Ur 41 Erster Blatt 178. Jahrgang Montag, 20. Februar 1,s ihr zuge.ei- teten umfangreichen statistischen Materials fort. Sie tut ihre Arbeit unter Ausschluß der Oef fentlichleit und nur _ gelegentlich erfährt man, wie jetzt, einiges über den Stand dieser für die deutsche Wirtschaft ,o ungeheuer wichtigen Beratungen. Besonders dem amerikanischen Geldmarkt hat man in der letzten Zeit anscheinend die größte Aufmerksamkeit gewidmet und ist dabei, wie wir aus verläßlicher Quelle hören, zu der Entscheidung ge- kommen, datz einstweilen die Situation auf dem amerikanischen An'eihe.. ar t erfolgversprechende deutsche Emissionen nicht erwarten läßt. Man behauptet, daß die Lage auf dem Geldmarkt und die stättste Tendenz der Reuyorlec Esseltenbörse für deutsche Anleihen nicht besonders günstig fei. Wie man hört, hat man sich noch kein klares Bild gemacht, wann die Beratungsstelle den Anleihegesuchen wieder freien Weg nach Amerika geben will. Anscheinend denkt man daran, auch noch weiter abzuwarten, ehe man besonders die als dttnglich anerfannte deutsche Kommunalablösungsanleihe freigibt. Dieser Auffassung gegenüber wird von verschiedenen Kreisen geltend gemacht, daß sie in einem ausgesprochenen Gegensatz zu der lohten Entwicklung am amerikanischen Geldmarkt stehe. Gerade jetzt zeigten die besonders günstigen Bedingungen der neuen Gelsenkirchener Anleihe eigentlich das Gegenteil. Inzwischen beschäftigt man sich in der Beratungsstelle weiter mit der schon vor einiger Zeit angefünöigten Durchprüfung des eingelaufenen statistischen Materials. Gerüchte. Tie angeblichen Rücktrittsabfichten Ltrcjcmanns. Eigene Drahtmcldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 19. Fevr. Bereits gestern wurde von zuständiger Stelle die Behauptung eines rechtsgerichteten Berliner Mittagsblattes dementiert, daß sich der Reichsaußenminister Dr. Stresemann mit Rücktrittsabsich- t e n schon für die nächste Zeit trage. Heute nimmt das Blatt wieder seine Behauptung von gestern auf und ergänzt sie mit einer Information über eine Unterredung des deutschen Botschafters in Patts, v. Hoesch, mit dem französischen Außenminister D r i a n ö. Danach soll zwischen dem Botschafter und dem Minister zunächst die Frage besprochen worden fein, was geschehen solle, wenn zur Zeit der Ratstagung im März die gegenwärtige Regierungskoalition nicht mehr vorhanden sein sollte. Auch schon diese Mitteilung Hingt etwas merkwürdig, denn nach Lage der Dinge ist dies zunächst eine Angelegenheit innerhalb der deutschen Regierung, die auch dann erst spruchreif fein dürfte, wenn man wirklich die Situation im März übersehen kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird schließlich das alte Kabinett mit Herrn Stresemann dann noch amtieren, wenn auch seine poli- ttsche Bewegungsfreiheit sehr eingeschränkt fein wird. Aber das sind Fragen, über die sich im gegebenen Fall zunächst einmal die Regierung selb st wird einig fein müssen. Weiter behauptet aber das Blatt, der deutsche Botschafter habe Herrn Briand von der Absicht Dr. Stresemanns Mitteilung gemacht, daß dieser in einem neuen Kabinett nicht mehr das Amt des Außenministers übernehmen wolle. Das Blatt behauptet zwar, und das ist taktisch nicht ungeschickt, auf ein Dementi gefaßt zu sein, mit Recht, denn vorläufig beruhen alle diese Vermutungen auf reinen Kombinationen. dem Repräsentantenhaus zurückgegeben. 3m Dezember 1927 kam die jetzige Fassung zustande, mit der sich der Senat einige Wochen hindurch mit Unterbrechungen besaht hat. Es ist also eine lange Lebensgeschichte, die den Gläubigern des amerikanischen Treuhänders hier auferlegt wurde: aber sie sind immer noch verhältnismäßig gut daran, verglichen mit den Deutschen, deren Eigentum in die Hände der früheren Gegner im Kriege gefallen ist. Oie Gärung in Samoa. Neu-Leelaud entsendet neue Truppen gegen die aufständischen Eingeborenen. Wellington, 19. Febr. (WTB.) Der neuseeländische Premierminister C o a t e s hat folgende Erklärung abgegeben: „Rach den neuesten Rachrichten aus Samoa sind die Bemühungen, zwischen dem sogenannten Mau-Ausschuß und dem loyalen Teil der eingeborenen Bevölkerung eine Verhöhnung zustande zu bringen, gescheitert. Bach den letzten, vom Administrator eingegangenen Berichten hat sich eine bedenkliche Lage herausgebildet und jede von den amtlichen Polizeibehörden unternommene Maß- nahme wird für das Mau-Komitee das Signal für allgemeine Wiedervergeltungsmah- nahmen gegen oic Europäer bilden. Die ganze Polizeimacht ist ohnmächtig und die Aufrechterhaltung des Friedens unwahrscheinlich. Das Kabinett hat deshalb den Beschluß gefaßt, die Kreuzer „D u n d i n“ und ,Diomede" in das Mandatsgebiet zu entsenden, wobei es sich ganz und gar nur um eine vorbeugende Maßregel handelt." Oie Wahlen in Japan. London, 20. Febr. (WTD. Funkspruch.) Die Blätter befassen sich in Telegrammen aus Tokio eingehend mit den heute in Japan zum ersten Male unter dem neuen Wahlrecht stattfinben- den Wahlen zum japanischen Abgeordnetenhaus, die von manchen als in vieler Hinsicht die wichtigsten bezeichnet werden, die in Japan stattgefunden haben. „Morning Post" berichtet, daß seit den letzten Wahlen im Jahre 1924 nicht nur die Zahl der Stimmberechtigten von 3 Millionen auf über 12,5 Millionen gesttegen ist, sondern daß auch die Arbeiterschaft als politische Macht zum ersten Male auf dem Feld erscheint. Nach dem „Daily Telegraph" werden di« Wahlen in ganz Japan heute früh um 7 Uhr durch Trommelschlag und Sirenenpfifse angekündiat werden. Für 466 Sitze sind 968 Kandidaten ausgestellt. Oas Lleberleiiungsgeseh zur Sttafrechtsreform. Berlin, 19. Febr. (DVZ.) 3m Reichstage ist jetzt der angekündigte Entwurf eines Gesetzes zur Fortführung der Strafrechtsreform eingegangen. Die Borlage ist an erster Stelle von dem Borsitzenden des Rechtsausschusses Abg. Dr. Kahl (D.Bp.) und von Bertretcrn aller bürgerlichen Parteien unterzeichnet. Paragraph 1 lautet: „Die dem Reichstage am 14. Mai und 9. September 1927 zur Beschlußfassung vorgelegten Entwürfe eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches und eines Strafvollzugsgesetzes unterliegen, wenn der Reichstag in der dritten Wahlperiode nicht über sie beschließt, der Beschlußfassung des Reichstages in der folgenden Wahlperiode, ohne daß es ihrer erneuten Einbringung bedarf. Die Entwürfe gelten als neue Vorlagen." Rach Paragraph 2 tritt dieses Gesetz am Tage nach der Verkündigung in Kraft. Oie Neuwahlen in Preußen. Berl in, 19. Febr. (V. D. Z.) Der Preußische Landtag beschloß in seiner Samstagsihung, sich hinsichtlich der Auflösung den Beschlüssen des Reichstages anzuschliehen. Der 25. März als Wahltermin würde aus technischen Gründen nicht in Frage kommen. Als Termin käme nach Ansicht des Aeltestenrates frühe- stens der 2 2. April in Frage. Der Preuh. Landtag wird sich bis zum 1. März vertagen. Inzwischen sollen die Ausschüsse die einzelnen Etats weitervorbereiten. Auch das westfälische Eingemeindungsgesetz soll im Ausschüsse erledigt werden. Aus aller Welt. Das Hochwasser. Die A l p e n f l ü s s e Lech, Wertach, Iller und andere sichren Hochwasser, das überall schweren Schaden anrichtet und auch den neuen Brückenbau über den Lech in Augsburg schwer beschädigt hat. Weite Gebiete sind überschwemmt, Brücken beschädigt und Straßen unpassierbar. 3m Allgäuer Gebiet gleicht die Gegend bei Oberstdorf, Immenstadt und Kempten einem See. Für die Stadt Kempten besteht größte lleberschwemmungsgefahr. Die Verbindung der Bahnlinie Kempten—3sny ist auf unbestimmte Zeit durch Dammunterspülungen unterbrochen. Gestern nacht und heute früh Hot in den Hochalpen starker Schneefall eingesetzt, der bei Anhalten eine weitere Gefahr in sich birgt. Die anhaltenden schweren Riederschläge der letzten Tage haben in Verbindung mit ausnehmend heftigen Stürmen in ganz Sachsen teilweise schwere Schäden hervorgerufen. Die Elbe ist im raschen Steigen begriffen und überflutete heute in Dresden gegenüber der Drühlschen Terrasse das Ufer. 3m Müglitztal, wo sich in ocr Ro-^t vom 8. zum 9. Juli im vergangenen Jahre die schwere Katastrophe ereignete, hat das ojo^roaiier wiederum starken Schaden angerichtet und auch den neu aufgeschütteten Damm der Müglitzbahn überflutet. Die Bäche und Flüsse des oberen Erzgebirges haben eine ganze Anzahl von Städten und Dörfern überschwemmt und nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Starke Hochwassergefahr für Süd-Mecklenburg. Die Elbe ist auf mecklenburgischem Gebiet in den letzten Tagen stark gestiegen und bat einen Pegelstand von 2,20 Meter erreicht. Rach den aus dem oberen Stromgebiet eingetroffenen amtlichen Rachrichten ist in den nächsten Tagen ein Hochwasser in größtem Ausmaße zu erwarten Man rechnet mit einem Höchstpegelstand von 3,30 Meter. Ein solcher Wasserstand würde die Ueberflutung der Feldmark vieler mecklenburgischer Dörfer bedeuten. Schluß her Beweisaufnahme im Kranhpwzeß. Or. Frey übernimmt wieder die Verteidigung. - Oas Urteil der Sachverständigen. Berlin, 18. Febr. (WB) Rach dem die Aerzte die Berhandlungssähigkelt des Dng.'klag- ken Krantz festgestellt haben, nimmt die Verhandlung im Krantz-Prozeß heute ihren Fortgang. Die Verteidigung hat RechtSanwall Dr. Frey wieder übernommen. Dec Angeklagte nimmt am Sachverständigenttsch vor der Anklageschranke Platz. Reben ihm sitzen der behandelnde Arzt Dr. Walthausen vom Augusta-Viktoria-Kranten- haus und eine Krankenschwester. Rechtsanwalt Dr. Frey, der mit dem Angeklagten gekommen ist, hat zunächst neben dem Tisch Aufstellung genommen, während noch der Offizialverteidiger, Rechtsanwalt Schulz, den Der- teidigerplatz einnimmt. Als der Vorsi^ende den Verteidiger aufruft, erklärt Rechtsanwalt Dr. Frey: „Ich melde mich als Verteidiger." Vorsitzender Landgerichtsdirettor Dust: „Das Gericht nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, daß der frühere Verteidiger, Herr Rechtsanwalt Dr. Frey, die Ver.eidigung w i e- dcr übernommen hat, was der Erledigung des Prozesses sehr förderlich sein dürfte. Ich nehme ihre Bestellung, Herr Rechtsanwalt Schulz, zurück und danke Ihnen für Ihre Bemühungen. Die eigentliche Verhandlung beginnt mit der Vernehmung des pädagogischen Sachverständigen, Oberstudiendirektor Dr. G o l d b e ck, der ein Charakterbild des Angeklagten gibt, wobei er darauf hinweist, daß Krantz, wie jeder aus einem musikalischen Hause stammende Mensch, schon von Jugend an seelisch gefährdet gewesen und durch die Erziehung seiner Großeltern verweichlicht worden sei. Er sei aber auch eine Dichternatur, die immer in einer Gedankenwelt lebt und daher zu Gedanken und Taten neigt, zu denen in der realen Gedankenwelt lebende Menschen nicht neigen. In der der Mordnacht vorhergegangenen Rächt habe der Angeklagte 17 Stunden geschlafen. Ein solcher Schlaf sei nicht normal: von ihm erwache der Mensch nicht erquickt, sondern niedergeschlagen. Es ist anzunehmen, daß Krantz sich schon an diesem Abend in schwerer Depression befand. Dazu komme die schwüle, erregende Atmosphäre, der Alkoholrausch und nicht zuletzt der Schreck über den Schuh, den Scheller in der Rächt abfeuerte und der neben seinem Kopfe vorbeiging. Das alles gab eine seelische Verfassung, die den Angeklagten nicht im Tollbesih seiner Geisteskräfte ließ. Rach der wohlerwogenen Meinung des Sachverständigen ist auf Krantz darum der Paragraph 51 anzu- wenden, und zwar nicht nur auf die Rächt, sondern auch für den Morgen der Tat. Der Vorsitzende befragt Krantz nach dem lange nSchlaf am Tage vor der Mordnacht. Krantz gibt an, daß er pach seinem Zusammensein mit Hilde Scheller von Vs2 Llhr ab mit einer Unterbrechung von zehn Minuten 17 Stunden lang geschlafen habe. Der Verteidiger weist darauf hin, daß Krantz vor der Tat 3 5 S t u n - den lang nichts gegessen habe. Das Gericht hört bann als Sachverständige die Oberschulrätin Dr. Weg scheide r. Sie führt die innere Labilität des Angellagten auf die Sechs Grad kalte am Rhein. Köln, 20. Febr. (WTD. Funkspruch.) Wie von der Rhein-Strom-Verwaltung erklärt wird, kann die Hochwassergefahr als besei- t i g t gelten. Der Rhein fällt langsam, auf den Höhen ist Frost bis minus 6 Grad Celsius eingetreten. Die Verschuldung der deutschen Städte. Am 1. Januar betrug die Verschuldung der Städte mit mehr als 25 000 Einwohnern auf den Kops der Bevölkerung in Anhalt 47,7 Mk., in Braunschweig 59,1 Mk., in Mecklenburg-Schwerin 50,6 Mk., in Thüringen 72,4 Mk., in Preußen 51,2 Mk., in Oldenburg 97,8 Mk., in Bayern 98,4 Mk., in Sachsen 111,3 Mk. in Hessen 145 Mk. und in Baden 182,5 Mk. Im Süden und im Südwesten Deutschlands und in Sachsen lag die Schuldenbelastung erheblich über dem Durchschnitt für das gesamte Reich. Weiter zeigt sich, daß die Verschuldung wächst mit der Größe der Städte. Immerhin erreichen die Ziffern trotz der schwierigen finanziellen Zeitverhältnisse und der Entwertung des Geldes längst nicht die Zahlen der Vorkriegszeit, in der die deutschen Städte mit über 25 000 Einwohnern jedes Jahr 650—750 Millionen Schulden aufnahmen. Der Reichspräsident bei Runtius Pacelli. An äßlich dec Wiederkehr des Krönungstages des Papstes Pius XI. gab dec apostolische Run- tius P a c e l l i ein D i n e r, das von dem Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r g mit seiner Anwesenheit beehrt wurde. Ferner nahmen an dem Diner teil: die Reichsminijler Dr. v. Keudell und Dr. Schätze l, Staatsminister Dr. Becker, Weihbischof Dr. Deitmer und mehrere Staatssekretäre. Dec König von Afghanistan auf der Reise nach Berlin. Der König und die Königin von Afghanistan haben Sonntag abend Bern verlassen und über Basel die Reise nach Berlin angetreten. Sie sind in Basel eingetroffen. Die Weiterreise nach Deutschland erfolgt Dienstag abend. Professor Emil Derhees f. 3n diesen Tagen entschlief der Professor der philosophischen Fakultät dec Berliner Llniversität, Dr. Emil B e r h e e s. Der Verstorbene, der früher inbelgischen Diensten stand und noch in jungen Jahren dank seiner hervorragenden Fähigieiten und Eigenschaften zum Ministerialdirektor aufrückte, sah sein Hauptarbeitsgebiet in der Sozialresorm Belgiens, wo er auch nach deutschem Muster Vorblldliches geschasfen hat. Die ganze soziale Gesetzgebung Belgiens ist sein Verdienst. An der Berliner Universität hat er seine reichen praktischen Erfahrungen und sein glänzendes Wissen seinen Hörern vermittelt und auch an der Hochschule für Deutsche Politik, an der er Vorlesungen hielt, stand er in hohem Ansehen. Verhees stammte aus einem allen flämischen Geschlecht, das mit Beethoven in verwandtschaftlichen Beziehungen stand. Schon in seiner Jugend war er ein begeisterter Anhänger der flämischen Freiheitsbewegung, der er später einer der besten Führer war. Seit Jahrzehnten stand er mit deutschen Staatsmännern und deutschen Gelehrten in engsten freundschaftlichen und persön- ungefeftigten Verhältnisse seiner gesamten Umwelt zurück, auf die schwankenden Zeitanschau- ungen und die Llnsicherheit im Aus- und Ausbau der Schule. So fehlte ihm die feste Linie. Vor jedem Widerstand flüchtete er in sich selbst. In sich aber schwankte er zwischen Liebenswürdigkeit und Traurigkeit, nicht zwischen Liebenswürdigkeit und CBerärgerung oder Wut. Es ist deshalb nicht anzunehmen, daß er aus Rachegefühl, etwa gegen Hilde Scheller, sich an der Tat beteiligen wollte. An dem Selbstmorde wollte er aus jugendlichem Solidaritätsgefühl teilneh- men, ein anderes Motiv bestand für ihn nicht. Sein Vorsatz war kein Vorsatz im Sinne einer bewußt auszuführenden Handlung. — Der Angeklagte ist inzwischen wieder schwach geworden und verläßt mit Arzt und Krankenschwester den Saal. Da alle Prozeßbeteiligten damit einverstanden sind, wird in Abwesenheit des Angeklagten weiterverhandelt. — Dr. Magnus H i r s ch f e l d , der nächste Sachverständige, legt dar, durch welche Einflüsse das Unbestimmte und Schwankende in Krantz' Charakter noch ver- ticft wurde. Krantz sei der geistig Schwächere, Scheller der Festere und Einflußaus- übende gewesen. In der Mordnacht und auch in den Morgenstunden habe der Angeklagte unter dem Einfluß eines schweren Alkoholrausches gestanden. Bei i er Abfassung der ■-Briefe sei die freie Willensbestimmung nicht vorhanden gewesen. Für die Morgenstunden könne man begründete Zweifel an der freien Willensbestimmung haben. Rach der ganzen charaktereologischen und sexualpshchologischen Eigenart des Paul Krantz fei eine bewußte oder beabsichtigte Teilnahme an einem Mord oder Tot.chlag rückschließend nicht anzunehmen. — Stadtarzt Dr. H odann weist auf die Einflüsse hin, die die Verpflanzung eines aus kleinen Verhältnissen kommenden Menschen in das Milieu einer wirtschaftlich bessergeTiellten Familie ausübe. Hin ichtlich der Anilage billigt der Sachverständige dem Angeklagten den § 51 zu. — Dr. med. Kröner verbreitet sich über die Frage, inwiefern für den Angeklagten ein Beweggrund zur Teilnahme an der Tat gegeben gewesen wäre. Der zur Begehung einer solchen schweren Tat notwendige Konfliktstoff fei bei Krantz nicht vorhanden gewesen, wohl aber bei Günther Scheller. Zum Mord an Hilde Scheller fehlte ihm jedes Motiv, auch das der Eifer, ucht. Eine Teilnahme an der Tat Günther Schellers liege bei ihm sicher nicht vor. — Medizinalrat Dr. v. M a h r e n h o l h äußert sich gutachtlich dahin, daß § 51 hinsichtlich der Morgenstunden, in denen die Tat geschah, nicht angenommen werden könne. Das ergebe sich schon aus den eigenen Worten des Krantz, der von sich gesagt habe, er sei zu dieser Zeit wieder ernüchtert gewesen. Auch Professor Dr. Kramer bestreitet die Anwendbarkeit des § 51 für die frühen Morgenstunden. Der Sachverständige räumt aber eine Beeinträchtigung der Entschlußfähigkeit des Angellagten zum planmäßigen Handeln auch für diese Zeit ein. Damit ist die Beweisaufnahme beendet. llchen Beziehungen. So gestaltete er schließlich aus der Freiheitsbewegung der engeren Heimat ben grohdeutschen und christlich-germanisck en Gedanken, den er mit Begeisterung und eiserner Konsequenz verfochten hat. Mit fast seherischer Gabe hat er die Gemeinsamkeit der flämischen und der deutschen Kultur erkannt. Sein ganzes Handeln war getragen von tiefster religiöser Aeberzeugung. Eine glänzende Persönlichkeit und ein aufrichtiger Freund und Verehrer Deutschlands, das ihm zur neuen Heimat geworden, ist mit ihm ins Grab gesunken. Die Strafvollstreckung im Tvilms prozeh. Rachdem nunmehr die Todesstrafen gegen die vier Angeklagten des Wilms-Prozesses in Freiheits st rasen umgewandelt sind, hat die Strafkammer beschlossen, die von der Verteidigung der Verurteilten beantragte Aussetzung der Strafvollstreckung bis zur Erledigung des Wiederaufnahmeverfahrens mangels ausreichender sachlio er Tegrüiidung zurückzuweisen. Die von der Verteidigung beantragte gerichtliche Feststellung, daß die Verurteilten a l s aleberzeugungstäter anzusehen sind und daher die damit verbundenen Vorteile genießen, wird sich voraussichtlich erübrigen, weil nach dem Wortlaute des Schwurgerichtsurteiles Zweifel an der Aeberzeugungstäterschaft nicht bestehen. Dav Urteil im Induslriespionagepcozeß. Im Düsseldorfer Industriespionage-Prozeß, der unter Ausschluß der Öffentlichkeit vier Tage dauerte, wurde am Samstagnachmittag das Urteil gefällt. Der Deutsch-Amerikaner Guikw- Weisel wurde zu einem Jahr Gefäng- n i s und 5000 Mark Geldstrafe, der Chemiker Paul Schmittnägel zu fünf Monaten Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe und Dr. Rudolf Reiß zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. An die Rebenlläger hat Meisel zu zahlen: an die I.-G.-F a r b e n i n b u ft r i e A.°G., an die Firma Leopold Casella & Co. und an die Firma Kalle L Co. je 2000 Mark. Schmittnägel und Dr. Rudolf Reiß haben an die beiden letztgenannten Firmen auch je 2000 Mark Schadenersatz zu zahlen. Der von bet Verteidigung gestellte Antrag auf Haftentlassung wurde genehmigt, jedoch mußte Meisel sich verpflichten, vorläufig in Deutschland zu bleiben. Bei der Beurteilung des Strafmaßes ist man bei Meisel davon ausgegangen, daß er als äußerst gewandter Kaufmann Ürchrung und Gebrauch der Geheimverfahren genau kennt. Obwohl Meisel als Beauftragter seiner amerikanischen Firma handelte, sei zu beachten, daß er in der skrupellosesten Weise deutsche Geheimverfahren sich zu verschaffen wußte und diese ins Ausland brachte. Die Folge dieser Industriespionage lassen sich heute noch nicht in vollem Umfange übersehen. Die chemische Industrie ist schwer geschädigt. Erschwerend für das Urteilsmaß war, daß die chemische Industrie von eminenter Bedeutung für das Reich und seinen Bestand ist. Schiffsunglück. In Rouen lies gestern nachmittag ein Pe - troleum-FlußdamPfer, als er in den Petroleumhafen geschleppt wurde, infolge eines plötzlichen Anspannens der Schleppseile auf einen anderen im Hafen liegenden Schlepper auf und wurde leck. Drei Mann der Besatzung, darunter der Kapitän, retteten sich durch Schwimmen. Zwei andere Personen, ein Leichtmatrose und ein Heizer, die auf dem Dampfer blieben kamen ums Geben, da das Schiff innerhalb ganz kurzer Zeit sank. Der Schiffsverkehr im Hafen wird durch bas Wrack, bas gehoben werden soll, nicht gestört. Schweres Doolsunglück bei San Franzisko. 2lus dem zwischen San Franzisko und Oakland verkehrenden Fährboot »Peraita" ereignete sich eine schwere Katastrophe. Durch eine Sturzwelle, die über das niedrige Vorderdeck ging, wurden etwa vierzig der Passagiere über Bord gespült. Cs gelang, 19 Personen zu retten, die übrigen sind ertrunken. Der zurückgebliebenen Passagiere bemächtigte sich eine Panik. Späte Aufklärung einer Kindertragödie. 2ei Erdarbeiten in einem noch nicht bebauten Teil einer Straße wurden in Madrid die Gebeine dreier Kinder gefunden. Rach ben dabei aufgefundenen Resten vott'Kleidungsstücken, die von den Angehörigen wiedererkannt wurden, handelt es sich um drei Mädchen, die seit 3Vs Jahren auf unerklärliche Weise verschwunden waren. An der Stelle, wo der unheimliche Fund gemacht wurde, befand sich seinerzeit ein kleiner Hügel, in den Land- Ü reifer eine Höhle gegraben hatten. Die Kinder spielten gewöhnlich in dieser Höhle, und man nimmt an. daß sie durch einen telltoeifen Einsturz dieser Höhle verschüttet wurden. Durch vermeintlichen Alkohol vergiftet. 3m Zuchthaus in Brieg (Schief.) hat eine Anzahl Strafgefangener eine Flüssigkeit, die bet der Pantoffelherstellung verwendet und von der sie annahmen, daß sie Spiritus enthält, destilliert und getrunken. Daran, mußten mehrere Gefangene infolge Vergiftungserscheinungen ins Anstaltslazarett übergeführt werden, wo bereits zwei gestorben sind. Der Typhus in Hagen. Seit dem letzten Bericht vom 13. b. M. sind weitere sechs Typhuserkrankungen hinzugekommen. Es sind somit bisher 71 Typhus- erkrankungen zu verzeichnen. Die Zahl der Todesfälle beträgt bis jetzt 14. Warenhausbrand in Mecklenburg. Im Warenhaus Karl Stephan in Dömitz a. E. entstand ein Großfeuer, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. An eine Bergung von Waren war nicht zu denken. Nachdem das Feuer etwa eine Stunde gewütet hatte, stürzte das Warenhaus unter lautem Krachen zusammen. Der Sachschaden wird auf 120 000 bis 150 000 Mark geschätzt. Uraufführung in Kassel. Die Urausführung von „A r m « r Kolumbus", verfaßt von Arthur Z w e i n i g e r, Musik von Er- win D r e s s e l, gestaltete sich unter Leitung des Intendanten Legal im Beisein vieler auswärtiger Theaterdirektoren, Regisseure und Pressevertreter mit Viktor M o i s s i in der Titelrolle, Therese von Le m he ny als Königin und Karl Ebharbt als König zu einem großen Erfolg. Die Bühnenbilder von Lothar Schenk von Trapp vom Landestheater in Darmstadt trugen dazu bei, die trefflich vorbereitete Aufführung abzurunden. Oie Wetterlage. r--7- LOn ibcrdcl ■vaidersuni «05t >510 715 Mapkrendi Bircn-lns.- ’Stocki itmrb >00—<' o 1 . Wien Paris Sonntag, den 19 Februar 1023. öh vorn O Wolkenlos. (3 neuer 3 naro oeaeenu ® woinig. ® oedeett • ReotW * Schnee & Graupeln e,ne»ti X MW KMMW D ■ ** L- ** -MOCCA ■ IN NEUER MISCHUNG I UND NEUER PACKUNG! ■ >’■ I Mischung: leicht, duftsüfj, aromatisch! Packung: fachlich. ALSO:VERSUCHEN! ■ '.3*. .. ■ stattfindet. 1954D Jacob Blumenthal I066D 19650: Kesselbach, Hannover, Leipzig, Londorf, Wittelsberg, den 18. Februar 1928. Privatdozent Dr. phil. Hugo Stintzing. den 18. Februar 1928. Kranzspenden bitte ich abzusehen, da die Beerdigung Heute morgen 10 Uhr entschlief nach langem schweren Leiden mein herzensguter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Gießen, Von in Jena Die Beerdigung findet Dienstag, den 21. Februar, nachmittags 2V, Uhr statt. im fast vollendeten 77. Jahr. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Julius Blumenthal. Meine geliebte Frau Marie Stintzing geb. Bürger wurde heute von ihrem schweren Leiden erlöst Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe, herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau tose Ameni Wwe. W. Bala nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden, im Alter von 64 Jahren, zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Familie Ludwig Amend Familie Heinrich Binz IV. Luise Amend Familie Richard Binz Marie und Arthur Ulm (Enkelkinder) Allendorf a. d. Lahn, Breitscheidt (Westerwald), den 19. Febr. 1928. Die Beerdigung findet Dienstag, den 21. Februar, nachmitags 2 Uhr in Allendorf, statt. Dienstag, den 21. Februar l. 3., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1941D einen Kleiderschrank, einen Lisschrank, einen Spiegel, ein Tischchen mit zwei Sesseln, eine Ladentheke, vier IDaren- schränke, eine Waschmaschine, ein Büfett, einen Ausziehtisch, einen Rauchtisch, zwei Sessel, einen Bücherschrank, einen Schreibtisch, einen Heißwasserapparat, Zwei Chaiselongues, neun Paar Zug- stiefel, acht Paar Schneeschuhe, eine Näh- maschine, eine Ladenkasse, ein Klavier, einen Trumeauspiegel, ein Oelgemälde, eine Kopierpresse mit Tisch, eine Slahl- stanze, eine Partie Stosse. Wöll Gerichtsvollzieher fr. A. in Gießen Jheringstraße 7. Holzsnbmissiort. 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Wer kann mir angeben, wo Träger «Äs Seilsu; od. ähnlich lautend, leben od. früher gelebt haben? ,,r hundert 2ahren Hessen dem Preu ßischen Zollverein beitrat womit befanvi llch eia bedeutsamer Schritt zur Einigung Deutsc!: lands zurückgelegt wurde. Preußen hatte im 2ahre ISIS ein neues Zottgefeh erlassen, wodurch die Provinzen dieses Staates zu einem großen einheitlichen Wirtschaftsgebiet zusammengefaßt wurden. Bayern und Württemberg unternahmen eine Konlurrniz- grünöung und schloßen sich zu einem Zollbund zusammen, dem Hessen-Darmstadt nicht abgeneigt war beizutreten. Allein, so schreibt die „Darmstädter Zeitung", entgegen dieser Auffassung des gesamten Landes beschloß der damalige Minister du Thil nach sorgfältigen Erwägungen, sich ........... ii i■ iiin i caaywiMUBB geliebten Melibea kosen will, sondern er wird von Celestina, die er verschmäht, erstochen. Das weitere Schicksal der armen Melibea läßt Wolfen- siein uns nur ahnen, er verzichtet auf ihren frassen szenischen Tod. Mittelpunkt des Dramas ist die große Kupplerin, die Hexe Celestina. Die Tragödie dieser Meisterin der Liebe wurzelt darin, daß sie sich unrettbar in den frommen Calisto verliebt. Die eifersüchtige Kupplerin wäre vielleicht ein recht guter Stoff zu einer Tragikomödie, aber bei Wolsenstein verzehrt sich Celestina, die mit kaltherziger Berechnung um klingenden Lohn rings um sich her Flammen schürt, an ihrer eigenen Liebessehnsucht. Sempro, der als Freund des Calisto gilt und gleichzeitig mit Gewinnanteil an Celestinens Liebes-Hochschule beteiligt ist, trägt mit teuflischer Frechheit auf zwei Schultern. So stiftet et Celestina an, Calisto Melibea zuzusühren, damit er um , so schneller, der ersten Liebe überdrüssig, in chre eigenen Arme eile, aber der Plan scheitert an der Treue der beiden Liebenden, imd hierin gipfelt die dramatische Bewegtheit des Dramas, welches von sehr viel Liebe handelt, sehr viel Szenen aufweist, aber nie so recht zum eigentlichen 2nhalt findet. Sicherlich war diese „Celestina" von bedeutungsvoiler Wichtigkeit für die Weiterentwicklung des spanischen Dran:as, einzelne Gestalten atmen vorahnend S Hakespeare- schen Geist, aber uns Heutigen hat die seltsame Dame nicht mehr viel zu sagen: ihre leidenschaftlichen Zuckungen lassen kalt, ihre Dämonie verpufft in bunten Szenen, der Rachhall fehlt. — Die Ausführung unter der Regie Weicherts war zündend und voll dramatischem Elan, immer wieder versuchte er der Szenenreihe den Reiz künstlerischer Bewegtheit zu schaffen. Caspar Rehers Bilder hatten bei geschickter Ausnützung der Drehbühne malerisch dramatische Eindringlichkeit. Wundervoll, das Werk darstellerisch vertiefend, war die Celestina der Agnes Straub! Eine gleißende Schlange, bewandert in allen Künsten der Verführung und doch im Retze eigener Verstrickung sich fangend. Reben ihr — mit Abstand — alle übrigen in vollem Einsatz ihres Könnens. Das Publikum ließ sich in erster Linie von der großen Künstlerin hinreißen, folgte dem Drama mit 2ntereffe und dankte mit lautem Beifall für die ausgezeichnete Ausführung. 2mmer wieder mußten Autor, Regisseur und Darsteller auf der Bühne erscheinen. Preußen anAuschließen. Der praktische Vorteil, der dadurch für eine Reihe hessischer Gebiete erzielt werden konnte, war so unmittelbar und bedeutend, daß du Thil sich allen Widerständen gegenüber stark machte. Preußen zeigte weitgehendes Entgegenkommen und gestand Hessen die fernere Selbständigkeit seiner Zollverwaltung lediglich unter preußischer Heberwachung zu. Am 14. Februar 1828 vollzog sich der Beitritt Hessen- Darmstadts zum Preußischen Zollverein. Damit war der erste Schritt zur Bildung des Deutschen Zollvereins.getan. Denn wenn dieses Vorgehen auch zunächst gewalttge Empörung in Hessen selbst und in den anderen deutschen Staaten hervorries, so erwies sich doch bald, daß der König von Württemberg recht hatte, als ec zu der Nachricht von dem Abschluß des preußisch-hessischen Vertrages äußerte: „Früher oder später werden wir gezwungen sein, diesem Beispiel nachzufolgen." Schon im Jahre 1833 bewahrheitete sich diese Voraussage, Württemberg und Bayern folgten dem Beispiel Hessens, und weitere drei Jahre später erhielt der Deutsche Zollverein durch den Beitritt Frankfurts und Rossaus die wünschenswerte territoriale Abrundung. Daten für Dienstag 21. Februar. Sonnenaufgang 7.04 IHjr, Sonnenuntergang 17.24 Hhr. — Mondaufgang 7.40 Uhr, Mond- untergang 17.21 Ahr. 1779: der Rechtslehrer Karl von Savigny in Frankfurt a. M. geb. (gcst. 1861): — 1785: der Schriftsteller Karl August Vernhagen v. Ense in Düsseldorf geb. (gest. 1858); — 1866: der Mediziner August vom Wassermann geb. sgest, 1925); — 1915: Winterschlacht in der Champagne (bis 20 März); — 1916: Schlacht bei Verdun (bis 9. September). Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten aus dem Wocheiunarkt am Samstag: Butter 150 bis 170 Pfennig, Matte 30 bis 35, Kä e (10 Stuck) 60 bis 140, Wirsing 30 bis 40, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 35 bis 40, Anterkohlrabi 10 bis 12, Rosenkohl 50 bis 4>0, Feldsalat 120 bis 150, Endivien 100 bis 120, Tomaten 120, Zwiebeln 20 bis 25. Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 5,5, Aepsel 10 bis 20, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 25, Honig 45 pro Pfund; Eier 14 bis 16, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 20 bis 40, Lauch 15 bis 20, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis tiO Pfennig pro Stück. Bornotizen. — Tageskolender für Montag: Mandolinen- und Gitarren-Verein „Neapolita": 8 Uhr, Vereinslokal, Familienabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Primanerliebe". — Astoria-Licht- spiele: „Lebende Ware". — Kreis - Obst - und Gartenbauverein Gießen. Am Samstag,. 25. Februar, findet im Hotel Hopfeld die Hauptversammlung mit Vortrag statt. Näheres in der Anzeige vom Samstag. - Radioklub Gießen. Trotz aller gegenteiligen Prophezeiungen wächst die Tetlnehmcr- zahl am deutschen Rundfunk immer mehr. Daher tritt an immer weitere Kreise die Rotwendigkeit heran, sich mit der Frage zu befassen: „Was für einen Empfangsapparat wähle ich?" Dem Laien ist es natürlich nicht möglich, sich auf dem laufenden zu halten über alle Fortschritte, die auf dem Gebiete des Empfängerbaues gemacht werden. Der Giessener Radiollub betrachtet es nun als eine seiner Hauptaufgaben, die Gießener Funkfreunde in jeder Hinsicht zu fördern. Er hat daher den früheren Funkspezialisten der Hniversllät Gießen, Dr. Heinrich Müller, jetzt Brandenburg (Havel), zu einem Dortrage gewonnen über „Fortschritte im Emp- fängerbau". Der Vortragende wird feine Ausführungen unterstreichen durch zahlreiche Lichtbilder und Demonstrationen. Da er die Gießener Cmpsangsverhältnisse aus eigener Erfahrung genau kennt, wird er in seinen Ausführungen gerade darauf besonders Rücksicht nehmen, so daß alle Rundfunkteilnehmer bei dem Besuche des Vortrags, der am Freitag, dem 24. Februar stattsindet. auf ihre Rechnung koinmen werden. Siche Anzeige vom Samstag. *'* Zur Feier des Volkstrauertages Iinbet am Sonntag, 4. März, in der Neuen Aula der lnioerfität wiederum eine Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen in der hergebrachten Weife statt. Die Gedächtnisrede hat Pröf. Dr. Koch übernommen. Mexikanische Kaffeehäuser. Von Heinz Erich Platte. Immer, wenn ich, im Ausland weilend, einen kleinen, aber reizvollen Ausschnitt aus der mir fremden Welt und ihren typischen Erscheinungsformen gewinnen wollte, dann verweilte ich ein Stündchen in den Kaffeehäusern, diesen vom Mokkaduft durchströmten Oasen inmitten eines vielgestaltigen bunten Lebens. Ick) sah in brasilianischen Motkastuben dandyhaft gekleidete braune Menschen, die nach dem Genuß von einigen Täßchen unerhört starren Kaffees aus alter, lieber Gewohicheit sich einen Zahnstocher zwischen die Lippen schoben und, lebhaft gestikulierend, eine Anterhaltung führten, die niich an den Lärm einer deutschen Wahlversammlung erinnerte. In Argentinien wies mir ein Kaffee- bausbesiher die Türe, weil ich mich aus Versehen in die „sala para familias“ gesetzt hatte, die in jenem Lande der strengen Sitten nur dem zarten Geschlecht zugänglich ist, und in den „Lecherias" des Hafenviertels von Buenos Aires beobachtete ich Landsleute, die hier mit dumpfer Entschlossenheit ihre letzten fünfundzwanzig Centavos zusammensuchten, um sich mit Kaffee, Brötchen und Butter noch einmal für die Rolle zu starten, die sie wenig später als Helden des Dramas „Auswandererelend" auf der Bühne des Lebens zu spielen berufen waren. In Meriko City sand ich neue Ruancen: das exotische Cafe mit Zichharmonikamusil und Damenbedienung. und das lichte, freundliche, meist von Amerikanern geleitete Erfrischungslokol, wo der Duft des Kaffees sich mit den aufmunternden Wohlgerüchen exquisiter französischer Parfüms verbindet. Diese Kaffeehäuser (es gibt deren übrigens nur wenige) find Treffpunkte der eleganten Welt, Anterhaltungsstätten sozusagen, die dem Bedürfnis dienen, einen harmlosen Flirt zu bewerkstelligen, der indes zu keinerlei Resultaten führt. Das Kännchen Mokka, die Tasse Schokolade mit Schlagsahne ist nur Vorwand, dazusitzen und der wilden amerikanischen Jazz- mnsik zu lauschen, während es in Wirklichkeit doch darum geht, keck übereinandergefchlagene Mädchenbeine bewundern zu lassen und filmreife Augenaufschläge zu üben, die von den •• Straßensperrung. DaS Hessische Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten ist die Georg-Philipp- Gail-Straße zwischen Kaiserallee und Licher Straße ab 20. Februar auf die Dauer von etwa drei Wochen für allen Fährverkehr gesperrt. •r Personalien. Ernannt wurden: der hauptamtliche Fortbildungsschullehrer an der Fortbildungsschule zu Herchenhain und Umgegend, Kreis Schotten, August S t e i n m a n n zum hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer an den Fortbildungsschulen im Bezirk Gießen: der Lehrer im einstweiligen Ruhestand Gustav K a u ß zu Wenings, Kreis Büdingen, mit Wirkung vom 15. Februar 1928 ab zum Lehrer an der Volksschule daselbst. — Durch Beschluß des Landesamts für das Bildunaswesen wurde der Studienreferendar Dr. Harald Kaes- b e r g e r aus Gebweiler im Elsaß zum Studienassessor ernannt. •* Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. In der Zeit vom 1. bis 15. Februar verstarben in Gießen: 2. Februar: Johannes Ganz, Rentner. 74 Jahre, Kreuz- Platz 12. 3.: Anna Pauline Haßler, 1 Jahr, Katharinengasse 8; Hans Joachim Peter Pfeiffer, 4 Jahre, Ludwigsplah 15; Irmgard Erna Rinn, 1 Jahr, Katharinengasse 7. 4.: Heinrich Sauer, Gastwirt, 67 Jahre, Reustadt 58; Margarete Hahn, geb. Weih, Witwe, 71 Jahre, Dis- marckstraße 9. 5.: Professor Dr. Karl Kramer, Museumsdirektor, Major a. D., 78 Jahre, Lud- wigsplatz 5: Heinrich Fenster, 1 Jahr, Reuen- tocg 31; Ottilie Rausch, geb. Rahrgang. Witwe, 60 Jahre, Kaplansgasse 19. 6.: Ernst Grau, 2 Tage, Roonstraße 25. 7.: Johanna Maria Schneider, geb. Kirstein, 33 Jahre. Karl-Vogt- Straße 5; Robert Ludwig Hamel. 6 Monate, Goethestraße 50; Antonie Dora Margarete Hintze, ohne Beruf, 18 Jahre, Marktplatz 19; Elisabeth« Gregorius, geb. Depp, Witwe, 68 Jahre, Hammstraße 3. 8.: Else Schunk, geb. Schneider, 43 Jahre, An der Johanneskirche 5; Wilhelm Enders, 1 Jahr, Weidengasse 7; Babette Katharina Helm, geb. Schmid, Witwe, 72 Jahre, Wilhelmstraße 56. 9.: Ruth Schneider, 1 Woche, Karl-Vogt-Straße 5. 10.: Georg Höhn, Taglöhner, 68 Jahre, Licher Straße 74. 11.: Auguste Landmann, Handarbeitslehrerin, 63 Jahre, Südanlage 7. ** Verein Volkshochschule Gießen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins wurden die Herren Prof. Dr.Messer und Unioersitätsbibliochekar Prof. Georg K o ch in den Vorstand gewählt; Professor Messer zualeich als erster Vorsitzender des Vereins. Den ausgejchie- benen Herren Prof. Dr. M i t t e r m a i e r und Studienrat Dr. Flörke hat der Vorstand für ihre mehrjährige, hingebende Tätigkeit gedankt. Die Eintragung des Vereins ins Dereinsregister wurde zugleich mit einer Satzungsänderung beschlossen. Es wurde mitgeteilt, daß ohne Erhöhung des bisher auf das Existenzminimum beschränkten Etats der Erfolg dauernd in Frage gestellt bleibe. oo Dorfkirchenvorstehertagung. Es ist bereits durch die Presse bekannt geworden, daß am 5. März eine Dorftagung der Kirchenoorsteher in Münzen berg stattfindet. Um allen 2krtretem der Gemeinden die Teilnahme zu ermöglichen, wird vormittags 9.20 Uhr in Lich ein Sonderzug auf der Linie Butzbach—Lich eingelegt. Auch nachmittags wird ein Zug rechtzeitig die Gäste zu den Anschlüssen aus der Strecke Gießen—Gelnhausen be- föfbem. "Das EndeeinerKappensitzung. In der Rächt zum Sonntag geriet bei der Heimkehr von einer Kappensihung, bei der man nicht etwa Selterswasser getrunken hatte, ein hiesiges Ehepaar mit Hausgenossen in Streit. Der Worte wurden recht viele und recht laut gewechselt, trotzdem aber konnte man sich nicht verständigen. Deshalb beschloß man beiderseits, eine „gute Handschrift" zu schreiben. Das besorgte die eine Seite der Kamvfhähne mittels eines Schürhakens, der auf den Köpfen der anderen Seite gerührt wurde, so gründlich, daß das Ehepaar von der Kappensitzung mit erheblichen Kopfverletzungen von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach Leistung der ersten Hilfe in die Klinik verbracht werden mußte, von wo der Mann nach Anlegung von Verbänden wieder entlassen wurde, während die teure Ehegattin erst heute ihre Rückkehr ins eheliche Heim begehen kann. hr. Jugendvereinigung der Mat- thäusgemeinde. Am Donnerstag gab die Jugendvereinigung der Matthäusg?meinde im männlichen Gästen mit wohlgefälligen Blicken erwidert werden. Das solide Kaffeehaus, das spätestens um neun ilfjr abends seine Pforten schließt, ist ja schließlich neben dem Kino der einzige Ort. den die wohlerzogene Mexikanerin in Gesellschaft ihrer Geschwister oder Freundinnen besuchen darf, ohne einen Verstoß gegen die etwas merkwürdigen Moralgesetze Lateinamerikas zu begehen. Sie läßt es sich denn auch nicht nehmen, den täglichen Rachmittagsbummel auf der Avenida Francisco I. Madero für eist halbes Stündchen zu unterbrechen, um im Kaffee»- Haus etwas zu genießen und dabei inmitten eines internationalen Publikums ganz unschuldsvoll — denn so ein Glutblick aus dunklen Augen ist durchaus nicht ernst gemeint! — zu kokettieren. Da liegt neben dem stillen, vornehmen Lokal „Lady Baltimore" direkt an der erwähnten Bummel-Avenida das Caf6 „Sansborns" bequem. Hier wie auch in vielen anderen Kaffeehäusern Mexikos gibt es keine befrackten Kellner, die — wie in Südamerika — dem Gast durch unpünktliche Bedienung die gute Laune verderben. Das besorgen vielmehr reizende Kreolenmädchen in blauen Kleidchen und weißen Schuhen, Schürzen und Häubchen, die von hinreißendem Phlegma und von entzückender Vergeßlichkeit sind. Bestellst du zum Beispiel Kaffee, so stellt dir die holde Kellnerin nach Verlauf einer kleinen Ewigkeit todsicher ein Kännchen Tee auf den Tisch, und wenn du bescheiden einwendest, du habest eigentlich Kaffee bestellt, so wird deine Behauptung mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen, das die weibliche Heber- legenheit trefflich illustriert. O ja, die Frauen haben immer recht, gleichgültig unter welchem Breitegrad sie geboren sind! Die Musik vollführt einen beträchtlichen Lärm und übertönt so bisweilen die Unterhaltung der jungen Mädchen, über deren karminrot geschminkte Lippen der spanische Wortschwall wie ein lustiger Wasserfall unermüdlich dahinsprudelt. Ilm sieben Hbr abends packen die Musiker ihre Roten zusammen, und zwei Stunden später ist auch der letzte Gast verschwunden. Wer um diese Zell noch nicht nach Hause gehen will, muß einige soziale Stufen tiefer steigen und jene Lokale im dunkelsten Viertel von Mexiko City aufsuchen, wo das Mokkatrinken unter Hm- Bund Deutscher Jugendvereine (BDI.) einen Eltern- und Familienabend, der als „lustiger Abend" ausgestaltet war und ganz von der Bubenabteilung bestritten wurde. In seiner Begrüßungsansprache wies der Leiter, Pfarrer Hertel, auf Zweck und Absicht solchen Abends hin: das Bedürfnis nach Freude und Frohsinn ist ganz besonders in der Jugend mächtig, und es wäre töricht, solches zu leugnen und darüber hinweggehen zu wollen. Auf welche Irrwege diese Sehnsucht nach Ausspannung und Abwechselung aber geraten ist, beweist zur Genüge die gegenwärtige Faschingszeit. In der Jugend lebt noch viel Sinn für wahre Freude und echten, wenn auch oft derben Humor, der gesund ist und sich nicht auf schlüpfrige Bahnen begibt. Wie man auch ohne „Maskerade" und „Rarrenkram" wirklich frohlebendig, ja überschäumend ausgelassen sein kann, das zeigte das Programm des Abends. Ein Schattenlheater machte den Beginn, und es war gar köstlich zu sehen, was alles an Unrat aus dem Leibe des kranken Mannes herausgeholt ward. Ein Zirkusdirektor stellte sein Ensemble vor, erstaunt waren die Zuschauer über die gewaltigen Leistungen dieser bisher noch gänzlich unbekannten Truppe. Auch die moderne Technik war vertreten "vurch einen Professor, der den Maschinenmenschen der Zukunft entdeckt hat und ihn in einer gewaltigen Kiste bei sich führte. Frohe Orchesterstücke füllten die Pausen, als Mundartdichter war der allbekannte Frankfurter Stolhe vertreten, dessen Gedichte „Die Kapp" und „Die Blutblas" wiederum Lach- ftürme hervorriefen. Köstlich war auch das Lied vom Frosch, das von einem mächtigen Quaker- chor und einem Aiesensrosch begleitet war. Den Höhepunkt des Abends brachte ein Sechsakter, eine Groteske von Martin Luserke. „Blut und Liebe, ein Ritterschauerdrama"; die Spielschar bewies, daß sie trotz der mancherlei Behinderungen und der äußerst primitiven Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, sich auch in den Stoff eines Lustspiels, das viele Zufallsmomente enthält, einzuleben verstand. Lieh vielleicht der eigenartige Titel des Spiels auf ein kitschiges Stück schließen, so konnten die Zuhörer doch bald merken, daß Luserke nicht der Mann seichten Bühnengeschmackes ist, sondern eine derbe Sprache reden kann. Auch dieses Spiel erntete reichen Beisatt. Der Besuch des Abends lieh nichts zu wünschen übrig, auch die Alten fühlten sich wieder froh in ihre Jugendzeit zurückversetzt. Rangierfunk. In neuerer Zell hat die Reichsbahn Versuche angestellt, im Rangierbetrieb dem Lokomotivführer eines Rangierzuges unter Verwendung der drahtlosen Telegraphie und Telephonie akustische Signale von dem auf dem Ablaufberg befindlichen Rangierleiter zu geben. Bei dem Wagenablauf kommt eine über ein Kilometer lange Strecke in Frage. Die Versuche werden mit zwei verschiedenen Systemen angestellt. Bei dem System C. Lorenz QI.-©, gibt der auf der Lokomotive ausgestellte Empfänger Weckersignale, wenn der Rangierleiter eine Taste drückt. Bei dem System „Tele- sunken" wird einseitig wirkende drahtlose Telephonie verwendet. Dem Lokomotivführer werden die Rangierbefehle zugesprochen. Der Empfänger auf der Lokomotive hat einen Lautsprecher, die Besprechungsstelle der Sendeanlage befindet sich auf dem Ablaufberg. Beide Systeme arbeiten mit Antennen, die längs der Rangiergleise aus- gespannt sind, so daß für den geringen Luftraum. der zwischen QIntenne und Rangierlokomotive verbleibt, geringe Sendeenergien nötig sind. Hebet die endgültige Brauchbarkeit dieser neuen Einrichtungen ist ein abschließendes Urteil noch nicht gesprochen. •* Fahrende E i s e n b a h n s ch u l e n hat die Reichsbahn zur Weiterbildung ihres Personals eingerichtet. Sie hat 30. besondere Unter» richtswagen ausgerüstet, die als fahrende Schulen Herumrotten und aus einem Schulraum, einem Modellraum und einem Lehrerraum bestehen. Die Wagen laufen unter Begleitung von Wanderlehrern in den einzelnen Bezirken und vermitteln Unterricht in Fachgebieten, in denen im ganzen Direktionsgebiet ein ähnlicher Unterricht unter Verwendung kostspieliger Lehranlagen notwendig wäre. Es werden hierdurch auch Kosten für die mehrmalige Anschaffung teurer Unterrichtsmittel erspart. So gibt es Unterrichtswagen für Fernmeldewesen, für Sicherungsund Blockdienst, für Bremsen, für Dahnunter- haltung usw. Im Dienstunterricht wird besonderer Wert darauf gelegt, durch gründliche Hn- ständen zu einer aufregenden Angelegenheit werden kann. Münchener Fasching. Von Magda Amann. Die Mechanisierung des Münchener Faschings konnte in der Zeit des Dawesplans nicht aus- bleiben. Der Karneval ist eine gewaltige Industrie mit Millionenumsah geworden. Die großen und kleinen Säle, das Deutsche Theater, der geschichtliche Mittelpunkt Münchener Faschingstreibens, die riesenhaften Festhallen der Großbrauereien, — Dom Machäser bis zu dem 4000 Personen fassenden Löwenbräu —, die prachtvollen Festsäle der Hotels, die Kleinkunstbühnen, — alles wetteifert mit Revuen, Redouten, Bällen, italienischen, spanischen, norwegischen, indischen Rächten, — wahrlich ein Taumel von Farbe, Licht, Tanz und Bewegung. Es kommen die zahlreichen Künstlervereinigungen hinzu, die ihre notleidenden Kassen durch den Fasching besser füllen als durch den Verkauf ihrer Gemälde. Es kommen hinzu die zahllosen Vereine, vom Automobllklub bis zum tatsächlich bestehenden „Verein gegen betrügerisches Einschänten", die Wohltätigkells- und Hilfsvereine, — vom Armenball bis zur „Orientalischen Redvute zur Unter» stühung aufstrebender Gesangsschüler". Kein Tag ohne Feste. Eine erstickende Fülle. Ein krampfhaftes Bemühen, durch den Fasching das einzuhvlen, was Rot der Zeit und Geldknappheit versagten. Die Münchener wollen ihren Fasching. Man kann sie deshalb nicht schelten. Ollles macht mit. Korpulente Schlachtersfrauen, blitzenden Glasschmuck auf frisch geschnittenem Bubikopf, freuen sich ihres Lebens, von dem sie zwei Drittel schon hinter sich haben. Ernsthafte Herren, die Sorgen des Tages im unruhigen Auge, gehen abends als trotzige Seeleute oder entwaffnende Biedermeier verkleidet auf allerhand Bälle und geraten, gemildert durch des Lebens Spätherbst, außer Rand und Band. Die Hohe der Eintrittspreise schwankt zwilchen 60 Pfennigen und 20 Mark. Die Leihgebühr für terweisung die Zahl der Unfälle zu vermindern und durch Erziehung zu wirtschaftlichem Denken und Handeln einen sparsamen Verbrauch an Betriebsstoffen sowie eine reibungslose und schnelle Qlbtoidelung des Betriebes und Verkehrs zu ermöglichen. ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter ischlachtoiehmarkt: 316 Ochsen, 46 Bullen, 580 Kühe, 320 Färsen, 609 Kälber, 117 Schafe und 5682 Schweine. Oberheffen. Gemeindeverband Meseck-Men- duseck Derdandsvorsteher Karl Benner des Gemeindeverbandes W i e f e d— QI 11 e n- Buseck teilt uns zu der in Rr. 36 vom 11.2. abgedruckten Erwiderung des Gemeinderats Scherer auf eine Entgegnung Benners mit, daß der vom Gemeinderat Scherer am 11. Februar angeführte Schlußsatz des Artikels 7 der Derbandsfahungen nicht b e st e h t. In diesem Schlußsatz sollte nach der Behauptung Scherers bestimmt fein, „daß die Zinsen nur ausgezahlt werden, wenn ein Geschäftsüberschuh besteht". Diesen Schlußsatz habe Benner in seiner Antwort auf die erste Veröffentlichung Scherers verschwiegen. Verbandsvorsteher Benner erklärt demgegenüber, daß von einem Verschweigen dieses angeblichen Absatzes keine Rede fein kann, eben weil der Qlbsatz in den Derbandssatzungen überhaupt nicht vorhanden ist. Zum Beweise für die Richtigkeit seiner Behauptung übermittelt uns Benner ein Exemplar der Verbandssatzung, in dem wir bestätigt finden, daß der von Scherer angeführte Schlußsatz des Paragraph 7 der Satzungen nicht existiert. Rachdem nunmehr beide Teile in unseren Spalten zweimal zu Worte gekommen sind, schließen wir hiermit die Erörterung an dieser Stelle. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 20. Febr. Gestern wurde der auf dem Bahnhof Gießen am Donnerstag tödlich verunglückte Rottenmeister Johann Heinrich Lepper unter außergewöhnlicher Beteiligung seiner Arbeitskollegen und der Einwohner Wie- secks zur letzten Ruhe gebracht. Pfarrer Sattler pielt die Grabrede. Reichsbahnrat Wilke würdigte die Verdienste des Verstorbenen, die er sich in seinem langjährigen Dienste bei der Reichs» oahn erworben hatte. Als äußeres Zeichen der Anerkennung legte der Redner im Ramen der Beamten und Arbeiter der Bahnmeisterei I, sowie der Reichsbahndirektion Frankfurt und der Reichsbahnge>llschaft Berlin einen Kranz am Grabe nieder. Weiter wurden Kränze meber» gelegt von dem Verein ehem. 116er Gießen, der Bahnmeisterei III, den Alterskollegen, dem Qkr» band der Rottenmeister, den Arbeitskollegen und den Hörern der Volkshochschule Wiefecks. * Wieseck, 18. Febr. Gestern abend fand bei Gastwirt Gerlach dahier die ©eneralner - sammlung des Obst- und Gartenbau- Vereins bei sehr guter Beteiligung der Mitglieder statt. Rach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Lehrer Petri, erstattete der Vereinsrechner, Kaufmann Lotz, Bericht über die Jahresrechnung. Erfreulich war die Mitteilung, daß nunmehr 80 Obstzüchter dem Qterein als Mitglied angehören. Bürgermeister S ch o m b e r dankte im Ramen aller Anwesenden dem Vorstand für seine unermüdliche Tätigkeit. AIS Ersah für den seitherigen Schriftführer Lehrer Karl R e i ch e l t, der fein Amt freiwillig niedergelegt hat, wurde Kaufmann Wilhelm Acker in den Vorstand gewählt. Z Rödgen, 20. Febr. Heute früh gegen V28 Hhr wurde aus dem hiesigen Dorste ich die Leiche einer älteren Frau getan bet, die mit bäuerlicher K'eidung, Hausschuhen und einem Kopftuch bekleidet war. Die Tote scheint schon längere Zeit im Wasser gelegen zu haben. Die Frau stammt Bestimm! erhältlich: Kaiser - Drogerie, Lindenplatz 5, Ludwigsplatz- Drogerie, Roonstr. 2. Viktoria-Drogerie, Marktstr.5 Packung eine blitzende Lohengrin-Rüstung beträgt 15 Mk., ein Spanier oder der mit Recht beliebte Maha- radschah ist schon um 10 Mark auf die Deine zu stellen. Die Lokale haben bunte, zum Teil schöne Dekorationen von künstlerischLm Wert. Das führende Hotel hat sich die Lichtanlage für Beleuchtung-- effekte allein 30 000 Mark kosten lassen. Am Wochenende ist der Gipfel crflommenl Gering gerechnet, stürzen sich mindestens 100000 Personen in das Treiben. Wenn jede nur 10 Mark durchschnittlich ausgibt, tritt derMillionen- umsah für einen einzigen Tag in die Erscheinung. Es gibt indessen einzelne, beliebte Feste, die Wochen vorher schon ausverkaust sind und die eine Kasseneinnahme von allein 100 000 Mark habenl Steuer, Stadt, Saalinhaber, Geschäftsleute profitieren in gleicher Weise. Ein Taumel ohne Gleichen! Von den Anschlagsäulen leuchten grelle Plakate. Einer muß den andern überbieten. Der eine zittiert die sog. Modeköniginnen aus Berlin, der andere will durch ein „Wett-Bananen-Essen" die Zweifler darüber belehren, daß die Stimmung bei ihm nicht zu überbieten ist. Dis 4 Hhr ist Polizeistunde. Dann zieht alles zum Bahnhof, um bei dünnem Kaffee bis 5 Hhr zu warten, wo die Lokale ihren Betrieb wieder eröffnen. Dort verleiht die traditionelle Weißwurst den Blassen und Müden wieder neues Leben. Gegen 7 Hhr ziehen die Menschen nach Hause. Fröstelnd und zerknittert. Sie kommen geraae noch zurecht, sich für das Geschäft abzuschminken und das Prunkkostüm eines andalusischen Ritters mit der Lüsterjacke zu vertauschen. Cs soll indessen auch vorkommen, daß manche, im Taumel der Zeit, noch als Indianer rin Bureau erscheinen. So zieht der Fasching dem Ende zu, daS am letzten Tage in einen Festzug ausklingt. Er wird schon werden, denn die Münchener Künstler sind voller Einfälle und unerschöpflich in Farbe und Form. , Ja, und dann kommt der Aschermittwoch uno zerstört den Sinn des Faschings und lenkt me müden Blicke den gesteigerten Sorgen deS Alltags zu. nicht von hier, ihre Personalien formten bisher auch noch nicht festgestellt werden. Die behördliche Untersuchung ist im Gange • Reiskirchen, 20. Febr. Beim Spielen verunglückte gestern Nachmittag der 14jährige Karl Gräf von hier im nahen Walde, wo er sich mit mehreren Knaben vergnügte. Der Junge mußte noch Hause getragen werden, wo der herbeigerufene Arzt einen Bruch des linken Oberschenkels seststellte und die Ueberführung des Knaben in die chirurgische Klinik in Gießen an ordnete. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz m Gießen verbrachte den Jungen nach Anlegung der entsprechenden Berbände in ihrem Sanitätsauto in die Klinik. b Grünberg, 18. Febr. 3n der letzten G e- mcinderatssitzung wurde folgendes beschlossen.' Der Gemeinderat lehnt es ab. noch weitere Erde zur Auffüllung beim Dau des Finanzamtes in der Theo-Koch- Straße zu liefern. Er ist allerdings geneigt, noch weitere 700 cbm Erde zur Verfügung zu stellen — bis jetzt wurden 800 cbm gestellt —, wenn die gesamten 1500 cbm Evde vom Reich bezahlt werden. — Eine Am Pfropfung der O b st - bäume wird aus Grund sachverständiger Gutachten für dieses Jahr unterlassen. Der Gemeinde stehen auch in diesem Jahre keine Mittel für diese Zwecke zur Verfügung. — Der Gemeinderat hat beschlossen, die beiden Veamtenwohn- Häuser für Veichssinanzbeomte auf Grund der vorgelegten Pläne und Berechnungen an Bauunternehmer Konrad B o ck zu vergeben, vorbehaltlich der Genehmigung und Aeberprüfung der Pläne durch die Vaugruppcnleituna des Landes- finonzamtes. Dieser Beschluß soll dem Präsidenten des Landesfinanzamtes mitgeteilt werden. Kreis Friedberg. * Friedberg, 18. gehr. Dieser Tage ist das Ergebnis der Vermittlungstätigkeit des Arbeitsnachweises Friedberg- Büdingen für das Jahr 1927 zusammengestellt worden. Danach betrug die Zahl der Arbeitsgesuche insgesamt 13203. Offene Stellen wurden gemeldet zusammen 6551. Vermittlungen kamen 5349 zustande. Am 15. Februar wurden insgesamt 29 9 9 Haupt- unterstützungsempfänger beim Arbeitsamt gezählt. Von diesen wurden aus der Ar- beitslosenunterstühuno im Kreis Friedberg 2194 und im Kreis Büdingen 613 unterstützt. Krisenfürsorge bezogen im Kreis Friedberg 187, im Kreis Büdingen 5. 187 Arbeitslose wurden als Notstandsarbeiter an dem Stichtag beschäftigt. In einigen Betrieben wird kurz gearbeitet, doch nicht derart, daß Kurzarbei erunter- stühung nach den geltenden Bestimmungen gezahlt werden kann. Einige Gemeinden planen Notstandsarbeiten, durch die etwa 200 Leute noch in Beschäftigung gebracht werden können. Bad-Nauheim, 18. Febr. Professor Dr. D e d e , Privatdozent an der Gießener Uni» ver ität und Leiter der quellentechnischen Abteilung der hiesigen bäderkundlichen Anstalt, hat im Laufe des Winters in einem mehrwöchigen Vortragszyklus die hiesige Aerzteschast in die Atomtheorie eingeführl. In interessanten wissenschaftlichen Darlegungen machte der Kursus, der jetzt zu Ende geführt wurde, mit den neuesten Forschungsergebnissen über die Atomtheorie bekannt. unter besonderer Berücksichtigung der wissenschastlichen Nutzanwendung auf die hiesigen Quellen. Die auf Bad-Nauheim bezüglichen Forschungen des Gelehrten können selbstverständlich noch nicht als abgeschlossen gelten. Aus den Vorträgen ergab sich aber jetzt schon, daß es sich hier um Arbeiten handelt, die einmal von großer Tragweite für unser Bad sein können. Die Mitglieder des hiesigen Aerztevereins, die sich regelmäßig zu den Vorlesungen einfanden, folgten des Ausführungen Prof. D e d e s jeweils mit gespanntester Aufmerksamkeit. Zu begrüßen wäre es, wenn der Vortragende seine Vorlesung in derselben oder in erweiterter Form im nächsten Winter wiederholen und ite dann auch einem erweiterten Kreis (Chemiker, Lehrer usw.) zugänglich machen würde. Er würde sich damit den Dank vieler verdienen. 4 Bad-Nauheim, 19. Febr. Einer der bekanntesten und verdienstvollsten Turner des Gaues Hessen ist heute früh nach mehrwöchigem Krankenlager im Alter von 67 Jahren gestorben. Es ist Heinrich Franke. Ehrenmitglied des hiesigen Turnvereins 1860, der ihn über 30 Jahre in leitender Stellung sah. In früheren Jahren war der Verstorbene eine der volkstümlichsten Persönlichkeiten auf den Gau- tumtagen des Gaues Hessen. Der hiesige Turnverein verdankt ihm in erster Linie die Erbauung der Turnhalle im Jahre 1892. Die turnerischen Verdienste des Verstorbenen sanden bei den verschiedensten Anlässen die verdiente Würdigung. Heinrich Franke wurde nicht nur durch Verleihung des Ehrenbriefes des MittelrheinkreiseSder Deutschen Turner» schast ausgezeichnet; er erhielt vor einigen Jahren auch den Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft. Kreis Büdingen. )( Orlenberg, 18. Febr. Die er Tage hielt der Kirchengesangverein seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach herzlichen Begrühungsworten des Vorsitzende!, an die zahlreich erschienenen Mitglieder wurde der Tätigkeitsbericht durch Frau Dr. Löffler und der Kassenbericht durch Kanzleiassistenten Kraft vorgetragen. Leider mußte sowohl bei den aktiven als auch passiven Mitgliedern ein kleiner Rückgang festgestellt werden. Die Frage neuen Notenmaterials wurde eingehend besprochen. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Frau Sanitälsrat Dr. Hahn wurde wegen ihrer 35jährigen Mitgliedschaft und ihrer großen Verdienste als aktives Mitglied zum Ehrenmitglied ernannt. Der Besuch des diesjährigen Verbands,estes in Obermockstadt wurde beschlossen. Nach Schluß der geschäftlichen Der- Handlungen schloß sich ein gemütlicher Unter* haltungsabend in den schönen Räumen des Casö Carl an, der die Mitglieder bei gesanglichen und musikalischen Darbietungen noch einige Stunden zusammenhielt. -/- Aus dem Niddertal, 18. Febr. Die Dlutfinken sind wieder da. Das ist die traurige Beobachtung, die mancher Besitzer von Obst- baumstücken und Gärten macht, der in diesen Tagen auf seinen Grundstücken nach dem Rechten gesehen hat. Diese schönen Vögel haben die schlimme Angewohnheit, die Knospen der Obst» bäume, besonders des Steinobstes, und der Beerensträucher rnas enweise abzupicken, so daß der Boden unter den betreffendcn Bäumen und Sträuchern ganz mit den Knospen bedeckt ist und die Ernte vernichtet wird. Die Vögel haben sich in den letzten Jahren zum Schaden der Bäume und Sträucher sehr vermehrt, so daß eine Bekämpfung sehr am Platz ist, ohne daß man sich, dabei durch das schöne, bunte Kleid des Vogels oder durch sonstige nützliche Erwägungen irre machen lassen sollte. Kreis Schotten. I Ober-Lais, 19. Febr. In den letzten Wochen geschah es mehrmals, daß zwischen Ober- Lais und Schwickartshausen und zwischen Ober- Lais und Fauerbach Leute angehalten und bedroht wurden. Auch innerhalb des Dor es wurden nachts verdächtige Gestalten gesehen, die einen Wolfshund bei sich hatten. Allgemein wurde ein Wiederaufleben des Wildererunwesens vermutet. Es hat sich jedoch nunmehr herausgestellt, daß drei junge Bürschchen aus Schwickartshausen, zum Teil Bauernknechte, sich ein Vergnügen daraus gemacht haben, die Leute zu schrecken. Die Missetäter sehen nunmehr ihrer Bestrafung entgegen, die ihnen Gelegenheit zur Selbstbesinnung geben wird. Kreis Lauterbach. Q Schlitz, 19. Febr. Heute wurde der seit den Weihnachtstagen vermißte Pfründner Ochs a u f g e f u n d e n. Er war auf unerklärliche Weise verschwunden, und alle Nachforschungen blieben erfolglos. Nun wurde er in der Schlitz bei Hutzdorf als Leiche gelandet. Es wird vermutet, daß Ochs bei unserer Stadt in die Schlitz unabsichtlich geraten ist und dann durch das Hochwasser über die Wehre bis nach Hutzdorf getrieben wurde. Starkenburg. • Darmsta dt. 19. Febr. In Nieder- Modau brannten gestern zwei Scheunen des Landwirts B e r t h a l o t nieder. Der Darm- städ e • Bcr M?ucrtoehr ge ang es mit der Motorspritze. das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Beim Retten seines Viehes stürzte der Besitzer und brach ein Bein. Rheinhessen. Lpd. Mainz, 18. Febr. Heute vormittag ü b e r = fuhr ein städtisches Auto einen etwa 50 Jahre alten Mann auf dem Aliceplatz. Der Mann wurde dabei schwer verletzt und st a r b Preußen. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 18. Febr. Bei der hiesigen Brennholzversteigerung wurden folgende Preise erzielt: 1 Meter Buchenscheit 16 bis 18 Ml., Knüppel 10 bis 12 Mk., Eichen- scheit 10 bis 12 Mk., Knüppel 7 bis 9 Mk., Tannenscheit 5 bis 6 Mk., Buchenreiser 8 Meter 16 bis 20 Mk., Eichenreiser 12 bis 18 Mk.. Tannenreiser durchschnittlich 8 Mk. Gegen Ende der Versteigerung senkten sich die Preise für Buchenholz wesentlich. Kreis Wetzlar. O Dornholzhausen, 19. Febr. Heute nachmittag fand die Verpachtung der Jagdnutzung des hiesigen Gemeinschafts- Jagdbezirkes auf 9 Jahre statt. Letztbietender blieb Tierarzt Mehl (Lang-Göns) mit 1610 Mk.. dem der Zuschlag erteilt wurde. Mitpächter ist Bauunternehmer Otto Schneider (Dießen). Die Vorkriegspacht betrug 850 Mk. Kreis Usingen. —Brandoberndorf. 18. Febr. Dieser Tage fand im Gasthaus „Zum Bahnhof" eine weitere öffentliche Drennholzversteige- rung statt. Käufer waren genug erschienen. Die Preise waren nicht allzu hoch. Der Raummeter Eichenscheit kostete 8 bis 9 Mk.. Eichenknüppel kamen auf 6 bis 7 Mk. pro Raummeter. Duchen- scheit kostete die Klafter (4 Raummeter) 48 bis 50 Mk. und für Buchenknüppel zahlte man pro Klafter 36 bis 40 Mk. 100 Stück Duchenwellen gingen mit 12 bis 14 Mk. ab. Buchend urch- forstungswellen waren wesentlich teurer, 100 Stück kamen durchschnittlich auf 15 bis 17 Mk. Der Raummeter Nadelholzscheit kostete bis zu 8 Mk. und Nadelholzknüppel kamen ungefähr auf 5 bis 6 Mk. pro Raummeter. Maingau. WSN. Frankfurt a. M., 18. Febr. Am 13. Juni d. I. sind 50 Jahre verflossen, seit das Frankfurter Historische Museum feierlich eröffnet wurde. Wie wir erfahren, beabsichtigt die Stadt, diesen Tag durch festliche CBcranftaltungen zu begehen. 11. a. ist eine Ausstellung von Möbeln und Antiquitäten geplant, an der man den Frankfurter Privat- besitz beteiligen zu können glaubt. Marburger Abschiedsfeier für Hofrat Steingoetter. • Marburg. 19. Febr. Wie für Gießen, so bildet auch für Marburg das Scheiden des Theaterintendanten Hof rat Hermann Stein- g d c 11 e r den bedeutsamen Abschluß eines Stückes Theatergeschichte der Stadt. Der Scheidende hat seit seiner Wahl als GiehenerTheater» direktor im Jahre 1903 auch die Aufführungen des hiesigen ..Stadttheaters'^ in den Stadtsälen geleitet, und diese „Theatergemeinschaft" hat nach turzen Unterbrechungen in der Kriegszeit gerade in den letzten Jahren wieder festere Formen angenommen. Die Aufführung von Shakespeares „Sommernachtstramn" am 16. d. M. stellte die letzte Inszenierung und damit einen eindrucksvollen Abschied für Hofrat Steingoetter dar, dem das ausverkaufte Haus am Schluß der Vorstellung lebhafte Ovationen und Ehrungen bereitete. Der Magistrat hatte den 3ntenbanten, feilte Gattin und das Personal zu einem Abschiedsessen nach der Vorstellung eingeladen, dem auch die Mitglieder des Theaterausschusses beiwohnten. Oberbürgermeister Müller und Geheimrat Elster feierten in längeren Ansprachen die Verdienste des Scheidenden. Hofrat Steingoetter erwiderte mit Worten warmen Dankes. Während der schönen und außerordentlich harmonisch verlaufenen Abschiedsseier wurde von den verschiedenen Seiten der Wunsch geäußert, die von dem scheidenden Intendanten mit künstlerischem Verständnis und persönlichem Cmgrei- fen geförderte Theatergemeinschaft Gießen-Mar- burg möge auch für die Zukunft erhalten bleiben. Buntes Allerlei. Hagen, Deutschlands jüngste Großstadt. Die Stadt Hagen in Westfalen hat die Großstadtgrenze von 100 000 Einwohnern überschritten und ist damit in die Reihe der deutschen Großstädte eingetreten. Raubüberfall auf einen fiaffenbotea. In Amsterdam wurde auf der stark belebten Singel einem 75jährigen Kassen- boten der Bankfirma Matthes von einem in schneller Fahrt vorbeikommenden Radfahrer eine Aktentasche mit Wertpapieren und Effekten im Werte von 35 000 Gulden entrissen. Bevor die Passanten den Raub bemerkt hatten, war der Radfahrer, der den UeberfaU zweifellos gut vorbereitet hatte, bereits im Straßengewühl verschwunden. Brand in einer kalifornischen Pelroleumfiedlung. In Long Beach (Kalifornien) wurde e i n ganzes Stadtviertel, in dem sich eine Petroleumraffinerie befand, in den frühen Morgenstunden von einer Feuersbrunst heimgesucht. Sechs Bohrtürme wurden vollständig zerstört. Den bisherigen Meldungen zufolge sind sechs Personen ums Leben gekommen. Don den Franzosen verhaftet. Don französischen Kriminalbeamten wurde in Bad Neuenahr verhaftet der deutsche Polizei- kommissar Steinebach. Er ist in das Unter fuchungsgefängnis Mainz, dos der Besatzungsbehörde untersteht, eingeliefert worden. Als Grund der Verhaftung wird angegeben, daß Steinebach in dem Landesoerratsverfohren gegen den Franzosen Cremer, nach Ansicht der französischen Üntersuchungsbehörde eine ft r a f b a r e falsche Aussage gemacht haben soll. Schneesturm in Hoch-Savoyen. — Zwei deutsche Skifahrer vermißt. Infolge eines heftigen Schneesturmes ist im Tale der Arve, 5 Kilometer von Chamoni? entfernt, jeder Verkehr mit den Dörfern Argentieres und Dallorcine unterbrochen. Man nimmt an, daß die Verbindung nicht vor Ablauf von zwei Wochen wieder hergestellt sein wird. Am 9. Februar waren zwei deutsche Skifahrer von Argentiöres aufgebrochen, um über die Chardonet- spitze die Ortschaft Dal Ferret (Schweiz) zu erreichen. Man hat seither nichts mehr von ihnen gehört und ist über ihr Schicksal um so mehr beunruhigt, als in der ganzen Mont- Blanc-Gegend sehr schlechtes Wetter herrscht. Berliner Börse. Berlin, 20. Febr. (WTD.-Funkspruch.) Der erste Frühverkehr der neuen Woche hatte wieder sehr ruhiges Geschäft aufzuweisen. Die Tendenz war gegen Samstag wenig verändert, in Nachwirkung des Monatsberichtes der Disconto- Gesellschaft und in Erwartung der Freigabe aber eher etwas freundlicher. Kurse wurden noch nicht genannt. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,075. Madrid 28,80 bis 28,83. London gegen Kabel 4,87525 und die Reichsmark gegen Kabel 1,1895 bis 4,19. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Freibank. Beim Fleischverkauf auf der hiesigen Freibank bestehen schon seit längerer Zeit Verkaufsanordnungen, die sich nicht gerade zum Vorteil der Käufer aus- toirien. Zum Bezug von Fleisch werden Karten verausgabt, die um 8 Ahr in Empfang genommen werden. Nach Oeffnung der Cingangstür drängt dann alles hinein, wobei es schon öfters vorgekommen ist. daß Frauen und sogar Männer zu Boden gedrückt werden und dabei Schaden am Körper und an ihren Kleidungen nehmen. Diese Zustände sind recht beklagenswert. Man könnte ihnen wohl abhelfen, wenn man morgens um 7 Uhr bereits die Karten ausgeben läßt und jedem Käufer in der Reihenfolge seines Erscheinens eine Nummer aushändigt. Wer nach 8 Uhr erscheint, erhält seine Karte dann wie seither im Laden. Die Kosten für die Arbeitskraft, die bei der früheren Karten- und Nummernausgabe erforderlich ist, könnten vielleicht durch einen geringfügigen Aufschlag auf den Fleischpreis gedeckt werden. Durch dieses Nummernsystem würden aber die bisheri- ?,en Zustände beseitigt. Weniger robuste Käufer amen dann auch einmal dazu, ohne Gedränge und Beschädigungen Fleisch auf der Freibank kaufen zu können. Den zuständigen Stellen wäre der Dank vieler Interessenten sicher, wenn die Abänderung dos bisherigen Zustandes bald herbeigeführt würde. Sch. Zwangsversteigerung V Am Dienstag, dem 20. März 1928, nachmittags 3 llhr, werden auf dem Dienstzimmer des Ortsgerichts zu Wiefeck, die im Grundbuche von Gießen, nachstehend aufgeführten, auf die Namen des Ludwig Krieger II. und dessen Ehefrau Marie geb. Phepper in Wieseck, eingetragenen ®rurcbftüde: 1363D Flur 24, Nr. 99 - 2840 qm Acker, geschätzt auf 710 Reichsmark: Flur 24, Nr. 11 - 1398 qm Acker, geschätzt auf 490 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 2.Februor 1928. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsoorsteher._______ Holzversteigerung Mittwoch, den 22. Februar 1928, vor- mittags 9J4 Ahr, im Gemeindewald Leih- gestern, beginnend im Distrikt Schindanger, werden versteigert: m19J?2D 29 Eichenstämme, 16,71 fm; 7 Buchenstämme, 4,24 fm; 9 Kiefernstamme, 5,64 fm; 2,8 Eichennutzscheit, 12 rin Fichtennutzscheit; 5,5 rm Fichtennutzknüppel; 19 rm Buchenscheit; 30,6 rm Eichenscheit; 29 rm Kiefernscheit; 2,3 rm Fichtenschest; 23 rm Buchen-, Eichen- und Kiefern- knüppel; 370 Buchenwellen; 990 Eichenwellen; 2000 Kiefernwellen; 1440 Fich- tenwellen; 60 rm Stockholz. Leihgestern, am 18. Februar 1928. Bürgermeisterei. Vsvichttsrms. Die Jagdverpachtung der Bürgermeisterei Odenhausen am Donnerstag, dem 23. Februar (siehe Anzeige am 18. Februar), findet nicht um 5 Uhr. sondern um 3 Hbr statt.1627O Holzsubmission. Die Gemeinde Rcinhardshain verkauft im Wege schriftlichen Angebots nach stehend verzeichnetes Holz. Kiescrnstämme: 12-Klasse 3 lb- „ 54 22- „ 40 2d- „ 16 3 a- „ 2 3 b- „ 2 Stück = 0,53 fm - 16,46 „ = 20,98 „ = 11,10 „ = 0,73 „ = 2,19 „ Fichtenstämme: lb-Klasse 5 Stück---1,38 fm 3 a- „ 2 „ =2,64 „ 3b« „ 1 „ = 1,40 „ Lärchenstamm: 3b-Klasse 1 Stück--1,43 fm Sämtliches Holz liegt an den Wegen. Dasselbe ist mit Rinde gemessen. Angebote sind, getrennt nach Klassen, mit entsprechender Aufschrift bei der unterzeichneten Bürgermeisterei bis zum 25. b. M., nachmittags 2 Uhr, einzureichen, woselbst die Bedingungen eingesehen werden könney. 1962O Reinhardshain, den 19. Febr. 1928. Hess. Bürgermeisterei Reinhardshain. Greß. Nutzholzversteigerung Freitag, den 24. Februar 1928, vorn,. 10 Uhr beginnend, kommen im Markwald zu Vetlershcim zur Versteigerung: Stämme: Eiche I. Kl 20 St. = 2,70 fm Hainbuche 2. Kl 1 „ — 0,27 „ Kirschbaum 2. Kl.-. 2 „ — 0,64 „ Lärche 1 du. 23-Kl. 9 „ = 2,90 „ Kiefer 1 b- u. 23-Kl.. 20 „ — 4,72 „ Fichte 13-, 1 b- u. 23 Klasse........... 6 „ = 1,50 „ Tcrbstangen: Eiche 3. Kl 3 St. — 0,09 fm Wird beim Verkauf nicht vorgezeigt. Stämme: Eiche 1. Kl Eiche 2. Kl Eiche 3. u. 4. Kl Hainbuche 1. u. 2. Kl. Kiefer 33-Kl Fichte 13-Kl Fichte 1 b-Kl Fichte 23- u. 2b-Kl. . Fichte 3 b-Sri....... 49 St. = 5,67 fm 61 „ - 15,00 „ 4 „ = 3,20 „ 7 „ = 1,20 „ 1 „ = 0,97 „ 160 „ -- 27,24 „ 26 „ = 7,00 „ 8 „ = 7,50 „ 1 „ = 1,94 „ Terbstangcu: Eiche 3. Kl 12 St. = 0,37 fm Fichte 1. Sri 160 „ - 15,00 „ Fichte 2. Kl 46 „ = 2,70 „ sowie etwas Eichen- und Kiesern-Nutzscheit und Kiefern-, Lärchen- und Fichten-Nutz- knüppel. Zusammenkunft am Eingang in den Wald aus der Straße nach Treis- Münzenberg. 1940 D Bellersheim, den 18. Februar 1928. 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Nah. 01301 RedheUner Str. 41 p ©LiehiSshöhe Morgen Fastnachtdienstag ab 19,01 Uhr die große Faschingsrevue Treffpunkt der eleganten Masken 50 Meter lange Tanzbahn durch sämtliche Säle Großes Faschingstreiben Großes Tanzorchester der Reichswehrkapelle 01318 Saalbau Sauer Wem Radiahrer-VereinlSM Großer 1928 Februar Maskenball S Dienstag Beginn 19.59 Uhr NB. Eintrittskarten rechtzeitig besorgen: Für Nichtmitglieder bei: Adolf Deibel (Wilh. Klee Nacht), Marktstr. 2, Ernst Unverzagt, Steinstr. 35; .Gasthaus K. Boller, Bahnhofstr.; Blumenhaus G.Wittmann, Bahnhofstr. 45; Joh. Steinbach, Fahrradhdlg., Ludwigstr. 62; für Mitglieder nur bei: Adolf Deibel (Wilh. Klee Nacht), Marktstr. 2. Morgen, Fastnacht-Dienstag: Großer in sämtlidien Räumen des Cafe L@ib Kommen Sie bestimmt zu dieser Veranstaltung, — es ist die letzte in dieser Saison! I744D mit Prämiierung der schönsten Masken! Herrliche Dekorationen! Feenhafte Beleuchtung! Großes Orchester Am Jazz: oisie Der Neger Jumbo aus Togo!! Likörstube — Kellerwirtschaft! Die ganze Nacht geöffnet!! Cafe Astoria Heute: 3 bis 6 Uhr: Kinder-Kostümfest Abends 8.30 Uhr: Bö-Bu-Ba Fasching-Dienstag, nachmittags ’/a4 bis 6 Uhr: Kreppel-Kaffee mit Tanz Abds.: Groß. F aschingsrummel 01315 Waagen und Gewichte aller Art empfiehlt u. stellt eichfähig her Karl Schmidt, Gießen, Neuenweg 42, Tel. 1015 Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Primanerliebe ■> Eine Schülertragödie in 6 spannenden Akten, die uns an Frank Wedekinds „Frühlingserwachen“ denken läßt und an den jetzt in Berlin Aufsehen erregenden Prozeß Krantz - Scheller In den Hauptrollen: Grete Mosheim, Wolfgang; Zilzer. Fritz Kortner, Agnes Straub, Jaro Fürth. Paul Otto, Jacob Tiedtke, Margarete Lanner, Hans Albers, Adolphe Engers, Teddy Bill, Hans Rameau Ferner: Mary Hochzeitsreise Lustspiel in 2 Akten Sowie Der moderne Grohbankbetrieb Ein Kultur- und Lehrfilm für die gesamte Bankangestelltenschaft und Geschäftsleute Die neueste Ufa-Wochenschau Astoria-Lichtspiele Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Lebende Ware (Gehetzte Frauen) Ein gewaltiger Sittenfilm in 7 spannenden Akten In den Hauptrollen: Asta VielNeii, Carmen Boni, Gustav Fröhlich. Camilla Hollay, Olga Limburg. Alexander Murski, KurtGerron, Adolphe Engers, JacobTiedtke Ferner: Der Jüngling aus der Konfektion Ein lustiger Filin von Liebe,Taft und Mode in 6 Akten In den Hauptrollen: Curt Bois, Maria Puudler. Albert Faulig, Kurt Vespermann. Frida Richard, Robert Garrison, Margarete Lanner. Fred Louis Lerch, Johannes Riemann, Hermann Picha 1937 01310 Cafe Ernst Ludwig Morgen nachmittag 3 Uhr: Das Die kleine Tänzerin 1943 0 Waldraot Laufchek tanzt wieder Hotel Prinz Carl Faschingsdienstag, 21. Febr., 19 Uhr 59, findet in sämtlichen unteren Räumlichkeiten die große Prinz-Carl-Redoute statt. 2 Tanzorchester. 19640 Eintritt nur gegen Karten, die im Hotelbureau unentgeltlich abgegeben werden Dienstag, den 21. Februar, ab 7l/2 Uhr abends: BunierÄbend Es ladet freundlichst ein Heinrich Dippel „SttöMW' TvadMorriMev SMrmchLs - Brrühsrhoppen mit LNE Beginn 11.11 Uhv Volkshochschule Larnö 1 ag, den 25. Februar, 20 Ubr Groirer Höriaal, Universität VORTRAGS-ABEND 1. Ansprache . Univ. - Pros. Dr Messer. 2. Bortraa ü. W. Heaar, Leiter der Volks- bochschule: Volkehochschnle n. Volkstum 3. Nezilauon von Ur. A Isred Bock: „Der Navo.eon". Novelle von Alfred Bock. Eintritt: Jieierv. Platz Borveriaus 80 PL Abendkasse 1 Mk., ofiener Sitrvlatz Bor- kaut 50 PL Abendkasse 70 Pf. Borver- kauf bei Clialiier.________________194bD taiyMer Fnuwnia Versammlung der Gießener und Oberhessischen Frauen-Vereine Freitan, den 24. Febr., nachm. 3 Uhr, im Galt Laib, Walltorstrafle 38/39. Vortrag von Fran Göiz-Dresden über: INe Ehe unter dem Besetz und fite Ehe unter dem Eiäüßeiiuin Zum Edertal bei RobertNohl,Ederstr.6 1944D Dienstag,7.67 Uhr Heute 01322 KapDenabend Emil Marter, Ooelliesir. 54 Cafe Krämer Am Faftnachtdienstag: Karnevaliftifches Konzert unter Mitwirkung des Herrn Hirfch von der Frankfurter Operette. 1452V |®=mcDanutv Masken- Kosiüme Neuheiten -u verleihen. [600D Vübcrftv. 11, vart. Zum f Fasching \ Schminken größte Auswahl lOrogerie Winlerholh X Kreuzplatz y Gafthaus zur deutf eben Eiche Klein-Linden Fast nachts - Dienstag: Grober ü Fastnachtsnmunel ü Allium venenum ist ein naturreines Knoblauchprävarat und Aufirtschunas- mhtel des Organismus. OJefl. Arterienverkalkung erprobt. Kräulerhans Jung Heil- u. Pflegemittel der Statur lt34a Schulstrasre 5. Oie glückliche Geburi eines gesunden Töchterchens zeigen hocherfreut an £. Senßfelder und Frau Fürstl. Äaumeister Büdingen, den 16. Februar 1928 I920D Für die zu meinem 80. Geburtstage erwiesene Auf- merksamkeit von nah und fern sage ich allen meinen herzlichsten Dank. Frau Tina Herbert Wwe., Hebamme. Gießen, den 20. Februar 1928. 01318 Cafe Ämend Heute: Rosenmontag-Feier/Tanz Fastnacht-Dienstag: Großer Faschings-Rummel TANZ! nachmittags 4 Uhr: TANZ! Kinder-Kostümfest 19600 i Verein k. Bewegungsspiele e.V. (Gegründet 1908) Am Fastnacht-Dienstag, ab 19.01 Uhr findet in sämtl.Räumen der Liebigshöhe der V, i. B.-Maskenball (grobes Faschingstreiben) statt. Die Musik wird ausgeführt von Mitgliedern des Musikkorps des I. Bataillons Infanterie-Regiments 15 Herrenkarte RM. 1.50 Damenkarte RN. 1- Elntrittskarten sind bei den nachgenannten Vorverkaufstellen erhältlich: Sporthaus Schneider, Neuen weg; Schuhhaus Süß, Marktstraße; Frisiergeschäft Tränkner, Neuen Bäue; Goldwarengeschäft Gümblein, Neuen Bäue; Zigarrengeschäft Henkel, Kaplansgasse 12. Freunde und Gönner des Vereins sind herzlichst eingeladen. 1963D Der Vorstand. Großer Maskenball Dienstag, den 21.Februar, abends 7.61 Uhr imWagner'schen Saale Großen-Buseck PR AEMIIERUNG der schönsten Masken Es ladet ein: Der Ausschuß I955D In keinem modernen Haushalt fehlen: Staubsauger und FulMeiMiier An jede Lichtleitung anzuschliefien Waschautomate Waschmaschinen mit eingebautem Motor Heißwasserspeicher Elektro-Okonome Auf Wunsch Teilzahlung 1968a Zu erfragen: In Fachgeschäften und beim Städtischen Elektrizitätswerk Gießen Nr. 43 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 20. Zebruar 1928 Sie Einweihung des physiologischen ZnWuts in Gießen. 3m großen Horsaal des neuen Heimes fand am Samstagvormittag die feierliche Einweihung des neuen Physiologischen Instituts der Hess. Landesuniversität Gießen statt. Zahlreiche geladene Gäste — u. a. Ministerialdirektor 11 r ft a ö t als Vertreter der Regierung, Se. Magnifizenz der Re.tor Prof. Dr. Rosenberg, Oberbürgermeister Dr. Keller als Vertreter der Stadt und viele Mitglieder des Lehrkörpers — füllten den Festraum bts aus den letzten Platz. Rach langen Regentagen leuchtete Frau Sonne strahlend durch die hohen Fenster und verschönte mit ihrem Glanze die denkwürdige Feier, die sich in erfreulicherweise schlichter Form abwickelte. Prof. Dr. Bürker, der Direktor des physiologischen Instituts bezeichnete es zu Veginn seiner Festansprache als ein besonderes Glück, daß es der Physiologie vergönnt war, in der heutigen schweren Zeit in ein neues Institut überzusiedeln. Darum hätten die Pbhsotogen unserer Hn ver^ität allen Grund, den Behörden, insonderheit dem Landesamt für das Vildungswesen und dem bisherigen Finanzminister Henrich sehr dankbar zu sein. Der Redner begrüßte dann besonders Ministerialdirektor 11 r st a d t und Ministerialrat Dr. L 0 h - lein als Vertreter der Regierung, Se. Magnifizenz den Rektor Prof. Dr. Rosenberg, Ministerialrat Paul von der Vauabtcilung des Finanzministeriums, Oberbaurat Verth und Regierungsbaurat Kuhlmann vom Hess. Hochbauamt, Oberbürgermeister Dr. Keller als Vertreter der Stadt, Prof. Dr. Kuhn als Dekan der medizinischen Fakultät, Geheimrat Prof. Dr. Olt als Dekan der veterinärmedizinischen Fakultät. Prof. Dr. H a r a s s 0 w i tz als Vertreter der beiden verhinderten Dekane der Philosophischen Fakultät, die Vertreter der Studentenschaft u. a. Sodann gab der D? "?t einen Heberblick über die vielseitigen Erfo rnisfe, denen beim Projektieren und beim Vau Rechnung zu tragen war. Ms Leitmotiv wurde aufgestellt, es sollte olles, wie in der lebenden Substanz, zweckentsprechend. aber auch schön sein, also et delectare et prodesse, soweit dies mit den zur Verfügung gestellten Mitteln in Einklang zu bringen war, sei doch eine gewisse Heiterkeit der Seele für erfolgreiches Forschen, Lehren und Lernen notwendige Voraussetzung. Es sei ihm beute ein besonderes Herzensbedürfnis, dem Leiter des Baues, Diplomingenieur Regierunasbaurat Kuhlmann, im Rainen aller Physiologen zu danken für seine großzügige Arbeit und das Entgegenkommen allen Wünschen gegenüber bei aller Wahrung seines Standpunktes als Architekt und Künstler. Weiter danke er auch Architekt Völ- k e r, den Regierungsbauführcrn Schimmer und Eisenhardt, Oberbauins'eektor Hübner und Vauinspektor Treu sch: für die Ausstattung des neuen Heims in wissenschaftlicher Hinsicht und bei der Inneneinrichtung seinen -Mitarbeitern Prof. Dr. F e u l g e n, Assistent Dr. C 0 l l a h und Frl. Mühlberger: für Stiftungen Oberbürgermeister Dr. Keller und der Gießener Stadtverordneten-Versammlung, Fabrikant Dr. Leih-Wetzlar, der Rotgemcinschaft der deutschen Wisfenfchaft und deren hiesigen Vertrauensmännern Prof. Dr. Herzog und Prof. Dr. Zwick. Sodann sagte der Redner weiter: Mit all dieser Hilfe sind wir zu einem Institut gelangt, das, wie ich hoffe, in bezug auf Forschung und Unterricht seinen Zwcick erfüllt, ja hohe Ziele zu verfolgen vermag und auch in städtebaulicher Beziehung unserem lieben Gießen nicht zur Unzierde gereichen dürfte. Der Hessische Staat, der trotz der Rot der Zeit das Seine in hohem Maß für die Wissenschaft vom Leben getan hat, kann nun sagen: Do, ut des. So will ich denn darleaen, was uns als Gegenleistung vorschwebt. Unsere ganze Kraft soll der weiteren Erforschung der Lebensvorgänge gewidmet sein: Investigandae vitae vitam impendibus. Herr Professor Dr. Kalbfleisch hat dieses Gelöbnis in prägnantes Latein übertragen, wofür ich ihm auch hier danken möchte: der Spruch ist in der Eingangshalle angebracht. Die besten und feinsten Methoden sind bei der Subtilität der Lebensvorgänge gerade noch gut genug, auf Lebensprobleine angewendet zu werden. Wir wollen uns nicht beirren und durch Vitalismus und Reovikalismus nicht von dem einmal als richtig erkannten Weg exakter Forschung abbringen lassen, sonle.n des Glaubens verharren, daß die natürlichen Dinge auch einer natürlichen Erklärung zugängig sind, die geistigen Vorgänge nicht ausgeschlossen. Die Erkenntnis der Gesetze deS Lebens soll uns Veranlassung fein, nach unseren Kräften dahin zu wirken, daß die menschlichen Verhältnisse nach der physiologischen Seite hin noch mehr in Einklang jnit dem großartigen Raturgeschehen gebracht werden, das die Bewegung dec Himmelskörper nach denselben Gesetzen regelt, wie die Bewegung der kleinsten Teilchen dec Materie. Ganz besonders ist uns daran gelegen, daß die wissenschaftlichen 'Beziehungen zu den anderen Instituten und Kliniken der medizinischen Fakultät weiter ausgebaut werden: eine Voraussetzung dazu, die räumliche Rähe der Institute und Kliniken, ist nunmehr gegeben. Vor allem sknd die beiden Schwefterwifs nschaften Anatomie und Physiologie auseinander angewiesen, und auch die moderne Pathologie hat bei weitgehender Spezialisierung aus manchen Gebieten mehr physiologisch Wichtiges zu Tag gefördert, als die Physiologie selbst. Die Kliniken ihrerseits werden den Wunsch haben, in theoretischen Fragen die experimentellen Hilfsmittel des neuen Instituts für Zwecke ihrer Forschung in Anspruch zu nehmen, woraus sich günstige Wechselbeziehungen für beid" Teile ergeben können. Die 5rlngung des Instituts für Körperkultur 1 neuen Physiologischen Institut legt ein wissenschaftliches Zusammenarbeiten besonders nahe. Auch mit der veterinär-medizinischen Fakultät verbinden uns bei der so notwendigen vergleichenden Betrachtung der Lebensvorgänge viele Beziehungen, die zu pflegen, wir besonders bemüht sein werden. Durch Hereinnahme der experimentellen Psychologie ins Institut haben wir zum Ausdruck gebracht, wie sehr uns auch an der Verbindung mit' der Philosophischen Falultät gelegen ist: möge die so geschlagene Drücke von beiden Teilen recht oft beschritten werden. Mit der Forschung allein soll es nicht getan fein, auch der Unterricht,' vor allem die gute VorbUduug der Msdizinstudierenden für ihren zukünftigen schweren und verantwortungsvollen Beruf soll uns besonders am Herzen liegen. Ihnen, liebe Kommilitonen soll in Vorlesung und Praktikum, — nachdem die Räume und Unterrichtsgegenstände dazu in ausreichendem Maße vorhanden sind, — alles geboten werden, was Ihnen das Studium der Lebcnsvar- aänge anziehend macht und Sie erfüllt mit Ehrfurcht vor der Natur, die solche Wunder hervorgebracht hat. In unser Programm haben wir auch oufgenom- men, physiologische Kenntnisse in weitere Kreise zu tragen: wer rationell leben will, kann ihre heuizu- tage nicht mehr entraten, ist doch auch die Physiologie schon Unterrichtsgegenstand in den Mittelschulen geworden. Die Lehrer dieser Schulen in einem spezialistisch eingerichteten Institut für diesen Unterricht auszubilden, ist auch eines der Ziele, das wir uns gesetzt haben. Durch eine Ausstellung, die noch der Einrichtung harrt, und die des Sonntags und an Feiertagen geöffnet wird, soll unseren Absichten in dieser Beziehung Nachdruck verliehen werden. Sie sehen, meine sehr verehrten Damen und Herren, daß auch wir zu geben wünschen, nachdem man uns so reich bedacht hat. Möge ein gütiges Geschick unseren Absichten günstig sein. Ich schließe mit nochmaligem herzlichen Dank an alle, die das Werk unserer lieben Alma mater Ludoviciana zu Ehren haben vollenden helfen. Regierungsbaurat Kuhlmann, der Erbauer des Gebäudes, gab nunmehr einen Heberblick über das Werden und die Einrichtung des Baues. Die erste Kosteckberechnung, aus dem Jahre 1917 stammend, schloß überschläglich berechnet mit 2 470 000 Mk. ab. ein zweiter Voransch ag aus 1921 rechnete mit 3 300 000 Mk.. die Endsumme wurde mit 4 875 000 Mk. festgesetzt — das war am 28. März 1922! An diesem Tage beschloß die Volkskammer den Reubau. Dann kamen die Schwierigkeiten durch die Inflation, die Sparmaßnahmen, die zwangsweise Einstellung aller Bauarbeiten, der Personalabbau, Materialmangel und Teuerung usw. Der Redner erinnert: dann an die einzelnen Daten des Baues, über di: wir am Samstag schon berichtet haben. Dann gab er Erklärungen über die Anlage und die stadtbaulich: Einfügung des Reubaues in die ganze Umgebung, und betonte hierbei, daß an dem Reubau und seiner inneren Einrichtung fast nur Gießener Unternehmer und Handwerksmeister mitg.'toirft haben. Für Materialien wurden die Bodenständigen bevorzugt, z. D. die Erzeugnisse der Gailschen Ton» toerie und das Bafa tlavatuffmaterial aus dem Bruch Michelnau bei Ridda, das bei dieser Gelegenheit erstmals in Gieh:n verwandt wurde und das nun Schule gemacht hat. Zum Schlüsse dankte der Redner allen seinen Mitarbeitern, die er — wie vorher Prof. Dr. B ü r k e r — namentlich aufführte, ferner dem Amtsvorstand Oberbaurat Berth. dem technischen Referenten im Finanzministerium Ministerialrat Paul und vor allem auch Prof. Dr. B ü r t e r, dec die Erbauer zur Erfüllung ihrer Bauaufgabe in das Gebiet der interessanten Wissenschaft der Lehre vom Leben durch Vorträge und Versuche ein* führte. Darauf legte der Redner den Schlüssel des Gebäudes in die Hand des Vertreters des Landesamts für das Dildungswesen, Ministerialdirektors 11 r st a d t. Ministerialdirektor Llrstadt brachte hieraus die herzlichen Grüße und Glückwünsche des Staatspräsidenten Adelung zum Ausdruck, der zu feinem Bedauern am Erscheinen verhindert sei. Er sprach dann dem Hochbauamt und allen beteiligten Kräften an diesem Werk den Dank und du. Anerkennung der Regierung aus, und gab der Zuversicht Aufdruck, daß dieses schöne neue Institut zur Mehrung des Ruhmes unserer Landes-Universität ünd zur Förderung des Wobl's der Menschheit beitragen werde. D:n Schlüssel des Gebäudes gebe er mit diesem Wunsche an Se. Magnifizenz weiter. Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Or. Bosenberg dankte der Regierung und dem Landtag namens der Universität für die Bewilligung der Mittel zu diesem Reubau, und gab seiner Freude über diese Bereicherung der Landes-Universität Ausdruck. Die Mittel für die Universität seien nicht vergeblich aufgewendet, sondern sie seien im höchsten Sinne produktiv und werbend angelegt. Die Universität wisse es dankbar zu würdigen, daß sie trotz der Rot der Zeit bei der Regierung und beim Landtage immer offene Hände gefunden habe. Mit der Schlüsselübergabe an Den Hausherrn, Prof. Dr. D ü r k e r, verknüpfte Se. Magnifizenz herzliche Worte des Dankes an Prof. D". Bürkerder sich die höchsten Verdienste um das Zustandekommen dieses Gebäudes erworben habe und der mit gutem Recht dieses Institut fein Werk nennen könne. Ein hohes Gut sei ihm anvertraut, aber die Universität fei sicher, daß er dieses Gut sicher bewahren und bestens mehren werde. Er (Redner) danke Prof. Dr. B ü r I e t herzlich und wünsche ihm, daß alle feine Hoffnungen in diesem Hause in Erfüllung gehen und manche Ruhmestat deutscher Wissenschaft hier geschaffen werden möge. Es zogen drei Äurschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 48 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Worte brannten in Raymond. Sein Blick streifte den Freund. Sonderbar, warum ging Melusine in ihrer Neigung immer an diesem prächtigen Manne vorüber? Wer in diese großen, starken, klaren Züge sah, in diese ruhigen Augen, über denen sich starke dunkelblonde Augenbrauen formten, der gewann das unbedingte Gefühl: sich in den Charakter dieses Mannes einzubetten, in chm Ruhe finden zu können, Krastvolle, übersichtliche Ruhe, Ausgeglichenheit, die seit Kinderzeit im sicheren Besitz und dem Bewußtsein der Bodenständigkeit verankert, verwurzelt war. Die nichts Fremdes zum Schmucke und zur Ausgestaltung des Lebens brauchte. Die Genüge fand am Reichtum der eigenen Heimat. _ ri Raymond griff unwillkürlich an seine Briist- tasche. In ihr knisterten einige Briefe: „Ich habe auch noch Wichtiges wegen Melusine mit dir zu besprechen, Fritz. Es sind einige Mitteilungen vom Detektiv eingetroffen. Diejenigen aus Bezay lauten nicht gerade günstig über Bouvier. Aber auch bei den Nachforschungen aus seiner Heimatstadt uus her Provence stellt sich heraus, daß fein Baker nicht daran denkt, Professor an einer Universität zu sein, sondern er ist in dem mittelgroßen Nest ein ganz simpler Schulmeister. Ich habe mich also nicht in meinem Urteil aetäuscht, wenn ich neulich Melusine jagte: daß diesem unvergleichlichen Bau- vier der unverkennbare Stempel kleinbürgerlichster französischer Provinz anhaftet — und die ist rea k- tionärer als die der deutschen Provinz! und daß er dem allen ein Mäntelchen von Boheme tum als musikalisches Genie umhängt." Ißenger halte die Trachten zuruckgelegt unD Die große geschnitzte Eichentruhe wieder verjchlosfen. Er trat unter den Lichtkreis des mittelalterlichen Leucherweibä^ns und sah Raymond ruhig ms Gesicht: „Und wie stellt sich Melusine zu dem allen? „Vorläufig will sie nichts glauben. Vorläufig ist sie noch fasziniert von Bouvier. Alles, was ich vorbringe, ist in ihren Augen einseitig und voller Dor- I urteile. Aber ich hoffe: auch hier „höhlt steter Trop- | fen Den Stein!" Im stillen wird sie auf diese Warnungen doch innerlich nachdenklicher werden. Ihre blinde Voreingenommenheit wird schwanken. — Am bedenklichsten finde ich bei dieser Heirat nicht nur, daß er nicht standesgemäß ist — sondern, daß er einen weichlichen Lebenswandel führt. Seine Moral ist salopp. Vielleicht glaubt er, sich das als Künstler leisten zu können. Aber Melusine wird, so viel ich merke, am schwersten eine Untreue von ihm ertragen. — Sie glaubt sich bedingungslos, unein- geschränkt geliebt von ihm." Wenger machte plötzlich eine imvulsive Handbewegung. Sie Deutete auf Abwehr. Sekundenlang zögerte er mit seinen Worten. Dann stützte er sich auf Den schweren eichenen Tisch, Der mit seinen massiven vier Füßen auf Den Zimmerbohlen in Der Mitte stand, und meinte, den Blick gesenkt: „O, wenn es das ist, was sie schwankend machen könnte —?!" Und wieder eine Pause. „Eh bien, es ist ja im Grunde eine so schmierige Geschichte, Die ich Dir da auftischen muß. Mer es handelt sich um Die Zukunft von Melusine. Deswegen halte ich es Doch für meine Pflicht, daß auch ich in diesen Tagen etwas über Diesen Monsieur Bouvier erfuhr. Durch Zufall —" Eine tiefe Stille folgte wieder. In dem breiten Kamin, Der in seinen Schnörkeln und Linien ebenfalls ganz Den mittelalterlichen Charakter wahrte, knisterten leise und emsig Die großen Scheite Holx. Im Hause Droben hörte man leise eine Türe aufgehen. Dann schr leise und weiche Schritte auf der Treppe. Raymond hob lauschend Den Kops. „Es ist nichts," sagte Wenger, „meine Haushälterin begibt sich in Die Küche und roirD uns gleich servieren lassen. — Bei dieser Sache mit Melusine spielt der Zufall eine Rolle. Wie so oft im Leben. Als ich vor einigen Tagen vor meinem Stadthause stand und Den' Abtransport meiner wertvollen Möbel zur Ueberführung hierher überwachte, ging auf Der Straße eine junge Person vorbei und erkannte mich und kam grüßend auf mich zu. Es war ein Mädel, mit dem ich früher als Bub öfters in Der Nachbarschaft gespielt, als meine (Eltern im Stadthaus wohnten. An und für sich ein Mädel aus rechtschaffener, einfacher Familie. Dann ist sie in unrechte Hände gekommen und hat sich nicht mehr auf den Wetz der bürgerlichen Moral wieder heraufarbeiten können. Man sah sie Da, wo Die elegante und galante Welt hier verkehrt. Wegen ihrer schönen roten Haare unD Dunklen Augen kannte man sie allgemein kurzweg unter Dem Spitznamen „la Cre- vette", Die Krabbe." Raymond hob Den Kopf. Er entsann sich, daß sein Kusin Alceste früher, es war schon vor Dem Kriege gewesen, von Crevette erxählt hatte. Einem witzigen, luftigen Ding, das besonders auf Maskenbällen Die Leute abscheulich zu ärgern und zu intrigieren verstünde —. „Nun, und was wollte sie jetzt?" „Die Krabbe begrüßte mich als alte Jugend- bekannte und sprang Dann gleich zu einem Thema über, von Dem ich merkte, daß es ihr eine Genugtuung sei, mir etwas berichten zu können. Sie sagte mir: wenn ich Gelegenheit habe, Die Baronesse von Welzin-Hammerschlag zu treffen, so möge ich ihr erzählen, daß ein Verehrer von ihr, ein Monsieur Bouvier, sich nicht entblöbe, hier seine „petite Femme" mitzubringen, mit Der er sich hier in Straßburg amüsiere, währenD er Der Baronesse auf ToD und Leben Den Hof mache." Raymond richtete sich zu voller Größe auf. Er atmete tief und langsam auf. Es war wie ein Seufzer. Ein Sichau fleh nen gegen eine zugefügte Infamie. „Es wäre Der Gipfel Der Unverfrorenheit! Was sagtest Du?" ,Zch konnte vor Ueberraschung nichts erwidern. Vor Bestürzung, daß sie gerade mir alles erzählt! Woher ahnt sie, daß ich mich für Melusine interessiere? Warum gibt sie mir Diese Warnung?" „Hast Du sie nicht gefragt?" ,Lch konnte nicht mehr. Es blieb mir'keine Zeit. Denn im nächsten Moment kam Der Tischler, Der Den Transport leitete, gerade aus meinem Hause, um mich etwas Wichtiges zu fragen. Sein Dazwischenkommen schien ihr nicht schlecht zu passen, Denn sofort verabschiedete sie sich von mir, nickte mir noch unter ihrem Schleier mit einem gewissen spitzbübischen Lächeln zu und sagte halblaut: „Recherchieren Sie, Monsieur Wenger! Ich habe Ihnen Die Fährte gezeigt! Sie roerDen sehen. Daß die Crevette nicht nur intrigieren, sondern auch mit ihren Intrigen Gutes stiften kann!" — Und bann war sie um Die Prof. Or. Bürker nahm Den Gebaudeschlüsfel in Empfang und versprach. alles zu tun was in feinen Kräften stehe, daß dieses Institut Der LandeS-llniversität und der deutschen Wissenschaft zum Segen gereiche. Fakultäten und Studenten. Im Ramen der medizinischen Fakul- t ä t beglückwünschte Deren Dekan, Prof. Dr. Kuhn, das Physiologische Institut und seinen Leiter zu dem neuen und schönen Heim. Prvf. Dr. Bürker habe hier ein Institut geschaffen, das als schönstes physiologisches 3n- ftihit Deutschlands anzusprechen sei und das zum Ruhen und zum Ruhme der Fakultät diene. Die medizinische Fakultät danke der Regierung und dem Landtag für die hier wiederum bc- kundete Großzügigkeit, und sehe di:fe Tat als eine Gewähr dafür an, daß dieses schöne Institut nicht der letzte Bau auf dem Gelände der Kliniken fei, sondern alle die toeiteren dringenden Bauten, Stein für .Stein, Stockwerk für Stockwerk, ein Bau nach dem andern aufgeführt werden. Zum Schlüsse gab der Redner Die Ernennung des bisherigen Finanzministers H e n- r i ch zum Ehrendoktor der Medizin bekannt. Für Die veterinär-medizinische Fakultät sprach deren Dekan, Geheimrat Prof. Dr. O l t, gleichfalls herzliche Glückwunschworte, wobei er Die hohe Bedeutung der physiologischen Wi senschajt auch für die Veterinärmedizin hervorhob und zwischen beiden ein weiteres gutes Zusammenarbeiten, wie bisher, wünschte. Prof. Dr. Harrasfowih überbrachte als Vertreter Der beiden Dekane der Philo- sophifchen Fakultät Deren au richtige Glückwünsche und zugleich Dank dafür, daß ein Teil der Philosophie auch in Dem neuen Heim Der Physiologie Ausnahme gefunden habe. Der ReDner huldigte zum Schluß der großen Bedeutung Der physiologischen Wissenschaft. RachDem noch ein Vertreter Der Studentenschaft herzliche Glückwunschworte und Dank an Prof. Dr. Bürker zum Ausdruck gebracht hatte, erfolgte ein Rundgang der Gäste durch das imponierende Gebäude. Damit fand die würdige Einweihungsfeierlichkeit ihren guten Abschluß. Wirtschaft. Oie Reichsbank Mitte Februar. Nach Dem Ausweis Der Reichsbank vom 15. Februar hat sich Die gesamte Kapitalanlage Der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 242,9 Millionen auf 2116,5 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 279,7 Millionen auf 1963,9 Millionen Mark abgenommen, während Die Lombardbestände um 35,6 Millionen auf 58,4 Mill. Mark und die Estektenbestände um 1,1 Millionen auf 94,3 Millionen Mark angewachsen sind. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 262,2 Millionen Mark aus Dem Verkehr zurückgeflossen, und zwar hat sich Der Umlauf an Reichsbanknoten um 253,4 Millionen auf 3784 4 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 8,8 Millionen auf 605,7 Millionen Mark verringert. Die Bestände der Reichsbank an Renten- bankfcheinen haben sich Dementsprechennd auf 45,0 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 532,6 Millionen Mark eine Zunahme um 23,6 Millionen Mark. Die Bestände an Gold- unD deckungsfähigen Devisen insgesamt sind mit 2179,2 Millionen Mark ausgewiesen, im einzelnen Gold mit 1886,4 Millionen -Mark und deckungssähige Devisen mit 292,8 Millionen Mark. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 46,7 0. H. in der Vorwoche auf 49,8 v. H., Diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 54 o.H. auf 57,6 0. H. Oer Erzbergbau im Januar. Siegerland: Die Lage der Siegerländer Gruben hat keine Olenierung erfahren. Förderung und Absatz bewegten sich auf Der Höhe Des Vormonats. Preisänderungen sind nicht erfolgt Lahn-Dillaebiet und Oberhessen: Obwohl sich durch den Fortfall der Subventionen Die Produltionsbedinaungen für Den Eisenerz- nahe Straßenecke verschwunden. Ich konnte ihr doch unmöglich folgen, wo der Tischler neben mir stand r „Eine Fährte! Und was für einen Fingerzeig! Fritz, ein Ring fügt sich in der Kelte an Den andern. Wenn Du mir nun mithelfen könntest in dieser Affäre —?" Draußen näherten sich jetzt wieder Schritte. Im Nebenzimmer ging eine Tür. „Davon sprechen wir später noch!" meinte Wenger hastig, „wenn wir Ruhe haben." Es wurde draußen an Der Tür gepocht. Wenger schritt hin unD öffnete sie. „Monsieur Wenger, man hat soeben angerichtet," hörte Raymond eine Frauenstimme sagen. Er kannte Madame Grähling, Die greife Haushälterin Des Freundes, unD nahm Gediegenheit, sie jetzt zu begrüßen. Er tauschte einige herkömmliche Worte mit Der Matrone, Die mit ihrem fast unsichtbaren Regime dieses große Haus so vortrefflich in allen Einzelheiten in Schwung Dielt. Dann zog sie sich bescheiden zurück und beide Herren betraten das Speisezimmer. Es war im Rahmen einer altessässischen wohlhabenden Bauernstube gehalten. Seit Dem letzten Hiersein von RaymonD war manches hier vervollständigt worden. Um Den massiven, spreizbeinigen Eichentisch stanDen sechs ebenso spreizbeinige Stühle mit gera= Den, etwas geschnitzten Lehnen lieber Dem Tisch hielt ein runder, dunkelgebeizter Holzring in Form von Kerzen aufrechte elektrische Birnen. Als Tischtuch ein Gedeck von kräftigem, selbstgesponnenem Leinen mit den üblichen, schmal eingewebten roten Streifen. Es trug ein Service aus Den Fayencefabriken von SaargemünD mit den entzückenden Malereien und Szenen aus Dem elsässischen Volksleben, Die Der Straßburger Maler Loux in herrlicher Heimatkunst geschaffen. In Dem hellen Henkelkrug, den Das bäuerliche Blumenmuster von großen Rosen, Tulpen und Vergißmeinnicht zierte, blinkte Der köstliche rote Dttrotter. Das breit auslaDenbe niedrig gehaltene Büfett enthielt hinter Glasfenstern alte Nickelhumpen und kostbare Kristallgläser im Geschmack vergangener Jahrhunderte. An Halder Wandhöhe lief ein Bord mit alten Nickeltellern und Messingkrügen. Um Den riesigen dunkelgrünen Kachelofen lief eine breite eichene Holzdank. (Fortsetzung folgt.) Bergbau schwieriger gestaltet haben, ist durch die Derbindlichkeitserllärung des Sch'edsspruches durch den Reichsarbeitsminister der Lohn der Bergleute erhöht worden. Dadurch hat sich die Lage im Januar weiter verschärft. Es wird immer schwieriger, Erze zu Preisen zu verkaufen, die einigermaßen den Selbstkosten entsprechen. Die geplanten Hilfsmaßnahmen sind aus dem Stadium unverbindlicher Besprechungen mit den zuständigen Stellen immer noch nicht heraus. Auch die für den hiesigen Bergbau erhofften Frachtenerleichterungen haben sich bis jetzt noch nicht erfüllt, statt dessen wurde den Gruben eine neue Belastung in Form der Erhöhung der Gebühren für die Gleisanschlüsse bis zu 30 Prozent auferelegt. Von den Schlachiviehmärkten. 2ln den deutschen Schlachtviehmärklen der vorigen Woche trat keine wesentliche Aenderung ein. Zwar zeigten die Wurstfabriken etwas verstärkten Begehr, doch entsprach andererseits der Handel an den Fleischgrohmärkten nicht den gehegten Erwartungen. In Bindern ging der Auftrieb von 16 300 Stück auf 15 900 Stück zurück. Kälber waren mit 19 700 Stück gegen 18 200 etwas reichlicher angeboten. Ebenso waren die Zufuhren von Schafen mit 8200 gegen 70C0 größer als in der Vorwoche. Schweine waren mit 100 000 gegen 105 000 Stück offeriert. Die Rindermärkte verliefen im allgemeinen sehr langsam. Die Preise blieben zumeist die der Borwoche. — Kälber hatten mittleren Handel bei ebenfalls nur geringfügig abweichenden Ro- timmgen. Bei Schafen lag der Preisdurchschnitt etwas höher als in tter Borwoche. Schweine waren in der Preisgestaltung nicht ganz einheitlich. Erhöhungen und Einbußen von 1 bis 2 Pf. hielten sich die Waage. Es kosteten in bekanntem Gewicht in Rinder Kälber Schake ' Schweine ^Berlin 19-59 45-82 28-63 48-58 Bremen 25-60 40-83 — 45-57 Breslau 15-55 53-80 42-60 50-59 Chemnitz 25-60 60-80 50-56 45-57 Dortmund 25-62 45-88 33-55 50-65 Dresden 25-60 57-85 45-66 45-60 Düsseldorf 20-65 45-85 — 45-62 Elberfeld 20-62 50-85 — 52-61 Essen 28-61 50-115 45-60 52-62 Frankfurt M. 24-63 50-78 25-54 50-60 Hamburg 15-59 32-88 19-63 45-58 Hannover 20-60 40-85 21-58 45-58 Husum — — — — Karlsruhe 18-61 57-82 — 46-63 Kassel 22-60 52-68 — 52-62 Kiel 20-54 32-75 31-60 42-57 Köln 20-62 50-110 50-55 50-62 Leipzig 23-58 40-78 36-63 50-61 Magdeburg 22-57 40-80 35-52 41-58 Mannheim 15-62 50-76 42-48 48-61 München 20-59 65-90 — 47-60 Stettin 15-55 35-77 20-52 40-57 Stuttgart 14-61 57-84 — 42-60 Zwickau 20-53 60-83 40-60 50-60 Saisonanalysen für den Geschäftsmann. Das neueste Heft des Instituts für Konjunkturforschung bringt eine sehr interessante Untersuchung der „Saisonschwankungen als Problem der Konjunkturforschung" ton Dr. Otto Donner. Es werden die einzelnen statistischen Methoden zur Ausstellung von Saisonlinien geschildert. Die Betrachtung ist allgemein verständlich gehalten und schildert die Möglichkeiten, die für die Durchführung einer eigenen Saisonbetrachtung auch für den Richt- wissenschastler gegeben sind. Es wird insbesondere Bargelegt, auf welchem Wege Saisonanalysen jeweils am einfachsten und ohne wirtschaftlichen Arbeits- und Kostenaufwand für den Geschäftsmann durchzuführen sind. Durch eine solche Betrachtungsweise wird die Untersuchung der gegen» fettigen Beziehungen verschiedener Wirtschafts- Vorgänge erleichtert. Beispielsweise kann ein Fabrikant. der die Bachfrage nach seinen Erzeugnissen saisonmäßig bedingt weiß, ein Interesse daran haben, ein exakteres Maß für die jahreszeitliche Gestaltung der Auftragseingänge, des Beschäftigungsgrades und bergt zu haben. Wenn er über die Saisonbewegungen seiner verschiedenen Abnehmergewerbe genau informiert ist, kann er seine Propaganda zielbewußt verteilen indem er beispielsweise Motoren für Bähmaschinen verstärkt anbietet bei saifonmäßigem Auftrieb des Bekleidungsgewerbes, Motoren für Holzbearbeitungsmaschinen bei saifonmäßigem Aufstieg der holzverarbeitenden Industrie usw. Dke Eisenbahn muß sich auf eine in den verschiedenen Jahreszeiten wechselnde Beanspruchung sowohl im Gütertransport wie in der Personenbeförderung einrichten, die Banken auf die ebenso wechselnde Bachfrage nach Krediten, die Fi- nanzverwaltung auf den Saisoneinflüssen unterliegenden Eingang mancher Steuern, der Landwirt auf die mit den Jahreszeiten schwankenden Preise vieler seiner Produkte. An diesen wenigen Beispielen ist ersichtlich, von wie großer Wichtigkeit für den Geschäftsmann die Beurteilung der Konjunktur durch Aufstellung der ihn interessierenden Saisonkurven ist. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Gegenüber den Vorwochen war die Tendenz am Frankfurter Produktenmartt fester. Schon am Ende der vorigen Berichtswoche war ein Umschwung der allgemeinen Marktlage festzustellen. Die höheren Auslandnotierungen und die günstiger lautenden Meldungen des übrigen Auslandes oer- I anlaßten die Händler aus ihrer Zurückhaltung herauszutreten, so daß verschiedentlich Deckungen von Seiten der Verbraucher auf die Befürchtung einer Preissteigerung vorgenommen wurden. Auf der anderen Seite verstimmte das weiter große A n - gebot, so daß auch die Abschlüsse im Verlaufe der Woche wieder spärlicher wurden und von einem Anziehen der Preise nichts zu merken war. Das Geschäft in Weizen konnte sich nur langsam entwickeln : nur Futterweizen war von der Landwirtschaft etwas lebhafter begehrt. Roggen in guten Qulitäten war knapp angeboten und die 9larf)= frage der Mühlen hatte zeitweise eine etwas höhere Notiz zur Folge. Die Industrie nahm neuerdings wieder Deckungen in Oerfte vor, so daß sich hier lebhaftere Umsätze bemerkbar machten; auch seitens der Brauereien wurden Käufe für Brauzwecke vor- genommen. Hauptsächlich gute Qualitäten fanden leicht Unterkunft. In Mais konnte sich gegenüber den vergangenen Wochen kein lebhafteres Geschäft entwickeln, obwohl das Angebot hierin sehr klein war. Mehle hatten anfangs der Woche lebhafteres Geschäft, doch trat bald auf Zurückhaltung der Mühlen und des Konsums und des schlechteren Weizen- und Roggengeschäftes eine Verstauung des Marktes ein. In Futtermitteln fanden kaum Umsätze statt. Der Kartoffe l markt verkehrte bei stillem Geschäft und unveränderten Preisen in ruhiger Haltung. Zum Wochenschluß blieb die Marktlage unverändert. Die Käufer übten wieder größere Zurückhaltung und das Geschäft erfuhr eine fast vollständige Stagnation. Weizen für Futterzwecke wurde weiter gehandelt; Weizen- fiele für prompte Lieferung fand noch verschie- dentlich Aufnahme. Im Vergleich zu den Notierungen der vergangenen Woche waren Weizen I, Weizen II, Weizen III, Roggen, Mais für Futterzwecke, Weizenmehl, Roggenmehl und Roggenkleie, behauptet. Sommergerste zog eine halbe Mark, und Hafer (inl.) eine Viertelmark an. Dagegen hatten Mais für andere Zwecke einen Verlust von 0,55 Mark und Weizenkleie von 0,10 Mark zu verzeichnen. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen I 24,50, Weizen II 23,25 bis 23,50, Weizen III 22,75 bis 23,25, Roggen 24,50, Sommergerste 27,50 bis 30, Hafer (inl.), 23,50 bis 24,25, Mais für Futterzwecke 22,50, Mais für andere Zwecke 23,20, Weizenmehl 36 bis 36,75, Roggenmehl 33 bis 35, Weizenkleie 14 bis 14,15, Roggenkleie 15 bis 15,25 Mark. Wochenbericht vom Sronffurter Gchlachtviehmarkt. Das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt war in voriger Woche ruhig. Am Rindermarkt war der Auftrieb ziemlich knapp, so daß der Nach- frage nicht ganz entsprochen werden konnte. In Kälbern und Schweinen genügte der Antrieb vollkommen. Am Rindermarkt waren nur mittlere Qualitäten vorhanden, dadurch machte sich lebhafte Nachfrage nach guten Qualitäten bemerkbar. Die Märkte wurden alle vollkommen geräumt. Der G e - famtauftrieb bestand aus 1219 Rindern (darunter 292 Ochsen, 51 Bullen, 506 Kühen und 304 Färsen), ferner aus 1559 Kälbern, 440 Färsen und 608v Schweinen. Im Vergleich zum Auftrieb der vergangenen Woche waren 420 Rinder, 13 Schafe und 740 Schweine Weniger aufgetrieben; während 25 Kälber mehr zum Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht Ochsen Al 58 bis 62, 2 54 bis 57, Bl 50 bis 53, 2 47 bis 49, Bullen A 52 bis 55; Kühe A 46 bis 49, B 40 bis 45, C 33 bis 39, D 24 bis 32; Färsen A 58 bis 63; B 53 bis 57, C 47 bis 52; Kälber B 72 bis 75, C 64 bis 71. D 50 bis 63; Schafe A 48 bis 51, B 40 bis 47, C 30 bis 39, D 25 bis 28; Schweine B 57 bis 58, C 56 bis 58, D 56 bis 58. E 54 bis 56. Verglichen mit den Notierungen des Hauptmarktes der vergangenen Woche waren Rinder bis zu einer Mark teurer. Gegenüber den Preisen des Nebenmarktes der vergangenen Woche hatten Kälber einen Verlust von einer Mark, Schafe und Schweine einen solchen bis zu zwei Mark aufzuweifen. ♦ • Die Grotzhandelsinbexziffer. Die auf den Stichtag des 5. Februar berechnete Grobhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Borwoche von 138,0 auf 137,7 oder um 0,2 v.H. zurückgegangen. Bon den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstosse um 0,7 v. H. auf 129,5 (Vorwoche 130,4) nach gegeben. Die Indexziffer für Kolonialwaren ist um 0,9 v. H. auf 130,3 (129,1) gestiegen. Die Indexziffer der industriellen Roh- stoffe und Halbwaren ist auf 133,9 (134,0) gefallen, während diejenige der industriellen Fertigwaren mit 156,7 unverändert war. * Preußische Staatsbank (Seehand- lung). Die Preußische Staatsbank (Seehandlung) veröffentlicht jetzt ihren Berwaltungsbericht für 1927, nebst Bilanz sowie Gewinn- und Ber- lustrechnung. Wir entnehmen dieser Mitteilung folgendes: Der gesamte Buchumsah betrug 34,5 Milliarden Mark gegen 29,38 Milliarden Mark im Borjahre. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist folgende wesentlichere Ziffern aus: Zinsen 9,3 (9,6), Provision 0,8 (0,7). Gewinn aus Ge- mcinschaftsgeschäften und Wertpapieren 0,06 (2,67), Berwaltungskosten 4,4 (4,2), Abschreibungen auf Grundstücke und Einrichtung 0,45 (0,24). Der gesamte Reingewinn beträgt 5,14 (8,58), hiervon werden 1 Mill. Mark bestimmungsgemäß an die General-Staatskasse zum Staatkhaukhalt abgeführt. Weisere 2 Mill. Mark werden dem Grundkapital und 2 Mill. Mark der Rücklage, die damit auf 6 Mill. Mark steigt, überwiesen und der Restgewinn von 139 000 Mark auf neue Rechnung vorgetragen. — Die Frage einer Kapitalerhöhung, die an sich mit Rücksicht auf die Zunahme des Geschäftes nötig wäre, ist bereits mehrfach in Kreisen der Verwaltung erörtert worden. Sie muhte jedoch vorläufig abgelehnt werden, da der Preußische Staat andere wichtigere Bedürfnisse hat. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt, 20. Febr. Tendenz: Freundlicher. — Zu Beginn der neuen Woche blieb die Llmfahtätigkeit zwar ziemlich gering und im wesentlichen wieder auf die Kulisse beschränkt. Die Tendenz war jedoch etwas fester und zuversichtlicher. So hoffte man auf eine baldige Beilegung des Konfliktes in der Metallindustrie, ferner befriedigte, daß wenigstens für die nächste Zeit die Gefahr einer Reichstagsauflösung beseitigt erscheint. Man rechnet ferner auf einen guten Fortgang der Freigab e- angelegenheit. Der Geldmarkt blieb weiter unübersichtlich. Tagesgeld war stärker gefragt. Bei den ersten Kursen waren überwiegend Besserungen von 1 bis 2 Proz. festzustellen. Freigabewerte begegneten etwas stärkerem Interesse. Hapag und Bodd. Lloyd gewannen 1,5 bzw. 1 Prozent. Scheideanstalt plus 2,13 Proz. Am Elektromarkt betrugen die Kurserhöhungen 1 bis 1,5 Proz. Selten lagen aber 1,65 Proz. schwächer. Westeregeln konnten 2 Proz. und Aschersreben 2,75 Prozent anziehen. Mon- t a< to e r t e und Bankaktien durchschnittlich 1,5 bis 2 Prozent höher. Holzmann plus 3 Prozent, Wayß & Freytag dagegen eher an- geboten und minus 0,75 Prozent. Zellstoff 'Waldhof blieben knapp behauptet. Deutsche Anleihen vernachlässigt. Von Ausländern waren Türken, besonders Bagdad und Anatolier, reger gefragt und teilweise befestigt. Im Verlaufe wurde das Geschäft auf einigen Marktgebieten etwas lebhafter, besonders Montanwrrte gefragt. Phönix plus 1,75 Prozent. Sonst ergaben sich meist 0,5 bis Iprozentige Gewinne. Der Sah für Tagesgeld konnte auf 6 Prozent ermäßigt werden, da die Bachfrage im Verlaufe nach- lieh. Am Devisenmarkt notierte die Reichsmark gegen Kabel 4,1892, gegen London 20,427. Paris gegen London 124,02. Mailand 92,00, Madrid 28,80. London gegen Kabel 4,87525. Berlirc Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 20. Febr. D'.e neue Woche begann in etwas freundlicherer Stimmung. Man hofft auf eine Entscheidung im Konflikt der Metallindustrie durch die evtl. Verbindlichkeits- erflärung des Schiedsspruches. Ferner regte an, daß heute die Freigabeangelegenheit erledigt werden sott und daß die Wirtschaftslage in der Sonntagspresse eine günstige Beurteilung fand. Bei der Spekulation bestand etwas Deckungsneigung, ferner kamen einige Memungskäufe der Provinz und verschiedene Auslandkaufaufträge zur Ausführung. Spezialwerte blieben weiter bevorzugt. Zellstosf Waldhof plus 3,75 Prozent, Siemens plus 3,13 Prozent, Borddeutsche Wolle plus 6 Prozent, Ilse und Essener Steinkohlen je plus 3 Prozent. Heimische Anleihen anziehend. Ausländer bei fleinem Geschäft fest. Der Geldmarkt war unverändert. Gleich nach den ersten Kursen konnte man Versuche der Daisseparlei beobachten, die darauf abzielten, das Kursniveau zu drücken. Die Tendenz war aber recht widerstandsfähig und die Kurse gaben selten mehr als 0,25 Prozent nach. Die Kursentwicklung wurde indessen uneinheitlich und die Umfahtätigkett hörte fast ganz auf. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 20. Febr. Die Marktlage ist wesentlich fester. Bei Beginn des Marktes war Weizen so gut wie gar nicht angeboten und notierte 0,50 Mk. über dem letztwöchigen Preis. Im Verlaufe gab aber der Preis leicht nach. Das Geschäft ist außerordentlich klein. Auch Roggen liegt fest bei ruhigem Geschäft. Mehl stagniert vollständig. Kleie zur prompten Lieferung nach wie vor gesucht, doch wird dje Bachfrage durch das Angebot befriedigt. Treber sind billiger als in der Vorwoche und wurden um mindestens 0,50 Mk. niedriger gehandelt. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 25 bis 24,75, Weizen 2, gut. gesund, trocken, bis zu 3 Proz Auswuchs 23,50 bis 23,75, Weizen 3, geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Proz. Feuchtigkeit 22,75 bis 23,25, Roggen 24,50 bis 25, Sommergerste für Brauzwecke 28 bis 30, Hafer, inlänb. 23,75 bis 24,50, Mais (gelb) für .Futterzwecke 22,50 bis 22,75, Mais (gelb) für andere Zwecke 23,20 bis 23,45, Weizenmehl, südd. Spezial 0 36,25 bis 37, Roggenmehl 33,50 bis 35,50, Weizenkleie 14 bis 14,25, Roggenkleie 15 bis 15,25, Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 30 bis 60, Linsen, je nach Qualität für Speifezwecke 55 bis 110, Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken 8 bis 8,50. Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 4,50. Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 3,25, Treber, getrocknet 16,25 bis 16,75. Tendenz fester. Frankfurter Schlachtviehmartt. Frankfurt a. M., 20. Febr. Auftrieb: 1262 Rinder (darunter 316 Ochsen, 46 Dullen, 580 Kühe, 320 Färsen), 631 Kälber, 117 Schafe, 5682 Schweine. — Rinder (Ochsen): Boll- fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 57 bis 60 Mk., (ältere) 53 bis 56; sonstige vollfleischige (jüngere) 43 bis 52, (ältere) 44 bis 47. (Bullen): Jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 52 bis 55; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 51. (Kühe): Jüngere, vcllfleischige, höchsten Schlachtwerts 45 bis 48; sonstige vollfleischige oder ausgemästete bis 44; fleischige 33 bis 39; gering genährte 25 bis 32. (Färsen — Kalbinnen, Jungrinder —): Bollsleischige, ausgomästete, höchsten Schlachtwerts 58 bis 62; vollfleischige 53 bis 57; fleischige 47 bis 52. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 71 bis 74; mittlere Mast- und Saugkälber 64 bis 70; geringe Kälber 50 bis 63. — Schafe: Mast.ämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 51 bis 53; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 45 bis 50. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 58 bis 60; vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 58 bis 59; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 57 bis 58; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 54 bis 57; Sauen 50 bis 56 Mk. — Marktverkauf. Geschäft in allen Diehgctttungen schleppend, bei Rindern und Schweinen verbleibt Äleberftanb. Letzte Nachrichten. Lin Zahl Gefängnis für Krantz beantragt Berlin, 20. $ebr. (TU. Eigener Drcchkbericht.) 3m kranhprozeß beantragte der Erste Staatsanwalt gegen den Angeklagten Paul Krantz wegen gemeinschaftlichen Todschtags ein 3ahc Gefängnis, wegen Vergehens gegen das waffengefeh einen Monat Gefängnis. Die Strafe soll zu einer Gesamtstrafe von einem 3ahr und einer Woche Gefängnis zusammengezogen werden. Von unbeschreiblichem Reiz ist der Ton der Neumey er-Pianos Vertreter: August Förster » Gieben Bahnhofstraße 65 B 59a Fernruf 1367 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. ____________ Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. _____■ __Datum: F.anKfurra. M Berlin Datum: Z- attkfuria.M Berlin Datum: Frankfurt a. M Berlin Berltn 18 Feor cyeld Bries _ Franjonfche Roten..... Holländische Noten . . . italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deulsch-Lesterr.,5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Devilenmartt Derlm Telegraphische 15.539 168,18 22,19 111,20 58,90 2,55 112,10 80.4 2 70,81 12.375 72 95 —Sranffur Auszad 1(5.591) 168.86 22,27 111.64 59,14 2,57 112.54 80,74 71,09 12.435 73,25 a. 2H. ung Schlich- ftiT5 18 2. l-Uhr. Kurs 20. 2. Schutz- K-r» 18. 2. Anfang Kur 20.2. Schlich ’rs 18 2. l-Uhr- K"rs | 20 2. Sch utz I 'S- -. Än,an c. £ i ssr's । s । i i । “ 18. ffebr 20. Febr. Ladmever L Lo- ...... 9 BuderuS .... o Deutsche Erdöl .....6 Essener <3 etnkodle .... 8 Gelsenkirchener f. % 9 4 Larvener ... 8 Voesch Eisen ....... . 5 Ulfe Bergbau - .......8 stlöckn rwerke ....... 5 Köln-Neuessen • . . 51/, '.u.'amitsmann k 9 < Mans eldcr 7 Sbcrschlef Eisend- Bedarf 0 Lbcrschlel KokSwerke o Pbonii Bcrgoau s '/, I 3 Nhemische Braunkohlen io Rhcinsiahl 0 Riedeck Montan . .6 Bereinigte Etahlw. f. >/, I 3 Lravi Minen 1 sh Kali AscherSleden li KaliWefieregeM 10 Kaliwerk SaUdetkurtb 12 9 18 ifarven-Industrie U Dynamit Nobel ... 0 Scheid anüalt .... .8 > oldkchmidt .... .6 Rutgerswerke ....... .6 Metallgeiellchakt.....lo Amtliche Non.rung <8eld ! Brie' Amtliche Notierung Geld 1 Brief _ Ad le rwerke Kleve». ... 0 L'UDto tkorirr ■J7ai Automobil .... 6 Crcnft in S Kovvel . . . . « Linke Ho.manu .... C Vronbnrb Trey .... f. Bamao. - egum .... 0 Sranfr T? ’djinen . . . . 0 Grivner ..... 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    8,94 12,40.« 7,353 73,15 3,025 19,43 81,57 2,121 5,574 4,176 4.276 20.93 168,74 1,794 58,37 111.58 112,35 112,51 10,558 22,22 20,445 4,1935 16,485 80,66 71,05 1,969 0.505 59,06 12,423 7,367 73.29 3,031 19,47 81.73 2,127 5,586 4,184 4,284 20 97 Berlin, 18 Febr I 'üeld I Brte, Amerikanische Roten..... belgische Noten...... Dänische Roten...... Englische Noten....... 4,169 58.08 111,85 20.38 1,189 58,32 112,29 20.16 5,8^6 1,814 4.275 20.97