Ul. I2( Erstes Blatt 178. Jahrgang Donnerstag 24. Mai (928 Cr|d)etRi täglich,autzn Sonntag« infc Vertage. Betlagtn (Bltgtntt Jarntltenblittet Heimat >m Bild Die Scholle «oaaU-Beiettpreis; 2 Ktid)»*arh und 20 Reichspfeanig für Irflgtti lohn, auch bet Nichterscheinen «inzetnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsfer 51, 64 und 112 «uschnft für Drahtnach- richten Bnjeigtr »lehr«. Postscheckkonto Kraakfurt om Main 11686 Tietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnilk und Verlag: vrühl'sche Untoe»fi1ül5-Vuch- und Steinörudercl K. Lange in Gießen. Sdfriftleitung und Gefchäftrstelle: Zchoiftraße 7. 3nna iet von Anzriaea für dir lagetnummet bi» jum Nachmittag vorher. Preis fir I mm höbe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, au«wärt» 10 Reichspfenmg. für Ne« klamtanjetgen von 70 mm Brette 35 Reichspfenmg, splayvorfchnft 20' mehr. Thefredaliteur Dr Friede Wilh Lange. Derantwortltch fürVobnh Dr Fr Wild Lange für Feuilleton Dr H Ibgnot, für ben übrigen letl Ernst Blumschein, für ben An» letgentfii flurt ßtllmann, sämtlich in Gierten 3m Zweihun-eriMomeier-Tempo über die Avus. Versuche mit dem Raketenwagen Krih von Opels aus der Berliner Rennbahn. Berlin, 23 Mai (WTB) Ein denkwürdiger lag auf der Berliner Aousbahn 1500 geladene und viele laufende ungeladene Gäste sollten heute Zeugen sein der ersten offiziellen Fahrt des Opel- sichen Raketenautos Zunächst Ansprache von Geheimrat Schütte. Er spricht über die Ziele der Raketenoersuche. Die jetzige Borführung des Raketenfahrzeuges ist lediglich eine Etappe aus einem reichen Arbeitsprogramm, das noch zu bewältigen ist, bevor da» Ziel, in die höchsten Luftschichten der Erde mit größer Geschwindigkeit zu fliegen, erreicht ist. Dann spricht der Held des Tages, der Führer de» RaTelenauto», Jritj 0. Opd. i3r zählt sieben Stoppen auf, die auf dem Wege zum gesteckten Ziel zurückzulegen sind. Die ersten beiden Stoppen gelten der Herstellung von Autos und Rädern, mit denen 200 bi» 220 Alm. ohne Gefahr für den Fahrer erreicht werden können. Von der dritten Stoppe an steht das Problem des Fluges im Vorher» grund. Ss sollen Flugzeuge mit 300 bis 400 Alm. Geschwindigkeit erbaut werden. Die vierte Etappe wendet sich der Höhenforschung zu. S« soll versucht werden, gröbere Höhen au8 30 Alm. zu erreichen. 3n der fünften Stoppe will man zu den bemannte n Raketen übergehen, während die sechste Stoppe Fluazeugc vor- sieht. die in 20 bis 30 Alm. Höhe t n weniger a l S einem Tag um die Erde fliegen. Die stebente Stoppe endlich gilt dem Weltraumschiff. das — der Hörer hält den Atem an — die Möglichkeit bieten soll, benachbarte Himmelskörper zu erreichen, wenn auch nicht einzusehen ist, waS wir ausgerechnet auf dem Mond verloren haben. Zu welcher Zeit werden nun die einzelnen Stoppen Wirklichkeit? Fritz v. Opel ist überzeugt, daß die Stoppen 1 bis 5 nicht erst In Jahrzehnten, sondern In toe - Niger als einem Jahr erreicht werden. Das die 6. und 7. Stoppe, den Flug in die Stratosphäre, anbelangt, so kann ein genauer Termin noch nicht genannt werden. Hrsprünglich rechnete man mit einer Frist von 15 biS 20 Jahren Sin überraschender Fortschritt in der Arbeit soll aber die Frist bereit- auf höchstens sechs Jahre zurückgeschraubt haben. Spätestens im August will man in der Lage fein, einen genauen Termin anzugeben. Hinter Den Kulissen. so meint v. Opel, wird gearbeitet. Der vielleicht etwa- zu groß erscheinende Optimismus recht- fertige sich immer mehr. ..Dir sind überzeugt." mit bickn Worten schließt Fritz v. Opel, „daß wir nicht die einzigen sein werden, daß vielmehr in kürzester Zeit das Raketcnproblem ein Problem aller Rationen werden wird. Hoffen Sie mit uns auf den Tag. an dem das erste Raumschiff mit dem Ramen ..Deutschland" schneller als die Sonne die Erde umfliegen wird." Die Vorführung. Der Raketenvaqen hat. abweichend von der Opelschen Rennfarbe keinen roten, sondern schwarzen Anstrich und nur daS Steuerrad hat die Optische HauSfarbe. Der Wagen, der in feinem Aufbau an das Tropfenauto erinnert, besitzt vom in der Höhe der Steuerräder rechts und link- zwei Tragflächen, die verhindern sollen, daß das vom unbeschwerte Fahrzeug sich wegen deS rasenden TempoS vom Boden emnorhcbt. Hinter dem Führer sind die Raketen — 27 an der Zahl — über der Hinterachse eingebaut. Die Dorrichtung hat eine gewisse Aehnlichkeit mü einem noch heute im Zeughaus zu sehenden Mitrailleusen-Defchütz: 27 kurze Sisen» rohre von 1.5 Zentimeter Wandstärke ragen frei in die Lust. Die Anordnung ist so getroffen, bah abwechselnd je drei und dann je fünf Raketen übereinander ungeordnet sind. Kurz vor 10.15 Hhr war alles zum Start fertig. Herr v Opel tauschte mit seinen Mitarbeitern einen kurzen Händedruck. Alles sprang beiseite und der Fahrer brannte die ersten Raketen loS. Tosend und heulend entwichen die Gase, und wie von einer Sehne geschnellt flog der Wagen mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 50 bis 60 Kilometer über die Dahn. Sine zweite stärkere Raketenladung, und mit etwa 120 Kilometer Geschwindigkeit ging die sausende Fahrt der Rordkurve entgegen. Dann einige Sekunden Ruhe. Herr von öpel lieh den Wagen auslaufen, wendete auf der Dahn und wieder cln Raketenstoh. ein zweiter und ein dritter und in ungeheurer Fahrt, die schätzungsweise 180 bis 200 Kilometer betrug, raste da» Fahrzeug heran. Kurz vor ben Tribünen feuerte der Lenker die letzten Raketen ab, so dah die Erde zu beben schien, und die Zuschauer, die auf der Zielrichtertribüne und auf den Zeitnehrnerhäuschcn Kopf an Kopf standen, bedenklich ins Schwanken gerieten. Bei der sausenden Fahrt sah man von dem Wagen kaum etwas. Rur das rote Feuer der Raketen und der dichte graue Qualm zeigte, in welch u n - aeheurern Tempo der Raketenwagen vorüber- brauste. Rach ein paar hundert Meter Auslauf stand der Wagen still. Die begeisterten Zuschauer, die immer wieder in Hochrufe für Fritz von Opel ausbrachen, stürmten über die Bahn hinweg, um den kühnen Lenker zu feiern. Inzwischen hatte je- doch schon ein Lastauto den Raketenwagen erreicht und schleppte die Maschine zurück bi» an die Tribüne. Die begeisterten Zuschauer drangen über die Barrieren. Opel wurde aus dem Wagen herausgezogen und auf den Schultern feiner Freunde im Triumph davongetragen. Frig von Opel bat bei dieser Demonstration auf der Avus die Schnelligkeit des Raketcnwagens gegenüber den Rüsselsheimer Versuchsfahrten lehr wesentlich zu fteiaern vermocht. Kurz vor den Tribünen erreichte er ein tempo von 195 Kilometer, um nach Abschuß der letzten Raketen auf etwa 215 bis 220 Kilometer Stundengeschwindigkeit zu kommen. Die Auswertung. Don unserem M. ^.-Sonderkorrespondenten. Nachdruck verboten. De rlin, 23. Mai 1928. Heute ist also der Raketenwagen auf der Avus gefahren und hat sich einer geladenen Gesellschaft gezeigt. Vorher hinten Geheimrat Schütte und Fritz v. O p e I Dorträge, in denen sie zwar zukunftSsreudtg sprachen, aber doch vor übertriebenen Hoffnungen warnten. Hnb ich muh Jagen, triefe Warnung scheint mir sehr angebracht, denn was ist nicht alles über den Raketenwagen, den Raketenflug und den Schuh nach dem Monde oder dem MarS geschrieben worden, nachdem von den Dersuchen mit dem Wagen etwa« in die Oefsentlichkeit gedrungen war! Manchmal konnte man wirklich meinen, man werde in allernächster Zeit nur auf das Tempelhofer Feld zu gehen brauchen, um vom Dortigen Flugplatz in wenigen Minuten nach irgendeinem andern Himmelskörper, oder doch wenigsten- nach Reuyork gelangen zu können. Dabei sah man Dilder, wie Flugzeuge m i t Flügeln durch den Weltenraum flogen, und da- ist natürlich gänzlicher Hnfinn, denn waS sollten die Flügel im luftleeren Westenraum nützen? Sie haben doch nur in der Luft einen Zweck, wo sie sich auf diese abstützen und so da- Flugzeug tragen können. Rach den Dorträgen sauste der Wagen über die AvuS — die AvuS ist eine von Horben nach Süden verlaufende Krccktwagenstraße von 19 Kilometer Länge, deren beide Fahrbahnen am Rord- und Südende durch Schleifen verbunden find. Etwa 1 Kilometer füd.ich der Rordfchleife fuhr er ab. durchfuhr die Rordfchleife und kam dann nochmals an den Zuschauern mit schneller Fahrt vorbei — dann wurde er von einem Lastkraftwagen wieder vor die Tribünen geschleppt und von zahllosen drehenden und nicht drehenden Lichtbildnern eingefangen. Wer einmal gesehen hat, welche Feuergarbe und welche Rauchschwaden er hinter sich läßt, der gewinnt die Heberzeu- gung, dah ein solches Fahrzeug a l S Straßen- fahrzeug natürlich unmöglich ist: es ist ja auch nicht als solche- gedacht, sondern dient nur zur Erforschung der Raketenwirkung, die man später zum Antrieb von Flugzeugen und von Raketen ohne Flügel zur Erforschung der höheren Luftschichten benutzen will. Dorn Schuh, oder richtiger, vorn Raketenflug auherhalb der Lufthülle sind wir noch recht weit entfernt — davon w sprechen gehört in das Arbeitsgebiet von IuleS Derne oder in das Gebiet der Faselei. Richtig ist der Gedanke, in höheren Lustschichten zu fliegen, als es uns jetzt möglich ist. weil man dort wegen des geringeren Luftwiderstandes schneller fliegen kann al- in den unteren Luftschichten, wo ja die Luft der Dor» wärtsbewegung einen gewaltigen Widerstand entgegensetzt. Dieser Widerstand wird gewöhnlich unterschätzt, weil man die Luft nicht sieht: bei Sturm kommt es uns schon eher zum Bewuht- fein. dah die Luft ungeheure Druckwirkungen ausüben kann. Dah der Luftwiderstand in Sen oberen Luftschichten gering ist. ist uns zum ersten- mal so recht fiar geworden, als unsere Ferngeschütze im Kriege Paris beschossen. Dabei stiegen die Geschosse in Höhen von über 40 Kilometer, erhoben sich also in größere Höhen über der Erdoberfläche, als sie auch heute noch irgendein irdischer, nicht rein staubförmiger Körper erreicht hat. Ein Raummeter Luft wiegt dort etwa ein Gramm, allo etwa den zwölfhundertsten Teil wie auf der Erdoberfläche. Die Erzielung der Schuh- weite von 120 Kilometer war eben nur dadurch möglich, dah das Geschah in diesen Höhen f a st fciqen Luftwiderstand mehr fand und daher große Strecken mit fast unverminderter Geschwindigkeit zurücklegen konnte. Ss brauchte übrigens zu seinem Wege drei Minuten und zehn Sekunden Ich erwähne diese Zahlen absichtlich. da im Zusammenhang mit den Erörterungen über den Raketenflug in letzter Zeit zahlreiche falsche Angaben über die Dahn dieser Gcckchosse Verbreiter worden sind. Betrachten wir den Höhenflug in diesen Gegen- den unter Derücksichtiguna des Gesagten, so ergibt sich, daß der geringe Luftwiderstand natürlich für die Fortbewegung des Flugzeugs außerordentlich günstig ist. andererseits ist aber gerade dieser geringe Luftwiderstand für Flugzeuge bisheriger Art sehr nachteilig, weit die ^ustchrauben in dieser dünnen Lust zu wenig Widerstand finden, um das Flugzeug vorwärts treiben au können. Auch Flügel von der üblichen Gröhe können das Flugzeug in solchen Höhen nur dann tragen, wenn mit ganz ungeheuren Geschwindigkeiten geflogen wird. ES ist nun durchaus denkbar, dah man Flugzeuge durch den Rückdruck aus strömender Verbrennungsgase vorwärts treibt und ihnen so in den großen Höhen eine Geschwindigkeit verleiht, bei der die Flügel das Flugzeug tragen können: eS fragt sich nut. wie lange dies möglich ist. Es ist nämlich dabei zu bedenken, dah Treibmittel wie die Pulversätze von Raketen sehr viel weniger Energie enthalten, als die jetzt zum Antrieb von Fabr- und Flugzeugen benutzten Brennstoffe, wie Kohle, Denzin und dergleichen, so sonderbar dies auch dem Laien Vorkommen mag. dem Schießpulver ober gar Dynamit als der Inbegriff eines Energiespeichers erscheinen. Jede Verbrennung besteht ja bekanntlich darin, daß sich ber 'Brennfl off mit dem Sauerstoff der Luft unter Wärmeentwicklung verbindet. Dei den jetzigen Brenn- stoffen nimmt man ben Sauerstoff währenb der Fahrt oder des FlugeS aus der allgegenwärtigen Luft, braucht ihn also nicht mit» fusühren, während er in den Raketenpulver- ätzen von Anfang an mitgeführt werden muß. Das bedeutet eine ungeheure Gewichtsvermehrung des Treibmittels und damit eine Beschränkung der von ihm mit einer Füllung zurücklegbaren Entfernung. Es kommt aber noch etwas anderes hinzu, das jeden bedenllich stimmen wird, der viel mit Sprengmitteln umgegangen ist: ES gibt sehr viele Sprengmittel, Die man gleich Raketenpulversätzen gewissermaßen mit einem Streichholz anzünden kann, und die dann abbrennen. Aber diese- Vergnügen dauert immer nur eine gewisse Zeit, denn infolge der Verbrennung steigert frch die Hitze so gewaltig, daß der Rest des Treibmittels dann doch zerknallt. Vielleicht ist dies auch neben dem Umstand dah eine Fahrt mit dem Raketenwagen jedeSmal ein kleines Vermögen kostet. Der Grund, warum die Fahrten nut auf s 0 kurze Entfernungen ausged.hnt werden — ich würde mich jedenfalls nicht auf ein solches ^liegendes Pulver'ah setzen, da- an einem Ende schon brennt, ba ich die Tücken bet Sptengstos e zu genau kenne, ilebrigen« hat auch Fritz von Opel in seinem Vorträge auf ber AvuS die Möglichkeit des Zerknalls der Ladung des Rakc:enwagens als vorliegend angegeben unb ben Ausschluß bet Oefsentlichkeit bei den heutigen Vorführungen damit begründet. Ich kann die in den Vorträgen ausgesprochene Hoffnung, man werde in wenigen Iahten morgens von Berlin abfliegen, mittag- in Reuyork feine Geschäfte erledigen und abends in Berlin die Oper besuchen, aus ben angeführten Grünben nicht teilen, ich bin vielmehr bet Ansicht, daß es sich bei dem Raketenwagen um einen zwar nicht neuen, aber vom Standpunkt deS Physiker- gewiß ganz interessanten Versuch handelt, der uns vielleicht ein Mittel zur Erforschung ber Luftschichten in und mit ben jetzigen Mitteln unzugänglichen Höhen bescheren wirb. An einen Luftverkehr mit Raketenflugzeugen kann ich vorläufig unmöglich glauben, noch weniger aber auch an einen — auch ganz zwecklosen — Schuh nach dem Monde ober noch einem anderen Weltkörper, oder gar an eine Rückkehr lebender Menschen von einer solchen Reise. Es genügt ja aber auch, wenn vorläufig die Wissenschaft durch solche Forschungen bereichert wird. Welche Oiutzanwen- bungen dann die Technik au- ben so gewonnenen Kenntnissen ziehen wird, da- können wir vorläufig getrost ber Zukunft überlassen. M. F. Etapetlaus des neuen Kreuzers „Köln". Wilhelmshaven, 23. Mai. (WTB.) Heute vormittag lief hier bei schönstem Wetter der neue Kreuzer „D " vom Stapel. Der Feier wohnten Rcichswehrminister Dr. G r 0 e n e r, Reichsiustiz- Minister H e r g t, Reichsfinanzminister Dr. Koh" l e r, der Ministerpräsident von Oldenburg, zahlreiche hohe Beamte u. a. auch die Chefs der Marine- und Heeresleitung bei. Der Kreuzer ist nach der Stadt „Köln" benannt worden, womit gleich- Seine Ehrung des gesamten Rheinlandes zum ruck gebracht werden soll. Den Taufakt vollzog die Witwe b e 5 Kapitän» des ehemaligen Kreuzers .Köln". Rach ber laufe fand ein Imbiß im Offiziersheim der Werft statt 3m Verlaufe des Mahles traf vom Reichspräsidenten folgendes Telegramm ein: ,,3d) danke für die Meldung von dem glücklich erfolgten Stapellauf des Kreuzer» „Köln". Möge ber Dille ; u treuer Pflichterfüllung und opfermutiger Vaterlandsliebe, der die alle „Köln" befreite, auch auf diesem neuen Schiffe fortleben. Dem Kreuzer und ber Befatjung wünsche ich allzeit glückliche (fahrt." gez. 0. Hindenburg, Reichspräsident. Reichswehrminister G r 0 e n e r weihte bei Tisch das erste GlaS den Toten deS Krieges und brachte namens der Versammelten das Gelöbnis dar, ihnen nachzueifern in Pflichttreue, Vaterlan dsliebe und Opfermut. Dann begrüßte der Reichswehrminister die als Gäste erschienenen Vertreter des Reiches, des Reichstages, des Re:chsrats. den oldenburgischen Ministerpräsidenten unb den Oberpräsidenten von Hannover, dellen Tätigkeit als Reichswehr- Minister er gedachte. Er gedachte schließlich in Sonderheit der Vertreter des Rheinlandes und der Stadt Köln und der Gattin des mit der „Köln" untergegangenen Kommandanten unb deS einzigen Hebet» lebenden der allen „Köln", des Oberheizers Reumann. Das neue Schiff möge den Rheinländern ein Anlaß sein, den Gedanken an die deutsche Wehrmacht, besonders an die Rcichs- marinc, fördern zu helfen. Die Marine selbst habe mit dem neuen Kreuzer die Verpflichtung übernommen, überall wo das Schiff später hinkomme, für den deutschen Ramen. für die deutsche Ehre und für ben beutschen Rhein Zeugnis ab- julegen nicht im Sinne stolzer Heberhebung, sondern in der stillen Wecke eines Menschen, dessen Seele erfüllt ist von der hohen Ausgabe, zu nutzen dem Heil des Vaterlandes. Groener schloß mit einem Hurra auf das Rheinland unb die Patenstadt Köln. Die Tradition der „Köln". Bremen, 23. Mai. (XU.) Der vierte neue Kreuzer ber brutschen ReichSmarine hat den Ramen .Köln" bekommen. Wat der zweite Kreu- -erneubau .Königsberg" geeignet, die Ostmark fester an die Marine unb damit an das Reich zu binden, so ist es jetzt die ebenso bedrohte W e ft m a r I, bie durch den neuen Kreuzer .Köln" geehrt werden soll. Die alte .Köln" war ein kleiner Kreuzer ber Hochseeflotte, während die .Emden". .Königsberg" unb .Karlsruhe" im Ausland mit wehender Kriegsflagge untergegangen sind. Vor 20 Jahren etwa wu be die erste .Kö 1 n" gebaut. Auf der Germania- Werft von Krupp in Kiel wurde sie im Jahre 1909 vom Stapel gelassen, war 4300 Tonnen grob, 130 Meter lang unb bewaffnet mit zwölf 10,5-Zentimcter-Geschühen. Roch heute sind die Schiffe auS der gleichen Zeit in der Reichsmarine, wenn auch durch Umbauten modernisiert, B. bie Kreuzer .Berlin" und .Hamburg". Im Sommer 1911 wurde die 27 Seemetten laufende .Köln" in Dienst gestellt: bet jetzige Admiral unb Ehes ber Marineleitung, Zenker, übernnahm damals als Kommandant das neue Schiff. Bis zum Kriege ist der Kreuzer im Verbände der Auf klärungsstreitkräs te g? ähren, dann wurde er unter dem Kommando des Fregattenkapitäns Mei dinget Flaggschiff des Admi- rals WaaS. des Führers der II. AufllärungS- gtuppe. Am 28. August 1914 schlug dem Schiff bie Tobe-stunde. Der Engländer halte bie deutschen Vorpostenstteitkräste in ber Bucht von Helgoland a'gegriffen. Die Kreuzer .Ariadne". .Stettin" unb ..Frauenlob" waren ben bedrängten Fahrzeugen zu Hilfe geeilt. .Köln" und .Straßburg" hatten Befehl erhalte», von Wilhelmshaven au- ebenfalls vorzustohen. Hebet das Ende deS Schisses weiß mar. niept viel. Die feindlichen Strritkräfte wurden zwar von ben bedrängten VotpostenstreiUrästen zurückge- brängt, die nachftoßenden Kreuzer kamen jedoch ins Gefecht mit starken englischen Kräften, bestehend aus einer Division von Schlachtkreuzern unb mehreren H-Booten. die plötzlich au3 einer Rebelbank heraustraten. Von dieser artilleristischen Hebermacht wurden bie deutschen Kreuzer zusammengeschossen: zuerst .Ariadne", dann Mainz* und um etwa 1.30 Hhr mittags .Köln". Rur ein einziger Mann brr .Köln", der Hetzer Reumann, würbe gerettet. Die gesamte übrige Besatzung mit alle» Offizieren fand den Seemannstod. als .Köln' 35 Seemeilen westlich von Helgoland unterging. Die zweite .Köln" ist erst Im letzten Kriegsjahre in die Flotte eingereiht worden, sie war moderner als bie erste, 5600 Tonnen groß unb mit acht 15-Zentimeter-Schnell euer^chutzen bestückt, allo stärker als ihre Vorgängerin. 3m März 1918 wurde das Schiss in Dienst gestellt unb im Sicherheitsdienst zum Schutze der Minensuchverbände verwandt. Zusammenstöße mit dem 5reinb hat sie nicht gehabt. Am 19. Rovembet ging auch sie mit nach Scapa Flow und wurde dort am 21. Juni 1919 versenkt. Eine dritte Köln", benannt auf Wunsch der Patenstadt Kiln, soll die Tradition bie'er beiden Schiffe in der neuen Reichsmarine hochhalten. Ihre Abmessungen sind noch größer als die der zweiten .Köln". Die Was erverdrängung beträgt 6000 Tonnen, das Schiff ist 170 Meter lang und mit neun 15-Zentimeter-Geschützen in drei DrillingStürmen bestückt Es gleicht also den schon genannten unb bereits in Dienst be- kindlichen Kreuzern »Königsberg" und »Karlsruhe". öle gleichen Rechte und wie die übrige Devöllerrwg des dern ein Ta Schande. das- diese Pflichten zunächst den Zeugen Riehl al- käuflichen Verräter. Gr betonte, daß er dre Veneidi- Landes haben fall. Oie Plädoyers im Autonomieprozeß. Colmar, 23. Mai. (WD.) Der korsische Rechtsanwalt Palmieri und der bretonische Rechtsanwalt Feillet bezeichneten den Auto- nomiSmus in Äorftfa bzw. in der Bretagne al- «ine Parallelerscheinung des elsässischen Autonomismus. DaS sei ein Beweis dafür, dah der AutonomiSmuS selbst nichts strafbares fei. Palmieri hob hervor, dah nicht die Auto- Twmisten von internationalen Rückwirkungen der Autonomiebewegung gesprochen, sondern ihre Gegner, di« stets tue Hand Deutschlands im Spiele sähen. Man lebe doch mit Deutschland ;n Frieden und habe sogar di« Locarno vertrüge unterzeichnet. Man habe sogar behauptet, dah Deutschland nicht nur die elsässische, sondern auch die korsische Autonomiedewegung unterstützt habe. Wenn die Schutztruppe der Autonomisten etwas Strafbare- sei. dann mühten die in Frankreich stehenden Schutztruppen, di« genau so auf- gebaut seien, ebenfalls vor Gericht gezogen werden. Ss werde nicht, wie der Staatsanwalt Tlordschleswigs Not. Keine Hilfe der dänischen Zentralregierung Gramm (Rordschleswig), 23. Mat. (WD.) Staatsminister Madsen Mybal. der sich zur Zeit auf einer Desichtigungsreise durch die norb- fchleswigschen Rotstandsgebiete befindet, hielt hier l in einer öffentlichen Versammlung eine Rede, in der er sich hauptsächlich mit der Lage in f Rordschleswig befähle. Er führte u. a. aus. die . Forderung nach einer Unterbrechung der ' Zwangsversteigerungen und Herabsetzung der öffentlichen Schulden sei nicht nur undurchführbar und ungerecht, ihre Erfüllung würde auch vollkommen zerstörend auf die Landwirtschaft einwirken, deren Stärkung sie angeblich dienen sollten. Die Erfüllung des Verlangens nach Herabsetzung der Schulden wegen später eingetretenen Steigerung des Kronenlurses würde zu einem Ehaos führen. Dies gelte nicht nur für Dänemark, sondern für alle europäischen Länder, deren Valuta in Einordnung gewesen sei. Die in Schwierigkeit befindlichen Landwirte sollten sich schnellstens um Rat und Hilfe an die Vergleichsausschüsse wenden, die in jedem Terichtsbezirk des Landes eingesetzt worden seien. 3n vielen Fällen würde sich ein Vergleich erreichen und eine Versteigerung vermeiden lassen. Dänemark beabsichtige nicht, besondere Regierungen für die einzelnen Landesteile zu errichten. Die Geschichte des Landes zeige, dah stets ein Fehler begangen worden sei in den Fällen, in denen solches versucht worden sei. Wenn sich in Rordschleswig älnzufriedene befänden — und solche gebe es Wohl — so mühten sie die Gesinnungsgenossen im übrigen Lande suchen, um eine vermeintlich bessere Zentralregierung zu erreichen. Der Minister erklärte weiter, waS die nationale Minderheit betrifft, so wünschen wir. gesagt habe, ein Tag des Ruhmes (ein. wenn die Geschworenen di« Angeklagten verurteilten, fon- Eag der Trauer und der Rechtsanwalt Feillet brandmarkt« Oie Verjüngung unserer Flotte Wä(G.nd sämtliche Rationen alljährlich Dutzende von groben und kleinen Kriegsschiffen auf Stapel legen, gestattet der Versailler Vertrag uns nur eine sehr bescheidene Flotte zu unterhalten, deren stärkste Einheiten nicht einmal die Kampfkraft eines Durch- schnittslteuzers der Engländer, Franzosen oder Amerikaner besitzen. Auherdem besieht unsere Flotte nur aus überalterten _6 928. 7 * abends. rLcUervorausjage. Die Luftdruckoertettuna zeigt kein« nennenswert« Aenderung, nur im Suowesten von Spanien her, har der bohe Druck weiter an Ausdehnung gewonnen. Das Zusammentreffen oerschiedener Luft- maffen führt bei uns immer noch zu keiner Destän- digkeik der Wetterlage und gelegentlich kommt es zu ocreinz^ien Niederschlägen gewttterhafter Art. Wettervoraussage für Freitag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, geringer Temperaturantzieg. noch vereinzelt Rieder- schlüge. Wi tterunAsauSfichten für Samstag: Weiterhin wolliges, auch aufheiterndeS Wetter mit mäßiger Erwärmung. Lufttemperaturen am 23. Mai: mtttaas 14,1 Grad Celsius, abends 5,1 Grad Celsius; am 24. Mai: mor- £«» 9,6 Grad Celsius. Maximum 15,4 Grad Celsius. inimum 4,5 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 23. Mai: abends 14 Grad Celsius; am 24. Mai: morgens 10,7 Grad Celtzus. — Nrederschlag 1,6 Millimeter. — Sonnenscheindauer 5V* Stunden. MZ 5^® uiK Qler -'n Bauend** I d« ö*-. an di« JJtoJ «* Snl Stall' °>Uen und S.'**® a w*U 8> .1?vÄ !n’^*SÄ Welt." Jifhing 'kahlwerkm. ^'Sörde" - iy 6ti 3tba, e brachrn y^i iJ’IM “BNtn angtfteaten P £• «Ä M 4 Ätonfaijkmi «. der tSJUJ nhnuvgiülk. .kurj nach 16 M ura?,enbonu8 der Ivener M QU| passierenden Safi. M auf. Iurch den WH der Aou>r. lbgerissen und le^, Mche iZahrgösle de, Acrirtzunzen. tin !« utitr bin Ir-m. ™ Whtl-n Bt:g- Itanspoü iiim Deiirtzstn beträgt 16, letzte. Die gahrgätze )tm Sdjredtn davm. M sich das Unglud > Tlraßenbohnioageni > des Loftkraswazt?.- die fahrenden Wagen rif|en wurden. ' in Tirginicn. der Nähe des Drtn ignete |ich eine E;pio- itr geborgen. Die er- ich vier Drrmihle ii pol übersiogen. Telegrambtjran.'l Die den 'Jlorbpol übt? Kaubern LKchllcn. -Kesna rourbt ein n von Müder» über- .en ins Gebirge ent- Geiangenen er|i nach ergeben. rr f ur Oagt* - ,ssi«eH äSP®* s25öS> |fi<«. usiagk' >«' =5 SS - i’ÄÄ gl« r,1“ s'AS K'iK M Aus der Provinzialhauptfiadi. ®i«6en km 24 Wai 1928. Milch bei Eierenfronten. Don Df. meb. D. Schweisheimee. Der Ttetenerhanlunflen loll Welch ben Grundstock bet Tahrung bilden- Sieht man sich ac- nauer um eine wissenschaftliche Begründung lut bide Tatsache um. so wirb man halb merken, hart) sie nut schwer zu geben ist. Die zwcilello- günstige Teeinflulfung der T.erenleiden durch Wilchge.iuh ist theoretUch nicht ganz erklärbar. Die günftige Wirkung hat sich aber durch lang überlieferte Erfahrung und vtellausendfälttgc De- vbachtungen am Krankenbett ergeben. ($4 wäre schlimm, wollte bie Wed..zin nur au- theoretischen •ttenntnrfien und nicht auch aud praktischer Erkahrung ihre Waffen zur KrankheitSbehand- lung gewinnen Jede Tahrung bei Tierenletbtn muh daraus bedacht sein, bie erkrankten T.eren zu schonen. Die Ti eren haben eine lebenswichtige Aufgabe zu erfüllen: sie entfernen die in flüssiger Foon im Diu! enthaltenen Abfallstvffe aus dem Körper. Zu diesem 3a>ed sondert bie Tliete ben 5)arn ab Er besteht bet THcn.qe nach hauptsächlich aus Wasser. Den wicht rgen Bestandteil mache« aber bie la ihm gelösten Stoffe auS. De» seinem Tundlauf durch den Körper vom Herze' wieder zum Herzen zurück muh da- Dlut zwan.iSläusig bie gieren durchströmen. Alle Abfälle aus dem vloffwechlel (soweit sie nicht durch den Darm, die Lunge ober die Haut abgegeben werden) lind ün Harn zu f in ben. Die Abbauprodukte deS Eiwelhes in der Tahrung finden sich im Harn aiS Harnstoff, Harnsäure usw. Tormalerweise tritt ün Harn Giwettz selbst nicht auf Ist da- doch bet Fall, so ist hierin ein wichtiger Hinweis auf eine Erkrankung bet Aieien gegeben. i »rkanfungen der Vieren werden durch die mannigsalllgsle Ursache bervorgerusen. Man muh sich bewuht sein, daß beispielsweise bei Infektion Krankheiten die Krai.lheit-keime (Bakterien) und ihre Gifte großenteils durch die liieren ausgeschieden werden Sie können daher leicht zu Erkrankungen Veranlassung geben, zu afu.en Ent» züudüngen der Tieren und — wenn bie Erkrankung sich feftsetzt — zu chronischen Tieren- leide i Ge ä'.veränte un en im Körper iAr'erio- niecole. S o jwechselle.^en. Herzkrankheiten) geben gleichfalls zu Tierenerkrankungen Teran» lolsung. Wohl zu versieben ist e-, dah bei Ter» Ätzungen bie Tieven oft bie hauptsächlich ge- bäbigten Organe sind: sie müssen ja die Aus- scheibung de- Oistes auS dem Körper in erster Linie betoerfihUifen. Die ertränkten Tieten sinb auf- lebhafteste damit beschäftigt, bie erkrankten Teile toicbcr her- zustelsen, euigebrungcne Kra ikheitskeime zu entferne» einen qoffen Teil ihrer Arbeit vef wenden sie auf bie Aufgabe bet Heilung. Trotzdem muh die Ausscheidung des Harne- unaufhaltsam weiter vor sich gehen, weil sonst schwere Schädigung des Körpers und Schlimmere- rasch eintie.en würde, ^üt den Kranken und seinen Arzt gilt es nun. die Arbeit der Harnerzeugung in bet kranken Tiere möglichst zu erleichtern. Alles, was eine besondere Belastung für die Tieren bedeutet, muh toegbleiben. Die richtige Tegehmg der Ernährung ist deshalb von au»* fchlaggebender Deteutuna, sowohl bei der Te» Handlung akuter Tierenkrankheiten, wie bei der LeienS'ührung von chronischen T erenkrankheiten. Milch bringt in der Mehrzahl der Fälle eine grobe Entlastung für bie Tieren mit sich. Die neuere Ernährungsbehandlung bet Tieren» leiden achtet je nach der Art der Krankheit vor allem auf zwei Punkte: ein Freisein bet Tahrung von Kochsalz und anderen Gewürzen, ober einen möglichst geringen Gehalt bet Tahrung an El- weiß Tun ist vor allem da- Eiweiß in bet Milch w einet besonder- geeigneten Form enthalten. E— 'st in ber Tahrung ist für den Körper i nentbeh sich: cä baut und erhä.t alle Gewebe u Organe. Schon beim Kind aber wird da- Eiweiß bet Milch vorzüglich verdaut und vertrapen. während andere- Tahrunqs- eiweih (Fleisch. Ei) nicht zuträglich ist. Der Tierenkranke lehrt also mit der Deckung seines Eiweißbedarfes durch Milch zum Teil zu den Er- nährungSnotwendigkeiten des Säugling- zurück. Die andere Frage ist bie de- Kochsalzgehaltes Milch enthält Kochsalz in geringer Menge (bi- »u 0,18 Prozent). ES gibt Fälle von Tieren- erkrankungen. wo auch dieser geringe Gehalt an Kochsalz schon störend wirkt und wo überhaupt große Flüssigkeitsmengen nicht angezeigt sind. In derartigen Fällen wird man bie Mischkost hei Tietemrankn einschränken. In sehr vielen anderen Fällen schadet ber Kochsalzgehall nichts. und bie Durchspükuatz wird besonders hell- fam empkunden. Gerade in 'olchen jO^en von Tw-.enleiben. m denen die Geiahr besteht, dah die ;.n Körper insolge der ungenügende, Aie.en- au-kcheidung zurückgebl.ebenen giftigen Bestandteile sich werter anhäu'en, wird man reichlich Flüssigkeit geben Dae Blut wird dadurch verdünnt. bie W rkfamke r bet Stoffwechselteste in- Äelfen her abgelegt, kü« giftigen Bestandteile sich ausgefchwe'nmt. Diese Bevotzußung von Flüssigkeit wtrd namentlich in jenen Fallen angezeigt lein, bie nicht mit WafterzurücHalkung im Körper (CebembÜbung) einhergehen Wenn zahlreiche 2krMc die au - schlieh » liebe Ernährung mü Milch bet Ticrcnlranlen nicht mehr für richtig halten, so sollte bie Milch boch die Grundlage der Tahrung bildete. Wo eS möglich ist. reich-lich Milch zu geben, gewährt sie dem Titrtnfran!en noch einen anderen Torteil. Für den Tierenleidenden ist die H a u t als AuS- scheidungSorgan von besonderer Bedeutung Schon normalerweise werden durch die Hautporen und Hautdrüsen Gndstofse de- Stoffwechsels auS- aeschiebcn Bei den Tierenlranfen ist die Ausscheidung durch die Tieren mehr ober weniger behindert. Die Haut eracht in verstärktem Maste die Ausscheidungsarbeit der Tieren. Schwitzen ist eine für Are renkranke meist sehr bekömmliche Tätigkeit. Mit dem Schwelst werden überflüssige Stoffwechselreste durch die Haut auS dem Körper entfernt Der Milchgenust stellt gleichzeitig mit der TahrungSzufuhr dem Körper bie Flüffig- keitsmengen zur Teilügung. deren er zur Echweistotldung bedarf Milch gehört jedenfalls auch zur kochsalzarmcn Kost, bie für Tierenkranke in einem großen Teil bet Fälle vorgeschricben ist. Die strengen Formen ber wchsalzarmen Kost lassen sich von ben Kranken auf die Dauer nur mu Widerwillen geniesten. Die kochfalzarme Zubereitung läßt die ben Kranken erwünschte Mannigfaltigkeit und Adwechlluna in ber Ernährung vermissen. Gaben von Milch gestatten eS. hier eine höchst willkommene Ab- wechllung in bie Ernährung zu Bringen. Zusatz von ein wenig ganz leichtem Kaffee ober Tee zur Milch ist auch bei Tierentranfen gestattet, anbere Kranke ziehen bie Terbinbung mit Kakao oder Schokolade vor, wieder andere mischen die Milch mi! irgendeinem Mineralwasser. Wenn Milch von chBonisch Tierenleidenden dauernd getrunken wird und Störungen in der TerbauungS- tätigfeit zur Folge hak. so hat sich ber Zusatz von etwa- Sichellakao bewührt. Auch die anderen Formen ber Milch: Kcsir. Joghurt usw. können häufig angc^einl sein, namentlich bei solchen Tierenlranfen, denen der Geschmack der gewöhnlichen Milch auf die Dauer nicht zusagt. Jeder Tierenkranke must selbst ausfindig machen, xu welcher Zeit am Tage ihm bie Milch am besten bekommt. In der Tegel wird eine gleich- mästige Terteilung der Milchmenge auf den Tag angezeigt fein. Die Aufnahme allzu großer Mengen auf einmal ist nicht angcneigt. weil die Milch rasch im Magen gerinnt rnb die gebildeten Klumpen nicht so rasch verdaut werden. Aus dem gleichen Grund wird Milch bei Wanderungen und beim Gehen oft nicht so gut vertragen, wie bei einer Milchkur im Bett. Immerhin treten derartige Beschwerden doch nur selten auf. Für den Tierenkranken kommen auch Milchabkömmlinge alS TahrungSmittel in Betracht: ungesalzene Butter, die meist sehr beliebt ist, Tahm, ferner ungesalzene Käsesorten. Daten für Freitag, 25. Mai Sonnenaufgang 3.56 Uhr, Sonnenuntergang 19.58 Uhr. — Mondaufgang 9.52 Uhr, Monduntergang 104 Uhr. 1277: Grundsteinlegung zum Straßburger Münster-, — 1681: der spanische Dichter Don Pedro Cal- deron be la Barca in Madrid gestorben (geboren 1600); — 1818: der Kunsthistoriker Jakob Burkhardt in Basel geboren (gestorben 1897): — 1855: der Maler Eraf Leopold von Kalckreuth in Düsseldorf geboren; — 1865: Friedrich August III., der ehemalige König von Sachsen, in Dresden geboren. Bornotizeu. — lägestalenber für Donnerstag. Gießener Schwimmvcrein: 8.30 Uhr, Monatsver- lammlung Im .Hotel Köhler. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Spione". — Astoria Lichtspiele: „Der Stierbändiger". Siebener Wochcnniarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190 bis 210, Matte 30 bis 35 Käse (10 Stück- S0 bi« 140. Wirsing 40. W 'ikraut 25. Totkraut 45. gelbe Tüben 45 biS 50, rote Tüben 20. Spinal 20 biS 25, Tömilchkohl 20 biS 25, Spargel 100 bis 135. Erbsen 60. Tomaten 120 bis PO. Zwiebeln 20 bis 25. Thabarber 20 bis 25. Kartoffeln 4 bis 5, Aepsel 15 bis 40. Suppenhühner 100 bis 120 Pf da- Pfund; Eier 11 biS 12. Blumenkohl 80 bi- ISO. Salat 20 bi- 30. Calatgurfen SO bl« 100. Ober Kohlrabi 40, Lauch 10 bi» 20. Tetttch 30, Lauben 70 Pf. bat Stück. Rad.eschen Bd 15 bi« 20 Pf. " Personalveränderungen in der hessischen Staatsanwaltschaft. Der Staatsanwalt bei dem Amtsgericht Darmstadt ll Dr. Han- Weufezahl wurde zum Liaatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und der Amtsgericht-rat bei dem Amtsgericht Höchst 1 L>. Kurt Steinberger Aum Staatsanwalt bei dem Amtsgericht Darmstadt ll ernannt "Eoangelisch-kirchlichePerfonalie. In den Ruhestand versetzt wurde auf sein Nachsuchen der Pfarrer Georg B e ck e l w Södel, Dekanat Hungen, unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste mit Wirkung vorn 1 August d. I. ab ” EI n preisgekrönter (Siebener. Bei dem Rcfotm Preisausschreiben 192«, da» die Zahn technische Rcform in Berlin für Deutschland veranstaltete, wurde dem Dentisten Han» Di u b n ((Siesten) für seine sachliterarische Abhandlung über das Thema „Die technische Herstellung ber verschiedensten Systeme des Stiftzahn- und Kronenersatzes nebst an- ich testenden iheoretischen Erwägungen und prak tischen Erfahrungen über ihre jeweilige Eignung in äslhettscher und funktioneller Beziehung- der erste Preis zuerkannt. •• Seltener Pflanzenzuwach». Zu den beiden Notizen in unseren Spalten In den letzten Tagen wird uns von einem Giestcner Leser mit- geteilt, daß er da» Frühlingskreuzkraut (Senecio ver- na!is) auch schon im kreise Äiesten gesehen hat. Mit S.cherhelt erinnere er sich, daß e» bereit» 1925 und 1926 am Damme der Main-Weser-Bahn, unmittelbar nördlich der Unterführung der (Babelsberger Straste, stand. •* Da» verunglückte ffiiefeder Auto. Im Bilderaushang in den Schaukasten an unserem Geschäftshause haben wir zwei photo raphische Aufnahmen ausgestellt, die den bei Leidenhofen verunglückten Wicsccker Autoomnibus zeigen. J Lehrgang für lurnleprertnnen. Der ursprünglich im vorigen Winter für Friedberg vorgesehene Turnkursu» für Lehrerinnen, der wegen Mangel an Beteiligung aussallen muhte, findet nunmehr in der Zeit vom 4 bis zum 23. Juni in Michclstadt im Odenwald statt. Unter der Heilung von Oberreallehrer Klö » (Friedberg) und unter Mitwirtung der Turnlehrerin Frl B a u d e l (viiehen) werden nachfolgende Stoffgebiete behandelt werden: Geh-, Lauf, Sprung- und Wurfschule, die wertvollsten Haltung: Übungen in der rhythmischen Gymnastik, Geräteübungen, Lehrweise im Unterricht, Spiel und Volkstanz, Schwimmen und Musterstunden de» Leiters mit seinen Schülerinnen. Zugelassen sind Lehrerinnen und Anwärterinnen, auch solche, die schon früher einen Kursus besucht haben. " DiePersonalkreditefürdenMit- telstand. Das Teichsfinanzministerium hat zur Sicherung her von den Sparkassen gewährten Personallredite s^hr wichtige Torschriften heraus- gegeben. Tach dtesen Bestimmungen gelten in Zukunft bie Mittelstandskrebite bet deutschen öffentlichen Sparkassen nut bann al« gesichert, wenn bas Darlehen gegen bie Bestellung einer Sicherheitshyposhek nach den sonst üblichen Grundsätzen der Sparkassen bei Hypothekengewäb- rung gewährt worden ist. Sie gelten weitet al« gesichert, wenn festverzinsliche Wertpapiere hinterlegt worden sind, die von ber Teichsbank al« mündclsicher erklärt wurden. Auch bie weiter angeführten Bedingungen zur Sicherung von Mittelstandskrebiten zeigen deutlich da« Bemühen, trotz strenger Beachttmg beS SicherungSgebankens für die in Frage kommenden BevölkerungS- lchichten keine allzu einengenden und unwirtschaftlichen Bestimmungen zu treffen. *• Konzert in der Nervenklinik. Man berichtet uns: Die Reichsbannerkapellc „Schwarz- Not-Gold", Gießen, hat es sich nicht nehmen lasten, dem guten Beispiele anderer Kapellen und Vereine nachzucifern und den Kranken einige genußreiche Stunden durch konzertliche Darbietungen im schonen schattigen Gatten der Nervenklinik zu bieten. U. a. kamen zur Ausführung und wurden mit regem Beifall aufgenommen: „Frei weg" von Lathan, Ouvertüre von Keeler Bela, Konzertwalzer von Hauser, Neichsbanncrmarsch von Helnzberg usw. Der Teichs- bannerfapeUc, sowie ben Mitgliedern ist man für ihre Opfcrwilligkeit sehr dankbar. ” Austrieb zum heutiaen Frankjur- ter Schlachtviehmarkt: 7 Kühe, 3 Färsen, 1605 Kälber, 51 Schafe und 809 Schweine. Berliner Börse. Berlin, 24. Mai. (WTB. Funkspruch.) Auch im heutigen Tormiltagsverkehr bleibt die Stimmung freundlich. Die feste Haltung an den gestrigen 2luslanddörfen regt her an, zumal man glaubt, daß das Ausland wieder größere Kau'orderS nach Berlin le(xn wird. Das Haupt- intetesse besteht weiter für S'ektrvwart« unter Führung von AEG- und Siemen- und für Zellstoff Waldho'. Die zu hörenden Kurse liegen 1 bis 3 Prozent über tc.n gestrigen Lchlust Geld bleibt weiter leicht AöD 185 Geld, Siemens 346 des 347 Geld. Farben 283 Geld. GessürA 289 bis 290 und Daidhoi 325 Geld Am Devisenmarkt nennt man Paris 124.02. Mailand 92.65. Spanien 29.14. das Pfund 488,22 und den Dollar 4.1767. ©er Frankfurter Bilderfälschungsskandal. WST. Frankfurt a M., 23 Mai Die gestern ^meldete Bilderfälschung-- af färe hat in Fra:ckfuct ungeheures Tuffeoen erregt. Der Maler Baumann, an und für sich ein geschickter Mensch, genoß in seinen Kreisen kein besonders gut?« Tenoinmee. Er galt als Lebemann, war auch bereits vorbestraft und soll vor Jahren in eine Banknotensälschcr- angelegenbeit verwickelt gewesen lein. Ander« liegt b-.t Fall bei dem inzwischen von der Kriininalroli^i verha !?t?n Antiiultä en- Händler Müller. Dieser ist brr Sohi hochachtbarer Eltern und ftanmt au« dem Taunus. Er steht h'utt bn 33. odT 37. L?ben^ahr und war vor dem Kriege Angestellter ber Musikalienhandlung von Andre Tach dem Kriege betätigte er (ich al« Tcrtreter. ver.au te Wein und Tabak und entschloß sich schl'.e llich. ein kleine« A tiqultät.'nf, schi t 4m Hirschgrab-m zu eröffnen. Da« Tragisch? d r ganzen Angelegenheit ist bie Tatsache, daß tm Hirschgrab.n in unmittelbarer Täte b - verha teten Müll« cm zweite« hochachtbares ?ntiauitäle n- geschäs t beliebt, b den J-Ha5er zufäll. g ebenfalls Otto Müller hristt. bem bie dunklen Angel g nhriten b:d Terha teten (c‘jr bäujig in die Schuhe geschob n wurd.n Muller hat übrigens in seine n G^'chä t bereit# leit Wochen bankerott gemacht, ofrn' ba'3 sei . Familie von der Lache ciroaS erfuhr. Gr soll sich weiterhin insv'em strafbar ge.nacht haben, als er einige Teppiche, die ihnt lediglich fom- missionSweifc antxrlraut tra .m. versetzt hat In die Angelegmheit selbst ist eine ganze Anzahl von Personen verwickelt, die entweder in den nächsten Tag n verha ket werden sollen, ober aber noch von dnc Pelizei gesucht werden, da sie flüchtig g.xiaigcn lind. ES ist die- zunächst der obei erwähnte Maler Baumann. der seit einigen Wochen au« ’5ranliu.t verschwunden ist. Ferner wird von der Pollzer gesucht ein Kausma n na nen« Danny Strauß, der bie Bilder verlaust bzw. Interessenten für die Fälschungen gesucht hat. Toch eine Anzahl weiterer Personen kommt in F- age, die sich um die Termittlu^g der Falsisilate bemüht Haden. Ss steht h:utt übrigen« noch nicht fest, ob Müller, der keine Verbrech er natur ist, sondern lediglich ein leichtsinnig r halt'oler Mcn,sch und durch feinen Leichtsinn in das Unglück hi ein- geraten ist. gewußt hat. da r es sich um Falsifikate handelte. Man wird wohl annehinen dürfen. daß er darüber orientiert gewesen ist, aber ein Beweis hierfür licat noch nicht vor. Es dürsten in den nächsten Sagm weitere Verhaftungen zu erwarten fein, und e- ist anzunehmen, daß zur Beruhigung d?S Publikum«, das derartige Bilder g?fau't hat. in den nächsten Tagen eine genaue Liste ber tellm»aso88 Strebsamerbraver Junge als kaufmännischer Lehrling von Grofihandlung ges. Schr.Angeb.un> 04003 an d. lÄiefi. Anz. Pfarrer Adtermann Anneliese Ackermann Die Beerdigung fand in Schwanheim statt. 5227D Steinbach, Oppenrod, den 24. Mai 1928. Die Beerdigung findet Freitag, mittags 3 Uhr, statt Todes-Anzeige. Gott der Herr nahm unsere liebe Frau und Mutter In tiefem Schmerz: Marie Horn geb. Hahn und Kinder Todesanzeige Gestern morgen 5 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden in der Klinik zu Gießen mein lieber Mann, unser treusorgender Vater Heinrich Horn I -.RA e d i: 0 0 0 Gießener Anzeiger M warnen ; Sie Erlabreoe» und »u- verlässige» iE KM sindeli-LintamIUrn- bauShaii Irtunbl. Heim delguiemLohn Aulweg 60, am Ende b. Vieblgitr. IdjährigeS. fieiti c; Mädchen 'analoloti i. büntv tdjtn twuMjalt ol"e iandwirischaii cm- dreien. Mvnml^!vdn NM.N..u.Lv«al- veriichnuntz. ^wt an Niedrer ^akod, BemaucnSmann deSVoWdri»'>wd Jugendami» Iw- nabt, (t-,»» WME #»*«»• bilifll I.M $eucn Säue 1, Telephon^., 6** gesunden Schlaf »d 6*,li,q Nerven V l« tv* n. fl h w.’-V’v D Ur. 121 Zweites Blatt Juan Vicente Gomez, der »Präsident von ©off'. Don Herbert Locques. Jach bisher unbestätigten Sachrichten aus RcuyoOk 'all Präsident Gomez ermordet worden lein. Die nachstehende Schilderung von Sorbert Jacques, der vor wenigen Wochen Venezuela bereist hot. steht baber im Brennpunkt deS TageS- interelses. Die Ausstände in Vene- »u e l a von denen Sorbett Jacques hier berichte: und von denen wir nichts erfahren haben, sind das beste Borzeichen für die tragische Entwicklung, die indessen eingetreten sein soll. Die überragende Persönlichkeit von Gomez und die Bedeutung seines Wirkens für die Interessen der deutschen Wirtschaft erfahren hier eine Würdigung, die wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen. Es gibt eine sinnvolle kleine Geschichte, die in der Schulzeit uns allen begegnet ist. Sin fremder Bursche geht durch Amsterdam und fieht ein märchenhaft schönes Gespann. Sr fragt einen Solländer Wem gehören diese schönen Pserde? nd hört zur Antwort: Kannitverftan. Der Bursche kommt an ein Schloß von wunderbarer Pracht, und wieder wird auf feine Frage «antwortet: Kannitverftan. So geht es weiter. Bis er sich sagt: Dos muß ein glück!über und reicher Monn lein, dieser Herr Kannitverftan I Schließlich trifft er aus einen Leichenzug. Wen begräbt man. sragl er einen der Teilnehmer? llnb nochmal- erführt er: Äannitoerftan. Woraus er au- seiner Unlcnntni® der holländischen Sprache die notwendige Lehre zieht, wie nah 'm Leben eines einzigen Mannes Reichtum und Tob stehen und wie wenig bas erste einem nutzt, wenn das zweite einen bei der Hand nimmt. Das in Amsterdam eine nette Geschichte mit Autzanwenduna ist. da- ist in Venezuela Wirklichkeit Auch hier hört der neugierige Frager immer den selben Hamen, und waS tn diesem Land loS ist. ist an ihn gebunden, an einen Samen, der als Geißel GotteS seit zwanzig Jahren über diese» Volk gezückt liegt. Aber es ist kein Same, der sich zum Schluß in eine heilsame Lehre wandelt, sondern er bleibt Wirklichkeit. und man kann den Ereignissen, die sich dort vorzubereiten scheinen, nicht nübertreten, ohne dielen Samen zu nennen und etwa» über den Mann zu sagen, der ihn trägt: Präsident Gomez. .General Juan Vicente Gomez", wie er offiziell heißt Sr stammt auS San Antonio in der Kordillere an der Grenze Kolumbien», wo er Viehhändler war. Er ist indianischer Abstammung. Vor zwanzig Jahren hat er die Reise seine- Vorgängers und Freundes Castro nach Deutschland benutzt, um zur Macht zu kommen, llnb hat in diesen zwanzig Jahren da- Land so vollkommen in Besitz genommen, daß das Volk verarmte, während die Familie Gomez ungeheure Reichtümer erwarb. Das Vermögen Juan Vicentes allein wird auf eine halbe Milliarde gerechnet. Er war nie verheiratet, hat aber fünfzig Söhne von verschiedenen Frauen als eigene anerkannt und mit Pfründen ausge stattet. Gr hat Me Kasematten des Fort- von Puerto Cabello dazu benutzt, seine Gegner kirre zu machen, rückte hnen mit Eisensesseln xu Leib, mit der Folter an ihre Seele, wenn sie die mitverschworenen Kameraden nicht verraten wollten. Erst vor zwei wahren entlieft er die letzten aus den nassen Verließen am Meer. Reift man heute durch Venezuela. so wird in jeder Ortschaft über einen ?uch gesührt. und man ist keine drei Stunden öes Tage» unbeobachtet. Gomez hat erreicht, daß er das Heer fo gut wie auflösen konnte, das heißt, er beschäftigt es in feinen Pflanzungen ndem er zu der Staatslöhnung aus seiner Tasche Me Hälfte draufbezahlt. Durch zwanzig Jahre hindurch wagte niemand mehr gegen thn aufzu- treten. Die Zeitungen waren in einem eisernen Zwang gesessell. Diese Tatsachen, mit ihrem äußern Gellcht so herqezeigl. ergeben das Bild eines abscheulichen und gierigen Tyrannen. Aber dieses Bild ist merkwürdigerweise falsch, denn Juan Vicente ist tinc der größten, stärksten und irgendwie ge- Klabunds „Kirschblüienfest" in Bad-Aauheim. Die gestrige Erstaufführung des japanischen Lühnenfpiels .Das K i r f ch b l ü te n f e st' von KIabund (Alfred Henschke) im Dad-Aauhei- ner Äurtfjcatcr trug festlichen Charakter und gestaltete sich nicht nur zu einer theatralisch- iterarifch anregenden und interessanten Begebenheit, sondern zugleich auch zu einem ausgefvro- hen gesellschastlichen Ereignis. Was das Stück betrifft, fo ist es vor einiger Zeit in Hamburg uraufgeführt worden. Im Gefolge dieser Premiere wurden wenig erquickliche Einwendungen gegen den Autor erhoben, bem man eine, das zulässige Maß übersteigende Anlehnung an seine Vorlage, ein Drama des Tafcba Izurno. zum Vorwurf machte. Wir 'tob. da unS diese Quelle unzugänglich war. nicht n der Lage, die llkerarische Situation zu beurteilen. Wir würden uns aber, selbst wenn cS nöglich gewesen wäre, auf Grund eigener Text- ?crgleld)ung zu sprechen, vermutlich in der Sc- rcrhmg der Leistung Klabunds Zurückhaltung lufcrlcgl haben, da unerfreulicherweise seit längerer Zeit eine Art von Plagiatriechcrci bei ms üblich geworden ist, die durch die immerhin ^hlbaren, peinlichen und verurtellenswerten Jälle dieser Art in solchem Umfang nicht gerechtfertigt erscheint. ♦ Dagegen wird sich der Vergleich des .Kirsch- blutenfefieß“ mit dem .Kreidekreis" schon aus Gründen der Stoffverwandtschaft auf drängen, inb es muß ringe räumt werden, daß das iapa- rische Spiel jenes chinesische bei weitem nicht erreicht. llnb zwar aus dem einfachen Grunde, keil vom .Kirschblütenfest" nicht jene starken rmd mannen Ströme menschlichen Gefühls auf den Beschauer und Zuhörer übergehen, die und da» .Kreidekreis"-Spiel so über alle llkerarische Besonderheit und kulturellen Abstände hinweg verwandt und vertraut machte. Die Sprache des HerzenS nämlich ist — eine alte Weisheit — Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Donnerstag, 24. Mai 1928 nialsten Persönlichkeiten der neuem Geschicht-v ein Mann, wert einer der großen Ausgaben, ein Mann, wie derjenige Mann aussieht, nach dem sich heute alle Länder Europas sehnen. Mein Chauffeur auf der vierzehnhundcrt Kilometer langen Reife durch die venezuelischen Anden, ein Syrer und gebildet, tagte mir eines Tage-, als wir durch das Heimatdorf von Gomez fuhren: Gomez, pst, man darf nicht laut über ihn sprechen. Er ist kein Präfident. kein König Er ist ein Geheimnis. Er ist von Gott unmittelbar. Und fo waren in der Tat die Auswirkungen diefer saftvollen und fo bewunderns- wie haffenS- werten Persönlichkeit. Sehen feiner Roheit stand eine außergewöhnliche Großmut. Schlauheit und Genialität find eins bei ihm. Dille und Mittel desgleichen. Ab r auch in seiner Gier liegt die Satoitöt eines Naturgesetzes. Es ist. als ob in ihm die Schöpfung in unser Jahrhundert eine Kreatur gefetzt habe in der sich noch nicht Gut und Böse spalteten. Schwer ist eS. die Synthese einer solchen Veranlagung zu erkennen. Ich kann mir nichts anders vorstellen, als bah in ihm sich alle guten und schlechten Eigenschaften und Eigenarten deS Vol kes. ans dem er entffanben. in einer restlosen Mischung häuften. Lr ist heute ein Wann von über 70 Jahren, und als kürzlich auf feinem Gut ein rasender Stier durchbrannte und die Viehknechte ihn nicht einfangen konnten wurde er zornig und ritt selber aus. hat auf der Verfolgung zwei Pferde kapultgeritten und das wilde Tier abends am Lasso heimgebracht. Und Venezuela ist ein Land geworden, in dem nachts keine Tür verschlossen wird, kein Mensch mit einer Waske auf dem Weg ist und Diebstahl und Totschlag äusgehört haben. Aber wie gesagt, wirtschaftlich ist das Volk auS- geronnen. und geistig ist es seit zwanzig Jahren in Ketten. 3m Dezember 1927. als in Maracay die Bombe gefunden wurde, fand man zugleich Gerüchte. Die im Lande wie von einer heimlichen Saat aufgingen: daß Gomez seinen Sohn, Ventral 3 u an 3 of 6, zu seinem Sachfolyer wählen lassen wollte und daß daS zu Weihnachten geschehen sollte. Dieser Sohn Juan 3ofe, dem unter anderm die Spielkonzessionen in Venezuela als Psrunde gehören, ist nun aber aufs leidenschaftlichste gehaßt, weil er vom Vater nur die brutalen Eigenschaften geerbt haben foll. Er ist nicht mehr der Mann, der selber Naturgesetz ist, er ist nur noch ein Ausbeuter von Vorgefundenem. Ztveisellos hängen die Gärungen, die nach 20 3ahren jetzt an der Oberfläche erscheinen, mit diesem Gerücht zusammen, und daß der alte 3uan Vicente den Mut nicht besaß, zu Weihnachten diesen Sohn gegen die Auflehnung des Dolles durchzusehen, scheint seinen Gegnern verraten zu haben, daß auch der Wille des Alten brüchig geworden ist. Sun begannen sie loSzuschlaaen. 3n der ersten Mörzwoche 1928 ereigneten sich in Caracas Begebenheiten, die von der Zensur so gewaltsam verheimlicht wurden, daß man m den entfernteren Städten von Venezuela selber keine Kenntnis davon hatte. 3ch kam in dieser Zeit von Kolumbien her wieder nach Venezuela. Erst in Euracao wurde gerüchtweise davon erzählt. Dann gelangte ich nach dem venezuelischen Hafen Puerto Cabello und erfuhr folgendes, das nicht als Gerücht, sondern als Tatsache zu gelten hat. da die Gewährsleute Augenzeugen der Ereignisse waren. Während eines Umzugs in Caracas hielten drei Studenten Reden, die sich gegen d i e Regierung richteten. Die Studenten wurden sofort verhaftet. Aber 350 andere Studenten stellten sich mit einem solchen Ungestüm hinter ihre Kameraden und verlangten so ungebärdig und herausfordernd mit ihnen die Verantwortung zu teilen, daß die Regierung alle auf Lastkraftwagen über Valencia nach Puerto Cabello brachte und sie hier in das berüchtigte Fort einfperrte. Gomez ließ die Universität schließen. Die Professoren vereinigten sich, lehnten sich auf, und einer, der mit heftiger Leidenschaft die Befreiung der Studenten forderte, wurde ebenfalls nach Puerto Cabello gebracht. Gonzales, ein alter Gegner Gomez', richtete an den Präsidenten einen übernational, weltliterarisch gültig, trägt in sich völkerverbindende Kraft, klingt in allen Sprachen aller Rationen gleich und wird immer, eben vom Herzen verstanden werden. Darin beruht der Zauber und die innere Wirksamkeit des Spieles um Haitang. Das fehlt aber dem .Kirschblütenfest": jedenfalls werden diese allgültigen Töne reinen Gefühls nur stellenweise vernehmbar, oft übertönt, durch fremde Motive und mancherlei Beiwerk ixrtoirrt. Darübcrhinaus fehlt dem Spiel die stilistische Geschlossenheit, die eine theatralische Wirkung saft immer bedingt. Das Spiel ist nur szenciNveise dramatisch, ist in großen Tellen lyrisch und episch allzusehr belastet. Freilich muß zugestanden werden, daß das Lyrische Klabunds innerem Wesen vollkommen entspricht, und daß die reinste und dichterisch stärkste Szene des Stückes eben eine ganz lyrische, ganz un- dramatische LiebesKwiesprache ist. Wunderschön. ES Hingt wie Verse von Li tai pe oder Tu fu. Aber damit ist noch kein Bühnenstück geschrieben. UebrigenS ist diese Unausgeglichenheit auch ein Merkmal der sprachlichen Formung des Spieles: neben fefcr zarten, sehr klingenden, blumenhaftcn Wendungen voller Poesie und Stimmung finden sich (und überwiegen) Sprechpartien, die in einer höchst nüchternen Alltagsprosa, in einem harten und schwingungslofen Deutsch geschrieben sind. Stark ist der Eiirdruck des Fernöstlichen im Ganzen, der japanische Stilcharakter im Zu- sammen klang von Spiel. Musll, Figurinen und szenischem Rahmen. Lampions und Gong, altjapanische Ritterrüstungen, altjapanischev Zeremoniell, phllosophische Zurückhaltung im Gesühls- ausdruck, bemessener Körperchythmus und würdige Behäbigkeit des Umganges mit Menschen. Priesteckicher Drciklang beruhigter Greisensprache mischt sich mit vielstimmigem Chor, primitiven Maskenauszügen und tradllionsgebundenem Schwertertanz: das Schicksal der beiden Liebenden geschieht vor dem finsteren Hintergrund eines mikadofeindlichen Tyrannenregiments und Hingt aus in der merftoürbigen. mond beschienen en (und für europäischen Geschmack entschieden etwas süßOffenen Dries. Sr sagte darin, achtzchnmal habe er die Hand oon Gomez an sich spüren müssen und r.Sitter. Der Beifall zum Schluß klang herzlich und war verdient: Regisseur und Darsteller konnten sich mehrfach zeigen. Dr. Th, Kaffee, Torte. Kuchen, Eis und viele Zigarren und Zigaretten verabfolgt. Die Stadt Gießen hatte eine Einnahme an Vergnügungssteuer von 4086,71 Ml.. Vie S krähend ahn eine Mehreinnahme gegenüber dem normalen Betrieb von 16 389,— Ml. Die Zahl dem Fremden, die infolge der Veranstaltungen in der DolkShalle nach Diesten gekommen sind, ist mit 50 000 nicht äu hoch angenommen . Rechnet man. dast jeder Fremde einen Betrag von 2 Mk. durchschnittlich verbraucht hat. so ergibt sich hier eine Summe von 100 000 Ml., die nicht unwesentlich zur Hebung der Wirtschaft unserer Stadt beiträgt. Von dem bei der Stadt Gießen aufgenommenen Darlehen für den weiteren Ausbau der Halle in Höhe von 75 000 Mk. sind rund 56 500 Mk. für Verputz arbeiten, Anstrich, die Beschaffung von Pendeltüren, ein grobes Tor, Oberlichtvorhänge, Beleuchtungsanlage ufto. verausgabt. so daß von dem Darlehen noch rund 18 500 Mk. zur Verfügung stehen. Die Fertigstellung des Anstrichs, die Glaserarbriten, die Erstellung von Garderoberäumen, sowie die Heizungsanlage sind vorläufig zurückgcstellt. Letz- fere insbesondere deshalb, um erst die Erfahrung lennenzulernen, die andere Städte mit gleich groben Baulichkeiten hinsichtlich der Beheizungsanlage gemacht haben. Hm jedoch die Halle auch für Veranstaltungen im Winter benutzen zu formen und hierdurch rentabler zu gestalten, ist der Einbau einer H e i xu n g s a n l a g e vor allen Dingen ins Auge zu fassen. Aeußerlich hat die Halle insofern eine Verbesserung erfahren, als die beiden Haupteingänge mit Gailschen Plättchen belegt worden sind. Die Plättchen find von Herrn D r. Gail in liebenswürdiger Weile zum gröstten Teil dem Volkshalleverein gestiftet worden, wodurch der Verein eine bedeutende Ersparnis erzielt yai. Das Gelände vor der Halle ist im Geschäftsjahr mit zwei groben Grünanlagen mit Blumenbeeten und ferner mit einem betonierten Springbrunnen versehen worden. Die Herstet- lungskosten, die sich auf über 6000 Mk. belaufen, sind auf Kosten der Gewerbeausstellung verrechnet. Der Verein hat somit ohne eigene Ausgaben eine Anlage erhalten, die bei groben Festlichkeiten eine besondere Zierde darstellt. Im Laufe dieses Jahres sind bis jetzt zur Abhaltung gekommen: Veranstaltung des Herrn Reutzel, 7. und 8. Januar. Versammlung des Hess. Landbundes, 10. April. Konzert des Ar- beiter-Kultur-Kartells, 29. April. Mandolinen- wettstreit, 5. und 6. Mai. Ferner finden statt: 3. 3uni, Kinderfest des Roten Kreuzes. 10. Jubiläumstagung der Ober- hessischen Pilgermissivn. Ein Konzert des Konzertvereins. 1. September, Landeskolonnentag der Sanitäter. 8. und 9. September, Stiftungsfest der „Heiterkeit". Weiter beabsichtigt ein hiesiges grobes Damenkanfektionshaus die Abhaltung einer groben Modeschau. Aus den vielen Veranstaltungen ergibt sich, dah die Dolkshalle eine Rotwendigkeit für die Stadt Gießen ist und große Veranstaltungen nicht zur Abhaltung kommen könnten, ohne hohe Kosten für Ausstellung von Zelten. Verschiedene Vereine planen, die Volkshalle zur Abhaltung von Maskenbällen im Winter zu mieten. Ohne Einbau einer Heizungsanlage läßt sich die» jedoch nicht verwirklichen. Hm recht vielen Vereinen usw. die Mdglich- keit zur Pachtung der Halle für Veranstaltungen zu geben, hat der Vorstand den Pachtpreis . ganz erheblich herabgesetzt. Ferner bemüht sich der Vorstand fortgesetzt bei der Stadt l um weiHehendstes Entgegenkommen hinsichtlich der Erhebung der Vergnügungssteuer. Sache der I Vertreter der einzelnen Vereine ist eS leboch, bei Tagungen usw. möglichst dafür einzutreten, '» daß Gießen mehr als seither zur Abhaltung von Veranstaltungen usw. bestimmt wird, zum Wohle seiner gesamten Einwohnerschaft. Oer Rechnungsabschluß für 1927 mit einem Heberfchuß von etwa 9000 Mark konnte auch für dieses Geschäftsjahr wieder den Ausgleich der Rechnung bringen. Gegen den Geschäftsbericht und den Rechnungsabschluß wurden keine Einwendungen erhoben. Zu Rech- mmgsprüfern für das Geschäftsjahr 1928 wählte man Bankdirektor M a ttern und Stadtv. Schwieder. Die Auslosung von Anteilscheinen, bei der satzungsgemäß 50 Anteile zur Rückz ah- htng ausgelost wurden, und einige Mitteilungen des Vorstandes, die den nachstehenden Ausführungen zugrunde liegen, beschlossen die Versammlung. DieVollShallevoniy25bfsi928 Aus einer Uebersicht über die Ergebnisse des Dolkshallebetriebes in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1928 ist er- sichtlich, daß die Nettoeinnahme des Volkshalle-Vereins in dielen drei Jahren sich auf 61694,07 Mark beläuft. Davon entfallen auf die Zeit vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1926 insgesamt 22 916,45 Mark, auf das folgende Geschäftsjahr vom l.Juli 1926 bis 30. Juni 1927 zusammen 33 762,05 Mark, auf das anschließende dritte Jahr vom 1. Juli 1927 bis 30. Juni 1928 aber nur 5015,57 Mark. Man ersieht hieraus, daß die beiden ersten Jahre des Volkshallebetriebes mit den zahlreichen großen Veranstaltungen das jüngste Jahr ohne besondere Ereignisse in der Volkshalle überragen. Durch den Volkshallebetrieb erzielte die Stadt eine Einnahme an Vergnügungssteuer in Höhe von 8356,95 Mark, wovon 2334,64 Mark auf das erste Jahr, 5674,56 Mart auf das zweite Jahr und nur 347,75 Mark auf das dritte Jahr entfallen. Die M e h r e i n n a h m e der ft ädt. Straßen- bahn durch die Veranstaltungen in der Dolkshalle beläuft sich auf 51871 Mark, wovon 26 605 Mark auf das erste Jahr, 22 872 Mark auf das zweite Jahr und 2394 Mark auf das dritte Jahr entfallen. Wenn man von dieser Mehreinnahme der Straßenbahn die Aufwendungen für Löhne und Strom mit 12 086 Mark und für den Bau der Gleisschleife bei der Volkshalle mit 1974 Mark ab« setzt, so verbleibt der Straßenbahn allein aus dem Volkshallebetrieb eine Nettomehreinnahme von 37 811 Mark. Diese Summe und der oben erwähnte Ertrag an Vergnügungssteuer zusammen bedeuten also für die Stadt eine Nettogesamt e i n n a h m e in den drei Jahren des Volkshallebetriebs von 46167,95 Mark, oder jährlich 15 389,32 Marl. Die Zahl der Fremden, die durch Veranstaltungen in der Dolkshalle zum Desuche unserer Stadt veranlaßt wu. dm, wird nach vorsichtigen Schätzungen auf Grund bestimmter Unterlaßen für die drei Jahre Dolkshallebetrieb auf rund 121 000 beziffert. Davon entfallen auf das erste Jahr der Volkshalle 50 900 Fremde, auf das zweite Jahr 62 100, auf das dritte Jahr aber nyr 8000. Die Leitung der Dolkshalle hat in außerordentlich bescheidener Weise rechnerisch angenommen, daß jeder dieser Fremden nur 1 Mk. in unserer Stadt ausgegeben habe, und sie ist dabei auf die Summe von 121 000 Mk. gekommen, die durch diesen Fremdcnbesuch der heimischen Wirtschaft zugeflvssen sei. Wir glauben aber nicht fehl zu gehen, wenn wir den Durchschnittssatz dieser Geldausgaben der besuchenden Fremden auf mindestens das Doppelte amiehmen, so daß wir in runder Rechnung auf die sicherlich sehr beachtenswerte Summe von einer Viertelmillion Mark fämen, die mittels der Dolkshalle in unsere Wirtschaft her- eingeholt werden formte. Wenn man sich dabei noch vergegenwärtigt, daß auch die Rettoein- nähme dÄ Dvlkshallevereins für den weiteren Ausbau der Halle nahezu völlig verwendet und der Ausbau von einheimischen Geschäften durchgeführt wurde, so kann man sicherlich mit gutem Grund behaupten, daß die Schaffung der Dolkshalle für unsere Stadt keine unnötige Sache war. sondern einer Rotwendigkeit entsprach und außerdem die Halle einen sehr produktiven Faktor in unserer Gießener Derlehrswerbung darstellt. Man kann nur hoffen und wünschen, daß alle Kreise der Bürgerschaft, entsprechend der Aufforderung des Dolkshallevorstandes im letzten Absatz fernes vorsteherrden Geschäftsberichtes, nach Kräften dazu Beiträgen, daß die Dolkshalle alljährlich recht häufig benutzt wird. Oberhessen. Landkreis Gießen. G r ü n b e r g . 23. Mai. Rachdem in den letzten Jahren verschiedene Schulen der Umgegend die Reichsjugendwettkämpfe für sich abgehalten hatten, wurden sie im vergangenen Jahr zum erstenmal hier gemeinsam abgetragen. Auch in diesem Sommer ist beabsichtigt, nach den hierzu erlassenen Bestimmungen die Reichsjugendwettkämpfe wieder gemeinsam hier stattfinden zu lassen. * Lang-Göns, 23. Mai. Unsere Spar« und Sei b taffe hat in letzter Zeit schöne Erfolge zu verzeichnen. Die Zahl der Mitglieder, die auf vierzig gesunken war, Hal sich bei der beschränkten Haftpflicht mehr als verdoppelt. Die Spareinlagen sind im ersten Jahresdrittel 1928 von 40 000 Mark auf 60 000 Mark gestiegen. Bei dem monatlichen Sparkartenverkauf dürfte die Beteiligung noch etwas reger sein. Die früheren Spareinlagen werden in derselben Weife ausgewcrtet wie bei den anderen Sparkassen. Laut Beschluß des Vorstandes und Aufsichtsrates sollen den Einlegern noch in diesem Jahre 10 v. H. gutgeschrieben werden. Der Rest wird etwas spater dazukommen. K cis Friedberg. OO Nieder-Flor ft adt, 23. Mai. Die Pflasterungder Straße nach Friedberg ist nun bis zum Assenheimer Kreuz durchgeführt. Bis Pfingsten hofft man. die ganze Strecke bis zum Offenheimer Wäldchen fertig- gestellt zu haben. Dann ist bis auf eine kleine Strecke an der Wetterbrücke die ganze Straße neu gepflastert. Der Umbau der Wetterbrücke bietet kein Verkehrshindernis, da die Rotbrücke genügend Tragfähigkeit auch für schwere Autos hat. Die zeitraubenden Umleitungen des Zweckverbandes, Die auch höhere Betriebskosten erfordern, werden in absehbarer Zeit nicht mehr nötig sein. Die schöne Fahrbahn dürfte die laufenden Betriebskosten wesentlich verringern und vor allen Dingen große Ersparnisse an Reparaturen bringen. — Die Walzarbeiten an der Straße nach Staden haben begonnen, anschließend wird auch diese Straße noch geklaftert. — Die Straße nach Reichelsheim, die noch nicht lange gebaut ist, wird verstärkt, da die Decke für den Verkehr nicht genügte. Seither durften Autos hier nicht fahren, und auch nach der Instandsetzung. die durchgeführt ist, soll die Zulassung von Autos erst nach Prüfung der Tragfähigkeit erfolgen. Kreis Schotte«. 1 Gedern, 23. Mai. Auf bisher unaufgeklärte Weife entlud sich auf dem Prämiierungsmarkt ein Tefching des Schießbudenbefit- z e r s. Die Kugel drang einem 17jährigen Burschen aus Kaulstoß in Die rechte Lungenspitze Der herbeigerufene Arzt Dr. Dach verbrachte den Dewuhtlosen infl hiesige Krankenhaus. Es besteht Lebensgefahr. — Für die Schulen des Dezirks Gedern fanden heute im DergwirtShaus drei Kinovor - führungcn durch die K u l t u r f i l rn st e l l e des Kreisschulamtes Schotten statt. Im ersten Film wurden den Zuschauern die Schönheiten des Riescngeoirgcs sowohl im Sommer, als auch im Winter vor Augen geführt. Der in dem oberhessischen Städtchen Schlitz aufgenommene Film „Tischlein deck dich. Esel streck dich. Knüppel aus dem Sack" veranschaulichte das gleichnamige Grimmsche Märchen in ganz vortrefflicher Weise und erweckte ebenso wie der humoristische Film „'Ser Kater und der Schwertfisch" viel Freude. Für Erwachsene fand abends dieselbe Dorstellung statt. Gedern, 23. Mai. Mit dem P r ä m i i e « rungsmarkt war eine Dersteigerung von Fleckvieh- und Dvgelsbergcr- Dullen verbunden. Es wurden folgende Resultate erzielt: A. Dogelsberger Rasse: Züchter Altbürgermeister Deubel, Rudingshain, für 800 Mk. an Gemeinde Wohnfeld: Züchter Ed. Lingner, Wingershausen, für 710 Mark an Gemeinde Hartershausen: Züchter Hch. Ehr ist 4., Eschenrod, für 680 Mk. an Gemeinde Wingershausen. — B. Fleckvieh-Rasse: Züchter Tob. Wilh. Schmidt. Gambach, für 830 Mk. an Gemeinde Rieder-Seemen. Züchter Hch. Reichert, Illnhausen, für 750 Mk. an Gemeinde Wohnbach: Züchter Konr. Döllcr4., Angersbach, für 670 Mk. an Gemeinde Steinberg: Züchter Aug. Theis, Stockhausen, für 650 Mk. an Gemeinde Spielberg. Züchter K. Döller4, Angersbach, für 660 Mk. an Gemeinde Fischborn ; Züchter Johs. Herchenrödcr, Wenings, für 600 Mk. an Gemeinde Echzell. Ferner kauften noch die Gemeinden Hartmamishain und Kaulstoß je einen Dullen. -+• Ober-Schmitten. 23. Mai. Die Staffe! s ch e Papierfabrik ist feit Montag wie- der im Gange. Dorläufig sind etwa vierzig Arbeiter beschäftigt, von denen ein kleiner Teil aus anderen Betrieben zurückgekehrt ist. Man beschränkt sich einstweilen auf die rein maschinenmäßige Herstellung des Papiers. Die Weiterverarbeitung wird in dem Hauptbetrieb in Witzenhausen bei Kassel vorgenommen. Doch hofft man, daß diese Maßnahme nur eine t»or- übergehende ist und her Betrieb baldigst voll aufgenommen wird. Die Gtaffelsche Papierindustrie ist hier das älteste Unternehmen dieser Art. Die erste Papiermühle art gleicher Stelle wurde vor fast 300 Jahren eingerichtet. Sie verdrängte den Eisenhammer, der seine Eisensteine von Eteinbrüchen unweit des Hosgutes Graß bei Inheiden herbeiholen muhte. Die Unsicherhett deS Dreißig- jährigen Krieges lähmte jedenfalls den Betrieb und versetzte ihm den Todesstoß. Während er 1629 noch als Unternehmen verzeichnet ist, finden wir vier Jahre später schon eine Papiermühle an seiner Stelle, wie aus Aufzeichnungen deS Ribdaer Kirchenbuches hervorgeht. Das Papier hatte das Eisen verdrängt, daS zwei Dörfern den Ramen gab. Allzulange scheint aber das junge Unternehmen den Stürmen des Krieges, die gerade am südlichen Fuß deS Dvgelsbergs äußerst heftig tobten, nicht getrotzt zu haben. 1648 wird es nicht mehr genannt, wie auch von zweiund- dreißig Familien des Dorfes zu Kriegsbegirrn nur acht am Ende übrig geblieben. Erst 1683 taucht die Papiermühle, die im Besitz des Hess. Landgrafen ist. wieder aus der Derfunkcnheit auf. Sie wird erstmalig verpachtet und wechselt in der Folge häufig die Pächter. 1802 geht sie zum Preise von 7500 Gulden in Privatbesih über. Seit 1891 sind die Gebrüder Staffel -W i h e n- Hausen Inhaber 6er Fabrik. □ Gonterskirchen, 23. Mai. Ende der vorigen Woche kamen hier zwei Wagen Zi- neuner an. Sie stammen aus Flensburg in Holstein und handeln mit Musikinstrumenten (©eigen, Guitarren, Mandolinen usw.). Auch Bären- führ er aus der Slowakei kamen in der letz- ten Zeit durch unser Dorf. Kreis Alsfeld. r. Ober-Ohmen, 23. Mai. Die Zigeunerplage der letzten Jahre ist durch daS Dorgehen der Polizei endlich behoben. Statt dessen machen sich in letzter Zeit, in kurzen Abständen von wenigen Tagen, ganze Bärenführer t r u pp s, oft mit 5 bis 10 Bären, bemerkbar. Dabei ist es interessant, festzustellen, daß sich eine große Anzahl Zigeuner unter diesen Leuten besindet. Wenn hierbei auch jedenfalls nur die ärmeren Zigeuner in Frage kommen, so ist es doch beinerkenöwert, wie diese Wandervögel die Gesetze umgehen, ihre Bären quälen und die Bevölkerung bcläftigen. Es wäre an der Zeit, hier einmal nach dem Rechten zu sehen, denn solche Tierquälerei und Fechterei gehört verboten. — In letzter Zeit nehmen hier Die Wildkatzen wieder stark zu. Heberall sieht man diese Tiere durch die Felder schleichen und Hasen, Rebhühnern und sonstigen Sing- und Rutzvögeln nachstcllen. So schädigen sie Jagd und Tierwelt, Erscheinungen, denen der Jäger meist ohnmächtig gegenübersteht. — Unsere Diehzucht krankt schon jahrelang an ansteckendem Scheidc- katarrh und liegt durch deren Erscheinungen völlig darnieder. Alle DorbeugungS- und De- kämpsungsmaßnahmen blieben bislang ohne Erfolg. Die Gemeinde hat auf diese Weise schon ungeheure Schädigungen erlitten. Dem Motorradhändler Kratz von hier wurde, als er Montagabend zwischen 10 und 11 Uhr sein Motorrad vor einem Hause abftellte. bas Motorrad gestohlen. Don dem Täter sehlt bislang jede Spur. -Kreis Lauterbach. _ & Lauterbach, 23. Mai. In der gestrigen Sitzung bc? Stodtvorstandes wurde das neue ©emeinbcratsmilglicb, Steuerinspektor Franz Metzger, in sein Amt eingefuhrt und verpslich- tet — Sodann wurde die Umwandlung der vorläufigen Gemeindesteuern von 1925, 1926 und 1927 in endgültige Steuern beschlossen. — hierauf beschäftigte man sich mit einem Gesuch der Mitteldeutschen H a r t ft c i n i n b u ft r i c um Ermäßigung der Pacht für den Bilstein b r u ch. Die Firma erklärt in ihrem Antrag, daß es ihr unmöglich fei, in Zukunft die garantierte Summe aufzubringen, da die Ausbeutung des Bruches bedeutend nachgelassen bet-t.jinb dieser nicht mehr so ergiebig wie früher sei. Weiter betont die Firma, daß man diese Verhältnisse bei Abschluß des Vertrages nicht habe ooraussehen können. Sie beantragt, die Pacht in Zukunft noch der Produktion festzusetzen. Wie der Vorsitzende, Bürgermeister Walz, hierzu bemerkte, ist der Bruch noch genau so ergiebig, wie zur Zeit des Vertragsabschlusses. Dem Antrag des Bürgermeisters entsprechend beschloß der Stadtvorstand, das Gesuch der Firma abzulehnen. — Die Eröffnung der Freibadeanstalt war ur- sprünglich für den 10. Juni vorgesehen Da mehrere Vereine sich jedoch an diesem Tage für auswärtige Festlichkeiten feftgelegt haben, ist die Verlegung der Einweihung auf den 17. Juni erforderlich geworden. Der Stadtvorstand ist hiermit einverstanden. Die von der Finanz- und Baukommifsion vorgeschlu- genen Babepreise würben genehmigt und die Badezeiten feftgelegt. Weiter wurde beschlossen, für die ses Jahr den Monteur Wilhelm M e i n h o l z pro- visorisch als Badewärter einzuftellen und die Bade- anstatt, sowie die Tätigkeit des Wärters zur Haft- Pflichtversicherung anzumelden. — Schließlich wurde u a. noch beschlossen, von den von der Provinz vorgesehenen und bereits begonnenen Klein- pfla ft erarbeiten an der Eent den auf die Stabt entfallenden Kostenanteil in Höhe von etwa 2500 Mk. auf die Stadtkasse zu übernehmen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Leligionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Freitag, 25. Mai, und Samstag, 26. Mai: Wochenfeft. Freitag, Vorabend 7.45 Uhr: morgen» 8.30; Predigt. — Samstag, Vorabend 7.45; morgens 8.30; abends 8.35 und 9.15. Ifraelilifche Religionsgefcllfdjaft. Freitag, 25. Mai, und Samstag, 26. Mai. Wochenfcst. 1. Tag: Bor- abend 8.15 Uhr; vormittags 8; Predigt. — 2. log: Vorabend 7.40; vormittags 8; nachmittags 4.30; Festesausgang 9.15. — Wochengottesdienft. morgens 6.15; abends 7.15. Wozu erst einzeln einkaufen, wiegen und mischen! Erleichtern Sie sich die Arbeit» nehmen Sie das vollwertige, alle notwendigen Nährstoffe enthaltende NESTLE” Kurhaus Luginsland liegt bei Schotten ■ empfiehlt sich: Im Vogelsberg a. der Kreis- 1 als Ferienaufenthalt, xum Straße Schotten - Gedern | Wochenende, f. Auto-Aus- mltten In Wald u. Wiesen flöge, als Touristenstation Gutbürgerliche Küche, gepflegte Weine u. 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Der ©ebanlc, bah eine Tie u g e ft a lt u n g des Schreibunterrichts erforderlich fet. hol sich in weiten Schichten ui*rce Hessenlundes durchgeleyl und terlangt in Wirklichkeit Der- wandelt zu werden. Die Rachlriegszeit brachte unserer deutschen Volksschule so viel pädagogische Neuerungen, daß bei den Lehrern und Lehrerinnen eine durchaus begreifliche Reformenmü- digke't eingetreten ist Man ruft nach innerer Sammlung und Stetigkeit für die Schularbeit, trotzdem gesellt sich zu dieser ungestümen Flut von Tleuetungen in Hessen nun noch die Schristreform. Es ylefee aber wirklich .7k)- gel-Strauhpolitis' tr.iben, wenn man glauben wollte, durch .Kopt -n den Sand stecken . durch Schweigen die LÄristreform überhaupt abzuwenden. 71 ein. nachdem sie in ganz Preußen gekommen und vom Hess. Landesamt s. d. V. durch Verfügung d. 21. Mai 1926 in die Töege geBntet worden ist. kommt sie bestimmt, und wir Lehrpertonen des Hessenlandes müssen neben Kaufleuten. Tflabemilern und Künstlern als solche, die es in erster Linie angeht, durch unsere Mitarbeit in TDort und Schrift die Entscheidung mitgestatten helfen. Tlur aus diesem Grunde nehme ich im folgenden Stellung zur Frage der Schriftreform. Unsere bisherige Schrift geht im wesentlichen auf englische Formen zurück, die im Jahre 1809 durch den Krefelder Schreibmeister Ioh Hen- rigS in Deutschland einaesührt wurden. Rahezu 120 Jahre lang Hal sich diese Schrift von Generation zu Generation vererbt und mit der Spitzseder zusammen typische Derfallser- scheinungen und eine sortschrcii-ndc Entartung ta- Formgesühls Hera ui beschworen. sLö erübrigt sich, die Tlotwendiakeit der Schristreform näher auszuführen.) Pädagogen und Künstler find deshalb seit Jahren an der Arbeit, untere Schrift zu einer Schrift der Einfachheit, Klarheit und Schönheit zu machen. Unter den Männern. die sich mit Hingabe dieser groben Sache widmeten, ist in erster Linie der Mannte Schriftlünstler Pros. Ludwig S ü t t e r l i n zu nennen, der Lehrer der Schrift- furfe am Berliner Kunstgctverbemuseum. Dein Harne drängt sich jedem auf, der sich heute mit der Reform des Schreibunterricht« ernstlich beschäftigt. Wissend, dah die reichen Erfahrungen und die Einsicht des Künstler- einer unerlässlichen Ergänzung durch praktische Schulmänner bedürfen, erarbeitete er mit zaUreichen ■Berliner Vorfchul- und Volksschullehrern zunächst in drei Kurten von je neun Monaten Dauer die heute soviel genannte Sütter- linschrift. Die Kurse hatten die Form von Arbeitsgemeinschaften. in denen jede Unterrichts- frage und jede Vuchstabenform eingehend besprochen wurde. Infolgedessen sind die aus dieser Arbeit hervorgegangcnen Schriftsvrmen nicht ein Erzeugnis schulfremden KunstaewerbeS, sondern das Ergebnis gemeinsamen Wirkens berufener Fachleute! Richt Augenblicksvorteile sollten erzielt werden nein Künstler und Mitarbeiter liehen sich vielmehr von dem Gedanken leiten, eine wc.t chauende Deform vorzunehmen durch eine Schrift. die 1. historisch verankert ist durch Lage. Form und Feder. 2. von allem unnötigen Beiwerc befreit ist und stets Rücksicht nimmt aut Schreibleichtigkeii. Schreibflüssigkeit. Deutlichkeit und Dohlgefälligkeit und die 3. nur eine Ausgangsschrist ’ein will, auf der sich später eine schöne, flüssige und deutliche Eharalter- schrift entwickeln kann. L-ehen wir unS die S-Schrift genau an. so stellen wir zunächst fest, dast I. die Buchstaben in ihrer Grundform nicht geändert find. Die geschichtlich gewordenen Formen muhten ja erhalten bleiben 2. Die Schrift ist ausgerichtet. Sütterlin begründet die Steillage wie folgt: a) Durch die Steillage ergibt 'ich eine gröbere Weite. Offenheit und Klarheit der Formen, b) Die Steilschrift ist ein Bild der Ruhe, eine ruhende Schriftreihe läßt sich leichter erfassen, als eine fich bewegende, schräge Schriftreihe, c) Unser Auge bevorzugt unbewubt aradlinige Betonungen Diese Behauptungen werden durch ein Aebencinanderlegen der beiden Ausgaben A und B der HeN EomeniuSlibel (23erlag: Emil Roch. Giehen) glänzend bewiesen und bestätigt! d) Mit der Aufrichtung der Schritt berücksichtigt Sütterlin die geschichtliche Gebundenheit der Schrift. Die hohe Schönbeit alter Schriften ist u. a. in ihrer Slecklage begründet, e, Die schräge Schrisllage ist bisher lt ärztlicher 21tteste mittelbar eine Ursache gewesen. Tlück- grafoerfrümmungen bei Kindern zu begünstigen, f) Ein Schriftsachverständiger schreibt u. a.: .In der Tat können wir dem Eittartungsprozeß u. a. dadurch begegnen, dab wir der Rormalschrist wieder die frühere Ärci»form zugrunde legen Muskelarbeit verlangt und deshalb für den Anfangsunterricht zu schwer ist. Erst vom 3. oder 4. Schuljahr ab verwendet die S-Schrift in der Hauptsache die Breitkant feder, die alle Reformen erst dem reiferen Schüler in die Hand geben! Bei aller Rücksichtnahme auf leichte Erlernbarkeit lag es Sütterlin jedoch absolut fern, wahllos alle- aus den Formen der Ausg^ngS- 'chr.ft zu entfernen, was bet Hand unbequem werden könnte. Er unterschied vielmehr stets zwischen wertlosen Schrciberkünsten und Hebungen mit wirklichem DildungSwert! Trotz der Erkenntnis, dah daS Schnclltchreiben wenigsten- im Berufsleben durch Schreibmafchine und Kurzschrift an Bedeutung verloren bat. legt Sütterlin noch Wert auf &trcibflüffigtcit. woyl deshalb, weil die weitaus größte Fahl der MenVtOIWVW 41/K clt/r evrt -^rcr^uez) XjqxlKvc- ’tyÄSL -u/rudL Sege/rtz. Deutsche und lateinische Schriftprobe aus dem „Neuen Leitfaden" Sütterlins. und die Grundstriche au- der schrägen in die ursprüngliche Steillage aufrichten." — 3. Die Mahverhältnisse erfuhren nut Recht eine Verschiebung zugunsten der Mittellänge. Während in der bisherigen Schrift die Ober und Unterlängen unnötig grob waren, sind bei Sütterlin Ober-, Mittel- und Unterlängen von gleicher Gröhe! Die- DerhältniS 1:1:1, das fich leicht einprägt, wurde der deutschen, wie der lateinischen Buchstabenreihe zugrunde gelegt. 4. Aus Schreibleichtigkeit nimmt die S-Schrift stets Rücksicht, und gerade dies will der praktische Schulmann beachtet wissen. Soeben wurde erwähnt. dah das MahverhültniS 1:1:1 sich leicht einprägt Die Buchstaben wurden ferner von manchem sie umwuchernden und die klare Grundform verwischenden Liniengeschlinge gereinigt. Der überkünstliche Flammenstrrch bei E, L, D. K, F, H, usw. wurde durch die schlichte gerade Linie ersetzt. und der Keckstricy und alle, geflissentlichen Tterftärtungen lSchwellzug. Spihseder) ausgemerzt. In neun Fällen wurden im Hinblick auf leichte Erlernbarkeit die Formen der kleinen lateinischen Buchstaben zugleich für die groben benutzt (n, m, u. v. tt>, f, y. c. p), ebenso stimmen mehrere Lateinbuchstaben mit den deutschen Formen überein (3,3,0, 3). Als erste Schreibfeder gibt Sütterlin aus demselben Grunde dem kleinen Anfänger im 2. Schuljahr die leicht zu handhabende Schnurzugfeder (S 10, S 11, S 12) in die unausgebildete Hand und nicht die bisher gebräuchliche Spitzfeder, die eine fein ab gestufte schen. besonders im Privatleben, noch darauf angewiesen ist, ihre Schreibarbeiten mit der in der Schule gelernten Schrift möglichst rasch zu erledigen. 21uch von unserer Jugend in DolkS- und höheren Schulen wirb ja täglich verlangt, so schnell und so schön wie möglich zu schreiben. (Diktat, Riederschriften im Sachunterricht.) Und solange noch nicht in jeder Familie für wenig Geld eine Schreibmaschine zur Verfügung steht, muh bei einer Schristreform die Schreibflüssigkeit beachtet werden. Deshalb die Beseitigung aller Flammenstriche, Keilstriche und geflissentlichen Verstärkungen. aller unnötigen Züge und ver- meintkichen Verzierungen (Dor- und Rachschwünge. Spiralen und Schnörkel), die ein großes Hindernis für bai fliehende Schreiben bildeten. Deshalb auch die Derbindungsschleifen bei h, p, P usw. Die Schleifen bei 21. f, St. T werden ohne Absetzen auSgesührt, ebenso werden die auf .b“ folgenden Buchstaben, z. D. de, di, da, do. dS. df usw. stets unmittelbar an die Schleife des .d" angehängt. Ueberall ist die TJcrbinöung der Buchstaben ohne 2lufheben der Feder angeftrebt! Dom dritten Schuljahr ab sieht der Sütterlin-Schreib- lehrgang auch leichte Beschleunigungsübungen vor mit der Ueberschrift .So schnell und so schon wie möglich I" Doch warnt er zugleich vor Mebertrei- bung, weil Schönheit und Deutlichkeit durch solche Massnahmen nicht benachteiligt werden sollen. Schließlich hebt Sütterlin im 7. und 8. Schuljahr die Bindung an die bisher geübten AuS- gangSformen auf. um dem Lehrer die Pflege aller nach Ausdruck strebenden wirklichen Eigenwerte und Persönlichkeitswerte zu ermöglichen, llebcrhaupt läßt er auf allen Stu en und in allen fftneltracTcn den Lehrpersonen dasjenige Mast von Freiheit, tai für einen lebensvollen Schreib- unterrich: erforderlich ist. Zur Hebung des Kunstsinnes, zur Heranblldung geschmackvoller Schreiber, die ein Schrijtseld schön gestalten können, empfiehlt er im letzten Schul- jabr bescheidene Hebungen in ornamenla er Schritt und im schmückenden Schreiben mit einfachen Kopfleisten und zierlichem Randschmuck mit Schnurzug- und Bandzug'eder. ohne zu verkennen, dah die GcbrauchSfchrist die erste und wichtigste Sorge der Schriftübung und Dchriftpflege in der Volksschule verlangt Dieses Arbeitsergebnis aus den von Sütterlin geleiteten Kursen wurde nochmals von einem amtlichen Sachverständigenausschuß. dem allster zwei Historikern und einem Künstler noch sechs Herren al« Vertreter der Volksschule. tar höheren Schule und der Lehrerbildung angehörten und deren gründliche Sachkenntnis niemand anzweifeln wird, geprüft und gutgebeifxm! WaS getan werden konnte, ist geschehen, um die S-Smrift allen Anserderungen. auch denen der Schulpraris gerecht zu machen. Das schlieht jedoch nicht aus, dass trotzdem einige nicht sympathische Buchstaben- fvrmen in der S-Schrift zu finden find. Dennoch bezeichnen preußische Sachverständige die S-Schrift als daS Veste, was wir zur Zeit haben Amrer- dem verdienen folgende Worte Sütterlins besondere Beachtung: _Ss soll eine Ausgangs- schrist sein, kein starres System für eine gebundene Nachahmung, fonbem nach der Grundschulzeit steht einer geschmackvollen Aenderung der nicht gefallenden Formen nichts im Wege.' An Ostern 1917 gab Sütterlin den durch viele DersuchSklassen notwendig gewordenen ..Reuen Leitfaden für den Schreibunterricht" heraus. ES sind also erst zehn Jahre verflossen, nicht zwanzig, wie unlängst zu lesen war. WaS atzer betauten zehn Jahre für daS Bestehen einer Schrift. Hat doch unsere bisherige Schrift fich 120 Jahre lang von Generation zu Generation vererbt. 21m 20. Rovember desselben IahreS starb der Künstler. Seine vielen Mitarbeiter in Berlin und anderen Orten führten fein Werk tatkräftig weit r. An Ostern 1925 erschienen die methodischen Ergänzungen zu Sütterlins Öeitfatan unter dem Ramen „Im Geiste Sütterlins" von Rektor Otto Schmidt. Berlin. Heute ist die Sütterlinschrift in Preußen amtlich eingefüfirt und hat sich sehr gut bewährt. Auch in Hessen hat sie überaus viele Freunde. Die bekannte ^Beifügung des L. f. d. 2 vom 21. Wai 1926 erwähnt, „dast die Sütterlinschreibweise z. Z. immer mehr an Boden gewinnt, weit sie von einer ungezwungenen Hand- und Fetarhaltung ausgeht und psychologische, ästhetische und materialtechnische Forderungen und Fortschritte berücksichtigt". Die Bindung an die bisher vorgeschr «ebenen Rormalschriftformen wurde durch diese Qkrfügung aufgehoben und die Ginrichtung von Sütterlin-2)erfuchSklasfen in Stadt und Land empfohlen. Lieber daS örgebniS dieser praktischen Versuche ist an Ostern 1928 berichtet worden. Die hessischen Erfahrungen lauten übereinstimmend sehr günstig und lassen sich wie folgt wietaroeben: 1. Die Schüler schreiben die Sütterlinschrift mit wachsender Begeisterung und mit wachsendem Erfolg. 2. Der allgemeine Stand und Erfolg des SehreibunterrichtS hat sich bedeutend schoben. Dre Schriften sind klarer, ausgeglichener und lesbarer geworden, besonder- die Schrift der sog. Schlechtschreiber hat fich ganz bald bedeutend gebessert. Die einzelne Schriftseite als Ganzes bietet ein wesentlich befriedigenderes Bild, als es die frühere Schreibweise ergab. 3. Das Ilmlernen geht sehr schnell. Auch Kinder, die durch Umzug usw. neu in die Klasse kommen, stellen sich ganz bald ohne Be- einsiussung durch den Lehrer auf die ©üttcrlin- schrist um. 4. Dom Lehrer braucht eine Umbildung der eigenen persönlichen Handschrtft nicht verlangt zu werden: eS genügt die Kenntnis der AuSgangSformen für die Zwecke taS UnterrichtS. 5. Die Sütterlinschrift erfüllt die vier Forderungen, die wir an eine brauchbare Die Ifir mH Den fleDen Sfllöfleni Roman von Edgar Wallace. Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig. 15 Sortierung. Nachdruck verboten. (Er hatte am Abend die schweren Vorhänge so forgfältifl vor die Fenster gezogen, dast kein Lichtstrahl nach auhen bringen konnte. Auch die Jalousie in der Küche harte er Herabgelaffen. Wer auctz von brausten feine Wohnung beobachten mochte, nichts würde ihm die Anwesenheit des Be- sttzers verraten. Aks er feinen Ankleideraum auffchloß, um feine Hausjoppe herauszunehmen, erinnerte tr sich schaudernd daran, dah einst zwischen diesen engen Wänden Lew Pheeneys letzte Blutwärme verhaucht war. Was mochte Lew in den Gräbern der Selfords gesehen haben, welche Zoienlammer hatte er öffnen sollen in dieser unheimlichen Gruft, in der die Sünden, die Leidenschaften und Laster der Selfords ebenso zu Asche aewortan waren wie ihre ehrgeizigen träume, ihre hochfliegenden Pläne? Er braute sich einen Kaffee und trug einen der sechs Sammelbände, die an diesem Nachmittag ein- getroffen waren, auf den Mitteltisch. Die London Gazette" ist nicht ganz so unterhaltend wie die neueste Revue, aber Dick fand diese Blätter, die von Schreckensnachrichten und Eensationsprozessen sttotzten, so ausschlustreich, dah es zwei Uhr schlug, als er fich endlich erhob, um in fein Schlafzimmer M gehen Als er sich entkleidet hatte, drehte er das Licht aus, schlug die Vorhänge des Fensters beiseite, öffnete keife einen Flüacl und blickte hinaus. (Ein abnehmender Mond schwamm in einem wölken- kosen Himmel. Als er den Vorhang zurückfallen lieh, bewegte ihn ein sanfter Wind, so daß ein »ondstrahl den Weg durchs Fenster fand und steil auf die gegenüberliegende Wand fiel. Form und Gestatt mit jedem Wehen des Vorhangs oerän- tarnb Dick legte sich aufatmend in feinen Kisten zurecht und fiel baft» danach m traumlosen Schlummer. Langsam wanderte der Mondstrahl über die Wände, bis er die wsihlackierte Tür traf. Da schreck^ Dick plötzlich aus dem tiefen Dunkel des Nichts zur völligen Wachheit auf. Das hatte ihn geweckt? Der Schimmer des Mondes? Das Wehen des Vorhangs? Er wuhte es nicht. Aber ein tief innerer Instinkt warnte ihn, daß in der Finsternis der Nacht eine Gefahr auf ihn lauerte. Er lag auf der linken Seite der Tür gegenüber, deren Messing- griff er deutlich im Mondlicht aufschimmern sah, und dieser Griff — nein, es war keine Täuschung feines schlaftrunkenen Hirns, es war drohende Wirklichkeit — bewegte sich auf ihn zu. Ec öffnete feine Augen starr und weit, und wahrend er rote hypnotisiert auf die Tür starrte, die plötzlich fetn totes Stück Holz mehr war, sondern ein unheimliches Wesen mit selbsttätiger Willensfunktion, trat in seinen Blickkreis, schauerlich klar rm bleichen Mondlicht, eine menschliche Hand. Nur eine Hand, doch sie war von einer Form und Bildung, daß ihr Anblick ihm eisige Schauer über den Rücken jagte. Die langen kräftigen Finger schoben sich wie die Tentakeln eines Tintenfisches durch die Türritze un- aufhaltsam nach innen. Da gab sich Dick einen gewaltigen Ruck und liefe sich aus dem Bett auf den Boden rollen In der gleichen Sekunde sprang eine grofec schwere Gestatt von riesigen Ausmasten auf das Bett und fließ einen gutturalen Schrei aus, der nichts vom Men- fchen und nichts vom Tiere hatte. In dem Moment, als er auf den Boden aufprallte, fchofe Dicks sinke Hand empor und griff nach dem Browning, der unter dem Kopfkisten lag. Dabei kam fein nackter Unterarm sekundenlang in Berührung mit einem angeschwollenen Handrücken, und ein würgendes Gefühl der Uebelfeit schüttelte ihn. Die Zähne wfammcnbeifeenb, kehrte er dem unjidjtbaren Feind sein Gesicht zu, griff nach rückwärts in die Falten des Vorhangs und rife ihn mit jähem Ruck herab. Der Mondschein überflutete im gleichen Moment das ganze Zimmer mit feinem bleichen Licht. Es war leer! Kem Mensch atmete darin außer ihm! Die Tür stand weit offen. Jenseits gähnte das Dunkel der totenftiflen Nacht. Dick tastete vorsichtig nach dem Schalter. Das Licht flammte auf. Nichts! Eine Zugluft wehte kühl, auch die Tür zur Küche war von unbekannter Hand wett aufgeriffen worden, und das Fenster In der Küche liefe dem Nachtroinde freien Zutritt. Dick eilte auf den Balkon und beugte sich über die Brüstung hinab. Da sah er seinen fing reifer, eine unförmige Gestalt, eilig eine Strickleiter herabklettern, die am Eifengelänoer befestigt war. Schon faßte seine Hand den Browning fester, da verschluckten die Schatten des Hofes den unheimlichen Eindringling. Dick stand unbeweglich. Mtt den Blicken suchte er in den Winkeln des Hasses, in den Gängen zwischen den Garagen, doch alles lag ruhig und still. Nir- aendwo bewegte sich ein Schatten, zeigte sich eine herkulische Gestatt. Doch während er noch stand und schaute, ertönte von tar Straße her das Surren eines angekurbelten Motors. Es schwoll eine Sekunde an. verlor sich bann und verklang in der Ferne. Dick verließ den Balkon und begab sich ins Arbeitszimmer. Sein erster Blick fchofe auf die Uhr. Berta Zeiger deckten sich auf der Vier. Im Osten überzog sich der Himmel mit einem fahlen Schein. Wer war der unbekannte Mordbube gewesen? Eine Ahnung von Lew Pheeneys Ende stieg in ihm auf. Eines schien ihm sicher: Sein Angreifer im Galgen - hoi und dieser nächtliche Besucher waren ein und dieselbe Perfon. Er ging wieder in die Küche zurück und zog die Strickleiter empor. Sie war augenscheinlich mit der Hand geknüpft, die Sprossen aus gedrehiem Hanf standen in unregelmäßigen Abständen zwischen den ßängsfeUen. Er zerbrach sich zunächst den Kops darüber, wie die Strickleiter auf den Balkon gelangt war. Bei näherer Ueberlegung sagte er sich, dafe wahrscheinlich zunächst eine Schleuder über die ausladende Brüstung geworfen und die Leiter dann mit Hilfe des Sells hinaufgezogen worden war. Seine Vermutung fand er bestätigt, als er bei Tagesanbruch im Hof nach den Spuren der Täter suchte. Er fand die Schleuder, eine Schnur, die um einen kleinen eisernen Bolzen gewunden war, und das daran befestigte Seil. Das Rätsel, das Lew Pheeneys Tod bisher mit undurchdringlichem Dunkel umgeben hatte, war jetzt gelöst. Auf der Strickleiter war der Mörder in die Wohnung gedrungen. Der Rückzug über die Höfe war leicht. Eine niedrige Mauer trennte sie von einer stillen Seiten- gaste, auf die sich fetten ein Fußgänger verirrte. Die Sonne stand jetzt hoch am Himmel. Dor ihren blendenden Straften entfloh der Nachtspuk. Dick taumelte vor Müdigkeit. Halb angefleibet warf er fich auf fein Bett und versank in den bleiernen Schlaf tiefster Erschöpfung. 14. Dick wurde durch das anhattende Läuten des Telephons geweckt. Widerwillig drehte er sich im Bett um und griff nach dem Hörer. Aber sein Ge- ficht Härte sich auf, als er die Stimme vernahm, die hell und klar an sein Ohr drang. ,Hallo, Sie sind es? fragte er in freudigem Erstaunen. „Das ist lieb von Ihnen, daß Sie an mich denken." Am andern Ende der Leitung erHang ein leises Lachen. „Wissen Sie denn, wer ich bin? Ich habe ja meinen Namen gar nicht genannt" „Wer Mife Lansdown! Ihre Stimme sollte ich nicht erkennen?" Darauf entstand drüben eine verlegene Paufe. .Haben Sie irgendeinen besonderen Anlaß zu Ihrem Anruf?" fragte Dick. Plötzlich waren chm die Ereigniste der Nacht eingefallen, und Angst um die Sicherheit des geliebten Mädchens beschlich ihn. „Nein, das eigentlich nicht", erwiderte Sybil zöaernd. „3d) möchte etwas mit Ihnen persönlich oesprechen, das sich am Apparat schwer aus ein- andersetzen läßt" „Dann kommen Sie bitte sofort", bat Dick. ,xkf) werde tarn Portier sogleich Bescheid sagen." Sybil hängte den Hörer an. Sie begriff nicht, wozu eine Verständigung des Pförtners nötig fei. Allerdings konnte fie nicht ahnen, daß Dick fett dem Vorabend offiziell auf längere Zeit verreist war. Dick versuchte inzwischen drei Dinge zu tun. Er stieg ins Bad, legte den Seifenschaum auf die Wange und rasierte sich, während die Spiegeleier in der Pfanne schmorten. Da ertönte auch schon die Flurklingel. Dick warf in fliegender Eile den Schlaftock um und rannte auf die Diele. Mit geroaltigem Schwung rife er die Tur auf und begann fich sogleich bei Sybil zu entschuldigen. Er l>abe die Wirtschafterin beurlaubt, wenn eine so pompöse Bezeichnung für ihre bescheidenen Dienste nicht zu anspruchsvoll sei, und müsse seinen Haushalt selbst besorgen. Das junge Mädchen krauste die Nasenflügel. „Es riecht ja so brenzlig", sagte sie argwöhnisch. Dick schlug sich statt aller Antwort vor den Kopf und jagte mtt Marathonschritten in die Küche zurück. Sybil folgte ihm auf dem Fuße Aus der Pfanne erhob sich ein blauer Dunst, und die Eier protestierten mit lautem Zischen gegen die ihnen Mell gewordene Behandlung. „Stenn man Spiegeleier brät, pflegt man Fett in die Pfanne zu tun, mein Herr", sagte Sybil strafend und liefe einen Löffel Butter »ergehen, um zu retten, was noch zu retten war. „Suppen scheinen Sie sich ja einbrocken zu können, vom Braten verstehen Sie nichts." (Fortsetzung folgt) 5critP öric. - 12 . . 10 160 114 156.5 IM 159 Baufnoten. r> 124 1« v r 0 0 1 5h 143 ; IW 158.25 nt, LombarbzinSsiih 8 Prozent. 15 12 15 I n - V ( i 148.3 83.5 IW. 75 17» 151. 571 U 7iw> 5V7 3M. 5 118.23 134 5 111 114.5 , 47.75 >5.75 I t4& 8» 135.., 301.75 114.75 W 134 91 119 l-o 86 110 180 130.5 Adlcrwerk Äleoer. Ludw üoeire Nai Huiamobft CnnftHn 1 Wopöri Link -o'mann Leontzard Tiey Bamoa» " raum . . ftranfr. M Ichiu« (iritoet (xDHatnRaebt . . Mamkrcftwerke . Miaa . . •'..-fariulnur Pcrrrs Union . . Gebr. Woebtr voia, 3 Har sine» Südd .Rader 3'24 313.75 .'16.5 1 220 «33.15 88.5 113.25 •»*> 34.15 71 >33.25 9t 367.5 328 7«H 581 317.5 209 138.1» 107.7» 113.73 Philipp Holzmann . 6tibe[oerier (EtmetU tfarlftabt ieabt A Rrtitaß (en förderliche 3i 'ammenarbeit durch Umstellung und Ratim'asister'mg ihrer Bekriebe in Chile fördern Der ^ille hierzu fei vorhanden. Wie die „Köln. Ztg." "i wissen glaubt, werden diese Bestrebungen auch von der chilenischen Regierung weitgehend noch der Richtung gefördert, bafc nicht ein Preistampf. sondern eine ganz wesentliche Serbe iierunq der Erzeugung bei denkbar niedrig st en Gestehungskosten und Lieferungspreisen für die internationale Landwirtschaft das Ziel dieser für beide Gruppen wichtigen Verständigungspolitik fein soll. Amtsgericht Gießen. Dießen. 22. Mai. Sin Viehhändler au« Lollar batte acn einem Dauern eine Kuh gekauft, mit der Abrede, sie ihm nach COiehcn oder Wißmar zu verbringen. Der Landwirt trieb die Kuh am nächsten Sage dem Viehhändler nach Siesten zu. Der Viehhändler hatte e» unterlassen. gemäß der Bekanntmachung des Kreisamts Siesten vom 30. April 1927 die Huh. rung der Kontrollbüchei betreffend, dem Der- fäujer für den Tra isport ein Aebenkontrollbuch oder einen Begleitschein mitzuq ben und lonit gegen dieViehkontrolloorschristen oersto- gen. Im Gegensatz zu der früheren Delanntmachung vom 3. Dezember 1924 ist es. nach Ansicht de» Gerichts, nach der neuen Bekanntmachung nicht erforderlich, dast der Händler den Besitz an dem Stück Vieh erlang^ hat. Zur Stiasbarkeit ist vielmehr ausreichend, dast das Vieh in den Handelsbereich d:s Viehhändlers gelangt. Ob das schon mit Abschluß des Kaufvertrags erfolgt, war hier nicht zu entscheide. Auf jeden Fall war eine Eintragung in das Äontrotlbud) bei Beginn des Transportes erso derlich. Der Angellagte wurde daher zu einer D e 1 d st r a f e von 10 Mark verurteilt. raloersammlung der I.-G. F a r b e n i n d u st r i e gaben der Börje jedoch feine besonder« Anregung. J.'G -Farben waren eher vernachlässigt und nur knapp behauptet. Auch Scheideanstalt eröffneten 0,75 o. S). niedriger. Von Kaliwerten waren Westeregeln mit 4/) o. H. stärker bevorzugt. Montan- werte halten ziemlich ruhiaes Geschäft, doch überwogen auch hier die Kursbesserungen Rur Gelsenkirchen mit plus 1,25 v. 5). und Harvener mit plus 1,5 o. H. waren etwas bevorzugt. Am Vanken- markt waren nur Danatbank mit plus 2,5 v. H. gefragt. Karstadt waren 3,5 o. f). erhöht Am A n l e i h e m a r k t konnte sich für Ablösung ohne Option recht lebhaftes Geschäft entwickeln. Ausländer waren ruhig. Zm weiteren Verlaufe beschränkte sich die Umsatztätigkeit auf die bevor,zugtea Elektro w e r t e , die erneut bis zu 3 o $). gewinnen konnten. I.-G.-Farben waren dagegen angcboten und weiter etwas schwächer. Der Satz für Tagesgeld war auf 5,5 v $). erhöht. Am Devisenmarkt nannte man die Mark gegen Dollar 4,1765, gegen Pfund 20,386, London gegen Kabel 4,8820, Paris 124,02, Madrid 20,15, Mailand 92,67, Holland 12,0980. Schrift stellen muffen: Schönheit (in dem Sinne als schmückendes Flächenmuster!), Deutlichkeit und leichte Lesbarkeit, Flüssig- I e i r und leichte Erlernbarkeit. Sie stellt an dir kindliche Auffassungskraft und Dar- stellungsfähigkrit möglichst geringe Anforderungen. ..Es mehren 'ich in den deutschen Ländern die Schulen, in denen die SütterlinmelHode amtlich vorgeschrieben ist" (L. s. d. B. vom 21. 5. 26), und in Anbetracht der im Dor stehenden aus- geführten Vorteile und Tatsachen und im 3n* lerere der so viel erstrebten deutschen Einheitlichkeit wird deshalb die erste Frage fein, ob man nicht gut tut, die Sütterlinfche Methode zu übernehmen. Menn auch infolge der in den Aachkriegsjahren sich geradezu überstürzenden pädagogischen Aeformideen eine gewisse, durchaus begreifliche Vesormmüdigleit Platz gegriffen hat lo ist doch der weitaus überwiegenden Mehrheit der etwa 4000 hessischen Lehrer und Lehrerinnen die Entscheidung in der Frage der Schriftreform nicht einerlei und eine Mitwirkung bei dieser Entscheidung dringend erwünscht. Berlin, 24. Mai. Die feste Haltung des Vormittwzsverkehrs übertrug sich auch auf die offizielle Vör'e. Es war eine st ä r k e r e Wiederaufnahme der Kauftätigkeit, besonders seitens des Auslandes, festzustellen, die sicher im Zusammenhang mit der Seftigteit der internationalen Börsen steht. Man luchte nach anregenden Momenten und wies auf die günstigen Kommentare des Auslandes zu den Wahlergebnissen hin, beachtete die Zunahme der Spareinlagen im April und war besonders von dem leichten Geldmarkt befriedigt. Während aber die eintreffenden Kauforders sich auf Spezialitäten und besonders auf den Elektromarkt erstreckten, scheint auch heute noch auf allen übrigen Märkten in größerem Maße gedeckt zu werden. DaS Geschäft war trotz der mehrtägigen Börsenunterbrechung durch die Feiertage und die beginnenden Vorbereitungen zum Ultimo ziemlich lebhaft. Kursgewinne bis zu 6 Prozent waren recht häufig. Salzdetfurth, Westereg.'ln, Vraubani, Schuckert & Salzer, Berger, Schlesische Portlandzement, Obernberg, Glanz stoss, Sarotti, Tietz, 3Ke Bergbau und Polyphon lagen bis zu 15 Prozent hoher, Svenska plus 10,25 Prozent und Chadc-Aktien plus 15 Prozent. DeutscheAn- lei h e n fester. Ausländer ebenfalls überwiegend höher. Pfandbriefmarkt still. Der Geldmarkt war leicht. Tägliches Geld 5 bis 7 Prozent und darunter. Monatsgeld 7,5 bis 8,5 Prozent. Warenwechsel etwa 7 Prozent. Auch im Verlause blieb es nach vorübergehender leichter Ab'chwächunz fest. S^ezialwerte lebhaft. SlektropaPiere erneut bis zu 5 Prozent erhöht. Auch Svenska weitere 4 Mk. höher. Das Interesse für Farben erhielt sich. Die Börse regte hier die Erwartung eines günstigen Kommuniques über die heutige Generalversammlung an. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 24. Mai. Der heutige Produkterimarkt zeigte das unverändert ruhige Bild der letzten Tage. Das Geschäft bewegte sich noch immer in lehr engen Grenzen und es wurden nur sehr geringe Tlm'ähe verzeichnet. Die Preise blieben unverändert. Es wurden notiert: Weizen 1, gut. gesund, trocken, bis zu 1 Proz. Auswuchs 26,50, Doggen 28 bis 23,25, Hafer, inländ. 28 bis 28,50, MaiS (gelb) für Futterzwecke und für andere Zwecke 25, Weizenmehl, südd. Spezial 0 38 bis 39,25, Doggenmehl 39,50 bis 40, Weizenkleie 14.85 bis 15, Doggerckleie 15 Mk. — Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtvieftmarkt. Frankfurt a. M., 24. Mai. Auftrieb: 111 Dinder, 1605 Kälber, 51 Schafe, 809 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 74 bis 80 Mk.. mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 73: geringe Kälber 47 bis 67. — Schweine: Bollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 60 bis 62: von etwa 200 bis 240 Pfund 60 bis 63; von etwa 160 bis 200 Pfund 61 bis 64: fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Psund 58 bis 60 Mk. — Marktverkauf: Kälber anfänglich rege, zu.n Schluß abflauend, Üleberstano. Schweine langsam, Üleberstand (etwa 140 Stück). Berliner Brodnktenbsrsc. Berlin, 23. Mai. Trotz der festeren Mcldun- gen von Uebersee und aus Liverpool verkehrte der hiesige Markt in lustloser Haltung bei nur geringfügigen Preisveränderungen. Auslandgetreide war in den Preisen teilweise etwas fester gehalten. Geschäft darin konnte sich heute auch kaum entwickeln. Jnlcmdweizen ist zu den gestrigen Preisen angebo- ten gewesen und vereinzelt fanden Umsätze in Elb- Tchulkhet» 'Layenhof« - Cfltocrfc..... ver. titaniftoff . . . . Bem berg ........ ScBfton Waldtzat. . . . Ze 1t st oK Slfcbaffenfrurn . Tdarlov. nburaer SJaffir . eiTautr SaS . . Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 22. Mai. Wegen des im Iahra 1925 in der hiesigen Ortskrankenkas e begangenen Einbruchdiebstahls war der polrische Staatsangehörige Walz durch das hiesige Schössen- getrübt za 2 I ahrc n Zuchthaus verurteilt worden. Infolge der gegen dieses Urteil verfolgten Deru ung mußte dis Sache nochmals verhandelt werden. Zu der Verhandlung waren wiederum eine große Zahl von Zeugen und Sachverständigen geladen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt auf Grund des zufammengetra- genen umfangreichen Deweismaterials den An- Heklagten einwandfrei des Einbruchdiebstahls für überführt und beantragte gegen ihn eine Zucht- Haus st rase von drei Iahrem Dagegen hielt das Gericht den SchulddewciS nicht für erbracht und sprach den Angeklagten unter Aushebung des erstinstanzlichen Urteils mangels ausreichenden Beweises frei. Verband Mitteldeutscher Industrieller. Frankfurt a. M.. 23. Mai. (WB.) Der Verband Mitteldeutscher Industrieller hiett heute nachmittag im „Frankfurter Hof" seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, in deren Mittelpunkt ein Vor trag von Staatsminister z. D. Bergmann über das Reparationsproblem stand. Dach Degrühungsworten durch den Vor- sitzenden. Dr. Braun, erstattete der Geschäftsführer. Dr. Linse, den Geschäftsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Konjunk - tut des Iahres 1 927 bezeichnete er als eine Scheinkonjunktur, an der nicht einmal sämtliche Industriezweige teilgenommen hätten. Rücklagen zu machen sei kaum möglich gewesen, da der wesentlichste Teil der Tetr eöscrträg- niffe an den Staat hab-» obgeführt werden müssen. Bei Besprechung der Handelsverträge warnte Dr. Linse nachdrücklich vor einem Eingehen von Geschäftsverbindungen mit Rußland, wenn die Kreditbasis keine gesunde sei. Die Steuern hatten eine Grenze erreicht, d:e nicht mehr überschritten werden könne. Die Industrie müsse Schaffung einer Höch st grenze verlangen, bis zu der sie überbauet zu Steuern herangezvgcn werden könne. Zweitens müsse sie eine Beschränkung des Ausgabe- bewilligungsrechtes der Parlamente verlangen, und drittens die Wieder- Herstellung der vollen Verantwortlichkeit der Länder für ihre Ausgaben. Die Industrie verlange, daß einmal mit allen Versprechungen aus Steuermilderung Schluß gemacht und ihre berechtigten Forderungen eriüllt würden. Gegen den günstig lautenden Kassenbericht wurden keinerlei Einwendungen erhoben. Der Vorstand wurde wiedergewählt. Reu hinzugewählt wurde Generaldirektor Kaiser- Zuwa. Vermischtes. Ein Eisenbahndieb verunglück!. Ein 25 jähriger Eisenbahndieb, der zwischen Deukölln und Tempelhof auf einen fahrenden Güterzug aufgesprungen war und einen belgischen Waggon mit Autozubehör erbrochen hatte, stürzte beim Abspringen, weil fein aus den wertvollsten Gegenständen, wie z. V. Magnetapparaten usw. bestehendes Beutepaket zu schwer, derart unglücklich, daß die Räder über hin hinweggingen und ihm beide Beine abfuhren. Gin Streckenwärter, der den Verunglückten später auffand, ließ ihn inS Krankenhaus bringen. Erfolglose Verfolgung de» spanischen Massenmörder». Mehr als 1000 Personen beteiligten sich an der Verfolgung des Mörders, der in seinem Heimatdorf zahlreiche Kinder und zwei Frauen getötet hatte. Bisher sind alle Nachforschungen erfolglos geblieben. Es wird angenommen, daß er sich in eine Schlucht gestürzt hat. Wirtschaft. Verständigung zwischen Luststickstoff und Chilesalpeter-Industrie. Wie die „Köln. Ztg." erfährt, haben die Besprechungen zwischen den maßgebenden europäischen Herstellern synthetischen Stickstoffes zu .einer grundsätzlichen Verständigung geführt und eine praktische Form für einen ge- l ichäftlichen Zusammenschluß unter Führung der I. »G. -Farbenindustrie und des Kuhl- 5mann-Konzerns in Paris geschaffen. Die- , ser geschäftliche Zusammenschluß sieht in dcrHaupt- ' fache eine Zusammenarbeit in der Richtung eines störungsfreien Verkaufes Iyntheti. sch en Stickstoffes und seiner weiteroerarbei- teten Erzeugnisse (Mischdünger) vor und sodann die Verbesserung und Verbilligung der Erzeugung an sich durch den Austausch von Erfahrungen bei der Herstellung synthetischen Stickstoffes und der sehr wichtigen Atomoerbindun- aen mit phosphorsäurehalttgen und kalisalzreichen Mineraldüngern. Die Herstellung synthetischen Stick- stoffes wird weiterhin vergrößert und der Verarbeitung von hochwerttgenMtschdüngern, insbesondere für die Tropen, ein noch größeres Augenmerk zugewendet werden. Die chilenische Salpeterindustrie, die den Siegeslauf der Luftstickstoffindustrie nicht mehr wird aufhalten können. wird auf eine Verständigung mit der Luftstickstoffindustrie in der Richtung hinarbeiten, in der Verwertung des Jods, eines ihrer Nebenerzeugnisse, ihr Hauptgeschäft zu sehen, und mit tunlichster Beschleunigung dies« beiden Tei- "Don der Frankfurter Börse. In den Monaten Juli und 'August bleibt die Frankfurter Börse an den Samstagen geschlossen * Hessische L i ch t s p i e l t h e a t e r - A. - G., Darmstadi. Die Generalversammlung der Hes- fischen Lichtfpicltheater A. G. (Helia) hat jetzt die Regularien einstimmig genehmigt. Der wahrend des Baujahres entstandene 'Verlust von 27 123,70 Mark wurde aus neue Rechnung vorgetragen. * A k t. - G e s. für Zellstoff- und Pa - Pierfabrikation. Aschaffenburg. Die gestern abgrhaltene Generalversammlung setzte entsprechend bem Vorschlag des Aufsichtsrates die Dividende für das am 31. Dezember aage- lau fene Geschäftsjahr auf 12 Prozent fest. Auf Befragen erklärte die Verwaltung, daß in den verflossenen Monaten des laufenden Geschäftsjahres sämtliche Werke voll beschäftigt waren, und daß, soweit sich übersehen lasse, für die nächsten zwei Monate noch volle Beschädigung vorliege. Die Preise seien jedoch nicht so. wie man sie wünsche, man hoffe aber, daß sie durch die neue Kartellbildu ig in der Zellstoffindustrie günstiger beeinflußt toürb:. Die internationale Verständigung sei noch nicht endgültig. Wohl sei es mit ber Tschechoslowakei zu einem Abkommen hinsichtlich des Absatzes und der Preise gekommen, mit brr skandinavische Industrie sei jedoch bis jetzt nur in der Weise Fühlung genommen worben, baß diese einer grundsätzlichen Verständigung nicht ablehnend gegenüberstehr. Die Verhandlungen hätten jedoch noch keine feste Form angenommen. Auf weitere Anfrage wurde erwidert, daß der Betriebsgewinn des Vorjahres fast ganz auf eigenen Produktionsgewinn entfalle. * Vasa11 A. - G., Linz a. R h. Die Hauptversammlung der Basalt QI.-®., Linz a. Rh. genehmigte den Rechnungsabschluß für 1927. Aus dem erzielten Reingewinn von 1 575 520 Mk. werden 6 Proz. Dividende verteilt. 35 783 Mk. werden auf neue De 'münz vorgetragen. Die Regularien fanden einsti nmige Erledigung. Dach dem Geschäftsbericht trat das Werk in das neue Geschäftsjahr mit befriedigenden Erwartungen ein. Fast alle Gebiete böten normale Aussichten. Dach Mitteilung der Verwaltung wird auch mit einer Besserung des Beschäftigungsgrades im Eisenbahiischroltma'e'.ial schon für die allernächste Zeit gerechnet, so daß die Beschäftigung nunmehr auf allen Gebieten für die nächsten Monate gesichert ist. * D ie Badenwerk-Anleihe. Ein unter der Führung der Twentschen Bank und der Amster- damschen Bank stehendes holländisches Bankkonsor- tium wird nm 30. Mai die 10 Millionen Schweizer Franken kprozenkigen hypothekarisch gesicherten Obligationen der Badischen LandeselektrizttätsVer- sorgungs-A.-G. (Badenwerk) Karlsruhe zum Kurse von 92,5 v. H. Amsterdamer Usance zur Zeichnung auflegen. * Berliner Auslandanleihe. Die Stadt Berlin hat durch Vermittlung der Commerz- und Privatbank A.-G. Berlin, die die diesbezüglichen Verhandlungen führte, mit einem amerikanischen Bankenkonsortium (Brown, Brothers & Co., Neu- York, First National Corporation os Boston, Boston; 3. Henry Schröder, Banking Corporation Neuyork) eine dreißigjährige öprozentige Auslandanleihe über 15 Millionen Dollars abgeschlossen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 24. Mai. Tendenz: fest. — 3m Anschluß an die festere gestrige Abendbörse eröffnete der heutige Börsenverkehr in weiter fester Haltung. Da sich das Ausland wieder stärker am Geschäft beteiligt, konnte sich, hauptsächlich in Spezialwerten, recht lebhaftes G c - sIhäft entwickeln. Ermutigt dadurch nahm auch die Spekulation Deckungen vor, so daß gegenüber gestern abend zumeist Kursbelserungcn bis zu 2,5 o. H. festzustellen waren. An der Spitze der bevorzugten Werte standen wieder Elektrowerte und Z e 11 st o f f a k t i e n , bei den letzteren regten die günstigen Ausführungen auf der Generalversamm hing an. Besonders lebhaft waren AEG. mit plus 5,75 v. H. und Siemens mit plus 4 o. H. gehandelt Auch Schuckert, Bergmann, Lichl und Kraft konnten im Einklang damit anziehen. Zellstoff Aschaffenburg waren mit 3,5 v. H. und Waldhof mit 2 o H. gefragt. Die günstigen Ausführungen auf der heutigen Gens- weizen statt. Don neuen Erporlabfchlüsien war aber heute nicht» zu hören. Roggen ist in Fr-bund (Eifpaitien zu den gestrigen Preisen reichlich offeriert, begegnet aber nur geringer Kauflust, da das Roggenmehlgcfchäst weiter sehr zu roün- schen übri£ laßt und die Mühlen bei den argen- wärsigen Komerpreisen über ffTouhfurt a. M Berlin ^ranMurt a. M Berlin 541» b • Nur» i-Uhr- Kur» Sd)iu{j Kur» «NI-N9 Kur» Schluh- Kur» l-lthr- Kur» 6Ö" Kur> Wilfong Kur» Datum M 6. 24.1 83 5. 84 5. Datum: 22. 5. ■ 24 5. | 23. 5. 124 5 Dl R,lch4anlen»< » 1927 Di Aul tibloi Schuld mil Uuelol -Stech««« De-al obue 8u«ti s -Sicchl«» 1*1« Wraiih Hyv.-Bk. dvl untuiibbat r>l 1M2 . . 4Veo/o Sitze in Ische üvv -Lcuik Siqu -lAoivvi Ä 6 ® abo >Bortrttfll-£)b ItaotumeiL nutwblbar 193? <°vv Schwru ^u-.deSd -Anl <°/o Oestrrrlchisch« Aoldrir Ccfterr ich Eilocrrt« «7» Ori'errrich cm citl Rtc Unqarifd)« titolbrtc 4% Unaanftbe 6taat«r o 1910 bciQl von 1913 <*A> UngüNschr itroncnrtt . . *•1 Türk J»UanlctiK » 19)1 4% iurt ibaaMPbabn-eHL Sv il« 1 4•/ dcSyl. C«rte 11 4uo Rumänen conoett Ri« VfV 6 SiumSncu »elbanl. von 1918 Alla Demichr i^tlcnbatin 41/, ^flinbing-ftnierifa i’aict. t» » Md -sudam Damv'fch 8 Paula Daun-ktchist 6 '.«.orddeuiliver riovv v Sllg Deulfche Lrrditanll.. 10 Barm t Pankvcrtin lo BcrUnci tzandrlSqeleUsch. 12 Üowmer,. und Privat-Vk 11 Tanns«, u Stanonolbauk «r T^iuichr Bank 10 Eiefon«».(3tftUft!)ah Am 10 Lre»dnn Bank • 10 Murcidruliche Lrediidank 9 MeloUdank .8 RetLSbank.....i i *13 1 | | lll 13 S ' • * • "3 • 52^*5 • 44» 4k 2 2 'c 2 j • D 8 5- „ „ “ 8 i® ' i, 1 1 z -ki । 111 111 1 111 11 । 1 । £1 । M.4. 6‘- • 2 4 28,9 1.88 18.1 13. tv 18.13 21,8 •67.5 211,5 417.» 160.63 H3.75 150.75 41»,9 1*6.» .18.75 I7d IM. 76 167.75 814.5 141.3 «, Bereinigte Stahl», f. V»9 » Ctaoi Minen ■ ■ ■ 1 «b Kali Aschersleben • 10 «nU7Dtfltr)ou, 16.17 1«. V. Holländische Skalen...... atalfenifdK S<»«n...... Norwegisch« Roten..... Deutkip ertterr , i 100 Qronm ito im 22 01 ito. 74 ft.O-.l «11.60 112.04 •8.66 MO Siumain83 M. «5 Id*. 67 168,34 Bu^n- Lire» 1,767 1.782 58. iM 1.78» 51,31» Brst «ntw 58.3,5 tf hriinaira 111,74 111.96 111.75 lll.97 stouen vagen 111.95 112.,7 111,98 112.20 Clockbalm . 111.9.1 >12.17 lll.'4, 112.15 HelKngiorS. li.50 21.98 10.52 10.503 10.123 jratun . . -'1.U2 2I.9-5 22.U23 London. . . io. y>. -'M. 1U5 M.36I «.164 •fleuaorf . . t.1725 4.1605 4.IZ2O 4.1600 Paris ... 16.415 16. .A5 16,42 16.4« >0. 40 *1.56 >0.59 69.7» 60.55 Sm ie« . 69 < 70.01 6993 ^tlo d« Jan 1.9X1 1.937 1.XJ1 l.UJ» 50^5 0.604.1 ).5O3» ) M145 Wien in I.. Crlt aBgeft -8.71 ■^.70 to.ö 11.366 12.. ito 12.365 12.38» Belirad . . ...46 7.26t' 7.344 7,35* . • 72.87 73.0'. 72.985 73.045 Bul arten 5.017 3.02:1 J.0I5 3.021 “ifTabon . 17.78 17.82 17.83 17.87 81.46 2. 118 Ol.oi 2.152 81.48 »11, U.M 3.14» 5,43» Attzen. . . 5.485 4.473 5.423 Lnnida 4,169 4.177 4,168 4,17» Uru uaq . . 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