Nr. 19 Erstes Blatt 178. Jahrgang Montag, 23. Januar 1928 LrschetnttügltH, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Siebener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ließe«. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrvtk und Verlag: vrühl'sche UniverfitätL-vuch- und Zteindruckerei K Lange in Sieben. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Olachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20u,n mehr. Lbefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchcin; für den Anzeigenteil Kurt tzillmann, sämtlich in Bietzen. Wahlreden im Reichstag. Die Koalitionspolitik desZentrums.-preußens Sih im Verwaltungsrat -er Reichsbahn.-Eine Erklärung desReichskanzlers. Berlin, 21. Ian. (V.D. -3.) 3n der Fortsetzung der Generaldebatte zum Etat für 1928 nimmt zur Geschäftsordnung der Abg. Müller-Zranken (S.) das Wort. Er zitiert unter lauten Hört! Hvrtl- Rufen der Linken einen Bericht der „Deutschen Tageszeitung" über die gestrige Bede des Reichsinnenministers v. Keudell auf der Generalversammlung des Pommerischen Landbundes. Danach hat der Reichsminister dort gesagt. man werde es sicher verstehen, daß er es heute für richtiger gehalten habe, in die Versammlung des Pommerischen Landbundes zu kommen, statt im Reichstag mitanzuhören, wie er persönlich angegriffen werde. — Wenn der Minister, so fährt Abgeordneter Muller fort, damit einen Witz machen wollte, so gefrort das zu den vielen unglücklichen Dingen, die Herr v. Keudell schon angerichtet hat. Wir müssen aber den Reichskanzler um Auskunft ersuchen, was die Reichsregierung zu dieser Herabwürdigung und Verächtlichmachung des Reichstags zu sagen hat. (Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.) Es ist unerhört, daß in einer Zeit, in der die Landwirtschaft fortgesetzt mit Wünschen an den Reichstag herantritt, der Reichsminister so Gelegenheit nimmt, sich vor Vertretern der Landwirtschaft in dieser Weise am Reichstage zu reiben. (Sehr wabrl) Dazu hat Herr v. Keudell das Format gewiß nicht! (Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.) Abg. v. GuSrard (3 ) Auch ich hoffe, daß das eben geschilderte Auftreten des Reichsinnenministers die entsprechende Aufklärung der Reichsregierung finden wird, die auch meine Fraktion verlangt. (Beifall im Zentrum). Der Redner stellte fest, daß seine Fraktion dem Etat mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehe, da die Ausgleichung nur möglich gewesen fei in Auswirkung besonders günstigerem stände. Jeder Konjunkturrückschlag könne schwere Folgen für die ganze Fi- nanzgebarung haben. Ein Finanzminister müsse über das Etatjahr hinaussehen. Die Einnahmen aus den Zöllen stammten zu einem guten Drittel aus der Einfuhr von Lebensmitteln. Wenn es nicht gelinge, die heimische Erzeugung, insbesondere die der Landwirtschaft, produktiv zu gestalten, um dadurch die starke Einfuhr an Lebensmitteln zurück- zudrängen und and« *. eits die Ausfuhr industrieller Erzeugnisse zu fördern, müsse das rein zahlenmäßig erfreuliche Bild des Etats, soweit die Steuern in Frage kommen, sich erheblich verdüstern. Außerdem komme der Ansatz von Posten für einzelne, nicht zu vermeidende Ausgaben; obwohl das Reich verpflichtet sei, der Reichsanstalt für die Arbeitslosenversicherung Vorschüsse zu gewähren, wenn die Arbeitslosenziffer 700 000 übersteigt, _ seien dafür keine Betröge vorgesehen. Auch für die Landwirts chaf t seien außerordentliche Mittel notwendig. Man müsse anerkennen, daß die Sozialdemokratie im letzten Jahre im Reichstage eine loyale Opposition getrieben habe, während im preußischen Landtag die dortige Opposition immer erneut zur Obstruktion der wichtigsten Gesetzesvorlagen griff. Das Zentrum läßt sich seinen Blick durch koalitionsmäßige Liebe nicht trüben und hat immer auf volle Freiheit seiner Entschlüsse gehalten. Das gilt auch für die Zukunft. Der Redner billigt die vom Reichsaußenmini- ster geführte Außenpolitik, die heute von einer großen Mehrheit des Volkes getragen werde. Gewiß, noch herrsche fremdes Militär am Rhein, eine Herrschaft, die sich nicht mehr recht- fertigen lasse. Hier sei ein starkes Hindernis der endgültigen Verständigung mit unserem westlichen Rachbarn. Der Redner weist den Minister für die besetzten Gebiete nachdrücklichst darauf hin, daß eine Reihe von Städten und Kommunalbehörden und sogar das Land Hessen vor dem Ruin stehen. Das Einvernehmen zwischen dem Reich und Preußen haben wir oft schmerzlich vermißt. Es ist nicht notwendig, daß der preußische Ministerpräsident, wenn er sich auf den Weg zum Reiche macht, Wasserstiefel anzieht. Andererseits ist es nicht verständlich, daß der Rechtsanspruch Preußens auf einen S itz im Reichsbahnverwaltungsrat noch nicht erfüllt ist. Der Kampf um die innerstaatliche Weiterentwicklung des Reiches bewegt unser Volk in starkem Maße und beschäftigt alle Parteien. Ein echter Föderalismus kann nur auf solchen Ländern mit eigener Staatlichkeit beruhen, die auch wirklich imstande sind, ihre Staatsaufgaben im Rahmen der Reichsverfassung zu erfüllen. Am klarsten tritt die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung in Mitteldeutschland und im rhein-mainisch en Gebiet in Erscheinung. Wir wünschen das Problem nicht zugespiht auf die Zerschlagung Preußens. Der Ausschuß für Reichsreform muß baldigeund gesunde Arbeit leisten. Der grohdeutsche Gedanke in Verbindung mit dem Blick auf Oesterreich zwingt uns, vorsichtig weiter- zugehen. Die deutsche Republik, zu der wir stehen, marschiert. Die Zentrumspartei steht geschlossen auf ihrem in Erfurt festgelegten Programm, wonach sie in der Republik die Staatsform erblickt, auf deren Grundlage allein der Wiederaufstieg erreicht werden kann. Reichskanzler Dr. Marx: Der Staatsgerichtsfrof hat in seinem Urteil die Feststellung getroffen, daß Preußen einen Anspruch darauf Hal, auch seinerseits einen Vertreter in den Derwaltungsrat der Reichsbahn zu schicken. Das Urteil gibt aber keinen Weg an, wie dieser Anspruch erfüllt werden kann. Di? Reichsregierung ging davon aus, daß unter allen Umständen der Staatsgerichtsentscheidung Rechnung getragen werden muß, daß also bei der nä chsten Erledigung eines Postens im Derwaltungsrat der Anspruch Preußens befriedigt werden müsse. Die preußische Staatsregievung hat diesen Standpunkt nicht für richtig gehalten, fandern verlangt, daß die Reichsregierung für die Freimachung einer Stelle sorgen möge. Sie hat namentlich darauf hin- gewiesen, daß die zuletzt mit Reichskanzler a. D. Dr. Luther besetzte Stelle von der Reichsregie- rung frei gemacht werde. (Sehr richtig! links und im Zentrum). Die Reichsregierung hat keinen Weg gefunden, diesem Wunsche zu entsprechen. (Hört, hört! und Lachen links). Die Reichsregierung wird das Staatsgerichtsurteil tem Reichstag als Drucksache zugänglich machen. Ich bin der Auffassung, daß der gleiche Anspruch wie Preußen auch den übrigen Eisenbahnländern Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden, zusteht. Ich hatte deshalb ooraeschlagen, eine Einigung darüber durch eine gemeinsame Aussprache herbeizufüh- ren. Das hat der preußische Ministerpräsident a b • gelehnt. Er meinte, man sollte eine moralische Einwirkung auf Dr. Sucher versuchen, ob er selbst auf die Stelle verzichte. Ich hielt es nicht für angängig, nur Dr. Luther zu fragen, sondern habe alle Vertreter der Reichsregierung gefragt (ßadjen, Unruhe und Rufe links: „Nehmen Sie sich den Trudelbecher!") Ich weiß nicht, wie man loyaler vorgehen kann. Die Herren haben fick für di s Beibehaltung der Posten entschieden. (Lachen und Unruhe links). Diese Frage eignet sich eben nicht zur Beratung im Men um. (Lachen links). Es bleibt nichts übrig, als daß Preußen noch einmal den Staatsgerichtshof anruft und eine Entscheidung darüber verlangt, wie die Reichs- regierung einen Posten freimachen soll. (Gelachter links, Unruhe und Rufe: „Keudell!") Herr von Keudell hat gebeten, die Debatte weitergehen zu lassen und dann ein Urteil abzugeben. Er nimmt an, daß die kommenden Redner sich a u ch noch mit der Rede beschäftigen werden. (Große Heiterkeit.). Abg. Oieirich-Baden (Dem.) ist der Auffassung, daß die vom Finanznzinister als Allheilmittel gepriesene restlose Ausschöpfung der SteuerqueUen nicht richtig sei. Im Gegenteil sei eine pflegliche Behandlung der Wirtschaft erforderlich und eine Steuersenkung. wenn die gegenwärtigen Einnahmen noch einige Monate anfraltcn. Als einzige Reuausgaoe verlangt der Redner die Durchführung des Rentnerversorgungs- g e s e h e s. Daß die Regierung führerlos sei, wisse man schon lange, aber daß es der Redner der Deutschen Dolkspartei frier aus - spreche, sei immerhin beachtlich. Wenn die Rede dazu überleiten sollte, daß die Dolkspartei nunmehr auch das Schulgesetz ablehne, so wäre Las zu begrüßen. — Es müsse endlich Schluß damit gemacht werden, daß einzelne Ländler den Maßnahmen der Regierung enigcgenarbeiten. Die Länder müsse man z u R ei ch s p r o v i n z e n umwandeln. Auf finanziellem Gebiete fordert der Redner Aufrechterhaltung des einheitlichen Steuerbehördenapparats. einheitliche Steuergesetzgebung. unbeschränktes Zuschlagsrecht der Länder und klare Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern. Die Länderkvnferenz habe nichts Positives gebracht. Reichsinnenminifter v. Keudell erklärt, daß er es angesichts der großen Rotlage der Landwirtschaft für notwendig gehalten habe, selbst an der Sitzung des Pommerschen Landbundes in Stettin teilzunehmen. Er habe sich selbst über die Sachlage unterrichten wollen und dafür in Kauf nehmen müssen, auch einmal eine Sitzung des Reichstags zu versäumen, selbst wenn er dadurch in die unangenehme Lage gekommen sei, auf persönliche Angriffe selbst nicht sofort antworten zu können. (Lachen links.) Seine Aeußerung fei im übrigen aus dem Zusammenhang gerissen und -nicht richtig wiedergegeben worden. Eine Verächtlichmachung des Reichstags, dem er selbst angehöre, habe ihm durchaus femgelegen. (Erneutes Lachen links.) Abg. Drewitz (W. Vg.) verlangt eine wirksame Verminderung der Staatsaufgaben und Vereinfachung der Verwaltung, die viel zu kostspielig sei. Ersparnisse seien notwendig, vor allem in der Verwaltung der Länder und Gemeinden. Es sei auch nicht zu verantworten, daß im Anschluß an die Erhöhung der Beamtengehälter ganz allgemein die Erhöhung der Löhne und Gehälter verlangt wurde. Abg. Leicht (B. V.): Die Lage der Landwirtschaft sei geradezu verzweifelt. Wenn nicht eingegriffen werde, gehe mit der Landwirtschaft das ganze deutsche Volk zugrunde und der Etat komme ins Wanken. Das Schlagwort vom Einheitsstaat habe eine Art Psychose über weite Kreise des Volkes gebracht, auch über viele Parlamentarier. Wenn gewisse Konzerne im Interesse der Dividendenerhöhung die unrentabel arbeitenden Betriebe stillegen, so dürfe man dieses System nicht auf die Staatspolitik übertragen. Weiterberatung Montag. Um die Einigung -er christlichen Kirchen. Der Evangelische Bund zur päpstlichen Enzyklika. Berlin, 22. Ian. (WB.) Zu der Ablehnung der an die Konferenzen von Stockholm und Lausanne sich anschließenden Einigungsbe- trebungen der christlichen Kirchen durch die ) ä p st 1 i ch e Enzyklika vom 6. Januar d.J. tellt das Präsidium des EvangelifchenBun- des in einer Erklärung fest, daß die evangelischen DHristen den Anspruch der römischen Kirche, allein die Verwirklichung der heilsnotwendigen sichtbaren Kirche Christi zu sein, und den Anspruch de? Papstes auf Ausschließung des Papstes und der Unfehlbaren Lehrgewalt als unbiblisch und mit der Pflicht christlicher Liebe und Eintracht unvereinbar entschieden a b 1 e h n e n. Demgegenüber, so heißt es in der Erklärung weiter, begrüßen wir um so dankbarer die aus lief empfundener Gesamtverantwortung der daran beteiligten christliä)en Kirchen fjeraus entstandenen Einigungsbestrebungen und rufen alle Evangelischen dazu auf, in vertiefter Auffassung evangelischen Glaubens und Lebens das Erbe der Kirchen der Reformation in Treue zu wahren und ihre Lebenskräfte gerade in unserer Zeit mit allen Mitteln zu stärkerer Geltung zu bringen. In einer weiteren Erklärung wird gegen, alle Versuche, eine neue evangelischePar- tei zu gründen, Stellung genommen und die Erwartung ausgesprochen, daß die bestehenden Parteien dem einmütigen Empfinden der evangelischen Bevölkerung Rechnung tragen und sich die Wahrung der deutsch-evangelischen Interessen mehr als bisher angelegen sein lassen. Nie Verschuldung der Landwirtschaft. Reichsminister Schiele über die Hilfsaktion der Reichsregierung. Berlin, 22. Jan. (BDZ.) Der Haushalts» ausschuß des Reichstages erledigte zunächst Petitionen, die sich gegen die Zusammenlegung der Dersorgungsbehorden richteten. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wies darauf hin, daß er die Zahl der Haupt- versorgungsämter bereits von 25 auf 14 vermindert unb, wo es notwendig und zweckmäßig war, auch die Versorgungsämter zusammengelegt habe. Die Frage einer weiteren Zusammenlegung der Versorgungsbchör- den und der Finanzämter hielt der Minister zur Zeit noch nicht für reif. Bei der dann folgenden Beratung des Landwirtschaftsetats gibt Reichsmmister für Ernährung und Landwirtschaft Schiele eine Statistik über die starke Einfuhr von Fleisch und lebendem Vieh bekannt. Infolge des ausländischen Lieberangebots seien die Fleischpreise außerordentlich gering. Der Minister ging dann zu der Frage der Lleberschul- dung der Landwirtschaft über. Seit Anfang 1924 bis zum Herbst 1927 haben die landwirtschaftlichen Betriebe rund 7 Milliarden Mark Schulden ausgenommen, zum großen Teil in der für den landwirtschaftlichen Betrieb völlig ungeeigneten Form kurzfristiger, vielfach wechselmähiger Verpflichtungen. Die Zinsenlast der Landwirtschaft ist damit auf jährlich 8 bis 900 Millionen Mark angewachsen. Die Betriebe gingen aus der Zwangswirtschaft und der Scheinblüte der Inflation geschwächt und infolge des Zusammenbruchs der Währung von Betriebskapital entblößt in das Jahr 1924 hinein. Die Ernte 1923 wurde zum großen Teil in Papiermark verwertet. Die Betriebsausgaben 1924 und insbesondere die schlagartig einsehenden Steuern muhten in Gold entrichtet werden. Die Mittel hierfür konnten die Betriebe größtenteils nur im Kredit- toege beschaffen und zu gewaltigen Zinssätzen. Die Verwertung der an sich guten Ernte 1925 mußte zu Preisen erfolgen, die Gewinne und Schuldenrückzahlungen ausschlofien, vielmehr zu weiteren schweren Verlusten führten. Die ungünstige Ernte 1926 konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. Runmehr droht die unter dem Einfluß der Witterungsverhältnisse viel ach trostlose Ernte 1927, die Katastrophe als notwendige Folge dieser Entwicklung auszulösen. Besonders kraß gestaltet sie sich unter dem Einfluß der Wit- terungsverhältnisse im Ostseegebiet. Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und Schleswig-Holstein. Rach dem (Ergebnis der Lnguete-llnlersuchungen waren 1924,25 und 1925 26 von den untersuchten Betrieben über die halste aller größeren und weit mehr als ein Drittel aller klein en und kleineren Betriebe Berlu ff be triebe. Der Anteil der Verlustbetriebe an der Gesamtzahl ist um so größer, je geringer die Bodenbeschasfenheit ist, also besonders auch im östlichen und nordöstlichen Deutschland. 3m Durchschnitt der einzelnen Betriebsgruppen reichte das Roheinkom- men der Betriebe nicht einmal aus, um den Lebensunterhalt der Betriebsleiter _ und die Steuern zu bestreiten. (Ein Betrag für Zinsen- bienft und für die Verzinsung des Eigenkapitals war nicht mehr verfügbar. Rur in Ausnahme- fällen konnte der Zinsendienst aus den Betriebs- erträgnissen bestritten werden. (Eine Verzinsung des Ligenkapitals dürfte aber auch in diesen fällen fast nirgends zu erreichen sein. Dem chuldenbetrag von 7 Milliarden Reichsmark steht hiernach nicht eine verbesserte Ausnutzung der Betriebe gegenüber, die Kredite müssen vielmehr zur Erhaltung der Betriebe verwandt werden. Im Ramen der Regierung habe ich besonders zu erklären: Die Reichsregierung sieht es als ihre Aufgabe an, auf eine Milderung der landwirtschaftlichen Schuldenverhältnisse hinzu- wirken, die für die in der rationellen _ Ausführung bedrohten Betriebe eine Lieberführung der schwebenden Schuld in langfristigen Kredit herbeiführt und gleichzeitig eine Absenkung der Zinsenlast mit sich bringt. Um erststellige Kredite zu beschaffen, ist für eine pflegliche Behandlung des Pfand- briefabsahes zu sorgen. Zur Beschaffung und Gewährung von zweitstellig 'zu sichernden Krediten an bedrängte Landwirtschaftsschuldner bedarf es reichlicher Michiel, die, wie die Verhältnisse zur Zeit liegen, nur durch Aufnahme von Auslandanleihen beschafft werden können. Die Kredite sind ferner an alle Betriebe zu gewähren, die zu ihrer rationellen Fortführung dieser Kredite bedürfen und deren rationelle Fortführung bei Gewährung des Kredites zu erwarten ist. Bei der Vergebung der Kredite soll eine Mitwirkung von Begutachtern, die von Selbftverwaltungskörperschasten bestellt sind, vorgesehen werden. Die ReichSregie- rung ist bereit, die Erlangung und Ausgabe derartiger Leihgelder seitens offizieller Stellen zu unterstützen; bis diese Gelder in Fluß gebracht werden können, ist die Reichsregierung bereit, im Rahmen des möglichen Vorschüsse zu gewähren. Sie erwartet, daß bei diesen Maßnahmen auch die Länder eine entsprechende Hilfe eintreten lassen. Was die Frage der Besteuerung anbe» trifft, so stehen die etwa festgesetzten Abschluh- zahlungen und die laufenden Vorauszahlungen an sich fest. Es bleibt aber äu prüfen, ob nicht überall da, wo die Landwirtschaft sich in besonders mißlichen Verhältnissen befindet, durch Stundung und Steuererlasse geholfen werden kann. Der Herr Reichsminister der Finanzen hat mich ermächttgt, zu erklären, daß er bereit fei, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Die Finanzämter sind bereits mit Weisungen versehen. Oie Verwaltungsreform in Preußen. Zusammenlegung von Stadtgcmeinden zu Stadtkreisen. Berlin, 21. Jan. Gelegentlich einer Unterhaltung mit einem Mitarbeiter des Berliner Tageblattes machte der preußische Innenminister Grzesinski Mitteilungen über PreußensVer- waltungsreform. Rach einem Hinweis auf die bereits erfolgte Verwaltungsvereinfachung durch Zusammenlegung von Stadtgemeinden wird angekündigt, daß die Hauptarbeit des Jahres 1928 dem rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk gelten werde. Das Prinzip, möglichst Kreise mit voller Selbstverwaltung, also Stadtkreise zu schaffen, bleibt nach den gewonnenen günstigen Erfahrungen gewahrt. Rach einem Gesetzentwurf soll die Stadtgemeinde Buer-Gelsenkirchen mit 341600 Einwohnern gebildet werden. Der Landkreis Dortmund, die Stadt H o e r d e »sowie eine große Anzahl anderer Gemeinden werden in den Stadtkreis Dortmund ausgenommen, der dann 466 697 Einwohner zählen wird. Auch die Stadtgemeinden Castrop-Rauxel und die Stadt Lünen werden nach einigen Eingemeindungen selbständige neue Stadtkreise. Aehnliche Aufgaben stehen in diesem Jahre für den Regie- rungsbezirk Düsseldorf und den Regierungsbezirk Münster zur Lösung. Sowohl für die Städte wie für die Landkreise soll erreicht werden, daß die neuen Gemeinwesen eine für ihre Entwicklung vollkommen ausreichende Größe und finanzielle Leistungs- f ä h i g k e i t besitzen. Diese Reformen werden kontinuierlich durch ganz Preußen fortgesetzt werden. Rach einer oberflächlichen Schätzung dürften durch die vorliegenden Gin und LlmZemeindungs- vorschläge etwa 1 0 0 0 Kommunal beam- tcn eingespart werden. Wesentlicher noch ist die Vereinfachung des Dcrwaltungs- ganges. Die Fragen hinsichtlich der Enklaven und Exklaven liegen schwieriger, da die Enklaven das dreifache der Exklaven Preußens betragen und die Ablösungen und Kompensationen erhebliche Schwierigkeiten bereiten werden. Die Beibehaltung der Oberpräsidenten hält der Minister für notwendig. Lohnkamps in der mitteldeutschen Metallindustrie. Eigene Drahtmeldung des »Gießener Anzeigers" Berlin, 23. Jan. In der mitteldeutschen Eisenindustrie ist es zu einem Kampf gekommen, der rund 50 000 Metallarbeiter trifft. Die Lohnbewegung geht schon seit vielen Wochen, aber alle Bersucbe, eine Verständigung zu finden, sind bisher gescheitert. Schon bei den Verhandlungen, die der Schlichter für Mitteldeutschland führte, kam es zu recht lebhaften Auseinandersetzungen. Am 12. Januar fällte dann der Schlichter einen Spruch, der den Metallarbeitern eme Zulage von 3 Pf. in der Stunde und in der Spitzengruppe geben sollte. Die Metallarbeiter, deren Forderungen unvergleichlich viel weiter gingen, sie verlangten eine Erhöhung bis zu 17 Pf., lehnten diesen Schiedsspruch als vollkommen ungenügend ab. Es kam zu Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium, die vergangenen Donnerstag ergebnislos abgebrochen werden mußten. Obgleich der Verband der Metallindustriellen eine Verbindlichkeitserklärung des Spruches verlangt hat, hat der Reichsminister diesem Wunsche nicht entsprochen. Der Verband der mitteldeutschen Metallindustriellen hat nun die Aussperrung der mitteldeutschen Metallarbeiter beschlossen, und zwar mit Wirkung von Dienstag, den 24. Januar ab. Heute streiken bereits 25 000 Arbeiter, während von der Aussperrung noch weitere 25 000 aus den Werken betroffen werden. Tanfkündigung im Ruhrgebiet. Dochum. 22. Ian. (WD.) In einer Konferenz von etwa 700 Delegierten des alten Berg- arbeiterverbanbes aus dem ganzen Ruhrbezirk wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der unter Hinweis auf die zu niedrige Entlohnung und die erhöhten Anforderungen an die Kräfte der Bergarbeiter durch die Mechanisierung und das Antreibersystem eine bedeutende Erhöhung der Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit gefordert sowie die Organisationsleitung beauftragt wird, zum 30. April die Kündigung des Lohntarifs und des Mehrarbeitsabkommens auszusprechen. Der Reichstagsabg. H u s e m a n n, wies darauf hin. daß der Reallohn für die Gesamtbelegschaft nur 97 Prozent, für die Hauer sogar nur 93 Prozent des Friedenslohnes beträgt und dah in der Entlohnung die Bergarbeiter an fünfzehnter Stelle von insgesamt vierunbzwanzig Berufen stehen. Mit freiwilligen Zugeständnissen sei nicht zu rechnen. Die Arbeiterschaft müsse sich deshalb mit dem Gedanken des Streik- vom 1.Mai ab vertraut machen. Alle Parteien gegen das Knegsschädenschtußgeseh. Berlin, 22. Ion. Im Reichstagsausschuß für Entschädig un gsf rag en wurde die Generalaussprache über das Kriegsschädenschluhgesetz beendet. Die letzten Redner, Abg. BaherS- d ö r f e r von der Bayrischen Volkspartei und 2lbg. Holz am er von der Wirtschaftlichen Vereinigung erklärten in ÄebeveinstimmMg mit allen vv.hergegangenen Rednern, dah die Regierungsvorlage ganz unzureichend sei und nicht als Schluhgesek gelten könne. Die Geschädigten mühten vielmehr die Möglichkeit be- h-alten, bei günstigerer Finanzlage des Reichs angemessener entschädigt zu werden. Am Dienstag wird sich die Regierung zu den Bedenken der Redner im Ausschuh äußern. Bue aller Welt. Grotzfeuer in Güstrow. Am Samstagnachmittag wurde die Stadt Güstrow in Mecklenburg von einem verheerenden Brande heimgesucht. In der gegenüber dem Dahnhos gelegenen Ausstellungshalle war Feuer auSgebrochen, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Das ganze Gebäude ^vurde bis auf die Llmfassungsmauern ern Raub der Flammen. Die Feuerwehr muhte sich auf den Schuh der Rachlarhäuser be- schränken. Außer den großen Sachwerten, die sich auf über 60 000 Mk. belaufen, sind auch dreWohnungen zweier Familien mit Dem Inventar vernichtet worden. Lieber die Entstehungsursache kann bisher noch nichts festgestellt werden. Geständnis eines Brandstifters. Der der Brandstiftung verdächtige Mitinhaber der Firma Emil Schulz L Eo. in K i e l, Ludwig Fed- deni, hat ein Geständnis abgelegt. Der Entschluß zu der Tat, in seinem Geschäftshaus Feuer anzulegen, fei ihm erst gekommen, als die Deckanzeige der Versicherung eintraf, die bekanntlich am 19. Januar, dem Tage nach dem Brande, ablief Die Versicherung war mit 95 000 Mark abgeschlossen. Zur Vorbereitung des Brandes hatte Feddern ungeheure Mengen Benzin, Automobilöl, Karbid und Putz- baumwolle so verteilt, daß eine Riesenexplosion hätte erfolgen müssen, über deren Folgen er sich im Unklaren war. Die älteste Frau Deutschlands gestorben. Im Alter von 107 Jahren starb in Embsen «Kreis Lüneburg) die Landwirtswitwe Johanna Prigge. geb. Schellhammer, die älteste Frau Deutschlands. Schweres Autounglück. Aus Flinsberg wird über ein schweres Autounglück an einem ungesicherten Bahnübergang bei Friedeberg (Reumark) berichtet. Ein von einer Veranstaltung des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs von Flinsberg zurückkehrendes mit vier Personen besetztes Auto wurde bei dem Nachklänge zur Länderkonferenz. Württemberg und die Reichsreform. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers" Berlin, 23. Ian. Im Zusammenhang mit dem Vortrag des württembergischen Staatspräsidenten Bazille auf der Berliner Länderkonferenz ist von der sozialdemokratischen Fraktion des Württembergischen Landtags eine grohe Anfrage eingebracht worden, in der der Satz festgehalten wird, nach welchem der Staatspräsident in Bestrebungen zur Schaffung des Einheitsstaats eine „unmittelbare Gefahr für den De st and des Reiches" und in „diesem Spiele mit dem Feuer" die Gefahr erblickt, den ganzen Kontinent in Brand zu st ecken. Die Anfrage stellt fest, dah diese Erklärung in allen politischen Kreisen Erstaunen und Entrüstung hervorgerufen habe und dah man darin eine Drohung Württembergs erblicke, für den Fall einer weiteren Fortentwickelung der Einrichtungen des Reiches in der Richtung zum Einheitsstaat vom Reiche abzufallen, vielleicht sogar einen europäischen Brand zu entfesseln. Llnter Hervorhebung der Reichstreue des württembergischen Volkes wird gefragt, ob die Rede des Staatspräsidenten in Berlin ihrem Wortlaut nach der württembergischen Gesamtregierung vorgelegt und von ihr gebilligt worden sei, falls nicht, ob die erwähnte Erklärung Bazilles die Zustimmung der gesamten württembergischen Regierung finde. Man darf einer kleinen rednerischen Entgleisung, auch wenn sie von einer so verantwortlichen Persönlichkeit und bei einer so verantwortlichen Gelegenheit zustande kam, nicht allzuviel Gewicht beimessen. Lind man würde es durchaus verstehen, wenn der württcmbergische Staatspräsident den sozialdemokratischen Angriffen den Boden dadurch entzöge, dah er seinen Berliner Erklärungen eine harmlose Deutung gäbe. Llm so mehr muh es freilich überraschen, wenn er nunmehr selbst in der Süddeutschen Zeitung das Wort ergreift, um seine angefochtene Erklärung fast mit denselben Worten aufrecht zu erhalten und zu wiederholen: „Wer durch Abstimmungen nach Mehrheit zum Einheitsstaat zu gelangen hosft, gefährdet den Bestand des Reiches mit allen dann unvermeidlichen europäischen Folgen." Zwar gibt er diesem lapidaren Sah eine etwas mildere Deutung als die sozialdemokratische Interpellation sie seinen Berliner Ausführungen unterlegt. Er sagt dämlich, dah eine Lieberspannung des Einheitsstaatsgedankens zu einer Verkümmerung der Länderfinanzen und damit schliehlich zu „ungeahnten Wirkungen" unbeabsichtigter Ratur führen könnte. Aber damit wird keine klare Antwort auf die Frage nach dem Sinn seiner Redewendung erteilt, und es wird im Gegenteil eher der Charakter dieser Ausführungen als einer Drohung unterstrichen. Man darf deshalb gespannt sein darauf, was die w ü r t t e m b e r gi f che Regierung als Ganzes auf die Interpellation erwidert. Ohne daß man sich mit der sozialdemokratischen Beweisführung zu identifizieren braucht, wird man es bedauern dürfen — und hat man es auch in allen andern Lagern bedauert — daß das Oberhaupt eines anerkannt reichs- und verfassungstreuen deutschen Landes, aus dem so viele vorbildliche Leistungen für die Reichseinheit seit den Tagen Uhlands yervorgegangen sind, in so unglücklicher Form einen mindestens bedenklich parti- kularistischen Gedankengang öffentlich vertritt. Das. ist keine Parteisache, sondern eine Frage der Reichsgesinnung. Man darf hoffen, daß die württembergisthe Staatsregierung in diesem Punkt zu einer Korrektur ihres dienstältesten Kabinettskollegen gelangt, die geeignet ist, diesen unerwünschten Eindruck in der Öffentlichkeit zu verwischen und der' sachlichen Auseinandersetzung über di« künftige Gestaltung ber Reichsstruktur den Stachel zu nehmen, den eine offenbar nicht einmal unbedachte Aeußerung Bazilles in diese Diskussion hineingetragen hat.' Der Wechsel im Reichswehrminislmum. Minister Gehler übergibt die Geschäfte. Berlin, 21. Jan. (WTB.) Minister Dr. G e ß - l e r verabschiedete sich heute vormittag von den leitenden Offizieren und Beamten des Ministeriums. Er gedachte des Tages, an dem er vor acht Jahren in das Ministerium gekommen fei, allein und als Fremder. „Wo wir alle," fuhr Dr. Geßler fort, „bedrückt waren von der Sorge um den nächsten Tag, um die Erhaltung unseres Vaterlandes, dein damals, wie heute noch, von einem großen Teil unserer' früheren Gegner höchstens soviel des Lebens gelassen wird, daß wir die Lasten, die uns der Vertrag von Versailles aufgezwungen hat, leisten können. Dor uns stand die ungeheure Aufgabe, die tragische Aufgabe, die Auflösung des alten Heeres. Tausend« von pflichttreuen Soldaten, Offizieren und Beamten mußten ihren Abschied nehmen, die in der Inflation einem sehr unsicyeren Schicksal entgegengingen, Männer, die das Gefühl und das Recht hatten, zu sagen, daß sie in der schwersten Zeit Deutschlands mehr als ihre Pflicht getan haben. Die Jahre gingen hin: jedes Jahr hat uns neue Sorgen, neue Probleme gebracht. Ich bitte, es nicht unbescheiden zu nennen, daß ich das Gefühl habe, daß mich auch jedes Jahr mehr mit denen verounden hat, die ich hier als meine Mitarbeiter in diesem Hause gehabt habe, daß uns das Gefühl geeinigt hat, an einer großen Aufgabe mitzuarbeiten, das Gefühl, daß wir alles Persönliche zurückstellen und uns selbstlosindengroßen Dien st unseres deutschen Vaterlandes zu stellen haben. Und wenn ich heute aus Ihrem Kreis« scheide, so scheide ich nicht als Fremder, sondern im Gefühl der Waffenbrüderschaft, der Freundschaft und Kameradschaft, die mich mit meinen Mitarbeitern verbindet. Das beruht auf Gegenseitigkeit, und auf dieses Gefühl glaube ich stolz sein zu können. Kann es für einen Mann etwas Köstlicheres geben, als wenn er aus dem Amte scheidet mit dem Gefühl, seine besten Kräfte hingegeben zu haben. Wenn er aber auch die Ueberzeugung hegen darf, daß sein Werk gefördert ist, dessen Grundstein er gelegt hat." Reichswehrminister Groener dankte Dr. Geßler, bat ihn. ihm die langjährige Freundschaft zu bewahren, und gab seiner Lieber- zeugung Ausdruck, daß jeder Angehörige des Heeres und der Marine ihn auch in Zukunft als einen Kameraden ansehen würden. Minister Groener fuhr dann fort: „Meine ganze Liebe galt immer unserer Wehrmacht bis zum heutigen Tage und von heute an erst recht. Es ist keine Kleinigkeit für mich, aus dem beschaulichen Dasein des halben Gelehrten wieder in die Oeffentlichkeit und in die Politik einzutreten. Ich tue es aber gern, weil ich berufen bin durch das Vertrauen unseres Herrn Reichspräsidenten, unseres allverehrten und geliebten Generalseldmarschalls. Das ist der Boden, auf dem ich stehe: Das Vertrauen Hindenburgs! Herr Minister Geßler hat schon an das Vertrauen appelliert, daß Sie mir entgegenbringen werden. Wir werden uns kennenlernen, wir wollen gemeinsam unsere Schuldigkeit tun und Vertrauen zueinander haben in voller Offenheit, und ich bin überzeugt, daß wir die gute Grundlage, die in der Zeit meines Herrn Amtsvorgängers geschaffen worden ist, weiter ausbauen, weiter Erfolge erzielen werden, wenn wir geradeaus den Weg der Pflicht gehen. Außerdem drängt es mich, Ihnen zu sagen, daß Sie mich als Kameraden betrachten sollen, und aus dem Gefühl der Kameradschaft heraus wird manche Schwierigkeit, die entstehen könnte, leicht überwunden werden." Dann ergriff Admiral Zenker als dienst- ältester Offizier des Ministeriums das Wort und dankte dem scheidenden Minister mit warmen Worten für alles, was er für die Wehrmacht und jeden einzelnen seiner Untergebenen getan habe. An die Wehrmacht. Berlin, 21. Ian. (WD.) Der scheidende Reichswehrminister hat an die Wehrmacht folgenden Erlaß gerichtet: „An die WehrmachtI Der Herr Reichspräsident hat mir auf meinen Antrag den Abschied bewilligt, und ich scheide mit dem heutigen Tage aus dem Amte. Fast acht Jahre habe ich die Ehre gehabt, an der Spitze des Reichswehrministeriums zu stehen, und es waren schwere Iahte, denn in ihnen war die deutsche Entwaffnung nach dem Versailler Vertrag zu vollstrecken. Wir konnten in diesen Jahren aber auch a u f b a u e n und die gesetzliche und organisatorische G r u n d- lage für die junge deutsche Wehrmacht schaffen. Deutschlands Heer und Flotte sind wieder verwendungsfähig und im In- und Auslande geachtet. Dieses Ziel wäre nicht erreicht worden, hätte ich nicht in der hingebenden Arbeit aller Angehörigen der Wehrmacht so treue und unermüdliche Llnterstühung gefunden. Dafür in diesen Stunden Dank zu sagen, ist mir Pflicht. Die besten Kräfte zogen wir alle aus der großen militärischen Lieberlieferung, die zu pflegen ich mich berufen fühlte besonders aus der Lieberzeugung heraus, baß es Aufgabe des Soldaten ist, über alle Parteien hinweg, niemanden zu leide und niemand zu lieb, nur dem Vaterlands zu dienen. Stolz bin ich darauf, so lange Jahre Reichswehrminister gewesen zu fein, aber am stolzesten darauf, daß ich in diesen Jahren c i n festes Dand des Vertrauens mit Offizieren und Soldaten, Beamten und Angestellten knüpfte, das, so hoffe ich, unzerreißbar ist. Heer und Marine rufe ich zum Abschied zu: Deutschland über alles! Der Reichswehrminister. gez. Dr. G e ß l e r." Ein Erlaß des Reichswehrministers Groener an die Wehrmacht lautet: „Durch das Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten an die Spitze des Reichswehr- Ministeriums berufen, habe ich heute die Amtsgeschäfte übernommen. In der festen Lleberzeu- guna, dah unsere gemeinsamen Arbeiten von rückhaltslosem gegenseitigen Vertrauen getragen sein werden, rufe ich allen alten und jungen Kameraden ein herzliches Glückauf! zu. Berlin, 20. Januar 1928. Der Reichswehrminister: gez. G r o e n e r." dichten Schneegestöber von dem aus Greiffenberg kommenden Zug bei Lleberque- rung der Bahnstrecke erfaßt und fast bis zum Bahnhof Fricdeberg mitgeiästeift. Der Fahrer, ein Fahrradhändler aus Goldberg und ein neben ihm sitzender Herr wurden getötet. Die beiden anderen Insassen haben schwere Bein- und Knochenbrüche erlitten. Wieviel Milch gibt es in Deutschland an einem Tage? Deutschland be itzt zur Zeit rund 10 Millionen Milchkühe, dietäglichetwaöOMillionen Liter Milch liefern. Dies entspricht einem Iahreswert von ungefähr 3,6 Milliarden Mark. Auf Grund der angestellten Erhebungen kann man annehmen, dah diese Milchmenge im wesentlichsten wie folgt verwertet wird: 50 Pro». I werden zu Butter verarbeitet, 7 Proz. finden bei der Kälberaufzucht Verwendung und 3 Proz. werden zur Herstellung von Käse verwendet, während 40 Proz. dem unmittelbaren Verkehr als Trinkmilch dienen. vierzig Schafe von Hunden zerrissen. In Köppern fand man In dem dicht bei einem Wohnhaus befindlichen Schafpferch des Besitzers Röder zirka 40 Schafe tot vor. Die Tiere wiesen schwere Verletzungen und Bißwunden auf, so daß anzunehmen ist, daß in der Nacht wildernde Hunde eingedrungen sind und die Tiere zerrissen haben. Bergfon Kandidat für den Nobelpreis. Die Philosophisch« Fakultät der französischen Akademie für Politik und moralische Wissenschaften hat beschlossen, der Königlich Schwedischen Akademie den Philosophen Henri B § r g f o n als Kandidat für den Nobelpreis zu bezeichnen. Noch zwei weitere Todesopfer der vötklinger hochofen-Lxplosion. Saarbrücken, 23. Ian. (WTB. Funkspruch) Die Dölklinger Hochofen-Explosion hat zwei weitere Todesopfer gefordert. In der Rächt zum Montag sind der Betriebsführer RikvlausH aa s und der Hüttenarbeiter Heinrich Schmidt ihren Verletzungen erlegen. Die Zahl der Toten erhöht sich damit auf 13. Mit dem Ableben eines weiteren Schwerverletzten wird gerechnet. Beim Bobtennen gestürzt. Bei den Dobrennen in Schierke kam es zu einem schweren Llnfall. Infolge zu starken Bremsens wurde ein Cßtyb aus der Dahn geschleudert und stieß gegen einen Daum. Der Führer und ein Fräulein Brauns aus Berlin wurden schwer verletzt, der Bremser und zwei weitere Desahungsmannschaften trugen leichtere Verletzungen davon. Mord. Die amtliche Llntersuchung der Leiche des dieser Tage im Flußbett der hochgehenden. Jude zwischen Eschw,ei 1 er und Stollberg tot aufgefundenen Arbeiters Peter Schmitz hat ergeben, daß dieser ermordet worden ist. Rach Bekundungen eines Kameraden des Schmitz, wurden beide auf dem Heimweg von einem Fußballspiel von einem Llnbskannten überf allen. Er habe flüchten können. Schmitz wurde seitdem nicht mehr gesehen. Zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Wie erinnerlich, war der praktische Arzt Dr. Josef B r ö ch e r in Köln wegen Mordes, begangen an dem Architekten Bruno Oberreuter, durch Urteil des Schwurgerichtes in Köln vom 2. Juni 1927 zum Tode verurteilt worden. Durch Erlaß des preußischen Staatsministeriums vom 18. Ja« nuar d. I. ist nunmehr die Todesstrafe im Gnadenwege in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt worden. Eine Schule für 3000 Kinder. Der größte Schulbau Deutschlands, eine Einheitsschule nach Entwürfen von Bruno Taut, wird das Berliner Bezirksamt Reukölln in dem Ortsteil Köllnische Heide errichten. Diese neueste Berliner Schule wird einen Sportplatz, ein Schwimmbad und sechs Turnhallen erhalten. Der Llnterricht soll vom ersten Volksschuljahr bis zum letzten Jahr der höheren Schule erfolgen. Die Schule, ein Flachbau von 450 Meter Länge, soll zunächst 2100, später dann 3000 Kinder ausnehmen. Studentische Ausschreitungen in Lemberg. In Lemberg veranstalteten polnische nationalistische Studenten eine Strahenkundgebung mit dem Vorhaben, den ukrainischen Studenten ihre bunten Verbindungsmützen, die angeblich durch Farbe und Form das polnische Rationalgefühl verletzen, mit Gewalt abzunehmen. Da sich aber kein ukrainischer Student auf der Straße zeigte, zogen die polnischen Studenten vor ein jüdisches Kaffeehaus und warfen dort die Scheiben ein. Die gleichen Auftritte wiederholten sich vor dem Lokal einer jüdischen Gesellschaft. Die herbeigeeilte Polizei stellte die Ruhe wieder her. Sechs Personen wurden durch Steinwürfe schwer verletzt. Line Richtigstellung. Wie uns von authentischer Seite mitgetevlt wird, entspricht die Meldung aus Rio de Janeiro, nach der dem früheren König Ferdinand von Bulgarien die Genehmigung, im Hafen von Rio an Land zu geHen, nicht erteilt worden sei, nicht den Tatsachen. Oie Wetterlage. 0 *051 iSlotKh, Parts o nieflurf. wolkenlos, oneiter. onaTO DtdetKt® wolkig. G gedeckt »Regelt * Sehnet a Graupeln, e Meoei K 6ewitter.(§)windsiilie.^. se#r ■eicnter Osi ^5 -nassigt' Südsüdwest q stürmische» rtordwesl Oie Pfeue fliegen mit dem winde Die oeiden Stationen sienendeo Zaft een gelten die Temperatur an. Die Limen veromdtn Orte mit gleichem auf Meeresniveau umaereenneten uiftdruck Wettervoraussage. lieber Holland lag heute morgen ein Teilwirbel, der sich zwar weiter auffüllen wird, aber beim Vorübergang auf unserem Gebiet vereinzelte Niederschläge bringt Im Raume von Island hat ein neues Tief an Ausdehnung gewonnen und bereits über den britischen Inseln zu erneutem Temperaturanstieg und Niederschlägen geführt. Gleichzeitig ist über Frankreich der Luftdruck kräftig angeftiegen. Wettervoraussage für Dienstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, wenig Aende- rung der Temperaturen, jedoch zunächst wieder kühler, später Bewölkungszunahme und Neigung zu vereinzelten Niederschlägen. Witterungsaussichten fürMittwoch: Wolkiges Wetter mit vereinzelten leichten Niederschlägen. Lufttemperaturen am 22. Januar: mittags 1,9 Grad Celsius, abends 3,1 Grad Celsius; am 23. Januar: morgens 4,2 Grad Celsius. Maximum 4,4 Grad Celsius, Minimum —0,4 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 22. Januar: abends 1,7 Grad Celsius; am 23. Januar: morgens 1,9 Grad Celsius. — Niederschläge 0,8 Mil limeter. Aus her Provinzialhaupistaht. Gießen, den 23. 3anuar 1928. Dir SevStterung-bew gung OberHeffenS im Verlause von 15 Zasren. Die Zentralstelle für die Landesstatistik hat vor kurzem unter dem Titel „Gemeindeverzeichnis für den Volksstaat Hessen" eine Broschüre her- ausgegeben, die auch die Ergebnisse der Volkszählungen vom 1. Dezember 1910 und vom 16. Juni 1925 einander gegenüberstellt. Hierbei stellt sich die überraschende Tatsache heraus, daß in O b e r h e s s e n nicht weniger als 121 Gemeinden in der Zeit zwischen 1910 und 1925 an Einwohner- zahl abgenommen h^.ben, und zwar aus dem Kreise Gießen 19, aus dem Kreise Alsfeld 36. aus dem Kreise Büdingen 10. aus dem Kreise Friedberg 2, aus dem Kreise Lauterbach 31 und aus dem Kreise Schotten 23 Gemeinden. Allerdings ist die Abnahme zumeist sehr gering, aber sie ist doch da. Sie beträgt, was den Kreis Gießen betrifft. für Bettenhausen 5, Beuern 8. Durk- hardsselden 75. Eberstadt 1. Grünberg 44. Langd 29, Lich 9. Lindenstruth 3. Muschenheim 30, Rieder-Bessingen 14, Aonnenroth 24, Ober- Hörgern 27, Odenhausen 10, Ruttershausen 12, Trais-Horloff 82, Utphe 25, Villingen 20, Weickartshain 13. Winnerod 7. Im Kreise Alsfeld beträgt die Abnahme für Angenrod 21. Appenrod 24. Arnshain 37, Bernsburg 10. Bleidenrod 22. Brauerschwend 22, Dannenrod 58. Dectenbach 52. Eifa 2. Elbenrod 3. Erbenhausen 11. Hoarhau^en 2. Heidelbach 36, Hergersdorf 18. Hopfgarten 15. Kestrich 24 Kirtorf 81. Münch-Leusel 9. Rieder-Gemün- den 24. Ober-Breidenbach 51, Ober-Gleen 42. Ober-Ohmen 37. Ohmes 36. Reibertenrod 4. Ruhlkirchen 33. Ruppertenrod 49. Schwaben- rod 9. Seibelsdorf 22, Storndorf 74, Udenhausen 7. Vadenrod 7. Vockenrode 27. Wahlen 6. Wett- faasen 1. Windhausen 2, Zell 2. Im Kreise Büdingen betragen die Zahlen für Bisses 2, Babenhausen I 9, BvS-Gesaß 1. Diebach am -Haag 22, Dudenrod 7, Himbach 14, Leidhecken 3, Ober-Mockstadt 15, Schwickerts- hausen 2, Wenings 26. Im Kreise Friedberg beziffert sich die Bevölkerungsabnahme für Maibach auf 14. Oes auf 1. Im Kreise Lauterbach haben obgenommen die Gemeinden Allmenrod um 3. Altenschlirf 32. Angersbach 8. Crainfeld 31. Dirlammen 13. Gichenrod 1, Freien-Steinau 55. Frischborn 3. Grebenhain 57, Gunzenau 9, Heblos 8, Heisters 8, Herbstein 38, Hörgenou 23, Hutzdorf 19, Maar 19, Mehlos 4, Ober-Moos 6, Ober- Wegsurth 2, Pfordt 5, Reuters 8, Rimbach 21, Rixfeld 60, Sandlofs 9, Stockhausen 68, Ueh- hausen 10, Unter-Schwarz 9, Unter-Wegfurth 4, Weid-Moos 2, Wernges 24, Zahmen 28. Die Bevölkerungsabnahme im Kreise Schotten beträgt für Altenhain 9, Bobenhausen II 6, Eichelsachsen 2, Einartshaufen 24. Freienseen 46, Gonterskirchen 37, Groß-Eichen 22, Helpershain 29, Herchenhain 13, Höckersdorf 46, Ilsdorf- Solms ! 4, Köddingen 4, Kölzenhain 8, Meiches 18, Rieder-Seemen 3, Rainrod 6. Rebgeshain 22, Sellnrod 47, Stumpertenrod 8, Ulrichstein 56, Unter-Seibertenrod 21, Wetterfeld 17, Wingershausen 5. Aus den angegebenen Zahlen ist zu entnehmen, daß die Gemeinden, die weitab von großen Städten und Industriegebieten liegen, an Be- völlerungszahl abgenommen haben. Wenn man auf diese Tatsache das Wort „Landslucht" an- wendet, so kann dies nicht heißen, daß Dorfbewohner ohne zwingenden Grund ihre Heimat verlassen haben. Die Ursache, die sie t>on der Heimat wegtreibt, ist darin zu suchen, daß sie vielfach an ihrem Geburtsort keinen hinreichenden Erwerb finden und sich deshalb dorthin begeben, wo bessere Arbeitsgelegenheit zu finden ist. Auch der Krieg mit seinen Verlusten wird zur Bevölkerungsabnahme beigetragen haben. Bemerkenswert ist. daß im Kreise Friedberg nur zwei Gemeinden eine Abnahme zu verzeichnen haben. Das liegt daran, daß wegen der Rähe der Stadt Frankfurt a. M. dort vielen Bewohnern Gelegenheit gegeben ist, Arbeit zu finde... und daß die Bewohner des Kreises Friedberg von ihren Wohnorten aus jeden Tgg die Großstädte erreichen können. Daß im Kreise Büdingen nur 10 Gemeinden an Bevölkerung abgenommen haben, wird an der Rähe des Industriegebietes Hanau — Gelnhau'en— Frank- furt a. M. liegen. Die Kreise mit rein ländlicher Bevölkerung haben die größte Abnahme zu verzeichnen, so Alsfeld, Lauterbach und Schotten. Auch die Orte des Kreises Gießen, die von der Kreisstadt entfernt liegen, haben abgenommen. Daß statistische Ausstellungen oft auf Tatsachen, die der Zufall mit sich bringt, beruhen, ist daraus zu ersehen, daß Bad-Rauyeim eine Bevölkerungszunahme von 7008 und Bad Salzhausen eine solche von 370 hatten. Das liegt nur daran, daß die Volkszählung des Iahres 1910 am 1. Dezember und die Volkszählung des Iahres 1925 am 16. Iuni, also in der Zeit stattfand, in der an den genannten Orten viele Kurgäste weilten. Einige Gemeinden haben auffallenderweife für die beiden genannten Iahre die gleiche Bevölkerungszahl aufzuweisen, nämlich Ehringshausen 568. Gontershau en 194, Kirlchgarten 47, Renzendorf 108, Kaulstoß 212. Das größte Gemeinwesen in der Provinz O b e r h e s s e n ist die Stadt G i-e ß e n mit 33 517 Einwohnern im Iahre 1925, das kleinste Gemeinwesen ist Oes im Kreise Friedberg, das in dem genannten Iahre 7 Einwohner aufwies. Daß die Seelenzahl der Gemeinde Trais- Horlosf um 82 abgenommen hat, ist wohl daraus zurückzuführen, daß dort ein industrielles Unternehmen eingegangen ist. Von Gemeinwesen, die eine Zunahme zu verzeichnen haben, ist in erster Linie die Stadt Gießen zu nennen. Obürohl die Garnison vermindert worden ist, beträgt die Zunahme doch 2364. Büdingen hat um 250, Lauterbach um 460, Schotten um 103, Alsfeld um 90. Lollar um 181. Heuchelheim um 99 Einwohner zugenommen. Eine starke Vermehrung der Einwohnerzahl hatte die Gemeinde Friedberg-Fauerbach. Hier sind in der Zeit von 1910 bis 1925 2576 Einwohner -hinzugekommen, was allerdings auf die Eingemeindung von Fauerbach zurückzuführen ist. 110 Jahre Denkmalschutz in Hessen. Am geftrigen 2 2. Januar waren 110 Jahre verflossen, seit unter der Regierung Ludwigs I. eine Verordnung in Kraft trat, die die Erhaltung der vorhandenen Denkmäler der Baukunst vorschrieb. Die bedeut- |ame Verordnung forderte u. a. die Aufstellung von Denkmäler -Verzeichnissen, die von den Baubehörden in den Jahren 1824—26 angefertigt wurden, von den Kirchen- und Schulbehörden 1828 bis 1830. Eine Frucht dieser Erhebungen war ein Gesamtverzeichnis „Der Werke des Mittelalters im Großherzogtum Hessen, welche erhalten zu werden verdienen", das den Lokalbaubehörden mit entsprechender Anweisung wegen Erhaltung der Baudenkmäler zur Beachtung empfohlen wurde. Im weiteren Verlauf der Jahre widmete man der Revision und Ergänzung der bestehenden Verzeichnisse, in die auch nachmittelalterliche Baudenkmäler Aufnahme fanden, vollste Aufmerksamkeit, und 1882 konnte mit der Herausgabe des ausführlichen Denkmalwerkcs „Kunstdenkmäler im Großherzogtum Hessen" begonnen werden. Weiter schrieb die Verordnung von 1818 die zeichnerische Aufnahme der Bauwerke vor. In dieser Richtung setzte aber erst verhältnismäßig spät die Sammeltätigkeit ein. Auch für die Behandlung der B o d e n f u n d e enthält die Verordnung bereits wichtige Ausführungs- beftimmungen, wie sie auch den Urkunden- s ch u tz anregte. Unter Hinweis auf die Bedeutung für die Landes- und Ortsgeschichte wurden besonders seit den 50er Jahren wiederholt wichtige Bestimmungen für die Verzeichnung, Ordnung und Sicherung der Gemeindearchive erlassen. Besondere Erwähnung verdient, daß der Ober- hessische Geschichts- und Altertumsverein in Gießen sich seit 1892 mit der Durchforschung und Inventarisation der bedeutenderen Gemeindearchive in Oberhessen befaßt. Die eigentliche g e s e tz l i ch e Regelung des Denkmalschutzes erfolgte aber erst nach Einführung des hessischen Denkmalschutz- ge setz es vom 16. Juli 1 902, des ersten derartigen Gesetzes in Deutschland, dessen Grundgedanken denn auch allenthalben Beachtung fanden. Das Gesetz behandelt in vorbildlicher Gründlichkeit in sieben Abschnitten: Denkmäler im Besitz juristischer Personen des öffentlichen Rechts: Baudenkmäler im Besitz von Privatpersonen: besondere Vorschriften für einzelne Fälle; Ausgrabungen und' Funde: Organisation des Denkmalschutzes; Naturdenkmäler; Schlußbestimmungen. Das Gesetz hat, wie wir wissen, in dem Vierteljahrhundert seines Bestehens die Denkmalpflege in Hessen tatkräftig gefördert, nicht zuletzt auch durch die Mithilfe der Geschichts- und Altertumsvereine und der beauftragten amtlichen Denkmalpfleger (für Oberhessen jetzt Prof. Helmke in Gießen). Erfreulich ist, daß das Gesetz auch die geeigneten Unterlagen für einen wirksamen Naturschutz bietet, der dank der neuzeitlichen Pflege des Heimatgedankens in neuerer Zeit in Hessen mehr Beachtung findet. Daß man das Moorgebiet des Hengsters bei Offenbach am Main unter gesetzliche Bestimmungen gestellt hat, ist begrüßenswert. Auch in Oberhessen madet manches Stückchen ursprünglicher Heimat- natur des verdienten Schutzes. Für di- eigenartige Pflanzenwelt des Oberwaldes hat beispielsweise in jüngster Zeit der Vogelsberger Höhen-Club die Ergreifung von zweckmäßigen Schutzmaßnahmen ins Auge gefaßt, bei deren Durchführung das Denkmalschutzgesetz eine willkommene Handhabe sein kann. —s— Daten für Dienstag, 24 Januar Sonnenaufgang 7.51 Uhr, Sonnenuntergang 16.34 Uhr. — Mondaufgang 9.14 Uhr, Monduntergang 18.23 Uhr. 76 n. Ehr.: Hadrianus Publius Aelius, römischer Kaiser in Rom geboren (gestorben 138 n. Ehr.), 1712: Friedrich der Große in Berlin geboren (gestorben 1786); 1798: der Dichter Karl von Holtei in Breslau geboren (gestorben 1880); 1880: der Ozeano- graph Aifred Merz in Perchtelsdors bei Wien geboren (gestorben 1925); 1915: deutsch-englische Seeschlacht an der Doggerbank; 1921: Pariser Konferenz (24. bis 29. Januar). BornoLizen. — Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Iugend der Kronprinzessin Louise." — Astoria-Lichtspiele: „Iim, der Gaunerkönig." — — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In Vorbereitung stehen zwei Ausführungen, die in weiteren Kreisen Interesse erwecken dürften: Am Dienstag, 31. Januar, findet die Erstaufführung von Ibsens „Peer G y n t" unter Benutzung eines Teils der Griegschen Musik statt, und zwar in einer von Intendant ©teingoettcr für die hiesige Bühne geschaffenen ^Einrichtung. Am Dienstag, 7. Februar, wird als „Ehrenabend" zum 40jähri- gen Bühnen- und 25jährigen Gießener Direktions-- jubiläum des Intendanten Hofrat Stein- goetter Shakespeares „Sommernachtstraum" gegeben. Da Intendant Steingoetter, auf sein Ersuchen hin, in Kürze von seinem Posten scheidet, bedeutet diese Vorstellung zugleich einen Abschied für unfern bisherigen Bühnenleiter. Der „Sommernachtstrau m" wird keinesfalls im Abonnement wiederholt werden. ** Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Hermann Kahn zu Ortenberg die erste evangelische Pfarrstelle zu L i ch (Dekanat Hungen) übertragen. ** Qiin Unterrichtslehrgang für städ- tische und g e m e i n b l i d) e Beamten - An- rn ä r t e r , welchen die erste bzw. zweite Verwaltungsprüfung ablegen wollen, ist von der Gewerkschaft hessischer Gemeindebeamten in unserer Stadt eingerichtet worden. Der Unterricht findet jeden Samstagnachmittag im Stadthaus, Bergstraße, statt. Der gegenwärtige Kursus endet am 1. April, das zweite Lehrjahr beginnt im August d. I. •• Eine Erweiterung der Fahrpreis-Ermäßigung zugunsten der Iugendpslege ist dadurch erfolgt, daß das Reichsministerium des Inneren jetzt auch Reichs- verbänden zur Förderung der körperlichen, geistigen oder sittlichen Erziehung der Iugend. die sich den anerkannten Reichsorganisationen nicht anschließen, oder von ihnen nicht ausgenommen werden können, ausnahmsweise die Berechtigung zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung gewähren kann. Das Reichsministerium des Inneren seht sich vorher mit den Regierungen der Länder, dem Reichsverkehrsministerium, sowie der Reichsbahngesellschaft ins Benehmen. " Besichtigungsfahrt nach Frankfurt. Das obere Semester der Dauabteilung an der Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen unternahm in diesen Tagen unter Führung des Klassenlehrers, Architekten Leich um, eine Exkursion nach Frankfurt a. M. zur Besichtigung der Nachbauten der Siedlung Praunheim, die auf städtischem Gelände durch die Stadt Frankfurt errichtet wurde. Die örtliche Führung hatte Stadtbaumeister Würfel! vom Frankfurter Hochbauamt. Man nahm sämtliche Typen in Augenschein, in jedem Gebäude wurden die Grundrißanordnungen, die verschiedenen Konstruktionen und baulichen Reuerungen besprochen. Besonderes Interesse erweckten außer der sog. Frankfurter Küche die konstruktive Durchbildung der flachen Dächer und Dachgärten, sowie die typisierten Türen und Oefen. Die Besichtigung erstreckte sich auf den fertigen, wie auch auf den noch nicht ganz vollendeten Teil der Siedlung. •* Fröhlicher Fritz -Müller - Abend. Die hiesige Ortsgruppe des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Verbandes hatte für Donnerstagabend zu ihrer siebenten diesjährigen Winteroeranstaltung eingeladen. Herr Max Kehrig-Korn (Berlin), wollte „Nachdenkliches in heiterem Gewände" aus den Werken des Dichters Fritz Müller (Parten- kirchen) vortragen. Die Veranstaltung, die unter der Leitung des Prokuristen Hirsch stand, war für die Ortsgruppe ein voller Erfolg. Das lag einmal an der Wahl des Dichters, den man zu. Wort kommen ließ, zum andern an der ausgezeichneten Vortrags- funft des Herrn Kehrig-Korn. Daß die Ortsgruppe gerade Werke von Fritz Muller (Partenkirchen) vortragen ließ, soll ganz besonders anerkannt werden; sind doch die literarischen Erzeugnisse dieses süddeutschen Poeten bei uns v« zu wen>g bekannt. Die meisten Menschen, auch die Gebildeten, haben außer kleinen Erzählungen, die ob und zu von der Tagespresse gebracht werden, kaum etwas von Fritz Müller gehört. Und er ist es wert, in weiten Kreisen beachtet zu werden. Er pflegt in seinem Schassen die Kunstsovm der sogenannten „Kurzgeschichte". Eduard Engel bezeichnet ihn in seinem neuesten literaturgeschichtlichen Werk als den „Großmeister der Kurzgeschichte". Rosegger sagt von Muller, daß er ein Reicher sei, der jedem etwas zu geben habe. In seinen Kleingeschichten versteht es der Dichter, die Erfahrungen und Beobachtungen, die ihn das Loden machen läßt, in feinsinniger, nie ermüdender Form zu schildern. Der sehr besinnliche und gemüts- tiefe Erzähler weih in seinen Geschichten selbst aus dem Unbedeutenden und Unscheinbaren, aus den kleinen Dingen und Begebenheiten des Lebens das Wesentliche herauszuschälen und es in feiner ihm eigenen Form uns nahe zu bringen. — Der Vortragende, Kehrig-Korn, verstand es vortrefflich. feine Zuhörer mit den Werken Fritz Müllers bekannt zu machen. Er verfügt über ein sehr klares, ansprechendes Organ, und weiß sich gut in den Geist des Kunstwerks einzufühlen, so daß alle von ihm vorgetragenen Stücke ohne Ausnahme starken und nachhaltigen Eindruck machten. Ernste und heitere Geschichten waren es, die er feinen Zuhörern bot. Er wußte ebensosehr den tiefen Ernst als auch die Heiterkeit, die frische Unbekümmertheit und den urwüchsigen bayrischen Humor zur Geltung zu bringen. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden am Schlüsse seiner etwa zweieinhalbstündigen Darbietungen. "DerVereinsiirMotorradsport 1926 hielt im Saale der „Karlsruhe" feine dieswinterliche Weihnachtsfeier ab. Der Vereinsoorsikende feierte in seiner Begrüßungsansprache die Vielseitigkeit und Schönheit des Motorradsports. Die Damen des Vereins überreichten als Geschenk dem Verein eine Tischstandarte. Seitens des Vereins wurden sie ebenfalls mit allerlei Geschenkgaben erfreut. Im übrigen wurde die Veranstaltung durch Gesangsvorträge, gesellige Darbietungen der verschiedensten Art und flotte Musik in schöner Weise ausgefüllt. **Austriebaufdemheutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 292 Ochsen, 59 Bullen, 542 Kühe, 230 Färsen, 492 Kälber, 172 Schafe und 5541 Schweine. Briefkasten der ^ebattion. h. c. p. Ila. Andere Adressen als die bereits genannten konnten wir nicht ermitteln. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 21. Jan. Ein angeblicher „indischer Hohepriester" namens Agni- h o t r i machte hier eine große Reklame, wobei er versprach, sich mehrere Tage lang in der Erde begraben zu lassen und andere F a k i r k u n st - st ü ck e zu zeigen. Nichts von alledem wurde gehalten. Der „Hohepriester", der ebensowenig wie seine Gehilfen aus Indien stammen dürste, beschrankte seine Darbietungen auf einen Vortrag, dessen Weisheit über den Inhalt eines Lexikons nicht hinausging. Das einzige, was geboten wurde, waren die akrobatischen Darbietungen seiner Gehilfen, die aber alles andere als Fakirkünste zeig- ten. Es ist anzunehmen, daß der Gaukler feine Manöver in der Umgegend fortfetzen wird. Preußen. Kreis Wetzlar. * Wetzlar. 22. Ian. In der jüngsten Vollsitzung der Industrie- und Handelskammer für den Kreis Wetzlar wurden gewählt für das Iahr 1928: als Kammervorsihen- der Kommerzienrat Dr.-Jng. h. c. Adolf Koehler-Wetzlar, als 1. stellv. Vorsitzender Apothckenbesitzer Georg Bahr - Wetzlar und als 2. stellv. Vorsitzender Walzwerksdirektor a. D. Friedrich Schmitt - Wetzlar. —Dutenhofen, 22. Ian. Ein S ch i e - nenbruch auf der Bahnstrecke Gießen—Köln wurde gestern abend im Gleis. Gießen- Weh l a r am Bahnsteig auf der hiesigen Station nach Durchsahrt des Personenzuges, der 20.35 ilfjr hier passiert, entdeckt. Das Gleis Gießen— Wetzlar wurde sofort bis Dutenhofen gesperrt und der Zugverkehr eingleisig betrieben. Die Länge des Schtenenbruches betrug etwa 30 ein. Die sofort alarmierte Rotte der Bahnmeisterei wechselte eine neue Schienenlänge ein. so daß der Schaden gegen 23 tlhr wieder beseitigt war. Die Personen- und Güterzüge erlitten kleinere Verspätungen. Der Schienenbruch wurde durch die Aufmerksamkeit des Assistenten Stein (Dutenhofen) entdeckt, und so weiteres Unheil, wie Entgleisungen, verhütet. I Groß-Rechtenbach, 21. Jan. Im hiesigen Gemein de st einbruch schwer vernn- a lü ck t ist heute nachmittag der Pächter des Bruchs, der Bauunternehmer Karl Ludwig von hier. Ec war mit Sprengarbeiten beschäftigt, wobei unerwartet ein Schuß losging und ihn mit den gesprengten Steinen einige Meter fortschleuderte. Der Verunglückte hat am ganzen Körper erhebliche Verletzungen davongetragen, die jedoch, soweit sich bis jetzt feststellen ließ, glücklicher weife nicht lebensgefährlicher Natur zu fein scheinen Dilttrcis. WER. Herborn, 22. Ian. Hier ist man Kokainschiebungen auf die Spur gekom- ,nen. Ein junger Mann hat in der letzten Zeit ständig in Frankfurt a. M. 5 und 10 Gramm-Päckchen Kokain gekauft und diese dann mit einem Ruhen von 30 Prozent vertrieben. Die polizeiliche llnterfudjung, die noch nicht abgeschlossen ist, richtet sich gegen eine Anzahl hiesiger Bürger. bl. Herborn, 22. Jan. In dem Betriebe der Adolsshütte wurde ein Arbeiter aus Dons- bach gestern durch glühende Schlacken schwer verbrannt. Der bedauernswerte Mann wurde dem Krankenhaufe zugeführt. Schönbach, 22. Ian. Die Genieindevertre tung hat beschlossen, im Destrikt Elgersberg, oberhalb des Anschlußgleises der früheren Schönbach-Rother- Basaltwerke, eine große Geländefläche an die Firma WeigantkSohn, Hierselbst, zur Erbauung einer Chamottefabrik abzugeben. Durch diese Anlagen werden zahlreiche Arbeiter Beschäftigung finden. Lpd. H a t g e r, 22. Ian. Am Sonntag brach in dem Sägewerk Freischlad ein verheerendes Schadenfeuer aus, dem trotz des sofortigen Eingreifens der Feuerwehr das Maschinenhaus z u m O p f e r fiel. Berliner Börse. B e r l i n , 23. Jan. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühoerkehr herrscht Montagsstimmung. Kurse sind noch nicht zu hören. Die Spekulation verhält sich abwartend. Die Tendenz ist unentwickelt. Am Devisenmarkt hört man Paris gegen London 124,03, Mailand 92,20, Madrid 28,40 bis 28,43, London gegen Kabel 4,8745 bis 4,8750 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1975. <0,5 < Als Schmerzstiller von hervorragender Wirkung haben sich seit Jahrzehnten Aspirin »Tabletten bewfihrt und werden diese in allen Lindem der Erde von den Aerz- ten empfohlen. Die echten Aspirin- Tabletten erhBlt man nur In der Originalpackung mit der vio- letten Banderole. / In allen Apotheken erhältlich. Karneval Carl Nowack, Gießen Modehaus 829a Seltersweg 85 Sie finden bei uns alles, was Sie zum aparten Kostüm benötigenl Masken-Vorlagen, Masken-Schnitte, Masken-Beratungen Es wird sich lohnen, unsere Karneval-Dekorationen zu besichtigenI iv/| a Q LZC M -Seiden, -Samte, -Brokate, -Atlas, -Phantasie-Stotfe, IV!/AOrXLJN Satins, -Flanelle, Sendel-Stoffe, Clown-Stoffe usw. "Uli.........——।—■ Tarlatans, Tülle, Rüschen, Gold- und Silber-Borden, Pompons, Larven, Ohrringe, Ringe, Ketten, Behänge, Münzen, Schmuck, . 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Dieser $aae hielt Landwirtschastsassessor D r. S e l z e r vom Landwirtschastsamt Grünberg in der Gastwirtschaft Schorrdt einen Dortrag über- Die Düngung unserer landwirtschaftlichen Kulturpflanzen unter besonderer Berücksichtigung ber Kalk- und Kalidüngung". Bürgermeister D ö l s i n g eröffnete die stark besuchte Derfamm- lung und wies in kurzen Worten auf die De- deutung des Dortragschemas hin. Der Redner erläuterte die au ergreifenden Düngungsmaß- nahmen. Dornehmlich ging er auf die Verwend- bartett, aus die Zeit des Ausstreuens und des Mischens der einzelnen Düngemittel näher ein. Die anschließende Aussprache zeigte, welch reges Interesse man derartigen Fragen schenkt. Die zahlreich an den Redner gestellten Fragen wurden in verständlicher Weise beantwortet. Bürgermeister Dölsing sprach Dr. Selz er den Dank der Dersammlung für den lehrreichen Dortrag aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die vielen Anregungen des Redners auf fruchtbaren Boden fallen möchten. (-) G r o ß - F e l d a , 22. Jan. Unter der Leitung seines Vorsitzenden, Sattlermeisters V ö l z i n g , hielt „Darf ich Ihnen zum Abschied eine Blume bieten, Komtesse? Was vermöchte ich Ihnen sonst zu geben? — Ich werd meinen Liedern sagen, daß sie zu Ihnen auch in der Ferne flattern." — Er sah sich unter den Blumenbeeten suchend um. „Aber etwas Sichtbares, Komtesse — wenn Ihre Augen auf der Fahrt auf einer Rose ruhen würden, die ich Ihnen jetzt biete. Sie würden mich glücklich machen!" Unwillkürlich war auch sie stehen geblieben, als er einen Rosenzweig zu sich herabzog und einen Schritt auf den Rasen trat. „Hier — diese Rose ist die Königin unter allen Rosensorten, Komtesse! Die La-France-Rose! Schön — wie Frankreich ist. La belle France!" Sie nahm sie mit gesenktem Blick. Seine Worte gruben sich in ihr Herz. Zwischen den halberblühten Blättern der Rose lagen noch Tropfen. „Wie Tränen sehen sie aus", sagte sie leise, bald für sich. Er aber überhörte ihre Aeußerung und sagte halblaut und mit der warmen, weichen Eindringlichkeit, die sie so an ihn zu fesseln begann: „Nehmen Sic diese Blume als ein Symbol! Gönnen Sie dieser La France ein Andenken — bis —" Sie raffte sich auf, hob den Blick und reichte ihm hastig die Hand. Ganz sichtlich wollte sie Den Schlußgedanken seiner Worte kürzen. „Ich danke Ihnen, Monsieur Bouvier! Und nun — nochmals alles Gute! Und Grüße an Ihre Verwandten!" ■— Wie sie das Haus verließ, preßten sich ihre Finger um den etil der Rose. Die Dornen drangen ihr ins Fleisch. Einige Blutstropfen quollen ihr über die Finger. — So rot, so dunkel, so schwer, — als sei es Herzblut, das um dieser La-France-Rose willen floß —! Das Lied, das er vorhin gesungen, umschwebte sie noch immer. „Hab ich nur deine Liebe — — Die Treue brauch ich nicht —!" O, was für ein frivoles Lied war es doch im Grunde! Eine Liebe ohne Treue? Faßte Monsieur Bouvier die Liebe ebenfalls in diesem Sinne auf? Viertes Kapitel. Grüne Girlanden zogen fick von Haus zu Haus und spannten sich über die schmalen Straßen der Wirtschaft. Oer deutsche Außenhandel im Dezember 192Z. Der deutsche Außenhandel zeigt im Dezember 1927 hn reinen Warenverkehr einen Cinsuhrüberschuß von 304 Millionen Mart, gegen 381 Millionen Mark im Dor- monat. Die Einfuhr im reinen Warenverkehr ist im Dezember gegenüber dem Dormonat um 33 Millionen Mark zurückgegangen. Während die Rohstoffeinfuhr noch eine weitere Steigerung um 13 Millionen Mark aus weist, zeigt die Einfuhr an Lebensmitteln (um 22 Millionen Mark) und fertigen Waren (um 20 Millionen Marl) einen Rückgang. Bei der Ausfuhr ist dagegen eine Zunahme um 43 Millionen Marl festzuftellen. Daran sind alle Gruppen beteiligt, vor allem die Rohstoffe (mit 16 Millionen Mark) und die Fertigwaren (mit 27 Millionen Mark, Die Einfuhr an Gold und Silber ist gegenüber dem Dormonat um 4,2 Millionen Mark zurückgegangen, ebenso zeigt die Ausfuhr eine leichte, Abschwächung. Die Gestaltung des deutschen Außenhandels im Monat Dezember hat den von uns erwarteten Derlauf genommen. Der Passiv-Saldo weist gegenüber dem Dormonat einen Rückgang um 77 Millionen Ml. aus. Der Einfuhrrückgang bei den Lebensmitteln ist von uns bereits bei Besprechung der Novemberbilanz des Außenhandels in Aussicht gestellt worden, und man kann damit rechnen, daß die Getreide- Importe in den nächsten Monaten weiter zurückgehen werden, so daß in dieser Beziehung im Dezember tatsächlich ein Wandel eingetreten ist. Auffällig ist der weitere Rückgang bei der Einfuhr von Eisenerz, der daraus hindeutet, daß der Beschäftigungsgrad der deutschen Eisenindustrie doch einen leichten Rückgang zeigt, obwohl die noch abzuwickelnden Aufträge der Eisenindustrie nach ihren eigenen Angaben eine hun dertprozentige Beschäftigung für die nächsten drei Monate sichern. Die weitere Steigerung der Einfuhr von Rohstoffen, die als eine Folge der Saison, nämlich gesteigerter Importe in Wolle und Baumwolle zu werten ist, läßt nicht auf ein Nachlassen der Inlandskonjunktur schließen, wenngleich auf der anderen Seite der erneut eingetretene Rückaastg der Einfuhr an Fertigwaren um 20 Mill. Mk. auf die allmählich nachlassende Bedarfsnachfrage des Inlandsmarktes hinweist. An der Zunahme der Fertig- Warenausfuhr sind die meisten Warengruppen beteiligt, so Cisenwaren- und Walzwerk- erzeugnisse mit einem Plus von 11,3, Maschinen mit 6,5 Mill. Mk. Zunahme, ferner chemische Erzeugnisse, elektrotechnische Erzeugnisse, Papierwaren u. a. mehr. Der S t a h l w e r k s v e r- band hat.demnach seine Derkausstätigleit auf den ausländischen Märkten in Anbetracht der leichten Steigerung für Walzwerksfabrikate erhöht, stachdem er seit Monatsfrist sich mehr unb mehr von den Auslandsmärkten zurückgezogen hatte Die Bilanz der Textilindustrie stellt sich, wenn man sie allein betrachtet, nicht sehr günstig da, denn der eingangs erwähnten saison- mäßig bedingten Steigerung ihrer Rohstoffeinfuhr und dem 7,6 Mill. Mk. betragenden Rückgang der Einfuhr an Textilfertigwaren steht eine Verminderung der Ausfuhr an Textilfertigwaren gegenüber, obwohl der Beschäftigungsgrad der bcuud)en Textilindustrie für das Inland eine rückgängige Tendenz hat. Wir hatten bereits früher einmal darauf hingewiesen, daß die Textilindustrie Gefahr läuft, infolge ihrer hohen Preise nicht exportfähig zu fein; gerade sie als ausgesprochene Deredelungsindustrie sollte sich mehr der Pflege des Exportes widmen, um auf den ausländischen Märkten konkurrieren zu können. Der Dezember hat für das Ergebnis der Iahresbilanz 1927 des deutschen Außenhandels keine Aenderung mehr bringen können. Die Passivität beträgt 192 7: 3,9 Milli arden Mark, gegenüber 0,1 in 1926 und 3,5 Milliarden Mark für 1925. Die Ziffern des deutschen Außenhandels waren sowohl auf der Einfuhr-, als auch auf der Ausfuhrseite die höchsten seit der Stabilisierung, und der Außenhandel hat ein Dolumen erreicht, welches der hohen wirtschaftlichen Tätigkeit der deutschen Wirtschaft im Iahre 1927 entspricht. Die Gefühls, nach warmer Begrüßungsfreude. Denn fremd war ihm heute die Heimat entgegengetreten, ach, wie fremd! Am Hause der Baronin Welzin-Hammerschlag wandte Dietwart sich sekundenlang um und sah zum Münster hinüber. Frei schweifte von hier ans über das Wasser der Blick zum herrlichen alten Erwins- bau. In gleick)er Majestät reckte sich der feingegliederte Turm über dem Gewirr der roten hochgiebe- ligen alten Häuser. „Du bist noch der Alte, der ewig Majestätische, der allen Wandel der Zeiten lieber dauernde!" dachte er still. Das Dienstmädchen öffnete ihm mit dem Be scheid: die Frau Baronin sei zu Hause. Die beiden Geschwister müßten jeden Augenblick von einem Ausgang zurückkehren. Die Baronin * empfing Dietwart mit wohltuender Herzlichkeit. Sie hielt bei der Begrüßung seine Rechte in der ihren und sah ihm ins Gesicht. Deutlich las ihr mütterlid)er Blick noch die Spuren all der seelischen und körperlichen Erlebnisse. „Schmal sind Sie geworden, lieber Dietwart! Erschöpft. Deprimiert! Und doch Gott sei Dank, daß Sic zurück- gekehrt sind! Das ist doch die Hauptsache. Wenn Äe auch dem Kriege einen schmerzlichen Tribut haben zollen müssen." Sie blickte an seinem Arm herab. Eine künstliche Hand, mit einem Handschuh übeqpannt, sah andern Aermel. — „Sie haben bereits eine künstliche Hand erhalten, Dietwart? Kommen Sie, nehmen Sie Platz. Melusine und Raymond müssen jeden Augenblick zurückkommen." „Ja, Mama," die Baronin hatte ihm seinerzeit bei der noch unveröffentlichten Verlobung diese Anrede angeboten, bis man einst bei der Publikation zum familiären Du übergehen würde, „ich komme ja direkt aus dem süddeutschen Lazarett, dem eine Prothesenanstalt angegliedert war. Ich werde kaum in meinem künftigen Berufe gehindert sein. Und auch sonst ist es mir lieb, daß diese Verstümmelung nicht zu offensichtlich ist. Auch — um Melusinens willen." Die kleine Pause wuchs sich zu einem fast peinlichen Schweigen aus. Er überlegte, ob er gerade roegs mit seinem Empfinden der Baronin gegen über heraustreten und,sie sreiweg fragen sollte, ob wirklich Melusine —'? (Fortsetzung folgt.) Gesamteinfuhr stellte f<.«ff Lie Rohstoffemfuhr allein auf 7,1 Millrarten Mark, Sie Gesamtausfuhr auf 10,2, davon die Ausfuhr an Fertigwaren allein auf 7,5 Mil- liarden Mark. Diese Ziffern sind Rekord- ziffern, und man sollte bei der Beurteilung des hohen Passivsoldos für das Jahr 1927 nicht außer acht lassen, daß der größere Teil der mit Auslandanleihen finanzierten Einfuhr auf Rohstoffe entfällt, die bei uns verarbeitet worden sind, und daß die erhöhte Einfuhr auch mit zum Ausbau des Produktionsapparates beigetragen hat. Der Import von Rohstoffen ist gegenüber 1926 um 2,2 Milliarden Mark gestiegen. Der große Zug. wie es einmal der Reichswirtschaftsminister gesagt hat, ist in die Entwicklung des Außenhandels hineingekommen, wir betrachten das Jahr 1927 als ein Äebergangsjahr, welches uns den Ausbau des Produktionsapparates gebracht hat. und glauben, daß das I a h r 1 92 8 dem deutschen Außenhandel wesentlich günstigere Ergebnisse bringen wird. Güdwestdeuische Gas-A.-G. WDR. Frankfurt a. M., 22. Jan. Die von der Frankfurter Gasgesellschaft und der Stadt Mannheim zum Vollzug des abgeschlossenen Jnteressengem^inschaftsvertrages in Aussicht genommene Aktiengesellschaft ist am Samstag unter dem Ramen „S ü d w e st - deutsche Gas- A.-G. Frankfurt a. M." gegründet worden. Zum Vorstand der Gesellschaft Wurden von der Gründerversammlung bestellt: Generaldirektor Tillmeh. Frankfurt a. M., Oberbaudirektor Pichler, Mannheim. 2n den Aufsichtsrat der Gesellschaft wurden gewählt: als Vertreter von Frankfurt Oberbürgermeister Dr. Land mann, Stadtrat Asch, Frankfurt, Oberbüroermeister Granzin, Offenbach a. M., Stadtverordnetenvorsteher Heißwolf, Stadtverordneter Dr. Goldschmidt, Frankfurt: von Mannheim Oberbürgermeister Dr. Kühner, erster Dürgermeister Ritter, Stadtrat Braun, Stadtrat T r a u t w e i n und Stadtrat Witt- s a cf. Die Geschäftsstelle der neuen Gesellschaft befindet sich in den Räumen der Frankfurter Gasgesellschaft. Hessen und die Lüdwcstdeutsche Gas-A.-G. Zu der Gründung der Südwestdeutschen Gas- A.-G. schreibt die amtliche ..Darmstädter Zeitung" u. a.: Die Gründung dieser Interessengemeinschaft hat in Hessen berechtigtes Aufsehen erregt. Die Oeffentlichkeit fragt, warum von den hessischen Städten aus kein Zusammenschluß zu einer Gasversvrgungs- gesellschaft erzielt worden ist. Dabei darf daran erinnert werden, daß schon vor etwa zwei Jahren der Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg. Dr. Kranz bühler. zusammen mit der Stadt Darmstadt versucht hat. hessische Gemeinden und Städte zu einem gemeinsamen Gas- bezugs-Verbanb zusammenzubringen, um nicht nur eine Verbilligung des Gaspreises herbeizuführen, sondern auch für die hesfifchen Gemeinden eine verhandlungsfähige Position zu schaffen gegen die Eindringungsversuche von Frankfurt und aus dem Ruhrgebiet. Besonders bedauert tourte es, daß von den Städten, mit denen von der Provinz Verhandlungen geführt wurden, Offenbach absprang und einen Gaslieferungsvertrag mit Frankfurt abschloß. Inzwischen drang auch Mannheim von Süden nach der Gemeinde Weinheim mit einer Fernleitung vor. Ob es ter jeht gegründeten Frankfurt-Mannheimer Interessengemeinschaft möglich sein wird, durch Hessen eine Rohrleitung zu legen, hängt von ter baldigen Verabschiedung eines Geseh- antrags ab, ter sich in Vorbereitung befindet, und ter derartige Leistungen von der Genehmigungspflicht des hessischen Staates abhängig macht. Die Stadtverwaltung Darnistadt erläßt hierzu folgende Erklärung: „In den Tageszeitungen erscheint eine Verlautbarung über die Gründung der Südwestdeutschen Gas-A.-G. durch die Frankfurter Gasgesellschaft und die Stadt Mannheim. Die Absicht, über die zwischen Frank- fv.rt und Mannheim liegenden hessischen Gebietsteile zu verfügen, ist begreiflich, doch hat man dabei ganz übersehen, daß bereits im Rovember 1926 von der Stadtverwaltung Darmstadt und der Provinz Starkenburg vertraglich die K o m m u n a l e G a s- versorgungsgesellschaft mit dem Sitz in D a r m st a d t gegründet wurde. Diese Gesellschaft verfügt bereits über die von der Südwestdeutschen Gas-A.-G. in Hessen angeftrebten Aufgaben und Rechte. Immerhin ist das Vorgehen insofern von Bedeutung, als dadurch die noch außenstehenden Städte zum baldigen Anschluß an die Hessische Kommunale Ferngas- vcrsorgungsgesellschaft veranlaßt werden dürft ten." Abschluß einer deutschen Hausbesiheranleihe. München, 21. Ian. Wie die „Bayerische Staatszeitung" berichtet, weilt ter Dorsihende der deutschen Grund- und Hausbesitzervereine, Stad trat H u m a r , seit dem 4. Januar in Reu- york, um die abschließenden Formalitäten zur Aufnahme der bekannten 100-Miltionen- Doltar-Anleihe bzw. eines Teiles derselben für den dortigen G r u n d - u n d H a u s - besitz vorzunehmen. Da die Anleihe seitens des beteiligten amerikanischen Dankenkonsortiums bereits grundsätzlich bewilligt worden ist, so sind lediglich noch die Bedingungen der Emission festzusetzen und ein geeigneter Zeitpunkt für die Begebung der Anleihe zu bestimmen. Rach zuverlässigen Meldungen ist der amerikanische Markt wieder für deutsche Anleihen aufnahmefähig,^ daß die in der letzten Zeit von dieser Seite drohenden Schwierigkeiten als überwunden gelten können. Die Entscheidung liegt nunmehr bei der Beratungsstelle für Auslandanleihen in Berlin, und bürste wohl in Kürze fallen, wenn die Anleihe, von der natürlich vorerst nur ein Teilbetrag zur Auslage kommen wird, noch für die diesjährige Bau- saison wirksam werden soll. * D i e amtliche Grohhand.elsindex- ziffer. Die auf den Stichtag des 18. Januar berechnete Grohhandelsindexzisfer des Statistischen Reichsamtes war mit 138,8 gegenüber ter Vorwoche (139,0) nahezu unverändert. Von ten Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrar- stosfe um 0,9 v. H. auf 132.1 (Vorwoche 133,3) zurückgegangen. Die Indexziffern für industrielle Rohstoffe und Halbwaren hat um 0,2 v. H. auf 134,6) und diejenige der industriellen Fertigwaren um 0,3 v. H. auf 156,3 (155,8) angezogen. * Zwanzig-Milionen-Dollar-An- leihe der Vereinigte Elektrizitäts- Werke W e st f a l e n G. m. b. H. Wie WTB.- Handelsdienst erfährt, sind die Verhandlungen über eine neue Dollaranleihe ter Vereinigte Elektrizitäts-Werke Westfalen G. m. b. H. nunmehr zum Abschluß gelangt. Speyer & Co. und Harris Forbes & Co. haben von der Gesellschast 20 Millionen Dollar bprozentige First Mortgage Sinkingfund-Bons, fällig 1953, übernommen und legen diese am 23. Januar zum Kurse von 92d;t Prozent zuzüglich Stückzinsen in Reuhork zur Zeichnung auf. Aus dem Erlös der neuen Anleihe wird die im Rovember 1925 aufgenommene b'/^prozentige Anleihe von 7' ? Mill. Dollar zum nächstmöglichen Termin, nämlich zum 1. Juni 1928, zurückgezahlt werden. Der Rest soll für Erweiterung und Verbesserung von Anlagen der Gesellschast und ihrer Techtergesell- schäften bzw. zur Zurückzahlung von für solche Zwecke bereits eingegangenen kurzfristigen Verpflichtungen dienen. *ErhöhteProduktionderOpel werke in Rüsselsheim. Die Opelwerke beabsichtigen, wie der LPD. erfährt, ihren neuen Wagentyp, den kleinen 7/34=P. Z.-Sechszylinder, bei dem heute eine Tagesproduktion von etwa zehn Tagen vorgesehen ist, im Februar-März serienweise im Großen an den Markt zu bringen. Der Wagen entspreche ungefähr dem amerikanischen kleinen Erskenetyp. Die Preise seien ziemlich günstig gehalten. Es dürfte der offene Wagen etwa 4600 Mark, der geschlossene Wagen 4900 Mark und der geschlossene Luxuswagen 5400 Mark kosten. Die gesamte Belegschaft der Opelwerke werde andauernd erhöht, sowohl in der Automobil- wie in der Fahrradabteilung. Die Automobilproduktion richtet sich naturgemäß sehr stark nach dem 2lb- satz selbst, sicht aber eine Tagesproduktion von etwa 500 Wagen vor. Die Fahrradproduktion soll im Sommer aus 5000 bis 60000 erhöht werden, gegenüber einer Tagesproduktion von 3000 Stück im Vorjahre. * Auslandauftrag der AEG. Der AEG. wurde, wie WTB.-chandelsdienst erfährt, die Verkabelung der Fernsprech- und Telegraphenlinien längs der von der AEG. zu elektrifizierenden Staats- bahnstrecke San Jose—Punta Arenas (Eostarica) übertragen. Insgesamt umfaßt der Auftrag 125 Kilometer Aauptkabel und 20 Kilometer Abzweigkabel, sowie die Pupinspulenpunkte der Fernsprechleitungen. * Große Kasseler Straßenbahn A. G. Kassel. Die G. V. der Großen Kasseler Straßenbahn erledigte die Regularien und beschloß, aus dem Reingewinn von 596 256 Mk. eine Dividende von 8 Prozent, wie im Vorjahre, zu verteilen. Die jungen, im Jahre 1927 ausgegebenen Aktien nehmen an der Dividende teil. * 5) e s s e n - R a f s a u i f ch e G a s - A. G., H ö ch ft am Main. Die Gesellschaft hat, dem Vernehmen nach, im abgelaufenen Jahr günstig gearbeitet und dürste eine Erhöhung der vorjährigen Dividente vornehmen. e Die Beteiligung der J.°G. in Ror- wegen. AuS Rjukan (Rorwegen), 21. Jan. wird gemeldet: Generaldirektor Aubert hielt gestern einen Vortrag über die neuen Fabrikanlagen ter Rorsk Hydro, an der bekanntlich die J.-G.-Farbenindustrie maßgebend beteiligt ist. Er erklärte u. a., es bestehe die Absicht, die Tyinfälle auszubauen. Wenn die gesamten Anlagen an ten einzelnen Orten fertig seien, könne eine jährliche Ausfuhrmenge von zusammen 900 000 Doppelzentner Stickstoff im Werte von 200 Millionen Kronen erreicht werden. Die Firma beabsichtigt des weiteren die Fabrikation von Phosphorsäure aufzunehmen. Diese soll mit Kali zu einem Düngestoss verarbeitet werden. Der Kali hierfür soll aus Deutschland bezogen werden. Cs drehe sich hier um ein äußerst aussichtsreiches Projekt des Hydro, die Phosphorsäure billig Herstellen könne. Frankfurter Börse. Frankfurt, 23. Jan. Tendenz schwächer. — Die Börse ging in schwächerer Stimmung in die neue Woche. Die älmsatztätigkeit bewegte sich wieder in sehr engenGrenzen, was im wesentlichen auf den andauernden Ordersmangel bei den Banken zurückzuführen war. Die Spekulation zeigte ebenfalls wenig Reigung zu neuen Engagements, da Ungewißheit über die weitere Entwickelung des Geldmarktes bestand. Zur Zurückhaltung mahnte jedoch in erster Linie die Fortdauer des Streikes in der Mitteldeutschen Metall-Industrie; von der Aussperrung sind 50 000 Arbeiter betroffen. Die Besserung der deutschen Außenhandelsbilanz im Dezember kam deshalb heute zu keiner Wirkung, ebenso die Tatsache, daß in der letzten Woche ein kleiner Rückgang der Arbeitslosenziffer zu verzeichnen war. ohne Einfluß. Gegen die Schlußkurse vom Samstag büßte die Mehrzahl ter Papiere bei den ersten Rotierungen 1 bis 3 Prozent ein. Stärker abgeschwächt waren am E l e k t r o m a r k t Gesfürel minus 4,5 Prozent Am Montanmarkt Rheinbraun minus 4,25 Prozent, ferner Danat minus 4 Prozent. Zellstoff-Waldhof lagen mit minus 6 Prozent besonders stark angeboten. J.--G.-F arben minus 3,25 Prozent. Im Gegensatz zur allgemein schwächeren Tendenz konnten Scheideanstalt 1 Prozent anziehen. Die Werte der Metallbankgruppe blieben behauptet. Von Elektrowerten waren Licht & Kraft gehalten. AEG. gaben dagegen trotz des neuen Auslandauftrages 2,25 Prozent nach. Kleher angeboten und minus 2,5 Prozent. Deutsche Anleihen etwas schwächer. Ausländische Renten fast umsatzlos. Im weiteren Verlaufe blieb das Geschäft sehr still, die Stimmung wurde jedoch etwas freundlicher, und die Kurse zogen um Bruchteile eines Prozentes an. Tagesgeld stellte sich auf 5,50 Prozent. Im Devisenverkehr lag ter Dollar etwas fester. Die Reichsmark notierte gegen Kabel 4,1980, gegen London 20,457. London-Kabel 4,8740. Paris gegen London 124,04, Mailand 92,15, Madrid 28,55. Berlins Börse. Berlin, 23. Jan. Die neue Woche brachte hinsichtlich ter Geschäftslosigkeit keine Besserung. Der Orderseingang bei den Großbanken blieb unbedeutend. Die Spekulation nahm wieder Glattstellungen vor. Als Grund gab man die Arbei tsstreitigkeiten im Ruhrgebiet und in Mitteldeutschland an. Auch Gerüchte über Ausgabe von Deichsschatzwechseln waren wieder zu hören. Die U l i im o s ch i e b un g e n beginnen bereits, ter Umfang ist noch schwer zu übersehen: eine reibungslose Abwicklung dürfte aber gesichert fein. Der Geldmarkt ist unverändert Die ersten Kurse tagen allgemein 1 bis 3 Prozent unter Sa nstagfchiuß. Stärker gedrückt waren Berger minus 6,5 Prozent, Schultheis minus 4 Prozent, Polyphon min. 3,5 Proz., J.-G.-Farben min. 4.5 Proz. Rheinbraun min. 4,5 Proz. Ilse min. 4,5 Proz. Heimische Anleihen schwächer. Ausländer ruhig. Bosnier und Mexikaner nachgebend. Pfandbriefe gelchästslos. Im Verlaufe wurden Elektrowerte etwas gefragt, angeblich kamen einige Schweizer Käufe in Gesfürel zur Ausführung. Auch deutsche Erdöl hatten einiges Geschäft. FranLfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 23. Jan. Die Börse verlief sehr ruhig. Die Käufer für Weizen sind außerordentlich zurückhaltend, so daß nur wenig Geschäfte getätigt wurden, desgleichen in Roggen dessen Preise etwas matter liegen. Das Mehlgeschäft stagniert stark, auch der Abruf früher gekauften Mehles ist äußerst -schleppend. Der Konsum ist stark zurückgegangen. Kleie ist weiter stark gesucht, doch wollen die Käufer die hohen Weizenpreise nicht m-hr anlegen. Die Preise für Linsen sind im Steigen begriffen. Die Preise für Braugerste sind weiter fest. Es wurden notiert: Weizen 1. gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 25, Weizen 2, gut, gesund, trocken, bis zu 3 Prozent Auswuchs 22,50 bis 23,75, Weizen 3. geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Prozent Feuchtigkeit 22,75 bis 23,25, Roggen 24,50, Sommergerste für Drauzwecke 28 bis 30, Hafer, inländischer 23,25 bis 24, Mais (gelb) für Futterzwecke 22 bis 22,25, Mais (gelb) für andere Zwecke 22,75 bis 23, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 37 bis 37,50, Roggenmehl 34 bis 35,50, Weizenkleie 14,25, Roggenkleie 15,25 bis 15,50, Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 32 bis 60. Linsen, je nach Qualität für Speifezwecke 50 bis 90, Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken 8 bis 8,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 4,50, Weizen- und Roggcnstroh, gebündelt 3,25 bis 3,50, Treber, getrocknet 18 bis 18,20. Tendenz ruhig. Frankfurter Schlachtvichmartt. Frankfurt a. M., 23. Jan. Auftrieb: 1123 Rinder (darunter 292 Ochsen, 59 Bullen, 542 Kühe, 230 Färsen), 518 Kälber, 1?8 Schafe 5541 Schweine. — Rinder (Ochsen): Voliflei- fchige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 57 bis 61 Mk., (ältere) 53 bis 56: sonstige vollfleischige (jüngere) 50 bis 52, (ältere) 46 bis 49. (Dullen): Jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 52 bis 56; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 51. (Kühe): Jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bis 49; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40 bis 45; fleischige 34 bis 39; gering genährte 25 bis 33. (Färsen — Kalbinnen, Jungrinder—): Bollflei- schige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 58 bis 62; vollfleischige 53 bis 57; fleischige 46 bis 52. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 75 bis 78; mittlere Mast- und Saugkälber 66 bis 74; geringe Kälber 55 bis 65. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weide- mast) 48 bis 52; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 45. — Schweine Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 60 bis 62; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 60 bis 62; von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 59 bis 62; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 58 bis 61; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 55 bis 59; Sauen 48 bis 55 Mk. — Markt- verläuft Rinder ruhig, geräumt. Kälber und Schafe bei regem, Schweine bei müßig regem Geschäft ausverkauft. Kunst und Wissenschaft. Gerhart Hauptmann Mitglied der Sektion für Dichtkunst. Der Präsident der Akademie der Künste, Professor Max Liebermann, und ter Vorsitzende der Sektion für Dichtkunst, Wilhelm v. Scholz, haben, einer Berliner Meldung zufolge, namens der Akademie und ter Sektion Gerhart Hauptmann gebeten, ter Sektion beizutreten. Gerhart Hauptmann hat dieser Bitte entsprochen und aus Rapallo, wo er zur Zeit weilt, an Wilhelm v. Scholz folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Präsident! Lassen Sie mich Ihnen nur kurz sagen, daß ich Ihrer und meiner werten Kollegen Einladung, der Akademie, Sektion für Dichtkunst, teizutre- ten, nunmehr mit wärmstem Dank entspreche. Bor zwei Jahren habe ich gezögert, mich an der Gründung dieser Sektion zu beteiligen. Gleichviel, ob meine damaligen Bedenken weiter bestehen oder nicht: die Sektion ist heute eine Tatsache und nicht mehr, wie damals, ein bloßes Fragezeichen, und wenn heute zu dem ursprünglichen Vertrauen des Herrn Ministers die Einladung meiner Kollegen tritt, unterstützt von Max Liebermann und Thomas Mann, denen beiden ich in freundschaftlicher Verehrung verbunden bin, so würde mein Fernbleiben einer Versündigung an dem Gedanken der Kameradschaftlichkeit beinahe g^eichkommen. Ich bekenne mich also hiermit dankbar zur Kameradschaftlichkeit und verspreche gern, meine anfängliche Skepsis nach Kräften durch den Glauben zu ersehen. In größter Hochachtung __________gez. Gerhart Hauptman n." Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Ahr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügte- Rückporto wird keine Gewähr übernommen Anzeigenaufträge sind lediglich an di« Geschäftsstelle zu richten. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die binter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Schluh Kur» 1 Uhr- Kurs Schiuh Ansang Kur» 1 Kur» Datum: 21. 1. 23. 1. 21.1. 23. 1. F/o DL Nelch^anleihe v. 1927 Dt. Slitl. Ablös Schuld mit AuSloi-. Rechten . . . Tcsal. ohne Auslcs.-Rechten 7% Rvaaff Hnv.-Bl. ®o dpt unkündbar di» 1932 . . . Schwei;. Bundcsb.-Anl. <°/o LeftrretchNche Goldrte. 4.20°/« Deftcrr-itij. Silberne ♦"Io Oesterreich, cindeiil. Rte 4% Ungarische Goldrte . 4°/» Ungarische Staatsr v 1910 «'/*% deSgl. von 1913 . . 4% Ungarische Äroncnrte . . 4°/, Türk, -wllanlcihe v 1911 i°/0 Türk Bagdodbabn-Anl serie 1...... 4°/0 deSgl- Serie 11. ... 4°o Rumänen convert Nie «'/,"/» Rumänen Goldanl. . von 1913 . . Hila Deutsch - Eisenbahn .41/.. Hamburg-Amerika Pale, . c, vamd-Südam Damvisch « Hansa Damvfschiff • 6 Norddeutscher L'lonb . . 6 Llllg. Deutsche Crebiianst.. 10 Barmer Bankverein io Berliner HandelSgescllsch. 12 Commerz- und Prioar-Bk. n Darm st. u Nanonaldank. 12 Dcutiche Bank.....io Diükonio-Gesellschaft Am. 10 Dresdner Bank . . . 10 Mitteldeutsche Credikbant 9 Melollbank........ . 8 RclchSbank.........ij 8:,2 52,35 17,25 93 5 85 95.5 41 25,35 — 13,13 14,25 13.4 5,6 — 148 152,75 148 152,5 267 176,5 .41.5 167 160 161.9 . 217 hi. 5 193 _ CTi e»" c.- * “ y- । C I b.sbu>sb i । । i S i i । i I I i : i i i I i I । । "?; i L 2? 3? 3 ctoö — »v * ~« - — k - o' —- c*. o-- - - o« - * «v - MC»' I * 1 ' \ «*• C* I 1 •, 1 ly I 1 i | | TT * - C ü« Q’ C' — t W w' C? 1 tc 1 * C' CI 1 1 1 C« 1 • 1 * W* i S- i I 1 1111*1111 1 1 1 1 1 1 i It?, 5> '' -Z ZU8 £ - Frankfurt a. M Berlin Schluh- Kur« Ä-PÄ6, Anjana Kur« Datum: 21 1. | 23. 1. | 21. 1. ,23.1. A.E S..........7 Bergmann . . . ......8 Elektr. Lieferungen . . . 10 Licht und Kraft......io Kelten ± Guilleaume ... 6 Ges. r- Elekir. Untern. . . lu Hamb. Elektr. Werke . . in Rhein. Elektr. .... 8 Lchles. Elektr. . . . . . lu Schuckert ........7 Siemens & HalSkr . ... 16 TranSradto. ......... 8 Labmever & So......... Buderus . ........ Deutsche Erdöl........ Essener Steinkohle . . - .x Gelsenkirchener . f. % I. * Harvener.........8 vocsch Eisen.......... ylfe Bergbau........8 Klöcknenverke ........ 5 Köln-Neuessen .....51,, Mannesmann • • f '/, I •* Mans'eldcr.........7 Oberschles. Eisend- Bedarf 0 Oberschles. .ttoksrverke . . . h Bhönir Bergbau f 3 3 Rheim'sche Braunkohlen io Rhcimtahl .......o Riebeck Montan .....r, Bereimgle Stahlw. s. •/, I 3 Ctaüt Minen ... i sh Kali Aschersleben • ■ .10 KaltWestcreaeln • • ll Kaliwerk SaUdetfurth 12 3- G ^arben-Jnduftne i Dnnamu Nobel.....u Scheid-anftali........8 Goldschmidt..... .5 Rutgeröwerte........v Meiallgelell chaft.....10 172,25 196,75 180 223.5 125 278.5 154 190.1 293 168,5 103.5 135.75 140 195.25 238 129,5 154,5 121 95,9 101.75 246 177 154 107 12,1 175 183 269.5 197 117.5 94.5 183 •’S i ss । s I i i i । s*’. i i । i • ss 13 i i i Z.2। i ;2 i 1 < O- M M XM — p — - — — 172,25 191.25 178 9 232 125 277.5 150.5 153 192 9 190 293.25 137 5 170 104.75 136 152,5 141 195 149 237 128.2, 149 155.25 121.65 97.5 99,25 102.75 244.5 177 107 42.65 177 184.5 250 269 133 116.5 95.75 170.25 188.13 176 5 220 274,75 151,5 191,25 187.9 291 102 5 133.75 150.5 139.75 192.75 147.5 233 125,5 147 153,5 96,65 97,75 102.13 240 174,75 106 5 12,5 182 264.5 130,25 115 95,5 z raubsurt a. M Berlin Schluh Kurs I 1-Uhr. 1 Kur» Schluh- K»r» Anfang Kurs Datum: 21. 1. 1 23.1. I«.>. | 23. 1. PhUlvv Holjmann . ... 12 peidelberger Cement . . ?> ttement Karlstadt.....$ Wahß Je ffreitaa • ■ io 146,5 141.25 ISO 140,25 146 140 139,75 ;2-1 i i HM SchnltbetS Patzenhsfer. . 15 Ostwerke...... . . 12 18er. Glauzsioff......r-, Bemberg..........« -scllftoij Daldbof. - . . 12 Zellstoff klschafsenbura . . io Charlottenburger Wasser. 7 Dessauer GaS......« Daimler Motoren.....o Demag o Adlerwerke Siena. ... o y1 £| |SS Illi iiii i i;? i Sö 405.25 352.5 577 448 261 175 127,25 181,5 88.5 68.5 89.5 401 350.5 575 449 256,5 125.9 179,25 86,75 67,5 87.5 Ludw- roeire ......V Nat- Auromodtl.....e Orenstein * Poppel .... 4 Linke Hofmann...... Leonhard Tiey..... g Bamaa-Megntn......0 Frankr. Maschinen . . . . o Griyna ... ..... 7 Hevligenstaedt ....... o s>ungbans - ...... f Lechwerke ....... b Mainkraftwerke ...... 8 Miag ....... io 9kekarlulmer ...... 8 PcterS Uirion ....... 8 Gebe Roeder ......10 '8oig, A Haestna .... 6 Sndd Zucker..... o 285 75.5 130,25 30.75 88.5 126 121 144 103 Hl 145 179 144 >111111111 1 1 1 1 1 1 1 1 271.75 100,2.5 136 — 200,5 29,5 77.75 132 89 I 142-5 103,75 113.9 179 144 75 CK> Q W X i £ । i i i i i i । । । i 81 £ i b Bankvoten. Berlin. 2l. Jan. • I 0»elb 1 Brie' Amerikanische Vioieit..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Roten....... | 4,174 58,28 112,03 1 20,40 4,194 58,5' 112,47 20,48 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. HL Berlin. 21. Jan. Geld Brief ^ran;oiische 'Jloten...... 13,51 ÜiTa? Holländische Noten...... 168,84 169^52 Italienische Noten ..... 22,19 22,27 111,38 Hl R1» Deutsch-Lesterr-, 5100 Kronen 59,02 59.26 2 5MS Schwedische Noten...... 112,22 112,68 Schweizer Noten....... 80,74 81,06 Spanische Noten....... 71,73 72,01 Tschechoslowakische Noten . . 12,38 12,44 Ungarische Noten 73,10 73,40 Telegraphische Auszahlung. 21. Jan. 23. Jan. Amtliche Geld liotierung Brici Amtliche Notierung Geld Brief Amn^ Noir 169,16 169,50 169,19 169.53- Buen.-Aires 1,791 1,795 1,792 1,796 58.435 Brff.-Antw- 58,42 58,54 58.415 E Kristiania Hl.57 111,79 111,59 111,81 Uopcnbaocn 112,29 112,51 112,28 112,50 Stockholm . 112,51 112,73 112,51 112,73 Helsingforö. 10,552 10,572 10,555 10,575 Üiahen . . 22,18 22,22 22,185 22,225 London. . . 9ienvork . . 20,432 20,472 20,437 20,477 1.193 1,201 4,1935 4,2015 Pari«.... Schwei« . . 16,47 16,51 16,475 16,515 80,755 .0,915 80,74 80,90 L-vanien • 71,82 71,99 71,53 71.67 Iavan . . 1.963 1.967 1,965 1,969 'Hio dc Jan Wien in D-- 0.5045 0.5065 0,505 0,507 Ceft. odgcst 59,075 59,195 >9,68 59,20 Brog . . Belgrad 12,427 12,447 12,421 12,441 7.375 7,389 7,379 7,393 Budav'll. 73,28 73,42 73,28 <3,42 Bulgarien 3,032 3,038 3,027 3,033 Vtffabon DanUg • Oonftanttn. 20,43 20,47 20,43 20,47 81,70 81,86 81,72 81,88 2,166 2.170 2,161 2,165 Alben . . .,544 5,556 5,564 5,576 Canada 4,184 4,192 4,183 4.191 Um uav 1,266 4,274 1,276 4,284 Cstro 20.956 20,926 20,962 21,002