Nr. 280 Erstes Matt 178. Jahrgang Mittwoch, 28. November 1928 (Er|$cmt taglid),mifc« Sonntag» unb Stiertags. Beilagen; Dtehener Scmtlienblätt« Heimat im Bild Die Scholle Monats.Bezugrpreir: 2 Reichsmßrk und 20 Reichspfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüss«: 51, 64 und 112. Anschrift für Drahtnache richten Anzeiger Sieste». postfcho lichung an den Reichstag gehen und es sei registriert, daß man in parlamentarischen Kreisen so optimistisch ist, unter Berücksichtigung namentlich des Ausganges der Volks parteilichen Tagung anzunehmen, daß zunächst auch ohne feste formale Bindung die Parteien der Großen Koalition mit der Regierung einen Weg zu gemeinsamem Vorgehen in aller Kürze finden werden. Erste Besprechungen des Reichskanzlers. Zustimmung des Reichspräsidenten. Berlin. 27.Rov. (IU.) Reichskanzler Mül- (et Hal am Dienstag den Herrn Reichspräfi- d e n l e n aufgesucht, und mit ihm die politische Lage besprochen. Der Reichskanzler hat dabei daraus hin- gcwiesen, daß die Regierung in ihren weiteren gesetzgeberischen Arbeiten einer festen und sicheren Koalitionsbasis bedarf. Dec Reichskanzler hat den Herrn Reichspräsidenten davon verständigt, dah er die heute wieder versammelten Fraktionen der Regierungsparteien alsbald vor die Entscheidung über die Koalitionsfrage stellen müsse. Er soll dabei die volle Z u st i m - mung des Herrn Reichspräsidenten gefunden haben. Der Reichskanzler Hal darauf die Vorsitzenden der Reichstagsfrakllonen der Sozialdemokratie. der Demokraten, der Deutschen Volkspartel und des Zentrums zu einer gemeinsamen Besprechung über die Schaffung der Großen Koalition eingeladen. An der Besprechung nahmen teil für die Demokraten: Abg. Haas; für die Sozialdemokraten: Wels und Dr. Breltscheld; für das Zentrum: Dr. Stege r w a l d und für die Deutsche Volkspartei: Dr. Scholz. Die die „Voss. Ztg." über die Koalitionsverhandlungen erfährt, erklärten alle Fraktionsführer die Bereitwilligkeit zur Schaffung einer stabilen, geschlossenen Mehrheit auf der Basis der Großen Koalition. Der Eindruck der Konferenz war sehr günstig. Man ist überzeugt, daß die neue Mehrheit weder im Reich nochin Preußen auf Schwierigkeiten stoßen wird, glaubt aber, daß man erst nach dem Ientrumsparteitag in Köln, der am 8. Dezember beginnt, den Schlußstein zur Großen Koalition wird legen können. OerRachtragsetat desReiches Berlin, 27. Rov. (WTB.) Die Reichsregierung hat dem Reichsrate den Rachtragshaushalt für 1928 zugehen lassen. Der Rachtragshaushalt bringt keine sächlichen Ausgaben, sondern ist reiner Personaletat. Er enthalt in der Hauptsache eine Zergliederung der im Haushalt 1928 nur Pauschal bewilligten Personalausgaben. Er sieht, wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, rund 50 Mill. Mark Mehrausgaben vor, di« nölig wurden infolge der Durchführung der De amtenbesoldungs- r e f o r m. Dem Mehrbedarf von 50,1 Millionen Mark stehen gegenüber Mehreinnahmen von 7,8 Millionen Mark, so daß die tai,ächliche Mehrforderung demgemäß 42,3 Millionen Mark beträgt. Die Deckung des Mehrbedarfs erfolgt u. a. durch Einstellung der an die Deutsche Reichspost im Jahre 1927 zuviel gezahlten und von dieser im Jahre 1928 erstatteten Vorschüsse auf die Reichszuschüsse und Deichsbeiträge zur Invalidenversicherung. Sodann sind 10 Millionen Mark eingesetzt durch Kürzung des Ausgabenansahes für äleber- toeifungen aus der Kapitalverkehr s- st e u e r. Der Rachtragsetat balanciert in Einnahme und Ausgabe mit dem Betrag von 34 759 575 Mark. Reue Richtlinien für die Beamtenlaufbahn. Besprechungen im Neichsinnenministcrium. Berlin, 28. Rov. (Priv.-Tel.) Gestern hat im Reichsinnenministerium unter Vorsitz des Ministers S e v e r i n g eine Besprechung mit den Veamtenspitzemrrganisationen über die Laufbahn-Richtlinien stattgefunden. Diese Richtlinien sehen Bedingungen für den Eintritt in den Vorbereitungsdienst, die planmäßige Anstellung uni) die Beförderung der Beamten aller Laufbahnen vor. Dazu gehören Bestimmungen über die Schulvorbildung für jede Laufbahn; für den unteren und einfachen mittleren Dienst soll sie in der Volksschulbildung, für den gehobenen mittleren Dienst in der älnterprirnareife einer neunstufigen höheren Lehranstalt, für den höheren Dienst im A b i - turium nebst abgeschlossener Hochschulbildung bestehen. Ferner ist festgelegt, ob eine Anste^lungsprüfung stattzufinden hat. Sodann werden die Bedingungen für den Aufstieg angegeben. Zu den Beförderungs- Prüfungen sollen die Beamten nur nach dem dienstlichen Bedürfnis einberufen werden. Es kann sich also nicht jeder melden, sondern er muß warten, bis und ob ihn die Behörde dazu anruft. In der Sitzung sprach sich der freigewerkschaftliche Allgemeine Deutsche Beamtenbund gegen das Verlangen des Deutschen Beamtenbundes. das Abiturium für den gehobenen mittleren Dienst zu fordern, aus und plädierte für Obersekundareife. Beide Gewerkschaften verlangten ferner, dah zu den Beförderungsprüfungen sich alle Beamten melden können. Rur dadurch könne dem Prinzip des Aufstiegs Geltung verschafft werden. Daneben müsse besonders tüchtigen Beamten das Aus - rücken aus einer Laufbahn in die nächsthöhere ohne Prüfung ermöglicht werden. Eine wichtige Forderung der Beamtenorganisationen zielt auf die Wiedereinführung der sogenannten Verzahnung. Rach Schluß der Aussprache macht Reichsminister Severing den Vorschlag, eine Kommission zu bilden. Oer hessische Innenminister über die Derfaffnngsreform. Regierung und Eingemeindungsfrage. Darmstadt, 27. Rov. Auf einer Tagung sozialistischer Bürgermeister führte Innenminister Leuschner unter anderem aus: Wir sind für den Einheitsstaat, aber nicht im Rahmen der Vorschläge Luthers, ebenso nicht im Sinne des zentralistischen Einheitsstaates, sondern mit dezentralisiertem Aufbau bestimmter Selbstver- waltungskörper. Für unser Gebiet kommt die Zusammenfassung von Hessen, Hes-, sen-Rassau und des rheinischen Ge-I biet es in Frage. Das wäre für uns der erste Schritt zur Diskussion, die wir in Fluß hal -' ten müssen, um innerhalb der Bevölkerung einc[ günstige Atmosphäre für den Einheitsstaat zu, schaffen. Auch wollen wir uns fragen: sollen' wir in Hessen nun darauf verzichten, unsere ge- gesehgeberischen Aufgaben zu erfüllen, weil der Einheitsstaat einmal kommt? Deshalb wollen wir vorerst nur moderner Gesetzgebung Raum geben und deshalb werden wir auch das Gemeinde- gefet} einbringen, zu dem unser kommunal-1 politisches Reichsprvgramm die Grundlage ab-' geben soll. InderEingemeindungssrags muh die Initiative von den Gemeinden ausgehen. Es müssen Anträge gestellt werden. Der Stadt Mainz habe ich erklärt, dah ich bereit bin, alte Cingemeindungsbestrebungen, eventuell zwangsweise, zu unterstützen. Die neue Gemeindeordnung wird auch hier schärfere Bestimmungen erhalten. Mit der Selbstverwaltung kommen wir nicht immer durch, deshalb brauchen wir ein schärferes Zugviffsrecht, damit wir die Gesetzgebung in den Gemeinden so durchführen können, dah wir unsere Forderungen realisieren können. In anderer Hinsicht aber muh di« Selbstverwaltung gebilligt< werden. JrMmch wünscht die Teilnahme seiner Vasallenstaaten an der Reparaüonskonserenz. Parts, 27.Roo. (ZU.) wie der pariser Ver- freier der Telegraphen Union erfährt, dürfte der französische Ministerrat mit dem auf Veranlassung polncarss gefaßten Beschluß, die Sachverständigen durch die Reparationskommission ernennen zu lassen, die Absicht verfolgen, den a n - deren Staaten, wie beispielsweise Polen, Rumänien und Jugoslawien, die bekanntlich in der Reparationskommission gleichfalls vertreten sind, die Möglichkeit zu geben, ihrerseits Beobachter in die Sachver- ständigenkommlsslon zu entsenden, wie erinnerlich, hatten Vertreter der genannten Staaten als Beobachter auch an den Beratungen des Daweskomitees in London feilgenommen und hatten später, als eine Uebetelnffimmung zwischen Deutschland und den Alliierlen erzielt worden war, Gelegenheit hierzu, ihre Zustimmung zu erteilen. Allerdings zweifelt man in pariser ausländischen diplomatischen Kreisen daran, daß sich die anderen alliierten Regierungen, die an den im September in Genf getroffenen Vereinbarungen beteiligt sind, auf eine Ernennung der Sachverständigen durch die Repko elnlassen werden, da hierdurch da» Problem der Ernennung der Sachver- skändlgen ungewöhnlich kompliziert werden würde. Zudem ist es fraglich, ob diese Regierungen einer Teilnahme von Beobachtern Rumäniens, Polens usw. zustimmen würden. Diese Information scheint eine Bestätigung in Hinweisen zu finden, die die pariser Abendpresse vom Dienstag bringt. So schreibt beispielsweise „Journal des Debets“, daß neben den eigentlichen Sachverständigen auch Beobachter der Sachverständigenkommission angehören würden, die die Möglichkeit hätten, ihre wünsche geltend zu machen. Das Blatt weist weiter daraufhin, daß gemäß § 234 des Friedensverkrages alle Mächte, die in der Reparationskommission vertreten seien, ihre Zustimmung zu den Vorschlägen der Sachverständigen erteilen mühten. Die oft gut informierte „La presse“ spricht ihrerseits sogar von Griechenland, Jugoslawien, Rumänien und Polen, die, wie auch nicht im gleichen Maße, so doch aber immerhin stark an der Regelung der Reparafionsfrage interessiert seien. Sollte tatsächlich die völlig überraschende Maßnahme einer Betrauung der politischen Repa- rationskommlssion mit der Auswahl wirtschaffs- und sinanzpolifischer Sachverständiger den Erfolg haben, daß nun auch die Vertreter der mit Frankreich verbündeten Off- und Balkansiaafen aktiv in das Reparationsproblem eingreifen, dann wäre die restlose Politisierung des Reparationsproblems in der Sachverständigenkonferenz vollständig. Der endgültige Reichswirtschastsrat. Beratungen des Regierungsentwurfs im Reichstag. Berlin, 27. Rov. (DDZ.) Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Gesetz- entwur,es über den endgültigen Acichswir.schafts- rat Abg. Tarnote (©.) meint, die bisherige Tätigkeit des vorläufigen Reichswirlscha,tsrats könne nicht zu dem Sch uß verleiten, ba j der Reichswir.scha.tlrat iuer lü fig sei. Die Freiheit der Wirtschaft habe au'fgel)jrt, durch den Entschluß der Wirckchafts,ührer selbst. Dieser fest organisierten gebundenen Wlrckchnft g genüber sei es notwendig, das Interesse der Allgemeinheit zu wahren durch einen Reichswirtfchafts- rat, in dem auch die Arbeitnehmer als gleichberechtigter Teil der Wiri schäft vertreten sind. Angesichts der Schwierigkeiten, die der Einrichtung ton Dezirkswirtscha tsrö'.en e.ttgegenstehen, will man sich mit der Umgeftallung der Berufskammern zu paritätisch aus Arbeitgebern und ArLeitnehm.m zusammcnge eZten Körperschaften begnügen. Wir bedauern, daß eine entsprechende Vorlage nicht gleichzeitig mit dem vorliegenden Entwurf eingebracht worden ist. Abg. H e r g t (Dn.) bezeichnet die Frage der Schaffung eines wirklichen Parlamentes der schassenden Stände als das Zentralproblem der Versassungsreform. Der von dem Vorredner bekämpfte Gedanke einer Ausgestaltung des Reichswirtschaftsrates zu einer gesetzgebenden zweiten Kammer liege durchaus im Sinne der Deutschnatic- nalen. Der bestehende vorläufige Reichs- wirtschaftsrat könne iriemanb befriedigen; auch der vorliegende Entwurf wolle den Reichswirtschaftsrat nur zu einem Torso, zum Stückwerk machen. Das politische Parlament müsse von den Emslüssen der Wirtschaft unabhän- g i g gemacht werden. Das könne aber nur erreicht werden, wenn die wirtschaftlichen Dinge in einem bes anderen Parlament mit eigener Verantwortung erledigt werden können. Ein solches Parlament der schassenden Stände dürfe nicht so einseitig zusammengesetzt werden wie der jetzige Reichswirtschaftsrat. Die notwendige Ergänzung des Reichstages muß ein Parlament fein, in dem, wie im alten preußischen Herrenhause, der Selb st Verwaltungskörper, dis kirchlichen Körperschaften und die übrigen Kräfte der Ration ihre Vertretung finden. Das bestehende Einkammersystem sei die tie ste Ursache der auch von Republikanern anerkann.en Krise des Parlamentarismus in Deutschland. Wir beantragen den Entwurf einem besonders zu bildenden Ausschuß von 28 Personen zu über* weisen. Abg. Dr. Herrnel (Z.) meint, die Frage des Reichswirtschaftsrates dürfe nicht verquickt werden mit dm großen Fragen der allgemeinen Der- fassungsreform. Das würde nur zu einer bedauerlichen Verzögerung der nolwendigen Einrichtung des mdgül igen ReichswirtscAftsrateS führen. Wir wollen im Ausschuß prüfen, ob nicht eine gewisse Verminderung der Mitglieder- frafcl des Reichswilüschaftsrates möglich ist. Eine Erweiterung des Initiativrechtes wäre zu begrüßen. 2Ibg. Bey thien (DVP.) erklärt, auch die Deutsche Dollspartei wolle sich nicht der Ausgabe entziehen, an der Versassungsreform mitzuar- beiten, aber mit einer zweiten Kammer sei der Reichswirtschaftsrat nicht zu vergleichen Es sei auch nicht ohne Wei eres durchsüyrbar, die Handelskammern parllä isch zu befetjen. Der vorliegende Entwurf bedürfe mancher Verbesserungen. Vor allem sollten die wirtschaftlichen Mittelschichten und di« Angestellten ein« bessere Vertretung finden. 2Ibg. Dunkel (WP.) erklärt, seine Freunde hätten munch: Bedenken gegen den Entwurf, vor allem wegen der unzureichende Berücksichtig ? des erwerbstätigen Mittelstandes. Ci: würden aber im Ausschuß sachliche Mitarbeit zur Verbesserung der Vorlage leisten. Abg. Meyer, Berlin, (D). Für die Demo- kraten sei das Einkammersystem kein Dogma, aber der Hinweis auf daS alte preußische Herrenhaus sei wirtlich keine Empfehlung! denn diese preußische Kammer sei immer ein Hemmschuh für den Fortschritt in Gesetzgebung und Verwaltung gewesen. Die Demokraten würden eine stärkere Vertretung der Hausfrauen, der Handelsvertreter. der freien Berufe und des Beamtentums eintreten. ALg. Hepp (Chr.-Ratl. D.P.) äußert schwere 'Bedenken gegen den Gillwurf. Der Landwirtschaft sei eine ganz unzureichende Vertretung eingerau.nt: sie müßte mindestens ein Drittel der Vectretersihe im Reichswirtschaftsrat einnehmen. Seine Freunde würden sich ihre Stellungnahme zu der Vorlage Vorbehalten. Der Gesetzentwurf wird dem volkswirtschaftlichen Ausschuß überwiesen. Es folgt die erste Beratung der H a n d - werksnovelle zur Gewerbeordnung. Aach der Vorlage soll vor allem an die Stelle des bisherigen indirekten Wahlrechts zu den Handwerkskammern die unmittelbare, geheime und gleiche Wahl treten. Alle Handwerksbetriebe werden in eine »Handwerksrolle" eingetragen, die gleichzeitig die Wählerliste für die Handwerkskammern darstellt. Die Avvelle ändert weiter zahlreiche Vorschriften über das Wahl- und Stimmrecht zu und in den Innungsversamm- langen. Die Vorlage wird dem volwwirtschaft- lichen Ausschuß überwiesen. Günstiger Zolllang der Einigungs- Verhandlungen im EisenkonflM. Düsseldorf, 27. Aov. (WTD.) Die heutigen Einigungsverhandlungen der beiden Tarifparteien beim Regierungspräsidenten Dergemann sind gegen 8r/2 Uhr abends abgebrochen worden und werden am morgigen Aachmittag um SUbr fortgesetzt werden. WLHr:nd der Verhandlungen ergaben sich nochmals Schwierigkeiten, zu einer gemeinsamen Dergleichsba is zu kommen. Die Arbeitgeber wollten die heutige Verhandlung zu einer Einigung führen. Jedoch erklärten die Gewerkschaftsvertreter, an dem Vorschlag des Regierungspräsidenten Dergemann vom 19. Ro- vember und an ihrem Grgänzungsvorschlag hierzu fest halten zu müs'en. Sie baten die Arbeitgeber, im Laufe des Mittwochs hierzu nochmals mit ihren Mitgliedern besonders Stellung zu nehmen. Die Gewerkschaften glauben, daß di:ser Vorschlag die beste Grundlage sei, die Bewegung für beide Telle zu einem günstigen Erfolge zu führen. Wie das „D. T." hört, sind die Gewerkschaften bereit, den Vorschlag des Regierungspräsidenten Dergemann anzunehmen, der für die Wiederaufnahme der Arbeit eine Zwischenlösung vorsieht, wonach die Arbeiter zu den alten Bedingungen die Arbeit wieder aufnehmen, bis das Reichsarbeitsgericht entschieden bat. 3n einer vom Christlichen Metall- arbeitnwerband einberufinen Mitgliederrersamm- lung wurde seitens der Mitglieder ebenfalls zum Ausdruck gebracht, daß der Rechtsstreit auch dann ausgefochten werden könne, wenn die Detriebe unter den alten Dedingungen geöffnet würden. Eine Entschließung wurde nicht gefaßt. Oie Unterstützung der Ausgesperrten. Die Bolkspartei kritisiert die Art der Verteilung. Berlin. 28. Rov. (Priv.-Tel.) Aach der „Dörsenzeitung" wird heute eine von der Deutschen Volkspartei angeregte Sitzung des Reichskabinetts stattfinden, in der die Bedenken der Deutschen Vollspartei gegen die Verteilung derRuhrunterstützungs- gelber durch den preußischen Wohlfahrtsminister Hirtsiefer zur Sprache gebracht werden sollen. Aach dem Sozialdemokratischen Pressedienst richtet sich die volksparteiliche Kritll an der llnterstützung in erster Linie gegen den Wegfall der D e d ü r f t i g k e i t s p r ü- f u n g. Die Kritik wird in der Kabinettssihung vom Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s vorgetragen werden. Zu der volkspartellichen Kritik bemerkt die „Germania": Dieser Vorstoß kommt deshalb etwas unerwartet, weil die von Minister Hirtsiefer herausgegebenen Richtlinien im Reichskabinett im wesentlichen vorher bekannt waren, und auch dem entsprechen, was der preußische Ministerpräsident Braun der Reichsrcgierung in einer gemeinsamen Besprechung als die Absichten der preußischen Regierung milgeteilt hatte. Die preußische Regierung vertritt dem volkspartellichen Vorstoß gegenüber die Auffassung, daß die von ihr im Auftrage des Reiches durchgeführten Unterstützungen eine Sonderaktion darstellen, die den Bestimmungen der Fürsorgepflichtvervrd- nung nicht unterliegt. Weitere starke Zunahme -er Arbeitslosigkeit. Berlin, 27. Noo. (WB.) Die zunehmende, durch die Jahreszeit bedingte Einstellung der A u ß e n o r b e i t e n in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, in den Baunebengewerben und in den anderen Saisongewerben hat in der Zeit vom 1. bis 15. November zu einer weiteren erheblichen Steigerung der Arbeitslosigkeit geführt. Auch die A u s s p e r r u n g in der nordwestdeutschen Eisenindustrie machte sich auf dem Arbeitsmarkt bereits in gewissem Umfange vemerkbar. Die Gesamtzahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist iu der Berichtszeit von rund 671 000 auf 805 000 (davon 630 000 männliche und 175 000 weibliche), d.i. um 20 d. 5)., aestie - 9e n- Steigerung betrug bei den Männern 114 000 oder 22,1 v. H. Die Hahl der unterstützten Frauen, die in den vorhergehenden 14 Tagen nach langer Zeit wieder zum ersten Male gestiegen war, und zwar um 4,3 v.H., hat diesmal um 20 000 oder 12,9 v. H. zugenommen. Bauernunruhen in Sowjetrußland. Warschau, 27. Aov. (Privatmeldung.) In Wilna sollen Aachrichten über einen 'Bauernaufstand tn dem svwjetrussischen Bezirk Wi- t e b s k verbreitet werden. Die Dauern ermorde- Eine falsche Prinzessin vor Gericht. E r f u r t, 27. Noo. (WB.) Im überfüllten Schwurgericht fand heute die Verhandlung gegen das Dienst, mädchen Martha Barth statt, das in der Maske einer angeblichen Prinzessin Margarete von Preußen zahlreichen Bewohnern von Erfurt und Ilmenau Geldbeträge und Waren herausgelockt hat. Es handelt sich um 26 Fälle des Betruges und Urkundenfälschung. Die Angeklagte ist bereits im Jahre 1921 mit einem Jahr Gefängnis wegen Ur- kundenfälschung und später zweimal wegen Betrugs und Diebstahls bestraft worden. Martha Barth ist die uneheliche Tochter eines adeligen Forstassessors. Sie hat in verschiedenen adeligen Familien, so beim Grafen Berg, beim Fürsten Lippe und beim Hofmeister von Wangenheim als Zofe gedient. Die Angeklagte, die 41 Jahre all ist, ober erheblich jünger aussieht, ist die Mutter zweier unehe- licyer Kinder, von denen eins bereits 16 Jahre alt ist. In der Sitzung kamen zunächst die Betrügereien zur Sprache, die die Angeklagte an den beiden Fräuleins Herold, den Inhaberinnen eines Putz- aefchäftes in Erfurt, zwei älteren Damen, begangen hat. Ihnen gegenüber hat sie sich als die außereheliche Tochter der Schwester des Kaisers, der Prin- zeisin, späteren Königin von Griechenland, mit dem Prinzen von Asturien, ausgegeben. Sie hat im Verlauf einer sehr abenteuerlichen Schilderung Ujrer weiteren Lebensgeschichte den Geschwistern Herold erzähll, daß sie mit dem deutschen Kronprinzen, allerdings nur zur linken Hand, verheiratet gewesen sei. Bemerkenswert ist, daß die Mutter der Angeklagten in Erfurt an- [affig ist- Den Geschwistern Herold gegenüber hat die Angeklagte deshalb u. a. auch erzählt, sie sei von ihrer wirklichen Mutter in aller Stille in Bad Berka zur Well gebracht worden. Die Frau, die als ihre Mutter gelte, sei nur ihre Amme. Die Putzmacherin Fräul^n Fri.-da Herold bekundet, sie habe der Durch u. a. eine Wäsche- ausstattung für über eine Million Paprer- mark geliefert. Für den »notleidenden Kronprinzen" allein habe die Barth 6000 Papiermark von der Herold erhalten. Einmal sei der Kronprinz sogar nach Angabe der Barch in Erfurt überfallen worden und hätte 200 Mk. gebraucht. Ein anderes Mal hätte man ihm 30 000 Mk. zurückerstatten müssen. Die Zeugin bekundet weiter, sie habe ihren Schmuck und andere Dinge nach dem L e i hh a use getragen,, bloß um der Barth Geld zu verschaffen. Sie I habe auch Briefe gesehen, die angeblich vom Kronprinzen stammten und mit dem Kosewort „Muscherrch" unterschrieben waren. Zwei weitere Zeuginnen erllären, die Angeklagte habe sich ihnen gegenüber a l s Großfürstin von Rußland oder als Gräfin R i t t b e r g ausgegeben. Der Zeuge Eidam, Gast auf dem Auerhahn bei Ilmenau, sagt aus, er habe anfangs nicht geglaubt, daß die Barth eine Fürstlichkeit fei. Die Dar h habe in Krampfanfällen phantasiert, es kämen Rotgardisten. Einmal habe sie bei der lln er Haltung einen Anfall bekommen, sie habe geschrien, das Kind müsse in Sicherheit gebracht werden. Der Zeuge hielt die Anfälle für ernst, da sie sich des öfteren ereigneten. Der Zeuge Förster Voigt aus Gießhübel ist mit der Ange.lagten in Aeustadt bekannt geworden. Er hat sie mit nach Erfurt ins Kino genommen. Er sei als ihr Adjutant vvrgestellt worden. Aach Vernehmung einiger weiterer Zeugen wird das Gutachtendes Sachverständi- gen Dr. Rohde gehört. Er erklärt, daß von einem eigentlichen Schwachsinn bei der Angeklagten nicht die Rede sein könne. Ihre Traum- erscheinungen seien wahrscheinlich hysterischer Art. Ihre ethischen Begriffe seien mangelhaft entwickelt, sie sei psychopathisch mit hysterischem Charakter und habe Aeigung zu phantastischen Lügen. § 51 komme nicht in Frage. Berücksichtigt müsse aber werden, daß sie minderwertig und degeneriert sei. Die Angeklagte wurde wegen Rückfallbetruges in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung, wegen Betruges und wegen Unterschlagung zu2Iahren Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Nach sechsmonatiger Haft tritt Strafaussetzung von 3 Jahren ein unter der Bedingung, daß sie sich gut führt und zeigt, daß sie arbeiten kann. In der Begründung wird als belastend bezeichnet, daß die Angeklagte kalt und herzlos besonders im Falle Herold vorgegangen sei. Sie habe dies einfällige Opfer bis aufs Blut ausgesogen und einen Pfarrer durch ihre Drohbriefe und -karten beinahe um seine Stellung gebracht. Zugunsten der Angeklagten sprächen die ungewöhnliche Leichtgläubigkeit ihrer Opfer und die Inflationszeit, in der die Begriffe Recht und Unrecht verwischt gewesen seien. ten m dieser Gegend Sowjetfunktionäve und die Redakteure der kommunistischen Zeitungen, äleberdies wurden in mehreren Dörfern die Gebäude der Sowjeteinrichtungen demoliert und die Lenin-Dilder vernichtet. Rote Truppen sollen den Aufstand niedergeworfen und 60 Personen verhaftet haben. Auf feiten dcr Aufständischen werden viele Tot« und Verwundete gezählt. Das Gaargebiet bekennt sich erneut zum Reich. Ein Appell an Frankreich und den Völkerbund. Saarbrücken, 27.Noo. (WD.) In der heutigen Stadtverordnetenversammlung wurde anläßlich der zehnten Wiederkehr des Tages, an dem französische Truppen das 6aar gebiet besetzt gaben, eine vaterländische Kundgebung veranstaltet. Es wurde eine Resolution angenommen, in der es nach einem Hinweis darauf, daß durch die Besetzung die tausendjährige Zugehörigkeit des Saargebietes zum Deutschen Reiche unterbrochen worden fei, heißt: „Nachdem die Bevölkerung zehn Jahre lang die Auswirkungen Des Versailler Vertrages erfahren hat, erklären die Stadtverordneten von Saarbrücken als die gewählten Vertreter der Bürgerschaft: Die Aufrichtung eines politisch und wirtschaftlich autonomen Gebietes hat sich l n ° folge der organischen Zugehörigkeit des Saargebietes zur deutschen Wirtschaft als undurchführbar erwiesen. Sie würde ebenso dem politischen Willen der Bevölkerung widersprechen und in Europa dauernd einen Herd politischer Kampfe und Streitigkeiten aufrechterhalten. Die Stadt Saarbrücken hat nur den einen Wunsch, sobald als möglich wieder mll dem Deutschen Reiche und dem preußischen Staate, und zwar ohne Vorbehalt und ohne jede Beschränkung verei- n i g t zu werden. Von der Presse aller Länder erwartet die Beoöllerung der Stadt Saarbrücken eine offene und starke Unterstützung ihres Strebens nach Wiedervereinigung mll dem Mutterlande. .Don dem französischen Volk erwartet sie, daß es zu einer friedlichen Verständigung mit dem Deutschen Reich über die Saarfrage die Hand bietet. Sie erwartet weiter von dem R e ch t s s i n n der im Völkerbund vertretenen Nationen, daß sie zur Vermeidung eines nutzlosen politischen und wirtschaftlichen Kampfes im Saargebiet f ü r eine schleunige Lösung der Saarfrage im Sinne des Willens der Saarbevölkerung eintreten. Oer Finanzausschuß berät den Stellenplan. DaS Kapitel Volksschulen. Darmstadt, 27. Nov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags setzte die Beratung des Stellenplanes bei Kapitel 42 (Landesheil- und Pflegeanstalten) fort. Unter Ablehnung eines in ähnlicher Richtung gehenden Antrages Keller (D. 23p.) wurde ein Antrag Storck (Soz.) angenommen, wonach die Kasseninspektoren an den Anstalten in Gießen und Alzey in die Gruppe 4a eingestuft werden, doch kann die Regierung sinngemäß auch für Heppenheim verfahren. Abgelehnt wird ein Antrag Widmann (Soz.), die Zahl der Pflegcmeister und Oberpfleger von 26 auf 60 zu erhöhen unter Streichung von 34 Abteilungspflegern und = Pflegerinnen. Angenommen wird dagegen ein gleichlautender Antrag Donath-Reiber (Dem.), statt 26 44 Stellen einzusetzen. Auf Antrag Widmann (Soz.) wird für 5 Werkführer die Einstufung nach der Gruppe A 7 genehmigt. Unter Ablehnung sämtlicher kommunistischer Einträge findet das Kapitel bann Zustimmung. Bei Kapitel 53 (Kultus- und Bildunas- wesen) wird auf Antrag Reiber (Dem.) ein Mi- nifterialoberfetretär zu den Ministerialreoisoren nach der Gruppe 4b eingestuft. Die beantragte Versetzung eines Rechnungsrates in die Oberrechnungsrats- gnippe dagegen abgelehnt. Das Kapitel wird geneh. migt. Zu Kapitel 57 (Volksschulen) verlangt ein Antrag Glaser (Bbd.), daß statt 528 nunmehr 720 Stellen für Lehrer in besonders gehobenen Stellen und stall 126 nunmehr 250 Stellen für Lehrer in gehobenen Stellen und stall 2525 Stellen für Lehrer nur 2209 Stellen geschaffen werden sollen. Dieser Antrag wird gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthaltung abgelehnt. Dagegen wird ein Antrag der Koalitionsparteien einstimmig angenommen, wonach statt 126 nunmehr 201 gehobene Stellen und statt 2525 2450 Stellen geschaffen werden sollen. Bei den Berufsschullehrern werden statt 30 Stellen in Gruppe 3c 36 Stellen, statt 92 Stellen in Gruppe 4a 121 Stellen und stall 183 Stellen in Gruppe 4b 147 Stellen geschaffen. Von den laut Anmerkung erst ab 1. April 1929 in Kraft tretenden 104 Stellen für besonders gehobene Stellen wurden nur 87 bewilligt. Das Äapitel wird genehmigt. Sämtliche dazu gestellten Eingaben von Verbanden und Personen werden durch die Beschlußfasiung für erledigt er- klärt. Die Artikel 59 und 60 (Taubstummen- und Blindenanstalt Friedberg) werden angenommen. Dabei wird eine Eingabe Schäfer (Friedberg) für erledigt erklärt. Amerika lädt zu einer parlamen- tarischenFottenkonserenz ein. Bemühungen um eine Verständigung mit England. Washington. 28. Rov. (WTD. Funk- spruch.) Der Vorsitzende des Marineausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses hat a n den britischen Premierminister Daldwin ein Telegramm gesandt, in dem er anregt, es sollte eine gemeinsame Konferenz von Mitgliedern des britischen Parlaments und des Marineausschusfes des Repräsentantenhauses abgehalten werden, um die Frage der Gleichheit der Seestreitkräfte beider Staaten in allen Kriegsschiff- klassen, die von den Beschlüssen der Washingtoner Konferenz nicht berührt worden find, zu prüfen. Das Telegramm schlägt vor, daß die Konferenz nach dem 3. März in Kanada zusammentreten sollte. Rach Beendigung der Beratungen würden die beiden Delegationen ihren Regierungen Berichte vorzul.'gen haben. 3n einem Interview erklärte er, er habe sich zu diesem Telegramm entschlossen im Hinblick auf die Rede des Premierministers vom 13. Rovember, die den Wunsch nach häufigeren versöhnlichen Unterredungen zwischen britischen und amerikanischen Vertretern zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses ausgesprochen habe. Aus aller Welt. Die Trauerfeier für Admiral Scheer. Die Trauerfeier für Admiral Scheer findet am 30. Rovember, 13,30 älhr, in Weimar statt. Die Vertretung des an der Teilnahme verhinderten Reichswehrministers wird derChefder Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Rae- der, übernehmen. Don dem Linienschiff „Elsa h", dessen Kommandant der Verstorbene in den Jahren 1907 bis 1909 war, wird der Kommandant und eine Abordnung der Besatzung teilnehnnen. Auf Befehl des Reichswehrministers setzen am Tage der Beisetzung die Schiffe und Fahrzeuge der Reichsmarine H a l b m a ft. Der Marine- attache bei derKgllbritannischenBot- schäft hat heute vormittag im Ramen des Chefs der englischen Admiralität dem Chef der Marineleitung das Beileid ausgesprochen. Kem Ueberlebender auf dem Wrack der „Salento". Zandvoort, 27. Hob. (WTD.) Heute früh wurde noch ein letzter Versuch zur Ret- tung etwaiger Ueberlebender des gestrandeten italienischen Dampfers „Salento" unternommen. Da die Detttmgsstcttionen von Zandvoort und Pmuiden nur über Riemenboote verfügen, die sich als völlig ungeeignet erwiesen hatten, um das Wrack der „Salento" zu erreichen, war je ein Motor rettungsboot auS Den Helder und Scheveningen angeiotbert worden. Als diese beiden Doole heute am Schauplatz der Katastrophe «intrafen und das Wrack der „Salento" mehrmals aus nächster Rähe umkreuzten, war auf diesem kein Leben mehr zu entdecken. Es kann nunmehr keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die gesamte Desahung. die nach neueren Feststellungen nicht aus 25, sondern aus 27 Mann bestand, bei dem Schiffbruch umgekommen ist. Weitere Rettungsversuche sind als aussichtslos eingestellt worden» Disher wurden drei Leichen an Land gespült. Verhandlungen zwischen Luftschiffbau Zeppelin und Aero-Arktis. Die unter Leitung des Reich Zverkehrsministers v. Guerard zwischen dem Lu tschif.bau Zepre- lin und dem Vorstand der Inlernationalen S u- diengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff (Aero-Arktis) geführten Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß der Luftschifibau Zeppelin der Aero-Arktis das Luftschiff „Gras Zeppelin" im Jahre 1930 zu zwei arktischen Fvrs ch u n g sf a h r t e n gegen angemessene Kostenerstattung zur Verfügung stellen wird. Dr. Eckener wird r unmehr in den Vorstand der Internationalen Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis, mit dem Luftschiff eintreten. Auf einem Hebungsritt tödlich verunglückt. Dei einem älebungsritt in Rürnberg geriet das Pferd des Leutnants W ü ch n e r vom Ausbildungsbataillon des Irrfan t eri eregim rnts Rr.21 in das Aad eines Automobils und stürzte. Wüchner wurde unter das Automobil geschleudert und so schwer verletzt, daß er alsbald nach seiner Ginlieferung in das älnioer- sitätskrankenhauS Erlangen starb. General Doolh außer Gefahr. Wie verlautete, haben die Aerzte erklärt, daß General Bo o t h , der Kommandant der Heilsarmee, außer Gefahr ist, und sie Hoffnung auf eine völlige Wiederherstellung haben. Die Schweizer Berge im Schnee. Mit den heftigen Stürmen der letzten Tage ist in den Mittel- und Höhenlagen der Schweiz der Einzug des Winters enbaültia Tatsache geworden. Die Neuschneeschicht hat durchweg eine Höhe von fünfzig Zentimeter und darüber. Die Erbschaftsansprüche der angeblichen Großfürstin Anastasia. Wie aus Reuyork gemeldet wird, hat die angebliche Großfürstin Anastasia, Frau Tschar- towskv, ihre Vermögensansprüche nach dem Tode der Zarin-Mutter Maria Feodor o w n a von Rußland nunmehr durch den bekannten Rechtsanwalt Eduard Fallos angemeldet. Fallos selbst, der als Fachmann für Erbschaftsprozesse gilt, hat erllärt, daß er an der Echtheit dieser angeblichen Zarentochter Anastasia nicht zweifle. Gleichzeitig wird der Dttef eines Russen D o 111 n, dessen Vater Leibarzt des Zaren war, veröffentlicht, in d:m er die Großfürstin Tenia beschuldigt, genau zu wissen, daß Frau Tschaikowsky dre Großfürstin Anastasia s« und sie trotzdem nicht anerkenn«. vier Sinder bei lebendigem Leibe verbrannt. In Kartini bei St. Leonhard (Steiermark) sind in einem Winzerhaus vier Kinder im Alter von drei Monaten bis zu vier Jahren verbrannt. In Abwesenheit der Mutter nahm eines der Kinder aus dem Herd glühende Kohles und legt« sie auf daS Bett, das sofort in Drand geriet. DaS Feuer dehnte sich auch auf die übrigen Einrichtungsgegenstände aus. Als die Mutter nach Hause kam, lebten die drei ältesten Kinder noch, starben aber bald darauf an den erlittenen Brandwunden. Oie Wetterlage. sei» echter Ost y mlsuaer »Mioawesi Hurmocher ««ordwert tle Pfeil« fliegen mit gern «finge Oie oeee* Stetionen jte#enuen z«* Ien geben die Temperatur an. Die Linien «eroiogce One eit gleiche* Mf - So stieg der Verbrauch von dreiling" Zigaretten anf Grund /^der offiziellen Statistik in den Steuer jähren ^I^LSSS—LSS8 '^t^/922 23 24 25 26 27 28 Ihn'i^t-^Das Steuerjahr läuft vom 1. April bis 31. März W|i(£>.£<^3M,"j/W -./ >: Ij'*!!!— aiii^ • « >. X, //v /zv || I> ----- . ' 7 ___ ' iiriTi.ii ■ .. — > M M i.’Viji M Gtz ÄM MWK itt W W^W kMMW »WM beweist der rapid steigende Verbrauch in unseren Zigaretten, dass sie besser und preiswerter sein müssen als irgendwelche andere Marken. In noch nicht einem Jahrzehnt hat sich unsere Firma aus kleinsten Anfängen heraus zur größten Zigarettenfabrik Mitteldeutschlands mit mehr als 4000 Arbeitern und Angestellten entwickelt. In diesem Tempo vermag keine Zigarettenfabrik der Welt mit uns Schritt zu ralten. Als jüngstes der jüngeren tSroßunternehmen sind wir frei von altem Mallast und können uns deshalb sämtliche technischen und organisatorischen Teuerungen sofort dienstbar machen. Es gibt keinen besser eingerichteten betrieb als den unseren. Zeitraum vom 1. April 1928 bis 15. November 1928 MÜMWMUWW! 10387 10408D KUNST-AUKTION LXXVI Ehern. Besitz Landgräfin von H. Sammlung L. Th., Köln a. Rh. Daubringen, Gießen, Chicago, den 27. November 1928. 10406D 10275V Weinl Weinl Gießen, den 27. November 1928. 10234D 10394D /! Vertretung mit Inkasso Demi 1Ü4O5D Derth. 103980 Gerichtsvollzieher In Gießen, Steinstraße 13. (Verschiedenes | Wetzlar an der Lahn vi:' Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. November, nachmittag? 2 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Gießen (Schottstraße 10), den 28. November 1928. Die Beerdigung findet Freitag, den 30. November, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. probieren Gie meinen gehr. Kaffee! HauSmarkc Nr. 3» */4 Pfd. 95 Pf. J. M. Schulhof Marktstr. 4, Ein« gönn Buragraben. 300 Wintermäntel von Mädchengrößen an bis zu den größten Frauenwelten Dom 29. November bis 6. Dezember 1928 biete ich Minderbemittelten Gelegenheit, ihren Winterbedarf in nur guten, modernen Kleidungsstücken ganz besonders billig einzudecken. Zu diesem Zwecke gebe ich von alter grober Versicherung^ Äeiellichast für alle Lersicherungs- atien an folgenden Plätzen zu ver geben: Gienen Dollar Heuchelheim Leihgestern Groh Liudcu. Einheimische Herren finden bet Vergebung befand. Berücksichtigung. Die Tätigkeit kann nebenberuflich aus- geübt werden. Angeb. uni. 102S8D an den Gieb. Anz. Die trauernden Hinterbliebenen: Otto Lehr und Frau Amalie geb. Spamer. Ruppertsburg, den 27. November 1928. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 29. November, nachm. 2 Uhr statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir innigen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Andreas Göbel, Botenmeister i. R. Eisenmarkt 0 103970 TcicDboit 2497 | Besucht die Handels- HWHMHH4HMHMWM schale Kusels au I Heute früh 6 Uhr entschlief nach langem, in Geduld getragenem Leiden unser lieber Vater und Schwiegervater August Lehr im 73. Lebensjahre. Friedrich Wilhelm Lebensverficherungk-Akt.-Gesellsch. 10395VJ Errichtet lb6G. Allein in Hessen und Hessen-Nassau monatl. über 4000 Neuversicherte! Wir bauen uns. Auhenorganis. weiter auS u. stellen noch für versch. Gebiete einige fleißige und geschickte, rcisegew. Werbekräfte ver sofort ein. Wir zahlen auch Nicht- sachleuten von 2lnfang an fettes Etn» komm. Pers. Borst, mit Orig.-Aeugn. od. sonit.Belegen üb. bisher. Tätigkeit am Donnerstag, 29. Nov. 1928, vorni. 10— 11 Ubr, bei Hrn.Organts.- Vett. Schoernacl, Gießen, Solei Schütz Für das freundliche Gedenken anläßlich unserer Vermählung bezw. Silberhochzeit sagen wir auf diesem Dege herzlichen Dank. August Krauß und Frau Heinrich Lotz und Frau Lich, November 1928. ßteiöläoiler. Heute Abend, 8'/, Ubr: ZuwnW im Unlverslllls-CaM Plocksirahe 6. M Todes-Anzeige. Sechs Jahre nach dem Heimgang unserer unvergeßlichen Mutter verschied heute nach einem arbeitsreichen Leben Infolge eines schweren, mit großer Geduld ertragenen Leidens unser guter, treusorgender Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel HerrHeinrich Schäfer IV. Zigarren-F abrikant jm nahezu vollendeten 66. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Obervermessungasekretär Wllh. Schäfer u. Frau Lina geb. Albach Filialleiter Heinrich Schäfer VII. und Frau Anna geb. Walther Schreiner Kaspar Dort und Frau Margarete geb. Schäfer Bahnarbeiter Wilhelm Walther und Frau Sophie geb. Schäfer und 9 Enkelkinder. 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(476 Seiten mit 20 Tafeln. 3n Leinen Mk. 12.—.) Die Mauern von Athen umfaßten viele Kilometer lang auch die Hafenstadt, den Piräus, mit Der Piräus war zur Zeit des Perikies unbedingt sehenswürdiger als heute, nicht nur wegen seiner Werften und Arsenale, sondern wegen des Stadtbauplans selber: denn er war rationell weiträumig mit Straßenzügen gebaut, die, wie in Turin oder Karlsruhe, schnurgerade sich schachbrettartig cechtwinkelig schnitten. Ein Mathematiker Halle das geschaffen; die Theorie begann das Leben zu gestalten. Ein tosendes Getriebe aber ging hindurch, vulgär und schreiend wie in allen Hafenstädten des Südens. Auch die .gesetzlose Aphrodite" hatte hier ihr Hauptquartier. Aber auch die Grotzkausleute hatten hier ihre Kontore: in ihren Lagerräumen stapelten sie die Fülle der Waren aus, die mit ihren Schiffen tarnen. Dahin strömen dann täglich die tausend Kleinhändler, um einzukaufen, was sie dann im Detailverkauf in der Hauptstadt ausbieten Und verschachern. Sie betrügen gern, fälschen Maß und Gewicht, und die Handelspolizei muß acht geben. Der Weinhändler ist eine typische Figur, der in den Häusern herumläuft und Weinproben rti kosten ausbietet. Willen im Getriebe stehen vie Geldwechsler hinter ihren Tischen an der Straße und prüfen nach dem Gewicht jedes Drachmenstück, das durch ihre Hände geht Athen selbst will leben, und die Kleinhändler schieben ihre Waren vom Piräus auf den großen Markt der Hauptstadt Der Markt ist ein echt südländischer Dazar, lauter Duden, die, in der ersten Morgenfrühe aufgebaut, hernach verschwinden, er ist überdies von den Werkstätten der Schuster und Riemen- Händler, der Friseure und Parfümeriegeschäfte umgeben, deren niedrige Butiken immer weit vssenstehen. Auch die haben viel zu tun, und Aach den Mnungsseiettichkeiten in Japan Das japanische Kaisertum. Don unserem S.-Derichterstatter. Rachdruck auch mit Quellenangabe verboten! Tokio, Rovember 1928. Japans Kcönungsfeierlichkeiten sind vorWer. Der Kaiser und sein Hofstaat, Kabinett und Der- Wallung die vorübergehend in die alle, tausend- jäh.ige Krönungsstadt Kioto übergefiedelt wa- ren kehren in einigen Tagen wieder nach Tokio zurück, mit ihnen der heilige Schrein des Kai- serhauses, der Takischo Dokoro, vor dem die kaiserliche' Familie den Ahnen der Ration opsert. Obgleich die Feierlichkeiten nun bald acht Tage vorüber find, ist von einem Abflauen der feierlichen Stimmung noch nichts zu verspüren. Das Gefühl inneren Erhobenseins, das der Erinnerung an weihevolle Stunden entsprängt schwingt nach und läßt das Gesehene in einem besonderen, nicht alltäglichen Lichte erscheinen. Denn das große nationale Fest, das die Krönungsfeierlichkeit für den jungen japanischen Kaiser Hirohito frtr alle Japaner war, gibt allen, denen es vergönnt war, die prunkvollen und doch zugleich auch erhaben-schlichten Zeremonien der Thronbesteigung zu sehen, die Erkenntnis von der Deden - tung einer Jahrtausende alten Handlung, die sichtbar und stark Gegenwart und Vergangenheit verknüpft, und doch nicht, wie das vielleicht an» derswo der Fall wäre, das Gefühl kalter Routine oder veralteter Sitte hinterläßt. Die statt dessen als ein sichtbares Symbol des Selbstbehauptungswillens einer Kultur wirkt die sich ein selten zähes Volk zwischen dem brüllenden Meer und den feuerspeienden Vulkanen schuf. Um das zu verstehen, muß man sich daran erinnern, daß auch heute noch der japanische Kaiser viel mehr als nur ein konstitutioneller Monarch ist, und daß nicht seine politische Macht, sondern sein religiöses Amt als oberster Priester seines VolkÄ und als Wahrer der Sitte die Grundlage seines Ansehens im Lande fft. Die Stellung des japanischen Kaisertums im Leben der Ration ist zwar, wie es das Herkommen und Wohl auch die ta.sächliche Verfassung vorschreibt, eine pvli isch neutrale, um nicht zu sagen unfruchtbare, wenn man an die Ausübung der Regierung denkt Die Stellung umgibt dafür den Mann, dessen Geben der Pflege der Geister der geliebten und verehrten Ahnen gilt, die das Schicksal des Einzelnen bestimmen, mit einer Liebe und Verehrung, die einem Sohne des Himmels — das japanische Kaiserhaus stammt der Tradition nach von den Göllern selbst ab — angemessen ist, und wie man sie ähnlich auf der westlichen Halbkugel Wohl allein dem Papste zollt Dieser ausgesprochen religiöse Charakter des japanischen Kaisertums war es denn auch, der den diesmaligen Krönungsfeierlichkeiten den Stempel aufprägte. Gewiß, die blendend schönen alten Krönungskostüme, die nur für dieses Fest getragen werden dürfen, mit ihren leuchtenden Serdenmänteln, Goldstickereien, die märchenhaft anmutenden Goldrüstungen der alten Adelsfamilien gaben dem Ganzen einen Prunk, wie er würdevoller und zugleich doch auch märchenhafter kaum gedacht werden kann. Aber das war bei aller naiven und selbstverstärrdlichen Schaulust der Japaner für sie doch nur ein Rahmen, der die feierlichen Handlungen umgab — mehr nicht. Was das Volk hinter all dem sah, und was ihm als wesentlich galt, das waren die so schlichten und sinnvollen priesterlichen Handlungen des Kaisers, die jeder Japaner als Familienoberhaupt auch bei sich zu Hause vornimmt, wenn er seinen Ahnen opfert und den Segen der Götter auf sein Tun herabfleht Daß sich der Kaiser vor den Zeremonien nach strengem Ritual mit Wasser und weißseidenem Handtuch reinigt, daß er vor dem Ahnenschrein opfert, als Hoher Priester feier- liche Zeremonien zu Ehren der Gottheit leitet, und daß er schließlich im sogenannten „Daijosai" — unsichtbar den profanen Augen der Menge das große Frucht- und Dankopfer bringt und sich zugleich in feierlicher Meditation mit der Göttin des Mondes vereinigt — das erst gibt ja in den Augen des Japaners dem Enkel von hundrrsünfundzwanzig kaiserlichen Ahnen de>r Anspruch auf die Stellung eines Vaters und (Führers der Ration. Die feierliche Thronbesteigung in Kioto, der zum erstenmal in der Geschichte auch europäische Pressevertreter beiwohnen durften, muhte daher, trotz allem Demühen, für die anwesenden Europäer im wesentlichen unverständlich bleiben, da man ja wohl zur Rot die Lehren einer fremden Religion verstehen lernen kamt liicht aber die Empfindungen begreifen, die den Japaner erfüllt haben mögen, als er zum ersten und einzigen Mal seinen Kaiser die feierlichen Ahnenopfer im Gewände des Schintopriesters vollziehen sah und hierauf das feierliche Gelübde beS Kaisers aus dem Munde des Ministerpräsi- denken Tanala — der Kaiser spricht nicht zu seinem Dolle — hörte. Diese Verbindung von altem Herkommen und der modem-europäischen konstitutionellen Sitte der Verlesung der Thronrede mag manchem alten Hofinanne, der sich an die völlige Abgeschlossenheit des Kaisers von aller Oeffentlichkeit unter dem Scho- gunat noch erinnert, als eine unerhörte Steuerung erschienen sein, trotzdem schon der Vater des jetzigen Kaisers sie eingeführt hat. Andererseits ist nicht daran zu zweifeln, daß die Jugend Japans, soweit sie Gelegenheit hatte, der feierlichen Thron en khüllung beizuwohnen, vor allem die Aufrechterhaltung der alten Tradition sah und den Willen zum Kon» servattsmus bewunderte, dem Japan seine nationale Große verdankt, weil er eben nicht starr und dogmatisch ist, sondern an den Kern des nationalen Bewußtseins appelliert, der gerade in der Schinkoreligion einen Sungbom der Erneuerung findet. Deshalb hat zweifellos der Bansairuf (mögest du zehntausend Jahre leben), mit dem diese Zeremonie ihren Abschluß fand, dem Durchschnittsjapaner mehr bedeutet als dies sonst der Fall sein mag. Muhte er doch empfinden, welche Größe imd Kraft in einer Tradition liegt, die den Kaiser zum Vater seines Dolles macht und ihn verpflichtet, für das Wohl seiner Untertanen zu sorgen — nicht weil es das Staatsinteresse, sondern weil es der Glaube vorschreibt, den Kaiser und Volk teilen, Und die Wiederholung der schönen, von einem unvergleichlichen Reiz erfüllten alten Tempel- und Krönungstanze, bei denen jeder Schritt und jede Handbewegung eine sinnvolle, tief symbolische Bedeutung hat, mag manchem von den Jüngeren, die in Oxford oder in Amerika ihre Erziehung erhielten, gelehrt haben, daß die alte und selbstbewußte Kultur Japans Werte ift sich birgt, die kein technisches oder chemisches Laboratorium aufzu- weisen hat, und die zu bewahren und erhalten sich lohnt, weil sie der Ration den inneren Gehalt geben, den ein großes Volk braucht, um seine Freiheit verteidigen zu können. Und in diesem Sinne hat die Krönungszeve- monie auch wohl gewirkt. Der Rationalstolz der Japaner mag um so größer fein, als ihnen alle Welt zubilligen mußte, daß sie in ihrem Kaisertum etwas besitzen, was es sonst auf der Welt nicht gibt, und was kein europäisches Land mehr aufzuweisen hat. Wobei es die Japaner mit besonderem Stolz erfüllte, daß auch ein Mann wie der jetzige Kaiser, der seine Erziehung in England genossen hat, sich der alten Tradition willig fügte, weil er ihren seelischen und kulturellen Gehalt erkannt hat. Ein Gefühl, um das man die Japaner aufrichtig beneiden die Inhaber wissen immer das Reueste. In der bestimmten Friseur- oder -Schusterbude treffen sich zufällig oder nach Verabredung die Bekannten. Es ging da wie auf unserer Börse zu: man entriert Geschäfte mit Angebot und Rachftage und kolportiert den neueften Klatsch Die Horcher oder Sykophanten schleichen herum, um etwas zu erlauschen, falls jemand nicht demokratisch genug redet. Der offene Markt aber zerfällt in zwei sorglich getrennte Abteilungen, für die Händler und für die Händlerinnen, Und da steht nun vor allem als eine Säule der Stadt der Finanzbeamte, bei dem man Gelder niederlegen und erheben kann, der aber auch die Abgaben der Bürger einkassiert. Er steht nach der Art der Geldwechsler hinter seinem Tisch, welcher Tisch ein Bureau vertritt. Ein Bänkelsänger geht noch über den Platz und singt. Da ertönt eine Schelle, und der Sänger verstummt: denn die Schelle gab das Zeichen, daß der Markthandel beginnt Das Fischwcib fehlt. Händler sind eö, die die Fische verkaufen, ebenso die Fleischwaren und Würste, die jungen Ferkel, den Scheibenhonig, der in der Küche den Zucker ersetzt. Richts wundervoller im Süden als der Fischmarkt, vom geräucherten Tunfisch bis zur Makrele und dem böotischen fetten Aal. Bei den Händlerinnen sieht man die Hökerinnen sitzen mit ihrem Lauch und Zwiebeln, Gurken und Melonen, die groben Bäckerinnen, die, wenn man an ihren Tisch anstößt so daß eine Semmel zu Boden fällt, gleich auflreischen und mit Prozessen drohen. Aber auch allerliebste Weiber fehlen nicht, die da hinter ihren Blumenkörben kichern, rufen und winken. Es sind lauter Unfreie ober Sklavinnen. Athenische Bürgerinnen dürfen hier nicht verkaufen. Aus den Körben duftet es nach Veilchen, Levkvien und Rosen in Ueber fülle; wohl auch Mohn gibt es, Rarzissen, Melisse, Lavendel, auch Myrten- und Selleriekränzchen. Das war alles Freiwuchs: Handelsgärtnereien gab es noch nicht, keine Gartenkunst und Blumenzucht Und man kaust nun, oder man macht Bestellungen von Sträußen und Girlanden für den Geburtstag ober sonstige Feste: die Kranzgewinde sollen über der Hau?tüt hängen oder auch den Altar schmücken. Dabei gibt es viel Spaß und galantes Getue: aber auch melancholische Eindrücke. Eine Händlerin, die bekümmert aussieht, fällt den Passanten auf, und sie erzählt ihr Schicksall Sie ist von auswärts zugewandert eine junge Witwe mit fünf Kinlöimte, da es in der Tat ein sinnvolleres Symbol für den Ewigkeitswillen einer Ration kaum gibt, als das japanische Äaifcrhtm, das nun seit über vierzehnhundert Jahren der Rückhalt eines Dolles ist, dessen Geschichte so wechselvoll war, und das kraft dieses Kaisertums aus den Tiefen der Demütigung der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts den Weg zur Weltmacht fand. Schützt den iottarer Kops! Zu dem Rotschrei aus Lollar über die Gefährdung des Lollarer KopseS wird uns von hervorragender Seite geschrieben: Der Einsender hat nur allzu recht, wenn er gegen die Verschandelung der Lollarer Gegend entschieden Front macht: denn es wäre tatsächlich eine Schande, wenn das Gießener Decken an seinem nördlichen Zipfel in der geschilderten Weise versudelt werden sollte. Man hat wahrlich genug an dem häßlichen Anblick, den der Lollarer Kopf von der Rückseite her heute bietet: eine kahle, nackte Wand ohne Baum und Strauch, trostlos und schmutzig. Und nun sollte auch die nach dem Lahntal zu gelegene Seite daran glauben? Die ganze Schönheit des Tales wäre verloren: wie wundervoll ist der Blick, wenn man von Ror- den durch die Enge bei Friedelhausen in ba‘8 sich nach Süden dehnende Becken hereintritt: Auf der einen Seite tauchen Gleiberg, Vetzberg, Wettenberg usw. auf, auf der anderen begrenzen der Lollarer Kopf und der Hangelstein den Blick. So würde das Charakteristische der Gegend, ihre ganze Schönheit schwinden, wenn der Lollarer Kopf weggebrochen würde. Wir wollen uns nur einmal vor Augen stellen, wie heute die Bergstraße aussieht, die überall von Steinbrüchen entstellt und verwüstet worden ist: das soll doch bei uns nicht nachgemacht werden! Die zuständigen Behörden beobachten die Entwicklung der Dinge am Lollarer Kopf seit langer Zeit mit Aufmerksamkeit; Denkmalpflege. Forstbehörde und Kreisamt haben das Rötige veranlaßt, so daß an dem Bestand des Kopfes nicht gerührt werden kann: sie werden auch weiterhin den Raturschuh dieses schönen Fleckchens Erde mit allem Rachdruck ausüben. Aber wir wissen auch von der Einsicht der Ortsbehörden in Lollar, daß sie nicht selbst die Hand dazu bieten werden, die Reize und Schönheiten üjrer Heimat zu vernichten: wir sind überzeugt, daß die Lollarer ihren Kopf behalten werden. Hessischer Heilstättenverein. Der Hessische Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heilst ä 11 e n v e r e i n) hielt gestern vormittag unter der Leitung seines Vorsitzenden, Präsidenten Dr. Reumann (Darmstadt), im Kleinen Hörsaale der hiesigen Hautllinik seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die Tagung war insbesondere von den Vertretern öffentlicher Körperschaften aus den verschiedensten Teilen des Hessenlandes gut besucht. Präsident Dr. Reumann gedachte zunächst in ehrenden Worten des verstorbenen Mitgliedes, Geh. Sanitätsrats Dr. Habicht, dessen rege Mitarbeit an den Aufgaben des Vereins er mit herzlichen Worten des Dankes hervorhob. Das Andenken an den Verewig.en wurde in der üblichen Weise geehrt. Anschließend berichtete der Vorsitzende unter Hinweis auf den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht für 1927 über den gegenwärtigen Stand des heitstättenvereins und seiner Heilstätten. Das wichtigste Ereignis des Jahres war die Inbetriebnahme der Kinderheilstätte Almfrieden bei Winterkasten. Damit ist ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Der Dau dieser Kiinderheilstätte wurde im Jahre 1925 von dem Gesamtvorstand beschlossen. Am 15. September 1926 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Am 18. Dezember 1926 war der Bau bereits im Rohbau fertig, jedoch litt die weitere Ausführung unter mancherlei Verzögerungen, so daß das Haus im großen und ganzen erst im April d. I. den Erfordernissen entsprechend da- stand, der endgültige Abschluß der Dauarbetten aber immerhin noch einige Zeit dauert. Am 2. März d. I. wurden die ersten Kinder in die Heilstätte ausgenommen. Als Chefarzt wirkt dort Dr. K os chm ann seit 1. April d. I. In diese Heilstätte können 80 Kinder ausgenommen werden. Der Dau ist 50 Meter lang und vier Geschosse hoch. Die Heilstätte ist in ihrem Aeuhern, wie auch in der inneren Einrichtung als mustergültig anzusehen, sie entspricht allen Anforderungen der modernen Wissenschaft. In Verbindung mit diesem Heilstättenbau wurde eine Anzahl technischer Neueinrichtungen in der benachbarten Eleonoren-Heilstätte durchge- sührt. Die gesamten Baukosten beziffern sich auf rund 750 000 bis 800 000 Mark: davon sind rund 350 000 Mark durch freiwillige Spenden aufgebracht worden, so daß noch 400 000 Mark gedeckt werden müssent Infolge des Auftretens einiger Scharlachfälle mußte zum großen Bedauern des Vorstandes die Au,nähme von Kindern in die neue Heilstätte den ganzen Sommer über gesperrt bleiben; die Wiedereröffnung der Patientenaufnahme ist für den 3. Dezember vorgesehen. Gegenwärtig sind in der Heilstätte 42 Kinder untergebracht. Der Redner beschäftigte sich hierauf mit der Belegung der Lupus-Heilstätte in Gießen, über die er zu feinem Bedauern berichten mußte, daß sie infolge starken Patientenandranges überbelegt ist. Als Ausweg aus dieser unliebsamen Situation ist die Erwerbung eines Gutshofes in der Umgegend von Gießen auf dem Wege des Kaufes oder der Pachtung ins Auge gefaßt. Auf diesem Gutshofe könnten etwa 20 bis 30 Lupuskranke, deren Behandlung in der Anstalt nicht mehr so dringend notwendig fei, die aber doch noch nicht entlassen werden könnten, untergebracht werden. Aus diese Weise würden etwa 20 bis 30 Betten in der Heilstätte für andere Patienten frei, die auf den Gutshof verlegten Kranken könnten sich dort landwirtschaftlich betätigen und damit zu ihrer eigenen Befriedigung, aber auch zum Ruhen der Heilstätte tätig sein. Einige Gutsobjekte ständen bereits im Kreise der Verhandlungen, jedoch sei ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt. Infolge radikaler Umstellung in der Ernährungsweise der Patienten, durch die viel Obst und landwirtschaftliche Produkte erforderlich seien, könne die Eigenerzeugung auf einem solchen Gutshofe für den Heilstättenverein wirtschaftlich sehr vorteilhaft sein. Wenn der Vorstand dieser Anregung zustimme, so könne sie durchgeführt werden, geldlich stehe ihrer Verwirklichung nichts im Wege. — Auch an einem weiteren Ausbau der Lupusheil st ätte werde man nicht vor beikommen. Es seien bisher ständig etwa 40 Kinder unterzubringen gewesen. In den jetzigen beiden Häusern befänden sich diese Äinber inmitten der Erwachsenen, und daß das nicht gut sei, liege auf der Hand. Es erscheine dringend notwendig, die Kinder dort herauszunehmen und zu diesem Zwecke eindrittesHauszu bauen, das nur für die Kinder bestimmt sei, außerdem Raum für Arbeitsunterricht, für geselligen Aufenthalt und für eine Kapelle zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse enthalte. So schwer die wirtschaftlichen Verhältnisse gegenwärtig auch seien, so müsse man doch an die Durchführung dieses Gedankens Herangehen. — Der Dau der neuen Heilstätte für die Patienten mit Tüdern, und muß sich nun hier mit Kranzflechten ernähren. Sie fühlt, daß sie gesellschaftlich gesunken ist: denn die Blumenhändlerinnen gelten den Dirnen gleich. Das kaufende Publikum drängt sich zwischen den Buden und Ständen: da sind Hausangestellte, die Haussllaven, die da naschen und schwatzen, rennen und schleppen: Matrosen, Soldaten stehen und schlingen den warmen Linsen- drei herunter oder zerkauen einen Polypen; mitten dazwischen auch vornehme Herren, Protzen mit vier Dienern im Gefolge, und die „Reu- reichen" die jeder als solche erkennt, die da im Purpur stolzieren und sich El enbeinsachen und die vergoldeten Trinkbecher vorlegen lassen. Da steht so einer, der Glatzkopf: er war noch unlängst Schmied. Wer weiß, woher er seinen Reichtum hat? Run wirbt er um die Tochter eines verarmten vornehmen Herrn und will sich bei ihm einheben mit Geschenken. »Es ist überall dasselbe," lautet auch da wieder bas eintönige Urteil. Gibt es nichts Reues in Athen? Da wird der Markt plötzlich leer: das Publikum strömt auseinander. Denn es gibt heute Dvllsversammlung auf der Pnyx. Beamte kommen mit langen Seilen, welche Seile mit Mennig frisch rot gefärbt sind, und treiben die Bürger vom Markt auf die Pnyx, die offenbar in der Rähe lag. Die Seile färben ab, und wer keine Flecke haben teilt, muß sich eilen. Viele freilich wissen sich zu drücken, und die Beteili- gung an den öffentlichen Versammlungen war in dieser demokratischen Stadt, wo das Volk im Plenum abzustimmen hatte, wenn es sich nicht um Deamtenwahlen handelte, oft erschreckend gering. Hochschulnachnchien. Professor Dr. Wolfgang Heubner in Göttingen hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf als Rachfolger von Prof. Friedt. Hildebrandt angenommen. — Der Reu- teftamentler Professor D. Dr. Martin Dibe- lius in Heidelberg hat die Berufung nach Bonn abgelehnt. Der Lehrstuhl der Geophysll an der Göttinger Universität (an Stelle des Geh. Regierungsrats E. Wiechert) ist Dr. phil. Gustav Angenheister, Abteilungsvorsteher am Geodätischen Institut in Potsdam und Honorarprofessor an der Berliner Technischen Hochschule, angeboten worden. — Verdi im Schlafrock. Der französische Zeichner und Schriftsteller Ferdinand Dac veröffent.icht aus seinem langen Leben, in dem er die berühmtesten Personen seiner Zeit kennengelernt hat, jetzt häufig Erinnerungen. In der Comoedia erzählt er von einer Begegnung mit Verdi. Als er 1878 in Venedig weilte und dort auch mit Wagner zusammen- traf, hatte er bereits den lebhaften Wunsch, auch seinen großen Antipoden Verdi p:r önlich kennenzulernen, und ein junger Reapolitaner, der eine schöne Stimme hatte und sich seiner Freund'chaft mit dem großen Komponisten rühmte, wollte die Bekanntschaft vermitteln. Aker erst 10 Jahre später konnte dies in Genua geschehen. Dac war mit feinem neapolitanischen Freunde dahin gekommen, und sie gingen zusammen nach dem Palazzo Doria, in dem Verdi wohnte. „Durch einen breiten Gang, den die Morgensonne erhellte," erzählt er, „tarnen wir zu einer Tür des Palastes, an der auf einer einfachen Visitenkarte die Worte „Giuseppe Verdi" standen. Einen Augenblick später befanden wir uns dem Meister gegenüber, der sich groß und aufrecht erhob mit seinem vollen grauen Haupt- und Barthaar. Seine leuchtenden Augen begrüßten sofort den, der sich mir gegenüber als seinen besten Freund ausaegeben hatte. „Grandis ima Canaglia!" rief er ihm zu. „Dich habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen. Doch ich liebe den Wein, den du mir immer lieferst, und ich will auch für diese Saison eine kleine Bestellung machen. Rimm je sofort auf, damit du sie nicht vergißt. Die Ernte ist schon vorbei!" Mein Freund, der sich mir als großen Sänger vorgestellt hatte, war ein Wein- yändler und kannte Verdi als einen seiner Kunden. Das machte aber nichts. Der Meister war zutraulich und vergnügt. Scherze flogen hin und her. Mein Freund fang neapolitanische Lieder, und ein dienstbarer Geist brachte süßen Wein, „um uns Feuer in die Adern zu gießen," meinte Verdi. „Ich bin ein Gastwirtssohn", sagte er. „Ich verstehe mich auf gute Weine. Da kann mich keiner rein legen!" Ich erzählte Verdi von der P a 11 i und ihren ewigen Liebschaften, und er sagte: „Das Herz nimmt niemals Vernunft an; es liebt in jedem Alter." Als wir uns verabschiedeten, rief et noch meinem Freunde durch die Tür nach: „Schick' mir deinen Wein, und vom besten!" berkulos« der oberen Lustweg« schreit« rüstig vorwärts. Damit dies« Heilstätte einen kurzen Damen erhal.e, empfehle der Vorstand, sie nach einem Vorschläge des Direktors dieser Heilstätte, Pros. Dr. Vrüggemann, kurz und schlicht „Heilst ä t t« Seltersberg" zu nennen. Der Vorstand hosfe, daß diese Heilstätte im Herbst nächsten Jahres fertig werde. Auf dem Gebiete der Fürsorgetätigkeit sei der Verein sehr rege tätig. In ganz Hessen beständen jetzt 31 Fürsorgesteilem Als hauptamtlich^: Fürsorgearzt sei Dr. Sell tätig. Diese Fürsorge stellen mühten noch weiter ausgebaut werden, da die Erfordernisse bedeutend angewachsen seien. Im Jahre 1927 feien 759 Heil- stättenfälle bei den Fürsorgestellen behandelt worden. Der Verein habe hi:rsür rund 60 003 Mk. Kurkostenzuschü se gegeben. Im Jahre 1928 seien es bis jetzt schon ebensoviel Fälle, wie im vorigen Jahre. Die Ausgaben seien im Anwachsen begriffen. Die Durchführung dieser Fürsorge sei nur möglich dank der grohzügigen BeN-i'fe des hessischen Staates. Die gesamten Mitgliederbeiträge des Vereins würden heute fast ausschließlich für diese Fürsorgemahnahmen verwendet. Diese Tätigkeit des Vereins bedeute eine starke Entlastung der öffentlichen Körperschaften. Erfreulicherweise seien die Bestrebungen des Vorstandes nach Ausdehnung dec Beiträge erfolgreich gewesen: die Mitgliedrrbeiträge seien im ständigen Anwachsen begriffen. Im Jahre 1927 seien 28 145 Mk. an Beiträgen eingegangen, für das nächste Jahr schütze man die en Eingang auf über 40 000 Mk., die restlos den Fürsorgemahnahmen zugute fämen. Hessen stehe damit an der Spitze aller deutschen Landesverbände zur Bekämpfung der Tuberkulose. Der Redner dankte zum Schluß allen Mll- arbeitevn und Helfern des Hellftättenvererns, ganz besonders aber dem Hessischen Staat für die bedeutenden Zuwendungen, den Vorstandsmitgliedern für ihre eifrige Mitarbeit und den Aerzten für ihr unermüdliches Mühen im Dienste der Vcreinsau gäbe. Geheimrat Balzer (Darmstadt) dankte in warmen Worten dem Vorsitzenden, Präsident Dr. Reumann, für seine hingebungsvolle, unermüdliche Arbei". und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Kraft dieses Vorsitzenden noch lange segensreich an der Spitze des Vereins wirken möge. Mit lebhaftem Bei'all nahm die Versammlung den Bericht des Vorsitzenden ert'gegen und dankte dem Berichterstatter ebenso herzlich für seine außerordentliche Mühewaltung. Die Rechnungsoblage für 1927. Präsident Dr. Reumann berichtete hierauf über den Rechnungsabschluß für 1927. Der Verein verzeichnete in seiner Bilanz auf der Cinnahmeseite den Betrag von 544 162,61 Mark, aus der Ausgabenseite den Betrag von 501 501,91 Mark, so daß ein Bestand von 42 660,70 Mark verbleibt. Davon entfallen auf die Eleonoren-Heilftätte an Einnahmen 202919,01 Mark, an Ausgaben 206 437.93 Mark, mi hin eine Mehrausgabe in Höhe von 3518,92 Mark. Auf die Lupus- Heilstätte in Gießen entfallen an Einnahmen 245 476,48 Mark, an Ausgaben 230,129,81, mithin eine Mehreinnahme von 15 346,67 Mark. Der Vermögensnachwets für 1927 verzeichnet di« Heilstätten des Vereins mit 1 401 060,70 ML. an Hypothekenschulden 456 919,80 Mark, mithin ein Reinvermögen von 944140,90 Mark. In dieser Aufstellung ist jedoch die neue Kinderheilstätte Almfrieden noch nicht einbegriffen. Wird diese hinzugerechnet, so ergibt sich bei vorsichtiger Dewerttmg ein Reinvsr- nrögen des Vereins in Hohe von etwa iy4 Millionen Mk. Genehmigung von Hypothekanleihen. Ein Antrag des Vorstandes aus Genehmigung von Hyvothekanlethen für die Kinderheilstätte „Almfrieden", für die Lupus- Heilstätte (Reumannhaus) und für die neue Heilstätte für die Tuberkulose der oberen Luftwege (Heilstätte Seltersberg) in Gießen wurde einstimmig angenommen. Danach sind an Hypotheken aufzunehmen: für „Almfrieden" 400 000 bis 450 000 RkL, für das Reumannhaus der Lupusheilstätte rund 300 000 Mk. und für die Heilstätte Seltersberg rund 200 000 ML Die Hypotheken erhäll der Verein zu 4 d. H. Zinsen. Präsident Dr. Reumann teilte in diesem Zusammenhange mit. daß der Bau des Re u - mannhausesder Lupusheil st ätte rund 484000 ML kostete: davon seien durch Beiträge und freiwillige Spenden 184 000 ML gebeat, so daß sich als Hypothek der obengenannte Be- ■ ra i «n riri i- ■ Lache Najarr» r Vornan von J. (Schneider-Foerstl. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Feßmann hatte alles beobachtet, das Staunen und dann das rasche Beschauen ihrer eigenen Person. Er las vollkommen klar in der Seele seines Weibes. Arme Hilde! Als er nach einer Viertelstunde für ein paar Minuten allein mit Hettingen sah, sprach er resigniert ermüdet: „Du hättest uns nicht hierherbringen sollen, Achim! — Bei mir zu Hause dieses Elend und hier das Gegenteil davon. — Es ist nicht meinetwegen, aber meine Frau, fürchte ich, findet sich nicht ntehr so leicht zurecht. Ich kann ihr nichts bieten, als was ich ihr bisher geboten habe: Meine Liebe!" „Ist die nicht mehr wert als all der Tand?" frug Joachim gütig. Im selben Augenblick kam Hilde zurück, mit einem Glänzen in den Augen und einem hauchzarten Rot auf den Wangen. Eine Sekunde später öffnete der Boy die buntbemalte Glas- türe und ließ eine Dame in weißem, mit Silber- spitzen besetztem Kleide eintreten, die wie wchnee- kristalle im Lichtges unkel der vielen tausend Kerzen aufflammten. Sie nickte dem Herrn, in dessen Begleitung sie sich befand, lächelnd zu. „Poldi! rief Hettingen. Dann bereute er. „Verzeih! Ich habe nur an mich gedachtI" sagte er leise abbittend zu Feßmann gewandt. „Mach dir keine Sorgen deshalb, Achim!" Der Doktor erhob sich, ging Maria Richthofen einige Schritte entgegen und führte deren Rechte an seine Lippen. „Gestatten Sie, Schwester Brunhild«," sagte er zu seiner Frau geneigt: .. Fräulein Richt pofen und deren Bruder, mein Freund Leopold." Ein sekundenlanges Forschen von Aug zu Aug, dann sprang Richthofens gesundes Lachen über den Zwang der Minute hinweg. „Schwester Brun- trag von 300 000 Mk. ergebe. Die Baukosten der Heilstätte Seltersberg seien auf rund 1 Million ML geschätzt: durch Beiträge Und freiwillige Spenden seien bis jetzt rund 304 000 Mari eingegangen. ebie Landesversicherungsanstall Hessen habe aus 'Schuldschein für diesen Dau 500 000 Mk. zur Verfügung gestellt, mithin seien durch Hypothek noch etwa 200 000 Mk. oufzu- b ringen. kleinere Angelegenheiten. Eine Satzungsänderung, durch die der Damen des Vereins von der bisherigen Bezeichnung „Heilstättenverein für Hessen" in „Hessischer Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heil- stättenverei n)" umgeändert wird, fand einstimmige Genehmigung. Die bisherigen Rechnungsrevisoren wurden durch Zuruf wieder- gewählt. Lin bedeutsamer Vortrag. Anschließend hielt der Oberarzt der Lupushellstätte Gießen, Dr. Bommer, einen bedeutsamen Vortrag über „Diätkuren nach Gerson - S a u e r b r u ch in der Lupusheil- st ä t t e". Der Vortragende machte dabei aufsehenerregende Mitteilungen über ganz neue Wege des Lupusheilverfahrens, wobei die Lupuskranken durch Diätkuren in geradezu erstaunlicher Weise und mit größtem Erfolge — wie man an einer Reihe von Patienten sehen konnte — von ihren Leiden befreit werden. Wir hoffen, in Kür^e aus der Feder des Herrn Dr. Bommer näheres über diese neue Heilmethode, die geradezu eine Umwälzung der ärztlichen Wissenschaft auf diesem Gebiete bedeutet, bringen zu können. Aach einer kurzen Aussprache mehrerer Aerzte über diesen Vortrag schloß der Vorsitzende mit Dankes Worten die Tagung. Anschließend besichtigten die Mitglieder die Heilstätten des Vereins, insbesondere die noch im Bau begriffene neue Heilstätte Seltersberg. Bor dem Birderfä'schungsprozeß in Frankfurt a. M. WSD. Frankfurt a. M, 27. Dov. Frankfurt ist an Sensationsprozessen nicht gerade arm. aber der Prozeß gegen öie Bilderfäl- scher Müller, Baumann und Genossen, der anfangs Dezember beginnt, dürfte wohl die Sensation des Jahres werden. Er ist nicht nur wegen feiner Begleiterscheinungen und seiner Vorgeschichte von besonderem Interesse, sondern auch vor allem deshalb, weil er in eine ganz« Anzahl Großstädte des In- und Auslandes hin- überspielt — wir nennen nur Düsseldorf, Köln, Essen, Bochum, Wiesbaden, Mannheim, Hannover, Stuttgart —, und mancher „glückliche" Besitzer eines modernen Meisters ärgert sich heute über ein« unnütze Geldausgabe: es sei denn, daß die Frankfurter Polizei den Gegenstand des Aer- gers, nämlich das gefälschte Bild, schon vor Monaten „asserviert" hat. Der große Schwurgerichtssaal wird den Eindruck einer Bildergalerie erwecken. Otto M ü l l e r. em ehemaliger Mufi- kalienkommis, nach der Inflation Kunsthändler, hat mit einer Anzahl Genossen Bilder nach allen möglichen Großstädten verkauft, die di« ge- schicktesten Fälschungen sein sollen, di« je fabriziert wurden. Der Hersteller, «in begabter Maler namens Baumann, hat die Kopien nach Originalen, die Müller verschaffte, gemalt, will allerdings der Meinung gewesen sein, daß dies« Dü.der auch als Kopien verkauft wurden. Die Fabrllation und der Vertrieb der BilderfälscherÄ. m. b. H. spielte sich derart ab, daß Müller als Jnteo- elfem bei den Besitzern der echten Bilder auftrat und sich di« Gemälde einige Tag« „zu treuen Händen" an Hand geben liefe. Während dieser Zeit stellte Baumainn eine Kopie her, die mitunter besser gewesen fein soll, als das Original. so daß Müller in manchen Fällen di« Kopie an Stelle des Originals zu- rückgab. Im Lauf« der Jahre soll Baumann Diele Dutzend derartige Kopien hergestellt haben: fte wurden später von Müller und seinen Helfershelfern als sogenannte „billige Gelegenheiten" vertrieben, ohne daß auch nur einer der Käufer den Verdacht hatte, mit einer Fälschung her-eingelegt zu sein. Wie so oft im Leben, spielte auch hier der Zufall die ausschlaggebende Rolle bei der Aufdeckung der Fälscherfabrik, denn «in Kunstkenner in Düsseldorf glaubte in einem ihm ungebetenen Bild eine geschickte Fälschung zu erkennen und tiefe die Verkäuferin festnehmen. Zwei Tage später saß auch Müller in Frankfurt hinter Schloß und Riegel. Dur der Maler Dau- hild! — Hast du nicht so gesagt, Hans? — Da werd ich gleich morgen krank! Meinetwegen zum Sterben. Wann man von solchen« Handerln pflegt wird, nachher kann man leicht still haltn, eine Wochen oder zwei." „Sie sind wohl noch nicht lange bei Herrn Doktor Feßmann tätig?" hörte Hilde Maria Richthofen fragen. Ein leiser Spott Hang in den Worten mit, der die Wangen der jungen Frau in eine rofenfarbenc Glut tauchte. Der Arzt fühlte, wie das Blut in feinen Adern pulste. Durchschaute Maria Richthofen seine Lüge? Es war ja soviel wie an^gefd&Dffen! Riemand wußte von seiner Ehe. Sie trugen keine Ringe und gaben sich auch sonst nicht wie verheiratete Leute. Das ftinunte ihn wieder sicher. Sein Blick ruhte kühl und überlegen in denen Marias. „Hettingen hatte die Güte, uns beide für den Abend einzuladen. Schwester Brunhild« braucht notwendig ein bißchen Ablenkung und Ausspannung nach dem ewigen Einerlei bei mir!" Der Baron fühlte, wie ihn der Blick des jungen Mädchens streifte. Für einen Sekundenbruchteil verschoben sich ihre Mundwinkel zu feiner Ironie, und die langen Seidenwimpern senkten sich zur Hälfte über die tiefblauen Sterne. Zch möchte sie küssen — dachte Hettingen, und wußte nicht, wie weltverloren fein Blick an ihren rofenfarbenen Lippen hing. Maria fühlte fein Anstarren und verglich in raschem Schauen ihre mit Hilde Feßmanns Person. „Sind Sie immer bei Herrn Doktor beschäftigt?" wandte sie sich an die junge Frau. Ein scheues „3a!“ Der Doktor hätte so gerne feine Hand auf die des armen gequälten Weibes gelegt Aber es ging nicht. So sagte er nur in aller Gelassenheit: „Schwester Brunhild« ist mir unentbehrlich." „3a, das glaub ich!" fiel Richthofen lachend dazwischen und begann, seinen Kaoiar aus den Russeneiern zu löffeln. „Ich mein, man könnt dem Hans gar keinen größeren Possn spteln, als bafe man ihm die Handerln da wegschnappt —Er neigte sich über den weißen Damast und küßte Hildes bebende Fingerspitzen. „Wetm er Ihnen schlecht behandelt, Fräuln Brunhild«, mann war trotz bcS Steckbriefs nicht zu fassen. Während die Polizei, und zwar vor allem die Frankfurter Polizei, schon mit der Möglichkeit rechnete, daß Baumann ins Ausland geflüchtet fei, faß dieser ruhig in Frank- furt und ärgerte sich über die ausführlichen Veröffentlichungen in Frankfurter Tageszeitungen, die seiner Meinung nach in den Hauptpunkten unrichtig waren. Eines Tages erschien er bei einem Frankfurter Schriftsteller und bat um die Veröffentlichung eines wahrheitsgetreuen Se- richts. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, daß er sich selbst dem Gericht stellen wolle. Tatsächlich hat er sich dann am Sage nach Pfingsten freiwillig gestellt. Zu dem interessanten Prozeß sind über 60 Zeugen geladen worden. Aus Der provinzialhaupista-t. Gießen, den 28. Dovember 1928. Oer Müllwagen ist da! Eine Reuerscheinung in unserem Straßenverkehr, die vorerst als eine Mahnung zur Be- fchaffung der hier und da noch fehlenden bor» schriftsmäßigen Abfallbehälter angesprochen werden kann, ist der neue Müllwagen, dem die Aufgabe zufällt, alles, was im Haushalt entbehrlich, lästig, für Auge und Rase widerlich wurde, in seinem weiten Bauch aufzunehmen. Die bisher verwendeten alten Körbe und Kisten, Pappschachteln, Fässer usw. ließen in mancher Beziehung recht tief blicken in das Wallen und Wirken mancher Hausfrauen, und gestatteten ein nicht immer schmeichelhaftes Urteil über deren wirtschaftlichen Sinn. Verfaultes Obst, Gemüse. Kartoffeln z. D. sind stumme Ankläger der Frau, die es zum Verderben dieser Nahrungsmittel hat kommen lassen. Zigarrenkisten, Zigarettenschachteln, zerbrochene hölzerne Küchengeräte, Wasch- llammern, Holzwolle, zerstörtes Kinderspielzeug usw. gehören ebenfalls nicht in den Mülleimer, sondern als Ersatz für Anmachholz in den Ofen. Die Kriegs- und Rachkriegsnöte, die zur Verwertung von Abfällen zwangen, scheinen heute schon wieder vergessen zu fein. Mehr oder weniger erbaut von der Reuerung sind die Haushaltungsvorstände, denn die neuen Kehricht- befjälter kosten Geld, und es wird noch manchen behördlichen Rippenstoßes bedürfen, bevor die Säumigen in die Tasche greifen. Es gibt aber noch andere „Interessenten", bei denen die neuen Mülleimer keine Freude auslösen: das sind die Hunde. Sie konnten bisher, soweit ihre soziale Lage dazu zwang, ihre Rasen recht tief in die offenen Gefäße und Kisten vergraben und manchen noch genießbaren Happen erwischen. Sie beschnuppern eben schon die neuen Zinkgefäfee mit Mißtrauen und — behandeln sie nach ihrem Empfinden. Wau, wau, die schöne Zeit ist aus Und nix hilft Heule und Delle, Seit der Stadtrat vor jedem Haus En Eimer liefe uffstelle, Der streitig uns das Stöbern macht Rach manchem schönen Happe, Sagt Leut' — ist das net ungerecht, Wenns nix mehr gibt zu schnappe. Die Bröckchen aus den Küchetöpp War'n immer uns Willkomm«, Die Knöchelcher und Hinkelsköpp Sein uns nun weagenomme. Auch armem droht der Hungertod, Ja8 sind die armen Katz«: .Und von den annern leide not Die Hinkel und die Spatze. Wau, Wau, was war n die Zelle fchee, Was fein das jetzt für Posse? Wir müsse all' zugrunde geh', Weil die Eimer fest verschlösse! E. Gießen im Lichi. Vom Verkehrsverein Giefeen wird uns geschrieben: Die Vorbereitungen für die Werbe- woche sind in vollem Gange. Wie feststeht, wird es eine Deranstaltuna ersten Ranges werden, die sich in ihrer Aufmachung gleichartigen großstädtischen Werbewochen würdig zur Seite stellen kann. Gießen wird, wie das Motto sagt, im Lichterglanz erstrahlen. Das wird zweifellos viele Fremde veranlassen, während her Werbeveranstaltung die Stadt aufzusuchen. Theater und Lichtspielhäuser werden mit besonderen Programmen aufwarten: Konzerte der Kapelle unserer Garnison an verschiedenen Punkten der Stadt werden die Veranstal- tuna unterstützen. In den Cafes und Gaststätten werden Konzerte und Künstlerabende für reichhal- dann brauchn S' mir s bloß z' wissen tun. Nachher komm ich und brenn mit Ihnen durch." Hettingen warf ein „Oho" über den Tisch. „Ich habe ältere Rechte. Ich kenne Schwester Drunhilde schon sell heute nachmittag." „Ah, zwcgn die paar Stünderl, Joachim! Daö macht nix mehr aus! Ret toajr, Fräuln Drunhilde. Und der Hans, der kommt überhaupt nicht in Dettacht. So ein Doktor, der hat ja eh net Zeit, daß er sich a Weiber! sucht" Hildes Blick irrte hilfesuchend erst zu ihrem Manne, und als dieser ins Leere sah, blieb er flehend an Hettingens Augen hängen. Er konnte nicht anders, als chr mit einem lieben Lächeln über die Finger zu streichen. Eine dunkle Glut stand langsam in ihren Wangen auf, während die Maria Richthofens urplötzlich in marmorfarbener Weiße lagen. „Mizzerl, du machst Augn als wie ein Geheimdetektiv!" scherzte Richthofen und hiell der Schwester sein frisch gefülltes Weinglas entgegen. „3s kein Mensch da, der ein schlechtes Gwissn hat! Höchstens der Rittmeister 'Dernauer brübn in der Eckn! Der hat statt feiner Frau a Dame vom Ballett dabei!" Er lachte veralten auf. „Weißt es noch, Feßmann, wie wir allwell gschwärmt ham von der Else Karstenauer, der Dramatischn von der Staatsoper? Und nachher hat f an bulgarischen Prinzn gnommen! 3essas na! Die Plan, die wo wir gmacht haipl 3ch heirat amal keine unter einer Million! hast allemal gfagt“ Feßmann sah verstohlen nach seiner Frau hinüber. Sie saß ruhig, mit in Schoß gefalteten Händen. Diesmal ging ihr Blick ins Leere, wie vorher der seine. Rur ein leichtes Vibrieren der ginget liefe erkennen, daß sie erregt war. Maria Richthofen trug ein rätselhaftes 2ä» cheln um die Lippen. „Und Sie Baron? — Kommen bei Ihnen auch nur Millionen in Betracht?" Statt von Hettingen kam ihr die Antwort von ihrem Bruder selbst. „Weißt Mizzerl, der 3oa- chim, das war allawell schon ein Außenseiter. Der is von klein auf schon bloß nach der Liab gangen. Rach gar nix anberm." Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahaussiattung werSem isit dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf! tige 'Abwechslung sorgen. Eine Lotterie, für die Freilose beim Einkauf von einer Mark an in allen Geschäften zur Ausgabe kommen, und bei der bedeutende Preise zur Ausspielung gelangen (vorgesehen sind u. a. ein Automobil, ein Schlafzimmer) wird wohl zahlreiche Einheimische und Fremde ba- zu veranlassen, ihre Weihnachtseinkäufe bereits während der Derkehrs-Werbewoche „Gießen im 2icht" vorzunehmen. Weitere Veranstaltungen sind vorgesehen und werden noch durch Anzeigen bekanntgegeben. Man beachte die heutig« Anzeige. Wer macht den Kriegsblinden eine Weihnachtsfreude? Der Bund erblindeter Krieger, Untergruppe Oiefeen, bittet uns um die Aufnahme folgender Zeilen: Frieden im fersen, Lebensfreude und Lebensmut sind Schätze, die auch den Kriegsblinden zutell werden sollen. Sie ,ind vom Krieg« durch den Verlust ihres Augenlichtes zu hilflosen Menschen geworden. Schwer drückt die Last, die chnen ein grausames Geschick aufgebürdet hat. Hart ist aber auch der Kampf, den sie zeitlebens zu führen haben. Obwohl unsere Kriegsblinden ihr Bestes für das Vaterland hingegeben haben, geraten sie immer mehr in Vergessenheit. Wir halten es schon aus diesem Grunde für notwendig, auch in diesem Jahre für die Kriegsb.inden eine stille und ernste Weihnachtsfeier zu veranstalten. Durch Ueberreichung eines Geschenkes soll jedem Blinden eine Weihnachtsfreude bereitet und ihm gezeigt werden, daß auch heute noch mitfühlende Menschen «ich seiner erinnern. Leider können wir die zur Durchführung der Veranstaltung nottoenbigen Mittel nicht aus eigener Kraft aufbringen. Vielmehr bedürfen wir der Hilfe unserer sehenden Mitmenschen, die es als eine Ehrenpflicht betrachten sollten, den Kriegsblinden eine Freude zu bereiten, um sie dadurch im Ringen mit ihrem Schicksal zu stärken. Wir richten daher an alle Sehenden die herzlich« Bllte, uns einen kleinen Beitrag zur Bescherung der Kriegsblinden zu überweisen. Gaben nimmt die städtische Oberfürforgerin Schwester Anita Herma nny zu Gießen (Stadthaus), Gartenstrafee 2, Zimmer Rr. 12, gerne entgegen. Geldspenden können an die gleiche Adresse, oder auf das Konto dec erblindeten Krieger bei der Bezirkssparkasse Giefeen (Konto Rr. 7389) eingezahlt werden. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. In der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde sprach dieser Tage Dr. Hans Maier (Leipzig) über das Thema: „DieMandschurej, Land, Volk, Wirtschaft". Der rnedner nahm im Sommerhalbjahr 1927 als Geograph an der Erpe- dition Waller Stötzners in die NordmandsMrei teil. Er aab zunächst einen kurzen und doch vielseitigen Ueberbüd über die gatue Mandschurei, in dem er besonders den klimatischen, pflanzen» und tiergeographischen Uebergangscharakter dieses zwischen der innerasiatischen Mongolei, dem russischen Vordasien und den peripheren Monsunaebieten (Sichotaalin, Korea, Nordchina) gelegenen Erdraumes betonte, einen Uebergangscharakter, der sich auch in der rassischen und völkischen Zusammensetzung seiner Menschheit zeigL Rassisch unvermischte Mandschu gibt es nur noch einige Zehntausend, die paläasiatischen Südtungusen sind dem Aussterben nahe, Russen und Japaner leben nur je 300 000 bis 400 000 im Lande. Die Mandschurei, die vor 1905 langsam in russische, noch 1905 in japanische Hand hinüberglitt, wird jetzt von dem Volk de facto zurückgewonnen, dessen Souveränität auch in jenen Jahrzehnten aufs empfindlichste geschwächter Macht nie aufgehört halle, den Chinesen. Das Mittel dazu blldet die Unterwanderung. Die Zahl der jährlich aus China, besonders den durch die inneren Kämpfe und Mißernten in schwere Bedrängnis geratenen Nordprooinzen, Einwandernden „Verleumder," sprach Hettingen dazwischen und horchte gedankenverloren nach dem Pußtawalzer. den das Orchester spielte. „Ist ein Wörtgl llnwahrs dran, Feßmann?" ereiferte sich Richthofen. „A Madrrl, a nette! A Hascher! a gschamigs — wann's oa kein Kreuzer Geld nichck ghrbt hat — das hat er an- gschmacht — da hat er sich stundenlang in Prater nuntergfteUt und hat gtoart drauf und is im Himmel gwesn, wenn er a Busserl davon kriegt haL" „ilnb jetzt?" riß Marias Stimme den Baron aus seinen Träumen. „Macht er's grab noch a so!" lachte Richthofen. Joachim schüttelte den Kopf. „Jetzt trau ich mich nücht mehr! Aber wenn ich freiwillig eilte krieg, wie zum Beispiel neulich! —" „Ra sowas! Aber bitte! Also freiwillig hat dir eine 's Goscherl hinghaltn I" trumpfte Leopold. „Richt hingehaltn, Poldi! Sondern auf den meinen draufgedrückt! Ganz fest!" „JessaS na!“ „ilnb bann war sie auf einmal weg — und wie sie mich wieder gesehen hat, hat sie nichts mehr dergleichen getan, grab so, als ob ste's gar nicht gewesen wäre, und ich auch nicht, sondern zwei ganz andere! Das htt weh getan!“ „Das glaub ich!" kam s unter RichthofenS kicherndem Lachen. Der Doktor forschte aufmerksam in Hettingens Gesicht. Das hatte so verdammt ernst geklungen, daß ihm ein Wort deS Scherzes gar nicht angebracht erschien. Hilde bemerkte, wie Marias Wangen bis zurück an die Schläfen in brennendem Rot standen. — War sie es gewesen, die ihre Lippen auf die Joachims gelegt hatte? Herr Leopold lachte gut gelaunt vor sich hin. „San eh recht durchtriebne Dinger, di« Modln heutigentags! 3s eine wie die andere! Der- druckn dich in einer Stund und in der nächsten schütten s' dir an Kübel Erswasser übern Kopf, daß d' den schönsten Stockschnupfn davon hriegn kannst. Geht die andern auch net besser wie dir. 3vachim." (Fortsetzung folgt) Ä £ Sn “ Us Ätz lachen, d" M S>»‘“ ftasi-h-""? VWo Wll?r u'. scholl langst 1 M frfodN Sfflj SÄ» ibtr ganz $ V schaffen, mtl zu uninett M, strn" c brMchtigt a Verarbeitung i irvähäen tzäl attg) und Kar Gießer ßs lasteten W 10 6tü W 2,20; M Mhkaut 8 lüten 10 bi , 25 bis 40; 15 bii 25; 1 | 1,20; Tma i Meerrettich ■' 60; Kartofs i bii 30; Dö junge HäHn Mi 1,20; G Siir Stück : Endivien 10 l 10 bis 20; ( io bis 12: *: 15; Aysel! Mn 4,30 Taten fü. omrnito . Uhr. - Mr 1023 Uhr. 1797: du garno geben Stuttgart g flnjengrube: lanzler von - Ta , 6, ©lauter fionsbuM grübungsvc Lötersicahe ksmööie". - vortrag „To 7 L-chtfpielf Hoffnung". Tage". - Stad GlabltteattrE ? Hfc find ■Trante M Anleitung: Löffler. ( Süant tem Heuen Stelle tes Moto, fet «annett Är:- ZLr R UNS * 'M 2 ™ Etnrvitt r^tifteunte .Nag ei^ hr A Anl Kd ’S AnZ Sgk,Aili K auf fülflt-) I HondM> «f*r s*4, teil 2S- ** Militärpersonalien unserer Garnison. Oberleutnant Vepp wurde zum A egimentsstab nach Kassel und Oberleutnant rhuchardt zur Mlnenwerserkompagnie nach Reffet versetzt. Leutnant Pe termann wurde mit Wirkung vvm 1. Rovember zum Oberleutnant befördert. " Abfahrt der 1. Komp, unserer Garnison nach Berlin. Die I. Komp, des hiesigen Bataillons, die ab I. Dezember zur Tachttruppe in Berlin abkommandiert ist, rückt heutigen Mittwochabend 21.20 Uhr von der "«ferne ab und marschiert durch die Oicher Maik g' :,Ur die ' und bl h gelange! (!' b,: e>n ' "nd 2?"^ seinfäufe 4- „@ Lbettits to.pt) cm bet Svpe- A ’Jbtbmattbiwi xyn unb doch oiil- .W Mandschurei, m sichen, pslanzen. unb charakler dieses jroi' igotei, dem russisch« rmi Mnsungebiei't i) gelegenen Stbrai chnakter, der sich aud jen Zusammensetzun: Rassisch uMrmisch'l nige Zehntausend, d' sind dem Aussterbeeben nur je 300000 Mandschurei, die rot h 1905 in japanische i von dem M x Souveränität auch Den Chinesen. D° «nderMtz- Die M ibtrs den durch du ten in ^n, WwanderiM Vw W* den Da- i" lachte ME • mol J ^|" trurnM ^blinöen tuubt? inender ^'und Lrt^ i ^Minden S? ^iege d^ch d-e Last, 1 fisMbel k MeL X? fc hu'X k »•inben eine M. Anstalten. Durch soll jedem chtssreude be- i daß auch h^ute V seiner erinnern. f)nrcMhrung bet E nicht aus eige, 1 vrdürien ölt bet Mitmen- :eiW betrachten IC Sreude ju bttei- n mit ihrem Schick- her an ave Sehen- nnen Beinen 2ci« 8 bet Kriegs. he OöersüchrM lanny zu föfa , Zimmer Je 12, i linnen an bk 8 'Sonin btt etblin- irtsspariasse Dietzen weiden. 16 Mertunbe. d- und Böllerlunde 1 Malen (Leipzig) jdjurei, Land,; Reiner nahm int ‘ eirb in diesem Jahre wahrscheinlich zwei Millionen »rreichen. Sie vollzieht sich dank der Organisation rer chinesischen Behörden, die den Auswanderern nid)t nur ihr mandschurisches Siedlungeland im ivraus zuteilcn, sondern oft auch noch Die Jteije= I kosten tragen, völlig reibungslos und erstreckt sich entlang den immer weiter vorstoßenden Bahnen. 3m zweiten Teil seines Vortrags vertiefte und vervollständigte der Redner seine hochinteressanten und -on reichem Beifall belohnten Ausführungen an ^er Hand von Lichtbildern. Die Hörer lernten die Halbmillionenstadt Chardin mit ihren zahlreichen mb Didarligen Kirchen, Tempeln und Graber- ; teldern kennen und verfolgten gespannt bic Aus- I führungen über die schweren Pestepidemlen des letzen Jahrzehnts, die Uebertragung der Pest durch I ten murmeltierähnlichen Tarabagan, und die jungst nergifdien Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung. Sie »-gleiteten die Crpedition von Tsitsikar den Nonni« i j|Ufe in einer Dschunke aufwärts über Mergen in t>ie bisher unerforschten, von Birkenwäldchen, Edel- ureißsteppe und Lärchen-Taiga bedeckten Weiten des Nordens der mandschurischen Provinz Heilungkiang !und erfuhren dabei vieles über den mandschurischen Lewässerunaslandbau (Sojabohne, Kauliang-Hirse, Leizen, Hafer), über den Gold-, Sohlen« und Eisen« rzreichtum, die großen Holzschätze, sowie die niatc« । teile und geistige Kultur der tungusischen Rest- bölfdjen, der Tahuren und Solonen. H. L. Zusammenschiuß der Vvgelkenner Hessens Auf Einladung des Leiters der Vogelzugstation Nainspitze, Dipl. Agr. L. K. M a l d i u e (Mainz) tra« ; fra sich am Sonntag die Dogelkenner und Bogelberm« esr Hessens in Frantfurt a. M., um der Anregung von Professor Balser (Friedbergs entsprechend den schon längst im Interesse der Zusammenarbeit bei her Erforschung der hessischen Vogelwelt erforderlichen ZusammenschlußderDogelkenner Hessens durchzuführen. Durch planmäßige Ein« teilung der Deobachtungsgebiete unter den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft ist es gelungen, ein über ganz Hessen ausgedehntes Beobochtungsgediet ui schaffen, so daß dadurch besonders der seither old zu unmethodisch behandelte Vogelzugforschungs- bienst, ferner aber auch die Vogelschutzwacht und der Dogelschutzerkennungsdienft in hervorragender Weise berücksichtigt werden können. Die wissenschaftliche ' Verarbeitung der Jahresergebnisie hat man in die bewährten Hände von Professor Balser (Friedberg) und Karl Rudolf Fischer (Laubach) gelegt. Gictzerrer Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,10 btt 2.20; Matte 30 bis 35; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25; gelbe Mben 10 biS 20; rote Rüben 10 bis 20; Spinat 25 bis 40; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 30 bis 40: Zwiebeln 12 bis 20; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 40 bis : 60; Kartoffeln 5; Repfel 20 bis 40; Birnen 10 btt 30; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 btt 1,20; Gänse 90 bis 1,20; Rüsse 60 bis 80; Hier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 1,20; Endivien 10 bis 20; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50; Wirsing Zentner 10 biS 12; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 12 bis 15> Aepfel 20 bis 25; Dirnen 10 bis 20; Kar- • toffeln 4,30 bis 4,60. Daten für Donnerstag, 29. November. Sonnenaufgang 7.40 Uhr, Sonnenuntergang 15.57 Uhr. — Mondaufgong 17.39 Uhr, Monduntergang 10.23 Uhr. 1797: der Komponist Gaetano Donizetti m Bergamo geboren; — 1802: der Dichter Will;. Hauff in Stuttgart geboren; — 1839: der Dichter Ludwig il„zengruber in Wien geboren; — 1856: der Reichs- Muster von Bethmann-Hollweg geboren. Borrrotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Lb. Glaubens- und Missionskonserenz des Mis- üvnsbundes Licht im Osten: 19.30 Uhr, De- grühungsvortrag im Saale der Stadtmission, Ükberstrahe 14. — Stadttheater: 20 Mr, „Per en* lomödie". — Deutsche Dollspartei: Lichtbilder- norltag „Don Versailles über London nach Genf". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Rächt ohne Hoffnung". — Astoria-Lichtspiele: „Zwei hvl> usche Tage". - Stadttheater Gießen. Rus dem ötadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute 2D Uhr findet die Erstaufführung von Bruno Franks Lustspiel „Die Perlenkomödie" statt. Spielleitung: Julius Baste. Bühnenbilder: Karl Löffler. Es wirken mit die Damen: Brack, Syfo, Kramer; die Herren: Frank Falkner vom Reuen Theater in Frankfurt als Gust, an 3 teile des plötzlich erkrankten Herrn Ebert- Aiassow, ferner die Herren Linkmann, Ritter, aSttmetl • . ,, . - Der Missionsbund „Lrcht rm 0 ft e n" veranstaltet von heute bis einschl. nächsten Sonntag im Saale der hiesigen Stadtmillion seine ,'tk Dlaubens- und Missionskonferenz mit Dorträgen. Räheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. — (Sin Dvrtrag übär den Rudersport. Ruf Deranlassung der Gießener Ruder- T-rsellschaft spricht am morgigen Donnerstag-- lEenb ün großen Hvrsaal der Universität Herr 5>. Bvrrmann aus Berlin über „Rudern — iter Sport für alle.“ Bvrrmann. dem ein Ruf aE8 guter Redner vorauZgeht, ist — so schreibt inan uns — als Dozent an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin wie wenige baju beraten, die Schönheiten der Ruderei und ihre Einwirkungen au; Körper und Geist in Wort imb Bild (eine Reihe von Lichtbildern unterstützen beix Dortrag) seinen Zuhörern vorzu tragen. Lille Sportfreunde beiderlei Geschlechts sind zu dem Vortrag eingeladen, der wertvolle Rnregungen Ilitr alle bringen wird. Ramentlich ist auch den Schülern der höheren Klassen, den Lehrern und filtern, sowie der Studentenschaft der Besuch bei Dortrages zu empfehlen. Räheres siehe »estrige Anzeige. gelaunt iro w Buntes Allerlei. Deutscher Derein gegen den Alloholiömus. Der Deutsche Derein gegen den Alkoh olismus, dieser große und angesehene Zusammenschluß der gemäßigten Rlkohol- gegner Deutschlands, hielt vom 4. bis 7. Ro- vember 1928 in Münster in Westfalen seine 3 9. Jahre sversammlung ab. Sie war von Dertretern der Reichs- und Staatsbehörden, von Kirchen und Spihenverbänden reich beschickt, aus dem ganzen Reiche und besonders den Industriegebieten außerordentlich besucht. Zum Kampf gegen den Alkoholismus auf dem Lande sprachen u. a. Med.-Rat Dr. Dohrn (Hannover), Pastor Seyserth (Berlin), Frau Dr. von Herwarlh (Berlin). Dorsihende des Reifensteiner Derbandes für wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande. Der Rlkoholis- mus, der auch auf dem Lande wieder stark im Dordringen sei, bedürfe gerade dort entschiedenster zusammenfassender Bekämpfung, um unserem Dolle seine letzte Kraftquelle zu erhalten. Das Landvoll selbst müsse Träger der Abwehr werden. Eine Entschließung fordert neben planmäßiger Aufklärung durch Schule und Kirche und Ausdehnung der Trinkerfürsorge auf das Land vor allem der Förderung des Milchverbrauchs und der gärungslofen Früchteverwertung, Unterstützung der ordentlichen Gastwirte, Gründung alkoholfreier Gemeindehäuser u. dgl. — Die 3n« dustriefrage behandelten Med.-Rat Dr. Schröder (Oberhausen), Tlniv.-Prof. Dr. Többen (Münster), Privatdozent Dr. Sartorius (Münster), San.-Rat Dr. Bonne (Adendorf). Die Industrie- arbellerschaft sei sichtlich im Erwachen. Klare Erkenntnis der Rlkoholgefahren setze sich immer stärker durch. Arbeit gegen den Alkoholismus bedinge hier auch unermüdlichen Kampf gegen die Wohnungsnot. — Die Haupttagung begleiteten mehrere Konferenzen und Sonderversamm- hingen. In denen für Trinkerfürsorge und Trinkerheilung wurde in neuerer Zeit stärkeres Dorwalten der Psychopathen und WUlensschwachen und leider auch der Jugendlichen unter den Alkoholkranken festgestellt. Die Derkehrskonferenz brachte umfangreiche neue Statistiken über „Unfälle und Alkohol" und forderte Aufklärung der Cisenbahnbeamten wie der Kraftfahrer, Berücksichtigung der Rl- koholfrage bei den Prüfungen dec Kraftfahrer und Dorsorge für gute alkoholfreie Getränke an Halteplätzen und in Kantinen. Der g ä» rungslosen Früchteverwertung, besonders der Herstellung und Derbreitung guter billiger Süßmost: (aus Aepfeln, Beeren, Trauben) galt eine eigene Fachkonferenz, zum großen Teile auch die Landfrauentagung. Einen Höhepunkt bildete die Studentenversamm» l u n g mit dem glänzenden Dortrage von UniD.» Prof. Dr. Stählin, Münster in Westfalen: „Alte und neue Formen akademischer Geselligkeit". Die Dersammlung war einig in der Forderung der Straße, Ludwigsplatz, Reuenweg, Seltersweg, Frankfurter Straße, Lieb'.gstraße, Bahnhofstraße zum Bahnhof. Am Donnerstag u n 3.07 Uhr morgens erfolgt von dort die Abfahrt, die Ankunft In Berlin um 2.30 Uhr in der Rächt zum Samstag. Die Kompagnie verbleibt bis zum 1. März bei der Wachtiruppe in Berlin. *• Dom D. H. C. Die alljährlich wiederteh- renbe Jung°D. H. C.-Führertagung findet am 1. und 2. Dezember unter dem Dorsitze des Obmanns. Prof. Gg. Dender, Frankfurt a.M., in Offenbach a. M statt. •• D i e Deutsche Duchgemeinschaft veranstaltet morgen nachmittag im Hotel „Prinz Carl" eine Wander-Buchausstellung, zu deren Besuch im heutigen Anzeigenteil eingeladen wird. Räheres in der Anzeige. •• Einbruch beim Konsumverein. Gestern wurde während der Mittagspause in dem Geschäftslokal des Konsumvereins ein Einbruch verübt. Entwendet wurden aus der Registrierkasse etwa 140 Mk. Bargeld und Sparmarken mit den Rummern 500—750. Personen, die sachdienliche Angaben zur Herbeischaffung des Diebesgutes und zur Ermittlung der Täter machen können, werden gebeten, der Kriminal- Wteilung Rachricht zu geben. •• Wohnungseinbruch. Der heutige Po- lizeibericht meldet: In der Zeit vom 13. bis 15. Rovember wurden aus einer Wohnung im Seltersweg folgende Gegenstände entwendet: Eine Stahlkassette mit 16 Mark in bar, eine silberne Herrenuhr mit doppelreihiger ilnionteite, ein goldener Rurg mit blauem Stein, ein silbernes Taschenmesser und ein silbernes Kragentettchen, außerdem Disilenlarten auf den Romen „Heinrich Weister, Gießen". Die Ahr ist mit Goldrand und deutschen Ziffern versehen und trägt das Lagerbuch Rr. 14100, das Gehäuse die Rr. 286 800 und die Buchstaben „H. M.' ,e D i e Männer- und Frauen-Der- einigung der Matthäus-Gemeinde veranstaltete am Freitag einen gut besuchten Lichtbildervvrtrag. Garteninspektor R e h n e l t sprach über „Das schöne Italien" an der Hand sorgfältig getollter Bilder, meist eigener Ausnahmen. Kleine Erlebnisse von seinen Stuften» sahrten belebten den Bortrag. Der anderthalbstündige Dortrag behandelte die oberitalienischen Seen, Florenz, Rom, Reapel, Sizilien. Reicher Beifall lohnte den Redner. Oberheffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 27. Rov. Der Obst- und Gartenbauverein Wieseck unternahm am Montagvormittag bett guter Beteiligung unter Führung des neuen Kreisobstbauinspektors, Di- plcin-Obstbauinspektors E n k l e r einen Gemarkungsrundgang. Herr Enkler hatte hier Gelegenheit, an praktischen Beispielen zu zeigen, wie Obstanlagen anzulegen sind und welche Bodenarten sich am besten für die verschiedenen Obstsorten eignen. Besonders wurde die Wir- 'kung der Schädlinge an den Bäumen und ihre Bekämpfung behandelt. Abends hielt Herr E n k° l e r im Saal von Gerlach einen interessanten D o r t r a g über „Das Anlegen von Ostbanlagen, die Schad tinge an Daum und Frucht, die Bekämpfung der Schädlinge, daS Deredeln und die Auswahl der Sorten". Die von großem fachmännischem Wissen zeugenden Ausführungen des Referenten wurden durch Lichtbilder gut ver- stündlich gemacht. Lehrer Petri konnte mit Recht im Ramen der Anwesenden Herrn Enkler für ferne Führung und den Dortrag danken mit Abschaffung des Trink z w angs im akademischen Leben. Die bedeutungsvolle Tagung stellte gleichzellig eine Ehrung des Dereinsdirektors, Prof. Dr. med. h. c. Gonse r, dar. Seit 25 Jahren leitet er die Geschäfte des Dereins. Seine Each- lichleit und unermüdliche Tatkraft, seine überzeugende Wärme unb große Organisationsgabe haben viel mit dazu geholfen, daß die Alkoholfrage im Dolke und besonders von den Behörden mehr und mehr als Sache eines jeden Derantwortungsbewuhten ertannt wird. Bevorzugen Sie bei Frauen langes oder kurzes haar? Eine englische Zeitung veranstaltete kürzlich eine Rund frage, ob die englischen Politiker bei den Frauen langes oder lurzes Haar bevorzugen. Fast alle Parlamentarier haben geantwortet und eine Majorität von zwei Dritteln hat sich für das lange Haar entschieden. Ein Lord antwortete, daß er sich hüten würde, Partei zu ergreifen, da seine Frau langes, seine Töchter dagegen kurzes Haar trügen. Lord Sydenham entschied sich für das lange Haar, da die Ratur es lang gemacht habe. Ein anderer Lord mißbilligt das kurze Haar besonders bei älteren Frauen, weil kurzes Haar nur zu einem ganz jugendlichen Gesicht passe. Einige Abgeordnete haben sich natürlich der A b st i m- mung enthalten. So antwortete Lord Bir- k e n h e a d, daß er z u alt sei, um sich für eine derartige Frage noch zu interessieren, und der konservative Abgeordnete Sir Ashton Putnal erklärte, daß in seinem Wahlkreis über 35 000 Frauen seien, von denen sich etwa 25 000 bei der letzten Wahl für ihn entschieden hätten. Er würde einen politischen Selbstmord begehen, wenn er durch eine Entscheidung in einer so wichtigen Frage ohne zwingenden Grund eine große Anzahl seiner Wählerinnen vor den Kopf stoßen würde. Lin schönes Beispiel konfessioneller Duldsamkeit. Die seit Jahrhunderten bestehenden Nachbarschaften der Stadt Andernach sind rein katholischen Ursprungs und haben auch in diesem Sinne geweihte Fahnen. Im Laufe der Jahre wurden auch evangelische und jüdische Mitbürger aufgenommen. Da nach einem katholischen Kirchengesetz die geweihten Fahnen bei Beerdigung von Andersgläubigen nicht mitgetragen werden dürfen, entschlossen sich die Katholiken Andernachs, den evangelischen Nachbarschaftsmitgliedern eine Fahne zu stiften. In einem feierlichen Akt, an dem alle Kreise der Bürgerschaft teilnahmen, wurde den evangelischen Mitgliedern die Fahne überreicht. Professor Dr. Schwab feierte das Ereignis als einen Akt der Billigkeit und Gerechtigkeit gegenüber den Andersgläubigen. Vertreter aller drei Konfessionen betonten das Gelöbnis der Duldsamkeit zum konfessionellen Frieden. dem Wunsche, Herrn Enkler noch öfters als Berater in Obst- und Gartenbauangelegenhellcnr in Wieseck zu sehen. : Großen-Buseck, 27. Rov. Sell Wochen wird von den Bahnhöfen Großen-Buseck und Reiskirchen Material zur Pflasterung der Straße Giehen-Reiskirchen angefahren. Im vergangenen Frühjahr wurde die Strecke von Gießen bis zum Kilometerstein 7 unweit der Ganseburg mit Kleinpflaster versehen, im kommenden Jahr ist die Weitecfüh- rung der Pflasterung biS Reiskirchen vorgesehen. Bei dem sich immer mehr steigernden Derkehr mit den schweren Lastkraftwagen gibt es kaum eine andere Möglichkeit, die Haichtver- kehrsstraßen fahrbar zu erhalten, als sie mit Kleinpflaster zu versehen. f Obbornhofen, 27. Rov. Bei der T r e i b- j a g d im hiesigen Gemeindewald, die in diesen Tagen stattfand, wurden 8 Rehe, ein Rehbock, 15 Hasen und ein Fuchs zur Strecke gebracht. Der Jagdpächter. Landwirt Hermann R ü ck - eisen von Wohnbach, hat außerdem in der vergangenen Woche zwei Füchse in Eisenfallen gefangen. — Als Abschluß der Kanalisations- arbeiten werden gegenwärtig die Strahen- goffen in Ordnung gebracht und teilweise einer Reupflasterung unterzogen. Um sauberen Fußes zur Bahnstatton Obbornhofen-Bellersheim gelangen zu können, wurde entlang der rechten Häuserreihe von der Gosse bis wider die Hofreiten Pflaster angelegt. Der erhöhte Fußsteig zum Bahnhof, der durch die Wasserleitungsarbeiten sehr gelitten hat, soll demnächst auch ausgebessert werden. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 27. Rov. Auf unaufgeklärte Weise explodierte gestern in der hiesigen Zuckerfabrik eine mit schwefliger Säure gefüllte Stahlslafche. Durch den starken Luftdruck scheint der mit dem Anschluß beschäftigte Arbeiter gegen die Wand der Saturationspfanne geschleudert worden zu sein, wobei er schwere Verletzungen erlitt. Ein anbecer Arbeiter, der ihm bei der Arbeit geholfen hatte, erlitt durch ausströmende Gase im Gesicht Verlegungen. Als ilrfadje des Unfalls wird angenommen, daß die Flasche vielleicht einen Konstruktionsfehler hatte. Dieser Hnglüdsfall ist in kurzer Zeit der dritte in der Zuckerfabrik. Bei den vorhergehenden Llnglücksfällen waren zwei Tote zu beklagen. CD Nieder« Flor st adt, 27. Noo. Zu der Bürgermeister wähl am nächsten Sonntag stehen sich 3met Kandidaten gegenüber, und zwar der seitherige Beigeordnete Gastwirt Lux und Weiß bindermeister Stelz. Lux wurde von der Sozialdemokratischen Partei als Vertreter der Arbeiterschaft aufgestellt. Stelz kandidiert für Landwirte und Gewerbe. Kreis Büdingen. ]:[ Ortenberg, 27. Rov. Am Samstagnachmittag hatte der Zweckverband für Autoverkehr zu Ortenberg die neun in Frage kommenden Gemeinden Ortenberg, Bergheim, Gelnhaar, llfenbom, Gckartsborn, Schwil- kartshausen, Dobenhausen I, Dellmut und Wippenbach mit ihren Bürgermeistern und Semcinde- vorständen zu einer Desprechu rg eingeladen. Ferner war Kreisdirektor Dr. Gähner der Einladung gefolgt. Der zweite Dorsitzende R. S ch w e i d e r t legte dar, daß es für das Fortbestehen der Autvverbindung besser sei, aus dem Zweckverband Ortenbergcr Privatleute eine Aktiengesellschaft der Gemeinden zu machen. Zu diesem Zwecke werden Anteilscheine von je 500 Mark ausgegeben, die je nach Leistungsmöglich-keit der Gemeinden auf diese verteilt werden. Rach längerer Aussprache über das Für und Wider dieses Planes haben sechs (Eemcinbcn sofort den Dorschlag unterschrieben. Die drei anderen Gemeinden behielten sich die Zustimmung ihres Gemeinderates vor, die im Lause dieser Woche einlau en soll. Hoffenllich kommt eine Einigung zustande, damit die Qluto» Irnic bestehen bleibt. Kreis Schotten. I Ober-Lais, 27. Rov. Zu einem außerordentlichen (Erfolg, wurde die hiesige Vorführung des Afrikafilms „Die erwachende S p H i n x' durch die Kulturlichtbildstelle des Kreisschulamtes Schotten. Rachmittags wurde der Film den Schulen der Umgebung vorgeführt, die sich freuen, nun nicht m.hr die wellen Wege nach Gedern zu berartigen Vorführungen zurücktegen zu müssen. Es waren die Schulen von Ober-Lais, Glashütten, Steinberg und Schwickartshausen er- schienen. Die aus Ober-Lais und Glashütten recht gut besuchte Abendveranstaltung, in der der gleiche Film den Erwachsenen vorgeftihrt wurde, brachte ein recht gutes finanzielles Ergebnis, das dem Kreisschulamte Veranlassung geben dürste, auch in Zukunft derartige Veranstaltungen wieder in unserem Dorfe zu unternehmen, zumal die Verhältnisse dafür hier besonders günstig liegen. Senn außer einem recht geräumigen, lustigen ©aal haben wir hier eine sehr interessierte Bevölkerung. Kreis Alsfeld. s Ruppertenrod, 27.Nov. Gestern abend ereignete sich hier ein bis jetzt noch ungeklärtes Vorkommnis. Zwei jugendliche Arbeiter aus dem benachbarten Ober-Ohmen gingen in der Nähe des Kaufhauses Hofmann über die Straße, als der eine, der 19jährige R. Philippi, mit einem Schmerzensschrei nach seinem Arm griff. Eine Kugel war in seinen O b e r a r in am Oberarmgelenk eingedrungen und steckengeblieben. Der Verletzte konnte sich mit Hilfe einiger Burschen nach Ober-Ohmen begeben, wo ihm der im Heere ehemals als Sanitäter tätig gewesene Gastwirt Heinrich Krebs den ersten Notverband anlegte. In der Nacht wurde der Arzt, Dr. N e e n aus Groß- Felda gerufen, der den Verletzten sofort dem Krankenhaus in Laubach zuführte. Das Vorkommnis ist insofern e^enartig, als die Wunde (Einschußstelle) schwarze Ränder aufweist, was auf einen Schuß aus nächster Nähe schließen läßt. Zum andern wurde nur ein dumpfer Knall vernommen. Durch die Untersuchung wird die Angelegenheit wohl geklärt werden. Starkenburg. WSR. Offenbach a. 01t, 26. Rov. Die Ehefrau Maria Schulz, die bei einer hiesigen Firma beschäftigt ist, stürzte versehentlich in den Schacht des Auszuges. Sie fiel v o in dritten Stockwerk bis in den Keller hinab. Die Frau hat sich dabei so schwere Verletzungen zugezogen, daß sie nach einer Stunde im Städtischen Krankenhaus gestorben ist. Meinhessen. Lpd. Mainz, 27. Rov. Die städtischen Körperschaften beschäftigen sich zur Zeit mit einigen Vorlagen über ausgedehnte Rotstands- arbeiten, wofür die Summe von etwa 1 ,2 Millionen Mark vorgesehen ist. Der größte Teil dieses Betrages wird in Form von Löhnen den Erwerbslosen, die bei der Ausführung der Projekte beschäftigt werden, zufließen. Geplant ist der Ausbau von Straßen und die Errichtmig neuer Sport- und Ruheplätze. Preußen. Kreis Wetzlar. IL Wetzlar, 27. Noo. Wie wir hören, hat die Stadtverwaltung den in voriger Woche vergebenen Bau eines Kalsmunthotels ein st eilen lassen. Die Einstellung dürfte wohl auf die Entschließung der letzten Stadtoerordnetensitzung zurückzuführen sein, bei der von bürgerlicher Seite eine Zurückstellung dieses Projektes gefordert wurde. WSR. Wetzlar, 27. Rov. Gestern nachmittag fiel ein sechsjähriger Knabe beim Spielen in die Hochwasser führende Dill. Der 20jährige kaufmännische Angestellte Willi Steinbrecher, der den Vorfall beobachtete, warf die Kleider ab und sprang dem bereits sinkenden, von der Strömung fortgewirbelten Kinde in das eisige Wasser nach, und in verzweifeltem Bemühen glückte es ihm, nach zweimaligem Tauchen den schon bewußtlos gewordenen Knaben zu erfassen und an Land zu bringen. Wiederbelebungsversuche hatten glücklicherweise Erfolg. — In Oberndorf, Kreis Wetzlar, stürzte ein elfjähriger Schüler in den hochgehenden Solmsbach. Er konnte sich an einen hinausragenden Baumstamm anflammern und sich selbst wieder herausarbeiten. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 27. Rov. Mit Rücksicht auf die gespannte Finanzlage und im Interesse der steuerlichen Gerechtigleit gegenüber der normalen Grunderwerbssteuer beantragt der Magistrat bei der Stadtverordnetenversammlung, die Erhebung des gesetzlich zulässigen Zuschlags von zunächst V2 Prozent zu der erstmalig am 1. Januar 1929 zur Erhebung gelangenden Grunderwerbsteuer von 1 Prozent des Grundstückswertes vom Grundbesitz der sog. toten Hand zu beschließen. — In der vergangenen Woche sind in Frankfurt insgesamt 500 Ruhrkinder eingetroffen. Sie werden bis Anfang des nächsten Jahres in Frankfurt bleiben und' besuchen hier auch die Schule. — Die beiaimte Frankfurter Opernsängerin Frau Sutter-Kottlar, erlitt gestern abend bei der Aufführung von „ Figaros Hochzeit" bei offener Szene dadurch einen Unfall, daß sie von einer der Treppen im Hintergrund der Szene stürzte und sich Verletzungen am linken Fuß zuzog. Sie muhte sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Briefkasten der Redaktion. h. B. Die Privatadresse dieser Kinoschauspielerin ist uns nicht bekannt. Fragen Sie beim „Film- Kurier" in Berlin W 57, Blumeshof 3, an. Berliner Börse. Berlin, 28. Rov. (WTB. Funkspruch) Bei fast vollkommener Geschäftslosig.eit ist die Tendenz im heutigen Frühverkehr noch sehr undurch- fichttg, zumal Kurse überhaupt noch nicht genannt wurden. Für Spezialwerte herrschte weiter ganz gute Meinung, aus den vorliegenden Rachrichten lassen sich jedoch auf die Entwicklung der Tendenz keine Schlüsse ziehen. 1 Gießen im Licht I0342D Sekretär Ritter gegen Ausweis. nach großstädtischem Vorbild I03I8D 1O399D Lichtspielhaus, Bahnhof str. 34 Auf der Bühne Nur noch heute Eintritt frei und unverbindlich IsSee- und Flußfische I0407c Fisch-Filets 083» Tapetenhaus OttoTäiM Becken Astoria-Lichtspiele Giefeen Felle Seltersweg 70 Fernruf 1326 STRICK I Else Dittmar gibt ab so ro C. HübsamBD / Fernsprecher W 9. Dezember 12. Dezember 15. Dezember 16. Dezember Besondere Glanztage: Sonntag, den Mittwoch, den Samstag, den Sonntag, den ten tr Die M von etwa 300 aber Witg Dvi 5<6 etwa das leiden weit I nicht ten o in Ziegenfelle,alleGrößen Angora- und Schaffelle Auto- und Fußtaschen DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl'sche Druct.erel Spezial- Wollgeschäft Oifori tt Gnzi hat | Der M und Hdrft erschr mit r Kleider, Jacken,Jumper,Pullover Westen usw. Strümpfe aller Art In beeten Qualitäten bei niedrlgeten Preisen spielt am 29. November 1928 nachmittags und abends im Cafe Amend für Tisch und Diwan. Auto und Reise, aus Tuch, Gobelin, Plüsch, Kamelhaar usw. A. Dinkelmann, Worms. Poeucheckkonto 1:194 N Äon) Dor die d«rZi trnntn Ärobt Umtausch von Schafwolle und Stricklumpen (5 | ESS E N , LÖWengaSSe Nr. 20 1O4O4A Die. Vie i vollend Die ' ein sch W btt 5; WOLLEstrumpf _______________und Handarbeitsgarne anbei! Mi 3Mi W M iu de unter' bridtz etub währ tut, . erflt m VKALtlH OCA MJIQFMV Großer Sensation»- und Abenteurerfilm In acht spannenden Akten. — Ferner Fanny macht's Entzückendes Lustspiel in 2 Akten. _________________IO4O7C Bestrahlung öffentl. Gebäude, Prunkbeleuchtung von Straßen und Plätzen, Schaufenster- und Geschäfts-Phantasie-Beleuchtungen ßroßeJubiläumslotterie Beim Einkauf von 1 Mk. an ein Gratislos in den durch Plakate kenntlich gemachten Geschäften, Gasthäusern, Cafäs, Ho eis, Kinos usw. usw. Als Hauptpreise sind vorgesehen: Ein Auto, ein Schlafzimmer, eine Standuhr usw. Festvorstellungen des Stadttheaters, Vorführung bedeutender Filme In den Kinos, Platz-Konzerte v. Militär- u.a. Kapellen. Besondere Darbietungen und Konzerte In Cafes, Gasthäusern und Hotels Günstige Einkaufs-Gelegenheit In allen Geschäften. Sonntags 12-18 Uhr geöffnet I0392D Frankfurt a. M. Zo bebe» >o OieSen bei : Staatl. Lott.-Einn. Flimm, außerdem bei: Josef Chatnbrd, L. Eif< rt, Konr. Emmerich, L. Joost, Herrn. Kuhl, S. Loeb, Friseur Lotz, Zigarrenhaus E. Reuter, Fr. Buchacker, Wilhelm Semmler, Wilh. Weber, Herrn. Fett, Watzenborn, H. Fett Wwe., Oroßen-Llnden. EM BANDIT VON ENDE AFGXF : L 1-0VD «MGOANAM Berlin-Wien-Neuyork (über350000 ständige Mitglieder) veranstaltet am 29. November, im Hotel „Prinz Carl“, von 3 bis 8 Uhr, eine grobe Buchausstellung, wozu die hiesigen zahlreichen Mitglieder u.alle Freunde schöner und ebenso bill. Bücher herzlich eingeladen sind, iosssd Oettli das fl' icyn- dM '-hon Joch' Fisch-Spezialhäus Cuxhaven fflarktstraße 11 Telephon 2417. Lichtspielhaus Bahnhofstrabe 34 ff mit l Heute letzter Tag: DieNacht ohne Hoffnung Die Wochenschau zeigt ganz hervorragende Aufnahmen dee Aetna. Ab morgen bis einschließlich Sonntag: IMMlUW« Billard - Amateur - Weltmeister Moons (Belgien) Heute letzter Tag: Zwei höllische Tage Ab morgen bis einschließlich Sonntag: Emaillierte Herde In verschiedenen Ausführungen empfiehlt Edgar Sorrmann, Eisenhandlung Voranzeigei Samstag, den 1. Dezember 1928, nachmittags 4 Uhr Einmaliges Gastspiel der Frankfurter Märcbenbiihnen Kein Film! Zur Auftührung gelangt: Ke,n FUm! Rotkäppchen Alle großen und kleinen Kinder wollen dieses Märchen sehen! Vorverkauf ab heute an der Tageskasse OUJAT O#0WA-HAHS6TÜWt Gewaltiger Sensation!- und Gesellschaftsfllm in 8 spannenden Akten. Dieser Film gehört zu den allerbesten Leistungen der letzten Jahre, die aus der deutschen Produktion hervorgegangen sind. Büdgei aus dem Inhalt: Ein fabelhaftes Atelierfest jn Paris. — Ein Schlitteurennen auf Leben undTod. — Die „Berliner Presse" schreibt: Ein großer, wohlverdienter Erfolg . . . fesselnd . . . packend . .. äußerst effektvoll aufgebaut. Momente von höchster Spannung. Außerdem das reichhaltige Beiprogramm Auf der Bühne: 4 Polls Luft-u.Parterre-Akrobaten in höchster Vollendung. 1. Teil: Phänomenaler Ketten-Akt. 2. Teil: Perch-Balance-Akt. Einladung zur W ander- Buchausstellung Die Deutsche Biidi-Gemeinsdiaft I amaIamsm Stückware, in einfarbig Linoleum sssraÄ'“- Laufersioüfi:' gestreiftu.gemust. 25000 10000 2000 LoseälMk/ÄS Gastspiel des Internationalen Tänzerpaares Mau Leset u. Jean de Lasier Plastisch-akrobatische Tänze in höchster Vollendung. Engagements: Empire Paris — Hansa Hamburg - Tusddnsky Amsterdam — Nelson-Theater Berlin. S| Äumn^kin * Mein großer Weihnachts-Verkauf | W 28 M M beginnt Donnerstag, den 29. 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STEFAN TEMESVARY Lieder und Arien von Mozart, Rossini, Schubert, Mahler und Wolf Eintrittskarten: RM. 4.-, 3.- und 2.- bei Emst Challier und abends an der Kasse. - Studentenkarten RM. 1.- bei Herrn Cafe Ernst Ludwig Heute abend 8 Uhr: EtaHsWILodo Anschließend: Tanz Bis 4 Uhr offen Verkehrs-Werbewoche des Verkehrs-Vereins Gießen E.V von Samstag, 8., bis Sonntag, 16. Dez. 1928 WM MMe 9863A m * w in jeder Qualität, alle I nnnwnn Größen und Muster, IBjjPlLllC Anker-, Vorwerk- und Halbmond-Teppiche Ziehung bestimmt am 4 und 5. Dezember 1S28 Eisenacher fieiaionerle ium Besten des Thüringer Museums, E.senacb 3385 Gewinne zueammen Mark : Nr. 289 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, 28. November (928 Jugend und Hochschule. Englisches Stndentenleben. Oxford und Lambridge, die Hochburgen der Tradition. Don Erich Brandt, Berlin. Schon seit Jahrhunderten besteht zwi chen den beiden alten englischen Univerjltäten. die bis vor etwa 100 3abren die ehulgen in aanz <$ng- land waren, eine sriedlicho, aber treu überlieferte Rivalität. Zum Ausdruck kommt dieser Wettstreit in den alljährli hen BootZr nn.m. die daS ganze britisch« We.trrich in Aufregung versetzen. Aach diesen zu urteilen, grbübrt aber Cambridge der Vorrang, denn deren Mannschaft war schon mehrere Jahre hintereinander siegreich. Doch auch sonst tut jede der beiden Univerfltäten gern daS (Gegenteil von dem. waS die andere unternimmt. Bezeichnend hierfür ist. bah Cambridge auch heute noch nicht seinen weiblichen Studierenden akademische Grade zuerkennen will, während Oxforb dies schon seit fast 8 Jahren tut, obwohl daS erst« Krauen College in Oxford erst 9 Jahre nach dem ersten in Cambridge gegründet wurde. Man ist überhaupt an diesen beiden Kultstätten der Tradition sehr kon'ervativ. Doch bemüht sich anscheinend Cambridge auch hier um den ersten Platz. Das zeigt fidj) allerorts, oft an scheinbar ganz wesenlosen Älcmlgfeiten. So fällt es einem auf, dah in Cambridge der alten Sitte getreu, nur die Professoren die gut aep legten Rasenflächen aus den Höfen der Colleges betreten dürfen, während die Studenten eS nie wagen würden, ein Gleiches zu tun. Danz anders in Oxford. Schon lange gilt hier auf dem Rasen Professor und Student dasselbe, sogar ein Fremder, der nicht zum College gehört, darf dort ungestraft den grünen Teppich betreten. Richtet man jedoch sein Augenmerk mehr auf das eigentliche Studentenleben, das an diesen beiden Universitäten herrscht, dann findet man weit weniger ilnterfdjteDe. Hm den besonderen Charakter dieses StuLenienlebens recht verstehen zu können, muh man sich etwas mit dem eigentlichen Aufbau der HnüeerUäten bekanntmachen. Die .Universität" ist nämlich In Oxford sowohl wie in Cambridge ein Ding, das nach unseren Begriffen gar nicht vorhanden ist. An ihrer Stelle findet man in jeder der beiden Städte etwa 20 verschiedene Colleges, die je 100 bis 300 Studenten beherbergen. Zeder Student, der aber der Universität angrhören will, muh auch Mitglied eines dieser Colleges fein. Doch nicht nur die Zahl der Studenten, auch die Profess orenschaft vertellt sich über diese Colleges. ZedeS College hat seinen bestimmten „Stab" von Professoren und Dozenten, die im College selbst ihre Vorlesungen abhalten. Jedoch ist es jedem Studenten erlaubt, auch beliebige Vorlesungen cm anderen Colleges zu hören. Deshalb wird die Ausbilbungsmöglich-keit durch diese scheinbare Zerrissenheit des Unterrichtsbetriebes nicht gefährdet. Ueber das Verhältnis der einzelnen Colleges zu der eigentlichen Universität äuherte sich mir gegenüber ein Oxforder Student dahin, dah es sich dabei etwa so verhalte wie bei den deutschen (Sinketfloaten und dem Reich. Auch jedeS College hat seine Eigenverwaltung und legt sehr a ohen Wert darauf, während die Universität als Re- prascntatiou von allen Colleges unterstützt wird und in erster Linie die verschiedenen Prüfungen abzuhalten hat. Aber dieser Vergleich berührte, sicher unbeabsichtigt, noch einen anderen Aehn- lichkeitspunkt. der ihn jedoch nur noch treffender erscheinen läßt. Wie sich nänllich viele Deutsche mit dem Reich weniger verbunden fühlen als mit ihrem Heimatstaat, so ist es auch mit dem Colleae- I Studenten. Sie sind in erster Linie Mitglieder ihres College, erst dann kommt für sie die Universität. Auch mehr oder minder grohe Span- I nun gen herrschen oft zwi chen Angehörigen verschiedener Colleges, ähnlich wie sie bei uns manchmal zwischen Vertretern verschi drner Stämme, wie Preusen und Dazern, zutage treten. Diese Colleges sind nun di? wahren Träger deS akademischen LebsnS. Stubmt.n!eben ist in Oxford und Cambridge identisch mit Col egeleben. Die Mitglieder jedes Colleges bilden ge- wis ermahen eine grohe Familie, d e sich eng verbunden fühlt. Zeder Student ist einem „College- Tuitor“, das ist ein älterer Akademiker, zugewiesen, der ihn an »Ellern Statt" zu betreuen bat. Abends essen alle Studenten gemeinsam in der grohen „Halle", jeder Jahrgang an seinem Tisch, oder in den berühmtesten Colleges, wo der Platz schon lange nicht mehr ausreicht, zu bestimmter Stunde. Cs überfommt einem ein eigentümliches Gefühl, wenn man da unter 200 bis 300 Vertretern der englischen oberen »Zehntausend" fitzt, in einer Halle, die viels Hundert Jahre alt ist und von deren Wänden einen die weltberühmten Männer zu Dutzenden anblicken, die auch einst in dieser Halle gesessen haben. Es ist nicht der Hauptzweck der beiden alten Universitäten Oxford und Cambridge, ihre Schüler zu hervorragenden Wls enschaf tern und Gelehrten zu erziehen, obwohl auch solche in nicht geringer Zahl aus ihnen hervorgegangen sind. Man will hier vielmehr den Vesten der jungen Generation, die durch Abstammung oder Veranlagung dazu bestimmt sind, später eine mehr oder weniger grohe Rolle im gesellschaftlichen und politischen Geben des briti chen Weltreiches zu spielen, eine diesem Zweck entsprechende Erziehung angedeihen lassen. AuS diesem Grunde pflegt man auch gerade hier Geselligkeit und Kameradschaft in vorbi'd idxr Weise. So ist z. 2. allgemein «Sitte, dah man bis auf daS erste Frühstück keine Mahlzeiten allein einnimmt. Zum Lunch oder Tee lädt man vielmehr zwei oder drei befreundete Studenten ein, wenn man nicht selbst eingeladen worden ist. Am meisten laden sich natürlich in dieser Art die Mitglieder eines College untereinander ein, wenn man nicht selbst eingeladen worden ist. Am meisten laden sich natürlich in bieder Art die Mitglieder eines College untereinander ein. aber auch bekannte Studenten eines fremden College sind oft gern gesehene Gäste. Die Gastfreundschaft unter den Studenten kennt überhaupt für unsere Begriffe gar keine Grenzen. Selbst wenn man als Ausländer einem Studenten durch einen Kommilitonen vorgestellt wird, pflegt oft schon daS zweite Wort eine Einladung zu irgendeinem Essen zu sein. Diese kleinen Studentengesellschaften sind das typischste Kennzeichen deS clltenglischen Studenien- lebens. Man benimmt sich bei seinem Freunde ganz, als ob man zu Hause wäre, und spricht nach dem Essen über alle möglichen Dinge. Jede Frage des gesellschaftlichen, politischen ober wirt- schaftlichen Lebens wird bei dieser Gelegenheit eingehend erörtert Hier wird auch die Politik des eigenen Colleges ober ber Universität gemacht. Durch alle diese gemeinschaftlichen Mahlzeiten und Debatten bildet sich aber zwischen Den Studenten ein so enges Derbundensein heraus, wie es an den deutschen Universitäten auch nicht annähernd zu finden ist Es ist ein gesellschaflliches Leben von überaus zwangloser, aber dennoch nicht formloser Art, das sich mit dem in den deutschen Studentenverbindungen keineswegs vergleichen läßt Ein besonderes Gepräge erhält das Studentenleben an den alten Universitäten durch die eigene Besuch in einer ÄegeruniversM. Don Richard Huelsenbeck, Durban (Südafrika) Vor hundert Zähren standen da. wo sich heute die Großstadt Durban erhebt, noch die Kraals ber Zulus, wo heute bie Motorbarkassen Wettrennen um silberne Pokale machen, schwammen Krokodile und Leguane, und in den Bergen, durch die heute die AusflugsautoS fahren, brüllten die Löwen und bellten bie Schakale. Die Zeiten haben sich gewaltig geändert. Aus den Zulus sind zivilisierte Leute geworden. Diele von chnen arbeiten als Kaufleute ober sind in Banken angestellt, sie gehen in moderner Kleidung und benehmen sich, als wenn sie Iahr- hunderte nichts anderes getan hätten — wie vollendete Gentlemen. Die Aegerfrage ist für die regierende Klasse ein schwieriges Problem geworden 3m Anfang, als man das Land betrat und die Schwarzen in ihren wilden Verhältnissen beobachten konnte, war, man darauf bedacht, sie zu heben Man schickte' sie in bie Missionsschulen, machte sie zu Christen und brachte ihnen ein zivilisiertes Benehmen bei. Dann war man erstaunt, das; die Reger von ihrer Bildung Gebrauch machten, sie wollten nicht nur eine Kopie ber Weihen sein, sie wollten auch wie die Weihen leben Sie begannen in stets sich verstärkendem Wahe sich in Berufe hineinzudrängen, die früher den Weihen vor- behalten waren Die Engländer waren genötigt, die sogenannte Faroenschranke aufzurichten man lieh die Schwarzen bis zu gewissen Positionen kommen, aber dann wurde ihnen nach einem stillen Übereinkommen ein Halt geboten. das sie bei Lebensgefahr nicht überschreiten dursten Die Reger sind heute so klug aeworden, dah sie bie bedrängte Lage der Weihen sehr wohl überblicken, sie suchen die Bildung, bie chnen in den Missionsschulen beigebracht wurde, mit eigenen Kräften möglichst zu vervollkommnen 3n Südafrika gibt es eine Wenge sogenannter Aegergewerischaften, die eigene Schulen unterhalten Zn ber Rähe von Durban, zwischen Durban und Port Elisabeth ist eine Universität für Reger. Sie wird ausschließlich von Regern besucht und von Regern geleitet. Ich hatte mir eine Einladung durch einen Mi sionspater der hier sehr bekannten großen Mi sionsstation Maria Hill beschafft. Diele der Zöglinge von Maria Hill gehören der Universität an, auch einige der schwarzen Professoren haben in chrer Zugend auf den Bänken von Maria Hlll gesellen. Zch wurde im Auto vom Schiff abgeholt, neben dem schwarzen Chauffeur sah ein Eingeborener mit einem würdigen Bart in einem tadellosen Anzug und einem Hellen Filzhut. Er stellte sich mir als Benjamin G. vor, es war ein junger Lehrer der Universität In L. Der Wann sprach ein vollendetes Englisch und erzählte mir während der Fahrt viel von der Situation der Schwarzen. Er sagte mir, dah öle Eingeborenen des ganzen Landes sich als eine unterdrückte Klasse zu fühlen begännen, und es fei einfach eine Frage des Lesens und Schreibens, also eine Sache ber Elementarbilbung, dah sie es lernten, gemeinsam zu handeln und gemeinsam ihre Interessen zu vertreten. Während der Fahrt kamen wir an einigen Regerdörsern vorbei, bie sich mit ihren runden Strohhütten und Feuerstellen in einem primitivem Zustand befanden, wie er vor tausend Jahren auch nicht anders gewesen fein kann. Weiber sahen vor den Hütten und säugten Kinder, Schweine und Hühner schienen zu einem wirren Schmutzknäuel geballt. Ein Mann stand vor einem Misthaufen und sog an einer langen weihen Tonpfeife. Ich sagte meinem Führer, bah diese Reger noch lange gebrauchen dürften, bis sie fertige Mitglieder einer Gewerkschaft seien. Er meinte, das sei nur eine Sache des Geldes, wenn man diese Menschen aus ihrem Mllicu herausnähme. sie anständig anzöge und ihnen gewisse Elementorlenntnisse beibrächte, seien sie so verändert, dah man sie nicht wiedererkenne. Die Universität ist von einem Kranz von Häusern umgeben, die nach dem Muster der englischen Colleges die Wohnräume der Zöglinge enthalten. In jedem dieser kleinen Häuser wohnen etwa fünfzig schwarze Jünglinge, die durch ein Self Government nach modernster Methode zusammengehalten werden. Das Government ist eine Kommission, die monatlich durch eine Wahl aller Hausinsassen geschaffen wird. Sie bestimmt diktatorisch über alles, waS int Haus geschieht, in die Singe, die die Universität betreffen, darf sie sich natürlich nicht einmischen. Mein Gewährsmann erzählte mir, dah die Kommissionen ein rücksichtsloses Regiment führten, und dah in einigen Hc ufern, die zwar wegen ihrer strengen Zucht gefürchtet seien, aber einen hohen Rus genössen, für relativ kleine Vergehen die Prügelstrafe eingeführt sei. Wir beobachteten eine Regerrnannschast beim Fußballspiel. Die eine Partei trug rote, die andere weihe Jumper, beide schrien sich die Polizeigewalt, de diese über sämtliche Studenten ausuden. Die -.echt gesürcht ten Vertreter dieser Gewalt, die für die Ordnung innerhalb und auherhalb des Colleges zu sorgen haben, heißen Proktoren und sind mit weitgehenden Befugnis en ausgestattei. Wenn sie des Abends die Straßen und Das en durchstreifen und nach Hebel» tätern fahnden, die gegen irgendeine der vielen, oft sehr veralteten Univer itätSvorschri ten verstoßen haben, sind >ie von zwei handfesten Ge- hil.en begleitet, die von den Studenten treffend „Bulldoggen" genannt werden. Mit diesen „Bulldoggen" wirb mancher Wettlauf au8getragen, aus bem aber, bank ihrer sportlichen Tüchtigkeit, meist die Stubenten als Sieg« hervorgehen. (Sine große Rolle spielen in Oxsorb unb Cambridge auch heute noch ,,Cap and Oown“, d. h. „Barett unb Robe", bie die Studenten zu allen Vorlesungen und zu den gemein amen Abendmahlzeiten In der Halle tragen müs cn. Es handelt sich hierbei um eine auS dem Mittelalter stammende Dit c. 3n Deutschland nannte man diese Roben „SludentenkragenSie unterscheidEN sich in der Länge unb zeigen baburch an. ob ber Träger schon einen akabemi ch:n Grad erlangt hat ober ein Stipendium bezieht. D.sonberS feierlich wir.en wegen blefer eigen ümlichen Stu- bentcntrad>t bie Prüfungen unb Würdenverleibungen. die außerdem noch von zahlreichen tra- oiHonetten Zeremonien begleitet werden. Schwer erziehbare Kinder. Don Dr. Willy Hettpach, profeffor an der Universität Heidelberg, cf)em. bad. Staatspräsidenten. starb. Die (Eltern haben sich, begreiflich genug, wegen Ihrer Züchtigungen noch viele Jahre hindurch Die schwersten Vorwürfe gemacht. Oester kommen solche Anzeichen von beginnender De- hirnerkrankung bei Jugendlichen vor, die keine Kinder mehr find, sondern schon in vorgerückten Gntwicklunasjahren stehen. Hl« Ist eS vor allem daS Jugend-Irresein, daS man jetzt meist Schizophrenie nennt, welches nicht selten bei sogen. Wusterkindern auSbricht, und durch ein völliges Umschlagen des lenksamen Charakters inS Au«- sällige, Störrische, ja BösarHge sich wetter- leuchtend anzeigen tonn. Ich habe eS auch mit angesehen, tote ähnliche Charaktecänderungen, die besonders ber empfindsameren Mutter ausgefallen waren, ben ersten Ausbruch von Fallsucht, ihren ersten Krampfanfällen, vorausglngen. Plötzlich unb grundlos hervo r tretende Schwererziehbar- keit bet einem vorher leicht erziehbaren jungen Menschen legt also immer den Verdacht nabe, bah ein tiefere- Leiden des Rervensystems im Anzuge ist. Eine gründliche fachmännische Untersuchung sollte da alten pädagogischen Experimenten vorausgehen. Ab« eS gibt auch Schwankungen und Wandlungen der Crziehbarkeit, bie buvchauS in ben Grenzen des normalen sich bewegen. Es gibt sogenannte Trotzperloden in ber Kindheit, wie die heutige Iugendkürrde sie nennt. Das sind kindliche Lebenskrisen, die häufig mit WachstuinS- «scheinungen zusammen fallen. Gewöhnlich macht das Kind nach einer solchen Krise, die einige Monate ober noch läng« währt, ben Eindruck größerer Reife, es ist gleichsam in einen neuen Lebensabschnitt eingetreten. Der wissenschaftliche Versuch, bestimmte Kindheitsjahre als solche Trotzzeiten feftzulegen, ist noch nicht befrtebigenb geglückt. Es bestehen dabei große persönliche Verschiedenheiten. Da es sich sozusagen um normale Krisen handelt, die ber Organismus Durchläuft, so hat eS feinen Zweck, bie Erscheinungen gewaltsam unterdrücken zu wvllen. Man wird Ausartungen verhüten, aber im Ganzen eher nachsichtig. sein, unb bie AuSbrüche der Auflehnung, Ignorieren, ähnlich wie bei einem Leibenden. Geht man aber auf sie ein, so muß es gütig unb verstehe nb geschehen, bas kann oft Wunder wirken. Das Kind, das sich in einer solchen Krise befindet, hat das Bedürfnis, dah sich jemand seiner annehmc. Inzwischen können solche Dertrohungen auch die Folgen von heimlichen Erlebnissen sein, und es sollte nie vergessen toerben, behutsam und taktvoll hier nachzuforschen. Die aus- gebteltetc Schule, welche sich an die medizini- Riemand entzieht sich dem Eindruck, ja ber Gewißheit, bah eine ganze Generation ba ist, die jede Erziehung in Frage stellt. Eine Weile lang bat man Krieg, Revolution, Inflation angeschul- blgl. Run liegt bas alles immer weiter hinter uns, aber bas ErziehungSproblera wirb immer kritischer. Und öle Krise am schwersten im Wark- organ alles Erziehens, im Haufe. Bielen Eltern ist der Mut gesunken, ob eS überhaupt noch eine Erziehungsmoglichteit gibt. Diese Lethargie ist vielleicht das Gefährlichste. Denn umgekehrt müßte daS angestrengteste Rachdenken an diese Fragen gewandt werden, das Rachbenken aller. Wan muh dahinter kommen, wodurch schwer erziehbare Kinder entstehen, vielleicht läßt sich die grohe Eraiehungskrise bann Überwinden. Sv mag jeder Uebecblick über bie Erscheinungsformen der Schwererziehbarkeil ein Scherflein zur Gesundung von einer höchst ernsten seelischen Dollslrankheit sein, bie uns Heimsucht, unb der wir unmöglich einfach das Feld überlasien können, indem wir ihre Diagnose stellen und sie für unbeeinfluhbar erklären. Schwer erziehbar können Kinder sein, well ihr Gehirn krank, unnormal i t. In Diesem Sinne nennt der Arzt vor den bangenden Eltern manchmal ein idiolrsches Kind, dessen Gebaren aussällt, schonend em schwer erziehbares Kind. Eigenllich kann man Dies keine gute Gewohnheit nennen. Die geprüften Ellern erfahren Die harte Wahrheit doch eme6 nahen Tages, und Die Bezeichnung „schwer erziehbar" ist Durch solche Verwendung schwer kompromittiert- Jeder «schrickt bann unwillkürlich vor ihr, auch wenn sie in einem viel harmloseren Sinne angewenbet wird. Manchmal kann es sich auch ereignen, bah bei einem jungen Menschen, ber bis bahin leicht eralehbar war, mit einem Male Erziehungsschwierigkeiten auftreten, bie Anzeichen einer beginnenben Gehirnerkrankung sind. So entsinne ich mich aus mein« eigenen früheren nervenärztlichen Berufstätigkeit eine- neunjährigen Änaben, der vorher ein höchst gutartiges, fanfteS, ja zärtliche- und stet- lenkbares Krnd gewesen war und Plötzlich in Aussälliakell und Ungezogenheit verfiel, ja, « kehrte Zuge von Tücke unb Bösartigkeit hervor, bie mit einer unüberwindlichen Faulheit in der Schule, mit liederlich angefertigten Schularbeiten, mit aufsässigem Benehmen gegen die Lehrer zusammenhingen. Das Kind wurde hart ungefaßt, viel geschlagen unb gescholten. Da erlitt es eines Tages eine Lähmung ber Sprache. Die Untersuchung «gab eine beginnende Gehirn» geschwulst, b.e nicht operiert werden konnte unb an der der kleine Patient nach Fünfvierteljahren Kehlen beiter, bas Spiel war gut, eS war wirklich zwischen schwarzen unb weihen Fußballspielern nicht ber geringste Unterschieb. Qltein Führer bemerkte mein Interesse. Stolz gab er seiner Stimme eine Würbe, die mich etwas komisch berührte. Gr führte mich in eines der Unterkunftshäuser, wir betraten einen Schlafsaal, in dem die weißen Bettüberzüge glänzten. Im Speiseraum waren mehrere Zöglinge mit dem Decken der Tische beschäftigt, es flirrte von Geschirr unb fröhliches Lachen erfüllte ben hohen Raum Wir fragten einen ber jungen Burschen, was es heute zu Tisch gäbe. Er gab uns eine Speisekarte, auf ber breimal rot unterstrichen etwas von Ham and Eggs stand. Die Räume, in denen die 'Vorlesungen abgehalten werden, liegen in bem Hauptgebäude. Aus dem Hause wehten die englische Flagge und der alte burische Vierkteur in trautem Verein. Da zur Zeit meines Besuches bzr Streit um die Landesflagge in der ganzen Union erbitterte Formen angenommen hatte, fragte ich meinen Führ«, weshalb man hier zwei Flaggen führe. Herr Brnjamin G. sagte mir, bah bie Reg« sich, soweit es ginge, politisch neutral verhielten, bie Lehrerschaft ber Universität habe sich entschlossen, in den Flaggen streit unter keinen Umständen einzugreifen. Die Sympathien der Reger seien weder bei den Engländern noch bei den Duren, sondern allein bei den Regern. Es sei sehr b^etchnend, dah die beiden Eroberer des Landes sich darum stritten, welches Symbol ihren Gewalttaten vorangehen solle, an eine Reaer- flagge habe bisher niemand gedacht. Und doch toecoe sie kommen, wenn vtell richt auch «ft in hundert Jahren. Unser Gespräch, das sehr laut gesührt wurde, war von einem würdigen schwarzen Herrn mit Zylinder unb Bratenrock gehört worben. Ohne sich mir vorzustellen, mischte er sich in bie Diskussion. ES sei gar keine Frage, dah bie Reger eineS Tages ihre elaene Flagge haben würden. Dazu müßten sie sich allerdings «st bewuht toerben, bah sie eine Ration seien. Ungeheuere Hindernisse seien noch au überwinden, bis bie Reger zu bieser nottoenbigen Bewußtheit kommen könnten. Cs beständen Hindernisse beS Charakters und Hindernisse ber Bildung. Dies« letzteren suche man hier in L. noch Kräften zu helfen, aber ben zum PariikulariSmus neigenden Reger- charakler könne man natürlich nicht von heule auf morgen ändern. ..Wir Reger," sagte Der Wann mit Dera Bratenrock, „müssen uns bewußt werde», daß wir eine einheitliche, unter Dem Druck Der AuslänD« lei» Denbc Ration sinD. Die Reger sind ein verträumtes, auf Das Geistige gerichtetes Bolk wie etwa Die Chinesen. Genau so schwer wie eS heute Die jungen Erzieher Der Chinesen haben, haben wir es auch. Dem Erwachen Des Dunkelen ErDtelleS, wie eS immer so schön in Ihren Zeitungen heißt, muß von unS energisch nachgeholsen werden." Immer mehr schwarze Herren mit Zylinder unD Bratenrock hatten sich um uns gesammelt, sie hörten schweigend Der ReDe Des Alten zu, der mich mit seinen weihen Zähnen üb«zeugend an» blitzte. „Kommen Sie etwaS weiter," sagte mir Benjamin G. leise, „da kommt Professor Q2L, er ist bekannt wegen seiner Feindseligkeit gegen Menschen mit weih« Hautfarbe. Er hat neulich bei einer Sitzung der Lehrerschaft durchsetzen wollen, Dah der Besuch bet Universität burch Weihe verboten werbe. Es ist aber natürlich nicht bucch- gegangen. Die Engländer hätten uns wahrscheinlich bie Universität schließen lassen. M. ist in seiner Art ein Revolutionär." Wir gingen burch einen Bogengang, ber an ben Gang eineS Kloster- erinnerte. In bleiern Moment ertönte eine schrille Glocke. „Eine Lehrstunde ist beendet," sagte Benjamin G. Ein Schwarm von Studenten brängte sich burch das Portal, sie lachten, schwatzten, zeigten sich Bucher unb tollten wie Schulknaben. Ueberhaupt machte mir bie Universität Im ganzen mehr ben Einbruck einer Schule. Benjamin G., Dem ich Die« sagte, meinte, man Dürfe nicht vergessen, Daß bie Vor- bilbung ber Schüler sehr gering sei, unb bah Der Lehrplan Darauf Rücksicht nehmen müsse. Reben Borlesungen über Erkenntnistheorie gehr es solche für Schönschreiben unb Elementarrech^ nen. Won bürte keine europäischen Maßstäbe an bie Anstalt anlegen. Ich fragte noch, ob bei her Universität auch weibliche Hörer zugelassen seien. „Selbstverständlich! Aber biefe Erlaubnis Hat vorläufig nur theoretischen Charakter. Die Er- »iehung unserer Frauen ist noch nicht so weit, bah man ihnen einen Abschluß burch eine Universität geben könnte." Wir stanben wieder vor bem Auto, das mich gebracht hatte, ber schwarze Chauffeur sprang heraus, um mir ben Schlag aufzureihen. Alber Wagen sich schon bi Bewegung gesetzt hatte, kam ein junger Mann und überreichte mir einen Stotz von Propagandaschriften. Benjamin G. winlle mir freundlich zu. und in ber Ferne würben mir zu Ehren einige würbige Zyllnderhüte gelüftet scheu Theorien der Heiden Wiener Aerzte. Joseph Breuer und Sigmund Freud ungeschlossen Hut und gewöhnlich die „psychoanalytische' genannt wird, geht zwar sicher in ihre' Einseitigkeit zu weit, wenn sie hinter allen solchen Storungen des seelischen Gleichgewichts geschlechtliche Erlebnisse sieht. Ein Kind kann auch durch völlig unerotische Erlebnisse, die es verheimlichen zu müssen meint, durch eine Lüge, eine Unehrlichkeit, eine vor den Eltern verschwiegene Schul- strafe, durch ungerechte Behandlung, ja Peinigung seitens eines Lehrers oder Schulkameraden in schwere innere Bedrängnis gebracht werden, die sich in einem völligen Durcheinander seiner Seele auswirkt. Wir wissen, wie leicht wir unwirsch, barsch, heftig, ausfallend und auffahrend sind, wenn uns etwas innerlich stark mit Beschlag belegt, während wir unserer Umgebung über allerhand gleichgültige Alltagsdinge Rede und Antwort stehen sollen. Jeder Mensch, der verschwiegene Sorgen hat, wird dadurch schwerer umgänglich. Der eine mehr, ein anderer weniger. Das ist persönlich sehr verschieden. Beim Erwachsenen, wie beim Kinde. Alle Dinge der Liebe nun, der geistigen, wie der sinnlichen gehören in erster Reihe zu denen, die vom Menschen Besitz nehmen, ohne es ihm zu erlauben, dies nach außen hin zu äußern. Kinder sind oft genug in erste heimliche Geschehnisse des Geschlechtlichen verstrickt, häßliche Versuchungen treten an sie heran, eine unflätige Redensart, der unerwartete Anblick sexueller Handlung vermag ein ahnungsloses Kind tief aufzuwühlen, zu erschüttern und zu verängstigen. An manchen geht derlei spurlos vorüber, andere, gleichaltrige, bringt es aus den Fugen. Treten im kindlichen Alter Geistesabwesenheit, scheues Wesen, äünwirschheit, Jnsich- gekehrtheit auf, so ist eine unauffällige Beobachtung des Kindes immer ratsam. Aber es muß unterstrichen werden, daß sie nur unauffällig sein darf. Der heftigen, ungeduldigen Frage: „Was hast du denn?" oder ähnlichen pädagogischen Mißgriffen verschließt sich die Kinderseele nur noch ängstlicher oder trotziger. Ein Kind zu Geständnissen zu bringen, das seht eine ausgesprochene Vertrauensstülung zu ihnen voraus. In dieser Vertrauensstellung der Erwachsenen zu den Jugendlichen ist ein großer Teil der angelsächsischen Welt heute vorbildlich: Distanz und Autorität leiden darunter keineswegs, im Ge- gentell, sie sind viel solider verwurzelt, wenn sie nicht bloß äußerlich erzwungen sind. Aber es kann nicht genug davor gewarnt werden, in die psychoanalytische Einseitigkeit zu verfallen, und hinter allem immer nur geschlechtliche ülrsachen zu wittern. Es gibt auch rein geistige Röte im Leben imd Werden des Kindes, mit denen es zeitweilig, nicht fertig werden kann und die sich darum, wenn sie keine Aussprache und Lösung finden, zu Trotz verhärten. Der Bruch einer Freundschaft kann so wirken, aber auch das erste Herantreten von Erschütterungen religiöser Glau- bensrnhalte. Es läßt sich keineswegs bejahen, daß für alle Fälle die Eltern die tauglichste Aufklärungsund Lösungsinstanz sind. Wir wissen ganz genau, daß wir denen, die unsere Alltagsumgrbung bilden, durchaus nicht immer Innerlichstes enthüllen mögen. An der Schwelle der Pubertät fangen die Kinder an, sich vor Eltern und älteren Geschwistern, vor Onkeln und Tanten, zu genieren. Sie genieren sich vor allem, mit ihnen öffentlich aufzutreten. Das ist ja ein sehr bekanntes Scheu- und Trvtzstadium der Jugendzeit. Es ist das menschliche Flüggewerdrn, die Loslösung aus der Pflegebedürftigleit, die sich am stärksten in der erwachsenen 2llltags Umgebung verkörpert In dieser Phase ist es oft unmöglich, Vertrauen zu erzwingen: es wird einfach versagt, llnd die Eltern berührt es besonders schmerzlich, wenn dieses ihnen versagte Vertrauen Fremden gewährt wird! ilnb doch, wie viele, ja wie tragische häusliche Konflikte könnten beendet oder gemildert werden, wenn die Eltern sich einsichtsvoll ins Abänderliche fügen und eine Zeitlang von ihrem Kinde trennen wollten! Ich habe solche Trennungen geradezu Wunder wirken sehen. Am schwierigsten gestalten sich die Dinge oft zwischen Vater und Sohn, und zwischen Mutter und Tochter. Die Konflikte pflegen am fühlbarsten und unheilbarsten zu sein, da wo die Mutter ihre Tochter zu einem Manne, und der Vater den Sohn zu einer Braut zwingen will. Mit anderen Worten, es ist vor allem die Vergewaltigung des Lebensinhaltes der jungen Generation, die in dieser die Rebellion entfacht. An diesem Punkte ist jedes Kind ein schwer erziehbares, und das ist gut so. Schwererziehbar- keit ist hier ein hoher Wert, eine instinktmäßige Verteidigung des eigenen Daseinsrechtes. Es sind die weniger wertvollen Raturelle, die sich fügen, sich zerbrechen lassen: es sind die wertvolleren, die sich widersetzen und lieber dornenvolle, eigene Wege gehen, als sich fürs ganze Leben in das von Vaker und Mutter gemachte Bett zu legen. Ein Weltg.'setz leuchtet an diesem Punkte vor uns auf: der ewige Kampf zwischen den benachbarten beiden Generationen, üleberall tritt Versteinung und Verstumpsung ein, wo dieses Ringen aufhört: es fordert seine Opfer, aber es ist ein ülrquell aller echten Entwicklung und Verjüngung, aller Erneuerung und Entfaltung im irdischen Dasein: häufig wendet sich dabei das Vertrauen und die Trostbedürftigkeit der jungen Leute der vorletzten Generation zu, bei den Großeltern suchen sie gern, was sie bei den Eltern nicht mehr finden können. Wie die Ablösung der Kinder von den Eltern eine große vorwärtstreibende, so ist ihre Verbundenheit mit i>en Großeltern eine große konservative Tatsache, welche die Entwicklung des Menschengeschlechts auf dem unerschöpflichen Boden der Familie reguliert. Fortschritt und Rückhalt ergänzen sich in diesem eigenartigen Verhältnis je dreier Geschlechterfolgen. So manche unlösbar scheinende Erziehungsschwiirigkeit möchte in diesem natürlichen Zirkel doch lösbar werden, wenn man ihn verständig in Anspruch nehme! äln- gezählte junge Menschen verspüren in den schwersten Jahren ihres Wachsens und Reifens als tiefe Wahrheit und Wohltat die Umkehrung eines berühmten Goethewortes aus dem ..Faust": Wohl Dir, daß Du ein Enkel bist! Wirtschaft. Oie Konjunktur Mitte November 1928. Das Institut für Konjunkturforschung berichtet in seinem soeben erschienenen Dierteljahrsheft: Der Kvnj unkt ura b schwu n g , der seit Herbst 1927 festzustellen ist, hat sich, wenn auch verlangsamt, fortgesetzt. Produktion und Beschäftigung sind weiter rückläufig. Rach wie vor bewegen sie sich jedoch auf hohem Stand. Die Arbeitslosigkeit wird allerdings in den nächsten Monaten schon aus rein saisonmäßigen Gründen zunehmen. Die VerbrauchCumsätze sind wertmäßig gewachsen, mengenmäßig aber — da die Preise der Fertigwaren gestiegen sind — vermutlich etwas gesunken. Die Produttionsumsähe sind sowohl mengen- wie wertmäßig zurückgegangen. Dieser Rückgang hat zu einer zunächst noch geringen Eon- junllu.eilen Erleichterung des Geldmarktes beigetragen. In gleicher Richtung hat gewirkt, daß die Einfuhr gesunken und die Ausfuhr gestiegen ist, die Passivität der Handelsbilanz sich also vermindert hat. Eine Entlastung des Kapitalmarktes ist ncch nicht festzustellen. Die Wirtschaftsbewegung der letzten Monate läßt auch jetzt keine Anzeichen für eine krisenhafte Vers chärfung des Abschwungs erkennen. Indessen ist durch Arbeitskämpfe ein erhöhtes ülnsichrrheitsmoment in der Wirtschaft entstanden, das bei längerem Andauern zu neuen Spannungen führen könnte. * * Die Aktiengesellschaften im Oktober. Im Oktober wurden nach der offiziellen Statistik 32 neue Aktiengesellschaften mit einem Aominalkapi al von 15 Millionen Mark in das Handelsregister eingetragen, gegen 30 mit einem solchen von 23,7 Millionen Mark im vorhergehenden Monat. Von 61 Gesellschaften wurden Kapitalerhöhungen um insgesamt 119,5 Mill. Mark (im September 66 um 114,9) vorgenommen. Die bare Kapüalbeonspruchnng hat im Oktober erheblich zugenommen, da von den Kapitalerhöhungen nur ein verhältnismäßig geringer Betrag zu Fusionen und zur älebernahme von Sacheinlagen verwendet wurde. Die bare Kapitalbeanspruchung stellte sich im Oktober bei den Kapitalerhöhung?n um 119,5 Millionen Mark auf allein 102,4 Mill. Mark. Von 24 Gesellschaften wurden Kapitalh er abs ehungen um insgesamt 10,7 Mill. Mark vorgenommen. Aufgelöst wurden 59 Gesellschaften, von denen 7 noch keine 11m- stelluna des Kapitals auf Reichsmark vorgenommen hatten. Die übrigen Gesellschaften verfügten über ein Aktienkapital von 17,34 Millionen Mark. • Süddeutsche Rückversicherungs- A. - G., München. In der o. G.-D. der Süddeutschen Rückversicherungs-A.-G., München, wurde beschlossen, von der Verteilung der beantragten Dividende von 6 Prozent abzusehen, da auf Grund neuester Meldungen, wie der Vorsitzende ausführte, die Freigabeangelegenheit in Amerika noch lange nicht gellärt sei. Es schwebe hinsichtlich der der Gesellschaft gehörenden 90 000 Dollars kanadischer Bonds noch ein Prozeß zwischen der kanadischen Regierung und dem Treuhänder des beschlagnahmten deutschen Eigentums in Amerika wegen Herausgabe der Bonds an die kanadische Regierung. Das bisher in Amerika befindliche Depot von 500 000 Dollars mühte, wenn das Geschäft in Amerika weiterbetrieben werden soll, auf mindestens eine Million Dollar erhöht werden. Aus dem Reingewinn von 192 018 Mk. werden nunmehr lediglich 9000 Mk. an den Kapitalreservefonds überwiesen und der verbleibende Betrag auf neue Rechnung vorgetragen. • Adlerwerke vvrm. H. Kleher A.-G., Frankfurt a. M., dividendenlos? An der gestrigen Frankfurter Abendbörse erfolgte ein stärkerer Kursrückgang in den Kleyeraktien, die mit dem hohen Stand der Bankschulden und voraussichtlicher Dividend e?losigkeit für das am 31. Oktober abgelaufene Geschäftsjahr 192628 begründet wurde. Tatsächlich besteht, wie der Fwd. von Verwaltungsseite erfährt, noch der hohe Schuldenstand von etwa 13,5 Mill. Mark. Allerdings müsse die Gesellschaft, die ohne Obligationenkapital arbeitet, und ihren Jahresumsatz von 47 auf etwa 60 Mill. Marr erhöhte, mit Bankkrediten arbeiten. Wenn- man auch $u der . wohl zu erwartenden Dividendenlofigk.it wegen der erst begonnenen Dilanzarbeiten nicht Stellung nimmt, so dürften immerhin die beabfichtig- ten Maßnahmen zur Konsolidierung der hohen Bankschulden sich verzögern, wenn nicht schwieriger gestalten. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 28. Nov. Tendenz: fester. — Nachdem der gestrige Prämienerklärungstag ohne Schwierigkeiten überwunden worden ist, eröffnete die heutige Börse in f e ft e r Haltung. Etwas vermehrte Käufe von Publikumsseite und des Auslands regten an, so daß sich i n S p e z i a l w e r t e n r e ch t lebhaftes Geschäft entwickeln konnte. Dadurch ermutigt, schritt auch die Spekulation zu größeren Käufen, so daß überwiegend K u r s b e s s e - rungen bis zu 2 v. H. gegenüber der gestrigen Abendbörse eintraten. Auf den übrigen Märkten blieb das Geschäft jedoch klein, und im Grundton der Börse war eine gewisse Zurückhaltung nicht zu verkennen, da der unsichere Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und der stark gesteigerte Reportgeldmarkt am dortigen Platze einen gewissen Druck ausübten. Dagegen fand die weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit, da diese teilweise saisonmäßig bedingt ist, kaum Beachtung. Im Vordergründe des Interesses standen, wie schon an den Vortagen, die allen Favoriten. Besonders Schuckert mit plus 5,25 v. H., Gesfürel mit plus 4,5 v. H. und Bergmann sogar mit plus 6,5 v. H. waren stark gefragt. Hier sollen hauptsächlich größere Auslandkäufe eine Anregung geboten haben. Auch sonst gingen die Kursbesserungen am Elektromarkt, bis zu 2,5 v. H. Am Chemiemarkt bestand für Farben mit plus 2,75 v. H. größere Nachfrage. Scheideanstall waren bei minimalen Umsätzen behauptet. Montanwerte lagen still und stark vernachlässigt, jedoch waren bei den wenig zustande gekommenen Kursen Erholungen zu verzeichnen. Auch für Westeregeln machte sich mit plus 3,5 v. H. etwas regeres Interesse bemerkbar. Banken still und behauptet. Reichsbank, die vorbörslich bis 338 v. H. gehandell waren, gingen auf Gewinnsicherungen zu Beginn des offiziellen Verkehrs auf 335,5 v. H. zurück. Am Automarkt lagen Adlerwerke, die schon an der gestrigen Abendbörse 5 v. H. nachgaben, weiter stark vernachlässigt und erneut 3,5 v. H. niedriger. Schwächer lagen Hapag, Wayß & Freytag, Zellstoff Aschaffenburg. Renten geschäftslos, bei knapp behaupteten Kursen. Im Verlaufe trat eine allgemeine Geschäftsstille ein. Auch die anfänglich stark bevorzugten Werte waren auf Abgaben der Spekulation, die zu Gewinnsicherungen schritt, vernachlässigt und durchschnittlich etwas niedriger. Die Grundstimmung blieb jedoch freundlich. AEG. blieben gut behauptet. Schuckert verloren 2 v. H., Licht & Kraft 1,5 v. H., Bergmann 2,5 v. H. J.-G.-Farben waren knapp behauptet. Adlerwerke waren weiter angeboten und erneut 1 v. H. schwächer. Am Geldmarkt trat eine Erleichterung ein. Tagesgeld 6 v. H. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1942, gegen Pfund 20,351, .London gegen Kabel 4,8525, gegen Paris 124,09, gegen Mailand 92,60, gegen Madrid 30,09, gegen Holland 12,0775. Berliner Börse. Berlin. 28. Rov. Obwohl in der heutigen Morgenpresse eine Fülle ungünstiger Aachrichten zu finden war, eröffnete die offizielle Börse in freundlicher Grundstimmung. Begünstigt durch fehlende Limite wurde der heute auf den Kursen liegende Report in den meisten Fällen wieder aufgeholt. Die Umsätze wurden aber hauptsächlich von der berufsmäßigen Spekulation getätigt, außenstehende Kreise beteiligten sich nur in Spezialwerten am Geschäft. Im Vordergründe stand wieder der Elektromarkt, an dem in Werten wie Bergmann, Siemens, Schuckert, Licht & Kraft usw. über den Report hinaus Gewinne erzielt wurden. Anscheinend wirkte der gute Reichsbankausweis noch nach. Auch war man froh, daß der Ultimo so glatt vorbeigegangen ist, denn auch der bevorstehende Zahltag fanrt kaum noch Schwierigkeiten machen, da die meisten Papiere zu den Liquidationskursen Plusdifferenzen aufzuweisen hatten. Reichsbankanteile, die vormittags stärker gesucht waren, eröffneten überraschenderweise vollkommen unverändert, dagegen konnten Berger 6 Prozent gewinnen. Schwache Haltung zeigten Kaliwerte und besonders Autoaktien. Adlerwerke eröffneten auf die Aussichten eines dividendelosen Abschlusses 6,75 Prozent niedriger und lagen damit noch schwächer als gestern abend in Frankfurt. Deutsche Anleihen ruhiger. Ausländer geschäftslos, Anatolier aber schwächer. Der Pfaichbriefmarkt war noch unentwickelt. Geld etwas gesuchter, besonders Tagesgeld hatte infolge des nahen Ultimos bei 6 bis 8 Prozent einige Rachfrage. Die übrigen Sätze blieben unverändert. Im Verlaufe hielt die freundliche Stimmung an. Während sich aber in den Favoriten vereinzelt Realisationsneigung zeigte, konnten Papiere wie Deutsche Linoleum. Farben, Polyphon, Konti-Kautschuk. Dessauer Gas, Deutsche Atlantische, Hohenlohe (letztere auf Zinkpreiserhöhung), Oberkoks und R.W.E. bis 3proz. Gewinne erzielen. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 28. Rov. Der Frankfurter Produttenmarkt verkehrte heute ib ruhiger Haltung. Anregungen lagen nicht vor. Dir schwächeren Auslandmeldungen drückten auf die Stimmung, so daß Umsätze kaum zustande kamen. Rur geringe Rachfrage machte sich vonseiten der Mühlen für Brotgetreide bemerkbar. Das Mehl- geschäft war schleppend. Am Futermijtelmartt bestand t>on;eiten der Landwirtschaft für Roggen- fleie bei stärker erhöhtem Preise größere Rachfrage. Es wurden nofert: Weizen 23, Roggen 22. Sommergerste für Drauzwecke 24 bis 24 25. Hafer, inländischer 22,75 bis 23,75, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 33,75 bis 31, Roggenmehl 29,25 bis 30, Weizenkleie 13,50 bis 13,63, Roggenkleie 14 bis 14,25. Tendenz ruhig. Berliner Produktenbörse. D e r 11 n, 27. Rov. Der Produktenmarkt zeigte heute einen etwas festeren Unterton, ohne daß sich jedoch gleichzeittg eine Geschäftsbelebung einstellen konnte. Trotz der festeren Meldungen von den überseeischen Terminmärtten lauteten die Cis- offerten für Auslandgetreide gegenüber gestern wenig verändert: das Interesse, namentlich dec Mühlen, bleibt auf nahe Ware beschränkt, woraus hervorgeht, daß nur für den dringendsten Bedarf gekauft wird. Das inländische Angebot von Weizen hat sich eher etwas verstärkt, allerdings verharren die Verkäufer auf höheren Forderungen. die kaum durchzuholen sind. Roggen! ist nach wie vor knapp angeboten. Einige Rach- frage der Exporteure ist sowohl für Weizen als auch für Roggen weiter im Markte. Am Lieferungsmarkt stellte sich Dezemberweizen etwas niedriger, anscheinend im Zusammenhang mit dem etwas reichlicher herauskommenden -Angeboi. Die späteren Sichten und ebenso Roggen für alle notierten Lieferungsmonate erzielten dagegen höhere Preise. Am Mehlmartte beschränkt sich die Umsatztätigkett auf die Deckung des laufenden: Bedarfs, die Preise sind stetig. Hafer liegt ruhiger. Gersten weiter matt Turnen, Sport und Spiel. Helene Mayer schlägt die italienische Meisterin. Bei dem am Montagabend in Mailand veranstalteten internationalen Fechtturnier trat die deutsche Olympiasiegerin Helene Maner aus Offenbach a. M. der italienischen Meisterin M a « r i f a Cerani in einem Florettkampf über zehn Treffer gegenüber. Die Italienerin, die die in diesem Jahre erstmalig ausgeschriebene Florettmeisterschaft für Damen gewann, war der großen internationalen Erfahrung der deutschen Meisterin nicht gewachsen. Unter dem Beifall der zahlreichen Zuschauer konnte Helene Mayer mit 10:3 einen sicheren Sieg erringen. Letzte Nachrichten. Landrat v. Gilsa vorläufig seines Amtes enthoben. Kassel. 28. Rov. (I2L Drahtbericht) Der Landrat des Kreises Kirchhain, von Gilsa, ist, wie von zuständiger Stelle bestätigt wird, von seinem Amte vorläufig enthoben worden. Ob eine endgültige Amtsenthebung ftaftfinben wird, hängt von einer ministeriellen Entscheidung ab. Die Gründe für diese Maßnahme sind politischer Jlatur. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent FrauKsurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Franksurt a. M Berlin Berlin. 27. November <Äeld 1 Briet Franjötische 'Jioteii Holländische Noten ...... (italienische Noten ...... Norwegische Noten . ... Deulsch-Oellerr,»100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ...... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten - - Ungarische Noten Devisenmarkt Betlin- Telegraphische I6.:i55 167,96 21,89 111,57 58.73 3,52 111,73 80.53 67.38 12.38 72.85 -Frankß'rt AnszahI 16,415 168,64 21.97 111,01 59,02 2,54 112,17 80.85 >7,41 12,44 7 1.15 a. M. u n g. Schluß-! 1-Uhr- Sur» | Rur» Sch-uh- fiurs Ulnjang Kur» Schiutz-I Kurs ! 1-Uhr- Kurs Sch.uh. fture Ansang Kur» Schluß-> ftnrs | 1-Uhr- Rurs Sch.uh ftllTB Ansang Kur» Datum 27 11. 28. 11. | 27 11. 28 11. Datum: | 27. 11. | 28 it 27. 11. | 28 11. Datum: 27. 11 28. 11 27. 11. | 28. 11. 6% Dl Itodtfanlette o. 1927 DL Lal.-Ablös.-Schulv mti Su2- loK-Sedncn De4ol. ohne Auslos.-Rechte . . . ?% Frankl. Hyp.-Bk Saldos. luv kündbar biS 1932 Rheinische Hyp^Bant Stau.- Soldpj. A-S.S abg 8orfttefl«-Obllgation„ rückzahlbar lgzz 1% Schwel, BundeSb.-Änl.. . . 4% Cefleneidütoe Aoldrte.. . - <,20% Ceften Silberne..... 4% Letterreich ein heil! Rte. . - <% Ungarische Soldrte. . . - 4% Ungarische SlaatSr. v. 1910 35.6 1 12 ' 1 1 । 1 1 1 1 1 1 1 1 Illi 18- MM -Z^.qZlZ - iS A 87.5 ol.l 14.65 32,13 25,8 25.13 1.8 12.75 12,5 20,5 143.65 180 179 143.7» 136,5 140 461 188.75 191.7j 108.25 >bl.7u 169 220 144 .32 I «« <111111111 UM - 5 1 M •O " —10 Ü.E.G.........8 Bergmann...... . . . 9 Gleftr. Lieserungen. • • • • 10 Licht und Krasl ..... 10 Kelten 4 Guilleaume. .... 6 Ges. f. Gleftr. Untern.. ... 10 Hamb. Elektr. Werte .... 10 Rhein. EIcktr. .......9 Schlei. EIcktr. ......10 Schuckert ........ 8 Siemens 4 HalSk» . • • • • 12 Labmever 4...... . 10 Buderus . . ....... 6 Deutsche (Et631 ....... 6 Essener Sreinkohi» ...... 8 Gelsenkirchener ... $. H 9- < Harsch Eisen. ...... 8 3Ue Bergbau .....8 filddnetroerfe . ....... 7 Köln-Neuesse« ....... 9 Mannesmann . ....... 8 Manöseldei ........7 Sberschles. Eisenb. Bedarf... 5 Cberfdjlei. KoUwerke ... 6 Phönix Bergbau ■ • Rheinische Braunkohlen... 10 Rhein stahl I- % 3<* 4K Riebeck Montan .....7,2 Bereinigte Stahlt»......6 Otavi Minen . ..... 9 «h Kalt Aschersiedei! ..... 10 Kali Wetteregeln......IO Kaliwerk (saWtfntit ... 16 3 iS. Karden-^nduttH» ... 12 Dvnamil Nobel . ...... 6 Goldschmidt .•••••■ 6 RütgerSwerke . ....... 6 MetaÜgeieMchE- . . • • • U 187 229.. 255.5 153 268 252.5 420 178.6 86.5 123 135 237 116 91.25 271,5 iv6.5 280,5 280 5 492 - 2,75 190.5 99.75 104 § s $ » § Z ß £ «

'LZ 1 1 I 1 1 » 1 1 1 1 1 1 1 b. 1 »5 I . VcrcSb 25*0» 1 1 1 1 27. Novemd.r 28 Novemb r Amtliche Nori rung Kcld । Briet Lmtliche Nonerung iÄeld 1 Briei Rott. Buen^Ltreö Brff.-?inkw Christi ania Koprndagcn Stockholm HelünglorS. ykalien - . . London. . . Nenvork . . Paris.... Schwei, . . Svanien . . Kapan - . . Rio de Fan. Wien in Ceft abfleft Prag . Belgrad . . vndavell. . Bul arten Lrssabon Dan;ig. . . Konstantin. Athen Lanada Uro nav - tetr» - . - 168, ;io 1,767 08.25 111.72 111.74 111.97 10,539 21,95 20,523 4,1890 Id,38 50,69 >7,51 1,931 J.500o öS. 90 12.417 7.368 <3,05 •>,027 18,68 öl, 28 2,102 5,425 4, IM 4,286 20.845 168,64 1,771 o8.37 111,94 111,96 112.19 10.559 21,99 20,a(k 4,1970 k>,42 -0,85 67,65 1,935 0,5025 39.02 12.437 7.382 73,19 1,023 18,73 61,44 2,106 5,435 4,20o 4,294 20.885 168,33 1,707 j8.26 111.76 111,77 112,60 16,54 21,055 20,»31 4,1965 Lo,v85 56,720 u7,53 1.924 1.5605 58,-15 12.41 7,363 <3,66 -.026 18.71 81,27 2,104 5.425 4,1945 4,286 30.865 168,67 1.771 58.-8 111,18 111.99 112,22 16.56 21,995 20,o,l 4.1985 16,425 80,885 67,67 1,928 'J.5625 59, 35 12,438 7,377 «3,20 -,0.2 18.75 1.43 -.108 5.43:, 4.2025 4,294 1 W.895 Berlin. 27. November '»eld iörxer Amerikanische Note» ..... Belgstche Noten ....... Dänische Rorcu . ....... Englyche Raren........ 4J? 58,13 111.48 20.303 4713 68,37 U1.92 <0.c83