Nr. 67 Erster Flatt 178. Jahrgang Montag, 19. März 1928 (Er|d)emt lagttch, autzei Sonntags und Feiertags Beilagen. Gietzener g-amihenblättei Heimat im Bild Die Scholle Monalr-kezvtzrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechonschlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Kietze», poftfdfedfonto; Zrantturt am Main 11686. GWnerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen Vrv6 und Verlag: vriihl'sche UnwerstlSts-vuch- und Stcinörnderd k. Lanze in Sietzen. Schristlettung und GefchäftsHelle: ZchuMatze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 nim Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re» klameanzcigen von 70 u m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr Frredr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THynot, für den übrigen TeU Ernst Diumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hivmann, iämtlid) in (Bienen Rußland läßt zwei deutsche Ingenieure frei. Lenkt Moskau ein? Eigene Drahimeldung des „(Siebener Anzeigers". Berlin, 19. März. Die Russen haben zur allgemeinen Ueberraschung zwei der Berhafteien, den 2lEG.-2ngenieur Goldstein und den Ingenieur Wagner freigelassen. Damit geben sie also zu. dah wenigstens in diesem Fall ihre Dorwürse und Behauptungen völlig haltlos und unbegründet waren. Das gleiche wird sich aber auch für die anderen deutschen Ingenieure und Monteure Herausstellen, die heute noch in russischen Kerkern sitzen. Da die bolschewistischen Justizbehörden nur in engstem Einvernehmen mit der Moskauer Zentralregierung arbeiten und die Ingenieure Goldstein und Wagner unzweifelhaft er st auf Anweisung Moskaus entlassen haben, darf man wohl die Feststellung machen, dah die Sowjetregierung im Begriff ist, einzulenken. Anders läht sich jedenfalls die Freilassung nicht auslegen. Schließlich liegen auch für die Moskauer Regierung Gründe in genügender Anzahl vor, um einzusehen, dah sie auf falschem Wege ist und dah es für fie allerhöchste Zeit sei, wieder eine Entspannung herbeizuführen. Ein Beleg für diese Annahme ist wohl auch die auffallende Zurückhaltung der russischen Presse, die es vermeidet, auf die deutschen Angriffe einzugehen. Sie hat unzweifelhaft Anweisung von der Moskauer Regierung erhalten, den Konflikt nicht noch mehr zu verschärfen. Moskau weih genau, dah unsere Geduld jetzt erschöpft ist und dah es bei uns keinen Menschen mehr gibt, der nach dem bisher Erlebten irgendwelche Lust verspürt, für die Aufrechterhaltung der deutsch-russischen Verhältnisse in seiner heutigen Gestalt einzutreten. Das Ausland wartet aber nur aus eine Entwicklung, die es in die Lage versetzt, daraus gegen Rußland Kapital zu schlagen. Will man in Moskau Verschiebungen zu Tlngunsten der Sowjetunion vermeiden, dann mag man sich mit der Freilassung der übrigen Verhafteten beeilen. Die Freilassung. Weitere Bemühungen der deutschen Botschaft. Moskau, 17. März. (MTB.) Der Volkskommissar des Auswärtigen, Tschitscherin, teilte dein deutschen Votschastcr mit, dah Oberingenieur Goldstein und Ingenieur Wagner freigelassen worden sind. Wann und ob die Freilassung der übrigen vier deutschen Ingenieure erfolgt, steht nicht fest, doch wird seitens der deutschen Botschaft unter Berufung aus den Riederlassungsvertrag darauf hingewirkt, dah ein deutscher konsularbcamter zu den Gefangenen Zutritt erhält. Die Freilassung G o l d st e i n s hat ihren Grund offenbar darin, dah Herr Goldstein seit seiner Verhaftung sich e r st 3 Wochen in Ruhland befand, die Unmöglichkeit der 2in- uahme, dah er sich an irgendwelchen politischen Bestrebungen beteiligt habe, also anscheinend auch von russischer Seite eingesehen werden muhte. Zusammen mit den beiden deutschen Ingenieuren Goldstein und Wagner sind vier verhaftete russische Ingenieure aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Insgesamt sind wegen konterrevolutionärer Verschwörung in dieser Sache sechzig S p e ; ia l i st en in Rayon Schachly o erst a s t e t worden. Die Untersuchung wird von den Lharkowcr Behörden durchgesuhrt und soll nach Auskunft des dortigen Staatsanwalts so beschleu- nicht werden, dah der Prozeh schon Mitte April staktsinden kann. Der Prozeh wird vor dem Moskauer Obergericht geführt werden. Die Auffassung der Wilhelmsiraße. Schwierige (Stellung Tschitscherins. Belastungsprobe her deutsch-russischen Freundschaft. Berlin, 19.März. (Pfiv.-Tel.) In Berliner politischen Kreisen sieht man in der Freilassung dieser beiden Verhafteten das erste Anzeichen dafür, dah die deutschen Schritte Erfolg haben, und daß die russische Regierung die Absicht zu einem E i n l e n - k e n zeigt. Man hat den Eindruck, daß Tschitscherin durchaus den festen Willen zum Entgegenkommen hat, und daß er alles aufbietet, um die Sache aus der Welt zu schaffen. In Berliner politischen Kreisen wird durchaus anerkannt, daß diese Bemühungen Tschitscherins nicht leicht sind: denn es handelt sich offensichtlich um einen Kampf zwischen dem Außenkommissariat und den Komintern. Rach in Berlin vorliegenden Informationen beurteilt Tschitscherin selbst die weitere Entwicklung wohl nicht gerade pessimistisch: er hofft vielmehr, daß es ihm auch gelingen wird, die Erlaubnis zu erwirken, daß der deutsche Generalkonsul die noch verhafteten vier Reichsdeutschen b e - , u ch e n kann. — Aus dieser Lage geht schon hervor. dah die von anderer Seite verbreitete Darstellung. als ob der Widerstand der Russen sich ver- steisl habe, und gar nicht an eine Beseitigung des Zwischenfalles zu denken sei, keineswegs den Tatsachen entsprechen. In unterrichteten Kreisen neigt man sogar zu der Vermutung, daß Meldungen dieser Art absichtlich in die Welt gesetzt werden, um die deutsch-russischen Beziehungen weiter zu trüben. Richtig ist, daß man die Verhaftungs» affäre als eine politische Belastungs» probe des bisherigen freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Deutschland und Rußland ansieht, daß die entschiedenen Bemühungen Tschitscherins aber durchaus anerkannt werden. Unter diesen Umständen wird auch betont, daß eine Aenderung der deutschen Politik im gegenwärtigen Augenblick nicht in Frage kommt. Die Forderungen, die der Reichsaußenminister dem hiesigen Sowjetbotschafter und die der deutsche Botsä-nfter in Moskau der Sowjet- regierung unterbreitet hat, werden weiter aufrecht erhalten und bilden nach Ansicht von unterrichteten politischen Kreisen die einzige Möglichkeit für einen befriedigenden Ausgleich. Im Augenblick liegt der Schwerpunkt der diplomatischen Bemühungen in Moskau. Man rechnet damit, daß es den weiteren Vorstellungen des deutschen Botschafters zunächst weniastens gelingen wird, daß die Sowjetbehörden unserem Generalkonsul in Charkow die Aufnahme einer Verbindung mit den Gefangenen gestatten. Erster Bericht eines Augenzeugen. Bon her G P. Ü. aus dem Bett geholt. Proteststreik der deutschen Ingenieure. Berlin, 19. März. (WTD. Funispruch.) Im Laufe des Sonntags traf der Diplom- Ingenieur Hermann Hille aus Rußland in Berlin ein. Er schilderte einem Berichterstatter des »Montag" seine Erlebnisse in den letzten Tagen wie folgt: „3n der Rächt vom 5. zum 6. März wurden wir in Rudschenkowo durch starkes Klopfen an der Tür gestört. Es, meldeten sich Beamte des Geheimdienstes der GPU. und Soldaten der Miliz, die Einlaß forderten. Ich teilte mit dem Oberingenieur Goldstein ein Zimmer. Wir öffneten. Die Beamten legitimierten sich und erklärten Herrn Goldstein für verhaftet. Gleichzeitig wurden der Ingenieur Otto und der Monteur Meyer, die andere Zimmer im selben Hause bewohnten, arretiert, und am folgenden Morgen noch der Monteur Wagner, der sich in Gorlowska befand. Goldstein war sehr gefaßt und ruhig. Er bat mich, sofort nach Berlin zu telegraphieren. Wir ersuchten die Beamten um eine Erklärung, worauf sie erwiderten, sie wüßten selber nichts. Sie handelten im Auftrag der G. P. Ll., und dieser müßte erfüllt werden. Darauf verlangten wir dringend nach einem Dolmetscher, worauf man uns auf Stalin vertröstete. Ich habe den Oberingenieur Goldstein zum Wagen begleitet. Er wurde in einem Fuhrwerk abtransportiert. Ich hüllte ihn in eine Decke ein, denn es war bitter kalt und die Fahrt ging quer durch die Steppe. Wir wollten uns noch unterhalten, noch ein paar Worte wechseln, aber das wurde untersagt. Ich reiste dann andern Tages mit einem Monteur sofort nach Charkow zum Generalkonsulat, das noch nichts von den plötzlichen Verhaftungen joußte. Der Generalkonsul, den wir sozusagen aus dem Bett holten — es war am frühesten Morgen — war außerordentlich zuvorkommend und sagte, daß er alles tun würde, um die Landsleute freizucriegen. Er setzte sich sofort mit der deutschen Botschaft und dem russischen Auswärtigen Amt in Verbindung. Andern Tags fuhr ich wieder nach Rudschenkowo zurück. Dort waren alle Deutschen in den Proteststreik getreten, der zwei Tage andauerte. Darüber hinaus haben die Monteure der AEG. weiter gestreikt, und es ist anzunehmen, daß sie auch heute noch die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben. Sie haben erklärt, es sei ihnen gleich, ob es sich hier um Ingenieure oder um Monteure handele: ausschlaggebend fei, daß es sich um Deutsche handele, llnö lediglich aus diesem Grunde würden sie nicht eher die Arbeit wieder aufnehmen, bis ihre Landsleute wieder in Freiheit wären. Dieser Streik hat bei den russischen Arbeitern im Werk, wie überhaupt bei der russischen Bevölkerung tiefen Eindruck gemacht." proiestderdeutfchenWirtschafi Berlin, 17. März. (WTB.) Eine vom Reichsverband der Deutschen Industrie einberusene Versammlung, an der die Vertreter der führenden Wirtschaftsorganisationen teilnahmen, faßte zur Verhaftung der deutschen Ingenieure in Rußland einmütig eine Entschließung, in der es heißt: Die Vertreter der deutsche Wirtschaft erheben nachdrücklich Protest dagegen, dah bewährte Personen, die im Interesse der russischen Wirtschaft tätig sind, unter Vorenthaltung von Gründen ihrer Freiheit beraubt und in Kerkerhaft genommen werden. Sie bitten die Reichsregierung, die sofortige Freilassung der Verhafteten zu erwirken und den betroffenen Personen Genugtuung zu verschaffen. Die Wirtschaftsorganisationen billigen ausdrücklich die von der Reichsregierung angeordnete Unterbrechung der gegenwärtig schwebenden Wirtschaftsverhandlungen. Bezüglich der Fortsetzung der Tätigkeit der in Rußland befindlichen Angestellten deutscher Firmen wird das Ergebnis der von der Regierung unternommenen Schritte abgewartet. Aegypien. Die Englandpoiitik des neuen Kabinetts London, 19. März. (W. T. B. Funkspruch.) Der neue ägyptische Premierminister M u st a f a Pascha Rahas erklärte dem Berichterstatter der „Times" In Kairo: Ich war stets der Ansicht, selbst in den dunkelsten Augenblicken, als ich in Aden und auf den Seychellen war, daß der Tag kommen werde, wo Großbritannien und Aegypten eine Vereinbarung erzielen werden. Rach meiner Meinung ist eine -lieber* einfunft unbedingt notwendig im Interesse beider Länder. Der Schuh der Interessen der Ausländer im allgemeinen und Großbritanniens im besonderen ist nicht unvereinbar mit der Unabhängigkeit Aegyptens, vorausgesetzt, daß die Grenzen dieses Schutzes nicht überschritten werden. Aegypten war niemals ein Teil des britischen Reiches und die Tatsache, daß esaufdemWege nach Indien liegt, bedeutet nicht, daß es dadurch seiner unabhängigen Stellung beraubt ist. Die Rollen dürfen nicht vertauscht werden und es darf nicht gesagt werden, daß Großbritannien der Herr ist, der gibt. Unsere Unabhängigkeit ist unser natürliches Recht. Wir wünschen mit Großbritannien auf der Grundlage der Gleichberechtigung und als Freund mit dem Freunde zu verhandeln. Die beste Bürgschaft für die Interessen Großbritanniens ist eine vertraute Freundschaft und ein unabhängiges starkes Aegypten. — Rach dem Berichterstatter der „Times" gilt es als sehr wahrscheinlich, daß der Schwiegersohn des ÄönigS Fuad. Mahmud Pascha Faehry, der seit Januar 1924 ägyptischer Gesandter in Paris war, zum Rachfolger des Gesandten in London Asis Pascha Izzet ausersehen fei. Der Zwischenfall auf dem „Royal Oak". Noch immer kein authentischer Bericht. London, 17. März. (WB.) Die Admiralität empfing heute den Bericht über die in Ma ta durchgeführte Untersuchung des Zwischenfalles auf dem Linienschiff „Roya- Oak'. Die Admiralität erklärt mit aller Bestimmtheit, daß es sich nicht um einen Fall von Meuterei handele, und dah die Offiziere sich nicht geweigert haben, unter Admiral Collcv i)s Ko a- mando in See zu gehen. Auch eine Kriegsge- richtssihurg hat bis je t noch nicht stat ge un'en. Der Erste Lord der Admiralität wird Montag- nachmittag im Unterhaus eine Erklärung über die .Royal Oac"-Angelegenheit in Ma.ta abgeben. Rach einigen Blättern soll die Schwierigleit durch einen Zwischenfall während eines auf dem Flaggschiff gegebenen Balle s_ entstanden sein. Admiral Collard soll sich übe r die Kapelle beschwert haben, was vom Flaggkapitän übel gmommen wurde. Regierung und presse. Presseempfang beim hessischen Staatspräsidenten. Darmstadt, 18. März. In den Räumen des Staatsministeriums fand Samstagnachmittag ein Presseempfang statt, zu dem Staatspräsident Adelung eingeladen hatte. Staatspräsident Adelung begrüßte auch im Ramen des anwesenden Gesamt.abinetts mit herzlichen Worten die Erschienenen. Offenbar werde der Wunsch der hessischen Regierung, die Beziehungen zur Presse möglichst eng zu gestalten und zu vertiefen, von der Presse geteilt. 3m republikanischen Staat sei für die Bevölkerung Klarheit über die Absichten und Beweggründe der Regierung von besonderer Bedeuttmg, gute Informationen hierüber seien notwendig, um das Verständnis für die Staatsnotwendigteiten in der Devölterung zu fördern. Eine objektive, wenn auch scharfe Kritik, die an richtig wiedergegebene Tatbestände anknüpft, könne sehr wertvoll fein: sie diene den verantwortlichen Politikern dazu, ihre Absichten und deren Durchführung zu üoerpru.en. Um die Presse nach Möglichkeit leicht über amtliche Angelegenheiten informieren zu können, fei eine besondere Stelle eingerichtet worden, die von Dr. Pohl geleitet werde. Staatspräsident Adelung gab der Hoffnung Ausdruck, dah diese und andere weiter sich als notwendig erweisende Maßnahmen zu dem Ziele führen mögen, das er sich gesteckt habe: enge und von gegenseitigem Vertrauen getragene Zusammenarbeit zwischen Regierung und Presse. In Hessen sei ein solches Zusammenarbeiten besonders notwendig im Hinblick auf die zahlreichen lebenswichtigen Fragen, an deren Lösung alle gemeinsam mitarbeiten müßten unbekümmert um die politische Einstellung. Aufgabe der Presse sei es, die Sorgen der einzelnen Berufszweige und Interessengruppen in die hessische Gesamtnot einzuordnen und dadurch das Derbundenheitsgefühl des Gesamtvolkes zu stärken. So solle auch die heutige Zusammenkunft die Teilnehmer menschlich einander näherbringen zum Ruhen der gemeinsamen Ziele, die in einer Aotzeit wie jetzt viel stärker hervorzutreten hätten, als in den Zeiten ruhiger Entwicklung. Bei einem einfachen Imbiß war sodann Gelegenheit zu engerem Gedankenaustausch gegeben. Am Abend besuchten die Gäste die Vorstellungen in beiden Häusern des Landestheaters. Gegen die personalpoliiik in Hessen. Ein Protest der höheren Ltaatsverwaltungobeamrcn. Sa rmftabt, 19.März. (Prlo.-Tel.) Der Verein der höheren Beamten der inneren Staatsverwaltung Hessens hat folgende Entschließung gefaßt: „Der Verein verfolgt mit Besorgnis die Personalpolitik der neuen Hessischen Regierung. Man hat Persönlichkeiten in höhere Beamtenstellen der inneren Staatsverwaltung berufen, welchen die gründliche Beherrschung der Gesetzgebung, der Gesetztechnik und die erforderliche Erfahrung auf dem Gebiet der Verwaltung fehlen. Es besteht hierzu um so weniger Veranlassung, als diesen Voraussetzungen entsprechende Beamte der inneren Staatsverwaltung m ausreichender Zahl vorhanden find. Der Verein legt deshalb Verwahrung ein gegen die Heb ernannte von Beamten aus anderen Dienstzweigen in die innere Staatsverwaltung ebenso wie gegen die Besetzung von höheren Beamtenstellen mit Personen, die der oorgeschriebenen Vorbildung überhaupt entbehren. Will man behaupten, daß letztere mit dem Volke besonders verbunden seien, so nimmt der Verein diesen Vorzug für seine Mitglieder, die zum Teil schon seit Jahrzehnten in der inneren Staatsverwaltung tätig sind, mit gleichem Recht in Anspruch. Die unverhüllte Bevorzugung von Persönlichkeiten bestimmter Parteirichtungen kann nicht dazu dienen, das Vertrauen in eine unparteiische Handhabung der Staats- und Derwaltungsaufgaben zu stärken. Ein nach parteipolitischen Gesichtspunkten ausgewählter Beamter ma$ das besondere Vertrauen seiner politischen Freunde genießen; m i t um (o größerem Mißtrauen werden ihm andere Kreise begegnen. Die von der Regierung eingefchlagene Personalpolitik wird von den höheren Verwaltungsbeamten als eine verletzende und unverdiente Zurückse tzung empfunden, welche die Arbeitsfreudigkeit lähmen und junge, tüchtige Kräfte ab= schrecken muß." Sozialdemokratische Kandidaten für Hessen-Nassau. Wetzlar, 18. März. Der Bezirk Hefsen- Rassau der Sozialdemokratischen Partei hielt am Samstag und Sonntag in Wetzlar seinen Bezirksparteitag ab, auf dem die Aufstellung der Kandidaten für die Reichs- und Landtagswahlen folgendes Ergebnis brachte: 1. Reichstagskandidaten : Scheidemann (Kassel). Metz (Frankfurt), Becker (Herborn), S ch n a b- r i ch (Hersfeld), Br oßwih (Frankfurt), Witte (Wiesbaden-, Hütt mann (Frankfurt), (der nächste Kandidat bleibt Kassel vorbeha ten), Frau Tesch (Frankfurt), Becker (Ansbach): 2. Landtagskandidaten: Marckwald (Frankfurt), Innenminister Grzesinski, Röhle (Frankfurt), Hase (Wiesbaden), Traud (Kassel), Wick (Oberursel), Prof. Rölting (Frankfurt), Frau Jourdan (Frankfurt), (die nächste Kandidatur bleibt Kassel Vorbehalten), Rasch (Langendiebach), Rebholz (Frankfurt). Die Rachmittagsverhandlungen brachten ein Referat des Reichstagsabgeordneten Sta..rp- fer, in dem der Redner einen parlamentarischen Tätigkeitsbericht und einen Aeberblick über die politische Lage gab. Am Rachmittag fand außerdem eine öffentliche Kundgebung statt, in der die Reichstagsabgeordneten Scheidemann und Stampfer kurze Referate hielten. Zenirumssandidaten für Nassau. Limburg, 18. März. (Wolff.) Der Landes- ausschuß der Rassauischen Zentrumspartei beschloß, für die Reichs- und Landtagswahlen als Spitzenkandidaten die bisherigen Abgeordneten in den beiden Parlamenten aufzustellen, und zwar für den Reichstag Mittelschullehrer Schwarz- Frankfurt und Rniver- sitätsprofessor Dr. Dessauer- Frankfurt. Für den Landtag: Sanitätsrat Dr. Stemm ler- Dad Ems, Schreinermeister Fink- Wiesbaden und Direktor Dr. Graß-Koblenz. Oie Verwischung Südtirols. Ein neuer Bericht des „Sunday Expreß" London, 18. März. (TU.) Wie der Wiener t Korrespondent der „Sunday Expreß", der im Auftrage seines Blattes soeben eine Rundreise durch Südtirol unternommen hat, seinem Blatt in Ergänzung einer Artikelserie berichtet, wird in Durchführung der Italienisierung nunmehr auch die weibliche Bevölkerung für die Erteilung von Unterricht in deutscher Sprache schwer bestraft. So seien zwei Lehrerinnen vom Gericht zur Zahlung von 50 Lire und fünf Tagen Gefängnis verurteilt worden. In Welsberg sei aus demselben Grunde einem ehemaligen Schullehrer eine Geldstrafe von 100 Lire auferlegt worden. Ferner würden nunmehr auch die Italienisierungen der deutschen Familiennamen energischer betrieben. Die italienischen Behörden gingen dabei systematisch vor, versuchten jedoch zu vermeiden, daß die Aufmerksamkeit der Welt hierauf gelenkt werde. Man gehe aus diesem Grunde nur schrittweise vor. wahrscheinlich auch deswegen, um die Erfindungsgabe des italienischen Kommissars, Senators T o l o m e i, auf keine zu harte Probe zu stellen. Die ersten Opfer dieser Tyrannei seien zwei Männer namens Fabian und Kröll, die in einem amtlichen Schreiben des Präfekten Bozen. Signor Ricci, angewiesen worden seien, sich in Zukunst C a m p i e r i und C- a i r o l i zu nennen und als solche zu zeichnen. Italiens Wunschzettel. Das außenpolitische Programm des Faszismus Rom, 17. März. (WTD.) Unter dem Titel „Tagesfragen" veröffentlicht der frühere Minister des Auswärtigen und heutige Senatspräsident Tittoni eine Schrift über diejenigen Punkte der auswärtigen Politik, die Italien heute am meisten interessieren. Es ist am besten als Rachschlagebuch bezeichnet für Forderungen, die Italien anmeldet. Dem Buche verleiht besonderen Reiz der Umstand, daß der Premierminister Mussolini selbst die Vorrede geschrieben hat. Sie datiert vom 30. Januar 1928. In dieser Vorrede weist Mussolini auf die Bedeutung des Buches hin, die nicht darin bestehe, daß es vergangene Dinge und historische Probleme behandele, sondern in beinahe krasser Form auf Fragen Hinweise, die noch in der Ent- w i ck l u n g seien und einer Lösung harr- t e n, und zwar geschehe dies mit großer Kenntnis und Erfahrung. Bezüglich Tangers weist Mussolini auf die demnächst stat findende Konferenz hin, an der Italien fertigt sein werde, wodurch formell, wenn auch etwas verspätet anerkannt werde, dah Italien als besondere M i 11 e l m e e r m a ch t an allen Mittelmeerproblemen stark interessiert sei. Roch weniger könne man sagen, dah das Tunisproblem bisher diplomatisch oder historisch erschöpft sei, nämlich das Problem über die Lage der dortigen Verfassung und der dortigen Italiener. Besonderes Interesse, so führt der Premierminister aus, vom Standpunkte der aktuellen diplomatischen Lage verdienten Titto- nis Studien über die Südgrenze von Tripolitanien und der Cyrenaika, weil in diesen Studien das gute Recht Italiens auf zeitgemäße Llenderungen der (Srcrre nachgewiesen werde, ein Recht, das Tittoni ' rgisch seinerzeit gegenüber Frankreich verteidigt hat und das bis heute nicht als verjährt betrachtet werden dürfe. Endlich sagt Mussolini, dah das von Tittoni behandelte Problem über das Verhältnis Italiens Iugoslawiens und Albaniens von gröhter Aktualität fei, dah man es sogar eine brennende Frage nennen könne, wenn nicht eine dramatische. Zum Schluh freut sich Mussolini darüber, dah die Probleme der auswärtigen Politik, die vor dem Weltkrieg nur einige zehn Personen in Italien interessiert hätten, heute das ganze Land beschäftigten. Verhaftung von drei MagenfurierNechtsanwätteninZialien Graz, 18. März. 3.) Drei Klagenfurter Rechtsanwälte, die sich auf einer Autotour durch Italien befanden und bei Mailand einen Knaben überfahren hatten, sind heute morgen an der Grenze fei Tarvis von den italienischen Behörden verhaftet worden. Sie hatten nach dem Unfall das Kind in ihr Auto genommen und in ein Spital eingeliefert und darauf die Reise fortgesetzt. Es gelang ihnen, noch einen österreichischen Zollwächter von ihrer Verhaftung zu verständigen. Gespannte Lage in Rumänien. Der Rücktritt des Kabinetts Bratianu gefordert. Paris, 19. März. (TU.) Die Lage der rumänischen Regierung wird in Paris neuerdings für äußerst schwierig gehalten. Der „Petit Pa° risien" will aus Belgrad erfahren haben, daß die Opposition der nationalen Bauernpartei auf den Rücktritt der liberalen Regierung bestehe. Anläßlich der für Sonntag geplanten bedeutsamen Kundgebung der Opposition sei eine strenge Kontrolle aller nach Bukarest fahrenden Züge durch die Regierung anbeordnet worden. Die in Ploesti und Giurgin stationierten Kavallerieregimenter seien in der Umgegend der Hauvtstadt zusammengezogen worden. Es sei beschlossen worden, daß jede Kundgebung vor dem königlichen Palast mit Waffengewalt unterdrückt werden solle. Verschiedene Agitatoren, die für Prinz Carol eintreten, seien verhaftet worden. 3n einem Telegramm an Titulescu verlange Manin, der Führer der Opposition, bei aller Anerkennung der Genfer Politik der Negierung, daß Titulescu den Rücktritt der gegenwärtigen Regierung ermöglichen solle, um einem großen Ministerium, das den tatsächlichen Kräften der Nation ent- wreche, Platz zu machen. In diesem Ministerium wirte Titulescu wieder eine sührende Rolle spielen. Die Kleinrentnerfürsorge. Berlin, 18. März. (VDZ.) Der Sozialpolitische Ausschuß des Rcichrtar.es beschäftigte sich gutachtlich mit ter Verordnung zur Aenterung der Reichsgrundsähe über VoiauS- setzung, Art und Maßgabe der öffentlichen Fürsorge für die Kleinrentner. Da ter Reichstag und seine Ausschüsse an Verordnungen, die die Reichsregierung mit Zustimmung Das Burgenland. Berlin. 16. März. (217..) Der burgenländische La .techau t a »Cte leert'.e^er, L d izLeser, der gegenwärtig in Berlin weilt, gab vor geladenen Gästen einen Uefevalid über die Entwicklung und die gegc.'ivärtige Lage des Burgenlandes. Er bedauerte die in der deutschen öffentlichen Meinung viel'ach noch vertretene Auffassung, dah die Anglie. eru/.g des Burgenlandes an Alt-Oesterreich auf Ententewachina- t i o n e n zurückzuführen sei, und betonte, dah die Angliederung die Folge des unaufhörlichen Kampfes ter weitaus überwieg nden deutsch- bewußten Devölkerungs.' reise um ihr Selbstbestimmungsrecht gewesen sei. Oesl erreich habe nie die Rolle tes Eroberers und das Burgenland nie die eines unterdrückten Landes gespielt. Im Gegenteil, noch nie sei es in der Weltgeschichte vorgekommen, dah einem ncuange- glieterten Lande schon nach etwa vier Monaten vollständige Autonomie gewährt worden sei, die sich sogar auf Heerwesen, Gendarmerie usw. erstreckte. Die tiefsten Wünsche der Burgenländer seien damit aber noch nicht erfüllt: Sie grtjen auf ein vollständiges Aufgehen im großen Deu tschen Reich, wert damit alle magyarischen Träume auf Rückgewinnung begraben sein würden. Ein Minderheitenproblem gebe es im Burgenlande nicht. Das sei die Folge der stets gegen die zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallenden Magyaren wie gegen die wesentlich stärker vertretenen Kroaten geübten Politik der Toleranz. Man hätte von außen her versucht, die Kroaten für die panslawistische Idee zu gewinnen. Es Hobe sich aber niemand gefunden, der von deutscher Seite die Volksleidenschaften durch irgendwelche Zwangsmaßnahmen aufzupeitschen geholfen habe. Es zeige sich im Gegenteil, dah die sozial stark aufstrebenden kroatischen Schichten von. sich aus den Anschluh an die kulturell entwickelteren deutschen Kreise suchten. Für die Kroaten des nördlichen Burgenlandes sei nach deren eigenem Wunsch die Hauptunterrichtssprache das Deutsche: die geplante Errichtung einer kroatischen Lehrkanzel habe unterbleiben müssen, da sich keine Lehramtsanwärter dafür gefunden hätten. Ein ungelöstes Problem sei noch die Frage der Bodenreform. Durch d.e bösen Erfahrungen aller Länder, die die Lösung in der brutalen Entrechtung der Besitzenden gesucht hätten, sei man gewitzigt worden. Wie brennend die Frage aber sei, erhärtete der Redner mit wenigen Zahlen: Von etwa 56 500 landwirtschaftlichen Betrieben feien etwa 32 400 ober über 57 Proz. als 3 Ioch (zwei Morgen), 15 500 ober über 27 Proz. bis 10 Ioch, 7500 ober 13 Proz. bis 35 Ioch. Letztere g lten schon saft als Großbauern. Die Bodenreform ist aber auch eine nationale, nicht nur eine soziale Frage, da sich etwa 90 Proz. bes Großgrundbesitzes in ungarischen Händen befänden. Die Lösung dieser Frage sei um so wichtiger, als ein sehr großer Teil der Bevölkerung im Sommer außer Landes gehen müsse, weil eben unter den heutigen Verhältnissen der Boden nicht ausreiche, alle zu ernähren. Diese Wanderungen hätten aber viel dazu beigetragen, ben Weitblick der Bevölkerung zu heben, und die Zähigkeit zu stärken, mit der jeder an der gemeinsamen Sache mitarbeite. Das Burgenland wolle Frieden mit allen Pachbarn und Freiheit für seine nationale und wirtschaftliche Entwicklung. Es rechne auf Verständnis und tatkräftige Unterstützung auch durch das Reich. wxuiwHH«wiTjiajm«inrv ijihmii» u «»i»l»i!i»iri nnw’fciaoiMKM des Reichsrates erläßt, keine Qle-iberungen vornehmen können, so beschrän te sich ter Ausschuß auf die Annahme einer Entschließung. Auf Antrag aller Parteien mit Ausnahme ter Sozialdemokraten wurde die Regierung ausge orvert, die insgesamt zur Verfügung stehe, dm 25 Millionen nicht, wie bisher beabsichtigt, in einem längeren Zei träum zur Verteilung zu bringen, sondern in einem Betrage an di e Kleinrentner auszuzahlen, und zwar sollen entfallen auf ein Ehepaar 90, auf ben alleinstehenden Rentner 50 und auf jedes Kind 20 Mark. Deutscher Reichstag. Der soualpokitischeTeil des Notprogramms Berlin, 17. März. (VDZ.) Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlagen aus dem Rotprogramm, die den Sozialrentnern ter Invaliden-, Angestellten- und K.rappschafts- versicherungen Aufbesserungen gewähren. Der Ausschuh hat den Vorlagen zugestimmt und legt dazu Entschließungen vor, in denen verlangt wird, daß den Sozialrentnern die Aufbesserung nicht durch entsprechende Kürzung der Für- forgeleistungen verloren geht, dah eine angemessene Erhöhung der Versicherungsgrenze bei der Angestelltenversicherung vorgenommen und dem Reichstag mitgeteilt wird, unter welchen Voraussetzungen bei ter Angestelltenversicherung die Altersgrenzen auf 60 Iahre und die Wartezeit auf 60 Pflichtbeitragsmonate herabgesetzt werben kann. Abg. Karsten (Soz.) bedauert die Ablehnung der sozialdemokratischen Verbesserungsanträge im Ausschuß. Der neue Reichstag werbe hoffentlich das nachholen, was die jetzige Mehrheit versäumt bat. Der Redner beantragt eine Erhöhung der Kindergelder. Abg. D ö b r i ch (Christl.-Rat. Baup.) lehnt die Vorlagen ab. Die vorgesehenen Erhöhungen würden die Last der notleidenden Landwirtschaft noch verstärken. Rach Ablehnung der sozialdemokratischen und kommunistischen Aenderungsanträge werten die Vorlagen in zweiter und dritter Lesung mit den Ausschußentscklichnngm angenommen. Es foTgt die erste Beratung ter Vorlage des sozialpolitischen Ausschusses, wonach die Krisenunterstützung über dm 3a. März hinaus um drei Monate verlängert werden soll. In einer Entschließung wünscht ter Ausschuß eine Ausdehnu ng der Krisenunterstützung auf weitere Berufsgruppen in Rotstands- bezirken. Die Vorlage tes Ausschusses wird in allen drei Lesungen mit der Ausschüßentschlie- ßung angenommen. In dritter Beratung wird dann das vorn 2lbg. Dr. Kahl (D. V.) eingebrachte Heber lei- tungsgesetz für die Strafrechtsreform angenommen. Die Schlußabstim- mung, bei ter die qualifizierte Mehrheit fest- gestellt werten muh. wird auf später vertagt. Der Lshnsireii bei der Reichsbahn. Eine Erklärung der Rcichsbahnvcrwaltung zur Finanzlage. Berlin, 17. Marz. (WTB.) Im Hinblick auf die für den 20. Marz angesetzten Schlichtungsoerhandlungen im Lohnstreit zwischen der Reichsbahn- vcrwaltung und der Reichsbahnarbeiterschaft ver- ösfentlicht die Reichsbahn eine umfassende Darlegung, in der an Hand umfangreicher statistischer Feststellungen der Nachweis dafür angetreten wird, daß die angespannte Finanzlage der Reichsbahn es ihr nicht gestatte, eine Lohnerhöhung vorzunehmen. Auf der anderen Seite, so erklärt das Kommunique, erfordert die Lohnlage auch nicht eine Erhöhung. Es wird weiter u. a. ausgeführt, es müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Reichsbahn in den letzten Jahren in immer stärkerer Weise durch Belastungen beschwert werde, die ihr ohne jede Einwirkungs möglich- feit auferlegt morden sind. Bergleiche man den heutigen Stand mit dem vor einem Jahre, also zu Beginn des Geschäftsjahres 1927, so zeige sich, daß die Gewinn- und Verlustrechnung folgende Mehr- l ast en zu tragen haben: Steigerung der gesetzlichen Reparationslasten 110 Mill., Steigerung der Personalkosten durch Erhöhung von Löhnen und Zulagen 390 Mill., Steigerung durch Erhöhung der Porzugsdividende 15 Mill. Mk. Das sind insgesamt 515 Millionen. Auch durch die günstige Verkehrsentwicklung lasse sich diese Mehrbelastung nicht ohne weiteres decken. Es wird darauf verwiesen, daß die Reichsbahn In erheblichem Umfange den Anlagezuwachs aus den lausenden Einnahmen bestreiten müßte, da ihr der Anleiheweg ins Ausland vorerst aus politischen Gründen versperrt ist. Es sei nicht richtig, daß die Lohne der Reichsbahnarbeiter weniger günstig seien als die der Arbeiter in vergleichbaren Industrien, oder daß die Lohnentwicklung unter der Entwicklung der Lebenshaltunaszahlen zurückgeblieben fei. Für die Lohnstunde sei in der Vorkriegszeit durschnittli 0,49 Mk. gegenüber 0,78 Mk. im zweiten Halbjahr 1927 aufgewendet worden. Dies bedeute, daß der Stundenverdienst auf 187,7 Proz. g e - ft i e g e n sei, während die Lebenshaltung im Februar 1928 nach Ermittlungen des Statistischen Reichsamtes 150,6 Proz. beträgt. Die kommunalen Auslandanleihrn. Noch ke n endgültiger Beschluß der Beratungsstelle. Berlin, 17. März. (Priv.-Tel.) Die Beratungsstelle im Reichsfinanzministerium ist zu einer Sitzung zusammengetreten. Wie der „Börsen- courier" meldet, stand die Begutachtung von vier Anleiheanträgen deutscher Großstädte auf der Tagesordnung, und zwar handelt es sich um München. Frankfurt a. M., Breslau und Dresden. Die Beratungsstelle ist zu dem Ergebnis gekommen, daß der Finanzbedarf der Städte in der von ihnen angegebenen Höhe berechtigt ist. Eine Auslegung der Anleihen im Auslande kann trotzdem noch nicht erfolgen, da noch zu erörtern ist, wie weit die Anleihen mit der allgemeinen Währung s- und Wirtschaftslage Deutschlands vereinbar sind. Etwa in sechs Wochen wird die Beratungsstelle zu der entscheidenden Sitzung zusammentreten, in welcher auf Grund des bann vorliegenden zahlenmäßigen Cefamtergebnisses die Frage der Wirtschafts- und Währungslage geprüft werden wird. Aus aller Wett. Schweres Autounglück bei Kassel. In der Rächt zum Sonnlag fuhr auf der Landstraße zwischen Riederkau ungen und Ka,> ein Kasteler Personenauto mit vier Insas, en, das durch seinen Besitzer gesteuert wu.de, gegen einen Baum, wobei das Auto sich anscheinend auf der Landstraße mehrrna.s überschlug und sich schließlich mit den Hinterrädern im Chaussee- graben festsetzte. Der Führer des Autos erlitt innere Verletzungen, ein mitfahrender Kasseler Herr Kopfverletzungen, während eine Hausdame, die sich an der Fahrt beteiligte, durch den Sturz aus dem Auto Schädel-, Wirbelsäulen- und Beinverletzungen davontrug, die den sofortigen Tod zur Folge hat.en. Autounglück bei Werber. Zwischen Lehnin und Werder auf ter Berliner Chaussee geriet der mit vier Personen besetzte Wagen des Bezirksdirektors der Rordstern-V.r- sicherungs-Gefellschast, Denicke, aus Berlin- Lichter eine beim Uebcrbolen e nes anie en Wagens aus den Sommerweg. Das Auto tarn ins ^akeuüern, prallte gegen einen Daum und wurde zertrümmert. Von ben Insassen war ein Fräulein Erne Grob aus Berlin sofort t o t, während zwei andere Damen und der am Steuer sitzende Direktor Denicke verletzt wurden. Llairenor Sünnes in Peking gingelroffen. Tlairenore Stinnes ist auf ihrer Autmobil Weltreise Samstag in Peking cingclroffen. Sie harte im Mai vorigen Jahres Berlin auf ihrem Adler-Wagen verlassen und hatte ihren Weg über ton Balkan, '21 ngoto, Syrien, Persien, Kaukasien, Sibirien und dieMongolei genommen. Zwei Monate mußte sie in Irkutsk warten, bis das Eis des B a i f a l = oe e 5 die genügende Festigkeit bekommen hatte. Den 40 Kilometer langen Weg über den See schildert sie als den aufregenbften Teil ihrer Reise. Wiederholt sei sie in der Mongolei in Gefahr geraten, in die Hände von Banditen zu fallen, und sie mußte daher größere Umwege machen. Rach einwöchigem Aufenthalt in Peking wird sie ihren Weg nach M u k d e n und weiter nach Korea, Japan und Amerika fortsetzen. Rägel auf der Rennstrecke. Pier Motor-Berufsrennfahrer, die vor dem Rieder- bergrennen am 9. Oktober v. I. die ganze Rennstrecke mit Nägeln bestreut hatten, um sich für das gegen sic erlassene Startverbot zu rächen, wurden wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu Arreststrasen von 3 bis 6 Wochen verurteilt. Don der Anklage wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit wurden sie freigesprochen, da nach Ansicht des Gerichts der böse Vorsatz gefehlt habe, (Ein verhängnisvoller Slraßenunfall. In Breslau fuhr ein Auto, um einem ihm entgegenkommenden Automobil auszuweichen, gegen einen Gaskandelaber. Dieser brach auseinander und traf das zweijährige, in einem Kinderwagen gefahrene Töchterchen tes Regierungsrates Wendrich. Dis Verletzungen waren so schwer, daß das Kind alsbald verstarb. Die neben dem Wagen gehende, siebenjährige Tochter trug erhebliche Fleischwunten davon, während die die Kinder beaufsichtigende Hausangestellte einen Nervenschock erlitt und in eine Klinik gebracht werden mußte. Der Fehlbetrag der Stabt Berlin. Der Haushaltsausschub der Stadtverordnetenversammlung hat die Beratungen des Haushalts beendet bis aus die Deckungsfrage, da noch e i n Fehlbetrag von 19 Millionen nicht beseitigt werden kann. Der Reichstarif der Buchbinder gescheitert. Die Verhandlungen über ben Reichslohntarif für bas Buchbindergewerbe und verwandte Berufe ist ergebnislos verlaufen. Die Arbeiter hatten eine Lohnerhöhung von 20 Prozent gefordert: die Unternehmer lehnten dies: Forderung ab und verlangten, daß der gegenwärtige Lohntarif unverändert ein weiteres Iahr in Geltung bleibe. Die Parteien kamen schließlich dahin überein, das Reichsarbeitsmin.sterium zur Schlichtung anzuru'en. Das Reichsarbeits- ministerium hat Verhandlungen vor dem Schlichter Wissell zum 22. März angesetzt. Ausgedehnte Gras- und heidebrände. Arn Sonntag achmittag entstand an ter Tangstedter Landstraße in La lgenhorn bei Hamburg ein ausgedehnter Gras- und Heidebrand, ter mehr als 80 000 Quadratmeter Moor und Heide ergriff. Rach stunden a gen Anstre g mgen konnte das Feuer belämvft werden. — Auch am Bahndamm beim Bahnhof Feuerbergstraße entstand ein größerer Moor- und Heideb.anb. Hier standen mehr als 20 000 Quadrat icter in Flammen. Kaum war die Ge ahr hier beseitigt, so wurde auf preußischer Seite auf Rie .dorser Gebiet ein größerer Brand gemeldet, ter sich über eine IOCCO Quadratmeter große Grasfläche hinzog und Buschwerk und Heide vernichtete. Auch dieser Brand konnte von der Feuerwehr nach längerer Arbeit ge^s.st werden. DieLlr.ache der in letzter Zeit überhandnehmenden Gras- und Heitebränte wird auf Unvorsichtigkeit von Aus- f I ü g l e r n zurückgeführt. Großes Brandunglück in Brilisch Cotumvien. Bei einem Feuer, bas bei den Vereinigten Bergwerken von Britisch Columbien in Grangby aus- brach, kamen neun Personen ums Leben. Fünf wurden schwer verletzt. Das Feuer entstand nachts, und die Flammen verbreiteten sich mit großer Geschwindigkeit. 17 Fischerboote aus Seenot gerettet. Bei Danzig waren 17 Fischerboote mit etwa 70 Mann Besatzung von Bodenwinkel auf Sprottenfang gefahren. Bei ihrer Rückfahrt bemerkten sie, dah sich Eis vor den Strand gesetzt hatte. Die Fischer konnten infolgedessen ten Strand nicht erreichen. Halb erstarrt und entkräftet trieben die Fischer in ihren Booten auf dem Meere umher und gaben Notsignale durch Abbrennen von Zeitungspapier. Von einem Motorkutter aus wurden die in Seenot Geratenen bemerkt, und es gelang, zunächst vier Boote und dann die übrigen dreizehn glücklich an Land zu bringen. Oie Wetterlage. t, rrjnXI O ß^vorm —— Jan ©wolkenlos ©neuer onmo DeoecKt.® «reinig e ordtett • Reget »Schnee a Graupeln e neDei K Grwitler.© Windstille. •<>. se» «irnte» Ost nässte- Südsüdwest q slurmiscncr Wdwesl 0>e Piene fliegen m>i oem winde Die oeiden Stationen stenencen Zart» len gesen die Temperatur an D>e Linien verpirdrn Orte mit gleichen luf nreresniveau umoerrchnrlrn Luftdruck We ' O »H • G • ■DHIPJHB neUEHBUHÖ Schule müssen, ist s geschafft, in die Waschleston tanzen und am Stammtisch ledigen!" Flink sind die Kleinen, die zur aus dem Nest. „Hoppla!" Schon noch lange keine 20 Grad Kälte sind. Es schadet euch gar nichts, wenn ihr noch ein wenig wartet, bis euch der Frühling ins Blut dringt. Ungeduldig seid chr. Ich weist. Das geht mich gar nichts an. Ihr habt zu warten. Wo ginge es denn hin, wenn ich euch jetzt schon Frühlingslüfle brächte? Der Mai. aus den ihr euch doch freut, wäre euch völlig verdorben. Aber ich will Gnade für Recht ergehen lassen. Ich nehme eure Wünsche zur Kenntnis, und in 14 Tagen sprechen wir uns wieder. Dann schicke ich euch das schöne Aprilwetter. Mal schauen, ob ihr dann zufrieden seid!" u. S. Taten für Dienstag, 20. März. Sonnenaufgang 6.04 Uhr, Sonnenuntergang 18.12 Uhr. — Mondausgang 6.03 Uhr, Monduntergang 16.14 Uhr. 1770: der Dichter Friedrich Hölderlin in Laufsen am Neckar geboren (gestorben 1843); — 1828: der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen in Skien ge> boren (gestorben 1906); — Prinz Friedrich Karl von Preußen in Berlin geboren (gestorben 1885); — 1867: der Führer des Handels-U-Bootes „Deutsch land", Paul König, in Rohra bei Meiningen geboren. — 1870: General Paul von Lettow-Vorbeck in Saarlouis geboren; — 1874: der Dichter Börries Freiherr von Münchhausen in Hildesheim geboren; — 1890: Rücktritt Bismarcks; — 1915: Ende der Winterschlacht in der Champagne (21. Februar bis 20. März). Aus der provinzialhauptstadr. Gießen, den 19. März 1928. Ungeduld. Die Hausfrau steht am Fenster und schaut in den frühen Morgen hinein. „Wieder kalt. Immer noch Winter, und es hat doch schon so nach Frühling Prsgesehen." An die knappen Kohlenvorräte denkt sie und an das Amscllied, das sie gehört. Das unangenehme und das angenehme Zeichen des nahenden Frühlings bei- denn Sie frohen $on einißp iffljoudfjxeIn OVERSTOLZ/ fyevauäjl und die QAMu/ufc unserer Kur verspürt, iPteß finden sffion selbst heraus, dass das ein anderes feiu- $en ist, wissen aber vieUeutft nofl) nlßjt,woran es ließt. °Nun wollen wir 3frnen genau saßen, worauf?) es bei einer ostmacedonis^en Zigarette ankommt, und woran der Tormann sie erkennt. tfffyr Gesfl/madk ist leüffjt und würzig wie friscffi gebackenes Brot. Das Aroma entwickelt süffi erst während des Raubens und erreiSfrt seinen Höhepunkt mit dem letzten QSuße Es ist also gerade^ umgekehrt, wie bei einer unedlen Zigarette, welflje möglicherweise beim erstenluge bestuffrt.die man aber nicffit zu Ende rauCfrt Cünd das Allerwuffiigste bei OVERSTOLZ3 (Das RauEßen hinterlässt keinerlei NaClfyescfim auf der Lunße. ) Befonders empehlenswert auch: Fufebodenbohner zum Einwachfen und Einbohnern und W afchautomaten welche während der Nacht zu verbilligtem Strompreis selbsttätig waschen Junger Elfenhändler in ungekünbigter Stellung sucht sich per 15. Avril evtl. 1. April als VerLSufev zu verändern. Schriftliche Angebote unter 02147 an ben Gienener Anzeiger erbeten. Tüchiigsm Hsrren- und Damenfriseur ist Gelegenheit geboten, ein gutgehendes Geschäft in Gießen zu übernehmen. Schriftliche Angebote unter 3011D an den Gießener Anzeiger erd. 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Anny Rubens (früher Stadttheater Gießen) 6 Mannequins und des Modenschau-Orchesters die neuesten FRÜHJAHRS-MODELLE der Firmen: Gebr. Imheuser, Kleider, Mäntel / H. Lehmann, Inh. S. Haas, Hüte Schuhhaus Süß, Schuhe / C. Röder, Lederwaren / Josef Henkel, Frisuren E. Challier, Sprechapparate / Blumenhaus Dietz 2960D 2$on Nachdruck. Sein Wunde Arbeit aus daß ein Wer den muh, das ordentlich f stellten die Verwend', verlangten, d Fachleute in fi Gleichsam a der Sowjetpre anwaltschast i seoolutiai bomjetregierm für die katasii gänzlichen Zus den, sie - b r gezeichneter ZI Entdeckung ei schworung seit und diese kam lid) gern enige wurde umgel äuherien die über die Dehi die latasiropb schon am 10.' kow, daß im Bassin die 0 Arbeiter ei ganisatic gäbe gemach Bezirke z u i stören". Fk seien bereits 3 den, wobei er desselben Tac Bolkskommiss liche Lage de Stunden lang sammenbr pagne, über d ausfuhr, i sorgung der S in sehr pessini Stand der 21 dem Hinweis der er alte feiten, bi< bewältigen h bei er einsli schwörern" f o ngefjöri es sich fjcrai angehörigen' AEG. und K, Die Nachrii scher, sondern s'ch rasch in i gemeine Verb sondern auch die sich klar 1 nähme nicht a war. Man zer Motive dies wehr der An '.^erschwörun! b°n sei, die Moskau ist ' unb Äommcntc Lcher2"5 on so manche tilferung kssrntl'chung d 1 Slaaisan> 5 6.91. ausg ih'reEnMun lung.d'edn teil werden gesch^t u Listen, die fl1 „Alte! letzte ^lem üßinti ^A°rerschast U'ges wie f ^nl'sch-literari .^".mufita jcrtmeiiterin mertmür U'h,rer Zei Fluchern ülx Mnstand b A chte von t gewes rii*1 Aend * °ie L°Se°rnms | whrene SÄ ZS mit ei„ 5etl MH,n 'in,8*"9 I k ßefonders pelllenswert auch: 'Odenbohner """ädifen und h-mbohnern und ^Automaten le während der 1 zu verbilligtem mPreis felbfttatig wafchen tfdi koitenlofe und e Gießen 30301 enes lartie DäsLe lidjeit- W'M'ch ifiett wc 8 79. licrc rin ge frei. sKV. lüi . t*.D M ÜL®|. Strtii tproaif vtriä Hüte el,Frisuren ater Gießen) sa :hule vann ifstr. 60 ■II se, len ieioerbe' Stadttheater «4s SlchlhN duMnger. Helles Aulle.NameHarraS' mW«» .W Halsband, entlflu . L-iedeebelnger be tobnung. ri. .'r-ldU Kinn. Kienen. Whelmllrane m Wo toofjnt das ®M7 i 9fl. 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Die M.tleiiungen und Kommentare der Zeitungen über die Entdeckung einer neuen gegenrevolutionären Verschwörung und über die Verhaftungen sowohl russischer als auch deutscher Ingenieure im Don-Bassin haben die sonst an so manche Sensation gewohnte Moskauer Bevölkerung verblüfft. Noch zwei Tage vor der Veröffentlichung dieser sensationellen Mitteilung, die von dem Staatsanwalt des Obersten Gericht der Union S. S. R. ausgegangen ist, äußerte die Sowjetpresse ihre Entrüstung über dieemporendeBchand- l u n g, die die Zentralbehörden den Ingenieuren zuteil werden ließe, indem diese von Ort z u Ort geschickt und gezwungen würden, Arbeiten zu leisten, die gar nicht zu ihrem Fach gehörten. Kein Wunder, hieß es in den Zeitungen, daß die Arbeit auf beh Werken nicht vorwärts geht, daß ein Werk nach dem anderen st i l l g e l e g t werden muß, daß der Aufbau der Volkswirtschaft außerordentlich verlangsamt wird. Die Zeitungen stellten die Forderung einer rationelleren Verwendung der Ingenieure und Techniker und verlangten, daß man ausländische Ingenieure und Fachleute in großer Zahl kommen lasse. Gleichsam a l s A n t w o r t auf diese Forderungen der Sowjetpresse erfolgte die Mitteilung der Staatsanwaltschaft über die Entdeckung einer gegenrevolutionären Verschwörung. Die Sowjetregierung mußte irgendeine Erklärung für die katastrophale Lage der Industrie und den gänzlichen Zusammenbruch des Wiederaufbaues finden, sie — brauchte Sünde ndöcke. Ein ausgezeichneter Ausweg aus der Situation mußte die Entdeckung einer neuen gegenrevolutionären Verschwörung sein. Man nahm zur G. P. U. Zuflucht, und diese kam den Wünschen der Negierung natürlich gern entgegen. Die erforderliche „Verschwörung" wurde umgehend aufgedeckt. Noch am 8. März äußerten die Zeitungen die geschilderte Empörung über die Behandlung der Fachleute und beschrieben die katastrophale Situation der Volkswirtschaft, und schon am 10. März meldete der Staatsanwalt Krassikow, daß im „nördlichen Kaukasus und im Donez- Bassin die G. P. U. unter direkter Beteiligung der Arbeiter eine gegenrevolutionäre O r - ganisation entdeckt habe, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, die Steinkohlenindustrie dieser Bezirke z u desorganisieren und z u zer - ft ö r e n". Ferner teilte der Staatsanwalt mit, es seien bereits Verhaftungen vorgenommen worden, wobei er aber keine Namen nannte. Am Abend desselben Tages hielt der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare eine große Rede, die die wirtschaftliche Lage der Union zum Gegenstand hatte. Zwei Stunden lang sprach er über den vollständigen Z u • sammenbruch der Getreidebereitstellungskampagne, über die Einstellung der Getreideausfuhr, über die Schwierigkeiten bei der Versorgung der Städte mit Getreide und schilderte dann in sehr pessimistischer Färbung den gegenwärtigen Stand der Industrie. Er schloß seine Rede mit dem Hinweis auf die soeben entdeckte Verschwörung, der er alle Schuld an den Schwierigkeiten, die die Sowjetregierung gegenwärtig zu bewältigen hat, in die Schuhe zu schieben suchte, wo- bei er einflocht, daß unter den verhafteten „Verschwörern" sich aud) ausländische Staatsangehörige befänden. Am nächsten Tage stellte es sich heraus, daß mit diesen „fremden Staatsangehörigen" sechs deutsche Ingenieure der Firma AEG. und Köppers gemeint waren. Die Nachricht über die Verhaftung nicht nur russischer, sondern auch deutscher Ingenieure verbreitete sich rasch in der ganzen Stadt und verursachte allgemeine Verblüffung, nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei der Mehrzahl der Sowjetbeamten, die sich klar darüber waren, daß eine solche Maßnahme nicht anders als wahnsinnig zu nennen war. Man zerbricht fick) allgemein den Kopf über die Motive dieser Maßnahme. Man neigt nun immer mehr der Annahme zu, daß die Entdeckung dieser „Verschwörung" nicht nur dem Bestreben zuzuschreiben sei, die wirtschaftlichen Mißerfolge zu recht- Goethe-Bund. „Alte Meister in Wort und Ton". Die letzte Veranstaltung des Goethe-Bundes in diesem Winter bot einer erfreulich zahlreichen Zuhörerschaft in der Neuen Aula ein ebenso eigenartiges wie künstlerisch wertvolles Programm musikalisch-literarischen Inhalts. Den musikalischen Teil der Folge bestritt die Konzertmeisterin Frau Alice Ehlers, Berlin, mit ausgewählten Stücken alter Musik für Clavicembalo. Das merkwürdige Instrument der Bach und Händel und ihrer Zeitgenossen wird vielen, ja den meisten Besuchern überhaupt neu oder zuvor allenfalls ein Gegenstand der Musikhistorie und Jnstrumentalge- schichte von mehr oder minder museumswürdigem Belang gewesen sein. • Der Abend bot Gelegenheit, weit über solch historisches Interesse hinaus den ganz eigenartigen musikalischen Reiz des Cembalo, seine melodisch-rhythmischen, konzertalen und technischen Ausdruckclemente praktisch kennen zu lernen und sich dabei durch die trotz dem manchmal ein wenig spieluhrmäßigen und Miniaturhaften Charakter des zweimanualigen Instrumentes oft überraschende Klangschönheit und tonale Farbigkeit des Cembalo überraschen zu lassen; die sehr geschickte Zusammenstellung des Programms bot dem Hörer außerdem die selten erfahrene Möglichkeit, die alten Meister auf ihrem eigensten Felde, in der Begrenzung ihrer technischen Mittel, gewissermaßen in zeitgenössischer Echtheit musikalisch auf sich wirken zu lassen. Frau Ehlers zeigte sich als eine außergewöhnlich begabte, mit ihrem Instrument (einer stilgetreuen Pariser Nachbildung) gleichsam verwachsene Musikerin van erstaunlicher technischer Sicherheit, fern« nervigem Stilempfinden und bedeutender Einfühlungsgabe. Die glänzende Beherrschung ihres Instrumentes erwies die Vortragende gleich zu Anfang mit einem dreisätzigen Konzert für valdi-Bach), das ebenso wie die Händelschen Grob- schmidt-Variationen und eine Sonate von Scarlatti vor allem in der ungemein komplizierten technischen Durchbildung virtuos wiedergegeben wurde. Auch eine Fuge von Pachelbel und die Toccata von Bach waren dem Charakter des Cembalo überaus ange- fertigen, sondern auch den dauernden innerparteilichen Zwistigkeiten zwischen den Anhängern Stalins und der Opposition. Man sagt, die Spitzen hätten sich insofern geeinigt, als der Be schluß gefaßt worden sei, im Innern einen auege prägten Linkskurs, nach außen hin indessen rechtsgehende Tendenzen zu verfolgen, wodurch aus dem Auslande Kredite beschafft werden könnten, die dann zur Durchführung des innerpolitischen Linkskurses verwendet werden sollten. Die Verwirklichung dieses Kompromisses wurde ohne weiteres begonnen. Man wartete aber nicht auf die Erteilung ausländischer Kredite, sondern begann mit Verhaftungen von Vertretern derjenigen „kapitalistischen Großmacht", mit der gerade jetzt Verhandlungen über neue Kredite geführt werden. Während sich in Berlin 6oro'etabgcorbncte aufhalten, um Kredite zu erlangen, werden in der Union der S. S. R. deutsche Ingenieure verhaftet, die fick) dorthin begeben haben, um Maschinen aufzustellen, die wiederum für Rechnung des von Deutschland bereit- gestellten Kredits von 200 Millionen geliefert worden sind! Erne Rücksichtslosigkeit, eine Unverfrorenheit, die alles bisher Dagewesene übertrifft! Es ist ganz klar, daß kein einziger der verhafteten deutschen Ingenieure an einer gegenrevolutionären „Verschwörung" beteiligt ist. Rykosf mag behaupten, soviel er will, einer der Verhafteten habe seine Schuld bereits zugegeben, die betreffende Gruppe habe cs sich zur Aufgabe gemacht, die So- rwctregierung zu stürzen, usw. usw. — kein Mensch schenkt diesen Erklärungen Glauben, denn man weiß nur zu gut, a u f w e l ch e W e i s e die G. P. U. Verhöre unternimmt und rote „G e st ä n d n i s s e" erpreßt werden. Man braucht nur an den berüchtigten Prozeß der drei deutschen Studenten zu denken, von denen der eine einfach gezwungen wurde, eine Aussage zu unterschreiben, die er nicht einmal gelesen hatte. Sogenannte Geständnisse scheiden zur Begründung der Verhaftung also von vornherein aus. Jene inner- politische Notwendigkeit, Schuldige für das tläg liche Ergebnis des industriellen Aufbaues zu finden, erklärt die Verhaftung gerade deutscher Ingenieure aber ebenfalls nicht bis zum letzten. Man hätte den gleichen Zweck mit der Verhaftung von Russen zum höheren Wohle des Sowjetstaates erreicht, ohne eine wichtige fremde Macht, zu der freundschaftlich. Beziehungen bestehen, zu kränken. Warum also, warum denn diese, wie jedes Kind spürt, planmäßig durchgeführte Verhaftung von Deutschen. Eine unter geordnete Stelle kann rocht übereilt gehandelt haben, denn in Sowjetrußland deckt man keine untergeorb- nete Stelle. Man läßt sie fallen. Und wenn Moskau die Verhaftung nicht gewollt hätte, wären die deut schen Ingenieure mindestens schon wieder frei, wenn sie überhaupt je das Gefängnis betrete i hätten. Es bleibt die Vermutung außenpolitischer Gründe. W ll man Austauschobjeüe für die Belebung der stockenden russisch-deutschen Wutschaftsverhand- lungen? Wünscht man sie etwa für eine gewisse Zeit abgebrochen zu sehen, um von lästig werdenden Verpflichtungen freizukommen oder um die englischen Beziehungen wieder einmal bevorzugt zu pflegen? Alles vage Vermutungen. Fest steht nur die Tatsache, daß sich Sowjctrußland wieder emmal in eine Sackgasse verrannt hat, denn das Reich kann sich jene Uebergriffe nicht gefallen lassen Die immer deutlicher werdende deutsche Enttäuschung über das Russengeschäft kann zu dessen vollständiger Liquidation führen. Denkt man hier aber an einen Ersatz des deutschen Lieferanten durch England, Frankreich ober Amerika, bann vergißt man die Tatsache, daß diese drei nach eigenen trüben Erfahrungen und nach dem jetzigen bösen Erlebnis der Deutschen sicher nicht allzu große Lust verspüren, Sorosetrußland in seinen Nöten zu sanieren, um Undank zu ernten. Der Postetat vor dem Reichstag. Berlin, 16. März. Ohne Aussprache wird in allen drei Lesungen eine Vorlage angenommen, durch die die Geltungsdauer des Gesetzes zur Regelung des Verkehrs mit Milch bis zum 31. März 1929 verlängert wird. Es folgt die zweite Beratung des Haushaltes des Reichspostministeriums. Michspostmmister Or. Schätze! erklärt, die Finanzlage gestatte es nicht, bei den Reubauten und den Reuanlagen von Fernsprechämtern im bisherigen Tempo fortzufahren. Für das Jahr 1928 müsse sich die Post auf sine Anleihe von 50 Millionen beschränken. Sollten sich die Einnahmen günstiger gestalten als der Voranschlag, so werde das Ministerium weitere M.ttel für Fernsprech- und Bauwesen ansordern. Eine Erhöhung der Fernsprechgebühren wird so lange nicht in Frage kommen, wie der jetzige Preisstand der Wirtschaft bestehen bleibt. 3m Gegenteil halte ich im Fernsprechwesen Tariferleichterungen für notwendig, sobald die Finanzlage dies ohne Beeinträchtigung der allgemeinen Verkehrsinteressen zuläht. Abg. Seppel (Soz.) bedauert, daß die an sich begrüßenswerte Rationalisierung des Post- betriebes auf Kosten der Beamten durchgeführt worden sei. Er wendet sich gegen die Auslegung einer Ministerialveriügung, die zur Entlassung von Heisern geführt habe. Dieselben Wirtschaftskreise, die ständig den Abbau der Behörden fordern, protestieren immer, wenn gerade in ihrem Orte die Forderung verwirklicht wird. Abg. Bruhn (Sn.) begrüßt die Verbesserungen des Post- und Fernsprechbetriebes auf dem flachen Lande. Auf diesem Gebiete müsse noch mehr geleistet werden, besonders im Ausbau des Kraftpostwesens. Hier dürfe nicht die Rentabilität einer Linie maßgebend sein, wenn es sich um die Erschließung schwach bevölkerter Gebiete handelt. Sie Entwicklung des Rundfunks sei erfreulich. Der Redner verlangt stärkere Heranziehung von Handwerk und Gewerbe bei der Vergebung von iwi im...........ii ii niiii »■■h-—tt-ht-t—i—— irm Aufträgen und Lieferungen seitens der Deutschen Rcichsposi. Abg. Allekotte (Zentr.) weist die Meinung zurück, daß bei der Post noch zu viele Beamte beschäftigt seien. Don der Post dürfe nicht eine Verzinsung des vom Reich gelieferten Kapitals nach rein kaufmännischen Grundsätzen gefordert werden. Sie Post er.ülle doch neben ihrem eigentlichen Betriebszweck eine ganze Reihe von Ausgaben im Interesse der Allgemeinheit. Sie Post sei nicht nur ein Verkehrs-, sondern auch ein Wirtschafts- und Kulturfaktor. Sie Postbeamtenschast müsse so geschult und so besoldet werden, daß sie ihren schweren Sienst nicht nur gewissenhaft, sondern auch freudig verrichten kann. Abg. Sr. Cremer (S. Vp.) betont, im abgelaufenen Jahre habe der Postbetrieb sich manchen Bedürfnissen und Wünschen des Publikums besser angepaht und auch einen besseren finanziellen Ertrag gebracht als früher. Bedenklich sei die Verzögerung der Durchführung des Fernsprechbauprogramms, vor allem auf dem flachen Lande. Sie Derkraftung des Landbestelldienstes dürfe nicht etwa zu einer Aufhebung der Postagenturen und dadurch zu einer Gefährdung des Briefgeheimnisses führen. Ser Telegrammbestelldienst müsse modernisiert werden. 3m Zeichen des Motorrades müsse hier eine Beschleunigung möglich sein. Die Besserung der Poslsinanzen sei leider erkauft worden durch eine verkehrsfteuer in Form von Portoerhöhungen. Für ihre werbenden Anlagen Halle die Post mehr den Anleihemarkt in Anspruch nehmen sollen. Sie Ablieferung der 100 Millionen an das Reich sei nicht übermäßig, sondern durchaus angemessen. Es mühte geprüft werden, ob es berechtigt ist, daß die Poü für gewisse Dienste, die sie der Allgemeinheit leistet, eine zu geringe oder gar keine Vergütung erhebt, und woher es kommt, daß bei der Post die 3 nvalidität der Beamten viel früher eintritt als in allen anderen Verwaltungen und Wirtschastsbetrieben. Sie außerordentlich starke Steigerung der s messen und kamen ausgeglichen und stilrein zur | Geltung. Drei kleine Stücke von Saquin, Rameau und Couperin erwiesen sich von so verschnörkelter, rokokohafter Grazie und spielerisch-lautmalendem Humor, wie dergleichen auf modernen Instrumenten kaum ebenbürtig vermittelt werden kann. Das Publikum war entzückt, feierte die Künstlerin mit verdientem Beifall und erklatschte zwei sehr hübsche Beigaben von Mozart (Türkischer Marsch) und Rameau (Tombourin). Sie musikalischen Darbietungen wurden durchbrochen und ergänzt mit Rezitationen von Sr. Heinrich Michaelis. SaS einzige, was an seiner Folge auszusehen wäre, ist äußerlicher Art: daß nämlich die Sichtungen, die er sprach, weder an sich noch in der Rebenordnung zu den Musikern des Abends als Schöpfungen „alter Meister" zu bezeichnen sind. Michaelis begann mit zwei (den meisten Zuhörem wohl minder bekannten) Stücken aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, von den ungleichen Kindern Evae und von der Lebenszeit; beide mehr eigentlich für Erwachsene als für Kinder, weltweise, nachdenklich und von sanftem Humor. Sann eine Rovelle von Theodor Storm, „3m Saal", zuletzt zwei Gedichte von Matthias Claudius, „Abenblied" und „Rheinweinlied", als Zugabe endlich von Mörike die „Erbauliche Betrachtung" und „Lose Ware". Michaelis ist ein Schüler des hervorragendsten deutschen Vortraasmcisters, den wir besessen haben — von Emil Milan. Seine Rezitation war des großen und verpflichtenden Ramens durchaus würdig. Wärme, Wohllaut und Wandelbarkeit des Tons; mühelos beherrschte Technik; liebevolle Hingabe an den sprachlichen Stoff, Surch- geistigung und gestenlose Beseelung des dichterischen Gutes. Dies olles macht in seiner Vereinigung den edlen Dienst am Wort aus, wie der verstorbene Meister des Vortragenden ihn verstanden wissen wollte. Die reifste, schlechthin vorbildliche Leistung in diesem Sinn war die Rachgestaltung der Stormschen Rovelle, die in bezaubernder Wärme der Stimmung und mit einer bis ins Letzte ausgefeilten Stufung und inneren Rundung gesprochen wurde. Dem Vortragenden dankte man ebenfalls mit verständnisvollem Beifall, - Es war ein wertvoller und anregender Abend, mit dem sich der Goethe-Bund für diesen Winter einen sehr guten Abgang gesichert hot. — y — Max Reger und der Geist seiner Musik. Von Kurt VargeS, Leipzig. Mar Reger wäre am 19. März fünfundfünszig geworden; ein tragischer Loo rief den Dreiundvierzigjährigen aus einem köstlichen Leben und nahm ihm Griffel uni> Rotenblatt aus der Hand. So sollte das Ringen des von Musik durchzitterten Geistes und der von Klang erfüllten Seele allzufrüh beendet sein. Sie Persönlichkeit dieser genialen Rotur wurzelte in der Liese seines Geistes, und dieser schöpferische Geist ist es eben, der den Meister in jene eigenartige Stellung getrieben hat, die ihn nicht etwa berühmt, anerkannt oder gar volkstümlich machte, sondern den Klang des inneren, großen Menschen in Roten» bildem ausdrücken lieh. Sie Verfeinerung des Stils, durch das Mystische geboren, der Bach- schen Chromatik entwachsen, hat seine innerste ilrfadje in der ileberbetonung der geistvollen Ader, die das Schaffen dieser Ratur befruchtete. Seine Musikalität, die das gesamte Musikleben seiner Zeit durchströmte, war in der Einheitlichkeit von Kunst und Leben begründet., Regers Stil, von einem souveränen Geiste gezügelt, ist mit der Orgel aufs engste verwachsen gewesen; von tiefem Glauben an die ilnioerfalität und Bedeutsamkeit dieses Instrumentes hat er feine reifsten und bedeutendsten Werke für die Orgel geschrieben. Sehen wir gerade in feinen Orgelwerken — Bach-Fantasie, Sonaten. D», Eis-Moll und den Choralfantaften — nicht nur die geistvolle Art feinet Gestaltung, der Symbolik des Kontrapunktes und die melodische Erfindung, sondern die geniale Verbindung des menschlichen Fühlens mit den Harmonien der göttlichen Sprache — Cancone, Choralfantasie „Straf mich nicht in deinem Zorn", Toccata und Fuge O-Moll (op. 129) —. fo werden wir erkennen, daß das Perfonalkosten bei der Post bedürfe der Aufklärung. Abg. Schuldt - Steglitz (Dem.) bemängelt, daß sich eine unmittelbare Wirkung der Rationalisierung auf Wirtschaft und Allgemeinheit nicht gezeigt habe. Vielmehr habe man im Oktober eine Portoerhöhung vorgenommen. Sie Preispolitik der P o st habe sich in keiner Weise von der schädlichen Steuer" und Zollpolitik der Rcichsregierung unterschieden. Ange ichts der Finanzlage dec Reichspost mißbilligt der Redner die Erhöhung der Ablieferung an das Reich auf 100 Millionen. Ec setzt sich weiter für Verminderung der Postgebühren und eine Reihe von Verbesserungen im Zustelive r k e h r ein. Auch eine Senkung der Rundfunkgebühren und die Schaffung eines Reichs- anteilncnrechtes sei erforderlich. Abg. Ser gier «Komm.» beantragt die Aufhebung des P o st f i n a n z g e s e h e s, das nur die Verschleierung der Transaktionen der Post erleichtere. Bei vernün tiger Finanzwirtschaft wäre die Portoerhöhung unn ?tig gewesen. Der Fernsprecher sei zu einer Luruseinrich- tung für Begüterte geworden. Der Redner kriti- fiert dann die Verfügung des Ministers gegen die kniefreien Röcke der Beamtinnen. Die Kölner Oberpostdirektion kontrolliert sogar, ob die Wohnungen der Samen nicht an demselben Korridor liegen, wie Wohnungen einzelner ' erren. Bei den Rundfunkgefel schäften herrscht Korruption und Vetternwirtschaft. Die Rundfunkgebühr muß ermäßigt oder nach dem Einkommen gestaffelt werden. 2lbg. Mollath (W. V.' erklärt: Die Reichspost habe jährlich als unmittelbare Reparationslast an d i e Reichsbahn 127 Millionen ab- zuftihren für die Beförderung von Postsachen. Daraus ergebe sich die große Gefahr, daß schon die kleinste Tariferhöhung der Reichsbahn zu weiteren Gebührenerhöhungen bei der Post führt. Darum sei es auch falsch, schon eine Ablieferung von 100 Millionen an das Reich in den Etat einzustellen. Angesichts der schnellen Entwicklung der drahtlosen Telephonie müsse erwogen werden, ob jetzt so große Summen für die Reueinrichtung automatischer Fern- sprechbetriebe ausgegeben werden sollen. Die Fernsprechgebühren müßten zugunsten der Wenigsprecher ermäßigt werden. Aus den sich dauernd steigernden Einnahmen der Rund- funkgesellschaf ten könnte mehr für die allgemeinen Kosten des Postbetriebes herausgeholt werden. Michspostnimister Or. Schätze! stellt fest, daß feit dem Bestehen des Postsinanz- gefehes die Reichspost i h r Vermögen um 700 Millionen erhöht habe. Das Gesetz habe sich durchaus bewährt und der Verwaltung die notwendige Beweglichkeit gegeben. Dom Standpunkte des Postministers wäre es bequemer, wenn die Post wieder in den allgemeinen Reichshaushalt eingefügt würde, aber vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus ist das jetzige Verhältnis zweckmäßiger. Als rein kaufmännisches Unter* nehmen ist die Post nicht denkbar, wenn sie nicht große ohne Gewinn arbeitende Betriebszweige ganz au «heben soll. Sie Ablieferung der 100 Millionen an das Reich war notwendig, denn die Post kann bei der «Deckung der großen Reichsausgaben nicht abseits stehen. Sie Portoerhö- hung hat zu einer Erhöhung der Lebenshaltungskosten nicht geführt. Sie Rationalisierung des Betriebes hat feil 1920 dazu geführt, daß ohne stärkere Anspannung des Leistungsmaßes der Beamten und bei großer Steigerung des Verkehrs doch das Personal um 98000 Kräfte vermindert werden konnte. Wir wollen keineswegs das Bernisbeamtentum durch Arbeitereinstellungen zurückdrängen. 3ch lege Wert auf Arbeitsfreude beim Personal und wünsche nicht einen Kasernenton, sondern den Geist der Kameradschaft. 3ch werde mich dafür stark machen, daß der Höflichkeitserlaß meines Amtsvorgängers im Verkehr der Vorgesetzten mit den Untergebenen durchgesührt wird. (Beifall.) Don einem Beamtenabbau in der Post- verwaltung ist keine Rede. 3ch würde es begrüßen, wenn die Einstellung von Lehrlingen und Supernumeraren möglich würde. 3ch wünsche schöpferische Element in diesen Geist verknüpft war. Sie eminente Stilsicherheit — Hillervaria- tionen, Streichquartett Es»Sur — und die religiöse Inbrunst, fern jeder dogmatischen Degriffsprä- gung, baut uns die Brücke zum Verständnis seines so umfassenden Geistes, der in dieser kurzen Spanne Lebens fast Uebermenschliches leistete. Reger als Virtuose des Klaviers und der Orgel charakterisiert das Instrument aus dem Instrumente. Obwohl sich die Gröhe seines Werkes auf der Bachgrundlage aufbaut, muß sich der Klang, von orchestraler Sentimentalität und melodischer Süße verdichtet, aus dem Kern lösen, um die neuen, von tiefinnerlichen Ideen getrage nen Gedanken für unsere Zeit zu nützen. Dringt schon die Kompositionstechnik jedes Jahrzehnt neue Ideen, so steht auch jede Persönlichkeit unter der Wirkung des nachschöpferischen Wertes seines geschaffenen Werkes. Das klingende Material, rein technisch, wird Ausdruck des innersten Erlebnisses. Sie Orgel war für Reger das wunderbare Bindeglied zwischen feiner schaffenden Seele und dem Menschen der Gegenwart. Und wir bekennen uns zum Kontrapunkt, zur Kunst der Fuge, wie wir sie feit des großen Thoniaskantors Zeiten nicht mehr erlebten. Bachs Geist, innerlich verarbeitet, ist dadurch in seiner Erhabenheit gepriesen, ilnb wie hebt er den Dariationsstil. Sie Mozartvaria- tionen op. 132 enthüllen Geist und Seele und schaffen gleichsam Wunder. Die melodische Linie bleibt bis auf wenige Variationen gewahrt, die klassische Form wird durch die typisch Regersche Fantasie geweitet, mystische Klänge heben sich aus der zweiten Variation, Fuge türmt sich auf Fuge, und schließlich steht der von moderner Harmonik erfüllte Meister vor unseren Augen. Dom- Hast erscheint die Welt, wenn der Regersche Akkord ertönt. Doch ein rascher Tod rief ihn ab und hinderte ihn an der Vollendung seiner größten Gedanken. In der Frühe eines Maienmorgens fand man in seiner Totenhand die Korrekturen seiner Motette: „Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit." In der Todesstunde hat Max Reger ein zartes Gebet zum wunderbaren Gedicht gewandelt; er lebte in einer Musik, die im ewigen Himmel erklingen könnte. auch angemessene Erhöhungen der Arbeiterlöhne. 3m Kraftpo st wesen sehe ich keine Einnahmequelle, sondern eine gemeinnützige Ver- kehrsverbesseruny. Die Derkrastung des Landbestelldienstes toirö jetzt durchge.ührt. Eine Verletzung des Briefgeheimnisses ist dabei ausgeschlossen. Nach Ablehnung der kommunistischen Streichungsanträge wird auch das kommunistische Mißtrauensvotum gegen die Stimmen von drei anwesenden Kommunisten unter großer Heiterkeit abgelehnt. Einstimmig wird der Antrag M o l l a t h (W. 03.) auf Ermäßigung der Fernsprechgebühren für Wenigsprecher angenommen und der Etat in zweiter Lesung erledigt. Samstag kleinere Vorlagen und der Haushalt des Reichspräsidenten. Faszistische Flottenpolitik. Mussolini hat sich durch die verschiedenen Bemühungen, dem Wettrüsten zur See Einhalt zu gebieten, nicht einen Augenblick irre machen lassen: er hat vielmehr für die beschleunigte Durchführung seines Flottenbauprogramms gesorgt, so daß in wenigen Jahren die italienische Flotte einen Zuzug von 65 modernen Einheiten erhalten wird. Es handelt sich dabei zwar nicht durchweg um Grobkampf- schiffe, an 10 0cX>-Tonnen«Kreuzern werden überhaupt nur vier in Dienst gestellt, wohl aber sind die Torpedo- und Antersceboots- flotillen recht beachtlich, ünb das vor allem deswegen, weil im Mittelländischen Meer große Entfernungen nicht zurückzulegen sind, so daß sie im Kriegsfälle eine nicht unbedeutende Rolle spielen werden. Da nicht anzunehmen ist, daß Mussolini mit dem Jahre 1931 aufhören wird, die italienische Flotte auszubauen, sondern mit einem neuen Flottenbauprogramm aufwarten dürfte, stehen erhebliche Kräfteverschiebungen im Mittelländischen Meer bevor. Wenn auch England gegenwärtig mit Italien in gutem Einvernehmen lebt und sich der Hoffnung hingibt, in Italien eine stille Reserve gegen Frankreich zu besitzen, so wird man in London doch die italienischen Neubauten argwöhnisch beobachten, da Mussolini kein anderes Ziel im Auge hat, als die Herrschaft im Mittelländischen Meer an sich zu reißen. So leicht wird ihm das aber nicht gelingen, weil auch noch Frankreich und England ein gewichtiges Wort mitzureden haben. In den letzten Jahren sind im Mittelländischen Meer so starke Flottenkonzentrationen durch die Eng-- länder und Franzosen erfolgt, daß es hier am ehesten zu kriegerischen OZcrwicklungen kommen kann. Feuerwehrverbandstag in Gießen. Gestern fand im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes am Landgraf-Philipp-Platz der Früh- jahrsocrbandstagder Freiw. Feuerwehren imKreise Gießen statt, der von den Vertretern von 14 Wehren besucht war. Don der Regierung war Reg.-Assessor Dr. G ü n g e r i ch anwesend, sowie Kreisfeuerwehrinspektor DickorL. Branddirektor Braubach (Gießen) war am Er- scheinen verhindert. Der Vorsitzende, Brandinspektor F. Wenzel, eröffnete um 3 Uhr die Tagung mit begrüßenden Worten. Sodann gab er den Jahresbericht bekannt, aus dem u. a. zu entnehmen war, daß im verflossenen Jahre die Zahl der Mitglieder des Kreisvcrbandes sich aussteigend bewegte: 1926 27 waren es 1533, dagegen 1927 28 1639 zahlende Mitglieder. Die neugegründete Freiw. Feuerwehr Watzenborn-Steinberg mit 53 Mann w urde in den Kreisverband ausgenommen. Erfreulicherweise tonnte auch berichtet werden, daß noch eine Anzahl Gemeinden vor der Gründung freiwilliger Feuerwehren stehen. Der nächste Kreisverbands- t a g findet am 8. Juli in Heuchelheim statt, wo die Freiw. Feuerwehr ihr 50jähriges Bestehen feiert. Der Provinzialfcuerwehrtag der Provinz Oberhesten, zugleich Feier des 75jährigen Bestehens der Freiw. Feuerwehr, findet am 9. und 10. Juli in Alsfeld statt. Der Deutsche Reichsfeuerwehrtag ist vom 6. bis 13. Juli in Breslau. Der Vorsitzende gedachte der dem Kreisverband angehörigen verstorbenen Mitglieder, Bürgermeister Völker (Lich), des eifrigen Förderers der Feuer- Kaleidoskop der Verhängnisse. Von Dr. Frih Adolf Hünich. Es ist so unendlich viel Trübsal und schlimme Schickung in den Spalten der Zeitungen, daß wir achtlos und abgestumpft dagegen werden, zumal da uns das eigene Leben meist Last genug ist, aber neben den allgemeinen und sozusagen landläufigen Schick, al sschlägen, mit denen jeder rechnet, erschrecken von Zeit zu Zeit durch ihre Gewaltsamkeit und unwahrscheinliche Tragik jene geheimnisvollen Geschehnisse, in denen sich dunkle und unbegreifliche Mächte gegen die arglose Kreatur verschworen zu haben scheinen. Ollle Launen und grausigen Ironien spielen um den armen Menschen, den das Schicksal ousettehen hat, in ein Netz von Zufällen verstrickt zu werden, um darin den tragischen Umschwung oder Ausgang seines Lebens zu erfahren. Die Berichte davon, Berichte der Wirklichkeit, reden oft eine eindringlichere Sprache als die Erfindungen der Dichter. Am 25. Februar 1911 wurde der Fleischer Eduard Trautmann aus Münsterberg vom Schwurgericht in Glatz zu einer Zuchthausstrafe von zwölf Jahren verurteilt, weil er, aus Grund einer Indizienkette, an deren. Ende der Staatsanwalt mit Emphase ausrief: »Vernichten Sie diese Bestie in Menschengestalt!" schuldig gesprochen worden war, am 21. Dezember 1909 die Fabrikarbeiterin Emma Sander ermordet zu haben, deren kunstvoll zerstückelten Rumpf man am Tage darauf in einem Gehölz bei Neuhof, unweit Münsterberg, aufgefunden hatte. Don allen, die sich berufsmäßig mit der Mordsache belassen mußten, war nur einer von der Unschuld des Angeklagten überzeugt: sein Q3erteiSiger, der Rechtsanwalt und Notar Walter K ü h n e, der olles aufbot, Scharfsinn und Leidenschaft, um die Anklage von der Haltlosigkeit ihrer Beweise zu überzeugen. Vergebens! Es gelang ihm „nur", den Kopf des Beschuldigten vor dem Beile des Henkers zu retten, indem er einen der Geschworenen stutzig machte, dessen Stimme den „Wahr"- Spruch zu Trautmanns Gunsten entschied. Von der Unentschlossenheit eines einzigen zögernden Herzens hing das Leben eines Menschen ab. wehrsache, sowie zweier Feuerwehrveteranen, Kamerad Christian Vater und Heinrich Sauer (Gießen), in üblicher Weise. Der Rechner, Kamerad Heinrich (Lollar), erstattete den Rechenschaftsbericht. Für seine Mühewaltung und korrekte Rechnungsführung wurde ihm der Dank der Kameraden zuteil und die beantragte Entlastung erteilt. Der Schriftführer, Kamerad B r e i t h e r, gab das Protokoll vom Herbstverbandstag in Hungen bekannt. Unter Anträge stellte dieFreiwilligeWehr Lollar den Antrag: „Der Verbandstai möge beschließen, die Ehrenmitglieder der Wehren von den Verbandsbeiträgen zu befreien." Es wurde beschlossen, da die Kasse gegenwärtig sehr belastet ist, diesen Antrag für nächstes Jahr auf die Tagesordnung zu fetzen. Unter „Verschiedenes" kamen nochmals die Begebenheiten auf dem Landesfeuerwehrtag 1 9 2 7 in Worms zur Sprache. Es wurde mitgeteilt, daß eine neue Regel für diese Tagungen vorgesehen sei, die auf dem Provinzialfeuerwehrtag in Alsfeld schon Anwendung finde. Kreisfeuerwehrinspektor Dickors kam dann auf die im Januar und Februar stattgehabten Feuer- wehrkurse zu sprechen. Am Schluß der Führer- furfc in Hungen sei die Frage gestellt worden, ob es statthaft sei, Benzin in offenen Gefäßen innerhalb geschloffener Hofreiten zu vertanken, wenn in der Hofreite z. B. Autoreparaturen Dorqenommen werden und wenn in der Nähe sehr leicht brennbare Stoffe lagern, sowie sich eine Waschküche mit offenem Feuer befände? Da wohl darüber gesetzliche oder polizeilich. Bestimmungen bestehen, ging diese Anfrage an das Kreisamt und an das Gewerbeaufsichtsamt Gießen. Daraufhin erging folqender Bescheid: „Selbst wenn nicht ab- oder um- gefüllt wird, ist u. E. eine Lagerung überhaupt u n - zulässig, wenn in der Nähe eine Waschküche sich befindet ober eine Schmiede-, Azetylen-, Schweißanlage ober eine andere Feuerstellc neben dem Benzinlager ausgestellt ist. Nach der Aussprache über die Angelegenheit fanden noch einige geschäftliche Dinge ihre Erledigung, worauf um 5.15 Uhr der Vorsitzende mit Worten des Dankes an die Teilnehmer die Tagung schließen konnte. Provmzialdirekior Kranzbühler-Darmsiadi f. WSN. Darmstadt, 17. März. Heute nachmittag verschied plötzlich an einem Schlaganfall der Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg Dr. Kranzbühler. Dr. Kranzbühler wurde am 5. August 1870 als erster Sohn des damaligen Verlegers der „Wormser Zeitung" Eugen Kranzbühler in Worms geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er in Gießen Jurisprudenz. Er wandte sich dann dem Verwaltungsdienst zu. Von 1897 bis 1902 war er Ministerial- sekretär in Darmstadt, bis 1911 Kreisamt- mann in Gießen, nachher Regierungsrat in Schotten und Kreisdirektor in Erbach. Er war auch einige Jahre K^binettssekretär beim Grohherzog. Während des Krieges war er nach der Besetzung Belgiens Chef der Provinzialver- waltnng in Namur. Darauf bekleidete er die Stelle eines hessischen Kommissars beim Reichs- kommisfariat für die besetzten Gebiete mit dem Sih in Mainz. Wegen seines wirksamen Vertretens der deutschen Interessen wurde er aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen. Nach einem kurzen Dienst im hessischen Ministerium wurde er dann 1923 zum Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg und K-eisdirektor des Kreises Darmstadt ernannt. Provinzialdiretor Dr. Kranzbühler war in weiten Kreisen wegen seines ausrechten und geraden Charakters sehr geschätzt. Er brachte außer den Verwaltun"'s- aufgaben und den wirtschaftlichen Belangen der Provinz Starkenburg auch den kulturellen Be- strebungen viel Verständnis und Liebe entgegen; besonders interessierte ihn die geschichtliche und kunstgeschichtliche Vergangenheit. Eifrig hat er u. a. die Ausgrabungen gefördert, namentlich auch die am Kloster Lorsch. In mehreren Zeitschriften und Schriften beschäftigte er sich mit den Kunstdenkmälern seiner Vaterstadt Worms. Er war ein eifriger Anhänger der humanistischen Bildung und leitete in Darmstadt einen Verein, der diese Bestrebungen fördert. Die Leistungen des allzu früh Verstorbenen auf dem Gebiete des Verwaltungswesens und des Wirtschaftslebens der Provinz Starkenburg, sowie feine charaktervolle Persönlichkeit werben die Erinnerung an ihn noch lange wachhalten. Staatspräsident Adelung hat an die Witwe des Verstorbenen nachfolgendes Telegramm gerichtet: «Tief erschüttert erhalte ich soeben die Nachricht vom plötzlichen Tode Ihres von mir hochverehrten Herrn Gemahls. Ich übermittele Ihnen den Ausdruck meiner wärmsten und aufrichtigsten Teilnahme. Der Tod Ihres Gatten bedeutet für den hessischen Staat einen schweren Verlust." Innenminister L e u s ch n e r hat in einem längeren Handschreiben der Witwe seiner wärmsten Teilnahme versichert. Oberbürgermeister G l ä s s i n g von Darmstadt hat in einem längeren Telegramm dec Witwe Dr. K.anzbühlers sein herzlichstes Beileid ausgesprochen und dabei betont, daß die Stadtverwaltung in größter Dankbarkeit der Dienste des Verstorbenen gedenke. Besonders betonte er seine Verdienste in der Sache der Ferngasversorgung. Obsrhessen. Große Kommrmalprojekie in Klein-Linden. 00 Klein-Linden, 18. März. Schon lange vor dem Kriege beschäftigte man sich in unserer Gemeinde mit der Frage der W a s s e r b e s cha f f u n g und der Kanalisationsanlage. Wohl wurden auch verschiedentlich Versuche gemacht, das Werk zu beginnen, aber alle Versuche scheiterten immer wieder, nicht zuletzt wegen her hohen Kosten. Daß eine Wasserleitung heute eine unbedingte Notwendigkeit ist, wird wohl kein Mensch mehr bezweifeln wollen; baß natürlich beute noch größere Kosten entstehen als früher, liegt auf der Hand. Um nun den hiesigen Gemeinberat über die Sache aufzuklären, waren durch bas Kulturbauamt Gießen Kostenooranschläge über verschiedene Projekte ausgestellt worben, die in der Gemeinderatssitzung vom Donnerstagabend durch Regierungsbaurat Steinbach und Kulturinspektor Friedel eingehende Erörterungen fanden. Das nächstliegende Projekt ist das eines A n - fchluffes an das Wasserwerk der Stadt Gießen. Die Nachbarstadt Gießen erklärt sich bereit, die Wassevmengen für Klein-Linden bis an die Gemar- kunasgrenze der Stadt kostenlos zu liefern. Der Wasserdruck der Gießener Leitung soll genügend stark fein, um nicht nur den normalen Verbrauch, sondern auch bei Feuersgesahr den erhöhten Verbrauch zu liefern. Ein Hochbehälter fei also beim Anschluß an Gießen überflüssig. Die Gesamtkosten einer solchen Leitung belaufen sich auf 96 000 Mark. Gerechnet wird (wie in Gießen) mit einem täglichen VerbrauH von 50 Liter Wasser pro Kopf; dies macht für die ganze Gemeinde pro Jahr 50 340 Kubikmeter bgi 330 Hausanschlüsien. An Verzinsung, 8 Prozent, ferner Schuldentilgung, 1 Prozent, und sämtlichen laufenden Unkosten müßten durch die Gemeinde nach Fertigstellung der Leitung pro Jahr 15 920 Mark aufgebracht werden, mithin aus die Hofreite durchschnittlich 48 Mark. Dabei stellt sich der Kubikmeter Wasser auf 31,6 Pf., einschließlich einer Gebühr von 10 Pf., die an die Stadt Gießen zu entrichten ist. Um den Wünschen verschiedener Temeinderats- Mitglieder entgegenzukommen, die der Meinung sind, bei eignem Wasserwerk in eigner Regie der Gemeinde besser und billiger zu Wasser zu kommen, war auch dieser Entwurf durch das Kulturbauamt ausgearbeitet worden. Allerdings müssen hierbei die Vorbedingungen erfüllt sein, daß auch genügend Wasser vorhanden und dieses gesundheitlich einwandfrei ist. Da nach Ansicht der Fachleute nur das Lahngebiet als Wasierlieferant in Frage kommen kann, so müßten dort einige Brunnen gegraben, das Wasser aber mit elektrischem Pumpwerk auf einen Turm gepumpt werden. Der Turm müßte 24 Meter Höbe haben und einschließlich der Drandreseroe 200'Kubikmeter Nutzinhalt fassen. Die Kosten für die Ausführung dieses Entwurfs stellen sich auf 158 000 Mark. An Verzinsung, Schuldentilgung, Abschreibungen und allen Unkosten wären nach Fertigstellung pro Jahr 20 860 M^irk aufzubringen, mithin auf die Hofreite rund 63 Mark, so daß also der Kubikmeter Wasser 40 Vf. kosten würde. Die Kosten für die Kanalisation des gesamten Dorfes würden 185 000 Mk. betragen. Die laufenden Kosten nach Fertigstellung für Schuldentilgung, Verzinsung und Unterhaltung stellen sich pro Nur das Wissen ist das Leben, und der Irrtum ist der Tod. Vergeblich war auch das Bemühen des Verteidigers, im Jahre 1918 eine Begnadigung des Verurteilten herveizwühren, der immerfort seine Schuldlosigkeit beteuerte. Erst die Entdeckung des fürchterlichen Menschenschlächters Karl Denke brachte, nahezu zwei Jahre nach Trautmanns Entlassung aus dem Zuchthaus, die Aufklärung eines Justizirrtums, wie er Gott sei Dank nur selten in den Annalen der neueren Rechtsprechung zu verzeichnen ist. In der Liste, die Denke über seine — einunddreißig — Opfer geführt hat, steht an zweiter Stelle unterm 21. Dezember 1929 der Name „Emma", der unschwer auf die ermordete Emma Sander zu deuten war. Neununüzwanzig Menschen wären vor dem Schicksal dieses Mädchens bewahrt geblieben, wenn der Arm der Gerechtigkeit den wahren Mörder sofort ergriffen hätte! Nach Ileberwindung von mancherlei Schwierigkeiten wurde vom Landgericht Glatz die Wiederaufnahme des Verfahrens durchgesetzt und Trautmann unter Verzicht auf eine öffentliche Haupt- verhandlung sreigesprochen. Das Verhängnis, das den Lebensweg Isadora Duncans überschattete, blieb ihr bis in den Tod getreu. Wie vor vierzehn Jahren ihre beiden Kinder, so kam sie durch ein Auto ums Leben. Zwei seltsame, fast mystische Ereignisse, so lasen wir in einem Bericht, haben den tragischen Tod der großen Tänzerin begleitet. Gerade an dem Tage ihrer zum Tode führenden Autofahrt hatte sie begonnen, die Erinnerungen an ihren russischen Aufenthalt für ein amerikanisches Blatt niederzuschreiben. Die Gestalt Sergej Jessenins, des bolschewistischen Dichters, ihres jungen zweiten Gatten, der sich nach kurzer exzentrischer Ehe in einem Gasthof Leningrads die Pulsadern geöffnet und erhängt hatte, war wieder in ihr Leben getreten. Am Abend fuhr das Auto, das sie zu einer Probefahrt bestellt hatte, vor dem Restaurant vor in dem sie mit einer Freundin zu Abend aß. Von einer plötzlichen Vorahnung ergriffen, beschwor diese sie, die Autofahrt zu unterlassen sie befürchte eine Katastrophe. Die Duncan beruhigte sie lachend, sprang in das Auto und warf das Ende des langen Schals, den sie zweifach um den Hals geschlungen hatte, herausfordernd nach rückwärts. DaS Auto setzte sich in Bewegung, der zurückgeworfene Schal war mit seinen Fransen zwischen der Bremse und den Radspeichen hängen geblieben. Die ersten Drehungen des Rades erdrosselten die Tänzerin, die nicht einmal einen Laut von sich geben konnte. 2(13 Herr Folchetto, der Lenker, die reglose Duncan bemerkte, stoppte er sofort. Es war bereits zu spät. Sie lag entseelt, mit gebrochenem Rückgrat, da. Welche Tragödie ist in der folgenden Meldung enthalten! Ein sieb igjähriger Bankdircktor in Berlin hat einen achtundzwanzigjä'rigen geisteskranken Sohn, der sich oft planlos herumtreibt und wiederholt durch die Vermißtenzentrale gesucht werden mußte, und beschließt, aus Furcht, ihn vielleicht hilflos zurücklassen zu müssen, gemeinsam mit ihm in den Tod zu gehen. 2lls der Sohn noch im Bett liegt, schießt ihn dcr Vater in die Brust. Bei dem Versuch, dem Vater die Waffe au entreißen, erhält er noch zwei Schüsse in den Kopf. Es gelingt ihm, trotz seiner schweren Verletzungen aus dem Zimmer zu flüchten. Der Vater richtet die Waffe gegen sich selbst und ist auf der Stelle tot. Der Sohn wird ins K anken- Haus gebracht, wo sich berausstellt. daß die Schüsse nicht lebensgefährlich sind. Er wird nun doppelt elend sein. Von dem Fluch der sortzeugenden bösen Tat wird man sprechen dürfen, wenn man von einer Begebenheit liest, die sich unlängst in Leipzig zugetragen hat. Der berühmte Schicksalsdramendichter Adolf Müllner hätte keine unheilvollere Handlung erklügeln können. Eine Selbstlodepistole wird von dem Angestellten eines Was enhändlers gestohlen und an einen Vetter weitergegeben. Dieser verkauft sie an einen jungen Lehrling, der ihren Mechan smus einem Kollegen erklären will, wobei sich die Waffe entlädt. Trotzdem das Geschoß dem unglücklichen Zuschauer die Leber zer'eht und den Darm achtmal durchschlägt, gelingt es, ihn am Leben zu erhalten. Der Verkäufer, der am schuldlosesten bei dem tragischen Geschehen erscheint, verläßt nach der polizeilichen Vernehmung sein Heim und ertränkt sich in der Wyrha. Der jugendliche Dieb wird zur Rechenschaft gezogen, worauf die 2lngehörigen so in Aufregung geraten, daß einige von ihnen schwer erkranken. Jahr auf rund 20 000 Mark, für die Hofreite demnach auf etwa 60 Mark, wovon allerdings die Hälfte durch ©emeinbeumlagen aufgebracht werben könnte. Don großer Wichtigkeit ist noch der Umftanb, daß durch die Provinz Oberhessen die Ortsdurchfahrt der Frankfurter und Wetzlarer Straße erst dann mit Kleinpflaster versehen wird, wenn Kanal und Wasserieietung in die Straße vorher eingebaut sind. Die Gesamttosten für Wasser und Kanal belaufen sich (beim Anschluß mit Wasser an Gießen) für die Hofreite jährlich auf 78 Mark. Beim Anschluß an Gießen stellt sich nach Fertigstellung ber Wasserleitung der Kubikmeter Wasser auf 31 Pf., also bie Jahreskosten durchschnittlich für eine Hofreite auf 48 Mark. Da nach 31 Jahren die Schuldenlast getilgt ist, so stellt sich alsdann der Stubifmeter Wasser auf rund 13 Pf., mithin betragen die Gesamtjahreskosten auf die Hofreite alsdann noch rund 20 Mark. Bei eigenem Wasserwerk de r Gemeinde sind nach Fertigstellung der Leitung für den Kubikmeter Wasser 40 Pf. zu bezahlen, mithin betragen bie jährlichen Kosten für eine Hofreite rund 62 Mk., also ungefähr ein Drittel mehr als beim Anschluß an Gießen. Nach 31 Jahren aber, wenn die Gesamtschuld getilgt ist, stellt sich der Kubikmeter Wasser nur auf rund 11 Pf., demnach bie Jahreskosten für eine Hofreite nur noch auf rund 17 Mark. Landkreis Gießen. w. Allen dorf (Lahn), 18. März. Dieser Tage ist der Storch wieder hierher zn - rückgekehrt und hat fein altes Quartier auf einem Baume am Iudenberg bezogen. Im vorigen Jahre erschien er erst am 21. März. Hoffentlich hat er nun auch den Frühling mitgebracht. Cs ist sehr zu wünschen, daß die Störche in ihrer Wohnung und auch sonst unbelästigt bleiben, da es sonst sehr leicht möglich ist, daß sie sich von hier wenden. Dies wird besonders auch für die Brutzeit und die Zeit, in der sie die Jungen im Neste füttern, gelten. al. Allendorf (Lahn), 18. März. Der Gesellschaftsverein „Gemütlichkei t“, der im Jahre 1903 gegründet wurde, feiert in diesem Jahre am 17. M a i (Himmelfahrtstag) fein 25 jäh riges Bestehen. Der Verein zählt heute noch 29 Mitglieder, außerdem erfreut sich der Verein in unserem trauten Allendorf allgemeiner Achtung. — Standesamtlich ist vom Jahre 1927 aus unserem Dorfe zu berichten: Die Zahl der Geburten beträgt 19, die Zahl der Eheschließungen 8, der Sterbefälle 12, hiervon 4 in Gießen, 3 in der Klinik und eine Person im St. Josephs-Hospital. 4- Lang-Göns, 18. März. Dem hiesigen Oberbahnhofsvorsteher Heinrich Flach wurden für mehr als 40jährige Dienstzeit bei der Reichsbahn, während der er 20 Jahre als Vorstand des hiesigen Bahnhofs tätig war, Anerkennungsschreiben des Reichspräsidenten v. Hindenburg und des Generaldirektors der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, überreicht. Flach ist Präsident des hiesigen Kriegervereins und ist allgemein beliebt. * Eberstadt, 18.März. Der hiesige Gesangverein „Liederkranz" oeranftaltete zur Feier feines 74jährigen Bestehens ein wohlgelungenes Konzert unter Mitwirkung eines Streichorchesters. Die Sänger brachten die Chöre mit feinem musikalischen Verständnis und edler Tongebung zu Gehör. Das Orchester half den' Abend durch flott gespielte Weifen bekannter Tondichter verschönen, und ein Lylophonsolo löste großen Beifall aus. Die Leitung der gesanglichen sowie der instrumentalen Darbietungen lag in den bewährten Händen des Dirigenten Sarnes aus Hol'beim. feftigungsanlagen Verwendung finden sollen. ch Lich, 18. März. Schon in früheren Jahren wurde es als ein Mißstand empfunden, daß sich ber bei der Turnhalle befindliche Turngarten für Spiele und volkstümlick^ Hebungen unserer Schul- klassen als zu klein erwies. Auch bei turnerischen Festlichkeiten, die im Freien abgehalten wurden, machte man dieselben Beobachtungen. Nun ist diesem Hebel abgeholfen worden. Da unsere Stadt einen großen Teil des Turngartens zu Straßenzwecken benötigt, so entschädigte sie den Turn- Ein trauriges Ende nahm die Feier einer goldenen Hoch eit in Dattenberg bei Linz am Rhein. Bei dem Feuerwerk, das aus diesem Anlaß abgebrannt wurde, flog eine Rakete quer über den Marktplatz in ein Fenster des Hauses, in dem das Fest stattsand und verletzte eine Enkelin der alten Leute tödlich, während einige andere Personen mit leichten Verletzungen davonlamen. Der Feuerwehrmann, der die Ra ete abgeeuert hatte, war nur mit Mühe davon abzuhalten, sich das Leben zu nehmen. Ein junges Mädchen wird von einem vorüberfahrenden Auto, in dem ein Kaufmann auS Chemnitz, dessen Gat.in und Sohn, der den Wagen steuert, sitzen, aus Gefälligkeit mitgenommen unb verunglückt, als in einer der gefährlichen S K. r 'en d r B'rgcha..ssee Saalf^d-Arnsge- euth die ©tcu'Lung des tafa[itoä,td ar tenden Autos versagt, d eses gegen einen Prellstein fährt und umkippt, wobei die Insas en herausgeschleudert und zum Teil schwer verletzt werden. Ein sünfundachttig Jahre alter Deutscher, der im Iayre 1863 nach Amerika ausgewandert und soeben nach Deutschland herüb'rg.kommen war. um seine Heimat nochmals zu sehen, wurde auf der Eisenbahnsahrt von Hannover nach Magdeburg, während er schlief, von einem Mitreisenden um seinen Reisepaß, eine Schiffskarte, eine Bankanweisung, eine Rückreisekart? von Reutzork nach Manhattan und neun ExpresVchecks zu zwanzig Dollar bestohlen. Gastliche Heimct! Angesichts eines heraufjie'ienben Gewitters wurde an einem heißen Augusttage in Gossa bei Bitter'eld auf dem Felde der Witwe König mit aller Kraft gearbeitet, um das Getreide trocken in die Scyeune zu bringen. Kaum war die letzte Garbe geborgen, als der Blitz in das Gebäude schlug und cs mit der gesamten Ernte einäscherte. Die großen Katastrophen der Menschheit, in denen sich das Verhängnis zu vielfacher Potenz steigert, verändern das Antlitz der Völker, Länder und Landschaften, das Einzelschicksal geht namenlos in dem Ausbruch der Clemente unter und verschwindet in der Masse ihrer Opfer; nur in der täglichen Chronik der kleinen Tragödien wird es sichtbar, eine Frage ohne Antwort, ein ewiges Rätsel der Vorsehung...» Der Hadamarer Mordprozeß von und gab der S opfert. Kr7.5 Büdingen tümer Gederns f a m m l u n Vereins verein, indem sie dem Verein für das wertvollere öelähui an bei OUetzeucr Straße einen grelleren benachbarten Neben oen Eltern und Angehörige-i, den Schulvor- ilcinden und Gemeindevertretungen der beiden (9e- * Büdingen, 18. März. Auch im Seemen - bachtal, kurz vor der Stadt, wurden in den letzten Tagen mehrere kleinere Scharen von Kiebitzen gesichtet. Die hier selten festgestellten Vögel flogen später in nordöstlicher Richtung nach dem Vogelsberg. Kreis Schotten. aus die innerpolitischen Verhältnisse des Chinesen- reiches. Er wies darauf hin, daß die gegenwärtigen Vorgänge in dem asiatischen Riesenreich nicht nur vom religiösen und christlichen Standpunkt aus, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der kultn- rellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Zukunft hochbcdeutsam leien. Für die Umgestaltung des chinesischen Reiches, das eben durch den jahrelangen Bürgerkrieg schwere Erschütterungen durchzumachen habe, rönne die Mitwirkung des Christentums nicht entbehrt werden, da die veralteten Religionen des Buddhismus und Konfuzianismus nicht mehr die erforderliche geistige Kraft besäßen, um die Neugestaltung Chinas aufrechterhalten zu können. G"oen- wärtig könne man noch nicht sagen, ob der Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden des gewaltigen Reiches zu einem allgemeinen Chaos, oder zur Bildung eines modernen Chinas führen werde. Auf jeden Fall spiele für diese künftige Entwicklung das Christentum eine bedeutende Rolle, deshalb müsse die Missionstätigkeit, die mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, mit allem Nachdruck gefördert werden. Interessant war dabei die Feststellung des Vortragenden, daß es unter den ausländischen Missionaren gerade die deutschen am besten verstünden, in das Seelenleben der Chinesen cinzudringen. 3m zweiten Teil seines Vortrages zeigte der Redner an der Hand zahlreicher, recht guter Lichtbilder den Zuhörern Bilder aus brm chinesischen Volksleben, aus der chinesischen R-li- gion und aus der fenenfpenbenb°n Tätigkeit der Ostasienmission. Den Dank der Zuhörer für b"N interessanten Vortrag sprach Pfarrer Hechler in seinem Schlußworte aus. Um 5 Uhr nachmittags hatte ein Lichtbilder vor trag des Redners über das Thema „Kinderfreud unb Kinderleid in China" stattgefunden, der in erster Linie für die Kinder der evangelischen Gemeinde bestimmt war. Kreis Lauterbach. WSN. Limburg, 18. März. Samstag morgen wurde die Beweisausnahme in bem Prozeß gegen den Mörder Harth fortgesetzt. Zwei Polizeibeamte, die den Angetlagtin aus der Fahrt nach der Landeshcilanstalt in Marburg, wo er auf seinen Geisteszustand beobachtet wurde, gegleiteten, hat dec Angeklagte er lätt, er habe den Stich von der Frau Bunte erhalten. Verschiedene Zeugen machten Bekundungen über den Leumund der Frau Bunke, der in sittlicher Beziehung nicht besonders gut war. Ein günstiges Zeugnis stellte der Ermordeten ihr geschiedener Mann aus. Die Fra» sei herzensgut gewesen und habe alles für ihre Kinder getan. 3m Haushalt sei sie allerdings etwas schlampig gewesen. Drei Zeugen aus Hadamar und Elz hat der Angeklagte einige Wochen vor der Tat gebeten, ihm eine neue Frau zu beschaffen bzw. ihn mit einem Mütchen aus Riede- Hadamar lv an. t zu machen, da er mit der Frau Bunke Schluß machen wolle. Zwei Zeugen hat der Angeklante für ihre Vermittlung eine Belohnung von 500 Mk. versprochen. Bürgermeister Dr. Decher (Hadamar) unb Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Dan n bau = f e nv bestätigten, daß ber Angeklagte ihnen kurz nach seiner Festnahme erklärt hat, er habe mit der Bunke gemeinsam nach Verabredung aus dem Leben scheiben wollen. Als biese Aussage bem Angeklagten vorgehalten wird, wurde er ausfällig gegen die Zeuaen und beschimpfte sie Die myste- riöfen 20 000 Schweizer Franken, als deren Eigentümer der Angeklagte sich immer gegenüber Frau Bunke und andern Leuten hingestellt hat. spielten eine Zeitlang in der Verhandlung eine Rolle. Der Angeklagte will das Geld an einen Frankfurter Droschkenkutscher Hugenlchafser geliehen haben. Die 72jährige Witwe des K"tschers und dessen Enkel sind als Zeugen geladen. Beide Zeugen wissen nichts davon, daß der Verstorbene dem Anaeklaoten irgend etwas schuldete. Der Verstorbene sei auch niemals in der Schweiz gewesen, wie der Angeklagte behauptet. Die Zeugenvernehmung wurde nach kurzer 'Nachmittag^"ause ausgesetzt, um zunächst einige S a ch v e r st ü n d i g e zu vernehmen. Professor I a h r m ä r ke r - Marburg hat den Ange'lag- fen auf seinen Geisteszustand untersucht. Der Sachverständige erklärte, daß sich nicht die mindesten Anhaltspunkte für das Vorliegen des § 51 Bei dem Angeklagten gezeigt hätten. Vicht einmal eine verminderte Zurechnungsfähigkeit komme in Frage. Dr. Popv- Frankfurt a. M. hat das Bettuch, auf dem die Leiche lag. untersucht und festgestellt, daß sich in dem Bett kein von dem Angeklagten her- rührendes Blut befindet. Der Angeklagte behauptet, nachdem er der Frau den Stich beigebracht, habe er mit dem Gerichtsvoll'iehcr verhandelt. habe in der Vachbarschaft die bekannten Einkäufe gemacht und sei dann an die Leiche zurückgekehrt. 3n dieser Zeit habe sich das Blut, jedem intereffierten Landwirt die jährlich in Butzbach stattfindende Zuchtviehprämiierung. Sehr be- merkenswert sind die Ergebnisse der seitherigen s Leistungsprüfungen, die zur Zeit in 22 Beständen 1 mit 74 Tieren durchgesührt werden. Anter den I vorliegenden Ergebnissen sind die Spitzenleistungen von 2 Tieren, die 4500 Liter Jahresleistung bei 180 und 160 Kilogramm Fett ausweisen. besonders hervorzuheben. Der Gesamrdurchschnitt dieser unter Kortrolle stehenden, den allgemeinen Durchschnitt allerdings überragenden Tieren liegt bei ca. 3000 Liter. Vach der Rechnungsablage durch Oberreallehrer D i n g sha u s e n - Friedberg hielt Direktor Dr. H e l f e r t - Vidda einen sehr interessanten Vortrag übrr »Das Zuchtziel in der Fleckviehzucht, unter besonderer Berücksichtigung der Milchleistung". Seine Ausführungen fanden durch Generalsekretär Dr. Wagner- Giefen eine wertvolle Ergänzung, besonders durch Die Mitteilung von Vergleichszahlen zwischen den Leistungen von Fleckvieh und Viede.ungstieren. Die Aussprache, an der sich u.a. auch Direktor Dr. Schad (Friedberg) und eine Reihe von namhaften Züch ern, wie H ä u s e r (Vie' e .Wei er), Fauerbach (Okarben). Vies (Heuchelheim), Büreermeister Bock 'G^m^ach), Adami (R:e- derweisel) und Diehl (Münzen'srg) bete'ligten, war eine sehr ausgiebige und reichhaltige. Durch den regen Austausch wertvoller Erfahrungen, konnte jeder Teilnehmer an der Hauptversammlung manche Anregung mitnehmen, die er zu eigenem Vutzen und zur Förderung der Fleckviehzucht gut verwerten kann. Mit dem Ain» weis auf einen guten Besuch des am 22. März in Butzbach stattfindenden Faselmarktes schloß der Vorsitzende mit Worten des Dankes die wohlgelungene diesjährige Hauptversammlung. :: Pohl-Göns, 18.März. Hier hielt im Rathaussaale, da die Kirche noch in Reparatur steht, der kriegsblinde Veisefekretär Ru- dolf Friedrich von der »Christlichen Vlindenmission im Orient", deren Sih in Berlin ist, einen fesselnden Bortrag über die Arbeit dieser Missionsgesellschaft an den Blinden in Persien, wobei er sehr interessante ^Schilderungen besonders der religiösen Gebräuche in Persien gab. — Ein gleicher Bortrag fand anderen Tags in Kirch-Göns in der Kirche statt, nachdem Herr Friedrich nachmittags in der Schule den Kindern in ergreifender Weise vom Elend der blinden Kinder in Persien erzählt hatte. 3n beiden Gemeinden waren die Veranstaltungen recht gut besucht und wurden für diese Missionsarbeit etwas über 64 Mark ge- V Gedern, 18. März. Auf Veranlassung der Stadtverwaltung fand hier im Saale des Gasthauses „zum Löwen" eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der Grundei ^en- ftatt, die sich mit ber artige ber Vornahme der Felbbereinigung beschäftigte. Bürgermeister Muller, der die Veriamm- liing leitete, betonte in seiner Einführungsansprache die Notwendigkeit ber Felbbereinigung für die Ge- bemer Gemarkung unb wies darauf hin, daß sämtliche umliegenden Gemeinden, außer Burkhards, die Felbbereinigung beschlossen oder schon durchgesührt haben. Den Hauptoortrag des Abends über diese bedeutsame Frage hielt der Landtagsabgeordnet« Jost (Bermuchshain), dessen Ausführungen jehr der Anstalt seinen Dank abzustätten. pb. Butzbach, 18. März. Der diesjährige F a - selmarkt, der als 50jähriger 3ubi° l ö. u m s m a r f t abyehalten werden soll, verspricht ein Ereignis von be|onbercr Bedeutung zu werden. Wochenlang sind schon Vorbereitungen im Gange, um dem Äkarkt durch einen Festzug ein besonderes Gepräge zu geben. Unter ber Devise: „Stabt unb ßan b Hanb in Hanb" haben sich bis S t a b i unb eine ganze Anzahl unserer Nachbargemeinden vereint und stellen zu bem Festzug besondere Wagen und Gruppen. So wird die Stadt die ehemalige Schützenkompagnie in historischer Tracht, die Gemeinde Griedel einen Rekrutenaushebungswagen, Rockenberg einen Erntewagen, Pohl Göns einen Hochzeitswagen, Kirch- Göns einen Wagen mit Spinnstube, die Molkerei Ostheim einen Wagen, ber ben Aufbau ber Milchwirtschaft zeigt, stellen. Weiter werben die hiesigen 3nbuftrien verschiebens Wagen im Zuge führen, so ii. a. bie Firma A. 3- T r ö ft e r brei Wagen bie historische Entwicklung des Ackerbaues, bie Firma Rumpf & Sohn einen Wagen bas Schuhge- roerbe unb die Brauerei 3hring-Melchior einen Wagen bas Brauereigewerbe darstellend. Er- roäbnenrorrt find noch der Wagen des M bl^nbe- sitzers Christ (Griedel) mit einer holländischen -Mühle, unb der Wagen des Aevfelweinfabrikan- ten Müller (Ostheim) mit einer Apfelweinschenke. Auch der Reit- unb Fahroerei n Butzbach unb Umgegend wird nicht fehlen. Zwischen ben einzelnen Gruppen werden die prämiierten Vferde, Rinder und die zur Verlosung ange'auften Rinder gefühn werden, lieber 3000 Mk. Geldprämien unb eine ganze Anzahl gestifteter Ehrenpreise kommen Abgang von der Schule die Beziehungen zwischen Schülern und Lehranstalt nicht abrcißen inöchten, sondern daß die Schüler auch in ihrem ferneren Leben sich eng verbunden fühlen mögen mit ihren früheren Lehrern. Er wies darauf hin, daß der Verein ehemaliger Schüler dazu geschaffen fei. das Band zwischen Schule und Schülern auch im ferneren Leben aufrechtzuerhalten. Erfreulicherweise sind fast alle Schüler der Oberklasse dem Verein ehemaliger Schüler beigeire- ten. Zum Schlüsse der Feier ergriff noch der Schüler der Oberklasse W eil aus Echzell das Wort, um im Vamen der Schüler den Lehrern von dem man bekanntlich auf dem ganzen Wege keine Spur gefunden hat. in seinem Leibgurt, wo es zurückgeyalten worden fei, gesammelt. Als er sich dann über die Frau gebeugt habe, sei das Blut herausgeschossen und zwischen Bettstelle und Matratze auf ben Boden gelaufen. Der älntersuchungsrichter hat auch an dem Bettgestell und aus dem Fußboden keine Dlutsvuren feststellen tonnen. Die Aerzte Dr. Anthen - Hadamar und Dr. Weinhold machten Bekundungen bezüglich der Wunde des Angeklagten. Es handelte sich um eine 1—-IV» Zentimeter lange und etwa 1 Zentimeter tiefe Wunde an der linken Brust. Die Wunde fei sehr oberflächlich und mit geringer Gewalt beigebracht worden. Dr. Anthen. Der die Sezierung vor- genommen hat, erklärte, daß der Stich der Frau in l i e g e nd e r Stellung mit großer Wucht beigebracht worden ist. Der Angeklagte will die Frau bekanntlich stehend zusammengestcchen haben. Rachdem noch einige Zeugen teilweise unter Ausschluß der Oessentlichkell vernommen waren, wurde die Verhandlung um 7 Tlhr abends auf Montag morgen vertagt. Es sind noch einige Zeugen zu vernehmen. Man rechnet mit dem Urteil für Montag abend. Oer neue Mord auf dem Westerwald. WSV. Limbu-rg, 18. März. Die Ermittlungen der Todesursache der am Mittwochabend in Viederzeu'beim im Kuhstall t v t aufgefundenen Frau S) i r n haben ergeben, daß die Frau durch fünf <)iebe mit einem scharfen Gegenstand auf den Hinterkopf getötet worden ist. Die intensiven Vachsorschun- gen der Staatsanwaltschaft haben zu dem Ergebnis geführt, daß nach stundenlangem Kreuzverhör der 18jährige Sohn der Ermordeten, Anton Horn, am Samstagfrüh unter dringendem Tatverdacht verhaftet und in das Limburger Landgerichtsgefängnis eingeliefert worden ist. Der Verhaftete bestreitet einstweilen mit aller Entschiedenheit die Tat. Er hat sich jedoch an dem fraglichen Abend mit '"'-er Mutter zusammen in den Stall begeben. Fün M nuten blieb er m t der Ermordeten zu- juuimen. dann suchte er sein Zimmer auf und ging ins Dorf. Kaum hatte er das Haus verlassen, da sand man die Frau tot vor. An seinen Kleidern hat man D l u t s P u r e n entdeckt. Der Angeklagte behauptet, diese rührten von einer Kuh her. deren Wunde er behandelt habe. Das Ergebnis der Untersuchung Dr. Popps wird zeigen, wie es sich mit d'eser Behauptung des Verhafteten verhält. C er Ver astete hatte eine Bekannischast im Sor,. die von seiner Mutter nicht geduldet wurde. Es ist öfter abends, wenn der junge Burs che ins Dorf zu seinem Mädchen gehen wollte, zu Auftritten mit der Mutier gekommen. aufschlußreich waren. 3m Anschluß an ben Vorlrah and eine u.,.fastende Aussprache statt. Das E r • ; ebnis ber Versammlung wurde in einer c i n - timmig angenommenen Entschließung an die Staatsregierung wie folgt zusammen- gefaßt: „Die im „Gasthaus zum Löwen" Derjanv ihren Söhnen möglich gemacht hätten, die Schule zu besuchen. Direktor Dr. Schad gab sodann einen Rückblick für die Geschichte der Anstalt während des letzten Iahres. Insbesondere hob er die großen Verdienste seines am 1. Vovember 1927 in den Ruhestand getretenen Vorgängers, des Direktors Spieß, hervor. Auch er richtete warme Abschiedsworte an die abgehenden Schüler Hoffnung Ausdruck, daß durch den der Schule die Beziehungen zwi- mellcn Grundeigentümer, die ben weitaus größten Teil bes Grundbesitzes ber Gemarkung Gedern ihr Eigentum nennen, jinb bereit, bie Felbbereinigung durchzufühlen, falls der hef- - Friedberg, 17.März. Ueber die Ar- öeitsmarrtlage ist folgendes mttzutei.en: 3n der ersten Märzhälche sind 812 Haupiuntec- -lützun-sen.p ängec aus der Fürso.ge ausgesch e- 9en. Dem stehen 275 Aeuanträge auf Ar.eiis- wsenunterstützung gegenüber, so daß insge.amt ein Rückgang von rund 500 Haupt- unterstühungsempfängern zu verzeichnen ist. Bon diesen wurden etwa 80 in Ro.- standsarbeiten uniergebracht. Die Zählung am 15. März hatte folgendes Ergean.s: ImKrers Friedberg wurden unterstützt 1725, im Kreis Büdingen 542, zusammen 2267 Per» sonen. Zu diefen kommen in Friedberg 157, m Büdingen 5 K.iiemürsorgeempfänger. Die Zochl der Rotstandsarbeiter bet.ägt zur Zeit 288. Es ist dem Arbeitsamt gelungen, zahlreiche Arbeitslose bei Drainagearbeiten unter- »ubringen. Der Vermittlung standen zuerst Schwierigkeiten entgegen, weil bei den Drainagearbeiten Löhne gezahlt wurden, die nach Meinung der zu vermittelnden Arbeitslosen unter Tarif liegen. Rach mehrfachen Verhandlungen ist es gelungen, eine einigermaßen beliebigenZ>e Einigung herbeizu ühren. Die Arbeiter kommen auf einen Verdienst, der dem Tariflohn für Kulturarbeiter entspricht, also einen Stundenverdienst von mindestens 65 Ps. Ein großer Teil der Leute erreicht, da sie im Akkoro arbeiten, einen wesentlich höheren Lohn. Die Spitzenlöhne bewegen sich zwischen 9 biß 10 Wt arbeitüiäglich Von feiten der Gewerk,cha.ten ist die Forderung erhoben worden für sämtliche Drainagearbeiten, auch die die Landwirtschait aus ührt, den Tiefbauaroeilerta.is zu Grunde zu legen. Arbeitgeber und die gesamte Landwirt- fchast sträuben sich energisch gegen eine Derartige Lohnerhöhung mit dem Hinwegs, daß zur vünt Die Drainagen gerade noch rentabel gestaltet würden. Rach einer Lohnerhöhung könnten die unbedingt notwendigen Kulturarbeiten nicht mejr Durchgeführt werden Das Arbeitsamt hofft, auch hier ku einem allgemein befriedigenden Ergebnis zu kommen. _ , . • ,, r i e b b e r g . 18. März. Dieser Tage fand die Schlußprüfung des diesjährigen landwirtschaftlichen LehrgangsderHess. Lehranstalt für Obstbau und Land- wirtschaft zu Friedberg statt Als Regierungsvertreter war Oberlandwirtschaftsrat B a u e r vom Ministerium für Arbeit und Wirt- schäft erschienen. Dieser begrüßte eingangs der Feier die zahlreich erschienenen Eltern. Es prüf- ten sodann Direktor Dr. S ch a d über Boden- funbe. Stubienrat Dr. Heßler über Getrnde- kranlheiten, Landwirtschaftsrat Dr. G o r l a ch über die Verdauung. Oberreallehrer Rings- Haufen über Raumlehre. Rach Ablegung dieser Lehr rot en sprach Oberlandwirtschaftsrat B auer Den Schülern in warmen Worten Der Anerkennung für ihre Leistungen seinen Dank aus. Er wies besonders auf den großen Wert einer gründlichen Fachausbildung hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Erkenntnis immer weitere Fortschritte machen möge. Ferner wies er daraus hin, daß eine so große Anzahl von Eltern auch in der heutigen Zeit der Rot es $ Lauterbach. 16. März. Der Führer- kursus der Feuerwehren wurde gestern unter dem Vorsitze des Kreisdirektors Dr. Michel fortgesetzt: Es wurden Vortrage gehalten von Krnsfeuerwehrinsvektor Ruß (Veu- Iserburg), Ehren kommon dank Damm (Friedberg), F merwehrinspektor Bechtold (Laut r- bach). Während der Mittags' ause fand ei e Uebung der Freiw. Feuerwehr statt, bei der die Motorspritze in Betrieb gesell wurde. Rach Schluß der B rha-dlunge.r veranstaftete die Lauterbacher Wehr einen Komm'rs uiter Mitwirkung der Feuerwehr a elle. Komma-da t Krömmelbein (Lauter ach) s rach deb i der Drandversich'rungskammer den Dan' der Fue- wehrsührer für die Beransta llrng der Kurs' aus. Ehrenkom-'andant Finger brachte e'.ncm Toast auf den Ehcenkom a dant Damm, den Vorsitzenden des Landesverbandes der freiwilligen Feuerwehren, aus. Rheinhessen. LPD. Mainz. 17. März. Die Restau - rierungsarbeiten am Mainzer Doni schreiten rüstig voran. Seit etwa 14 Tagen befindet sich das Wahrzeichen des Domes, die Statue des hl. Martinus, hoch zu Roß, v"ll- ständig neu hergestellt, wieder auf ihrer hohen Warte neben dem Westturm. Im Innern ist auch schon ein Teil der von den Malern Hermann, Lasinsky und Settegast in den Iahren 1859'64 über den Arkaden des Mittelschiffs nach den Entwürfen Philipp Veits ausgeführten Wandmalereien restauriert worden. Vier Personen durch Gas bewußtlos. LPD. Worms, 18. März. Als gestern morgen die ersten Kunden in dec Metzgerei Leopold Reinheimer in der Värengosse Einkäufe machen wollten, fanden sie das Haus noch verschlossen. Der gleich danach eintreffende Metzger- bursche öffnete darauf den Laden, in dem man einen starten Gasgeruch feststellte. Dec Metzgermeister Reinheimer nevst Ehefrau unb Tochter wurden in dem Schlafzimmer bewußt- los vorgefunden, das Dienstmädchen lag ebenfalls bewußtlos im Vorplatz. Die Ehefrau Reinheimer, ihre Tochter und das Dienstmädchen wurden in das Krankenhaus gebracht, während der Ehemann Reinheimer wieder zum Bewußtsein gelangte und in seiner Wohnung bleiben konnte. Es wird vermutet, daß einer der Hausbewohner vor dem Schlafengehen den Hahn des Gasofens versehentlich offengelassen hatte, wodurch ber Unfall entstanden ist. der leicht zu einer entsetzlichen Katastrophe hätte führen können. Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 18. März. Auf Antrag der Kreis gruppe Wetzlar des Verbandes der Kommunalbeamten und Angestellten Preußens hat die hiejige Stadtverwaltung eine Berwaltungs- beamtenschule eingerichtet. Durch die Einrichtung soll den bei der Stadt- und Kreisverwaltung sowie den Aemtern des Kreises beschäftigten An- geftelüen und Beamten die Möglichkeit zur einheitlichen Aus- und Fortbildung gegeben werden. 3m Anschluß an die Unterrichtsbeendigung ist ^en Teilnehmern Gelegenheit gegeben, die erste (Sekretär-) dzw. zweite (Obersekretär-) Verwallungsprüsung ab- zulegen. Die Kosten der Berwaltungsbeamtenschule :Mnb-rg b. ab> L das °us d iem og eine in Dem Fenster $ gnlelin6cI und verletzt " bzre ffleu «tfÄ** "4. »Säs t von 9 ' elnffl i l4lie, $64ii M-LSf - Nlelt .s.j^nden fe MKAr zur Verteilung. * B n h b a ch, 18. März. Anläßlich der Zuchtviehauktion in Butzbach seitens des Landwirt- schaftskamnierausschus'es Gießen sand nachmittags im „Gambrinus" die diesjährige Hauptver» g des Kretsrinderzucht- ....____ Friedberg statt. Der Vorsitzende, Landw.-Rat Dr. Dienst, konnte eine stattliche Anzahl von Züchtern und interessierten Landwirten, sowie prominente Gäste begrüßen. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor, daß die Zuchterfolge der letzten Iahre und besonders des abgelaufenen Geschäftsjahres sehr erfreulich find und den Bc.veis da'ür erbringen, daß bei richtiger Aufzucht und Fütterung, Haltung und Pflege die hessische Fleckviehrasse unter den gegebenen Verhältnissen durchaus am Platze, ja sogar jeder anderen Rasse in der Summe ihrer Leistung überlegen ist. Immer mehr Landwirte, besonders der bäuerlichen Betriebe, gehen wieder zur Haltung dieser Rasse über. Einen sichtbaren Beweis für die Fortschritte dieser Zuchtrichtung bietet meinben waren ber Vertreter des Kreisschulamls '-ließen, Schulrat Fischer, unb Oberregierungs- rn[ Dr. Heß vom Kreisamt bzw. Kreisausfchuß (.ließen erfchienen. Die Prüfung, cheoretifche wie praktische, fanb im Schulsaale statt unb erstreckte sich auf Hanbarbeit, Bügeln, Kochunterricht, Krankenpflege, Haushaltungskunbe unb Wäsche- unb Kleideranfertigung. Die im Saale ber Gastwirtschaft von Karl Scherer sinnreich angeorbnete Ausstel - [ u n g von Handarbeiten unb Wäschestücken zeugte non tüchtigem Können, emsigen Fleiß unb seiner pra'ttschen ©efamtausbilbung. Bei einem nadjfob geaben Kafseelränzchen. wobei Gelegenheit geboten ioar, bie vorzüglichen Backproben zu versuchen, begrüßte Oberrcgierungsrat Dr. Heß bie Gäste, wies auf bie Bebeutung solcher Lehrgänge hin, bie Anregung geben unb Geschmack bilben sollen unb fanb «reffende Worte für bie erfolgreiche Arbeit der Lehrerin 5'4. Mutscher, bie nun schon nahezu 25 3ahre segensreich gewirkt habe. Kreisschulrat Fischer setzte in beredten Worten, ausgehend von der Not ber Zeit, bie Notwendigkeit der hauswirt- ichaftlichcn Ausbildung ber Möbchen aller Schichten der Bevölkerung auscinanber unb unterstrich besonders bie segensreichen Auswirkungen einer tüchtigen Haushaltsführung für die Familie, als ber Grunb- ,elle ber ftaatlidjen Gemeinschaft. Mehrstimmige Mäbchenchöre, ernste und heitere Gebichtvorträge unb bramnti|dje Darstellungen der Schülerinnen, non Lehrer Pfeifer dahier eingeübt unb geleitet, beschloßen bie stimmungsvoll verlaufene Feier. Grünberq. 17. März. Di; jüngste Gemeinderatssitzung unter dem Vorsitz des Bürgermristers Iöckel brachte il a. folgendes: Im Anschluß an den Ge neinderatsbeschluß vom 25. Mai 1926 wird beschlossen, daß dem Iohann Heinrich Krumm, früher in Ahenbain. je t in (Arünberg woh-haft. für das voi Dr. Koch erworbene Gru rdstück (3169 Quadratmeler groß) auf dem Ga'lusmar't 3000 Mk. erhält. Au wr- dem erhält Krumm die ihn bnm Ankauf dieses AckerS e.ttstandenen Rotariats- und Gerichtskosten. sowie die Grund'rwerbssteuer ersetzt. Die auf dem Grui dflück noch ruhende Hypothek von 1Q00 M(. wird mitübernommen. Gin Gesuch der Firma Haas & Comp. um Regelung der Extra ä l tun n vom Frühjahr 1927 wird zurückgestellt, da der Gemeind'rat nicht beschluß- -ahig ist. — R e u b a u t e n f ü r W o h n u n g s- zwecke. die im Iahre 1928 begonnen werden, sollen außer dem Iahre 1923, noch weitere drei Jahre von der Grundsteuer für die Gemeinde befreit bleiben. — Diejenigen Holz- • nufer, die bei der Stadt bei Der letzten Ho zversteigerung Holz gnauft haben, erhallen "em Kaufpreis 3 Prozent Rach' aß, wenn das Hol.grld bis 15. A rii D. I. b,No Sie, Madam Bremm, wie machen Sie bat bloß, en Haufen Kinder, und bann noch wie en jung Mädche?!" ,T) wat," fie schüttelte ablehnend den Kopf, „en alte Frau! Aber, sagen Se, Herr Feiden" — und fie blickte ihn forschend an und winkte gleich danach ihrem Mann mit den Augen zu — „Sie kommen wohl wegen dem Fuder? Wir haben et noch. Et wird immer besser." Sie glaubte etwas gesagt zu haben, was den Handel in Gang brachte. Ach, sie wußte es ja, Bremm würde das Fuder jetzt gern verkaufen; es wäre ein Glück: bar Geld lacht im Haus. Aber Herr Feiden sagte kühl: „Der Eimindzwan- ziger war ein schöner Wein, aber er hält sich nit. Da sind viele mit ereingefaUen. Bremm hüll' verkaufen sollen dazumal, als der noch viel gefragt würd'. Man nimmt ihn jetzt nur zum Verschnitt." „Dat is nit wahr!" Bremm fuhr auf. „Der Einundzwanziger is Hut und bleibt gut. Zum Teufel noch mit dem bummen Gerod, macht mir den nit Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. März iftbiegefamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln, Schecks, Lombards und (£ Millionen auf 2186,0 Millionen Mark z gegangen. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 260,3 Millionen auf 2000,7 Millionen Mark abgenommen, während die Comborbbeftänbe um 40,4 Mill, auf 91,0 Mill. Mk. an gewachsen sind. Die Anlage in Effekten ist mit 94,2 Mttl. Mk. weiterhin unverändert geblieben. AnReichsbanknoten undRentenbank - scheineu zusammen find 183,4 Millionen Mark aus dem Verkehr zurückgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 181.9 Mill. Mk. auf 3885,8 Mill. Mt., derjenige an Rentenbankschei- nen um 1,5 Millionen auf 604,0 Mill. Mk. verringert. Dementsprechend und unter Berücksichtigung, daß in der Berichtswoche 5,5 Mill. Mark Renten- bankschein« gemäß § 70 des Rentenbankliyuidie- rungsgesetzes getilgt wurden, haben die Bestände ber Reichsbank an Rentenbanscheinen auf 39,2 Millionen Mark abgenommen. Die fremden Gelder zeigen mit 492,1 Mill, ein« Abnahme um 34,5 Mil- ' freien "ch *,nb ini 8» WsparsameW** Kaffeegeh-anlMn vollen,das infam» ieschmachmtw lusgezeichneiistiiniiii ineitaiung ^ganzen amilie finde} empfehlen falsZusalz zu jedem iohnen-oderßetreidekaffiee Aedil Franck miHer Kaffeemühle seiHOO hhfen te aneriorti Beste aufiem Gebiet der teienkatozeugu^ liner Börse. °6ern, fjjr £ W «sSk Am DeoilenwÄ" des R b q t.z01» borlic^i II 60 Ä »eFrauenkleiduns ,d frauenkuiwr 30I2D '^.UhrTee mit na(t.V»rfähr-"Sen der Bode!*«1« hm angetommen \ Deibel ia KAM | I 9. M1926 / 302SD 1 rückzuführen war. Daneben war die Nachfrage der Konfirmation wegen besonders in den besseren Stücken gehoben. Auch Wurf, und Konservenfabriken traten in ziemlich bedeutendem Umfange hervor, und nicht zuletzt griffen die Dersandgeschäfte belangreich in den Markt ein. Die Auftriebszahlen beliefen sich für Rinder auf 15.100 (16 400), für Kälber auf 20 000 (18 800), für Schafe auf 7600 (5900) und für Schweine auf 100 700 (106 200) Stück. Die Rindermärkte erfreuten sich eines etwas angenehmeren Handels. Bei ziemlich regelmäßigem Geschäftsgang wurden zumeist etwas gefestigte Preise erzielt. Der Ueberstand will nicht viel besagen. Das Geschäft auf den Kälber m ä r k t e n war relativ gut. Die besten Qualitäten vermochten sich etwas im Preise zu bessern. Die Räumung ging durchweg in schnellem Tempo und ohne Pausen vor sich. In Schafen waren zumeist die Rotierungen der Vorwoche maßgebend, doch neigte auch hier die Tendenz zu leichten Aufschlägen. In Schweinen hat sich das Geschäft namhaft gebessert. Die Märkte konnten meist alles abstoßen. In allen Klassen wurden um 3 bis 4 Pfennig höhere Rotierungen erzielt. Man zahlte in Pfennig per Pfund Lebendgewicht: Rinder Kälber Schafe Sckweine Berlin 20-61 40-85 33-65 47-55 Bremen 25-61 40-85 — 45-57 Breslau 13-56 56-83 43-62 47-57 Chemnitz 25-59 64-84 54-62 50-60 Dortmund 25-63 40-88 — 47-64 Dresden 26-59 60-88 54-68 48-60 Düffeldorf 20-63 45-82 — 45-61 Elberfeld 20-63 50-82 — 50-60 Effcn 25-62 45-110 — 48-60 F ranlf urt.M. 26 - 62 55-80 40-60 46-62 Hamburg 15-61 30-89 35-38 45-53 Hannover 25-60 40-90 30-63 45-55 Husum — — — — Karlsruhe 18-61 59-84 — 43-60 Kassel 20-62 50-70 — 47-58 Kiel 20-54 28-75 31-65 40-53 Köln 20-62 43-110 45-63 45-60 Leipzig 23-60 45-83 33-65 46-56 Magdeburg 22-60 40-125 30-55 46-55 Mannheim 16-62 50-78 42-48 46-60 München 20-59 (0 — 90 — 43-60 Stettin 15-55 35-78 20-54 40-56 Stuttgart 14-62 62-86 — 42-66 Zwickau 20-54 55-86 54-63 52-60 * Die amtliche Großhandelsindex- Ziffer. Die auf den Stichtag des 14. März berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber der Vorwoche um 0,4 o. $)., von 137,9 auf 138,4 gcstiegen. *DeutscheVereinsbank, Kommandit- G e f e l l s ch a s t a. 21., Frankfurt a. M. In der Aufsichtsratssitzung wurde beschlossen, der auf den 24. 2lpril einzuberufenden Generalversammlung oor- zuschlagen, aus dem sich für das Geschäftsjahr 1927 ergebenden Reingewinn von 670262 (587 372) Mark auf das volldividendenberechtigte Aktienkapital von 9 Millionen Mark eine Dividende von wieder 5 o. H. zu verteilen, 100 000 Mark dem Reservefonds zuzu- weifen und 100 022 Mark (101122) auf neue Rechnung vorzutragen. * Wiederaufnahme der Dividende- zahlung bei den Adlerwerken. In der Allifichtscatssihung der Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer A.-G., Frankfurt a. M., wurde der Aosch.uß für das am 31. Oktober 1927 abgelaufene G^fchä.tsjahr vorgelegt. Das Ergebnis gestattet nach der im Vorjahre beschlossenen äleberwcisung von 1 158 466 Mark an die gesetzliche Reserve nach Abschreibungen von 1 620 000 Mart und bei angemessenem Gewinn- Vortrag die Ausschüttung von satzungsgcmäß 7 Prozent Dividende auf die Vorzugsaktien und von 5 (i. V. 0) Prozent auf die Stammaktien. Der Vorstand berichtet, daß im laufenden Ge- scha.ts,ahr der Umsatz in allen drei Abteilungen sich weiter günstig entwickelt habe. Um d i e Dividenden im Salzdet- surth-Konzern. Wie der Lpd. aus Kreisen die dec Verwaltung nahestehen, erfährt, ist nach den jüngsten Verwaltungserwägungen die Dividende bei Salzdetfurth mit 15 (12) Prozent ziem» "ch bestimmt in Aussicht zu nehmen. Dagegen ist bei Westeregeln und Aschersleben eine Entscheidung zwischen 10 oder 12 Prozmt noch offen. Hier Dürften nicht so sehr G^chäftslage und Status, die günstig seien, eine Rolle spielen, als vielmehr preispolitische Momente. Julius Berger Tiefbau A.-G., Ber- l i n. In der Aufsichtsratssitzung der Julius Berger Tiefbau 2l.-G. wurde beschlossen, der am 11. April stattfindenden Generalversammlung nach reichlichen Abschreibungen und Rückstellungen die Verteilung einer Dividende von 20 v. H. (im Vorjahre 15 v. H.) vorzuschlagen. Buntes Allerlei. Englische Prinzen als Geschäftsleute. Wie die nordamerikanische Zeitungs-Allianz zu berichten weih, wird der Reffe der Königin Mary von England, der Marquis von Cambridge, in Kürze eine Stellung in der Coutts Vank annehmen. Dieser Schritt leitet den Wandel in den traditionellen Anschauungen des englischen Hofes ein und man spricht davon, daß auch die Prinzen Henry und Georg, die jüngeren Söhne des Königs, bald einen ähnlichen Versuch unternehmen werden. Mit einer Apanage von 10 000 Pfund, die durch die fast 2000 Pfund betragende Einkommensteuer und die zahlreichen unausweichlichen Spenden für Wohlfahrtseinrichtungen auf die Hälfte zusammenschmelzen, kann Prinz Henry keineswegs als einer der reichen Offiziere des 10. Husarenregiments, bei d:m er d'ent, angesehen werden. Prinz Georg ist als Seeoffizier nur um weniges besser daran. Als Geschäftsleute könnten sie ihr Einkommen leicht verdoppeln oder verdreifachen. Keiner ist von hervorragender Geschicklichkeit, doch beide haben guten Durchschnittsversiand, einige Menschen- und Geschästskenntnis, beide verstehen sich in mehreren Sprachen gut auszudrücken: sie sind alles eher denn schwerfällig. In der Finanz oder Industrie hätten sie sehr gute Aussichten. Ihr Vruch mit der veralteten Tradition würde die Unterstützung des Prinzen von Wales genießen, der selbst schon manche Schranke der Konvention durchbrochen hat. In diesem Zusammenhang muß bemerkt werden, daß der König bei Annahme des Ramens Windsor für seine Familie dekretierte, daß seine Urenkel, mit Ausnahme der unmittelbaren Thronerben, den Prinzen- und Prinzefsinnentitel verlieren und als einfache Bürger gelten sollen. Offenbar um England davor zu bewahren, verarmte Prinzen, die wegen der Tradition keinem Erwerb nachgehen dürfen, beherbergen zu müssen. Durch die Verheiratung der Prinzessin Mary und des Herzogs von Vork mit Angehörigen des Bürgerstandes ist das Königshaus bereits mit der Geschäftswelt verschwägert. Die Zeiten sind vorbei, da die englischen Prinzen in Armee und Marine ein besonders schnelles Avancement machen konnten, doch in Handel und Finanz haben sie gute Aussichten. Sie könnten wohl jederzeit mit der Unterstützung des Prinzen von Wales, der ein reicher Mann ist, rechnen. Doch der Gedanke, von ihrem ältesten Bruder abhängen zu müssen, ist ihnen höchst unsympathisch. Sie sind vielmehr Männer vom Typ jener, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, und da mögen sie als erste Söhne eines regierenden K,nigs von England, die einen Geschäftoberus ergreifen, eines Taz es reicher fein als der Prinz von Wales. (Ein neues deutsches O^anflugprojetL Mit dem Rahen des Frühjahrs tauchen von neuem die Ozeanflugprojekte auf, in deren Zeichen die Fliegerei des Jahres 1927 stand. Auch in Deutschland haben an mehreren Stellen die Vorbereitungen für neue Ozeanflüge bereits begonnen, und zwar sowohl für den Versuch, den Ozean im Ron stop-Flug mit einer einmotorigen Landmaschine zu üc er queren, als auch für das Vorhauen, das iln: ernennen im mehrmotorigen Flugboot mit <>tDi|u>enIanbungea auf einer der Inselgruppen des mittleren Atlantik zu wagen. An erster Stelle muß nach Lage der Umstände das Projekt des Hauptmanns a. D. Köhl genannt werden, des Rachtslugleiters der Lufthansa im Zentraistughafen Tempelhof. Köhl, ein erfahrener Kriegsflieger und ehemaliger Führer eines Bombengeschwaders, gehörte bekanntlich schon im vorigen Iahre zu der Besatzung der beiden Iunkers-Maschinen, die am 14. August in Dessau zum Ozeanflug starteten, und zwar steuerte er gemeinsam mit dem Piloten Lose die „D1167“ („Bremen"). Schon damals hatten die Iunkerswerke Hauptmann Köhl das Der- sprechen gegeben, ihm für ein eventuelles neues Unternehmen eine Maschine gleichen Typs, die einmotorige Iunle.s „W 33", zur Verfügung zu stellen. Köhls Vorbereitungen für ein solches Unternehmen sind-nun so weit gediehen, daß am letzten Samstag die versprochene Iunkers-Ma- schine, die die Zulaffungsnummer „D 1231“ trägt, von Dessau nach Berlin übergeführt wurde, wo sie auf dem Tempelhofer Feld zu seiner Verfügung sieht. Das Flugzeug gleicht in allen Einzelheiten der „Bremen" und „Europa", auch schon rein äußerlich wegen der Tatsache, daß es wiederum keinen Aluminium-Anstrich aus Gewichtsersparnisgrünlen trägt. Köhl wird die Maschine in den nächsten Wochen vom Zentralflughafen aus ein fliegen und dabei vor allen Dingen eine Reihe neuartiger Ravi- gationsinstrumente ausprobieren. Wer ihn auf seinem Ozeanflug, der etwa im Mai stattfinden soll, als zweiter Pilot begleiten wird, steht noch nicht fest. Als Flugroute ist, natürlich un er Berücksichtigung der jeweiligen Wetterlage, wieder die über Irlan d—R eufundland führende kürzeste Strecke in Aussicht genommen. Frank/urLer Börse. Frankfurt a. M., 19. März. Tendenz: zurückhaltend. — Zu Beginn der neuen Woche herrschte an der Börse starke Zurückhaltung. Man rechnet zum Quartlsultimo mit einer scharfen Anspannung am Geldmärkte. Dann erwartet man die erste amtlich« Notierung der J.-G- Bczugsrechte, in denen sich wiederum größere Umsätze entwickeln konnten. Sonst war das Geschäft äußerst still. Das fast vollkommene Fehlen der Kundenorders machte sich stärker fühlbar. Andererseits wirkte der Reichsbankausweis, der «in« weitere Entlastung des Instituts zeigt, kaum anregend. Die Grundstimmung blieb freundlich, die Kursent- wickelung war jedoch nicht einheillich, wobei die Veränderungen nach beiden Seiten bis zu 3 o. H. gingen. Einige Spezialwerte waren weiter verlangt. So konnten Kleyer auf die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung 3 d. S). anziehen. Dagegen verloren Daimler 1,25 o. Sy und NSU 0,75 o. Sy Kali- werte blieben gefragt. Kali - Westeregeln plus 1,25 o.Sy, Kali-Aschersleben plus 3 o.H. Am Farbenmarkte blieben Bezugsrechte mit 10 v. ch. gesucht. ^J.-G.-Farben lagen jedoch 1 v. H. schwächer. Scheideanstalt eröffneten knapp behauptet, Goldschmidt plus 1,13 o. Sy Am Elektro markt überwog das Angebot. Gesfürel und Licht L-Kraft gaben je 2 v. H. nach. Schuckert und Siemens je minus 1,75 o. H. Montanwerte still und wenig verändert. Schiffahrtswerte knapp behauptet. Von Banken verloren Danat 2,5 d. Sy, Disconto 1.25 d. S)., Commerz minus 1,5 d. S). Metall-Gesellschaft zogen 2,25 d. S). an. Deutsche und ausländische Renten still und wenig verändert. Im weiteren Verlaufe kam das Geschäft fast völlig zur Stagnation. Die Kurse blieben behauptet. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 7 d. S). Im Devisenverkehr notierte die Reichsmark gegen Kabel 4,1807, gegen London 20,404, London gegen Kabel 4.8795. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,35, Madrid 29,02. Berliner Börse. Berlin, 19. März. Heute war die Marktlage noch ruhiger, als in der letzten Zeit. Man hörte von Banken'eite Klagen über den Ordersmangel, auch dürfte der kathclische Feiertag mit Schuld daran haben. Die Spekulation hielt sich infolge des bevorstehenden Quartalsultimos ebenfalls zurück. Die Grundstimmung war nicht unfreundlich, die Kursentwicke- lung aber nicht einheitlich. Der heutige Reichsbankausweis wird in seiner Entlastung als normal angesehen. Die Wechsel» und Lombardbestände haben ca. 320 Mill. Mk. abgenommen, der Rotenumlauf hat sich um ca. 180 Mill. Mk. verringert. Die ersten Kurse waren 1 bis 3 Prozent schwächer, doch machten einige Spezialwerte eine Ausnahme mit Kurs- besserungen gleichen Umfangs. Stärker gedrückt waren Beinberg und Glanzstoff, die 11 bis ^Prozent verloren, Polyphon minus 5,5 Prozent. Heimische Anleihen gut behauptet. Ausländer ruhig, zum Teil eher befestigt. I. G. Farbenbonds stellten sich auf 137,5 Prozent, Bezüge 10 Prozent. Im weiteren Verlaufe war das Angebot ziemlich beträchtlich, so daß die Kurse 0,5 bis 1 Prozent nachgaben. Rur Rheinbraun plus 2 Prozent. Polyphon noch minus 2,5 Prozent. Am Geldmarkt ist Tagesgeld eher etwas leichter mit 6,5 bis 8 Prozent und darunter. Monatsgeld 7,5 bis 8,5 Prozent. Im weiteren Verlaufe neigte die Tendenz zur Schwäche und die Kurse liegen weitere 0,5 bis 1 Prozent niedriger. Das Geschäft war nicht umfangreich. ^ranksurior Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. März. Die gesamte Stimmung der Börse war fest. Weizen ist besser angeboten und liegt etwas schwächer als letzte Woche. Roggen ist gesucht und im Preise höher. Braugerste wird immer weniger angeboten, so daß nur wenig Geschäfte zustande a nen. Hafer zieht wieder im Preise an. Weizenmehl liegt unverändert. Roggenmehl ist leicht befestigt. Weizenkleie ist bei geringem Angebot sehr gesucht und fest. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs, 26,50 bis 26,75; Roggen 27; Sommergerste für Drauzwecke 29 bis 31,50; inl. Hafer 26,75 bis 27,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 24 bis 24.25; Mais (gelb) für andere Zwecke 25 bis 25,25; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0. 37,75 bis 38,25; Roggenmehl 36,75 bis 33; Weizenkleie 14,60 bis 14,75; Roggenkleie 15,50 bis 16; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke, 34 bis 60; Linsen, je nach Qualität für Speifezwecke, 55 bis 110; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 8; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4,50; Weizen- und Roggenstroh, gebündeck, 3,25; Treber, getrocknet, 17,75 bis 18,25. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. QU., 19. März. Auftrieb: 1317 Rinder (darunter 320 Ochsen, 74 Dullen, 569 Kühe, 354 Färsen), 535 Kälber, 143 Schafe, 6061 Schweine. — Rinder (Ochfen): Vollflei- schlge, ausgemästete, höchsten Schlachtwe.ts (jüngere) 59 bis 61 Mk., (ältere) 55 bis 58; sonstige vollileischige (jüngere) 50 bis 54, (ältere) 44 bis 49. (Bullen): Iüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwer.s 54 bis 56; sonstige v^ckileischige oder auSgemäftete 50 bis 53. (Kühe): Iüngere, vollsleiscy^e, ^ocysien Schlachtwerts 45 bis 50; sonstige vollileischige oder ausgemcst.ete 40 bis 44;> fleischige 33 bis 39; gering genährte 25 bis 32. (Färsen -- Kalbinnen, IungriNder —): Boll- fleischige, ausgemästete. höchsten Schlachtwerts 58 bis 63; vollileischige 53 bis 57; fleischige 48 bis 52. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 75 bis 80; mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 74; geringe Kälber 56 b^s 64. — Schafe: Mast- lämmer und jüngere' Mafthämmel (Weidemasi). 52 bis 60. — Schweine: Fettschweine über- 300 Pfund Lebendgewicht 54 bis 56; vollfleischige Schweine von etwa 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 54 bis 56; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 53 bis 55; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Psnmd Lebendgewicht 49 bis 53; Sauen 45 bis 50 Mk. — Marktverkauf: Rinder und Schweine ruhig und nahezu geräumt; Kälber und Schafe mäßig rege, ausverkauft. Kirche und Schule. Dorfkirchentagung in Nidda. * Nidda, 18. März. Die Dorfkirchen - Vereinigung für das südliche Ober- Hessen veranstaltet am Montag, 26. März, hier eine Tagung, die sehr interessant zu werden verspricht. Professor der Theologie D. Hans Schmidt (Gießen), der nach Ostern unsere Landesuniversität verläßt, um nach Halle überzusiedeln, wird einen für die Pfarrer und Lehrer sehr interessanten und wichtigen Vortrag mit Lichtbildern über „Bauernerzählungen und Bauernleben aus dem heutigen Palä- ftina" halten. Der Vortragende hat die Erzählungen während eines Studienaufenthaltes selbst gesammelt und die Lichtbilder persönlich ausgenommen. Büchertisch. — Allgemeine Erziehungslehre. Von Professor Dr. Ernst Otto. In Leinenband 12 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Gestützt auf eine umfangreiche Kenntnis der verschiedensten pädagogischen Bestrebungen und Zielsetzungen umreißt der Verfasser in diesem grundlegenden Werke die Aufgaben der Erziehung im weitesten Sinne. Unterbaut wird das Ganze durch Feststellung eines allgemeinen und des speziell deutschen Crziehungsideals. Mittels einer kritischen Würdigung der Hauptwerke eines Ratorp, Vierkandt, Tönnies stellt der Verfasser weitgehend seine eigene grundsätzliche Einstellung zu den Kernfragen der Erziehung klar und untersucht im Anschluß daran den Sinn und die rationalen Regelungen der irrationalen Grundverhältnisse: Machtverhältnis und Liebesverhältnis. Auf dieser Grundlage werden Familie und Staat in ihrer Bedeutung für die Erziehung des deutschen Menschen behandelt. Der zweite Teil des Werkes gibt die Grundlage für die praktische Durchführung der Erziehungsmaßnahmen. Die Erziehung des Körpers, die Erziehung des Trieblebens und die Erziehung des geistigen Menschen sind die drei großen Aufgabenkomplexe, in denen das Ganze der Erziehung inbegriffen ist. 122 Richard Hagen: Der brennenbeSon- t i n e n t. Roman. 384 Seiten. 8°. Weltbücher-Ber- lag, Berlin-Friedenau. Ganzleinen 4,50 Mark; kartoniert 3 Mark. — Ein technischer Zukunftsroman von realer Ginbringlid .eit und dramatisch gesteigerter Handlung, psychologisch glaubwürdig und stilistisch gepflegt: eine spannende Lektüre. 107 — Radclyffe Hall: Adams Geschlecht. Roman. 348 Seiten 8°. Aus dem Englischen übertragen von Elisabeth Wacker (Romane der Welt). Th. Knaur Rächst, Verlag, Berlin W 50. Ganzleinen 2,85 Mk. 105 Telegraphische Auszahlung. Lombardzinsfuß 8 Prozent. 6 8 6 6 1U 1U 12 Deutsche Bank Diskonto-Gesellschaft Hnt Dresdner Bank Mmeldeutiche (IrtbUban! Metall bank ...... ReUMbanf . . ..... 10 10 lo 9 .8 1U Hambura-Ämerila Pake, . Hamb -Sudam Daounsch Hansa Dampfschiff Norddeutscher tloOD Allg Deutsche Credilanff. Barm r Bankverein Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7 Droz __Datum p/. Dt R-ichSanlclde v 1927 Dt Ank Ablöi Schuld mit Au^lol -Rechten Desai. ohne Ausl s -Rechten 7®/o ftrai tf Hvp.'Bl. (Lo dvt unkündbar bis i932 VhPlo Rheinische 6öp -Bank Liqu -Go.dpi V E (L aba BorkrtegS-Od- Ilganontn. ruckLodldor 1932 4'/, Schwer Bundesb.-Anl. ♦% Orfteretchische Goldrte 4,20°/, Oekterr ich Silberne <'7o Leiterreich ein eitl Rte 4°/o Ungarische Goldrte 4°/o Ungarische Staoisr b 1910 •*/»’/ ■ deSgl von 1913 Ungarische Kroncnrte <’/ Turk joüonlcibe v 1911 40/» Türk Bagdadbahn»Bnl s.rie 1 4°/< deSgl Serk II 4*. Rumänen convert Rte 4'/,°Rumänen Goldanl. von 1913 Sllg Deurichc Eilenbahn 4'/, Berliner Handelsyclellsch. Commerz- und Pnvat-Bk 1) Darm ft. u Naiionalbank 12 Jianhturt a.M Berlin 3 aukfurt a.M Berlin ,z auhiuri a. M | Berlin schlutz- i.Ubr. fi'irs - Schnitz Kurs ‘Anfang Kur Schlutz Kurs l-Uhr. fiurs Sch utz- K irs lUnjong Kur Schlutz .Q’irs j l.Ul)r. 1 K»rs l Sch u6-| 'Tlnjang 1 fiurs fiur l 7. 3. 1 19.3. | 17.3. । 19.3 Datum: 17 3. 19 3. 17. 3. 119 3 Datum: 17. 3. | 19. 3. | 17. 3. : 19. 3. 87,25 — 87,5 Ä. E 3 .....7 156 1.5.5 154.5 Blnlivv poljmaun 147 118 5 117 51,85 51.9 52 52.1 Bergmann . ......a 176 - 176 Heidelberger Eemeul . . x 141 141 Elettr Lieferungen . . . 10 167 25 - Temen, Karlstadt • .... 8 181 - — 15 15 Lichl und Krau ... io 216.5 216.25 216.5 216 ti-Qt)6 eld Bne> 207 127 189,25 127 108.9 100,5 99,75 Ämerikaniiche 'Jioten..... belgische Noten ... ... Dänische Noten ...... Englische Noten . ...... 4,167 58 11 111,68 1 20.358 4,187 58.35 112.12 20.438 Berlin 17 Mär< <«eld Brief Franzoiische -Jioicn..... 16,47 16,53 Holländische Noten .... 167,73 168.41 Iirlicnische Noten...... 22 15 22,23 Norwegische Noten..... 111.30 111,74 Teuksch-Lesterr., ä 100 Kronen 58.77 59.01 Rumänische Noten...... 2.585 2,605 Schwedische Noten...... 111.95 112.39 Schweizer Noten....... 80.36 80.68 Spanische Noten....... 70,33 70.61 Tschechoslowakische Noten . . 12.342 12.402 Ungarische 'Noten - . 72 85 73.15 Devrleamartt Berlin —Frankfurt a. M. 17. März <9 März Amtliche Noti rung Älmtliche Noneruna Geld »ner "leld 1 Brie' timrt.» Ron 168,08 168,42 1.792 168,07 168.41 Buen.-Lirec- 1.788 58,2i5 1.787 1.791 58,335 Brss.-Äntw 58.335 58,215 EhriKiania 111,14 111.66 111,46 111.68 Äopcnbaflen 111,93 112.15 111.94 U2,i6 Stockholm 112,08 112,30 112.08 112,30 Helsingiors- 10,52 10,54 10,515 101.1.35 Italien 22,065 22,105 22.055 22.095 London. . . 20,382 20,422 20,381 20,121 Network . . 1.1770 4,1830 1,1.70 4,1850 Poris.... 16,43 16. .7 16,43 16,47 Schweiz . . 80,42 80,58 60,41 80,57 Sva.iea 70 42 70,o6 70,21 70 35 Java» L962 1.966 1,962 1,966 Hto de Jan Wien in D-' J. 503 a 0.50.5 0.5025 0.5045 Cefi. abgeft •*8.79 58.91 •*6.80 08,92 Prag 12,376 12.396 12.377 12,. 97 Belirad 7.349 7,3b3 7.349 7,363 finba&eft <3.03 73,17 73.02 73,16 Bnl arten 3.012 3,018 3,017 3.023 Lissabon 16,98 17.02 17.18 U.46 Danna 81,48 81.64 81.51 81,67 Konst nrtn 2,125 2,129 2,115 2,119 »tbcn 5,594 5,606 6,534 5.546 Canal» 1,177 4,185 4,177 4.185 Lira aav 4.326 4,334 4,316 4,824 e*» ... «1.909 20,949 | 20.905 20 945