Nr. 252 Erstes Natt 178. Jahrgang Donnerstag 25. ©ffober 1928 rlnuahme von Anzeigen für dir Tagesnummer bi® zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20e/„ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will) Lange- für Feuilleton Dr H.LHyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen. Erlcheeni lügtich,outzel Sonntags und Feiertag» Beilagen: Gießener FamiliendlStler Heimat im Bild Die Scholle monats-Beingspreis; 2 Reichsmark und 20 Relchspfenntg für Träger» lohn, auch bet Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51. 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Sietzr«. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Poßscheckkomo: Frankfurt am Main 11 WS. vruS mtb Verlag: vrühl'sche UnioerfilStr-vuch, imb Stetnbnitferd H. Lange in Siegen. 5chriftleitung und Gefchästrstelle: Zchulftrahe 7. Das Ergebnis der Berliner Länderkonferenz. Oie Richtlinien her Reichsregierung als Verhandlungsgrundlage durchgedrungen. — Ein bayrischer Abänderungsantrag gegen Bayern und Württemberg abgelehnt. - Zwei Ausschüsse mit her weiteren Behanhlung her Reichsreform beauftragt. Berlin, 24. Oft. (BJIB.) Amtlich. Der Aus- schuh für Verfassungs- und Derwaltungsreform hat in den letzten drei Tagen das Problem des Der- hältnlsies zwischen Reich nnd Ländern in einer eingehenden Aussprache behandelt und die Hauptfragen einer Reform zu klären versucht. Er hat beschlossen, zur weiteren Behandlung der Jrnge und zur Erzielung von bestimmten Vorschlägen zur Lösung der einzelnen Probleme zwei Unterausschüsse cinzusehen, denen die nachfolgenden Richtlinien überwiesen worden sind: „Der Ausschuh nimmt von der Erklärung der Relchsregicrung Kenntnis und seht zwei Unterausschüsse ein. Ziffer 1. Der erste Unterausschuh hat die Aufgabe, unter der Aufrechterhaltung und der Bildung von leifftrngssähigen Ländern über die Frage der territorialen Umgliederung des Reiches Vorschläge zu machen. Dies gilt vornehmlich für solche Gebiete, die durch Gemengelage einzelner Gebietsteile eine besonders erschwerte und kostspielige Verwaltung haben. Ziffer 2. Der zweite Ausschuß hat zu untersuchen, wie eine klare Abgrenzung der Zuständig- keilen zwischen Reich und Ländern her- gestellt und dauernd gesichert, und in welcher Weise der Dualismus zwischen Reich und P r e u h e n behoben werden kann. Dabei ist davon auszugehen, dah dieser Dualismus nicht isoliert, sondern im Rahmen einer Gesamtlösung zu beseitigen ist. Aufgaben, bei denen Lebensfragen des Reiches nicht berührt werden, sind der eigenen Verwaltung der Länder zu belassen oder zu übertragen. Derselbe Ausschuß hat weiter festzustellen, ob und wie neben der landeseigenen Verwaltung eine Aostragsoerwaltung in dem Sinne geschaffen werden kann, dah das Reich die Landesregierungen mit der Führung von Angelegenheiten der Reichsverwaltung beauftragt." Die Entschließung wurde in Ziffer 1 einstim - m l g vom Ausschuß gebilligt. Zu Sah 3 der Ziff. 2 hatte Bayern folgenden Aenderungsan- t r a g eingebracht: „Aufgaben, die zur Zelt tatsächlich Relchsauf- gaben sind, bei denen aber Lebensfragen des Reiches nicht berührt werden, sind der Eigen- verwaltung der Länder zu übertragen." Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen von Boyern, Württemberg und des Reichsministers Dr. Schätze! a b g e l e h n t, worauf Ziffer 2 gegen die Stimmen der Genannten angenommen wurde. Die beiden Unterausschüsse unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern sehen sich zusammen aus je drei Mitgliedern des Reichskabinetts, sechs Vertretern der Länder und zwei nichtbeamteten Sachverständigen, und zwar sind im ersten Unterausschuß vertreten: Preußen, Bayern, Württemberg, Hessen, Hamburg und Anhalt, im zweiten Unterausschuß: Preußen, Bayern, Sachsen, Baden, Thüringen und Mecklenburg. Als Gencralsachverständlger für beide Ausschüsse ist bestellt: Reichssparkommissar Staatsminisler a. D. S ä m i s ch , als weitere Sachverständige die bisherigen Berichterstatter Reichsminisier a. D. h a m m , die Staatssekretäre Z w e l g e r t und Popih, Slaatsminister A p e l t, Ministerialdirektor Poehsch-hefftcr und Professor R a w i a s k y. Die Unterausschüsse werden in der ersten Rovemberwoche durch den Reichs- Minister des Innern zur Konstituierung einberufen werden. DeftiedjgenderEmdrulkiüVMn Der Weg zur praltiichcn Arbeit. D e r l l n , 24. Oft. (Privatinsormation.) Als Hauptergebnis der Länderkonserenz wird in beteiligten Kreisen mit Befriedigung unterstrichen, öao mit der Einsetzung der Ausschüsse nunmehr an die praktische Arbeit herange- g a n gen werden kann. Damit ist das von der Reichsreg:erung zunächst erstrebte Ziel erreicht und die weitere Verfolgung dieser großen Auf. gäbe in die Hände autoritativerStel- len gelegt worden, während sich bisher auch private Organisationen mit diesen Dingen sehr stark beschäftigt haben. Zweifellos hat diese Vor- arbeit auch nach der Auffassung der amtlich interessierten Kreise dem Problem sehr genützt. Es mußte aber die Gefahr vermieden werden, dah durch weitere theoretische Befassung privater Stellen Verwirrung entstand. Mit Befriedigung wird auch erkannt, daß die in der Entschließung der Reichsregierung enthaltenen wesentlichen Prmkte in die Schlußresolution der Konferenz hineingenommen worden sind. Die Entschließung der Reichsregierung selbst lourde mit den anderen Anträgen den Ausschüssen als Material überwiesen. In der Heu- I tigen Schlußsitzung hatte Bayern seinen Abänderungsantrag gestellt, um zu vermeiden, daß I sich cms der AuftragSverwaltung Eingriffe In die Hoheitsverwaltung der Länder entwickeln. Es ist anzunehmen, dah der bayerische Ministerpräsident den Gedanken seines Antrages bei der Arbeit der Ausschüsse erneut vorbringen wird. Aber auch auf bayerischer Seite ist man von dem Verlauf der Verhandlungen durchaus befriedigt und unterstreicht, dah eine eigene Gntschliehung der Konferenz die Grundlage der kommenden Arbeit bilden wird. Bayern unh hie Auftragsverwaltung. Scharfe Kritik der Münchener Presse. München, 24. Oktober. (TU.) Zur Entschließung der Reichsregierung über die Reichsreform auf der Länderkonferenz nehmen die Münchener Blätter eingehend Stellung, wobei sie übereinstimmend die Vieldeutigkeit der Richtlinien der Reichsregierung feststellen. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" setzen sich in einem Artikel, „K a m p f a n s a g e" überschrieben, gegen die Verfassungspläne ein, die einseitigen Zielen folgten. Der Artikel findet verschiedene Mißverständnisse, namentlich in den Absätzen 6 und 7, wo von der Verantwortlichkeit der Länder gegenüber dem Reichstage die Rede ist. Man könne nicht einmal mehr von Selbstverwaltung der Länder sprechen, wenn diese nur nach Anweisung des Reiches arbeiten könnten, und es sei nicht ersichtlich, wie eine Verantwortung der Länderregierunaen vor dem Reichstage gedacht fei. Ministerpräsident Dr. Held habe klug gehandelt, als er sofort das Spiel durchschaut habe, das der Länderkonferenz zu (vielen zuaemutet worden sei. — Die „Bayerische Staatszeitung schreibt u. a.: Alle Vorschläge, die darauf hinauslaufen, den staatlichen Charakter der Länder zu vernichten, sind für Bayern nicht diskutierbar. Wir lassen uns unter keinen Umständen das, was wir an eigenen Rechten als Staat haben, nehmen. Nur unter diesem Vorbehalt kann sich Bayern über den neu aufgeworfenen Begriff der Auftragsverwal- t u n g praktisch unterhalten. Es müssen Sicherungen geschaffen werden, daß auf dem Wege über eine solche Auftragsverwaltung die bestehende Staatshoheitsverwaltung nicht aufgelöst werde. — Die „M ünchen-Augsburger Abendzeitung" schreibt u. a.: Die Forderung der Einrichtung der „Auftragsverwaltung" in der Entschließung der Reichsregierung ist ganz klar. Sie ist das Ende der einzelstaatlichen hoheitsrechte. Sie bedeutet eine grundstürzende Aenderung der Weimarer Verfassung im Sinne des Unitorismus. Sie setzt die Reichsregie- rung und den Reichstag als Auftraggeber der Länder ein, bedeutet also nicht nur einen entscheidenden Schritt zur Unitarifierung, sondern auch einer bis ins Unerträgliche ausgebauten Par- lamentarifierung. Der Vorschlaa der Reichsregierung bedeutet in der letzten Konsequenz d a s E n d e ber ßänber. Es ist für uns damit auch das Ende der Weimarer Verfassung. Die Niederlage der Kommunisten. Das vorläufige Gesamtergebnis des Boikobegehrens. Berlin, 24. DEL (DTB.) Rach dem beim Reichswah'leiker vorliegenden vorläufigen Gesamtergebnis haben sich für das Volksbegehren „Panzerkreuzerverbot" 1 2 1 6 5 0 1 Stimmberechtigte eingetragen. Die Gesamtzahl der Stimmberechtigten beträgt 41 348 994. Der Prozentsatz der Eintragungen zur Gesamtzahl der Stimmberechtigten beträgt hiernach 2,94. An dem Zustandekommen des Volksbegehrens fehlen somit 7,06 Proz. der Stimmberechtigten. Nichts kennzeichnet die Gröhe der kommunistischen Riederlage mehr als diese nackten Zahlen, die sich noch durch eine Gegenüberstellung der bei den letzten Reichstagswahlen am 20. Mai abgegebenen kommunistischen Stimmen wirkungsvoll ergänzen lassen. Damals konnte die K. P. D. 3,2 Millionen Wähler für ihre Listen gewinnen. In dein kurzen Zeitraum eines halben Jahres sind sie ihr bis auf ein Drittel untreu geworden. Wahrscheinlich ist aber die Zahl der Kommunisten, die sich zum Volksbegehren eingezeichnet haben, noch wesentlich geringer, weil zahlreiche pazifistische Verbände mit ihnen zusammengearbeitet und ihnen ihren Anhang zugeführt haben: auherdem werden auch noch eine ganze Anzahl Sozialdemokraten gegen den Dau des Kreuzers gestimmt haben. Die Versuchung liegt nahe, aus dem kläglichen Miß- erfolg des Volksbegehrens auf einen völligen Zusammenbruch der kommunistischen Bewegung au schließen. Die kommunistische Parteileitung hat auch unzweifelhaft erkannt, dah Hammer und Sichel keine Zugkraft mehr besitzen. Infolgedessen gibt sie sich jetzt alle Mühe, überall dort, wo Arbeitskämpfe ausgebrochen find, die Massen aufzuwiegeln, um wenigstens auf diese Weise wieder Einfluh au gewinnen. In Hamburg z. B. arbeitet sie mit dem Mittel des brutalen Terrors, um alle H a f e n b e t r i e b e zum Stillstand zu bringen. Ob das aber viel helfen wird, bleibt abzuwarten. Mr die Sozialdemokratie besteht natürlich jetzt ein nicht zu unterschätzender Anreiz, die Dinge im Reich und in Preußen bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Regierungsumbildungen auf die Spitze zu treiben, um dann möglichst rasch zu einer Auflösung des Reichstages und zur Ausschreibung von Reuwahlen zu kommen. Die kommunistische Riederlage wird jedenfalls die Haltung der Sozialdemokratie bei der Lösung aller innerpolitischen Streitfragen nicht unwesentlich beeinflussen. Die ksnnnunistifche Riederlage hat aber auch noch eine prinzipielle Seite. Gin Volksbegehren soll der Anfang einer Volksbewegung sein. Das Ergebnis dieses Volksbegehrens ist alles andere, als eine Volksbewegung gewesen, und das sollte zu denken geben. Auf der einen Seite zeigt das Resultat, dah sich das deutsche Volk an dem Programm dieses Volksbegehrens nicht erwärmen konnte, und andererseits beweist es aber auch, dah man die Anträge auf Zu - lass ung von Volksbegehren in Zukunft einer viel schärferen Kontrolle unterwerfen muh, damit dieses politische Mittel in seinem Werte nicht herabgesetzt wird. Wirk.ich lebenswichtige Magen soll das Volk dann selbst entscheiden, wenn es die Empfindung hat, dah seine parlamentarische Vertretung seinem Willensausdruck nicht entspricht. Insofern stellt das Volksbegehren ethisch ein ganz bedeutsames po'i- tisches Mittel dar, das aber auch nicht die geringste Herabwürdigung verträgt. Hoffentlich wird dieses Ergebnis auf allen Seiten auf diese seine Bedeutung hin untersucht, so dah es in seiner Wirkung nach dieser Richtung hin wenigstens fruchtbar sein kann. Kriegsfchiffbau und Wirtschaft. Wiederholt ist der Versuch gemacht worden, die Regierungsforderung auf Ersah der veralteten Kriegsschiffe durch Reubauten als militärisch unzweckinähig und „wirtschaftlich nicht tragbar" zu bezeichnen. Insbesondere ist der Bau des Panzerschiffes „A“ als wirtschaftlich nicht berechtigt bezeichnet worden, noch dazu in einer Zeit, in der für die dringendsten sozialen Ausgaben die Mittel fehlten. Diese Begründung geht fehl. Denn was bedeutet: „Es fehlen die Mittel?" Im tiefsten Grunde doch nur: Es fehlen die Arbeitshände und die Produktionsstatten, von denen solche Arbeit geleistet werden kann. Ein solcher Fall läge vor für ein Land ohne Industrie, oder ein Land mit einer Industrie, die für unmittelbaren Erwerb durch Ausfuhr voll "beschäftigt wäre imb Teile ihrer Produktionskraft für die nationale Verteidigung freimachen und der Ausfuhr entziehen mühte. Dies aber ist keineswegs der Fall, solange wir e i n Heer von Hunderttausenden von Arbeitslosen und eine Fülle von brachliegenden Werften und sonstigen Produktionsstätten haben. Zum Beweis hierfür erscheint es daher zweck- mäßig, einmal den Einfluß eines solchen Baues auf den Staatshaushalt zu verfolgen. Hierzu werden die Kosten des Baues mit 80 Millionen Mark angenommen, obgleich nach den veröffentlichten Mitteilungen der Marineleitung nur etwa 72 Millionen auf Grund der heutigen Lohnlage erforderlich werden. Da der Dau nicht im Ausland erfolgt, sondern restlos in Deutschland, fließen diese Gelder in die deutsche Wirtschaft: d. h. in dieselbe Wirtschaft, aus der der Staatshaushalt seine Mittel zieht: ohne deren Erträgnisse er verdorren müßte. Zerlegt in Löhne, Rohmaterial und iln- ternehmerzuschlag zur Deckung der Generalunkosten, würden somit in die deutsche Wirtschaft fließen: für Löhne (mit 65 v. 5j. niedrig angenommen)*) zirka 50 Mill. Mk., für Generalunkosten und Rohmaterial zirka 30 Mill. Mk. Die 50 Millionen Mk. für Löhne zunächst bedeuten an anderer Stelle des Staatshaushalts, nämlich bei der Erwerbslosenfürsorge, eine reine Ersparnis von 25 Mill. M k. Die Unterstützung, die ein Erwerbsloser mit seiner Familie bezieht, wird hierbei nahezu gleich der Hälfte seines Lohnes, was den Verhältnissen ungefähr' entspricht, gerechnet. Von den 30 Mill. Mk., die für Rohmaterial und Generalunkosten in die deutsche Wirtschaft fließen, gilt ferner folgendes. Diese Ausgaben bilden, soweit sie nicht die Reueinstellung von Angestellten und Erweiterung der Anlagen bedingen, fast restlos einen Gewinn bzw. eine D e r- lu st Verminderung Der Unternehmungen einschließlich Verkehrsmittel, die an dem Bau beteiligt sind, da sie für die zusätzliche Ausnutzung von in Betrieb befindlichen Anlagen und Organisationen, die sonst entsprechend leerer laufen würden, geleistet werden. Aehnlich, wie der Betrieb eines großen Wasserkraftwerkes kaum mehr kostet, wenn viel anstatt wenig Wasser über seine Turbinen geleitet wird, also viel oder wenig Kraft erzeugt wird. Diese Ausgaben bedeuten also eine Vermehrung des Gewinns bzw. eine Verminderung des Verlustes der Wirtschaft, vo!n der der Staatshaushalt lebt. Zwangsläufig wandern sie also wieder zu einem recht erheblichen Teil in den Staatshaushalts zurück. Zum anderen kleineren Teil dienen sie als Stärkung des betreffenden Wirtschaftszweiges. Kommt die Vermehrung von Angestellten- Personal und Anlagen in Frage, so kommt hier *) Die Prozentsätze entsprechen dem attgemeinen wirtschaftlichen Durchschnitt. Sie variieren sehr stark bet den verschiedenartigen Arbeitsobjekten innerhalb eines Schiffsbauvorhabens. Als ep- kreme Fälle mögen gelten: Chronometer und Panzerplatten. wieder die Hälfte des Betrages der Erwerbslosen fürs orge (Gehälter und Löhne) zu>« gute. Einzig der Teil der Lohnkosten, d. s. rund 25 Millionen Mark, der den Arbeitern als Differenz zwischen Lohn und Erwerbslosenunterstützung gezahlt wird, und der geringe Bruchteil der Rohmaterialien, der mangels eigener Erzeug gimg ins Ausland geht, bilden also eine „Ausgabe" im eigentlichen Sinne, die nicht ganz oder zum großen Teil direkt wieder in den Staatshaushalt zurückwandert. Der deutschen Wirtschaft verloren geht aber auch von diesem Teile der Lohnkosten nur so viel, als hierfür Lebens- und Dekleidungsmittel usw. für die betreffenden! Lohnempfänger zusätzlich aus dem Auslande ein- «eführt werden, sofern man hier nicht durch handelspolitische Maßnahmen entgegenwirkt. Der Bau der Kriegsschiffe bedeutet demnach für die Gesamtwirtschaft Deutschlands an wirklicher Belastung nur einen Bruchteil feiner Gesamtkosten. And zwar einen Bruchteil, der mit i/io dieser Kosten, die für zusätzliche Lebensund Bekleidungsmitteleinfuhr und etwas Rohmaterial ins Ausland wandern, kaum zu niedrig bemessen sein wird. Mit anderen Worten: Von den 80 Mill. Mk., die für die Ausführung eines Panzerschiffes in die deutsche Wirtschaft fließen, verbleibt der allergrößte Teil innerhalb die-, fer Wirtschaft und nur ein kleiner Teil, allerhöch- stens 10 Mill. Mk., fließt für vermehrte Einfuhr von Lebens- und Dekleidungsmitteln und! etwas Rohmaterial ins Ausland. Diesem kleinen Teil der wirklichen, d. h. abgewanderten Ausgaben steht jedoch, außer dem erbauten Schiff mit seinem bei den verantwortlichen Fachleuten unbestrittenen Kampfwert für die Verteidigung als Gegenleistung, der für unser Volk gar nicht hoch genug einzuschähende Gewinn gegenüber, daß ein namhafter Teil von Erwerbslosen dem schaffenden Leben' erhalten bleibt, d. h. Mensch bleibt, anstatt staatlicher Mrsorgepflegling. Das von radikaler Seite in die Massen geworfene Schlagwort: „Brot oder Panzerkreuzer" ist demnach uinzuformulieren in „Arbeit oder Für-" f orgel". Noch keine Abstimmung über hie Todesstrafe. Berlin, 24. Oft. (VDZ.) Irn Rcichstagsaus- schuß für die Strafrechtsreform wandte sich Abg. Dr. Alexander (Komm.) gegen dm Abg. Dittmann (Soz.). Die Sozialdemokraten versuchten, die Zustimmung zur Abschaffung der Todesstrafe durch die Zustimmung zu den anderen Strafen zu erkaufen, die nur dazu dienten, daß sich die Zuchthäuser mit Proletariern füllten. Der Redner erklärte, daß die Sowjetunion nicht strafe. Sie könne aber auf eine Selbstverteidigung ncht verzichten. Abg. S a e n g e r erklärte, es gebe nur ein Mittel, die Todesstrafe zu beseitigen, nämlich, daß der Strasrechtsausschuß einmal einer Hinrichtung beiwohne. Vorsitzender Dr. Kahl beantragt, die endgültige Absttmmung erst bei dem Verbrechen des Mordes stattfinden zu lassen. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) erklärt, seine Partei verstehe den Wunsch des Vorsitzenden, dce Abstinnnung bis zur Entscheidung über die Sicherungsbewahrung aufzuschielen, sie sei aber nicht bereit, dir Abstimmung noch weiter hinauszuschieben. Auch hänge die Stellungnahme der Sozialdemokratie zur l bensläng- lichen Zuchthausstrafe von der Entscheidung des Ausschusses über die Todesstrafe ab. ^och weiterer Geschästsordnungsdebatte beschließt der Ausschuß, die Abst'.mniung über die Abschaffung der Todesstrafe zunächst aud^u- faßen, bis die Bestimmungen über die Sicherungsverwahrung erledigt sind. Parker Gilbert wieder in Serkin. Küßlnngnatzme mit der Reichsregierung Berlin, 24. Oktober. (TU.) Der Reparations- agent Parker Gilbert ist heute früh von Brüssel kommend, wieder in Berlin eingetrof- f e n. Mit der Rückkehr Gilberts dürfte die letzte Phase vor dem Beginn der Sachverständigenberatungen eröffnet sein. Wahrscheinlich noch im Laufe des heutigen Tages, spätestens aber morgen wird sich Parker Gilbert mit den in Frage kommenden Behörden des Reiches in Verbindung sehen und über das Ergebnis seiner Londoner, Pariser und Brüsseler Besprechungen Mitteilung machen. Die deutsche Regierung wird dann prüfen, ob sich ihre Wünsche hinsichtlich der Zusammensetzung der Sachverständigenkommission bzw. des Tagungsortes mit den in den alliierten Hauptstädten geäußerten Vorschlägen in Einklang bringen lassen. Während man in L o n - don voraussichtlich einer mehr nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammengestellten Kommission das Wort geredet haben dürfte, wird, falls die aus Paris vorliegenden Meldungen zu- treffen sollten, die französische Regierung die Delegierung auch von beamteten Persönlichkeiten bei Parker Gilbert in Vorschlag gebracht haben. Was den Derhandlungsort angeht, so durste es im Interesse aller beteiligten liegen, wenn ein Ort gewählt würde, der in technischer Hinsicht am günstigsten liegt, der es für die verschiedenen Sachver- ständigen unnötig machen würde, ständig Reisen zum Zwecke von Rückfragen zu unternehmen. In der Vergangenheit ist es leider vielfach so gewesen, daß die Verhandlungen unter dem obengenannten Vorwand eine mitunter recht unliebsame Störung, meistens in kritischen Augenblicken erlitten. Aus die- em Grunde würde es trotz entgegenstehender anderer Bedenken vielleicht nicht unerwünscht sein, wenn die französische Hauptstadt zum Tagungsort gewählt würde, da sich sowohl die Re- parationskommission als auch der Rest der Kriegslastenkommission und das deutsche Sachlieferungs- bureau sich noch in Paris befinden. Es ist jedoch Sache der Reichsregierung, zu prüfen, ob die die- sein Vorschläge entgegenstehenden Bedenken nicht dennoch schwerwiegender sind als die genannten Vorteile. Oie „unsichtbare" Besatzung. Die verbotene Nationalhymne. Berlin, 25. Dtt. (Eigene Drahtmeldung.) Soll man es wirklich glauben, daß in diesen Tagen noch in Wiesbaden der J laber eines 3teftau = r a n t s vom englischen Militärgericht zu 120 Mark Geldstrafe oder v i e r z e h n T a g e n G e f a n g n r s verurteilt worden ist, weil bei ihm das Deutschlandlied gesungen wurde, daß das gleiche Militärgericht in einem anderen Falle einen Wirt zu einer Mark Geldstrafe wegen des gleichen „Verbrechens" verurteilt hat, und ihn nur so milde weg- kommen liefe, well er gegen die Fortsetzung dieser „Rationalorgie", als er sie hörte, sofort emgeschritten ist? Gerade die Engländer, die doch ein national bewußtes Volk sind, sollten diesem Unfug ein Ende machen. Man denke: der Zeppc- [in fliegt über das besetzte Gebiet und wird von einem Flugzeug auf dieser Strecke bewacht, er kommt nach Rcuiiork, die Meldung von diesem Erfolg gelangt nach Wiesbaden, und die stürmische Begeisterung findet ihren Ausdruck in dem Singen des Deutschlandliedes, wofür dann der Wirt ins Gefängnis wandern muß. Das ist etwas so Ungeheuerliches, dofe die deutsche Regierung allen Anlaß hätte, diesen Fall als ein Schulbeispiel in der ganzen Welt zu plakatieren. Vor und in Locarno war uns versprochen worden, daß die Besatzung unsichtbar gemacht werden würde, statt dessen erleben wir d a s Gegenteil, statt dessen erleben wir, daß vier Jahre nach den Locarnoverträgen ein Deutscher unter den Augen der Engländer nicht einmal das Deutschlandlied singen darf! Wiesbaden wehrt sich. Worms als Sitz her Nhcinlandkommission in Aussicht genommen? Wiesbaden, 24. Okt. (Lpd.) Wie eine Wiesbadener Zeitung mit teilt, gibt es in Wiesbaden keine verfügbaren Räume, um den aus 350 Personen einschließlich Qlnfcmg bestehenden Apparat der R he i n l a n d k o in rn i s s i o n unterzubringen und die nötigen Privatwohnun- gen zu beschaffen. Eine Frankfurter Zeitungs- Meldung, wonach das ehemalige königliche Schloß in Aussicht genommen ist, sei falsch. Das Schloß ist wohl besichtigt worben, die Räumlichkeiten für Bureauzwecke reichen aber bei weitem nicht aus. Desgleichen ist das Groß- herzoglich luxemburgische Schloß in Biebrich in Erwägung gezogenword:n. da es vor allem in seinem sogenannten Winterbau im Westflügel größere Räumlichkeiten aufzuweisen hat. Das Schloß ist bekanntlich so gut wie leer, ist aber Privateigentum der Krone Luxemburg und müßte gegebenenfalls von ihr abvermietet werden. Aber auch im Stadtteil Biebrich würde es an Privalwohnungen mangeln. — Wie verlautet, soll jetzt Worms ernstlich in Frage kommen. Seitens der Stadt Wiesbaden wird, insbesondere auch in Berlin, alles unternommen, um eine Richtverlegung der Kommission nach Wiesbaden $u erreichen. In Koblenz sind zur Zeit 153 Famllienwohnun- gen und 20 Einzelwohnungen der Rh:inlandkom- rnisiion zur Verfügung gestellt. Die Wiesbadener Arbtttsgcmcinschaft zur Förderung des Kur- und Fremdenverkehrs, der 28 Organisationen mit rund 10 000 Mitgliedern angehören, faßte am Dienstagabend eine Entschließung gegen die Verlegung der Kommission nach Wiesbaden, die dem Reichsminister für die besetzten Gebiete zugeleitet werden soll. Oie Autonomisten im Kotmarer Generalrat. Stürmische Zwischenfälle. Kolmar, 25. Okt. (SIL) In der Eröffnungssitzung des Generalrates des Departements Oberrhein kam es zu stürmischen Zwischenfällen Die Polizei verwehrte den beiden auto- nvmistischen Generalräten R o s s 6 und Ricklin, die In Begleitung verschiedener Freunde erschienen waren, den Eintritt in den Sitzungssaal. Au ihren Einspruch hin wurde ihnen dann gestattet, im Zuschauerraum Platz zu nehmen Als von einem Generalrat die Aufhebung der Sitzung verlangt wurde, entstand eine heftige Auseinandersetzung, an der sich die Abgeordneten Brogly Kommt die Große Koalition im Reich? Besprechungen zwischen Zentrum und Sozialdemokraten. — Und was wird in Preußen? Berlin, 24.Oktober. heute vormittag fanden, dem „B. I.“ zufolge, im Reichstag Besprechungen zwischen Vertretern der Zenlrumsfraklion und der sozialdemokratischen Jtaf- tion über die Koalition im Reiche statt. An diesen Besprechungen nahmen von Zentrumsseite die Abg. Stegerwald und Esser, von sozial, demokratischer Seite die Abg. Dittmaun, Br. Breitscheid und Herz teil. Die Zentrumsoertreter machten die bekannten wünsche nach Sicherung einer dauerhaften Koalition geltend. Sie wiesen daraus hin, daß über eine Reihe wichtiger Punkte Klarheit geschaffen werden müßte, damtt die Koalition nicht bei der ersten kritischen politischen Frage gefährdet werde. Von beiden Seiten wurde die grundsätzliche Bereitschaft zur Großen Koalition ausgesprochen. Die Verhandlungen in Preußen werden, so schreibt das Blatt, wahrscheinlich er ff fortgeführt werden, wenn im Reiche eine Einigung erzielt ist. 3n parlamentarischen Kreisen wird zu dieser Mel- düng des „B. I.“ darauf hingewiesen, daß es sich nut um eine erste Fühlungnahme gehan- dell hat, die von den Beteiligten im übrigen oec- abredungsgemäß vertraulich behandelt werden sollte. 3n Zentrumskreisen ist man selbstverständlich dem Gedanken der Großen Koalition an sich nicht abgeneigt, wünscht aber die Klärung bestimmter Fragen Panzerkreuzer und Steuerfragen) zunächst herbeigeführt zu sehen, da vor einer endgültigen Bereinigung dieser Fragen mit einer Dauer der Großen Koalition nicht zu rechnen ist. Mit diesen Verhandlungen haben also die Ver- suche, dem Kabinett Müller eine festere Basis zu geben, wieder eingesetzt. Mit dem bisherigen Ergebnis kann aber der Kanzler vorläufig noch nicht viel anfangen, weil der festere Zusammenschluß der Regierungsparteien im Reich nach wie vor von der Entwicklung der Lage in Preußen, also von der Haltung der preußischen Sozialdemokratie abhängt. Daß die Deutsche Volkspartei sich nicht scheuen wird, dem Kabinett Müller jede weitere Unterstützung zu versagen, wenn man ihr nach wie vor den Eintritt in die Preußenkoalition ver- wehrt, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch aus der eben von dem Vorsitzenden der volksparteilichen Reichstaasfraktion, dem Abgeordneten Scholz, in Tilsit gehaltenen Rede geht klar und deutlich hervor, daß die Deutsche Volkspartei sich nicht noch länger mit leeren Versprechungen abspeisen lassen wird. Die Ausführungen des Abg. Scholz sind übrigens insofern recht bemerkenswert, als sie erkennen (affen, daß alle Verstimmungen, die wegen des be- kannten Telegramms Stresemanns aus Büh- lershöhe zwischen ihm und dem Außenminister entstanden waren, offenbar aus der Well geschafft sind. Weiter hat es Scholz aber auch geschickt Der- standen, unter Hinweis auf das Konkordat die Berührungspunkte zwischen Volkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten herauszuarbellen und damit die Notwendigkeit einer Hereinnahme der Volkspartei in die Preußenkoalition aufzuzeigen. Wir wissen nicht, welchen Eindruck die Hilfsstellung, die hier der Führer der Reichstagsfraktion der Deutschen Vollspartei den preußischen Dolksparteilern gewährt, auf den Ministerpräsidenten Braun machen wird, der bisher von einer Heranziehung der Volkspartei zu den Regierungsgeschäften in Preußen nicht allzuviel wissen wollte. So viel wird er sich aber wohl jetzt endlich sagen müssen, daß er seinen Parteifreund Hermann Müller im Reich in die denkbar schwierigste Lage hineinmanövriert, wenn er sich weiter gegen die Große Koalition in Preußen sträubt. uni) Abbe Haegh beteiligten, die die Zulas- ung Rossss und Ricklins verlangten. Der Vorsitzende teilte mit, daß Rosso und Rick- lin auf Anordnung des Imienministers nicht das Recht hätten, sich an den Sitzungen des Generalrates zu beteiligen. Darauf rief Rosso in den Saal, das Vorgehen des Innenministers fei ein Anschlag auf die Freiheit des el- äffischen Volkes. Dieser ZwischenrufRossss entfesselte wilde Lärmszenen, so daß sich der Vor- fihende veranlaßt sah, die Sitzung zu schließen. In einer neuen Sitzung wurde dann beschlossen, die beiden autonomistischen Abgeordneten ohne Rede- und Stimmrecht an den Generalratssitzun- gen teilnehmen zu lassen, bis in Paris über die Gültigkeit ihrer Wahl entschieden sei. polnische Schikanen in Pommerellen. Danzig, 24. Oft. (WB.) Dieser Tage ist die Leiterin des bekannten Töchterheims Scherpingen (Pommerellen), Fräulein Eva Förster, eine Danziger Staatsangehörige, wegen angeblicher staatsfeindlicher Gesinnung aus Polen ausgewiesen worden, nachdem das Heim selbst vor vier Wochen von der Behörde geschloffen worden ist. In der Angelegenheit ist der Senat bei der polnischen diplomatischen Vertretung in Danzig vorstellig geworden und hat die erforderlichen Schritte eingeleitet. Wie verlautet, ist bereits im Juli d. I. vom Schulluratorium in Posen die Auflösung des Töchterhei-ms gefordert worden. Für Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Oberleutnant Schulz. Berlin, 25.Oft. (Priv.-Del.) Ein schon länger angekündigter Antrag des Rechtsanwaltes Dr. Luetgebrune, Göttingen, zur Wiederaufnahme des Verfahrens, in dem der Oberleutnant außer Dienst Paul Schulz zum Tode verurteilt wurde, liegt nunmehr mit ausführlicher Begründung im Wortlaut vor. Der Antrag stützt sich auf 30 einzelne Punkte. Für diese 30 Punkte werden 61 Beweise angeboten. Rach den erbrachten Tatsachen und Beweismitteln sei die Tat der sogenannten „Feme"-Schuldigen an sich schon durch Rotwehr gerechtfertigt ober, wie der Antrag sagt, doch wenigstens durch gutgläubige Annahme der Rotwehr entschuldigt. Dementsprechend stellt Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune die Anträge: Die Wiederaufnahme des Verfahrens für zulässig zu erklären und die Erhebung bet angeb otenen Beweise anzuorbnen: bes ferneren die Erneuerung der Hauptverhandlung zu beschließen und schließlich die Strafvollstreckung gegen den Oberleutnant a. D. Schulz sofort zu unterbrechen. Tagung des Deutschen Beamtenbundes Berlin, 24. Oft. (VDZ.) In dem reich geschmückten Festsaal bei Kroll nahm der 6. Bundestag des Beamtenbundes, wie bet Vorsitzenbe Flügel betonte, der größten Deamtenorgani- fation der Welt, in Anwesenheit von 500 Delegierten und 1000 Gästen seinen Anfang. Der erste Tag dient im wesentlichen der Beratung interner Fragen. Der Verhandlungsleiter, Regie- rungsrat Dietrich, Kassel, erflärte, die Tagung solle die Abgrenzung gewerkschaftlicher und wir tsch af tspr aktisch e r Aufgaben, die Reform der Bundesverfassung, aber auch die Erörterung der Stellung der Beamten im Volks st aal bringen. Dann erstattete der Dundesvorsitzende Flügel den Tätigkeitsbericht der Bundesleitung, wobei er betonte, da das Deutsche Reich ein Berufsbeamten- tum auf öffentlich-rechllicher Grundlage besitze, fei in Deutschland Beamtenpolitik nur im Rahmen der Staatspolitik insgesamt zu betreiben. Die innenpolitische Atmosphäre sei nicht un- wefentlich entgiftet. Allerdings sei der Weg zum Einheitsstaat noch lang und dornenvoll. Die Besoldungsreform habe neue Unzufriedenheit geschaffen. Der Deutsche Beamtenbund werde auf Abhilfe hinarbeiten. Von den Be- amtenabgeorbneten müsse erwartet werden, daß I sie die Beschlüsse des DBB. beachten und sie in ihren Fraktionen durchsetzen. Besonders eingehend setzte sich der Redner mit den Angriffen Stegerwalds, Hellpachs und des Ienaer Privatdozenten Dr. Köttgen gegen das Berus sbeamten- tum auseinander. Eine Verwaitungsresorm, die nur auf eine Dezimierung der Zahl der Beamten hinauslaufe, lehne der DDB. entsch'.eden ab. Er verlange ein einheitliches Beamten* recht auf freiheitlicher und sozialer Grundlage noch in dieser Legislaturperiode. Zwischen De- amtenbund und Beamtenwirtschaftsbund werde eine reinliche Scheidung eintreten. Der Anschluß an den Gesamtverbcmd Deutscher Deamtengewerk- chaften bedeute keinen Kurswechsel. C i n i - ;ungsverhandlungen mit dem ADD. eien gescheitert, weil dieser einseitig an die freien Gewerkschaften gebunden sei. Deshalb könne man aber den DDB. nicht als Gegner der freien Gewerkschaften bezeichnen. Besprechungen mit dem Reichsbu nd der höheren Beamten foltert fortgesetzt werden. Mit dem Gewerkschaftsring fei ein Uebereinkvm- men obgefchlossen. In der Aussprache betonte Potzel (Reichs- finanzVerwaltung) die Unzufriedenheit der mittleren und unteren Beamten mit der Desoldungs- neuorbnung. Er verlangte bald ein Beamtenvertretungsgesetz. — Garbe vom Reichsverband der KommunaDea inten schllderte deren Kampf um die Anpassung ihrer Verhältnisse an die der Reichs- und Staatsbeamten. — Kolmsee vom Zentralverband der Beamten der unteren Laufbahn erklärte, daß die Besoldungsreform von 1927 den unteren Beamten teilweise sogar Rückschritte gebracht habe. — Die Diskussion war erst in den späten Abendstunden abgeschlossen. In feinem Schlußwort stellte der Dundesvorsitzende Flügel fest, daß nach dem Ergebnis der Aussprache sich der Deutsche Deanttenbund in seinen wesentlichen Aufgaben unb Zielen einig fei und somit eine festgefügte Organisation darstelle. — Die 'Beratungen werden morgen fortgesetzt. Oie Wiederaufnahme der Arbeit in der westdeutschen Textilindustrie. M.- Gladbach, 24. Oft. (WTD.) Die Wiederaufnahme der Arbeit in der M.-Glad - bacher und Dürener Textilindustrie auf Grund der gestern für verbindlich erklärten Schiedssprüche wird voraussichtlich am Montag erfolgen, lieber den genauen Zeitpunkt und über noch zu treffende Cinzelbesttmmungen wird noch verhandelt. Da hiermit der Arbeitsfriede in der Textilindustrie wiederhergestellt' ist, werden die von den Arbeitgeberverbänden beschlossenen Gesamtkündigungen der Textllarbeiter von Rheinland und Westfalen nicht durchgeführt. Die zum 27. Oktober ausgesprochenen Kündigungen werden in den nächsten Tagen zurückgenommen werden. Aus aller Wett. Raubmörder Johann Heidger gefangen. Köln, 25. Oktober. (WTB. Funkspruch.) Der Raubmörder 3ohann Heidger wurde heute vormittag in demselben Häuserblock, in dem er dieser Tage verschwunden war, und zwar in dem Oppenheimschen Hause, entdeckt. Die mit Karabinern, Handgranaten usw. ausgerüstete Polizei nahm eine förmliche Belagerung des Hauses vor und nach einem längeren Feuergefecht wurde Heidger durch eine Handgranate zwar nicht, wie anfänglich angenommen wurde, getötet, jedoch lebensgefährlich verletzt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Bei dem Kampf mit dem Verbrecher wurde auch ein Polizeibeamter lebensgefährlich verletzt. Ueberfall im Reichsentschädigungsamt Breslau. Im Zimmer des Letters der Zweigstelle Bredtau des Reichsentschädigungsamtes für Kriegsschäden erschim unangemeldet ein Mann, der, ohne ein Wort zu sagen, eine elektrische Tischlampe ergriff und sie gegen den stellvertretenden Leiter des Amtes warf. Rur dem Eingreifen eines ankeren Beamten war es zu verdanken, daß die schwere Lanwe ihr Ziel verfehlte. Der Aufforderung, das Zimmer zu verlassen, kam der Angreifer nicht nach, sondern ergriff das schwere Marmortintenfaß und schleuderte es zu Boden. Erst dem herbei gerufenen Polizeibeamten gelang es, den Tobenden zu überwältigen und zu fesseln. Rach den bisherigen Feststellungen ist der Täter ein Geschädigter aus Karlsruhe in Oberschlesien namens Hof reifer. Er machte einen geistig gestörten Eindruck. Für den nächsten Tag hatte sich ein zweiter Geschädigter angemeldet, der das Amt in die Lust sprengen will. Das Qünt ist von heute ab unter Polizeischutz gestellt worden. Lin amecikanisch-er Tantdampfer mit 45 Mann an Bord gesunken? In Boston wird befürchtet, daß der amerikanische Tankdampser „David Creed", der Eama- rang auf Java am 1. Oktober mit Bestimmung Philadelphia verlassen hat, während des heftigen Sturmwetters am 15. Oktober mit der ganzen Besatzung auf dem Atlantischen Ozean gesunken ist. Die Offiziere des Dampfers „Car- nifax" erklären, am 14. Oktober seien an Bord des „Carnifax" drahtlose Rvtsignale aif- gefangen worden, die vom Dampfer „David Creed" stammten und besagten, der Dampfer sei im Sinken begriffen. Der Dampfer „Carnifax" begab sich sofort an die in den Rotsignalen bezeichnete Stelle, konnte aber keine Spur des Tankdampfers mehr finden. Dagegen war das Meer in einem Umkreise von mehreren Meilen mit Petroleum bedeckt. Der „David Creed" hatte 45 Personen an Bord. Schweres Einsturzunglück auf Malta. In Hamrun auf d r Insel Malta stürzte eine im Bau befindliche Brauerei zusammen, wobei mindestens vier Personen getötet und 29 verletzt wurden. Der Einsturz er.ofgte b.i dem Versuch, einen großen außerordentlich schweren Kessel unferzubringcn. Bei dem Einsturz des Daches wurde das oberste Stockwerk mit* gerißen und die Schuttmas en schlugm den 3. und 2. Stock durch, bevor die dort beschäftigten Arbeiter Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen. Es steht noch nicht fest, wieviele Arbeiter sich noch unter den Ruinen befinden. Ausnahme des Meltrundsunks. Die ständig wachsende Ausbreitung des Rundfunks in allen Kulturländern hat schon lange den Wunsch reifen lassen, mit Hilfe der auf ihre Fernwirkung erprobten Kurzwellensender einen Rundfunkaustausch über Länder und Meere, einen Weltrundfunk, ins Leben zu rufen. Die Deutsche Reichspost hat diesen Gedanken frühzeitig aufgegriffen und auf Grund erfolgreicher technischer Versuche vor mehreren Monaten einen Kurzwellen-Rundfunksen - der größerer Leistung in Auftrag gegeben. Aller Voraussicht nach kann mit der Inbetriebnahme dieses Senders, der in der Rähe des Deutschlandsenders bei Königswusterhausen errichtet wird, im Februar 1 9 2 9 gerechnet werden. Damit wird der Plan eines deutschen Weltrundfunks Wirklichkeit. Der dafür benutzte Kurzwellensender wird in den Dienst der internationalen Verständigung gestellt, er wird deutsches Kulturgut über unsere Grenzen hinaus verbreiten und den im Ausland lebenden Deutschen durch Rundfunkempfang mit verhältnismäßig einfachen Geräten die Verbindung mit der Heimat bieten. Wo Ist die größte llnioersilal? Vor dem Krieg war die Sorbonne in P a r i s mit ihren 16 000 Hörern die größte Universität der Welt. Es folgten bann die Berliner Universität mit 14000, die M o tauet und die Wiener mit je 10 000 und die Petersburger Universität mit 8000 Hörern. Heute hat sich das Bild wesentlich verändert. An erster Stelle kommt die Columbia- Universität in Reuhork mit über 32000 Hörern, bann Paris mit 22 000; es folgen weitere neun an bete amerikanische Universitäten, darunter die von Montreal in Kanada mit 21 000. Berlin zählt 12000, Bukarest 11 000. Moskau 10500 und Wien 10000 Hörer. Oie Wetterlage. Blrennns -^-■lan rtaycn- ROst lordoyi Btgdth la toruna' ©m Berlin MitU/och, 4 24. Okt. 1928,7 Ws. Owomenros. e neuer. Q naro Bedecat. ® woikiq. e oeaecai • Reflex '* Schnee a Graupeln, b «eDei K Crwittcr® Windstille. sehr » v'^er ft?,1i9en »f<6tt n±>« ® Ä 1 Mi rn. btt £ "Nid d^Kr -N ■• »*a*s on ^ °°k Nalla. ..’Ä'i« Ur“*et K-°r gftsss eUnmbfantj. W der auf ihre t*«* uni ms Leim ju rufen. lQl diesen Gedanken au! Grund erfolg, °vr mehreren Mona- 'Rundfunkfen - M in Auftrag ge- uch tm mit der In- irS, der in der Aähe :l Kvnigswufterhaufen 'u°r 1929 gerechnet Plan eines deutschen klichleit. Der dafür be >ird in den Dienst dec gung geßellt, er wird unsere Grenzen hinaus lllslanö lebenden Deut- [>fang mit Verhältnis- die Verbindung n. t lloioersitat? die Sorbonne in Ern die größte Uni« jten Dann Die 3er« i 14000, die Mv»- t mit \t XOOßO und iverMt mit 8000 hö- 1 2ild wefentlich der« mmtlr.e Columbia« lyori mit über 32 000 i 22000: es folgen lvei« ikanifche Universitäten, ireal in Kanada mit 000, Vukareft 11000, Dien 10 000 Hörer. ieckge. tetw •««* rtsg -#**** Udtf»"** »rausiaö^ uni rJEbsS W-- t tflr®fln 1(N w- Aus der Vrovmzialhauptstadi. Tiehen. den 25. Oktober 1923. Ein wehmütiges Wiedersehen. Beim Graben meines Gartens fand ich dieser Tage ein Hufeisen, kein großes von einem Pserd, sondern ein Stiefeleisen. Ich wollte es in das Gefäß, das für die Steine usw. bestimmt ist, werfen, als ich plötzlich innehielt und das Eisen nachdenklich in der Hand behielt. Es war von meinen Wanderschuhen, die ich einst in den letzten Kriegsjahren gegen einen Bezugsschein erworben hatte. 3d) sah mich im Geiste auf das zuständige Amt pilgern und gedachte meiner Bemühungen, um dem Herrn dort klarzumachen, daß ich unbedingt neue Schuhe haben müßte. Wie glücklich zog ich dann mit dem Bezugsschein ab! Ich fühlte mich wie ein König, und stolz gings hinein in das Schuhgeschäft, wo mich der Inhaber lächelnd begrüßte und mir sagte, daß er gerade ncch ein Paar St-»-sel Kr mich hätte. Aber nur deshalb, weil ich eine so große Hummer brauchte. (45!) Ja, die Stiefel waren tadellos, wenigstens das Oberleder. Die Sohlen waren mit Aägeln und dem erwähnten Hufeisen beschlagen, wohl weil die Sohle doch etwas Ersah darstellte. Das Futter war jedenfalls nur Papier. Trotzdem griff ich zu und trug meinen Schatz sorgfältig nach meiner Wohnung. Meine Freunde beneideten mich um die schönen Stiefel, und ich hielt sie in Ehren. So ganz wasserdicht waren sie freilich nicht. Das merkte ich, als ich in einem strömenden Regen über Land gehen mußte. Alber m diesen Jahren muhte man ja über manches hinwegsehen. Wie oft machen unsere Kinder ungläubige Gesichter, wenn wir ihnen erzählen, daß wir für Brot, Fleisch, ja sogar für Rudeln, Haferflocken und Zucker besondere Karten haben mußten. Alle- war rationiert, und für alles mußte man Ausweise mitbringen. Cs waren merkwürdige Zeiten, und es will mir oft scheinen, als ob wir das alles nur geträumt hätten. Das Hufeisen aber zauberte noch andere Bilder herauf. Ich sah mich mit meinen Freunden tief im herrlichen Schwarzwald, im Harz, in den Wäldern Thüringens: wir durchwanderten die Lüneburger Heide, bestiegen das Schiff und fuhren nach Helgoland. Unö in den schlimmsten Zeiten, 1923, als das ^lebernachten 100 000 Mark kostete, trugen mich meine Wanderschuhe in die deutschen Alpen. Mein Freund lächelt« damals über die mächtig beschlagenen Schuhe. Denn in den Bergen, meinte er, gehe man am besten mit ganz leichten Schuhen. Er hatte recht. Ich verlor die Sohle, die Sohlen muß ich schon sagen: denn mein braver Schuster hatte aus Angst, die Schuhe gingen auseinander, immer eine Sohle auf die aichere gelegt, und bestieg die Berge mit meinen Sandalen. Trotzdem wurden die Wanderschuhe noch einmal gerettet, und ich habe sie noch oft getragen. Bis sie dann in den wohlverdienten Ruhestand traten und ein stilles, beschauliches Dasein in dem Schuhschrank führten. Aber eines Tages waren sie verschwunden. Meine Frau lächelte auf meine Frage, lächelte ganz grausam. Denn in diesem Punkte sind Frauen unerbittlich. Sie hatte die Stiefel nämlich bei ihrer letzten Wäsche verbrannt! „Schade," sagte ich, „ich hätte sie doch gern $ut Erinnerung behalten." Die Asche kam dann in den Garten, mit ihr das Hufeisen, das ich heute beim Graben wieder fand. Sic transit gloria mundi, sagt der Lateiner, auf deutsch etwas umgewandelt: So vergeht alles Schöne auf Erden! — Mir wurde von einer Dame erzählt, daß sie in einem besonderen Schränkchen allerlei Erinnerungssachen aufhebt. Da liegen die ersten Milchzähnchen ihres einzigen Sohnes, die ersten Schühchen, die Schönschreibhefte aus der Schule und vieles andere. Abends, wenn alles still im Haus ist, seht sie sich hin und nimmt diese Gegenstände in di« Hand, betrachtet sie und gedenkt vergangener Zeiten. Es sind wehmütige Er- innerungen, die da auftauchen. Aber solche Stunden sind jedenfalls wertvoller, als wenn wir uns im Caf6 oder im Kino vom Lärm des Tages umspülen lassen. Zurückschauen in die Vergangenheit gibt uns oft wieder Ruhe und Zufriedenheit, und führt uns, um ein neuzeitliches Schlagwort zu gebrauchen, zur Besinnlichkeit. — Mein Hufeisen aber hat ein ehrliches Begräbnis erhallen. Auch eine stille Gedächtnisrede hat nicht gefehlt. Die verrate ich aber nicht. G. Daten für Freitag, 26. Oktober 1928. Sonnenaufgang: 6.42 älhr, Sonnenuntergang: 16.45 Uhr. — Mondaufgang: 16.11 Uhr, Monduntergang: 2.50 IHjr. 1757: der Staatsmann Friedrich Karl Freiherr vom und zum Stein in Rassau geb. — 1800: Graf Helmuth von Moltke in Parchim geb. — 1828: der Landwirt Albrecht Thaer in Möglin gest. Von der Kraftpostlinie Ulrich- st ein — Lauterbach. Nachdem die Walzarbeiten auf der Straße zwischen Rebgeshain und Hopf- mannsfeld beendet sind, verkehrt der Postkraftwagen der Krastpostlinie Ulrichstein—Lauterbach (Hessen), der seither über Engelrod—Eichelhain—Eichenrod— Hopfmannsfeld geleitet wurde, seit gestern wieder fahrplanmäßig über Engelrod—Hörgenau—Hopf- mannsfeld. .** Schwere Anschuldigungen gegen einen Beamten unseres Schlachthofes sind von einem Metzgermeister, der früher hier an- sässig war, erhoben worden. Nach diesen Anschuldi- gungen soll der Hallenmeister M. unrichtige Verwiegungen zum Nachteil des Metzgermeisters vorgenommen haben. Da die Stadtverwaltung Wert daraus legt, daß die Sache einwandfrei und restlos aufgeklärt wird, hat sie die Angelegenheit zur Untersuchung an die Staatsanwaltschaft geleitet. Durch das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Nach- Prüfung muß sich erweisen, ob die Anschuldigungen, deren Berechtigung von dem Beamten bestritten roirb,~begründet sind. Man wird bis zur völligen Aufklärung des Sachverhalts mit feinem Urteil zurückhalten müssen. ** Sin Heimatfilm aus Stadt und Kreis Gießen wird am kommenden Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße zur Vorführung kommen. Der Film soll neben dem unterrichtlichen und volksbildnerischeit Zweck noch der Derkehrswerbung dienen. Er wird deshalb auch in anderen Städten gezeigt werden. Räheres in der heutigen Anzeige. ** D ie Firma I. Schmücker Nachf., Inh. Kaufmann Walter Siesel, öffnet am morgigen Freitagnachmittag die Pforten ihrer durch einen großzügigen Umbau erweiterten Geschäftsräume in der Marktstraße. Zu dieser Erweiterung hat die Firma Schmücker bekanntlich die Geschäftslokalitäten zweier arrderer, neben ihrem Ladengeschäft gelegener Firmen hinzugenommen, außerdem raxf) im ersten Obergeschoß große Räume erworben. In 2VrMonatiger Umbauarbeit nach dem Entwürfe und unter der Bauleitung des Architekten PH. Ricolaus hat der Bauherr sich hier ein Geschäftshaus nach großstädtifchern Zuschnitt geschaffen, das man als ein weiteres wertvolles Glied in der Reihe unserer modernisierten Gießener Unternehmungen bezeichnen muß. An Stelle der bisherigen beiden verfügt das Unternehmen jetzt über eine Front von fünf großen Schaufenstern und zwei Auslagen am Eingang, dir durch neuartige drehbare Einrichtung der Rückfronten ein besonderes Gepräge erhalten. Der frühere Geschäftsraum im Parterre hat durch die Hinzunahme der neuen Ladrnräume eine wesentliche Verbreiterung nach der Seite zu erfahren, wobei man gleichfalls auf eine wohlgelungene neuzeitliche Ausgestaltung „Finden Sie, daß Constanze sich richtig verhält?" vorgesehen. — Der Verein für deutsch« Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen, hält die diesjährige Körung im Rhein-Main-Bezirk am kommenden Sonntag ab. In der heutigen Anzeige wird dazu eingeladen. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. V. D. 21.: Ortsgruppenabend, 8 Uhr, im Universitäts- Cafs. — D. H. V.: Vortragsabend, 8.15 Uhr, im Katholischen Dereinshaus. — Verein der Gastwirte von Gießen und Umgegend e. V.: Generalversamm- lui.g bei Kobel, Liebigstraße. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sein letzter Befehl." — Astoria-Licht- spiele: „Die kleine Sklavin". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgen stattsindenden Auf. führung von Rudolf Presbers „Ballerina des Königs" zur Feier seines 60. Geburtstages spielt Maria K o ch die Titelrolle. Es wirken ferner mit die Damen Brack, Heß, Jahn, Jüngling, Krahmer, Scherer und die Herren Arzdorf, Baste, de Castro, Ebert-Grassow, Gareis, Gehre, Goll, Haeser, Knur, Linkmann, Ritter, Schubert, Tannert, Volck, Wese- ner. Spielleitung Rudolf Goll, Bühnenbild Karl Löffler. — Am Sonntag, 28., findet die erste Vorstellung des Kammerspielzyklus statt, den das Stadttyeater mit dem Goethebund veranstaltet. Zur Aufführung gelangt „Die Mit chuldigen" von Goethe (Musikalische Darbietung Co legium musicum der Universität). Abends 6 Uhr i t als Fremdenvorstel- fung Bedacht genommen hak Don hker and gelangt man über eine breit« und bequeme Treppe nach den Verkaufsräumen im Obergeschoß, die auf der rechten Seite die Abteilung Herrenkonfektion mit allem was dazu gehört, enthält, während auf der linken Seite di« Abteilung Damen- und Mädchenkonfektton mit allem Zubehör untergebracht ist. Zur Vervollständigung der Abteitwrg Damenkonfektion sind hier Atelier- und Anprobierräume geschaffen worden, damit den Wünschen der Käuferinnen in weitgehendem Maße entsprochen werden kann. Eine moderne Brleuch- tungSanläge, bei der unter Zuhilfenahme von Scheinwerfern hx den Abendstunden künstliches Tageslicht in den Verkaufsräumen verbreitet xmd dadurch die Unlerscheidungsmöglichkeit zwischen ähnlichen Farben geschaffen wird, vervollständigt den guten Eindruck, den der Besucher von der Ausstattung und zweckmäßigen Gliederung dieser Geschäftsräume erhält. Reben den früheren Verkaufsartikeln hat die Firma Schmücker jetzt nach ihrem Anschluß an den großen Katz-Michel- Textileinkaufskonzern noch eine ganze Anzahl neuer Warengattungen in ihr Verkaufsgeschäft ausgenommen, und auch nach dieser Richtung hin ihr« Onmblage wesentlich veichreitert. Das Unternehmen wird dadurch in die Gage verseht, den verschiedenartigsten Wünschen der Stadt- und der Landkundschaft gerecht werden zu können. ** Auftrieb zum heutigen Frankfur- ter Schlachtoiehmarkt: 830 Kälber, 650 Schafe und 380 Schweine. (Weitere Lokalnachrichlen im 2. Blatt) Oer Hauseinsturz in Frankfurt a. M WSR. Frankfurt a. M., 23. Ott. Dor der hiesigen Straftammer begann heut« die De - rufungsverhandlung im Prozeß gegen den Architekten Friedrich Kaufmann und den Ingenieur Heinrich Flach, die wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu vier Monaten bzw. anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt worden waren. Wie erinnerlich, trug sich am 21. Februar v. I. auf dem Grundstück Mainzer Landstraße 155 ein außerordentlich schweres D auung lü ck zu. Dort stürzte das Dach eines Kino-ReubaueS infolge zu starker Belastung durch eine dicke Schneeschicht ein. Dabei wurden vier Arbeiter getötet und etwa ein Dutzend mehr oder weniger schwer verletzt. Aus der Vernehmung der Angeklagten, die am ersten Derhandlungstage noch nicht abgeschlossen werden konnte, ergab sich, daß jeder der Angellagten die Verantwortung für den Zusammensturz des Hauses auf den andern abzuwälzen versuchte. Die Verhandlung wird mehrere Tage in Anspruch nehmen. Berliner Börse. Berlin, 25. Ott. (WTB. Frvnkspruch.) Auch der heutige Frühverkehr bracht« nichts neues. Er liegt wieder vollkommen geschästslos. Die Grund st immung ist aber nicht unfreundlich. Di« erholten gestrigen Nachmittagskurse scheinest sich behaupten zu können. Wieseck, den 24. Oktober 1928. J265D 9378D Uhr Unser Rateiuyitem macht es Ihnen leicht W 5 Tage zur Ansicht franko und Lützellinden, Dutenhofen, Großen-Llnden, den 25. Oktober 1928. unver- bindl. Stand- u. Wanduhren, sowie Taschen- u. Armbanduhren, 14 Kar. Gold u. 800 Silber, hochmoderne Formen, erstklassige Schweizer Werke mit 5 Jahren edirlftllcher Garantie, bis 12 Monate Kredit, von Mk. 2 — pro Woche, anzuschaffen. Jede Uhr 5 Tage zur Ansicht Wir liefern direkt an Private Die Beerdigung findet Freitag, den 26. Oktober, nachm. 2 Uhr, statt. 07536 Luise Kutsch Dr. med. Wilhelm Kutsch u. Frau Lizzy geb. Köser 2 Enkelkinder. Gießen (Ludwigstraße 38), Hamburg, den 23. Oktober 1928. Die Beerdigung findet Freitag, den 26. Oktober, nachmittags 4 Uhr, aut dem Neuen Friedhof statt Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. Heute abend Ist unser lieber, guter Vater, Schwiegervater und Großvater ProfessorEmst Kutsch Oberstudienrat i. R. im 73. Lebensjahre sanft entschlafen. In tiefer Trauer: zu staunend niedrig. Preisen ohne irgendwelchen Aufschlag. — Verlangen Sie noch heute unseren Katalog, es kostet Sie nur eine Postkarte. 9299V Es ist der Herr, er tue was ihm wohlgemut. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe, treue Gattin, unsere unvergeßliche Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Fran Marie Engel Seh. Inh gestern mittag, im Alter von 29 Jahren, zu sich in die ewige Heimat abzurufen. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Karl Engel, Schreinermeister Familie Luh Familie Engel. Danksagung. Für die vielenßeweise herzlichen eilnahme beim Heimgänge unseres Heben Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Heinrich Jung III. 8 Vergiß bitte nicht 1 Paket„Aechi Franck“ mitzubringen, fonft bekommet Du morgen früh nicht Deinen gewohnt guten Kaffeel Du darfft aber nichts anderes bringen/— Verlange ausdrücklich das feine und ausgiebige Zichorienkaffee-Erzeugnis । Aechi Franck A mit der Kaffeemühle M Satt- meta Nrrbikos-f! Schneiden, Waschen, Ondulieren, Wasserwellen bei Sevdtaand witznev Damen- u. Herren-Salon, Äeuenweg 22 9187V CZ I Hallo CZ r Hotel Prinz Carl, Gießen, Seltersweg 40 findet diesmal im Samstag, den 27. Oktober, von 3-7 Uhr Dienstag, den 30. Oktober, von 10-12 und 3-7 Uhr Verkauf findet nicht stattI Eintritt frei! «3«fr an folgenden 4 Tagen statt 11-1 und 10-12 und 3-7 Uhr 3-7 Uhr Ausgestellt sind die neuesten Modelle: Weiß- und Bunt-Stlckerei, moderne Kelim- und Smyrna-Arbeiten, aparte Woll - Arbeiten usw. sowie die beliebte Jrak- Tepplch-Knüpf-Arbeit Die alljährliche Große Handarbeits-Ausstellung (Haus der Handarbeit) Sonntag, den 28. Oktober, von Montag, den 29. Oktober, von ................................................................................ Illi .'hOH:h^lN!|l;cn", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 11 Sommerjacken, drei Windjacken, sechs Damenkleider, zwei prinzeßröcke, einen prlnzeßschlüpfer, eine Hausschürze, drei Büfetts, eine Schärfmaschine, vier Ladentheken, einen Heißwasserapparat, sechs Dutzend Handtuchsgebtide, eine Schreibladenkaffe, zwei Fahrräder, eine Strick- maschine, zwei Schreibtische, eine Schreib- maschine, sechs Kartons Schokolade, zwei Kleiderschränke, eine Waschkommode, einen Sekretär, eine Nähmaschine, drei Tische, 30 Mistbeetfenster, eine Partie Spielwaren, einen Sprechapparat mit 8 Platten, ein D-Nad, zwei Sofas, eine Chaiselongue, drei Seffet, zwei Kastenwagen, ein Vertiko, ein Diwan, zwei Kredenzen, ein Klavier, ein Bild mit Goldrahmen. 93320 2. Ferner an Ort und Stelle: (Bekanntgabe erfolgt im obigen Dersteigerungslokale): eine Drehbank, zwei Schreibtische, eine kompl. Cmaillier- und Vernicklungsanlage. Apflhol Gerichtsvollzieher in Gießen Vvvvvl Dammstraße 241, Telephon 239. 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Oktober (928 Don unserem römischen ^»Korrespondenten. Rom. Oktober. In einem jener abgeschmackten Theaterstücke, die Berlin alljährlich als Repräsentanten der deutschen Kunst ins Ausland schickt, kommt ein Graf vor. Soweit nichts Besonderes. Run erhebt aber ein bürgerlicher Snob seine Augen zu dem Grafentochterlein, worauf die noch aus der Marlittzeit stammende Mutter des Vermessenen die Arme ringt: „Aber bedenke doch, figlio mio, ein Conte! Ein Eon — te —1“ An dieser Stelle erhob sich in Rom allgemeines Schütteln des Kopfes. Unverständiges Grinsen. Wegwerfendes Ach'elzucken. Denn was ist das schon, ein Conte? Jeder Besitzer eines altersgrauen Landhauses ist Conte. Wie jedes erste Semester in Deutschland Doktor ist. Vielleicht hat sich der Heberseher in den italienischen Adelssitten und -Wappen nicht so recht ausgekannt. Ein richtiger Graf entspricht im Rom der zahlreichen Patrizier schon eher einem Principe, wie zum Beispiel der bisherige Gouverneur Principe Potenziani seinem Rachfol^er Principe Boncompagni die Tore des Kapitols geöffnet hat. Conte hingegen kann auch ein Mann sein, dessen Vorfahren zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch mit Gipssigürchen handelten. Denkt man noch an die zahllosen Marchese und Barone, so begreift man allmählich die g e r i n - ?ere Einschätzung des Adels in 3 taten. Das „von", das „de" vor dem Ramen hat schließlich alle Begriffe verwirrt — besonders im Ausland, wo man allzuleicht geneigt und gewohnt ist. in einer einfachen Herkunftsbezeichnung Wappenglanz zu wittern. Freilich tragen gerissene L. Gietzerrer Wochenmarktpreise Es kosteten auf dem heutigen Wvchenmarkt: Butter Pfund 1.90 bis 2.00; Matte 30 bis 35; Käse 60 bis 1.40; Wirsing 12 bis 15; Weih- kraut 8 bis 12; Rotkraut 12 bis 20; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 30 bis Motors usw. etwa 4000 Mk. H versprach ihm nach Ginreichung eines Hypoth^enbriefes Auszahlung des Nominalbetrages, abzüglich Provision und sonstiger Kosten. Während der Zeuge behauptet, nach unö nach insgesamt 2800 Mk. erhalten zu haben, bleibt Sy dabei, den Hypothekenbrief in voller Höhe valuttert zu haben. Zwecks Aufklärung der sich widersprechenden Angaben ordnete das Gericht für die morgige Sitzung die Vorlage der Unterlagen an. Einem Eisenbahnsekretär i.R. versprach H. gegen Einreichung eines H pothekenbriefes über 5000 Mk. Zug um Zug sofortige Auszahlung von 3000 Mk. in bar und Aushändigung einer notariellen Bescheinigung über Rückzahlung der restlichen 2000 Mk. am gleichen Tage. Tatsächlich erhielt der Zeuge aber nur zusammen 1 000 Mk. ausbezahlt, was er nur dadurch erreichte, daß er über «inen Zeitraum von ungefähr zwei Monaten H. wöchentlich mehrmals an Einlösung seines Versprechens erinnerte bzw. mit Klage drohte. Durch sein energisches Vorgehen blieb der Zeuge vor grö he - rem Schaden bewahrt. Gegen Rückzahlung des empfangenen Geldes erhielt er einige Monate später seinen Hypothekenbrief zurück. 3n einem anderen Falle suchte ein Schuhmacher und dessen Schwiegerva.er bei H. um Geldbeschaffung nach. Letzterer benötigte 700 Mk. H. verlangte Einreichung eines Hypothekenbriefes in Höhe von 2000 Mk. und gleichzeitig Ausstellung eines Blankoakzepts, das dann H. unbefugt über 1800 Mk. lautend ausstelfte. Außer einem Betrag von 200 Mk. hat er von H. nichts er- hcrtten. Trotzdem wurde er, da H. den Hypothekenbrief weitergegeben hatte, hieraus später in Anspruch genommen, so daß er einen Schaden von 1800 Mk. erlitten hat, wozu noch die Kosten im Betrage von 500 Mk. kamen. Die Weiterverhandlung findet am Donnerstag statt. 35: Römischkohl 10; Anter-Kohlrabi 8 bis 12; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 50 bis 60; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 18; Meerrettich 50 bis 1,50; Aepfel 20 bis 35; Dirnen 10 bis 25; Zwetfchen 15 bis 18; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 90 bis 1,10; Rüsse 60 bis 1,00; Eier Stück 16 bis 17; Dtrvmenkohl 50 bis 1,50; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 30; Ober-Kohlrabi 5 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 20 bis 50; Radieschen Bund 15. ** Der Weltspartag wird verlegt. Noch im vergangenen Jahre fiel der Weltspartag auf den 31. Oktober, also auf den Tag des Reformations- gedenkens. Mit Rücksicht auf die von kirchlicher Seite geäußerten Wünsche wurde für dieses Jahr der Tag vom 31. auf den 3 0. O k t o b e r verlegt. Ferner wird Vorsorge getroffen werden, daß der Weltspartag — 30. Oktober —, falls er auf einen Sonntag fällt, am Tage vorher begangen wird. Der Weltspartag hat die Hoffnung ausgesprochen, daß nach Beseitigung dieser Schwierigkeiten die deutschen evangelischen Kirchen der volkserzieherischen Arbeit der öffentlichen gemeinnützigen Sparkassen am Weltspartage ihre Unterstützung zuteil werden lassen. •• Wohlfahrtsmarken. 3n der Zeit vom 15. Rovember bis 31.3anuar 1929 werden durch die Dostanstalten und die Deutsche Rot- hllfe Wohlfahrtsmarken mit Länderwappen zu 5, 8, 15, 25 und 50 Pfennig, sowie eine Wohlfahrtspost arte zu 8 Pfennig zum tvppetten Rcnn- wert (die Wertzeichen zu 8 Pfennig für 15 Pfennig) vertrieben werden. Die Wertzeichen sind bis Ende April 1929 zum Freimachen von Postsendungen im 3nland* und Auslandverkehr gültig. •* Verein ehem. Kavalleristen von Gießen und Umgebung. Man berichtet uns: Die Gründungsfeier am Sonntag im „Postkeller" übertraf alle Erwartungen.' Der Saal erwies sich als zu Eiern. Viele Kameraden anderer Vereine waren erschienen, die üjre Sympathie zum Ausdruck brachten und versprachen, dem neuen Verein auch künfttg ihre Unterstützung zuteil werden zu lassen. U. a. waren zugegen Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der hiesigen Militär- und Regimentsvereine, des KriegerKopenhagener Allerlei. Von unserem ständigen v. M.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I Kopenhagen, Oktober 1928. Kopenhagen ist eine Stadt, in der man sein Auto — wenn man nämlich eins hat und die Garage sparen will — nachts vor der Tür stehen lassen oder sein Fahrrad acht Tage lang irgendwo am Bürgersteig vergessen kann, ohne einen unerwünschten Defihwechsel fürchten zu müssen. 3m schlimmsten Falle nimmt« die Polizei, sonst niemand — vielleicht aus Tugend, vielleicht auch nur infolge Ueberangebots. Deswegen soll man aber nicht gleich ins Extrem verfallen und meinen, daß Kopenhagen sich feinen zeitgemäß-großstädtischen Schwerverbrecher leisten kann. So rückständig ist man denn nun doch nicht! Da wäre z. D. Svend Aage Schöndorfs- Hansen, der Mann mit dem Doppelnamen und der weit mehr als doppelten Moral. Herr Schöndorfs-Hansen pflegt sich gelegenllich einen programmwidrigen Hasturlaub zu nehmen und, mit einem Restguthaben von drei bis vier 3ahren Zuchthaus, „unbekannt zu verziehen". So auch im vorigen Herbst. Als man ihn mit vieler Mühe fand, zeigte der rohe Mensch keinerlei Wiedersehensfreude, sondern entwich erfolgreich unb spurlos durch das Fenster. 3m Gegensatz zu anderen Urlaubern bat Svend Aage das Bedürfnis sich auch während dieser Zeit beruflich zu betätigen. (Teils so, teils anders.) Diesmal — mit falschem Bart und Brllle — als Glasermeister am Vodrosfsvey. Vermutlich vom Gedanken ausgehend, daß das Glaserhandwerk allein eine reichlich spröde Angelegenheit ist, suchte und fand Schöndorfs die bewußte kleine Nebenbeschäftigung. Sechsmal verlief alles befriedigend — wenngleich einseitig nur «für \ h n. Beim siebtenmal aber geschah folgendes: kaum in der Schouschen Buchhandlung nächtlicherweile so recht warm geworden mußte der ehrsame Glaser die Entdeckung machen, daß die Pollzei — von mißgünstigen Hausbewohnern benachrichtigt — alle AuSgänge besetzt hatte. Kurz entschlossen warf Schöndorff-Hansen Mantel und Rock ab, verbarg sie im Mülleimer auf dem Hof und eilte der Polizei mit dienstfertigen Bücklingen entgegen. Nicht wahr: Wenn ein Mensch in Hemdsärmeln mitten in der Nacht der Einlaß heischenden Staatsgewalt die Tür ausschlieht und längere Zeit eifrig an der Suche nach dem Diebe teilnimmt — dann ist es doch ganz gewiß der Hausmeister? Besonders, wenn er sich ausdrücklich zu diesem Antt bekennt und den Einbrecher „zuerst gehört" haben will! Die Polizei berät sich also mit dem wachsamen Hausgeist und hat auch nichts dagegen, daß er „schnell mal eben“ auf die Straße hinausläuft. Warum auch nicht? Vielleicht ist ihm ein Gedanke gekommen, vielleicht findet er was.... Das ist doch ganz logisch! So logisch, daß Schöndorff-Hansen tatsächlich etwas findet — nämlich ein fremdes Fahrrad, auf dem er — (wider alle Kopenhagener Traditton) das Weite sucht und abermals findet. Nachher fragt der drauhenhaltende Polizei- Chauffeur seine Kameraden, wer denn der Mann gewesen sei, der es mit dem Fahrrad so eilig gehabt habe. Und dann werden auch Rock und Mantel gefunden... Kurze Zeit darauf hatten sie ihn wieder. Ob für lange? 3n einem großen Kopenhagener Konfektionshaus sind in letzter Zeit alle Rohre gewisser unvermeidlicher — je und je wasiergespülter — Einrichtungen chronisch verstopft gewesen. Da keinerlei Abführung verschlug und die Sache nachgerade begann, unerträglich bzw. anrüchig zu werden, schritt man energisch zur Tat: jene Kanalisation wurde freigelegt und sachkundiger Prüfung unterworfen. 3ch will es kurz machen: man förderte aus dem Kniegelenk der Grube 1500 — sage und schreib« fünfzehnhundert — Paar seidene Damen st rümpfe zutage. Tatsächlich, ohne jede Uebertreibung! Da nun auch die rätselhaftesten Dinge eine Erklärung haben müssen, sei sie hiermit gegeben: wenn es immerzu so regnet, wie in diesem Sommer und Herbst in Dänemark, und wenn Schlamm die Sttaßen überzieht und die Autos spritzen, dann werden seidene Damenstrümpfe leicht unansehnlich. Wenn ferner besagte Strümpfe 30 Prozent der sichtbaren Kleiduna ausmachen, dann totll man doch dem Schaden abhelfen! Man geht also in ein Konfektionsgeschäft, kauft neue und _ zieht sie gleich an Ort und Stelle an. Natürlich da, wo's niemand sieht. Die schmutzigen Strümpfe nimmt man gar nicht erst mit, sondern ... Sehr einfach — nicht? Wissen Sie was „zivile Wehrpflichtige" sind? 3a, das sind Leute, die nach dänischem Gesetz — aus Ueberzeugungsgrünben — nicht mit der Waffe zu dienen brauchen. Seinerzeit trat diese Art epidemisch auf, so daß man sich entschloß, sie in einer Waldbaracke zu sammeln und dem nachweislich friedlichen Geschäft des Holzhackens zuzuführen. Nun aber ist mit einer regelrechten, ausgewachsenen Ueiberzeu- gung nicht zu spaßen. Das zeigte sich insofern auch hier, als die braven Zivilsoldaten ihre scharfgeschliffenen und daher immerhin „kriegs- verwendungsfähigen" Aexte schaudernd beiseite legten und in die heimatlichen Gefilde entwichen. Die Obrigkeit mußte sie dann ausipüren, an den Ort der Tat zurückschaften, bestrafen usw. Es gab also allerhand Scherereien, wie das bei Ueberzeugungsgegensähen nicht auszubleiben pflegt. 3etzt sind diese Zeiten gottlob vorbei — doch dafür gibt es auch noch zwei Zivilwehrpflichtige und keine Waldarbeit. Die beiden „endemischen Falle" haben tagaus tagein genug damit zu tun, ihre Baracke sauber zu halten unö_ sich das Essen zu kochen. Die Freistunden gehören uneingeschränkt dem Schlaf. Es soll ihnen gut gehen und sie kosten auch was. Nämlich dreitausend Kronen pro Mann und „Dienstzeit". Unb auch der Wächter hat sein Brot ... Ritte über Tolstoi. Die Bekanntschaft mtt Tolstoi gehörte zu den großen Erlebnissen Rainer Maria Rilkes, und so ist die Schilderung dieser Begegnung. die im neuesten Heft des ,3 n s e l s ch i f f s" veröffentlicht wird, ein nicht minder wertvoller Beitrag zur Psychologie des genialen Lyrikers als zur Kenntnis Tolstois. Rille machte die Reise nach Rußland mit Lou Andreas-Sa- lomä, die Tolstoi bereits näher kannte. Sie kommen im Mai 1900 nach 3afnaja Poljana, und über ihr Erlebnis schreibt Rille aus Tula am 20. Mai an Sofija Nikolajewna Schill: „Der älteste Sohn öffnet die Glastür, und wir stehen im Flur dem Grafen gegenüber, dem greifen Mann, zu dem man immer wie ein Sohn kommt, selbst wenn man nicht unter der Gewalt seiner Väterlichkeit bleiben will. Er scheint Heiner geworden, gebeugter, weißer, und wie unabhängig von dem greifen Körper erwartet das schattenlos llare Auge die Fremdlinge und prüft sie mit Absicht und segnet sie unwillkürlich mit irgendeinem unsagbaren Segen." 3m Hause herrscht Unruhe, und die Besucher sind glücklich, als ihnen Tolstoi einen Gang durch den Park vorschlägt. „Wir gehen langsam die engumwachsenen langen Wege entlang in reichem Gespräch, das vom Grafen Wärme und Bewegung empfängt. Er spricht russisch, und wo der Wind mir nicht die Worte verdeckt, verstehe ich jede Silbe. Er hat die linke Hand unter feiner Wolljacke in den Gürtel geschoben, die rechte ruht auf der Krücke des Stockes, ohne sich schwer aufzustützen, und er bückt sich von Zett zu Zett, um mit einer Bewegung, als wollte er eine Blume mit dem um sie stehenden Duft einfangen, ein Kraut zu pflücken, aus der hohlen Hand trinkt er das Arom und läßt dann im Sprechen die leere Blume achttes fallen in den vielen Ueberfluß des wilden Frühlings, der dadurch nicht ärmer geworden ist. — Das Gespräch geht über viele Dinge. Aber alle Worte gehen nicht vorn an ihnen vorüber, an den Aeußerlichketten, sie drängen sich hinter den Dingen im Dunkel durch. Und der tiefe Wert von jedem ist nicht seine Farbe im Licht, sondern das Gefühl, daß es aus Dunkelhetten und Geheimnissen kommt, aus denen wir alle (eben. Und jedesmal wenn, in dem Klange des Gesprächs, das Nichtgemeinsame bemerkbar wurde, ging irgenbtoo ein Ausblick auf auf Helle Hintergründe tiefer Einigkeit. Und so war der Weg ein guter Weg. Manchmal im Wind wuchs die Gestatt des Grafen; der große Bart wehte, aber das ernste, von der Einsanttett gezeichnete Gesicht blieb ruhig, wie unberührt vom Sturme. Gleich nachdem wir das Haus betraten, nahmen wir Abschied vom Grafen in dem Gefühl kindlichen Dankes und reich von Geschenken seines Wesens. B. , Amtsgericht Gießen. Gießen, 19. Oft Wie stark das Wohlfahrtsamt finanziell auch dadurch in Anspruch genommen ist, daß es für den oft sich auf Tausende von Mark un Einzelfall b:Iau eiben Unterhalt einer ganz beträchtlichen Anzahl von Kindern gewissenloter Eltern, die sich geflissentlich ihrer Alimenrationspflicht entziehen und ihre Kinder k. H. fremder öfsentllcher Sorge überlassen, aufkommen muß, bewies bie heutige Gerichtsverhandlung gegen eine derartige pflichtverges ene uneheliche Mutter, während die Derchandlung gegen den ebenfalls — und zwar in erster Linie — unterhaltspflichtigen, aber fast ebenso gewissenlosen Vater, der wenigstens ab und zu, aber in durchaus unzureichendem Maße, für die Kinder sorgt, noch zu erwarten steht. Wie fast stets in solchen Fällen, berief sich die Angeklagte darauf, sie sei zum Unterhalt nicht imstande. Es wurde jedoch durch Vernehmung von Polizei- bvw. Wohlsahrtsbeamten, die genauen Einblick in die einschlägigen Verhältnisse haben, der Nachweis erbracht, daß sie hierzu mindestens zu einem Telle recht wohl hx der Lage sei, daß es ihr eben an dem guten Willen fehle. Da die Angellagte noch unbestraft unb immerhin noch Wandel in ihrer Gesinnung zu erhoffen ist — zudem wollen die Eltern der Kinder angeblich in nächster Zeit heiraten und bann die Sorge für sie ausschließlich übernehmen — erkannte bas Gericht auf eine Haftstrafe von zwei Wochen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutochten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) P. ©., Alsfeld. Wenden Sie sich an die Marinestation der Nordsee in Wilhelmshaven oder an die Marinestation der Ostsee in Kiel. 3. in h. Testamente und Erbverträge, die sich noch nicht in gerichtlicher Verwahrung befinden, müssen vom Notar oder dem, der sie im Besitz hat, bei einem Sterbefoü unverzüglich an das Nachlaßgericht abgeliefert werden. Das Gericht m u ß die Urkunden — unabhängig vom Willen des Erblassers oder der Beteiligten — eröffnen. Für die Testaments- (Erbvertrags-) eröffnung erhebt das Gericyt eine Gebühr zur Staatskasse nach freiem Ermessen im Betrage von 3—300 Reichsmark und berücksichtigt hierbei den Wert des Nachlasses. Die Gebühr von 1 wird für das Ortsgericht erhoben, das die Sterbefallsanzeige erstattet hat. Die Höhe der Schreib- und Dehändi- gungsgebühren für die den Erben zugestellten Testamentsabschriften, sowie des Portos kann ohne Akten- einsicht nicht nachgeprüft werden; vermutlich hat aber auch dieser Betrag seine Richtigkeit. 1U. £. G. Nach § 226 BGB. ist die Ausübung eines Rechtes unzulässig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen. Wenn der Vermieter zumZweckederSchikane in kalter Jahreszeit die Treppenfenster von morgens bis abends offenstehen läßt, so steht Ihnen, wenn Sie Ihre Gesundheit hierdurch gefährdet fühlen, ein Klagerecht auf Unterlassung zu. Ob Sie auf Grund des § 544 BGB. mit einer Klage Erfolg haben, ist ftaglich. Beantragen Sie bei der Geschäftsstelle des Amtsgerichts einen Sühnetermin (§ 226 BGB.) oder lasten Sie zunächst durch einen Anwalt brieflich die Unterlassung der gerügten Handlungsweise fordern. A. 100. Wir empfehlen Ihnen, sich mit Ihrer Anfrage an die betr. Lebensversicherungsbank zu wen- den, die Ihnen wohl die gewünschte Auskunft geben wird. Evtl, legen Sie danach die Antwort der Bank dem Reichsaufsichtsamt für Privatoersicherung in Berlin zur gutachtlichen Aeußerung vor. Erst d a - nach wären wir in der Lage, etwaige weitere Fragen zu beantworten. Wie hoch die Bayk aufwertet oder aufwerten kann, kann von hier aus nicht festgestellt werden. Vereins Gießen, des Vereins ehern. Leibgarbisten unb des Vereins ehern. Hess. Leib-Dragoner des Kreises Gießen. Letztgenannter Verein überreichte sein Abzeichen mit entsprechendem Diplom als Zeichen seiner kavalleristifchen Verwandtschaft. Das Gießener Gesangsquartett Gießen erfreute die Anwesenden mit einigen Vorträgen, die allgemeinen Anklang fanden. Kamerad L. Oswald, Wteseck, wurde zum Ehrenmitglied ernannt, der für diese Ehrung in schönen Worten seinen Dank aussprach. Alles in allem: die Feier hat gezeigt, bah der jüngste Gießener Militärverein lebensfähig ist und auch für die Zukunft bleiben wird. V EADUPONFjjX •• N .1 "MW ;•••• ■ aOwa c 1 0 Wienma * J die Glastür, und tmt «säS jrf?Ä2 (ic UlUDlUhl1^ mb legnet |t , 2D S*Ä£ Darme unp rte feinet ae’$° IN? tiM °^eXu 3eit. Ü l«h von M eine nfl, Juft em- l£-ff5*wE bann on rom wb- |afien m £ me r^°°lelad Ssfefe ini ließen. 7>sD ,?suhÄ^ch ge- jaucWy?u^ ,M«U J'yWr5ti[f &»SÄ ,Qr^g? Mj^^ver- ** «^ene aber fJn "Änä K^-ch “toem ®a^W .T*“« feit 1, b-°-I Ä ?“ ffS**» Derhäst/ ?ÄÄ An^a^ ?.»x? *$ in nächst? L i» to2 kannte das CUiA» ^SdeiDo^ ' AeöMon. p ^rbinbli(f)fei| der ung.) g M an die Marine- ober an die Lrbvirträae, die sch nach ÄWfta: 4x" d°s Nachlaßgerch encht muß die Urte n des Erblassers gfr in üt die lestanienls. ,W, 1 das Svilyt eine Sebchr ;m $r* im Beltagc d benilkfichtigt hierbei den Gebühr von 1 wird für Mi die Liechefüüsanzeitze n schreib- unb %et^nbi- Erben zugestellten Testa- Portos kann ohne Akten- rbtn; vermutlich hat aber fytigteit. . ist die Ausübung eines e nur den HweL 'gaben en Wufützen. Benn der >er Lchitane in kalter nfter von morgens bis o steht Ihnen, wenn Sie ch gefährdet fühlen, ein 10 zu. Ob Sie auf Trund >r Klage Erfolg hoben, ist bei der Geschäftsstelle des tennin (§ 226 8®$.) oder einen Anwalt brieflich die i Handlungsweise fordern. Ihnen, sich mit Ihrer An- lersicherunasbank zu wen- ewünschte Auskunft neben ch die Antwort der Lank ir Prioatoersicherung in eußerung vor. Erst da- Lage, etwaige weitere Bit hoch die Lank auf- r, kann von hier aus nicht /5?x ? A. KCL Zit ! Z 1 Ich bin von der Wirkung ^bres wunden ollen Präparates .Gich. •-I U^l» 8 0 Ses fatiT wnnc lörmltch überrascht, es ha, nicht nur meine Hoffnungen erfüllt, .XJIMv XLzIMM wndern be weitem über roste,,, wofür ich Ihnen meinen herzlichsten l Dank an dieser SieUe aussvrech». Schon am Zweiten Tage nach dem _ . . . . / ’ zJaaa4a Gebrauch von Gichtostnt, waren die fürchte,lichen Schmerzen, die und Rheumatismus Hochc achtungsvoll M. i/M. - T^MLVH/ «654A 9375D MU8MW Größe 1 und farbig Jede weitere Größe 25 Pfennig mehr Ortsgruppe Gießen und Umgegend. 9369V 8922a Haben Sie schon meine Drucksachen aller AN Leuhi 14< Drotfcrt, Volkshochschule Gießen Marktstr. 14 Trentelmann Telephon 2417 Sie brauchen nicht zu frieren! Volkskunstabend Höhe 310 mm, Breite 390 mm Astoria-Lichtspiele Kleine Preise l Cer Zentralverband im Kampfe um Besserung von Versorgung und Fflrsorge. 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Ein Film, dessen Herstellungskosten mehr als 1 Million Mark betrugen und dessen Weltertolg beispiellos ist. Die Presse schreibt: .Meisterhalt* Ein wahrhaftes Kunstwerk, von packendem, menschlichem Gehalt, v.großerSchonheltinLinie.LichtFarbe,Komposition. Ferner: Wochenend gut, alles gut! Lustspiel in 2 Akten. Sowie: Die neuesten Filmhendite aus aller Well Freitag, den 26. Oktober 1928 nachmittags ab 2 llhr versteigere ich im „Löwen", Aeuenweg 28: Ein piano, ein elektrisches Klavier, ein Äüfett, einen Äücherschrank, eine Ladentheke, eine Chaiselongue, eine Klubgarnitur, zwei Oefen, zwei Küchenannchten, einen Küchenschrank, einen vierrädrigen Handwagen, zwei Regale, Herren- und Damen-Räder, 10 Mille Zigarren, Kinder- und Oamen-Schuhe, Schmirgelstelne u. v.a. Versteigerung bestimmt, gsseo Ludwig Hartmeh Auktionator und Taxator Neuenweg 28 Telephon 1414. Verein für AeuWe Schäferhunde S.V. e.V. ^itSsung 1928 Unsere diesfähriqe Ankörung für Deutsche Schäferhunde findet am Sonntag, 28. Oktober 1928. im philosophenwaid-liefiaurant statt. Zur Ankörung kommen Jiüben und Hündinnen, die bis zum 28. Oktober mindestens 22 Monate alt sind. - Wir laden alle Schäferhunde- züchter und «liebhaber hierzu ein. Die im Äesihe von Äerufsschäfern stehenden Gebrauchshunde werden, wenn angekört, kostenlos im Zuchtbuch des <5. V. eingetragen. Heute letzter Tag: Sein letzter Befehl mit Emil Jannmgs Ab morgen bis einschl. Sonntag: Damen-Strfiinpfe f) «c lÄor..........L.LtJ Damen-Strümpie i 7 r feinster Seidenflor I j || mit Doppelsohle....... ll I v Lichtspielhaus Bahnhoistrahe 34 Uebersicht über Vortragsreihen und Arbeitsgemeinschaften. Beginn ab Montag, den 29. Oktober. Ort (wo nichts anderes vermerkt) Universität. Montag: Vom Wesen der Kultur und Kulturarbeit. W. Hegar. Von d. Einzelunternehmung zum Trust. Dr. Gum bei. Bildmäßige Photographie. H. Wagner. Dienstag: Weltanschauungsfragen. Prof. Dr. Messer. Der moderne Roman. K. Offenburg. Betrachtung von Kunstwerken (Kunstwissenschaftliches Institut, Ludwigstraße 34). Professor Dr. Rauch. Dr. Jungjohann. Rhythmische Körper-Schulung (Grabenstraße 11) H. Steinbach, MZ Kübel. Mittwoch: Die Entwicklung der Kultur. Prof. Hüter. „Du und der Alltag“. Dr. J. Neumann. Freitag: Das Volksmärchen. W. Hegar. Schuberts Lieder (Oberrealschule). Stud.-R. Krauß. Von der Zeugung bis zur Geburt. Dr. Malech. Zeichnen (Bismarckstr. 22 H.). K. Fries. Die nach Neujahr beginnenden bzw. an noch zu bestimmenden Tagen stattfindenden Kurse werden besonders angezeigt. — Allee Nähere im Kursverzeichnis, das in der Buchhandlung Keißner. der Goethebuchhandlung, der Pfeil forschen Buchhandlung und der Buchhandlung Dr. W. Meyer sowie bei Challier kostenlos entnommen werden kann. Weitere Auskunft vor den Kursen. Damen-Slriiinpie 1 aa echt Mako, schwarz und B Z. B farbig.................. letiV Lichtspielhaus,Bahnhofstraße 34 Sonntag, den 28. Oktober, 1V/2 Uhr Frühvorführung des Heimatfilms Stadt und Kreis Gießen Ein hochinteressanter Film in 3 Akten Er zeigt die kulturhistorischen Stätten, landschaftlichen Schönheiten und Sehenswürdigkeiten von Gießen und seiner Universität, Trachtenfest in Leihgestern. Lieh. Kloster Arnsburg. Hungen mit seinem Schäferfest, Grünberg. Londorf, Burg Nordeck und Lollar. Ferner: Das gute Beiprogramm Verlangen Sie in allen einschlägigen Geschäften den >FURNICULUS< Vortrag von Gustav Lenzewiki, Konzertmeister, Frankfurt a. M. Wesen und Bedeutung der Violine mit Beispielen aus ihrer Geschichte Ausführende des musikalischen Teils: Gustav Lenzewski (Violine), Professor Dr. K. Schmidt-Friedberg (Klavier). Plan. Einführende Worte. — Beispiele: ItaUea, einfache Melodie: a) Arcangelo Corelli, Adagio, b) Giuseppe Tarlini, Grave. — Deutschland, mehrstimmiges Spiel: a) Biber, Passacaglia (Geige allein», b) Bach, ein Satz aus den Solo-Sonaten; Bewegung (Contrapunkt): c) Satz aus einer der Klavier-Violin-Sonaten (Cembalo) von Bach. — Frankreich, leichtere, spielerische Art: a) Couperin.Chanson Louis Xll l.et Pavane. b)Leclair, Tamrourin. — Die großen Klassiker: a) Dittersdorf, Scherzo, b) Mozart, Satz aus einer der Sonaten, c) Beethoven, Romanze G-Dur. — Romantiker: a) Schumann. Abendlied, b) Fr. Schubert. Die Biene, c) Wieniawsky. Mazurka. — Neuere Zeit: a) Juon, Wiegenlied, b) Kreisler,Tambourin chinois, c)Manuelle Falle, Spanischer Tanz. Karlen bei Challier: Res. Platz im Vorverkauf Mk. 1.00. an der Abendkasse Mk. 1.30; offener Sitzplatz im Vorverkauf Mk. 0.50, an der Abendkasse Mk. 0.70. Für Mitglieder: Res. Platz Mk. 0.70, offener Platz Mk. 0.30. 9368D Kinder-Strümpfe n 7 r B’wolle, kräftige Qualität II / . | Größe 1 Mel Jede weitere Größe 10 Pfennig mehr Kimler-Strümpie n nr echt Mako, mit Doppelsohle || 1 Größe 1 Ve/kJ Jede weitere Größe 15 Pfennig mehr Kinüer-Striimpie < Halbwolle, schwarz u. farbig I III krättige Qualität... Größe 1 lalV Jede weitere Größe 20 Pfennig mehr IIIIIIIIIIIIIIIIIIIHfflllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIN Zeniralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener e. V. Berlin Landesverband Oberhessen Oetetliehe Kundgebung am Sonntag, dem 28 Okt. 1928, nachmittags 2 30 Uhr im großen Saale des Katholischen Vereinshauses zu Gießen, Liebigstraße. Kamerad Wuttke spricht: -----— --- - - - - ----- ... .—........... Schmerzen, die mir des öfteren die ganze Nachtruhe raubten, nicht mehr so heftig und konnte ich daher, feu - intnen Jahren zum ersten Male, einen erautckenden, ruhigen Schlaf finden. Seitdem liegen die Schmerzen täglich Immer mehr nach, und kann Ihnen beute zu meiner grössten iVrc de mltteilen, bah alle Schmerzen spurlos verschwunden sind und ich mich wieder wie neu geboren fühle. Sonntag, 28. Oktober, 20 Uhr, In der Neuen Aula der Universität Musikalischer ZM WW'l Wolkengasse 26. Morgen Freitag 07531 OKTOBER orren orrner seine Kleinod, für den, sparsamen Käufer Es wird immer bestrebt sein, mit einer Auswahl ohnegleichen, mit Preisen,die ans Fabelhafte grenzen und mit besten, Qualitäten aus Besuchern Freunde und Kunden zu machen. f f -MW -EM [|s 1 ■ ; I ' :v 1 I 1 1 \ \ X freudige Stunde naht! Der kommende Tag bringt Jhnen endlich die ersehnte Vunscherfüllung. Ein grosses modernes,vor allem aber leistungsfähiges Kaufhaus Nr 252 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 25. Oktober (928 Oberheffen. La..r7rris Gießen. 00 Klein'Linden, 24. Oktober. Aus der jüngfren Gemeindcratssihung ist a 6 bemerkenswert zu berichten: Schon seit Jahren kann man sich nicht einigen über den Platz, auf dem das Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges errichtet werden soll. Der Donlw,n lausschuß. ei-ne Vertretung aller öffentlichen Korporationen und Vereine, hatte sich geeinigt, den alten Friedhof an der Wetzlarer Straße als Stätte für das Denkmal vorzuschlagen, und war deshalb an den Gemeinderat mit dem Antrag herangetreten, den alten Friedhof als Denkmalstätte fveizugeben. Der Denkmalaus- schuh lieh sich dabei von dem Gedanken leiten, dah an dem heute völlig wüst liegenden alten Friedhof doch unbedingt eine Instandsetzung der Mauer und Anlagen n>tig wäre und durch Errichtung eines Kriegerdenkma's an dieser Stelle dem H«5el abgeholfen werden könnte. An der Gemeinderatssihung nahmen, um ihre Meinung kundgeben zu können, deshalb auch Mitglieder des Denkmalausschus'es teil. Vei der Mehrheit der Gemeinderatsniitglieder aber war eine Sympathie für d:n alten Friedhof als Denkmalstätte nicht vorhanden. Wegen seiner sehr unruhigen Lage an der verkehrsreichen Wetzlarer Straße glauben sie dem Antrag des Deükmalaus- schu ses nicht beipflichHen zu können, sondern sind der Meinung, dah sich der neue Friedhof seiner ruhigen Lage wegen und infolge seiner in nächster Ankunft vorzunehmenden Aeugestallung viel besser als Stätte für ein Ehrenmal eignen würde, zumal auf dem neuen Friedhof die während des Krieges in der Heimat an Verwundung gestorbenen Krieger beerdigt worden sind. Vei der Abstimmung wurde der Antrag der Denkmalkom- mis ion mit 5 gegen 4 Stimmen, bei einer Stimme Enthaltung, abge'ehnt. Daraufhin verliehen die Mitglieder des Denkmalausschusses unter Protest ihres Vorsitzenden, Kaufmanns Friedrich Schimmel, die Sitzung. Hm aber die Ausführung des Denkmals nicht auf die lange Bank zu schieben, beschloß der Gemeinderat in seiner Mehrheit, bei der in Zukunft vorzuneh menden Gebietserweiterung des neuen Friedhofes ein Stück Gelände als Stätte für die Gefallenenehrung zur Verfügung zu stellen. Mittel auS der Gemeindekasse für Errichtung des Denkmals können nicht bewilligt werden. Diese wurden schon durch eine Sammlung vor nunmehr zwei Jahren von der Devölkerung aufgebracht. — Hm das R i nnf che Anwe sen in der Wetzlarer Straße erwerben zu können, wurde der Bürgermeister beauftragt, ein Angebot in der vom Gemeinderat bestimmten Höhe an den Besitzer gelangen zu lassen. Sollte der Kauf zustande kommen, so soll die gegenwärtig in völlig unzu- teichendeir Bäumen imtergebrachte Bürgermeisterei dorthin verlegt werden. — Zu Mitgliedern des Wiesenvorstandes werden die Landwirte Friedrich Langsdorf und Kaspar Lenz IV. ernannt — Die Errichtung eines Brunnens auf dem Friedhof wurde wegen der bald zu erwartenden Wasserleitung zurückgestellt. ck. Heuchelheim, 24. Oft. Gin wohlgelun- geiWS Saalsportfest hielt am Sonntag der Badfahrverein 1926 Heuchelheim in der Turnhalle ab. Der Verein hat es verstanden, dem zahlreich erschienenen Publikum ein inhalb- reiches Programm zu bieten. Die tadellos vor- gesührten Schmuck- und Schulreigen legten Zeugnis davon ab, dah der Saalsport von den beteiligten Damen und Herren mit großer Liebe gepflegt wird. Zur Verschönerung des Abends trug noch wesenllich der Badklub „Germania" Gießen bei, der mit den Vorführungen seiner Kunstfahrer reichen Beifall erntete. Auch die Vorführung eines Zweier-Radballspieles zwischen „Germania" Gießen und „Germania" Krofdorf fand reiches Interesse. Die Kapelle Weller, Giehen, verstand es, das Publikum recht gut zu unterhalten. Z Bödgcn, 24. Oft Vom Pfarchofe aus bewegte sich heute mittag ein großer Trauerzug durch unser Dorf. Der Gesangverein Harmonie, die Schüler der Oberklasse, Herren der Verbindung Adelphia, die Geistlichkeit des Dekanats Gießen, Gemeinderat und Kirchenvorstand, überaus zahlreiche Glieder unserer Gemeinde und der Filialgemeinde Annerod gaben dem so plötzlich verschiedenen Pfarrer Groth, der vor V/s Jahren von hier nach Beienheim (Wetterau) 'verzogen war, das letzte Geleite. Im Pfarrhofe halte man die Leiche aufgebohrt, den Sarg in tnele Kränze eingebettet, trug ihn dann nach einem Abschiedsgruß des Ortsgeistlichen noch einmal vorbei an der Kleinkinderschule, dem Haus, das immer von seinem nimmermüden Schaffen Zeugnis geben wird, vorbei an der Kirche, der Stätte, in der er über zwei Jahrzehnte gepredigt hat, hin zu unserem Friedhof, auf den er zur Buhe beigesetzt sein wollte. Sein Freund, Pfarrer Kalbhenn, Grohen-Duseck hielt die Gedächtnisrede. Diese und die zahlveichen Bachrufe bei den Kvaiu- niederlegungen stellten noch einmal das Bild des Verstorbenen vor Augen: ein Mann mit eisernem Pflichtbewußtsein. demgegenüber jede Rücksichtnahme auf sich selbst zurücktvat, ein Mann mit innerem Schaffensdrang, der niemals erla'hmte, dabei ein Mann mit einet Heimat- sehnfucht im Herzen, die ihn auch in seinem neuen Wirkungskreis an unser liebliches Tal, unser Dorf und unser Pfarrhaus band, ist nun aus dem Leben geschieden. Der Gesangverein Harmonie und dec Schülerchor sangen ihm, dem Hedem so Liederfrohen, ktzte Llbschiedsgrühe nach. V Mainzlar, 24. Oft. Hnsere Kanalisation ist nunmehr vollständig fertiggestellt. Auch die Ausführung der Pfla st erarbeiten in der Bahnhofstraße, die man infolge größerer Erdaufschüttungen bis zum Spätsommer zurück- gestellt hatte, ist jetzt beendet. Die gesamte Anlage erfordert bis jetzt einen Aufwand von 26 632 Mk. ^Hierzu kommt noch ein Teil BauleitungSge- bühren, so daß sich die Gesamtkosten auf rund 27500 Mk. stellen. Eine Kapita'aufnahme ist fettens der Gemeinde nicht erfolgt, da der gesamte Ausgleichsfonds, der aus den Heberschüssen der Jahre 1924 und 1925 gebildet wurde, hierzu in Anspruch genommen worden ist. Mit der Aufschüttung der breiten Gosse in der Bahnhofstraße ist man einem langgehegten Wunsche der Bewohner endlich nachgekommen. 5 Allendorf a. d. Luind a, 23. Okt. Gestern vollendete Apotheker Reinhold W e l ck e r, Hierselbst, in voller geistiger und körperlicher Frische sein 7 5. Lebensjahr. Der Jubilar gehörte bereits 36 Jahre lang unserem Stadtparlament an, achtzehn Jahre hiervon bekleidete er das Amt des Beigeordneten, bis er 1925 eine Wiederwahl wegen seines vorgeschrittenen Alters ablehnte. s. Trais-Horloff, 24. Okt. Am Sonntag fand hier das Erntedankfest unseres Kirchspiels statt. Das neuhergerichtete Innere unserer Kirche, sowie der reiche Altarschmuck mit allerlei Erntesegen gaben einen stimmungsvollen Rahmen ab. Da man jetzt nach der Instandsetzung der Kirche erst recht eine festwürdige Kanzel- und Altarbekleidung vermißt, wurde die Festkollekt" für die Beschaffung einer solchen bestimmt, nachdem schon in letzter Zeit mehrere Einzelgaben für diesen Zweck eingegangen waren. Kreis Friedberg WSB. Friedbera, 24. Oft Am 25. Oft kann die Industrie- und Handelskammer Friedbera auf ein 30j ä h- rlges 2 estehen zurückblicken. Seitens der Kammer sind aus diesem festlichen Anlaß zahlreiche Einladungen an maßgebende Personen des öffentlichen Lebens ergangen. — Der gestrige P ferdem arkt hatte einen außerordentlich starken Auftrieb zu verzeichnen. Zur Prämiierung wurde hervorragendes Material vorgesührt Außer der üblichen Verlosung hatte die Stadt erhebliche Mittel aufgewendet, um den Markt besonders zugkräftig zu gestalten. Das Geschäft war sehr flott. — Zum heutigen Schweine- markt waren 413 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurden bis 6 Wochen alte Tiere mit 12 bis 15 ML,. 6 bis 8 Wochen alte mit 15 bis 20 Mk., 8 bis 12 Wochen alte mit 20 bis 30 Mk. Der Markt wurde geräumt. Butzbach, 24. Oft. Ein Schüler des bekannten Gießener Theologen und Pädagog-Professors Balthasar Mentzer (1565-1627) ist Hein- rich H i r h w i g , der als Schulmann vor jetzt Geld fällt vom Himmel. Zftoman von Paul Enderling. Copyright by Earl Duncker, Verlag, Berlin. 26. Fortsetzung Rachdruck verboten. „Er ist sogar mildtätig. Dank ihm bin ich wieder obenauf. Mein Freund Grotteck hat sich mir immer als rechter Freund erwiesen, und wer was dagegen sagt, ist nicht mein Freund und hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Ausstaffiert hat er mich! Er ist der Einzige, der sich um einen Entgleisten wie mich kümmert." „Wir wollen einen kräftigen Schluck auf fein Wohl trinken." Fährmann stimmte begeistert zu, so begeistert, daß Quevedo sich stirnrunzelnd dem Tisch nahte. Er legtejelne Hand auf den Arm seines Zuhörers und sagte vertraulich, mit schwimmenden Augen: „Ich bin Ncht dran gewesen, von meiner Zeitung raus- gefchmissen zu werden, weil mein Habitus nicht mehr repräsentabel mar. Und auch wegen andrer Kleinigkeiten. Mein Freund Grotteck hat meine Schulden bezahlt und mich ausstaffiert. Maßanzug, bitte! Maßanzug! Run bin ich wieder ein Mensch." Fährmann mußte Tränen der Rührung wegwischen. Das dicke unglückliche Kindergesicht war befeuchtet. Die Kapelle spielte einen rauschenden Marsch, der jedes Gespräch totschlug. Als sich Musik und Beifall gelegt hatten, begann Kiewening: ,Hhr Freund verkehrt doch auch bei Brodersen?" „Gewiß", bestätigte Fährmann stolz. „Er verkehrt in den besten Kreisen." „Ein reicher Mann, einer unserer besten Steuerzahler, habe ich mir sagen lassen." „Und ob. Hat er übrigens mit Ihrem Fall etwas zu tun?" Kiewening schlug sich auf die Schenkel. „Broder, sen als Defraudant? Ausgezeichnete Idee. Ree, wissen Sie, eher schieben wir so n Ding ober Ihr Freund Grotteck. Aber nun ist der historische Moment gekommen, wo ich der Kapelle was spendiere. So einen süßen Wein, wie ihn die kleinen Mädchen lieben." Er rief den Kellner herbei und trug das Tablett selber auf das Podium. Fährmann sah, wie er allen lächelnd einschenkte uno wie er sich bann an die Klavierspielerin wandte, auf die er eifrig einsprach. Was er nicht hörte, war seine Frage: „Nichts Neues?" „Nichts von Bedeutung." „Alles ist von Bedeutung. Macht er keine auffälligen Ausgaben?" „Nein. Es ist ganz ausgeschlossen, daß er .. „Nichts ist ausgeschlossen", fuhr er sie, immer lächelnd, an. „Sie haben nur Ihre Instruktionen zu befolgen, verstanden?" „Das tue ich ja." „Und keine Liebelei, verstanden? Geschäft ist Geschäft. Jedes zu feiner Zeit." Marthas Gesicht war glutrot, als er sie verließ. Sie preßte die Hände wie in einem ohnmächtigen Zorn zusammen. „Ein nettes Mädchen", meinte Kiewening, der wieder Platz nahm. ,Hhr Freund Grotteck meint es auch. Sie sagte mir eben, daß sie ihn schmerzlich seit einiger Zeit vermißt. Er sei der einzige wahre Kavalier hier." „Ist er", bestätigte Fährmann, dem schon wieder Tränen in die Augenwinkel traten. „Und dazu eine Seele von Mensch. Er nimmt sich unter Opfern meiner an. Ich weiß gar nicht, was er an einem solchen Wrack, wie ich es bin, gefressen hat. .Wrack' ist übrigens gut gesagt, wie?" „Man merkt die Bildung." Er goß ihm das leere Glas voll. „Das wird Herrn Grotteck auch zu Ihnen ziehen. Er ist ja wohl sehr begütert, ober hat er Nebeneinnahmen, so eine kleine Erbschaft, wie?" Seine Augen lauerten. Unb plötzlich warf sich Klarheit in Fährmanns umnebeltes Gehirn. Dieser Mensch wollte etwas über Grotteck erfahren. Was hatte er nur alles gejagt? Er hatte wohl mit einem Maßanzug renommiert, ohne etwas anbres dabei zu denken, als mit seinem Freund zu renommieren. Mechanisch setzte er bas volle Glas an den Mund. Der Wein schmeckte mit einemmal essigsauer. Was wollte dieser grinsende Mensch? Was hatte er gesagt? „Alles Renommisterei, mein Herr", brachte er hervor, und er merkte, baß seine Zunge ihm nicht mehr ganz gehorchte. Das vermehrte seine Verwirrung. „Ein kleiner Rundfunkspieler ist er ... ein großer Künstler. .aber ejn kleiner..." Er 300 Jahren sich einen Barnen gemacht. Er ist aber nicht, wie altem Herkommen nach auch heute noch vielfach angenommen wird (auch in der neuen Frankfurter Kirchengeschichte von H. Dechent), im kurhessischen Haina geboren, sondern entstammt einer o b e r h e s s i s ch e n Pfarrersfami- l i e. In dem hessischen Taunusorte Langenhain erblickte er das Licht der Welt. In den einschlägigen Werken des verdienstvollen hessischen KirchenhistorikerS Prälat D. Dr. W. Diehl findet man die wichtigsten Angaben über Leben und Wirken des oberhessischen Schulmannes, der als Reformator des Frankfurter Schulwesens vor allem in der Kirchen- und Schulgeschichte der Mainmetropole einen bevorzugten Platz einnimmt. Heinrich Hirtzwig war von 1613—1616 Konrektor in Speyer, von 1616 bis 1627 Rektor des Frankfurter Gymnasiums. Don dem um Kunst unb Wissenschaft hochverdienten Butzbacher Landgraf Philipp wurde er dann als Hosprediger in die Residenz Butzbach berufen, woselbst ihm auch als lokaler Schul- inspektor Gelegenheit gegeben war, durch seine pädagogischen Kenntnisse und Erfahrungen der dortigen Lateinschule Richtung, Borm und Gepräge zu geben. Durch seine Komödien (Iesu- lus, Belsasar, Lutherus) hat sich Hirtzwig zu seiner Zeit einen Rainen gemacht, mehr aber noch durch seine pädagogischen und schulrefor- merifchen Schriften. Drr gelehrte Theologe unb Schulmann starb im Pestjahre 1635 in Butzbach. Kreis Büdiugen. I Ortenberg, 24. Oft. Wit dem gestrigen Tage hat der „VerkehrHverbanb für Ortenberg und Umgebung“ zwei Autobuslinien eröffnet. Die eine befährt die Strecke Ortenberg— Bergheim—Usenborn—Gelnhaar, die andere die Rundstrecke Ortenbergr- Eckartsborn — Schwickartshausen — Babenhausen I — Bellmuth — Wippenbach — Ortenberg. Der Betrieb wird zunächst als Probebetrieb mit einem gemieteten Wagen, der 22 Sitzplätze und 15 Stehplätze enthält, auf beiden Strecken durchgeführt. In der Zeit des Probebetriebes will man auf der sehr gefällreichen Strecke Erfahrungen sammeln und Anhaltspunkte für die Frage der Rentabilität gewinnen. I Schwickartshausen, 24. Oft Am vorigen Sonntag wurde das hiesige Gefallenendenkmal feierlich eingeweiht. Die Weiherede hielt Dekan Scrista aus Bidda. Den musi- kalischen Teil der einbruchsvollen Feier bestritten der Mufifverein Eckartsborn und der Gesangverein Eckartsborn unter Leitung seines Chren- birigenten, Lehrer Carl aus Ortenberg, ber sich für btefe Feier in uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt hatte. Das Denkmal würbe von bem Frankfurter Bilbhauer Fahren- bruch aus rotem Mainsandstein geschaffen. Auf der Vorderseite eines mächtigen Quaders stehen die Bamen der neun Kriegsopfer ber Gemeinbe Schwickartshausen. Darüber in ber Bische eines liegenden Halbzylinders ist das Bild eines Kriegers im Stahlhelm mit gramdurchfurchtem Gesicht im Relief zu sehen. Das Denkmal hat seinen Platz dicht neben der Kirche auf dem Kirchhofe gesunden. — In den Waldungen der hiesigen Försterei sind in diesem Herbste die Eicheln außerordentlich gut geraten. Da anderwärts großer Mangel an gutem Eichelsaatgut besteht, läßt die Oberförsterei Konradsdorf die Eicheln sammeln. Die Sammler erhalten für den Zentner Eicheln 10 Mk. Erwachsene und Kinder machen sich dies zunutze und viele Familien sichern sich hierdurch eine schöne Bebeneinnahme. Kreis Schotten. ^Groß-Eichen, 24. Oft. Am vergangenen Sonntag feierte unsere Gemeinde ihr Ernte- d a n f f e st. Kirchenchor unb Schulkinder halfen durch Chorgesänge die Feier verschönen. Die Kollekte, die für unsere hessischen Schwestern (Elisa- bethenstift und Diakonieverein) bestimmt war, hatte den ansehnlichen Betrag von 42,57 Mk. (Groß-Eichen 24,40 Mk. und Klein-Eichen 18,17 Mark). — Der Letter unseres Kirchenchors, Lehrer I l g e, wird uns am 1. Bovember verlassen, um eine Lehrerstelle in Butzbach anzutreten. Hoffentlich kann fein Bachfolger die Musik in unserer Gemeinde (Männerchor und Kirchenchor) Wetter- pflegen. sah Quevedo am Tisch stehen. Wie durch einen Nebel sah er sein vergnügtes Schmunzeln. Das erbitterte ihn vollends. „Fragen Sie doch nach!" schrie er auf. „Und von meinem Anzug ist kaum das Futter bezahlt." Nun lachten auch die aufmerksam gewordenen Gäste an den Nebentischen. Kiewening zahlte für sie beide. „Das ist mir der Spaß wert", meinte er zum Wirt, der verständnisvoll lachte. Fährmann juchte in feinen Taschen, aber sie enthielten nur kleine Münzen. „Mein Freund Grotteck ... der Baron ... zahlt für mich. Er hat es mir selbst gesagt, er selbst ... Lachen Sie nicht ... Von Ihnen will ich nichts .. Er wollte aufstehen, um ihm deutlich zu erklären, daß er nur renommiert habe. Aber Kiewening war schon fort, und Quevedo forderte ihn auf, für diesmal nach Haus zu gehen. * Grotteck stand vor dem gelben Haus der Rückert- straße. Aber er machte wieder kehrt, ehe er noch die Hand auf den Klingelknopf gedrückt hatte. Eine Weile wartete er noch, ob er nicht jemand sah, der ihn einführte. Als sich niemand zeigte, ging er weiter, den Weg zum Wald empor, den er damals mit Martha gegangen war. Es war eine Ewigkeit her. Oben trat er in das kleine Waldcafs ein, und er ging gleich in die Telephonzelle, um Inge anzuläu- ten. Es war feige, daß er nicht ins Haus gegangen war. Aber feine Nerven hatten jäh versagt. Er war so verwirrt, daß er das Mundstück ans Ohr fetzte und in die Hörmuschel sprach. Er übersah den Selbstanschluß der Nummer, rief das Amt an und mußte sich belehren lassen. Es kostete eine große Anstrengung, den Hörer wieder aufzuhängen, abzunehmen und die Zahl abzutippen. Zweimal verzählte er sich. Endlich glückte es: 20 136. Eine wildfremde Stimme meldete sich. Zornig begehrte er das gnädige Fräulein an den Apparat. „Wie? ... Ja, es ist dringend ... sehr dringend ...So rufen Sie sie doch endlich!" Er stampfte mit dem Fuß auf. Es dauerte dennoch lange, bis er ihre Stimme vernahm. Ihre Stimme klang fremd und gezwungen, als sie auf feine Frage antwortete: „Mein Vater ist nicht wohl, wir können nicht empfangen." + Lardenbach, 24. Ott. Wie in den letzten Jähren, fo wurde auch diesmal wieder in unserem Kirchspiel (Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Stockhäuser Hof) und in Klcin-Eichen eine Lest e n s m i 11 e l f a m m I u n g für das Iohann- Friedrich-Stist in Laubach veranstaltet, die ein gutes Ergebnis hatte. — Zur Zeit findet in unserer Gemeinde eine Evangelisation statt, die von dem befannten Volksmissionar Walther aus Beuern abgehalten wird. Die Vorträge waren bisher sehr gut besucht. — Der im September stattgefundenen Verpachtung des hiesigen Pfarrgutes wurde nunmehr die behördliche Genehmigung erteilt. Während die letzte Verpachtung nach Roggenwährung geschah, wurde jetzt wieder auf Goldwährung zurückge- griffen. Die Grundstücke sind auf sechs Jahrs verpachtet mit einem Erlös von 256 Mk. pro Jahr. Kreis Alsfeld. Cs» Alsfeld, 24. Oft. Dieser Tage veranstaltete die hiesige Dürergesellschaft ihren ersten diesjährigen' Wintervortrag. Es sprach Hnit>er। itätßprcfeffor Dr. Götze (Gießen) über „Das deutsche Volkslied in der Gegenwart“. Der Redner befaßte sich zunächst mit der vielfach gehörten Klage über das Aussterben deS Volksliedes. Er kam zu dem Ergebnis, daß Welt und Menschen anders geworden seien, und deshalb muhte auch das Volkslied anders werden. Es liege aber kein Grund zur Desürch- tung vor, daß das deutsche Volkslied aussterben wevde. Die treueste Wacht für das Volkslied würde von den Ausländsdeutschen gehalten. Dem deutschen Volke würden auch in Zukunft seine Volkslieder nicht fehlen. Die Zuhörer folgten dem ttefgründigen, sehr wissenschaftlichen Vortrag mit gespannter Aufmerksamkeit. — Eine sehr begrüßenswerte Einrichtung hat der hiesige Verkehrs- und Verschönerungsverein getroffen, indem er zeitweise Rundgänge durch die Gemarkung veranstaltet, um durch gemeinsame Besichtigung und Aussprache festzustellen, in welcher Weise das Landschaftsbild in der näheren Hingebung der Stadt verschönt werden kann. Einen solchen Rundgang unternahm der erweiterte Derschönerungsaussc^ih am letzten Sonntag nach den »Erlen". Dabei kam allgemein die Auffassung zum Ausdruck, daß dieser idyllisch gelegene Platz, der schon von der Stadtverwaltung ausgebaut worden ist, allmählich zu einem Stadtpark entwickelt werden soll. Es wurden eine Reihe von Anregungen gegeben, deren Verwirklichung zur Erreichung dieses Zieles nach und nach angestrebt werden soll. Es steht heute schon fest, dah die „Erlen" der beliebteste Ausflugspunkt für Spaziergänger geworben sind. — Die Stadtverwaltung wird am nächsten Donnerstag den neben dem städtischen Schwimmbad gelegenen Erlenteich ablassen und die darin vor drei Jahren eingesetzten Fische (Schleien und Karpfen) zum verbilligten Preise an die städtische Bevölkerung abgeben. — Die Errichtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler der hiesigen Oster- r e a l s ch u l e wird nunmehr zur 'Ausführung kommen. Bachdem die erforderlichen Mittel von dem Oberrealschulverein aufgebracht sind, wurde in der letzten Vorstandssitzung beschlossen, dem Dlldhauer Arnold in Beuern den Auftrag zur Ausführung des Denkmals zu erteilen. Dieses soll aus einem Denkstein aus Muschelkalk mit Relief bestehen, eine zur Verteidiaung des Vaterlandes ausziehende Lehrer- und Schülergruppr darstellend, und im Hose ber Oberrealschule an einer geeigneten Stelle zur Aufstellung gelangen. Die Weihe soll im fommenben Frühjahr erfolgen. — Der vorn hiesigen Roten Kreuz am letzten Sonntag veranstaltete W e r b e t a g hatte einen recht zufriedenstellenden Erfolg. Abends fand im „Deutschen Hause" ein Hnterhaltungsabend statt, bei bem ber Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Medizinalrat Dr. Balser, die Begrüßungsansprache hielt. Den musikalischen Teil des Abends bestritt das Alsfelder Iugend- orchester, dessen gute Darbietungen ein dankbares Publikum fanden. Starkenburg. WSB. D a r m st a d t, 24. Oft. Der in der Wenkstraßr 44 wohnhafte Student Paul C p s , Er spürte nur ihr Zögern. ,Hch möchte Sie so gern vor meiner Reise sprechen. Läßt es sich nicht dennoch ermöglichen?" Eine Minute verfloß, eine unendliche, qualvolle Minute. Dann klang es leise, stockend, wie unter einem Diktat: „Es ist nicht möglich." Und bann in jagender Hast, als fürchte sie einen Einwurf, der : die schwachen Schranken ihrer Absage niederwarf: „Ich schreibe Ihnen." Das war alles. Jeder Versuch, noch mit chr in Verbindung zu kommen, scheiterte. Als Inge den Hörer ablegte, stand Blinjkn hinter ihr, in seiner etwas gebeugten, devoten Haltung. „Was wollen Sie hier? Belauschen Sie mich?" Ohne aufzublicken, deutete er auf die Papiere in seiner Hand: ,Hch bitte um Ihre Unterschriften " Seine unterwürfige Haltung reizte sie mehr, als es Frechheit getan hätte. „Sie wissen genau, wann ich für diese Dinge zu sprechen bin. Wenn Sie mir jetzt damit kommen, muß ich denken ..." „Was müssen Sie denken?" fragte er leise. Inge zwang ihre Erregung nieder. „Die Unterschriften haben bis zum Abend Zeit. Mein Vater erwartet mich." „Es ist nur wegen der Reise, dieser äußerst notwendigen Reise ..." Er wußte also, warum diese plötzliche Reise notwendig war. Er wußte hier alles. Fast hätte sie ihn gefragt. Aber ein Blick in sein 'verschlossenes Slawengesicht ließ sie erschaudern, ohne daß sie sich Rechenschaft über ihren Widerwillen oblegen konnte. Sie vermochte die Worte nicht zu unterdrücken: „Sonderbare Besucher haben Sie in letzter Zeit, Herr Blinsky." Er neigte den Kopf. „Es sind Landsleute von mir, denen es nicht gut geht." „Und Sie haben Zeit, mit ihnen so lange Gespräche zu führen? Ich kann Sie mir in der Rolle des Wohltäters eigentlich nicht gut vorstellen." „Vielleicht kennen Sie mich nur nicht genug .. „Möglich. Aber Sie täten besser, in Zukunft diese Herren außer unserm Hause zu empfangen." „In der nächsten Zeit wird das ja sowieso nicht in Frage kommen. Und in Zukunft wird alles nach Ihrem Willen geschehen. Ich wußte ja nicht, bag Sie mich überhaupt so beachteten, daß ich Ihr Mißfallen erregen konnte. Ich bin gewissermaßen glücklich darüber." (Fortsetzung folgt.) der spät in der Dacht heimkam, ist aus dem Treppenfen st er des zweiten Stocks herausgestürzt und an einem doppelten SchädeLruch g e st o r b e n. Ob Selbsttötung vorliegt, hat sich bisher durch die polizeilichen Ermittlungen nicht feststellen lassen. — Heute mittag spielte der Sohn des älhrmachers E ck st e i n in der Gr. Ochsengasse mit einer Sprengkapsel. Plötzlich explodierte das gefährliche Spielzeug und verletzte den jungen Mann schwer, so daß er sofort nach dem Krankenhaus übergeführt werden mußte. Preußen. Dilttrers. WER. Herborn, 24. Olt. Professor Veidt vom diesigen theologischen Seminar wird, wie verlaeiet, demnächst an seine frühere Wirlungs- statte, die Paulskirche in Frankfurt am Main, zurückkehren, von wo er einen dringenden Ruf erhalten hat. Das Scheiden des hervorragenden Gelehrten und Predigers wird nicht nur in Herborn, sondern auch im gesamten Dillkreis allgemein bedauert werden. Wirischüfi. Mobilisierung der Reichsschuldbuchforderungen. Der Handel mit Schuldbuchforderungen war bisher etwas unkontrollierbar. Es ist daher zu begrüßen, daß die deutschen Sparkassen den Wünschen der Liquidationsgeschädigten nach besserer Verwertungsmöglichkeit ihrer Reichsschuldbuch- fordcrungen Rechnung tragen. Der Deutsche Sparkassen - und Giroverband hat sich im Benehmen mit dem Reichsfinanzministerium bereit erklärt, durch die Deutsche Girozentrale — Deutsche Kommunalbank — und die ihm angeschlossenen Geldanstalten im Rahmen der verfügbaren Mittel die öproz. Reichsschuldbuchforderungen, die auf Grund des Kriegsschädenschlutzgesehes bereits eingetragen sind, und die bis zum 31. März 1933 zur Rückzahlung fällig werden, anzukaufen. Der Ankauf erfolgt nur in direktem Verkehr mit den Geschädigten bei der Deutschen Girozentrale — Deutschen Kommunalbank — sofort und bei den Sparkassen ab 1. Rovember. Für die Zeit vom 1. bis 10. Rovember 1928 sind folgende Ankaufskurse vorgesehen: Mit Fälligkeit am 31. März 1930 93 Proz., mit Fälligkeit am 31. März 1931 89,50 Proz., mit Fälligkeit am 31. März 1932 80 Proz., mit Fälligkeit am 31. März 1933 82,50 Proz. Sn Fällen besonderer Rotlage werden die obengenannten Institute auch Berkaufsanträge von öproz. Reichsschuldbuchforderungen, die spätestens bis zum Jahre 1940 fällig sind, entgegennehmen. Die Kurse für diese späteren Fälligkeiten betragen für die Zeit vom 1. bis 10. Rovember: Fälligkeit 1934 80 Proz., 1935 78 Prvz., 1936 76,50 Proz.. 1937 75 Proz., 1938 73,50 Prvz.. 1939 72 Proz., 1940 70,50 Proz. Sämtliche Ankaufskurse verstehen sich rein netto ohne jeden Abzug. * Deutschlands Spartätigkeit. Anläßlich des am 30. Oktober stattfindenden Weltspartages veröf'entlicht d'.e Sparkassen Korrespondenz nachstehende Fifern: Die Spareinlagen für das Deutsche Reich stellten sich Ende August 1928 auf 6,25 Milliarden, Anfang des Jahres 5,09 Milliarden. Sie betrugen nach dem 1. Weltspartag in 1925 1.54 Milliarden. nach dem 2. Weltspartag 1926 2,96 Milliarden, nach dem 3. Weltspartag 1927 4,54 Milliarden Mark. Die Zahl der Sparer dürfte etwa 10 Millionen betragen, so daß mindestens auf jeden siebenten Deutschen ettoa ein Sparbuch entfällt. Auch pro Kopf der Bevölkerung gesehen, befinden sich die Spareinlagen in einem ständigen Anstieg. Es entfielen auf den Kopf der Bevölkerung im Deutschen Reich Ende 1925 25,89 Mk., Ende 1926 49,66 Mk.. Ende 1927 73,77 Mk.. Mitte 1928 93,63 Mk. und Ende August 1928 93.H Mk. * Zusammenarbeit Henschel—Ma f- f e i. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, schweben seit einiger Zeit zwischen der Lokomotiv- fabrik Henschel & Sohn G. m. b. H. üi Kassel und der Maffei A.-G. in München Verhandlungen über eine engere Zusammenarbeit. Beide Firmen haben viele Berührungspunkte miteinander. Die Beteiligten sind sich darüber klar geworden, daß man durch eine gemeinsame Betätigung auf dem Gebiete der Konstruktion und des Verkaufes, sowie durch eine rationelle Verteilung der einzelnen Fabrikationszweige auf beiden Werken große wirtschaftliche Vorteile erzielen kann. Man hat sich zunächst dahin geeinigt, daß beide Firmen unter Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit einer gemeinsamen Oberleitung unterstellt werden, und zwar wird Dr. ing. C. Canaris unter Beibehaltung seines Amtes als Vorsitzender des Vorstandes der Maffei A.-G. bei Henschel zum Rachfolger des Generaldirektors Dr. ing., e. h. B. Beyer bestellt, der auf seinen Wunsch in den Ruhestand getreten ist. Frankfurter Häute-Auktion. WTD. Frankfurt a. M., 24. Okt. Gegenüber ter Versteigerung im September ergaben sich heute sowohl bei den Vormittags- wie bei den Rachmittagsvrrkäufen im allgemeinen Rückgänge. Diese bewegten sich im Durchschnitt bei Kalbfellen zwischen 6 und 10 Prozent, bei Großvieh- häuten bis zu 10 Prozent, während Schaffelle geringere Abschläge aufwiesen. Der Besuch war gut, der Verkauf ging teilweise recht flott von- statten. Es notierten im einzelnen: Kuhhäute 1. Klasse lohne Kopf) 30 bis 49 Pfund 96 bis 86,50 Mk.. 50 bis 59 Pfund 102,75 bis 92,25 Mk.. 60 bis 79 Pfund 101,50 bis 93,50 Mk.. 80 bis 99 Pfund 102 bis 94,25 Mk. — Ochsenhäute 1. Klasse (ohne Kopf) 30 bis 49 Pfund 86 bis 85,75 Mk., 60 bis 79 Pfund 96 bis 88,25 Mk.. bis 99 Pfund 90,50 bis 83,75 Mk., über 100 Pfund 89,75 bis 85 Mk. — Rinderhäute 1. Klasse (ohne Kopf) 30 bis 49 Pfund 101,25 bis 94,50 Mk., 80 bis 99 Pfund 99,50 bis 94,75 Mk. — Bullenhäute 1. Klasse (ohne Kopf) 30 bis 49 Pfund 88,50 bis 86 Mk., bis 100 Pfund 68,75 bis 63 Mk., über 100 Pfund 66,25 Mk. — Roßhäute ohne Gebot. — Kalbfelle bis 9 Pfund rot 183,25 bis 171 Mk., über 9 Pfund tot 155,75 bis 141,75 Mk., bis 9 Pfund schwarz 146 bis 135 Mk., über 9 Pfund schwarz 143 bis 135,75 Mk. — Schuß-- kalbfelle 112 Mk. — Fresserfelle 111 Mk. — Schaffelle vollwottig 71,25 bis 69.50 Mk.. halb- wcllig 71,25 bis 69 Mk., kurzwollig 68,25 Mk. Berliner Börse. Frankfurt a. M., 25. Okt. Tendenz: uneinheitlich. — Nachdem vorbörslich die Stimmung allgemein freundlich war, drückte zu Beginn des offiziellen Verkehrs die unverändert große Geschäftsstille wieder auf den Markt. Zur Zurückhaltung mahnte außerdem der morgige Prämienerklärungstag, doch erwartet man, daß der Ultimo keine besonderen Schwierigkeiten bereiten wird, da die noch bestehenden Engagements im allgemeinen nich umfangreich sein dürften und am Geldmarkt auf umfangreiche Vorbereitungen das Angebot, namentlich an Reportgeld, reichlich ist. Nicht ganz unbeachtet blieb die neue Kurssteigerung an der gestrigen Neuyorker Börse. Die Grundstimmung war daher nicht unfreundlich, und die Spekulation nahm auf einigen Märkten weitere kleine Deckungskäufe vor. Die Umsätze waren aber wieder minimal bei allgemein behaupteten Kursen. Einiges Interesse bestand für Reichsbank, die 2 d. S). anzogen. Ueberwiegend etwas fester lagen ferner Montan werte, von denen Harpener mit 1,5 v. S). bevorzugt waren. Am Elektromarkt waren Siemens mit 1,5 v. H. gefragt, AEG. und Licht und Kraft dagegen leicht gedrückt. I.- G.- Farben eröffneten 1 v. S). niedriger. Eher angeboten waren ferner Discontogefellfchaft mit minus 1,5 v. 5). Im übrigen waren die Kursveränderungen gegen die gestrige Abendbörfe nicht nennenswert. Deutsche Anleihen lagen fast geschäftslos Auch ausländische Renten ruhiger. Anatolier nach den gestrigen Kursrückgängen wieder leicht anziehend. Im Verlaufe blieb das Geschäft außerordentlich still, die Stimmung war aber weiter freundlich. Reichsbank zogen erneut 1,5 v. H. an. I.-G.- F a rb e n leicht erhöht. Am Geldmarkt trat im Verlaufe plötzlich stärkere Nachfrage hervor, so daß der Satz für Tagesgeld auf 6,5 erhöht wurde. Am Devisenmarkt zogen Devisen weiter etwas an. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1978, gegen Pfund 20,358, London gegen Kabel 4.8500, gegen Varis 124,14, gegen Mailand 92,59, Madrid 30,10, gegen Holland 12,0968. B? itier Börse. Berlin, 25. Oktober. Obwohl sich eine Kaufbewegung auch heute nicht eingestellt hatte, war bereits im Vormittagsverkehr die Grundstimmung eher freundlicher. Man verwies auf das reichlichere Angebot an Reportgeld und einen in diesem Zusammenhang zu erwartenden leichten Ultimo, nahm von der festen Tendenz der gestrigen Neu- norker Börse Notiz, sprach von neuen Verhandlungen in der Textilindustrie und der Zunahme der Spareinlagen in Preußen im September um 90 Millionen. Zu Beginn des offiziellen Verkehrs erfüllten sich diese freundlichen Erwartungen nicht immer ganz. Die Mehrzahl der Papiere konnten sich nur um Bruchteile eines Prozentes bessern, aber für einige Werte waren die Gewinne doch schon ganz ansehnlich. So befestigten sich Kunst- seidenaktien im Zusammenyang mit der bereits gestern erwähnten internationalen Festigkeit um 7 bis 9 o. H. Deutsche Linoleum lagen 4,5 v. H. höher, Svenska 3 Mark und Papiere, wie Reichsbank, Harpener, Salzdetfurth und Siemens, waren bis zu 2 v. H. gefragt. Als schwach fielen Adlerwerke mit minus 2 v. H. auf, da die Notwendigkeit, etwa taufend Mann der Belegschaft zu entlassen, verstimmte. Hermann P ö g e erschienen mit Minus- Minus-Zeichen und mußten in der Notiz ausgefetzt werden: man taxiert sie etwa 10 v. H. niedriger, da Gerüchte auftauchen, daß eine Dividendereduzierung um 1, wahrscheinlich sogar um 2 o. H. infolge eines unbefriedigenden Jahresabschlusses zu erwarten seien. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer wenig verändert. Türken und Russen etwas lebhafter: Bosnier etwa 2 v. H. fester. Der Pfandbrief markt war vernachlässigt, eher nachgebend. Der Geldmarkt blieb auch heute unverändert leicht. Der offizielle Satz für Reportgeld wird von den Banken, erst gegen 1.30 Uhr festgesetzt werden: man recynet immer noch mit einer leichten Ermäßigung. Dagegen dürfte bei der englischen Diskontorate heute kaum eine Veränderung eintreten. Im Verlaufe waren Reichsbankanteile lebhafter und eher fester, während sonst kleine Positionslösungen vorgenommen wurden, die das Kursniveau bis 1 v. H. nachgeben ließen. Trotzdem blieb die Grundstimmung ziemlich freundlich. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. Okt. Auch heute verkehrte der Frankfurter Produktenmarkt in ruhiger Haltung. Dir unveränderten Auslandnotierungen gaben dem Markte keine Anregung, so daß das Geschäft nach wie vor klein blieb. Das wieder größer gewordene Angebot machte sich auf der anderen Seite stark bemerkbar, doch blieben die Preise im allgemeinen gut behauptet. Roggen war besonders stark angeboten, aber auch hier traten kaum Abschwächungen ein. Es wurden notiert: Weizen 1 23,50 bis 23,65: Roggen 22,50 bis 22,75; Sommergerste für .BrauzwockeG 25 bis 25,50; Hafer, inländischer 23,25 bis 23,50; Mais, (gelb) für Futter zwecke 21,50 bis 21,75; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 33,75 bis 34,25; Roggenmehl 30.25 bis 31; Weizenkleie 14 bis 14,10; Roggenkleie 14,50. Tendenz: ruhig. Frankfurter TchLachtvcehmarkL. F r a n k f u r t a. M., 25. Oktober. Auftrieb: 86 Rinder, 999 Kälber, 736 Schafe, 604 Schweine. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 75, mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 69, geringe Kälber 55 bis 63. Schafe. Maftlämmer und jüngere Mafthämmcl: Weidemast 43 bis 48, mittlere Maftlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 42, fleischiges Schafvieh 30 bis 37. Schweine. Bollfleifchige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 73 bis 76. Marktverlauf: Schweine schleppend,- erheblicher Ueberstand; Kälber und Schafe ruhig, ausverkauft. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gege"':b^r f?iner'ei V-'''-. üwortung.) Die abgeriegelle Marktstcahe. Anstatt die drückenden Verkehrsbeschränkungen der Innenstadt zu lockern, hat die Polizeiverwaltung in den letzten Tagen durch Anbringung von Schildern den Verkehr weiterhin gedrosselt. Dabei macht man gar keinen Versuch, diese Maßnahmen zu begründen. So ist die Marktstraße, die seither für den Kraftverkehr gesperrt war, nunmehr auch für jedes Fahrzeug verboten, ebenso die zu ihr führenden Straßen: Mäusburg, Wagengasse und Wettergasse. Man sperrt somit eine Straße vollständig, die dem, wenigstens nach einer Seite hin offenen, Seltersweg an Verkehr weit nachsteht. Abgesehen davon, daß die Radfahrer seither nicht über den Marktplatz fahren durften, was man der guten Straße und der kurzen Strecke wegen mit in Kauf nahm, zwingt man sie nun, die Marktstraße überhaupt zu meiden, da selbst das Drücken der Räder verboten ist. Jeder, der gerade den Radfahrverkehr der Marktstraße beobachtet hat, wird wissen, daß diese Anordnungen für die Geschäftsleute einen außerordentlichen Schaden bedeuten. Nicht nur der zu seinem Wohnort heimkehrende Arbeiter, sondern auch Kunden der Außenstadt, werden nun den Geschäften der Marktstraße entzogen, weil sie nicht wissen, wohin sie mit dem Rad sollen, oder auch gar nicht imstande sind, ihre Besorgungen ohne es zu erledigen. Aus diesen Gründen muß energisch gefordert werden, daß die Marktstraße, gleich dem Seltersweg, nach einer Richtung hin freigegeben wird und für den gesamten Radfahrverkehr offen bleibt Die Anwohner der Marktstraße haben, besser als alle behördlichen Organe, zu beobachten Gelegenheit, daß selbst bei starkem Verkehr in den Abendstunden, derart schwere Maßnahmen gegen die Radfahrer keinesfalls gerechtfertigt find. Glaubt man aber unbedingt, ohne Regelung nicht auszukommen, so stelle man, eingedenk des Grundsatzes, daß die Behörden für das Wohl und zur Förderung der Bürger da fein sollen, für die kurze Zeit einen Ver- kehrsposten. Von der Polizeiverwaltung muß gefordert werden, daß sie diese Maßnahmen abändert. Kr. Straßenbahnwünsche. An die Verwaltung der städtischen Straßenbahn möchte die Einsenderin die Anfrage richten, ob es nicht möglich ist, die Vorderperrons der Straßenbahnwagen auf beiden Seiten zum Ein- und Aussteigen offenz ich alten. Grund zu dieser Anfrage ist der mißliche Umstand. daß bei dem jetzigen einseitigen Betrieb die Fahrgäste je nach der Fahrtrichtung beim Ein- oder Aussteigen mitten auf der Fahrstraße mit ihrem lebhaften Kraftwagenverkehr stehen. Ich möchte nur einige gefährliche Haltestellen herausgreifen: Ecke Liebig—Frankfurter Straße, Hettler, Goethestrahe, Bürgermeisterei, Asterweg, Walltor, Bückingstrahe. Junge Leute können sich mit ein paar Sprüngen in Sicherheit bringen — für ältere Leute ist es beim Aussteigen direkt gefährlich — im Rücken den anfahrenden Straßenbahnwagen — vor sich die vorbeiflitzenden Autos, Omnibusse, "-Radfahrer usw. — rette sich, wer kann! Die geringe Mühe, die den Wagenführern durch Umsetzen von zwei Türen an der Endstation erwächst, würde reichlich ausgewogen durch die Sicherheit der Fahrgäste. ---h. Die neue Müllabfuhr. Soweit bekannt, soll in nächster Zeit mit dem neuen Verfahren der städtischen Müllabfuhr begonnen werden. Hierzu werden höchstwahrscheinlich Müllwagen mit Staub saug evvrrichtung Verwendung finden, um beim Entleeren der Gesäße die Staubplage zu verhindern. Auch sind Dlecheimer mit Deckel nach Muster vorgeschrieben. Diese Reueinführung ist sehr zu begrüßen; Verschwinden doch damit die mitunter ekelerregenden offenen Müllbehälter, wie alte Eimer, Äfften. Karton usw. aus dem Straßenbilde und machen dem Durchwühlen dieser Behälter und heraus- wersen des Inhaltes auf den Fußsteig durch herumstöbernde Hunde ein Ende. Der wunde Punkt ist die Beschaffung eines vorschriftsmäßigen Eimers bei den vielen armen, weniger bemittelten älteren Familien, Pensionären usw. Hier wäre Erleichterung durch die Stadt oder Hausbesitzer sehr erwünscht. Sind doch Fälle bekannt, wo die bisher gebräuchlichen Mülleimer Eigentum des Hausbesitzers sind, der diese seinen Mietern frei zur Benutzung stellt. Sollte es sich nicht-ermöglichen lassen, daß die noch in gutem Zustande befindlichen, gebräuchlichen und handlichen Eimer mit Deckel weiter verwendet werden können? Erne Aufklärung hierüber von feiten der in Betracht kommenden städtischen Behörde wäre sehr erwünscht. O. M. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Rellgionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanla^e). Samstag, 27. Oktober. Vorabend 5 Uhr: morgens 9; abends 5.20 und 6 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 27. Oktober. Freitag abend 4.45 Uhr: Samstag vor- mittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 6.— Wochengottesdienst morgens 6 45; abends 4.30 Uhr. Letzte Nachrichten. Parker Gilbert bei Hilferding. Berlin. 25.Ott. (MTV. Drahtmeldung.) Der Reparationsagent Parker Gilbert, der sich bereits unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin mit dem Reichsfinanzminister Dr. h i l f e r d i n g zu einer kurzen Besprechung traf, wird im Laufe des heutigen Tages die Verhandlungen mit dem Reichs- finanzminifter aufnehmen. Wie wir zu wissen glauben. erklärte der Reparationsagent, daß sich keine Einheitsfront gegen Deutschland gebildet habe, so daß immerhin eine Aussicht auf einen günstigenFortgang dieser Verhandlungen besieht. Man hofft deshalb in hiesigen Kreisen, daß die Dinge einen sachlichen verlaus nehmen werden. Voraussetzung dazu ist natürlich, einwandfreie Sachverständige zu finden, die das gesamte Problem nach rein weltwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu lösen vermögen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent. Lombardzinsfuß 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M Berlin S l i 9 9 e 5 Berlin. 24 Oktober Geld Nrief •ranjöiiftbc '.'toten .... »ollätidtsche Roten ...... Italienische Roten ...... iorwegische Roten..... )eutsch-Ocsterr-, 5100 Kronen rumänische Roten...... Schwedische Roten ...... Schweizer Roten....... Spanische Roten..... . Ichcchoslowakische Roten . . ngarische Rotea Devisenmarkt Berlin- Telegraphische ros 167,71 21,92 111,53 58.83 2,545 111,78 80,50 67,33 12.388 72.85 -Frankfurt Auszahl 16,44 168,39 22,00 111,97 59,07 2,565 112,22 80,82 67.61 12,448 73,15 a. m. U ng. Schlich-, Kurs ! 1-Uhr- Kur» Sch,uh Kurs Ansang Kur» Schluß- Kur» l-Uhr- Kur» Schlich : Anfang kur» I Kur» Schluh- fiur» l-Uhr- Kur» Schtusj- fiurs Anfang Kur» Datum 24 10. 25. 10. 24 10. | 25 10. Datum: | 24. 10. 25 10. | 24. 10. | 25.10. Datum: 24. 10. 25. 10. 24. 10. | 25. 10. 6% Dl. »eichsanleihe o. 1927 . $L enl.-Wblöt.-SdiulO mit ÄuS- U>|.«tHed)len Desai, ohne Auslof.-Rechte . 7% örantl Hyp-Bk Dolbps. un- tünbbar bis 1932 . . l¥*% Rheinische Hyv^-Bank Liqu> ®olbpf. • . . Ü.E.G abg. BorkNegs-Obligation., rückzahlbar 1932 4% Schweiz. BundeSb.-AM.. . . <% Oesierreichiiche Boldrte.. . . 4,20% Ceften. Sllberrte. . . 4% Oesterreich, einheiu. Rte . . 4% Ungarische Goldrle. . . . 4% Ungarische StaakSr. o. 1910 . 4%% vesgl. von 1913 4% Ungarische Kronenrte..... 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdobbahn-Aul., Serie 1 4% Vesgl. Serie 11 ..... 4% Rumänen contietL Rie. . . . Rumänen GlolbonL von 1913 Wg. Deuriche Eiseat.ahn . . 4% Hamburg-Amerika Lake! ... 8 Pamb.-Südam. Domvilch. . . 8 Hansa Dampfschifs ... 10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allg. Deutsche Crebilanst. . . 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner Handelsgesestsch. . - 12 Commerz- und Privat-Bani . 11 Darmst. u. Nationalbank 12 Deutsche Bank 10 Dtskonw-Gesellschafl 8UU.. - 10 Dresdner Bank ... 10 Mitteldeutsche LredUbaul . . - v vletallbank.........8 .......re 87,25 50,9 15,1 90 75,85 - II 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 II 1 87,5 50,9 15,25 32,3 3 26,65 — 25,9 1,95 12,25 12,4 11,8 toS? kl I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 । A.E.G...........8 Bergmann.........0 Elektr. Lieserungeu.....10 Licht und straft .....10 Felten 4 Guilleaume. • • • ■ 6 Ges. s. Elektr. Untern.. ... 10 Hamb. Elektr. Werte .... 10 Rhein. Elektr. 9 Schlei. Elektr.......10 Schuckert ...... 8 Siemens & HalSke ..... 12 Lransradio . ....... 8 Labmever & Lo.......10 Buderus 5 Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener ... J. K 3- 4 Harpener ...... .6 Hoesch Eisen. ........ 8 Ilse Bergbau ........ 8 stlöcknerwerke ........ 7 Köln-Neuessen........9 181,5 238,25 146.5 270,75 181 237,5 392 — 136 109,5 181,25 205,75 173 238 147,25 269.75 145 155.., 226 204,75 390,5 144 162 83 135 122,5 134 126 109,75 122,75 181,6 206 238,5 268.5 146,25 155,5 227 205 392 144,5 135,13 120 122,13 136 126,25 110 124 Zhiltpp Hohmann......7 Heidelberger Cemeut .... 10 >ment Karlstadt......8 Dahb 4 Freitag .....10 Schultheis Patzcnhoser ... 15 Ostwerke.........12 3er. Glanz stoss......18 Semberg . ........14 stellktoss Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 shariottenburger Wasser ... 7 Deifaucr Gas..... 8 Daimler Motoren ...... 0 Demag . ....... O Ldlerwerke Kleber ...... 6 !udw. Loewe ...... 10 ?at. Automobil ....... O Orenstein 4 flöt'vd . .... 6 ieonhard Dietz . . .... 6 Samag-Meguin ....... 0 Franks. Maschinen ...... 6 131 179 132 281 206 81 103 18,5 122,25 18 88,1 111,25 116,6 136,25 30.4 106 125 216 151 noten. 1 1 1 SS 1 1 1 1 1 | 1 1 ß 1 I 1 1 1 1 1 1 131 132 321 276.5 561 475 280,25 203.25 124,4 188 81,75 52 105 244,5 55,5 109,75 272,25 19,25 70 121,5 88,5 136,5 30.5 106,5 215 149,5 133,5 322 277,75 568 4M 281,5 124,25 187,5 82 52 103 243 109 273 123,5 134,5 250 109,5 24. Oktober 25 Oktob r Amtliche Roticruna Geld 1 Brief Amtliche Rotiernng Geld | Briet 1,95 12 12 11,9 mst-.Rott )uen.-AireS jrff.-Anrw Ihrtstiania openbagcn Stockholm ■ relsingforS. »kalten - ■ 168,08 1,764 58,27 111,75 111,80 112,03 10,54 21,97 20,336 4,1930 16,375 80,66 67,47 1,967 0.501 58,94 12,42 7,365 73,03 3,031 18,98 81,32 2,107 5,425 4,192 4,256 20.825 168,42 1,768 58,59 111,97 112,02 112,25 10,56 22,01 20,376 4,2010 16,415 80,82 67,61 1,971 0,503 59,06 12,44 7,379 73,17 3,037 19,02 81,48 2,111 5,435 4,200 4,264 20,895 168,07 1,764 58,27 111,74 111,78 112,04 10,547 21,965 20,334 4,1930 16,375 80,67 67,51 1,990 0.501 58,975 12.428 7,365 ^3,05 0,131 18,93 81,32 2,115 5,425 4,1925 4,256 20,865 168,41 1,768 58,39 111.96 112,00 112,26 10,567 22,005 20,374 4,2010 16,415 80.83 67.65 1,994 0.503 59,085 12,448 7,379 73,19 3,137 18,97 81,48 2,119 5,435 4,2005 4,264 20,895 9.25 24 151 148 140 185 291,13 167.5 163,75 170 133,5 298 150,5 147,75 185,5 162,25 169,75 133.5 300 23,75 150,5 183,75 147,25 1:15.25 140 289 185 290,5 167,75 162,75 169,5 207,5 133,75 298 150,25 147,13 135,25 289,5 185,5 291 167,5 162,75 169,75 207,5 134 299.75 Mannesmann ....... 8 Mansselder .......7 Oberschlei. Eisend. Bedarf. . . 6 Oberschlei. KokSwerke .... 6 Phönir Bergbau ... 6% Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstahl t. % 3* V/t 3?tebed Montan......7,2 Bereinigte Stahl»......fi Otavi Minen - .... 1 sh Kali Aschersleben.....10 Kali Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 15 ■3. ®. garben-Jnduftr» ... 12 Dynamit Nobel ....... 6 Goldschmidt ....... 6 Nütgerswerkr ..... 6 MetallaeseMchaft......U 123,75 116 91,75 275.75 134 92,5 55,75 281 282 472 252 212 98 100 184 1 | | I 1 S 1 1 1 1£11£si 1 1 1 123,75 116 108,25 110,25 92 275,5 133,9 93,5 55,4 280,5 282 472,5 251,75 118,25 98,5 100 123,75 115 109 110 92,4 274,5 134,5 93,5 55,4 281 474 251,5 100,6 dritzner ...... 11 -eyligenstaedt ....... O Zunghans. . ....... 4 •edjroerfe..... .... 8 Rainkraftwert» ....... 8 Riag. ...... 10 Reimsulmer ........ 8 Peters Union ........ 8 Aebr. Roeder ....... 10 Lotgl & Haessner ...... 8 Sübb. Zucker ........ 8 Bank 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 137 London. . . Rermork .. Parts.... Schweiz .. Svanten. . yavan . . . Mio de Fan- Wien tnD-° Ceft abaefi Prag . . Belgrad . . Dudavesi. . Bulgarien . Lissabon Dantig. . . Konstantin. Lthen. . . Tanada Uraallay. . katro . . Berlin, 24. Oktober C5ClZ> «ne, Lmertkamsche Wotre ..... Selgische Roten ....... Dänische Roten ........ Englische Raten........ 4,174 58,11 111,58 20,309 4,194 58,35 112,02 20.389