3- z © - H D D J - Z 3 ec-: o»; < SC o § : vSt-Tr : so e s S'E£c ' »O.~c 2,3^ a'~—, 5.ZS; Ls 2- ® i § I 339 S«vZ S" »r-o 3s9er5^ 'oo3t^rf «2/ äs- n«ii °L?h Nr. 255 Erster Blatt 178. Jahrgang Montag, 29. ©Hoher 1928 6r|d)etwi itiglidt,ms^tt Sonntags anb ^«tertags. Beilagen. Vletzener JamtltenhUttta g cf mal im DUd Die Scholls OtonatfBepgsprtts: 2 Reichsmark und 20 Reichspfenntg für Tröge» lohn, auch bei Richter» scheinen etnjelnerShimmeni infolge höherer Gewalt. Fern,prechan|chlülfer 51, 54 und 112 «pfchrift für Drahmach- richten: Anzeige, «tetz«. pofr|d)e notwendig, einen einheitlichen nativ- | nölen Willen unter starker Führung zu lassen. Es sei nicht zu vergessen, daß das Problem Preußen unb Reich ernst sei. ^Dieses Problem zu lösen, sei nicht Sache der süddeutschen Länder, die dadurch erst berührt würden, wenn durch die Lösung eine Kraftver- s ch i e l, u n g im Reich eintrete, die sie in ihren Rechten schmälern würde. Er sei überzeugt, datz nicht nur die süddeutschen Länder, sondern auch die nord- und mitteldeutschen Einzelstaaten mit eigenem Staatsbewuhtsein sich jedem Versuch einer Lösung über den Kopf der Länder h-inweg durch Beschlüsse des Deichsrates und Reichstages, mit denen man heute schon drohe, entgegenstellen würden. Es sei die Stärke D ntsch- lands, daß wir heute eine ganze Rei tz von deutschen Kulturzentren haben, die dura- ihre Eigenheit zum Ganzen trieben. Die Mängel der Weimarer Verfassung müßten auf der Grundlage dieser Dersassung behoben werden. Diese Deuordnung müsse es auch Oesterreichs möglich machen, mit den übrigen deutschen Brüdern in einer einheitlichen deutschen Stoatsorganisa.ion zusammenzukommen. Wer ein größeres Deutschland wolle, könne eine zentralistische Entwicklung nicht -mitmachen. Aussichten für die Reichsreform. Der Reichsinnenminister über dasErgebnis der Länderkonferenz. Berlin, 29.Olt. (Priv.-Del.) Ein Mitarbeiter des „Vorwärts" hatte mit dem Reichsinnen- Minister Severing eine Unterredung über die Ergebnisse der letzten Reichsreformkonferenz. Der Minister erk.ärle, die in den letzten Iahren gepflogenen Erörterungen hätten manches Mißverständnis beseickgt und die streitenden Gruppen einandernähergebracht. Die Arbeiten der Länderkonferenz und ihrer Organe hätten die älnhaltbarkeit des jetzigen Zustandes so überzeugend nachgewiesen, daß sie auf die Oeffentlichkeit und auf die polirischen Parteien nicht ohne Wirkung bleiben würben, und diese Wirkung könne nur in einer Ausdehnung und Stärkung der Front der Freunde des Einheitsstaates bestehen. Trotz der versöhnlichen Verhandlungssormen, die die letzte Konferenz auszeichneten, sind die sachlichen Gegensätze noch sehr groß. Die Zusammensetzung der Ausschüsse, die elwa zur Halste aus Vertretern des Reichs und zur Hälfte aus Vertretern der Länder bestehen, läßt einstweilen nur unzulängliche K o m p ro m i ß Vorschläge erwarten, die bestenfalls eine ideelle Annäherung ausdrücken, aber noch keine materielle älebereinstimmung ergeben werden. Immerhin ist zu erwarten, daß die Ausschüsse die Möglichkeiten der Lösung konkreter ins Auge fassen und den zuständigen Stellen die Wege zur Reform deutlicher als bisher begutachten werden. Zu einer parlamentarischen Behandlung sind die Deformfragen aber noch nicht reif. 3d) bin überzeugt, fuhr der Minister fort dah neben den Arbeiten der Unterausschüsse die nächsten zwei 3ahre deutscher Finanz- Misere und die Vorbereitungen zum endgüt- tigen Finanzausgleich uns ein gute» Stück aus dem Wege einer wirklichen Reform Vorwärtstreiben. Die größte Schwierigkeit liegt darin, im Horben Deutschlands den neuen Typ von Ländern zu finden, die Preußen ablösen sollen. Preußen kann unmöglich seiner Zerschlagung zustimmen, ohne die Garantien zu schaffen, dah die neuen Länder oder da» Reich die bisherigen festen Bande, die nicht nur Preußen. sondern auch das Reich zusammengehalten haben, ungeschmälert bestehen bleiben. Preußen aber kann auch in keine Regelung ein- willigen, die darauf hinausläuft im Süden alles beim alten zubelassen und nur aus den preußischen Provinzen Reichsländer zu machen. Auf die Frage, ob das Anschlußproblem eine Rolle gespielt hat, sagte der Minister: Ich glaube, es gibt keinen Konferenzteilnehmer, der nicht auch O e st e r - reich bei Umbau des Reichsgebäudes sofort einbeziehen würde. Aber abgesehen davon, daß die Instruktionen an die Länderkonferenz und ihre Unterausschüsse eine Einbeziehung dieses Fragenkomplexes nicht zulassen, wäre es nach den Erfahrungen der letzten Monate auch politisch nicht gerade zweckmäßig, in einem offiziösen Organ Wünsche zu diskutieren. die einstweilen doch keine Erfüllung form» gen können. Der deutsch-östereichische Anschluß kann, wie die Dinge heute liegen, praktisch am besten dadurch betrieben werden, daß wir in der Angleichung von Verwaltungsgebieten nicht bei der Justiz stehen bleiben. Haupiausschußtagung -es V. Ö. A. Der Verein für das Deutschtum im Ausland in Kaffci. WSD. Kassel. 26. Olt. Unter zahlreicher Beteiligung der Vertreter des Hauptvorstandes, der Landesverbände und verschiedener Grenz» und Auslandgebrete fand in Kassel die Haupt- ausschuhsihung des V. D. A. statt. Oberbürgermeister Dr. L u k a s ch e k (Hindenburg) erstattete Bericht über die Lage in Oberschlesien diesseits und jenseits der Grenze. Er hob hervor, daß, obwohl zunächst 47 000 Kinder in Ostoberschlesien zur deutschen Schule anaemeldet worden waren, Polen durch besondere Maßnahmen diese Schulen jetzt auf 22 000 herabgedrückt habe. Die deutschen Katholiken Ostoberschlcsiens stöhnten unter dem schweren Druck. Das deutsche Kapital werde aus der Industrie mit Hilfe ausländischen Kapitals herausgedrängt. In dem westpolnischen Gebiet hänge seit Abschaffung der Unabsetzbar- keit der Richter durch Pilsudski als Damoklesschwert die völlige Rechtlosigkeit und juristische Willkür über den Deutschen, die auch in der Wirtschaft systematisch zurückgesetzt werden. Immer unhaltbarer würden die Verhältnisse im Schulwesen. 30 v. H aller deutschen Kinder in Posen, 46 v. H. in Po-merellen genießen keinen deutschen Unterricht. Senator Strunk (Danzig) ergänzte die Ausführungen Dr. Luka- scheks und wies auf die Bedrohung der Wirt- schaftsstelluna DanzigS hin. Dr. R o h r b a ch überbrachte die Grüße der Deutschen Akademie. Weiter wurde im Laufe der Verhandlungen die Lage in Eupen-MalmedH einer Besprechung unterzogen. Der geschäftsführende Vorsitzende, General a. D. Seebohm, erstattete dann den Geschäftsbericht. Die Werbewochen hätten sich als ständige Einrichtungen bewährt. Das finanzielle Ziel des Voranschlages werde erreicht werden. Die wichtigste Frage sei die der Gewinnung des schulentlassenen Nachwuchses. Der Redner wie« auf den Iugendaustausch. die Wanderfahrten in die betreuten Gebiete den Aus- bau der akademischen Ortsgruppen, Stipendienverleihungen, den Lehrmittelversand an ausländische Schulen und die Ausbildung und Versorgung der Auslandlehrer in Zusammenarbeit mit allen berufenen staatlichen und privaten Stellen hin. Der Dücherversand ins Ausland ist sachgemäß auszugestalten. Etwa 35 000 Bücher wurden allein von der Hauptstelle aus verschickt. Das auslanddeutfche Turn- und Sportwesen soll allmählich durch den Verein und durch Fachberater einheitlich zusammengefaßt werden. Am Vorabend waren die Delegierten des Hauptausschusses des V.D.A. zu einem Bei- sammensein von der Stadt Kassel ringelnden, an dem auch OberpräsidentDr. Schwände r teilnahm. Oberbürgermeister Dr. Stadler betonte bei dieser Gelegenheit, daß die Av- beit des V.D.A. geeignet sei. in unserer Zeit der Zerrissenheit und schwerer Rot, bas Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Deutschen über die Grenzen dos verkleinerten Vaterlandes hinaus zu stärken. Oberpräsident Dr. Schwander führte u. a. aus, daß es gelte, mit allen Kräften gemeinsam zu arbeiten und alle Kräfte einzuseyen. um einen neuen Staat des deutschen Volkes in der deutschen Republik aufzubauen. Der Vorsitzende des V.D.Ll. Fhr. Von dem Busche antwortete, daß der V.D.A. alle Deutschen in der Welt kulturell zusammen führen und den Dsutschen da draußen, die in schwerem Kampf stehen, nach besten Kräften helfen wolle. Er gedachte rühmend des Reichspräsidenten v. Hindenburg, der immer wieder die Deutschen zur Einigkeit ermahne. Um die Erhaltung der Technischen Nothilfe. Berlin, 27.Okt. (DDZ.) Im Reichstag ist ein Antrag derDeutschnationalen rin- gegangen, der die Reichsregierung ausfordert, zu veranlassen, daß auch in den Haushalt des kommenden Etatsjahres bei dem entsprechenden Kapitol für Zwecke der Technischen Rothilfe ein Betrag in der bisherigen Höhe eingestellt werde. Bekanntlich trägt sich das Reichsinnenministerium mit der Absicht, die Mittel für die für die Inganghaltung lebenswichtiger Betriebe unserer nationalen Volkswirtschaft während sozialer Kämpfe, Naturkatastrophen usw. sich als dringend notwendig und sehr segensreicherwiesen« Technische Aothilse zu streichen. Oer Arbeitskonflikt in der nordwestdeutschen Metallindustrie. Essen, 28.Okt. (WTB.) In einer Delegiertenkonferenz des Christlichen Metallar- beiterverbandeS kam man nach eingehender Stellungnahme zu dem Entschluß, den Schiedsspruch für die nordwestdeutsche Eisenindustrie anzunehmen. Der Beschluß wurde mit großer Mehrheit gefaßt. Auch der Deutsche Metallarbeiter-Verband nahm in einer Delegiertenkonferenz den Schiedsspruch an. Die Gewerkschaften Werder, jetzt die Verbindlichkeitserktärung beim Reichs- arbeitsminrsterium beantragen. Frankreichs Forderungen. Eine Rede PoincarsS. Paris, 28. Ott. (WB.) Ministerpräsident P o i n c a r 6 hat in Eaen und älmgegend Institute, die der Förderung der Hygi-ene und der Gesundheitspflege dienen, besucht und mittags einem Bankett beigewohnt. Pomacre hielt eine Rede, in der er zu der Kriegsschuldenfrage erklärte, daß die Ratifizierung der Schuldenabkommen mit England und Amerika habe vermieden werdm können dank der Erfüll- lung desDawesplanes durch Deutschland, dessen Zahlungen trotz nicht erfolgter Ratifizierung, die Zahlungen Frankreichs an England und Amerika ermöglichten. Eine Andeutung zur bevorstehenden Ratifikation dieser Abkommen hat PoincarH nicht gemacht. Zur Reparations - frage erklärte Poincarö: Ich habe in Chamböry gesagt — und ich wiederhole eS wieder — daß wir für unser Teil nichts anderes wünschen, als die loyale Erfüllung der Verträge und diplomatischen Abkommen. Bei jeder Verhandlung, deren Gegenstand unser Guthaben bei Deutschland darstellt, haben wir weder das Recht, unsere Pfänder blindlings aufzugeben, noch das Recht, eine Kombination anzunehmen, die nicht die Wirkung hätte, uns neben der Mög- lichkrit, restlos unsere eigenen Schulden zu bezahlen, einege recht «Entschädigung zu gewährleisten. Das ist die Stellung, die wir beibehalten werden. Die angekündigten Verhandlungen, die. wie ich hoffe, baldigst eingöleitet werden, verlangen von uns neben dem aufrichtigen Wunsch, uns mit allen Interessierten und brionders mit unseren ehemaligen Alliierten zu verständigen, scharfe und unablässige Aufmerksamkeit, besonders des Quai d'Orsay und des Finanzministers. Riemals wird die Regierung es nötiget haben, sich auf eine starke, vertrauende, treu ergebene Mehrheit zu stützen, niemals bedarf sie mehr der Sicherheit, klar im Ramen des Landes und seiner erwählten Vertreter sprechen zu können. Die Kammer muß uns bald Mitteilen, ob sie der Ansicht ist. daß wir ihrer Unter st ützung sicher sind. Sechs Fahre Faszismus. Eine Botschaft Mussolinis. 9t o m , 28. Oktober. (WB.) Aus Anlaß der sechsten Wiederkehr des Jahrestages des M a r f ch e s auf Rom richtete Mussolini an die Faszisten eine Kundgebung, in der er u. a. ouskührte: Das sechste Jahr der faschistischen Revolution schließt mit einem eindrucksvollen Aktioum. Es werden 802 öffentliche Werke eingeweiht werden, um das große Unternehmen zu feiern, das das italienische Volk im Oktober 1922 befreite und ein neues Regime schuf. — Nach einer Aufzählung dieser Werke erinnert Mussolini an drei Ereignisse des verflossenen Jahres: die Währungsreform, das Gesetz des f a f ch i st i f ch e n Großen Rates und die unbeschränkte Urbarmachung des Landes. Dos Regime werde seine Grundlagen immer breiter machen, so daß man schließlich erkennen werde, daß unter dem Zeichen des Liktorenbündels das ganze italienische Volk seine politischen und gewerkschaftlichen Formationen in verantwortungsbewußter Disziplin zusammenschließe. Schweizer Wahlen. Bern, 29. Okt. (WTB.) Die Wahlen zum Schweizerischen Rattonalrat sind im ganzen Lande, fotorir bisher bekannt, ruhig verlaufen. Die Wahlbetri igung war gegenüber den . letzten Wahlen eher etwas stärker. Sie betrug in den größeren Städten durchschnittlich 70 bis 75 Proz. Größere Verschiebungen der Parteien haben sich nicht ergeben. Dagegen sind bei den Ständerats- wohlen, die gleichzeitig mit den Äattonalrats- wahlen in 14 von 25 Kantonen vorgenommen wurden, in der Partrigruppierung einige wesentliche Aenderungen zu verzeichnen. Sv verloren x D. bei der Dolkswahl zum Ständerat in Bern die Sozialdemokraten ihre zwei bisherigen Vertreter. Die 44 Mitglieder dieses Rates gehören jetzt nur noch den bürgerlichen Parteien an. Ebenfalls wurde inGenf der sozialdemokratische Ständerat nicht mehr gewählt. Im abtreten- den Rationalrat besaßen die Parteien folgende Verireterzailen: Freisinnig-Demolrattsche Partei 59, Sozialdemokraten 49, Katho isch« Dolkspartet 42, Dauern-, Gewerbe- und Bürterpartei 31, Liberal-Demokratische Partei 7, Sozialpoliliker 5, Kommunisten 3, Parteilose 2. Aus aller West. Die Raubmörder Heidger auch in Gießen gewesen. Frankfurt a. M.. 27. Oft. Aus der Ver- nehmung Karl Lindemanns geht hervor, daß er und Die Brüder Heidger nach der Erschießung eines Beamten ein unstetes Leben führten. Von Essen flohen sie mit der Straßenbahn nach Bochum, zu Fuß nach Wetter und von da mit der Bahn nach Gießen. Dort haben sie in der Rächt in einer Gartenlaube geschlafen. Von da aus sind sie nach Frankfurt gefahren. Drei Wochen lang haben sie in Schrebergärten in der Umgebung von Frankfurt übernachtet. Am Tage sind sie durch die Stadt gebummelt und haben auch mal Kinos aufgesucht. In Frankfurt hat Lindemann seine Genossen verloren, weil er eines Abends einen Bummel machte, der 800 Mark kostete. Es war für den Fall einer unvorhergesehenen Trennung vereinbart, sich in München wieder zu treffen. Rach 14 Tagen haben sich dann auch die drei Verbrecher in München wieder getroffen, wo sie dann drei Wochen in einer Pension gewohnt haben. Sie mieteten sich bann unter falschem Namen in Seehausen am Staffelsee ein und verblieben dort bis zum 19. Juli. Sie vertrieben sich die Zeit, wie Lindemann angibt, mit Gebirgstouren, Paddeln und Tanz. Am 23.Juli erklätten sie, sie müßten nach Haufe zurückkehren, da sich ihre Eltern um f i e sorgten. Sie fuhren auch in einer Kraftdroschke weg. Ob sie München damals wirklich verlassen haben, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls waren sie am 29. August wieder in München, wo sie auf der Polizeidircktion halbfertige Passe, Paßformulare und Stempel stahlen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die drei auch bei den elf schweren Einbrüchen in der Zeit vom 31 August bis Mitte September in Bogenhaufen und vor allem in Schwabing in Erdgeschoßwoh- nungen als Täter in Frage kommen. Wie die „Köln. Zta." berichtet, hat der Raubmörder Iohann Heidger noch kurz vor seinem Tode durchaus deutliche Auskünfte gegeben. Rach seinen Aussagen verlief die Flucht in der Rächt zum Dienstag wie folgt: Rach dem Ue&erflcttern der Gartenmauer turnte der Mörder an einem Regenrohr in die Höhe bis auf das Dach eines Rachbarhauses. Dort legte er sich in die Dachrinne, de sehr breit und ziemlich tief ist. Daher konnten die suchenden Spiegel der Feuerwehrschrinwerfer ihn nicht finden. Don feinem ho'ten Deobachtungspunlt aus konnte Heidger al e Bemühungen der Polizei genau übersehen, und sah auch das Publikum den ganzen Tag Über rings um den Dillenblock ziehen. Am Dienstagabend stieg Heidger auf das benachbarte Dach der Colonia-Dersicherung und klemmte sich dort hinter einenSchornstein. So blieb er hocken bis Mittwochabend. Dann glitt er herunter zur Dachrinne und schlich auf dieser bis z u m geöffneten Fenster des Fremdenzimmers im Hause des Generaldirektors Dr. Derlei. Entsetzlicher Durst quälte ihn mehr noch als Hunger. Vom Durst gepeinigt hielt er das Dienstmädchen an, das am Donnerstagmorgen heraufkam. Er verlangte Wasser und streckte dem Mädchen gleichzeitig die Pistole entgegen, Ruhe heischend. — Die Brieftasche des Heidger mit 4000 Mark Raubgeldern ist noch nicht gefunden. Der Koffer, in dem sich das Geld befand, war geöffnet, als man ihn im Gebüsch entdeckte. Wahrscheinlich hat ein Finder aus dem großen Zuschauerkreise in jener Belagerungsnacht das Geld an sich genommen. Verbandstag des Reichsverbandes deutscher Post- unb Telegraphenbeamlen. In Anwesenheit von fast 200 Delegierten aus allen Teilen des Reiches sowie von Vertretern aus dem Saargebiet, der Danziger und der österreichischen Beamtenschaft nahm am Sonntag in Berlin der 17. Derbandstag des Reichsoerbandes Deutscher Posd und Telegraphenbeamten feinen Anfang. Der Verbandsvorsitzende Kugler brachte zum Ausdruck, daß der Organisation zur Zeit über 150 000 Mitglieder angehören und daß man in Verhandlungen mit der Reichsregierung zu erreichen strebe, die Härten, die sich bei der Neuregelung d e r Besoldung ergeben haben, zu beseitigen. Die Beamtenschaft wolle sich aber dagegen wehren, zum Objekt patteipolitischer Bestrebungen gemacht zu werden. Sie würde vielmehr ihre berechtigten Forderungen durch einiges Zusammenstehen in ihrer berufenen Organisation und unter Führung des Deutschen Beamtenbundes zu erreichen suchen. Sturmfafjrt der „Derengaria". Der Passagierdampser „Derengaria" traf mit zwölf stündiger Verspätung, die auf die am Montag und Dienstag auf dem Ozean herrschenden schweren Stürme zurückzuführen ist, in Reuyork ein. Die Reis« war so schlimm, daß einige Passagiere währmd der ganzen Äe^erfayri in den Kabinen geblieben Warrn. Renn dicke Fensterscheiben auf d:m Promenad.ndeck wurden durch eine Welle eingedrückt. Eine andere Welle zerbrach die Lule des Gepäckraumes, doch wurde infolge sofort vorgenommener Ausbesserungen nur geringer Schaden an den Gepäckstücken angerichtet. Der falsche Aekherwellen-Professor und Iuwelendieb. Der im Berliner Eden-Hotel verhaftete junge Russe D j o u n k o w s k i, der im Auftrag der belgischen Kriminalpolizei festgenommen worden ist. weil er in Brüssel einen raffinierten Einbruch in ein Iuweliergeschäft gemacht hat, bei dem er Iuwelen im Werte von ung^ähr drei Millionen Framen erbeutete, wird voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche an die belgischen Behörden ausgeliefert werden. Dsounlowfti hat ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Er ist niemand geringeres als der Sohn eines früheren russischen Innenministers, der nachdem er aus Rußland geflohen war, fast ausschließlich von Betrügereien und Schwindeleien sein Dasein fristet«. In Berlin, wo er sich die letzte Zett aufhielt, hat er zudem noch als Erfinder der Aetherwellenmufik debütbert, weswegen ihn allerdings der wirkliche Erfinder, der Qeningrader Prvfeschr Theremin, wegen Betruges angezeigt hat. Beschießung eines Schmugglerautos. In der Rähe von Aachen an der Forster Kirche wurde ein Personenkraftwagen von Zollbeamten angerufen. Als der Wagen nicht hielt, vielmehr mit erhöhter Schnelligkeit weiterfuhr schossen die Beamten auf den Führer, trafen aber dabei ein neben ihm sitzendes Mädchen, das einen lebensgefährlichen Bauchschuß und einen Knie- schuß erhielt. Im Auto befanden sich Pakete mit geschmuggelten Waren. Das Mädchen war vom Fahrer zur Mitfahrt eingeladen worden und hatte keine Ahnung, daß bei dieser Fahrt Schmuggelwaren befördert wurden. Schweres Automobilunglück. In der Rahe des hart an der mecklenburgischen Grenze in der Priegnih gelegenen Gutes Gerdshagen ereignete sich ein schweres Auto, Unglück. Es handelt sich um einen Berliner Kraftwagen, in dem sich die Berliner Künstler Frau Wilma H a r m i n g und Werner P i 11 s ch a u befanden. Die beiden Insassen fanden den Tob. Der Wagen geriet bei einer Geschwindigkeit von 80 bis 90 Kilometer, etwa zwei Kilometer von Meyenburg entfernt, inS Schleudern und sauste gegen eirleN Baum. Die Insassen wurden aus dem Auto herausgeschleudert. Der Arzt konnte nur noch den infolge schwerer Schädelbrüche eingettetenen Tod feststellen. Radioecho im TBelfcnraum. Der norwegische Prof. Stürmer stellte einige außerordentlich interessante Radioversuche an, die das Ergebnis hatten, daß in den Weltenraurp hin- ausgefunfte Radiosignale nach einem Zeitraum von drei bis zwölf Minuten von einem Punkt, der weit außerhalb der Mondentfernung liegt, au f die Erde zurückgeworfen wurden. Die Entfernung des Punktes, von dem das Echo aus in den Weltenraum zurückkehtte, kann ausgerechnet werden, denn man weiß, daß die Radiowelle eine Geschwindigkeit von 300 000 Kilometer in der Sekunde entwickelt. Oie Wetterlage.________ I Uten' .oruna Sonntaa, Okt. 1928,: ^)Wontento!.Ofttrtcf o naro oeatc*u » otot(*K » Schnee et «ireupein e «eDei K Grwmer ©windstille.«^ leichter O$i mi$$iger Suoiuoweit Q iturmychei nordweil Sie Piene filtern mit dem winde Oie oeiotn Stationen nenendcn Za» len gehen die Temperatur an P Celsius, abends 10,4 Grad Celsius, am 29. Dttober morgens 7,4 Grad Celsius. Maximum 14,5 @ra3 Celsius, Minimum 7,1 Grad Celsius. - Erdtemper» turen am 28. Oktober: abends 10,9 Grad Telsius: üMNd gewahn feMW derrfnz tat, und zu chr ift rechnen. Keinem d tn größerem Umsa fjr sich selbst und z,emeinheit abgenoi legt gleichzeitig ein Antrieb zu wirtsck rtHtm Fortschritt t Das Sporen ho: ' chasiliche Seite. ' Grundlage jeder : Ausbau ter Mi unserer Güterverso von einer auSreichi Aetzerten Zufluß er. i ’ti. Kredit kam al Vwc koM gri fcütb. W ei •©dbbetrige tyetb 'Hvlanae sie zerspl °Menschm sind. ! dazu beispielsve tragen?" mag mc und kleinsten Sp geheurcn toittsch vereinigen. So sii Kparkap'üalien t «aus gebracht Word 'Wohnungsbau a i-uoeführt wurden. Denn diese tet 'und die (Mtnutr. Mtemcinheil Imt toro - und das I l ages - dann w Deltspariag am 30 hoben. töltn jürTiei ^nenaulgatigtz. W. ^ondausao 1859: der Schaust 'Oberen:-IM ; Wboren;--19- In London gtft 's?,' ■sgtta S'» äS >«i« D [""'ft 18is 6 il,/ENstao HÄ1? lut ®ie n» 'M Volkshochschul-Tagung in Gießen RttteMt. Die und und -5 Landwirtschaftliche Schule Lich. 2lm Montag, 5. November, beginnt dieLand- wirtschaftlich« Schule Lich ihren diesjährigen Winterlehrgang. Während ihres 22- jährigen Bestehens hat die Landwirtschaftliche Schule L i ch einer großen Anzahl von praktischen Landwirten die fachwissenschaftlich« Ausbildung Kasse widerrechtlich 16 650 Mark entnommen einen betrügerischen Verkauf eines gebrauchten aufgearbeiteten Flügels unternommen haben. 1 In Wirtschaft und Technik. Staat und Verwob form überall ist in den letzten Jahren viel von ^.Nationalisierung" die Rede. Mag das : !ßort durch seinen reichlichen Gebrauch etwas von |>mer Zugkraft verloren haben, die Tatsache selbst Heibt bestehen, daß heute mehr denn je unter dem S'vang der Verhältnisse in der Gütererzeugung und Erteilung schärfste Selbstbesinnung auf planmäßi- * les Vorgehen Platz gegriffen hat, und erfreuliche Berliner Börse. Berlin, 29. Oft. (MTV. Funkspruch.) Nationalisierung" gegeben. (Man war auch damals tfcJJ hfirebt, mit möglichst geringen Unkosten die Güter- ; c ffyugung und -Verteilung durchzuführen.) Das 1 §e-ue daran ist aber, daß diese Gedankengänge ganz Llus der Provinzialbauptstadt Gießen, den 29. Oktober \28. Sparen-- Nationalisierung lagen praktisch vor und demonstriert schließlich die neuesten Erfolge auf dem Gebiete des Tonfilms. Zum Schlüsse folgt eine etwa halbstündige musikalische Darbietung, die für die Hörer eine um so größere lleberraschung bedeutet, a-ls es ihnen selbst nach den vorhergegangenen verblüffenden physikalischen Experimenten völlig unglaublich erscheint, daß durch mechanische Reproduktion ein regelrechtes „Konzert" hervorgezaubert werden kann. (Siehe heutige Anzeige.) vermittelt, ohne die heute tn der wirtschaftlich so schweren Zeit eine ersprießliche Bewirtschaftung so gut wie unmöglich ist. Welch ungeheure Bedeutung der Besuch der landwirtschaftlichen Schulen für die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion besitzt, ist durch viele eindrucksvolle und überzeugende Erhebungen erwiesen. Kein Landwirt sollte deshalb seinem Dohne die selbständige Bewirtschaftung seines Gutes übertragen, ohne ihn vorher für den schweren landwirtschaftlichen Beruf voll und ganz ausgebildet zu ha-, ben, wozu heute in erster Linie die fachwissenschaftliche Ausbildung auf einer landwirtschaftlichen Schule gehört. (Näheres in der Anzeige vom Samstag.) freundliche Haltung am Samstag setzt sich auch zu Beginn der neuen Woche fort. Rach der Liquidation scheint etwas Kaufinteresse zu bestehen. Man nennt etwas höhere Kurse. (Farben 250, Siemens 390.) im Öelfcnranm. ws. TtörmkkW, timt flank ftabiow.i^ an, Ut daß in ben Stitnrauxp. ak nach tiim Ztittnnin m m von tmm fymU, Vtt m lentfemmj (\t$, au( bit orftn touxVen. Die m km Vas Echo aus In ki )rtf, kann ouL^ttchne! w ba& bic UtobiootHt eine 5t 90 ßilomtltt in der Teilt V?T$neI' 1 a»er babel ödchen ^".""en WM unb uto betonix-ZS Rule- LM iulomodllangiüik, Länder mecklenburgisch« gelegenen J ci" schweres Aul» -Alliier Künstler Z 'E, ferner Pittscha, fassen sanden den Li lnnerTeschwindi^ ^Uvmrter, etm m'sernt. Im tick« m toutben aus dm La ^nnte nur wchk, weldruche eingetntemL- Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.) Der Tumult aus dem Gießener Viehmarkt. Am 22. Oktober fand in Gießen eine Viehhändler-Versammlung statt, über welche in diesem Blatte schon eine Notiz veröffentlicht wurde. Als Vertreter des Viehhandels möchte ich zu den Vorkommnissen noch einmal öffentlich Stellung nehmen. Es soll vor allem zugestanden werden, daß die S t a d t G i e ß e n sich alle Mühe gibt, den Ansprüchen des Diehhandcls gerecht zu werden. Dafür ist der beste Beweis der Plan, einen Diehh 0 f zu bauen. Alle Unzulänglichkeiten, die immer wieder zu Reibereien führen, kommen von den schlechten Bahnverhältnissen und Abtriebsmöglichkeiten. Stundenlang stehen die Wagen mit dem teueren Vieh, ehe sie an die Rampen gebracht werden. Die B a h n - behörde sagt: „die Gleise sind durch Züge verstopft, wir können nicht anders." In der Hammstrahs herrscht ein Wagenverkehr, der den Abtrieb zur Gefahr werden läßt. Dazu kommt bann, daß bisher die Polizei all diese Unannehmlichkeiten kaum in Rechnung stellte und meist in rigoroser Weise gegen die Viehhändler vorging. Bleistift und Notizbuch wurden fleißig in Tätigkeit gesetzt, und als am letzten Markt diese Uebergriffe unerträglich wurden, da war das Maß voll. Die Versammlung wurde mit dem festen Dorsatzeinberufen, den Markt für längere Zeit zu sperren. Wenn die Versammlungsleitung im Hinblick auf die Versprechungen der anwesenden Behörden und des Verkehrsvereins den Viehhändlern dieses Mal riet, von dem letzten Mittel vorerst Ab«1 stand zu nehmen, so geschah dies mit dem festen Vorsatz, ein wachsames Auge zu haben, daß die Händlerschaft die Behandlung erfahren wird, die sie verlangen muß. Hier muß eben von beiden Seiten den Um st änden Rechnung getragen werden. Wir sind uns der Notwendigkeit bewußt, daß auch wir alles einsetzen, daß in Rübe und Ordnung sich die Dinge abspielen, muffen aber von der Gegenseite verlangen, daß das gleiche Bestreben gezeigt wird. Solche Menschenmassen, wie sie ein Diehrnarkt in Gießen bfinal, können nicht unter der Tarnkappe verschwinden und müssen eben ertragen werden. 6. St. *• MilitarpersonalienvonderGie- hener Garnison. Oberleutnant G e b b , bisher 4. (M. ®.) Komp. Gießen, wurde zum Stabe des 15. Jnf.-Regts. Kassel versetzt, Oberleutnant Wagner, bisher 2I./15 Marburg, zur 2./15 Gießen, Oberfähnrich Breithaupt, zuletzt Infanterie-Schule, zur 1./15 Gießen, Oberfähnrich Graf v. Korff, gen. Schrnising- Kerssenbrock, zuletzt Onfanterieschule, zu« 3./15. ** Die Einreise nach Frankreich zu Allerseelen und Totensonntag. Der Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Be« zirksverband Nassau, teilt mit, daß die Kosten für das Einreisevisum nach Frankreich fürk einen Aufenthalt bis zu zwei Wochen auf 1,05 Mk. herabgesetzt sind. Die Kosten für das belgische Einreisevisum bleiben bestehen. Besondere Vergünstigungen für Reisen zu Allerseelen und Totensonntag sind nicht zu erwarten. ** Seinen achtzigsten Geburtstag farm morgen, 30. Oktober, Herr Martin Simon, Crednerstrahe 29 wohnhaft, In voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit begehen. ** Unfall auf dem Fußballplatz. Gestern nachmittag ereignete sich auf dem Sportplatz des Vereins für Bewegungsspiele ein Unglücksfall. Ein junger Spieler aus Butzbach stürzte beim Fußballspiel so unglücklich, daß er sich den rechten Oberarm brach und das Ellen- bogengelenk ausrenkte. Die sofort herbeigerusenre Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete bem Verunglückten die erste Hilfe und verbrachte ihn dann nach der Ehirurgischen Klinik. *• Jugend- und Elternabend in der Stadtmission. Die Stadtmission, Gäbet» strahe 14, veranstaltete gestern einen Jugend- unö Elternabend. Der im Sommer erweiterte und neuzeitlich hergerichtete Saal, der nunmehr 550 Sitzplätze umfaßt, wat bereits vor Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt. Da der Abend in erster Linie der Jugend gewidmet fein sollte, kam diese in besonderer Weise durch mancherlei Darbietungen zu Wort. Gesangchöre, Deklamationen und Orchestervorträge umrahmten die ganze Veranstaltung. Dabei kann bemerkt werden, daß die musikalischen Darbietungen auf einer ganz beachtlichen Höhe standen. Stadt- Straßenbahnerstreik in Frankfurt? WSR. Frankfurt a. M., 28. OIL Am Samstag abend nahmen die Funktionäre deck städtischen Straßenbahn- und Omnibusbetriebe irt einer Versammlung zu dem Ergebnis der Verhandlungen In Weimar Stellung. Rach dem Bericht des Vorsitzenden des Deutschen Derkehrs- bundes, Schreiber, gaben die Funktionäre» eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Die gegenwärtige neunstündige Durchschnittsarbeitszeit innerhalb einer Dienstschicht von 14 Stunden täglich für die Straßenbahnbediensteten ist nicht mehr tragbar. Die Einführung der durchschnittlich 8 stündig en Arbeitszeit innerhalb einers Dienstschicht von 12 Stunden, bei Festsetzung einer Höchstarbeitszeit von täglich 8'/, Stunden ist unbedingtes Erfordernis. Ebenso ist die Frage der Lohnfvrm unb die Bestimmungen hinsichtlich des Krankenlohnes für das Gesamtpersonal so wichtig, daß auch hier Verbesserungen! durchgeführt werden müssen. Die Funktionärei machen schon heute die städtischen Körperschaften auf die verschärfte Situation im Tarifkampf aufmerksam und bringen eindeutig zum Ausdruck, daß sie geteillt sind, den Kampf aufzunehmen, wenn der Reichsarbeitgebervev^ band seine Haltung nicht ändert. Oer Prozeß gegen Müller-Wieland. WSN. Frankfurt a. M., 28. Oktober. In dieser Woche werden sich die prominentesten Personen der Frankfurter Theaterwelt ein Stell- d ichein im Schwurgerichtssaal geben, wo der Fall Müller-Wieland zur Verhandlung steht, der nicht allein für Theaterfachleute, sondern auch für Kommunalpolitiker erhöhtes Interesse beanspruchen wird. Da ein großer Andrang zu dem Prozeß vorausgesetzt wurde, hat man Einlaßkarten verabfolgt; die Nachfrage danach war, wie sich denken laßt, äußerst rege, und der Prozeß wird sich vor vollbesetztem Hause abspiölen. Für die Juristen wird der Fall von ganz außergewöhnlichem Interesse fein, denn auf rechtlichem Gebiet wird ein Klüngel von Fragen zu lösen sein. Der Prozeß stellt insofern ein Unikum dar, als Staatsanwalt- f ch a ft und Verteidigung konform gehen, denn die erstere hat sich seinerzeit auf den Standpunkt gestellt, daß ein strafbares Verschulden des Angeklagten nicht vorliege, im Gegensatz zu der Meinung der Eröffnungskammer, die Arnar in vielen Punkten das Verfahren einstellte, aber doch hinsichtlich einer stattlichen Zahl von Begebenheiten zu der Ansicht kam, daß sich der Angeklagte strafbar gemacht habe. Beachtenswert mag sein, daß man hier in einen Prozeß hineinkommt, dessen Voruntersuchung als nicht abgeschlossen gelten kann, denn vielerlei Dinge sind in dieser unaufgeklärt geblieben und werden erst durch die Hauptoerhandlung Klarheit gewinnen. Unter den geladenen Zeugen werden sich der O b e r b ü r g c r m e l ft« r, die Intendanten Krauß und Weichert, mehrere Stadt röte und zahlreiche Bühnenangestellte befinden. Nach der Anklage soll Müller-Wieland U n • treue begangen, ferner soll er 6209 Mark für Doppeloorstellungen veruntreut und die Bühnen- A.-G. durch Niederschlagung einer Schuld der Zentrale für gemeinnützige Kunstpflege in Höhe von 20 440 Mark benachteiligt haben. Endlich soll er der Missionar Schmidt grüßt« di« Versammlung mit herzlichen Worten und wies gleich zu Beginn auf Zweck und Ziel der Veranstaltung hin. Der Lügend den Weg zur wahren Freude zu zeigen, fei Aufgabe der Stadtmission. Sekretär Kreutzkamp aus Braunfels vom Jugendbund für E. C. hatte seiner Festansprache das Thema „Jugendfreude und Jugendlraft" zugrunde gelegt. Aus seiner großen Erfahrung in seiner langjährigen Jugendarbeit zeigte er an Hand zahlreicher Beispiel«, mit welch ungeheuerem Angebot der Jugend vermeintliche Freude nahe- gebracht wird. Er schilderte dann in fesselnder Weise, daß Vergnügungen, Belustigungen noch lange nicht Freude sind. Streiflichter aus der Jugendnot ließ er an dem Auge seiner Zuhörer vorüberziehen, zeigte dann den Weg zur Jugendfreud« und Jugendkraft und wies hin auf die wahre Kraftquelle des Lebens, auf die weltweitwirkende Gotteskraft, die zu finden sei In Jesus Christus und dem Worte Gottes. Mit dem warmen Appell, aus dieser Quelle Jugend- freude und Jugendkraft zu schöpfen, schloß der Abend, der allen Besuchern eine bleibende Erinnerung sein wird. •• Erleichterung für d ie Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Seit dem 1. Juli d. I. werden bekannllich Frauen und unverheiratete Kinder unter 21 Jahren von in den Vereinigten Staaten ansässigen Nichtamerikanern bei der Erteilung des amerikanischen Einwanderungssichtvermerks bevorzugt. Zur Erleichterung des Nachweises über die ordnungsmäßige Einwanderung des Ehegatten oder Vaters in die Vereinigten Staaten hat die amerikanische Regierung Bestimmungen erlassen, wonach auf Antrag dem drüben anfälligen Ehegatten oder Tater von der Einwanderungsbehörde die rechtmäßige Einwanderung zu bescheinigen ist. Diese Bescheinigung wird dann demjenigen amerckanischen Konsulat in Europa zugestellt, bei dem die Angehörigen, die nach Amerika auswandern wollen, zur bevorzugten Sichtver- mertserteilung vorgemerkt sind. Nähere Auskunft ist von der Hamburg-Amerika-Linie und ihren örtlichen Vertretungen zu erlangen. * Auftrieb zum heutigen Frankfur- ter Schlachtvieh markt: 280 Ochsen, 72 Bullen, 649 Kühe, 433 Färsen, 531 Kälber, 11 Schafe und 5440 Schweine. Der Verband Rhein-Mainischer Volkshochschulen und der Landesverband hessischer Volkshochschulen veranstalteten am Samstag und Sonntag ihre diesjähriae Tagung gemeinsam in G i e h e n. Der öffentliche Abend am Samstag im Großen Hörsaal der ilnibcrjüät brachte nach Begrüßungsansprachen durch den Vorsitzenden des Vereins Volkshochschule Gießen e. D., Oberschulrat Pros. Dr. Messer, dem Vertreter der Regierung, Schulrat H a s s i n g e r, und dem Vertreter des Oberbürgermeisters und der städtischen Schulverwaltung, Stadtschulrat Prof. Dr. Alles ein Referat deS Vorsitzenden des Rhetn-Mainischen Verbandes für Volksbildung, Dr. Carl Gebhardt (Frankfurt a.M) über ^Oas Problem der Masse in der Volksbildung^. Der Redner vertrat die ^luffaffung, daß die freie Volksbildung sich bisher um das Problem der Masse insofern wenig gekümmert habe, als sie volksbildende Faktoren, wie Kino, Rundfunk, Presse usw. außer acht ließ. Im Zug der mit der Renaissance «infetzen- den Entwicklung trat an die Stelle der gegliederten Volkseinheit der Gegensatz der individualistischen Bildung und der ungebildeten Menge, di« nur gelegentlich durch entsprechende Erlebnisse zu einer vorübergehenden Einheit, d. h. zur Masse wird. Die Meng« ist den Masse bildenden Faktoren hilflos ausgeliefert; der Vortragende zeigte dies an einem instruktiven, von ihm selbst miterlebten Beispiel, einer politischen Versammlung, die zur Frage der Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktates Stellung nehmen sollte: der erste Redner sprach mit großer Ueberzeugungskraft und innerer Wärme gegen die Unterzeichnung und die Versammlung spendete ihm einmütig Beifall. Der zweite für die Unter- zeichnung sprechende Redner fand ebenfalls einmütigen Beifall, und der dritte Redner, der mit großer Eindringlichkeit die Versammelten auf den Widerspruch dieser beiden Stellungnahmen hinwies, wurde ebenfalls einmütig applaudiert. Nicht anders ist die Lage der Menge gegenüber Kino, Rundfunk, Presse. Angesichts dieser Tatsache warnte der Vortragende davor, gegenüber diesen übermächtigen Einflüssen, die, sei es auch qualitativ noch so gefestigte Arbeit der Volkshochschule am Individuum zu überschätzen. Bei der Analyse des Verhaltens der Menge wurde festgestellt, daß die Masse einzig durch emotionale Erregung zu der ihr wesenseigenen Verbundenheit gelange. Daraus ergebe sich für den, der emotionale Kräfte auf und in der Menge wirken läßt, die Pflicht höchsten Verantwortungsbewußtseins. Neben der unmittelbaren pädagogischen Arbeit am Individuum ergebe sich so die Notwendigkeit der Kulturpolitik, d. y. die Gesamtheit der mittelbaren Wege der Volksbildung von Staates wegen zu kontrollieren und zu beeinfluflen. Der Schluß des Vortrags gipfelte darin, daß das Problem der Masse zum Dordergrundspro- btem der Volksbildung erklärt und die Forderung nach einem besonderen, der Massenbildung dienenden kulturpolitischen Referat im Reichsministerium des Innern gestellt wurde. Der Vortrag war umrahmt von der Darbietung einiger Sätze von Haydn und Beethoven durch Frau Fischer (Klavier) und die Herren B. Knaus (Violine) und Dr. Hillenbrand (Cello). Die zahlreich erschienenen Anwesenden dankten für diesen Genuß durch lebhaften Beifall. W. Br. Musikalischer Volkskunstabend. Einen erfreulicherweise recht gut besuchten VolkLkunstabend bot am Sonntag die Volkshochschule. Konzertmeister Gustav Lenzewski, Frankfurt a. M., sprach über „We f en und De- deutung der Violine mit Beispielen aus ihrer Geschichte". Zunächst erwähnte er di« (vermutliche) Abstammung der Violine von dem Ravanastron der Inder, einen Standpunkt, I c ro u 61 und planmäßig in weiteste Kreise Körungen sind und heute einen ungleich stärkeren kinfluß als früher auf die Wirtschaft ausüben. Der süc danke der Rationalisierung ist aber nicht auf die- 16 engere Gebiet beschränkt geblieben, man hat bald ni Recht erkannt, daß eine solche Einstellung des Menschen: nämlich Planmäßigkeit und Ueberlcgung ii allem und Erreichung der Ziele mit dem ge- tngsten Aufwand an Kraft, Zeit und Geld, ein un- kläßlicher Grundsatz für feine ganze Lebensführung Derben mußte. So ist denn unter dem Einfluß dieser Strömungen unversehens auch wieder ein Wort in ba Gesichtsfeld des Gegenwartsmenschen getreten, bs eine Zeitlang unberechtigterweise den Beige- sh mack etwas Veralteten und nicht mehr Zeitge- hä tjen hatte: das Sparen. Sparen bedeutet ra- iomelles Handeln in jeder Hinsicht. Das Zurücklegen ton Geld ist hierbei zunächst nicht einmal das Wich- fyfte, sondern ergibt sich Aroangsläuftg als Erfolg tner umsichtigen, vorausschauenden Wirtschaftsfüh- hng. Der Sparer holt ohne große Mühe aus dem deinen Einkommen durch fein wirtschaftliches 23er- bden viel mehr heraus als der, der in den Tag (inein lebt. Der Sparer von heute ist alles andere ds ein unfroher oder auch gelbgieriger Mensch, bem « nur barauf ankommt, möglichst viel „Gelb auf fce hohe Kante zu legen", fonbern ein lebensfroher tnb kluger Mensch, ber seinen Vorteil erkannt hat tnb danach handelt. So verstanden ist der Svarge- bnke ein durchaus moderner, ein durchaus frucht- brtr Gedanke. Man hört oft den Einwand gegen las Sparen, daß die soziale Gesetzgebung ja die lufcabc habe, die Menschen gegen die dringendsten vechselfälle des Lebens zu schützen. Wer so denkt, kr verfällt in den Fehler, von ber Allgemeinheit zu- M([ zu erwarten. Ihre Hilfe kann immer nur er- |5njenb gewährt werben, während die gesunde delvsthilfe des einzelnen im Vordergrund zu stehen (ot, und zu ihr ist in erster Linie das Sparen zu rtdjnen. Keinem Menschen kann auf die Dauer und h größerem Umfang die Sorge und Verantwortung fir sich selbst und seine Angehörigen von ber All- ssirieinheit ab genommen werben. In biefem Zwang liegt gleichzeitig ein tiefer Sinn, ba er ben ständigen fcntrieb zu wirtschaftlichem und gleichzeitig tultu- ttd tm Fortschritt in sich birgt. Das Sparen hat aber noch eine allgemeinwirt- shciftliche Seite. Es ist die Vorbedingung und Orembtage jeder Kapitalbildung. Der Auf- und üu-bau der Wirtschaft und damit der Stand imf-erer Güterversorgung find schlechthin abhängig ton einer ausreichenden Kapitalbildung, dem ge- fcinerten Zufluß ausreichenden und billigen Kre- lilg. Kredit kann aber nur gegeben werden, wenn ps-vr Kapital gebildet ist, d. h. wenn gespart blrb. Falsch ist es, dabei zu denken, daß kleine Geldbeträge hierbei keine Rolle spielen könnten. Pfanne sie zersplittert in der Hand des einzelnen peitschen sind, ist dies richtig. „WaS können tafru beispielsweise schon meine 50 Mk. beitragen?" mag mancher denken. Auch diese kleinen Md kleinsten Sparbeträge werden zu einer un- ocheuren wirtschaftlichen Macht, wenn sie sich toreinigen. So sind bis jetzt nahezu 1 Milliarden 8l>orkapitalien bei den öffentlichen Sparkassen c»s gebracht worden, die der Kl.inwirtschaft, dem Dcchnungsbau als dringend verlangte Kredite «ixeführt wurden. Denn diese vertiefte Auffassung des Sparens mb die Erkenntnis seiner Bedeutung für die ITaemcinheit immer mehr zum Allgemeingut bi cd — und das ist der Zweck deS W e l t s p a r- lagje» — dann wird auch der diesjährige vierte Dsltspartag am 30. Oktober Erfolg zu verzeichnen laben. Daten für Dienstag, 30. Oktober 1928. Sonnenaufgang 6.49 Uhr, Sonnenuntergang 16.38 IHjc. — TOonbaufgang 17.33 Uhr, Tlonbuntcrgang 839 Uhr. Mond in Erbnähe. 1.859: ber Schauspieler Konrab Dreher in München !bioren; — 1868 ber Maler Angelo Jank in Mün- m geboren; — 1923: ber englische Politiker Bonar « in London gefterben (geboren 1858). Borirotize». — Tageskalenber für Mo n t a g. Die j’rttinbe der Ehristengemeinschaft: Dortraa „Das rMitz des kommenden Christentums", 8.15 Uhr, im iimzsaal ber Oberrealschule (Eingang Bisrnarck- Me). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Hei- Ige und ihr Narr . — Astoria-Lichtspiele: „Der Edyeden von Colorado". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stabt« htacterbureau wird uns geschrieben: Das Lustspiel rDi? Ballerina des Königs", bas zur Feier bes 6). Geburtstags von Rudolf Presber aufgeführt Buribe, hat feine vorzügliche Zugkraft auch bei uns Mesen. Das Stabtttjeater hat auf diesen großen sMikumserfolg hin das Stück für Dienstag, den 31. ). M., wieder angesetzt. Das Lustspiel wirb burch h; ganze Abonnement gehen. Die Vorstellung be= ßtnt 19 30 Uhr. — Als weiteres Gastspiel des Neuen Lpsrettentbcaters Frankfurt a. M. findet am Mitt- todj, 31. b. M., 19.30 Uhr, die erste Wieberholung tr Operette „Gräfin Eva" statt. Die Rolle bes Achilles" wirb biesmal von Norbert Fels oerkör- pri, währenb ber „Bonhaby" von Karl Reul bar tibUt wirb. — Frauen-Misslonsverein. Die regel- hägigen Zusammenkünfte bes Frauen-Mlssionsoer- en« eines ber ältesten Frauenvereine unserer Stabt, h innen Diensta^30. Oktober, nachmittags von 4 h 6 Uhr im Matthäussaal. Die evangelischen Frauen ber Gesamtgemeinbe sind herzlich eingclaben. ' We Anzeige.) — Di« V o r t ra g s - D« r« i n i g un g ließen hat für ihren -weiten bieswinterlichen itragsabend den bekannten Physiker Wilhelm dauck, Berlin, zu einem Experimentalvortvag tier das Thema „Die Musll im Lichte der neu» Mchen physikalischen Forschung" gewonnen. Vortragende führt u. a. die A« tHertel l« n» M us ik („Töne aus der Luft"), nach wt Theremin, und ihre physikalischen Grund- den viele Historiker (Fätis, Rühlmann u.a.) unter dem Einftuß einet Geschichtsauffassung, die alle arische Kultur vom Morgenland her- leitet, ebenfalls vertreten. Heber Spanien gelangt das Ravanastron unter dem Namen Rebec und unter weiterer Veränderung seiner Form, nach Europa. Noch hat eS einen birnenförmigen Körper, wie die heutige Laut«, also keine Zargen. Zu welcher Zeit es m Europa zuerst auftaucht«, ist in Dunkel gehüllt. Der erste unzweiselhafte Beleg für das Vorhandensein eines Streichinstruments ist ein ältrechler Psalter um 860. Mit dem Auftreten des Instruments eröffnen sich der Instrumentalmusik, soweit man um diese Zeit vom Vorhandensein einer solchen reden kann, neu« Wege. Zwar erkennt die Kirche nur die Dokalmuf.k als zu religiösen Zwecken brauchbar an, und das hindert die Entwicklung^ aber im 11. Jahrhundert bedienen sich die Mmnesänger der Begleitung durch Streicher und fördern dadurch wiederum. Im 14. Jahrhundert setzen sich die Instrumentalisten in den Städten fest. Es entsteht die Zunft der Stadtpfeifer. Inzwischen hat sich di« Form des Instruments äußerlich weiter verändert. An Stelle des birnenförmigen tritt ein lyraartiger Körper mit Zargen und Ausschnitten auf beiden Seiten, zur besseren Verwendung des DogenS. Verschiedene Gattungen entstehen, so z. B. Sopran-, All-, Tenor- und Daß-Vivlen, wie sie bereits heißen. Der Vortragende sprach dann über den Geigenbau und erwähnte die hervorragenden Vertrete« dieser Zunft: Gaspar da Salo und Tiefsen- brugger, deren Instrumente aber noch nicht die Form der heutigen Geige hatten, vielmehr noch Soprangamben mit Diolinurnriß waren, fernen Amati, Stradivari, Guavueri in Italien und Stainer und Klotz in Deutschland. 2m weiteren Verlaufe wurde in durchaus fesselnder Weise die Entwicklung der Diolinmusik gewürdigt. Das älteste Jnstrumentalstückchen ist eine Estampida aus dem Jahre 1200, während die Violine unter ihrem heutigen Namen zuerst bei Monteverdi (1567—1643) an der Spitze eines Diolenchores austaucht, und zwar in der Oper „Oofeo". Weitere Marksteine der Entwicklung und Förderung, spezifischer Diolin-Literatur sind: Corellt, Tar- tini, Pugnani u, a. in Italien, Diotti in Frankreich, Stamih, Leopold, Mozart in Deutschland. Von Paganini erwähnte der Vortragende, daß dessen Auftreten der Anlaß zu einer Art Mastensuggestion im Hinblick auf Virtuosität wurde, und in der Tat ist dieser ungünstige Einfluß von Paganinis geigerischen Zauberkunststückchen noch nicht überwunden, unö virtuose Technik wird noch oft in erster, musikalische Ausdeutung erst in zweiter Linie gewürdigt, ilefoer Spohr, Rode, Kreutzer (Beethovens „Kreuhersonate"), Joachim, Ernst kam der Dörtragende dann zu den noch lebenden Meistern des Violinspiels. (Busch, Fleck, Kreisler, Hubermann u. a.) In dem etwa einstündigen Vortrag konnte selbstverständlich das ganze Gebiet nur sehr kurz behandelt werden, aber Herr Lenzewski verstand es, di« wesentlichen Daten herauszuschälen und den Hörern in verständlichster Weise einen umfassendeni äleberblick zu geben. Im zweiten Teil bes Abends spielte Herr Len- ze w s k i Werke ber vorher von ihm besprochenen Meister und Zeitpoeten. Die Vortragsfolge war sehr geschickt zusammengestellt unb illustrierte die Ausführungen vortrefflich. Es erübrigt sich, zu sagen, baß Herr Lenzewski sich ausgezeichnet dem feroelligen Zeitstil ber gespielten Stücke anzuvassen wußte und seine musikalische unb technische Ausbeutung keinen Wunsch offen lies. Am Flügel begleitete Professor Schmid (Friedberg). Der starke Beifall drückte den Dank ber zahlreichen Zuhörerschaft für den interessanten Abend aus. F. B. nbbtr„ W! ÄS t-rtschritte in dieser "Hinsicht auch bereits erzielt :n. Siounfofo1 •$*»**! ®croi& hat es auch vordem Kriege Jefson die tot Dnn- Wn tz, •üdt WW AW tS.'&äf, der " 5 VA iE ELSOFFER5 SERIENTAGE Sie staunen, was Ihnen zu diesen Preisen geboten wird. Von vielen Hunderten Serien einige Beispiele Tafelaufsatz, Kunstgla» 1 Steingut Kinderstrümpfe, schwarz und farbig, 195,145, 95 Pt Diverses 95 Pf. Damen-Büstenhalter, ~eid.-Trikot Beachten Sie unsere 8 Schaufenster, es lohnt slchl 9512A Kaufhaus B. Elsoffer, Gießen, Marktstraße27 Heute Premiere Heute iltWe ui& L 8506 v! 20 18 15 Kesselbach, Köln-Mülheim, Gießen, den 28. Oktober 1928. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 31. Oktober, nachmittags um 1 9518D 2l/a Uhr statt. 07645 mieten 9494C 9502V 85 Pf. 45 Pf. 95 Pf. 95 Pf. 145 Pf. 195 Pf. 295 Pf. 195 Pf. 95 Pf. 95 Pf. 45 Pt 95 Pt 45 Pf. 95 Pf. 145 Pf. 145 Pf. 1 1 1 1 1 1 1 95 Pf. 95 Pf. 1 1 1 1 1 1 10 6 5 . 95 Pf. . 95 Pf. . 95 Pf. 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Oktober (928 ) te tber einer inneren Gemeinfam- Tuxf) vor 1770 entstanden, nm erölio terle fir» anes Soler Nest issin jllay otbo wald ?Uen Biedermeier versank umfassende Ausdruck Eeit) Das Verslustspiel, die er* gehn i m 5 ZU KW ;hen SM und Ausdruck ihrer Zett, darüber hinauswuchs ins Dauernde, Zeitlose und unwandelbar Gültige. Die Blozartserenade gab aus eine unvergleichliche Weise den Ton an; sie beschwor im Klang, VVO 5« stiitN'* jKienm«?» IjtflCIt “ s olhnflbt 9ll' Ob; Äl b»°e ilio öS $ lol®' Kriminalromane -er Wirklichkeit. Auf der Jagd nach Verbrechern. — Der Fall Heidger in Köln und seine Vorläufer in Paris und London. — Im Wettlauf über die Dächer Berlins. Morgenfeier im Kammerspielzyklus. Mozart: Serenade in v-Tur — ©ocflje: „Die Mitschuldigen". Die erste Veranstaltung im Rahmen des vom Stadtthealer gemeinsam mit dem Goethe-Bund veranstalteten Kammerspielzyklus war eine ausgezeichnet besuchte und verlaufene Morgenfeier: auf dem Programm stand des jungen Goethe dreiaktiges Verslustspiel »Die Mitschuldigen" unt) Mozarts Serenade in v-Dur für Streichorchester und Pauken, vorgetragen vom Collegium musicum der Universität, Unter Leitung von Dr. Stefan Temesvarh. in dieser oder ähnlicher Zusammenstellung in den Abendspielplan übernehmen Ginnte. Dr. Th. Atz iüjS? und KnabkiilN'!!' »oben-- 'tonmnianitlö* jaden. gitfiniPltWN u. fiolier, eg : Brlien. «i* A jablWÄ bei u Bennerw KM* nichts, daß er vor der Wut der Zuschauer rettet wurde, da er eine Stunde daraus Krankenhaus starb. Reben diesen großen Verbrecherkämpfen, an die ost geschilderten Zustände in Chikago innern, verblassen die meisten Verfolgungen flüchtiger Mörder und Einbrecher, selbst wenn sie seinerzeit die gesamte Oeffentlichkeit in Atem Abschluß der Deutschen Helungtiang-Expedition Die von dem deutschen Astenforscher Walther S t o tz n e r im vorigen Jahre begonnene Deutsche Helungkiang-Expedition. der sich in diesem Jahr zur Ergänzung der Forschungen nach der wirtschaftlichen Seite der Agrarpolitik Frithjof Melzer angeschlossen hatte, hat ihre Hauptarbeit beendet und ist in Charbin eingetroffen. Trog aroßer Schwierigkeiten durch das Hochwasser im Amurbogen, das die Expeditionsteilnehmer wiederholt in Lebensgefahr brachte, find die Forscher mit der Ausbeute ihrer Arbeit voll befriedigt. Sie haben als erste Europäer den in jeder Richtung völlig unerforschten inneren Teil des Amurbogens von Mergen einige hundert Kilometer nach Norden, nach Osten bis an den Amur und nach Westen den Hoangho aufwärts durchquert. Die Forschungen Stötzners galten vor allem der bisher in der Weltliteratur noch unbekannten tungusischen Völkerschast der Solor.cn, von denen er eine umfangreiche völkerkundliche Sammlung, darunter auch eines der seltenen Schamanengewänder, mitbringt, die in der Hauptsache für das Dresdner Museum für Tier- und Völkerkunde bestimmt ist. Daneben sind auf der ganzen Reisestrecke die ersten geographischen Aufnahmen für das Gebiet, geologische Feststellungen und zoologische und botanische Sammlungen mit Tausenden von präparierten Exemplaren gemacht worden. Stötzner hat auch die grammatikalisch komplizierte Solonensprache in den wichtigsten Bestandteilen festgelegt. Wissenschaftlich von großer Bedeutung ist die Erhärtung der Wahrscheinlichkeit des Zusammenhanges der tungusischen, nicht der gelben Rasse angehörigen Völkerschaften mit der indianischen Kultur Amerikas und die Entdeckung des bisher unbekannten echten chinesischen Schama- nismus. Nach den wirtschaftlichen Forschungen Melzers ist die Nordmandschurei, besonders der Amurbogen, mit seinem jungfräulichen Steppenhumusboden bei weiterem Fortgang der Massenumsiedlung aus Jnnerchina auf dem Wege der Entwicklung zu einem auch für den europäischen Markt in Betracht kommenden Agrarausfuhrland geworden. Als ei ste Europäer haben die Forscher auch die bisher hermetisch abgeschlossenen Goldminen im Amurbogen eingehend besichtigt. Als Ergebnis des Unternehmens, das von den chinesischen Behörden in jeder Weise unterstützt wurde, ist die erste umfassende Landeskunde des inneren Amurbogens zu erwarten. Während Melzer von Eharbin bereits nach Deutschland abgereift ist, plant Stötzner für November und Dezember noch einen kurzen Vorstoß in das Quellgebiet des Hoangho, um im Frühjahr nach Deutschland zurückzukehren. ,6P( MS** W.W.L, Artilleri Ver^ nicht zertummert werden. Andererseits grenzten sich die Nachfolgestaaten in nationalistischer Ueberspan- nung wirtschaftlich ab. Die Donaukonföderations- plane des Herrn Benesch scheiterten zwangsläufig an den wirtschaftlichen Imponderabilien, jene schonen Pläne, die nach Zerschlagung des einheitlich österreichisch-ungarischen Wirtschaftsgebietes gleichsam dieses Gebiet wiederhersteUcn wollten: mit Oesterreich, aber ohne Deutschland. Deutschland ist außenpolitisch ebensowenig auszuschalten wie innenpolitisch die sudetendeutsche Minderheit. Was sind die Tschechen in Wahrheit? Ein dem deutschen Siedlungsboden angrenzendes kleines Volkstum, das dem ungleich stärkeren benachbarten Volkstum verhaftet bleibt. Ein Rückblick auf zehn Jahre zwingt zu dieser Erkenntnis, ob nun Prag sich weiter als französische Position fühlt oder nicht. Inzwischen kam sogar Herr Benesch einmal nach Berlin und erst kürzlich hob er im Prager Parlament die guten Beziehungen seines Staates zum Deutschen Reich hervor. Es bestehen in der Tat keine entscheidenden Gegensätze zwischen hier und dort, sofern die Tschechen sich selbst zu erkennen gewillt sind, und die sudetendeutsche Frage (immer die Existenz des tschecho-slowakischen Staates vorausgesetzt) eine Lösung findet, die dem sudetendeutschen Gesamtwillen und den Volkstumsforde- rungen entspricht, die Herr Masaryk höchstselbst für fein eigenes Volk aufstellte, als es noch nicht befreit war. i’M'ubl, 45« M4ero«1F< ’S PI ««d"l4Ü95h 88 Äy-jl ’S» en’ Seideu-Trikot,lÖ5F • -295P| Die drei Sähe der Serenade — Marcia, Menuette, Rondo —. vorn Collegium musicum mit Hingebung, straff und klangschön gespielt, von Dr. Temesvarh mit feinsinniger Ausdeutung und liebevoller Behandlung aller ©inAd« heilen dirigiert, gaben den Auftakt. Lieber die Mozart-Musik' noch etwas sagen, dürfte sich erübrigen, auch fühlen wir uns nicht berufen dazu. Diese Serenade ist, unserrn Gefühl nach, schlechthin schön: eine andere Wertbezeichnung, als diese, vielleicht blaß, alltäglich und verbraucht, steht uns nicht zu Gebote: schön in der genialen Einfachheit der Erfindung und des nrusllallschen Gedankens; schön, well man nicht darüber zu grübeln, sondern nur aufzunchmen braucht und sich tragen lassen kann von einer strömenden Melodie: schön endlich, well ste, ganz Schöpfung Gillbrück. Stockwerke der gegenüberliegenden Häuser: als man aber mit gewöhnlichem Inf anler'^f euer nichts ausrichtete, ließ man Artillerie kommen. Das Haus, in dem sich di« Russen verbarrikadiert hatten, ging um 1 Uhr mittags in Flammen auf, nachdem die Verbrecher noch vom Dach des brennenden Gebäudes den Kampf gegen die Uebevmacht fortgesetzt hatten. Der Kanonendvn- ner, die lohenden Flammen, der Kampflärm, die Schreie der Verwundeten vereinigten sich zu einem förmlichen Delagerungs- und Schlachtenbild. Churchill, der damals Minister des Innern war, eilte selbst auf den Kampfplatz, um dabei zu sein, wie 1000 Soldaten und Polizisten zwei oder drei Verbrecher verhafteten. Ilm die Belagerten zu täuschen, wandte die Polizei einen Trick an; fte stellte nämlich an die Fenster der umliegenden Häuser Puppen, die in Polizeiumformen gekleidet waren, und es gelang ihr. auf diese Weise viele Schüsse der Verbrecher abzulenken. plnaufhorlich klapperten die Maschinengewehre, die Feuerwehr kam herangebraust, und aus der Ferne hörte man das aufgeregte Geschrei einer Menge von mehr als 10 000 Köpfen, die sich auS allen Teilen Londons eingefunden hatte, um den Ausgang des Gefechtes abzuwarten Als die Feuerwehr den Brand soweit gelöscht hatte, daß die Polizei endlich in das Haus eindringen konnte, wurden mir zwei Lei chen gefunden, die von vielen Geschossen durchbohrt und ziemlich verbrannt waren Richt weniger aufregend war die Belagerung einer Apachenvilla, bei der es am 14. Mai 1912 zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen der Pariser Polizei und den Verbrechern Garnier und Vallet kam. Die beiden Männer, die zu den berüchtigsten Automobilbanditen von Paris gehörten, hatten sich in einem einsamen Haus des Vorortes Rogent-sur- Marne verschanzt: das Gebäude war nur durch durck Gewalt gelöst werden. Doch fragt sich, ob nicht der Weg eines innenpolitischen Ausgleichs (die Dauerexistenz dieses Staates vorausgesetzt) mehr gefördert worden wäre, wenn die sudetendeutsche Politik In den letzten Jahren ein einheitliches Gesicht gezeigt hätte. Man soll die auch im Sudetenland sprichwörtliche deutsche Zerrissenheit nicht überschätzen, vielleicht war sie notwendig, um den Standpunkt dieser stärksten deutschen Minderheit zu klären, sowohl im Hinblick auf das Verhältnis zum Mutterlande, wie auf die sog. Notwendigkeit, mit den Tschechen auf Grund historischer Bedingungen zusammen zu leben. Aber es kommt für ein Grenzvolk weniger auf die theoretische Frage an, ob es an sich besser wäre, grundsätzliche Opposition zu be- treioen ober mit dem „Staatsoolk" zusammen zu arbeiten, als darauf, jenseits der tagespolitischen Haltung der einzelnen Parteien in den entscheidenden Fragen der Dolksbehauptung zusammenzuhalten und zusammenzugehen. Ein geschlosseneres Sudetendeutschtum hätte den Tschechen deullicher die Bedingtheit ihrer eigenen Lage aufge- drängt. Denn es ist doch wohl so, daß, trotz aller tschechi- schen Staatsmacht, letzten Endes die Tschechen an die Sudetendeutschen, nicht die Sudetendeutschen an die Tschechen gefettet sind. Hinter den Sudetendeut- schen steht das deutsche Mitteleuropa. Was steht hinter den Tschechen? Frankreich. Das scheint viel. Das geschloßene deutsche Wirtschaftsgebiet aber konnte Von Karl Richt zum erstemnal haben zum äußersten entschlossene Verbrecher der Polizei eine Schlacht geliefert, bei der Tote und Verwundete zu beklagen sind, und die eine ganze Stadt tn Aufregung versetzte. Aber eine tollkühne Jagd durch eine große Stadt wie Köln, die Eroberung eines Straßenbahnwagens und die Flucht mitten durch eine ungeheuere Menschenmenge ist bisher in der modernen Kriminalgeschichte, die sehr reich an romantischen und waghalsigen Episoden ist, doch noch nicht vorgekommen. Den Kamps der Brüder Heidger in Köln kann man am besten mit den Derbrecherschlachten im Londoner Tastend und in dem Pariser Vorort Rogent vergleichen. Am 17. Dezember 1910 kam es im östlichen Teil Londons, in Houndsditch, zu einem erbitterten Gefecht zwischen drei Männern, die einen Einbruch in e n Juweliergeschäft versuchten, und der Polizei, die sie dabei überrascht hatte. Drei Polizisten wurden getötet und ein Einbrecher durch ein Versehen seiner Genossen schwer verwundet. Die Verbrecher entkamen, und nun begann eine kriminalistische Verfolgung, die schließlich dazu führte, daß die Einbrecher am 3. Januar 1911 in ihrem Schlupfwinkel gestellt wurden. 3n der Rächt vom 2. zum 3. Januar hatte die Pollzei alle Häuser hx der Rähe des Gebäudes räumen lassen, das die Verbrecher bewohnten. Mehr als 700 Polizisten umstellten das Ver- bvechernest, und nachdem der Kampf begonnen hatte, wurde die Polizeimacht aus 1000 Mann verstärkt. Die Verbrecher — Russen, die man damals gern als Anarchisten bezeichnete — bemerkten bald, was ihnen bevorstand, und eröffneten das Feuer. Da sie vorzüglich schossen, sah sich die Polizei nach Hilfe um und ließ eine Abteilung der Schottischen Garde vom Tower kommen. Die Soldaten nahmen an beiden Enden der Straße Aufstellung und besetzten die oberen Der bezaubernde und manchmal überwältv- gende Eindruck dieser kurzen Morgenstunden war Wohl am tiefsten in der halb wehmütigen, halb sehnsüchtigen Empfindung der Rachgebore- nen begründet, hier mit allen Sinnen etwas in sich aufnehmen zu können, was wir seit langem unwiederbringlich verloren haben: die festgesügte, hmere Einheitlichkeit eines Jahrhunderts, den in allen Erscheinungen, jeder geringsten Lebensäußerung sich offenbarenden, unwandelbaren und unveränderlichen Sttl einer großen und reichen Zeit. Vielleicht kann man nichts stärker lieben, als das was man nie befefsen hat, noch je besitzen wird. Wer irgend die grenzenlose Zerrissenheit, Gegensätzlichkeit und tausendsache Wirrnis unseres eigenen Weltbildes schmerzlich empfindet, dem wird die unendliche Harmonie, die von den beiden kleinen, schlichten Stücken dieser Morgenfeier ausging und sie mlleinander verband, wie ein Wunder vorgekommen sein, bas man sich wünschen darf, und dem man nachtrauern muß. zählt zu den frühesten dich'.ettschen Aeußerungen Goethes, „älnschuldige aber schmerzliche Iugend- empfindungen drängen sich auf, werden betrachtet und ausgesprochen, indessen der 3üngling_ mancherlei Verbrechen innerhalb des übertünchten Zustandes der bürgerlichen Gesellschaft gewahret" .... so heißt eS später davon. Vielleicht wüßte man heute gar nichts mehr von diesem Stück, toenn es nicht eben dem jungen Goethe aus der Feder geflossen wäre. Das Ganze wirkt wie ein angefügter vierter Satz der Serenade mit anderen Mitteln... Scherzo..., leicht, heiter, beweglich, graziös. Komödie der Irrungen zu Vieren, mit Verwechslung, Vertauschung, Vertuschung, Belauschung und dem lustspielhafien Motiv der Verkettung: jede nämlich von vier handelnden Personen des Stückes hat etwas auf dem Kerbholz, und da es bei keinem verborgen bleibt und' von jedem schließllch an den Tag kommt, können sie alle vier am Ende unter fröhlichem Gelächter ein Glas Wein miteinander trinken, als ob nichts gewesen wäre, während ja im Grunde nun alles wieder wie zuvor ist. Lind eben auch m diesem leichten Hinübergleiten über die Dinge, in dem spielerischen und lächelnden Antasten menschlicher Leidenschaften, Schwächen und Verbrechen scheint uns der Geist des Rokokos ahrhunderts sich zu beweisen. Denn bei Licht besehen und mit groben Worten gesagt: von den drei Männern ist der eine ein Schürzenjäger, der zweite ein Spieler, Dieb und ganz leichtsinniger Hund, der dritte ein neugieriger Schnüffler, die Frau jedoch eine flatterhafte Person und heuchlerische Ehebrecherin. Aber das Spiel geht über alles so ohne Ernst, Schärfe und Bosheit, unrichterlich und sonder Gewi sens- bisse hinweg, eben nur ein Spiel, das sich genug tut an drolligen Situationen, Verwicklungen und Verwechs. ungen, und dessen ganze „Moral" darin besteht, daß zuletzt jeder entlarvt ist und keiner dem anderen etwas vor- zuwerfen hat. 3n der vom Intendanten Dr. P r a s ch geleiteten Aufführung offenbarte sich wiederum überzeugend der neue, zuversichtlich und fröhlich schöpferische Geist, der jetzt im Hause regiert, auch ein neuer, zeitgemäßer lebendiger Sttl der Klassikerinszenierung. Von besonderem Reiz die regiemäßig überaus glückliche Raumaufteilung: zweistöckige Bühne, Oberstock und ünterftod durch eine sichtbare Treppe verbunden und mit einfachen Beleuchtungsmitteln sowohl einzeln wie gleichzeitig als Spielraum eingeschaltet: hierdurch kommt eine ungemein eindrucksvolle, fließende Beweglichkeit und dramatische Geschlossenheit in die Szenenführung. und die Lustspielmöglichkeiten werden bei solcher Raumanordnung, die keine Verwandlungen beansprucht, wundervoll ausgenutzt; die nächtliche Szene im Oberstock bei wechselndem Licht, mit dem Schattenspiel der hin- und herhuschenden Figuren war ein Kabinettstück von heiterster Wirkung. Die Besetzung: ein darstellerisch ausgeglichenes Quartett: der Wirt, seine Tochter Sophie, Söller, ihr Mann, Alcest, ihr Liebhaber... Goll, Scherer. Arzdorf und T a n n e r t. Am besten gcf.el und Arzdorf in feiner herrlich unbcschux.rlen, unbekümmerten Spiybubenlaune: ein Leichtfuß und Lüderjahn, wie er im Buche steht, dem man doch trohalledem nicht böse fein kann. Tannert: stattlicher Kavalier aus gutem Hause, äußerlich ein wenig an den jungen Goethe erinnernd, feuriger Liebhaber und vcr.ührerischer Galan, alsbald trotzig und aufgebracht schmollend, toenn ihm die kleine Frau nicht gleich zu Willen ist. Die Heine Frau, die es nicht so genau nimmt, Jngeborg Scherer, sah sehr niedlich aus, war lüstern, schnippisch und verichmitzt zug:eich und wußte sich klüglich aus dem Abenteuer zu retten. Goll war der Wirt, behäbig, feist, räsonnie- rend, neugierig, liebedienerisch, polternd oder schmunzelnd, wie es sich eben traf; Herbergsvater in Schlafrock und Pantoffeln: ein vergnüglicher und geruhsamer Anblick. — Allen Leuten hat diese Morgenfeier sichtlich gut gefallen, es gab reichen Beifall, Intendant, Dirigent und Darsteller mußten sich öfters zeigen. ES wäre zu begrüßen, wenn man die Ausführung Geichal, suche „ £um 1. ßanuar 1£ otandjelunbifle litt üüiftnlole 8fw bungeitfrffe,’//« vrllünW c. Still' nitablim ?M Fr, Mrnnm, MWi um befi. tzM. all Mli m aUüniltl). &r II gtlwfit 9n nie; lommro auch to Ibie Mj fiter int; ttulsausblldun^ finden. .7 Mütl.Angk07. WAUb. (ihei-yV Zehn Zahre Tscheche-Slowakei. Zum 28. Oktober 1928. Don Dr. Werner Wirths. Im zehnten Punkt seiner vierzehn Punkte stellte Wilson aus, daß „den Völkern Oesterreich-Ungarns, deren Plag unter den Rationen wir geschützt und gesichert zu sehen wünschen, die freieste Ge- legenheit zu autonomer Entwicklung zugestanden werden müsse". Der erste Präsident der tschechoslowakischen Republik, Masaryk, schrieb 1918, als er noch bescheiden bei den Staatssekretären der Entente antichambrierte, ein Buch über das „Neue Europa", das treffliche Sätze über Gerechtigkeit Im allgemeinen und über das „Recht der Nationalität" im besonderen enthielt, die „als Prinzip das gesamte gesellschaftliche Leben durchdringe". Das „neue" (Europa kam. Der 28. Oktober 1918, der sich gestern zum zehnten Male jährte, legte in Böhmen Dtacht und Verwaltung der auseinanderbrechenden Habsburger Monarchie in die Hände der tschechischen „Jnlandrevolutionäre", welche unter Führung des Dr. Kramarsch in Prag den „Na- tionalausschuß" gebildet hatten und entgegen den Befehlen des Dr. Benesch aus Paris ihren „Umsturz" durchführten. Nichts ist im übrigen lehrreicher als die zahlreiche Literatur, welche die tschechische Revolution behandelt, anaefangen bei den Werken Ma- faryks und Beneschs. Zeigt sich doch auch hier, was fanatischer Wille durchzusetzen weiß. Noch im Herbst 1918 waren die Staaten der Entente keineswegs einheitlich der Meinung, daß die Auflösung der »isch-ungarischen Monarchie zu den wesent- riegszielen aehör«. Das Volk der Tschechen wurde also autonom, Herr Masaryk Staatspräsident, sein Mitrevoluttonär Benesch Außenminister. Dock n i ch t a 11 e Staatsbürger der heutigen Tschechoslowakei sind der gleichen Meinung wie die Gründer dieses Staates, die sich durch gewaltsame Einbeziehung fremden Volksbodens allzu freie „Gelegenheit zu autonomer Entwicklung" nahmen. 3,5 Millionen Sudeten- deutsche zum Beispiel meinen, daß jener 28. Oktober ihnen das Selbstbestimmungsrecht nicht brachte. Bleiben, abgesehen von den Slowaken und der ungarischen Minderheit, nicht ganz 7 Millionen Tschechen als „Staatsvolk". Zahl und Verhältnis der Nationalitäten erweisen schon die volkliche Problematik, die innere Schwäche dieses Staates. Welche Entwicklung nahm er? Welche Probleme beherrschen chn? Die Herren Masaryk und Benesch sind ja nicht nur die Erfinder eines Selbftbeftim» mungsrechtes in eigener Sache; beide nennen sich gern „gute Europäer", und der tschechische Außenminister gehört zu den beweglichsten Köpfen von Genf, zu den sog. Vorkämpfern jenes „neuen Europas", als dessen Prophet sich Masaryk gebärdet hatte und in das der heutige tschechische Staat kaum bineinpassen dürfte. Das hat seine tieferen Gründe. Die tschechische Außenpolitik wurde 1919 fest eingebaut in den französischen Vasallenring, der das deutsche Mitteleuropa ab riegeln sollte. Prag — das hieß: französische Position. In- nenpolitisch aber lud die Tschechoslowakei, als ein ausgesprochener Nationalitäten st aat, das verhängnisvolle Erbe der österreichisch-ungarischen Monarchie auf sich. Sie gab sich zunächst als Ein- heitsstaat, sie unterdrückte und unterdrückt die Minderheiten, hielt ihnen, entgegen allen schönen Reden und Schriften ihres Präsidenten, die Selbstverwaltung hattnäckig vor. Aber ein Staatsvolk von 7 Millionen Menschen kommt nun einmal an einer Minderheit von 3,5 Millionen nicht vorbei. Diese Sudetendeutschen sind nicht auszu merzen — ttotz aller Assimilationsversuche, kultureller Entrechtung, Bodenreform und wirtschaftlicher Expropriation. Die „deutsch-böhmische Ausgleichsfrage", um mit einem Worte Mafaryks zu sprechen, konnte und kann nicht einen schmalen 2auf gang zu erreichen, glänzend zu verteidigen, eine Menschenfalle für <üle Angreifer. Am Rachmitlag des 14. Mai bemerkten die Verbrecher, die im Vorgarten ihres Hauses Turnübungen abhrelten, drei Männer, unter denen ihnen Herr Guichard ausfiel, der Chef der Pariser Sicherheitspolizei. Sie begriffen sofort, datz ihr Versteck entdeckt sei. und zogen sich eiligst tn das kleine Haus zurück. Herr Guichard eilte ihnen nach, llopfte an dis Tür und ries: „3m Ramen des Gesetzes I Oeffnet l" Statt jeder Antwort krachten ein paar Revolverschüsse, die Atoci Kriminalkommissare am Arm und an der Brust verletzten, während Guichard einen Streifschuß durch das Gesicht erhielt. Die Polizisten flüchteten. Gleich darauf stürzte die Geliebte Garniers aus dem Haus, eilte den Kriminalisten nach und rief: „Ich ergebe mich freiwillig!" Sie warnte die Polizei vor den schwerbewaffneten Verbrechern, die lieber sterben als sich ergeoen wollten, und erFIärte, sie sei geflohen, weil sve nicht in dem Gebäude umkommen wollte. Der Chef der Kriminalpolizei sah, datz mit einer gewöhnlichen Polizeiaktion das Derbrechernest nicht ausgehoben werden konnte. Er alarmierte also ein in der Rachbarschaft, im Fort von Vincennes, stationiertes Zuavenregi- ment, und in wenigen Minuten rückte ein Bataillon der Afrikaner im Laufschritt heran. Die Soldaten gingen in Deckung, die Verbrecher schossen aus den Dachluken und bald darauf aus den Kellern, Polizisten schleuderten von umliegenden Gebäuden Steine, unt das Dach abzudecken, und als das Gefecht sich ausdehnte, erschien auch der Polizeipräfekt von Paris auf dem Schauplatz, um die „Schlacht" zu leiten. Zunächst versuchte man es mit einem Handgranatenangriff, der großen Lärm und keinen Schaden verursachte. Darauf wurde ein Beamter des städtischen chemischen Laboratoriums zugezogen, der zwtt Bomben anfertigte, um das Gebäude in die Lust zu sprengen. Mmi hörte eine mächtige Detonation, als die Bomben um 11 ülhr abends explodi.rten, aber das Haus blieb st ehe n. Als sich die Soldaten unter dem Schuh der sich entwickelnden Rauchwolke dem Haus näherten, hörten sie die wütende Stimme eines der beiden Belagerten, der ihnen zurief: „3hr elenden Mörder, ihr niederträchtigen Polizeihunde!" Gleich darauf krachten wieder die Revolver, und die Soldaten zogen sich zurück. Run lieh der Polizeipräsekt Scheinwerfer kommen, um das Gebäude taghell zu erleuchten, außerdem wurde eine Unmenge Fackeln angezündet. Um 2,30 Uhr begann man. Geschosse mit Sprengstoff zu schleudern. Dis Mauern des Gebäudes erhielten manchen Riß. blieben aber stehen. Rach dieser artilleristischen Vorbereitung glaubte die Polizei, das Derbrechernest sei sturmreif, und ging zum offenen Angriff über. Durch einen Hagel von Revolverschüssen, dem zwei Polizisten zum Opfer fielen, stürmte man tn das Gebäude. Plötzlich entzündeten sich die Vorhänge eines Zimmers, und beim Schein der Flammen erblickte man den Verbrecher Garnier, in eine Matratze gewickelt und mit v-r- gestreckter Hand seinen Revolver abseuernd. Die Gewehrkugeln der Zuaden durchdrangen die Matratze und bald fand man Garnier die Brust von Kugeln durchbohrt, tot in seinem Versteck auf. Ballet der sich noch weiter verteidigte, erhielt einen Schuh in den Hals und ftürxte schwer verletzt nieder. AIS man ihn aus dem Hause schleppte, wollte die Wenge ihn lynchen. Es nützte ihm Verschieden? Besacbt die Buii itbile Ktumlau Dr. phil beaufilttitifli auiga.en imb m gründlichen Weumemchi Ml W Sdmltl W- SfiSDaMMl StaDtm erieit WM an SMer vx- Schnien. Adn aroemeiidnL- spräche Mer an den flw! iße27 was nachher in anderer Gestalt, im Wort, tm Bild, tm Kostüm sich wiederholte: Geist der Goethezett. Stimmung des Rokoko. Rachhall des achtzehnten Jahrhunderts. Wir können uns kein Schauspiel unserer Gegenwart und kein zettge- nössisches Musikstück denken, die miteinanber eine so unverwechselbare Harmonie ergäben, wie diese beiden; hier ist alles aufeinander abgestimmt, alles fügt sich ineinander, paht zueinander, klingt miteinander: Geigenstrich und Paukenschlag, Reifrock und ©toßbegen, Stuhl und Wandbehang, Versklang und Menuett, Tonfall in Rede und Musik. Rhythmus in Schritt und Tanzmelodie. Gleichllang tn Rotenblatt und Lustspieltext... ein Geist, eine Stimmung, ein Grundgefühl. (Das haben wir alles lange verloren. Mit dem der letzte Stil, der letzte Se BeIWe Pi gehalten haben. Gin Fall, der Wohl noch hn Gedächtnis der älteren Generation fortlebt, ist die Verhaftung des Raubmörders Hennig, i'er im Frühjahr 1906 eine vielgesuchte Persönlich: rit war. Rudolf Hennig, von Beruf Lederarbeiter, hatte den Kellner Giernoth tm Grünewald erschossen: nicht durch diese Tat, sondern durch seine kühne Flucht lenkte er die alloeirwine Aufmerksamkeit auf sich. Der flüchtige Mörder war in Berlin fast zum Schreckgespenst geworden. Man hatte ihn in der Rähe des Stettiner Bahnhofs erkannt,' es gelang ihm jedoch, in ein Haus zu entwischen und zum erstenmal in der deutschen Kriminalgcschichte eine große Jagd über die Dächer der Berliner Häuser zu beginnen. Aus einem Haus der Weißenburger Straße floh er dann in Filzpantoffeln. Sn Stettin wurde Hennig einige Wochen darauf dabei erwischt, wie er ein Fahrrad stehlen wollte. Er schoß den Kriminalbeamten an, doch hatte der Polizist Geistesgegenwart genug, ihm noch mit einem schweren Stock einen Schlag über den Kopf zu erteilen. Hennig taumelte und konnte fcst- genommen werden. Solche Fälle haben sich in- zwifcheu jedoch oft ereignet, und man muh leider Augcbcn, daß sich nicht nur die Technik der Berbrecherdekämpfung, sondern auch die Fähigkeit der Verbrecher, sich zu verbergen und geschickt zu fliehen, außerordentlich vervollkommnet hat. Das Rätsel von Thoiry. Da wir dicht vor dem Beginn der^wahrscheinlich entscheidenden internationalen Erörterung der Reparationsfrage stehen, erscheint es angebracht, auf Grund besonderer Informationen über den ersten Versuch, der von Frankreich und Deutschland zusammen zur Endlösung jener Frage unternommen worden ist, endlich die Klarheit zu geben, di« sowohl wegen des geschichtlichen Gewichts dieses älnternehmens von Thoiry als auch um seiner nachwirkenden, richtungweisenden Bedeutung willen erforderlich ist. 11m die Verhandlungen, die seinerzeit in Thoiry geführt worden sind, hat sich allmählich eine Legende gebildet. Ein in Berlin erscheinendes volkswirtschaftliches Blatt schrieb damals, daß „zwei Sachverkenner" sich getroffen hätten, um die Reparationsfrage zu erledigen. Sn einer rheinischen Zeitung schreibt neulich ein Verfasser, daß zwei phantasiebegabte Mini st er in Thoiry eine Lösung der zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden Schwierigkeiten versucht, aber nicht gesunden hätten. Sn Wirklichkeit liegen die Dinge doch ganz anders. Zunächst ist einmal festzustellen, daß das Programm von Thoiry schon in seinen ilm- rrssen bekannt war, ehe sich der Reichsaußen- minister damals nach Genf begab. Man hatte deutscherseits erfahren, daß Driand in Genf di« Räumung der besetzten Gebiete Vorschlägen würde, als Gegenleistung aber die bekannte teilweise Mobilisierung der Obli- g at i onen und weiterhin den Rückkauf des Saargebiets in Vorschlag bringen würde. Diese Gedanken gehen zurück auf die Zeit des Kabinetts Briand-Eaillaux, das bekanntlich durch Herriot gestürzt worden ist. Die Zusammenkunft in Thoiry ist nicht von deutscher, sondern von französischer Seite angeregt worden und ein Vertrauensmann Driands hatte In Genf darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Besprechung in Thoiry nicht um kleine Dinge, sondern um große Entscheidungen handeln würde. Auch Mitglieder der deutschen Delegation waren über diese Gedanken informiert, ebenso aber auch Chamberlain. Man hat in Thoiry davon gesprochen, ob es möglich sei, von den Obligationen eine Summe von 1500 bis 2000 Millionen Mark zu mobilisieren und davon Frankreich, das mit 52 Prozent an dieser Summe beteiligt ist, einen entsprechenden Betrag zuzusühren. Man hat weiter in Thoiry von dem Rückkauf des Saargebiets gesprochen und deutscherseits den Betrag von 300 Millionen für diesen Rückkauf in Aussicht genommen. Wenn eine Summe von 1500 Millionen Mark als Mo- bllrfierung der Obligationen in Betracht gekommen wäre, würde also eine Summe von 750 Mlllionen Mark und mit dem Rückkauf des Saar- gebiets 1050 Millionen Frankreich zur Verfügung gestanden haben. Eine Mehrbelastung für Walther von der Vogelweide und Reinmar von Hagenau. Don Or. Alfred Götze, o. Professor der germanischen Philologie an der Universität Gießen. Wir wissen, daß Walther von der Vogelweide an Kaiser Friedrichs II. Kreuzsahrt teilgenommen hat. Am 7. September 1228 ist er mit der kaiserlichen Flotte in Akkon gelandet. Wenn er, wie wahrscheinlich, nach Deutschland heimgekehrt und hier gestorben ist, so ist das mindestens nicht lange nach jenem letzten, uns bekannten Ereignis seines Lebens geschehen, denn nach 1228 erhalten wir kein greifbares Datum mehr vom Leben des damals etwa 65jährigen Dichters. Von daher nehmen wir uns das Recht, 1928 als Jahr der Erinnerung an den größten Sänger des deutschen Mittelalters zu begehen und ihn darin neben den großen Maler der beginnenden Neuzeit zu stellen, Albrecht Dürer, der 1528 gestorben ist. Wir sollten Waltbers öfter denken, als bisher geschieht, auch in unserer allgemeinen Bildung verdient er einen besseren Platz, kraft seiner Kunst und seines Charakters, die vollkommen feststehen, so vieles in seinem Lebensbild noch umstritten ist. Geboren ist Walther aus niederem Adel kurz nach 1160 auf einem Vogelweidhof des deutschen Süd- ostens. Der Name ist häufig, weil im Zeitalter der Reiherbeize die Falken zur Jagd abgerichtet und unterhalten werden mußten, dazu aber ein abgelegener Hof geeigneter war, als die lärmenden und enaen Hofhaltungen der Großen. Als adeliger Ansitz ist trotz langem Suchen keiner der zahlreichen Vogelweidhöfe festzustellen gewesen, auch kein tirolischer. Die Tiroler haben sich aber Walther mit einer so liebenswürdigen Selbstverständlichkeit an- geeignet und Natters Denkmal in Bozen ist ein so prächtiger Ausdruck dieses Gefühls geworden, daß die anderen Länder Oesterreichs, die der Sprache nach — und andere als sprachliche Zeugnisse gibt es nicht — ein gleiches Recht auf den Dichter hätten, ibre Ansprüche gern zurückgestellt haben. Geistige Heimat ist dem Künstler Wien geworden, die Hauptstadt der babenbergischen Herzöge. Die Lyrik, die der junge Walther hier in Blüte fand, trug den Stempel Reinmars von Hagenau, des aus dem Elsaß eingemanberten Edelmanns, der als erster die lyrische Modekunst des europäischen Deutschland hatte sich daraus nicht ergeben — mit Ausnahme des Rückkaufs des Saargebiets — da Deutschland auch jetzt bei Richtmobilisierung der Obligationen die Zinsen dieses Betrages aufzubringen hat. Alles kam darauf an, ob es möglich sein würde, di« Vereinigten Staaten zu bewegen, sich hiermit einverstanden zu «rllären, und ob es möglich sei, dies« Summe zu placieren. Don entscheidender amerikanischer Seite wurde damals erklärt, daß eine Summe von 2000 Millionen zu hoch gegriffen sei, daß es aber wohl möglich sein würde, eine Summe von 1500 Millionen Mark zu placieren. Die Schwierigkeiten lagen daher, als die ersten Verhandlungen über diese Dinge auRamer., nicht auf finanzieller Seite. Ob das State Departement in Washington der ganzen Transaktion zustimmen würde, stand nicht fest: irgendeine negative Entscheidung war aber ebenfalls nicht erfolgt. Dagegen begann in Frankreich der Sturm gegen das Zugeständnis der Räumung des besetzten Gebiets. Es zeigte sich, daß Driand sich viel zu weit vorgewagt hatte und die öffentliche Meinung nicht hinter sich zu bringen vermochte. Bei seiner Rückkehr nach Paris wurde Driand am Bahnhof ausgepfiffen und der Sturm der französischen Presse begann in unerhörter Werse. Cs ist nicht zu verstehen, wie man in der französischen Press« in der Gegenwart «rllären kann, Deutschland habe es unter* lassen, bestimmte Dorschläge zu machen. Di« Wahrheit ist, daß man von französischer Seite dringend darum ersuchte, die Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen, da sie nicht reif sei. Driand und auch Chamberlain haben gebeten, die Angelegenheit nicht Wetter zu verfolgen. Snzwischen ist derselbe Gedanke zwei Sahre später von Poincare selb st wieder ausgenommen worden. Einem sehr bekannten deutschen Publizisten gegenüber sott Herr Poincars betont haben, daß e r di« Verhandlungen von Thoiry angeregt habe, so daß er als der eigentliche Vater von Thoiry anzusehen wär«, und eS ist bekannt, daß in den letzten Monaten derselbe Gedanke, dec der Unterhaltung von Thoiry zugrunde lag, wieder ausgenommen worden ist. Ob er heute durchführbar ift2 muß bezweifelt werden. Denn inzwischen ist ja die endgültige Regelung der Reparationsfrage so nah« hercm- gerückt, daß eine derartige Transaktion durch das Herannahen der Endlösung überflüssig geworden ist. Es handelt sich jetzt nur darum, in welcher Form die Obligationen innerhalb der Gesamllösung flüssig gemacht werden. Thoiry selbst aber ist nicht irgendein phantastisches Gespräch gewesen ebensowenig «ine Utopie, sondern es war eine bestimmte finanzielle Transaktion, die Deutschland nicht belastet haben würde und di« vielleicht damals schon für Frankreich von größter Aktualität gewesen wäre, wenn nicht die tatsächliche Stabilisierung des Franken viel schneller erfolgt wäre, als irgend jemand sich vorgestellt hatte. Das Kommunique über Thoiry ist bekanntlich von Herrn Briand selbst entworfen worden. Es hat damals die Gesamtlösung der zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Fragen in Aussicht genommen. Der deutsche Rerchsaußenmtnister hat seinerzeit zehn Tage nach Thoiry auf dem Parteitag der Deutschen Dolkspartei zum Ausdruck gebracht, daß es gegen die Ratur der Entwicklung politt- scher Dinge sein würde, wenn in dieser Frag« nicht ein Rückschlag einträte. Dieser Rückschlag ist allerdings stärker gewesen, als irgend jemand nach dem damaligen Vorhaben Driands angenommen hat. Erst nach der letzten Rede des Reichsaußenministers, in der er die Räumung m türmischer Weise forderte, hat Driand gewagt, >em französischen Senat von der Räumung zu prechen. Er hat zunächst die prinzipiell« Zu- tinunung der Kammer gefunden unter den Dorbehalten, die er bezüglich deutscher Gegenleistungen machte. Es hat weiterer Monate bedurft, um die offiziellen Derhandlungen über die Däu- mungsfrage in Gang zu bringen, die jetzt zwar nicht in sachlichem Zusammenhang mit den Beratungen über die Reparationsfrage stehen, aber doch zeillich mit diesen Beratungen zusammen- f alten. „Phantastisch" oder „von Sachverlenntnis getragen" waren di« Derhandlungen von Thotry nicht und das stürmische Tempo war auf französischer und nicht auf deutscher Seite. Gegenüber den Legenden um Thoiry, die diesseits und jenseits des Rheines gesponnen worden sind, ist diese Feststellung doch gerade im gegenwärtigen Moment von Bedeutung. und alle diese Ehrengäste bat er um wohlwollend« und verständnisvolle Förderung der Bcstrebungen des Sängerbundes. Ferner brachte der Redner bie herzlichen Grüße bes Ehrenvorstanbsmitgliedes, Schulrats Has finger (Darmftabt), zum Ausdruck, der leider infolge anderweitiger Verpflichtungen nicht zugegen sein könne. Ein weiterer Gruß des Bundesvorsitzendcn galt den oberhessischen Vereinen, den Vereinen aus Rheinhessen und Starkenburg, den preußischen und den bayerischen Sanges- brüdern, den zum ersten Male anwesenden Vertretern von gemischten Chören und den Veteranen der Sängerbewcgung. Mit dem Wunsche, daß die ganze Macht der im Bunde zusarnrnenaeschlossenen Vereine zum Wohle der edlen Bundessache eingesetzt werden möge, erklärte der Redner den Bundes» Sängertag als eröffnet Oie Grüße der Giadt Gießen. Oberbürgermeister Dr. Keller brachte mm die herzlichen Grüß« und Wünsche der Stadt Gießen zum Ausdruck: die Erledigung dieser Ausgabe sei ihm «ine große Freude. Sn stattlicher Zahl seien die Delegierten hier zu gemeinsamem Wirken erschienen. Er gebe namens der S'adt Gießen der Hoffnung Ausdruck, daß wir nicht nur diesen Bundes-Sängertag hier bei unS begrüßen könnten, sondern auch recht bald em BundeS-Sängerfest des Hessischen Sängerbundes h er veranstaltet sähen. Mit wett ausgebreiteten Armen unb offenem Herzen werde die Gießener Bürgerschaft die Sänger empfangen und daS DundeS-Sängersest in Gießen in schönster und würdigster Werse zu gestalten wissen. " Einen besonderen Gruß entbot der Oberbürgermeister den Sängern aus dem besetzten Gebiete. Das deutsche Lied möge den deutschen Brüdern dort drüben die Kraft geben zum Ausharren bis zu der hoffentlich nicht mehr allzu fernen Stunde, da fie wieder frei atmen könnten als freie Deutsche im freien Vaterland«. Der Redner feierte dann in kurzen Worten die hohe Bedeutung deS deutschen Liedes und die vortreffliche Wirksamkeit der Bundesvereine intö des Bundes für dieses kostbare Gut des deutschen Volkes. Dem Hessischen Sängerbund und seinem Dorsitzenden, Ministerialrat Dr. S i« g e r t, sowie den Bundesvereinen werde e's stets zum Ruhme gereichen, mit so glänzendem Erfolge für die Pflege und Ausbreitung des deutschen Liedes bisher schon gewirkt zu haben. Daß in der gleichen gedeihlichen und segensvollen Weise vom Bunde weitergearbeitet werd«, das sei der Wunsch, den ec mit seinen und der Stadt Gießen Grüßen an den Bund verbinde. Der Gießener Sängerchvr unter der Leitung des Gauchormeisters Kasten brachte als Abschluß des Degrußungs^efls der Tagung das schöne DvlkSlied „Wer hat dich du schöner Walld" ausgezeichnet zu Gehör. Ehrung der Zubilare. Sodann wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zuerst fand ein Festakt zu Ehrender S u 6 i I a r e statt. Der Bundesvorsitzenöe, Miyi- stericürat Dr. S i« g e r t, konnte hicrbei nach einer Ansprache 57 Sängern aus dein ganzen Bundesgebiet, die seit 25 Sahren und länger Vorstands» Mitglieder ihrer Dereine sind, das Ehrenzeichen des Hessischen Sängerbundes überreichen, an 26 Dirigenten, die seit über 25 Sähren ununterbrochen den D irigenten st ab ihrer Dereine führen, das für diese Veteranen gestiftete Ehrenzeichen des Sängerbundes crushändigen und die Subb» lave gleichzeitig zu Ehrenchormeistern des BundeS ernennen, 19 Sänger für über 40jähr ge Sanges- tätigteit ehren und an 3 Sänger, die seit mef)t als 50 Sahren aktive Sänger sind, den Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes mtt herzlichen Glückwünschen aushändigen. Oie geschäftlichen Verhandlungen. Es folgt« nun der Bericht des DundeS- vorsih«nd«n über das abgelaufene Geschäftsjahr. Aus dem Bericht war eine vielseitige, recht erfolggekrönte Arbeit deS Bundesvorstandes zu erkennen. Di« Zahl der Bundesvereine ist um rund 70 gestiegen, über 30 Verein« wurden aber wegen Richterfüllung chrer Beitragspflichten gestrichen. Den Satzungen entsprechend wurden auch Gemischte Chöre aufgenommen ; bis jetzt sind 5 beigetreten. Der Bund zahlt heute rund 650 Vereine mit etwa »SEgar—njit i Sobald der große Künstler Walther in dem Vorbild Spuren innerlicher Unwahrhafttgkeit entdeckte, mußte er sich mit der leidenschaftlichen Wahrhaftigkeit des Genius von ihm abkehren. Diese Abkehr ist bann zum Wendepunkt seiner Dichtung geworden. Wir haben bei Walthers Liedern stets zu fragen, ob sie in die konventionelle Zeit unter Reinmars Einfluß gehören oder in die individuelle Dichtung nach der Abkehr. So führt die Betrachtung von Walthers Verhältnis zu Reinmar in die Tiefe feiner Lyrik und läßt uns seinen Entwicklungsgang verstehen, wie keine andere Beziehung zu zeitgenössischen Dichtern. Hochschulnachrichien. Der durch die Cremitierung des Geh. Rates G. Störring an der Universität Bonn erledigte Lehrstuhl der Philosophie ist dem ordentlichen Professor Lr. med. Karl Jaspers in Heidelberg angeboten worden. — Der n. o. Professor an der Breslauer Universität, Regierungsassessor Dr. jur. Hans Peters, A. Z. Referent im Preußischen Kultusministerium, hat einen Ruf als planmäßiger a. o. Professor für öffentliches Recht an die Universität Berlin erhalten. Professor Dr. Otto Brandt in Kiel hat den an ihn ergangenen Ruf auf den durch das Ableben des Geh. Regierungsrats G. Beckmann erledigten Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte an her Universität Erlangen zum 1. November d. I. angenommen. — Rektor und Senat der Technischen Hochschule zu D a r m ft a b t haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Bauingenieurwesen den Baurat Dipl.-Jng. Friedrich B o h n y, Leiter der Eisenbau-Abteilung der Gute Hoffnungshütte in Sterkrade, in Anerkennung feiner Verdienste um die wissenschaftliche und konstruktive Entwicklung des neuzeitlichen Großbrückcnbaues die Würde eines Doktor-Ingenieurs ehrenhalber verliehen. — Zum ordentlichen Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät in Salzburg ist der a. o. Professor ebenda Dr. theol. Baumgartner ernannt worden. — Professor Dr. Erich Frank in H e i- d e I b e r g hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Universität Marburg als Nach« folger Heideggers angenommen. — Professor Dr. Adolf S m e k a l in Wien hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der theoretischen Physik an der Universität Hall« als Nachfolger von Professor R. Schmidt angenommen. AmdkS-Sängrriag des Hessischen Sängerbundes Der Hessische Sängerbund hielt gestern unter der Leitung seines 1. Vorsitzenden, Ministerialrats Dr. S i e g e r t (Darmstadt) seinen Vundes-Sängertag 1 928 in der ober- hes.ischen Provinzialhauptstadt G i e tz e n ab. Aus allen Teilen des Hes enlandes und aus den angrenzenden preußischen und bayerischen Bezirken, deren Gesangvereine dem Hessischen Sängerbund angehören, waren die Vertreter dec , Counter* vereine in sehr großer Zahl hier erschienen: sie füllten zusammen mit einer sehr starken Sängerschar der Gießener Bundesvereine den großen Saal der „Liebigshohe" bis auf den letzten Platz. Den auswärtigen Sangesfreunden zu Ehren waren die FaAen der Gießener Brudervereine Im Saale der Liebigshöhe aufgestellt. Oie Eröffnung. Gegen 1/211 älhr Dorrn, lei'ete ein Sängerchor der Gießener Bundesvereine unter der Stabführung des Gauchormeisters Kasten (Gießen) die Tagung mit dem deutschen Sängergruß ein. Dann entbot der 1. Vorsitzende des Lahngaues im Hess. Sängerbund, Emil Koch (Gießen), den Wifllommengruh der Gießener Bund:svereire, der insbesondere dm Vertretern des Kreisamts, der Stadtverwaltung, dem Bundesvorstand, den Vertretern der Presse sowie den Delegierten galt. Der Redner wünschte dm Beratungen besten Erfolg zum Besten des Bundes, zur Förderung des deutschen Liedes und zum Wohle des deutschen Männergesanges. Anschließend brachte der Gießener Sängerchor unter der Leitung des Gauchormcrsters K a st e n Mozarts wunderbare Kcmposi.ion „Weihe des Gesangs" in prächtiger Weise, gleich dem Klang einer ausgezeichneten Orgel, zu Gehör. Wohlverdienter stürmischer Beifall dankte den Sängern und ihrem feinsinnigen künstleri- schm Führer für diesen würdevollen und glänzenden Auftakt der Tagung. Nunmehr hielt der Bundesvorsitzende, Ministerialrat Dr. S i e g e r t (Darmstadt), bie Eröffnungsansprache, in der er u. a. betonte, im verfloßenen Geschäftsjahr habe der Bund sein Haus auf feste Säulen gestellt, indem er bie Provinzial- und Gauverbänbe zu starken Trägern bes Bundes» gebanfens ausgebaut und eine scharf umriffene Ar- ritsteilung oorgenommen habe — eine Organisation, bie sich schon jetzt außerordentlich bewährt habe. Im neuen Arbeitsjahre gelte bie Tätigkeit mehr bem gesanglichen und künstlerischen Fortschritt, wie er sich beim zweiten Bunoesfest in Darmftabt 1929 auswirken solle. Daneben werbe aber auch den materiellen Angelegenheiten ber Vereine, wie z. B. den Wünschen um Befreiung von der Vergnügungssteuer, den Möglichkeiten verbilligten Notenbezugs, der Afma und der Gema bie Aufmerksamkeit bes Bundesvorstandes zuteil werben. Die Sache bes Männergesangs fei eine Anaelegenheit bes ganzen Volkes, ihm gelte auch die Arbeit der Männergesanqoereine. Der Redner wies dann auf die Wiener Sängertage hin, wo eine gewaltige vaterländische Welle sich erhob. Er stellte dann weiter fest, daß Staat und Gemeinden ber Sängerarbeit großes Interesse und Verständnis entgegenbringen, und bat um deren Wohlwollen, wenn sich die Gesangvereine mit ihren berechtigten Wünschen an sie wenden. Sodann begrüßte der Redner als Vertreter des Kreisamts Gießen, Regüerungsrat Schmidt, als Vertreter des Pölizeiamts Regierungsrat Wolf, den Leiter ber Stadtverwaltung Oberbürgermeister Dr. Keller, die Vertreter der Presse als Bundesgenossen der Sängerbewegung, —nsan iwiim j-r aai Westens in den deutschen Südosten getragen hat. Reinmar macht es uns nicht leicht, seiner Kunst gerecht zu werden. Ein weicher und feiner Mensch, fast weiblich in seiner zarten Empfindsamkeit, hat er sich in ein Liebesleben eingesponnen, bem alle frischen Farben, alle herzhaften Töne, alle Anschaulichkeit fehlen. Seine Liebe bleibt ohne Erfüllung, ja nicht einmal sein Hoffen ist zuversichtlich. Reinmars Trauer hat nichts Erschütterndes, seine Freude nichts, was das Lebensgefühl steigern könnte, sondern beide fließen beinahe ineinander in einem wehmütig weichen, schmelzenden Gefühl. Nicht klarer Frost und Heller Sonnenschein walten in diesen Liedern, sondern gedämpftes Licht und abspannende Föhnstimmung. Tatsächliches findet sich fast gar nicht darin, nur Wünsche und Möglichkeiten. Ein Bote, der einen ermutigenden Brief bringt, wird bei Reinmar schon zum Ereignis. Dieser Künstler ist völlig Subjektivist. Er nimmt immer seine Schmerzen unter die Lupe, zergliedert die eigene Leidenschaft und freut sich ihrer vielen Abschattungen. All das führt er mit Takt, Geschmack und einer bewundernswerten Gewandtheit in der Form durch. Im Kreis des höfischen Herkommens erschövft er alle Möglichkeiten. Sein Kreis ist eng, aver in ihm hat er die Kunst entschieden bereichert. Kein deutscher Dichter hat für Liebesschmerz so viel Worte wie Reinmar. Mit einem staunenswerten Reichtum ber Mittel stellt er fein Leid bar: bald drängt er kühn voran, bald weicht er zart zurück. Seine Bitten und Tränen flehen und klagen durch alle Stimmlagen, wehmütig und herb, tief verzagt und unablässig an- dringend. Auf diesem künstlerischen Reichtum beruht offenbar sein großer Erfolg. Denn merkwürdig: biefer zaghafte, zarte, unent- schiebene, in den Fesseln höfischer Gebundenheit lebenslang befangene Lyriker, dieser Mann der halben Töne und weichen Schatten macht Epoche und wird für lange das gepriesene Vorbild des höfischen Minnesangs. Die Zeitgenossen waren begeistert von feiner Art. Die harten Krieger und selbstsüchtigen Staatsmänner des Wiener Hofs und rings im Land ließen sich von Reinmars Mollakkorden fangen und gaben sich seiner leiten, weichen Kunst hin. Damit ist der Boden geschaffen, auf dem Reinmar eine Schule gründen konnte. Als anerkannt« Zeitgröße zieht er die dichtenden Standesgnosien in feine Bahnen, sein dichterischer Minnedienst wird b i e lyrische Richtung ber ganzen Zeit. Walther finbet ihn in Wien vor, wi« er tm bildsamsten Lebensatter dort an den Hof gelangt, und es vollzieht sich, was sich oft und notwendig in allem Geistesleben wiederholt hat: ber aufftei- genbe Genius wird durch ein völlig einseitiges, aber in biefer Einseitigkeit hochentwickeltes Talent angezogen, gefördert und zur Vollkommenheit gebildet. Ein Meister formaler Kunst wird zum Bildner des Genius, ber nachmals bie glänzende Form mit reiner, hoher Kunst zu füllen gewußt hat. Zunächst gerät Walther ganz In Reinmars Bann. Aus feiner Frühzeit haben wir Lieder, die ebensogut von Reinmar sein könnten, ja bet einigen schwanken die alten Handschriften in ber Angabe des Verfassers, und wir wissen buchstäblich nicht, ob sie Walther ober Reinmar gehören. Der junge Walther schmachtet und seufzt genau wie fein Meister. Er spielt mit Liebesschmerzen, die er ganz gewiß nie gefühlt hat. Er wächst dem Meister nach in die glänzende Beherrschung der Form, in bie Künste ber Zergliederung und des Aufbaus. Dann aber kommt, was kommen muß: der erstarkende Genius wächst über den Meister hinaus und wirft die Formen weg, die ihm zu eng geworden find. Diese Entwicklung ist, wie noch oft in solchen Fällen, nicht ohne Bitterkeit und Verstimmung vollzogen worden. Zwar Walther bewahrt dem Genossen seines Jugendstrebens die alte Verehrung, er widmet nachmals bem Frühverstor- benen eine Totenklage, in der er das Lob von Reinmars Kunst noch weit über das feiner Persönlichkeit steigert. Aber Reinmar war gegen Walther aereizt, der über ihn hinaus au neuen, höheren Zielen flog, dessen Kunst so sichtlich über die eigene hinaus zu dichterischer Größe wuchs. Die Aokehr Walthers hat Reinmar noch erlebt, auch das ist aus dem Nachruf mit Sicherheit zu entnehmen. Die muntere Jugend am Wiener Hof war durch Reinmars langes Schmachten längst zur Spötterei gestimmt. Wir wissen, daß man ihm das Alter ber Geliebten nachrechnete, ber er nun jahrzehntelang vergeblich diente. Zum Sprecher dieser lachlustigen Jugend, die ber Berühmtheit die Parodie folgen ließ, hat sich Walther gemacht und sich AU dessen Gegenspieler aufgeworfen. Sein Wider- sprach ist voller Gesinnung und Temperament, ein ganzer Mann steht dahinter, ber von Reinmars Art grundverschieben ist unb doch jede Scharfe meidet. Um so gereizter bricht Reinmar los, seine zornige Abwehr kann ihm aber nur schaden, noch bei uns, denn wir erfahren aus ihr, daß ihm die Gegner Unwahrheit in feiner Minne vorgeworfen haben. Damit aber gelangen wir an den entscheidenden Punkt. sü ng^rats » ueK g» mittlere uiw <6 naAridift"- Se, fflfh. Stott* *“S. 8 ,n7««W W"‘" X ,1-nmiW' i«» * tliche» tnini«* -7- n a e n R trfdal 6r]° jldior nommen. grinst»? r)od)|d)U|6^u Abteilung!»' n Ste'L MnschoA ,ste um ^"neuzeiE -chM i'SWS S-S- $s*h fl'KL *iS? '" Unb bP' l$en Ver. bie n SunbesU^’Oentn Ja*,. e QtiohL Oer Ttabt «Stift, M«r«t 6t qt\. OThtifl« 1 ’®*ra j? °ngeriLg LV dir U. tkl uns ®L2 *» [d totit aS?W DOt in fAi_ftü ®ö8 ten und ^nrn big ,u S Ilrrie irittk tZ :Äcftni M deut. ZES'-L UAL A. Mege und Aus. if*" xdeWchrn Dunde weiter, ben er 1 Men Truhen an ^erchvr imter dn MS Kasten brachte Mgs.eilS der Xaquna «fr dich du schöner Dchvr. Äbilare. Tagesordnung stall zu Ehreröer Zundcsvoch^ Mini, konnte hi:Äi«ch einer as dem ganten DundeS« 1 und länger MstandS- sind, du Threntzrichen lides überreichen, an 26 :t 25 2chren ununter» b ihrer Qkrcint führen, gefiifteit Ehrenzeichen lixgen und bie 3ubi* ormeistern des Dundei Mxt Langes« Läntzrr, vir seit mehr inger sind, den Ehren« Verbundes mit herzlichm Verhandlungen. »richt des DundeS« das abgelausenk 5 dem Bericht war eir lggekrönte Arbeit M kennen. Die Zahl h rund 70 ^stiegen, üfc :r wegen Aichterfillmz eftrichen. Den Ladungen 6 gemischte Shöre mf« id 5 beigetreten. Der ji^DercniHmHtoi kT®* in dem Vlw abtetjren. Diese Ablehr ist seiner Dichtung K* ' Liedem stets zu st»S^ ,< q«i> un|er gie nniars m ÄU-! oder« »ez'-HM i“ *“ Sprechstunden der 'Redaktion 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Oberheffen. Landkreis Giesten. 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Inhaber ist der Kaufmann Konrad Brücke! I. in Lang-GönS. Die Prokura des Konrad Brücke! I. in Lang- GönS ist erloschen. Am 16. Oktober 1928 bei der Firma Otto Bingel & Co. in Gießen: Otto Bingel und Otto Bingel Ehefrau Elise, geborene Schmidt, sind mit Wirkung vom 4. Oktober 1928 auS der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden. Otto Bingel jun., Polsterer in Gießen, und Ludwig Bingel, Schreiner in Gießen, sind als persönlich haftende Gesellschafter eingetreten. Aktiva und Passiva wurden von den neuen Gesellschaftern nicht übernommen. Dem Otto Bingel sen. ist Prokura erteilt. Am 23. Okwber 1928: a) bei der Firma Schunk & Ebe in Heuchelheim: Die Prokura des Johannes Wolf in Berlin-Schöneberg ist erloschen, b) Bei der Firma Edmund Richter in Gießen: Die Prokura des Robert Geller in Gießen ist erlofdjen. Der Edmund Richter Ehefrau Johanna, geborene Geller von Gießen, ist Prokura erteilt. 9516D Gießen, den 27. Oktober 1928. Hessisches Amtsgericht. Dienstag, den 30. Okwber l. Z., nachm. 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 2 Chaiselongues, 1 Waschmaschine, 1 Schuhmachernäbmaschine, 1 Eisschrank, 2 Trumeauspiegel, 3 DiwanS, 3 Warenschränke, 7 Dutzend Hosenträger, 7 Crou- pon Sohlleder, 3 Stück Waschleder, 30 Paar Ledergamaschen, 2% Zentner Holznägel, 20 Paar Herrenleisten, 1 Schrankgrammophon, 1 Standuhr, 2 Bücherschränke, 1 AuSziebtisch, 1 Ladenkasse, 1 Korbgarnitur, bestehend in Tisch und 2 Sesseln, 1 Sofa, 1 Vertiko, 1 ovalen Tisch, 1 Teppich, 1 elektrische Haarschneidemaschine, 1 Diplomatschreibtisch, 1 Schreibmaschine, 1 Schreibtisch mit Aufsatz, 1 Schreibmaschinentischchen, 1 Küchenschrank, 1 Lederkoffer, 1 Wintermantel, 1 Bild, 2 Büfetts, 1 Goerz-Prismenglas, 1 Kredenz, 1 Lastwagen, 3% Tonnen. Bestimmt: 95 Kasten Silvesterblei, 6 Kasten Gießformen für Bleisoldaten. 9498D Möll, Gerichtsvollzieher kr. A. in Gießen, Jheringstraße 7 — Telephon 1239. I VorM-VereiaM (Goethe-Brod / Krohn. Verein / Ortsßewerbevereio) Donnerstag, den 1. November, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Eiperimenial-VoriraO von Physiker Wilhelm Pauck aus Berlin Die Musik im Lichte der modernen physikalischen Forschung (Rätsel des musikalischen Klanges) Mitglieder der 3 zusammengeschlossenen Vereine haben bis zu 2 Plätzen freien Eintritt gegen Vorzeigen des Kontrollabschnittes Nr. 2. — Nichtmitglieder Karten zu Mk. 2— an der Abendkasse. Studentenkarten zu Mk. 1.— gegen Ausweis bei Herrn Sekretär Ritter, Univ.-Gebäude. 0805D l Motorrad N. S. D. 1 Wurttichrank, 2 Schreibtische, 1 KücheniÄrank, 2 Bettstellen, 2 Nachttiichchen, 1 Tischmaugei, Gartenmöbrl, 3 Kinderwagen, 1 Sckülervult, Sei- ienvulver, Tbran- ledersettbill.z. verk. H. Benner II., oim* Rordnnlaae 7. AuS einer Lmmda- lionsiache verkaufe ich fllrö Met 'gebot die Restbestände an Hol-vorräten, als. Bukowina • Dielen, sowie «Stab« Hobel». Nut- u. Federbretter, Spalter« und Packlarten. 2 kleine, geschnitteneSiämme usw. Näh.,. erfr. bei H. Banner II., »76» Nordanlage 7. IO-Cedar-Mop auch billigere Fabrikate, sowie sämtliche Putzmittel, Bürsten, Fensterleder usw. Edgar Sorrmann, Sisenhandlung Arbeitsvergebuirg. Für die Feldbereinigung Harbach sollen auf der Bürgermeisterei zu Harbach nachstehende Fuhrleistungen, 2000 Zentner, zu 700 Drainagearbeiten, 27000 m, zu 6000 5MI veranschlagt, in einzelnen Losen vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hess. Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin, am Freitag, dem 2. November 1928, vorm. 10 Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist 3 Wochen. 9503V Gießen, den 27. Oktober 1928. Hess. Kulturbauamt Gießen. I. V.: Mangold, Regierungs-Baurat. Volksbank Gießen e. 6.m. b. H. :: Friedrichstraße 8 Kontokorrent- und Scheckverkehr Annahme von Spareinlagen Gewährung von Krediten Erledigung sonstiger Geldgeschäfte 75000 M. Reserven u.Geschäftsguthaben 180000 M. Haftsummen 240 Mitglieder Günstige Zinsbedingungen Welt-Spartag 1928 nt. 255 5 2959.22 M.. übet die b < Ttnbdasse. 2 dm Rechner erteilt. hat als Lei Die Kamen Schulbof, W. Scyum hen). Hierzu, weiterten Do toben 3ö( berg), Sie Vvnter (C des LmdrSd ausschuß ttni stand zur Au W Delegi traloetbonbed toben: suchens, M. betoY, als tz: 6en), Schn Stumps (' mit W Ä 134 Termine, 11 Serufungen unö Drittel 6er # Kriegsopfer cntU [not werden, dak itimmungen von treten werden k° Der ÄaH«’ n«. M 6» ' 01' Den®«»'! Die Lahre M B rfx ner 9 ,Derh Land^ @j(| einsha"' ^rm W^n Wie 6 M^gesall Kl, > Butte JEW S Der näd in Gießer 6me 2es< die Fcchrtvl bei der Aei Gesamtorgan Veranlassung die Dechand bchngMscha Iroge, wie a alle Organisa meinfam bei S feien. rtverbilliss MU Copyright Fortsetzung konnte Müde mar n M auch." . A ba^ du J ». erst d .•W ni etn Ptotmal Q soviel M schnaufen.^ 9an3 Setränii Kutsch ««tv h.^tllk°mm TJW r. ^°°>en fuh £•« leib,™ nicht E n und rt. . nii x-A S497A 'telne W Seltne 1 ‘6101 Volle 111 aus MW 1 großer Posten mcn und Kinder ^enrfldte fr u ’chlüpfer )» -Strümpfe, .00 MW u. Verein / OrßßeierbeverelF ■ November, abends 8 Uk 1 der Universität MU heim Pauck aus Berlin Lichte der moder- sehen Fors&xxn( islkallschen Klanges) lossenen Vereine haben bis jen Vonelgen des Kontroll- [lleder Karten zu Mk. 2.- :nkarten zu Mk 1.- gegen tter, Univ.-Gebäude. “”D Miete edrichstraOe 8 edar-Mop t Fabrikate, sowie sämtliche Bürsten, Fensterleder usw. itsvergebung. bbnrinigung Harbach sollen lemeijterei zu Harbach nach' >n, M> Zentner, zu eiten, 27000 m, zu 6000 X« in einzelnen Loien vergebe» inMgsunterlagen liege» aus LzK SJ'SS» Murbauamt Gieße»- k Mangold, ggurung*^---- Scheckverkehr Spareinlage" 1 Kredi*en hafte er6eldgeschafte ^=u,haben aftsurnme" , gliedec beding""06 rta^2* Kr. 255 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Montag, 29. Gttober (928 '^.,11. - i ■» nr Mil il ..... ~ . .«-r— r IIH,M IT—1^W1 Kriegsbeschädigien-Tagung in Gießen für eine Militärsährkarte) stehe seitens der Reichsbahn noch aus. Darauf wurde der Der- bandstag nach 1 Llhr geschlossen. Eine öffentliche Kundgebung. Für den Nachmittag hatte der Landesverband Oberhessen zu einer öffentlichen Kundgebung im großen Saal des Katholischen Vereins- Hauses eingcladen. Um 3 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Landesverbandes, Kam. Moll, die gut besuchte Versammlung und begrüßte zunächst die Vertreter der Behörden: Präsident v. Krug vom Oberversicherungsamt Darmstadt, Oderregierungsrat Braun und Reg.-Medizinalrat Dr. Kallenbach vom Dersorgungsamt Gießen, Dr. ch e ß l e r von der Hauptfürsorgestelle Darmstadt, Oberinspektor Ewald von der Kreisfürsorgcstelle, ferner die'Der- treter der Parteien Studienrat Dr. Lenz (Deutschnationale Dolkspartei) und Weisser (Deutsche Volkspartei), den Vcrbandsvorsitzenden Kam. Suite r b r o b t (Berlin), Kam Gutberlet vom San» desverband Nassau und die Vertreter des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten. Bürgermeister Dr. S e i b (Gießen) ist leider aus dienstlichen Gründen am Erscheinen verhindert Das Andenken der ge- fallenen Kameraden ehrte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Präsident v. Krug dankte für die Einladung und führte u. a. aus, die Kriegsbeschädigtenorganisationen kämpften einen Kampf, bei dem sie große Sympathie für sich hätten; sie verzeichneten aber auch große Erfolge, namentlich in der Rechtsprechung. Er erwähnte die guten Beziehungen zum Landesverband Oberhessen und wünschte, daß diese auch für die Zukunft bestehen bleiben mögen. Die Rechtsprechung werde weiter bemüht sein, nach Möglichkeit zugunsten der Kriegsbeschädigten zu entscheiden. Der Redner wünschte der Veranstaltung besten Verlauf. Kam. G u t b e r l e t (Landesverband Nassau) wies auf den Weg des rein fachlichen Arbeitens aller Äriegsbefd)äbiatenorganifationen hin, ber nur allein zum Erfolg führe. Auch er wünschte, baß bie Verhandlungen von Erfo'a ''»frört seien. Darauf nahm der Vorsitzende des Zentralverban- bes, Kam. Buttcrbrobt, das Wort zu feinem Vortrag: „Der Zentralverbanb l m Kampfe um Besserung von Versorgung und Fürsorge". Der Zentralverbanb sei eine Kampforganisation, er führe ben Kampf um bie Fürsorge ber Kriegsbeschäbigten unb Krieger- Hinterbliebenen, gegen Verschlechterungen ber hefte« henden Bestimmungen, den Kampf ums Recht für uns selbst. Die Kriegsopfer sollten vor ber Verelen- bimg geschützt werden. Das beutsche Volk fei burch ben verlorenen Krieg unb seine Folgen sehr verarmt, barum sei es auch so schwer, ben Kriegsopfern bas zu geben, was ihnen gehöre. Der Kampf fei schwer, voller Enttäuschungen unb Bitternis. Zu fordern fei bie Verbesserung ber Gesetzgebung. Das Reichsversorgungsgesetz habe einen gefunben sozialen Grundzug gegenüber dem früheren Mannschafts- verforgungsgesetz. Die fünfte Novelle zum Reichs- versorgungsgefetz habe vor allem bie Hinterbliebenen zurückgesetzt-, weitere Verschlechterungen seien burch die Kriegsbeschäbigtenorganisationen hintangehalten. Die vierte Novelle habe hauptsächlich Abbaumaßnah- men enthalten. Rebner besprach fobann bie Für- sorgemaßnahmen burch bie ßänber unb erwähnte Die Bearbeitung ber Zusatzrente, woburch in vielen Teilen bes Reiches Schlechterftellungen ber Renten- empfänger eingetreten feien, ferner bas Schwer- beschäbigtengesetz, vor allem bie Einstellung ber Schwerbeschädigten. Schwer sei ber Kampf zur Verhütung der Abbaumaßnahmen. Der Vortragende hält es für sehr bedenklich, wenn die bestehenden Vcrsorgungsämter verringert würden, da dort Ar- beitsüberhaufung vorliege. Zu erstreben sei: Ausreichende Rentenversorgung an Beschädigte und Hinterbliebene: Einbau ber Zusatzrente in bie Grundrente, sowie einheitliche Rente ohne Prüfung der Bedürftigkeit; Erleichterungen in der Gewährung der Pflegezulagen, ausreichende Fürsorge für Lungenkranke, damit diese nur ihrer Gesundheit leben können, unb nicht durch Ansteckung ihre Mitarbeiter usw. gefährden; ausreichender Schutz der Vor or- gungsberechtigten im Erwerbsleben (bei Enllaf un- gen); Bestimmungen über Ablösung des Einstel- lungszwanges; Gewährung von Ersatzgliedern u w.; Der Landesverband Ober Hessen im Zentralverbanb beutscher Kriegsbe- schäbigter unb Kriegerhinterbliebe- ner hielt am gestrigen Sonntagmorgen feinen ßanbesoerbanbstag im Katholischen Ver- einshaus in Gießen ab. Der Dorsitzenbe bes Londes- Dcrbanbes, Kamerad Möll (Gießen), eröffnete bie Tagung und begrüßte bie Vertreter sämtlicher Ortsgruppen sowie die Einzelmitglieder, ferner ben an Stelle des verhinderten Schriftleiters bes Verbanbs- organgs erschienenen Verbanbsvorsitzenben Kam. Butterbrobt (Berlin). Als Vertreter bes Lan- besoerbanbes Nassau wohnte bessen Vorsitzender, Kam. ©utberlet, den Verhandlungen bei. Zu Ehren der gefallenen Kameraden erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. Kam. Buttcrbrobt (Berlin) überbrachte bie besten Grüße und Wünsche des Hauotvorstandes; er wünschte der Tagung guten Verlauf. Oie Geschäftsberichte. Den Bericht des geschäftsführenden Vorstandes für die Jahre 1927 und 1928 gab Kam. Moll. Er führte aus, bah ber Kampf um bie Versorgung unb Fürsorge der Kriegsopfer und deren Hinterbliebene leider immer noch nicht beendet fei. In den beiden Berichtsjahren sei vom geschäftsführenden Vorstand sehr viel Arbeit geleistet worden. Im Jahre 1927 wurden gestellt: 69 neue Rentenanträge, davon 26 mit Erfolg; 81 sonstige BInträp-- 79 Berufungen, davon 31 mit Erfolg; 101 Termine 9 Rekurfe, da- von einer mit Erfolg, sechs schweben noch, usw. 1928 sei das Bild ähnlich: 113 neue Rentenanträge (37 mit Erfolg), 77 sonstige Anträge, 94 Berufungen, 134 Termine, 11 Rekurse usw.; eine große Anzahl Berufungen unb Rekurse schweben noch. Wohl zwei Drittel ber gestellten Einsprüche seien zugunsten ber Kriegsopfer entschieden. Es müsse jedoch hierbei gefügt werden, daß Anträge, die den gesetzlichen Bestimmungen von vornherein zuwiderlaufen, nicht vertreten werden können. Der Kassenberrcyt wurde von Dem Rechner, Kam. Schumacher, erstattet; die Kasse zeigt folgendes Bild: 1926/27". Einnahme 1964.42 Mark, Ausgabe 1469.47 Mk.; 1927 28: Einnahme 2959.22 Mk., Ausgabe 1671.39 Mk. Kamerad Schumacher verbreitet sich sodann eingehend über die denr Zentralverband angegliederte Sterbekasse. Auf Antrag der Kaffenprüfer wurde dem Rechner und dem Gesamtvorstand Entlastung erteilt. Oie Dorstandswahl. hat als Resultat: Geschäftsführender Vorstand: Die Kameraden K. Möll, Vorsitzender; C. Schulhof, 2. Vorsitzender und Schriftführer; 'TB. Schumacher, Rechner (sämtlich aus Gießen). Hierzu kommen als Beisitzer für den erweiterten Vorstand: Frau Groh, und die Kameraden Jockel (Gießen). Metzler (Friedberg), Steul (Lich), Roth (Reiskirchen), ©enter (Rieder-Gemünden). Die Vertretung des Landesverbandes Oberhessen im Verbands» ausschuß wurde dem geschäftsführenden Vorstand zur Ausübung übertragen. Als Delegierte zum Derbandstag des Zentralverbandes 1929 wurden gewählt die Kameraden: Schumacher (Gießen), M ö b u s (Reiskirchen), Jak. Schmidt (Lich), Metzler (Friedberg); als Ersatzleute gelten: E. Schulhof (Gießen), Schneeberger (Friedberg). Revisoren: Stumpf (Reiskirchen), H Schmidt (Lich). Oer Ausklang. Der nächste Derbandstag findet 1930 in Gießen statt. Eine Beschwerde aus der Versammlung betr. die Fahrtvergünstigung der Schwerbeschädigten bei der Reichsbahn gab dem Vorsitzenden der Gesamtorganisation, Kam. Butkerbrodt, Veranlassung zu eingehenden Ausführungen über die Verhandlungen mit der Deutschen Reichs-- bahngesellschaft, wobei er betonte, daß in dieser Frage, wie auch in zahlreichen anderen Stagen, alle Organisationen der Kriegsbeschädigten gemeinsam bei den zuständigen Stellen vorgegangen seien. Die Entscheidung über die geforderte Fahrtverbilligung (etwa in Form des Preises Wegfall aller Kürzungsvorschriften; bie Anftellungs- verhältnisse ber Inhaber von Beamtenscheinen; Wie- beraufleben ber Rente bei Kapitalabfinbung; gehobene Fürsorge ber Kriegsopfer, Uebernahme berfeiben auf bas Reich: Förderung bes Heimstätten- baues; Erziehungsbeihilfen bjjro. Bcrufsausbilbungs- beihilfen an die Kriegerwaisen. Die Presie sei ein treuer Helfer in bem Kampfe zur Durchführung berechtigter Forderungen. Zur Interessenvertretung der Mitglieder zeigte der Vortragende ben Landesverbänden und Ortsgruppen gangbare Wege, so z. B. die Nachprüfung der Ansprüche der Mitglieder durch die Leitungen der Ortsgruppen usw Hierbei dankte der Redner allen Mitarbeitern in ben Landesverbänden unb Ortsgruppen. Die Organisation müsse stark, einig und schlagfertig, aber auch religiös unb parteipolitisch neutral sein. Darum sei es Pflicht aller Mitglieder, die dem Berbanb noch fernstehenden Kriegsopfer zu gewinnen, um so die Front zu stärken, in bem Kampfe für das Recht. Der Vortragende erntete für (eine fast Inständigen Ausführungen lebhaften Beifall. Eine Aussprache wurde nicht beliebt Eine vorgelegte Entschließung aus ber Versammlung spricht ber Tätigkeit bes Zentraloerbanbes volle Anerkennung aus unb wünscht, bah die weiteren Arbeiten von gleichem Erfolg begleitet sein mögen. Die Entschließung fanb einstimmige Annahme. Kam. Möll bankte dem Verbanbsvorsitzenben für seinen vorzüglichen Vortrag. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden einige Anregungen von Mitgliedern bem Landesver» banbsuorftanb als Material zur Weiterbearbeitung übergeben. Darauf würbe bie Versammlung ge- schlossen. Turnen, Sport und Spiel. Iußbaübundeetag. Am Samstag vormittag begannen im Hotel Fürstenhof zu Weimar die Beratungen des Bundesvorstandes und anschließend die Dundesaus^chußsitzung. die hinter streng ver^chloisenen Türen stattfand. Der allseits mit großer Spannung erwartete Bundestag selbst nahm am Rachmittag seinen Anfang. Rach zehnstündiger Redeschlacht konnte der Vorsitzende erst um 2 Uhr nachts den Schluß des Bundestages be>kanntg:ben. Bundesvorsitzender Linnemann eröffnete die Tagung und wünschte ihr «inen guten Verlauf. Anwesend waren Süddeutschland mit 31, Westdeutschland mit 22, Mitteldeutschland mit 13, Rorddcutschland mit 9. Brandenburg mit 6, Daltenverband mit 4 und Südostd-eut'chland mit 5 Stimmen. Die ersten Punkte der Tagesordnung wurden schnell erledigt. Der Kassenbericht wurde ohne Wortmeldung genehmigt. Ehe nun in der Tagesordnung weitergegangen wird, wurde die Beratung über die Aufhebung der Hannoveraner Beschlüsse «ingrschoben. Der Antrag von Süddeutschland, Berlin und Südostdeutschland auf Aufhebung des Spielverbots gegen Derufsspielermann- schäften fand den erwarteten hartnäckigen Widerstand der den Vertretern der vier anderen Landesverbände. Die Vertreter beider Parteien führten glänzende Referate, aber alle Demühun- gen der Anragft>eller waren umsonst. Rordwest-, Mitteldeutschland unb der Daltenverband stellten sich geschlossen dem Antrag entgegen, der dann auch in der folgenden Abstimmung mit 48 gegen 42 Stimmen abgelehnt wurde. 3m Auftrage des Dundesvorstandrs versuchte dann Dr. Wagner, Danzig, einen Dermitt- lungsvorschlag durchzubringen, der eine Milderung des bisherigen Sperrverbots zulieh. Auch dieser Antrag fand keine Annahme, und die Dertveter der vier Landesverbände erklärten sich außerstande, von ihrem einmal gefaßten Beschluß abzugehen und einen Kompromiß zuzustimmen. Da der Wortlaut der Hannoveraner Beschlüsse nicht vorliegt, wurde dann ein Abänderungsantrag angenommen, der schließlich die so bart umstrittene Klärung brachte und folgendermaßen lautet: „Die Hannoveraner Beschlüsse werden dahin abgeändert, daß die Berufsspieler aller Länder den englischen gleichge stellt werden." Infolge der vorgeschrittenen 3dt wurden die übrigen Punkte der Tagesordnung rasch erledigt. Die Wahl des Dorstandes brachte nur wenig Veränderungen. Stadtrat Dlaschke, Kiel, wurde zum Ehrenvorsitzenden des Bundes ernannt. Norddeutsch, lands Antrag auf Einrichtung eines Bundes- parlamentes wurde abyelehnt. Die Zahl der Begleiter bei Länderspielen wurde auf 4 bei 14 Spielern festgesetzt. Als Tagungsort für die nächste Tagung 1929 wurde Dresden bestimmt. Kußball in Hessen-Hannover. S. xl S. Rordheim wurde gestern vom Sp. D. Kassel erwartungsgemäß mit 2:5 klar geschlagen. ©.©.03 Kassel schickte den ©. 6.05 Göttingen mit 2:0 heim. Hermannia Kassel befriedigte Ujre Anhänger durch ein 3.2 gegen Sport Kassel, Borussia Fulia besi.'gte Kurhessen Kostel mit 3:1. Eine gewaltige R.ev.rla;e erlitt Kurh:ssen Marburg durch Germania Marburg mit nicht weniger als 0:8 Toren. Fußbad in Süddeutschland. Gruppe Main-Hessen. 3n der Gruppe Main waren Einttacht Frankfurt und F. C. 93 Hanau gestern sp.eifrei, da ein Cintracht.nann für den Deutschen Fuh- ballbund in Weimar tätig war. Rotwei.) F.ar.k- furt gewann in Hanau gegen Sp. Vg. 63/91 überlegen mit 4:0 Torrn; mit drm g eiH:n Ergebnis fertigte Union Risdrrrad die F.Dg. 03 Fechenheim ab. trotzdem diele 6emerEcn3to rt n Wi erstand triftete. Roch deut icher siegte der toi ' er erstarkte F. Sp. D. Fran:jurt ü'er d.e gar ni ts bietende Victoria Aschaf enburg i: O la tt.'t' d r Frankfurter Sieg. ©:tma ia 2 e er und Kick rs Offenbach teilten sich den Spieloerlau entsprechend mit 1:1 die Punkte. 3n der Gruppe Hes en setzte W^rma ia Worms wiederum ihren Sieg fort. Wit 4:2 Toren war diesmal der S.D. Wiesbaden das Opfer. Auch der F. Sp. D. 05 Mainz gewann erwartungsgemäß gegen den D. f. L. *2leu-3 en- burg mit 4:1 Toren deutlich, wodurch bei e Vereine nunmehr punktgleich an zweiter Ste le der Tabelle stehen. F. C. Langen erwies sich auf eigenem Pia' e der Wormser Alemannia überlegen und schlug sie knapp, aber sicher 2:1. Rach langem Zaudern kam auch die Sp.Een. Höchst wieder einmal zu S'.egerehren, diesmal mit 1:0 über die Sp. Dg. Arheisten Hassia Bingen war spielfrei. Bezirk Bayern. 3n der Gruppe Rordbahern hielt sich Franken Rürnberg mit 0:3 gegen den A.S.D. Rürnberg anerkennenswert gut Die Sp. Dg Fürth erwies sich mit 6:1 um eine Klasse besser, als Bayern Hof. Der 1. F. C. Bayreuth muh'e sich mit 0:3 Toren dem V.f.R. Fürth beugen. Eine große ileberraschung bereitete der 1. F. T. Rürnberg, der sich in Würzburg vom F. D. 04 mit 3:4 Toren schlagen ließ. In der Gruppe Südbahern leistete der der D. S. D. München, tote erwartet, Wacker München sehr starlen Widerstand und überließ ihm nur mit einem knappen 0:1 die Punkte. Auch Schwaben Ulm wehrte sich gegen Bayern München, das schließlich nur 2:0 siegte. Mit dem gleichen Ergebnis und zwei wertvollen Punkten kehrten die Leute von S.V. 60 München von Jahn Regensburg zurück. Handball. Die Vezirksligaspiele bet DSV. In der (Brupr’ Mainhessen. Gruppe A. Sp. Bgg. Arheilgen — Sp. Bgg. 98 Darmftabt 4:3. Post-Sp. B. Frankfurt — Rotweiß Darmftabt 2:2. Polizei Butzbach — F. Sp. B. Frankfurt 1:3. H. Sp. D. Frankfurt — Kickers Offenbach 5:3. Polizei Darmstadt — V. f. B. Schwanheim 10:1. Seid fällt vom Himmel. Roman von paul Gnderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 29. Fortsetzung. Nachdruck verboten „Ich konnte nicht an ben Zug kommen. Die Freube war mir in die Beine gefahren und die Angst auch." „Die Angst, Mutti?" „Ia, bah bu am Enbe boch nicht kämst. Denke, ich habe erst daran geglaubt, als Pluto zu jaulen begann." Er schlug sich vor bie Stirn. „Ich Esel habe ja nicht von Danzig depeschiertl" „Das war nicht nötig. Wir haben die Lufthansa ein paarmal angeläuter." „Soviel Mühe um ben verlorenen Sohn!" Er nahm bas Gesicht ber Mutter in bie Hände und küßte sie. „Uff 1" machte sie lachend. „Ich kann ja gar nicht schnaufen. Begrüß' nun aber Tobien. Er sieht schon ganz gekränkt aus." Der Kutscher grinste verlegen, nahm umständlich die Peitsche in die linke Hand unb drückte die Rechte bes Heimaetehrten. „Willkommen zu Hause, junger Herr! „Willkommen, Tobien! Uebrigens sind Sie auch heute nicht rasiert." Tobien fuhr erschreckt nach fernen Bartstoppeln. „Den Deibel auch," brummte er, „ich bachte, man täte eß nicht sehen." Kurt Grotteck gab ihm lachend eine von seinen Zigarren und stieg ein. Der Wagen fuhr auf bem holprigen Pflaster ber Kleinstadt, umbellt von Pluto, ber bie aanze Nachbarschaft zu Zeugen feiner Freude machen wollte. Einige Fenster öffneten sich. Ein paar Mützen entfernten sich von struppigen Blondköpfen. Gott- lob, er war au Hausei Zärtlich streichelte er die Hand ber Mutter. „Daß du wieder da bist, Junge!" „Nun, ich war ja schließlich nicht in Hawai ... Wer ist das da nicht Bellmann? He, Bellmann l" Ein kleiner Handwagen, mit rasselnden Blech- kannen bestellt, hielt mit einem Ruck. Der Milchmann grüßte herüber und grinste, daß sich beide rühren Gute Nacht sagten. „Der Philosoph. Weißt bu noch, Blutter?" Er sprach in Bellmanns breitem Tonfall weiter: „Gnäbiges Frauchen, die oerbammtigen Bengels haben mir roieber in bie Milch gespuckt. Gott, es schad't ja nichts, aber wozu?" „Daß bu da bist!" sagte bie Mutter wieder, „ßafj mir deine Hand, sonst fliegst du mir noch davon." Da war der Krug „Zum fröhlichen Westpreußen" mit dem fetten Gambrinus über ber Tür unb ben Tischen im verwilberten Garten. Unb ba bas Krie- gerbenfmal, und bort bie weißgetünchte Kirche aus ber Ordenszett. Und nun tarn bie Chaussee mit den Ebereschen, bie nach Grotthausen und ben Nachbargütern führte. Silles war unbegreiflich schön unb friedlich. Der süßliche Duft von blühenden Lupinen zog herüber, ein Vogel fang immer dieselbe jubelnde Strophe. „Es ist ein Svrosser", sagte die Mutter leise. „Er begrüßt dich/ Eine Schar Krähen überflog bie Straße. „Sie tarnen von rechts, Mutter. Ein gutes Zeichen. Aber nun muß ich ausfteigen, ich will wieder Heimaterde unter den Füßen haben. Du bleibst wohl drin?" ~ „Du denkst wohl, ich bin eine alte Frau? Schäm' dich!" Arm in Arm, wie ein Liebespaar, gingen Mutter und Sohn die Chaussee entlang. Drüben blaute der Waid. Aus den Häusern ber Kätner stieg Rauch auf. Pluto jagte querfeldein hinter einer wildernden Katze und kam schnaufend, die Zunge wett aus dem Halse, mit enttäuschtem Ge- sicht zurück. „Wo ist Kätzchen?" Mißmutig sah er auf, unb er trabte von ba an mit eingezogenem Schwanz neben seinem taktlosen Herrn einher. „Wenn ber Wald nicht märe, würbe man dort die' Weichsel aufblinken sehen." Er blieb stehen. „Und ba ist bas Schloß." Auf bem Dachgiebel flatterte luftig bie Fahne bes Freistaats. Es war alles so, rote er es sich geträumt hatte. . Ein Reiter kam langsam naher. Man sah, rote er an dem vorausgefahrenen Wagen anhielt und wie er sich wieder in Trab setzte. „Der Inspektor?" „Nein", sagte die Mutter leise. „Es ist unser Nachbar." Ihm war, als ob ihr Arm leicht zittere. Ein kühler Hauch zog durch ben warmen Tag. Nun hielt der Reiter vor ihnen, unb Kurt Grot- leck sah in Papendicks gemütliches braunes Gesicht. „Guten Tag, Frau Nachbarin! Und bas ist der Herr Sohn? Willkommen zu Hause." Seine Augen musterten ihn offenbar mit Wohlgefallen. Er wandte sich an Karola Grotteck. „Nein, bah Sie schon einen so großen Sohn haben! Es ist nicht menschenmöglich. Sie lächelte. „Daran können Sie sehen, daß ich schon eine alte Frau bin." „Ja", meinte er gemütlich. „An ben Kindern merkt man, daß man in bie Jahre kommt." Er besann sich, wurde noch um eine Schattierung brau- ner unb setzte verlegen hinzu: „Nein, nein, bas ist nun doch ..." In feinem schweren Gehirn ballte sich offenbar eine Galanterie zusammen. Aber ehe er sie beieinander hatte, sagte Karola Grotteck: „Sie wollten zur Stabt, nicht wahr? Da wollen wir nicht aufhalten." „Danke ... danke ... Ja, bas heißt, es täte wohl not, mal mit bem Bürgermeister ein ernst- liches Wörtchen zu sprechen. Ich treffe ihn beim Skat im .Fröhlichen Westpreußen' am ehesten." „Dann also ableu, Herr Papenbick. Schönen Gruß. Und heute abend sehen wir Sie doch bei uns?" „Aber gern!" dröhnte Papendicks Baß. „Daß Wiedersehen muß doch gefeiert werden. Auf Wie- dersehen, Gnädigste! Auf Wiedersehen, Herr Grotteck!" Er war schon weit fort, als Kurt sagte: „Er ist gar nicht so übel. Liber vorgestellt hat er sich mir nicht." Frau Karola lachte wie ein Kind. „Ist das deine einzige Sorge?" „Nein, meine einzige Sorge ist, was es heute zu essen gibt" . t „Dein Leibgericht aus Kinderzeiten: Äomgsber» ger Klops. Was wohl sonst? Eigentlich ist es sonderbar, daß bu in diesem einen Punkt so einen entsetzlich plebejischen Geschmack hast." „Das macht nichts. Ich gleiche es schon roieber aus. Es gibt boch eine ganze Schüssel voll, roie?" „Einen Waschkessel voll. Du kannst beruhigt fein. Ich werbe mich boch nicht lumpen lassen." Wie zwei gute Äameraben zogen sie in Grotthausen ein. Der Anstrich ber Fassade war bedenk- lich abgeblättert. Auch die beiden grünen Bänke unter bem vorspringenden Dach hätten eine neue Bekleidung vertragen können. Frau Karola fiel es plötzlich auf, und sie blickte ein bißchen schuld, berouht zum Sohn hinüber. Aber er merkte offenbar nichts. Er drückte bis breiten Pfoten ber aufgeregten Wirtschafterin und fuhr in allen Räumen umher. Die alten, schon etwas wurmstichigen Möbel stauben noch wie ba- mals. Der große runbe Tisch war noch da unb ber Spiegel mit bem kleinen Sprung in ber Ecke. Und daneben das Ledersofa, in bem man so herrlich einsank, baß man nie mehr auszustehen vermeinte. „Mutti, es ist herrlich, zu Hause zu fein. Auch ber Aste Fritz ist noch da." Auch er war noch in ber Diele. Auf seinen Krückstock gestützt, ben Hut auf dem Stopf, blickte er streng, großen Auges auf bas Herrenhaus und die abgezirkelten Bäume bes Gartens, als wolle er ausrechnen, mit wieviel Hypotheken man dies Gut belasten könnte. Sie tranken im Garten unter dem Apfelbaum Kaffee, und die Mytter schnitt dicke Stücke von dem selbstgebackenen Napfkuchen ab. „Willst du vielleicht einen Schnaps?" „Nein, Mutti, dein Anblick berauscht mich schon du bummer Junge!" Sie sah glücklich zu, roie Stück um Stück verschwand. Er aß, als hätte er während der ganzen Fahrt gefastet. „Was ist denn das für ein Kraut dort?" „Tomaten. Das Grün ist nicht schön, es sieht wie nach Kartoffeln aus. Aber warte nur, wenn erst bie roten Früchte branhängen. Es ist ein Versuch von mir, weil hier boch die Sonnenseite ist." Sie glüht« vor Stolz. „Du bist ein wirtschaftliches Genie, Mutti. Ich dachte, es feien Maulbeerpflanzen." „Die kommst du darauf?" (Fortsetzung folgt) Gruppe B. Wormatia Worms — Polizei Worms 5:3. Polizei Wiesbaden — Alemannia Worms 8:5. Wiesbadener S. C. — F.Sp.V. 05 Mainz 2:5. Sp. V. Wiesbaden — F. Vgg. Kastel 06 5:1. Hakocch Wiesbaden — F. V. Germania Wiesbaden 4:1. Turner-Handball-Slädlespiel Leipzig—Be«kin 7.-6 (3:4). Der Leipziger Städteelf gelang es am gestrigen Sonntag, den zwölften Kampf gegen die Turner der Reichshauptstadt mit 7:6 (3:4) siegreich zu gestalten. Sportler-Handboll-Städlespiel (Leipzig—Halle 5:5 (3:2). Das Sportler-Handballtreffen Leipzig — Halle brachte am gestrigen Sonntag den etwa 1000 Zuschauern nicht die erwarteten sportlichen Leistungen. Der Sturm der Leipziger Elf konnte sich im Gegensatz zu den Gästen zu keiner harmonischen Zusammenarbeit zusammenfinden, hatte jedoch in Ostwald einen gefährlichen Torschützen, der sämtliche Trefter für sich buchen konnte. Wirtschaft. Starke Erleichterung des Geldmarktes Die Verknappung des Geldmarktes infolge der Steuerzahlungen ist verhältnismäßig schnell überwunden worden. Durch die nunmehr vorgenommene Aebcrweisung der Steuergelder an die Länder und auch durch sonstige Rückflüsse hat sich der Geldmarkt stark erleichtert, was sich auch in den Sätzen äußert. Stark kritisiert wurde in diesem Zusammenhang die Maßnahme der Reichssinanzverwaltung. die 300 bis 400 Mill. Mark Steuergelder hauptsächlich zur Auffüllung ihres Reichsbankgirokontos verwandt zu haben, anstatt sie bis zur Weiterleitung an die Länder zwischenzeitlich auszuleihen, was dem Geldmarkt die Heberwindung der schwierigen Periode bis zum Rückfluß der normalen Medirabziehunaen erleichtert hätte. Die in der laufenden Woche eingetretrne erhebliche Erleichterung war hauptsächlich am Tagesgcldmarkte festzustellen. Soweit Abnehmer vorhanden waren, bewegten sich die Zinssätze zwischen 5 bis 7 Proz., in Ausnahmefällen unter 5 Proz. Dabei ist zu berücksichtigen, daß zeitweise große Beträge Tagesgeld nicht unterzubringen waren und auf Reichsbankgirokonto belassen werden muhten. Für Warenwechsel bestand unter diesen Umständen wieder einmal kaum Interesse, bei 63/4 bis 67/8 Proz. kam es zu geringen Umsätzen. Ülnd auch am Privatdiskontmarkt (6°/s Proz.) stieg die Angebotskurve weiter. Monatsgeld wurde billiger zwischen 734 bis 9 Proz. genannt. Das Hauptinteresse konzentrierte sich jetzt schon auf die Finanzierung des Iahresultimo. E^ld über diesen Termin hinaus kostete 9 Proz. und darüber und blieb bei starker Rachfrage gesucht; beachtenswert ist dabei, daß vereinzell amerikanisches Geld über den Iahresultimo hinaus zur Verfügung gestellt worden ist. Der bisherige Reportgeldsatz von 83/4 Proz. war infolge des geringeren Engagements gegenüber dem Vormonat und infolge der billigeren Geldofferten nicht aufrechtzuerhalten, so daß er angesichts der leichten Reportsitualion für Rovember auf 8V2 Proz. ermäßigt wurde. Der Weiterentwicklung des Geldmarktes darf man mit Spannung entgegensetzen. Der internationa'e Geldausg^eih fun tio irrt zwar schon recht gut, so daß anzunehmen ist, daß die Entwicklung der Märkte zum Iahresultimo verhältnismäßig ruhig bleibt. Aber anderseits dürfte im Rovember die Fälligkeit der erhebliche Mittel erfordernden Vermögens- und Gewerbesteuern, im Dezember der Weihnachtsverkehr mit seinem großen Bargeldbedarf und öcnrn der Iahresultimo verknappend wirken. Die durch den Konjunkturrückgang frei werdenden Gelder dürften durch die Herbstansprüche kompen'icrt werden. Alles in allem ist damit zu rechnen, daß die Saisoneinflüsse in den folgenden Monaten die Tendenzen zur Verknappung des Geldmarktes verstärken werden. Der neueste Reichsbankausweis brachte gewiß wieder eine weitere starke Entlastung, aber selbst wenn sich der Reichsbankstatus weiter befriedigend entwick lt und die Wechseleinreichungen weiter zurückgehen, so ist doch jedenfalls soviel ziemlich gewiß, daß für dieses Jahr eine Diskontermäßigung nicht mehr in Frage kommt. Lloyds Aktienverkauf nach Amerika. Generaldirektor S t i m m i n g vom Rorddeut- schen Lloyd gewährte dem Vertreter des „Hamburger Fremdenblatt" eine längere Unterredung, in der er die Ergebnisse seiner Amerikareise darlegte, über die er sich sehr befriedigt äußerte. Der Zweck seiner Reise sei zunächst organisatorischer Ratur gewesen, da die jüngste Politik der Reederei nun auch eine beträchtliche Erweiterung des Reuyorker Betriebes notwendig mache. Bei seinem Reuyorker Aufenthalt habe sich dann gleichzeitig durch die Mitwirkung befreundeter Reuyorker Danken die Gelegenheit geboten, eine Verbreiterung der Kapi - talbasis vorzunehmen, die durch höhere Anforderungen. die eine baldige Zukunft stellen werde, und angesichts der 'Verzögerung des Einganges der Freigabegelder geboten erscheine. Auf die Frage, warum man nicht den Weg der Bonds-Emission, sondern ben der Aktien-Cmissivn gewählt habe, wies Geheimrat Stimming auf verschiedene Gründe hin; einmal sei dies der gegebene Augenblick gewesen, eine Maßnahme zu treffen, die schon lange wünschenswert gewesen wäre, nämlich die Gleichheit des Kapitals bei Hapag und Rorddeutschen Lloyd herzustellen; zweitens halte er nach den verschiedenen Bonds- Emissionen früherer Jahre ein allzu großes Verhältnis von ausstehenden Obligattonen zum Kapital nicht für opportun. Schließlich seien die Verhältnisse am amerikanischen Bondsmorkt gegenwärtig so, daß eine Bonds-Emission nur unter höchst unvortellhaften Bedingungen vorgenommen werden könne. Seine Polittk sei, den Betrieb so flüssig wie möglich zu halten. Deshalb sei ihm die Methode, durch Akttenangebot neue Mittel hereinzubekommen, willkommen erschienen. Stimming erklärte weiter, seine Reise sei vor allem auch deshalb wichtig gewesen, weil er einen ständigen Kontakt mit der amerikanischen Vertretung des Lloyd für erstrebenswert halte und weil er im übrigen diesmal den Reuyorker Aufenthalt auch dazu benutzen konnte, um sich in Washington eingehend Über den Stand der Freigabe-Angelegenheit zu unterrichten. Auf die Frage, wann die Freigabe der Schiffsgelder ungefähr erwartet werden könne, erwiderte Stimming ledigllch, er, der Korrespondent, wisse doch selbst, wie große Schwierigkeiten dem Schiedsrichter angesichts der Komplikationen des Gesetzes entgegenstünden. Er habe sich einzig und allein über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit unterrichten können. * Die amtliche Großha ndelsindex- ziffer. Die auf den Stichtag des 24. Oktober berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber der Borwoche um 0,4 v. H. auf 139,8 (140,4) zurückgegangen. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 1,2 auf 133,6 v. H. (135,2) und diejenige für Kolonialwaren um 0,6 v. H. auf 131,8 (132,6) nachgegeben. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halb- waren weist einen leichten Rückgang auf 133,3 (134,4) auf, während die Indexziffer für industrielle Fertigwaren unverändert auf 160,0 lag. • Interesse ngemeinschastsvert rag der I.-G.-F arbenindustrie QI.«©, und der Chemische Werke Lothringen G. m. b. H. Zwischen der I.-G.-Farbenindustrie A.-G. und der Chemische Werke Lothringen G. m. b. H, an der die Bergbau A.-G Lothringen und die I.-G.-Farbeninüustrie je zur Hälfte beteiligt sind, ist ein Interessengemeinschastsvertcag abg^chlossen worden, der auf ähnlicher Grundlage beruht, wie der seinerzeit zwischen der I.-G.-, Farbenirrdustrie und der A. Riebecksche Montanwerke A.-G. abgeschlossene Vertrag. Das Dividendenverhältnis ist auf 1:1 festgelegt. Den Gesellschaftern der Chemische Werke Lothringen G. m. b. H. steht ab 1. Rovember 1933 das Recht zu, jederzeit ihren Anteil auf der Basis gleicher Rominalbeträge in I.-G.-Aktten umzutauschen. * Deutsche Kab elwerke A.-G. Auf Antrag der Dresdner Bank sind 5 Millionen Mark neue Stammaktien der Deutsche Kabelwerke A.-G., Berlin, zum Handel und zur Notiz an der Berliner Börse zugelassen worden. Der Umsatz in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres liegt rund 15 vH. über dem in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Gesellschaft ist auch weiterhin gut beschäftigt, die vorliegenden Aufträge sichern in ungefähr gleichem Umfange wie bisher eine Ausnützung der Produktionskapazität für die nächsten drei Monate. Nach dem bisherigen Verlauf dürfte das Ergebnis für 1928 günstiger ausfallen, als für das Vorjahr, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisie ihren Einfluß ausüben. * Kapitalerhöhung im Salzdetfurth-Konzern. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, fand am Samstag in Berlin eine Sitzung des Gemeinschaftsrates und der Direktionen der im Salzdetfurth-Konzern vereinigten Kaliwerke statt, in welcher beschlossen wurde, den, auf _ben 15. Rovember einzuberufenden Aufsichtsräten von Salzdetfurth-Aschersleben und Westeregeln eine Erhöhung ihres QllttenkapitalS zum Zwecke des Ausbaues der Werke, insbesondere auf dem chemischen Gebiet, vorzuschlagen, und zwar bei Salzdetfurth eine Erhöhung auf 28 Mill. Mk. und bei den anderen Gesellschaften auf je 22 Mill. Mark. Die Aktien sollen nach dem Vorschläge des Gemeinschaftsrates und der Direktionen mit Divi-- dendenberechtigung vom 1. Januar 1928 ab ausgestattet werden. Die endgültige Beschlußfassung über die Kapitalerhöhung, sowie über die Festsetzung der Bedingungen dafür bleibt der Entscheidung der Aufsichtsräte Vorbehalten. • Bremer Hansabank QI.«©. Die Gründung der Bremer Hansabank A.-G. ist nunmehr vollzogen. Das Aktienkapital beträgt 10 Mill. Mark und i|t voll eingezahlt. Die Gründer, die auch das Aktienkapital übernehmen, sind folgende Firmen: Rorddeutscher Lloyd, Rord- deutsche Wolllämmerei und Kammgarnspinnerei Kaiser, Brauerei Beck & Co., Darmstädter und Rationalbank, I. F. Schröder-Bank und Sparkasse Bremen. Die Bank hat die Aufgabe, die bremische Wirtschaft im weitesten Sinne zu fördern. Sie wird sich nicht mit den regelmäßigen Bankgeschäften befassen. Mit der Auflegung einer englischen Anleihe ist entgegen anderslautenden Meldungen in den nächsten Tagen noch nicht zu rechnen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. W., 29. Ott. Tendenz: etwas freundlicher. — Zu Beginn der neuen Woche konnte sich eine Belebung des Geschäftes wieder nicht durchsetzen, da Publi.kum und Ausland nach wie vor fast volllonrmen am Markte fehlten. Di-e Stimmung war jedoch allgemei,n freundlicher. Da nun auch in Berlin der Liqmda- tionstag vorübergegangen ist, hält man den Ultimo im wesentlichen für überwunden, zumal die Geldverhältnisse gut sind. Zur Besserung der Stimmung trug auch die feste Haltung der Reuyorker Samstagsbörse bei. Die Hauptanregung bot aber die etwas regere Rachfrage, die für Spezialwerte in Erscheinung trat. 2m Vordergrund standen, wie schon zum Schluß der Samstagsbörse, die Kaliwerte, die aus das günstige D^ugsrecht bei Salzdetfurth zum Teil erheblich erhöht waren. Westeregeln lagen 3 Prozent, Salzdetfurth 14 Prozent höher. Etwas Rachfrage war ferner in Montanwerten festzustellen, da man mit einer baldigen Beilegung des Lohnlampfes in der Eisenindustrie rechnet. Außerdem verwies man auf die leicht erhöhte Ruhrkohlenförderung bei weiterem Rückgang der Feierschichten. Gelsenkirchen, Harpener, Klöckner, Mannesmann und Phönig konnten 1 bis 2 Prozent anziehen, Buderus plus 2,75 Prozent, Rhein- stahl plus 3 Prozent. Am Elektvomarkt waren AEG. 1,75 Prozent, Bergmann 2 Prozent und Siemens 3,25 Prozent befestigt. Je 1,5 Prozent höher lagen I.-G.-Farben, Adlerwerke, Zellstoff Aschaffenburg; ferner Karstadt, die 2 Prozent höher lagen. Schiffahrtswerte blieben vernachlässigt und nur behauptet. Man will offenbar die Einzelheiten über die Llohd-Transaktton ab- warten. Auch Danken lagen still und nur behauptet. Süddeutsche Zucker eher angeboten und 1,25 Prozent niedriger. Deutsche Anleihen waren vernachlässigt. Am Auslandrentenmarkt Türken und Rumänen etwas gefragter. Im Freiverkehr erhielt sich für Rusten einiges Interesse. Im Verlause schrumpfte das Geschäft stark zusammen. Die Kurse bröckelten leicht ab. Tägliches Geld blleb zu 5 Prozent unverändert leicht. Am De- visenmartt zog der Dollar etwas an. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1970, gegen Pfund 20,358, gegen London-Kabel 4,8490, gegen Paris 124,12, gegen Mailand 92,59, gegen Holland 12,0940. Berliner Börse. Berlin, 29. Oktober. Schon im heuttgen Bormittagsverkehr sah die Stimmung freundlicher aus; zu Beginnn der Börse a>ar man allgemein 3 i e m • l i ch zuversichtlich. Es verlautete, daß der Schiedsspruch in der westdeutschen Eisenindustrie von Arbeitnehmerseite angenommen sei, und diese Tatsache wirkte außerordenllich beruhigend. Das Geschäft war zwar nicht als lebhaft anzusprechen, doch fanden an einigen Märkten, wie dem Käli- und Elektromarkte, größere Umsätze statt, die bei letzterem jedoch meist Deckungskäuse waren. Das Bezugsrecht bei Salzdetfurth machte einen sehr günstigen Eindruck und veranlaßte die Börse zu Meinungskäufen, die eine Steigerung bis zu 10 v. H. zur Folge hatten. Dagegen war Aschersleben und Westeregeln nicht verändert und auch nicht so lebhaft. Die ersten Kurse zeigten überwiegend Erhöhungen von 1 bis 3 v. H. gegen die Samstagsscylußkurse, wobei zu berücksichtigen war, daß die heutigen Notierungen per Ultimo Mwem- ber lauten. Am Elektromarkt, der, wie bereit- erwähnt, lebhaftere Umsätze aufwies, konnten sich sogar Erhöhungen bis zu 7 v. H. durchsetzen. Lebhafter ging es am Markte der Textilwerte zu, die auf Pressenotizen, nach denen bei den beteiligten Werken die Beschäftigung sehr gut wäre und zu erhöhten Dividendehoffnungen berechtigte, gefragt waren. Deutsche Wollwaren zogen 4 v. H., Norddeutsche Wolle 6,5 0. H. an. Neu im Terminverkehr wurden heute gehandelt Svenska, Bayrische Motoren, Bemberg und Allgemeine Lokal- und Kraftwerke, die durchweg bei größerer Nachfrage 3 bis 6 v. H. fester lagen. Montanwerke blieben, wie schon in der letzten Zeit, gefragter. Besonders Harpener, Köln-Neuessen und Riebeck Montan waren bis 4 v. H. erhöht. In J.-G.-Farben fanden angeblich Prämienkäufe statt. Am Geldmarkt machte sich eine weitere Versteifung bemerkbar. Tägliches Geld war mit 6 bis 8 v. H., gegen mittag mit 5,5 0. H. bis 8 0. H. gefragter. Monatsgeld und Geld über Ultimo 8 bi s9 v. H. Der Pfands briefmarkt war gehalten. Deutsche Anleihen und Ausländer nicht ganz einheitlich. Im Verlaufe blieb die Stimmung freundlich, die Kurse zogen meist noch 1 bis 2 v. H. an. Salzdetfurth 4 v. H. höher, Harpener und Rheinstahl plus 1,5 0. H. Frankfurter Getreidebörse Frankfurt a. M., 29. Oft Zu Beginn der neuen Woche toar die Haltung am Frankfurter Prrduktenmarkt etwas freundlicher. Rach Weizen und Roggen bestand etwas Rachfrage, bei anziehenden Preisen. Am Mehlmartt konnte Weizenmehl 0L5 Mk. im Preise erhöht werden. Von Futtermitteln war Mais etwas gefragt und fester, Kleie dagegen vernachlässigt und leicht abgeschwächt. Es wurden notiert: Weizen 23,75 bis 23,85, Roggen 22,60 bis 22,75, Sommergerste für Drauzwecke 25 bis 25,50, Hafer, inländischer 23,26 bis 23,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 21,75 bis 22, Weizenmehl, südd. Spezial 0 31,50, Roagenmehl 30 bis 30,75, Weizenkleie 14, Rog- genlleie 14,25 bis 14,75, Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 32 bis 62, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 63 bis 115, Heu. südd., gut, gesund, trocken 12 bis 12,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 4,50 bis 5, Weizen- und Roggenstroh. gebündelt 3,50 bis 4, Treber, getrocknet 19,75 bis 20 Mk. Tendenz: Etwa» fester. Frankfurter Schlachtviehmartt. Frankfurt a.M., 29.Okt. Auftrieb: 1493 Stück Rinder; davon 280 Ochsen, 72 Bullen, 649 Kühe, 433 Färsen, 531 Kälber, 111 Schafe, 5440 Schweine. Rinder, Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 56 bis 60, ältere 50 bis 55, sonstige vollst., jüngere, 45 bis 49; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 48 bis 52, sonstige vollst, oder ausgemästete 44 bis 47; Kühe: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 43 bis 46, sonstige vollfleischige ober ausgemäftete 36 bis 42, fleischige 30 bis 35, gering genährte 22 bis 29; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfl., ausgemäftete, höchsten Schlacht- werts 56 bis 60, vollsleischige 50 bis 55, fleischige 43 bis 49; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 70 bis 75, mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69; geringe Kälber 55 bis 63; Schwein e.< Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 77 bis 79, vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 79, vollfl. Schweine von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 76 bis 79, vollst. Schweine von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 75 bis 79, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 68 bis 75, Sauen 62 bis 68 Mark. — Marktverlauf: In Rindern mittelmäßiges Geschäft, nahezu geräumt. Schweine schleppend, Ueberstand. Kälber und Schafe ruhig, ausoerkauft. Letzte Nachrichten. Der Rückflug -es »Graf Zeppelin-. Neuyork, 29.Ott. (TU. Drahtmeldung.) Zum Flug des „Gras Zeppelin" über Reuyork ist ergänzend zu berichten, daß das Luftschiff unter dem Geheul der Sirenen, von Cong Island kommend, zunächst den unteren Stadtteil überflog, hierauf wandte es sich der oberen Stabt zu, um bann ben Blicken zu entschwinden. Das Luftschiff bot im Hellen Licht des Scheinwerfers einen wundervollen Anblick. Rach der Heberfltegung Neu- yorks wurde der Zeppelin zuletzt um 10.15 mitteleuropäischer Zeit von der Insel Long Island aus gesehen. Das Lustschiss hielt um diese Zeit nordöstlichen Kurs ein, was die Annahme bestätigt, daß es ben Dampferkurs beibehalten wirb. Kurz nach ber Abfahrt fanbte Dr. Eckener von Borb des Zeppelins an ben Präsidenten E 0 0 lldge und die Marinebehörden Telegramme, in denen et sich für die Aufnahme in Amerika und für die von ber amerikanischen Marine geleistete Hilfe herzlichst bebanfte. Berlin 27 Oktober Frankfurt a. M | Berlin SchiUh l Anfang Kur» ! Kur» 27. 10. | 29. 10. Datum: 131,5 131.lö ..20,5 SO a. M Devisenmarkt Berlin—Frankfurt 76,13 84,5 26,7 136,5 148 Banknoten. 133,5 .300 6 8 10 8 10 10 12 11 12 10 10 10 . 8 . 6 12 51 14.75 210 149,75 50,25 103 245 109 271,5 136,5 30 106 562 484 278 203 125.25 188 27 10. i 29. 10 27 10 ! 29 10. Französische Jiotcn Holländische Noten ...... Italienische Noten ...... Norwegische Noicn . . . . . Deutsch-Oestrrr-, i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweiier Noten ...... Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten 1,95 12.5 32,5 2,8 12,5 9,4 24,4 Dalum: I 27. 10 | 29 10. I 27. 10. | 29 10 1,5,25 134 140 285 1.5 289.5 167 162 U>9,5 □17.75 271.5 556,5 481 273,5 202.5 124,75 185 80,5 49.65 100 239,25 54 108.25 270 19.25 71 122,5 5.75 56.13 55,13 o5,9 »all Ascher-lebeo • 10 383 — 287 288 ^afl Westeregeln . . . Kaliwerk Sal»detkurt> 10 285 288 '88 288 _ 15 476 490 477,o 487,25 — 166,5 167 3 G ,;arben.3avuSr» - 12 250 51,u 347,25 .'51,25 161,5 1'4,25 162 Dunamil Nobel . . . . 6 — —- 117,25 — '69,5 168 169 ScheideanstoU . . . . • . 9 209.75 210 97,75 — — 207 207,75 Goldschmidt . • • • • . 6 97 —- 99 134 132.25 — Rlltgertwerke . . . • • e . 6 101,5 —- 99,75 100,5 — 300 300 Metallgeiellschatt. - . • • U 182 - 27. Oktober 29 Oftob r Amtliche Noti.runa Amtliche Notierung Geld Brici Geld «ric Ämft^Rotl Bueu.'Atrcö 9srfl..Äntw 168,07 1,764 58,27 168,41 1,768 58,39 168,12 1,764 58.275 168,46 1,768 58,395 Christiania 111,72 111,94 111.72 111.94 RoD^nbaaen 111,76 111,9b 111,81 112,03 Stockholm 112,05 112,27 112.05 112,27 fielfinaiort. 10,54 10,56 10,548 10,51.8 5kalten. . 21,955 21,995 21,955 21,995 London. . . 20,328 20,368 20,332 4,1930 20,372 Neuyork . . 4,1925 4,2005 4.2010 Paris.... 16,375 16,415 80,835 16,375 80,6u5 16,415 Schweiz . . 30,675 50,825 Spanien . . 67,44 67,58 j7,50 07,64 Fav cm . . . 1.980 1,984 1.984 1.988 Nto de Fan 1.5005 0,5025 0.5005 0,5025 Men tu D-- ("eft. obgest 58,98 59,10 58, b? 59,l9 12,426 12,446 12,425 7,369 12,445 BeUrad ■ ■ 7,365 7,379 7,383 Budapest. <3,03 73,17 73,05 73,19 Bulgarien <,132 -.138 j,027 3,033 Lissabon 18.90 18,94 18,90 18.94 Danzig 81,31 81,47 81,31 2,119 81,47 Qonftantin. 2.115 2,119 2,123 Athen 5,425 5,435 5,425 5,4.45 Lcrnada 4,191 4,199 4,191 4,199 11 rn acro 4,266 4,274 4,256 4.264 «atro 20.855 20.895 •20.85 20.89 Berlin. 27. 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