iber x- 'n* teS: ■» d'e Aäd^ Jf» ett °ndne ft1 n salsche/^esohr '- bequ^^Kben er andere ö bec ren der ««* "er Gießen. «SSi ;ä “j£ Ä U Än vorstellig fle, :to* Mche"L von diesem, der ihn ^los sein wollte, nrit ? letzten Fall war 10 erfolgte insoweit Kqt genannten Falles geringfügigen Scha« f a n g n i s ermäßigt. richten. fung l ZuMelkn. chteter beite erfahren, von einer Funküber- tspruch ausgesangen vn einer Funkstelle des es DehrkreisesV Zorschristen ent« onrde. Um festzustellen, Men Ungehorsam oder scher Geheimnisse (Lan° die Bedienungen der in Mellen, darunter auch Bataillons, in Unterworden, um einer mog« dcs Sachverhaltes vor« iche Untersuchung r Ausgang muß natur« IfOlBenbons MM»" glüd in Mel. „(Siebener Mzügns'. ito Bormillag tut} Mt der SlWraKc, SlaMtdl Libau der Firma korfladt, ein schwerer 5in(fut}un- eiter gelötet, einer Ml wurde. Vor tlnglulk -ng -er Heubau ptoov trfefjen war, das infolge ^^waffer urch- >cte ein velonpfeiln. W e Vormillag den SchaW fiecuntcdteigen, dah dne ••s&t relvn einer qetölel. Ls wurden einer y eicht verletzt._______ O.& tftfl che n ymo 1,7?» 5lj,jO 1,L? 118.?® 112,'“ s «L E 1,<96 58,48 111,68 112,? s iß,|M 'S Hl,»? »F 25.9jüX •notiernnv • ML- 16, 169,48 S,29 111,1* 59,21 2,62 112.68 RS iS Sj: ’,|6' 5,55’ '#■* jj# I6j 0,875 71,32 F! »> 59,185 tz 73,41 1,03® Z0J7 ?,8» 2.16J 5,606 i.!Ä jölt ___ *<**^r. --4^535 168.80 #2,21 in,Z 59,00 I 2,60 112,» SO,68 71,1» : 'S E I, 92 58.36 m-g 112,25 LZ Ä9 ,i^ 16,4» <0,i2 13 ,968 8® S Ä <1,69 ,161 5 544 ,2?6 vk. 22 Erft« Blatt 178. Jahrgang Donnerstag, 26. Januar 1928 S »scheint tü-ItL.außer omrtags und Frierlag». Betiefti: Gtehener Famtttendlütter Heimat im Bild Die Scholle. MooatS'vezagrprei,: 2 Reichsmark and 20 Reichspfenntg fflr Träger» lohn, and) bei Nichterscheinen einzelnerNumm ern infolge höherer Gewalt. Fernsprech ans ch lüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger «letze», poftscheckkonw: KrankfvN am Dlatn 11688. GlchenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk vnd Verla-: vrühl'sche Ulttverfitittr-Vuch- und Stetttöruderd R. Lange in Gietzen. Schriftlettung und Seschaftrftelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzetarn für die Tagesnummer bis zam Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchnft 20 ® „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. WUH Lange, für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Bietzen. SerIustizelat vordemAeichstag. ReichsMi-minister Hergt zur ^vertrauenskrisis" in der Rechtspflege. Berlin, 25. Ian. (DDZ.) Auf der Tagesord- nung steht di« zweite Beratung des I u ft i z e t a t s mit den dazu von den Parteien eingebrachten Anträgen und Interpellationen. Reichsjustizminister Hergt leitet die Beratung ein. In einer Broschüre ist die Rationalisierung der Gesetzgebung verlangt und die Anregung geaeben worden, das Justizministerium möge gewissermaßen als Kontrollinstanz der übrigen Ressorts darauf hinwirken. Wenn ich auch eine solche Kontrollfunk- tion ab lehnen muß, so hat das Reichsjustizministerium doch die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden unb daß nur das möglichst Gereifte und dringend Notwendige an gesetzgeberischer Arbeit geleistet wird, Qualitätsarbeit also anstelle der Massenfabri- fation. Schon jetzt ist beinahe etwas zu viel des Guten an Gesetzen geleistet worden, und der Rechtsausschuß ist mit der Bearbeitung der verschiedenen Vorlagen geradezu überlastet. Das Verhältnis des Reiches zu den Ländern erfordert noch viele Arbeit zur Herbeiführung eines vereinfachten Zusammenarbeitens beider Teile. Die Län- derkonferenz hat in dieser Beziehung sehr fruchtbare Ergebnisse geliefert, und ich verspreche mir davon großen Nutzen, gerade auf dem Gebiet der Justizgesetzgebung. Der Entwurf über den Strafvollzug ist schon di« Frucht dieses freiwilligen sachlichen Zusammenarbeitens. Wenn wir die Rechtsangleichung mit Oesterreich erstreben, so sollten wir auch die Rechtsangleichung im Reiche mit den Ändern fordern. Das wäre besonders notwen- dig in den Fragen der Ausbildung der Juristen, der Freizügigkeit der Anwälte, der Gebührenregelung. Die deutsch-österreichische Zusammenarbeit bei der Strafrechtsreform hat sich ausgezoichnet bewährt. Wir wünschen, daß die Rechtsangleichuna sich nicht auf das Strafrecht b«schränkt, sondern sich weiter ausdehnt auf andere Geoiete und schließlich auf das allgemein« bürgerliche Recht. Unsere Wünsche decken sich hier mit denen führender Juristen und Staatsmänner Oesterreichs. Wenn unter „Vertrauenskrise der Justiz^ verstanden wird, daß die Mehrheit des Volkes kein Vertrauen zu den Richtern fjabc, so müßte ich die Existenz einer sol- chcn Krise glatt bestreiten. Das bedeutet nicht die Ableugnung mancher Verfehlungen und Verstöße, die in Richt erkiesten selbst am schärfsten gerügt werden. Wir haben uns sehr eingehend über die sogenannte Vertrauenskrise ausgesprochen. Jetzt sollten die Dinge einmal ruhen. Wir haben seht geradezu eine politische Justiz von unten, nicht nur von oben. Die Einflußnahme der öffentlichen Meinung auf das prozessuale verfahren hat einen Grad erreicht, der nicht mehr erträglich ist. Sie beginnt schon mit der ersten Anzeige, begleitet die Voruntersuchung, das öffentliche Verfahren, die Revision und die Begnadigung. Die öffentliche Meinung mag sich mit der Rechtsprechung beschäftigen, aber das darf nicht in der Form geschehen, wie es in der letzten Zeit immer mehr beobachtet werden muhte. Man sucht nach politischen Motiven bei Staatsanwalt und beim Richter. Man trägt die Politik in das Verfahren selbst hinein. Man macyt schon die Plädoyers des Staatsanwalts fertig, ehe er selbst dazu gekommen ist. So entsteht vielfach der (Sinbrvrf, daß man ein- schüchtern und drohen will. (Sehr wahr, rechts, Unruhe links.) Der Vorwurf einer politischen Justiz von oben kann nicht erhoben werden. Ich halte es nicht für meine Aufgabe, dem Oberreichsanwalt zu viele Anweisungen zu geben. Die Statistik ergibt, daß im Reiche und auch in Preußen die Zahl der Strafverfolgungen wegen Hoch- und Landesverrats in den letzten Jahren ganz außerordentlich stark zurückgegangen ist. Im Iah« 1927 sind deswegen 845 Anzeigen erstattet worden, zur Anklageerhebung kam es aber nur in 49 Fällen. Das beweist am besten, daß die Klagen über eine wachsende Hochflut solcher Prozesse unberechtigt sind. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Landsberg (Soz.): Es wäre erfreulich, wenn man einmal bei einer Etatsberatung nicht von der „Vertrauenskrise der Justiz" zu reden brauchte. Es ist die Schuld vieler Richter, daß die peinliche Aussprache über diese Dinge nicht verstummen kann. Die Kritik des Ministers an der Einflußnahme der Presse auf die Rechtspflege sollte wohl der ihm nahestehenden „Deutschen Tageszeitung" gelten, die bei dem Fememordprozeh gegen Oberleutnant Schulz und Genossen von einem .Bluturteil" des Schwurgerichts sprach. Der Redner übt Kritik an verschiedenen Urteilen des Reichsgerichts. Der Abgeordnete wendet sich gegen die vom Oberreichsanwalt ohne Begründung verfügte Einstellung des Strafverfahrens gegen Clah. Clah habe mit feifiem bekannten Plan zweifellos den Hochverrat vorbereitet mit dem Ziel, den Zeitungsverleger Hugenberg zum Diktator und den General v. Möhl zum Kriegminister au machen. Fünf Generale hatten den Reichspräsidenten von Hindenburg in einer Petition beschworen, die Pläne des Herrn Clah zu fördern, aber der Reichspräsident habe diese Zumutung Clah zurückgewiesen. (Beifall.) Eine andere Entschei- oung war nicht zu erwarten von einem Mann, der den Eid auf die Verfassung nicht als Farce betrachtet. (Beifall.) Der Redner sucht juristisch nachzuweisen, daß im Gegensatz zu der Enftcheidung des Ober- Litauischer Besuch in Berlin. Oer litauische Oiktator verhandelt mit Etresemann über den Handelsvertrag. Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers" Berlin, 26. Jan. Der litauische Ministerpräsident, Professor W o l d e m a r a s , ist nunmehr tn Berlin eingetroffen. Wie man ihm ansah, war er recht hoffnungsfreudig, als er auf dem Bahnhof Friodricyftraße ankam. Ein bestimmtes Programm glaubt er wohl mitzubringen, doch steht es natürlich noch nicht fest, nach welcher Richtung t)in es sich realisieren lassen wird. Der heutige Tag ist zunächst einmal den konventionellen Besuchen Vorbehalten. So hatte er sich bereits beim Reichskanzler unb bei Dr. Stresemann und Staatssekretär Dr. v. Schubert für gestern morgen zur Visite angemeibet. Gestern nachmittag fanden bie ersten Besprechungen zwischen ihm uni) dem Reichs- außenminister statt, bie selbstverständlich, nur der Vororten tierung galten. Am Abend gab der litauische Generalkonsul zu Ehren des Ministerpräsidenten ein Diner. Heute vormittag nahmen die Verhandlungen ihren Fortgang und werden dann in ein positiveres Stadium eintreten. Für den Mittag ist ein Frühstück bei Dr. Stresemann vorgesehen und für den Abend ein Diner, das Reichskanzler Dr. Marx zu Ehren des litauischen Gastes gibt. Der Empfang beim Reichspräsidenten findet am Samstag statt und am gleichen Tage gibt der hiesige litauische Gesandte Sidsikauskas ein Essen in der Gesandtschaft. Die Rückreise ist für Sonntag vorgesehen. Selbstverständlich wird man in diesen wenigen Tagen wohl kaum zu positiven Abschlüssen kommen, es steht jedoch zu hoffen, daß das Feld wenigstens soweit sondiert wird, daß die direkten Verhandlungen in Kürze ausgenommen werben können und möglichst bald zu einem Ziele führen werden. Trotzdem ist die Tatsache, daß der litauische Ministerpräsident persönlich nach Berlin g e k o m m e n ist, um mit der deutschen Regierung über die Möglichkeiten des Abschlusses eines Handelsvertrages zu beraten, selbstverständlich bedeutsamer als es zunächst scheint. An und für sich spielt der Abschluß eines Handelsvertrages mit Litauen an seinem Werte für die deutsche Wirtschaft keine allzu große Rotte. Darauf kommt es aber gar nicht so sehr an, denn immer noch ist der Osten mit seinen tausend ungeklärten Situationen ein Gebiet, in dem es noch gilt, reiche Arbeit zu leisten, um zu einer klaren Lage zu kommen. Daß zu gleicher Zeit auch die Verhandlungen mit P o l en um den Abschluß eines Handelsvertrages wcitergehen, erleichtert die Lösung des Problems keineswegs. An und für sich handelt es sich bei Handelsverträgen ja nicht um politische Abreden, sondern lediglich um das Fe st sehen gewisser Vorteile, die man sich gegenseitig im Warenverkehr bietet. Ein Handelsvertrag kann aber und wird es schließlich auch zu einer starken Stühe der Beziehungen zweier Staaten untereinander werden und bietet damit Vorteile int politischen Zusammenspiel der beiden Mächte, die sich immer erst später zeigen. Das Kernproblem im Osten ist ja nun gar nicht so sehr die Beilegung des Konfliktes zwischen Polen und Litauen, denn auch das ist ja nur ein Teil der zu losenden Aufgaben. Daneben spielt die Klärung des gesamten Baltikum« Problems natürlich eine große Rolle und wenn Prof. Woldemaras in seinen heute der Presse gegebenen Ausführungen von einem Bunde der Baltikum st aaten spricht, so deutet er schon an, nach welcher Richtting hin man im allgemeinen da oben gehen will. Als drittes Problem gesellt sich das dazu, was man kurzweg mit Rußland bezeichnet. Hierbei muß es ohne Frage ebenfalls einmal zu einer Klärung kommen, will man nicht im Osten etwas schaffen, was voreiligerweise schon vielfach mit dem Begriff Balkanisierung des Ostens angedeutet worden ist. Lind schließlich ist für Deutschland eine der wichtigsten Fragen des Ostens die der Regelung seiner Ost grenzen, die heute auf Grund des Versailler Vertrages einen unhaltbaren Zustand bieten. Reiht man all dies zusammen, so kann man sagen, daß das Ostproblem wohl eins der schwierigsten europäischen Probleme ist. Gelöst werden muß es einmal und man kann nur hoffen, daß unsere Verhandlungen mit Polen ebenso wie mit Litauen ein gutes Stück der Lösung dieses Problems entgegensühren. Unter diesem großen Gesichtspunkte muß man jedenfalls die jetzt laufenden deutsch-polnischen und deutsch-litauischen Verhandlungen betrachten. Woldemaras verspricht. Deutschland will endlich Taten sehen. Berlin. 25. 3an. (DTB.) Der litauische Ministerpräsident woldemaras schreibt in der „B. 3.“ über die deutsch-litauischen Beziehungen: Das wichtigste Problem für Litauen ist nach der Wilnafrage gewiß die deutsche Frage, wir sind uns der Notwendigkeit durchaus bewußt, unseren deutschen Staatsbürgern Im Rahmen der Verfassung i n jeder weise entgegenzukommeu. Die litauische Regierung weiß sich frei von jeder Feindseligkeit gegen die deutsche Minderheit. Tausende, die für Deutschland optiert haben, halten sich noch im Memelgebiet auf, ohne daß wir ihnen die geringsten Schwierigkeiten in den Weg legen. Rur wo es sich um Beamte handelt, müssen sie natürlich ausgetauscht werden. 3ch versichere, daß wir in Zukunft Uebergriffe einzelner Stellen gegen das Deutschtum in Litauen noch weniger dulden werden als bisher. 3ch selber werde mich wegen jeder einzelnen klag«, die mir zum Gehör kommt, in Verbindung setzen. Persönlich übernehme ich die Verantwortung dafür, daß unsere deutschen Staatsbürger keinen Grund mehr zu Klagen haben werden, wie sehr die litauische Regierung die deutsch« Kultur zu schätzen weih, hat sie durch Errichtung und Erhaltung eines deutschen Gymnasiums in fiorono bewiesen. Darüber hinaus wünschen wir auftichtige politische Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reiche. Auf diese schönen Redensarten des litauischen Diktators. mit denen er schon in Genf die deutschen Staatsmänner einzulullen versuchte, kann man nicht besser antworten als es in einem Rückblick der DAZ. auf die fünfjährige litauische Herrschaft im Memelgebiet geschieht, den das Blatt mit folgenden Sähen schließt: wenn es Litauen wirklich aufrichtig darum zu tun ist, sich mit Deutschland zu verständigen und in Freundschaft zu leben, dann muß das nicht allein mit Worten gesagt, sondern auch mit der Tat bewiesen werden. Die Brücke von Deutschland nach Litauen führt über das Memelgebiet; wie es der litauische Ministerpräsident so schön gesagt. Dann darf er bas Memelgebiet aber auch nicht so behandeln lassen, daß es zu einer Scheidewand werden muh. Bei den bevorstehenden Verhandlungen wird es sich auch wieder zeigen, ob die litauische Freundschaft Doutsch- Icmd gegenüber e ch t ist. Die Hilfsaktion für die Landwirtschaft. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 26. 3an. 3m Vordergründe der gesamten parlamentarischen Arbeit steht jetzt die Frage der Behebung der Rot in der Landwirtschaft. 2nd es zeigt, welch großes Verständnis man für die Dringlichkeit der Lösung dieser Frage hat, wenn sich alle Parteien darüber einig sind. Gewiß kann es sich jetzt nur um Notstandsmaßnahmen handeln und erst später wird man notwendigc.weise zu einer durchgreifenden Aktion schreiten müssen. Eine Frage ist nach wie vor ungeklärt, und zwar die, ob man auch zollpolitisch der Landwirtschaft beispringen soll. Zunächst will man namentlich die Zinsen für Steuerrückstände niederschlagen die Düngemittel- k r e d i t e verlängern, 30 Mill. Mk. für Z i n s- verbilligungen a fonds perdus geben, baä Gefrierfleischkontingent mindern, die Einfuhr von levendem Vieh beschränken und erhebliche Mittel zur Absahregelung rfhö Produktionsverbilligung auf dem Schweinemarkt bereitstellen. Man hofft, diese Maßnahmen so rasch durchführen zu können, bah sich die Lage der Landwirtschaft nicht noch weiter verschlimmern kann. Dann aber wird es notwendigerweise zur Aufrollung eines weitgehenden agrarvoUlischen Programms kommen müssen, mit dessen Hilfe man auf schnellstem Wege zu einer bleibenden Gesundung der deutschen Landwirtschaft gelangen kann. 3m Haushaltsausschuß. Berlin, 25. 3cm. (DDZ.) Der Haushalts- ausschuh des' Reichstags setzte die allgemeine Aussprache über den Haushalt des Reichsernährungsministeriums fort. Abg. Kling (D. B. B.) beklagt die Langsamkeit der Rotstandsmaß- nahmen für die Landwirtschaft. Trotz größter Einschränkung leide gerade der Landwirt, der möglichst intensiven Betrieb erstrebt habe. Was nütze denn bei solchen Verhältnissen eine Zerschlagung der größeren Güter? Der kleine Ansiedler könne sich, wenn ihm nicht Boden und Einrichtung geschenkt werde, gar nicht behaupten. Mit dem kontingentierten Gefrierfleisch sei ein Millionenschwindel getrieben worden. Die Besteuerung und die Einziehung der Steuer sei zu ruinös. Abg. 3andreh (Dn.) bemerkt, die Landwirtschaft habe auf Grund der Vorschläge der Regierung, des Handels usw. ihren Betrieb intensiviert, motorisiert, den Milchpreis für Berlin auf 14 Pf. herabgedrückt. Hat das alles der Landwirtschaft genützt? 3m Gegenteil, die Preise sind noch weiter gedrückt unb die neuen Handelsverträge sind wieder auf Kosten der Landwirtschaft gemacht. Dazu die Raturkala- strophenl Dadurch sei u. ; in Vorpommern die Lage so verzweifelt, daß ein Funke in das Pulver- fa-ßi genügt, die Exploftvn hervorzurufen. (Hört! Hört!) Hier könne nur eins die Landwirtschaft wieder rentabel machen: höhere Schutzzölle, Entschuldung mit Reichsmitteln und eine Reform der Steuereinziehung, Riederschlagung der Zinsen für Steuerrückstände und Einschränkung der Zwangsverkäufe. Abg. Dr. Hilferding (Soz.): Die Kredithilfe dürfe kein Kredit für Aufrechterhaltung des Besitzes, sondern müsse „Detriebskredit", d. h. produktiver Kredit sein. Deshalb müsfe eine Kontrolle über seine Verwendung geschaffen werden. Ob es gelinge, den Zinsfuß für Auslandkredite so weit zu senken, daß ihn der Landwirt alte;«* trage, erscheine ihm zweifelhaft. Es werde schließlich auf eine verschleierte Auslandanleihe des Reiches hinauskommen. ^eichsernährungsminister Schiele erklärt, daß die Beratung des Kabinetts über die Kreditmahnahmen noch nicht beendet ist. Das wichtigste ist, die Personal- und schwebenden Schulden von drei bis vier Milliarden, soweit irgend möglich, in Real- k r e d i t umzuwandeln. Das soll durch die Zwischenkredite angebahnt und erleichtert werden. Um möglichst schnell für Betriebsmittel Kredite freizumachen, sollen die Kredite in zweite Hypotheken umgewandelt werden. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat diesem Plan zu- g e st i m m t. Die Schuld bei den Mißständen auf dem Gefrierfleischmarkt liegt tm System, namentlich bei den Kontrollmahnahmen und diese lägen bei den Gemeinden. 16 Firmen sind die Konzessionen entzogen reichsanwalts das Vorgehen des 3ustizrats Clah zweifellos als ein versuchter Staatsstreich von oben und als Hochverrat zu betrachten sei. Es sei praktisch der Hochverratsparagraph gegen rechts aufgehoben und in Geltung nur Segen links. Das sei geradezu Korruption der luftig. Reichsjustizminister Hergt erklärt, der Reichsjustizminister könne sich unmöglich zu allen Einzelfällen äußern, die von Debatterednern vorgebracht werden. (älnruhe links.) Der Fall Clah hat allerdings in anderer Beziehung Aufsehen erregt. Sie wissen ja, daß damals Haussuchungen bei sehr ehrenwerten Männern vorgenommen wurden. (Große Llnruhe und Zurufe links.) Die Strafverfolgung und die Maßnahmen der preußischen Polizei gingen von Voraussetzungen aus, di« sich nachher als ganz irrig herausgestellt haben. Man nahm damals an, daß Clah eine unmittelbare Gewaltanwendung plante. Wenn der Oberreichsanwalt der Meinung ist, daß ein schlüssiger Beweis gegen die subjektive Auffassung vom» Clah nicht geführt werden kann, so muh diese Meinung des hohen richterlichen Beamten respektiert werden. (Abg. Landsberg (Soz.): Sind Sie derselben Meinung, wie der Oberreichs- anwaft?) 3ch sehe gar nicht ein, weshalb ich mir hier vom Abg. Landsberg solche Fragen stellen lassen soll. (Große Llnruhe links.) Alle Behauptungen, daß die Entscheidung des Ober» reichsanwalts durch mich beeinflußt worden sei, sind erstunken und erlogen. 3ch habe den Oberreichsanwalt lediglich um eine Beschleunigung des Verfahrens ersucht. Schließlich war aud) der Oberreichsanwalt nicht allein entscheidend, sondern das ganze Reichsgericht hat ihm zugestimmt. (Beifall rechts.) Abg. Lohmann (Dn.) begrüßt die Rechtsangleichung mit Oesterreich- 3m Mai wird di« internationale Konferenz der Reform des älrheberrechts stattfinden. 3m allgemeinen 3nter«sse erscheint eine Verlängerung der Schutzfristen nicht angebracht. Eine gewisse Vertrauenskrise in der 3ustiz läßt sich nicht leugnen. Als ihre Ursachen werden angeführt Dolksfremdheit des Rechts, Rechtsfremdheit des Volkes, Weltfremdheit der Richter. Dazu kommen die Vorwürfe der Klassenjustiz und politischen 3ustiz. Eine gewisse Volksfremdheit des Rechts ist eingetreten durch die Tlebernahme des Römischen Rechts. Daß auch bei den Richtern manche Mißgriffe vorgekommen sind, wird niemand bestretten. Viele Richter haben sich mit der Staalsumwäl- zung und der neuen Staatsform innerlich noch nicht abgesunden. Die Reichsverfassung gewährleistet dem Richter wie jedem Beamten die Freiheit der politischen Gesinnung. Selbstverständlich wird der Richter sich bei feiner amtlichen Tätigkeit durch seine politische Gesinnung nicht beeinflussen lassen. Der Vorwurf, daß ein großer Teil der deutschen Richter verfasfungsseindlich sei, ist durchaus falsch. Die deutschen Richter haben den guten Willen, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Das wird ihnen erschwert durch die schon vom Mimster geschilderte Einflußnahme der öffentl. Meinung und der parteipolitischen Agitation aus die 3ustiz. Vielfach kann man geradezu von einem Eingriff der Straße sprechen. Rotwendig ist eine Besoldung der Richter, die ihnen drückende materielle Sorgen erspart. 3m demokratischen Staate muh bei dem starken parlamentarischen Cinfluh die ök n a b h'äng i g k ei t der Richter als unentbehrliches Gegengewicht bestehen bleiben. Weiterberatung des Etats am Donnerstag. worden. Datz eS nicht möglich gewesen ist, die Liquidation der Reichsgetreidestelle früher zu beenden, bedauere ich. Grund dafür sind die Rechtsstreitigkeiten, die einfach nicht früher erledigt werden konnten. Es handelt sich um Streitwerte von insgesamt etwa 2,5 Millionen Mark. Das Personal ist jetzt schon aufs äußerste abgebaut und wird zum 1. April ohne Ausnahme ausgeschieden sein. Abg. Hepp (D. D.) erklärt, datz der Landwirt vor allem Betriebskredite brauche. Die Zollpolitik wolle nur die Produktionsbedingungen in Deutschland und den konkurrierenden Staaten ausgleichen. , Baden und die Reichsreform Starke Abneigung gegen Vcreinheillichungsbesirebungcn. Karlsruhe, 25. Jan. (WTB.) Im badischen Landtag hat der Finanzminister Dr. Schmidt in seiner Etatrede auch zu dem Problem der Der- fassungsreform Stellung genommen, und zwar in einer Form, die starke Abneigung gegen die Aufgabe von Staatsaufgaben zugunsten des Reichs zeigt. So begrüßte der Minister z. B. die Aufhebung der Reichsbauverwaltung in Baden und die Ueber- tragung der Geschäfte auf die badischen Bezirksbauämter und stellt andererseits fest, daß das Reich fortgesetzt Maßnahmen treffe, welche entweder die Einnahmen der Länder mindern oder den Ländern neue Lasten auferlegen. Ganz besonders aber sei zu beklagen, daß das Reich immer mehr i n d i e Eigen st aatlichkeit der Länder ein- zugrcifen versuche. Außer dem Steueroer- einheitlichungsgesetz, gegen dessen verfassungsändernde Tendenz Baden im Reichsrat entschieden Stellung genommen habe und außer der E i n f ü h - rung eines gemeinsamen Länderarbeitsamtes für mehrere süddeutsche Länder beabsichtigt der Reichsverkehrsminister für den ganzen Stromlauf des Rheins eine einheitliche Reichs st rombauverwaltung einzuführen. Baden müsse vom Standpunkt der Eigenstaatlichkeit der Länder die schwersten Bedenken gegen dies^ erneute Ausdehnung der R e i ch s k o m p e t e n z erheben. Das neue Aufgabengebiet der Vereinheitlichung sei ferner die Tendenz des Reiches, sich auch mit dem Straß en- wesen zu befassen: soweit das Reich im Wege der Vereinbarung mit den anderen Ländern vorgehen wolle, sei nichts zu erinnern. Im übrigen beständen gegen die Zentralisation die schwersten Bedenken. Der beste Finanzausgleich bestehe aber nicht d-rin,'daß das Reich den Ländern Steuersummen überweist, sondern darin, daß das Reich den Ländern wieder die Steuern zurückgebe, deren sie notwendig bedürfen. Zur Berliner Länderkonferenz bezeichnet der Minister es als eine wesentliche Forderung der Länder gegenüber dem Reich, daß Ländern und Gemeinden das Recht der einmaligen Zuschläge möglichst bald erhalten. Mit allem Nachdruck muffe ferner die Verzinsung der Eisenbahnschulden gefordert werden. Durch die Unitarisierung des. Reiches könne nicht viel gespart werden. Es sollte darauf Bedacht gelegt werden, die Einheitlichkeit nicht im Wege des Diktats, sondern der Verein- banmg zwischen Ländern und Reich herbeizuführen. Oer Verwattungsrat der Reichsbahn. Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther über die preußischen Ansprüche. Berlin, 25. Ian. (WB.) Reichskanzler a. D. Dr. Luther sendet uns eine Darlegung, in der es u. a. heißt: Die Reichsregierung hat der OeffentlichkeL gegenüber meine materiellen Beziehungen zur Reichsbahn durch die Mitteilung klargestellt, daß die Reichsbahnbezüge auf meine Reichskanzlerpension angerechnet werden. Nachdem diese Aufklärung von amtlicher Seite erfolgt ist, möchte ich persönlich zur Sache selbst sagen: Der springende Punkt der ganzen Angelegenheit ist, daß das Urteil des Staatsgerichtshofes nichts weiter enthält, als die abstrakte Anerkennung eines Anspruchs Preußens auf Ernennung eines von ihm ausgesuchten Mitglieds des Verwaltungsrates. Das Urteil erklärt also weder die Ernennung irgendeines Berwaltungsratsmitgliedes für ungültig, noch legt es die Verpflichtung irgendeines Mitgliedes fest, von seinem Amt im Verwaltungsrat zurückzutreten. Daß der Staalsgerichts- hof, wenn er etwas anderes gemeint hat, übersehen haben sollte, eine so schwerwiegende Feststellung wie die Ungültigkeitserklärung einer Ernennung in den Verwalt u n g s r a t oder die Verpflichtung zum Rücktritt eines Mitgliedes auszusprechen, kann man nicht gut unterstellen und zwar um so weniger, als auch dem Staatsgerichtshof nicht entgangen sein kann, datz eine solche Rücktrittsverpflichtung ein grundsätzliches Eingreifen in das System des Reichs- bahngesehes darstellen würde. Die Berufung der Verwaltungsratsmitglieder auf sechs Jahre soll nach dem Willen des Gesetzes die Sta- bilität der Reichsbahnverwaltung gewährleisten. Jeder, der die Ernennung zum Verwaltungsratsmitglied annimmt, hat also nicht nur ein Recht, sondern die zwar nicht juristische aber politisch moralische Pflicht, das ihm anver- traute Amt d u r ch z u f ü h r e n. Es kann nicht Sa^e des einzelnen Mitglieds des Verwaltungsrats sein, die allgemeine politische Verantwortung eines freiwilligen Rücktritts auf sich zu nehmen. Bei diesem Sachverhalt tritt die Frage in Den Vordergrund, warum die preußische Regierung nicht eine Entscheidung des Staatsoe- ricytshoses betreibt, durch die eine Rechts- grundlage für den Rücktritt eines Mitglieds geschaffen wird, die die untragbare eigene Verantwortung des ausscheidenden Mitgliedes ausichlieht. Das Iietttnerversorgungsge^eh. m^rlin, 25. Jan (VDZ.) Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags erledigte am Mittwoch in Wetterberatung des demokratischen Gesetzentwurfs ziir Befriedigung der Rechtsan jpriiche der Kleinrentner die Frage, bis zu welck)er Grenze Kleinrentner unter das Gesetz fallen sollen Von demokratischer Seite w irde dargelegt, daß das Gesetz mit Aufwertung nichts zu tun habe. Es lag ein Antrag der Deutschen Volkspartei vor, nach dem nur diejeniaen einen Rechtsanspruch erhalten soll-n die in, Besitz eines Sparguthabens non minbeftens 1OOOO Mark bzw. eines Zin- Keine Mennig des Reichsschulgesetzes. Oie $ragc der Simultanschulländer ausgeschattet.-Keine Einigung über Höhe und Aufbringung der Kosten. Berlin, 25. Ian. (Priv.-Tel.) Im Reichstage fanden am Dienstagabend noch interfraktionelle Besprechungen der Regierungsparteien über bas Reichsschulgesetz statt. Dabei wurde über die Frage der Srmultanschullän- der (§ 20) nicht mehr gesprochen, weil die Deutsche Volkspartei auf ihrem Standpunkt, der von den anderen Parteien abgelehnt wird, fest verhadrt. Die Deutsche Volkspartei fordert nämlich, daß der Schuh der Simultanschulen nicht wie im Regierungsentwurf befristet, sondern a l l- gemein und nicht nur für Baden und Württemberg, sondern für alle Länder ausgesprochen wird, in denen die Simultanschule gesetzlich oder nach Herkommen besteht. In Streitfällen würde, falls § 20 so gefaßt wird, der Staatsgerichtshof entscheiden müssen, welche Länder nach Gesetz oder Herkommen Simultanschulen besitzen. Die interfraktionellen Verhandlungen drehten sich nach Ausscheiden dieser Frage nur noch um die Koste n, die die Durchführung des Reichsschulgesehes erfordert. Das Reichsfinanz- ministerium erklärte sich bereit, für den Liebergang 30 Millionen zur Verfügung zu stellen. Die Parteien entschlossen sich jedoch, die Summe noch offen zu lassen, da die tatsächlich entstehenden Kosten noch nicht zu übersehen sind und wahrscheinlich höher sein werden. Wie verlautet, waren sich jedoch die. Regierungsparteien darin einig, daß auch Länder und Gemeinden, da sie die Verwaltung der Schulen besitzen, an den Gesamtkosten beteiligt werden mühten. 3m Bildungsausschuß. Reichsfinanzminister Köhler über Finanzausgleich und Schulgesetz. Berlin. 25. Ian. (DDZ.) Im Bildungs- ausschuh des Reichstages kritisierte der Abg. Löwenstein (Soz.) den in den interfraktionellen Besprechungen formulierten Antrag der Regierungsparteien, der auch eine einmalige Beihilfe des Reiches zu den Kosten des Reichsschulgesehes vorfieht. Er verlangte, daß entweder das Reich dieGesamtkosten übernehme oder man die Kostenfrage in Verbindung mit dem Finanzausgleich bringe. Ferner beantragte er, daß durch die Umwandlung einer Schulform der Vermögeüsstand der betroffenen Schule nicht berührt wird. — Ein Vertreter der sächsischen Regierung gab eine Kostenberechnung für Sachsen. Danach würde die einmalige Last über 36 Millionen, die laufende 31/« Millionen, die Gesamtkapitalbe- laftung für Sachsen also rund 1 00 Millionen betragen. Die geplante Kostenregelung bedeute eine Aushöhlung der Finanzkraft der Länder. Reichsfinanzminister Dr. Köhler weist darauf hin, daß die gestrige Erklärung des Reichsinnenministers keine Ressorterklärung, sondern eine Erklärung des Gesamtkabinetts gewesen sei, das sich durchaus einig auf den Standpunkt der Erklärung gestellt habe. Bei dieser Willensbildung des Kabinetts habe selbstverständlich auch der Reichssinanzminister mitgewirkt. Die Neuregelung der Finanzverhält- nisse zwischen Reich und Ländern sei im Fluß. Bei dieser Neuregelung, die den La st en ausgleich in sich schließe, wird man in den Jahren nach Einführung des Reichsschulgesehes und wenn die finanziellen Auswirkungen des Willens der Erziehungsberechtigten tatsächlich zu übersehen seien, selbstverständlich auf diese neuen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen haben. Abg. Dr. Philipp (Sn.) schlägt vor, um sorgfältige Unterlagen für den Kostenanschlag zu gewinnen, jetzt unter den Erziehungsberechtigten eine Enquete zu veranstalten, in welchem Umfange sie von ihrem Antragsrecht Gebrauch machen würden. — Bürgermeister S p i t t a - Bremen erklärt, ein besonders erschwerendes Moment sei, daß in Bremen sich eine große Zahl von Lehrens weigern werden. Religionsunterricht zu erteilen. — Abg. Schulz (Soz.) meint, mit der Abfindungssumme von 30 Millionen wolle sich diesmal das Reich l o s k a u f e n von den Kosten, die aus der Durchführung des Schulgesetzes erwachsen. Darin liege die große Gefahr für die künftige Entwicklung des Schulwesens. eintommens von 500 Mark gewesen sind, während von sozialdemokratischer Seite beantragt wurde, die Grenze des Rechtsanspruchs schon bei 1000Mk. festzulegen. Der Ausschuß entschied sich dahin, daß die Grenze von 10 000 Mark nicht in Fraae kommen könne, ließ aber eine ziffernmäßige Festsetzung noch nicht eintreten. In Kreisen der Regierungsparteien erwartet man, daß im Interfraktionellen Ausschuß eine Einigung dahin zustande kommt, daß der Rechtsanspruch auch hinsichllich der Grenze des Sparguthabens so gestaltet wird, daß möglich st weite Kreise befriedigt werden. Italiens Balkanpolitik. Rumänischer Ministerbesuch in Rom Paris, 26. Jan. (TU.) Die Pariser Presse verfolgt mit Aufmerffamkeit und einiger Besorgnis die Besprechungen des in Rom anwesenden rumänischen Außenministers Titulescu mit Mussolini. Im „Soir" gibt Paul Louis der Anschauung Ausdruck, Titulescu suche die zwischen dem italienischen Faschismus und der liberalen Bukarester Regierung bestehenden Bande enger zu knüpfen. Man dürfe nicht vergessen, daß im Jahre 1926 Italien die Annexion Bessarabiens durch Rumänien anerkannt habe. Recht merkwürdig sei, daß Titulescu sich gerade in dem Augenblick in Rom befinde, in dem die Kleine Entente in Genf gegen die Rüstungen des ungarischen Faschismus protestieren wolle. Jedermann wisse, daß der Duce seinen Einfluß auf dem Balkan durch Einkreisung Jugoslawiens verstärken wolle. Bereits die Ver- ha l.mgen von 1926 seien für das römische Kabinett ein Erfolg gewesen. Heute wolle es noch weitergehen und die Reise Titulescus nach denen den Grasen Bethlen und des griechischen Außenministers Michalamopulos scheine sehr bezeichnend. Rumänien verfolge gegenwärtig das gefährliche und komplizierte Spiel, das vor, während und nach dem Weltkriege seine Diplomatie ausgemacht habe. Der „Eorr. d'Italia" beschäftigt sich eingehend mit der rumänisch - ungarischen Streitfrage. Während Titulescu, so heißt es u. a. in Rom verschiedene Fragen behandele, die die beiden lateinischen Völker interessierten, erinnerten wir unsere rumänischen Freunde daran, daß Italien, das mit Rumänien durch einen Freundschaftsvertrag verbunden sei, seit kurzer Zeit ebenfalls enge Beziehungen zum ungarischen Volk angeknüpft habe. Daher dürfe ein Wort Italiens in dem rumänisch- ungarischen Streit von großer Bedeutung sein. In diesem Interessenkonflikt könnte die Vermittlung Italiens nützlich fein, und darüber hinaus das italienische Prestige in allen Donaustaaten festigen. Nervosität in Moskau. Unangenehme Folgen aus dem Rapallovertrag. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers" Berlin, 26. Jan. Die durch die Kriegsereignisse in Rußland geschädigten Reichsdeutschen haben eine von der deutschen Oes- fentlichkeit kaum beachtete Denkschrift an den Reichstag gerichtet, in der sie für sich eine bessere Entschädigung fordern. Darüber ist die Moskauer Presse ganz aus dem Häuschen geraten, sie untersucht die Denkschrift nach allen Richtungen und malt eine Trübung des deutsch-russischen Verhältnisses an die Wand wenn die Reichsregierung den Wünschen der Rußland Ge.cha i le i irge tbteie en spreche, sollt' □Han wird emlgecmaße.-i erfta mt fragen, woher DlC!e Aufregung rührt, da es sich doch um eine rein innerdeutsche Angeieze Helt han'ielt. die fernen Dritten was angeht. Aufklärung tbn» nen a&er nur die russisch-französischen Kriegs- schulde ^Verhandlungen und der Rapallo-De-traa S.e DioglHkelt le teht, wenigstens theo- ML. ^?ß sich Rußland bereit erklärt, französische Staatsbürger, die in Rußland Besitztum hatten, zu entschädigen. Würde dieser Fall Eintreten, dann müßte die Moskauer Regierung aber auf Grund des Rapallo-Dertra- ges, der auf der Basis der gegenseitigen Meistbegünstigung ruht, sich den geschädigten Reichsdeutschen gegenüber ebenso verhalten. Die Russen fürchten nun. die Reichsregierung könnte sich diesem Personenkreis gegenüber auf eine Summe festlegen, die Rußland entweder finanziell außerordentlich belastet oder aber einen Abschluß der Verhandlungen mit Frankreich wegen der hier geschilderten Rückwirkungen unmöglich macht. Daher die Aufregung, die unseres Erachtens völlig überflüssig ist. Es liegt ganz in der Hand der Russen, ob sie von uns aufgefordert werden müssen, in die Tasche zu greifen. Sie wußten übrigens, welche Konsequenzen der Rapallo-Vertrag im Gefolge haben kann, hätten ihn also nicht zu unterzeichnen brauchen. Jetzt aber, da wir ihnen eben mit Hilfe dieses Vertrages wieder Zutritt zur Gemeinschaft der europäischen Nationen verschafft haben, möchten sie am liebsten die Freundschaft Frankreichs sich käuflich erwerben und uns unter Umständen prellen. Wir werden wachen und in dem Augenblick in die Erscheinung treten, da es notwendig wird, unsere Interessen zu verteidigen. Oer König von Afghanistan in Paris. Paris, 25. Ian. (WB.) Der König und die Königin von Afghanistan sind heute vormittag 11 Uhr in Paris eingefroren. Sie wurden vom Präsidenten der Republik und Außenminister B r i a n d empfangen und nach dem Außenministerium geleitet, wo sie während ihres Pariser Aufenthaltes Wohnung nehmen. Kurz nach ihrer Ankunft hat der König den Besuch des Präsidenten der Republik empfangen. Anschließend begaben sich der Präsident und seine königlichen Gäste nach dem Rathaus, wo ihnen ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Dem König wurde als Ehrengeschenk die Goldene Medaille der Stadt Paris sowie ein Gewehr, der Königin eine Schreibtischuhr überreicht. Aus aller Well. Schiebungen im Gefrierfleifchhandel. Nach der Mitteilung eines Berliner Mittagsblattes hat das Reichsernährungsministerium auf Grund eines umfangreichen Untersuchungsergebnisses des Gefrierfleisch - Enquete - Ausschusses Schiebungen aufgedeckt, die in die Millionen gehen und großes Aufsehen erregen dürften. Cs sollen innerhalb des letzten Jahres von einer Reihe von Großhändlern nicht weniger als 14 Millionen Mark unrechtmäßiger Gewinne erzielt worden sein, die durch Schiebungen mit Kontingentscheinen ermöglicht worden sind. Die Inhaber von Kontingentscheinen haben ihre Scheine, die das Recht auf Zuteilung einer gewissen Menge zollfrei eingeführten Gefrierfleisches geben, in Bausch und Bogen gegen beträchtliche Darentschädigun- gen an andere Händler abgetreten. Durch diesen Handel mit Kontingentscheinen, der durchaus unzulässig ist, da die Scheine nur für eine bestimmte Lieferfirma ausgestellt sind und Geltung haben, sind dann die erheblichen Mehrgewinne, die sich in einem Falle auf rund 50 000 Mark belaufen, herausgesprunaen. Da der gesamte Gefrierfleischgroßhandel rund 200 Kon- tingentinhaber aufweift, und 37 von ihnen den unrechtmäßigen Handel mit den Scheinen getrieben haben, kommen die unrechtmäßigen Gewinne von 14 Millionen Mark heraus. Die Riefengewinne sind auf Grund einer besonderen Un er u ^un i des Enquete-Ausschusses festgestestt worden, dem es schon seit langem aufgefallen ist, daß bei dem Handel mit Gefrierfleisch, das bekanntlich aus Grund der fle-.nen Zolltarifnovelle vom Sommer 1925 nur in beschränktem Umfang zollfrei ein- gefuhrt werden darf, irgendetwas nicht stimmen mußte. Der Ausschuß hatte daher durch eine besondere Kommission Erhebungen über diese Mißstände anftellen lassen, die jetzt ihren Untersuchungsbericht bekannt gibt Es steht zu ertoarteü, daß von feiten der Staatsanwaltschaft nun auch eine genaue Untersuchung eingeleitet wird, um festzuftellen, inwieweit es sich bei den außergewöhnlichen Gewinnen um kriminelle Vergehen handelt. Dom wirtschaftlichen Standpunkt muß man jedenfalls fordern, daß in Zukunft alles geschehen muß, um diese Zustände ein für allemal aus der Welt zu schaffen. In einer Sitzung des Beirats für die Gefrierfleischversorgung gelangte man einmütig zu der Auffassung, daß eine strengere Überwachung der Preisgestaltung unbedingt durchgeführt werden müsse, um ähnliche Zustände, wie sie durch den Enquete-Ausschuß aufgedeckt worden sind, in Zukunft zu unterbinden. Bekanntlich untersteht die Kontrolle dem Deutschen Städtetag, der auch die Kontingentierung bewerkstelligt. Er wird also von jetzt an auf Grund der Anregungen des Enqueteausschusses sein erhöhtes Augenmerk auf die Preisbildung lenken, um allen Auswüchsen von vornherein die Spitze abzubiegen. Entgegen der ursprünglichen Absicht, die Kontingente, noch einmal neu zu verteilen, soll es auch weiterhin bei dem einmal feftgelegten Verteilungsschlüssel bleiben. Denjenigen Händlern, denen ein unerlaubter Handel mit Kontingentscheinen jedoch nachgewiesen toetben konnte, ist die Konzession entzogen worden. Canbraf a. D. Dr. Constantin f. Der Leiter des deutschen und preußischen Land- kreistages, Landrat a. D. Dr. Constantin, ist nach längerem Leiden verstorben. Wegen Mordversuchs am eigenen Kinde verurteilt. Das Schweidniher Schwurgericht verurteilte den 28jährigen Landwirt Ritter wegen Mordversuchs' an seinem eigenen zweijährigen Kinde zu vier Jahren Zucht Haus und fünf Jahren Ehrverlust. Ritter hatte, um sein uneheliches Kind aus der Welt zu schaffen, dem Kind vergiftetes Konfekt gegeben. Das Kind gab aber das erste Stück Konfekt sofort wieder von sich und war nicht mehr zu bewegen, ein zweites Stück M nehmen. Einige Zeit später versuchte Ritter, dem Kinde Salzsäure in den Mund zu flöhen. Die herbeieilenden Pflegeeltern des Kindes entrissen es Ritter und es gelang, das Kind zu retten. Ockankatastrophe in Amerika. In Holmes Croek (Tennessy) wurde die Schule von einem Orkan umgerissen, wobei vier Kinder getötet und gegen 20 verletzt wurden. Der gleiche Orkan hat in den Süd- und Ost- floaten großen Sachschaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört und beschädigt. Das Schulhaus in Lang (Kentucky) wurde zerstört. Die Telegraphen-, Telephon- und Lichtleitungen sind an vielen Stellen unterbrochen. Die Ausläufer des Orkans richteten auch im Bezirk von Neuhork beträchtlichen Schaden an. Ein auf dem Dache eines elfstöckigen Geschäftshauses der Neuyorker Ostseite ausgestellter Wassertank wurde durch den Sturm umgerissen. Der Tank durchschlug vier Stockwerke. Man befürchtet, daß unter den Trümmern mehrere Personen begraben worden sind. Oie Wetterlage. G wontenios 0 heiter, o halb bedeckt » wolkig, • bedeexi • lTegei> ■* Schnee graupeln - Nebel n Grw,t*£r.(§)wind$tille. O-. sehr feichte- O$i £> nissige' Südsüdwest 'n stürmische" wdwesl Die Piene fliegen mit dem Winde. Pie Beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichest eui rsreresnivean nmoerechneten Luftdritf > A?ettervoraussa6e. Das neue, sich gestern den britischen Inseln und Island nähernde Tief ist in raschem Vorwärts- schrciten nach Skandinavien hin begriffen. Seine Randstörungen lassen es unter Ansteigen der Temperaturen vorläufig wieder zu stärkerer Bewölkung kommen, wobei mit Niederschlägen zu rechnen ist. Sehr bald dürfte sich aber der Einfluß der Rückseite auswirken, der wieder Temperaturrückgang und veränderliches Wetter heroorruft. Wettervoraussage für Freitag: Zunächst wolkig bis bedeckt, milder mit Regen später wieder Temperaturrückgang und veränderliches Wetter. Witterungsaussichten für Samstag: Weiterhin unbeständiges Wetter. Lufttemperaturen am 25.3amior mittags 6,2 Grad Celsius, abends 0,5 Grad Celsius: am 26. Januar: morgens 1,7 Grad Celsius. Maximum 6,8 Grad Celsius, Minimum —0,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 25. Januar: abends 2,5 Grad Celsius: am 26. Januar: morgens 1 Grad Celsius. — Niederschlage: 4 Milli meter. — Sonnenscheindauer: 5 Stunden. Winferfporimelöungen Vogelsberg (hoherodskopf): Temperatur: —3 Grad Celsius: Wind: Südost: Wetter: leichter Nebel: Schneehöhe: 25 Zentimeter: Beschaffenheit: gekörnt: Sportmöglichkeit: sehr gut. herchenhainer höhe: Schneehöhe: 20 Zentimeter: Beschaffenheit: gekörnt: Temperatur: —1 Grad Celsius: Sportmöglichkeit für Ski und Rodel: sehr gut. •8OTH»' ns° Ornwdi 87, ««a ÜtQtg to„ .. ■««i’t'v.U-" LLiK auch die A??ut. wird also 7>en. des En?°1 65S*te w S'?:£ ^onffanfin f mspÄn2anb: Ä? ^°^ntin, ist y en Kinde verurW ^Kncht oe^L er wegen Worb "Ihrigen L .?! saur und fünf £d“tte> um sein un. l*- Das .vtuck Konfekt svsori ucht mehr zu bewegen ew Einige Zeit später walz säure in yerbeieilenden Psleae- es Ajtter und es ge- m Amerika. riih) wurde die Schule en. wobei vier Ain- -n 20 verletzt wurden, n den Süd- und Oft. l ch a d e n angerichlek -den zerstört und be- $ 'n Lang lKentuckh, raphen-. Telephon- und ielen Stellen unterbrv- Orkans richteten auch euyvrl beträchtliche» Dache eines elfjtödigcii uhorker Ostseite ausge. : durch den oturm um- hschlug vier Stockwerke. *r den Trümmern meh- raben worden sind. ierlage. 0 "Z34 rfcs «««** ! in raschem tn hm WJJ x-r 2>m: »'N gg&H : zu jtotterJ. rechnen f erschiagen L S ÄS’* Lkt. <^/perün--l Ircückgang uno „ für Sanrb' sicht/" L ndigcs mittafl5 $■’ -.VA'Ä h. ' (Jetfiu« . bs*ib y M 0 Schreibwarenhandluna §.Äiimmel; Großen- ‘Bufed: bei Ä. Schmidt. Kaiserstrahe 27. Zuchtviehversteigerung in Gießen. Die erste diesjährige Zuchtoiehocr steige- r u n g des Landwirtfchaftskammerausfchuffes für Oberhessen sand gestern in Gießen statt. Aufgetrieben waren 71 Bullen des hessischen Fleckoiehschlages (Simmentaler) und 5 Eber von der Rasse des oer- edelten Landschweins. Unter den Bullen befanden sich ganz hervorragende Exemplare. Einer der Leistungsbullen stammt von einer Kuh, die die höchste Fettleistung in der ganzen Provinz in 1927 aufzuweisen hat, nämlich 384 Pfund Fett. In der Hauptsache waren die aufgetriebenen Tiere aus den Zuchten der Kreise Lauterbach und Alsfeld, und hier waren es wieder in erster Linie die bekannten Hochzuchten zu Angersbach, Maar, Zell und Willofs, die ihre besten Zuchttiere gesandt sandten. In Anbe- der großen Auswahl und des züchterischen Wertes der Tiere hatten sich zahlreiche Interessenten, darunter auch Starkenburger, zu der Auktion einge- funden. Das Angebot war indessen größer als die Nachfrage, so daß die Preise etwas gedrückt waren. Ergebnis der Versteigerung: 1. Bullen: Den höchsten Steigerungspreis erzielte 1. Hch. Euler (Reuters) mit 1130 Mark, Käufer blieb die Gemeinde Langsdorf; 2. Züchter Hch. Schwarz (Angersbach) an Gemeinde Stadt Pfungstadt für 1120 Mark, 3. Züchter Heinrich Schäfer VI. (Angersbach) an Gemeinde Krum- stadt für 1100 Mark; 4. Züchter August Marx (Willofs) an Gemeinde Nieder-Weiscl für 1010 Mk.; 5. Züchter Eduard Scharch (Windhausen) an Gemeinde Hahn (bei Pfungstadt) für 1000 Mark; 6. Züchter Ioh. Wahl XVI. (Angersbach) an Gemeinde Dorf-Gill für 960 Mk.; 7. H. S chme l z IV. (Allmenrod) an Genossenschaft Nieder - Kleen für 910 Mark; 8. Züchter Hch. Ritz IV. (Willofs) an Gemeinde Herbstein für 890 Mk.; 9. Züchter Heinr. Heß XXI. (Leihgestern) an Gemeinde Dietzenbach für 870 Mark; 10. Züchter Georg Möller II. (Angersbach) an Gemeinde Queckborn für 810 Mk. 11. Züchter 9. Pfeffer (Arnsl-ain) an Gomeipde Rüddingshausen für 800 Mark; 12. Züchter Fr. Will (Holzheim an Gemeinde Fauerbach (Nidda) 790 Mark; 13. Züchter Otto Kaspar (Zell) an Gemeinde Ober-Ohmen für 780 Mark; 14. Züchter K. Seim (Maulbach) an Gemeinde Holzheim für 760 Mark; 15. Züchter Konr. Häuser I. (Nieder- Weise!) an Gemeinde Zeilbach für 750 Mark; 16. Bürgermeister Simon (Zell) an Gemeinde Münster (Lich) 650 Mark; 17. Züchter Hch. von Alt (Wallenrod) an Gemeinde Nainrod für 780 Mark; Züchter Hch. von Alt (Wallenrod) an Gemeinde Södel für 660 Mark; Züchter Fr. Möller II. (Angersbach) an Gemeinde Babenhausen für 610 Mark; Züchter Peter Häuser I. lNieder-Weisel) an Gemeinde Watzenborn-Steinberg für 610 Mark; Züchter Krausmüller (Schwabenrod) an Gemeinde Eberstadl für 600 Mark. — 2. Eber: 1. Züchter K. Feuer st ein (Stangenrod) an Gemeinde Nonnenroth für 175 Mark; 2. Züchter Otto Horst (Stangenrod) an (gemeinde Ober-Sei- bertenrod für 145 Mark. Gießener Wochenmarktpreise Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Wirsing 30 bis 40, Weihkraut 20, Rotkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 40 bis 50, Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 25, Rosenkohl 50 bis 60, Feldsalat 150, Tomaten 120, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 51/«, Aepfel 8 bis 15, Birnen 10 bis 15 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Eier 16 bis 17, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 30 bis 40, Endivien 30 bis 35. Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pf. das Stück. Bornotizen. — Tageskalendcr für Donnerstag. Gießener Konzertverein: 7.15 Uhr, Stadttheater, Symphoniekonzert. — Schachklub Gießen: 8.30 Uhr, Eaf6 Aftoria", Generalversammlung. — Singsaal des Realgymnasiums: 8 Uhr, Lortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Jugend der Kronprinzessin Louise". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Zu der Jubiläums- und Abschiedsvorstellung für Intendant Steingoetter am Dienstag, 7. Februar, dis, wie bekanntgegeben, Shakespeares „S o m rn e r n a ch t s t r a u m" bringt, fei noch mitgeteilt, daß bei dieser Vorstellung durch Mitwirkung der Reichswehrkapelle Mendelssohn- Bi'tholdys berühmte „Sommernachts-Musik" vollständig zu Gehör gebracht wird. Die Eintrittsbedingungen mußten daher den anderen Vorstellungen mit Orchester gleichgesetzt werden. — Cinfüyrungsvortrag z u 3bsens „Peer G h n t“. 3m Rahmen der Volkshochschule hält Professor Collin am Samstag. 28. Januar, im Großen Hörsaal der Unt- versität einen Vortrag zur bevorstehenden Aufführung von 3bsens „Peer Gynt". (Räheres siehe heutige Anzeige.) — 3 m Goethe-Bund liest am nächsten Mittwoch Wilhelm v. S ch o l z, der Präsident der Deutschen Dichterakademie in Berlin, aus eigenen Werken. Scholz ist ein philosophisch geschulter Denker, ein erfolgreicher Erzähler, Dramatiker und Theoretiker des Dramas. 3n aller Erinnerung dürfte noch die Aufführung seines Dramas „Der Wettlauf mit dem Schatten" im hiesigen Stadttheater ‘ein. So werden die hiesigen Literaturfreunde eine interessante Dich.erpersön- lichkeit am Vortragstische kennen lernen. (Siehe heutige Anzeige.) — Zwei Experimentalvorträge des bekannten Okkultisten Fred Marion finden am Freitag- und Samstagabend im L i ch t- spielhaus Bahnhofstraße ab 10,45 Ahr, also im Anschluß an die üblichen Abendvorführungen, statt. Marion genießt auf dem Gebiete des Gedankenlesens, der Psychometrie und das Hellsehens weithin einen besonderen Ruf. Sowohl Vertreter der Wissenschaft, wie auch ernste Pressestimmen geben Marion beste Zeugnisse. 3m Herbst vorigen 3ahres hat er durch sein Auftreten auf dem parapsychologischen Kongreß in der Pariser Sorbonne großes Aufsehen erregt, im Oktober v. 3. hat er im großen Saale des Saalbaues in Frankfurt a. M. über das Problem von Konnersreuth gesprochen. Das Auftreten dieses Mannes in Gießen dürfte demnach von besonderem 3nteresse fein. ** Abschiedsbesuch b ei der hiesigen Garnison. Gestern abend traf der Kommandeur des 15. Äif.-Regts., Generalmajor Fett, hier ein. Heute vormittag hatte Generalmajor F e U mehrere Besichtigungen, heute nachmittag wird er sich von dem auf dem Kasernenhofe aufgestellten Bataillon verabschieden. Generalmajor Fett kehrt morgen früh nach Kassel zurück. Bekanntlich ist er ab 1. Februar als Infanterieführer I nach AUenstein versetzt. ** Schließung der hessischen Aemter am Geburtstag des S t a a t s p r ä f i d e n ° t e n. Laut Beschluß des Gesamtministeriums bleiben anläßlich des 75. Geburtstages des Staatspräsidenten U l r i ch die Diensträume der hessischen Behörden am 28. Januar geschlossen. Soweit erforderlich, ist Sonntagsdienst einzurichten. WSR. Doch Verlegung der Oberpostdirektion Darmstadt? Wie der »Hessische Volksfreund" aus angeblich zuverlässiger Quelle erfährt, ist am Montag in Darmstadt die Meldung eingetroffen, daß das Reichspostministerium endgültig beschlossen hat, die Oberpostdirektion Darmstadt zu verlegen. Sie soll ihren Sih zukünftig entweder in Frankfurt a. M. oder Karlsruhe haben. " Hebersehung fremdsprachlicher Urkunden. Der hessische 3ustizminister hat mit Wirkung vom 1. Februar 1928 die Gebühr der hesjischen Liebersetzer auf drei Mark für die Seite von mindestens 20 Zeilen mit mindestens 12 Silben festgesetzt. 3st eine verlangte Heber- sehung in eine fremde Sprache oder aus einer fremden Sprache infolge äußerer oder sprachlicher Umstände besonders schwierig oder zeitraubend, so kann statt der vorgesehenen Vergütung nach der Seitenzahl die Gebühr nach Maßgabe der jeweils geltenden Vorschriften der Reichsgebührenordnung für Zeugen und Sachverständige verlangt werden. ** Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurde übertragen dem Pfarrassistenten Theodor W i ß m ü l l e r zu Ar- heilgen die evangelische Pfarrstelle zu Haingründau, Dekanat Büdingen, und dem Pfarrverwalter Wilh. Weinberger zu Friedberg die zweite evangelische Pfarrstelle zu Friedberg, Dekanat Friedberg. ** Arbeitsjubiläum. Der Rohrleger Karl Sch i m m e l aus Klein-Linden ist morgen 25 Jahre als Rohrleger beim städtischen Gas- und Wasserwerk beschäftigt. Aus Anlckß dieses Jubiläums wurde er von seinen Kollegen mit einem Geschenk beehrt. ** S (.trennen auf dem Hoherodskopf. Der Skiklub Gießen beabsichtigt, am nächsten Sonntag, 29. Januar, ein Rennen auf dem Hoherodskopf abzuhalten. Die Rennen werden sicherlich zahlreiche Zuschauer anlocken. Autoverlnndung Schotten— Breungeshain ist im Anschluß an die Frühzüge sowie nachmittags für die Rückfahrt vorgesehen. Im einzelnen sei auf die Veröffentlichung des Skiklubs im heutigen Anzeigenteil verwiesen. Für Samstag abend ist ein Fackellaus der Skijugend am Hang des Hoherodskopfs vorgesehen. ** Die Verbandswettläufe des Still u b s Sauerland. Infolge der weiterhin ungünstigen Schneeverhältnisse werden die Verbandswettläufe des Skiklubs Sauerland auf den 4. und 5. Februar verschoben. Der Iugendskitag findet entsprechend am 12. Februar in Willingen statt; die Kampfrichter- und Kurslciterprüfung vom 2. bis 5. Februar in Winterberg. ** Verlängerung des Vertriebes der Hin den bürg marken. Entsprechend den Wünschen weiter Kreise hat sich das Reichspostministerium entschlossen, die Hindenburg- Wertzeichen und -Postkarten noch bis Ende März durch die Postanstalten nach den bisherigen Bestimmungen vertreiben zu lassen. Mit den Wertzeichen können Postsendungen noch bis Ende Mai freigemacht werden. ** Versicherungsgesetz für Angestellte. Durch eine Ergänzung dieses Gesetzes vom 22. Dezember 1927 wurden für die freiwillige Beitragsentrichtung (§ 184, 185 Versicherungsgefetz für Angestellte) die Beitragsklaffen G, H, I und K gebildet. Der freiwillige Monatsbeitrag beträgt in der Beitragsklaffe G: 25 Mk., in der Beitragsklaffe H: 30 Mk., in der Beitragsklaffe I: 40 Mk., in der Bei- tragsklasie K: 50 Mk. Das Gesetz tritt am 1. April 1928 in Kraft. ** Die Dorfkirchenvereinigung Gie - ßen-Wetzlar hielt Montag nachmittag im Saale der Iohannesgemeinde ihre 3. Tagung für Pfarrer und Lehrer ab. Pfarrer Mahr- Gießen eröffnete mit einer kurzen Andacht die Versammlung, die von etwa 120 Geistlichen und Lehrern aus den Kreisen Gießen, Friedberg und Wetzlar besucht war. Pros. D. Hans Schmidt- Gießen hielt einen größeren Vortrag über „Bauernerzählungen und Bauernleben im heutigen Palästina". Der Redner, der 1910/11 studienhalber in Palästina weilte, forschte dort nach Erzählungen, die im arabischen Bauernleben noch erhalten sind. Er erzählte zuerst Kultussagen, die noch eine Fülle von Aberglauben in sich bargen. Aber auch die vom Volk erdachten Erzählungen und Sagen, die namentlich noch in Familien erzählt werden, wurden durch den Vortragenden mitgeteilt. Es find bestimmte Wahrheiten in vielen dieser Erzählungen ausgedrückt. Man konnte aber auch in einzelnen Erzählungen feststellen, wie der Geist Christi in ihnen lebendig ist. In der Hauptsache stammten die Erzählungen von alten Leuten, weitaus die meisten von einer sehr alten Frau aus einem Dorje im Gebirge Ephraim, wo sich Pros. Schmidt 19 Tage lang auf hielt, um Erzählungen zu sammeln. Bei der palästinischen Jugend gehen die Erzählungen allmählich verloren. Die zahlreichen Lichtbilder, zum großen Teil von dem Vortragenden selbst aufgenommen, unterstützten den ausgezeichneten und sehr interessanten Vortrag. Die Bilder zeigten hauptsächlich Sitten und Gebräuä)e bei Hochzeiten, Leben und Treiben der Bevölkerung in und außer dem Hause. Die Ausführungen des Redners waren in hohem Maße geeignet, wesentliche Ausflüsse über das alte Palästina und feine Bauern- veligion, insbesondere aber recht wertvolle Anregungen für den Unterricht im alten Testament zu bieten. Pfarrer Mahr dankte dem Redner für feine schönen Darbietungen und forderte Pfarrer und Lehrer dazu auf, heimische Erzählungen zu sammeln und ihrer ursprünglichen Art zu erhalten. •• Kriegerverein Gießen. Man berichtet uns: Zur Feier des 54. Stiftungsfestes des Kriegervereins Gießen hatten sich zahlreiche Kameraden mit ihren Angehörigen in der Turnhalle eingefunden, ein Zeichen, daß die Kameradschaft der alten Soldaten noch fortlebt; möge auch die junge Generation diesen Geist in sich aufnehmen und pflegen. Die Ausgestaltung des Abends lag in bewährten Händen, und der Beifall, der den einzelnen wohlgelungenen Darbietungen folgte, bewies, daß man aUseitS damit zufrieden war. Die Musik, unter der flotten Leitung des Kam. Weller, verschönte den Abend; die Verlosung brachte den glücklichen Gewinnern viel Freude. Kam. Stümpert richtete an die Erschienenen herzliche Worte der Begrüßung und ermahnte sie, den kamerad- schäftlichen Geist hochzuhalten, damit dereinst die hohen Ziele der- »Hassia" in Erfüllung gehen. Herr Klein jun. sprach ernste Worte über das Heranziehen der 3ugend unserer Mitglieder und forderte zur Errichtung einer 3ugendgruppc auf; hoffentlich folgt dieser Mahnung die Tat. Die kleine Gretel Möller trug ein nettes Weihnachtsgedicht vor, Frl. A m e n d einen ernsten Dorspruch. Frl. Fenchel und Kam. Hartmann gaben in einem Duett »Am Silberhochzeitstag" manchem Kameraden Anlaß, seine Gedanken in weit zurückliegende Zeiten schweifen zu lassen. Ausgezeichnet gefiel das Theaterstück „3m Riesengebirge", bei dem alle 'Mitwirkenden großes Können an den Tag legten. Kam. Büttner als Böhmer, Frau B e ch st e i n als seine Tochter. Herr Seih als Berliner, Frl. A m e n d als seine Frau, Kam. Hartmann und Frl. D o p f als junges Paar auf der Hochzeitsreise und Herr B i r k e n st o ck als Freier meisterten ihre Rollen in hervorragender Weise. Der anschließende Tanz hielt alle noch einige frohe Stunden zusammen. Auftrieb auf bem heutigen Frankfurter Schlachtoiehmarkt: 1094 Kälber, 397 Schafe, 1010 Schweine. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 2!. ICO. Als ..Kommunaldarlehen" im Sinne des Anleiheablöfungsgefetzes gelten nicht bloß Darlehen, die den Charakter einer öffentlichen Anleihe haben, sondern auch solche, die von Gemeinden bei Einzelpersonen ausgenommen worden sind. Sie unterliegen der 12,5prozentigen Aufwertung. Hierin liegt eine große Härte, da z. B. Hypotheken Privater der 25- prozentigen Aufwertung unterliegen. Sehen Sie zu, daß 3hnen die Gemeinde in bezug auf die Verzinsung entgegenkommt. Wir verweisen im übrigen auf § 40 ff. des Gesetzes vom 16.3uli 1925, Reichsgesetzblatt von 1925, Teil I, Seite 142, das Sie bei 3hrer Bürgermeisterei einsehen können. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Tteligionegemeintie. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 28. Januar. Vorabend: 5 Uhr; morgens 9 Uhr; abends 5.25 und 6.05 Uhr. Israelitische Religionsgesellschafi. Sabbatfeier den 28. Januar. Freitag abend 4.50 Uhr; Samstag vormittag 8.30 Uhr; nachmittags 3.30 Uhr; Sabbal- ausgang 6.05 Uhr. Wochengottesdienst morgens 7, abends 4.30 Uhr. Berliner Börse. Berlin, 26. 3an. (WTB. Funkspruch,) 3m heutigen Frühverkehr sieht es wieder etwas freundlicher aus. Die gegen Schluß der gestrigen Abendbörse eingetretene Erholung scheint sich behaupten zu können, zumal die letzten Meldungen in der Freigabe-Angelegenheit wieder etwas günstiger lauteten. Auch der Reichsbankausweis soll eine stärkere Entlastung aufweisen. Man hört 3.°G.-Farben mit ca. 268, Siemens 290 bis 291 und AEG. 168,5 bis 169. Am De- Visenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,07 bis 92,11, Madrid 28,87 bis 28,90, London-Kabel 4,8750 bis 4,8755 und die Reichsmark gegen Kabel mit 4,1945 bis 4,1955. Das gröfete Vermögen für jedermann fit ßesnniiheil, SMensM Wohlbehagen Durch den Gebrauch von Ferromaaganin tonnen ikörver und Nerven neträfiigi und widernandS- ■ abiflcr werden. Zn vielen wällen tft es möglich den Zu» iiand d. Blutes auf ufrtfchen und zu verbessern. Durch das altbewährt, ärzll. empfohlene Ferromanganin wird der Avveiit angeregt und besseres Aussehen und Wohlbehagen kann berbeigeführt werden. Seor angenehm von Geschmack und leicht verdaulich. Lrtginalflasche RM. 3.35 in Artotheken und Drogerien. Ferromanganin-Gesellschaft Franksurt-M. A I 45 S(HUT2;hÄRr(e Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 26. 3anuar 1928. Geschichten erzählen. Roch sind die langen Winterabende, noch ist das Wetter so, daß die Kinder nicht hinaus können ins Freie. Das Spiel im Zimmer kann nicht immer währen. Bald kommt die Ermüdung und die Bitte: .Erzähl mir eine GeschichteI" Wie oft wird da geantwortet .3ch habe keine Zeit." Diese Antwort s ollte eigentlich niemals auf eine Kindesbitte kommen. Man muh sich eben die Zeit nehmen. Und wenns nur einmal in der Woche ist. Hast du deinen Kindern schon einmal etwas erzählt? Wenn ja, hast du auch bemerkt, daß das gar nicht so leicht ist? Es mag manchem lächerlich erscheinen, aber es ist so: Man muß sich auf solche Erzählabende vorbereiten, denn Kinder sind unbarmherzige Kritiker. 3ch habe einen vierjährigen 3ungen. der hört gar zu gern kleine Geschichten. Er ist schon dankbar, wenn man ihm ein einfaches Tageserlebnis in Form einer Erzählung darbietet. Z. B. die Geschichte vom Milchmantr. Aber seit einigen Wochen habe ich ihm auch Märchen erzählt, und da sind ihm nun die alltäglichen Sachen nicht mehr .spannend" genug. Aber .Der Wolf und die sieben jungen Geihleinl" Wie oft habe ich das nun erzählt! Aber wehe mir, wenn ich einmal eigen Satz etwas anders forme, als das erste Mal. Er bittet: .Vater, erzähl mir doch mal vom Wolf und den Geißlein!" 3ch hatte das erste Mal angefangen — wie bei den Brüdern Grimm zu lesen ist — .Es war einmal eine alte Geiß." Beim zweiten Male sagte ich: .Also, da waren einmal sieben..." Uno schon unterbrach mich der kleine Kritiker: .Richt .also", cs muß heißen: Es war einmal eine alte Geiß" usw. Also vorbereiten. Es ist ja so leicht. Wir haben in den Grimmschen Märchen einen Quell, der nie versiegt. Man nehme sie, ti>ic* sie sink. Rur keine Bearbeitung! Schöner und besser kann sie niemand machen. Aber man soll sie nicht vorlesen, sondern frei erzählen. Wenn du im Angesicht deines Kindes sein inniges Miterleben sehen kannst, dann bin ich überzeugt, daß du öfters Märchen erzählst. Denke einmal an die Szene, in der Schneewittchen vom Jäger hinaus in den Wald geführt wird und soll da von ihm getötet werden. Sieh dir in diesem Augenblick dein Kind an! Wie ihm vor Mitleid die Tränen in die Augen steigen, wie es vor Angst säst vergeht, und die Frage in seinem Gesicht steht: Wird das arme Kind getötet? Eine solche Stunde daheim im Zimmer, im Dämmerlicht, Auge in Auge mit deinem Kind, ist eine W e i h e st u n d e. Änd wer solche Stunden im Hause erlebt hat, für den finb sie eine heilige Erinnerung. Viele von uns haben in ihrer 3ugendzeit das Glück gehabt, von der Mutter oder der Großmutter Märchen zu hören. Und je weiter diese Zeit zurückliegt, desto Heller und glänzender erscheint sie uns. Deshalb wollen wir auch unfern Kindern diese Stunden nicht vorenthalten. Wohl werden durch den Rundfunk und auch in der Hchule Märchen erzählt, aber sie können nie das ersehen, was die Kinder im Hause von ihren Eltern oder Großeltern hören. Wenn auch die autc alte Zeit in manchem gar nicht so gut war, so ist doch daS eine gut gewesen: die Großmutter als Märchenerzählerin. Wenn der Sturm mit seiner Kraft zornig an Den Fensterläden rüttelt und wir sitzen am warmen Ofen, dann ist für große und kleine Kinder -nichts schöner als ein uraltes Volksmärchen, und wenns noch so gruselig ist. Das glänzende Aufleuchten der Augen deines Kindes ist ein Lohn, wie er dir schöner nirgends in der Welt zuteil wird. P. Daten für Freitag, 27. Fannar. Sonnenaufgang: 7.45 Uhr, Sonnenuntergang: 16.30 11!)r. — Monduntergang: 22.27 Uhr, Mond- «ufgang: 10.16 Uhr. 1756: Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg geb. (gest. 1791). — 1808: Der "Philosoph David Friedrich Strauß in Ludwigsburg in Württemberg geb. (gest. 1874). — 1828: "Der Forstmann 3oh. Friedr. 3udeich in Dresden d!eb. (gest. 1854). — 1859: Wilhelm II., ehemaliger .Deutscher Kaiser, in Berlin geb. — 1901: Der -Komponist Guiseppe Verdi in Mailand gest. »geb. 1813). Siaditheaier Gießen. Man schreibt uns: Die Aufführung des Märchens »Peterchens Mondfahrt" am Sonntag. 29. 3 a n u a r , ist bereits die sie- Bente des reizenden Stückes, und sie dürfte nach «ollen Anzeichen eben so gut besucht werden, wie Sie erste. Diese unverminderte Anziehungskraft mnstraße 24 I. 9400 Telephon 239. Verl außen Sie ausführliche Druckschrift G 44 von der Schulleitung Gl eben, Goethes trabe 32 699a Lichen-Stammholz: fe N Wir? warne« Sie IhrenÄewerbungen auf gjen ohne Hamen lffe, Urkunden ad. wichtige p«Piere igtn; AbfchNften genügen zur Einleitung v. Anstcliung4verhand- lunaen. Oft ist und der Auftraggeber unbekannt und in dicsenFällen kennen wir nicht« tun für b. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen «Metzenev Attzergev Dorf-Güll, den 25. Januar 1928. Hessische Bürgermeisterei. Schmidt. Zur Neuerösfnung unseres modernen KaufhaufeS tn Siegen benötigen wir für unser AbänderungS-Atelter eine WiigeSKneidenii mit Meisterprüfung. Ostenen mit lückenlosem Lebenslauf, Lichtbild und Gehalts- anfprüchen an iK10 Kaufhaus 8. Rosenau, Wetzlar Personalabteilung Wlnterhofls extra starke Encal-Menthol-Bonhons aas der Drogerie Winterhoff, KreuzpL 10 1 gr. möbl.Zimmer (2 Settern, elektr. L. anschl. Küche, möbl., u. 1 möbl. Zimmer mit 1 Bett, geteilt ob. geschlossen sofort abzugeben. 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Januar, vormittags 11 Uhr, wird ein Gemeindebulle im Hofe des Bullenhallers öffentlich meistbietend versteigert. Nähere Bedingungen werden vor der Versteigerung bekannt- 'usten Güteklaf e N la-Kl. 2 Stück, 0,30 fm Güteklas e N Ib-Stt. 56 Stück, 16,84 fm Güteklas e N 2a-Kl. 117 Stück, 58,80 fm Güteklas e N 2b-Kl. 156 Stück, 132,22 fm Güteklas e A 3a°Kl. 22 Stück, 27,23 fm Güteklas e N 3a-Kl. 88 Stück, 123,31 fm Güteklas e A 3b-Kl. 28 Stück, 44,86 fm Güteklas e N 3b-Kl. 22 Stück, 29,37 fm Güteklas e A 4a-Kl. 8 Stück, 12,29 fm Güteklas e N 4a-Kl. 4 Stück, 8,3lfm Güteklas e A 4b-Kl. 9 Stück, 13,12 fm Güteklas e N 4b-Kl. 1 Stück, 2,79 fm Donnerstag, 26. Januar 1928 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 22 Zweites Blatt Deutsche Siedler in Kanada. Don Major a.D. Moßdorf, Berlin. Volk ohne Raum" ist kein leeres Schlag- Wort sondern eine furchtbare Wahrheit, die in drei kurzen Worten die ganze Tragödie des zu eng gewordenen Lebensraums für die stetig wachsende deutsche Bevölkerung kennzeichnet. Die unausbleibliche Folge hiervon muhte es sein, dah sich wagemutige deutsche Männer und Frauen aufmachten, um im fremden Land neue Entwicklungsmöglichkciten zu entdecken. Gar manches Unternehmen dieser Art, das mit kühnsten Hoffnungen begann, gelangte früher oder später zu einem traurigen Abschluß. Mangelhafte Vorbereitungen, fehlende Geldmittel, aber auch gewinnsüchtige Verführer trugen vielfach die Schuld an deren Scheitern. Mit um so größerer Freude vernimmt man deshalb die Kunde von gelungenen Siedlungsversuchen, wie sie jetzt aus einem Bericht eines in Ottawa erscheinenden kanadischen Blattes zu entnehmen ist. Danach haben in den letzten Fahren die Deutschen unter den Einwanderern nach Kanada einen beträchtlichen Teil gestellt. Besonders in den kanadischen Prärie- provinzen, wohin die ankommenden Deutschen zumeist ihren Weg nehmen, sind auf diese Weise viele deutsche Siedlungen entstanden. Ueber zwei solcher Kolonien liegen jetzt nähere Rachrichten vor. Danach entschloß sich vor einiger Zeit cm junger Freiburger Jurist, Dr. Fritz Schneider, mit seiner Frau, einer angehenden Aerztin der Freiburger Universität, sein Glück in Kanada zu suchen. Mit Freunden und Rachbarn, die ähnliche Absichten hatten, schloß sich das Ehepaar zusammen. Rach sorgfältiger Prüfung kauften sie eine große. Farm von 3000 Acres 25 Kilometer nördlich von Winnepeg. Andere Deutsche kamen hinzu, so dah sie bald eine Gruppe von 90 Menschen bildeten, die jetzt mit der genossenschaftlichen Bearbeitung ihres Besitzes 6rschäftiat sind. Der Aeltefte unter ihnen ist 32 Jahre alt, mehr als die Hälfte verheiratet. Diese wohnen in eigenen gesonderten Häusern, während die Junggesellen gemeinsam in einem Gebäude Unterkunst gefunden haben. Alle leben nach streng eingeteilten T geszeiten. Um 4 Uhr morgens wird aufgestanden. Rach einem einfachen ersten Frühstück wird bis zum zweiten Frühstück um 9 Uhr durchgearbeitet. Mittagessen gibt es um 12 Uhr, Kaffee um 4 Uhr und Abendessen um 7 Uhr. Einmal in der Woche wird von den Frauen gebacken, wobei 100 schwere Brote hrrgestellt werden. Außerdem sind die Frauen für den Gemüsebau und das Geflügel verantwortlich. Zur Landbestellung werden die neuesten Maschinen verwendet, so daß in diesem Fahr 1000 Rcrcs mit guten Ernteerfolgen unter dem Pfluge waren. Zunächst ist noch Deutsch die allgemeine Umgangssprache. Dr. Schneider hält aber zweimal in der Woche für alle Siedler englische Sprachkurse ab. Es besteht die Absicht, noch Land hinzuzuerwerben und die Bestellung noch auszudehnen, sobald mehr Fachkenntnisse über die Landwirtschaft in Kanada gesammelt sind. Die andere Kolonie ist von einer Gruppe deutscher Adliger geplant, die, so meint das englische Blatt, zu der Ueberzeuguna gekommen sind, dah das Leben in ihrem Vater- land für sie unerträglich geworden sei. Unter der Führung eines Dr. Schmidel von Seeberg beabsichtigen sie eine Kolonie in der Rähe der Stadt St. Walburg in Saskatsche- wan zu gründen, wo sich bereits mehrere Deutsche niedergelassen haben. Dr. Seeberg soll geäußert haben, daß sie bereit wären, ein Kapital von wenigstens 200 000 Pfund in ihr Unternehmen zu stecken. Fn dieser Gruppe sollen sich Angehörige der ältesten Adelsfamilien Deutschlands befinden, so ein Graf von Bülow, ein Reffe des früheren Reichskanzlers, und ein Freiherr von Vincke. Fn dem englischen Bericht wird zum Schluß gesagt, dah Kanada diese Einwanderung deutscher Siedler willkommen heißt, weil ihnen der Ruf vorausgeht, ausgezeichnete Landwirte zu fein. Gießener Giadttheater. Karl Millöcker: „Der Bettelstudent". Die gestrige Ausführung von Millöckers reichlich angejahrtem „Bettelstudenten" erweckte den lebhaften Wunsch, unserm Operettenrepertoire möchte durch die Aufnahme eines guten modernen Werkes wieder einmal etwas frisches Blut zugeführt werden; die drei Akte des Librettos von Zell und ® enee strotzen weder von Einfällen noch von Handlungsfülle, und ihre musikalische Verbrämung lebt feit allzu geraumer Zeit mehr oder minder ausschließlich von der heute nicht mehr ganz einleuchtenden Popularität des schmalzigen Schlagerliedes, das zugleich die handlungsmähige Pointe der Fabel umschreibt: .Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt ..." Während im übrigen auch die gelegentlich opemhaft anspruchsvolle Fnstrumentierung der Partitur kaum über die Oberflächlichkeit und die vielfachen Banalitäten der Musik hinweg- zutäuschen vermag. Die Aufführung erschien nicht eben dazu angetan, die Einwände gegen das Stück zu entkräften. Sie war im musikalischen Teil unter der Stabführung von Kapellmeister Reff im Wittelakt am ausgeglichensten, zuletzt reichlich forciert und nicht rei von Unebenheiten in Einsätzen und Uebergängen. Die Inszenierung besorgte Oberspielleiter Decker, von dem man schon erheblich bessere Leistungen gesehen hat. Die Dialogszenen waren an vielen Stellen ohne Ordnung, Schliss und Präzision, bei allerlei textlichen Hemmungen (so daß die Souffleuse störend eingreifen mußte) und mehrfachen, unverständlichen Verschleppungen und Pausen. Es sollte doch gerade bei einem Werk, auf dessen handlungsmähige und musikalische Frische man sich ja nachgerade nicht mehr unbedingt verlassen kann, besonderer Wert auf eine sorgsame und ausgefeilte Einstudierung gelegt werden. „ „ Von der Besetzung sind an erster Stelle zwei Gäste von der Frankfurter Oper zu verzeichnen: Elisabeth Friedrich sang die arme, aber mit ausgiebig und detailliert besungenen, weiblichen Reizen ausgestattete Polenjungfrau Laura Vo° Und sie bewegt sich -och... Rückblick auf die Länderkonferenz. Don Hoftat Theodor Dickes, M. d. 5t, Stuttgart. Der Aufsatz des Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei in Württemberg, der na- turgemäh wesenllich aus dem Gesichtswinkel schwäbischer Verhältnisse geschrieben ist und sich deshalb auch eingehender mit der seltsamen Einstellung des württembergischen Staatspräsidenten Bazille beschäftigt, ist auch für uns Hessen wegen des hier angeschnittenen Problems „S ü d Westdeutschland" von höchstem Interesse. Wenn in den letzten Monaten die Erörterung der Vereinheitlichung des deutschen Staats wesens in der Oesfentlichkeit_ einen so breiten Raum eingenommen hat, so wäre es durchaus falsch, zu glauben, die Sehnsucht nach dem allen und großen Fdeal des deutschen Einheitsstaates sei plötzlich so über Rächt aufs neue erwacht und nun gälte es, die Stimmung zu nutzen, die vor allem die deutsche Fugend beherrscht, um dieses Ideal zu verwirllichen. Rein, so liegen die Dinge doch nicht. Der Rus nach einer Verwaltungsreform und die Erkenntnis, daß nur durch eine solche größten Stils die so notwendige Herabminderung dcr allmählich ins Unerträgliche gewachsenen Staatsausgaben herbeige,ührt werden können, also rein praktisch und nüchterne Erwägungen haben den Stein ins Rollen gebracht. Wer die Dinge, so wie sie sich in der Rachkriegszeit ent- wickelt haben und wie sie zwangsläufig sich weiter entwickeln werden, mit ruhigem Verstand betrachtet, wird sich der Einsicht nicht verschließen können, also rein praktische und nüchterne Erwägungen werden kann, bis er das, was heute schon Millionen Deutsche als notwendiges Ziel erkannt haben, auch erreicht haben wird. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, darüber mögen noch lange Fahre vergehen, aber die Gewißheit bleibt, daß des Vaterlandes Rot ganz von selbst dazu führen wird, Zustände zu beseitigen, die auf die Dauer nicht ertragen werden können. Daß eine Revision des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern nicht länger hinausgeschoben werden kann, wird auch von denen zugegeben, die an dein föderativen Charakter des Reiches nicht rütteln lassen wollen. Mit eindringlicher Deutlich leit hat es die eben zu Ende gegangene Länderkonferenz gcze gt, deren Zusammentritt man mit berech igtec Skepsis entgegensah und in deren Ergebnis, meines Erachtens freilich mit Unrecht, viele nur das Negative, das Ablehnende erblicken. Wenn auch die gefaßten Entschließungen wenig befriedigen werden, so ist doch immerhin der Reichsregierung, die auch künftig in der Durchführung der vorgesehenen Maßnahmen die freilich von einzelnen Ländern stark angefochtene Fnitiative hoben wird, die Möglichkeit gegeben, ihren Einfluß geltend zu machen und so, zunächst wenigstens, eine wertvolle Vorarbeit zusammen mit den Ländern zu leisten, die der später kommenden Gesamtreform nur förderlich sein kann. Man wird aber auch daran denken müssen, in die beiden nach einem Beschluß der Länderkonferenz zu bildenden Kommissionen neben Männern Der Wirtschaft, neben Arbeitgebern und Arbeitnehmern, vor allem aber auch Vertreter der Selbstverwaltungsorgane zu entsenden, da es sich letzten Endes bei allen in der Länderkonferenz aufgeworfenen Fragen nicht nur um Die Regelung der Verhältnisse zwischen Reich und Ländern handell, sondern auch um das zwischen Ländern und Gemeinden. So zweckmäßig zusammengesetzte Organe, in denen neben den Vertretern der einzelnen Landesregierungen, Männer des • praktischen Lebens sitzen, werden in ihren Beratungen schließlich doch zu einem Ergebnis kommen müssen, das wesentlich anders aussieht, als die Reden, die auf der Länderkonferenz selbst von den beiden süddeutschen Ministerpräsidenten, dem bayrischen und dem württembergischen, gehalten worden sind, heute vielleicht vermuten lassen. Wenn auch die grundsätzliche Stellungnahme beider nicht Überraschen konnte, da sie sich ja wiederholt in Wort und Schrift zu dem aufgeworfenen Problem geäußert hatten, um so mehr die Form, in die der württembergische Staatspräsident seine Worte zu kleiden beliebte. Freilich das eine darf nicht übersehen werden: Bazille liebt es, in blumenreicher Sprache, in Superlativen zu sprechen, und ganz besonders seine Katastrophenideen zu entwickeln, die ihm schon mehr wie einmal zum Verhängnis geworden sind. So war man auch in den Kreisen, die Bazille und seine Gepflogenheiten schon lange kennen, — und das ist schließlich das württembergische Volk in seiner Gesamtheit —. bisher immer geneigt, nicht jedes Wort, das von ihm gesprochen wurde, gleich auf die Gold- w a g e zu legen. Vielleicht hätte man auch dem Wort, das er diesmal auf der Länderkonferenz sprach, und das begreiflicherweise soviel Aufsehen erregte, und Entrüstung hervorrief, keine ernstliche Bedeutung beigemessen und es in Württemberg nicht so tragisch genommen, wie dies im übrigen Reich geschah. Aber diesmal blieb auch die Wirkung in Württemberg nicht aus. Wenn der Staatspräsident glaubte, davor warnen zu müssen, mit mehr oder weniger gewaltsamen Mitteln, als welche schließlich doch nur Mehrheitsbeschlüsse Der Parlamente in Betracht kämen, fo war das zweifellos sein gutes Recht, bei dem er auch jene Männer auf feiner Seite haben dürfte, die im Gegensatz zu ihm den Einheitsstaat aus wirtschaftlichen, nicht zuletzt aber aus politischen, ja aus vaterländischen Gründen erstreben. Denn wirklich, nichts könnte dem Einheitsgedanken. der auch im Sinne unseres Vaterlandes auf dem Marsche ist, mehr schaden, als die Absicht, die Durchführung der Vereinheitlichung des Reiches rücksichtslos und so schnell als möglich zu erzwingen. Auch diese Dinge brauchen, wie schon angedeutet, ihre Zeit. Und diese Zeit wird für den Gedanken arbeiten. Wenn so die Mahnung Bazilles eine Berechtigung hatte, um fo mehr verdient die Drohung schärfste Verurteilung, wenn er meinte: „Sollte dieser Weg beschritten werden, so wird eine unmittelbare Gefahr für den Bestand des Reiches heraufbeschworen, denn nichts ist irriger als die Meinung, die Länder würden sich schließlich in ihr unvermeidliches Schicksal fügen. So wie die Dinge in Europa liegen, kann dieses Spiel mit dem Feuer den gangen Äontinent in Brand stecken.<* Diese Worte, die man geneigt war, als eine bedauerliche Entgleisung zu bezeichnen, gewinnen aber immerhin eine gewisse Bedeutung dadurch, daß Herr Bazille, dem die Gunst des Fnterpretierens sonst sehr geläufig ist, am letzten Samstag in einer Stuttgarter Zeitung von diesem Wort und seinem Sinn keineswegs abrückt, sondern im Gegenteil es noch unterstreicht, ja geradezu verschärft. Das württembergische Volk in seiner überwältigenden Mehrheit, auch die Der Partei des Herrn Staats- präsik^nten angehörenden schwäbischen Männer und Frauen, werden diese Haltung ihres Staatspräsidenten auf das schärfste verurteilen, weil sie kein Verständnis dafür haben, dah das Staatsoberhaupt eines deutschen Landes, wenn Worte überhaupt noch einen Sinn haben sollen, Damit droht, der deutsche Süden würde im Kampfe gegen den deutschen Einheitsstaat, jedenfalls unsere bisherigen Feinde gegen den deutschen Rorden in Anspru ch nehmen. Der Württembergische Landtag, dem gerade jetzt, da diese Zeilen niedergeschrieben werden, eine Interpellation zugegangen ist, Die Den Staatspräsidenten vor die Notwendigkeit stellt, sich wegen seiner Berliner Rede zu verantworten, kann keinen Zweifel darüber lassen, daß mit den Worten seines Staatspräsidenten das toürttem- Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloffen Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. bergische Volk s ich nicht identifizieren läßt. Das wird, wie zweifellos anzunehmen ist, mit aller Deutlichkeit geschehen, auch Dann, wenn aus Gründen Der Parteidisziplin und des Koali- tionszwangeS für Bazille sich noch eine Mehrheit von einer oder zwei Stimmen ergeben sollte. Auf Der Länderkonferenz wurde, wenn auch nur kurz, der Gedanke eines großen, südwest deutschen Staates, wenigstens gestreift. Cs handelt sich dabei um einen Gedanken, der bereits kurz nach der Revolution im Süden die Gemüter bewegte, um die Frage, ob nicht aus Gründen der Staatsvereinfachung und der so erzielten Ersparnisse Der Zusammenschluß von Württemberg, Baden, und dem früheren Grohherzogtum Hessen, sowie der P f a l z zu einem großen südwestdeutschen Staat zweckmäßig wäre. Fa. es gab Zeiten, in denen diese Frage aktuell zu werden schien. Rur Die separatistischen Vorgänge im besetzten Gebiet und Die Befürchtung, durch die Veränderung von Ländergrenzen gerade im Süden diese separatistische Bewegung ungewollt zu fördern, führten dazu, daß die Diskussion über diese Frage bald wieder verstummte. Freilich, auch später noch, wurde der Plan von Zeit zu Zeit immer wieder in manchen Kreisen besprochen, ohne ernstliche Beachtung zu finden. Und das erfreulicherweise. Die Bildung eines großen Südwestdeutschlands neben dem großen Bayern hätte, besonders bei Berücksichtigung Der parteipolitischen Struktur Der Länder zu einer Annäherung dieser geführt und die Gefahr einer neuen Mainlinie in die Nähe gelegt. Und von dieser Mainlinie will man nicht das geringste wissen. Die Einstellung der Parteien zu dem Gedanken des' Einheitsstaates ist heute in Württemberg freilich eine andere als in Den Fahren des alten Reichs. Waren früher Demokraten in Württemberg die Vertreter des traditionellen und schärfsten Partikularismus, Der bekanntlich zur Gründung Der Deutschen Partei im Fahre 1866 geführt hatte, und Liberale und Konservative Die Anhänger und FörDerer des Reichsgedankens, so sehen wir heute das Bild verkehrt, Demokraten im Kampf für den deutschen Einheitsstaat und, wenigstens in Der Führung, Die Deutschnationalen als Die Vertreter des partikularistischen Gedankens, Der in starker Annäherung an Bayern gefördert wird. Fn Wirklichkeit geht diese Abneigung freilich mehr gegen Preußen, gegen das Preußen vo' heute. Wenn Bazille aber, um Die angeblich voi Preußen drohende Gefahr zu bannen, Die Rück kehr zum „Bismarckreich" wünscht, Die. toie noci, einmal gesagt toerDen muß, eine Utopie ist, fo übersieht er dabei, daß gerade eine Neuregelung des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern nach dem Vorbild der Bismarckschen Reichsver- fassung einem Großpreuhen, das zweifellos kommen würde, im Reiche eine Vormachtstellung verschaffen mühte, die zweifellos nicht nur nicht seinen Wünschen, sondern auch nicht denen der Anhänger des Einheitsstaates erwünscht fein könnte. Der Gedanke Des Einheitsstaates ist auch In Württemberg wie im übrigen Süddeutschland auf Dem Marsch, und wird einmal, Darüber möge man sich nicht täuschen, fein Ziel erreichen. Denn auch hier wird das Wort, Das an der Spitze zu finden ist, wahr werden, jenes Wort, das man freilich zu Unrecht Galilei In den Mund gelegt hat, das aber feine Bedeutung auch diesem Mann gegenüber hat und seine Berechtigung, weil er aus dem Glauben an die von ihm erkannte Wahrheit trotz aller Verfolgungen und Bedrückungen immer wieder neue Kraft und neuen M u t schöpfte. So wollen auch wir uns den Glauben an Die deutsche Einheit unD den Deutschen Einheitsstaat nicht nehmen lassen, mögen Die Schwierigkeiten zunächst guch noch so große fein. „Und fie bewegt fich dochl" walska mit großem stimmlichen Einsatz, blleb aber schauspielerisch, zumal im Schlußakt, ziemlich konventionell; Richard von Schenk gab den bramarbasierenden Krakauer Obersten Ollendorf mit dröhnenden Tiraden und breiter Drastik, hatte jedoch mehrfach merllich mit Textunsicherheiten zu kämpfen. Gleichwohl wurde sein großes Couplet im Mittelakt (Das nach bewährtem Muster durch zahllose, aktuell improvisierte Zu- satzstrophen zu verlängern ist) ein stürmischer und mit xtlichen Dacapos bereicherter Sondererfolg. Steinbrecher spielte Den bettel» haften und wider Willen unter die Haube gebrachten Studenten Rymanovicz; gesanglich bis auf einige Unreinheiten im zweiten Akt angemessen, schauspielerisch dagegen ziemlich obenhin; ferner sind in größeren Chargen zu erwähnen: Die Damen Klara Zeller (a. G.) und Käthe F 11 e r, sowie Fritz Schröder (Fanicki), der aber leider den gesanglichen Anforderungen Der Partie nicht überall gewachsen war. Die Aufnahme war sehr freundlich. Dr.Th. Oer schöne Clown. Don Signor Saltarino. Der berühmteste Elown aller Zeiten, Der Stern seines Faches, Der bis heute Unübertroffene, war schon dadurch eine Merkwürdigkeit, daß er — als Clown! — einer der schönsten Männer seiner Zeit war, Den Die Männer bewunderten und die Frauen anbeteten. Dieser Clown war Louis Auriol, am 11.August 1806 in Tou- louse als Kind eines Kunstreiterpaares geboren. Sein Lehrherr war der Seiltänzer Pierre Forioso, ein Freund des Vaters. Nachdem Auriol mit verschiedenen Kunstreitergesellschaften das südliche Frankreich, Deutschland und Holland bereist hatte, debütierte er 1843 im Pariser Zirkus Franconi. Mit dem ersten Abend waren sein Erfolg und sein Ruhm gesichert. Aurtols Kunststücke erregten Die Bewunderung von Mil- lionen, und die Zeitschriften aller Länder brachten fein Porträt. „Wer feinen Flafchentanz nicht gesehen, hat gor nichts auf der Welt gesehen!" schrieb ein begeisterter Korrespondent aus Paris. Auriol war aber nicht nur ein schöner, geistreicher und graziöser Clown, er war auch der erste Akrobat feiner Zeit. Als solcher zeigte er eine solche Beweglichkeit und Gelenkigkeit, dah Die ganz verdutzten Zuschauer nicht wußten, was sie mehr bewundern sollten: seine Equili- bristik oder seine tollkühnen Salti. Nie wieder hat ein späterer Clown die wirbelnde, verblüffende und dabei graziöse Drehgeschwindigkeit Auriols erreicht. Und wie originell war der kleine, fistelstimmige Kreisch, mit dem er seine ganze Arbeit begleitete und der an eine Kinder- trompete erinnerte. 3n jeder Vorstellung überraschte er mit neuen Tricks. Er war ein Universalartist. Auf einer mir vorliegenden Madrider Lithographie ist er als Fongleur zu Pferde, Parforcereiter, Flaschenequilibrist, Stuhlakrobat und Springer gezeichnet. Auriol drehte mit Hilfe des Trampolins den Doppelsaltomortale über acht Pferde, auf denen die Stallmeister saßen, setzte durch Feuerwerksreifen oder durch einen Kranz von Pfeifen, ohne eine einzige zu zerbrechen, überflog mit einem gewaltigen Hechtsprung ein Peloton von 24 Soldaten, die ihre Dajonettgewehre gekreuzt hatten. Das sind recht gefährliche Zirkustricks, die man heute kaum mehr sieht. Wir haben nur wenige Artistenfiguren aufzuweisen, Die sich bei uns einer gleichen Popularität erfreuten wie Die Familie Auriol in Frankreich. Zu nennen wären Der alte Ernst Renz, seine Schwiegertochter Oceana Renz, der alte Seiltänzer Wilhelm Kolter, neuerdings der Universalartist Sylvester Schäffer. Da reifte einmal Der berühmte französische Maler Horace (Bernet mit Der Schnellpoft von Marseille nach Paris. Unter Den Passagieren, Die mit ihm fuhren, befand sich auch em brutalschöner Mann, der im Kontrast zu feiner Körperbeschaf- fenheit eine eigentümlich bizarre, zur Grimasse neigende Beweglichkeit zeigte, die den Maler unwillkürlich interessierte. Dieser Passagier, dachte er, ist ein Original und kann, wenn zu nichts Besserem, eventuell als Opfer eines harmlosen Scherzes Dienen. Und die Gelegenheit lieh nicht lange auf sich warten. Die Reisenden hatten vor einem Hügel den Wagen verlassen. An Der einen Seite Der Chaussee befand sich ein ziemlich breiter Graben. Den Lernet, ein getoanDter Springer, mit Leichtigkeit nahm. Er forderte den Mitreisenden auf, ihm zu folgen. Dieser zögerte. „Ach so, Sie können nicht springen!" rief (Bernet herüber. — „Na, wenn Sie dieser Ansicht sind, so will ich es versuchen," gab der Geneckte zurück, „aber unter der Bedingung, daß wir um etwas wetten — meinetwegen um das Frühstück." Der Maler war Damit einverstanden, jener nahm unter allgemeiner Heiterkeit Der Zuschauer Anlauf, linkisch zwar und schwerfällig, kam aber doch über den Graben. (Bernet mußte das Frühstück bezahlen. 3m Laufe des Tages wiederholte sich der Vorgang. Der zweite Graben war aber bedeutend breiter als Der erste. Der Maler sprang toieDer mit Eleganz hinüber unD rief Dem anDem zu, ihm zu folgen: „Wetten wir um das Diner!" Der arme Mann mußte sich entsetzlich anstren- gen, kam aber doch hinüber. Man brauchte damals fünf Tage, um von Marseille nach Paris zu kommen. 3eden Tag wiederholten sich diese Szenen. 3n Paris angelangt, meinte der Springkonkurrent zu dem Maler: „Mein Herr, ich Dante 3hnen, dah Sie mich während der Reise so vortrefflich verpflegt haben; nun hoffe ich aber auch, daß Sie bei meinem Debüt nicht fehlen werden." — „3hrem Debüt?" — „3a. 3ch bin Louis Auriol und im Zirkus Franconi als erster Bajazzo engagiert. 3ch befolgte den Grundsatz, der stets bei der berühmten deutschen Reitergesellschaft meines früheren Prinzipals Renz gilt: Rach dem Schwersten immer noch das Schwerere — Hindernisse gibt es nicht.. Hochschulnachrichten. Es haben Berufungen angenommen: Professor Dr. jur. Max Grünhut in 3 e n a auf den durch das Ableben des Geh. 3ustizrats E. Landsberg in (Bonn erledigten Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozeh; Geh. Rat Professor Dr. Hermann Oncken in München auf Den Lehrstuhl der neueren Geschichte an Der Universität Berlin. Oberheffen. fl. Klein-Linden, 25. Ian. Dei der letzten Volkszählung am 16. Juni 1925 waren in unserer Gemeinde 1983 Personen ansässig. Heute ist die Einwohnerzahl bereits auf 2003 gestiegen. Dom 16. Juni 1925 bis heute wurden 174 Zuzüge und 189 Wegzüge, 80 Geburten und 45 Sterbesälle gezählt. -j- Lollar, 25. Jan. Die im vergangenen Jahre erfolgte Teerung unserer Orts- durchfahrtsstrahe hat auch im Winter ihre angenehme Wirkung behalten. Der stark auftretende Schmutz wird in hohem Mähe von dem Oel gebunden, so daß die Hauptstraße immer ein verhältnismäßig sauberes Aussehen behält. Die sich nach beiden Richtungen anschließende Marburger und Gießener Straße ist im verflossenen Jahre mit Kleinpflaster bis zur Ortsdurchfahrt versehen worden. § Daubringen, 25. Ian. Der „Verein Kleinkinderfreund" hielt gestern abend in der Wirtschaft von Ludwig Weimer seine diesjährige Generalversammlung ab, die gut besucht war. Der Vorsitzende, Dekan Guß- mann, Kirchberg, erstattete den Jahresbericht und hob besonders die günstige Entwicklung des Vereins lobend hervor. 2m verflossenen Jahre ist die Mitgliederzahl von 134 auf 143 angewachsen. Wie alljährlich, so wurden im Jahre 1927 dem Verein von einer Anzahl Gönner recht ansehnliche Unterstützungen zuteil, die es ermöglichten, ohne Fehlbetrag den Detrieb der Kleinkinderschule vurchzusühren. So wurden dem Verein überwiesen: je 100 Mk. von dem Landesverband für Kleinkinderpflege in Darmstadt, von der Firma Scheidhauer & Giehing in Donn, der Gemeinde Daubringen und von der Reichseisen- bahndircktion Frankfurt a. M.. die diesmal die seitherige jährliche Zuwendung von 70 auf 100 Mark erhöht hat. Je 50 Mk. stifteten die Vu- derusschen Eisenwerke in Lollar und die Firma Rinn & Cloos in Heuchelheim. An Mitglieder- beitragen gingen 142,50 Mk. ein. so daß sich die Gesamteinnahmen des vergangenen Jahres auf 1055,76 Mk. belaufen, einschließlich des geringen Schulgeldes der Kinder. Die Gesamtausgaben beziffern sich auf 971 Ml., so daß ein Heberschuh von 84,76 Ml. verbleibt, der für das laufende Jahr gutgeschrieben wird. Der langjährige Rechner des „Kleinkinderfreund", Wilhelm Alb ach, der die Geschäfte des Vereins unentgeltlich versieht, erstattete die Dechnungsablage, die vorstehendes Dild ergab. Der Jahresbeitrag pro Mitglied verbleibt bei 1 Mk. * Allendorf a. d. Lda., 25. Ian. Am Sonntag hielt die im März v. 2s. gegründete hiesige Sängervereinigung im vollbesetzten Saale von Bergen ihren ersten Konzert- und Theaterabend ab. Die vorgetragenen Chöre legten Zeugnis ab von dem Können des Dirigenten Karl Volk, Beuern, und dem guten Stimmaterial des Vereins. <5 Allendorf a. d. Lda., 25. Jan. Bei der im hiesigen S t a d t w a l d e abgehaltenen diesjährigen er st en Brennholzversteigerung hielten sicb die Preise aus der vorjährigen Höhe. Es kosteten je zwei Raummeter Buchen - Scheitholz 25 bis 28 Mk., Eichen-Scheitholz 13 bis 14 Mk.. Duchen-Knüppelholz 17 bis 19 Mk., Eichen- Knüppelholz 9 bis 11 Mk., 5 Raummeter Buchen- Reisholz 15 bis 17 Mk., 5 Raummeter Eichen- Reisholz 5 bis 7 Mk. z. Allendorf a. d. Lda., 25.2an. Gestern feierte der älteste Einwohner unserer Stadt, Heinrich Krieb, seinen 9 0. Geburtstag. Der alte Herr, der in feiner Jugend lange Zeit in England als Schreiner tätig war, erfreut sich noch bester Gesundheit. : Beuern, 25. 2an. Die gestern im hiesigen Gemeindewald abgehaltene Brenn- holzversteigerung erbrachte folgende Durchschnittspreise: Buchenscheit 14 bis 14,50 Mark, Duchenknüppel 12 dis 13 Mk.. Buchenstöcke 6,50 bis 8 Mk., Buchenreisig 2 bis 3 Mk. je Raummeter. — Der hiesige Gesangverein „P o l y h h m n i a" veranstaltete am Sonntagabend im Saale der „Germania" sein gut besuchtes Winterfest. Der Vorsitzende Wilh. Hermann feierte in seiner Eröffnungsansprache den deutschen Männergesang und das deutsche Volkslied, zu deren Pflege er aufsorderte. Der Chor zeigte durch seine gesanglichen Darbietungen, daß er Hervorragendes zu leisten imstande ist. Der Dirigent Hch. S ch o m b e r und seine Sänger können mit Befriedigung auf diesen Erfolg zurückblicken. Weiter wurde das Volksschauspiel „Andreas Hofer" in trcfsl'cher Weise aufgeführt. Sämtliche Darbietungen fanden verdientermaßen reichen Beifall. * Grünberg, 25. Ian. Das Landwirisch a f 1 s a m t Grünberg berichtet uns: Die Grünlandwirtschaft erfährt in unserem Bezirke großes Interesse. Das Amt wurde bei Umgestaltung einzelner Wirtschaft verschiedentlich in Anspruch genommen. Leider läßt sich die Weidewirtschaft, die eigentlich die besten Ersparnisse an Arbeitskräften und geldlichen Ausgaben bietet, nicht in dem Umfang bei den bäuer- li'chen Betrieben durchführen, wie dies vielfach gewünscht und beabsichtigt wird. Vor allem haben die Gemeinden ohne Feldbereinigung zu stark zersplitterten Besitz. Es lassen sich in den meisten Fällen keine größeren Flächen so zusammenlegen, Daß sie einen rentablen Weidebetrieb ermöglichen. Wenn sich in den bäuerlichen Betrieben zwei bis fünf Morgen zusammenlegen lassen, so genügt drese Fläche in der Regel höchstens als Iung- vmhweide iür den betreffenden Besitzer. Selbst diese Fläche wird in futterarmen Jahren schon zu knapp. Cs macht sich aber zweifellos der Drang auch in bäuerlichen Betrieben immer stärker gellend, Ackerland in Grünlandflächen umzuwandeln um an Betriebskosten zu sparen. Die ungünstige Crntewittcrung der letzten Jahre spielt dabei selbstverständlich eine große Rolle. Das Heber- wintern der Viehbestände wird in dem größten Teil unseres Bezirkes auf keine Schwie- rugkeiten stoßen, da genügend Heu und Grummet gemacht worden ist und der Ausfall der Futterrübenernte cm guter war. Die Zahl der Zuchtsauen wird infolge der schlechten Absatz- Möglichkeiten für Ferkel sichtbar eingeschränkt- auch die S ch w e i n c m a st wirst bei den niedrigen Preisen für fette Schweine nur eine geringe Deute ab. Die Schafhaltung ist in vielen Gemeinden stark gefährdet, da das Interesse sehr zurückgeht. Die Löhne für landwirtschaftliches Gesinde sind im Steigen begriffen. Erste Kräfte (Knechte) verlangen einen Barlohn von 500 bis 600 Mk. Das wäre etwa der doppelte Lohn wie in Vorkriegszeiten. Das zunehmende Interesse für die Grünlandwirtschaft findet darin seine Bc- T gründung. Die Verwendung von Kunstdünger scheint in diesem Erntejahr auf das notwendigste Maß beschränkt zu werden, da die Landwirte infolge der schlechten Getreideernte über Bareinnahmen aus dem eigenen Halmfruchtdrusch kaum verfügen und der Zukauf von Saatgut für die Winterbestellung in vielen Wirtschaften notwendig war. ch Grüningen, 25. 2an. Die Masern und die Mumps sind seit kurzem hier stark verbreitet. Don den Krankheiten sind meist die Kinder von 6 bis 12 Jahren befallen, so daß die zweite Schulklasse geschlossen werden mußte. Vereinzelt ist auch die Grippe aufgetreten, dagegen ist erfreulicherweise der K e u ch h u st e n im AbnHmen begriffen. Zum Glück haben alle Crkranrüngen bis jetzt einen gutartigen Verlauf genommen. * Grüningen. 25. Jan. Durch einstimmigen Beschluß des Hausberg-Wettertal- Sängerbundes auf dem am vergangenen Sonntag in Hochweisel stattgehabten Dekegierten- tag wurde dem Adam Isheimschen Gesangverein E. V. Hierselbst das Wertungssingen übertragen. Dieses findet am 15. Juli anläßlich des 65 jährigen Bestehens des Adam Isheimschen Gesangvereins statt. Das Wertungssingen beginnt vormittags 9 Uhr in der Sing- und Turnhalle. # Hungen, 25. 2an. Der Bezirk Hungen des hessischen Landjugendbundes hielt hier im „Darmstädter Hof' am Sonntagabend eine Reichsgründungsfeier ab, die guten Besuch aufwies. Die Iugendgruppe Äodheim führte das dreiaktige Dolksstück „Treu zur Heimatscholle" auf. dem noch ein Lustspiel folgte. Mehrere Reden, die Aufführung eines Melodramas und gemeinsame Lieder füllten das Programm des Abends aus. 44 Rabertshausen, 25. 2an. Mit der Reuverpachtung des zu unserer Gemarkuntz gehörenden Hofgutes Ringelhausen ist auch der vor gut Jahresfrist neu angelegte Steinbruch in andere Hände übergegangen. Gegen eine Abfindungssumme von 3000 Mk. trat der seitherige Pächter. Pflastermeister Heinrich Zimmer von Bisses, vom Vertrag zurück. Der Besitzer des Basaltvorkommens, der Fürst zu Solms-Braunfels, hat nun den Bruch an das Basaltwerk Gebrüder Treiser zu Gedern unter der Bedingung verpachtet, daß fünf Prozent der Einnahmen als Pacht an die fürstliche Rentkammer zu zahlen sind. Ein Mindestbetrag von 2000 Mk.. der sich im Verlaufe von zehn Jahren auf 4000 Mk. steigert, muh als Pachtcrlös garantiert werden. Dir neue Firma hat am 20. d. M. den Detrieb übernommen. Rach Durchführung der nötigen Abraumarbeiten und Vergröherung des Bruchfeldes soll die Belegschaft im Verlaufe des Frühjahrs auf 40 bis 50 Arbeiter, gegen seither 8 bis 10. erhöht werden. Dom Steinbruch bis zur Provinzialstrahe Rabertshausen—Rodheim soll neben einem befestigten Fahrwege ein Schienengleis mit Kippanlage errichtet werden. Etwa 200 Meter unterhalb dieses Steinbruches haben die Günterodschen Hartbasaltwerke ungefähr 15 Rormalmorgen Gelände erworbett. das in der Gemarkung Rodheim gelegen ist, um hier ein Basaltwerk zu errichten. Für den Morgen geringwertiges Land auf der Hochfläche des „Weihen Stücks" wurden 650 Mk., für Acker am Abhang 2000 Mk. bezahlt. Die Aufschliehungsarbeiten sollen in Kürze ausgenommen werden, so dah auch hier vorläufig 20 bis 30 Arbeiter Beschäftigung finden. Prvbe- schürfungen haben das Vorkommen von bestem Plattenbasalt ergeben, der sich besonders zur Verarbeitung von Pflastersteinen eignet, nach denen gegenwärtig besonders große Rachfrage herrscht, Sogenannte Sonnenbrandsteine findet man fast nicht. s- Utphe, 25. Ian. Am Samstag hielt der Gesangverein „Lorelei" in der Gastwirtschaft Tag seine Jahreshauptversammlung ab. Der Vorsitzende Wilhelm Tag gedachte in feiner Ansprache eines verstorbenen Mitbegründers des Vere ns. Dem Rechner Hermann Sack wurde Entlastung erteilt. Man beschäftigte sich dann länger mit der am 11. Februar stattfindenden Abendunterhaltung mit Theater. 3m kommenden Sommer sollen das Bundesfest in Villingen und das Sängersest in Steinheim be» sucht werden. Da am gleichen Tage Bürgermeister Dietz seinen Geburtstag feierte, brachte ihm der Verein ein Ständchen an seinem Hause, woran sich ein gemütliches Beisammensein anschloß. K.cis Friedberg. Butzbach, 25. Ian. 2m Jahre 1928 werden hier folgende Märkte abgehalten: 16. Februar. Schweinemarkt: 8. März: Schweinemarkt: 22. März: Schweinemarkt: 5. April: Schweine- und Krammarkt (Ostermarkt): 19. Dpril: Pferde-, Schweine-, Kram- und Faselmarkt: 10. Mai: Schweinemarkt: 24. Mai: Schweine- und Krammarlt (Pfingsimarkt): 14. Juni: Schweinemarkt: 28. Juni: Schweinemarkt: 19. Juli: Schweinemarkt: 9. August: Schweinemarkt: 23. August: Schweinemarkt: 13. September: Schweinemarft: 27. September: Schweinemarkt: 11. Oktober. Schweinemarlt: 25. Oktober: Schweinemarkt: 19. Rovember: Krarnmarkt: 20. Rovernber: Kram- und Schweinemarkt (Katha- rinenmarft): 20. Dezember: Kram- und Schweinemarkt (Weihnachtsmarkt). L Melbach, 25. Ian. Die hiesige Turn» gemeinde hielt dieser Tage ihre ordentliche Generalversammlung ab. Die Rechnungsablage des Rechners wurde gebilligt und die Entlastung ausgesprochen. Bei der Dorstandswabl wurde der seitherige Vorstand wiedergewählt, nur trat an die Stelle des bisherigen 2. Turn- Wartes der Turner Robert Günther. Es wurde beschlossen, in das Tätigkeitsgebiet des Vereins das Handballspiel mit aufzunehmen: die zur Erlangung eines Sportplatzes notwendigen Schritte sollen bei der Gemeindevertretung unternommen werden. Am Fastnachtssonntag soll ein Theaterabend stattfinden. — Die Ursache des kürzlichen Brandes in unserem Orte ist bis jetzt noch nicht festgestellt. Vom Amtsgericht Friedberg wurden hier eine Anzahl Zeugen vernommen, da der Verdacht besteht, daß Brandstiftung vorliegt. WSR. Vilbel, 25. Jan. Eine Frau wollte ihre beiden Kinder von sechs und acht Jahren baden. Sie stellte die Wanne mit bechern Wasser in die Stube. Als sie die Stube einen Augenblick verlassen hatte, fielen die beiden Kinder beim Spielen in das heiße Hasser und zogen sich ent etzliche Brandwun- An Su. Der herbeigerufene Arzt überführte die Kinder sofort in das Krankenhaus. Bei dem einen Kind besteht Lebensgefahr. Kreis Büdingen. "# DorSdorf, 25. Jan. Dei der hier abgehaltenen Brennholzversteigerung aus dem staatlichen Harbwald der Försterei Glaud- zahl wurden geringere Preise wie im Vorjahre erzielt. Buchen-Scheitholz kostete 12 bis 15 Mk., Buchen-Knüppel 8 bis 9 Mk., Duchen-Stöcke 5 bis 8 Mk.. Buchen-Reisig 80 Pf. bis 1.50 Mk., Eichen-Scheitholz 8 bis 11 Mk., Eichen Knüppel 5 bis 7 Mk., Eichen-Stöcke 4 bis 5 Mk., Eichen- Reisig 50 bis 70 Pf. Reben Kausliebhabem aus den Rachbardörfern waren viele Käufer aus der holzarmen Wetterau erschienen, um. wie von jeher üblich, im Harbwald ihren Holzbedarf zu decken. gr. Gettenau. 24. Jan. Ein hier bediensteter Knecht aus Schweighausen hat gestern abend 10 Uhr auf der Straße gegen einige Personen Revolverschüsse abgegeben, ohne zum Glücke jemand zu treffen, und sich dann mit einem Schuß am Kopfe verletzt, so daß er ins Krankenhaus gebracht werden mutzte. Die Br- weggründe zu der Tat sind noch unbekannt. * Ober-Mockstadt, 25. Ian. Hier soll, wie von der Dertreterversammlung in Büdingen beschlossen wurde, am 5. August das diesjährige Kirchengesangvereinsfest des Verbandes der Evangelischen Kirchengesangvereine im südöstlichen Oberhessen stattfinden. Zwei Verbandsvereine können in diesem Jahr auf ein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken, nämlich Wenings und Ober-Mockstadt. Kreis Schotten. □ Laubach. 25. Ian. Die gestrige Sitzung des Gemcinderats war die erste, die in dem geschmackvoll neuhergerichteten Rathaussaal abgehalten wurde. An der Ostwand hängt ein Oelgemälde Eimers, das Laubach von Süden darstellt. Eine andere Wand (die westliche) ist vom heimischen Kunstmaler Barnas stilgerecht mit dem Laubacher Stadtwappen (der Solmser Löwe in einer Variante der Färbung, mit einem Engel als Schildhalter) geschmückt worden. Zwei alte Fahnen flankieren das Wappen. Der Saal war zu Ehren des Tags festlich geschmückt. Bürgermeister Böhm hielt eine warme Ansprache über die Bedeutung der ersten Sitzung im neuhergerichteten Saal. Sodann wurden verschiedene Eingaben von Bewohnern um Unterstützung erledigt. Ueber den Plan der Firma Röm Held auf der F r i e d r i ch s h ü t t e bei Ruppertsburg (Eisengießerei), am hiesigen Bahnhof eine Fabrik zu errichten, ist man noch nicht schlüssig geworden. Die Erbauung der Förster- wohnung am Fuße des Ramsberges, oberhalb des „alten Gombach-Weges", gegenüber der gräflichen Schäferei, ist dagegen beschlossene Sache. Der Staat baut, die Gemeinde aber stellt den Bauplatz und übernimmt 50 Prozent der Baukosten. — Aus der gestrigen Holzversteigerung aus den gräflichen Waldungen kam der Raummeter Duchenscheiter auf gegen 12 Mk., Buchen- prügel auf 8 bis 9 Mk., Buchenstöcke etwa 7 bis 8 Mk. )—( Ruppertsburg, 25. Ian. Als in den Jahren 1870 bis 1880 der Hochofenbetrieb auf der nahen Friedrichshütte eingestellt und der Schmelzbetrieb entsprechend verkleinert wurde, hatte dies für die Arbeiterschaft der Umgegend keine nachteiligen Folgen, denn im Jahre 1870 gründete der 1865 entstandene Verein für chemische Industrie QI.»®., Sih Mainz, unter seinen damaligen Direktoren Heinrich und Hermann D i e tz e zu Friedrichshütte eine Holzverkohlungsanlage, die sich rasch entwickelte. Fast 60 Jahre lang hat dieser Betrieb vielen Einwohnern von Ruppertsburg und den umliegenden Orten lohnenden Verdienst gewährt. Im August vorigen Jahres wurde nun die Verkohlung eingestellt. Von über 100 Arbeitern blieb nur noch ein kleiner Teil in der Fabrik, zumeist mit Aufräumungsarbeiten und der Herstellung von Preßkohlen aus dem Holz- kohlenstaub beschäftigt. Zuletzt waren es etwa noch 15 Arbeiter. Run soll Ende dieses Monats, sicherem Vernehmen nach, die Fabrik bis auf weiteres gänzlich geschlossen werden. Der Holzplatz, auf dem früher stets ungefähr 30 000 Raummeter Buchenholz vorrätig lagen, ist vollständig geräumt und gesäubert. Der Leiter des Betriebs. Dr. H e r r I e. und sein Laborant Gg. Diehl von hier, wurden im verflossenen Herbst an eine gleichartige Fabrik nach Züschen im Kreis Frankenberg versetzt. Der erste Buchhalter Daniel Stenger wurde Verwalter der Fabrik Laufach im Spessart. Run erhielt auch der andere Buchhalter. Otto Stein, eine Abberufung an die Chemische Fabrik Oeventroop im Regierungsbezirk ArnSberg. Die Verwaltung der Gebäude und Betriebsanlagen wurde dem langjährigen Werkmeister Gg. Port II. übertragen. dem noch einige Arbeiter zur Wache und für nötig werdende Arbeiten belassen werden. Die meisten früher entlaßenen Leute haben vorerst Arbeit gefunden, mehrere zur Zeit im Walde, andere bei der Errichtung der neuen Braunkohlenwerke in Trais-Horloff. Letztere haben täglich einen weiten Weg zur Arbeitsstätte zurückzulegen. Heber die Gründe der Stillegung der chemischen Fabrik Friedrichs- butte verlautet nur, daß der Betrieb infolge der hohen Holzpreise der letzten Jahre nicht mehr rentabel gewesen sei. Ob sie oder ein ähnlicher Fabrikationsbetrieb jemals wieder eröffnet werden wird, ist nicht bekannt. Jedenfalls wäre es dringend zu wünschen. = Ober. Seibertenrod, 25. Ian. Hier und in dem benachbarten Hnter-Seiber- tenrod sanden in den letzten Tagen Versammlungen statt, die sich mit den Bahnbauprojekten im Vogelsberg beschäftigten. In beiden Versammlungen wurde dargelegt, daß ein Projekt Schotten—AlSfeld auf außerordentlich große Geländeschwierigkeiten stoße und außerdem auch nicht allzu viele Gemeinden von einer solchen Strecke Vorteil hätten. Dagegen sei das Projekt Mücke—Oler-Ohmen—Ulrichstein—Ri > eld, also die sog. Ohmtalbahn viel leichter zu verwirklichen und biete auch größere wirtschaftliche Chancen. In beiden Versammlungen wurden demgemäß Beschlüsse zu Bunten des Ohmtalbahn-Projektes gefaßt. I Ober-Lais, 25. Ian. Die H o l z h a u e r- arbeiten sind hier fast völlig beendet. Einzig im Distrikt Lindenbusch der hiesigen Försterei hat eine Holzhauerrotte noch für kurze Zeit Beschäftigung. Im laufenden Wirtschaftsjahre ind die Holzfällungen gerade in unserer För- terei ganz geringfügig. Die meisten bieigen Holzhauer waren deshalb im Distrikt „Fauerbacher Hecke" der Försterei Michelnau beschäftigt, wo eine größere Waldfläche als S l e d- lungsland abgeholzt wurde. Auch im Fauer- bach-Ober-Laiser Gemeindewald ist die Holzhauerei schon zum Abschluß gekommen. Es wurde so wenig Holz gefällt, daß die bisher alljährlich durchgeführte Losholzabgabe an die Ortsbürger in diesem Jahre wahrscheinlich unterbleiben muß. Wenn auch die auf ein Los entfallende Holzmenge hier meist geringer war als in den aus den Staatswaldungen mit Losholz versorgten Gemeinden, so entschädigte dafür den etwas geringere Preis des Holzes. Diesmal sind die Gemeinden, denen Losholz aus der Staats- waldungen verabfolgt wird, insofern besonders im Vorteil, als sie wenigstens Holz erhalten. Die Einwohner von Fauerbach und O b e r - Lais dagegen sind gezwungen, ihr Holz auf den Qkrfteigerungen zu erwerben. Dort wird es infolge der geringen Fällungen und des stets großen Andranges sehr teuer werden. Der Fauerbach-Ober-Laiser Gemeinde- w a l d ist der noch recht umfangreiche Rest eines aus der Zeit der germanischen Besiedlung unserer Gegend stammenden Markwaldes. 3n den letzten 3ahren hat er gröbere Flächen durch Abholzung und Urbarmachung an das Feld verloren. Dadurch und durch frühere verstärkte Fällungen (Kriegszeit) erklärt sich die diesjährige geringe Holzernte. Kreis Alsfeld. ** Alsfeld, 25. Jan. Die Landes ° Abteilung Hessen der Reichszentrale für Heimat- dienst veranstaltete dieser Tage eine staatsbürgerliche Bildungstagung für den Kreis und die Stadt Alsfeld, die im großen Saale des „Deutschen Hauses" stattsand. Den ersten Vortrag hielt Privatdozent Dr. K. Rheindorf (Frankfurt a. M.): „Sicherheit und Gleichgewicht in Politik und Geschichte". Der Referent gab einen geschichtlichen lieberblick über die Entwicklung der Begriffe „Sicherheit" und „Gleichgewicht im Staatsleben" und wies nach, daß das Prinzip der nationalen Sicherheit zuerst von Frank- reich aufgestellt, während das Prinzip des Gleichgewichts von der englischen Politik ausgeganaen sei. Interessant waren die Vergleiche zwischen der heiligen Allianz des Jahres 1815 und dem Völkerbund, den er auf Grund seiner Entstehung als einen Interessenverband der Siegerstaaten bezeichnete, der sich noch nicht von diesem Geiste freigemacht habe. Alsdann folgte ein Vortrag von Dr. Alexander Meier (Frankfurt a.M.) ' über das Thema: „Deutschland, Europa und die Weltwirtschaft". Die- ser rednerisch und inhaltlich hervorragende Vortrag bildete den Höhepunkt der Tagung. Der Redner verstand es in ausgezeichneter Weise, die wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen der Weltwirtschaft, Europa und Deutschland klarzulegen, wobei er insbesondere auf die Notwendigkeit Hinweis, daß ganz Europa als eine Schicksalsgemeinschaft sich zu einer Wirtschaftsgemeinschaft verständigen müsse. Don besonderem Interesse waren die Ausführungen des Redners über die Entwicklung der wirtschaftlichen Llerhältnisse in Deutschland von 1924 bis 1927, wobei er sich eingehend mit der Finanzpolitik des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der manchen Fehler begangen habe, befaßte. Als größten Nach- teil der Schachtschen Finanzpolitik bezeichnete der Redner die dadurch heraufbeschworene Reparalions- debatte. Deutschland könne nur wieder vorwärts- komrnen durch eine Rationalisierung unserer öffentlichen Wirtschaft und Vereinfachung des viel zu umständlichen Verwaltungsapparates im deutschen Reiche. Das Endziel müsse [ein, ein Land, ein Staat, ein Volk. Dieser Vortrag sand sehr lebhaften Bei- fall. Alsdann folgte ein Vortrag von Oberstudien, direktor Dr. R. O e h l e r t (Frankfurt a.Tl.) „Wege Sur Volksgemeinschaft". Der Redner bezeichnete als Hauptursachen der bestchenden Trennung im deutschen Volke die verschiedene wirtschaftliche Gliede- rung unseres Volkes, die große Verschiedenheit der Stammeseigenschaften und das Fehlen einer ein- heillichen, außenpolitischen Zielsetzung. Es müsse das Ziel aller Volksbildung fein, durch Auftläriwgs- orbeit, durch guten Willen und durch Erziehung zu intellektueller Redlichkeit die vorhandenen Klaßen-, Weltanschauungs- und parteipolitische Gegensätze zu Überwinden, wobei allerdings mit Zwang nichts auszurichten fei. Die Macht des deutschen Volkes beruhe auf einer wirklichen Volksgemeinschaft, bei der die gegenseitige.Achtung vor einander eine Vorbedingung sei. Auch dieser Vortrag fand lebhaften Beifall. Am Schlüsse der Tagung sprach Kreis- direktor Dr. Stammler den Dank der 23er- sammlung aus mit dem Wunsrl-e, die Tagung im nächsten Jahre wieder in Alsfeld begrüßen zu können. Die Tagung war recht gut besucht. = Ober-Ohmen, 25. 3an. Die hiesige Basalt-Industrie hat in der jüngsten Zeit ihre Arbeit in vollem Umfange wieder ausgenommen. Eire ganze Anzahl Arbeiter finden dadurch erneut lohnenden Verdienst. Das Unternehmen soll, wie man hört, noch erweitert werden. Kreis Lauterbach. WSR. Schlitz, 25. Jan. Ein älterer Mann namens Ochs war am zweiten Weihnachtsfeiertag von der Rachtpolizei aufgefunden und dem Hospital zugeführt worden. Der Mann hatte sich aus dem Spital entfernt und war einen Tag später auf der Lauterbacher Straße gesehen worden. Seit dieser Zeit ist er verschwunden, und man konnte bislang noch keine Spur von ihm finden. Sängeriagung in Gedern. V Gedern, 25. Jan. Am Sonntag fand im Stiebelingschen Saale hierselbst die Delegiertenversammlung der „Vogelsberger Sängervereinigung" statt, zu der 16Vereine Vertreter entsandt hatten. Die Tagung erhielt ein besonderes Gepräge durch die Anwesenheit des Geschäftsführers des Hessischen Sängerbundes, Herrn Roth aus Darmstadt. Rach der Eröffnung und Begrüßung durch den Bundespräsidenten, Lehrer Strößinger (Ober-Lais), erstattete der Schriftführer, Lehrer Iudersleben (Glashütten), den Jahresbericht, der von einer eifrigen Tätigkeit des Bundes Zeugnis ablegte. Der Rechner, Hofmann (Gedern), legte die Rechnungsablage vor, die mit einem Ueberschuß von 531,15 Mk. ab» chloß. Das Bundesfest für 1928 übernimmt der Gesangverein „Sänger tust" (Glashütten), der damit die Weihe einer Fahne verbindet. Der voraussichtliche Termin ist der 3. Juni 1928. Den Posten des nach Frankfurt verzogenen Dundesdirigenten versieht bis zu der im nächsten Jahre statt- indenden Neuwahl der stellvertretende Dundes- birigent Greul (Ober-Lais). Rach Erledigung des Geschäftlichen ergriff Geschäftsführer Roth aus Darmstadt das Wort. In längeren Ausführungen legte er die Vorteile dar, die dem Dunde erwachsen, wenn er Mitglied deS Hessischen Sängerbundes ist, u. a. das Aufführungs- recht für Männerchöre. Zugleich wies er aus die Gefahren hin, die einem Verein drohen von feiten der Asma und Gema, wenn er nicht Mitglied des Hessischen Sängerbundes ist. Ein weiterer Vorteil, den der Hessische Sängerbund bietet, ist. dah ein Verein, der sein 50. Jubiläum feiert mit einem Staatspreis im Werte bis zu 3Ö0 Mk. bedacht wird. Der Jahresbeitrag beträgt pro Mitglied 50 Pf. und kann keineswegs als hoch bezeichnet werden. Aus all diesen Vergünstigungen trat die ,.V ogelsberger Sängervereinigungi! geschlossen dem „Hessischen Sängerbund" bei. Nachdem der Gesangverein „L i e d e r k r a n z" (® e - Dem) noch zwei gutgeschulte Chöre unter Lei- tung von Lehrer Riedel vorgetragen hatte, schloß Herr Ströhinger die in allen Teilen wohlgelungene Tagung. Starkenburg. ' D a r m st a d t. 25. Jan. In dem alten Rathaus in M i ch e l st a d t ist ein Odenwaldmuseum eingerichtet worden, das am Sonntag Oberbürgermeister Dr. G l ä s s i n g, Darmstadt, im Ramen des Hauptausschusses des Odenwoldllubs der Stadtverwaltung übergeben hat. Rheinhessen. 2VSH. Mainz, 25. Ian. Die heutiges t a d t- verordnetenvcrsammlung bewilligte ohne Debatte 2i ■ Mill. Mk. für den Ausbau des Städtischen Elektrizitätswerks und behandelte anschließend in über zweistündiger Debatte die Frage des Flugplatzes Erben heim. Don säst allen Rednern wurde bemängelt, dah die Anträge der Stadtverwaltung sich lediglich aus die für den Flugplatz zu bewilligenden Summen beziehen, jedoch keinerlei Zahlen für die laufenden Bei- träge zum Flugplatz genannt seien. Der zuständige Dezernent weigerte sich auch bis zum Schluß der Debatte, sich auf bestimmte Summen festzulegen, während Oberbürgermeister Dr. Külb in seinem Schluhwort als ungefähre Summe 80000 bis 90000 Mark jährlichen Zuschuh nannte. Sehr nahmen die Vertreter der Stadtverwaltung gegen die Stadt Frankfurt a. M. Stellung, deren Vestreben, die Vorherrschaft in Süd- Deutschland zu erlangen, offenkundig sei. Gin Vertagungsantrag wurde abgelehnt. In der Ab- stinimung wurden 3 2 Stimmen für das Projekt, also eine starke Mehrheit für dasselbe. abgegeben. Für den Flugplatz stimmten u. a. auch einige Sozialdemokraten, deren Debatteredner sich scharf gegen das Projekt gewandt hatte. Die Wirtschaftspartei enthielt sich Der Abstimmung mit der Begründung, dah sie sich nicht entscheiden könne, wenn keine endgültigen Zahlen genannt seien. Preußen. Kaninchen- und GeflügelauSstettung in Lützellinden. */- Lühellenden, 24. Ian. Der im vorigen Jahre gegründete Mitteldeutsche Kaninchen- und Geflügelzuchtverband, bestehend aus den Kaninchen- und Geflügelzucht- Vereinen Watzenborn-Steinberg, Grohen-Linden, Dorlar und Lützellinden, veranstaltete am Samstag und Sonntag im Saale der Gastwirtschaft Franz Hierselbst seine erste Derbandsaus- st e l l u n g, in der durchweg erstklassiges Material auS den verschiedensten Kleintierrassen gezeigt wurde. Als Preisrichter waren die Geflügel- und Kaninchenzüchter Stern, Pohlgöns, und Viehmann. Auerbach, zugezogen worden, die bei den ausgestellten 180 Hummern keine leichte Arbeit hatten. Die hiesige Gemeinde, die Kreis- vauernschaft Wetzlar und andere Freunde unterstützten die Veranstaltung durch Bereitstellung von Preisen. Aus der S i e g e r l i st c geben wir folgenden Auszug: Kaninchen: Weihe Riesen, Th. Burger (Watzenborn-Steinberg) Ehrenpreis und 2. Preis. — Kleinsilber-Kaninchen. H. Würz (Grohen- Linden) 1., 2. und 3. Preis , Hans George (Grohen-Linden) 2. und 3. Preis: Karl Fiedler (Dorlar) zwei 3. Preise: Karl Hagel (Gambach) 3. Pr.: K. Groh (Dorlar) zwei 3. Preise: L. Bender (Dorlar) 2. Preis. — Hasen, I. Lück (Dorlar) 1. Preis-, W. Iung (Dorlar) 3. Preis: K. Fiedler (Dorlar) 3. Preis: Erw. Hengst (Dorlar) 3. PreiS: Karl Ruhl (Watzenborn-Steinberg) 3. Preis. — Schwarz- und Braunloh, Philipp Zimmermann (Grohen-Linden) Ehrenpreis; H. Feiling (Dorlar) Ehrenpreis und zwei 3. Preise: •ß. Schmidt (Watzenborn-Steinberg) 2. und 3. Pr.: R. Ludwig (Lützellinden) 3. Preis. — Hermeline, H. Stein iGrohen-Linden) 1., 2. und 3. Preis, Fr. Förster (Dorlar) 2. Preis; Karl Heh (Grohen- Linden) 3. Preis. — Blaue Wiener, K. Schimmel (Watzenborn-Steinberg) 1. Pr.;is: K. Fiedler (Dorlar) 3. Preis; F. Hofmann -Dorlar) 3. Preis. — Thüringer, R. Echeinpflug (Dorlar) 3. Preis. — Klein-Chinchilla, R. Scheinpflug (Dorlar) Ehrenpreis; K. Fiedler (Dorlar) 3. Preis. — Den Siegerpreis für Kaninchen erhielt Karl Ruhl (Watzenborn-Steinberg) in Weihen Riesen. Hähne und Hühner: Brahma-Hell, Wilhelm Weber IV. (Grohen-Linden) Ehrenpreis. — Weihe Whandottes, Johannes Franz (Lützellinden) Ehrenpreis. - Minorko-Schwarz, Frau Spruck (Bauermühle) Ehren- und 1. Preis. — Rheinländer-Schwarz, H. Schaum (Hochelheim) Ehrenpreis; Hans George (Grohen-Linden) 1.Preis; Albert Hanlel (Grohen-Linden) l.Pr. — Italiener-Schwarz, Wilhelm Velten (Grohen- Linden) 1. Preis. — Jtalicner-Gelb, August Lenz (Klein-Linden) Ehrenpreis. — Weihe Zwerg- whandottes, Fritz Schäfer (Lützellinden) 1. Preis. — Bantham-Schwarz, Heinrich Schaum (Hochelheim) 1. Preis. — Schwarze Wyandotten, Frau Spruck (Bauermühle) 1. Preis. Den Siegerpreis für Geflügel erhielt Gg. Schrader (Leihgestern) für Rheinländer-Schwarz. Enten: Peking-Enten. Frau Spruck (Dauermühle) Ehrenpreis und vier dritte Preise. Tauben: Brünner Kröpfer, weih, Wilhelm Größer (Grohen-Linden) Ehrenpreis. ftrciö Wetzlar. # Wetzlar, 25. Jan. Äm Jahre 1928 finden hier folgende Märkte statt: 22.Februar: Kram- und Diehmarkt: 7. März: Diehmarkt; 21. März: Kram- und Diehmarkt; 25. April: Kram- und Viehmarkt; 9. Mai: Kram- und Diehmarkt; 20. Juni: Kram- und Diehmarkt; 4. Juli: Fohlenmarkt; 1. August: Kram- und Diehmarkt: 15. August: Kram- und Diehmarkt; 26. September: Kram- und Diehmarkt: 17. Oktober: Kram- und Diehmarkt; 14. November: Kram- und Viehmarkt; 28. November: Kram- und Diehmarkt; 12. Dezember: Kram- und Diehmarkt. ____ Erda, 25. Ian. Innerhalb der hiesigen Raiffeisen-Genossenschaft hat sich eine Sterbekasse gebildet. Durch diese Einrichtung wird das Leben jedes Mitgliedes mit 100 Mark versichert. Kreis Biedenkopf. Königsberg, 25. Ian. Mit der jetzt in Gr0h-A l tenstädten abgehaltenen Brennholzversteigerung wurde der Anfang der Holzversteigerungen in der hiesigen Gegend gemacht. Die Preise waren etwas höher als im Vorjahre. Es wurden bezahlt für 2 Meter in Buchen-Scheiter Mk. 24 bis 28, Buch en-Rollen Mk. 27 bis 30, Buchenknüppel Mk. 14 bis 17, Eichen-Knüppel Mk. 10—12, Wellen 40 Stück Mk. 12 bis 14. -j- Holzhausen bei Gladenbach, 25. Ian. Die hier seit Jahrzehnten in hoher Blüte stehende Strickerei ist von der Hausindustrie zur Fabrikindustrie übergegangen. Vor 3 Jahren schlossen sich 40 hiesige Strumpfhändler genossenschaftlich zusammen zwecks billigeren Einkaufs von Wolle und Fertigfabrikaten. Im zweiten Geschäftsjahre der Genossenschaft ging man zur Selbstherstellung von Wollwaren über, die man im dritten Jahr dann in eigenen Räumen tätigte. Zu einer ganzen Reihe von Strickmaschinen kamen noch Spul- und Häh- maschinen mit Motorantrieb, so daß das Ganze zu einem richtig gehenden Fabrikbetrieb geworden ist, insbesondere da nun 50 Mitglieder mit Wollwaren versorgt werden müssen. Da zwischenzeitlich noch zwei private Strickereien mit Maschinenbetrieb aufgemacht wurden, finden etwa 50 bis 60 Mädchen, sowie mehrere Schneider in diesen drei Betrieben lohnende Beschäftigung. Hur einige Frauen halten die Hausstrickerei noch aufrecht. Zu Land- und Hausarbeiten sind unter den obwaltenden ilmftänöen natürlich Mädchen kaum noch zu haben. — Kürzlich hat sich hier, wie an allen größeren Orten unseres Kreises, eine freiwillige Feuerwehr gebildet. Kommandant ist Bürgermeister Dam m. Dillkreis. WSR. Dillenburg, 25. Ian. Das Dillenburger Walz- und Puddelwerk Herwig-Söhne hatte seinem Personal zum 28. Januar gekündigt, da die Verordnung vom 16. Juni 1927 betreffend die Einführung der dreigeteilten Arbeilsfchicht für das Werk nicht tragbar gewesen wäre. Rach einem ministeriellen Bescheid wurde die Verordnung bis 31. Mai ausgeschoben. Die Firma hat demzufolge die Kündigungen zurückgezogen und wird den Betrieb weiterführen. Maingau. WSH. Frankfurt a. M., 25. Ian. Im Alter von 73 Jahren ist der Generalkonsul a. D. F. G. Müller-Beeck gestorben. Bis 1907 war er Konsul in Japan, wo er 26 Jahre zugebracht hat. Rach seiner Hie- derlassung in Frankfurt war er lange Zeit Vorsitzender der hiesigen Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft und Leiter der Auskunftsstelle des Reichswanderungsamts. — Der Aufsichtsrat der Städtischen Bühnen 21.-®. hat gegen den bisherigen Verwaltungsdirektor Der Städtischen Bühnen 21.-®., Müller- Wieland, wegen der bekannten Verfehlungen Anzeige bei der Staatsanwalt erstattet. — Eine Frau in der Landsbergerstrahe hatte von der ihr ärztlich verordneten M c - Dilin 8 u viel genommen. Es stellten sich schwere Ve r g i f t u n g s e r s ch e i n u n g e n ein, die ihre Aufnahme im Städtischen Krankenhaus erforderlich machten. LPD. Frankfurt a>. M., 25. 3an. Heute früh gegen 6 Uhr wurde der in Isenburg wohnhafte 43jährige Wagenreiniger der Mitropa Ludwig Rusch beim Ueberschreiten der Geleise im hiesigen Hauptbahnhof von einem Zuge überfahren und ihm beide Beine abgefahren. WSR. H ö ch st a. M.. 25. Jan. Die Arbeiten für die Baggerungen bei der zur Mmfanali- fierung des Mains erforderlichen Tieferlegung des Flußbettes waren öffentlich ausgeschrieben worden und haben seltsame Submissionsblüten gezeitigt. So verlangt eine Firma pro ausgebaggerte Tonne 3 8 Pfennig. Diesem Gebot steht als Höchstgebot die Forderung von 3,46 Mark gegenüber. Bei einer Baggermenge von 200 000 Sonnen stehen sich als Forderungen demnach gegenüber 76 000 Mark und 6 9 2 0 0 0 Mark. Wer ist da nun der Rechenkünstler? Lpd. Ruppertshain, 25.Jan. Unbekannte Diebe haben in der L u n g e n h e i l a n st a l t Ruppertshain bei Königstein zur Nacht zeit eingebrochen und einen etwa sechs Zentner schweren Kassenschrankgestohlen. Sie schleppten den Schrank etwa 800 Meter weit in den Königsteiner Wald und brachen ihn auf. Den Dieben sielen rund taufend Mark in die Hände. Da in der letzten Zeit ähnliche Diebstähle in Langen, Groß-Gerau usw. vorgenommen wurden, nimmt man an, daß man es mit derselben Diebcs- gesellschast zu tun hat. Grober Dertrauensbruch eines Gelehrten in Frankfurt. WSH. Frankfurt a. M, 25. Jan. Gelehrte genießen bei der hiesigen Stadtbibliothek insofern weites Entgegenkommen, als fie zu Studienzwecken in der Bibliothek selbst sich aus Den Bestanden aussuchen können. Der Privatgelehrte Dr. Arnulf Kogler, der hier in der Arndtstraße 5 eine Villa bewohnt, genoß diese Vergünstigungen ebenfalls, die er, wie sich jetzt herauSgestellt hat, seit längerer Zeit mißbrauchte. Kogler hat wertvolle Werke aus dem 14. und 16. Jahrhundert — teils mit und teils ohne Quittung — entnommen. Es handelt sich vornehmlich um wertvolle Drucke, sog. Inkunabeln (Wiegendrucke). Eine große Zahl bei der Stadtbibliothek fehlender Bücher konnte bei ihm beschlagnahmt werden, deren rechtmäßigen Erwerb er bis jetzt nicht nachweisen tonnte, von denen aber die Stadt das Eigentumsrecht für sich in Anspruch nimmt. Durch die in der letzten Zeit bei der Stadtbibliothek angestellten Revisionen, sowie durch den älmstand, daß Kpg- l e r einer auswärtigen und einer hiesigen Anti- quitätenfirma äußerst seltene Drucke zum Kauf anbot, und durch eine Anzeige ist man auf das Fehlen aufmerksam geworden. Soweit jetzt sestgestellt wurde, hat Kogler die Entnahme Der Bücher allein ausgeführt. StäDtische Beamte sinD daran nicht beteiligt. Heben den rein kriminellen Ermittlungen wird die fachmännische Aufklärung Durch Die Stadtbibliothek I erfolgen. O O ner HI||||||||||||||l||ll|ll!lllllll|l||!M^^......Illllllllllllllllllllllllll.....IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIllllO Verlobte Gießen, im Januar 1928 9I6D Neuanmeldungen bei Challier. 929 D Volkshochschule.) Samstag, 28. Januar, 20 Ohr, Großer Hörsaal Heinz Simon, Gießen. 93OD Lichtspielhaus TonyHartung Weidengaffe III * ßofö Krämer Geigerin 0625 943c *i 1 Jhißer^eroöftnlicfi billigt OKS MV Or. phil. Hildegard Schlesinger Professor Or. Iultus Lewy Gießen, im Januar 1928 WaMorstraß« 46 vte Verlobung unserer rochier Hildegard mit dem außerordeni. Nchen Proseflor an der LlnlversitLt Gießen, Herrn Dr. ZulillS Lewy zeigen wir ergebenst an Professor Or. Ludwig Schlesinger und Frau Clara geb. Juchs Eintritt frei! - Jedermann ist herzlich eingeladen. - Programm ist an den Kircheneingängen zu haben. Für den Kirchenvorstand der Markusgemeinde: Decker, Pfarrer UlgemeiDerlBreiD für innen-und Krankenpflege Zur Hauptversammlung werden die Mitglieder auf Freitag, den 27. Januar 1928, nachmittags 5 Uhr, in das Evangelische Schwesternhaus eingeladen. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht 2. Rechnungsablage 3. Vorstandswahl Der Vorsitzende: Ausfeld Technikum Jlmenau l Thür. Ingenieurschule IQr Maschinenbau und Elektrotechnik. Wissenschaftliche Betriebsführung. Werkmeisterabteilung vruckfachen aller Att tie vrühl'sche Universitäts-Druckerei. H. tonge. Gießen. Zchulftr. 7. Maske« -Kostüme und Dominos zu verleihen 0623 «LuheNen Verleid - Anstalt in schwarzen Anzügen Loh. Maud Der Adam ISbeim'sche Gesangverein e. V. von Grüningen hat zu seinem am 14., 15. und 16. Juli dS IS. statt- sindenden Vundesfeste deö Hausberg- Weuertal-SängerbundeS die 921D Zur- und Genußmittelstände zu vergeben. Jnterensseten wollen sich beim Dor- sttzcnden melden. der Universität: Ibsens »Peer Gynt« Vortrag von Professor Dr. Collin, zur bevorsteh Aufführung im Stadttheater. Eintrittskarten (bei Challier): Reservierter Platz Vorverkauf 80 Pf., Abendkasse 1 Mk. Offener Sitzpl.Vorverk.50 Pf., Abendkasse 70Pf. Mitglieder(nurOeschaftsst.u.Abendkasse) Reser v.Platz50Pf.,offenerSitzpl atz 30PLStndenten bei Herrn Ritter)50Pf.914D Erstklassige Bedienung! BntllomWöen Kopfwäschen Ondulieren Masken - Frisuren empfiehlt Jakob Schäfer Parfümerie-, Damen- u. Herr.- ftrlfeurgefctiäft. Glesien EckeViebtgstrahe, Ludwigstr.57 Blosien BerfidPBjüoerieliien Berkaus von vattLmme u lollettearlllel zu vorgeschrtebenen Ortginal- Fabrlkoretsen. 927D Schülerin von Pros. W. Devlsson am San» deSkonseroaorium zu Leipzig. Preußische Staatsprüfung, erteilt Unterricht im Violinspiel Anmeldungen erbeten nach Altcenstr. 11 v. Vergebung. Für daS vom 27.-29. Mai in Möbeln rod (Str. Gtehen) staltfindende Jubiläums- Sängerfest find die Plätze für goröfieö,5W6i)öe,3oiretftönöe usw. zu vergeben Angebote bis spätestens 15. Februar an den Vorstend des Gefang- vereinö Eintracht, Göbelnrod. 939D Markusgemeinde Sonntag, den 29. Januar, abends 8 Uhr in der Stadtkirche MUmMWiIik 3ti?rWe Mitwirkende: Fräulein Hedwig Gunderloch, Darmstadt, Fräulein Christlene Partenheimer, Gtehen, Herr Musik- lehrer Franz Bauer jun., Giehen und Herr Sladtorganist Ski-Klub Gießen. Orlsgr. d.Ski-KlubS Sauerland tm D.SL?. Am Sonntag, dem 89. Januar 1928 itaowoMoMoiil Sanfllauf, AbiahrtSlaus für Herr., Damen und Jugend. Sprunglauf. — Am Samstag abeno Fackellauf der Jugend am Hang. Teilnehmer müssen bereits am SamStag abend, 28. Januar, auf dem Hoherods- köpf sein. Dort Meldung u. Bekanntgabe aller Näheren. Auch Zuschauer willk. Beginn 8 Uhr norm. Mittagessen 1'-, Uhr. DarausBekanntgabe derNam. d. Sieger. Bestellung von Betten nimmt der Unterzeichnete entgegen. Evtl. Matratzenlager. Verbands-Rennen in Wtnterberg «Wests.! auf den 4. und 5. Februar vers t-oben. 0641 Für den Vorstand: Dr. Wodaege, 1. BorE Senckenbergst. 231. Nur noch heute and morgen: Die Jugend der Königin Luise Ab Montag, den 30. Januar: 2. u.Schlnßteil Königin Luise Mittwoch, den 1. Februar 1928, ebenda 8 Uhr, In der Neuen Aula der Universität Wilhelm von Scholz Präsident der Deutschen Dichterakademie liest aus eigenen Werken. Der Dichterabend von Wilhelm von Scholz dürfte für Gießen ein literarisches Ereignis von hervorragender Bedeutung sein. Mitglieder Eintritt frei (weiße Karten). Nichtmitglieder Karten zu Mk. 2.50 und Mk. 2.00 in der Musikalienhandlung Challier und an der Abendkasse. Studentenkarten gegen Ausweis bei Herrn Sekretär Ritter tu Mk. 1.00. — Mitgliederbeitrag: Vierteljährlich Mk. 5.00; Barsoi-Rüde tRussischer Windhunds 2»/, Jahre alt, eingetragener Stammbaum, salonmählg er- zogen, auf Ausstellungen prämiiert, sehr preiswert abzugeb. Schriftliche Angeboie unter 921 D an den Giehener Anzeiger. 673a aller Art in Sorten und bewährten Mischungen sowie Vogelkäfige und sonstige Utensilien; Vogelsand „Extur” usw. kaufen Sie vorteilhaft im Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße / Ecke Wolkengasse • Telephon 1403 Sonntag: vormittag 11 Uhr: II. Kulturf ilm-Zy k1 us mit Vortrag des Herrn Dr.phil. Hermann OttoVaubel vom Geogr. Institut in Gießen Zur Vorführung gelangt: i Urweit im Urwald (an den Ufern des Amazonas) Das Hospiz und die Hunde des großen St. Bernhard Eintritt auf allen Plätzen 50 Pf. echt ägyptisch Mako, Doppelsohle, schwarz und moderne Farben......Mk. 1.75,1.35 „Florseta" besonders kräftig, Seiden- flor, äußerst haltbar, Riesenauswahl in allen Modefarben..................Mk. 2.50 feinste künstliche Seide, mit Flor plattiert, praktischer Uebergangsstrumpf, besonders elegant und haltbar.....Mk. 3.90 reine Wolle, mit nahtloser Doppelsohle, schwarz und farbig..........Mk. 3.50 echt ägyptisch Mako, Doppelsohle, der Strapazierstrumpf, schwarz u. farbig, Mk. 2.25 beste Bemberg-Seide, Doppelsohle mit kleinen Fehlern, neueste Modefarben, Mk. 2.25 „Tramella", beste Bemberg-Seide, bewährte Qual., nur neueste Modefarb., Mk. 3.90 Damen - Sportstrümpfe, reine Wolle, meliert, kräftige Qualität.........Mk. 3.90 felnsterSeidenflor, Doppelsohle, Hochferse, reichste Farbenauswahl.......Mk. 2.25,1.95 beste Bemberg-Adlerseide, Doppelsohle, neueste Modefarben.........Mk. 2.95 außen feinste künstliche Seide, innen reine Wolle, elegant, warm u.haltb., Mk. 5.90,4.90 2.95 Unterziehstrümpfe, reine Wolle, extra lang, mit Doppelsohle..............Mk. 1.65 äs Hermanns z froifehtim sa Ar. 22 Drittes Blatt Donnerstag, 26 Januar 1928 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen) Rausch der Zahlen. Hinter den Kulissen des größten deutschen Postscheckamts. Von Dr. Paul Bloch. DaS ist das Haus der bargeldlosen Zahlungen: täglich fliehen hier Tausende und Abertausende von Schecks und Anweisungen, Millionen über Millionen an Mert zusammen, aus Berlin, dem Reich, aus den fremden Staaten, von Privaten und Behörden, für Private und Acmter, große Firmen und kleine Vereine. Mehr als 2000 Beamte und Angestellte sind tätig, die gewaltige Flut der Aufträge zu erledigen, die beglichenen Schulden zu streichen, die eingezahlten Beträge gutzuschreiben, die Quittungen und Belastungen auszufertigen für alle Gegenden des Reichs. Es ist eine stille, in der Oesfentlichkeit zumeist unbekannte Arbeit, die hier im P o st s ch e ck - a in t geleistet wird, verantwortungsvolles, ermüdendes Rechnen. Die Zahl herrscht. Wohin man schaut, an den Plätzen der Beamtinnen Ziffern und wieder Ziffern, auf den Tischen in den langgestreckten Räumen liegen die Bogen mit Zahlen und wieder Zahlen, die Karten und Schecks, die Lieberweisungen und Umschläge. Rummern, Rummern, kurze, einstellige, dreistellige. sechsstellige in buntem Durcheinander, in verwirrender Vielfalt. Sechs Geschosse hindurch ein Triumph der Zahl. Aber man wird ihrer Herr. Mit Menschen- Lräften und mit Maschinen. Roch überwiegen die lebendigen Arbeiter, noch ist die Maschine nur Hilfe, nur Unterstützung, nicht alleinige Vollbringerin der Arbeit. Aber auch das Postscheckamt beginnt, mehr und mehr die automatischen Arbeitskräfte heranzuziehen. Schon ist natürlich die mühselige Beschriftung der Briefumschläge mit der Schreibmaschine oder gar der Hand von den zahlreichen Typen der Adressiermaschinen abgelöst. Schon wird täglich ein ganzer Sah der gestanzten Adressenplatten verarbeitet, sodaß für jeden expedierten Brief- umschlag sofort Ersatz geschaffen ist. Schon werden die Briese mit Schneidemaschinen geöffnet, je 40—50 auf einmal, sauber, exakt, schnell, werden sie bei der Expedition maschinell geschlossen, gummiert und gestempelt, schon wird das Geld automatisch gezählt, die Kurse umgerechnet, die erledigten Zahlkarten und Schecks durch Loch- stanzmaschincn entwertet. Schon vor allen Dingen hat die Rechenmaschine die schwierige, mühevolle. oft fehlerhafte Addition der Beamtin in weitem Maße ersetzt. 550 Rechenmaschinen verschiedenster Systeme stehen zur Verfügung. 3n den fünf je 57 Meter langen Buchhaltereisälen, deren jeder wieder in V em Winkel in zwei Trakten verläuft. bildei sie jeweils die Krönung einer langen Pultreihe. Von einem Punkte aus kann der beaufsichtigende Oberbeamte den ganzen Raum überblicken, sieht Lisch um Tisch. Kopf um Kops, blonde und dunkle, alte und junge, Bubiköpfe und Knoten, sieht hier auf dem Gesicht das angestrengte Rechnen, dort ein flüchtiges Lächeln —250 Beamtinnen sitzen in jeder Buchhalterei acht Stunden am Tag und rechnen, buchen, registrieren. 135 000 Kunden wollen bedient sein. Schnell, genau. Da laufen die Zahlkarten ein von den Tausenden Postanstalten im Reich, fein gebündelt, die Lieberweisungen der Kunden, Schecks werden gesandt, werden unten an der Kasse zur Barauszahlung vorgelegt. Rachnahmc- karten, Sammclschecks und Postaufträge gehen ein, Karten, Briefe. Zettel, in allen Farben, grün und gelb, weih und braun, schmuhiggrau und blau, dickes und dünnes Papier. Alle besät mit Ziffern. 3n der Eingangsstelle werden sie sortiert, geordnet nach Rummern. Sn großen Körben bringen Beamte und Angestellte die Zettelstapel. die Kartentürme, auf breiten Tischen beginnt die Sichtung. Eilige Hände fassen in die Flut des Papiers, wie ein Wunder ist es. Die Zehntauscnder scheiden zuerst aus, dann die Lausender, die Hunderter, die Zehner, die Einer. Lieber den Tischen hängen weihe Taseln mit deutlich sichtbaren Rummern. Das sind die Konten derer, die Tag für Tag nachweislich — das gibt cs — über 150 Zählkarten erhalten. Alle für diese Rummern eingehenden Karten scheiden als erste aus. Aber auch für die „k l e i n e n K u n d e n" kommen genug Briefe: Da ist für den einen fast täglich ein Stapel von 100 Zetteln, für den zweiten findet sich nur ab und zu eine Anweisung an. Aber mit größter Geschwindigkeit fliegt Schein zu Schein, Karte zu Karte. Bald türmen sich von neuem die Berge, die geordneten Haufen, und harren des Abtransportes in die Buchhaltereien. Hier geht die Bearbeitung weiter. Die F e i n- ll r b e i t beginnt, die Vergleichung der Kon- tennummern auf Liebereinstimmung mit dem Konteninhaber (wie viele Fehler macht hier — das Publikum), die Austeilung an die einzelnen Arbeitsplätze, an die Beamtinnen, deren je zwei ein Revier bearbeiten. Sie sitzen sich gegenüber: Buchführer und Gegenbuchsührer. vor ihnen stapelweise die Konten, lose Blätter, nach Rummern geordnet. Die eine bucht die Gut- und Lastschriften, die Einzahlungen, Schecks und Lieberweisungen, während die andere Beamtin die Kontoauszüge anfertigt, die an die Postscheckkunden gesandt werden und ihnen ständig Auskunft über die Veränderungen auf ihrem Konto geben. Rummern werden einander zugerufen, zugesprochen. zugeflüstert. Ziffern, Zahlen, Summen, dann ist ein Augenblick Pause. — Von neuem beginnt das ernste Spiel: Rümmer und Ziffer und Zahl und Summe. Schnell muß es gehen und genau muß es sein, was hier getan wird. 430000 Buchungen sind im Durchschnitt am Tage zu l e i st e n. und die gewaltige Zahl verteilt sich auf verhältnismäßig nur wenige Stunden. Gut- und Lastschriften sollen und müssen am gleichen Lag des Auftragseingangs erledigt werden, am selben Lag noch muh die Benachrichtigung an den Kunden erfolgen, damit dieser spätestens im Laufe des nächsten Tages über den Stand seines Kontos genau unterrichtet ist und von neuem verfügen kann. Auch bei den Buchungen findet die Maschine Eingang. Man ist dem Beispiel der großen Banken gefolgt und hat Buchungsmaschinen eingestellt. die eben doch schneller noch und billiger arbeiten. Indessen sind die Versuche noch nicht beendet. Roch schreiben Hunderte und Aberhunderte von Frauenhänden Zahl unter Zahl, errechnen die Beamtinnen die Salden und Konten, denn nur die großen Aufträge werden im allgemeinen mit den Rechenmaschinen erledigt. Die Sammelausträge — sie gehen zumeist von Behörden und großen Firmen ein — erfordern eine besondere Bearbeitung und genaue Lieberprüfung. Den Beamtinnen ist je nach dem Verkehr e i n Revier b i s zu 100 Konten zugeteilt, hat sie Glück, so sind nicht allzuviele Buchungen Tag für Tag zu erledigen, hat sie Pech, so kann sie sich kaum retten vor immer neuen Aufträgen und Karten. Aber es wird gewechselt. Jeder soll einmal Glück haben und einmal Pech. Indessen haben von Anfang an manche Reviere mit nachweislich sehr geringem Verkehr einen größeren Lirnsang. 400, 600, 800, 1000 Konten, haben andere wieder nur 25 oder 50, eines gar nur sechs. Diese sechs Kunden aber, es sind Behörden, die gleich bei Errichtung des Postscheckamtes sich ein Konto sicherten, alte, ehrwürdige Kunden — haben einen derartig umfangreichen Scheck- und Lieberweisungsverkehr, dah ihre Buchungen oft die 100-lontigen Reviere bei weitem übertreffen. 10 8 Millionen Buchungen mit 26,5 Milliarden Mark Lirnsah für 131 000 Kunden war die Arbeitsleistung des vergangenen Jahres. Die Arbeit muh früh beginnen. Lim 6 Llhr bereits fängt in den einzelnen Räumen der Dienst an, Vorbereitungen, Grob-Aussortierung, erste flüchtige Ordnung, denn um 8 Lihr muß bereits mit den Buchungen begonnen werden. Lim 10 Lihr folgt die zweite Post, der zweite Ansturm vor allem mit den auswärtigen, den zahlreichen, süddeutschen Briefen, Schecks und Lieberweisungen. Am Spätnachmittag muß alles aufgearbeitet sein, in den letzten Stunden von 3 bis 5 Llhr verlassen sämtliche Briefe das Amt. 50 000 bis 55 000 sind es im täglichen Durchschnitt. Wer leistet noch so schnelle Arbeit? So genaue? Gewiß, auch Irrtümer kommen vor, aber die Zahl der Fehler ist gering. Besondere Rechnungsstellen prüsen die gesamten Buchungen, vergleichen noch einmal Auftrag mit Erlegung, gehen Irrtümern und Fehlerquellen nach. Alle Belege werden aufbewahrt. In umfangreichen Ablegeräumen finden sich die Karten, Lieberweisungen und Schecks abgelegt, gegen 200 Millionen — die Zahlkarten werden ein Jahr, die Lieberweisungen und Schecks zwei Jahre aufbewahrt — nach Postanstalten und Eingangstagen geordnet, mit einem einfachen Griff jederzeit zugänglich. Auch dies ein Wunder der Organisation. Ein Gang durch jene Räume ermöglicht die Frequenz des Amtes abzulesen. Man sieht die kleinen Stapel der stillen Monate, die Durchschnittshöhen und die Wolkenkratzer der starken Tage: Silvester. Heiligabend. Vor den Festen überhaupt sind Lage, an denen die Arbeit kaum zu überwältigen ist. Richt minder am Ultimo, besonders bann, wenn er auf einen Freitag oder Samstag (Lohn- unb Gehaltstag) fällt. Da brängen sich unten in der Halle, wo die Schecks zur Barauszahlung präsentiert werden, die Menschen, da reichen die 15 Zahlstellen nicht aus, fünf Reservestände müssen geöffnet werden, um die 70 000 bis 80 000 Besucher zwischen 8 und 1 Lihr reibungslos abzufertigen. In 12 Sekunden fliegt der Scheck bis zum 6. Geschoß: die vier Kilometer lange Hausrohrpost führt zu allen Abteilungen des Hauses, drunten wartet der Kunde, die Sichtung. Vergleichung und Buchung muh sofort vorgenommen werden, alle andere Arbeit bleibt liegen, wenn so ein Barscheck zu erledigen ist. In 10 bis 12 Minuten ist er wieder im Kassenraum. und das Geld kann an den Einreicher ausgezahlt werden. Es ist verständlich, daß bei solchen Leistungen eigene Werkstätten unerläßlich sind. Reben Reparaturräumen für Maschinen befindet sich eine vollständige Setzerei und Druckerei, die täglich 3000 Limschläge, 60000 Zahlkarten und 1 00000 Schecks und Lieberweisungen mit der Äontennummer und der Kundenanschrift bedruckt. Der Verbrauch ist ungeheuer, die Bestellungen der Kanzlei finden nie ein Ende. Die Wirtschaft arbeitet gewaltig. Schöffengericht Gießen. " Gießen. 25. Jan. Im Rovember 1926 stieß ein damals hier wohnhafter Student auf der Straße der Johanna Z. von Gießen wider das Bein, so daß eine geringfügige Verletzung entstand. Diesen Umstand benutzten die Z. und ihr Bräutigam Karl W.; durch Drohungen mit Anzeige bei Rektor und Polizei versuchten sie schriftlich und mündlich den Studenten zur Hergabe von 100 Mk. Schmerzensgeld zu veranlassen. Wegen versuchter Erpressung erhielten sie Gefängnisstrafen von 1 und 2Mona t e n. Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit wurde gegen einen ehemaligen Unterfeldwebel wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt verhandelt. Er wurde zu 4 Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Ein Einwohner von Heldenbergen hatte im Jahre 1924 eine Beschwerde gegen den dortigen Bürgermeister bei dem Ministerium eingereicht und mit einem falschen Ramen unterschrieben. Wegen Urkundenfälschung erhielt er eine Geldstrafe von 50 M k. an Stelle 1 Woche Gefängnis. Ein wegen Diebstahls vielfach vorbestrafter Kaufmann aus Erlangen hatte im Oktober 1924 von dem Wohnzimmertisch eines Lauterbacher Hauses eine Geldbörse mit etwa 100 Mk. entwendet. als er dort eine Uhr instand setzte. Mit Rücksicht daraus, dah er seit 1923 nicht mehr Straffällig geworden ist. kam er mit 3 Monaten 1 Woche Gefängnis durch. Wirtschaft. Vom Geld- und Kapitalmarkt. Seit Beginn des Jahres 1928 geht die Diskussion über eine Diskontänderung der R e i ch s b a n k hin und her. 5>ie in der letzten Woche ausgetretene Unsicherheit über die Geld- fituation. die auch auf Monatsgeld und bankgirierte Warenwechsel Übergriff, hat sehr schnell wieder der früheren Flüssigkeit Platz machen müssen. Allerdings dauerte der Ausgleich am Privatdiskontmartt etwas länger. Der Medioausweis der Reichsbank und die in der Vorwoche abermals eingetretene Herabsetzung des Diskontsatzes der Bank von Frankreich, hat die Debatte Über die Möglichkeiten einer Diskont- ermähigung wieder erneut aufleben lassen, und man hat an der Börse sowohl, als auch in Fachkreisen davon gesprochen, daß tatsächlich die Lage des Geldmarktes in eine Aera der Zins- s e n t u n g hineingeraten ist. Zu dieser Auffassung berechtigen einmal die verschiedentlichen Zinsherabsetzungen, wie sie von den deutschen Banken vorgenommen worden sind, u. a. auch die Herabsetzung des Reportgeldsahes als auch die Zinstendenz im Ausland. Die aus Reuyork vorliegenden Rachrichten lassen die Gefahr einer Diskonterhöhung als endgültig gebannt erscheinen. Man rechnet für diesen Donnerstag mit einer Diskontermähigung der Bank von England, die zur Zeit die Kontrolle über den Markt vollkommen verloren hat. Die Entscheidung der Bank von England hängt, abgesehen von der Verfassung des Geldmarktes, vor allem von währungspolitischen Voraussetzungen ab, die eine Ermäßigung der Bankrate von der Bewegung des Geldflusses abhängig machen. Wenn die Reichsbank bisher mit einer Diskontsenkung gezögert hat, die vorzunehmen sie in Anbetracht der Marktsätze in der Lage gewesen wäre, so liegt dies daran, daß sie erst die Entscheidung der Bank Den England abwarten will, und daß sie sich anscheinend noch nicht über die Entwicklung der inländischen Konjunktur klar ist. Die letzte Frage ist zur Zeit sehr schwierig zu beantworten, da man nicht weiß, wo die Grenze zwischen Konjunktur und Saison liegt. Zweifellos deutet die Geldfülle der letzten Wochen auf einen Rückgang des Beschäftigungsgrades der Wirtschaft hin, der jedoch, wie besonders die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt zeigt, saisonbedingt ist. Wenn die Reichsbank die Aufgabe haben soll, die Konjunktur zu beurteilen, um auf Grund dieses Urteil« ihre geldpolitischen Maßnahmen zu treffen, so zeigt sich gerade heute die Schwierigkeit, die in dem Problem der Konjunkturbeurteilung liegt und die es der Reichsbank schwer macht, ihre diskontpolitische Entscheidung zu treffen. Die Lage ist heute so beschaffen, daß die Reichsbank mit ihrer Diskontänderung, die kommen muß, und mit dem Ausmaß derselben entscheidet, ob die Konjunktur sich in einer rückläufigen Bewegung befindet. Mit anderen Worten: es wird sich wieder der organische Zusammenhang zwischen Konjunktur und Geld- bzw. Kapitalmarkt zeigen, und aus dieser Auffassung heraus muh die Reichsbank vorsichtig und gründlich alle Faktoren abwägen, ehe sie ihre Entscheidung trifft. Oer Reichöbankausweiö vom 23. Januar. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 2 3. Januar hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in 'Wechseln und Schecks. Lombards und Effekten um 262,5 Mill, auf Cs zogen drei Burschen wohl über den schein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 27. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Raymond schritt auf dem Teppich auf und ab. „Es wäre eine wenig vornehme Gesinnung. Aber du magst nicht Unrecht haben, Dietwart, bei grauen, besonders bei jungen Mädchen spielt bas alles ja eine große Rolle! Und Gefühle lassen sich nicht kommandieren. Vielleicht ist es auch eine Stimmung, die vorübergeht. Laß ihr Zeit!" „Das ist auch meine Meinung. Derartige Lebensund Schicksalsfragen dürfen nicht über das Knie ge brachen werden. Aber ich habe nicht viel Hoffnung, sage ich dir, wenn ich offen sein soll. Die ganze Zeit und die Veränderung aller Verhältnisse um uns, in die wir hinein gedrängt werden, ob wir wollen oder nicht — wird das Zugehörigkeitsgefühl von Melusine zu mir nicht erhöhen. Wir Deutschen sind hier im Elsaß jetzt ja tief im Kurs gesunken!" Raymond wehrte mit einer impulsiven Bewegung ab. „O, es ist ja so gemein, so gemein, wie man sich hier jetzt gegen die Deutschen benimmt! Jetzt fühle ich, wie sehr ich mit dem Deutschtum verwachsen bin, gerade, weil ich dieses Benehmen in ganz Straßburg als schamlos empfinde! Und Melusine'!' Macht sie es nicht fast ebenso wie das Elsaß? In den guten Zeiten, als daß Deutschtum hier auf festen Füßen stand, hätte es ihr nichts ausgemacht, in eine hohe deutsche Beamtenfamilic hineinzuheiraten. Solange du ein eleganter, blüljenber, frischer Gesellschafter und Tänzer warst, gefielst du ihr als Bräutigam. Jetzt, wo du eine körperliche Einbuße erlitten hast, wo du in Mitleidenschaft gezogen bist durch ein nationales Unglück, wo man dir die Spuren deiner schweren Verwundung noch anjiefjt, jetzt erkalten ihre Gefühle zu dir." Der Freund hörte regungslos zu. Er fand keine Worte, um die bittere Anklage Raymonds zu entkräften. Aber jedes Wort grub sich ihm ins Herz. ^Warte ab, Raymond! Urteile noch nicht endgültig." Er streckte ihm die Hand hin: „Was auch kommen möge — unsere Gefühle zueinander wird es nicht beeinträchtigen können, Raymond. Das Wort gebe ich dir!" Da die Anwesenheit von Alceste, der den Wagen gleichfalls bestiegen hatte, der Baronin Reserve auferlegte und sie die Tochter in seiner Gegenwart nicht nach der frostigen und förmlichen Verabschie- dung uom Verlobten fragen wollte, wurde dennoch das Verhältnis von Melusine zu Dietwart von Schätzer der Mittelpunkt der Unterhaltung. Obgleich das Auto in glatter, sicherer Fahrt schnell durch die Straßen und aus der Stadt hinan sfuhr, war es doch ein gutes Stück Weges und Alceste wollte die Gelegenheit benutzen, der Tante und Kusine einmal unter sechs Augen seine Ansicht zu sagen, nm sie umzustimmen. „Es ist mir vollständig unverständlich, Tante Helene, wie du auch jetzt noch die Beziehungen von Melusine zu diesem Deutschen sanktionieren kannst", platzte er in seiner leidenschaftlichen Art heraus. Die Baronin sah ihn ruhig an: „Ich habe seinerzeit meine Einwilligung zu der Verlobung gegeben. Es liegt jetzt nicht der geringste Grund gegen Dietwart vor, mein Wort rückgängig zu machen." Jetzt wandte er sich direkt an seine Kusine: „Ich muß sagen, Melusine, ich hätte dir mehr — wie soll ich sagen? — mehr nationales Gefühl zuge- traut! Gott, damals, mit 18 Jahren, warst du ein blutjunges Ding, das sich in einen so eleganten Tänzer verlieben konnte. Und standesgemäß war solch hohe Beamtenfamilie schließlich an und für sich auch. — Aber jetzt, wo wir im Lande mit allem Deutschen fertig sind, — mit allem Deutschen, wo es nur eine Frage der Zeit ist, daß die Deutschen wieder samt und sonders aus dem Lande hinaus und über den Rhein müssen?" Sein Spott verwundete sie gerade in ihrer frisch aufgewühlten Stimmung doppelt scharf. Er riß plötzlich und mit schonungsloser Hand den Schleier von einem Bilde weg, das sie sich bisher kaum selbst zu enthüllen gewagt hatte. Deswegen entgegnete Melusine jetzt mit einer Heftigkeit, die er noch nicht an ihr wahrgenommen und die abstach gegen die eiystige reizende, amüsante, tändelnde Kratz- bürstigkeit, mit der sie früher seine Anzapfungen pariert hatte: „Calmier dich, mon eher! Ich werde das tun, — was — was meinen Gefühlen entspricht!" Als man draußen im Schlosse angelangt war, gab es genug andere Dinge zu besprechen, und das war Melusine lieb. Ihre Verlobung mit Dietwart wurde seinerzeit der alten Dame mitgeteilt. Sie hatte in ihrer vornehmen, selbstbeherrschenden Art jeden Einspruch unterdrückt. Hatte es aber auch nicht über sich gewinnen können, ihrer Enkelin Glück zu dieser Wahl zu wünschen. Die Tatsache war eben von ihr, wie man sich unter Diplomaten auszudrücken pflegte, „zur Kenntnis genommen". Und während der ganzen Dauer des Krieges war nie der Name Diet- warts mit einer Frage oder Erwähnung über ihre Lippen gekommen. Jetzt aber schien es, als ob neues Leben, neue Kraft in den Greisenkörper stieg, seit ihr Enkel Alceste so hoffnungssrohe Nachrichten brachte. Sonst war ihre Tochter Helene bei ihren allwöchentlichen Besuchen die Hauptperson gewesen und man hatte allerlei Dinge zwischen Mutter und Tochter zu besprechen gehabt. Nun beherrschte Alceste fast vollkommen die Unterhaltung. Man saß wieder in der gemütlichen Ecke des einen Salons, dort, wo der alte Marmorkamin brennende Holzscheite knisternd umschlang, und ließ sich eine Tasse warmen Tee nach der Autofahrt im frostigen Nooemberwetter munden. Der Park draußen lag in der reizlosen Oede des Vorwinters. Der alte Jacques hatte den Lehnstuhl seiner Herrin ans Kamin gerückt. Auf einem kostbaren Tischchen mit alter eingelegter Mosaik, über die eine feine Spitzendecke gebreitet lag, blitzte der Tee in goldgelber Farbe in den durchsichtigen Sövrestassen. Jacques reichte silberne Körbchen herum, die in gläsernen Schalen zierliches Gebäck trugen: entzückende kleine petit tours-Stückchen, wie man sie in den Straßburger Konditoreien so vortrefflich herzustellen verstand, winzige Aprikosentörtchen aus Mürbeteig, von der Köchin des Schlosses gebacken, und zum Schlüsse kleine, zierlich geschnittene Sandwiches, mit pikantem Aufschnitt belegt, da man nicht zum Abendessen bleiben wollte. Die alte Baronin rührte fast nichts an. Sie lehnte in ihrem Stuhl, die eine Hand um den Krückengriff ihres Stockes gepreßt. Hatten je diese nachtschwarzen Augen, die in den letzten Jahrzehnten zuerst soviel gemeint, die dann wartend und brennend aus dem Schlosse in die Zukunft gestarrt, hatten diese Augen je seit achtundoierzig Jahren so leuchten, so heißen Anteil nehmen können wie jetzt, da ihr Enkel ihr das Programm des bevorstehenden Einzuges der französischen Truppen entwarf? Eine leidenschaftliche Freude kam über sie. Ob es nicht möglich sei, auch sie an diesem Tage mit Anteil nehmen zu lassen? Sollte sie dazu verdammt fein, hier draußen weit vor den Toren der Stadt, wohin kaum der Ton der Marseillaise bringen konnte, jene Stunden zu durchleben? Alceste neigte sich ihr über die goldene geschwungene Lehne des seidenen Rokokosessels entgegen. In seinen dunklen lebhaften Augen stand eine lebhafte Freude: „Erandmama, wie wär's? Du weißt, dadurch, daß ich mit ins Komitee der Rezeption gewählt bin. habe ich mancherlei Vorzüge. Mir ist ein ganzes Fenster in einem der beiden Ministerien angeboten worden. Von dort aus könnte man glänzend die Parade ansehen, die General Petain vor dem einstigen deutschen Kaiserpalast abnimmt. Möchtest du von diesem Fenster aus zusehen?" Ihre Hand krampfte sich fester um ihren Krückstock. „Oh, Alceste, wenn das ginge? Aber ich mit meinen steifen Gliedern, die kaum noch zum Dienst hier gehorchen? Wie käme ich hinauf? „Es gibt einen Fahrstuhl in jedem der beiden Ministerien. Man wird di chim Auto hinfahren, Grandmama! Du steigst im Fahrstuhl zum ersten Stockwerk hinauf. Droben sind es bis zu dem bestimmten Zimmer nur wenige Schritte —" Die Greisin richtete sich auf. Vor ihren Augen leuchtete das Bild auf, das sich ihr bieten würde und auf das sie feit fast einem halben Jahrhundert gewartet! Oh, war es nicht etwas Großes um eine Zuver sicht, um ein Ausharren, um eine Kraft, die sich gegen verhaßte Zustände auflehnte, um in die Zukunft zu starren und warten zu können? Man schied nach einer Weile mit der genauen Verabredung, wie sich die Teilnahme der allen Dame am Morgen des Einzugstages einfügen sollte. Melusine hatte der Großmutter ihre Begleitung zu- gefagt. Die Baronin lehnte eine Teilnahme ihrer seits in irgendeiner Form sanft, aber bestimmt ab. (Fortsetzung folgt.) 2194,8 Mill. Mk. verringert. 3m einzelnen haben abgenommen die Bestände an Wechseln und Schecks um 252,8 Mitt, auf 2078.1 Mitt. Mk.. die Lombardbestände um 9,7 Mitt, auf 23,5 Mill. Mk. Die Anlage in Effekten ist mit 93,3 Mill. Mk. nahezu unverändert geblieben. An Aeichsbanknoten und Renten- bankscheinen zusammen sind 284,2 Mitt.Mk. aus dem Verkehr zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 245,3 Mill, auf 3682,6 Mill., derjenige an Rentenbankscheinen um 38,9 Mitt, auf 606,1 Mill. Mk. verringert. 3n der Berichtswoche wurden Rentenbankscheine in Höhe von 4,1 Mill. Mk. getilgt und weitere zirka 70,1 Mill. Mk. aus dem Verkehr gezogen. Dieser Posten entspricht der Forderung der Reichsbank gegen die Deutsche Rentenbank gemäß § 11 Abs. 4 des Rentenbank- Liquidierungsgesehes und ist in Sondergewahrsam genommen worden, um gemäß einer früheren Vereinbarung den Llmlauf an Rentenbankscheinen entsprechend zu vermindern. Damit haben sich die Kassenbestände der Retchsbank an Rentrn- bankscheinen auf 44,6 Mitt. Mk. vermindert. Die fremden Gelder zeigen mit 708,0 Mitt. Mk. eine Zunahme um 52,9 Mill. Mk. Die Bestände an Gold und deckungs- sähigen Devisen insgesamt sind mit2169,8 Mill. Mk., im einzelnen Gold mit 1863,4 Mill. Mk., die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 306,4 Mitt. Mk. ausgewiesen. Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte sich von 47,5 Prozent in der Vorwoche auf 50,6 Prozent, die durch Gold und deckungsfähige Devisen von 54,7 Prozent auf 58,9 Prozent. * Eisen- und Stahlwaren-Jndustrie- b u n d. Unter zahlreicher Beteiligung fand gestern in Elberfeld die Mitgliederversammlung des Eisen- und Stahlwaren-Jndustriebundes statt. Der Vorsitzende, Direktor Zell-Ohligs, betonte bei Betrachtung der für die Entwickelung der Eisen- und Stahlwarenindustrie im vergangenen Jahre maßgebenden Verhältnisse die Notwendigkeit der Herabminderung der öffentlichen Unkosten. Die Industrie könne die Entwicklung im vorigen Jahre in rosigerem Lichte betrachten als die im Jahre 1926. Aber cs gehe ihr noch nicht glänzend. Zum Schluß streifte der Redner die Frage der Eisenpreiserhöhung und hob die Besürchtungen hervor, die hinsichtlich der Abbröckelung der Konjunktur infolge der Preiserhöhung und des Aufkommens einer Teuerung geäußert werden. Durch eine Erhöhung der deutschen Preise würde die Einfuhr von Halbzeug, Stab- und Walzeisen steigen. * A. E. G. Der auf den 25. Februar einzuberusen- den Generalversammlung der A. E. G., Berlin, wird eine Dividende von 8 o. H. (7 v. H.) vorgeschlagen. Der Reingewinn ist mit 12 351 000 Mark (10 760 855 Mark) ausgewiesen. Das Berichtsjahr verzeichnet erheblich gestiegene Umsätze und einen um etwa 70 v. H. gegen das Vorjahr erhöhten Auftragsbestand. ■ Der polnische Außenhandel im Jahre 1 9 2 7. Nach den vorliegenden Ziffern der polnischen Außenhandelsbilanz für das Jahr 1927 betrug die Ausfuhr dem Werte nach 1 457 799 000, der Wert der Einfuhr 1680 354 000 Goldfranken, so daß sich ein Passivasaldo von 222 555 Goldfranken ergibt. Der Einfuhrüberschuß ist hauptsächlich durch die Hereinnahme von Waren, Maschinen und Maschinenteilen entstanden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 26. Ian. Tendenz: Unsicher. Nachdem an der gestrigen Mendbörse die Tendenz auf einige Deckungen der Spekulation etwas freundlicher war, eröffnete die heutige Börse in recht unsicherer und überwiegend schwächerer Stimmung. Die morgige Prämienerklärung veranlaßte die Spekulation zu Glattstellungen. Bei dem weiteren Fehlen der zweiten Hand blieb die Umsahtätig- keit gering, und infolge der herrschenden Aufnahmeunlust wurde das herauskommende Material nur sehr schlecht ausgenommen. Verschiedene günstige Momente blieben bet der a l l g e- meinen Lustlosigkeit und Zurückhaltung ohne merklichen Einfluß. So wurde die weitere befriedigende Entlastung der Reichsbank nur wenig beachtet, ebenso die trotz des bevorstehenden Ultimos verhältnismäßig leichte Geldmarktlage. Ferner schenkte man den neuen, etwas günstigeren Meldungen über den Stand der Freigabeangelegenheit nur wenig Beachtung. Andererseits verstimmte die Unwahrscheinlichkeit einer Diskontermäßigung in England, außerdem verursachten die Geldbeschaffungspläne der Reichsbahn eine Beunruhigung, da in der geflogen Verwaltungsratssihung noch keine Beschlüsse darüber gefaßt wurden. Bei den ersten ^aben sich gegenüber der gestrigen Abendborse überwiegend Kursabfchwächungen Buntes Allerlei. wie man Babys trägt. Uns ist es das Ratürlichste, daß kleine Kinder „auf den Arm" genommen werden. Es gibt aber viele Völker, bei denen die Mütter ihre Kinder auf ganz andere Weife mit sich führen. In einer Zusammenstellung, die Dr. Rand in der Zeitschrift „Der Erdball" veröffentlicht, findet sich eine interessante Uebersicht über diese verschiedenen Formen der Beförderung von Kindern. Sehr weit verbreitet ist die Sitte, das Kind rittlings auf der Hüfte der Mutter sitzen zu lassen. Diese Art herrscht bei vielen afrikanischen Stämmen vor, und auch in Indien, bei den Indianern und Südseeinsulanern findet man sie. Weniger häufig scheint die Tragweise auf der Schulter der Mutter zu sein, die uns aber schon auf Darstellungen aus dem alten Aegypten entgegentritt. Auch heute noch kann man in Aegypten vielfach beobachten, wie das Kleine hoch auf der Schulter der Mutter thront. Das Reiten des Kindes auf dem Rücken der Mutter oder auf beiden Schultern ist eine Form, die seltener vorkommt. Dagegen ist das Tragen des Kindes auf dem Rücken in ganz Ostasien Sitte. Da sich das Baby in diesen immerhin doch schwierigen Stellungen zunächst nicht selbst halten kann, so sind Vorrichtungen in Gebrauch, in denen die Mütter ihre Kleinen mit sich führen. So tragen z. D. die Regerfrauen ihre Kleinen in ihrem Gewand auf dem Rücken. Das Baby hockt in den Falten des Kleides, und die Mutter behält dadurch beide Arme frei, um schwere Lasten tragen zu können. Bei den Eskimos tragen die Frauen ihre Kleinen meistens in der Kapuze ihres Fellkleides auf dem Rücken. Außer dem Gewand, aus dem eine Tragvorrichtung hergestellt wird, gibt es auch besondere Behältnisse wie Trag- beutel und Tragnetze. In Tragbeuteln führten die alten Aegypterinnen zuweilen ihre Kinder mit sich, entweder vor der Brust oder auf dem Rücken. Diese finden sich auch bei den peruanischen Indianern seit ältesten Zeiten und in anderen Erdteilen. Im heutigen Peru werden die Babys von den Müttern in Körbchen auf dem Kopf getragen. Tragnehe sind ebenfalls in Südamerika verbreitet, so z. D. bei den Indianerinnen der Chacko-Gegend Argentiniens. Schließlich hat die Mama das Kind auch in einer tragbaren Wiege bei sich. Dies findet sich besonders bei Romaden» Völkern, bei denen auf den langen Wanderungen ein besonders festes und sicheres Behältnis für das Kleine gefunden werden muß. Die Frauen der Lappen tragen die Kinder in Wiegen auf dem Arm: es kommt auch vor, daß die Mutter der Vorsicht halber eine Wiege auf dem Rücken mit sich führt, um das Kind hineinzulegen, wenn sie des Tragens auf dem Arm müde wird. Am häufigsten aber schnallen sich bei den Romaden die Frauen die Kmder auf den Rücken und ziehen so mit ihnen über hohe Gebirge und reihende Ströme. Ist man dann an den neuen Lagerplätzen angclangt, und sind die Zelte aufgeschlagen, dann werden die Wiegen mit den Kleinen an den Zelten aufgehängt. Pariser Fundberichl. Die Gegenstände, die 1927 in den Pariser Fundbureaus abgeliefert wurden, erreichen die stattliche Zahl von 153 350. Unter dieser Masse befinden sich an die 30 000 Schirme und genau gezählt 4616 Schlüsselbunde. Die Steuer, die die Stadt für alle Gegenstände erhebt, die in den Fundbureaus eingeliefert und dem rechtmäßigen Besitzer wiedererstattet werden, brachte die Summe von 270 000 Fr. Die Belohnungen, die von den glücklichen Eigentümern für die ehrlichen Schaffner und Kutscher zurückgelassen wurden, beliefen sich auf 135 000 Fr., wozu noch 50 000 Fr. kommen, die direkt den Findern ausgehändigt wurden. Außer den am häufigsten vorkommenden Schirmen und Schlüsseln sind die häufigsten gefundenen Gegenstände Stöcke, Tlhren, Armbänder, Handtaschen und im Winter Pelze und Muffen. Die Ernte, an gefundenen Sachen, die in den Bureaus zusammenströmt, ist an Sonntagen und Festtagen besonders groß. Der Bericht hebt hervor, daß an dem Tage, an dem im Rovember 1918 der Waffenstillstand gefeiert wurde, die Ziffer der eingelieferten Sachen am allergrößten war. Damals verlor eine junge Frau an einem einzigen Rachmittag ihre Handtasche, ihren Schirm, ihren Pelz, ihren Hut und eine Halskette, und sie war nicht wenig überrascht, als sie alle diese fünf verlorenen Gegenstände im Fundbureau der Pariser Polizei wieder erhielt. von 1 bis 2 Prozent. Stärker angeboten waren am Elektromarkt Gesfürel mit minus 3 Prozent, Siemens minus 2,25 Prozent und AEG. minus 2,5 Prozent. I.°G.-Farben eröffneten 1,5 Prozent niedriger. Scheideanstalt knapp behauptet. Montanwerte verloren bis 2 Prozent. Rur Rheinbraun konnten etwas anziehen. Zellstoff-Waldhof gaben 3,5 Prozent nach. A m Bankenmarkt waren Senat angeboten (min. 3 Prozent). Die Ren tenmärkte lagen still. Deutsche Anleihen vernachlässigt, Ausländer unter fortgesetzten Schwankungen knapp behauptet. Am Geldmarkt war Tagesgeld etwas gesucht. Im Devisenverkehr stellte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4,1945, gegen London auf 20,454. London—Kabel 4,8750. Paris gegen London 124,02. Mailand 92,10, Madrid 28,84. Berliner Börse. Berlin, 26. Ian. Die freundliche Grund- stimmung des heutigen Vormittags, die auch im Vorbörsenverkehr noch Bestand hatte, konnte sich zu den ersten Kursen nicht behaupten. Trotz zahlreicher günstiger Momente, besonders der starken Entlastung der Reichsbank (die Wechsel- und Lombaröbestände haben um zirka 250 Millionen Mark abgenommen und der Rotenumlauf zeigt eine Verringerung von 1,25 Milliarden Mark, wodurch die Golddeckung um 3,1 bezw. 4,2 Prozent zugenommen hat), übte die Spekulation starke Zurückhaltung. Der nahende Ultimo scheint in Publimmskreisen etwas Angebot hervorgerufen zu haben, das bei der herrschenden Geschäftsstille zu 1- bis 2pro- genügen Kursrückgängen führte. Gesfürel, Kanada, Waldhof und Glanzstoff gaben 4 bis 7 Prozent nach. Heimische Anleihen wenig verändert. Ausländer geschäftslvs. Bosnier und Mazedonier etwas schwächer. Pfandbriefe gehalten, Anteile wieder fest. Der Geldmarkt blieb unverändert. Rach den ersten Kursen wurde das Geschäft etwas lebhafter, es traten leichte Kursbefestigungen ein. Elektrowerte lagen bis 1 Prozent höher. Gesfürel 2,5 Proz. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t, 26. Jan. Weizen ist schwer abzusehen, da die Käufer die geforderten Preise nicht bewilligen wollen, dabei ist das Angebot sehr reichlich. Roggen liegt äußerst ruhig. Der Mehlabsah stagniert vollständig, die Preise sind um 0,25 Mk. ermäßigt worden. Futtermittel, mit Ausnahme von Kleie, die noch sehr gesucht ist, liegen auch schwächer als seither. Futter- und Rachmehle lustlos. Es wurden notiert: Weizen (gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs) 25 Mk., Weizen 2 (gut, gesund, trocken, bis zu 3 Prozent Auswuchs) 23,50 bis 23,75, Weizen 3 (geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Prozent Feuchtigkeit) 22,75 bis 23,25. Roggen 24,50, Sommergerste (für Brauzwecke) 27,50 bis 30, Hafer (inl.) 23,50 bis 24, Mais (gelb, für Futterzwecke) 21,75, Mais (gelb, für äußere Zwecke) 22,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 36,75 bis 37,25, Roggenmehl 34 bis 35.50, Weizenkleie 14,25, Roggenkleie 15 bis 15,25 Mk. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 26. Jan. Auftrieb: 82 Rinder, 1094 Kälber, 397 Schafe, 1010 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 72 bis 77 Mark; mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 71; geringe Kälber 56 bis 64. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast): 47 bis 51; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 46; fleischiges Schafvieh 35 bis 38. — Schweine: vollfleischige von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 55 bis 58; von ca. 200 bis 240 Pfund 54 bis 57; von ca. 160 bis 200 Pfund 52 bis 55 Mark. — Marktoerlauf: Kälber und Schafe mittelmäßig, ausverkauft, Schweine ruhig und geräumt. Berliner Produktenbörse. Berlin. 25. Jan. Bei abbröckelnden Preisen l)ält die Lustlosigkeit am Brotgetreidemarkt weiter an. Am Auslandsmärkte lagen ermäßigte Forderungen vor, die Mühlen bekunden keinerlei Unternehmungslust, da die Klagen über schlechten Mehlabsatz andauern. Vom Inland« ist ausreichendes Angebot von Weizen und Roggen zur Hand, die Forderungen sind im allgemeinen aber wenig nachgiebig. Am Lieferungsmarkte waren die Preise für beide Brotgetreidearten weiter rückgängig. Die Mehlofferten waren im allgemeinen zwar entgegenkommender, vermochten das Geschäft jedoch nicht zu beleben. Hafer liegt weiter fest. Der Konsum bewilligt die erhöhten Forderungen der Provinz; der Export ist weiter als Käufer im Markte. Gerste hat im allgemeinen stilles Geschäft, nur gute Brauoualitäten finden Unterkunft. Es notierten (1000 kg): Weizen, märkischer (74,5-kg/bI-Gewicht), 233 bis 236, März 264,75 bis 264, Mai 272,50 bis 272, Juli 275,50 (matt); Roggen, märkischer (69- lcg/stl-Gewicht), 235 bis 238, März 260,50 bis 260 Mai 266 (Brief), Juli 256,50 bis 256 (matter); Sommergerste, 220 bis 270 (ruhig); Hafer, märkischer, 202 bis 213, März 227,50 (Brief), Mai 237,50 (Brief), Juli 241,50 (Brief, etwas fester); Mais, La Plata, 213 bis 215 (zolldegünstigter Futtermais); Raps 345 bis.350 (ruhig); (100kg): Weizenmehl 29,25 bis 33,75 (matter); Roggenmehl 30,75 bis 33,50 (matter); Weizenkleie 15,20 (etwas fester); Roggenkleie 15,20 (etwas fester); Viktoriaerbsen 50 bis 56; kleine Erbsen 32 bis 35; Futtererbsen 21 bis 22; Peluschken 20 bis 21; Ackerbohnen 20 bis 21; Wicken 21 bis 24; Lupinen, blau, 14 bis 14,75; Lupinen, gelb, 15,70 bis 16,10; Serradelle, neu, 21 bis 25; Rapskuchen 19,90 bis 20,10; Leinkuchen 22 bis 22,20; Trockenfchmkel 12,30 bis 12,50; Soyaschrot 22 bis 22,40; Kartoffelflocken 23,60 bis 23,90 Mark. Tagung der hessischen Lichispieliheaierbesitzer. WSR. Frankfurt a. M.. 25. Jan. In einer am Dienstag hier abgehaltenen Verbau d s v e r s a m m l u n g der hessischen L.ich^p.ieltheaterbesktzer einstimmig eine Entschließung angenommen, die sich gegen jede Vergnügungssteuer ausspricht. Allgemein war die Entrüstung über die immer noch erhobenen hessischen Stempel g e b ü h r e n. Die Versammlung besprach dann die Filmleihbedingungen, die durch Abänderung der Bestell'cheinbestimmungen günstiger gestaltet werden sollen. Gefordert wurde eine tantiemefreie Film-Begleitmufik. Man erklärte sich mit der vom Reichsverband borge- schlagenen Abgabe von 1,5 Millionen Mark an die Gema einverstanden unter der Bedingung, daß die Theaterbesitzer nicht schlechter gestellt werden als bisher. Zum Schluß wandte sich die Versammlung scharf gegen die Schmutz- konkurrenz und nahm einstimmig eine Pro- testentschliehung gegen das Abschließen von ungesehenen Filmen an. Vermischtes. Von der Transmission getötet. Bei Ausführung von Ausbesserungsarbeiten in einer Kohlenmühle in dem Solingen benachbarten Wiesdorf geriet ein Maurer aus Buerrig mit den Kleidern in eine Transmission. Er wurde mehrere Male herumgeschleudert und so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat. Unglück an einem Bahnübergang. In der Rähe von Hersfeld wurde der Lieferwagen eines Bäckermeisters an einem schrankenlosen Eisenbahnübergang von einer Lokomotive erfaßt und ein Stück mitgeschleift. Ein Bäckerlehrling wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb. Der Führer des Wagens, der Besitzer, erlitt schwere innere Verletzungen. Todesurteil. Der Schlächter Albert Schwarze aus Caputh, der seine Geliebte um gebracht hatte, weil sie ein Kind von ihm erwartete, wurde vom Schwurgericht Potsdam wegen Mordes zum Tode und zur lebenslänglichen Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Wahrheit Über das Schlankheitsproblem. Bekaimte ärztliche Autoritäten haben fest- gestellt, daß bestimmte Mineralsalze durch ihre Wirkung auf die Organe das Blut wasserärmer machen. Eine ärztliche Autorität schreibt: „Das Bittersalz, wie überhaupt die Mittelsalze, entziehen dem Körper Wasser. Es kommt mit den dünnen Stühlen mehr Wasser aus dem Körper heraus, als das getrunkene Salzwasser beträgt. Das Blut wird also wasserärmer." Die zuverlässigste Methode ist die Anwendung des Kruschen-Salzes, welches die besonderen Mineralsalze in chemisch reiner Form unter Berücksichtigung geeigneter kleiner Gaben in genauer Analyse enthält. Die Schwachdosierung wie beim Kruschen°Salz ist von großen ärztlichen Autoritäten anerkannt worden. Je mehr Wasserverlust im Stuhl, um so mehr Harnsäure, Gifte und Schlacken werden aus dem Körper herausgezogen und dadurch findet natürlich ein besserer Stoffwechsel statt. Eine Kruschen-Kur reicht für 100 Tage, somit tägliche Gesundheitspflege für 3 Pf. 4580 Datum: Datum: 152 52 16,9 Desal. ohne ÄuSlos.-Rechten 7% Frany Hnp.-Bk. Go^pf 17 - 17,13 unkündbar bis >932 . . «‘/»’/o Rheinische Svp »Bank 98 - - Ütqu »Gotdvs «„E G abg BorkrtegS-Ob- 83,13 - - - ligattoneu. rückzahlbar 1932 85 s'/> Schwei;. Bundcsb.°Anl. 95,75 — 4°/e Oefteretchlsche Goldrte 25,5 4.20°/, Oesterr ich. Silberne Oesterreich, ein icitl. Rte 4.5 - _ <% Ungarische Goldrte 25,4 25,3 4e/o Ungarische Staatsr. 0 1910 24,5 <*/»°/n deögl von 1913 24 •% Ungarische Kronenrte . . 1,65 1,65 <0/. Türk. Zollanlcihe v 1911 <°/o Türk Bagdadbohn«Anl. Serie I 4°/o deSgl. Eerti !l 4% Rumänen convert Nie. 13,15 13,1 13 13 13,13 14 13,2 5,5 1 1 । 14,5 13,4 14 13,25 4'/,°,, Rumänen Goldanl. von 1913 16,65 — 16,9 Ullg Dcuklche Eisenbahn 4'/, _ — Hamburg-Amerila Pale, . 6 t>amb--Südam Dampych s 147,5 146,5 147,7 214,25 146.75 Hansa Dampfschiff 6 — - 210,5 209 .ri Norddeutscher nlogb 6 151,25 151,75 Lllg- Deutsche Creditanst. 10 146 5 145?6 Bann r Bankverein 10 149,5 150 Berliner Handelsacsellsch. 12 Commerz» und Pnvat°Bk. U 176 176 266 176.65 264 176 Tarmst. u. Ralionaldank 12 238 235,13 237,5 Deutsche Bank 10 166 165,5 DiSkonto-Gesellschafi Ant 10 159 159 159^5 158 7 '. Dresdner Bank lo 159.75 159,5 I60 159,5 214 Mitteldeutsche Crrdttdank 9 — 215 Pketallbank.........8 130 130.25 130.5 WeWban."........i>j 195.5 195,5 195.75 französische Raren...... 16,53 16,59 Holländische Noten..... 168,69 169,37 Italienische Noten...... 22,22 22,30 Norwegische Noten...... 111,23 111,67 Deutsch-Oesterr.. 5100 Kronen 59,02 59,26 Rumänische Noten...... 2,60 2,62 Schwedische Noten...... 112,°2 Schweizer Noten....... 80,69 81,01 Spanische Noten....... 71,12 71,40 Tschechoslowakische Noten . . 12,385 12,450 Ungarische Noten . . . 73 05 73,35 25. Jan. 26. Jan. Amtliche Notierung Geld i Brief Amtliche Notierung Geld Brief Amst.-Roli 169701 169,35 169,06 169,40 Buen^Atreö 1,792 1,796 1,792 1,796 Brfs^Aotw 58,36 58,48 58,38 58,50 Christian in 111,46 111,68 111,50 111,72 Kopenhagen 112,25 112,47 112,25 112,47 Stockholm . HelfingforS. 112,49 112,71 112,47 112,69 10,552 10,572 10,557 10,577 5kalten. . 22,19 22,23 22,195 22,235 London. . . 20,424 20,464 20,23 20,47 Neoyork . . 4,1900 4,1980 4,1910 4,1990 Paris.... Schweiz .. 16,465 16,505 16,47 16.5) 80,72 80,88 80.705 • 0,865 Spanien . 71,13 71.27 70.85 70,99 Japan . . . Rio de Jan- 1,968 0,505 1,972 0,50: 1.968 0,5060 1,972 0.5080 Dien tn D-» Otft. abgest ■)9,075 59,195 59,08 59,20 & :: 12,421 12,441 12,422 12,442 7,379 7,393 7,376 7,293 Budapest. . Bulnarieu 73,24 73.38 73,28 73,42 3,030 3,036 3,027 3,033 8'fsabon 20,38 20,42 20,23 20,27 Danzig. . Konftallttn. 81,69 81,85 81,68 81,84 2,161 2,165 2,143 2,147 Ätben. Kanada 5,544 5,556 5,564 5,567 4,183 4,191 4.184 4,192 Uru uav . 4,276 4.284 4,276 4,284 L«tr» . . 20.948 20 988 20,957 20,992 _____Berlin. 25. Jan. I »eld Bne, Amerikanische Noten..... 4,173 4,193 Belgische Noten...... 58,23 5K 47 Dänische Noten...... 112,03 112'47 30.475 Englische Noten . ...... 20.395