Nr.277 Srftes Blaff 178. Jahrgang Samstag, 24. November 1928 Mtzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen VrvS vnd Verlag , vrühl'sche Uittversttütr-Vuch' Mld Steintnideret 8. Lange in Sietzen. Schrtftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7. Lauaymi von Bnjctgcn für die Tagesnummer bis gnm Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° . mehr. Thefredakteur Dr Friedr. Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein, für den Anzeigenteil Kurt hillmann. sämtlich in Dietzen Eriche,ai täglich,autzer Sonntags inb Feiertags Beilagen Dietzener Famtliendlütte, Heimat im Bild Di» Scholle Monatr-k ezugrpreU: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, and) bei Nichterscheinen etnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse: 51, 64 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Etetze«. Postscheckkonto. Zransturtam Main 11686. Räumung und Reparation. Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat die Lei- tung der auswärtigen Politik des Reiches wieder in die Hand genommen und ist in dieser Woche zum ersten Male wieder seit seiner Genesung mit einer programmatischen Rede vor den Reichstag getreten. Obwohl der Minister in den langen Wochen seines Fernseins oom Auswärtigen Amt, oom Krankenbett aus und in den Sanatorien, die sein leidender Zustand ihn aufzusuchen zwang, sich ständig auf dem laufenden hallen ließ, Informationen empfing und selbst nicht ohne Einflußnahme blieb, verstärkte sich mit der Dauer der erzwungenen Vakanz doch Der Eindruck, daß es in der Wilhelmstraße in dieser Zeit recht häuftg an der frischen Initiative, an der Entschlußkraft gebrach, die für die politische Leitung eines Volkes doppelt vonnöten ist, das sich in einer außenpolitisch so prekären Lage befindet, wie das deutsche. So ist in diesem vorherrschenden Gefühl des nur „L D." Verantwortlichen manches liegen geblieben, manches schleppend und hinhaltend behan- delt worden, was prompte Erledigung und schnelle Entscheidung aefordert hätte. Aber auch abgesehen von diesen sachlichen Gründen, die die Rückkehr des leitenden Staatsmannes auf seinen so lange verwaisten Posten zu einem freudigen Ereignis machen, ist es uns eine herzliche und aufrichtige Genugtuung, Dr. Stresemann wieder frisch und gut erholt, In alter Spannkraft an der Arbeit zu sehen. . Stresemanns erste Rede vor dem Reichstag war nun allerdings nicht in allen Punkten nach un- ierem Geschmack. Der Außenminister beschränkte sich mrauf, unser Verhältnis zu den Westmächten, den beiden wichtigsten Partnern des Locarnopaktes, zu umreihen. Das mag in unserer augenblicklichen Situation begründet fein, die uns vor die Aufgabe stellt, das Ergebnis der Genfer Tagung konkret auszuwerten, mit anderen Worten, die mit der Prüfung des Dawesplanes zu betrauende Sachverständigen- konferenz vorzubereiten. Aber nicht unwesentliche Dinge, wie das Verhältnis zu Rußland, der pol- nische Handelsvertrag — um nur einiges herauszugreifen — fielen dabei unter den Tisch, der Kellogg- Pakt und überhaupt die Stellung Amerikas zum eben wieder aufgerollten Reparafionsvroblem wurden nur beiläufig erwähnt, obwohl letzterem doch wobl für die künftigen Verhandlungen eine geradezu entscheidende Bedeutung zukommt. Der Reichsaußenminister begründete noch einmal mit erfreulicher Entschiedenheit, ja Schärfe den deutschen Anspruch auf Räumung des besetzten Gebietes, der nach seinen Worten w'eoer von der Lösung anderer Probleme, noch von sonstigen Bedingungen irgendwelcher Art abhänge. Es komme für Deutschland nicht in Betracht, für die Räumung politische Belastungen, deren Wirkung sich über die Dauer der vertragsmäßigen Besatzungs- fristen erstrecken würde, auf sich zu nehmen, oder die Räumung mit Gegenleistungen finanzieller Art au erkaufen. Damit hat Stresemann mit aller wünschenswerten Deutlichkeit wieder zurechtgcrückt, was in dem Wirrwarr der sich einander widersprechenden Kommentare zu dem berüchtigten Genfer Kommunique der Locarnomächte zu unserem Nachteil verbogen worden war. Deutschland lehnt also die Verquickung von Räumungs- und Reparations- Problem entschieden ab. Es begründet seinen klaren Rechtsanspruch auf sofortige restlose und voraus- setzungslose Räumung der besetzten Gebiete aus dem DZortlaut des Versailler Vertrags und lehnt die These ab, als ob die Erfüllung der Vertragspflicht der Gegenseite von einer befriedigenden Endlösung des Reparationsproblems abhängig fei. Wie wichtig die immer wiederholte Betonung und Unterstreichung dieses deutschen Standpunktes ist, mag man aus den neuerlichen, zweifellos vom Foreign Office inspizierten Auslassungen der „Times" ersehen, die bei anscheinendem Wohlwollen für den deutschen Locarnopartner sich doch d-e französische Konstruktion der Abhängigkeit der Räumung von der Reparationsfrage zu eigen macht und die Feststellung der Gesamtverpflichtung Deutschlands geradezu als Bedinguntz für die Beseitigung der Besatzung aufzustellen behebt, die ja eine Garantie für die Durchführung des Versailler Vertrages auch nach der finanziellen Seite hin fei. Hier sieht man die ganze Schwere der Gefahr, in der wir schweben, wenn wir in diesem Punkte auch nur um Haaresbreite nachgeben, mag auch bei flüchtigem Hinschauen dieser Streit um den Vorrang and die Zusammengehörigkeit von Räumung und Reparation als ein Streit um Worte erscheinen. Wo würden wir hinkommen, wenn bi» französisch-englische Auffassung zum Gesetz erhoben würde? Wir würden mit dem Aufgeben unseres Standpunktes den Gegnern geradezu einen Freibrief ausstellen, uns in Zukunft Schwierigkeiten über Schwierigkeiten zu machen und die Räumung der Rheinlande bis zur restlosen Abdeckung sämtlicher im Dawesplan ober in dem ihn ersetzenden Abkommen übernommenen Verpflichtungen zu vertagen, vorausgesetzt, daß sie inzwischen nicht andere Gründe gefunden haben, die Besetzung deutschen Gebiets zu verewigen. Hier ist also äußerste Vorsicht am Platze! Und der gleichen Aufmerksamkeit bedarf auch der andere Punkt, den die Rede Stresemanns klargestellt hat: das sog. F e st st e-l l u n g s - und Vergleichskomitee. das in der entmilitarisierten Zone nach der Räumung in Wirksamkeit treten soll. Auch hier hat Deutschland durch den Mund seines Außenministers seine Ablehnung wiederholt, über die Dauer der vertragsmäßigen Besatzungsfristen, also nach 1935, eine Kontrolle über j deutsches Gebiet, welcher Art auch immer, zu dulden. Weit weniger aussiihrlich, als über die Räu- mungsforderung hat sich der Außenminister über das Reparationsproblem und die kommendeSach- Verständigenkonferenz ausgelassen. Vielleicht war es weife Selbstbeschränkung, wenn er darauf verzichtete, Poincars und den Briten auf dem von ihnen eingeschlagenen Wege zu folgen, Erneuerung des japanisch-britischen Bündnisses? Zusammenarbeit in China. - Ein japanischer Fühler. - Und Amerika? London, 23. Rov. (T. TU) Die der japanischen Regierung nahestehende Tokioter Zeitung „Rishi Rishi" veröffentlicht in sensationeller Aufmachung einen Bericht unter der Niederschrift „W iederaufleben des englisch-japanischen Bündnisses", in dem es u. a heißt: »Am 17. Aovember wurde von einem Teil des japanischen Auswärtigen Amtes, der sich angesichts der Krönungsfeierlichkeiten in Kioto niedergelassen hatte, eine Konferenz über außenpolitische Fragen abgehalten. Graf Tl s h i d a berichtete, daß während seines kürzlichen Besuches in London eine Verständi- gung mit England über eine gemeinsame Politik beider Länder in China gesucht wurde, und daß er au diesem Zweck Vorschläge über eine freundschaftliche Zusammenarbeit in China für die Zukunft gemacht habe. Die Rotwendigkeit einer englisch-japanischen ilebereinftimmung in Verbindung mit China wurde nach dem Fehlschlag der Genfer Ab- rüstungskonferenz im Frühjahr in London erörtert und führte im 3uni zu einer Heberein- stimmung. Das freundschaftliche Gefühl, da- auf diese Weise nach und nach zwischen Japan und England entstanden war, bot für Graf Llshida die Gelegenheit, die Wiederherstellung eines Bündnisses zwischen beiden Ländern zu erörtern. Die Zeitung fugt hinzu, daß in verschiedenen Kreisen die Ansicht vertreten werde, daß Großbritannien gegenwärtig eine Zusammenarbeit mit Japan wünsche. Aber nicht nur England, sondern auch die amerikanische Regierung zeige immer stärkere Reigung, den von Graf Llshida eingeleiteten Verhandlungen sich anzuschließen. Der neue Kriegsverzichtsvertrag und besonders die gegentoärtig in Amerika bestehenden Gefühle müßten jedoch sorgfältig berücksichtigt werden, bevor formelle Besprechungen ein- geleitet werden könnten. Der Okakaer Korrespondent der Zeitung berichtet, daß Ministerpräsident Tanaka in einer Aussprache mit führenden japanischen Geschäftsleuten auf die ÄotWendigkeit der Zusammenarbeit mit Großbritannien hingewiesen habe. Don anderen Blättern wird von einer Bewegung wichtiger wirtschaftlicher Organisationen für eine solche Zusammenarbeit gesprochen. Andere ba- gegen weisen darauf hin, daß eine solche Entwicklung sehr unwahrscheinlich sei im Hinblick auf die heiklen englisch-amerikanischen Beziehungen. 3n maßgebenden japanischen Kreisen wird nach ergänzenden Berichten aus Tokio den Mitteilungen über ein Wied.raufle^e.i des englisch-'apa- nischen Bündnisses wenn auch nicht der Form, so doch dem Geiste nach, keine übertriebene Bedeutung beigemessen. Man weist darauf hin, daß die japanische Weltpolitik die englisch-amerikanische Zusammenarbeit nicht außer acht lassen könne und daß Amerika eirier Erneuerung des englisch-japanischen Bündnisses feindlich gesinnt sei. Sem steht jedoch die Tatsache gegenüber, daß ein Vertreter des japanischen Außenministeriums zugibt, daß die Berichte über eine Bewegung für eine engere Zusammenarbeit zwischen Japan und Grohbritannien in China nicht grundlos sin i Das englisch-japanische Bündnis sei durch den umfassenderen Washingtoner Vertrag von 1922 abgelöst worden, aber sein Geist bestehe, wie die Haltung der Staatsmänner in beiden Ländern zeige, fort. Die Politik der Mächte in China. Die „Dimes" leugnet eine Erneuerung des britisch-japanischen Bündnisses. London, 24. Rov. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Leitartikel sagt die „Times": Die Rach- richt von den erfolgreichen Besprechungen zwischen der britischen und japanischen Regierung über ihre diplomatische Zusammenarbeit in China kann Einigung in der Velberter Eisenindustrie. Berlin, 24. Rov. (Priv. Tel.) Während die Tarifparteien in der nordwestlichen Gruppe sowie im Hagen-Schwelmer Bezirk bisher noch zu keinem Ergebnis gekommen sind, wurde für das Gebiet der Velberter Eisenindustrie, das etwa 15 000 Mann beschäftigt, eine Vereinbarung zwischen den Gewerkschaften und dem Arbeitgeberverband getrosten, wonach das bisher geltendeLohn- abkommen bis zum 3 0. April nächsten Jahres verlängert wird. Arbeitgeberverbände und Reichs- Verband der deutschen Industrie zum Eisenkonflikt. Berlin, 23. Rov. (WTB.) Der Vorstand der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen keinen Widerspruch erregen, da die Verständigung „weder extensiv noch ostensiv" ist und da jene beunruhigende und unnötige Geheimhaltung vermieden wurde, die bei dem englisch- französischen Kompromiß soviel Kritit hervor- rief. Das Blatt betont, daß Großbritannien sich stets in den chinesischen Fragen an die Washingtoner Vereinbarung gehal- t e n habe, was man von der Washingtoner Regierung nicht sagen könne, da sie im Juli dieses Jahres mit der chinesischen Regierung ein Abkommen unterzeichnete, ohne vorher die anderen Tlnterzeichner der Washingtoner Vereinbarung zu verständigen. Schließlich betont die „Times", daß von einer Erneuerung des Bündnisses mit Japan keine Rede fein könne und daß nach Beseitigung aller Einschränkung der chinesischen Souveränität eine gemeinsame Aktion der Mächte in China nicht mehr i n Frage komme. Auch „Daily Telegraph" verweist in einem Leitartikel auf die Sondeo- schritte der amerikanischen Regierung in Rank.ng und sagt, das nationalistische Ministerium werde dadurch ermutigt, die Mächte gegeneinander auszuspielen. Industrie haben in einer gemeinsamen Sitzung am 23. Aovember 1928 zu der durch die Auseinandesehungen in der Eisenindustrie des Westens und der Werftindustrie geschaffenen Lage folgende Stellung genommen: Die in dem Schiedsspruch für die Eisenindustrie vorgesehene Lohnerhöhung bedeutet eine we- sentlicheSteigerungderSelbstkosten und damit eine Erhöhung der Gisenpreise, die eine ernste Gefährdung des gesamten deutschen Preisniveaus nach sich ziehen müßte. Jede weitere Steigerung des Preisniveaus muß aber unter allen Umständen vermieden werden. Die Preisentwicklung, irrsbesondere in den Schlüsselindustrien, ist nicht nur für die unmittelbar beteiligte Wirtschaft, sondern für Deutschlands weltwirtschaftliche Stellung und damit für die Volksgefamt- heit von entscheidender Bedeutung. Eine Entwicklung, die der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Wettbewerbsfähigkeit der durch Kapitalknappheit, hohe Zinsen und anderen Verpflichtungen in drückender Weise vorbelasteten Industrie nicht genügend Rechnung trägt, schädigt letzten Endes die Arbeiterschaft Oer Lohnkampf in der nordwestdeutschen Eisenindustrie. vor Zusammentritt der Äonferety schon ein Mindestprogramm aufzustellen und Forderungen anzumelden die die, in ihren Entschließungen angeblich freien Sachverständigen auf bestimmte Richtlinien festlegen sollen. So hat Stresemann sich damit begnügt, diese von der Gegenseite heute schon bedrohte Freiheit des Sachverständiaenkomi- tees zu fordern und als Grundsatz für die Feststellung der Reparationsendsumme und der Zahlungsmodalitäten die wirtschaftliche Leist ungsfähigkeit Deutschlands aufzustel- len. Dom Standpunkt des Außenministers mag es grade angesichts der Knebelungsverfuche der Gegenseite taktisch richtig gewesen fein, sich jeder weiteren Erläuterung dieser deutschen Grundforderung zu enthalten. Aber es wäre doch dringend erwünscht, wenn in nicht allzu ferner Zeit einmal von verantwortlicher Stelle aus der deutschen Oeffenllich- keit der ganze Ernst der bevorstehenden reparationspolitischen Entscheidungen vor Augen geführt würde. Glauben doch immer noch weite Kreise unseres Volkes, Transferproblem, Jnduftriebelastung. feien Dinge, die sie nichts angingen, ohne sich dabei klarzumachen, daß die schweren Erschütterungen, die gegenwärtig den Bestand der deutschen Volkswirtschaft bedrohen, in hohem Maße d i e unerhörte Belastung der Wirtschaft durch den Dawesplan zur Ursache haben; ohne darüber nachzudenken, daß die Beseitigung des Transferschutzes, also der Tatsache, daß die Ueberführung der an den Reparationsagenten geleisteten deutschen Barzahlungen in das Ausland, unsere Währung gefährden könnte; ohne schließlich sich zu verdeutlichen, daß die bisher geleisteten Daweszahlungen zum guten Teil gepumptes Geld waren, das amerikanische Kreditgeber der deutschen Wirtschaft und weit mehr noch der öffentlichen Hand zu hohen Zinsen und harten Bedin- gungen zur Verfügung gestellt haben. Richt umsonst yat der Reparationsagent selber immer wieder auf die Notwendigkeit hingewiesen, den öffentlichen Haushalt nach der gewiß knapp bemessenen Decke zu strecken. Nicht aus reiner Kritiksucht hat der Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der beste Kenner der verwickelten Reparationsmaterie, wieder und wieder die Einschränkung der Ausgabenwirtschaft Der öffentlichen Hand verlangt. Leider mit nur allzu geringem Erfolg: In den deutschen Großstädten jagt eine Ausstellung die andere, pompöse Empfänge, Lichtwochen, Bewirtungen und andere Veranstaltungen ohne kulturellen Zweck lösen einander ab, in einem Ausmaß, wie es das reiche Deutschland der Vorkriegszeit nicht im entferntesten gekannt hat. Daß damit gelegentlich auch Skandalaffären in einer Kette ohne Ende parallel gehen, haben wir ja in unserer Nachbarstadt Frankfurt zur Genüge erleben müssen. Zweifellos kein sehr brauchbares und überzeugendes Material für unsere Unterhändler auf der künftigen Reparationskonferenz, denen es dadurch sehr erschwert wird, vor den kritischen Augen der Ausländer den Beweis zu erbringen, daß hinter diesem verführerisch gleißenden Mantel geborgten Reichtums in Wahrheit für weite Volksschichten Frau Sorge täglicher Gast ist. Stresemann hat sich dann über die grundsätzliche Seite der Locarnopolitik verbreitert und ist in die- fern Zusammenhang auch auf den franko-britischcn Flottenpakt zu sprechen gekommen. Er hat mit scharfen Worten die Unmöglichkeit der Lage für Deutschland betont, wenn seine beiden Vertragspartner, England und Frankreich, hinter feinem Rücken ein Rüstungsabkommen schließen, das sich in der Behandlung der Reserven des Landheeres direkt gegen den Dritten richtet. Aber er hat dann mit Befriedigung die Erklärung des britischen Premiers zur Kenntnis genommen, daß der Flottenpakt durch den Widerspruch Amerikas „erledigt" fei. Das ist unseres Erachtens ein unbegreiflicher Optimismus, denn es ist damit keineswegs gesagt, daß England auch seinen Standpunkt in der für uns ausschlaggebenden Frage der Heeres- reserven zurückrevidiert hat. Ganz abgesehen von der in Paris wie in London bei jeder Gelegenheit erneut unterstrichenen Tatsache, daß die Latente cordiale der Vorkriegszeit wiederum ein politischer Faktor ersten Ranges geworden ist. Hat der deutsche Außenminster begründete Ursache, optimistischer zu fein als der Führer der Opposition im britischen Unterhaus? Lloyd George hat in der Adretzdebatte die Haltung der Alliierten in der Räumungsftage und den einseitigen Abschluß des Flottenpakts Verrat am deutschen Locarnopartner genannt. Und ist vielleicht die vor Zusammentritt der Sachverständigen schleunigst hergestellte Einheitsfront Frankreichs und Englands in der Reparationsfrage ein Zeichen für das lebendige Wirken des Locarnogedankens auf der Gegenseite? Wir würden von uns aus keinen Wert legen auf die Fortführung der angesichts der nackten Tatsachen wenig fruchtbaren Debatte über die Zukunft der Locarnopolitik, hätte nicht der Außenminister es für notwendig gehalten, „für ihre Grundlinie und deren konsequente Fortsetzung" einzutreten. Er kommt dadurch in die etwas schiefe (Stellung, an einer Sache festzuhalten, die die Andern als überholt längst zu den Akten gelegt haben. Rie- mand denkt daran, an dem materiellen Inhalt des Locarnoabkommens rühren zu wollen. Rie- mandem würde es einfallen, England als Vertragsgaranten aus der Verantwortung für die Aufrechterhaltung des territorialen Besitzstandes und für die Sicherheit unserer Westgrenzen herauszulassen. Wenn der Außenminister mit der Fortsetzung der Locarnopolitik dies meint, so gehen wir mit ihm völlig einig. Aber niemand wird von uns erwarten können, daß wir noch auf irgendwelche „Rückwirkungen" hoffen sollen, die uns seinerzeit in Aussicht gestellt waren. Heute verlangen wir unser klares Recht aus dem Versailler Vertrag und seinen Vorläufern, nichts mehr und nichts weniger. Lind wir lehnen es ab, diesen unseren Rechtsanspruch durch neue Vorleistungen oder Zugeständnisse politischer Art zu erlaufen. Stresemann ging dann so weit, den Versuch einer friedlichen Verständigung mit unseren Gegnern gleichsam als die einzige uns gebliebene außenpolitische Möglichkeit anzusprechen. Wir können ihm darin nicht ganz folgen, wenn wir auch stets anerkannt haben, daß die Bereinigung unseres Verhältnisses zu den Westmächten, wenn von Erfolg gekrönt, durchaus wünschenswert sei und sogar vor allem andern angestrebt werden müsse. Aber wir können unsere Bedenken nicht unterdrücken, daß der Außenminister mit dieser sehr offenherzigen Darlegung unserer Lage, wie sie sich ihm darstellt, einen wesentlichen Trumpf aus der Hand gegeben hat. Weder Frankreich noch weniger England haben den Locarnopakt doch abgeschlossen um unserer schönen Augen willen. Zumindest in London hoffte man doch im stillen, wenn Chamberlain es vielleicht auch nie ausgesprochen hat, durch diese Bindung Deutschland wenigstens von Rußland fernzuhalten, wenn nicht gar in die Front gegen die Sowjetrepublik hineinzuziehen. Die Hoffnung hat getrogen, Moskau hat es uns zwar nicht immer leicht gemacht, ein erträgliches Verhältnis zu ihm aufrechtzuerhalten, aber es ist uns gelungen, den weltpolitischen Verstrickungen fernzubleiben, zu Ruh und Frommen einer fortschreitenden Konsolidierung im Innern utü> einer Erhaltung des Friedens nach außen. Aber das es auch andere Möglichkeiten gibt, toenn wir auf dem Wege einer Verständigung mit den Westmächten nicht zu dem Ziele einer ^Befreiung deutschen Bodens und deutschen Volkes kommen, das ausdrücklich zu betonen, halten wir in dem Augenblick für besonders notwendig, wo wir zu neuen Verhandlungen mit den Westmächten schreiten. ebenso tote Vie flnfettteÖmttn#eTL Der Abwendung dieser Gefahr dient die Haltung der Unternehmungen in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen. Aach dieser Richtung muh daher auch von der deutschen Oeffentlichkeit der Wirtschaftskampf in der westlichen Eisenindustrie mit dem großen Ernst und dem Derantwortungs- bewußtsein gewertet werden, wie dies von der deutschen Industrie im Interesse des Dolksganzen geschieht. Keine Parteinahme des Reichstags. Die Hilfsaktion für die von der Aussperrung betroffenen Gemeinden. Bochum, 23. Noo. (TU.) Der erste Syndikus der Bochumer Handelskammer, Dr. Hugo, übergibt zur Klarstellung über die angeblich vom Reichstag bewilligten 20 Millionen Mark Arbeitnehmer- Unterstützungen eine Erklärung, der wir u. o. folgendes entnehmen: Es ist die Auffassung verbreitet, daß der Reichs- t a g 20 Millionen für die Arbeitnehmer Unterstützungen bewilligt und damit zugunsten der einen Partei Stellung genommen habe. Tatsächlich liegen die Verhältnisse ganz anders: Der Reichstag hat im Sozialpoliti chen Ausschuß wie im Plenum diese Wege der einseitigen Parteinahme nicht beschritten, sondern seine Neutralität gewahrt. Durch die angenommene Entschließung wird lediglich das Reich ermächtigt, Preußen eine Summe zur Verfügung zu stellen, mit der die not- leidenden Gemeinden im Westen unter st ü tz t werden können, deren Höhe noch auszuhandeln ist. Tatsächlich sind die Länder nach der Fürsorgeverordnung verpflichtet, den notleidenden Gemeinden entsprechende Beträge zu zahlen. Die Bereitwilligkeit des Reiches, bei dieser Last mitzuhelfen, ist das einzige, wozu der Reichstag seine Zustimmung gegeben hat. Es ist ober nirgendwo bei den Beratungen im Reichstag eine fixe Summe genannt worden, geschweige denn der Betrag von 20 Millionen aus Reichs- mitteln, wie es vielfach in der Oeffentlichkeit heißt, bewilligt worden. Ts wäre ein verhängnisvoller Irrtum, sollten die Gemeinden oder die Gewerkschaften glauben, daß ein solcher Betrag zur Verfügung stände. Die über die Verteilung der gesetz. lich fälligen Fürsorgeleistuna festzusetzenden Richt- linien stehen nach der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht und der oreußischen Ausführungs- Verordnung derpreuhischenRegierunazu. Die Richtlinien, die der preußische Wohlfahrtsminister für die Durchführung der Fürsorge fcstge- setzt hat, find ohne Zutun und ohne die Möglichkeit irgendeiner Einflußnahme des Reichstages erlassen. So Hot der Reichstag sich darauf beschränkt, seinerseits nur seine Bereitschaft zur Unterstützung der notleidenden Gemeinden auszusprechen. Niemand war sich darüber im Unklaren, daß diese Fürsorae- unterstützungen gezahlt werden mußten. Mit seiner Stellungnahme hat der Reichstag aber die beantragte Abänderung des Arbeitslosenoerfiche- runasgesetzes verworfen und es grundsätzlich abgelehnt, in den schwebenden Lohnkampf der Eisen- industrie durch eine Rechtsbeugung zugunsten einer Partei einzugreifen. Der Gewerkverein Christlicher Bergarbeiter zur Lage. Essen, 23. Rov. (LU.) Der Dewerkverein Christlicher ^Bergarbeiter hielt eineKonferenz seiner ■Vertrauensmänner ab, die sich mit dem Kampf der Eisenindustrie beschäftigte. Es wurde eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Funktionärversammlung des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter verurteilt die Kamps- maßnahmen der Unternehmer in der Metallindustrie. Die Konferenz bedauert die Nachsicht der Regierung. Dieselbe hat die Pflicht, dafür au sorgen, daß unser so schwer bedrohtes Wirtschaftsleben g e s ch ü tz t wird. Es wird verlangt, daß den in Mitleidenschaft gezogenen Arbeitern anderer Betriebszweige d i e Kurzarbeiterunterstützung gezahlt wird. Den ausgesperrtcn Kameraden in der Metallindustrie spricht die Konferenz ihre Sympathie aus und wird sie in ihrem Kampf unterstützen. Den Konserrnzteilnehmern gilt die Aus- fperrung als ernste Mahnung. Rur ein starker Gewerkverein ist in der Lage, die Bergarbeiter vor Schaden zu bewahren. Reichsratsbefchlüffe. AnwaltSgcbühren. Steuervereinheitlichungsgesetz. Berlin, 24. Rov. (D. D. Z.) Der Reichsrat hielt unter dem Dorsitz des Reichsfinanzministers Dr. Hilferding eine Vollsitzung ab. In dem Entwurf eines Gesetzes über die Erstattung von Rechtsan w al tsgebühren in Armensachen haben die Reichsratsausschüsse entgegen der Vorlage einen niedrigeren Tarif für die Rechtsanwaltsgebühren sowie die Bestimmung beschlossen, daß den Ländern die erwachseirden Kosten vom Reiche erstattet werden. Das Plenum entschied sich für die Ausschußbeschlüsse. Infolgedessen erklärterer Vertreter des Reichsjuftizministeriums, daß die Reichsregierung mit den Aenderungen des Reichsrates nicht einverstanden sei und dagegen Einspruch erhebe. Darauf folgte die Beratung des Steuer- vereinheitlichungsgesetzes, das ein Rahmengesetz darstellt, in welchem zusammen- gefaßt smd ein Einführungsgesetz, ein Drund- steuerrahmengefetz, ein Gewerbesteuerrahmengesetz, ein Gebäudeentschuldungssteuergesetz, ein ©teuer- anpassungsgesetz und ein Gesetz über den lieber» tritt von Beamten in den Reichsdienst. Die Ausschüsse hatten sämtliche Gesetze für Der* iaffungsändernd erklärt. Aus Verlangen der Reichsregierung wurde jedoch diese Erklärung vom Reichsrat nur noch aufrechterhalten für das Gebäudeenifchuldungssteuergefeh und für das Gesetz über den Uebertritt von Beamten in den Reichsdienst. Die Vertreter Sachsens, Bayerns. Württembergs und Oldenburgs erklärten sich gegen d ie ganze Vorlage, der Vertreter von Mecklenburg-Schwerin gegen das Grundsteuer- rahmengefetz, das Gewerbesteuerrahmengesetz und das Geoäudeentfchuldungssteuergeseh. D e r V e r» tretet Hessens stimmte der Vorlage unter der Voraussetzung zu, daß die dadurch den Ländern entstehenden Steuerausfälle beim endgültigen Finanzausgleich berücks ich- t f g t würden. Für das Gebäud een tschu ldungssteuergefetz fand sich nicht die für Verfassungsänderungen nvtwen- Schwere SlSme über AilaM und Mdfee. Orkan über England. Ter Kanalverkehr eingestellt. Conbon, 24. Rov. (H3B.) Ganz England wurde Jreitag von einem fast orkanartigen Sturm heim- gesucht. Aus allen Teilen de» Landes werden heftige Regengüsse und Sturmwinde gemeldet. Zahlreiche Telephondrahte sind zerrissen worden, und die Telephonoerbindungen erleiden beträchtliche Verzögerungen. JmSanal herrscht hohe See und viele Dampfer haben sich zum Schuh in die Hasen begeben. Die Rettungsboote von Deal und Ramsgate sowie eine Anzahl schneller Motorboote wurden heute in größter Eile ab- gesandt, um einer Flotte von Herings- dampsern zu Hilfe zu eilen, die vom plötzlichen Sturm überrascht waren und dringende Notsignale gaben. Ls gelang, die Heringsflotte mit ihrer Besatzung einzubringen. wegen des im fianal herrschenden Sturmes wurde der gesamte Schisssdienst zwischen Ostende und Dover eingestellt. Infolge des Sturmes, der in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages noch fortdauerte, sind nach den bisherigen Meldungen in verschiedenen Städten Großbritanniens zusammen a ch f Personen getötet und viele verletzt worden. Line Hüttenkolonie in Monmouthshire wurde vollkommen zerstört. 500 Personen sind infolgedessen obdachlos. 3n Portland Harbour rissen sich drei Wasserflugzeuge der firiegsmarine von ihren Verankerungen los und versanken. (Sturm an der deutschen Nordseeküste. Hamburg, 24. Nov. (WTB. Funkspruch.) Der orkanartige Sturm, der gestern über Irland und dem Kanal herrs^te, hat heute die norddeutschen Küstengewässer und Städte erreicht. In den frühen Morgenstunden fegte der Sturm mit außerordentlicher Stärke über die Stadt. Das Wasser der Elbe staute sich an verschiedenen Einbuchtungen in bedenkliche Höhe. Störungen größeren Ausmaßes sind bis jetzt noch nicht gemeldet. Der schwere Südwest sturm hielt auch heute früh mit unverminderter Heftigkeit an. Die Signal- statwn im Hasen gab fortgesetzt Warnungsschüsse ab, da man ein weiteres Ansteigen des Wasser st andes der Elbe bei der nächsten Flut erwartet. Der Verkehr im Hafen ist stark ^hindert. Cuxhaven meldete heute früh bei fallendem Darvmeterstand stark böigen Westwind. Ein deutscher Frachtdampser im Atlantik gesunken. Die gesamte Besatzung gerettet. London, 23. Rov. (WTB.) Im Atlantischen Ozean herrscht furchtbarer Sturm. Die Anchvr Line hat vom Dampfer „Pennsylvania", der letzten Montag nach Reuhork abgefahren ist, Rachricht erhalten, daß er dem deutschen Frachtdampfer »Herrenwijk" (2514 Tonnen) der Lübeck--Aktiengesellschaft zu Hilfe geeilt ist, der im Sinken begriffen war. Das Liverpooler Bureau der White Star Line meldet, daß es Mitteilung vom Kapitän des Dampfers »Regina" erhalten hat, daß er ebenfalls zur Rettung des deutschen Dampfers „Herrenwyk" 700 bis 800 Meilen westlich der irischen Küste geeilt ist. An Bord der „Regina" befindet sich Der britische Außenminister Chamberlain auf der Heimreise nach England, Der dänische Dampfer „Estoni" sandte heute vormittag eine Meldung, wonach er gestern abend sechs Mann der Besatzung des deutschen Dampfers „Herrenwijk" gerettet hat, daß jedoch zunehmende Winde und Dunkelheit weitere Rettungsarbeiten unmöglich gemacht haben. Rach letzten Blätter- meldungen ist die gesamte Besatzung des deutschen Dampfers gerettet. dige Mehrheit; infolgedessen fiel dieses Gesetz innerhalb des Rahmengesetzes aus. Die Reichsregierung behielt sich jedoch eine Doppelvorlage vor, die dieses Gesetz in die Vorlage einfügt, die an den Reichstag gehen wird. Auch für einige Aenderungen, die der Reichsrat an den einzelnen Gesetzen vornahm, behielt sich die Retchsregierung eine solche Doppelvorlage vor. Das Mantelgesetz wurde schließlich mit 42 gegen die 26 Stimmen von Bayern, Hessen, Wü . ttemb rg, Me. lr.Bu g-Schwerin, Oldenburg, Braunschweig und Bremen angenommen. Das deutsche Memorandum Überreicht. P a r i 8, 23. Rov. (priv. Tel.) wie verlautet, hat Botschafter v. h o e f ch bei feiner heutigen Unterredung mit dem Ministerpräsidenten p o i n c a r t ein Memorandum übergeben, in dem der deutsche Standpunkt zu den von dem Sach- verstäudigenausschuh zu behandelnden Fragen generell dargelegt wird. Inhaltlich baut sich die Mitteilung auf der Rede Sfrefemanns im Reichstag auf, d. h. es wird, wie schon mehrfach angekündigt wurde, eine vorzeitige materielle vehandlung des Reparationsproblems abgelehnt werden. Gleichzeitig wird die deutsche Regierung betonen, daß keinesfalls der Aufgabe der Sachverständigen, unvoreingenommen die deutsche Zahlungsfähigkeit zu prüfen, oorgegriffen werden dürfe. Schließlich wird man auch einen baldigen Zusammentritt der Experten-fiommisiion für notwendig erklären. Der neue dotschaster in Moskau. Ministerialdirektor von Dierksen wird Nachfolger des Grafen Brockdorf. Berlin, 24. Rov. (Priv.-Tel.) Ministerialdirektor Dr. Herbert v. Dierksen, der Leiter der Ostabteilung des Otudtoartigen Amtes, der in der letzten Zeit unter den Anwärtern auf den Moskauer Botschaft er Posten mehrfach genannt wurde, ist jetzt endgültig für dieses Amt ausersehen worden. Seine Ernennung wird erfolgen, sobald das Agröment der russischen Regierung vorliegt. daS zur Zeit nachgesucht wird. Der „Vorwärts" schreibt: An der Erteilung des Agrements ist kaum zu zweifeln, zumal v. Dierksen in den letzten Iahren wiederholt als erfolgreicher Llnterhändler mit Sowjetrußland tätig gewesen ist, teils in Berlin, teils in Moskau, teils auch bei den Genfer ratungen, an denen er regelmäßig als Spezialist für Ostfragen teilzunchmen pflegte. — Sjert v. Dierksen, der tatsächlich einer der besten Kenner der Ostprobleme im Auswärtigen Amt ist, war zeitweise deutscher Generalkonsul in Danzig, aber seit seinem Hebert ritt aus der preußischen Verwaltungslausbahn in den diplomatischen Dienst ist er fast ausschließlich in der Berliner Zentrale und zwar im Ostreferat tätig gewesen. Bei dem großen diplomatischen Revierement vor Iahres- frist wurde er zum Leiter der Ostabteilung an Stelle des Ministerialdireklors Wallroth bestimmt, der zum Gesandten in Oslo ernannt wurde. Zentralvorstandstagung der Deutschen Volkspartei. Strefemann zum Parteiführer wiedcrgeivahlt Berlin, 24. Rov. (Priv.-Tel.) Der Zentralvorstand der Deutschen Dolkspartei trat unter starker Beteiligung aus allen Teilen des Reiches im Reichstag zusammen. Der 1. Vorsitzende der Partei, Reichsminister Dr. Strese- mann, gedachte zunächst der seit der vorletzten Tagung verstorbenen Parteimitglieder. Darauf begrüßte Dr. St.esemann den Ehrenvorsitzenden der Partei, Geheimrat Dr. Vogel (Dresden), und schlug unter freudiger Zustimmung der Versammlung die Wahl des Geheimrats Professor Dr. Riehe r (Berlin) zum Ehrenmitglied des Zenlralvorstandes vor. Auf Vorschlag von Reichsminister a. D. Dr. Scholz wählte ber Zentralvorstand durch Zuruf einstimmig unter sich stets erneuernden Beifallsstürmen den Reichsminister Dr. Strefemann wieder z u m 1. Vorsitzenden des Zentralvorstandes und damit der Partei. Dr. Scholz gab dann den Gefühlen der Freude, die die Partei über die Wiedergenesung Stresemanns emp.inde, in tief empfundenen Worten Ausdruck, indem er gleichzeitig auf die Bedeutung des Staatsmannes Strefemann nicht nur für die Partei, sondern auch für das Vaterland hinwies und die einmütige Gesinnung betonte, die Führung und Partei verbinden. Unter erneuten, nicht endenwollenden Beifallsstürmen nahm Reichsminister Dr. Stresemann, der frischer und jugend icher als vor seiner Erkrankung erschien, die Wahl an. Dann begannen die Wahlen zum Zentralvorstand. Rach den Wahlen sprach S aats.ekretär Kemples über organisatorische Fragen. Aus aller Wett. Der italienische BilderfälschungS-Gkandal. Die Mitteilung des Eorriere della Terra über den Riesenfälschungsskandal mit antiken Kunstwerken hat naturgemäß auch in Berlin allergrößtes Aufsehen erregt, wenn auch schon im Jahre 1926 auf dem Internationalen Kongreß der Kunstgelehrten in Zürich schon einmal die Fälschungen zum Gegenstand eingehender Besprechungen gemacht worden waren. Die jetzigen Enthüllungen gehen jedoch weit über das damals bekannte hinaus, da es sich um Fälschungen von ganz großem Ausmaße handelt, und dabei viele staatliche Mu een und Private um Millionenbeträge geschädigt worden sind. Glücklicherweise hat es sich herausgestellt, daß deutsche Museen, der deutsche Kun st handel und auch der Prioatbesitz nicht mitindieAffäreeinbezogensino und niemand als geschädigt gelten kann. Die preußische Museumsverwaltung teilt nämlich entgegen allen anderslautenden Behauptungen mit, daß Falfchstücke von ihr nicht angekauft worden sind, allerdings vor drei Jahren ein Angebot gemacht worden ist, das jedoch a b g e l e h n t wurde, obgleich es seinerzeit von Kunstliebhabern als echt angesehen worden war. Soweit sich bisher übersehen läßt, ist in der Hauptsache der amerikanische Kun st markt durch die Fälschungen geschädigt worden, und ein amerikanischer Kunsthändler ist es denn auch gewesen, der als erster an die Aufdeckung der Fälschungen ging. Probefahrt von volkharls Raketeuwagen. Unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit fand auf der Südschleife der Berliner Avus die Probevorführung des neuen Raketenwagens von dem Düsseldorfer Konstrukteur Kurt Volkbart statt. Der Wagen wurde von Volkhart selbst ge- steuert und erzielte eine Höchstgeschwin- big t ei t d o n etwa 60 Kilometer aus einer 400 Meter langen Strecke. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfall. Die Anfahrtsgeschwindigkeit war die eines normal abfahrenden Wagens, steigerte sich aber sehr schnell auf 50, und schließlich auf 60 Kilometer. Man bewunderte allgemein, daß die Erolosion der Raketen bei dem neuen Modell verhältnismäßig geräuschlos vor sich ging. Nach 400 Meter stoppte Volkhart, um zu zeigen, daß der Raketenwagen genau wie jedes andere Auto nach Belieben des Führers anhalten kann. Etwa auf halber Strecke zündete eine Rakete nicht vorschriftsmäßig, offenbar, weil sie feucht geworden war. Sie brachte aber nicht, wie man für einen solchen Fall gefürchtet hatte, den ganzen Wagen in Gefahr, sondern riß auf und flog etwa zwei Meter hinter den Wagen, der durch diesen Zwischenfall keinerlei Schaden genommen yat. Todessahrl im Bauernroagen. Auf der Landstraße nach Groß-Wolde (Ostfries- land) l ö st e sich an einem Bauerngefährt aus unbekannten Gründen die Gabeldeichsel. Der Wagen rollte von der Straße in einen tiefen Graben, wo er s i ch überschlug und die vier Insassen, einen Landwirt mit seiner Frau, feiner 83jährigen Tante und ein sechsjähriges Mädchen, unter s i ch begrub. Als Hilfe herdeigeeilt war, waren der Landwirt, feine Frau und die Greisin bereits tot; nur das Kind war noch am Leben. verbot von fiarnevalzügen. Der Regierungspräsident von Münster, Dr. Amelunxen, hat für den Regierungsbezirk Münster die Veranstaltung von Karnevalzügen und öffentlichen Mas.entrei- ben verboten. Das durch die Metallarbeiter- aussperrung besonders erllärlichr Verbot wird damit begründet, daß karnevalistische Arnzüge m i t dem Ernst und der Bedrängnis der gegenwärtigen Zeit unvereinbar seien. Bereits tm DoHahre hat ber RegienmgS- Präsident die gestellten Anträge auf Genehmigung von Karnevalzügen abgelehnt. Er erllärte, daß er in einer Zeit wirtschaftlicher Rot, ht der bitterer Hunger und zehrende Sorgen bei zahlreichen Familien täglich Gast seien, die Genehmigung für Karneva^üge aus sozialen Gründen nicht verantworten könne. Selbstgestellung zweier Mörder. Bei der städtischen Polizei in Wiener-Neu» st a b t hoben sich der Hilfsarbeiter Alois Steinkirchner aus München und der Fleischergehilfe Oskar Preinsperger aus Stuppach freiwillig gestellt. .Sie gaben an, sie hätten am 22. Oktober einen Monn namens Ludwig Kaiser, dessen Leiche in Gar, ching bei München gefunden worden war, ermordet. Sie flüchteten dann über die *■ e n,3 e na d) Oesterreich, um der Möglich, telt, in Deutschland als Mörder zum Tode v er u r te i 11 zu werden, zu entgehen und vor das österreichische Geschworenengericht gestellt zu werden. Nachdem ihnen die Geldmittel ausgegangen waren, haben sie sich bei der Polizei gemeldet. Sie wurden in das Wien-Neustädter Gericht eingeliefert. Millionen betrüger eien. Das Ermittelungsverfahren gegen den Geschäftsführer der Chemischem Fabrik Iohannisthal G'.m.b. G., Dr. Greiff, der Anfang Oktober unter dem Verdacht der schweren Llckundenfäl- schuna, des Konkursverbrechens und Betruges verhaftet worden war, unb sich seitdem im Moabiter älittersuchungSgftängniS befindet, nimmt einen immer größeren Umfang an. Dr. Greiff hat öugestanden, daß er mehr als zehn Millionen Mark Gelder veruntreut hat. ReuerdingS ist durch anonyme Briefe her» ausgekommen, daß Dr. Greifs die englische Bank HambroS Ltd. um eine Million betrogen hat. Dr Greift hat auch diesen Betrug zugegeben. Dr. Greifs soll auch durch falsche Buchführung ein holländisches Bankhaus um 750 000 Fl. geschädigt haben, indem er füt die erlangten Kredite Warenbestände der Johannisthal G. m. b. H. vortäuschte, die nicht vorhanden toaren. Diesen Fall bestreitet Dr. Greiff bisher noch Da» Moabiter Gefängnis wird geschloffen. Das alte Moabiter Zellengefängnis wird nunmehr seine Pforten endgültig Im Frühjahr nächsten Iahres schließen. Heber die Verwendung des sehr großen und außerordentlich wertvollen Geländes schweben zur Zett zwischen der Iustiz- derwaltung, dem Finanzministerium und der Reichspost, sowie der Deutschen ReichsbaHn- gesellschast Verhandlungen. Ein Abschluß deS Verkaufs ist in nächster Zeit zu erwarten, da die Justizverwaltung dringend Geld für den Reubau des Zentraljustizpalastes braucht. Das Zellengefängnis in Moabit beherbergt augenblicklich noch 381 Gefangene, die im Frühjahr auf die anderen Strafanstalten verteilt werden. Berliner Börse. Berlin, 24. Rov. (WTB. Funkspruch.) Angeregt durch die Hausse in Reuyork zeigt der heutige Vormittagsverkehr eine festere Haltung. Für Mektrowerte, Glanzstoft, Demberg, Farben und besonders Reichsbank besteht arößeres Interesse. Sine Anregung verschafft ferner die heutige Verhandlung vor dem LandeSarbettsamt m Duisburg und das erwartete Kommunique Siemens-Elektrisch-Licht. Siemens 412,50 bis 431, Farben 264, Reichsbank 323 bis 323,50. Die Wetterlage. JtardOHn- rank?. «6 -«tot 5t- freitag, d. 23.NoVt>.192& T afrds. *5--- iStrona —--t-Thorsh. =W=z 'ttf'X - 6eni ♦ x n Hot \O Otforxtnw.o neue» 3 n«i» owe<«u 9 • oeoecn e«tge^ # Schnee o Oraudcin * neoei K 6rw-tter (§)umditiiie. sef« leichter Ort ß -nissige- Südsüdwest q sturm»tnei -ordwes» 6te Ptene fliegen mit dem winde Oie oeotn Stationen stehenden Zanten gehen die femperatut an P-e Limen vero.noeo On» mit gieicnee euf «terasnirfea»» umaar«Bortte Lvitdnue Wettervoraussage. Die Sturmzyklone, die heute morgen über Dänemark lag, hat gan^ Deutschland sehr unbeständiges Wetter und Niederschläge gebracht. Da mit dem raschen Vorwärtsschreiten der Störung eine ebenso rasche Zufuhr ozeanischer Luftmasien aus höheren Breiten an ihrer Rückseite verbunden ist, so werden sie unter sinkenden Temperaturen den unbeständigen Witterungscharakter vorläufig noch bestehen lassen. Jedoch rührt der von Westen ein« setzende Barometeranstieg wahrscheinlich im Laufe des morgigen Tages den Uebergang zu ruhigerem Wetter herbei. WettervoraussagefürSonntag: Nach zunächst noch unbeständiger Witterung und mehrfachen Regenschauern, Temperaturrückgang und allgemein ruhigeres Wetter. Lufttemperaturen am 23. November: mittags 10,7 Grad Celsius, abends 12 Grad Celsius: am 24. Nov.: morgens 7,1 Grad Celsius. Maximum 12,1 Grad Celsius; Minimum 6,5 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 23. November: abends 7,7 Grad Celsius: am 24. November: morgens 6,8 Grad Celsius. — Niederschlag 5,7 Millimeter. Aus der Provinzialhauptstadi. Gießen, den 24. November 1928. Totensonntag. 3m Jahre 1830 starb au Rom kaum dreißig Jahre alt. der schwäbische Dichter Wilhelm Waiblinger. Don ihm rührt der Ders her: Die Ruh ist wohl das beste Don allem Glück der Welt. Was bleibt vom Srden.e.te, Was bleibt uns unvergällt? Die Dole welkt in Schauern. Die uns der Frühling gibt. Wer haßt, ist zu bedauern. Doch fast noch mehr, der liebt." Das ist ein schwermütiges, aber auch gedankenvolles Wort. Der Mensch, t>:c das Leben kennt, weiß, dah es nichts weniger, als dauernde Freude bringt. Der He erschwang d.r Jugend vergeht, wenn man im ei,eenen Getriebe des Arbeits- llbens steht. Auf die Freude in lichtdurchfluteten Sälen folgt ein grauer Morgen. Mancher, der in jungen 3obren über rauschende Bäche sprang und mit leichtem Fuß« steile Felsen hinaufstieg, stützt sich mit lechzlg Jahren auf seinen Stock, und jed.r, dessen Blick durch Eigenliebe nicht getrübt ist, denkt im Alter über die Erfolge seiner Arbeit sehr bescheiden. Hüter solchen Erwägungen meint tatsächlich mancher: Die Ruh ist wohl das beste von allem Glück der Welt, und vielen bleibt zuletzt nur noch der Wunsch, au schweigen und zu ruhen. Hat der junge Dichter nicht auch recht, wenn er sagt, dab der, der liebt, mehr zu bedauern ist als der. der habt? Die schwerste von allen Prüfungen, an denen das Leben so reich ist, ist es. einen lieben Menschen im Tode dahin- sinken zu sehen. Wer mit den anderen in Hab und Streit lebt, seht sich rasch über einen Todesfall hinweg, er empsindet das sogar mit einem Gefühle der Erleichterung: die aber, die anders gesinnt sind, tragen für den Best ihres Lebens bitteres Leid, wenn sie an offene Gräber geführt worden sind. Doch diese Betrachtung des Lebens und des Sterbens kann nicht von denen geteilt werden, die durch Ehristus und die von ihm ausgehenden, erfahrbaren Wirkungen die Gewißheit erlangt haben, dab diest Erde nicht das Letzte und Beste ist. Wilhelm Waiblingers pessimistische Weltbetrachtung hilft auch keinem, mit dem Leben und der Welt innerlich fertig zu werden. Blohe Ne- gation macht das rätselhafte Weltgeschehen nur iwch viel rätselhasler. Woher kam ich?, wohin gehe ich?, diese Fragen werden nicht beantwortet, wenn man annimmt, dab mit dem Tode alles aus ist. Christliche Glaubensgetoißheit ist es, dah wir Gottes Kinder sind. Ob wir leben oder sterben, wir ruhen in der Liebe Gottes, über uns waltet der lebendige, persönliche, in Christus uns nahe- tretende Cott, unser Dater im Himmel. Dur mit dieser Gewißheit kann man sich in dem vielgestal- tigen, rasch dahinrinnenden Leben zurechtsinden, nur mit dieser Gewißheit auch sich gegen die Schrecken des Todes wappnen. Allerdings, dah man sich mit dem eigenen Sterben absindet und der leiblichen Auflösung mit Ruhe entgegensieht, bleibt Immer noch eine schwere Aufgabe, aber, wie man es an gereiften, In sich geschlossenen, wahrhaft frommen Menschen erfahren kann, eine Aufgabe, die zu erfüllen ist. Diel leichter ist au widerlegen, dah der. der liebt, zu bedauern ist. Die Liebe allein macht das Leben reich und gehaltvoll. Was wir Eltern. Geschwistern. Ehegatten, Kindern und Freunden verdanken, ist ein herrlicher Besitz. Der Einüedler, der Menschenfeind ist ein armer Mensch. Mit der Annahme, dah das Band, das zwischen Menschen besteht, einmal gänzlich zerrissen werde, mühte der Glaube an einen guten Gott ohne weiteres fallen, das wäre die größte Grausamkeit, die Menschen zuerst in inniger Liebe miteinander zu verbinden und sie dann in ewiger Rächt versinken zu lassen. Allerdings über den Trost, den der christliche Glaube den Trauernden spendet, machen sich nicht wenige eine falsche Dorstellung, sie tun fast, als ob man unmittelbar nach dem Hinschriden eines Familiengliedes Freudenpsalmen fingen und heiter durch das Leben schreiten könne. Gute Menschen schreiben den Leidtragenden wohlüberlegte, gute Briefe mit der Absicht zu „trösten", eine Absicht, die nie erreicht werden kann. GS scheint in dem Wlllen der ewigen Liebesmacht zu liegen, dah der Schmerz um unsere Toten uns recht tief treffen soll, damit wir lernen, mit denen, die uns geblieben sind, behutsamer, gütiger, freund icher umzugehen. Fruchtloses Klagen ist nicht nach dem Willen Gottes, jeoer Trauernde soll tlar erkennen, dah ihm Gott die Aufgabe stellt, weiter in der Liebe zu wirken. Auf diesem Wege findet er vielleicht zunächst keine Freude, aber ganz gewih Ruhe für seine Seele. Ernstlich, oft Di.le Jahre lang, haben wir zu ringen, um uns mit einen schweren Verlust abzufinden, keine leichte Aufgabe, aber wenn für irgendein Bemühen, so gilt für dieses das Wort der Bibel, dah es Gott dem Aufrichtigen gelingen läßt. H B. Taten für Sonntag, 25.9lobembcr. 1814: der Naturforscher Robert Mayer In Heilbronn geboren, — 1837: der amerikanische Großindustrielle Andrew Carnegie in Dunferline geboren; — 1878: der Dramatiker Georg Kaiser in Grünheide (Mecklenburg) geboren. Daten für Montag, 2V. November. 1822: der preußische Staatsmann Karl August Fürst von Hardenberg in Genua gestorben; — 1857: der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorfs in Neisse gestorben. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 0 üi 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,10 bis 2.20; Malle 30 bis 35; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 20; rote Rüben 10 bis 20; Spinat 25 bis 40; Hnter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 20; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Dirnen 10 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Hagebutten 10 bis 15; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 90 bis 1,20; Rüsse 60 bis 80; Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 1,20; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 20; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50; Wirsing Zentner 10 bis 12; Weißkraut 6 bis 7; Rotkraut 12 bis 15; Aepfel 20 bis 35; Dirnen 10 bis 20; Kartoffeln 4,30 bis 4,60 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Schüler-Abend der Schule Heermann, 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität. — B. f. B.: Monatsversammlung, 8.30 Uhr, im Dereinsheim. — Mtv: Mitgliederversammlung bei Faulstich. — T. C.: Zusammenkunft im Vereinslokal. — 1871/1921: Der- sammlung, 8.30 Uhr, „Stadt Kassel". — 1877,1927: Mitgliederversammlung, 8.30 Uhr, bei Gustav Mül- (er. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Rothaus- ß". — Astoria-Lichtspiele: ,^)hne Gesetz und t"; ferner „Verlorene Söhne in Marokko . — Tageskalender für Sonntag: Stadttheater: „Der Ackermann aus Böhmen", 20.30 bis 22 Uhr. — Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Gießen: Gefallenen-Ehrung, 2.30 Uhr nachmittags. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Rothaus, gaffe". — Astoria-Lichtspiele: „Ohne Gesetz und Recht"; ferner „Verlorene Söhne in Marokko". — Stadttheater Gie en. Aus dem Stabt- tßeaterbureau wird uns geschrieben: Um den morgigen Totensonntag würdig zu begehen, hat sich .die Intendanz dazu entschlossen, die mit so großem Erfolg in Szene gegangene Aufführung „Der Ackermann aus Böhmen" — als zweiter Tag des KammerspielzylluS zusammen mit dem Goethe-Bund — einmalig zu wiederholen. Intendant Dr. P r a s ch wird die Feier wieder vom Rednerpult aus einleiten. Die Besetzung ist dieselbe wie bei der Erstaufführung. Die Dorstellung wird bei kleinen Preisen gegeben, beginnt um 20.30 Uhr und endet gegen 22 Uhr. — Dienstag, 27. Rovember, findet die erste Wiederholung von Alfred Neumanns „Der Patriot" statt. — Der Dortrags-Dereinigung ist es, wie schon berichtet, gelungen, den bekannten Wellreisenden Dr. Colin Roß kurz vor Antritt der neuen Ausreise nach Australien zu einem Lichtbildervortrag zu gewinnen. Colin Roß gilt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als einer der besten Wellreisenden und Schriftsteller. Unter dem Titel „Das Interessanteste von meinen Weltreisen" wird er einen Gesamt- vortrag über das Ergebnis seiner bisherigen Weltreisen nach Nord--, Mittel- und Südamerika, Rußland, Dorder- und Zentralasien, Japan, China, Indien und Afrika geben. Die Ausführungen des Dortragenden werden durch eine große Reihe prächtiger Lichtbilder ergänzt. Es ist ein wertvoller und genußreicher Dortragsabend zu erwarten. (Siehe heutige Anzeige.) — Verband für Deuts che Frauenkultur. Am 27. und 28. November veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des Derbandes „Deutsche Frauentultar" ih e diesjährige Weihnachtsmesse im Billardsaal des Cafe Amend. Der Verband stellt sich — wie man uns schreibt — bei seinen Ausstellungen die Aufg ibe, Schönheit und Qualität in Einklang au bringen mit erschwinglichen Preisen. Er bietet den Besuchern die mannigfaltigste Gelegenhllt zu Wrihnachtseinkaufen in allem, was kunstgewerbliche Werkstätten an Wertarbeit auf den Markt bringen. 1L a. wird ein Webstuhl für moderne Handweberei in Betrieb vorgesührt. (Siehe heutige Anzeige.) ** Handelskammerwahl. Del der in Alsfeld Dor genommenen Ersatzwahl der Industrie- und Handelskammer für d.e Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach wurde an Stelle des seitherigen Mitgliedes, Kommerzienrat Grünewald (Alsfeld), der sein Amt infolge Krankheit niedergelegt hatte, der Fabrikant Georg Dietrich Bücking. Inhaber der mechanischen Kleiderfabrik Georg Dietrich Bücking in Alsfeld, gewählt. ** Sine Gefallenen-Ehrung veranstalten der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Ortsgruppe Gießen, und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold am morgigen Totensonntag, nachmit ags 2y3 Hhr, auf dem Reuen Friedhof. Im heutigen Anzeigenteil wird die Bürgerschaft zu dieser 5der eingelaben. ** Kauft keine Kränze von wilden Straßenhändlern! Der Polizeibericht ev- innert daran, daß in den letzten Jahren auf dem Allen Friedhof an den Gräbern niedev- gelegte Kränze entwendet wurden, die man bann, z. B. im vorigen Jahre, auf den Gräbern des Reuen Friedhofes niedergelegt vorfayd. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben damals, daß die Kränze von jungen Burjchen in der Marburger Straße an Passanten verkauft worden waren. Derartige Kranzläufe sind natürlich für die Hinterbliebenen mit Hnannehmllchleiten verknüpft, sobald die Polizei zum Eingreifen gezwungen ist. Das Vublikum wird tm eigenen Interesse vor Kranzkaufen von wilden Straßenhändlern gewarnt. ** Die Museen sind am Sonntag, 2~J Rovember, zwischen 11 und 1 Hhr geöffnet. •• Eln Gepäckmarsch der Gießener Studentenschaft wird am Sonntag, 2. Dezember, stattfinden. Der Marsch soll vormittags 10.30 Hhr an der Hniversität beginnen und bei einer Belastung von 10 Kilo pro Mann über eine Strecke von 15 Kilometer führen. Das Eintreffen der ersten Marschteilnehmer an der Hniversität ist gegen 12.15 Hhr zu erwarten. Die Marsch- strecke ist folgende: Hnioerfität, Ludwigstraße, Kaiserallee, Rödgener Straße, Flughafen, durch das Stolzen-Morgen-Gehölz zur Gemarkungsgrenze, nach Norden zur Wiefeck, westlich zur Struppmühle, Ludwigsburg, Wieseck, Daden- burgtoeg, Marburger Straße, Nordanlage, Os- waldsgarten, Westanlage, Bleichstraße und Ludwigstraße zur Hniversität. Provinzialverband Oberhessen des Hessischen Landgemeindetages. Am nächsten Freitag, 30. November, findet die Mitgliederversammlung des Verbandes im Katholischen Vereinshause zu Gießen statt. 2Iuf der Tages- orbnung stehen: ein Vortrog des Ueberlandwerks Oberheuen Über die Elektrizitätsversorgung der oberhessischen Gemeinden, ein Referat von Regierungsrat Dr. Grein (Friedberg) über die Durchführung der Fürsorgepflichtoerordnung und ein Referat von Bürgermeister Alexander (Gonsenheim) über die Haftpflichtversicherung der hessischen Gemeinden. Zu der Tagung sind die Provinzial- direktion Oberhessen und die oberhessischen Kreis- ämter eingeladen. *• Christliche Cßorträge in Gießen. Der Do.tcag am gestrigen Freitagabend im Saale des Cas6 Leib wurde, tote man uns berichtet, wieder vor einer großen Zuhöverzahl gehalten. Heber die künftigen Vorträge des Evangelisten Paul Schwefel wird im heutigen Anzeigenteil Näheres mitgeteilt. •• Ein Veteran der Arbeit wurde gestern in dem Arbeiter Karl Balser zu Grabe getragen. Der im Alter von 71 Jahren Verstorbene war 54 Jahre ununterbrochen bei der Firma S. Dock A Co. G m.b.H., Zigarren- fabrilen tätig und wegen seiner Pflichttreue und Lauterkeit bei Vorgesetzten und Mitarbeitern gleichermaßen beliebt. Die allgemeine Wertschätzung des vorbildlichen ManneS kam bei feiner Bestattung seitens des anwesenden ChefS und zahlreicher Arbellskottegen zum Ausdruck. •• Arbeitsjubiläum. Am kommenden Montag, 26. November, kann der Heizer Johann Schmidt aus Rödgen auf eine 40jäh- tige Dienst zeit im Städtischen Gaswerk zuriick- bltden. Del seinen Vorgesetzten und Mitarbeitern erfreut sich der Jubilar großer Wertschätzung. •* Wem gehört die Hhr? Wie der Polizeibericht mitteilt, wurde bei der Kriminalpolizei eine Armbanduhr, die tm verflossenen Sommer in der Mülle.schen Badeanstalt, oder auf einem Sportplatz entwendet wurde, sicher- gestellt. Eigentumsansprüche sind bei der Kriminalpolizei geltend zu machen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 25. November 1928. Totensonntag. Stadtkirche.<9.30 Uhr: Pfarrverwalter Dotzert; 11: Kinderkirche für die MaUhäusgemeinde; Pfarrer Mahr; 5: Pfarrer Becker. — llohanneskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsbeimer; 11: Kinüerkirche für die Lukasgemeinde; Pfarrer Bechtolshermer; 5: Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Zohanncslaal; Pfarrer Ausfelü. — Kapelle des Allen Fricdyofs. 9.30: Pfarrer Lenz; 11: Kinderkirche; Pfarrer Lenz. — Elisabelh-Kleinkinderschule. 11: Pfarrverwalter Dotzert. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst; 2: Friedhofsgottesdienst. — wieseck. 10: lFrauenchor); 5.30 und 7.30: Lichtbildabendfeier „Zum Gedächtnis unserer Gefallenen" (Schülerchor); Opfer für die Kriegsgräberfürsorgc. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte für die deutsche Kriegsgräberfürsorge; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Daubringen; 1.30: Lollar. — Alten- vuseck. 9.30: Beichte; 10; 11: hl. Abendmahl; 1.30: (Mitwirkung des Frauenchors). — Trohe. 3.15. — Hausen-Garbentelch. 10: Hausen (Kirchengesangver- ein); 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 1: (Kirchenchor); 2: am Denkmal; 7.30: liturgischer (Bot- tesdienst (Schülerchor). — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn (Kollekte für kirchliche Bedürfnisse); 12.45: Kindergottesdienst; 2: Stiftspfarrer Lic. Schor- lemmer. Donnerstar, den 29. November 1928. Daubringen. Abends 8.30: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Samstag, lien 24. November 1928. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 25. November. Letzter Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Äomr.unlon; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 5: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt; Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Messe; Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30:.Hochamt mit Predigt. eonntanäötewftin Her Ate tu '2lVotbefenom26.11. 28 Dr. Schäffer. Prof. Dr. Hoinnmann. 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Hier wurde Orobio de Castro zum seelenvollen Künder: sein überaus schmiegsamer Ton, den er bis zum letzten Hauch sich verflüchtigen lassen kann, eine trotz der Virtuosität selbstverständlich erscheinende Technik, die dem galanten Stil des Konzerts zum berufenen Mittler wurde. — Ganz anders war sein Ton im Adagio, voll weicher Fülle und Wärme; sprühend im Aon do. Und die Kadenz des ersten Satzes lietz auf horchen, nicht wegen der technischen Bravour, sondern weil hier der Geist des ganzen Satzes durch das Solo-Instrument seinen besonderen nachschwin- genden Ausdruck sand. Der nüht enden wollende Beifall möge auch der großzügigen Konzertvereinsleitung als Dank der Hörer gelten. Die drei großen Wiener Weister werden den kommende Ereignissen des Winters die verheißungsvollste Ausgangsbasis seinl Dr. H. Können wir zum Mars fünfen? Dor einiger Zeit ging eine Melfrrmg durch die Presse, nach der ein englischer Geistlicher versucht hatte, mit Hilfe der Funkeinrichtungen der englischen Postverwaltung mit dem Mars in funktelegraphische Verbindung zu treten. Das Experiment, das der Versuch eines Phantasten war, scheiterte selbstverständlich. E mste Wissenschaftler beschäftigen sich dessenungeachtet aber schon seit geraumer Zeit mit der Frage, ob es möglich ist, Funktechnik in den Weltenraum zu übertragen. Dazu hat sich jetzt auch Graf Arco in einem Vortrag geäußert, und die Frage behandelt, ob ein Nachrichtenaustausch von der Erde nach anderen Welten in der Zukunft einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit haben könnte. Graf Arco sagt, daß als Voraussetzung für die Bejahung der Frage im Weltenraum neben der Erde andere bewohnte Weltkörper sein müssen und Aussichten vo.Händen sein müssen, daß diese von Wesen mit geistigen Fähigkeiten bewohnt werden. Wenn das alles zuträfe, erde lt — es ist kein Zweifel, daß bei diesem Rauch auch ein Feuer ist — muh ganz wo anders gesucht werden. Die konserva.ive Regierung in England denkt nicht daran, ihre Feindschaft gegen Sowjctruhland aufzugeben, denn drese Feindschaft entspringt der fortdauernden Besorgnis um Indien. Dort macht die antienglische Bewegung deutliche Fortschritte, und zwar, was das Gefährl.che ist, in organisierter Form. Sie schließt sich zusammen um die Opposition gegen den politischen Sanierungsplan, den die von England entsandte Reformkommission in der Richtung auf Erweiterung der indischen Selbstverwaltungs- rcchte verfolgt. Hm diese „Sanierung" geht jetzt in Indien der Kampf. Die indische Regierung, die unter dem Druck der von Moskau geschürten Eingcborenendewegung steht, möchte in derRach- giebigkeit gegen die Eingeborenenforderungcn weitergehen, als die Militärverwaltung und als diejenige Richtung in London, die mehr für eine Politik der starken Hand ist. Auch der neuliche Rücktritt des Ministers für Indien. Lord Birkenhead. der nichts von den üchischen Forderungen wisien wollte, hängt damit zusammen Vor der Öffentlichkeit wurde er natürlich anders begründet. Mit dieser indischen Sorge hängt cs zusammen, daß Engi, .rd sich für jede Möglichkeit interessiert, dem Sowjetregime in Moskau ein Ende zu machen. . Polen und Frankreich gehen Hand in Hand. Pklsudskis alter Plmi ist die Benutzung der Hkraine zur Schaffung einer polnischen Großmacht und als Sprengmittel gegen Moskau. Allein ist Polen gegen Rußland zu schwach, selbst dmin, wenn ein ukrainischer Aufstand erfolgen sollte. Daß es eine Richtung unter den -Ukrainern gibt, die bereit ist. mit polnischer Hllfe zu arbeiten, ist Tatsache. Der oleich mich dem Regierungs- Mrtritt Pilsufrskis in Paris ermordete ukrainische Hetman Petljura war politisch ein Freund der polnischen Orientierung und speziell Pilsudskis. Es wird glaubhaft behauptet, daß fern Tod durch die Kugel eines jüdischen Studenten auf AnstiftenvonMoskau erfolgte. Tritt Rumänien hinzu, so ist eine vereinigte Offen,ive beider Staaten, bei gleichzeitiger Insurgrerung der Ukraine, gegen Moskau aussichtsreich. Man kann sich denken, welch ein Zuwachs für die Macht Frankreichs es zunächst wäre, wenn em solcher Feldzug unter französischem Oberkommando geführt würde. Ohne Zustimmung Englands ist er nicht möglich. England aber wird sich aus den vorhin genannten Gründen einem Plan solcher Art grundsätzlich nicht versagen. Als das französisch-englische Abkomnren über die Flottenfrage und verschiedene andere Dinge von Moskau aus zuerst bekanntgemacht wurden, war damit auch sogleich ein russischer Hinweis darauf verbunden, daß diese Verständigung eine Spitze gegen Rußland habe. Das ist durchaus glaichhaft. Französische Gegenleistungen gegen frie große englische Nachgiebigkeit in der Abrüstungsfrage müssen vorhanden fein, und man wird in der Tat anzunehmen haben, daß sich in dem öben entwickelten Sinne eine Front „West gegen Ost" vorbereitet. gäben sich neue Schwierigkeiten, sich ohne gemeinsame Sprache verständlich zu machen. Danach begab sich Gras Arco auf das Gebiet der Radio-Technik und beleuchtete insbesondere die Frage der Wellen- und Energie-Ausbreitung für die bisher in dieser Technik benutzten Wellenlängen und die Quantitätsfrage vom Stand- punkt der Energiezerstreuung rm Weltall. Hierbei wurden die Eigenarten der bisherigen Landwellen und der modernen Kurzwellen mit der Möglichkeit der Konzentration der Energie und der Richtbarkeit der Strahlen in nur einer Richtung untersucht. Einige Erfahrungstatsachen über die größten b:sher zurückgelegten Entfernungen der elektrischen Wellen, welche ein Mehrfaches des Erdumfanges betragen, wurden in Lichtbildern gezeigt. Auch auf Störungen wies der Vortragende hin, von denen man auf Grund gleichzeitiger Beobachtungen an verschiedenen Punkten der Erdoberfläche annehnrrn muß, daß ihr Ursprung außerhalb der Erde, wahrscheinlich auf der Sonne, liegt. Schließlich wurde erörtert, welche größten Leistungsbeträge heute für die Strahlung benutzt werden können und wie groß die Empfindlichkeit der Aufnahm.apparate dank der modernen Derstärkerröhren-Technik ist, mit der es ja z. B. möglich ist, Wärmestrahlung von weit entfernten Sternen noch mit Sicherheit nachzuweisen. Demgegenüber ist zu sagen: das Wohlwollen, überhaupt das Gefühl kann nicht die oberste Richtschnur für die Lebensgestaltung sein. Weder für das persönliche Leben noch für das soziale Leben ist das Mitgefühl der enticheidende Maßstab. Das ist eine gefährliche Gefühlsromantik, die das größte Verderben bringen kann. Unabänderliche, herbe Gesetze und Notwendigkeiten beherrschen das Leben, die dem reinen Gefühl und seiner Auswirkung feste Schranken ziehen, die nickst überschritten werden dürfen. Oder das gesamte Leben hat es mit den schlimmsten Folgen zu büßen. Die Verweichlichung unseres Zeitalters droht eine unabsehbare Gefahr heraufzubeschwören. Unumstößlich ist die Wahrheit des Schillerwortes: „Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit". _______________ Hochschulnachrichten. Professor Dr. Samson Breuer von der Technischen Hochschule in Karlsruhe wurde beauftragt, im Wintersemester 1928/29 an der Universität Frankfurt a. M. die Dersicherungs- mathematik und die Technik der Lebensversicherung in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. — Der Privatdozent Dr. Helmut Hatzfeld in Frankfurt a. M. ist vom Kultusministerium beauftragt worden, im Wintersemester 1928 29 die Vertretung der romanischen Philologie an der Universität Königsberg (an Stelle des verstorbenen Professors A. Pillet) wahrzunehmen. — 2n der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. wurden für das laufende Semester mit Vertretungen beauftragt: Professor Dr. jur. Rudolf Schulz-Schaeffer von der Universität Marburg für römische Rechtsgeschichte und Pandektenexegese, und der Privat- dozcnt Dr. jur. Theodor Süß in Göttingen für den Lehrstuhl von Professor Max Pagenstecher. Der durch die Emeritierung des Geh. Rats Prof. E. Elster an der Universität Marburg erledigte Lehrstuhl der neuen deutschen Sprache und Literatur ist dem ordenllichen Professor Dr. Harry Mayne in Bern angeboten worden. — Der Lehrstuhl der alten Geschichte an der Bonner Universität (an Stelle des Geh. Rats C. Cichorius ist dem ordentlichen Professor Dr. Friedrich O e r t e l in G r a z angeboten worden. — Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Geh. Regierungsrats Professor A. Ehr- hard in der katholisch-theologischen Fakullät der Universität Bonn erledigten Lehrstuhls der Kirchengeschichte ist ein Ruf an den Ordinarius Dr. theol. et phil. Karl Bihlmey er in Tübingen ergangen. An der Frankfurter Universität sind mit der Weiterführung der Amtsgeschäfte für das laufende Wintersemester beauftragt worden die seit 1. Oktober d. I. von den amtlichen Verpflichtungen entbundenen ordentlichen Professoren Dr. Hans Cornelius (Philosophie) in der philosophischen und Dr. Friedrich Schumann (Philosophie, insbesondere Psychologie) in der naturwitzenschaftlichen Fakultät. — Dem außerordentlichen Professor in der wirtsckafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a.9JL, Dr. Albrecht Patzig, ist ein Lehrauftrag zur Vertretung der Technik der Lebensversicherung mit besonderer Berücksichtigung der Versicherungsrechnung erteilt worden. Die Ernennungen des a. o. Prvseffors Dr. Adolf S rn e k a l von der Universität Wien zum ordentlichen Professor der theoretischen Physik an der Universität Halle als Rachfolger von Prof. K Schmidt, sowie des Privatdozenten Dr. med. Paul Wels in Greifswald zum ordentlichen Professor der Pharmakologie an der dortigen Universität als Rachfolger von Prost O. Riesser sind erfolgt. — Der a. o. Pwfessor Dr. Benno Lands berget in Leipzig hat einen Ruf an den Lehrstuhl der semitischen Philologie an der Universität Marbu t g als Rachfolger des emerit. Prof. P. Iensen erhalten und angenommen; feine Ernennung zum ordentlichen Professor in Marburg ist bereits erfolgt Gymphome-Konzeri -es Konzeriversins. Es ist eine dankbare Aufgabe für einen berufenen Dirigenten sich verkannter Werke anzunehmen, denn durch das Plus semer Personlrch- keit vermag er die Wesenszuge des Werkes her- auszustülen. teils daß er einzelnes mit eigener Tiote unterstreicht, teils daß er durch feine über- raaenbe Fähigkeit die großen Zusammenhänge aufdeckt und tladegt Zu dieser letztere ©ru^e von Dirigenten kann man unzweifelhaft um« veisitätsrnusiidirektor Dr. Sie,an L,emesvarh zählen; denn mit dem letzten Symphoniekonzert bewies er völlige sachliche Hingegebenheit, ohne durch dtis Verdrängen der eigenen Persönlichkeit die Tendenz der Werke zu änbern. . Wenn man den Vergleich zieht zu den ersten Orchesteraufführungen, frie wir unter L^mesvary hörten, so hat er die Erwartungen, die man damals auf ihn sehen konnte, in überaus reichem Matze erfüllt. Es scheint, daß feine Persönlichkeit im Musizieren sich jetzt noch reicher und freier entfaltet zum Besten der Werke. Da war jede Rote richtig am Platze; da war auch das kleinste Motiv organisch erfaßt und bedeutungsvoll dem Gesamtplan eingegliedert Es würde zu weit führen, Einzelheiten noch naher zu beleuchten. Wie grundverschieden und doch tote lebenswahr erschienen die beiden Menuettsähe der beiden Symphonien; wie dämonisch drängend mit seiner Hnerbfttlichlell das Finale der 0-Moll- Symphonie; wie weich und wehmütig-trostvoll das Andante. Ein besonderes Kapitel war die 'Behandlung der Gesang Meinen, die bei Mozart mit ihrer Wendung nach 0°Moll in der Reprise ein ganz anderes Wesen gewannen, das sich im Tempo und in dynamischer Akzentuierung ausprägte; im Finale der „Achten" das Seitenthema als Gegensätzlichkeit im Dahinstürmen des Satzes. Gewiß, eine so starke üoerzeugende Kraft der Werke war dem Dirigenten nur möglich durch das in allen Vertretern außerordentlich gut besetzte Orchester; der Streichtörper mit seinen besonderen thematischen Aufgaben bei Mozart; die „singenden" Bässe im Andante, der Wohllaut der Eelli Wie steht es mit dem Kräfteverhältnis der kämpfenden Gruppen? Ich will keinen Rückblick auf die frühere Zeit werfen, wie unter dem alten Staat die Machtstellung des Unternehmertums und der Arbeiterschaft beschaffen war. Man hat den Einfluß des damaligen Kapitalismus auf Gesetzgebung und Verwaltung sehr überschätzt. Der damalige Beamtenstaat bemühte sich um Neutralität und Objektivität, wenn er dieses hohe Ideal vielfach auch nicht erreicht hat, wie sich'von selbst versteht und wie ich ausdrücklich anerkenne. Aber jedenfalls war die Unabhängigkeit der damaligen Beamtenregierung gegenüber dem Unternehmertum sehr viel stärker als die angebliche Freiheit der heutigen parlamentarischen Regierung von der Arbeiterschaft. Von Neutralität, die doch der damalige Staat wenigstens an strebte, ist bei dem heutigen parlamentarischen System kaum noch die Rede. Eine grundstürzende Aenderung hat sich seit dem Wechsel der Verfassung auch in dem Kräfteverhältnis der wirtschasllichen Gruppen vollzogen. Die führenden Männer der Großindustrie sind jeder entscheidenden Einwirkung auf Gesetzgebung und Verwaltung entkleidet worden. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß sie im Reichswirtschaftsrate vertreten sind, den der Reichstag, der Inhaber der souveränen Gewalt, mit unverhohlenem Mißtrauen betrachtet, und den er weder leben noch sterben läßt. Es kann doch gar keinem Zweifel unterliegen, daß die politische Macht seit der Staatsumwälzung mit Hilfe der Sozialdemokratie auf der Seite der Arbeiterschaft zu suchen ist, welcher Macht das Unternehmertum nichts, rein gar nichts an die Seite zu stellen hat. Und die Parteien, die sich mit der Sozialdemokratie in die staatliche Macht teilen, sind ihr sehr zu Willen, namentlich in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen. Wenn man aber ent« §egnet, in der Reichsregierung fei doch längere Zeit ie Sozialdemokratie überhaupt nicht vertreten gewesen, so ist zu bedenken, daß nicht die Gesetzgebung, sondern die Verwaltung im Staats- eben den größten Einfluß besitzt. Die größte Verwaltung aber im Reiche ist die Verwaltung Preu- jens und diese ist ständig unter dem beherrschenden Einfluß der Sozialdemokratie gewesen. In politi- cher Hinsicht hat also die Arbeiterschaft vor dem Internehmertum unbestritten den Vorrang gewonnen. Und wie steht es mit der wirtschaftlichen Macht? In regelmäßigen Abständen treten die Arbeiter mit erhöhten Lohnforderungen hervor und mit Hilfe des Staates, den sie beherrfchen, mit Hilfe des 2kbeit5inintfteriuins und seines Schlichtungswesens wird regelmäßig ein Teil dieser tforbwung vom Staate anerkannt und vom Staate der Wirtschaft aufgezwungen. Damit übt mittelbar die Ar- beiterfdjaft den schlechthin entscheidenden Einfluß auch auf das Wirtschaftsleben aus, vor dem die berufenen Wirtschaftsführer Schritt auf Schritt haben zurückweichen müssen, jedenfalls bisher zurück- gewichen find. In dem erwähnten Aufrufe stößt man auf ein erstaunliches Wort, das man gerade hier am wenigsten erwarten sollte, auf das Wort: „Staats- autorität", eiu Wort, das auf der Linken ehemals nur mit Abscheu genannt werden dürfte. Warum denn nun auf einmal für die Staats- autorität schwärmen? Die Wahrheit lautet: der Absolutismus des Staates, die Reigung. die Staatsautorität und Staatsmacht zu überspannen und zu mißbrauchen hängt nicht an einer bestimmten Berfa ssung des Staates, wie man -u glauben pflegt, etwa nur an der Monarchie. Jeder Staat jeglicher Verfassung kann absolutistische Reigungen haben, kann die Staats- getoali und die Ausübung dieser Gewalt überspannen. Keinen Augenblick stelle ich in Abrede, daß der alle Staat das vielfach getan hat, was neben anderen Gründen nicht wenig zu seinem Untergänge beigetragen hat. Aber auch der neue Staat ist von absolutistischen Steigungen nicht freigeblieben. Ob der souveräne Fürst oder die souveräne Mehrhell sagt: „V dtat c'est moi . macht nicht den geringsten Unterschied. Mcur frage nur bei den Vertretern der Selbstverwaltung nach. Hm diese Dinge habe ich mich etwas eingehender bekümmert, um mir ein Urteil erlauben zu können. Der alte Staat hat der Selbstverwaltung einen hohen Grad von Dewegungs- freihell gewährt, der neue Staat schnürt sie mehr unfr mehr ein. Es hat im allen Staat Schwarzseher und Warner genug gegeben, die aber nicht gehört wurden. Auch der neue Staat scheint alle Warnungen in den Wind schlagen zu wollen. Richt diejenigen sind die besten Freunde des heutigen Staates, die seine Fehler und Mißgriffe beschönigen, oder die ihn gar in feinen Fehlgriffen und Irrtümern bestärken, die ihn weiter in die verhängnisvollen Dahnen, die er eingefchlagen hat, hineintreiben. Die Der- ' Wallung kann zur Rot einen gewissen Absolutismus vertragen. Wo aber unter allen Umständen die Macht des Staates ein Ende findet, auch die Macht des demokratischen Staates, ist das Sittengesetz und das Raturgeseh. Es bleibt das Wort zu Recht bestehen: „Wan soll Gott mehr gehorchen, denn den Menschen." Arg war West gegen Ost! Von Dr. Paul Rohrbach. Unser ständiger außenpositischer Mitarbeiter wird am 30. Rovember in der Gießener Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslande sprechen. In Moskau herrscht Unruhe. Man behauptet, ein großer Angriffsplan vom Westen her fei im Werden; Frankreich habe dabei die Führung, Polen und Rumänien sollten vereint den Stotz führen, andere benachbarte Staaten, darunter Bulgarien, feilten eine Hilfstetlung einnehmen. Die Sowjetpresfe teilt sogar Einzelheiten des unter französischem Patronat geschlossenen polnisch-rumänischen Abkommens mit: übet den Oberbefehl, über die Zahl der ein» zusehendrn Divisionen usw. Der Oberbefehl, das wird besonders unterstrichen, soll weder von Rumänien noch von Polen, sondern von einem französischen General geführt werden. Sogar der Name wird genannt, und zwar der des Generals Le R on fr. Es ist Tatsache, datz General Le Aond imd Marschall Pilsudfki kürzlich in Rumänien waren. Umsonst werden sie nicht dort zusammengetroffen fein. Man hat auch erfahren, datz der plötzliche Regieruiigswechsel in Rumänien mit dem französischen Qkfud} einen Zusammenhang hatte. Die rumänischen Zustände unter der Regierung des liberalen Kabinetts waren zuletzt sehr übet Me Steuern von den Dauern gingen nicht mehr ordentlich ein, die Beamtengeyälter wurden stok- kend und unregelmäßig gezahlt, das Eisenbahnwesen war miserabel heruntergekommen, die allgemeine Stimmung im Lande war so, daß von einer wirklichen Regierungsautorität nicht mehr gesprochen werden konnte. General Le Rond hatte den Eindruck, daß unter den Umständen eine normale Mobilmach ung kaum möglich und daß es fraglich fein würde, ob die Einziehung der Reserven aus der Dauernschaft nn Kriegsfall durchzuführen wäre. Der General föll daher den drei Regenten sehr ernstliche Vorstellungen gemacht und einen Wechsel der Regierung verlangt haben. So würde sich m der Tat der sehr plötzlich gekommene Entschluß zur Ernennung des Dauernfuhrers M a n i u erklären. Maniu ist zur Zell frer Einzige in Ru- mänien, der über eine wirkliche Autorität bei den Massen verfügt. Wie er sich zu dem polnisch- französischen Plan einer Offensive gegen Sowjetruhland stellen wird, sobald die Neuwahlen zum rumänischen Parlament vorbei sind, ist eine andere Frage. Für Rumänien handett es sich gegenüber Rußland um die Sicherung des Besitzes von Bessarabien, das aber, neben etwa 50 Prozent Runränen unb einer Anzahl Deutschen, Bulgaren und Griechen, viel weniger eine ruffifdj« als eine ukrainisch Bevölkerung hat. Von Moskau aus ist als politisches Kampfmittel gegen Rumänien unmittelbar auf dem Inden Ufer des Grenzflusses Dnjestr die „Moldauische Sowjetrepublik" gegründet worden, obwohl die dortige Gegend mit der Moldau nichts zu tun hat. Es sitzt aber etwas bolschiwistisches Rumänentum frort, und mit dessen Hilfe wird im rumänischen Königreich gewühlt. Der eigentliche Angelpunkt des Planes, um den es sich bei den Moskauer Enthüllungen Han- Grundsätzliches zum Lohnkampf im Westen. Don Professor Or. Ernst Korneffer, Gießen. Wir wünschen mit der Veröffentlichung dieses Aussatzes nicht in eine Erörterung des gegenwärtig schwebenden Wirtschaftskampfes der nordwestdeillschen Eisenindustrie einzutreten, hallen es jedoch angesichts der lebhaften Anteilnahme der Oefsentlichkeit für notwendig, daß einmal ganz abgesehen von diesem aktuellen Fall die grundsätzlichen Fra- gen, um die es hier geht, klargestellt werden. Diese Klarstellung dünkt uns nicht zuletzt im Interesse des deutschen Arbeiters zu liegen, der doch mit dem Ergehen der Wirtschaft, deren Teil er ist, und um deren Leben oder Sterben es sich yier hondell, auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Der schwere und verhängnisvolle Lohnkamps im Westen hat die deutsche Oesfenllichkcll stark bcwegü Diese Erregung hat in unserer Stadt ihren Slusdruck gefunden in einem Ausrufe angesehener Burger, unter ihnen eine beträchtliche Anzahl von Universitätslehrern, die die Bürgerschaft zur Parteinahme in diesem Lohnkampfe aufforderten, durch Deran- ftaltung einer Sammlung zugunsten der Arbeiter. Wirtschaftliche Körperschaften sind dem Aufrufe entgegengetreten. Diese allgemeinen und besonderen Vorgänge veranlassen mich, einige grundsätzliche Betrachtungen anzustellen, einige Gedanken auszusprechen zu der Gesamtlaae des deutschen Volkes, soweit sie durch die Wirtschaftskämpfe beeinflußt wird, die auszusprechen es mich schon lange drängt. Der gegenwärtige Lohnkampf gibt hierfür den naheliegenden Anlaß. Vielleicht und hoffentlich ift er schon beendet, wenn diese Zeilen erscheinen. Aber über den gegenwärtigen Augenblick hinaus sollen meine Ausführungen der weiteren Zukunft dienen. Denn ich befürchte ernstlich, daß dieser Lohnkampf, namentlich in der scharfen Form mit der Stilllegung der Werke nicht der Abschluß, sondern der Anfang eines gefährlichen und tragischen Wirt- schaftskampfes sein wird, der tief in unser Volksleben eingreifen, das Geschick unseres Volkes für das nächste Menschenalter bestimmen wird. Wir erleben nun seit Jahrzehnten immer wieder bas gleiche Schauspiel, daß fast das gesamte Bürgertum bei den ausgebrochenen Lohnkämpfen innerlich, mit dem Herzen, mit seiner Sympathie Partei ergreift für die Arbeiter und gegen tue Wirtschaftsführer. Die wirtschaftlichen Führer der Großindustrie sind auch in wellen Kreisen des Bürgertums nicht beliebt. Sie stoßen auf eine zum mindesten stille Gegnerschaft. Ich will annehmen, daß hierfür edle Beweggründe bestimmend sind. Oft genug zwar konnte ich feststellen, daß eine wenig erfreuliche Neigung und Eigenschaft diese .Haltung Ijeroorruft: der Neid. Der Neid auf lebe größere und weitere Machtstellung lost im gegenwärtigen deutschen Volke eine lebhafte Mmfnni' mung gegen solche Männer aus. Ob diese Abneigung gegen einflußreiche, zum Führen berufene Persönlichkeiten für das Volksleben forderlich ist, ziehe ich sehr in Zweifel. Die Führer der putschen Wirtschaft tragen eine Verantwortung und Arbeitslast um die sie wahrlich niemand beneiden sollte. Das deutsche Volk hatte alle Veranlassung, diesen Männern für die unerhörte Arbeit und Anfpan- nung, die sie Tag und Nacht, im buchstäblichen Sinne des Wortes, aufbringen, einigen Dank zu wissen. Don diesem Dank und dieser Anerkennung ist selten etwas zu spüren. Im Gegenteil, unter der Suggestion der öffentlichen Meinung macht man sich von den wirtschaftlichen Führern ein Zerrbild -urecht, das nur zu schweren Irrtümern und damit auch zu schweren Mißgriffen und Fehlern verleiten farm. „ Aber hiervon abgesehen mögen es un allgemeinen edlere Regungen sein, die diese Parteistellung u€rurfad)en: das Wohlwollen, das Mitgefühl mit dem Schwächeren. Die natürliche Neigung der Menschen pflegt sich in jedem Gegensätze dem Schwächeren zuzuwenden. Und man halt die Stellung der Arbeiter unbesehen für die schwächere. Der ermähnte Aufruf trägt diesen Ursprung deutlich zur Schau. Er ist offenbar Angegeben von warmem Wohlwollen und echtem Mitgefühl, und mit eindrucksvollen Worten sucht er das menschliche Ge- die Gewissenszüchterei im alten Staate. Der neue Staat steht nicht dahinter zurück, worauf ich hier nicht näher eingehcn kann, Jedenfalls wird er sich damit ebensowenig Liebe erwerben, wie der alte Staat. Lind es wird von den zufälligen geschichtlichen Konstellationen abhängig sein, ob er bestehen bleibt, nicht von seiner eigenen inneren Kraft und Würbe. Wenn er sich aber anmaht, der Wirtschaft gebieten zu wollen, so gibt er sich dem Wahne hin, Herr über die Naturgesetze zu sein, was unter allen Umständen zur Katastrophe führen muh. Wenn der Staat die Arbeitszeit festseht und den Lohn bestimmt, bann muh er auch die Preise für die Erzeugnisse festsehen, die diesen Lasten entsprechen. Dies letztere aber kann er nicht und tut er nicht. Denn darüber gebieten höhere Gewallen, unabänderliche Naturgesetze, die keine menschliche Willkür meistern kann. Darum aber soll er auch seine Hände lassen von den Voraussetzungen und Bedingungen, die den nicht zu meisternden Preisen zugrunde liegen müssen. Wer aber soll darüber entscheiden? Die freie, unbeeinfluhte Verantwortung der beteiligten Wirtschaftsgruppen, in deren Entschließungen weder der Staat, noch die öffentliche Meinung, und auch keine Sympathiekundgebungen und Hilfsaktionen eingreifen dürfen. Die dolle, ungeteilte Verantwortung muh auf den Sachverständigen der Wirtschaft rufjen. Die Gelehrten sind sehr empfindlich, wenn ihnen jemand in ihr Fach hineinreden will. Wie kommen sie zu der Kühnheit, sich ein Urteil über die Wirtschaft an- zumahen? Glaubt man, bah diese weniger schwierig und fein fei als ein Spezialfach der Wissenschaft ? Ich meine doch, wenn irgendwo, ist hier die geschulteste Sachverständigkeit notig, um sich ein Urteil und einen Eingriff auf Grund dieses Urteils zu erlauben. Und wenn man sagt, die Wirtschaftsführer seien zwar lluge Leute, aber sie seien — man sagt das zwar nicht, aber man meint es, und ich spreche es offen aus — sittlich minderwertig, sie hätten keine soziale Gesinnung, kein Vaterlands- und Staatsgefühl — so erlläre ich: diese Annahme ist eine sträfliche Ueberhe- bung, die durch nichts gerechtfertigt ist. Diese Männer können es im Ernste ihrer sittlichen Gesinnung mit allen anderen Berufen aufnehmen. Ich bestreite mit aller Entschiedenheit, bah Demokratie und Dilettantismus gleichbedeutend sei. Wir sehen auf allen Linien den Dilettantismus sich erheben und das Leben immer weiter erobern. Die Gefahr einer Staatsverwaltung, die von sachkundig nicht txorgeEEbetcn Beamten durchsetzt ist. liegt auf der Hand. Die wenigen bewährten Ausnahmen, und manchmal sogar vorzüglich bewährte Ausnahmen, können die allgemeine Gefahr dieser Maßnahme nicht aufheben. Die wissenschaftliche Medizin wird vom Kurpfuschertum immer weiter zurückgedrängt. Der wissenschaftlich gebildete und technisch geschulte Berufsrichter muh cm Laienrichter immer weiter das Feld räumen, was ich für den Anfang vom Ende halte, für den Beginn des kulturellen Verfalls. 3n die Wirtschaft vollends glaubt jeder hineinreden zu dürfen. Namentlich ist in den Massen ein wahr- 6oft verhängnisvoller Hochmut in dieser Hinsicht gezüchtet worden, der die gesamte deutsche Wirtschaft mit dem Tode bedroht. Sagt man aber: zu oft haben die Wirtschaftsführer erllärt, „Untragbar", und doch hat die Wirtschaft trotz der auf gezwungenen Lasten weiterbestanden und sogar geblüht, so dah die Autorität der Wirtschaftsführer gründlich erschüttert ist und man ihren heutigen Erklärungen nicht mehr glauben kann, so ist folgendes zu bedenken. Dor dem Kriege befand sich Deutschland in einem erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung, baß alle Erwartungen immer wieder durch ungeahnte, nicht voraussehbare Erfolge übertroffen wurden. Durch ständige Intensivierung und Ausdehnung der Wirtschaft, durch unausgesetzte Verfeinerung und Erweiterung konnte die Wirtschaft immer wieder die ihr auf erlegten Lasten tragen. Heute aber liegen die Verhältnisse wahrlich anders. Von den Neparationslasten hat die Industrie einen beträchtlichen Anteil aufzubringen. Riesenhaft sind die Lasten der sozialen Fürsorge angewachsen, sie haben 41 . Milliard. jährlich überschritten, wovon wiederum' ein erheblicher Teil auf die Industrie entfällt. Vor allem aber, die deutsche Industrie hat fremdes Kapital in größtem Umfange in sich aufnehmen müssen. Sie ist ke ine freieWirt- schäft mehr, sondern front in fremden Diensten. Und es sind gestrenge Herren, denen sie fronen muß. Ich will nicht in denselben Fehler verfallen, den ich hier rüge. Ich weiß nicht, wo die Grenze ist. wievill der Wirtschaft an Lasten xugemutet werden kann. QEber die allgemeine Lage muh außerordentlich vorsichtig flimmert Darum mahne ich zur Enthaltsamkeit und Behutsamkeit und rate, in einer so gefährdeten Zeit sich dem Urteil der Sachverständigen zu unterwerfen. Man nimmt andernfalls eine Verantwortung auf sich, die man niemals — verantworten kann. Was mich aber so besorgt macht, ist die An- schauung, der unmittelbare Anblick des rheinisch- westfälischen Inbustriegebietes. Die Geschichte weiß von ehemals reichen und blühenden Landschaften zu erzählen, die die üppigste, ertragreichste Wirtschaft bedeckte. Und später lag alles verödet und abgestorben da. Für solche Wandlungen sucht man meist naturgesehlich-geo- araphifche Veränderungen als Ursachen auszu- trnb-en: Veränderungen der klimatischen Verhältnisse, die Erschließung neuer Aohsto.fgebiete, die Erö^nung neuer Der.ehrLweae und anderes mehr. ES mag das alles richtig fein. Sehr häufig aber sind es auch die politischen und wirtschaftlichen Torheiten der Menschen gewesen, falsche politische und falsche wirtschaftliche Maßnahmen, die einst blühende Geftlde in kürzester Zeit in eine öde und starre Wüste verwandelt haben. Ich werde die Besorgnis nicht los, ob es dem großartigen deutschen Industriegebiet deS Westens nicht ähnlich ergehen könnte. Zeche nach Zeche, Hütte nach Hütte wird stillgelegt. Es ist ein wahrhaft schauriger Eindruck, toemi man die toten Ruinen in die Luft ragen, wenn man die ausgsstoröenen Hallen, das verrostende Eisen liegen sieht. Jeden nachdenklichen Betrachter muh ein eiskalter Schauer überlaufen. Die verfallenen Ritterburgen umschwebt der Hauch der Romantik: versunkene Zeit. Hier aber sieht man sterbendes Leben. Eben noch alles in feuriger Bewegung und alsbald hoffnungsloser Verfall. Und glaubt man etwa, daß die Wirtschaftsführer die Tore der Werke schließen und all die reichen, großen Werte, die einst in diese Werke hinein gelegt und hineingearbeitet waren, aus reiner Bosheit Preisgeben? Es müssen doch unausweichbar zwingende Gründe vorliegen, die sie zu so schweren, opfer- vollen Entschlüssen drängen. Wird wieder eine Zeche oder ein anderes Werk fttHgelegt und damit der Verwesung Übermassen, dann schreit alle Welt und zetert über den unsozialen Geist der Wirtschaftsführer. Als ob sie die Macht hatten, ein nicht mehr ertragfähiges Werk über 'Wasser zu halten. Niemand fragt danach, ob nicht die wirtschaftlichen unb sozialpolitischen Maßnahmen, die der Dilettantismus und die polftische Verblendung der Allgemeinheit, der Massen getroffen hat, so furchtbare Zerstörungen erzwungen haben, durch die ein Glied nach dem anderen von dem deutschen Wirtschaftskörper abgehauen wird. 2Han mag sich damit trösten, daß die erfolgten Stilllegungen nichts Ernstes und Bedrohliches xu bedeuten haben, dah nur veraltete und unbrauchbar gewordene Werke ausgeschaltet werden, um mit den anderen, mobemer ausgestatteten besto rationeller und erfolgreicher xu arbeiten. Damit kann man sich trösten und damit tröste ich mich selbst, wenn ich die unheimlichen Ruinen stehen sehe. Aber es könnte auch anders sein. Diese Stillegungen könnten der erste Anfang vom Ende des Ganzen sein. Wer will das wissen? Wie, wenn einmal plötzlich, was durchaus nicht unbenfbar ist, bte gesamte deutsche Wirtschaft des Westens zum Sterben käme, was eintreten muß, to^nn die zarte Grenze der Ertragsfähigkeit überschritten wird. Immer noch ein bischen und immer wieder ein bischen lädt man der Wirtschaft auf. Wie, wenn auf einmal der Quell versiegt und vollständige Dürre ein tritt? Ich kann die düstere Sorge nicht bannen: wie die Verblendung das deutsche Voll um feine politische Grobmachtstellung gebracht hat, so könnten Torheit und Verblendung zum zweiten Male Hand anlegen und auch die wirtschaftliche Blüte und Kraft vernichten. „Rasch tritt der Tod den Menschen an,“ nicht nur den einzelnen, sondern auch bte menschlichen Gemeinschaften und Gemeinschaftsleistungen. Das bedenke man. Man sei nicht allzu vertrauenSsellg. Man spiele nicht mit dem Feuer! JMel-Ecke. Kranzrätsel. Dahlie — Edelweisz — Efeu — Ehrenpreis — Enzian — Erika — Geranie — Iris — Kamelie — I .yrte — Narzisse — Nelke — Nachtviole — Rose — Tulpe — Usambaraveilchen. Aus vorstehenden Blumen winde man einen Kranz zum Totenfest. Die Verwendung der Blumen hierzu muß in bestimmter Reihenfolge vorgenommen werden. Die Anfangsbuchstaben, zusammengestellt, sagen uns bann, in welchem Sinne die Niederlegung erfolgte. Magisches Kreuz- und Quer-Wortratsel. 10 7 9 iz n <3 W 3 Die Wörter bedeuten: Von links nach rechts und von oben nach unten: 1. Einfriedigung: 2. Küchenpflanze: 3. Blutgefäß: 4. Nervenzentrum: 5. Koralleninsel; 6. musikalische Bezeichnung: 7a, preußischer Kriegs- minister aus großer Zeit; 7b. Gleichklang zweier Worte: 8. Gedichtart: 9. Nebenfluß der Elbe; 10. andere Bezeichnung für Haß: 11. umstrittenes Gebiet in Asien: 12. Raubvogel: 13. Papageienart. Die Diagonale A—B nennt einen europäischen Staat. Scharade. Jagst du, so richt' auf die erste den Blick: Fischest du, wär' eine zweite dein Glück. Soll dir das Zogen und Fischen gedeihn, Darfst du vor allem ein Ganzes nicht fein. Oft wird die erste des Schießenden Beute, Oft auch gelingt mit dem Netze die zweite. Schwerlich wird aber eins-zwei was erwischen, Fehlt doch die Ruh' ihm zum Jagen und Fischen. PflastersteinrStsel. Die nachstehenden zwölf Buchstaben: a—e—e—e—e—e—g—j—o— r — s — t e d e h s i n i n n r e n pflastere man in die vorstehende Figür ein. Ist dies richtig oorgenommen, ergibt das fertige Pflaster ein Sprichwort. Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Wiege; 2. Andersen; 3. Leibniz; 4. Trense; 5. Elwin; 6. Reling; 7. Viereck; 8. Orgel; 9. Niobe; 10. Devise; 11. Esra. Walter von der Vogelweide. Leistenrätsel. m | i | 1 c h Zweisilbige Scharade, r. er(r)mann. Kreuzworträtsel. BD0f3ffl[3 07. CI I3G3G3B Q m ei nrnri ra BBQ BQfl L3!klM 13 K1E13SH ~ aa was B ElEIHii Elii B0B SllbenänderunZsrälfel. Kiosk — Polka — Oper — Talent — Echo — Kalif — Einkauf — Zange — Titel — Beruf — Klinke — Torgau — Hupe — Diener. Kartoffelfeuer. Doppelfinnrätsel. 1. Münster; 2. Aue; 3. Ruhr; 4. fise; 5. Eiche; 6. Nachdruck; 7. Flegel; 8. Aar; 9. Ente; 10. Diele; 11. Erika; 12. Note. Marienfaeden. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren dom RedattionStifch. Sport und Spiel. Riesenfpannung liegt über der Arena. Dr. Wichmann und Houben liegen Im Endlampf über 100 Meter. ... Da überspurtet Wichmann Hou- ben, zieht in großem Stile an ihm vorbei, wirft sich mit keuchender Brust inS Ziel, durch- reiht das Band und fällt erschöpft auf die Asche. Sagt Herr Müller auf der ersten Tribüne zu seiner Frau: „Ach was, em eigener Wagen is doch besser! .. • Derselbe Herr lacht sich beim Sportfest bet Junioren rechtwinklig. Auf dem Rasen stehen zwei Mannschaften zu je zwölf 3mrioren und machen Tauziehen. Rot sind die Gesichter von der Anstrengung — die Kräfte sind gleich verteilt, das Tau weicht nicht von der Stelle. Meint Herr Müller $u seiner Frau: „Öle werden ja doch em Messer nehmen müssen! Unvernunft!" (ßuft. *BL) Zusammenstoß. Haus v. Bülow war nicht nur ein hinreißender Dirigent, sondern auch der geistvoll-höflichste Grobian. Eine schmale, schlecht beleuchtete Treppe hinaufttürmend, fließ er mit einem herabeilenden Herrn unsanft zusammen. „Schafskopf!" brüllte ber Unbekannte. Bülow zog mit geto Innen ber Höflichkeit den Hut: „v. Bülow ..." („Jugend".) Gießener Gtaöttheater. Alfred Neumann: „Der Patriot". „Wenn man einen Eierkuchen machen will, muß man Eier zerschlagen." Graf P ah l e n , 1801. Zuvor: man wolle den Verfasser dieses Stückes nicht mit seinem Namensvetter (Robert) verwechseln, der mit herrlichen Parodien fepr bekannt wurde. Alfred Neumann schrieb vor allem den Roman „Rebellen", den Roman „Der Teufel" — 1926 mit dem Kleist- Preise ausgezeichnet —, und den „Patrioten". Sein Stück*) ist ein gutes Stück, Theaterstück, Historie, Charakterspiel. Es erhebt, sehr frei nach Schiller, die Bühne zur pädagogischen Anstalt: die Leute lernen ost besser und meistens toilliger Geschichte auf dem Theater, als aus Lehrbüchern. » Das Historische, von dessen .Heberlieferung Neumann wenig abweicht, versammelt sich um bte Gestalt bes Zaren Paul, Sohnes der großen Katharina und PeterS HL, der, wie er und an- bere vor ihm unb nach ihm. keines natürlichen Todes starb. Paul I. war ein schlechter Charakter unb ein schlechter Fürst, ein Produkt feiner Erziehung, bas gehaßte und verbitterte Kind feiner Mutter, die lieber ihren Enkel auf dem Thron gefeljen hätte. Paul war ein gewalttätiger Mensch; in ihm verbanden sich unheilvoll die Feldwebelinstinkte Friedrich Wilhelms I. unb der Cäsarenwahnsinn des schrecklichen Iwan. Man kann fast sagen: sein schlimmes Ende war — zum mindesten in Rußland — vorauszuschen. (Hier liegt übrigens eine der leisen Schwächest im Stück.) * Man erlebt die Geschichte eines Staatsstreiches, einer Palastrevolution, einer Empörung . . . aus edelsten Beweggründen heraus, wenn man der Deutung Neumanns glauben darf: aber der laßt selber zuletzt seinen Pahlen ein kleines Fragezeichen machen hinter den Chrenbeinamen eines großen Patrioten, ber ihn wie eine Aus» zeichnung bekleidet. Pahlen ist ein Raisonneur, ein Meuterer aus Staatsgefühl, ein Diktator vor Mussolini, ein Macchiavell im Helligen Petersburg um' 1800 Wie wett das historisch ist, stehe dahiir. (Sein Tob, wie Neumann chn will, ist nicht geschicht- *) AlS Buch in 7. Auflage (119 Seiten 8°) erschienen bei der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart, Berlin und Leipzig (694). — lich: Pahlen nahm 1804 unter Alexander seinen Abschied und starb erst 22 Jahre später.) Aber darauf kommt es nicht an: er ist ein Charakter. ♦ Auch Paul ist ein Charakter, obgleich ein aus allen Fugen geratener, fast schon ohne menschlichen ilmrife, ein Diechkerl, beinah so etwas wie Richard HL, nicht ganz so blutrünstig, aber ebenso brutal, so verschlagen, mißtrauisch und unberechenbar wie jener. Selbst an Philipp von Spanien, des Carlos Vater, kann man denken, obgleich der, historisch und erst recht bei Schiller, mehr Format besah. * Ist also schon Spiel unb Gegenspiel ungleich verteilt: das Zwischenspiel, wenn man diesen Ausdruck einführen darf, aleicht die offenhmbige üeberlegcnbeit der Angrrffspartei unter Pah- lens rücksichtslosem Kommando ein wenig aus. (Pahlen soll sich, als von den Mitverschworenen die Möglichkeit angedeutet wurde, die Abdankung Pauls werde sich vielleicht nicht ohne Gewalt erzwingen lassen, des oben angeführten, nicht besonders geschmackvollen, aber deutlichen Bildes bedient haben.) • Das Zwischenspiel: vornehmlich der Zarewitsch und die Mätresse Baronin Dstermann. In Paul dem Zaren, und Lllerandsr, dem Kronprinzen und späteren Begründer der Heiligen Allianz, der ein „schöner Mann" gewesen sein soll, wiederholt sich das ans Tragische grenzende Mih- ^rhältniS zwischen dem Vorjahren Peter (dem Großen) unb des,en schwächlichem Sohn Alexej: Kronprinzenschicksal. (Das deutsche Alrbilb dieses beliebt gewordenen literarischen Motivs ist Friedrich der Große.) Der Zarewitsch steht als verwirrend hin und her geschobene Mittelfigur zwischen den Parteien, zwischen Paul und Pahlen. Er haßt seinen Vater, wird von ihm mißhandelt, fürchtet ihn und fürchtet doch zugleich feinen Tod —, er wagt ihm den Anschlag, von dem er weiß, nicht aufzudecken: er fürchtet sich auch vor Pahlen, er mißtraut lhm, begreift ihn kaum, ist dennoch sein Werkzeug, nod) ehe ber Graf ihn durch seines Vaters Ermordung zu dessen Nachfolger erhebt. — Dies alles ist dramatisch von unangreifbarer Schlagkraft und theatralisch von bestrickender Wirksamkeit. * Dann die Oftermann: ber Typ der großen fürstlichen Mätresse, bereit unb berufen, eine politische Rolle zu spielen, eine höfische Intrige zu fuhren, eine diplomatische Schachfigur zu sein — unb dennoch alledem nicht gewachsen. Charakter- mäßig nicht und nervenrnäßig nicht. Nur in Pahlens Hand wird sie mehr, als sie eigentlich ist (eine schöne, zur Liebe geschaffene Frau), bekommt sie den über N-ormallmah hinausreichenden Umriß einer historischen Persönlichkeit, die sie von sich aus wohl gerne geworden wäre, aber aus innerer älnzulänglichkeit nicht werden konnte. Sie ist ein Weib — bas ist wesentlich —, eine schöne Dame, und als solche spielt sie in diesem Männerstück, in der politischen Chronik mit Mord und Gewalttat und Anarchie eine wichtige, eine bestrickende Rolle. Sie wirkt schon durch ihre Ausnahmestellung. Lind wenn Pahlen ihr einen mehr als gewagten Liebesbrief diktiert, der seinen Zwecken bienen soll, dann kann man beinahe an die furchtbare Szene zwischen der Luise Millerin und dem Sekre- tarhrö Wurm denken. Dieser Schlafzirnmerauftritt und die meisten übrigen Szenen beweisen es: Neumann ist ein kluger Kopf, ein ungemein begabter Dramatiker, ein Kenner ber Bühne und des Parketts, der genau weiß, was er tut und sich in keine- Szene verrechnet unb verspekuliert. Er hat alle- zell die Fäden in der Hand, und es ist ost bewundernswert, wie alles zusammenläuft, über- emanderpaßt unb ineinanderflieht. 5>er Schluß ist innerlich nicht notwendig, weder Pauls Tod auf offener Szene, noch Pahlens Ende. Aber ein Schuß zum Schluß ist stets als Ausrufezeichen hinter dem Ganzen beliebt und bekräftigt (beim Publikum) oft, was ohne den Knall nicht geglaubt oder bezweifell würde. Neumann wußte das, und PaUen, sein Held, der Patriot mit dem Fragezeichen, steht zuletzt doch mft einem weltlichen Heiligenschein da; mit lei fern Schauder hort man fein Ende. • Die Ausführung war, als Ganzes, vortrefflich: Ebert-Grassow hat sich mit dieser Regie- letftung sehr überzeugend ein geführt. Das Wenige, was einzuwenden ist, fei vorangestellt: die Mordszene (Blld8) enttäuschte, fie ist tm Buch viel stärker als auf ber Bühne: hier fehlte Zusammenhalt und Stimmung: auch gmgJXLS Licht zu spät aus. — Der Marschtritt ber Truppen und die Holzkllngeln wirkten nächt vorteilhaft. — Der obere Bühnenrahmen müßte tn mehreren Bildern um der Raumwirkung willen tiefer gelegt werden. • Alles Uebrige war gut, sehr gut, könnte an größeren Bühnen mit Ehren bestehen Die Thea- tralik des dankbaren Stückes war voll auSge- schöpft, verdeckte aber nirgends das sorgsam verspannte Szenengefüge und die Charakterlinien, die in diesem Drama ober doch In den wichtigen Sollen so plastisch herauSmodllliert find. Die Bilder 4, 5 und 6 vor allem hasten als Höhepunkte darstellerischer Prägnanz unb ausgewogenen Zusammen Piels in der Erinnerung. Die Streichungen sind zu billigen: ble Bühnenbilder Löfflers, insbesondere Newabrücke, Schlafzimmer der Oftermann und Arbeitskabinett de« Zaren, sehr zu loben. • Ebert-Grassow spielte drn Pahlen. Sine Bombenrolle. Ihm fei zunächst gedankt, daß er den früher beliebten, heute ungenießbar gewordenen Theaterintriganten mit all seinen schauspieler ilchen Unarten pein'ich vermied. Gr sah den komplizierten Charakter, die phantastische See'en- Mlschung seines Helden und stellte dies bar, toenn er es auch nicht immer ganz begreiflich machen konnte. (Dafür ist Reumann zuständig.) Er zeigte den Menschen Pahlen, prall und rund, ohne innere Lücken, im vollen Licht, mit allen Schatten, im Grunde einen sympathischen Verschwörer: sein Bild muh hier gelten, wenn es „in Wirklichkeit" vielleicht auch ganz anders aus- gesehen hat. — Diese Rolle ist bas Reifste, was Ebert-Grassow bisher hier gezeigt hat. Den Zaren gab Gareis. Sehr interessant. Als eine pathologische Studie, ein erschreckendes Krankheitsbild, eine taumlige, laltenbe, verkrampfte, hysterische Wahnfigur, in plötzlichen AuSbrüchcn gleichermaßen bestürzend, ob ec tobt ober weint ober sich fürchtet ober ein Vaterunser krächzt, (llebrigens ohne Porträtangleichung: er? sah dem späteren Großfürsten Nikolajewitsch ähnlicher als dem Sohn der Katharina.) Maria K och hatte die Oftermann unb spielte sie so gut, wie man es von ihr erwarten durfte, aber doch nicht ganz frei von einer gewissen Theatralik und übrigens stellenweise etwas flattrig und nervös. Am besten in der großen Diktatszene. Der Zarewitsch ist be.n Dramatiker als Figur am wenigsten gelungen. Gr ist mehr empfunden alS gestaltet; ihn zu spielen ist eine noch undankbarere Aufgabe, als es beim Lesen scheint: W e sener gab sich ehrlich Mühe, chn seiner Blasse, Schattenhaftigkeit und Weichheit ein wenig zu entrücken. — Don den Chargen sind K n u r (Stepan). Haeser (Panin) unb Dolck (Murawiew) mit Anerkennung zu nennen. Der starke Publikumserfolg war verdient und vorauszusehen. Dr. Th. , Preußen. Kreis Wetzlar. ~ Hochelheim. 23. Aov. Sn der hiesig Kirche fand eine C v a n g e l i s a t l v n s w o ch e statt, die von Stadtm.ssionar Karsten. Berlin, gehalten wurde. Die Vorträge waren allabeirb- sich nicht nur aus der hiestgen. sondern auch aus den benachbarten Gemerndrn QUt besucht. Umrahnrl wurde die BeranstaUung durch gesangliche bzw. musikalische Darbie u aen des hie- siaen ärauenchors unter Leitung des Lehrers Drescher und deS hiesigen Gemischten Chors unter Leitung von Albert Kuhl. Hörnsheim. — Für die kirchlichen Wahlen waren in der hiesigen Gemeinde drci Wahloorschläge ein- gereicht worden. Die Beteiligung an der Wahl war recht rege. Es wurden gewählt von dem Dahlvorschlage I gleich 6, von dem Wahlvorschlage II gleich? und von dem Wahlvorschlage III gleich 3 Vertreter. — Durch eine Krciskom- Mission fand dieser Tage eine Besichtigung der im Distrikt .Bloor" gelegenen Gemeindewiesen statt, die für Zwecke der Grünlandbewirtschaf tung nutzbar gemacht werden sollen. Als Ergebnis der Besichtigung wurde fest- gestellt. das) die Wiesen zur Zeit versauert und sehr nah sind und dadurch schlechtes Futter liefern. Der zu der Besichtigung zugezogcne Eemeinderat und die örtliche Wiesengcnossen- schast sahten den Beschluß, durch den Kreisbaumeister F len der. Wetzlar, zwei Projelte zur Berbesserung dec Wiesen auZarbeiten zu lassen, von denen das eine die Tieferlegung des Gc- schwindbaches, das andere die Drainwrung der Wiesen vorsehen soll. Dillkreis. bl. Driedorf, 23. Nov. Auf Veranlassung des Zwcigoereins rom Roten Kreuz für den Dillkreis fand gestern hier eine Versammlung statt, die den Zweck hatte, der Gründung einer Sanität s k o I o n n e den Boden zu bereiten Rach einem ärztlichen Vortrage und eingehender Aus- spräche wurde die Gründung der Freiwilligen Sani- tatskolonne vom Roten Äreua beschlossen. Fünfzehn Mitglieder erklärten sofort ihren Beitritt, doch steht noch eine Reihe anderer Anmeldungen In sicherer Aussicht. Als Kolonnenarzt fung.ert Dc. Janisch von hier. Der Vorstand soll in einer in .Kürze einzuberufenden Mitgliederversammlung gewählt werden. Spielplarr der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag. 25. Bov., von 19 bis 23 Uhr: Aida. Montag. 26. von 19'/, bis nach 22'/,: Figaros Hochzeit. Dienstag. 2?., von 20 bis 223,4: Cavalleria msticana. Hierauf: Der Bajazzo. Mittwoch, 23., von 23 bis 21'/^ Salome. Donnerstag. 29.. von 19'/, bis gegen 22'/,: Samson und Dalila. Freitag. 30.: Geschlossen. Samstag. 1. Dez., von 19 bis gegen 23 Uhr: Aida. Sonntag. 2.. von 19 bis nach 22'/«: Carmen. Montag. 3.. von 19'/- bis gegen 22'/,: Cosi fan tutte. — Schauspielhaus. Sonntag. 25. Bov., von 15'/, bis 1Z'/,: Jugend. Bon 20 bis 23: Beidhardt von Gneisenau. Montag. 26.. von 19'/° bis 23: Don Carlos. Dienstag. 2Z., von 20 bis gegen 22: Gelegenheit macht Siebe. Mittwoch. 28., von 20 bis gegen 22: Ehen werden im Himmel geschlossen. Donnerstag, 23.. von 20 bis 22V,: Kranlheit bet Jugend. Freitag, 33., von 20 bis nach 22: Dantons Tod. SamStaa, 1. Dez, von 15 bis gegen 17'/,: Minna von Barnh-elm. Don 20 bis 22'/,: Krankheit der Jugend. Sonntag. 2.. von 15'/, biS 18: Alt-Heidelberg. Don 20 bi« 22'/,: Der brave Soldat Schwejk. , Pfarrer Heumanns Heilmittel stete vorrätig in der Niederlage Hirsch-Apotheke Gießen, Frankfurter Straße Nr. 4 Das Pfarrer Heumann-Buch 272 Seiten, 150 Abbildungen, erhält jeder Leser vollständig umsonst und portofrei von Ludwig Heumann & Co., Nürnberg M 613. r024D m S Ißaschmit "El Sill W; I WELLSLECfrä-GASmGEN MITHEEZIURIG 20 15 WOLF NETTER & 10 öerlin w 15 • Finnentrop 'zwestf Vertr.: Emil ßecaer, Dammsif.43, Gießen, Tel. 1190 10162D Leihgestern, den 24. November 1928. 101700 «6» I WlMUWMM Schl nur mit 10304A Konkurs M Keine Krankmeldunfi Kein Krankenschein Wolke NWK WM Überoll' erholt! ich- 16-45 „ 46-65 450 5.50 8 6 5 Aufarbeiten und Modernisieren alter Polstermöbel Abonnementskarten. Gießen, den 24. November 1928. Der Oberbürgermeister. I.D.: Dr. Rosenberg. Bade - Einrichtungen kauft man am besten bei Rudolf Rödiger Walltorstraße 35 Bequeme Teilzahlungen Viele Referenzen IIIIIIIIIIICIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Caritas Krankenfürsorge für die Diözese Mainz Aufnahmen bis zu 65 Jahren Ohne ärztl. Untcrsuchg., Rechtsanspruch auf die Leistungen. Die Krankerüürsorge bietet die größt. Vorteile L d.Versicherten. Freie Arzt- und Krankenhauswahl Behandlung als Privatpatient Die Leistungen der Krankenfürsorge sind garantiert durch die Deutsche Kranken- Versicherungs A.-G. zu Berlin. An feststehend. Beiträg, werden erhoben: Für Personen von 0—15 Jahren Mk. 2.00 doch am besten mit ^Zwerg-Marke^ als Beifutter. Kein gewöhnlicher Futterkalk! Deshalb auch sicherster Schutz gegen Knochenkrankheiten. Man ver- Bekanntmachung. Sprechstunden betreffend die Angesiellien- oerficherung. Die Sprechstunden des Revisors der Reichsoersicherungsanstalt für Angestellte sind verlegt. Sie werden künftig bis auf weiteres a:. jedem 1. und 3. Montag Im Monat, von 1 bis 2^ Uhr. in den Räumen des Dersicherungsamts der Stadt Gießen, Lonnftroße 2 I, kostenlos obgehallen werden. 10300D Gießen, den 23. November 1928. Rcvisions- und Auskunftsstelle Gießen der Reichsversichcrungsanstall für Angestellte. Busse. Versteigerung W Sei MIME Mer & Meiner versteigen ver ynlüonalot ciidrvlg OatimeB m ffloM26.HüDilt. 1928,00 2 HQr, MoiilsgeksslseiiSeGegeliWve 1 Drehbank, 2 Bohrmaschinen, 1 Motor (3 PS.) mit Anlasser, 1 Schleif» maschine. 1 Transmission, 2 Ambosse 5 Schraubstöcke, 2 Werkbänke, 1 Fa Auwöl (180 Kilo) 1 Sendung Federstahl, 1 fahrbarer Hebekran, 1 Feldschmiede, 1 Lastwagen-Aussatz, 1 Lieferwagen-Aufsatz, 1 Sendung Spurstangen- bolzen, 10 Schneidkluppen mit Zubehör, 1 Sendung Leibahlen. 1 Dezimalwaage m. Gewichte, 1 Kettenspanner fürMulah- Lastwagen. 2 Winden, 3 Scheinwerfer, 1 Gasflasche, 1 Schweißapparat mit 7 Brenner, Auwhupen, elektr. Fahrtrichtungsanzeiger. ICO Meter LeitungS- kabel, 1 Dorderachse, 1 Partie Schneeketten, 1 Auspufftopf (Mowrhtlfe), 2 Dierradbremsen und sämtliche Werk- zeuge für Autoreparaturwerkställen. Versteigerung bestimmt, kbmd Der Konkursverwalter SlMWM'MMMk. Die Einlösung des dritten Abschnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag hat von Montag. 26. November, an in den üblichen Kassestunden an der ML 6ebr. Seelbach Telephon 1627 osass Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schnellen Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen. Herrn Pfarrer Sattler für die trostreichen Worte am Grabe, seinen Schulkameraden für die erwiesene Ehre sowie der Burschenschaft Einigkeit, der Sänger vereinigung, der Freien Turnerschaft und seinen Arbeitskollegen sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Marie Rau geb. Schomber und Kind. Wieseck. den 23. November 1928. Eberverkauf. Donnerstag, den 29. November, verkauft die Gemeinde Wahenborn-Steinberg einen abgongigen (Eber auf Submission. 10301D ' ngebote muffen bis zum genannten Termin, nachmitkcgs 6 Uhr, bei unterzeichneter Stelle eingerei^'t sein. Hessische Bürgermeisterei Watzenborn-Steinberg. Schäfer. Illi Sperrholz B*"E.£ a tn Eiche. Gaboon u. Kiefer 3-25mm «A ö ° Breuer und Dielen aller Stärken, 2“oo schwedische und bäuerische Hobel- »L -» breiter, Svalierlatten, Eichen- u. Z a a« Buchen-Schntuwaren liefern in ® g Q.a allen Stärken [irrD Bi euoen ®flrr & Co.. (Bie&en Televbon 14». Latten in allen Stärken prompt lieferbar Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgänge unseres Heben Otto sagen wir allen aut diesem Wege herzlichen Dank. Karl Luh II. und Familie. Eisu-“r,:BettenKÄ Stahlmatratzen, günstig an Private. Katalog 565 frei Eisen möbel fabrik Suhl iThürinn.l. (Reihe 1) 2. Rang (Reihe 2 und 3) 2. Rang (Reihe 4 und 5) Roch Einzahlung auf Postscheckkonto Frankfurt a. M. 37210 „Kasse des Stadttheaters Gießen" erfolgt Uebersendung der Oeffentliche Mahnung. Das dritte Ziel der vorläufigen Gemeinde-, Kreis- und Prooinzialumlagen sowie der vorläufigen Sondergebäudesteuer 1928 wird hiermit zur Zahlung bis spätestens 3. Dezember 1928 einschließlich gemahnt. 10331C Rach Ablauf dieser Frist werden die Rückstände auf Kosten der Schuldner zwangsweise eingezogen. Außerdem sind bei Zahlungen nach dem 5. November 1928 Verzugszinsen zu ent- richten. Gießen, den 24. November 1928. Stadtkasse Gießen. Proszeniumewge, Rangloge, 1. Rang (Reihe 1 und 2) Logenrückplatz, 1. Rang (Reihe 3 und 4), Sperrsitz (Reihe 1—11) Sperrsitz (Reihe 12—14), 1. Rang (Reche 5 und 6) Sperrsitz (Reihe 15—18), 2. Rang Verlangen Sie enfori Master, welche vir franko an tedermann versenden. Letimannikimi.SHMiHgl.LlM, AeltestesluchTarcandhausmlleigenerFibrikatloiL NervsseMgenschnmM sind heute infolge der unregelmäßigen Leben», weise und der aufreibenden berustichen Arbeit an der Tagesordnung. Sie sollten etwas da« gegen tun. um Ihre frühere Frische, gute Slim- mung und Lebenslust wiederherzustellen. Herr Harry p. in Meserih schreibt: „Ich leibe seif einigen Fahren an nervösen Magenschmerzen und habe erst feit drei Tagen Ihre Magen« tropfen versucht und muß sagen, daß mir die- selben gut getan haben, weshalb ich sie weiter- emvfehlen werde- Sie erhalten die echten „Reichels Magentropfen' in Apoth. u. Drog. M 1.10, gr. Fl. M 2.75. echt aber nur mit der Firma Otto Reichel, Berlin ÖD, Sisenbahnstr.4 Bestimmt zu haben bei (5arl Seibel, (Scrutanta-Droaeric. Jranksurier Sfr. 39 Otto Wintcrboff, Drogerie, Kren-vlatz 9/10 In Grün berg: Carl Schott, ttroiten-Trogcric. Bekanntmachung. Betr.: Ergänzungswahlen zur Industrie^ und Handelskammer Gießen. Bei den am 22. November d.J. vorgenommenen Ergänzungswahlen zur Industrie. und Handelskammer Gießen sind die nachstehenden Herren wiedergewähll worden: ! a) für den Wahlbezirk Gießen-Stadt: die Herren Kommerzienrat Heinrich Sdjit- met, Bergwerksdirektor Robert Liste und Kaufmann Carl Röhr, sämtlich zu Gießen: b) für den Wahlbezirk GießenLand: Herr Fabrikant Ludwig Rinn, Heuchelheim: c) für den Wahlbezirk Grünberg: Herr Fabrikant Georg Stammler, Grünberg. Es wird dies mit dem Anfügen bekanntgemocht, daß vom 26. bis einschließlich 28. Rovember d. 2 die Wahlprotokolle nebst Anlagen für die Wahlbezirke Gießen- Stadt und Gießen-Land auf dem Sekretariat der Industrie- und Handelskammer Gießen, Lonystraße 7, in der Zeit von 10 bis 12 Ahr vormittags und 3 bis 5 llhr nachmittags und das Wahlprotokoll nebst Anlagen für den Wahlbezirk Grünberg auf der Bürgermeisterei in Grünberg während der üblichen Amtsstunden zur Einsicht der Wahlberechtigten offenliegen. Einwendungen gegen die Wahlen oder die Gewählten sind innerhalb dreier Tage bei Vermeidung des Ausschlußes bei der unterzeichneten Industrie- und Handelskammer vorzubringen. 10319D Gießen, den 23. November 1928. Industrie- und Handelskammer Gießen. Schirmer, Kommerzienrat. WELLBLECH Theaterkasse — Iohannesstraße 3 — zu erfolgen. 10308C Die zu zahlende dritte Rate beträgt für - - ~ RM. Bullenverkauf. Die Gemeinde Staufenberg verkauft einen jungen, fetten, zum Sprung untauglichen 10309D Simmentaler Dullen. Schriftliche Angebote sind bis aum Dienstag, dem 27. L M^ nachmittags 2 llhr, auf der Bürgermeisterei daselbst abzugeben, woselbst die Bedingungen bekannt- gegeben werden. Bürgermeisterei Staufenberg. Meyer, . . _ SW« jeder Art. 03lM Gruber, Baumschule«. Alten > Bu eck. Bekanntmachung. Betr.: Viehzählung am 1. Dezember 1928. Am 1. Dezember 1928 findet die alljährliche Viehzählung in den Gemarkungen Gießen und Schiffenberg statt. Die Dieh- besitzer Haden den Zählern die notroen- digen Angaben ihrer Viehbestände bereit- willigst zu erteilen. Auf die Bekanntmachung des Kreisamts Gießen, angefchla- gen in den Aushängekaften der Stadt Gießen, wird besonders hingewiefen. Gießen, den 22. November 1928. Der Oberbürgermeister. 10295C I. D.: Dr. Rosenberg. Küchen Möbel Metallbet en Preise reduziert bet <*"' Jttmann Babubofttr. 20. I Obst-, Gemüse- u. Essig - Konserven vreiswert und beste Qualuät 9971D J. M. Schulhof Marktstr. 4, Ein- gang Burggraben. lange unseren neuen bdiesuSchuhmert-! Ratgeber" gratis. M. BHÄHH ThÄ“#’ Herr Mitte 20er Jahre, tn sicherer Lebens» stellung, wünscht Briefwechsel mit nettemMädeizweck» späterer Heirat. Schr. Ang. unt. 08213 a.d.Gieh.Anz.erbet. Beamter Wwr., 40er Jahre, sucht die Bekannt- schatt einer Dame im Alter von 35—40 Jahren, »w. späterer Heirat. Bermöa. erwünschtt Schrift!. 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Wege eine LebenS- neiäbrtm -wisch. 25 biS 35 9- v. Lande. Einige tausend Mark Vermögen tn bar ob. Grundbes. Bedingg. Bewerberinnen, denen eS an einem trauten Heim n. an ein. treuen Lebens» lameraden gelegen ist. wollen ihre Zuschrift il 08235 a. d. (y. An-, send. Anonym -weckl. Streng- steDiSkr. Ehrensache. An frag. u. Anmeld, beim Caritas-V erband Mainz. Caritashaus od. dessen Vertreter: Herrn Albert Scbönbaber, Giehen.Bleichstr. 44 Wird ein Sterbegeld gewünscht so kann dies durch die Caritas-Sterbe- vorsorge bei obengenanntem Vertreter beantragt werden. 103-70 IIIHIHlIHnilllllllllllNIIIIIIIHIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllllllllllllfi Bullenverkauf. Mittwoch, den 28. L HL, nachmittags 1 Uhr, soll ein fetter Bulle auf dem Sub» missionswege vergeben werden. Offerten sind bis zum 27.1. KL, mittags 1 Uhr, au Iber Bürgermeisterei abzugeben. 10325D hessische Bürgermeisterei Grüningen. uler. .... .... 3 Kugel Marke Strickwapen Strümpfe, Sockßn,nandschuhe 3 Kugel Marke ■führend in 60te und Farben ,91t STIMME SEINES ME9M £5crnp 30cm, ^doppelseitig DieStimme seines Herrn Berühmte KünsHerVirtuosen.Dmyenten, Orchester, Chö re,*Ianzkap eilen ilsw. hörende auf uns ererb Eingetragene Schutzmarken g Ä | f**! elektrisdienNetiAufnahmen^Pelyfer"^ OEBBS-iM BereitwiDigestiorspielmallen unseren offiLiellßn\)ßrkoufss!51Lpn-Deut$che6ramT7iop}ion-Aktiengesell5chaff . 9055V SpreHagparate, Platten Emc| fiialHnr NllsMenMIlW Mnimnniflh 0 in großer Auswahl Llllöi VlllUilCi Deutsch. LH D MIM DI 7 9666A Vortrags-Vereinigung Montag, den 26. November 10299D abends 8 L’hr, in der Neuen Aula der Universität Lichtbilder-Vortrag des bekannten Weltreisenden und Afrikaforschers Dr. Colin Roß Das Interessanteste von meinen Weltreisen üitgliedor Eintritt tret (Kontrollabschnitt Nr. 3). Nichtmit- glieder: Karten zu Mk. 2.00 an der Abendkasse. GIESSENER KONZERTVEREIN Sonntag, 2. Dezember 1928, 17 Uhr, Universitätsaula 3. KONZERT Emmy von Stetten (Sopran) aus Berlin AM KLAVIER: DR. STEFAN TEMESVARY Lieder und Arien von Mozart, Rossini, Schubert, Mahler und Wolf Eintrittskarten: RM. 4.-, 3.- und 2.- bei Ernst Challier und abends an der Kasse. - Studentenkarten RM. 1.- bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweis. 103isd Neuenweg 9 I , Ar jedes ffleim I \ \ gehört ein, Eleclrola 'Musik - ' L* Instrument-. 6s bietet in C vollendeter ‘Wiedergabe zu Äk jederzeit abcvechslungs« ZjA reiche ‘Unterhaltung^. jfl Das, Slectrola "Aalensysiem erleichtert durch geringe JbizahLung und bequeme r Monatsraten die .Anschaffung. Vorspiel ohne Kaufzwang ■ 10317A MMWW. 3n der Zeit vom 29. September bis 17. Oktober 1928 ist durch den Unterzeichneten die Revision der VerivSsspmrkasse Gießen gemäß Art. 3 Absatz 3 des Hessischen Sparkassen-Gesehes vom 8. August 1902 vorgenommen worden. Kasse, Wechsel, Kurspapiere und Bankguthaben stimmten mit dem Soll-Bestand überein. Oie §er- ligung der Probebilanzen im Aktiv» und pasflvverkehr ergab Uebereinstimmung mit dem Soll-Bestand, die Oarlehensurkunden waren vorhanden und es entsprachen diese und die sonstigen Sicherheiten den gesetzlichen und sahungsmäßigen Vorschriften. ^ochendSvfev Revisor des Hess. Sparkassen- und Giroverbandes. Unter Mitwirkung des Arbeiter-Gesangvereins Eintracht. Gießen und der Kapelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold findet am Totensonntag, nachmittags 27, Uhr, eine fieiaUenen-Ehrunö statt. — Gedenkrede: Herr Bezirksleiter Benner vorn Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Ortsgr. Gießen, Die gesamte Bevölkerung Gießens bitten wir, mit uns an die Gräber der Kriegsopfer zu treten. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Ortsgruppe Giehen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Giehen Bei schlechter Witterung findet die Feier in der FriedhofskapeUe statt __h I297D DIE BESTE LÖSUNG für Sie bei Anschaffung einet Rodioopporates: Nehmen Sie einen TELEFUNKEN 4. Sie besitzen dann einen Qualitätsapparat, der allen Ansprüchen gerecht wird. Sie haben vorzüglichenFernemp- fang, erstklassige Wiedergabe mit demArcophon-Laut- sprecher und können Ihre Schallplatten elektrisch über- tragen.SetzenSieTelefunken* röhren in Ihren Empfänger! Sie sind unerreicht in Ihrer großen Leistung und dem geringen Heizstrom-Verbrauch. Telefunken-Apparate liefert Ihnen schon von Mk. 39.50 an (einschließlich Röhren) nach unverbindlicher Vorführung InU. H. Brinkmann Bahnhofskolonnade Gießen Neuen Baue Nr. 17 Bahnhofstraße Nr. 56 9937 0 Staff Karten! Tilly Wietsche« Karl Weimer Verloble Gießen Staufenberg 24. November 1928 U8249 Es ist uns nicht möglich, allen Verwandten und Freunden persönlich zu danken, die unserer anläßlich der goldenen Hochzeit gedacht haben. Auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Familie Albert Rau Gießen, den 24. November 1928. 08274 Für die anläßlich unserer Silberhochzeit in so überaus reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten von nah und fern danken wir herzlich. Mehgermeifter K. Nürnberger und Frau Lollar, im November 1928. 10340D Weine und Spirituosen M (5arl Küchel Nachf. Weingroßhandlg. u. Likörfabrik Gießen / Kaiserallee 1 sind erstklassig 10335A Ein Haus ahne Klavier Kommt alle! lu333O Gesamtwert eingeladen. 08290 Vollständige Ausbildung in allen Zweigen 02910 parat 400 Nad. und 7 Konzert- Schallplatten (14 Musik- Pianohaus Schönau Seltersweg 91 Gchwekels letzte BortrEse rm Äase L-ew Samstagabend 81/, Uhr: Das Kommen des Herrn Jefu Sonntagmiltag 3 Uhr: Wie wirds im Himmel sein? Sonntag ab 8*/t Uhr: Oie gegenwärtigen u. zukünft. Ereignisse im Lichte der Bibel. MMemtr Telephon 189 lag unö UaM geheizte wagen! _______________________■ 10I24D AlleRheinländer welche sich für die Gründung einer Bereinigung interessieren, sind zu der am Mittwoch, abends 81/, Uhr, im Universitäts-Lase, Blockstraße, I. Stock stattfindenden Besprechung freundlichst aaiiswirtscMHita Darmstadt, Karlsstrafse 84 Am Sonntag. dem 2. Dezember 1928, nachmittags 3 Ubr: General-Versammlung des Landwirtschaftl. Konsumvereins e.G.m.b.H., Wieseck bei Gastwirt Heinrich Braun, Wie eck. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über stattgesundene yfeunionen 2. Ergän;ungSwahl des Vorstandes und ÄufnchiörateS 8. Genebnngung der Dienstanweisungen für den Vorstand und AufsichtSrat 4. AuSfchluh eines Mitgliedes 5. Verschiedenes. 10324D Der Bori'tand und Aufsichtsrat. Hildebrand, Geschahst. Rodenbausen. QßhlnSLPoffa ÜHorhlirn Herd. Aussicht Marburgs. 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M.. 22. Hoi?. Der Landesverband der Lichtspielbe- sitzer von Hessen und Hessen-Äassau hatte am Donnerstag seine Mitglieder und Freunde Au einer Protestkundgebung ae a en ble Vergnügung st euer geladen. Außerdem waren Einladungen ergangen an die . Bürgermeister und Steuerdezernenten im Verbands bezirk an Reichstags- und Landtagsab- aevrdnete Stadtverordnete und an die Presse. ÄlS Referent sprach Leopold Guttmann aus Berlin, der Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Lichtspieltheaterbesitzer. Er setzte auseinander, daß die L u st b a r k e i t s st e u e r' der Ruin des deutschen Filmgewerbes sei und daß sie unter allen Umständen fallen müsse. .Die Lustbarkeitssteuer ist," so führte er aus »eigentlich eine Umsatzsteuer, und dah eine Umsatzsteuer von 15 Prozent jedes Gewerbe ruinieren muh, bedarf keiner besonderen Betonung. Rur zwei Länder produzieren Filme in größerem Umfange, nämlich die Vereinigten Staaten und Deutschland, aber an der Weltproduktion ist Oie Farbe im Stadtbild In anerkennenswerter Weise ist die Stadtverwaltung schon seit langer Zeit um d.e Verschönerung des Giehener Stadtbrl- des bentüht. Dieser Aufgabe sucht sie nicht nur Strahenherstellung und weitgehende Straßen- 'und Anlagenpflege, sondern auch durch Einwirkung aui die Hausbesitzer bei der äußeren R^uherrichung wichtiger und charakteristischer Gebäude gerecht zu werden. Mit sorg ältig erwogenen und praktischen Ratschlägen, unter De- rücllichtigung der wirtschaftlichen Möglichkeiten und »«^möglichster Veach ung der Wünsche der Hausherren, wirkt das Stadtbauamt bei den Hauserncnerungen mit. Bei wertvollen, charakteristischen Fachweribauten und bei mangelnder finanzieller Leistungsfähigkeit des Hausbesitzers gewährt die Stadtverwaltung auf An- traa unter Umständen einen Zuschuß zu den Kosten der Renovierungsarbeilen, wenn dabei nach den Richtlinien der Stadt verfahren wird. Auf diese Weise ist schon mancher recht erfreuliche Erfolg bei der Verschönerung unseres Stadtbildes durch geschmackvolle und zweckmäßige Anwendung von Farbe und Verputz erzielt worden. Leider wird der wohlmeinenden Absicht der Stadtverwaltung auf diesem Gebiete aber auch noch mancherlei Widerstand entgegengesetzt. Mangelnde Einsicht hat schon wiederholt wünschenswerte Hausfrontverfchönerungen vereitelt, wodurch alte Schandflecke der Straßen nur durch neue Verunzierungen ersetzt wurden; selbst Geldbeihilfen wurden ausgeschlagen, entweder weil sie nicht hoch genug waren, oder weil „6ie Stadt da nichts dreinzureben" habe. Bedeu irlicher- weise hat die Stadtverwaltung gegen derartige Zeitgenossen mit engsten Gesichtspunkten noch feine Handhabe. Um die Vorteile einer allmählichen Reugestaltung unseres Straßenbildes unter faröenkünst- lerischen Gesichtspunkten den weitesten Vürger- kreisen vertraut zu machen, unternimmt die Stadtverwaltung jetzt eine großzügige Aufllärungs- arbeit. Zu diesem Zwecke veranstaltete sie gestern abend in den Einhorn-Lichtspielen einen öffentlichen Vortrag über die Förderung der Farbe im Stadtbild. Der Redner des Abends, Dr.Meher-Oberist aus Hamburg, der als Geschäftsführer des Deutschen Dundä ^ur Förderung der Farbe im Stadtbild mitten in dieser lobenswerten Bewegung steht, konnte der sehr starken Zuhörerschaft aus dem Schatze seiner großen Erfahrungen viel Beachtenswertes mitteilen. Er verstand es, seinen Hörern den Blick zu schärfen für die Häßlichkeit und Unzweck- Tnäßigkeit früherer Hausfrontgestaltung und gewisser Farben-Anwendung, aber auch für die Schönheiten der Kompositionen der Farben nach künstlerischen Gesichtspunkten, wie sie in der neueren Zeit erfreulicherweise immer mehr sich durchsetzen. Dabei erfolgt die Farbenwahl nicht etwa schematisierend, sondern nach den jeweiligen Erfordernissen, für die die bauliche Eigenschaft deS Objekts, ferne Umgebung, seine Stadtlage, d. h ob in einer Wohn- oder Geschäftslage, und natürlich auch der Geldbeutel des Hauseigentümers maßgebend sind. Mit einer interessanten Schilderung der verschiedensten passenden Farbenpaarungen, bei denen die Gesetze der Schönheit mit den Zweckmähigleitsforderungen in guter Weise vereinigt sind, machte der Vortragende seine Empfehlungen noch eindrucksvoller. Mit Recht betonte er aber auch, dah bei einer planmäßigen und künstlerisch einwandfreien neuen Farbengebung des Stadtbildes eine einheitliche Leitung dringend notwendig ist, und daß nach Lage der Dinge diese unparteiische, materiell nicht von Eigenintercsse geleitete Führung nur bei der Stadtbauverwaltung liegen kann. Der Redner gab il a. auch eine ganze Anzahl Anregungen, wie unser Gießener Stadtbild unter Berücksichtigung der verschiedensten Haustypen farbig in schöner Weise neugestaltet werden kann. Wir möchten der Stadtverwaltung empfehlen, diese Vorschläge in fachmännischer Zusammenstellung, nach Hausarten und passenden Farben geordnet, durch die Presse der gesamten Bürgerschaft bekanntzugeben, damit dieses wertvolle Wissen auch über den Kreis der gestrigen Zuhörer hinausdringt. Achtzig farbige Lichtbilder bereicherten den bedeutsamen, mit verdientem Beifall aufgenommenen Dortvag. Damit die Schönheiten der künstlerischen Anwendung der Farbe im Stadtbild auch dem Auge offenbar werden, findet vom 24. November bis zum 3. Dezember eine Ausstellung von 150 farbigen Entwürfen in der Aula der S t u d i e n a n st a l t (Lyzeum) in der Damm- straße statt. Der Besuch dieser Schau sei nicht nur den Hausbesitzern, Bauleitern und Handwerksmeistern, sondern auch der gesamten Bürgerschaft empfohlen. Es wäre für unsere Stadt ein großer Gewinn, wenn aus dieser Aufklärungsarbeit eine ausgedehnte Anwendung der Farbe im Stadtbild nach künstlerischen Gesichtspunkten unter der lediglich im Wgemeininteresse ausgeübten Leitung der Stadtverwaltung heroorginge. Möchten alle berufenen BürgerkVeise mit bestem Willen an der Erreichung dieses schönen Zieles Mitarbeiten! Die neue pestalozzischule in den Eichgärien. Bor einigen Tagen ist in dem als Villenviertel geplanten Eichgärtengebiet mit den Aus- jchachtungsarbeiten zum Neubau der Pestalozzischule begonnen worden. Südlich des sog. Eichgärtenweges wird fid) der Bau auf dem nach der Kciiserallce zu ansteigenden Gelände erheben. Auf der Nordseite des Weges ist eine große Grünfläche in der Mittelachse des Gebäudes vorgelagert, die durch kulissenartige Bebauung zu beiden Seiten eingerahmt wird. Der Blick von der Schule in das Grüngelände der Wieseck bleibt Nordostseite zu ganz durch Fensterflächen geöffnet. Die Verbindung zwischen den einzelnen Geschossen erfolgt durch vier Treppenhäuser, deren Außenwände fast vollständig in Glasflächen aufgelöst sind. JmerstenObergeschoß liegen auf der Knaben- seite acht Schulklassen, auf der Mädchenseite sechs Schulklassen, da hier die Verwaltungsräume mit untcrgebracht sind. In diesem Geschoß ist die Anlage noch zweihüftia, d. h. sie besteht im Querschnitt aus Klasse, Flur, Klasse, während in den weiteren Geschossen, in denen die meisten Klassen liegen, die schenwände zwischen den Klassen in Leichtstein gehalten, so daß jederzeit mit ganz geringen Mitteln eine Acnderung der Klassengröße möglich ist (z. B. die Schaffung von drei kleineren aus zwei großen Klassen), denn die Fenstcrpfeiler haben nur eine Breite von 51 Zentimeter und die Fensterachsen gleiche Entfernung. Das Aeußere des Gebäudes. Durch die gleiche Fensterachsenteilung wird das Aeußere der Schule in allen Ansichten wesentlich dadurch offen, und das Gebäude erhält durch die vorgelagerte Grünfläche die erforderliche repräsentative Gestaltung und einheitliche Umrahmung. Die Grundrißlösung. Der Grundriß des Gesamtbaues hat eine v-Form erhalten mit der Oesfnung nach den Grünanlagen zu. Es sind insgesamt 24 <5chu l- klassen vorgesehen, je 12 für Knaben und Mädchen. Der Zugang erfolgt vom Innenhof aus. Im Erdgeschoß liegen außer der Hausmeisterwohnung, den erforderlichen Räumen für die Heizung, den Abortanlagen und Waschräumen die Räumlich, keilen für den naturwissenschaftlichen Unterricht, die Bücherei, den Schularzt und den Handfertigkeitsunterricht. Weiterhin sind vorhanden: eine große Milchküche und ein Hortsaal. Dreiseitig von den Flügeln eingeschlossen liegt die Turnhalle (Ausmaß 13 X 24 Meter) mit anschließenden Abstellräumen für Turngeräte und einer großen Bühne. Der Verbindungsflur der beiden Seitenflügel ist zu Umfleiberäumen bestimmt. Die Turnhalle ist nach der Deutschland nur mit knapp 4 Prozent beteiligt, weil es im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten die Filme nicht schon im eigenen Lande amortisieren kann uni) de-^alb auf die Herstellung großer Filme für den Weltmarkt verzichten must. 240 Millionen Mark bringt die Filmindustrie cm Einnahmen, davon müssen 45 Millionen Mark Lustbarkeilssteuer ab geführt werden. Die Sprech- theater erhalten eine Subvention von 60 Millionen Mark jährlich, die deutsche Filmindustrie, d. h. die Kinotheater, müssen 45 Millionen Mark bezahlen. Zwar herrscht bei einzelnen Stellen das Bestreben dem Lichtspielgewerbe zu helfen, aber auf die Lustbarkeitssteuer will man deshalb nicht verzichten, weil die Löcher im 6tabtfäcfd zu groß würden. Das stimmt aber nicht, denn Berlin, das relativ genommen den größten Teil dieser Steuer bezahlt, nämlich 5 Millionen Mark, deckt damit 1 Prozent des Steuersolls. Dieses 1 Prozent kann und muß an anderer Stelle gespart werden. Man wird der Filmindustrie schnell und bald helfen müssen, sonst geht sie vor die Hunde." Der Redner führte noch aus, daß es kaum ein Gewerbe gebe, das nicht direkt oder indirekt an der Filmindustrie interessiert sei, und schloß seine mit Beifall aufgenommene Rede mit einer Variante des Dismarckschen Zitats: „©eben wir die deutsche Filmindustrie in den Sattel, reiten wird sie von alleine!" Anschließend lief ein Bildstreifen „®in Film vom deutschen Film", dessen erster Tell die zahlreichen Dil- dungs-, Kultur- und Unterhaltungsmöglichkeiten des Films zeigte und dessen zweiter Teil an Hand von Tnckzeichnungen die katastrophalen Folgen der Vergnügungssteuer für die deutsche Filmindustrie dokumentierte. Von der Vogelzug-Forschung. fl. Fronhausen (Lahn), 23. Rov. Seit 1927 beteiligen sich mehrere in unserem Orte wohnende Schü'leer der Marburger Oberrealschule an der Kennzeichnung von Zugvögeln mit numerierten Fuhringen der „Vogelwarte Helgoland", deren „Zweigberingungsstelle Marburg" der „Biologischen Vereinigung für Hessen-Marburg (Lahn)" an geschlossen ist und von Dr. W. Sunkel geleitet wird. Die Mitarbeit seiner jungen Helfer zeitigte auch schon Erfolge: so wurden jetzt wieder zwei in Fron- hausen beringte Amseln zurückgemeldet. Beide bestätigen auch für unsere Gegend die schon andernorts gemachte Erfahrung, daß diese Dogel- art in ihrem ersten Lebensjahr wegzieht, im Alter aber seßhafter wird. Reu an dem Wiederfund der weggezogenen Llungamsel ist aber die große Entfernung: der im Mai 1927 in Fron- Hausen beringte Vogel wurde am 10. Dezember 1927 in Südfranlreich bei Tournah (Haute- Phränöes) gefunden. Es ist dies bis jetzt der südlichste Fundort einer in Deutschland beringten Amsel. Damit hat auch für diese Art die De- ringungsarbeit der „Biologischen Vereinigung für Hessen-Marburg (Lahn)" den fernsten Wiederfundsort erreicht, nachdem dies schon früher hinsichtlich der südwestlichen Zugstraße der Störche durch einen in Roßdorf (Kreis Kirchhain) beringten Storch, der im südlichsten Spanien an» getroffen wurde, für diese Art geschehen war. Die zweite Amsel, die ihren Ring am 14. Mai 1927 bei Fronhausen erhalten hatte, wurde am 2. September 1928 in Friedelhcmsen bei Lollar geschossen, hielt sich also in der weiteren Umgebung des Deringungsortes auf. Die Zug- verhältnisse der Amseln sollen ebenso wie die der Stare und Schwalben durch planmäßig fortgesetzte Beringung zunächst gellärt werden. Beim Star kann dies sehr erleichtert werden durch Aushängen zahlreicher Ristkästen (mit abnehmbarem Deckel), in denen die Iungvögel leicht beringt werden können: außerdem wird durch Ansiedlung und Vermehrung der Stare, die voo- Anlage nur einhüftig ist. Bei der zweibüftigen Anlage sind auf jedem Flur noch Belichtungs- Vorplätze eingeschoben, Jo daß auch hier die Ab- sicht, Helle Flurräume zu schaffen, ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden kann. Im zweiten Obergeschoß liegen insgesamt zehn Klassen, die je nach Größe 40 bis 60 Quadratmeter Grundfläche haben. Ferner liegen hier die Räume für Lehrmittel und Sammlungen und ein besonderes Lehrerinnen- zimmer. Der S ü d f l ü g e l erhebt sich dann nochmals um eine Geschoßhöhe. In ihm sind der Handarbeitssaal, ein Raum für Einzelunterricht, ein großer Zeichensaal und neben diesem ein Sing- Jaal untergebracht. Die beiden letzteren Räume sind iurd) eine Schiebetüre getrennt und können für Kinovorführungen und ähnliche größere Veranstaltungen gemeinsam benutzt werden, so daß sich eine Raumgroße von etwa 10 X 24,5 Meter ergibt. Insgesamt können in diesem Bau über 1000 Schulkinder untergebracht werden. Die Klaffengröße ist verschieden, außerdem sind die Zwi- beeinflußt. Es ergeben sich für die architektonische Gestaltung sog. Lichtbänder, die dadurch noch besonders betont sind, daß die Fensterpfeiler nicht, wie der Gesamtbau, in dunklen Klinkern ausgeführt werden, fonbern in den Hellen Gailschen Steinen. Im übrigen ist das Aeußere der Schule nach den Gesichtspunkten der Sachlichkeit und Wirtschaftlichkeit aufgebaut, ebenso wie im Innern in erster Linie die der Helligkeit und Sauberkeit maßgebend waren. Eine geeignete Farbengebung soll auch im Inneren den Charakter der einzelnen Räume freundlich gestalten, ohne dabei den Rahmen der heute maßgebenden wirtschafllichen Verhältnisse zu verlassen. Der Innenhof vor der Turnhalle soll vielleicht als einzigen plastischen Schmuck eine Bronzefigur von Pestalozzi erhalten. Im Schulhof wird durch ein weitausragendcs Betondach ein trockener Aufenthalt der Kinder während der Schulpausen ermöylicht, ferner soll durch geeignete Bepflanzung genügend schattiger Raum für heiße Tage geschaffen werden. zügliche Bundesgenossen des Landwirts im Kampf gegen Engerlinge und Erdraupen sind, dem Heberhandnehmen von Pflanzenschädlingen vor- gebeugt. Oberheffen. Bezirlssparlasse Lauterbach. • Lauterbach, 23. Rov. Dieser Tage fand im hiesigen Kasinosaale die 91. Generalver- samm lung der Bezirks-Sparkasse Lauterbach statt, die von dem Divektor der Kasse, Fabrikant D i e h m, eröffnet und geleitet wurde. AlS Vertreter her Aufsichtsbehörde waren erschienen Kreisdirektvr Dr. Michel und Regierungsrat Ranz. Der Hessische Spavkassen- und Giroverband war durch seinen Vorsitzenden Iustizrat Dr. Reh, Darmstadt, vertreten. Sparkassenrechner Peter trug den Rechenschaftsbericht für 1927 vor, aus dem eine erfreuliche Weiterentwicklung der Kasse im verflossenen Jahre in allen Geschäftszweigen festzustellen war. Der Gesamtumsatz stieg von 39 039 094 Mark auf 45 737 848 Mark. Die Ein - lagen bei der Kasse erfuhren eine hervorragende Steigerung: sie betrugen Ende 1927 1 528 834 Mark Spargelder und 531 453 Mk. Girvgelder. Dis Mitte Rovember 1928 haben sie bereits die statlliche Summe von 2 178 783 Mk. Spargelder und 668 973 Mark Girvgelder erreicht. Zn dieser Steigerung ist ein sehr gutes Zeichen für den Sparsinn unserer oberhrssischen Bevölkerung und das große Vertrauen des Publikums zur Dezirkssparkasse zu erblicken. Die Gesamt- ausleihunaen betrugen Ende 1927 2 557 154 Mark: bis Mitte Rovember 1928 haben sie mit 3 337 000 Mark bereits erheblich die V 0 r « kriegsausleihungen überschritten. 3n dieser Summe sind über 1 Million Mark Dcmgeldrr enthalten. Der Reingewinn belief sich im verflossenen Geschäftsjahre auf 24108 86 Mark. Er wurde nach Abschreibungen und Bewilligungen dem Reservefonds überwiesen, der damit den Betrag von 110 659 Mark erreicht hat. Geschäftsbericht und Jahres rechnung wurden einstimmig genehmigt. Für wohltätige und gemeinnützige Zwecke wurden folgende Bewilligungen beschlossen: für landwirtschaftliche Zwecke 2150 Mk., für Krankenschwestern pp. 800 Mk., für Kriegerdenkmäler 2500 Mk., für Schulen und Kirchen 1500 Mk., für Sonstiges 900 Mk., zusammen 7850 Mark. Die statutengemäß aus dem A u f s i ch t s r a t ausscheidTnden Mitglieder wurden wiedergewählt: neugewählt wurden Dürgermeister Lerch, Allmenrod und Bürgermeister Casper, Wallen- rvd. Direktor D r e h m gedachte mit ehrenden Worten der verstorbenen Ausiichisratsmi.glieder Altbürgermeister Lerch, Allmenrod, u.rd Bürgermeister Prediger, Wernges, sowie des Beigeordneten Höll, Sickendorf, als Vertreter der Garantiegemeinde. Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren der Verstorbenen von ihren Ätzen. Zustizrat Dr. Reh sprach in anerkennender Weise von der guten Entwicklung und dem Aufschwung der Dezirkssparkasse, ferner wurde von ihm die gute Leitung der Kasse erwähnt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bürgermeister Walz, gab einen Heberblick über die Entwicklung der Kasse. Dem langjährigen persönlichen Mitglied Ferdinand M ö v e r wurden zu einem 50jährigen Jubiläum als persönliches Mitglied herzliche Glückwünsche ausgsprochen. Bezirksdirektor Walz, Wiesbaden, hielt sodann einen lehrreichen Vortrag über die Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Lebensversicherung. Rach Beendigung des offiziellen Teils der Versammlung schloß sich ein gemütliches Beisammensein der Vertreter an. Landkreis Gießen. • Lollar, 23. Rov. Hm weitere Kreise mit guter Kunst bekannt zu machen, wird am Sonntag hier eine Wanderkunstausstellung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung veranstaltet. Am Samstagabend wird Lehrer Dr. Balser (Daubringen) einen einführenden Vortrag halten. V Mainzlar, 23. Rov. Die Rechnung unserer Gemeinde für das Rechnungsjahr 1927, die zur Zeit auf der Bürgermeisterei offen liegt, schließt in der ersten Quiirilung in Einnahme mit 74 529,49 Mk., in der Ausgabe mit 64 327,78 Mk. ab. Der vorhandene Rech» nungSrest beträgt somit 10 201,71 Mk.: hiervon sind Barbestand 9958,51 Mk., während 243,20 Mark auf liquidierte Außenstände entfallen. Die zweite Abteilung schließt in Einnahme und' Ausgabe mit 22 699,99 Mk. ab. Der Rechnungsrest ist gegen den vorjährigen Abschluß um rund 10 000 Mk. zurückgegangen, die bei der Durchführung der Kanalisation aufgebraucht worden sind. Die Rechnung, sowie die Kreditübrrschrei- tungen in Höhe von 34 264,04 Mk. wurden vom Gemeinderat genehmigt. Bg. Großen-Buseck, 23.Nov. Bei der heutigen Zwangsversteigerung der hiesigen ßadfabrit wurde Konsul Horn aus Hamburg mit 28 000 Mark Höchstbietender. s Grünberg, 23. Rov. Aus der jüngsten Gemeinperatssitzung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Iöckel ist u. a. folgendes zu berichten: Wegen Herstellung eines F u ß - ballspielplahes soll die Geländekommis- sion mit dem Vorstand des Fußballklubs 1926 afni Ort und Stelle beraten. Rach einer Verfügung des Kreis amt es Gießen vom 10. September 1928 über die besondere Festsetzung der Zahlungstermine (Ziele) für die Gemeinde-, Kreis- und Provinz steuern ist Oer Bürgermeister der Ansicht, daß dieser Verfügung entsprochen werden muh. Der Gemeinderat beschließt jedoch nach eingehender Aussprache, dem Kreisamt Gießen den diesbezüglichen Gemeinderatsbeschluh vom 6. Rovember 1928 nochmals zur Genehmigung zu unterbreiten. Die Steuerzahler in Grünberg sind nach dem Vorschlag des Kreisamtes außerstande, die Gemeinde-, Kreis- und Provinz steuern zu bezahlen. Dem Gesuch der hiesigen Gendarmeriestation um Anbringung von elektrischen Lampen an den Hauseingängen ihrer Wohnhäuser wird entsprochen Der Gemeinderatsbeschluh vom 15. August 1927, wonach die Kosten für Anlegung der Wasserleitung in allen neuen Straßen von den Grundbesitzern, rechts und links der Straßen, gemeinsam je zur Hälfte getragen werden muß, wird auf gehoben. Es trägt demnach die Gemeinde die Kosten für die Anlage der Wasserleitung in einer genehmigten bzw. eröffneten, neuen Straße für den Hauptstrang. s Utphe, 23. Nov. Dieser Tage wurden von dem Gemeindewiesengelände zehn Morgen oervachtet. Dabei wurden für gute Wiesen Pachtpreife von 50 bis 60 Mark, für geringere 30 bis 40 Mark je Morgen erzielt. Seither wurde alljährlich das Heu- und Grummetaras durch die Gemeinde versteigert. Wenn auch auf diese Weise durchschnittlich höhere Einnahmen erzielt wurden, so sah sich die Gemeindeverwaltung doch zu dem neuerlichen Schritt gezwungen, damit nunmehr durch die Pächter auch etwas zur Verbesserung und Düngung der Wiesen geschehen kann. Von dem größeren Teil der Gemeindewiesen wird jedoch nach wie vor das Gras versteigert. s Aus dem Horlofftal, 23. Nov. Je länger die ausnahmsweise milde Herbstwitterung anhält, desto mehr macht sich auch in unserer (3emar- kung die Mäuseplage bemerkbar. Besonders stark sind Kleefelder, weniger die Winterfruchtselder, in Mitleidenschaft gezogen. Man rückt den Schad- > £ , Gefallenen ehrung der Landes-Llniversität. Eine in ihrer Schlichtheit und geistigen Größe ergreifende Gefallenen-Gedenkfeier der Landes-Universität vereinigte am heutigen Samstagmittag den akademischen Lehrkörper, die Vertretungen der Korporationen, die Angehörigen der Gefallenen unserer Alma mater und eine Reihe geladener Gäste in der Neuen Aula zur feierlichen Enthüllung des Ehrenmals für die gefallenen An- gebörigen der Universität. Kurz nach elf Uhr erfolgte unter feierlichen Orgelklängen der Einzug der umflorten Korporationsfahnen, denen der akademische Lehrkörper, mit Seiner Magnifizenz dem Rektor Professor Dr. Herzog an der Spitze, und anschließend die Chargierten in Wichs folgten. Nach dem Einzug nahmen die Fahnenträger um das Rednerpult herum Aufstellung. Hierauf leitete das collegium musicum der Universität unter Leitung des Universitäts- Musikdirektors Dr. T e m e s v a r y die Feierstunde mit einem weihevollen Dortrag ein. Dann bestieg <5e. Magnifizenz der Rektor Professor Or. Herzog das Rednerpult, um namens der Universität den gefallenen Brüdern zu danken und zu huldigen und den Lebenden im Geiste der für das Vaterland Dahingegangenen ernst ins Gewissen zu reden. Se. Magnifizenz sagte u. a.: Verehrte Angehörige der Gefallenen und Ehrengäste! Liebe Kollegen und Kommllitonen! Zehn Jahre nach dem Ende des großen Kriegs hat die Gießener Studentenschaft das Ehrenmal für die gefallenen Angehörigen der Landesuniversität errichtet, schlickt und wuchtig, wie es dieser Helden würdig ist- einer gewaltigen Tafel von Erz, einem Meisterwerk der ruhmvollsten deutschen Gießerei, ohne Beiwerk und Zier, sind die Namen der Studenten, Dozenten und Beamten gegossen, die von der Alma mater ausgezogen sind, um nicht mehr zurückzukehren. Nicht nach Rang und Würden gegliedert, sondern in gleichem Schritt, als gute Kameraden, als deutsche Brüder, marschiert der Totenreigen auf. Und auf dem Sockel von Granit steht der stolze Wahlspruch der Ludoviciana, den die Gießener Studenten im Dreißigjährigen Krieg auf die Fahne ihrer Schar gesetzt haben, mit der sie auszogen, um die Heimat zu schützen: Literis et armis — ad utrumque parati. Im Dienst der Wissenschaft und der Waffen — zu beiden bereit. Und der zweite Teil des Spruches, der aus einem antiken Heldenlied genommen ist, hot dort noch einen tieferen Sinn: Zu beidem bereit, Sieg oder Tod. Für unsere Gefallenen gilt er_ noch stolzer: Bereit zu Sieg und Tod. Denn als Sieger sind sic gefallen, gestorben; der Glaube an den Sieg der deutschen Waffen hat sie bis zur Todesstunde begleitet. Ihre Leiber sind der Wall gewesen, der die Heere einer ganzen Welt von den Grenzen des Vaterlandes abgehalten, der die Heimat vor Raub und Brand beschützt hat. Wie die Schar des Leonidas sind sie gestorben, den Geboten des Vaterlands gehorchend. In eiserner Mannszuckt, durch den Heeresdienst im Frieden gestählt ooer durch die lodernde Begeisterung der Kriegsfreiwilligen zusammengeschweißt, sind sie in den Sturm gegangen und haben im Schützengraben standgehalten. Euch ist durch die Angst unserer Feinde der Heeresdienst verschlossen, und mit ihm eine Schule für das ganze Leben. So müßt ihr euch zur Disziplin, die für den Dienst am Staat unentbehrlich ist, aus eigener Willenskraft erziehen, ihr müßt das eherne Pflichtbewußtsein selbst in euch entwickeln, mit dem jene freudig in den Tod gegangen sind. Noch eine andere, uns Deutschen so schwere Tugend, sollt ihr von ihnen lernen, die Einigkeit. Sie sind ausmarscyiert, Student, Bauer und Arbeiter, in gleichem Schritt und Tritt. Sie sind Schulter an Schulter vorgestürmt, und haben miteinander im Schützengraben im Granatfeuer ausgehallen, gehungert und aus einem Kochgeschirr gegessen. Sie sind in Reih und Glied gefallen und Leib an Leib begraben auf grüner Heid', irn freien Feld, im gespenstigen Argonnenwald, im Schnee der Karpathen und auf den weiten Ebenen Rußlands. Und wie die Stände als Kameraden vereint waren, so auch die deutschen Stämme. Am Schluß einer Schlacht konnten sich Hessen, Preußen, Schwaben, Bayern und Oesterreicher zusammenfinden, und der Wettstreit ging darum, welcher Stamm sich am würdigsten erweise, die Reichssturmfahne wie in alten Zeiten zu führen. Wenn unsere Toten euch zurufen, daß ihr ihnen in diesem Einigkeitsgefühl, in diesem Streben zur deutschen Einheit nacheifern sollt, so mahnen sie euch nicht an Versäumtes, denn ihr übt ja schon diese Pflichten, die euch die Kriegsgeneration aus dem Feld mitgebracht und mit dem Ernst der Tatkraft, die sie draußen erworben, in die Tat umgesetzt hat. Als Werkstudenten habt ihr mit den Arbeitern in der Fabrik, mit den Bauern auf dem Felde gearbeitet, und mit ihnen die Kameradschaft gesucht, die sich draußen von selbst gebildet hatte. Es gilt euch daher nur die Mahnung: Werdet nicht müde in diesem Suchen der Bruderzüge im Gesicht der anderen Stände, auch wenn ihr ins Berufsleben hinausgetreten seid, sucht ihre Arbeit und ihre Gefühle zu verstehen und werbt bei ihnen für eure geistige Arbeit und eure Ideale um Äer- ständnis und Achtung. Meidet den Geist der Par- klung, ringt um Versöhnung, um das Gemeinschaftsgefühl, den Sieg der deutschen Gesinnung. das er aber nicht ererbt hat, sondern erwerben soll. Dieses Streben nach dem geistigen Führertum, das die Frontgeneration, die nach vier schweren Schützengrabenjahren in ein Chaos zurückkehrte, uns gelehrt hat, es sei auch dein Streben. Deutscher Student, es geht um deine geistige Einstellung, du darfst nicht schwach stehen, wie auch die nicht schwach geworden sind, deren Ehre du zu vertreten hast. Bist du schon einmal hinausgezogen in das Grenzland, wo deine Brüder wider ihren Willen eine fremde Kultur ertragen müssen? Hast du schon einmal die Dankbarkeit kennengelernt, die dir geworden ist, wenn du ihnen von Deutschland erzähll host? Es ist etwas Großes um solche Erlebnisse, zu sehen, wie die Gemeinschaft der Deutschen alle als einigendes Band umschlingt, wenn dann das Deutschlandlied erklungen ist und harten, schlichten Männern die Tränen über die Wangen gerollt sind in ihrer Not um ihr Vaterland. Dann, deutscher Student, wirst du es in deinem innersten Herzen spüren, daß dein Volk auch dich braucht, daß auch du einst vor Ehre und Gewissen Rechenschaft wirst abzulegen haben über dein Tun und Handeln. Dann tritt hin vor das Ehrenmal, das du diesen Gefallenen gesetzt Die Einheit der deutschen Stämme ist ja euer Sehnen sei den großen Tagen nach den Befreiungskriegen, als die allgemeine deutsche Burschenschaft, leider nur zu kurz, zur Wirklickkell wurde. Ihr habt dieses Feuer nie erlöschen lassen, jetzt soll es wieder aufflammen und dem ganzen Volk vorleuchten. Bildet euch noch mehr durch zielbewußte Arbeit aus, um Führer zu werden im Kampf um die deutsche Einheit. Er wird schwer sein und viel Verständnis für die Eigenart der Stämme verlangen. Euch wird das leichter gemacht, da ihr aus allen deutschen Gauen euch in den Hörsalen und in euren Bünden zusammenfindet. Daß dieses neue Reich zugleich ein größeres Deutschland werde, dazu ist die deutsche Studentenschaft schon die Führerin geworden. Sie hat zuerst nach dem Krieg den großdeutschen Gedanken in die Tat umgesetzt und auch dem Ausland gegenüber zur Geltung gebracht. So habt ihr die Gemeinschaft mit den deutschen Brüdern jenseits der jetzigen Grenzen vollzogen und wirkt durch die Grenzlandarbeit dafür, daß deutsches Volkstum, auch wo es jetzt von uns getrennt ist, erhalten bleibt, bis sich das Recht der Völker auf ihre Selbft- Die Ehrenhalle, an der Rückseite die Gedenktafel mit den Rainen der Gefallenen. ‘ ' \\ ■ & 1 'M. • beftimmung durchsetzt und ein freies, großes Deutschland aufersteht, das in Einigkeit und friedlicher Arbeit ^u neuem Glück erblühen kann. Liebe Kommilitonen! Wenn dieses Streben, diese Arbeit am deutschen Volk eurem ganzen Sinnen und Tun die Richtung gibt, dann dürft ihr mit offenem Äug' und erhobenem Haupt vor das Ehrenmal treten und die Brüder grüßen, die aus Liebe zu diesem Vaterland in den Tod gegangen sind. Dann werden euch Geisterstimmen antworten: Unser Opfer ist nicht vergebens gewesen. Oer Vorsitzende der Studentenschaft find. med. Henningsen sprach sodann namens der Kommilitonen. Aus seiner Rede heben wir folgendes hervor: Mit dem Gefühle tiefster Dankbarkeit tritt heute die Gießener Studentenschaft an die feierliche Enthüllung des Ehrenmals für ihre gefallenen Lehrer und Kommilitonen heran. Wohl sind Jahre ins Land gezogen, seitdem das gewaltige Völkerrinaen geendet hat, Jahre, die für das deutsche Volk ein nicht minder großer Prüfstein waren, doch leben in uns unverwischt die Gestalten derer, die einst hinausgezogen sind, mit ihrem Blut Deutschland zu verteidigen. Ihnen einen kleinen Teil unserer Dankesschuld abzutragen ist uns allen Herzensbedürfnis. Kommilitonen, diese Stunde ist der Erinnerung geweiht, die lebendig erstehen läßt, was in unserem Innern schlummert, unsere Helden. Ihr habt sie gesehen, wie sie ins Feld gezogen sind, Schulter an Schulter, arm neben reich, als Kameraden. Zusammengeschlossen in dieser Kameradschaft haben sie das tiefe Gut der Gemeinschaft kennengelernt, entstanden aus dem Bewußtsein, oaß man eins geworden war durch Blut und Schicksal, durch Sinn und Wollen. Das Bewußtsein, du lebst nicht für dich, sondern für den anderen, hatte alt und jung schicksalhaft zusammengeschmiedet, Schicksal und doch freies innerstes Wollen. Es ist nicht an der Zeit, zu trauern, Klage zu erheben über das Warum und Wofür, das wäre nicht im Sinne unterer Toten. Und doch sollen wir ihrer gedenken in dieser ernsten Feierstunde. Dir, du deutscher Student, sei der Dank an die Toten ein Gelöbnis der Lebenden. Der du die geistigen Güter deines Volkes zu verwaUen hast, geh hinaus in dein Volk, suche seine Seele und lerne aus diesem nie versiegenden Quell die Tiefen erkennen. Lerne das echte geistige Menschentum in deinem Volke suchen, suche seine Gemeinschaft, nicht in einzelnen Klassen und Parteien, nicht in Ständen und Berufen, — nein, Gemeinschaft heißt, den anderen verstehen und achten lernen. So wirst du deine Pflicht gegenüber dem Vaterland getan haben, so wirst du im Geiste der Toten handeln; denn der Toten gedenken heißt den Lebenden (eben. Wer studiert, erstrebt seinen Platz unter den geistigen Führern des Volkes, das ist fein gutes Recht, hast, und sage ihnen: ich habe getan, was ich konnte, ich habe auch für Deutschland gelebt. Oer Ausklang der Feier. Nach dem Gesanae des Liedes „Ich hott' einen Kameraden", begaben sich unter Vorantritt der Fahnenträger Se. Magnifizenz der Rektor und die Dekane, die Vertreter der Korporationen, Professor Dr. Adolph, Oberbürgermeister Dr. Keller und die Angehörigen der Gefallenen nach der Ehrenhalle in dem Vorraume der Aula zur feierlichen Weihe und Enthüllung des Ehrenmales. Hier sprach Professor Dr. Adolph, während von der Orgel die feierlichen Klänge des Chorals „0 Haupt voll Blut und Wunden^ ergangen, vor dem Ehrenmal das Weihe- und Dankcswort der Universität an die gefallenen Brüder. Anschließend legten Kränze nieder: Se. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Herzog, stuck, med. Henningsen für die Gießener Studentenschaft, Oberbürgermeister Dr. K e l - l e r (Gießen) namens der Stadt. Die Inaugenscheinnahme der großen Gedenktafel durch die Angehörigen der auf dem Felde der Ehre gebliebenen Glieder der Universität und durch die Teilnehmer an der Feier beschloß gegen 12 Uhr den würdigen Gedenkakt. Ehrenhalle und Ehrenmal. Der Dorraum der Aula ist in feinsinniger Gestaltung §ur Ehrenhalle hcrgerichtet worden. Eine teilweise Neugestaltung des Raumes unter Verwendung ruhiger, gedämpft wirkender Vorhänge und mit passender Verhüllung des grellen Oberlichtes gibt dieser Gedenkhalle einen feierlichen Charakter. In der Halle ist auf der nördlichen Querseite eine mächtige Bronzeplatte, die aus neun kleineren Platten vollendet zusammengesetzt ist, angebracht. Auf diesem Denkmal, das von dem Münchener Künstler Fritz Scherbaum geschaffen wurde, sind die Namen dec gefallenen Dozenten, Kommilitonen und Beamten der Ludwigsunioersität in einfacher, formenschöner und gut lesbarer Schrift für alle Zeiten verewigt. Am Sockel der Platte steyt in handgroßen Buchstaben eindrucksvoll der Wahlspruch der Universität: „Literis et armis ad utrumque parati“. Die Gefallenenehrung als Ganzes macht durch ihre schlichte und ergreifende Einfachheit einen tiefen Eindruck. Der Künstler, der dieses Werk schuf, die Universität, die es birgt, die Studentenschaft, die trotz schweren wirtschaftlichen Ringens die Mittel zu dieser Ehrung der gefallenen Brüder aufbrachte, Rektor und Exrektor, die das Werk unterstützten, die Gießerei, die die Platte goß, Handwerker und Arbeiter, die an der Gestaltung des Ehrenmals mitwirkten, sie alle können stolz fein auf dieses Dankes- und Ehrenzeichen, durch das sie sich aufs neue eng verbinden mit den deutschen Brüdern, die ihr Höchstes, ihr Leben Hingaben für das Vaterland und für uns alle. fingen allerorts mit neuzeitlichen Bekämpfungsmitteln zuleibe, von denen der „Hora"-Vergaser am verbreitetsten ist. Kreis Friedberg. 4 Bad-Dauheim, 23. Rov. Wenn der Herbst ins Land gekommen, dann ist jede- Jahr für die Bade- und Kurverwaltung das Signal für größere Arbeiten im Bad und dessen technische Betriebe gegeben. Desond:rem Jntere.se begegnen in der Qef entlichkeit jeweils die Erneuerungs- arbeiten. die nur In größeren Zeilabstanden vorgenommen werden. Gegenwärtig wird im Betrieb der Saline der große Reinigungsgradierbau niedergelegt, der etwa 20 Jahre gestanden und in dieser Zeit förmlich zu Stein geworden ist. Mit großen Aexten rückt man dem Steinriesen zu Leib, und da die steinige Dornwand dem Angriff des Menschen nicht geringen Widerstand entgegensetzt, schreiten die Abtra-- gungsarbeilen nur langsam vorwärts. Bekanntlich ist die Bad-Rauheimer Sole nicht hochgradig genug, um direkt versotten werden zu können. Dem Sieden muß deshalb die Gradierung vorausgehen. Rachdem schon im 500 Meter langen Solaraben, der die Sole zur Weiterverarbeitung fortleitet, Verbindungen des Eisens und des Ealciums ausgefallen sind, kommt das Wasser, um allen Kalk zu entfernen, auf den sog. Reinigungsbau. Kalk und GipS scheiden sich aus, wenn die Sole über das Dornwerk rieselt, und bilden Riederschlage, die im Lause der Jahre als Dornstein den gane-i Bau in einen ökin- panzer hüllen. Die Dornsteine sind besonders beliebt als Ziersteine in Gärten und Parkanlagen, und so kommt es, daß die schönsten Stücke letzt besonders herausgehauen und an die Liebhaber verlaust werden, die immer vorhanden sind. So hat Bad Salzschlirf jetzt eine größere Wagenladung Dornstein für seine Parkanlagen bestellt. Abfälle und kleinere Stücke holen sich die hiesigen Gartenbe itzer, und auch die Kurgäste sammeln sich Dornsteinstücke als Andenken an Bad-Rauheim. Man findet ost die seltsamsten Gebilde und bewundert die immerschassende Ratur ob der Mannigfaltigkeit der Formen, die sie hier entstehen läßt. Besonders beachtlich ind einige für das staatliche Museum bestimmte Funde, die versteinerte Vogelnester darstellen, d. h. wirkliche Restanlagen, die famt den einliegenden Eiern der Versteinerung anheimgefallen sind. Sobald die Rieder egungs r'eiten des Reinig.ngs^aues be endet sind, wird sofort mit der Errichtung des neuen Dornenbaues begonnen. In früherer Zeit baute die Salinen Verwaltung den dazu nötigen Schwär,dorn selbst an, be anders auf dem als Dogcleldorado bekannten Goldstein nahe dem Bahnhof. Jetzt inerten die Dornen aus größerer Entfernung gebracht, so aus der Cleeberger Gegend und auch aus dem Vogelsberg. Es sind bereits Rie enmengen von Schwarzdorn für den Reubau angefahren. Kreis Schotten. e Schotten, 23. Rov. Das hier neuerrichtete Krankenhaus wird am 1.Dezember ein* geweiht und seiner Bestimmung übergeben. Der Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Menget wird sich ein Vortrag des leitenden Arztes Dr. Koe Niger über die Entwicklung der modernen Chirurgie mit Demonstrationen cmschliehen. Bei der Besichtigung des neuen Hauses mit seinen neuzeitlichen Anlagen wird auch die Röntgen-Einrichtung vorgesührt. Abends ftndet in der Turnhalle ein Familienabend statt, dessen 'Ertrag ausschließlich zum Besten des Krankenhauses Verwendung finden svll. Runbfmikprogramm. Sonntag, 25. November. 8,30 bis 9,30: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgverein, Frankfurt a. M. 11 bis 11,30: Elternstunde. 1130 bis 12: „Totensonntag auf den ehemaligen Kriegsschauplähen". Vortrag von Franz Geis. 12 bis 13: Vormitt agskonzert: Druck- ner-Zyktes I.. Sinfonie Rr. 1 in C-Moll. 13,10 bis 14: Feierstunde des Kulturkartells der modernen Arbeit tbetoegung. 14 bis 15: Vor Hamburg: Funkheinzelmannsmg stunde. 15,30 bis 16: Von Stuttgart: Vortragsstunde. 16 bis 17: Ein Tag auf der Wegschride. 17 bis 18: Konzert deS Rundfunkorchesters: Richard Wagner. 18 bis 19: Stunde des Landes. 19 bis 20: -Stunde des Dhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Ernste Geschichten und ßegenben“, vorgetragen von Rektor Wehrhan. 20 bis 21,30: Totensonntags-Konzert des Volkschors „-Unten" Frankfurt a. M 21,30 bis 22.30: Rach Stuttgart: „Steten- klagen der Völker", Vortrag mit Schallplatt en- und Klavierbeispielen vor Dr. Wilhelm Heinitz. Anschließend: Sportnachrichten. Montag, 26. November. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Schall» Platten-Konzert: Russische Musik. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 18 05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Operettenmusik. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bi« 19: „3m Lande der drei Orthodoxien", Vortrag von Dr. Oskar Schürer. 19 bis 19,30: „Seltsame Geschichten aus China", vorgetragen von Robert Walter. 19,30 bis 19,45: Englische ßiteratinv Proben. 19,45 bis 2015: Englischer Sprachunterricht. 20,15: Von Stuttgart: „Rosamunde von Cypern", Drama von Helmine Chezy, Musik von Franz Schubert. Anschließend: Schallplatten- Konzert: Bunter Abend. Dienstag, 27. November. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Mittagsständchen des RunLfunkorch'.sterl. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 18,05: Don Slutt- ?art: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bi« 8,30: Lesestunde. 18,30 bis 19: Von Kassel: Vortrag. 19 bis 19,30: Funkhochschulc.„Musik und Gesundheit", Vortrag von Stadtmedizinalrat Dr Fischer-Defoy. 19.30 bis 20: Schachstunde. 20: Von der Liederhalle Stuttgart: Lieder- und Arien-Abend. Anschließend: Rach Stuttgart: Dom Frankfurter Schauspielhaus: „Rachtprobe im Schauspielhaus": Funkreportage. Mittwoch, 28. November. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Französisch: Reuere französische 2tyril 13,15 bis 14,15: Schallplatten-Konzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 18,10 bis 18,30: Büch ersten de. 18,30 bis 18,45: Don Kassel. Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund. 18,45 bid JÄ.15: „Einführung in Goethes Faust: III. Ausbau, dichterische Formen, einleitende und entworfene abschließende Dichtungen", Vortrag von Pfarrer Clemens Taesler. 19,15 bis 19,30: Senckenbergviertelstunde: „Reuere Forschungen über die Schmarotzer des Menschen und der Hausttere", Vortrag von Privatdozent Dr. G. Wülker. 19,30 bis 19,45: Französische Literaturproben. 19,45 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. 2015 bis 21,15: Konzert des Rundfunkorchesters: Alte Tanze. 21,15: Vortragsstunde aus den Werken Conrad Ferdinand Meyers. Donnerstag, 29. November. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Mittags- Konzert des Rundfunkorchesters. 15,05 bis 15,35: Stunde der» Jugend. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,35 bis 18,45: „Heber dir Frost- und Tauwettervorhersage", Vortrag von Dr. W. Wahrt. 18,45 bis 19,15: Von Kassel: Vortrag. 19,15 bis 19,45: Stenvgraphischer Fortbildungsunterricht für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 20,15: Rach Stuttgart: Sinfonie-Konzert des Rundfunkorchesters: Sinfonische Werke als Charakterstücke. Anschließend: Von Kassel: GesangÄ-Kon- zert Marta Körner. Freitag, 30. November. 6,30: Morgengymnastik. 13 bis 14: Schallplatten-Konzert: Volkstümliche Musik. 14 15 bis 15: Studienmusik: „Das neue Klavierbuch , Vortrag und Vorführung von Helma Autenrieth- Schleuhner. 15,05 bis 15,35: Äunde der Jugend. 16,35 bis 17.35: Hausfrauen-Rachmittag: „Wie man es nicht machen sollte, Beispiele zur Kindererziehung 2. Teil", vorgetragen von Lehrer Karl Stricker. 17,35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,45: Viertelstunde der Deutschen Reichspost. 18,45 bis 19,15: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 19,15 bis 19 45: Vortragszyklus des Gewerkschaftsbundes der Angestellten: „Geistige Grundlagen der Angestellten- verficherung", Vortrag von Emil Kranz. 19,45 bis 20,05: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 20,15; Bunter Abend. Anschließend: Lieder-Abend John Armstrong?. Darauf: Hebertragung vom Frankfurter Sechs- Tagerennen. Anschließend: Tanzmusik. 0,30 bis 1,30: Rachtkonzert des Rundfunkorchesters. Samgfag, 1. Dezember. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Deutsch Legenden. 13,15 bis 14,15: Äach Stuttgart: Mittagskonzert desRundfunkorchssters. 1.5,05 bis 15,35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert deS Rundfunkorchesters: Italienische Opern. 18,10 bis 18 30: Lesestunde. 18,30 bis 18,45: Briefkasten. 18,45 bis >9,15: Esperanto-Hnterricht. 19,15 bis 19,45: Franz Diettrlch: Vorlesung aus eigenen Dichtungen. 19,45 bis 20,15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Der Sternenhimmel im Dezember: Mars in Erdennähe". Vortrag von Prof. E. D. Sittig. 20,15: „Gas . 1. Teil, Drama von Georg Kaiser. Anschließend: Hebertragung vom Frankfurter Sechs-Tage-Rennen. Darnach: bis 0.30: Tanzmusik. A {1**^- MW 10330A H. 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Rückvergütung haben die Mitglieder des Konsumvereins bereits erhalten. Der Konsumverein gewährt auf den gesamten Umsatz 4%Rückvergütung Die sich am Jahresschlufe ergebende Ersparnis wird den Mitgliedern zurückvergütet I Aber noch mehr: Ueberall, wo Konsumvereine gegründet oder Verteilungsstellen eröffnet wurden, folgten Preis-Rückgänge! Der Konsumverein wirkte von jeher als Preisregulator. Aber noch weit mehr leisten die Konsumvereine: Für über 100 Millionen Mark Waren werden in eigenen Fabriken hergestellt. Die Groß-Einkaufs-Gesellschaft deutscher Kon- b“ “ 50 grobe Fabriken! Diese sind Eigentum der Konsumvereinsmitglieder. Handels- und Unternehmergewinn bleibt deshalb den Mitgliedern! PreiswerteWebrahmen zeigen wir auf der Weihnachtsmesse des Verbandes „Deutsche Frauenkultur" am 27. und 28. November im Cafe Amend. — Alle Techniken werden vorgeführt. 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Ohne innezuhalten und ohne Niedergang sie fort: „Meine vierte blendende Erinnerung — es ist die letzte — wird Sie ein wenig in Die Feste der Kaiserin (Lugenie Höhepunkte Ses zweiten Kaiserreichs. — Alles für Lulu! richtige ägyptische Himmel, der sich über uns spannte: ein Feenwert von Licht, ein unvergleichlicher Glanz. Fünfzig Schiffe in Flaggen-' gala erwarteten mich an der Einfahrt zum Lim- sah-See. Meine Jacht, die „Oligle“, setzte sich sogleich an die Spitze des Zuges: die Jachten des Khedive, des Kaisers Franz Joseph, des Königlichen Prinzen von Preußen, des Prinzen Heinrich der Niederlande folgten mir auf weniger als Kabellänge. Das Schauspiel war von so wundervoller Pracht und verkündete so laut die Größe des französischen Regimes, daß ich nicht mehr an mich halten konnte: ich jauchzte vor Freude. Der schreckliche Alpdruck, der mir von Paris gefolgt war, war mit einemmal verschwunden, als hätte ein Zauberstab seine Wirkung getan. Damals habe ich zum letzterrmal geglaubt, daß meinen Sohn eine große Zukunft erwarte, und ich bat Gott, daß er mir in der schweren Aufgabe beistehe, die mir bald zufallen der Kaiser im Sommer 1860 Savoyen ynö die Grafschaft Nizza besucht hrt, die er annektiert hatte: ich begleitete ihn. Das war keine Reise, sondern ein Triumphzug. Der Kaiser schien vom Glück wie verwandelt: er schien in einem Traume, in einer Verzückung zu leben. Mit einem Schlage hatte er alle Vorwürfe vergessen, die ihm der Friede von Villafranca eingetragen hatte. Ich war nicht weniger glücklich und erhoben als er. Nun hatten die Einwohner von Annecy für den 29. August, den Abend unserer Ankunft, einen Korso auf dem See veranstaltet. Eine ganze Flottille von leichten, mit vielfarbigen Lampions geschmückten Barken folgte unserer mit Purpur ausgelegten, von zwanzig Ruderern geräderten Gondel. Am Heck hatte man eine Art Hüttendeck hergerichtet, auf dem der Kaiser und ich majestätisch thronten. Am Himmel wimmelte es von Sternen. Barken mit Musikkapellen mischten sich in den Zug. Manchmal erleuchteten bengalische Feirer, feurige Girandvlen, Garben von Raketen die ganze Landschaft. Es war feenhaft. Da wir vorher an einer Galatafel teil genommen hatten, befand ich mich im Decollete, trug ich mein Diadem und meine schönsten sonstigen Schmuckstücke. Obgleich die Nacht heiß war, hatte ich einen großen, scharlachroten Burnus mit goldenen Fransen über meine Schultern geworfen. Um das Schauspiel besser genießen zu können, erhob ich mich auf meinem Verdeck. Sogleich rief man mir von allen Barken zu: „Es lebe die Kaiserin!" Ich strahlte vor Freude. Der Kaiser sagte mir: „Du siehst wie eine Dogaressa aus." Ich wähnte mich in der Tat auf dem „Ducentoro". Es fehlte nicht viel, und ich hatte den Ring in den See geworfen, wie es der Doge bei der Verlobung Venedigs mit der Adria getan hatte. Ich ich sah mich der ewigen Ver- staunen setzen: Sie werden sie auf jeden Fall für reichlich verspätet ansehen: sie haftet am 18. No- vember 1869, an der Eröffnung des Suez-Kanals . . . 1869! Ein trauriges Jahr für das Kaiserreich! Im Ausland: ein drohendes Preußen, ein undankbares Italien, die anderen Mächte schmollend und grollend . . . Im Innern: die Unruhe, die Abneigung, eine unverschämte, übelwollende Presse, fortwährende Ausstände, lärmende Kundgebungen, das Regime von allen Seiten unterwühlt. Selbst diejenigen, die an der Erhaltung der Dynastie das lebhafteste Interesse gehabt hätten, ergötzten sich allwöchentlich daran, die „ßanteme“ Rocheforts zu lesen: eine Woge der Verrücktheit ging durch Frankreich. Zum Heberfluffe sah der Kaiser, krank, finster entmutigt nur mehr düstere Vorzeichen. Eines Tages reichte er mir eine römische Zeitung, eine unter der Zensur des Vatikans erscheinende Zeitung, und was muh ich darin lesen? Die Ankündigung unseres bevorstehenden Degräb- nissesl . . . Der frühere französische Dotfchafter Maurice Paleologue hat in den ersten Jahren des Jahrhunderts mit der Kaiserin Eugenie eine Reihe von Gesprächen geführt, die er sofort möglichst getreu aufzeichnete. Sie zeigen die Spanierin, die der dritte Napoleon zur Kaiserin der Franzosen gemacht hat, als eine gute Franzöfin, die jede Gelegenheit wahmimmt, dem französischen Volk Dienste zu leisten. Aus der deutschen Uebcrsetzung, die demnächst im Verlag Paul Aretz in Dresden erscheint, geben wir die folgende Schilderung der Höhepunkte im Leben dieser Kai'erin, deren Hof einer der glänzendsten Europas war. Auf die Frage Palho- logue«, welches die .strahlend st enStun- den ihrer Herrschaft" gewesen seien, antwortete sie, „ohne auch nur im geringsten zu zögern": „O, vor allem die Taufe des Kaiserlichen Prinzen am 14. Juni 1856. Auf der Fahrt von den Tuilerien zur Notre-Dame sah ich mit dem Kaiser allein in unserer prachtvollen Hochzeitskutsche. Der Kai erliche Prinz, feine Erzieherinnen und feine Amme waren im folgenden Wägern Cs war gegen 6 Uhr abends. Stallmeister ritten neben unserem Wagen'chlag. Man begrüßte uns stürmisch. Die Sonne, die im Untergeben war, tauchte die Nivoli -Straße in Purpur: wir fuhren in blendendem Lichte dahin. Dicht bei mir sah der Kaiser, stille, nur mit der Erwiderung der Grühe befaßt. Auch ich sprach nicht, denn ein unaussprechlicher Jubel erfüllte mein Herz: ich wiederholte in meinem Innern: „Durch dieses Kind, durch meinen Sohn wird die napoleonische Dynastie in der französischen Erde endgültig Wurzel fassen, wie sich dort vor acht Jahrhunderten Äie Dynastie der Capets ein» gepflanzt hat: er ist es, der auf das Werk feinet Vaters das endgültige Siegel setzen wird!..." Und doch flüsterte mir eine geheime Stimme zu, daß dieselben Artilleriesalven, dieselben Glockenllänge. derselbe Prunk, dieselben Huldigungen des Volkes, die Taufe des Dauphins Louis XVII., des Königs von Rom, des Herzogs von Bordeaux, des Grafen von Paris begleitet hatten, Und was ist aus diesen armen Kindern ?,eworden? Das Gefängnis, der Tod, das Exll hat ie in seine Arme genommen!... Aber eine andere stärkere Stimme beruhigte mich wieder, lieh mir das Herz schwellen, erfüllte mich mit Vertrauen und Stolz... Am Schluffe der Zeremonie, als der Kaiser unseren Sohn auf seinen Armen in die Höhe hob, um ihn dem Volke zu zeigen, wurde meine Bewegung plötzlich so heftig, dah die Deine mir den Dienst versagten und ich mich raschestens sehen muhte... Nach dieser großartigen Erinnerung ist die herrlichste die an das Tedeum anläßlich unseres Sieges von S 0 l f e r l n 0, das sich auch — am 3. Juli 1859 — Im Rahmen des Gewölbes von Notre-Dame abgespielt hat. Sie erinnern sich, daß mir der Kaiser während des Krieges die Regentschaft übertragen hatte. Ich habe mich also in meiner Eigenschaft als Regentin, an meiner Linken der Kaiserliche Prinz. In die Notre- Dame begeben. Niemand und nichts vermöchte die Begeisterung der Menge zu beschreiben. Zeitweise verursachten die stürmischen Zurufe der Menschen einen solchen Lärm, dah wir die Musikkapellen, an denen wir vorüberzogen, nicht hörten. ... Auf unserem Rückwege überschüttete man uns mit Blumen, sie verursachten auf den Kürassen der Leibgarde ein Geräusch wie ein feuerndes Maschinengewehr: un'er Wagen war voll von Blumen: mein Sohn sprang vor Freude in die Höhe, klatschte in seine Händchen und warf Kußhände in die Menge. Auch an diesem Tage empfand ich die erhebende Gewißheit, daß Gott meinem Kinde die ruhmvolle Mission der Krönung des Werkes seines Vaters Vorbehalten habe." Sie hält einen Augenblick inne — die Lider geschlossen, die Wangen sehr bleich als ob sie die wbederbeschworenen Bilder der Vergangenheit bis ins tiefste Innere ihres Herzens aufwühlten. Dann fährt sie mit einer Art verlegenen Lächelns fort: Nun will ich Ihnen meine dritte zauberhafte Illusion erzählen. Sie wissen, daß Lache Bajazzo 1 Roman von 3- Schneider-Foersil. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Kopfschüttelnd sah er zu ihm auf. „Kaum von Belang, das mit dem Herzen. — Rein vorübergehender Natur! Aber das zuviele Trinken von Alkohol muht du fern lassen, Joachim. — Ich meine, du hast derlei Betäubungsmittel doch auch nicht nötig.“ Hettingen nickte zustimmend. „Also dann war die große Sorge um mein kostbares Leben überflüssig!" „Besser zu früh als zu spät!“ Feßmann half ihm in seine Kleider schlüpfen. „Vielleicht siehst du im Laufe der Woche noch einmal herauf zu mir. Eine Untersuchung ist oft nicht maßgebend, und ich möchte gerade bei dir ganz sicher gehen." „Dann werde ich also dieser Sage wieder- kommen. — Was schulde ich dir?" „Hast du es darauf abgesehen, mich zu beleidigen?" fuhr der Dvltor auf. Auf seinen schmalen Wangen erschien eine zornige Röte, als Joachim ihm eine Hundertschillingnote auf den Schreibtisch legte. Mit spitzen Fingern schob er sie bis an den Rand, daß sie zwischen Boden und Schreibtischplatte zitterte. „Nun?" Hettingens Gesicht stand ehrlich verblüfft. „Ich denke, den Beleidigten zu spielen, steht doch mir zu," sagte er erregt. „Du rechnest mich wohl zur Sorte jener, die da zu einem befreundeten Doktor laufen, in der Annahme, sich dabei das Honorar zu sparen!" „Joachim!" Der ließ ihn gar nicht zu Worte kommen. „Es ist selbstverständlich, daß ich ein zweites Mal nicht wieder den Weg in die Degenbacher Straße nehme. Jetzt, wo ich weih, wie du von mir denkst." — „Aber, mein Alter, so laß doch mit dir reden — du--" „Ich bin herausgefahren, weil ich zu dir Vertrauen habe und weil ich wußte, daß ich ein ehrliches Urteil von dir bekomme und well ich nicht zu irgendeinem Professor gehen wollte, der heute mit meinem Vater beim Dämmerschoppen sitzt und morgen meiner Mutter im Salon die Cour schneidet und pslichtschuldigst meldet: Ihr Herr Sohn würde besser tun, das und jenes zu meiden, haben Sie ab und zu ein Auge auf ihn!" „Ist ja alles gu£ mein Alter" beschwichtigte der Doktor. „Wenn du mich durchaus bezahlen willst: zehn Schillinge. Das verlange ich als Honorar von den andern Patienten auch Mit einem „Mehr würdest du mich beleidigen." Hettingen nahm die Hundertschillingnote, die ihm Feßmann reichte, suchte in seiner Brieftasche und zuckte die Achseln. „Es tut mir leid, Hans, aber ich kann's beim besten Willen nicht rechtmachen. Ich habe keinerlei Kleingeld bei mir. Aber die Sache ist nicht schlimm. Dann komme ich eben zehnmal. Zehn mal zehn ist hundert. Und wir sind wieder quitt.“ Feßmann suchte in feinem Blick. Aber Joachims Augen sahen ihm voll und ohne jeden Betrug entgegen. Trotzdem nahm er die Geldnöte mit einem förmlichen Widerstreben entgegen. „Wenn du wünschest, kann ich ja auch gelegentlicb einmal zu dir kommen, um nachzusehen, ob dein Zustand irgendwelche besonderen Maßnahmen erfordert. Es braucht ja niemand darum zu wissen. Ich mache dir lediglich eine Visite. Vorausgesetzt, daß es dir angenehm ist." „Immer, Hans!" Ein leises Klopfen ließ ihn aufhorchen. Die Türe wurde für einen Spalt geöffnet, und die junge Dame, die ihn empfangen hatte, spähte herein. „Wenn ich nicht mehr nötig bin, könnte ich jetzt gehen!" Feßmann machte einige Schritte auf sie zu. „Ich werde ganz gut allein fertig. Auf Wiedersehen!" mochte, wenn sich der Gesundheitszustand des Kaisers nicht besserte. . . Ein Jahr später waren wir entthront!" Tagung derVehördenangestellten des Gaues „Hessen" im G. D. A. In Wiesbaden fand die diesjährige © aufach- tagung der Behördenange st eilten des Gaues Hessen im G. D. A. statt. Die Tagung nahm zu den gegenwärtig im Vordergründe stehenden Fragen der Dehördenangestell- ten Stellung: insbesondere zu der Frage der zusätzlichen Ruhestands- und Hinter- bliebenen-Fürsorge und zu dem neuen Erlaß des Re.chsfinan^ministeriums vom 29. September betr. befristete Anstellungs- Verträge. Geschäftsführer Jessen, Berlin, hielt einen Vortrag über: .,D e r Angestellte in der D e r w a l t u n g“. Unter Berufung auf Artikel 128 der Reichsverfassung legte der Redner dar, daß die Angestellten als Staatsbürger gleichberechtigt seien, auch beruflich in allen Verwaltungen tätig zu sein. Der Redner bestritt nicht die Rechte der Beamten, aber er lehnte den Begriff „Derufsbeamtentum" ab, well der Beamte kein Beruf, sondern ein Rechtstitel sei, den das Reich, die Staaten und die Gemeinden verleihen, um bewährte Arbeitskräfte zu erhalten und sie durch gewährleistete Rechte zu belohnen. Daran müßten auch die Angestellten in den Verwaltungen teinjaben. Der Redner forderte die Schaffung von Planstellen für die Angestellten in allen Verwaltungen des Reiches und der Länder. Aus den Berichten der Vertreter der Ortsfachgruppen ging hervor, daß die Dehördenangestell* ten-Bewegung des ©. D. A. im Gau Hessen Fortschritte macht. Cs wurde dann noch zu der Frage der Räumung der besetzten Gebiete Stellung genommen und Bericht erstattet über die Verhandlungen mit dem Reichsministerium für die befehlen Gebiete. Diese Beratung wurde zusammen- gefaht m einer Entschließung, die von der Versammlung einstimmig angenommen wurde. Die Entschließung lautet: „Gelegentlich der Hauptbetriebsratswahl 1928 im Bereich der Reichs* vermogensverwaltung haben die Funktionäre der „freien Gewerkschaften" erl.ärt, da-h die Angestellten und Arbeiter der Reichsvermögensvev- toaltung erst dann mit ganzer Seele für die Räumung der besetzten Gebiete eintreten können, wenn ihre anderweitige Unterbringung gesichert sei. Die in Wiesbaden versammelte Fachgruppentagung „Hessen" der Dehörbenangestellten des Gewerkschaftsbundes der Angestellten hält diese Problemstellung für grundfalsch und rückt ausdrücklich von ihr ab. Für den G. D. A. steht an erster Stelle die Befreiung deutschen Bodens von fremder Besetzung. Selbstverständlich verbinden wir damit die Auffassung, daß der Tag der Befreiung nicht zu einem Sag werden darf, der für die Angestellten der Reichsvermögensrerwaltung und der Besatzungsämter Erwerbslosigkeit bedeutet. Der G. D. A. bringt der Reichsregierung und dem Reichstag das Vertrauen entgegen, dah rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergriffen werden, durch weiche die an Lebenserfahrung. Sachkenntnisse und Arbeitskraft ausgezeichneten Angestellten bei der Räumung der besetzten Gebiete in gleichwertigen Stellungen bei anderen Verwaltungen des Reiches, der Länder und Gemeinden untergebracht werden." Kunst und Wissenschaft. Ein Gießener Stadtbild. Der bekannte Gießener Maler und Graphiker H. Mueller-Leutert hat eine Lithographie des Gießener Stadtbildes geschaffen, von der uns ein Probehanddruck vorliegt, und auf welche an dieser Stelle empfehlend hingewiesen sei. Da« Bild, in kleinem Maßstab gehalten, fast mmiatur- hast wirkend, ist aus großer Weite, etwa von den Kasernen aus. gesehen, und bezieht die umgebende Landschaft — Gleiberg, Dünsberg, Vetzberg und Napvleonsnase als rückwärtige Kulisse — in die Komposition ein. Hierdurch konunt die gerade im Gießener Stadtbilde so anmutige Verschmelzung von Orts kern und Weichbild, von Architekturmotiv und umgebender Landschaft besonders glücklich zum Ausdruck. Das Bild ist vortrefflich koinponiert, hat viele Tiefe und reizvolle Proportionen. Die Technik ist sehr sauber und erinnert in ihrer minutiösen Sachlichkeit an gewisse, filigranhaft behandelte Pflanzen- stücke, die man in einer früheren Ausstellung des Kunstvereins von Mueller-Leutert zu Gesicht bekam. Buntes Allerlei. Das Handwerk in der Sprache. Im Zellalter der Maschine hat diese begreiflicherweise auch die Sprache beeinflußt und bereichert. Wenn wir z.D. ausdrücken wollen, daß ein Betrieb im Gange ist, sagen wir: die Maschine läuft, oft auch mit dem Zusatz: wie geschmiert. Dieser Vergleich war aber von jeher im Gebrauch, er ist nur auf die Maschine übertragen worden vom Wagenrad. Also steht hinter der anscheinend neuzeitlichen Redensart das Handwerk. Dieses hat unsere Sprache in einem Maße bereichert, dessen wir uns wohl nur selten bewußt werden. Sprechen wir von einem ungehobelten Menschen, so denken wir kaum an den Tischler oder den Zimmermann, der uns ja auch gelehrt hat über die Schnur zu hauen. Nehmen wir jemano in die Zange, so ahmen wir den Schmied nach: wir gehen aber irre mit der gleichbedeutenden Redensart: einen in die Kloppe kriegen. Dieses Wort ist nicht von klopfen abzuleiten, sondern sollte eigentlich „Kluppe" lauten, von Hieben, b. h. spalten; Kluppe oder Kloben hieß das gespaltene Holz, in dem sich die Vögel fangen sollten; 1502 wird in einem Gutachten über die Leipziger Universität der bedauert. der den Fakultisten in die Kluppe kommt. Welcher Gebildete kennt heute den ober die Haspel, mit der man den gesponnenen Faden von den Spulen windet, und doch haspelt er Auswendiggelerntes herunter. Im Elsaß heißt haspeln geschwind, überstürzt arbeiten, aber auch reden, Hasplerei schnelles Reden. Man kann auch im Schriftdeutschen ein Gespräch anspinnen, iroch geläufiger ist uns: eine Unterhaltung, ein Verhältnis spinnt sich an. Demselben Handwerk ist auch anzetteln zu verdanken: Zettel oder Anzettel heißt das zu einem Gewebe in die Länge aufgespannte ©am, der Aufzug, die Kette am Webstuhl. Während anfbinnen auf etwas Feines und daher Heimliches hindeutet, wohnt dem Anzetteln der Nebenbegriff des Vielfältigen inne, da das Stammwort, mittelhochdeutsch und mundartlich zetten, den Sinn hat: ausstreuen, ausbreiten; verzetteln bedeutet in kleinen Teilen aus- einanderftreuen und so verlieren. Ein ganz anderes Verzetteln aber in der Gelehrtensprache, (die) Wörter eines Buches auf Zettel schreiben, leitet sich von dem Lehnwort Zettel her, mittel- lateinisch cedula, lateinisch schedula, Papier- blättchen. C. M. Eine Bronze-Statue au» dem Meere. Griechische Fischer, die am Kap Qlrtemifion in Euböa ihre Netze auswarfen, brachten mit den Fischen eine schön geformte Hand au« Bronze aus den Wogen empor. Daraufhin wurde auf dem Meeresgrund nach dem Kunstwerk gesucht, zu dem diese Hand gehörte, und man brachte eine acht Fuß hohe Statue aus Bronze empor, die einen bärtigen Gott darstellt. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Werk um eine Darstellung des Meeresgottes Poseidon. Gemäldeauktion in Amsterdam. Die Auktion der 68 Gemälde aus der fernes* Sammlung in Mün che n brachte einen Ertrag von rund eineinhalb Millionen Gulden. Nach der sensationellen Auktion der Sammlung Six, wo unerhörte Phantasiepreise gezahlt wurden, war der heutige Verlauf reckst ruhig. Den größten Betrag erzielte ein Gemälde Goyas mit 175 000 Gulden, ein Altarbild von Hans Dürer, die heilige Fami- lie darstellend, wurde mit 57 000 Gulden, das Urteil des Paris von Cranach mit 52 000 Gulden und das berühmte Gemälde von Jan Steen „Wie die Alten jungen, so zwitschern die Jungen" mit 41 000 Gulden verkauft. Die deutschen Museen haben sich an der Auktion, soweit bekannt ist, nicht beteUigt. „Wer ist bas Mädchen?" frug Hettingen, als sich die Türe wieder geschlossen hatte. „Meine Frau!" „Hans! —" „Ja!" Die festen weißen Zähne bes Doktors gruben sich Hari ineinander. Mit beiden Händen stützte er sich von rückwärts auf die grüne Platte des Schreibtisches, dah das Holz darunter krachte. „Niemand weiß es als du jetzt! Dich wollte ich nicht belügen.“ „Hans! Ich bin mit vollem Vertrauen zu dir gekommen, schenke mit nun auch das deine! — Hans!" bat er noch einmal, als Feßmann keine Miene 5um Sprechen machte. „Was nutzt es, Joachim, wenn ich meine Schande hinausschreien wollte; denn du, gerade du würdest mich am allerwenigsten verstehen!" „Ich banke dir für deine Ehrlichkeit. Also, so ferne steh ich dir!“ „3a, so ferne! In diesem Fall schon! Du hast noch nie erfahren, was Not heißt! Du nicht! •ilnd hungern und am Verzweifeln sein und nicht mehr aus und ein wissen! Und vor dem Tode kriechen wie ein Hund und mit sich selber feilschen um das bißchen Leben, das doch feind mehr ist!" „Hans! — Und das alles schleppst du auf deinem Rücken?" »Das alles und noch viel mehr! — Ein Weib haben, Joachim — ein Weib, das kaum zwanzig Jahre zählt und dem man einen ganzen Hirnrnri zu Füßen legen mochte und dessen Leben man von Tag zu Sag mehr erloschen sieht — vor Hunger, Joachim! Und Not und Elend und Verzweiflung!" „Und jetzt? — Wo ist sie dinge gangem?“ fragte Hettingen erschüttert. „Zu anderen Leuten, um deren ungezogene Rangen zu beaufsichtigeir, während sie im Theater sitzen!" „Höre!" Joachim faßte gebieterisch nach den §üften des Doktors und drückte ihn auf das harte ofa nieder, das quer ins Zimmer gestellt war. „Jetzt will ich alles wissen! Die ganze Wahrheit! — Und wenn's dich hernach reuen sollte, dich mir 'anvertraut zu haben, kannst du mich niederschlagen, damit ja kein anderer mehr davon erfährt. Denn um das „Nichtwissenlassen", um das ist es dir doch einzig und allein zu tun.“ Der Doktor nickte gequält. „Die ganze nackte Wahrheit willst du wissen, Joachim? — Sie ist so nackt, daß es unmoralisch ist, sie bei hellem Sage zu beleuchten!" „Cs dämmerte schon, Hansl Wir können auch noch warten, bis es bunÖer ist. Aber hören will ich sie!" „.Unter einer Bedingung!" „Die wäre?" „Dah du nicht den barmherzigen Samariter spielen willst, wenn du alles weißt, — — daß du mir dein Mitleid nicht aufdrängst und keinerlei Almosen, es sei auch in welcher Form." „Gut!--Ich verspreche es! Du sollst dich nicht zu beklagen haben, daß ich mein Wort nicht halle. • Feßmann drückte die Schultern krampfhaft nach rückwärts, ehe er zu reden begann. „Also — ich bin — wie man zu sagen pflegt, auf dem Hund: mit mir ist es aus und Schluß! — Srauer- choral und Jubelchor! Alles zugleich. — Ich bin Doktor geworden, in der Annahme, daß dann alle Not mit einem Schlage zu Ende wäre. 3n Wirklichkeit ist sie da aber erst eigentlich angegangen. — Merne Frau ist Offizierswaise. Du kannst ermessen, was das heißt! Erst war sie „Schwester" bei mir; hat die Patienten empfangen und mir Hilfereichungen getan. Als ich fcch. daß ich sie nicht mehr bezahlen konnte, kündigte ich ihr. Es ging nicht anders. -- Sie bat mich, bleiben zu dürfen, nur um das tägliche Brot. Ich wußte es ganz gut, was sie hielt. Sie liebte mich! 2lber ich ließ es mir nicht merken, daß es mir ebenso erging. Eine Heirat wäre der Gipfelpunkt des Wahnsinns gewesen!" „Und doch," sagte Hettingen mit leisem Vorwurf. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft. Wochenbericht vom Sronffurier Effektenmarkt. 3n dieser Woche machte die Besser-ung der Tendenz, die im vorc-uL^rgangenen Bc- richtsabschnitt ein^efe6t hatte, wettere Fortschritte. zumal einige der vorhandenen Schwierigkeiten auf politischem und wirtschaft!'chem Gebiet beseitigt wurden, oder wenigstens in absehbarer 3eit beiseite geschafft werden tönnen. 3n der Hauptsache aber basierte die freundlichere Haltung wieder cm1 der lebhaften Nachfrage, die nach Spezialpapieren in Erscheinung trat. Wenn auch eine allgemeine Belebung des Geschäftes nicht eintreten konnte, so war doch erstmalig seit langer Zeit eine allerdings noch minimale Publilu'nsbeteiligung zu erkennen. Eine stärkere Stütze treten dem Markte die gröberen Käufe, die das Ausland auf verschiedenen Spezialgebieten wieder vornahm. Allgemein befriedigte es, dah die Gefahr einer Regierungskrise abgewendet werden konnte. Anregend wirkten ferner die unter der Leitung des Düsseldorfer Regierungspräsidenten Berge- mann abgehallenen Einigungsverhandluigen im Eisenkonflikt, hinsichtlich deren Ausgang d e Börse recht optimistisch gestimmt war und eine baldige Wiederaufnahme der Arbeit erwartete. Die Tatsache, daß aber bis jetzt kein Ergebnis erzielt wurde und die Verhandlungen bis zum 24. d. M. vertagt worden sind, verstimmte späterhin und verursachte eine gewisse Unsicherheit. den das ganze Derbindungsmaterial herausgerissen wird, eine Leerung unbedingt nötig. Bleibt die Straße noch im kommenden Winter in dem geschilderten Zustande, dann ist sie überhaupt nicht mehr ohne Gefahr zu benutzen. Einer, der die Straße täglich befahren muh. Eine Beschwerde gegen das Städtische Elektrizitätswerk. Sin schönes Weihnachtsgeschenk bescherte da- Städtische Elektrizitätswerk jetzt der Gießener Bürgerschaft mit der Erhöhung des billigen Strompreises um 100 bis 200 Proz.! Wahrscheinlich sollen die Geschäftsleute zur kommenden Licht- Woche nicht allzuviel elektrische Beleuchtung an* wenden, darum vorher b efe Preiserhöhung. Verstehen kann man allerdings diese Maßnahme nicht, denn in anderen Städten verbilligt man den Preis des elektrischen Stromes, um der Elektrizität immer mehr Eingang, auch im Haushalt, zu verschaffen. Staubsauger, cleltr. Bügeleisen. Oesen. Wärmekissen, sie alle werden zum alten Eisen kommen, denn bei einem Strompreis von 45 Pf. muh man notgedrungen auf alle diese Bequemlichkeiten wieder verfitzten lernen. Selbst beim Gebrauch aller dieser Gegenstände wird man es kaum in den Winiermonaten auf 125 Kilowattstunden bringen, geschweige denn in den Sommermonaten. Oder will man hier wieder Petroleum und Gas auf den Thron erheben? Hoffentlich ist über diesen Punkt das letzte Wort noch nicht gesprochen. Gin Geschäftsinhaber. Schafft Rode^ahaen in der Stabil Dor einigen Tagen wurde aus der Presse be- famxt, dah die Stadt Frankfurt für den kommenden Winter einige Straßen als Rodelbahnen bestimmt habe. Wäre es nicht möglich, auch für die Kinder unserer Stadt die Fahrdämme von Straßen, wie den Aulweg usw.. ebenfalls als Rodelbahn für die Nachmittage, ober während der Weihnachtsferien für ganze Tage freizugebsn? Schi d:r an den Querstraßen, die Fahrzeuge auffordernd, Schritt zu fahren, sowohl beim lieberqueren als auch bei Benutzung der freigegebenen Straße, Poli^iaufficht für Einhaltung dieser Vorschriften und Ginhaltung einer gewissen Dahnordnung. so z. D.. daß keine Erwachsenen während der freigegebmen Zeit dis Dahn benützen dürfen, höchstens Eltern mit Kindern, die die Schule noch nicht besuchen, dürften die nötige Sicherheit gewährleisten. Da die Stadtkinder tm Winter die frische Luft sehr nötig haben, könnten Stadtverordnete und Polizei hier ein sehr gutes Werk tun. Dazu kommt noch, daß in diesem Falle rigoros gegen solche vorgegangen werden kann, die den Bürgersteig in Straßen, wie Ludwigstraße und Gbelstraße. als Rodelbahn benutzen und so die Knochen älterer Leute in unverantwortlicher Weise gejährden. P. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschtosienen Dividende an. — ReichsbankdiSkont 7 Prozent, LombardzinSfuß 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin (Jrantiturt a. M Berlin Schluß l-Uhr- Sch uh. iUnjang Schluh- l-Uhr. Sdiiuh-i Anrana fitire | flur» Kur» Kur, Kur, Kur» Kur» fiun Datum 23 11. 24. 11. | 23 11. | 24 11. Datum-. 23 11. 24 IL 23. 11. | 24 11. 6% tt. Retd)«nileü)e o 1927 87,2a — 87.5 ÜI.S.G. ........8 188.2a 188 187.5 n i)L nrü..'2(bldL-®ul6 mit iflus- 51.13 01,1 Bergmann..... . . . 9 228 229 228 228 75 iot.-Rechten — 51,1 14.8 (Hefti. Ltefenmgeu ..... io — — 172.25 — De-gl ohne üluelol.-Rechte . . . 15 — 15 Licht uno Krast .... 10 253 254.75 255 255.5 7% tjtanlf. Hyp.-Bl «olbpf. uw kündbar btl 1982 90 iteiten 4 Guilleaume. . • . . 6 Ges. f. (Beta. Untern.. ... 10 156,5 156 156 155.7;. — — 266.5 266.5 266.75 267 4%% RhetnilLe H„v>vcmk Llgu.» Hamb. (Helft. Werte .... 10 — — 145.75 — »olhDf. — — • Rhein. Sielft. ......0 - — 158.25 Ä-ä.'S abg 6 ortrteoMDbUflation rückzahlbar 1932 - Echles. Elektr. .....10 Schuckert . ....... 8 ^42 243 232 241.75 231 243.1 4% Schwer» iLunveSd.-Lal.. 4% Lesterreichiiche ®olbtte. . . 4,20% Gelten Silberne. 96 3,65 1 11 32.25 2,65 — Draniradio . . ...... 6 Lahmeoer 4 io.......10 111,5 169 412,5 171 112.25 156..' 170 412 156.7a 170.76 4% Cefientid) einheiU. tüte. . . — — — — Buverur . . ...... . L 87 — 86.75 4% Unaarildjr dolbrte. . • 26.9 — 25.0 Deutsche Erdöl . ...... 6 141 140.25 139.5 139.5 4% UngarilAe StaatSr. 6.1910 — — Essener Stetnlobb......8 Gelsenkirchener . . s. Zj g. 4 — — — — 4ft% De89.5 189.25 4*3.25 189,7« tb4 Roll Aschersleben ..... 10 279 279.5 — 279.25 179.75 278.75 189.5 Kaliwerk GaUDethntl . . - 15 Darms! u Aationalbanl 12 293,7a — 4-8.25 403,2a 493 — 492.5 492 Deutsche Bonk ... 10 1.9 168,75 .-9,1 169 -1 <3 Sarven.^nbuSr» ... U 163.75 164 263.5 .65 Dirkonw-HeieMchaft Ont. ■ w 162.75 lb2.7ü 1-2.75 I63.i. Dynamit 9Zi’bd . . ....•£> - 124.25 124.5 Dresdner Bank ... 10 vrittelveutsche S«bvbatrt ... 9 170 170 170 I7U ScheideanstaU ....... 9 192.75 193 — — 423.5 223 lSoldschmidl ....... 6 98.75 99,9 100 Dletnllbanl ........* 140 '40 139.5 140.5 RütgerSwerle - ...... S — 105 104,13 104 W/Jd3»banl .... t« — 28,75 .20,5 25.!' Metaüyeiellscho»!......U - — Frankfurt a. M Berlin Schluh- l-Uhr- Sch.utz Anfang Kur» Kurs K»r» Kur, Datum: 23. 11. 24- 11 23. 11. | 24. 11. Bhllivv Hol-marm..... .7 136.0 - 137 — Heidelberger Cemenl .... 10 137.25 138 — Sement Äodftabt..... . 8 w w. —- Sayß ft Freitag ..... 10 135.13 135,5 136 Schultheis Parcnhofa . . . IS — — --23 -22.5 Ostwerke ...... . 12 — — 281 282 Ber. GlaniKoff...... 18 — 580..s 576 Semberg......... 14 — 484 475 Zellfwfs Waldbof..... 12 175.75 276 476.6 276.25 Zellstoss «schossenbürg . . . 12 204 - 203,23 — Iharlottenburger Wasser . . . 7 — — 1-7.25 127.75 Dessauer @09 .... . 8 W — 198.65 199 Daimler Motoren ..... . Ü 88 — 87.75 87.7j . 0 —- — 51.L 51.5 Adlerwerte Rletoei..... . b 104,25 104,5 104.5 104.7o Luvw. Loewe . ....... 10 — - 246 — Rat. Automobil . ..... . 0 — 57.25 — Oren stein & Kovprt • • • • . 6 — III6.L. 105.2a Leonbarv Dietz . • • • • . « — - 291,25 290,75 Vamag-Meguin . . . • • . . c 32 — 21.75 — Franks Maschine» ..... . « 70,25 — 71 * Artyner . . . . . • u 120 —— 117.25 — peyliaenllaedt ...... . 0 — — Iunghan« . ...... . 4 90 — 88.5 * Lechwerte. ....... . e 110 —- — MainKaitwerke ...... . 8 114.5 — — — Mag • ..♦••• 10 L34.5 135 135 Nrtarsulmer - .••••• . 8 — 21.9 Beter» Union ...... . 8 105 - 105,25 — Gebe. Roeder ...... 10 124.75 — — Boigt 6 Haesfrrer..... . 8 — 210 ®übb. Zucker ..... - v 152 152.75 151,5 — Banknoten. Berlin. 23 November ■Selb tönet Lmorikanrlche Viota..... 4,173 TTTöS Belgische Noten ....... 58.13 58,37 Dänische Noten ....... Ul.51 111,95 Englische «aan........ 20.802 i0.?82 Telegraphische Auszahlung. Berlin 23 November (Seid i Hranzömche Noten 16,35 16,41 Holländische Noten...... 167,95 168.63 sttolienische Noten ...... 21,93 22.01 Norwegische Noten - ... 111.55 111.99 Deutsch-Oesterr, i 100 Kronen 58.75 58.99 Rumänische Noten...... 2,52 2,54 Schwedische Noten ...... 111.83 112,27 Schweiler Noten....... SDänische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 80,54 80.86 67,33 , 12,38 □7,61 12,41 Ungarische Noten 72.92 73.22 Devisenmarkt Berlin- —Arankf irt a. M. 23. Novenibcr 24 Novemb r Amtliche Noti rung Amtliche Notierung Held Brre> tielb 1 »ne- örnll^Rotr Burn.-Aireö ' 168,2> 1,767 168,57 1,771 168.23 1.767 168.57 1,771 Brss.-91ntw o8,26 58.38 58.22.5 58.365 Cdrrsiinnin 111.72 111.04 111.70 111,92 Kovenhageo 111,72 111.94 111.74 111.96 Etockdoinr 112.02 112.24 111.99 112.21 HeMngsorS- 10.54.5 10,565 10,542 10.562 statten. - 21,96 22.00 21.1155 21.995 London. . . 20,327 20.367 20,323 20,.^3 Nevvork • • 1.1910 4.1990 4,1905 1,198.5 Paris.... Schwei» . . li.b? 16.41 16,375 16,415 50,71 60,87 50,715 -0.875 Svautco . . o7,55 67,69 .7,53 4.67 yavaa . . . wo de San. 1.9.32 1.936 1.937 1.941 '.5005 1.5025 J.M'j 0.5025 Bten in D-- ">.91 Ceft- abgesi 35,-1 12,418 59,^o 09,03 Prag 12.433 12.42 12,44 Beiirad ■ - 7,363 7.377 7.363 7.877 Budavest. -3.68 <3.22 73.07 73.21 l,i arten ,027 -.033 -.027 '.OB i'ifiobon 18,76 18.80 18.72 18.76 Danzig 81,27 -1.43 31.26 81.42 ffpnft.inthi 2,104 ;.1U8 2.101 2.1(5 Athen 5.425 5,433 5,425 5.4:15 Lana da 4,106 4,204 4.195 4.203 llronaD 4.286 4.291 4,286 4.294 Cairo 20,85 :0.89 20.845 20.885