Nr. 76 Erster Matt 178. Jahrgang Donnerstag. 29. März 1928 Erscheint täglich,außer Sonntags and Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monat$«Bejng$prei$: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bet Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen granmTrtam'matnHsee. «ndVerlagI vrShl'iche llniverfitÄs-vuch. vnl> Stdnörndcrei B. ränge in Siegen. Schriftlettnng und Seschäst;«e!le: SchulNrr«!- r. Annahme oon Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 206 , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein,- für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Diehen. Siresemann spricht über das Abrüstungsproblem. Eine Rede des Reichsaußenministers über den Genfer Mißerfolg und Deutschlands Rechtsanspruch auf Durchführung -er allgemeinen Entwaffnung. Berlin. 28. März. (WTB.) Der Verein der ausländischen Presse veranstaltete heute sein Iahresbankett, an dem zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps, für die deutsche Reichsregierung die Minister Dr. Siresemann, Dr. Gröner. Dr. v. Keudell und Schiele, Vertreter der preußischen Staatsregierung, Reichstagspräsident Loebe, die Führer der großen Reichstagsfraktionen und zahlreiche prominente Vertreter von Kunst, Wissenschaft. Wirtschaft und Presse teilnahmen. Rach warmen Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Vereins der ausländischen Presse, Louis B. L o ch n e r (Associated Preß, Amerika), ergriff für das diplomatische Korps Nuntius pacelli das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. sagte: In den Zeitungspalästen der modernen Welt konzentriert sich vielleicht eine größere Machtsülle als sie mancher Königsthron sein eigen nannte. Die Presse kann zu Gericht sitzen und Recht oder Anrecht schassen mit Auswirkungen, gegen die die amtliche Staatsgewalt kaum aufzukommen vermag. In der vordersten Linie der gewaltigen Probleme, deren glückliche Lösung von der zielbewußten Mitarbeit der Presse abhängt, steht der geistige Kampf um den Frieden, um seine Grundlegung und seinen Ausbau, um die Abwehr der Gc> fahren, die ihn umdrohen. Die seelische Front der Völler gegen die Antsrdrückung des Rechts, gegen die Geißel des Krieges wird sich erst an dem Tage vollkommen schließen, da unbeschadet der Wahrung der berechtigten vaterländischen Interessen die Parole des Friedens einmütig und machtvoll aus den Spalten der Weltpresse ertönt. Ich wünsche aus tiefstem Herzen, daß die Großmacht der Presse auf der Seite der sittlichen Kräfte kämpfe gegen alles, was Glück und Kraft der Völker zu unter» graben droht, daß es ihr gelinge, die gewaltige Macht des gedruckten Wortes nutzbar zu machen, um den Primat des Geistes über die Materie, den DiegderWahrheitüberdenIrr- tum, die Herrschaft des Rechts über die Gewalt zu sichern. Reichsaußenminister Dr. Siresemann sprach dann von der Antithese zwischen Skepsis und Vertrauen gegenüber den Ereignissen der letzten Zeit und stellte unter den großen Frie- densfragen die der Abrüstung in den Vordergrund. Er wolle die Auffassung des deutschen Volkes zu dieser Frage klarlegen. Der Minister wies zunächst die in der Auslandpresse verschiedentlich zum Ausdruck gekommene Auffassung zurück, daß es Deutschland nicht darauf ankomme, die allgemeine Abrüstung zu erreichen, sondern daß es bewußt auf einen Mißerfolg hinarbeite, um daraus für sich das Recht zu freier Rüstung herzuleiten. Wenn irgendwelche maßgebenden Stellen des Auslandes wirllich an solche Hintergedanken Deutschlands glauben sollten, so besteht das einfachste Mittel, sie zuschanden zu machen, darin, die allgemeine Abrüstung ernstlich in Angriff zu nehmen. Deutschland wünscht nichts mehr, als die ihm untergeschobenen Absichten auf diese Weise vereitelt zu sehen. Es wird böswilligen Kombinationen nicht gelingen, die Weltöffentlichkeit darüber hinwegzutauschen, wo die wahren Ursachen der schwierigen Situation liegen, die jetzt durch den Stand der Ab- rüstun'gssrage geschaffen worden ist. wenn ich auch zugebe, daß Probleme von dieser Tragweite nicht oon heute auf morgen gelöst werden können, so kann man doch heute nicht mehr von einem „heute auf morgen sprechen, um so weniger, als Deutschland nicht eine sofortige Totalabrüskung aller Staaten ae- fordert hat, sondern sich mit dem Gedanken der graduellen und etappenweisen Lösung durchaus einverstanden erklärt hat. Daß aber für die Erreichung einer ersten Etappe die realen politischen Voraussetzungen heute schon in vollem Umfange gegeben sind, ist meine volle veberzeugung. Der Minister zitierte dann das Schlußproiokoll von Locarno vom 16. Dttober 1925, das sagt, daß die Verträge von Locarno eine moralische Entspannung zwischen den Nationen herbeizuführen geeignet seien und, indem sie Frieden und Sicherheit in Europa festigen, das geeignete Mittel sein werden, in wirksamer Weise die m Artikel 8 der Dölkerbundssatzung vorgesehene E n t w a f f n u n g äu beschleunigen und daß die an ihm beteiligten Neaierunaen sich verpflichten, an den vom Völlerbund bereits aufgenommenen Arbeiten hinsichtlich der Entwaffnung ?ufr.’$tig mi tzürn i r ke n und die Der wirklich una der Ent- roaffmmg in einer allgemeinen Verständigung anzustreben. Minister Stresemann stellt die tfrage, ob es einen Mangel an realpotttischem Sinn bedeute, wenn er feststelle, daß die im Schlußprotokoll von Locarno niedergeschriebenen feierlichen D°rtt heute, nach zweieinhalb Jahr en, hinsichtlich der allgemeinen Abrüstung n o cp j e o e r Realisierung entbehrten. Jahr für Jahr, so fährt der Minister fort, haben die m der Bundesversammlung vereinigten Staaten festgestellt, daß die Abrüstung die w i ch t i g st e Aufgabe des Völkerbundes fei, und daß die heute gegebene I Sicherheit eine genügende Basis für | einen ersten Schritt zur Abrüstung darstelle. Trotzdem scheinen wir von der Erreichung des Zieles heute weiter als je entfernt zu sein. Das ist um so schlimmer, als inzwischen das Sicherheitskomitee $u Ergebnissen gelangt ist, die auch von denjenigen, die Forderungen zusätzlicher Sicherheit stellen, anerkannt werden. Der Minister weigert sich ttotz dieser Situation mit aller Bestimmtheit, von einem endgültigen Versagen des Völkerbundes in der Abrüstungsfrage au sprechen, einfach deswegen, weil der Völkerbund in dieser Frage einfach nicht versagen darf. Ich muß heute die Worte, die ich in der letzten Bundesversammlung im September vorigen Jahres ausgesprochen habe, wiederholen, daß der Völkerbund hier vor einer gebieterischen Pflicht stehl, deren Nichtachtung zu schweren Folaen führen müßte. Ls ist vergeblich, jetzt die R e ch t m ä h i g k e i t des deutsäzen Anspruchs auf allgemeine Abrüstung zu bestreiten, die in den Verträgen klar zum Ausdruck gekommen und von den ver- ankworllichen Staatsmännern der gegenüber- stehenden Machte wiederholt anerkannt worden ist. wenn heute davon gesprochen wird, daß wir keinen juristischen, sondern nur einen moralischen Anspruch hätten, so liegt darin eine Regierung des Grundgedankens des Völkerbundes, desien tiefstes Fundament die Anerkennung der gegenseitigen moralischen Verpflichtung des Völkerbundes ist. WaS ist in der Abrüstungsfrage jetzt zu hm? Das Wort haben jetzt die Regierungen der militärisch führenden Staaten. Auf ihnen liegt die Verantwortung und auf sie richten sich die Erwartungen der Völker. Ich gebe der bestimmten Hoffnung Ausdruck, daß diese Erwartungen nicht wiederum enttäuscht werden und daß wir schon auf der nächsten Bundesversammlung uns einer Situation gegenübersrhen, die hinreichend gellärt ist, um dem Völkerbund konkrete und effektive Schlüsse zu gestatten. Wenn trotz dieser Zweifel und Enttäuschungen ich noch von Hoffnungen und Vertrauen gesprochen habe, so richtet sich mein Blick in erster Linie auf das große mächtige Volk der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich begrüße es, daß der Gedanke des Weltfriedens, der Gedanke der Verständigung mit den europäischen Staaten und Völkern es dort zu einer Initiative geführt hat. Ich begrüße die Freigabe des deutschen Eigentums, ein Beschluß, der nicht nur materielle Fragen berührt, sondern den alten Gedanken der magna Charta internationalen Zusammenlebens zum Wiederaufleben bringt, daß die einzelnen nicht leiden sollen, wenn die Staaten Kriege führen. Schließlich gibt mir auch Hoffnung darauf, daß die Verhandlungen der Zukunft nicht ergeb» nislos bleiben werden, die Rede, die der französische Minifierpräsidenl in Bordeaux gehalten hat und die nach dem mir nun vorliegenden genauen Wortlaut zwar manches enthält, wo ich mich in vollem Gegensatz befinde, aber auch Worte, denen ich vollkommen z u st i m m e n kann. Was geht uns im Augenblick die Vergangenheit an? Diesen Worten des Herrn Poin- carL kann ich völlig zustimmen, ebenso wie denen, daß alle leiden unter den Ruinen des Krieges, daß es keinen glücklichen Sieger, keinen glücklichen Besiegten, keinen glücklichen Neutralen gibt, und daß durch die Annäherung auf intelleltuellem und moralischem Gebiet wir herauskommen können aus den Leiden der Vergangenheit. Wenn diese Gedanken Wirllichkeit werden, wenn auf der Grundlage dieser Gedanken herangetreten wird an die Lösung dieser großen Probleme auf moralischem und auch auf wirtschaftlichem Gebiet, dann werden wir uns dem Ideal nähern, das der Herr Runtius in den Worten des Augustinus zum Ausdruck gebracht hat. Worte, die ich in anderer Version so oft von meinem Kollegen Br i and gehört habe, daß es nämlich nach außen wohl toeu schöner scheinen mag, für Krieg und Ruhm em» ju treten, daß es aber schwerer ist, für den Frieden zu kämpfen, und daß im Kampfe für den Frieden das Größte liegt, das die Menschenseele erreichen kann. Deshalb trotz aller Kritik, Skepsis und Enttäuschung will ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß die großen Gedanken des Friedens sich durchsetzen werden zum Besten der Menschheit. (Lebhafter Beifall.) Zweierlei Sprache.- Französische Kritik an der Rede Mussolinis. Paris, 29. März. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenpresse, soweit sie zu Mussolinis Rede über die Revision des Vertrages von Trianon Stellung nimmt, lehnt dessen Auffassung ab. „Echo de Paris" erklärt- „Wenn am Quai d'Orsay em Mann regieren würde, der seinen Verpflichtungen gegenüber Frankreich und Europa eingedenk wäre, dann würden so drohende Manifestationen nicht unwidersprochen bleiben. Unglücklicherweise befindet sichBriand (die letzte Ratssitzung hat das bewiesen) gleichfalls auf der Seite der Z e r ft ö r e r." — „Petit Parisien" schreibt: Welche Argumente wird Mussolini, der davon spricht, Ungarn seine ethnischen Grenzen zu geben, geltend machen, um sich beispielsweise dem Anschluß, dessen entschlossener Gegner er ist, ober einer Aenderung der oberen Etschtalgrenze zu widersetzen? — „Oeuvre" findet, daß Mussolini zweierlei Sprache führt, eine für den Gebrauch in Italien, die andere für das Ausland und erklärt: Musiolini kann nicht der Ansicht fein, daß man die Grenzen Rumäniens und der Tschechoslowakei abändert, die neuen Grenzen Italiens aber für unantastbar erklären kann. Darmstadt, 28. März. Der hessische Landtag trat zu einer kurzen Ostersession zusammen, um einige wichtige Vorlagen zu verabschieden. Er kam in feiner Arbeit ziemlich rasch vom Fleck, da es die Regierungsparteien vorzogen, zu den einzelnen Vorlagen im Plenum nicht mehr zu sprechen. Sie überließen eS der Opposition, ihre Gegenvorschläge zu unterbreiten, die aber restlos abgelehnt wurden. Die Oppositionsredner begnügten sich daher schließlich mit kurzen Darlegungen, da sie die Aussichtslosigkeit ihres Beginnens einsahen. Rur bei der Beratung der cklebertragung und Schaffung höherer Deck dienst eilen wurde die Debatte etwas lebhafter. Auch beim Vorauszahlungssteuergesetz bot sich die Möglichkeit, für die notleidende Landwirtschaft und 'den Mittelstand Reden zu halten über die Maßnahmen, die die einzelnen Parteien zur Linderung der Röte und Lasten gerne ergreifen möchten, soweit sie im Rahmen der Vorlagen nicht erfolgen konnten. Sitzungsbericht. Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.15 Uhr. Die Regierung ist vollzählig erschienen. Haus und Tribünen sind gut besucht. Zum Andenken an die verstorbene Abg. Frau Karoline Balser (Dem.) erhebt sich das Haus von den Plätzen, um die nachstehende Gedenkrede des Präsidenten anzuhören: ^Wieder hat der Allbezwinger Tod eine Lücke in unsere Reihen gerissen. Mit tiefem Schmerz haben wir von dem plötzlichen Hinscheiden unserer Kollegin Frau Abg. Balser Kenntnis genommen. Frau Abg. Balser war eine aufrechte, geistig regsame, sozial und menschlich fühlende Frau. Eine Frau ihrer politischen Lleberzeugung. die es in vornehmer Art ver» stand, auch die politische Lieberzeugung ihrer Gegner zu achten und zu würdigen. Die Ver- storbene stand aktiv in der Frauenbewegung, und insbesondere war ihr arbeitsreiches, aber auch von großen Erfolgen gekröntes Leben den notleidenden und Hilfe suchenden Menschen gewidmet. Sie kannte keine Ermüdung und lein Zuviel, wenn es galt, den hilfesuchenden Menschen mit Rat und Tat beizustehen. Don früh bis in die späte Rächt war sie auf den verschiedensten Gebieten der sozialen Fürsorge in selbstloser Weise tätig. Durch ihr großes soziales Verständnis und als ausgezeichnete Kennerin der sozialen Gesetze war sie im Aus» schuß sowohl wie im Landtage die berufene Fürsprecherin ihrer Mitmenschen und ganz besonders der Rotleidenden. Die Verstorbene wird ihren Mitmenschen ein gutes Vorbild sein, besonders in der jetzigen schweren Zeit, wo es gilt, sich gegenseitig kennen, achten und verstehen zu lernen, aber auch hilfsbereit zu sein, um die Röte der Zeit zu überwinden zum Wohle des ganzen Volles. Meine Damen und Herren! Sie haben sich zu Ehren der Verstorbenen von den Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen." Als Rachfolger der Verstorbenen tritt Apotheker Donath- Goddelau und als Rachfolger des zum hessischen Gesandten in Berlin ernannten Abg. Ruß der Abg. Keller, Landgerichtsrat in Gießen, ein. — Drei kommunistische -Anträge auf Osterbeihilfen für die Erwerbslosen, Klein» und Sozialrentner, sowie die an Ostern zur Entlassung kommenden Vollsschüler und Aufstellung eines Lehrplanes für Freidenker an den Schulen gehen geschäftsordnungsmäßig an die Ausschüsse. — Als stellvertretender Präsident für den ausgeschiedenen Abg. Ruß wird Abg. Blank (Ztr.) gewählt, als sein Stellvertreter Abg. Spät (Ztr.). Abg. Fenchel (Hess. Lbd.) berichtet über die Beratungen des Ausschusses zur Frage der Aenderung der hessischen Pachtschuhordnung und die dazu vorliegenden Anttäge des Zentrums und der Kommunisten, denen in der Ausschußberatung Rechnung ge- Mussolini kann nicht den ungarischen Irredentismus verteidigen und den österreichischen und jugoslawischen Irredentismus verdammen. — „DolontL" schreibt: Es ist das erstemal, daß der Chef einer ehemals alliierten Regierung sich gegen den gegenwärtigen status quo Europas ausspricht, Mussolini kann noch soviel erklären, daß die Opfer, die er von Rumänien und von der Tschechoslowakei zugunsten Ungarns fordert, nicht von Italien zugunsten Oesterreichs gefordert werden könnten, er begeht nichtsdestoweniger eine große Unklugheit, die er eines Tages bitter bereuen könnte. — „Gaulois" weist darauf hin, daß Mussolini einen Unterschied macht zwischen natürlichen und ethnischen Grenzen und stellt die Frage, ob es rechtlich überhaupt möglich sei, dem einen Befriedigung z u geben und dem anderen nicht. tragen wurde. — Die Vorlage wird dann ohne Debatte in der Ausschußsassung in erster und zweiter Lesung einstimmig angenommen. Der Präsident gibt dem Hause Kenntnis von der Regierungsvorlage über die einstweilige Zurverfügungstellung der im Staatsvoranschlag 1928 vorgesehenen Baukredite, die im Ausschuß gegen eine Stimme Annahme fand. 2tt>g. Widmann beantragt namens des Finanzausschusses. die Regierungsvorlage über die Erstreckung des Finanzgesetzes 1927 auf die ersten drei Monate 1928 anzunehmen. Das Haus stimmt in erster und zweiter Lesung behaftetes zu. Die Strafverfolgung des Abg. Sturmfels (Soz.) wegen feines Auto- zusammenstohes mit einem oberhessischen Landwirt wird abgelehnt. Ein gleicher Antrag gegen den Abg. Lux (Soz.) wird dahin erledigt, daß der Staatsanwaltschaft die Akten vorgelegt werden sotten zur Prüfung, ob Einstellung des Verfahrens erfolgen soll. Eine sehr lebhafte Debatte entspinnt sich sodann über die Anttäge der Regierung auf Ucberfragung einer Ministerialratsstelle aus dem Innenministerium in das fiullusminiffetium und umgekehrt die Stelle eines Vortragenden Rates zu übertragen. Zur Bearbeitung der Finanz st a t i st i k soll der bisherige Direktor der Zenttalstelle für Landesstatistik in das Finanzministerium übernommen werden. Im Ausschuß wurde die Vorlage mit 7 zu 3 Stimmen angenommen. Abg. v. d. Schmitt (Komm.) erblickt in der Vorlage ein weiteres Zeichen des Vormarsches der geistlichen Schulaufsicht in Hessen und ist aus kulturellen und finanziellen Gründen gegen die Vorlage. Abg. A x t (Dolksrechtspartei) lehnt für feine Partei ebenfalls die Vorlage ab. Cs handle sich hier um eine Stelle, die nur auf den Inhaber bewilligt sei. Sachliche Gründe seien bei der ilebertragung nicht maßgebend, sondern ausschließlich parteipolitische. Abg. Ding el d eh (D. V.P.) erblickt in der Vorlage eine Auswirkung der Koalitionsverhandlungen über die neue Regierung. Die Deutsche Volkspartei habe bei ihrer Teilnahme an der Regierungsbildung stets den Standpunkt vertreten, angesichts des bevorstehenden Gutachtens des Reichssparkommissars dürsten neue Stellen nicht geschaffen werden. Dieser Auffassung bleibe sie treu und werde gegen die Vorlage stimmen. Abg. Leuchtgens (Bbd.) gibt für seine Fraktion die Erklärung ab, daß ihre Haltung zur Schaffung neuer Beamtenstellen und zur Verwaltungsreform überhaupt bekannt sei. Die Vorlage werde daher von ihm und seinen Freunden a b g e l e h n t. Die Schaffung neuer Stellen fei bei der jetzigen Rotlage ganz unannehmbar. Abg. Böhm (Dn.) wendet sich gegen die Re- gierungsabsicht. Die Regierung sollte solche Beamte besonders berücksichtigen, die im Volke verwurzelt seien. Hier seien nur parteipolitische G ründe maßgebend. Er lehne daher namens seiner Fraktion die Vorlage ab. Die Vorlage wird darauf gegen die Stimmen der gesamten Opposition angenommen. Abg. Leuchtgens (Bbd.) trägt sodann als Ausschußreserent dessen Auffassung vor, die Stelle eines ständigen Hilfsarbeiters beim 2Tllnif(erium für Arbeit und Wirtschaft zu schaffen. Die durch die Ernennung des Regierungsrats Karcher zum Staatsrat freigewordene Stelle solle dem Abg. Finnkann (Soz.) übertragen werden, der als ständiger Hilfsarbeiter in das Arbeitsministerium gehen soll. Der Finanzausschuß hat gegen zwei Stimmen die Schaffung der Stelle beschlossen. Der Abgeordnete erflärt sodann als Vertreter seiner Fraktion deren ablehnenden Standpunkt zur Vorlage. Abg. Wolf (Volksrechtspt.) verliest zunächst einen Arttkel aus dem „Hessischen Dolksfreund", Ofiertagung des Hessischen Landtags. pachtschutzordnung. - Neue Beamtenstellen. — Steuervorauözahlungsgeseh. Bartn-tny- 865t -Vaidersund- 225 Iberdeen. damofl «Äß ScM--- mUlnoc/j,den 2&. 772£73 28. ftabendf. Annahme des Etats im Reichstag von Weimar beseelt habe. — ES fand eine eingehende Aussprache allgemeiner Art statt, die sich auf Fragen der Weckung des politischen Verantwortungsgefühls des deutschen Staatsbürgers, auf die Betonung und Vertiefung des sozialen Charakters der Demokratie, auf den Aufbau unseres Volkstums auf den geistigen und sitt- lichen Kräften des Christentums und schließlich auf die Ziele unserer Außenpolitik bezog. Grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten ergaben sich dabei nicht. Der Parteivorsihende Dr. Marx, wie auch der derzeitige Führer der Reichstagsfraktion Dr. S t e g e r w a l d, stellten mit Genugtuung fest, daß die Versicherung Dr. Wirths, sein- weitere politische Wirksamkeit i n - nerhalb der Partei und der Fraktion zu betätigen, die Kampfesfront für die Wahlen völlig geschlossen habe. Ohne sine Stärkung der Macht des Finanzmini- sters im Sinne unserer Forderung muh dos parlamentarische System an der jetzigen Parlamentarischen Ausgabenwirtschast zugrunde gehen. Abg. Dietrich-Baden (Dem.): Die größte Sorge bereitet der Fraktion djy Fortsetzung des finanziellen, verwaltungsmäßig imb wirtschaftlich untragbaren Verhältnisses zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Die Länder sind zu einer Ausgabenpolitik verleitet worden, die in dem Augenblick katastrophal werden muß, in welchem infolge peränderter Wirtschastslgge die Steuereinnahmen des Reiches zurückgehen. Für das Reich war die Folge dieser verhängnisvollen Politik, daß ihm die Mehreinnahmen nicht zur Verfügung standen, um die notwendige Steuersenkung durchzusühren. Die Finanzpolitik hat sich unter dem gegenwärtigen Finanzminister mehr und mehr in bureaukratisch- fiskalische Dahnen verlegt. Schließlich sind unhaltbare Zustände dadurch herbeigeführt worden, daß nach dem Zusammenbruch der Koalition der Etat noch durch einen schwerwiegenden Er, gänzungsetat erweitert wurde. Die dL.no» kratische Fraktion ist daher nicht in der Lage, dem Etat für 1928 zuzustimmen. Abg. Dr. Cremer (D. D.) erklärt, die Volks- Partei sei sich bewußt, daß sie mit der Zustimmung zum Etat eine große Verantwortung über» nehme. Es komme nun darauf an, ob sich das Rotprogramm tatsächlich im Rahmen des Er- gär zungsetats durchführen lasse. An der Spitze der Finanzpolitik müsse jetzt der Grundsatz stehen, die Steuerkraft der Wirtschaft zu schonen, damit sie den Wiederaufbau aus eigener Kraft und nicht durch dauernde Abhängigkeit vom Auslandkapital vornehmere kann. Reichsfinanzmimster Dr. Köhler erklärt sich einverstanden mit den Ausschuhanträgen, die eine solide Zinanzwirtschast und klare Etatsverhältnisse verlangen. Es komme weniger auf Paragraphenbestimmungen über die Zuständigkeit an als auf die Gesinnung, mit der das Parlament seine Ausgabenwirtschaft treibt. Die von Dr. Hilferding angeführten Zahlen könnten irreführend wirken, weil sie nicht die Ministers so stärken, wie sie im alten Preußen mit seiner ausgezeichneten Finanzwirtschaft war. Unser eigentlicher innerer Etat wird ja immer mehr vermindert, weil der Löwenanteil unserer Mittel als Reparationslast ins Ausland fließt. 2Nit dem Vorredner bin ich der Meinung, daß wir nicht weiter von Jahr zu Jahr die Ueberweisungen des Reichs au die Länder steigern können. Die Länder müssen sich e i u s ch r ä n k e n. Es ist aber der Gipfel der Verlogenheit, wenn die Entente uns vorwirft, wir brächten einen gerechten Finanzausgleich nicht fertig. Dieser endgültige Finanzausgleich ist nicht möglich, bevor nicht unsere Dawesoerpslichtungen endgültig geregelt sind. Das Ausland hindert uns also am endgültigen Finanzausgleich. Diese Blut- steuer ans Ausland lastet aus jedem einzelnen Deutschen. Jede einzelne deutsche Familie ist mit 600 Rlart an den Auslandsschulden beteiligt. polnischen Problems wenigstens Wege findet, die eine einigermaßen günstige Entwicklung der polnisch- litauischen Beziehungen gewährleisten. Die beiden Führer. Woldemaras und Zaleski, werden sich wohl dieser Schwierigkeiten bewußt sein. Beide versprechen eine aufrichtige Absicht, zur Einigung zu kommen. Dazu kommt noch, daß auch der Völkerbund seine Bereitschaft eventuell vermittelnd mitzuwirken, zuge» sags hat und Herrn Deelaerts van Blök- land, den holländischen Außenminister, schon jetzt zur Verfügung hält, um ihn, wenn es notwendig werden sollte, nach Königsberg zu schicken. Entscheidend dürfte schließlich auch sein, daß sich doch alle dessen bewußt sein werden, daß bei einem eventuellen Scheitern der Königsberger Kompromißverhandlungen die Verantwortung für die Konsequenzen, die sich daraus ergeben würden, zu groß wären, als daß sie einer aus sich nehmen könnte. Es steht deshalb zu erwarten, daß auch Herr Zaleski versuchen wird, Mittel für ein derartiges Kompromiß, das wenigstens einigermaßen den Ansprüchen der beiden Länder gerecht würde, zu finden. Woldemaras wird sicher nicht mit der radikalen Forderung nach einer sofortigen Rückgabe Wilnas auftreten, vielmehr versuchen, entsprechend seiner Regierungserklärung vom vorigen Jahre so viel zu erreichen, wie nur irgend möglich. Ganz Europa aber wird diese Konferenz mit Interesse verfolgen, handelt es sich doch schließlich um ein Problem, das wohl in der Lage ist, eine Beunruhigung des ganzen europäischen Erdteils zu verursachen, wenn sich diese beiden an und für sich kleinen Staaten nicht einigen könnten, und der Konflikt zwischen ihnen eventuell Maße annehmen würde, die in ihrer Auswirkung noch gar nicht zu übersehen sind. Mag Königsberg ein Wegstein der polnischlitauischen Verständigung werden im Interesse der beiden Länder, im Interesse von Europa. gebenden Einfluß erreichen können und ihr parteimäßiger Aufbau auf einer Verkennung des Wesens des politisch-parlamentarischen Symstems beruht. Wirth und das Zentrum. Berlin, 29. März. Die „Germania" teilt varteioffiziös u. a. mit: In einer Besprechung des Parteivorsitzenden Reichskanzler Dr. Marx mit Mitgliedern des Parteivorstandes ergab Jid) völlige Einmütigkeit in dem Sinne, den Wahlkarnpf in größter Geschlossenheit durchzusühren. Dr. Wirth nahm Gelegenheit, die Beweggründe darzulegen, die seine von der Reichstagsfraktion abweichende Haltung in den letzten Jahren bestimmt hatten und betonte, daß seine politische Einstellung der Sorge entsprungen sei, es möchte die deutsche Demokratie dem Geiste untreu werden, der die Arbeit in dem der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Q u e s s e l sich gegen die Schaffung neuer Stellen und neuer Ausgaben in Hessen wendet. Ohne persönlich werden zu wollen, müsse man doch erst den Rachweis der Qualifikation des Vorgeschlagenen verlangen. Er fordert, daß von den in höhere Stellen Steigenden, die nicht aus der Beamtenlaufbahn hervorgegangen sind, eine gewisse Vorbereitungszeit durchlaufen werden müsse. Man habe bisher in Hessen nur die Mittelmäßigkeit hochgezogen. Er lehnt die Vorlage ab. Abg. v. d. S ch m i t t (Komm.) wendet sich zunächst gegen die Ausführungen des Vorredners. Sachlich müsse er sagen, baß bei der gegenwärtigen Rot der Kleinbauern und Kleinhandwerker es ungerechtsertigt sei, neue Stellen zu schaffen. — Abg. Werner (Dn.) erklärt die Ablehnung der Deutschnationalen gegen die Vorlage. — Die Vorlage wird darauf gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, des Bauernbundes, der Dolksrecht- partei und der Kommunisten angenommen. — Rach kurzer Pause folgt die Beratung eines Steueroorausz ihlungsgesehes für 1928. Abg. Dr. Aiep 0 th (D. Dp.) lehnt das Gesetz als Ganzes ab. Rein agitatorische Gesten der Koalitionsparteien dürfe er nicht unterstützen. Er erkennt an, daß die endgültige Erledigung der Vorauszahlungen für 1925 und 1926 auf die Sondergebäudesteuer zu begrüßen sei. Sie entspreche den Wünschen unb Anregungen seiner Partei. Ganz anders sei es mit dem Vorschlag der Regierung aus Regelung der Gewerbesteuer 1927. In Konsequenz der Haltung vom Sommer vorigen JahreS verlange er Veranlagung für 1 9 27. Wenn die Regierung im Finanzausschuß erklärt habe, die Kräfte der Finanzämter reichten dazu nicht aus, sei das nicht stichhaltig: denn die Regierung habe für die nachträgliche Veranlagung für 1925 und 1926 die Beamten ja auch parat gehabt. Er wäre mit der Vorlage einverstanden, wenn für 1927 Nachlässe einträten, falls sich die Veranlagung für 1928 niedriger stellt. Die ganze Vorlage sei eine glänzende Rechtfertigung der Politik seiner Fraktion. Abg. Angermeier (Kom.) lehnt die Vorlage ab. Die Zahlungen seien für die Kleinbauern und kleinen Gewerbetreibenden einfach unmöglich. Er führt dann Beschwerde gegen das Landesfinanzamt Darmstadt, das sich gegen Steuernachlässe stets ablehnend verhalte. Abg. Lux (Soz.) legt kurz dar, daß das Gesetz angenommen werden müsse, weil spnst ab 1. April ein gesetzloser Zustand eintvete und die Regierung keine Mittel in die Hand bekomme zur Besoldung. Abg. Leuchtgens (Dauernbd.) erkennt an. daß die Regierung sich bemüht habe, die Voraussetzungen für den endgültigen Abschluß der rückständigen Vorauszahlungen zu schaffen und auch in ihrem Rundschreiben an die Finanzämter verschiedenen Wünschen nachgekommen sei. Lediglich gegen die Forderung der Regierungsvorlage, auch die Steuersätze für das kommende Jahrnach den jetzt geltenden Sätzen zu erheben, müsse er sich wenden. Falls die Koalition seinen diesbezüglichen Anträgen abgeneigt sei, müsse seine Fraktion die Vorlage ablehnen. Abg. Kindt (Dn.) lehnt die Vorlage einer Regierung, die sein Vertrauen nicht habe, ab. Ihr könne er nicht Helsen. Abg. Wolf (Vrechtspt.) lehnt im Ramen seiner Fraktion die Vorlage ab. Die Regierung habe Vollmacht, alles zu tun, waS sie wolle. Abg. A x t (Vrechtspt.) fragt wegen der rückständigen Vorauszahlungen aus dem Jahre 1924. Ein Regierungsvertreter erklärt, daß es sich hier um festgesetzte, nicht gestundete Steuerbeträge handle. Härten beim Einzug würden vermieden werden. Die einzelnen Artikel werden darauf mit den . Stimmen der Koalitionsparteien unter Ablehnung aller Aenderungsanträge angenom - m e n. In der Gesamtabstimmung wird das Gesetz in erster und zweiter Lesung genehmigt gegen die Stimmen der Rechten und der Kommunisten. Fortsetzung: Donnerstag. Aus dem Finanzausschuß. Darmstadt. 29. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages erledigte in seiner Sitzung am Mittwochnachmittag die noch ausstehenden Gehälter der Besoldungsgruppe „feste Gehälter". Bei Gruppe la (Staatspräsident) und Gruppe Ib (Minister) wurden je 2000 Mark jährlich gestrichen. Diese 2000 Mark werden jedoch als Aufwandsentschädigung eingesetzt. Die Gruppen 82, 83 und 84 werden um je 1000 Mark gekürzt. Es handelt sich um Ministerialdirektoren, Staatsräte, Generalstaatsanwalt und Landgerichtspräsidenten. Die Regierungsvorlage, wonach im Pathologischen Institut in Gießen Anbauten vorgenommen werden sollen, wird in Höhe von 85 000 Mark und 23 000 Mark g e nehmigt. Berlin, 28. März. Aus der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushaltes der «Allgemeinen Finanzverwaltung". Der HauS- hqltsausschuß legt Entschließungen vor, in denen u. a. eine Reform der Reichshaushaltsordnung und eine klare Scheidung zwischen den Posten des ordentlichen und außerordentlichen Etats entsprechend ihrer wirklichen etatrechtlichen Bedeutung gefordert wird. Aba. Dr. Hilferding (Soz.) weist darauf hin, daß 1924 1,10 Milliarden Üleberschuh in der Reichskasse waren. Die Steuersenkung durch Reinhold sei berechtigt gewesen. Die folgenden Etats seien nur mit Hilfe des Lleberschusses von 1924 in Ordnung gebracht worden. Im außerordentlichen Etat von 1927 sei ein Defizit von l1 /, Milliarden gewesen. Jetzt seien noch 853 Millionen Defizit vorhanden, für die keine Deckung vorhanden sei. Dabei haben sich die Einnahmen um rund 2 Milliarden in diesen Jahren gesteigert. Diese Einnahmesteigerung ist im wesentlichen von den breiten Massen aufgebracht worden. Sie tragen 3/s, der Besitz 1/3 der Lasten. Die in der Lex Brüning enthaltene Zusage einer Herabsetzung der Lohnsteuer ift nicht eingelöst worden, die Zusage einer Erhöhung derDermögens- steuer auch nicht. Darin zeigt sich die antisoziale Tendenz unserer Finanzpolitik. Wir wollen nicht die Bewilligung von neuen Ausgaben von einer Zweidrittelmehrheit abhängig machen lassen. Das würde einer Minder- heit die Macht geben, jede positive Politik der Mehrheit zu hindern, das wäre eine Aufhebung des gleichen Wahlrechts von hinten herum. Die Balancierung des ordentlichen Etats ist nur scheinbar. 3n Wirklichkeit weist dieser Etat e i n Defizit auf. Im neuen Etat wird ein Defizit von einer halben, wahrscheinlich von dreiviertel Milliarden zu decken fein. Wir erwarten vom Minister eine offene Erklärung über die Regierungspolitik in der Frage der Auslandanleihen. Die Bilanz der Rechts- regierung ist auch finanzpolitisch nicht erfreulich. Wjr werden unserer Opposition gegen diese Politik Ausdruck geben durch die Ablehnung des vorliegenden Etats. Abg. Qua atz (Dn.): Es ist kein erhebendes Bild, wenn eine kommende Koalition durch ihren Sprecher sich bemüht, die Arbeit der vergangenen Koalition auf dem neutralen Gebiet der Finanzpolitik vor den Augen des Auslandes her- abzusehen. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Wollen Sie toirflid) behaupten, wir hätten durch verschwenderische Wirtschaft das Defizit verschuldet? Wir hatten das Minuserbe der vorausgegqngenen Regierung anzutreten. Das bezog sich besonders auf die Sozialpolitik. Es war ja nichts getan für die Desoldungsreform, für die Sozial- und Kleinrentnerfürsorge. Gerade Sie (nach links) behaupten ja immer, es sei auf diesem Gebiet noch nicht genug geschehen. Die notwendigen Mittel dafür hatte Finanzminister Dr. Reinhold nicht hinterlassen. Er hatte die Steuern gesenkt nicht einmal zugunsten einer Stärkung der Produktion, sondern zugunsten eines kleinen Teils des Handels. Der jetzige Reichs- finanzminister hat das Defizit dauernd vermindert. Wir wollen die Stellung des Finanz- Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 29. März. Auf deutschem Boden in der altehrwürdigen Ostpreußenstadt wollen sich also nun am 30. d. W. Woldemaras, der litauische Ministerpräsident, und Zaleski, der polnische Außenminister, treffen, um Mittel und Wege zu finden, den nun fast zehnjährigen Konflikt zwischen Polen und Litauen aus der Welt zu schaffen. Die Haltungsweise in diesem Konflikt während der letzten Zeit im Anschluß an die bekannte Resolution des Dölkerbunds- rates vom Dezember vorigen Jahres ist nicht gerade vielversprechend. Ein außerordentlich heftiger Hptenwechsel setzte bald nach Genf ein, der fast zu einer Verschärfung der Lage geführt hätte, wenn nicht Professor Wolde- maras im letzten Augenblick den Vorschlag vorgebracht hätte, am 30. März d. I. in Königsberg zusammenzukommen, um eine Bereinigung des Konfliktes zu versuchen. Wie dem auch sei, es ist immerhin erfreulich, daß man zunächst einmal den Entschluß gefaßt hat, überhaupt zusammenzukommen. Das bedeutet natürlich noch keinerlei Aussicht auf eine Lösung. Man fängt auch zunächst noch recht vorsichtig an. Die großen politischen Probleme, die W i l n a f r a g e im besonderen, Hai man vorläufig in den Hintergrund gedrängt. Wirtschaftliche Fragen sollen in erster Linie behandelt werden, Fragen also, die an sich ganz harmlos aussehen, die aber, da sie notwendigerweise mit den politischen Problemen verbunden werden müssen, zu außerordentlich ernsten Verwicklungen fuhren können. Wilna ist entscheidend. Zwischen Polen und Litauen gelegen, bildet es gleichsam die Brücke des Wirtschaftsverkehrs. Die Bahnlinien führen über Wilna, der Njemen durchfließt diese Stadt, auf die die Litauer mit historischer Begründung Anspruch erheben. Hier gilt es also, eine Taktik einzuschlagen, die unter Vermeidung der kompliziertesten Stelle des litauisch- Eine polnisch-litauische Konferenz Zusammenkunft Zaleskis mit Woldemaras in Königsberg. Das Handwerk gegen berufsständische Splitterparteien TerNeichsverband des deutschen Handwerks zu den kommenden Wahlen. Berlin, 28. März. (WTB.) Der Reichsverband des Deutschen Handwerks teilt mit: Angesichts der bevorstehenden Wahlen machen sich im Handwerk erneut Bestrebungen geltend, die durch die Aufstellung besonderer Handwerkerlisten eine bessere Berücksichtigung des Berufsstandes durchsetzen wollen. Der Reichsverband des Deutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag als die maßgebenden Spitzenorganisationen des gesamten Berufsstandes lehnen diese Verquickung berufs ständischer Interessenvertretungen mit politischen Bestrebungen ab, da jede Verbindung mit solchen Zielen die unabhängige freie Willensbildung in den Spihenverbänden wie auch die entsprechend notwendige freie Vertretung der Interessen gefährde und die berufsständische Geschlossenheit des Handwerks zerschlagen müsse. Grundsätzlich nehmen die Spitzenverbände des Handwerks auch gegenüber den Plänen zur Gründung besonderer Handwerkerparteien eine ablehnende Stellung ein. Sollten tatsächlich neue Parteien auf berussständischer Grundlage einige Vertreter in die Parlamente entsenden, so wird deren Tätigkeit unfruchtbar bleiben, da sie niemals einen ausschlagSfl" Kestern der. ou^jederl' hiE? weile" ÄS £ ö? er 8una< Kriege lvcr mit I'rekwr KL Z nehmen der -Ui dient gemach-, des Gchener ■ bäte Tättglelt, ein liebens charaktervolle ' legen, seinen 1 schast die gegs angenehmer f diese vorttef lrc er sich ebenso allgemeine 2Idi hiesigen Durgei Wesen uni) je gezogenheit unserer 6tadt einigen Jahren des Direltors dieser Stellung rastender Arbc Pflege guter unserem Seme gegangene hint Mitteldeutschen Grundes- und Lücke. Das An und seingesinn: Kreisen unserer Deile lebendig Protest gege Auf Einloünn Ortsgruppe Eie Leib eine Pro: gegen die v nexion Deu der Lund der ! nähme gegen E der breitesten Stadt auf feine' sichtbar, daß a kolonialen, ma Deutschlands im Unterstützung jt Nach den & isnach hm Si berufet in time hmo her uns Habgier der Ei dringend notn Volkes in (Finn die von Englo Ostofrikas in d< nehmen. Trotz dürften wir da nien nicht nutz über das vom hinwegsehcn ü die. Annektion Drücke von K damit ein gi schaffen. Zu b frühere Rotor Kscharakters slch ölt reihen gesteigerten ReparativnSlasten und viele andere zwangsläufige Ausgabenposten berücksichtigt hätten. Don einer verschwenderisch« Wirtschaft könne nicht gesprochen werden. Der Aetto-Etat des Reiches sei vielmehr wesentlich herabgesetzt worden. Der Grundsatz der Sparsamkeit darf auch bei der Aufnahme von Anleihen nicht verlassen werden. Auslandanleihen der Länder und des Reiches sind zur Zeit nicht zweckmäßig. Allein die Reichs- regterung trägt die letzte Verantwortung für di« Finanzgebarung der öffentlichen Körperschaften: von dem Bewußtsein der Verantwortung ist auch bei ihren Entscheidungen die Beratungsstelle getragen, die jetzt beschäftigt ist, sich ein Bild über die Höhe des bestehenden Gesamt- bedarfes an Anleihen zu machen und zu prüfen, wieviel und was von den vorliegenden Anträgen tragbar ist. Die Prüfung ist soweit fortgeschritten, daß wir binnen kurzem mit ihrem Abschluß rechnen können. Dann wird di« endgültige Entscheidung über das als berechtigt anzuerkennende Maß der Anlechen sowie über Art und Form ausgesprochen werden, in denen die Verhandlungen freigegeben werden können. Dabei wird geprüft werden, für welchen angemessenen Zeitraum der Bedarf der öffentlichen Körperschaften an Anleihen als gedeckt angesehen werden kann. Mit Genugtuung ist festzustellen, daß die Länder und Gemeinden bemüht sind, mit der Aeichsregierung auf dieser Grundlage zusammenzuarbeiten. Der Haushalt wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten angenommen. Angenommen wird weiter das Haushaltgeseh, das gewisse Stärkungen der Stellung des Reichsfinanzministers bringt. Ferner der Ergänzungsetat mit dem Teile des Rotprogramms, der 25 Millionen für die landwirtschaftlichen Genossenschaften einsetzt und die zum Rotprogramm gehörende Rovelle zum Gesetz über die Rentenbankkreditanstalt. In allen drei Lesungen wird ein Jni- tiativgesetzentwurf angenommen, wonach für die Durchführung des landwirtschaftlichen Rotprogramms ein 28glieö tiger Reichstags- auss chuß eingesetzt wird, der das Recht erhalten soll, seine Tätigkeit bis zum Zusammentreten des neuen Reichstages durchzuführen. Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit. Berlin, 28. März. (WB.) Auch in der ersten Märzhälfte ist die Arbeitslosigkeit nur in dem gleichen geringen Umfange zurückge- gangen, wie in den vorhergehenden Wochen: dies dürfte in der HqupHache auf die kalte Witterung zurückzuführen sein, die bis Mitte März angehaften hat. In der Arbeitslosenversicherung betrug die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger am 15. März 1928 rund 1200 000 gegenüber 1 237 500 zu Anfang des Monats: sie hat also um rund 37 500 oder um 3 Prozent abgenommen. Der Rückgang machte hei den männlichen Arbeitslosen 3,3 Prozent, bei den weiblichen dagegen nur 1,1 Prozent aus. Die Krisenfürsorge zeigte für den gleichen Zeitraum nur einen geringen Rückgang von 1,2 Prozent oder rund 212 300HauPt- unterstützungsempfänger am 15. März gegenüber 215 000 am 1. März 1928. Die Zahl der Rotstandsarbeiter hat in dem Berichtszeitraum wieder um 4,5 Prozent zugenommen und betrug am 15. März insgesamt rund 70 800. Oie Wetterlage. OWOixentos.® neuer a naro oeaeciu. e weiitia e ctdtcin eRege^ * Schnee & Qr$u»ein e Meoei K Gewitter.(g)wind5tiiie -CS seW leichter Ost _p massiger Sudsuowesi stürmischer «oröwcsft eie Pfeile fliegen mit dem finde Die opoen Stationen sitzenden ZW len gehen die Temperatur an Die unten .‘erDmcco Orw eit gitiUK* »' 7 Lr mdust r'^ttelt werde" k’Jl'» die Erz« verfügen olgede 'en cin r »s* Ms Millionen lie § jsAand scheue & itoci Still"’"™-? amcritanern W erwerbslos. HW der Lohn- und D. Monotsverdien e gerade noch ausn Ausgaben für de können- Deruä ichb reichen Amerika i und Wädchenm öl' zeigt sich, daß öst Bevölkerung durc^ wie das unsere Gc Es werden unzweis aber auch die Lebe Ausfallend ist m Aachlosscn der Kon einer Dirtschaslskrl führen. Sie geben z Hohe Löhne. W haben. Gewiß ist d gestiegen, aber ein den Bevölkerung ha restlos wieder in tu dern ansehnliche E durch ist natürlich gangen, der Aü die llebersteiaeriinc den. die durch die Gehakter bedingt w aus dieser Situativ nächst ihre Sache, sie Unterstützungen eher ihre ausgesp' um den Absatz tu beim E^ort zuse discheÄärktc werden bei uns an junkturkurven beol hingewiesen wordei schastskrise die A ihre Produktk sie hier zu Schlei ihre Decke nicht Das muß für die < deutsche Mrtschast haben. Jetzt scheint der die Amerikane über schlüssig zu t lassen sollen, die nicht unterzubring amerikanische Dir werden wichtige durch einen Schlei bracht, dann ist i Amerikaner, weil ME aufnahi ^ttzd das werden mit uns bisher haben, nicht wolle. WM gesuchi. 02450 Polster- und Tapezier • Geschäft D. Linker, Ludwigstraße 33. Brauet junge kann bas Schneider- Handwerk fminbltcb erlernen bet 02434 Karl Ar st, S-cbn tdcrmeister, Lang-GönS. Säuglingsschwester zu 8 Mouaie allem Kinde für 14 Tage vom 5. Avril ab gesucht. 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An der Ecke sah er die ersten Teilchen bei der alten Blumenfrau, und er kaufte ihr einen Straub ab für feine Frau. Er war immer noch galant und wußte, daß auf eine Frau die Rose auf der Serviette mehr Eindruck macht als Perlenketten. Als er bezahlte, sagte die Alte: „Danke, junger Herr!" Wie reizend das klang... Sie hatte zwar kaum aufgesehen dabei und so schenkte er ihr noch einen Fünfziger, um das noch einmal zu hören, und es erklang noch einmal freudig: „Danke, junger Herr!" Wie gern der Senator das hörte. Wenn er sich nicht geniert hätte, er hätte ihr noch einen Fünziger geschenkt... aber da kam seine Bahn um die Ecke, es war schon spät geworden, und so schwang er sich rasch hinauf und stellte sich auf die Plattform. Drinnen waren alle Plätze beseht. Als er mit seinem Beilchenstrauh dastand in seinem hechtgrauen feinen Ueberzieher, dem Hellen Filzhut. den weißen Handschuhen, schlank, elegant. tadellos beschuht, sah er wie der Blick eines jungen Mädchens wohlwollend auf ihm ruhen blieb. Es war ein hübsches blondes Ding, die kecke himmelblaue Tellerkappe schief über dem Blondhaar, mit einer Mappe unterm Arm... Sie lächelte ihn an... Sie sah rosig und frisch aus und hatte ein Grübchen in der Wange. Für Grübchen schwärmte der Senator schon immer. Sie schien über etwas nachzudenken, während sie ihn ansah... Bielleicht... ja mein Gott, ec reckte sich etwas aus, vielleicht... so alt war man denn doch noch nicht, und dann... Frühling ... die erste Sonne wärmte ihm den Rücken, Teilchen blühten schon... Er überlegte. Sollte er ihr nicht die duftenden Teilchen schenken? Dieser Blick aus den Augen einer so scharmanten Dame war's schon wert... „Darf ich Ihnen, mein schönes Fräulein..." In diesem Augenblick erhob sich das schöne Fräulein und steuerte auf den Senator zu und wies mit anmutiger Gebärde errötend auf ihren leergewordenen Platz... Das Lächeln des Senators erstarrte, er wagte kaum, es auszudenken. Und dann — hatte er verstanden: das junge Mädchen hatte... dem alten Herrn... ihren Platz angeboten... Und auf einmal zog sich's wie ein grauer Torhang über den strahlend blauen Frühlingshimmel ... Der Herr Senator lüftete seinen Hut... er steuerte auf den leeren Platz zu, den ihm die Jugend eingeräumt... und setzte sich... „So," dachte er... »nun bin ich alt!" Das englische Königtum. Von W. v. Massow. Oie amerikanische Wirtschaftskrisis. Die Vereinigten Staaten waren bisher in der glücklichen Loge, eine Wirtschaft zu besitzen, die voll lief und ihre Produktion glatt abzusehen V vermochte. Seit einiger Zeit ist darin aber ein Wandel eingetreten. Ganze Industriezweige leiden unter einem außerordentlich schlechten Geschäftsgang, es wird sogar behauptet, daß rund zwanzig Prozent der industriellen Produktion a b gedrosselt werden mußte, weil es nicht mehr möglich ist, die Erzeugnisse unterzubringen. Infolgedessen verfügen auch die Tereinigten ©taa- ' ten heute über ein recht bedeutendes Arbeitslosenheer, dessen Kopfstärke allerdings nicht genau festzustellen ist, weil keinerlei statistische Unterlagen vorhanden sind. Die Behörden be- ' haupten aber, daß die Ziffer zwischen zwei und ! vier Millionen liegen soll. Im Verhältnis zu Deutschland scheinen die Amerikaner also noch viel schlechter dran zu sein. Unser Sechzig- Millionenvolk hatte ^bisher rund eine Million Arbeitslose durchzuschleppen, in den schlimmsten Zeiten erhöhte sich diese Zahl sogar einmal auf zwei Millionen: von den 117 Millionen Nordamerikanern sind aber wesentlich mehr Leute erwerbslos. Hinzu kommt, daß rund 15 Prozent der Lohn- und Gehaltsempfänger Wochen- und Monatsverdienste mit nach Hause bringen, die gerade noch ausreichen, um die notwendigsten Ausgaben für den Lebensunterhalt decken zu können. Berücksichtigt man übrigens, daß in dem reichen Amerika rund acht Millionen Frauen und Mädchen in die Fabriken gehen müssen, dann zeigt sich, daß die amerikanische erwerbstätige ■ Bevölkerung durchaus nicht so gut dasteht, wie das unsere Gewerkschaften immer behaupten. Es werden unzweifelhaft höhere Löhne bezahlt, aber auch die Lebenshaltungskosten sind enorm. Auffallend ist nun, daß die Amerikaner das Rachlajscn der Konjunktur und das Heraufziehen einer Wirtschaftskrise auf ihre Lohnpolitik zurück- sühren. Sie geben zu, daß sie sich mit ihrer These „Hohe Löhne, hoher Absatz" verspekuliert haben. Gewiß ist der innere Terbrauch gewaltig gestiegen, aber ein erheblicher Teil der arbeitenden Bevölkerung hat die Löhne und Gehälter nicht restlos wieder in den Konsum hineingesteckt, sondern ansehnliche Ersparungen gemacht. Dadurch ist natürlich der Verbrauch zurückgegangen. der Rückgang ist aber weiter durch die Llebersteiaerung der Preise verschärft worden. die durch die rasch ansteigenden Löhne und Gehälter bedingt wurde. Wie sich die Amerikaner aus dieser Situation wieder herausziehen, ist zunächst ihre Sache. Wir glauben aber nicht, daß sie Unterstützungen zahlen werden. Sie dürften eher ihre aufgespeicherten Kapitalien benutzen, um den Absatz künstlich zu heben, d. h. ruhig beim Export zusehen, um dadurch a u s l ä n - dischcMärktezu erobern. Seit Jahr und Tag werden bei uns ängstlich die amerikanischen Konjunkturkurven beobachtet: wiederholt ist darauf hingewiesen worden, daß eine amerikanische Wirtschaftskrise die Amerikaner veranlassen könnte, ihreProduktionnachEuropazu toerfen, sie hier zu Schleuderpreisen loszuschlagen, um ihre Werke nicht zum Stillstand zu bringen. Das muß für die europäische, namentlich für die deutsche Wirtschaft katastrophale Folgen haben. Jetzt scheint sich der Augenblick zu nähern, der die Amerikaner vor die Frage stellt, sich darüber schlüssig zu werden, wo sie ihre Produktion lassen sollen, die sie auf dem heimischen Markt nicht unterzubringen vermögen. Schlägt aber die amerikanische Wirtschaft die europäische tot oder werden wichtige europäische Industriezweige durch einen Schleuderexport zum Absterbcn gc» । brackt. dann ist das eine schlechte Politik der Amerikaner, weil dadurch auch der europäische Markt aufnahmeunfähig gemacht wird. Und das werden wohl die Amerikaner», die mit uns bisher recht gute Geschäfte gemacht haben, nicht wollen. _____________________ Eine Einrichtung, von der mel_ in der Welt gesprochen wird und die doch so häufig in ihrem Sinn und Welen mißverstanden wird, ist das englische Königtum. Man hat sich heute bei uns aus leicht verständlichen Gründen daran gewöhnt, Monarchie und Republik als vollkommen eindeutige Gegensätze anzusehen, und darüber vergessen, daß es vielerlei Arten von Republiken und auch von Monarchien gibt. Die Begriffe der so bezeichneten Staatsformen sind eben genau so mannigfaltig, wie die Art der Völker, die sich in diesen Formen ausspricht. Unwillkürlich urteilt auch jedes Volk nach seiner Art. und Fremdes bleibt ihm unverständlich. So hört man bei uns über das englische Königtum nicht viel Zutreffendes. Die Monarchisten meinen achselzuckend, daß der König von England in seinem Lande doch blutwenig zu sagen habe und solch ein Monarch, der nur eine Puppe des Parlaments sei, in Wahrheit gar nicht in Betracht komme. Der Republikaner, aber fragt sich kopfschüttelnd, warum der praktische. nüchterne Engländer sich mit einer so kostspieligen und überflüssigen Einrichtung, wie das Königtum, belaste, während doch alle Regierungsgewalt im Parlament ruhe. Aber solche Urteile sehen nur die äußere Form der Einrichtung, ohne sich darum zu bekümmern, welch eAufgaben damit erfüllt werden sollen. Was damit und mit anderen Einrichtungen im einzelnen in Wahrheit bezweckt wird, das ist abhängig von der Eigenheit des Volkes, wie sie sich im Lause der Geschichte herausgebildet hat. In den meisten Ländern gehen die Staatseinrichtungen davon aus. daß nach allgemeiner Ansicht der Staat dazu bestimmt ist. den einzelnen Staatsangehörigen eine gefestigte und geordnete Lebensführung nach ihren besonderen Bedürfnissen zu sichern. Ob diese Bedürfnisse berechtigt find oder nicht, und ob — falls sie berechtigt sind — ihre Befriedigung im Interesse des Zusammenlebens möglich oder geraten ist. auch das soll der Staat entscheiden, regeln und überwachen. Es steht also immer der Staat dem einzelnen Volksangehörigen als ordnende Macht gegenüber. Das kann man wohl als das Gemeinsame der meisten modernen Staatsformen bezeicb- nen. so verschieden auch die Wege gewesen sein mögen, auf denen sie dahin gelangt sind. Ganz anders steht es nun um England. Als Inselland hat es den Dildungsprozeß seiner Volksart in einer starken Abgeschlossenheit und Unabhängigkeit von fremden Einflüssen durchgemacht und hat in dieser Ungestörtheit von außen her frühzeitig gelernt, den Wert innerer Einheit und einer Interessengemeinschaft des Volksganzen zu erkennen, ohne darin eine Beeinträchtigung der persönlichen Rechte der einzelnen Staatsbürger zu sehen. So ist es dem englischen Volk gelungen, in einer ruhigen und stetigen Entwicklung seine Angehörigen an die Anschauung zu gewöhnen, daß ihre persönliche Freiheit nicht nur nicht geschädigt wird, sondern sogar den größten Ruhen hat, wenn sie freiwillig ihre Lebensziele als Glieder eines großen Volkskörpers verfolgen, in dem jedes Glied seine Bedeutung für das Ganze hat. Daraus entsteht eine Gemeinschaft, in der sich die Angehörigen der Ration je nach Geburt, Erziehung und Begabung dem Ganzen einordnen und die durch natürliches Zusammenwirken der Gleichgestellten und Gleichstrebenden, sowie durch Gliederung der verschiedenen Anlagen und Tätigkeiten eine besondere Festigkeit gewinnt. Diese Gemeinschaft ist allerdings nicht der Staat, wie wir ihn verstehen, sondern die „Gesellschaf t". Sie leistet nicht alles, was die Gesamtheit eines Volkes zu leisten hat. aber sie macht das Volk nicht zu einer Masse, sondern zu einem Organismus, der nur einer Ergänzung bedarf, um auch die eigentlichen und besonderen Aufgaben des Staates zu lösen. Wie schon erwähnt, ist diese eigenartige Herausbildung der englischen Gesellschaft als einer nicht von oben oder von außen gebotenen, auch nicht auf dem Boden der Theorie künstlich erdachten Organisation des Tolks nur möglich geworden durch die außerordentlich stetige, allmählich vor sich gehende innere Entwicklung. Zwar hat es auch hier nicht ganz an Erschütterungen und Stürmen gefehlt, aber es ist bezeichnend, daß sie immer erst eintraten, wenn aus besonderen Ursachen die Entwicklung auf Abwege geraten und das innere Gleichgewicht der Gesellschaft in Gefahr war. Dann kam es zu Krisen, die aber nicht — sogar in der Revolution nicht — umstürzend wirkten und wirklich Reues und Fremdes brachten, sondern vielmehr die entgleiste Entwicklung auf den Weg der überlieferten Grundsätze zurückführten. Was der englischen Gesellschaft noch fehlte, um die Ration als Ganzes zu fördern, und ihr neue Wege zu weisen, das waren Einrichtungen, um diesem Ganzen einen Willen einzuhauchen, d. h. die Einrichtungen des Staates im engeren Sinne. Jedoch mit der längst gewonnenen Gewöhnung an ein bestimmtes Maß persönlicher Selbstbestimmung war es nicht vereinbar, die Aeußerung dieses Staatswillens in die Hand des Königs allein zu legen. Ja man entwand ihm dieses Recht ganz, als das Königtum unter den Stuarts versucht hatte, es zu mißbrauchen. Daraus hat sich bekanntlich das parlamentarische S y st e m in seiner neuen Form entwickelt, worauf aber hier nicht weiter eingegangen werden soll. Aus der Einschränkung der Königsgewalt in bezug auf staatliche Rechte folgt aber nicht, daß der König nun nichts mehr bedeutet. Man muß sich nur vergegenwärtigen, daß es eben lediglich die staatlichen Funktionen find, aus denen er, wenn auch formell nicht ganz, so doch in der Tat ausgefchaltet ist. Dagegen behauptet er seine Bedeutung a l s Haupt der Gesellschaft, und der Leser wird aus dem hier Dargelegten entnehmen können, daß das in England sehr viel sagen will. Roch heute sind alle öffentlichen Einrichtungen daraus zugeschnitten, daß eine organisierte Gesellschaft besteht, die darin überall vertreten ist. Trotz aller Versicherungen, daß England eine Demokratie und sogar die älteste Demokratie fei, bleibt die Tatsache bestehen, daß die in gewissen Formen und persönlichen Rechten scheinbar zum Ausdruck gebrachte Rechtsgleichheit eine sehr betonte und allgemein anerkannte Gliederung der Gesellschaft nicht ausschlieht. Allerdings hat diese Gliederung nichts von kasten- artiger Abschließung der verschiedenen Gruppen und Stufen an sich. Vererbt sich doch auch der Rang des Hochadels nur mit dem Titel, der wirklichen Grundbesitz anzeigt und Anspruch auf Sitz im Oberhause gewährt. Dies und die vollständige Freiheit der Eheschließung auch für das Königshaus unterscheidet die englische Gesell- fchaftsgliederung scharf von dem Ständewesen, wie es sich früher auf dem Festland entwickelt hatte und den Keim zur Erstarrung und Entartung in sich trug, sichert ihr aber gerade dadurch eine Natürlichkeit und Lebenskraft, die mit einer gewissen Selbstverständlichkeit auch das Ansehen der höchsten Stufe dieser Gesellschaft erhöht. Diese höchste Stufe ist nur in einer einzigen Person vertreten, und das ist d e r K ö n i g. In einer anders konstruierten oder überhaupt fehlenden gesellschaftlichen Ordnung würde dem König seine politische Machtlosigkeit zum Schaden gereichen. Hier aber ist das Ansehen dieser höchsten gesellschaftlichen Spitze als äußere Personifikation der Ehre und Würde der Nation so stark gesichert, daß er wie von einem Schuhwall von Ehrfurcht umgeben ist und dadurch einen außerordentlichen Pers önlichen Einfluß ausüben kann trotz aller parlamentarischen Hemmungen. Freilich nur, wenn er der Mann danach i st, sich geltend zu machen, ohne die hergebrachten Schranken seiner Befugnisse formell zu überschreiten, und wenn er wirkliche Macht höher schätzt als den Schein. Schwerer als alle Versassungsschranken fallen menschliche Eitelkeit und Ehrgeiz ins Gewicht, die jedem Untertan, dem sich her König nähert, zum Bewußtsein bringen, daß er vor dem ersten Mann Englands steht. Für einen klugen Mann auf hem Thron, her sein Land und Volk gut kennt, überhaupt Menschenkenntnis besitzt, bedeutet das ungeheuer viel. Man erinnere sich, welche persönliche Bedeutung und welchen Einfluß z. B. König Eduard VH. besaß, obwohl er sich nie ein Recht anmaßte, das ihm bestritten werden konnte. Vielleicht liegt darin gerade die größte Stärke des englischen Königtums, daß es ganz von den persönlichen Fähigkeiten des Monarchen abhängt, wie weit er eine aktive Rolle spielt. Ein unfähiger und sogar ein moralisch minderwertiger König kann keinen Schaden anrichten, ein tüchtiger und kluger aber sehr viel tun. Aus hem allen ist aber auch zu ersehen, daß dies nicht ohne weiteres in andern Ländern nachgeahmt werden kann, wenn das Volk im Lauf seiner Geschichte andere Wege gegangen ist unb der Staat nicht mit einem organisch gewachsenen Vollskörper rechnen, sondern seine Ausgaben nur durch hie Gesetze und Verordnungen lösen kann, die das ganze Zusammenleben der einmeinen Staatsbürger regeln. Auch wir Deutschen haben keine Gesellschaft im englischen Sinne, sondern nur Berufs- und Interessengemeinschaften bei formaler politischer Gleichheit aller Staatsbürger und starken inneren Spaltungen, bei denen oft die Theorie eine größere Rolle spielt als das praktische Bedürfnis. Da würde ein Nachäffen englischer Einrichtungen sich von selbst verbieken. Aber auch in England selbst scheint die neue Zeit an alten Einrichtungen zu rütteln, unb es ist die Frage, ob nicht auch hort neue Entwicklungen bevorstehen. Oie Reichöiagskandidaten der Volkspartei in Hessen. Darmstadt, 28. März. Der geschäftsführende Ausschuß der Deutschen Tolkspartei in Hessen hat auf Grund der Beschlüsse des Landesaus- schusses heute die Kandidatenliste für die Reichstagswahlen bestimmt. Der einstimmig angenommene Wahlvorschlag lautet: 1. Dr. Becker. Reichsminister a. D., Darmstadt und Ludwigshöhe: 2. ® in gelbe i), Eduard. Rechtsanwalt. M. d. L.. Darmstadt: 3. Wolf. Philipp, Landwirt, Albig (Kr. Alzey): 4. B i r n b a u m, Maria, Lehrerin i. R., M. d. L., Gießen: 5. Nickel, Karl. Kaufmann, Bad-Nauheim: 6. Strohauer, Peter, Postinspektor und Stadtverordneter. Mainz: Noh l, Jakob, Installationsmeister, Vorsitzender der Handwerkskammer und Vorsitzender der hessischen Verbände des Handwerks unb Gewerbes, Darmstadt: 8. Freiherr Ludwig Hehl zu Herrnsheim, Fabrikant, Worms; 9. I o st, Georg, Lehrer und Stadtverordneter, Offenbach: 10. Fritsch. Karl. Oekonomierat, Dilshofen (Kr. Darmstadt); 11. Stein, Albrecht, Abteilungsleiter, Hirzenhain i. H.: 12. Scholz, Christian, Kaufmann, M. d. L., Präsident der Mainzer Handelskammer, Mainz. Neue Vorlagen im Hessischen Landtag. Darmstadt. 28. März. Dem Landtag sind wiederum eine Reihe von Drucksachen zugegangen. Mehrere kommunistische Anträge beschäftigen sich mit dem Schulwesen. 11. a. wird beantragt: die Mschaffung des Schulgebets unb hie Prügelstrafe. Wahl von Schülerräten, Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht: ferner Auszahlung einer Osterbeihilfe an Erwerbslose. Sozialrentner und sonstige Bedürftige von 25 bzw. 50 Mk., Erleichterung des Kirchenaustritts u. a. in. — Ein Zentrumsantrag ersucht Bretzner und Mozart. Von Max Iungnickel Gestern kam ich. gegen Abend, übermüdet, in eine Kleinstadt. Ich ging zum Organisten und bat um ein Nachtlager. Der Mann, ein herzensguter Kerl mit einer langen Tabakpfeife im zahnlosen Munde, wies mir in feiner Bodenkammer ein Bett an, ein breites, schwerfälliges Bett mit einem Himmel darüber. Ein Bett für einen pensionierten Schmerbauch. Während ich meine Decken aus dem Rucksack packte und zurechtlegte, stand er unschlüssig dabei, der Organist, und schien einen Gedanken zu haben, den er mir gern mitteilen wollte. Ich merkte seine Scheu, nur den Gedanken aNzuvertrauen. Jetzt zog ich meine Zacke herunter, und wie er das sah, faßte er Mut und sagte: ..Wissen Sie. wem das Bett gehört? Ich sah ihn verständnisvoll an. Er hatte ein sonderbares Licht in den Augen. Ich hätte mich gar nicht gewundert, wenn er gesagt hätte: „Das ist das Bett des Scharfrichters Bertram, der sechzehn Köpfe herunterrasierte." Aber er belehrte mich: „Das Bett gehört einem Verwandten von mir: Christoph Friedrich Bretzner, Verfasser des „Räuschchen". Ich kannte den Mann nicht. Und nun erzählte er: ..Weitz Gott, ich kann in diesem Bett nicht schlafen. Mir ists immer, als ob mich jemand herausschmisse. Das Bett ist das schönste Gespensterbett." Der Mond glimmerte durch das Bodenfenster. Ich war hundemüde und haute mich hin. Der Organist setzte sich frierend auf die Bettkante, unb nun suchte er langsam in feinen Gedanken herum: „Christoph Friedrich Bretzner, mein berühmter Verwandter, lieh im Jahre 1782 eine Erklärung drucken, die etwa so lautete: „Ein gewisser Mensch, namens Mozart aus Wien hat sich erdreistet, mein Drama „Belmonte und Kon- stanze" zu einem Operntext zu mißbrauchen. Ich protestiere hiermit feierlich gegen diesen Eingriff in meine Rechte und behalte mir toet- teres vor." Der Wind pfiff und klapperte und säuselte. Mir fielen vor Müdigkeit die Augen zu. Was ging mich Mozart jetzt an und Bretzner? Warme Deine waren mir viel wertvoller. Der Organist ging. Ich sah das MondllA noch auf seinem Rücken und schlief em. Plötzlich erwachte über mir eine Melodie: eine Melodie, wie aus den Träumen der Nachtigall herausgezogen, eine berauschende, splitternde Melodie, goldfadenhaft. Und die Klänge der Melodie wickelten sich um das protzige Bett und umsponnen cs spinnwebscin. Und mit einem Male hob sich das Bett. Oben, an der Dachluke, saß in gepuderter Perücke ein zarter, samtener Mensch unb blies auf einer Flöte. Er sah wie Mozart aus unb die Quellen der Melodie saßen in der Flöte. Ich wurde überschüttet von kristallenen Noten, von goldenen, silbernen, blumigen und seidenen Noten. Ich wurde verschneit von den Noten, ganz verschneit. Der Betthimmel stürzte, von der Schwere der Noten schwach geworden, auf meinen Schädel. Erschrocken wachte ich n-f. Die Morgenhelle kam unwirklich. — O Bretzner, was hast du für ein Bett gehabt! 4 Neues von Jedermann. Von Hans Niebau. Federmann bat etwas getrunken. Erst dies, dann jenes. Jedenfalls war es eine gefährliche Reihenfolge gewesen. Aus dem Heimweg stieß er gegen einen Baum. „Entschuldigung", sagte er. zog den Hut und ging weiter. Stieß gegen einen zweiten Baum. — „Entschuldigung", sagte er, ich bin — ich habe — — unb rumps, prallte er gegen einen dritten Daum. Besah sich den Schaden, fühlte die Rinde. Ging weiter. „Verdammtes Biest", sagte er nach dem vierten Zusammenstoß, „als ob ich nicht wüßte, daß du ein Baum bist." Rahm seinen Stock und schlug darauf los. Aber diesmal war es ein Schuhmann. Als Federmann das Importgeschäft von seinem Onkel geerbt hatte, betrat er morgens 8 Uhr — zum ersten Male Chef — bas Kontor „Was haben wir heute?" fragte er den Buchhalter. „Montag." „Montag?" sagte Federmann, „morgen ist Dienstag, übermorgen Mittwoch, die halbe Woche ist herum und noch nichts getan?“ Federmann hatte seinen Freund Mücke eingc- laden. Aber der kam nicht. Da trank er die sechs Flaschen allein aus. Dann ging er. Mücke zu suchen. Auf der Straße traf er Srau Schmöldecke, die mit ihren Zwillingen spazieren ging. „Guten Abend", sagte Federmann, gab sich einen Ruck unb stand stramm. Unb mit einer Hanbbewegung nach den Zwillingen: „Allerliebstes Kind, das!" * Herr Schmöldecke kommt zu Federmann. „Ich brauche 50 Mark", sagte er. „Für eine Familie mit sechs Kindern: bas siebte wirb erwartet: die Mutter ist krank: der Vater arbeitslos; der Hauswirt seht sie morgen auf die Straße, wenn sie die Miete nicht bezahlen: und wir haben 11 Grab Kälte — Federmann zieht die Brieftasche. „Danke sehr", sagt Schmöldecke. „Woher kennen Sie die Leute?" fragt Federmann unb drückt ihm die Hand. „Ich bin doch der Hauswirt", sagt Schmöldecke. Federmann war nicht gerade sehr musikalisch. Aber als die Kapelle den Radetzkymarsch spielte, war er denn doch begeistert. Febermann schickte den Kellner mit Bier: „Bitte noch einmal!“ Unb die Kapelle wieberholte den Marsch. „Warum machst du dir denn einen Knoten ins Taschentuch?" fragte Mücke. „Damit ich die Melodie nicht vergesse". Sagte Febermann. Oer Veilchenstrauß. Von Liesbet Dill. Der Herr Senator schritt nach beendeter Sitzung die Lange Straße entlang. Die Damen drehten sich nach ihm um. Sie hatten das schon früher getan, als er noch jung unb schön war. aber auch jetzt sah er von weitem noch gut aus, glattrasiert, smart unb straff. Er ging noch täglich ins Schwimmbab und ritt nachmittags zuweilen aus, auf einem zahmen Gaul im Tattersall, unb ba war er doch recht froh, daß ihn dort niemand sah, wenigstens niemand, der ihn kannte. Das jugendliche Aeutzere hatte ihm seit seinem vierzigsten Lebensjahre schon immer Komplimente eingetragen. Vierzig Jahre? Rein, wahrhaftig. Herr Senator, die sieht Ihnen keiner an. Und darauf war er sehr stolz. Auch als er fünfzig geworden war, wurde es if)m gesagt. "Nachher feierte er keine Geburtstage mehr, aber es freute ihn doch, wenn ihm fein Schneider versicherte- „Diese Schulterlinie kann Herrn Senator kein Vierziger nachmachen, und dann 15000 Villsteller schreiben an Hindenburg. Phantasten. Querulanten und Narren. - Lustiges aus Minister-Papierkörben. Von Legatuee. die Regierung, zwei weitere Hufbeschlag» Lehrschmieden zu errichten. Ein volksparteilicher Antrag, der bereits bekannt war, betrifft die Wiedereinführung des Ehrenzeichens für Lebensrettung im Bolks- staat Hessen. Ein ebenfalls schon bekannter sozialdemokratischer Antrag ersucht die Regierung, im hohen Vogelsberg Beispielswirtschaften zu pachten und auf Viehwirtschaft umzustellen. — Weiter ging dem Landtag der bekannte Landbundantrag betreffend Ermäßigung der Steuern zu, und schließlich noch eine Regierungsvorlage betreffend Errichtung eines Anbaues am Pathologischen Institut der Landesuniversi- k ä t Gießen, sowie bauliche Veränderungen an diesem Institut, wofür insgesamt 85 000 Mk. für das Bauvorhaben und 23 000 Mk. für Inneneinrichtung erforderlich find. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Garbenteich, 28. März. Unser Dahn- hossbeamter Adam Gast kann am I. April auf sein 25jähriges Dienstjubiläum auf der hiesigen Station und auf eine 32 j ä h r i g e Tätigkeit bei der Reichs-Eisenbahn zurückblicken. Der Iubilar erfreut sich infolge seines zuvorkommenden Wesens des allgemeinen Vertrauens unserer Gemeinde, die ihm wünscht, daß er noch lange Iahre seine Dienststelle bekleiden möge. : Alten-Duseck, 28. März. Vor bald zehn Iahren ist unsere Volksschule einklassig geworden, und seit dieser Zeit kann sich der Unterricht nicht in der geordneten Weise vollziehen; denn die vier Klassen müssen in drei Sälen unterrichtet werden. Ein Schulhausneubau ist schon seit Iahren geplant und beschlossen worden, mußte aber umständehalber immer wieder hinausgeschoben werden. In diesem Iahr soll nun der Bau in Angriff genommen werden. Die Plahsrage ist insoweit gelöst, als das Gebäude in der Nähe des Pfarrhofes zu stehen kommt. Die Gemeinde steht mit dem Freiherrn v. R a b e n a u, dem das Gelände gehört, gegenwärtig in Verhandlungen, um den Bauplatz zu erwerben. Eine weitere Schwierigkeit ist die Geldbefchaffungsfrage, und erst wenn beide Fragen gelöst sind, kann mit den Arbeiten begonnen werben. § Grünberg, 28. März. Die jüngste Gemeinderatssitzung brachte u. a. folgendes: In Anwesenheit des Präsidenten Silier vom Landesfinanzamt Darmstadt wurde der Bau von zwei Beamtenmiethäusern beraten. Präsident Tiller referierte über den augenblicklichen Stand dieser Angelegenheit. Die Reichsbauabteilung am Landesfinanzamt in Darmstadt vertritt die Ansicht, das; die Bauten nach einheitlichem Plane und nach einheitlicher genauer Baubeschreibung vergeben und ausgeführt werden sollten. Der Gemeinderat beschloß demzufolge, daß die Baugruppenleitung des Landesfinanzamtes in Darmstadt gebeten wird, eine genaue Daubeschreibung und Bauberechnung über die Bauten anzufertigen und baldigst der Bürgermeisterei Grünberg zu über- senden. — Der Freiwilligen Feuerwehr wurde die Anschaffung von 100 Meter neuer Schläuche genehmigt. — Der Aufwertungsbetrag zum Bahnbau der Bahnlinie Grünberg—Londorf—Lollar in Hohe von 350 Mark wurde, nachdem die Bürgermeisterei mit der Vertretung der Dezirkssparkasse diese Vereinbarung getroffen hat, genehmigt. Fernerhin wurde beschlossen, daß die Aufwertung der R e st s ch u l d , die die Gemeinde Grünberg nach dem Stichtag (14. Iuni 1922) an die Hessische Landeshypothekenbank in Darmstadt im Betrage von 26 209,39 Mk. zurückgezahlt hatte, nunmehr mit 5000 Mk. aufgewertet und in zwölf gleichen Monatsraten zurückbezahlt wird. Dieser Vergleich kam durch eine gemeinschaftliche Sitzung ’ zwischen Kreisamt, Bürgermeisterei und dem Vertreter der Landeshypothekenbank Dr. Bausch am 13. Ianuar zustande. — Die Wasserleitung soll in der Schul st raße bis an die Reubauten weitergelegt werden. Es sollen hier dieselben Bestimmungen gelten wie früher. ± Grünberg, 28. März. In der hiesigen Turnhalle fand eine Schulfeier der Oberrealschule statt, zu der Eltern und Angehörige der Schüler, sowie eine große Zahl von Freunden und Gönnern der Anstalt erschienen waren. Oberstudiendirektor Angelberger gab in einer Ansprache einen ileberbltd über das abgelaufene Schuljahr. Die Schülerzahl ist im Laufe des Schuljahres auf über 300 gestiegen. Anna Pfeffer zu Grünberg hatte das Glück, das dritte Hundert aufzufüllen. Sie erhielt ein Erinnerungsgeschenk in Form eines Buches. Einem an anderen Lehranstalten schon üblichen Brauch, die besten Schüler mit Prämien auszuzeichnen, wurde diesmal zum ersten Male nachgekommen. Es erhielten Prämien: Oberprima: Ernst Ziegler (Kesselbach); Anter- prima: Wilhelmine Angelberger (Grün- berg); Antersekunda: TillaRömer (Grünberg); Obertertia: Elisabeth Repp (Grünberg) und Georg Reih (Lehnheim); Untertertia: Wilhelm Eimer (Treis a. d. Lda.) und Heinrich Gerhardt (Grünberg); Quinta: Irmgard Peters (Flensungen); Sexta: Marie Repp (Grünberg) und Heinrich Hilbert (Winnen). Gedichte, Gesänge, Darbietungen des Schülerorchesters, eine Aufführung des zweiten Aktes aus „Minna von Barnhelm" und ein Theaterstückchen „Wer kommt?" unter der Spielleitung von Fräulein Studienassessor Kühner umrahmten bie schön verlaufene Schulfeier. K eis Friedberg. sf. Friedberg. 28. März. Im Gebäude der BankfürHandel, Gewerbeund Landwirtschaft sand jetzt deren diesjährige Hauptversammlung statt. Sie wurde von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Rotar Iöckel, geleitet. Bankdirektor A. Weber erstattete den Geschäftsbericht, aus dem eine erfreuliche Entwicklung deS Unternehmens zu er- sehen war. Einige Zahlen daraus feien hier genannt. In Klammern stehen die entsprechenden Zahlen vom 1. Ianuar 1924. Die Mitglleder-Gut- haben betragen 150 708 (15 020) Mk. 1308 Mitglieder haben Stammanteile erworben. Die Ge- samtreserven ohne die Aufwertungsreserven betragen 44 982 (27141) Mk. Die Spareinlagen haben die stattlicke Höhe von 345 716 (2629) Mk. erreicht; eine sehr erfreuliche Erscheinung Das Konwkorrent-Kreditgeschäst ergab einen Abschluß von 624 345 (4570) Mk. Verluste In diesem Geschäftszweig sind nicht entstanden, vorsorglich wurde jedoch hierfür eine Sonderreserve von Von den vielen tausend Briefen, die täglich in den Ministerien der Wilhelmstratze in Berlin abgegeben werden, laufen nicht alle durch die Instanzen des Verwaltungsweges und enden schließlich in der Registratur; sind sie an die leitenden Persönlichkeiten selbst gerichtet, so findet sie der Minister auf feinem Frühstückstisch — und übergibt sie seinem Sekretär. In diese Kategorie gehören zunächst die anonymen Briese, deren Zahl heute sreilich sehr abgenommen hat, wenn man sie mit Briefstößen vergleicht, die in den leidenschaftlicheren Zeiten vor einigen Iahren alle Regierungstische zu überfluten drohten. Die Drohbriefe, die früher für besonders um» kämpfte Persönlichkeiten eine alltägliche Erscheinung waren, sind heute sehr selten geworden; wohl die meisten anonymen Zuschriften, die einen drohenden Ton anschlagen, laufen heute im Reichsfinanzmini st eriu m ein. Man droht dem Minister zwar nicht persönlich — schließlich weih heute fast jeder, daß er nicht an allem die Schuld tragen kann — aber man kündigt ihm zuweilen in wenig liebenswürdiger Weise an, daß man „seine" Finanzbeamten nach Berlin zurückschicken werde. Meist machen einzelne Steuerpflichtige ihrem gequälten Herzen in solchen Briefen Luft, nachdem sie sich lange und erfolglos mit der lokalen Behörde auseinandergefetzt haben; aber es ist gelegentlich auch vorgekommen, daß eine ganze Versammlung in ihrer Entrüstung einen solchen Entschluß gefaßt und ihn der Wil- helmstraße brieflich mitgetcilt hat — ohne daß der Finanzminister oder seine Beamten eine nutzbringende Verwendung für die Resolution oder den „geharnischten" Protest gehabt hätten, und in den allermeisten Fällen ist der energischen Entschließung auch keine entsprechende Tat gefolgt. Manchmal kann ein anonymer Dries dem Empfänger auch Vergnügen bereiten. Dr. Strefe- mann erzählt gern von einem solchen „Schriftstück", das er eines Morgens unter seiner Post fand; auf dem Dlatt sah man die Zeichnung eines Schiffes, an dessen Heck der Rame des Reichsaußenministers prangte. Als Taufspruch des Schiffes stand darunter ungefähr: „Du wirst nach rechts und nach links steuern, die Wogen werden dich hierhin und dorthin werfen — darum taufe ich dich auf den Rainen ©frefemann“. Der Minister hat Humor genug, um keinen Stachel in einer Kritik zu finden, die in so witziger Form geübt wird. Er sieht auch mit Gelassenheit und selbst mit einem Lächeln die Karikaturen, die von den Zeitungen über ihn gebracht werden, und von denen die Reichspressestelle nicht nur über Stresemann, sondern über jeden Minister eine ziemlich vollständige, meist recht reichhaltige Sammlung besitzt. Reben der Aufmerksamkeit der Pressestelle sorgt aber das Wohlwollen der „guten Freunde" in und außerhalb der Wilhelm- straße dasür, daß der vom Stift des Karikaturisten Verhöhnte in kürzester Frist das kritische Porträt seiner Person zu Gesicht bekommt: stets gibt es Leute, die sich beeilen, dem Dargestellten die Karikatur anonym — mit oder ohne eigenen Kommentar — zuzuschicken. Die persönlichste Färbung weist die Korrespondenz auf, die der Reichspräsident empfängt. Zu Friedrich Eberts Zeiten liefen täglich ungefähr hundert "Briefe im Präsidentenpalais ein; heute sind es mit ziemlicher Regelmäßigkeit 400 bis 500 am Sage. Der Rekord wurde an Hin denburgs achtzigstem Geburtstag mit 25000 brieflichen und 5000 telegraphischen Glückwünschen erreicht. Etwa der zehnte Teil der Zuschriften, die der Reichspräsident gewöhnlich erhält, sind Gnadengesuche; doch sind die meisten an die falsche Adresse gerichtet, da der Reichspräsident nur in gewissen Fällen — wenn es sich nämlich um Urteile des Reichsgerichts handelt — das Begnadigungsrecht besitzt. Das Bureau des Präsidenten trägt dieser alltäglichen Verwechselung dadurch Rechnung, daß es die Gesuche den zuständigen Landesregierungen — meist ist es das preußische Staatsministerium — übermittelt. Anter den Briefschreibern befinden sich jeden Tag viele Kinder; die meisten möchten 4000 Mk. gebildet. Der Scheckverkehr brachte eine Einlage von 250 263 (—.—) Mk. Im Wechselkonto, das sich hauptsächlich aus kleineren Summen zusammensetzt, kommt ein Bestand von 166 210 Mk. zum Ausdruck. Im ganzen wurden im Berichtsjahre 4 595 688 Mk. zu Diskont gegeben. Der Wertpapierbestand der Bank, der noch nicht ganz aufgewertet ist, beträgt 12 970Mk. Das Effektengeschäft war den Verhältnissen entsprechend nur sehr gering. Der Bankverkehr mit der Bankausgleichstelle der Dresdner Bank in Frankfurt war sehr lebhaft, ebenso zeigte die Beschäftigung auf Reichsbankgirokonto und Postscheckkonto eine erfreuliche Zunahme. Das Bankgebäude steht mit 56 000 Mk. Buch. Der Amsatz der letzten drei Iahre hat die Summe von 19 611 367 Mk. erreicht (auf einer Seite des Hauptbuches gerechnet). Die Dilanzziffer betrug 889010 (51 436) Mk. Der Reingewinn ist jährlich gestiegen; er beträgt dieses Iahr 26 363 Mark und erlaubt die Ausschüttung einer zehn- prozentigen Dividende. Die Garanlie- mittel der Bank betragen im ganzen 886 000 Mk. In der Aussprache machte Oekonomierat Spieß einige Vorschläge, die der Vorstand möglichst berücksichtigen will. Rach dem Prüfungsbericht des Aufsichtsrates durch Rotar Iöckel wurde die Bilanz genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt, ebenso wurde der Reingewinn nach seinem Vorschläge verteilt. Die Geschäftsanteile der Mitglieder wurden von 120 auf 300 Mk. erhöht und müssen innerhalb der nächsten sechs Iahre erworben werden. Als letzter Punkt der Tagesordnung wurde die Ergänzungswahl der ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates vorgenommen; sie ergab die einstimmige Wiederwahl von Rotar O. Iöckel, Dr. W. F e r t s ch und W. Schwarz. ---Friedberg, 28. März. Die Hauptversammlung des Kreisziegenzuchtver- einS Friedberg sand unter Leitung von Oekonomierat Spieß statt, der feit 20 Jahren Vorsitzender des Vereins ist. Es nahmen etwa 200 Züchter an der Tagung teil; als Vertreter des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen hatte sich Oekonomierat Breidenbach (Dorheim) eingefunden. Der Jahres- und Rechnungsbericht zeigte ein sehr günstiges Bild, der Verein zählt 35 Ortsgruppen mit rund Hindenburg einmal sehen — und dabei ist das Kind ost der geschickte Vorwand für den gleichen Wunsch der Eltern. Die Knaben möchten alle so werden wie Hindenburg, und der eine ober andere fragt ihn kurz und bündig, wie man Generalfeldmarschall werde. Die Briese, die die Kinder unbeeinflußt schreiben, sind immer natürlicher und erfreulicher als die, welche ganze Schulklassen auf Anregung ihrer Lehrer schicken. Da schreiben zwei Mädchen vom Land heimlich beim Gänsehüten mit Bleistift einen Brief, in dem sie Hindenburg in buntem Wechsel Reichspräsident, Landesvater und Maje- st ä t nennen und ihn vertrauensvoll bitten, ihnen zur Erlernung eines vernünftigen Berufes zu verhelfen. Andere Briefschreiber wollen sogar eine Stellung im Palais der Wilhelmstratze 73 bekommen; der Reichspräsident erhält täglich 10 bis 20 solcher Angebote von Köchen, Köchinnen, Ehaufseuren, Gärtnern, Dienstmädchen, Stenotypistinnen. Als die neue Kleiderordnung im Äeichspräsidentenpalais einaeführt wurde, nach der die Diener einen gelben Frack erhielten, steigerte sich die Zahl der Bewerbungen sofort beträchtlich. Einige der 15000 Bittsteller, die jährlich um materielle Hilfe nachsuchen, kann der Reichspräsident nach sehr sorgfältiger Prüfung in beschränktem Ausmaß aus einem für diesen Zweck errichteten Fonds Unterstützern Ein starkes Kontingent unter den täglichen Briefschreibern stellen die Phantasten und Querulanten. Cs sind meist Leute, die jeden Matzstab für die Wichtigkeit ihrer Angelegenheiten verloren haben und nicht beurteilen können, was für Aufgaben der Reichspräsident zu erfüllen hat; sie wollen ihn zum Einschreiten in nebensächlichen Fragen bewegen, deren Erledigung niemals in seinem Bereich liegen kann und breiten ihre persönlichsten Angelegenheiten vor ihm aus. Jeden Tag laufen eine große Anzahl von Briefen mit Beschwerden über Gemeindevorsteher, Finanzbeamte, Vorgesetzte und private Arbeitgeber ein, und der Reichspräsident wird gebeten, nach den entlegensten Provinzen und Ortschaften zu kommen, um „n a ch dem Rechten zu sehen" und der Gerechtigkeit und der Ordnung zum Siege zu verhelfen. Andere „kluge Leute" warnen vor einem Staatsmann oder einem hohen Beamten, den sie nur vom Hörensagen kennen, besten Einfluß sie aber für verderblich halten oder vor irgendwelchen dunkeln und geheimen Mächten. Bei Regierungskrisen, Regierungsbildungen und Ministerernennungen schwillt die Zahl dieser Zuschriften besonders an: da gibt es Leute, die die unbekanntesten oder ungeeignetsten Personen als Minister Vorschlägen und ganz unerwartete Ministerlisten aufstellen, da werden verblüffende Programme für die „Rettung Deutschlands" ausgestellt., Gewisse Briefschreiber berufen sich dabei auf Visionen, die sie gehabt haben wollen; überhaupt ist eine religiöse Einkleidung phantastischer Vorschläge beliebt. Auch gibt es Frauen, die die intimsten Familienverhältnisse darlegen und sich z. B. über die Schwiegertochter beflogen. Die lange Reihe von rückhaltlosen „Beichten" von Frauen erinnert fast an die Frauenbekenntnisse, die der Romanschriftsteller Balzac erhalten hat. Ein bayerischer Bauer hat einmal den Reichspräsidenten zu einer- „"Briefalbe- sprechung geistlicher und leiblischer A n I i e g e“ an den Chiemsee eingeladen und ihm empfohlen, „die Rückkehr in die Heimat auf etwas unbestimmte Zeit abzumelden"; vier bis fünf Betten, so schrieb er, habe er zur Verfügung. Zahllos sind die Gesuche um Hebern ahme von Patenschaf ten bei Kindern armer Familien und um die Ausübung des Protektorates bei irgendeinem gemeinnützigen Werk; schließlich trifft hier und da auch der Brief eines Arbeiters oder Dienstboten ein, der mitteilt, daß er 40 oder 50 Jahre bei demselben Arbeitgeber in Stellung ist und dadurch das Recht auf ein Anerkennungsschreiben des Reichspräsidenten erworben hat. Einen solchen "Brief beantwortet der Reichspräsident selbst. 850 Mitgliedern. Im abgelaufenen Vereinsjahr wurden die Ortsgruppen Bad-Rauheim und Rieder-Rosbach neu gegründet und für 18 000 Maick Ziegen und Lämmer durch den Kreisverein verkauft. Am 22. Iuni feiert der Verein sein 25jähriges Jubiläum. ' Friedberg, 28. März. In der hiesigen Blindenanstalt erfreute der oberhessische Mundartdichter Georg Heß aus Leihgestern am Freitagabend die Anstaltsbewohner durch einen wohlgelungenen oberhessischen Heimatabend. Herr Heß las den aufmerksam lauschenden, erblindeten Zuhörern aus seinen oberhessischen Heimatdichtungen vor und bereitete ihnen mit den vielseitigen Gaben des Abends einen dankbar begrüßten Genuß. Der reiche Beifall, den die Vorträge des Herrn Heß fanden, brachte den Dank und die Freude der Blinden in herzlicher Weise zum Ausdruck. Der Abend hat wiederum gezeigt, daß man den Blinden mit derartigen Veranstaltungen einen schönen Dienst erweist, denn man weckt und stärkt in ihnen dadurch immer wieder das Bewußtsein, daß sie als gleichwertige Menschen geachtet und geschäht werden. 2$. Bad-Rauheim, 28. März. Im hiesigen Geflügel-, Vogel- und Kaninchen- zuchtverein hielt Dr. Lang vom Sier« zuchtinstitut der Gießener Universität einen sehr lehrreichen Vortrag über „Zeitfragen in der Geflügelzucht". Der Redner kam zunächst auf die Krise zu sprechen, die die deutsche Geflügelzucht noch zu überwinden habe, um bann die Forderung zu erheben, daß nicht Liebhaber-, sondern Leistungszucht das Gebot der Stunde sei. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. — Die hiesige Freiwillige Feuerwehr, die zur Zeit 149 aktive und 414 unterstützende Mitglieder zählt, konnte im letzten Iahr dank der ihr von der Stadt und von privater Seite gewordenen Unterstützung ihre Ausrüstung weiter vervollkommnen, zahlreiche Geräte wurden angeschafft oder ergänzt. Die Rechnung der Wehr schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4384 Mark ab. * Butzbach, 28. März. Am Montag fand an der Landwirtschaftlichen Schule Butzbach dleSchluhprüfung des diesjährigen Lehrganges statt. Den Vorsitz batte Oberlandwkrt» fchaftsral Bauer vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft in Darmstadt. Ferner zeigten Kreis- direktor Gebhardt, Bürgermeister Dr. Jansen, Altbürgermeister Köhler und Fabrikant Heil durch ihr Erscheinen ihr Interesse an der Weiterentwicklung der hiesigen Anstalt. Zuerst prüfte Landwirtschaftsassessor Dr. Schmitt über „Die Bedeutung und die technischen Grundlagen der Entwässerung", worauf Landwirtschastsrat Dr. Dienst über die „Chemie der wichtigsten Pflanzennähr- ftoffe" prüfte. Im Anschluß hieran hielten die Schüler Karl Kremer (Nieder-Mörlen) einen Vortrag über „Die Verbreitung des Fleckviehs" und Wilhelm Klotz (Holzheim) über „Bodenbearbeitung". In feiner Ansprache wies Oberlandwirtschaftsrat Bauer darauf hin, daß die Schüler auch draußen in der Praxis durch Beobachtung sich weiterdilden sollten, denn ein Hauptzweck der Schule sei auch der, zum Denken unb Beobachten zu erziehen. Das geistige Kapital sei das einzige, das'-der Landwirt in unserer Notzeit zur Produktion noch verwenden könnte. Kreisdirektor Gebhardt forderte mit kurzen Worten, daß alle Schüler mitl;elfen sollten, um den Besuch der Landwirtschaftlichen Schule weiter zu fördern. Bürgermeister Dr. Jansen sprach alsdann ebenfalls seine Anerkennung aus und versprach im Namen der Stadt, alles zu tun, um die Landwirtschaftliche Schule Butzbach weiter auszubauen. Mit einigen ermahnenden Worten durch Dr. Dienst und mit der Zeugnisoerteiluna schloß die Prüfung. Kreis Büdingen. △ Nidda, 28. März. Die Landwirtschaftliche Schule Nidda hatte gestern nachmittag zu einer Schlußfeier in den „Gam- brinus" eingeladen. Dort versammelten sich mit den Lehrern und Schülern der Anstalt als Vertreter des Ministeriums Oberlandwirtschastsrat Bauer aus Darmstadt, der gesamte Stadtvorstand, die Mitglieder des Wirtschaftsrats der Schule, die Vertreter der hiesigen Schulen und die Eltern und Angehörigen der Schüler. Die Erschienenen wurden vom Leiter der Anstalt, Land- wirtschaftsdirektor Dr. geifert, in herzlichen Worten begrüßt. Bei der darauffolgenden mündlichen Prüfung wurde die Oberflaffe vom Direktor in Betriebslehre über „Die Ruhtierhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben" und von Landw.- Assefsor Rau über „Künstliche Düngemittel für den Ackerbau" geprüft. Die Unterklasse prüfte Landw.-Assessor Dr. Günther über „Die Merkmale der Milchleistung einer Kuh" und Landw.-Referendar Göbel über den „Aufbau der Pflanzenzellen". Zuletzt hielt ein Schüler der Oberklasse, H. Karpf aus Stornfels, einen Vortrag über „Kalkstoff zur Ernährung der Pflanzen" und zeigte dadurch, daß die Schule auch ihre Schüler befähigen will, sich klar und bestimmt über irgendeine Berufsfrage auszudrücken. Recht beherzigenswerte Worte richtete hierauf Ober- landwirtschaftsraf Bauer an die Eltern, Angehörigen und Gäste über die Rotwendigkeit und Möglichkeit der Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge in Feld und Stall durch Anwendung der wissenschaftlichen Errungenschaften auf diesem Gebiete. Zu letzterem ermahnte er besonders die zur Entlassung kommenden Schüler, betonte aber auch, daß dabei das gute Alte nicht sofort weggeworfen, sondern erst nach und nach durch besseres Reue ersetzt werden solle, also aus goldenem Mittelwege. Rach herzlichen Abschiedsworten des Direktors an die abgehenden 25 Schüler der Ober klasse und nach der Verteilung der Zeugnisse hatte die offizielle Schluhfeier ihr Ende erreicht. Es folgte noch ein gemütlicher Seil, der lange die Schüler mit ihren Angehörigen und vielen jugendlichen Gästen bei Musikvvrträgen, fröhlichen Liedern, Sheateraufführungen und Tanz zusammenhielt. Kreis Schotten. □ Laubach, 28. März. Aus den nächsten Sonntag ist die Stichwahl um den Posten eines Beigeordneten zwischen Landwirt Pitz und Kaufmann Emmelius festgesetzt. Da beide Kandidaten Mitglieder des Gemeinderats sind, werden andere Herren ihre Stelle im Gemeinderat einnehmen. Für Landwirt Pitz würde Lehrer i. R. Weil, für Kaufmann Cm- melius der gräft. Bediente i. R. Hermann Stotz im Stadtparlament nachrücken. (=) Köddingen, 28. März. Das "Bun- desfest der Schwalm-Antrift-Felda- Sängervereinigung, das 14 Sage nach Pfingsten anläßlich der Fahnenweihe des hiesigen Männergesangvereins hier stattfindet, beschäftigt unsere Einwohner schon jetzt mit den Vorbereitungen sehr eifrig. Der Kreisdirektor, Geh. Regierungsrat Boeckmann, hat das Protektorat über das Bundesfest übernommen. Außer den Bundesvereinen haben sich bereits zahlreiche namhafte Gastvereine zur Seilnahme angemeldet. Die Festmusik wurde dem Musiiverein Lauterbach unter Leitung des Herrn Rönneck übertragen. Die Festwirtschast haben die drei hiesigen Gastwirte übernommen. Man darf dem Feste mit besonderem Interesse entgegensehen. Ulfa, 28. März. Der vorgestrige Ferkel- markt zeigte das jetzt übliche Bild: st a r k e n Auftrieb, ungenügende Nachfrage. Die Preise für 6—8wöchige Tiere bewegten sich zwischen 20 und 25 Mk., was etwa den Frühjahrspreisen des Friedens entspricht. Der Markt wurde nicht ganz geräumt. cP Dom Oberwald, 28. März. Während in früheren Iahren ein Zurückbleiben der Vegetation im oberen Vogelsberg um mehrere Wochen zu konstatieren war, kann man jetzt feststellen, daß die Pflanzenwelt ziemlich gleichen Schritt mit der Wetterau, mit der Frankfurter und der Gießener Gegend gehalten hat. .Ueberall fängt es an zu grünen, und schon längst sind die Knospen aufgebrochen. Man führt die Erscheinung darauf zurück, daß diesen Winter nur wenig Schnee lag und daß die Sonnenwärme dem Boden sofort zugute kam, während sie in früheren Iahren wochenlang dazu benötigt wurde, die Schneemafsen zur Schmelze zu bringen. Kreis Alsfeld. =r. Ober-Ohmen, 27. März. Bei den gestern und heute in den hiesigen Gemeinde-» Waldungen unter Zulassung auswärtiger Interessenten und reger Kauflust stattgehabten Rutz- unb Brennholzversteigerungen wurden 540 Festmeter Holz zu folgenden Preisen verkauft: Nutzholz: Eichen 16,60 bis 35 Mk., Kiefern 24 bis 24,20 Mk., Lärchen 43 bis 43,50 Mark. Fichten 34,40 bis 74 Mk. pro Festmeter, Fichteaderbstangen von über 14 Zentimeter Durchmesser 0,65 bis 3,40 Mk.. Bohnenstangen 0,12 bis 0,34 Mk. pro Stück. Brennholz: Eichen- scheiter 12 bis 20 Mk., Knüppel 16 biS 1635 2KL, tteu. fclv. 'rtZtunfl fflreil«« ,W»K^ -»"Ä16(35 pd Auf ben nächfia । hl um drn Win ] Mschen ßoitbmiö . melius sestgel^ 1 ederdesSe« Herren tfce 6g W ßanböirt M für Kaufmann^ E«' A, Hermannoioy 8-z^ und inrQn. Jlfclt sjL® kt 9aUnblo«nT *?“ Alten ®f, ■ ®>«nfi i;? Atä" chiler aud)S,l5.tfl‘ mg sich ibWn )er VA'lden en zu eniJe* auch ■ dn-'Lk"?°° «»r*Ä ■ÄS »ster fr sL°$ulc sLZ: X* ©orten ^°UWrvrrtei,ung >gen. S1 Landwirt, batte gesteh e'ermden^om. r Anstalt als Aev ^'rlündwirllchaitLui gesamte Stadtvar, Dirtschaftzratz ter -»gen Schulen und er Wer. Die Er. der Anstalt, öanfr "t. in herzlicher auffolgenden münd- Easse vom Dircktor ^uZtiechaltung in und dm Landlv.' he Angwiittel für Untergasse prüfte ther über Me .einer Ruf)" und über den .Ausbau ielt ein EMcr der tornfels, einen Avi- hrung der Pflanzen' r Schule auch ihn gar und bcftimuü auszudrückea. Recht jlete hierauf Oberin die Eltern. An- : Asttvendigkcit und der landwirtschaft- stall durch Antm- trrunMlchasten aus cmahnte er beson- mendcn Schüler, be- lag gute Alte nicht erst nach imb nach rten fallt, alio aut rzüchen Abschtcds- zgehenden 25S6Ü- >rr TkdttUne der ichiaMer ihr Ende emütticher Seil, der i Angehörigen und bei WusikvoMen, Wrangen undTciq sä | äB । biet stattsindet- de j •I8Ä" rsO .»Ä ,?SS *-r| -sS i£s^ .saa ebro^^n Äuilek 5S*1* i ,affen M Milch ebne Äufete t „L ist für bas Kind nur die halbe Nahrung. Mit Ku?rVe undfrischer «WO ernährte Kinder gedeihen vorzüglich und machen ihren Eltern Freude. Maingau. WEN Frankfurt a. M., 28. März. In der Windeckstraße schoß ein ISjahriger > junger Mann viermal auf den 32 i a 9 r i » gen Schmelzer Karl C., der an beiden Beinen verletzt wurde. Der Täter, der angibt, er sei von S. angerempelt worden, wurde feftgenommen. — Aus einem Schausensterkasten in der Martin-Luther-Straße entwendeten Diebe nachts von 20 Paar Schuhen je einen Schuh. Mit ihrer Beute werden sie unter diesen Umständen wenig anfangen können, so daß wohl anzunehmen ist, daß man die gestohlenm Schuhe an irgendeiner Stelle wiederfinden wird. — In Mainz wurden zwei Ausländer wegen G e l d w e chs e l s ch w i n d e l e i« n f e st - genommen. Anfangs März haben die beiden Schwindler sich auch in Frankfurt aufgeoalten, und es ist wahrscheinlich, daß sie hier die gleichen Betrügereien begangen haben. MSN. Bad Homburg, 28. März. In der letzten Zeit wurde eine Anzahl hiesiger Geschäfte durch nächtlichen Einbrecherbesuch heimge- sucht. Erhebliche Mengen von Waren und beträchtliche Geldbeträge wurden erbeutet, ohne daß es gelang, die Täter zu ermitteln. Durch die Achtsamkeit eines hiesigen Einwohners, bei dem ein junger Mann ein oerdachterregendes Gepäckstück untergestellt hatte, kam die Polizei auf die Spur einer Einbrccheraesellschast von jungen Leuten im Alter von etwa 19 Jahren. Zwei von ihnen wurden bisher verkästet und dem Gerichtsgefängnis zugeführt, während weitere Der- Haftungen noch bevorstehen. seits wurde ein Vertrag abgeschlossen nnd vollzogen, in dem alle mit dem Wasser- bezug zusammenhängenden Cinzelsragen festgelegt sind. Vach dem Vertrage gibt die Ge- meinte Vicderkleen das aus ihrer Wasserleitung überschüssige Wasser gegen eine lausende jährliche Entschädigung von 1102 Mark an die Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim ab. Die Entschädigung gilt in dieser Höhe so lange, als I die Einwohnerzahl ter Gemeinten Hochelheim und Hörnsheim 1800 Seelen nicht übersteigt. Wird diese Zahl überschritten, so beträgt die Entschädigung 70 Pf. je Einwohner der beiden Gemeinten für jedes Iahr. Für die Ermittlung der Einwohnerzahlen ist das Ergebnis der je- weiligen letzten Volkszählung maßgebend. Die Entschädigung ist vom Tage der Inbetriebnahme der neu zu erbauenden Wasserleitungen ab zu zahlen, und zwar für die Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim je besonders. Die Gemeindevertretungen von Hochelheim und Hörnsheim I beschlossen ferner in der gleichen Sitzung die Aufstellung eines Projektes für die gemeinsame Leitung und die gemeinsamen Anlagen, außerdem je eines besonderen Projektes ür die Ortsnetze ter beiten Gemeinden. Die Kosten für das gemeinsame Projekt sollen von den Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim gemeinsam, diejenigen für die Orlsprojekte von jeder Gemeinde allein getragen werden — Die Vachricht in Tir. 73 des »Gieß. Anz. wird dahin berichtigt, daß nicht die Fischerei in sämtlichen öffentlichen Gewässern, sondern nur in dem Schwindbach, soweit er durch die hiesige Gemarkung flieht, zur Verpachtung gelangt. ch Oberkleen, 28. März. Bei der letzten im hiesigen Gemeindewald ftattgehabten Holzversteigerung wurden folgende Preise erzielt: E'chennutzholz (2 Meter lang, Gartenpfosten) 15 bis 18 Mk. je 2 Raummeter, Eichenknüppel 4 bis 6 Mk. je Raummeter, Eichenwellen 4 bis 5 Mk., Birkenwellen 4 bis 5 Mk., gemischte Wellen 6 bis 7 Mk. je 50 Stück. fung von Vistkästen ist bei Vaupen- und anderen Schädlingsplagen oft die einzige Möglichkeit zur Massenansiedlung der für die erfolgreiche Bekämpfung und Vernichtung der Schädlinge fast ausschließlich in Betracht kommenden Höhlen^ brütet. Das Aushängen von Vistkästen hat sich als gute Vorbeugungsmaßnahme für Wald- und Gartenbesitzer erwiesen, denn wo viele Vögel angesiedelt werten, können Schädlinge nicht übermäßig austreten. D.e fehlenden Wohnungen zu ersehen, ist oft recht schwierig. Durch langjährige Arbeit hat Freiherr von Berlepsch diese Ausgabe gelöst. Seine Visthöhlen sind der natürlichen Spechthöhle nachgebiltet und werden von den Vögeln gern angenommen. Für die einzelnen Vogelarten müssen diese Vistkästen entsprechend hergestellt werden. Besonders ist darauf zu achten, daß die Sperlinge nicht die rechtmäßigen Bewohner vertreiben. Durch systematischen Vogelschutz, von dec geaalten Bevölkerung betrieben, kann das Aus- terben einzelner Vogelarten, die uns nicht nur durch ihren Gesang erfreuen, sondern auch durch Vertilgen schädlicher Insekten nützlich sind, verhindert werden. H. Reiser 2 Mk.: Vuchenscheiter 25 bis 32,20 Mk.. Knüppel 17.60 bis 2i.2O Mk.. Stöcke 14 bis 18 Mk.. Veiser 3 bis 4 Mk.; Hainbuchenscheiter 12 50 bis 20 Mk.: Lindenlnüppel 11.80 bis 12,20 Mark: Birkenknüppel 12,80 bis 16 Mk.: Kirschen- knüppel 16,20 bis 18 Mk.: Fichtenknuppel 9,60 biS 11,20 Mk. pro zwei Vm.: Veiser. distnkt- weise außer dem Wald, Pro Wagenladung 0,20 bis 3 Mk. - Dieses Iahr setzt in unserem Dorse eine rege Bautätigkeit ein. Sechs Neubauten werden aufgeführt, eine Zahl, die in den vorausgegangenen Iahten nie erreicht wurde — Erstmalig wurden auf Anregung der Landwirtschastslammer von der hiesigen Ge- meindeverwaltung mehrere Hektar am südlichen Bergeshang gelegenen Oedlandes nach eingehender Untersuchung des Bodens mit Edelkitschen bepflanzt. Eine geeignete Svr- tenwahl tourte durch die Landwirtscha tskammer getroffen und teilweise von ihr finanziert. Wenn sich das junge Material gut eingewöhnt. soll im nächsten Iahr eine Erweiterung der Pflanzung Platz greifen. Das Vorgehen findet bei ter Bürgerschaft allgemeinen Anklang. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 28. März. Der 60jährige Schmied Weinmann stürzte sich nach Streitigkeiten mit seiner Familie aus dem zweiten Stock seines Hauses in ter Bessunger Straße. Weinmann erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Preußen. Kreis Wetzlar. • Krofdorf, 28.März. Der Orchester- Verein Gießen 1908 veranstaltete am Sonntag unter der Leitung des Kapellmeisters H. Weller, Gießen, im Saalbau Freund dahier ein wohlgelungenes Konzert, das sich eines regen Besuches erfreute. Die Darbietungen standen auf der Höhe, und die aufmerksam lauschenden Zuhörer spendeten so reichen Beifall. daß das Orchester sich zu mehreren Zugaben bereitsinden mußte. Herr Weller zeigte sich wieder als vorzüglicher Dirigent. Besonders feien noch hervorgehoben die beiden Solis der Herren Kehrmann (Flöte) und Schwarz- lose (Trompete), die wohlverdienten Beifall fanden. Allgemein vernahm man den Wunsch, daß derartige Veranstaltungen hier öfters geboten werden möchten. Q Dornholzhausen, 28. Marz. Forster Schweitzer (Niederkleen) und Bürgermeistereisekretär Sänger (Groß-Rechtenbach) schossen im Distrikt „Brand" des hiesigen Gemeindewal- tes in diesem Iahr die ersten Schnepfen. O Hochelheim, 28. März. Dieser Tage fand im Vathaus zu Niederkleen eine gemeinschaftliche Sitzung der Gemeindevertretungen von Niederkleen, Hochelheim und Hörnsheim statt, in der die Verhandlungen über die Abgabe des in Niederkleen überschüssigen Wassers zur Speisung einer zentralen Wasserversorgungsanlage für die Gemeinden Hochelheim und Hornsheim endgültig zum Abschluß gebracht wurden. 2ln ter Sitzung nahmen auch Bürgermeister Schneider (Groß-Vechtenbach) und Kreisties- baumeister F len der (Wetzlar) teil. Zwischen der Gemeinde Niederkleen einerseits und den Gemeinden Hochelheim und Hörnsheim anterer- Schuh der einheimischen Bogelweli! Der Winter ist vorüber. Untere Zugvögel kehren nun wieder zurück, um das Brutgeschäft zu beginnen. Manche Vistgelegenheit wird auch im Lause dieses Winters verschwunden fein, viele Vogelpärchen werden nicht wissen, „wo sie ihr Ei ' hinlegen sollen". Besonders den Höhlenbrütern kalt es schwer, eine passende Stelle für den Nestbau zu 1 inten. Dies ist ein Grund für die Verminderung der Vogelwelt: die Verschlechterung ter Brut- und Nahrungsverhältnisse. Dazu tragen bei: Die Vernichtung der Feldge- büsche und Hecken, die Verminderung des Unterholzes in den Wäldern und das Abholden der alten Druthöhlenbaumstämme. Die Uniformierung des Waldes, die Meliorationen der Derg- moote, die Trockenlegung von Teichen und die Regulierung der Flußläufe nehmen manchen Vogelarten nicht nur die Nistgelegenheiten. sondern auch die Möglichkeit zur Beschaffung der Nahrung. Dazu kommt noch die Gefährdung mancher Vogelarten durch den Menschen, die Verfolgung der Raubvögel, und der Anreiz zum Vogelmord durch Schuhprämien bei Blutfinken und Spatzen. Oft müssen Vögel, die als Schäd- । linge wegen ihrer Aehnlichkeit mit solchen an- gesprochen werden, ihr Leben lassen, so die Heckenbraunelle, die mit dem Sperling verwechselt werden kann, und mancher nützliche Raubvogel. Dor allen Dingen muß die Iugend zur Tierfreundlichkeit erzogen werden, und dies geschieht nicht, wenn sie Zeuge vom Abschuß von Vögeln sein kann. Einzelne Vogelarten haben sich den veränderten Verhältnissen angepaßt. So sind manche Heckenbrüter in Ermangelung eines passenden Vistortes zu Erdbrütern geworden. Damit ist aber nicht nur das Gelege, sondern auch 'tee Jungen, die als Nesthocker längere Zelt in ihrem Nest bleiben müssen, einer erhöhten Gefahr aus- gesetzt. Viele Vögel aber können sich nicht an» passen und sind dann zur Abwanderung gezwungen. So hat auch schon früher der Wechsel einer geologischen Formation eine Veränderung I der Vogelsauna gebracht. Die menschliche Siedlung ist keine Einheit, sondern eine Vereinigung von verschiedenen natürlichen Bestandteilen der Landschaft. Der Wald-, Felsen- und Steppenformation entsprechen die von dem Menschen geschaffenen Gärten, Bauten I und Saatfelder. Die Bauten der Menschen sind für den Segler, die Schwalbe, den Hausrotschwanz Felsen und Steinhaufen, die ihm bequeme Nistgelegenheit bieten. Die Gärten sind für Amsel und Singdrossel Wald und die Getreidefelder dem Schilfrohrsänger Ersah sür das Stautendicklcht an den früheren Fluhläusen. Wer ein Herz für unsere Vogel hat, der muß ihnen helfen. Gebüsch und Unterholz muh nach Möglichkeit stehen bleiben, da es auch noch gegen die Verfolgung durch Raubvögel schützt. Ve- sonders wichtig ist aber die Schaffung von Nistgelegenheiten für die Höhlenbrüter, da fie afö Insektenvertilger besonders nützlich im Wald, | für den Obst- und Gartenbau sind. Die Beschaf- Amtsgericht Wetzlar. Q Das Gericht verhandelte über den Au t o - Unfall, ter sich am Tage des Weihnachtsmarktes in Wetzlar in der Lahnstraße ab- spielte Das Opfer dieses Unfalls war damals ein Igjähriges Mädchen, das einen Schädelbruch davontrug. Glücklicherweise hat sich die Verletzte wieder ganz gut erholt. Unter der Anklage, durch Fahrlässigkeit diesen Unfall verursacht zu haben, hatte sich ein Krastwagenführer aus Wehlar zu verantworten. Er versuchte zwar die Schuld von sich abzuwälzen, indem er behauptete, durch Platzen des Luftschlauche« eines Vorderrades sei plötzlich das Steuer herumgeflogen, während die Zeugenaussagen fast durchweg den Angeklagten belasteten, intern sie behaupteten, er habe zu hohes Tempo gefahren und sei auch angetrunren gewesen. Wohl sei das eine Vorderrad platt gewesen, dies sei aber durch das Auffahren auf den Bürgersteig geschehen. Die Staatsanwaltschaft plädierte mit Rücksicht auf die vielen, in der letzten Zeit durch rasendes Fahren hervorgerusenen Verkehrsunfälle aus eine empfindliche Strafe. Lediglich mit Rücksicht auf die Iugend und die seitherige Unbesch oltenhmt des Angeklagten beantragte sie feine Freihells- ftrafc, wohl aber eine Geldstrafe von 500 Mark, evtl 100 Tage Gefängnis. Das Gericht ließ noch einmal Milde walten und erkannte auf 200 M k. Geldstrafe, hilfsweise 20 Sage Gefängnis, unter Bewilligung von Ratenzahlungen in Hohe von monatlich 20 Mark. Der Angeklagte nahm diese Strafe an, woraus auch die Staatsanwaltschaft auf Einlegung von Rechtsmitteln verzichtete. Jeder General Motors-Wagen genießt diese Garantie Für jedenGeneralMotors-Wagen wird gegen Fehler im Material oder fehlerhafte Arbeit eine außergewöhnliche Garantie geleistet. Für Chevrolet, Pontiac, Olsmobile, Oakland und Buick eui Jahr > für La Salle und Cadillac sogar zwei Jahre. Hinter dieser großzügigen Garantie steht die größte Automobilbaufirma der Welt mit einem Gesamtvermögen von mehr als acht Milliarden Mark, mit Werksanlagen und autorisierten Händlern in 104 Ländern der Erde, mit einem Umsatz von über 1 $00000 Wagen im Jahre 1927. General Motors kann diese großzügige Garantie leisten, weil ihre Wagen erprobt sind. Einmal muß jedes General Motors- Modell auf dem Prüfgelände 136 Prüfungen bestanden und dabei 40 000 km zurückgelegt haben. 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Abzugeben gegen Ainbei lohn Aliccnsti.,8 .' >2443 Rr. 76 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)___________Donnerstag, 29 März 1928 __ ________— schönes Geläute. Getraut wurden im ganzen 173 Paare, m der Matlhäusgemeiute 43, in der Markusgememde 35 in der Lukasgemeinde 66. in der Johannes- gemeinde 29. Getauft wurden im ganzen 274 Kinder, diese verteilen sich auf die Matthäusgemeinde 70, auf die Markusgemeinde 65, auf dm Mart ein. ------ ------ - - _ .. _r Gaben betrugen 2435 Mark, auch dm für Arme bestimmten sonntäglichen Opfer ergaben 3029 Mark, so daß für Arme insgesamt 7151 Mark zur Verfügung standen. Außerdem wurden namentlich an Weihnachten für Arme Kleidungsstücke und Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Für dm Heidenmission wurden gespendet 3521 Mark, für Innere Mission 9921, für den Gustav-Adolf- Derein 1766 Mark, für den Evangelischen Bund 1098 Mark und für Zwecke der Kirchengemeinte zur Velebung des Gottesdienstes usw. 5502 Ml. QIn zweiter Stelle stand auf der Tagesordnung die Beratung des Voranschlags für das Rechnungsjahr 1928. Der Voranschlag gliedert sich in einen ersten und einen zweiten Teil. 2m ersten Teil werden dm Einnahmen und Ausgaben für das eigentlrch kirchliche Gemeindeleben verrechnet, der zweite Teil bezieht sich nur auf einige Vesoldungsgüter und Vesoldungskapitalien. 2n Einnahme und Ausgabe beziffert sich der erste Teil auf 147 967,92 Mk. Die Einnahmen setzen sich hauptsächlich aus der Ortslirchensteuer zusammen, dm im gleichen Vetrag wie im Vorjahre, nämlich mit 115 000 Mk. erhoben werden soll, lieber die Art des Ausschlages der Kirchensteuer auf die einzelnen Steuerpflichtigen ist noch nichts Näheres bekannt, erst in der vorigen Woche hat im Landesfinanzamt eine Sitzung stattgefunden, in der hierüber verhandelt wurde. Bekanntlich ist ein neues Kirchensteuergesetz in Vorbereitung, doch wird dieses sich nicht mehr für das Rechnungsjahr 1928 auswirken. Zu erwarten ist, daß der Betrag der Ortslirchensteuer für den einzelnen Steuerpflichtigen gegen das Vorjahr sich senken wird. Außer der Ortskirchensteuer sie- hen der Kirchengemeinde noch einige kleinere Ein- Die Lvang. Gemeinde Gießen im Ähre 1927 Der Haushaltsvoranschlag für 1928. Verbesserung de» Vesoldungsd enstal ers für schMrkriegsbeschäd gte Beamte. Die Kriegerkameradschaft Hassia Darmstadt teilt mit: Das neue Besoldungsgesetz enthält eine Vorschrift. wonach das BesoldungSdienstalter der aus Grund des Beamtenscheins angestellten Beamten angemessen zu verbessern ist. Eine entsprechende Verbesserung kann auch anderen schwerkriegsbeschädigten Beamten gewährt werden. Das Nähere sollen die Ausführungsbe- stimmungen regeln. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutsche Neichskriegerbundcs „Kyffhäuser" mitteilt. hat nunmehr der Reichsfinanzminister die Ausführungsbestimmungen veröffentlicht. Das Desoldungsdienstalter der auf Grund des Be- Dieser Tage trat die G es a m t g e m e i n de- Vertretung der evangelischen Gemeinde Gießen im Markussaal zu 'einer Sitzung zusammen, die von Pfarrer Bcchtols- Heimer geleitet wurde. Erschienen waren 70 Mitglieder. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Bericht über die kirchlichen Ereignisse im abgelaufenen Jahre: Auch im Jahre 1927 hielten kirchliche Organisationen in unserer Stadt ihre Jahresversammlungen ab. Vom 20. bis 21. August fand hidie Kapelle 7 KinLcrgottesdienste. Die Z a h 1 d e r ^ouueskirche dringend nötig ist, soll ein Ge - Kirchenbesucher betrug am 1. Ostertag 2Z25 meindehaus erbaut werden, hierfür wurde (2545) Erwachsene und 1131 (?92) Ämter, am Q[d erfte ^ate der Betrag von 15 000 Mk. 12. Sonntag nach Trinitatis 877 (1211) Erwachsene ^staeseht. Die übrigen Ausgaben verteilen sich und 702 (845) Kinder, am -^bventssonntag auf f(eincre Posten. Im zweiten Teil belaufen 1277 (756) Erwachsene und 1052 (1005) hinter sich die Einnahmen und Ausgaben auf 8262,50 Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf Dass QRarf Dieser verhältnismäßig geringe Betrag Vorjahr. rührt daher, daß die evangelische Kirchengemeinde Lieber das Sektenwesen ist Nichts be Hießen nicht viele Besoldungsgüter besitzt, diese sonteres mitzutellen. der Zulauf zu den Sekten bemeff(m sich nur auf 30 Morgen, von denen die scheint seinen Höhepunkt überschritten zu Haven. mei«cn Wiesen sind. Die Kirchengemeinde ter 3m Oktober hielt Herr W a l z aus “Ungen Prvvinzialhauptstadt besitzt somit weniger Be- (Württemberg) m teqi 3ohannessaal gut besuchte s^dungsgüter als viele kleine Landgemeinten. Bibelstunten, die sich besonders auch gegen ge- ?ln die Erörterung dieser beiten Beratungs- wisse Schäden 'm Geinemdeleben richteten Diefe gegenstände schloß sich eine ausgedehnte Vorträge hatten die wohltätige Folge, daß unsere ohidfhimcte Dibelstunten erheblich besser besucht werden als . .... seither an. Es wurde der Wunsch vorgetragen, dafür 3m Berichtsjahre fanden einige bauliche zu sorgen, daß die Kirchen st euerbe s ch e 1 d e Reparaturen statt. Das Gemeindehaus möglichst frühzeitig den Steuerpflichtigen in ter Kirch st raße wurde einer gründlichen ausgehändigt werden sollen, damit diese nicht Ausbesserung unterzogen und neugestrichen, auch zwei Ziele auf einmal bezahlen müssen. 3n ter wurde es mit ter elektrischen Heizungsanlage ver- Kriegszeit ist die alte Sitte, abends um sehen Auch ter L u k a s - und der3ohannes- 5 LI h r vom Turm der Stadtkirche zu saal wurden neugestrichen. läuten, in Wegsatt gekommen. Cs wurde an- or. e-ufnU»« im nnrren 2614 Mark geregt, diese Sitte to-eter einzufuhren und auch ein Die für die Ort5auncn bestimmte llkeujahrs- m i t tags u m 1 2 LI h r lauten zu lassen. Leb- kollekte betrug 109 Mark, Buß-un^ De^ag die Stadt Gießen^von kaufen “nö Trauung g 9; iniä9 ' ( 1 ^en QJetoo^nern der benachbarten preußischen Di- - 'str,>rme jteiiviuty u w_ w | die nur zu ihrem Vergnügen hierher kommen, überlaufen wird. Es wurde geltengemacht, daß es wünschenswert wäre, in allen deutschen Landeskirchen den Buh- und Bettag auf einen Tag zu legen, damit dieser Tag auch seine Geltung bekommt. Aus der Versammlung heraus wurde gesagt, daß in Gießen am preußischen Buß- und Bettag mitunter Darbietungen stattfinden und namentlich von Auswärtigen besucht werden, die dem Ernst des Tages widersprechen. Die Behörden, die hierfür zu entscheiden haben, sollen gebeten werden, auf diesem Gebiet das Nötige zu veranlassen. Diese Entschließung fand einstimmig Billigung. Bedauert wurde auch, daß die Sonntagsfeier durch Veranstaltungen, die in die Zeit des Gottesdienstes gelegt werten, beeinträchtigt und daß ter Karfreitag von Vereinen zu Ausflügen benützt wird. amtenscheins angestellten Beamten wird hiernach in ter Regel bei ter ersten planmäßigen Anstellung um 4 3ahre verbessert. Die oberste Reichsbehörte kann auch das 'Besoldungsdienstalter eines schwerkriegsbeschädigten Beamten, der nicht auf Grund des Beamtenscheins angestettt ist. in gleicher Weise verbessern, wenn die Beschädigung vor Aufnahme in das Deamtenver- hältnis eingetreten ist. Diese Bestimmungen gelten auch für Beamte,die am 30.9. 27 bereits planmäßig angestellt waren. Für die hessischen Staatsbeamten teerten zur Zeit die Verhältnisse für die schwerkriegsbefchädigten Beamten im hessifchen Landtage verhandelt Berliner Börse und Geldmarkt. Das Märzheft ter Wirtschaftlichen Mitteilungen der Deutschen Bank enthält über „(Berliner Börse und Geldmarkt" nachstehende Ausführungen: Soweit die Spekulation Llnternehmungslust zeigte, äußerte sie sich in Spezialbewegungen, so vornehmlich in Kunstseidewerten: nächst diesen Werten waren die Grammophon-Aktien lebhaft begehrt, die ähnlich wie die ersteren in einer internationalen Sphäre gebettet sind und daher ter Phantasie einen starken Anreiz geben. Diese Sonderbewegungen stärkten auch zeitweise die Tendenz auf anderen Märkten. Daß einzelnen Llnternehmungen vom 3n- und Ausland großes Vertrauen entgegengebracht wird — auch ohne das besondere Merkmal ter 3nternationalität — erweist die Tatsache, daß trotz des auszuüben- ten und zu steigenden Kursen notierten Bezugsrechts auf die 250 Millionen Mark C 0 nver - tible-Bonds der 3.-G.-F arben-Jndu- st r i e ter Kurs ter Aktien während des De- zugsrcchtsangebots nicht gedrückt lag. Auch ter auf die Divitentenreduktion erfolgte Kursrückgang bei Harpen ist bei ruhigerer Betrachtung ter Sachlage wieder ausgeglichen worden. 3m übrigen zeigt die Lage auf den Aktienmärkten keine wesentliche Veränderung gegenüber dem Vormonat. Eine ausgesprochene Verkaufsncigung ist nirgends zu verspüren, aber ebensowenig eine allgemeine Beteiligung des Publikums, das fiel) jedoch ter bedeutenden Produktion von festverzinslichen Werten gegenüber weiter aufnahme- willig zeigt. Die Rendite der festverzinslichen Werte ist allerdings in pernamentem Anstieg, und die letzten kommunalen 3nlandsan- leihen kommen den ausnehmenden Städten recht teuer z u stehen. 3n den Vereinigten Staaten hat sich ter Kursstand ter deutschen Effekten int ersten Viertels ahr 1928 merklich gehoben; 6,5prozentige Anleihen notieren 2 bis 3 Prozent höher als am 3ahresente. Die ausländischen Kapitalmärkte sind wieder aufnahme- williger für deutsche Emissionen geworden; int Februar hatten die deutschen Auslandsanleihen- Emillionen zum erstenmal seit den Erörterungen im November vorigen 3ahres wieder eine neunstellige Ziffer erreicht. Aber auch bei inländischen Emissionen beteiligte sich ausländisches Kapital, dessen 3ntereffe wohl durch die besondere Qualität ter Reichsbahn-Vorzugsaktien wachgerufen wurde und sich nun auch weiterhin bei den folgenden Emissionen erhalten hat. 3n dem Maße, in dem ausländische und inländische Faktoren zu einer Besserung der Verhältnisse auf dem Geldmärkte, der im Augenblick noch unter dem Druck des nahenden Quartalsultimos steht, künftighin beitragen, wird sich auch das Geschäft auf den Effektenmärkten beleben. Der Monat April gibt durch das Zusammentreffen von Dividendenauszahlung aus dem Geschäftsjahr 1927 und Zinstermin dem Kapitalistenpublikum bedeutende Beträge in die Hand, die kaum weniger als 300 Millionen Mark betragen werden. Sehr beachtenswert ist auch der starke Abfall des Wechselstempelertrages von 4,3 im Dezember und von 4,5 im 3anuar auf 3,96 Millionen Mark, ter zeigt, daß im Februar weit weniger Wechsel als in den Vormonaten ausgeschrieben worden sind. Vie gowenen Berge. Vornan von Clara Diebig. Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mit einer unendlichen Zärtlichkeit ruhten die Blicke des alten Mannes auf Fluß und Bergen, saugten sie in sich. Hämmerten sich förmlich daran fest' mochten die Leute denn kommen, der Allge- meinheit zuliebe — die Armut an der Mosel mußte in manchem dadurch abgeholfen fein — aber hier oben sollten sie nicht hinauf, sie konnten von wo anders die Aussicht bewundern. Dies hier war fern Berg. Don hier oben wollte er, er allein nur bewundern, schwelgen, genießen, weit übers 2anb mit den goldenen Bergen Hinblicken, über fein Land, sein Heimatland. Er, er allein. Uno selbst wenn er tot war noch! ... Im Hause unten war alles festlich. Lena hatte Kuchen gebacken, nach denen es buttrig und nach frischer Hefe roch. Sehr viele Kuchen, von allen Sorten: Zwetschgenkuchen, Apfelkuchen, Weinbeeren» kuchen, Knappkuchen. Aber auch noch feinere Torten mit Mürbteig und Cremefüllung und Mandelguß, Torten wie vom ersten Konditor. Heute noch sollte davon ausgetragen werden, jeder in der Nachbarschaft bekam sein Teil. Herr Dousemont selber wollte die Stücke schneiden, die Lena schnitt sie ihm nicht groß genug. Maria würde zu laufen haben. Und sie war doch schon so müde. Wo war nur die Frische des Mädchens hin? Schon länger glaubte Herr Dousemont bemerkt zu haben, daß Maria verändert war, heute fiel es ihm besonders auf, wie blaß sie war. Gelblichblaß, als sei ihr die Galle ins Blut getreten. Ihre Wangen hatten etwas Wächsernes, und das Lächeln, das 'hr Gesicht zeigte, als er jetzt mit ihr sprach, war em Lächeln, erzwungen, puppenhaft, wie es Wachsbilder zur Schau tragen. „Du siehst nit gut aus, Kind, fehlt dir wat?" fragte besorgt Herr Dousemont. „Dat fehlte noch, dat du mir ausspannft — die Lena is so schon verrückt. „Sie können ganz ruhig sein", fable das Mädchen und zeigte ein Lächeln, in dem die blassen Lippen breitgezogen wurden. Maria kam Herrn Dousemont heute gar nicht so hübsch mehr vor — woher kam das nur? Die Züge waren doch noch die gleichen: das weiche Oval, tue gerate Nase, der gutgeschnittene Mund, das ganze stolze und zugleich liebliche Gesicht — und doch war es jetzt anders. Als fei eine rauhe Hand darüber gefahren und habe den Schmelz fortgewischt. Auch der Glanz ihrer schönen dunklen Augen war nicht mehr da, sie waren stumpfer geworden. Maria hatte sich entschieden übernommen, in den letzten Wochen viel zu sehr angestrengt. Aber sie hatte ja nicht mit sich reden lassen, es nicht zugegeben, daß noch eine Hilfe herangezogen wurde, ganz allein hatte sie das Haus geputzt vom Boden bis zum Keller, die Fenster, die Dielen, die Wände, die Treppen; auf den Knien hatte sie gelegen im schaumigen Schmutzwasser, die Fliesen des Flures gescheuert und die Steinplatten vor den Hauseingängen. Die Lena mußte währenddessen servieren. Maria war immer im Scheuer- kostüm, sie kam nicht herein. Selbst nicht, als der Heinrich noch einmal kurz da war. Der bekam sie überhaupt nicht zu sehen. Maria war erkrankt sie hatte sich zu Bett legen müssen. Aber als Herr Dousemont den Sohn zu ihr schickte, hatte der vergebens an ihre Türe gepocht, die war zugeschlossen: nein, sie brauchte keinen Doktor, sie brauchte überhaupt niemand und nichts, man sollte sie nur ganz ruhig liegen lassen, schlafen, bann kam sie am schnellsten wieder in Ordnung. Sie war damals sehr eigensinnig gewesen. Hoffentlich spielte sie ihm jetzt nicht einen ähnlichen Streich?! Herr Dousemont betrach, tete sie argwöhnisch. Aber sie war munter und funk auf den Füßen trotz ihres schlechten Aussehens. Es war über aller Arbeit Abend geworden, als sie noch an der Tafel deckten. Herr Dousemont ging an ihr entlang und sah immer wieder nach, ob auch nichts vergessen war. Fünfundzwanzig Personen, die Tafel war lang und durch zwei Zimmer gedeckt. Maria rieb noch einmal die Bestecke blank, und Fräulein Schmitz, die Schneiderin, die bei festlichen Gelegenheiten vielfach zu Hilfe geholt wurde, denn sie konnte auch frisieren und Bräuten Strang und Schleier aufstecken, faltete kunstvoll die gestärkten Servietten. Nun war alles fertig, morgen kam bann nur noch die Blumendekoration: Mnrtengrün und rote Rasen. Der Tafelaufsatz, ein Hochzeitskuchen, bas Wunber- werk eines Konbitors aus Koblenz, ftanb schon in ber Mitte. Ein Junge hatte ihn per Bahn in einer hohen Schachtel hierher gebracht. Herr Dousemont selber hatte ihn ausgepackt, Marias Hände zitterten, sie waren zu ungeschickt geworben burch bas viele Putzen. Nun zielte ber kleine Amor in feinem Wägelchen, bas Täubchen an rosa Bändchen zogen und bas zu oberft auf ber hohen Bekrönung von gebranntem Zucker unb Mänteln ftanb, auf den Platz hin, auf bem bas junge Paar sitzen sollte. Nettchem Schmitz war entzückt, Herr Dousemont auch, selbst bie Lena äußerte Beifall, nur Maria schwieg. „Wunberschon", sagte Herr Dousemont unb sah Maria fragend an: die sagte ja gar nichts? „Wunderschön", wiederholte das Mädchen gedankenlos. Es war Maria seltsam zumute, sie hätte laut heraus etwas schreien mögen und bann sort- laufen, so weit fort, daß niemanb sie mehr roieber-- fanb. Oh, baß Herr Dousemont sie boch hätte gehen lassen, als sie fort wollte! Sie hatte sich boch zuviel zugemutet. Nun war es ihr, als könnte sie bas nicht überleben. Was nicht? Ach, alles nicht. Wenn nur erst ber Tag morgen überftanben wäre, ber war der schlimmste von allen Tagen! Sie hatte Angst. In das Festzimmer sollte sie treten, bie schwere Schüssel auf den Händen, um bie Festtafel sollte sie herumgehcn, ben Festgästen anbieten — ihm anbieten, seiner jungen Frau anbieten — würde sie's können? Würde sie die Schüssel nicht hinfallen lassen vor lauter Scham? Ach, nur lächeln, immer lächeln, damit niemanb ihre Scham merkte! Oh, baß sie sich so vergessen hatte! Jetzt war es ihr nicht mehr begreiflich. Die Verzauberung war von ihr gewichen: jetzt sah sie den Berg, durch den sie damals geschlichen waren in jener Nacht, in ber Sterne zur Erbe fielen unb Leuchtkäserchen ihre Funken ins Dunkel streuten, ganz anbers an: ein Berg wie alle anberen Berge auch, ein Berg mit vielen Weinstöcken unb oben auf ihm ein kleines Kapellchen O weh. bas Kapellchen! Sie stöhnte auf unb barg das Gesicht in den Händen. „Was is ihr, was is ihr?" fragte zu Tobe erschrocken Herr Dousemont. Nettchen hielt ber halb Ohnmächtigen ein Glas Wasser an ben Munb, Maria schluckte mechanisch. Unb bann bem Zusammenbrechen schon nahe, raffte sie sich boch roicber auf, sie nahm sich zusammen, sie lächelte roieber unb eine Spur von Farbe stieg in ihre wächsernen Wangen. Herr Dousemont kam gleich mit Wein: „Da trink, trink! Dat is besser als Wasser!" Aber sie stieß ben Wein mit Ekel von sich: der war auch auf so einem Berg gewachsen, auf so einem Berg. „Et geht schon vorüber," sagte sie mühsam, unb bann, ein Lachen erzwingenb: „Da sein ich bald schwach gefallen — zu bumm!" „Geh zu Bett, leg bich nur gleich hin", brängte Herr Dousemont. Er stieß einen Seufzer aus: da hatte man's ja, nun spannte die wahrhaftig doch aus. Aber sie spannte nicht aus. Im lichten rosa Kleid, das ihr Herr Dousemont vor der Ankunft des Sohnes geschenkt, in bem sie wie eine Mciienrose vorm Spiegel ber buckligen Näherin gestauten hatie, strahlend in unbefangener Heiterkeit, ftanb Maria heute vor ber Gartentür. Sie sollte aufpassen; wenn sie das Auto tuten horte, in bem bas junge Paar von Koblenz kam, dann sollte sie zum Berg hinauf- winken. Dann mar’s Zeit, daß Herr Dousemont ben Befehl gab, bann krachten bie Böller. Drei mächtige Böllerschüsse, bie im Berg ein grol- lenbes Echo weckten, bas sich zu anberen Bergen fortpflanzte, so baß es lange noch nachgrollte, begrüßten das junge Paar. Der Alte schloß den Sohn sehr gerührt in bie Arme, unb ber junge Mann war auch gerührt: was hatte fein alter Herr alles ange- ftellt, um ihn festlich zu empfangen! Alles blinkte und blitzte, an ben Fenstern wehten frisch gewaschene Gardinen, auf bem Türmchen oben bie Fahne, um bieHaustür wand sich eine Girlande von Grün mit leuchtenden Blumen: „Willkommen, glückliches Paar." Im Flur, bie Wänte entlang, stauben, wie zu Pfingsten bie üblichen Maien, jetzt Tannen; sie waren frisch aus ber Eifel geholt, sie bufteten stark und köstlich . „Weihnachtlich", flüsterte bie junge Frau unb lächelte glücklich. War bas hübsch hier! Herr Dousemont wollte ihr, sich galanter Zeiten erinnernb, zuerst bie Hanb küssen, aber bann besann er sich: 0 wat! faßte bie Schwiegertochter um und gab ihr einen derben Schmatz. Ein hübsches Frauchen! Mit ber würbe er sich schon gut verstehen. „Maria!" Wo steckte bie denn? Maria sollte abnehmen helfen. (Fortsehuny folgt.) aufs neue beginnen könne, den ganzen Erd ball zu umspannen und alle in Frage kommenden Handelsplätze zu umfassen. Buderus'sche Eisenwerke, Metzlar. 3n dem Geschäftsbericht der Buderus schen Eisenwerke Wetzlar für 1927 wird ausgeführt, daß. solange Steuern und Soziallasten nicht auf eine der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft angcpastte Höhe gesenkt und das bestehende Zwangssystem geändert werde, eine grundlegende Besserung der Gesamtlage schwer zu erreichen sei. Heber den Geschäftsgang im verflossenen Jahre wird gesagt, daß der milde Winter 1926/27 die Fortsetzung der Bautätigkeit erniöglichte. Auch setzten sich die zum Zwecke der Beschäftigung von Arbeitslosen von seilen der öffentlichen Hand getroffenen Maßnahmen für die Gesellschaft in Arbeit uni. Wenn auch dieses günstige Bild während des ganzen Jahres keine Veränderung erfuhr, so dürfe nicht außer acht gelassen werden, daß es sich hierbei keineswegs um eine echte, sondern nur uni eine Mengenkonjunktur handle. Hohe Zölle der Ausfuhrländer und niedrige Verkaufspreise des unter günstigeren Bedingungen arbeitenden aus- Stammartien der Metallbank zu 150 Prozent zu beziehen. Eine Kapitalerhöhung hierfür ist nicht geplant. ' Preuß. Central-Bodenkredit' A. -- D. Der heutige Anzeigenteil enthält einen Prospekt über eine Zeichnin'g auf neue 8proz. Zentral-Gold-Pfondbriefe vcm Jahre 1927 der Preuß. Central-Bobenkredü-A.-G. Diese Anleihe wird an der Börse zu Berlin bereits amtlich notiert. Ihre Einführung ist auch für andere Börsenplätze in Aussicht genommen. Die Pfandbriefe sind ausgefertigt in Abschnitten von 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Mark und mit halbjährlichen Zinsscheinen, jeweils am 1. April und am 1. Oktober fällig, versehen. Der erste Zins- schein ist am 1. Oktober 1928 fällig. Die Zeichnung auf einen Teilbetrag von 10 000 000 Mark findet statt bis zum 14. April zum Kurse von 98 Proz. zuzüglich Stuckzinsen bis zum Ab- nahmetage. Die Abnahme kann in beliebigen Beträgen bis spätestens 30. April, evtl, aber auch schon sofort geschehen. Die Gesamtkündigung WSR. Weinbau und Weinernte 1 9 2 7 in Hessen. Aus den nunmehr vorliegenden statistischen Zahlen für das vergangene Jahr ergibt sich, daß die in Ertrag stehende Weinbau- släche von 12 581 Hektar Weißweinreben und 1118 Hektar Aotweinreben etwas geringer ist als im Vorjahre. Die nicht in Ertrag stehende Anbaufläche für Hessen ist auf 1059 Hektar gestiegen. Trotzdem ist der Mostertrag von 9,8 Hektoliter pro Hektar im Jahre 1926 auf 17 Hektoliter 1927 herausgegangen, hat allerdings den Stand von 1924 (28,2 Hektoliter- noch nicht erreicht. Der Vesamtmosterttag betrug 232 352 Hektoliter in einem Werte von 24 232 904 Mk. (im Vorjahre 135830 Hektoliter im Werte von 11 640 924 Mk.). Don der neuen Frankfurter Anleihe. Die neuen sünfprozentigen Frankfurter Schahscheine sollen vom 30. März bis 5. April zur Zeichnung aufgelegt werden, und zwar zu 99.25 Prozent, zahlbar am 18. April mit Stück- zinsen vom 1. April 1928. Sowohl für die Schatzscheine, als auch für die feste siebenprozentige Anleihe soll die Börseneinführung in Berlin, Frankfurt a. M. und Hamburg beantragt werben. * Frankfurter Lokalbahn A.-G. Die G.-D. genehmigte den Abschluß, der aus 508 420 (515138) Mark Reingewinn die Verteilung von wieder 8 Proz. Dividende vorsieht. Zu Abschreibungen wurden 144 070 (158 012) Mark verwandt. * Elektrizitätswerk Homburg v. d. H. A.-G. Die G.-V. beschloß die Verteilung einer Dividende von wieder 5 Proz. * Friedrich Krupp A.-G. und Stahl - verein Wie der WTV.-Hgndelsdienst von der Friedrich Krupp A.-G. bestätigt erhält, ist zwischen der genannten Firma und dem Stahloerein unter Beteiligung des Essener Bankhauses Simon Hirschland ein großes Verkaufs- bzw. Tauschgeschäft getätigt worden. Der Stahlverein verkauft gegen bar seine 500 Kuxe der Gewerkschaft Emscher Lippe an die Friedrich Krupp A.-G., die damit sämtliche 1000 Kuxe in Besitz hat. Außerdem gibt der Stahlverein an Krupp 43 Prozent Aktien der Norddeutschen Hütte A.-G. in Bremen und erhält von Krupp ein größeres, am Rhein in Duisburg gelegenes Grundstück. Durch den Verkauf der 500 Emscher-Lippe- Kuxe erhält der Stahlverein schätzungsweise dreißig Millionen Mark flüssige Mittel. Das im Tausch an den Stahloerein übergegangene Grundstück liegt neben der Niederrhcinischeii Hütte direkt am Rhein und ist für den weiteren Ausbau der Anlagen des Stahloereins von großem Wert. Durch den Erwerb der Emscher-Lippe-Kuxe wächst die Kohlengrund- lagc der Krupp-A.-G. ganz bedeutend. Die Firma hatte bisher im Syndikat 2,3 Millionen Tonnen Verkaufs- und 3 Millionen Tonnen Verbrauchsbe- teiligung. Emfchsr Lippe eine Verkaufsbeteiligung von 2,2 Millionen Tonnen Kahlen und 980 000 Tonnen Koks. Der Anstoß zu dem obigen Geschäft ging von dem Stahlverein aus. * Auslandanleihe der Metallbank. ländischen Wettbewerbs gestalteten das nicht zu entbehrende Auslandsgeschäft nicht nur schwierig, sondern auch unlohnend und in vielen Fällen sogar unmöglich. Tleber die Tochtergesellschaften sei nichts besonderes zu berichten. 2m einzelnen wird ausgeführt, daß der erfreuliche Aufschwung des Eisensteinbergbaues an Sieg, Dill, Lahn und in Oberhessen seinen Fortgang nahm. Die Förderung des Lahn- und Dillgebietes und Oberhessens erreichte int März 1927 mit 88 000 Tonnen 75 Prozent der Vockriegssörde-- rung und hielt sich seitdem auf ungefähr der gleichen Höhe. Die Delegschastszahl stieg entsprechend. Dabei wird über die nur kurze Wirksamkeit der Staatshilfe geklagt. 2n den Kalksteinbrüchen konnte ebenfalls durch Verbesserung der Gewinnungseinxichtungen eine erhebliche Leistungssteigerung erzielt werden. Die Erzeugung an elektrischem Dreh ström erfuhr gegen dos Vorjahr eine Steigerung um 41,77 Prozent. Bemerkenswert fei hierbei eine um 12 Prozent vermehrte Stromabnahme der Gemeinden. In den Graugußgießereien konnte die Erzeugung wesentlich erhöht werden. Die im Vorjahre durch- gesührten Ilm-- und Erweiterungsbauten des Zementwerkes ermöglichten es, den zeitweise recht lebhaften Ansprüchen der Kundschaft ohne weiteres gerecht zu werden. Die Gesamtbelegschaft betrug im Jahresdurchschnitt 567 Angestellte und 5193 Arbeiter, am Jahresschluß 6389 Angestellte und Arbeiter. Daneben beschäftigten die Tochtergesellschaften und Konzernwerle am Jahresschluß zusammen 3014 Angestellte und Arbeiter. Der Betriebs Überschuß stellte sich auf 4.010 Mill. Mk. Aach Abzug von 1.667 Mill. Mk. Unkosten und 1.321 Mill. Mk. Abschreibungen ergibt sich ein Reingewinn von 1 972 Mill. Mk. (einschließlich 0.951 Mill. Mk. Vortrag aus dem Vorjahre). Daraus sollen bekanntlich erstmalig nach vier Jahren 5 Proz. Dividende auf 26 Mill. Stamm- und 5Proz. auf 300 000 Mt. Vorzugsaktien verteilt und die restlichen 1.030 Mill. Mk. vorgetragen werden. Die Bilanz verzeichnet einerseits (alles in Mill. Mark) 3.694 Rohstoffe und Waren, 2.263 Beteiligungen, 2.304 Wertpapiere und 20.807 Außenstände, andererseits 10.773 Schulden. Dp. Cuno über den Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte. Zürich, 29. März. (W. T. D. Funkspruch.) Am Mittwochabend sprach hier auf Einladung der Züricher Holzwirtschafts-Gesellschaft vor einer großen Zuhörerschaft, unter der sich auch der deutsche Gesandte in Bern, Dr. Müller , befand, Reichskanzler o. D. Dr. C u n o . Vorsitzender des Vorstandes der Hapag, über die deutsche Handelsflotte im Rahmen des Wiederaufbaues der Weltwirtschaft. Er schilderte die deutsche Schiffahrt nach dem Kriege, die fast aus dem Nichts entstanden und unter den denkbar ungünstigsten Umständen in rund zehn Jahren in Zusammenwirken und unter Einsetzung aller verfügbaren Kräfte zu einer Handelsflotte herangewachsen sei, die bereits wieder einen beachtenswerten Faktor in der Weltwirtschaft bilde. Aach Fertigstellung der auf den Werften befindlichen Neubauten werde die deutsche Handelsflotte nahezu wieder 4 Millionen Brutto-Register-Tonnen, gegen 5,4 Millionen vor dem Kriege besitzen. Die heute wiedererlangte Bedeutung der Handelsflotte Deutschlands ergebe sich hauptsächlich aus den zahlreichen Neuerungen, welche im Interesse der höchstmöglichen Wirtschaftlichkeit der einzelnen Schiffe berücksichtigt wurden, so daß Deutschland in diesex Beziehung selbst anderen Staaten voraus sei. Deutschlands Handelsflotte sei gegenwärtig derartig reorganisiert, daß sie Die Metallbank hat eine Anleihe in Höhe von 750 000 Pfund zu 6,50 Prozent ausgenommen. Die Anleihe ist vom Ende des zweiten Jahres ab nach einem festgelegten Amortisationsplan zu pari derart zuruckzuzahlen, daß die voll- | ständige Zurückzahlung nach 15 Jahren erfolgt sein wird. Eine Emission ist nicht beabsichtigt. Das Londoner Bankhaus Helbert, Wagg & Co. Lim. hat die Unterbringung im Auslande zu einem Kurs von 97,50 Prozent garantiert. Die Bonds werden mit Optionsscheinen ausgestattet, die den Inhabern das Recht geben, während fünf Jahren bis zum 1. April 1933 für je nominell Psu,.d 1000 Bonds nvm. 5000 Mk. dieser Anleihe ist bis zum 1. April 1933 ausgeschlossen. Eine Auslosung darf bis dahin nur in Höhe derjenigen Beträge erfolgen, welche auf die den Pfandbriefen als Deckung dienenden Darlehen durch Tilgungsbeiträge oder durch Rückzahlungen eingehen. Die Tilgung der gesamten Anleihe muß bis 1. April 1965 beendet sein. Sie ist auch durch Rückkauf zulässig. Die Pfandbriefe werden von der Reichsbank in Klasse A beließen. Bei einem Grundkapital von 18 200 000 Mark waren von der Gesellschaft am 31. Dezember 1927 im Verkehr 205 944 466 Mk. Zentralpsandbriefe, denen als Deckung 213 233 572 Mark Hypothekar.sche Darlehnsforderungen gegen» Überstanden. * Dividendevorschläge im Salzdetfurth- Konzern. Die Kaliwerke Salz- detfurih A>G. schlagen bei einem Reingewinn von 2 587 411 Maick die Ausschüttung einer Dividende von 15 Prozent (i. V. 12 Prozent) auf die Stammaktien vor. 181 411 Mark sollen auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Kaliwerke Aschersleben verteilen bei einem Reingewinn von 1 731 908 Mark 6 Prozent (i. V. 6 Prozent) Dividende auf die Vorzugsaktien und 10 Prozent (L V. 10 Prozent) auf die Stammaktien. 162 468 Mart werden auf neue Rechnung vorgetrogen. Die Consolidiexten Alkaliwerke Westeregeln weisen einen Reingewinn von 1 829 560 Mark aus. Davon sollen 6 Prozent Dividende auf die Vorzugs- und 10 Prozent (i. V. 10 Prozent) auf die Stammaktien verteilt und 170 560 Mark auf neue Rechnung vorgetrogen werden. Die G.-D. aller drei Gesellschaften findet am 8. Mai statt. ' Deutsche Schiffe un ö Maschinenbau 21.-®., Bremen. Die Verwaltung dec Deutschen Schiff- und Maschinenbau A.-G. Bremen Hot beschlossen, das Stettiner Werk der Gesellschaft, die ehemalige Stettiner Vulkanwerft, im Lause dieses Jahres stillzulegen. Hieran werde sich auch nichts ändern, wenn der preußische Staat weitere Mittel zur Aufrechterhaltung des Betriebes zur Verfügung stellen werde. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt a. M.» 29. März. Im Anschluß an die gestrige Abendbörse war die Tendenz zu Beginn des heutigen Börsenverkehrs allgemein weiter befestigt. 3m Zusammenhang mit dem Abschluß der 750 000 - Pfund-Anleihe der Metallbank war die Stimmung zuversichtlicher, da man nunmehr wieder auf das Zustandekommen weiterer Ausländsanleihen rechnen zu können glaubt, zumal Reichsfinonzminister Köhler im Reichstag gestern die Erklärung obgob, daß die Beratungsstelle in kurzein ihre Prüfungstätigreit über den Anleihebedarf der Kommunen abschließen wird. Im großen und ganzen wurden jedoch nur wieder Spezialwerte lebhafter gehandelt, da die Beteiligung des privaten Publikums nach wie vor gering blieb. Dagegen sollen von Seiten des Auslandes verschiedentlich wieder Kaufaufträge Vorgelegen haben, namentlich für Elektrv- werte auf die Gründung zweier belgischer C l e k t r o t r u st s. Bei der ersten Aotiernng ergaben sich guf den meisten Marktgebieten Kursbesserungen von 1 bis 3 Proz. Am Elek- t r o m a r k t waren aus dem erwähnten Grunde die Werte mit Anlehnung an das Ausland bevorzugt. So konnte Gessürel 4y< und Licht und Kraft 2% Proz. anziehen. AEG., Bergmann und Siemens gewannen PA bis 2IA Proz. Metallbank und Metallgesellschaft waren auf den Anleiheabschluh starkverlangt und je um 3 Proz. erhöht. Lebhafteres Interesse macht sich ferner für Bauunternehmungen bemerkbar, von denen Holzmann erneut 3V2 Proz. und Wohß und Freytag 4 Prvz. fester lagen. Zement Heidelberg plus l’/2 Prozent, auch J.-G.-Donds mit 143,75 eher etwas nied- auch E.-G.-Donds mit 143,75 eher etwas niedriger. Aur Scheideanstalt konnte sich 1,25 Proz. erholen. Schifsahrtswerte lagen 1,50 bis 2,50 Proz. höher. Montan werte hatten nur kleines Geschäft, doch überwogen die Kursbesse- rungen. Kaliwerte konnten auf die Abschlüsse im Salzdetfurth-Konzern 2,50 bis 3 Proz. anziehen. Karstadt konnte den an der Abenbbörse erzielten Kursgewinn gut behaupten. A.-G. für Verkehrswesen wieder lt Proz. nachlassend. Heimische Anleihen lägen still. Von ausländischen Renten waren Türken etwas höher. Im weiteren Verlaufe wandte nia.i dem Farbe n m a r k t größere Aufmerksamkeit zu und die ' Farbenaktien lagen 1 Prozent fester. J.-G.- Bonds notierten 144 Prozent. Am Markt der Autoaktien waren 21.6.11. 3 Prozent ei> holt. Auf den übrigen Marktgebieten waren meist weitere geringe Kucsbesserungcn zu verzeichnen. Am Geldmarkt war Lagesgeld heute wieder stärker gefragt zu 7 Prozent. Am Devisenmarkt war der Dollar wieder cm- geboten und im Kurs schwächer. Mark gegen Dollar 4,18, gegen Pfund 20.413. London-Kabel 483.20, Paris 124.Q2, Mailand 290.40, Madrid 28,95, Holland 12,1225. Berliner Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 29. Marz. (Eigener Drahtbecicht des Gießener Anzeigers.) Die heutige Börse zeigte im großen und ganzen dasselbe Bild wie gestern, der Gesamteindruck war wieder etwas günstiger. doch läßt die (Beteiligung des Publikums immer noch zu wünschen übrig. Für S p e - zialwerte bestand wieder, besonders seiteis des Auslandes, Kausueigung. wobei eine Reihe neuer Werte in den Kreis der alten Favoriten eintrat. Die Grundtendenz ist aber nur als gut behauptet zu bezeichnen da die Kursentwicklung keinerlei einheitliche Richtung zeigte. 2lnregende Momente lagen nur wenig vor. Die Feiertage rücken in die Tkäbe und werden schon heute als hemmender Fattor in Erwägung gezogen. Zu den ersten Kursen wiesen nur Spezialitäten größere Veränderungen auf. Schifffahrtswerte und Danken waren 1 bls 2 Prozent höher. Montanwerte eröffneten eher schwächer. Kaliaktien nach Be- kanntwerden der Abschluhziffern wirkten enttäuschend und waren kaum verändert. Stoll- berger Zink, Akkumulatoren, Gessürel, Ludwig Löwe, Berger, Tolzmann, Metallbank, Thüringer Gas, Deutsche Erdöl. Charlottenburger Wasser. Feldmühlepapier, Schlesische Gas und Oberkoks lagen bis 6 Prozent höher. Dagegen verloren Gebr. Körting 4,5 Prozent, Glanzswff 7 Prozent. Deutsche Eisenhandel 3 Prozent. Heimische Anleihen lagen freundlicher. Ausländer geschäftslos. Bosnier und Türken 0,5 Prozent fester. Berger, Polyphon, Deutsch-Atlantische. Dessauer Gas zogen erneut 1 bis 3 Prozent an. Gessürel blieben 2 Prozent über Anfang gesucht. Frarrrfuxtcr Getreidebörse. Eigene Drahtmekdung des „Gießener Anzeigers". F r a n k f u x t a. W., 29. März. Die Marktlage zeigte keinerlei Deränderung. Das Geschäft ist ruhig. Futtermittel, besonders Hafer, sind gut gefragt. Kleie für spätere Termine wird billiger angeboten. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Proz. Auswuchs 26,50. Roggen 27,75 bis 28,50, Hafer, inländ. 26,75 bis 27, Mais (gelb) für Futterzwecke 24,25 bis 24,50, Mais (gelb) für andere Zwecke 25 bis 25,25, Weizenmehl, südd. Spezial 0 37,75 bis 38,50, Roggenmehl 37,75 bis 38,50, Weizenkleie 14,75, Roggenkleie 15,75 bis 16,25. Tendenz fest. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 29. März. Auftrieb: 81 Rinder, 1289 Kälber, 301 Schafe. 764 Schweine - Kalber: Beste Mast- und Saugkäll>er 76 bis 80 Mk,, mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 75, geringe Kälber 58 bis 64. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 45 bis 50, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 44. fleischiges Schasoieh 33 bis 37. — Schwei n e: Dollfseischine Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 51 bis 54, von etwa 200 vis 240 Pfund Lebendgewicht 52 bis 54, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 52 bis 55, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 50 bis 54 Mk. — Marktverkauf. Kälber und Schafe anfangs mittelmäßig, zum Schluß abflauend, ausverlauft. Schafe hinterlassen Ueberstand. Schweine schleppend, geringer Uebexstand. Schwere fette Schweine schlecht verkäuflich. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 23. März. Der Auftrieb von Dieh auf den Diehmärkten gibt nicht selten Anlaß za Tierquälereien gelegentlich des Viehtransports. So beobachtete ein Einwohner der Hcpnmstraße, wie ein auswärtiger Viehhändler dem von ihm zum Markt getriebenen Vieh in gefühlloser und ärgerniserreaender Weise fortgefetzt Stockschläge auf Kopf, Rücken, namentlich aber in die Weichteile versetzte, um es zum Weitergehen — wahrscheinlich war cs zu eng zusammengekoppelt — zu bewegen. Das Ge- richt erblickte hierin eine öffentliche vorsätzliche rohe Mißhandlung der Tiere, insbesondere um deswillen, weil der Viehhändler fortgesetzt auf das Dieh einschlim, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, welche Körperteile getroffen wurden. Daß aber gerade Schläge auf die Weichteile, wie solche festgestellt, geeignet sind, hefttge Schmerzen zu bereiten, nimmt das Gericht ohne weiteres und ohne Zuziehung eines Sachverständigen an, Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbanldiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Frankfurt a- M Berlin __Datum f/« Dt Reichsanleihe v >927 Dt Bnl Abloi Schuld nut Äuslos 'Rechten De Sgl ohne $Iu6l s -Rechten Vio ifrrai.fi Hop..Bl. Go dpf unkündbar bis 1932 <’/»% Rheinische 6HD .Bank Ligu«Goidvf AEG abg BorknegS-Ob- (igationen. rückzahlbar 1932 17, Schweu BundcSb.'Aul. <®/e Oeftereichische Goldree 4,20% Cefterr ich Silbern? 4% Oesterreich diibettl Rle <% Ungarische Goldrte 4% Ungarische Slaalsr B.19W <%°/ dcSgl von 1913 4% Ungarische flronenrte <°/. Turk ^ollanlcihe v 191) ♦% Tuck Bagdadbahn' LlU eerit 1 4°/-. desgl Gert II 4% Rumänen conven $Rte. <%% Rumänen Soldanl. von 1913 BQq Deurichc Eiicnbahn 47, Hamburg.Amerika 'Datei o v uub -Südam T amp sch 8 Hansa Dampfschiff 6 Norddeutscher Lloyd 6 SlÜg Deutsche Lrcditantk 16 Bann t Bankverein 10 Berlin« Handelöaclellsch. 12 Eommerz» und Pnoat-Bt li Tannsi u Ranonalbank 12 Deutsche Bank 10 Divkoiia Gesellschaft Anl 10 Dresdner Bau! 10 Mntcldeutlche Kreditbank 9 Bletallbant . 8 d44banr . . . lij SchUih 11-Uhr- Kurs Kure Kurs Kur 28 3. | 31). 3. 28 3. | 2». 3. 87.25 — 87.5 - 51,9 — 52 52 14.7 14,8 14,75 — — - — - - - — — - - — — - — — 25,3 — 25.4 25.6 ■3» 26,65 ■™ — —» — — 1.7 1.75 12,4 — 12.13 12.6 — — 12,5 12,4 - — 1*3,3 12.3 —- _ — — 14,2 152 153.75 151.9 — ZOO 75 - 224.25 - 144.5 147 144.4 146.5 144 H3.fi 14. 149 119 147 149.5 - — 253.6 <153,5 tl8,ü — G8.4 178.26 238.5 239 238 <39.6 164 — 164.75 165 158. f lt>0,25 169 159 5 161.5 161.4 161 161.4 — — 207.5 133 135 130 134.4 187.76 — 187.5 187.75 i j । 5>ouhturt a. M | Berlin Schlnh. Kurs 1-Uhr. Kurs I Sduufo.; Anfang 1 Kurs ' Kur Datum* 28 8. 1 29 3. | 28. 3. 3 a- e ® ? Bergmann .......s rltttr Lieferungen • • • 10 Sicht und Ära ft ... 10 Melken L Guillccmme ... .6 Sri r Elekir Untern. . . 10 jamb Elektr SJerfe . . lo rhein Elcttt .... 3 Schlei. Elckrr ..... io schuLert ....... 7 iiemcnS k HalSlie . ... 16 ttan radio . , . . 8 jabmtner L Le- ...... 9 Suherus ..... o Ttvklchc Erdöl..... .6 offener S etnkohle.....8 8e Neukirchen« f. % I 4 sarvener .... S >oefch Eisen ....... .L jffe Bergbau . .......8 tlöcknorwerke .5 rölnNeueffeu ......51/, vianncsmann f. V« g 4 Kans elder ■ 7 dberschlcs Eisend. 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Btijang Kurs flut Datum: 28. 3. | 29. 3. h» 3. 1 29. 3 Bbnivv Hvl;manti Heidelbirucr Gement s Ctemeni ^aelstadt . 8 -Lanß k «frrritaa |c SchnlldetS SmxnMtT. is Ostwerke , . ij Bcr. Glanzftoff .... 15 Bem berg ... 8 Zellfton Daldhof. . 12 Zellstoff Sschafsenbura . 10 lLharloti.-nburger Vafser 1 effaner SaS 8 Daimler Mo'sreo.....0 Demag .... 0 Adlerwerke Sceve». . , . 0 LUbw Loritt Rat automobil ...... 6 Orrnftetn & Kovvel. .. . 1 1 1 ’s 1 i 1 1 Sg 1 1 1 । £. *5 2 ' ' > SXS 1 S«2i2 »-? 1 l 1 f 1 1 l ff 0 l t 1 • - § ÄST ® 83 5 Z *^||| aE’SSS.'3 1 '’L'*’? ■ O ^5 , LOfl.Q | , , uscs.a . ,o —. Ti Z 7* T ‘ ' • ^i • "o » 7*5 — • r» 1 ' 1— '<*••■< ff) । r-. • - * —• *Q . . « . M 2__5 -g” A SS £2 Be-sw. 38 März 1 '»rid Brie, iLmcrtlaniiche Noten..... belgische Noten - . . ... Dänische Noten ...... Englische Noten ...... 1 4.168 58.2> 111,75 I 20.37 4,188 112 J 9 M. <5 Berlin. 28 Mär; "" ^ranzöiisckre -loten..... Holländische Noten .... Italienisch.' Noten...... Norwegische Note«..... Deukkch-Oestcrr, s 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Devifeumartt Berlin Telegraphische Geld iTTrnMi 16,49 >6.66 167.91 168,59 22.11 22,19 111.33 111,77 68,71 58.95 2.59 2,61 111,93 112.3$ 80,70 80.38 70,06 70,34 13.356 >12.415 72 80 73.10 Frankfurt 8.513 111,53 58.435 111.74 IJiS RoDenbagcn 111.90 112.17 111,96 ih Stockholm 112,15 112,37 112,14 HelstngiorS. 10,517 10.537 10.617 22,065 10.637 Alalten. . 42,076 22,115 32,105 London. . . 20,392 20,132 30,389 20,449 Renvork . . 1,17*0 4,18.50 1.1775 4.1835 BortL.... schwer .. Spanien • 10,44 16,48 80,645 16,44 16, .8 .'0,485 M),46 80,62 -0,25 70 39 70 33 70.47 Japan 1,998 2,002 1,997 2.201 »io de Jan Wien In D-- >.502 9.504 J.ÖO25 0.5045 CefL abgest -8,76 »8.88 >8.7» ov.stl Prag 12.377 12.397 12,377 13.397 Belirad 7,350 7.364 7.260 7,364 Budavest. 72,93 73,09 72.95 73.09 Bul arten 3,022 3.028 1.019 3.0r5 Ltstabon 18,28 18,3t 18.28 18.32 Danztg Öonft.jute. 61,52 81,68 ->1,535 81,695 4,113 2,117 4,113 2,117 atben . 5.544 5,55b 4.186 5.534 6,546 Canada 4.178 1.179 4.187 Urn.inao <*• 4.346 20.918 4,354 20.958 4.320 20.916 4,334 20.956 ebenso, vast solche Schläge vermeidbar waren. Eine Strafe von 20 Mark wegen Tierquälerei schien angemessen. Das Gericht nahm im übrigen an. dah Stockschläge bei derartigen Transporten recht wohl erforderlich werden tonnen. Es darf aber hierin fein Mißbrauch getrieben werden, und auch die Viehhändler bzw. Diehtreiber haben bei den Diehtransporten die ihnen durch den Tierschutz gesteckten Grenzen durchaus einzuhalten. Eine gefährliche Stelle für die Autofahrer ist die Ecke be8 Qteucn» und Selter s w e g s, insbesondere beim Einbiegen in den letzteren. Rach § 21 der V. O. über Kraftsohrzeugverkehr hat der Autoführer beim Einbicgen in einen anderen Weg nach rechts in kurzer Wendung. nach links in weitem Bogen zu fahren. Der Angeklagte ist aber bei Benutzung der fraglichen Stelle, vom Neuenweg kommend, nicht im weiten Bogen gefahren, sondern hat den Bogen zu kurz genommen. Dabei hat er auch die Annäherung der Strahenbahn, mit der er unbedingt rechnen mustte. außer acht gelassen. Die Folge war, daß Straßenbahn und Auto beinahe widereinander gestoßen wären. Der Angeklagte vermied aber selbst diesen Zusammenstoß, indem er sein Auto noch in letzter Minute nach der Kaplansgasse zu herumriß. Dies konnte ihn aber vor Strafe nicht schützen, wohl ober strafmildernd wirken. Der AngeLlagte kam daher mit einer geringen Geldstrafe davon. Eine weitere Verhandlung sollte aus Anlaß einer Autoübertretung hauptsächlich dazu dienen, sestzustellen. ob die Beschaffenheit der Straße Grosten-Duseck — Beuern infolge ihrer vielen Krümmungen, Steigungen und Senkungen. insbesondere durch Behinderung des freien Ueberbltckes, allgemein die Sicherheit eines Auto- führcrs beeinträchtigt und diesen zu besonderer Vorsicht mahnt. Da der Angeklagte aber aus subjektiven Gründen freigesprochen wurde, erübrigte sich diese im Interesse des Autoverkehrs wünschenswerte Feststellung. Kunst und Wissenschaft. BeethovenpreiS 1928. Die PreuhischeAkademicderKünste veranstaltete, wie aus Berlin berichtet wird. am Dienstagabend eine Deechovenfeier', bei dieser Gelegenheit wurden die Träger des diesjährigen Beethovenpreises von je 5000 — Das Märzheft der Berliner Monatshefte für internationale Ausklärung „Die Kriegs- s ch u l d f r a g c" bringt erstmalig in deutscher Hebersetzung die bulgarischen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 aus dem im Jahre 1920 in Sofia erschienenen Orangebuch über den Balkankrieg und den Weltkrieg. Unabhängiger und objektiver als die Vertreter der Großmächte berichten die bulgarischen Gesandten über die Entstehung und Entwicklung der österreichisch- serbischen und der europäischen Krise, die zum Kriegsausbruch führte. Umworben von beiden Mächtegruppen, dem Dreibund und der Triple- Entente, hat Bulgarien während der Krise eine durchaus neutrale Haltung bewahrt, und man erkennt sogar aus den Berichten seiner diplomatischen Vertreter, daß unter ihnen nicht einmal eine einheitliche Auffassung über die Führung der bulgarischen Außenpolitik bestand. Während die bulgarischen Vertreter in Konstantinopel, Berlin und Wien die Nützlichkeit eines Anschlusses ihres Landes an den Dreibund durchblicken liehen, forderte der bulgarische Gesandte in Petersburg ganz offen den Eintritt Bulgariens in den Krieg aus feiten der Ententemächte. — Die plötzliche Erneuerung des französisch- amerikanischen Schiedsvertrages erweckte den (Slnt druck, als ob die ausgewogene Taktik des Quai d'Orsay der Diplomatie der Neuen Welt eine Schlappe beigebracht habe, durch die eine klare Hoffnung aller Völker gefährdet werden kann. Sinn und Tragweite dieser für die dauernde Befriedung der Welt sehr entscheidenden Vorgänge analysiert im Märzheft der „Europäischen Gespräche" (Verlag Dr. Walther Rothschild in Berlin-Grunewald) ein Dialog über den Briand-Kellogg-Pakt. Der Dokumententeil bringt zugleich die wichtigen deutschen Anregungen zur Lösung des Sicherheitsproblems für die Diskussion in Prag und Genf. Mark bekanntgegeben. Es sind die- Pros. Dr. Arnold Mendelssohn in Darmstadt und Heinrich Kaminski in Ried (Bayern). — „Pantheon". Monatsschrift für Freunde und Sammler der Kunst. Herausgegeben von O. v. Falke und A. L. Mayer. Verlag F. Bruck- mann A.-G., München. Vierteljährlich 7,50 Mk. Von dieser eben neubegründeten Kunstzeitschrift liegt uns das zweite Heft vor. Zweck der Zeitschrift ist. aus der Kunst aller Zeiten und Völker und aus allen Kunstzweigen besonders wichtiges und schönes, bisher nicht bekanntes Material an den Tag zu sördern, aus in- und ausländischem Privatbesitz, aus üerftedten öffentlichen Sammlungen, aus dem internationalen Kunsthandel usw. Aus dem Inhalt greifen wir weniges heraus und nennen zunächst eine prachtvoll bebilderte Abhandlung über die Fürstlich Hohenzollemschen Sammlungen in Sigmaringen, die Besprechung einer farbig wiedergegebenen bezaubernden „Verkündigung" vom Meister des Frankfurter Paradiesgärtleins, einen illustrierten Aufsatz von A. L. Mayer über neue Grecoforschungen. O- v. Falke zeigt das gotische Elfenbeinkästchen mit der Tristansage aus der Eremitage in Petersburg, bann die sehr schönen mittelalterlichen gotischen Bildteppiche aus dem Kloster Wienhausen. 3m übrigen Inhalt wechseln prächtige mittelalterliche Plastiken mit Werken der Malerei der italieni» scheu, deutschen, holländischen usw. Schulen, einem herrlichen Beispiel südindischer Plastik. Kameen und weiteren kunstgewerblichen Arbeiten. Den Abschluß bilden wieder Berichte über bemerkenswerte Vorgänge ujib Veränderungen auf dem Gebiete des Kunstinteresses aus aller Welt. -- Die Rot des deutschen Buches bespricht in einem Aussatz „Heber die Rot der deutschen Wissenschaft und ein Mittel zu ihrer Abhilfe" Prof. Kurt Dreysig im Märzheft des „Kunstwart s" (Verlag Georg D. W. Eall- I wey, München), wobei es u. a. heißt: „In Hinsicht auf den Buchhandel hat sich in Deutschland seit dem Kriege eine Umwälzung vollzogen, deren Tragweite, ja Deren Dasein selbst der Oefsenk- lichkeit kaum bekannt ist und die doch für dageistige Leben unseres Volkes schwere Gefahren in sich birgt. Der Dücherabsatz hat in diesen Jahren ganz außerordentlich schwere Einbußen erlitten: der Verkauf der Bücher, vornehmlich der wissenschaftlichen, ist in einem Maße zurüdge» gangen, für das es in allen Vorkriegszeiten kein Seitenstüd weder an ilmfapg noch an Nachhaltigkeit gibt. Von vielen Erwerbenden und insbesondere von den schnell zu Reichtum und Wohlstand Gekommenen mag zugegeben werden, daß sie, wie dem Geist überhaupt, so Dem Buch in stumpfer Gleichgültigkeit gegenüberstehen. Aber daß es Tausende und Zehntausende williger Leser gibt, denen ein Buch ein Freund und ein köstlicher Besitz ist, daß ist ebenso gewiß. Nur. und das ist Me traurige Lösung der Frage: die Willigen können nicht Käufer sein, die Besitzenden aber wollen es zu östest nicht sein. ... Eine der ganz schlimmen Folgen dieses Vorganges ist die Lähmung unserer Buchverbreitung." — Das Inselschis f. Eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages. Neunter Jahrgang. Zweites Heft. Frühjahr 1928. Aus dem reichen Inhalt dieses stillen und vornehmen, stets hochliterarischen Periodicums sei im Durchblättern dies und das mit besonderer Empfehlung herausgegriffen', die Worte Hofmannsthals z.B. über Rudolf Alexander Schröder, und Schröders Sonette und seine Hebersehung der berühmten ersten Satire des Horaz. Friedländer steuert ein (jetzt besonders aktuelles) Kapitel über Dürer bei. Stefan Zweig gibt einen glänzenden Essai über Casanova. Von den Dildbeigaben: ein Selbstbildnis Dürers und eine wundervolle heilige Barbara vom Sterzinger Altar des Hans Multscher. — „Junges Gemüse" ist die Dorfrühlingssondernummer der „Lustigen Blätter" (Dr. Ehsler & Co., Berlin). Roellinghoff erzählt die neuesten Lenzwitzchen. „Meine Sache mit Emil" ist ein ulkiges Erlebnis von Heinz Lorenz. Heiligenstaedt, Trier und noch viele andere haben mitgeholfen, diese Nummer besonders vielseitig zu machen. Blick in die Zeitschristen. ventrztlboderv preußische Central Zodenttedtt - Aktiengesellschaft Von unseren neuen 8"/» Seniral-Sold-psandbriesen vom Zähre 1927, mit April-Oltober-Zinsen, die an der Berliner Börse bereite amtlich notiert werden und deren Zulassung an den Börsen von Frankfurt a. M., Hamburg, Köln und Leipzig beantragt ist, legen wir 1OOOOOOO Goldrnark zum Kurse von 98% zuzüglich Stückzinsen vom 1. April bis zum Abnahmetage zur Zeichnung auf. Oie Zeichnung findet statt bis zum 14. April 1928, früherer Schluß Vorbehalten, bei der preußischen Lenttal-Vodenkredtt-AMengesellschast, „ „ Direktion der Disconto-Gesellschast und deren Awetgansiallen, , S. Dlelchröder, Berlin, „ Sal. Oppenheim jr. & Oie., Köln in Gießen bei der Äirection der Disconto- Gesellschast, Filiale Gießen und bei den sonstigen Zeichnungsstellen sowie bei allen Bankfirmen und Sparkassen, wo ausführliche Prospekte zu beziehen sind. Oie Abnahme der Stücke kann jederzeit bis 30. April geschehen- Oie Sicherheit der Gold-Pfandbriefe beruht auf Gold« Hypotheken nach Feingoldwert, die auf ländlichen und städtischen Grundstücken eingetragen sind. Eine Kündigung ist bis 1933 ausgeschlossen. Oie Tilgung muh spätestens 1965 beendet sein. Stücke über sooo, 2000,1000, 500, 200 und 100 Goldmark. Sie sind von der Veichsdank zur Beleihung in Klaffe A zugelaffen. Lettin NW 7, Unter den Linden 48/49. preußische Central-Sodenlredlt-Aktiengesellschaft Schwartz. Lindemann. Oesterlink. Wrede. 3371id aren Sie schonen Ihre Wasche SUMA hilft Jhnen sparen- fSuma f j U doppeltso viel / waschkräftigv Sa 210, ee gibt keinen wahreren Satz ab diesen! Betrachten Sie die Bilder und hören Sie folgende Tatsachen! Sie brauchen für einen gewöhnlichen Waschkessel (Inhalt 40 Liter = 4 Eimer Wasser) nur ein Paket S u m a. Kein anderes Waschmittel reicht so weit. Sie brauchen auch keinerlei Zutaten -vor allem nicht künstliche Bleichmittel! Suma wäscht allein. 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Alle ' um eine A, M nur uni oern um ehre