Nr.275 Erstes Blatt 178. Jahrgang Montag, 19. November 1928 6t|d)ch vervollständigt werden. Die Rechtsunsicherheit würde sich dadurch nod> steigern. Die Vorlage geht an den Rechtsausschuh. Ebenso der Entwurf eines deutschen Auslieferungsgesetzes. Hm 15,15 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag, 15 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die große außenpolitischeAus- spräche. Die Einigungsverhandlungen in Düsseldorf. Gute Aussichten für eine Verständigung. Düsseldorf, 17. Rov. (WTD.) Die gemeinsamen Verhandlungen beider Parteien im Eisenkonflikt beim Regierungspräsidenten Bergemann zogen sich bis gegen 11 Uhr abends hin. führten aber zu keinem endgültigen Ergebnis. Beide Parteien glauben jedoch, mit dem Ergebnis der Verhandlungen d i e Grundlage gefunden zu haben, die zu einer Verständigung führen wird. Während noch vor dem Beginn der Verhandlung in Gewertschaftskreisen allgemein mit einem ergebnislosen Abbruch der Derrnitllungsaktion des Regierungspräsidenten gerechnet wurde, ist es nunmehr gelungen, eine gewiße Annäherung der Parteien zu erzielen. Es wurde eine kleine Kommission gebildet, die umgehend in die Vorberatungen, die den gesamten Fragenkomplex zum Gegenstand haben, ein treten wird. Rach der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" sind die gewerkschaftlichen Stellen zu der Erkenntnis gekommen, von dem Rechtsmittel der Sprungrevision keinen Gebrauch zu machen, sondern Berufung an das Landesarbeitsgericht Duisburg zu stellen. Der I Entschluß, Berufung einzulegen, ermöglicht es den Gewerfichaften, in zweiter Instanz den gesamten Sachverhalt noch einmal vorzutragen. Die Bestimmung des Dawes-Planes über den Wohlstandsindex ist aufzuheben. Die gesamte deutsche Reparationszahlung ist auf den deutschen R e i ch s h a u s h a l t zu übernehmen. Die verpfändeten Reichsbahn- und Industrieobligationen sind zurückzufordern: diese beiden Sonderbelastungen sind zu beseitigen. Sache der deutschen Gesetzgebung ist es, einen gerechten Maßstab für die innere Aufbringung der Reparationen anzuwenden. Die Auslandkvntrollen über Reichsbahn, Reichsbank, Steuereingänge und Industrie- belaftung sind aufzuheben. Die englische und französische 26prozenttge Einfuhrabgabe auf deutsche Erzeugnisse ist zu beseitigen. Die Verpfändung der Reichseinnahmen an Verbrauchsabgaben und Zöllen gugunften des Reparationsagenten ist aufzuheben. Das deutsche Eigentum ist in sämtlichen ehemals alliierten und assoziierten Ländern und in deren überseeischen Besitzungen vollständig frei- zugeben, und es sind für den Schuh des deutschen Eigentums gegen etwaige künftige Zugriffe ausreichende Garantien zu schaffen. Die deutschen Reichsangehörigen und Firmen, die deutschen Erzeugnisse und Verkehrsmittel sind in den ehemals alliierten und assoziierten Ländern und in deren überseeischen Besitzungen meistbegünstigt zu behandeln. Die deutschen Kolonien sind zurückzugeben. Die deutschen Hoheitsrechte sind im ganzen deutschen Reichsgebiet, einschließlich des Saargebiets, wieder vollständig herzu st eilen. Gegen die Ausdehnung der Zwangsversicherung. Berlin, 18. Nov. (Priv.-Tel.) Der Reichs- a n s f ch u ß der deutschen Mittelschicht, dem neben dem Reichsverband des Deutschen Handwerks der Reichsschutzverband für Handel und Gewerbe, die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, der Zentralverband Deutscher Haus- und Grundbesitzervereine und das Schutzkartell Deutscher Geistesarbeiter ausgeschlossen sind, wendet sich in einer Erklärung gegen die Ausdehnung der Zwangsversicherungen an die Öffentlichkeit. Es wird dagegen Einspruch erhoben, daß die für die Arbeitnehmer geschaffenen Versicherungen und Schutzmaßnahmen auch auf Beoölkerungskreise ausgedehnt werden, deren besondere Eigenart und Lebensbedürfnisse dadurch nicht gefördert, sondern 'geschädigt werden. Wenn die Krankenversiche- rung und andere Zwangsversicherungen auf die wirtschaftlich (elbftäubigen Volks- kreise ausgedehnt würden, so entstehe eine ernste Gefahr für den Mittelstand, für die gesamte Wirtschaft, für das ganze Volksleben. Die Vertreter des deutschen Mittelstandes fordern, daß die verantwortlichen Stellen die zweckwidrige, besonders auch den Mittelstand bedrohende Ausdehnung der Zwangs- versicherungen entschieden ablehnen. Das Ersahbauprogramm der Reichsmarine. Vier Panzerkreuzer und zwei kleine Kreuzer. Berlin, 19. Nov. (Priv.-Tel.) Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, ist damit zu rechnen, daß der von den Denrokraten gestellte Antrag auf Vorlegung eines militärisch begründeten Ersahbaupro- gramms für die ausfallenden Schiffe der Reichsmarine im Haushaltungsausschuh angenommen wird. Die Marineleitung werde dem Reichstag ihre Pläne auf lange Sicht mitteilen, die sich erstrecken auf den Weiterbau des Panzerkreuzers „A", auf die Inangriffnahme des Baues von drei weiteren Panzerkreuzern und auf die Fortführung der begonnenen ^Bauten der kleinen Kreuzer „D“ und „E“. Im laufenden Marinehaushalt betrug die bewilligte Summe für Schiffsbauten und Armierungen 57 592 000 Mk., während sie im Iahre 1927 sogar 66195100 Mk. betrug. Für die kleinen Kreuzer „D“ und „ E“ müssen noch 30 317 000 Mk. bewilligt werden. Im einzelnen stellen sich die Baukosten für den kleinen Kreuzer „D“ auf 36 442000 Mk., während der kleine Kreuzer „E" mit 41 875 000 Mk. in Ansatz gebracht worden ist. Die Höhe der zweiten Rate für den Panzerkreuzer „A“ ist im Augenblick noch nicht endgültig festgesetzt, doch ist damit zu rechnen, daß sie etwas größer ist als die erste Rate, die 9,3 Mlllionen Mk. betrug. Der Bau des Panzerkreuzers „A“ wird vier Iahre dauern. In welchem Haushalt die erste Rate des Panzerkreuzers „B" eingesetzt wird, ist ebenfalls noch nicht entschieden. Phantasie oder Wahrheit? Russische Enthüllungen über das polnischrumänische Militärbündnis. Moskau, 17.77ov. (IBIB.) Das Mililarblatt „Roter Stern" veröffentlicht aus ungenannter Quelle einen Ergänzungsplan zum pol - nlfch-rumänifchenVündnis.der folgende sieben Punkte enthält: 1. 3m Kriegsfälle mit Rußland treten Polen und Rumänien als aktive Verbündete auf. 2. 3m Falle eines Krieges der Sowjetunion mit Rumänien treten drei polnische Divisionen unter rumänischem Oberbefehl in die tu mä- nischeArmee ein. 3. 3m Falle eines Krieges der Sowjetunion mit Polen formiert Rumänien acht 3nfanterie- und eine Kaoalleriedivision, die mit der gleichen Anzahl polnischer Truppen zu einer Armee vereinigt werden. 4. Die Leitung der polnisch-rumänischen Armee untersteht einem französischen Oberkom- m a n d o. 5. Die sranzösische und die e n g l i sch e F l o t t e, die in der Ostsee operieren, sollen die polnisch-rumänische Armee unterstützen. 6. Um die Landung von Sowjettrup- pen am Schwarzen Meerufer zu verhindern. soll die Esienbahn Dscherbowize—Rarasscschti zweigleisig ausgebaut werden. 7. Die Ueberwachung dieses Operationsplanes soll den französischen Generalen Morin und L e - r o n d zugewiesen werden. Wien feiert Schubert. Eine Festrede des Bundeskanzlers. Wien, 19. Rov. (TU.) Im großen Konzerthaussaal fand am Sonntag die offiziell« Schubertfeier der Bundesregierung statt. An der Feier nahmen Bundespräsident Dr. H ainisch, die Ge amtregierung, die Vertreter der Stadt Wien, die in Wien zu Besuch weilenden reichsdeutschen Oberbürgermeister, das diplomatische Korps und eine groß« Zahl von Gästen teil. Die Feier wurde mit dem Vortrag des „Gloria" aus der Großen Messe von Schubert eröffnet. Es folgte eine Reihe von Ansprachen. Rach einer kur en Begrüßungsrede des iln er- richtsministers Schmitz hielt Bundespräsident Dr. Hainisch eine warmempfundene Rede, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Besonderen Eindruck machte die darauffolgende Ansprache des Bundeskanzlers Dr. .Seipel. In seinen Ausführungen ging er davon aus, daß die Kunst und besonders die Mullk ein Ausdruck für das Innenleben eines Volkes darstellen. Schubert, der Sohn des österreichischen Volkes, habe gezeigt, daß die Oesterreicher durchaus nicht so schwach seien, wie man es manchmal glauben möchte. Er habe das österreichische und das deutsche Volk von neuem in der Welt berühmt gemacht und den Deutschen selbst ihre Seele im Liede noch einmal gezeigt. Dr. Seipel begrüßte in seiner Rede alle Deutschen, die an diesem Tage ihres großen Liederkomponisten geben fen, aber auch alle anderen Rationen, denen er wünschte, daß sie im Verständnis des österreichischen Schubert, den eigenen Schubert, den Interpreten ihres Innenlebens finden möchten. Hierauf sprach Landeshauptmann Dr. B u r e s ch im (Hamen sämtlicher Landeshauptleute von Oesterreich, dann der Rektor der Hochschule für Musik und der Generaldirektor der österreichischen Bundestheater, Schneiderhahn. AutmiomiekundßebunßmKolmar Protest gegen die Mandatsberaubnng der Autonomistenführcr. Paris, 17. Rov. (W.B.) Dem Mattn wird über eine im Katharinensaal in Kolmar abgehaltene Protestkundgebung gegen die Ungültigkeitserklärung der Abgeordnetenmandate von Ricklin und Rosse berichtet, an der vor überfülltem Saal in Anwesenheit von Rosse, Ricklin, Bilger, Stür- mel, Hauh, Heil und Antony und anberer bekannter Autonomisten die Abgeordneten D r o g l Y und Dahlet das Wort ergriffen. Brogly Norberte, man müsse zwei Kandidaten bei der Ersatzwahl wählen, die sich verpflichten zurückzu- treten, sobald die erwartete Amnestie erlassen sein werde. Dr. Ricklin rief, während man hinter ihm eine rot-weiße Fahne entrollte, die die Aufschrift: „Amnestie, Autonomie" trug, aus: „W ir wollen die Autonomie und die Amnestie und wir toerben sie erlangen!" Der Abgeordnete Dahlet er Härte, wem es im Elsaß nicht gefalle, der brauche ja nur da' Elsaß zu verlassen. Die Versammlung ging, nachdem auch Rossh gesprochen hatte, unter dem Gesang des Liedes „O Straßburg" zu Ende. Rosse versuchte einen Manifestationszug nach dem Gefängnis, in dem sich Dr. Roos befindet, zu organisieren. Die Volizei verhinderte jedoch das Zustandekommen dieses Amzuges. Zorn v. Snlach gründet eine neue Zeitung. Paris, 17. Nov. (WB.) Dem „Petit Journal" wird aus Straßburg gemeldet, daß Baron Zorn von Bulach sich anschicke, eine neue Zeitung „D i e N a r r« beit" in deutscher Sprache herauszugeben, deren erste Nummer gestern erscheinen sollte, daß das Erscheinen dieser Zeitung aber verboten roor- den ist, und daß Zorn von Bulach sich nach Paris begeben Hot, um dort in französischer Sprache eine Halbmonatsschrift unter dem Titel „Les Folies" herauszugcben, die auf nationalem Boden die Interessen des Elsaß' und Frankreichs im allgemeinen verteidigen werde. Die Zukunft des Wohnungsbaus. Richtlinien des Reichs. Berlin. 19. Hob. (Privattel.) Der Woh- nungsausschuß des Reichstags hat Mitte Do- vember einen Bericht der Reichsregierung über den gegenwärtigen Stand des Wohnungsbaues und die Stellungnahme der Reichsregierung zu den Aufgaben auf dem Gebiete des Wohnungswesens für die nächsten Jahre entgeaengenom» men. Es handelte sich hierbei vornehmlich um die neuen Reichsrichtlinien für das Wohnungswesen. Die'e neuen Richtlinien sehen eine weitere Aufrechterhaltung der Wohnungszwangswirtschaft bis 1 9 4 0 und eine Erweiterung der Aufgaben vor. die auf dem Gebiete des Wohnungsbaues bisher von der öffentlichen Hand in Angriff genommen worden sind. Sie gehen davon aus, daß der jährliche Durchschnitt von etwa 300 000 neuen Wohnungen, den man bisher als außerordentlich hoch bezeichnet hat, bestenfalls Den normalen Bedürfnissen entspreche. 3m 3ahre 1927 ist dieser Durchschnitt erreicht worden. Legi man ihn dem künftigen Programm zugrunde, so ergibt sich daraus kein Abbau der bisherigen Betätigung der öffentlichen Hand, sondern eine Verstärkung. Dem entspricht es auch, daß die Richtlinien im Gegensatz zu den Auffassungen des 3ahres 1926 M dem Ergebnis kommen, der Zeitpunkt, an dem vielleicht einmal der Wohnungsbau im wesentlichen mit Mitteln des Privatkapitals gedeckt werden könne, sei in weite, zeitlich noch unbe- stimmbare Ferne gerückt. Wan müsse zwar an dem Ziele einer immer stärkeren Heranziehung des Privatkapitals für den Wohnungsbau festhalten, jedoch müsse für die Zeitspanne bis etwa 1940, für die zunächst eine einheitliche, wenn auch nur allgemeine Planung des Wohnungsbaues möglich erscheine, die Finanzierung aus öffentlichen Mitteln das Rückgrat des Wohnungsbaues bleiben. Die vom Reichstag geforderte Aufstellung eines einheitlichen Wohnungsbauprogramms sei nur dann möglich, wenn in Zukunft die öffentlichen Mittel für den Wohnungsbau durchgesehlicheBe- stimmunaen für die garrze Dauer der obengenannten Zeitspanne gleichmäßig zurDer- fügung gestellt werben. Mit der Erweiterung des Aufgabenkreises müsse infolgedessen eine Erweiterung der Deckungsmöglichkeiten Hand in Hand gehen. Der Ausschuß des Reichstags trat in eine allgemeine Aussprache über das Wohnungsprogramm ein. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Es wurde betont, daß die Einbringung des Gebäudeentschuldungs- gesehes, soweit iraeird möglich, beschleunigt werden soll, damit die Beratungen des Wohnungsausschusses sich darm auch auf die Gesetzesvorlage selbst stützen können. Zehn Zahre Demokratische Partei Eine Festrede Reichsminister Dietrichs. Berlin, 18. Rov. (XH.) Anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens veranstaltete die demo- Katische Partei am Sonntag mittag im „Dhein- gold" eine Kundgebung, auf der Reichs- ernährungsminister Dietrich und Reichstagsabgeordneter Schneider sprachen. Minister Dietrich wies darauf hin, daß die zurückliegenden 10 Jahre für die Partei zunächst einen Aufstieg und dann einen gewaltigen Riedergang bis zum heutigen Tage brachten. Trotzdem seien ihre Gedanken in außergewöhnlichem Umfange durchgedrungen und in die Tat umgeseht worden. Die erste Etappe war mit der Schaffung der Weimarer Berfassung beendet. 3n der zweiten Etappe galt es in den Staat hineinzuwachsen und ihn zu einem lebensfähigen Gemeinwesen zu machen. Mehr und mehr hätten sich auch seine Gegner zu diesem Staate bekannt. Die Grundlage des Staates sei solider und fester geworden. Heute, so erklärte der Redner, haben wir den Zustand, daß d i e Demokratie formal re st los durchgesetzt. aber im Innern noch nicht seelisch völlig durchgedrungen ist. Der Redner untersuchte dann Die Gründe für den Rückgang der Partei und stellte fest, daß auch heute noch eine Gedankenarbeit für die Partei möglich sei, wenn man auf kulturellem Gebiet aus der Defensivste!- lung heraustrete, und in dem Ringen der wirtschaftlichen Kräfte den Weg in die Zukunft weise. Schwer auch sei die Partei durch den Borwurf geschädigt worden, bah sie nicht national sei. Rational fein, heiße aber nach demokratischer Auffassung, eine Politik treiben, die das Volk in neue Freiheit, Kultur und Wirtschaft führe. Republik und Demokratie hätten eine große Idee verwirklicht, sie hätten das Bewußtsein geschaffen, daß wir eine Ration sind. Das sei die Grundlage unserer Zukunft. Auch die in zehn Jahren getriebene Außenpolitik fet nur auf dem Boden der Demokratie möglich gewesen. Mit der Lösung der Räumungsund Reparationssrage werde die dritte und letzte Etappe auf dem Wege zum Wiederaufbau erreicht sein. Zwölf Jahre Ruhrbergbau! Es gibt wohl kaum ein deutsches Industriegebiet, dem Deutschland in den letzten Jahrzehnten soviel zu verdanken gehabt hat, wie dem rheinisch-westfälischen Industrierevier, es gibt aber auch kaum eine Stätte deutscher Arbeit, die so oft im Mittelpunkt deS Interesses des deutschen Volkes gestanden hat wie das große Decken zwischen Duisburg und Dortmund, zwischen Gelsenkirchen und Bochum. Seit fast einem Menschenalter bildet das Ruhrgebiet das wirtschaftliche Fundament unserer Ration, das fast unerschütterlich scheint, aber in den letzten Jahren doch manchen schweren Stoß auszuhalten hätte, der sich ungünstig auf die wichtigsten, rechts und links der Ruhr sich betätigenden Industriezweige auswirkte. Eisen und Kohle kommen aus den Schwierigkeiten überhaupt nicht mehr heraus, ebenso wird die um sie herumgelagerte Industrie fortgesetzt von Wirtschaftskrisen gepackt. Am schlechtesten geht es unzweifelhaft der R u h r k o h l e , an die von Jahr zu Jahr steigende Ansprüche aller Art gestellt werden. Paul-Boncour legt sein Mandat als Vötterbundsdelegierier nieder. Die parteipolitische Konstellation hat den Sozialisten Paul-Boncour nunmehr endlich bewogen, von seinem Posten als französischer Völkerbunds- delegierter in Genf z u r ü ck z u t r e t e n. WenG er in einem Schreiben an Briand diesen Rücktritt damit zu begründen versucht, daß daran nur die Partei- politische Lage im Zusammenhang mit der Neubildung des französischen Kabinetts schuld fei, so dürfte das wohl nicht ganz den Tatsachen ent- sprechen. Denn wie erinnerlich, hat Paul-Boncour schon seit langem und nicht zuletzt während der Genfer Tagung die Absicht geäußert, sein Völker- bundsmandat niederzuleaen, so daß man wohl annehmen kann, daß noch andere gewichtige und mit den Rüstungs- und Abrüstungsfragen zusammen- hängende Probleme hierbei mitgesprochen haben. Aus jeden Fall kann man feststellen, daß der Rücktritt Paul-Boncours für die weiteren Abrüstungsverhandlungen in gewisser Hinsicht entscheidend sein wird. Gab es doch kaum einen schärferen Verfechter des Rüstungsgedankens als Paul-Boncour, der, wie das ja auch in seinem Rededuell mit Graf Bernstorff seinerzeit zum Ausdruck kam, sich nicht scheute, unter Berufung auf sein so verderblich gewordenes Schlagwort „potentiel de gucrre“ die technischen Kriegsmittel und die Reserven aus den Abrüstungsplänen zu streichen, wobei er aber in England, das allerdings im Flottenkomprvmiß eine andere Stellung eingenommen hat, wenigstens damals einen seiner schärfsten Gegner vor- fand. Weiter verbleibt seine Haltung in Erinnerung, die er in vollem Gegensatz zu seiner Partei, den französischen Sozialisten, bei dem französischen Rustunasgesetz: das Boll in Waffen ein na hm, wo er sich zum ersten Vorkämpfer aufschwang und in beredtesten Worten für die Annahme Diefeä Gesetzes eintrat. Die französische „S 6 c u r i t 6“, sein weiteres Schlagwort, veranlaßte ihn, für die ständige Kontrolle im Rheinland einzutreten, wobei er bei den letzten Verhandlungen um die Rhein- landräumung, die zwischen Reichsta^ler Müller und den Vertretern der Locarnomächte in Genf geführt wurden, immer wieder versuchte, den Gedanken der Kontrollkommission gegenüber den Plänen auf Errichtung einer Der- gleichskommission durchzusehen. Schließlich hat er noch das Verdienst mit Politis und Benesch, der Vater des am 2. Oktober 1924 von der Dölkerbundsversammlung einstimmig angenommenen Genfer Protokolls zu fein, das aber außer seinen Gründern keine Anhänger weiter gefunden hat, so daß es durch den englischen Widerstand zurückgezogen werden mutzte. * Am 4. August 1873 ist Joseph Paul-Boncour in St. Aignan geboren, war zunächst Advokat und Journalist, entwickelte sich aber allmählich in seiner politischen Laufbahn, wurde 1909 in die Kammer gewählt, erhielt im Kabinett Monis das Arbeitsministerium, war im Kriege als Datail- lonsführer an der Front, trat nach dem Kriege wieder in die Kammer ein, bis er zum französischen Delegierten beim Völkerbund ernannt wurde. Am 8. Rovember 1927 wurde er als Rachfolger Franklin Bouillons zum Vorsitzenden im auswärtigen Kammerausschuß gewählt. Wenn man zwar noch nicht weiß, wer sein Rachfolger werben wird — man spricht vielfach von Herriot — so scheint doch eins klar zu fein, daß der Verfechter der Rüstungs- und Sicherheitsidee durch sein Ausscheiden aus dem Genfer Abrüstungsgremium eine wesentliche Erleichterung in diesen Verhandlungen gebracht hat. Der Sozialist Paul-Boncour hat sich in diesem Punkte eben nie mit dem sozialistischen Gedanken seiner Partei befreunden können. ohne daß ihr die Gntwicklungsmöglichkeiten gegeben sind, die jedes wirtschaftliche Unternehmen haben muh, wenn es sich behaupten will. Einen äußerst intereffanten Einblick in die Aufgaben und das Wirken des Ruhrbergbaus gibt ein soeben erschienenes Buch Dr. Spethmanns, das Den Titel „Zwölf Jahre Ruhrberg- b a u“ trägt und mit Dokumenten aller Art gefüllt ist, die den Archiven des Ruhrbergbaus entnommen sind. — Zwölf Jahre Ruhrbergbau. Aus feiner Geschichte von Kriegsanfang bis zum Franzosenabmarsch, 1914—1925. (4 Bände.) Band I: Aufstand und Ausstand bis zum zweiten Generalstreik April. 1919. Don Dr. Hans Spethmann, Privatdozent an der Hniberfität Köln. Mit einer Karte, 5 Tafeln und 19 Textabbildungen. In Ganzleinen 8 Mk. Verlag von Reimar Hobbing in Berlin SW 61. (614) — Es wird In diesem Buche der rheinisch-westfälische Kohlenbergbau vom Jahre 1914 bis zur Befreiung des Ruhraebiets vom Franzosenjoch ^schildert, eS werden alle Ereignisse von den ersten Streiks während des Krieges, von der politifchen Umwälzung im Rovember 1918 über die Spartakistenkämpfe hinweg bis zu den InflationSjahven und dem Einmarsch der französischen Okkupationsarmee chronologisch Kusammengestellt, es wird aber Darüber hinaus manches gesagt, waS Der deutschen Öffentlichkeit bi^er unbekannt war, und was geeignet ist, Urteile, die über den Ruhrbergbau bestehen, zu korrigiere und seine Bedeutung in ein ganz anderes Licht zu rücken, als das bisher der Fall war. Man kann es nur begrüßen, daß der Ruhrbergbau Die Ereignisse Der zwölf Jahre zwischen 1914 und 1925 einmal zusammengefaßt hat, so dah auch Don dieser Seite her ein gutes Material zur Beurteilung Der Zustände in Deutschland während und nach dem Kriege gegeben ist. Der Band ist belebt durch photographische Wiedergabe zahlreicher Flugblätter und Ausrufe aus Der damaligen Zeit, die heute kaum noch zu beschaffen sind, während in einem Anhang Die notwendigen Aktenunterlagen gegeben werden. Aus aller Wett. Jrantfurfer Führerkagung des Deutschen Gewerkschafisbundev. Der Deutsche Gewerkschaft sbund, Landesverband Hessen, Hessen-Rassau u?) Waldeck, hielt in Frankfurt eine Arbeitstagung ab. Am Vormittag sprach Dr. Berger, Sektionschef des internationalen Arbeitsamts, über „Ausgaben und Ausbau des Internationalen Arbectsamtesi". Der Redner zeigte den Weg von Den ersten Anfängen Des Arbeitsschutzes, den ersten internationalen Konferenzen über Arbeitsrecht bis zu Der heutigen festgefügten Form des Internationalen Arbeitsamtes in Gens. WaS der Völkerbund in politischer Beziehung barftellt, ist das Internationale Arbeitsamt in sozialer Hinsicht. Der Vorsitzende dcs LanDesoerbanDes des D. G. B., Auerbach, legte die Stellung des D. G. D. Aum I. QL 21. klar, noch immer feien Die Minderheiten nicht genügend berücksichtigt. Wir verlangen völlige Gleichberechtigung für Die Mitarbeit im Verwaltungsrat und bei Der internationalen Arbeitskonferenz. ebenso die Gleichberechtigung Der deutschen Sprache im Qtmt Wir wünschen, daß Die Zahl Der amtlich tätigen Deutschen im 3. QL QI. erhöht werde. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert ferner, dah in das Washingtoner Abkommen betreffend Arbeitszeit auch die Angestellten in Handel, Banken und Verkehr einbezogen werden. — Der Rachmittag vereinigte die Mitglieder dann zu der eigentlichen Arbeitstagung, in welcher Der Vorsitzende, Auerbach, Den Arbeitsbericht des verflossenen Jahres gab. Ferner sprach FrL Clare Mleinek, Geschäftsführerin des D. G. B., Berlin, über „Sozialpolitischer Rück- und Ausblick". Die Aussprache beschäftigte sich in der Hauptsache mit Der praktischen Durchführung Der sozialen Gesetzgebung, wie sie durch Den Vortrag angeregt war. Zu Der Aussperrung Der Arbeiter in Der Rordwestgruppe Der Metallindustrie wurde eingehend berichtet und eine Entschließung angenommen. Unter der Anklage des Gallenmocds. Vor dem Budapester Strafgerichtshof begann die Verhandlung im Mordprozeß Bela Erde lhe und Gen. Erdelye wird der Ermordung seiner Frau, der Schauspielerin Anna For g acs, beschuldigt, die er in Millstatt in Kärnten in einen Abgrund gestoßen und später mit einer Deidenschnur erdrosselt haben soll. Der Andrang des Publikums, in dessen Reihen auch viele Bühnenkünstler, 3u- riften, Aerzte und älniversitätsprofessoren zu bemerken waren, war außerordentlich groß. Erdelye ist außerdem noch wegen Tlrkimdenfälfchung, Betruges und Wechselfälschung in 22 Fällen an- geffagt. Die Drei Mitangeklagten haben sich wegen Betruges und Privaturkunden- und Wech- selfälschung zu verantworten. Zu Beginn des Verhörs wurden zmrächst die Fälschung des Doktordivloms des Angeklagten, das er sich in Berlin verschafft hat, und die Wechselfälschungen zur Sprache gebracht. 3m weiteren Verlauf des Verhörs fragte Der DorsitzenDe, warum Erdelye sich bereits am Tage nach seiner Hochzeit mit Versicherungsgedanken beschäftigt und dann auch sowohl seine Frau wie sich selbst für je 10 000 Dollar versichert habe. Grdehe gab an, dieser Gedanke sei von seiner Frau auSgegangen. Die Verhandlung dauert fort. Verzweiflungstat eines Vaters. In der Rächt zum Sonntag spielte sich in Hermsdorf bei Berlin eine erschütternde Fami- llentraaödie ab. Der 46 Jahre alte Tischler Wilhelm Hartmann versuchte sich und seine sieben minderjährigen Kinder durch Gas zu vergiften. Während eS gelang, die Kinder noch zu retten, blieben die Wiederbelebungsversuche beim Vater erfolglos. Hartmann hatte bald nach dem Tode seiner ersten Frau seine zweite Frau kennen gelernt. Die Ehe verlief sehr unglücklich, und die Frau verließ den Mann vor etwa acht Wochen. Rachdem die Frau ihn verlassen hatte, ergab sich Hartmann dem Trünke. Er hinterläßt Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, daß er mit feinen Kindern freiwillig aus dem Leben scheiden wollte. Qlls Grund für die furchtbare Tat gibt er an, daß feine Frau, die dir Wirtschaft vernachlässigt und ihn zum Ruin gebracht habe, fein und seiner Kinder Leben auf dem Gewissen habe. Die Kinder, von denen das älteste 16 Jahre alt ist, werden von der Stadt in Erziehung genommen werden. Kälte und Schnee in Spanien. In Madrid hat eine starke Kälte eingesetzt. Im Gebirge liegt bereits Schnee. Aus Santander (am Golf von Biscaya) wird berichtet, daß hungrige Wölfe in Rudeln ins flache Land eindringen, fo daß die Bewohner mehrerer Dörfer Treibjagden auf die Wölfe veranstalten mußten. Ein Schoner auf die Felfenküsie von Wales geschleudert. Ein Schoner mit sechs Mann Besatzung wurde durch den S'urm auf Die Felsen Der Küste von Wales geschleudert. Rur Der Schiffsjunge konnte sich auf einen einsamen Felsen retten, wo er 36 Stunden in Begleitung eines Hundes ohne jede Rahimng verbrachte, bis er aufgefu iDen und geborgen wurde. Tieubauten auf Sylt vom Sturm umgerootfen. Infolge Des orkanartigen Sturmes, der die Insel Sylt heimsuchte, stürzten Der Reubau eines Kinderheimes in Braderup und ein Reubau in Wennigstedt ein. Die Bauten waren bis zur Dachhöhe fertig und das Material war, wie Fachleute versichern, völlig eintoanDfrei Sonntagabend stand noch Der ganze südliche Teil der Insel unter Wasser. (Eine Jamille bei einem hauseinstur; getötet. In P r z c m h s l hat sich eine schwere Ein- sturzkatastrophe ereignet, Der Drei Personen zum Opfer gefallen finD. Durch den Zusammenbruch einer Wand wurde eine Wohnung, in der sich ein Schneider mit feinen Angehörigen befand, unter den Trümmern begraben. Der Schneider, seine Ehefrau und fein 16jähriger Sohn sanden Den ToD, während ein in Der Wiege liegender Säugling wie durch ein Wunder dem gleichen Schicksal entging. Die Leichen formten erst nach Stunden geborgen und dem Schauhaufe zugeführt werden. Schwere Folgen eines Gerüsleinfturzes. Gin Gerüst an einem Hause auf dem Derlich in Köln stürzte wahrscheinlich infolge des Sturmes ein. Bon Den herabsiürzendrn Balken wurden acht Passanten getroffen. Eine Frau war sofort tot, zwei Personen wurden schwer, fünf leichter verletzt. Ein zufällig an Der iln- fallstelle weilender Arzt leistete Die erste Hilfe. Die Untersuchung der „vestris"-6atastrophe. Im Oberläufe der llnterfudjung der Ursachen I der Katastrophe der „Bestris" wurde der Erste Offizier des Schiffe«, Johnson, Dernornmen. Er bestritt, dah der Dampfer bereits bei bet Abfahrt von Reuyork Schlagseite hatte, und erklärt, dies sei erst am Sonntagabend eingetreten. Er gab zu, daß er d i e Kohlenluken deS Schiffes nicht geprüft hatte, obwohl er Dafür verantwortlich war. Am Montag, von 4 älhr morgens ab habe er die Lage als sehr gefährlich angesehen, es aber Dem Kapitän des Schiffes überlassen, einen drahtlosen Ruf ab-usenden. Der betrogene Betrüger. Das Schöffengericht verurteilte den Hungerkünst- ler Jolly wegen fortgesetzten Betruges zu tausend Mark Geldstrafe. Jolly hatte im Jahre 1926 in einem Restaurant tm Norden Berlins den damaligen Weltrekord des Hungerns von 41 Tagen brechen wollen, doch hat er nicht vollkommen gehungert, sondern während feiner Hungerkur Schokolade, die ihm von außen zugesteckt wurde, zu sich genommen. Der Verurteilte gab an, daß feine Veranstaltung Einnahmen von 1 42000 Mark erbracht hätte, doch feien ihm von seinem Manager Weimann nur 20 000 Mark gegeben worden, und er sei dadurch um 80 000 Mark geschädigt worden. Ws er dann von Weimann Abrechnung verlangte, und mit Prozessen drohte, habe dieser ihn ange - zeigt. (Ein moderner Schatzgräber. Rach einer englischen Meldung hat Der Kapitän Williams eine Expedition nach Der Kokvs-Insel ausgerüstet, um Dort nach Dem Schatz Der mexikanischen Regierung. Der Dort verscharrt fein soll, au graben. Vor einem Jahrhundert war die Kokos-Insel noch ein Zufluchtsort für Seeräuber. Im Jahre 1810 brach eine Revolution In Meriko aus und Der herrschende spanische Dizeköniz versuchte sich mit dem Gold- und Iuwelenschatz. der einen Wert von 120 Millionen M k. hatte, nach Europa einzuschiffen. Rach verschiedenen Irrfahrten wurde jedoch sein Schiff überfallen und ausgeplündert. Die See- räuber verscharrten Den Schatz auf Der Kolos- Insel, wurden aber dann später von einer spanischen Fregatte gefangen und sämtliche Banditen gehängt, mtt Ausnahme von einem, der im Gefängnis starb. Er überließ dieKartenskizze des vergrabenen Schatzes dem Gefängniswärter, der sie später einem Deutschen namens Schwarz verkaufte. 3m 3ahre 1889 begab sich Der schwe- Dische Kapitän Theodor Holm, in dessen Besitz die Karte gelangte, auf die Suche nach Dem Schatz auf der Kokos-Insel, wo er mehrere Monate verbrachte, allerdings ohne Ergebnis. Jetzt will Kapitän William sein Glück an derselben Stelle versuchen. Hoffentlich endet sein ■Unternehmen nicht mit dem gleichen Mißerfolg wie das seines Kollegen Holm. (Ein Preis für das beste politische Buch. Die Pariser Zeitschrift „L'E urope n o u d e H e" hat einen Jahrespreis geschaffen, um jeweils das beste politische Buch des Iadres, das sich mit aktuellen politischen Fragen beschäftigt, auszuzeichnen. Der Preis beträgt 10 000 Franken. Unter 54 Werken hat das Preisrichterkollegium den Preis dem Gr a f e n Wladimir d'Ormeslon zuerkannt für sein Buch „La Conscience k PAllemagne“, in dem sich der Verfasser eingehend mit den deutsch französischen Beziehungen beschäftigt. Das Buch wird in den nächsten Wochen in deutscher Sprache mit einem Vorwort des Grafen Oberndorf versehen erscheinen. Oie Wetterlage. - TL E £ .onjaa. 755 ■ Sonntaq, (J8.No\fo.1928,8‘mg f)wofxentoi.O neuer elfach RieDerschläge wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 18. November: mittags 8,5 Grad Celsius, abends 6,4 Grad Celsius , am 19. November: morgens 7,5 Grad Celfius. Maximum 9,2 Grad Celsius, Minimum 3,4 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 18. Nov.: abends 6 Grad Celsius: am 19. November: morgens 5,3 Grad Celsius. — Niederschlag 0,6 Millimeter. — Sonnenscheindauer VA Stunden. CoeoS’SpeUeCeh Wertheim DönthPI* •Nähmaschinen I Olllllol Ober-Ofleiden, den 19. November 1928. Die Beerdigung findet Dienstag, 20. 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November, nachmittags 21/, Uhr, statt e Kontoristin Puppenwagen GroBeAuswahl LudwigstraBe Nr. 62 « 10166D raffen unker Ttatoetftnrng gvvster Hitze gctoomten, wobei nicht die peinliche Sauberkeit herrscht die zuletzt die Ausmachung de» Honigs in deutschen Schaufenstern vermuten 12HL ES sei ausdrücklich daraus aufmerksam gemacht, daß Gewähr für echten brutschen Dien.uchontg nur die mit dem Derschluhstreifen des Deutschen ZmkerbundeS ye- setzlich geschützten Packungen bietet * Kellereinbrüche 1 m südöstlichen Stadtteil. Aus der äußeren Liebigstraße wird uns mitgeteUt: „Der südöstliche Stadtbezirk wird feit längerer Zeit von Kellereinbrechern heimgesucht Liner der Täter konnte verhaftet werden. Derartige fragwürdige Personen suchen hauptsächlich Straßen- teile auf, die nicht genügend beleuchtet und wenig belebt sind. Untrügliche Anzeichen, wie eingedrückte Kellerfenltergittcr, Antrefsen fremder Personen in Hinterhöfen usw., lassen daraus schließen, daß außer dem Verhafteten noch andere derartige Kellermarder am Werke sind. Sie scheinen, was aus verschiedenen Beobachtungen von Bewohnern der äußeren Liebigstraße entnommen werden kann, z. B. sich den Straßenabschnitt zwischen „Aus der Weißerde" und Welckerstraße als Betätigungsfeld ausgesucht zu haben. Es wäre sehr zu wünschen, wenn durch bessere Beleuchtung dieser Gegend und durch häufigere Polizeipatrouillen diesen Kellerintereffenten zur Beruh.guna der betroffenen Bewohnerschaft da» Handwerk gelegt würde." •• Eine Schlägerei spielte sich in der Nacht zum Sonntag gegen drei Uhr in der Bahnhofstraße zwischen zwei Dachdeckergehilfen ab. 8m Verlaufe der handgreiflichen Auseinandersetzung zoa der eine der Kampfhähne sein Meffer und brachte damit seinem Gegner einen erheblichen Stich im Gesicht bei. Die sofort anwesende Polizei benachrichtigte die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, die den Verletzten nach dem Anlegen der ersten Verbände zur Ehirurgischen Klinik brachte. Ursache des Streites war das Ewig-Weibliche. •• Auftrieb aut dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt. 311 Ochsen, 85 Dullen, 663 Kühe 392 Färsen. 595 Kälber, 100 Schafe, 4908 Schweine. Berliner Börse. Derlin, 19. Doo. (WTD. Funkspruch) Da die Verhandlungen im Eisenkonflikt in Düsseldorf einen günstigen Fortgang nehmen und zur Stoffmmg berechtigen, daß die Arbeit in küßest er Zeit wiedcr ausgenommen wird, ist die Stimmung im heutigen Vormittagsverkehr wieder freundlich. Das Geschäft ist natürlich zu Deginn der Woche noch nicht umfangr ich Die Schlußkurse vom Samstag werden als Geld-Kurse ge- sprochen. Bornotizen. — Taaeskalender für Montag Christliche Dersammlung Gießen: Dortrag: „Die Schöpfung im Lichte der Dibel", 8.15 Llhr, im Cafe Leib. — ADAC., Ortsgruppe Gießen: Dortrag: „Deuere Krcrftstof'e", 8 L1.hr, im Saale des „Hotel Schütz". — Lichtspielhaus, Dahn- hofftraße: „Liebe im Kuhstall '. — Astoria-Licht- spiele: »Eine Schreckensnacht im wilden Westen". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben. In Vorbereitung ist Alfred Reumanns Schauspiel „Der Patriot". Alfred Reumann gehört zu den zukunftsreichsten Autoren des modernen Theaters. Seinen Ruhm begründete Reumann mit dem bereits sehr bekannten Roman „Der Teufel". Sein historisches Stück „Der Patriot", das in Rußland spielt, wurde das Zugstück des Berliner Lessingtheaters. — Morgen findet die letzte Aufführung von Schillers „Don Carlos" ftatL Regie: Oberspielleiter Hans Tannert. — Am Mittwoch, 21. November (Buß. und Dettag) finden zwei Frcmdenvorstellungen statt, 15 Uhr das mit so großem Erfolg aufgeführte Lustspiel „3m weißen Rößl" von Blumenthal und Kadelburg, 19.15 Uhr zum erstenmal „Eine Frau von Format", Operette von Rudolf Schanzer und Ernst Welisch, Musik von Aus der provinzialhaupisiadt Gießen, den 19. Dovember 1928. Professor Dr. teufert t- QIm 16. Dovember starb an den Folgen eines Schlaganfalles Professor D> Sonst Leutert ehemaliger Dire.tor der Hinve sitäts-Ohrcnklrnll me^kttrLwurde am 24. ^?ember 1862 in dem jetzt au Halle gehörigen Dorfe Grebrchmstein als Sohn des FabcUbesitzers Srnst Traugott Leutert geboren. Cr besuchte das Gymnasium m Halle und studierte dann Medizin in Freiburg, Straßburg und Halle. Dach seiner Approbatron bildete er sich vor allem in Pachvlvgischer Anawmte und Dakteriologie aus. arbeitete 1895—94 am Pc^ho- logischen Institut in Gießen und wurde dann Assistent bei dem damals bedeutenden Otologen Schwarze in Halle. Im Jahre 1897 ging Leutert nach Königsberg und konnte sich hier bald siir Ohrenheilkunde habilitieren. Schon als Privat- dozent verstand er es. sich ein« angesehme Stellung zu schaffen. Seine produktive wissenschaftliche Tätigkeit machte ihr bald allgemein bekannt. 3m Dovember 1901 wurde er als außerordentlicher Professor und Leiter der Ob.enpolillinik nach Gießen berufen und wenige Jahre später zum ordentlichen Professor ernannt Leuten war ein sehr guter Operateur und Diagnostiker. Schon seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten „lieber Hammer-Amboh-Extraktton" und „Heber das Derhalten der Temperatur nach Warzensortsatzoperationen" hatten Aussehen erregt Sein eigentliches Forschungsgebiet waren di« Grkrarck.ngen des großen Hirnblutleiters (Sinus slgmoidcus) bei Mittelohrentzündungen. Eine grofie Zahl von Arbeiten sind von ihm darüber erschienen. Er erkannte zuerst, daß die Sinuethrombose bie Ursache der otogenen Sepsis ist. Wit dieser Anschauung stand er damals alllein, heute ist sie Allgemeingut aller Ohrenärzte geworden. Die Dedeutung der Lumbalpunktion für die Ohrenheilkunde hat Leutert sofort erkannt, auch Derben len wir ihm wertvoll« Aufschlüsse in der Cholesteatomfrage, vor dHem in der Diagnostik des Cholesteatoms. Der Gelehrt« litt sehr unter den schlechten äußeren Verhältnissen, unter denen er in Gießen arbeiten mußte. Seine Klinik befand sich in dem kleinen Hause Ecke Frankfurter Straße-Liebigstraße am Bahnübergang, wo jetzt die Polizeiwache ist. Immer schwerer lastete auf ihm der vergebliche Kampf um einen Neubau seiner Klinik. Das Gefühl, seinen Kranken nicht so helfen zu können, wie er gern wollte, und in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit durch die kümmerlichen äußerlichen Der- haltniffe dauernd gehemmt zu sein, ließen schließlich in chm den Entschluß reifen, seine Stellung aufzugeben. Im Jahre 1908 bat er um seine Entlassung aus dem Staatsdienst«, die chm auch gewahrt wurde. Leutert war aber so verbittert, daß er sich von nun ab nicht mehr um die Ohrenheilkunde kümmerte. Er, der bis dahin zu den führenden Otologen gehört hatte, gab nach seinem Austritt aus der Klinik jede wissenschaftliche und prat- tifche Tätigkeit auf. Rur im Kriege, als sein Rach- folger, Professor Dr. v. Eicken ins Feld aog, hat er noch einmal für ein Jahr die Ohrenklinik als stellvertretender Direktor geleitet. Der Heimgegangene war beseelt von einer gro- ßen Herzensgute. Dem Fernstehenden konnte er ** Der W ochenm arkt, der seither auf dem Lindenplatz und in dar Markthallenstr aß« abgehallen wurde, wird von morgen, Dienstag, ab. wegen der Inangriffnahme des Daues des Warktlaubengebäudes, nach der Sencknbergstraße verlegt. In den schon bestehenden Marktlauben bleibt der Derkauf, wie seither. Die ©enden* bergstraße wird an Wochenmarkttagen während der Wochenmarktzeit für den Fährverkehr usw., wie die übrigen als Wochenmarktplah benutzten Straßenteile, durch aufgestellte Tafeln gesperrt. ** Iustizpers onalie. Ernannt wurde der Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Aidda Josef D a p p e r zum Iustizrnspeövr bei dem Amtsgericht Gieß n. ** Eine Kraftfahrlinie der Gewerkschaft Gießener Braun st einbergwerke oorrn. Fernie. Wie wir hören, beabsichtigt die Gewerkschaft Gießener Braunfteinbergwerke vorm. Fernie zur Beförderung der bei ihr beschäftigten Arbeiter eine Kraftfahrlinie zu errichten, die vom Bergwerk ausgeben und auf der Hinfahrt folgende Orte berühren soll: Leihgestern — Großen-Linden — Lützellinden — Groß-Rechtenbach — Weidenhausen— Volpertshausen — Reiskirchen — Schwalboch — Neukirchen—Altenkirchen. Die Rückfahrt von Altenkirchen soll stattfinden über Philippstein — Bonbaden — Laufdorf — Nauborn — Reiskirchen — Volpertshausen — Weidenhausen — Groß-Rechten- bad) — Lützellinden — Großen-Linden — Leihgestern nach dem Bergwerk. Es sind zwei Hin- und zwei Rückfahrten am Tage vorgesehen, von denen die erste vormittags 3.4-5 Uhr und die zweite nach- mittags 3,30 Uhr am Bergwerk ihren Anfang nimmt. Auf der Rückfahrt sollen die Wagen vormittags 6.35 und nachmittags 6 20 Uhr am Bergwerk wieder eintroffen. Die kraftfahrlinie soll lediglich zur Beförderung der bei der Gewerkschaft beschäftigten Arbeiter dienen. Die Beförderung der Arbeiter soll auf Grund von Wochenfahrkarten erfolgen, deren Preise sich in angemessener Höhe bewegen werden. •• Hausfrauen kauft deutschen Di e- nenhonig! Man schreibt uns: Dur zu wenig ist es den Müttern bekannt, daß das Desto für ihre Kinder bei Erkältungen und zu, sonstigen Heilzwecken, sowie auch als Ersatz für . d. Lahn GkMlMkW für Freiburger Brezel zu vergeben. Angeb. unt. K 238t an Slla-Haasenstein & Bögler, Mannheim.___________10168V Durchaus branchekundigc Verkäuferin findet bei mir Einstellung. BIS ZU 20% LUDWIG ALTERS: DARMSTADT Ai iqctci । iiMfEu. ELISABETHENSTR. 34 AUSSTELLUNGEN. K|RSCHENALLEE 88 LIEFERUNG AUS DER FABRIK DIREKT AN PRIVATE DAHER DENKBAR GRÖSSTE PREISVORTEILE. 3101V Svmrr Nette. ,0,60D TEP P IC HE ohne Anzahl, in 18 Monatsraten liefert Spezial- hauS. Erbin. Sie unverbindl.Ver- treterb.u. 10161V an den G. Anz. ( Kaufgesuche | Grimerde feinstgem^glelchmäb. ausfallende Ware, lfd. v. Farbenfabrik zu kauf, gesuch:. Off. mtt Muller u. 10157D an den Gieh. Anz. ^Vek-schieäenes^ Besucht die Handels- schale Kunzeimann I Heute, ab 7V, Ubr SMMeW. NI |6\ Im jSj W Stadttheater DienStag Lfi.Nov^ 7Lleiislag-Ad.-vorsi. von 19'/« pünktlich bis 22"/. Uhr Don Larios Dramatisches ®e* dicht in fünf Akten 116 Bildern) von Friedrich Schiller. Nr. 273 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 19. November (928 polom'a rediviva. Zehnjährige Erfahrungen des neuen polenstaats. Don S Brandström. 3n Warschau und der Provinz wird in diesen Tagen das zehnjährige Dostehen Polens in aller Feierlichkeit begangen. UnD eg ist kennzeichnend für die Gesamtlage des heutigen polnischen Staates: nicht die -ftamen jener Polen, die zum „ob'buboiDame ojczhsnh", zur ^Wiederherstellung des „Vaterlandes" kräftig beigetragen haben, eineS Paderewski, eines Dmowski und anderer, sondern der Dame Pilsudskis als Begründer unD Führer Polens in dessen „Helden- Periode" sowohl als in der prosaischen Gegenwart steht im Mittelpunkte. Er wird nicht nur als Staatsmann, sondern auch als Feldherr gefeiert, und selbst das kürzlich erschienene unt> mit einer Borrede Fvchs versehene Buch des Generals Sikorski, In dem die militärischen Ber- dienfte Prlsudskis nicht gerade hoch eingeschätzt werden, vermag diesem Ruf keinen Abbruch zu tun. In Deutschland werden diese Feste, gerade rn ihrer Konzentrierung um die Persönlrchkert Prl- sudskiS, ganz andere historische Rennniszenzen wecken.' Hat doch erst kürzlich Harry Graf Kehler seine überaus interessanten Erinnerungen darüber veröffentllcht, wie er seinerzeit Pilsudski im Auftrage der deutschen Regierung während der Revolutionstage aus derMag- deburger Haft befreit und wie dieser ihm versprochen hat, dah Westpreuhen von Polen unangetastet bleiben werde. Run gewiß, die Korridor-„Lösung" geht in erster Linie auf Dmowski und dessen rücksichtslose antideutsche Propaganda bei den Alliierten zurück... Allein man hat nichts davon gehört, dah Pilsudski in irgendwelcher Weise seinen Einfluh im Sinne jeneS Versprechens geltend zu machen versucht hatte... Im Verlaufe der seither verstossenen Jahre haben aber die Alliierten selbst reichlich Gelegenheit gehabt, Erfahrungen über die Funktionieren der von ihnen in Versailles „rektifizierten" Ostgrenze Deutschlands zu sammeln. And je länger desto mehr wurde jenen von ihnen, die sich die Objektivität des Arteils bewahrt bzw. wieder erlangt haben, die ganze Annatürlichkeit ihres eigenen Geschöpfes klar. Es ist nun eine Folge dieser Erfahrungen, dah wir heute im Besitze nicht nur englischer, sondern auch mancher französischer Stimmen über die Anhaltbarkeit des „Korridor"-Zustandes sind. Der auf dem Gebiete des internationalen Rechts bekannte französische Gelehrte Professor 6ceile hat vor einiger Zeit in der Zeitschrift „Le progrös civique“ dem deutschen Standpunkt in oezug auf Westpreuhen recht gegeben und die Wiederherstellung der territorialen Einheit des deutschen Reiches verlangt. Selbst die der polnischen Regierung nahestehende „Epoka", die diesen Auftatz zitierte, wagte nicht, den ehrlichen Willen Scelles bezweifeln; vielleicht erklärt sich diese ungewöhnliche Milde dadurch, dah Scelle die Lösung des Problems zwar darin sieht, Danzig Deutschland zurückzugeben, dafür aber Litauen als autonomes Gebiet einschließlich Memels dem polnischen Staate einzugliedern (so wie ehemals Hymans). Eine ganz hervorragende französische Publi- kation, rn der die Kritik des gesamten Korridor- Systems, in allen Einzelheiten fundiert, zum Durchbruch kommt, ist ferner die im laufenden Jahre in Paris erschienene Schrift Robert Tourlys: „Berlin — Varsovie — Dcrnhig". Eine Darstellung der Dinge, die kontradiktorisch gehalten ist, in der also auch der polnische Standpunkt ausführlich dargelegt und darauf ebenso eingehend erwidert wird — und die trotzdem von der polnischen Presse als ein „Produkt der immer stärker werdenden deutschen Auslandpro- pagcrnda“ hinzustellen versucht wird. Sowohl bei diesem Franzosen als auch bei dem ehemaligen Abgeordneten Linfield, der sich über die Korridor-Frage in der Londoner „Ration" sowie in der Reuyorker „The corrent history“ äußert, wird nicht nur auf die bedrohliche Lage des vom Reiche ab geschnittenen Ostpreußens hrngewiesen, sondern vor allem auch daraus, dah alle die Früchte jahrzehntelanger deutscher Arbeit und Mühe um die Weichsel Lmtzs Bajazzo r Vornan von J. ^chneider-Foerstl. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. Nachdruck verboten. Der Himmel gab seine letzten Wasserreserven! Als schieße es aus Kübeln und bodenlosen Fässern, so plätscherte das Rah auf das Dächergewirr Wiens, spritzte klatschend gegen Schieser imb Ziegel, gluckste mit lautem Schwall in die Dachrinnen und schoß zuletzt gurgelnd in die gitiergesicherten Abflußrohre, wo es an langen dicken Wänden weiterrann. Anter ihre Schirme geduckt, in Kapuzen und Mäntel gehüllt, eilten die Passanten dahin. Der letzte Trambahnwagen war vorbeigesurrt und nun setzte der Sturm auf die Droschken und Autos ein. Wer eine Fahrgelegenheit erwischte, gehörte $u den Glücklichen. Jene, die leer ausgingen, stapften brummend und polternd ihren Weg weiter. Eng an den Windfänger eines Hotels gedrückt, standen drei Männer, sahn: erst nach unten, dann nach oben, schielten sich mit komischem Entsetzen ins Gesicht uird lachten. „Teufel, wie das tuscht!" Dr. Fehmann, der ältere von ihnen, zog den Mantellragen hinauf, reckte seine überschlanke, biegsame Gestalt und lieh sich vorwärts geneigt, das Rah auf den dunklen Scheitel tropfen. „Kinder! Wie das gießt!" Die Siegfriedgestalt Baron Hettingens dehnte sich in allen Muskeln. Die dunkelblauen Augen lachten dabei in das Perlengeschnür, das da vom Himmel zur Erde herniederrann. Den Hut etwas aus der Stirne geschoben, klemmte er den Stock mit dem Silber- flriff fester unter die Achseln und sah den kleinen, etwas korpulenten Mann an seiner Seite schalkhaft an. „Rett Poldl! - Was?" „3a! — Zum Ausrutschn! — And fein Tram- koeikastn, kein Fiaker! — Rix! — Gelt na, da von den Polen, trotz ihres „Dranges nach dem Meer", vollständig ungenutzt und zuschanden gemacht touröen. And genau das gleiche Argument findet sich auch in dem Anfang dieses Jahres in der „Englisli Review“ erschienenen Aussatz über „Die polnischen Arftprüche auf den Korridor und Danzig". Wahrlich eine seltene Einmütigkeit Richt-Deutscher mit dem deutschen Standpunkt! Die Korridor-Frage leitet xm8 von selbst zu Polens Rationalitätenfrage hinüber. „Die Lage Polens ist jeder Logik und Realpolitik zuwider", schrieb mit Rücksicht auf das Rationalitäten-Problem Franceses Ri 11 i in seinem bekannten Buch über den europäischen Frieden. Ist es mm Polen im Laufe feines bisherigen Bestehens gelungen, mit dieser Frage wenigstens in seiner Innenpolitik einigermaßen fertig zu werden? Die Weigerung der Abgeordneten der Minderheiten an den gegenwärtigen Iubelfeierlichkeiten teilzunehmen, ist wohl eine klare Antwort auf diese Frage. Aber es erfolgte noch eine krassere Antwort, und auch sie hängt mit den Gedenkfeiern zusammen. Für die Akrainer Polens ist es nämlich ein Gedenken der Kämpfe, die sie vor zehn Jahren gegen die Polen ausfechten mußten und in denen sie unterlegen sind. And es ist sicherlich kennzeichnend, daß, trotz der seither verflossenen Zeit, trotz der Existenz und der Bemühungen einer einflußreichen Gruppe ukrainischer Politiker aus dem ehemaligen Pelljura- Lager, einen polnisch-ukrainischen Ausgleich innerhalb des gegenwärtigen Staates zu finden, jene historischen Erinnerungen heute mit einer solchen Frische und einer solchen Vehemenz Wiederaufleben. Die blutigen Ereignisse, die neuerdings in Lemberg, Tarnvpol und Sambor statt- f an Den, sie trugen in allen ihren Einzelheiten das Gepräge eines Kampfes von Volk gegen Volk: die Akrainer versuchten, das polnische Nationaldenkmal in Lemberg zu zerstören, die Polen demolierten die Gebäude der ukrainischen Rationalzeitungen und belagerten das Halis des Leiters Der geheimen ukrainischen Aniversität. Es ist geradezu so, als hätte die Jubelfeier des Siegesvvlkes eine Protest feier der Besiegten ausgelösL And in steigendem Maße wird auch der Sejm selbst zum Schauplatz dieser Konflikte. 3m vorigen Jahre erklärte ein Abgeordneter des Akrai- nischen Sejmllubs von der Tribüne des polnischen Parlaments nicht mehr und nicht weniger: „Die von 3offe und Grebski im Frieden von Riga gezogenen Grenzen des polnischen Staates sind eine Fiktion. Das Volk der Akrainer wird nicht auf die 6 Millionen Akrainer verzichten, die von ihm heute durch einen schmalen Fluß getrennt sind". And heute, nach Den Lemberger Ereignissen, erklärt der ukrainische Abgeordnete Chrucki den regierenden Polerr, daß auch sie ihren Staat doch dem SelbstbestimmungS- recht der Völker verdankten, dasselbe Recht aber den Akrainern Vorbehalten; trotzdem werde die Vereinigung der ukrainischen Gebiete zu einem eigenen Staat nicht zu verhindern sein. And als der 3mrenminister Skladkowski darauf erwiderte, die Regierung werde fä^on wissen, in Ostgalizien Ruh? und Ordnung wiederherzustellen, erheben sich die ukrainischen Abgeordneten und stimmen im Sejmsaal die ukrainische Rationalhymne an! Anwillkürlich drängt sich jedem Unbeteiligten der Schluß auf, dah der polnisch- ukrainische Gegensatz mit der Zeit nicht überwunden, sondern durch die Erfahrungen im polnischen Staate noch verschärft ift. And prompt fand der neueste polnisch-ukrainische Konflikt auch ein außenpolitisches Echo. In Kiew und Charkow, in Odessa, Poltawa und Dnjepropetvowsk, kurz, inden Hauptstädten der Sowjet-Akraine, Die einen autonomen Bundesstaat im Rahmen Der Sowjet-Anion bildet, fanden antipolnische Demonstrationen und Versammlungen statt, m denen gegen die Politik Polens gegenüber den nationalen Minderheiten protestiert und daS ukrainische Volk zum Kampf gegen den polnischen Imperialismus ausgefordert wurde. — Fast gleichzeitig mit diesen Kundgebungen machte sich eine andere außenpolitische Folge der „heldenhaften" Periode der Abrundung der polnischen Grenzen geltend: das Scheitern Der polnisch-litauischen Konferenz. Man glaube ja nicht, daß dieses Scheitern für Pölen, das doch der beatus possi- dens des Wilna-^Aebiets ist, gleichgültig wäre. kriegst keine Autvtaxen z' sehn, wenn's a so schnürst! And wenn d' Sonn scheint, rennen s' dich duhendweis übern Haufn. Grad wie verzaubert sind's! Wie vom Erdbodn verschwunden! Als wann das so der Brauch war bei uns in Wenn, daß ma bei an solcher Wetter z' Fuß geht — nachts um halber Eins." „Räsonier nicht, Poldl! — Es wird nicht anders deswegen!" Baron Hetllngen spähte über die Straße, ob nicht die Lichter eines Fahrzeugs aus dem Dunkel krochen. Währenddessen klang wieder die gereizte Stimme Don vorher neben ihm auf. „Richt rösonieren soll ich! Trägst mich nüber vom Kärntnerring in die Mariahilf erstrahn? Ja?" Das runde Gesicht, dem der scheltende Heine Mund gehörte, suchte eine ärgerliche Pose anzunehmen, aber es glückte nicht; die graublauen Augen lachten dabei zu Hetllngen auf, der ihn gut um Haupteslänge überragte. „Wie komm ich jetzt heim! Sag's doch, du Siebengscheiter!" „Wenn's fein muh, trag ich dich halt!" „Hast es ghört, Doktor? Tragn will er mich" Ein unbändiges Lachen folgte. „Da mußt dich schon z'erst als Kindermadl bei der Riesendam im Prater engagieren lassn, eh du mit mir einen Versuch machst." „Dann schwimmen wir halt!" Baron Hettingen maß an seinem Lackschuh die Wassertiefe im Rinnstein. „Bis daher!" er zeigte an die Knöchel. „Ich schlage vor, wir gehen erst nicht lange nach Hause, soirdern bleiben sitzen da drinnen." Sehnsüchtig spähte er nach den hell- erleuchteten Fenstern des Restaurants. „Freilich die ganze Rächt durchlumpn, zwegn dem bisserl Regn! Heimgängen wird!" erklärte Leopold Richthofen kategorisch. „Bis in die Mariahilferstrahn nüber verwascht's uns net gleich!" „And bann?“ fragte Hettingen trocken. „Mein Gott, wie er wieder fragt! Rachher schmn wir halt, daß wir in ein trocknes Gwandl kommen und ein Haferl Grogg erwischen oder sonst was, das uns Die Gedärm warm macht. Iessas, wird der Franzi lachn, wann wir so Der Mangel eines direkten Eisenbahnverkehrs mit Litauen, Der Polen zu Amwegen über Ostpreußen oDer Lettland im Wirtschaftsverkehr zwingt, sowie das Ruhen Der Holzflößerei auf Dem Memel- ftuß sind vielmehr für Polen lästige und unangenehme Dinge, auf Die es immer wieder, aber bisher immer vergeblich, zurückkommt. Man muh sich hier dessen erinnern, daß Pilsudski einmal offen zu verstehen gab, er habe in einer schlaflosen Rächt mit sich schwer gerungen, ob er die Truppen nicht marschieren lassen soll, um Den widerspenstigen Partner gefügig zu machen. Wir Deuteten indessen eingangs an, daß Polen heute PilsuDski nicht nur als Feldherrn, sondern auch als Staatsmann feiert. Darnit ist vor allem Die Beendigung jener akuten Wirtschaftskrise gemeint, die für Polen unter seinen Vorgängern zu einem chronischen Zustand geworden war. Gewiß, Pülsudsll ist es gelungen, Die Produktion zu steigern, in die ©teueremgange einigermaßen Ordnung hineinzubringen unD den Zloty-Kurs zu stabilisieren. Aber die jüngste polnische Statistik hat erwiesen, dah über ein Fünftel der polnischen InDustricunternehmun- gen, und wohl Die leistungsfähigsten, In Hän - Den von Auslän Dem ist. Vor allem aber hat Der Lodzer Generalstreik die ganze sozialpolitische Rückständigkeit und den in Dieser Industrie angefammelten Konfliktstoff Der Welt enthüllt. Es ist wirklich kein Zufall, sondern ein innerer Zusammenhang, Daß die Jubelfeiern des polnischen Staates mit dessen negativen Erscheinungen: den polnisch-ukrainischen Kämpfen, Dem Schiftbruch Der polnisch-litauischen Konferenz und Dem LoDzer Generalstreik zeitlich mehr oder weniger koinzidieren. Raiv Ware es, Daraus auf einen balDigen Zusammenbruch dieses Staates schließen zu wollen. Aber jene negativen Entscheidungen, besonders in Der ukrainischen Frage, zeigen auch Die zentrifugalen Kräfte dieses Staates, Die ihm in einer gegebenen Lage zu einer Gefahr werden können. Das Rätsel um Anastasia. Lebt die letzte Zarentochter? — Eine neue Veröffentlichung. Von Professor Or. jur. ei Phil. Karl Esselborn, Darmstadt. Wenn wir aus alter Zeit von geheimnisvollen Menschen, wie dem Grafen Cagliostro oder Kaspar Hauser lesen, so denken wir, daß derartiges in einer Zeit, die die Meere im Luftschiff überfliegt, die von einem Weltteil zum andern das gesprochene Wort ober musikalische Vorträge aller Art sendet, die viele der kühnen Phantasien des Volksbuches vom Dr. Faust ohne Pakt mit dem Teufel nur auf Grund tieferer Erkenntnis der Natur verwirklicht und auf diese Weise Raum und Zeit in einem nie geahnten Maße gemeistert hat, nicht mehr vorkommen könne. Und doch ist dem nicht so. Dem Menschen sind gewisse Schranken der Erkenntnis gesetzt, und wenn sie auch in vielen Dingen wesentlich verschieden von den Menschen früherer Zeiten geworden sind, so sind sie sich auch in ebenso vielen durchaus gleich geblieben und sehen nicht weiter und tiefer als die Altvordern. Das zeigt die Schwierigkeit, die es macht, festzustellen, ob die jüngste Tochter des letzten Zaren, die am 17. Juni 1901 geborene Großfürstin Anastasia Nikolajewna noch lebt und die sich für S» Ausgebende die echte ober eine Betrügerin ist. Uerbings ist bieser Fall burch ben Krieg bebingt, der Verhältnisse geschaffen hat, die an längst vergangene Zeiten erinnern. Die Geschichte dieser rätselhaften Frau, die sich für die Zarentochter Anastasia ausgibt, ist eine Odyssee, seit in der Nacht vom 16. zum 17. Juli 1918 ihre Eltern und Geschwister in Jekaterinburg das Opfer eines sinnlosen Mordes geworden waren. Als ein römisch - katholischer Bauer, ein Pole, der sich Alexander Tschaikowsky nannte und in der Nähe von Jekaterinburg mit seinen Eltern und Geschwistern eine kleine Bauernwirtschaft betrieb, in ihrem bei ben Ermorbeten liegenben Körper noch etwas Leben bemerkte, da benutzte er die allgemeine Verwirrung, wickelte sie in eine Decke und floh mit ihr nach feiner Besitzung. Aus Furcht vor den Bolschewiken floh er mit (einen Eltern, Brüdern und Schwestern auf einem Bauern wagen nach der rumänischen Grenze. Die von ihm Ge- rettete, deren Schädel durch Kolbenhiebe eingeschlagen und deren Hand durch einen Bajonettstich verletzt war, konnte er nur mit kaltem Wasser behandeln. Wochenlang dauerte die Fahrt nach Rumänien. Zu ben von ben Kopfverletzungen herrührenden furchtbaren Schmerzen gesellte sich ein Neroenfieber. Und während sie noch darniederlag, empfing sie von ihrem Retter ein Kind, das sie in Bukarest, wo die Familie Wohnung nahm, zur Welt brachte. Nach ihrer Wiederherstellung ver- langte sie von ihm, daß er sie heirate, was auch in einer katholischen Kirche zu Bukarest geschah. Wie das Kind getauft wurde, weiß sie nicht, auch nicht, unter welchem Familiennamen es eingetragen wurde, nur dagegen hatte sie sich verwahrt, das es den Namen Romanow erhielte. Bald nach der Hochzeit wurde ihr Mann auf der Straße erschossen; an der Beerdigung nahm sie teil. Anfang 1920 beschloß sie, nach Deutschland zu reifen, um ihre Taufpatin, die Prinzessin Irene von Preußen, aufzusuchen. halbzerronnen heimkommen. — Häng dich ein, Dokwr, — ganze Kompanie: Marsch, marsch! — Hau nur f^t nei, Baron! Is eh schon gleich!" Anter dem taktmäßigen Schritt der Männer spritzte das Raß Der Straße in hohem Dogen auf. Die Kopfe geduckt, Die Hüte tief in die Stirne gezogen, Den Rücken weit nach hinten geneigt, stapften sie durch die Wassermassen, die ihnen entgegenrannen. An der Ecke der dritten Straßenkreuzung machte Dr. Fehmarm halt und streckte den beiden anderen je eine Hand entgegen. „Servus, Baron! — Eine Empfehlung an die Herrschaften zu Hause — und deinem Fräulein Schwester einen Handkuß, Poldl!" „Ich dank schön!" lachte Richthofen. „Hast schon Eil, daß d' in Deine Federn kommst! Schau nur, daß dich keiner von deine Patienten holt heut nacht, — a Sauwetter das! — Gehn wir, Baron! Wir habn wenigstens inorgn früh keine Sprechstund abzhaltn! — Servus Doktor!" Drei regenschv^re Hüte lüfteten sich. Zweimal noch toanDte sich Baron Hetllngen nach dem Freunde zurück. „Ein guter Kerl! — Was, Richthofen?" „Ich sag's eh allaweil! — Diel z' gut! Eine Frau tat er halt brauchen! Eine Frau! Weißt ihm keine?" „Ich?---" „Ra ja, fteilich! — Du kuglst soviel in der Welt umeinander, daß d' ihm schon amal eine finden könntst!" Hettingens Lachen klang belustigt durch die Regennacht. Er gab keinerlei Antwort, sondern schüttelte nur seinen Mantel, daß die Tropfen Richthofen bis ins Gesicht sprühten. „Bist naß?" sagte dieser- resigniert. „Dauert bloß nur mehr an die fünf Minuten, dann haben wir's!" Roch vor der angegebenen Zeit kreischte ein Schlüssel an einer schweren Eichentüre, die sich lautlos in den hohen Angeln drehte. „Wart a bisserl, Joachim! — Herrgott, bis ich deinen Ramen allemal heraußen hab, komm ich die halbe Ringstraßn nunter! — So jetzt!" Die Reise nach Deutschland, die sie in Begleitung Sergei Tschaikowskis, des Bruders des erschossenen Alexander Tschaikowsky, machte, war unsäglich beschwerlich. Nach der anfänglichen Bahnfahrt nmßte sie oft tagelang in Grenzstädten in einem kleinen Gasthauszimmer sitzen und warten, bis ihr Begleiter die Wege ausgekunbschaftet hatte, auf denen sie zu Fuß die Grenze überschreiten konnten. Darauf konnte die Reise wieder mit der Bahn fortgesetzt werden; sie fuhr erster Klasse, Tschaikowski aber nie mit ihr in demselben Abteil. Auch in Berlin, wo sie am 17. Februar 1920 ankamen, wohnte dieser im Hotel in einem von dem ihrigen ziemlich weit entfernten Zimmer. In der ersten Nacht in Berlin verlieh sie das Zimmer, um im Landwehr- tanal ihr Leben zu enden. Sie wurde aber her- ausgefischt, nach dem Elisabethkrankenhaus und von Dort, als sie ihren Namen nicht nannte und auch sonst nichts sprach, als geisteskrank in die Irrenanstalt Dalldorf gebracht. Dort hielt sie sich zwei Jahre lang auf. Sie ließ sich dort alle Zähne im Oberkiefer, die ihr infolge der erhaltenen Verletzungen wehtaten und wackelten, herausnehmen. Ende Mai 1922 wurde sie aus der Irrenanstalt entlassen, nachdem sie seit März an einem Fieber, das wohl der Beginn ihrer späteren tuberkulösen Erkrankung war, gelitten hatte. Sie kam nun zu einer russischen Auswandrerfamilie. Zwar hatte sie geglaubt, baß man sie nur aus rein menschlichen Gründen aus dem Irrenhaus geholt hätte, allein bald wurde sie gewahr, daß sie nur das Objekt für die Menschen war, die daran Pläne und Hoffnungen auf Verdienst knüpften, und als sich diese Pläne nicht in der gehofften Weise verwirklichten, sie fallen ließen. In der Irrenanstalt hatte ein« gewisse P., die Damals etwa fünfzig Jahre alt war, einen gebildeten Eindruck machte und früher in Rußland in besseren Häusern gewesen fein mußte, neben ihr gelegen und sie als eine Tochter des letzten Zaren, unD zwar die Großfürstin Tatjana, erkannt. Nachdem die P. entlassen worden war, hatte sie ihre Wahrnehmungen den Deutsch-russischen Aus- wandrern mitgeteilt und diese Kreise für die Unbekannte interessiert. Bei ihnen fand sie, als sie Dalldorf verlassen hatte, zunächst ihre Unterkunft. Als aber etwa zwei Monate später in der Zeitung ein Artikel gegen sie erschien und sie es ablehnte, darauf zu erwidern, wurde sie mitten in der Nacht vor die Türe gesetzt. Eine nebenan wohnende Arbeiterfamilie erbarmte sich der Armen und nahm sie etwa sechs Wochen bei sich auf. Don dort nahm sie im August ein Berliner Polizeikommissar zu sich auf seinen Landsitz bei Neu- hoff-Teltow, um ihren durch den Aufenthalt in Dalldorf zerrütteten Nerven die Stärkung durch frische Landluft zuteil werden zu lassen. Dort besuchte sie auch die Prinzessin Heinrich von Preußen, die sich unter einem falschen Namen bei ihr einführen ließ. Die Prinzessin glaubte sie nicht wiederzuerkennen: ihre angebliche Nichte, damals schwer leidend wandte sich von ihr ab; als sie ihr allein in ihr Zimmer gefolgt war, gab sie ihr auch Ein leises Knacken, Dann lieh Die Darauffolgen De blendende Lichthrlle jeden Gegenstand der mahagonigetäfelten Diele flimmernd aufleuchten. Das reichgeschnörkelte Treppengeländer, das sich zur Höhe des ersten Stockwerken wand, warf einen zierlich verästelten Schatten über das spiegelnde Parkett, auf dem sich vereinzelte Wassereichen breit machtm. „Lift hab ich kernen! — Mußt dich schon so hinaufbemühn, Baron---"“ beschieß Richthofen. „Macht nix, das bisserl Rässn! Geh nur voran! — Ich läut derweil dem Franzl!" „Du wirst doch niemand wecken!“ Hetllngen hielt ihn am Aermel zurück. „Richt? — Hast eh recht! Das kann ich selber auch! Magst an Kirschenen? — Oder is dir ein Zwetschgener lieber? — Oder ein Glaserl Wein? Brauchst es bloß sagn, nach was dir ist!" „Rach einem warmen Bett!" Hettingen klap-> perte zum Scherze mit den Zähnen. „Das kannst habn! Zuerst aber komm noch auf ein Sprüngerl da herein!" Ein weit ausladender Hirschhornlüster und eine rotseidenbeschirmte Stehlampe warfen ihr Licht zugleich in das große Eßzimmer. Reflex von Rickel und Silber sprühte gegen die kasset- llerte Decke. Die niederen Türen der Eichenkredenz knarrten leise und schlossen sich nicht wieder. „Trink, Joachim!" Richthofen goß zwei kleine bauchige Gläser voll und reichte eines davon dem Freunde hinüber, der es prustend wieder absehte. „Is er dir leicht zu stark, Baron? — Is a Zwetschgener, von meinem Debresziner Landgut lauf,“ erklärte er. „Da is noch was drinnen, net? — Magst lieber ein Damen- schnapserl? Auch nicht? Ra also, Dann können wir's ja «anpacken. Dein Gwand hängst raus! Der Franzl bsorgt'F schon. AnD schlafen tust, so lang gern magst. Treibt Dich ja nix auf." Richthofen schüttelte Die Dargebotene Rechte Hettingens und schob Diesen Dann über Die Schwelle eines großen, matt erleuchteten Raumes. „Wann D’ was brauchn solltest in Der Rächt — Da iS die Klingel. In Die Schubfächer finDst ge- me en. bann feine Antwort auf ihre Rede, obwohl sie sie er- T fannt hatte, denn am andern Morgen sagte sie [ gleich, die Dame wäre ihre Tante Irene gcrr.jen. - Bis in die zweite Hälfte des Junis blieb die Der Hoherodskopf unter Denkmalschutz gestellt. Der Prvvinzialausschuh der Pro - vinz Ob erhoff en beschäftigte sich in seiner öffentlichen Sitzung am Samstag mit der Ver- waltun^streilsache „Stellung des Hohe- rodskopfesunterDenkmalschu tz". Diese Angelegenheit war schon seit langer Zeit Gegenstand von Besprechungen und Entscheidungen, die großes Interesse in der Öffentlichkeit hervor- riefen Der Antrag auf Anterschutzstellung ging von dem Hochbauamt Schotten und dem D. H. C. aus. Auch das Hessische Ministerium der Finanzen, welche das staatliche Waldgelände und den Hoherodskopsgipfel bereits in die Rctturdenünal- liste eingetragen hatte, beantragte mit Rücksicht auf die landschaftliche Schönheit den Denknral- schutz weiter nach Rordwesten, Westen und Borden auszudehnen. Die Gemeinde Breungeshain, die sich mit dem Ansinnen nicht einverstanden erklären konnte, erhob Einspruch im Berwaltungs-Streitversahren. Der Kreisausschuh des Kreises Schotten, der sich mit der Sache dreimal beschäftigte, verwarf in seiner Entscheidung vom 28. September 1927 den Einspruch. Er kam der Gemeinde insoweit entgegen, als für die Unterschutzstellung des Hoherodskopfes nur die im Plan eingezeich- nete Mindestsläche in Anspruch genommen werden sollte. Im übrigen würden die Interessen der Gemeinde Breungeshain möglichste Berücksichtigung finden. Gegen diese Entscheidung verfolgte die Gemeinde Berufung an den Provinzialausschuh. Oberforstmeister Dr. Baader, Schotten, als Vertreter des hessischen Ministeriums der Finanzen, und Regierungsbaurat Rodnagel vom Hochbauamt ^hotten wiesen besonders darauf hm, daß vor einiaer Zeit Bestrebungen im Gange waren, in nächster Rahe des Klubhauses eine Wirtschaft zu errichten. Es wäre nicht ausgeschlossen, dah in nächster Zeit auch Stein- b r ü ch e errichtet würden, die das Landschafts- bülb sehr beeinträchtigen könnten. Dah die Gemeinde Breungeshain durch die Ünterschutz- stellung irgendwie geschädigt werde, sei nicht der Fall. Das fragliche Gelände habe eine Länge von etwa 600 Meter und eine Breite von etwa 200 Meter. Die Fläche stelle Hutweidengelände dar. Wenn später einmal Gebäude errichtet werden sollten, so könne dies trotzdem geschehen, im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Der Vertreter der Gemeinde Breungeshain, Bürgermeister Strauch, erwähnte, dah sich der Gemeinderat verpflichte, einen Bebauungsplan herzustellen, ferner dah er damit einverstanden sei, Erklärung dahin anzugeben, dah nie ein Steinbruch errichtet werden und keine Aufforstung stattfinden soll. Das Gelände der Gemeinde Breungeshain liege auf dem südlichen und westlichen Abhang des Hohe- rodsköpfes und sei seines weithin gewährenden Ausblicks wegen geeignet zur Errichtung von Kur- und Landhäusern, die zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Gemeinde Breungeshain nebst ihrer Umgebung wesentlich beitragen. Dies Kranke in dem Hause des Polizeikommissars. Dann wurde der Leiter der humanitären Studenten- organisation, Dr. S. mit ihrem Geschicke bekannt- gemacht, und dieser wandte sich an die der russischen Sprache mächtige Bildhauerin Harriet von Rathlef-Keilmann. Beiden gelang es, ihr einen Platz dritter Klasse im Marienkrankenhause zu vermitteln, wo sich Der Anstaltspfarrer Dr. Berg und die dort tätige Krankenschwester besonders um sie bemühten. Don dem Marienkrankenhause wurde sie in das Mommsensanatorium gebracht, wo sie wegen des Geschwulstes an ihrem Anne von dem bekannten in Berlin weilenden Moskauer Chirurgen Professor Rudneff zweimal operiert wurde. 3m April 1926 reifte die Kranke mit ihrer treuen Begleiterin Harriet von Rathles-Keilmann nach Lugano, um eine Luftveränderung au haben. Da dort nach wenigen Wochen starke depressive Erscheinungen an ihr eintraten, erwirkte Frau von Rathlef-Keilmann bei dem dänischen Gesandten Zahle einen Aufenthalt in dem Sanatorium „Stillnachhaus" in Oberstdorf, wo Höhensonne und gute Pflege bald ein Schließen der Tuberkulose, wunde bewirkten. Anfang März 1927 vertauschte sie Oberstdorf mit dem Schlosse Seeon in Bayern, wo sie der Herzog von Leuchtenberg — ein naher Verwandter des Zarenhauses — bei sich aufnahm. 3m letzten Drittel des Januars 1928 schiffte sie sich nach Amerika ein und erreichte am 7. Februar Reuyork. 3n der neuen Welt ist sie der Gast ihrer Kusine, der ehemaligen Großfürstin lenia Georgijewna, jetzigen Frau Leeds, die von ihrer Wesenseinheit mit der Zarentochter Anastasia fest überzeugt ist. Sie ist auf einem Gute in Mittelwestamerika untergebracht. 3hr Aufenthalt wird aber nicht bekannt gegeben, damit ihre Abgeschiedenheit nickt gestört wird. Sie braucht nichts mehr zu entbehren, sondern lebt im größten Reichtum. Zu denen, die an ihre Echtheit glauben, gehören außerdem vor allem der Herzog Georg von Leuchtenberg und der Großfürst Andreas von Rußland. Ihre eigentliche Retterin ist aber Harriet von Rathlef-Keilmann, die unermüdlich für sie tätig war, um den Nachweis ihrer Echtheit zu erbringen. 3hre seitherigen zahlreichen Veröffentlichungen in der Presse sind nun, zusammen mit Bestätigungen und Gutachten in einem Buche erschienen, das P. S. o. K ü g e l ge n , der frühere Leiter der St. Petersburger Zeitung und Herausgebers der bekannten Lebenserinnerungen eines „alten Mannes", seines Großoheims Wilhelm von Kügelgen in Verbindung mit dem Großfürsten Andreas von Rußland, dem Herzog Georg von Leuchtenberg u. a. im Verlage von Grethlein & Co. in Leipzig und Zürich unter dem Titel „Anastasia. Ein F r a u e n s chi cks a l als Spiegel der W e l t k a t a st r o p h e. Ermittlungen über die jüngste Tochter des Zaren Nikolaus II. von Harriet von Rathlef-Keilmann" (Preis fort. 5, geb. 6 Mk. — 639), herausgegeben hat. Es ist ein eigentümliches Zusammentreffen, daß dieses Buch etwa gleichzeitig mit einer Erklärung der russiscken Zarenfamilie erschien, die sich mit aller Entschiedenheit dagegen richtet, daß die Frau, die sich Frau von Tschad kowski nenne und zur Zeit in den Vereinigten Staaten von Nordamerika weile, die Qrofefürftin Anastasia von Rußland fei. Es ist ausfallend, daß der Grohherzog von Hessen es ablehnte, seine an- aebliche Nichte während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu sehen. Diele in dem Buche mitge» teilten Aeußerungen sind — ihre Wahrheit voraus- gesetzt, und diese Voraussetzung muß bei dem ernsten Charakter des Buches ohne weiteres als vorliegend angenommen werden — nickt zu erklären, wenn sie nicht von er wirklichen Zarentochter herrühren sollten. Die Tatsache, daß die Kranke den Gebrauch der russischen Sprache meidet, wird sowohl durch ihre fürchterlichen Erlebnisse in Rußland, als auch dadurch erklärt, daß sie sie zeitweise aus Rücksicht auf ihre Sicherheit nicht sprechen Durfte. Die Lücken in ihrem Erinnerungsvermögen werden durch die empfangenen Schläge auf den Kopf Durchaus einleuchtend erklärt. Gegen die Annahme, daß die Kranke eine Betrügerin sei, spricht auch die Schwere ihrer Krankheit, die nicht vorgespiegelt sein konnte und auch nicht dazu angetan war, die Durchführung einer bis ins einzelne einstudierten Rolle zu ermöglichen. Ein einziger Punkt in ihren Angaben ist allerdings nicht aufgeklärt, nämlich Der, daß sie ihren Oheim, den Großherzog von Hessen, während des Krieges in Petersburg gesehen haben will. 7 Das Buch enthält nicht ein Lebensbild der an- geblichen Zarentochter in zeitlicher Reihenfolge, ! sondern es stellt den Stoff teils nach sack)lichen Gesichtspunkten geordnet, teils in der Reihenfolge dar, wie er sich auf Grund der angestellten Ermittelungen ergab. Wer es lieft, neigt unwillkürlich zu dem Glauben, daß die Zarentochter Anastasia tatsächlich am Leben geblieben sei und die darin geschilderten Schicksale gehabt habe. 3etzt, wo das Buch vorliegt, läßt es sich nicht durch eine kurze Erklärung widerlegen, sondern seine Ausführungen könnten nur dadurch entkräftet werden, daß gerade die für ihre Echtheit sprechenden Punkte durch Gründe widerlegt würden. Diese Gegenausführungen würden der gleichen allgemeinen Teilnahme begegnen, wie die Ausführungen Harriet von Rathlef Keilmanns. Wenn heute nach fast hundert Jahren ein lebhafter Streit über Die Prinzeneigen- K eines Kaspar Hauser besteht und von der mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt wird, so ist diese Teilnahme nicht nur auf die Rechnung Der Sensationslust zu setzen, sondern sie ist ebenso sehr durch das Interesse an der Feststellung der Wahrheit bedingt, das in hohem Grade eine An- gelegenheit der Allgemeinheit ist. Sollte sich die Echtheit der angeblichen Großfürstin bewahrheiten, so wäre ihr Name „Anastasia", die Wieder- erstandene, ein Omen für ihr Geschick alles: a Rachthemd und an Pyama und was D' sonst noch brauchst, ’d Zimmer geht auf die Rückseitn. Rachbarschaft hast keine, wann d' die Fenster öffn laffn willst! ilnö jetzt gut Rächt, Baron." „Gute Rächt, mein Lieber!" Hettingen hatte noch kaum seinen klatschenden Rock heruntergenommen, als sich Richthofens rundes Gesicht noch einmal durch die Türe steckte. „Wannst läutst, nachher muht zweimal auf’n Knops druckn, das is dem Franz! sein Signal — sonst kommt's Zimmermadl!" Ein Lachen, dann zog er elligst den Kopf zurück, denn Hettingen warf einen seiner klatschnassen seidenen Socken nach ihm, um sofort auch den zweiten folgen zu lassen. Don draußen klang noch ein kurzes Kichern herein, dann ward es ruhig. In wohltuend trockene Wüsche gehüllt, lag der Baron fünf Minuten später in dem riesig breiten Messingbett mit der sattgrünen Seiden- bespannung. Mit blinzelnden Lidern sah er nach der Decke. Der hohe Spiegel in der Ecke warf ihm einen matten Reflex in« Gesicht, schlaftrunken legte er das Gesicht nach der Wandseite. „Ping-peng — Peng-Ping" klatschen die Regentropfen gegen das weihe Sims des Fensters. Die Regelmähigkeit des Tonfalles schläferte Hettingen ein. Zum Schlüsse hörte er nichts mehr als ein undeutliches Rauschen, das aus nebelhaften Fernen klang. Unb nach einer Viertelstunde schlief er, wie eben nur Menschen in diesem Alter schlafen können: tief und traumlos. Richthofen kam gegen acht Uhr aus seinem Arbeitszimmer und trat in den großen Speise- raum. Schüchtern spielte die Morgensonne um das blitzende Silber. Ein Stapel Zeitungen lag neben seinem Gedeck. । Lautlos stellte der alte Diener eine Tasse unter den Kaffeekocher. Richthofen tupfte ihn von rückwärts auf die Schuller. „2s er stark, Franzi — ja? — Heut kann ich grab an starln vertragn. Dem Baron Hettingen servierst hall, wann er kommt. — Iessas Mizzerl, bist auch schon wach!" Die Augen des jungen Mädchens, das soeben eingetreten war, glichen dem Stück Himmel, das sich durch die hohen Dogenfester stahl. Aber eS gewitterte nicht unbedenklich in den großen Sternen. Mit einer tiefen Röte auf den schmalen Wangen ging sie auf den Bruder zu. „Wen hast du in deinem Zimmer schlafen, Poldl?" Er hielt abwehrend beide Hande vor sie hin. „Das hab ich jetzt ganz vergessen, dah ich dir das zu wissen getan hab: Der Baron Hettingen ist mit mir z'Haus kommen. Hast uns ghört die Stiegn raufgehn? Ein bisserl früh war's — so um halber eins rum. Hat's dich aufgtoedt, Mizzerl?" Mit zusammengeschobenen Brauen sah sie zu ihm hinüber. „Gin andermal bring, bitte, deine Freunde in eines der Gastzimmer und nicht wieder in dein eigenes Bett'." „Geh Mizzerl — der is ja kerngesund, der Hettingen. Don dem krieg ich kein Typhus — und keine Blattern — und Wanzen bat er auch net." „Du drehst immer alles und jedes ins Komische. Ich war drinnen und wollte dich wachrütteln." — „Derweilen hast den Hettingen beim Schopf erwischt." Franz konnte gerade noch die Meißener Tasse vor dem Sturz bewahren, ein Teil des Inhalts floß Richthofen auf die weihe Weste. „IS er schon wach, der Joachim?" Das Mädchen wandte sich verärgert von dem lachenden Gesicht des Bruders ab. „Weiht du, wie peinlich mir das war? — So —" Sie schluckte an den Worten. „Er schlief noch, und ich im guten Glauben, du wärst es, hab ihm den Kopf geftrubelt — bis ich's dann gemerkt habe!" „Meinst, dah es ihm geschadet hat, dem Hettingen?" An Richthofen war alles in Bewegung. Seine ganze rundliche Korpulenz lachte mit den grauen Augen um die Wette. „Mizzerl, das brauchst gar nicht so schwer nehmen. Weiht, der Hettingen is kein solcher, der das ausnützen tät oder weitererzählen oder ..." Jäh schnitt ihm das Wort ab, denn der Baron trat im selben Augenblick unter die weinalles fei unterbunden, wenn dieses Gelände unter Denkmalsschutz gestellt würde, und müsse als Eigentumsbeschränkung angesehen werden. Auch würde die Entwicklung des Hoherodskopfes als Ausflugs- und Erholungsort zum_ Rachteil des ganzen Dogelsberges sehr beeinträchtigt. Der Provinzialausschuh erachtete die Stellung der bestrittenen Fläche un - terDenkmalschutz im öffentlichen Interesse für erford erlich und wies die Berufung der Gemeinde Breungeshain gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Schotten als unbegründet kostenpflichtig zurück. Oberheffen. Landkreis Gießen. OO Klein-Linden, 18. Nov. Nachdem durch den Dekanatsausschuß die vor einigen Wochen vorgenommene Wahl zur Kirchengennindcvertre- hing für gültig erklärt worden war, fand am heutigen Sonntag eine gemeinschaftliche Sitzung der Kirchengemeindevertretung uno des Kirchenvorstandes statt. Der Dor- sitzende, Pfarrer Bremmer, widmete dem verstorbenen Mitglied der Kirchrngemcindevertre- tung und langjährigen Organisten Rektor L R. Böhler einen ehrenden Rachruf. Sodann fand die Derpslichtung der neug ^wählten Kirchengemeindevertreter statt. Don insgesamt 30 Vertretern sind sechs neugewählt worden, nämlich: Friedrich Lenz II., Heinrich Luh, Wilh. Jung XIII., Philipp Weigel XXV., Ludwig Lenz XI. und Hermann Rau. Für das verstorbene Kirchenvorstandsmitglied Wilhelm Lenz II. wurde Ludwig Weigel XIII. gewählt. Wiedergewähl: als Kirchenvorstandsmit'l eder wurden die seitherigen Mitglieder Phi.ipp Jung IX., Johannes Theiß III., Johannes Germer II., Wilhelm Jung VIII. und Bürgermeister Phil. Jung XVIII. £ Wieseck, 18. Nov. Am Samstagabend fand im Sacll „Zum kühlen Grund" ein Lichtbildervortrag des Vo lks- F euerbe- stattungsvereins statt, der aber nur schwach besucht ipbr. In anschaulicher Weise wurden die Auhenc^sichten der verschiedenen Krematorien DeutMands, sowie anderer Staaten gezeigt. Die Innenansichten von verschiedenen deutschen Krematorien, sowie die Verbrennungsanlagen zeigten, dah hier das technisch Beste geschehen ist. Als Besonderheit ist zu verzeichnen, daß Japan als einziges Land der Well das Dreiklassen-Krema- torrum eingeführt hat. 3n dem anschließenden Vortrag bemerfte der Redner, dah es jedem möglich sei, Mitglied des Feuerbestattungsvereins zu werden, ganz gleich welcher Konfession er an» gehöre. Zum Beweis dafür, daß der Gedanke der Feuerbestattung marschiert, führte der Vortragende an, dah der Verein 1913 mit 1000 Mitgliedern gegründet wurde und im Jahre 1928 bereits die halbe Million überschritten habe. Die Gesamtzahl der Feuerbestattungen betrug m diesem Verein bis Ende August dieses Jahres 36 710 Personen. V Mainzlar, 18. Rov. Das außergewöhn- lich milde Herbstwetter in diesem Jahre kommt der Winterfrucht sehr zustatten. Die Saaten zeigen durchschnittlich einen guten Stand. Stellenweise haben jedoch Mäuse und in letzter Zeit auch Schnecken erheblichen Schaden an- gerichtet, so dah zu ihrer Bekämpfung Gift gelegt und auch Aetzkalk gestreut werden muhte. — Vielfach geklagt wird von den hiesigen Kleingewerbetreibenden über das Aut o-Hausier- wesen. Immer zahlreicher werden die Besuche dieser Autofilialen auf dem Lande, und fast keine Woche vergeht, wo nicht ein solcher Wagen auf der Ortsstrahe feinen Verkaussstand eröffnet und zum Schaden der ortsansässigen Lebensmittel- Händler mitunter eine recht ansehnliche Tageseinnahme hat. Obwohl in Hessen diese neuartige Absahform steuerlich besonders ersaht werden soll — der Betrieb soll als Wanderlagerbetrieb betrachtet werden —, tauchen diese. Händler mit ihren Autos immer mehr auf. : Beuern, 18. Rov. Bei der Wahl des Kirchenvorstandes wurden wiedergewählt: Georg Stein, Gemeinderechner i. R. Reugewählt wurden Bürgermeister Linden- ftruth, Wagnermeister Heinrich Krämer, Landwirt und Steinhauer August Weimer, Sattlermeister Heinrich Otto VI. und Schreiner- meister Ludwig Wilhelm Arnold. — Der Bau des Ehrenmals für die gefallenen Krieger unserer Gemeinde geht seinem Ende entgegen. Die Maurer- und Stein bau erarbeiten sind soweit beendet. Zur Zeit werden die großen Blöcke unserer hämischen Dasaltlava für das eigentliche Denkmal angefahren und auffarbene Sammetportiere, die Franz dienstbeflissen zurückhiell. Mit einem raschen Blick sah Richthofen' nach seiner Schwester, ein Dutzend Schalksnarren sahen ihm dabei um Mund und Augen. „Ich weih net, ob du den Herrn Baron noch kennst, Mizzerl! — Don früher her vielleicht. — Aber da warst noch ein halbes Kind. Jetzt ist er drei Jahre oder länger bei den Zulu gwesn und in Indien drüben bei die Fakire, und bei die Bolschewik! hat er 's Lügn glernt.“ „Gnädiges Fräulein, Ihr Bruder verleumdet über die Maßen." Hettingen bog sich über die weiße, schmale Mädchenhand und führte sie an die Lippen. „Run versteh ich auch, weshalb man im Hause Richthofen solch wundervolle Träume hat! — Ich bin diese Rächt immer durch Paradiese gewandelt." „Wird auch mehr als eine Eva drinnen gwesen fein, in die Paradies, net?“ „Poldl!" warnte Hettingen mit einem feinen Rot auf den Wangen, während die von Maria Richthofen rosenfarben aufglühten. „Ich bin schon brav, Joachim! — Franz, der Herr Baron von Hettingen trinkt einen Schwarzn! — Extra schwarz! — Gibst uns die Ehr, Mizzerl? — 3a? — Tät uns frein! Ich red gar nix äln- artigs mehr. Don jetzt an bin ich ganz Kavalier. Hat dich 's Trarwahrasstn aufgtoedt, Baron? Oder 's Rattern von die Kraftwagen? — So still is halt nicht bei uns wie bei euch draußen in der Cottage." „Stimmt alles nicht, Poldl! — Du hast mich ja schon vor einer halben Stunde so unsanft an den Haaren gerüttelt, dah ich rasch in die Wirklichkeit zurückkam." „Hörst es, Mizzerl? — Ich hat ihm die Haar gschüttlt." Richthofens Augen lachten. Hettingens Gesicht blieb vollkommen ernst. Er sah nur flüchtig nach der Schwester des Freundes. die (Blumen in eine Base ordnete. Als sie Ian den Tisch trat, lag noch ein feines Rot auf ihren Wangen. Während er feinen Kaffee trank, glitt ihr Duck verstohlen über ihn hin. Er gefiel gesetzt. Die ziemlich umfangreiche Bildhauerei dürste noch 2 Monate in Anspruch nehmen, so dah mit der Einweihung des Denkmals erst im nächsten Frühjahr gerechnet werden kann. — Die F ö rft er ste lle unserer Gemeinde ist ab 15. Oktober wieder planmäßig besetzt worden. Sie wurde Förster Keil von Hattenrod übertragen. — Wie' im vergangenen Winter, so befördert auch jetzt wieder unser Verkehrsauto die bei der Firma Scheidhauer und Giehing in Mainzlar beschäftigten Aroeiter von Beuern, Großen-Duseck und Alten-Duseck zu ihrer Arbeitsstelle und holl sie abends wieder dort ab. Diese Einrichtung wird von der Arbeiterschaft sehr begrübt. (-) Lang-Göns, 18. Nov. Der hiesige (Beflügel- und Kaninchenzuchtoerein hielt heute unter der rührigen Leitung Des ersten Vorsitzenden Otto May eine Lo ka Ischa u ab, die etwa 180 Nummern auflvies. Als Preisrichter wirkten die Herren I. K o 11 e r (Bad-Nauheim) für Geflügel und L. Gerhardt (Kirch-Göns) für Kaninchen. Den Ausstellern wurden zahlreiche Ehren- und erfte Preise zuerkannt. Bemerkenswert war Die geringe Anzahl Der ausgestellten Kaninchen. Während in Der Nachkriegszeit manchmal die Hälfte aller ausgestellten Tiere Kaninchen waren, sind sie jetzt etwa auf ein Zehntel der Nummern jurüdgegangen. Sehr zahlreich vertreten, waren aber die Tauben. Der Besuch war, wie bei allen Lang-Gönser Ausstellungen, sehr rege, auch viele auswärtige Züchter konnte man bemerken. Mit der Ausstellung war eine Verlosung verbunden. Am Abend folgte der übliche „Gickelsball". LJ Aus der nordöstlichen Wetterau, 18. Rov. Die gelindr Witterung dieses Herbstes, die den Feldern sehr zustatten kommt, hat auch ihre Schattenseiten. Sce gewährt den Acker- s ch -n e ck e n die denkbar günsttgsten Lebensbedingungen. Diese Schädlinge treten hier tn großer Zahl auf und richten an der jungen Saat großen Schaden an. Die grünen Roggen- spitzen sind stellenweise auf breiter Ackerfläche abgefressen. Kreis Friedberg. -chi B a d - N a u h e i m, 18. Nov. Das hiesige O r t s- kartellder Beamten will im Lause Des Winters in einer Reihe von Vorträgen wichtige Beamtenfragen behandeln und außerdem durch belehrende Referate sich in Den Dienst Der Fortbildung stellen. Beim ersten Abend, Der sich eines recht guten Besuches erfreute, sprach Der Vorsitzende des Kartells, Steuerinspektor P l a a g, zu Dem Thema „Die Erhaltung des Berufsbeamtentums". Er begrünDete Die Notwendigkeit Des Berufsbeamtentums zunächst geschichtlich, ging Dann auf die Gesetze ein. Die ihm in Der neuesten Zeit drohen, um Dann wichtige Forderungen herauszustellen, die im Interesse Des Berufsbeamtentums in nächster Zeit zu erfüllen wären, u. a.: Verwaltungsreform, Beamtenrecht (mit einem Beamtenoertretungs- und einem Disziplinär- aesetz), Aufstellung des Ortsklassenverzeichnisses entsprechend Der gesetzlichen Zusicherung, Regelung Der Anspimche Der Warte- und Ruhestandsbeamten. Beschlossen wurde, Das zehnjährige Bestehen Des Orts- kartells im Januar durch eine würdige Veranstaltung zu feiern, wobei Lehrer Porth, der langjährige verdiente Vorsitzende des Kartells, die Festrede halten wird. pb. Butzbach, 18.Nov. In der jüngsten Dtadtverordnetensihung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der Antrag von Rob. Schreiber um käufliche äleberlassung des Bauplatzes Flur VIII Rr. 3625/io - 400 Quadratmeter, um darauf ein Wohnhaus mit zwei Vierzimmerwohnungen zu errichten, wurde genehmigt. Der Preis für das Quadratmeter beträgt 4 HEL Innerhalb eines Jahres muß das WohnhauS erbaut fein. Der älmlaufbeschluß, wonach die Herstellung der Griedeler Straße vom Ostbahnhof bis zum Pflaster beim Haus Gernsheim mit einer 4 Zentimeter starken Leitumendecke erfolgen soll, wurde bestätigt. Die Kosten in Höhe von 4800 ML sind durch Kapitalaufnahme zu decken. Bevor die Fahrbahn der Griedeler Straße mit einer Leitumendecke belegt wird, sollen auf Antrag der Mehrzahl der Anlieger die Fußsteige in dieser Straße hergestellt und mit Platten belegt werden. Die Pflastersteine der Fußsteige werden, soweit sie noch nicht 25 Jahre liegen, mit 3 Mk. für das Quadratmeter den Anliegern vergütet. Deckung ter Kosten erfolgt durch Kapitalausnahme. Für die in den Jahren 1927 und 1928 beschlossenen, durch Kapitalaufnahme zu deckenden Ausgaben sollen Darlehen in Gesamthöhe von 92 000 ML ausgenommen werden, und zwar 12 000 Mk. bet der Gewerbe- und Landwirtschaftsbank, je 30 000. 15 000 und 20 000 Mk. bei dem Mathildenstift ihr. So hatte sie in ihren Mädchenträumen den Mann gesehen, den sie sich vom Schicksal erhoffte. Siegfriedartig, ein gewinnendes Lächln um den Mund, ritterlich, edel und von distinguierter Vornehmheit. Die Folge war, dah sie sich lebhaft am Gespräche beteiligte. Rur, als die Rede auf Feh- mann kam, äußerte sich ein so geringschähender Zug in ihrem Gesichte, dah Hettingen sie gan$ erstaunt ansah. Das weizenfarbene Haar zitterte in kleinen flatternden Wellen um ihre Stirne, so heftig hatte sie den Kopf zurückgeworfen. „Ich kann solch eingebildete Menschen nun einmal nicht leiden," urteilte sie erregt. „Mizzerl, tu dich nicht eschoffieren," bat Richthofen. „Er ist ein seelenguter Kerl, der Feh- mann! — Bloh ein bisserl grab! Zu grab vielleicht! Unb das kannst du net vertragn! — Ich weih schon!" Er legte feine Hand bittend auf ihre leicht vibrierende Rechte. Sie entzog sie ihm heftig. „Ich mag die Leute nicht, die halb am Verhungern sind und sich dabei den Anschein geben, als läge die ganze Welt zu ihren Fähen. — Den Fehmann könnte ich rrchig im Straßengraben sitzen sehen, ohne ihm einen Groschen in den Hut zu werfen." Richthofen fing an, ihre Linke zu streicheln. ,Mizzerl, wann ein Hund win eit um ein Stückerl Brot, bad ist leichter, als den Mund zulassen, wann einem die Gedärm krachn! — Muht nicht so hart urteilen! — Hast ihn schon einmal genauer angschaut, den Fehmann? — Ret? — Dann muht es nachhoten! — Oder du muht dich von ihm zum Rachtmahln einladn laffn!“ „Ich habe nicht die geringste ßuft dazu!" „Das glaub ich! Weil man von nix net satt kriegt. Unb nix, das hat er alle Tag!" In Hettingens Gesicht wechselten die Farben. „Ich hatte keine Ahnung, daß es so um ihn steht. — Ist seine Praxis denn nicht gut? — Mir gegenüber hat er noch nie geklagt!" (Fortsetzung folgt.) und 15 000 Ml. für den Armenfonds. hierüber auszustellenden Schuldscheine werden genehmigt. lieber die Aufwertung der Dar- lehenderLandeshtzpothekenbankund der Landeskreditkasse ist nach längeren Verhandlungen eine Einigung zustande gekommen, wonach die gesanrten Darlehen auS der T^rkriegs- und Inflationszeit für die Landeshypotbekenbank auf 110000 Mk. und für die Landeskrebitkafse auf 6000 Mk. aufgeweriet werden. Sie hier- über abzuschliehenden Derträae wurden genehmigt. Die kommunistischen Stadtveeordn. Speer und Oppenheimer hatten folgende An- träge eingereicht: a) Den Erwerbslosen wird eine Weihnachtsbeihilfe gewährt, und zwar an Ledige 18 Mk., an Verheiratete 30 Mk. und an Verheiratete mit mehr als drei Kindern 36 Mk. Die Stadt gibt für diese Beträge Gutscheine ä 3 Mk. aus. Stichtag ist der 15. Dezember, b) Der vom Kugelhaüssonds entliehene Betrag von 20 000 Mk. für den Dau der Kleir.kinder- schuie wird alsbald zurückgezahlt. Die Stadt leiht zu diesem Zwecke den Betrag beim Malhildenstiit. c) Die Sladt läßt die Kinder der Kleinkinderschule einmal im Monat von einem Arzt untersuchen. Das Ergebnis ist den Eltern und der Stadtverwaltung mitzuteilen. Eltern, die nicht in der Lage sind, die erkrankten Kinder auf eigene Kosten der Heilung zuzuführen, erhalten durch das Wohlfahrtsamt entsprechende Hnterstütz'rng. Der Antrag a) wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Zum Antrag b) wurde von der sozialdemokratischen Fraktion ein Ergänzungsantrag gestellt, dahinlautend, einen größeren Betrag zur Tilgung alljährlich in den Doranschlag einzu- ftdton, der nach längerer Aussprache auch angenommen wurde. Der Antrag zu c) wurde mit der Maßgabe angenommen, daß zunächst der Kreisfürsorgearzt die Untersuchungen der Kinder der Kleinkinderschule vornehnien und das Ergebnis der Stadtverwaltung und den Eltern mitteilen soll. — Dieser Tage fand hier im Saal des „Hessischen Hofes" unter Vorsitz des Kreisdirektors Rech - t h i e n eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises Friedberg statt, in welcher über den Wohnun gsbau in 1929, die Neuorganisation der Arbeitsämter u. v. ä. Vorträge gehalten wurden. An der Versammlung nahmen etwa 75 Herren teil. Anschließend fand ein gemeinschaftliches Mittagessen statt, bei welchem Bürgermeister Dr. 2 a n s e n die Teilnehmer begrüßte und den Wunsch aussprach, öfter derartige Versammlungen hier ab- halten zu wollen. Kreisdirektor Rechthien teilte daraufhin mit, daß die Absicht bestünde, die Dürgermeisterversammlungen ab und zu auch mal an einem anderen Platze als Friedberg abzuhalten. Es sei geplant die nächste in Vilbel und eine weitere in Wölfersheim abzuhalten, bet welcher Gelegenheit das Kraftschwelwerk besichtigt werden solle. Vach dem Essen fand eine Besichtigung der Zellenstrafanstalt statt, bei welcher Gelegenheit Strafanstalts-Direktor Stumpf einen einleitenden Vortrag über neuzeitlichen Strafvollzug hielt. — Zugunsten der Kleinkinderschule wurde von der Schwesternschaft des Iungdeutschen Ordens das Tanzmärchen „Aschenbrödel" aufgeführt, das ein günstiges Ergebnis hatte. Der Neinertrag Der Aufführung in Höhe von 60 Mk. soll zur Beschaffung von Weihnachtsgaben für unbemittelte Kinder der Kleinkinber- schule verwandt werden. Kreis Schotten. □ Laubach, 17. Rov. Gestern nachmittag fand im Rathaussaal eine Sitzung des Gemeinderats statt. Zunächst wurde ein Gesuch der Ahenania-Ossag-Mineralölwerke zu Frankfurt um Angliederung eines zweiten Benzintanks auf dem Grundstück Oes Kaufmanns Georg Friedrich Schwörer in der Kriegerstrahe nach sorgfältiger Prüfung genehmigt. — Das Angebot f ü r Grubenholz auf Grund der Submissionen vom 5. Rov. wurde Friedrich D a h m e r in Grünberg genehmigt. Weiter wurde beschlossen, das Buchens aß Holz der Fabrik Goldbach abzugeben. — Der Molkereibesiher E t l i n g und der Schornsteinsegermeister Meyer in Ulrichstein haben ein Daugesuch um Errichtung einer Autogarage auf dem Grundstück der Molkerei an der Wetter e'.naereichl. Das Gesuch wurde gen'hrniat, unter der Bedin iung, daß kein Oel oder Benzin in den Dach flieht. Kreis Alsfeld. (---) G roß. Fe l da, 18. Rov. Der diesjährige Herb st markt zeigte ein erfreuliches Bild, obwohl er bei weitem nicht mit dem Ostermarkt an Ausdehnung verglich.n werden kann. Grohe Rachfrage bestand nach dm Erzeugnissen der Lauterbacher Tonwarenfabrikat wn. Auf dem Ferkelmarkt Warrn 99 Ferkel auf getrieben; 7 Wochen alte Tiere kosteten pro Kopf 15 bis 16 Mk., 9 Wochen alte 18 bis 20 Mk., ältere entsprechend mehr. Rheinhessen. WER. Mainz, 18. Rov. liebet die Veruntreuungen bei der Kreisfürsorge- kaffe wurde festgestellt, dah die Höhe der veruntreuten Summe durch den Bureauassistenten M e m p e l bis jetzt 3 2 0 0 0 M k. beträgt. M. war in den ihm befreundeten Kreisen als ein sehr zurückhaltender Zahler bekannt. Es ist deshalb unverständlich, wohin er die veruntreute Summe gebracht hat. — Soweit bis jetzt bekannt ist, soll auch bei einer Kasse des Städtischen Arbeitsamtes ein erheblicher Fehlbetrag festgestellt worden sein. Schon mehrmals war diese Kasse angeblich von Dieben heimgesucht worden. So sollen im Städtischen Arbeitsamt hinter dem Theater einmal mehrere Tausend Mark gestohlen worden sein, ebenso vor mehreren Jahren in der Kasse des Arbeitsamts im Gebäude des früheren 6. Polizeibezirks eine Summe von 16 000 Mk. Diese Fälle sind bis heute noch nicht aufgeklärt. Auch jetzt behauptet der Verantwortliche, dah ein Diebstahl vorliege. Preußen. Kreis Wetzlar. JZ Wetzlar, 18. Nov. Eine für die Stadt erfreuliche Mitteilung wurde durch Bürgermeister Dr. Kühn im Verlause der jüngsten Stadtverordnetensitzung gemacht, daß der verstorbene Kaufmann Henry B u d g e — dessen Eltern Wetzlarer Kaufleute waren — mit seiner in Hamburg lebenden Gattin der Stadt eine Stiftung von z u - lammen 10 0 000 Mark hat zukommen lassen, die für die Zwecke des Kindererholungsheims Albshausen bestimmt ist, welches Handelsgesetzbuch» für gerechtfertigt erklärt. Maingau. Lpd. Frankfurt a. M., 17. Rov. Beim Fensterreinigen stürzte am Freitagnachmittag eine Hausangestellte vom ersten Stock eines Hauses in der Obermain-Anlage auf d ie S t r ahe und zog sich dabei einen schweren Schädelbruch zu, dem sie kurz nach Einlieferung inS Krancenhau; erlag. — Einem Kellnerlehrling ging in einem Caf6 beim Spielen mit einem Revolver ein Schuh los, wodurch eine Fran einen Dauchschuh erhielt. WSR. Hanau. 18. Rov. In Anwesenheit einer großen Zahl von Ehrengästen aus der Stadt und deren Umgebung, Vertretern der für die Benutzung der Stadthakle vornehmlich in Frage kommenden Organisationen und Vereine, Vertretern des wirtschastlichen und kulturellen Leben« und der Bürgerschaft ist heute die Hanauer Stadthalle in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben worden. Der große Saal, der etwa 1100 Personen saht, ist 45 Meter lang und 16,5 Meter breit. Das in strenger Einfachheit gehaltene Konzert- und Dühnenpodium hat eine halbrunde Form und ist amphitheatralisch angelegt. Es bietet für etwa 250 Musiker und Sänger Raum. Die Bestuhlung ist dunkelviolett. Die Rückwand des Saales enthält eine freitragend angebrachte Galerie, die 275 Personen saht. Außerdem enthält die Stadthalle noch einen kleinen ©aal, in dem 250 Personen Platz finden können. nunmehr den Namen der Spender tragen soll. Durch diese Stiftung wird die Stadt, die bereits 130 000 Mark für dieses Kinder-Erholungsheim ausgewendet hat, wesentlich entlastet. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung war die Uedernahme der kaufmännischen Berufsschule, die bisher von der Industrie- und Handelskammer getragen wurde, auf den Etat der Stadt. Die Verhandlungen waren durch die Negierung cingeleitet worden und fanden ihren Niederschlag in einer Vereinbarung, der die Stadtverordneten ihre Zustimmung gaben. Sodann beschäftigte man sich mit der Erledigung eines Prozesses mit einer Grubenfirma Jean, der schon 15 Jahre im Laufen gewesen ist. Der Prozeß hat durch einen 23 e r g I e i th beim Oberlandesgericht in Frankfurt sein Ende gesunden und dürfte der preußischen Justizverwaltung und den beiderseitigen Rechtsvertretern in bezug auf die P r o z e ß g e b ü h r e n wohl am einträglichsten gewesen sein. Trotzdem kann die Stadt mit dem Ausgang zufrieden sein; dies wurde auch bei der Beratung allgemein anerkannt. Der Grund für den Prozeß war, daß die Stadt für ihre Wasserversorgung in einem der Firma Jean gehörigen MutungsbezirkBrunnen hatte anlegen lassen. Trotzdem das Grubenfeld wegen seines starken Wasservorkommens nicht mehr ausgeschlossen werden konnte, wollte die Klägerin aus dem Vorgehen der Stadt einen Nutzen ziehen und dabei ein gutes Geschäft machen, was ihr jedoch nicht gelungen ist. Der Vergleichspreis beträgt 30 000 Mark; die Firma hatte zeitweise bis 300 000 Mark gefordert. WSR. Wetzlar, 18. Rov. Brirn Roben verunglückte in Altenkirchen (Kreis Wetzlar) der in den 40er Iah^n stehende Landwirt Schaub tödlich. Schaub war mit mehreren Arbeitern beschäftigt, eine mittelstarke Eiche zu roden. Man hatte eine Kette um den Wurzelstock geschlungen und zog mit vereinten Kräf ten an der Kttte. Plötzlich sprang sie ab und Schaub stürzte mit solcher Wucht zu Boden, daß er sich einen doppelten Beckenbruch zuzog. Er wurde in das Krankenhaus Ehringshausen gebracht. Dort ist er bald nach der Einlieferung gestorben. 1 Groß-Rechtenbach, 17. Nov. Bei einer in her benachbarten Försterei „Stoppelberg" abgehaltenen Waldtreibjagd wurden 15 Hasen, ein Fuchs und eine Schnepfe zur Strecke gebracht. co Klein-Rechtenbach, 18. Nov. Auf einer im diesigen Jagdbezirk stattgehabten Treibjagd wurden von etwa 50 (!) Schützen neun Rehe, elf Hasen und ein Fuchs erlegt. Kreis Marburg. WSR. Marburg, 13. Rov. Zu den Entlassungen von nationalsozialistischen Angestellten bei dem Marburger Landratsamt und der Marburger K r e i s k a s s e erfahren wir von amtlicher Stelle: Das Arbeitsgericht in Marburg hat in seiner Sitzung am 15. Rovember die von dem Angestellten Staufenberg, der wegen Verbreitung beleidigender Flugschriften gegen den Landrat Schwebel fristlos entlassen worden war, gegen den preußischen Staat angestrengte Klage kostenpflichtig abgewiesen und die frist lose Entlassung des Klägers wegen schweren Vertrauensmißbrauchs gemäß § 45 des Angestelltentarifs in Verbindung mit § 72 des ///) w BETRIEBS ■CHRONIK 1925 1926 1927 1928 1923 1924 Eröffnung des Bahrenfelder Werkes. Beginn der Umstellung des Betriebes auf Grund Wissenschaftlicher Untersuchungen. Unabhängigkeit der Werkstätten von klimatischen Schwankungen durch Luftabschluß und Schaffung einer neuartigen Klima- Anlage. Vollständige Durchführung der zweijährigen Versuchsergebnisse für die Mischungswerkstätten durch Schaffung einer mechanischen Mischanlage, die eine absolute Gleichmäßigkeit und sorgsamste Behandlung des Tabaks gewährleistet. gelang die Auflockerung und sichere Reinigung des Tabaks auf pneumatischem Wege. Aufnahme der Kartonnagenfabrikation in drei eigenen Werken. Die Belegschaft des Hauptwerkes Bahrenfeld hat sich in 4 Jahren verzehnfacht. Eröffnung des Zweigwerkes Hannover, ausgerüstet mit sämtlichen Einrichtungen des Bahrenfelder Werkes. Seitdem werden die Reemtsma-Werke als die vollkommensten Cigarettenherstellungsbetriebe der Welt von Fachkommissionen aus allen Erd- teilen zu Studienzwecken besucht. _________ __________REEMTSMA CIGARETTEN J08 Mittwoch t Naver? Now Rosenau RO5ENAU '5*AQ enti Frieda Eckhardt Heinrich Damm Verlobte Sellnrod Gießen, Liebigstraße 97 19. Aovember 1928 ............... 08145 Statt Karten! j Ihre Verlobung geben bekannt r Anneliese Steil i Dr. iur. Hermann Jrohnhäuser Hegierungtrat Wesel Aldda | Aovember 1928 _____T .....T..T, ......... Rohrmöbel, Korbwaren, Liegesessel Wflschetruhen, Nähständer, Blumenkrippen Stühle, Kinderstühle, Flurgarderoben la Qualität PH. HENKEL, Sonnenstr.14u.18 Ältestes Spezialgeschäft am Platze Ausstellungsräume auch Im 1. 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Wer bat nleh*. rohen vra Br Jum Tier- l.bra gebest and wer trv-J t« ee wohl tdeht «m boettifn. leider hat u 4eutungsvolle imb Shmpt.-nnatische der Wahl gerade Darmstadts als Stätte dieser Sitzung hin, wird man sich doch jetzt aus dem Rahmen der bisheriMn vorbereitenden Arbeiten am Gesamtprojekt der Hafraba bewußt auf den Dru der Teilstrecke Wainz-Aeckar konzentrieren, nicht nur allein, um Erfahrungen technischer, verkehrswirtschast- lrcher und finanzieller Art zu sammeln, sondern 78.4 51.3 15 z 36,3 1,85 13,175 147 ,"5 147 136 140 1 7.5 293 168.25 1'3.75 168.5 306.5 143.75 <14,9 । । । | | t | 1 | 1 | | Illi 15 ■ । 5 1 1 *53 • Sei 1 ÄL SS " “8 87.i 51,1 15.3 2A 26,4 .5 13,25 13,3 13.15 31,65 147.75 184 182 I45.7o 137.25 139.65 286 l»8.35 <93.9 »9.25 l->3.2o 170 <15.25 IM.75 315 1 -l*® 1 1 1 1 | | 1 ~ 1 |°i 1 Illi 1 ,o. 1 3 3 3 iZLii.®. .......8 Bergmann..... ... 9 Elektr. Lieferungen.....10 Licht und Jhafl . . • • • 10 Helten 4 Guilleaume. .... 6 ®cf. f. Elektr. Untern- . « . 10 Hamb. 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B Scheide anstatt ....... 9 Goldschmidt .•••••. 5 RLtgetewerte . ..•••••« MetallgeieMchM. ..... 11 188 175 445.:. 158 -46,5 112,5 139 123.75 131 2Ü 129.5 131.25 92,5 95 61,5 282.5 286,75 498 254 199,75 99.5 105 198, t 189.2o - 175 251 276,75 I 245.5 416 169.5 139 127.5 136 2 113,9 131,75 119.5 115.25 95 276,5 138.5 283.1 283.5 495 56.5 194 200 188.7a 224,9 174.5 247 152 275.75 147 159.75 230.25 243.5 414.5 155 — 88.25 139.25 126 125.5 134. v 136 240,75 112.1. 133.25 130 121 115.25 115.5 94.25 272.75 116,5 143,5 dö.ö 61.9 283 285,0 195,5 254,75 120 99,4 106,13 189.25 224.9 175.5 249 75 151.75 276.9 147.6 160 •233 244.9 416.7o 151.75 168 89.25 139,25 127 126,75 135.75 137,5 239 112.75 134.75 132 120 115 116.1 94.7" 276 137,25 95.75 »2.5 28t 282.75 494.5 55.75 121.25 100.75 106.6 Philipp Holzmann......7 Heidelberger Ccment .... 10 Semem Larlslabi......8 War,h 4 Freitag .....10 Sckulchete Badenhofer . . . 15 Ostwerte 12 Set. Glan-stofs......18 Bemberg ........ 14 Zellstoss Daldhos.....12 gcllSofs Sfdiaffenbum ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7 Dessauer GaS 8 Daimler Motoren ...... 0 Demag ....... 0 Ludw. Loewe ...» . 10 Rat. Aulomobil . ...... 0 Oien Hein 6 Kovvel . • • . . 6 Leonhard Dietz ..... 6 Bamag-Megutn ....... 0 Franks. Maschine» ...... 6 Gritzner .••••• 11 Hevligerrstaedt ....... 0 JunghanS . .......4 Lechwerte . . . ..... 8 Maintrastwerte . ..... 8 Miag ...... . 10 Nekarsulmer ...... 8 Peter4 Union . ....... 8 Gebt. Roeder .......10 Borgt 6 Haessner ...... 6 ®übb. Lurker 8 Bank 135 136.5 175 136,25 278,75 92.75 114.75 22.5 70,5 120,5 15 89 110,5 22 105 25 124.5 215 149,25 noken. 137- 137.25 137 282.5 208 90,1 113.5 I 109 140.25 135,7a ■>27,4 287 585 486 279.5 204.75 1.8.75 195.5 90.75 49.25 114 248,5 57.5 107,5 288 22.13 71.5 89.5 136 21.25 105,5 210 1 1 1 1 SHÄLH | 1 1 | | 1 1 1 1 | 1 S "'S 2° SS__ 17. 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