Nr. 144 Erster Blaff 178. Jahrgang Donnerstag, 21. Juni 1028 eimai in» Btß> Df» Scholl«. DlonotJ ■Bejngipret»: 2 Reichsmark unb 20 91eid)spfewnig für Träger» lohn, and) bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten. iBjelger Kietze«. Polfdfeiftonto: gteiffun am Main 11636. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck »Nb Verlag: vrühl'sche UntversttütL-vuch' neö Stttnörnderci R. Lange in Gießen. Zchnflleituna und Geschästrftelle: Zchnlstratze 7. K„ah»e von Snjeiac* für die Tagesnnmmet vis zum Nachmittag normet. Preis für | mm höhe für Nnzeiaen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig' für Re» blameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichipsennig, Platzoorschrifi 20’. mehr. Chefredakteur Dr. ffriebr. Will). Lange, verantwortlich für Dohtik Dr. Fr. Will) Lange; für Feuilleton Dr tz-Thyrrot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An- jeigenteil Kurt tzrllmonn, lämthd) in Dietzen. Die Krisis in der Krisis. Don unterer ‘Berliner ‘Äebaltton. Berlin, 21. 3unl 3n einer jeden unterer, schon auf Grund langjähriger Gepflogenheiten sich eififtcllcnben Dauertrifen bei der Bildung einer neuen Regierung ergeben sich noch ganz besonders tritifche Augenblicke, in denen es so aussieht, als ob man auf dem toten Punkt angelangt fei. wo eS kein BorwärtS- tommen mehr gibt. Qin solcher Augenblick ist anscheinend auch jetzt wieder eingetrelen. war kein Geheimnis, daß der preußische Ministerpräsident Braun einer Aenderung in der Zusammensehui^ der preußischen Regierung stark abgeneigt ist. und man muhte daraus gefaßt fein, daß bei feiner Digenwilligleit ernste ^inbemiffe die Folge fein müßten. (M ist auch werter bekannt, dah namentlich das preuhische Zentrum erheblich anders eingestellt ist. aül die Reichstagsfraktton der Partei. Aber man tonnte eine Zeit lang doch annehmen, dah diese Hindernisse überwunden werden könnten, wenn im Schoße der preußischen Regierung, wie beim preußischen Zentrum, sich die Erkenntnis durchsetzte, daß nunmehr der richtige Augenblick gekommen sei, um die von den verschiedensten Seiten, auch vom Zentrum unb den 6jid!bemo- kraten Preußens, erhobene Forderung nach einer gleichartigen Regierung i.m Reich und in Preußen zu erfüllen. Weil sich die Rotwendigkeit der Gleichartigkeit in der praktischen Erfahrung immer wieder klar ergeben hat. stellte die Deutsche Bolkspartei die grundsätzliche Forderung auf, nunmehr im Reich und in Preußen dementsprechend zu handeln. Es war sicherlich kein unbilliges Berlan- gen. für die Deutsche VolkSparlei mindestens bestimmte Zusicherungen zu erhalten, daß ungefähr gleichzeitig auch in Preußen eine bet im Reich gleichen Regierung eingesetzt werde. Man kann auch ruhig behaupten, daß bei der Reichstagsfraktion der Sozialdemokraten und des Zentrums die Richtigkeit und Billigkeit der Forderung der Deutschen Bolkspartei verständnisvolle Aufnahme gefunden bat. Um so schwerer wiegt es. daß nun trotz allem Ministerpräsident Braun bei einer Unterocbung mit den Bcr- handlungsführern der Landtagsfraktion der Deutschen BollSpartei sich abermals auf den rein formalen Standpunkt zurückgezogen hat. daß Preußen seine Regierung unabhängig vom Reich auf Grund seiner eigenen Parteiverhältnisse bilden müsse. Diese Stellungnahme des preußischen Ministerpräsidenten ist um so unverständlicher, als seine eigene Partei und er selbst wiederholt betont haben, waS für Llnannehmlichkeiten au« der verschiedenartigen Zusammensetzung der Regierung in Reich unb Preußen entstanden sind. Gerade Herr Braun sollte sich der unaufhörlichen Reibungen erinnern die in der letzten Zeit zwi chen Reich unb Preußen beiden Seiten das Leben verbittert haben. Durch seinen Starrsinn hat Herr Braun den Berfjanblungen im Reich nicht nur einen Stein, sondern einen Zelsblock von nicht geringem Umfange in den Weg gewälzt. Die Bcrbanblungcn zwischen den in Frage kommenden Fraktionen im Reichstag waren immerhin ein ziemliches 6tüyf vorwärts gekommen, als Hermann Müller als Ergebnis gründlicher interfraktioneller Bcrbanblungcn unb Beratungen innerhalb der Fraktionen ein au« siebzehn Punkten bestehendes Gerippe eines fünftigen Re- ai erungsprogramms entwerfen und den Fraktionen überreichen konnte. ES ist vielleicht ein 3ufaU. aber doch ein merkwürdiges Zusammentreffen. baß die Ueberreichung dieses Schriftstücks mit dem ablcbnenbcü Bescheid Brauns zeitlich zusammen fiel Auch das Programm Hermann Müllers enthält verschiedene Punkte, über die eine Einigung nicht leicht zu erzielen sein wirb. Aber man war immerhin so weit vorgeschritten, bah man sagen konnte, über eine ganze Anzahl wichtiger Fragen sei bereits eine Einigung erzielt ober Verhältnis - mäßig leicht möglich. Man wird vielleicht Anfang nächster Woche darüber im klaren sein, ob sich über ein vollständiges Regierungsprogramm eine Einigung herbeiführen läßt. Der .Kardinalfehler freilich liegt darin, bah der künftige -Kanzler versucht, erst ein vollständiges Programm aufzustellen, ehe er an die Regierungsbildung selbst gebt. Das mutet so an. als ob man daS Pferd am Schwänze auf zäumt. Zmmerhin Haden Sie Bcrbanblungcn einige Frucht getragen. 'Wie sich nun jedoch die neue Erschwerung durch Preußen auswirten wird, steht dahin. Die Koalitionsstage in Preußen. Berlin. 20. Juni. (BDZ.) Der preußische Mi' nifterpräfibent Dr. Braun empfing heute vormittag den Besuch der deutsch-volkspar- teilichen Abgeordneten des Preußischen Landtags, Stendel. Dr. Wieiner, Dr. Heymann und Schwarzhaupt. Ministerpräsident Dr. Braun er- klärte, ihm erschiene es grundsätzlich abwegig, die Frage der Zusammensetzung der preußischen Staatsregierung von der Regierungsbildung im Reich abhängig zu machen. Die Ansicht, daß die preußische Staatsregierung [tets so zusammengesetzt «ein müsse, daß sich eine Homogenität mit der Reichsregicrung ergebe, vermöge er nicht zu teilen. Die Zusammensetzung der preußi- schen Regierung müsse sich ebenso, wie dies gründ- Stzlich bei den Regierungsbildungen anderer deutscher Länder zum Ausdruck komme, nach der Les Preußischen Landtags und nicht nach ler Zusammensetzung des Reichstags richten. Rur hird) Befolgung dieses Grundsatzes habe Preußen bisher feine stabile Politik treiben und es oermev Revolveratientai in der südslawischen Gkupschiina. Zwei kroatische Abgeordnete getötet.-Der kroatische SauenisührerStephan Raditsch schwer verwundet. Belgrad, 20.3nnL (I1L) 3n der Mittwoch, sitzung der Skupschfiaa setzte die Opposition ihre Obstruktion fort. Dabei kam es zwischen dem Abgeordneten R a b i I f dj und der Bauernpartei einerseits und der Mehrheit andererseits zu starken Zusammenstößen. Als Stefan Raditsch der Mehrheit zurief: „Sie benehmen sich wie Rinb- oiehcher", zog ber Abgeorbnete Ratfch 1 tsch von bet Radikalen Partei einen Revolver unb gab mehrere Schüsse in der Richtung der Ra- ditschpariei ab. Der erste Schuh traf den Abgeordneten Paul Raditsch. einen Tieffen Stefan Raditschs. tödlich. Durch die Revolverschüsse wurden ferner die Abgeordneten Dr. per - nar und Dr. Basaritschek schwer verletzt. Endlich konnte man dem wie irrsinnig hin- unb Herschiehenben Abgeorbncten Ratschitsch ben Revolver entreißen unb ihn adsühren. Unter dem Linbruck ber Schiehcrcien in ber Skupschlina war ber Telcfonoerkehr zwischen Agram unb Bdgrab eine zeitlang gesperrt, wie jetzt noch ergänzend gemelbet wirb, ist auch ber Führer ber kroatischen Bauernpartei, StefanRabttsch, erheblich verletzt worben. Rach einem amtlichen Bericht ist Rabilsch operiert worden. Der König hat ihn an seinem Krankenlager ausgesucht unb mit ihm eine längere Unter Haftung geführt. Der schwer verwunbete Abgeorbnete B a s a r i t s ch e k ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Die Revoloerkugel hatte ihm bie fialsschlag- aber zerrißen. Gegen abeub würbe in Belgrad bie Telephonsperre roieber ausgehoben, wenn auch in Bclgrab nach dem Attentat in ber Skupschtina. besten Opfer zwei lote unb brei verwundete sinb. Ruhe herrscht, so ist die Erregung in den politischen Kreisen ungeheuer groß. UeberaU zittert bie Rachwirkuug bcs furchtbaren Gescheh- nistes nach. Die letzten Worte bes erschoßenen Ab- geovbneten Paul Raditsch waren: „Rettet mich wegen meiner armen Kinder unb meiner armen Fraul" Paul Radistch hinterläßt acht Kinber. während die bekanntesten Chirurgen sich um den verwundeten Stephan Raditsch bemühten, erschien König Alexander im Operationssaal. Der König verlangte von den Aerzten, daß sich alle anderen Anwesenden aus dem Opcralionssaal entfernen sollten. Als diesem Wunsche Folge geleistet worden war, näherte sich ber König Stephan Radistch unb erkundigte sich nach seinem Zustand. Der König sprach tröstende Worte zu dem Abgeordneten unb ermahnte ihn, nicht zu verzagen, benn es werbe alles roieber gut roeröen. Rach dem Besuch bei Stephan Radistch begab sich der König zu berf Leiche des ermordeten Abgeordneten Paul Raditsch. die sich in einem Saale des Krankenhauses befindet. Dort traf er die witroe des Toten, der er Irost- roorte aussprach, wobei der König in Tränen ausbrach. — Der Zustand Stephan Raditschs ist am heutigen Abend unverändert. Es sind am Rachmiltag zwei Unioerfilälsprofefforcn aus Agram mittels Flugzeug hier eingetroffen, um ihn ju untersuchen. Obwohl die Verletzung nicht lebensgefährlich ist, bestehl doch Gefahr, da Radistch zucker- krank ist. Der Zustand des verletzten Dr. P e r - nar Hal sich heute abend verschlimmert. Das serbische Abgeordnetenhaus ist der Schauplatz einer blutigen Schreckenstat geworden: mitten in einer erregten Debatte riß plötzlich der radikale Abgeordnete Racic eine Pistole aus der Tasche, legte auf den Bauernführer Stefan R a d i t s ch an, verwundete ihn ebenso wie einige seiner Parteisreunde schwer und tötete den Reffen des Oppositions ührcrs. den Abgeordneten Paul Raditsch. 'Denn nicht auch unsere parlamentarischen Sitten längst verwildert wären, könnten wir voller Mitleid auf dieses Balkanparlament herabschauen, dessen Sitzungen ohne tumultarische Szenen einfach undenkbar sind. Das in Belgrad heute passiert ist, kann aber auch uns morgen schon blühen. Eben erst haben wir im neugewählten Preußenparlament bie beschämend sien Auftritte erlebt, die mit Körperverletzungen endigten. Bon da bis zum Mord ist nur ein kleiner Schritt, wer heute mit der Faust seinen parlamentarischen Gegner niederschlägt, dem muß zugetraut werden, daß er bei der nächsten Gelegenheit zum Messer oder zum Schießprügel greift. Gerade itnS, die wir immer radaulustigere und zu Ausschreitungen aller Art hinneigende Elemente als .Beste des Bolles" m unsere Parlamente hrneirtbcfonrmcn. sollte die Belgrader Bluttat eine ernftc Mahnung und Warnung sein, nichts zu unterlassen, was geeignet ist. das Ansehen der Bolls Vertretung wicderherzustellen. von dem leider nicht behauptet werden kann, daß es noch vorhanden ist. ©er Täter festgenommen. Belgrad. 20. 3unL (WB.) Der 2ll»geord- nete R a s ch i t s ch . der die verhängnisvollen Schüsse im Parlament abgegeben hat, hat sich heute nachmittag selbst dem Minister des 3n- nern gestellt. Der Minister des 3nnern rief einen Polizeipräsekten herbei, der den Abgeord- neten festnahm. Bei seiner ersten Berrchmung gab der Attentäter an. daß er nur in der größten Erregung gehandelt habe als ein Abgeordneter chn be'chinrpfte Den Revolver trage er schon leit 1913 a 1 s Talisman bei sich. Denn dieser Revolver habe ihm einmal das Leben vor den Türken gerettet. Der Mörder ist ein l-ljähriger Montenegriner, der sich in letzter Zeit im Kampf gegen die Opposition stets bemerkbar gemacht hatte Regierungskrisis? Vorläufig kein Rücktritt bco Kabinett-. Belgrad, 20. 3uni. (WTB.) Der M i - nift errat trat um 7 Hbr abends zu einer Sitzung zusammen, um über die Lage zu beraten, und beschloß, die verstorbenen Abgeordneten Basaricek und Pavlerawitsch a u f Staatskosten zu beerdigen und ihren Familien staatliche Unterstützung zukommen zu taffen. Der Ministerpräsident sprach der Radi.schpartei sein Bedauern zu den Borsällen aus. Der Qlbflcorb* netenflub der kroatischen Bauernpartei bat jedoch die Annahme der Beileidsschreiben der Regierungspartei und selbst des Ministerpräsidenten abgelehnt. 3n den Kreisen der Bauernpartei wird erklärt, man habe Beweise dafür, daß die Blorhtal vvrbe reitet und organisiert worden fei. Bon einem führenden Regierungsmitglied wurde erklärt, die Regierung gedenke nicht zurückzutreten, da sie für die Mordtat keinerlei Berantwortung trage. Trotzdem wird die Lage der Regierung als unsicher angesehen. Erregung in Agram. Belgrad. 20. 3unt (WTB.) Aus Agram wird gemeldet, daß dort die Rachricht über die Ermordung der kroatischen Abgeordneten eine ungeheuere Erregung hervorgerusen hat Zum Zeichen der Trauer über bte Ermordung der kroatischen Politiker wurde der Berkehr eingestellt und alle Betriebe geschlos- s e n Die Leichen Basariceks und Pavlera- witschs werden heute nacht nach Agram übergeführt werden, wo Freitagnachmit- tag die Beerdigung stattsindet. Wie aus Kreisen der Raditsch-Partei verlautet, werde die Partei daS Ersuchen der Regierung, daß die Familien der getöteten Abgeordneten eine staatliche iln- terstüyung erhalten, ablehnen, ebenso, daß daS Begräbnis der Getöteten auf Staatskosten ftattfinOet. den können, in die mannigfachen Krisen im Reiche hineingezogen zu werden. Aus diesen Gründen bestehe bei den preußischen Koalitionsparteien und bei ihm, dem Ministerpräsidenten Braun, zur Zeit keine Neigung, über eine Aenderung der Regierungszufammensetzung in Preußen zu verhandeln. Einzig und allein von der Entscheidung Preußens hänge es ab, wenn über eine Verbreiterung der Regierungsbafis in Preußen zu verhandeln wäre. Müllers Verhandlungen. Berlin, 20. Juni. (VDZ.) Die interfraktionellen Besprechungen im Reichstag am Millwochnachmiltag haben noch keinen Abschluß der Verhandlungen über die formulierten Vorschläge des Abg. Müller- Franken gebracht. Erhebliche Differenzen bestehen namentlich noch in der Angelegenheit des Dcr- faßungstages und in der Frage der Amnestie. Die Steuerfragen sind einstweilen zurückgesteitt worden. Auch über die fozialpositischen Angelegenheiten wer- den noch weitere Besprechungen notwendig fein. Der Fraktionsführer der Deutschen Volkspartei, Abg. Dr. Scholz, gab die Erklärung ab, aus der Teilnahme feiner Fraktion an den fachlichen Programmberatungen dürfe nicht der Schluß gezogen werden, daß die Fraktion ihren Standpunkt in der Preußenfrage etwa aufgegeben hätte. Die interfraktionellen Besprechungen werden am Donnerstag früh fort- g-fehl- 3n den Kommentaren der Blätter zu den Berhandiungen über die Regierungsbildung kommt starker Pessimismus zum Ausdruck. Am wenigsten hoffnungsvoll ist wohl der Vorwärts, der u. a. erklärt: Es heißt jetzt, die Bollspartei wolle sich mit einer ar an - t i e' dafür begnügen, daß man sie in die preußische Regierung später auf nehmen werde. Boraussetzung ist eine von der Bollspartei gegebene Garantie, daß sie den bisherigen republikanischen Kurs in Preußen unter» stützen werde. Wird die Bollspartei bereit sein, diese Garantie zu geben? Auf alle Fälle sind Berhandiungen, die zu einem berartigen festen Garantieaustausch führen, im Augenblick gar nicht möglich. Der Gedanke aber, die Entscheidung im Reiche so lange hinaus- zuschieben bis — nach "Wochen oder Monaten! — auch in Preußen eine Entscheidung getroffen werden kann, ist undiskutabel. Die Möglichkeit, zur Großen Koalition zu kommen. sieht man sich immer weiter in der Ferne verlieren. BMirbc die Bildung der Großen Koalition zur Zeit scheitern, so wäre das für die Sozialdemokratie noch lange kein Grund, die Führung auS der Hand zu geben. Dann bleibt eben nur noch eine sozialdemokratisch geführte Regierung, die vor den Reichstag tritt und sich dort für ihre Arbeit eine Mehrheit sucht. 3ede andere Regierung, mit der man es am Ende doch versuchen wollte, würde auf eine entschiedene Opposition der Sozialdemokratie stoßen. Rach der „XägL Rundschau" verharrt die Deutsche Bolkspartei auf ihrem Standpunkt hinsichtlich der Regierungsunrbildung in Preußen. Das Blatt schreibt' Die Deutsche Bolkspartei habe an sich schon den Mut zur Unpopularität aufgebracht, wenn sie sich bereit erklärt, i m Re i ch m die Große Koalition einzutreten Sie könne es aber mit ihren politischen Grundsätzen mcht vereinbaren, wenn sie bei Beteiligung an einer Großen Koalition tm Reiche gleichzeitig in dem größten Lande von der Regierung ausgeschlossen würde. BSenn die starre Haltung des preußischen Ministerpräsidenten und der preußischen Regierungsparteien die Regierungsbildung im Re»ch schwieriger gestalten sollte, so müsse die D. B. auf jeden Fall die Berantwortung hierfür ablehnen. Die .Germania" sagt, wenn der preußische Ministerpräsident in Beantwortung der Ersuchen der D. B. für den gegenwärtigen Augenblick jede Berhandlung ablehnte, so dürfte diese Auflassung mit der Haltung der übrigen Kvalitionsparteien nicht ohne weiteres in Einklang zu bringen fein. Die preuhische Zentrumsfraktion habe in ihrer Dienstagssitzung betont, dah eine Erweiterung der preußischen Regierung tn Frage komme, wenn ein solcher Wunsch gegenüber den bisherigen Koalitionsparteien zum Ausdruck gebracht werde Hieraus gehe doch wohl h«vor. dah die Zen- trumsfraltion des preuhischen Landtages, nachdem am Mittwoch ein solches Ersuchen der 'S). B. an sie gerichtet wurde, bereit sei, auch jetzt schon über eine Umbildung der Preuhischen Bcflienmg mit sich reden zu lassen. Eine abgebrochene Doi-tragsreise. Heidelberg. 21. 3unt (WTB.) Professor 3ames Brown E c o 11. Präsident des amerikanischen 3nstituts für Böllerrecht, der sich auf einer Bortragsreise in Deutschland befindet, wollte aud> in Heidelberg über die .Grundrechte des Staates" sprechen Da sich inzwischen herausgestellt hatte, dah Professor Scott im 3ahre 1919 an der Formulierung des berüchtigten Paragraphen 231 de- Bersailler Vertrages, der die Allein- schuld Deutschlands am Kriege fesl- setzt, führend beteiligt war, begaben sich heute Vertreter der 3uristischen Fakultät der Llniversität Heidelberg zu Professor Scott, um in einer Besprechung zu ergründen, ob Scott an der These von der Alleinschuld Deutschlands am Kriege festha11e. Das Ergebnis war. dah Scott mit Rücksicht auf seine bamahge amtliche Stellung sich außerstande erklärte, die Frage aufzuklären Er hielt es für richtiger, von weiteren Borträgen in Deutschland Abstand zu nehmen Der Heidelberger Bortrag fiel daher auS. Krisenlust in Paris. Poincar« und die Kammer. Paris, 20. 3uni. (Priv.-Tel.) Auch die Regierung PoincaräS sitzt nicht mehr so fest im Sattel, wie das noch vor einigen Wochen schien Mancherlei ist in der letzten Zeit zusammengetroffen was im Parlament eine starke Unzufriedenheit mit dem Ministerpräsidenten hochgezüchtet hat. Die Rechtsparteien. auf bie sich Pc> incare bei den Wahlen gestützt hatte, fühlen sich auf der ganzen Linie um ihre Wahlerfolge betrogen, da sie sowohl im Kammerpräsidium als auch in den Borständen der Ausschüsse entweder gar keine oder nur eine bescheidene Berücksichtigung erfahren haben. Außerdem hat Poincarc- sich nicht gescheut, zu verstehen zu geben, dah ihm auch die Linls- parteien gar nicht so unsympathisch sind, wenn es darum geht, mit ihrer Hilfe sich am Ruder zu halten Aber der Unmut der Rechten wäre für Poincare noch zu ertragen, wenn nicht plötzlich der scheinbar beschworene Elsaß- Konflikt wieder am Horizont auf getaucht wäre. Zur allgemeinen Ueberroschung hat die An- llagekammer in Colmar die vorläufige Freilassung der Autonomistenführer Ross 6 und R i ck l i n , deren Mandate von der Kammer bestätigt worden sind, abgelehnt. Selbst Poin- care scheint über diesen Beschluß bestürzt zu fein, da er sich stark gemacht hatte, die Freilassung zu erwirken, um auf diese Weise eine Debatte über die von dem Abgeordneten Walter zurückgezogene, aber jetzt wieder neu eingebrachte Elsaß-Resolution zu verhindern Es ist für den Ministerpräsidenten außerordentlich peinlich, unmittelbar vor den parlamentarischen Kämpfen um das Stabilisierungs- gesetz die Dogen der Empörung über die nicht erfolgte Enthaftung ordnungsmäßig gewählter Abgeordneter in der Kammer hochg-ßen zu 'ehen. Denn er wenigstens noch eine feste Mehrheit hinter sich hot^e, dann tonnte er getrost &itn Dingen. die t* kommen, entgegensehen. 60 aber wird er feine gesamte diplomatische Geschicklichkeit aufbieten müssen, um noch vor den Par- larnentLferien sich vor einer Are Verlage zu bewahren, die ihm droht, wenn er mit dem Stabilisierungsgesetz vor die Kammer tritt, ohne vorher die Autonomistenangelegenheit in Ordnung gebracht zu Habern Die „Volontä" will den Inhalt der Erklärung. die Pvincare vorgestern im Minister» r a t über die parlamentarische Sage abgegeben hat, wiedergeben können. Poincare soll danach etwa gesagt haben: „Gegenwärtig würde ich mich nicht mit einer schwachen Mehrheit begnügen können. Am Freitag hat die Kammer ein CBertrauenäDDtum über die Finanzpolitik des Kabinetts abzugeben. Denn sich nicht eine starke Mehrheit findet, um der Regierung vorbehaltlose Unterstützung zu gewähren. so werde ich gezwungen fein, dem Präsidenten der Republik meinen Rücktritt zu unterbreiten." Oer Oonezprozeß. tzin Ausfall des Staatsanwalts gegen Deutschland. Moskau, 20.3unu (DTR.) In der heutigen Abendsitzung des Schachty-Prozelles begann die Vernehmung G o r l i e tz k i s, der beschuldigt wird, der Leiter der Schädigungsaktion im Drmogul gewesen zu sein, insbesondere wird ihm zur Last gelegt, Geld für gegenrevolutionäre Zwecke erhalten zu haben. Gorlietzki hat einen Vertrag mit der Firma Knapp abgeschlossen. Der Stag'sanwalt vernimmt Gorlietzki über seine politische Stellung seit 1919. Der Angeklagte hat als erster den Mut. sich als Gegner der durch das gegen» wärtige Regime bewirkten Entrechtung des Privateigentums zu bekennen, was Krylenkv Gelegen heil gibt, dem heute besonders zahlreichen Auditorium eine Propaganda rede zu halten. Der Staatsanwalt fragt: „Ihr politisches Ideal ist also die demokratische Hindenburg r e p u b l i k??". Darauf antwortet Gorlietzki, Hindenburg habe er nicht erwähnt. Die Anklage wirst Gorlietzki vor, trotzdem die Sulli- vanschen Maschinen sich gut bewährt hätten. Knappsche Maschinen empfohlen zu haben, die für den Kohlenabbau im Schacht ungeeignet seien. Gorlietzki erklärt demgegenüber, die Knappfchen Maschinen ständen den anderen nicht nach. Er habe im AuÄand eine Maschine bestellt, die erst nach ihrer Bewährung bezahlt werden sollte. Daraus ergibt sich die zweifellos vorsichtige Handlungsweise Gorlietzkis und das Fehlen einer Schädi- gunasobk cht wenigstens im vorliegenden Fall. Gorlietzki bestreitet eine Teilnahme an der 6d)ä- digungsorganilation. gibt jedoch zu, Dwor- chanczik gekannt zu haben. Mobile wind verproviantiert. Rom, 21. Juni. (WIR. Junffprud).) Dem italienischen Jllcger Maddalena ist es gelungen, der Gruppe Robile 300 kg Vorräte verschiedener Art zu übermitteln. 6r habe zunächst das Zelt Mobiles überflogen, ohne es zu bemerken. Erft durch einen Juntfprud) der Nobilegruppe fei er zurückgerufen worden und habe darauf fünf Personen unterscheiden können, die völlig gesund schienen und ihm zuwinkten. 3m Verlaufe der Jladjt wird von Nobile eine Empfangsbestätigung für das abgeworfene Material erwartet. Oie Ozeanslieger in der Reichshauptstadt Berlins Willkomm. Don unserer Derliner Redaktion. Berlin, 20. Juni. Windstille über dem Tempel- hoser Feld — aber der blaue Himmel bezieht sich plötzlich grau imd immer schwärzer just aus der Richtung, aus der unsere Ozeanflieger jede Minute kommen müssen. Alfred Braun am Mikrophon liefert den zu Hause Gebliebenen seinen lyrischen vtimmunasbericht. Allmählich sammeln sich um ihn die Ministerialräte des Reichsoerkehrsministeriums und der anderen Ministerien vom Reich und Preu tzen. Man siebt den Bizekanzler Dr. Hergt, den Oberbürgermeister Böß, den amerikanischen Botschafter — die Begrützungssprecher der Stunde. Rechts von der Tribüne Die der Photographen. Lmks und rechts des Flughafens eine wohl weit über Hunderttausend zählende Menge, die schon reichlich ungeduldig wird, da sie der Laut- precher nicht erreichte, daß sich die Ankunft der Flieger wohl über eine halbe Stunde verzögern loird. Die Kapelle des Wachregiments Berlin konzertiert international. Zwei Flieger-Geschwader »iahen aus Richtung Wilmersdorf. Aber kein Snlut- chutz ertönt. Es ist die Deutsche Derkehrsslieger- Ichnle Berlin, die der Harrenden Ungeduld dämpfen möchte. Dann meldet der Lautsprecher, daß die Ozeanflieger bereits am Stadion seien und so mit nur einer Viertelstunde Verspätung eintreffen. Salutschüsse. Aus den Kranichzügen, die donnernd daherrattem, löst sich ein Flugzeug, die „Europa", geführt von Hauptmann Köhl, niedriger und niedriger, fliegt über Ehrengäste und Presse dahin, wendet, sinkt tiefer und tiefer, bis der Boden erreicht wird, bis der abgedrosselte Motor leicht über die Wiese dahinhüpst und vor der Tribüne hält. Schon klettert hinten Herr von Hünefeld heraus: Köhl klettert aus seiner Fliegerjvppe, hinter ihm wird die schlanke Uniform ftgur von Fihmaurice sichtbar — soweit die gestrenge Schupo einen Freiblick gestattet. Das Töchterchen eines Ministerialrats bietet den Helden den ersten Blumenstrauß dar. Inzwischen! k landet die zweite schwere Maschine mit den Damen der Flieger. Die Begrüßung durch Hergt Funb Bveß hoch oben auf der Tribüne entzieht stch , unseren Augen und Ohren, da man die Front ' zum weiten, menschenleeren Tempelhofer Feld genommen hat und Ehrengästen und Presse die breiten Rücken zeigt. Ueberschrist: Hypervrgani- sation. Erst als die drei Flieger an das Mikrophon treten, werden laute Ruse laut, daß sie sich zeigen sollen, daß Alfred Braun das Mi- kropyon wende, llnb da das geschieht, bricht erst ein lauterer und ganz lauter Jubel los. Der Himmels toch ter, wie Posa in Schillers „Don Carlos" die Begeisterung nennt, wird ihr volles Recht gegeben lind nun sprechen die drei Helden, die bescheiden diesen Ausdruck ablehnen und schlicht ron einem .Sprung über den Ozean" reden. 2lber dann werden ernste, freudige, banfbar bewegte Worte laut. Dank wird dem Bater- land gesagt, aber auch Amerika, wo jeder Bürger von gleicher Baterlandsliebe beseelt sei. Hüne- fefb bekennt sich noch deutlicher zum nationalen Gedanken, der für ihn über jedem Parteigeist stehe, so wenig er selbst je aus seiner Parteieinstellung Hehl machen werde. Hurrarufe grüßen jeden Sprecher. „Deutschland. Deutschland über alles" ist ein großer Sang. Entblößten Hauptes hört man die englische und amerikanische Rationalhymne an. Blumen und Kränze reicht man den Gefeierten, die nun in langsamer Autofahrt um daS Tempelhofer Feld herum die Ovationen der Masse entgegennehmen müssen, ehe sich der feierliche Zug nach der Großstadt hinein zur Reichskanzlei in Bewegung setzen kann. Köhl lacht über das ganze braunreibramite Gesicht Fitzmaurice grüßt in Würde Herr von Hünefeld schwenkt ferne Mütze nach allen Seiten. Prasselnd ergießt sich in den gelichteten Himmel ein japanisches Tag- Feuerwerk mit Bomben. Raketen-Fallschirmen. Flaggenletten. Äauchschlangen. Zeppelinen — seltsam bunt und sich in sich verwirrend. Gesang von 3000 Tempelhofer Schulkindern steigt auf. Ein Meer von kleinen Fähnchen wogt, um sich unter lauten Hurrarufen die Flughafenstrahe. die Belle-Alliance-Straßc über Hallesches Tor, Ternpelhvser iifer. Königin - Augusta - Straße, Hofjäger - Allee. Charlottenburger Chaussee, Brandenburger Tor bis Unter die Linden und in die Wilhelmstraße über eine Stunde lang weiterzubewegen. Langsam nur entleert stch der Flugplatz. Ein Auto ist noch viel weniger als mittags nufzu- treiben Langsam verebbt die große Stunde der Begeisterung, die Berlin drei kühnen Männern darbrachte, die zum erstenmal den Ozean vom Osten zum Westen bezwangen. Was war das Schönste in dieser erregten Stunde? Wie die „Europa" langsamen Fluges daherkam. wie sie für eine Sekunde vor der mild verhüllten Sonne wie eine Taube stand, w i e das Sinnbild eine- neuen Geistes, den wir heilig nennen wollen. Well er. neben der Tat der Helden, die Drücke zwischen Böllern festigte, well er dieser hohen Begeisterung Grund ist. die. wie Smiles in seinem .Charakter" lagt, „banrnt so schätzbar ist. weil sie der menschlichen Seele die Kraft einflöht, ihre schönsten An- I ftrengungen zu machen und fortzusetzen. Köhl, von Hünefeld, Fihmaurice — sie haben, der ganzen Welt zur tiefsten Freude und Genugtuung, ihre Anstrenguirg mit dem großen End- erfolg geleistet. Sie haben die Genugtuung, daß aus ihrer Tat andere ebenso schöne folgen werben. Sie haben ein Anrecht daraus, das als Dank ihres Bolles zu erwarten, daß ihrer weiteren Arbeit jede Möglichkeit zur Durchführung gegeben wird und ihrem Leben nicht ein Eolumbus-Schicksal befchieden ist. Berlin hat die Helden würdig geehrt, und wenn vielleicht nicht ganz so amerikanisch laut wie Reuyork, so doch mit warmer Herzlichkeit, die unserer Zeit geziemt. Heber unseren Festen hat das Gebot der Arbeit zu stehen — das wissen auch unsere Ozeanslieger, die ausdrücklich baten, den Empfang in bescheidensten Grenzen zu halten. Aus dem Tempelhofer Flugplatz. Berlin, 20. Juni. (WTB.) Berlin hat sich zum Empfang der „Bremen"-Flieger festlich geschmückt. Alle öffentlichen Gebäude haben geflaggt und auch zahlreiche Privachäuser zeigen Fahnen in den Farben des Reiches. Preußens, der Länder und der Stadt Berlin. Mehrere Stunden vor der Ankunft der Flieger setzte bereits eine wahre Völkerwanderung nach dem Tempelhofer Flughafen ein. Der Flughäfen prangt in einem bunten Gewand. ZaA- reiche Fahnen und Wimpel, Blumen und Lorbeerbäume fügen sich zu einem überwältigenden farbenfreudigen Bild zusammen. Von der in dichtes Grün gehüllten Rednertribüne, die auf dem Startplatz auf gebaut ist, führt ein breiter roter Läufer zu den Gebäuden der Flughafen- aefellschaft und der Deutschen Lufthansa. Außerhalb der für die Ehrengäste und die Presse vorgesehenen Platze bevölkern Tausende und aber Tausende das weite Tempelhoser Feld. 13.45 Uhr. Die Zuschauerplätze sind über und über besetzt; gewaltige Massen flauen sich außerhalb der Umzäunung des Flugplatzes. 40 Flugzeuge find der „Europa" entgegengeflogen. Ein verspätetes Eintreffen der Flieger wird gemeldet. Eine Reichswehrkapelle spielt. Die Ehrenkompagnie ist aufmarschiert. Unter anderem treffen ein Oberbürgermeister Böß, Vizekanzler Hergt. Das Flugzeuggeschwader passiert Staaken 14.10 Uhr. Um 2.15 Uhr zeigten Böllerschüsse die Ankunft an, schon löste sich die „Europa" aus dem (Be- schwuderslug der über 30 Flugzeuge, die sie begleitet halten, und ging in schlankem Fluge nieder, von stürmischen Hochrufen der Berliner begrüßt. Die Flieger toinlten dem Publikum zu und begaben sich bann auf die Tribüne, auf der sie von einer Reche von Ehrengästen erwartet wurden, darunter dem Stellvertreter des Reichskanzlers. Iustizminister Dr. Hergt, Reichs- ftnanzminister Dr. Kohler, Reichstagspräsident Lobe, dem früheren Reichskanzler Dr. Luther. Oberbürgermeister Böß, Polizeipräsident Zör- gi ebe I. Der Jubel der ungeheuren Menschenmenge wollte, als die Flieger auf der Tribüne allen sichtbar waren, kein Ende nehmen, so daß es eine Zeit dauerte, bis Exzellenz Hergt die Flieger im Ramen der Reichsregienmg begrüßen konnte. Rachdem die Kapelle das Deutschlandlied gespielt hatte, das ron den Zehntausenden begeistert mitgesungen wurde, hieß Oberbürgermeister Böß die Flieger im Hamen der Reichshauptstadt willkommen. Reichstagspräsident Lobe begrüßte jeden Flieger einzeln, ebenso der englische Botschafter Sir Ronald L i n d s a y, der namentlich Major Fitzmaurice herzlich willkommen hieß. Darauf wurden die irische und die englische Rationachhmnen gespiell, während die Flieger mit der Hand an der Mütze salutierten. Auch der amerikanische Botschafter S hur man schloß sich den Dcgrüßungsworten mit herzlichen Worten an. Die Kapelle spielte die amerikanische Aationalhymne. Schließlich mußten auch die Flieger selbst das Wort ergreifen, da das Publikum ununterbrochen ihre Ramen rief, um zu zeigen, daß es sie Horm möchte. Als erster dankte Hauptmann Köhl herzlich für den überwältigenden ömbfang. „Wieder bin ich hier," so sagte er. „wo ich feit Jahren gearbeitet habe, wo ich mich des nachts berauschen konnte an dem märchenhaften Lichtermeer dieser unserer deutschen Hauptstadt Berlin. Sie sind hier erschienen, um uns zu begrüßen in einer Zahl, die ich bei früheren festlichen Gelegenheiten noch nicht erlebt habe. Heißen, innigen Dani dafür! Das, was wir von hier aus in aller Stille unternommen haben, ist a u Ä gell u ng e n in eine große Begeisterung der Ration unb ber gangen Welt. Wir sind Gott, dem Allmächtigen, Dank schuldig, bah er unseren Flug hat gelingen lassen. Wir bringen Ihnen vor allem aus dem großen, mächtigen Renen Kontinent, ganz besonders von dem ameri- | konischen Volke, herzliche Grüße. Ebenso von unseren lieben Stammesbrüdern, die uns immer wieder gesagt haben: Crüßt mir die alte Heimat! Wir haben drüben erst einen Begriff davon bekommen, was Deutschlands Blut dort in der Reuen Welt geschaffen hat. Herr Botschafter. nehmen Sie unseren heißesten Dank für das, was das amerikanische Volk uns gegeben hat, für den großen guten Willen, den es unS für unser Volk gezeigt hat. Möge die Drücke durch bi? Luft über den Ozean, deren Pfeller in Irland steht (lebhafter Beifall), dessen ersten Piloten ich Ihnen in Major Fitzmaurice vorstelle. möge diese Drücke die beiden Länder auch weiter verbinden! Das walte Gott!" Den Fliegern wurden dann Blumen unb Kränze überreicht, die sie fast zudeckten. Dann mußte auf lebhaftes Zurufen hin auch Major Fihmaurice einige freundliche Worte an die Menge richten. Zum Schluß hielt Herr v. Hünefeld mit toeitilinfienber Stimme noch eine kurze Ansprache, in der er sich dem Danke seiner Kameraden anschloß und dem Wunsche Ausdruck gab. daß dieser Flug auch dazu beitragen möge, die Gegensätze im deutschen Dolle zu mildern, so wie er es in Amerika m so wunderbarer Weile erlebt habe. In Bremen seien Ab- orbnungen des Stahlhelms und des Reichsbanners Schulter an Schulter erschienen, um ihre Glückwünsche zu überbringen. Das sei ein Ereignis, das bisher noch nicht dagewesen sei. v. Hünefeld schloß mit der Hoffnung, daß dieses erfreuliche Anzeichen des Zusammenhanges sich weiter auswirken werde. Rach dem Ansprachen brach die Wenge immer erneut in jubelnde Hochrufe aus. Auch Frau KöHl und Frau Fitzmaurice mußten sich zeigen. 6tc winkten der Menge fröhlich bewegt zu. Die Ftiefer wurden bann zu dem Auto geführt, das neben ber Ehrenkompagnie der Reichswehr hielt rmb traten die Rundfahrt an den Zuschauern vorbei an. Während der langsamen Fahrt wurden ihnen immer neue stürmische Ovationen dargebracht. Rachdem die Flieger in der Westhalle der Lufthansa einen Imbiß eingenommen hatten, erfolgte ihre Abfahrt in bereitstehenben AutoS. Wiederum wurden ihnen von der Menge lebhafte Huldigungen dargebracht. Die Rundfahrt durch die Stadt gestaltete sich zu einem Triumph. Viele Häuser hatten geflaggt und Blumenschmuck angelegt. Die Bürgersteige waren von Menschen massen dicht beseht. Ununterbrochen begleiteten die Flieger Hochrufe von jung und alt. So ging die Fahrt zur Reichskanzlei, wo die drei Flieger vorn Reichskanzler Dr. Marx unb Frau Marx zum Tee empfangen tourben. Dort hatten sich zahlreiche Mitglieber desReichskabinetts mit ihren Gemahlinnen, darunter ber Vizekanzler Hergt. die Minister v. Keudell, Groener. Köhler, Schätze! u. a.. mehrere Mitglieder des preußischen Kabinetts, bet amerikanische Botschafter Exz. Shurman sowie die hohen Beamten sämtlicher Ministerien einqefunbcn. Den Abschluß des Empfangstages der drei Ozeanflieger bildete ein prächtiges Feuerwerk auf dem Tempelhofer Feld und ein Fackelzug, an den Jid) u. a. die Studentenschaft, sowie Abordnungen von Sport» und Luftfahrtverbänden beteiligten, und ber vor den Festsälen des Kroll-Etablissements Halt machte, wo der offizielle Empfang der Flieger durch das Rcichsverkehrsministerlum statrsand. Rachdem eine Kapelle mehrere Musikstücke gespielt hatte, bewegte sich der Zug nach seinem Ausgangspunkt in Moabit zurück, wo die Fackeln zusammengeworfen wurden. Das Schicksal der Bremen*. Quebec. 21. Juni. (WTB. Zunkspruch.) 'Der Direktor der kanadischen Transkontinentalen Luftverkehrsgesellschaft, der das erste Hilfsflug- zeug für die „Bremen" nach Greenly Island gesteuert hatte, um Hauptmann Köhl und seinen Gefährten Beistand zu leisten, erklärt, daß der gejtranbete Einbecker ./Bremen" auf der Insel bleiben wird, bis die deutschen Dersicherungss achverständigen einige troffen sein werden. Dann werde bas Flugzeug verpackt und nach Deutschland verschifft werden. Die „Bremen" sei zwar ernstlich beschädigt, könne aber für weitere Flüge wieder instandgeseht werden. Aus aller Welt. Feuer unter der Erde. 3m Tunnel in der Berliner Untergrundbahn in Charlmtenburg geriet ein Deltenber in Brand. Das Feuer griff auf eine in der Rahe gelegene Werkstatt und eine Wirtschaft über und verursachte eine starke Verqualmung ber beiden Bahntunnels, so daß der Verkehr auf dieser Strecke mehrere -stunden lang unterbrochen wurde. Die Feuerwehr konnte das Feuer nur mit Hilfe von Rauchmasken und Sauerstoffgeräten bekämpfen. 3n dem Äugenblick, als der Brand ausbrach, verließ gerade ein Zug, der vom Zoologischen (Barten kam, und nach dem Wilbelmsplatz fahren wollte, die Halle des Bahnhofs Bismarck- I st raße. Als bereits vier Sagen im Tunnel waren. I während der letzte nur noch zur Hälfte am Bahnsteig stand, sah der Führer, daß auf der gegenüber- liegenden Seile des Tunnels ein Beamter b i e Feuermelde scheibe einschlutz. Jetzt bremste er sofort und sprang aus dem Fuhrcrstand heraus, sperrte die Stromzuführung und forderte die Passagiere, die bereits unruhig geworden waren, auf, schleunigst den Zug verlassen. Auf diese Nachricht des Führers hin brach unter den Fahrgästen eine Panik aus, zu- mal der Rauch im Tunnel von oefunbe zu Sekunde sich derart verstärkte, daß man kaum noch einige Meter weit sehen konnte. Führer unb Schaffner brannten Fackeln an und brachten die Passagiere auf die Gleise hinaus. Mehrere Frauen bekamen Schreikrämpfe. Ein kleines Mädchen sowie mehrere andere Personen fielen in Ohn - macht, konnten jedoch von besonnenen Fahrgästen in Sicherheit gebracht werden. In wilder Hast stürmten die Pasiagiere ins Freie. Die Dahlemer Explosion vor Gericht. Dor dem Schöffengericht Berlin-Mitte fanb ber Prozeß q qen Generalkonsul Weingartner, den Besitzer ber im Januar in bic Luft geflogenen Di11a in Dahlem statt. Die plvs ion, bic zwei Mensche n-lLpen for- ber te unb große Verwüstungen anrichtete, war, wie erinnerlich, daraus zurückzuführen, baß im Keller ber Villa bic Fabrikation von Knallkapseln unb ähnlichen chemischen Präparaten heimlich unb ohne Willen unb Genehmigung der Baupolizei betrieben wurde, bic. wie der Angellagte selbst zugeben muh. bic Genehmigung für einen solchen Betrieb an dieser Stelle nicht erteilt hätte. Das Gericht verurtellte den Angellagten wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Zerstörung zu einem Jahr neun Monaten unb wegen Vergchsrs gegen das Sprengstoffgesetz zu fünf Monaten Gefängnis. Diese Strafen würben zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren Gefängnis zusammenge- xogen. Dem Angellagten wurden auch die Kosten des Verfahrens auferlegt Autounfall Jakob Goldschmidts. Der Geschäftsinhaber ber Darmstädter unb Rationalbank, Jakob Goldschmidt, der sich in Begleitung des Direktors des Berliner Kupferstichkabinetts, Geheimrat Friedländer, auf ber Fahrt von Lanke nach Berlin befand, erlitt kurz hinter Dernau einen schweren Automobilunfall. Der Wagen geriet in einer Kurve in fämeflÄ Fahrt inS Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Der den Wagen steuernde E h a u f f e u r war sofort t o t. während Goldschmidt unb Geheimrat Friedländer unterlegt blieben. Der getötete Chauffeur stand feit vielen Jahren in den Diensten der Darmstädter und Rationalbcmk. Er war ein außerordentlich tüchtiger unb besonnener Fahrer. Ein weiteres Opfer des Siegcisdorser Eisenbahnunglück». In Kempten hat sich der Generaldirektor Paul Mathies der Papierfabrik Hegge bei Kempten erschossen. Der Selbstmord ist darauf zurückzu- führen, daß Generaldirektor Mathies als Insasse der bei Siegelsdorf verunglückten Zuges einen völligen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Die Lüste Jahns in der Walhalla. Gelegentlich der Hundertjahrfeier der Bayrischen Landesturnanstalt kündigte Kultusminister Dr. (Boi- benberger an, daß die Büste des Turnvaters Jahn anläßlich seines 150. Geburtstages in der Walhalla aufgestellt werden wird. Oie Wetterlage. IThffroa/i, den 20Jun/ 7 *eöends.______M2& 3h*- 5 c 6 18 5* • TV °oeec* Oweften««. 0 wrer. eedten » woixi» ® » «r»«» Orte exietucA« nttfcyu*w> □■ae/ecknete« Lufldrnc* BZettervurausjatze. Die Luftdruckvertellung gestaller sich fo. daß hoher Druck über Südwesteurvpa in nördlicher Richtung über der Rordsee lagert. Er führt zu vorübergehender Aufheiterung, wird aber durch den noch herrschenden kühlen Rordwestwind ferne weitere Erwärmung aufkommen lassen. Da gletch- -eitig eine neue Störung vom Atlantischen Ozean betonrüdl. so dürften wahrscheinlich noch im Laufe des morgigen Tages wieder wärmer« Luftmassen ihren Einfluß geltend machen und unter langsamem Temperaturanstieg zu erneutem Dollenaufzug führen. Voraussage für Freitag: 'Borübcr- aebenb wolkig mit Aufheiterung, später wieder DewvllungSzunahme, wärmer. Voraussage für SamStag: Wolliges Detter mit weiter ansteigenden Temperaturen und zeitweisen Riederschlägen. Lufttemperaturen am 20. Juni: mittags 14,6 Grad Tekfius, abends 11,2 Grad- Ecksius: am 21 Juni: morgens 12 Grad Celsius. Maximum 17,7 Grad Telsius, Minimum 9,6 Grad Celsius. — Erdtempera- tuten in 10 Zentimeter Tiefe am 20. Juni, abends 17 Grad Celsius: am 21. Juni: morgens 13,7 Grad Celsius. — Niederschläge 15,6 Millimeter. — Son» nenscheindauer 2X Stunden. wSs Nxt*? rtgs Ä‘^: Mtn in ßh > S°hrM°' « Wilders «Um i’^löAh, ^fchMon W teftt rLA NL?r ?£ö ÄÄS INlbl». mfiSdta und X> i d t. der sich tz, -oiän-er, «f ■in befand, erlitt eren AutomM- einer Kurve m suhr gegen ®a(JCT ft euer!» . während ®t‘> Jläntet un?er- *it ftanfi -r Aus der Provinzlathauptstadi. Ziehen, bei» 21. 3ani 1928. Aus der Höhe des Jahres. Wiederum find wir auf ber Höhe Des Jahre» angdonunen, wiederum bat bie Gönne im Laufe be» Jahre» hren Äulmination»|)untt errcichi, den Berührung»Punkt zwischen dem blühenden Leben und dem nahenden Tod, die schmale Oreu^e ahne Breite, auf ber e» fich nicht wandeln loht. Bor mehreren Jahrzehnten noch wurde der Tag ber Sonunertonnentoende in vielen Gauen untere» deutschen Tai erlaube» nach alten BvlkSbräuchen gefeiert ^reubenfeucr wurden auf den Bergen abgebrannt — Johanni» euer —; mit Ringel- retgen und au »gelassen en Liedern wurde ber Tag fröhlich begrübt unb freudig verabschiede!. Well aber alle Dinge im menschlichen Leben nur den Wert einer unbestimmten Gröhe haben, nur den Wert betlhen, den wir ihnen beilegen, so sehen wir lautende von Menschen in kühler Teilnahmslosigkeit irgendeiner Erscheinung gegenüber ver- harren, durch bie wieder viele andere laufende Ich auf» tiefste ergriffen und begeistert fühlen. So hat auch da» Fest ber Sommersonnenwende, bie Feier de» Johannistage», ihre ehemalige Be- bcutung in unterer nüchternen Zeil nach unb nach fast vollständig verloren, unb nur im Freimaurer- bunb^ wirb da« 2ohanni»s«si noch immer fefUid) begangen. Erst in neuester Zeit hat man sich auch in einigen anberen Kreisen de» alten Brauch» unserer Bors ähren wieder erinnert unb da» „Äugenb'est", den Feiertag unserer 3ugenb. auf diesen Tag verlegt Wenn unsere Bor fahren da» Fest der Sommersonnenwende al» religiösen Feiertag besonder» weihevoll begingen, so hielten sie nur an einem Brauche fest, den sie in pietätvollem Andenken au» ihrer asiatischen Heimat in Germanien» Gübenwälder milgenommen hatten. So weit bie ileoedieferung zurückrcicht, weih sie -u berichten, wie aus allen Bergeshöhen de» Landes ZohanniS- feuer ausleuchtelen, den Beginn eine» neuen Jahre» verkündend. Ihre Flammen sollten Grüße fein von Stamm zu Stamm, von Land zu Land, und. vermischt mit dem Dufte edler Opfer- häutet, sollten sie die Welt reinigen von ber schwülen, giftigen Luft be» Dösen, sollten sie ber neuen Zeit be» Guten unb Schönen voranleuchten, sollten sie Opfer sein dem ewigen Geiste be» Lichte», Huldigungen an den freien Geist ber freien Menschheit Aber nicht nur das 3ahr. sondern auch den Tag haben die ältesten Kulturvölker mit dem höchsten ötanbe ber Sonne, dem Mittage, begonnen. Die Babylonier und Aegyp- ter fingen den Tag mit dem Morgen, mit dem ausgehenden Lichte, an. Die Araber — und heule noch die 3uben — lassen den Tag mit dem Abend beginnen, ausgehend hon der Anschauung, haft zuerst die Finsternis gewesen unb aus ihr ba» Luht geschaffen worben sei. So ist es biblisch. Der Brm»ch be# heutigen Guropa, die 24 Stunden be» bürgerlichen Tage» von Mitternacht zu Mitternacht zu zählen, stammt von den Römern her. Aus ber geschichtlich feststehenden Tatsache, bah die ältesten Kulturvölker ber Srbe ursprünglich ben Tag mit bem Mittaae, dem höchsten Stande der Sonne, beaannen und ba» Mysterium ihre» Gotte»- unb Lichtdienste» allein im hellsten Lichte gefeiert haben, beweist beute noch ber Brauch. Kerzen unb Lichter in den Kirchei, unb Synagogen während be» Gottesdienstes anzu- zunben, al» ein Symbol bet m ihrem Höhepunkte am vollsten unb stärksten leuchtenden So^.nc ein Symbol bet HerzenSrcmheu und GeiftcSfreiheit. en", Keueaweg 25 dahier, zwanasweise gegen Barzahlung: 1 Diwan, 3 Darenschränkc, 2 Schreibfischc, 2 Äähmaftbtnen, 5 Fahrräder, 3 Schreibmaschinen, 1 Büfett, eine Partie Puopen, (Spiel- unb Leberwareo, 1 Bücherschrank, eine Oberlockmotormasthine, 10* , Ouhenb lZanbtuchSgebilbe, 4 Kilo Doste, 3 £abtn- theken, 1 Schreiblabenkaffe, einen Sprech- apparat, 12 Schastplatten, 13 paar Spott- schuhe, 5 paar Skistiefel, 40 Äabeanchge, 1 Stttckmaschine, 17 KattonS Schokolade, 3 pferbe, 2 Kastrnwaaen, 1 Schwein. Srttchfsvoilzieher in Siesten Dammstr. 241.,Telephon 23V ' Suche besseres LSohnbauS oder Villa mft Garten In guter Lage Imögltchft Slld- oiertel) mit freier Dobnung, au taufen. Schriftliche Angebote unter 04675 an den öiefocner Anzeiger. Freitag, den 22. Juni 1928, nachm. ab 2 Uhr, versteigere ich im ,,Löwen", Neuenweg 28: ein Büfett, ein Dertiko, zwei Zrumeau- spiezel, einen Zimmertisch, sechs Stuhle sSiche). eine Ladenkaffe, eine Branbkiste, einen Sekretär, etn Klavier, einen Kuchen- schrank (falt neu>, einen ^üchenlisch, einen Schreibtisch, einen Kaffenschrant, einen Garderobestänber, zwei Sofa», mehrere gebrauchte Küchenschränke, zwei Handwagen, eine Schleifmaschine, eine Sackkarre, einen Minima?-Feuerlöscher lfast neu), eine Transmission, 35 mm, 5 m lang, mit 3 Wandlagern (Äugellager), 4 Hvlzriemenscheiben, 1 Sendung Werkzeuge, Herren- unb Damenräder, einen Opel-Wagen, 14 P. S., 4-Sitzer u. n. v. a. «noo Versteigerung bestimmt. Ludwig Hartmetz Auktionator unb Tarator Reuenweg 28 Telephon 1414. WscheZische Freitag früh 9 Uhr emiteffenb: Frische Schell fische, ( kg Feingold): sie sind eingeteilt in Stücke zu GM. 5000. 2000, 10-0. 5o0 und 100. Die Stücke der 8*/oigen Goldkommunalobligationen, Reihe 2. werden sofort geliefert: bei den 8®eigen Goldpfandbriefen, Reihe 10, erfolgt die Lieferung der Stücke nach Erscheinen. Zeichnungen können bei allen Banken und Bankiers sowie bei uns selbst erfolgen. Gall xis an läge 8. ?LJunIld28 Frankfurter Hypothekenbanlc Einladung zur Zeichnung. Wir legen hiermit zur öffentlichen Zeichnung auf: Goldmark 5 Millionen unserer 8%iöen Goldplandhriele, Reihe 10 nicht rückzahlbar vor 1. Oktober 1933 Zinsscheine April Oktober — erster Zinsschein füllig am 1. April 1926 — zum Vorzugskurse von 97,50%. (Börsenkurs unserer ieizteingeführten 87. Goldpfandbriefe, Reihe 8,98%! Vom Tage der Einzahlung des Gegenwertes werden bis zum 30. September 1928 auf den Nominalbetrag tf*/e Zinsen frei von Kapitale! trägst euer vergütet Die Einführung der Goldpfandbriefe, Reihe 10. an der Frankfurter Börse sowie ihre Lombardfähigkeit bei der Relchsbaok werden von ans beantragt Zwangsversteigerung 7^ Toancrstag, den 28. 3«ni lto8, vormittag» 8 >4 Uhr, wirb durch vaS Amtsgericht Gießen, Zimmer 106, da» im Grundbuch von Greßen den Martin Dörr Eheleuten in Gießen zugeschriebene Anwesen, Nord-Anlage 18. Flur II, Nr. 3 = 688 qm Ho freite, geschätzt auf 39 185 Reichsmark, -um Zwecke der Auseinandersetzung versteigert. Die amtsgerichtliche Berfüguna kann an der Ortstafel, Bergstraße 20, erngesehen werden. 4683D Gießen, den 27. April 1928. I A- des Hess. Amtsgerichts Gießen. Leo, OrtsgerichtSvorsteher. DrucksachenallerArt Seien in Jeder gewünschten AnMtttteng u>*re>a rw> xeuwen 4m BrifcTecbc Ush^Orwtar* tz. Uw M/mHA 'Pin ünfln! Tragt sich spielend auf Sberhessischer Geschichtsverem Einladung zm50-Zahr-Feier FESTFOLGE Samstag, den 23. Juni 1928: Vormittage ll%üf>r: gestatt im Großen Hörsaal der Universität mit Zestvorlrag von Herrn privafbozettten Dr. A. Bach-Bonn: -Oie Ortsnamen in ihrer Bebeutung für die Siedlungsgeschichte^. Nachmittage 4 Uhr: Führung durch die Üniversitäts-Bibliothek. Abends 8/4 Uhr: Geselliges Beisammensein mit Damen im -Hindenburgs wobei die Alsfelder Iugendlapelle althessische Musik vorträgt. Sonntag, den 24. Juni 1928: Vormittags 10 Uhr. Besuch des Museums im Alten Schloß unter Führung von Herrn Professor Helmke. Nachmittags 3 Uhr: Ausflug nach dem Schiffenberg; Treffpunkt an der Universitäts-Bibliothek. Eintritt frei. Gäsiewillkommen. 5U59D STANDARD W -•.sJ MOTOR OIL REIBUNGSLOSE ARBEIT Je reibungsloser die vielen mit un» geheurer Geschwindigkeit arbeitenden Teile des Motors gegeneinander gleiten, um so geringer ist der Kraftverlust, um so größere Schonung des ganzen Materials wird erreicht Ohne Zuhilfenahme eines Trichters, ohne Verschmutzung fließt »Standard Motor Oil» aas der geeichten Glas flasche in das Kurbelgehäuse. Im Motor umkleidet »Standard Motor Oil« alle gleitenden Teile und schützt sie vor Abnutzung und Reibung. Richtig schmieren heißt schmieren mit STANDARD MOTOR OIL STANDARD Geschäfts-Eröffnung Einer geehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend zur gefälligen Kenntnisnahme, daß ich am Freitag, dem 22. Juni 1928, in Gleiten, Neustadt 19, ein Geschäft in Weiß- und Wollwaren, Damen- und Herren- Wäsche unter der Firma Wäsche-Haus Hansa eröffne. Ich habe in allen vorstehenden Artikeln ein reich sortiertes Lager und wird es mein Bestreben sein. 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Juni Samstag: Ab 20 Uhr Konzert im SchloßcafL und Bückings Garten (Kapelle des J.-N. 15), Tanz im Turniergarten Sonntag: 12 Uhr Festspiel, „Dad Spiel von St. Elisabeths. - Ab 16 Uhr im Schloßparktheater Hans Sachs-Spiele, Männer- und Schülerchöre, (gintritf Mk. 0.50. - Ab 18 Uhr Konzert im SchloßcafS und Bückings Garten, Tanz im Turniergarten, Puppenspielc für die Festspiele in Gießen: Gießener Verkehrsbüro, Seltersweg 9Z und Reisebüro ^oeb, Bahnhofstraße 52 Geld ohne Ärbeilsleistung BersicherungSbüro,vornehml.TranS- vortversicherungen, sucht fnlle Mitarbeiter. Abressenaugabe von Ber- sicherungS Znieresienten ob. Hinweis, wo Versicherung genommen werden foü. genügt, um bei Bersicherungs- Abschlutz nch eine laut. Provision!- (Einnahme au sichern, fflefl. «dresien- aufgabc unter F. B. 1. m ■■ Bi Dietzen, den 21. Juni 1928. Berffcherungsamt der Stadt Gietzen. Dr. Frey. 5971B xxxxxxxrzxxxxxxxxxxxxxxx Bas Enüllsdie Seminar der Bnirenllil lädt ein zu einem 5975D Vortragsabend von Fräulein E. Heepe London — (Engi. Rezitationen in Prosa und Vers von Shakespeare bis Kipling) la dar leaen Aula der ünlveraltlt, ae Freitag, den 21 Juni, 21 Uhr. Lehrer. Schüler- und Studentenkarten zu 0.50 RM., Gastkarten zu 1 RM. an der Abendkasse (Gastkarten auch in . I SmSe WSW bei hohem Lohn. Da- felbit suchen Kindcrfräuleins Stellung. (5962D GewerbSmänige SteUenoermntliing Lovbic Dülfer, Ncunabt 50 I. Teleodon HOB. junges, sauberes Mädchen a. ltebft. vom Vanbe. kür tagsüber gesucht. Nähere^ 04676 Goetbestr. 21 ÄrltereS Mädchen vom Vanbc. ers. und lelbständ. l all. Arb . lucht e teile zu emz. i'Ction ob. zur Anb- rung ein. kl. frauenL HauSh. Stehl mehr auf gute Beb. als auf bob.'Jebgu ^djr.Äng. u. 04072 a7b.Gn.Anz. . Verkäufe | Haus mgr. Werkstatt, ^i^' ^abr^.gr.Ho^,f.Su^o^ mobtlgesch. oasi^ blll. au verkaufen. 04677 I. Baer, CitonL 29. 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Dies« Abhängigkeit beruht nicht etwa auf den Mängeln untere« Wirft chasi-ftnsieme. sondern sie ist naturnotwendig. Da« Wirtschaftssystem der Sowjetunion unterliegt ihr ebenso tote die Erttagssahigkeil der Wirtschaft der anderen Staaten. Die wirtschaftliche Weiterentwicklung wird von dem Fortfchreften der Kapitalbildung bestimmt. Jn diesem Satz liegt die ganze Problematik der wirtschastlichen Lage de« deutschen Volkes eingeschlofsen auf der einen Seite hohe steuerliche Belastung, die zum Teil vom Willen der deutschen FinanzgeseNgcbung unabhängig ist und die Kapitalbildung hemmt, auf der anderen Seite der Zwang, die Wirtschaft mit reichlichem Kapital zu versorgen, damit der Wtrftchafts- korper wachst und bic Last der politischen und wirtschaftlichen Derichulbung auf ein größere« Sozialprodukt verteilt werden kann. Der Kampf um den Ausgleich dieser Gegensätze beherrscht in hohem Mähe unsere mnerpolitischen Qkr- häl kniffe. „Es gibt keine Steuern, die nicht die Kraft der Kapitalisierung zu schwächen streben", sagte der grohe Rationalökonom Ricarbo. 2m wesentlichen besteht dieser Satz heute noch zu Recht. Sr wird nur eingefchränlt durch die Tatsache, dah der Staat für seine Zwecke Steuern erheben muh. Dies« Zwecke tragen aber die Tendenz in sich, über da« absolut Ololwendige hinaus- zuw a ch f e n. Dadurch entstehen die Fragen: 2ft der Staat-finanzbedarl wirklich $u hoch? ilnb die andere: Werden die Staatseinnahmen rationell verwendet? Oder mit anderen Worten: An welchen Stellen und wieviel kann gespart werden? Und: Werden mit den Mitteln auch die tatsächlich wichtigsten Dc- dürsnisse der Bolksgesamtheit befriedigt? Die Be- Handlung dieser Fragen erfordert die gröhie Objektivität. Die individuelle Einstellung muh dabei völlig ausgeschaltet werden. Der Zweck des Wirtschaftens ist zwar die Erzielung möglichst hoher Gewinne, die unzweifelhaft die Kapitalbildung erleichtern und die Gesamtwiri- fchaft besruchleii, aber heule bandelt e« sich darum, Kollektivbedarf und Individualbedars optimal gegeneinander abzurmegen. Auch wenn man im Geiste staatsbürgerlichen Derneinfinns und finanzpolitischer Heranttoortung nicht jeden Beitrag für höhere Staatszwecke al« lästig an- fehen wird, so darf man doch nicht die Tragweite der deutschen Gesamtbelastung verkennen, die in stärkstem Mähe die Kapitalversorgung beeinträchtigt, von der da« Tempo der wirtschaftlichen Entfaltung abhängig ist. Die Leistung des deutschen Volkes in den letzten Zähren bietet die Gewähr, dah die Fortschritte auf dem Wege der inneren Kapitalblldung weitergehen werden. Trotzdem Xcid), Länder und Gemeinden fast ein Drittel des Volkseinkommen« für sich in Anspruch nehmen, bildete sich im Jahre 1927 Kapital aimähernd im Umfange der Vorkriegszeit. Die Berechnungen schwankten zwischen 7 und 9 Milliarden Mark. Der Sparfinn ist dem deutschen Volk erhalten geblieben. Die Sparkasseneinlagen sind im 2ahre 1926 um 1462 Millionen. 1927 um 1575 Millionen gestiegen, d b um ebensoviel wie in dem ganzen Jahrfünft von 1885 bis 1890. Diese Lparkapitalanfamm- lung von Handwerkern. Festbesoldeten. Arbeitern und Hausangestellten ist um so höher zu veranschlagen. al« nebenher die Kapitalbllduna in Gestalt der Beitragsleistungen zu Zwangsveriiche- rungen usw. im Vergleich zu früher gestiegen ist. Sine andere Seite der Kapitalbildung beleuchtet die Stempelfteuerstatistik. Danach wurden 1926 im Znlandc Aktien und Obligationen im Werte von 4176 Millionen. 1927 im Werte von 4320 Mill. Mark abgesetzt gegen 3696 Millionen im Durchschnitt der Uo&re 1907 bi« 1913. Aus diesem Kapitalbildungsprozeh hat man den Schluß gezogen. dah wir bald in der Lage fein werden, unsere Wirtschaft mit Znlandmitteln zu finanzieren. ungerechnet den Rationalifierungsbebari. zu dessen Befriedigung wir in der nächsten Zukunft auf das Ausland angewiesen bleiben. Ob dieser Optimismus bei dem rascheren Kapital- verschleist berechtigt ist oder nicht, mag dahingestellt Meilen. Die Kapitalbildung «ft unleugbar gewachsen, sie dürste aber noch lange nicht an Den Bedarf heranreichen. Wieviel Kapital fehlt, dos wird fich erit dann fest stellen lassen, wenn der Preis der Kapitalanleihe sinkt. Die hohen Zinssätze verhüllen noch den wahren Umfang des Kapitalbedar'S: es gibt noch zahlreiche Unternehmungen, für de sich Kapitalausnahmen zu 4 und 5 v. H noch lohnen würden die aber bei S v. H. unlohnend find und unterbleiben Der deutsche Kapitalbedarf — Wohnung», bau, Landwirtschaft -- ist so immens, dost der an sich erfreulich« Stand der Kopitalansammlung bei weitem noch nicht doch genug ist. Es muh versucht werden, di« heimische Ersparnisbildung weiter zu steigern. Zunächst wird die Finanzpolitik durch entsprechende Nationalisierung der Verwaltung den überflüssigen ^inanzaufwand herab- setzen müssen. Durch eine vernünftige Gestaltung de» Verhältnisses zwischen Reich, Indern und Gemeinden dürste sich eint stattliche Summe ersparen lassen, lleber ihre effektive Höhe gehen di« Ansichten weit auseinander. Der Hauptwert der Verwaltung-- refonn liegt aber mehr auf dem Gebiet der Ar- beltserleichterungfürdie Wirtschaft im 23er- kehr mit den Behörden. Die Ersparnisse, die dabei zu machen sind, lassen sich nicht abschätzen. Sie betragen aber sicherlich das Vielfache der sichtbaren Verminderung der Verwaltungsausgaben. Reben diesen verwaltungstechnifchen Aufgaben erscheinen Menberungen im Steuersystem und in der Lastenoerteilung geeignet, die Kapital- bilbung zu erleichtern. Zur Anregung bes Spar- triebe» wäre ein« weitere Ausgestaltung der Bestimmungen zu empfehlen, wonach Dersichcrungsleistun- gen und gebundene Spareinlagen in bestimmter Höhe einkommensteuerfrei bleiben. Durch die Novelle zum EStG, vom Dezember v. I. ist diese Freigrenze von 480 auf 600 Mark erhöht worden. Diese Sparprämie könnte mit guter Wirkung noch weiter erhöht werben Es gibt Kreise, die befürworten, bic bi retten Steuern burch Minderung ober Aushebung ber Ein- tommcnftcuerprogrcffion unb Ermäßigung von Stör- oerschasts- und Reaisteuern zu entlasten und dafür die indirekten Steuern entsprechend anju- f p a n n e n. Das volkswirtschaftliche Argument, das diese Forderung stützt, beruht auf der Erwägung, dah von den hohen Einkommen unb bei ben Unternehmungen relativ mehr Kapital gebilbet werden kann, als von den kleinen Bezügen. Das mag zutreffen, obwohl genaue Untersuchungen über bic Höhe der Sparquote bei ben verschiedenen Einkommenstufen fehlen. Es mangelt auch an einer lieb ersieht über das Verhältnis der hohen Einkommen unb der niedrigen Einkünfte zu den Erfpamisien ber Ration. Aber biese Forberung trifft auf einen Punkt, wo sich bie wirtschaftlichen mit ben politischen Maßstäben vermengen. Bei ber Untersuchung dieses Steuerproblems wirb immer vergessen, daß ber atößte Teil der indirekten Steuern die Eigentümlichkeit besitzt, die Indexzahlen zu verändern, bie rote- herum bei ben Lohnkämpfen unb im Schlichtuntz«- verfahren eine große Rolle spielen. Allzuhohc indirekte Steuern müssen das Lohnniveau in bic Höhe treiben. Der Stapitalbilbung finb von bic,er Seite aus gewisse Grenzen gesetzt, bie aber eine vernünftige Weiterentwicklung unseres Steuersystems nicht versperren. Reben ber Aenderung in der Lastenvertellung. dem raschen Abbau ber hohen Kosten ber reinen Verwaltungsleistung ber noch nicht überall erkannten Sparsamkeit, die auch durch gewisse Zwangsmaßnahmen gefordert werden muß, unb der Pflege bes Sparfinn« kann auch fremdes Kapital der inneren Kapitalbildung dienen, toenn es ben volkswirtschaftlichen Gesamtertrag steigert. Bei ber Hereinnahme von Auslandkapital ist die Höbe bes Nutzeffektes ausschlag- gebenb. Diese Höhe im voraus zu bestimmen, ift sehr schwierig: deshalb können Auslandanlei- hen die innere Stapitatoilbunq auch schmälern. Die wirtschaftliche und politische Leistung muß jedenfalls bei ber Lösung dieser Aufgaben straff Uraufführung in Vad-Aauheim. Richard Duschinsky: „Tänzer im Kafching". Ein Zufall fügte es, daß der Referent bei dieser Premiöre neben dem Intendanten faß: prunkvoll auf rotem Polster im weihgoldenen Keinen Kurhaussaal. Wahrend des Spiels — gerade als ber Kritiker leise zum Direktor sagen wollte: Willen Sie, Herr 3ntenbant, ich glaube, man hätte eine Menge streichen sollen -- sagte ber Direktor leise zum Kritiker: Wenn Sie wüßten, Herr Doktor, wie wir bas Stück ^usammengestrichen haben ... feitentoeifel Ich werde Ihnen nachher bas Soufslierchuch zeigen. Da schwieg ber Kritiker still unb lieh sich beim Abschieb das Soufflierbuch geben. Im Programmheft sagt der bisher unbekannte Autor einiges über sich selbst. Er ist geborener Wiener, studierte anfangs an der Technischen Hochschule, sattelte dann um unb wurde Jurist. ..Vollkommen zwecklos, wie sich bald herauS- stellte, denn nachdem ich noch schnell einen Vornan, ein Drama und einen dünnen Band Gedichte veröffentlicht hatte (Tatsachen, die bie Welt mit nachsichtigem Schweigen übersah), entschloß ich mich ziemlich plötzlich, Schauspieler zu werben" Dem Theater ist er bann treu geblieben. Zuerst in Wien, seit 1925 m Berlin. Zuletzt bet Piseator. Er ist also Wiener. Unb zu seinen stärksten Erfolgen und feinen schönsten Vollen zählt der Fritz in Schnitzlers „Liebelei". Das ist es, das sollte man festhalten bei ber Bewertung dieses Stückes. Aus dem Dienertum (für das er ja nicht verantwortlich ist) entspringt die lyrische, undramatischc, melodramatische und im tiefsten Wesensgrunde sentimentale Haltung seines Stückes, welchem er in starker Uekxn^chätzung schon seiner rein theatralischen Fähigkeiten den anspruchsvollen und verpflichtenden "Hamen einer Komödie geben möchte. Was ihm gelang, finb vier szenische Stimmungsbilder. über Deren dramaturgische Mängel nur die schwebende Kunst und die Bühnenrafft- nesse Schnitzlers, dem sie offenbar nachempfunden finb, hinweghelfen würben. Eine Frau beginnt im Fasching ein Abenteuer, da« ihr mehr fein könnte als das flüchtige Beieinander in ein paar weltvergessenen Stunden, unb hat nicht ben Mut. es zu (Snbe zu erleben. Dies ist, in einem bürftigen Satz, ber Inhalt des Stuckes. Erster Akt: Generaldirektors, Werner und Ren6c von Röttlinck, gehen im Berliner Fasching auf den Ball. Werner trifft in einer fremden Loge ein kleines Bureaugirl, verliebt sich, verabredet ein Rendezvous. Ren6c kommt dazu. Pifi, das Girl, verschwindet. Sine Seine Szene zwischen ben Eheleuten. Dann geht 'Werner zu seinem Rendezvous CRenee bleibt allein zurück. Und verliebt fich alsbald in ben zurückkommenden Besitzer der Loge, einen leibhaftigen Fürsten. Und während die Musik einen betörenden Wiener Walzer spielt, bricht sie auf mit ihrem Tänzer im Fasching, nach Wien. Am andern Morgen ist sie aber wieder daheim. Als sie merkte, wie ernst das Abenteuer wurde, ist sie umgekehrt. Werner bat große Angst au 6- gestanden unb außerdem einen heftigen Kater, des Girls wegen, das auSgeschlafcn. munter, unbekümmert unb naiv hereinkommt. Frühstück zu brüt Dann fährt Piri nach Wien, dem Fürsten nach, der ja jetzt lieber .zu haben" ist. AendezvouS in einem Wiener Weinkeller: Piri unb der Fürst. Piri fängt eS verkehrt an unb betrinkt sich. Der Fürst legt fie auf« Bänkchen, bamii sie sich ausschlaien kann. Grad schläft sie, da erscheint Renee... auf ber Durchreise nach Lugano (wo sie sich mit ihrem Mann vom Fafching erholen will»... um Abschieb zu nehmen. ES wird ein sehr trauriger Abschied. Wirtshaus Musikanten machen bie richtige Stimmung: .Wien, Wien, nur du allein" unb , Prinz Eugen, der edle Ritter". Alt-Heidelberg an der Donau. Aber kaum ist Renee am Bahnhof, da kommt ber ©bauffeur mit der Botschaft zurück: es fei ja alles gar nicht wahr gewesen ibaS mit dem und einheitlich zusammengefaßt werden, um bic Ertragest e.gerung der Gesamtwirtschaft zu sichern ohne Schaken sozialer unb kultureller An her- auszubefchwöten Die (3rtrag«ftcigerung setzt aber eine ausreichende innere Kapitalversorgung der Wirtschaft voraus. Krisis her Religion? Ein ungeheuere«, im vollen Ausmaß noch immer nicht übersehbares weltgeschicht.iches Ge'ch über un« hlnweggeaangen. Die ehrliche Begeisterung. die heldenhaft ertragenen vergeblichen Opfer bic erdrückende Last einer ungerecht auf- gebürdeten Schuld, die polittfch-finanuellc Ohnmacht de« Vaterlandes l.-gen fich lähmend auf bic Gemüter unseres Volkes. Der innerlich zermürbt«. gebrochene und boffnung«Iofe Mensch steht unter dem Eindruck einer Umschichtung der Leben«- und Weltanschauung, die sich notwendig auch auf religiösem Gebiet auswirken muß. Auf der einen Seite macht sich ein müder Pessimismus, ein zersetzender Skeptizismus geltend auf ber anderen Seite ist der gelockerte seelische Boden cm fruchtbare« Feld für zerfetzende Gebilde apokalyptischer Struktur. So beobachten wir, daß die Krisis der abendländischen Kultur infolge der elementaren geschichtlichen Ereignisse wieder einmal eine Erschütterung der religiösen Mächte zur Folge gehabt hat. Diefe vielfachen Zusammenhänge der religiösen KrisiS mit der Entwicklung unserer Gesamtkultur verfolgt mit tiefem Ernst da« neueste Sonderheft. »Krisis derReligion?" derSüdd. Monatshefte« München), in dem führende Mitarbeiter aus allen Konfessionen Stellung genommen haben. Irn ganzen führt da« hochbedeuttame Heft nicht nur in eine umfassende Erschütterung der religiösen Bereiche, sondern darüber hinaus in di' tieferen Gründe der Ge- samtkrisi« unserer Kultur überhaupt ein. Eckeners Amerika Pläne. Die auS Friedrichshasen gemeldet wird, ent- sprechen die Rachrichten, daß das neue Luftschiff zu der großen Ausstellung in Long beach in Kalifornien fliegen wird, nicht den Tatsachen. Die Ausstellungsleitung hat sich zwar nach Friedrichshafen gewandt und Dr. Eckener e l n- geladen, mit dem neuen Luftschiff die Veranstaltung zu besuchen, doch konnte der Aufforderung nicht Folge geleistet werden, da die technischen Vorbereitungen für eine Landung hort zu viel Zeit in Anspruch nehmen würden, al« daß man noch rechtzeitig mit der Aufstellung von Ankermasten fertig werden könnte. Dagegen schreiten die Verhandlungen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und der amerllanischen Rc- gicrung über einen Besuch des L. Z. 127 in Lakehurst fort; es läßt sich schon jetzt sagen, daß die Besatzung deS Luftschiffes der Einladung der amerikanischen Regierung Folge leisten wird. Die zuständigen amtlichen Stellen in den Vereinigten Staaten haben sich erboten, für die Unterbringung de« Luftschiffe- in weitestem Maße Sorge zu tragen, es werden Landung«- und Ueberwachuirgsmannlchasten in der Notwendigen Zcchl zur Verfügung gestellt, so dah das Luftschiff eventuell längere Zeit in Lakehurst bleiben dürfte. Inzwischen sind auch die Arbeiten für die Abnahme deS Luftschiffe« durch die Deutsche Der- suchsanstall für Luftfahrt vorwärtsgefchritten, nachdem man sich dort über da« Abnahme- Programm schlüssig geworden ist. Ein Stab von Sachverständigen hat die Detriebsgasanlage, sowie die Maybach-Motoren geprüft, in den nächsten Tagen wird eine andere Kommission sich nach Friedrich-Hasen begeben, um die Festigkeit beö Aluminiumgerippes, die Aufhängung der Motorengondeln und der Führerkabine zu prüfen. Die Materialproben, die nach Adlershof gesandt worden waren, haben ein befriedigendes Ergebnis gezeitigt. Die Abnahmekommission wird nun in den nächsten Tagen mit der Leitung des Luftschiffbaues zusammen die Pläne für die Probefahrten beraten, die ebenfalls unter der Leitung der Versuchsanstalt vorgenommen werden, nachdem der Luftschiffbau die ersten Werkstättenfahrten hinter sich hat. Ueber den Abschiednehmen für immer und der Liebe zum Shegemahl): der Fürst überläßt die süß schlummernde Pixi der ritterlichen Obhut des Ehauffeurs und stürzt fort, zum Bahnhof. Rach Lugano. Seiner Tänzerin nach. Vierter Att: Lugano. Die zwei Paare übers Kreuz. Man wartet auf die Entscheidung. Aber es bleibt alles beim alten. Wie schon im dritten Akt. Renöe hat auch jetzt nicht den Mut, den entscheidenden Schritt ins Abenteuer zu tun. Die Ehe Rötttinck bleibt erhalten. Der Fürst steht mit Ice neu Händen. Bloß die muntere Piri. die hat unterwegs einen marokkanischen Flieger- Offizier kennen gelernt (auSgerechnet!). und sie wird sich zu trösten wissen. Der Vorhang fällt über einer Szene voll Pseudoschnitzlerseher Resignation, von blauem Licht übergossen. Was bleibt übrig? Gin paar flüchtige Stimmungen, die dem Leben abgelauscht sein mögen. Der 'unzulängliche) Deriuch, die leisen Erschütterungen einer ehelichen Gemeinschaft im S)C- nischen eiiuufangen und durch den Dialog hindurch fühlbar werden zu lassen. Die alte Lustspielidee der vertauschten Paare (aus der viel mehr zu machen gewesen wäre), llnd eme ge- wisse, freilich ganz äußerliche Rundung deS Ganzen: die szenische Situation des Schlußaktes febrt korrespondierend zur Einleitung des Frauentausches im erlten Aufzuge zurück. Das fehlt, was ungelöst und ungestaltet blieb, wurde oben schon angebeutet. Es fehlt vor allem, im dramatischen Sinne. Entwicklung und Entscheidung. im Sinne einer Äomöbte aber die menschliche Tiefe und Fülle der spielenden Personen. Der Dialog, nicht ohne gelegenll che Spannungen, ist stilistisch oft mehr als dürftig. Unb es ist ein schwerer Irrtum, alles, was dichterisch und technisch, innerlich unb äußerlich feer unb ungelöst bleibt mit ..Stimmung" und schmelzender Musik verdecken unb Überspielen zu wollen. Man nehme dem Stück alle Musit und sehe zu. was übrig bleibt Vielleicht, in geschickten Sjänben. ein bühnen sicherer Einackter in Wiener Manier. ihntang unb bie Art dieser Wahrten liegt bisher r.n bestimmtes Programm noch nicht fest. Grund- ..genb will bic Versuchsanstalt sich die Forde- rur.gen zu eigen machen, di« der Luftschiffbau fcibft für da* Schift ausgestellt hat. E« must im Interesse der Fahrsicherheit eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit erreicht werden, die Motoren haben eine störungsfreie Daucrleistung zu vollbringen unb schließlich find auch für >ic Manövcrierfähtg- fei 1 eine Anzahl Bedingungen aufgestellt worden. Man rechnet damit, daß die Deutsche Versuchsanstalt bi» zum 15. Iusi ihre Arbeiten ab- «schlossen hat, so daß bann die ersten Flüge stattsinden können. Aus der provinzialhauptsiadi. Gießen, ben 21. Juni 1928. Seilbevaadluna der ttrieasbescdädialen. Gelegentlich wirb auch jetzt noch beobachtet, da st Kriegsbeschädigte über die durch dar- Nci<6«n.rrorgung4gc1c6 geschaffene Möglichkeit kostenfrei r5)c iIbcbanblunatDc.cn des durch Dienstbeschadtgung erworbenen Leidens nicht untctrübtet find. Auf Dersorgung«heilbe- handlung kann jeder Dersorgungsberechttgte 2ln- fpruch erheben, dessen Dienstbcfchädigung durch einen gültigen Rentenbescheid anerkannt ist: *2lb- gefunbenen wird Heilbehandlung nur gewährt, um Verschlimmerung zu verhüten. Die Heilbehandlung nach dem Rcichsversorgungsgcsetz ist eine gesetzliche Ausgabe der .Krankenkassen. Lo- tocit ein Beschädigter al« Arbeitnehmer versichert ist ist zur Durchführung der Heilbehandlung nach dem ReichSversorgmtgsgesetz die Kasse verpflichtet, ber bic gleiche Ausgabe nach der Sozialversicherung Aufällt. Im übrigen ist bic Durchführung bei Allgemeinen Ortskrankenkasse, ober, wo eine solche nicht besteht, der Allgemeinen Landkrankenkasse übertragen. Die Leistungen der Heilbehandlung nach dem Reichsversorgungs- gesetz entsprechen nach Art unb Umfang den Satzungen ber betreffenden Krankenkasse, die Entscheidung über Leistungen, die bei den Kranken- faffen nicht al« satzung-mäßig gelten, ist den Hauptvers orgungsäm tern Vorbehalten. Reben Sprechstun den behänd'un g unb häu-Iicher Behandlung durch den Arzt sowie Lieferung von Arznei- und Derbandmitkein werden fldncrc Heilmittel, also Brillen, Bruchbänder unb ähnliches gewährt, außerdem kann die Krmrkenkasic Heil- anstaftspslege bewilligen. Badekuren unb diesen gleichstehende Heilverfahren, z. B. Heilstätten- kuren für Suberfutöfe, bewilligt das Reich, d. h. die Bewilligung ist den Versorgungsbehörben norbebalten. In Erweiterung ber Kassenleistung ist bic Dauer der Heilbehandlung für Kriegsbeschädigte nicht auf eine bestimmte Zett be- schrankt Zur Erlangung von Heilbehandlung ist der gültig« Rentenbe- scheid ber Kasse als Ausweis vorzulegen, in eiligen Fällen, d. h wenn ein Arzt dringend gerufen werden mußte, nachttäglich durch Angehörige Kosten für selbst gewählte Behandlung können nicht aus Rcich-initteln erstattet werden. Ist ein Anspruch auf Heildehandsirng noch nicht festgestellt, so muß bas Dersorgungsaint entscheiden. In diesem Falle müßte ein Anttag an das zuständige Versorgung samt gerichtet werden, auch die Ortsbehörde oder die Fürsorgestelle können solche Anttäge annehmen, müssen sie aber unverzüglich weiterleiten. Erziehungsbeihilfen für Kriegerwaisen. Die Kriegerkameradschaft Hassia in Darmstadt teilt uns mit: Bekanntlich ist bei der Verabschiedung ber 5. Rovelle zum RcichSversorgungsgeseh Im Dezember v. I«. ber Betrag von 20 Millionen Reichsmark vom Reichstage für ErziehungLöeihil- fen für Kriegerwaisen bewilligt worden. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten unb Krie- aerhinterbliedenen des Deutschen Reichskrieger- vundes .Kysshäuser" mitteilt, hat fich durch eine neue Verfügung der ReichsarbeftSminister Im Einvernehmen mit dem ReichSministtr der Finarrzen damit einverstanden ctflärt. daß Anträge, bic bi» zum 31. Juli 1 928 (biS- Do wäre also bie Ausbeute ber Premiere gering. toenn sie nicht bic Bekanntschaft einer neuen Schauspielerin vermittelt hätte, zu deren Gewinnung bie Intendanz zu beglückwünschen ist: ste heißt Maria Koch, spielte die Renee und entschied den Erfolg dieser Uraufführung; eine reife unb sehr bamenhafte Erscheinung mit gepflegten und sicheren darstellerischen Mitteln; sie umgab bie schwankende, blaffe und unfertige Figurine des Autor« mit soviel Charme und soviel toarmem unb weiblichem Gefühl, baß wenigstens in einigen Szenen ein Hauch Äomöbie zu spüren war. von dem man beim Lesen kaum etwas gewahr wird. Lin zroeüer neuer Nam«: Franz Arzdorf. Er hatte ben Fürsten, und auch mit ihm scheint die Theaterleitung, nach dieser ersten Probe zu urteilen, eine vorteilhafte Wahl getroffen zu haben. Er nahm die Rolle sehr frisch, mit Temperament und Gefühl, und Holle gleich zu Anfang das Beste heraus, was sie hergibt. Die österreichischen Sentiments, später, Abschied und Ausklang, brachte er wohltuend gedämpft. (Man wird ihn hoffentlich bald vor größere und ernsthaftere Aufgaben gestellt sehen.) Den Herrn von Röttlinck gab lanntrt; nicht besonders glücklich: er erscheint vor allem für die Rolle au jung; außerdem ift die Rolle weder sympathisch noch in schauspielerischem Sinne ertrag- reich. Auch Alix Krahmer (Pixi) gefiel uns diesmal nicht: sie trug von Anfang an zu dick auf, brachte das Ungezwungen.Primitive ihrer Partie zu pointiert und geräuschvoll und untersttich damit nur allerlei Unwahrscheinlichkeiten, die bei ruhigerem Spiel eher zu übersehen gewesen wären. Don den übrigen: Goll, der eine Dienercharge mit diskretem Humor sehr hübsch zur Geltung brachte. T e l e k y s Regie war sauber und sorgfällig. Weitere Stteichungen können nach der lleberprüfung des Soufflierbuches schlechterdings nicht empfohlen werden. Der Besuch war schwach, zumal wenn man btt 3eichenen Gäste und die Presie in Abzug bringt. £ber das Auditorium schien fich zwei Stunben lang nicht übel zu unterhallen, und so tarn ein freundlicher und unbestrittener Publikumserfolg mit Applaus und Blumen zustande. Dr. Th. die gar nie ** Straßensperrungen. Dom Ober- hessischen Automobil-Club G. D (21. v. D). Gießen, werden uns folgende Straßensperrungen mitgeteilt: Löhlbach—HuirdLdors im Zuge oer Straße Marburg—Gemünden—Dad Wildungen für alle Fahrzeuge bis 30. 6.. Umleitung über Heina—Hüttenrode—Arnsfeld km 0,6 bis 1,6 und km 2,4 bis 3,4 im Zuge der Straße Marburg-Kirchhain für alle . hrzeuge halbseitig bis 26. 6.; Schmitten—Oberursel im Zuge der Straße Weilburg—Frankfurt a. M. für alle Fahrzeug« bis 30. 6., Umleitung über Bad Homburg—Usingen. ** Der F a cke l zug der Gießener Stüde nt enschaft anläßlich der Sonnenwendfeier am heutigen Donnerstagabend wird nach Beendigung der Feier am Disrnarckturm nicht in der vor einigen Lagen gemeldeten Straßenfolge, sondern durch die Rordanlage. Ostanlage. Moltke- straße, Kaiserallee, Ludtoigsplatz, Denen Baue, Sonnenstraße, Seltersweg, Westanlage zum OS- waldsgarten ziehen. Der Factelzug findet nur bei günstigem Wetter statt. ** Oberhessischer Gefchichtsverein. 3m heutigen Anzeigenteil lädt der Oberhessische GeschichtSverein zu allgemeiner Teilnahme an der Feier seine- 50jährigen Bestehens ein. Die ursprüngliche Festfvlge mußte aus gewissen Gründen eine Aenderung erfahren, auf die besonder- Angewiesen wird. Samstag. 23. 3uni. findet ein Festakt im Großen Hörsaal statt, bei dem Privatdozent Dr. Bach (Bonn) über „Sie Ortsnamen in ihrer Bedeutung für die Siedlungsgeschichte" sprechen wird. Für den Dachmittag ist ein Besuch «r Universitäts-Bibliothek vorgesehen. abendS Uhr ein geselliges Beisammensein mit Damen im „Hindenburg". Bei dieser Gelegenheit wird Sie Alsfelder Iugendkapelle unter Leitung deS Herrn Ob:rreallehrers Dotter althessische Musik — nach Handschriften au- der Urriversitäts- und Landes-Bibliothek - vortragen. Der Sonntagvormittag ist von 10 Uhr ab einer Führung durch das Museum im Alten Schloß mit Erläuterungen von Prof. Helmke Vorbehalten Der Nachmittag führt die Teilnehmer nach dem Schiffenberg. Wie bei allen Deranstaltungen des Vereins, find auch bei dem Fest nicht nur dia 3er- einSmitglieder, svndern alles Freunde der Bestrebungen — auch Damen — bei freiem Eintritt willkvminen. ..Gebe Gott, er stellt sich hier bald mit heilen Gliedern ein. Ich möchte ihm gern persönlich die Hand schütteln." _3m Laufe des Nachmittags traf neue Kunde über Staletti ein. Ein Gendarm zu Rad hatte ihn beobachtet. Er fuhr in einem Landriolett, das heißt, er fuhr nicht, er drehte wütend die Kurbel. Als der Gendarm sich später nach ihm umwandte, sah er nur noch die Staubwolke, in der das Auto verschwand. Wahrscheinlich flüchtete Staletti nach London. Sein Steckbrief war bereits am Dormittag telegraphisch an sämtliche Polizeiämler gegangen. Der Rundfunksender würde ihn seinen Empfängern am Abend übermitteln. Nachdem Dick einige Stunden wie ein Toter geschlafen hatte, nahm er eine sorgfältige Untersuchung des ganzen Hauses vor. Die Zimmerflucht, die der verstorbene Lord Selford bewohnt hatte, lag im linken Seitenflügel des Schlosses. Eine eigene Treppe führte von dort in das Erdgeschoß hinab. Im rechten Flügel befanden sich die Raume für die Dienstboten. Hier wohnte auch der Verwalter. Der Haupttreppe gegenüber öffnete sich eine schwere geschnitzte Tür in das Pninkschlafzimmer des Hause». Hierher hatten die Selfords Jahrhunderte hindurch ihre Braute nach ihrer Hochzeit geführt, und in dem mächtigen Bett, das die ganze Mitte ansfüllte, hatten alle Stammhalter das Licht der Welt erblickt. Die» Zimmer hatte man Sobil gegeben, hier erwartete sie das Erscheinen de» letz- ten Lord Selford. 28. Dick zog die Samtoorhänge beiseite. Da sah er, daß die beiden Fenster, m Die dos Abendlicht fiel, durch Eisengitter geschützt waren. Er rief den Der- waltcr herbei und erfuhr, daß sie noch zu Lebzeiten des verstorbenen Lord Selford angelegt worden waren, als ein frecher Einbruchsoerstich gezeigt hatte, wie leicht das Zimmer vom Pottal aus zu erreichen mar. E» war der kostbarste Raum de» ganzen Hauses, allein die Täfelungen und Gobelin» waren ein Vermögen wett. _ Dick öffnete die Fenster und rüttelte an den «staben. Sie waren so fest in das Mauerwerk Der- rammt, daß tagelange Vorbereitungen dazu gehört hotten, sie zu entfernen. sorgfältig klopfte er die Wände ab, aber nir- genb« gaben sie einen hohlen Klang. (Fortsetzung folgt.) * tot * Sy <4 bot eine nuten ub^‘ - elf LZ lan^eifc. KxtltKC*" W '^rrnpokal- bet 1. Mai 1028) gestellt werben, mtt Wirkung vom 1. Oktober 1927 entsprochen werden kann. Auch solche Waisen, die nur die Volksschule besuchen, können die Erziehungsbeihilfe von 10 Mark monatlich erhalten, wenn sie ausschließlich aus die Rente und Zusatzrente nach dem Reichsversorgungsgeseh angewiesen sind, und wenn die mit dem Schulbesuch im Zusammenhang stehenden Kosten, x. B. für Bekleidung. auS deiil Einkommen der Waisen und ihrer unterhaltspflichtigen Angehörigen nicht ohne Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse bestritten werden können. Ferner wird die Bestimmung, daß für Kinder, die eine Mittelschule usw. besuchen, eine Erziehungsbeihilfe von mehr als 10 Mk. monatlich erst vom vollendeten 15. Lebensjahr an gewährt werden kann, mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 dahin ergänzt, daß der Vollendung des 15. Lebensjahres auch der Liebertritt von der Volksschule in eine Mittelschule usw. gleich zu erachten ist. Einmalige Kosten, die durch die Beschaffung von Werkzeugen, Berufskleidung usw. bei Antrttt der Berufsausbildung entstehen, können bei der Bemessung der laufenden Erziebungsbeihilfe im Rahmen der Grundsätze berücksichtigt werden. Anträge sind an die amtlichen Jürsorgestellen zu richten. Gießener Wochcnmarltpreise SS kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt das Pfunde Butter 160 biS 180; Matte 30 bis 35; Käse (10 .Stück) 60 biS 140: Wirsing 20 bis 25; Weißtraut 20 bis 25; gelbe Rüben 40; Spinat 25 bis 30; Römischkohl 25, Bohnen 40; Spargel 120; Erbsen 40; Mischgemüse 20; Tomaten 110: Zwiebeln 20; Rhabarber 20: Kartoffeln 5 bis 6; Aepfel 35 bis 60; Kirschen 60 bis 100; Stachelbeeren 30; Erdbeeren 90 bis '20; junge Hähne 100 biS 120; Suppenhühner 100 bis 120; daS Stück: Eier 12 bis 13; Blumen- kohl 55 biS 100; Salat 5. bis 20; Salatgurken 30 bis 60; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; das Bund: Radieschen 10 bis 15 Pfennig. Dienstjubiläum. Architekt Heinrich, Breither konnte am Somstag aus eine 25- jährige ununterbrochene Tätigkeit bei den Wilhelm Gailschen Tonwerken A.-G. zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar in dankbarer Anerkennung seiner unermüdlichen und erfolgreichen Mitarbeit seitens der Firma Kollektiv- Prokura erteilt und ihm ein Grinnerungsgeschenk überreicht, desgleichen von seinen Mitarbeitern zum Zecchen ihrer Hochschätzung eine Ehrengabe. Das Kreisamt. sowie die Industrie- und Han« delskammer Gießen sandten schriftliche Glückwünsche. Diese Auszeichnungen wurden dem 3u- bilcrr durch den Firmeninhaber. Dr. G. Dail, im Rahmen einer schlichten Feier bekanntgegeben, zu der in dessen Haus nach überliefertem Brauch der 3nbilat nebst Gattin uird die älteren Stn* gestellten der Firma geladen waren. ** Unfall auf dem Gießener Flugplatz. Bei bei; Landung des flugplanmäfjigcn Flugzeuges der Linie Frankfurt—Kassel gestern um 13.30 Uhr war das Flugzeug im Gießener Flughafen etwas zu weit über den Platz gefahren und dadurch in den Graben gekommen. Es erlitt hierdurch einen Prooellerbruch. Weiterer Schaden ist nicht entstanden. Dach Eintreffen einer Ersatzmaschine aus ..Erst der vierte —, jawohl, aber ich hoffe, drei anderen sind morgen in meinem Besitz!" ..Wieso morgen? Das verstehe ich nidjtr „Morgen früh um sieben Uhr kommt Lord Sei- Lo -yn curötn I jtn und dn t tafeln für .ifitet aber, ur di,ie l( «urf-iele bald nW rjd; andere £ ib aus die 8 Mdjtn. Denn 6 für große M btm Schutze d (jänflK dienen. a Äldn-S ■jngünftiQcn «Bi tat der hiesig l bvrsihender Ä fern Prei4f4 Anichß am nächsten 6 tahmg der z> pc cQcnmntnen. Kaufmanns 2 Strafe auSgest g. urdtrndjm der nie' eine 916 lüdeshtim fuhr .'ucderwalddenst liheinlieder Marsch nach 21 hier aus am t Koblenz angeln ein in Äobkiu den verlebte, bi der Lahn über : Mainjlc unb Dorschu dirsjjhnge ®< E aÄvüi Hülle tuibe «Mmm Eniiaslung nie 1200 M, dn rcibung 3096 der Rechner ( nehmen, daß st-edenstellend ; auch langsam. Hauptgrund in anlagen hat. »it «) Proz. hschüc Satz sei, a"c gewährt. ‘ fatz NW& -^der tzrch. 2 diese toirt schlossen, auf j <ü»e Divitente * tu» her ’• finb unser, j 7 Mntet rüst )es Sotiiet, ygefaUen, dah ene M ütrjütti »lgt einen M Ernte ß?lt Lmtd" 1’o,nPhn0 (J,Jn*t'9en W Anfang ,,‘ Vf8 Heues 6fl®nöers ist * ,° kLeL's"»i> iri.i* vchves 'Ä.r liecht -'M^^ieben s ’ «Q18 ^ndloirZ 1' daa»Hern, FW WH rsW 3c be Zahreszctt hat ihre eigenen Schönheiten, aber auch ifjre besonderen Gefahren f ü r die Gesundheit. Beide beruhen auf dem Hauptmerkmale der Jahreszeit; das deS Sommers ist sie Hitz e. ..Der Sonne alles belebender Strahl" hat auch leine Tücken, die das von ihm abhängige organische Leben unter Umständen vernichten können — auch daS menschliche. Ganz unmittelbare Gefahr droht schon von zu heftiger Hitzeeinwirkung auf den Körper Bei Anstrengungen, namentlich auf Märschen, erzeugt die strahlende Sonne den Sonnenstich, überhrtzte, feuchte Luft durch „Wäcmestauung" im Körber den Hitz ' chlag. Heute kommt dazu noch die besondere Schädigung durch Sonnenbäder. Der Sonnenstich beginnt mit Kopfschmerz und Schwindel. plötzlich stürzt der Befallene mit hochrotem Kopfe hin. röchelnd geht die Atmung. Beim Hitzschlag wird der Krarcke taumelig, sein Gesicht dunkelrot oder blaß (höchste Geftchr!). schließlich wird er ohnmächfig. In beiden Fällen bringt man den Kranken in kichle, frische Luft, möglichst in Durchzug, macht kühle Waschungen und Umschläge und ruft so schnell toic möglich einen Arzt. Mehr oder weniger ausgesprochen können beide Zustände auch durch di« Sonnenbäder erzeugt werden; außerdem aber sieht der Arzt reden Sommer Hautverbrennungen verschiedener Schwere als Folgen des Sonnenbades. Diese übertriebene Mode der alles übertretbanben ..Jetztzeit", sich nackt stundenlang von der Sonne braten zu lassen, ist eine Darrheit. Solch« Sonnenbäder sind nur für bestimmte Kranke wirklich notig; sie aber bedürfen dazu ärztlicher Anweisung und sachverständiger Aufsicht. Das beste Sonnenbad genießt der gesunde Mensch, wenn er im Sommer spazieren geht, leicht gekleidet, mit leichter Kopsbedeckung, wenn sein Kops die Hitz« nicht verträgt. Denn das Wandern ist die rechte Erholung der Sommerzeit! Aber es muß auch in rechter Weise geschehen. Richt in Massen, nicht über di« Kräfte des einzelnen, nicht zu Rekordzwecken, hingegen nrit rechtzeitigen und genügend langen Richepausen. Mancher wandert gern allein, zwei oder drei sind stets genug. Bor allem meide der Wanderer den Alkohol; er macht müde. Er bevorzuge Obst und Schokolade, als Getränk frisches W>-' t. Mineral- und Fruchtwasser oder Milch. Qi lehenden Gewässern trinke man nie. Flußwu,'er nur abgekocht ober filtriert. Gute Handutter sind heute leicht zu kaufen. Stark erhitzt und naß geschwitzt zur Ruhe gekommen, kühle man sich nicht plötzlich ab. setz« fid) keiner Zugluft aus. auch hüte man sich, sofort reichlich kalt zu trinken. 3m Sommer „lächelt der See. er ladet zum Bade" und, von der Hitze gequält, folgen wir der Einladung gern«. Auch das Bad im Freien ist zugleich «in echtes, Vernunft- und naturgemäßes Luft- und Sonnenbad; das kühlend« Rah hebt die Schädigungen der Sonnenstrahlung auf. Leider ertrinken jährlich viel« beim Baden. Darum merke man sich: Rie übertreiben! Jeder muß lernen, was er sich Zutrauen darf; der noch unsichere Schwimmer sei nicht tollkühn! Man meide grundsätzlich gefährliche Stellen, Strudel und dergleichen. Wan schwimme nicht mit vollem Magen. Eine unmittelbare Gefahr des Sommers ist auch der Blitzschlag. Daher verbietet uralte Weisheit, sich bei Gewitter im Walde oder unter Bäumen aufzuhalten. Doch braucht man nicht so große Angst vor dem Gewitter zu haben — vor allem sorge man. daß das Kind schon ganz früh das Gewitter als etwas Harmloses anzusehen lernt. Denn die Statistiker haben ausgerechnet. daß di« Aussicht, vom Blltzc erschlagen zu werden, nicht größer ist ate die. das große Los zu gewinnen. Wie man sich in Kleidung und Wohnung gegen die Hitze schützt, ist klar. Durch Kühlhaltung. Also: leichte, helle Kleidung! Aus Rot nur hüllten sich unsere Qllwordern das ganz« Jahr in Tierfelle. Warum aber tun das im Sommer unser« Damen? Wir haben doch ein hochentwickeltes Tuch- und Schneidergewerbe, das zweckmäßige Sommerkleidung für jeden Geschmack und Preis herstellt. — 3n der Wohnung verhänge man die Fenster der Sonnenseite, lüfte auf der Schattenseite. Man schlafe bei offenem Fenster. Mittelbare Gefahren der Hitz« bedrohen vor allem di« Ernährung. Das ist besonders für die Hausfrau wichtig. 3n der H'ye gedeihen giftige organisch« Keime. Krankheit-- und Faulniserreger. die sich gern auf rohen tierischen Rahrungsmitteln, Fleisch, frischer Wurst, Käse. Milch usw. ansiedeln. Fliegen übertragen häufig solche Keim« mch legen auch ihre Eler auf diese Nahrungsmittel. Diese halte man daher im Sommer nie auf Vorrat. Was man braucht, verwahre man, vor Fliegen geschützt, im Gisschrank oder im Keller. Vor der Zubereitung sehe sich die Hausfrau alle solche Ware gut an, prüfe den Geruch, fahnde nach Maden unb Eiern und wasch« kn« Ware mit frischem Wasser ab. 3m Sommer bevorzuge man P f lanzen- kost. Der Sommer ist die Zeit deS frischen Obstes. Alles Obst ist gesund; nur — es muß reif und sauber sein. Kann man es nicht schälen, so wasche man es gründlich. Sodann: Alles Obst muß gut gekaut werden! Vor allem Pflaumen, Kirschen, Trauben und ähnliches. Kommen sie bloß angebissen in einem flüssigkeitshaltigen Magen, so quellen sie. blähen den Magen auf und können stark belästigen. Unreifes Obst enthält scharfe, ätzend« Säuren, darum meide man es ungekocht? Das ist eine alte Wahrheit. Gin altes Vorurteil aber lautet: Kein Was- fer auf Ob ft! Och glaube, vor, bei oder nach Obst getrunten, schadet es gar nichts, wenn man nur die angegebenen Regeln befolgt. Ein erquickendes, sommerliches Labsal, da« Fruchteis, lasse man sich nicht von Angstmeiern verleiden. 3n nicht zu großer Wenge, in kleinen Bissen, die man im Munde ganz zergehen läßt, schadet es dem gefunden Wagen nicht. Ein wichtige- Kapitel der Hygiene d«S Sommers ist die SäualingSernahrung. Tiermilch verhirbt im Sommer rasch. Da erzeugt sie den so häufig tötlichen sommerlichenDrech- durchfall der Säu al i nge. Brustkinder erliegen ihm nie. Darum, Mütter, stillteur« Kinderk Entwöhnt sie vor allem n^cht in den heißen Sommermonaten! Sollte es aber einmal aus triftigen Gründen nicht zu venneiden fein, so fragt den Arzt um Rat, tot« das Kind bei künstlicher Ernährung am besten durch di« gefährliche Sommerzeit hindurchgebracht werden kann. Gchndtzeiiliche Gefahren des Sommers Don Reinhard. Frankfurt konnten die Vassayiere thrr Reise nach Kassel fottsctzen. Um 5 Uhr war das beschädigte Verkehrsflugzeug bereits wieder instandgesetzt. ** Abonnementskonzerte unserer ReichSwebrkapelle. Wan schreibt uns: Für daS zweite Konzert. daS am Freitag. 22. 3uni, abends 8.15 U^r aus der Liebigs höh« statifindet. hat Obermusikmeister 266er eine reichlich abwechselnde Mufikfolge zusammengestellt, die jedem Besucher einige genußreich« Stunden bieten wird. 21 us dem Programm seien besonders hervor- qehoben: Ouvertüre zu .Suryantbe" und .DaS Glöckchen deS Eremiten", sowie die Fantasien ..Tannhäuser" und .Faust". Reben einem Violinsolo .Air Darie Rr. Zu und der beliebten Wufik au« der . Fledermaus" wird der Abschluß eine historische Marschfolge bringen, die vom Heeres- Armec-Musikinspizienten Professor Hacken- berger zufammengestellt ist. Spiel^it etwa 25 Minuten. Der Besuch der beliebten Konzerte kann empfohlen werden ** Der erfrorene Obertoa Ib deS Vogelsberge- mit feinen den Spätfrösten des Mai und 3uni zum Opfer gefallenen Rot- buchenwäldem bietet in seiner Äa&lbctt eine traurige Illustration zu unserem unfreundlichem Vorsommer. Kalt und rauh fegen Wind und Wetter, vermischt mit Graurein unb Hagelkörnern. durch die beinah« Hartloten Baumkronen, unter denen hin und wieder noch Wind- buschröSchen und Maiblumen blühen. Von den Höhen deS VogelsbergeS schweift der Blick weit über bewaldete Hänge, deren Buchenwaldungen wie im braunen Winterkleide erscheinen und einen merkwürdigen Gegensatz zu den von der Iuni- sonne beschienenen buntfarbigen Wieieittälern bilden Hierbei läßt sich die Wahrnehmung machen, daß ein gerinaer Teil der Rotbuchen gegen das Erfrieren ihrer Belaubung unempfindlich ist. so daß solche Buchenbestände, von oben betrachtet, auf braunem Grunde grünfieckia aussehen. •• Ermäßigung der Gebühr für Ausstellung eines Passes Auf Grund von Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und den Länderregierungen ist eine Giiugunq dahin erzielt worden, die Gebühr für die Ausstellung von Pässen von fünf Mark auf drei Mark herabzusetzen Diese Gebühr gilt sowohl für Ginzelpäss«. wie für Fcunilienpäss«. in welche die Ehefrau und die noch nicht 15 jährigen Kinder des Paßinhabers mit eingetragen werden. Die Geltungsdauer der Pässe beträgt regelmäßig fünf Jahre Di« Reuregelung tritt bereits am 1. 3uli 1928 in Kraft. ’• Schloßfest in Marburg. Am Sonntag, 24.3uni, kann unsere Rachbarstadt Warburg mit einem seltenen Programm auftoarten, so daß sich an diesem Tage eine Fahrt nach Marburg lohnt. Um 12 Uhr mittags wird =>u- nächst in der Freilichtbühne daS Spiel von St. Elisabeth aufgefilhrt. Rachmittags 4 Uhr spielt sich auf dem Schlohplateau ein Schlvßfest ab, bei dem HanS-Sach s-Spiele. bärgest eilt von den MitAliedem des SchloßparktHeaters, Männer- und Schulerchöve, Puppenspiele usw geboten werden. Außerdem finden im Schloßcafi und Bückings Gatten Konzerte statt, auch Gelegenheit zum Tarrz hn Turnergatten ist gegeben. Karten zu den Warburg er Festspielen können in Gießen im DettehrSbureau und hn Rcise- bureau Loeb gelöst werden. Dr« Katt en zur Ausstellung ..Religiöse Kunst", di« täglich von 9 bis 5 Uhr nachmittags geöffnet ist. sind an Ort und Stelle zu Haven. Wan beachte hie heutige Anzeige. ** Austrieb zum heutigen FranE» surter Schlachtviehmarkt: 2147 Kälber. 95 Schafe, 763 Schweine, 101 Stuck Großvieh. Deutsche Beteiligung an einem internationalen Schüler -Rodewett- bewerb. Deutschland ist in diesem Zähre zum erstenmal zur Teilnahme an einem Wettbewerb ungeladen worden, der hx jedem Herbst in Wa- fhinaton ausyetragen wird. Dieser Wettbewerb würbe Auerft tm Jahre 1924 eingerichtet, um da« Interesse der Jugend für die Bedeutung der Ver- fallur.gsfragen zu fördern. 3m Laufe der nächsten 3ahre haben sich ander« Staaten, tote Kanada. England, Mexiko und Frankreich an diesem Wettbewerb beteiligt Das geschah in der Form, daß zunächst in jedem Laich ein nationaler Wettstreit stattfand, dessen Sieger zu dem internationalen Wettbewerb entsandt wurde. 3n diesem forb. Entweder wir sind bi» dahin tot — ober wir haben die Schlüssel^, sagte Dick rätselhaft. Der Inspektor sah ihn scharf von der Seite an. „Sie wissen mehr, als Sie sagen", warf er ihm vor. Dick zog e» vor, zu schweigen. Er tat, als nähme ibn die Steuerung bes Autos ganz in Anspruch. Erst mußte er einem Bauern wagen ausweichen, bann galt es, einen Packarb abzuhängen, ber ihnen leinen Staub ins Gesicht spie. Kurz darauf lenkte er feinen Wagen in die Einfahrt des Park». Neu« Pflichten erwarteten Sneed im Hause. Dicks erste Frage galt Mrs. Lansdvwn. Sie war vor einer halben Stunde mit Havelock eingetroffen und hatte sich sogleich zu ihrer Tochter begeben. fand den Anwalt Im Wohnzimmer. Er durch maß den Raum mit sorgenvoller Miene, «eine klugen Augen hatten sich bewölkt. Als er Dick sah, gab er sich einen Ruck. „Wissen Sie bas Neueste»^ rragte er ihn mit verhalten»^ otimme. Dick sah ihr. erwattimgsvoll an. .nuoeintf trat auf ihn HU unb packte ihn am Knopf feiner Jacke. „Lord selford wohnt nicht im Jiti;, C ariton noiel. Man kennt feinen Namen WMMklMkMWM. Roman vdn Edgar Wattace. Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig. 36. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Mißmutig begaben sich die beiden Herren zum Tatort und ließen fid) vom Arzt Bericht erstatten. Sneed ^atte sich nicht getäuscht. Mr». Hobt) war. wohl infolge von Schreck, an einem Herzschlag gestorben. Inspektor Wilson, der die Aufsicht führte, hatte achtzehn leere Patronenhülsen im Obstgarten gesammelt. Dieser Fund stellte ihn vor ein Rätsel. Sneed löste es für ihn, indem er launig von dem nädjtlidjcn Sperrfeuer erzählte. Doch nun erfuhr er etwas Neues von Wilson. Cody war kriminalistisch durchaus kein unbeschriebenes Blatt. Allerdings prangte er im Verbrecheralbum unter dem Namen Bertram. Seine Straftat lag indessen schon lange zurück. Er war einer der ersten in England gewesen, ber eine Korrespondenzschule eröffnete, und zwar hatte er vorgegeben, er könne jeden, ber ein Pfunb bezahlte, brieflich in der Kunst des Hnp, notisierens unterrichten. Es gibt keinen Leim, auf den nicht die Gimpel gehen. Sehr bald hatte er tausend Pfund erschwindelt, ohne bafe auch nur ein einziger seiner Schüler das Hypnotisieren erlernt hätte. Da griff ber Staatsanwalt zu. Sein Kam- pagnan, ber sich mit ihm den Erlös geteilt hatte, entzog «ich seiner Verhaftung burch schleunige Flucht. Der Kompagnon war staletti! -Sieh einer an — Staletti!“ sagte Sneed auf. horchend. „Erinnern Sie sich." fragte ihn Wilson, . daß wir ihn später beim Divisezieren erwischten? Lei- der war seine erste Straftat inzwischen schon ver- jährt." „Das sind ja merkwürdige Zusammenhänge?" .Bi» in die allerletzte Zeit oerfehrten sie miteinander". fuhr Wilson eifrig fort. ..Ich habe die Dienstboten erhört. Man hat ihn häufig gesehen. Allerdings kam er meistens des Nacht--, wenn sie ihre Zimmer schon ausgesucht hatten.“ „Wieso waren die Dienstboten gestern nacht nicht da?" „Ein Mädchen ist ertrankt, die anderen erhielten Urlaub. Zweifellos plante Cody ein Verbrechen, in Sic gingen burch den Gatten. „Lorhin war Martin hier", erzählte Wilson weiter. „Er ist auf flachen Reifen nach Horsham gefahren, um sich dort Ersatz zu' beschaffen. Er laßt Sie bitten, hier auf ihn zu warten." Sneed bankte Wilson unb schlenberte bis zum Pförtnerhause hin. Als er die. Chaussee hinunter blickte, entdeckte er eine Staubwolke, die sich rasch näherte. Dick fegte im Auto heran. „Steigen Sie ein, ich bringe Sie nach Selford", rief er ihm zu. „Haben Sie Staletti gefaßt?" fragte er Sneed. als er neben ihm Platz nahm. Der Inspektor schüttelte verdrießlich den Siopf. ,,3d) dachte es mir", sagte Dick. „Er wußte bereit» gestern nackt, daß sein Spiel verloren war, daher sein letzter Versuch an ber unterirbifdjen Tür. Hätte ich nur seinen Schlussel!" _ -Der wurde Ihnen auch nichts nützen", brummte Sneed. „Es wäre ja erst ber vierte!* Er gab den Knopf frei unb trat an das Fenster. Offenbar mußte er sich sammeln. Rach einer Pause brehte er sick um. ..2ch lasse jetzt in den Meldebüchern nachschlagen, ob er jemals früher dort abgestiegen ist. Sie wis- sen, er hat mir etliche Male von dort geschrieben. Noch hoffe ick, daß man sick bloß seiner nicht mehr erinnert, sonst ..." er hielt inne unb zupfte mit nervösen Fingern an seiner Krawatte, „... über gebe ich ben ganzen Fall ber Behörbe." Er nahm seine Wanderung durch da» Zimmer wieder auf. Schweigend bot Dick ihm eine Zigarette an. Er dankte, klemmte sie aber in der Zerstreutheit kalt zwischen die Zähne: „Brauchen Sie kein Feuer?" fragte Dick ihn mit leisem Lächeln. Havelock zuckte zusammen unb hielt die Zigarette an die Flamme, die Dick ihm entgegenhielt. Er tat ein paar tiefe Lüge. Die Wogen seiner Erregung glätteten fiep. „Ich war bei Cook", Hub er wieder an. „Ich wollte die Möglichkeit prüfen, ob Lord Selford sich wirklich in London aufhalten kann, und ich habe festaestellt. baß er bei Ausnutzung aller Flugzeug- oerbinbungen tatsächlich rechtzeitig in London ein- treffen konnte, um nachts gegen ein Uhr mit mir zu telephonieren. Aber wie hat er in ber halben Stunbe, die höchstens zwischen seiner Ankunst und unserem Telephongespräch lag. Sybil Lansvowns Schicksal in Erfahrung bringen können? Ich habe ja manches in meiner Anwaltspraris erlebt, aber eine solche Häufung von Unwahrscheinlichkeiten noch nicht!" In biesem Moment öffnete sich die Tür. Mrs. Lansbown blickte in» Zimmer, sie war tief bewegt. als sie Dick Marfin begrüßte. Roch bebte die Dual dieser Nacht in ihrer Seele. „Sybil hat mich geschickt", tagte sie, al» sie sich gefaßt hatte. „Sic möchte wissen, ob Tom aaroler gefunden worben ist?" „Noch nicht", erwiderte Dick in bedauerndem Ton. -Kann ihm etwas Ernslliches zugestoßen fein?" fragte Mrs Lansdown ängstlich. „Ick weiß es nicht. Tom Eawler war ja ein fi$er Junge. Er hat feinen Hal» gewiß schon au» ganz anderen Schlingen gezogen", jagte Dick tröstend. obwohl er ielber nur wenig Hoffnung hatte. Mrs. Lansdown atmete auf. nder« ?■ undL K.'S * iÄ te; sK4 1 und IqG. “*■«£ ^Dtnd- ?"• J#n ben 2lick to(it ’^btt 3uni. ^^Nnuinfl ®«Mud*; "M untmt* nbeftanbr, txm m« flrimntdig ^bühr |üt ^ul ®nmt wtoegienmt rt« Siniflwifl für die M. ^ck auf bm f flift fovohi ine, in vklche iäbrigrn Ätn. WR »CTbffl. Htrigt tejrf. lung WH bf 9 Am 6or» bcrftabt Ln- mm aufootie re Zahrf uj Itag.- wir' i a« Spiel m ittagi 4 . ein 6W bargrftu do» flterä, Nnnn- d. gebnm w SchiohcLir mb auch OefcoCT- n ifl geMxn. freien Armen ib im ’Xtiit» Matten zur : tägltd) m i Wb an n vfflchir bw gtn Ötait- ; 2147 ftätbtt, f ®ro§okb. g an einem .Je betet tt» fern Jahre zum m Detibcloerb Herbst in Da« 'er Deiibcverb erichtet, um bas mtung ber 3er- aife der nächsten it tplc öanaba. m diesem Wett' in der Form- ationaltr Deck- !xm intemütio' de^In bgm >alb mit hriien \ persönlich "« leut Runbt üb« hatte ibn ** :tt dar M - Kurbel. W dtt nwanbte, sah bas Au»«' ialetti na» L°» i am SomäW amter gingen, nen SwpMgeN' S‘»'k Schlo'ser- ■es öffnete M°" Xrte WÄ „r W'K r*» * ® lb°lter U'gnbil 10» n,flL en- scheinen W irr «?«. i» B-"'N «' A ,b‘I Jahre totrb der Internationale Wettbewerb am 13. Oflober in Washington stattsinden. Die Deutsche Hochschule für Polikk bat sich bereit ierflärt in ihrem 3u jmbfemtnar den nationalen >cut1d)cn Wettbewerb durchzuführen. Sie bot ein $ret«gcri4t ernberufen dellen Borfitz der preuß. Tttntftex für Wissenschaft. Kunst und Bolks- bilbung Professor D. Dr. Becker übernommen bot. leilncbmen am Wettbewerb können re»chs- deutsche Primaner und Primanerinnen PreiS- jufgalx tzst eine Rede von 9 bi« höchsten» 10 Minuten über da« Thema .0e r Dickwurzpflanzen beschäftigt. Die Artest schrestet rüstig vorwärts.* Der erste Schnitt >e» Rotklees ist in blcfem Jahre so reichlich euegefaUen, datz sehr viele Landwirte ihn nicht «He zur Dersüstcrung benötigen unb ihn deshalb pim Teil zu Meeheu machen. Das gesamte Frucht- ' t (b zeigt einen vielversprechenden Stand, so bafj 'ine gute Ernte in Aussicht steht. In den lüngftcn lagen wurden in saft allen Dörfern unserer Ge- gtnb die Landwirte zur energischen Hederich- sie kämpf ung aufgerufen. — Trotz des wenig günstigen Wetters hat überall die Heuernte i.lren Anfang genommen. Der hohe Wuchs des fUcfcngraicte täuschte eine Vollernte vor. Es fehlen 15er die würzigen Untergräser, die gerade die Qua- .fcät de» Heues ausmachen. Auf den feuchten Wie- en besonders ist in diesem Jahr die Heuernte bei «eitern nicht so reichlich wie m dem vergangenen Jahre. 3 A11endors a. b. ß u m b a , 20. Juni. Der heutige Schweinemarkt war, wahrscheinlich irfolgc ber schlechten Witterung, äußerst schwach be- id>t. Ausgetrieben waren nur etwa ©o Fcrlel imb Äuserschweine. Es kosteten fünf bis sechs Wochen liie Ferkel, je nach Qualität, 12 bis 15 Mark: /hn bis zwölf Wochen alte Läufer 25 bi» 80 Mark txo Kopf. Der Handel ging langsam. — Ms eine xeltcnbeit darf es bezeichnet werden, daß in unfe- rfr^ etwa 1250 Seelen zählenden Gemeinde feit • oanuar d.I. bis heute nur zwei Perioden verstorben sind. In glrichem jcilraum 2iben bereit» 15 Weltbürger bi er das Licht der 13eit erblickt. «. Trais-Horloff. 20. 3uni. Rurz nach Dem Rrieg hat sich hier auf dem Wofmhause de« Lanbtoid« Hermann Belher ein Storchen- pa a r eingenistet, da« seitdem alljährlich toieber- Ichrt und regelmäßig brütet. 3n diesem Frühjahr hatte e« mit einem fremden Storch einen Kamps zu bestehen. Der Gindringling wurde zvar abgetoiefen. dabei wurden aber Leiber zwei Sier von deut (Belege zerstört. Die übrigen zvei Sier sinb jetzt auSgebrütet unb man wird »alb da« interessante Schauspiel erleben, die An- fengötünfte ber jungen Flieger bewundern zu linnen Ä. ältphe. 20. Juni. Am Montag sand die Werstetgerung be« Heugrases auf dem ®emeinbetoiefengclänbc statt, zu der sich auch zahlreiche Landwirte der Rachdardörser eingefunden hatten. Infolge dieser starken Racb- Goldsucher auf dem Meeresgrund. Versunkene Millionen, die gehoben werden. — Dos Gold der Don Walter Gersky Sine amerikanstche öioebitior.. mit modernsten Laucher^u-r-äungen oerfchen. wird in der nächstem Jeil versuchen, da« Dvld ber ,2ufitanio" zu heben Rachdem r« schon ror einigen Jahren gelungen ist. b e großen Schätze de« im Januar 1917 torpedierten Dampfer« .Laurentic" zu bergen, sieht man in önglanb und Amerika dem neuen Unternehmen mit großer Spannung entgegen. Richt weit von der irischen Äüfte liegt seit dem 7. Mai 1915 auf dem IHeere«boben da« Wrack der .Cufitania". jene« stolzen Schisse« der Sunard-Lime. da« schon in ber ersten Krieg«- xeit auf ber Reste vv:' Reutzork nach Liverpoo'. dem Torpedo! chuß eine« deutschen U nieder boote« zum Opfer fiel. M.l den 1300 Passagieren, die damal« den Tod in den Fluten sanden, versank gleichzeittg auch eine äußerst wertvolle Fracht, die zum Teil au» fertiger oder Halbsertiger Munition, zum Test aber auch au« Goldbarren bestand. Immer wieder ist ber Plan ausgetaucht, die Goldbarren durch Taucher vom Meeresboden herausholen zu lassen, da es ganz unmöglich ist. ha« Schiss leibst zu bergen Im Jahre 1923 ließ sich de«halb der italienische Ingenieur Gras Garlo 3 o n a r ö i au« Piacenza ein Verfahren patentieren, da« den Tauchern die Arbeit tn Tiefen bic man bisher für unzugänglich hielt, ermöglichen sollte. Graf Janardi b^auptete. daß man mit biefem Verfahren die Goldschätze ber .Cufitania“. ble in einer Tiefe von ungefähr 60 Meter unter dem Meeresspiegel vermutet werden, heben könnte. Sein Plan gelangte jedoch nicht zur Ausführung, und es bleibt nun einer amerikanischen Gspeditton Vorbehalten, die schwierige Arbeit zu versuchen. Die Gfpedition, die in nächster Zeit an« Werk gehen soll, ist mit den modernsten Taucheraäsrüftunflen versehen. Jeder Taucheranzug wiegt 800 Kilogramm und ist mit Stahl- unb Aluminiumschuppen bedeckt. Die Dreifzanaeii au« Stahl sind so sorgfältig gearbeitet uno von so großer technischer Vollendung, daß es den Tauchern damit nicht schwer fallen wird, sogar einzelne Geldstücke vom Boden auszuheben. Die Bewegungen der Arn« und Beine müssen bei diesem komplizierten Taucheranzug freilich mit kleinen Hebeln reguliert werden. Dafür sott eS aber möglich sein, in Tiefen vvrzudringen. in denen bisher kein Taucher arbeiten konnte' sind doch die Taucherausrüstungen schon 330 Meter unter ber Meeresoberfläche mit bestem Erfolg erprobt worden. Ermutigt wurden die Mitglieder der amerikanischen Espedition durch da« Gelingen der Bergungsarbeiten bei dem englischen Dampfer „Vüurcnhc", ber im Januar 1917 ebenfalls an ber irischen Küste torpediert worden war, imb in dessen Wrack große Schätze eingeschlvssen waren, die schon vor ein paar Jahren gehoben werden konnten. An Bord ber .Laurentic", die Anfang 1917 von England nach Amerika fahren wollte, befand sich nämlich, in Kisten verpackt, die kostbare Ladung von sechs Millionen Pfund Sterlrna in Goldbarren, also eine Fracht, die mehr al« 120 Millionen Mark wert ist. Außerdem waren mehrere Fässer mit einer weiteren Million Pfund Sterling tn silbernen Zweischll- lingsstücken an Bord. Die ungeheure Menge Edelmetall war dazu bestimmt, al« teilweise Metalldeckung einer ber Kriegsanleihen der Entente zu bienen. Etwa 20 Kilometer von Lough Svrilltz entfernt wurde da« Schiff mit ber wertvollen Ladung von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Gleich nach ber Beendigung de« Kriege« ließ die brittsche Abmiralltät das in geringer Tiefe liegende Wrack untersuchen, um Die $cbung«arbeitcn tn Angriff zu nehmen. G« gelang im Jahre 1918 . 600 Goldbarren an die Oberfläche zu bringen, von denen jeder einzelne ein Gewicht von 14 bis 28 Pfund und einen Wert von 28000 bis 40 000 Mark hatte. Aber die unterseeifchen Strömungen hatten schließlich die Lage be« Wracks so verändert, daß es den Tauchern immer schwerer wurde, mit der üblichen Technik die Goldbarren zu heben. Dazu kam. daß der Inhalt der vom Wasser zerstörten Kisten sich allmählich im Schlamm verlor unb da« ganze Schiff von einer Schlammschicht bedeckt wurde. Schließlich waren auf eine niemals geklärte Weise Srplosivstoffe. die sich an Bord befanden, unter Waller explodiert, und dadurch hatte sich die Gestalt und bic Lage de« Wracks weiter verändert. Diese Schtoierigkeiten führten baAU. daß tm Jahre 1919 nur acht Goldbarren geborgen werden konnten, unb bas ganze Jahr 1920 darauf verwandt wurde, durch Taucher die Lage de« Schisse« feUfteUen zu lallen, wodurch es dann möglich wurde, im Jahre 1921 weitere 3-X1 Barren an die Cbvr. .Fachleute" waren schon über dielen Erfolg verwundert. hielten e« aber für nahezu unmöglich. auch die übrigen Schätze be« Dampfer« .Laurentic der Bank von England unederzu- geben. Da erfand ein englischer Prvsellvr einen eiet- troicchn.'chen Apparat der die weiteren Ber- gung£aebenen ganz außerordentlich erleichterte. Die Taucher wurden mit betonter« konstruierten Lanzen ausgerüstet, mit denen Tie den Sand unb den Schlamm, von dem da« Schiss bedeckt war, lorgfältig absuchten. Auf dem Deck be« Bergunasschisfe« befand sich nun ein Galvanometer. Da« durch Drähte mit den Lanzen der Taucher rerbunden war. Räherte sich bic Lanze einem Goldbarren, so beeinflußte bas den cld- trischon Strom und führte zu einem besonderen Ausschlag des Galvanometer«. Der Taucher erhielt bann sofort vom BeraungSfchifs die Mit- teiluna. bah er an ber betreffenden Stelle Darren auszunschen habe. AI« bic Gvlbbarven, die sieben Jahre auf dem Meeresgrund geruht hatten, wieder an« Tage«licht kamen, glichen sie vev- rosteten Sifenftücfen. unb kein Mensch hätte sich au! ber Straße gebückt, um so ein rostige« Me- tallftück aufzuheben. Mit diesem Verfahren tft e« aber gelungen, im Jahre 1922 899 Goldbarren unb im folgenden Jahr weitere 1050 an die Dank von England abzulielern. Auf ähnliche Weife wurde die MMion fllberner Jweischil- ling«stücke von den Tauchern au« dem Schlamm herauf befördert. Da« Problem, versunkene Schätze au« dem Ozean zu fischen, hat aber nicht erst in der Zeit nach dem Kriege den erfinderischen Menschen» geift beschäftigt, sind doch zu allen Zeiten viele Millionen bei Schiffbrüchen ober al« Folge kriegerischer Ereignisse auf den Meeresboden gesunken. Man weiß, daß Aum Beispiel die spanische Armada große Goldschätze mitsuhrte. die dann -bei der Zerstörung dieser Flotte verloren gingen. Sine Doldgaleere der Armada sank vor mehr al« drei Jahrhunderten auf den Grund der Bucht Tobermorh. und ihr Wrack lag nun nur 500 Meter von der Rüste der schottischen Insel Mull entfernt. Da« alte Holzschiss hat natürlich nicht die Jahrhunderte überdauert, sondern ist längst in feine Bestandteile zerfallen. Aber ein kluger Ingenieur kam im Jahre 1910 au) den Gedanken, den Hintergrund zu untersuchen, auf dem Trümmer und einzelne Rippen ber Galeere lagen. Mächtige Saugrohre wurden auf den Meeresboden hinabgelallen. Äreifel» pumpen rillen den Schlamm in die Höhe unb warfen ihn in große Siebe, aus denen er in die See zurückfloh, während allerlei Dinge hn Dieb liegen blieben. Da fand man zerbrochene fpanische Waffen, verrostete Hägel, verbogene SchiffSteile — unb viele spanische Dolbtaler. Freilich lagen die Trümmer ber Galeere nicht so tief, wie etwa daS Wrack, be« im September 1917 versenkten belgischen Dampfers .Elisabeth- Ville". ber In ber Aähe der bretonischen Insel .Delle JSle" dem Torpedo schuß eine« deutschen Unterseeboote« zum Opfer fiel. Zwöll Mellen südlich der herrlichen Insel ruht diese« Wrack in 75 Meter Tiefe. Run hat soeben ber italienische Dampfer . Artiglio" den Hafen von Genua Derlaffen, um zu versuchen, au« dem versunkenen Schiss einen Schah foftbarer Edelsteine zu heben. Der .Arttglio" wirb bei dieser Gelegenheit eine neuartige Taucherrüstung verwenden. Daß e« für die Taucher oft lebensgefährlich ist. in die Schiffe einzudringen, bewiesen die Gefahren, in die die Taucher bei der Bergung von 15 Millionen Mark au« dem englischen Dampfer .Oceana" gerieten. Immer wieder wurden die Märmer. die 90 Fuß unter ber Meeresoberfläche arbeiteten, von reihenden Wasfer- strömen fortaeriffen. Dor ungefähr 20 Jahren wurden ebenfalls unter großen Gefahren Goldbarren im Wert von 13 Millionen Mark au« dem Wrack des spanischen Schiffe« .Alp ho ns o XII.' gerettet, daS bei den Kanarischen Inseln in einer Tiefe von 165 Fuß gesunken toar; noch tiefer lagen die Trümmer des am Rap FiniSterre untergegangenen Schiffes .Skyro", au« dem für 400 000 Mark ungemünzte« Gold nur dadurch geholt werden konnte, daß da« Schill mit Dynamit gesprengt wurde. frage wurden hohe Preise erzielt. Die billig iten Morgen beliefen sich auf 20 bi« 30 Wk.. obwohl sie hinsichtlich der Menge und Güte beS Grase« lehr minderwertig sind. Die Morgen mittlerer Güte kamen mit 40. 45 und 50 Mark heraus, während gute Qualität mit starkem Gras- wuch« sich ckuf 60 bi« 80 Mk. je Morgen stellte. Einzelne Morgenstücke wurden sogar mit 90. 100 unb 110 Mk. versteigert. Die Höhe ber Preise, die sämtlich über den vorjährigen liegen, ist auch mit durch den Umstand verursacht, daß ber erste Rleeschnitt fast beendet toar. ohne daß sich infolge der seicherigen Trockenheit genügenb Rachwuchs an Futter gebildet hatte. Jnsvlge- dessen steigerten manche Landtoirte baS Dra« zur Grünfütterung. Es wäre nun au wünschen, daß günstigere« Heuwetter einsetzte, da da« GraS auf dem größten Teil de« eigenen Wiesengelän- deS bereits vorige Woche gemäht wurde. Mrcie Büdingen. R ibda. 20. Juni. In den letzten Tagen fmb in hiesiger Gegend bic Preise für Schlacht- schweine auf 65 Pf. bi« 68 Pf. per Pfunb Lebendgewicht gestiegen. Infolgedessen ist auch der Preis für Schweinefleisch um 10 Pf. unb für frische Durst um ben gleichen Betrag erhöht worden. b. Bad-Salzhausen. 20. Juni. In dem gestern von hier gemeldeten Duirsche bezüglich Abstellung de« Umftcigen« auf Station Beienheim ift ein Irrtum unterlaufen. Es handelt sich nicht um ben nur Sonntag« in Friedberg um 20.41 älhr. sondern um ben werktags in Friedberg 18.47 älhr abgehenden Fug, der wcrltags die letzte Verbindung von Friedberg hietcher ist. Kreis Alsfeld. »-» A ls felb, 20.Juni. Aus der Stabtoor- siandssitzung. In der jüngsten Sitzung befaßte man sich zunächst mit dem Entwurf einer Derkehr» p o I izeiordnu n g für die Stadt Al»seld. Der von der Stabt vor- gelegte erste Entwurf hat durch das Kreisamt eine Umänderung erfahren, zu arelcher die Stadtvertre- tung Stellung nahm. Es wurde bemängelt, daß di« von der Sladtocrwattung vargeschlagene Festtetzung der Höchstgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge aller Art in der Stadt in dem kreisamtlichen Entwurf nicht enthalten ist. Ferner wurde beschlossen, entschiedenen Widerspruch zu erheben gegen die vom Kreisamt oorgeschlagen« Reaelung de» Fährverkehrs in der Mainzer- unb Obergasse, Ritter- unb Sackgaste und der Sttaße am Kirchplatz, wonach diese Straßen als Einbahnstraßen erklärt werden sollen für Fahrzeuge aller Art, da diese Maßnahme eine schwere Schädigung ber Interest« n der De- merbetreibenben bedeuten würde. Mii der oorge- schlaaenen Sperrung einer Anzahl enger Straßen und Gäßchen für den Radsahrverkehr und für Kraft- fahrzeuge erklärte sich die Berfammlung einverstanden. — Auf ein Gesuch der Stabt FeIdbach in Steiermark, bie als sichtbares Zeichen des Anschlußwillens eine Rhein- Donauhalle errichten will, für welche bie Stadt Alsfeld als Ehrengründer bet treten soll, wurde beschlossen, das Gesuch anzunehmen unter ber Voraussetzung, daß für bie Stabt Alsfeld daraus feine besonderen finanziellen Ansprüche hergeleitet wer- den. — Auf eine Beschwerde ber Fuhrleute wurde beschlossen, unter Aufhebung be» Beschlusses vom 30. Juni 1927 den Fuhrlohn für ein Zweisvännerfuhrwerk mit Wechsel wagen auf 18 Mark für den lag, für den Einzelwagen auf 16 Mark für den Tag festzufetzen. — Am Schluste der öifentlichen Sitzung gab der Vorsitzende unter dem Punkt Mitteilungen den schulärztlichen Beridft für bie Stadtschule vom Schuljahr 1927 28 bekannt, aus dem sich die interestante Feststellung ergab, daß der Gesundheitszustand im allgemeinen befriedigend war unb im Du retten üt eher bester aU In den Landgemeinden be» kreise» A!»feld. Rur etwa 10 a H. ber Schüler waren infolge Unterernährung unb schlechter Pflege wett hinter dem Durchschnitt. Emdcnusche Zkrankheiten wurden bei den Hindern nicht gesunden. Weiter gab der Borntzende em Schreiben de» katholischen Pfarrer» bekannt über bic Gefahren der Nacktkultur und da» städtische Schwimmbad, worin :^c ..der da» gcmctnlame >.i ate httenmibng bezeichnet und wöbe, angereg! wurde, da» gciarnte uabh'd-c Schwimmbad mit einem undurchsichtigen Bretterzaun zu umgeben. Der Dorfitzende gab Kenntnis von der rtetiungnahnic der Stadwn> waliung zu der Beschwerde, welche in ablehnendem Sinne beantwortet worden In An bie Sitzung schloß sich eme längere, nichtüsienlliche Sitzung an. Preußen. Äicio Wetzlar. jj Wetzlar, 20. Jun, In Verfolg be» in ber vorigen Stadtverordnetenversammlung gefaßten Be- Ich'uise», eine neue Brücke über bie Lahn an Stelle ber bisherigen eisernen Drücke zu erbauen, beschäftigte sich tn seiner gestrigen Sitzung der Bau- und Finanzausschuß erneut mit dieser Frage. E» war noch die Entscheidung zu treffen, ob bk neue Brücke in B.ian ober Eisen hergestellt werden solle Weiter war in ben letzten lagen ein öffrrJhdi.r Streit Darüber entstanden, ob bic alte Brücke nicht für den Fußgängerverkehr erhalten werden unb bie neue Brücke weiter unterhalb ber Lahn ihren Platz finden solle. Bei dem bisherigen Platz spielt ferner die Frage ber Riederreißung ober der Erhaltung de» Häusertore», eine» Reste» ber alten Stabtbefeftigung, eine Rolle Die gestern gefällte Entscheibung geht nun bahin, die neu z u erbauende Brücke an die Stelle bet alten eisernen zu bringen Die crage, ob Eisen oder Beton, wurde zugunsten be» ersteren entschieden Die wir au» ber letzten Siabtverord- netensitzung misten, war ein Preteunterschieb von etwa 80—100 000 Mark zwischen bciben Systemen, so daß wohl, trotz der starken Befürwortting von vielen oeltcn, die Geldfrage zugunsten de» Eisen» entscheidend gewesen lein Dürfte. Wegen der evtl. Besettigung de» Hausertore» muß noch die Zustimmung des Konservators für die Rheinprovinz eingedoli werden, der sich jedoch, soviel wir wissen, stei.- für besten Weiterbestand eingesetzt hat. Es steht jedoch zu hoffen, daß bei der starken Entwicklung de» Verkehrs, wie wir sie In ben letzten Jahren erlebt haben, eine andere Austastung Platz greifen wird. Mainga« WSD. Frankfurt a. M., 20.3unL Sin größerer Einbruchsdiebstahl wurde in der Rocht auf Dienstag tn einer im Stadtteil Griesheim gelegenen Tuchfabrik ausge- führt Dte Diebe waren über den Drahlzaun gestiegen, hatten da« als Oberlicht bienende Glasdach abgehoben und send auf diesem Wege in daS 6 t of f la g e r ber Fabrik eingedrungen. Dort haben sie ungefähr 200 Meter Seidenstoffe gestohlen. Di« Zdriminalpoltzei nahm sofort bie Ermittelungen auf. Der Verdacht fiel auf den früher in bet Fabrik beschäftigten imb mehrfach vorbestraften Arbeiter Fritz D t e t e r l« aus Griesheim, ber sofort vernommen wurde und auf Grund des erdrückenden Beweis mal er ials bk Tal eingeftanb. An dem Einbruch beteiligt toar der 20|ährigc Willy Llngenberg au« Griesheim, der ebenfalls sofort festgenommen werden fxxmrte. Die Täter hatten bie gestohlenen Stoffe in einer Sandgrube hi der Rähe der Fabrik vergraben. Bund Deutscher Reichszottbeomien. Der Bund Deutscher Reichszottbeamter hielt in den Tagen vom 15. biS 17. Juni feinen 28. ordentlichen Bundestag in Darmstadt ab. Im Mittettnrntt bet Tagesordnung stand der Jahresbericht de« 1. Bundesvorsitzenden Troppenhaaen. Der Jahresbericht gab einen Ueberblia über die Arbeit des Bunde«, er gab ein Bild von dem Wert unb Inhalt jeder einzelnen im Bunde organisierten Beamten- gruppe, ihren Leiden und Wünfchen. Mit der Besoldungsneuorbnung feien bie Mitglieder ganz und gar nicht Auf rieben. Zu ber Enttäuschung durch die Desoldungsreform fei nun noch bie Sorge um die Zukunft des Derufsbeamten gekommen. Da« verlange doppelte Vorsicht und engste« Zusammenhalten für bie Zukunft. In ber Aus'prache unterstrichen alle Delegierten bie Ausführungen deS Dunbesführer« und brachten tm Uebn gen noch die ihnen besonders gewordenen Austtage zur Äenntm«. Der bisherige 1. Dundesvoriihende Troppenhagen wurde ernftimmig toiedergetoählt. Am 16. 3uni tagten die Ausschüsse weiter. Am 17. 3uni wurden in der Vollversammlung bic Ergebnisse der AuSIchuß-Deratungen toleber- gegetxm. Die Anträge würben gemäß ben Beschlüssen ber AuSfchüsse von der Vollversammlung angenommen. ES erfolgte noch bie Reuwahl rerichiebener ‘DorftanMmi tglieber; bann wurde bic Tagung durch den 1. BundeSvorsitzenden geschloffen. Der Bund Deutscher Reich^zoUbeamten ist bic größte Organisation der Reichszollbeamtenschaft. Er organisiert rund 25 000 Mitglieder, d h 4/s aller Zollbeamten. Hauptsorderungen der Zollbeamten sind Grenzablösung und gerechte 6te(tenumtoanblunfl tm Innendienst. Daß bic Zollbeamten zusammen mit der übrigen Beamtenschaft die Erhaltung der künfttg Wegfällen den Desoldungsgruppe 4 d (fondergeprüste Oberzollsekretäre) al« Spitzenstellung der mittleren Laufbahn fordern, ergibt sich daraus, daß das Tättg- keitsgebiet Meter DeamtcTtgruppe auch künftig bestehen bleibt. Die Zollbeamten verlangen weiter, daß ihnen alle Stellen in der Zollverwaltung offen stehen, wenn sie Me bafür er- terderiichen Prüfungen abgelegt haben Briefkasten der Tredakiio«. sAechtsgutachten sind ohne Derbindllchkeit der Schristlettung.) Jlr. 79. Wenn Sie in Ihrem Eigentum durch di« fragliche Leitung nicht oeftört werden, steht Ihnen ein Magerecht auf Beleittgung oder Abänderung der Leitung nicht zu. t)ie Frage, ob die Leitung einen Verstoß gegen baupolizeilich« Vorschriften enb fjält und deshalb zu beseitigen oder zu verbessern ist, wird die Kreisbaubehörde in Gießen zu prüfen und zu enttdjeiben haben. Wenden Sie sich deshalb an diese (Gießen, Landgraf-Philipp-Platz). irtschafi [ii Zoröerungen der westdeutschen Wirtschaft. Qki der am Dienstag in Düsseldorf statt - gehabten Tagung des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen im Rheinland und Westfalen führte der Dorsitzende, Paul R e u s ch -Oberhessen. in einer längeren Rede über die allgemein« Wirtschaftslage u. a. auS: Die deutsche Wirtschaft habe in ten letzten Jahren zweifellos gewisse Erfolge zu verzeichnen. Diese seien aber teilweise auf Gründe zurückzuführen, deren Auswirkung begrenzt sei. Die deutsche Wirtschaft sei von einem normalen, gesunden Zustand noch weit entfernt. Die tatsächliche Lage werde am besten durch folgende Ziffern beleuchtet. Im Jahre 1913 betrug da« Aktien k ab ital der 4773 vorhandenen deutschen Aktiengesellschaften plus Reserve 19,3 Milliarden Mark. Bei der Goldmarkeroffnungs- brlanz 1924 betrug das Aktienkapital der inzwischen auf 9372 gestiegenen Zahl derselben 17,5 Milliarden Mark, hatte also trotz der Verdoppelung der Gesellschaften und der eingetretenen Geldentwertung einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen. Die sozialen Lasten, die im Jahre 1913 gleich 1,12 Milliarden Mark betragen hatten, stellen sich heute auf rund 5 Milliarden Mark. Die Beiträge, die in den Jahren 1924 M« 1927 über den Sozialetat von 1913 hinaus zu sozialen Zwecken geleistet werden muhten, fcien nahezu so hoch, als die gesamte Ausland- verschüldung, und 2 Milliarden höher als die kurzfristige und die langfristige Auslondverschul- bung der deutschen Wirtschaft. Die dringend notwendige Bildung von Reserven sei bei einem großen Teil der deutschen Industrie heute leider erne Unmöglichkeit. Die Tatsache, daß die Selbstkosten wichtiger Wettbewerbsländer zum Teil 30 bis 50 Prozent unter den deutschen Selbstkosten liegen, erschwere unsere Ausfuhr und beeinträchtig« unser« Handels- und Zahlungs- bilcrnz. Sehr von der Ungunst der Zeiten sei auch die Landwirtschaft betroffen worden. Weiterhin setze er für die Verbilligung unseres öffentlichen Verwaltungsapparates dessen Umgestaltung und Erneuerung voraus. Als -weiter Redner sprach der Preußische Finanznlinister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f. Er gab ein längeres Referat über die Zersplitterung Deutschlands in eine Fülle von Ländern und Landesteilen. Diese Zersplitterung führe dazu, daß in einheitlichen Wirtschaftsgebieten verschiedene Gesetze und Verordnungen bestehen. Die Gesetzgebung müsse überall Sache des Reiches sein. Er bezeichnete als Schlimmstes, daß die Aufteilung der Staatsgewalt auf eine Reichsregierung und ein Reichsparlament und 18 Länder- regierungen und -Parlamente eine entschlossene und zielbewußte Wirtschafts- und Steuerpolitik rmd die so dringend notwendige Reform der Verwaltung nahezu unmöglich mache. Als Abhilfe dieser im Interesse der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands nicht mehr tragbaren Zustände forderte der Redner bei der Reugliederung des Reiches die Anlnüpfung an die Preußischen Provinzen und die deutschen Mittel- staaten, bezeichnet« ober die Aufteilung Preußens und di« Ausstattung der preußischen Provinzen mit den heuttgen Machtbefugnissen der deutschen Länder als verfehlt. An dritter Stelle sprach Kommerzienrat Dr. Wieland, W. d.R.. lllm. über Fragen der . amerikanischen Haushaltsgebarung. Regierung und Parlament der 11. 0. A. hätten bewiesen, daß l das reichste Volk sein Budgetverfahren revolutioniere, um eine sparsame Ausgabewirlschäft zu T erzielen. Er glaube, daß man ohne weiteres dazu übergehen könne, ein ähnliches Blldgetbureau da- • durch zu schaffen, daß man die Haushaltsabtci- lung des Finanzministeriums von diesem lvs- trennt und mit dem Bureau des Sparkommissars vereinigt. Oie Krage einer Oiskontermäßigung. Der Ausweis der Reichsbank vom 15. Juni --eigl einen Rückgang der gesamten Kapital« anlaae um 256,8 auf 2096,9 Millionen Mark. Damit ist eine neue.sehrerhebliche (Snt- l a stung eingetreten, die zugleich die derzeitige flüssige Lage des Geldmarktes widerspiegelt. Besonders ausfällig ist der starke Wechselrück- fluß, der sich auf nicht weniger alS 313 Millionen Mark beläuft, so daß sich das Wechselportefeu i ll c der Reichsbanl auf dem niedrig- st e n S t a n d des laufenden JahreS befindet. Die Ultinwonspannuna vom Mai ist damit nicht nur ausgeglichen, sondern sogar um mehr als 100 Millionen Mark unterschritten worden. Auf der anderen Seite ist Wohl infolge der durch die Konfunkturdämpsuna eingetretenen Wendung zu kurzfristigen Dispositionen der Wirtschaft eine erhöhte Inanspruchnahme von Lombardgeld und von Giromitleln eingetreten, so daß sich die gesamte Entlastung der Reichsbank nicht so hoch stellt, wie es der Reduktion des Wechselbestandes entsprechen würde. Dieses Bestreben der Wirtschaft und der ölfenllichen Hand zu knapperen Dispositionen kann darauf hindeuten, daß bereits mit der in der Oeffentlichkeit diskutierten Möglichkeit einer Herabsetzung des Diskonts gerechnet wird. Da der Halbjahresuktimo unmittelbar bevvrsteht, muß selbstverständlich erst das Ausmaß der Anspannung zum Halbjahres- ultinw abgewartet werden, ehe überhaupt die Reichsbank der Frage einer Diskontermäßigung nähertreten kann. Zu berücksichtigen ist. daß die Erntesinanzierung große Mittel beansprucht. Von den Vorbereitungen für sie, über die bereits Besprechungen der Reichsbank mit dem Reichsernährungsministerium und den Spitz en verbänden der landwirtschaftlichen Kredit- organisativnen stattgefunden haben, wird die Entscheidung in der Frage einer Diskontermäßigung abhängen. Neue Pläne in der Welikunstsei-enindustne. Die Ausdehnungsbewegung in der internationalen Kunstseidenindu- strie, die gerade im letzten Jahre einen Er- pansionsdrang großen Umfanges aufzuweisen Hot, macht weiterhin Fortschritte und erfaßt Kreise, die den bisher bestehenden Konzernen völlig fern- stehen. Rach einer Meldung des ^Konfektionär" wurde in Frankreich ein neues Kunstfeiden- wert mit einem Kapital von 11 Millionen Fran- ken gegründet, ein Unternehmen, welches als Vertikalbetrieb ausgebaut werden soll, indem es nicht nur das Kunstseidengarn erzeugt, sondern im eigenen Betrieb verwebt und veredelt. Die Tatsache, daß die Gründer dieser Firma bisher noch nicht in der Kunstseidenindustrie tätig gewesen sind, ist bei der engen Verflechtung der internationalen Kunstseidengruppen besonders auffällig. es wiederholt sich aber hierbei andererseits eine Entwicklung, wie sie auch in anderen Industriezweigen vor sich gegangen ist, in denen immer Außenseiter entstanden, solange die Tendenz nach oben zeigte. (Stickstoffindustrie. Düngemittelindustrie. Zementindustrie.) Auch in anderen Ländern schreitet die Ausdehnung der Kunstseidenindustrie vorwärts. Rach einer Meldung des ,Konfektionär" wird in Rumänien eine neue Fabrik errichtet, die die Banka Ro- maneasca zusammen mit deutschen Interessenten finanziert, und auch Rußland beabsichtigt, den bereits in Moskau bestehenden Kunstseideunternehmen den Aufbau weiterer Fabriken in Leningrad und Minsk folgen zu lassen. * Die Frankfurter Hypotheken, dank kündigt im heutigen Anzeigenteil die Auf- legung von fünf Millionen Mark 8prozentiger Goldvfandbriefe zum Kurse von 97,50 v. H. und 5 Millionen Mark 8prozentiger Goldkommunal, obligationen zum Kurse von 94,75 v. H. an. Auf die Anzeige sei besonders hingewiesen. * Rheinisch« Stahlwerke 21.-®., Essen. Die Verwaltung der Gesellschaft wird der am 12. Juli In Essen statt finden den Hauptversammlung di« Verteilung einer Dividend« von 6 Prozent Vorschlägen. * Gründung der Rew QJort A For- eign Jnvesting Corporation. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, haben die Firmen Lazard Speyer-Gllissen K. G. a. A. Frankfurt a. Main-Berlin und Gebr. Teixeira deMattos, Llansterdam, in Gemeinschaft mit einer amerikanischen Bankengruppe, welche aus den Firmen Spei)er & Co.. Reuyork. Lehman Brothers, Reu- hork, und Lawrence Stern & Co.. Chicago besteht, eine amerikanische Gesellschaft unter dem Rainen „Rew Bvrk & Foreign Jnvesting Corporation" gegründet. Der ^schäftsd« reich der neuen Gesellschaft umfaßt die Finanzierung bestehender kommerzieller und industrieller Unternehmungen. den Erwerb. Besitz, Handel und das Underwriting derartiger Werte. Das Aktienkapital besteht aus Dollars 5 000 000, 6,5prvz. Cumulative Prefered Shares (Rom. Betrag Dollar 100) und 175 000 St. Common Shares (ohne Rennwert), von denen zunächst 100 000 Stück als Reserve im Besitz der Gesellschaft bleiben. Die Gesellschaft erhält das Recht, unter gewissen Bedingungen bis -um vierfachen Betrage ihres voll eingezahlten Vorzugsaktienkapitals eigen« Obligationen auszugeben, wobei in erster Linie an die Placierung von Anleihen in Amerika, «vtl. auch in Europa gedacht ist. Cs ist beabsichtigt, die Prefered Shares (mit einem Bonus auf Common Shares) in Holland äu emittieren. Ein ansehnlicher Teilbetrag ist oereits in Deutschland. Amerika, England und der Schweiz freihändig placiert worden. * Der französische Außenhandel in den ersten fünf Monaten 1 928. In den ersten fünf Monaten des Jahres 1928 betrug die Einfuhr nach Frankreich 19 746 773 Tonnen im Werte von 21 626 023 000 Franken, was gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres einen Rückgang um 2 462 450 Tonnen und um 127 149 000 Franken darstellt. Die Ausfuhr belief sich aus 16 608 697 Tonnen im Werte von 21 035 339 000 Franken, was eine Zunahme von 1 471 301 Tonnen bei einer Verminderung des Wertes um 1388043000 Franken darstellt. D i e Lage der englischen Kohlen- i n d u st r i e. Aus der letzten Vierteljohresstatistik des englischen Bergwerksdcportements geht hervor, daß im ersten Quartal dieses Jahres alle Kohlenreviere Großbritanniens mit Verlust gearbeitet haben, wenn auch in einigen Gebieten eine entschie bene Besserung erkennbar ist. Frankfurter Börse. Frankfurt a. TI., 21. Juni. Tendenz: freundlich. — Nachdem schon an der gestrigen Abendbörfe eine Erholung festzustellen war, gestaltete sich die Tendenz an der heutigen Börse weiter freundlich. Die festere Haltung der gestrigen Neu- yorker Börse und die leichtere Verfassung des Geldmarktes gaben der Börse heute eine kräftige Stütze. Der weitere Rückgang der Arbeitslosenziffer und die angeblich stärkere Beteiligung des Auslandes und der privaten Kundschaft am Börsengeschäft veranlaßten die Spekulation zu weiteren Deckungskäufen. Die starke Nachfrage nach Spezialpapieren gab der Börse einen starken Rückhalt. Die (Stimmung war sehrzuversichtlich. Mit Ausnahme der Spezialpapiere, in denen immer noch zeitweise Materialknappheit bestand, war das Geschäft jedoch minimal. Von Kaliwerten waren Salzdetfurth mit plus 7 v. H., Aschersleben mit plus 6 o. H. rege verlangt. Westeregeln gewannen jedoch nur 3,5 v. H. Verstärktes Interesse machte sich ferner für Zellstoff Waldhof mit plus 3 v. H., am Elektromarkt für Siemens mit plus 2,5 v. H. und am Bankenmarkt für Reichsbank mit plus 3 o. H. bemerkbar. Bevorzugt waren am Montanmarkt Rheinische Braun- kohlen und Rheinstahl mit je plus 2,5 v. H. Am Ehemiemarkt waren Farben, nachdem diese anfänglich recht lebhaft gefragt waren, vernachlässigt. Für Holzverkohlung bestand dagegen mit plus 2 o. H. verstärktes Interesse. Scheideanstalt verloren 1 v. H. AEG. zogen 1,25 v. H. und Mannesmann 2,5 v. H. an. Am Bauunternehmungsmarkt waren Holzmann 2,5 und Zement Heidelberg 1 v. H. gebesiert. Einiges Interesse machte sich noch für Daimler mit plus 1,25 v. H. bemerkbar. Sonst waren im allgemeinen nur Kursbesserungen bis zu 1 v. H. festzustellen. Am Rentenmarkt war die Tendenz ebenfalls freundlich. Anleihen ohne Option waren mit plus 0,75 gefragt. Ausländer eröffneten nur behauptet. Im Verlaufe kamen nur noch in Spezialpapieren Umsätze zustande. In I.-G.-Farben konnte sich recht lebhaftes Geschäft entwickeln, I.-G.-Farben plus 2 v. H. Auch die Kaliwerte konnten erneut etwas anziehen. Tages- geld mit 5 v. H. unverändert. Arn Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1835, gegen Pfund 20,418, London gegen Kabel 4,88, Paris 124,18, Madrid weiter schwach 29,92, Mailand 92,88, Hol- land 12,0975. Berliner Börse. Berlin, 21. Juni. Die schon an der heutigen Abendbörse einsetzende Erholung konnte bereits im heutigen Dormittagsverkehr weitere Fort- schritte macken. Die allgemeine Lage wurde, abgesehen vielleicht von der innerpolitischen Situation, als günstiger betrachtet, dabei beruhigte der festere Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse. Auch sonst wurde die Meldung von der Gründung der Neuyorker Foreign and Jnvesting Corporation beachtet, die Löwensteinanleihe in Neuyork Macht Fortschritte. Das Geschäft war aber auch zu Beginn der Börse nicht wesentlich umfangreicher als gestern. Nur Spezialwerte hatten lebhaftere Umsatz- t ä t i g f e i t. Das Kursniveau konnte sich, in erster Linie auf Deckungen der Spekulation (neue Orders von außen trafen nur spärlich ein), ziemlich einheitlich um 1 bis 4 v. H. heben. Bei den Favoriten betrugen die Erhöhungen bis zu 10 v. H. Kaliwerte waren bis 12,5 v. H. gesteigert. Kunstseidenwerte erzielten ebenfalls Gewinne bis zu plus 9 v. H Stark beachtet wurden die Papiere, über die morgen die Entscheidung fällt, ob sie zum Terminhandel zu- gelassen werden sollen. So waren Norddeutsche Wolle, Schubert & Salzer, Thüringer Gas, Feld- mühle aus diesem Grunde stärker gesteigert. Deutsche Anleihen ruhiger. Ausländer überwiegend schwächer. Besonders Bosnier schwach und 1 v.H. unter gestern. Pfandbriefmarkt still. Geldmarkt vielleicht eine Kleinigkeit leichter. Tagesgeld 6 bis 7,5 v. H. und vereinzelt darunter. Obwohl London seinen Diskont auch heute nicht erhöht hat wurde es im Verlaufe bei nachgebendem Geschäft eher wieder schwächer. Nur in Spezialwerten war es weiter lebhaft, beson. ders am Farbenmarkt entwickelte sich großes Ge- schäft auf die morgige Einführung der Farben- Bonds. frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 21. Juni. Der hiesige Pro- duktenmarkt verkehrte heute auf Grund der etwas festeren Auslandmeldungen ebenfalls in festerer Haltung Das Geschäft bewegte sich aber nach wie vor in engen Grenzen, und die Umsätze blieben minimal. Die Preise konnten sich im allgemeinen gut behaupten. Es notierten Weizen 26,50 Mark: Roggen 28,50; Hafer, inländischer, 27,50 bis 28,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 24,50; Mais (gelb) für andere Zwecke 25; Weizenmehl, süddeutsches (Spe- zial 0) 36,75 bis 37,25; Roggenmchl 38,75 bis 39,25; Weizenkleie 14 bis 14,15; Roggenkleie 16,50 Mark. — Tendenz: fester. frankfurter Lchlachtvichmarkt. Frankfurt a. M.. 21 Juni. Auftrieb 101 Rinder; 1147 Kälber. 95 Schafe. 763 Schweine. Es kosteten: beste Mast- und Saugkälber 75 bis 79; mittler« Mast- und Saugkälber 70 bis 74 geringe Kälber 63 bis 69; vvllflettch^e Schweine oon ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 66 bis 70; von ca. 200 bis240Pftrnd Lebendgewicht 68 bis 72; von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 67 bis 71; fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 60 bis 65. Marktverkauf; Schwein« bei regem Handel ausverkauft. Kälber und Schafe mäßig rege, geräumt. Berliner Produktenbörse. Berlin, 20. Juni. Die von den Auslandmärkten gebotenen Anregungen kamen saft nur in der Preisgestaltung am Lieferungsmarkte zum Ausdruck, während das Efsekt.tvgeschäft weiter ziemlich stift liegt. Soweit vom Ausland« Weizenofferten Vorlagen, lauteten die Forderung«, höher. Roggen wurde dagegen billiger als gestern angeboten. Auf dem etwas höheren Preisniveau erfolgten einige Abschlüsse hx hochgradigem Manitobaweizen. Das Inland beharrte aus seinen Forderungen für Weiten und Roggen, die Mütz- len zeigten sich weiter zu Reuanschaffungen wenig geneigt, da am Mehlmarkte Umsätze wex- ter nur auf dringendste Bedarfsdeckungen beschränkt bleiben. Am Lieferung-Markte lösten die festeren Auslandmeldungen, namentlich von Äver- pool, Deckungsnachfrage für Weizen aus. Roggen tendierte dagegen bei ruhigem Geschäft etwa» schwächer. Hafer weiter in schwierigem Geschäft und eher etwas nachgiebiger Schöffengericht Gießen. ’ Gießen. 20. Juni. Der Fuhrmann Wilhelm E. Don Gießen wohnte im Herbst 1927 bei zwei alleinstehenden Damen zur Miete. Diesen kamen damals bares Geld und verschiedene Lebensmittel weg. E. machte sich durch verschiedene Aexlherungen dritten Personen gegenüber verdächtig und wurde deshalb angcflagt. Heute wurde er trotz seines Leugnen- des Rückfall- biebstah ls überführt und zu l Jahr Zuchthaus verurteilt. Anter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen einen hiesigen Arbeiter weaen versuch- ten SittlichkeltSverbrecbenS verhandelt. Er wurde wegen tätlicher Beleidigung zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Verfahren wegen Tabakfteuerhin- terziehung gegen zwei Geschäftsleute von, hier mußte ausgesetzt werden, da es sich alS notwendig herausstellte, noch weitere Zeugen zu laden. Kunst und Wissenschaft. Arnstadter Verband mathematischer und naturwissenschaftlicher Verbindungen. Währexxd der 21. DerbandStag im Vorjahre gelegentlich der großen Tagung des ..Deutsche« Wissenschafter-DerbandeS" in Heidelberg stattgefunden hatte, wurde die diesjährige Vertreter- Versammlung der DerbandSkorporatioixen und Alt-Herren-Verbände wieder im traditionellen Tagungsorte Arnstadt abgehalten. Im Vordergründe der Beratungen standen vor allem Fragen der inneren Arbeit und hochschulpolitischer Art. — Die seit einigen Semestern stetig wachsend« Zunahme im Studium der Mathematik und Ra- turwissenschaftcn zeitigte ein weiteres Empor- blühen des (seit 1868 bestehenden) Verbandes in Groß- und Äleinftabt-llniberfitäten. An anderen Hochschulen, wo der A. V. bis dahin nicht vertreten war. entstanden durch tatkräftig« ilnkt- stützung der A.-H.-Ortsgruppen neue A.-V.-Ver- bindungen. so daß der A. V. als stärkster, fach- wissenschaftlicher Verband an fast sämtlichen dem- schen Hochschulen vertreten ist. Die diesjährige Tagung war getragen vom Geiste engster Zusammenarbeit mxd Einmütigkeit. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angesübrten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardäinsfuß 8 Prozent. Jrantfurt a. M Berlin Femilrfurr o. M Berlin Schlug« flnre 1-Uhr- Kur» Schluß fiurt Unfang fiur* Schiutz- flurs »'Uhr- fiurs Schiuh- fiut» Anfang fiuri Datum 19. 6. 20.6. | 19.6. | 20. 6. Datum: 19. 6. M 6. | 19. 6. | 20.6. Di. Rctd*mleU)e v. 1927 . . 87,13 — 87.5 - A.E.«............. 178 179.26 176.25 179.5 Di. Änl.-Mtlöf.-6d)u!b mit 8u6- lof-SirAlcn........ Tr»(|l. utjnc WluMo|.«9lc(6te . . . 7% (Xrantf. Hyp.-Bl. ®ofbpf. unkündbar bi« 1932....... 4ft% Rheinische Hyp.-Ban! Liqu- (gulbpl............ 51. g 18.63 18.75 61.5 18.75 51.5 18.6 Bergmann.....«... 9 tflfftr. Lieferungen.....10 Licht und Srasi ...... 10 fXellcn 4 Guilleaume.....6 226.5 129,3 lllli 201,6 170.25 223.5 128 207.75 171.5 228 131.5 76 87 Scs. f. tflrttr. Untrru.. ... 10 Hamb. Olcttr. Werke .... 10 263.5 »66 261.25 159.75 264,75 160 U.ä.S. adg. Vortrieg ».Obligation. rückzahlbar 1933....... Rhein. Sletlr...... 9 Lchlcs. Cfifttr....... . 10 «chuckcri...... .... 8 Llernens 4 HalSke.....IS 16« 204 166.5 250 802.25 159.13 256.5 204.75 Schweiz. Buodelb-Anl.. . 96.5 — — 35t 353.5 317.5 552,25 1% Oesterrrichische »oldrtc.. . . — — —■ —» Tean4rabic>.........8 — — 151.75 155,25 4,20% Oestrrr. Silbe rrto. ... 3.35 — — — Lahmever 4 Lo.......10 175 175 174 174 4% Cefterrrid). dntjätl. Rte. . — — — — Buderus .......... 5 83,5 84,25 83.25 84.5 4"„ Ungarisch, «oldrte...... 4% Ungarisch« Staaisr. v. 1610 . 26,15 623,85 26,25 26.13 Deutsch« Erdöl.......6 Essener Steinkohle......S 135,5 137 135 126 132.5 129 4M% betal. von 1918..... 4% Ungarische Kronenrie..... 4% Türk. Sollanlei&e v. 1911 . . *% lütfild), Bagdabbabn-«»!. Gerte 1........... 4% brSflL Serie 11....... 4"v SiumAnrn convert. Site. . . - Rumänen dolbanl. von 1913 lT 11.8 11.8 1.75 13 1.7 «eljenkirchener ... f. H 3- < Harpener ......6 Voesch Eisen...... 8 alle Bergbau ........ 6 Hl 141 162 140.75 160.13 139.65 250 141 162 11.75 12.5 11.8 RIMnrtrorrtf ........ 7 >31 132.5 130.13 132,75 U.8 12 — üeln «eurisen........S 136 138.5 20.4 - 20.65 Mannesmann........ 8 Mansselder.........7 Lderschlcs. Eisend. Bedarf. . . 5 cderschles. Setswcrke.....6 PhLnir Bergbau......5H 139,5 117.5 142 118.5 138.75 117 144 117,25 Allg. Deutsche insenvabn . . 4H Hamdura-Amerika Paket ... 8 Hamb.-Lübam. Dampssch. . . 8 6an|c $anipHd>lf|.....10 168 16«.9 167 169 98.84 „7. 103 113.2. 98.13 104.25 116,6 98. U — — 206,5 209.5 9ibemi>che Braunkohlen... 10 ilheinsiahl . . 1. *1 Jahr dj U9 302.5 161.5 298.5 147.5 302 161.75 Sivrddeuischer Lloyd.....S 159.33 —- 158.25 159.9 Nieberk Montan......7F — ■ 158 — NHg Deutsche Urediiaost. . . 10 — — 141.75 141.9 Pcrrtnlatt ^tahNo. ..... C 98 — 98.25 98,5 v armer Lantoerrin .... 10 147 147.5 146.75 146.75 .......1 ih Pali McherSIeben ..... 10 — 53 53,5 »edintt PandeUgcieUich. . . lü — — 271.25 *74 5 250 .56 245.4 .'56.5 Lommer»- und Privai-Sauk. 11 190.75 192 190.25 192.75 kLeileregeln...... 10 Sollwert eal — zraukfl Mwchlnen ...... 6 78.5 —• M.5 — Oiriiin«..... 11 139 — HO — VCDhatnflacbt ....... 0 28.75 — - * Iuiighan«..... 4 88.25 — 88 — Lechwerte....... 8 114 • * Mainkrasiwcrke ....... 8 123 — -- «tag...........io 119.5 — 149 149,25 Äetarsulm«........8 — 66,5 65,5 — Bet et» Unton........« 111 • 111.25 — »edr Norder ....... 10 — — Voigt 4 Harsfuer......8 — — tu — Südd. Zucker........8 150.8 |31 151 —1 Bcefwotee. Ptrltn. 30. >9eib ItatrttaW ..... .162 4.1« Belgische Äotm ....... DLrft che »trtrn ....... 56.31 111.78 58.57 112.22 36 44 ®«DifeiuRÄttt Berlin—Frankfurt a. HL Berltit, 20 3«nd "eid --TOT- Jramöriftbe Noten...... volläavrsche Noten...... Italienische Noten ...... Nortxregftche Noten...... 7 eurich Dtfirrr .4100 Jtronrn Rumänische '.'loten...... Schwedische Noten...... Schweife Noten....... Evanische Noten....... Tichecholiowakiiche Noten . » Ungarische Noten...... 168,31 21.96 111,78 53. tt 1,54 111,88 68,26 12.34 72,70 11.45 168.99 n.M 111,23 59,07 2.5« 112.38 80,76 68,. »4 12,40 73. HO Telegraphische A»Szahl»vg. 19. Juni 20. ItMi amtliche Noneruna «mtiiche JIotttruH, itteld 1 «ne, "CID Brief flmfl.- 'Rott Bnen ÄireS 168,6t 1.779 168,95 1.763 168,58 1,779 - ifc.rt“ 1,70 y ra.-Ärrro 58,365 58,485 58,365 5».185 Thrifkiania 111,92 112.14 111,91 1U.I3 Qcpenbaotn UZ,06 112.28 112,04 112.26 Stodtolm . 112,15 112.37 112,11 112,13 HelsingforS. 10.518 10,538 10,518 10,538 dtoltrn . . . 31,96.» 32,005 .1.925 .1.9'5 London. . . 394 30,434 30,383 AI, 433 Nenvoek . . 4,1795 16,425 4.1875 4.1795 4,1871 Pari«. . . . Schwei, . . 16,465 16,4* 16.4« 50..W MJ.74 60.56 xo,7X Svaor-n . . 6*. 31 68.47 6-33 68.47 Jovan . . . *ü) de g