Wissenschaft. lafrie in Hessen. Bereinigung für gerichü atric in fyfjen finMa i Mainz ftatt. Sitten i V MesM): „Die fc "; Di. Storch (Sief- g“; Di. v. heutig (5: ologie"; Professor Fetsch. Gestaltung der ftriminol': tigetung in Frankfurt, eigerung von Gemälden al Auktionshause Langel en u.a. folgende Ww schasts 14 000 Bart, Daun 13500, Trübner (©arten 0, Feuerbach Mms et 0 Renoir (Landschaft) 4! 3600 und Mono (2c »?** KW: KW 21.53 biz 21 x50; 2'b's 3 . . 12 big 12^63 l HünMt 4'. W .»ebündelt zE^'k?^ ’-‘5 ^^tbiclsÄat« R1srÄS Glider. 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Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Eriche»m tügttch,autzer Sonntags «nd Feiertag» Beilagen; Gletzener 5-amiIienblättei ßetmat im Bild Die Scholle monats-Bejngsprets: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trüge» lohn, auch bei Richter» scheinen etnzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanl chlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnache richten. Anzeiger Gletzen. VoVschecksonlo: Kranfturt am Blain 11688. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re- klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 °/„ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Gange- für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumscheiu; für den Anzeigenteil Kurl Hillmann, sämtlich in Gießen. 5 Die Länderkonferenz berät die Verfaffungsreform. Bayern wünscht keine theoretischen Erörterungen, sondern fordert Beseitigung der praktischen Schwierigkeiten im Verhältnis der Länder zum Reich. Oer falsche Weg. Der Vorschlag deS Preußischen Referenten Brecht. Wenn der Derfassungsausschnh der LLnber- kvnferenz jetzt seine Arbeiten auf nimmt, bann wirb er mit Stößen von Papier einfach zu- gedeckt. 3n welchem Sinne diese Beratungen vor sich gehen sollen, davon hatte man schon einen Vorgeschmack bekommen, als seinerzeit die Ra- men der Referenten bekanntgegeben wurden. Der bayrische Ministerpräsident Held, der sächsische Minislerialdire.tor Poetzsch-Heffter und der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht teilen sich in die Referate. Das; Dr. Held auch an dieser Stelle seinen extrem-föderalistischen Standpunkt zur Geltung bringen wird, darüber herrscht schon längst kein Zweifel mehr, unb kürzlich hat noch bie bayerische Staatszeitung sich erneut zu diesem Programm bekannt. Von dieser Seite her ist also für eine gesunde und vorwärtsschreitende Reichs resorm nichts zu erwarten, es sei denn, daß man in den jüngsten Aeuherungen des Führers der Reichstagsfraltion der Bayerischen Volkspartei, Prälaten Dr. Leicht, die ersten Anzeichen für eine Stimmungswandlung zu sehen geneigt wäre. Die Denkschrift, die der sächsische Ministerialdirektor Poetzsch-Heffter dem Reichsreformausschuß vorlegt, bewegt sich eingestandenermaßen in den Dahnen, dre durch die gründliche unb erfolgreiche Vorarbeit des Bundes zur Erneuerung des Reiches vorgezeichnet worden sind. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß schon die Gesichtspunkte dieser beiden Referenten nicht miteinander zu vereinen sind. Damit das Bild der Verwirrung vollständig werde, hat nunmehr auch Dr. Brecht seine Auslassungen der Oeffentlichkeit mitgeteilt, und zwar erkennt man, soweit sich aus diesem etwas krausen Vorschlag überhaupt Klarheit gewinnen läßt, daß hier von Preu irischer Seite her noch eine dritte Auffassung begründet werden soll. Lim es gleich vorweg zu sagen: dieser Brechtsche Plan ist der unmöglichste von allen. Er sieht zwar eine Auflösung der preußischen Exekutivgewalt und eine Lieber tragung ihrer Ausgaben auf das Reich vor, will aber trotzdem einen preußischen L a n dt a g bestehen lassen, er will weiterhin, wenigstens vorläufig, an die gegenwärtigen Landesgrenzen nicht rühren lassen, so daß also in das neue Reich möglicherweise auch die ganz kleinen Länder mit ausgenommen würden. Begründet wird diese sonderbare Konstruktion damit, daß nicht sämtliche preußischen Provinzen ihr eigenes Gesehgebungs- recht erhalten und damit der Zersplitterung Vorschub leisten sollten. Aber jeder Mensch, der an eine vernünftige Reichsreform denkt, ist demgegenüber davon überzeugt, daß die Landtage der preußischen Provinzen reine Selbstverwaltungsorgane ohne Gesetzgcbungs- recht sein müssen. Ein besonders bedenklicher Vorschlag Brechts besteht darin, daß er gewissen großen Städten das Recht der Reichsunmittelbarkeit gewähren will. Selbst wenn man einmal von den verfassungsrechtlichen LInmöglichkeiten dieses Vorschlages absieht, ist er schon aus dem Grunde abzulehnen, weil durch diese den Tendenzen des Deutschen Städtetages entsprechenden Absichten der Gegensatz von Stadt und Land in einer geradezu unerträglichen Weise verschärft werden müßte. Es mag einer späteren eingehenden Betrachtung Vorbehalten bleiben, welche Reibungen sich aus dem Rebeneinanderbestehen zwischen dem Reichstag und dem neuen preußischen Zentral- Landrag ergeben müßten. 2n den Vorschlägen des Bundes zur Erneuerung des Reiches ist dieser Punkt bekanntlich umgangen worden, so bafj eine besondere Vertretung des gesamten Reichslandes nur bei ganz bestimmten Angelegenheiten in die Erscheinung tritt. Gänzlich unklar bleibt in den Brechtschen Vorschlägen, ob Prerchen künftig im Reichs ra t, wie es die ^rtherschen Pläne wollen, mit dem vollen Gewrcht der chm zustehenden Stimmen vertreten sein soll oder ob es weiter auf ein Drittel der Gesamtzahl der Reichsratssiimmen beschränkt sein soll. Interessant ist aber, daß Brecht der Reichsregierung insofern einen geradezu entscheidenden Einfluß auf den Reichsrat einräumen will, als ein Drittel der preußischen Reichsratstimmen durch die R er chs regieru n g instruiert werden. Die Vorschläge des Bundes zur Erneuerung des Reiches werden von Brecht nicht etwa aus sachlichen Gründen abgelehnt, sondern nur, weil er glaubt, daß sich ihrer Durchführung zu große Schwierigkciten entgegenstellen toürben. Auf der anderen Seite hat soeben noch wieder der unitarisch gesinnte Reichsjustizminister Koch- Weser auf der Parteitagung dec Demokraten eine neue Lanze für den Einheitsstaat gebrochen und behauptet, die Vorschläge des Grneuerungs- bundes gingen nicht weit genug. Schon aus dieser Gegnerschaft von beiden Seiten her mag I ersehen werden, daß der frühere Reichskanzler Dr. Luther mit seinem Reform Programm das I sachlich Rotwendige mit dem praktisch Erreichbaren verbindet. Die Vorschläge des preußischen Ministerialdirektors Brecht aber werden deshalb niemals durch^eführt werden, weil sie aus der Zaghaftigkeit geboren sind und wahrscheinlich nur den Anschein einer Bereitwilligkeit zur Reichsreform erwecken sollen, wo in Wirklichkeit nicht der ernsthafte Wille dazu vorhanden ist. Vach den bekannten Ankündigungen des Reichsinnenmini'ters S e v e r i n g darf man erwarten, daß sich dieses „federführende Ressort" nicht die Initiative aus der Hand nehmen lassen wird. Wir sind auf die Vorschläge des Reichsinnenministers Severing äußerst gespannt und hoffen, daß sie nicht wieder nur die Diagonale in diesem Parallelogramm sogenannter Kräfte barstellen. DerersteTagberLä'ndettmferenz 26 Denkschriften stehen zur Diskussion. Berlin, 21.Off. (VDZ.) An den Beratungen des Reformausschusses der Länderkonferenz, die heute vormittag in der Reichskanzlei unter Vorsitz des Reichskanzlers begonnen haben, nahmen außer den 18 Ausschußmitgliedern, von denen neun durch das Reich delegiert und neun von den Ländern nominiert waren, noch zahlreiche verfassungssachverständige aus der Wissenschaft und der höheren Beamtenschaft teil. Referenten für das Thema waren der bayerische Ministerpräsident Dr. Held, der sächsische Ministerialdirektor Dr. Poehsch und der preußische Ministerialdirektor Brecht. Die Referate der Sachverständigen beschränkten sich im wesentlichen auf eine Wiedergabe und Erläuterung der hauptgcsichtspnnkte der bereits veröffentlichten Denkschriften ihrer ».ander. Rur Ministerpräsident Held knüpfte daran auch bereits eine kritische Stellungnahme zu den gesamten aufgeworfenen Problemen, so daß dadurch, wie Reichskanzler Müller feststellte, die allgemeine Aussprache bereits eröffnet wurde. 3m übrigen legte Ministerpräsident Held Wert darauf, daß im Ausschuß vor allem die Gravamina behandelt werden, d. h. die Schwierigkeiten, die sich im praktischen Verfassungsleben gezeigt haben, und weniger die theoretischen Probleme des allgemeinen Staatsrechts. Außer den drei Berichterstattern haben sich noch der hessische Staatspräsident Adelung, der sächsische Ministerpräsident h e l d t und Oberbürgermeister Petersen (Hamburg) an der Generalaussprache beteiligt. 3m weiteren Verlauf der Tagung ergriffen das Wort der Reichskanzler Müller, der Reichsjustizminister Dr. Koch- Weser, Ministerialdirektor Brecht (Preußen), Geh. 3ustizrat Prof. Dr. T r i e p e l, Staatspräsident Dr. Remmele (Vaden), Staatspräsident Dr. Bolz (Württemberg), der bayerische Ministerpräsident Dr. Held, Ministerpräsident Delft (Anhalt). * Das Ergebnis des ersten Tages ber Länberkonserenz wirb von beteiligter Seite dahin gekennzeichnet, baß die bisherigen Beratungen einen allgemeinen Gedankenaustausch gebracht haben, bei dery die Stellungnahme der einzelnen Länder zu bem Problem der Reform herausbestellt wurde. Die Generalaussprache, die bererts heute vormittag mit den Ausführungen des bayerischen Ministerprä identen Dr. Held eingeleitet wurde, umfaßte naturgemäß namentlich die praktischen Schwierigkeiten in dem Verhältnis der Länder zum Reich. Der bayerische Ministerpräsident hatte als Standpunkt Bayerns besonders unterstrichen, daß die Llrsachen dieser Schwier!gkciien nicht im bundesstaatlichen Sy st em, sondern darin lägen, daß dieses System nicht genügend beachtet werde, äleber dieses Problem hinaus umfaßte die Aussprache aber auch alle Fragen der Verwaltungs- und Ver- sassungsreform. Dabei wurde auch verschiedentlich auf die bekannte Tenlschri't des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Luther zurückgegriffen. Ein Antrag des preußischen Ministerialdirektors Dr. Brecht ersucht den Ausschuß um die weitere Verfolgung der in feiner Denkschrift enthaltenen Vorschläge. Lieber diesen Antrag ist heute rwch nicht abgestimmt worden. Es ist anzunehmen, daß die Stellungnahme der Konferenz zu ihm morgen erfolgen wird. Von den Mitgliedern des Länderausschusses, die der Reichsregierung angehören, hat heute nur Reichsjustizminister Dr. Koch in kurzen Ausführungen Stellung genommen. 3m übrigen hat die Reichsregierung am heutigen ersten Tage der Beratungen zunächst einmal die Länder ausführlich zu Wort kommen lassen, damit sie Gelegenheit hatten, ihre Ansichten gegenseitig zu Flüren. Aus Kreisen der Ländervertretung wird aber versichert, baß gerade die heutigen Beratungen gezeigt haben, wie sehr sich das ganze Problem der Verwaltungs- unb Verfassungsreform noch im ötabium ber Vorbereitung befin- bet. Linker biesen Llrnstänben wirb heute abenb I bamit gerechnet, baß mehrere Ausschüsse eingesetzt werben, die burch eine Entschließung I der Gesamtkonferenz ben Auftrag bekommen, sich zunächst einmal in bie einzelnen Probleme zu vertiefen. Man bcnft z. D. an einen Ausschuß, ber bas Verhältnis Preußens zumReich behanbelt, an je einen weiteren für bie Enklaven, bie Verwaltungsreform unb bas Verhältnis der auherpreuhi- schen Länber zum Reich. Ein Teil ber Konferenzmitglieber hofft heute abenb, baß bie Beratungen doch bereits morgen zu Enbe geführt werben. Lim bies zu ermöglichen, soll morgen unter Llrnstänben ohne Mittagspause weiter verhandelt werben. Hessens Stellung zur Reichsreform Ein Referat des Staatspräsidenten Adelung vor der Länderkonferenz. Darm ft abt, 22. Oft Amtlich wird uns mitgeteilt: Dem Ausschuß ber Länderkonferenz für Derfassungs- und Verwaltungsreform liegt ein umfangrerches Referat des hessischen Staatspräsidenten Adelung vor, bas in seinen Schlußbetrachtungen folgende Gedankengänge enthält: Das Referat geht von derErkennt- nis aus, daß eine radikale Lösung im Sinne der Herbeiführung des Einheitsstaats noch ni chtmöglich sei. Auch ber Dr. Luthersche Lösungsvorschlag sei im gesamtdeutschen Interesse abzu lehnen. Ein solcher Lösungsversuch würde 7 Millionen Deutsche, die bisher ihre Angelegenheiten selbst verwalteten, in einen unbestritten zentral! st isch regierten Staat (Reich-Preußen) einbeziehen, wodurch nicht einem dezentralisiert regierten, sondern zentral!sti- s chen Gesamtdeutschland der Weg geebnet würde. Ein zentralistisch regiertes Reich werde aber von keiner Seite erstrebt. Das vergrößerte Preußen würde übrigens den noch verbleibenden Ländern mit Eigenstaatlichkeit (Süddeutschland und Sachsen) noch -unvermittelter als bisher gegenüberstehen, so daß der Schritt, der als Etappe auf dem Weg zu einheitlicherer Gestaltung Deutschlands gedacht fei, die gegen* sählicheWirkung auslösen müßte. Man dürfe sich aber den Dingen gegenüber auch nicht negativ einstellen. Möglich seien schon jetzt oder doch in absehbarer Zeit Schritte, die geeignet feien, ohne grundstürzende Aendewrngen der Reichsverfassung einem einheitlicheren und zweckmäßiger gegliederten Deutschland näherzukommen: 1. 3 n territorialer Beziehung sei außer der Beseitigung von Enklaven und Verbesserung der Grenzführung zwischen den einzelnen Ländern vor allem die Frage zu prüfen, ob und in welchem Falle in Vorbereitung einer günstigeren Reugliederung Deutschlands den Landern, die nach Größe, Lage und gesamtdeutscher Bedeutung geeignet und dazu bestimmt erscheinen, auch in einem neugegliederten Deutschland Länder zu fein, durch Austausch oder sonstige Vereinbarungen mit benachbarten Gebieten nicht schon jetzt die Möglichkeit einer zweckmäßigeren Gestaltung gegeben werden könnte. Es erscheine notwendig, die selbständige Regierung und Verwaltungsorganisation derartiger Länder zu erhalten. 2. 3n dem staatsrechtlichen Verhältnis zwischen Reich und Ländern müsse Nargestellt werden, welcher Machtbefugnisse das Reich zur Wahrnehmung der Reichsinteressen nach außen und innen bedürfe. Line klarere Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern fei notwendig, um Kompetenzverschiebungen zu vermeiden, die zur Stärkung der Reichsgewalt nicht erforderlich seien und einer als notwendig erkannten Dezentralisation zuwiderlaufen. Anderseits müsse es Sache der Länder fein, der notwendigen Erweiterung der Machtbefugnisse de» Reiches ihre Zustimmung nicht zu versagen. 3m Zusammenhang hiermit könne im Fluge der Entwicklung auch schon daran gegangen werden, auf hierzu geeigneten Gebieten im Wege des Auftrags alle oder einzelne Länder für die Erledigung von Reichsangelegenheiten heranzuzlehen, am der erstrebten Dezentralisation nach Möglichkeit vorzuarbeiten. 3. 3n den einzelnen Ländern könne auf bem Wege der Verwaltungsreform vielen Beschwerden abgeholfen werden. Zu begrüßen wäre insbesondere die Angleichung des Aufbaues der Behörden und der Selbstverwal- tungskörper. Das Referat macht so ben Versuch, der deutschen innerstaatlichen Entwicklung einen Wcg zu zeigen, der, wie man glaubt, den gegebenen Verhältnissen Rechnung trage, der auch von der Mehrzahl des deutschen Volkes mitgegangen werden könnte, unb an dessen Ende ein einheitlicheres unb zweckmäßiger gegliedertes Deutschland stände. Englands Weißbuch zum Zloüenkompromiß Oie Einigung mit Frankreich über die ausgebildeten Heeresreserven. Lebhafte Beunruhigung in Berlin. Lonbon, 22. Okt. (WB.) Das heute vom Foreign Office ausgegebene Weißbuch über b i e englisch--franz ö fi schcnVereinbarun- gen in ber Fl o4t enfrage beginnt mit einem Bericht über bie ilntcrrcbung zwischen Drianb unb Chamberlain vom 9. März 1928 in Genf, bei ber auf Anregung von Lord Cushenbun bie Möglichkeit eines Kompromisses zum ersten Male besprochen wurde. Chamberlain stellte zunächst mit Bedauern fest, daß bie französische und die englische Auffassung in ben bei ben entscheiden den militärischen unb Marinefragen diametral entgegengesetzt seien. Aus Grund alter Tradition fei man in England des Glaubens, daß die Freiwilligenheere nur defensiven Cha- rakter hätten, während man in den auf der allgemeinen Dienstpflicht beruhenden Heeren eine Verkörperung des Prinzips des Offensivkrieges erblicke. 3n Frankreich sei allerdings, wie ihm bekannt sei, die Auffassung gerade umgekehrt. Die öffentliche Meinung Englands begreife, daß Zugeständnisse beider Parteien rwtwendig seien. Die öffentliche Meinung Englands werde deshalb, wenn Chamberlain sich auf ein französis ches Zugeständnis hinsichtlich der Flottenfrage berufen könne, wahrscheinlich damit einverstanden sein, daß Chamberlain Frankreich gegenüber in der Heeresf rage in einem Punkte nachgegeben habe. England könne aber feinen Standpunkt in der Frage der ausgebildeten Heeresreserven nur dann aufgeben, wenn die englische Regierung dieses Zugeständnis durch einen Hinweis auf ein ähnliches französisches Zugeständnis hinsichtlich bet Flottenfrage rechtfertigen könnte. Driand ersuchte, ihm die Vorschläge der englischen Adrniralttät schriftlich | zu übergeben, um sie den französischen Marme- 1 beworben vorzulegen. Weiter veröffentlicht bas Weißbuch die bereits burch Pertinar in ihren Einzelheiten bekannten Roten. Es solgt u. a. ein Zirkular des Foreign Office vom 30. Juli an die Botschafter in Washington, Tokio und Rom mit der Weisung, bie dortigen Regierungen von bem Inhalt des erreichten Kompromisses in Kenntnis zu setzen und um ihre Ansicht zu bitten. lieber den in Berlin entstandenen Eindruck berichtete ein Telegramm des britischen Botschafters in Berlin, Sir horace Rumbold, vom 4. August an Chamberlain: »Die deutsche Regierung scheint durch die Rach- rirht von dem französiich-britischen Macinekom- prorniß etwas beunruhigt zu sein und befürchtet, es könnte irgendein Zugeständnis der britischen Regierung bezüglich der Frage ber Einschränkung der Canbrüftungen einschließen. Diese Auffassung ist durch die letzten Artikel in ber französischen Presse, bie bem Kompromiß weitgehenbe Wichtigkeit zuschreiben, etwas bestärkt worden. Ich beabsichtige binnen kurzem, den Staatssekretär zu sehen, und nehme an, baß, wenn er auf die Frage zu sprechen kommt, ich auf Ihre neuliche Llnterhauserllärung Hinweisen unb bar legen barf, daß in bem Kompromiß nichts enthalten ist, was mit ben Locarno-Verträgen unvereinbar ist." Dieses Telegramm würbe ber Washingtoner Botschaft zur Information weitergegeben, ebenso bie Instruktion Chamberalins an ben Berliner Botschafter vom 5. August, worin er bie erbetene Ermächtigung erteilt unb fortfährt: „Der Wortlaut bes Kompromisses selbst bezieht sich ausschließlich auf bie Einschränkung «Ö5t- -?ytr ■Se/dlsf. Maparani 2LL ^•'XXTh 23 •Aoerdeei Parts .cruni. 2.57 5 O ' (Tx AUflenf. Deutschlands Ziel in den Reparationsverhandlungen. Unbedingter Schutz der deutschen Währung. Berlin, 23. Oft (TU.) In einem Artikel über die neue Phase der Reparationspolitik weist die „DAZ." darauf hin, daß für die kommende Tagung der Sachverständigenkommission die Formulierung des Ausmaßes von besonderer Bedeu- tung sei. Es sei nicht möglich, einem Sachverstän- digen-Gremium einfach den Auftrag zu geben, die Endsumme zu fixieren mit der Deutschland für Reparationen belastet (eki solle. Es müsse geklärt werden, ob die Kommission von weltwirtschaftlichen Erwägungen, von der L e i st u n g s - söhigkeit Deutschlands oder von im Versailler Vertrag proklamierten Grundsätzen ausgehen wolle. Versäume Deutschland eine solche Klärung, dann bestehe die ernste Gefahr, daß die Sachverständigenkommission eine möglichst lange Dauer der Zahlungspflicht Deutschlands festsetzt, um zu einem I e tz t w e r t der Reparationsendsumme zu kommen, die den Wünschen Frankreichs einigermaßen entspreche. Je länger die Zahlungsjahre bemessen würden, um so mehr nähere man sich den Forderungen Poincares, die ja weniger auf die Leistungsfähigkeit Deutschlands, als auf das Prinzip abgestellt seien, daß Frankreich Deckung für d i e Kriegsschäden und für gewisse Budgetlasten haben muß. So könnte bann äußerlich dem Standpunkt der Leistungsfähigkeit Genüge getan, in Wirklichkeit aber Poincares Standpunkt akzeptiert werden. Man habe den Eindruck, daß die Gefahren des beschrittenen Weges nicht überall richtig erkannt würden. In der „Deutschen Tageszeitung" wird darauf hingewiesen, daß in Deutschland keinerlei Anlaß bestehe, die These Poincares, daß Frankreich die Wiedererstattung seiner amerikanischen Schulden und Wiederaufbaukosten erhalten müife, zur Diskussion zu stellen. Sie finde nicht einmal im Versailler Vertrag, der von den Kriegsschulden der Alliierten kein Sterbenswort enthalte, eine rechtliche oder materielle Begründung. Ebensowenig können wir uns auf Verhandlungen über die Aufhebung des Transferschutzes einlassen. Wenn etwa auch der Reparationsagent selbst ernstlich an eine Aushandelung der Transferklausel gegen eine bescheidene Herabsetzung unserer jetzt untragbaren Jahresleistungen denken sollte, so müßten wir demgegenüber den Schutz unserer Währung unbedingt in den Vordergrund stellen. Amerika und die Schuldensrage. Die Unterbringung der deutschen EisenbahnbondS. Veuhork, 22. Oft. (Täl.) Wie aus Washington berichtet wird, verlautet in amtlichen Kreisen, daß die amerikanische Regierung voraussichtlich nichts gegen die Teilnahme amerikanischer Finanzkreise an den Reparatrvnsbcsprechungen einzuwenden habe. Die amerikanische Regierung habe feine Befugnisse, gegen den Ausschuß zu protestieren, der unter Umständen über Reparationen und Kriegsschulden im Zusammenhang beraten werde. Europa habe jedoch zunächst zwei Dvraussehungen zu erfüllen. Einmal die Reuregelung der Reparation und ein andermal die Ratifizierung des ameeifanisch- französischen Schuldenabkommens. Erst dann könne darüber beraten werden, ob die auf 62 Jahre vorgesehene Zeit für die Kriegsschulden abgekürzt werden könne. Auch die Unterbringung eines Teiles deutscher Eisender Seerüstungen. Aber es besteht ein Einverständnis mit der französischen Regierung, das erreicht wurde, bevor der Wortlaut des Kompromisses tatsächlich gezeichnet war. Das Einverständnis besagt: »Wenn die französische Regierung sich mit der britischen Regierung über die Frage der Seeeinschränkungen einigen rönne, dann würde die britische Regierung bereit sein, ihre Opposition gegen die Ansichten der französischen und der meisten anderen Regierungen in der Frage der ausgebildeten Reserven, die die Stockung der Verhandlungen der vorbereitenden Kommission im Wärz 1927 verursacht hatte, aufzugeben. Irgendwelche weitere Verpflichtung ist von feiner der beiden Regierungen eingegangen worden." — Am 10. August sandte Lord Cushendun an die Washingtoner Botschaft ein langes Telegramm mit der Weisung, es dem Staatssekretär Kellogg sobald wie möglich vorzulegen. Es beginnt mit der Bemerkung, in Washington scheine bezüglich der genauen Reichweite und des Zieles der englisch-französischen Marinevorschläge eine gewisse irrtümliche Auffassung zu bestehen. Es wird betont, daß die Vereinbarung durchaus kein Vertrag fei und auch keinen bindenden Charakter habe, wenn sie nicht zur Unterzeichnung einer Konvention in Genf führe. Eine vorzeitige Veröffentlichung der Einzelheiten der Vorschläge könnte nur schädlich fein. Die Auffassung, daß ein Tauschhandel vorliege, beruhe auch auf einem Mißverständnis. lieber die Frage der ausgebildeten Reserven wird in einem späteren Memorandum noch gesagt, die britische Regierung habe beständig eine Oluffafiung vertreten, die der Auffassung der französischen und der meisten anderen in der vorbereitenden Kommission vertretenen Regierungen en tgegengesetzt war. »Seit einiger Zeit aber ist sie sich klar darüber geworden, daß weiterer Widerstand ihrerseits gegen die Ausschließung dieser ausgebildeten Reserven angesichts der von der Mehrheit der vorbereitenden Kommis ton eingenommenen Haltung nur die Wirkung haben könnte, einen Fortschritt auf unbegrenzte Zeit zu verhindern. Schon im April 1927 hat der britische Vertreter in der Kommission, Discount Cecil, deutlich ein Aufgeben des britischen Widerstandes gegen die Majoritätsansicht im Interesse der Einigung in Aussicht gestellt. Infolgedessen war man, als beide Regierungen sich in der Frage der Seeeinschränkung einem Kompromiß näherten, der Ansicht, daß der Prozeß der Einigung sehr erleichtert werden könne, wenn die französische Regierung formell verständigt würde, daß ein von der französischen Regierung in der Frage der Marineklassifizierung gemachtes Zugeständnis der britischen Regierung d i e Aufgabe ihrer Opposition in der Frage der ausgebildeten Reserven ermöglichen würde." Eme aufregende Verbrecherjagd in den Straßen von Köln. Oie Gladbecker Raubmörder Heidger umstellt. — Ein Verbrecher von polizei- beamien im Kampf erschossen. — Auch ein Polizist seinen Verletzungen erlegen. bahnbonds hänge von der Erfüllung der beiden ersten Voraussetzungen ab. Außerdem sei die Frage, ob Deutschland finanziell stark genug sei und ob Amerika überhaupt in der Lage sei, einen größeren Teil dieser Bonds aufzunehmen. Das Staatsdepartement müsse sich auf alle Fälle die üeberwachung des Verkaufs derartiger Riesenbeträge in Amerika Vorbehalten. Jeder derartige Plan müsse daher scheitern, wenn die amerikanische Regierung ihm nicht zustimmt. Italien nimmt an den Äeparationsverhandlungen teil. Auch Nom verlangt Bezahlung seiner eigenen Kriegsschulden. Rom, 23. Oft. (Sil.) Während der Verhandlungen Parker Gilberts in Paris und London kündigten die italienischen Blätter an, daß der Repar ationsagent nach Rom kommen werde, um die italienische Regierung über den Stand der Reparationsfrage zu unterrichten. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß Parker Gilbert nicht nach Rom kommt. Er hat vielmehr Mussolini brieflich über das Ergebnis seiner bisherigen Besprechungen unterrichtet und Italien ersucht, an neuen Verhandlungen teilzunehmen. Einen Brief ähnlichen Inhalts von Schatzkanzler Churchill hat der englische Botschafter in Rom Mussolini überreicht. »Giornale d'Italia" ersäh.t dazu, daß zum Vertreter Italiens in der nach der Genfer Vereinbarung vorgesehmen technischen Kommission der Minister Dr. Pirelli ernannt sei. Die italienische Presse betont weiterhin, .Italien müsse darauf bedacht fein, daß die von Deutschland zu zahlende Endsumme mindestens so hoch bemessen werden müsse, daß der Anteil Italiens ausretche, um die eigenen Kriegsschulden z u bezahlen. Man wolle nicht Opfer bringen, die etwa wieder Frankreich zugute kämen. Die „Sribuna“ äußert die Ansicht, daß eine Revision des Dawesplanes unmöglich sei, wenn Amerika nicht in eine Revision der Kriegsschulden einwillige. Das Blatt beklagt es, daß Amerika eine Verkoppelung der Kriegsschulden mit der Re- parationssrage ablehne. Das kommunistische Volksbegehren in Hessen. Ein klägliches Ergebnis. Darmstadt, 22. Oft. (Landespressedienst.) In die Listen des Panzerkreuzer-Begehrens haben sich, wie amtlich mitgeteilt wird, im (Stimm* kreis 33 (Volks st aat Hessen) insgesamt 12 8 9 9 Personen unterschriftlich eingetragen. Die kommunistische Wählerzahl bei der Reichstagswahl im Frühjahr 1928 betrug 52 007, so daß also nur e i n Viertel der damaligen Stimmen erreicht wurde. In den einzelnen hessischen Kreisen wurden an Unterschriften für das kommunistische Volksbegehren gegeben (die kommunistischen Reichstagswahlstimmen in Klammern): Darmstadt 1127 (1928: 4599), Bensheim 650 (2414), Dieburg 878 (2399), Erbach 286 (1264), Groß-Gerau 1240 (3952), Heppenheim 464 (1771), Offenbach 5248 (20 256), Alsfeld 59 (667), Büdingen 151 (1017), Friedberg 977 (3048), Gießen 195 (1429), Lauterbach 39 (267), Schotten 17 (313), Alzey 69 (387), Bingen 97 (600), Mainz 927 (5659), Oppenheim 10 (225) und Worms 465 (1740). Insgesamt liegen von dem Volksbegehren Resultate bis jetzt aus 20 Wahlkreisen vor. In diesen 20 Wahlkreisen sind 924 181 Stimmen abgegeben worden. Die Gesamtzahl der Stimmberechtigten in diesen Kreisen beträgt 25 244 856. Am Samstagvormittag wurde bekannt, daß sich die wegen mehrfachen Raubens und Erschießung eines Polizeibeamten in Gladbeck und Essen gesuchten Gebrüder Johann und Heinrich Heidger, sowie Karl Lindemann in einem Hause der Riehler Straße in Köln aufhalten sollten. Kriminalbeamten gelang es, die Verbrecher in dem bezeichneten Hause zu steilem Wäh.end Lindemann fest genommen werden konnte, ist es den Brüdern Heidger gelungen, zu entkommen. Bei der versuchten Festnahme der Brüder Heidger sind beiderseits Schüsse gewechselt worden, wobei ein Kriminalbeamter und ein Landjägerbeamter schwer verletzt wurden. Die beiden Schwerverletzten sind in das Vincent-Haus eingeliefert worden, wo der Kriminalbeamte bereits seinen Verletzungen erlegen ist. Die Brüder Heidger haben auf der Straße eine kleine Opellimousine angehalten, die Insassen durch Vorhalten einer Pistole zum Aussteigen gezwungen und sind dann mit diesem Auto geflüchtet. Am Montag um 10 Uhr abends versuchten in der Riehlerstraße zwei jüngere Leute ein Motorrad zu stehlen. Ein Zollbeamter glaubte in ihnen die beiden Heidger zu erkennen und nahm ihre Verfolgung auf. Die Verbrecher begannen sofort zu schießen, konnten aber das Motorrad zur Flucht nicht benutzen, da dieses angeschlossen war. Der Beamte feuerte gleichfalls und lief den Fliehenden nach. Es kam zu einer erneuten Schießerei, an der sich auch ein Mann beteiligte, der auf seinem Fahrrade die Verfolgung mit aufgenommen hatte. Der junge Radfahrer wurde durch zwei Schüsse in den Unterleib und Oberschenkel erheblich verletzt. Flucht und Verfolgung trugen sich darauf durch die Riehlerstrahe hin. Hier stießen die Verbrecher auf einen dort haltenden Wagen der Straßenbahnlinie 12, schwangen sich hinauf und zwangen mit vocgeh lltenern Revolver Fahrer, Schaffner und Fah.gäste, den Wagen zu verlassen. Sie machten sämtliche Lichter in dem Wagen aus und rasten dem Zoologischen Garten zu. Fast alles hatte sich in wenigen Minuten abgespielt. Vier Minuten nachdem es benachrichtigt worden war, war das Ueberfall- kommando zur Stelle, das den Wagen anhielt, aber die Banditen ergaben sich noch nicht. Sie verließen in schnellem Lauf den Wagen und eilten feuernd den Anlagen zwischen dem ehemaligen Vergnügungspark und dem Rheinufer zu. Inzwischen hatte sich eine große Menge Reugieriger angefammelt, welche die schwierige Aufgabe der Beamten in unnützer Weise erschwerten und sich auch unnütz in Gefahr begaben. Die ganze Anlage wurde jetzt umzingelt und von anderen Beamten wurden die Straßen von den Str aßen gängern geräumt Das Feuergefecht nahm an Heftigkeit zu. Bei dem weiteren Kugelwechsel wurde auch noch ein Polizeibeamter verletzt Der ältere Verbrecher flüchtete in einen Garten, der von einer hohen 23ad ft einmauer umgeben ist und verbarrikadierte sich dort. Die Belagerung hat um 11.30 Uhr begonnen. Das Kampffeld bietet den Anblick eines Schlachtfeldes. Hinter deil Bäumen haben sich die Beamten mit Pistolen in der Hand postiert. Sogar in den Bäumen fitzen Kriminalbeamte und halten Ausschau. Um Mitternacht wurde das Gelände von 5 Polizeihunden durchsucht Ein Automobil hat seine Scheinwerfer auf das in dem Garten stehende Gebäude gerietet Die Kriminalbeamten glaubten, im Lichte der Scheinwerfer in einer Fensternische die Gestalt des Räubers zu erkennen und gaben im ganzen etwa 20 Schüsse ab. Die Bevölkerung des ganzen Viertels ist in heller Aufregung. Gegen 23 Uhr kam es erneut zu einer wilden Schießerei, in deren Verlauf der 22 Jahre alte Heidger erschossen und mehrere Passanten verletzt wurden. Bisher ist es jedoch der Polizei noch nicht gelungen, des älteren Raubmörders Johann Heidger habhaft zu werden. Es ist anzunehmen, daß der Flüchtige verletzt worden ist. Ein gewalliges Aufgebot von Kriminal- und Polizeibeamten ist fieberhaft auf der Suche. Der Häuserblock, wo der Flüchtige zuletzt gesehen wurde, ist d i ch t u m st e l l t. Ob Heidger überhaupt noch in diesem Häuserblock oder in der Nähe sich befindet, ist g a n z u n g e w i ß. Die Front gegen Rußland. DieAuswirkungen des polnisch-rumänischen Militärbündnisses. B u k o r e st, 23. Oktober. (TU.) Für Mitte nächster Woche wird hier der französische General Le R o nd, aus Belgrad kommend, erwartet. Le Rand wird sich von Bukarest nach Warschau begeben. Bekanntlich war General Le Rond schon vor einigen Monaten in Bukarest, wo er zusammen mit mehreren polnischen Offizieren unter Führung von rumänischen Generalstäblern eine Besichtigungsreise durch Rumänien an die polnische, ungarische und tschechische Grenze machte. Dieser Besuch des französischen Generals ist von besonderer Wichtigkeit, wenn man bedenkt, daß Bestrebungen vorhanden sind, die Bewaffnung der polnischen und rumänischen Armeen zu vereinheitlichen und in Siebenbürgen mit Hilfe von Skoda und Creusot eine Waffen- und M unitionsf abrik zu gründen, die die polnische und rumänische Armee versorgen soll. Auch aus Warschau wird ein Generalstäbler in Bukarest erwartet, der zusammen mit Le Rand die Ausarbeitung der Einzelheiten des kürzlich abgeschlossenen polnisch-rumänischen Vertrages durchführen soll. Oie westfälischen Textilarbeiter beantragen Verbindlichkeitserklärung. Düsseldorf, 22.Okt. (WB.) In der heute ab« gehaltenen Sitzung der Spitzenorganisationen der Textilarbeiter wurde beschlossen, den Schiedsspruch anzunehmen und die Verbindlichkeitserklärung zu beantragen. Die Gewerkschaften haben gleichzeitig einen Aufruf an alle Mitglieder beschlossen, in dem auf die grundsätzliche Bedeutung des Schiedsspruches und die Gründe, die zu feiner Annahme führten, verwiesen wird. Der Lohnstreit in der nordwest- -eutschen Eisenindustrie. Keine Einigung vor dem Schlichter. Düsseldorf, 22.Oktober. (WB.) Heute fanden unter dem Vorsitz des Schlichters, Oberlandesgerichtsrates Dr. I ö t t e n, die Schlichtungsverhandlungen für b i e nordwestliche Gruppe der Eisenindustrie statt. Zu Beginn der Verhandlungen gaben die Gewerkschaften die Erklärung ab, daß sie vor Eintritt In die Schlichtungs- Verhandlungen eine Zurücknahme der Kündigungen verlangen müßten. Die Arbeitgeber erklärten hierauf u. a.: Da die Werke bei der schon an und für sich außerordentlich gespannten Selbstkostenlage weder die Unsicherheit eines tariflosen Zustandes, noch eine über ihr Angebot binausgehende Lohnerhöhung tragen können, mußten sie am 13. Oktober, als dem letzten gemeinsamen Kündigungstermin, durch allgemeine Kündigung die Aussperrung zum 1. November oorbe- reiten. Die Arbeitgeber haben stets.betont, daß sie sich dem Schlichtungsverfahren nicht entziehen wollen. Eine Zurücknahme der Kündigung kommt für die Arbeitgeber nicht in Frage. Die Arbeitnehmer teilten daraufhin mit, daß nach ihrer Auffassung die Nichtzurücknahme der Kündigung ein absichtliche Verschärfung der Lage herbeiführen solle. Ihre Ablehnung, einen Treuhänder die Unternehmerzahlen nachprüfen zu lassen, versuchten sie mit dem Hinweis auf die angeblich zu kurze Zeitspanne zu begründen. Sie seien aber bereit, unabhängige Personen in Zukunft mit den Nachprüfungen zu betrauen, welche sowohl vom Arbeitgeberverband als auch von den Gewerkschaften oorgeschlagen würden. Zu einer Beteiligung an den Schlichtungsoerhandlungen seien sie bereit. Da die Gewerkschaften unumschränkt an ihrer Forderung auf Lohnerhöhung von 15 Pfennig die Stunde festhielten, scheiterten die Erni- gungsverhandlungen vor dem Schlichter. Es wurde daraufhin eine Schlichterkammer gebildet. Die Verhandlungen werden erst am Donnerstag zum Abschluß gebracht werden. Am nu an. Pro! burtst nm, scho baten ®i Aamen 1 der Mr- direkte 2 Louiö Ar und widm- rufe, in fr W Sy MjtMi hat et \\ tätigt 6 was et । ohne irg der Mal hat et v len, 181 Johanne- "Datibut mutvolle stände i1 dem von meinörbl- innerungt bis in bi voll, das Kindheit wieder et Im Die Sri dm 13. C dn am selige Dorstellun bei der & M Arüch Seite hören auch 60n verkehr. 18 llhr «i-z Mn Igo S" he untt M erlaubt-, Hördes StraE nicht Sen Schu' net < wagen. J sM ° ’t9Ä wurde o? AnÜage. Landgerr sttiM' Lnllagei aebnis V das Br Cntschel! Der 1 lassen, J ballen (j nur der ■ gegeben, es getan Klasse gu seine Am orömtnge nicht übe Sckn K die Klnc gerne übe versehen hing sein und so ein er hätte I begeben u müssen, e er hat fr Gefahr ai mar. 62 Manko' durch Aussrchtr liegender getan, i Aus aller Welt. Schwerer Wirbelsturm in London. £ o n b o u, 23. OtL (WTV. Junffprudj.) Ein Teil der Londoner Lity wurde gestern abend in der 9. Stunde plötzlich von einem kurzen, noch nicht einmal eine halbe Minute dauernden, aber ebenso schweren Wirbelsturm heimgesucht. Hunderte von Fensterscheiben wurden zerbrochen, mehr als 100 Ladenzeichen und -schilder wurden auf die Straße geworfen. Ziegelsteine wurden von den Dächern herabgeschleudert. Der Wind warf eine Anzahl Passanten zu Boden und die Luft war mit Ruß, Papierstücken, hüten und anderen Gegenständen angefüllt. Das Dach einer Arbeitsvermittlungsstelle wurde abgedeckt. 3n einem bekannten Lass riß der Wind die Türen auf, warf die im Flur stehenden Angestellten um und stürzte zwei große chinesische Schmuckvasen auf die Erde. 3n einem anderen Restaurant wurden die Tischtücher mit den darauf stehenden Schüsseln h e r - untergeweht. Die Omnibusse schaukelten während dieser Zeit hin und her wie Schiffe auf hoher See. Bemerkenswert ist, daß während dieser Zeit indenübrigenTeilenLondonsnurstar- ker Regen bei Nordwinden zu spüren war. Rach den bisherigen Meldungen wurden lediglich ein Mann und eine Jrau verletzt. Das erste Luftschiffpassagebureau. Reuyork, 22. Ott. (WTD.) Thomas Cook L Son kündigten heute an, daß sie auf Grund von Verabredungen mit der Goodyear Zeppelin Company den Verlauf von Passagier- Plätzen für die Rückfahrt des Zeppelins nach Deutschland übernehmen. Damit ist heute sozusagen das erste Passagebureau für den Luftschiffreiseverkehr in Amerika eröffnet worden. Die genaue Zahl der Passagiere, die mitgenommen werden können, ist noch unbestimmt. Wie verlautet, sind schon über 100 Bestellungen für Passagierplahe eingelaufen, von denen etwa zwölf berücksichtigt werden. Der Preis für die äleberfahrt soll 3000 Dollar betragen. 2In der geplanten Fahrt des „Graf Zeppelin" nach dem mittleren Westen werden außer drei Offizieren der amerikanischen Armee die Unter* staatssekretäre Warner vom Marineamt und Maccracken vom Handelsamt teil- nehmen. Im übrigen verlautet, daß Dr. Eckener, um die Lufttüchtigkeit des „Graf Zeppelin" zu erweisen, fest entschlossen ist, die Fahrt nach den Weststaaten sowohl wie die Rückfahrt nach Deutschland ohne Rücksicht auf die Wetterlage anzutreten. liebet dem Aletschgletscher aus dem Flugzeug gestürzt. Von Thun aus führte ein Militärpi- lot mit einer Passagierin einen Flug über die Alpen aus, wobei das Flugzeug über den Aletschgletscher in eine außerordentlich starke Fallbö geriet. Als es dem Piloten gelang, den Apparat wieder in die normale Fluglage zu bringen, bemerkte er eine Gewichtsverminderung und gewahrte, daß die Begleiterin aus dem Deobachtungssih Ij er a uS* gestürzt war. Die Rachforschungen einer von der Jungfrau-Dahn organisierten Hilfskolonne führten zur Auffindung der Leiche der Verunglückten auf dem Gletscher. Oie Wetterlage. Montag, «»i d2 2.0Kt.1928J7"aMS. • .-rz’Sk—z------ fcwontentoiO nener. o nero otaentt »wontig eoeotett elttoew * Sehnet & Qreuptm e «ehei K 6rwiiter.(§)wind$tillc «O-> X* Ulchrer Osi massiger Suosuawest Q stürmische» «ordnest Ale Pfeile ftieoen mit dem winde Oie eenen Stationen stehenden Lälij fcn gehen die Temperatur an. Die Linien eerhmdeo Orte alt gleiche® auf fleeresntveiu umaertchneten Lultdreei Wc. rervo ruussage. Die Wetterlage nimmt durch die herrschende Druckoerteilung noch keine Beständigkeit an, denn erneute Störungsgebilde bestimmen weiterhin den Witterungscharatter. Wenn auch die Welle kühler Lust, die über England Barometeranstieg verursachte, in unserem Gebiet zeitweise Bewölkungszunahme und vorübergehend Temperaturrückgang bringt, so wird aber erneut eine Warmluftwelle wieder Erwärmung und Bewölkung verursachen. Das Auftreten zeitweiser Niederschläge besteht dabei fort. Wettervoraussage für Mittwo ch: Meist bewölkt, aber auch vorübergehend noch geringer Temperaturrückgang; zeitweise einzelne Niederschläge. Witterungsaussichten für Donnerstag: Noch keine Aenderung des Witterungscharakters. Lufttemperaturen am 22. Oktober: mittags 12 Grad Celsius, abends 10,1 Grad Celsius; am 23.Ottober: morgens 9 Grad Celsius. Maximum 12 Grad Celsius, Minimum 9,1 Grad Celsius. — Erdtemperaturen am 22. Oktober: abends 10,4 Grad Celsius; am 23. Oktober: morgens 8,6 Grad Celsius. — Niederschlag 6,4 Millimeter. ^QU5 dem AllWg ein Uilltärjn« einen Flug über die FÜMug über den auhervü>eMch Starte i Piloten gelang, den normale Auglage zu ne Getvichtsvcr« rte, -aß die Deglei« unMS heraus« rfdjungen einer von Herten Hilfskolonne : Leche der Drrnm« N. b- »^1 m furjtn n7;nb 'm ^nden, ah"od) nidrt heiinges»^ ebtt>lo ’cn Jerbro? tlöcr wuL^- sch'eud^ r|tö(fen »°d die lüt.n Jn. einem 0«»°n„7" 111 » Mn ^Sebureau MZ °us von ^« 2 St ?ü H heute foiuiQ, bureaufürL SliiVm0®0 er« S M«te fe. ift noTun«' 5 !on über 100 eingelau- berückfich. iür 6ie Leberfohrk der geplanten ' uach dem mitt- ' hr'i Offijie. rulee die Unter* n«t vom Marine« im ycmheläamt teil« u^ek, dah Dr. Eäe- , .Traf Zeppe- ist, die Fahrt hl w die Rückscht iucksrcht auf die :-j3d xtt4’Ä *** durch ö’ i(^n, W L^^'^e terhin » AxSS ieut tllU „crur och^ q]> i 11 D> 0 ' y, zelilUk'i' M *»*> Großer Betrugsprozeß in Gießen. Gießen, 22. Okt. Heute vormittag begann vor dem Erweiterten Schöffengericht zu Gießen die Ver- Handlung gegen den ehemaligen Studienrat, jetzigen Kaufmann H. und den Kaufmann R., denen nach dem Eröffnungsbeschluß in gemeinschaftlicher Begangenheit zahlreiche Betrügereien — es stehen nicht weniger als 24 Betrugsfälle unter Anklage — und eine Reihe von Konkursvergehen zur Last gelegt werden. Außerdem ist noch der Kaufmann He. angeklagt, der sich in einem Betrugsfall der Beihilfe schuldig gemacht haben soll. Die Verhandlung wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen, da fast 60 Zeugen geladen und noch zwei Sachverständige zu hören sind. Die meisten Zeugen werden daher gleich wieder für heute entlassen. Den Hauptteil des Tages nahm die Vernehmung der drei Angeklagten in Anspruch, die über ihre persönlichen Verhältnisse und dann in eingehender Weise über ihre geschäftlichen Beziehungen zu den seiner Zeit mit ihnen in Verbindung gestandenen Banken Auskunft gaben. Nachdem der Angeklagte H. infolge Abbaus im Jahre 1924 in den Ruhestand getreten war, begann er im Herbst desselben Jahres, um seine Einkünfte wieder zu erhöhen, ein Darlehens, und Hypotheken- vermittlungsgefckäft. Im April 1925 Bereinigte er sich mit dem Angeklagten R., der infolge finanzieller Schwierigkeiten seine chemischen Studien nicht beenden konnte. Mit R. gründete H. unter gemeinschaftlicher Firma eine offene Handelsgesellschaft. Wegen einer Reihe Unstimmigkeiten schied dann R. wieder im November aus der Gesellschaft aus. Obwohl beide Angeklagten keine buch- technischen Kenntnisse hatten, führten sie anfangs selbst die Bücher, die aber infolge Unvollkommen- heit nicht die geringste Uebersichl ihres Vermögensstandes gewährten, so daß sie sich schließlich genötigt sahen, in der Person des Angeklagten He. einen Buchhalter anzunehmen. Dieser war auch zu einer ordnungsmäßigen Buchführung nicht in der Lage, da ihm seitens der Geschäftsinhaber keine ausreichenden Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden. Zum Zwecke der Geldbeschaffung traten die Angeklagten mit einer Reihe Bankinstitute in Verbindung. Zunächst mit der Volksbank in Philipp st ein, die den Angeklagten die von ihnen eingereichten Wechsel diskontierte. Als die Volksbank im Mai 1925 hierzu nicht mehr in der Lage war, traten die Angeklagten mit dem Bankhaus Rasch & Co., Frankfurt a. M. in Geschäftsverbindung, und zwar auf der Grundlage des Akzeptaustausches. Diese Beziehungen wurden einige Monate später schon wieder abgebrochen, da sie nach den Angaben des Angeklagten H., die ihnen von Rasch & Co. gegebenen Akzepte nicht bei ihren Kunden anbringen konnten. Nun fanden sie um diese Zeit in der Sparkasse Rodheim a. d. B. eine andere Geschäftsverbindung. Hierdurch wurde ihnen auf Grund eingereichter hypothekarischer Sicherheiten ein Wechseldiskontkredit eingeräumt. Aber auch hier traten schon nach einiger Zeit Schwierigkeiten ein. Alle diese Umstände, insbesondere den Zusammenbruch der Banken, will H. allein verantwortlich dafür machen, daß sie ihren Versprechungen nicht nachkommen konnten, wodurch ihren Kunden erheblicher Schaden entstand. Anschließend an die Vernehmung der Angeklag- ten wurde nachmittags mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Aus der yrovinzialbaupistadi. Gießen, den 23. Oktober 1928. Die Aufsichtspflicht des Lehrers bei vorauszusehender Gefahr. Mit der vielumstrittenen Frage der Aufsichtspflicht des Lehrers hatte sich kürzlich das Reichsgericht zu befassen. Der Lehrer M. aus Eltville hatte anläßlich eines Schulausfluges seiner Klasse erlaubt, in einem neueingerichteten, von der Behörde aber noch nicht zum Betriebe freigegebenen Strandbad zu baden. Gegen diese Erlaubnis sind Einwendungen des anwesenden Bademeisters nicht erfolgt, ja er hat sogar ausdrücklich sein Einverständnis damit erklärt und hat den Lehrer nur auf gewisse gefährliche Stellen im Wasser aufmerksam gemacht. Der Lehrer hat diese Stellen den Schülern ausdrücklich als gefährlich bezeichnet und hat ihnen verboten, sich dorthin zu wagen. 3m Eifer eines Wasserballspiels ist ein Schüler aber doch über die erlaubte Grenze gegangen und ist ertrunken. Der Lehrer M. wurde deshalb wegen fahrlässiger Tötung unter Anklage gestellt, von der Strafkammer beim Landgericht Wiesbaden am 24. April 1928 aber sreigesprochen. Gegen diesen Freispruch legte der Anllagevertreter Revision e:n, die zu dem Ergebnis führte, daß das Wiesbadener Urteil durch das Reichsgericht aufgehoben wurde. Aus den Entscheidungsgründen des Reichsgerichts ist folgendes von Sntereffe: Der Lehrer hat in einer Badeanstalt baden lassen, die noch nicht eröffnet war. Der Grenz- balken für die gefährliche Zone war noch nicht gesetzt. Richt die zuständige Behörde, sondern nur der Bademeister hatte die Benützung frei- gegeben. Der Lehrer M. durfte nicht, wie er es getan hat, sich darauf verlassen, daß seine Klasse gut diszipliniert sei und daß die Schüler seine Anordnungen befolgen würden. Diese Anordnungen gingen dahin, daß die Badenden nicht über ein bestimmtes Grasbüschel hinausgehen dürfen. Der Lehrer mußte wissen, daß die Kinder im Spieleifer solche Anweisungen gerne übertreten. M. hätte sich selbst in die Lage versehen müssen, die vorherzusehende lieber tre» hing seiner Anordnungen jederzeit korrigieren und so ein drohendes Unglück verhüten zu können: er hätte sich in den vorhandenen Rettungskahn begeben und an die bezeichnete Grenzstelle fahren müssen, ehe das Baden seinen Anfang nahm; er hat den Rachen aber erst betreten, als die Gefahr akut geworden, das heißt, als es zu spät war. Es sollen zwar die Derufsfreude und das Berantwortungsbewußtsein des Lehrers nicht durch Ueberspannung der Forderungen an die Aufsichtspflicht gelähmt werden, aber im vorliegenden Falle hat der Lehrer eben nicht alles getan, was von ihm verlangt werden mutz. Louis Frech 70 Zähre alt. Am morgigen 24. Oktober feiert unser Mitbürger, Prokurist Louis Frech, seinen 7 0. Geburtstag. Er entstammt einer alteingesessenen, schon im 16. Jahrhundert hier nachweisbaren Gießener Familie: unter anderen, die den Ramen Frech tragen, erscheint im Jahre 1583 der Bürger Dönges (Antonius) Frech, der der direkte Vorfahre des nun Siebzigjährigen ist. Louis Frech besuchte die Gießener Realschule und widmete sich dann dem kaufmännischen Berufe, in dem er noch heute als Prokurist der Firma Heyligenftaedt & Co. QL G. in voller Rüstigkeit tätig ist. Qi eben seiner Berufsarbeit hat er sich auch künstlerisch und literarisch betätigt. Er ist ein Maler von grohem Talent: was er auf diesem Gebiete leistet, das bietet er, ohne irgendwelche Anleitung und Unterricht in der Mallunst gehabt zu haben. Der Stadtkirche hat er vor mehreren Jahren eine Kopie der alten, 1810 niedergelegten Stadtkirche, und der Iohanneskirche ein farbenprächtiges Bild der Wartburg geschenkt. 2(15 feinsinniger und gemütvoller Schilderer früherer Gießener Zustande ist Louis Frech gleichfalls befannt. 3n dem von 1912 bis 1922 hier erschienenen Gemeindeblatt „Sonntagsgruh" hat er viele Erinnerungen aus seiner Kindheit veröffentlicht und bis in das einzelne genau, aber auch humorvoll, das alte Gießen, wie es ihm in feiner Kindheit und Jugendzeit entgegengetreten ist, wieder erstehen lassen. Auskunst Sonntags geöffnet! Die Kritik, die wir in unserer Rümmer 242 vom 13. Oktober an der sonntäglichen Schließung der amtlichen Auskunfts stelle am hiesigen Bahnhof übten und die durch Vorstellungen des Gießener Verkehrs-Vereines bei der Reichsbahn noch unterstrichen wurde, hat gute Früchte getragen. Wie wir von zuverlässiger Seite hören, ist die bahnamtliche Auskunft jetzt auch Sonntags für den Publikumsverkehr geöffnet. 3n der Zeit von 8 Uhr bis 18 Uhr kann man dort Auskünfte erhalten. Gic;;ener Wochcumarttpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Butter 190 bis 200 Pfennig, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Matte 30 bis 35. Wirsing 10 bis 20 (pro Zentner 12 ML), We.hk.aut 8 bis 15 (6 ML), Rotkraut 12 bis 20 (10 bis 15 ML), gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinal 30 bis 40, Römischkohl 10, Unterkohlrabi 8 bis 12, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 50 bis 60, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 12 bis 18, Meerrettich 50 bis 150, Kartoffeln (Zentner) 4,50 bis 4,70 ML, Aepfel (Zentner) 20 bis 32 ML, Dirnen (Zentner) 10 bis 18 ML. Zwetschen 15 bis 18, Hagebutten 15, Rüsse 60 bis 100, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120 das Pfund: Eier 16 bis 17, Blumenkohl 50 bis 150, Salat 15 bis 20, Endivien 10 bis 30, Oberkohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pfennig das Stück. Daten für Mittwoch, 24. Oktober 1828. Sonnenaufgang 6.39 Uhr, Sonnenuntergang 16.49 Uhr. — Mondaufgang 15.37 Uhr, Monduntergang 12.09 Uhr. 1796: der Dichter August Graf von Platen-Haller- mund in Ansbach geboren; — 1892: der Liederkom- ponist Robert Franz in Halle gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „3ngeborg". Anfang 20, Ende gegen 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sein letzter Befehl". — Astoria-Lichtspiele, Selters- Weg: „ Achtung I Eprengstoftl" — Stadttheater Gießen. Die heute ftatt- findende Vorstellung „Jngeborg" beginnt um 20 Uhr und endet um 22 Uhr. Die erste Wiederholung von Shakespeares „Richard III." findet am Mittwoch den 24. d. M. statt. In Vorbereitung ist Rudolf Presbers Lustspiel „Ballerina des Königs". — V. D. QI. Kommenden Donnerstag Ortsgruppenabend mit Lichtbilder-Dorlrag von ©tu» Dienrat Dr. König über „DaS Deutschtum in der Slowakei". Siehe heutige Anzeige. — Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, veranstaltet die Ortsgruppe Gießen am Donnerstag, 25. Oktober, 8.15 Uhr, im Saale des Katholischen Vereinshauses einen Vortragsabend des Himalaya-Forschers Dr. Bo e ck. Als Forschungsreisender hat Dr. Bock mehrere Jahrzehnte seines Lebens den dankbaren wissenschaftlichen Problemen gewidmet. Es ist, wie man uns schreibt, ein Genuß, zuzuhören, mit welcher Frische der Siebzigjährige von seinen Fahrten, die mit prächtigen Bildern umrahmt sind, erzählt. Näheres in der Anzeige. ** Erstreckung des Gewerbesteuergesetzes 1928 auf 1 9 29. Das hessische Gesamtministerium hat durch Verordnung vom 19. Oktober 1928 das Gewerbesteuergesetz 1928 auch auf das Rechnungsjahr 1929 erstreckt. Diese Verlängerung um ein Jahr war bekanntlich schon in dem Artikel 10 des Gewerbesteuergesetzes für 1928 vom 10. Mai 1928 vorgesehen. Straßensperrung. Dom Oberhessischen Automobil-Club e. D. (QI. v. D.), Gießen, wird uns folgende Straßensperrung mitgeteilt: Dornassenheim—Offenheimer Kreuz im Zuge der Straße Reichelsheim—Assenheim für alle Fahrzeuge vom 22. Oktober bis auf weiteres, Umleitung über Weckesheim—Dorheim—Fauerbach. ** Bauvorhaben der Hessischen g e • meinnützigen Aktiengesellschaft für Kleinwohnungen. Zwischen der Straße „Am Kugelberg" und der Friedensstraße, entlang der Licher Straße, ist vor einigen Tagen mit der Ausführung von drei großen Baublöcken begonnen worden. Die beiden äußeren Blöcke kommen mit der Giebelfront, der mittlere (etwas zurück gerichtet) mit der Längsseite an die Straßenfront zu stehey. Diese Baugruppe bildet den Abschluß der Siedlungen am Kugelberg und der Friedensstraße gegen die Licher Straße. Jede der drei Baugruppen soll mit zwölf Drei-Zimmer-Wohnungen eingerichtet werden, so daß dort insgesamt 36 Wohnungen erstehen. Die Gebäude sollen in Beton oder Betonsteinmauerwerk hergestellt, mit Schiefer eingedeckt und später verputzt werden. Bauherr dieses Bauvorhabens ist die Hessische gemeinnützige Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen, während die Bauleitung dem hiesigen Architekten Hamann übertragen ist. An der Bauausführung sind die hiesigen Firmen G. Becker, R. Pfaff, H. Weimer und C. Wehrum beteiligt. Die Bauten sollen noch in diesem Herbst im Rohbau fertiggestellt werden. ** Eine Viehhändler-Versammlung wurde, wie man uns berichtet, gestern nachmittag mit Beschleunigung auf den gestrigen Abend in den Saal des Gewerkschaftshauses einberufen. Den Anlaß dazu soll nach diesen Informationen ein Zusammenstoß zwischen Polizeibeamten und Viehhändlern am gestrigen Nachmittag am Güterbahnhof gegeben haben. In der Versammlung, die von etwa 400 Viehhändlern besucht war, sollte als Zeichen des Protestes gegen die Polizei ein dreimonatiger Boykott des Gießener Diehmarktes beschlossen werden, icdoch gelang es den beruhigenden Einwirkungen von Vertretern des Verkehrs-Vereins und einiger anderer Herren, die Versammlung von diesem Beschlüsse abzuhalten und für eine gütliche Beilegung des Zwischenfalles zu gewinnen. •* Ein schwerer Autounfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich gestern nachmittag gegen 1 Uhr in unserer Stadt. Ein mit drei Personen besetzter Personenkraftwagen, der von einer Dame gesteuert wurde, fuhr in der Marburger Straße gegen einen Baum. Dabei wurde der Chauffeur, der allein hinten im Wagen satz, herausgeschleudert, gegen eine Gartenmauer geworfen und sehr schwer verletzL Die beiden anderen Insassen trugen leichtere Verletzungen davon. Die Frciw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete die erste Hilfe und brachte den Chauffeur in die Chirurgische Klinik, wo er gegen 5 Ahr verstarb. Es handelt sich bei dem auf so tragische Weise Verunglückten um den 27 Jahre alten Robert Eifler aus Frankfurt a. M. Der Unfall soll durch einen Reifen- defekt herbeigeführt worden sein. ** Gängertagung in Gießen. Der Hessische Sängerbund, der unter dem Vorsitz des Ministerialrats Dr. S i e g e r t (Darmstadt) steht, hält seinen diesjährigen Bundes-Sängertag am nächsten Sonntag, 28. Oktober, in Gießen ab. Mit den Vertretern der Bundesvereine aus allen Teilen des Hessenlandes werden auch Delegierte der Gesangvereine in den angrenzenden preußischen und bayerischen Landesteilen hierherkommen. ** Die Dolkshochschu le veranstaltet zur Eröffnung des Wintersemesters in Verbindung mit der Tagung des Verbandes Rhein-Maini- scher Volkshochschulen am SamStag, 27. Oktober, «inen öffentlichen Qlbend, an dem der bekannt« Kulturpolitiker Dr. Carl Gebhardt über „Das Problem der Masse in der Volksbildung" sprechen wird. Am Sonntag, 28. Oktober, findet wieder ein musikalischer Doikslunstabend statt, In dessen Mittelpunkt ein durch aussühr.iche Beispiele Ulu- strierter Vertrag des Frankfurter Konzertmeisters Gustav Lenzewski über »Wesen und Bedeutung der Violine" stehen wird. Für die Ausführung des musikalischen Teils ist außer Herrn Lenzewski (Violine) noch Professor Dr. K. Schmidt, Friedberg (Klavier) gewonnen worden. (DgL die Rnzeige in der gestrigen Rümmer.) Kursus für Bank- und Börsen- wesen. Am Donnerstagabend fand im Physik- faalc der Pestalozzischule die Eröffnung des Kursus für Bank- und Börsenwesen statt. In Verhinderung des Kammer >ienrats Schirmer und des Dankdirektors Grietzbauer begrüßte der Dertteter der Industrie- und Handelskammer Gießen in deren Ramen, sowie namens der Gießener Ban'envereinigung, als den Veranstalterinnen des Lehrgangs, die über alles Erwarten zahlreiche Qkrfammlung. Er gab seiner lebhaften Genugtuung über die starke Beteiligung Ausdruck, die wohl der beste Beweis dafür sei, daß man mit dieser Veranstaltung einem vorhandenen Bedürfnisse entgegen fomme. Gleichzeitig wolle sie ihm aber auch als ein Zeichen dafür erscheinen, daß sich die Gießener Kaufmannschaft mit ihren Angestellten des Ernstes und der Härte der Zeit vollauf bewußt sei, die tüchtige und ganze Menschen erfordere. Auch aus den Reihen der Kaufmannschaft müßten dem deutschen Volke immer mehr Führer erstehen: hierfür sei aber die Schaffung eines starken geistigen Rüstzeugs eine Rotwendigkeit. Der Lehrgang wolle an seinem Teile zur Erreichung dieses Zieles beitragen Helsen. An Stelle des erkrankten Dipl.-Handelslehrers Heun hatte Dipl.-Handelslehrer Dr. Wende l den Vortrag für den ersten Qlbend übernommen. Gr behandelte nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick in Haren und leicht verständlichen Ausführungen die verschiedenen Arten und Gesellschaftsformen der Banken. Im Hinblick auf die große Zahl der Teilnehmer, welche die Hundert überschritten hat, hielt die Leitung eine Qlufteilung des Kursus in einen Lehrgang für die jüngeren und in einen Lehrgang für die älteren Teilnehmer für zweckmäßig, wobei der letztgenannte Lehrgang noch durch einige Kapitel erweitert werden soll, welche zwar über den Rahmen des Dank- und Börsenwesens hinaus- geben, aber Wohl in Zusammenhang mit ihm gebracht werden können. ** Wäscher-Werbe-Woche. Das deutsche Wäschereigewerbe veranstaltet vom 22. bis 27. Oktober eine Werbewoche. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird eine Preisaufgabe ausgeschrieben, für deren beste Lösungen Geldpreise ausgesetzt sind. Zur Bearbeitung gestellt ist die Frage: „Welche Vorteile bietet mir die Wäscherei gegenüber dem Waschen im Hause?" Die Bedingungen für dieses Preisausschreiben, das jedermann offensteht, sind auch in Gießen erbälllich. Näheres darüber geht aus der heutigen Anzeige der Wäscherei „Edelweiß" hervor. Büdmger Gallusmarkt. !! Büdingen, 22. Ott. Rachdem der ©al- lusmarkt am Sonntag mit mancherlei Volksbelustigungen seinen Qluftatt gefunden hatte, fand heute im Rahmen dieser Marktveranstaltung Pferdemarkt statt. Trotz des schlechten Wetters hatten sich viele Kaufliebhaber auf dem Markte eingefunden. Es standen rund 170 Pferde zum Verkauf. Sehr lebhaft wurden ältere und Schlachtpferde bei mittleren Preisen gehandelt. Die Preise schwankten hier zwischen 50 und 150 Mark. 3n besseren Arbeits- und Luxuspferden war der Handel sehr schleppend. Es wurden in einzelnen Fällen bis 1100 Mark bezahlt. Angelernte Fohlen gingen für 500 bis 600 Mark ab. Kunst und Wissenschaft. (Ein seltener Vucherfolg. Dom Insel-Veriag wird uns geschrieben, daß die in der Insel-Bücherei unter dem Titel »Sternstunden der Menschheit" erschienenen fünf historischen Miniaturen von Stefan Zweig seit ihrem Erscheinen vor einem Jahre das 100. Tausend erreicht haben. Berliner Börse. Berlin. 23. Ott. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag wieder vollkommen luftlos und uninteressant. Das Geschäst war sehr still. Die Tendenz war abwartend. Die Kurse taxiert man wenig verändert. ' । So viel wird Ihnen am Gedeihen und Erhalten Ihres Haares gelegen sein, daß Sie es nur mit dem einwandfreien Haarwaschmittel Lavoren regelmäßig waschen und pflegen. — Packung 30 Pfennig. Sachgemäße Beleuchtung gewährleistet gute Arbeit. Darum sollte auch der Schreibtisch immer gut und reichlich beleuchtet sein. Rat Wb AoSkonfi In allen Leleuchtungsfrogen erteilen kostenlos dir Odram• 23trfauf4(tellca baS Elektrizitätswerk und die sonstigen Slektrofachgeschäftr. 8654A 9313D] im 60. Lebensjahr. Beienheim (Post Reichelsheim, Wetterau), Vilbel, Föhren (Bez. Trier), cV6' Dresden, den 21. Oktober 1928. 9328D Wohnungstausch V 229 10*? 1 Stellung. 07483 Ferner alle 669/ A gesucht 07479 Verschiedenes <1471 Belohnung Bismarckstr. 44 I. 07489 dtngung. 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Gießen / Mühlstraße Nr. 5 pt \ Sprechzeit: 12 bis 1 Uhr 07482 iuiiiiin-uiinmium.il iiiiiuiiniiiiinmnuiiiniiuiniiiumj MIM,d.ri.SllM tramittngs 2 Uhr versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Schreibtisch, 1 Bertikow, 3 Pianinos, 1 vollständiges Belt, 1 Nähmaschine, 7 Elektromotoren, 2 Singernähmaschinen, 2 Büfetts, 2 Sofas, 1 Küchenanrichte, 1 Schuhmacher-Äähmaschine, 1 Selb- schmiede, 3 Küchenherde, mehrere Oefen, Gasherde, 4 Ladentheken, 2 Registrierkassen, 1 Holzkasse, 20 Slaschen Sekt, eine Partie Gemüsekonserven, 1 Chaiselongue, 1 Ausziehtisch, 1 Edschrank, mehrere Kleiderschränke, 1 Dertiko, einen Trumeauspiegel, 1 Schreibtisch (Diplomat) 1 Kaffenschrank, 2 Schreibmaschinen, Donnerstagabend, S Ubr, im Univcr- sitätS-CasS.Piockstr. Oitsgpuppen-Abend. Vortrag von Stu» bieniot Dr. König: „Das Deutschtum in der Slowakei" mit Mlvllüern. Um zahlreiches Erscheinen bittet M,JD Der Vorstand. Stadttheater Mittwoch,24.LkL LMItt!v0llI'AV.-L0lsl. von 19% bis 22 Ubr Mm ni. Geschtchliich. Schau» spiel tn 5 Akten von WtlliamSbakesvcare deutsch von A. W. v. Schlegel. 8919a wana J.B. HÄUSER GIEMEN NEUSTADT56 und Onkel Fricrlg halt sich vergnügt lächelnd den Bauch, wie er es Immer tut, wenn er sich behaglich fühlt, oder wenn er etwas Gutes zu essen bekommt In der unteren Ofenkachel läßt sich zudem ausgezeichnet backen und braten. So ein schwäbischer Ofen hält aber auch die Stube warm, man kann Jedes Brennmaterial, Holz. Braunkohlen, Steinkohlen und Briketts darin brennen und ihn weitgehend regulieren. Wer es diesen Winter in seiner Bauernstube gemütlich haben will, der schafft sich 60 einen praktischen Ofen an. Zwanglose Besichtigung erbeten. iwibiScber O'feirt" llr.250 Zweiter Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 25. Oktober (928 Frankreich und wir den ien und mit der wirkenden, aufbauenden Die Idee könnte von Pirandello fein oder von Georg Kaiser, aber die wollen die Bühne mit leben- Das Beiprogramm bringt außer den immer mehr überhandnehmenden Reklameoorführungen, der Wochenschau, einem Kulturfilm und einem sehr mäßigen Lustspiel die Sondervorstellung des Budapester Variet^komikers Nicholson, der mit einigen hübschen Jnstrumentalscherzen und amüsanten Tanzparodien das gutbesetzte Haus unterhielt und viel freundlichen Beifall fand. —-r— Tiere in Wut. Von Paul Eipper. Wer war am wütendsten, — Tiger oder Leopard? 2ch sah sie am gleichen Tag, als vom Ost- indrensahrer die Transportkisten kamen und ins Raubtierhaus geschafft wurden. Mit der Stirnseite dicht ans Eisengitter gerückt, durch Stricke und Klammern fest am Käsig verankert: dann kletterte der Oberwörter auf die Kiste und zog 6m Verschluß hoch. Ein zischender, rasselnder Schrei, Poltern, und wie eine Flamme schoß jäh irgend etwas aus dem Dunkel des Kastens ganz weit in den Käsig hinein: Tiger Nummer eins. Nach vielstündiger Arbeit waren alle Tiere untergebracht, die vor sechzig Tagen noch im Dschungel geräubert und weiße Menschen nie gesehen hatten. Am tollsten benahmen sich zwei halberwachsene Sunda-Tiger. Sie lagen wie Schlangen plattgedrückt hinten in der Ecke, den Kopf flach am Boden und starrten uns mit phosphoreszierenden Augen an. Die Zeichnung des Felles wies fast keine weißen Streifen auf: schwarz und dunkel- gelb geringelt peitschte der Schweif und aus ihren gebleckten Rachen kam ein böses Fauchen, dem rasselnden Zischen einer Schlange verwandt, doppelt, unheimlich, weil die langen weihen Schnurrbarthaare klirrten, als seien sie von Glas. Bewegungslos lagen die Tiere. Mles Leben konzentrierte sich im Blick und alle Wut. Nebenan kauerte ein Leopard, Hnd sobald man sich seinem Käfig näherte, sprang er mit einem unbeschreiblichen Sah vom Boden auf, in die Höhe und vorwärts, mitten in die Msenstäbe des Gitters, so als wollte er die Trennung im Sturm zerbrechen. Der Sekretär gehört zur Ordnung der Raubvögel. Wegen seiner langen Läufe wird er auch Kranichgeier genannt: und in seiner afrikanischen Heimat nährt er sich hauptsächlich von Schlangen. Er greift sie jähzornig *mb mit großer Aus unserem Leserkreis erhalten wir als Ergebnis einer Studienreise in Frankreich eine Zuschrift, die das so schwierige Problem einer deutsch-französischen Verständigung von der psychologischen Seite her beleuchtet und dabei zu interessanten, wenn auch nicht gerade sehr ermutigenden Ergebnisses kommt. 3n Deutschland hat man sich sehr über die Reden des französischen Außenministers in Genf und des Ministerpräsidenten Poincare bei der Kammereröffnung erstaunt. Für den aber, der Frankreich kennt, die Tagespresse und die politische Literatur verfolgt, der mit Franzosen verkehrt, und mit ihrer Anschauungsweise und ihrem Denken vertraut ist, für den bedeuten diese Reden nichts Neues. Jedem Deutschen, der nach Frarck- reich kommt, fällt sofort die Bewunderung auf, die Franzosen — wie übrigens auch fast alle Ausländer — für das Boll haben, das oen furchtbaren Weltkrieg erlitten hat, durch die wirtschaftliche Krise einer vernichtenden Inflation ging und jetzt mit ungebrochener Kraft und frischem Mut an seinem Wiederaufbau arbeitet. Diese Bewunderung ist aber mit einem ungeheuren Mißtrauen und mit Angst gemischt. Der Franzose steht dem heutigen Deutschland ohne Verständnis gegenüber. Wir sind ihm e i n Rätsel, aber wie ein französischer Professor kürzlich sagte, ein „beängstigendes Rätsel". Der Franzose hat einen dumpfen Druck auf der Seele, Angstzustände. Hm sich von ihnen zu befreien, suchte er sich Klarheit über ihre Hrfache zu verschaffen. Er hatte das Bedürfnis, dieses Rätsel zu ergründen. Die verschiedensten Zeitungen (Petit Parisien, LeMatin, LeOournal usw.) schickten ihre Leute aus, über dieses rätselhafte Deutschlcnch etwas in Erfahrung zu bringen. Zn langen Artikelreihen und auch in Büchern wurde das Publikum mit Nachrichten gefüttert. Der Znhalt der Artikel beschränkt sich jedoch hauptsächlich auf eine Beschreibung der tätigsten deutschen Städte, wie Hamburg, Köln, Berlin, Nürnberg und Stuttgart. München wird auch nie vergessen, denn wenn man in Deutschland gewesen ist, muß man doch das Münchner Hofbräuhaus gesehen haben. Dem Deutschen Museum werden anstandshalber auch einige Zeilen gewidmet. Bezeichnenderweise hat sich nur einer dieser Berichterstatter ins besetzte Gebiet gewagt. Seine Beobachtungen sind nicht erhebend für die Franzosen: betrübt erzählt er. daß alle deutschen Beamten und Polizeimannschaften besser angezogen und bezahlt seien als die französischen Truppen. 3m übrigen meint er, daß die deutschen Bauern die Truppen während der Manöver herzlich ausgenommen hätten. 3m großen und ganzen sind diese Artllel günstig für uns. Sie zollen der deutschen Tatkraft und Arbeitslust volle Anerkennung. Leider fehlt all diesen Artikeln die Der- ttefung und das gründliche Studium. 3hr Zweck, das französische Volk wirklich über uns aufzuklären, dürfte nicht erreicht sein. Bei dem verhältnismäßig kurzen Aufenthalt haben die Berichterstatter kaum etwas vom Geiste des heutigen Deutschland erfaßt und haben keine Gelegenheit gehabt, sich über den deutschen Standpunkt in wichtigen, beide Nationen betreffenden Fragen gründlich zu unterrichten. So wird denn weiterhin einem großen Teil des französischen Volkes sein östlicher Nachbar ein Rätsel bleiben. Politik, so wie sie bisher geübt wurde, hat zur Verschärfung beigctragen, darüber hinaus auch eine Unsicherheit in der Wirtschaft hervorgerufen, die das soziale und politische Gefüge des Reiches gefährdet. Wer aus der Wirtschaft eine einzige gwße Zwangsanstalt machen will, in der alles behördlich geregelt wird, vergißt die Kleinigkeit, daß Wirtschaft selbst schöpferische Tätigkeit, Wagemut und Unternehmungslust voraussetzt. Wenn die Wirtschaft zusammenbricht, was durchaus in den Grenzen der Wahrscheinlichkeit liegt, sofern der sozialpolitische Kurs sich nicht ändert, so wird für eine rein gewerkschaftlich geregelte Schlichtungspolitik nicht viel zu tu n übrig bleiben. Selbst mit einer gleitenden Lohnskala wird sie dann den Arbeitern nicht einmal den Bruchteil der heute verdienten Löhne gewährleisten können. Cs ist daher nicht verwunderlich, daß die Kriegspsychose noch immer nachwirkt. Was dem Menschen rätselhaft ist. betrachtet er mit Mißtrauen. Das der Franzosen wird dadurch verstärkt, daß sie noch immer unter dem Einfluß der Kriegspsychose stehen. 3ahrelang ist ihnen der Gedanke eingehämmert worden, daß Deutschland am Kriege schuld ist. Trotz aller unserer Gegenbeweise ist sich das französische Volk in diesem Punkte einig. Die Kriegsschuldfrage steht also zu Anfang all unserer Schwierigkeiten. Die Gefühlsmomente, mit denen diese Frage belastet ist, machen objektive Verhandlungen und Diskussionen über dieses Thema fast unmöglich. Der ■ frcnrzösische Standpunkt zur Kriegsschuld ist nach wie vor unversöhnlich. Frankreich ist vollkommen unschuldig an dem europäischen Zusammenbruch. Denn was hat — ihrer Mernung nach — zum Kriege geführt? Die Polittk Wilhelms II., die Flottenpolitik, Tanger und Agadir, die Heberbewaffnung des Reiches seit zehn Fahren und die Reden des Kaisers. Das sind die Marksteine einer polittschen Entwicklung, die zum Kriege führen mutzten. Hnd Deutschland wollte den Krieg! Die Beweise? Warum wollte man nicht in Wien intervenieren, warum keine internattonale Konferenz einberufen, warum die Weigerung, nach dem Haag zu gehen? 3st das nicht übergenug, um den deutschen Kriegswillen zu beweisen? Der Mord am Thronfolger Oesterreichs wird nur als letzter Anstoß und Vorwand betrachtet zu dem von Deutschland und seinem österreichisch-ungarischen Verbündeten gewollten Kriege des Pangermanismus gegen den Panslawismus. 3n der Hnterhaltung, aber zum Teil auch in der Presse und der einschlägigen Literatur sucht man das Hrteil über Deutschland etwas zu mildern. Man bekommt dann etwa Folgendes zu hören: Die Deutschen wollen, daß wir unser Hrteil über die Kriegsschuldfrage revidieren, um Vertrauen zwischen den Volkern zu schaffen. Gut! Wir geben ja zu, dah die Hauptschuld nicht im deutschen Volke selbst liegt, sondern im Geiste, der die regierenden Kreise beseelte. 3n hohem Matze hielten die Führer Deutschlands das Schicksal Europas in Händen. Anstatt aber die Kraft des Reiches in den Dienst des Friedens zu stellen, wurde sie in den Dienst einer Machtpolitik gestellt, die den Kriegsgedanken verherrlichte und das Recht des Starken über den Schwachen propagierte. Hnd wozu hat diese Polittk geführt? Zum Krieg, zur Vergewaltigung Belgiens, zur Nichtachtung des Vertrags als eines Fetzen Papiers. Hnd wenn Herr Stresemann sich beklagt, dah Frankreich den in Locarno gemachten Vereinbarungen zu wenig Wert beimiht, an wem ist die Schuld? Eine Verständigung gerade über diesen Punkt dürfte zwischen den Generationen. die den Krieg durchkämpften, unmöglich sein. Don den Tatsachen der Gegenwart ausgehend, muh der Friede wieder geschaffen werden. So oft aber behauptet wird, man schiebe dem deutschen Volke nicht so sehr die Kriegsschuld zu, wie seinen Machthabern, und man bringe ihm alles Vertrauen entgegen, so oft findet man neue Derdachtgründe. Man beklagt sich über nattonalistische Polittk und über militärische Vereinigungen. Das führt zu einem anderen wichttgen Problem, das die Angst und Macht des Wortes. Und nur ein Film vermag diese Idee künstlerisch vollkommen umzusetzen und zu gestalten: dieses unheimliche Verwischtsein zeitlicher Grenzen, dieses schicksalhafte Ineinanderfließen von Vergangenheit und Gegenwart, diese bezaubernde Mischung aus Schein und Sein, aus lebendigen Leben und erklügeltem Theaterspiel: hier kann der Film einmal zeigen, wie er über die Schaubühne hinauszugreifen vermag, hier gestaltet er Dinge, die dort meist unzulänglich gelingen, im Räumlichen, im Gegenständlichen, an der spröden Materie sich verfangen und steckenbleiben. I a n n i n a s gibt in diesem Film die beste Leistung seines Lebens, er wächst in dieser Doppelrolle, zwei Leben lebend, in zwei Zeiten, zwei tief voneinander geschiedenen Welten stehend, zu einer einsamen Höhe filmischer Gestaltungskraft: hier ist er Komödiant im hohen und edeln Sinne einer aus dem Blut und vom Herzen kommenden Schauspielkunst. Er breitet, stumm und in unvergleichlicher Wandelbarkeit, das erschütternde Schicksal eines Menschen vor uns hin. Josef von Sternberg schöpft das Manuskriptbuch mit einer gesammelten Energie, in glänzenden Einzelheiten, mit gebändigten Massenszenen aus, er gibt Spannung und Tempo, er trifft den ernsten, oft bitteren und ironischen Ton der Bilderfolge mit vollem Verständnis; seine Regie hält bis zur letzten Szene durch, ohne einmal zu versagen oder die Linie zu verlieren. Von den übrigen Darstellern fallen Evelyn Brent (die man neulich in „Unterwelt" kennenlernte) und William P o w e l l besonders auf. schalten. Da die Löhne so ziemlich den größten Teil der Produktionskosten ausmachen, so ist es klar, daß ihr stetes Schwanken nichts weniger als zu einer betriebswirtschaftlichen Sicherheit führen muß. Es roar ein Fehler im Aufbau des Schlichtungs- gefetzes, daß die Lohnpolitik als Ressort poli- t i k gewertet wurde, d. h. dem Reichsarbeitsminister unterstellt wurde, während sie tatsächlich ebenso sehr oder noch mehr eine Angelegenheit der Wirtschaftspolitik ist. Daraus ergibt sich die Forderung, daß, wenn das Schlichtungsverfahren grundsätzlich beibehalten werden soll, die oberste Spruchbehörde, der schließlich die Verbindlichkeitserklärung obliegt, nicht dem Reichsarbeitsminister allein überlassen bleiben kann, sondern auch die Zustimmung des Reichswirtschafts Ministers verlangt. Die sozialen Spannungsyerhältnisse lassen eine Verschärfung nicht mehr zu. Die Schlichtungs- raschung gebracht. W. K. das Mißtrauen der Franzosen verstärkt: die Abrüstung. Die deutsche Entwaffnung ist nur eine Täuschung, so heißt es in Frankreich. Das Deutsche Reich besitzt eine furchtbare Rahmen- armee, durch die die ganze deutsche Fugend geht und in der sie gut ausgebildet wird. An Kriegsmaterial fehlt es nicht. Das Reich verfügt über da und dort verstecktes, als Zivilmaterial maskiertes Kriegsmaterial, wie z. B. die Fliegerei. aus die man drüben sehr neidisch ist. wie wir kürzlich erst wieder anläßlich des Ozeanflugs des „Graf Zeppelin" erfahren muhten. Die deutschen Laboratorien arbeiten mit Hochdruck, um neue siirchterliche Vernichtungsmittel zu finden. Dort wird ein chemischer Krieg vorbereitet, gegen den der letzte Krieg ein Scherz sein wird. Der militärische Pflichtbegriff wird der Jugend stärker denn je eingeprägt. Fn diesen Worten etwa spricht man in Frankreich von der deutschen Abrüstung. Wagt man nun schüchtern zu behaupten, dah Frankreich doch eigentlich noch gar nichts für seine Abrüstunggetan habe, so lautet die entrüstete Antwort, daß in Washington die französische Seemacht geopfert und das Problem der Rüstungsbeschränkungen ganz entschlossen behandelt worden sei. man habe schon begonnen, es zu lösen. Dagegen sei nichts berechttgter als die Furcht vor der Nichtabrüstung oder den heimlichen Rüstungen Deutschlands. Die Beweise dafür bestehen meist aus falschen, tendenziösen Zeitungsartikels die die unglaublichsten Mitteilungen verbreiten. Das Schulbeispiel ist immer der Heeresvoranschlag. Bei Gelegenheit des Budgets 1928 der Reichswehr sprachen die Pariser Zeitungen von einer nicht zu rechtfertigenden Erhöhung von ICO Millionen. Hnd gerade dieses Fahr wies der Voranschlag keine Erhöhung auf. Ein anderer grober Fehler wird immer wieder gemacht, indem man Ausgaben der Vorkriegsarmee und der Reichswehr vergleicht. Besonders die Phöbusaffäre wirkte stark beunruhigend. Man verlangte eine genauere Bezeichnung der Ausgabeposten, da man fürchtete, daß an militärische Vereinigungen usw. Gelder abgesührt worden seien. Offiziell ist ja die deutsche "Abrüstung, durch Auflösung der 3nleralliicrten Kontrollkommission, anerkannt worden. Fn Wirtlichkeit hat man jedoch kein Vertrauen in unsere Abrüstung. Man nimmt an, dah wir trotz unserer beschränkten Mittel den Weg gefunden haben, eine den Verhältnis en an- gepahte. aber schlagferttge starke Armee besitzen. „Wer kann es uns also, so sagen die Franzosen, verargen, wenn wir unbedingte Sichor- $eit gegen einen neuen Angriff Deutschlands verlangen." Briand und Poincars haben also in ihren letzten Reden dem französischen Volk aus der Seele gesprochen. Für den, der dies weiß, hat die letzte Wendung in der französischen Außenpolitik also keine Heber- Oberheffen. Landkreis Gießen. : Aus dem Busecker Tal, 22. Okt. Früher als in sonsttgen Fahren ist die Aussaat in diesem Fahr in unserem Tal beendigt worden. Fn der langen Trockenperiode war die Ackerkrume gut durchgebrannt und mürbe geworden. Die Bearbeitung ging für Menschen und Vieh ohne besondere Mühe vonstatten. Der Roggen läuft regelmäßig auf, und auch bei dem Weizen, der als letzte Herbstsaat der Erde übergeben wird, tritt das erste Grün hervor. Mit dem Einernten der Hackfrüchte hat man sich nicht beeilt, denn die Dickwurzelblätter mußten als Ersatz für das mangelnde Grünfutter zur Fütterung verwendet werden. Auch die Dickwurzelernte hat die Erwartungen über- troffen. Der Ertrag ist eine Mittelernte, vor allem aber sind die Früchte trocken und gesund gewachsen. Nun bleibt dem Landmann als Spätherbstarbeit noch der zweite Stoppelsturz. HL ich, 22. Okt. Wer vom Bahnhof aus den Weg in Die Stadt nimmt, dem bietet sich zwischen der Wetter und dem Rondell des alten Stadtwalles ein nicht gerade schöner Anblick dar. Die neben dem Bürgersteig herziehenden Anlagen an dem nach tem Schwanensee abfallenden Raine zeigen ein Bild völliger Verwilderung. Holz- und Papierreste aller Art zwischen ver- krüppelten und ungepflegten Ziersträuchern sind Wut an, seine Schopf- und Hinterhalssedern strauben sich, die kräftigen Fänge hauen im Sprung auf die Deute, und man glaubt es dem weitklaffenden Schnabel, dah der wütende Füger kurzen Prozeß macht. Vom Wüstenluchs s agt Brehm, er sei das unbändigste Mitglied der ganzen Kahenfamilie. Man braucht sich bloß dem Käfig zu nähern, in dem er scheinbar ruhig liegt, um seinen ganzen Zorn zu entfachen. Hngestüm springt er auf und fährt fauchend auf den Beschauer los. als ob er ihn mit seinen scharfen Krallen zerreißen wolle. Er drückt die langen Lauscher glatt an den Schädel, zieht die Lippen zurück und knurrt ohne Ende. Die Alten legten dem Auge des Karakal Zauberkräfte bei. Daß die Raubkahen schon in früher Fugend nicht sanftmütig sind, bewies mir der kleine Löwe des schönen Dergzoos in Halle, den wir an einem Sommertag zum Photographieren aus dem Käsig nahmen. Er saß ganz ruhig im Arm des vertrauten Wärters, die Photographin stand einen Meter von ihm entfernt mit ihrem Apparat, und ich machte vor seiner Nase eine Bewegung mit der Hand, um ihn aus seiner schläfrigen Ruhe aufzurütteln. Ha — was für eine Fülle von Wut und Grimm leuchtet aus dieser Physiognomie! Den elementarsten Ausdruck aber von Wut beobachtete ich an einem Mantelpavian. Ein Mann warf Zucker ins Gehäuse: das Funge griff danach und der Besucher hob seinen Stock, um das Geschenk scheinbar wieder zurückzuholen. Was darauf folgte, war ein Werk von Sekunden, war urgewaltige Wut. Mit beiden Händen trom- melte der Pavian einen wilden Tanz, bann knallte das beleidigte Vatertter mit der vollen Wucht seines Körpers gegen die Gitterstäbe. Ein Brüllen schwoll aus seiner Kehle und die scharf- kcmttgen Reißzähne des Raubtiergebisses fletschten, dah der homo sapiens bleich und sehr überrascht zurückprallte. „Oer letzte Befehl." Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Dies ist der beste amerikanische Film, den wir kennen ..., der beste, den wir seit langer Zeit überhaupt gesehen Haden. Ein echter Film, ein Film aus eigener Kraft, mit eigenen Mitteln und einzigartigen Möglichkeiten, ohne die geringste Anleihe bei wesensfremden Schwesterkünsten, geschrieben aus sicherem Instinkt für die Erfordernisse seiner Gattung. Aus dieser Idee, aus diesem Manuskript (von Lajos Biro) konnte nur ein Film entstehen, nichts anderes nach Belieben, eine Novelle vielleicht ober ein Bühnenstück, — nur ein Film. Das ist die sicherste Probe auf seine Güte. Zeichen und Wunder: ein amerikanischer Film ohne happy end, ohne falsche Sentimentalität, ohne aufgepappte Moral, ohne Zugeständnisse an den Geschmack der Masse. Die ganz überragende Kunst eines großen deutschen Schauspielers, der in Hollywood wie wenige fein Glück gemacht hat, rennt olle Herkömmlichkeit einer geschäftstüchtigen, erfolgspekulierenden Pankeeland-Filmregie über den Hausen und erzwingt trotzdem, mit einem bitterernsten, einem trostlosen und tragischen Filmstück einen Erfolg, wie man ihn drüben vielleicht kaum geahnt und vorausgesehen hat. Die Fabel ist so: ein russischer Großfürst, durch Revolution und Nachkriegszeit aus allen Geleisen geworfen, findet, schon alt und grau, eine letzte Lebenszuflucht in der Statisterie der Filmstadt Hollywood; dort fristet er ein elendes Dasein ohne Glanz und Glück, vis ihm eines Tages der (seltsame, aber vollkommen glaubhaft wirkende) Zufall eine allerletzte Chance in die Hand gibt. Ihm wird der Auftrag, in einem russischen Kriegsfilm die Episodenrolle eines russischen Großfürsten und Generals darzuftellen, ... für ein paar Augenblicke das zu spielen,was er früher, vor zehn Jahren einmal, gewesen ist: in einer visionären Erinnerung lebt er (ein früheres Leben zum zweiten Male und stirbt kurz danach in der kleinen Szene, die ihm unendlich viel mehr bedeuten muß, als eben nur eine kleine, alltäglich - theatralisch aufgebaute Filmepifode vor öen Jupiterlampen des Aufnahmeateliers. Soziale Spannungen. Don unserer Berliner Redaktion. . Im Reichsarbeitsministerium haben Verhandlungen über die Umgestaltung desSchlrch- tunaswesens ftattgefunben. Es find Vertreter aller irgendwie an sozialpolitischen Fragen beteiligten Organisationen eingeladen worden, so daß, wie bei solchen Enqueten leider üblich, die Aussprache an Gründlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen roirb. Ein Umbau des Schlichtungswesens, eine Acnderung in der Taktik der Schlichtungspolitik ist nicht zu vermeiden, denn gerade diese Taktik hat das Schlichtungswesen verfälscht. Wir kennen ja den Schulfall, der die ganze Unzulänglichkeit der Schlichtungspolitik offenbart hat: Den sogenannten Essener Schiedsspruch für den Ruhrbergbau vom Frühjahr 1928. Der Schlichter, der sich vorher weder beruflich noch außerberuflich mit Bergbaufragen beschäftigt hatte, der durch seinen Schiedsspruch selbst zu erkennen gab, daß ihm die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge fremd sind, bürdete dem Ruhrbergbau allein durch seinen Schiedsspruch eine ß a ft von ach t z i g Millionen Mark im Jahre auf. War das schon eine außergewöhnliche Leistung, so war es noch mehr die, die den Schiedsspruch nut der Klausel ausftattete, daß nach einer Ko hlenpreis- erhöhung neuerdings eine Lohnerhöhung ber Bergarbeiter in Erwägung gezogen werden könne oder miffse. Nun ist das deutsche Schlichtungsgesetz so aufgebaut, daß der Schlichter in erster Instanz keine Verantwortung trägt, ja, diese Verantwortung wird ihm ausdrücklich abgenommen dadurch, daß die übergeordnete Instanz des Reichsarbeitsmi- Nisters den Schiedsspruch für verbindlich erklären kann. Tatsächlich hat sich jedes Schlichtungsverfahren bisher so gestaltet, daß die Gewerkschaften an sich und mit Absicht ihre Forderungen überspannten, weil sie erfahrungsgemäß damit rechnen oder rechnen konnten, daß der Schlichter wenigstens einen Teil der Forderungen bewilligen würde. Der Leitgedanke der Schlichtungspolitik war, Arbeitskämpfe, d.h. Streiks ober Aussperrungen zu vermeiden, weil sie nach so- zialbureaukratischer Auffassung gleichbedeutend sind mit schweren sozialen und wirtschaftlichen Erschütterungen. Ist dadurch nun der 2Irbeitsfriebe gesichert worben, ist es insbesondere dieser Taktik gelungen, einen Gleichgewichtszustand herzustellen, b. h. die Interessen der Arbeitgeber und der der Arbeitnehmer einander näherzubringen? Das muß verneint werden, denn aus ber Schlichtungspolitik ist ein Zwangsverfahren für bie Lohnpolitik geworden mit dem Ergebnis, daß die so festgesetzten Löhne jeden Zusammenhang mit der Wirtschaft ober ber einzelnen Wirtschaftsgruppe verloren haben. Wäre es anders, so müßte doch eine gewisse Beharrung eingetreten, d. h. so würde also jeweils mit längerer Dauer der Tarife zu rechnen sein. Heute werden die Tarife so kurzfristig als möglich abgeschlossen, weil kein Teil mit ihnen zufrieden ist, weil jeder Teil hofft, bei der nächsten Gelegenheit ein anderes Ergebnis zu erzielen. Soweit die Gewerkschaften sich dem Schlichtungswesen widersetzen, geschieht es nur deshalb, weil sie aus dem Schlichtungsverfahren eine lohnpolitische Waffe für s i ch allein machen wollen. Ihre Kritik geht darauf hinaus, daß der Schlichter nichts anderes tun oder lassen soll, als die Forderungen der Gewerkschaften mit der Kraft des Schiedsspruchs auszustatten. Trotzdem setzen sich die Gewerkschaften auf der anderen Seite für eine Wirtschaftsdemokratie ein, wobei der Schluß naheliegt, daß sie sölber über die Tragweite dieser Demokratie nicht recht klar sind. Eine Wirtschaftsdemokratie, b. h. ein Mitbestimmungsrecht der Arbeiter bei betriebswirtschaftlichen, also auch lohnpolitischen Fragen, muß auf der anderen Seite auch mit der Verantwortung für die Ertragsfähigkeit des einzelnen Betriebes belastet sein. Wenn nach dem Willen ber Gewerkschaften alle Löhne von ftaatsroegen zwangsweise festgesetzt werden sollen, so bleibt für bie verantwortliche Wirtschaftsführung fein Spielraum mehr. Die Produktion ist nicht ein Ding an sich, die unter allen Umständen sichere und bestimmte Erträge liefert, wobei der Lohn einfach anteilsgemäß berechnet wird. Die Produktion ist vielmehr eine Summe wirtschaftlicher Vorgänge, bie einzeln gewertet und berechnet werben müssen, wobei es im Interesse aller Beteiligten liegt, jede Unsicherheit in der Betriebswirtschaft möglichst auszu- rum, lerbolt lieiu W-, ifen. mlfurt (Ml- enes] — , Besacbi dl« Bindel«- fe I icknl» Ennzelmana! klein. Lrrk- i vnk. 00 M jeb. u. Unt Verloren ftjWg d. 20. b, nm, in Siabr. Toiwunb mH Ob®. “ itfaSÄs --1 V.9.A. ZG 3-T-s •Sät« UderSlMitt Ilm 8flt,lhrjetS<8”°D sä** $5«=$S tg&gi ’jä e- eln c emv- '.V S*S leiden, SCtDti' belle1 nd Frt- , Kepl- ,i«i0B' riiitres irUtfe” irtiir 150 *- .tfff *u- s jttniM an*e0' iinj, eflP TT'MDkrlpitkr ® ÄÄ.IL * S)ic öncnilidjTSe* leibUuns u. die Be» bauDtunfltn, weise ltij nm 20. etwa Hcrin Fritz Vetter nnb Frau oemaebt habe, nnb unwahr unö ich nehme bifr ,eibeninitdemM' undedauerimruL Bastian Klein. IN . les »ich! Sch an btr WtaimW mrinSWLß. rE-W In allen Zivchtn 'M. Xrtmi n. flltlntier rünbUc^e Kntcrodfuv. fn von handardeiierr, Deitz- ieidennachen, sowie tyeore- ii)t aus den verschiedensten Wer-enstonspreiseinschl. w.Äeqinn b. nächsten Kursus 929. / Auslnnst sowie Sen chahnMiWiM Such WwinWM AeinslraM 9324 0_________ Bi Die frankfurter Großmarkthalle nutzt, die nur geringe Zugkraft erfordert, und die es sogar ermöglicht, daß ein Mann die Maschine selbst versehene ein die die Örtseinwohner seine Nachbarn mit gefährlichen Gegenständen. Er bewaffnete sich mit Aexten und v'e r b a r r i k a d i e r t e sich in seiner Wohnung. Als er von seinem Hauswirt aufgesucht wurde, drang er auf diesen mit der Axt ein. Der Bedauernswerte, der bereits elf Jahre seines Lebens in der Irrenanstalt verbracht hat, wurde wiederum dem Gewahrsam einer A,.statt zugeführt. WEN. Hausen sämtlich für Doppelpferdegespanne gebaut waren. Während diese Zahnradgetriebe' verwenden, hat Rühl eine sehr sinnreiche Exzenterübertragung be- zum Zwecke des Amssischens, das eine auswärtige Großfirma übernommen hat. Letztmalig wurde das Wasserbecken vor vier Zähren ausgefischt. Anschließend setzte man 10 000 junge Fische ein. Diese haben sich inzwischen vorzüglich entwickelt, zum Äril zu Tieren von 8 bis 9 Pfund. Man darf deshalb mit einer Deute von mehreren hundert Zentnern rechnen. Früher wurde das Ausfischen des großen Teiches in größeren Zeiträumen wiederholt. Beim letzten „Fischzug" vor vier Jahren, der nach einer Pause von etwa 15 Jahren vorgenommen wurde, waren Tiere von 16 bis 20 Pfund keine Seltenheit. 4 Butzbach, 22. Oktober. Der stattliche E r « Weiterungsbau an der hiesigen^ahn- torschule geht seiner Vollendung entgegen. Die beiden neugewonnenen Säle werden mit allen Neuerungen der Dautechnik ausgestattet. Sie erhalten Steinholzböden und Dauerlüfter; der obere Saal bekommt noch Oberlicht. Anfang November werden die Säle nach Fertigstellung der Zentralheizung bezugsfertig fein. In diesem Schulhaus werden dann untergebracht vier Volks - schul- und zwei Fortbildungsschulckassen. Die Langgaßschule b.hnlt die übrigen Fortbildungs- schulckassen und bekommt ab 5. November noch die Landwirtschaftliche Winterschule. Die Kleinkinderschule, die auch in dieser Schule untergebracht war, befindet sich seit • einiger Zeit im Neubau. WSN. Beienheim, 22. Okt. Gestern nachmittag wurde Pfarrer Groth, der in Meckesheim Gottesdienst abgehalten hatte, unmittelbar vor Beienheim auf der St raße tot aufgefun- fein empfehlender Anblick für ein Städtchen, das seiner schönen Lage und seiner gesunden Luft wegen mit Recht als ein Luftkurort bezeichnet werden darf. Im Sommer wird durch das Grün der Sträucher die ungepflegte Anlage etwas verdeckt, aber jetzt nach dem Laubfall fällt das Aeußere der Anlage besonders unschön in das Auge. Hoffentlich hilft die Stadtverwaltung dem ilebel bald ab. U Rodheim cud. Horloff, 22. Okt. ilnfere im Sommer erbaute Kirchenheizung wurde am gestrigen Sonntag beim Abendmahl der obersten Altersklasse erstmalig in Betrieb gesetzt. Die Heizung, eine Warmluftanlage, arbeitete befriedigend. Die nach Fertigstellung vorgenommene Probefeuerung zeigte starke Rauchentwickelung rm Kirchenraum, jedoch ist nun durch Aufsehen ernes Rohres auf den Schornstein diesem Hebel abgeholfen worden. s. Utphe, 22. Oktober. Welche Fortschritte die Verwendung von Maschinen in der Landwirtschaft macht, beweist der Umstand, daß in unserem kleinen Dorf in diesem Herbst allein fünf neue Kartoffelerntemaschinen verschiedener Systeme angeschafft worden sind. Trotz ihrer mißlichen wirtschaftlichen Lage erblicken die Landwirte in diesem Schritt einen Vorteil, da die Arbeitskräfte, die gerade im Herbst so sehr benötigt werden, immer rarer und teurer werden. — Mehr und mehr bürgert sich auch mit der zunehmenden Verwendung künstlicher Düngemittel eine neue Düngerstreumaschine ein, die der hiesige Schmiede- meister Rühl eigens für leichten Zug konstruiert hat, während die seitherigen Maschinen dieser Art Am Donnerstag wird in Frankfurt a. M. die von der Stadt Frankfurt in der Nähe des Osthofens erbaute Frankfurter Großmarkthalle offiziell eröffnet werden. Mit diesem Bauwerk, das von dem Frankfurter Baudirekto.', Professor E l - s a e s s e r, geschaffen wurde, hat die Mainmetropole eine neue städtische Schöpfung von eindrucksvoller Gestalt und zweckdienlicher Anlage erhalten. Der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. gab gestern einer Anzahl Pressevertreter, darunter auch einem Vertreter des „Gießener Anzeigers", Gelegenheit, die imposante Großmarkthalle eingehend zu besichtigen. In dem Verwaltungstrakt versammelten sich in der zwölften Mittagsstunde etwa 50 Presseleute, die nach einer kurzen Begrüßungs-Ansprache durch Stadtrat L i n g n a u , namens des Oberbürgermeisters und der gesamten Verwaltung, unter der Führung des Schöpfers dieses Baues, Professor E l s a e s s e r, einen mehrstündigen Rundgang durch alle Abteilungen des Gesamtwertes unternahmen. Man konnte hierbei feststellen, daß der Stadt Frankfurt a. M. und dem Handel in Frankfurt und engerer und weiterer Umgebung in dieser Halle ein zentraler Handelsplatz geschaffen wurde, den man als einzigartig und vorbildlich bezeichnen muß, und der in sich wohl das Modernste auf diesem Gebiete darstellt. Im Anschluß an den Rundgang fand eine Filmvorführung statt, in der unter erläuternden Worten von Professor E l s a e s s e r die Entstehung des mächtigen Bauwerkes bildmäßig gezeigt wurde. Ein gemeinsamer Frühstücksimbiß in dem behaglichen Markthallenrestaurant vereinigte Gastgeber und Gäste noch zu einer gemütlichen Plauderstunde, bei der u. a. Stadtrat Lingnau Gelegenheit nahm, die wirtschaftliche Bedeutung dieses Werkes für Frankfurt und seine Umgebung, sowie die an diesen Bau geknüpften Hoffnungen der Frankfurter Stadtverwaltung darzulegen. Voll Befriedigung über den lehrreichen Besuch schieden die Gäste. Oie Einzelheiten der Halle. Die Frankfurter Großmarkthalle, die in einzelnen Teilen bereits seit Juni benutzt wird, ist jetzt t) öl Kommen fertig gestellt. Sie hat zwei verschiedene Aufgaben zu erfüllen: den Reexpeditionsverkehr, der Frcrnlsurt als das Zentrum reichster Obstgebiete und als srachttechnisch günstigen Eisenbahnknotenpunkt zu einem weitreichenden llmschlags- platz für den Früchtehandel machen soll, und die Versorgung Frankfurts mit Obst und Gemüse. Der ersten Aufgabe dient die I m p o r t- halle mit ihren Gleisanlagen, der zweiten die eigentliche Derkaufshalle mit ihren Neben- anlagen. Die Bauten der Großmarkthalle, bestehend aus der eigentlichen Verkaufshalle, dem Dureauhaus, dem Kühlha us, den östlichen und westlichen Wohnungsanbau- ten und der Jrnporthalle, liegen auf städtischem Gelände. Die Hauptlebensader für den Betrieb ist der Anschluß an die städtische Hafenbahn. Die in die Halle einlaufenden Gleise sind in Sägesorm ungeordnet, so daß man von jedem einzelnen Waggon ohne Benutzung von hinter» oder ülebersührungen in die Halle gelangen kann. Die halle ist 220 2Nelcr'(mit den Kopfhäuten 250 Meter) lang, 50 Meter breit und in den Gewölben 17 dzw. 23 Meter hoch. Gurten Preußen. Kreis Wetzlar. Wetzlar, 22. Okt. In Mü nchholz - (Kreis Wetzlar) bedrohte ein 68jähriger Von der Gesamtfläche von 11000 Quadratmeter entfallen 6500 Quadratmeter auf Groß- und Kleinhandelsstände. Die Großhandels- stände mit vorgelegten Dureauanbauten befinden sich längs den Außenwänden und stnd durch Scherengitter abgeschlossen. Die seitlichen Ausgänge besitzen Windfänge, von denen aus die Kellertreppen, die Mülleinwurfschächte, Brunnen und verschiedene Geräteräume der Markt- Dertoattung erreichbar sind. Auf den beiden Drücken, die die gewaltige Halle im Innern von der einen zur anderen Seite überspannen, sind Kaffeewirtschaftene ngerichtet, außerdem befindet sich dort die Markthallenaufsicht mit den Schalttafeln für die gesamte technische Em- richtung. Die Beleuchtung erfolgt durch tiefhängende, hochkerzige Lampen; die Belüftung mittels mechanisch bewegter Fensterflügel. D.e Beheizung mit warmer Lust ermöglicht ein Freihalten der Halle von Frost. Das Bureauhaus enthält im Erdgeschoß Verkaufsräume, im 1. Obergeschoß die Marktkasse und Geschäftsräume, im 2. Obergeschoß die Marft- direktion mit ihren Kanzleien und die Aufenthaltsräume für die Marktaroeiter, in den sechs oberen Geschossen v rmtetbar? Bureauräume von insgesamt 2000 Qua ra met r sowie zwriAtelie.s. Das Kühlhaus enthält 3000 Quadratmeter Kühlfläche. Im Erd- und im Galeriegeschoß liegen Derkaussläden. Der Keller enthält die Moschinen- anlage und eine Eisfabrik mit einer Tagesproduktion von 220 Zentner. Die Jrnporthalle dient der Lagerung von Südfrüchten, Südwein und anderen Hmschlags- gütern. In einem oberen Geschoß stehen den interessierten Großfirmen Bureauräume zur Verfügung, für deren Verbindung mit den zugehörigen Lagern durch reichliche Anordnung von Treppen und inneren Fenstern gesorgt ist. 3m Anschluß an die Jniporthalle liegt die 400 Quadratmeter große Sortierhalle, in welcher sich, gegen die Blicke Außenstehender geschützt, der mit starker Abfallbildung verbundene Betrieb der Warenauslese vollzieht. Bei den großen Abmessungen der Halle erweckt die konstruktive Lösung besonderes Interesse. 15 Tonnengewölbe mit Abmessungen von 14,00/37,50 Meter, auf schräg ansteigenden leichten Stützen gelagert, überspannen die riesige Halle. In enger Zusammenarbeit zwischen Architekt und Ingenieur entstand eine Lösung, die zugleich als Gewinn eine glänzende Belichtung und Belüftung mit sich brachte und der Halle ein frisches und heiteres Gepräge gibt. Die ansehnliche. Bauhöhe von 17 bzw. 23 Meter ist nicht nur vom räumlich architektonischen Gesichtspunkt aus gerechtfertigt, sondern auch durch die Rücksicht auf die gute Lüftung der Halle bedingt. Der Kostenanschlag soll nach den Angaben von amtlicher Seite nicht überschritten worden sein. Die Angaben der genauen Zahlen wäre indessen heute noch verfrüht, da die Ab- rechinungsarbeiten noch im Gange sind. Don der Dausumme entfällt nur ein Teil auf rein bauliche Ausgaben. Die von den städtischen Körperschaften genehmigten Mittel von 13 735 000 Mk., zuzüglich der Nachbewllligung von 642 000 Mk. für das Kühlhaus und 515 500 Mk. für Schulkinderspeisung, somit insgesamt 14 892 500 Mk., wurden nahezu aufgebraucht. Witwe Margarete Lim Perl, geborene Gantz, im 90. Lebensjahre. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 22. Oft. Gestern wurde in unserer Gemeinde das Erntedankfest verbunden mit der Frier des heiligen Abendmahles gefeiert. Vor zahlreich versammelter Gemeinde predigte der Geistliche über das Wort: „Was der Mensch säet, das wird er ernten“. Im Anschluß an den Gottesdienst gab er bekannt, daß die Erben des am 11. Oktober verstorbenen Fvl. Langsdorf der Kirchengemeinde einen wertvollen, reich verzierten silbernen Pokal zum Gebrauche beim Abendmahl gestiftet hätten. Dieser. Pokal sei zwar ein Geschenk der Spar- und Vorschuhkasse Homberg für ihren Vater, den Steuerrat Langsdorf, gewesen, der 25 Jahre lang als Leiter dieser Kasse mit großem Segen gewirkt habe. Aber deshalb werde der Pokal doch mit großem Danke seitens der Kirchen gemeinde angenommen. — 3m Anschluß hieran sei noch erwähnt, daß genannte Erben auch unserer Sanitätskolonne zwei ge» brauchst hi ge Fahrstühle, sowie mit Handgrift den. Ein Herzschlag hatte seinem Leben Ziel gesetzt. Kreis Schotten. V Gedern, 21. Oft. Heute früh starb älteste Einwohnerin unserer Stadt, über den Acker zieht, wie dies aud) öfters geschieht. Diese Neuerung ist unter Musterschutz gestellt. Da sie die Maschine des kleinen Landwirtes sein soll, dem keine Maschinenhallen zur Verfügung stehen, ist als weiterer wesentlicher Vorzug anzusprechen, daß der Düngerstreuer vollständig auseinandernehmbar und auf kleinstem Raum aufzubewahren ist. Auch kann er dadurch leicht von den Salzen, die zum Teil die Eisenteile angreifen, gereinigt werden. Bei der Einführung dieser Maschine spielt außer der Zeitersparnis auch der Umstand eine wesentliche Rolle, daß eine viel gleichmäßigere und deshalb sparsamere Verteilung der Düngesalze gewährleistet ist, als beim Streuen mit der Hand. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 22. Okt. Der gestrige Abendzug Bad Hornburg — Friedberg wurde kurz hinter Holzhausen durch Ziehen der Notbremse zum Stehen gebracht, weil ein Mann, der auf der Holzhausener Kerb allzuviel getrunken hatte, gegen die Mitreisenden tätlich wurde. Auf dem Bahnhof R o d h e i m kam es dann zu weiteren Ausschreitungen, besonders gegen Bahnbeamte. Der Zug mußte wiederholt nach seiner Abfahrt halten. Erst als sich im ganzen 20Personen an der „Besänftigungsaktion" gegen den Tobenden beteiligten, gelang es, die Fahrt ungestört fortzu- setzen. LPD. Friedberg, 22. Oft. Am Kupfernen S o n n t a g soll auch hier ein L i ch t f e st abgehalten werden, bei dein im Vorjahre gute Erfolge im Interesse der Verkehrswerbung erziell wurden. 4 Vom hessischen Taunus, 22. Okt. Wer jetzt durch unsere Wälder wandert, kann sich davon überzeugen, daß der heurige Herbst eine selten reiche Ernte an Eicheln gebracht hat. Die Früchte fielen nach den Frösten der vorigen Woche massenhaft ab- und bedecken den Boden unter den Eichen wie gesät. 3n kurzer Zeit könnte man die Eicheln zentnerweise sammeln. Noch vor wenigen 3ahren unterzog man sich vielerorts dieser Mühe. Heuer ist aber von einer „Eichellese" kaum etwas zu bemerken. Die Tiere des Waldes behalten so einen reich gedeckten Tisch, besonders die bei uns in den letzten 3ahren häufiger gewordenen Wildschweine — Bad-Nauheim, 22. Okt. Ein ernsteres Motorradunglück ereignete sich dieser Tage auf der vom 3ohannisberg steil ab zur Englischen Kirche führenden Bergstraße. Zwei in Darmstadt beschäftigte Friedberger, die gemeinsam einen Ausflug nach dem Johannisberg unternommen, wurden bei der Abfahrt von dem Unfall betroffen, der jedenfalls durch Versagen der Handbremse entstanden ist. Während der Lenker der Maschine noch ziemlich heil davonkam, wurde der Mitfahrer, Lehramtsassessor Dr. I h l, vom Sih geschleudert und ernstlich verletzt. Er wurde mit dem hiesigen Sanitätsauto ins Friedberger Krankenhaus übergeführt. 2$. Bad-Nauheim, 22. Okt. Einer der bekanntesten hiesigen Badeärzte, Sanitätsrat Dr. Wens, starb unerwartet auf einer Erholungsreise in Konstanz. Früher in Bielefeld, seit 25 Jahren hier tätig gewesen, erwarb er sich als langjähriger Terater im Ku.verwalturgsamschuß und im Vorstand der hiesigen' Aerzlevereinigung pielsache Verdienste um unser Bad. — Eine große Anziehungskraft auf die Sonntagsspaziergänger von Bad-Nauheim und Friedberg übte dieser Tage der allen Besuchern unserer Badestadt bekannte große Teich aus. Das große Wasserbecken wird zur Zeit abgelassen und bietet so interessante Einblicke in sein reiches Tierleben. Dieses zieht besonders die Jugend an, die eifrig mit dem Fang von Muscheln und Krebsen beschäftigt ist. Die Entleerung des Teiches erfolgt —c— Krofdorf, 22. Oft. Am Samstagabend beging der Turnverein e. V. (D. T.) das Fest seiner Turnhallen weihe. Große Befriedigung über die endliche Vollendung des Eigenheims und herzlicher Dank für die opferfreudig« Mitarbeit aller Vereinsmitgli:d:r klang als Leitmotiv schon aus den Degrüßungsworten des 2. DorsitzendLN, Kaufmann S. S ü ß k i n d, der in Vertretung des durch Trauer verhinderten ersten Vorsitzenden, Lehrer Jäger, den Festabend eröffnete. Vor mehr als 600 Personen, die den großen Saal der stattlichen Halle bis zum letzten Platz füllten, hielt Stud.enrat Walter Fabel (Wetzlar), ein geborener Krofdorfer, seine tiefgreifende Weiherede. In großen Zügen, und doch belebt durch wertvo le E.n^elhrilen, lieh er vor bem geistigen Auge feiner aufmerk amen Zu- hörer den Werdegang des Hallenbaues vorüber- ziehen, der schon einmal, an der Schwelle des Weltkrieges, vor seiner gesicherten Ausführung stand. Turnerisch und wirtschaftlich mußte nach dem Zusammenbruch wieder gan^ von vorne begonnen werden, und da zeigte sich, was ernster Wille und Begeisterung auch in einem Heinen Landverein vermag. Trotz schwerer Berufsarbeit im Feld, Werkstatt, Fabrik und Amt brachten die Mitglieder große Opfer an Zeit und körperlicher Arbeit und schulen damit zu gleicher Zeit ein Sinnbild der Dorsgemcinschaft, die sich über Parteigegcnsätze und soziale Schichtung hinaus erhebt. Der gemeinsame Gesang der 3. Strophe des Deutschlandliedes leitete den Gedanken ü'-er auf die größere Dolksgrm:inschaft. Landrat Dr. Sartorius (Wetzlar) beglückwünschte den Verein zu dieser Leistung aus eigner Kraft und gab seiner Befriedigung darüber Ausd.uck, daß er an der Beseitigung so mancher Hindernisse habe mit helfen rönnen; aber auch für di.' geistige Jugendpflege müsse Raum und Ce egenheit hinzu- lommen, und in dieser Richtung werde das Kreisjugendamt durch den Einbau einer Radioanlage mit Lautsprecher Weiterhelsen können. Bürgermeister Drockmeier (Krofdorf) sprach sich in gleichem Sinne aus und hob in anerkennenden Worten hervor, daß mit dieser Turnhalle die erste im Amtsbezirk erstanden sei. Fabrikant Artur Pfeiffer (Wetzlar) sprach als 1. Vertreter des Turngaues Hessen und des Mittelrheinkrcises, zugleich im Namen der zahlreichen Turngäste aus Nachbarvereinen, dem zähen und rührigen Bruderverein dankbaren Glückwunsch aus und weihte die Halle als sichtbares Zeugnis einer vertieften Auffas ung von dem Wesen der Deutschen Turnerfchaft, das ja nicht bloß körperliche Ertüchtigung, sondern in und mit ihr opferfreudige Mitarbeit an dem Leben in der Volksgemeinschaft um ässe. Gleichzeitig überreichte er unter lebhaftem Beifall dem 70jährigen Landwirt Turner Karl Heyer, der im Sinne und zum Andenken an seinen, einem Kriegsleiden erlegenen ein i;en Sohn Adolf den Bauplatz zur Halle geschenkt hatte, und ferner dem verdienstvollen langjährigen 1. Turnwart Wilhelm Leib einen Ehrenbriest Auch der Turnverein enthüllte zum Dank für die Hehersche Stiftung eine Gedenktafel an der Empore des Saales. Der Kreisverband für Leibesübungen im Kreise Wetzlar schloß durch seinen Vertreter Fischer (Wetzlar) die Reihe der Glückwünsche. .Sinter feierlicher Ansprache des Lehrers Adolf Rinn und dem gemeinsamen Gesang des Liedes vom guten Kameraden wurde die im Jahre 1922 geweihte Ehrentafel für die im Weltkrieg gefallenen 26 Turnbrüder in die Halle eingebracht. Zum Schlüsse überreichten die 21 Krofdorfer Kölnfahrer eine Fahnenschleife zum Andenken an das 14. Deutsche Turnfest. Der zweite Teil der Festfolge zeigte den Krofdorfer Verein in allen seinen Abteilungen auf beachtlicher Höhe seiner turnerischen Leistungen. 3m bunten Wechsel waren die Ansprachen und Darbietungen durchsetzt von Chören des Gesangvereins Germania, unter der Leitung seines 70 3obre alten Chormeisters Ludwig Abel, von Liedern des gemischten Chores des Turnvereins, unter Leitung des Musikers Re eh, von gemeinsamen Liedern und den ernsten und heiteren Weisen der Musikkapelle Weller. Der stimmungsvolle Verlauf des Abends hielt die Teilnehmer lange zusammen. Für die tUncräMsser Natürliches Geiundheit Jecn Weisel, Gießen, Sonnenstra&e 6, Telephon Nr. 88 genei/nmen/, Mwmnwb Zur Bereitung von Suppen und Soßen Achtung! Kaufe Weinflaschen, Kognakflaschen, Lumpen und Papier. Bestellungen nehme entgegen. Postkarte genügt! [07488 Süskind, Neuenweg 29. Führendes Rheinisches Weingut sucht Provisionsvertreter Gesucht werden geeignete*yetfönlidi' feiten m. gut. Beziehungen zuPrivat» abnebmern, Kasinos und Hotels: geboten: erstkl. Weine etg. Produktion. Offerten unter U8009 an Annoncen- frena, Mainz. „ 9333V MßttMkl (für Botengänge, genfterreinigung ufw.) für hiesiges, größeres Geschält gesneht. Gewissenhaften und fleißigen Menschen ist Dauerstellung geboten. 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Der Bezirksvorsteher berichtete ergänzen!) zum „Hessisschen Kamerad" über den Hasfia-Ver- bandstag in Wimpfen. Um die Kosten der Kriegsopfer-Organisation durch den Hassiaver- band fernerhin tragen zu können, beschloß der DerbandStag die Erhebung von jährlich 5 Pfennig pro Mitglied. Die Frage der Errichtung eines Kriegerheims innerhalb der Hassia wurde vom DerbandStag sympathisch ausgenommen: die Stiftung eines Hassia-Großkreuzes fand keinen Anklang: hinsichtlich der Bezahlung der Vorträge in den Vereinen bleibt es beim seitherigen Modus. Den Hassiatag 1 9 2 9 erhielt Worms, er findet am 9. 3uni statt. Für 1930 bewerben sich um den Hassiatag dir Vereine Alsfeld, Nidda und Büdingen. Der Reichs-Kriegertag 1929 soll am 20. und 21. 3üli in München abgehalten werden. Dem Kriegerverein Gro- ßen-Lmden dan t? der Vorsitzende für die überaus freundliche Ausnahme gelegentlich des diesjährigen Dezirksfestes, das einen glänzenden Verlauf nahm Anschließend referierte der Vorsitzende über den Hessischen Landeskriegertag in Offenbach. Heber einen Antrag des Kriegervereins Gießen, betreffend Dezirkssest und Versicherung gegen Regenwetter, entspann sich eure längere Aussprache, an der sich zahlreiche Ver- einsvorsihende beteiligten. Schließlich zog der Kriegerverein Gießen seinen Antrag zurück, und auf Antrag der Vereinsvertreter von Annerod und Leihgestern wurde beschlossen, daß der Bezirk fortan eine Umlage von 5 Pfennig erhebt und davon die Regenwetter-Versicherung bei Bezirks- sesten bezahlt. Heber die Organisation der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen berichtete Lehrer D ö h n (Gießen). Er betonte, daß die Fürsorge für die Kriegsopfer eine der wichtigsten Aufgaben der Hafsia und der Kriegervereine fei, ihre Organisation dürfe nicht von der Hassia getrennt werden. Gr lud zur Teu- nahme an der L andest agung derKriegs- beschadigten - und Hinrerbliebenen-Organisa- tion der Hassia ein, die am 10. und 11. November in Gießen ftattfinöet. Aus Starkenburg und Rheinhessen seien bereits zahlreiche Anmeldungen eingelaufen, grei quartiere stünden zur Verfügung. Die Hauptversammlung leitet der 1. Vorsitzende der Landesgruppe, Lehrer 31) r i g (Darmstadt). „Jugendbewegung und Wahl eines 3ugendleiters" war das Thema, über welches K. Drück (Lollar) referierte. Die Betätigung in der 3ugendorganifation — so führte der Redner aus — liege im Interesse des Nachwuchses der Kriegerrereine und des Kyffhäuser-Bundes. Die Jugendbewegung sei neben der Fürsorge eine wichtige Zukunftsaufgabe des Verbandes. Später solle man die Jugend in Kyffhäuservereinen zu- sammenschliehen, welche die Bestrebungen der Kriegervereine übernehmen würden. Auch in Hessen habe man mit der Gründung von 3ugenb- gnippen begonnen, die älteste besitze der Kriegerverein Lollar feit 1925 Die 3ugendgruppen sollten sich betätigen in Wanderungen, sportlichen Hebungen, Schießsport: jede militärische Betätigung sei abzulehnen. Der Vorsitzende bat die Vereinsvorsitzenden, die Angelegenheit in den Vereinen bis zum Frühjahrsbezirkstag zu besprechen, im Laufe des Winters solle eine3ugend- Ieitert>erfammlung in Gießcn abgehalten werden. Zu dem am 18. November in Darmstadt beabsichtigten Hassia-3ugendführertag wurde Brück (Lollar) als Vertreter des Bezirks Gießen bestimmt. Einen Antrag auf Abhaltung e i n e sBe - zirkspreisschießens in Gießen hatte Kamerad A. Klein (Gießen) eingereicht. Das Schießen soll im Laufe des nächsten Sommers tob W vom Simmel. Vornan von Paul Enderling. Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin. 24. Sortierung. Nachdruck verboten. „Das wirst du nicht tun, Inge." Seine Stimme hatte alles Schroffe verloren. E^ klang wie eine demütige Bitte: „Tu es nicht. Ich bitte dich darum." Als sie schwieg, stand er auf, nach der Ecke gehend, aus der er ihre Stimme zuletzt gehört. „Ich bitte dick selten, so selten. Aber nun bitte ich dich." Als sie ihn auf fick zutasten sah, hilflos und schwach geworden, wuroe sie weich. „Wie du willst, Vater." „Du entaleiteft mir, Inge. Ich fühle es, wie du mir entgleitest. Was bleibt mir, wenn du nicht mehr bei mir sein willst?" Da ging sie zu ihm und schloß ihn mit einer Art mütterlicher Gebärde in die Arme. „Ich bleibe ja bei dir." Aber ihre Augen sahen über ihn hinweg über den blinden Mann hinweg, in die Ferne —. „Uebrigens, wir verreisen morgen." Ihre Arme sanken. „Wohin?" „Du wirst es noch rechtzeitig hören. Laß Si für alles sorgen." „Weswegen reifen wir, Vater?" „Es find wichtige Dinge im Werk", begann er leise. „Aber nichts für dich. Nichts für dich." „Du weichst mir aus. Aber diesmal darfst du mir nicht ausweichen. Meinst du, ich verspüre nicht, daß hier etwas vorgeht? Warum vertraust du es mir nicht an? Du warst früher anders." Er stand, an den Schreibtisch gestützt, wieder ruhig und beherrscht. „Vertrauen gegen Vertrauen, Inge. Hast du mir nichts zu sagen?" „Ich bin in Angst Vater, merkst du es denn nicht? Ich glaube, Blinsky ist ein schlechter Berater. Er wird dich ..." „Er ist mein Privatsekretär, der seine Pflicht tut. Nichts gegen ihn! Er opfert sich in meinem Dienst auf." Sie sagte nichts mehr. Sie fühlte ein dunkles Schicksal Heraufziehen, gegen das sie wehrlos war. „Du bist in geschäftlichen Dingen nicht gewandt genug, als daß ich dir die gewaltigen finanziellen auf den Schießständen des Schühenvereins Gießen vorgenommen werden. Der Puntt wurde bis zum Frühjahrs-Bezirkstag zurückgestellt. Hinsichtlich des Reichskriegertages in München regten P o st (Großen-Linden) und C h r i st (Lollar) die Einlegung von Sonderzügen und Hnter- stützung durch die Hassia an. Der echt kameradschaftlich verlaufene Bezirkstag konnte nach dreistündigen Beratungen vom Bezirksvorsteher geschlossen werden. Die Sauptversammlung des Landesverbands Hess. Obst- und Kartenbauvereine fand am Sonntag im Hotel Stern in Büdingen in Anwesenheit des Gesamtvorstandes, sämtlicher hessischer Kreisdirektoren und überaus zahlreicher Besucher aus allen Teilen Hessens statt. Geh. Rat v. Hahn von der Landwirtschaftskammer Darmstadt betonte einleitend, seit Bestehen des Verbandes sei eine so erfreuliche Beteiligung an der Hauptversammlung nicht zu bemerken gewesen wie hier, zu der alle hessischen Vereine ihre Vertreter entsandt hätten. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden i'st hervorzuheben, daß nunmehr auch der Kreis Alsfeld angegliedert ist. Es fehlt nur noch Mainz. 3m abgelaufenen Berichtsjahr ist der Landesverband Mitglied der süddeutschen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Obstbaues geworden, der Bayern, Württemberg, Baden und Hessen umfaßt. Eine Anzahl Kurse für gärungslose Obstvertrertung sei in mehreren Orien ins Leben gerufen, um auch auf diese Weise den Mißbrauch geistiger Getränke zu bekämpfen. Es sei der Beschluß gefaßt, auch nach Hebergang der Kreisstrahen an die Provinz die Kreisobstbaubeamten beizubehalten. Das Bestreben, die Absatzverhältnisse des Obstes zu vereinfachen, habe noch nicht zu Ergebnissen geführt, und Hessen habe es abgelehnt, in dieser Frage eine führende Rolle zu übernehmen. Die Verminderung der Obstsorien und die Schädlingsbekämpfung in einheitlichen Methoden fei eine Aufgabe des Verbandes, während andere Fragen der örtlichen Organisation überlassen bleiben sollen. Die Einnahme betrug einschließlich Kassenvorrat 6556 Mk., die Ausgabe 1792 Mk., so daß ein Bestand von 4754 Mk. verbleibt. Der Vertreter Darmstadts regte an, es solle ein höherer Betrag als der vorgesehene für obstbaufördernde Maßnahmen eingestellt werden. 3m Mittelpunkt der Tagesordnung stand ein Vortrag von Gartenbauinspektor Rentfch- Friedberg über die Ergebnisse des planmäßigen Hmpfropfens in Oberhes en, für welches ein staatlicher Zuschuß gewährt worden ist. Die Notwendigkeit dieser Maßregel, mit welcher ein erfreulicher Anfang gemacht ward, ergab sich aus den Marktverhältnissen mit ausländischem Obst, die nur durch Erzeugung guter Ware in wenigen Sorten gebessert werden können. Hmgepfropft wurden in Oberhessen, mit Ausnahme des Kreises Alsfeld, 7213 Obstbäume mit 161 211 Köpfen. 3m Kreise Friedberg, der 70 Gemeinden umfaßt, wurden in 4 Gemeinden 1197 Bäume mit 33 251 Pfropfköpfen umveredelt. 3m Kreise Büdingen, der 76 Gemeinden zählt, wurde in 40 Ortschaften das Hmpfropfen durchgeführt. Die Zahl der um gepfropft en Bäume betrug hier 4326 (93 030). Der Kreis Gießen mit 80 Gemeinden beteiligte sich mit 12 Ortschaften, wo 925 Obst- bäume mit 23 359 Köpfen umgepfropft wurden. 3m Kreise Lauterbach, der 67 Gemeinden hat, waren 14 Ortschaften beteiligt. Hmgepfropft wurden 644 Bäume mit 8671 Köpfen. Am schwächsten war die Beteiligung im Kreise Schotten, wo nur die Ortschaften Ruppertsburg, Wetterfeld und Wohnfeld 110 Bäume mit 3782 Köpfen umpfropften. Für den Kreis Alsfeld, wo auch umgepfropft wurde, fehlen die Zahlenangaben. Die Hauptsorten waren an Aepfeln Doskoop, Lebe! und Goldrenette von Blenheim. Bei den Birnen wurden Gellerts Butterbirne, Köstliche von Chgrneu, Gräfin von Paris bevorzugt. Die Aussprache war überaus lebhaft. Allgemein kam der Wunsch nach Erhöhung des staatlichen Zuschuss es zum Ausdruck, da nur dann, wenn das begonnene Werk fortgesetzt würde, ein voller Erfolg zu erhoffen Aktionen erklären könnte. Du mußt mir glauben, daß ich das alles nur von dir fernhalte, um deinen jungen Sinn nicht zu verwirren. Es geht um so etwas wie Weltherrschaft oder vielleicht auch um Erschütterung dieser Weltherrschaft. Aber jedes Positive hat ja auch sein Negatives, nicht wahr?" „3a", sagte sie mutlos. „Ich habe die Fäden eines großen Netzes in der Hand. Verzeih' mir darum, wenn ich bisweilen ungeduldig bin. Gegen dich sollte ich es nicht sein." „3ch habe dir nichts zu verzeihen." Einen Augenblick fühlte sie die alte Bewunderung für diesen Mann mit seinem unbeugsamen Willen, der alle Widerstände des Körpers beiseiteschob um einer Aufgaoe willen, die hundert Augen forderte. Aber dann dachte sie an Grotteck und daß sie ihm nun wieder ferner gerückt war. Reiste Vater deswegen? Sie war an plötzliche Fahrten gewöhnt — wo war sie nicht überall gewesen, seit er sein Augenlicht eingebüßt hatte und sie ihm unentbehrlich geworden war? Aoer seit sie hier in dieser deutschen Stadt wohnten, war er feßyaft geworden, bis vor einigen Monaten die ewigen Geheimfitzungen mit all den dunklen Menschen begannen, bis dies Werk sich anbahnte, das sie fürchtete, ohne es zu kennen. Oft hatte er ihren Instinkt anerkannt — warum wollte er jetzt nichts davon wissen, wo sie den Zusammenbruch dieses dunklen Werks fühlte, das sie alle und ihr Glück mit sich reißen würde? Das Schlimmste war: sie träute ihrem Vater nicht mehr. Sie hatte wohl bemerkt, daß er hatte sagen wollen, Grotteck sei in die Falle gegangen. Nur irgendeine alte Gewohnheit hatte ihn im letzten Augenblick umgestimmt und ihn zur Wahrheit genötigt,, die so zögernd herausgekommen war. Sie fühlte etwas wie Haß aufsteigen. Aber da sah sie eine kindlich ungeschickte Bewegung des blinden Mannes, und alles Feindliche ertrank in einer Welle von Mitleid. „Du weißt doch," begann er endlich, „daß ich dir sonst jeden Wunsch erfülle." ,Jga," brach sie heftig aus, „du kaufst mir alles, Auto, Kleider, Perlen, die ich gar nicht will ..." Ueberrascht wandte er sich nach ihr hin. „Ich will, daß du glücklich bist. Du wärest das erste junge Mädchen, das an diesen Dingen keinen Gefallen fände." beugte er sich. Es gelang ihm fast, die Beleidigung des Geldangebots darüber zu vergessen. Das mußte er Inge sagen. Und bis dahin mußten auch Grotchausen und die Mutter warten. Beide würden es verzeihen — Als er seine Wohnung verließ, kam Fährmann an. „Wohin des Wegs, Barönchen? Schon auf die Bahn?" „Ich muß zur Probe", log Grotteck. „Ich soll doch in der Eroika mitspielen? „Ein paar Schritte komme ich mit. Also die Eroika im Sender. Das hat sich der olle Beethoven auch nicht träumen lassen. Großartig ist es übrigens schon, wie er mit den beiden kurzen Schlägen zu Anfang „Paßt auf!" sagt! Und dann der Trauermarsch im zweiten Satz, wo die acht Takte des Hauptthemas von den Hoboen gejammert werden! Das ist schon direkt talentvoll erfunden. Und nun machst du ihn also berühmt?" „Ja, aber unfreiwillig. Weil ich Geld verdienen muß. Das Zusammenspiel macht mir durchaus keine Freude." ,Lch glaube, du spielst darauf an, daß du mir gestern Geld gepumpt hast. Du wirst wohl ein Pyilister?" „Bewahre. Es war nur ein Stoßseufzer." „Nun, wenn man das Geld zu solcher Reise hat ..." „Falls dich das beunruhigt — ich habe es von Zuhause." „Der liebe Mammon!" seufzte Fährmann. „Wie sagt doch der Dichter: Das Niederträchtige ist das Allmächtige — nicht wahr?" Grotteck muhte lachen. „Zitate und Fremdwörter find Glückssache." „Nun, jedenfalls sind wir uns in diesem Punkt einig, daß Armut allein nicht glücklich macht. Wollen wir unsere Erkenntnis nicht im Alcazar begießen? Du mußt mich allerdings einladen." „Geh nur voraus. Wenn ich nicht nachkommen kann, darfst du die Zeche auf meine Rechnung schreiben lassen." Zu dieser Zeit saß Herr Kiewening im Alcazar, neben ihm hockte Dekepper, geknickt und zerstreut. Kiewening war schlechter Laune, obwohl die Geschäfte lange nicht so gut gegangen waren wie in letzter Zeit. Dieser neue Kunde, der sich „Brod" nannte, machte zuviel zu schassen. (Forts, folgt.) fei. Die Besitzer sollten die zum Hmpfropfen bestimmten Bäume kräftig düngen, die im Rasen stehenden bearbeiten, und den Besitzern soll nicht gestattet werden, zur Nachbehandlung in ihren Bäumen zu arbeiten, da hierdurch mehr verdorben als gut gemacht würde. Diese Arbeit sei geschulten Leuten zu überlassen. Es habe sich gezeigt, daß die überall noch reichlich vorhandene Kas eler Renette d'.e Veredlungen schlecht annimmt und die ebenfalls viel umgepfropfte Goldparmäne häufig durch Frost gelitten hat, was nach dem Hmpfropfen dadurch hervortritt, daß der geschwächte Baum versagt. Die Frage, ob man Pfropfreiser von tragbaren oder jungen Reisern nehmen soll, wurde dahin beantwortet, daß es gänzlich gleichgültig sei, ob sie von einem tragbaren oder jungen Baum stammten, auch Wasferreifer wurden fruchtbar, aber fräftig und gesund müßten sie sein. Nur kräftige Reiser erzeugten kräftigen Trieb bei dem ungepfropflen CBaum. Fyst in allen Bezirken sind zu viel Köpfe aufgesetzt worden. 3m Durchschnitt erhielt der Deredler einen Stücklohn von 15 Pf. pro Kopf. Dies hat vielfach zur Anferttgung von „Derdienstköpsen" verleitet. Aus dem Odenwald wurde der Wunsch nach besserer Ausbildung von Daumwärtern rege. Man solle befähigten jungen Leuten den Besuch von Kursen in Friedberg erleichtern, indem die Hnkosten auf die Gemeinde übernommen würden, auch solle man nicht versäumen, den ausgebildeten Leuten eine Existenzmöglichkeit zu gewähren, damit sie dem Obstbau erhalten blieben. Wohl seien die Kreisbeamten durchaus notwendig, aber ebenso wichtig sei eine befriedigende Lösung der Baumwärterfrage. Der Vertreter Wiesecks, Herr Hammel, äußerte Klagen aus feiner Gemeinde und zeigte an Beispielen, wie ungenügend vorgebildete und ungeeignete Leute dem Obstbau schweren Schaden zufügen können. Auch von anderen Seiten wurde über das Heberhand- nehmen sog. „wilder" Daumwarte geklagt, die ohne 3nteref;e, nur durch Eigennutz getrieben, Arbeiten an Bäumen ausführen, ohne irgendeine Verantwortung dafür zu übernehmen. Man solle darum überall den bodenständigen Mann bevorzugen. Als vorbildlich wurde die Einrichtung int Kreise Lauterbach bezeichnet, wo der Kreis in vier Baumwartei en eingeteilt sei und die benötigten Bäume in den vom Kreise unterhaltenen Baumschulen herangezogen würden. Nach Verlesung einer Entschließung, in der das Ministerium für Arbeit und Wirtichaft um Gewährung einer höheren Summe zur Förderung des planmäßigen Hmpftop'enS er acht wird, und die einstimmige Billigung fand, trat eine kurze Mittagspause ein. Alsdann begab man sich unter Führung von Kreisobstbauinspektor Metternich nach den Büdinger Ob st werken. Diese waren bereits am Tage vorher in Betrieb gezeigt worden, doch den meisten Besuchern, die erst am Morgen der Tagung von außerhalb erschienen waren, "och unbekannt. Diese Führung befriedigte a gemein und überraschte durch die Großzügigkeit des Handelns auf dem Gebiete der Obstverwertung in Büdingen. R. Wirtschaft. Weitere Besserung des Außenhandels. Der deutsche Außenhandel weist im Monat September im reinen Warenverkehr (ohne ReparationSsach'.ieferringen) eine Einfuhr von 1087 Mill. Mk. auf und eine Ausfuhr von 1059 Mill. Mk., womit sich ein Einfuhrüberschuß von 28 Mill. Mk. gegen 58 Mill. Mk. im Vormonat ergibt. Die Kennzeichen der September-Außenhandelsbilanz fbib fast unveränderte Einfuhr, erhöhte Fertigwaren- und Lebensmittelausfuhr, sowie Rekordeinfuhr an Gold. Der weitere Rückgang des Einfuhrüberschusses ist ausschließlich auf das Konto der Ausfuhrbelebung zu bringen. Die Wareneinfuhr stieg lediglich von 1083 Mill. Mark im August auf 1087 Mill. Mk., während die Ausfuhr eine Erhöhung von 1026 Mill. Mk. auf 1059 Mill. Mk. erfuhr. Ein wesentlicher Teil der Ausfuhrsteigerung ist saisonbedingt, und zwar ist infolge des günstigen Ausfalls der Ernte Sie schwieg. Es hatte keinen Zweck, dagegen zu reden. Ihre brennenden Augen waren erfüllt von einer abgrundtiefen Traurigkeit. ... Draußen kam Blinsky über den Korridor. Er hielt an der Tür an und lauschte. Da legte sich eine Hand auf feinen Arm. Das malaiische Mädchen stand vor ihm und wies ihn mit einer Handbewegung fort. Wut verzerrte sein Gesicht. Er hob die Faust, als ob er Zuschlägen wollte. „Fort mit dir, gerne Bestie!" Si stand aufrecht und sah ihn mit ihren schwarzen Tieraugen ruhig an, ohne von der Stelle zu weichen. Ihre Lippen bewegten sich, aber sie sprach kein Wort. Langsam wich Blinsky Schritt für Schritt zurück, die umwölkten Augen auf die Wächterin gerichtet. * Grotteck nahm sich vor, feine Reise zu verschieben, bis er ein Lebenszeichen von Inge erhalten hätte. Seit er in Brodersens erloschene Augen geblickt hatte, war ihm das Rätsel dieses Hauses gelöst. Brodersen hatte ihn niemals übersehen — oder doch nicht mehr als alle andern —, und Inges schwermütige Stille war ja nun begründet. Was für ein Schicksal lag auf ihr all die Zeit! Was mußte es sie kosten, dies Geheimnis ihres Vaters zu teilen, zu hüten und in immer neuer Anstrengung vor der Neugierde der Besucher zu wahren! Jener letzte König von Hannover hatte sich auf fein Pferd setzen lassen, um Truppenrevuen abzuhalten, er hatte einzelne Offiziere begrüßt und Kritik an dem Vorbeimarsch geübt, den nur seine Umgebung sah. Diese Tragikomödie war an seinem Hof unhaltbar gewesen. Jeoer durchschaute sie, und nur der König selber wußte nicht, daß alle darum wußten. Aber ein Privatmann wie Brodersen, dem man ohnehin allerlei Sonderlichkeiten zugestand, konnte sie schon durchführen, wenn er willige Helfer wie 3nge und die treue Malaiin hatte. Aber warum gab er sich diese Mühe? War es wirklich nur dies königliche Gefühl, nicht seine Schwäche und Ohnmacht auf den Markt zu tragen und billigem Mitleid preiszugeben? Gleichviel, es war ein stark strömender Quell männlichster Seelenkraft, der das ermöglichte. Und vor dieser Kraft die Lebensmittelausfuhr um rund 20 Millionen gegenüber dem Vormonat gestiegen. Dabei stieg die Weizenausfuhr gegenüber dem Vormonat um 4,2 die Haferausfuhr um 4,6 und die Roggenausfuhr um 9,4 Mill. Mk. Die erhöhte Feriig- tvarenausfuhr ist in der Hauptsache auf die beträchtliche Steigerung der Maschinenausfuhr um rund 30 Mill. Mk. zurückzuführen. Zugenommen hat ferner der Export an Pelzen, Cifenwaren und Musikinstrumenten, während der Export von Erzeugnissen der Konsumgüterindustrien, anscheinend im Zusammenhang mit der Besserung d:s 3n- landabsatzes für diese Industrien, eine Abnahme erfahren hat. Mas die Einfuhr anbeirisst, fov ging die Lebensmitteleinfuhr von 340 Mill. Mk. im August aus 337 Mill. Mk. zurück. Beachtenswert rst, daß, trotzdem die Rohstoffe'.nfuhr von 550 auf 551 Mill. Mk. zugenommen hat, die Einfuhr der wichtigsten 3ndustrierohstoffe, wie Baumwolle, Wolle, Eisenerz. Kupfer, Hol; usw. zurück- Singen ist. 3n der Einfuhr von Fert gwaren ist erkenswert die Zunahme der Textilsertig- wareneinfuhr um 8,2 Mill. Mk. Die Goldein - fuhr hat sich mit 1594 Mill. Mk. gegenüber dem Vormonat mit 61,9 Mill. Mk. f a ft verdoppelt. Auch bei den Reparationssachlieferungen, die sich von 53,7 Mill. Mk. im August auf 61,5 Mill. Mk. erhöhten, entfällt die Zunahme ausschließlich aus die Gruppe der Fertigwaren. Wenn auch die Entwicklung in der Richtung eines langsamen Ausgleichs der deutschen Außenhandelsbilanz, die sich bereits in den Augustzahlen des Außenhandels ankündigte, im September weitere Fortschritte gemacht Hal. so kann von einer grundlegenden Besserung der deutschen Außenhandelsbilanz s v - lange nicht die Rede sein, als sich die Gesamtpassivität des deutschen Außenhandels für die Zeit vom 1.3anuar bis 30. September dieses Jahres auf fast 2,02 Milliarden Mark stellt. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob es Deutfchland gelingt, bei der langsam abflauenden 3nlandkonjunktur und trotz der in der Eisen- und Textilindustrie gegenwärtig herrschenden Lohnbewegungen die Ausfuhr so zu forcieren, daß ein Ausgleich der Handelsbilanz stattsinden kann. Die Aussichten dafür find jedoch in Anbetracht dessen, daß Deutschland jetzt in das erste 3ahr der vollen Reparationsannuitäten eingetreten ist, und daß die schwierigen Lohnverhandlungen in der Eisen- und Textilindustrie, die eventuell eine Erhöhung der Löhne und damit eine Verminderung der Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmärkte bringen werden, nicht allzu günstig. Ein neuerWeg zurAgrar-Iinanzierung? Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, liegt den Gerüchten, die von einer Heranziehung der sozialen Versicherungsträger für Agrarkredite wissen wollen, tatsächlich ein schon an verschiedenen Stellen erwogener realer Plan zugrunde. Hrsprünglich hatte man aber Aeußerungen über solche Absichten bis Anfang kommenden 3ahres verschieben wollen, da man erst zu diesem Termin mit voller Klarheit über bie Durchführungsmög- lichkeiten der jetzt noch ganz in ihren Anfangsstadien befindlichen Pläne rechnen kann. 3m November wird sich der Verwaltungsrat der Rentenbank-Kreditanstalt mit der Kreditaktion für die Landwirtschaft beschäftigen, die anläßlich der Zurückzahlung des ersten Drittels von 100 Mill. Mk. der Golddiskontbank-Anleihe zum 1. 3uli kommenden 3ahres notwendig wind. Es erscheint schon jetzt als fast ganz ausgeschlossen, daß dieser Kredtt prolongiert wird, und ebenso unwahrscheinlich dürste eine Derpfandbriesung der Golddiskontschulden angesichts der verschiedensten Schwierigkeiten sein, vor allem da man bei einer solchen Aktion mit einem nicht unerhGlichen Disagio rechnen muß. 3m Hinblick auf die Notlage der Landwirtschaft wäre-es auch psychologisch und sachlich kaum zu rechtfertigen, wenn man die Landwirtschaft mit den hohen Kosten einer solchen Hmschuldungsaktion belasten würde. Aus allen diesen Gründen bemüht man sich jetzt, aus dem inländischen Geldreservoir im Zusammenhang mit einer Anregung des Reichsbankpräsidenten, Dr. Schacht, für diesen Termin Mittel bereitzustellen, und denkt dabei an die Gelder der Reichsversicherungsanstcllt für Angestellte und an die Landesversicherungs anstalten. z c ü o: SÄ2 MZ c e n® Ciffl aÜ’3': Ak? y C-J s «^■g-o = y”^ y ~^c=x:= e?Zce: i?a Äfi«4 -M «?3 = =* r«!s ^4^- s?-§2ä tUa c c ” V« teE v t c- 2 <7 -o « . Sc £ S'c^c - E 'S ä C SE='t="- . S v - X «q cs: ~ e • E t- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse a. M. Bantnoten. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der Dividende an. — Deichsbankdiskont 7 Prozent. Lombardzinsfuß 8 Prozent. Telegraphische Auszahlung. Berlin. 22. Oktober Französische stören ..... Holländische Noten...... Atolienische Noten ..... Norwegische Noten Demsch-Oestcrr, i 100 Kronen Rumänische Noten Schwedische Noten ..... Schweizer Noten ..... Svanlsche Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Roten Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Frankfurt a. M Berlin ^rauüfurt a. M Berlin Schiutz- Rurs t-Uhr- Rurs Schuh, Rurs Anfang Rurs Schluh- Rurs l-Uhr- Rurs Sch.uh- Rurs Anjang Rurs Datum 22 10. 23. 10. | 22 10. | 23 10. Datum: | 22. 10. 23 10. | 22. 10. | 23.10. 6% Dl «etd)6anleltK o. 1927 . St am..abldt- TM CQ C2 CMC3 - 00 <£> cö V-4 O 1-i o r* O 182,5 206 171,5 239 151 273 146.5 157,25 228,5 405,5 393,25 148 164.2.5 83,75 136,13 122 123 1.35 127,75 250 109.25 124 124,75 114,5 110,5 110,75 92.13 273,75 134,75 93 64,5 280,75 482.25 471 253,13 09 100,65 180,5 203 173 236,25 149 269,25 156 226,5 203,4 388 146 81,13 135,5 122 134 126 244 109 124 123,5 113,25 108,5 110,13 91 277 133,75 92 54,6 280 468,5 251 118 98 99,4 (Selb Brief 16,375 167,78 168,46 21,93 22,01 111,58 112,02 58.80 59,04 2,545 2,565 111,80 112,24 80,52 80,84 67,51 67,79 12,39 12,45 72,97 73,27 Frankfun a.M Berlin Schlub- Rurs 1-Uhr- Rurs Schmh- Rurs Anfang Rurs Datum: 22. 10. 23. 10. 22. 10. | 23. 10. Philipp Hofmann . . . . . 7 132 _ 131 Heidelberger G-emeut • ... 10 — — — — gement ftadftabt . . . . . . 8 174 — — — Wavb 4 tzireiiag . . ... 10 — — — — Schultheis Papcnholer ... 15 — — 324 319 Ollwerke ... ... 12 — — 280.5 277 Ber. Glanzstosl . . - . . . 18 —— — 553 549 Bemberg..... ... 14 — —- 465 472 Zellstoff Waldhof . ■ ... 12 — 279,25 281,75 279,5 Zellstoff Aschaffenburg Charlottenburger Was>e . . . 12 208 — 207 — . . . 7 — — 125,25 124,9 Dessauer Gai . . . . . . . 6 —- — 190,75 189 Daimler Motoren . . . . . 0 81 81 82 81 Demag ... • • • . 0 — _ 51.25 51 Adlerwerke ftletja . • • . . 6 — 105 107,5 Lubw. Loewe . . . • • . 10 — — 248 245 Nat. Automobll . . . . . . 0 — — 55.5 54,5 Orenstein & Koppel • — 112,75 109,5 Leonhard Detz M . . . . 6 •— — 274,5 271,5 Bamag-Meguin . . Franks. Maschinen . • . . . . 0 18,5 — 19,5 — • . . . . 6 73 — 73,25 — Gritzner . . . • ... 11 122,25 — 121,5 — Heyliaenstaedt . . e . . . . 0 — — — — Iunghans. . . . » e .... 4 88,1 _ 88,75 — Lechwerke..... Mainlrastwerk» . . e . . . . 6 112 — — — • ... 8 ■w — — —* Miag...... e ... 10 — — 137,25 137 Nekarsulmer . . . e • ... 8 30,5 _ 32 Peters Union . . . e • ... 8 107,5 _ 107 — Gebr. Roeder . . . ivoigt 4 Hacffner . e ... 10 125.5 — * —— « • ... 8 216 — — — Sstdd. Zucker . . . • .... 8 151,75 — 150,25 — 22. Oltob.r 23 Df tob r Amtliche Non.rung Amtliche Notieruua Geld Brie- Geld 1 tarier ___ Amst.»Rotk 168,09 168,43 168,08 168'42 Bocn.-AtreL 1,764 1,768 1,763 1,767 58,39 Bnl-Ankw- 58,26 58,38 58.27 ChnAania 111,76 111,98 111,75 111,97 Kopendagen 111,82 112,04 111,79 112,06 Stockholm . 112,06 112,28 112,04 112,26 SelfingforS. 10,54 10,56 10,547 10,567 Italien . . . 21,97 22,01 21,97 20, .334 22,01 London. . . 20,336 20,376 20.374 Nenvock . . 4,1940 4,2020 4,1930 4,2010 Paris.... 16,37 16,41 16,37 16,41 Schweiz . . 80,70 80,86 80,665 80,825 Svauteü . . 67,70 67,84 67,58 67,72 3avan . . . Rio de 9tra. 1,944 1,948 1,960 1,964 0.501 0,503 0.501 0.503 Wien in ’S).« Oeft abgeft 58,945 59,065 58,94 59,06 Prag ... 12,428 12,448 12,429 12,449 Belgrad - - 7,368 7.382 7,373 7,387 Dudavest. . 73,08 73,22 73,03 73,17 vulaarte» 5,032 3,038 o,027 3,033 Lissabon 18,88 18,92 18,88 18,92 Danzig. . . Konst.tttin. 81,31 81,47 81,32 81,48 2,114 2,118 2,117 2,121 Athen . . 5,425 5,435 5,425 5,435 Lanada 4,1925 4,2005 4,1925 4,2005 4,264 Urne,sao ■ - 4,256 4,264 4,256 «atro . . . 20,86 20,90 20,855 20,895 Berlin. 22. Oktober <«CL6 Brre' Amerikanische Not«..... 4J74 4.Ü.4 Belgische Noten ....... 58,10 58.34 Dänische Roten Lugltsche Raren........ 111,63 112,07 20.315 20.395 Der Plan geht dahin, diese öffentlichen Bersiche- rungsgclder — an denen übrigens auch das Deich infolge seiner Geldknappheit und weiter der Wohnungsbau stark interessiert sind — an einer Stelle, eventuell Ler Golddiskontbank selber, zusammen- zufassen und sie als Grundlage für ein besonders herauszubrmgendes Gmissionspapier, das die öffentlichen Versicherungsträger abnehmen würden, zu benutzen. Der Vermögensüberschuh der Angestelltenversicherung, der am 1. Januar 734,3 Mill. Mk. betrug und sicher iuxf> eine weitere Steigerung erfahren wird, würde an sich eine solche Hilfsaktion ermöglichen, deren Durchführung aber einstweilen noch nicht gesichert ist. * G.- F a rb e n i n d u st r i e. Wie wir erfahren, hat die J.-G.-Farbenindustrie Aktiengesellschaft von der Preußischen Elektrizitäts A.-G. das in der Nähe von Bitterfeld gelegene Kohlenvorkommen „Unter der Goitzsche" erworben. Ein Abbau kommt voraussichtlich erst nach Jahrzehnten in Frage. * „R h e i n m e t a l l", Rheini sche Metall- waren- und Maschinenfabrik. Der Geschäftsbericht der „Rheinmetall", Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik für 1927/28 besagt, daß die Rationalisierung und Modernisierung der Betriebe in der Hauptsache beendet ist. Die Rohstahlerzeugung hat mit rund 85 000 Tonnen die höchste Ziffer seit dem Bestehen der Werke erreicht und fand glatten Absatz. Da sich die Umsätze wesentlich gesteigert haben und auch für das kommende Jahr eine Erhöhung derselben zu erwarten ist, wird der Generalversammlung am 9. November vorgeschlagen werden, das Aktienkapital von 12 Millionen auf 20 Millionen Mark zu erhöhen. Die neuen Aktien sollen den alten Aktionären zum Kurse von 106 v. H. im Berhältnis 3:2 angeboten werden. Don dem nach Abschreibungen von 2 197 431 Mark verbleibenden Reingewinn von 1582 932 Mark sollen 600 000 Mark zur Erhöhung des Reservefonds Verwendung finden, 262 932 Mark auf neue Rechnung vorgetragen und der Restt von 720 000 Mark zur Verteilung einer Dividende von 6 v. H. auf das Aktienkapital von 12 Millionen Mark verwandt werden. * Gelsenkirchener Bergwerks A.-G. Es bestätigt sich, daß das Konsortium der Gelsenkirchener Bergwerks A.-G. die Mehrheit des Stammkapitals der Adler A.-G. für Bergbau in Kupferdreh erworben hat. Die Stillegung der Zeche „Johann Deimelsberg" in Steele und „?»ntrum IV/VI" in Kraleithe wird durch diesen Majoritätswechsel nicht berührt. Es wird jedocb die Uebernahme eines großen Teils der Belegschaft der stillgelegten Anlagen auf die Nachbarschächte der Vereinigten Stahlwerke ermöglicht werden. Fernerhin wird die Verlegung der Förderung der stillaelegken Schächte auf die Zeche „Monopol" der Gelsenkirchener Bergwerks A.-G. in Kamen dort eine Belegschaftsoermehrung zur Folge haben. * Kaliwerke Krügershall, A. - G., Magdeburg. Der Aufsichtsrat der Kaliwerke Krügershall - A.-G. Magdeburg nahm in seiner gestrigen Sitzung, ohne in Einzelheiten einzutreten, mit Befriedigung Kenntnis von dem vom Vorsitzenden Dr. Gerhard Korke getätigten Abkommen betreffend die Verwertung der Wintershall- und den Erwerb der Gumpel-Kuxe. Dieses Abkommen liegt nach der Ueberzeuguna sämtlicher Aufsichtsratsmitglieder nicht nur im Interests der bei- den davon betroffenen Konzerne, sondern auch der gesamten Kaliindustrie. Eine eingehende Beratung hierüber wurde auf eine zum 5. November einberufene neue Aufsichtsratssitzung vertagt. jRinbermarff in Gießen. Auf dem heutigen Rindermarkt in Gießen waren 967 Stück Großvieh und 192 Kälber zum Verkauf ausgetrieben. Der Handel war flau, es verblieb etvras Ueberstand. Man bezahlte für Kühe erster Qualität 500 bis 600 Mark, Kühe zweiter Qualität 300 bis 400 Mark, Kühe dritter Qualität 150 bis 250 Mark; Rinder ein- bis zweijährig, 100 bis 200 Mark; Kälber je Pfund Lebendgewicht 55 bis 65 Pfennig. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 23. Oktober. Tendenz: schwächer. — Die Börse eröffnete in schwacher und unsichererHaltung. Verstimmung ging in der Hauptsache vom Montanmarkte aus, oa sich hier die Befürchtungen über voraussichtlich ungünstige Abschlüsse noch verstärkt haben. In diesem Zusammenhang verwies man auch auf den noch im Gang befindlichen Arbeitskampf in der nordweft- deutfchen Eisenindustrie, die zur Verschlechterung der Jahresergebnisse beitragen müßte. Außerdem drückte die schwache Haltung der gestrigen Neuyorker Börse auf die Tendenz. Die Kulisse schritt auf den meisten Marktgebieten zu Abgaben, die den Markt bei dem unverändert anhaltenden Ordermangel stark belasteten, so daß teilweise empfindliche Kursabschläge zu verzeichnen waren. Die Geschäftstätigkeit wickelte sich wieder in engstem Rahmen ab. Unter starkem Kursdruck standen auf weiteren En- gagementsabbau vor allem die Elektrowerte, von denen AEG. 1,25 v. H., Bergmann 3 v. $)., Licht und Kraft 2 v.H., Schuckert 2,5 v.H., Gesfiirel 1 v. H. und Siemens sogar 4 v.H. verloren. Stärker angeboten waren ferner Kali Westeregeln mit minus 4,75 v. H., Deutsche Linoleum, die 4,5 v. H. nachgaben. Am Montanmarkt betrugen die Kursrückgänge durchweg 1 bis 2 v. H. Klöckner blieben auf den stark ermäßigten Kursstand der gestrigen Abendbörfe gut behauptet. Relativ gut gehalten eröffneten noch Schiffahrtswerte und Daimler. Banken gaben 1 bis 2 v. H. nach. Zellstoff Waldhof und J.-G.-Farben büßten je 2,5 v. H. ein. Deutsche Anleihen lagen etwas schwächer. Auslandrenten blieben behauptet. Im Verlaufe bröckelten die Kurse zunächst weiter ab. Später konnte von einer U m - satztätigkeit überhaupt nicht mehr die Rede sein. Tagesgeld war zu 5,5 v. H. weiter recht flüssig. Am Devisenmarkt lag die Mark etwas fester. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1955, gegen Pfund 20,350, London gegen Kabel 4,8495, gegen Paris 124,20, gegen Mailand 92,57, gegen Madrid 30,05, gegen Holland 12,0960. Berliner Börse. Berlin, 23. Oktober. Wie schon in den Vormittagstunden erkennbar, hatten die Effektenmärkte zu Beginn der heutigen Börse schwächere Haltung. In erster Linie führte man dies auf die große Geschäftslosigkeit zurück. Aber auch die beginnenden Schiebungen zum Ultimo hatten sicherlich Glattstellungen zur Folge, zumal die vorliegenden Nachrichten eher als ungünstig zu bezeichnen sind. Die Lage im Lohnkonflikt bleibt gespannt, und ein Ausgang der Kämpfe ist noch nicht vorauszusehen. Die Neuyorker Börse war auch nicht mehr so fest, wie in der vergangenen Woche. Eine Diskonterhöhung in England tritt wieder in den Bereich der Möglichkeit, da die Mark sich wieder unter dem niedrigsten Goldpunkt des Pfundes befindet und mit einem Goldabschieben aus England gerechnet wird. So hatte die Baifsepartei heute die Oberhand, und die Banken selbst stellten sich, von Einzelfällen abgesehen, uninteressiert. Die Umsätze blieben klein, ein Teil der ersten Kurse war wieder ausgesetzt, und die Rückgänge hielten sich im Rahmen von 1 bis 2 v. H. Darüber hinaus verloren Reichsbank, Buderus, Chadeaktien, Ilse Bergbau, Berger, Licht & Kraft, Gesfürel, Siemens, Drenftein, Schlesische Portland Zement, Tietz, Glanzstoff, Deutsche Linoleum und Spritwerte bis zu 6 v. H. Als Ausnahme find Busch Waggon zu nennen, die 2 v. H. über gestern einsetzten. Deutsche Anleihen wenig verändert, nachdem vorbörslich Neubesitzanleihe bis 15,75 v. H. heraufgesprochen waren. Ausländer zur Schwäche neigend. Anatolier etwa 0,25 v.H. Bosnier etwa 0,75 v.H. niedriger. Pfandbriefmarkt unentwickelt. Der Geldmarkt war wenig verändert. Tagesgeld 5 bis 7 v.H., Monatsgeld 8 bis 9 o. H., Warenwechsel etwa 7 v. H. Im Verlaufe bröckelten die Kurse bei anhaltender Ge- schäftsstille weiter ab, nur die anfangs besonders stark gedrückten Papiere zeigten Ansätze zu einer Erhöhung. Am Elektromarkt kamen angeblich einige Auslandkäufe zur Ausführung. Von diesem Markte ausgehend wurde die Tendenz gegen Ende der ersten Börsenftunde auch im allgemeinen wieder widerstandsfähiger. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Oft. 3m Zusammenhang mit den etwas schwachen Auslandnotierungen neigte die Tendenz des heutigen Marktes eher zur Schwäche. Das Inlandangebot ist dagegen nicht größer geworden. Umsätze kamen nur vereinzelt zustande, da die Händlerschast weiter starke Zurückhaltung bekundete. Preisverändemn- gen waren gegen gestern nicht zu verzeichnen. Es wurden notiert: Weizen 23.50 bis 23.65; Doggen 22.50 bis 22.75; Sommergerste für Vrau- zwecke 25 bis 25.50; Hafer, inländischer, 23.25 bis 23.50; Mais (gelb) für Futterzwecke 21.50 bis 21.75; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 33.75 bis 34.25; Doggenmehl 30.25 bis 31; Weizenkleie 14 bis 14.10; Roggenkleie 14.50. Tendenz: Duhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 22. Ott. Die Produktenbörse eröffnete den neuen Berichtsabschnitt in ruhiger Haltung, wozu die schwächeren Meldungen des Auslandes beitrugen. Das Angebot von Brotgetreide aus dem 3nlande hat sich nicht in dem Ausmaße verstärkt wie man erwarten sollte, da die Landwirtschaft weiter mit Ernte- und Bestellarbeiten beschäftigt ist. Händler und Mühlen wollen jedoch für Weizen und Roggen die Samstagpreise nicht bewilligen, so daß die Forderungen für Weizen um eine Mark, für Roggen um eine halbe Mark ermäßigt werden muhten. Bemerkenswert ist, daß für guten Futterweizen fast die gleichen Preise erzielt werden, wie für Mahlweizen. Das Exportgeschäft von deutschem Weizen und Roggen hat sich am Wochenbeginn noch nicht entwickelt. Am Lieferungsmarkt zeigte sich für Brotgetreide dieselbe Preisbewegung wie im Effektivgeschäft. Weizen war in allen Sichten etwa eine Mark niedriger gehalten, Roggen verlor in den späteren Sichten eine halbe Mark. Oktoberroggen war um zwei Mark im Preise gedrückt. Weizen- und Roggenmehle sind in den Forderungen teilweise ermäßigt, der Konsum verhält sich jedoch weiter abwartend. Am Hasermarkt halten die Verbraucher weiter mit Anschaffungen zurück, Gebote lauten niedriger als am Wochenschluh. Gersten sind in feinen Drauqualitäten zu unveränderten Preisen unterzubringen, für mittlere Sorten ist das Interesse gering. Sprechstunden der Redaktion 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Ahr nachmittags« Samstag nachmittag geschtasien. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt eingesandle Manuskripte ahne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Mit der vernichtenden Drohung 30. LXa6! 32. Lg3-h4 33. Lh4-e7 Dies ist etwas am bevor c6 geschehen ist, da sind.' (Lust. Dl.) und läßt sich auf die Dauer nicht halten. 49. 50. 51. 40. 41. 42. 43 Sg7-e8 Kg8-g7 7. 8. 27. Kgl -fl 28. Kfl-e2 29. Tc5-a5? e3-e4 f3xe4 47. 48. 29. 30. 31. Ld6-e7 a4—a5 Le7-d6 Tc5 —c2 45. Tt8xf2 46. Ld7-e8 21. Lh4-d8 22. Ld8xb6 23. Lc8-d7 24. Te8-c8 25. Sg7-e8 26. Tb8-a8 27. Kg8-g7 28. f7 — f6 b7xa6 d5xe4 Lc8xb7 c5 geschehen kann. 7. c4-c5 8. Lg5 —f4 9. H2-H3 0-0 c7 —c6 21 22. Lh2-g3 23. c5Xbö 24. Tfl-cl 25. Tcl-c5 26. f2-f3 45. .... 46. Tflxf2 47. Ke3-d4 48. Kd4-c5 49. Ld3xa6 Endlich! 49 50. Kc5Xc6. 51. b6-b7 52. Kc6xb7 34. Le7 — d6 35. Tal—fl-f- 36. Ld6-e7 37. Ta5-c5 Txa6 31. TXa6, und gew. Weih Weih: Bc2. c3. matt. Sei, e4; zieht und 8 Steine. sicher. 37 38. Le7-d6 39. Ke2-e3 Weiß. setzt in drei Zügen Kal; De8; Lb8, g4; 45. Tc2-f2 45. Txf8 +, KxfS 46. Lxa6! gewann hier sofort, 1. d2 —d4 2. e2 —c4 3. Sbl-c3 4. Lei -g5 5. e2-e3 6. Sgl—f3 Dies ist wohl Verkehr sops „Dach den Angaben der Zeugen sind Sie allein schuld. Die Dame am Steuer hat den Winker richtig bedient. Sie sind aber trotzdem auf das Auto zugelaufen." „Ich hatte das Winken der Dame falsch verstanden!" T' mpf. 3m Kruge sprechen die Dauern Über Öen kümmerlichen Pflanzenwuchs. „Mein Roggen ist kaum einen Zoll hoch," klagt der eine. „Das ist noch gar nichts," antwortet der Dachbar, „bei mir müssen sich die Spatzen hinknien, wenn sie davon fressen wollen." 37. Tc8-e8 38. Te8 —cS 39. Sg7-e8 40. Se8-g7 41. Tc8-e8 42. Te8-d8 43. Td8-f8 Sg8-f6 e7-e6 d7-d5 Sb8-d7 Lf8-e7 a7-a6 nicht gut spielbar, hiernach ungestraft Hier konnte Weih das Spiel durch 37. LXa6 sofort entscheiden, denn nach 37 TeS 38.Lxb7, Txa5 39. bxa5, Txe7 40. a5 hat Schwarz keine Hilfsmittel mehr. Vielleicht hat der Weihe diese Möglichkeit infolge der knappen Dedenkzeit übersehen. Der folgende Gewinn weg ist einfach und 2. Brett gespielt. Abgelehntes Samengambit. Weih: Diemann, Offenbach a. M. Schwarz: Rothamel, Gießen. gen Wettkampf der hessischen Städte zwischen Offenbach und Gießen in Offenbach a. M. Um den Königsläuser zu erhalten, wonach er- 1. 2. 3. 4. 5. 6. jetzt noch Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Aedaktionstisch. Elefanten. „3m vorigen 3ahr hat man allein dreihundert Elefanten verwendet, um Billardkugeln zu machen." „Wirklich erstaunlich, wie geschickt diese Tiere verfrüht; mit L6 44. Tf2, Le8 konnte sich Schwarz etwas länger halten. 44. Ld6xf8 44. TaSxfS Schach-Ecke. Bearbeitet von W Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 184. Don 3. Salmingen. Schwarz. a b c d e f g h bXa6, 32. b7, Tb8 33. exf6 4- 29. f6-f5 30. f5xe4 31. Kg7-g8 32. Se8-g7 33. Kg8-f7 34. Sg7-e8 35. Kf7-g8 36. Se8-g7 Eilte in manchen Tellen von Weih recht gut gespielte Partie. Lösung des Problems Dr. 181. Don R. Willmers. 1. Te4-a4!, Kb5xa4 2. De7—c5, beliebig 3. b2 — b3 matt. 1 , c6-c5 2. De7—e6, beliebig 3. De6 - c4 oder d7 matt. Schachbriefkasten. D. — D. (Schüler), hier. 3hre Lösungsversuche zum Problem Dr. 179 scheitern immer nach 2. .... f7—f5 an 3. ..., Lg8—a24~. was Sie wohl übersehen haben. Schwarz: 9 Steine. Kd5; Th5; Lg7, b3; Sfl; Bc4, d4, e3, f7. Partie Nr. 118. Die nachfolgende Partie wurde im diesjähri- der Durchbruch im Zentrum fast kaum zu zwingen ist. 9..... 9. Tf8-e8 10. Lfl-d3 10. Le7-f8 11. 0-0 11. g7-g6 12. b2-b4 12. Lf8-g7 13. Sf3-e5 13. Sf6-h5 14. L14-H2 14 Sd7xe5 15. d4xe5 15. Lg7-f8 16. Sc3 —a4 16. Dd8-h4 17. Sa4 - b6 17. Ta8-b8 18. Ddl -g4 18. Lf8 - e7 19. Dg4xh4 19. Le7xh4 20. g2-g4 20. Sh5-g7 21. a2-a4 Das schwarze Spiel ist total eingeengt