Nr. 72 Erstes Blatt 178. Jahrgang Samstag, 24. März <928 kr,ch eint tügIM,nutzer Sonntags und ftliertags. Beilagen: Gletzener Jamihenblättet Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugsprels: 2 Reichsmark und 20 Reichrpfenntg für Trägen lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Hletzen. poHfcherttoitto: Sranffurt am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck vnd Verlag: Vrühl'fche Unwerfiläts-Vuch- und Sleindruckeret R. Lange in Gießen. 5chriftlettung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig: für R-» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 207, mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wild Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot. für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Bietzen Der Hechi im Karpfenteich. 3n die Affäre der im Donezbecken verhafteten deutschen Ingenieure ist bislang wenig Licht gedrungen. Zwei der Verhafteten sind zwar bereits wieder freigelassen worden, weil sich keinerlei Verdachtsmomente gegen sie ergaben, und der eine von ihnen, der OGeringemeur Goldstein von der A.E.G., ist vorgestern in Berlin einaetrosfen. Aber es besteht wohl kaum Aussicht, daß man sich aus seinen Aussagen ein klares Bild davon wird machen können, was die Russen mit den übrigen, unter Anklage versetzten deutschen Ingenieuren vorhaben werden. In den Verhandlungen mit dem deutschen Botschafter in Moskau scheint die russische Regierung auf die Gründe für die Verhaftungen garnicht eingehen zu wollen, unter dem Vorwand, daß sie in ein schwebendes Verfahren nicht eingreifen könne. Auch was in der bolschewistischen Presse darüber gesagt wird, ist außerordentlich dürftig und klingt für deutsche Ohren mehr als unwahrscheinuch. Es scheint gan* so, als ob die Moskauer Diktatoren Sün - denböcke für ihre festgefahrene Wirtschaftspolitik brauchen, und da tut natürlich eine kräftige Hetze gegen den auch heute noch verhaßten „burgut)“ immer ihre Schuldigkeit. Schließlich ist es doch wohl so, daß das tiefe Mißtrauen der russischen Kommunisten in die Ehrlichkeit der als leitende Beamte in ihren früheren Werken beschäftigten Industriellen und der aus dem kapitalistischen Auslande stammenden Ingenieure eine fachliche Aufbauarbeit der russischen Industrie im Grunde völlig unmöglich macht. Und doch wäre es falsch verkennen zu wollen, daß der industrielle Wiederaufbau in der Sv- wjet-Umon seit Beginn der neuen ökonomischen Politik, des sogenannten „Rep", gewisse Fortschritte gemacht hat, wenn auch die Führer bei dieser Aufbauarbeit immer wieder ihre besten Kräfte an der Lieberwindung der oben schon gestreiften psychologischen Folgeerscheinungen der Revolution zermürben müssen. Seit Jahren hat die Sowjetregierung sich bemüht, für die technische Modernisierung der russischen Industrieen ausländisches Kapital und technische Hilfskräfte des Auslandes für sich zu gewinnen. Man ist den Wünschen Moskaus auch soweit entgegengekommen, wie im Ausland der Eindruck von einer gewissen Stabilisierung der innerpolit.fchen Verhältnisse sich durchsetzte. Es ist deshalb gerade jetzt, wo Moskau in Unterhandlungen mit Amerika und Frankreich steht, völlig unver- ständlich, wie es durch eine solche Brüskierung der kapitalistischen Mächte von nomberem seine Stellung derart verschlechtern kann. Rach allem, was man hört, scheinen auch im Kreml unter Führung Tschitscherins sich starke Strömungen gegen diesen Rückfall in schlimmste bolschewistische Methoden zu Gunsten der deutschen Ingenieure geltend zu machen Es wird sich also schließlich darum handeln, ob die Vernunft hegt, oder ob man es vorzieht, aus innerpolitijchen Gründen, d. h. also, um das Mißtrauen der Massen in ihre Führer abzuleiiken oder gar, um eine gegenrevolutionäre Bewegung un Keime zu ersticken, durch die Verurteilung der deutschen Ingenieure einen Bruch mit Deutschland zu provozieren. Das ausgesprochen schlechte Verhältnis zu diesem einzigen seiner Freunde unter den Großmächten hat Rußland nicht hindern, können, auch auf die neue, soeben in Gens zusammengetretene Tagung der vorbereitenden A b r ü st u n g s k 0 m m 1, - s i 0 n wiederum eine Delegation zu entsenden. An ihrer Spitze steht, wie schon seither, der stellvertretende Volkskommissar für auswärtige Angelegen- beiten, Herr Litwinow, verbindlich, gewandt, schlagfertig in der Debatte, ein Propagandaredner großen Stils. Es ist erstaunlich, welche erfrischende Wirkung von den Russen ausgeht, wo sie auch erscheinen. Wenn Herr Litwinow energisch aus den Tisch klopft, dann wirbelt der ehrwürdige Aktenstaub empor und die müden Herren ringsherum, die nun schon seit Jahren am Genfer See das Amt eines Abrüstungsspezialisten als einen Beruf anfel)en, m dem es sich leben läßt, heben verwundert und etwas ärgerlich die Köpfe und müssen wohl oder übel mfti bestens so tim, als ob auch ihnen an der endlichen Erledigung des Abrüstungsproblems gelegen wäre. Die Aindsärmeldiplomatie der Russen mag zwar unbequem sein, aber die Genfer ^e.intte wird durch sie erst dahin getrieben, wo sie auch in unserem Sinne hinzielen muß. Litwmow ift ber Hecht im Karpfenteich, der dafür sorgt, daß das trübe Genfer Gewässer m Bewegung kommt. Im Grunde hatte man es sich diesmal, nachdem ja eben erst das Sicherheitsproblem ausführlich diskutiert war, nrit der Abrüstung um so leichter machen wollen. Damit ift es nun mchts geworden, denn die Russen haben erneut ihren radikalen Ab- rüstungsvorfchlag, der nun sehr genau präzisiert vorliegt, zur Debatte gestellt. Und em weiteres ist ihnen gelungen, ihr alter Bundesgenosse die t u r - fjs d)e9 Republik Mustafa Kemal Paschas, hat jetzt ebenfalls ihre Delegierten an ihrer Sp.tze den klugen Außenminister T e ro ft k Ru s chd n B ey, zur Abrüstungskonferenz entsandt, obwohl sie noch nicht Mitglied des Völkerbundes ist. So b.ldet sich merklich in gewissem Sinne eine Fronde gegen die bisherigen Herrsd>er des Volkerburwes die trotz aller Meinungsoerschiedenhoiten ledenfalls in dem einen Punkte einig sind, eine tatsächliche Abrüstung soweit wie möglich hinauszuschieben oder gar ganz zu verhindern. Es dreht fick darum, endlich einen bestimmten Termin für die Einberufung der enbgtltigen Abrüstungskonferenz — denn die bis- Kulturpolitische Aussprache im Reichstag. Berlin, 23. März. Präsident Lobe eröffnet die Sitzung des Reichstags mit einem von den Abgeordneten stehend angehörten Rachruf auf den plötzlich verstorbenen Zentrumsabgeordneten Rheinländer, auf dessen Platz ein Strauß weißer Rosen liegt. Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums wird fortgesetzt. Abg. Or. Schreiber (3 ) erklärt, die Auseinandersetzung zwischen Reich und Ländern sei keine Angelegenheit der Bu- reaufratie, auch keine Parteisache, sondern eine Lebens- und Schicksalsfrage des deutschen Volkes, die mit seinem, psychologischem Verständnis behandelt werden müsse. Deutschland könne nur a 1 s lebensvoller Föderativ st aat gedeihen. Die notwendige Reform des parlamentarischen Systems darf nicht angefaßt werden aus einer Feindschaft gegen den Parlamentarismus heraus. Eine Reform des Wahlrechts wird die nächste Aufgabe sein. Der demokratische Gedanke muß unser Staatsleben erfüllen, aber er muh der deutschen Wesensart angepaht sein. Wir sind Gegner des Staatsabsolutismus, wir wollen die Kräfte der Familie, der Persönlichkeit und des Volkstums erhalten wissen. Wir wollen die Aufrechterhaltung des Derufsbeamtentums, aber gerade darum wünschen wir eine baldige Reform der Pensionsgefetzgebung. Bei der Armut des deutschen Volkes ist es nicht erträglich, daß Persönlichkeiten des politischen Lebens, die kurze Zeil eine hohe Stellung einnahmen, nun dauernd sehr hohe Pensionen beziehen. (Beifall.) Mit Sorge und Mitgefühl verfolgen wir das Schicksal der deutschen Minderheiten, vor allem das der deutschen Südtiroler. Der Geist des Dvller- bundes verlangt die kulturelle Autonomie der Minderheiten. Das ist eine gesamteuropäische Frage. Beim Schulgesetz habe sich leider gezeigt, wie von manchen Parteien der Begriff der Staatsmacht gegenüber der Kirche übersteigert werde. Das entspreche nicht dem Geist der Weimarer Verfassung. Im Gegensatz zu ihrer sonst unitarischen Haltung wolle die Volkspartei in der Frage der Simultan- s ch u l l ä n d e r eine kulturelle Enklavenwirtschaft der Länder verewigen. Die Sozialdemokratie habe leider diese Ausnahmegesetzgebung zugunsten der Simultanschulländer mitgemachl und nassauische Fürsten betrete höher gestellt, als die Rechtsgleichheit aller Deutschen. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Freiherr v. Kardorff (O. V. p.) erklärt: Für ein Gesetz zur Bekämpfung der Splitterparteien ist die Deutsche Volkspartei nicht zu haben. Diese Dinge müssen sich von selb st totlaufen und sie werden sich totlaufen. Die Einsicht wird wachsen, daß die Gründung berufsständischer Parteien die größte Dummheit ist, daß wirtsd;aftliche Interessen wirksam nur in großen Parteien vertreten werden können. Wir müssen endlich auch zu ständigen Wählerlisten kommen. Wir sollten die gesetzgeberische Produktion etwas einschränken. Die Auswahl der in die Ministerien einzusteUenden Beamten muß unabhängig von der Parteizugehörigkeit erfolgen. Der Haß gegen Schwarzweißrot fördert nicht die Achtung vor Schwarzrotgold, die ich überall verlange. Wir müssen in diesen Fragen eine gewisse Toleranz walten lassen. Es ist doch schon in der Stabilisierung der Republik weit vorwärts- gekommen. Man braucht nur die jetzigen Richtlinien der Deutschnationalen mit ihren früheren zu vergleichen: das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. In der Frage der Einheitsbestrebungen warne ich davor, das Ziel zu weit zu stecken. Wir müssen kommen zu einer Beseitigung der Enklaven und der lebensunfähigen kleinen Länder. Dann muß dasVerhältnisPreuhenszumR eich bereinigt werden. Man kann vielleicht auch die hemmungslose Macht des Reichstags durch Verstärkung der Macht des Reichsfinanz. Ministers etwas beschränken. Eine Stärkung der Macht des Reichspräsidenten im Sinne der Ausführungen des Abg. Berndt ist kaum erforderlich, denn der Reichspräsident ernennt nach unserer Verfassung den Reichskanzler und auf Vorschlag des Reichskanzlers die Minister. Die Macht des Reichspräsidenten wird allerdings geschwächt, wenn die Auswahl der Minister oonFraktions. ab ft immungen abhängig gemacht wird, lieber das ©djeitern des Schulgesetzes soll nach der Erklärung des Abg. Berndt die ganze christliche Elternschaft empört sein. Tatsächlich war auch in der alten preußischen Verfassung ein Schulgesetz angetjin* digt, aber es ist niemals zustande gekommen. Die bisherige Schulverwaltung hat durchaus Rücksicht auf die Wünsche der Elternschaft genommen. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Wirth ist wahrscheinlich wie ich der Meinung, daß bei dem jetzigen System die christliche Schulerziehung g u t gedeiht. Der verstorbene Hofprediger Stöcker hat in einer ausgezeichneten Rede sich gegen den Plan eines Schulgesetzes gewandt, der den Religionsunterricht in den Schulen in Abhängigkeit von den Kirchen bringen will. Er fordert ganz wie wir eine staatliche Schulhoheit, die auf die Wünsche der Elternschaft gebührende Rücksicht nimmt Die Herren vorn Zentrum vergäßen, daß der Religionsunterricht nicht bloß in der Schule erteilt werde: Väter und Mütter seien die wichtig st en Religionslehrer der Kinder. Das Elternhaus leiste für das religiöse Leben mehr als die Schule. Meine Freunde haben die christliche Schule nicht verhindert Abg. Koch-Weser (D.) begrüßt die Ausschutzanträge, die eine einheitliche Städteordnung, Gemeindeordnung und Derwal- tungsgerichtsbarkeit und die Einführung der Reichsangehörigkeit an Stelle der verschiedenen Staatsangehörigkeiten fordern. Der nächste Reichstag werde ein Programm für die Einrichtung des Einheitsstaates aufzustellcn haben. Die Hoffnung auf eine Verständigung mit der Zentrumspartei in dieser Frage brauche noch nicht aufgegeben zu werden. Freiherr v. Kardorff habe zwar nur eine unitarisch beseelte ilutätigfeit vertreten. aber mit der Volkspartei werde_ man doch in der Sinheitsfrage zusammengehen können. Der Einheitsstaat werde sich auch noch so durch- fehen lassen, daß man notfalls über rückständige Minderheiten im Wege der Gesetzgebung hinweg- geht. Rotwendig sei ein Austausch zwischen den Beamten des Reichs und der Länder. Die Wahlrechtsform fei notwendig, und die Splitterparteien seien eine Gefahr für die parlamentarische Entwicklung. Die Ausführungen des Ministers Dr. Stresemann über die zu starke Gesellschaftlichkeit seien ganz berechtigt. Vom Reichstag aus müsse einmal gegen den Unfug Stellung genommen werden, daß jede Vereini- gung, die vom Reichstag oder Regierung etwas will, dies in Form eines Bierabends tun zu müssen glaubt. Reichsinnenmimstet' v. KeudeN erinnert an die Bestrebungen, die Reichseinheit unter freudiger Mitarbeit der Länder zu fördern. Die Reichsregierung lehnt in dieser Frage jede Lösung ab, die eine Vergewaltigung einzelner Teile unseres Vaterlandes bedeutet. Auch gesetzliche Lösungen können eine solche Vergewaltigung bedeuten. Bei einer gesetzlichen Regelung muß geprüft werden, ob die Lieberwindung von Widerständen nicht zu einer Schwächung des Ge- samtorganismus des Reiches führt. Die Reichsregierung mußte bei der Erörterung dieser Fragen eine gewisse Zurückhaltung beobachten: durch Indiskretion steht ja alles, was im Reichskabinett beschlossen worden ist, am nächsten Tag ohnehin in der Zeitung. (Hört! Hört!) Die parteipolitisch unverdächtige Minister- präsidentenkonferenz hat sich einmütig für eine Revision der Weimarer Verfassung, aber nicht f ü r den Einheitsstaat ausgesprochen. Bisher hat noch fein Rechenkünstler nachweisen können, daß der Einheitsstaat billiger arbeiten würde als der jetzige Staat. Mit den Aus- schuhbeschlüssen in unitarischer Richtung würde der Reichstag der künftigen Verfassungsrevision vorgreifen. Diese Beschlüsse würden sich auch ohne innere Erschütterungen kaum durchführen lassen. Wir könnten dabei zu schematischen Lösungen kommen, die die Großstädte zum Schaden des flachen Landes bevorzugen und auf einen neuen Beamtenabbau hinauslaufen. Ich bedauere, daß die großen Fragen des Beamtenrechts nicht mehr gefördert werden konnten. Die Pressekritik an der Annahme der afghanischen Orden hat sicherlich dem deutschen Ansehen im Ausland nicht gedient. Ich darf daran erinnern, daß ein sozialdemokratischer Reichsinnenminister dem früheren Reichspräsidenten riet, die „Sonne von Peru' als Erinnerungszeichen anzunehmen. (Lebhaftes Hört! Hört! und Heiterkeit.) Ich halte die Annahme durch den früheren Reichspräsidenten übrigens für einen A k t staats- männischer Klugheit und Höflichkeit. Dem jetzigen Reichspräsidenten ist die Annahme des afghanischen Ordens von einer Seite angeraten worden, die nicht politisch rechts steht. Angriffe der oppositionellen Presse nötigen mich, einige Ausführungen über den angeblich von mir beabfid>tigten deutfchnationalen Beamtenschub zu machen. Da wird behauptet, ich hätte einem verdienten Ministerialdirigenten nahegelegt, sich pensionieren zu lassen. Tatsächlich habe ich ihn bitten lassen, sein Pensionierungsgesuch noch hinauszuschieben. (Hört! Hört!) Die Stelle für die Vertretung der ostpreußischen Belange ist nicht von mir, sondern an höherer Stelle von den Selbstverwaltungs- körpem Ostpreußens angeregt worden. Daß dafür ein aktiver deutschnationaler Landrat vorgeschlagen wurde, habe ich selbst erst aus der Zeitung erfahren. Für mich ist die Parteistellung nebensächlich. (Lachen und Zurufe bet den Sozialdemokraten.) Daß Ihnen das komifck) vorkommt, ist mir verständlich. (Beifall rechts.) Ich sehe es als verfassungswidrig an, wenn etwa einzelne Minister nach der Parteizugehörigkeit ihrer Beamten forschen. Bei der Beurteilung der Eignung für höhere Posten ist für mich auch entscheidend, inwieweit der Beamte es versteht, Bindungen seiner eigenen Welt- und Parteianschauung im Interesse höherer Gesichtspunkte auch einmal zu verleugnen. Ich spreche deshalb die Ditte aus, im Interesse der beteiligten Beamten, solche Angriffe in der Presse zu unterlassen. Kein Gesetz gegen die Splitterparteien. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 24. März. Die Parteiführerbesprechungen über ein sogenanntes Splittergesetz haben, wie man hört, kein Ergebnis gebracht, so daß eine Regelung dieser Frage noch vor dem kommenden Wahlkampf als ziemlich unwahr- sck)einlich gelten kann. Man hatte die Möglichkeit einer sogenannten „weißen Lücke" im amtlichen Stimmzettel erwogen, die man für herigen Debatten gelten ja lediglich als vorbereitende — festzusetzen. In diesem Bemühen stehen Deutschland, Rußland und die Türkei mit den gleichfalls restlos entivaffneten Besiegten des Weltkrieges Ungarn, Oesterreich und Bulgarien in einer Front. Aber die Gegenseite sucht die Debatte wieder auf ein anderes Gleis zu schieben. Entweder indem man, wie Frankreich und seine östlichen Trabanten, den Beginn der allgemeinen Abrüstung von der vorherigen ßöfimg des Sicherheitsproblems abhängig machen will, oder indem man, wie England, mit hochmütigem Achselzucken die Ehrlichkeit der russischen Vorschläge bezweifelt und die Russen mit unmöglichen Forderungen, die gar nicht zur Sache gehören, aus Genf fortekeln möchte. Lord Eushendun, der als Nachfolger des ob der Intransigenz seiner Landleute verärgerten Lords Cecil England als zweiter Dölkerbundsdelegierte in der Abrüstungskommission vertritt, hat hier gegen Litwinow eine Rede vom Stapel gelassen, die man als ein Musterbeispiel des britischen cant bezeichnen könnte. Rußlands negative Einstellung zum Völkerbund, die Auslandpropaganda der Bolschewisten, die Förderung des Bürgerkrieges durch kommunistische Kampfzellen, das alles hat der britische Delegierte oorgebracht, um damit zu beweisen, daß Litwinows Worte mit den Taten der Sowjet-Union schlecht übereinftimmten. Der Russe ist die Antwort nicht lange schuldig geblieben. Er hat — um in der bombastischen Sprache kommunistischer Manrfests zu bleiben — nicht gezögert, der Verlogenheit des weit- europäischen Kapitalismus die heuchlerische Maske vom Gesicht zu reißen. Seine Erinnerungen an gefälschte Briefe und kaum vertretbare Haussuchungen werden dem britischen Lord kaum angenehm in den Ohren gefhingen hoben. Aber ob man mm mit dieser Rede und Gegenrede schließlich vom Fleck kommt und wirklich einmal dahin gelangt, wohin Rußland und Deutschland die in Genf versammelten Mächte haben möchten, das scheint auch nach dieser letzten Genfer Tagung mehr als zweifelhaft. Und je radikaler sich die Rufsen gebärden, und je utopischer ihre Abrustungspläne den westlichen Diplomaten anmuten, um so leichter wird es diesen fallen, sie achselzuckend als unmöglich zu den Akten zu legen. Die Genfer Fronde hat außerhalb der Dölker- bundsstadt einen Verbündeten bekommen, der ihr nicht unwillkommen sein dürfte. Aus der Diskussion zwischen Kellogg, dem amerikanischen Staatssekretär, und dem französischen Außenminister D r i a n d über einen auf beide Mächte begrenzten Sicherheits- und Schiedspakt erwuchs der amerikanische Vorschlag, in einem alle Großmächte umfassenden Vertrag die feierliche Aechtung des Krieges ganz allgemein und uneingeschränkt auszusprechen. Der Vorschlag Kelloggs erscheint also wenigstens äußerlich nicht minbet radikal, als die russischen Abrüstungs- Pläne. Aber er ist in der voraebrachten Form so allgemein und theoretisch gehalten, daß man schwerlich glauben wird durch eine derartige platonische Entschließung, wenn ihr auch alle maßgebenden Mächte zustimmen würden, den Krieg aus der Welt zu schaffen. Insofern wird man ihm kaum eine große reale Bedeutung beimessen dürfen. Aber, daß Amerika, das fo lange Jahre hindurch sich streng abseits von den europäischen Dingen gehalten hat, mit dieser Initiative Kelloggs sich in die Abrüstungsdebatte e i n s ch a l t e t, ist ein Vorgang von größter politischer Bedeutung. Vielleicht wird man die Gründe hierfür in dem heraufziehenden Wahlkampf um die Präsidentschaft zu suchen haben. in dem die republikanische Partei den Wählern über ihre bisherige Politik Rechenschaft ablegen muß. ilnö es mag immerhin auch für sie rückblickend eine offene Frage fein, ob die strenge Enthaltsamkeit, die sie sich allen europäischen Dingen gegenüber auferlegt hat, richtig war. Oder ob nicht nur Europa, sondern ebenso auch die amerikanische Wirtschaft in der Uebertoin- dung der Kriegsfolgen um ein erhebliches Stück weiter gekommen wären, wenn die Vereinigten Staaten eine politisch tote wirtschaftlich gleich Erfolg verheißende Vermittlerrolle übernommen hätten. So mag man heute in deut Kelloggschen Vorschlag zur Aechtung des Krieges eine Parallelaktion sehen zu dem Schritt des amerikanischen Reparationsagenten Parker Gilbert, der auf seinem letzten Besuch in Washington doch offenbar der Rotwendigkeit einer rechtzeitigen Revision des Dawesplanes und einer allgemeinen Ordnung der Kriegsschulden das Wort geredet hat. Mögen weder die Vereinigten Staaten noch die Russische Sowjet-Union auch in Zukunft dem Völkerbund beitreten, so wird doch mir unter ihrer tätigen Mitwirkung in der Ab- rüstungsfrage etwas Positives geschehen tonnen, ilnö je mehr diese beiden Mächte, die sich mit vollem Bewußtsein außerhalb der Genfer Versicherungsanstalt zur Sicherstellung der Versailler Kriegsgewinne gehalten haben, die Maßgeblichen im Völkerbund, die heute noch jeden Fortschritt der Abrüstungsidee heimlich sabotieren, von ihrer starken Stellung aus bedrängen, je eher dürfen wir Unterlegenen des WeltkÄeges und von den Siegermächten bis auf das Hemd Ausgezogenen hoffen, daß die Parole „Die Waffen nieder!" in Zukunft nicht für uns allein gilt. solch« Parteien einführen wollte, die sich neu um Reichstagsfihe bewerben. Abgesehen davon, dah nach der Ansicht des Innenministeriums dieses Gesetz verfassungsändernd ist und somit kaum noch vor der Auflösung vom Parlamente erledigt werden könnte, hält man ziemlich allgemein eine solche Maßnahme nicht für sonderlich geschickt. Die Dolkspartei und auch die meisten andern Parteien haben sich deshalb gegen einen solchen Vorschlag ausgesprochen, den sie nicht für wirksam erachten und der nach ihrer Meinung nur die evtl, davon Betroffenen unnötig verbittern müßte. Auch der andere Ausweg. nämlich den amtlichen Stimmzettel ab-uschaf^fen. und damit die Kosten der Druckl-gung der Stimmzettel den Parteien zu überlassen, was natürlich die Aktion kleiner Truppen sehr hemmen würde, wurde für die kommenden Wahlen als ungeeignet betrach- let. Eine solche Umänderung wäre in so kurzer Zeit kaum durchzuführen und würde auch für die großen Parteien eine beträchtliche Belastung bedeuten. Unter diesen Umständen kann man annehmen, daß die Frage eines Gesetzes über die Splitterparteien zunächst ruhen wird. Einigung über den personaletai. E4 bleibt bei der Regierungsvorlage. Keine Umgruppierungen. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 24. März. Wie man aus parlamentarischen Kreisen hört, ist es jetzt gelungen, den Kampf um den Personaletat endlich abzu- schliehen. Die Regierungsvorlage, so wie sie auch vom Leichsrat genehmigt worden ist, hat anscheinend nun auch die Billigung der Regierungsparteien gefunden. Die ursprünglich vorgesehenen, dann aber von der Regierung selbst auf Grund eines sogenannten anonymen Antrages zurückgenommenen Umgruppierungen und Höhereinstufungen in einigen Kategorien der unteren Beamten der Finanz- und Postverwaltung werden nicht ausgeführt. wenigstens will man sich streng an die Bestimmungen des Besoldungsgesetzes halten und die anderen Aenderungen, die auf Grund der damaligen Reichstagsresolutionen verlangt wurden, jetzt nicht ausführen. Das bedeutet einen Erfolg des Finanzministeriums und heißt andererseits, daß sich die parlamentarischen Vertreter der Beamtenschaft in den Parteien selbst mit ihren Wünschen nicht durchsetzen konnten. 3m allgemeinen ist man heute in parlamentarischen Regierungskreisen der ziemlich zuversichtlichen Stimmung, daß sich der Erledigung des Lotprogramms keine besonderen Schwierigkeiten mehr entgegenstellen werden. Mit der Schlußlesung des Etats in den beiden letzten Märztagen wird auch die Erledigung des Lvtprogramm-Mantel- geiehes erfolgen. Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Bon unserer Darmstädter Redaktion. D a r m st a d t, 23. März. Der Finanzausschuß jetzte die Beratung über die neue B e s o l - dungsordnuna fort. Artikel 10 bis 14 die den Wohnungsgeld Zuschuß regeln, wurden in der Fassung der Regierung angenommen und die da- m gestellten Anträge abgelehnt. Artikel 15 enthält die Bestimmungen über die K i n d e r z u l a g e. Bon den Koalitionsparteien war folgender Antrag eingebracht: Ein Beamter erhält für jedes eheliche Kind bis zum vollendeten 16. Lebensjahre einen Kinderzuschlag, der für das erste und zweite Kind monatlich je 20 Mk., für das dritte und vierte Kind monatlich je 25 Mk., für das fünfte und jedes weitere je 30 Mk. beträgt. Die Höhe des jeweils zu zahlenden Satzes bemißt sich nach der Zahl der kinderzuschlags- fähigen Kinder. Absatz 3 Satz 1 des Artikels wurde wie folgt geändert: Für Kinder vom vollendeten 16. bis zum vollendeten 21. Lebensjahr kann der Kinder- 'zuschlag gewährt werden, wenn usw. 3n dieser geänderten Fassung wurde der Artikel 15 angenommen und die sonstigen dazu gestellten Anträge abgelehnt. Die Artikel 16 und 17 wurden angenommen. Die Artikel 18 bis 20 behandeln die n i ch t p l a n m ä ß i° gen Beamten. Zu Artikel 18. Ziffer 3, wurde von der Regierung ein Zusatz hinter dem Wort „gelten" vorgeschlagen: „soweit für die wissenschaftlichen Assistenten nicht anders bestimmt ist." Ferner beantragten die Koalitionsparteien noch mehrere Aenderungen, die angenommen wurden. Artikel 19 und 20 wurden genehmigt. Die Artikel 21 bis 29 handeln vom Wartegeld, dem Ruhegehalt und den Hinterbliebenenbezügen. Artikel 30 vom Sterbegehalt. Zu dem letztgenannten Artikel lag ein Antrag der Koalitionsparteien vor, Absatz 1 Satz 1 wie folgt iu ändern: Hinterläßt ein Beamter eine Witwe ohne Kinder und Abkömmlinge, bei denen nach Artikel 15 Zuschläge zu zahlen wären oder gezahlt werden müßten, so ist das Diensteinkommen maßgebend. 3m Absatz 2 ist statt des Wortes Verstorbener, verstorbener Beamter ein- geletzt worden zur Klarstellung, weil darunter auch die Beamtin zu verstehen ist. Die erwähnten Artikel sowie die vorgeschlagenen Aenderungen wurden genehmigt. Die Artikel 31 bis 33 enthalten die Uebergangsvorichriften. Artikel 31 wurde angenommen. Zu Artikel 32 wurde u. o. ein neuer Absatz 2 geschaffen mit folgendem Wortlaut: „Bei Beamten, die vor Veröffentlichung dieses Gesetzes aus einer Besoldungsgruppe mit niederem Endgrundgehalt in eine solche mit hohem Endgrundgehalt übergeführt worden sind und die auf Grund des Heber- leitungsgesetzes ein geringeres Grundgehalt beziehen, als sie beziehen würden, wenn sie in eine Gruppe mit niederem Endgrundgehalt eingereiht wären oder wenn eine frühere Ueberführung nicht stattgefunden hätte, ist das Besoldungs- drenstalter so festzusetzen, wie es festzusehen wäre, wenn die Ueberführung erst nach dem Gesetz stattgefunden hätte." Mit dieser Aenderung wurde der Artikel 32 angenommen. Ferner wurde Artikel 33 genehmigt, ebenso die Artikel 34 bis 39, die die Schluhvorschriften bringen. Einige Eingaben wurden für erledigt erklärt. Die Beratungen wandten sich dann der B e - soldungsgruppe 21 (Die letzte der Vorlage) zu. Sie wurde in der Regierungsfassung angenommen. 3n Gruppe 11 wurden Aenderungen der Regierungsparteien genehmigt, wonach die Stelle eines Parkwarts in Bad-Rau- h e i m gestrichen wird, ferner werden gestrichen zwei Amtsgehilsen und ein Hausmeister, zugeseht wurden ein Drückenaufseher, ein Brunnenmeister sowie ein Fourage- und Magazingehilse beim Lanbesgestüt. Gruppe 10 wurde zurückgesteNt. Erregte Debatte in Genf. Deutschland beantragt sofortige Einberufung der Abrüstungskonferenz. Genf, 23. März. (WB.) Die heutige Lach- mittagssitzung des Vorbereitungsausschusfes für die Abrüstungskonferenz brachte einen längeren Gedankenaustausch, der sich fast ausschließlich darum drehte, ob die zweite Lesung des kombinierten sranzösisch-englischen Abrüstungsentwurfes, wie die deutsche Delegation verlangt, sofort begonnen werden, oder ob sie später vor sich gehen soll. 3talien, Frankreich. England und Schweden vertraten den Standpunkt, daß die zweite Lesung auf keinen Fall jetzt ftattfmden soll, da die seit der ersten Lesung bestehenden Gegensätze noch nicht überbrückt feien. Graf Bernstorfs betonte nachdrücklich, daß nach seiner Auffassung die bestehenden politischen Schwierigkeiten so geringfügiger Latur feien, daß sie unter dem Druck einer sofortigen gründlichen Aussprache während der zweiten Lesung behoben werden könnten. Da sich jedoch im weiteren Verlaufe der Aussprache zeigte, daß die Mehrheit des Ausschusses gegen seine sofortige zweite Lesung ist, brachte Graf Bernstorfs einen Entschliehungsentwurf ein, demzufolge der Vorbereitungsausschuß den Dölker- bundsrat bitten soll, in seiner nächsten Tagung für die Erste Allgemeine Abrüstungskonferenz einen Termin bald nach der nächsten Völkerbunds- tagung anzusetzen und gleichzeitig die Regierungen zur Teilnahme an dieser Konferenz einzuladen. Der Ausschuß müsse durch eine solche Entschließung mit aller Entschiedenheit von den Regierungen die Beseitigung der geringfügigen Schwierigkeiten verlangen. Litwinow stimmte dem deutschen Entschliehungsantrag ,zu. während Lord Eushendun Vorbehalt geltend machte und ihm höchstens etwa In Form einer Präambel in dem vom Vorstandsbureau vorgelegten Entschliehungsantrag verwendet sehen Will. Weiter hatte Graf Bernstorfs bereits 51t Beginn der Aussprache es als unerläßlich bezeichnet, daß der Ausschuß wenigstens den Mut und die Autorität aufbringe, einen er ft en Schritt auf dem Wege zur Abrüstung zu ermöglichen. Er bebonerte, daß die vom Vorstandsbureau oorgelegte Resolution, die im wesentlichen besagt, daß die zweite Lesung auf jeden Fall vor der nächsten Völkerbundsversammlung abgehalten werden soll, nunmchr den Ausschuß bereits zum dritten Male in die Lage versehe, nichts vorzuschlagen und nichts zu tun. Ein drittes Mal könne er einer solchen Entschließung nicht zustimmen. Man habe Deutschland dieser Tage einen Wechsel ausgestellt, den man abermals verlängern wolle, ohne einen Grund anzugeben. Deutschland jei ein gutmütiger Gläubiger und wurde sich mit einer c t |t cn Abrüstungsetappe begnügt haben, aber nicht einmal diese erste Anzahlung wolle man ihm geben. Politls habe gestern mit seiner großen Bered- samkeit den Beweis erbracht, dah eine vollkommene Abrüstung nicht mit dem Völkerbundspakt vereinbar fei. Dementsprechend stehe auch die vollständige Abrüstung Deutschlands zu ihm in Widerspruch. Deutschland müsse daher verlangen, dah auch die anderen Staaten bis auf Zu Gruppe 9 wurde ein Antrag Dr. Keller, die Laborantin an der Klinik für psychische Krankheiten in Gießen zu streichen, weil sie zu den technischen A s s i st e n t e n in Gruppe 7 gehört, angenommen. Ferner wurden einige Stellen von Hausmeistern und Amtsgehilsen zugesetzt, andere gestrichen. Die Gruppe 9 wurde dann mit den vorgeschlagenen Aenderungen angenommen. Neuer Waffenfund auf dem Balkan. Beschlagnahme von 22 Waggons Explosivstoffen in Mariatheresiopel. Graz, 23. März. (WTV.) Die „Tagespost" meldet aus Wariatheresiopel: Vor zwei Tagen wurden auf der hiesigen Station 22 Waggons, die aus Italien kamen und für Rumänien bestimmt sind, angehalten. Schon einige Tage vor- her haben zwölf Waggons aus Italien, die ebenfalls für Rumänien bestimmt waren, Mariathere- siopel passiert. 63 wurde jetzt festgestellt, dah diese wagen Explosiv st offe enthalten. Die Wagen wurden auf ein totes Gleis der Station gebracht und werden von Militär bewacht. Eine besondere Attli- tärkommission führt die Anlersuchung in dieser Angelegenheit. Obermgenieur Goldstein erstattet Bericht. Berlin, 23. März. (WD.) Wie verlautet, erstattet Oberingenieur Goldstein heute vormittag der D i r e k t i 0 n der A. E. G. Bericht über seine Erlebnisse. Heute abend hat er im Auswärtigen Amt in einer längeren Besprechung Bericht erstattet. Die Berichterstattung Goldsteins enthält die er st en authentischen direkten Mitteilungen über die Einzel- beiten der Verhaftungsangelegenheit. Auf Grund dieser Berichterstattung wird das Auswärtige 2Imt_ deshalb seine weiteren Schritte einrichten. Zunächst wird auch der deutsche Botschafter in Moskau eingehend informiert werden. Kleine politische Nachrichten. Bei einer Audienz sagte der Papst über S ü d t i r 0 l, es schmerze ihn aufrichtig, dah deutsche und österreichische Katholiken ihm den Vorwurf machten, als ob er nicht für die Erteilung des Religlonsunterrtch- tes in der Muttersprache eingetreten sei. Was er tun konnte, habe er getan, denn er denke als Vater an alle seine Kinder und an die Bedrängten zunächst. Aber lagen Sie, so fuhr er fort. Ihren Katholiken, dah wir nicht frei sind, daß das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in 3talien genau dasselbe ist, wie am 21. September 1870. Wir werden auch in Zukunft tun, was möglich ist, und auch beten. Aber wir müssen befürchten, daß weitere Bemühungen unsererseits die Situation eher verschlimmern als verbessern dieses Niveau des Rüstungsstandes herabsteigen, das für Deutschland gelte. Deutschland könne auf keinen Fall die vom Vorstandsbureau oorgeschlagene Resolution annehmen: Denn es gebe keinen ern st hasten Grund für eine Verschiebung der zweiten Lesung. Lord Eushendun nahm gegenüber dieser Erklärung für sein Land sofort in Anspruch, daß England aus eigener Initiative auf dem Wege zur Abrüstung bereits sehr weit gegangen fei, ganz besonders bei feiner Kriegsmarine und seiner Luftflotte. Zahlen werde er später angeben, wenn die Verhandlungen an diesem Punkt angelangt fein werden. Der französische Vertreter. Clauzel. wandte sich gegen die Erklärung des Grafen Bernstorff. daß Deutschland in der Abrüstungsfrage der Gläubiger der übrigen Völkerbundsstaaten sei. Die Abrüstungsverpflichtung sei, so fügte er hinzu, mit der Erfüll ung bestimmter Verpflichtungen durch Deutschland verbunden gewesen, die statt in sechs Monaten oder in einem 3ahr. erst in sieben 3 ahren erfüllt worden fei. 3m übrigen habe Kmnkreich die bereits früher von Paul-Doncour anerkannte moralische Verpflichtung zur Herabsetzung der Rüstungen, die sich aus der Präambel zu Teil 5 des Versailler Vertrages ergebe, ebenso erfüllt wie England, ohne auf das Ergebnis der Völkerbundsarbeiten zu warten. Was die juristische Verpflichtung aus dieser Präambel betrifft, so müsse sie allerdings erst durch den Vor- bereitungsausschuß erfüllt werden. Graf Bernstorff entgeanete auf die französische Erklärung damit, daß er eine Stelle aus der von Cle- menceau unterzeichneten Mantelnote vom 16. Juni verlas, in der der damalige französische Ministerpräsident im Namen der alliierten und assoziierten Regierungen erklärte: Die Abrüstung Deutschlands bildet gleichzeitig den ersten Schritt zu jener allgemeinen Herabsetzung derRü st ungen, die die unterzeichneten Mächte als eins der besten Mittel zur Kriegsoerhütung zu verwirklichen suchen, und die der Völkerbund unter seinen ersten Pflichten herbeizuführen hat. Diese Erklärung Clemenceaus könne keinerlei Zweifel bestehen lassen, und Paul-Boncour habe in früheren Tagungen die moralische und juristische Verpflichtung zur allgemeinen Abrüstung anerkannt. Graf Clauzel gab in diesem Zusammenhang der Meinung Ausdruck, daß die j u r i st l s ch e Verpflichtung, von der Graf Bernstorff sprach, weder aus der Mantelnote, noch aus der Präambel zum Teil 5 des Versailler Vertrages hergeleitet werden könne und lediglich für die Signatar st aalen des Versailler Vertrages gelte. Für die Nicht- fignatarftaaten, die im Ausschuß vertreten seien, ergebe sich diese juristische Verpflichtung lediglich aus Artikel 8 des Dölkeroundspaktes. Und zur Derwirk- lichung dieser Verpflichtung gebe es nichts anderes, als möglichst rafch die Arbeiten des Abrüstungsaus- schusies vorwärts zu bringen, sobald Aussichten für einen praktischen Abschluß vorhanden seien. — Eine Entscheidung über den deutschen Resolutionsantrag und über den vom Vorstandsbureau eingereichten Resolutlonsentwurf ist heute nicht gefallen. Der im Wahlkreis Westfalen-Süd gewählte Zentrumsabgeordnete Schulrat Anton Rheinländer aus Münster in Westfalen ist einem Herzfchlag erlegen. Rheinländer ist in lebtet Zeit besonders bekannt geworden durch seine Beteiligung an der Beratung des gescheiterten Leichsschulgesetzentwurfes. Er hat nur ein Alter von 62 3ahren erreicht. • Die demokratische Reichstagsfraktion hat gestern eine Entschließung eingebracht, in der die Reichsregierung ersucht wird, mit allen Lachdruck auf die Lander dahin einzuwirken, daß die kostspieligen Gesandtschaften der Länder untereinander ausgehoben werden. Heber das Ergebnis soll dem Reichstag Bericht erstattet werden. Die im Reichsarbeitsministerium geführten weiteren Verhandlungen über die Verbindlichkelts- erflärung des Schiedsspruches im Buchdruck" gewerbe haben noch kein Ergebnis gezeitigt. Dor einem vom Reichsarbeitsministerium gebildeten Schlichtungsausschuß fanden Lohnverhandlungen für das Buchbindergewerbe in Berlin statt. Gs kam laut „Vorwärts" zu einem Schiedsspruch, nach dem der Reichstariflohn in Klasse l von 1,01 auf 1,09 Mk. erhöht tvird. Alle übrigen Lohnsätze errechnen sich nach dem Lohnschema im Reichsmanteltarif. Diese Lohnrechnung soll Gültigkeit haben vom 5. April 1928 bis zum 3. April 1929. Der Schiedsspruch wurde sofort von allen Vertragsparteien angenommen. Die im bayrischen Sozialministerium geführten Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern der bayrischen Metall-- Industrie außerhalb Münchens sind ergebnislos verlausen. Die angekündigten Kampf- Maßnahmen treten nun in Kraft. Bisher sind rund 2000 Arbeiter in verschiedenen Orten Bayern- in den Ausstand getreten. Don Arbeitgeberseite ist geplant, für Ende März die Aussperrung von insgesamt 20 000 bis 25 000 Metallarbeitern durchzuführen. Aus aller Wett. Großfeuer in Ostpreußen. 3n Groß-Kronau im Kreise Allenstein entstand ein großes Schadenfeuer, dem zehn Wohngebäude bzw. Schuppen und Stallungen zum Opfer fielen. Viele Vorräte und totes 3nventar sind vernichtet worden, während das lebende 3nventar gereitet werden konnte. Die Ursache des Brandes, der infolge des herrschenden Sturmes eine so große Ausdehnung annehmen konnte, ist noch nicht geklärt. Großfeuer im Zentrum Berlin». 3n her Liederwallstraße brach im Dachstuhl ein Feuer aus. das bald größeren Umfang annahm. Das Feuer griff so gewaltsam um sich, daß die auf dem Dachboden beschäftigten Arbeiter einer Lähseidenfabrik nur mit knapper 1 Mühe ihr Leben retten konnten. Als die Feuerwehr mit den Löscharbeiten begann, brach plötzlich ein Teil des Dachstuhls mit ungeheurem Gepolter herunter und zerriß einige Schläuche, so daß die Löscharbeiten verzögert wurden. Explosion einer Alafchc. 9 n einem Breslauer Damenmänteigeschäft wur. den die Angestellten durch einen heftigen Knall er- schreckt. Wie sich herausstellte, hatte eine der Angestellten eine Se l t e r s wa s se rf la s ch e mit T«« auf einen Ofen gestellt, um sie zu wärmen Als sie die Flasche von dem Ofen auf das Fensterbrett stellte, explodierte die Flasche infolge des jähen Wärm^vechsels. Bei der Explosion gingen einige Scheiben in Trümmer. Mehrere junge Mädchen erlitten Verletzungen. Eine der Angestell- ten wurde durch Glassplitter derart schwer verletzt, daß man für den Verlust des Augenlichtes fürchtet. Ermordung einer deutschen Hausbesitzerin in Higa, Die bestialische Ermordung einer betagten deutschen Hausbesitzerin namens Grant durch den Sohn ihres Hausmeisters erregt die gesamte Bevölkerung der Stadt Riga. Der Mörder ist geflohen. Die Polizei »erfolgt jedoch gewiss? Spuren, so dah es wahrscheinlich ist, daß der Täter in kurzer Zeit dingfest gemacht werden kann. Dem Mörder, der wußte, daß die Frau stets eine größere Summe Geldes in ihrer Wohnung zu verwahren pflegte, ist nur ein kleiner Geldbetrag in die Hände gefallen. Als die Polizei am Tatort eine genaue Haussuchung abhielt, entdeckte sie in der Matraze des Bettes versteckt mehr als eine Million Rubel in Dollarnoten. vorrömische Gräberfunde in Campagna. Die Erhebungen der Behörden in der Ortschaft C a v a l l i n a, wo einige Bauern bei Ausgrabungsarbeiten ein altes Grab entdeckten, führten zu der Feststellung, daß es sich um vorrömische, fam- attische Gräber ft alten aus dem vierten Jahrhundert vor Ehristt handelt. Bei Fortsetzung der Ausgrabungen wurden in einer Tiefe von einem Meter sechs Gräber in einer Entfernung von einem Meter voneinander in gut erhaltenem Zu - stande aufgefunden. Die Gräber enthielten Skelette, Waffen, verschiedenarttg geformte Krüge mit Abbildmigen in roter und schwarz-roter Farbe. Die Funde haben eine große historische Bedeutung, weit es sich um die e r st e n Gräberstätten aus der vor- römischen Zeit handelt, die in der Campagna ent- deckt wurden. Gefährliches Spiel. In Ilsenburg (harz) vergnügte sich ein Schüler damit, Streichhölzertöpfe in einen hohlen Schlüssel zu stopfen, die er dann durch Klop fen zur Explosion brachte. Bei einer besonder- starken Ladung zerplatzte der Schlüssel, und dem Knaben wurden beide Hände zerrissen. Vrandkalastrophe in einem polnischen Dorf. 3m Dorfe Wola Blendowska im Kreise Przas- nitz sind in der Lackt zum Donnerstag 31 Häuser durch einen Brand zerstört worden. Zwei Frauen, die im Schlafe vom Feuer überrascht wurden, sind verbrannt. Hotelbrand in Denver. 3n Denver (Colorado) wurde baS Hotel „Colorado House" durch einen Brand vollständig zerstört. Etwa 100 Gäste konnten sich nur dadurch retten, daß sie aus den Fenstern der unteren Stockwerke sprangen. Bier Personen wurden mit lebensgefährlichen Brandwunden, neun mit leichteren Verletzungen, ins Krankenhaus gebracht. Oie Wetterlage. neyen- ■VeZtSünd o o 'o 'drs<| o 12 '60 Freitagtden 25 TTldr^ <926. habend/ Mrco-ins.- 35= QWoiKenios Q netter o naro ocoetm. 9 wetxrg. • oedetm eflegew * Schnee a Graupem e itcoei K Ge*iitt ten geven die temperatur an. pie Linien verbinde» Orw mit gleiche* tut neeresmveau umaereebneten mttdreci Wc. ■ crvo raus-age. Infolge des hochdruckoorstoßes von Spanien her, hat sick das briti che Druckfallgebiet unter Auffüllung etwas nordö Uich verlagert, liegt aber immer noch im Raume der britischen Infetn. Di« damit aufkommende Westströmung wird einen geringen Temperaturruckgang mit sich bringen und außerdem bei wechselnder Bewölkung mit Aufklaren zum Auftreten von leichten Niedenchlägen fuhren. Wettervoraussage für Sonntag: Wechselnd wolkig, etwas kühler, strichweise etwas Regen, um West wechselnde Winde. W i t t e r u n g s a u s s i ch t e n für Montag: Wolkiges Wetter mit wenig veränderten Temperaturen, noch vereinzelt leichte Liederschläge wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 23. März: mittags 15.7 Grad Celsius, abends 6 Grad Celsius , am 24. März: morgens 6,5 Grad Celsius. Maximum 15,7 Grad Celsius, Minimum <. Grad Celsius. — Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 23. März: abends 7.9 Grad Celsius: am 24. März: morgen» 4,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: 6K Stunden. schenkt die Schau aus der Kraft und von der rechten Warte hinein ins Leben. Und schließlich: Alle großen Eroberungen des Seelischen werden nur mit diesem gesund menschlichen, heiter-liebenden Blicke gemacht! — Mensch fein, heißt nicht zuletzt, recht zu blicken wissen, selbst zur sympathischen Gestalt werden durch die Art, wie man zu blicken weiß. Das höchste Ergebnis aber dieser Kunst ist dann jene Kraft und innere Weite, wimmel und Erde mit einem Blicke zu umfassen Taten für Lonntag, 25. März Sonnenaufgang 5.52 Uhr, Sonnenuntergang 18.21 Uhr. — Mondausgang 7.44 Uhr, Monduntergang 23.30 Uhr. 1835: der Dolkswirtschaftler Adolf Wagner in Erlangen geboren (gestorben 1917); — 1842: der Dichter Antonio Fogazzero in Vicenna geboren (gestorben 1911); — 1854: der Schauspieler Max Grube in Dorpat geboren; — 1924: Griechenland wird Re publik. Daten für Montag, 26. März. Sonnenaufgang 5.50 Uhr, Sonnenuntergang 18.23 Uhr. — Mondoufgang 8.14 Uhr, Monduntergang 0 Uhr. 1794: der Maler Julius Schnorr von Carolsfeld in Leipzig geboren (gestorben 1872);— 1827: Ludwig van Beethoven in Wien gestorben (geboren 1770); — 1869: der russische Schriftsteller Maxim Gorki in Nishnij Nowgorod geboren; — 1881: Rumänien wird Königreich; — 1902: der englische Kolonialpolitiker Ceeil Rhodes bei Kapstadt gestorben (geboren 1853). Boruotizeu. — TageskalenderfürSamstag. Schul- und Jugendgruppe des V. D. A.: 7 Uhr, Cafs Leid, Bunter Abend. — Wandervogel „Höhenflug": 8 Uhr, Katholisches Vereinshaus. Operettenabend. — Verband zur Förderung des Volkssportes in Hessen und Nassau: 4.30 Uhr nachmittags, Saal des Gesell - schastshauses, Mitgliederversammlung. — Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 8.30 Uhr, Restaurant Sieck, ordentliche Hauptversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Manege". - Astoria-Lichtspiele: „Der Held von Sonora". — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 6 Uhr, „Höhensonne" (Ende 8.30 Uhr). — Gießener .Konzertverein: 5 Uhr, Neue Aula der Universität, Konzert Triovereinigung — Schul- und Iugendgruppen des V. D.A.: 4 Uhr nachmittags, Caf6 Leib, Vorführungen. — Erste Reichskurzschrift- Gesellschaft „Gabelsberger": 9 Uhr vormittags, Pe- stalozzischule (Nordanlage), Vereinswettschreiben. — Lichtspieltheater: wie Samstag - Aus dem Stadttheater ourea,; wird uns geschrieben: Wir machen hiermit nochmals auf die am Dienstag, 26, Mürz, zum letzten Male stattfindende Ausführung von Gerhart Hauptmanns Koinödie: „College Crampton aufmerksam. Die Aufnahme war von feiten des Publikums, wie der Prelle eine gleich günstige, was vorzugsweise der glücklichen Besetzung der tragenden Bollen zuzuschreiben sein dürste. — Deutscher Bund für christlich, evangelische Erziehung. Am Montagabend findet im Iohannesfaal ein Fammenabend statt. Pfarrer Laut (Nidda) hält einen Vortrag über das Thema „Wie kann und soll eine Mutter ihre Kinder lehren?" (Siehe Anzeige.) — Ein Lichtbilder. Dortrag „Der Mensch und seine Ernährungsweise Aus der provmzialhauptsiadr. Gießen, den 24. März 1928. Oer sympathische Blick. Von Reinhold Braun. Wahrheitsliebe zeigt sich darin, daß man überall das Gute zu schätzen und au fiirden weiß. Goethe. MU einem ernsten, jungen Manne, der der Verlobte eines ernsten, jungen Mädchens war, schritt ich den Weg zum Bahnhofe Der Stadt, die ich nun wieder verließ. Er erzählte mir von der inneren liefe, aber auch Schwere des Verlöbnisses zwischen ihm und dem feinen, überaus ernsten Mädchen. Es war etwas Ringerisches in den beiden Menschen, vielleicht ein zu schwer genommenes Werk aneinander. Besonders das Mädchen nahm gleichsam tiberaU die Lupe zur Hand und betrachtete damit Menschen, Dinge, Ereignisse und nicht zuletzt sich selbst und den Verlobten. So belastete eine zu große Schwerblütigkeit diese schöne Brautschaft. Immerhin war es eine Tatsache, die mein Herz für die beiden, die sich überaus innig liebten, erwärmte, gerade bar weil ich an die vielen leichtfertigen Verlöbnisse unserer Zett dachte. Mer der junge Mann erzählle mir, daß er, der schon sehr ernst Veranlagte, noch ernster geworden sei und manchmal selbst vor seiner Dunkelheit wie ein Fremder stehe. Mich sorgten die beiden seinen Menschenkinder. Was sollte wohl werden, wenn erst die Wirklichkeit der Ehe einsetzte! Ich konnte nur eines immer wieder raten: „Lasset einmal die Lupe gänzlich beiseite! Nehmt buntes Glas mit den sattesten Farben dieser Erde und schaut euch die Well und was darinnen kreucht, dann und wann an. Oder stellt euch vor einen Zerr- ipiegel und schaut die zwei darinnen an, wie sic so luftig aussehen, und macht euch lustig über sie. Oder aber, was das Schönste ist: Heraus einmal aus dem verrußten Tal! Geht wie zwei Kinder auf Die Berge in reine Luft, nehmt Sonne und Himmelsblau und alle Wunder der Weite wie ein Gottgeschenk ans Herz, lernt im Zusammenhang schauen, lernt Weite zu erfassen und Himmelsunergründlichkeit! Lernt wieder wie die Kinder blicken so unbefangen, so unlupenhaft Lernt mit dem Auge des Vertrauens blicken. Nehmt mehr Ewigkeit in euch hinein, soviel eure junge Seele verträgt. Denkt nicht, die Lupe schenkt die letzte Wahrheit. Durch die Lupe lernt man wohl Wissen, was aber zum toten Ballast wird, wenn man den Blick von Dem kleinen Wunderglas nicht in den Zusammenhang richtet und hinaus zum Himmel mit seinen Gestirnen. Erst dieser Blick ins Ganze und aus der Liebe heraus getan, schenkt uns nach und nach die alles verstehende Weisheit des Herzens jene goethesche Wahrheitsliebe. Ja, ja, die Lupe! Ich glaube, daß das Die rechte Art ist, um als Mensch wirkend und meistertümlich im Leben zu stehen, wenn man einen gesunden Teil kritischen Blickes (soviel eben gerade not ist) sich bewahrt, und ibn mit einem größeren Teil sympathischen Blickes organisch zu vereinigen weiß! Wer nur mit Den krttischen Auge Durch Die Welt läuft, kommt nie zum Genüsse, nie zur Ruhe, nie zur Liebe und selbst, wenn ParaDieshaftigkeit ihn zaubervoll umgäbe, wurde solch ein Men ch zu Den ewig Mißmutigen und Knurrigen gehören. „ Der Blick Der Kritik bleibt in Der Einzelheit stecken, kommt nicht los vom Erdigen. Jener Blick aber organischer Cinswerdung, wie oben angedeutet, ** Zur Verhütung von Waldbrän» den. über die in den letzten Tagen mehrfach aus den verschiedensten Gegenden unserer Provinz berichtet werden mußte, hat das Kreisamt Gießen für seinen Amtsbereich jetzt eine erfreuliche Anordnung getroffen. Es hat bestimmt, daß das Rauchen und Feueranmachen in Waldungen, und auf Heiden, sowie Im Umkreis von 20 Meter von solchen, auf die Dauer von vorläufig vier Wochen verboten ist. Zuwiderhandlungen sind mit einer Geldstrafe bis zu 300 Mk. bedroht. 3m Önteresse der Sicherung unseres schönen Waldes ist dieses nachdrückliche Doraehen des Kreisamtes nur zu begrüßen. Hoffentlich wird aber die Einsicht aller Bürgerkreisc die Anwendung dieser behördlichen Maßnahme von vornherein unnötig machen. ' Keine Lustbarkeiten in der Karwoche. Dom Polizeiamt Gießen wird unS geschrieben: Aus Grund der Verfügung des Ministers des Innern haben am Palmsonntag, 1, April, und an dem darauffolgenden Karfreitag öffentliche Lustbarkeiten, wie z. D. auch Fuß- ballwettspiele, zu unterbleiben. Theatralische Dorführungen, Kinovorführungen werden nur Dann zugelassen, wenn die Darbietungen ernsten oder belehrenden Inhalts sind und Der besonderen Bedeutung und Weihe dieser Tage angepaßt werden. An den übrigen Tagen der Karwoche, einschließlich Ostersonntag, sind theatralische Dor- sührungen und Konzerte aller Art, einschl. der Degleitmusik bei Lichtspielen, zulässig, wenn jie ebenfalls ernsten, belehrenden Inhalts und der Dedeutung und Weihe dieser Tage an- gepaßt sind. Öffentliche Tanzlustbarkeiten werden für diese Tage grundsätzlich nicht genehmigt. Die für den Palmsonntag und die Karwoche vorgesehenen Programme sind dem Poli- zeiamt zwecks Prüfung sofort, spätestens bis Dienstag, 27. l. M., in doppelter Ausfertigung einzureichen. , m „ ** Verbesserung im Gießener Post- betrieb. Im Interesse Der Geschäftswelt Des Stadtzentrums hat bas Postamt nunmehr auch im ötaDtpoftgcbäuDc in Der Schulstraße ein« Anzahl Schließfächer für Die Selbstabholer Der Post em- richten lassen. Insgesamt würben Dort 65 Fächer geschossen, und zwar 35 sog. große und 30 kleine Fächer. Die begrüßenswerte Verbesserung in unserem Postbetrieb soll am 1. April den Interessenten zur Verfügung gestellt werden. " O b e r he s s i s ch e r K u n st oe r e t n. Die der- zeitige Ausstellung H e l I w a g« S t«i b ist morgen Sonntag, 25. März, zum letzten Mal« geöffnet. findet am Dienstagabend im Katholischen Vereins- Hous statt. Redner ist der Volkswirtschaftler S ch i e tz- hold (Berlin). Der Katholische Deutsche Frauen- bund, Zweigverein Gießen, lädt im heutigen Anzeigenteil alle Frauen und Mädchen zum Besuche ein. (Man beachte die Anzeige.) - Die Deutsche Demokratische Partei hält am Dienstag, 27. März, abends 8.15 Uhr, im Hotel „Schütz" einen Dortragsabend ab, in dem Geheimrat Prof. Dr. Mitter - maier, der bekannte Strafrechtslehrer unserer Universität, über .Die Todesstrafe" sprechen wird. 3n Anbetracht des Interesses, daS diesem Thema gegenwärtig entgegengebracht wird, empfiehlt sich der Besuch dieser "Veranstaltung. Jedermann ist dazu eingeladen. (Siehe Anzeige.) •• Eine Frühjahrs-Modenschau wurde gestern nachmittag und abend von Den Firmen Gebrüder Jmheuser, H. Lehmann, Inh. S- Haas, Schuhhaus Süß, C. Röder, Josef Henkel, E. Cha Hier und Blumenhaus Dietz im Saale des Cass Leib oeranstallet. Zu der Moden- Vorführung am Nachmittag, der wir beiwohnten, hatte sich ein großer Kranz von Damen, aber auch einige Vertreter des sog. starken Geschlechts ein- gefunben, Die mit lebhaftem Interesse Den interessanten Darbietungen folgten. Man bekam bei dieser Gelegenheit eine Fülle Der reizendsten Kleider, vom Straßenkleid bis zum feinsten Gesellschaftskleid, zu sehen. Dazu ließen die Lederwarenfirmen durch ausgezeichnete Musterkollekttonen die Reichhaltigkeit ihres Lagers in überzeugender Weife dartun. Daß die Damen sich an den vorgeführten Moden begeisterten, wurde durch häufiaes Beifallklatschen vezugt. Für die Herren der Schöpfung war es erfreulich, feststellen zu können, daß sie hinsichtlich der Preishöhe für alle Die schönen Sachen unserer Damenwelt nicht zu erschrecken brauchen, sobald Dos Attentat auf den Geldbeutel vorgenommen wird. Das Blumenhaus Dietz hatte die gärtnerische Ausschmückung der Bühne besorgt, während Die Firma Imheuser nicht nur ihre Damcnkleider von Den Mannequiens Den Damen zeigen liefe, sondern auch die Buhne in geschmackvoller Weise mit Stoffen geschmückt hatte. Die interessante Modevorführung wurde bereichert durch gefällige musikalische Darbietungen auf einem Musik- opparat der Firma C h a 11 i e r sowie durch eine kleine Hauskapelle. Tanzkünstlerische Vorführungen und einige Rezitationen von Anny Rubens bildeten eine weitere Belebung Des Programms. * Keine Pfadfinder. Zu Dem in unserer Montagausgabe gemeldeten großen Waldbrand im Taunus, der nach dem Bericht deS WTB. auf die Unvorsichtigkeit von Pfadfindern zuruckzuführen sein sollte, teilt unS der Horst Gießen des Deutschen Pfadfinderbundes mit, daß er sich im 3ntereffc Der Pfadfindersache bei der Wiesbadener Pfadfindergruppe erkundigt und dort festgestellt habe, daß dieses Brandunglück nicht durch Pfadfinder verursacht wurde. Die vermeintlichen Pfadfinder feien vielmehr Mitglieder einer Wandervereini- gung, die mit Dem Deutschen Pfadsinderbmw nichts zu tim habe (Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt.I Berliner Börse. Berlin, 24. März. (WTB. Funkspruch.- Im heutigen Frühverkehr ist cs bei Der grofeen Geschäftsstille sehr schwer, eine Tendenz zu erkennen. Die Spekulation verhält sich sehr abwartend und neigt eher nach unten, da man von Der 150-Mifi lionen-Postanleihe, Die Im April aufgelegt werden oll, für eine Anspannung am Geldmarkt Befürchtungen hegt. Man hört folgende Kurse: J.-G.-Farben 245,5 bis 246. Glanzstoff 718 bis 720 Proz. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,40, Madrid 29,05, Amsterdam 12,1175 zu 12,12, London gegen Kabel 4,8825, Die Reichsmark gegen Kabel 4,1820 bis 4,1825 und Den Yen 47,25._______________ Ewlinreichs Mötieräte K ^sicherer Schutz oeoen Moüenfraß in£UERBGfi6 MV EL M ü W ö hÄIs tdifiijLs ■a\\ I Ms * O • H • G * 1/ersu$m ifie bitte einmal, jetzt wieder eine andere Marke zu. rawSjen tfie werden den UntersOjied erkennen und sifyerliO) zur OVER: STOLZ zurückkefan .Stenn unsere HAUS'bJEUER.BUR.G-Täirfyit ÄviA andiefönfcit derostmacedonistf/enTahake fcwöfat und. fie mit dem Genuss einer wirkte edlenStyarette bekannt ge- mxu$t %idem ist der Macedmen-Jobak odjS) viel bekömmH^er (ße finden ifa sonst nur in teumn^fyiretten,weiL es bisher un mö<f) Strien, für 5% eine «Site Jl/lacedonen-Mis^un^ zu, bieten Sur<6 die grosse dftuSifratynwS) OVERSTOLZ ist ah erdas Anm.6ßtiche'ßeMM,- heute er faltend für fi ffmü den, OVE RSTOLZ eine erfteMMedonem-SQfyarettv LUDWIG ÄLTER A.GÄ DAS HAUS FOR NEUZEITLICHE WOHNUNGSEINRICHTUNGEN MIT NAMHAFTEN RAUMKONSTLERN UND ARCHITEKTEN ALS MITARBEITER/VERLANGEN SIE UNVERBINDL. 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Dor kurzem ist in Neuyork der bekannte Warenhausbesiher Rodman Manama k e r im Alter von 65 Jahren gestorben. Damit wechselt in kurzer Zeit ein riesiges Unternehmen, das für die Entwicklung der deutschen Warenhäuser vorbildlich gewesen ist, zum zweitenmal seinen Besitzer. Wohl auf keinem anderen Gebiet des modernen Handels hat Europa soviel von den Amerikanern gelernt wie in der Entwicklung und dem Ausbau der Warenhäuser. 3n den Bereinigten Staaten gibt es die größten und kapital- krästigsten Unternehmen dieser Art, und erst vor anderthalb Jahren Huben die Besitzer deutscher Waren- und Kaufhäuser eine längere Studienreise nach den Bereinigten Staaten unternommen, um sestzustellen, was seit dem Krieg dort an Neuerungen eingesuhrt worden ist. Unter den Unternehmen, die bahnbrechend für die Gestaltung des modernen Warenhauses gewirkt haben, ragen — im wahrsten Sinne des Wortes — die gewaltigen Wolkenkratzer hervor, die John Wanamaker in Neuyork und Philadelphia bauen ließ. Wanamakers Warenhaus, das sechzehn Stockwerke hoch ist, ist das höchste in Neu- hork. Jede Etage bedeckt einen Flächenraum von 150 000 Quadratmeter. Die gesamte Inneneinrichtung dieses Warenhauses ist aus Mahagoni angefertigt: in einem zweiten, älteren Bau der Firma werden neben Manusakturwaren und sonstigen Damenartikeln auch Juwelen, Bücher und Kunstgegenstände verkauft, während der Neubau alle übrigen Branchen beherbergt. Allein die 'Baulichkeiten dieser Warenhausfirma haben einen Wert von zwölfeinhalb Millionen Dollar, also von 53 Millionen Mark, und an einem einzigen Tage werden in den drei Geschäftshäusern in Neuyork und Philadelphia bis zu eineinviertel Millionen Dollar umgesetzt. Das sind Ziffern, die in Europa geradezu phantastisch erscheinen müssen und von anderen Warenhäusern nur in Amerika erreicht oder vielleicht sogar noch ein wenig übertroffen werden. Das größte Warenhaus in den Bereinigten Staaten steht nämlich nicht in Neuyork, sondern in Chicago und gehört der Firma Marshall F i e l d & Co.: es beschäftigt 10 000 Angestellte und hat einen jährlichen Umsatz von mindestens 150 Millionen Dollar, also über 600 Millionen Mark. Sehr bedeutend sind auch die Warenhäuser von Alt man, dessen Baulichkeiten etwa 16 Millionen Mark wert sind, von Gimbel Brothers, der über 7000 Angestellte beschäftigt, von R.H.Mach & Eo. und der Siegel Cooper Company. Fast jedes dieser Warenhäuser nimmt einen ganzen Straßenblock ein, und keines hat weniger als 6000 Angestellte. Das erstaunlichste an diesen riesigen Unternehmungen ist, daß sie sich in einer verhältnismäßig sehr kurzen Zeit aus kleinen Anfängen zu ihrer heutigen gewaltigen Bedeutung entwickelt haben. Wanamakers Warenhäuser verdanken ihre Blüte der Initiative Iohn Wana- makers, der im Iahre 1838 a l s Sohn deut- scherEltern in Amerika geboren wurde und fein Unternehmen sozusagen aus dem Nichts geschaffen hat. Sein Vater besaß eine sehr kleine Ziegelei, von der eine sehr große Familie leben sollte. Iohn, der Aelteste unter sieben Geschwistern, konnte trotz seiner großen Begabung nicht daran denken, sich auch nur eine durchschnittliche Bildung anzueignen, sondern muhte schon in früher Iugend als einfacher Arbeiterin der Ziegelei seines Vaters tätig sein. Mit dreizehn Iahren schichtete er die Ziegel auf Schubkarren und verrichtete ähnliche einfache Dienste. Dann gelang es ihm, seine Position erheblich zu verbessern: er wurde nämlich Verkäufer rn einem Kleidergeschäft. Die neue Stellung war sein Gluck: denn er fand einen tüchtigen Chef, der es verstand, seinem Angestellten etwas beizubringen, und der ihn auch gut bezahlte, so daß er — natürlich bei sparsamster Lebensführung — mit einundzwanzig Iahren schon ein kleines Vermögen von zweitausend Dollar erspart hatte. Damit machte sich Iohn Wanamaker selbständig, und diese zweitausend Dollars wurden der Grundstock seines Vermögens. Hatte dieser junge Mann nun einfach nachgemacht, was alle anderen Kaufleute auch taten, so wäre er wahrscheinlich niemals der Inhaber des größten Neu- Yorker Warenhauses geworden. Aber Iohn hatte einen neuen Gedanken. Er erfand die Idee des „Service", des „Dienstes am Kunden", den Henry Ford später in seinem berühmten Buch „Mein Leben" auch in Europa volkstümlich gemacht hat. In Wanamakers Geschäft durfte kein Kunde „angeschnauzt" werden, bei ihm hatte sich jeder Angestellte nach den Wünschen der Käufer zu richten, stets höflich und guter Laune zu fein. Und Wanamaker hatte noch einen neuen Gedanken: sobald er über größeres Kapital verfügte, begann er einen Reklamefeldzug, wie man ihn so großzügig bis dahin noch nicht gekannt hatte. Er inserierte in den Zeitungen grundsätzlich nur auf ganzen Seiten und scheute nicht vor den Ausgaben zurück, die viel größere Firmen bis zu jener Zeit gescheut hatten. Solch ein Inserat, das Wanamaker stets persönlich verfaßte, sah ganz anders aus als die Annoncen, die man bis dahin in amerikanischen Zeitungen gesehen hatte. Zunächst unterschied es sich von den Anzeigen der Konkurrenten schon dadurch, daß Wanamaker niemals etwas behauptete, was er nicht beweisen konnte. „Kunden sollen ehrlich bedient werden, damit sie wiederkommen und nur noch bei mit kaufen", war einer seiner Grundsätze. Wenn er ein Inserat verfaßte, so überlegte er sich nicht, wie man den Kunden etwas vormachen könne, sondern dachte darüber nach, was der Käufer wissen will, bevor er seine Besorgungen macht. Heute ist es nicht nur in Amerika, sondern in vielen anderen Ländern und auch in Deutschland üblich, daß man möglichst viel Waren im Inserat in guten Abbildungen zeigt, sie genau beschreibt und einen reellen Preis angibt, so daß sich der Käufer ein Bild davon machen kann, was ihm geboten wird. Einer der Männer, der in geradezu genialer Weise das Insertionswesen bis zu dieser Hohe entwickelt hat, dem die Insertion aber auch ungeahnte Erfolge brachte, war Iohn Wanamaker. Eine unerschöpfliche Arbeitskraft besaß dieser Mann, der in seinem 22. Lebensjahre von den Aerzten schon aufgegeben wurde, weil er „unheilbar" tuberkulös war, der aber erst am 12. Dezember 1922 im Alter von 84 Iahren gestorben ist. Sein Erbe, der jetzt verstorbene Warcnhaus- besitzer Rodman Wanamaker, hatte nur das Unternehmen im Sinne des Gründers fort- zuführen, und man muß sagen, daß er dies mit großem Geschick getan hat. Schon der alte Iohn wußte, daß man der Kundschaft alles möglichst bequem machen müsse. Da die Bauern und die Kleinstädter nur auf ein oder zwei Tage in die Großstadt kommen können, um dort möglichst schnell ihre ganz verschiedenartigen Besorgungen zu erledigen, kam er auf den Gedanken, möglichst viele Waren am Lager zu _ halten, um einen möglichst großen Teil der Wünsche seiner Landkundschaft auf einmal befriedigen zu können, das war die Keimzelle seines Warenhauses, das im Iahre 1876 als solches in Philadelphia gegründet wurde. Im Iahre 1896 wurde dann der Riesen- palast der Firma in Neuyork errichtet. Inzwischen ist man in den amerikanischen Warenhäusern dazu übergegangen, den Kunden weitere Annehmlichkeiten zu verschaffen. Zum Kaufhaus gehört e i n K i n d e r s p i e l p l a h, auf dem die Mütter ihre Spröhlinge unter Aufsicht zurücklassen können, bis sie ihre Einkäufe erledigt haben. Es gibt Erholungsräume, in denen man an kleinen Tischen allerlei Unterhaltungsspiele spielen kann, und hat man keinen Partner, so bittet man einen der Angestellten, die sich nur für diesen Zweck im Raum aufhalten, am Dominospiel teilzunehmen. Manche anderen Einrichtungen sind inzwischen auch in deutschen Kaufhäusern üblich geworden: auch in Deutschland gibt es Geschäfte, in deren Schuhabteilung geschulte Orthopäden angestellt sind, und in denen man den Fuß mit Röntgenstrahlen durchleuchten lassen kann, um festzu- stellen, ob der Stiefel paßt. Die Erfrischungsräume mancher deutschen Kaufhäuser sind sogar luxuriöser als die entsprechenden Einrichtungen in Amerika: denn in den Vereinigten Staaten ist es nicht üblich, daß dem Publikum die Speisen mit Musikbegleitung verabreicht werden: aber das würde ja nicht dem amerikanischen Geschmack entsprechen, dem der Lärm auf den Straßen vollkommen ausreicht, und der Amerikaner ist zufrieden, wenn wenigstens im Erfrischungsraum des Warenhauses Ruhe herrscht. Iedensalls ist das Haus Wanamaker für die Entwicklung des Warenhauses in der Neuen und der Alten Welt richtunggebend gewesen. Krise des deutschen Schlichtungswesens? Don Or. Joseph Glaser. Während man in England augenblicklich bestrebt ist, den industriellen Arbeitsfrieden durch bestimmte soziale Einrichtungen zu sichern, ist in Deutschland das Schlichtungswesen sehr problematisch und umstritten geworden. Wohlgemerkt, nicht das soziale Schiedssystem als Ganzes, wohl aber das bisher geübte Schlich- tungsversahren, vorzüglich die Zwangsschlichtung von Arbeitsstreitigkeiten durch eine Verbindlicherklärung von Schiedssprüchen, die zwingendes Tarifrecht schasst. Das deutsche Schlichtungswesen befindet sich zur Zert zweifellos in einer Vertrauenskrise, und es tul not, ihr etwas auf den Grund zu gehen. Man muh daher fragen: auf welchen Ursachen beruht diese Vertrauenskrise und wie kann sie behoben werden? Ist das Schlichtungswesen noch em zweckmäßiges Werkzeug zum Ausgleich „atuter sozialer Spannungen, oder ist es reformbedürftig? Diese Krise des deutschen Schlichtungswesens ist besonderer Art: ihre Ursachen liegen keineswegs in einer Entwertung des Schiedsgedankens, sondern in seiner eigentümlichen deutschen Anwendung, die nach Ansicht weiter Kreise übertrieben, einseitig und in ihrer Richtung erstarrt ist. Denn eigen» tümlicherweise befindet sich das soziale Schiel S- system auf der ganzen Welt im Vordringen. Allerdings find Anwendungsbereich und Strenge des Schlichtungsfystems in den einzelnen Ländern sehr verschieden. Innerhalb dieser Skala gehört nun Deutschland mit seiner umfassenden staatlichen Schiedsorganisation und der für alle Industrien geltenden Zwangsschlichtung zur Gruppe der gründlichsten und strengsten Anwendung des Schlichtungsgedankens, zu der nur noch Australien, Neuseeland, Italien und Norwegen gehören. Untersucht man den Weg und die Wirkung des deutschen Schiedsshstems, so mutz man unterscheiden zwischen den materiellen, also vorzüglich den lohnpolitif chen Ergebnissen und den psychologischen Folgen. Das Schlichtungswesen hat, unterstützt durch die Ecwerbslosen- sürsorge, den starken Lohndruck aufgefangen und verwandelt, der nach dec Stabilisierung natürlicherweise zunächst über der deutschen Arbeiterschaft lag. Der von Cassel geforderte „Freihandel der Arbeitskraft", das Gesetz von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, konnte sich nicht auswirken, durfte sich auch nicht völlig frei auswirken. Die Löhne wurden aber nicht nur gehalten, fondetn sie stiegen planmäßig unter der bewußten Leitung des Reichsarbeitsministers, dessen Bestreben es war, durch eine zentral beeinflußte Schlichtungspolitik das deutsche Lohnniveau zu heben. Der mögliche Lohndruck aus die Arbeiterschaft verwandelte sich also bald zu einem gewissen Lohndruck auf die Wirtschaft. Sowohl eine planmäßige, aber maßvolle Lohnerhöhungs- Politik mit ihren günstigen sozialen und konsum- befruchtenden Folgen als auch ein gewisser Lohndruck auf die Wirtschaft war an sich nationalpolitisch zu vertreten. Der Lohndruck hat zweifellos viel zur Rationalisierung beigetragen. Es kommt aber auf die Grenze an. Und diese Grenze scheint seit einiger Zeit erreicht, in einigen Industrien sogar gefährlich erreicht zu sein. Die Lohnerhöhungspolitik, die in den ersten Deslationsjahren, als der Lohndurchschnitt sehr niedrig lag, vielleicht ein Gebot, zumindest aber verständlich und ungefährlich war, ist nunmehr in ihrem Schematismus bedrohlich für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft geworden, die, gemessen an den umliegenden Volkswirtschaften und Wettbewerbern auf dem Weltmarkt, z u hohePreise, zu hohe Löhne und einen zu hohen Zinsfuß hat. Leider ist aber diese Lohnerhöhungspolitik inzwischen fast mechanisch geworden. Es ist zu selbstverständlich geworden, daß bei Ablauf eines Tarifvertrages — und die meisten Verträge haben noch immer kurze, meist einjährige Laufzeiten — eine Lohnerhöhung verlangt, der Schlichter angerufen und die Lohnerhöhung auch zu einem beträchtlichen Teil bewilligt wird. In diesem Frühjahr laufen nun insgesamt 247 Tarife mit 3195 000 Arbeitern ab. Alle Tariskündigungen werden aber mit beträchtlichen Lohnforderungen begleitet, und von den Schlichtungsausschüssen und Schlichtern wird erwartet, daß die Löhne überall erhöht werden. Bei dem bisherigen Kurs des Schlichtungswesens muh man annehmen, daß dieser Erwartung der Arbeiterschaft auch entsprochen wird, trotzdem die Lebenshaltungskosten feit längerer Zeit stabil geworden find. Cs ist aber klar, daß diese mechanische Lohnerhöhungspolitik nicht fortgesetzt werden kann. Andererseits ist aber der Mechanismus des deutschen Schlichtungswesens so stark auf eine konsequente Lohnerhöhungspolitik, überhaupt die Befriedigung sozialer Ansprüche feftgelegt, daß man mit einer Umkehr des bisherigen Schiedskurses kaum rechnen kann. Gegen diese Entwicklung wenden sich die Unternehmer mit dem Hinweis, daß die Schlichtungs- Politik nur auf ihre Kosten und ihr Risiko gehl, aber längst nicht mehr einem gefunden Ausgleich zwischen notwendigem sozialen Anspruch und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit dient. Dieser Hinweis hat viel Richtiges. Nicht aus Unternehmer- mund fiel vor kurzem das Wort, daß die Gewerkschaften ihrer heutigen „kalten" Lohnpolitik „aus der Loge" zusehen können. Das Schlichtungswesen hat zu einer Ueberspannunq gewerkschaftlicher Ansprüche geführt, die zweifellos weit maßvoller, realer abgestimmt wären, wenn man wüßte, daß man diese Ansprüche auch nötigenfalls durchkämpfen muh. Andererseits ist auch das lohnpolitische Verantwortungsgefühl dec Unternehmer stark geschwächt worden. Auf beiden Seiten hat der übertriebene Gießener Gtadttheater. Georg Kaiser: „Der Brand im Opernhaus". „1763 brannte die Pariser Oper." Auf der Wanderung durch Zeitalter und Stilepochen, auf der Suche nach Form und Gefäß, worein sich die außerordentlichen dialektisch-dramatischen Energien — Kräfte, die sich im Herzen entzünden und im Gehirn kristallisieren — zu ergießen vermöchten, gelangt Kaiser ins fron- zöfische Rokoko des galanten fünfzehnten Ludwig. Qiuf solcher Wanderung, die, bei frappierender Sprunghaftigkeit des Schaffens, Nächstes und Fernstes, zeitlich und räumlich, geistig und materiell, mit gleicher Leidenschaft und gleicher Einfühlungskraft ergreift, die aus vorgeschichtlichem Mythus über die hohe Gotik bis in die aktuellste Gegenwart sich erstreckt — auf solchem Wege gelangt der vielleicht genialste, sicherlich vielseitigste Dramatiker unserer Zeit an die einfache, chronikalisch gefaßte Begebenheit: 1763 brannte die Pariser Oper. Aus rücktastender, phantasievoller Neubelebung dieses Ereignisses wächst das Drama, ein „Nachtstuck" des Theaters... man könnte sagen: in Callots Manier: mit dem gleichen Namen, der E. T. A. Hoffmanns Novellen literarisch berühmt gemacht hat, benennt Kaiser sein Stück. Die Bezeichnung ist kein formal oder gehaltlich zu umgreifender Gattungsbegriff: aber Kaiser hat es nicht nötig, etwas zu bemänteln. Mag man ihn sehen, wie man will: dramatische Stromkraft, aus Gegenpolen fliehende Entwicklung wird niemand seinem Werk absprechen können. In diesem Stück, das zum Seltsamsten uti) Problematischsten gehört, was Kaiser schrieb, bereinigen sich der Denkspieler und der Romantiker in geheimnisvoller Personalunion, oener baut in messerscharfer, psychologisch sich einwuh- lender Derstandesarbeit die Fa^el; dieser umkleidet sie dichterisch, ftimmungbann^nö, zwischen Diesseits und Ienseits die magische Grenze löschend, vielleicht sogar sinnbildlich mit dem Helldunkel eines Nocturnos, das feiner schweifenden Phantasie aufsteigt vor der nüchternen Notiz, über die man leicht hinweglesen könnte : 1763 brannte die Pariser Oper. Das Schauspiel läht kaum darüber nachdenken, daß es gar nicht einmal innerlich notwendig oder begründet war, eine vielleicht längst erwogene Zusammenstellung von Menschen und Ereignissen gerade in diesen Rahmen zu fassen. Dafür rollen die drei Akte zu hastig ab, dafür ist der Stil — Kaisers eigengeschaffener Stil, der ein Ausdruck künstlerischer Persönlichkeit und innerer Form ist, der, nachgeahmt, äußerlich und unpersönliche Manier wird —, dafür ist die Sprache des Stückes viel zu knapp, zu verdichtet, zu wesentlich. Man muh ihr gespannt folgen, darf keinen halben Sah, kaum ein Wort verlieren, wenn einem der Faden nicht aus den Händen gleiten und der Sinn der Episode verloren gehen soll, die das Schicksal des Herrn von in sich sch lieht. Was geschieht, hört sich an wie eine Anekdote. Es ist, als ob mit dem plötzlich ins stille Rokoko- gartenzimmer der Pariser Villa fallenden Feuerschein und Feuerlärm vom Opernplah her eine jener kleinen Geschichten bitterernst lebendig geworden wäre, von denen Herr von * und „der alte Herr" sich unterhalten. Richt geheuer ist es im Hause in dieser Nacht, wo Gestalten lebendig zu werden scheinen, die vor manchen Iahren durch die Räume gestreift und langst gestorben sind, und wo die Lebendigen, die Ueberlebenden aus der großen Feuersbrunst, wesenlose bösartige Schatten zu werden anfangen. , 5>err von erfährt infolge der Katastrophe die Untreue seiner Frau Sylvette und rettet sein furchtbar getäuschtes Gefühl zu einer aus dem Brand geborgenen Leiche, die gleichsam im Feuer geläutert wurde. Furchtbarer die neue Offenbarung, daß es die an einem Ring kenntlichen Ueberrefte einer königlichen Mätresse find, die auf Ludwigs pompösem chinesischen Mas.ensest in der Oper den Tod gefunden hat. Das Ganze rundet sich anekdotisch zu der überraschenden und hoffnungslos traurigen Wendung, daß Sylvette, mit dem Ring jener Mätresse, ins Feuer zurückkehrt, darin umkommt und gegen hohe Belohnung dem König ausgeliefert wird. Sie leidet den Sühnetvd und bringt ihr Frauenopfer bar, wie jene griechische Alkestis, deren Name sich dem einsam und überwältigt zurückbleibenden adligen Herrn auf die Lippen drängt. Soll aus dem Schauspiel ein Symbol gefunden werden, so ist das Nachtstück das pessimistischste und resignierteste Werk des romantischen Denkspielers und verkappten Ethikers Georg Kaiser. Spielleitung: Hans Tannert. Ihm fei mit Vergnügen bescheinigt, daß er mit dieser Inszenierung eine der bisher besten Aufführungen der Saison geliefert hat. Merkwürdigerweise, d. h. obwohl er an dem, was Georg Kaisers Bühnenstil eigentlich ausmacht, vorbeispielte. Es war nicht Kaiser, was er gab. Man muh andere Aufführungen dieses Stückes gesehen haben — wir denken an eine im Berliner Staatstheater, in der man beklommen vor der unentrinnbaren Wucht der hereinbrechenden Begebenheiten sah — um das zu erkennen. Hier war nichts vom Staccato im Sprech ton, nichts von der jähen Ueberrumpelung des Gefühls in einem, mit knisternden Energien geladenen Dunstkreis nächtlicher Szenerie. Tannert gab das Nachtstück wie ein Kammer- spiel, in schwingenden Akkorden, creszendo und decreszendo, musikalisch fast im Wechsel von Laut und Leise, von vortreibendem Dialog und bleiernen Pausen. Aber Kaisers dichterische Form ist nicht von der Musik, sondern von der Architektur her in wechselseitiger Erhellung der Künste zu erfassen. Obwohl es also nicht Kaiser war, was gespielt wurde, war es doch gut insofern, als mit äußerster Klarheit und besonnenster Mäßigung im Tempo versucht wurde, das Gebäude des Stückes aus dem Grundriß Zug um Zug erwachsen zu lassen, Licht in die dämmernden Vorgänge der nächtlichen Szene zu werfen, dem Beschauer und Hörer durch scharfe Artikulation im Miterleben zu helfen. Dies das hohe Verdienst seiner ausgearbeiteten Regie. Hätte er Kaiser gespielt, wie Kaiser ist, würde der ohnehin schwache Kontakt mit dem Parkett vermutlich nach wenigen Szenen völlig verloren gegangen sein. Tannert war auch der Herr von **'; ein verhaltener, unerbittlicher Charakter: Träger eines Schicksals, dem er schon nach den ersten Worten verfallen scheint, ein vom Feuerschein schrecklicher Gewißheit Geblendeter, dem auch das Letzte, Elendeste zerbricht. — Sylvette: 3nge- borg Scherer: schlanke, geschmeidige Chinesin, vom kleinen Turmbau schweren, schwarzen Haar- geflechtes kokett bekrönt; sie hat das Kindlich- Verderbte, das Sehnsüchtige, den primitiven Lebensdrang ihrer Rolle durchaus: das Dämonische, das von der Gestalt ausstrahlt, hat sie nicht; und es wird ihr nicht leicht, Wandlung und Opferung verstehen oder fühlen zu lassen. — Hennig (Opernsänger) mühte sich redlich um seine undankbare Ausgabe. Gehre, als verlebter Greis und lüsterner Anekdotenerzähler, gut im Anfang, wurde schwächer zuletzt: den Totenkopf sollte man vermeiden; es ist ein hohler Effekt, der die Stimmung vergröbert. Dr.Th. Oie Technik des Röntgen-Films. Es ist schon vor mehreren Iahren gelungen, an ganz kleinen Objekten direkte Röntgen-Kinofilmaufnahmen zu machen, jedoch durfte das aus- zunehmende Objekt niemals die Gröhe eines Einzelsilmbildchens, die ja nur 18X24 Millimeter beträgt, überschreiten. Das liegt darin begründet, daß man bei der Röntgenaufnahme nicht mit einer Kamera arbeitet, sondern daß sich der Film direkt zwischen Röntgenröhre und Aufnahmegegenstand befindet. Man hat allerdings auch Röntgenaufnahmen von größeren Gegenständen auf der Leinwand gezeigt, jedoch waren diese mit unerdticher Mühe und Arbeit aus Einzelaufnahmen zusammengesetzt. Unser Tageslicht und auch künstliches Licht wird durch die Linsenshsteme der Objektive beliebig gebrochen, so daß wir jede Verkleinerung erzielen können. Bei den unsichtbaren Röntgenstrahlen ist dies nicht möglich, denn sie gehen durch die Linsenshsteme gradlinig durch. Ieht macht man Versuche, das Objekt nicht direkt zu photographieren, sondern mit Hilfe überempfindlicher Filme daS auf dem fluoreszierenden Schirm, wie ihn jeder Arzt bei einer Röntgenuntersuchung verwendet, erscheinende Röntgenbild aufzunehmen. In Verbindung mit den Fortschritten, die unsere optische Industrie auf dem Gebiet besonders lichtstarker Objektive in der letzten Zell macht, liehe es sich immerhin denken, dah man so zu einem befriedigenden Ergebnis kommen könnte. Schlichtungszwang zu einer großen Unehrlichkeit geführt, unter der gerade die guten Schlichter leiden, Vie bestrebt sind, die Autorität iijceö Schiedsspruches in Einklang zu bringen mit dem Bewußtsein beider Parteien, in den Verhandlungen die richtige Grenze zwischen vertretbarem Anspruch und vertretbarer Belastung erkämpft zu haben. Den Schlichtern ist es in vielen Fällen unmöglich geworden, diese Grenze, die ein versöhnendes Kompromiß ergibt, zu ermitteln, weil beide Parteien ihnen keinen reinen Wein über die Tatsachen und die wirkliche Stimmung ihrer Angehörigen einschenken. Zuweilen haben beispielsweise Arbeitgeber sich bis zur Fällung des Schiedsspruches heftig gegen eine geringe Lohnerhöhung gewehrt, sber sofort danach den Schiedsspruch durch freiwillige Lohnaufjchläge überstürzt und dadurch gerade die Autorität des maßvollen Schlichters geschwächt. Anderseits kehrt sich der Zwang der Berbindlicherklürung praktisch nur gegen den Unternehmer. Er ist faßbar, aber nicht der einzelne Arbeiter. Eine Derbindlicherklärung versagt also durchweg gegenüber ■ einer streikenden Arbeiterschaft: sie kann allenfalls ihre Unterstützung durch die Gewerkschaften verhindern. Sie wirkt aber gegenüber dem Unternehmer; er kann Mit Erfolg auf Zahlung der erhöhten Löhne verklagt werden. Die Entwicklung wurde noch kürzlich bestätigt bei dem Lohnstreik in der mitteldeutschen Metallindustrie, wo der Vertreter des Reichsarbeits- ministers es nicht wagte, den Dreipfennigschieds- spruch für verbindlich zu erklären und erst ein neues Verfahren den Zuschlag erhöhen muhte, ohne daß Lage und Voraussetzungen sich geändert hätten. Auch hier siegte also nach vorheriger Zurückhaltung das übliche Verfahren, ziemlich eine Mitte zwischen aufgeblähter Forderung und grundsätzlicher Ablehnung zu ziehen. Es ist nach alledem verständlich, daß die Autorität des Schlichtungswesens stark einge- schrumpft ist. Der Schiedsapparat gleicht nicht mehr genügend aus; unter der Decke formaler Zwangseinigung stauen sich die Reibungen. Es ist falsch, die Zwangsschlichtung zu übertreiben. Sicherlich ist ein langer Arbeitsfriede durch eine Steigerung des Lohnniveaus nicht zu teuer erkauft, vor allem, in einet' Konjunkturzeit. Sicherlich ist ohne Streiks und Aussperrungen der Ertrag der nationalen Wirtschaft, das Sozial« Produkt größer. Aber die dauernde bureau- kratische Betreuung des Arbeitsfriedens durch ein System, das zudem einseitig arbeitet, wirkt ebenfalls zersetzend. Entweder muß eine größere Zurückhaltung des Schlichtungswesens in der Anspannung der Wirtschaft eintreten, oder eine Auflockerung des Systems erfolgen, die wieder natürlichere Grenzen zwischen sozialer Forderung und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit ermitteln laßt. Es scheint fast, als ob regelnde, Grenzen für beide Parteien seyenbe Mittel des Arbeitskampfes nicht ganz verstopft werden darf. Außerdem sollte man erwägen, die Verbindlicherklarung an die vorherige Zustimmung, zumindest an den Richteinspruch des Reichswirtschaftsministers zu binden, weil das Reichsarbeitsministerium in gewissem Grade zur Betreuungsbehörde der Arbeitnehmerschaft geworden ist. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 25. März, 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Cosi fan tutte. Montag, 26., 18.30 bis 23 Uhr. Tristan und Isolde. Dienstag, 27., 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Cosi fan tutte. Mittwoch, 28., 19.30 bis 22 Uht: Gastspiel Margherita Salvi: La Traviata (Violetta). Donnerstag, 29., 19 bis gegen 22.30 Uhr: Die Zauberflote. Freitag, 30., 19.30 bis 22 Uhr: Tiefland. Samstag, 31., 20 bis nach 21.30 Uhr: Elektra. Sonntag, 1. April, 19.30 bis nach 22.30 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag, 2., 19.30 bis gegen 22.30 Uhr: Cosi fan tutte. Schauspielhaus. Sonntag, 25. März, 20 bis gegen 23 Uhr: Reidhardt von Gneisenau. Montag, 26., 20 bis 22.30 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Dienstag, 27., 20 bis 22 30 Uhr: Schinderhannes. Mittwoch, 28., 20 ins gegen 23 Uhr. Reidhardt von Gneisenau. Donnerstag, 29., 20 bis 22.30 Uhr: Ein Volksfeind. Freitag, 30., 20 bis nach 22 Uhr: Max der Prominente. Samstag, 31., 20 bis gegen 23 Uhr: Reidhardt von Gneisenau. Sonntag, 1. April, 15.30 bis 17.45 Uhr: Im weißen Rößl. 20 bis nach 22 Uhr: Max der Prominente. Montag, 2., 20 bis gegen 23 Uhr: Reidhardt von Gneisenau. Aus der Pwvinzialhauptstadi. Gießen, den 24. März 1928. Oie Arbeiismarkttage im nördlichen Oberhessen. Veranlaßt durch die günstige Witterung um die Mitte des Monats Februar hatte man damals im Bereiche des Arbeitsamtes für das nördliche Oberhessen (Stadt und Kreis Gießen, sowie die Kreise Als'eld, Lauterbach und Schotten) gehofft, daß sich die Lage b e QI r» beits Marktes im Verlaufe der nächsten Wochen wesentlich günstiger gestalten werde. Qlllein das Auftreten der neuen Frost- Periode zu Beginn des Monats März machte diese Hoffnung zunichte. Ein Teil der baugewerblichen Betriebe stellte die bei der günstigen Witterung angenommenen Arbeiten alsbald wieder ein, und bis heute kann erst nur ein ganz langsames Wiederaufleben der Arbeit auf diesem Gebiete bemerkt werden. ZU beachten ist weiter, daß die Holzhauerarbeiten im Bereiche des Arbeitsamtes im Laufe der letzten Wochen beendet wurden und dadurch neue arbeitsuchende Kräfte auf dem Arbeitsmarkte erschienen sind. Lediglich dem Umstand, daß die Landwirtschaft einen Teil Arbeitskräfte anforderte und ferner Ql ö t st a n d s a r b e 11 e n in Dießen, Lauterbach, Schlitz und Allendorf (Lahn) ausgeführt werden, ist die geringe D e fs e r u n g der Arbeitsmarktlage in der Zeit vom 15. Februar bis 15. März zuzuschreiben. Im einzelnen ist ziffernmäßig zu berichten: Arbeilslosenfllrsokge: GießeN-Stadt: Am 15. März: 218Haupt- unterstützungsemp änger» 265 Zufchlagsempsänger (am 15. Februar: 279 bzw. 403); Kreis Gießen: Am 15. März: 837 Hauptunterstühungs- empfänger, 1222 Zuschlagseinpfänger (am 15. Februar: 978 bzw. 1322); Kreis Alsfeld: Am 15. März: 577 Häuptunterstühungsempfänget, 883 Zuschlagseinpfänger (am 15. Februar: 589 bzw. 754); Kreis Lauterbach: Am 15. März: 308 Hauptunterstützungsempfänger. 463 Zuschlags- empfäNger (am 15. Februar: 302 bzw.. 484); Kreis Schotten: Am 15. März: 319 HaUpt- unterstühUNgsempfänger, 479 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 327 bzw. 520); insgesamt: Am 15. März: 2339 Hauptunterstützungsemp- sänger, 3312 Zuschlagsempfänger (am 15. Febr.: 2475 bzw. 3483). krisenfürsorgeempfänger: Gießen-S tadt: Arn 15. März: 108 Hauptunterstüh ungsempfänger, 195 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 129 bzw. 219); Krels Gießen: Am 15. März: 51 Hauptunterstühungs- empfänger, 84 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 72 bzw. 89); Kreis Alsfeld: Am 15. März: 46 Hauptunterstützungsempfänger, 42 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 30 bzw. 39); Kreis Lauterbach: Am 15. März: 20 Hauptunterstühungsernpfänger, 28 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 4 bzw. 7); Kreis Schotten: Arn 15. März: 38 Haupt- unterstützungsempsänger, 47 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 8 bzw. 35); insgesamt: Am 15. März: 263 Hauptunterstühungsempsänger, 396 Zuschlagsempfänger (am 15. Februar: 243 bzw. 389). Oie Autostraße Frankfurt — Basel. WSN. Nach einer Mitteilung der S) a f r a b a soll mit dem Bau der Au to st räße strecken- weise dort begonnen werden, wo die verkehrswirtschaftlichen Verhältnisse besonders günstig liegen. Die Teilstrecke WirtschaftsgebietFränkfurt— Mainz —Wiesbaden über Darmstadt nach dem Wirtschaftsgebiet Heidelberg—Mannheim—Ludwigshafen ist als e r ft e r Bauabschnitt unter Einbeziehung der in baureifer Vorbereitung befindlichen Autostraße Mannheim—Heidelberg in Aussicht genommen. Gießener Wochenmarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 40 bis 45. Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 40 bis 45, gelbe Rüben 20, rote Ruben 20,, Spinat 50 bis 60, Unter Kohlrabi 10 bis 12, Ärünkohl 45, Rosenkohl 80, Feldsalat 150 bis 200, Endivien 100 bis 120, Tomaten 130, Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 60 bis 90, Kartoffeln 4 bis 5. Aepftzl 10 bis 18, Birnen 10 bis 15, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Eier 11 bis 12, Blumenkohl 60 bis 180, Salat 40, Lauch 10 bis 25, Sellerie 10 bis 50 Pst das Stück; Radieschen Bd. 30 Pf. * ' Bekämpfung dSr Schnäkenplage. Die Grundstückseigentümer werden nochmals auf die Bekanntmachung des Kreisamts Gießen im Amtsverkündigungsblatt Rr. 18 vom 6. März hin- gewiesen, wonach jeder Grundstückseigentümer verpflichtet ist, im April jedes Iahres aus seinem Grundstück befindliche, den Schnaken zur Brut dienende Gewässer (Wassertümpel) Regenfässer, Bassins, Wasserlachen, Iauchegruben, Abort» gruben usw. mit einem zur Vertilgung der Brut geeigneten Mittel (Saprol, Petroleum usw.) zu übergießen. Richtbefolgung hat Bestrafung zur Folge. ** Vieh markt in Gießen. Am Dienstag Nächster Woche findet in Gießen Rindvieh-lRuh- vieh°)Markt statt. Der für den folgenden Mittwoch vorgesehene Schweinemarkt ist auf den 18. April verschoben worden. *■* Festgenommen wurden, wie der Polizeibericht mittcilt, eine Person wegen Urkunden- sälschung und Betrugs und eine weitere Person, die in Klein-Linden einen Diebstahl in einer Wirtschaft ausgeführt hatte. Ferner wurde Noch eine Person verhaftet, die sich auf dem hiesigen Wohlfahrtsamt ungebührlich benähm, sich des Hausfriedensbruches schuldig machte und einem zu Hilfe gerufenen Polizeibeamten Widerstand leistete. Diebstähle. Wie der gestrige Polizei- bericht mitteilt, wurden in der Rächt zum 29. Februar aus einem Gärten hinter einem Hause in der Liebigstratztz drei Paar neue graue Strümpfe und ein noch gut erhaltener lila Unterschlüpser, die dort zum Trocknen aufgehängt waren, gestohlen. Ferner wurde in den letzten Wochen aus dem Heßschen Lager an der Margaketenhütte der größte Teil eines Ballens Lumpen, der aus bunten Deckenabfällen bestand, entwendet. Sachliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei. ** GoldeneHochzeit. Am 27. März feiern der Friebhvfsverwalter i.R. Friedrich Lö - b e r und Frau Marie, geborene Wagner, das Fest der goldenen Hochzeit. Der mln 75 jährige Iubilar genügte von 1875—1878 in der Leibkompagnie des 116. Infanterieregiments seiner Militärpflicht und trat als Hilfsschuhmann im Iahre 1883 in den städtischen Dienst. Am 1. Iuli 1889 wurde er zum Friebhvfsverwalter Ernannt, und er hat dieses Amt auf dein alten Friedhof bis zum 11. Rovember 1926 geführt. Infolge dieser langjährigen Tätigkeit ist Friedhofsverwalter L ö b e r zu einer in allen Kreisen der Bevölkerung bekannten Persönlichkeit geworden. Auf dem alten Friedhof hat et bei 7014 Beerdigungen mitgewirkt. Zeitweise hat er während des Krieges auch die Arbeit des zum Heeresdienst eingezogenen Friedhof sverwakkerS des neuen Friedhofs übernommen. ** Der Verband fürDeutscheFrauen- kleidung und Frauenku^lfur, Ortsgruppe Gießen, hielt seine diesjährige Frühjahrsmesse am Dienstag und Mittwoch im großen Saale des Cof6 Leib ab. Der Verband verfolgt bekanntlich mit den Messen — im Frühjahr und im Herbst — den Zweck, die fortschrittlichen Leistungen modernen deutschen Kunsthandwerks und die künstlerisch veredelten industriellen Erzeugnisse in geschmackvoller, zusammenfassender Weise hervorzuheben. Der Erfolg dieser Messen und der immer größer werdende 'Zuspruch beweisen, daß es notwendig und zeitgemäß war, diese Wertarbeit den deutschen Frauen näher- zubringen. Die Auslese, die die Ausstellung brachte, sollte einen Einblick in die verschiedensten Werkstätten sein und für die hiesigen Geschäfte — (Röhr, Kühn, Werkstatt WehrUm, Schuhhäuser Metropol, Süß und Waldschmidt; außerdem für Thalysia Frau Schlumberger Und für Handweberei (Sappe Frau Roese) — eine Gelegenheit bieten, ihre Einstellung für die Verbandsbestrebungen zu zeigen. Mit dem ersten Tage der Messe war eine Vorführung der Bodeschuie für Körpererziehung unter Leitung von Rudolf Hartung, Mitarbeiter der Bodeschuw, der schon datz zweite Mal mit einigen Schülerinnen der Bode-Lehrerin Frt. Striedinger (Frankfurt) in Gießeki an die Oefsentlichkeit getreten ist, verbunden. Es wäre zu wünschen gewesen, daß die Vorführung besser besucht gewesen wäre, da woyk selten so klare Richtlinien für allgemeine Körpererziehung vorgezeigt wurden, wie bei dieser kleinen, aber sehr vielseitigen Aufführung. Eine Kleiderschau, der Höhepunkt der Ätesse, zeigte den zahlreich Erschienenen Erzeugnisse aus den verschieoensten, dem Verbände angeschlossenen Werkstäten. Sie wurden mit großem Beifall ausgenommen. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 24. März. Dieser Tage sanden sich die 6 5jährigen Altersgenossen beiderlei Geschlechts, die in unserem Orte noch 25 bis 30 Personen zählen, bei Alterskollege Walz zusammen. Es wurde beschlossen, im M a i eine Feier zu veranstalten, wozu einige in Amerika und in Deutschland lebende Alters»' töllegen erwartet weiden. 61 Lollar, 23. März. Die Provinz Oberhessen hat im Bdrjahke die Durchgangs st rage Gießen-^Marburg von dek Stadtgrenze Gießen bis zum Ortsei ngaag von Lbllär und vom entgege g-sehtch Ortsausgartg von Lollar bis zur Abzweigung der Straße Odenhausert-— Staufenberg mit Kleinpflaster versehen lassen. Man mühte f. Z. die Pflasterung al dieser Stelle vorläufig beenden, weil das Restfrück der Straße bis zur Landesgienze ohne größere Ausgleichungen in der Höhenlage zllk Pflasterung nicht geeignet schien. Der Zustand dieser Teilstrecke war jedoch derart, däß eine Aenderung dringend als notwendig erachtet wurde, da das Befahren drr „Tiefenbach" mit steilem Ab- und Aufstieg auf kurze Entfernungen, insbesonbere bei nasser Witterung mit Gefahr verbunden war. Die jetzt im Gange befindliche Ausgleichung erstreckt sich vor allem auf eine Höher- legung der Straße im Tale und auf eine Abtragung der beiderseitigen Köpfe. Die Durchführung dieser Straßengestaltung bedingt größere Erdbewegungen. Gegenwärtig find, nachdem das Postkabel anderweitig verlegt ist, etwa 60 Arbeiter mit der Aotragung der alten Straßendecke auf dem Stück her Aufschüttung beschäftigt. Mit leichten Sprengungen zu werden. Der Steinschotter wird mittels Kippwagen auf mehrere hundert Meter langem Schienengleis durch einen Buildogg gleichfalls zum Zwecke der späteren Wiederverwendung in höhere Lagen verbracht. Diese Arbeit dürfte vor- aussichsllch" gegen Ende dieser Woche durchgeführt fein, um dann alsbald mit den Erdöe» toegungen zu beginnen. Die neue Straße kommt im Tale an ihrer jetzigen tiefsten Stelle etwa 3,80 ■■■■»■■»■■■MCW» III1 nimm BM—M—t» Wolfgang Goetz: „Reidhardt von Gneisenau". Erstaufführung int Frankfurter Schauspielhaus. Es war eigentlich eine Sensation von vorgestern. Sehr spät ist der „Gneisenau" nach Frank- surt gekommen. An vielen deutschen Bühnen ist er inzwischen erschienen, und in Berlin haben sie ihn vielleicht schon vergessen über G o e h e n s jüngstem Werk, dem irischen Freiheitsdrama „Robert Emmet". • „Radetzky arbeitet gleich mir hinter der Gardine und verdient den Lorbeer, den man auf Schwarzenbergs Haupt setzt" —„ dieser merkwürdige Ausspruch Gneisenaus über Schwarzenbergs Generalstabschef könnte, wie Goetz selber bemerkt, als Motto über dem Schauspiel stehen. Mit diesen Worten hält man den Schlüssel zu seinem Stück in der Hand. Das ist ein Schauspiel voller Uniformen. Voller Männer, voller Soldaten und Waffenlärm. (Rur zwei Frauen tauchen flüchtig auf und verlieren sich bald.) Ein preußisches Stück. Zwischen Tauroggen und Waterloo, spielend in 17 Bildern. Aus dem Wirbel kriegerischer Gestalten, mehr oder weniger vertrauter Ramen, wird dieser eine grell und scharf herausgehoben, den man minder im Mittelpunkt erwartet hätte, als etwa Borck, Stein oder Friedrich Wilhelm. Mit nichten: für Goetz sammelte sich menschlichstes Schicksal in diesem einem: in Gneisenau. Unruh mit seinem „Louis Ferdinand" gestaltete Aehnliches von ganz anderm Blickfeld aus. Im Programmheft erzählt Goetz etliches über feinen Weg zu Gneisenau; man vernimmt hier etwa, wie der kleine Knabe Wolfgang schon mH dreitausend Männlein Bleisoldaten die Schlacht von Waterloo historisch getreu ausstellte. Man hört von einer wertvollen Autographensamm- iung, deren frühestes und köstlichstes Stück ein Brief Gneisenaus war. Der Neunjährige findet in einem Geschichtswerk seines Helden Bild und „verliebte sich in diesen wunderlichen Offizier, der so gar nichts Bärbeißiges und Eisenfresse- risches an sich hatte, sondern der eher an die Köpfe der Musiker erinnerte, die in den Zimmern des Großvaters... hingen." Später findet er im Subskribentenverzeichnis zu einer Wozart- biographie von bekannten Ramen außer Humboldt und Mendelssohn nur Gneisenau „Das wunderte mich, denn bei kommandierenden Generälen ... war ich auf allzuviel Musikverständnis nicht getroffen." Rimmt man hinzu, daß Goetz, einer griffen Porträtähnlichkeit wegen, zum Posener Gneisenau-Denkmal dem Bildhauer Modell sitzen mußte... die spätere Bekanntschaft mit den Briefen des Generals, in denen seelische Konflikte unter glatter Oberfläche verborgen schienen, mit den dicken Wälzern von Hertz und Treitschke... und die vorhin angeführten Worte über Radetzky —, dann ist Goetzens Weg zu GneisenaU mit den HauptmeileNsteinen bezeichnet. Was war es also mit Gneisenau? Wieso ist er es, gerade er, nicht etwa QJotcf, dessen Prinz- Von-Homburg-Schicksal geradezu nach würdiger Gestaltung schrie, und dessen Äfsäre hier doch nur eben gestreift wird. Gneisenau ist bei Soetz eine ähnliche Rolle zugeteilt wie jenem Hannibal in Grabbes bestem Drama: fein Geschick ist dem des Puniers verwandt; et ist das Genie, das ewig im Schatten steht und von der ilmtoelt erdrückt wird; so wird der Sinn des Ganzen ^vielleicht am einprägsamsten und bildhaftesten zusammengefaßt in der prachtvollen Fahnenszene am Leipziger Rathaus nach der Schlacht. Ungeheurer Iubel umbrandet Blücher, Friedrich Wilhelm, die beiden stemöen Kaiset und die Generalität... den Gneisenau steht kaum einer art, der König geht mit kühleN Worten ah ihm vorbei; aber der junge Scharnhorst läßt die Fähnenkompagnie die erbeuteten Trikoloren huldigend vor ihm senken... der Präsentietmarsch wikbelt, Gneisenau hebt dankbar lächelnd den Arm — da kommt der Generaladjutant und verbittet sich den Lärm, der die Majestäten stören könnte. Mag äußerlich sein, dieses Bild... Theater, Schauspiel für die Sinne ... aber die Szene war von hinreißender Wirkung. Man könnte ängstlich werden und für das Gelingen der Aufgabe fürchten, bei so viel itni«= formen, Säbeln. Sporen, Armeemärschen, Kanonendonner und Schlachtgetös. Aber dies ist das Feine an dem Schauspiel: Gneisenaus Gestalt, obwohl ganz soldatisch, ganz preußisch, ganz streng gezeichnet, ist für Goetz nicht ein General wie alle andern, sondern, um es zugespitzt zu Tagen, jener höchst täte und merkwürdige Offizier, oet sich neben Humboldt und Mendelssohn für die Mozart-Biographie interessierte. Mit anderen Worten: fein Wesert wird, ohne vom Militärischen, ohne vom Preußischen, das tief irt diesem Schildauer wurzelt, im mindesten etwas zu verlieren, vergeistigt, verinnerlicht und vermenschlicht. Der Rame. der zuvor leerer Schall war, bekommt Resonanz im Charakterbild. Dies bebt das Schauspiel über ein gutes Dutzend waffenklirrender Hurradramen kleiner Dilettanten hinaus. Die „innere Mischung" des Helden rückt düs Werk wiederum in Untuhs Rachbärfcha t: Gneisenau ist ein Schöngeist, Freund aller Künste wie der Preußenprinz: er sitzt im Feldlager und macht Dürfe wie Fridericus. Et sieht mehr als die andern und darf nicht Führer fein. Er ist das wahre Genie im preußisches Stabe, aber die anderen sehen es nicht, oder wollen es nicht wissen. Er wird immer im Schatten des draus- gängerischen, volkstümlichen, geistig belanglosen Blücher stehert. Et wird immer in die Ecke gestellt werden» immer die Tür vor bet Rase zugeschlagen bekommen, immer andere sich vor- gezogen, andere die Früchte seines Könnens ernten sehen. Er wird zuletzt immer einsam sein. Wie Hannibal. Wie Bork. Wie Unruhs „Louis Ferdinand". Gneisenau ist ehrgeizig. Er ist ein Rebell äus preußischem Pflichtgefühl. Et ist ein Mensch von arkastischem Weitblick, der den Dingen ins Herz ieht. Et ist ein einsamer Obetster, der hakt ein muß gegen seine liebste FraU, der im Feldlager die Marketenderin bet sich fingen läßt, indes die andern den Sieg feiern. Liber wie er das Mädel kaum im Arm hält... kommt der rotnasige Blücher hereingeplaht und feixt mächtig, wie er die Umarmung sieht. Diese Szene rückt neben jene andere mit den Fahnen, und eigentlich neben alle übrigert. Bis ganz zuletzt ... Zwar ist auch ihm einmal seine Welt- mihüte geschenkt, wenn et bei Waterloo unter der Mühle das Schicksal seines Volkes, die Zu- kuhst Europas in seinen Händen halten darf und wunderbar hält. Dann aber, zum Schluß, in den Tuilerien, ist er doch wieder nur der Mann aus Schildau... den als kleines Kind feine Mütter verlor... der ewig auf falschem Posten steht... den keiner sehen mag ... und der Von Friedrich Wilhelm angeschnarrt wird. Was gegen das Stückzu sagen ist? Richt sehr viel. Dies etwa: der Martn Goetz, preußischer Regierungsrat bei der Filmprüfstelle seines Zeichens, ist immer noch ein wenig Kind geblieben, der kleine Wolsgartg, der sich mit unzähligen Bleisoldaten die Schlacht bei Waterloo aufstellte. Er hängt noch am AeUßerlichen, am Anekdotischen, am Beiwerk; er liebt es, Trommelwirbel zu schlagen, Kommandos schmettern und ausntarschieren zu lassen. Gr gerät auch bisweilen ins Erzählen; er kommt nicht vom Monolog los, und manchmal^ auch nicht vom wirksam gestellten Bild, das nicht viel mehr als „Bild" ist. (Scharnhotsts Tod.) Don, historischen Einwürfen soll keine Rede fein. Sichet ist sein Gneisenau nicht geradezu ^falsch". Die Figuten- fiille zersplittert aber hier und da die dramatische Linie, führt ins Chronikalische ab, und läßt auch manches blaß und unscharf erscheinen neben dem helldunklen Helden. Belanglos bleibt am „Gheisenau" im letzten Grunde das Geschichtliche. Wichtig ist, daß dieses Preußendrama zutiefst ein Menschenschauspiel wurde, daß die vox Humana den Schlächtehlärm nachhallend übertönt. Rach der zweiten Pause ging der Vorhang unzählige Male auf Und nieder. Der Beifall schwoll immer aufs neue art die Rampe, rief immer aufs neue die beiden heraus, die vor allen andern den stürmischen Erfolg auf ihren Schultern trugen: Robert Taube und Fritz Peter Buch. Buch, der Spielleiter, zwang die Vielfalt der Szenen zur Einheit, sammelte Stimmen und Gegenstimmen zu einem klingenden Chor. Die Drehbühne reihte eilig Bild an Bild... in großer Sparsamkeit winklig und hoch oder relief- artig schmal gebaut, aber niemals dürftig, alles von Farbe und Stimmung erfüllt. Däs sichere Stilgefühl des Malers Walter D t n s e stand dem Regisseur vortrefflich zur Seite, schuf ruhige, klare Lokaltöne Und schlichte Raumslächert als Hintergkund und Rahmung für die bewegliche Fülle an leuchtendem Blau, Rot, Silber, Schwefelgelb und hellem Grau der Monturen. * Wir kennen nicht den Berliner Gneisenau des Werner Krauß, aber wir lieben den Frankfurter, der von Robert Taube meisterlich gefaßt war. Seit langem sahen wir nicht eine so blutstrotzende, überlegen geformte, ganz geistige Gestaltung. Dieser Gneisenau war weit mehr als eine pot- trätähnliche Reminiszenz, chronikal sche Mittel- sigut — kämpferisches, leidendes Menschentum sprengte die einschnürende Korrekihe t der Uniform, grübelte, quälte sich, mühte sich, trotzte, herrschte und verzichtete in jedem Wort, jedem Blick, jedem Schritt. Männlich» gütig Und vornehm stand er da — ein Offizier voller Strenge und Pflichtgehorsam» ein Mensch mit einem brennenden Herzen. Rebtzn ihm, für und wider ihn — wert soll man noch nennen, wen herausgreifen aus der klirrenden, wogenden, blitzenden Menge? 0 b e • marS Friedrich Wilhelm, scharf Umrissen, eine sehr echte, recht unrühmliche Gestalt. Impekovens Blücher: gemütlich, bieder und bierehrlich, er ist bei Goetz vielleicht doch ein bißchen schlecht weggekommen. Schneider, bet intrigante ®erteralabjutant Knesebeck; Mom* bet« (a. M) Scharnhorst, ein wenig blaß; sehr gut Engels (Boek) und B i b c r 11 (Cläuse- Witz). — Born großen Erfolg haben wir schon gesprochen. Dr. Th. der kleinen, — Kapelle des Alten e» ■««<.» xr> Die vielseitige Verwendung von maggt Würze >2870 Gießen, den 24. März 1928. 3I94D otaor im 87. Lebensjahre V' nttr! , bet beid Eine Um stilles Beileid bitten: Familie Heinrich Rain Familie Heinrich Espich Familie Karl Waldschmidt. Vorteilhaftester Bezug In groflen Originalflaachen zu RM 6.50. Achtung auf unversehrten Plombenverschluß. Für die vielen Beweise herzllthfet Teilnahme bei dem plöiz leben Hinscheiden unseres liehen bohnes und Bruders, sowie für die vielen Kranzspenden Und die trostreichenWorte des Herrn Pfarrers sagen wir unseren herzlichsten Pank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie B. Erb. Gießen, den 24. MärZ 1928. Ist mancher Hausfrau noch unbekannt. Nicht nur Suppen aller Art, sondern auch Gemüsen, Sofien und Salaten verleiht ein kleiner Zusatz feinen, kräftigen Wohlgeschmack. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bfei dem Heimgänge unseres lieben Entschlafenen, den evangelischen Schwestern für die liebevolle Ptlege, söwie für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir allen auf diesem Wege, unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Katharina Seibert. größer Orogerie-Dertreler von alt renomierter und besieingeführier Markenfirma für Platz Gießen, Hessen« Nassau usw. gesucht. Hohe Provision. Äewerb. von nur rührig. Herren unter Ang. der vertr. 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P.ado'f Blosse, Düsseldorf. 3i98ss Ki Tappe > üu iS fllfll in 1 bti tönW ©arten erde kann nnoeiabien werden. . 0G7D Gebr. Kahl. Telephon >7.. Heute morgen 9 Uhr entschlief sanft nach kurzem Kranksein unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater. Urgroßväter, Schwager und Onkel Christian Rain Schweres Auiomobilunglück. Kassel, 24. März. (WTB. Funlspruch.) Auf der Fahrt von Dettenhausen nach Kassel fuhr in der vergangenen Rächt ein mit zehn Personen noch jugendlichen Alters besetztes Vier- ------- üfUrUH liefert tn lebet geroünfd?ten2Iu$ = == W örilUfGCDCn GUCl *40 stattllNg stilrein und preiswert == == W >ie vrühi'sche Univerfitäts-Vruckerei. B. Lange, Sietzen. Schnistr. 7 = Sonntag, den 25. März. Judika. Sladkkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Becker; Konfirmation der Kinder aus der Markusgemelnde; Feier des hl. Abendmahls; 6: Pfarrassistent Hertel. — Johan, neskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; 11: Kinder- kirche für die Lukasgemeinde, Pfarrer Bechtolsheimer: 2: Borstellung und Prüfung der Konfirman- deN-Mädchen der Lukasgemeinde, Pfarrer Bechtolsheimer; 6: Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Johcmnessaal, Pfarrer Lenz. - "T'“' Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lk Pfarrer Heumanns Heilmittel Stets vorrätig in der Niederlage Hirsch-Apotheke Gießen, Frankfurter Straße Nr. 4 Das Pfarrer Heumann-Buch 272 Seiten. 150 Abbildungen, erhält jeder Leser vollständig umsonst und portofrei von Ludwig Heumann & Co., Nürnberg M 613. 121V KL *kh' Eik uWfbtn sitzer-Auto gegen einen Leitungsmast der elektrischen Straßenbahn, wobei das Hinter- teil des Wagens zertrümmert wurde. Trotzdem fuhr der Wagen noch etwa 30 Meter weiter Und stieß gegen einHaus, wo er schwer beschädigt stehen blieb. Das Auto wurde von dem Dohne, des Besitzers selbst gesteuert, der einen schweren Nervenschock erlitt und zur Stunde noch bet» nehmungsuniähig ist. Bon den übrigen 3n< fassen biieb der etwa 20 Jahre alte Willy Fink aus Kassel-Bettenhausen tot an der Unglücks» stelle liegen. Er hatte auf der Hinteren Kante des Wagens gesessen und war gegen den Leitungsmast geschleudert worden. (3toei weitere Insassen und ein Mädchen erlitten schwere Knochenbrüche und schwere Innere Verletzungen, während zwei Personen mit geringfügigen Verletzungen davonkämen. Die Arbeiter-San.aciterwache leistete den verwundeten die erste Hilfe. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. fern ekeln! MW von Fahrrädern, Er-atztellen, Instrumenten sowie sonstigen Metal Isegenstän den sauber, prompt. billigst. 022/. Veraickelungs- und EmaillieF-Anslalt /Gießen Fernsprecher 311 Frank.uner Str. 29 Hriedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; Konfirmation der Kinder aus der Luthergcmeinde; Feier des hl. Abendmahls. _ Nieseck. 9.30: Vorstellung und Ptiisung der Konfirmanden; Opfer für das hessische Krüppelheim. — Kirchberg. 10: Kirchberg; Kollekte; 1.30: Kirch- berg: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden; Kollekte für Mörfelden. — Haustn-Garbentelch. 10: Hausen: Vorstellung der Konfirmanden; 1: Garben- wich: Vorstellung der Konfirmanden. — Cid). Der Vormittagsgöttesdieiist fällt aus; 2: Stiftspfarrer Schorlemmer. — Vatzenborn-Slcinberg. 10: Konflr- mandenprüfung (Kollekte); 5: für Kinder; 8: Erwachsene; Feierstunde: „Der hillige Born". — Alten- vuseck. 10: Vorstellung der Konfirmanden. Trohe: Meter höher zu liegen, die Abtragung der beiderseitigen Köpfe beträgt etwa je 1,50 Meter, fo daß ein Höhenausgleich vdn sechs bis sieben Metern -erzielt wird. An Erdbewegungen sind insgesamt etwa 11200 Kubikmeter auszuführen, wovon der größere Teil von dem diesseitigen Kops fnad) Lollar zu) genommen wird. Die Verbreiterung des Bachdurchlasses bedingt die Ausführung von 15 Kubikmeter Beton und tztwa 50 Kubikmeter Basa lsteinmauerwerk. Die Fertigstellung aller Arbeiten dürste im Mai zu erwarten sein. Die Arbeiten werden von den Firmen F. LeMmer und G. Buhl (Lollar) ausgesührt. g Lollor. 23. März. Nachdem die erste Vortragsreihe von Dr. R e u m o n n (Gieße n), in welcher er Ist der hiesigen Volks hoch-» schule an Hand von Beispielen über schwer- erziehbare Kinder und ihre Heilung durch die auf der modernen Individualpsychologie aufgebaute Hei erziehung, ferner über Menschenkenntnis und Ehesragen sprach, zu Ende ging, hat sich nun auf vielseitiges Verlangen aus Hörerkreisen eine zweite Reihe von Vorträgen angeschlossen. 3n dieser wird die seelische Ent- Wicklung des Kindes behandelt und die einzelnen Versuche der Schwererziehbarkeit besprochen. Um zu zeigen, wie es möglich ist, mit den Ergebnissen der modernen Psychologie einen Menschen bis in die feinsten Züge hinein zu verstehen, schließt sich am Mittwoch ein Einzelvortrag über „Mussolini als Charakter' an. Jeder Abend, an dem Dr. Reumann hier zu seinen Hörern sprach, war ein ganzer Erfolg; nahm doch jeder ohne Ausnahme, der gebildete sowie der einfache Mensch, einen positwen Gewinn mit nach Hause. So wurde der Zweck, den Hörern der Volkshochschule Erkenntnisse zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, lebengestaltend in sich und ihrem Kreis zu wirken, erreicht. _ r . Y Mainzlar, 23. März. Gestern wurde bei uns der erste Hafer gesät, somit ein Aag später als im Vorjahre. Der Boden ist gut ausgesroren, so daß er sich sehr gut bearbeiten läßt. Sollte die Witterung einigermaßen beständig bleiben, so wird die Aussaat in ungefähr zehn Tagen beendet sein, zumal die Landwirte fast nichts mehr zur Frühjahrsbe- stellung Pflügen, sondern alles grubbern. Der Stand des Wintergetreides kann als recht gut angesprochen werden, mit Ausnahme derjenigen Grundstücke, die im Vorjahr Kleebestand hatten. Hier ist der Winterroggen fast bollständig ausgewintert, so daß der größte Teil fetzt umgepflügt werden muh. — Der dieser Tage verkaufte dreijährige Vogelsberger Faselbulle unserer Gemeinde hatte das stattliche Gewicht von 7 61 Kilo. • Kirberg, 23. März. Sn dem gestrigen Bericht des „Gieß. Anz." über den Jubiläums-Fafelmarkt in Butzbach wurde fälschlich von einer Auszeichnung des Züchters Wilhelm Stark-Wiesberg berichtet. Es handelt sich in Wirklichkeit um den Landwirt und Züchter Stark von Wirb er g. der für seine hervorragenden Zuchtleistungen die wohlverdiente Anerkennung erhielt. * Ettingshausen, 23. März. Wieder ist es in dem hiesigen Steinbruch zu einemll n - fall gekommen. Dem Steinhauer Ludwig Vog - l e r schlug ein scharfkantiger Stein, der den Händen des Mannes entglitt, den kleinen Finger der rechten Hand fast ab. Da die Sehne durchgeschlagen ist, wird das Glied wohl vcrlorengehen. Der Betroffene ist ein Bruder des in der vorigen Woche verunglückten Hermann Vogler. Dieser befindet sich npch in der Augenklinik zu Gießen. Man hofft, ihm die Sehkraft des einen Auges erhalten zu können. ch Grünberg, 23. März. Das hiesige P o st - amt hat jetzt eine wesentliche Verbesserung der Paketpostzustellung eintreten lassen. Der Postkarren, der meist vollbeladen mit viel Mühe durch die Straßen gezogen wurde, ist durch eine Postkutsche ersetzt worden. — Die Holzverstetgerung im hiesigen Stabt- wald hatte folgendes Ergebnis! Füt Fichten - nuhscheit (3 Meter lang) 20 Mk., Fichtennuh- knüppel (3 Meter lang) 1. Kl. 10 Mk., Kiefern- nutzscheit 2. Kl. 15 Mk.. Buchenscheit 19 Mk., Duchenknüppel 12 Mk., Buchenreifig 2 Mk., Buchenstöcke 10 Mk., Fichtenscheit 8 Mk., Fichtenknüppel 8 Mk., Fichtenreisig 0,50 Mk., Fichtenstöcke 2,50 Mk., Kiesernscheit 8 Mk., Kiefern- knüppel 8 Mk., Kiefernsiocke 7 Mk., Ahornscheit 7 Mk., Ahornreisig 0,50 Mk., Birkenscheit 7 Mk., Erlenfcheit 6 Mk., Erlenknüppel 6 Mk. Auf hem gestrigen Rindvieh- und Schweinemarkt waten 339 Ferkel und 4 Kühe aufge- trieben. Infolge des ungünstigen Wetters war der Auftrieb gering, Das Geschäft bewegte sich anfangs in flotten Bahnen bei erhöhten Preisen, flaute aber gegen Ende des Marktes wesentlich ab, so daß ein Ueberstand von etwa 50 Prozent zu verzeichnen wär. Für 7 bis 8 Wochen alte Ferkel wurden 26 Mk., für 9 bis 10 Wochen alte Ferkel 28 bis 39 Mk„ füt 11 bis 13 Wochen alte Ferkel 32 bis 36 Mk. und für Läufer 38 bis 42 Mk. bezahlt. -s- Lang - GönS, 23. März. Bei der jungften Holzversteigerung im Wehrholz wurden folgende Preist geboten: Buchenscheiter 35 bis 40 Mk., Eichenscheiter 25 bis 30 Mk., Duchenknüppel 30 bis 35 Ml. je zwei Rm.; Fichten-, Kiefern- und Birkenknüppel 25 bis 30 Mk.; Buchenwellen 12 bis 22 Mk.. Eichenwellen 12 bis 20 Mk., und Kiesetnö unb Fichtenwellen 7 bis 15 Mk. je 50 Stück. K eis Friedberg. Bad-Nauheim, 23. Mörz. Der hiesige gemischte Chor, der sich vor Jahresfrist innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde gebildet und sich wiederholt schon in den Dienst des kirchlichen Lebens gestellt hat, legte sich In {einer ersten Hauptversammlung den tarnen „E v ä n g e l i s ch e r K t r - chenge sang verein Bad-Nauheim" bei. Beschlossen wurde, dem Landesverband der hessischen KirchengSsanaocreine beizutreten.. Der Verein zählt bereits 47 Mitglieder. Zum Vorsitzenden wurde Pfarrer Schäfer gewählt. Chorleiter ist der Fortbildungsschullehrer Hildebrand. Kreis Büdingen. < D ü d i n g e st, 29, März. Der hiesige Ortsgewerbeverein hielt dieser Sage im Hotel „Zum Stern" seine diesjährige Hauptversammlung ab. die sehr güt besucht war. Der Vorsitzende, Malermeister Bäppler, berichtete über die Tätigkeit des Vorstandes, der, durch den Reubau der Gewerbeschule bedingt, ein sehr arbeitsreiches Geschästsjahr hinter sich habe, was auch von der Versa.nmlung voll und ganz dankbar gewürdigt wurde. Troy der üblichen Schwierigkeiten konnte der Reubau im letzten Sommerhalbjahr so gefördert werden, daß die Lehrsäle im Laufe des Winterhalbjahres für älnterrichtszwecke notdürftig benutzbar wurden. Der Rechner des Vereins, Dachdeckermeister Weinberger, berichtete über Einnahmen und Ausgaben des letzten Geschäftsjahres Seine Tätigkeit fand eben,alls Anerkennung. Alle Mitglieder des Vorstandes wurden im Anschluß hieran neu als Vorstandsmitglieder gewählt. Für das ausgeschiedene Mitglied Schremer- meister Schwarz wurde Schreinermeister Fritz Lampmann einstimmig in den Vorstand entsandt. Bei Punkt „Verschiedenes" tarnen mehrere wichtige Handwerkerfragen zur Sprache. Dem- SiW MWllM i)UiteWartezeit gegen Zahlung mäßiger Ufonniöbelttäae Bar- neidversicherung bis 2uOÖ RM. Votiltsch und religiös neutral. Rechtsanspruch Kein Klrchenaustrltl Ami- MkklW für Gienen und Umgebung «u günstigen Bedingungen au vergeben. Kauiton erforderlich. Zuschriften erbeten unier li 829 an Anvafidendauk, Ann.-Eroed^ Berlin W. 9. 3188id Mittwochabend entschlief sanft nach langem Leiden im Alter von 69 Jahren mein Heber Mann, mein treusorgendef Vater lerr Kaufmann Gustsv Hansteii Sophie Hanstein geb. Kifener Sophie Hanstein. Gießen, den 24. März 1928. Die Beerdigung findet in der Stille statt 02264 nächst sollen wissenschaftliche und belehrende Vorträge stattfinden. -r- Ridda . 23. Marz. Die neue D u t o - st recke Ridda - Fauerbach — Hirzenhain, die seither probeweise befahreit wurde, zeitigte ein befriedigendes Ergebnis, so daß sie nun endgültig in Be trieb genommen wird. Die beteiligten Gemeinden schließen sich zu einem Zweckverband zusammen. Dasnu zu beschaffende Auto wird in R i d d a stationiert, wo eine Garage erbaut werden soll. Krcis Alsfeld. =er. Homberg (Ohm), 23. März. Am nächsten Sonntag wird in der hiesigen Stndthalle eine A U s st e l l n n g v o n H n n d n r b e i t e n der Schülerinnen und FortblldungsschillerinNen, die unter Leitung der Zndustrielehrerin Frau Ließmer angefertigt wurden, stattsinden. — In diesem Fahre werden hier am Sonntag noch Ostern 2 5 Kinder konfirmiert, und zwar 13 Mädchen und 12 Knaben, darunter sind 5 Schiilek aus der Höheren Bürgerschule. Kreis Lauterbach. ^.Lauterbach, 23. Mörz. Roch omtlicher Feststellung durch die Bürgermeisterei beträgt die derzeitige Einwohnerzahl der Stddt Lauterbach 5162. Bei der im Jahre 1925 vorgenommenen Volkszählung wurde eine Einwohnerzahl von 4730 festgestellt. Somit beträgt der Zuwachs tn etwa zweieinhalb Jahren 4 3 2, für eine kleine Stadt, wie Lauterbach von Bedeutung. In erster. Linie dürfte diese beachtliche Zunahme auf den ZuzUo vom Londe zu buchen fein. Nicht zuletzt ist diese Bevölkenmgs- zunahme auch bedingt durch den in Lauterbach erfreulicherweise i^u verzeichnenden erheblichen Geburtenüberschuß. So wurden beispielsweise im vergangenen Jahre bei 93 Geburten nur 43 Sterbefälle beurkundet. • Lauterbach, 23. März. Die Lauterbacher Dolksbank hielt jetzt ihre ordentliche G e n e r a l v e r s a m m l u n g ab. Der Ilm- sah des Unternehmens im verflossenen Geschäftsjahre stieg auf etwa 40 Millionen. Der Reingewinn beziffert sich einschließlich Vortrag aus 1926 (in Hohe von 578,37 Mk.) aus 21 201,30 Mk. Zur Verteilung kommen 9 Prozent Dividende — 6377,60 Mk., ferner werden 4931 Mk. zur Aufwertung der alten Spareinlagen, 2280 Mk. für den Reservefonds und 2000 Mk. für die Spezialreserve verwandt, 5000 Mk. erhält der Unter» stühungs- und Pensionsfonds, 12,70 Mk. werden auf neue Rechnung vorgetragen. Die eingezahlten Geschästsanleile betragen rund 76 000 Mk., die Reserven 105 000 Mk., mithin das Gesamtvermögen über 180 000 Mk. Die Haftsumme beziffert sich auf 962 000 Mk. = Lauterbach, 23. März. Nachdem die Stadt Lauterbach mit der Schaffung eines neuzeitlichen Schwimmbades begonnen, hat der hiesige Turnverein In einer gut besuchten Versammlung die Gründung einer Schwimmabteilung beschlossen. 45 Turner und Turnerinnen traten der neuen Abteilung des Vereins sofort bei. Der Beitritt weiterer Interessenten steht in sicherer Aussicht. Schwimm- toart wurde zunächst Obersteuersekretär Rothe. Das städtische Schwimmbad, für das die Erdarbeiten ziemlich beendet sind, soll anfangs Juni voraussichtlich vollendet sein und dmn Betrieb übergeben werden. irtg der 5*5 :der Der Deif Sie W' S Klaus, die M aube und 6ie DMaU der -W Se>K 1^7 & fit btt tz Alterssolleg« beschlossen, im kn. wozu einige WW jffters»’ vninz vbechessm zangSsttalir >rk ctlldtgrrazr von ÖbUar und Bz von Löüar öl vdeahaufn- versehen lassen. .g an dieser Stelle eftiiud der Straße größere Äukgl-i- P lbsieMg nicht di:itt Äuittecle Änderung dringend ba das jBe- sieilM Ab» unb gen, insbesondere Seiahr Verbunds sindiiche Äusglri- mf eine Höher- Tale und auf M Köpfe Die iftafäing bedingt oärfig find, nachverlegt ist, etwa i der Men Etra« der W en S-renMgen M mtteis Kipp' t Meter lanW ulldogg gleich^lls rdervervelröung m Wbeii dürste vor- r I mit den W* -MS- »“2 i 6teile etwa 3.80 ilenäu" im Kn htig ist, daß W Menschenscha^'el ,en vchlüchttdläM Vestvster zum Besuch von Schulen von großer Lehr» Mittelanstalt bei guter pro», gesucht. 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Sie sah ihn mit weit aufgerissenen Augen starr an: ,Zch soll doch nach Haus kommen. Ä)ir haben zu Haus zuviel ju_ tun, und der Joseph, mein großer Bruder, der kömmt nie mehr, und bloß mit den Jungens schafft et der Vater nit mehr — ich muß mit in den Berg. „Du —?!" Er sah sie ungläubig an. „In, ich!" Sie wurde plötzlich heftig: ,Hch bin auch bat faule Leben hier satt. Et is viel besser für mich, ich gehen mit in den Berg. Ich will ar= beiten — ich muß arbeiten. Ich will nach Haus, lassen Sie mich doch gehen!" Sie schrie es fast: ,Lch muß nach Haus!" . „No, no!" Er schüttelte den Kops. „Ich hab ia kein Recht, dich hier zu halten, so gern ich et auch tat. Dat du zur Lese gehn mußt, bat seh ich ja wohl ein, da will ich auch kein Wort mehr über verlieren; aber über die Zeit, daß mein Sohn kömmt, tonntfte du noch hier bleiben. Und bann bei der Nachfeier von der Hochzeit. Denn fiehste, dann en fremd Mädchen im Haus, bat wär mir gräßlich. Ich würde et dir reiflich vergüten, iüaria, wenn du mir den Gefallen tätft. Ich werd et deinem Vater schreiben; der kann sich solang en Aushilf nehmen, ich bezahlen ihm die." „Nein, nein!" Sie fuhr fast wild auf. „Dat geht nit, ich muß nach Haus. Ich kann nit mehr bleiben." „So," sagte Herr Dousemont und lächelte fast: das arme Ding, wie es sich verriet! Ihn bauerte die Maria. Sie verschwieg es tapfer, aber wäre es nicht besser, sie offenbarte sich ihm? Er wollte ihr ja helfen. Und seinen Arm um ihre Schulter legend, jagte er, seine Stimme dämpfend: „Siehst du, Kind, ich dacht — ich meint —" nun wurde es ihm doch schwer, es ihr auf den Kopf jo zuzusaaen, er sprach noch leiser: „Ich dacht, ihr hättet euch zu lieb gehabt, du und dein Kaspar, und darum müßtest du °T„Stet Kaspar —?!" Sie lachte plötzlich so laut auf, daß er zusammenfuhr. „Der Kaspar?! Sie lachte wie besessen, schier krampfhaft. Erschrocken klopfte er sie auf den Rucken: „Uto, no!" So zum Lachen war das doch nicht. ,Et hatt doch leicht sein können." „Nein, Herr Dousemont," sagte sie auj emmw mit einer Stimme, die ganz heiser geworden war durch das allzu heftige Lachen, und wischte sich Tränen ab, „da sind Sie ganz irr." Sie sagte das so fest und sah ihn dabei so an, daß er es ihr glauben mußte. Aber wer, zum Kuckuck, konnte es bann gewesen sein? Er wurde unsicher: täuschte er sich am Ende, hatte er sie in falschem Verdacht gehabt? Um so besser! „Dann tonntfte aber doch wirklich noch über die Hochzeit bleiben," stotterte er. „Tut et mir doch zulieb — ja?" Er hielt ihr die Hand hin und sah sie bittend an mit dem guten Blick seiner etwas verschwommenen blauen Aeuglein. „So lang dann wenigstens, Maria, ja? Maria, gib mir die Hand drauf!' Da legte sie, sich überwindend, in seine sie bedrängende Hand ihre Hand. Die war kalt und zuckte. In Porten waren sie sehr erstaunt, daß die Maria schrieb, sie würde bald heimkommen. Die Mutter war die einzige, die es nicht so überraschte; sie hatte es ja damals beim letzten Besuche im Mai schon bemerkt, daß nicht alles ganz stimmte. Die Maria war also doch nicht so gern dort gewesen. Ihr war es ganz lieb, daß die Tochter nach Haus kam, wenn sie ehrlich fein sollte, mußte sie sagen, sie freute sich daraus. Dann hatte sie doch jemand, mit dem sie sich aussprechen konnte, die anderen Kinder waren noch zu jung, und mit Stemm war ja jetzt nicht zu reden. Oh, wie hatte sich ihr Mann doch verkehrt! Nichts an ihm war wie früher. Und er ging dahin^ ganz in sich versunken. War es bas Schicksal mit dem Joseph, bas ihn so verstörte? Er hatte doch nie viel von dem Jungen gehalten, nicht halb so viel wie sie, und doch mußte sie jetzt die Stärkere sein. Totenblaß war Bremm an jenem Morgen zu seiner Frau zurück ins Haus gestürzt, er hatte sie mit sich hinaus auf den Hof gerissen — sie war noch im Unterrock, ohne Schuh und Strümpfe —, da hatte er ihr es gewiesen, den Finger stumm ausstreckend. Auf der Stalltür stand mit Rötel gekritzelt, aber doch deutlich zu lesen: ,Zch laß mich anwerben. Lebt wohl. Joseph." Die Mutter war in unstillbares Schluchzen ausgebrochen: „Der Joseph? O mein Joseph?" Und im Bösen war er von ihnen gegangen, das war zu schrecklich! Bremm hatte fein Naß im Auge gehabt, er stand nur stumm und bleich da, so bleich, daß die Frau dachte, er fiele um, und hielt die Fäuste geballt. Sie hatte ihn angefleht: „Laus ihm nach, sieh zu, daß du ihn kriegst — bat hat er heut nacht geschrieben, gestern abend stand noch nix da — er kann noch nit weit sein. Lauf, fahr mit der Bahn'. Hol ihn ein, such ihn, mach, mach!" Sie drängte ihren Mann dem Hause zu: „Mach, zieh dich an, mach doch, dat du forttömmft! Du darfst nit wiederkommen ohne ihn — bring den Joseph zurück, bring mir den Joseph!" Aber Bremm hatte sich nicht gerührt; die Arme schlaff herunterhängen lassend, stand er da, als wäre er aus Stein. Seine Augen stierten die Stalltür an: rot war die Schrift auf ihr, rot, mit Rötel geschrieben — nein, mit Blut! Mit Blut! „Mann, Mann!" Die Frau rüttelte ihn: „Hör doch, lauf, bring ihn wieder! Die dürfen ihn nit behalten/ „Dürfen —? Wer fragt nach »dürfen'? Wat die haben, behalten die auch. Tot — der dritte tot!" Und damit schob er sie non sich und ging ohne weiteres Wort fort in den Weinberg. Seit der Zeit kannte die Bremm ihren Mann nicht mehr; sie hätte ihn bester verstanden, wenn er mit ihr gemeint hätte. Bremm war vor kurzem in Trier gewesen, da hatte sie aufgeatmet: wenigstens verkaufen wollte er jetzt, er war auch bloß darum nach Trier gefahren, aber er kam wieder ohne Erfolg. Es war fo, wie der Feiden gejagt hatte: fein Geld, fein Geschäft und nach dem Einundzwanziger schon gar keine Nachfrage mehr. Das Fuder blieb im Keller — immer noch, immer noch! Die Frau begann es zu hassen. Was hatte ihr dies Fuder schon für Kummer gemacht! Erst, weil er es durchaus nicht verkaufen wollte, und jetzt, weil er es nicht verkaufen konnte. Da lag es, bequem hingelagert, fo voll und rund und behäbig — es war ihr wie ein Hohn — ihr Mann war ausgezehrt. Sie waren alle mager. Selbst die zwei Jüngsten, der fjanni und das kleine Christinchen, hatten die runden Kinderwangen nicht mehr. Frau Anna mußte sehr sparen. Wenn die Sonne nicht gewesen wäre, die alles durchtränkende Sonne, die auch dem Men- chen ins Blut bringt und bis in den Magen scheint, 0 wären sie dazu noch blaß gewesen. Aber das war nicht möglich, goldig getönt so wie Berge und Mosel und Muren auch Ine Gesichter. (Forts, folgt.) Höhe bet Gefamteinlagen bestimmen würbe. Damit bürste den wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung getragen sein. Die neue Verordnung soll erstmals mit Wirkung für die erste Veranlagung nach dem Körper- schaftssteuergeseh vom 10. August 1925 und für die erste Veranlagung nach dein Vermögens-' steuergeseh vom 10. August 1925 gelten. Muiiermord auf dem Westerwald. WSN. Limburg. 23. März. Am Wend des 14.März wurde betanntlich in Niederzeuz- heim die Ehefrau deS Landwirts Horn im Stalls t o t aufgesunden. Die Vermutung, daß nicht ein Unfair, sondern ein Verbrechen vorliegt, wurde durch die Untersuchung der Staats- anwaltschast schon am nächsten Tage bestätigt. Unter dem Verdacht, die eigene Mutter getötet zu haben, wurde darauf drei Tage später der 19jährige Sohn Anton Horn verhaftet, der allerdings hartnäckig leugnete, seine Mutter ermordet zu haben. Unter der Wucht der belastenden Momente hat Anton Horn nun in der vergangenen Nacht dem Untersuchungsrichter ein volles Geständnis abgelegt. Wie er angab. war er abends Vi8 Uhr mit der Mutter zusammen im Stall, um dem Pferd Streu zu geben. Cs war ihm ausdrücklich verboten. H a s e r st r o h zu benutzen; er sollte Welzen- U r ob nehmen, weil das Haferstroh zu Futter- zwecken verwendet werden sollte. Als er diesmal aber wiederum Haferstroh unter das Pferd streute, schimpfte die Mutter ihn aus. er fei ein fauler Kerl, jetzt müsse sie auf den Boden steigen und neues Haferstroh holen, das sie schon für den nächsten Morgen zum Süttern bereitgelezt hätte. Während feine Mutter angefangen habe, zu melken, habe sie in einer Tour weitergeschimpft. Da sei er in eine solche Wut geraten, daß er ein metallisches Instrument ergriffen (die genaue Bezeichnung kann im Interesse der Untersuchung noch nicht bekanntgegeben werden) und auf die Mutter drei- bis fünfmal auf den Kops eingefchlagen habe, bis sie zusammengebrochen sei. Daraufhin ist der Täter in sein Zimmer gegangen, hat den Rock gewechselt und einen Freund im Dorfe besucht. Mit biefem und dessen Schwester hat er etwa eine Stunde lang Karten gespielt, bis ein Mann kam und sagte, seine Mutter sei schwer verunglückt. Der Täter hat sich bann zu seinen Geschwistern an die Leiche gesetzt unb g e =, weint. Der junge Mann ist vollkommen zusammengebrochen. Preußen. Bullenmarkt in Wetzlar. _jJ Wetzlar. 22. März. Der gestern hier statt- gehabte F rü h j a h r s - B u l le n m a r k t er-1 freute sich eines guten Besuches. Der Markt war mit 50 Dullen beschickt, eine Zahl, die auf den gleichen Märkten der letzten Jahre noch nicht erreicht wurde. Abgesehen von einer geringen Anzahl nicht tauglich befundener Bullen war im großen und ganzen gutes Zuchtmaterial aufgetrieben. Die Prämiierung der körreifen, bisher noch nicht angekörten Dullen hatte folgendes Ergebnis: la-Preis: Besitzer und Züchter Georg Hintler, Hörnsheim; Id-Preis- Besitzer und Züchter Otto Schneider, Hörnsheim; Ic-Preis: Besitzer und Züchter Karl Jung II., Hochelheim; 2a-Preis: Besitzer und Züchter Ludwig Franz, Lützellinden; 2d-Preis: Besitzer und Züchter Johannes Ludwig, Hörnsheim; 2c- Preis: Besitzer und Züchter Wilhelm Salten- berger I., Griedelbach; 3a-Preis: Besitzerin und Züchterin Johannes Ohly, Witwe, Hörnsheim; Sb-Preis: Besitzerin A. Schwartz, Witwe, Hörnsheim, Züchter Wilhelm Schneider II., Kleinrechtenbach; 3c-Preis: Besitzer unb Züchter Heinrich Friedrich, Dauborn (Weifimühle); 43-Prcis: Besitzer und Züchter Johannes Schieferstein, Hochelheim; 4b-Preis: Besitzer und Züchter Johannes Laux. Volpertshausen; 4c- Preis: Besitzer und Züchter Wilhelm Bender VI., Neukirchen. Eine Ermunterungs» und Aufzuchtprämie für Jungtiere im Alter von 12 Monaten ab erhielt Besitzer und Züchter Wilhelm D e p l e r. Hörnsheim. Bei der an die Prämiierung anschließenden Versteigerung wurden nicht die Preise erzielt, die die Züchter zu erlösen hofften, eine Erscheinung, die darin ihre Ursache hat, daß das Angebot die Nachfrage überstieg unb die fast ausschließlich als Käufer auftretenden Gemeinden ihren Dsdarf an Bullen auf dem im Herbste stattfindenden Markte decken. Es wurden Preise von 460 bis 740 Mk. je Tier bezahlt; den letzteren Preis bezahlte die Gemeinde Tiefenbach für den mit einem la-Preis ausgezeichneten Dullen des Besitzers und Züchters Georg H i n k l e r, Hörnsheim. Don den zur Versteigerung aufgetriebenen 50 Bullen wurde nur bei elf Geboten der Zuschlag erteilt. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 22. März. Der gestern hier stattgehabte Schweinemarkt hatte eine Beschickung von rund 400 Ferkeln auszuweisen. Der Austrieb war also stärker, als auf dem letzten Markte. Das Geschäft ging von Anfang an flott. Es wurden folgende Preise bezahlt: fünf bis sechs Wochen alte ferkel 20 bis 24 Mark, sieben bis acht W ichen alte Ferkel 26 bis 30 Mark, neun bis zehn Wochen alte Ferkel 30 bis 34 Mark, ältere Ferkel und Springer 35 bis 50 Mark. Der Markt wurde geräumt. -S- Aus dem Kleebachtal. 23. März. Das anhaltende F r o ft to e 11 e r der letzten Zeit hat den Saaten st and in den Gemarkungen des Kleebachtales erheblich beeinträchtigt. Roggen und Weizen find vielfach aus- aewintert. auch hat der Rotklee unter den starken Nachtfrösten gelitten. Die Wiesen zeigen ein sahlgelbes Aussehen. In den Wiesen und auf den Wintersaaten, namentlich auch auf den Klee- ädern, macht sich eine starke Mäuseplage in besorgniserregender Weise bemerkbar, so daß hier unbedingt DekämpfungSmahnahmen getroffen werden müssen. Kreis Biedenkopf. D i f ch o f f e n, 23. März. Zwischen Bischof- fen und Nlederwelbbach stießen an einer Kurve zwei Radfahrer zufammen, weil der eine angeblich auf der verkehrten Seite fuhr. Beide kamen mit verbogenen Rädern und dem Schrecken davon. Maingau. Lpd. Hanau, 23. März. Die in der ehemaligen Kaserne untergebrachte Zeltbahnfabrik Eichelgrün & Co. hatte den 15 Jahre alten Lehrling Wilhelm Deuscher heute nachmittag beauftragt. von der Bank Lohn- gelder im Betrage von Mark 1232.— zu holen. Als der 3unge mit dem Geld über den Kasernenhof ging, wurde er von einem etwa 18 3obre alten Burschen a n g e f a I len, zu Boden geworfen und erheblich verletzt. Mit der Aktentasche, in bet sich das Geld befand, ergriff der Räuber die Flucht in den nahen Wald Amtsgericht Gießen. Gießen, 16. März. Zwei Handelsleute aus einem Vorort von Gießen, Die ihr Geschäft früher gemeinschaftlich betrieben haben, find miteinander uneinig geworden unb haben sich deshalb getrennt. Die Uneinigkeit hat fich auch auf ihre Frauen übertragen, die fich gegenseitig beleidigt haben. Jeder Don ihnen hat deshalb Privatklage gegen die Ehefrau des andern erhoben und feine eigene Frau als Zeugin angegeben. Außerdem beriefen sich beide Teile auf das Zeugnis einer unbeteiligten dritten Frau, die aber zur Sache selbst [einerlei erhebliche Angaben machen konnte. Aus den Eingaben der beiden Frauen ging hervor, daß die eine von ihnen die andere zu sich gerufen und ihr einen beleidigenden Vorhalt gemacht hat. woraus die andere in ihrer Aufregung mit schweren Vorwürfen und Schimps- worten antwortete. Ebenso beleidigte die letztere einige Tage später die erstere wiederum in ähnlicher Weise wie bei dem ersten Zusammenstoß. Die Hauptverhandlung gestaltete sich nicht ganz einfach, da die erregten Gemüter sowohl der Männer wie auch der Frauen wiederholt heftig aufeinander prallten. Doch gelang es schließlich dem Gericht, beide Teile zum Abschluß eines Vergleichs zu bewegen. Darnach wurden die beleidigenden Aeußerungen beiderseits zurück- genommen und die Eheleute N. übernehmen mit Rücksicht darauf, daß die Ehefrau N. w e i -> m a l schwere Beleidigungen ausgestoßen hat, ihre eigenen Kosten, die Gerichtskosten und außerdem von den Kosten der Eheleute M. noch den Betrag von 30 Mk., während der Rest ihrer Kosten von den Eheleuten M. selbst zu tragen ist. Strafkammer Gießen. Ein Schmied aus Bottrop hatte in 1. Instanz 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus, sowie 5 Jahre Ehrverlust erhalten, da er zwei Wechsel über 185 unb 50 Mk. gefälscht hatte. Ein Schaden war nicht entstanden. da die Bank, der er die Wechsel vorlegte, die Fälschung sofort merkte und nicht auezahlte. Auf feine Berufung wurde die Zuchthausstrafe in eine Gesa mtgescingn isst rase von 1 Jahr um- gewandelt, die Ehrenstrase blieb bestehen. Wegen tätlicher Beleidigung einer jungen Frau durch Stellung unsittlicher Anträge war ein Landwirt aus Grohen-Linden zu 7 Monaten Gefängnis vom Gericht erster Instanz verurteilt worden. Die Bernfungsveryandlung fand unter Ausschluß der Oessentlichkeit statt. Die Strafkammer erkannte auf zwei Gelo ft rasen von je 200 Mark. Einem Handwerker aus Wieseck waren durch einen Arbeiter aus Trohe 209 Mk., die in einem Geldtäschchen sich befanden, gestohlen worden. Das Gericht verurteilte den Täter, der den Diebstahl hartnäckig leugnete, zu 3 Monaten Gefängnis. Auf seine Berufung hin wurde, da die Staatsanwaltschaft sich ihr angeschlossen hatte, das Urteil aufgehoben und eine Gefängnis st rase von 8 Monaten gegen ihn verhängt, da er völlig überführt wurde. Ein Bergmann aus Kinzenbach war wegen umfangreicher Gemüsediebstähke vom Gericht erster Instanz zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die Strafkammer bestätigte diese Strafe. Aus dem Amisverkündiqungsblatt. * Das Amtsverkünbigungsblatt Ar. 21 vom 23. März enthält: Wiederbelebung der Bauwirtschaft durch steuerliche Begünstigungen. Die Ausführung des Urkundenstempelge- setzes. Schonprämien für seltene Raubvögel. Verhütung von Walbbränden. Erweiterung der Brauhofstraße in Hungen. Dienstnachrichten. Rundfunkprogramm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 25. März. 8.30 bis 9.30: Morgenfeier. 11 bis 11.30: Die Glternstunde. 12 bis 13: Militär-Musik. 15.30 bis 16.30: Von Berlin: Funtheinzelmannstunde. 16.30 bis 17.30: Konzert des Rundfunkorchesters. Beethoven. 17.30 bis 18: Leo Greiner, Vorlesung aus eigenen Werken. 18 bis 19: Vortragszyklus „Gedanken zur Zeit", „Neuzeitliche Ernährung". 18 bis 18.30: „Volksgesundung durch Ernährung", Vortrag von Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Martin. 18.30 bis 19: „Die Nahrung im Lichte der Ernährungslehre", Vortrag von Dr. Max Winckel. 19 bis 20: Stunde des Rhein- Mainischen BerbandeS für Volksbildung: „Arabien zwischen den Kontinenten". Vortrag und Vorlesung au8 arabischem Schrifttum von Dr.- 3ng. K. Klinghardt. 20.30: Sinfonie-Konzert. Anschließend: Sportnachrichten. Darauf bis 0.30: Tanz-Programm. Montag, 26. Mär;. 12.30 bis 13.30: Von Kassel: Wittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15.30 bis 16: Die Stunde bet Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Die Oper der Woche. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Von Kassel: Die Stunde der Frau: „Hausputz unb besondere Gardinenwäsche", Vortrag von Mathilde Meißel. 18.45 bis 19.15: Vortragszyklus der Industrie» unb Handelskammer Frankfurt a. Main-Hanau: „Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika", Vortrag von Dr. Keim, Syndikus des Börsenvorstandes. 19.15 bis 19.45: Engi. Sprachunterricht. 19.45 bis 20.15: Die Schachstunde. 20.15: Abend der 5 Mikrophone. Dialekt- Austausch zwischen Frankfurt, Kassel, Stuttgart, Mannheim unb Freiburg. Anschließend: Schallplatten-Konzert. Ungarischer Abend. Dienstag, 27.2Här;. 12.30 bis 13.30: Bon Kassel. Mittagsstänbchen der Kasseler Hauskapello. 15.30 bis 16; Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Zum 10. Todestage von Claude Debussy. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 19: Don Kassel: „Heinrich Mann, der Dichter, der Mensch (geb. 27. 3. 1871)“, Vortrag von Ernst Berg. 19 bis 19.30: Funkhochschule. „Industrielle Entwicklung und menschliche Gesundheit". Vortrag von Kreismedizinalrat Dr. Ascher. 19.30 bis 20: Französischer Sprachunterricht. 20 bis 20.15: Senckenberg-Viertelstunde: „Veränderungen auf dem Boden der Tief- fee", CßorttM von canb. geol. A. Schwarz. 20.15 bis 22.45: Von Stuttgart: Volkstümlicher russischer Abend. 22.45: Opern-Abend des Rundfunk-Orchesters. Mittwoch, 28. März. 13.30 bis 14.30: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15.30 bi« 16: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Operetten. 17.45 bis 18.05: Die Bücherstunde. 18.30 bis 19: Funkhochschule: „Das deutsche Drama unb Theater vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart". Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultz. 19 bis 19.30: „Maxim Gorki", Vortrag zu seinem 60. Geburtstag von 2llfons Paquet. 19.30: Vom Frankfurter Opernhaus: La Traviata. Oper in drei Akten von G. Verdi. Donnerstag, 29. Marz. 13.30 bis 14.30 Ähr: Von Kassel: Mittagsstänbchen der Kasseler Hauskapelle. 15.30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Mufsorgski. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Don Kassel: Stunde Haus und Garten: „Der Garten im Frühlingsschmuck", Vortrag von ®arten- ingenleur Karl Hinze. 18.45 bis 19.15: Be- amtenfortbildungskursus: „Die Stabilisierung der europäischen Währungen", Vortrag von Dr. F. Neumark. 19.15 bis 19.45: „Was wird aus unseren Kindern?", Vortrag von Dr. Friedrich Wolf. 20.15 bis 21.45: Dom großen Saal der Lefegesellschaft in Köln: Konzert der Gesellschaft für Neue Musik: Hindemith-Abend. 22.30 biö 23: Don Berlin: Tanzkursus. Anschließend bis 0.30: Don Berlin: Tanzmusik. Jreitag, 30. März. 13 bis 14 Uhr: Schallplatten-Konzert: Au- Richard Wagners „Der Ring oer Nibelungen". 15.30 bis 16. Die Stunde her Jugend. 16.30 bi- 17.45: Hausfrauen -Nachmittag: „Gedanken zur Schulentlassung". Vortrag von Lehrer Karl Stricker. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 19: Vortragszyklus des Handwerks- unb Gewerbeamts Hanau: „Dom Lehrling zum Meister", Vortrag von Schneidermeister Georg Gilbert, erster Vorsitzender der Handwerkskammer, Nebenstelle Hanau. 19 bis 19.30: „Wie lese ich eine Wetterkarte?", Vortrag von Dr. Mahrt von der Wetterdienststelle. 20 bis 20.30: „Georg Kaiser unb sein Drama: Von Morgens bis Mitternachts", Vortrag von Dr. Bernhard Diebold. 20.30: „Don Morgens bis Mitternachts". Anschließend: Don Kassel: Konzert des Kasseler- A-capella- Chors. Samstag, 31. Mär;. 13 bis 14 ilfjr: Von Kassel. Mittagsstänbchen der Kasseler Hauskapelle. 15 bis 15.30: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Alte Tanzmusik. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 19: Von Kassel: „Unser Mond", astronomische Plauderei von Dr. Ernst Dippel. 19 bis 19.15: Der Briefkasten. 19.15 biS 19.45: Stenographischer Fort- bildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 19.45 bis 20.15: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Die Sternbilder bei verschiedenen Völkern im Wandel der Zeiten", Vortrag von Professor E. Sittig. 20.15 bis 22.15: Bunter Abend. 22.30 bis 23: Don Berlin: Tanzkurfus. Anschließend bis 0.30: Don Berlin: Tanzmusik. Rätsel-Ecke. Kreuzworträtsel. 10 n 15 Vt 16 17 18 19 20 21 26 Von links nach rechts: 4. Abschiedowort; 6. Papageienart; 8. metallhaltiges Gestein; 10. Figur aus der griechischen Mythologie; 13. vlämischer Maler; 14. deutscher Seeheld; 15. Zeitrechnung: 16. biblische Person; 19. biblischer Berg; 22. dalmatinische Insel in der Adria (Seeschlacht); 26. Schweizer Kurort; 27. Saiteninstrument; 28. Hausgötter; 29. Kampfplatz. Don oben nach unten: 1. Schwungvolles Gedicht; 2. weiche Speise; 3. Volksstamm; 4. heiliger Stier; 5. Schwimmvogel; 6. Vorfahr; 7. nordische Gottheit; 8. weiblicher Personenname; 9. Schlachtort in Nordafrika im zweiten Punlschen Kriege; 11. Blume; 12. asiatische Völkergruppe; 17. Metall; 18. weiblicher Personenname; 19. Bodensenkung; 20. wie 6, wagerecht; 21. Element; 23. persönliches Fürwort; 24. japanische Münze; 2-5. wie 6, wagerecht. Zitaieurätsel. 1. Nur vom Nutzen wird die Well regiert. 2. Wenn die Blätter fallen in des Jahres Kreise. 3. Herr, dunkel war der Rede Sinn. 4. Es liebt ein jeder, frei sich selbst zu leben nach dem eigenen Gesetz. 5. Ich will's mit meiner schwachen Kraft versuchen. 6. Dein Schicksal ruht in deiner eigenen Brust. 7. Das Spiel des Lebens steht sich heiter an. 8. Recht stets behält das Schicksal. 9. Jeder freut sich seiner Stelle. 10. Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre. Aus vorstehenden Schillerschen Zitaten ist je ein Wort zu nehmen. Sind diese richtig gefunden, ergeben sie ein Zitat von Moltke. Opcrnrätfek. Weber R. Wagner Gluck Rossini Rossini Bellini In die leeren Felder ist je eine Oper des genannten Tonkünstlers einzustcllen. Richtig gefunden, müssen die Anfangsbuchstaben, zusammengezogen, eine weitere Oper, und zwar von Karl Maria von Weber nennen. ZufammengestetlteS Fahrscheinheft. Zittau — Zwickau; Zwickau — Markneukirchen, Markneukirchen — Schneeberg; Schneeberg — Plauen; Plauen — Oelsnitz; Oelsnitz — Reichenbach, Reichenbach — Treuen; Treuen — Fran- Fenberg; Irankenberg — Meerane; Meerane — Stollberg; Stollberg — Tharandt; Tharandt — Zlltau. Aus jedem der angeführten Scheine ist ein Anfangs- oder ein Endbuchstabe von einer der daraus vermerkten Stationen zu nehmen. Sind diese gefunden, so füge man sie aneinander. Man erhält alsdann Auskunft darüber, wohin der Reisende fuhr. Dreisilbige Scharade. Die erste, die beim Wein sich Acigt, Entsteht, wenn der zu Kopfe steigt; Die andern gelten viel im Skat, Wohl dem, der sie im Plural hat! Berbot'nen Weg geht eins, zwei, drei. Oft fahndet drauf die Polizei. Auflösungen. Silbenrätsel. 1. Fraktion; 2. Remise; 3. Uebach; 4 Hanvec; 5. Lebewohl; 6. Ili; 7. Neunauge; 8. Gustav. Frühling — Veilchen. Kreuzworträtsel. bkbbbbeurb ►ItDHHKUlBÖK QBEIHKHBaB nKRKÖHKKH ÜHHaS30Qßlffil BK13B0I3B>X. id- iss» Kit« ßain- "A-K ,'Ää jä1*anc e **äuu ‘‘Monk». „ M^Z "Die M*1 i4t :Ä lify. BZ ALS »Sä* «*» rtrog von »toMt. Ämd. 22.30 Wtfjcn? 'rege; Ian; 8. undrdachL ’• 02313 1100 Rm. 35™ 39 ®2 scher melden. 316ID [2841a Seltersweg, DAS WOHNLICHE HEIM Himbeersträucher Rosenhochstämme Lchlingrosen VERBÜRGEN GESCHMACK PREISWURDIGKEIT 267 Iss eiter, «eiter. 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«l mirm<»niil«>—1 »»» I« I»«» ■' WH iMBMWfn—™~~~**~**^ Wirtschaft. 3ur Krediilage. Aach dem Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung ist der Rückgang der Wechselziehungen im Februar auf 4,0 Milliarden Mk. gegen 4,5 Milliarden Mk. im Januar kaum als Symptom einer allgemeinen Entspannung der Kvnjunkturlage zu betrachten. Der Wechselumlauf Ende Februar dürfte sich nur um ein Geringes unter dem Stand von Ende Januar bewegen: er ist nach vorsichtigen Schätzungen gegenwärtig etwa um 6 Prozent gröher, als Ende Oktober 1927. Auch der scharfe Rückgang der Aotenbankkredi,te bedeutet an sich zunächst noch keine Entspannung der Wirtschaftslage. Er dürfte in der Hauptsache mit einer Verminderung des Stückgeldbedarfs Zusammenhängen, hervorgerusen durch die saison- mäßige und konjunkturelle Dämpfung des Tätigkeitsgrades der Wirtschaft. In den nächsten Wochen dürfte mit einer saisonmäbigen Zunahme der Kreditnachfrage im allgemeinen und der Wechselziehungen im besonderen zu rechnen sein. Der Wechselbestand der Großbanken hat von Oktober bis Dezember sehr stark zugenommen. Der Grad der Steigerung (26,9 Prozent gegen 13,6 Prozent 1926 und 1925) deutet darauf hin, daß die Privatbanken, unterstützt durch den reichlicheren Zufluß von kurzfristigen Auslandsgeldern, die Finanzierung des Wechselkredits jetzt in großem Umfange übernommen haben. Diese Entwicklung ist um so bemerkenswerter, als bei den Großbanken von Oktober auf Dezember ein — wenn auch nur leichter — Rückgang der Kontokorrentkredite festzustellen ist. Dies stimmt mit dem typischen Bild der Hochspannung überein. Aach den vorliegenden Bankbilanzen haben die kurzfristigen Kredite wieder eine stärkere Bedeutung erlangt. Diese Bewegung ist nur zum Teil saisonmäßig zu erklären, und geht über die in den Borjahren beobachtete Steigerung wesentlich hinaus. Die Kreditsicherheit ist trotz der Ausdehnung des Kreditvolumens verhältnismäßig hoch. Die Wechselproteste sind in den letzten Monaten erheblich langsamer gestiegen, als die Wechselziehungen, und auch die Konkurse halten sich nach wie vor in mäßigen Grenzen. Die Kreditstruktur der Wirtschaft unterscheidet sich von der entsprechenden Konjunkturphase im Jahre 1925 ganz wesentlich. Die in den letzten Jahren geschaffenen großen Kapitalreserven haben es ermöglicht, daß die Wirtschaftstätigkeit gegenwärtig viel mehr langfristig finanziert wurde, als 1925. Sie haben ferner dazu beigetragen, daß die Wirtschaft unabhängiger vom Aotenbankkredit geworden ist. Die Verschiebung in der Kreditstruktur hat sich auch seit dem Eintritt der Wirtschaft in die Hochspannung fortgesetzt. Die Erhöhung der kurzfristigeren Krediterteilung hat zwar die privatwirtschaftliche Liquidität der Banken erhöht, ist aber doch — volkswirtschaftlich gesehen — als ausgesprochenes Spannungssymptom zu betrachten. Oie Reichsbahn-Gesellschaft im Februar. Der Güterverkehr hat gegen den Vormonat etwas zugenommen. Es wurden im Februar 3 584 009 Wagen (arbeitstägl. 143 360) gegen 3 540 513 im Januar (arbeitstägl. 136 174) gestellt. Die Zunahme der im Februar arbeitstäglich gestellten Wagen beträgt also etwa 5 Prz. Der Personenverkehr hielt sich im allgemeinen in den der Jahreszeit entsprechenden Grenzen. Insgesamt wurden im Februar 1249 überplanmäßige Züge gefahren (Januar 1928 1143, Februar 1927 949 Züge.) Die Betriebseinnahme im Monat Januar betrugen: aus dem Personen- und Gütergepäckverkehr 97,31, aus dem Güterverkehr 260,57, aus sonstigen Einnahmen 24,11 Mill. Mk., zusammen 381,99 Mill. Mk. Die Ausgaben beliefen sich insgesamt auf 398,82 Mill. Mk. Davon entfallen für Betrieb und Llnterhal- tung 292,08 Mill. Mk.. für Erneuerung der Reichsbahnanlagen 37,65 Mill. Mk., für den Dienst der Reparationsschuldverschreibungen 55,05 Mill. Mk., für Rückstellung für die gesetzliche Ausgleichsrücklage 7,64 Mill. Mk. und für Rückstellung für Vorzugsdividende 6,40 Mill. Mk. Die Einnahmen entwickelten sich im Januar weiterhin zufriedenstellend. Der Rückgang gegenüber Dezember 1927 entspricht der normalen Verkehrsgestaltung. Auf der Ausgabeseite entstehen vermehrte Aufwendungen infolge der Erhöhung der Gehälter und der Ruhegehälter, dazu kamen im Januar die Kosten der einmaligen Abfindung der Beamten des besetzten Gebietes aus Anlaß der Herabsetzung des Sonderzuschlages. Gegenüber dem gleichen Monat des Jahres 1927 ist auch die Höhe der Reparationszahlung planmäßig gestiegen. Zum Ausgleich für die Mehraufwendungen war es erforderlich, für das Sachprogramm starke Einschränkungen durchzuführen. Bauten und Beschaffungen muhten zum Teil völlig eingestellt. ;um Teil gestreckt werden. Der Erfolg dieser Maßnahmen tritt zunächst zahlenmäßig nicht in Erscheinung, da vielfach noch Verträge abzuwickeln sind, die nicht mehr erneuert werden. Der Personalbestand betrug 658 649 Köpfe, gegen 698 857 im Dezember 1927. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die lebhafte Aachsragc nach Spezial- werten, die in der vergangenen Woche eine allgemeine Besserung der Tenoenz herbeigeführt hatte, hat in dieser Woche stark nachgelassen. Das Geschäft schrumpfte infolgedessen stark zusammen, da die Spekulation im wesentlichen nach wie vor auf sich allein angewiesen war und die Börse wieder stark unter dem fast völligen Ordermangel litt. Dieses Versagen der zweiten Hand wirkte enttäuschend. Um so mehr fällt es ins Gewicht, daß die Tendenzbesserung im allgemeinen weitere Fortschritte machen konnte und die Börse, auch wenn verschiedene ungünstige Momente vorlagen, im Grundton freundlich und widerstandsfähig blieb. Immer mehr in den Vordergrund traten die Erwägungen über den bevorstehenden Quartalsultimo. zu dem man eine scharfe Anspannung des Geldmarites befürchtet, zumal bis dahin wieder Einzahlungen auf die neuen Reichsbahn- Vorzugsaktien geleistet werden müssen. Es befriedigte jedoch, daß die Vorbereitungen zur Lieberwindung des Llltimos frühzeitig und umfangreich getroffen wurden und am Geldmärkte eine wenn auch nur zögernd fortschreitende Erleichterung zu verzeichnen war. Reben den Besorgnissen hinsichtlich des Llltimos wirkten der bis jetzt noch ungeklärte deutsch-russische Zwischenfall und die daraus resultierende Aussetzung der deutsch-russischen Wirtschaftsverhandlungen verstimmend und Zeschästshemmend. ebenso der Abbruch der deutsch-polnischen Handelsvertrags - Verhandlungen. Daneben verwies man auch auf die Lohnstreitig* feiten bei der Reichsbahngesellschaft und den letzten Wirtschaftsbericht der Discontogesellschast. Demgegenüber war jedoch die Entwicklung des deutschen Außenhandels von sehr günstigem Einfluß: die Ziffern der Außenhandelsbilanz, die sowohl eine Steigerung der Ausfuhr, als auch einen Rückgang des Importes anzeigen, wurden von der Börse mit Befriedigung ausgenommen. Aus der Tatsache, daß die Rohstofs- einsuhr weiter stieg und somit den höchsten Stand der Nachkriegszeit erreichte, glaubt man den Schluß ziehen zu können, daß infolge dieses Rohstoffbedarfes die Konjunktur im allgemeinen noch nicht in stärkerem Maße nachgelassen hat. Optimistischer gestimmt war man ferner im Zusammenhang mit dem Wiederingangkommen der Tätigkeit der Beratungsstelle für Aus* landanleihe n. Das stärkste Interesse der Börse wurde jedoch von der großen J.*G.* Farbentransaktion beansprucht. Die Börse wurde schließlich von einem starken Drucke befreit, als mitgeteilt wurde, daß die von den 250 Millionen Teilschuldverschreibungen der 3.- G.-Farbenindustrie bis jetzt angebotenen 200 Millionen glatt untergebracht worden find. Im Gegensatz zu der allgemeinen Geschäftsstille verzeichnete der Markt der Farbenwerte große Llmsähe. Die Befürchtungen, daß ein großes Angebot in J.-G.-Farbenbezugsrechten stark auf den Markt drücken könnte, waren grundlos, denn die Aachsrage war sehr groß, zumal auch von interessierter Seite intervenierend ein- gegriffen wurde. Bei Millionenumsätzen stellte sich die erste amtliche Aotiz der Farbenbezugsrechte auf 10 Prozent, die zweite auf lOVe Prozent, und die dritte und letzte Aotiz auf 10,25 Prozent. Farbenbonds waren stark verlangt und vorübergehend bis auf 140 Prozent erhöht. Die Farbenaktie selbst lag unter Berücksichtigung des Bezugsrechtsabganges vier Prozent höyer. Im übrigen waren gegenüber den Kursen der vergangenen Woche meist weitere Besserungen von 2 bis 5 Prozent zu verzeichnen. Harpener Bergbau lagen 13 Prozent erholt. Deutsche Anleihen waren etwas gebessert, auch ausländische Renten zumeist fester, besonders Anatolier. 2m Freiverkehr waren Russen etwas gefragt. Am Devisenmarkt hielt das Devisenangebot zunächst an, die Mark lag sehr fest. Auch das Pfund zog international stärker an. Späterhin konnten sich Devisen etwas erholen. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Die weiter steigenden Auslandnotierungen und die günstig lautenden amerikanischen Berichte beeinflußten in dieser Woche den Frankfurter Produktenmarkt weiterhin günstig. Die Tendenz blieb daher weiter sehr fest, und die Händler traten vollkommen aus ihrer sonstigen Zurückhaltung heraus. Das knappe Angebot verschiedener Getreidesorten und größere Käufe des Auslandes regten ebenfalls den Markt an. Da aber der Bedarf in den meisten Fällen nicht ganz gedeckt werden konnte, trat im Verlause der Woche eine Hemmung des Geschäftes ein, und die Umsätze bewegten sich, mit Ausnahme einiger besonders bevorzugter Getreidearten, in ziemlich bescheidenem Rahmen. Verstimmend wirkte anderseits das immer noch leblose M e h l g e s ch ä f t. und es trat daraufhin im Verlaufe wieder eine größere ilnluft zutage. Weizen tarn in größeren Posten an den Markt, so daß hier eine Vernachlässigung eintrat. Rur Futterweizen wurde in größeren Posten aus dem Markte genommen. Roggen war dagegen knapp angeboten und lebhafter begehrt. Auch machte sich Interesse von feiten der Mühlen — aber nur in den dringendsten Fällen — des Auslandes und des Exportes bemerkbar. In Gerste konnte sich nur ganz geringes Geschäft entwickeln, da die spärlich an den Markt kommende Ware sofort von den Brauereien aufgekauft wurde. Auch in Hafer blieb das Geschäft sehr klein, da kaum noch Ware vorhanden ist, und dem ziemlich großen Bedarf nicht Rechnung getragen werden konnte. Das Mais geschäft gestaltete sich ziemlich lebhaft, da ebenfalls wenig Ware vorhanden war und hauptsächlich größere Posten von feite i der | Landwirtschaft für Futterzwecke aus dem Markte genommen wurden. Auch bekundete die Industrie, besonders für gute Qualitäten, größere Aachfrage. Die hohen Preise der Provinz wurden glatt bewilligt, da sich immer stärker werdende Materialknappheit bemerkbar machte. 3m Laufe der Woche erfuhr der M e h l m a r l t eine kleine Belebung, doch blieben die Umsätze begrenzt. Am Futtermittelmarkt war nur Weizenkleie, bei kleinstem Angebot lebhafter gesucht. Die Stimmung am Kartoffelmarkt war bei unveränderten Preisen etwas freundlicher. Zum Wochenschluß wurde die Tendenz ruhiger. Roggen blieb fest und war weiter begehrt. Angebote in Braugerste waren nicht mehr vorhanden, so daß älmfätze nicht getätigt werden konnten. Mais für spätere Lieferung gab im Preise etwas nach. Roggenmehl wurde im Einklang mit dem lebhafteren Geschäft in Roggen reger verlangt. Verglichen mit den Aotierungen der vergangenen Woche blieben Weizen, Gerste und Roggenkleie gut behauptet. Mais, beide Sorten, zogen je 1,25 Mark, Hafer und Roggenmehl 0,75 Mark, Roggen 1 Mark und Weizenkleie 0,15 Mark an. Die Woche schloß zu folgenden Aotierungen: Weizen 1 26,75, Roggen 27,25 bis 27,50, Sommergerste 30 bis 31,50, int. Hafer 27 bis 27,50, Mais für Futterzwecke 24,50 bis 25, Mais für andere Zwecke 25,50 bis 26, Weizenmehl 38 bis 38,50, Roggenmehl 37,50 bis 38,50, Weizenkleie 14,60 bis 14,75, Roggenkleie 15,50 bis 16, Kartoffeln, 3ndustrie, hiesiger Gegend, 3,40 bis 3,60 Mark je 50 Kilo. * Frankfurter Bank. Wie von uns angekündigt, hat der Ausfichtsrat in feiner gestrigen Sitzung beschlossen, der auf Anfang Mai ein* zuberufenden G.-V. die Verteilung einer ermäßigten Dividende von 7 (i. V. 8) Prozent auf das dieses Mal voll dividendenberechtigte Kapital von 6 Mill. Mk. vorzuschlagen. Obwohl sich die Erträgnisse an Zinsen und Provisionen erhöht haben, ist der Reingewinn auf 392 455 (415 307) Mk. zurückgegangen, was auf den Kursrückgang der mündelsicheren Papiere und übermäßige Steuerlasten zurückgeführt wird. Auch seien trotz starken Abbaues die Personalkosten, besonders in dem neu aufgenommenen Effekten- girogeschäst, sehr hoch. Darauf beruhe es, daß auch andere Girobanken ihre Dividenden ermäßigen. • Sic Preußische Landespfand* briesanstalt legt in der Zeit vom 26. März bis 14. April 3 Millionen Mark 8prozentige Goldmark-Kommunalobligationen zum Vorzugskurse von 95,5 Prozent. 3 Millionen Mark 8prozentige Goldmark-Psandbriese zum Vorzugskurse von 97,75 Prozent und 2 Millionen Mark 7prozentige Goldmark-Psandbriese zum Vorzugskurse von 92,75 Prozent zur öffentlichen Zeichnung auf. Die 8prozentigen Goldmark-Pfand* 6riefe werden an der Berliner Börse bereits mit 98,25 Prozent, die 7prozcntigen Goldmark-Pfand* briefe mit 93,5 Prozent notiert, während die Aotierung der Ko:nmunalobligationen demnächst erfolgen soll. Die Werte sind in Stücken von 100, 200, 500. 1000 und 5000 Mark erhältlich, sind mit halbjährlichen Zinsscheinen versehen und bieten, da eine Gesamtkündigung vor dem 3ahre 1933 nicht zulässig ist, eine Dauerverzinsung. Zeichnungsschluß ist am 14. April, salls nicht Lieberzeichnung den Listenschluh zu einem früheren Termin notwendig werden läßt. Man beachte die heutige Anzeige. * D i e Jlse-Bergbau- A.-G. verteilt wiederum 8 Prozent Dividende auf Stammaktien und Genußscheine. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt, 24. März. Tendenz uneinheitlich. Zum Woä)enschluß verstärkte sich die schon seit einigen Tagen herrschende Lustlosigkeit und Zurückhaltung, und die Umsatztätigkeil war auf ein Minimum beschränkt. Die Nähe des Ultimos wirkte in erster Linie hemmend auf das Geschäft, ferner verstimmte die weitere vollkommene Passivität des Publikums, so daß auch die Spekulation wenig Neigung zeigte, sich lebhafter zu betätigen. Die Grundtendenz war uneinheitlich. Die Nachfrage nach S p e z i a l w e r t e n bot dein Markte eine Stütze. Lebhafte Nachfrage machte sich vor allem nach einigen Montanwerten unter Führung von Mannesmann bemerkbar. Gelsenkirchen plus 1,5 Proz., Mannesmann plus 2 Proz., Rheinbraun plus 1 Proz. Phönix blieben gut behauptet. Nach den ersten Notierungen konnteii Gelsenkirchen und Mannesmann je 0,5 Proz. gewinnen. Etwas fester lagen auch Elektropapiere. Siemens zogen um 1,5 Proz. an. 21 m Farben- markte überwog dagegen das Angebot. I. G.-For- ben eröffneten 0,5 Proz. niedriger, gaben im Verlaufe aber schließlich 2 Proz. nach. I.-G.-Boads wurden mit 138 Proz. Geld genannt. Auf den übrigen Märkten gingen die Kursveränderungen nach beiden Seiten kaum über 1 Proz. hinaus. Danat und Commerz-Bank plus je 1 Proz. Schifffahrtsaktien knapp behauptet. Von Autowerten blieben Daimler behauptet, Kleyer neigten dagegen zur Schwäche. Von heimischen Anleihen waren Neubesitz erholt. Ausländische Renten still. Im Freioerkehr Aogen Dycker- hoff etwas an. Im Verlaufe blieb das Geschäft außerordentlich still, die Kurse bröckelten verschiedentlich leicht ab. Der Geldmarkt war mit kurzfristigen Mitteln reichlich versorgt. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 5,75 Proz. Im Devisen- verkehr stellte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4,1824, gegen London auf 20,423. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,40, Madrid 29,07, Lon* don gegen Kabel 4,8820. BerUnc Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 24. März. Auch zu Beginn der heutigen Börse ist eine einheitliche Tendenz nicht erkennbar. Es ist für die Spekulation schwer, bei dem jetzigen Stande der Kurse eine Linie zu finden. Zum Beispiel wurden vorbörslich I. - G. - F a r b e n mit 245,5 Brief und 246,25 Geld gesprochen. Die ersten Kurse zeigten bei der Mehrzahl der Papiere keine größeren Veränderungen, neigten aber eher zur Schwäche. Bei der herrschenden Geschäfts st ille mußten viele Notierungen ausgesetzt werden. Sprit- werte lagen 1 bis 2 Proz. gedrückt, Chade verloren 3 Proz. Heimische Anleihen unverändert, Ausländer geschäftslos. Bosnier leicht befestigt. Pfandbriefe noch unentwickelt. Man hatte zu Beginn der Börse auch auf die evtl. Auswirkungen der im April aufzulegenden Po st anleihe hinge- wiesen. Nach den ersten Kursen wurde die Tendenz allgemein fester und für verschiedene Werte lebhafter? Es machte einen günstigen Eindruck, daß gestern vom Haushaltsausschuß des Reichstages 175 Millionen Mark zur Förderung des Exportes genhmigt wurden. Später wurde die Haltung aber wieder schwächer, und die Kurse gingen unter Anfang zurück. Man wollte wieder Vorstöße der Baisse- partei in den Hauptwerten beobachtet haben, besonders in Siemens, Rheinstahl und Glanzstoff. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Berlin 23 März ____ (Veld Frankfurt a.M Berlin J auhfurt a.M Berlin J. au hfuri a. M Schlichs 1-Uhr- ___________ K -r» 1 K»r» Berlin Schlich- Kurs 1-Uhr. 1 Kur» Sch uh Kurs Anjang Kur Schluh- K»rs '-Uhr- Kurs Sch-Utz K-tr» Ansang Kur Sch ich fi>rs Dinier. Kur | 24. 3. Datum 23 3. 24.3. 23 3. 24. 3 Damm: 23 3. 24 3. 23. 3. 24 3 Datum: 23.3. 1 24. 3. | 23. 3. P/e Di RelchSanltihe v 1927 2)t Anl Ablös Schuld mit Auslot -Rechten Desgl. ohne AuSlcs »Rechten 87.25 52,8 14.4 14,5 87.5 52 14,6 52 14.4 LES • -7 Bergmann ......8 Elektr Lieferungen . • . 10 Licht und Kran ... 10 151 170 166 211 151.5 212,5 151 170 165.75 211.5 152 170,25 167 212.7.1 vbiUDp OüUmann Heidelberger Cement Lerneni Karlstadt . . ■•!raD§ k ftrtüao 8 8 1( 144.5 142,25 177 128 25 143 §111! ! 1 1 1 1 F/e Franks Hyp-Bt Go dvt unkündbar bis >932 Felten & Guilleaume . 6 118 — 119.5 118.25 SchMtdeiS Bayendskrr 16 — — 333 331 — - Ges r Elektr Urnern . 10 268 — 268 268.75 Cftroerfe 12 266.5 264 «>/.«>/. Rheinische Hvv -Bank Hamb Elektr Werke . . 10 — — 153 154,5 Ber Hlanzftoft • • 15 716 722 Liqu -Goidvl Rhein Elektr .... 8 — — 152,5 — Bemberg ...... 8 — 521 5 a!6 AEG atQ BotkrtegS-Ob> ligationtn. rückzahlbar 1932 V!» Schwei; BundcSb.-Anl. <•/« Orfterrtchllche Goldrie 4,20*/, Orfterr ich Eilderrtr 4'7e Oesterreich ein etil Rtr 4°/0 Ungarische Goldrie — ,86 j Zellftoti Balddof - - Zellstoss Alchafsenbiira Lbarloneudurgrr Wasser ■ essauer SaS Daimler Mo'orro . . . . Demag ..... «dlenverke Kleve». . . . 261 260 . 261 261 165 266 94,5 166 '66,25 136,25 94 122,25 167 10 7 8 0 0 0 169 88 85,75 167.5 118,75 178.25 88.75 48 86.5 — 3^9 25,13 1 1 1 1 1 1 30 65 3.9 25.2 1 1 1 1 1 L teure nS k Haltt» ... 16 Tran.radio .... 8 Labmever k ... 9 BuderuS • ■ ■ 0 Deutsche Erdöl . . • - .6 Essener S einkoble ... 8 Gelsenkirchener f• *4 9 * 267 5 268.5 i — 94,5 123 88,5 85,25 118,5 179.75 89 47 86 4°/o Ungarische Staaisr v 1910 25 — — — — — 138,75 134,75 8odw- üotirt ..... 1- — — 235 5 235,5 4>/ie/. dcSgl von 1913 — — — — 133.5 135 131.75 Nai Automobil . . . . 6 - * 90 ■ 4% Ungarische Kronenrtr — 1,65 — Harpener ... 8 168 169 168 5 168 5 Crrnftftn * Koppel . . . . 4 — — 130 129.5 4°/. Turk Zollanleihe o 1911 13,4 — 12,5 — Hoesch Eilen.........5 — z 137.13 247 115.75 137,25 Linke Hormann . . . . 0 -- — — «->/. Türk Bagdadbahn-Anl Serie 1 — 12,7 _ Ilse Bergbau.......8 KlöckN'Nverke ...... .5 115 75 Leondard Ttey . » .. 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'/, I 3 102 — 102,5 102 Kedr Roeder ...... 10 - - — Allg Deutsche Grebitanfi. 10 143 Otavi Minen 1 sh — — 13.9 43,75 Borgt k Haefrner .... 6 174 - 175 — Barm r Bankverein 10 145 251.5 Kali Aschersleben lo 167.5 - 108 — Kudd Zucker .... 0 1315 - 132,25 — Berliner HandelSgesellsch. 12 — KaliWefteregrlu 10 177 - 178 — Commerz- and ‘Lrioat-Bl ii Darm ft. u Nanonaldauk 12 174 234,5 174.75 235.25 234.25 235 Kaliwerk Salzdetfurth >2 257.5 - 256,5 — Bantnoten. 161 161,5 i, ; 161 156,6j 158.25 3 G y-arden-Nnduftrie 10 Dvnamit Nobel 0 24fi.25 246 Deutsche Bank iv LiSkonto-Geiellschast Am 10 Dresdner Bank lo Mitteldeutsche Kreditbank 9 vretaUbank « «eichSbaak >u 161. a 156,5 — — Berlm. 23 März 1 4elb | Brie' 158,5 158,5 Scheideannalt .8 191 — — Ämertkanliche Noten. . . ve-gischc 'Koten ... . 4.17 4,19 206 206 — Goldlchmidi ... • 5 105.13 — 104.5 106.5 58 08 58,32 125.5 187 125 127 RutgerSwerke . ......o Metallgeielltchnk».....10 100 99,13 172 100 ,00 Dänische »'loten ..... 111,78 20.366 112,22 | 20.446 188 172 Englische Note» ...... zsranzösische .'loten . 16,50 16,56 Holländisch: Noten (rialienische Noten..... Norwegische Noten..... 167,86 22 18 111 30 168,54 22.26 111,74 58 88 Deutsch Leftcrr , 5100 Kronen 58,64 Rumänische Noten...... 2.58 2,60 Schwedische Noten...... (11,88 112.32 Schweizer Noten....... 80.40 80.72 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 70.12 70.40 12,35 12.41 Ungarische Noten 72 75 73.05 Devrfenmartt Derlm —Frankfurt a. M. 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