve- kannt oder ungeklärt sind. Die ärztliche Wissenschaft trägt durch ihre Aufgabe, die Ursachen menschlicher Erkrankungen zu erforschen, zum Volkswohle bei, und eme ähnliche Aüfgabe obliegt auf dem hier behandellen Gebiet der angewandten Entomologie. Die Organisation der Schädlingsbekämpfung, die besonders in den Vereinigten Staaten — unter der Führung von Dr. H o - ward — vorbildlich ausgebaut worden ist, hat auch in Deutschland erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen, wenngleich wir erst am Anfang einer aus den Zeitbedürfnissen gebotenen Ent- toufhrng stehen. An landwirtschaftlichen und forstlichen Hochschulen, an über das Reich Der* teilten Versuchsanstalten und amtlichen Pfmnzen- schutzstellen und vor allem an der Zentrale dieser gesamten Organisation, der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem, wird eifrig an der Erforschung der Lebensweise und der besten BekämPfunaSmSglichkeiten schädlicher Insekten gearbeitet: die gewonnenen Ergebnisse werden in die Praxis umgesetzt und damit in den Dienst des Volkes gestellt. Aber die für diese Arbeit zur Verfügung stehenden Kräfte reichen bei Wettern nicht aus, die ungeheuere Fülle von Aufgaben zu bewältigen, welche das Schädlings- Problem als Ganzes birgt. Kommen dazu noch Hemmungen, welche in der Verkennung der Wich- tigteif einer sachgemäßen, wissenschaftlich fundierten Insektenbekämpfung liegen, so droht die Gefahr, daß auch die vorhairdenen Kräfte sich nicht voll auswirken können und die Maschine zum großen Teile leer läuft. Das Verständnis Der Allgemeinheit für die Bedeutung des Problems ist darum von besonderem Wert. Paul Rohrbach. Der Ortsgruppe Gießen des Vereins für das Deutschtum im Ausland ist es gelungen, den be- kannten politischen Schriftsteller Paul Rohrbach am Freitag, 30. November, zu einem Vortrag zu gewinnen. Obwohl Paul Rohrbach in Gießen kein Fremder ist — er hat bereits vor Jahren hier gesprochen, und seine ständige Mitarbeit bei der Behandlung außenpolitischer Fragen im „Gießener Anzeiger" haben chn in allen Kreisen unserer Leserschaft bekannt gemacht — dürfte es angezeigt erscheinen, in einigen kurzen Daten feinen nicht alltäglichen Lebenslauf zu schildern. Paul Rohrbach ist, jetzt bald ein Sechziger, geborener Livländer. In Dorpat, Berlin und Straßburg studierte er Theologie und Philosophie. Schon wenige Jahre nach vollendetem Studium führten ihn weite Reisen nach Sibirien, Turkestan, Persien und in die Türkei. 1903 wurde er kaiserlicher Kommissar für das Ansiedlungswesen in Südwestafrika. Später bereifte er Ostafrika und Ostasien. In der Nachkriegszeit auch Nord- und Südamerika. Außerordentlich bekannt geworden ist sein aufrütielnbes Buch „Der deutsche Gedanke in der Welt" und eine kurze geistvolle „Geschichte der Menschheit"; beides in den „Blauen Süajcrn" des Langewiesche Verlages. Auch die Ergebnisse der Amerikareise fanden in einem wertvollen Werk ihren Niederschlag. Oberheffen. Landkreis Gießen. QJ Lollar, 28. Rovembrr. Eure öffentliche Sitzung des Gerneinberats sand gestern abend statt. Aus ihr ist als bemerkenswert u. a. zu berichten: Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1928 schließt in Ausgabe ab mit 136 598 Mark. Hiervon gehen ein aus Waldungen, an Reichssteue.n usw. 92122Mk., so daß ein Restbetrag von 44 420 Mk. verbleibt, dem 17 840 Mk. Einnahmen aus der Gebäude- sonderst euer gegenüber stehen. Der fehlende Betrag mit 26 720 Mk. muß durch ilmlage aufgebracht werden. Das Kreisamt Gießen schlägt folgende Plmlagesätze vor: Auf 100 Mk. Steuerwert für Gebäude und Bauplätze 18 Pf. (im Vorjahre 17,5 Pf.), für land- und forst- wirtschafllich genutzten Grundbesitz 40 Pf. (39). für gewerbliche Anlagen und Betriebskapital 48 Pf. (43), für Gewerbeertragssteuer 75 Pf. (73). Der Gemeinderat stimmte zu. Die geringe Erhöhung der Sätze ist erforderlich geworben, da die Einnahmen aus der Gebäudesondersteuer um etwa 1000 Mk. geringer als im Vorjahre find. — Für die Lumdastraße wurde die Pflasterung einer einseitigen Gosse von 70 Meter Länge beschlossen und der erforderliche Betrag von etwa 700 Mk. genehmigt. — Die Kirche In Lollar besitzt keine Heizung. Gottesdienste finden jeden zweiten Sonntag statt und werden insbesondere von den älteren Gemeindegliedern besucht, die den Weg zur Kirchspielskirch« nach Kirchberg nicht gut machen können. Das Pfarramt hat nun um den Einbau einer Heizungsanlage nachgesucht. Es schlägt elektrische Heizung vor, da diese keinerlei Bedienung erfordert, für etwaige Ofenheizung auch kein Kamin vorhanden ist. Der Bürgermeister hat einen Kostenvoranschlag fertigen lassen; hiernach käme die Anlage auf 570 Mark. Die gesamten Heizungskosten für die Wintermonate sind auf 46 Mark für Heizstrom berechnet. Die Abstimmung nach längerer Aussprache ergab die Ablehnung der Vorlage bei S.immengleichheit (7 :7) mit den Stimmen der sozialdemokratischen Ge- meindevertveter. — Der Bauunternehmer Lern* mer, der vor einiger Zeit den Dausterschen Steinbruch am Lollarer Kopf übernommen hat, sucht um Abtretung von Gelände zum Zwecke der Ausbeutung nach. Während das erste Gesuch auf Abtastung von 10 030 Quadratmeter (etwa Vs des Lollarer Kopfes) lau'ete, hat L. inzwischen, da dieses Ansinnen keinerlei Aussicht auf Genehmigung hatte, seine Forderung auf etwa 1 Morgen (2500 Quadratmeter) ermäßigt, was etwa 11—12 Meter in der Breite ausmacht. Rach eingehender Aussprache, wobei auch die Berichte in der Tagespresse behandelt wurden, ergab die Abstimmung mit 12 gegen 2 Stimmen die Genehmig ung zur pachtweisen Ablassung eines 11—12 Meter drei en Geländestreifens, insgesamt 2500 Quadratmeter nicht übersteigend, zum Preise von 4 Mk. für den Quadratmeter, zahlbar mit Inkrafttreten des Pachtvertrages. Weitere angeregte Bestimmungen sollen in den Pachtvertrag auf genommen werden. Wenn es auch nicht möglich ist, alle Einzelheiten der Aussprache hier wiederzugeben, so sei doch zu den die (S? bVtung des Lollarer KvXes eiöre.nden /, bis y. Liter Milch. Das früher so beliebte „Oetker's Schulkochbuch“, Ausgabe C, Ist In völlig neuer Bearbeitung wieder erschienen und Ist mit seinen ca. 500 Koch-, Back- und Einmache- Rezepten ein guter Ratgeber für die gesamte Haushaltführung. 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Dezember 1928, nachmittags um 3 Uhr, ebendaselbst statt L ö Die 'ieger des Kölner 6-Tage-Rennens Sieger — Schöler (Augsbg.) (Stuttgart) Charlier— Duray (Belgien) Remold—Schäfer (Schweinf.) (Frankf.) WlkiWllMAli "aewünWell ^ueftattrng flilieln u.oielsmkn ole Brühildie Unlo.'Droierel n Longe. Sieden. SSlllltt. 7. veranstaltet auf Veranlassung und mit Hilfe des Staates durch den Oberhessischen Kunstverein. Die Ausstellung, welche nur Werke hessischer, insbesondere oberhess. Künstler enthält, wird Sonntag, den 2. Dezember, vormittags 11 Uhr, eröffnet und ist an folgenden Tagen zugänglich: Sonntags von 11 bis 1 und von 3 bis 6 Uhr Montags von 11 bis 1 Uhr Mittwochs von 11 bis 1 und von 3 bis 7 Uhr Freitags von 11 bis 1 Uhr bei freiem Eintritt für jedermann. Mit der Ausstellung ist eine Ausspielung in jener anzukaufender Kunst-Gegenstände verbunden. Lose ä 50 Pfennig sind insbesondere an der Ausstellungs-Kasse sowie bei der Mitteldeutschen Creditbank erhältlich. Die Loseziehung erfolgt am 19. Dezember 1928 im Turmhaus am Brandplatz in Gießen. Suchong........ Java Orani...... Ceylon Oranj. .. Darjeeling Oranj. Zjunu’stolle N f Hygienische Artikel) [sämtliche Goromiwaren l Drogerie Wiolerholij \ Kreuzplatz 10 Hygiene auf Flanelle, Zephire, Perkale, Velours usw. mit denen wir räumen wollen Backartikel liirWeihnacliten Kuvertüre, Streuzucker, la Mehl, Haselnußkerne, Mandeln, Oblaten, sowie sämtliche Gewürze. J. M. Schulhof Marktstraße 4 Eingang Burggraben. Boucheron — Lonet (Frankreich) Rieger — Klchli (Deutschland) (Schweiz) Ehmer— Kroschel (Berlin) Bossl - Bestetti (Italien) Paulanerbräu Salvatorbrauerei München greibanf. Freitag, den 30. Nov., von 8 Uhr ab »856D Aleisch verkauf. Der große Internationale Groöstadt-Beirleb Tageskarten: Gütig von 12 Uhr mittags bis 5.30 Uhr nachmittags IMac itkarien: 6.30 Uhr bis 6 Uhr morgens Vorverkanfssteilen: Siehe Plakaie u. sämtl. 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Schon Bismarck hat betont, daß der Landwirtschaft das gleiche Interesse wie der Industrie entgegengebracht werden mu j. Vorbei sind längst die Zeiten, wo die Landwirtschaft ein primitives Gewerbe war. Sie ist heute mehr denn je eine Wissenschaft und Kunst. Die Landwirtschaft braucht Männer mit hohem Wissen und Können, uni den Gesamtapvarat der deutschen Landwirtschaft fortschrittlich zu erziehen, zu leiten, zu führen. Der größte Teil der landwirtschaftlichen Betriebe, etwa 95 Prozent, befindet sich in den Händen von kleineren Mittelbauern. Die Landwirtschaft ist somit das volkstümlichste Gewerbe, die Quelle jeglicher Erneuerung des Dolksganzen, die Grundlage jedes gedeihlichen Wirtschaftslebens, die Rährmutter des deutschen Volkes. Dos geflügelte Wort Aereboes von der „geistigen Mobilisierung" der deutschen Landwirtschaft kennzeichnet klar die gegebenen Verhältnisse. Die große Passivität un erer Handels- bilanz, bedingt durch hohe Einfuhrzahlen von Lebensmitteln, zwingt Deutschland, die Produktivität des landwirtschaftlich genutzten Bodens zu fördern. In hervorragendem Maße ist der akademisch gebildete Landwirt auf Grund seiner Kenntnisse praktischer und wissenschaftlicher Ra- tur in der Lage, die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu fördern und zu steigern. Die landwirtschaftliche Produktionsfrage ist eine Erziehungsfrage der deutschen Landwirtschaft. Lehrer und Berater der deutschen Landwirtschaft sind die D i p l o m l a n d w i r t e. Aber auch in der Verwaltung aller der Stellen, die landwirtschaftliche Belange zu vertreten haben, muh der akademisch gebildete Landwirt in leitender Stellung Verwendung finden. Der Redner setzte sich für einen geregelten Bildungsgang aller Landwirte ein. Die beste MeliorationSmaßnahme der Landwirtschaft sei die Förderung der fachlichen Bildung aller Landwirte. Auch die Städte, die Grundbesitzer sind, können sich keinen besseren Berater und Verwalter ihres Grundvermögens denken, als einen praktisch geschulten und akademisch gebildeten Landwirt. Auch das Dersuchsringwesen muh erheblich gefördert werden; ebenso auf dem Gebiete der Tierzucht muh der akademisch gebildete Landwirt führend eingreifen, sowie bei der Diehverwertung, bei den Küftuvämtern, Movr- kulturanstalten, den großen Hypothekenbanken und als Sachverständiger bei unseren Auslandvertretungen führend Mitarbeiten. Ein besonders wichtiges Gebiet ist di« Pflege der Wissenschaft. Den großen Aufschwung unserer landwirtschaftlichen Erzeugnisse in den letzten 50 Jahren verdanken wir dem tiefen Forschen und Arbeiten von landwirtschaftlichen Wissenschaftlern. Sie sind die Mittler zwischen Wissenschaft und Praxis, deren äußerst wichtiges Gebiet die Wirtschaftsberalung ist; nur durch eine intensive Wirtschaftsberatung besonders der kleinen und kleinsten Betriebsleiter, die aber bei diesen auf eine gute landwirtschaftliche Ausbildung gestützt sein muß, wird es möglich sein, der Landwirtschaft dauernd zu helfen. Zur Erfüllung aller dieser äußerst wichtigen Aufgaben müssen Reichsregierung und Länder mehr als bisher für die Förderung der Landwirtschaft aufwenden. Vor allem muß das krasse Mißverhältnis bei den Aufgaben für die Förderung von Industrie und Gewerbe einerseits und der Landwirtschaft andererseits beseitigt werden, um in Zukunft die starke Llnterbilanz unseres Wirtschaftslebens verschwinden zu lassen. Weiter müsse dazu der akademisch gebildet« Landwirt fordern, daß ihm gleiche Berechtigung im Staats- Lach« Vaiarrot Vornan von J. Schneider-Foerstl. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 8 Fortsetzung Nachdruck verboten. Hettingen nickte schweigend vor sich hin und sah dabei flüchtig nach Richthofens Schwester, die völlig gelassen in ihrem Stuhl lehnte und ihre Augen in die Runde gehen lieh, als wäre das Gespräch für sie ohne jegliches Interesse. Als man sich gegen zwei Llhr früh trennte, stand Hettingen noch eine Minute allein bei Maria am Wagen, deren Schlag er für sie offen- hielt. Mit einem leichten Spottgekräusel um den zierlich geschwungenen Mund, sah sie zu ihm auf. „Oie hoben die beneidenswerte Gabe, Baum — rasch zu vergessen und sich Ersatz zu suchenl" Als hätte sie zuviel gesagt und sich eine Blöße gegeben, bih sie die Lippen ineinander. .Wie meinen Sie das?" Joachims Hände drückten erbarmungslos die weichen, weihen Mädchen finger zusammen. Als er ihr Zucken verspürte, drückte er sie nur noch fester. Mit einem leisen Laut des Schmerzes wand sie sich aus der Umklammerung. „Sie haben mir weh getan." „Sie mir auch — Maria!" Mit langen Schritten holte er das voraus- eilende Ehepaar ein. .Komm, mein Liebes!" Fehmann hatte das Licht in ihrem bescheidenen Wohnzimmer aufgedreht, legte den Arm um seine Frau und zog sie auf dem mit grünem Rips bezogenen Sofa zu sich herab. Der schmucklos einfache Beleuchtungskörper mit dem grünen Papierschirm darüber warf ein gespenstisches Licht auf ihre Wangen. Ihr Blick senkte sich angstvoll vor dem des Gatten. Er fühlte, wie sie zitterte. Dann hob sie unvermittelt beide Hande zu ihm hoch „Frage mich als auch im Wirtschaftsleben zugestanden wird, wie allen anderen akademisch gebildeten Berufszweigen. Auch seine Ausbildung gibt ihm dazu ein Recht, denn der akademisch gebildete Landwirt braucht mindestens rund acht Jahre dazu. Reben dem beftaixberen Abiturientenexamen verlangt man von ihm eine drei- bis vierjährige landwirtschaftliche Praxis, sowie sechs bis acht Semester Hochschulstudium. Der akademisch gebildete Landwirt muh mehr als bisher überall dort Verwendung finden, wo es gilt, landwirtschaftliche Fragen zu llären und zu Ib en. Rur so ist der heul« vielfach feststellbare Dilettantismus in der Bearbeitung höchst lebenswichtiger Fragen zu vermeiden und dem deutschen Volke die Quelle eigener Kraft zu erschließen, auf die es nicht verzichten kann, wenn es aus all der Rot und dem Elend wieder emporblühen will. AeKervierMjü'arSenMfrmKTaSak... . .. läßt die Wett jährlich in Rauch aufgehen. — Gewaltige Zunahme des Konsums. — Deutschlands Tabakindustrie die größte der Welt. Don Rudolf Bier. Die bevorstehende Revision des Dawesplanes wird hoffentlich auch für die deutschen Raucher eine erfreuliche Folge haben. Hat doch die deutsche Tabakwarenindustrie in diesem Jahr 800 Millionen zur Deckung der Reparationslasten beizusteuern, eine Summe, die schließlich nicht von den Grohindustriellen dieses Gewerbes, sondern von allen Zigaretten- und Zigarrenrauchern bezahlt wird. Gewaltige Abgaben hat die Raucherschaft in den letzten Jahren an den Staat abge» führt, ohne zu murren, ohne den Verbrauch etn- zuschränken, und es wäre ihr schon zu gönnen, daß die Steuerschraube und damit der Zigarettenpreis einmal ein wenig nachlassen, noch dazu in einem Augenblick, in dem der Kampf der Industrie gegen die Schleuderhändler erfolgreich 8*u sein scheint. Man hat sich daran gewöhnt, dem Raucher sein „Laster" oder seinen „Luxus" zu verteuern, weil man wußte, daß er erfahrungsgemäß dem „blauen Dunst" treu bleiben und, dem Zug der Zeit in der ganzen Welt folgend, seinen Verbrauch sogar noch ausdehnen würde. Haben doch auch viele andere Staaten einen erfolgreichen Raubzug auf die Taschen ihrer rauchenden Bevölkerung ausgeführt, ohne ihre Tabasindustrie und die Zigarettenhändler — in Deutschland gibt es über eine halbe Million Kleinhändler mit Tabakwaren — nennenswert zu schädigen. Daß bad Rauchbedürfnis der Menschheit trotz allen Steuermaßnahmen der Regierungen beträchtlich gewachsen ist, beweisen die steigenden Tabakernten, die auf die vergrößerten Anbauflächen zurückzuführen sind. 3m Durchschnitt der letzten Jahre vor dem Krieg erntete man auf der ganzen Welt jährlich rund 28/« Milliarden Pfund Tabak, während in den letzten Jahren über vier Milliarden gezogen und verarbeitet worden sind. Deutschland, das vor dem Krieg 60 Millionen Pfund Tabak jährlich ernten konnte, aber durch die Abtretung Elsaß-Lothringens ein wich- ttges Anbaugebiet verloren hat, hat an dieser Bewegung nicht teilgenommen, da es fetzt im Durchschnitt der letzten Jahre aus feiner eigenen Erzeugung nur noch 35 Millionen Pfund erhält. Der Rückgang des Anbaus ist vielmehr durch eine bedeutende Steigerung der Einfuhr wettgemacht worden. Don den europäischen Ländern haben es dagegen vor allen Dingen Griechenland, ‘Bulgarien, Rußland, Italien, Jugoslawien und Rumänien verstanden, ihre Tabakwirtschaft außerordentlich zu erweitern; so hat Griechenland, verglichen mit der Zeit vor dem Krieg, seine Ernten mehr als vervierfacht, Bulgarien hat sie fast versiebenfacht, Italien konnte nahezu die vierfache und Rumänien mehr als die doppelte Ernte einbringen. Die Llrsachen sind freilich in allen diesen Ländern verschieden. Auf dem Balkan spielen neben territorialen ilmgcftaltungen die angebauten Tabaksorten die wichtigste Rolle, da in Bulgarien und Griechenland vorzugsweise Helle und besonders kostbare Zigarettenlabake gewonnen werden, so daß die Pflanzer von dem Siegeszug der Zigarette profitieren. Die die würdige und behäbige Zigarre unserer Väter von Tag zu Tag mehr aus dem Feld schlägt. Helle Zigarettentabake sind gesucht und haben den Ländern, die sie anbauen, große Vorteile gebracht. In Italien hat der Staat mit allen Mitteln die Einführung bet Tabakkultur gefördert, und es hat sich herausgestellt, daß besonders Apulien ein hervorragenbes Anbaugebiet für „mazeboni- schen" Tabak ist; aber auch „dunkle amerikanische Sorten" gedeihen dort recht gut Wichtiger für die Steigerung der WelUabakernten sind freilich die außereuropäischen Gebiete, unter denen die Vereinigten Staaten, Brilisch-Inbien und China, bie wichtigsten sinb. In China z. B. hat man im Durchschnitt ber Jahre 1909 bis 1913 jährlich 140 Millionen Pfund Tabak gewonnen, aber im Jahre 1926 über 440 Millionen, ober mehr als ein Zehntel der Welternte. Dabei ist die Ausfuhr aus diesem ungeheuren Reich nur ganz wenig, etwa um drei Millionen Pfund, gestiegen. Der Feme Osten, nicht allein China, sondern auch Indien und Japan, hat sich das Rauchen angewöhnt, und die Moralisten müssen in diesem Fall das Laster sogar begrüßen, seine Ausbreitung empfehlen, überhaupt alles für die Erhöhung des Tabakgenusses tun, da die Zigarette der erfolgreiche Rivale des Opiums ist und das gefährliche Rauschmittel verdrängt. Man darf sich freilich nicht einbilden, daß bie Volker des Ostens von selbst zu der Einsicht_ gelangt seien, Tabak dem Opium vorzuziehen, ober bah irgendein Re- aierungsfeldzug diesen erfreulichen Erfolg gehabt habe. Gs gibt groß« englisch-amerikanische Tabakkonzerne, die in Asien mit dem Tabakverkauf gute Geschäfte machen, und denen es gelungen ist, auch die Chinesen für dieses Rarkotikum zu begeistern. Die Verdrängung des Opiums ist nur Die angenehme Begleiterscheinung eines gelungenen Industriegeschäfts. 75 Prozent des Tabaks wird in den Ernte- ländern selbst verbraucht, und nur ein Viertel der Welterzeugung wandert in fremde Gebiete. Don dem gesamten Rohtabak, ber überhaupt in den internationalen Handel gelangt, nimmt Mitteleuropa zwei Drittel auf. Vor allen Dingen Deutschland kaust gewaltige Mengen, denn seine Tabakindustrie ist die größte der Welt! Das deutsche Volk gibt jährlich eine dreiviertel Milliarde Mark für Zigarren aus; aber fast die doppelte Summe, nämlich 1,350 Milliarden Mk.» werden in jedem Jahr von den Zigarettenrauchern für die Befriedigung ihrer Leidenschaft bezahlt. Rechnet man nrxh den Verbrauch von Pfeifen-, Schnupf- und Kautabak hinzu, so ergibt sich daß in Deutschland rund 2Vs Milliarden Mk. für Tabakerzeugnisse ausgegeben werden. In der deutschen Tabakindustrie verdienen etwa 215 000 Arbeiter und Arbeiterinnen ihr Brot —- das ist fast ein Drittel aller Tabakarbeiter der Welt. "3n den Vereinigten Staaten, die weit mehr Tabak verarbeiten, sind nur 150 000 Arbeiter in diesem Gewerbe beschäfttgt; freilich bedient man sich dort vielfach besserer Maschi- nen, und der Kleinbetrieb ist in Amerika mehr als hier durch den Großbetrieb ersetzt worden. Wenn Deutschland auch die ber Arbeiterzahl nach größte Tabakindustrie hat, so findet man doch bie größten Tabakgesellschasten nicht in Mitteleuropa, sondern in England und Amerika. Besonders der englische Tabaktrust, dessen Herrscher Sir George W i 11 s vor einigen Wochen gestorben ist, hat sich in einem Vierteljahrhun- bert ein Weltreich geschaffen und ist zu einem Unternehmen getoorben, das nur mit den größten privatwirtschaftlichen Mächten, der Chernie- gesellschasten, den Petroleumtrusts, dem schwedischen Streichholztrust verglichen werden kann. Die „Imperial Tobacco Company“, wie der englische Tabaktrust heißt, hat fast eine Milliarde Kapital. Sie ist am brittsch-amerikanischen Tabaktrust maßgebend beteiligt, und man behauptet, daß sie jährlich fast die Hälfte der Welttabak- ernte, also ungefähr zwei Milliarden Pfund Tabak, umsetzt. In England selbst versorgt dieser Trust ungefähr Dreiviertel der Raucherschaft mit seinen Erzeugnissen; wichtiger ist aber der Umsatz in den Dominions und im Fernen Osten. Die „Imperial Tobacco Company" h ft im letzten Jahrzehnt auf das eingelegte Stammkapital von 860 Millionen Mark regelmäßig 17 bis 25 Prozent Dividende verteilt, und die britisch-amercka- nische Schwestergesellschaft blieb niemals hinter dem Vorbild des rein englischen Trustes zurück. Das gesamte Tabakunternehmen hat in den letzten Jahren ungefähr 400 Millionen Mark jährlich verdient. Es befindet sich fast ausschließlich in Familienbesih, und Sir George Witts, dessen Testament kürzlich eröffnet worden ist. hat dem britischen Steuersiskus allein an Erbschaftssteuer über 80 Millionen Mark eingebracht. Aber die Erben sind dennoch nicht zu bedauern, da bas hinterlassene Vermögen ausreicht, sie unter die Heine Schai; ber reichsten Leute ber Welt aufzunehmen. Mittiarden, die in Rauch aufgegangen sind, haben einige geschickte Leute immerhin zu Multimillionären gemacht, so daß doch noch etwas anderes als Asche von dem verbra.mten Tabak erhalten geblieben ist. In der deutschen Zigaret- tce.industrre sind srettich in den letzten Jahren keine gewaltigen Vermögen verdient worden. Diele Fabriken haben sich überhaupt nur gehalten, weil die Finanzämter die Beträge für die Danderolensteuer gestundet haben, und in den letzten Jahren haben sich ber Reichswirtschaftsrat, das Reichsfinanzministerium und die Industrieverbände mehrfach zu Beratungen über die Sanierung der Zigaretteninbustrie zusam- menfinden müssen. Am Anfang dieses Jahres war die Zigaretteninbustrie bem Finanzministerium ungefähr 150 Millionen Mark Steuer schuldig — aber es gibt auch Fachleute, bie diese Schätzung für zu niedrig halten und behaupten, daß bie Steuerschuld mindestens 230 Millionen Mark betragen habe. Amtsenthebung des Kirchhainer Landrats. Kassel. 28. Nov. (TU. Drahtbericht.) Der Landrat des Kreises Kirchhain, von Gilsa, ist, wie von zuständiger Stelle bestätigt wird, von seinem Amte vorläufig enthoben worden. Ob eine endgültige Amtsenthebung stattsinden wird, hängt von einer ministeriellen Entscheidung ab. Die Gründe für diese Maßnahme sind politischer Ratnr. Aus Berlin wird über die Gründe für diese Maßnahme folgendes berichtet: Bor einigen Wochen war der Kasseler Regierung bekanntgeworden, daß die Nationalsozialistische Arbeiterpartei im Kreise Kirchhain, unweit der Universitätsstadt Marburg, über eine besondere Organisation verfügt, die ausgesvrochen militärische Zwecke verfolgt und ihre Mitglieder militärisch a u s b i l b e t. Wie der „Vorwärts" mitteilt, hat die Untersuchung der Anaelegenheit völlige Klarheit ergeben, daß diese verbotene Organisation winde- stens unter Duldung des Landrats von und zu Gilsa hatte wirken können. Es wurde festgestellt, daß Nationalsozialisten seit vier Wochen nächtliche Uebungen in den Wäldern des Kreises durchführen. Auf diese Feststellungen hin Oie Reform der Reichsverfaffung ist ein Problem, bas noch lange Zeit im Mittelpunkt des politischen Interesses stehen wird. Um unserer Leserschaft ein möglichst umfassendes Bild des gesamten, mit dem (Stichwort Hessen und die Neugliederung des Reichs eindeutig umschriebenen Fragenkomplexes zu geben, werben auf unsere Anregung hin bie berufenen Vertreter der Geographie, der Geschichte, der Wirtschastswissen- schafien und desStaatsrechts an unfererLandesuniversität als beste Kenner des verwickelten Problems in einer Reihe von Aufsätzen zu ihm (Stellung nehmen. Als erster wird Professor Or. Klute am (Samstag, dem 1. Dezember, die.Frage der Reichsreform von geographischen Gesichtspunkten aus erörtern. heute um nichts mehr, Hans! — Ich habe alles vergessen." „Du lügst!" Sie weinte auf, griff nach seinen Fingern und küßte sie, so sehr er auch dagegen wehrte. „Hast du mir von früher her irgend etwas verschwiegen, Drunhilde?" „Hans!" Mit einem Satze war sie an der Türe, von der er sie mit brutalem Griff zurückriß. „Antwort Witt ich! Hörst du!" Er hatte ein böses Wort auf der Zunge, verschluckte es aber, als er gewahrte, wie ihr ganzer Körper vor Furcht erbebte. „Haft du damals — du weißt, was ich meine — hat dir damals einer. . „Hans!" Sie wand sich vor ihm in den Knien! „Du weiht es ja!" Ja er wußte es! Er war ein Rarr gewesen, sich so zu erregen. Sie war in ihrer ganzen Reinheit zu ihm gekommen. Es stand ihm (einerlei Recht zu, sie durch eine derartige Frage zu bemütigen. „Komm!" Er legte beide Arme um sie und zog sie auf seine Knie. „Wenn du dich nicht mehr entsinnen kannst, daß du heute zu mir sagtest, ich svttte dich an etwas erinnern, so ist es ja gut! Ich glaube dir, Hilde, und werde nicht weiter in dich bringen.“ Ihr Blick hob sich scheu zu dem seinen auf. Sie hatte noch immer Furcht vor ihm. „Wenn du erlaubst, daß ich ein paar Minuten für mich allem bin — vielleicht — sinbe ich mich wieder zurecht." „Gut! Ich werbe bich allein lassen!" Er ging nach seinem Orbinationszimmer hinüber unb brücfle bie Türe ins Schloß. Aber eö litt ihn nicht lauge. Rach kaum brei Mv- nuten staub er schon wieber vor ihr. „Laß fein, Kinb, unb komm zu Bett, es ist fast halb vier vorüber." Sie blickte ihn an, ohne ihn zu sehen. An bem starren Ausbruck ihrer Pupttlen erkannte er, baß sie ihn gar nicht bemerkte, oder baß ihre Gedanken zum mindesten wett weg von ihm waren. Dann begann sie halblaut vor sich hinzusprechen. „Hilde!" sagte er bittend. „Es ist schrecklich, wie er leidet!" „Wer?" In seiner Stimme schwankte Drohen und Reugier zugleich. „Jettingen.“ „Hilde!" ®r fuhr vom Sofa auf unb hob sie zu sich empor. Unsägliches Mitteid mit seinem jungen Weibe erfüllte ihn. War es durch Hunger, Entbehrung und Angst vor ihm schon so weit gekommen, daß ihre Gedanken sich zu verwirren begannen? „Wir wollen schlafen gehen," mahnte er gütig. Starr sah sie ihm ins Gesicht. „Es ist alles von seinem Blut! lieber Gesicht, Hände und Füße rinnt es! Es ist ganz dunkel färben und sickert aus fleinem Herz em" Ihr Körper wurde plötzlich von einem heftigen Weinen geschüttelt. „Hier liegt er nicht. Hier nicht! Diel weiter nach rechts! Dort wo die roten Blumen stehn." Dann Stille!-- Mit seitwärts geneigtem Gesichte ruhte sie schwer an seiner Schulter. Die Lampe siackecte zuckend auf. Durch bie offenen Fenster kam der erste Strahl des erwachenden Sommertages unb des sich regenden LebenS. Ern Wagen fuhr raffelnb vorüber. Aus den nahen Anlagen pipsten DogeIstimmen herüber. De reinzett I Schüchtern! Menschenlaute mischten sich aufdringlich dazwischen. Die Straßenfeger gingen an ihre Arbeit. Fehmann nahm seine bewußtlose Frau und trug sie nach ihrem Zimmer. „Hilde!" flüsterte er abbittenb. Aber sie hörte ihn nicht. Wie von einer tiefen Ohnmacht umfangen ruhte ihr Kopf gegen feine schweratmenbe Brust. Behutsam legte er sie in die Kissen und setzte sich bann zu ihr, bie kältestarren Finger mitleidig zwischen seine warmen zitternden nehmend, Unverwandt ruhten seine Blicke auf ihrem schneeigen Gesicht, in dem die Augen mit tiefen blauen Rändern eingezeichnet lagen. Gegen Morgen erhob er sich geräuschlos, ging in sein Arbeitszimmer hinüber unb drehte bie Kurbel des Tisch Telephons. „Rümmer 6640!" , Cs war erst sieben älhr. Was würde man sich im Hause Sjettingen denken, wenn er so früh schon schellte? Aber er konnte nicht anders! Die Sorge erwürgte ihn sonst. Eine dünne brüchige Stimme meldete sich Dann wurde sie von einer anderen unterbrochen. „Hans, du? Brauchst du mch?" „Joachim, bist du es selbst!" schrie Fehmann überlaut. „Gewiß, mein Lieber! Kann ich dir irgendwie dienlich sein? Wie ist dir unb Schwester Brun- Hilde ber Abend bekommen?" „Gut! Ich banke bir, Achim! Ich wollte mich nur vergewissern, ob du auch ohne Unfall nach Hause kamst I Ich habe mir Dorwürfe gemacht, baß wir dich allein gehen ließen!" „O, bu getreuer Jonathan!" Ein herzliches Lachen folgte. „Ich bin schon eine Stunbe durch den Prater geritten und habe mir bie Morgenluft um bie Ohren wehen lassen. Wenn es bir möglich ist, komm heute abend. Ein ganz intimer Kreis! Du kannst bann Schwester Brun- Hilde eine äleberraschung mit nach Hause bringen!" „3a!" „Schluß I" sagte eine energische Stimme von der Zentrale her. Feßmann hängte den Hörer ein und ging zu seiner Frau hinüber. Eine quälende Unraft war in ihm, mehr zu wissen unb den Fäden nachzuspüren zu dem Letzten, woraus Brunhilde ihr Ahnen schöpfte. Als er sie auf die Stirne küßte, erwachte sie. In ratlosem Schrecken sah sie chn an. „Ich habe verschlafen, Hans! — Verzeih mir! — Es wird n.icht wieder vorkommen I“ Seine Lippen^ auf die ihren neigend, drückte er sie sorglich zurück. „Du sollst ruhen, solange du das Bedürfnis danach fühlst! — Cs ist übrigens noch gar niemand gekommen I" gestand er mit einem resignierten Lächeln. „Rur eine Frage, wenn bu mir noch beantworten wolltest!" „Gern!" „Hast bu früher irgendwo --ich sage besser — irgendwie als Medium gedient?" i „Als was? — Hans?" „Als Medium!" (Fortsetzung folgt.) bat der preußische Minister des Innern, Grzc- s i n s k i, die fofortige Enthebung des Landrats an- yeordnet. Die zuständigen Stellen prüfen, welche Maßnahmen gegen die Mitglieder der nationalsozialistischen Organisation zu treffen sein werden. JeratunMelle für Insektenbekämpfung Während eine kranker oder verwundeter Mensch nicht im Zweifel ist, daß ihm die Hilfe des Rrztes zur Verfügung steht, und der Besitzer eines kranken Tieres weih, dah er sich an den Tierarzt zu wenden hat, herrscht in Fällen der Wirt- schaflsschädigung, des Materialverlustcs, der Vor- ratsgefährdung durch Insekten im allgemeinen noch große Ratlosigkeit. Das Bedürfnis, auch hier im Rotfalle Beratung und Hilfe finden zu können, ist ein dringendes. Die Oeffentlichkeit sei darauf hingewiesen, dah jene Wissenschaft, deren Ziel die Erforschung und Bekämpfung tierischer Schädlinge ist, seit einiger Zeit auch an der Gießener Universität eine Heimstätte hat. Die unter der Leitung von Prof. Dingler stehende „21 bteilung f ü r Forstzoologie und Schädlingsbekämpfung" des Forstinstitutes, Braugasse 7, 2. Stock, ist nunmehr soweit ausgebaut, dah sie sich neben ihren wissenschaftlichen 2lufgaben in Bälde auch der Beratung und Begutachtung in Schädlingsangelegenheiten widmen kann. Sie hat zu diesem Zweck etne „Beratungsstelle für Insektenbekämpfung" errichtet, die in enger Fühlungnahme mit der .Hauptstelle für Pflanzenschutz" arbeitet und in dringenden Fällen auch heute schon der 2lll- gemeinheit zur Verfügung steht. Wirtschaft. Trübes Wirtschafisbild der Reichsbahn. WB. Am 26. und 27. Rovember tagte der Verwaltungsrat der Deutsche n Reichsbahngesellschaft in Berlin. Den Hauptgegenstand der Beratung bildete der Voranschlag für das Iahr 1929. Die derzeitige Bilanzlage der Reichsbahn ergibt folgendes Bild: Die Güterbewegung weist im allgemeinen den bei Einführung der Tariferhöhungen angenommenen Umfang auf. Die Produktionsstockung im Ruhrrevier hat jedoch schon jetzt eine Verminderung des Güterverkehrs zur Folge. Die von der Aeurinteilung der Personenklassen erwartete Aufwanderung in die Polster» klasse ist insbesondere Im Nahverkehr einge- treten. Zur Vermehrung der Polster- klassenwageu und zur einheitlichen Ausgestaltung der WagenderHolzklasse hat der Verwaltungsrat weitere Mittä bereit- gestellt. Ein zahlenmähiges Bild von der Wirkung der anfangs Oktober eingeführicn neuen Tarife läßt sich heute noch nicht geben. Ein Ue bersch uh als Vortrag für das neue Iahr wird sich auch im günstigsten Falle nicht ergeb n. Die nach der V rl h s ei un d s Iah es 19zd geschätzten D^trieoseumahinen für 1929 decken außer den gesetzlich vorgeschriebenen Lasten und Rücklagen die Betriebsausgaben nur bei äußerster Einschränkung verlaufenden sächlichen Anforderungen. Dringend erwünschte Reubauten und Verbesserungen sind nur möglich, wenn es im neuen Iahre gelingen sollte, neue Kapitalien auf* zunchmen. Der Voranschlag ist so knapp bemessen, dah jede Verringerung der Einnahmen oder Erhöhung der Ausgaben einen Fehlbetrag Hervorrufen muh. Eine Verringerung der Einnahmen ist, abgcs?hen von den in einem möglichen Koniunkturabstieg liegenden Gefahren, aus dem steigenden Wettbewerb der anderen Verkehrsmittel zu befürchten. Die Reichsbahn hat fast allein die politischen Lasten (Reparationen, Verkehrssteuer und außerordentliche Pensionslasten) zu tragen, von denen die übrig.n Verkehrsmittel nahezu frei stad. Ferner werden dirsen die Verkehrswege zum erheblichen Teil aus öffentlichen Steuermitteln geschaffen und unterhalten. Wird der über das gesunde wirtschaftliche Maß hinausgeh/nden Förderung dieses Wettbewerbes nicht Einhall getan und trotzdem von der Reichsbahn die volle Aufbringung ihrer politischen Lasten gefordert, so müßte der weiter auf die Eisenbahn angewiesene Verkehrum svschwererbelastetwerden. Eine wesentliche Ausgabensteigerung droht aus der bekanntgewordenen Absicht, für die Reichsbeamten und damit auch für die Reichsbahnbeaw' ten die jetzt gültige Arbeitszeit grundsätzlich zu verkürzen. Die durch die Einführung der wöchentlich 48 stündigen Arbeitszeit entstehende jährliche Mehrausgabe ist für die Reichsbahn auf 250 Millionen zu schätzen. Zur Deckung dieser Mehrausgaben käme Neue Buch er. — Vö Vin R 2: Das Buch vom Ien- seits. Basel, Kob:rsche Verlagsbuchhandlung. Geh. 2,50, geb. 4 Mk. (472) — Richtig und froh zu leben versteht erst der Mensch, der den Zustand der Bereitschaft zu sterben täglich und stündlich willkürlich in sich zu erzeugen vermag, frei von Furcht und frei von jeder Traurigkeit. Was du hiev auf Erden dein Schicksal nennst, ist nur ein lächerlich kleiner Ausschnitt eines unermeßlich großen Ganzen, und wenn du hier, vielleicht in sehr verständlicher und. menschlich gesehen, entschuldbarer Weise mit deinem Schicksal haderst, gleichst du dem Kinde, das etwas haben will, was ihm später, w.nn es erwachsen ist, in reich.ichster Fülle zusteht, was i)m aber heute vielleicht schaden würde: erst auf hoher Stufe der geistigen Well angelangt, wirst du dereinst dein Schicksal verstehen können, und dann wirst du lächeln über dein früheres Urteil. — Das sind ein paar Kardinalsätze aus dieser Schrist, die nicht auf der Höh: des Buches Dä Bin Räs „Dom lebendigen Gott" cheht, von mir an dieser Stelle angezeigt. Der Hypothese über die letzten Dinge, die geradezu in rophe.re ausklingt, haftet vuviel Problematisches an. Da leuchten mir die Schlußworte der Schrift des Tübinger Philosophen Karl Groos, „Befreiungen der Seele", mehr ein. Die Seele sucht den Hei- matsarund und der Hoffnung Ziel und des all-- umfaffenden Lebens Fülle. „Harrend lauscht die Seele auf die befreiende (Stimme. Die aber schweigt. Da ergreift die Sehnsucht die Hand und legt sie sacht auf den Riegel des Tores" Der Tübinger Philosoph sucht mit den Augen der Sehnsucht die letzten Dinge, und das macht ihn im höchsten Sinne des Wortes produktiv. A. B. — Ludwig Huna: Hexenfahrt. Verlag Grethlein & Eo., Leipzig. Ganzle.nen 8,50 Mk. (484) — Der Dichter der Renaissance-Romane hat sich in diesem von Abenteuern und Geheimnissen sprühenden und schillernden Werk der zauberdurchträntten Romantik zugewendtt. Das deutsche Mittelalter steigt vor uns auf. Es zieht ein junger Edelknabe aus, den heiligen Gral zu suchen: er ringt mit Gott und Teufel, immer nach dem Erhabenen lechzend und immer wieder vom Teufel in reizvoll wechs:Inder Gestalt herabgezogen. So wirbelt der reine Tor Sebaldus von Stain aus einem Abenteuer ins andere. Phantastik und Wirklichkeit verbinden sich reizvoll zu einem unglaublich besellten Kunstwerk. Schöne Hexlein, von verführerischem Liebeszauber umsponnen, geistern magisch durch daS erregende Buch. Dec weise, mit Goll verbundene Paracelsus steht neben b:m dämonischen Faust, der mit dem Teufel paktiert. Es tob: der Bauernkrieg. Gewalt und Unzucht verderben die Seelen. Aber immer wieder leuchtet im Herzen der wahre, der heimliche Gral. — Wilhelm Gerd Kunde: Susanne Gülden. Roman (Grotesche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller, Bd. 174). Geh. 5,— Mk., in Ganzleinen 6.50 Mk. Berlin. G. Grote. (656.) — Ein Mädchenschicksal ist dargestellt, vielleicht nicht einmal ein ungewöhnliches. Die lebensfrohe Susanne Gülden lernt im Seebad den Komponisten und Gesanglehrer Peter Harden kennen. Beim ersten Begegnen fühlen sie instinktiv, daß sie für einander bestimmt sind. Rach Hamburg zurückgekehrt. sehen sich die Liebenden heimlich. Das junge Mädchen lernt das Schweigen und ist verschiedenen Heiratsplänen der Mutter taub. Iahr und Tag bleibt die Hoffnung wach, daß Peter die Scheidung von seiner ungeliebten Frau, die Veröffentlichung seiner musikalischen Werke, zu denen ihm Susanne Inspiration und Kraft gbll, durchsetzen wird. Es mißlingt alles, Peter geht daran zugrunde. Susanne hat ihre Iugend und ihren Frohmut dahingegeben. Rach Iah- ren heiratet sie den Sozius des Vaters. Doller Schwermut erwartet sie ihr Kind und stirbt, als sie ihm das Leben gegeben hat. — Armin T. Wegner, Moni ober die Welt von unten. Der Roman eines Kindes. In Seinen gebunden Mk. 6.—. Deutsche Der* lagsanstalt, Stuttgt. (653) — Gin Buch aus der Perspective einer Zweijäh tigern Eine wunderliche Welt, aus der Höhe von 70 bis 80 Zentimetern gesehen, eine Welt, die sich viel feindlicher zeigt, als die Erwachsenen ahnen. Denn sie haben es längst vergessen, daß nicht nur der erste Schritt« den das Kind von der Mutter fort auf seinen kleinen Füßen wagt, eine gewonnene Schlacht bedeutet. Ieder Tag mit seinen tausendfältigen Ereignissen, seinen Dingen und Lebewesen, mit seinen Pflichten, wie Essen, Spielen und Schauen bringt Kämpfe. Moni ist kein Paradekind, das sich in anekdotischem „Kindermund" auswerten läßt, sie ist viel mehr. Ein kleiner Mensch schreitet mit festen Beinchen ins Leben, tapfer, un'öeirti durch die Fallstricke, die ih.n die unklugen Behüter seiner Iugend allzuo.t legen. als einziges Ab Hilfsmittel eine neue Tariferhöhung in Frage. Sie müßte wegen des mit ihr verbundenen Verkehrsrückganges wesentlich mehr als 2 5 0 Millionen aus machen. Der Verwaltungsrat ersuchte den Generaldirektor, die zuständigen Rtichssteilen nachdrücklich auf den aus dieser Darlegung sich ergebenden Ernst der Lage hinzuweisen. * • Hannoversche Maschinenbau-A. - G. (Hanomag). In der Aufsichtsratssihung der Hannoverschen MasHinenbau*A.*G., vorm. Georg Egestorff, wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1927/28 vorgelegt und der Vorschlag des Vorstandes gutgeheißen, beträchtliche Ab- fchreibungen auf Materialien vorzunehmen, die aus den aufgegebenen Fabrikationszweigen noch vorhanden sind. Die Bilanz weist einen Verlust von 5 096 622 Mk. aus, zu dessen Beseitigung vorgeschlagen werden soll, die offenen Reserven auf 1 368 463 Mk. zu vermindern. Die Liquidität hat sich durch Verringerung des Lagers und der Außenstände, sowie durch eine entsprechende Verminderung der Verbindlichkeiten erheblich gebessert. * G eb r. Stollwerk, A. - G., Köln. 3n der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrates der Gebrüder Stollwerk A.-G. wurde die Bilanz und die Gewinn- und Verluftrechnung für das Geschäftsjahr 1927/28 vorgelegt. Diese ergab nach Vornahme von 762 502 Mark Abschreibungen einschließlich des Vortrages von 107 014 Mark einen Reingewinn von 2 314 108 Mark. Die Verwaltung beschloß, der für den 29. Dezember einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wiederum 9 Prozent vorzuschlagen. Außerdem wurde mitgeteilt, daß im neuen Geschäftsjahr die Freigabe des in Amerika beschlagnahmten Eigentums der Gesell- scbaft erfolgt ist. Der hiernach der Gesellschaft zu- fließende Betrag einschließlich der Zinsen belauft sich, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, auf rund 1600 000Dollar, der jedoch nicht in vollem Umfange in bar, sondern teilweise in Zertifikaten von langer Laufzeit vergütet wird. Nähere Mitteilungen find noch abzuwarten. Bisher sind eingegangen 1253 000 Dollar. Die Verwaltung wird mit Rücksicht hierauf der Generalversammlung vorschlagen, aus den zur Auszahlung aelangenben Zinsen des Amerikaguthabens an die Aktionäre eine Sonder- dioidende in Höhe von 5 Prozent zur Verteilung zu bringen. Die restlichen Beträge des Amerikaaut- habens sollen zur Verstärkung der Betriebsmittel der Gesellschaft, sowie zur Bestreitung der Ausgaben für Betriebsoerbesserungen und Betriebserweiterungen dienen. Ueber das laufende Geschäftsjahr wurde berichtet, daß bisher der Umsatz im Vergleich zum Vorjahre wesentlich gestiegen ist. Frar. urtcr Börse Fran kfurt a. M., 29. Noo. Tendenz: freundlich. — Die freundliche Haltung der gestrigen Abendbörse übertrug sich auch auf Den heutigen Verkehr. Die Haussebewegung der gestrigen Neu- yorker Börse und die starke Beteiligung des Auslandes und der Bankkundfchaft am Börsengeschäft hatte eine allgemeine Belebung des Marktes zur Folge. Daraufhin schritt die Spekulation zu weiteren Deckungen, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse zumeist weitere Kurs- erhöyungen bis zu 2 v. H. zu verzeichnen waren. Auf der anderen Seite wurden jedoch verschiedentlich Gewinnsicherungen vorgenommen, so daß bei ganz vereinzelten Werten kleinere Kursrückgänge eintraten. Die allge- meine Tendenz blieb jedoch f e ft. Auch die immer noch ungeklärte Lage im Eisenkonflikt konnte feinen Einfluß auf die Tendenz ausüben. An der Spitze standen, wie schon an den vorangeganaenen Börsen- tagen, die Spezialwerte, der Kreis derselben hat sich jedoch eher noch vergrößert. AEG. waren 1,75 v. H., Chade-Altien 3 Mark, Elektrische Lieferungen 1,5 v. H., Rheinische Elektrische 1,75 v. H., und Siemens 1,25 v. H. höher und weiter gesucht. Gesfürel, Licht & Kraft, Bergmann und Schlickert waren dagegen aus den schon erwähnten Gründen eher angeboten und bis 1 v. H. schwächer. Farben hatten nur kleines Geschäft, blieben jedoch gut behauptet. Am Montanmarkt waren auch heute die Umsätze minimal. Nur Rheinische Braunkohlen, die lebhafter umgesetzt wurden, konnten 4,5 v. H. anziehen. Am Bankenmarkt waren Reichsbank wieder etwas lebhafter verlangt, mit plus 1,5 v. H. Auch Barmer Bank konnten 2,5 v. H. gewinnen, und für Hapag machte sich mit Plus 1,5 v. H. stärkeres Interesse bemerkbar. Am Automarkt wurde die Abwärtsbewegung in Adlerwerken heute durch etwas größere Aufnahmelust unterbunden, und diese konnten 1 v. H. zurück- gewinnen. Stärker gesucht waren noch Holzmann mit plus 3,75 v. H. und Zellstoff Waldhof mit plus 4 v. H. Renten still und gut behauptet. Im Verlaufe wurde das Geschäft wieder still, und es ergaben sich kleine Abschläge bis 1 v. H. Die Grundstimmung blieb jedoch freundlich. Eine Ausnahme mach- ten die Kaliwerte. Salzdetfurth wurden stürmisch gel-andelt und konnten bis 17 v. H. gewinnen, auch Westeregeln konnten im Zusammenhang damit 7 v. H. anziehen. Wetteres Interesse bestand für Elektrische Lieferungen mit erneut 1,5 d. H. Tagesgeld war mit 6 o. $)• unverändert. 21m Devisenmarkt nannte man: Mark gegen Dollar 4,1945, gegen Pfund 20,353, gegen Paris 124.07, gegen Mailand 92 60, gegen Madrid 30 09, gegen Holland 12,0790, London gegen Kabel 4,8518. Bc ).«-JJar&rn., Amerikaniichr 'Jlotte ..... Belgische Noten ....... DLntiive Noten ....... Evgltfchr Äetrn........ 4,171 58.08 111,53 '0.30 IM 68,32 (11,97 0.88 Devisenmarkt Berlin—Frank'-rk a. 2U. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 28 November Geld | «rief französische Noten Holländische Noten ...» TÜ7Ü5 168.21 Io.4i "r 169,00 Italienische Noten ..... 21,W 21 99 Norwegische Noten ... tll.57 111,01 Deutsch-Oesterr,5ioo Ärottm 58.73 68.97 Rnmäniiche Noten ..... 2,52 2.54 Schwedische Noten ...... 111,73 U2.L7 Schroetter 'Jioten ...... 80,53 67.26 >0.85 Svantiche Noten..... ■ 7.54 Tschechostowakische Noten . • Unaarische Noten 12,377 72.85 12,437 71.15 28 November 29 Novemb r Amtliche ’Jion runo (Selb 1 Brie- Ämrlrche Notierunu Gelb | Ortet amsr.-Rotl Bucn-LlireS Ärff.-Annv ISbriftUuita KovenbokteN HeinngsorS- Htalleu ■ iS • • Sva- i-ll ‘ ‘ Jovan N io De toten tn «D-, Ceft. abaefl tkiirob Bubaortl. Bul orten flifiabon SÄ«» Ätbat Canabo 168,33 1,767 j»,26 111.76 111,77 112,00 10.54 21,955 40,331 1.1905 16,-85 >0,725 >7,53 1.924 ».5005 J6.-15 12,41- 7.366 • 3,06 ,026 18,71 ■51,27 4.104 5.425 4,1945 1,286 '0.855 168,67 1.771 58,38 111,98 111,99 112,22 10,5b 21,095 30.>71 1,1985 16.425 30,885 o7,67 1.928 >.5025 59,-35 12,43» 7,377 <3,20 ,0.2 18,75 1,4a -.108 5.435 4.2025 4,294 «.895 168,31 1.7ü3 □8.25 111.74 111.76 111.99 lu.a42 21.95 20,->..3 4,1890 lo,u8 10,74 .7,51 1,926 J.5ü0v >o,90 12,419 7,368 73,05 ,027 18.68 31 ..30 2,103 □ ,425 4,193 4,30b 2'845 168,65 1,771 a8,37 111,96 111.98 IU.21 10,„62 21.99 20,.,73 1.1970 la, 42 0.92 u7,65 1,930 0.5025 <«9,02 12,439 7, „82 74.19 .,033 18.72 M.46 2.107 5.435 4,201 4,314 20.885 fparc ohne Seid Sie irgendeine Verpflichtung einzugehen brauchen Dies alles, ohne daß zusam zusam Magneteier 10 Stück Pld. echte 7* Pfd. 7. Pfd. Filialen in allen Stadtteilen 10421C Korinthen Korinthen Rosinen... Sultaninen Mandeln . 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