Nr. 275 Erster Blaff 178- Jahrgang Donnerstag, 22. November 1928 trl^ctm rügUch, benutzten ein Auto mit gefälschter Dummer und ein gestohlenes Lieferauto, um zu entkommen. DaS Personenauto wurde in der Ilmgegend von Marseille verlassen vorgefunden. Das Lieferauto, in dem sich drei an dem Hebet» fall beteiligte Räuber befanden, wurde von vet Polizei bei Pont de Dompan angehalten und die Insassen verhaftet. Die beiden anderen Räuber, die das Geld bei sich führen, sind noch nicht ergriffen. wertere 13 Siegerländer Betriebe der Eisen- Industrie und Walzengießerei Stillegungsanträge eingereicht oder sind inzwischen still- Äworden. Auch von diesen Aussperrungen etwa 4000 Arbeiter betroffen. Mit den genannten Eisensteingruben und obigen Betrieben ist der größte Teil der Siegerländer Industrie zum Erliegen gekommen. In welchem Umfange nach Beilegung des Aussperrungskampfes in der nordwestlichen Gruppe die Siegerländer Grüben und Betriebe ihre Produktion wieder aufnehmen Verden, läßt sich zur Zeit nicht ab- sehen. Auslandkrediie und Landwirischast. Eine Erklärung deS ReichSlandbund» Präsidenten Kothen, 20. Rov. (Telunion.) 3m Rahmen der Generalversammlung des Landbundes erklärte der Präsident, Reichsminister a. D. Schiele zur Frage der Auswirkung der Aus- landkredite auf die Landwirtschaft u. o., daß die Auslandkredite sich in Einfuhr von Agcarprodulten umgewandelt h ttten, da internationale Kapitals.ransakiionen de facto stets in Warenform erfolgen. Eine Wehreins uhr erfolge entweder bei denjenigen Produkten, die das kapitalempfangende Land mit Hilfe der Kredite taufe oder bei denjenigen, an denen das Ausland einen Lleberfluß habe, vorvorausgesetzt, daß dem Import nicht prohibilive Fälle entgegenständen. Bei den landwirtschaft- sichen Erzeugnissen, deren Produktion sich nicht tontingenticren ließe, sei in den letzten Jahren eine aleberproduktion in der Welt zu beobachten gewesen. Begünstigt durch die Auslandkredite hätten diese lleberschüsse den Weg nach Deutschland genommen und der deutschen Landwirtschaft den Markt verdorben. Das sei der Grund dafür, daß vielfach deutsche Agrarprodukte unverkäuflich seien, während zur selben Zeit Auslandeinfuh- ren stattfänden. Der hieraus entstehende Druck auf das Riveau dec Agrarpreise habe zu Verlusten, d. h zur Verschuldung geführt und die Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verhindert. Die sich eines Tages aus dem Versiegen der Auslandkredite ergebenden Störungen der deutschen Wirtschaft könnten nicht der Landwirtschaft zur Last gelegt werden. Eine irische Gesandtschaft in Berlin. Berlin, 22. Rov. (Priv.-Tel.) Die Regierung des Freistaates Irland hat bei der deutschen Regierung um Genehmigung nachgesucht, eine Gesandtschaft in Berlin zu unterhalten. Diese Genehmigung ist erteilt worden. Innerhalb des englischen Wellreiches, zu dem Irland a l s selbständiger Gliedstaat gehört, macht sich immer mehr das Bestreben einer auch außenpolitischen Selbständigkeit geltend. So hat Südafrika kürzlich einen Handelsvertrag mit Deutschland abgeschlossen, der in England zum Teil heftig krllisiert worden ist. weil er das Vorzugszoll-System innerhalb des englischen Weltreiches durchlöcherte. Die Errichtung einer irischen Gesandtschaft in Deutschland wird vom ganzen deutschen Volke wegen der traditionellen herzlichen Beziehungen und der weltpolitischen Verwandtschaft beider Völler begrüßt werden. Oer (Stellenplan vor dem Finanzausschuß. Grundsätzliches.—Die Kapitel 1—6. Darmstadt, 20. Rov. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages begann heute mit der Beratung des von der Regierung vorgelegten Stellenplanes. In der Generaldebatte wurde von verschiedenen Seiten noch um Aufllärung gebeten, namentlich wie die Einreihung in die verschiedenen Besoldungsgruppen bei den einzelnen Deamtenkategvi.ien erfolgt sei, ob Arbeit, Tüchtigkeit usw. berücksichtigt worden sei. Don Seiten der Regierung wurde u. a. erklärt, daß bei den unteren Beamten je die Hälfte in die höhere und die niedrigere Gruppe eingereiht worden sei, bei den mittleren Beamten etwa ein Viertel in die höhere und drei Viertel in die niedrige Gruppe und bei den oberen Beamten etwa ein Sechstel in die höhere und f ü n s S e ch st e l in die niedrigere Gruppe einrangiert worden seien, wenn auch das Verhältnis nicht ganz streng eingehalten worden sei. Da eine ganze Reihe von Anträgen aus den Kreisen der Parteien und zahlreiche Vorstellungen von Verbänden und Privatpersonen zum Stellenplan ein gegangen sind, die eine Aenderung der Desoldungsdienstordnung selbst notwendig machen würden, beschloß der Ausschuß nach längerer Debatte mit 10 :3 Stimmen (der De- ntoicaten, Dolkspartei und Kommunisten), daß alle Anträge und Vorstellungen, die eine Aenderung der Desoldungsordnung zur Folge haben würden, zurückzustellen seien bis eine Ro- velle zur Abänderung der Desoldungsordnung eingebracht werde. Durch diesen Beschluß wurde ein kommunistischer Antrag e ledigt, der besagt: Bei der Beratung des Stellenplanes wird die Beseitigung aller Härten und die Ausmerzung aller Einstimmigkeiten vorgenommen, sowie ein Antrag, der besagt: Eine Einstufung über die Gruppe 3b und unter dis Gruppe 4c dürfe nicht vorgenommen werden: Stellen gleicher Art können nur in einer Besoldungsgruppe erscheinen, bei Einreihung in die Besoldungsgruppen darf eine Verkürzung des Desoldun gsdienstalters nicht erfolgen. Bei der Deratung der einzelnen Kapitel war zu Kapitel I. Forst- und Kameralver- waltung, von dem Abgeordneten Keller (D. B.) der Qlntrag gestellt worden, die Förster in die Gruppen 4 e, 5 und 6 zu. dritteln, der aber gegen zwei Stimmen abgelehnt wurde. Gin Antrag Reiber (D.), in die Gruppen 4 e 70 in die Gruppe 5 200 und in die Gruppe 6 146 Förster einzureihen, wurde ebenfalls abgelehnt. Eine Eingabe dar Amtsgehilfen und eine Eingabe der Staatsförster wird für erledigt erklärt. Das Kapitel selbst wird dann gegen eine Stimme angenommen. In der RegierungSfassung werden auch die Kapitel 3, 4 und 5 angenommen. Bei Artllel 6 werden gemäß einem Antrag Lux (S.) bei den Gradier- und Werkmeistern zwei Stellen (statt einer) besetzt und bei den Werkmeistern in der Gruppe 9 statt 3 nur 2 Stellen bewilligt. Das Kapitel wird dann gegen zwei Stimmen angenommen. Zwei Eingaben Müller und Adolf werden für etlebigt erklärt. Rachdem noch Kapitel 62 angenommen worden war, vertagte der Ausschuß feine Beratungen auf morgen. Wahrscheinlich wird der Ausschuß am Donnerstag und Freitag keine Sitzungen abhalten, da die volks- parteisichen Mitglieder wegen einer Zentralvorstandssitzung nach Berlin fahren. • Wie und von maßgebender Stelle mitgeteilt wird, lautet die offizielle Bezeichnung der Gießener Anstalt, dZsen Ausbau der Finanzausschuß am 6. Rovember beschloß, Hess. Heilstätte für Nervenkranke bei Gießen. Oer österreichische Bundes- Präsident. Keine Wiederwahl Dr. Harnischs. Wien, 22. Rov. (Privaltel.) Die Absicht des Bundeskanzlers Seipel, eine nochmalige Wiederwahl des jetzigen B u n d e s p r ä s i d e n - ten Hainisch zu ermöglichen, ist an dem Widerspruch der Sozialdemokrasie gescheitert. Für Seipel handelt es sich gleichzeitig darum, die jetzige Wahl des 2undesprä,idcnten durch das Parlament zu beseitigen und statt dessen, wie in Deutschland, eine direkte D0 lkswahl einzuführen. Auch hiergegen hat sich die Sozialdemokratie gewehrt, statt dessen trägt sie dazu bei, daß in Oesterreich die Wahlcn des Staatsoberhauptes eine Sache der politischen Parteien und Klicken bleibt Trotzdem wird der Wunsch, einen Sozialdemokraten an der Spitze des Staates zu sehen, nicht erfüllt werden, denn die Einigung zwischen den butter ichen Mehrh.itspa.teien wird zweifellos erreich, werden. — Der Bundespräsident hat auf Antrag der Bundesregierung die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten auf Mittwoch, 5. Dezember, einberufen. Den Vorsitz der Bundesver ammlung führt der Präsident des Rationalrates. Als aus- sichtsreichstL Bewerber um die Präidentschaft kann man den berühmten Chirurgen Profes or Eiselsberg und den früheren Iustizminister Oie Wetterlage. "ThörsK Mittwoch. (121. NoVfr.1928.8*mgs <■ Br o --O~)5 O LH evofXdiK». O "ene. 9 »mm • *>«'»• ototm •«eo'«u> *®a*««cfca/ Aeliere und jüngere Mädchen und Tagesmädchen suchen Stellung. Gewerbömähige Stellenvermittlung Eovbie Tülicr, Skeuitadt 50. teL 1103. [10257D für leichte Äureauarbeiten zum so- fertigen Eintritt gesucht. Schrift!. Angebote mit Zeugnisabschriften sind einzureichen unter 08203 an den Gießener Anzeiger. Schmiede« lehrling vom vande gesucht. Kost und Wohnung beim Meister. Schrifti Angebote unter 10183V an den Gieh. An», erdeten. 1. 2. Tages-Ordnung: Ausnahme, Festsetzung der Beiträge. Belchluhfassung über Anträge von Mitgliedern. Verschiedenes. 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Straßburg, November 1928. @6 gibt, so wird behauptet, noch immer Leute auch in deutschen Landen, die über diese merkwürdigen Elsaß-Lothringer den Kopf schütteln, die da als Vertreter ihrer größten Partei einen Dr. Oberkirch in der französi chcn Poincare- Regierung haben und ihn bei der Feier des tschechischen Ze/n-Iahre-^ittiläums von der Pa- ralletät tschechischen und elsässischen Schicksals reden las en, das beiden Ländern im selben No- veurber 1918 d i e Erfüllung aller ihrer Hoffnungen gebracht habe und beide Länder xu Eckpfeilern des neuen europäischen „Fri:dens"> Gebäudes werden ließ. Diese gleichen Elsässer stehen aber eben jetzt mit Frankreich, dem Bringer dieses Oberkirch chen Glückes, in heftigstem Kampf, werfen ihin vor, daß es seine Freihei.en mißachte und zerstöre, sein geschicht ich überliefertes Wesen gewalt am umformen und verderben wolle. OEtrc soll aus sol5>rn Widersprüchen fug werden? Ist's nicht wirklich so, wie es d .eser Tage ein französischer Publizist formuliecte: dieses Elsah-Lolhringen müssen wir mitfesterHand führen und ihm keine seiner Launen mehr durchgehen lassen! Die Elsaß-Lothringer wissen es sehr Wohl, daß sie's den Landfremden nicht ganz leicht machen, sie zu begreifen. Sie haben sich ja selbst in diesen vergangenen Jahren der Unruhe, des inneren Haders, der Gegensätzlichkeiten über sich und ihre Ausgaben, über ihre Lebensbedingungen und ihren Zukunftsweg Klarheit verschaffen müssen. Es muhten sich erst d i e F ü h re r finden, die dem Doli« seine Lage und damit'seine Pflichten vor Augen stellten. Es muhte sich dann erweisen, ob die Devölkerung sich als ein „D olk" auffasse und für ihr Dolk-Sein Opfer bringen wolle. Diese Führer haben sich gefunden und das Volk hat sich zu ihnen bekannt. 3n diesem 10. Jahre seit der „Befreiung", an dessen Beginn — im Winter 192Z/28 — Frankreich wähnen nwchte, jeden Widerstand gegen seine Ziele niedergeschlagen zu haben, brachte den autonomistischrn Sieg von Hagenau, brachte die autonomislischen Erfolge bei den April- wahlen zur französischen Kammer, den K o l - marer Autonomistenprozeh mit der Rechtbrrtigung des Widerstandes gegen die Politik der französischen „Befreier", dann die von Tag zu Tag festere Einheitsfront aller «Heimattreuen' und ihren überwältigenden Sieg bei einer zweiten Volksbefragung im Oktober, den Wahlen zur Teilerneuerung der Generalräte. 3m Zeichen der Autonomie endet dieses erste Jahrzehnt der zweiten Franzofenzeit. Dor zehn 3ahren schien von einer Welle blauweihroter Begeisterung alles weggeschwemmt, was In fünf Jahrzehnten aufgebaut worden war. Doch die Wasser verliefen sich rasch, und da war vieles zusammengebrochen, nicht aber der Wille der Elsässer und Lothringer, auch in den verwandelten staatlichen Verhältnis,en ihrer äleberlieferung treu zu bleiben. Allerdings gab es gewandte Dcfreiungs- gewinnler. die — unbesorgt um Natur und lebendige Wirklichkeit, um die Lehren der Geschichte und die Verantwortung des Volkstums — munter mit einreißen halsen, was die französischen Emp- sindlichkeiten stöxt«, da es „anders" war als im übrigen Frankreich. Weg mit dn: Selbstverwaltung, mit allen Sondergesetzen. Was für die „andern Franzosen" gut und recht ist, muh es auch für die wiedergefundenen Brüder und Schwestern sein! Schleunigst weg auch mit diesem abscheulichen Deutsch, mit dieser „Muttersprache", die doch nur ein Hindernis ist, dah wir mit den Onnerfranzofen auf gleichem Fuhe stehen. Gutmütig und vertrauensse ig, zum Verbrüdern und friedfertigen Nachgeben bereit, wie es eben nur — deutsch« Menschen zustande bringen, verlockten anfangs diese Sirenentöne. Doch nicht lange. Geraks die Verhöhnung der deutschen Mutter- .-Berichterstattcr. spräche und die unbekümmerte Aufdrängung der „Nationalsprache" liegt an dec Wurzel der heute so siegreichen „Heimatrecht b.wegung". Anzeichen des Widerstandes gegen die französischen Methoden machten sich schon sehr rasch bemerkbar, so dah schon wenige Monate nach dem Einmarsch der „Sieger" die Pflöcke zurückgesteckt werden muhten: die Einsetzung Mille rand s als „Generalkommis ar" und die Schaffung eines „Conseil consultatif“ griff zurück auf die Statthalterschaft und den Landtag der deutchen Zeit, wenn dieser „beratende Aat" auch nur ein schwacher Abklatsch der zerstörten Dolksvertretung war. Die folgenden 3ahre sind für den Völker- Psych ülogischen Beobachter von höchstem Neiz. 3m gleichen Maße, in dem Frankreich ein Stück früherer Selbständigkeit Elsah-Lothringens nach dem anderen weanimmt, meist verstohlen, dann und wann aber m rücksichtslosem Auftrumpfen, im gleichen Mähe wächst im Volke der Wille, trotz cLledem fest zusammen zu halten. UnD als die Fra.^osen sich 1924 am Ziele wähnten, a.s sie das Gebäude „Elsah-Lothringen so weit nieDergerissen haben, dah die alte Grenze fast ausgelöscht scheint, da ist gleichzeitig deutlich erkennbar, daß gerade zur gleichen Zeit dieses scheintote Gebilde durchaus lebendig ist. Es klingt etwas fehl am Orte, das alte Durschen- lied aus den Tagen der deutschen Demagogen- verfolgung auf diese elsässische Selbstbesinnung anzuwenden, aber es trieft den Kern des Problems: „Die Form mag zerfallen, Was hat's denn für Not. Der Gei st lebt in uns allen UnD uns're Burg ist Gott!" Den ersten Anzeichen der «Haß-lothringischen Auflehnung scheint Frankreich nicht den Wert beigemessen zu haben, den sie hatten. Die Franzosen, in ihrem Empfinden für volkhafte Regungen abgestumpft durch ihr mehr als hundertjähriges schematisches Staatsleben als „eine und unteilbare Republik", sind auch viel zu sehr von der unvergleichlichen äleberlegenheit alles Französischen überzeugt, erst recht aber von der „unerschütterlichen Treue" Elsah-Lothringens zur Mutter Frankreich, als dah sie über die Kvctik einiger Elsässer — etwa in der Zeitschrift „Die Zukunft" — sich Sorgen gemacht hätten. Stutzig wurden sie erst, als dieses unscheinbare Blatt nach wenigen Wochen schon zwei elsässischen Parteien ratsam erscheinen lieh, ihr« Programme diesen „Zukunfts"-Forderungen anzugleichen. Das war Ende 1925! Mitte 1926 organisierte sich der überparteiliche „H e i m a t b u n d" und proklamierte: „Elsah-Lothringen ist eine nationale Minderheit im Rahmen Frankreichs und fordert auf Grund dieser Tatsache das Recht, seine kulturellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten selbst zu regeln!" Run frellich setzt« Frankreich seinen Staatsapparat in Gang, maßregelte die Beamten und Lehrer, deren Namen unter dem Heimatbund-Manifest standen. Jetzt fühlte die französische Nation einen Angriff auf chre Grundsätze, ihre Einheitlichkeit des Staatsaufbaues unD des kulturellen Lebens. Es beginnt der erbitterte Kampf zwischen dem alten System und den Ansprüchen der „Heimatrechbler" auf Anerkennung des elsa h-lothringischen Sonderlebens. Während Frankreich heuchlerisch die Besorgnis zum Ausdruck bringt, dah di« Autonomie» forderung „den deutschen Appetit" und di« „Revanche" wecken werde, betont man im autonomisti- schen Lager, dah gerade ein lebendiges, ftei sich regendes Elsah-Lochringen als „Drücke", als „M ittler" zwischen den Nationen eine große Friedensmission erfüllen könnte. Das 3ahr 1927 — in das der Prozeß des elsässischen Politikers Dr. Haegy gegen einen Pariser nationalistischen RedÄteur Helsey fällt, ein Dorläufer des späteren großen Colmarer Prozesses —, dieses neunte 3ahr f«it dem Besitz- Wechsel des Landes, ist erfüllt von Pressefehden, von Dersuchen, den autvnornistischen Gedanken mit Gerichtsurtellen zu erwürgen. Cs endet mit der großen Dersolgungsaktion gegen 30 Elsässer innerhalb und außerhalb der Grenzen Frankreichs, die beschuldigt werden, ein „Komplott gegen die Sicherheit Frankreichs" angezettelt zu haben. Di« bald darauf folgenden Wahlen zur ftanzösischen Kammer erbringen aber den Beweis, daß die Heimatidee im Doll« stark genug verwurzelt ist, auch nach Zerschlagung der Organisation, sich durchzusehen. älnd so ist heu e, zehn 3ahre nach dem Einzug der „Befreier", Elsah-Lothringen entschlossen, auf dem Wege, sein Recht und seine Freiheit zu erkämpfen, nach seinen Lebensbedingungen sich sein Haus selbst einzurichten. älnd Herr Oberkirch, der sich am 26. Oktober in Prag als Sprecher der Elsässer ausspielte, muhte eine Woche später aus seiner Partei herausgehen, well dies« mit dem Dolle geht, H«rr Oberkirch aber mit Paris gegen Elsah-Lothringen. Am Schluss« dieser Zehn» 3ahr«s-Frist steht Frankreich allein mit Neinen Gruppen, und ein Pariser Blatt hat die Formel prägen können: „Frankreich hat das Herz des Elsasses verloren." Deutscher Wiederaufbau in Kamerun. 3m Novenrber 1924 fand in London eine Derst e i g e r u n g der in dem englischen Mandatsgebiet Kamerun gelegenen deutschen Pflan- zungs- und Handelsunternehmen statt. Zu dieser Dersteigerung waren auch die deutschen Dorbesiher zugezogen worden. Es gelang ihnen, den gesamten Besitz im Werte von etwa 150 Millionen Goldmark zu einem Preise von 7,5 Millionen Mark, bis auf kleine, unwesentliche Teile, fiir Deutschland zurückzugewinnen. Hiermit waren zum ersten Male große Gebietsteile unseres Vaterlandes in 11 eberfee, die wir durch den Dersailler Dertrag verloren hatten, als privates, unbestrittenes Eigentum wieder in deutschen Besitz zurückge- lanat und damit ein Gebiet, so groß wie etwa das Land Hessen-Nassau, unmittelbar unter deutschen Einfluß zurückgebracht. Schon im März 1925 konnten die deutschen Besitzer ihr Eigentum wieder in eigene Bewirtschaftung nehmen. 3n mühevollster Arbeit gingen sie daran, die während der zehnjährigen Zwangsverwaltung zum Teil stark vernachlässigten Kulturen wieder auf ihren Dor- kriegszustand zurückzubringen. Seit zehn 3ahren entbehrten diese der früheren Pflege, vor allem jeglicher Düngung. Tausende von Hektaren waren daher verbuscht und mußten freigeschlagen werden, um den darin zu ersticken drohenden Kakao- bäumen, Oelpalmen und Heveen Licht und Luft xuzuführem Schwer hatten auch di« Schädlinge in Den Kulturen gehaust. Als weitere Folge waren sowohl Quantität als auch Qualität der Kameruner Plantagenprodukte während der Zwangs- Verwaltung von 3ahr zu 3ahr zurückgegangen und bedeutend im Werte gesunken. Die Aufbereitungsanlagen der verschiedenen Produkte waren nur notdürftig instandgehallen worden. Die während des Bombardements der Kameruner Küste in Den ersten Kriegsmonaten zusammengeschossenen Gebäude standen 1925 noch als malerische Ruinen, von Farnkräutern und meterhohem Gestrüpp wild überwuchert. Das mußte alles erst einmal beseitigt, wieder aufgebaut und notdürftig in betriebsfähigen Zustand versetzt werden. Die hierzu vorhandenen Geldmittel waren sehr knapp. Der Wiederaufbau konnte überhaupt nur gelingen, wenn es möglich war, in kürzester Frist die noch vorhandenen Kulturen abzuernten, deren Produkte aufzubereiten und auf die europäischen Märkte zu bringen. Neben allen diesen sorgenvollen Arbeiten blieb die Qualitätsverbesserung sämllicher Produkte eine der wichtigsten Aufgaben. Bei Kautschuk, Palmöl und -Kernen gelang dies verhältnismäßig schnell. Kameruner Plantagenkautschuk z. D. gilt heute für ebenso wertvoll wie die besten ostasiattschen Marken. Schwieriger lagen die Derhältnisse bei Kakao. Trotzdem ist in ziemlich kurzer Zeit schon sehr viel erreicht worden. Große Fabrikanlagen zur Derbesserung und Der- billigung der Produktenaufberettung sind inzwischen entstanden, und es ist zu hoffen, dah auch die letzten Schwierigkeiten, die dem deutschen Wiederaufbau noch im Wege stehen, in absehbarer Zeit überwunden werden können. Leider hat uns dabei das Liquidationsschüdengesetz vollständig im Stiche gelassen. Mit aufrichtiger Freude sind wir auch von Den Kameruner Eingeborenen wieder begrüßt worben. 3n großen Scharen strömten sie aus allen Teilen des Landes zusammen, um Arbeit zu nehmen, darunter auch die Söhne der beiden mächtigsten Häuptlinge aus dem Kameruner Hinterlande, 3oja aus Kamim und Fonjonge aus Bali, die auf den ausdrücklichen Wunsch ihrer Däter nach deutscher Arbeitsmethode erzogen werden sollen. Die englische Mandatsverwaltung sucht, soweit es in ihrer Macht steht, unsere Bestrebungen zu unterstützen, denn sie hat eine hohe Meinung von der deutschen Wiederaufbauarbeit in Kamerun erhalten und dies auch wiederholt zum Ausdruck gebracht. Minister Korell über die deutsche Republik. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Demokratischen Partei veranstaltete dieser Tage im Saale des Caf6 Leib einen Vortragsabend an- läßlich des zehnjährigen B e st ehe ns der deutschen Republik, bei dem Minister Korell die Ansprache über „Z ehn Jahre Republik" hielt. Er betonte einleitend, der zehnte Jahrestag der Staatsumwälzung, der Entstehung der Republik, sei kein Anlaß zu großen Festen und frohen Feiern, er sei aber auch kein Tag der Schande und des Schmerzes. Das deutsche Volk brauche sich nicht schämen über das, was damals geschah. Wenn das deutsche Volk damals vor dem Chaos bewahrt blieb, so sei dies das Verdienst der Männer, die sich seinerzeit mutig an das Ruder des Staatsschiffes gestellt und dieses vor deni Untergang bewahrt hatten. Einer dieser Männer sei auch der verstorbene hessische Finanzminister Hen - r i ch gewesen, dessen Persönlichkeit und Wirken der Vortragende in warmen Worten feierte: Henrich babe seine Gesundheit und sein Leben im Dienste für das Volk geopfert. Wenn unter den damaligen Männern der Pflicht fid) gelegentlich auch untüchtige befunden hätten und in hohe Aemter gekommen seien, so bedauere das die Republik am meisten. Der Redner wies dann auf das schicksalhafte des Entstehens der deutschen Republik hin. Vieles sei heute schon in Vergessenheit geraten, wa? unser Volk in den vier schweren Kriegsjahren durchgemacht und erlitten habe. Aus der starken Hingabe des Volkes, aus der Entbehrung und Not hätten Schleichhandel, Kriegsgewinnler und Schieber- tum ein Geschäft gemacht, und dann sei das Volk, das jahrelang draußen und daheim Uebermenich- liches ertragen habe, am Ende seiner Kraft gewesen, zermürbt durch den langen Krieg, durch den Hunger im Lande und durch das Leid um die Toten und die Krüpvel. Als durch das plötzliche Waffen- stillstandsangeoot dem Heere und dem Volke klar wurde, daß jede Hoffnung vorbei war und Frieden um jeden Preis geschlossen werden mußte, da sei es kein Wunder gewesen, daß der Zusammenbruch kam. Ein System sei damals zusammengebrochen, in der höchsten Notzeit unseres Volkes hab« die Führung gefehlt. Unter Den Männern, Die Dann an Die Spitze Des Volkes traten, gebühr« in erster Linie Anerkennung unD Dank Dem verstorbenen ersten DeichspräsiDenten FrieDrich Ebert, Der unserem Volke russische Verhältnisse erspart und Das Gespenst Der Anarchie verjagt hab«. Ein Rückblick auf Die ersten zehn 3ahre Deutscher Republik müsse mit ehrlicher Besinnung über Die wirklichen Ursachen Des Zusammenbruchs unD mit dem Vorsatz ernsten Strebens für Den Wiederaufbau des Vaterlandes erfolgen. Um Dem neuen Staate Gerechtigkeit wiDerfahren zu las en, müsse man sich Die Aufgaben vergegenwärtigen, Die Der neue Staat zu leisten habe. Der Redner erinnerte hier u. a. an die großen sozialen Verpflichtungen, Denen Der Staat Rechnung zu tragen habe, z.B. Förderung des Wohnungsbaues, Fürsorge für Die älteren Angestellten. Er wanDte sich Darm gegen Die Schaffung neuer Aemter, z. B. gegen das geplante Reichsoberarbeitsschutzamt, Das nicht notwendig sei. ErGießener Giadttheater. Tchanzer, Welisch und Krauß: „Eine Frau von Format". Der starke Erfolg, als der Diese für Gießen neue Operette vor kurzem in Frankfurt ausposaunt wurde, ist nicht ganz verständlich: er beruht im Grunde auf Der großen Ausstattung und, bestenfalls, einem Schlager. Das ist für. eine anständige Operette etwas wenig. (Wir für unsere Person hätten jedenfalls eine Wiederholung von „Liebe und Trompetenblasen" für erheblich aussichtsreicher gehalten, da Dieses hübsche Stückchen sowohl textlich als musikalisch eine bcDeutenD bessere Qualität Darstellt.) Das Libretto, von Der bekannten Firma Schanz er unD Welisch, verlegt Den Schauplatz nach Sllistria, einem Phantasiefürstentum auf Dem Balkan, welcher von altersher als flafft* sche Operettenlandschaft beliebt ist. Die Handlung setzt sich in ihren Hauptbestandteilen aus Liebe, 3ntrigc, Verwechslung, Politik und Der unvermeidlichen Salamifabrikation zusammen. Gegen Den Text, soweit er verstänDlich wurde — bei Operetten nicht unbedingt erforderlich — ist nur das eine einzuwenden, dah viel zu viel (Unsinn) geredet wird. Eine Operette ist Dazu da, dah gelungen wird. UnD zwar in allen Drei Akten. Es kann ebenfalls Unsinn sein, aber gesungener Unsinn. Das kann man verlangen. Neuerdings leben Die Operetten aber bereits im zweiten All von Wiederholungen, Der Dritte ist Dann vollends auf ein in ungenießbarem Deutsch vorgebrachtes Gefasel angewiesen, bis Die obligaten Paare enD» üch mit viel Ach und Krach unter die Haube gebracht sind. Die Musik von Michael Krauß läuft in bewährten, gut ausgefahrenen Geleisen, hat einen Tango-Schlager auf Den Text „Wir wollen tun, als ob wir Freunde wären". Der sich bereits weiter Verbreitung erfreut, ferner eine hübsche ChormeloDie — „Das ist die Feuerlilie" —, endlich eine Tanzparodie auf Die 3ofefine Baker, welche zur Zeit in Berlin grassiert, mit 3azz- begleitung. Das wär's. Das Orchester (am Pult: Kapellmeister H a r - der) ließ nichts zu wünschen übrig. Die Regie von Hans Baars (a. G.) war in Den ersten Akten mit großem Aufwand bei Der Sache, versagte aber im letzten Akt, wo auch Das Ensemble merllich nachließ. AuherDem waren Di« Bühnenbilder (Hans Mohr und Emst Müller) von einer geradezu papageienhaften Buntheit. 3m Verein mit Den Phantasiekostümen und Uniformen ergaben sich mehrfach Farbenzusammenstellungen, Die nur mit dem harten Wort schauderhaft bezeichnet werden können. (Eine geschmackbegabte Regie hätte sehen müssen, daß das nicht geht.) 3m Mittelpunkt der Besetzung: Die Dschllly Bey Der Ly Ottmar. Die stimmlich und Darstellerisch im Mittelakt am besten wirkte: Daß ihr eine Derartige Rolle sehr liegt, ist zu bezweifeln. Die Fürsttn von Silistrien tourDe von Der hübschen Dorothea DaberaDt vortreftlich ge- spiell unD gesprochen; gesanglich bietet Die Rolle gar nichts. Norbert Fels, beweglich unD schlagfertig, gab Den Leibhusaren Baron Pista und bildet sich zum ertlärten Liebling Des Operettenpublikums aus. 3eno Nador iTököli) war erfreulich bei Stimme, schauspielerisch Dagegen, besonders gegen End«, rech! matt. Ein sehr Drolliges Pärchen machten Die begabte Soubrette LyDia Petry und Karl Reul, Der gestern blendend in Form war und allen Leuten mit seinem prachtvoll schnoddrigen Wortschwall vom reinsten Berliner Wasser ungemein gefiel. Das Haus war, wenn wir recht gesehen haben, ganz ausverkauft und übrigens sehr beifallsfreudig. Dr. Th. Oie deutsche Zentralasien-Expedition. Die deutsche Zentralasien-Expedition, di« unter Leitung des Bremer Geographen Dr. Emil T r i n k l e r stand, ist dieser Tag« zurückgekehrt. Zu ferner Ehrung hatte die Bremer Wissen» schaflliche Gesellschaft zu einer Festsitzung ein» geladen. Außer dem Senat hatten sich die Abordnungen der wissenschaftlichen 3nstitute und Körperschaften der Stadt eingefunden sowie zahlreiche Vertreter Der Vereine, die der Wissenschaftlichen Gesellschaft angeschlossen sind. Dr. Trinkler, ein Schüler des Südpolforschers von Drygalski in München, bereifte anderthalb 3ahre lang die Hochgebirge und Wüstengebiete Zentralasiens und kehrte in diesen Tagen von ferner zweiten Forschungsreise — die erste führte ihn im 3ahre 1923/24 nach Afghanistan — in Die Heimat zurück. Seine Begleiter waren Der ebenfalls anwesend« Münchener Geologe Dr. De Terra und der Schweizer Kaufmann W. B v ß h a r t. Die Reise, deren Durchführung ermöglicht wurde durch Unterstützung des Bremer Senates sowie Bremer Kaufleute und der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft, stellte ganz ungewöhnliche Anforderungen an die Forscher. Der Ausgangspunkt der Reise war Kaschmir im Norden Indiens. Im Mai 1927 brach die Karawane mit zahlreichen Dienern und Tieren auf. Ein Berg- massiv von 5000 Meter Höhe mußte 'überquert werden. Dabei vernichtete eine Seuche die Tiere der Karawane und zwang die Forscher, zu Fuß eine Strecke von 500 Kilometer zurückzulegen. In dreizehn Monaten wurden 12 Pässe von über 5400 Meter überschritten; im ganzen legten sie in sechzehn Monaten über 5000 Kilometer zurück. Aber diese Schwierigkeiten waren, wie Dr. Trinkler ausführte, in chrer Auswirkung doch nicht so störend wie die geradezu entnervenden Verhandlungen und Besprechungen mit den chinesischen Behörden. Diese wollten die gesamten Sammlungen, auch die geschenkten und gekauften, zurückhalten, aber nach den neuesten Meldungen sollen diese nun freigegeben sein und Boß- hart sich mit ihnen auf dem Wege nach der russischen Bahnstation Andischan befinden. Dagegen wurden die Forscher, wie Dr. Trinkler nachdrücklich betonte, in Indien von den Engländern aufs liebenswürdigste aufgenommen und in jeder Hinsicht gefördert. Vier Monate durchforschte die Expedition die Takla-Makan-Wüste, häufig von Sand- und Schneestürmen behindert, während das Thermometer mehr denn 20 Grad unter Null zeigte. Trotzdem wurde das Ziel erreicht, und reiche Funde gemacht. Inmitten der Wüste wurden, verschüttet von den Sandstürmen, die Stätten alter menschlicher Siedlungen entdeckt und ausgegraben. Im Schoße des Iellat-kum, der Henkerswüste, fern von den Stätten jetzigen Lebens, fand man die Trümmer kleiner buddhistischer Tempel, Bruchstücke lebensgroßer Buddhafiguren und kleine Stuck- relief», Buddhas, Ghandarvas und Amoretten darstellend, die typisch die Merkmale griechisch-buddhistischer Kullur zeigen. Sie entstammen einer Kunst- periode, die vor 2000 Jahren von Nordwestindien, dem alten Ghandara, den Weg nach Zentralasien fand und dort bis zum Eindringen der Mohammedaner, etwa 100 n. Ehr., in hoher Blüte stand. Etwa aus dem achten Jahrhundert stammen Gegenstände des täglichen Gebrauchs: Perlen- schmuck, Goldblättchen, Glasperlen, Kämm«, Bruchstücke chinesischer Münzen, Reste alter Gewebe und als Unikum ein geflochtener Schuh. Ergänzt wurden die Funde durch Käufe bei den Eingeborenen. Stücke buddhistischer Malereien, alte Handschriften und, eins der wertvollsten Stücke, ein auf Papier geschriebenes Buch, das in Brahmaschrift geschrieben und etwa tausend Jahre alt ist. Die Sammlungen werden dem städtischen Museum in Bremen über» wiesen. Auch die geographische und geologische Ausbeute ist groß. So wurde festgestellt, daß das Hochland Zentralasiens während der Eiszeit von mächtigen Gletschern bedeckt war. Boßhart sammelte reiches botanisches Material, daneben auch viele Lichtbilder. Die Gelehrten hoffen, ihre Ergebnisse in etwa drei Jahren geordnet ausarbeiten zu können. Mit dieser bremischen Forschungsreise hat die deutsche Wissenschaft erneuten Ruhm auf einem jahrelang gesperrten Gebiet errungen, Dr. K. 91. Hochschulnachrichten. Das Ordinariat Der Chirurgie in Erlangen, Das sich am Schluß Des laufenden QBintrtfemefterd Durch Den Rücktritt Des Geh. Medizinalrates Prof. Dr. E. Graser erieDigen wird, ist Dem a. o. Professor unD Oberarzt Der Chirurgischen Klinik Der Universität Frankfurt a. M., Dr. med. Otto Goetze, angeboten worden. Professor Dr. Pribram vom Internationalen Arbeitsrat in Genf, der auf den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurtam Main als Nachfolger von Geheimrat Voigt berufen wurde, nahm seine Lehrtätigkeit mit einer öffentlichen Antrittsvorlesung über „Die internationale Wirt- schaftspolitik und die internationale Sozialpolitik, ihre Wurzeln und Anschauungsformen" auf. — In der Philosophischen Fakultät der Frankfurter Universität habilitierte sich für das Fach der klassischen Philologie Dr. phil. Franz A11heim. fparnisse müßten «zielt werten durch 6ie Neuregelung des Derhältnisfes zwischen dem Reich unb den Ländern. Einheitlichkeit in Verwaltung und Gesetzgebung müsse herrschen. Das Kabinett Adelung wolle das wirtschaftliche und aeographische He.sen erhalten, um es später als Ganzes beim Einheitsstaat einzubringen und als Gleichberechtigte am Derhandlrmgstisch das für Hessen Möglich« herauszuholen. Der Redner bezeichnete dann das Festhalten an der Weimarer 'Verfassung als Voraussetzung für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele: er bekannte sich zu einer friedlichen und würdigen Außenpolitik. Minister Korell gedachte dann der Gründung der demokratischen Partei vor zehn Jahren und erinnerte dabei an ihre rege und erfolgreiche Mitarbeit bei der Schaffung der Grundlagen für den neuen Staat. Mit herzlichen Wünschen für den weiteren Aufstieg unseres Volkes im neuen Staate schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Rektor Loos, ter Vorsitzende der Gießener Ortsgruppe ter Demokratischen Partei, betonte noch einmal die treue Hingabe ter Männer des neuen Staates für das Volk, die die Hände rein behalten hätten und die Retter des Vaterlandes gewesen seien. Worte warmen Gedenkens widmete der Redner noch dem Minister Henrich, zu dessen Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 22. November 1928. Oberhessischer (Seschichisverein. Der erste Vortrag dieses Winters fand am Donnerstag statt. Als Redner war der kürzlich vom Verein zum Ehrenmitglied ernannte Professor Dr. Röschen (Laubach) gewonnen worden, der die Ergebnisse seiner neuesten Forschungen über das Treffen vom 21. Mürz 17 61 bet Gründers und Laubach oortrug. Vor 39 Jahren — am 16. Oktober 1889 — hatte Prof. Röschen dasselbe Thema schon einmal in einem Vortrag des Oberhessischen Geschichtsoereins behandelt. (Sgl. Mitteilungen R. F. 3, 133.) Er verwertete damals die Werke von Tempethoff, Renouard, Westphalen, die Darstellung der „Offiziere des preuß. Generalstabs" und Waddington, sowie das Kartenmaterial des Großen Generalstabes in Berlin und die Ergebnisse der eigenen Forschung in den Staatsarchiven Marburg und Darmstadt, der Landesbibliothek Kassel und dem reichsgräflichen Archiv zu Laubach. 1910 hat er im Anhang seines Handbuches über Vogelsberg und Wetterau eine Darstellung des Treffens, wobei auch feine Forschungen im Londoner Staatsarchiv, dem „Record Office" verwertet wurden. Am Donnerstag bot er in seinem Vortrag hierzu wesentliche Ergänzungen aus dem Archiv des französischen Generalstabes zu Paris, wodurch neues Licht über jene Kampfhandlungen auf oberhessischem Boden, insbesondere über die damaligen, bisher nicht bekannten Stärkeoerhältnisse des französischen Heeres verbreitet wurde. Der Vortragende hielt sich für verpflichtet, auch hier gebührenden Dank für die französische Liebenswürdigkeit zu sagen. Es sei hierbei auch erwähnt, daß der Redner 1894 und 1901 wertvollen Stoff in der „BibliothLque Rationale" in Paris zusammengetragen hatte, wo die Berichte der Generäle d'Etrees, Droglie und Soubise aufbewahrt werden. Das groß angelegte Werk „Die Strieae Friedrichs des Großen , das der deutsche Große Generalstab von 1901 herauszugeben begann, kommt für das Laubacher Treffen nicht in Betracht, da es nur bis zur Schlacht bei Torgau, 3. November 1760, durchgeführt ist und eine Weiter- bearbeitung für absehbare Zeit nicht erfolgen kann, da der Große Generalstab 1918/19 aufgelöst werden mußte. Die Ereignisse auf dem westlichen Schauplatz des Siebenjährigen Krieges, wo die mit Friedrich dem Großen verbündeten englisch-hannöverschen Truppen unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig, einem genialen Feldherrn, gegen die Franzosen kämpften, wurden nur berührt, soweit es zum Verständnis der Kampfhandlungen am 21. März 1761 nötig erschien. Im Februar überfiel der Herzog die Franzosen in ihren Winterlagern bei Langensalza, Marburg und Fritzlar. Der französische General Herzog Broglie wurde zum Rückzug nach dem Main genötigt, hinterließ aber starke Besatzungen in den kurhessischen Festungen Kassel und Ziegenhain, die nun von den verbündeten Truppen belagert wurden. Mitte März ergriff Herzog Broglie wieder die Offensive, und es kam am 21. März — Samstag vor Ostern — zum Treffen bei Grünberg und Laubach, wobei der Neffe des Dberfttommanöieren- den, der Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, den Napoleon 1806 bei Jena ver- nichtend schlug, eine sehr empfindliche Schlappe erhielt. Der Gefechtsplan war vom Herzog Broglie geschickt entworfen und wurde von den umsichtigen Generalen Stainoille und Closen tatkräftig durchge- führt. Dem Erbprinzen dagegen kann bei aller persönlichen Tapferkeit der Vorwurf der Unbedacht- samkeit nicht erspart bleiben. Er wurde, eines Kampfes nicht gewärtig, gegen 2 Uhr nachmittags Nordöstlich von Atzenhain durch die von Gießen vorrückenden Franzosen in umfassendem Angriff um- ringt und zum fluchtartigen Rückzug nach Burg- Gemünden gezwungen. Er verlor beinahe die Hälfte seiner Truppen, 1500 bis 2000 Mann, an Toten, Verwundeten und Gefangenen, außerdem 11 Kanonen und 19 Fahnen und 36 Offiziere befanden sich unter den Gefangenen. Es gelang dem General Luckner, einem Ahnen des während des Wellkrieges als Kommandant des „Seeadler" berühmt gewordenen Grafen Luckner, die völlige Niederlage abzu- wenden. Nach dem Plan der Franzosen sollte Luck- ner bei Laubach durch den General Diesbach von dem Erbprinzen abgedrängt werden, um diesen desto sicherer schlagen zu können. Luckner vermochte es jedoch, die Gegner abzuschütteln und die Trümmer des erbprinzlichen Korps bei Nieder-Ohmen zu retten. Die früher schon von dem Redner ausgesprochene Vermutung, daß General Diesbach bei Laubach nicht genug Reiterei zur Verfügung Halle, um eine wirksame Verfolgung durchzuführen, bestätigt sich nach den neuesten Forschungen. Diesbach hatte vornehmlich schwere Reiterei, Luckner dagegen 15 Schwadronen Husaren — der Erbprinz selber verfügte nur über 8 Dragoner-Schwadronen. Der Rückzug der verbündeten Truppen unter dem Herzog von Braunschweig hinter die Diemel und die Aufhebung der Belaaerung von Kassel und Ziegenhain waren die Folge der Schlappe bei Laubach und Grünberg. Prof. Röschen erläuterte seinen Vortrag durch eine von ihm entworfene schematische Karte, worauf die Richtungen des Angriffs und Rückzugs bärge- stellt waren. Durch eine Anzahl Lichtbilder, die er selber in Paris erworben hat, wurde der Vortrag in anschaulicher Weise ergänzt: es wurden Bilder deutscher Generäle, des Reden-Denkmals in Grünberg, Laubachs und von verschiedenen Uniformen gezeigt. Prof. Dr. Seite, der zuvor schon den Redner in Vertretung des Sorsitzenden mit herzlichen Worten begrüßt hatte, dankte ihm warm für feine interessanten und lehrreichen Ausführungen und den Zuhörern, die mit ihrem Beifall nicht zurückgehallen hatten, für das bekundete Interesse. Fürsorge für ältere Angestellte. Das Reichsarbeitsministerium hat im März d. I. Wittel zur Verfügung gestellt, aus denen arbeitslosen, über 40 Jahre alten Angestellten Darlehen gegeben werten können, die es ihnen erleichtern sollen, sich wirtschaftlich selbständig zu machen. Es war selbstverstärchlich, daß auch diese Maßnahme bas Problem, in welcher Weise die älteren, arbeitslosen Angestellten wieder einer volkswirtschaftlich wertvollen Tätigkeit zugeführt werden können, nicht endgültig lösen konnte, sondern nur einem kleinen Tei c der betroffenen Derufsangehöri- gen Hilfe bringen würde. Jmmerchin hat sich die Maßnahme bewährt. Hm ihre Auswirkung zu verstärken, hat der Reichsarbeitsminister daher weitere erhebliche Mittel bereitge- stellt. Die Maßnahme wird auch weiterhin von ter Kreditgemeinschaft Gemeinnütziger Selbsthilfeorganisationen in Berlin im Zusammenwirken mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durchgeführt. Anträge sind, wie bisher, bei den Landesstellen der Kredit gemeinschast (Landeswohlfahrts- Lnller) einzureichen. Gießener Wochenmarktpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 2,10 bis 2,20; Matte 30 bis 35; Wirsing 12 bis 20; Weißkraut 8 bis 15; Rotkraut 15 bis 25; gelbe Rüben 10 bis 20; rote Ruben 10 bis 20; Spinat 25 bis 40; älnter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 25; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 1,00 bis 1,20; Tomaten 30 bis 40; Zwiebeln 12 bis 20; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Birnen 10 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Hagebutten 10 bis 15; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Gänse 90 bis 1,20; Nüsse 60 bis 80; Eier Stück 17 bis 18; Blumenkohl 60 bis 1,20; Salat 10 bis 20; Endivien 10 bis 20; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50; Wirsing Zentner 10 bis 12 Mk.: Weißkraut 6 bis 7; Rotkraur 12 bis 15; Aepfel 20 bis 35; Birnen 10 bis 20; Kartoffeln 4,30 bis 4,60. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Gießener Konzert-Verein: Symphonie-Konzert, im Stadttheater, 19.15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Rothausgasie". — Astoria-Licht- spiele: „Ohne Gesetz und Recht". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stabt* tßeaterbureau wird uns geschrieben: Morgen, Freitag, 19.30 Uhr, findet die Erstaufführung von Alfred Neumanns Schauspiel „Der Patriot statt. Die Spielleitung hat Waller Ebert-Grass ow, der gleichzeitig die Titelrolle des Patrioten, Graf Pohlen, spielt. Den von Despotenwahnsinn besessenen Zaren spiell Edelbert G a r e i s , Maria Koch die weibliche Hauptrolle, Gräfin Anna Dftermann. Das russische Milieu wird in stilisierter Form angedeutet, die neuen Kostüme sind in den Werkstätten des Stabttheaters angefertigt Die Bühnenbilder sind von Karl Löffler entworfen und ausgeführt. Es wirken in der Aufführung ferner mit die Herren: Bastö, de Castro, Gehre, Haeser, Knur, Linkmann, Ritter, Schubert, Seitz, Dolck, Wesener. — Vorn Konzert-Verecn wird uns tze- schrreben: Das am heutigen Donnerstagabend im Stadttheater stattfrndente O rchester- Konzert brrngt außer Mozarts O-Moll Shmphomen, und der Drethovenschen Achten auch das Haydnsche Cello-Konzert. 3n ihm betätigt sich als Solist ein Großmeister seiner Kunst: Max Orobio de Castro. Der in Gießen zum ersten Male erscheinende Künstler ist trotz seines spanischen Nomens ein Holländer, ter „Große Niederländische Cellist", wie ihn seine Landsleute nennen. Sein Ruhm beschränkt sich indessen nicht bloß auf sein Vaterland, sondern er ist auch als genialer Vertreter seiner Kunst durch sein meisterliches Spiel und seinen außerordentlich schönen Ton weit bekannt und berühmt, und hat sich auf zahlreichen Gastspielen in den Rheinlanden, in Belgien, Frankreich usw. unbestrittene Anerkennung und reiche Erfolge erspielt. Da sich seit langer Zeit keine Gelegenheit — obwohl fie öfter begehrt wurde — geboten hat, ein Cello-Konzert mit Orchester zu hören, dürfte mit dem Vortrage des Hahdnschen berühmten Werkes vielen Wünschen enffprochen werden. — Männer- und Frauenvereini- gung der Ma t thäusgeme inde. Morgen, Freitag, abends 8 ilßr, veranstaltet die Männerund Aauenvereinigung der Matthäusgemeinte einen Gemeindeabrnd im Matthäussaal. Alni- versitätsgarteninspektor Rehnel t, ter schon mehrmals zwecks botanischer Studien Italien bereiste, wird einen Lichtbildervortrag über das „schöne Italien" halten. Wer seine früheren Vorträge mit wuntervollen, meist farbigen Lichtbildern gehört hat, weiß, daß dieser Gemeinte» abend über das schöne 3falten etwas ganz Besonderes bringen wird. (Siehe Anzeigei) — D ie Vortrags-Vereinigung hat für ihren dritten Vortragsabend den durch seine Weltreisen und Afrikaforschungen, wie auch durch seine zahlreichen Bucher und Reisebeschreibungen bekannten Schriftsteller Dr. Colin Roß zu einem Lichtbildervortrag über „Das Interessan- tefte von meinen Weltreisen" eingeladen. Dr. Colin Roß bringt die interessantesten Erlebnisse aus seinen zahlreichen Reisen und Eindrücken aus aller Welt, die er am schönsten und bemerkenswertesten fand, um sie in Bild und Wort festzuhalten und persönlich zu schildern. Der Vortrag wird sicherlich allseits stärkstes Sirter» esse finden. (Siehe heutige Anzeige.) ** Ein Derkehrstag erster Ordnung war für unsere Stadt wiederum der gestrige preuß.sche Buß» und Bettag. Mit der Eisenbahn, mit Kraftomnibussen, Personenwagen und Fahrrädern, aber auch zu Fuß tarn der preußische Besuch wieder nach dem hessischen Gießen, um Sudermann f. Hermann Sudermann ist, wie aus Berlin gemeldet wird, dort gestern nachmittag im Franzis- kus-Krankenhause gestorben. Der Dichter hatte, rote erinnerlich, vor sieben Wochen einen Schlaganfall mit Darmlähmung erlitten: in den letzten Tagen ist bann eine Lungenentzündung hinzugetreten. Er war seit 24 Stunden bewußtlos; um 17.15 Uhr ist er gestorben, lieber die Beisetzung ist noch nidjts bekannt roorben. * Nun ist es also boch Wahrheit geworden, was man seit jener ersten, beunruhigenden Meldung befürchten mußte, und die Optimisten, die bessere Nach- richten zu haben glaubten und auf die kräftige Natur des Siebzigjährigen vertrauten, haben leider nicht recht behalten. Sudermann ist tot, und das ganze geistige Deutschland, alte und junge Generation, wird ihm, sofern sie nur einen Funken von Gerechtigkeit besitzt, die letzte Ehre so erweisen, wie es ihm gebührt. Es gibt immer noch manche, die diesem Manne viel abzubitten haben. * Vor uns auf dem Schreibtisch liegt das letzte, noch unbesprochene Werk, vor wenigen Wochen erst erschienen, in zwei Tagen mit Freude und stiller Bewunderung gelesen: „Purzeichen", „ein Roman von Jugend, Tugend und neuen Tänzen". Seht, dies ist das heitere, reife, abgeklärte Buch eines Siebzigjährigen, mit diesem letzten Gruß hat er uns verlassen. Sell wir es kennen, müssen wir immer wieder an eine Stelle denken, die uns innerlichst betroffen gemacht und mit tiefer Rührung erfüllt hat. Da spricht ein junges Berliner Mädel von heute und morgen mit seinen biederen bürgerlichen Eltern von gestern und vorgestern und macht ihnen ihre höchst moderne „Wellanschauung" klar: dabei fallen die Worte: „... bann ist mir zumute wie der Magda von Sudermann, der, wie du immer erzählst, Mammi, in deiner Jugend mal so berühmt war ..." So schreibt der Siebzigjährige, lächelnd über sich selbst in seinem letzten Buch. * Der mal so berühmt war. Die Berühmtheit von damals war nicht ganz echt, war immer ein wenig von Sensation getrübt und nur in schweren und . unerquicklichen Kämpfen behauptet. Der Dlußm von heute ist minder laut, aber auch minder umstritten und er wird von Dauer sein: Sudermann hat sich nicht auf den Lorbeeren von damals zur Ruhe gesetzt, er ist, je älter er wurde, immer besser, immer ruhiger und künstlerischer geworden. Er braucht nicht wie mancher Altersgenosse und Weggefährte (wir wollen keinen Namen nennen) von einer fast verschollenen Berühmtheit zu zehren. Sudermann hat feinen Weg gemacht. * Ein langer, oft stürmischer, aber zuletzt beruhigter und zum Ziel gebrachter Lebensweg ist abgeschlossen. Am 30. September 1857 wurde Hermann Eutermann zu Matziken in Ostpreußen als Sohn eines Landwirts geboren. Er machte das Gymnasium in Til it durch, wurde Apotheker, studierte in Berlin und Königsberg Literatur und Geschichte, wurde Redakteur, bann Hauslehrer und begann ,zu schreiben". Er hat es nicht leicht gehabt. Noch ist die Geschichte unvergessen, die er später schmunzelnd aus der Zeit seiner jungen Hof nungen und gänzlichen Namenlosigkeit erzählte. Wie er damals ein großes Paket Manuskripte, sauber auf weißes Papier geschrieben, an irgendeinen Verleger schickte mit einem bescheidenen Brief, jener möge davon bebalten, was ihm brauchbar schiene... und wie bann nach langer, langer Zeit bas ganze große Paket wieder zurück kam, mit sämtlichen Manuskripten... nur den schönen, breiten, blütenweißen Rand hatte ter tüchtige Verleger überall abgeschnitten. Das war das Brauchbare. Nein: Sudermann hat es nicht leicht gehabt. Er hat ten Mut nicht verloren: die ersten großen, heute längst gesicherten Romane „Frau Sorge" (1888) und „Der Kahensteg" blieben zwar zunächst ohne allen Erfolg. Aber bann endlich, am 27. November 1889, gelang ter große Schlag: das Schauspiel „Die Ehre" hatte einen Erfolg am Berliner Les ingtßeater, wie er in der Geschichte des beut, eßen Theaters immerhin nicht ganz häufig zu verzeichnen ist. Unb Sudermanns Name war mm auf einmal in aller Munde. Das Stück wirkte über Deutschland hinaus, und sein Schöpfer schien ein gemachter Mann. Es hat sich später erwiesen, daß er weder mit ter „Ehre" noch mit „Sodoms Ende", noch mit ter „Heimat" von 1893 „gemacht" war. 3m Gegenteil: es kamen schwere Mißerfolge, schwere und oft unsachliche und ungerechte Angriffe, die in bester Absicht und mit aller Berechtigung von ihm selbst zurückgewiesen wurden; aber das war ungeschickt angefangen und hat mehr geschadet als ' 'rten. Nicht jeder hätte das Zeug dazu gehabt, sich in bteii e echten zu behaupten, von denen man heute kaum mehr weiß, mit welcher Schärfe unb Erbitterung, mit wie unfeinen und unfairen Mitteln sie ausgetragen Worten sind. * Dann folgt die lange Reihe ter Dramen von ter .Schmetterlingsschlacht" (1894) bis zum „ Hasenfellhändler", der noch nicht aufgefußrt ist. Vieles ist veraltet, vieles ist nicht mehr interessant, einiges davon wird immer wieder gespielt werten, schon aus dem einsachen Grunde, weil es, vom Inhalt ganz abgesehen, allerbestes Theater ist und nie versagt. Man hat Sudermann immer unb immer wieder die Fehler angeireitet, die man anderen Leuten stillschweigend verziehen hat, unb man hat ihm meßt verzeihen wollen, baß er, er ganz allein, die von ter französischen Schule überkommene Bühnenteehnik so glänzend be-^errschte, daß man manchmal vor lau.er gutem Theater das eigentliche Stück vergaß. Aber es stünde auch um das gegenwärtige Theater besser, wenn es mehr so saubere Handwerker und so in allen Sätteln gerechte Könner unter unseren jungen Leuten gäbe, wie Sudermann einer gewesen ist. Die spätere Zeit wird das ruhig zu^eten. * Und wenn sie sich dazu nicht wird verstehen können, dann wird sie doch dankbar und bewundernd anerkennen, was Sudermann als Erzähler geleistet hat. Nicht mehr um die „Ehre", um „Sodoms Ende" und die ,Heimat" wird man sich später streiten, sondern die großen Romane und die ausgezeichneten Novellen, vom „Katzensteg" und der „Frau Sorge" über die „Litauischen Geschichten" bis zum „Tollen Professor", dem „Steffen Tromholl" und dem „Pur- zelchen" werden später einmal den Namen, die Stellung und Wertung Sudermanns bestimmen. Und wenn man sein mächtiges Lebenswerk mit Ruhe überblickt, wird man nur wünschen können, es möchte recht viele Dichter geben, deren künstle- rischer Weg mit zunehmendem Aller so ruhig und stetig zur Höhe und Reite führt, wie das von Sudermann getagt werden muß. Das ist man ihm schuldig. Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in derSamsiagsnummer desGießenerAnzeigers durch sorgfältige und wirksame Sahaussiaftung weefrett soll bann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Donnerstag in der Geschäftsstelle auf! hier ten größten Teil des Tages zu verbringen. Während auf der Reichsbahn am Vormittag ter Deickchr nur mäßig war, erreichte er mit ten Mtttagszügcn aus den Richtungen Marburg. DUilenburg, Weilburg unb Wetzlar einen gewaltigen älmfang. Sonterzüge waren allerdings zu» Bewältigung tes Menschenandranges nicht erforderlich, jedoch wurden die planmäßigen Züge bis zur höchsten verstärkten Belastung gefaßten. 3m Zentrum der Stadt herrschte den ganzen Acrchnrttlag über starker, bis weit in ten Abend hrnein sogar lebhafter Verkehr, ter nachmittags stellenweise die Form eines argen Gedränges annahm. Die Schaufenster unserer Geschäfte wurden etngeßenb in Augenschein genommen vielfach konnte man auch eine rege Betätigung der Kauflust bemerken. 3m Stadttheater war die Nachmittagsvorstellung gut besucht, die Abendvorstellung ausverkauft; auch in ten übrigen Vergnügungsstätten herrschte regster Betrieb. 3n ten Abendstunden schwoll der Verkehr auf der Reichsbahn noch einmal gewaltig an. und bei Gelegenheit ter Heimkehr der preußischen Besucher konnte man an bzn zahlreichen mitgeführten Paketen erkennen, wie stark die Kauflust gewesen war. Trotz dcS sehr umsangrsichen Verkehrs waren erfreul.ch^rweise keine Unglücksfälle oter sonstige Mrßhelligkeiten zu verzeichnen. ** Zweitägige Sperre der Mühl- ft r a ß e. Wegen Rohroerlegungsarbeiten des Städtischen Gaswerks wird die Mühlstraße zwischen Bahnhofstraße unb Tiefemveg am 23. und 24. November für Fahrzeuge gesperrt. ** Erweiterter Straßenbahnbetrieb zum Friedhof beim Tote nfeft. Wie die Direktion der Straßenbahn heute im Anzeigenteil bekanntgibt, wird anläßlich des Totenfestes der Straßenbahnbetrieb zum Neuen Friedhof am Samstag und Sonntag bereits um 10 Uhr vormittags beginnen. ** Die Farbe im Stadtbild. Morgen Freitag, abend 8 Uhr spricht Dr. M a y e r - O b e r i st aus Hamburg auf Einladung der Stadtverwaltung in den Einhorn-Lichtspielen am Kirchennlatz über die Förderung der Farbe im Stadtbild. Der Vortrag wird durch eine grrße Anzahl farbiger Lichtbilder belebt werden. Jeder Bürger, dem die Verschönerung unseres Stadtbildes durch richtige und zweckmäßige Verwendung der Farbe bei der Herrichtung der Häuser angelegen ist, insbesondere aber die Hausbesitzer und Fachinteressenten, sollten den lehrreichen Vortrag besuchen. Der Eintritt ist frei. (Siehe An zeige vom Dienstag.) •• Dienstjubiläum. Am Dienstag, ten 20. ds. Mts., konnte der bei dem Hauptzollanrt Gießen beschäftigte Zollassistent Georg Schmidt aus Heuchelheim auf eine 40jährige Tätigkeit im Reichsdienst zurückblicken. Aus diesem Anlasse versammelten sich die Beamten tes Hauptzollamts zu einer schlichten Feier, am dem Äubilar ihre Glückwünsche darzubringen. Der Vorsteher tes Hauptzollamts, Zollrat Horn, händigte dem verdienten Beamten ein Glückt Wunschschreiben des Herrn Reichspräsidenten aus und übermittelte ihm gleichzeitig die Glückwünsche des Landessinanzamts Darmstcrdt. Für die Beamten tes Hauptzollamts sprach Ooerzollinspek- tor S ch r o ck e r t, der dem 3ubilar ein von den Beamten gestiftetes Andenken überrsichte. Tief bewegt sprach ter Gefeierte seinen Dank für die Ehrung aus. "Spiel -und Sport-Abteilung des Tv. 18 46. 3n seiner jüngsten Hauptversammlung hatte ter Turnverein die Spielabteilung zu einer Spiel- und Sport-Abteilung ausgeöaut. um den heute stark in den Vordergrund ge r:lenen Leitesübungen, wie Volksturnen. Spielen und Wintersport, in seinem Uebungsbetrieb eine würdige Stelle einzuräumen. Dieter Tage sand nun die erste Versammlung im „Andres" unter Lei- Le st den letzten Roman vom „Purzeichen" und schüttelt lächelnd und wehmütig den Stopf, wenn Ihr die Stelle findet, die wir vorhin abgeschrieben haben. Bescheidenheit, Allersweisheit und über allem Gezänk der Meinungen stehende, sanfte Ironie haben den Satz in die bunte Handlung des Buches eingewirkt. Eine spätere Generation, mit klarem Blick und gerechtem Urteil, wird diese kleine Resignation so richtig stellen, rote es der Dichter verdient. Die schwankende „Berühmtheit" von damals ist bann längst von der unangreifbaren Bedeutung von heute überholt. —7— Port. Don HctnS Webau. Pork wurde zum Direktor gerufen. ,Pork". sagte ter, »Sie müssen sofort nach Berlin reisen!" Pork schwieg. .Haben Sie verstanden? Sie müffen sofort nach Berlin reiten!" „3atooßT, sagte Pork. „Allo pa'sen Eie auf", erklärte ter Direktor. „®te l)sen sich eine Fahrkarte dritter K aste und nehmen den Zug um 12.24 Ahr. Der ist um 15 Uhr in Berlin. 3m Wortes aal e sen Sie schnell eine Bockwurst, nehmen ein Auto und fahren sofort zu Triebler & Co.. Dernburger Straße 44. Da lassen Sie sich bei Triebler senior melden und bitten ihn, ten Vertrag, den ich Ihnen mitgebe, zu unterzeichnen. Wenn er nicht will, sagen Sie ihm, es täte Ihnen sehr leid, dann hätten Sie den Auftrag, zur Hobach A. G. zu gehen; die würden daö Geschäft mit Kuyhand machen. Wenn Triebler un.terzsichnet hat, fahren Sie zum Bahnhof und nehmen ten Zug 17.20 Uhr nach hier. Verstanden?" »Jawohl", sagte Pork und nahm den Vertrag. „Unß wenn es irgendeinen Zwischenfall gibt“, schloß der Direktor, „wenn etwas nicht klappen sollte, schicken Sie sofort ein dringendes Telegramm. Sie bekommen dann weitere Instruktionen." Eine halbe Stunde später faß Pork im Zuge. Um 16.05 erhielt der Direktor folgendes Telegramm: „Bockwurst im Wartesaal nicht vorrätig. Was tun? Pork." timfl tes Sp'el- und Sportwartes Willy Schölte statt. Rach seinen Ausführungen über den jetzt etngetrelenen erhöhten ^Ievungobe:rieb wurde beschlossen, daß em Ausschuß die Richtlinien für die weitere Arbeit und die nötig werdenden Aemter ausarbeiten und der nächsten Versammlung vortragen solle. Einige Herren erklärten sich bereit, an dem Schiedsrichterlehrgang für Handball teilzunehmen, um dem großen SchiedK- richtermangel abzuhelfen. Ein Antrag auf Bildung einer Schneelauf- und Eislauf-Riege wurde von der Versammlung sehr begrüßt und der Wunsch geäußert, daß der Verernsvorstand diese Gründung genehmige, da diese Sportarten heute in der D. L. schon eine große Anhängerschaft gefunden haben. Der zweite Vorsitzende Man- g o l d, der zugleich zweiter Vorsitzender des hiesigen Sli-Ktubs ist, erklärte, daß der Ski-Klub es nur begrüßen würde, wenn auch in den Reihen der Turner der schöne Wintersport Verbreitung fände und wünsch.e ein gutes Zusammenarbeiten beider Vereine. •' Obst - und Gartenbauverein Gießen. Die Versammlung am Sonntag im Saale des Kaustn. Dereinshauses war sehr gut besucht. Der Vortragende, Unioersitäts - Gartenbauinspektor a. D. R e h n e l 1 (Gießen), gedachte einleitend in kurzen Worten des Leipziger Arztes Daniel Gottlieb Schieber, dessen Todestag sich vor einigen logen jährte, als dem Begründer der Schrebergärten-Be- wegung. Hierauf wurden die mancherlei Mängel und Fehler alter und neuer Kellerräume, dos Einwintern der verschiedenen Wintergemüse, des Obstes, der Dahlien und anderer Knollen- und Zwiebelgewächse und die Kellerbehandlung der Obst- und Beerenweine besprochen. Zum Garten übergehend berührte der Vortraaende die wichtigsten Herbst- und Winterarbeiten, die Anlage und Führung der Wege, den verschiedenen Wert der Einfriedigungen bei Neuanlagen, Dor- und Nachteile von Düngemitteln und ihre rechtzeitige Anwendung, besonders die von Torfmull als Ersatz für Stalldünger, und schließlich auch des Kalkes und dessen Einfluß auf den Genuß- wert der Gemüse. Er wies auf den Wert der Herbst- pflanzung bei Beerensträuchern hin und ging hierauf zur Schilderung des Winterkampfes gegen tierische Feinde der Odstbäume über, unter denen Schildläuse und Blutlaus als die gefährlichsten und häufigsten bezeichnet wurden. Die Haupt Richtlinien, die bei einer erfolgreichen Blumenpfleae während der Wintermonate maßgebend sein müssen, konnten der vorgerückten Zeit wegen nur kurz gestreift werden. In der lebhaften Aussprache, die sich daran anschloß, kamen noch mancherlei wertvolle Winke und Ratschläge zum Ausdruck. Den Schluß der Versammlung bildete eine Verlosung von Blumenzwiebel- paketen und Nistkästen, die aus Vereinsmitteln beschafft waren. Ein Mitglied hatte einige junge Pfirsichbäume dazu gespendet. •• Austrieb zum heutigen Frank- surter Schlachtviehmarkt: Kälber 950, Schafe 679, Schweine 478. Oberheffen. Landkreis Gießen. * Klein-Linden, 20. Rov. Der SP a r- und Darlehenskassenverein Raiffeisen hatte seine Mitglieder dieser Tage inS Turnerheim zur diesiährigen ordentlichen Herbstgeneralversammlung eingeladem Der Vorsitzende, Lokomotivführer Loh, gedachte zunächst in ehrenden Worten des im Geschäftsjahr verstorbenen Vereinsdieners Philipp Deibel. Für den von seinem Amt ausscheidenden Rechner, Heinrich Luh, wurde Landwirt Karl Glaum einstimmig als Rachsolger gewählt. Zu Aufsichts- ratsmitgl'.edern wurden Lokomotivführer Heinrich Geiß und Christoph D ö ck i n g durch Wahl bestimmt: Heinrich Geiß wird außerdem ab 1. Januar 1929 zweiter Vorsitzender des Aufsichtsrates. Aus dem Geschäftsbericht des ersten Vorsitzenden war zu entnehmen, daß die Geschäftslage durchaus zufriedenstellend ist. Reun 2tu6= tritten aus dem Verein stehen neun Reuanmeldungen entgegen, so daH sich die Mitgliederzahl auf ihrer alten Höhe von 231 gehalten hat. Qln Warendividenden wurden zum 1. Oktvoer 4856,39 Mark ausbezahlt. Die zum 1. Rovcmber gefertigte Zwischenbilanz weist einen Reingewinn aus, der den Verein in die Lage verseht, auch für die Warenbezüge des gegenwärtigen Dividen^enge- schäftsjahres 7 Prozent Divid nde zur Auszahlung zu bringen. Für den Erwerb des naien Anwesens in der Kirchstrahe sind im ganzen, einschl. aller Ihr - und Reubauten, 12 763,29 Mk. verausgabt worden. Für die vermietete Wohnung gehen jährlich 252 Mk. an Miete ein. Der« bandsrcvisor I o l t (Gießen), der die Rechnung geprüft und für richtig befunden hat, ergänzte die Ausführungen des Vorsitz nden. Geschäftsführer Haack (Gießen) überbrachte die Grüße des Hauptverbandes und berichtete über den gegenwärtigen Stand .des G wollenschastswesens. Er widmete herzliche' Dankesworte dem seitherigen, freiwillig ausscheitenden Dereinsrechner Heinrich Luh. Eine eingehende Aussprache war dann den beiden Formen des Genossenschaftswesens, nämlich „mit beschränkter" und mit „unbeschränkter Haftpflicht'. Der Dorsihrnte schloß hierauf mit Dankesworten an alle Mitarbeiter die Versammlung. ck. Heuchelheim, 21. Rov. Das am Sonntag in der Turnhalle für den Bund der erblindeten Krieger, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete Konzert hatte einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Die Turnhalle war überfüllt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen, Lehrer Kranz von der Blindenschule Friedberg, begrüßte die Erschienenen und dankte allen, die in selbstloser Weise zum Gelingen des Abends beitrugen. Besonderen Dank sagte er der Kapelle ehemaliger Militärmusiker Gießen, die unter der Leitung von Dirigent Krengel 22 Mann kostenlos zu Verfügung stellte, ferner den hiesigen vier Gesangvereinen, der Gemeindevertretung Heuchel- heim, die auf die Vergnügungssteuer verzichtete, sowie dem Turnverein Heuchelheim, der den Saal kostenlos zur Verfügung stellte. — Die Freiwillige Feuerwehr Heuchelheim, die in diesem Jahre ihr 50jähriges Bestehen festlich begehen tonnte, hielt jetzt ihr diesjähriges Winterfest ab. Als Anerkennung für die Unterflütjung, welche der Feuerwehr bei ihrem Feste von den hiesigen Vereinen zuteil wurde, hatte sie die Vorstände sämtlicher Vereine zu dem Festabend ein* geladen. Kommandant Gorr hielt die Begrüßungsansprache. Einige Theaterstücke und Se- sangsvorträge verschönten den Abend, der mit Tanz abschloh. st) Coilar, 21. Rod. Am Samstagabend veranstaltete der Turn- und Gesangverern Lollar im dicht besetzten Saale „Zum Schwanen" einen Theaterabend. Den Hauptanziehungspunkt der wirkungsvoll verlaufenen Deranstäl- tung bildete die Aufführung des Theaterstückes „Glockentürmers Töchterlein. Die Darstellung war in allen Teilen ansprechend. Der große Beifall war der beste Beweis für die wohlgelungene Aufführung, die durch Mitglieder des Vereins und deren Angehörigen erfolgte. Die Gesänge wurden begleitet von der Kapelle Lhncker (Lollar); die Gesamtleitmrg lag tn Händen des Dirigenten, Lehrers Eberle. Aus Wunsch hat sich der Verein entschlossen, am ersten Dezembersonrrtag eine Wiederholung stattfinden zu lassen. V Mainzlar, 21. Rov. Den Reigen der diesjäh igen Winterveransta't^ngen der hiesigen Vereine eröffnete der Radfahrverein „Vorwärts" im Müllerscten Saale. Rach einem Eröffnungsmarsch der Kapelle Burger hieß der 1. Vorsitzende Hrch. Krug die zahlreich erschienenen D.r.insangeh.r'.gen, sowie die ®ä|.e toi.kommen, dankte den a.tioen Mi gliedern für die im ver lossenen Sommer demD..ein errungenen Siege und forderte zu weiterer tatkräftiger Pflege des Radsportes auf. Zwei von Dereinsmitgl etern flott gespi lte Thea e.stücke ernteten verdienten Beifall, während eine losung allerlei nützlicher Gegenständ? die Besucher tote auch die Ver?inska,'se zu.riedenstel te. Der gemütliche Teil verging bei sehr giter 3n- strumentalmusil viel zu schnell. Der Verein ist vor einiger Zeit dem Oberhessischen Rad;ahrer- bund beigetreten. L Saasen. 21. Rov. Bei der Reuwahl unseres Kirchenvorstandes wurden die vier Mitglieder deS letzten Kirchenvorstandes, Bürgermeister Wilh. Schmitt VI., Lehrer Herber, Johann Schepp und Heinrich Hetterich-Bollnbach, wiedergewählt. An Stelle der zwei durch Tod ausgeschiedenen Mitglieder wurde Heinrich Wilhelm und Wilhelm Schmitt V., Beigeordneter, neugewählt. — Missionar E ch m o l l-Hersfeld, früher in China, hielt in der Kirche auf dem Veitsberg einen Licht b il de r v o r t r a g über das Misfionswerk der Basier Mission auf Borneo. Der Vortrag war gut besucht. An Missions- ga&en gingen zirka 17 Mk. ein. Von einem Missionsfreund wurde noch eine Sondergabe im Wert von 20 Mk. geschickt. 6 Harbach, 21. Rov. Don den seitherigen Mitgliedern des Kirchenvorstandes wurden wiedergewählt: Johannes Schmitt I., Bürgermeister Schomber; diese beiden zugleich Mitglieder des Gesamtkirchenvorstandes Wirberg. Ferner Johannes Wenzel, Georg Müller II. Reugewählt wurden Ludw. Schäfer II. und Heinrich Münch V. — Lehrer Faber hielt hier im Herzbergerfchen Saal einen Vortrag über die Fremdenlegion. Das zeitgemäße Thema hatte eine zahlreiche Zuhörerschaft angelockt. Auch die Bild- reche, die den Kindern am Abend vorher gezeigt wurde (Bilder von Wilhelm Dusch) fand eine dankbare Zuhörerschaft. Für den Lichtbildavparat der Schule verblieb nach Abzug der nicht unerheblichen älnkosten noch ein Betrag von zirka 13 Mk., den noch ungebedten Rest der Anschaf- fungssumme hofft man bei der Weihnachtsfeier der Schule tilgen zu können. LJ Queckborn, 21. Rov. Bei vollbesetztem Hause tagte hier im Saale von Görnert der diesjährige Dele g ie r te n ta g des Volks- s ängerbundes „Chattia". Rach dem Begrüß ungschor des Gesangvereins „Jugendtreu" bewillkommnete dessen Vorsitzender die Erschienenen. Hierauf begrüßte der Dundesvorsitzende O p p e r die Versammlung. Der Jahres- und der Kassenbericht wurden erstattet. Dem Gesangverein „Germania" (Harbach) wurde für 1929 in Anbetracht seines 35jährigen Bestehens das Bundes, est zugesagt. Rach einer Rede des Lehrers Gengnagel (Grünberg) trat der Volks - sängerbund „Chattia" dem Hessischen und somit denr Deutschen Sängerbund bei. Alle übrigen Punkte der Tagesordmung wurden glatt erledigt. Die Verhandlungen waren umrahmt von stimmungsvollen Choren des Gesangvereins „3u- btreu“ (Queckborn), sowie einigen Musikstücken hiesigen Kapelle. b. Grünberg, 21. Rov. Dieser Tage fand im Sihungssaale des Rathauses unter dem Dorsitz des Dekans Schmidt eine Sitzung der Kirchengemeindevertreter statt. Rach- dem die neugewählten 03ertretet durch Handschlag verpflichtet waren, wurde der Doranschlag für 1929 in der Fassung des Kirchenvorstandes einstimmig genehmigt. Zweiter Punkt der Tagesordnung war die Wahl des Kir- chenvorstandes auf sechs Jahre. Da Grünberg über 2000 Einwohner hat, mußten acht Kirchenvorstandsmitglieder gewählt werden. Wiedergewählt tourten die alten Mitglieder Metzger Zöckler, die Landwir.e Ehr. Trinkaus, Konrad Trinkaus, Anton Ritter, Oberforstmeister Schneitet, Scrnitätsrat Dt. Fritz und Bürgermeister Jöckel. Reugewählt tourte Rektor Bender. V Watzenborn-Steinberg, 21. Rov. Im Doll5cirrten Saale des Gasthauses „Zum Löwen' in Watzenborn fand der erste Gemeindeabend unserer Kirchengemein oe für diesen Wi t?r statt. Wi? immer tourte er verschönt durch Lieder un eres Ki.chen- geiangvcreins, die gewohnten Beifall ernteten. Im Mittelpunkt stand ein von 100 farbenprächtigen Lichtbildern un erstütztet Dor trag von Pfarrer Staubach üret Sven H d ns Reise nach Tibet auf Grund fei es Buches „Trans- himala a". Pfarrer Staubach sprach auch die Eingangs- und Schlußworte des Abends. * ® rüningen, 21. Rov. 2n der nächsten Woche wird hier eine Evangelisation unter Mitwirkung einiger Gemeinschaftschöre aus Rachbarorten stattfinten. T L i ch, 21. Rov. Aus Anlaß des 90. Jubiläums'csi res des Männergesangvereins „Cäcilia" fand am Sonntag im Rahmen teS Hauptgrt'esdkn'es eine würdig verlaufens kirchliche Feier statt. Dieser Sonntag tourte gewählt, da in die er Woche, am 22. Rovember (Cäcilientag). ter Detern f:inen 91. Geburtstag feiert. Unter Dorantragen ter drei DereinS- fahnen, worunter d'e älteste aus dem Jahre 1841 stammt, und ter Dereinsstandarte marschierte ter Derein geschlossen zum Festgottesdienst. Rach dem üblichen Altardienst eröffnete der Verein mit dem machtvollen Bachschen Chor „Dir, dir Jehova..." die FeierlichkeiL In seiner Predigt gedachte Dechant Kahn der Geschichte des Vereins. Rach ter Predigt tourte von dem Derein die Schubertsche Messe „Heilig, heillg ist ter Herr..." zum Vortrag gebracht. Auch den Rach- mittagsgotteSdienst verschonte der Verein durch seine Mitwirkung. Die Leistungen des Vereins unter der Leitung seines Dirigenten, Lehrer Sorin e r, fanden allgemeine Anerkennung. J) L ich, 21. Rov. Der Gesangverein Rothscher Mannerchor veranstaltete in Steins Saalbau bei vollbesetztem Hause fein diesjähriges Wintervergnügen. Im Mittelpunkt tes Abends stand ein dreiaktiges Lustspiel, das unter ter Regie des Herrn K a m b e i h vorzüglich gespielt wurde. Die Darbietung war umrahmt von ausyewähl'en Chören des Vereins, unter ter Leitung des Lehrers Stein, die erkennen ließen, daß ter Verein gesanglich auf beträchtlicher Höhe steht. Sämtliche Darb'ett'ngen fanden den lebhaften Beifall. 3m übrigen tourte fleißig dem Tanz gehuldigt. Zusammen'assend ist zu sagen, daß ter Abend als wohlgelungen und in jeder Weise befriedigend bezeichnet werten kann. ■Berliner Börse. Berlin, 22. Nov. (WTB. Funkspruch.) 3m heutigen Dormittagsverkehr kann sich das Geschäft durch die gestrige Unterbrechung noch nicht voll entwickeln. Die Tendenz ist abwartend. 3m Moment scheint weiter Realisationsneigung in Anbetracht des nahenden Ultimos und der noch immer ungeklärten Lage im Eisenkonflikt zu bestehen. Man taxiert Farben 259 zu 260, Siemens 405,5 zu 405,13. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 24. November. Vorabend 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4.45 und 5.25 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 24. November. Freitag abend 4.10 Uhr, Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 5.25 Uhr. — Wochengottesdienst morgens 7; abends 4 Uhr. Bekannfmartinng. Die übliche Vernichtung der Schnaken- brüt in den stehenden Gewässern, Wassertümpeln usw. hat nur Zweck, wenn die in Kellern und Ställen überwinternden Schnaken vertilat werden, ehe sie ausfliegen und ihre Eier ablegen. Die Stadtver- wattung wird deshalb demnächst die Schnaken in Ställen und Kellern durch zu- verlässige Leute vertilgen lassen. Die Ein- wohner werden gebeten, den beauftragten Leuten entgegenzukommen und sie zu unterstützen. 10228C Gießen, den 19. November 1928. Der Oberbürgermeister. 3. B.: Dr. Hamm. Zwangsversteigerung, k 49,2s Am Donnerstag, dem 20. Dezember 1928, vormittags 8 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 112, da» im Grundbuche von Gießen der Katharina Zick geb. Wehrum, Ehefrau des Franz Inner Zick, in Watzenborn zugeschriebene Anwesen Kaplansgasie 19 Flur 1 Nr. 680 - 116 qm Hosreite Flur 1 Nr. 681 = 19 qm Grabgarten geschätzt auf 9050 Mark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. 9168D Gießen, den 16. Oktober 1928. 3 A. des Hess. Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsoorsteher. Ho zvorverkauf. Die Gemeinde (Erba (Kreis Wetzlar) verkauft 10250V rund 1000 Festmeier Sieferustammholz zu den Bedingungen de: Preuß. Staats- forstoerwaltung. Das Holz liegt unmittelbar an der Straße Gießen—Gladenbach (Station Bischoffen: 8 Kilometer, Abendstern: 13 Kilometer) und verteilt sich auf die Homaklassen etwa 100 fm la, 500 hn 2a, 350 fm 2b, 50 hn 3a und 3b und wird abgelängt zwischen 16 und 20 in lang sein. Schälen beim Einschlag auf Kosten des Käufers für 1 RM. das Festmeter. Gebote klassenweise oder im ganzen (das Festmeter) unter Anerkennung der Bedin- gungen an Amt Hohensolms bis 1. Dezember 1928, 12 Uhr mittags. Oeffnuna Montag, 3. Dezember 1928, mittags 12 Uhr, in Gießen, Hotel Kühne. Auskunft: Fernruf 14 oder 1 Hohensolms. Hohensolms (Kr. Wetzlar), 20. Nov. 1928. Der Bürgermeister. i Tischler. Junge Mädchen die sich matt und elend fühlen, keinen Appetit haben, an Blutarmut, Bleichsucht und an nervösen Kopfschmerzen leiden, nachts nicht schlafen können, sollen dem Rat des erfahrenen Arztes folgen und Doppelherz das anerkannte Nervenkiäfti- gungsmittel nehmen.EinePiobe- flasche zu 2.20 Mk. und4.- Mk. kann man In Apotheken und Dogerlen kaufen, bestimmt in der Haus Hindenburg, Medizinal-Drogerie H. Elges, Seite sweg 68a; Drog. E. Karn, Schulstr.; Löwen-DrogeneW.Kilbinger Macht, Seltersweg; Drog. 8ebr. 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Die Beweisaufnahme ergab dasselbe Bild wie kn erster Instanz. Die Angeklagten hatten in der Rächt *um 18. Juni d. I. in Frankfurt a. M. den Chauffeur Scheu zu einer Autofahrt gemietet. Unterwegs überfielen sie ihn mit vorgehaltenem Revolver, banden ihn, und Tarrach fuhr bis Steinfurth. Dort tonnten sie nicht mehr weiter, da sie in einen Graben geraten waren. Sie zwangen den Chauffeur Scheu in den nahen Wald zu gehen, banden ihn dort noch an den Füßen, wukelten ihm Binden um Augen und Wund und liehen chn liegen. Glück- licherwetse konnte Scheu sich bald befreien und die Polizei in Bad-Rauhenn alarmieren, die auch die Berbrecher alsbald festnehmen konnte. Dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend wurden die Angeklagten heute wegen r st u b e - rischer Erpressung und unerlaubten Waffenbesitzes zu je 8 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, Zulässigkeit der Polizeiaufsicht und Einziehung der Waffen usw. verurteilt. Oberheffen. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 20. Nov. Der 59 Jahre alte Arbeiter Wilhelm vom End ist am Montagabend in einem Wafferreinigungsbafsinder hiesigen Zuckerfabrik ertrunken. WSR. Friedberg, 21. Rov. Der heutige Schweinemarkt tpieä einen nur geringen Auftrieb auf. Bezahlt wurden bis 6 Wochen alte Stere mit 15 bis 20 Wk.. 6 bis 8 Wochen alte mit 20 bis 25 Mb, und bis 12 Wochen alte mit 25 bis 30 TOLL Der Markt wurde geräumt — In diesen Tagen fand hier die Gründungsversammlung eines Arbeitgeberbundes für den Kreis Friedberg statt. Der Zweck des Zusammenschlusses ist Die Wahrung der Belange in Tariffragen, die Vertretung vor den Arbeits- und Landesarbeitsgerichten, einheitliche Vertretung gegenüber den Behörden, imsbesondere bei der Einreichung von Vorschlags- lichen und die Beschaffung sämtlicher Unterlagen für die Lohn- und Tarifverhandlungen und bei sonstigen arbeitsrechtlichen Fragen. pb. Butzbach, 21. Nov. Der diesjährige K a ■ tharinen markt, der gestern und vorgestern abaehalten wurde, erfreute sich eines besseren Besuchs, als der vorjährige. Die Geschäftsleute, sowie die Gasthäuser, in denen Tanzmusik abgehatten wurde, waren durchweg befriedigt. Der Schweinemarkt am gestrigen Tage war mit 318 Ferkeln befahren. Für Ferkel bis 6 Wochen wurden 17 bis 20 Mark, von 6 bis 8 Wochen 20 bis 22 Mark, und über 8 Wochen 22 bis 25 Mark bezahlt. Der Handel war flott, der Markt wurde ausverkaust. — Heute Vormittag kurz nach 9 Uhr ertönte die Feuerstrene. In dem Del = und Benzinkeller der Firma W. S e i p p e l Wwe., Griedeler Straße, war auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weife Feuer ausgebrochen. Dank des raschen Eingreifens der Feuerwehr gelang es, das Feuer noch im Entstehen zu ersticken und ein größeres Unglück durch Explosion der in dem Keller lagernden feuergefährlichen Stosse zu verhindern. Von dem brennenden O e I müssen aber Teile in den Kanal gelangt sein und dort eine Explosion verursacht haben, da anders das Herausfliegen eines Kanaldeckels nebst Mauerteilen des Schachts in der Griedeler Straße gegenüber dem früheren Unteroffizierwohngebäude nicht erklärt werden kann. Lache Vaiarr»! Vornan von L. Schneider-Foersil. Urheberrechtsschutz D§tar Meister, Werdau t. Sa. 2. Fortsetzung Nachdruck verboten. Er lagwieder mit halbwachen Augen in dem breiten Ries,ingbette und träumte vor sich hin. Wittenhinein glitt etwas wohlig Sanftes durch sein Haar — dann spannten sich weiche, kühle Finger um sein Gesicht und eine tosende Stimme frug über ihn, hin: „Willst du nun endlich wach werden, mein Lieber? --- 3a?“ Er hatte sich fchlafeno gestellt. Die Dunkelheit in dem großen Raume war ungemein günstig für ihn gewesen. — Dann hatten die Hände sich von seinen Wangen gelöst und ein duftendes Lippenpaar war erst über seine Stirne geschmeichelt, um sich dann fest und voll heißer Zärsiich.eit auf seinen geschlossenen Mund zu drücken. „Poldi 1 — Wach schon! — ist doch schon halber neun!“ Und als er sich noch immer nicht regte, faßten zwei kleine feste Hände ihn bei den Haaren und zogen ihn erbar- mungslos hoch „Wjrd's nun?“ »sofort!“ Wie dumm, daß er das gefagt hatte. Ein unterdrückter Schrei! — Ein Sprung nach der Türe, die hefttg ins Schloß sprang, -- dann war das Zimmer leer gewesen. .Der Richthofen hat doch eine Schwester!" fiel die Hümme des Vaters in fein Schweigen. J?a, Papa!“ Zu toll, daß er schon wieder rot werden muhte. Und war doch eigentlich gar nichts geschehen! Richt das geringste! .Sie ist sehr hübsch!" Das hatte er nun wieder gar nicht sagen wollen. — Er ärgerte sich, daß der Blick des Vaters nicht von seinem Gesichte wich „Deshalb bist du wohl auch bei Richtho'cw zur Rächt geblieben, weil er solch hübsche Schwester hat!" neckte der Baron gut gelaunt. »Erlaube, Papa —- — —“ .Du großes Kind!" unterbrach ihn die Mutter rasch und umspannte seine Hände, die jählings • Butzbach, 21. Rov. Hier sprach der jung- deutsche Pressewart Helmers von der Ordensleitung in Berlin über das Ziel und den WegdesJungdeutschenOrdens- Seine spannenden Ausiührrungen über den Aufbau des von der nationalen Bewegung erstrebten Vollsstaates auf der Grundlage einer wahren Volksgemeinschaft fanden bei den zahlreich erschienenen Zuhörern lebhafte Zustimmung. Sie zeigten der Versammlung einen Staate ausbau ohne Parteien, etwa so, wie er im „Jungdeutschen Manifest“ von Artur Mahvaun vorgeschlagen worden ist. 3m zweiten Teile seines Vortrages beschäftigte sich der Redner mit den noch nicht allgemein erkannten verborgenen Fäden, die unser politisches und wirtschaftliches Leihen mit einem kaum zu entwirrenden Retze überziehen. 3n diesem Zusammenhänge polemisierte der Redner gegen den Geh. Finanz rat Hugenberg. Der Vortragende sprach zweieinhalb Stunden unter wachsender Spannung der Zuhörer. WSR. Ockstadtbei Friedberg, 21. Rov. Heute nacht brach in der H o 1 z s ch n e i d e r e i von Gebrüder Dönges Feuer au Dem verheerenden Element fielen eine große Halle, sowie eine Kleedresch maschine zum Opfer. Mit Hilfe der Friedberger Motorspritze konnte eine weitere Ausdehnung des Feuers verhindert werden. Kreis Büdingen. I! Büdingen, 21. Rov. Der Gesangverein „fiebertrang' gab am Sonntagabend im Saale des „Furstenhvf" ein Konzert. zu dem sich etwa 500 Freunde des Männergesanges eingesundsn hatten. Der Verein unter seinem Chormeister Heinz Georg (Frankfurt a. M) übertraf wiederum alle Erwartungen. Die Vorttggsfolge stand im Zeichen einer Schubert- Fe ier und war in vorbildlicher Weise zusammengestellt. Der Sängerchor, der in diesem Jahre auf dem Gesangswettstreit in Lich in der dritten Stadttlasse den zweiten Klassenpreis, sowie unter 31 Vereinen die zweithöchste Gesamtpunktzahl und damit den zweithöchsten Ehrenpreis errungen hat. wurde auch jetzt wieher für seine hervorragenden gesanglichen Leistungen mit reichem Beifall ausgezeichnet. Mitwirkende waren Wilhelm Appel (Tenor), Kreisdicektor Dr. Gaßner (Klavier), Frl. Lucie F a i t h hon der Frankfurter Oper (Sopran). A. Morr (Cello), Jakob Brech (Violine) und Herx Dillinger (Klavier), die durch ifjre glänzenden Darbietungen zum vollen Gelingen des Abends erheblich bei trugen. nd. Ridda, 20. Rov. Unter der Leitung von Obermusikmeister 2ober veranstaltete hier die Militärkapelle des 1. Bats. des Jnf.-Rgts. Dr. 15 aus Gießen in der Turnhalle ein Konzert, dessen erster Teil nachmittags von 4 bis 7 Uhr stattfand und sich eines guten Besuchs, hauptsächlich auch von auswärtigen Gästen, erfreute. Früher gegebenen Anregungen entsprechend, kamen diesmal auch die Streichinstrumente mehr zur Geltung, weil in dem geschlossenen Raum ausschließlich Blasinstrumente bei einem großen Konzert nicht jedem Zuhörer einen vollen Genuß der mufikasischen Kunst bieten. Desto anmutiger wirkten die künstlerischen Musikvorträge und Zugaben auf Streichinstrumenten, und sie fanden ebenso graften Beifall, wie die vollen und schneidigen Musikstücke der Blasinstrumente. Zum zweiten Teil des Konzerts halten sich abends noch mehr Musikfreunde und auch die Jugend stärker eingefunben als am Nachmittag. Die von früheren Konzerten hier schon in sehr gutem Rufe stehende beliebte Mi llärkapelle erntete mit ihren abwechselungsvollen Konzertstücken allgemein große Anerkennung und wohlverdienten reichen Beifall. A Ridda, 21. Rov. Die Ueher landzentrale für Oberhessen läßt gegenwärtig durch unsere Stadt auf der rechten Seite der Ridda ein neues Kabel legen. Wan hofft, daß durch das neue Kabel alle Storungen der Beleuchtungsanlagen in unserer Stadt künftig vermieden werden. Die Arbeiten werden energisch gefördert und sollen bald beendet sein. h. Echzell, 21. Rov. Der 62 Jahre alte Landwirt Wilhelm Winter dahier wurde beim Anschirren seines Pferdes von dem Tiere so unglücklich durch einen Huf schlag getroffen, daß er schwer eVerletzungenim Unterauffahren wollten. »Vater hat hoch gescherzt! — Unb übrigens bist du ja nun auch in dem Alter, in welchem man an ein Mädchen denken darf, auch toenn es nicht Richthof eirs Schwester ist." Joachim zog seine Rechte unter den liebkosenden Fingern der Mutter hervor, faltete seine Serviette AufammcH, sah nach dem Vater hinüber und erhob sich, als die,er seinen Stuhl zur Seite schob. «Entschuldige, Margot, toenn wir dich allein lassen, aber es ist ohnedies reichlich spät." ,Hast du Wünsche betreffs des Mittagstisches, Artur?" Die schöne Frau lehnte sich für einen Moment gegen die Schulter des Gatten. „Keine!“ Er hob die weihen Frauenhände an seine Lippen und hielt sie bann noch für einen Augenblick zwischen den seinen. „Auf Wiedersehen, mein Liebes!" Die Baronin ftanb am Fenster, als hie Herren in den Wagen fliegen. Gatte und Sohn grüßten zp ihr herauf. Ehe der Chauffeur um die Ecke bog, wandte sich Joachim noch einmal zurück und lüftete den Hut- Eine heiße Tränentoelle schoß ihr in die Augen. Gott, diese Angst, feit Joachim aus Aegypten zurück war! Die beiden würden sich doch verstehen? Wenn der Junge sich doch end sich an das kurze knappe Wesen des Vaters gewöhnen und einsehen wollte, daß es nun einmal nicht anders ging, als sich unterzuordnen, toenn man nun fiir immer in einem Haufe zusammenwohnte Aber Joachim war so gar nicht dazu geschaffen, sich wortlos zu bescheiden. Die langen Jahre des Fernseins und des Rei ens im Auslande hatten ihn zu selbständig gemacht. Gr warf fein Wort als rei er Mensch immer und jederzeit in die Wagschale und führte Entschlüsse, die er gefaßt hatte, aus. Und das andere war der Mami, der immer noch sein Recht als Vater zur Geltung brachte und nicht glauben wollte, haß die Kinderjahre vorüber und die Zeit vorbei war, in der er dem Knaben seine Wünsche diktierte, die bann ohne Widerspruch restlos befolgt und erfüllt wurden. Icibe davontrug, denen et nach kurzer Zeit erlag. m. Stockhe-tm, 21. Rov. In dem benachbarten Heegheim verstarb im hohen Aller von 83 Jahren die Witwe Katharine Kröll. Sie war die drittälteste Einwohnerin des kleinen Dorfes- Die älteften Einwohner Heegheims sind nun noch der neunzigjährige Georg Kröll und seine (3b frau, ferner noch der zwei- undachtzigjährige Al bürgermsister Brack. Ärcis Schotten. □ Saubach, 2j. Rov. Rachdem schon auf ber Junggeflügelschau in Frankfurt a. M. am 19. bis 21. Oktober verschiedene schöne Preise von Mitgsi eitern des Geflügel-Zucht- veretns La ubach und Ilmgegend errungen worden waren, erzvelte der Verein auch aus der neuerbrngs stattgehabten 28. Ob er- hessts chen Verbandsgeflügelfchau in Alsfeld eine ganze Reihe von Auszeichnungen Es wurden durch Preise ausgezeichnet: Bäckermeister P i h, Laubach (Hessische Kröpfer, Eng- Isiche Perücken): Gastwirt Högy, Laubach (Dor- ling, Schwarze Hamburger, Schwarze Bantam, Hessische Kröpfer, Brümmer-Kröpfer): Briefträger Graulich. Laubach (Leghorn): GräsT. Kutscher K r i e f e l, Laubach (Schwarze Italiener, Hessische Kröpfer): Malermeister Rühl. Laubach «"Hessische Kröpfer): W- Horst, Ruppertsburg (Goldbratel. Silberbrrckel): W.Keilll., Ettingshausen (Gelbe Orpington, Leghorn): W. Biedenkopf, Münster (Koburger Lerchen): L. Gm r ich, Röthges (Reichshühner). — Der Bau der Förstertoohnung am Rams- berg ist in Angriff genommen worden. Das Gebäude Eonimt in den Winkel her Andre-Allee und des Gonwach-Weaes, gegenüber ber Gräflichen Schäferei, zu stehen. Die neugegrünb^te Oberbes Nsche Orchesterverein la una unter öettung ihres Dirigenten Walter Horst gab im „Solrnser Hof ein Volkstümliches Konzert, das sich regen Besuches erfreute. Es gelangten Werke für große Militärbesetzung, Flü- geLhonr-Solis. Fanfarmmärsche mit Heroldtrompeten zum Vortrag. Das Konzert fand lebhaften Beifall. Tischlermetfter Diehl, hex Dirigent des MusiLvereins, ein frühereo Militärmusiker, war von seinem Posten zurückgetreten, woraus sich die ^Oberhessische Orchestervereinigung" bildete. Dirigent Diehl hat sich große Verdienste UM die Ausbildung der Mitglieder des Musikver- eins erworben. V Gedern, 21. Rov. Unter dem Vorsitz von Aegiernngsrat Dr. Helmreich (Schotten) fand eine wichtige Sitzung des Krankenhausausschusses statt. Wie bereits gemeldet, entspricht unser Krantenhaus nicht mehr ganz den heutigen erhöhten Anforderungen. Hs soll um* gebaut unb vergrößert werden. Die Pläne hierzu sind nun t/orgelegt und genehmigt worden. Ebenfalls genehmigt wurde die Aufnahme des zum Umbau erforderlichen Geldes. Als neue wurde die Gemeinde ilfenbom in den Bezirk des Krankenhauses ausgenommen. — Wie in anderen Städten der .Umgebung, so hat sich auch die hiesige Geschäftswelt jetzt dazu entschlossen, einen Autoomnibus verkehren zu lafien. Dank der Initiative des Bürgermeisters Müll er sind die Vorarbeiten soweit gediehen, daß vielleicht schon in allernächster Zeit der 21sihige Wagen laufen kann. Durch diese Reueinrichtung kommt man einem schon lange gehegten Wunsche nach. Man beabsichtigt u. a. die Arbeiter aus dem Burkhardser Grund, den Gemeinden Herchenhain, Hartmannshain und Bylkartshain an den Arbeiterfrühzug um 6 Uhr nach Gedern zu bringen. Die Fahrtroute und der Fahrplan liegen noch nicht fest, doch sollen auf dem einen Weg Völzberg. Lichenrod. Wüftwillenryd. Mauswinkel, Illnhausen, Riederseemen und Wenings befahlen werden, während die andere Linie über Burkhards, Kaulstoß, Sichenhausen, Herchenhain, Harttnannshain führt. Cßeim möglich, sollen auch Steinberg und Glashütten einbegriffen werden. § sillrich stein, 21. Rov. Eine Veihestuirde von nicht alltäglicher Art bereitete am Sonntag hier und in Feldkrücken der Orgelkünstler von ber A u in den beiden Kirchen seinen Zuhörem mit der von ihm veranstalteten k i r ch e n m u s i - kalischen Andacht. Wenn sich der Künstler, nach seiner eigenen Angabe, das Ziel gesteckt hatte, religiöse Empfindungen zu wecken, so ist ihm dieS in vollem Maße gelungen. Einmal dank der feinsinnigen Auswahl aus den Werken unserer größten Tondichter, wie Pachelbel. 'Bach. Händel, Schumann. Liszt. Reger, sodann durch fein ungemein ausdrucksvolles Spiel und feine glänzende Technik. Die genauen Angaben auf den ausgegebenen Programmen leiteten zum Verständnis ber Tonsprache jedes einzelnen Werkes an, so daß wirklich die verschiedenen Szenen, meift Abschnitte drs Lebens Jesu, den Hörern im einzelnen verständlich wurden. Bedauerlich war nur daß diese seltene Feierstunde nicht auch in sillrichstcin so gut besucht war. wie in Feldkrücken. 9i a i n r o b . 20. Nov. Der Vorstand des Niddatal-Sängerbundes fand sich geftem hier zu einer Sitzung zusammen, die auch von Bundessängern aut besucht lvar. Nach Grußworten des ersten Dorsitzenden Schäfer (Giebelsdors) beschäftigte man sich mit den Bunde.sestltchkeiten im kommenden Jahre. Das Goulvertungssingen in Schotten, sowie der Gesangswettstreit in Nidda, die bereits seit einiger Zeit festgelegt sind, sollen von sämllichen Bunoesvereinen besucht werden. Die Beteiligung an dem Wettstreit bleibt dem Ermessen der Vereine Vorbehalten. Drei weitere Bundesvereine meldeten Festlichkeiten für bas Nächste Jahr an: Einartshausen Fahnenweihe, Rainrod tzOjähkiges, Rudingshain OOjähriges Jubiläum. Der Vorstand äußerte starte Bedenken gegen die Abhaltung dieser Feste, da es dein Bund nicht zugeinutet werden könne, sich geschlossen an sämllichen Veranstaltungen zu beteiligen. Jn- folgedesien zog Rudingshain seinen Antrag zurück unb ließ das Jahr 1930 vermerken. Da Einartshausen schon alle Vorbereitungen getroffen, gab man seinem Anträge statt, legte aber dem Bundes» verein Rainrod nahe, seine Abstimmung nochmal« zu überprüfen und die Entscheidung zum Delegiertentag yi Eichelsdorf bekanntzugeben. Die anschließenden gesanglichen Darbietungen des Bundesvereins Rainrod (Dirigent Lehrer Lehmer) wurden beifällig ausgenommen. Kreis Alsfeld. 6b* Alsfeld, 20. 7lob. Am Sonntagvormit- tag fand in Der hiesigen Turnhalle die Gesellenprüfungsfeier des Prüsungsaus- schusses des Ortsgewerbevereins Alsfeld unter Leitung des Vorsitzenden, Gewerbelehrer R v h r - hach, statt. Infolge der von Jahr zu Jahr wach- senden Beteiligung an der Feier mußte diese zum erstenmale In her Turnhalle abgehalten werden, da der Saal des Getoerbevereins in der Gewerbeschule die Teilnehmer nicht mehr zu fassen vermochte. Der Vorsitzende, Gewerbelehrer Rohrbach, begrüßte in seinen einleitenden Worten die Vertreter der erschienenen Behörden, Kreisschulrat Rausch als Vertreter des Kreisschulamtes, Bürgermeister Dr. Vtzlsing als ‘Vertreter der Stadt, und Rektor Schindel als Vertreter der Gewerbeschule, und gab bann in seiner Rede einen sileberblick über die geschichtliche Entwickelung des Zunftwesens und dessen Bedeutung für das Handwerk Im Mittelalter. Rach dem Zerfall des Zunftwesens, dessen Blüte in den Anfang des 15. Jahrhunderts falle, und bei der nunmehr herrschenden GewerbefreiheiL müsse das Handwerk danach streben, seine Stellung durch gute Qualitätsarbeit zu heben. Dazu bedürfe es eines tüchtigen Rachwuchses mit dein Ziel eines guten Meisterstandes. Diesem Zwecke bienen auch die Gesellenprüfungen, die den Prüflingen ein Ansporn sein sotten, toeiterzustreben in ihrer handwerksmäßigen Ausbildung, damit sie später im Leben brauchbare Meister werden. Ramens der Stadt Alsfeld überbrachte Bürgermeister Dr. Q3öl fing den Junggesellen die Glückwünsche, wobei er mit Befriedigung der Tatsache gedachte, daß gerade in den letzten Jahren das gewerbliche silnterrichtswesen einen erfreulichen Aufschwung genommen habe, was auch in ber stets steigenden Schülerzahl ber Alsfelder Gewerbeschule zum Ausdruck komme. Ramens des Kreisschulamtes sprach Kreisschulrat Rausch, für die Gewerbeschule Rektor Schindel, und für den Ortsgewerbeverein dessen Vorsitzender. Glasermeister Lenth. Dann folgte die Heber- reichung ber Gesetteichriefe an ble einzelnen Prüflinge. 3m ganzen hatten sich der Prüfung 56 Prüflinge unterzogen, von denen 54 die Gesellenprüfung bestanden haben. Die schlichte, aber würdige Feier wurde stimmungsvoll umrahmt durch mehrere Klaviervorträge von stuck. PaulZolt Mit einem Seufzen waydte sie sich vorn Fenster ab, und klingelte nach ber Zofe, um sich für eine Spazierfahrt ankleiden zu lassen. In haarschapfem Bogen lenkte der Chauffeur das Auto des Bankiers in den großen Lichthof des hrciftöckigen Gebärd-tompl:Kes am Jote h kai. Joachim Hetlingen sprang heraus und hielt den Schlag für den Vater offen. Der Bankier setzte vor ichtig den Fuß aus das Trittbrett und stieg bedächtigen Schrittes auf das gesprenkelte Marmorpflaster. Er litt zeitweise an Ischias: dann vermied er jede unnütze Bewegung in den Hüften. Während das Auto in die Garage glitt, fliegen Vater und Sohn die läuferbelegte Treppe zum ersten Stockwerk hinauf. Der rote Linoleumbelag der Korridore spiegelte in dein Lichte, das die hohen Fenster hereinwarfen. Eine kalte, bei- nabe scharfe Helle lag auf den dunkelgerahmten Bildern, die an den Ledertapeten ber Wände hingen. Hinter ben Türen, an welchen sie vorüberschritten, klapperten Maschinen, klangen Zahlen und Zistern auf. Ah unb zu öffnete sich eine der cremefarf «n gestrichenen Flügeltür,n, bann neigte sich ein Kopf, ein ehrerbietiges „®uten Morgen“, und die Schritte verhallten lautlos in dem Gewirr der Gänge. »Papa, toenn ich dich bitten durfte, mir für ein paar Minuten Gehör zu schenken," sprach Jvachiins Stimme in das drückende Schweigen. »Ja! Mer meine 3e.lt ist knapp! Ich hoffe nicht, daß du sie allzu lange in Anspruch nimmst." »Ich werde mich so kMA als möglich taffe»!" Ein großes, sonncnüberflutetes Zi.nm>r beJen dunkle Tapeten Goldreslexe aussprühteir, tat sich vor dem jungen Hettingen auf. Durch ein Glas-» senster, auf deren Mattscheibe ein Schiff mit wehenden Segeln eingraviert war, kam der Lichtschimmer eines Raumes nebenan. Bon dorther kam eine Stimme, von knapper Präzision und etwas hartem Tonfall, die Joachim ins Ohr schnitt. Wie er das alles kannte! Alles und jedes bis ins einzelnste. — Seit b>« Kindertagen hatte sich nicht das Geringste verändert. Konnte man das aushalten? Vierzig Jahre »mb mehr? Er sah den Großvater iroch auf dem altmodischen Stuhle am Fenster sitzen mit zitternden Fingern Eintragungen in die dicken Hauptbücher notierenb — und heute war es ber Vater. »Run?" Der Bmrkier wandte sich etwas ungeduldig nach dem Sohne, der, in bie Vergangenheit versunken, der Gegenwart vergaß. Den Rücken gegen den hühneichaften Kassenschrank aus gehämmertem Stahl gelehick, begann Joachim zu sprechen. ,Jch möchte dich bitten. Papa, mich nicht in einen Beruf zu zwängen, für den ich absolut kein Interesse habe!" „Kein Interesse, mein 3imge?“ Ein verhaltenes Auflachen folgte. „Du hast eittschieden Anlage, dich drastisch auszudrücken Ich habe bis jetzt nie bemerkt, daß du für Geld interesselos gewesen bi ft“ Eine rote Flamme zitterte über das Siegfrieds- gesicht. »Vater, ich nahm - es — weil 'ch dein Sohn bin — —" „Aah---" „Ich tat, was jeder anbere junge Mann in meiner Sage und meinen Verhältnissen auch getan hätte! Ich benützte deine Güte, meine Sttl- bien zu vollenden, mir die Welt zu besehen — mir einen Beruf zu wählen — —“ „Gewöhnlich sind es die Väter, welche die Berufe ihrer Kinder beftimmen! —" „Du irrst, Papa! — Dttte, erreg dich nicht unnütz," sagte er dringend, als er gewahrte, tote nervös zerfahren sich die Finger seines Erzeugers in das braune Leder der Stuhllehne gruben, „Sieh, Papa ich habe nun einmal keine Freude für tote Zahlen und Ziffern unb keine Freude gn Wertpapieren, Obligationen und Devisen. Mich zieht es zum Jngenieursach Ich habe mit Auszeichnung bestanden! Ich habe meinen Doktor gemacht I Dein Geld — das Geld, das du für mich verwendet hast, Papa — ist nicht vev- geudet!" (Fortsetzung folgt.) unb mehrere hübsch vorgetragene Deklamationen von Prüflingen. Anschließend folgte eine Besichtigung der Ausstellung der Gesellenstücke und Arbeitsproben in der Gewerbeschule. 5 Dannenrod, 21. Nov. Dieser Tage wurden in der hiesigen Kirche die Oberammergauer Passionsspiele im Lichtbild gezeigt. Zahlreiche Besucher folgten den Vorführungen mit lebhaftem Interesse. Zwischen den insgesamt 9< Lichtbildern waren, dem Inhalte entspreaud, Gesänge der Gerneinde und Liedervorträge b-ic Schulkinder eingefügt. Die wunderbar kolorierten Bilder, die dem prächtigen Farbenschmuck der Kostüme entsprachen, hinterliehen den größten Eindruck. Handwerksmeister-Zubiläumsseier. Am Conntagnachmittag fand im Cafe Leib dahier eine Jubiläums- und Wiedersehensfeier der im Jahre 1933, also vor 25 Jahren, von der Meisterprüsungskommis, ion für die Provinz Oberhesjen geprüsten Handwerksmeister statt. Eingeleitet wurde die Feier durch zwei flotte Märsche. sowie „Schäfers Sonntagslied", vorgetragen vom Gesangver'in „Concordia'-Gießen. Ein von Syndikus Böhr verfaßter Prolog, „Meistertreue", gesprochen von Frl. M. Schön, war der Feierstunde besonders angepaßt. In der anschließenden Ansprache begrüßte Schlosscrmeister Schön die Iubi'are und Gäste, die Vertreter der Handwerkervereinigun^en und Innungen, der Handwerkskammer und des Hess. Hochbauamts. Er wies auf die außerordentlichen Schwierigkeiten hin. die das Handwerk in den teilten 25 Jahren zu überrunden hatte. Leider feien viele von den vor 25 Jahren geprüften Meistern im Kriege gefallen oder ein Opfer ihres Berufes geworden. Ihrem Andenken gelte das Lied „Ich hatt' einen Kameraden", das die Musik leise spielte, während sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Zum Schluß forderte der Redner die Jubilars auf. auch weiterhin treu zum Handwerk zu halten. Sein Hoch galt dem Vaterland. Aach einem weiteren Musikvortrag hielt Syndikus Böhr von der Handwerkskammerneben- fteJfc Gießen die Fe st ansprach e. Er übermittelte zunächst die Glückwünsche der Handwerkskammer Darmstadt, sowie der Handwerks- kammernekenstellen Friedberg und Gießen und sprach hie Hoffnung aus, daß es den Iubilaren vergönnt sein möge, das goldene Meisterjubiläum feiern zu tonnen. Sodann gab der Redner einen Rückblick auf die verflos enen 25 Jahre, wies auf die Berufsausbildung der Jubilars und die im Jahre 1903 von 100 oberhes.ischsn Handwerkern abgelegte Meisterprüfung hin. die damals als erste den Betons rührigen handwerklichen Sinnes in Oberhes en erbrachten. Er erwähnte weiter, wie außerordentlich schwer die K iegszeit und die folgende Inflation die Fortentwicklung des Handwerks hemmte, und stellte mit Genugtuung fest, daß selbst in schwerer Zeit das oberhessische Handwerk seinen Mann gestanden habe. Die derzeitige wirtschaftliche Lage lasse eine stark in Erscheinung tretende Be^erung im Handwerk in absehbarer Zeit nicht erwarten, sie stelle vielmehr schwere Anforderungen an alle Handwerksbetriebs in bszug auf die Herstellung bester Qualitätsware bei billigster Preisstellung. Die kommenden Wirlschaftslämpfe und Kn,'en könnten nur durch einmütiges Zusammenwirken des Handwerks überwunden werden. Hierzu gehöre Zusammenschluß des Handwerks in festgefügte Organisationen. Unterordnung der Interessen des einzelnen unter die Interessen des Gesamthandwerks. treue Gesolgschaft den Führrrn, gegenseitige Achtung und Mitarbeit an t>:n Aufgaben und Zielen des Handwerks. Besonders dir Iubi- lare seien als alte, in der Praxis erprobte Meister zur Mitarbeit berufen, aber auch besonders geeignet,, einen leistungsfähigen Handwerkernachwuchs heranzubilden. Seine besten Wünsch« galten de n weiteren Gedeihen des obcr- hes ischen Handwerks. Im Anschluß an die Festansprache machte Syndikus Röhr Mitteilung von der Absicht des gefchästsführenden Ausschusses der Veranstaltung, die Jubilars in einer besonde.en Urkunde zu verewigen. Hierauf sprach Stadtv. Krailing, Ehren- oberme'.ster d:r Schlosserinnung, der gleichz i ig sein 25jähriges Jubiläum als Prüfungsmeister feiert. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die sicher auch den Iubilaren nicht erspart geblieben seien. Aur durch festen Zusammenschluß des Handwerks sei etwas zu erreichen. Baurat G e i b e l übermittelte die Glückwünsche des Hess. Hochbauamts. wäh.end Gla er- meister B i e r a u als ehema'iger Prüfungsmeister die Iubllare zur Sparsam? it und Lieferung guter Arbeit ermahnt. Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern) brachte den Juki- laren zunächst seine Glückwünsche i.i Form eines selbstverfaßten Gedichtes dar. um dann noch mit anderen Darbietungen aus seinem reichen Schah aufzuwarten. Man hört ihn immer wieder gern, wenn er mit bewundernswerter Heimatliebe und gesundem Humor von seinen Landsleuten erzählt. Am Schluß des ersten Teils des Programms überreichte Schlossermeister Schön dem allzeitigen Förderer des oberhessischrn Handwerks. Syndikus Röhr, im Auftrage der Iubilare ein schönes Geschenk (Schreibzeug mit Widmung). Der zweite Teil des Programms brachte außer musikalischen Darbietungen noch mehrere gut vor- getragcne Chöre d:s Gesangvereins „Concordia"- Gießen, weitere Darbietungen des Heimatdichters Gg. Heß. ein schönes Theaterstück, humoristische Einlagen und ein humoristisches Gesangsductt. Daten für Freitag, 23. November. Sonnenaufgang 8.30 Uhr, Sonnenuntergang 16.03 Uhr. — Mondaufgang 14.31 Uhr, Monduntergang 1.44 Uhr. 1719: Johann Gottlieb Immanuel Breükops, Buchdrucker und Berleger, gcbcen; 1845: der Bildhauer Karl Begas in Berlin «cboren. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 16. Aov. In der Aäh- der Bahnüberfübrung an dn Rodheimer Straße fuhr ein jugendlicher Radfahrer mehrmals hintereinander grundlos an dein dort ausgestellten Verkehrsposten vorüber, bzw. umkreiste ihn. Aach § 22 der für den Kreis Gießen geltenden Bekanntmachung vom 21. Oktober 1927 betr. die allgemeine Verkehrsordnung, ist ein derartiges Verhalten eines Radfahrers, mag er auch im übrigen nicht vorschriftswidrig fahren, unter Strafe gestellt, wenn es geeignet ist, den Verkehr zu stören. Aach Angabe des Berkehrspostens, dessen Ausmertsamkeit zudem abgelenkt werden konnte, lag-ein solcher Fall vor. und der Angeklagte, der Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hatte, tonnte nicht straflos aus gehen. Er hat sich auch bei der nämlichen Gelegenheit eines falschen Aa- mens dem Polizeibeamtcn gegenüber bedient: auch dadurch hat er sich strafbar gemacht. Da der Angeklagte aber kurz darauf seinen richtigen Aamen angab. demnach gewissermaßen tätige Reue vor lag. ließ man Milde walten und erkannte in beiden Fällen auf eine geringe Geldstrafe. Im Juli stießen am Kreuzpunkt der Südanlage und der Goethestraße zwei Motorradfahrer, drr eine aus der Goethestraße von der ^Universität her, der andere auf dec Südanlage von der Frankfurter Straße beckommend, widereinander. Der erstere verletzte sich schwer, dec letztere hatte sich heute wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten, wurde aber s r e i g e s p r o- cheu. Die Kausalität zwischen dem cklnfall und dem allerdings vorschriftswidrigen Fahren des Angeklagten, der, statt die rechte Seite einzuhalten. auf der linken Hälfte der Fahrstraße, jedoch mehr nach der Mitte zu. fuhr, konnte nicht einwandfrei fästgestellt werden. Auch war das Verhalten des Verletzten im kritischen Qlugen* blick nicht dasjenige eines besonnenen Motorradfahrers. Das Vorfahrtsrecht, auf das der Angeklagte Anspruch erhob, spielte bei drr Entscheidung über die Schuldfrage ebenfalls eine gewichtige Rolle. Wenn der Angellagte wegen sah. lässiger Körperverletzung freizusprechen war, so trug ihm doch das vorschriftswidrige Fahren auf der linken Straßenseite eine Geldstrafe von 20 Mark ein. Auch hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen. Wirtschafi. ‘ Auslandanleihe der Badischen Girozentrale. Von der Beratungsstelle ist, wie WTB.-Handelsdienst mitgeteill wird, den badischen Städten die Genehmigung zur besonderen Aufnahme der zweiten Tranche der Aus- landanleihe durch die Badische Girozentrale in der Schweiz erteilt worden. Die Badische Girozentrale hat schon mit der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich eine 61/2Proz. Anleihe über 13 Mill. sfr. mit 25jähriger Laufzeit zum QÖ>- schluß gebracht. Die Emission wird voraussichtlich anfangs Dezember in der Schweiz erfolgen. Der Emissionskurs steht noch nicht fest. An der Anleihe sind beteiligt: die Stadt Mannheim. Wasserwerksgesellschaft "Rheinau. Oberrheinische Eisenbahngesellschaft in Mannheim, die Städte Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg. Pforzheim, Baden- Baden. Bruchsal. Lahr. Bretten, Billmgen, Ll:ber- lingen und Rheinfelden. * Millionenauftrag für di e Waggonfabrik Weltmann & C0., Kassel. Die Kasseler Waggonfabrik Weltmann & Co. hat von der Mitropa einen großen Auftrag auf Cieferuitg von O-Zug-Sprisewagen erhalten. Die umfangreiche Desteltung. die einen Wert von Millionen hat, soll sofort in Angriff genommen werden Zur Ausführung des Auftrages werden Aeueinstellungen von Arbeitern notwendig fein. * Metallgesellschaft QI.-®., Frank- furt a. M. Die Gesellschaft hat das am 30. Sep- tember abgelagerte Geschäftsjahr mit einem befriedigenden Ergebnis abgeschlossen In Anbetracht der allgemeinen Lage werde aber voraussichtlich von der Erhöhung der Dividende (i. V. 8 Prozent) abgesehen werden. '• Der Abschuß der Ufa. Die Universum- Film-A.-G Berlin erzielte, taut WTB.-Handels- dienst, im Geschäftsjahr 1927/28, dem ersten nach der Durchführung der Sanierung einen Rohgewinn von 21 809 245 Mark. Aach Abschreibungen von 14 857 198 Mark und nach Abzug der Handlungskosten usw. soll der verbleibende Reingewinn von 161215 Mark laut Beschluß der Aufsichtsratssihung vorgetragen werden. Die Hauptaufgabe des Dergtngenen Geschäftsjahres war die Aeuregelung der alten Verträge. Außerdem wurden durchgreifende Waßnahnten zur "Bereinigung des getarnten Theaterparks von unrentablen Objekten eingeleitet und eine Rtzihr von Umbauten und Renovierungen vorgenomen. Die während der Sanierung in Rückstand gekommene Filmproduktion wurde schnellstens wieder in Gang gesetzt. Für die abgelaufene Epielsaison 1927/28 wurden insgesamt 33 Spielfilme, 35 Beiprv- giammsilme und rund 100 Wochenschauen angefertigt. Die Generalversammlung findet am 14. Dezember statt. ' Waschin en fabrikAugsbur g-A ü r n- b c r g Ql.-G. Der Geschäftsbericht über das ab» gelaufene Geschäftsjahr 1927/28 besagt u. a.: Nachdem im großen und ganzen iln unseren Erzeugnissen die wirtschaftliche Konjunktur während des Berichtsjahres angehalten hat, konnten wir den Beschäftigungsgrad unserer Werke auf* rechterhaften, im einzelnen sogar heben. Die "Delegschastszisfer stieg von rund 13 300 am 30. Juni 1927 auf rund 15 300 am 30. Juni 1928. Freilich steht hiermit das Gewinnergebnis nicht im Einklang. Im einzelnen zeigt der 'Abschluß folgendes Bild: Anlagewerte (alles in Millionen Mark) 22,747 (23,005), die ordentlichen 'Abschrei- bungen betragen 1,337 (1,236). Bestände an Materialien und halbfertigen Arbeiten 41,917 (35,729). Den halb fertigen Arbeiten stehen Anzahlungen von Bestellern gegenüber in Höhe von 18,861 (14,136). Die Außenstände betragen 30,316 (25,472), die Bankschulden 7,116, denen 1,569 an Bankguthaben gegenüberstchen. Die Reserven in Höhe von 2,2 sind unverändert geblieben. Waren* und sonstige Schulden haben sich entsprechend dem gesteigerten Umsatz auf 27,437 (23,440) erhöht. Die ©lauern und sozialen Lasten sind von 4,927 im Vorjahre ans 6,981 gestiegen. Der ausge- wiesene Reingewinn beträgt 1,077, so daß zuzüglich des Vortrages aus dem Vorjahr von 1,641 zusammen 2,718 zur Dersügung stehen. Daraus wird die "Verteilung einer Dividende von 6 Prozent vorgeschlagen, so daß sich ein Rest von 1,518 ergibt, der vorgetragen werden soll. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Aov. Tendenz: freundlich. — Rach der Unierbrechung durch den gestrigen Feiertag konnte sich daä Geschäft im heutigen Vormittagsoerkehr nur langsam entwickeln. Wie schon an der Abendbörse vom Dienstag, ver* dimmte auch heute wieder die "Vertagung der Düsseldorfer Elnigungsverhandlungen im Eisen- konslikt bis zum Samstag. Infolgedessen machte sich verschied.'ntsich Realisationsneigung geltend. Auch drückte der bevorstehende Ultimo auf b;e Stimmung, und die Spekulation übte aus diesem Grunds Zurückhaltung. Dagegen wurde der werter leichte Geldmarkt an der hiesigen Börse, sowie das reichliche Airgebot von Qüejrort* geld an der Aeuyorker Börse günstig beurteilt, und der Markt erfuhr, davon ausgehend, eine starke Stütze. Daraufhin konnte zum offiziellen Beginn eine freundlichere Stimmung Platz greifen, die mach durch die lebhafte Aach- frage nach Farben und einigen Elektrowerten unterstützt wurde. Die Spekulation schritt, nachdem sie auch an den vorherigen Börsentagen zu Leerabgaben geschritten war. verschiedentlich zu größeren Deckungen, so daß gegenüber der letzten Abendbörfe sich zumeist, hauptsächlich in Spezialwer en. die auch lebhafter gehandelt wurden. Kursbesserungen bis zu 2,5 Proz. durchsetzen. Im Vordergrund standen Farben mit plus 2 Proz. Von Elektrowerten waren besonders Licht und Kraft mit plus 3,75 Prozenf lebhafter gefragt. "Auch Bergmann konnten 3 Proz. gewinnen. Gessürel lagen dagegen auf Realisationen 1,5 Proz. schwächer. Auch für Karstadt machte sich mit plus 2,5 Proz. regeres Intercs e bemerkbar. Montanwerte hatten dagegen kaum cklmsätze aufzuwcisen. Am Bankenmarkt war sonst im allgemeinen die Kursgestaltung uneinheitlich Reichsbank auf stärkeres Angebot 2,5 Prozent schwächer, Dresdner Bank und Metallbank gaben eine Kleinigkeit nach, während Danatbank und Commerzbanl gut behauptet blieben. Deutsche Bank tonnt:n 1 Proz. anziehen. Am Automarkt lagen Adl.'rwirke stark vernachlässigt und 3 Prozent niedriger, Daimler gut behauptet. Kali Aschersleben konnten 1 Prozent und Süddeutsche Zucker ebenfalls 1 Prozent höher eröffnen. Die Rentenmärkte lagen ruhig. Deutsche Anleihen eher etwas schwächer. Im Verlause wurde das Geschäft sehr still. Auch die anfangs verlangten Elektrowerte waren auf Glattstellungen stärker vernachlässigt, unb es waren durchweg Kursabschwächungen bis zu 2 Prozent zu verzeichnen. Aur in I.-G.-Far- ben bestand weiter Kaufneigung bei etwas gebessertem Kurs. Qluf den übrigen Märkten waren ebenfalls Kursrückgänge zu verzeichnen, da der Wieder etwas angespannte Geldmarkt infolge des bevorstehenden Ultimos auf die Stimmung drückt. Tagesgeld wurde auf 6,5 Prozent erhöht. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.19675, gegen Pfund 20.355, London gegen Kabel 4.85, gegen Paris 124.09, gegen .Mailand 92.50, gegen Madrid 30.10, gegen Holland 12.0790. Hrankfurter Getreidebörse Frankfurt a. M., 22. "Rov. Der Frankfurter Produktenmarckt verkehrte heute in stetiger Haltung. Umsätze waren kaum zu spüren und die Geschäftstätigkeit bewegte sich nach wie vor in sehr engen Grenzen. Die Preise waren unverändert. Es wurden notiert: "Weizen 23,15 bis 23,10; Roggen 22; Sommergerste für Drauzwrcke 24 bis 24 25; ins. Hafer 23.50 bis 23,25; Macks (gelb) für Futter zwecke 222-5; Weizenmehl, süddeutsches Sp-zial 0, 33,50 bis 34, Roggenmehl 29.25 bis 33; Weizenkleie 13,53 bis 13 60. Ql eggen- kleie 13,75 Mark. Tendenz: stetig. Frankfurter Schlachtvichmartt. Frankfurt a. M.. 22 "Aov. Auftrieb: 71 Stück Rinder. 950 Kälber, 679 Schafe, 478 Schweine. Es tourben bezahlt für 100 Pfd. Schlachtgewicht: Kälber: "Beste Mast- unb Saugkälber 63 bis 70, mittlere Mast- und Saugkälber 56 bis 62. geringe Kälber 48 bis 55 Mk. Schafe: Wastlämmer und jüngere Wasthärnmel. Weidemast 40 bis 45. mittlere Mastlämmer. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 35 bis 39, fleischiges Schasvieh 27 bis 34. öd) meine: Dollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 73 bis 76, von etwa 200 bis 240 Psd. 74 bis 77, von etwa 160 bis 203 Psd. 72 bis 76. Marktverlauf: Schweine ruhig, geringer äleberstand. Kälber und Schafe ruhig, ausverkaust. Kunst und Wissenschaft. Selma Cagerlöf jum .hcendoktor ernannt Selma Cageriöf wurde zu ihrem 70.Geburtstage von der philosophischen Fakultät der Untoerfität Greifswald die Doktorwürde ehrenhalber verliehen. Leo Sternbergs „Separatisten" im Bamberger Stadttheater. Das Staditheater Bamberg brachte dieser Tage Leo Sternbergs Bolksschauspiel »Die Separatisten" vor ausverkauftem Haus ;,tir Uraufführung. Das naturalistische Drama schildert mit starker dramatischer Wucht die Tragödie des rheinischen Volkes im Herbst 1923, deren Held das rheinische Doll in allen seinen Schichten tn seiner Erhebung gegen die Landesverräter ist. Der Aufrichtung der separatistischen Herrschaft treten aiS Führer zwei deutsche Männer entgegen, von denen der eine zum Schein in Die Reihen der Landesverräter tritt, während der Aufstand vorbereitet wird. Doch die Erhebung bricht unvorhergesehen früh los, und der Freund fällt unter den Schüssen der Retter. Die Darstellung des leidenschaftlichen Geschehens ist in dramatischer Hinsicht voll geglückt. Vorzüglich wirkten die "Dvlksszenen, und prächtig ist die Sprache des Volles getroffen. Die Aufführung wurde Dem Drama gerecht und brachte dem anwesenden Dichter einen großen Erfolg. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 1 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle tu richten Für unverlangt eingesandte kN a u u s k r i p t e ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse jFneT 75717 Berlin Berlin Fraudfuri a.M Sd)lub-| 1-Uyr- Sch uh ; tinfang Nur» , Nur» Kur» | flnr» 20 11. I 22. 11 | 20 tt. | 22 tt. 87.. Devisenmarkt Berlin—Franks,rt a. 2H. Telegraphische Auszahlung. 32.3 2.13 26,3 26,25 26,1- 13,5 9.3 21.5 145 44,13 143,6 140 170.25 is firaukhirt a. M 1.85 13,4 51,1 15.4 >44.75 181,0 ol.l 15.25 190 293,5 H>9 163 170,5 '44 318,5 144.5 321 143.15 137 13,2 13 25.5 1,9 13,4 140 285 190 2b3,5 170 Vh. . . 8 146.13 183.25 180 144.4 137 139.9 185.75 190.1- 494 io9,5 l<>:i.25 170,9 122 144.25 321,5 87.25 । 51,15 la.3 । 90 78 284 (90.25 294.7u 170 163.75 170.5 222 144.5 20 10 . e 10 10 19 U 12 10 10 10 . 0 fframöiürfje Noie» Holländische Noten ...... gtnhenfübe Wotta ...... Norwegische Noten. ... ®enif<6'-Defren.,ilOO Arooea Rumänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schwerer Noten ...... Svanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Noten 96 1 2,4 26^| 26,4 . 1.8 ’ - 13,13 । 13.25 13,3 Lüg. Seutldbe <61|cn^dhn . ftamburg.amettta Laiel . Hamd.-Südaw. Damvssch. Hansa Dampfschis! . . Norddeutscher Lloyd . . Lllg. Deutsche Trrdtlarrll . Barmer Bankverein - • Berliner Handelsgesellsch^- fcomenetj. unb Brivat»Bank Darms! u. Ratiooallttwl Deutsche Bank • ■ DUkonto-GeleUschasl ÄnL. Dresdner Bank - » IRüulötutföt Utebttbe! . ................ S«Wod ...... öolbpl. e.C.<» aba BortriegS-Obllgation.. tüdaablbaz 1933 4% Schweiz BunveSd.-Lnl.. 4% Oeilerreichische Goldrte.. . . 4,20% Ceften Silberne..... 4% Ceflenetdr einheitl. Kte. . . 4% Ungarische GoldNe. - - - 4% Ungarische Staatlr. v. 1810 <14% Mfll von 1913 . . 4% Ungarische fttonenttt..... 4% tüit. Zollanieihe v. 1911 . 4% Dürkische Bagdadbahn-Anl.. Serie I . . . 4% bebgl. Serie 11 .... 4% öiumänev convert. Kte. . . . »14% Rumänen öortxniL Boi 1918 Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt belchlostenen Dividende an. — ReichsbanldiSkont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozen “ Berlin. 20 November _ Datum Dt. «eich4anlcch > >927 ®L lnl..äblöl..6d)ulD mti SuS- U».-Rechicn lesfll. ohne Lu-lo,..Rechte 7% 5tanl|. Hyp.-Bi ®olbt)t. un- kündbar bis 1932 4H% Rheinische Hyp.-Bank Stau.- Jrratikfurt a. M Berlin Schluf,. Äuts 1-Utzr- fturs Sch.uh.s Kur» | Slnurng Kur» Datum: ] 20 11. 22 11. 20. 11. 22.11. LS.G ......- 8 18Ü.S 188.. 189 189.4 Bergmann ..... 9 227 230 229.2o 229,5 Elektr. Lieserungei ..... 10 — 174,5 Licht und -rast ..... 10 246.5 250.25 247.5 251.6 gelten 4 Guilleaume. .... 6 Ges. f. Beklr. Untern.. ... 10 150 151 150.75 152 269.4 •267.9 269 267 Hamb. Elektr. Werke .... W — — 147.25 147.1 Rhein. Dekir. ...... 9 — — 159 159 Schlei- Dekir.......io 233.5 232 Schulten ....... 8 41 241 241,5 441 Siemens 6 Halske . • • • • 12 U3 413.5 413.5 413.7o Transradio ....... 8 — 156 156 Labmeyer 4 9t>- -.•••• 10 169 169 Je 169,o — B nvernr ....... 6 88.5 87.5 88.5 87,5 Dentsche CrtW.......6 — 141 140.75 140.»5 Essener Steinkohle......8 — — 124.75 124.5 Gelsenkirchener ... 1 H 3 * Harvener ....... K 124.5 i:M.5 124 124.5 134.75 124,13 136.25 Hoesch Eilen. ........ 8 * — 135.75 136 Ilse Bergbau......... ftlödnerroede . ...... 7 241.5 — 241.. 239.5 — — 112 112.25 KSln-Sreuessen........9 — — 133 133 Mannesmann .......8 130 130 130.; 129.75 Mansfelder .......1 Oberschlei. Eisen». Bedarf ... 5 — —• 118 116.2-5 — — 113,75 113.4 Oberschles. KokSwerke ... 8 Dhünir Bergbau ■ ■ Rheinische Braunkohlen ... 10 — — 115.65 11.5.70 93 276 92,5 93.5 275.75 92.5 275.5 UetnOahI t. % Safe Otf • .... 6 — 107,5 107.75 Leonhard Tret, ...... 6 — 286.75 290 Bamag-Megutn ....... 0 TOddjtaa ...... 6 33 - 22 71.25 — Gntzner ..•••• 11 — ■■ 120 HeylsgenSaedt ....... 0 — —- IunghanS . ...... 4 89,2.5 — 89 — Lech werke. ......... 8 — 109,75 — •DJaintMfwerfe ..•••• .8 114,5 - ■ — ■Rifld ...... 10 — - 135 135 Nekars ulmer ....... .8 W — 21 Pelert Union ...... 8 105.75 - 105 — Sebr. Roeder ....... 10 125 —— — —• Böig, * Haessn«......8 216 - • 66bb. 8u