Nr. 16 Erster Blatt 178. Jahrgang vonnerrtag. 19. Januar 1928 Oer Abschluß der Berliner Länderkonferenz Die 3. 4. 5. 3. das Ausgehcn kleinerer Länder in Nachbarländer, sowie für die Auslosung von Enklaven und Exklaven stellt die Reichsregierung ihre guten Dienste zur Verfügung. Sie ist insbesondere bereit, eine Stelle zu bestimmen, welche in enger Fühlungnahme mit den Ländern anregend, vermittelnd und aus Anruf der Beteiligten als Schiedsinstan; tätig wird. Zur Vereinfachung der Gesamloer- w a l t u n g des Reiches wird die Reichsregie- Oie letzten Referate. Vereinfachung der Verwaltung. Berlin, 18. Ian. (Privatinformation.) fast immer ; seinen regeimäfM ju — furz, M SW «lüg. ünb bo8 ftirn« Himmels stimmt M mb lange nachwirien' i 3eitl Ohne die gelt es kommt dazu, das mit manchem an fw echnen must. QÖxx wc nde genügen durchs zu bringen, day - n md schönereni» unsere. Sollten sie fit Die Derwaltungsreform in den Ländern bedinge keine grundstürzende Qlenöerung der verfassungsrechtlichen Struktur des Reiches die zwangsmäßige Vereinheitlichung der Derwal- tungsorganisationen der Länder sei abzulehnen, weil sie für die Verwaltungsreform unmöglich sei und schädlich wirke. finanzielle Aushöhlung oder ähnliche Maßnahmen zum Schaden der Lander erweitern. wenn kleinere Länder in Rachbarländern aufzugehen wünschen, so soll dieses Aufgehen nach Möglichkeit erleichtert werden. Die Auslösung der bestehenden zahlreichen kleinen Enklaven und Exklaven im Wege freier Vereinbarung erscheint wünschenswert. Die Länder werden häufiger und beschleunigter als bisher untereinander Vereinbarungen zu Rechts- und verwal- tungsongleichung und Vereinfachung treffen, bei deren Abschluß die Reichsregierung mitwirkt. Die Lösung des G e s a m t p r o b l e m s soll durch den Bericht eines Ausschusses vorbereitet werden, der zu gleichen Teilen von der Reichsregierung und den Länderregierungen beseht wird. Die Regierungen der im ver- fassungsausschuh des Reichsrates vertretenen Länder werden je einen Vertreter in den Ausschuß entsenden. Der Ausschuß hat das Recht der Zuwahl. Er kann Sachverständige hinzuziehen. Den Vorsitz des Ausschusses führt der Reichskanzler. II. Die Reichsregierung hat im Interesse der Lösung des Gesamtproblems folgende Maßnahmen in Aussicht gestellt: 1. Zur Beseitigung finanzieller Rot- st ä n d e von Ländern, die durch die Entwickelung der Verhältnisse eintreten, ist die Reichsregierung bereit, über die geltende verfassungsmäßige Zuständigkeit hinaus geeignete Verwaltungsbereiche solcher leistungsschwach gewordenen Länder auf das Reich zu übernehmen. 2. Zur Herbeiführung von Vereinbarungen über Sicheim Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Wege zur VersaffuW- und Derwaliungsresom Das Schlußproiokoll der Konferenz. Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder »ahm heute vormittag 10 Alfcr die Beratungen wieder auf, und zwar begannen sie sofort mit lern Referat über den dritten Punkt der Tages- »rdnung, der die Probleme der Verwaltungsreform umfaßt. Oer sächsische Innenminister Prof. Or. Apelt schloß sich in seinem Referat dem Standpunkt Les bayerischen Ministerpräsidenten an, daß die Trage der Verwaltung«- und Derfassungsresorm v h n e Verquickung mit dem Problem des Einheitsstaates behandelt werden könnte, zumal Dieses letzte Problem noch nicht soweit entwickelt sei, wie die etwas ungeduldige öffentliche Meinung in Rorddeutschland das erwartet habe. Das Bedürfnis nach einer Derwaltungsreform ergebe sich einmal aus den Erfahrungen der Kriegs- und Rachkriegszeit, dann aus der Rot- wendigkeit, alle Erfparnismöglichkeiten auszu- nuhen. Diese Sparmöglichkeiten dürften allerdings nicht überschätzt werden. Der Minister ist der Auffassung, daß das ganze Problem nach zwei Errichtungen hin durchgearbeitet werden muh, erstens in der Richtung der Vereinfachung unö Verbilligung der Verwaltung, zweitens durch eine möglichst weitgehende Rechtsangleichung auf dem Gebiete der Verwaltung innerhalb Deutschlands: mit schematischen Beschlüssen sei den Dingen allerdings nicht beizukommen. Als Beispiel verwies Dr. Apelt auf die Bestimmung des Reichsbeamtenbesoldungs- Sesetzes, wonach jede dritte sre iw er - ende Beamten st eile nicht wieder besetzt wird. Mit solchen Methoden komme man iricht weiter. Es komme dagegen darauf an, den Aufgabenkreis der öffentlichen Verwaltung einzuschränken. Deutschland habe sich immer mehr zu einer Art Wohlsahrts- ftaat entwickelt. Wir müßten uns aber darüber klar werden, daß die Entwicklung nicht weitergehe, schon nicht im Hinblick auf die Reparationsverpflichtungen. Wenn auch Untersuchungen zu dem Ergebnis geführt hätten, daß 75 Prozent der Aufwendungen der Verwaltung notig seien, so blieben immer noch 25Proz. übrig, bei Venen der Hebel angesetzt werden könne. Streng zentralistisch könne Deutschland nicht geführt werden, denn es brauche einen Unterbau von lebens- , v ollen Selbstverwaltungskörpern: im Gegenteil inüsse das regionale Prinzip gestärkt werden. Ila dem heutigen demokratisch-republikanischen Dolksstaat sei der Reichsrat ein unmög- l iches Gebilde in einer Form, daß er gleichberechtigt neben dem Reichstage wird, etwa wie früher der Bundesrat. An seine Stelle müsse man ein Staatenhaus sehen, in dem neben den Vertretern der regionalen Wirtschaft, der Kulturträger der kommunalen Körperschaften, die Landesregierungen ihre Vertretung haben, wobei freilich auf eine Instruktion dieser Vertreter verzichtet werden müsse. Professor Apelt schloß seine Ausführungen, indem er nochmals betonte, daß der Selbsterhaltungstrieb der Länder erhalten urb gestärkt werden müsse. Oer bayrischeInnenmmister Or. Stützet betonte in feinem Korreferat, das Kernstück der gesamten Derwaltungsreform sei die Bereinigung des Derhältnisses zwischen Reich -und Ländern durch Festlegung ihrer Betätigungsgebiete. Eine endgültige, wirklich durchgreifende Bereinigung des Derhältnisses laßt sich nur durch Aen- derung einer Reihe von Verfassungsbestimmun- aen in der Richtung der Stärkung des vundes staatlichen Charakters des Reiches, aber ohne grundstürzende Aenderung dec verfassungsrechtlichen Struktur des Reiches herbeiführen. Für die Derwaltungsreform ist vor allem die verfassungsmäßige bestimmtere Festlegung der gesetzgeberischen Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern und die Festlegung des Grundsatzes, daß die Reichsgesetze durch die Länder vollzogen werden, notwendig. Solange eine Aenderung der Verfassung in diesem Sinne nicht erreicht ist, muh schon auf der Grundlage der gegenwärtigen Verfassung folgendes verlangt Derben: 1. Es muh das Reich sich auf Ausschöpfung dec Zuständigkeit in Gesetzgebung und Verwal- litig auch wirklich reichswichtiger Angelegenheiten und besonders in der Gesetzgebung auf Rahmengesetze beschränken. 2. Ist auf einem Gebiete der Gesetzgebung oder Verwaltung einheitliche Regelung erwünscht, aber durch Vereinbarungen der Länder erzielbar, so ist dieser Weg einzuschlagen. 3. Der Vollzug der Reichsgesehe muh grundsätzlich den Ländern zustehen. Ausnahmen sind auf unabweisbare Rotwendigkeiten zu beschränken. 4. Der Aufbau weiterer Reichsverwal- lringsbehörden ist, weil er zur Aufsplitterung der Länberverwaltungen führt, zu unter l a f f e n. Bestehende Reichsverwal tungsbe- hörden sind auf ihre unbedingte Rotwendig- icit nachzuprüfen und, soweit möglich, ab* lubauen. Ein Redaktionskomitee, dem zwei Mitglieder des Reichskabinetts, Staatssekretär P ü n d e r von der Reichskanzlei, ferner der preußische, bayerische und sächsische Ministerpräsident und eine Reihe Vertreter kleinerer Länder angehörten, hat dann in mehrstündiger Sitzung folgende Kundgebung beschlossen, die von dem Plenum der Landerkonferenz angenommen wurde: Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß der Wiederaufstieg unseres Volkes nur auf der Grundlage einer einmütigen und verständnisvollen Z u - fammenarbeitzwifchenReichundLän- dem erfolgen kann, sind Reichsregierung und Län- derregierungen in ihrer heute zum Abschluß gelangten Konferenz nach eingehenden Beratungen zu folgenden Ergebnissen gelangt: I. Reichsregierung und Cänigroertreter sind der Auffassung, daß die Weimarer Regelung des Verhältnisses zwischen Reich und Länder unbefriedigend ist und einer grundlegenden Reform bedarf, wenn auch darüber, ob die Reform die unitarischen oder die föderativen Kräfte stärken soll, oder welche Vereinigung beider Kräfte in neuer Form möglich ist, eine Uebereinstimmung nicht erzielt werden konnte, so bestand doch darüber Einigkeit, daß eine starke Reichsgewalt notwendig ist. 3m übrigen wurde In folgenden Punkten Einverständnis erzielt: L 3cbc Teillösung ist bedenklich, insbesondere soll die Gesamtlösung nicht baburd) erschwert werben, bah leistungsschwache Länber vom Reich als „Reich Ständer" ausgenommen werden, finanziellen Notständen von Ländern, welche durch die Entwicklung der Verhältnisse eintreten, soll durch andere geeignete Maßnahmen entgegengewirkt werden; als solche kommen Dotationen sticht In frage. 2. Das Reich soll seinen Machtbereich nicht durch Llm das Reichsschulgesetz. Der Artikel 16a gefallen. Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzeigers". Berlin. 19.Ian. Landerkonferenz, Konflikt im Zentrum und Kampf um das Schulgesetz sind augenblicklich Ereignisse, die der Innenpolitik eine selten starke Spannung geben. Zwar ist der Streit um den § 16a des Reichsfchulgesetzes, der eine Auslegung im Sinne der Anerkennung des bayerischen Kokordates durch ein Reichsgesetz ermöglichte, nachdem die Volkspartei gegen ihn Stellung genommen hatte, nach einer Vereinbarung innerhalb der Regierungskoaliston f o r t g e f a I- l e n. Damit ist ober nur ein Teilproblem des ganzen Reichsschulgesetzes „gelöst", während die Beratung über den §20, der die S i m u l t a n s ch u l e betrifft, noch nicht wieder begonnen Hot. Aus volks- parteilichen Kreisen wird zu diesem umstrittenen Paraaraphen immer wieder erklärt, daß man keinesfalls auf d i e Erhaltung der Simultanschulen verzichten wolle, was natürlich Anlaß für einen neuen Konflikt geben würde. Aber selbst in Kreisen der Regierungskaa- lition scheint man überraschend allgemein der Ansicht zu fein, daß may den Kämpfen um die einzelnen Paragraphen des Schulgesetzes nicht allzu große Bedeutung beimessen dürste, da die Aussichten der Gesetzesvorlage von diesem Reichstage angenommen zu werden, immer geringer würden. 5. Bei den Fonds ist die Reichswichtig- keit bet Zwecke auf Reichsunentbehrlichkeit nachzuprüfen. Fonds für Zwecke, bie zur Zuständigkeit der Länder gehören, sind zu beseitigen. Beim Finanzausgleich ist dies entsprechend zu berücksichtigen. Bestehende Fonds sind grundsätzlich schlüsselmätzig und nur über die Landesregierung zu verteilen. rung demnächst im Reichsrat neue Vorschläge für das Reichsverwaltungsgericht machen. III. Reichsregierung und Cänberregicrungen sind sich darüber einig, daß Maßnahmen' zur Sicherstellung sparsamster finanzge- b a r u n g in Reich, Ländern und Gemeinden getroffen werden müssen. Ein Ausschuß, bet unter Vorsitz des Reichsfinanzministers aus mindestens vier finanzministern der Länder besieht, soll näher prüfen, welche Wege in dieser Richtung gangbar erscheinen. IV. Bezüglich der fragen der Verwaltungsreformen sind sich Reichsregierung und Landesregierungen über die Rotwendigkeit beschleunigter Durchführung von entsprechenden Reformen in Reich und Ländern einig. Diese Reformen haben sich insbesondere auf folgende fragen zu erstrecken: a) Zweckentsprechende Zusammenlegung von bisher nebeneinanberbestehenden Behörden; b) zweckmäßige und den heutigen Verkehrsverhält- uisfen angepahte Abgrenzung der Bezirke bet Lokal- und Mittel behörben. Um eine Gleichmäßigkeit in der Durchführung der notwendigen Verwaltungsreformen in den Ländern und eine Uebereinstimmung in den entsprechenden Maßnahmen des Reichs sicherzustellen, sind sich Reichsregierung und Länderregierungen darüber einig, bah es zweckmäßig ist, wenn a) Landesregierungen der Reichsregierung (Relchs- sparkommissar) ihre Verwaltungsreformpläne milteilen; b) der Reichssparkommissar sich auf Antrag der Landesregierungen zu ihren Plänen gutadjt- l i ch äußert. 3n diesem falle werden die Landesregierungen dem Reichssparkommissar Gelegenheit geben, sich bei den in Betracht kommenden Lcmdesbehörden zu unterrichten. Auch sind sie bereit, die Gutachten des Reichssparkommistars den beschließenden Körperschaften vor der Be- schluhfasfnng zuzuleiten. Mit der näheren Durchprüfung der in Betracht kommenden fragen wird der zu 1,5 erwähnte Ausschuß betraut werden. 21m Schluß der Diskussion über diese Kundgebung sprach Bürgermeister Petersen dem Reichskanzler den Dank der Versammlung für die Einberufung und Leitung der Konferenz und dem Staatssekretär in der Reichskanzler Pündet, den Dank für die Vorbereitung der Konferenz aus. Dann schloß in Vertretung des dienstlich verhinderten Reichskanzlers der Vizekanzler Reichsjustizminister Exz. H e r g t die Tagung mit folgenden Worten: Meine Herren I Ramens des Herrn Reichskanzlers darf ich meinerseits dem Danke der Reichsregierung Ausdruck verleihen. Ich weih nicht, ob es Ihnen bewußt geworden ist: Heute ist der 18. Januar. Wir denken an einen anderen 18. Januar, wo auch über die Reichsgeschicke verhandelt worden ist. ... Damals konnten die Verhandlungen sofort zu einer Lösung geführt werden, und der Jubel ganz Deutschlands stand hinter dieser Lösung. Meine Herren I Wir sind heute zu unserem Bedauern nicht in der Sage, unserem Volke eine Endlösung zu bringen. Wir haben hier nur eine Frage mit ernstem Willen anpacken können. Aber doch sehen wir Möglichkeiten für die Zukunft. Ich, habe mit großer Freude — und das ist auch die Auffassung des Herrn Reichskanzlers — aus den breitägigen Verhandlungen und aus den, vielen Reden hier immer und immer wieder die Der - ständigungsbereitschaft herausgehört und das ist eigentlich das positivste Ergebnis unserer Tagung, daß es gelungen ist, eine f° große, so verschiedenartig zusammengesetzte Versammlung doch letzten Endes in großen Linien SU einer Verständigungsbereitschaft zu bringen. Unö ferner, meine Herren, ist es wohl aller- Meinung,^daß die Sache nicht etwa nun mit dieser Tagung beendet sein soll, daß nicht etwa die Ausschüsse, die wir in Aussicht genommen haben, nun bloß des Dekorums willen gebildet werden sollen, sondern daß in ihnett weiter ernfte Arbeit geleistet werden soll. Wir sehen also hosfnungsfreudig in die Zukunft unö mit diesem Gefühl der Hoffnung unö deö Vertrauens auf öie Zukunft, die auch die schweren Fragen, die uns hier beschäftigt haben, einer Lösung zuführen wird, darf ich die Tagung hiermit schließen" Drntf und Verlag: Vrühl'sche Univerfitäk'Vvch- und Steindruckerel B. Lange in Gletzen. Lchrlstlettung und Seschäftrftelle: Schnlstrahe Z. sämtlich in Metzen. habe bitt J sexuelle WN eutung für dieses H, d-- »“X “n8<" h Stört»«1*1 te8 «*• je cm in 0 cjnen $*, selbst Kliens^ g des? Arants elbst^ genüber geben nU 6ie K *2 «mV ift f«,1,i e# SZL 2 her K Saft* Erstes Echo. Die Berliner Presse zum Ergebnis der Konferenz. Zu dem Ergebnis der Länderkonserenz nimmt bisher nur ein Teil der Berliner Blätter Stellung. Mehrere Zeitungen, so die Kreuzzeitung und die Deuttche Tageszeitung, behalten sich ein näheres Eingehen auf die Resultate der Konferenz vor. Die D. A. Z. sagt unter der Niederschrift: »Gin Anfang": Es ist nicht viel, was als Ergebnis deS großen Länderkongresses gebucht werden kann: Eine Entschließung und zwei Ausschüsse. Aber es ist immerhin ein Anfang, auf dem weiter gebaut werden kann. Denn das, was in der gemeinsamen Kundgebung der Reichsregierung und der Länderregierungen vorgefchlagen ist, unter dem Gesichtspunkte der Gefamtlösung Schritt für schritt durchgeführt wird — und das deutsche Volk fordert, daß es energisch und beschleunigt durchgeführt wird, — so sind wir schon ein Stürf weiter gekommen. Besonders hebt dann noch das Statt die auf öer Konferenz gemachte gemeinsame Feststellung hervor, daß mindestens auf dem Gebiete des Verhältnisses zwischen dem Reich und den Ländern die Weimarer Verfassung einer grundlegenden Reform bedarf. — Die Tägliche Rundschau schreibt: Die auf der Länderkonserenz angenommene Ent chließung ist in der grundlegenden Feststellung ein Kompromiß von einer sehr begrenzten Bedeutung. Die Frage, ob bei einer Reform der Weimarer Versa, fung die föderalistische oder die einheitsstaatlche Richtung befolgt werden soll, ist vollständig offen gelassen worden. — Die Börsenzeitung ist der Ansicht, daß die Länderkonferenz in maßvollen Grenzen positives geleistet und erwünschte Klärung gebracht hat. Wege zur Sparsamkeit und zur Vereinfachung in der Staatsmaschinerie sind gewiesen und der Beweis ist erbracht, daß auf der Beschreitung dieser Wege Deutschland toicbtigere Gegenwartsarbeit zu leisten hat, als Probleme zu wälzen, deren schwankende Schatten hinter öHngenberen Tages ragen zurück- treten müssen. — Die „Germania", das Berliner Organ des Zentrums, bezeichnet nicht die Entschließung der Konferenz als das wichtigste Ergebnis des Länderkongresses, sondern die Erkenntnis, daß die staatlichen, bureaukratifchen Instanzen das große innerdeutsche Problem nicht meistern können. Seine Lösung könne nur gefunden werden, auf dem breiten Grunde einer allgemeinen Volksüberzeugung. hier liege eine große Aufgabe. Dr. Luthers Bund wolle sie in Angriff nehmen. Das Blatt hofft, daß ihm jene Aufrüttelung der ©ei ft er gelingt, ohne die der Weg zum neuen Reiche nicht geebnet werden könne. — In der „Vossischen Zeitung" heißt es: Immer langsam voranl Das könnte man ja vielleicht angesichts der Schwierigkeit der Materie noch begreifen, aber wenn man das Protokoll dieser Konferenz tragisch nehmen wollte, so müßte man tatsächlich daran verzweifeln, daß in absehbarer Zeit für eine Vereinheitlichung des Reiches irgend etwas Wirksames geschehen könnte. Glücklicherweise werden ja die Verhältnisse mächtiger sein, selbst als die Herren Ministerpräsidenten der Länder. Hoffentlich leistet der Ausschuß, dessen Bericht nunmehr „die Lösung des Gesamtproblems" vorbereiten soll, etwas konkretere Arbeit. — Der „Vorwärts" spricht von einem denkbar mageren Ergebnis. Zu einem solchen Ergebnis, so sagt das Blatt, war das Aufgebot von den hundert Regierungsbeamten wirklich nicht erforderlich. Die Länderkonferenz vom Januar 1928 wird in der Geschichte der deutschen Verfassung eine gleiche Berühmtheit werden, wie das Hornberger Schießen. NnaA btt .dadurch 2 n,ch, redlich!^ fleben, )tenten Ar»? clDifl abeu |orr <®tetbe. Glichen Ä.'hni ^toarfon °bachtunae?^ern .natürlich LU 'Sxr- 1 feststellen, L Ä! Sich ? w? • bescheiden Ä.Wt von En das ' er beobachten Fachstudien des Lch. ' oie charakteristischen Kr hanptsternbilder ißt hat, durch einfach 1 kannten zu unbe- ufchreiten «denn aus darf man sich nicht immer an die Aus- nur Lehrern, sondern gesagt. Es soll auch hm an Stoss sehlen - Auszählen und Ae- ■ aus die Dauer ein- bietet immer etwas nan das Fortschreiten rszeit, oder man un« kzleitsstuien, „Groß n" Standort von Planeten R Aecht- oder Rück« rglcicht die Schnellig- Mars mit der Lang- Saturns, der Mond, rin Kapitel für sich, hlen bet Tage eines von verschiedenen Pe- vllmond ist eine teiv ieriger ist die ungc- Erscheint lügUth,außer Sonntage und Feterlag«. Beilegen: Vtetzeuer FamMenblätter Heim al hn Bild Die Scholle.. Monat,.ve;ugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig fftr Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen, poftscheckkomo: Kranfturt am Main 11686. Auualsme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20® „ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Tell Ernst Diumschein; für den An- Das LiquidationsschädengeseH. Der Reichsfinanzminister im Reichstagsausschutz. Berlin. 19. Ian. Gestern tagte der 22. AuS- schuh im Reichstag, um den Gesetzentwurf für Liquidationsschäden und deren Entschädigungen voranzubringen. Reichssinanzrninister Dr. K ö h - I e r ging noch einmal aus das Prinzipielle der Frage der Liquidationsentschädigungen ein, legte erneut den Standpunkt der Regierung in dieser Frage dar und sprach die Hoffnung aus. dah es nunmehr gelingen möge, das Gesetz möglichst schnell unter Dach und Fach zu bringen. Gewiß könnten nicht alle Wünsche erfüllt werden, aber auch diese Frage wäre, wie alle anderen Finanzfragen, abhängig von der Wirtschaftslage Deutschlands, der sich letzten Endes doch alles unterzuordnen hätte. Die Finanzlage des Reiches gestatte eine Erhöhung über die Sätze der Vorlage hinaus nicht. Aus den gleichen Gründen verbiete sich auch eine Erweiterung des Kreises der Entschädi- gungsberechtigteni ebenso unmöglich wie die Erhöhung der Gesamtentschädigung sei auch die Erhöhung der einzelnen Iahreszohlungen. Der Antrag, der 100 Millionen zur Bevorschussung bereitstellen wolle, sei für die Regierung unannehmbar. Die Gesamtbelastung des Reiches belaufe sich auf 1561,1 Millionen Mark. Von dem Entschädigungskapital entfallen 165,5 Millionen auf Barzahlungen: die hierfür erforderlichen Mittel sollen aus allgemeinen Haushaltsmitteln entnommen werden und zwar werden 160 Millionen bereits im Rachtragshaushalt für 1927 erscheinen. Rach weiteren Ausführungen über die Verzinsung und Tilgung erklärte der Minister: An eine Erhöhung der bestehenden Steueraufsorderungen für die Zwecke dieses Gesetzes ist ohne eine nachhaltige Schädigung der Wirtschaft nicht zu denken. Auch eine Erhöhung der für die Barzahlung vorgesehenen Rente des Schadengrundbetrages von 20 000 Mark läßt sich nicht ermöglichen. Dor einem Rücktritt Keudells? Berlin, 19. Ian. (XDIB. Funkspruch.) Unter allem Vorbehalt sei eine Mitteilung der „Voss. Ztg." wiedergegegeben, wonach Reichsminister des Innern von keudell aus Gesundheitsrücksichten vom Reichspräsidenten seine 6 n t - binbung vom A m t c bitten solle. Ls bleibt abzuwarten, ob diese Mitte.«ung des Oppositionsblattes zutrifft. Oie Regierungsbildung in Hessen. Darmstadt, 18. Ian. (TLl.) Die Regierungsbildung in Hessen scheint nun allmählich in Fluh zu kommen. Gestern nahm die Landtagsfraktion der Sozialdemokraten erneut zur Frage der Regierungsbildung Stellung. Rachdem die Entscheidung des hessischen Staatsgerichtshofes über die Gültigkeit des hessischen Landtagswahl vom 13. Rovember Ende des Monats zu erwarten ist, beschloß die Fraktion, die Fühlung mit den übrigen Parteien über die Bildung einer Regierung wieder aufzuneh- men und die Verhandlungen bis zu einem gewissen Abschluß zu bringen. Die ersten Besprechungen dürften noch im Laufe dieser Woche stattfinden. Wimpfen verlangt das Selbstbestimmungsrecht. Wimpfen, 18. Ian. Der Demeinderat hat In feiner letzten Sitzung beschlossen: „Verschiedene Veröffentlichungen in der Presse zu der Frage der Aufhebung der Enklaven urid Er - k l a v e n im Deutschen Reich geben dem Gemeinderat Veranlassung, zu erklären, daß Wimpfen keine Veranlassung hat, von sich aus aus dem hessischen Staatsverband auszuscheiden, wird die Frage der Aufhebung der Exklaven und Enklaven praktisch, so verlangt der Gemeinderat für die Stadtgemeinde Wimpfen das Recht der Selbstbestimmung.“ Die Agrarkrisis in Mecklenburg und Pommern. Stettin, 18. Jan. Die zwangsläufigen Be- triebseinftellunaen auf Rügen nehmen einen katastrophalen Umfang an. Bisher liegen 80 Betriebe, davon 45 größere, still. Die Höfe und Aecker sind völlig verödet. Die Arbeiter sind entlassen. Lediglich das Vieh wird durch das festangestellte Personal gewartet. Die allgemeine Auffassung der Betriebsinhaber ?*).' dahin, daß nur d i e äußer st e Not ihnen diese harten Maßnahmen diktiert hab«, nachdem alle Hoffnungen auf Hilfe unerfüllt geblieben sind. * Im mecklenburgischen Kreise Grevesmühlen haben nunmehr, ebenso wie vor einigen Tagen im Bezirk Hagenow, die Domänenpächter die schriftliche Erklärung abgegeben, daß sie sich angesichts ihrer wirtschaftlichen Notlage außer st ande sehen, noch weitere Pachten und Steuern zu bezahlen. Das Sprachenverbot in Südtirol. Religionsunterricht nur in italienischer Sprache. Bozen, 18. Jan. (WB.) Das Königliche Schul- amt von Trient, dem auch das Schulwesen von Südtirol untersteht, hat den Fürstbischöflichen Or- dinariaten von Trient und Briren den Regierungsbeschluß mitgeteilt, wonach in 'Zukunft in sämtlichen Volksschulen des deutschen Sprachgebietes in Südtirol der Re- ligionsunterrtcht ausschließlich in italienischer Sprache erteilt werden muß. Im größten Teil des Landes durfte der Religionsunterricht auch seit der im Herbst 1923 begonnenen Jtaliamsierung der Volksschulen bis- her noch in deutscher Sprache er! -lt werden. Nun nimmt die Regierung alle, sowohl dem Heiliaen Stuhl wie den Üandesbischöfen in die- ser Hinsicht gemachten Zugeständnisse zurück und verbietet ausnahmslos den Religionsunterricht in der Muttersprache. Gleichzeitig hat das Schulamt 'n Trient durch ein Rundschreiben an die Schulleitungen Südtirols den Gebrauch deutscher Lehrbücher (Katechismen) verboten. Oie einjährige Dienstpflicht in Frankreich. Paris, 18. Ian. iHavas) Bekanntlich ist zwischen bem HeereSausschuß der Kammer und Die Neubesetzung des Reichswehnmniflenums. Oie Kanditatur Groeners. Eigene Drahtmeidung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 19. San. Von ihm selbst geht sie sicher nicht aus. Dr. Gehler hat ihn zu seinem Rachfolger vorgeschlagen. Aber Groener ist so ziemlich der letzte Mensch in Deutschland, der sich zu irgendeinem Posten drängen, um irgendein Amt bewerben würde. Seit er als Vorgänger Oesers daS Portefeuille des Reichsverkehrsministers gehabt hat, das er über zwei Iahre lang unter Fehrenbach und Wirth innehatte, hat man kaum einen Ramen der führenden Köpfe der Rachkriegszeit so selten gehört, wie denjenigen Wilhelm Groeners, General d. I. Dr. h. c. Ob Groener daS Reichswehrministerium tatsächlich übernimmt, ob er es dauernd behält, und ob er, wenn er es übernimmt, a l s Fachmann oder als parlamentarischer Minister anzusehen ist, das sind im Augenblick noch offene Fragen. Im letzteren Falle, der für die Parteien oder fast durchweg als außerordentlich wichtig angesehen wird, müßte er entsprechend seiner Parteizugehörigkeit während seiner früheren Ministerzeit der Demokratischen Partei zugerechnet werden, konnte also äuv Zeit nicht in ein Kabinett eintreten, dem Die Demokraten als Opposition gegenüber- stehen. Ader man würde bei einem General von den Qualitäten Groeners sich dann eben vorläufig mit der Bezeichnung Fachminister behelfen, bis eine andere Konstellation ihm auch den politischen Eintritt in eine der Regierung angehörende Gruppe wieder ermöglicht. Rach der Richtung wären also keine unüberbrückbaren Schwierigkeiten vorhanden. Anders steht es um die prinzipielle Seite der Frage, ob es zweckmäßig ist, den dem Parlament verantwortlichen Minister der Reichswehr aus den Reihen der hohen Generalität und nickt aus denen der zivilen Politiker zu.ent* neymen. Cs gibt Qlrgumente für und gegen beide. Der Fall Roske und der Fall Geßler haben gezeigt, daß das Bestreben eines parlamentarischen Ministers ohne die nötigen militärischen Fachlenntnisse die ihm anvertrautenmilitärischen Stellen zu decken und reibungslos mit ihnen zusammenzuarbeiten, zu Schwierigkeiten mit dem Parlament, und zett-- weilig sogar bis zu einer Vertrauenskrise führt. Auf der anderen Seite läuft ein Mann, der von vornherein die nötige militärische Autorität und den hohen Rang mitbringt, der eine Subordination der gesamten Reichswehr auch im streng militärisch-hierarchischen Sinne erfordert, Gefahr, dah ihm die parlamentarische Verantwortung schwerer gemacht wird als einem Parlamentarier. Dah Groener kein Abgeordneter ist, wäre nicht schlimm, denn er konnte bei der nächsten Wahb kandidieren und würde sicher gewählt werden! es wäre ein immerhin interessanter Versuch, wie sich ein Mann in der Doppelstellung des tatsächlich parlamentarisch verantwortlichen Ministers und des militärischen Fachmanns par excellence als Inhaber des Reichswehrportefeuilles bewährt. Groeners Vergangenheit gestattet es, ihm die Losung jeder Ausgabe zuzutrauen: Feld- Eisenbahnchef, Ehef des Kriegsernahrungsamts und des Kriegsamts, Divisions-, Korps- und Heeresgruppenführer im Westen und der Ukraine und schließlich Rachfolger Ludendorffs als Ge- neralquartiermeister, endlich Reichsminister in der schwersten Periode, das sind Titel, die 'edr Erwartung rechtfertigen. Die Aendemng des Reichsmietengesetzes. Freigabe von großen Wohnungen und gewerblichen Räumen. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 19. Ian. Der Beschluß des Woh- nungsausschufses des Reichstags, den § 1, Abs. 1 des Reichsmietengesehes neu zu formulieren, bedeutet im wesentlichen eine Uebernahrne der preußischen Verordnung vorn Rovember 1926 über die Freigabe von gewerblichen Räumen und die Befreiung größerer Wohnungen von der Zwangswirtschaft in die Reichsgesehgebung. Darüber hinaus sind einige, aber nicht sehr wesentliche Erweiterungen der in Preußen damals geschaffenen Freiheiten nunmehr für das ganze Reich vorgesehen. Die Fassung des neuen Zusatzes ist keine besonders klare und glückliche, so daß darüber zunächst Mißverständnisse obwalten konnten. Aber wir glauben zu wissen, daß die Absicht dabei klar Die war, Wohnunge n von sechs und mehr Zimmern und mit mindestens 100 qm Wohnfläche von der Verpflichtung zu befreien, daß diesbezügliche Mietverträge nur nach den bisher geltenden Bestimmungen des Reichmietengesetzes und nur nach den Vorschriften über die gesetzliche Miete vermietet werden dürfen. Kehrt man diese Regation um, so heißt das positiv, dah vorn 1. April 1928 ab der Hausbesitzer frei ist, 6-Zimrnerwohnungen und größere zu vermieten, wem und wie er will, selbstverständlich unter Beachtung der allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen, die ja gegen Wohnungswucher ohnehin angerufen werden können. Damit entfällt an sich auch der Schuh gegen Kündigung, den die Inhaber solcher größeren Wohnungen bisher in gleichem Maße genießen, wie die Inhaber kleinerer Wohnungen. Das heißt also, der Hausbesitzer würde einer Vertrag zum nächsten zulässigen Termin kündigen können, um bann ab 1. April entweder mit dem bisherigen Mieter einen neuen, freien Vertrag zu schließen, oder nach dessen Auszug mit einem neuen Mieter einen solchen freien Vertrag zu vereinbaren. Voraussetzung ist, dah dieser neue Vertrag, sei es mit dem alten, sei es mit einem andern Mieter, a u f mehr a l s zwei Iahre abgeschlossen wird. Auch hier ist der Sinn nicht klar. Es wird einer Auslegung bedürfen, die feststellt, wie lange die auf unbestimmte Zeit abgeschlossenen Verträge zum Schutz des Mieters noch weiter laufen, wenn dieser nicht in der Lage oder nicht gewillt ist, nach dem 1. April einen neuen Vertrag von mehr als zweijähriger Dauer in freier Vereinbarung mit dem Hausbesitzer zu schließen: denn wenn dadurch z. B. eine für den Mieter untragbare Verteuerung eintritt und er eine kleine, unter Mieterschutz stehende Wohnung nehmen muh, so wird er natürlich nicht in der Lage sein, die alte Wohnung immer zum nächsten zulässigen Kündigungstermin zu räumen, weil er noch keine neue zugewiesen bekommen kann. Mit dem Vorbeha.t, daß solche Ergänzungen und Erläuterungen nachträglich erfolgen, wird man die neue Bestimmung, ebenso wie die Freigabe gewerblicher Räume, billigen können. Wohnungen von sechs und mehr Zimmern kommen in der Regel nur für die zahlungsfähigeren Kreise des Volkes in Betracht. Für sehr kinderreiche Familien, bei denen in dieser Beziehung eine Rotlage vorliegen sollte, werden sich im Zusammenhang mit den erforderlichen Ausführungsbestimmungen noch besonders weitgehende Fürsorgemahnahmen anbringen lassen. Eine weitere Neuerung bringt § 10 des Reichsmietengesetzes, der künftighin gestattet, dah auf Antrag des Vermieters für gewerbliche Räume ein besonderer Zuschlag zur gesetzlichen Miete festgesetzt wird, wenn der Betrieb des Mieters besonders hohe Betriebs- und Instandsetzungskosten hervorruft. Das gilt nach dem Sinn der Vorschrift besonders für die mit Wohnräurnen in Verbindung stehenden gewerblichen Räume, also kleinere Läden usw. und wird gleichsalls durch besondere Richtlinien erklärt und festgelegt werden müssen, um eine übertriebene Belastung von Kleingewerbetreibenden zu vermeiden. Der Wohnungsbau. Die Schwierigkeiten der Finanzierung. Berlin, 18.Jan. (DDZ.) Der Wohnungsaus- schuß des Reichstags beschäftigte sich am Mittwoch mit den Fragen des Wohnungsbaues in Verbindung mit der Denkschrift der Regierung über diesen Gegenstand. Ministerialrat Dr. W ö l z erklärte: Schon vor dem Kriege sei der private Kapitalmarkt allein nicht in der Lage gewesen, namentlich den Kleinwohnungsbau zu finanzieren. Den jährlichen Zuwachs an Wohnungsbedarf berechne die Regierung heute auf 200 000 Wohnungen. Hinzu komme aber noch der dauernd bestehende stark« Fehlbedarf, der nach Auffassung des Reichsarbeitsminifteriums etwa 600 000 beträgt. Man müsse also mit allem Nachdruck und allen oerfüabaren Kräften Wohnungen über den fahr lichenZu wachs« bedarf hinaus bauen. Sehr schwierig sei, die f i n a'n zi e l l e n Mittel zu beschaffen. 1925/26 habe man im Auslande Geld befetjaffen wollen, dann aber habe eine Gegnerschaft gegen Auslands- krsdite eingesetzt. Don den inländischen Geldquellen seien die Sparkassen tatsächlich ergiebiger geworden, die Hypothekenbanken jedoch nicht. Mit dem 15. Februar 1927 fei ein völliger Umschwung auf dem Kapitalmarkt eingetreten. Für den gesamten Wohnungsbau im ganzen Reich fehlten noch einige hundert Millionen aus dem Hauszinsfteuerbedarf und auch Hunderte von Millionen aus ersten Hypotheken. Man schätze insgesamt 700 Millionen, die noch nicht finanziert seien. Im letzten Jahre hätten die Spar- taffen 550 Millionen erfte Hypotheken gegeben. Für 1928 würde man im schlimmsten Falle aus dieser Quelle mit vielleicht 300 Millionen Mark rechnen können. 150 Millionen könne man von den Der- sicherungsträgern, 80 Millionen von den öffentlichen, 100 von den privaten Hypothekenbanken erwarten. Aber außerdem müßten zunächst die Kre- dite von 1927 konsolidiert werden. Deshalb müsse man für das Frühjahr 1928 mit größter Vorsicht nur ein ganz solides Bauprogramm aufstellen. Ein halbes Jahr müsse man einmal warten. 211)0. Hüttmann (Soz.) bedauert, daß diese Darlegungen der Regierung den Eindruck verstärken, wir würden die Wohnungsnot in absehbarer Zeit dicht loswerden. Unerhört sei es bei dieser Lage, daß die Länder das Hauszins st eueraufkorn- m e n nicht ausreichend für den Wohnungsbau verwendeten. Abg. Dr. Steiniger (Dn.) betont, der Fehler bestehe darin, daß man zuviel auf Vorschuß gebaut habe. Solange das Hauszinssteueraufkommen des folgenden Jahres schon immer voraus genommen werde, werde jedes Programm über den Haufen geworfen. So wie bisher wurde es in Ländern und Gemeinden bei der Verteilung der Mittel' allerdings nicht weitergehen. 2tbg1 Paeth (Dn.) war der Auffassung, daß die Wohnungsnot in den 46 Großstädten von Jahr zu Jahr steigen müsse, wenn man weiter diesen Gebieten die ihnen zustehenden Hauszinssteuermittel vorenthalte und Auslandgeld nicht zur Verfügung stehe. dem Kriegsminister ein Konflikt ausgebrochen, zu welcher Zeit und zu welchen Bedingungen die einjährige Dienstzeit eingeführt werden soll. Der HeereSausschuß der Kammer hat heute, nachdem der Ministerpräsident und der Kri-gsminister zu der Frage Stellung genommen hatten, einen von der Regierung vorgeschlagenen Text angenommen, der vorsieht, dah statt im Mai im Rovember 1930 sämtliche Vorbedingungen für die Einführung der einjährigen Dienstzeit erfüllt fein müssen. Dieser Vorschlag wurde vom Ausschuß mit 17 gegen 4 Stimmen angenommen, und daraus hat der I Berichterstatter des Ausschusses den ursprüng- lichen Text fallen gelassen, so dah, endlich eine Einigung in dieser Frage erzielt worden ist. Aus aller Welt. Die ersten Erfolge der Grohstation Zeesen. Roch sind kaum drei Wochen vergangen, dah der neue Rundsunk-Grohfender, der Deutschlandsender in Zeesen, feinen Probebetrieb ausgenommen hat, und schon päufen sich die Anerkennungsschreiben über die Lautstärke und Reichweite der Sendungen. Mit einfachen Detektorapparaten ist der Sender auf fast 200 Kilometer Entfernung Elangrein zu vernehmen. Man hat Zeesen in Italien, Ungarn, Südfrankreich, Jugoslawien, Holland und in allen skandinavischen Ländern mit größter Lautstärke empfangen. Das besagt nichts mehr und nichts weniger, als daß diese Station über den gesamten europäischen Kontinent hin lautstark gehört wird. kein Wiener Besuch des Reichspräsidenten. Zu der Meldung der „Wiener Volkszeitung", daß gleichzeitig mit Dr. Strefemann auch Reichspräsident von Hindenburg ßur Schubert- Feier der Stadt Wien nach Wien reifen wird, erfährt das WDB., daß diese Meldung in keiner Weise den Tatsachen entspricht. Geheimrat v. Glasenapp auf der Straße verunglückt. Der frühere Vizepräsident der Reichs bank, Wirklicher Geheimer Rat von Glasenapp, wurde in Berlin am Kaiser-Franz-Joseph-Platz — gegenüber der Staatsoper — von einem Lastkraftwagen angefahren. Der Verunglückte mußte im besinnungslosen Zustande ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Rostocker Schleppdampfer auf der Warnow gesunken. Der Schleppdampfer „Steinmetz" fuhr mit dem von der Reptunwerst kommenden rumänischen Staatsdampser „O i t u h" im Schlepptau nach Warnemünde. Bei Groh Klein geriet der Schleppdampfer i n s Eis, wodurch s-me Fahrt gemindert wurde. Er wurde von dem nachfolgenden großer Dampfer „Oitutz" überrannt und in Grund gedrückt. Hierbei ertrank der in der Maschine befind iche Maschinist Pinnow. Eine ungetreue Buchhalterin. Rach Tlnlcrschlagung von 18 000 Mark ist aus Potsdam die Buchhalterin Eva Chevalier geflüchtet, die dort seit Iahren.beim Potsdamer Beamtenverein tätig war. Von den veruntreuten Geldern hat sie 8000 Mark einer Freundin in Potsdam geschenkt. Wie die Ermittlungen ergaben, reichten die älnterschla- gungen bis in das Iahr 1926 zurück. Der Polizei hatte die Buchhalterin vor ihrer Flucht eine genaue Ausstellung der unterschlagenen Gelder zugeleitet. Doppelleben eines Banditen. In Sosnowice (Polen) wurde der sehr vermögende bijährige Kaufmann Johann Lewandowski durch Beamte der Lodzer Untersuchungspolizei wegen Teilnahme an vielen Banditenüberfällen verhaftet. Der Verhaftete ist ein berüchtigter Bandit, der in Wirklichkeit Johann Walpcewski heißt und bereits 14 Jahre Zuchtbaus wegen schwerer Raubüberfälle abgesessen hat. Er erfreute sich in Sosnowice allgemeiner Hochachtung, da niemand von feinem Doppelleben etwas ahnte. Bei feiner Verhaftung versuchte er sich mit einem Revolver zu erschießen, doch wurde er daran verhindert. Spenden für die Opfer beim Völklinger Unglück. Für die Opfer der Völklinger Explosionskatastrophe hat die Stadt Saarbrücken vorläufig 25 000, der Bürgermeister von Völklingen 30 000 und Kommerzienrat Röchling, als Besitzer der Völklinger Hütte, 50 000 Franken zur Verfügung gestellt. Oie Wetterlage Oslo dtr । 4 ' Kamo» MUI- den 11. Jan. <124 •Scydlsf/---/ --Z—-X-— ■ / — ■/--/-—/Va^t/undl ©wofhentos. © nenn Q naro oedecn ® woikiq. e oeotem eftegtW * Schnee o. Qraupem • neoet K Gewitter.@wmd5liHe. O se» leichter Ost y massiger Südsüdwest Q stürmischer xordwesl t>le Pfene fliegen mit dem winde Oie oe oen Stationen stenenden U* len gehen die Temperatur an. Die Linien «reromden Oru mit gleicht* ui rtceresmueau umaereconettn Luftdruck Wettervoraussage. Im nordöstlichen und ösUichen Deutschland trat durch den Einfluß des öorhgen Hochs leichter Frost auf. Dagegen zeigten die Temperaturen in Westdeutschland, das im Bereich eines Randwirbels des isländischen Druckfallgebietes liegt, Werte über Null. Außerdem brachte hier der Randwirbel bereits Niederschläge, teils als Schnee und Regen. Da wir sehr bald unter den Einfluß der Rücksitze gelangen, ist zunächst mit etwas unbeständigein Wetter zu rechnen, jedoch dürste der Hochdruckoor- stoß von Spanien her später beruhigend auf die Wetterlage einwirken. WettcrvoraussagefürFreitag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen schwankend, jedoch dabei zurückgehend, nur vereinzel' Schnee- und Regenschauer. WitterungsaussichtenfürSamstag: Neblig-wolkig, auch vielfach aufheiternd, Temperaturen um Null. Lufttemperaturen am 18. Januar: mittags 4,8 Grad Celsius, abends 2,9 Grad Celsius: am 19. Januar: morgens 1,9 Grad Celsius. Maximum 4,b Grad Celsius, Minimum 0,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 18. Januar: abends 2,5 Grad Celsius: am 19. Januar: morgen5 1,8 Grad Celsius. — Niederschläge: 0,2 Millimeter Wintersport im Vogelsberg (hoherodskopf): Wind: Nordost: Temperatur: —3 Grad Celsius Wetter: Nebel: Schneehöhe: 15 Zentimeter; Beschaffenheit: gekörnt: Sportmöglichkeit: gut. ^.Ktagerta ,* M sä» av "iS**. ;S7,5& y?s‘S. 5 $ranh*«= ^4 Nutz" ;m R,VunQni- Mä Ä 61 ®*v«»wU ' ^uchhallerin. S*Ät ue 8000 QHat! tin* Än öie UnIeM 1926 zurück. Der PG vor ihrer Flucht Der unterschlagenen S» aer BanMtea, Burte der sehr oermöür. nn Lewandowski durchs chungspolizei wegen II enübersällen verhastei erüchtigter Bandit, der r Newski heißt und bette is wegen schwerer fiati Er erfreute sich In €o- >achking, da niemand v? 15 ahnte. Bei seiner Lr ) mit einem Nevolver t ' daran verhindert. beim vokklinger llaglM MlKinger Ex-losiorL t Saarbrücken dvM t von Vvlllingen JOM! chlmg, als Besitzer k Franken zur AerfüM iiertage. Wj uU tytfr Jll ,orhK$r".^ erunfl<*;nö nUr ■*' U.S 3<** SS*** Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 19. Januar 1928. Oie Sitzung. Es klingt paradox, aber es ist doch so: Die «Hungen sind zur stehenden Einrichtung geworden. Die man die Möbel zur Einrichtung ebnes Raums rechnet, so gehört es zu einem, inodernen Menschen, daß er seine Sitzungen hat. Man gehört einigen Vereinen an, und dort nennt EN Versammlung, was anderwärts eine Sitzung ifi. 3m Grunde ist es dasselbe. Das wichtigste ift, daß man beisammen sitzt und sich über irgend etoa8 aussprechen kann. Man könnte das natürlich auch ohne festes Programm und feierliche 'Ginladung. Aber die Tagesordnungen sind dazu di, daß man den Faden nicht verliert, was trotz- dmn noch einem Redner widerfahren kann: daran fi rb aber die Teilnehmer schuld, die dem Sprecher zu auffällig auf den Mund sehen. Wenn ein Mdner gesprochen hat, schmunzelt er, weil er sich freut, zur Klärung der Angelegenheit seinen wertvollen Beitrag geliefert zu haben. „Wie mein se;r geschätzter Herr Vorredner ganz richtig aus- gs'ührt hat", sagt der nächste. Damit ist schon eine Art Brude.schäft geschlossen. Ein sehr beliebter Sitzungsteilnehmer ist der Dkiuerredner. Gr ist wie die bekannte Schlange, ditr sich in den Schwanz beißt, oder wie eine L.levatorkette, die deshalb unendlich ist, weil sie hort wieder anfängt, wo sie zu Ende war. Man lann dem Dauerredner stundenlang zuhören, iDitnn man einen bequemen Stuhl hat und einen jlfctzattigen Winkel, in dem man schlafen lann. D'is schönste an der Sitzung aber ist, wenn sie Me ist. Aber sie ist so lange nicht zu Ende, i bli der Schluhredner gesprochen hat. Es gibt Beute, die sich diesen Posten zum Rebenberus ae-nacht haben, obwohl er nichts einbringt als 1 bas Ergebnis, daß er die Leute hinausbringt, lind auch das ist noch nicht sicher, wie es auch leine notorisch feststehende Tatsache ist, daß das Idjwnfte der Sitzung der Schluß ist. Meist ist bi* Rachsihung das schönste. Ünd die dauert säst nmner länger als vorgesehen war. Daraus er- IlLrt sich, daß man oft in nachmitternächtiger kbande Leute sieht, die Selbstgespräche führen. 8cas sind alles Sitzungsteilnehmer, die die Tages- irBnung rekapitulieren und, der Rot gehorchend, nid)t dem eigenen Triebe, noch einige Punkte stvizuersinden, damit es nicht an der glaubhaften Begründung fehle, wenn zu unzeitgemäßer 6hinbe einige unliebsame Fragen an den Heimlehrer gerichtet werden. Bei solcher Gelegenheit lann es auch Vorkommen, daß der beste Dauer- revner nicht mehr zu Worte kommt. Studenten-Huldigung »or Geheimerat Prof. Or. Behaghet. ISie Studentenschaft unserer Landes-^lniversi- lit brachte gestern abend dem Geheimerat Prof. !>r. B« haghel aus Aiv.aß seines 50. Dozenten- jubiläums und seiner 4Ojährigen Zugehörigkeit |in n Lehrkörper der Alma mater Ludoviciana tnt-t Huldigung dar. 3n geschlossenem Zuge, iie- Chargierten in Wichs, die Fahnen voran, rarschierten die Korporationen gegen 6,30 Uljr ton Oswaldsgarten aus unter Marschmusik über sie Westanlage, die obere Bahnhofstraße, Liebig- srcih«, Frankfurter Straße, Wetzlarer Weg nach kc Hoffmannstrahe vor die Wohnung des Jubilar». Hier entbot ein Sprecher der Studenten- feaft dem „hochverehrten Lehrer und guten öteunb der akademischen Jugend" Geheimerat sr«s. Dr. De haghel die herzlichsten Glück- lümsche der Studentenschaft zum Dozentenjubi- Eu-m und brachte auf ihn ein freudig auf« cirommenes Hoch aus. Der Gefeierte dankte in 'bnzlichen Worten, wobei er seine innige Ver- lamdenheit mit der akademischen Jugend unserer Universität betonte, die Stuoentenschast ermahnte, Wieweit ihrer großen Verantwortlichkeit bei der Kl tacbcit am deutschen Wiederaufbau eingedenk N sein und stets zu erweisen, daß der gute diu.lsche Geist an unserer Landesunioecsität in jtbeni einzelnen Studenten lebendig sei. Darauf Zeigte der Abmarsch der Korvorationen durch : Ite Frankfurter Straße, Selterswvg. Sonnen- filutze, Kirchenplah zum Caf6 Leib zur Reichs- {rü nbungSfeier. Stadiiheaier Gießen. Man schreibt uns: Das entzückende Kinder- lärrHen „P e t e r ch e n s M o n d f a h r t" übt hütend die allergrößte Anziehungskraft auf 2rs sicher von fern und nah aus. Ausdrücklich k ibarauf hingewiesen, daß die n ä ch st e Bot» Belitung des Stückes am Sonntag, 22. Oanuar, nachmittags 2,30 Uhr beginnt mb« etwa 5,15 Uhr endet. Der frühe Qlnfang is idadurch bedingt, daß die Fremdenvor- Ile Klung dieses Sonntags, die Franz Mol- :mns glänzende Komödie „Spiel im Schloß" Ibringt, um 6 Uhr ihren Anfang nehmen muh. '2ciS „Spiel im Schloß' ist das auf deut- Hdem Bühnen zur Zeit meist gespielte Werk: rin Dezember des vergangenen Jahres wurde es Mi nicht weniger als 40 Bühnen gegeben und Meuall mit g.eich großem durchschlagenden Cr- 'Bstg.. Es ist ein wirklich witziges, pikantes Werk, den großen Vorzug genie'.t, sich in seiner ' Hirtlung von Akt zu Akt zu steigern und das im hiesigen Stadttheater in einer anerkannt I »uKiglichen Darstellung gebracht wird. Der De- slkch der Vorstellung kann aufs wärmste emp- I i|c)!un werden. Borbestellannahmen sind eingerichtet i in Ä r o s d o r f bei Kaufmann Karl Wagner, !H:u^tstrahe 79, L i ch bei Buchhandlung Her- nnm n Vollmann, Wißmar bei Schreib- vwirLnhandlung H. Kümmel, Grohen-Du- IT eck bei K. Schmid t, Kaiserstcaße Ar. 27. Taten für Freitag, 20 Januar. Scomenausgang: 7.55 Uhr, Sonnenuntergang: MA Uhr: Mondaufgang: 6.14 Uhr, Mondunter- y: 13.51 Uhr 833: Der D ch.er Martin Christoph Wieland ^Weimar geft. (geb. 1733); 1874: Der fran» Mlche Maler 3ean Francois Millet in Dar- mpm geft. (geb. 1814); 1880: Der französische e31:a ;8mann Jules Favre In Versailles gest H'Mo. 1809); 1900: Der englische Schriftsteller Ruskin in Coniston geft. Gietzener Wochenmarktpreise .. tofteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 140 bis 160, Matte 30 bis (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 25 bis cM Weißkraut 18 bis 20. Rotkraut 25 bis 30, Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 40 HniH Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 25, Rosenkohl 50 bis 60, Feldsalat 150, Tomaten 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 5'/,. Aepfel 12 bis 20, Birnen 10 bis 15, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 110, Rüsse 50 bis 90; das Stück: Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 140, Salat 25 bis 40, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pfennig. Bornotizen. — Tagcskalender für Donnerstag. Gesellschaft für Erd» und Völkerkunde: 8.15 Uhr, Lichtbilderoortrag. — Deutschnationaler Handlungs- aehilfenverband: 8.15 Uhr, Katholisches Vereinshous, Vortragsabend. — Spielvereinigung 1900: 9 Uhr, Gasthaus Boller, ordentliche Jahresversammlung. — Altersvereinigung 1878—1928: 8 Uhr, Gasthaus „Bayerischer Hof", Versammlung. — Singsaal des Realgymnasiums: 8 Uhr, Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „U 9, Kapitän Weddigen". — Asto- ria^Lichtspiele: „Der Todesspringer". — D i e Vortragsvereinigung veranstaltet am morgigen Freitag einen Vortragsabend des bekannten deutsch:,! Vortragsmeisters Ludwig Hardt. Der Abend verdient allseitiges Interesse. — Siehe heutige Anzeige. — Der Raturheilverein feiert am Sonntag, 22. d. M.. im Kath. Vereinshause sein 17. Stiftungsfest. Wer je einen schönen Abend in diesem Verein miterlebte, wird auch gern dieser Einladung folgen. Gäste sind willkommen. — E i n Vortrag für Frauen findet morgen, Freitag, abend in den Palast-Lichtspielen statt. Die Hygieneschriftstellerin Agnes Krägeloh aus Köln wird über das Thema „Liebe, Ehe, Krankheit und Gesundheit" sprechen. Rur Frauen und Mädchen über 16 Jahre haben Zutritt. Näheres in der gestrigen Anzeige. — Ein Filmoortrag über Kanada wird am Samstagabend in den Palast-Lichtspielen stattfinden. Redner ist der Oberingenieur Henry Blecker von Hannover, der Film ist im Zusammenwirken mit dem Norddeutschen Lloyd entstanden. Näheres in der heutigen Anzeige. * ** Gin Gießener Gelehrter an der Frankfurter Universität. Vom Sommersemester 1928 ab werden in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität Vorlesungen aus dem Gebiete der landwirtschaftlichen Betriebslehre abgehalten werden. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat damit den Geheimen Hofrat Professor Dr. G i s e v i u s in Gießen beauftragt. ** Militärpersonalien. Am 1. Februar treten in der Reichswehr eine Anzahl Personalveränderungen ein, die bereits zum großen Teile endgültig beschlossen sind. Wie uns hierüber aus Berlin berichtet wird, befinden sich darunter folgende Veränderungen im 15. 3nf.-Regt.: Generalmajor Fett, Kommandeur des 3nf.- Regts. 15, wird Infanterieführer I; Freiherr von Brandts vom Stab der 1. Kavalleriedivision wird Kommandeur des Inf.-Regts. 15; Oberstleutnant Fritz, Kommandeur des 1. Batl. Inf.- Regts. 15 und Landeskommondant in Hessen wird Kommandant von Ulm (Donau). Ueber die Persönlichkeit des neuen Bataillonskommandeurs in Gießen und Landeskommandanten in Hessen liegt bis jetzt noch keine Meldung vor. Mit dem 31. Januar d. I. scheidet der Kommandeur des Ausbildungsbataillons des Inf.-Regts. 15 in Marburg, Oberstleutnant Iungermann, aus dem Militärdienst aus. Auch über feine Rachfolge ist bisher noch nichts bekannt. ** Gebäudeabbruch in der Löwen- gaffe. In den letzten Wochen wurde das Haus Löwengasse Rr. 18 abgebrochen, das sich in baufälligem Zustand befand. Verschönert ist das Straßenbild dadurch allerdings noch nicht, denn der Anblick auf die freigelegten Mauern des stehengebliebenen Hintergebäudes und die leeren Türöffnungen, die früher Vorder- und Hinterhaus verbanden, ist nichts weniger als erfreulich. Da die Löwengasse eine der Hauptdurchgangsstraßen ist und von vielen Auswärtigen benutzt wird, muh eine baldige Verbesserung dringend gefordert werden. Eine Aen- derung des jetzigen Zustandes ließe sich dadurch herbeisühren, daß man entweder an dieser Stelle einen Reubau erstellte oder das noch stehende Gebäude ordnungsgemäß herrichtete und das Grundstück mit einer passenden Einfriedigung versähe. ** D i e Dorfkirchenvereinigung Gießen-Wetzlar hält am Dienstag, 24. Januar, in Gießen ihre dritte Tagung für Pfarrer und Lehrer ab. Univ.-Professor Dr. Hans Schmidt von Gießen wird sprechen über „Tauerner?ählungen und Bauernleben im heutigen Palästina". Der Vortrag, unterstützt von zahlreichen Lichtbildern nach eigenen Ausnahmen des Vortragenden, soll mit den Ergebnissen einer längeren Forschungsreise in Palästina bekanntmachen. ** Freislüge als je 500. Gast im Flugplatz- .Case haben in letzter Zeit erhalten: Dieter Poppe r t, Wilhelmstraße 15; August W e i d i g, Licher Straße 15; Köppe, Göttingen. '* Deutscher O st b u n d. Die Ortsgruppe des Deutschen Ostbundes veransta'tete am Samstag eine Abschiedsfeier für ihren bisherigen Vorsitzenden, Prof. Dr. S P e ch t, der am 1. Februar nach Frankfurt a. d. Oder übersiedelt, um dort als Chefarzt das evgl. Krankenhaus zu übernehmen. In überaus herzlichen, anerkennenden Worten zeichnete Dr. Hirsch f eld die Arbeit des Vorsitzenden und überreichte ihm im Auftrage der Ortsgruppe eine Radierung von Gießen und eine Urkunde mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Die Urkunde war in künstlerischer Weise von Mitgliedern der Ortsgruppe selbst, Reg.- und Baurat Häusler entworfen und gezeichnet und von Buchbindermeister Richter gebunden worden. Der Landesverbandsvorsihen- de Prager- Frankfurt a. M. überbrachte den Dank des Landesverbandes und der Zentrale Berlin. Ties gerührt über die zahlreichen Ehrungen dankte Prof. Specht seiner Ortsgruppe und den Rednern und versprach, auch an feinem neuen Wirkungskreis sich alsbald tatkräftig für die Interessen des Ostens einsetzen und besonders auch von dort aus weiter die Arbeit in Gießen nach besten Kräften fördern zu wollen. Ausgezeichnete Vorträge von Mitgliedern, teils ernster, teils humoristischer Art schlossen sich an und hielten die Ortsgruppe bis in die frühen Morgenstunden zusammen. Zum neuen Dor ätzenden wurde einstimmig Fabrikant Rautenberg aus ®ie?;en gewählt. Der „Hubertus". Verein weidgerechter Jäger, Sitz Gießen, hielt am Sonntag in feinem Vereinslokal „Hess. Hof" seine Jahreshauptversammlung ab. Der Ge° I SkMS-WWWMM» erfordern heute eine sorgfältige Textgedung und Satz aus stattung. Gute Satzleistungen find nur erreichbar, wenn die Anzeigen Wellig genug abgegeben werden. Der Annahmeschluß für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nach mittag vor der Aufnahme. Lmpfehlungs- anzeigen müfien, je nach Umfang und Satzschwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt sein. Nur mit Sorgfalt und dem not. wendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen IMm Den etmünidilen üilnlgi schäftsbericht des 1. Vorsitzenden Pascoe- Dutenhofen zeigte, daß der Verein, der 160 Mitglieder zählt, auch im Jahre 1927 in dem Rahmen, den er sich gesteckt hat, mit Erfolg für das Weidwerk arbeiten konnte. In allmonatlichen Versamnrlungen wurden Vorträge aus allen möglichen Gebieten der IagdkUnde gehalten; die praktische Ausbildung zu wirklich weidmännischer Iagdausübung wurde durch Veranstaltung von zwei Hundeprüsungen und durch regelmäßige Schleßübungen gefördert. Der Hegeringgedanke wurde weiter gepflegt. Wenn der Abschuß von Rehwild mit Schrot und auf Treibjagden eine sehr starke Einschränkung erfahren hat, so darf das der Verein als einen Teilerfolg buchen, den er besonders freudig begrüßt, und den er hofft, in absehbarer Zeit zu einem vollen Erfolg ausgestalten zu können. In wirtschaftlicher Hinsicht wurden die Mitglieder durch Gewährung einer sehr günstigen Haftpflichtversicherung, Vermittlung von Wild zum Aussehen und Beratung unterstützt. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins erwiesen sich als günstig. Auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre wurden auch für 1928 wieder zwei Hundeprüfungen und jagdliches Schießen beschlossen. Diesem dürfte ein besonderes Interesse gelten, weil der Verein hofft, in diesem Jahre die Reuanlage brauchbarer Iagdstände für Kugel- und Schrotschießen verwirklichen zu können. Rur der waffengeübte Jäger, dem ein zuverlässiger Gebrauchshund zur Seite steht, vermag wirklich weidgerecht zu jagen. 3m Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen sprach der stets freudig und dankbar begrüßte Berater des Vereins in jagdkundlichen Fragen, Geh. Rat Prof. Dr. Olt über „Die Hasenseuchen als Ursache der schlechten Hasenstrecken und die Maßnahmen zu t^rer Bekämpfung". Der Vortragende wies auf die große wirtschaftliche Bedeutung dieser Frage hin. Wie unsere Haustierbestände teils durch Seuchen schwer gefährdet sind, so drohen auch dem Wild solche Gefahren, die durch ungeeignete Maßnahmen noch gesteigert werden. An Hand von Präparaten wurden die Leberegelseuche, die Pseudotuberkulose, die Spi- rochaetose oder Knotenseuche besprochen. Zur Bekämpfung der Leberegelseuche wies der Redner darauf hin, daß die Meliorationen der Wiesen die Seuche sehr gefördert hätten und daß leider die natürlichen Bekämpfer der Leberegelbrut nicht genügend geschützt würden: Edelkrebs (der nach dem Erlöschen der Pest überall wieder eingesetzt werden sollte), Wildente, Wasserhuhn, Kiebitz und Wasseramsel. Daher die großen Verluste unter Haustieren und Wild. Zur Bekämpfung der Kokzidiose sollen vor allem die Kaninchen, wo sie vorkommen, rücksichtslos bekämpft werden. Die gefährliche Knotenseuche wird dagegen vor allem durch Handelswild, das zur „Blu'tauf- frischung" ausgesetzt wird, verbreitet. Günstige Erfahrungen mit Hafenaussetzen seien immer nur in trockenen Jahren, wenn das Wild überhaupt kaum mit Seuchen zu tun habe, gemacht worden. In nassen Jahren bedeuten sie den Ruin der bodenständigen Bestände, die gesund oder immun waren, unter denen aber nun die Seuchen neu aufleben. Das Wild ist das Produkt der Scholle. Daher lassen sich auf die Dauer Veränderungen der heimischen Bestände durch fremdes Blut nicht erreichen. Wildarten, die vorhanden sind, soll man nach Ansicht des Redners nicht aussehen. Anders steht es z. B. mit dem Fasan, wenn er in sonst geeigneten Revieren fehlt. Besprochen wurde außerdem noch die Rachenbremsengefahr, die das Rehwild stark gefährdet. 'Bester Schutz sei vollkommene Schonung des Dachses. Ebenso solle der Marder für Jahre geschont werden. Denn er sei der schlimmste Feind der Ratten, die als Heber- träger vpn Trichinose, Maul- und K'auenseuche, Paratyphus. Schweinepest, Pseudotuberkulose des Menschen, Typhus. Cholera, Pest in Frage kommen. Gleich wichtig als Feind der Wander-, Haus-, Schwimm- und Bisamratte ist der Iltis. Umstritten ist die Stellung des Fuchses, der bei manchen Seuchen günstig wirkt, bei anderen aber die Krankheitskeime im Revier verschleppt. Besonders gefährlich sind als Verbreiter der Erreger die Krähen, die nachdrücklichst zu verfolgen sind. Den Revierinhabern wird jederzeit Fallwild oder erbeutetes krankes Wild untersucht und Rat erteilt, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn die Stücke sofort dem vet.-pathol. Institut Gießen, Frankfurter Straße eingeschickt werden. Leider wird davon noch zu wenig Gebrauch gemacht. ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 1055 Kälber, 285 Schafe, 332 Schweine. Preußen. Der Mädchenmord bei Llebernihal. Uebernthal, 18. Ian. Bekanntlich ist der Mädchenmord bei Uebernthal im 21ugust v. I. durch das Geständnis des Geliebten der ermordeten Paula Pfeiffer, der seit fünf Monaten in Limburg in Untersuchungshaft fitzt, vollkommen aufgeklärt worden. Der Mörder Peter gibt nunmehr in allen Einzelheiten die Tat zu und bekennt auch, daß er, sobald er von einer Geliebten hörte, daß das Verhältnis nicht ohne Folgen bleibe, den Plan faßte, das Mädchen zu beseitigen. Am Abend des 13. August gelang es ihm, sich unbemerkt an das elterliche Haus der Pfeiffer zu schleichen. Als diese um 9,30 Uhr von dem Krämer des Ortes lurückkehrte, wo sie Reis und Zucker gekauft >atte, bewog er sie zu einem Spaziergang nach öem außerhalb des Dorfes gelegenen einsamen Bahnhof Uebernthal, der lediglich aus einer Wartehalle besteht. Peter gab an, die Heirat mit ihr besprechen zu wollen. Kaum waren die beiden in der Wartehalle angelangt, als er seine ruchlose Tat beging. Die Leiche schleppte er zu dem einen Steinwurf entfernt liegenden Bach und versenkte sie unmittelbar vor einem Wehr. Den Zucker und Reis versteckte er in entgegengesetzter Richtung unter Brennnesseln. Dann begab er sich nach Hause und machte sich in ausfälliger Weise seinem Vater, der schon zu Bett lag, bemerkbar. Am nächsten Tage besuchte Peter in aller Ruhe ein Fest in ber Rachbarschaft und ging dann am Montag wie gewöhnlich zur Arbeit. Als an diesem Tage die Leiche entdeckt wurde, bekam er es mit der Angst zu tun und beseitigte in der folgenden Rächt schleunigst den versteckten Zucker und Reis. Den Reis streute er in einen Garten, wo er von Hühnern aufgefreffen wurde Den durch inzwischen eingetretenen Regen vollständig ausgebleichten Zucker brachte er in seiner Tasche nach dem Bach und zog sich hierbei an seinem Anzug die verräterischen Zuckerspuren zu, die sein Verhängnis wurden und damals zu seiner Verhaftung führten. Kreis Wetzlar. —5— Lützellinden, 18. Jan. Zn einer von Frauen und Jungfrauen stark besuchten Dersamm- lung im Evangelischen Dereinshaus Hierselbst sprach die Jugendsekretärin Frl. Wiese aus dem Burk- hardthaus in Berlin-Dahlem. In eindrucksvoller Weise wußte die Rednerin von den Kämpfen und Nöten der christlichen Jugendbewegun- gen zu berichten. — DieBruderschaftLützel- linden des Jungdeutschen Orden-s veranstaltete in diesen Tagen in unserem Orte eine Samm lung von Lebensmitteln zugunsten ihrer notleidenden erwerbslosen Brüder in Wetzlar. In dankenswerter Weise beteiligten sich unsere Einwohner an dieser lobenswerten Spende, so daß eine ganze Wagenladung von Lebensrnitteln den Wetzlarer Ordensbrüdern übermittelt werden konnte. 'S- Hörnsheim, 18. Jan. In einer gut besuchten Versammlung hiesiger Obstzüchter sprach Kceisobstbaulehrer Kilp über ^Maßnahmen zur Förderung des O b st a b s a h e s". Der Redner bezeichnete als Hauptgrund der schlechten Obstmarktverhältnisse die ausländische Konkurrenz, deren Erzeugnisse wegen ihrer besseren Ausmachung und Sortierung vom kaufenden Publikum bevorzugt würden. Als unerläßliches Gegenmittel stellte er die Vereinheitlichung der Obstproduktion hin, die durch Beschränkung des Anbaues auf wenige bewährte Sorten und Umveredelung der schlecht tragenden Bäume erreicht würde. XX Kinzenbach, 18. Ian. DieDau15 tig- feit in unserem Dorfe war im verflossenen Jahre sehr beschränkt. Es wurden nur ein Wohnhaus und eine Scheune errichtet. Für das bevorstehende Baujahr sind drei Wohnhäuser vorgesehen, die sämtlich außerhalb des Dorfes zu stehen kommen. Die Baulust würde viel reger fein, wenn durch die schon wiederholt angeregte Zusammenlegung geeignetes Baugelände aufgeschlossen würde. — Die Gemeindebehörde bat sich jetzt bereit erklärt, einen Sportplatz für die interessierten Vereine freizugeben. Zu diesem Zwecke ist eine Wiesenfläche auf der Pfingstweide zur Verfügung gestellt worden. Die Vereine werden den Platz alsbald einebnen und trockenlegen. Kreis Marburg. ][ Marburg, 19. Ian. In üblicher Weise sand heute vormittag in der Universitätsaula die akademische Feier der Reichsgründung statt. Die Festrede hielt der Professor der Theologie D. Bultmann über das Thema „Christentum und Staat". Universitäts- rektor Prof. D. Freiherr v. Soden gab anschließend das Ergebnis der im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben bekannt. Preisgekrönte Arbeiten lieferten in der medizinischen Fakultät stud. Ewald Äe ft ermann aus Fril- lendorf (Ruhr), in der philosophischen Fakultät 8tud. Karl Tripp aus Schmalkaldey; für eine Arbeit in letzterer Fakultät wurde noch eine lobende Anerkennung ausgesprochen, während die Preisausgaben der übrigen Fakultäten keine 'Bearbeitung fanden. Für das nächste Jahr wurden neue Preisaufgaben gestellt. Dittkreis. bl. Ballersbach, 18.Jan. Die Gemeinde hat mit dem Bau einer Wasserleitung begonnen. Die Anlage soll in diesem Jahre fertiaaestellt werden. Berliner Börse. t ? r rJ ' 29..San. (WTB. Funkspruch.) Bei dem sehr stillen Geschäft ist es auch im heutigen Frühoer kehr schwer, sich ein Bild über das Geschäft zu machen. Man nennt vorläufig die erholten gestrigen Frankfurter Abendkurse. J.-G.-Farben 266 bis 267. bleibt eine gewisse Unsicherheit unverkennbar. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London mit 124,02 bis 124,03, Mailand 92,22, Madrid 28,47 und London gegen Kabel mit 4,8762 bis 4,8767. Briefkasten der Redaktion. 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Februar 1928, vormittag» 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht (Zimmer 106) Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 3. Februar 1928 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht in Gießen. Nlltzhokzverfteigerung Montag, 23. Januar b. 3„ nachmittags von 2 Uhr ab, wird in der Wirtschaft L. Mandler, Kinzenbach, aus dem Gemeindewald Kinzenbach nachgenanntes Holz verkauft: 669D Distrikt 5: 49,5 fm Fichtenstämme Klasse la bis 2b; Distrikt 7: 9,84 fm Eichenstämme Kl. 2 bis 5. Bedingungen im Termin. Krofdorf, den 17. Januar 1928. Der Bürgermeister. Hotel Deutsches Baas Alöscid. 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Theodor Wolff widmet dem scheidenden Minister im (Berlin e r Tageblatt folgenden Abschiedsgruh „aufrichtig dargcbracht in der Erinnerung an manche Stunde der Verheißung, hinter der manche Stunde der Enttäuschung kam. „(Bei den meisten von denjenigen, die Gehler angreifen und tadeln muhten, blieb irgendwo in den unteren Seelenräumen doch immer eine letzte Sympathie für ihn wach. Wir alle empfanden die Tragödie dieses Sisyphos, der manchmal den Felsblock wirklich hinaufwälzen wollte und ihn dann gegen die eigene Brust herunterrollen sah. Er glaubte, oder wollte doch glauben, in dieser Reichswehr, die uns die Ententemächte statt einer Dolksmiliz gegönnt haben, mehr als der Zivilanwatt militärischer Etotansprüche zu sein. Aber verglichen mit diesem von der Umwelt abgeschlossenen, ummauerten Soldatenlager ist das Labyrinth klar und einfach ein Muster der Llebersichtlichkeit. Wenn man ihn fragte, warum Heer und Marine noch immer so un- republikanisch aussähen, appellierte er an die Geduld, erklärte er vorwärtsdrängende Kritik für hemmend, und mit all seinen Gründen wollte er nicht nur den Frager beschwichtigen, sondern mindestens ebenso sehr die Zweifel in der eigenen Brust. Obgleich durch viel persönliches Leid gelähmt, durch täglichen Aerger verbittert und im Kern seines ursprünglich frischen und humorvollen Wesens getroffen, wollte er gerade in dieser letzten Zeit, in der Affäre des Kapitäns Kolbe, des Prinzenfreundes, und bei anderen Gelegenheiten der rcpublikqnischen Staatsgesinnung Geltung verschaffen, aber die Herren der Kreuzer durchkreuzten jeden Versuch. Das Gerücht, dah die Tirpitz-Erben ihn gern verlieren wollten, klingt so unwahrscheinlich nicht. Was konnte ihnen ein Minister noch Wert fein, der nicht imstande gewesen war, ihnen die ersten der achtzig Millionen für das begehrte Parade- schifs zu bringen? Weit lieber hätte man dann doch den zuverlässigen alten Kameraden, den reaktionären Vottsparteilerabmiral Brüninghaus. Man hoffte vielleicht, diesen oder einen ähnlichen Freund in das Reichswehrministerium zu bringen, bevor die Lawine der republikanischen Wahlzettel solchen Möglichkeiten den Weg verbaut. Und erscheint nur der ins Amt des Reichswehrministers zu gehören, der Willen und Kraft hat, Heer und Marine in den republikanischen Staat einzuordnen, die trennenden Schranken zwischen der Reichswehr und dem Volke niederzulegen, den vom Mißtrauen gezogenen Graben zu überbrücken, die Wehrmacht mit den staatstreuen Massen in jener Gefühlsintimität zu verbinden, ohne die sie so unbrauchbar ist wie ein Segel ohne Wind. Wundert man sich, dah das republikanische Volk die Regenbogen, die man ihm bisweilen vorzaubert, nicht für vertrauenswürdige Drücken nimmt? Geßler hat zu lange auf seinem Posten ausgeharrt. Er ist nun, kurz. vor den Wahlen, zu früh und im falschen Moment gegangen. Arg zerschunden wie ein Hirsch im Zoologischen Garten, der fein Geweih am Drahtzaun zerreibt. Keinem Edelhirsch wird es besser ergehen, wenn das Drahtgitter unverändert bleibt. . In der „Vossischen Zeitung" entwirft Georg Bernhard folgendes anschauliches Porträt von der Persönlichkeit Geßlers: „Schade ist s, daß die deutsche Politik Gehler verlieren muß, weil ihn das Schicksal gerade ins Amt des Wehrministers gebracht hat. Kein Minister ist so angegriffen worden wie Gehler. Unb an diesen Angriffen haben sich nicht bloß feine politischen Gegner, nicht bloß Parteifreunde von grundsätzlich anderer Einstellung, sondern auch persönliche Freunde Geßlers beteiligt, denen es jedesmal von neuem leid tat, die Klingen mit Ankunst in Kotor. Von Victor Klages. »Kotor, Gospodin!" Heben und Senken. Schwanken und Schaukeln. Gurgeln, Rauschen an der Wand. O, ihr altbekannten lieben Gefühle, Geräusche, Gerüche! Man streckt sich in der Koje, faßt an Metallenes. Was ist das? Wie kommt Metallenes hierher? Eine Koje ist aus Holz. Merkwürdig. Aber Da waren Schritte auf dem Gang, jemand hat was gerufen, ist wohl ein Glas, nun muß man ans Ruder — „Kotor, Gospodin!" Mit einem Sah aus dem Bett. Ja, dies ist beinah ein richtiges Bett, und da steht ein Waschtisch, und ein Teppich liegt am Boden... stimmt, wir sind zwanzig Jahre weiter, brauchen nachher keine Backbordgroßschot anzuholen, segeln nicht in der Südsee, nicht mehr, leider nicht mehr, wir dampfen in der Boka Kotorska, Die man früher ganz unverständlicherweise Bocche di Cattaro nannte, obwohl hier nie* manb italienisch spricht, und nun sind wir gleich in Kotor. Das war der Obersteward, der weckte. Auf Deck keine Menschenseele. Die meisten sind in Grüsch ausgestiegen — ach ja, immer mub man sagen, wie diese Städte früher hießen: das ist also G r a v o s a. Es wütete ein Scirocco, und das Feminine wie das Maskuline hatte die Rase voll oder den Magen leer. Rur ein Paar Leutchen sind an Bord geblieben, die liegen noch zusammengerollt in irgendeinem Winkel. Es geht auf Mitternacht. In der Boka ist es ziemlich ruhig. Schwarz, olles schwarz ringsherum. Wenn der Mond durch den Spalt jagender Wolken blinkt, erhascht man Konturen zyklopischer Berge. Born flimmern Lichter, wenige nur. Ehe man sich's versieht, toerben bie Lichter groß, es finb Laternen am Kai, der Maschinentelegraph klingelt rattemb. die Schraube schlägt rückwärts. Da ist Koto r. -Unsichtbar im Finstern macht der slawische Sprachgeist eine Verbeugung unb bittet, bie erste Silbe dieses Stadtnamens kurz zu betonen. Im Reiseführer hat das Hotel Puhalowitsch kinen Stern. Ich bin von Wien durchgefahren, Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für (vberhefsen) Donnerstag, 19. Januar 1928 einem Manne kreuzen zu müssen, an dessen frischem Temperament und mutigem Draufgängertum man seine ehrliche Freude empfand Der Charme des Menschen ist vielleicht mit schuld an den Irrtümern des Ministers. Gehler gehört zu denjenigen, die durch ihre eigenen Reden sich selbst überzeugen lassen, unb bie immer bereit sind, durch den Gewinn einer Redeschlacht den Beweis für erbracht zu halten, dah sie auch wirklich gewonnen hätten, daß sie im Recht seien. Es gab keine undankbarere Aufgabe, als Gehler in einer Versammlung gegenüberzustehen. In öffentlichen Veranstaltungen hat er ja seit Jahren schon niemanden mehr gefunden, der das Risiko einer Abfuhr auf sich nehmen wollte. Aber in engeren Kreisen, und namentlich in den Dersammttmgen bet Parteifunktionäre. blieb es bis zum letzten Augenblick von Gehlers Parteizugehörigkeit für bie, bie seine Politik für verhängnisvoll hielten, eine schwere Pflicht, ihren Standpunkt auch ihm gegenüber zu vertreten. Es war für seine freundschaftlichen Gegner immer wieder dasselbe Schauspiel: elastisch und mit dem ihm eigenen, halb ironischen, halb gaminhaften Lächeln erhob sich der Angegriffene. Ein paar verbindliche Sähe für seine Gegner, unb bann, geschickt gruppiert, bie Darstellung bes „Falles", ober der sich schließlich multiplizierenden Fälle, darauf bie Schilderung der Schwierigkeit seiner besonderen Lage, die immer in bescheidene Formen gekleidete Darstellung seiner Leistung, und schließlich das Angebot, einen Besseren zu unterstützen, wenn man ihn auf den Tisch des Hauses niederlegen wollte. Es war beinahe unmöglich, diesem Redner den Beifall zu versagen, lind seine eigentümliche Mischung von Bon- hommie. Logik und Verschlagenheit blieb namentlich auf diejenigen seiner Gegner nie ohne Eindruck, die gewohnt sind, in Polemiken auch die Gründe des Gegners zu durchdenken unb an ihnen die Berechtigung des eigenen Angriffes nachzuprüfen. Leute, die zorngeschwellt zur Abrechnung mit Geßler erschienen waren, gingen schließlich nachdenklich aus dem Saale. An der Gehlerschen Beweisführung war zweifellos manches unwiderleglich. Vor allem kam man an einem seiner Argumente niemals ganz vorbei, das er in allen Variationen immer wieder geschickt in den Vordergrund schob: liebe Freunde, ihr wißt, was ich getan, ihr merkt vielleicht auch, was ich nicht getan habe, aber keiner von euch weiß, was ich verhindert habe. Vielleicht hat er wirklich viel verhindert. Sein Leitgedanke von der Uebernahme seines Amtes an war: ich muß mit vergrämten, verblaßtem Ruhm und vergangener Privilegienstellung nachtrauernden Menschen rechnen und regieren. Ich kann mir meine Offiziere nicht malen, ich muß sie deshalb klug, behutsam, menschlich und mit sehr weicher Hand behandeln. Ich werde späteren Rachfolgern in einer nächsten Generation eine neue Armee überlassen, die aus meinen Vorarbeiten herausgewachsen ist. Das sind Grundsätze, über die sich gewiß reden liehe. Unb mit diesen Grundsätzen hat Gehler, was ihm gewiß nicht vergessen werden soll, in einer sehr schweren Übergangszeit den Abbau einer großen Armee burchgesührt, und hat eine Ordnung geschaffen, die zunächst einmal mit jener dauernden Bedrohung der Republik unb ostentativen Einmischung des Offizierkorps in politische Angelegenheiten aufgeräumt hat, über die ja schließlich fein sozialdemokratischer Vorgänger gestürzt war." Die „Kölnische Zeitung" meint: „Mit unermüdlicher Tatkraft hat Geßler im engen Vertrauensverhältnis mit dem Chef der Heeresleitung, General v. Seeckt. aus der Reichswehr eine Waffe geschmiedet, deren militärische Eigenschaften von den Sachverständigen der ganzen Writ anerkannt werden. Diese Arbeit konnte der scheidende Reichswehrminister nur leisten, weil er, unbeirrt durch alle parteipolitischen Angriffe, die besten Kräfte des alten Offizierkorps in den Dienst der neuen Organisation stellte unb sich nicht badurch beirren lieh, daß diese Kräfte durch ihre Tradition und chre Erziehung politisch nach bet pechten Seite des über Zagreb und Suschak, dies ist die erste jugoslawische Stadt, in der ich übernachte, kein Weg, kein Steg zu sehen, alles mitternachtsschwarz, da wird es wohl richtig sein, wenn man_ ins beste Hotel geht. Der Träger meines Gepäcks läuft vornweg, durch ein Tor, über einen Platz, in eine enge, enge Straße, rechts um die Ecke, links um bie Ecke, aufreizenb hallen bie Schritte in bet schlafenden Stadt. Da schluckt ein weiter düsterer Eingang den Gepäckträger, er ist verschwunden, ich höre ihn nur, offenbar steigt er eine Treppe empor. Der Gepäckträger soll mir egal fein, aber mein Koffer nicht. Die Hände vorgestreckt, taste ich eilends hinterher. Es find Steinstufen, zwei halbe Treppen. Jetzt hör ich den Gepäckträger an eine Tür klopfen, es ist dicht vor mir, schon stolpere ich über den Koffer, den der Mann auf den Boden gesetzt hat. „Donnerwetter, laufen Sie doch nicht so!" Der Gepäckträger bleibt stumm, aber hinter der Tür, an die er geklopft hat, erhebt sich Gekreisch. Als die Tür bann aufgeht — Dieses Bilb vergesse ich nicht, unb wenn ich 80 Jahre alt werbe. Eine Mumie steht ba, im Hemb. In ber einen Hand hat die Mumie ein flackerndes Wachslicht, mit der anderen hält sie sich eine weiße Decke vor den Bauch. Und kreischt. Meine Reise beginnt erst, ich verstehe kaum ein Wort Kroatisch, aber augenscheinlich ist dieses so etwas wie ein weiblicher Hotelportier. Ich bitte daher, auf Deutsch, um ein Zimmer. Das Herz hämmert ahnungsvoll. Die Alte beachtet mich gar nicht, sie spricht, wenn man das sprechen nennen [amt, in einemfort mit dem Gepäckträger, und jetzt beginnt sie, im Hemd, mit ber Decke vorm Bauch, bie Wachskerze in der Hand, einen langen, langen Korridor abzuschreiten. Gemächlich Fuß vor Fuß seht die Mumie, dabei geht sie ganz aufrecht, keineswegs gebückt wie alte Leute. Der Kofferträger hat mein Gepäckstück wieder geschultert, folgt dem Weib, trapp, trapp. Ich kann nicht gut Zurückbleiben, bilde also die Rachhut dieses Gespensterzuges. Die Alte hat jetzt aufgehört mit Reden. Plötzlich fällt mir ein Wort ein, das einer von uns läufigen Tertianern während einer „Macbeth"-Aufführung vom Olymp des damals noch königlichen Hoftheaters in Hannover gerufen hat. Bekanntlich empfindet Lady Macbeth mitten in der Rächt das Bedürfnis, sich zu waschen, und zu diesem Zweck geht sie mit Parieilebens hinneigten. Er wußte, daß diese hervorragenden Männer keine Simplizissimus- figuren, sondern an Bildung und Charakterfest ig leit. vor allem aber auch an Zähigkeit, ihre Ziele zu verfolgen, manchen andern Kreisen der Bevölkerung überlegen waren, dah es nicht anging, mit ihnen wie mit parlamentarischen Persönlichkeiten Kompromisse zu schließen, daß man sie vielmehr ganz im Interesse der ihnen anb er trauten Sache au: gehen lassen mußte. Daraus ergab such ein Zwiespalt, der in der ganzen amtlichen Tätigkeit Dr. Geßlers sichtbar bleibt. 2Iuf der einen Seite eine ginz außerordentlich ersprießliche Zusammenapbeil mit dem Reichswehrministerium in militärischer Richtung, ein Zusammenarbeiten zugunsten der militärischen Ausbildung der Reichswehr: auf der andern Seite sich ständig wiederholende und in ber Oef- senllichkeit sichtbare politische Zusammenstöße mit einzelnen Teilen des Offizierkorps, die bie sachliche Arbeit durchkreuzten. Es ist nicht bie Schuld Dr. Geßlers. daß diese politischen Gegenströmungen, die sich in hervorragendem Maß gegen die derzeitige Staatssorm richteten, nicht überwunden wurden: denn diese Widerstände sanden eine starke Unterstützung in den Rechtskreisen und Rechtsorganisationen, die sich immer wieder an einzelne Stellen des alten Offizierkorps heran- machten und sie unter (Berufung auf traditionelle unb soziale Zusammenhänge für ihre Zwecke ein» fingen. Gehler hat den politischen Widerständen ein großes, vielleicht allzu weitgehendes menschliches Verständnis entgegengebracht. Er empfand die seelische Gleichgewichtsstörung, bie ber plötzliche Umsturz gerade im Offizierkorps Hervorrufen muhte, als teilweise berechtigt und suchte im Interesse der sachlichen Arbeit mit seiner Person manche politischen Unstimmigkeiten vor der Oeffentlichkeit zu decken, in der Hoffnung, daß die Zeit von selbst einen heilenden Umschwung bringen werde. In dieser Auffassung zeigt sich ein durchaus vornehmer Charakterzug im Wesen Geßlers. der in allen vaterländischen Kreisen bleibende Anerkennung finden sollte. Es ist gewiß nicht richtig, wenn ihm von der Linken vorgeworfen wird, er habe solche Dinge vertuschen oder durch falsche Dementis aus der Welt schaffen wollen. Es war vielmehr fein Bestreben, im Interesse der sachlichen Arbeit und des Eindrucks nach außen vorhandene Gegensätze nicht zu verbreitern, sondern zu glätten. Wenn die Parteien fü: eine so weitsichtige und weitherzige Auffassung von* den Aufgaben des Reichswehrministers kein Verständnis zeigten, sondern stets unb ständig bei kleinen politischen Tagcsstreit- fragen zugunsten einer Propaganda einhakten, so hat Dr. Gehler für seine Tätigkeit die Anerkennung der auf der hohen Warte ihrer Staatsverantwortlichkeit stehenden Reichspräsidenten, sowohl des Sozialdemokraten Ebert, als auch des Reichspräsidenten v. Hindenburg gefunden, die sich mit Erfolg bemühten, seine Persönlichkeit im Wechsel ber Kabinette für bie ruhige Fortführung der Arbeit für die Reichswehr au erhalten, — In der Bilanz ber Arbeit, bte Gehler für die Reichswehr unb für das deutsche Volk geleistet hat, wiegen seine Verdienste um den Ausbau unseres Heeres schwer, und die Geschichte wird an ihnen nicht vorübergehen können. Auch seine Bestrebungen, bie Reichswehr ber Politik zu entziehen, sollen dem scheidenden Minister nicht vergessen werden, wenn er auch in dem Bestreben, mit weicher Hand vorzugehen unb statt energischer Maßnahmen zu ergreifen, ber Zukunft eine Besserung zu überlassen, Mißerfolge aufzuweisen hatte. Das Vertrauen, das Gehler sich zeitweise erworben hatte, offenbarte sich, als ihn ein zwischenparteilicher Kreis, der sich um den Präsidenten Ebert geschart hatte, als dessen Rachfolger für die Reichspräsidentfchaft aufstellen wollte. Außenpolitischen Rücksichten, die gegen feine Person sprachen, unterlag damals seine Kandidatur. Dem Rachfolger Gehlers darf man wünschen, dah er neben der großen, zielbewuhten Arbeitskraft, der parteipolitischen Unabhängigkeit und dem vornehmen Takt seines Vorgängers die nötige Energie mitbringt, um endlich einmal die Reichswehr so vollkommen frei von parteipolitischen Verbindungen und Beziehungen zu einer Kerze in den Zimmern spazieren. Kerzen pflegen zu träufeln, und träufeln heißt im hannoverschen Patois: dröppeln. „Lady, du dröp- pelst!" schrie der Lausebengel. Auf dem nächtlichen Korribor des merkwürdigen Hotels Puhalowitsch in Kotor lache ich hell unb laut. Die Mumie hemmt den Schritt, wendet sich um, hebt das Licht hoch. Dev Äoff ertrüget steht. Ich stehe. Todesschweigen. Irgendwo knistert noch ein letztes Echo des Lachens in den Wänden. Man kann hier das Gruseln lernen. Das Zimmer. Cs sieht bei der Kerzenbeleuchtung trauriger aus, als es ist. Ein deutsches Dorfwirishaus hat etwa ebensoviel aufzuweisen. Aber es sind zwei Betten in dem Zimmer, und ich bin doch allein, Gott sei's gellagt. Fange also an zu parlieren. Die Mumie spricht nur Kroatisch, ber Träger meines Gepäcks jeboch stottert ein wenig Deutsch, macht den Dolmetscher. Kurz: ein anderes Zimmer ist nicht frei, ich muß dieses nehmen, brauche nur ein Bett zu bezahlen, wenn aber noch ein Gast kommen sollte, wird bie Mumie ihn bei mir einquartieren. Wer soll, in Kotor, heute nacht noch kommen? Außerdem kann man jetzt nicht auf bie Suche gehen, ich sehne mich nach ber Falle, abgemacht, unb 25 Dinar kostet es. Der Gepäckträger kriegt sein Geld, verschwindet. Die Mumie, die ihr Licht auf den Rachitisch gestellt hat, tritt nahe an mich heran, beugt den Kopf nach vorn, giert in meine Brieftasche. Dreißig Dinar nehm ich heraus, die Mumie reißt mir das Geld aus ber Hand, nickt befriebigt, schnurrt etwas auf Kroatisch, geht. Ich bin allein. Heut', da ich dieses schreibe, komm ich mir sehr lächerlich vor. Aber halten zu Gnaden... man kannte das Land noch nicht, wußte nicht, daß es die ehrlichsten, biedersten Menschen beherbergt, bie man sich denken kann. Ich schaute also zunächst nach dem Schlüffe!. Richtig, es war einer da, er drehte sich auch, aber er schloß nicht. Riegel keiner vorhanden. Immerhin waren vor den Fenstern dicke Läden, wenn es jemand auf mich abgesehen haben sollte, mußte er durch bie Tür kommen, diesen Trost hatte ich, und damit zog ich den Rock aus, um einen Anfang zu machen. Ha, es tappt auf dem Korridor! Ich habe nicht einmal ein Taschenmesser bei mir, nur machen, daß sie für ihre eigentliche militärische Aufgabe vollkommen frei wird unb aus dem Streit der Parteien endgültig ausscheidet. Die mannigfachen und begreiflichen Verbindungen einzelner Reichswehrkräfte mit ber radikalen Rechten haben praktisch bisher nichts weiter erreicht, als die Bestrebungen der Linken, aus der Reichswehr eine parteipolitische Truppe nach dem Muster des österreichischen Heeres zu machen. verstärkt worden sind. Eine Entwicklung dahin zu verhüten, ist der Wunsch einer ruhigen, sachlichen Kritik, die gerade von nationalen Kreisen an der Reichswehr geübt werden muß, besonders in dem Augenblick, in dem die »Auswahl der neuen leitenden Persönlichkeit für die Reichswehr in Frage steht." Ein Notschrei der elsässischen Autonomisten. Der Präsident ber Autonvmistischen Partei für Elsaß-Lothringen, Dr. K. Roos: Pfarrer A. F. H i r h e l, Vorstand des Heimatbundes für Elsah- Lothringen, und Postdirektor E. P i n ck, Mitbegründer der Straßburger „Zukunft", wenden sich mit folgendem Protest gegen die Gewaltpolitik Frankreichs in Elsaß-Lothringen an die Oeffentlichkeit: Seitdem die Unterzeichne:en. Mitglieder unb Führer der Heimatbewegung in Cl- sah-Lothringen, s i ch der Einkerkerung entzogen haben, hört die französische Presse nicht auf, diese Tatsache zu mißbrauchen, um die Bewegung, ihre Anhänger und Führer, herabzuwürdigen. Weder aus Scheu vor der Verantwortung noch aus Mangel an persönlichem Mut haben wir unser Land verlassen. Die letzten Gewaltmaßnahmen der französischen Regierung wurden schon lange als Stimmungsmache vor den bevorstehenden Kammerwahlen von uns erwartet. Darum waren wir unter den Bedrohten im voraus bestimmt, im neutralen Auslände eine Zuflucht zu suchen. Frankreich hat in Elsaß- Lothringen jede Meinungs-, Presse - unb Versammlungsfreiheit gekne - b e I1. Die Wahrheit darf jedoch, um des bedrängten Volkes willen, nicht ganz unterdrückt werden: So erheben wir nun als Landflüchtige unsere Stimme für die Volks- und Menschenrechte unserer Heimat! Die elsaß-lothringische Heimatbewegung hat ein hohes und ideales Ziel. Dieses Ziel steht im Zeichen des Selbst- bestimmungsrechtes und desMinder- heiten schütze s, der Völlzrversöhnung und des Weltfriedens! Alle Beschuldigungen, die von feiten Frankreichs dagegen erhoben werden, sind unbegründet, wenn nicht offensichtliche Torheit, so vor allem die Unterstellung einer Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates, einer heimlichen Bewaffnung von Truppen, eines Mo- bilifierungS- und Mordplans, eines revolutionären Ministeriums sowie überhaupt jeglicher Gewalttat. Rur auf verfassungsmäßigem Wege, mit den Mitteln des Gesetzes unb des Rechtes teil! bie Heimatbewegung die Verwirklichung ihrer Forderungen erreichen. Die verlangt zumindest unb unbebingt: Selbstverwaltung für Elsaß-Lothringen: Schuh des Volkstums unb aller Freiheiten: Schutz und Pflege der deutschen Sprache, die feit eineinhalb Jahrtausend die Muttersprache für eineinhalb Millionen Elsässer und Lothringer ist. Ist die gesetzmäßige Vertretung dieser Forderungen in ber französischen Republik ein Staatsverbrechen, wohlan, so bekennen sich die Unterzeichneten zu dieser Schuld. Wir werden uns jedem Gericht stellen, bas uns Gewähr bietet für eine unparteiliche Rechtsprechung.. Frankreich hat indes in Elsaß-Lothringen bie Justiz zu Dienerin der Politik herabgewür- biat: niemand hat mehr Vertrauen zu ihr! Ueber zwanzig unserer Gesinnungsgenossen schmachten schon feit Wochen, zum Teil feit Monaten, im Gefängnis. In noch größerer Zah? sind schuldlose Frauen und Kinder ihres Ernährers beraubt und sehen sich in Rot und Elend gestoßen! Für sie alle erheben wir flammenden eine (Nagelfeile. Die Tür geht auf, im (Notfall kann man mit den Gummihosenträgern... aber nein, woher denn, es ist die Mumie, die eintritt Sie hat einen Unterrock angelegen und bringt, weiß der Himmel, einen Mell>eAettel, auf dem kyrillische Lettern sich aneinanderreihen: keinen Dunst hab' ich Liebe Mumie, würde ich gern gesagt haben, elektrisches Licht habt ihr nicht, und einen Schlüssel, ber schließt, habt ihr auch nicht, aber einen Meldezettel, ben habt ihr. Wozu aber sollt' ich was sagen? Sie hätt's doch nicht verstanden. Am Rachitisch bei flackerndem Kerzenlicht, auf dem Dettrand sitzend, bie Mumie weiß neben mir, füll ich den Melbezettel aus, das heißt: ich schreibe der Reihe nach, von oben nach unten, Vor- unb Zunamen, Wohnort, Geburtsort, Taa ber Geburt, Reiseziel, es wird schon derselbe Zinnober sein wie bei uns. Die Mumie ist befriedigt, geht. Während ich beim Entkleiden darüber nach- denke, warum wohl dieses Hotel im Reiseführer einen Stern hat, beim wenn es wirklich das beste Hotel in Kotor ist, bann bin ich mit einem Sprunge ans andere Ende der Welt geraten —, während ich so nachdenke, trappt es abermals auf dem Flur. Den Tritt kenn' ich nun. So schreiten keine ird'schen Weiber. Was will sie schon wieder? Ohne anzuklopfen, macht die Mumie die Tür auf, ruft: „Gospodin!" unb winkt. Ich bin in Unterhosen, es geniert bie Mumie nicht, mich notabene auch nicht, unb wenn ich rasch in bie Hosen fahre, so deshalb, weil in ben Hosen meine Brieftasche steckt. Die Mumie, die wieder einen Kerzenstummel spazieren trägt, führt mich auf dem Korridor ein Stück zurück, haut an eine große, klapprige Tür und sagt etwas auf Kroatisch, das wie Sao, klingt. Dann grüßt sie vornehm, indem sie die Rechte zur Stirn hebt unb langsam senkt, macht kehrt, verschwindet hinten im dunklen Gang. Riemand kann es einem hundemüden (Reifen» ben, dessen Ruhe immer von neuem gestört wird, verdenken, daß er nicht rosiger Laune ist. Als die Mumie das brittemal zu mir kam, hält' ich ihr am llebsten meinen Berliner Hausschlüssel an ben Kopf geworfen, unb wen der trifft, der mag ein Vaterunser beten, beim dieser Schlüssel wiegt wohl ein halbes Pfund. Jetzt aber war mein Grimm der Reugierde gewichen. Während der Schein ber Mumienlerze verhaucht. Protest gegen die Pvlizeiwillkür und Gewaltpolitik Frankreichs! Für ein jedes dieser Opfer appellieren wir vor aller Welt an das Mit>- ge^hl jedes Rechtdenkenden! Oberheffen. Lan^.ceis Gietzen. j—! Lollar. 18. San. Gestern abend hielt im Zeichensaal unsrer Schule Herr Heg ar. Leiter der Volkshochschule Gießen, einen Werbe- v ort rag zwecks Gründung einer Volkshochschule in Lollar. Nachdem der Redner in tiefgründigen Ausführungen Bedeutung und Aufgabe der Volkshochschulen für unser Volkstum erläutert hatte, schlossen sich diejenigen, die gewillt waren, in einer Arbeitsgemeinschaft im Sinne der Volkshochschule ihr Wissen zu erweitern und zu vertiefen, zu einem „Volkshoch- schul-Verein Lollar" zusammen. Man beabsichtigt, vorläusig nur einen Kursus laufen zu lassen, den Herr Reumann, Gießen, über Erziehungsprobleme abhalten wird. Sm zweiten Teil des Abends trug Herr H e g a r einige Märchen und humorvolle Gedichte vor. die sehr beifällig ausgenommen wurden. el. Ruttershausen, 18. San. Die Ge- meindeverwaltuna hat kürzlich unterhalb der Ortslage einen Brunnen in einer Tiefe von sechs Meter für eine Gemeindewasserversorgung bohren lassen. Ein vorgenommener Probepumpversuch ergab, daß der Brunnen täglich mehrere hundert Kubikmeter Wasser lieferte. ohne daß sich der Wasserstand während des Pumpens merklich absenkte. Das Wasser ist vom Untersuchungsamt als geeignet für eine Wasserversorgung bezeichnet worden. Außerdem haben mehrere Hausfrauen Kochproben mit Hülsenfrüchten vorgenommen, die ebenfalls günstig ausgefallen sein sollen. Die chemische Untersuchung des Wassers ergab jedoch das Vorhandensein größerer Mengen freier Kohlensäure, die nach dem Urteil von Sachverständigen in der vorgefundenen Menge zerstörend aus die Rohrleitungen und den Hoch- behälterverpuh einwirkt. Es wird daher notwendig, daß die freie Kohlensäure durch eine Entsäuerungs-Anlage dem Wasser entzogen wird. Sollten sich die Anlage- und Betriebskosten dadurch erheblich erhöhen, so ist die Versorgung von einer anderen Stelle in Aussicht genommen. — Lich. 18. San. Sn einer vom Verein für Obst- und Gartenbau veranstalteten Versammlung, die vor allem aus der Umgebung gut besucht war. hielt Obstbauinspektor M e t t e r - n i ch (Büdingen) einen lehrreichen Vortrag über die neuzeitliche Ob st Verwertung. Der Redner sprach zunächst über die wirtschaftliche Bedeutung des deutschen Obstbaues, der durch fachgemäße Düngung und geeignete Sortenauswahl (Einheitssorten) gehoben werden müsse. Die Ausführungen gipfelten in der Forderung, eine Ob st Verwertungsgemeinschaft zu gründen, die Einfluß auf den Handel und die Verbraucher gewinnen müsse. Die rege Aussprache unterstützte und ergänzte die Ausführungen des Referenten, die lebhaften Beifall gefunden hatten. Die Gründung einer Obstverwertungsgemeinschaft wird ins Auge gefaßt. Ein besonderer Ausschuß soll sich näher mit der Angelegenheit befassen, und dann positive Vorschläge machen. df. Langsdorf, 18. San. Am Sonntag veranstaltete der jugendliche Orgelvirtuose Kurt Darges aus Leipzig hier ein Orgelkonzert, veranlaßt durch die Liga zum Schuh der deutschen Kultur. Er brachte die alten Meister des 17. und 18. Sahrhunderts, wie Böhm, Walther, Hauff, Dach sowie auch Meister des 19. und 20. Sahrhunderts, wie vor allem Reger, Meßner, Bruckner zu Gehör. Kurt Darges zeigte sich als Meister, sowohl was Technik, als auch Anwendung der verschiedensten Register betrifft. Auch seine eigenen Kompositionen zeugten von feinem musikalischem Verständnis. Seine Mühe wurde ihm durch einen recht guten Besuch des Konzerts (etwa 125 Personen) belohnt. Kreis Friedberg. 0 Klein-Karben, 18. San. Die vom „Gieß. Anz." zum 50. Todestag Heinrich Reebs spring ich in mein Zimmer, hole das eigene Licht, öffne jene klapprige Tür und sehe ein W. C - das heißt ein C. ohne das W., und auch das C. ist nur mit einiger Phantasie aus den vorhandenen Rudimenten zu komponieren. Sage mir, wer dir den Stern im Reiseführer gegeben hat, und ich will dir sagen, was ein Sdiot ist. Sn meinem kleinen Lexikon seh ich nach, welches Wort die Mumie gebraucht hat. Zahod hat sie gesagt. Es ist das. was jenes vorstellen soll. Sch schlage die Bettdecke auf. Sauberes Leinen. Smmerfjin ... furchtbares Mißtrauen ist in mit erwacht, aber so sehr ich auch die Matratze absuche, ich finde nichts. Gottlob, wenigstens eine angenehme Enttäuschung. Die Kerze erlischt. Lind dann, man hat die Augen kaum geschlossen, beginnt ein Kribbeln und Krabbeln, besonders am Kops und an den Armen, man schmeißt sich von der rechten Seite auf die linke, von der linken aus die rechte, haut um sich, macht Licht, findet nichts, rein gar nichts, und ist es wieder dunkel, geht der Spuk von neuem los. Tausend Flüche trefsen das „Wanzennest", aber es gibt keine größere Ungerechtigkeit als diese Titulierung, denn es sin) gar keine Wanzen, sondern Paper- tatschis, stecknadelkopsgroße Moskitos, gegen die man sich nicht wehren kann. Gleich' -itig mit diesem Tatbestand erfährt man am ani eren Tage, daß das mit einem Stern im Rcisefüh.er bezeichnete Hotel Duhalowitsch längst Pleite gemacht hat. Eine alte Duenna, meine Mumie, die in jenem Hotel tätig war. hat jetzt ein paar Zimmer zu vermieten und firmiert wie ehedem ihr Brotherr. Sch bin aber trotzdem bei ihr wohnen geblieben, warum nicht, für die Papertatschis war sie nicht verantwortlich zu machen, die tanzen um die ganze Doka Kotorsta, und sauber war die Mumie nun einmal. Sch sah sie am Morgen das pp. Zahod schrubben und bin in Hochachtung beinahe dahingeschmolzen. Es ist überhaupt, um es bei dieser Gelegenheit zu sagen, ein stupider Ronsens, wenn man die Kroaten der Schmutzigkeit verdächtigt. Bei Tagesgrauen weckt eine helle Mädchenstimme von der Straße her. Sie singt auf Kroatisch: August, wo sind deine Haare ... Sm Schaukasten vor dem Kino lächelt Bruno Kastner, und entzückende Girls, mit kniefreiem Rock und gebrachte Notiz ruft die Erinnerung an einen zweiten Sohn Oberhesfens wach, der als Leiter des Neebschen Männerchors in Frankfurt a. M. im Musikleben Frankfurts einen geachteten Namen hatte. Es ist Ferdinand Schwarz, der am 14. Februar 1857 in unserem Wetteraudorfe als Lehrerssohn geboren wurde und wie Heinrich Neeb dem Friedberger Lehrerseminar feine erste musikalische Ausbildung verdankt. Er besuchte das Seminar von 1873—76, wurde dann Lehrer in Oberrad und Frankfurt am Main, später auch Musiklehrer für Theorie an Raffs Konservatorium. Die ältere Lehrergeneration Hessens erinnert sich noch sehr gut des Ferdinand Schwarz, der seinen Kollegen, die Gesangvereine leiteten, stets gerne mit sachkundigem Rate zur Seite stand, wenn sie sich mit Anfragen über Wahl der Lieder usw. an ihn wandten. Den Dirigentenstab im Neebschen Männerchor führte der erfahrene und begabte Chor- meister von 1886 bis kurze Zeit vor seinem am 28. Sanuar 1912 erfolgten Ableben. Schwarz führte den bekannten Chor zu einer seltenen Höhe der Leistungsfähigkeit. CO Nieder-Florstadt,18. San. Die Turn = gemeinde F 1 o r st a d t hielt am Samstagabend ihre Generalversamm hing in der Turnhalle ab. Sie Rechnung ergab eine Einnahme von 3387 Mark, der eine Ausgabe von 3272 Mark gegenüber- steht, so daß ein Kassenbestand von 115 Mark verbleibt. Von den Schulden, die noch auf der Turnhalle lasten, wurden 1000 Mark abgetragen, so daß noch eine Restschuld von 500 Mark verbleibt. Sie Vorstandswahl ergab nur geringe Aenderungen. Sie Neuregelung des Turnbetriebs noch Wunsch der Turner in eine Geräte-, Spiel» und Sportabteilung wurde durchgeführt. WSN. Ossenheim, 18. San. Der Rechner der hiesigen Spar- und Darlehns° lasse Raisfeifen, Wilhelm Schneider, ist seit längerer Zeit flüchtig. Bei Prüfung der Bücher ergab sich ein vorläufiger Fehlbetrag von etwa 12 000 Mark. Kreis Schotten. -Schotten, 18. San. Ser mit einem Kostenaufwand von 25 000 Mark errichtetete Turnhalle n b a u ist provisorisch so weit fertiggestellt, daß er geheizt und zum Turnen benutzt werden kann. Auch der eingebaute Singsaal ist seiner Bestimmung übergeben. Sie weiteren Snnenarbeiten sollen, da man vor einer Kapitalsaufnahme zurückschreckt, nur nach Maßgabe der vorhandenen Mittel in Angriff genommen werden. Ser Wirtschaftsbetrieb, den seither der Turnverein selbst übernommen hatte, ist mit dem neuen Sabre pachtweise an die Gastwirtschaft „Zum Gambrinus" übergegangen. / Gedern. 18. San. Sm Gasthaus „ Zur Eisenbahn" hielt die hiesige Ortsgruppe des Landbundes ihre diesjährige Generalversammlung unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Richard Birx ab. Hermann Guth gab einen Rückblick aus das Vereinsleben des Sahres 1927. Zwei Hauptpunkte, über die eine lebhafte Aussprache einsetzte. waren die Feldbereinigung und die Einführung der Weidewirtschaft. Einen recht interessanten Bericht über die durchgeführte Feldbereinigung in Alsfeld, sowie über einen rationellen Weidebetrieb eines größeren Hofgutes des Vogelsberges erstatten Karl Franz III. und Philipp Limpert Leider wird auch auf diesem Gebiet aus finanzieren Gründen manches nur Wunsch bleiben müssen. Die Rechnungsablage erstattete Karl Franz HI. Bei der Vorstandswahl wurde Richard Birx zum 1. Vorsitzenden gewählt, nachdem Wilhelm Birx fein Amt niedergelegt hatte. Hermann Guth wurde zweiter Vorsitzender und Heinrich Roth Schriftführer. I Ober-Lais, 18. San. Gestern verließen zwölf Holzhauer unser Dorf, um zur Durchführung größerer Abholzungen nach der Försterei Bayerseich in der Nähe von Darmstadt zu gehen. Wie verlautet, sind dort trotz der wachsenden Arbeitslosigkeit keine Arbeitskräfte für diese Arbeiten zu haben. Unseren hiesigen Holzhauern, die seit mehreren Sahren in jedem Winter nur verhältnismäßig kurze Zeit in den Waldungen Arbeit sanden und die bereits jetzt zum Feiern gezwungen gewesen wären, ist der Verdienst wohl zu gönnen. Dem Vernehmen nach sollen die Leute dort für die Dauer von zwei Monaten Beschäftigung finden. Auch aus dem benachbarten Bubikopf, streifen an ein»m vorüber. Nein, man ist durchaus nicht am Ende der Welt, und wenn mans eine Nacht laug glaubt hat, so war lediglich der Reiseführer schuld. Lauter ... lauter ... Von Hans Franck*. Es war im zweiten Schlesischen. Oktober. Am neunten. Sechsundzwanzig war ich damals. Und doch schon ein Krieg hinter mir. Der erste Schlesische. Denn mit Zwanzig war ich dem Alten von der Hufe fortgelav.fen. Reiten hatt ich gelernt. Gesunde Knochen bracht" ich mit. Dazu Glauben an den König Fehlte nichts für einen gu en Hu aren D.'r ward ich denn auch S n ersten Schlesischen ließ es sich an, wie ich es mir zu Haus gedacht: Befehl des Königs — Signal — Drauf! — Geknall, Gestech — weg waren siel Sm zweiten Schlesischen kam es anders. Sie standen. Zwei-, drei-, fünfmal mußten wir attak- kieren, eh" sie auseinanderstoben. Sft auch vorgekommen, daß sie nicht wankten. Daß wir zurückmußten. An jenem Tag — neunter Oktober! — sollte Zieten den Uebergang über die Moldau freimachen. Bei Thein. Da erst begriff ich, was es heißt: Krieg. Wir kamen hinüber. Aber wie sah hüben, wie drüben der Erdboden aus! Man sagt es oft, sagt es, ohne daß man’S vor sich sieht hingemäht die Opfer der Schlacht. Hier aber stimmte es gemäht wie Gras. Nicht nebeneinander lagen wir. Sondern übereinander. Tote und Blessierte. Wir! Denn auch mich hatf es erwischt. Am linken Oberschenkel. Von dem war ein Stück Fleisch und ein Teil des Knochens fort. Sch dachte Das Ende! Sah Haus, Garten, Vater, Mutter, Acker, Wiese, Pferde, Kühe, Kälber, Schweine vor mir Ganz nah. Als ob ich sie mit meinen Händen anrühren könnt" und doch auch weit weg. So wie ich sie hundertfach gesehn und doch auch, wie sie mir nie vor Augen standen. Sn einem Licht — es hilft zu nichts, daß Bei dem Preisausschreiben für Kurzgeschichten von Reclams Universum unter mehr als 2000 Einsendungen durch e nstimmigen Beschluß des Preisrichterkollegiums mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Eichelsdorf sind bereit« vor einigen Tagen Holzhauer nach Starkenburg abgereift. — Die Straße von hier nach Hirzenhain, deren Bau unser Dorf schon seit längerer Zeit erstrebt und nunmehr mit Hilfe der Feldbereinigung zu erreichen hofft, scheint gebaut zu werden. Neben den Einwohnern unseres Dorfes sind an dieser Straße besonders die beiden Mühlen zu Sgelhausen interessiert, die heute nur mittels eines in sehr schlechtem Zustande befindlichen Feldweges ihre Kundschaft erreichen können. Dem Vernehmen nach soll die neue Straße durch die Hofreite der oberen Mühle durchgeführt werden, um an der günstigsten Stelle die schon bestehende Provinzialstraße Glashütten—Hirzenhain zu erreichen, die dann allerdings auch einer gründlichen Besserung bedarf. h- Eichelsdorf, 18. San. Sie hiesige Ortsdurchfahrt der nach E i ch e 1 s a ch s e n führenden Chaussee weist eine für den D e r k e h r ä u ß e r st gefährliche Stelle auf. Sie abschüssige Straße biegt unmittelbar an der Eichel, fast rechtwinklig um, während ein weit vorspringendes Anwesen die Uebersicht hindert und die scharfe Kurve stark einengt. Sa bei dem gesteigerten Kraftwagenverkehr diese Kurve eine stete Gefahrenquelle ist, zumal die Eichel hart an der Außenseite vvrüberfließt, sind Verhandlungen zwischen der Provinzial-Straßenverwallung und der Gemeinde im Gange, das vorspringende Anwesen käuflich zu erwerben und niederzulegen, um die Kurve zu verbreitern und übersichtlich zu machen. Sas Projekt hat Aussicht auf Verwirklichung, wenn eine entsprechende Wohnung als Ersatz für die zu räumende beschafft werden kann. Kreis Alsfeld. y. Aus dem Ohmtal, 18. San. Nachdem der Gesindewechsel vollzogen ist, zeigt sich allenthalben eine starker Mangel an landwirtschaftlichem Dienstpersonal. Am schlimmsten wirkt sich dieser bei größeren landwirtschaftlichen Gütern aus, die zwei oder mehr Knechte und Mägde haben müssen. Besonders sind die Mägde knapp, die sich trotz niedrigeren Löhnen lieber in die Stadt vermieten. Wo Dienstmägde gedingt werden konnten, sind diese eben in ihrem zwei- bis dreiwöchigem Urlaub zu Hause. Die Knechte haben diesen Urlaub nicht. Der Mangel hierin wird durch die zahlreichen Basaltsteinbrüche des Ohmtals hervorgerufen. (p B e r n s f e l d. 18. San. Dieser Tage hielt Landwirtschaftsassessor Dr. S e l z e r vom Landwirtschaftsamt Grünberg in der Gastwirtschaft Schott einen Vortrag über: „Düngungs- maßnahmen der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, insbesondere die Bedeutung der Kalkdüngung". Der Redner erläuterte in verständlicher Weise die Notwendigkeit der künstlichen Düngung und den Ersah der Nährstoffe, die durch die Pflanze verbraucht werden. Er befaßte sich mit der Anwendung der Düngemittel und mit der zweckmäßigen Zeit des Ausstreuens. Besonderen Raum widmete er der Kalkdüngung, die nach Angabe des Redners bei unseren schweren und kalkarmen Böden unbedingt erforderlich sei. Mit einer Mahnung, die Düngung der Kulturpflanzen auf keinen Fall zu vernachlässigen oder einseitig zu betreiben, schloß Dr. Selzer seinen mehr als einftünbigen, lehrreichen Vortrag. Die anschließende Aussprache war lebhaft und brachte die verschiedensten Gebiete der Landwirtschaft zur Sprache. Der Vortrag war sehr gut besucht. V Grebenau, 18. San. Sm Dienstbereich unseres Forstarnts sind die diesjährigen Fällungen und Aufarbeitungen so weit vorgeschritten, daß mit der Versteigerung begonnen werden konnte. Sas ist begrüßenswert, denn bei den seither später üblichen Terminen kam die Abfuhr des Holzes in eine Zeit, in welcher die Fuhrwerksbesitzer durch die Frühjahrsbestellung in Anspruch genommen waren, weshalb sich die Abfuhr über den ganzen Sommer erstreckte, während sie jetzt zum größten Teil rechtzeitig vor der Frühjahrsbestellung erfolgen kann. Sie erste Versteigerung sand dieser Tage statt. Es tarnen insgesamt 900 Raummeter (fast nur Brennholz) zum Ausgebot. Sie Preise waren bei dem zahlreichen Besuch der Versteigerung sehr hoch. Für Buchenscheit 1. Klasse bewegte sich der Durch- schnittspreis über 13 Mark für ein Raummeter Kreis Lauterbach. el. Hochwaldhausen b. Slbeshausen, 18. San. Die Allgemeine Ortskrank« n» ich's verschweig'! — ja: rot war um sie her das Licht. Gleich der bengalischen Flamme beim Feuerwerk in Berlin. Es zuckte und zischte ebenfalls in einem fort. Sie ist wieder ausgeheilt, die Blessur. Damals aber dachte ich. Das Ende! Geflennt habe ich nicht. Aber mich doch gescholten: „Warum hast du es nicht auf dem Ackerfeld ausgehalten? Was hat ein Bauernjung' auf dem Schlachtfeld zu suchen? Nun muht du mit Sechsundzwanzig fort. Und weißt noch nicht einmal — Smmer in dieser Richtung tociter! Tis der scheltenden Stimme eine andere, eine tröstende, entgegenkam, ihr den Weg vertrat: es geschieht für Ihn! Geschieht für den König! Sch weih, dah es in der Schule anders gelehrt wird: fürs Vaterland. Mag das Größere fein. Aber kann man dem Vaterland ins Gesicht sehen? Kann man des Vaterlandes Stimme hören? Kann das Vaterland die Hand aufheben und kommandieren: „Dorth n! Drauf!" ? Mag das Höhere fein: fürs Vaterland. Sch hab' gedacht: für Shn! Für den König! und mich damit getröstet. Bis wieder das andere da war: die Heimat im flackernden roten Licht. Und die scheltende Stimme: „Warum? Warum — ? Sechsundzwanzig I" Plötzlich hör ich: „Wedell?" Ueber die scheltende und die tröstende Stimme hinweg: „We° dell?" Ein Reiter jagt durch die Furt. Sch seh': der König! Hör': der König! Was will er? Er sucht. Was? Wen? Einen Menschen! Denn wieder gellt's: „Wedell?" Smmer wieder: „Wedell?" Sch stoß' mein Nachdenken vor mir her: Wedell ... — wird wohl auch gemäht liegen. Ble'siert. Tot. Wedell? Ein Hu arenleutnant aus unferm Regiment. Der König hatte ihn lieb. Wie David den Svnathan. Wedell? Verstand die Flöte zu blasen. Wie der König. Besser nach. Er ist oft, wenn der König nicht sch'a en konnte, des Nachts bei ihm getoc en. Sie spielten dann beide. Sa daß es manchmal klang: nur einer bläst. Wedell? Sft der auch hin? Nun war der König hüben: „Wo ist Wedell?" tief er. „Wo ist Wedell?" schrie er. Sawohl: schrie er! Wie ein Kind, dem sein Spielzeug weggenommen ist. „Wo ist Wedell?" Smmerfort. Ohne Aufhören Ohne S>nn. Ohne Verstand. „Wo ist Wedell? Wo ist Wedell?"^ Er sah nicht die vielen. Denn er suchte den einen! Er horte nicht das Stöhnen der Hunderte. Denn er horchte I auf den einen! „Wo ist Wedell?" Ein König, betaff e für den Stadtkreis Kaffel hat an dem Schwarzbach, unterhalb der Waldmühle, ein stattliches Gebäude errichten laffen, das den erholungsbedürftigen Kranken und Genesenden au« Kassel Aufnahme gewähren soll. Das Genesungsheim ist für eine Belegung von hundert Betten vorgesehen. Sn der würzigen und besonders reinen Wald- und Höhenluft, die hier durch keine Abgase aus Fabrikschomsteinen verunreinigt ist, sollen die Genesenden neue Kraft und Erholung finden, ein Fleckchen Erde, das diese Aufgabe erfüllen wird. Da auch die Zu- n a t e Gefängnis sowie Auferlegung der Kosten sichert ist, so wird damit gerechnet, daß das Heim am 1. Mai d. S. feiner Bestimmung übergeben werden kann. la. Angersbach, 18. San. Unsere 1200 Einwohner zählende Gemeinde hat nach dem Kriege zwei bedeutende Aufgaben gelöst: sie hat ein eigenes Elektrizitätswerk erbaut, und zur Beschaffung von Lehrerdienstwoh- nungen wurde auf das Schulhaus ein neuer Stock aufgesetzt. Nunmehr steht die Gemeinde vor neuen Aufgaben. Der Bau einer Wasserleitung läßt sich nicht mehr allzulange hinausschieben. Eine ausreichende Quelle, von der aus das Wasser mit Freilauf herangeführt werden kann, ist in dem Waldgelände rechts der Straße nach Fulda vorhanden. Die Errichtung einer kostspieligen Pumpstation kann damit erspart bleiben. Sodann rückt die Feldbereinigung in greifbare Nähe. Von den beiden Nachbargemeinden hat Landenhausen vor einigen Sahren bereinigt, in Lauterbach ist die Feldbereinigung im Gange. So wird auch hier di« Feldbereinigung nicht mehr lange auf sich warten lassen. Als dritte Aufgabe wird sich die Errichtung eines neuen Pfarrhauses bald als notwendig erweisen. Rheinhessen. WSN. Dingen, 18. San. Der am Montagabend bei einem Cinbruchversuch verhaftete Sohann Klingler aus Bingerbrück, der, wie bereits berichtet, bei der Verfolgung mit feinem Komplizen, hem Schlosser Franz Berger, auf die Dächer geflüchtet war, wobei letzterer in Notwehr durch einen Polizisten erschossen wurde, hat im Lause des gestrigen Tages weitere zahlreiche Einbrüche in Dingen einge standen. Die Leiche des erschossenen Derger wurde gestern nachmittag in Gegenwart des Staatsanwalts aus Mainz einer gerichtlichen Sektion unterzogen und anschließend zur Deerdigung freigegeben. Schöffengericht Wetzla — Wegen Sittlichkeitsoerbrechens, begangen an einem Mädchen von sieben Fahren, verhandelte das Gericht gegen einen Schlosser aus Herborn. Sie Oesfentlichkeit war für die Sauer der Verhandlung ausgeschlossen. Das Urteil lautete auf sechs M o - n a t e Gefängnis sowie Auferlegung der Kosten auf den Angeklagten. Alterserscheinungen sind vielfach bedingt durch Selbstvergiftung vorn Darm aus. Giftstoffe werden in das Dlut ausgenommen, statt aus dem Körper entfernt zu werden. — Energische, kurgemäße Darmentlastung beugt vor und bringt Hilfe. Die zuverlässigste Methode ist die Anwendung des Kruschen-Salzes, das in jahrhundertlanger Erfahrung erprobt ist. Kruschen-Salz ist zusammengesetzt nach den Vorbildern, die uns die Natur in den besten Heil-(Bittersalz-)Quellen gab. — Das Dlut wird von Giftstoffen gereinigt, die Stauungen in Leber und Milz werden beseitigt. Die (Befreiung von Den Giftstoffen bringt Auffrischung des ganzen Körpers. Die wertvollen Bestandteile des Kruschen-Salzes bewirken eine Anregung des Gallenflusses und eine Beruhigung des Nervensystems und damit des Gehirns. Darmentlastung und Nervenerholung hängen sichtlich zusammen. Se reiner das Dlut. desto freier der Geist. Ein Glas Kruschen-Salz reicht für 100 Tage, somit tägliche Gesundheitspflege für 3 Pf. 458D gann es in mir zu sausen, soll nicht den einen hören, sondern die Hunderte! Soll nicht den einen sehen, sondern die vielen! Ein König soll nicht Kind, nicht kindisch, soll König fein! Aber der Hinundhersprengende greinte: „Wo ist Wedell? Wo ist Wedell?" Da ich wußte, daß ich es wollte, eh ich wußte, daß es ohne, daß es gegen meinen Willen geschehen werde, rief ich: „Majestät — 1" Er sprengte au mir. Hielt. Kreischte mich an: „Töo ist Wedell?" Und jetzt — es war kein Heldenstück, es war vielleicht nicht einmal Bauernbur'chentroh. Es war wohl nur ein Husarenstück! Denn: gleichgültig, wie er mich dafür strafte: und wenn er über mich hinwegritt, sein Pferd mir den Brustkasten eintrat, hätt" ich s in jener Stunde Erbarmen geheißen — jetzt stützte ich mich mit beiden Händen auf, rief ihm zu, schrie ich — jawohl, schrie ich den König an: „Majestät, hier liegen lauter Wedells!" Dann fiel ich. Wie ich glaubte: meilentief. Sm Schacht des Todes abwärts. Sn Wahrheit nur ein paar Zoll tief. Auf den Erdboden zurück. Denn plötzlich wachte ich durch das Streicheln einer Hand auf. „Bin ich zu Haus?" rief ich mir zu. „Sm Bett? Was hab' ich wieder geträumt? Grauenvoll muh es gewesen fein. Schweiß steht auf der Stirn, über die Mutters Hand —“ Da fah ich: der König! Er streichelt mich! Er! Er! Mich, der den Respekt vor ihm vergaß! „Hört Er mich?" fragt Friedrich. Sch: „Sa, Majestät!" „Wie heißt er?" will Friedrich toi,Jen. Sch. „Hohendorf, Majestät". „Wenn Er, was ich sehr verhoffe, dem Tod einen Schabernack spielt," befiehlt der König, „dann melde er sich bei mir. Sobald er kuriert ist." Sch: „Majestät!?" „Sollte ich", fährt der König fort, „Seinen Namen dero- weil vergessen haben, so sage Er nur: Lauter Wedells!" Sch, kaum noch eines Lautes mächtig: „Majestät —?" „Er hat mir", erklärt der König, „eine gute Lehre gegeben. Sch danke ihm dafür?' Und reicht mir die Hand. Da hab' ich einem Manne getan, was ich nie bislang und nie hernach einer Frau tat: hab' die dankende Hand geküßt. Friedrich ist aufgesessen und durch die Furt der Moldau zurückgeritten. Ohne nach dem Leutnant Wedel! zu suchen Ohne nach dem Leutnant Wedell zu rufen. Ueber seine Lippen kam auch beim Fortreiten nur ein Wort, immer wieder, immer leiser: „Lauter... lauter..." .2* *’rv W2> SZtL // [TW Ci durch die Elfte. erhlinßeno and von,denff-fohen, erfdhalleni > r BcMlah> ileTUlah, / find tm> vecßleidilichJ 8s unterließt/ heiuem ni*> ten, fflllfehunß in, hervorragendem dSlaße murdißfind. <-—> föte ehrroiw-» dißendlwsrufev und der neuseeitliche^-unhfpreeher verharren, lauH m2t Z-t7S JuMira 1 J l T IE II MILAX DU IMG zur Feier des 17. Stiftungsfestes Sonntag, den 22. Januar, abends 5.30 Uhr, im großen Saale des kath. Vereinshauses Musik / Theater/ Gesang /T anz Gäste willkommen Eintritt für Mitglieder Mk. 030, für Gäste Mk. 0.50 Sonderpreise & Wochenende! Sportkragen weiß Pikee alle Halsweiten 0.35 Hosenträger starkes Gummiband, mit Lederpatte............... 0.85 Einsatzhemden mit modern. Ripseinsätzen Größe 4—6 . -».......... 2.25 Einsatzhemden la wollgemischt, mit wasch echten Einsätzen........ 2.65 Herren-Socken kräftige Qualität, moderne Muster.................. 0.55 Phantasie-Socken aparte Farben, gut stärkt................ 0.95 Herren-Socken Kunstseide plattiert, deme Dessins....... 1.25 Herren-Socken reine Wolle, gestrickt Strapazier-Qualität....... 1.35 Damen Strümpfe /X 4A solide Qualität, schwarz 1 1 lll 1 und farbig...............VlVV Damen-Strümpfe echt ägypt. Mako, schwarz und farbig............... 1.25 Damen-Strümpfe extra starker Seidenflor, schwarz u. moderne Farben 2.25 Damen-Strümpfe 4 Wolle m.Flor, mel.,Doppel- B sohle, elegant und haltbar Unterziehhosen solide Qualität 0.85 Damen Schlüpfer kräftlgeBaumwolle,mit ver- I B stärktem Zwickel, farbig.. J- B -B- A^ Damen Schlüpfer starke Qualität, mit ver stärktem Zwickel........ 1.60 Damen Schlüpfer Baumwolle, innen warm gerauht.................. 1.95 Gießen VaHchofstr.il 865« iMMWeMMttes mit vielen Ueberrafchnngen am 21. Januar 1928, abends- 8.11 Ubr, in der Turnballe. !!!WZMkvWWM)!! Reiieväffe werden in folgenden Reife BüroS ausgestellt: 6,4D Jae. FrieSleben, Babnboffir. — Fritz Linker. Ludwigltr. A.GifseI,Licher Ltr. — Cbr.Psund, Neuenweg — Nud.Rüdiger,Walltorstr. Die Kirmesbursch des „Rad-Club Germania" Gietzen Die Kirmes-Gäste werden gebeten, möglichst in Bauerntracht zu erscheinen! Vortrags - Vereinigung (Goethe-Band Kaufmännischer Verein Ortsfiewerbeverein) Freitag, den 20. Januar 1928, abend» 8 Uhr, in der Neuen Aula der Universität: Vortragsabend des großen Vortragsmeisters Ludwig Hardt Grotesken-Abend 10 Porträts Berliner Schauspieler Naturheilverein 0432 Lichtspielhaus Bahnhofstrahe 34 Nur noch heute: U 9, Kapitän Weddigen Ab Freitag bl» elnechl. Sonntag: Nach dem bekannten Theaterstück von Karl Zuckmayer. Personen und Darsteller: MD irf? Jean Baptiste Gunderloch, Weingutsbeiitzer...........Rudolf Rittner Eismayr, Landskronenwirt Juiius v. Szöreghi Clärchen Gunderloch..........Camilla Horn Babettchen Eismayr Camilla v. Hollay Knuzius, Clärchens Verlobter .. . Fritz Ode mar Jochen Most, Rheinschiffer..........Carl de Vogt Annemarie Most, s. Schwester. Lotte Neumann Rindsfuß } | .... Heinrich Gotho Vogelsberger 1 Weinhändler x Bodo Serp Stenz J \ Karl Karbacher Frau Rindsfuß......................Else Reval Fräulein Stenz Elisabeth Neumann Hahnesaud . ,f Friedrich Lobe Löbcbe Bär/Weinreieendel ..Oskar Ebelsbacher Mayer & Sohn, Redaktion der Rheinischen Spirituosenzeitung. . Paul Morgan Kurrle. Standesbeamter...........Karl Gerhardt Sohn von Mayer............. Geza L. Weiß Ferner: Die von der Infanterie! Ein Lustspiel in 6 Akten aus dem österreichischen Kasernenleben der Vorkriegszeit. Sowie die neuesten Tagesberichte aus aller Welt Jugendliche haben zu diesem Programm keinen Zutritt. Ab Montag, 28. Januar, der große Monumental- Film in zwei Abteilungen; l iest: Die Jugend derKrongrinzessin Louise Astoria-Lichtspiele Bia einschließlich Sonntag: Fred Thomson, Amerikas beliebtester Cowboy, mit seinem Wunderhengst „Silberkönig“ in seinem neuesten Sensationsfilm in 6 Akten: Der Todes-Springer Ferner: Die Hand im Dunkeln! Gewaltiger Detektiv- und Krirninalschlager in 6 Akten. In der Hauptrolle: Rod l a Rocque. 681c Palast-Lichtspiele Samstag, den 21. Januar 1928, abends um 8 Uhr Canada das Land der eigenenScholle ALASKA Ueberfahrt auf einem Dampfer des Nordd. Lloyd Bremen Der bekannte Vortragsredner Oberingenieur Henry Blecker, Hannover Der neue große Reisefilm von Oberingenieur Dreyer zeigt nicht nur die wirtschaftliche Bedeutung, sondern auch die Schönheiten u. Reize, sowie einige seltene Naturwunder des unbekannten Canada Hersteller: Döring-FilmwerkeHannoverinGemeln- schaft mit dem Norddeutschen Lloyd Bremen Preise: 0.80,1.20 u. 1.50 Mk. Vorverkauf: Theodor Loos, Lloydagentur, Kirchenplatz 13 Näheres siehe auch Plakatel C19A GieBener Konzertverein Sechstes Konzert Schubert-Gedächtnisfeier Donnerstag, den 26. Januar, abends 7l/< Uhr, im Stadttheater Symphonie-Konzert Leitung: Univers.-Musikdirektor Dr. Stefan Temesvary Solist: Hermann Schey (Bariton) Orchester * Das Frankfurter Symphonie-Orchester Schubert: Unvollendete Symphonie — Vier Lieder mit Orchesterbegleitung — Symphonie in C-Dur Eintrittskarten: RM.5.—, 4.—, 2.50 bei Ernst Challier und abends an der Kasse. — Studentenkarten RM. 1.50 bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweiskarte. Die zweite Hälfte des Abonnements bitten wir bei Ernst Challier bis spätestens 21. Januar abzuholen. M4D Elegante Damen- MsD-Mne Neuheiten zu verleihen. [600D Löberstr. 11, hart. Sohlleder Gummiabsätze Schuhputz Ginlegesohlen empfiehlt Köhler Neustadt 79 am Oswald»» garten. 10675D Auto Z Telephon Nr. 1730. Keiner deutscher Bienen- Honig Gemischie Blüten, Lindenblüten, und spanischen Orange- blitzen in Gläsern 1 Pfd. Inhalt. 0489 MMM Kreuzplatz 5. Ergraotes Haar erhält seine frühere Farbe wieder durch ScheltenmssSM ferne ißleoetöer- fteiier Groin jung lOOOfacb bewährt. Zu beziehen durch Emil Koch, Parfümerie, SelterSw. 7ä Herrn.PlankWw., Seltersweg 8, Bernhard Toich, 9leuen Säue 1L Otto Gatb, Bahn- hofstrahe 61. T3”A Mitglieder: Eintritt frei auf zwei Plätzen. Kontrollabschnitt Nr. 4; Nichtmitglieder: Karten zu Mk. 2.- an der Abendkasse; Studentenkarten gegen Ausweis zu Mk. 1— bei Herrn Sekretär Ritter. Thomas Mann schreibt über Hardt: .Ludwig Hardt zu hören ist ein großes, seltsames Erlebnis. So einen Kerl habe ich Zeit meines Lebens noch nicht gesehen." Herbert Eulenberg: .Die Krone der Vortragskunst in Deutschland gehört diesem Ludwig Hardt. 593 E s Z £ s a« 5 Frauen Vortrag Die bekannte Hygiene - Schriftstellerin Frau Agnes Krägeloh, Köln, spricht am Freitag, dem L0. Januar, abends 8—10Ubr, im groiren Saale des PalafttbeaterS.Ltndeuvlatz. Thema: Liebe, Ehe, Krankheil onl Sesugdlieil Die Ehen ohne Liebe. — Unglückliches Ebeleben und wie es erträglich zu gestalten ist. — Was müssen die jungen Mädchen vor, von und während der Ehe wrssen? Welche Mädchen werden geheiratet? — Warum sind so viele Frauen unterleibSkrauk? — Blutarmut, Bleichsucht. Nervosität und ihre Ursachen. — Worauf bat die Frau in den Wechseljahren zu achten? — Krebs, GemütSverstimmung. — Warum werden so viele Frauen viel zu früh alt? Wie erhält und bewahrt man schöne Körpersormen? Natürliche erfolgreiche Beseitigung von über» mätzigcrKorpulei'.zundMagerkeit.-Anleitung zursicheren Entfernung und Verhütung von Falten. Runzeln. Krähenfützen und fonstigen Schönheitsfehlern. — lieber Haarausfall und ihre Ursache. Nar Frauen und Mttdchen über 16 Jahre Karten: 1 — (1.20 u. 1.50 M. num.s. um jeder Dame Gelegenheit zu geben, fich diesen lehrreichen Bor- trag anzubören, tägl.im Vorverk.im Lichtspielhaus sowie an der Abendkasse am Tage der Veranstaltung ab 7 Ubr. Da die Vorträge der Frau Agnes Krägeloh in sämtlichen gröberen Städten Deutschlands steiS überfüllt sind, empfiehlt eS sich, die Karten möglichst im Vorverkauf zu besorgen. Die Vorträge der Frau Agnes Krägeloh sind nicht zu verwechseln mit anderen ähnlichen Veranstaltungen. So schreibt der Medizinalrat Dr. W.: „Es wäre sehr begrüben, wenn die Schriftstellerin Agnes Krägeloh des öfteren derartige Vorträge halten würde, die das Allgemeinwohl angehen und lediglich der Gesundheit dienen. Der Vortrag — in überaus fliehender Sprache gesprochen —'war außerordentlich belehrend und von hohem ethischen Wert". [6‘27ss Wer daher dielen Vortrag nicht hört, bat vieles im Leben versäumt. Einiah 7 Ubr! Beginn 8 Uhr! Ende 10 Ubr! Allgemeiner Verein liir Innen- und Krankenpflege Zur Hauptversammlung werden die Mitglieder auf Freitag, den 27. Januar 1928, nachmittags 5 Uhr, in das Evangelische Schwesternhaus eingeladen. Broker Inventar-Ausverkauf von heute bis 31. Januar! Große Posten im Fenster beschädigter Strümpfe, Herren- und Damen-Wäsche, Selbstbinder, Hüften-Gürtel, Handschuhe usw. zu Schleuderpreisen. Im übrigen 10 Prozent Rabatt Marti Loewenthal & Co. Ecke Marktstrafee GIESSEN Bahnhofstrahe 1 ______ 677D Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht 2. Rechnungsablage 3. Vorstandswahl 6760 Der Vorsitzende: Ausfeld Mel-MM „W-M". MW Samstag, 21. Januar 1928, abends 20" Uhr: Bunter Abend Mit 0435 Kappensitzung und Tanz im großen Saale des Kath. Dereinshauses. Gäste willkommen! Der Vorstand- 0.85 «"1.15 *1.60 1.95 r « i Uhr, >"1 igeladefl- o i irtrag riftflellenit ftnw ritt am Sreittg, lllbr, im amtu ttavlav. Tbcmo. MM llchet Ebeleben u,id .-Las müM sie roätrenb bei Ebe «n geheiraiei? - on'er!eibSkra»n. oiität und ihre Ur /x j in denWcch!ei mülSveriummm n viel »u hüb ab ineSlörpetformcifi ioung von über dcit-Snleiiung büiu ngoonßS' Men Schön es uni ihre WxVM über 16 Jahre .1 um Mr Da» t lebrteicben ^r- iQe der BeranB eber @rau Ali* aSiädienDeuiv' psiehll eS st».6lt U6,; buutzuvtz B •Newerteierein bend»8Uhr,indeT versitfit; i iardt bend Sdiauspieler wei Plätzen, Kontro!]. e r: Karten zu ML 2.- ■arten gegen Auswdi kretär Ritter. rdt: .Ludwig Hardt m Erlebnis. So einen Kerl och nicht gesehen." ■ der Vortragskunst k Iwig Hardt K bericht Itt. 16 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Die Reichsgründungsfeier in -er Llniverfiiäi Die Wiederkehr des Tages der deutschen Reichsgründung wurde am gestrigen Mittwochvormittag durch einen akademischen Festakt in der Reuen Aula würdig begangen. Unter den geladenen Gästen, die sich im festlich geschmückten Saale zusammengefunden hatten, bemerkte man zahlreiche Vertreter der Behörden, sowie eine Reihe markanter Persönlichkeiten aus der Gießener Bürgerschaft und der hiesigen Garnison. Auf der Empore hatten die studentischen Korporationen mit ihren Fahnen Platz genommen und boten im Verein mit den tn der vorderen Saalhälfte sitzenden Chargierten in WiHs ein buntes und malerisches Bild. Die Feier wurde nach einem Orgelvorspiel in üblicher Weise durch den Einzug des akademischen Senates eröffnet. Hierauf brachte der Akademische Gesangverein den Chor »Herr unser Herrscher" von 3oh. Seb. Bach zum Vortrag. Als die feierlich-ernste Weise verklungen war, erhob sich Se. Magnifizenz der Rektor, Professor Or. Rosenberg zu folgender Ansprache: Hochansehnliche Festversammlung! Verehrte Herren Kollegen! Liebe KommilitonenI An allen deutschen Hochschulen werden an diesem Tage Feiern zum Gedenken an die Reichsgründung abgehalten, aber auch nur an den Hochschulen. Sollte das nicht einen tieferen Grund haben? In der Tat dars man es als den besonderen Beruf der deutschen Hochschulen bezeichnen, die lang ersehnte und endlich errungene Einheit des Reiches zu feiern, weil imifere Universitäten von jeher sich als die oorncchmsten Träger des deutschen Einheitsgedan- kens gefühlt und bewährt haben. Der Zug zum nationalen Ganzen war von vornherein ein Hnmdzug ihres Wesens geworden und gewesen, niemals war eine Universität nur für die eigenen Landeskinder errichtet worden, die besten Lehrer aus allen deutschen Ländern zu gewinnen und dadurch den Glanz der eigenen Hoch- ichule zu erhöhen, das war säst stets der schöne Ehrgeiz der Landesfürsten. Und war nicht die Wissenschaft, deren Pflege die schönste Aufgabe der Universitäten war, frei von partikularistischen Hem- nungen und gerade dadurch ein Band der Einheit von höchster Bedeutung? Immer wurde die Wis- sen-schaft als eine oemeindeutsche Angelegenheit empfunden, und nie ist der Versuch gemacht rvor« )en, ihr eine in den Landesfarben gehaltene Zwangsjacke anzulegen. Das beste Beispiel dafür bieten die juristischen Fakultäten, deren Tätigkeit Jahrhunderte hindurch fast ausschließlich der Pflege -Ses im ganzen Reiche geltenden Rechtes gewidmet n>or. So waren in dem in zahllose Länder auscin- -anderklaffenden Deutschland schon zu einer Zeit, wo niemand die politische Einigung auch nur zu denken wagte, die Universitäten die selbstverständlichen Träger eines nationalen deutschen Gedankens. Be- Rvußte Vorkämpfer dieses Gedankens aber wurden sie im Ansang des 19. Jahrhunderts, als es galt, das Joch Napoleons von Deutschland abzuschütteln. Damals waren die Universitäten die Herdstätten edelsten nationalen Feuers, damals hielt Fichte in Berlin feine Reden an die deutsche Nation, unb Lrnst Moritz Arndt hat vor allem die Herzen der akademischen Jugend mit vaterländischem Freiheits- Oesiihl erfüllt. Nach der siegreichen Beendigung der Dreiheitskämpfe hat es sich durch die Zeit der Reaktion erhalten und gesteigert in der Forderung nach dem deutschen Einheitsstaat. Das neue Ideal txm der deutschen Volkseinheit wurde vor allem uon der studentischen Jugend gepflegt, dieselbe studentische Jugend hat durch ihre opfervolle Teilnahme an dem Kriege von .1870/71 dieses Ideal verwirklichen helfen und hat im Weltkriege das 1871 entstandene Reich mit bergeversetzender Begeisterung verteidigt. Uns allen ist daran die Erinnerung lebendig und soll es immer bleiben. So haben die deutschen Universitäten die Pflicht, heute der Reichsgründung zu gedenken. Nicht um trauernd der vergangenfyeit nachzusinnen, sondern um □us der Vergangenheit die Kraft zu gewinnen, die Gegen mart zu ertragen und die Zuversicht zu Es zogen drei Burschen lvohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lörcher. 21. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Wäre es dann möglich, daß sie auch einmal ins Elsaß kämen, Schwester Wendula? Vielleicht gar mal nach Straßburg?" Sie war inzwischen näher herangekommen und s-ah auf Raymond herab: „Es wäre nicht unmöglich, Herr von Welzin. Ich wünschte es fast. Denn i d) kenne Straßburg und habe dort mein Pensions- j>chr verlebt." _ „Köstlich ist's. Sie könnten zum Herbst kommen, Schwester Wendula. Wenn vom Rhein her all die frirten Silberschleier aufsteigen. Wenn die feinen (Gespinste vom Altweibersommer durch die klare Lüft fliegen und die weiten Wiesenmatten einen Ha Teppich von Herbstzeitlosen tragen." Nach einer Weile meinte Dietmar! halb gepreßt, tzüb sehnsuchtsvoll: „Wer weiß, vielleicht sind wir alle zum Herbst wieder zu Hatrse." Und es war Melusine, die diesen Seufzer am wenigsten qualvoll mitempfand.-- Am Nachmittag betrat Melusine abermals das Ams der Familie Bouvier. Sie sah, man fyatte ihr Kommen erwartet. Auf ihr Klingeln an der Haus- itir eilte ihr der junge Monsieur Jean Paul entgegen und hieß sie mit einer Lebhaftigkeit und Galanterie eentreten, die ihr schmeichelte, weil sie ihr seine Ungeduld, sie wiederzusehen, offenbarte. Auch die beiden alten Herrschaften, die durch die Eintönigkeit des Kriegselends in der für die Einwohner völlig angeschnittenen Stadt in letzter Zeit in eine förmliche Lethargie versunken waren, fühlten sich durch die Anwesenheit des jungen Mädchens mächtig belebt. Melusine wurde auf den Ehrenplatz des Zimmers konplimentiert. Sie fühlte in jedem Zoll, in jedem Klick, in jedem Wort, wie man sie in diesem Haufe vollkommen als zur französischen Seite gehörend, betrachtete. Der alte Herr entnahm dem Büfett mit einiger Würde einige Flaschen Rotwein, stellte sie auf Die schöpfen, daß es auch aus dieser Zeit der Not wieder einen Aufstieg geben wird, wie ihn das deutsche Volk immer wieder erreicht und erarbeitet hat. Aber die Errettung aus unserer Not kann mir vom deutschen Geiste ausgeben, als dem vornehmsten Bannerträger des Reiches, dessen Geburtstag wir heute begehen. Der deutsche Geist hat den deutschen Staat gewollt und gerufen. Es ist kein Zweifel, das staatsmännische Genie eines Bismarck hätte das Reich nicht gründen können, wenn ihm nicht der deutsche Geist entscheidend vorgearbeitet hätte. Die Pflegestätten solchen Geistes aber, die Universitäten, feiern die Reichsgründung als die Erfüllung einer vom deutschen Geiste auf gestellten und getragenen Forderung. Wenn ober deutsche Universitäten eine akademische Feier begehen, dann lassen sie sie zu einer Kundgebung des Geistes der Wissenschaft werden. Der Rektor bat darauf den Geographen der Landesuniversität, Prof. Or. Kluie, das Wort zu seiner Festrede zu ergreifen, einem Fachvortrage über die Getreideländer der Erde, dessen Zusammenhang mit dem Gegenstände der Feier und mit dem Problem unseres Wiederaufbaues dein aufmerksamen Hörer nicht entgangen sein dürfte. Der Redner führte ungefähr folgendes aus: Die Ackerbaugebiete der Alten Welt liegen im subtropischen Gürtel, wo auch die europäischen Getreidearten größtenteils ihre Heimat haben. Hier begann der Mensch früh mit deren Kultur, und es ist deshalb begreiflich, daß hie Entwicklung in der frühsten Zeit hier ihren Höhepunkt erreichte. Für die Kulturentwicklung überhaupt kamen besonders die großen Stromgebiete in Betracht, deren äleberschwemmungsländer zuerst ausgenutzt wurden, und wo man später zur künstlichen Bewässerung schritt. Die künstliche Bewässerung ernährte zuerst eine große 'Menschenmenge auf engem Raum, und hier finden wir deshalb auch größere Staatenbildungen wie in Aegypten, Babylonien, am Indus und bis hinein nach China. Von hier schreitet die Kulturentwicklung in das westliche Mittelmeer weiter. Bei den Griechen und Römern ist der Ackerbau die Hauptgrundlage für die Wirtschaft des Staates. Für die frühere griechische Ausbreitung war das Meer günstig, und so haben die Griechen als Handels- und Seefahrervolk sich weit ausgebreitet und Kolonien gegründet, die vom Schwarzen Meer über Kleinasien nach Anter-Italien und Sizilien, ja sogar bis Marseille reichten. Es ist wichtig, zu betonen, daß diese Kolonien vom Ackerbau lebten und auf Grund einer ausgezeichneten Bodenkultur stark wuchsen. Die Römer, welche politisch die Rach- folger Griechenlands waren, haben noch intensiver kolonisiert. Während die griechischen Kolonien Fein zusammenhängendes Gebiet bedeckten, hat sich der römische Staat langsam aus seiner Keimzelle, dem alten Rom, über ganz Italien ausgebreitet und von hier das geschlossene, zusammenhängende Gebiet des römischen Weltreiches erobert und kolonisiert. Dis nach Britannien finden wir römische Straßen u»d römische Flureinteilung, und im Rorden Afrikas sehen wir noch die großen Wasserleitungen der Römer bis gegen die Wüsten Vordringen. Wir finden hier, wie schon in Griechenland, die Einfuhr von Getreide, und im Rückgang des römischen Bauerntums liegt einer der Gründe des Antergangs des römischen Reiches. Mit der Gründung der germanischen Reiche setzte auch hier eine intensive Ackerbauperiode ein. Dies zeigt sich sowohl durch die Rodungen der bewaldeten Teile, wie auch durch die Kolonisation des dünn besiedelten slawischen Ostens, wobei die deutschen Kolonisten auch hier die Waldgebiete rodeten und die breiten sumpfigen Flußebenen in Kulturländer verwandelten. 3m Zeitalter der Entdeckungen wurde Dem europäischen Kulturkreis mehr als ein Drittel der Landoberslüche der Erde neu erschlossen. Zuerst wendete man sich allerdings mehr den tropischen Gebieten zu, weil ihr Handel mit Gewürzen und seltenen Gegenständen damals lohnte. Der von Madame Bouvier hingeschobenen silbernen Untersätze und begann, die erste Flasche aufzuziehen. Was konnte ein Franzose seinem Besuche Besseres und Selbstverständlicheres servieren als den herrlichen französischen Wein? Melusine drehte mit ihrer schlanken, schön geformten Hand die Etikette auf der Flasche zu sich herum. „Ah!" meinte sie dann verständnisvoll, „ich kenne die Marke, Monsieur Bouvier! Auch meine Großmutter hat sie im Keller liegen!" In Gedanken setzte sie hinzu, daß die alte Baronin in ihrem Leben noch nie einen Tropfen Rhein- oder Moselwein über ihre Lippen gebracht und ausschließlich französische Weine und von den elsässischen Weinen nur die edelsten Marken in ihrem Keller lagern Durften. Monsieur Bouvier strich mit einer leichten Ver- schmitzheit Die herabhängenden Enden seines graumelierten Schnurrbartes. „Mademoiselle, mit diesem Wein hat es seine Bewandtnis! Wir haben ihn jetzt vier Jahre lang im Garten draußen vergraben! Ihnen Darf ich Das anvertrauen! Das weiß ich. — Ja, vergraben, Denn Die deutschen Soldaten bekommen auch Durst, wenn sie eine gute Marke sehen! — Also — ?" Monsieur Jean Paul hatte inzwischen vier Gläser hervorgeholt und sah nun neben Melusine. Während sie sich mit seinem Großvater unterhielt, ruhte fein Blick unverwandt auf ihren hübschen Händen. Parbleu, hatte diese junge Dame entzückend Hände! Wenn ein glückseliger Moment ihm Die Gunst schenken würde, 'daß er diese Hand zum Kuß an die Lippen ziehen Durfte? Und wie anmutig sie zweifellos mit diesen eleganten, beweglich - graziösen Händen Klavier zu spielen verstand! Dann übernahm er Das Amt des Einschenkens. Er bot Melusine ihr Glas und nahm die Gelegenheit wahr, ihr dabei kurz und tief in die Augen zu blicken. So feurig, fast umwerbend, daß sie für Sekunden in ihrer Unterhaltung mit den beiden Alten stutzte, um Den Ausdruck seines Blickes erst, zu überwinden. „älavötre!" meinte er nun, ihr beim gegenseitigen Anstoßen das Glas entgegenreiche«,d. Dabei sah sie ihm zum ersten Male voll und aufmerksam ins Gesicht. Es war ein ausgesprochen süd- französischer Typus. Eine etwas matte, gelbliche Getreidebedarf wurde von den meisten Ländern noch in der Heimat gedeckt, und wo dies nicht der Fall war, wie in Skandinavien und den Ostseeländern, wurde Getreide aus den deutschen Ostseegebieten eingeführt. Die heute so wichtigen Siedelungsgebiete der neuen Welt waren damals noch wenig erschlossen und ihre Entwicklung begann erst mit der Befreiung der Reu-England- Staaten und Südamerikas. Bedeutend wird der wirtschaftliche Aufschwung dagegen erst mit der Entwicklung der europäischen Industriestaaten, die über die Devölkerungszahl hinauswachsen, die sie aus eigenem Boden ernähren können. Damit beginnt der stärkere Getreidebau in den Vereinigten Staaten und die Getreideausfuhr nach England und Deutschland. Die Vereinigten Staaten, Rußland und Rumänien deckten am Ende des vorigen 3ahrhunderts den Hauptbedarf, und ihnen schloß sich zu Beginn des neuen Jahrhunderts noch Kanada und Australien an. Durch Den Krieg hat die Entwicklung der außereuropäischen Getreideländer einen sprungartigen Aufschwung genommen, während die Getreideländer der alten Welt alle in ihrem Anbau wesentlich zurückgingen. 3m 3ahre 1924 hatten deshalb die Vereinigten Staaten, Argentinien, Kanada und Australien ft/10 der gesamten Weltausfuhr, während Rußland, das vor dem Kriege mit 31 Prozent beteiligt war, auf 4 Prozent herabsank. Diese durch den Krieg hervor- gebrachte Begünstigung des überseeischen Ackerbaues hat sich im 3ahre 1926 für Kanada noch gesteigert, das jetzt 40 Prozent der Weltaus- suhr besitzt, während die Vereinigten Staaten und Argentinien etwas zurückgegangen sind, und Rußland und Rumänien sich nur langsam zu erholen beginnen. Für England, das Haupteinsuhrland für Getreide, ist es wichtig, daß es seinen Getreidebedarf aus seinen eigenen Kolonien decken farm. Für Deutschland, das aus seinem eigenen Lande nur 2/s seiner Bevölkerung ernähren kann, ist ebenfalls Einfuhr nötig, die es sowohl aus ileberfee wie auch bei einer Hebung Rußlands wieder von letzterem beziehen kann. Die Hebung der russischen Getreideausfuhr würde gleichzeitig eine Hebung der Einfuhr von 3ndustriewaren nach Rußland bedeuten, Die für Deutschland nicht ungünstig ist. Von unserem eigenen Standpunkt betrachtet, erscheint aber als wesentlich, daß der heimische Anbau stark gehoben wird. Wir nähern uns allerdings den Vorkriegszahlen für Produktion und Ertrag der Fläche wieder, doch scheint es möglich, nachdem wir die künstlichen Düngemittel, durch den Krieg gezwungen, im eigenen Lande erzeugen, daß eine Steigerung des Ertrages stattfindet, die unsere Crnährungsansprüche nahezu erreicht. Andererseits haben wir nicht allein aus Gründen der Ernährung ein 3nteresse daran, unserer hochentwickelten 3ndustrie eine hochentwickelte Landwirtschaft gegenüberzustellen, sondern nach obigen Betrachtungen müssen wir die Landwirtschaft auch als gesunde Keimzelle der Volkskraft ansehen, die durch ihre Gebundenheit an die Scholle auch gleichzeitig die Liebe zur Heimat und zum Vaterlande in sich trägt Als der Redner geendet hatte, ergriff <5>e. Magnifizenz der Rektor, Professor Or. Rosenberg noch einmal das Wort zu einer kurzen Schluß- ansprache, in der etwa folgendes gesagt wurde: Wer im Buche der deutschen Geschichte zu lesen vermag, ist imstande, mehr als nur einen Hoffnungsstrahl aufzuzeigen. 3n dem unablässigen Auf und Ab unserer Staatsgeschichte predigen viele, unserer heutigen Situation ähnliche Lagen das Wort: Wir heißen euch hoffen! Wie ost hat es schon so ausgesehen, als wäre es zu Ende mit dem deutschen Volke. Denken Sie an die Beendigung des 30jährigen Krieges, denken Sie an 1807, als fremde Zhrannenmacht ganz Deutschland unterjocht hatte. 3mmer wieder hat das deutsche Volk mit seiner zähen Lebenskraft und seiner unverwüstlichen Tüchtigkeit sich Gesichtsfarbe. Die Form des Gesichtes oval, besonders das Kinn von weicher Rundung. Schön gezeichnete, blutrote Lippen, mit einem kleinen, kecken schwarzen Schnurrbart. Am meisten fielen in diesen Zügen Die Augen auf. Wundervolle Augen von sammetschwarzem Glanze. Etwas mandelförmig geschnitten. Sie verliehen Dem ganzen Gesicht etwas bei einem Mann ungewöhnlich Be- strickeirdes. Und in gewisser Weise bestrickend war auch fein Organ. Sie tonnte sich kaum entsinnen, eine so herrliche Stimme gehört zu haben. Sie nahm sich vor, ihn nachher zu bitten, nochmals, und nun in ihrer Gegenwart, von jenen südfranzö- sisch'en Volksliedern zu singen, bei Denen sie ihn gestern unterbrochen. Jetzt aber war erst ein gar feierlicher Moment Zu durchleben. Denn Monsieur Bouvier war am Tische als einziger stehengeblieben, hob sein Glas langsam in Die Höhe und sagte, nachdem er sich mit Der den Franzosen eigenen Verbindlichkeit zu den dreien nach verschiedenen Seiten hinüber- geneigt: „Nun müssen wir noch ein besonderes Wohl aus= bringen! Auf Das Wohl Des Elsaß!" Melusine erhob sich ohne Zögern. Sie reichte ihm ihr Glas entgegen. „Aus Das Wohl des Elsaß?" Daran Durfte auch sie teilnehmen! Aber auch Die alte Dame stand nun auf. In ihren Zügen lag ein ergriffener Ernst. „Und daß wir bald dorthin zurückkehren können! Bald! Ja, bald! Ehe uns beiden Alten für immer Die Augen zufallen!" Auch Monsieur Jean Paul reckte sich nun mit temperamentvoller Lebhaftigkeit auf, als hätten ihm die Großeltern aus der Seele gesprochen. Er hob sein Glas hoch empor. „Und daß auch ich jenes herrliche Land kennenlernen werde! Das Elsaß! Ja, — auf Wiedersehen im Elsaß!" „Auf ein Wiedersehen im Elsaß!" wiederholte er nochmals mit Betonung, als er bemerkte, wie Melusine ihr Glas jetzt langsam sinken ließ. Das Gewissen rief ein Ablehnen in ihr wach. Mußten ihre eigenen Wünsche, ihre Hoffnungen, ihre Pflichten, den Wünschen dieser drei Menschen entgegenstehen? Aber Der junge Monsieur Jean Paul fühlte mit Der leidenschaftlichen Feinnervigkeit einer erwachenden Neigung ihr inneres Zögern heraus. So drang Donnerstag, 19. Januar 1928 erhoben und heraufgearbeitet zu besserem Lose und höheren Staatsmöglichkeiten. Gs ist begreiflich, daß der ungeheuere Sturz im 3ahre 1918 uns im Tiefsten erschütterte. Das Werk Bismarcks, so hieß es, sei zerstört, und als einer Der Gründe dafür wurde Die Anklage gegen Bismarck erhoben, er habe das von ihm gegründete Reich auf seine Person zugeschnitten, und seine Rachfolger hätten mit Dem von ihm geschaffenen Staatsinstrument nicht arbeiten können. Wesentlich ist. daß Bismarcks Werk nicht zerstört ist, Denn Das Reich, Das mühsam erkämpfte, ist uns geblieben, unD Die Einheit von 1871 hat Der Katastrophe von 1918 stand- gehalten. Rur die Form ist zerschlagen, die uns zwar ans Herz gewachsen war, Die aber Bismarck unter anDeren ilmftänhen auch anders hätte schaffen können. Von tröstlichem Interesse in diesem Zusammenhänge aber ist, daß auch 1806, nach dem Zusammenbruch des fridericianischen Staates, sich die Männer, Die hernach das Werk Der Befreiung vollbringen sollten, vor allem der Freiherr vom Stein, sich zu Friedrich Dem Großen in einem tiefen Gegensatz fühlten. Roch 1813 hat Ernst Moritz Arndt mit strengen Worten Persönlichkeit und Werk des großen Preußenkönigs verurteilt, weil er ein höheres 3deal an die Stelle des alten Staates setzen wollte. Uni) doch war Damals nur die F o r m zerbrochen, Der Geist aber erhalten, Der die Grundlage des neuen Staatsaufbaues wurde. Wir dürfen hoffen, daß auch das große Erleben des letzten Krieges zur Aussaat für die Zukunft werde und reiche Früchte trägt, wenn ihre Zeit gekommen ist. Schon jetzt zeigen sich Entwicklungslinien. die verheißungsvoll in Die Zukunft weisen. 3ch will nur zwei Davon erwähnen. Das eine ist, Daß Die Millionen unseres Arbeiterheeres, die im alten Reiche grollend beiseite standen, dem neuen Staatsgesühl gewonnen find, daß auch sie die Einheit und ilnabfjänglg- keit des Deutschen Reiches erstreben, weil auch sie erkannt haben, daß nur in einem freien und unabhängigen Deutschland ihre sittliche und wirtschaftliche Existenz gesichert ist. UnD das andere ist Die Hoffnung auf die Wiedergewinnung Deutsch-Oesterreichs. Rur das Machtgebot Der Feinde hindert uns, das stammverwandte Oesterreich dem deutschen Einheitsstaat einzugliedern. Wir sind gewiß, daß Der Anschluß nur noch eine Frage Der Zeit ist, und daß Die von unseren Feinden aufgerichtete, künstliche Trennungslinie keinen längeren Bestand haben werde, als seinerzeit Die ebenso unnatürliche Mainlinie. Freilich, noch seufzen wir unter Den Lasten Des verlorenen Krieges, noch spiegeln sich im Deutschesten aller Ströme Die Waffen Ünserer FeinDe, unD noch fehlt viel, daß Der deutsche Rame in Der Welt wieDer mit Der alten Achtung genannt werde. UnD Dennoch: Stärker als Die Kriegsmaschinen Des FeinDes wird sich das Ethos eines Volkes erweisen. Das bereit ist. sich seine einigen unD unveräußerlichen Rechte vom Himmel herabzuholen. Aber auch unser Aufstieg kann nur eine Tat des Deutschen Geistes fein. UnD hier beginnt unsere Aufgabe und unsere Pflicht: Vor allem von Euch, Kommilitonen! Von heiligstem Verantwortungsgefühl Durchglüht müssen wir, müht 3hr Das 3Dea( unserer Volksgemeinschaft in uns, in Euch lebenDig erhalten. Die alte Staatsgesinnung müssen wir hineinpflanzen in unsere neue Staatsform. die Treue zum alten Reich betätigen in Treue und hingevender Arbeit für Das neue Reich. Die heutige Feierstunde würde zwecklos sein, wenn nicht jeder von uns, jeder von Euch, Kommilitonen, sich das Gelöbnis gäbe, die Vaterlandsliebe zu einem praktischen Postulat, zu einem neuen kategorischen Imperativ zu gestalten, und wahr zu machen, was unsere Nationalhymne preist, aber auch von uns fordert, Daß uns Deutschland über alles, über alles in der Welt steht. Zu diesem Gelöbnis, wollen wir Den ersten Vers des Deutschlandliedes fingen! Rach Dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes brachte Der Akademische Gesangverein noch Den Choral „Was mein Gott will" von 3. S. B a ch zum Vortrag. Ein Orgel-Rachspiel ließ Pie nationale OeDentfeier toürDig ausklingen. er nochmals in sie und bat nnb drängte in einer hinreißenden Wärme: „Auf ein Wiedersehen im Elsaß, Mademoiselle!" Eine Feigheit, ein energieloses Nachgeben kam über Melusine. Sie redete sich ein, sie brauche im füllen ihre lleberzeugung und Versprechungen an Die Zukunft doch nicht zu ändern, wenn sie auch jetzt seinem Wunsche nachkäme. Schon aus Höflichkeit dieser Familie gegenüber, die sie so freundlich ausgenommen hatte, durfte sie jetzt keine offensickst- liche Opposition machen. So ließ sie ihr Glas an dem | einigen erklingen. Aber ihre Lippen schwiegen, sie gaben feinen Ruf nicht zurück, und im Herzen brannte iyr dennoch die Mahmmg chres Bruders. Dann plauderte man zwanglos, als fei man längst bekannt und feiere nur ein Wiedersehen. In Der Hauptsache drehte sich Das Gespräch um Straßburger Dinge. Das alte Paar erging sich in Erinnerungen, in denen die furchtbaren Brandnächte der sechswöchigen Belagerung Straßburgs eine große Rotte spielten. Man ließ sich von dem jungen Gaste die großen Veränderungen im Stadtbilde von Straßburg unter deutscher Zeit schildern und fragte nach diesen und jenen bekannten eingesessenen Familiennamen und wie jeder einzelne sich zu Den neuen Verhältnissen gestellt habe. Der Refrain von Madame und Monsieur Bouvier war immer wieder: „O, wir werden schnell wieder in unserer alten Heimat im Elsaß vertraut werden! Und der Tag wird kommen!" Deswegen lenkte Melusine nach einer Weile absichtlich von Der Unterhaltung ab, Die in der Hauptsache zwischen ihr und dem alten Ehepaar geführt wurde, da Monsieur Jean Paul Straßburg nicht kannte. Ob er ihr nicht ein wenig vorspielen wolle? Sie habe gestern schon beim Betreten des Hauses sein Klavierspiel bewundert. Die Großmutter lächelte geschmeidig. Was Wunder! War doch ihr Enkel bereits ein wohlbestallter Professor der Musik, sie nannte eine mittelgroße Stadt in der Provence. Ja, Jean Paul Bouvier jun. spielte dort im Musikleben eine beherrschende Rolle, und er war todunglücklich, hier seit Jahr und Tag in dieser immerhin ziemlich dösigen Provinzstidt oberhalb der Champagne so eingeschlossen und von all den Interessen seines Berufes abgeschnitten zu sein. (Fortsetzung folgt.) Wirtschaft. Die Reichsbank Mitte Jorma». Aach dem Ausweis der Reichsbank vom 14. Januar hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 294,7 Millionen auf 2457,3 Mill. Mk. verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 304,6 Mill, auf 2330,9 Mill. Mk. ob- genommen, während die Lombardbestände um 10,0 Mill, auf 33,2 Mill. Mk. angewachsen sind. Die Effektenbestände sind mit 93.3 Mill. Mark annähernd unverändert geblieben. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 277,9 Mill. Mk. ans dem Verkehr zurückgeflossen. Der Umlauf au Reichsbanknoten hat sich um 243,1 Mill, auf 3927,9 Mill. Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 34,9 auf 645,1 Millionen Mark verringert. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen haben sich dementsprechend auf 79,8 Mill. Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen eine Abnahme um 19,9 Millionen auf 655,1 Mill. Mk. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen insgesamt sind mit 2150,1 Millionen Mark wie in der Vorwoche ausgewiesen, im einzelnen Gold mit 1864,0 Mill. Mark, die Bestände an deckungsfähigen Devisen mit 286,1 Mill. Mk. Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte sich von 44,7 Proz. in der Vorwoche auf 47,5 Proz., diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 51,5 Proz. in der Vorwoche auf 54,7 Proz. * Frankfurter Börse. Vom 25. Januar ab sind von den Aktien Rr. 1 bis 100 000 der früheren Allianz-Versicherungs-Akt^en^esellschaft nur noch solche Stücke lieferbar, die auf die neue Firma Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs-Aktiengesellschaft abgestempelt sind. Vom gleichen Tage ab erfolgt die Votierung im Amtlichen Kursblatt unter der neuen Firma. Der Privatdiskont wurde gestern irr Berlin für beide Sichten um je Vs Prozent auf 61 4 Prozent erhöht. * Vom Röhrenverband. In der gestrigen Werksversammlung des Röhrenverbandes wurde beschlossen, die Preise unverändert zu lassen. * 300 000 Mark-Anleihe der Stadt Homburg. Die Bad Homburger Stadtverordnetenversammlung beschloß, zur Abdeckung der im abgelaufenen Etatsjahr in Anspruch genommenen Bankkredite bei der Kur- und Reu- märkischen Ritterschaftskasse eine Anleihe von zunächst 300 000 Mark zu einem Zinssatz von 8 Prozent bei üblichen Provisionssätzen und einer 3prozentigen Amortisation aufzunehmen. * 3. P. Bemberg 01.=®., Barmen. In dem Geschäftsbericht der I. P. Bemberg A.-G. in Barmen wird u. a. ausgeführt: Das Geschäftsjahr 1926/27 stand im Zeichen einer günstigen Konjunktur. Die Kunstseidenindustrie insbesondere konnte über stetig steigende Nachfrage und Ausbreitung dieses Rohstoffes in immer neuen Zweigen der Textilindustrie berichten. Durch Verbesserung der Qualität gelang es, den Vbsatz an Bembergseide erheblich zu steigern, neue Verwendungszwecke für sie zu finden und sie in neue Märkte einzuführen. Der Betriebs- Überschuß im Geschäftsjahre 1926/27 betrug einschließlich 134 573 Mk. Vortrag aus dem Vorjahre 11,20 Mill. Mk. Vach Abzug der Handlungsunkosten mit 3,96 Mill. Mk., der Steuern mit 1,14 Mill. Mk., der Zinsen mit 0,60 Mill. Mk. und nach 2,38 Mill. Mk. Olbschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 3,12 Mill. Mk., woraus 14 Prozent (i. 03. 8 Proz.) Dividende verteilt und 251 293 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen werden sollen. Das neue Geschäftsjahr brachte steigende Umsätze und großen Auftragseingang, der für längere Zeit volle Beschäftigung sichert. Generalversammlung am 21. Januar in Barmen. / Ludwig Loewe & Co., A. G., Berlin. Der Aufsichtsrat hat die Ausgabe einer Obligationenanleihe von 5 Millionen Mark beschlossen, ferner einer auf den 8. Februar einzu- berufenben Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals von 15 Mill, auf 20 Mill, vorzuschlagen. Von den neuen Aktien, die ab 1. Januar 1928 dividendenberechtigt sind, sollen 3 Millionen Mark den alten Aktionären im Verhältnis von 5:1 zu 150 Proz. zum Bezüge angeboten werden. Die restlichen 2 Mill. Mk. follen von einem Dankenkonsortium zum Mindest- nirse von 200 Prozent übernommen werden. Der ^rlös der Veuemissionen dient zur Stärkung der Betriebsmittel, da sich der Umsatz in den wtzten Monaten stark erhöhte und das vergrößerte AuSlandgeschäft die Gewährung von Krediten erfordert. Ferner ist eine erweiterte Beteiligung an einschlägigen Geschäften des Konzerns in Aussicht genommen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wird voraussichtlich eine Dividende von 10 Prozent ausgeschüttet werden. * Sunlight 01.-©., Mannheim. Trotz eines Reingewinns von über 1 Million Mark verteilt die Sunlight A.-G. Mannheim keine Dividende, sondern trägt den Gewinn auf neue Rechnung vor. Vach dem Geschäftsbericht werden für die Schaffung eines neuen Waschpulvers und für dessen Propagierung größere Mittel erforderlich fein. Im Vorjahre hatte der Gewinn 557 000 Mark betragen, welcher zur teilweisen Deckung des Verlustes aus dem Jahre 1924 verwendet wurde. * Presto-Werke A. G. Wie die Verwaltung der Prestowerke 01.®. dem WTB.-Handels- dienst mitteilt, hat der Stillegungsanlrag des Werkes vielfach zu falschen Auslegungen geführt. Das Werk arbeitet in dem bisherigen Umfang weiter: nur in einigen Abteilungen, die in der Fabrikation den übrigen Zweigen vorausgeeilt sind, sollte wöchentlich einige Stunden kürzer gearbeitet werden. Da der Arbeiterrat sich damit nicht einverstanden erklärt hat, sah sich die Verwaltung gezwungen, den Stillegungs- antrag zu stellen. Voraussichtlich wird aber die Inanspruchnahme von Kurzarbeit nicht nötig sein. * Amerikanisch-russischer Handel. Vach Mitteilungen der russischen Handelsvertretung hatten die Aufträge, die von Sowjetruhland in Amerika im Jahre 1927 erteilt worden sind, den Wert von 31 200 000 Dollars. Im Vorjahre waren es 8 681000 Dollars. In diesen Gesamtzahlen sind aber nicht die vom allrussischenTe ttl- syndikat vorgenommenen Baumwollkäuse enthalten, die mit 42 000 000 Do.lar bewertet werden, gegen 35 000 000 Dollar im Vorjahr. Wie der Leiter der Olmtorg Co. erklärte, haben die für- industrielle Einrichtungen und elektrische Ausrüstungen erteilten Orders allein einen Wert von 11 314 000 Dollars. Für Rohmaterialien, einschließlich der Beschaffung von Metallen, wurden im letzten Jahre 6 363 000 Dollars verausgabt. * Japanische Schienenbestellungen. Vach Meldungen aus Japan hat die japanische Eisenbahnverwaltung beschlafen, zukün t g stärkere Schienen zu verwenden und in den nächsten Tagen größere Schienenaufträge an das Ausland zu erteilen. Vorerst sollen nur die süd- mandschurischen Eisenbahnlinien mit den stärkeren Schienen versehen werden. frankfurter Börse. granff urt a. m., 19. Jan. Tendenz: Meist etwas erholt. — Die Börse eröffnete heute überwiegend etwas erholt. Das Geschäft blieb, wie an den Vortagen, im allgemeinen ziemlich ruhig, da sich das Prn atpubkikum wieder fast nicht daran beteiligte. Andererseits fehlen heute aber auch größere Abgaben von dieser Seite, so daß schon einige weitere Rückkäufe der Daissepartei, die schon gestern abend ziemlich stark gedeckt hatte, genügten, um kleine Kurserholungen herbeizufühven. Die Stimmung war etwas freundlicher, vor allem im Hinblick auf die Geldmarktlage, wo weiter eine gewisse Erleichterung zu verzeichnen ist. Einen günstigen Eindruck machte ferner der Monatsbericht der Diskonto-Gesellschast, wonach die starke Zunahme der Arbeitslosenziffern doch nur auf saifonmäßige Einflüsse zurückzusühren sei. Demgegenüber stand jedoch der Bericht über die Lage in der Mafchinenindustrie, der die weitere Konjunkturentwicklung ungünstig beurteilt. Eine gewisse Unsicherheit war zunächst nicht zu verkennen im Zusammenhang mit den innerpolitt s ch e n Schwierigkeiten. Bei der ersten Kursfestsetzung überwogen gegenüber der Abendbörse die kleinen Besserungen, die nur in vereinzelten Fällen über 1 Proz. hinausgingen. G. Farben lagen trotz etwas lebhafterer Umsätze nur gut behauptet. Etwas hervor traten Rheinbraun mit plus 2 Proz., Zement Heidelberg mit plus 2 Proz. und am Elektromarkt Gessürel, die 1,5 Proz. anzogen. Ferner blieben K a l i w e r t e beachtet. Kali-Aschersleben zogen 1,5 Proz. an. Im Angebot lagen Zellstoff-Waldhof minus 1,5 Proz. Auch Wahß und Frey tag gaben erneut 1 Proz. nach. Rach den ersten Kursnotierungen konnte sich die Stimmung weiter etwas bessern. Im Mittelpunkt standen J.°G.° Farben, die jedoch nur geringe Besserungen zu verzeichnen hatten. Deutsche Anleihen behauptet. Türken etwas reger bei weniger veränderten Kursen. Im weiteren Verlause wurde das Geschäft sehr still. Die Grundstimmung blieb jedoch freundlich. Die Kurse konnten sich gut behaupten. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 5,5 Prozent. Im Devisenverkehr lag die Reichsmark etwas fester. Reichsmark gegen Kabel 4,1955, gegen London 20,452. London-Kabel 4,8765. Paris gegen London 124,05, Mailand 92,20, Madrid 28,40. Berlincv Börse. Berlin, 19. Jan. Ein deutliches Zeichen für die herrschende Unsicherheit waren die m e h r» prozentigen Schwankungen der Hauptwerke im heutigen Vormittagsverkehr. Cs fehlte der Spekulatton jede Anregung. Die ungeklärte Geldmarktlage und die innerpolitischen Schwierigkeiten wirkten hemmend. Von einer Beteiligung des Publikums war nichts zu merken. Zu den ersten Kursen war die ®runt> ft immun g wieder etwas beruhigt. Angeblich lagen günstigere private Freigabenachrichten vor. Es waren Besserungen von 1 bis 2 Prozent gegen gestern Mittag festzustellen, d. h. die Kurse tagen etwa auf der Basis der erholten Frankfurter Abendnotierungen. Aus dem Rahmen fielen Bemberg mit plus 12 Prozent, Polyphon mit plus 6 Prozent und Tietz mit plus 5 Prozent. Heimische Anleihen behauptet. Ausländer ruhig, doch nicht ganz einheitlich. Der Geldmarkt war unverändert. 3m Verlaufe belebte sich das Geschäft etwas und die Kurse zogen durchschnittlich 1 Prozent an. 3.-G.-F a r b e n lagen bei lebhafteren Umsätzen 2 Prozent fester. Vur Polyphon in Reaktion auf die anfänglichen Steigerungen etwas angeboten und 1,5 Prozent niedriger. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. Jan. Das Geschäft ist nach wie vor unverändert. Die Umsätze blieben klein. Brotgetreide liegt lustlos. Braugerste ist weiter gesucht, besonders In guten Qualitäten. Mais fest. Futtermittel, mit Ausnahme von Weizenkleie, stagnierend. Cs wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis 1 Prozent Auswuchs 25, Weizen 2, gut, gesund, trocken, bis 3 Prozent Auswuchs 23,50 bis 23,75, Weizen 3, geringere Beschaffenheit, bis zu 23 Prozent Feuchtigkeit 22,75 bis 23,25, Roggen 24,50, Sommergerste für Brauzwecke 28 bis 30, inl. Hafer 23,25 bis 24. Mais (gelb) für Futterzwecke 21,75 bis 22, Mais (gelb) für andere Zwecke 22,50 bis 22,75. Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 37 bis 37,50, Roggenmehl 34,50 bis 35,50, Weizenkleie 14,25, Roggenkleie 15,25 bis 15,50 Mk. frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt, 19. Jan. Auftrieb: 47 Rinder, 1055 Kälber, 285 Schafe, 332 Schweine. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 75 bis 77 Mk.: mittlere Mast- und Saugkälber 66 bis74: geringe Kälber 55 bis 65. — Schafe: Masd- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 46 bis 50: mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 45. — Schwei n e: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 60 bis 62: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund ßebenögetoidjt 60 bis 62: von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 59 bis 61; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 58 bis 60; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 57 bis 59 Mk. — Marktverkauf: Kälber und Schafe mäßig rege und ausverkauft. Beste Mastkälber über Votiz gehandelt. Schweine schleppend imd geräumt. Das Reichsviehseuchengesetz. Zur Durchführung des Reich svieh- seuchengesetzes in Hessen hat das hessische Ministerium des Innern gegen die besondere Seuchengefahr, die durch Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebietsteilen droht, besondere Anordnungen getroffen, die am 1. Februar in Kraft treten. Zucht- und Vutzvieh, das aus verseuchten Gebietsteilen nach Hessen eingefüfjrt wird, ist tunlichst schon vor der Einfuhr, spätestens aber 12 Stunden nach der Einfuhr, dem zuständigen beamteten Tierarzt und der Polizeibehörde des Einstellungsortes anzumelden. Dieses Vieh ist auf die Dauer von fünf Tagen in besonderen Räumen abzusondern. Wenn die Tiere von einem Markt stammen, der der zwangsweisen amtlichen Impfung unterstellt ist, so kann das abgesonderte Vieh von einem beamteten Tierarzt befreit werden. Die verseuchten Gebietsteile werden in den Amtsblättern bekanntgegeben. Alle im Eisenbahnverkehr beförderten Klauentiere find beim Entladen aintstier - ärztlich zu untersuchen. Die hieraus bezüglichen Vorschriften finden u. a. keine Anwendung auf Tiere, die unmittelbar von den Schlachtviehmärkten Mainz, Darmstadt, Frankfurt, Offenbach, Mannheim, Wiesbaden, Koblenz und Köln kommen. Schwurgericht Gießen. Gießen, 18. Jan. Unter Vorsitz des ßanb» gerichtsdirektors Cramer wurde heute gegen den Landwirt Herbert Liebe von Waldhvs Elgershausen wegen Meineids verhandelt. Liebe war in einem Zivilprozeß als Zeuge vernommen worden und hatte dort beschworen, daß er die Zulassungsbescheinigung für sein Auto, gehabt und bei der Rückgabe seines Autos feinem Verkäufer erklärt habe, er habe das Auto viev Wochen gefahren. Die Anklage behauptete, daß diese Angaben wissentlich unwahr seien. Liebe gab zu, daß et die Zulassungsbescheinigung nicht hatte; er habe dies bei seiner Vernehmung aber geglaubt. 3m übrigen bestritt er, gesagt zu haben, er habe das Auto nicht gefahren. Die Beweisaufnahme ergab, daß Liebe die. Zulassungsbescheinigung nicht hatte und daß en diese unwahre Angabe bei verschiedenen Vernehmungen verschieden erklärt hatte, lieber den zweiten Punkt der Anklage gingen die Zeugenaussagen auseinander. Staatsanwalt Fischer beantragte, Liebe wegen fortgesetzten Meineides unter Anwendung der Strasermähigungsbestimmung des § 157 des Strafgesetzbuchs zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen. Rechtsanwalt Sch link beantragte Freisprechung. Das Gericht sprach ihn von der zweiten An- klage mangels ausreichender Beweise frei — es nahm keine fortgesetzte Handlung an — und ve» urteilte ihn im übrigen wegen Meineids zusechs Monaten Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf zwei Jahre. Büchertisch. — Geh. Justizrat Prof. Dr. Gerhard Anschütz, Fälle und Fragen des Staats- und Derwaltungsrechts (Berlin. Otto Liebmann, 2 Mark). Das erstmals im 3afjre 1911 erschienene Buch, das schon im alten Staat eine 2. Auflage erlebte, liegt, nachdem es mit der 3. Auslage auf das neue Staatsund Verwaltungsrecht umgestellt wurde, nunmehr in 5. Auslage vor. Es muh als besonders verdienstlich deshalb bezeichnet werden, weil im Gegensatz zu den übrigen Rechtsgebieten, (Zivilrecht, Strafrecht, Prozeßrecht) auf dem Gebiete des öffentlichen, insbesondere des Verfafsungs- rechts, Praktika fehlen oder nur sehr spärlich vorhanden sind, und doch ist es auch hier sehr zweckmäßig, sich den der Wissenschaft aufgegebenen Problemen vom Konkreten her zu bemächttgen. Daß die Fälle und Fragen das bieten, was sie bieten sollen: die Vermittlung zwischen Theorie und Tatsächlichkeit des Rechtslebens wird dadurch verbürgt, daß sie größten Teils im Anschluß an Vorkommnisse der Praxis gebildet sind. So ruht auf ihnen der besondere Reiz, den allemal Probleme ausüben, die uns durch die Wirklichkeit selbst aufgegeben sind. (657) —ne— — 3m Zeichen des Wintersports steht die eben erschienene Vr.3 der „3 u g e n ö“ (G. Hirths Verlag G. m. b. H., München). Das lustige Titelblatt von Stephani, ein prächtiges Aquarell von Henel und eine ganze Reihe amüsanter Zeichnungen von Machet, Henke, Ma^on, Vollert, Geis und Heubner behandeln das beliebte Thema mit dem gleichen Humor, wie die witzigen Wintersportgeschichten von Wisbel und Kinndt oder die kleineren satirischen Glossen, deren bunte Fülle den Inhalt des Heftes vervollständigt. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 21. Januar. Freitag abend 4.40 Uhr. Samstag dop mittag 8.30; Predigt; nachmittags 3.30 Uhr, Sabbatausgang 5.55 Uhr. Wochengottesdienst mor gens 7 Uhr, abends 4.30 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 21. Januar. Dor abend 5 Uhr: morgens 9 Uhr; abends 5.15 und 5.55 Uhr. Letzte Nachrichten. General Gröner, Reichswehrminister. Berlin. 19.3an. (TU.) Der Reichspräsi- dent hat auf Vorschlag des Reichskanzlers den Reichswehrminister Dr. G e fj l e r auf seinen Antrag vom Amte des Reichswehrmini st ers entbunden und den Reichsminister a. D. Generalleutnant a. D. GrönerzumReichswehr m i n i ff e r ernannt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuß 8 Prozent. Frouksuria.M Berlin Schlich- J-Ubr- Schluß Anfang Kurs Kur» Kurs Datum: 18.1. 19.1. 18 1. 19. 1. Dt Reichöanleihe v. 1927 St Aul Ablos. Schuld mit - — 87.5 — Auslos-Rechten . . . Dcsal. ohne Auslos.-Rechten 7% Kranh. Hyp..Bt. Go byf unkündbar bis 1932 ... 52,4 52,25 52.4 59 3 16.4 16.35 16,13 16*25 <’/s°/o Rheinisch, 6öd -Bank lltqu -@oibyi . . . PI E. G QbQ BorkricgS-Ob- — — - - haationen. rurftoblbar 1932 — _ _ «’S Schwei;. Bundesb.-Anl. 95,5 «"/<>. Oestereichische Goldrte 4,20°/« Ccfterr, irfj. ©ilberrte 470 Oesterreich, einueitl. Rtc _ <% Ungarische Goldrte 25,3 4% Ungarische Staalsr. v 1910 «•> _ 24,65 deSgl. von 1913 20,75 24.13 ♦9/o Ungarische Kroncnrte . 1,7 13,4 4°/, Türk. Zollanleche v 1911 4°/y Türk Bagdabbobn.Anl — 13,13 13.25 Serie I 4°/o deSgl. Serk kl. 14,75 — 14,5 13.5 — 4°o Rumänen convcrt Rte. 5,70 *'V -> Rumänen Golbonl. — von 1913 — - KUq Deutsche Eisenbahn .4'1, - _ Hamburg-Amerika Paket. t> Öamb-.Sübam Damyssch 8 118.5 118 5 145,65 148,5 2| 1 — — 209 Hansa Damysschiss . .6 — 208.5 210 Norddeutscher Molch b 152 152. ü 149,75 152 1!> Allg. Deutsche Creditanst.. 10 — 144.75 Barmr Bankverein 10 147 148,65 147 149 Berliner HandelSgesellsch. yz Commerz, und Privat-Bk. li 174,75 174.5 260 173 263,5 174.25 Tarmst. ». Nationalbank 12 337 237,75 235 237 5 Deutsche Bank 10 165,25 165,25 163.5 164 5 Diskonto-Gesellschast Hnt 10 157 158 158 157,9 Dresdner Bank . lu 157.25 158,5 157 158 ’s Mitteldeutsche Creditdank 9 125 215 Detallbank..........« 130 135 132.5 MeichSbank..... ... lu 189,5 192 190.7» 192 Frankfurt a. M. Berlin Schluß.! l.Uhr. ! Schlich. Anfang Rttrs 1 Kurs | Kurs Kurs ____ Datum: 18 1. | 19 1. 118. 1. j 19 1. LES.........7 168 170.25 168 170 Bergmann .........8 Elektr. Lieferungen . . . lo 181 182,5 180.25 181,9 — 174 177 Licht und Kraft . ..... 10 215 219,25 216 218,5 Felten L Guilleaume ... .6 Ges f. Elektr Untern . . 10 121,5 124.5 122 122,65 273 275 272,5 275 Hamb- Elektr Werke . . 10 — 146,75 149,75 Rbcm. Elektr ...... 8 153,5 — 150 Schlei. Elektr .....10 -__ 179.5 182,5 Lchuclcn . ...... 7 181 — 181.65 183,5 Siemens A HaiSke .... 16 282 288,25 284 287 Transradio..... » , . .8 Labmevcr A To • . . . 9 168 99 134 167 98 135,75 166.25 100,75 Buderus........0 101 Deutsche Erdöl.......6 131 134 130.75 132,75 Essener Steinkohle.....8 — — 144 148,75 Gelsenkirchener . f. % I. 4 — 140 137 138.75 Haryener ......8 188.5 190,5 189 190,5 Hocsch Eisen .......... Alle Bergbau ...... .8 — 143,25 223 — 226,5 230,75 .iklöcknerwerke ....... .5 — * 123,25 124.5 Köln-Neuessen ......51/, — 143,5 146,25 ManneSmami .f. >/» Sf. 4 150,25 153.75 150.25 154 Mansieldcr........7 Oberschles Eisenb. Bedarf 0 — 119 116,5 118 83 85 Oberschles. Kokswerke . . ü — — 93,4 95,75 ^on'f ««Obau f -/, I 3 97 99,75 97,25 99,4 Rheinische Braunkohlen 10 — 241 235,75 240 169,5 173.25 169.75 173,5 Riebet! Montan......<, 149,5 14K gereinigte Stahlw. f. >/.»• 3 Olavi Minen . . 1 5h 105.4 105,25 105,5 106 Kali Aschersleben . 10 KaliWestcreqelu . • lu Kaliwerk Saliderrurtb 12 170 176 238 172 181 169,25 178 241,25 17O?5 178,5 261,25 266.75 262,75 265,25 Scheideanstalt . ......$ 127 — Goldschmidt .....5 RutgerSwerk« . ...... 0 Metallaeselllchak» ..... 10 U3?T 92 ; 180,5 113,9 93,75 HO 13 91,1.3 113 92,65 Frankfurt«. M. Berlin Schluß Kurs ! '«"dr- 1 Kurs Schtutz- Kars Anfang 1 Kur Datum: 18. 1. | 19.1. 18.1. | 19. 1. Philipp Holzmann . 12 _ _ 141 5 Heidelberger Temeut . . 8 — 138 dement Karlstadt ... . 179 Wahß A Jrrstaa IC 139.5 138,25 — Schultheis Payrnhofer. . 16 — _ 397.5 403 Ostwerte...... 12 — — 346.5 350.5 Ber. Glanzstost ..... 15 — — 570 572 Bemberg........ . S — — 446 447 Zellstoff Waldbof. . . . 12 251 255 252 255 Zellstott Aschaffenburg . Charlottenburger Waffer 10 7 _ 174,25 125 127 ■ effaurr Gaö 8 — _ 173 174,5 Daimler Motoren..... 0 87,5 88,13 86 87,5 Demag ...... 0 — 66,5 69 5 Adlerwerk« Kleva. . . . 0 88,25 — 87 88,5 Ludw. ÜMIT«...... 10 — 267.75 268 Nal Automobil...... 6 — — 98,5 97,5 Orenstetn A Äoypel.... i —— 130.5 134 Linke Hofmann . .. . 0 — — Leonhard Tietz .... 6 — 195 261 Bamag-Meguin. ..... 0 29,5 29 ftnuitf. Maschine« .... 0 76 — 75 Gritzner ..... 7 124 — 127 - _ Heuliaenstaedt ...... 0 30 — — Nunghans ...... 6 88.5 88 _ Lechwerre . ...... 8 124.5 _ Mainkraftwerke ...... 8 120.25 — — Miag ...... 10 143 75 _ 143 _ Nekarsulorer . ....... 8 105 104 104 —- PetrrS Union ■ ..... , (13 113,75 Kebr. Roeder ....... 10 116 _ Böig, & Haesfner .... 6 179 180 Südd Burfrr 0 139,25 110 139,5 — Banfnotm. Berlin. 18 Jan. 1 Geld Briet Amerikanische Noten..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten....... 4,175 58,37 112,08 20.407 4,195 58.61 112,52 20.487 Telegraphische Auszahlung. Berlin. 18. Jan. | Geld ' Ärlef ikranzöfische Noten ...... Holländische Noten .... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr. 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Devisenmarkt Berlin 16?525 168,83 22,175 111,30 59,07 2,595 112,42 80,18 71,46 12,395 73 12 —Frankfurt 16,585 169,51 22,255 111,74 69,31 2,615 112,88 81,10 71,74 12,455 73,42 a. M. 18. Jan- 19. Jan. Amtliche Notierung Brief Amtliche Notierung Geld Geld i Brief Amlt.- Rott 169,14 160,48 169,13 1,791 169,47 Bneu^Aires 1,791 1,795 1,795 Brff^Autw 58,41 58,56 58,42 58,54 Christian ia 111,54 111,76 111,57 111,79 Kopenhagen Stockholm . 112,33 112,68 10,558 112,55 112,90 10,578 112,31 112,60 10,552 112,53 112,82 10,572 HelsmgforS. Italien. . 22,185 22,225 22,185 22,225 London. . . 40,445 20,485 20,439 20,479 N coh ork . . 4,1930 4,2010 1,191 4,199 DariS. . . . 16,485 16,525 16,47 16,51 Schwei» . . 80,775 80,935 80,765 >0,925 Spanicu . 71,55 71.65 71,92 72,06 Japan . . - Rio de Jan. 1,963 1,967 1,790 1,974 0,505 0.507 0.5055 0,5075 toten in D- Oest. abfleft a9,C8 12,428 59,20 59,05 59,27 Prag . 12,445 12,424 12,444 Belgrad 7,385 7,399 7.383 7,397 Budapest. Bulgarien 73,30 3,027 73,40 3,033 73,28 3,027 73,42 3,033 Lissabon 20,48 20,52 20,43 20,47 Danzig. . Konstantin. 81.72 81,88 81,74 81,96 2,177 2,181 2,183 2,187 Athen. . 5,544 5,556 5,544 5,556 Lanada 1.185 1,193 1,183 4,191 Urnunov - 4.286 4,294 4,276 4,284 ttfltro 20.967 21.007 20,962 21.002