'S 2.'.- 3- ?ts 2.3? g355;2H?f 2°!^La 2-9"3 2d‘{?oc» 8 £«§: c «2s: Nr. 91 erster Blatt 178. Zahrgaitg Mittwoch, 18. April 1928 Beginn der Ctaidebatte im Hessischen Landing AuslösungdesRotenZrMämpferbundks? Betriebsführung erreicht werden. ab« trieben sterter rechnet Jahre Honen. vom Standpunkt der Wirtschaft auS betrachtet werden. Dach einem verlorenen Kriege sei eine starke steuerliche Belastung klbftncr- stündlich, aber der Steuerdruck müsse sobald er über das hierdurch gebotene Maß hinauSgehe, unbedingt a b g e b a u t werden, wenn nicht die Quellen unserer Wirtschaft verschüttet werden sollten. Erst der Eintritt der Demokraten in das Kabinett Luther habe eine Entlastung von dem Steuerdruck herbeigesührt. Sparsamkeit in der Verwaltung könne nur auf dem Fernfprechanschlüfs«: 61, 54 und 112. Auschrist für Drahtnachrichten Ansetger Tietz««. und erklärt sein Bedauern darüber', er h< die Abg. Reiber und Stork nicht an ihrer Ehre auch die anderen Verbände, die an den Prügeleien beteiligt gewesen wären, verboten werden mühten. Herr von Keudell benutze öle Gelegenheit, um zugunsten der Rechtsradikalen in den Kampf einzugreifen. «rfch.tut täglich.«b«' Sonntag» und Feiertag». Beilage»; Lietzener FamUiendlLtte, Heimat hn Bild Die Scholle. ®onaisiBtj»cspr«ts: 2 Reichsmark and 20 Reichspfenntg für Träger» lohn, auch bei Richter» vostschecktonto: jreifhiria*maiRii6*. druck verlo-: VrLhl^che Untv^fttätr-vAch' »Md Stetibrndcrti R. tauge tu Gießen. Sdfrtftlettinig ob GefchöflrRele: Zchnlftraße 7. Einnahmen Verwaltung Sein Unter» Annahme Hl Bnjelqt» für di« lagtsnummer bi» zu« Nachmittag vorher. Preis für i m«n höhe für Snjeiqcn von 27 mrn Brett« örtlich 8, auiwLrt» 10 Retchspfennig, für Ns» Momfanjtigen von 70 mm Breite 35 Belchivfennig, Platzvorfchnst 20', mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Dich. Lang«. Derantwonlich für ToktiM Dr. Fr Wich Lange für Feuilleton Dr tz.Thyrurt, für den übrigen Teil Ernst Blumfchetn: für den Anzeigenteil flurt Hillmann, iämtlich in Bietzen. Zeichen für den Etat fei, daß die Regierung erklären müsse, es seien kein Reserven mehr vorhanden. Höhere Ueberschüsse auS den Be- des Staates könnten nur bei rationali- Weg der Senkung der erxielt werden, da keine bet vollen Kassen spare. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Regierung auf möglichst breiter Grundlage. In Hessen sei dieS letztmals an dem Verhalten der Deutschen Dolkspartei gescheitert. Die Deutsche Dolkspartei habe zuerst die weitgehenden Forderungen der Sozialdemokratie angenommen, die dann vom Zentrum ebenfalls akzeptiert wurden, weil es nicht von der Regierung fernbleiben wollte. Bereits 1922 habe die Dolkspartei Zugeständnisse in bezug auf daS Berufsbeamtentum gemacht. Abg. Dr. Leuchigens (Bbd.) erklärt, eS seien zwar neue Wärmer in der Regierung, aber eS fei der alte Deist g t- blieben. Don den 140 Millionen DerwaltungS- »auSgaben entfielen 50 Millionen auf die fachlichen Ausgaben, dagegen 90 Millionen auf die persönlichen Kosten. DaS Beamtenheer sei zu groß und werde nicht auSgenutzt. Die Steuerbelastung sei zu hoch. Der weitaus größte Dell der StaatsauSgaben werde aus C a n besteuern gedeckt, die unbedingt ermäßigt werden muhten. DaS Umlagerecht der Kreise und Provinzen müsse wieder aufgehoben werden. Die Sondergebäudesteuer müsse unbedingt im Interesse des WohnungSneubaueS und nicht für Verwaltungsausgaben benutzt werden. Die innere Steuerveranlagung sei ungerecht. Leider sei daS Steuervereinheit» lichungsgesctz von der Reichsregierung nicht verabschiedet worden. Gr wünscht ein Zusch'.agSrecht der Gemeinden zur Ginkommen steuer, durch das alle ersaht werden mühten. DaS allerschlimmste das An streben einer Steuererhöhung, da die Parteien, die trüber die Erhöhung bewilligt hätten, sich desavouiert fühlten und daS Parlament außerdem der Ansicht war, dah die Ini- ttastve zur Steuersenkung seine Sache und nicht die deS Finanzminister- sei. Alle Bedenken gegen die Steuersenkung hätten sich später al» unberechtigt erwiesen. Der Redner forderte ein organische- Steuersystem. daS die verschiedenen nebeneinander bestehenden Steuern beseitige, so dah ein wirtschastlich tragbares und sozial gerechte- System entstehe. Zu diesem Zwecke müsse man auch an daS Problem Herangehen, in tvm wirkliche GrsparungSmöglichkeiten lägen, nämlich an die Verwalt ungS- reform. An die Seite der rationalisierten Wirtschaft müsse ein rationalisierter Staat mit einer kleinen, aber leistungsfähigen flut bezahlten Beamtenschaft treten. DaS sei das etzte Ziel der demokratischen Finanzpolitik. Darmstadt, 17. April. AlS einziger Punkt steht aus der Tagesordnung zur 11. Sitzung de» Hessischen Landtages die Beratung deS StaatS- voranschlageS. Bereits am DtenStag stürzten sich die Abgeordneten mit grohem Eifer in den Kamps, da die bevorstehenden ReichStagSwahlen ihren Sinfluh auf die Statberatung deS Land- tage» sehr deutlich erkennen lassen. Dah darum parteipolitische Erwägungen In den Worten der ersten Redneraarnitur ausschlaggebend sich hervordrängen, ist verständllch. BiS auf die Ausführungen des AufwertlerS Dr. 2 e st hörte daS Hau» denn auch die Reden mit großer Aufmerk- famkeit an. Interessant waren namentlich die AuSetnanderfctzungen zwischen dem Abg. Hoffmann vom Zentrum und dem DolkSparteiler D i n g e l d e y über die Schuldfrage, warum in Hessen die große Koalition nicht zustande kam. Bei den etwas trockenen Ausführungen deS letzten Redner» leerte sich das HauS, da die Parteien inzwischen FraktionSsitzungen abhielten und nur Horchposten sitzen liehen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man. in drei Wochen die Gtatberatungen »um Abschluh bringen zu können. Die Regierung wird erst nach der ersten Rednergarnitur sich zu Worte melden. Sitzungsbericht. Präsident Delp eröffnet gegen V>11 Llhr daS im Saal und auf den Tribünen gut besuchte §auS mit folgendem Gruß an diedeutschen zeanflieger: AIS vor wenigen Tagen durch die ganze Welt die freudige Kunde ging, daß ein deutsches Flugzeug, die .Bremen , den Atlandischen Ozean überquert habe, beglückwünschte und bejubelte daS deutsche Volk die Heldentat der Ozeanflieger unter Führung deS Kapitäns Köhl. Auch das hessische Volk, vertreten durch den Landtag, beglückwünscht die Ozeanslieger zu ihrer Tat und bewundert ihre Energie und Ulten Mannesmut. Dicht minder Anerkennung zu diesem Erfolge verdient die deutsche Wissenschaft und Technik. Möge eS ihr gelingen, durch weitere technische Fortschritte auf dem Gebiete des Flugwesen». dah der Flugverkehr von Kontinent au Kontinent ohne Risiko sür Menschenleben durch» gesührt werden kann. Abg. Dr. W v l s (Brp.) gibt dann eine persönliche Erklärung wegen deS bekannten Z u - sammenstohe» in der letzten Sitzung ab Das landwirischastliche Notprogramm. Erledigung bis zum 5 Mai. - Ter Kampf um die Genofsenichaften. Eigene Drahtmeldung des .,Gießener Anzeigers'. Berlin, 18. April. Wie wir erfahren hofft man In gutunterrichteten Kreisen mit der theoretischen Ausarbeitung des gesamten landwirtschast- lichen DokprogrammS t>4» zum 5. M a l fertig zu sein. Die ReichSratSsitzung am heutigen Mittwoch wird sich nach den bisherigen Dispositionen und Ergebnissen der AuS.chußberalun- gen mit den drei Punkten der Vieh- und Fleisch- absatz-Organisation, de» 30-Millioncm-Dolsonds und der llmschuldungSaktion beschäftigen, so dah die Frage deS Genossenschaftswesens im Rahmen deS DotprogrammS erst später seine Erledigung sinden kann. Gerade um dieses Problem setzt jetzt schon ein heftiger Kamps ein. Man befürchtet anscheinend, dah die 25 Mil ionen zur Sanierung der Genossenschaften ziemlich wahllos verwendet werden könnten, so dah auch „faule" Organisationen weit^rgeschlcppt würden und der Dützen für die Landwirtschaft in keinem Verhältnis zu den aufgewendeten Mitteln stehen könnte. Bei der Sanierung der Genossenschaften handelt eS sich aber, und darüber scheint man sich an verantwortlicher Stelle klar zu sein, vor allem um eine Rationalisierung und Vereinheitlichung des Genos enschaftS- wesens. In diesem Sinne sollen die 25 Millionen — die theoretischen Richtlinien stehen zwar noch aus — verwendet werden, wobei neben personellen Fragen (Abfindung von Angestellten) die Probleme der Lagerbestände und ihrer Raiiona i- sierung wie auch die Liquidation überflüssiger Organisationen die entscheidende Rolle spielen. OerHandelsverirag mitpolen Günstige Aussichten für die Wiederaufnahme der Verhandlungen. EcgeNe Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 18. April. Die -Verhandlungen, die ber beutsche Delegierte, Minister a. D. Dr. H c r- mes, jetzt mit Herrn v. Twarbowski vom polnischen Auswärtigen Amt in Wien geführt hat, scheinen erfolgreich gewefen zu sein. Wenigstens haben bie beiben Vertreter bie ihnen geftelüe Aufgabe, sich über ein P r o g r a m m sür bie Fortführung bet beullch-polnischen HanbelS- verlragsverhandlungen schlüssig zu werden, erfüllt. Ein Einverständnis wurde erzielt, man ist also einen Schritt weitergekommen. Aber ehe nach diesen ArbeilsdiSpositionen die Derhand- lungen wieder ausgenommen werden können, müffen gemäß der Verabredung bie Regierungen in Berlin unb Warschau zu ben Wiener Beschlüssen ihre Zustimmung geben. Ob das in Warschau geschehen wird und wann, daS läßt sich im Augenolicl nocl) schwer übersehen. Aber in gutunterrichteten Kreisen bestehen Hoffnungen, daß bie Verhandlungen mit Warschau wieder ausgenommen werden können unb baß bie Mitglieder ber deutschen Delegation, bie bamalS vollzählig zurückgelehrt sind, ihre Arbeiten bald wieder beginnen dürfen. Polens römische Verhandlungen. PatiS. 17. April. (TU.) Dach einer römischen Meldung der „Information " soll unter den zwischen Mussolini und Zaleski erörterten wirtschaftlichen Fragen auch die des Ausbaues von Triest zu einem Gin- und AuSf uhr- hafen für ben polnischen Handelsverkehr nach Südeuropa und dem Orient im Vordergrund gestanden haben. Ob die Beratung dieser heillen Frage zwischen den beiden Staatsmännern zu einem greifbaren Ergebnis geführt hat, darüber schweigt die Meldung. für 1928 und die vorhergehenden drei mit einem Gesamtdefizit von 36.3 Mll- ________ 10 Prozent der gesamten DerwaltungS- kosten seien ungedeckt. DaS sei da» Grund- übel der Finanzmisere. Dom Reich sei keine dauernde Hilfeleistung zu erwarten. Die Parole deS Einheitsstaates könne nicht helfen, wie Fi- nanzminister Henrich zugegeben habe. Wan solle bei den Anstalten de» Kultusministeriums mit nehmen alS Finanzminister, eine Senkung der Steuern um den Betrag von 600 Millionen durchzusetzen, wär« viel schwieriger gewesen, al» angreifen wollen. Abg. Rihel (G.) verteidigt die von seiner Partei betriebene Personalpolitik gegen Angriffe der Rechten. Wer die Macht im Staate au»üben wolle, müsse auch In ber Verwaltung bie Macht zu erreichen unb auSzuüben suchen. Das Reich müsse bie ander Besetzung großer hessischer Teile entstehen- ben Lasten millragen. Wenn burch bie Heber- nähme von Aufgaben, bie anbcrc Länder nicht lössn, Ausgaben entstünden, so sei das doch nur eine Verschiebung auf dem Steuerzettel. Der Redner setzt sich dann mit dem Landbund auseinander und warnt vor einem Käuferstreik der Bauernschaft, der nur die Arbeitslosigkeit vermehre. Wenn die heutige Organisation deS Staates nicht die erforderlichen Mittel für die notwendigen Voltsbelange schaffen könne, müsse diese Organisation des Staates geändert werden. Dem Wohnungsneubau solle die Hauszinssteuer in voller Höhe zugeführt werden. Die Rationalisierung in der Verwaltung werde noch intensiver werden müssen, doch nicht durch schematischen Abbau. Der Landtag werde bei einer anzustrebenden .Interessengemeinschaft" mit anderen Ländern hoffentlich nicht versagen und sich durch die Entwicklung nicht überraschen lassen. Vereinfachung des InstanzenzugeS und der Gesetzgebung, Verringerung der Staatsaufsicht zum Wohle einer Stärkung der Selbstverwaltung der Gemeinden, ein gesunder innerhessischer Lasten- auSgleich müßten angestrebt werden. Den Gemeinden dürfe ein Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer nicht zugestanden werden, da bie Leidtragenden gerade die fleinen Landwirte und Handwerker sein würden. Die Generallösung erblickt der Redner im Einheitsstaat. Die gesamte Sozialversicherung müsse vereinheitlicht werden, damit die alten Arbeiter mit 60 Iähren aus den Betrieben gehen könnten, um den jungen arbeitslosen Kräften Platz zu machen. Abg. Hoffmann (3 ) erklärt, die mißliche Finanzlage Hessens sei keine Folge einer Mißwirtschaft Das Reich trage dem zum großen Teil besetzten Hessen nicht genügend Rechnung. Durch den gegenwärtigen Finanzausgleich würden gerade die starken Länder begünstigt. Das Zentrum sei der Auffassung, daß die Deuorganisation des Reiches behutsam und unter Aufrechterhaltung eines gesunden Hessens angepackt werden müsse. Auch von Hessen aus müsse ein Möglichstes für die notleidenden Landwirte unb die durch bie Rationalisierung arbeitslos gewordenen Arbeiter getan werden. Hessen müsse aktive Wirtschaftspolitik treiben, um auch eine leistungsfähige Sozialpolitik treiben zu können. Die Wohnungs- zwangswirtschaft könne vollständig noch nicht entbehrt werden. Volksgemeinschaft sei dem Zentrum erstes Ziel. Es sei daher auch für eine Steuerdruck und Steuersenkung. Ein Vortrag des ehemaligen Reichsfinanzministcrs Reinhold. Frankfurt. 17. April. (Landesvressedienst.) Der ehemalige Reichsminister Dr. Reinhold wohnte den Bezirkswahlversammlungen der Demokratischen Partei in Frankfurt bei und äußerte sich zu dem Thema .Steuerdruck und Steuersenkung". Der Zustand des Dolles, so führte er aus, müsse heute in erster Linie Berlin, 17. April. (Prioatinformallon.) wir erfahren, dah Reichsinnenminister von keudell die Cänbcrregierungea in einem Schreiben ersucht hat, den Rolfronlbanb und die ihm angc- fchtosfcnen Organisationen Role THarlne unb Role Jugend ja verbieten. Diese» Ersuchen wird mit Befürchtungen begründet, die sich aus die Gefahr von Störungen der Wahlkampfe» durch diese Organisationen beziehen. Da» Ersuchen stützt sich auf den Paragraphen 17, Absatz 2 des Gesetzes zum Schutze der Republik. — Staatsrechtlich liegen die Dinge so. dah die Länder ein solches Ersuchen avssühren oder innerhalb der nächsten 48 Stunden unter Mitteilung an den Reichsinnenmlnisler Einspruch beim Slaat»gerlchl»hos erheben müffen. In politischen Kreisen verlautet, dah die p r e u h i s ch e Staatereglerung diesen letzten weg gewählt, und Einspruch erhoben Hal, so dah da» verbot der genannten Organisationen in JJrcufjen bi» zur Entscheidung de» Staatsgerichtshofes a u f geschoben Ist. wie mehrere Blätter zu dem Ersuchen de» Reichsinnenministers mllteilen. geht dieser Schritt nicht aus einen Beschluß de» Reichskabinetts zurück. Vas Ersuchen Ist, rote die „Tägliche Rundschau" erklärt, von dem Reichvinnenminister al» P o 11 z kirn i n l fl e r ausgegangen. Soweit da» genannte Blatt unterrichtet ist, stützt sich da» Vorgehen dc» Reichsinnenminister» auf Vorgänge, die schon weiter zurückliegen. Der Reichsinnenminister v. Keudell hatte gestern eine Besprechung mit dem preußischen Innenminister Grzesinski, um diesem persönlich die Gründe auseinanderzusehen, die nach feiner Meinung eine sofortige Auflösung des Roten Fronlkämpserbundes dringend geboten erscheinen lassen. Die Ablehnung der preuhischen Regierung, das verbot durchzuführen, wird damit begründet, dah erst kürzlich das verbot der 71 a t i o n a i s o z i a l i st i s ch e n Arbeiterpartei in Berlin aufgehoben worden ist. um dieser Partei die Freiheit im wablkamof wiederzugeben. Preuhen wünsche, dah die Freiheit des Wahlkampfes auf f ä m l l i ch e Parteien ausgedehnt werde. Das Echo der presse. Berlin, 18. April. ($11.) Die „D A Z" glaubt zu wissen, baß ber Reichskanzler unb bie anberen in Berlin weilenben Minister rechtzeitig von Dr. v.Keubell in Kenntnis gesetzt worben feien. — Der .Lokalanz." sagt, bem Reichsinnenminister gebühre ber Dank bafüt, baß trotz beS zu gewärtigenden Einspruches einzelner ßanbedregierungen, vor allem natürlich Preußens, endlich bie Autorität bes Gesetzes gegenüber einer Organisation toicbcr hergestellt werben solle, bie ihrer in immer neuen verbrecherischen unb feigen Diu:- taten spotte. — Die ,,D ö r s e n z ei t u n g" ist ber Auffassung, bah der Staatsgerichtshof, wenn er von Preußen angerufen werde, nach den Vorgängen der letzten Zeit nur bie Berechtigung beS Ersuchens bes Deichsinnenministers anerkennen könne. — Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Gerade bie Erbitterung, bie bas einseitige Vorgehen Preußens gegen bie Rechte seit Iahren hervorgerufen habe, mache es besonbers nötig, bah endlich auch Maßnahmen gegen bie planmäßigen unb blutigen Gewalttaten von links ergriffen werden müßten. — Der „‘BörfencDurier“ sagt, bem Reichsinnenminister fei vom Kabinett keine Ermächtigung zum Erlaß des Verbotes erteilt toorben. Vermutlich werde sich das Verbot überhaupt als ein Schlag i ns Wasser erweisen, ba eine Entscheidung des Staatsgerichtshofes vor ben Wahlen nicht mehr gefällt werden bürste. — Das ,D. T." meint, durch ein Verbot des Roten Frontkärnpserbundes würde den Kommunisten die beste Wahlparole ermöglicht werden. Man würde damit nur Märtyrer schaffen. — Der .Vorwärts" vertritt die Auffassung, daß. toenn die Vorkommnisse der letzten Zeit zum Anlaß eines Verbots des Roten FrontkämpferbuTvdes genommen würden, (Abstrichen beginnen. Wenn auch der Finanzausgleich geändert werden müsse, so sei als erste« die Selbsthilfe zu ergreifen. Der Bericht de» SparkommifsarS müsse ra'chestens Borge legt werden. Abg. Oingeldey (V. D. P.) glaubt, daß 1928 der hessische Staat vor tDctttra- genben Entscheidungen stehen werde. Nach seiner Auffassung werde Hessen den Forderungen des Reichsjparkomrnissars nachkommen müssen, wenn das Reich Helsen solle. Es werde sich auf die Dauer in einem so kleinen Lande verhängnisvoll ouswir» ken, wenn wichtige wirtschaftliche und kullurelle Streife von der R e g i e r u n g s o e r a n t w o r» tung ausgeschlossen seien. Er erklärt, dah eine Fraktion von Anfang an aus innerster lieber- , eugung für die Große Koalition gewesen ei. Wenn diese Regierung nicht zustande kam, so ei das an der Haltung des Zentrums gescheitert, das die kulturpolitischen Ziele in den DoiLergrund gerückt habe. Selbstverständlich wolle auch die Deutsche Dolkspartei ihre Ziele im Staat zur Auswirkung bringen. Weit über die Kreise ber Deutschen Dolkspartei hinaus sei die Ueberzeugung gedrungen, daß möglichst weite Kreise an der Regierungsgewalt teiknehmen muhten. Wenn die Deutsche Dolkspartei die Demokratisierung der inneren Verwaltung mit ihrem Nein hätte verhindern können, hätte sie es getan. Aber Demokraten und Zentrum hätten sich weitgehend mit den sozialdemokratischen Forderungen einverstanden erklärt. Bereits 1927 sei eine Uebereinftimmunfl der Parteien der Großen Koalition über die Aus» nahmebesetzung von Beamtenstellcn erzielt worden. Die Frage der volitischen „Adjutanten' sei hn pariamentarid>en System nichts Neues. Im Interesse des Beamtentums sei es sicher gewesen, wenn die Deutsche Dolkspartei in der Regierung mitbe- stimmend sein wurde. Die Parteipolitisierung des Beamtentums werde nur zu einer Demoralisierung mit Lippenbekenntnissen führen. Die Derantworiung für das Nichtzuftandekommen einer Regierung auf breitester Grundlage müsse feine Vartei ablehnen Abg. Dr. Best (DRD.) vertritt die GrurÄssätze feiner Partei im Hinblick auf die Aufwertung der Sparkassenguthaben und legt '.ahl- reiche Einzelfälle dar, wo Gemeinden sich ihrer Aufwertungspflicht zu entziehen suchten. Er wendet sich gegen die Bevorzugung der Schwerindustrie und der Danken bei der Aufwertung. Die Wahlbeschränkung werde seine Partei bekämpfen, auch wenn sie nichts mehr davon zu befürchten habe. Der Landtag müsse das für ungültig erklärte Gesetz auch formell auf» heben. Mittwoch Fortsetzung der Generalaussprache. Ötf £ p » 5’3 Mß- ,2-2-2 >- c HW i * 3 ? er 8- hl? ht i 2 n s H fl M Mit » r> j 3 & YM o p »3o » 145 s = '*£ B 3 T 5 * k-V 2 st t5 - 1« ** - i - w o o K 5* S 5 6 Deutscher Industrie- und Handelstag. Regierung und Wirtschaft. Berlin. IS. April. lDDZ. Funkspruch.) Der deutsche Industrie- und Handelstag ist am Mitt- wochvormittag im Sitzungssaal des Reichstags zu seiner 48. Dollversammlung zusammengetreten Die Reichsregierung und die Regierungen zahlreicher Länder haben Vertreter zu der Tagung entsandt. Präsident v. Mendelssohn eröffnete die Vollversammlung. Die Finanzminister deS Reiches und der Länder, meinte er. seien gewissermaßen stilleTeilhaber derWirt- schaf t. Rur sollten sie nach der Art der stillen Teilhaber nicht mehr aus dem Geschäft ziehen wollen, als ohne Gefährdung seines Bestandes und seiner Ergiebigkeit herausgezogen werden kann. Der Industrie- und HandelStag sei keineSweas der Meinung, daß die Wirtschaft den Staat beherrschen solle, aber anderseits sei eS eine Forderung der jetzigen Verhältnisse, daß die objektiven Erfordernisse der deutschen Dolks- wirtschaft von jedem, der zur StaatSsührung gehört, heute mehr als je anerkannt werden müßten. Auch für die Wirtschaft gelte die Aufschrift deS Reichstags- »Dem Deutschen Volke". DaS Hauptreferat hielt Generaldirektor Erich Tgahrt (Reunlirchen) über die .Lage der deutschen gewerblichen Wirtschaft". Er führte einleitend auS, day in Deutschland nicht nach amerikanischem Must« der Binnenmarkt einfach durch ständige Erhöhung der Löhne «stärkt werden könne. Die Hebung der inländischen Kaufkraft sei vielmehr nur im Rahmen der ?eldwirtschaftlichen Lage Deutsch- a n d S möglich. In seiner jetzigen Lage fei Deutschland auf den Export angewiesen und darum könne eS auch nicht ohne Import auSkommen. Infolge der übermäßigen Steigerung der Steuern, Soziallasten und Tarife sowie infolge der Dawesbelastung und der hohen Zinsen für Leihkapital seien die Gewinnmöglichkeiten in der Industrie stark zusammengeschrumpft. Die Schwierigkeiten der deutschen Industrie würden durch die älneinheitlich» keit unserer Wirtschaftspolitik verschärft. Reichsarbeitsminister, Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident widersprächen sich oft in ihren Maßnahmen zum Schaden der Wirtschaft. Große Anerkennung zollte der Redner der Außenpolitik. Ohne eine konsequente Durchführung der Verständigungspolitik wäre dec Wiederaufbau der Wirksamst n i ch t möglich. Der Redner betonte zum Schluß die Rotwendigkeit, der deutschen Qualitätsarbeit auf dem Weltmarkt stärkere Geltung zu verschaffen. Französisches Meinungsmonopol in Genf? Frankreichs Zeitungsankäufe. Eigene Drahüneldung des „Gießener Anzeiger»". Berlin, 18. April. Rach Berichten auS gut informierten Genfer Kreisen scheinen französische Interessenten jetzt verschiedene Versuche zu machen, ihren ohnedies bisher schon starken Einfluß auf die französisch-schweizerische Presse noch zu vertiefen. Diesen Aktionen kommt auch, von Deutschland auS gesehen, eine gewisse Bedeutung zu, da sie zweifellos geeignet sind, die Atmosphäre um den Völkerbund sehr ein- fettig zu bestimmen, und damit den deutschen Völkerbundsdelegationen jede Resonanz und jede cmparteiifche Unterstützung in der Genfer Oeffent- lichkeit zu nehmen. So wird berichtet daß die HavaSagentur, die schon immer stark französischem Einfluß unterworfene Genfer Zeitung .GenevoiS" angekauft habe. Dazu soll noch angeblich der Umfang diese- Blattes beträchtlich erweitert und sein Preis stark herabgesetzt werden, so daß ein großes Genfer Presseorgan vollständig den Zielen der französischen Politik zur Verfügung stände. Angeblich soll dann weiter noch die Gründung eines zweiten Genfer Blattes aus rein französischer Mitteln geplant sein neben einer verstärkten Ein- Nußnahme auf die .Suisse" und die .Tribüne de G e nö ve". Wenn Frankreich diese Pressepläne durchführt, wird neben dem großen Einfluß, den die Vertreter der Kleinen Entente und Polens auf die französisch-schweizerische Presse in Genf besitzen, ein für die deutschen Interessen sehr bedenkliches Meinungs- und Rachrichtenmonopol in der Völkerbundsstadt geschaffen fein. Oer Autonomistenprozeß. Kvlmar. 17. April. (WTD.) Wie der „Sl- sässische Kurier" meldet, hat Rechtsanwalt Dr F o r e t von Metz, der frühere (unter deutschem Regime letzte) Bürgermeister von Weh die Mitwirkung in der Verteidigung beim Autor», misten Prozeß übernommen. Die Zahl der Verteidiger würde dann neun oder gar zehn betragen. Wetter verzeichnet daS Blatt ernt Meldung, nach der es noch unsicher ist. ob dec Prozeß int Rahmen der regulären Dchwurgerichtssession verhandelt werden und mit dem 30. April eröffnet werden wird. Man rechnet mit der Möglichkeit emcr eigenen Session für den Prozeß, m welchem Falle eine neue Liste der Ge- lw wo re nen ausgelost werden müßte. Für die Verhandlung sind vierzehn Tage vorgesehen. „Royal Oal." Der Zwischenfall auf dem britischen Schlachtschiff vor dem Unterhaus. London. 17. April. (WB.) Im Unterhause gab der erste Lord der Admiralität. Bridgeman. eine Erklärung über die Vorgänge auf dem Flaggschiff der britischen Mittelmeerflotte R o h a l O a k ab und führte au«, die Admirali- tat sei der Ansicht, dah die erste Schuld für । die Vorfälle den Konteradmiral E o l la r d treffe indem er unwesentliche Fälle von Unzufriedenheit unter den Offizieren in einer Weise behandelte Oie seiner Stellung nicht entsprach und die zeigte' dah Collard für sein hohes Kommando ungeeignet gewesen sei. Collard sei seines Kommandos enthoben worden, und trotz seiner guten Dienste in der Vergangenheit habe die Admiralität beschlossen, ihn auf die Berat», schiedetenliste zu setzen. Die Urteile über Dewar und Daniels, habe die Admiralität bestätigt und entschieden, daß diese Urteile eine Oer Weiterflug der „Bremen". Oie Hilfsmaßnahmen für die Ozeanflieger. Montreal, 17. April. (1BB.) Die Dlarconl- Gesellschaft Hal eine Meldung von dem Leiter der Point-Amour-Station erhalten, wonach die „Bremen" mit Baron von hünefeld und Hauptmann a. D. Köhl an Bord ihren Flug nach Reu- york am Mittwoch wieder aufnehmen werde, falls bis dahin die Ausbesserung des bei der Landung beschädigten Propellers beendet sein werde. Jräulein Hertha Junkers traf hier heute abend von Reuyork kommend mit dem Junkersflugzeug rin. 3m Laufe des Tages war hier bereits ein Mechaniker der Firma Bunkers mit einem Vorrat von Ersatzteilen für die „Bremen" eingetroffen. Kommandant Flhmaurice wird hier morgen früh erwartet. Als das kanadische Hilfsflugzeug mit Jlfomaurke heute früh von Greenly Island abflog, blieben Dr. Luifinier und ein kanadischer Mechaniker auf der Insel zurück, um Baton von hünefeld und Hauptmann Köhl bei der Wiederherstellung der „Bremen" zu helfen. Der Abflug des Majors Jl^maurice hat vorübergehend Beunruhigung tjeroorgerufen und Befürchtungen für den einheitlichen Verlauf der in Reuyork geplanten Lmpfangsfei- ern laut werden lassen. Indessen lassen das Telegramm bee Reuyorker Oberbürgermeisters sowie au» Quebec eintreffende Meldungen über den plan der drei Jlieger, von Quebec aus gemeinsam nach Reuyork zu fliegen, keinen Zweifel darüber, daß die (Empfangsfeier programmähig ©erlaufen wird, umsomehr, als nach letzten Meldungen aus Quebec die dortige Ankunft von Fitzmaurice die wiederinstandsehu ng der „Bremen" erheblich zu beschleunigen vermag. Der Abflug könnte, wie diese Meldungen besagen, bereits am Tage nach dem Rückfluge von Jifj- maurice nach Greenly Island stattfinden. Jifo- maurice soll nämlich in Quebec die für die Ausbesserung der „Bremen“ benötigten Ersatzteile auswählen. die mit dem Flugzug nach Greenly Island gebracht werden würden. Jaüa die Ausbesserung gelingt, wird die „Bremen“ nach Quebec fliegen, dort Flhmaurice wieder aufnehmen und nach R e u y o r k ft a r t e n. Dieser von der Canadian Preß ausgegebenen Meldung widerspricht allerdings eine Mel- öung der .Firnes“ aus Washington, wonach Fih- maurice aus Kanada unmittelbar nach Washington reifen wolle, um Loolidge den Brief des Präsidenten des irischen Freistaates Losgrave zu überreichen. Oie Landung auf Greenly Island. Hünefeld berichtet über die Gründe des Irrflugö. Reu York, 17. April. (WD.) Rach Meldun- gen au« Point Amour erklärte Hünefeld: Die „Bremen" hatte nach ihrem QQjftug von Irland während des ganzen Donnerstags gute Fortschritte gemacht. Während der Rächt zog darauf ein Schneesturm auf, der die „Dre- men" zwang, aus der ursprünglichen Flughöhe weitere Dienftverwendmig der beiden Offiziere nicht ausschließe. sollte sich für sie eine geeignete Vakanz bieten. Oie Lage in China. Erfolge der Nordarmce. — Japan rückt von Tschangtsolin ab. London, 17. April. (TU.) Die chinesischen Jtoroarmeen verzeichnen nach Berichten aus Peking w eitere Erfolge gegen die nationalistischen Truppen. General Suntschuanfang berichtet, daß er bis zur Lunghau-Eisenbahn in der Nähe von Tangschau vorgerückt und dort in der Lage ist, den nationalistischen Flügel zu bedrohen. Andere Teile der Nordarmee sind bis zu einem Punkt nördlich von Tschangteho an der Peking—Hankau-Eisenbahn vorgerückt. An der Tschengtaifront wurden die Truppen des Gouverneurs von Schansi zurückgetrieben. Von honkau sind große Truppen- massen über honan nach dem Norden entsandt wor- den. Besprechungen eines japanischen Vertreters, der Sud - Mandschurischen Eisenbahnen mit General Feng wird große Bedeutung beigemesten. Die Aussprache wird als Beweis dafür angesehen, daß Japan die Stellung Tsangtsolins als wankend ansieht und es für notwendig hält, sich mit General Feng als dem kommenden Mann, wenn notwendig gegen England und Amerika, zu oer- ständigen. Der japanische Delegierte erklärte In ernem Interview, daß die japanische Unterstützung Tschangtsolins nach dessen Niederlage nunmehr b e • endet sei. Japanische Hlottenexpedition nach Tsingtau. Tokio, 17. April. (Reuter.) Vorbehaltlich der Dilliguna durch das Kabinett beschlossen die Marinebehörden, zwei Kreuzern, vier Zerstörern, sowie dem Kreuzer „Isuzu" Befehl zu geben sich mit einem Detachement in Stärke von 250 Seesoldaten, das gegenwärtig in Vosuku liegt, nach Tsingtau zu begeben. Da bereits ein Kreuzer vor Tsingtau liegt, so würden sich die zur Landung zur Verfügung stehen- den ©treitfräf te auf etwa 9000 Mann belaufen. Die Militärbehörden erwägen die E n t • [en düng einer Brigade aus Japan, falls sich die Lage verschlechtern sollte. Kirche und Abrüstung. .Berlin. 17. April. (TU.) Die deutsche (Bereinigung des Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit der K i r ch e n hält vom 26. bis 29. April in Hei- °eibera ihre Jahresversammlung ab. Der erste .Dauptverhandlung5gegenstand ist die Abrüstung», trage, zu der alS politischer Referent Bo.tchaster »"f Bernstorfs, als theologischer Referent Geheimer Konllstorialrat Professor us - Berlin sprechen werden Die wetteren Beratungen beschäftigen sich mit dem niederzugehen und niedrig zu fliegen, ob- wohl der anbrechende Tag die Gelegenheit bot, die K u r s r i ch t u n g zu berichtigen. DaSWetter wurde von Stunde zu Stunde schlechter und das Flugzeug konnte nur mit den größten Schwierigkeiten hoch gehalten werden. Als es die Küste von Reufundland erreichte, flog es gefährlich niedrig. Bald darauf sahen wir dann den Leuchtturm in Greenly Island. Rach einem Funkspruch des Canadian Preß schreibt Frhr. v. Hünefeld, das Llrnherirren der „Bremen", das schließlich zur Landung in Greenly Island führte, dem ümflanfre zu, daß das Deleuchtungssystem der .Bremen" versagte. Infolgedessen war es stundenlang unmöglich, die Instrumente abzulesen. Hünefeld schätzt die Strecke, in der die „Bremen" vollkommen dunkel flog und dabei vom Süd- westkur« nach Rorden abgetrieben wurde, auf etwa 700 Kilometer. Die Wetter- Verhältnisse hätten die Flieger gezwungen, sehr niedrig zu fliegen. Schließlich habe man flaches Land entdeckt, das unter einer starken Eis- und Schneedecke lag. Zeichen von irgendwelchen Bewohnern habe man nicht bemerken können. So sei man schließlich an der Strait« of Delle Isle eingetroffen und habe sich entschlossen, dem Festlande zuzusteuern. Da das Benzin zur Reige ging, habe man Ausschau nach dem besten Landungsplatz gehalten. Greenleh Island sei zunächst mit einem Schiff verwechselt worden. Diesen Fehler habe man jedoch sehr bald erkannt. Bei der Landung, die im Dchneesturm vor sich ging, habe daS Flugzeug die Eisdecke durchschlagen, wodurch das Schwanzende und der Propeller beschädigt wurden. Rach der Landung sei Hünefeld allein zum Leuchtturmhaus gegangen. Die Flieger hätten dort vor allem um trockene Fußbekleidung gebeten und diese auch erhalten. Ihre erste Mahlzeit auf Greenleh Island habe aus Milch bestanden. Die ersten Worte nach der Landung seien gewesen: „Gott sei Dank!" Reuyorker Empfangspläne. Reu York, 17. April. (WB.) Hier werden die Pläne für den feierlichen Empfang der „Bremen"-Desahung bekannt, die schon in allen Teilen bis auf alle Einzelheiten au s- gea rbeitet sind. Wie beim Empfang Lind- bepghs werden auch diesmal alle Schiffe im Hafen zur Begrüßung ihre Sirenen ertönen lassen. Ein Flugzeug ge schwader wird über der Stadt kreuzen. Qluf dem Platz vor dem Stadthaufe wird Bürgermeister Walker und andere hervorragende Persönlichkeiten Reuhorks die Besatzung der »Bremen" mit einer Ansprache unter freiem Himmel willkommen heißen. Vierzig Radiostationen werden diese Feier über die ganze Wett verbreiten. An die Ansprachen schließ sich der feierliche Marsch die Fünfte Avenue hinauf. Am Madison Square wird Halt gemacht toerben, um einen Kranz am Denkmal für die Gefallenen des Weltkriege« niederzulegen. Die American Telephone and Telegraph Company stellt den Gästen für den Tag des Eintreffens ihre drahtlose telephonische Verbindung mit Europa zur Verfügung, damit sie ihre Angehörigen in Europa anrufen können. Stande der ökumenischen Bewegung (Redner: der Lordbifchof von Winchester - England und Prälat D. Dr. Schoell- Stuttgart) und mit der Lage der evangelischen Minderheiten in Polen und in der Tschechoslowakei (Redner: Generalsuperintendent Blau-Posen und Kirchenpräsident D. Wehrenpfennig- Gab- !onz). Zu der Tagung hat auch der Führer der internationalen kirchlichen Einigungsbewegung Erzbischof Söderblom - Apsala sein Erscheinen zugesagt. Oie „Italia" in Stolp. Stolt). 17. April. (WD.) Wie General R o - b i l e heute Pressevertretern gegenüber erklärte, tvill er es vermeiden, Probeflüge von Seddin au« zu unternehmen, um da« Luft- schiff zu schonen. Die Fahrt von Mailand nach Stolp habe gezeigt, daß das Luftschiff zum Polarfluge geeignet sei. Die Deschädi- gungen des Luftschiffes können schon nach drei Tagen behoben fein; wäre daS Ma- terrai dazu zur Stelle, würde nur ein Tag nötig fein. Ein Motor sei zwar eine Zeitlang auf dem öluge nach Stolp nicht arbeitsfähig ge- wesen, weil das Wasser des Motors gefroren war. für den Rordpolslug werde dem Waller Glyzerin beigemischt werden, um oas ©infrie en zu verhindern. Acht bis zehn Tage werde es dauern, bis das Luftschiff startbereit sei. Um diese Zeit werde auch dec Dampfer ?,u f Spitzbergen eingetroffen sein. Ob bann iHv" der Start an getreten werde, sei noch unbestimmt . Aus aller Welt. Schwere Wafterkatastrophc in einem mandschurischen Bergwerk. Gewaltige wassermasfen, die aus slillgelegten Bergwerksanlagen hereinbracheu. überschwemmten einen Tell de» berühmten Bergwerk» von Fushung in der Mandschurei. Alle in diesem Abschnitt tätigen Bergarbeiter, an Zahl mindestens 470, sämtlich Ehl- "esen, ertranken. Da» Bergwerk gehört der süd- mandschurifchen Eifendahngesellschaft und ist der größteTagebaubetriebderDelt. Internationaler Autorenkongreß. Reichspräsident v. H i n de n b u r g emp- Nng den Präsidenten, die Vizepräsidenten und ben Generalsekretär des in Berlin tagenden Kongresses des Internationalen Verbandes der Schriftsteller- und Tonsehergenossenscha ten. Im Ttamcn der Erschienenen begrüßte Senator Mo- r e l I o den Reichspräsidenten unb sprach den Dank für den Empfang au«. Der Reichspräsident dankte öen Herren für ihren De- fuefc. Er drückte ihnen seine besten Wünsche für Oie Arbeiten de« Kongresses aus. von denen er boff«. dah sie zu einer Annäherung der Volker, insbesondere ihrer geistigen Schichten, und zur zweckdienllchen Fortentwicklung de« interna tionalen Llrheberrechtes beitragen möchten. Tagung der Uniocrsitätsdirckloren in Paris. Augenblicklich tagen in Paris unter der Aegide des Völlerbundsamtes für geistige Zusammenarbeit die Direktoren der ilniDcrfitätiämter der verschiedenen Länder. Deutschland ist vertreten durch Professor R e m m e. Direktor des akademischen Auskunftsamtes in Berlin. Gegenstand der Tagung ist der Meinungsaustausch über die auf ausländischen Universitäten verbrachte Studienzeit und die Gültigkeit ausländischer Uni- versitätsdiplome. Trauung de» Fürsten Otto von Bismarck. Dor demselben Berliner Standesamt, vor dem bereits im Jahre 1878 die Tochter des Altreichs- kanzlers sich mit dem Grafen Rantzau vermählte, fand Dienstagmittag kurz nach 12 Ubr die Ziviltrauung des Fürsten Otto v. Bismarck mit Fräulein T e n g b o m aus Stockholm statt. Mittwoch um 12 Ubr wird im Dom die kirchliche Trauung stattfinden. Schneefall auch in Sachsen. In der Rächt zum Dienstag ist urgai^ Sachen bei leichtem Frost überaus starker Schneefall eingetreten. In Dresden tour- ben vier Zentimeter Schneehöhe gemessen. In den höheren Lagen des Erzgebirges hat die Schneedecke neuerdings eine Stärke von 10 bi«' 20 Zentimeter erreicht. Vielfach sind in den Garten und Parkanlagen jüngere Bäume unter der Schneelast zusammengebrvchen. Verkehrsstörungen sind, soweit bisher bekannt, m nennenswertem Umfange nicht eingetreten. Erdbeben in Oberschlesien. ilm 18.35 il$r wurde in Deuthen ein etwa zwei bi« drei Sekunden dauernder von Südwest nach Rordost verlaufender wellenförmiger Erdstoß verspürt, der auf eine tektonische Erscheinung zurückzuführen fein dürfte. Die Bewegung wurde verschieden stark verspürt. In der Telephon- zentrale der Iohanna-Schachtanlage Dobrek geriet der acht Zentner schwme Telephonvermitb' lungsschrank ins Schwanken, lieber bauliche Schäden in der Stadt ist nichts bekannt geworden. Schrecklicher Tod eine» „blinden Passagier»“. Der der Ankunft des Personenzuges 206 in Schwarzenbek bei Altona wurde auf dem Dache eines Wagens dritter Klasse eine männliche Leiche gefunden. Der Getötete, dessen Schädel zertrümmert war, ist ein 17jähriger Lehrling aus Berlin-Schöneberg. Eine Fahrkarte wurde bei ihm nicht borgefunben. und es ist daher anzunehmen, daß der Verunglückte in Berlin auf das Dach des Äs geftiegen ist, um ohne Fahrkarte mit- n. Während der Fahrt muh er dann von einem Brückentell erfaßt worden sein, wobei ihm der Schädel zertrümmert wurde. Ueberfaü chinesischer Piraten. Oluf dem chinesischen Kauffahrteischiff ,H f i n - wah", das sich auf der Fahrt von Schanghai nach Hongkong befanb, überfielen Piraten, dis al« Passagiere verkleidet waren, überraschend die Besatzung und zwangen sie, den Dampfer nach der DiaSbai zu steuern Dort plünderten sie das Gepäck und setzten die Passagiere in Boote. Fünf chinesische Passagiere wurden von ihnen entführt. um Lösegeld für sie zu erhalten. Als die Piraten die Deute wegtransportteren wollten, tauchte ein chinesisches Kanonenboot auf. worauf die Räuber die Flucht in« Land ergriffen. Der Dampfer „HsinwÄ" nahm unter Begleitung des Kanonenbootes die Fahrt nach Hongkong wieder auf. Oie Wetterlage. 7 Malands. Röst 2 2 3 QwoKeruoi. ©M-tti. 304» Mdtm ® ./omg. • mmci 1 «Rtam * lehnt« a6raup«lt ■ "Cötl K Gr-Mlrr (g)V.n«-.btle.-O -z» «xatt- Oll UMW sudluawtsi ö Mureetntf iwöwtsl 0« »teile riicoen Ml, eem wmoc Pit eeete Srtt-ontn stentnuen itn gelte die Temperatur m Oit iimen ttromden Ort, mit ytuhtiL txf i*MrtLei*«au mnaerrrnneir» Luftdruck Wettervoraussage. Von Westen her Ist der Luftdruck weiter ange- fliegen. Trotzdem wird sich keine ausgesprochene Hoch- brurfmctterlagc entwickeln, denn die verschiedenen herrschenden Lustströmungen lassen e» immer noch jur Bildung leichter Störungen kommen. W ettervorau5fage für Donnerstag: Wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, nachts lern* peraturen um Null, keine oder nur unbedeutende Niederschläge. ®ittcrung3au5fi($ten für Freitag: Zeitweise wolttg, kühl, strichweise etwas Nieder- schlage. Lufttemperaturen am 17. April: mittags 4,6 Grad Celsius, abends 1,6 Grad Celsius: am 18 April: morgens 2,5 Grad Celsius. Maximum 4,8 Grad Celsius. Minimum 0,3 Grad Celsius' - Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 17. April: abends 5,6 Grad ffclpus; am 18. April: morgens 3,4 Grad Celsius. — Niederschlage 1,3 Millimeter. — Sonnenscheindauer eine Viertelstunde. steht en der Spitze aller Seiten und Waschmittel 0. H. Oehmig-Weidlich. Zeitz Augenklinik trat dem Boten nun geaeben worden. •• h • • m i gewünschten durch einen Eingang zur Geschäftsinhaber Netz sofort die Waren verpacken und sandte sie Boten nach der Alinit Vor dem Der Frühling ist da! Run gibt es wieder die beliebten Rhabarberspeisen mit MAIZENA Verlangen Sie umgehend unser KochbUchlein! Deutsche Maizena Gesellschaft m. b. H. HAMBURG 15 Aus der Provinzialhaupistadi Dietzen, den 18. April 1928. rate« für Tonntrdtag 19. April. Bonncnaufgana 4.57 Uhr, Sonnenuntergang 16.02 Uhr — Mondausgang 5.04 Uhr, Mondunter. gang 18 Uhr 1801 der Physiker Gustav Theodor Zechner in Grotz-Särchen bei Muskau geboren (gestorben 1887)- — 1824: der englische Dichter Lord Byron K, Missolunghi gestorben (geboren 1788); — 1847: Ausbruch der Revolution in Berlin; — 1882: der Naturforscher Charles Darwin in Down bei Becken- Ham gestorben (geboren 1809); — 1885: der Afrika- forschende Gustav Nachtigal bei Rap Palmas In Destofriko gestorben (aeboren 1834); — 1917: Aufhebung des Iesuitengesetzes. Vor notizen. — TageskolenderfürMittwoch Stadt- theater 8 Uhr, „Mrs Cheneys Ende' (Ende 10 Uhr) — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die heilige Lüge' — Askoria-L'chtspiele. „Blitz, der vierbemige Retter' Au* dem Stadttheaterbureau nnti) uns berichtet: Wie schon bekanntgegeben. ist die letzte Neuheit im Schauspiel, der Hamburger Sommerschlager und gegenwärtiges Berliner Re- pertvirestück ..DaS Ramel geht durch daS Nadelöhrein« vollsaftige, kräftig treibende Romödie mit vollblütigen Menschen auS dem Leben. Erstaufführung am Freitag. 20. April. Beschäftigt sind die Damen: Jüngling. Rrahmer. WarckS und Hehm, sowie die Herren Goll. Bosts. S «fserS. Telekh, Dolck und Sehre. Spielleitung: Karl Bolck Ausführung von Rohrverlegungsarbeiten ist die Moltkestrotze zwischen Ostanlagc und Kaiser- alle« ab Mittwoch. 18. April, aus etwa 14 Tage für allen Fährverkehr polizeilich gesperrt. ** 81 n raffinierter Betrug wurde gestern nachmittag In unserer Stadt verÄbt. Kurz nach 5 Uhr wurde bei dem An Haber eineS hiesigen Zigarrengeschästes telephonisch angerufen und dem Geschäftsmann oufgeaeben, er möge sofort 2000 Zigaretten zu der Verwaltung der Augenklinik schicken und die Rechnung beifügen. Der Auftrag müffe aber sofort ausgeführt werden, da um 1/|6 Uhr Dureauschluh sei. Der BollSpartei hab« sich alS Hüterin der Simultan- ich. lc bekannt. Durch daS LÄulgeletz hab« man daS Dolf gcgcneinandergehetzt und einen RellgionS- kamps hcrb«igeführl. Die National-Soztallp>sche deutsch« Oirbciterfart«! verwerf« daS Schulgesetz, das praktisch undurchführbar sei. Bon den Deutschnationalen bis zu den Kommunisten hätten olle Parteien da» deutsche Bolk verraten und verkauft Diese Parteien begingen weiter da durch ein Verbrechen am Bolle, datz sie chm nicht tagten, waS loS sei. Der Redner wie* u a. auch aus di« Reparationszahlungen hin und bemerkte, an dem Weltkrieg« hab« das internationale Kapitol, tot« auch 1870 71, daS Geschäft gemocht. Reparationen feien Scheinheilig- feit und Betrug, denn während daS Volk um feine Existenz ringe, machten die Banken ihr Geschäft. Die National-Soziafisttsch« deutsch« Arbeiterpartei wolle allen Böltern daS SeldA- bestimmungSrecht geben, dabei wolle sie auch daS Wirtschaftsleben von Juden oller AN rtiniaen. Sie wolle weiter di« Brechung der Zmstechttchaft Deutschlands. Ganz besonders trete sie ein für die Hergabe zinsloser Kredit«, damit die Wirt- sci.^'1 richl,g in Fluh gebracht werden Rnm«. Setn« Partei wolle auch der Landwirts chasi wirklich Hellen, di« heut« von internationalen Getreideschiebern bewußt unrentabel gemacht werde. Die LandwiNschaik gehöre in die Nationalsozialistische Pariet. die «in freie* nationalsozialistisches Deutsches Reich unter dem Führer Adolf Hitler errichten wolle. Der Vortrag wurde von den Freunden deS Redner* mit lebhaftem Beifall ausgenommen. 8tn« Aussprach« wurde nicht beliebt. Während die Versammlung selbst ohne Störungen verlief, kam e*. wie schon berichtet. In der Walltorstrab« xu einem Zwischenfall. der aber dank der tatkräftigen Polizei- Maßnahmen rofch eingedämmt und erledigt werden konnte. Auaenllinik trat dem '.Boten nun ein gut geneideter Mann entgegen und fagte ihm. er käme sicher von der Firma i deren Harne der Mann nannte), und bringe die bestellten Zigaretten. Mittlerweile habe sich aber auch noch ein gröberer Bedarf an Zigarren herauSgestcllt, der junge Mann möge deshalb schleunigst zurück- fahren und die Zigarren holen, auch gleichzeitig die Rechnung abändem lassen. Durch daS Auftreten deS ManneS fichergemacht, händigt« der Bote diesem ohn« Bedenken die 2000 Zigaretten lMarke .Overstolz' und .Dreiling') auS. Während der Bote zu seiner Firma zurückfuhr. verschwand der .vornehme Herr" unter Mitnahme der Zigaretten. Der Geschäftsinhaber, dem nach der Rückkehr de* Boten die Sach« sehr merkwürdig vorkam. erkundigte sich nun telephonisch bei der Verwaltung der Augenklinik und muhte hierbei erfahren, daß er einem raffinierten Schwindler zum Opfer gefallen war. Der Gauner ist etwa 30 bis 35 Zahre alt. ca. 1,70 Meter grotz. von schlanker Statur, trug schwarzen Mantel, schwarzen Hut und schwarze Schnürschuhe und hatte gestutzten Schnurbart. Vor dem Schwindler, der sicherlich noch weitere Gastrollen versuchen wird, sei nachdrücklich gewarnt. Angaben. die zur Wiedererlangung der Beute und zur Feststellung deS Täter* geeignet sind, erbittet ote Kriminalpolizei in Dietzen. •* Schützen-Verein Dietzen. 3n einer aut besuchten Versammlung deS Schütze..verein*. Die am Montagabend unter der Leitung de* Vorsitzenden. Stadtv. Nicolau- im .Schützenhause" in Anwesenheit zahlreicher Gäste stattsand, sprach Pfarrer DechtolSheimer über .die Geschichte deS (Siebener Schützen verein*" auf Grund Vorgefundener alter Akten. Der Vortragende, der sich auf dem Gebiete der heimatgeschichtlichen Forschung im Interesse unserer Stadt schon oft betätigte, hat beim Studium alter Aktenans- -eichnungen sehr interessante Ausschlüsse über die Geschichte deS Gießener SchützenwesenS gefunden, die er in anerkennenswerter Weise dem Verein und damit auch der Allgemeinheit zur Verfügung stellte. Man erfuhr aus den hochinteressanten Darlegungen, datz die ersten Anfänge deS Gießener Schützen wesen* um das Jahr 1600 herum festzustellen waren. Der heutige Gießener Schützenverein, der da* Erbe der früheren Schützen angetreten hat, kann also eine rund 330 Zähre alte Schüyengefchichte ausweisen. AuS den durch zahlreiche Urkunden belegten Erzählungen de* Pfarrer* DechtolSheimer wurden fef- selnde Einblicke In die Gießener Stadtgeschichte von 1600 bi* in die allerjüngste Zeit hinein ermöglicht. Man erfuhr hier näheres über die Organisation der Schützen-Kompagnien und der Dürgerwehr. man hörte von Mahnahmen strengster Manneszucht und guter Bürg erd isziplin. aber auch von manchen erheiternden Vorgängen, die gär köstlich an die altbürgerliche Behäbigkeit unserer Vorfahren in einet ruhiger und zufriedener gestimmten Zeit alS der heutigen — Personalien. Der vberiustizsekretär beim Amtsgericht Ortenberg Wilhelm Hardt wurde am 1. April zum Odersusiizfekretür beim Amtsgericht Alzey, der ObersuftizfekretSr beim Amtsgericht Alzey Hans König zum Oberjustizsekretär am Amtsgericht (tzrünberg und der Oberförster Adolf Ernst Müller zum Forstmeister des Forstamtes Lau- bach ernannt. •• Dieder für den Verkehr frelge geben. Wie die Prooinzialdirettion Obcrhesfen im neuesten Amtsverkündigungsblatt mitteilt, sind die Provinzialstratzen Grünberg—Röthges (Orlsdurch fahrt Grünberg) und die Ortsdurchfahrt der Straße Queckborn—Grünberg für den Verkehr wieder frei- erinnerten. Man ersah weiterhin daß auch da* Schützenwesen in früherer Zeit mit mancherlei Hemmungen zu kämpfen halte, datz e* vorüber- a«bcnb sogar »um Erliegen kam. aber bann doch wieder durch guten Buraergeift und starke* Interesse an dem edlen Schietziport erweck! wurde und sich mit kraftvoller Energie erneut durchsetzt«. De» den Berichten de* Vortragenden tauchten zahlreiche Namen auf. die heute noch in unterer Stadt vertreten sind und deren Träger auch, wie ihre Vorfahren, zum Teck auch Im Dienste de* Gemeinwohl* wirken. Sin bemerkenswerter Ausschnitt gut bürgerlicher Tradition wurde hier in eindrucksvollster Weise gegeben und verfehlte seine stark« Wirkung auf di« mit grober Spannung dem Dortrage trügenden Zuhörer nicht. Di« bedeutsamsten Sreignisf« in der Siebener Schützenscschichtc fanden in dem Vortragenden einen gewissenhaften Bearbeiter, der aber neben der Behandlung der gröberen Ereignisse auch die mancherlei kleineren Dinge dieser Schützen- Geschichte mit liebevoller Sorgfalt festhielt. Aus diese Weife hat Pfarrer Vech.olSheimer nicht nur dem Siebener Schützen-Verein eine ausgezeichnete VereinSgefchcch.e geschrieben, sondern auch der Allgemeinheit eine sehr bemerkenswerte Bereicherung au* der Siebener Siadt- geschichte zuteil werden lassen. Der außerordentlich fesselnd« Vortrag fand mit Recht starken Beifall, den der Vorsitzende Nicolau* in beredten Worten an den Vortragenden al* Dank de* Schützenverein* und der Bürgerschaft noch besonder* unterstrich. Der Schützen verein hat mit dieser Veranstaltung einen bedeutsamen Auftakt zu der für da* nächst« 2ahr geplanten groben Schützenfeier erlebt. — Di« National-Sozialistische deutsche Arbeiter-Partei hatte auf vorigen vonntagnachmlttoa durch ihre Ortsgruppe Diesten eine öffentliche Versammlung in da* LasL Leib einberufen, di« von etwa 130 Personen besucht war. von denen ein grober Teck au* Frankfurt a. M stammte. Der Versammlungsleiter. Lehrer Ringshausen- Ofseirbach. wie* al* Leiter des Gaue* Hessen der Partei in seiner BegrübungSansprache aus die mancherlei Enttäuschungen unsere* Volke* in den letzten zehn Jahren hin und betonte, die National- Sozialistische deutsche Arbeiterpartei wolle da* Gewissen de* deutschen Dolle* sein und diesem neue politische Wege weisen. Daraus sprach Stadtverordneter Sprenger au* Frankfurt a. M. in etwa 1 »/»stündiger Rede über die politischen Erfahrungen de* letzten Jahrzehnt* und die Zeitfragen der Gegenwart. Der Redner behandelte zunächst die Austen Politik Strefemann*. mit der er nicht einverstanden ist. Stresemann gehöre *u den vielen schwankenden Gestalten des parlamentarischen System*, er hab« seine früheren Wahlparolen schlecht beherzigt. Daraus beschäftigte sich der Redner kritisch mit den verschiedenen Parteien, deren Haltung er ebenfalls nach jeder Richtung hin bemängelte. Das Zentrum bezeichnete er als eine irussell-Partei'. bte Deutschnationalen seien ..begierig wie die Stiere auf die Ministerposten", die Deutsche Berliner Börse. "Berlin, 18. April. (WTV. Funkspruch.) Nachdem sich an der gestrigen Abendbörs« schon auf allen Märkten eine weiter« teilweise kräftigere Erholung durchgeseyt hatte, sieht e* im heutigen Frühverkehr weiter freundlich au*. Kurse werden noch nicht genannt, doch ist man in den Bureau* eher fester gestimmt, da man annimmt, dah der heute erscheinend« Rcich*bank- auSwei* die von der Börse erwartete stärker« Entlastung bringeg wird. m Vassagin»". "“W 206 in °urk auf btm "Urr «lass. ^hinten. Dn hümtnetl toat, 1U5 Derlia-Hchöne. 2 bei Hw nicht :r onzunehwrn, daß auf das Dach M i n e Fahrkarte mit« Hrt miß er dann t lvvrden sein, trr- lert tourte. stiraleu. ahrtei'Wlinier Fahri von o n g befand, über- iffagiere der« ble Jefatzung und nach bet ÄMÄui ten fie bei t in "Boote. Fünf ton ihnen ent« : Vie zu erhallen. veglranSpottiern fches Kanonen« itet die Flucht ins it .Hsintoah' nahm lenbvotes dir Fahtt W®. a-abe. 1'Hlen S. “kt h nach >2 "S h °chsen. r "d t 0»en tour« S. SMch» 3. kl S t>on ]Q , Wien. Bergung tout5e ,nr der Tele-How. '"l?ge Md g«. Telephondmniip tiekt baulich. «6f* be(®mf g„ Fernsorecber 1630. 897 D Erklärung! Zch bebauerc mein aeaeiiHerrnillrarr- meiste r Schmidt in Torl«®tU in der Er« reaunq fiCtäiiflt^er« bähen insbesondere nehme ich öl« au*- aelorochenen Beleidigungen mit Be« dauern zurück. (*MeD gcA. 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Kalmar, April 1928. 3m großen grauen SandsteinpalaiS neben dem Bahnhof von Äolmar, Da« von den „preußischen Eroberern" alS Sitz dc- Oberlandesgerichts errichtet wurde und unter dem Regime der französischen Befreier" schon langsam verfällt — heute heißt es Tour 6’21 ppel und die Promenade, an der es steht, natürlich auch eine Schöpfung der kulturlosen Preußen, ist auf den Hamen Boulevard Raymond Poincare getauft — herrscht Hochbetrieb. 2Lonsieur le Pro- cureur General ist noch mehr mit Arbeit überlastet und der einheimischen 'BcDotierung darum noch weniger erreichbar alS jemals, was man „friedliche Eroberung" oder ..Durchdringung mit französischem Geiste" nennt Am 4. Mai beginnen seine großen Tage: der Prozeß gegen die Autonomiften geht loS. Die Regie hat schon für alles gesorgt. Für die Fertigstellung der Anklageschritt und btc Ladung der Zeugen, für die Zusammensetzung der Geschworenenbank und schließlich für daS Komplott selber. Denn irgendein Substrat muß der Anklage ja zugrunde liegen. Und die Angeklagten waren unpatriotisch genug, der Staatsanwaltschaft verdammt wenig Material zu tiefem 1 Zehn Männer, die gestern von Mülhausen ins Prison Departemential von Äolmar eingeliefert wurden, sind deS Hochverrate- beschuldigt Drei von ihnen, Schriftleiter deS „Elsässischen Kuriers", wurden direkt vom RedaktionSschreibtisch weg verhaftet. Warum? Sie werben schon sehen, erklärte QHonficur le Proeureur General dämonisch. Und murmelte etwas von deutschem Geld, das sie zur Speisung der autonomistifchen Bewegung im Elsaß erhalten hätten. Diese Beschuldigung hätte der Kernpunkt der Anklage werden sollen. Aber, traurig genug, es hat nicht sollen sein. Ich habe die Anllageschrift zu Gesicht bekommen, obwohl sie noch nicht veröffentllcht wurde und auch von den Verteidigern streng geheim gehalten wird. Also vom deutschen Geld ist nur noch an einer einzigen Stelle die Rede. Und auch hier nur sehr schüchtern. Gin Angeklagter schrieb einem seiner Freunde, der jenseits der Grenze lebt, er habe die Absicht, für die Kammer zu kandidieren, aufgegeben, weil so eine Kandidatur Geld kostet. Kein Wort darüber hinaus. Richt die leiseste Anspielung. UebrlgenS bätte der Inkulpat anspielen können, so Diel er hätte wollen. Sein deutscher Jugendfreund, mit dem er in Briefwechsel stand, ist selbst ein armer Teufel und hat überdies mit der Wilhelrnstraße, deren in die Goldmilliarden gehende angebliche PropagandafondS im Vorstellungsleben französischer Geueralprokuratoren eine ganz besondere Rolle spielen, ungefähr so intime Beziehungen, wie Monsieur le Procura- teur General selber mit dem Dalai Lama. Oder noch etwas weniger. Der Angeklagte R o l l 6, dessen Fall wohl am eingehendsten diskutiert wird, da er es wagte, noch auS dem Gefängnis heraus seine Kandidatur anzumelden — ein Vorgang, der sich übrigens bel französischen Kommunisten Tag für Tag wiederholt hat folgende Sünde auf dem Gewissen: in einer Besprechung elsässischer Lehrer wurde der Plan erörtert, eine genossenschaftliche Sparkasse zu gründen. 3m Verlaufe dieser Erörterung machte ein Teilnehmer an der Besprechung den Einwand, ob das Geld auch sicher angelegt sein würde. Gewiß, erwiderte ein anderer, ebenso sicher, wie in irgendeiner anderen Bank oder Sparkasse auch. Denn ein gewisse- Risiko bestünde doch überall. Roll6, der Der populärste Führer der elsässischen Lehrer ist, hatte den Auftrag, seiner Sekretärin ein Protokoll über diese Besprechung zu dik- Sin Aachtflug des Ozeanstiegers. Don Hauptmann Hermann Köhl. AuS dem Werk ,,3ungbeutfcblanD« Fliegerbuch". Herausgegeoen von Edgar Blcckcr-Kohlsaa t. Mit 170 Ab- bilbungen. Gebunden Mk. 6.80 (Union Deutsche Derlagsgefellschaft, Stuttgart.) 3m Abenddämmem des 10. Oktober 1925 stand am westlichen Himmel eine geschlossene, schwarz- dunkle Wolkenwand, die sich bei mittlerem Westwind mehr und mehr vergrößerte und 10 Uhr 15 mit ihrem oberen Rand über Berlin stand. DaS ObfcrDatorium Lindenberg hatte starke Gewitter auS Rordwesten im Anzug gemeldet. 3n diese Wetterlage startete das Flugzeug hinein. 3e dunkler die Wolkenwand heraufzog. desto Heller strahlte die Beleuchtung Berlins. Die Flugstraße bis Oranienburg war mit Lichtem besät und die Sicht bis dorthin gut. Rach Oranienburg empfing uns dicke Finsternis. Rur schwach leuchteten die roten Fackeln Don der Flugwache Hohenbruch, danach dickes Dunkel. Ein schwacher roter Ächtschein, Der sich mehr und mehr Dcrflärltc. leitete uns weiter unserem Ziele zu. GS ist" heute zum erstenmal in Lin- dow eine rot leuchtende Reonröhre, und dahinter blitzen die Drehlichtscheinwerser von Keller und Luhme auf. Die Wolkendecke ist bis Keller ge- schbsssen. nach Keller lichten sich die Wolken etwas, und der im Osten ausgehende Halbmond läßt ihre Konturen schwach erkennen. Die schwarte Rächt hat sich in ein dunkles Grau verfärbt. 2lus den Dörfern und Städten blinzeln schwach vereinzelte Lichter herauf. Das Flugzeug hat Keller passiert. Roch ist alles in schönster Ordnung. Vom Boden ist nichts zu sehen, nur die Seen bei Lindvw heben sich als Helle Flächen ab. Da. fern im Norden, ein grelles Aufleuchten. Roch hat das Flugzeug Luhme nicht erreicht, als dort in Richtung Warnemünde Blitz auf Blitz die Erde mit den Wollen verbindet, in Der Dunkelheit noch greller und schauriger zu sehen als am Tage. Baumdicke Feuersäulen fuhren vom Himmel zur Erde nieder und erleuchteten weithin die Gegend. Allem Anschein nach war das Gewitter noch sehr entfernt, und es bestand immerhin die Möglichkeit, daß es nach Rorden ausbog. wie uns beim Start aus Warnemünde mitgeteilt worden war. Rach Keller passierten wir nochmals eine rote Neonröhre mit ihrem milden, beruhigenden Leuchten, nach dieser einige Lichter von Rheinsberg und nochmals eine blau leuchtende Neonröhre. Inzwischen waren auch schon in der Ferne die Scheinwerfer von Rechjin und Echwenhin zu sehen, die gleich großen weihen Pinseln die Wollendecke mit mächtigem Schein bestrichen und uns unseren Weg durch die Finsternis wiesen. Bei allen Flugwachen waren auf den erkundeten Rotlandeplätzen Rachtbeleuchtüngen aufgestellt. unS zur Landung einladend. Rordlich der Müritz, bei Schwentzin. wurden die Blitze immer häufiger und greller. Die Lampen des Bahnhofs Voll- ratsruhe leuchteten vor dem dahinter blinkenden Drehlichtscheinwerfer von Dersentin. Von dort ab waren nur noch vereinzelte Lichter zu erkennen. 2kr geb lieb suchte das Auge in der Dunkelheit nach der Reonröhre. die auf Schloß Schlie- fenberg brennen sollte, und weiter hinten nach dem Drehlichtscheinwerfer von Breesen, ebenso vergeblich nach den Lichtern von Rostock und dem Scheinwerfer von Warnemünde. Dafür erhellte Blitz auf Blitz die Gegend oft taghell und verriet uns die Stellen, über die wir flogen. Für Sekunden konnte man deutlich den See bei Schloß Schliefen berg erkennen. Die Reonröhre brannte nicht. Dahinter tauchten inzwischen schwache Lichter auf und Helle rote Fackeln, die uns die Flugwache anstatt des Scheinwerfers angesteckt hatte. 3m grellen Blitzlicht zogen rechts und links von uns graue Regenwollen hastig vorbei, und gleich spitzen Radeln spritzen uns dicke Regentropfen ins Gesicht. Dann, bei Lange, gerieten wir fast plötzlich ins Gewitter. Das Flugzeug wurde wie von wllden Riesenbänden gefaßt und hochgeschleudert, um im selben Augenblick wieder nach unten gestoßen zu werden. Böen von ungeheurer Gewalt durchschüttelten uns. Strömender Regen ließ jeglichen Lichtschimmer verschwinden und hüllte alles in ein nasses, dichtes Grau. Wir machten kehrt: hier war ein Weiterfliegen unmöglich. „Kehrt und schnell landen vor dem Sturm!" hieß Die Losung, lieber unterem RollanDeplatz Breesen schossen wir unser ‘Sotfignal: Rot ab und umkreisten ihn, schon fest entschlossen zur Landung. Doch das Gewitter zog weiter nach Rordosten, und im Schein Der Blitze, die rund um uns zur Erde fuhren, sahen wir, daß Der Regen auf unserer Flugstraße nachgelassen hatte. uitD daß Heren und Den Teilnehmern zugehen zu lassen. WaS auch geschah. Und weil in diesem Protokoll auch der Einwurf von der Sicherheit des Geldes und die Antwort, es fei ebenso sicher oder ebenso unsicher wie in irgendeiner anderen Dank oder Sparkasse angelegt, pflichtgemäß enthalten war — wird nicht der Mann, der die Sicherheit französischer Sparkassen anzuzweifeln wagte, sondern Derjenige, der diese Bemerkung inS Protokoll aufnahm, wegen „Untergrabung de« französischen Kredite-", also wegen bewußten Hochverrates zur 2kranttoortung gezogen!! Klarer als in diesem Fall hätte die Tendenz, den unbequemen Führer der elsässischen Öffentlichen Angestellten zumindest für die Dauer der Wahlkampagne außer Gefecht zu setzen, überhaupt nicht mehr in Erscheinung treten können! Run Darf es aber mit einer zeitweiligen Auhergesechtseyung mißliebiger Persönlichkeiten nicht mehr sein Bewenden haben. Der ungeheuere Aufwand an Staatsautorität muh irgendwie gerechtfertigt werden. DaS Wahlmanöver, das die Qterfolpung der Autonomisten ursprünglich war, soll nicht als solche« zu erkennen sein. Ein Königreich für ein Komplottl Und im Zusammenspiel zwischen klerikalen Autonomisten und staatsseindlichen Kommunisten, die. wie alle anderen subversiven Tendenzen, auch die Unzufriedenheit der elsässischen Bevölkerung mit den Segnungen des französischen Regimes in ihrer Agitation auszunützen versuchen, soll es gefunden sein. Die Staatsanwaltschaft wird sich bemühen, im großen Auwnomistenprozeß Den Beweis Dafür zu erbringen. Daß Rom und Moskau gegen Paris konspirieren. Wobei Berlin natürlich der dritte im Bunde ist. Gegen KlerikaliSmus, Kommunismus und Separatismus! heißt die Parole. Die Heimattreuen Elsässer sind überzeugt, daß die ganze Haupt- und Staatsattion mit einer ungeheuren Blamage für sämtliche beteiligten Autoritä'm enden wird. Allerdings unterschätzen sie den Terror nicht, dem sie gerade Dann auSgesetzt fein werden. Heute schon ist das Regime im Elsaß terroristisch genug. Es gibt kein Briefgeheimnis und keine amtliche Schweigepflicht, wenn es gegen Personen geht, die regionalistischer Bestrebungen verdächtig sind. Die „unbedingt ft aal 6t reuen“ Parteien bekommen, was sie nur immer an Agitationsmaterial gegen die Heimattreuen Elsässer gebrauchen können, gratis und franko ins Haus zu- gestellt. Diese unbedingt staatstreuen Parteien, da« sind vor allem die Sozialdemokraten. 3n Elsaß-Lothringen herrscht der etwas anormale Zustand, daß die angebliche politische Opposition die einzige verläßliche Stütze deS Staates ist, dieses Staates, dem sie sich durch seine traditionell revolutionäre Terminologie innig verbunden fühlt, während die Vertreter der bürgerlichen und bäuerlichen Bevölkerung in Paris zwar für die Staatsnotwendigkeiten stimmen, vom Herrn Präfekten, dem wahren Machthaber, jedoch trotz ihrem zehnmal täglich wiederholten Bekenntnis zu Poincars als Bürgerzweiter Klaffe behandelt, ja, als Feinde verfolgt werden. Poincars, der Allgewaltige, hat die elsässischen Wähler aufgefordert, ihre Kandidaten vor die Gretchenfrage zu stellen: seid Ihr auch wahr« Franzosen? Franzosen ohne Bedingungen? Franzosen ohne Vorbehalt? Schade, daß die elsäsii- schen Querkopfe obstinat genug sind, diese Parole nur pflichtschulbigst zu beklatschen, aber die Gretchenfrage lieber nicht zu stellen. Oder eigentlich: nicht schade, sondern Gott sei Dank! Senn die Antworten — so ganz nach dem Geschmack de« "roßen Lothringer« waren |ie n:cht ausgefallen! 2M.cn sie nämlich ehrlich gewesen. Freilich darf man bei der Beurteil n elsässischer Vorgänge niemals vergessen, daß Ehrlichkeit im politischen Leben dieses Landes ein völlig ungangbarer Artikel ist. Charakterschwäche? Vielleicht. Aber Ehrlichkeit, die direkt ins Zuchthaus führt, kann man von ein paar Millionen Menschen eben nicht verlangen. Und so werden wir, bis eine völlig andere weltpolitische Konstellation besteht, von jenseits des Rhein- wohl immer die Marseillaise fingen und Vive la France rufen hören. Wenn nicht alle Zeichen trügen, auch wiederholt während bei Aalviwnnsten- Prozesse« von Kolmar. 3n diesem Zusammenhang hat mir übrigen« ein hundertprozentiger Franzose, der in Straßburg lebt, erklärt, daß er nie wieder Vive la France! rufen wird. Denn er will nicht für einen Staatsfeind und Autono- misten gehalten werden. ©er luxemburgische Zweisprachigkeiis-Kongreß. Nachdem in feierlicher Öffentlicher Sitzung die bedeutsamen Beratungen des Internationalen Kongresses für Zweisprachigkeit eingeleitet worden war — Dgl. unseren Bericht vom 12. April — brachten die folgenden Tag« Berichte und Diskussionen in kleinerem Krei«. daneben einige öffentliche Vorträge. Der erste 'Deratunastag DeS Cuiemburger Kongresse- brachte Berichte Der Walliser Konferenzteilnehmer. der Professoren D. 3. S a e r. Frank Smith und John Hughes, Die in englischer Sprache über ihre Untersuchungen in den Schulen von Wales referierten. Ihrer Ansicht nach Dürfe mit Der Einführung Der zweiten Sprache in Den Unterricht nicht vor dem 9. Lebensjahr Der Schüler begonnen werden. Ein belgischer Vertreter. Dr. O. D rec oly (Brüssel, behandelte Die Schwierigkeiten De« Unterrichts in mehrsprachigen Ländern, wobei er sich auf« psychologische Gebiet beschränkte. Die verschiedenen Faktoren der Sprach- sähigkeiten untersuchte und auf seine Untersuchungen über die sprachliche Begabung der Kinder der besseren Stände aufging. Er bemerkte vor allem, daß Den Knaben Die zweite Sprache größere Schwierigkeiten bereite als Den Mädchen. Ein Schweizer - Th. M o e d l i — aus Dem Kanton Bern sprach von den besonderen Verhältnissen in der Stadt Diel (Bienne). deren Bewohner teil« das Französische, teils das Deutsche als Muttersprache hätten. Das führe zu großen Verwicklungen im Schoße der Familien, wo häufig die Töchter in Die deutsche, die Söhne in Die französische Schule gehen oder umgekehrt. DalD fpvächen Die KinDer unter sich französisch und mit Den Eltern deutsch — Moeckli zitierte Dafür seine eigene Familie —. bald bedienen sich Vater und Mutter zweier verschiedener Sprachen im Verkehr mit Den Kindern, wobei jeder der Gatten seine Muttersprache benütze. Die Folye solcher Zustände ist nach Moeckli ein übermäßiger Gebrauch von Fremdworten und eine groteske Sprachmengerei. ein mangelnder Sinn für Die Reinheit Der Sprachen. Der Kanton Dem lege Wert Darauf. Diese nachteiligen Folgen abaufteilen. Man sei Deshalb zum Entschluß gekommen, Den Beginn Des zweisprachigen Unterrichts in DaS siebente Schuljahr zu verlegen, was einem Lebensalter von etwa zwölf Iahven entspreche. Mit Beifall würbe die Forderung aufgenommen, daß der Unterricht in einer zweiten Sprache erst Dann einsetzen dürfe, wenn der Schüler bereits eine solide Ausbildung in der Mutters prache erhalten hat. (DaS ist eine scharfe Verurteilung Der Sprachendressur In Elsaß-Lothringen. Südtirol usw.. wo von Anbeginn an in Der Fremdsprache unterrichtet wird.) Der dritte DerhandlungStag brachte einen Vortrag des deutschen Teilnehmer-. Studienrat Dr. Henß (Gießen) über .Mundart und Zweisprachigkeit". Er stellte alS eine besondere Form de« Zweisprachenproblem- den Unterricht in Gegenden hin. in denen — besonders auf dem flachen Lande — Dialekte gesprochen werden. Preußen und Hessen haben der Mundart neuerdings im Unterricht größeren Raum zuqemessen. Nach Ansicht deS Redners bedeute die Aehilich- keit der Mundart und des Hochdeutschen noch nicht eine Erleichterung in Der Erlernung Der BilDungssprache: Die Ausschaltung Der Mundart vernichte auch viele Gemütswerte. Bei einem Festessen sprach der luxemburgische Staatsminister B e ch mit inlerejanten Ausblicken in die europäische Geschichte von Der Zweisprachigkeit Luxemburgs. Ähnlich wie in Der Eröffnungssitzung ein luxemburgischer Redner aus die keineswegs einDcut.g günstigen Einflüsse Dieser besonderen sprachlichen Lage auf den luremburgischen Volkschara ter hingemiesen halte, deutete auch er die Nachteile der Zweisprachigkeit an. Gerade deshalb habe man so großes 3nie rette für dielen Kongreß gezeigt. Der auch diesen Zusammenhängen nachspure Professor Bovet (Genf), der Leiter der Tagung, faßte zum Abschluß mit vorsichtiger Zurückhaltung Die vorläufigen Ergebnisse der luremburg.scheu Serotunge i Zusammen. Es habe sich gezeigt, daß das Problem noch wefenllich verwickelter sei als man angenommen habe. Vor allem habe es sich auch gezeigt, daß man ganz verschiedene Formen der Zweisprachigkeit zu unterscheiden habe. .Familienzweisprachigkeit" gebe es da. wo das Kind in einer Familie aufwachse, wo zwei Sprachen gesprochen werden. Die es beide erlernt Als .soziale Zweisprachigkeit könne man den Zustand bezeichnen, wo da- Kind in der Familie nur eine Sprache spreche, aber zum Teil in anderssprachlicher Umwelt lebe, wie etwa beim Spiel eine andere Sprache gebrauche Die dritte Form könne man .Schulzweisprachig'eit" nennen: Da- Kind kenne in Familie und Umwelt nur eine Sprache, erhalte aber in der Schule Unterricht in einer andern. Von Teilnehmern des Kongresses sei diese Dritte Form al« pathologische Zweisprachigkeit verurteilt worden, da hier das Kind in Gegensatz zu feinem gesamten Leben, soweit e- sich außerhalb der Schule abspiele, gesetzt werde. (Diese .pathologische Zweisprachigkeit" ist e«. die in ö 11 a h » Lothringen. Südtirol usw. vom Staatsvolk den sprachlichen Minderheiten ausgezwun- gen wird!) Wenn man heute auch noch nicht abschließend über die Folgen der Zweisprachigkeit urteilen könne, so müsse heute schon auf gewisse Gefahren aufmerksam gemacht werden: .Wir würden e« al« eine Ungeheuerlichkeit empfinden, wollte man ein Kind durch eine Verwaltungsmaßnahme seiner Mutter berauben. so auch seiner Muttersprache! Denn die Laute, die Im elterlichen Hause erklingen, bedeuten unendlich viel für Die Seele de« Kin- deS ..." Ein besonderer Ausschuß des Kongresses wird sich mit der Frage zu befassen naben, welches der richtige Zeitpunkt für d e Einführung der zweiten Sprache ist. Mit Hilfe genau« Fragebogen werden individuelle Fälle zu untersuchen sein. ES sei gelungen, während der ganzen Tagung die politischen Gegensätze Im Hintergrund AU halten. Doch hätten da und Dort einmal doch die Kämpfe zwischen den Forderungen des Imperialismus und Der sprachlichen Minderheiten blitzartig Beleuchtung gefunden. Die Auswirkung dieses Kongresses wird sich erst In Der Zukunft zeigen. Die weitgehende Zurückhaltung Der französischen Presse zeigt jedensallS, daß man noch nicht Da« rechte Stichwort gefunDen hat. um Den Kongreßertrag in eine Rechtfertigung Der eigenen Schul- und Sprachpolitik in den Gebieten fremdsprachlicher Minderheiten (Elsaß-Lothringen, Bretagne usw.) urnzubiegen. Krau Köhl und der Ozeanflug. Die Gattin de« Hauptmann« Köhl, die gemei.u» schaftlich mit ihrer Mutter in einem kleinen Villenvorort Berlin- wohnt, gibt zu dem gelungenen OjeanfluQ der „Bremen" die folgenden Erklärungen: Wlr haben nicht einen Augenblick an dem Gelingen deS Unternehmen« gezweifelt, und waren von vornherein der festen Zuversicht, daß bei all den bi- ins kleinste gehenden Vorbereitungen' und dem unerschütterlichen Mut meines Gatten und seiner Begleiter das Vorhaben nicht scheitern würbe. Erst im letzten Augenblick sind wir von dem Start in 3 rla n b unterrichtet worden und das zuversichtliche Telegramm gab unS die Gewißheit, daß alles nach Wunfch gehen würde. So haben wir denn auch den ganzen Donnerstag und Freitag über trotz Der wenigen Nachrichten, Die al- zuverlässig gelten konnten, zuversichtlich au-geharrt. Der Nord- wir uns im Rücken des Gewitters befanden. Ein nochmaliger kurzer Entschluß: hinein und durch! Der Kompaß allein war unser Wegweiser. Nach bangen Minuten blitzten in Der Ferne Die Lichter von Rostock auf unD dahinter ein roter Schimmer, der von einem Brand herrührte. Der durch Da« Gewitter östlich von Warnemünde entftan- Den war. 3e mehr wir uns Rostock näherten, desto mehr hörte Der Regen auf. und die Sicht besserte sich. Jetzt endlich traten auch Die Scheinwerfer von unserem Flugplatz Warnemünde in Tätigkeit und gaben uns frischen Mut zur Landung. Wie schon so manches Mal waren wir auch heute des Unwetters wegen in Warnemünde nicht erwartet worden. Aber durch Gewitter und Sturm findet der Nachtflieger, der Pionier Der Lüfte, fein Ziel. Siegfried Ochs 70 Jahre aff. Das deutsche Chorwesen schien nach dem Kriege durch Die modernen Bestrebungen musikradikal gesinnter Persönlichkeiten bedroht zu werden: das Wesen der Chormusik in feinen großen Formen von Dem Ungeiste Der atonalen Musik gespeist, sollte durch Die technischen Schwierigkeiten alUu» sehr in den Hintergrund gedrängt werden. Der Hang nach neuen methodischen Mitteln in der gesamten Chormusikpflege stand gegen eine künstlerisch fundierte Tradition der Orchestcrleistung. So kam es, daß der Wert des Gesanges übersehen werden sollte. 3n diese Krise sollte eine Persönlichkeit eingreifen, die durch konzentrierte Meinungsllarheit eindringlich vorbereitend das Sittenlose des musika.i'chen Grohstab'.programms umdeutete. Siegfried Ochs, genial in seiner Chorerziehung, formte seine künstlerische Genialität nach der organisatorischen Seite um und lieh dem durch Die Nachwehen des Krieges entschlafenen Philharmonischen Chor den Chor der akademischen Hochschule für Musik folgen. Der unerbittliche Ernst der Zeit hatte ihm nur scheinbar fein klingendes Instrument aus Der Hand genommen. Die gefestigte Persönlichkeit im Berliner Musikleben. die stärkste Potenz De« selbstschöpferisch gestaltenden Chordirigenten der ReichShauptstadt sollte in allen ihren Tellen von Der Ungunst Der Zeit belastet werden. Doch in dieser Zell der nüchternsten Sachlichkeit und des harten Kampfes um Die Tiefe de« musikalischen 6rfaffens formte Ochs Den Chor Der akademischen Hochschule für Musik zu einem Gan-,en. Dem eS nunmehr zukam. das Traditionelle nicht traditionsgemäß im gleich- bleibenden Ausdrucksstil, aber in eigenster selbst- schopferifcher Gestaltung wieder zur ungewohnten Größe zu heben. Wie der Künstler in frühester Jugend durch starke Arbeitsenergie vom Studenten Der Ingenieurwlsienschasten über di? Chemie zum Musiker. Lehrer und Professor an der Berliner Musikhochschule emporgestiegen war. ist ebenso ungewöhnlich, wie die Leistungen de« in Kürze zu Berühmtheit gelangten HochschulchoreS. Wer die Dachkantate .Wachet auf. ruft unS Die Stimme" beim Berliner Dachsest 1926 unter Professor Ochs gehört hat. wird Die absolute Tiefe Dachscher Kunst in heutiger romantisch-sachlicher Zeit besonders stark empfunden haben. Siegfried Ochs, al« Persönlichkeit des Musiklebens, al« Dirigent weithin bekannt, ist durch sein unglaublich feines Gehör falt gefürchtet, er kennt jede Stimme und empfindet glcichsam mit akademischer Genauigkeit einen falschen Ton. einen heiseren Atemzug. Die Lebensarbeit Siegfried Ochs', die supjettive Dachpflege, ist noch immer im Wachsen. Sein ZO. Geburtstag (am 19. April) soll nur die Musikfröhlichkeit und Jugend de- Künstlers Deuten. K. V. Hochschulnacknchten. Die Wirtschaft«- und Eozialwisienschaftliche Fakultät Der Frankfurter Universität hat Die venia legendi des Prof. Dr. Heinz Marr, Die bisher Soziale Theorie und Soziasiwkitik un- sahte, um das Gebiet Der Soziologie erweitert. — Mit dem Sommerfemester beginnt am Institut für Leibesübungen Der UniversitätF r a n k- f u r t ein neuer merfemeftriger Lehrgang zur Ausbildung von Turn- und Sportlehrern. Die praktische und theoretische Ausbildung bezweckt Die Vorbereitung auf Die staatliche Turn- und Sporllehrerprüfung. Die im philologischen Staatsexamen als Nebenfach angerechnet werden kann. Profeffor Dr. Martin Heidegger in TI a r* bürg hat den Rus auf Den Lehrstuhl Der Philosophie an Der Universität Freiburg L Br. als Nachfolger von Geheimrat Husserl zum 1. Oktober d. 3. angenommen. Der OrDinariu« für öffentliches Recht und Politik an Der Heidelberger Universität, Geheimer Hofrat Pros. Dr. Richard Thomas, hat Den an ihn ergangenen Ruf an Die Universität Bonn zum 1. Oktober 1928 angenommen deutsche Lloyd und einige große Berliner Tageszeitungen haben uns ständig auf dem laufenden gehalten, so daß wir immer unterrichtet waren. Einen persönlichen Bericht der Flieoer haben wir noch nicht erhalten, das ist ja aber auch bei schlechten DerständigungSmöglichkeiten mit Vreenlh Island nicht ander- zu erwarten. 3m übrigen werden wir aller Borau-sicht nach am 19. April mit der „Dresden" nach Reuhork reisen und uni dann selbst erzählen laffen, tote der Flug war. Mein Gatte wird jetzt voraussichtlich einige Wochen in Amerika bleiben, um mit dem Schwefterfluozeug der ..Bremen" die wichtigsten Städte Roroamerikas besuchen. SS besteht durchaus die Möglichkeit, daß er dann mit diesem Flugzeug den R ü ck f l u g nach Deutschland ausfuhrt. Fest stehen dies« Pläne aber noch nicht und ein Programm ist noch keineswegs festgelegt worden. Borläufig müssen die Flieger er st einmal in Reuyork sein und wenn alle Feierlichkeiten und Empfänge beendet sein werden, können erst neue Pläne gefaßt werden. an dur. Herren- unD Knabengarderobe, zeichneten sich :ch musterhafte Ausführung aus. Auch die von Oberheffen. Landkreis Gießen. a Klein-Linden, 17. April. Sin schöner Erfolg war der am Sonntag stattgehabten Ausstellung der Handarbeiten der hiesigen Wädchenfortbildungsschulebe- schieden. Trotz der sehr ungünstigen Witterung war der Besuch, namentlich am Rachmittag, außerordentlich stark. Dem Lehrziel der einzelnen Jahrgänge entsprechend, waren die Arbeiten in bestimmter Reihenfolge aufgebaut. Die Strick- und Flickarbeiten jeglicher Art, besonders den Schülerinnen hergestellte Leib- und Bettwäsche, besonders aber die selbstangefertigten Kleider des ältesten Jahrganges, erregten das größte Interesse. Daß die Schülerinnen auch in die Kunst des Bügelns eingeführt wurden, bewiesen die ausgestellten Arbeiten. Die von der technischen Lehrerin selbst entworfenen künstlerischen Aufzeichnungen einiger Handarbeiten zeigten, tote alle übrigen Arbeiten, daß der Unterricht in besten Händen liegt. H. Großen-Linden, 17. April Am Sonntag hielt die hiesige Spar - und Darlehns- lasse e. D. m. b. H. ihre Generalversammlung ab. Aach der IahreSrechnung und Bilanz hat der Geschäftsgang im letzten 3ahr erfreuliche Fortschritte gemacht. Der Verkehr in laufender Rechnung und auch die Spareinlagen bewegen sich aufwärts. Die Einführung des Scheckverkehrs ist besonders von den Gewerbe treibenden begrüßt und fleißig benutzt worden. Für einzelne Geschäfte besorgt die Kasse den gesamten Geldverkehr. Daß viele Wenig ein Diel machen können, beweist das Kleinsparkassenwesen. Die Schulsparkasse hat im Geschäftsjahr 1927 etwas über 4000 Mk. zusammengebracht, während der Sparkassendiener durch Sparkartenverkauf 9300 Mk. der Kasse zugeführt hat. Die Umsatzbilanz weist in Soll und Haben 703084 Mk. nach. Der Reingewinn beträgt 1436 Mk. Davon wurden an die Genossen 12 Prozent Dividende auf die eingezahlten Geschäftsanteile gegeben, der Rest je zur Hälfte dem Reservefonds und der BetriedSrücklage zugewiesen. Die auS dem Dorstand und Aufsichtsrat ausscheidenden Mitglieder Johannes Velten I., 3ohs. Ceun IX. und 3. FaberI. wurden wiedergewählt. V Mainzlar, 17. Avril. Bei Ausfchach- ^ungsarbeiten an Der hiesigen Kanalisation fand der Landwirt L. Kreiling bei £en Arbeiten zu seinem Hausanschluß einen Lederbeutel mit verschiedenen über 1753ahre alten Geldstücken. Die Stücke sind sämtlich sehr gut erhalten und zeigen nicht die geringste Spur von Rostflecken. Ein Stück in Größe eines früheren Talers mit dem sehr gut ausgeprägten Bildnis Maria Theresias trägt die Jahreszahl 1754, vier weitere Stücke, die auf der Vorderseite einen Löwen mit Schwert, auf der Rückseite verschiedene Wappen vereinigt tragen, das Präaungsjahr 1750, während zwei Stücke, je ein Ein- und Sechs-Kreuherstück. als oberösterreichische Scheidemünzen die 3ahreszahl 1780 und 1794 aufweisen. d Aus dem Busecker Tal, 17. April. Die anhaltende naßkalte Witterung beeinflußt die Bautätigkeit in ungünstiger Weise. An zahlreichen angefangenen und fortgeschrittenen Reubauten können die Arbeiten wegen der durchdringenden Rässe nicht weitergeführt werden, wodurch Arbeiter und Handwerker zeitweise zum Feiern gezwungen sind. Auch in gesundheitlicher Beziehung ist daS gegentoärttge Wetter von großem Rach teil, was die zahlreichen Erkrankungen an Grippe und Lungenentzündung, die leider schon mehrere Opfer besonders unter Jüngeren Leuten gefordert haben, beweisen. Die Landwirtschaft ist in der Feldbeste l l u n g st a r k gehemmt, während die 3m- fer mit Rückschlägen in der S.ttwickluna der Völker rechnen mässen und daourch auch für dieses 3ahr wieder einen Mißerfolg in der Frühjahrstracht zu befürchten haben. 4- Garbenteich, 17. Aprill Bei der Konfirmation am vorigen Sonntag wurden in unserer Gemeinde 14 Knaben und 11 Mädchen elngcfegnct. -r ©rüningen, 17. April. 3n unserem Dorfe wurden am Sonntag in feierlichem ©otteÄ- ölenft 5 Knaben und 8 Mädchen konfirmiert. L Holzheim, 17. April. Am vorigen Somr- tag wurden in unserer Gemeinde in der vollbesetzten Kirche 16 Kinder konfirmiert, und ?war 9 3ungen und 7 Mädchen. Von den 16 Konfirmanden haben 7 ihren Vater im Weltkriege verloren. 3n unserem Filialdorf Dorf- Güll wurden 9 Kinder, und zwar 5 3ungcn und 4 Mädchen, eingesegnet. # jungen. 17. April. Gegenwärtig wird auf dem hiesigen Bahnhof ein Bagger aus- montiert, der auf Raupenschleppern ruht und für die Buderussche Drube „Abend- st e r n" bestimmt ist. Zur weiteren Ausbeutung der Eisenerzlager wurde im vergangenen Winter «in größeres Waldstück abgehetzt. Aus der Grube .KaroluS", die der Firma Man- n e S m a n n, Düsseldorf gehört, ist die neu- Seitlich eingerichtete SisensteinwSscherei seit längerer Zeit in vollem Betrieb. Als Schlammteich dient der tiefe Landeinschnitt im Winkel der beiden Eisenbahnlinien Hungen Friedberg und Hungen—Gelnhausen. Die Grube „KaroluS' verfügt über einen eigenen Bahnanschluß. Früher wurden die Erze der Grube .Abendstern" per Achse nach unserem Bahnhof gebracht und verladen. Zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes werden die 6ue jetzt mit einer Drahtseilbahn vom Grubenfeld über die 3ungviehweide Tiergarten zur eigenen Verladestelle an der Bahnstrecke Hungen—Lau- bach gefördert. — Gestern feierten Heinrich Scherer und Ehefrau Elisabeth daS Fest der goldenen Hochzeit. Beide 3ubilarc erfreuen sich guter Gesundheit und einer verhältnismäßig guten geistigen und körperlichen Rü- stigkeit. Kreis Friedberg. WSR. Bad-Rauheim. 17. April. Seil längerer Zeit beschäftigt sich die hiesige Bad- und Kurverwaltung mit dem Gedanken der 3n- dienststellung eines Laut sprechers für die Konzerte des Kurorchesters. Die Versuche der letzten Tage haben gezeigt, daß die Wirkung dieses Lautsprechers eine außerordentlich nachhaltige ist. 3m weiten Hm frei fe waren die musikalischen Darbietungen aus dem 3nnem des Kurhauses zu hören. * Wohnbach, 17. April. Die Arbeiten an der Wasserversorgung des Groß« schwelkrastwerke sW ö l f e r s he i m schreiten rüstig vorwärts. Die Rohrleitung von der Dbbomquelle des benachbarten Obbornhofen bis in unser Dorf ist bereits gelegt. 3m allgemeinen folgt sie passenden Feldwegen. 51m aber mit der hiesigen Kanalisations- und Wasser- leitungsanlage nicht in Berührung zu kommen, macht der Rohrstrang einen Bogen um das Dors, um nach Durchschneidung der Straße nach Wölfersheim längs des Straßengrabens zum Hochbehälter zu gelangen. Die Gießener Beton- gesellfchaft nimmt eben die FundamentierunaS- arbeiten des über 2000 Kubikmeter fassenden Wasserbehälters vor. Reben tiefgründigem Löß- boden sind teilweise starke Felsmassen zu sprengen. DaS Gelände wurde von hiesigen Grundbesitzern durch die „Hesrag A.-G." zum Preise von 2.65 Mark zum größten Teile käuflich erworben. teils auch gepachtet. Da es sich in der Flur „Am Höchsten", wo der Hochbehälter errichtet toirb nicht um erstklassigen Boden handelt, müssen Kauf- und Pachtpreise als sehr hoch bezeichnet werden. OO Aus der Wetterau. 17.April. Auch in diesem 3ahre ist wieder der Kiebitz in die Riederungen der R i d d a und Wetter zurück- gekehrt. Man erkennt ihn an seinem von Purzelbäumen unterbrochenen Fluge und 'an seinem lustigen Rufe „Kiwitt". Die Llbnahme des Vogels in unserer Gegend ist auf das Zerstören der Gelege, das selbstverständlich verboten ist, zurückzuführen. OO Aus dem Niddatal. 17. April. Der anhaltende Regen hat die Ridda und ihre Rebenflüsse zum Anschwellen gebracht, so daß das Wasser teilweise die Wiesen überschwemmt. 3n den fruchtbaren tiefer gelegenen Wiesen wächst infolge der fast andauernden Ileberschwemmung immer mehr saures Sumpfgras, was die Qualität des Heues sehr heräbsetzen wird, da die süßen Gräser im Wasser absterben. KreiS Büdingen. * Ridda. 17. April. 3m Gasthaus ..Zur Krone" fand geftem die diesjährige Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Ridda statt. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde war Kreisdirektor Dr. G a ß n e r von Büdingen erschienen. Nachdem der Direktor der Kasse, Rektor G a ö e r t, die Erschienenen in herzlichen Worten begrüßt hatte, erstattete er über das abgelaufene Geschäftsjahr den Rechenschafts- bericht. Rach diesem und dem Ergebnis der Rechnung war der Geschäftsverkehr der Kasse im letzten 3ahre recht günstig und zeigte eine stete, solide Aufwärtsbewegung. Die Spareinlagen nebst kapitalisierten Zinsen betrugen 571401,60 Mark, die Einnahmen im Scheaverkehr 4 330 905,03 Mark und dieSumme aller Einnahmen 7837524,67 Mark, denen 7 797 223,05 Mark Ausgaben gegenüberstehen. Die Bilanz vom 31. Dezember v. 3. ergab ein Vermögen von 1 556 114,83 Mark und einen Reingewinn von 11900,75 Mark, wovon einigen gemeinnützigen Anstalten und Einrichtungen des Bezirks ein Teil überwiesen wurde. Der Rest wurde dem Aufwertungs- und Rücklagefonds zugeteilt. Die Zahl der Sparkassenbücher betrug 1757 Stück und hat im letzten 3ahre um beinahe 500 Stück zugenommen. Auch die Girokonten haben sich um 28 vermehrt und betragen 397. 3nteressant ist die Verteilung der Spareinlagen nach ihrer Höhe. Einlagen bis 100 Mark haben 603 Einleger, bis 500 Mark 651 Einleger, bis 1000 Mark 268 Einleger, von 1000 bis 5000 Mar? 215 Einleger, ton 5000 bis 10 000 Mark 20 Einleger. Die Rechnung und einige Satzungsänderungen wurden genehmigt. Reuwahlen waren diesmal nicht erforderlich. Mit Dankestoorten an die Auffichts- und Vorstandsmitglieder schloß der Vorsitzende die einmütig verlaufene Versammlung, der u. a. noch in erstaunlicher Rüstigkeit der langjährige Geineindevertreter Emil Fritz von Langd im Alter von 83 Fahren mit großem 3nteresse gefolgt war. △ Ridda, 17. April. Der Zweckverband Ri d d a - 51 l f a kaufte gestern einen dritten Wagen, der für die Autvstrecke Ridda — Wal- lernßaufen — Fauerbach — Schwickartshausen — Unter- und Oberlais — Michelnau — Ridda bestimmt ist. Es ist ein Dreißigsiherwagen von der Firma Venz. Die neue Strecke weist einen so starken Verkehr auf. daß bereits öfters Doppel- führten von den letzten Stationen gemacht werden mußten, um die Personen alle zu befördern. — Am Weißen Sonntag gingen in der hiesigen katholischen Kirche 9 Kinder, 4 Knaben und 5 Mädchen, zur ersten heiligen Kommunion. Die Feier wurde durch Diolinspiel des 3ustizoberinspektors Dapper von hier, und durch feierliche Chöre des unter seiner Leitung stehenden KirchenchorS der katholischen Gemeinde verschönt. KreiS Schotten. □ Saubach, 17. April. Rach dem neuen Voranschlag der Stabt Laubach hat die Stadtverwaltung verschiedene wichtige Ausgaben in Aussicht genommen. 3n erster Lime steht die Durchführunng der Kanalisation, toosür 50 000 Mark ausgenommen werden sollen. (Eine spätere Ausgabe, die sich hieran anschließt, ist die S t r a ß e n p f l a st e r u n g . die mit Kleinpflaster ausgeführt werden soll.' Weiter soll ein Wasserbehälter errichtet werden, für den 15 000 Mark vorgesehen sind. Zur die Anlage der Badeanstalt sollen Mark ausgenommen werden: für das Krankenhaus hat man 1000 Mark ZinS- I aarantie vorgesehen. Als Beitrag zurReal- schule werden 9000 Mark, als Reueinlage für das Kriegerdenkmal 1500 Mark, für Den Ortsbauplan 1000 Mark eingesetzt. Die Haupteinnahmen der Stadt werden durch die Waldungen erzielt: im vorigen 3ahr beliefen sie sich auf rund 80 000 und erhöhen sich in diesem 3ahr auf 90 000 Mark. Die Kosten der Waldungen beliefen sich im Vorjahr auf 49 250 Mark, in diesem auf nur 43 980 Mark. Die Einnahme aus der Wasserversorgung wird auf 8560 Mark berechnet. Die Ausgaben hierfür belaufen sich auf 5628 Mark, worin der Erneuerungsfonds von 2500 Mark einbegriffen ist. Für die Unterhaltung der Straßen sind 7900 Mark vorgesehen. Die Gemeindeumlagen erhalten sich auf der Höhe von 10 000 Mark. Der neue Voranschlag sieht insgesamt eine Einnahme und Ausgabe von 162 789.38 Mari vor gegen eine solche von 159 604.37 Mark im Vorjahre. Kreis Alsfeld. =r. Ober-Ohmen, 17. April. Wie verlautet. sollen in diesem 3ahre größere Flächen versumpften Gemeindelandes mit Weiden bepflanzt werden. Eine andere Rutzung dieses Landes ist nicht zu erwarten. ck. Aus dem Ohm tal, 17. April. Der Arbeitsausschuß für das Bahnproj ekt Mücke-Fulda hat dieser Tage ein Schreiben an die interessierten Gemeinden gerichtet, in dem ersucht wird, zur Deckung Der Dordere i t u n g s k o st e n einen Beitrag von 10 Pf. je Kopf der Einwohnerzahl au übernehmen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, einen erweiterten Ausschuß einzusetzen. in dem jede Gemeinde entsprechend ihrer Einwohnerzahl vertreten fein soll: auf je 300 Einwohner soll ein Vertreter entfallen. * Schadenbach, 17. April. Dieser Tage wurden durch den stellv. Dezirkspräsidenten des Bezirks Homberg der .Hasfia" A G e m m e r hier den Kameraden im Vorstand Kirch. Molchior, Erb und ®emm er die für ißre 25jährige Mitgliedschaft vom Präsidium der Kriegerkameradschaft „Hassia" verliehenen Ehrenurkunden überreicht. Gleich- -eittg wurden den Kameraden Müller II., Michel und 3. Schlosser für 25jährige Mitgliedschaft Ehrenurkunden vom hiesigen Kriegerverein verliehen und durch Demmer übergeben. als Ansporn für die anderen Kameraden, die gleichen Ehrenurkunden zu erlangen, die in künstlerischer Ausfertigung gehalten sind. Kreis Lauterbach. K O b e r - M o o s, 17. April. 3n dem Wohnhause des 'Landwirts 3 ä g e r dahier brach gestern abend 8 Uhr ein Schadenfeuer aus, dem das ganze Anwesen in kurzer Zeit zum Opfer fiel. Der Feuerwehr gelang es, mit Unterstützung der Wehren von Riedcr-Moos und Gunzenau, ein 51ebergreifen des Feuers auf die Rachbarhofraiteni zu verhindern. Die vor einigen Fahren gebaute Wasserleitung erleichterte die Löscharbeiten. Die betroffene Familie ist gegen Mobiliarschaden nicht versichert. Es wird Kurzschluß Der def- irischen Anlage vermutet. $ Eichelhain, 17. April. Gemeinderechner Döring, der fein Amt 42 3ahre lang mit großer Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue zur Zufriedenheit der Gemeinde und seiner Vorletzten verwaltet hat, ist im 75. Lebensjahre gestorben und wurde gestern unter Anteilnahme Der ganzen Gemeinde zur letzten Ruhe bestattet. Gin Beamter deS Kreisamts und die Kollegen der Rachbarorte gaben dem Dahin- geschiedenen das letzte Geleit. Pfarrer Geling hielt eine ergreifende Trauerrede, Bürgermeister Schaaf legte im Ramen der Gemeinde einen Kranz an dem Grabe des Heimgegangenen nieder. Preußen. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar. 17. April. Ein geriebener Gauner hat hier in den letzten Tagen mehrere Leute hereingelegt. Er erschien bei einer Familie, stellte sich als Assessor Dr. Hellwig vor, aus Frankfurt a. M. an das Amtsgericht Wetzlar verseht, und wußte dadurch. Daß er mit Den heimatlichen Verhältnissen Der Ehefrau vertraut schien, sich das Vertrauen zu erwerben Man war ihm behllslich im Aufsuchen von Woh- nungen, hals ihm mit Geld. Kleidung. Wäsche usw. aus. Bei zwei allen Damen nahm er Wohnung. lebte ganz großzügig, lieh 'sich von seinem Ztrnmergenossen 50 Mark und dessen Schuhe, wollte sich auf dem Gericht vorstellen und — verschwand. Die Polizei sucht ihn und warnt vor dem Betrüger, Der seinen Trick wahrscheinlich auch anderwärts probieren wird. xx Krofdorf. 17. April Für den Beginn des neuen Schuljahrs sind diesmal aus Krofdorf-Gleiberg 47 Kinder angemelDet. Die Gesamtschülerzahl Der sieben Klassen betrug bis- &er 267. wovon zu Ostern 37 entlassen wurden. Wir haben auch hier für Die Folge mit einer steten Zunahme Der Schülerzahl zu rechnen, ja Die unteren Klassen sind geradezu überfüllt. Da die in Der Schulstraße gelegene alte Schule infolge Der Wohnungsnot mit mehreren Familien besetzt tourDe, so fehlt es hier notgedrungen an einem Lehrsaal. <> OlleDerrieen. 17. April. 3n Diesem 3aßr wurden hier sieben Konfirmanden, und zwar drei Knaben und vier Mädchen aus der Schule entlasten. — Einen Verga'ser- branö erlitt auf Der hiesigen OrtSstraße ein Personenauto auS Köln. Der Brand hatte schon einen solchen Umfang angenommen. Daß das ganze Auto ernstlich gefährdet war. Mit Hilfe einiger Ortseinwvhner konnte er durch tatkräftiges Zugreifen zum Ersticken gebracht werden. Das Auto mußte nach Butzbach in eine Reparaturwerkstätte abgeschleppt werden. — Die Grippe hat in der hiesigen Gemeinde eine außerordentlich starke Verbreitung angenommen: ganze Familien liegen krank darnieder. Auch be- sonderS Kinder im noch nicht schulpflichtigen Aller sind von der Krankheit betroffen. Die aber bisher einen verhältnismäßig guten Der- lauf genommen hat. Todesfälle waren erfreulicherweise biS jetzt nicht zu verzeichnen. 1 Groß-Rechtenbach. 17. April. Oberland- jager B a r t e 11 von hier und Oberlandjäger Kroll von Niederkleen sind zu Landjägermeistern befördert worden. Kreis Biedenkopf. * 'Rodheim a. d. B i eb er. 17. April 3n einer Versammlung, die dieser Tage hier ftatt- fanD, hat sich eine Anzahl bürgerlicher Wähler Rücktritt des Präsidenten der rSoffia*. WSR. Darmstadt. 17. April. Generalmajors a-D. Frhr. v.Preuschen gibt im .Hessischen Kamerad" bekannt. Daß er infolge seiner Aufstellung als KanDidat zur Reichstagswahl sein Amt als PräsiDent der Ärieger- kameraDschaf t .Hasfia" nie De r leg e. 3n Gemeinschaft mit Oberregierungsrat Lindenstruth- Darmstadt wird Med^inalrat Dr. Vogt- Butzbach während des 3nterregnumS Die Führung Der .Hassia" übernehmen. Freiherr von Preuschen ist von der Deutschnattonalen Volkspartei um Uebernahme einer ReichstagS- fanDiDatur gebeten worden. Aus dem hessischen Sängerbund. WSR. Darmstadt. 16. April. Heute nachmittag tagten im Bahnhofshotel Die (Sau- Vorsitzenden und Gauchormeister des hessischen Sängerbundes Der Provinz Starkenburg. Rach BegrüßungSwor- ten des Provinzialvorsihenden W. Mitze - Darmstadt übernahm Der zweite Vorsitzende Mos- berger- Offenbach den Vorsitz. Zum P r o - vinzialchormeister wurde Musikdirektor Specht» Frankfurt, und zu seinem Stellvertreter (zweiter Chormeister) Musikdirektor Dö - b e r t - Bensheim gewählt. Die beiden Herren treten nunmehr in den Musikausschuß des hessischen Sängerbundes ein. Gemäß Antrag wurde beschlossen, bei den zuständigen Stellen dahin vorstellig zu werden, daß bei Abhaltung reiner Konzerte (im Gegensatz zu vergnügungssteuerpflichtigen Veranstaltungen) eine 2efreiung von der Umsatzsteuer erreicht wird. 3n der nächsten Rümmer der Bundeszeitschrift sollen die Sonderzüge zum Deutschen Sängerfest in Wien bekanntgegeben werden. Rach eingehender Aussprache wurde Dann die Reueinteilung Der Provin- Sen. Gaue und Der dazu^hörenden Vereine gebilligt 3n dem neubearbeiteten ..Führer durch den Hessischen Sängerbund" sind der gesamte Aufbau und Die Satzungen des Bunde« nebst den Vereinen vollständig enthalten. Die Tagung der Provinzialchormeister befaßte sich mit Wusckfragen. Heinz Bongarh erster Kapellmeister in Bad-Aauheim. <2 Vad-Rauheim. 17. April. Zum Leiter des staatlichen Kurorchesters unter der Amtsbezeichnung Generalmusikdirektor wurde Heinz Bongarh, der erste Kapellmeister Der Meininger Landeskapelle. verpflichtet zunächst für die Zeit vom 1. Mai bis September dieses 3ahres. Er wird die Leitung der Sinfonie- und Künstlerkvnzerte übernehmen und außerdem mehrmals wöchentlich die Terrassen- konzerte dirigieren. Als zweiter Kapellmeister bleibt wie seither Musikdirektor Raue im Amte. Bongarh ist in Krefeld geboren und jetzt 34 3ahre alt Seine erste Ausbildung verdankt er Dem Krefelder Konservatorium 3n den verschiedensten Stellungen als Dirigent, so in Düren (Städtische Oper). München-Gladbach (Oper), Berlin lSin- fonieorchester), verschaffte sich Der Künstler einen ausgezeichneten Rus. Seit 1926 war Bongarh Leiter Der Meininger LanDeskapelle. im Hinb'ick auf die kommende GemeinderatS- w a h l für die Errichtung einer bürgerlichen Wahlgemeinschaft ausgesprochen. Die Wahlgemeinschaft will am nächsten Sonntag in einer weiteren Versammlung auf dem Äatßaufc einen geschäftsführenden Ausschuß einfeßen, dem die Vorbereitung einer gemeinsamen bürgerlichen Liste für die Gemeindewahl obliegen soll. Für den Zusammenschluß dieser Wahlgemeinschaft ist eine Deitragsleistung nicht geplant. Kreis Mr bürg. ][ Warburg. 17. April. Der Direktor des Pharmazeutisch-chemischen llniversitäts-InstitutS, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. 3ohannes G a d a m e r, ist im Alter von 61 3ahren gestorben. Der Verblichene, der in Waldenburg in Schlesien beheimatet war, hat sich in Marburg 1897 habilitiert, 1902 übernahm er den Lehrstuhl für pharmazeutische Chemie in Breslau und kehrte 1919 nach Marburg zurück. 3m Jahre 1921 22 bekleidete er hier das Rektorat Der Gelehrte, einer der bekanntesten Vertreter seines Fachs, war Mitglied verschiedener wissenschaftlicher CDefclI- schaften und Ehrenmitglied des DsAtstj^n Apo- thekervereins. Briefkasten der Nedattion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) R. h. h. Das Verschließen Der Haustüre, z. B. zum Schuhe gegen Diebstahl wahrend Der Abwesen- beit Der Bewohner, ist eine Maßregel, gegen Die sich niemand beschweren kann. Macht aber Der Hausherr oDer ein Mitbewohner aus der Sicherungsmaß- nahme eine Schikane, |o fteht Dem Belästigten ein Klagerecht auf Deren Unterlalfuna zu. E s i ft D a • von auszugehen. Daß D i e Haustüre währenD Der üblichen Derkehrszeit offen zu halten ist. Dem Zeitungstrager, Den fein Beruf zu Dieser Zeit in Das Haus führt, kann keinesfalls Der Zutritt verwehrt oDer durch Tür- abfchließen versperrt werDen. Treppenbcleuchtung in TB. Eine Rechtsbestim- mung, Die einem Hausherrn, Der eine Wohnung in feinem Haufe vermietet, Die Verpflichtung auferlegt. Die Zugänge zu Den Mietwohnungen (Treppen) an Abenden während Der allgemeinen Derkehrszeit zu beleuchten, besteht nicht. Dagegen steht Die Rechtsprechung auf Dem Standpunkt, daß der (Eigentümer, Der Mitbewohner aufnimmt. Die Pflicht hat. Daß bet Dem von i h m herge st eilten Verkehr anDere Durch Die Anlagen feines Houses keinen SchaDen erleiden. Hiernach kann mch Paragraph 823 Des Bürgerlichen Gesetzbuches eine schadenserfatzpfUcht gegen Den (Eigentümer begründet werden. MitverschulDen Des Geschädigten kann Doniegen. 2. Ihre zweite Frage, ob Der Hauseigen, tumer haftpflichtig gemacht werDen kann, wenn ein Mieter nicht beleuchtet hat, obwohl Treppenbeleuch. tung angelegt ist, läßt sich ohne genauere Schilde- rung Der Sachlage unD Der etwa mit dem Mieter getroffenen Vereinbarungen nicht beurteilen. 3. Der Hauseigentümer kann sich gegen Sach- und Per- sonenschäden Durch Abschluß eines Hastpflichtoer. stcherungsverttags schützen und gegen vertragswidri- gee Verhalten eines Mieters Durch Klage gegen diesen. Wirtschaft. Str englisch - ameritanlffie jinantfomern. Di« von Sir Hlfr* Mond dem Vorsitzenden bet venocüruna»rotes der Imperial Chemical In- buftrit» angstlmdigte Bildung eine» neuen englisch • amerikanischen Finanzkon - ieros ist dos Tagesaespräch in der Londoner lty und hat in europäischen und vor allem auch m den führenden deutschen Dirtschaststreisen weitestgehende Beachtung gefunden. Die Gründung dieses gewaltigen Trulls ist durch den genormten engst- Idyt-n Fmanzmpt und die Chase Seturiln Korporation in Neuyort erfolgt: do auf englischer Seite nur her Chemie-Trust beleiSgt ist. der zudem als ein Überlapttotiftertes Unternehmen bezeichnet wer- dm muh. so kann man zunächst auf den Gedanken kommen, daß die Gründung im besonderen Inter- e*k der englischen Chemieinduftrie vor- genommen worden ist. Dies scheint jedoch nicht der Sali yi sein, denn nach den Kommentaren der eng- lichen Presse und nach den (Frfiärungen Sir Äl- frei. Monds, der al» der geistige Schöpsrr diese» Kwolügen Finanztrusts bezeichnet werden muh, ist ! Gründung al» der Anfang einer Entwicklung anzusehen, welche für die Gruppierung nicht nur der internationalen Chemieindustrie, sondern Darüber hinaus anderer wichtiger Industriezweige, so der Ersen- und Stahlindustrie, der Radioindustric, der ÄobleninDuftrie von aroher Bedeutung locr- den kann. Die Gründung des Unternehmens stellt sich als ein einzigartiges Ereignis in der Wirtschaftsgeschichte dar, und die Flamen der internationalen Finanziers, die hinter der Gesellschaft stehen, lassen erkennen, dah es sich um ein Unternehmen handelt, daS auch die vitalen Interessen der deutschen Eisen- und Stahlindustrie berührt. Sir Alfred Mond wird in seinen Bestrebungen auf Zusammen- sassung und Vereinheitlichung in der finanziellen Struktur der englischen Industrie, mit anderen Worten als der Förderer der RationalisierungS- bewegung in organisatorischer Hinsicht, von der die englische Industrie bisher noch wenig zu spüren bekommen hat, in England als der deut ex machina betrachtet ES ist allgemein bekannt, dah die englische Wirtschaft nicht in der Lage ist, au» sich selbst heraus die groben finanziellen Mittel für eine weitgehende Rationalisierung (und Rationalisierung kostet viel Geld) bereitzustellen. und infolgedessen ist cS als ein Zeichen europäischer Wirtschaftsentwicklung zu werten, wenn Amerika bei einer so gewaltigen Gründung die Rolle deS Geldgebers übernimmt, da nun einmal der Kapitalstrom nur in einer Richtung, und zwar von Amerika nach England flieht. Hinter dem neuen Konzern, dessen vorläusigeS Äapital sich aus rund 2 Millionen Pfund Sterling stellt, steht eine Kapitalmacht von nicht weniger als 10 Milliarden Goldmark, und diese Summe läßt sich natürlich auf dem Kreditwege vervielfachen, so dah tatsächlich unbegrenzte Summen in einer Form, wie sie die Wirtschaftsgeschichte noch nicht aufzuweisen hat. für die Zwecke der Gesellschaft zur Derfügung stehen. Die Gesellschaft wird zunächst als Investement Trust arbeiten. Es liegt jedoch aus der Hand, dah sie sich allmählich im Laufe der Zeit xu einer Holdin^Gesellschaft auswachsen muh. die ihren Sinsluh nicht nur auf englische Industriegruppen, sondern darüber hinaus auf die anderer Länder Europas und der Bereinigten Staaten ausüben wird. Somit zeigt sich in der Gründung ein weitere» wesentliches Zeichen für die Tendenz der erzeitiaen WirtfchaftSentwicklung, die dahingeht. die Rivalität der einzelnen Lander mehr und mehr auSzuschalten. Die zunehmenden Kapital-Investierungen amerikanischer Finanzier- ausserhalb Amerikas, auf dem europäischen Kontinent, finden damit einen besonders starken Riederschlag, der sich au- der Konzentration so grober Kapitalsummen ergibt. Absatz- und Bezugsgebiete Deutschlands in 1922. Das Jahr 1927 hat zwar eine starke Zunahme der Passivität deS deutschen Außenhandels gebracht. jedoch zeigt daS Gesamtvolumen der (Sin- und Ausfuhr in den letzten Jahren eine erfreu- liche Besserung, so dab man gcwissermahen von einem groben Zug in der Entwicklung de» deutschen ÄuhenhandelS sprechen kann. Rachdem jetzt die Ziffern deS Statistischen ReichSamts über den Handelsverkehr Deutschlands mit den ^uptsächlichsten Bezugs- und Absatzländem der Welt vorlicaen. labt sich erkennen, dah der deutsche Auhenhandel im Jahre 1927 in Europa nicht unerhebliche Fortschritte gemacht hat. Im Rahmen der Austen- handelSbewegung des gesamten Europas scheint es sogar, als ob Deutschland mit der Steigerung seiner Zohlen mit an erster Stelle unter de , europäischen Ländern steht. Unter den Bezugsländern Deut chtands stehen die Bereinigten Staaten von Amerika an erster Stelle, und zwar wurden hauptlächlich Baumwolle, AahrungS- und Genust- mittel bezogen. Den zweiten Platz nimmt Argentinien auch haupt'ür)lich im Be»uae Deutschland» von RahrungS- und Genuhmitteln ein Die Linsuhr auS dem französischen Zollgebiet steht im vergangenen Jahre zum ersten Mal vor Grobbritannien an dritter Stelle Für die Absatzländer deutscher Erzeugnisse ergibt sich folgende Reihenfolge. An erster Stelle Grobbritannien sodann die Rieder- lande. die Bereinigten Staaten von Amerika, unter Einbeziehung der ReparationSsachliese- rungen, die französische Zollunion und an fünfter Stelle die Tschechoslowakei. • Weitere Golbkäuse der ReichS- b a n k. Die Reichsbanl Hal seit Mitte März Doldkäufe im Betrage von rund 100 Mill, getätigt. Wie wir erfahren, find inzwi chen weitere 50 Mill, gekauft worden * Holländis cher Auftrag für die deutsche Lokomotivenindustrie Wie WTB.-HandelSdienst erfährt, ist von der holländischen Regierung der Aullraa für den Bau von zehn Lolomotiven der deutschen Lokomotiven- mdustrie zugefallen, da sich die von deutscher Seite geforderten Preise billiger stellten. Dem Vernehmen nach fallen von dem Auftrag fünf Lokomotiven an die Hohenzollem A.-G. für Loko- motivbau, Düsseldorf, und fünf an die Berliner Maschinenbau A.-G vormals L. Schwarzkopf. • Unveränderte Roheisenpreife. Der Roheisen-Berband hat den Berkaus für den Monat Mai zu unveränderten Preisen ausgenommen. Auch die Zahlungsbedingungen Haven keine Aenderung erfahren. • Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft A.-G. Der Aufsichtsrat der Deutschen Ei'enbohn- Vesellschaft A -G . Frankfurt a. M.. beschlob. auS dem Reingewinn für 1927 in Höhe von 747 530 Mark (i. B. 674 835 Ml.) wieder 6 Prozent Dividende auf die 5000 Ml Borzugsa tien und 9 Prozent (i. B. 8 Prozent) auf die in Umlauf befindlichen 7 403 400 Ml. Stamma'.tien in Vorschlag zu bringen. Generalversammlung am 22. Mai. • D i e Finanzierung der Rufsen- g e s ch L f t e. Die Isago (Industrie-Finan- zicrungs-A.-G. Ost), die znm Zwecke der Diskontierung langfristiger Wechsel gegründet wurde, die unter der AuSfallbürgschast von Reich und Ländern auf die russische Handelsvertretung gezogen sind, legt jetzt ihren Geschäftsbericht vor. Dieser gewährt einen interessanten Einblick in daS Russengeschäft überhaupt und seine Finanzierung. Danach ist der bekannte 300-Willionen- kredit um 60 Millionen Mark überschritten worden. für die da» Reich auch die Ausfallbürgschaft übernommen hat. Ende September 1927 hat daS Konsortium für da» Rufsengeschäst feine Bewilligungslisten geschloffen. Die Zahl der behandelten Kreditanschläge stellte sich im deutschen Konsortium auf rund 600, im holländischen auf rund 500. Die Anzahl der mit der 3fago arbeitenden Lieferfirmen, die von ihr bei den Lieferungen finanziert werden, beträgt 382. Don den zugesagten Krediten sind biS zum Iahrcs- schlust 1927 110 Millionen Mark flüssig gemacht worden. • Bereinigte Kunstseibefabriken A. - G. Frankfurt a. M. - K e l st e r b a ch. Die Gesellschaft legt vor der Fusion mit Öen Elberfelder Bereinigten Glanzstoff-Fabriken ihren letzten Abfchlub vor. Bei 749 264 (454 909) Mk. Abschreibungen verbleiben 278 495 (19 700) Ml. Reingewinn, woraus die Dividendenzahlung mit 8 Prozent wieder ausgenommen wird. Rach dem Bericht konnte mit Unterstützung der Bereinigten Glanzstoss A.-G. die Qualität verbessert werden. ^Rinbermarff in Gießen. Der gestrige Rindviehmarkt in (Sieben war mit 661 Stück Großvieh und 221 Kalbern beschickt. Der Handel war ziemlich flott, so dah gegen 11 Llhr schon der Marktplatz geräumt war. Bezahlt wurden für Kühe 1. Qualität 550 bis 650 Mk.. 2. Qualität 300 bis 450 Ml . 3. Qualität 150 biS 250 Mk.; Rinder, ein- bis zweijährig 100 biS 250 Mk.; Kälber 55 biS 70 Pfennig das Pfund Lebendgewicht. Aranlsnrtcr Börse. Frankfurt a. M. 18. April. Tendenz zurückhaltend. — Wie schon an der gestrigen Abendbörse, wurden zu Beginn des heutigen Börsenve^ehrs seitens der Spekulation einige DeckungSkäuse vorgenommen, da gestern auf verschiedenen Märkt-n Material vor- g.geben wocdc.r war Andrrse.ts kam die osfen- bar ängstlich geworden« Kundschaft verschiedentlich mit Verkauf sorders an den Mar.t io dah die Kursgestaltung uneinheitlich war. überhaupt war eine gewisse Un- s. cherhrit in der Stimmung nicht zu verkennen Der ReichSdankauSweis, der die enrortete stärkere Entspannung gebracht hat. wurde zwar günstig au*genommen, konnte jedoch keinen nachhaltigen Sinsluh auf die Stimmung aus üben. Die Um|a6tätiglcit bewegte (ich wieder in aubervrdenUich engemRahmen. Bei den ersten Rotierungen hielten sich öle KurS- befscrungen und -Verluste im AuSmahe von etwa 1 bis 2 Prozent die Daaa«. Am Chemie- markt eröffneten 3.-®.-öarben 1 Prozent schwächer. Auch Scheideanstalt leicht gedrückt. Goldschmidt konnten sich aber 2 Prozent erholen. Am Slektromarkt düstten Oeffürel 1.5 Prozent ein. während Lahtneyer 3.5 Protzent an- zogen. Sonst blieben die Werte knapp behauptet. Montanwerte hatten aubetotöent- llch stilles Geschäft, wobei nennenswerte Kursänderungen kaum eintraten. Gelsenkirchen verloren 1 Prozent Don den Zellstosswerten gewannen Aschaffenburg 1 Prozent, Waidhos 2 Prozent. Deutsche Erdöl eröffneten 1 Prozent niedriger, RütgerSwerke behauptet. Schifffahrt-werte waren wenig verändert. Deutsche Anleihen lagen etwa- ab- aefchwächt. Don AuSlandrenten waren Serben gefragt. Im Freiverkehr lagen amerikanische Kunstseidewerte weiter fest Amerikanische Inka 70,5 Dollar Geld. 3m weiteren Berkaus schwächte sich die Tendenz allgemein ob. Al- Grund dafür wurde die Befürchtung angegeben, dab auf der Tagung deS Deutschen Industrie- und 5)andelStageS peffimisti'che Reden zu erwarten feien. I.^^Farben verloren 2.5 Prozent. TageSgeld war zu 6.5 Proz. etwa- leichter. Am Devisenmarkt zog daS Pfund stärker an. Reichsmark gegen Pfund 20,431. gegen Dollar 4.1816, London Kabel 4.3875, Pari- 124,02. Mai- land 92.50. Madrid 26.06. Holland 12 1010. öerlinc. Börse. Berlin. 18. April. Die Entwicklung der Kursbewegung im heutigen BormittagSverkehr war etwa folgende: Der ReichSbankauS- weiS vom 14. d. M. brachte eine stärkere Entlastung (Wechsel- und Lombard-Abnahme rund 387 Millionen und Verminderung der Roten um 414 Millionen, Zunahme an Geld um 59 Millionen und Besserung der Deckung mit 6 biS 7 Prozent zirka) und war angeblich schon bekannt. Hieraus fetzten sich die Kursbesse- rungen. die schon gestern abend in Frankfurt eingetreten waren, zunächst weiter fort. Dann machte sich Abgabeneigung geltend, da man wissen wollte, dah die der Schwerindustrie nahestehende Presse vor einer Haussebe- weaung warne, da diese bei Öen zunehmenden Lohnbewegungen unbequem werden könnte. Für heute abend wird ein in diesem Sinne xibgt» sahter Artikel erwartet. Die ersten Rv- ticrungcn waren dann wieder fester gegen Mc vorbörslichen Taxen, und gegen gestern mittag erheblich erhöht. DaS Geschäft war aber eingeschrumpft, und die schon, feit mehreren Tagen bestehende lustlose Stimmung hielt an. Wie immer, wenn kein« größere Beteiligung von außenstehender Seile vorhanden, schwankte die Kursgestaltung ganz erheblich. Spezialwerte zeigten Gewinne bis zu 7 Prozent. Für Kunstseideaktien regte die seste Haltung der amerikanischen Werte an. Zellstoff- aktien, Dessauer Gas, Polyphon, Oberkoks, Rheinische Braunkohlen, Lahmeyer, Kalipapiere, Berger, Deutsche Atlantische, Transradio usw wurden lebhaft bevorzugt. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer still. Mexikaner bis 1 Prozent schwächer. Bosnier und Serben fester. Pfandbriefe geschäftsloS. Farbenbonds 145 biS 146 Geld, werter leicht. Tagesgeld 4,5 bis 6,5 Prozent. Monatsgeld 7,25 biS 8.25 Prozent. Warenwechsel 6.9 bis 7,5 Prozent etwa. Zunächst, unter Bevorzugung von Spezialwerten, wurde die Stimmung allgemein fester. Polyphon. Trans- raöio und Deutsche Atlantische tonnlcn bei lebhafteren Umsätzen weitere 3 bis 5 Prozent gewinnen. Im Verlaufe wurde das Geschäft einheitlich schwächer. Auch die bei diesen Werten erzielten Gewinne gingen meist wieder verloren. frankfurter <*ktrc:D:börfc. Frankfurt a. M., 18. April. Infolge her schwächeren Auslandnotierungen verkehrte der hiesige Prodiiktenmarkt in stiller Haltung. Die Preise blieben aber durchweg gut behauptet. Umsätze wurden nur in geringem Umfange getätigt. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gefunö, trocken, bis zu 1 v. f). Auswuchs, 27,50 Mark: Roggen 29,50; Hafer, inländischer, 27,50 bi» 28,25. Mai» (gelb) fttr Futterzwecke 24 bi» 24,25; Mais (gelb) für andere Zwecke 25 bi» 25,50; DeiHenmctzl, süddeutsche», Spezial 0, 38^0 bi» 39,^0. MOf.genmet)! 39 bi» 40,50; Weizenkleie 15,25. '.Roggentitle 16,25 bi» 16,50. Tendenz fest. Kunst und Wissenschaft. Wiederverleihung bei S.-b.-Meber-PretseS. Rachdem die Senckendergtsch« naturforschende Gesellschaft in Frankfurt a. M. ihre alte Tradition, verdiente Forscher durch Verleihung einer silbernen Medaille auSzuzeichnen, wieder aufgcnommen hat. wurde aus d.'r Tagung der Deutschen Anatomischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. zum ersten Male wieder der E.-v. -Meyer-PreiS verliehen Preisträger ist Prof. Dr. Walter Vogt. München. Der Preis, der zur Erinnerung an Hermann Meyer, den bekannten Züricher Anatomen gestiftet wurde, wird für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Anatomie verliehen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. *Da»LmtvoerkündiaungsblattNr. 28 vom 17. April enthält: Reichetagswahl 1928. — Ltratzensperrcn-Aufhtbung. — Wahl eine» Ersatz- Mitglieds des Provinzialausschustts. — Dienftent- laffung von (Biineinbebfamkn. — Die zur Entlassung kommenden Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen. — Uebersiedlung schulpflichtiger Kinder in andere Gemeinden. — Dienstnachrichten. Letzte Nachrichten. Mordversuch im Betrieb der I.-LS.-Farben'Industrie. Ludwigshafen, 17. April. (Tll.-Draht- meldung.) Am Miliwochvormittag verübte im Oppauer Werk der I.-G -Farben-Industri« der Elektromonteur Fran^ G i o t h einen Mordversuch. Gioth war am 12. April entlassen worden. weil er gegen seinen Meister in beleidigender Weise tätlich vorging; mit einem Eisenrohr hat er ihm die Hand entzweigeschlagen. Am Mittwochfrüh kam der Täter in die Werkstatt, in der er früher beschäftigt war und feuerte blindlings auf die hier anwesenden Meister mehrere Schüsse ab. Hierauf begak» er sich in eine andere Abteilung und schob auch dort auf die anwesenden Meister. Im ganzen soll er acht Schüsse abgegeben haben. In beloen Werkstätten wurden die Meister Schneider, Heth, Glah und der Kalkulator Sauber verletzt. Die Getroffenen, deren Verletzungen zum Dell schwerer Ratur sind, wurden in- Krankenhaus gebracht. Der Täter stellte sich selbst der Polizei. Eisenbahnunglück bei Olpe. Olpe (Westfalen), 18. April. (WTB. Fund- sprach) Gestern abend kurz vor 8 Uhr entgleisten von dem in den Bahnhof Eichen bei Olp« einfahrenden Personenzug 1193 drei Wagen. Ein Wagen 4. Klasse stürzte um Hierbei wurde eine Lehrerin auS Olpe getötet und ein Arbeiter schwer verletzt. Fünf weitere Reisende erlitten weniger schwere Verletzungen und wurden nach Anlegung von Rotverbänden in bas Krankenhaus nach Olpe übergeführt. Aerztlich« Hilfe, sowie der HilsSzug der Reichsbahndirektion waren in kürzester Zeit zur Stelle. Der Personenverkehr wurde gestern durch Umsteigen aufrechterhalten. Zwei Tote bei einem Brande. Bockhorn (Oldenburg), 18. April. (WTB. Funklpruch.) Heute morgen wurde daS Wobn- hau» eines Landwirtes durch Feuer vollständig vernichtet. Trotzdem die Feuerwehr bald zur Stell« war. konnte nichts mehr gerettet werden. Von den fünf dort wohnenden Personen kamen ein 86 Jahre alter Arbeiter und sein 55 Jahre alter Sohn in den Flammen um. Die Entstehungsursache deS Brandes ist unbekannt. Weitere Schneefälle im Riesengebirge. Hirschberg, 18. April. (WTB. Funkspruch) Im Ricsengebirge sind seit gestern weitere Schneefälle niedergegangen. In den Vorberge» sind etwa weitere 10 Zentimeter Reuschnec gefallen. so dah die gesamte Hohe der Schneelage ungefähr einen halben Meter beträgt Infolge der starken Verwehungen liegt der Schnee sehr unregelmäßig. Auch im Tal gab eS wieder Schnee, doch herrscht hier Tauwetter. Dagegen werden heute morgen au- dem Hochgebirge 6 Grad und auS den Dorbergen 4 Grad Kälte gemeldet. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der sulcht beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent, LombardzinSfuh 8 Probat ।: . - TO Holländische ‘.Roten iltatienifäe Woten..... Worroegtfdie Horen..... I«ur(<6.Cechlutz- flirre 1 Uhr- flurs Sch utz »"lang Rur Datum 17 4 18 4 |n «. 1 18. 4. Tatmt itt 17 4 19 4 In.«. >18 4 Darum: |>7.4. , 18. 4 | 18- 4 »i. Di «richtzanlettze o 182? Dt Änl flblol Schuld mit »7.4 — 87.4 - Li 9 Bergmann -7 .8 165.75 IS7.5 16.5.5 187.75 165 25 185 165 i'uiiDB voijmann Äfibeltxraet Hemeni u fc 165 149 166 1*9 75 166.5 166,5 Huvlof -Rechten De-g! ohne Aull s »Rechten 52 16.85 51,82 16.7 53 16.5 52 16.75 Sletn Ktelerunga Licht imb ffran 11 10 »87 226.5 170.25 225.0 171 Lernen eaelftabt t aofi k ftrettaa 1( 180 136-5 137.25 — ftrar.ff Hyv-Bk (Ho bof unkuiiddat bi» >932 gelten Jt OmQ-ainne -6 126 125.5 126 126 LchiltderS Yacmbefn 16 — — 359 3«2 •2.5 — * -es > Siet r Unreal 10 285 5 2M 282.13 2»2.7o Cfmerte 12 • —■ 307.5 31t Rbeint'ch» 6dd -Bank ^iqu »®o bpf Samb Eletn Öetfc rbftn tflettr - - 10 — 100 161,5 Fet «Stcniflofl 15 — • 741 748 78.2 — 8 161.5 159 - kemderg ..... 8 — • 516 530 fl 6 <3 ata ^orfttcgi-Cb- Lchles. Etekn 10 — 198 200 75 .Seöfto • Bcttbcf . • 12 297 ■299 290.75 296 (igahoaen. nutiebibar iv3J — Schulten ..... 190.5 190 188.5 189.4 3tOhoR SIchassendnrrt 10 193 191 186.5 193.5 4'/, ©chweU DundeSd.-Snt. Siemen4 5 fcotÄ . . . Iran radto .... 16 8 2W.5 238 296.5 149 5n>, «5 152.2^ tborlon nburgei Safier > essaurr (3a6 7 8 — _ 136 198.75 138.5 205.5 <•/« vefteretchitche (Solbnc tiabmeoer > to 9 179 182.5 177.5 183.5 Daimler Ma'vrrn • . . . 0 104 103.25 103 103.5 t.Wi, Cefterr ich Lilderne Ceiternid) ein etil Rte « > Ungarische Oolbnt 1 1 1 & 1 1 1 । 1 Buder 4 .... Deut'che ErdSt..... e .6 100 154.75 100 135.5 99 65 1'2 25 138.5 lb0.5 133.5 D«nag ..... flblenoerte liroa. • - . - 0 0 92 91.75 46 91.5 46 92.75 <° Ungarische Staat»! v 1910 — — Essener € etrtoNt (ÄeHenttrtben« t 8 - 8 eoeirt 1 • 2*9 desgi von 1913 * — — — 4 141 140 167J5 Rai flntomcbf: e — — 98.7j 100.75 * 1» Ungarische Hronenrte < •/ Zur! SoUanletbt v 191) < «/. lurt eaa&a^babn • Hnl L.rie I 2.05 — 2.18 2.05 panxrei .... 8 — 168 5 146 263.25 CrtHfr-tB 4 Sc:Del ■ » » . 4 133 133 12.53 — 12.5 12.4 >oetch Eiten ...... Ilse Bergbau ..... 5 8 261.7u ritnh Ho-mann . . . Seonborv Tietz . . . . 0 . t — — _ 329,5 12.75 — (2.65 Meine rnxrfe ..... .5 *— 145.76 124 6anag- egura . . . c 24 — 245 «•/.- de«gl Gert. !l 12.75 - 12.5 12.65 kölu-Reuessen V, — — H6 JranfI V-'ch.ne» . . . . 0 A 25 — 82.75 - , Rumänen conven Rtr 6.2 —1 . anneswann k V, 3 4 155.25 ■ uldenn ... . ? 135. S • 136 — 1'/,^. Rumänen Öolbanl Man- elver 126 75 — 12».25 125.0 beoltaenftoebi ..... . 0 24 5 — • von 1913 18.75 _ 18.5 _ Lbeddlet ctfenb ©etwrt ü — • 113.13 113.6 ^unebane . . »• . . 6 84.5 • - — nag Deatiche «tlendabn «>/, Cbedtt.t Rrf5irerte 0 — 104. v Lech merke . . » . . . 8 ■ — — — <54.25 155.5 Pbönir Bergbau f *i» 8 3 102.9 103 1C2.« 102 7 Lv atn krakrw erte . . . . . . f 122 — — — ßamburq»3men(a igelet 6 ynmd »Sudam Damv sch 8 156 155,75 Rdemisch.' Braunkadleo 10 .-'0 289.0 48€.25 288.5 Jhca ..... . IC 142.5 - 140.5 tto - 320.5 Z2U Rbetntlubl 0 15* U8.75 ,57.75 139. < liefe dntmer ...... 6 57 59 58. r> — pan(d Dam^sichiss 6 • 224.5 225 -Jifebed Moman - - c — — 151.5 — i'etetl Union .... . 8 103.5 — 1U3 25 Rorddeutscher Llovd 6 * 34 • 5 154.25 153.25 151 tiereintfltt £ teilte- L */• 9 3 97.5 — 97.0 97 Jede Rveder ..... . 10 — _ flUg Deutsche drebitanö 10 — - IM 137.25 i>aW Wlta 1 ib — — 45 14.72 t*cigi k He^sstrer .... 6 — - 185 — Barm i Bankverein k 141.5 — 141.75 258.5 10 184 184 182,25 184 Lnd» dada 0 145.5 145 H6.5 - Serlmet Hundelsgnellsch- 12 — — T* ■? 10 134 d iM.j 19< Sonnner«- und Privat--'s i $annft u 'Jiartonalbanf ü Deut'che Bank 10 Diskonto- Gesellschaft flnt 10 137.5 -42 5 <86,5 160.5 INo.5 42.25 160 151 l 154 iW 24U 160.5 ■51 Valiwerk GaUberfurtb 12 65 7- 264.75 UM 64.25 126.5 391 264.» Lao knoten. 150 154.5 dvmunti Rodel . . Scheib an neu . . • ’o t*erIm, 17. Mprtl | 1*416 «nrt 153 154 .8 190.75 190.25 108 75 Smertkni'che Jfoten . . . I 4,162 M'.tteldeunche KnbUban! 9 215 .16 *o(b54 201.5 134 204.75 Rutger-roerke ...... öeianadefli**..... .0 10 1UJ - liti . 17» 102.25 103.5 Tanilche Raren . . . . . Lnglssche Roten . . . . 1 1.84 60.37 112,28 ».45 16. 44j 16,505 168 U 16».W U 07 22.15 tu 60 >12.04 48.64 M 87 2.605 1.6» llf.W 112.34 80,4'1 8O.76 70,97 70,1* 12.34 12.40 72 75 73.0* Frankfurt a. JB. 17. Äpril 18 Lpril amtliche Rott nina Lnultche llotierang iWelb «ne1 0>e(D Brtet Sm tu» Ron 168,55 168,89 168.62 l^:9T* Boen-Ltre^ 1.787 1.791 1.78? 1,791 t*rff..Ännx> 48.3*5 58.47 48.0# 58.4» «brtfttentc 111.78 112.00 111.82 112,01 eooenbcg:n 112,07 112.29 112.11 112.81 Stodbolm 112,15 112.37 112.19 112.41 ßelfingtorß. 10,51 10,53 10,513 IU.U3 3tat-zn .-2.05 «.09 22.07 42.11 London. . . 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Ernst Brökl Isaak Herrmann Vallentln Der Film spielt in Berlin, Amsterdam u. Rotterdam Ferner: Eine Ehe ohne Krach Lustspiel in 2 Akten. Die neuesten Tagesberichte aus aller Welt Astoria-Lichtspiele Heute letzter Tag: Blitz, der vierbeinige Retter Ab morgen bis einscbl. Sonntag: Der geheimnisvolle Rächer Spannender Wildwestfilm L 6 Akten mit LeoMaloney, Amerikas gefeiertster Cowboy. — Ferner: Satan in Seide Ein seltsames Erlebnis in 6 Akten. 4034c Kinder-Wagen Klappsportwagen Marke „Opel“ Gut u. preisweii Neueste Modelle Moderne Farben Gebr.Weil Neustadt 10 4027» Von der Reise zurück Hans Koch staatl. gepr. Dentist Gießen / Südanlage 20 _________________________________________4O49D Bis auf weiteres nur noch Dienstag, Donnerstag, Samstag von 8 bis 12 und 2 bis 41/, Uhr und Sonntags von 10 bis 12 Uhr Sprechstunde. W. Welz homöop. Praxis, Frankfurt. Str. 13. 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Don Rolf Braun. Nachdruck verboten! Denn heut« von Hochfrequenz gesprochen wird. Io benlt man im allgemeinen zunächst an die Anwendung beim Rundfunk und bei der Drabt (ölen Telegraphie. Hiermit sind aber die Anwendungsgebiete noch lange nicht erschöpft, die Hochfrequenz hat sich vielmehr eine ganze Reihe von Verwendungsmöglichkeiten erschlossen, die mindesten« ebenso belangreich sind, wie es die Funktechnik ist. Die Uebermittlung oon Silbern aller An mit den schon heute erreichten sehr groben Geschwindigkeiten ist erst durch die Verwendung hochfrequenter Ströme möglich geworden. Die prollische Verwirklichung de« Fernsehens letzt überhaupt die Hochfrequenz unbedingt voraus. Reu und eigenartig ist auch, die Höhen- Messung an Bord von Flugzeugen aus elektrischem Dege, bei der die Aenderung der Kapazität und der Selbstinduktion eines im Flugzeug angebrachten wagerechten, strahlenden Luftleiters benutzt wird. Ein ähnliches Verfahren wurde auch zur Bestimmung der wagcrechten Lage de- Flugzeuges selbst verwendet. Die Enden deS TraaDccks sind als Kondensatorplatten ausgebildet, die so in einen Hochfrequenzstromkreis geschaltet sind, daß sich ihre Wirkungen in bezug auf die Erdoberfläche bei wagrechtcr Lage des Flugzeug- auSgleichen, eine Schrägstcllung jedoch durch die Deränderung der Abstimmkreise angezeigt wird. Sehr bemerkenswert sind auch die Versuche mit unhörbaren 6 ch a l l s i g n a l e n. Sin unhörbarer Schall mag zunächst widersinnig erscheinen, denn unter Schall stellt man sich natürlich etwas törbares vor. Unser Ohr kann jedoch nur solche nne aufnehmen, deren Schwingungen etwa bis zu 20 000 in der Sekunde hinausgehen. Roch höhere Schwingungszahlen können wir nicht wcihrnehmen. wohl aber können eS besonders gut gebaute Linpsänger bei denen die ankommenden Schwingungen einer zweiten Schwingung von nicht grobem Unterschied überlagert werden: cet ent« steht dann eine Schwebung, die chrerseits sehr wohl hörbar sein kann. Bei rein elektrischen Schwingungen, also in der drahtlosen Telegraphie, bat man das im rückgekoppelten Audion schon lange getan; eS ist das beste Verfahren zum Hörbarmachen hochfrequenter ungedämpfter Schwingrinnen. Im vorliegenden Falt verwendet man nun die Hochfrequenz zur Erzeugung mechanischer Schwingungen von überhörbarer Frequenz unter Zuhilfenahme von piezoelektrischen Kristallen, z. B. von Quarz, die sich durch die Spannungsschwanlungen ausdehnen und zusammenziehen. Insbesondere eignen sich solche Signale für die Unterwassertelegraphie, da da- Wasser infolge seiner gröberen Dichte die Schallwellen besser teilet als die Luft. Die unhörbaren S Hallwellen locrhcn vom Wasser auch viel weniger verschluckt als die hörbaren. Dieses Verfahren dient auch zur Lotung Der Wasserllefe; es ist dem Behmschen Echolot sehr ähnlich. Die Einführung von piezoelektrischen ixrlflallcn in Die Hochfrequenztechnik hat erstmalig auch Die Möglichkeit einer Zuverlässigen Eichung Der Schwingungszahlen hochfrequenter Ströme gegeben; heute tocnDen sämtliche deutschen Rundfunksender und auch ein großer Teil Der ausländischen Sender solche Wellenmesser mit bestem Erfolg an Ein weiteres Anwendungsgebiet Der Hochfrequenz liegt in Der Erzeugung von Wärm c zum Schmelzen von Metallen in Hoch- srequenzöfen. Diese Oefen zeichnen sich durch einen äußerst einfachen Aufbau aus; fie bestehen aus Dem Tiegel und einer Darumgelegten Hoch- frequenzlpule. Man ist mit solchen Oefen schon bi« nahe an 3000 Grad gekommen unD hat unter anderem vorzügliche Ergebnisse beim Schmelzen von Quarz gehabt. Zum Erforschen deS Erdinnern nach Erz- und Salzlagern hat man ebenfalls schon mit Erfolg drahtlose Wellen benutzt. Es sind dazu verschiedene Verfahren DurdjgebilDet worden. Sei einem wird an einer Empfangsstelle Der Zeit- unterschieD gemessen. Der zwischen Dem unmittelbar und dem durch Zurückstrahlung von den Erzschichten mittelbar aufgenommenen Wellen eines Senders auftritt. Wan kann auch das gleiche Verfahren wie bei der Lotung im Flugzeug anwenden. Die Aenderung Der Wellenlänge infolge Aenderung der Kapazität und der Selostinduktion gibt Dann ein Maß für die Tiefe und Die Mächtigkeit der Lagerung. Allerdings stecken diese Verfahren erst noch in den Anfängen. Zur Erzeugung von Ozon hat die Verwendung hochfrequenter Ströme von 1000 Wech- lein in der Sekunde bei Spannungen bi« zu 12 000 Volt wesentliche Fortschritte gebracht. Da» Ozon wird hauptsächlich zum Reinigen von Trink- wasser von Keimen und zur Luftverbesserung in großen Sälen sowie in Kühlhallen verwendet. Dort sorgt es neben der Frischhaltung der Luft besonders für die Abtötung der Keime auf Dem Fleisch. Endlich wird eS in chemischen Betrieben als OrydationSmittel anstelle Des viel trägeren Sauerstoffs gebraucht. Maßgebend für die Erzeugung von Ozon in größerem Waßstabe ist die Möglichkeit, es zu einem wirtschaftlichen Preise herzuftellen; das ist durch Die Hochfrequenz gelungen. Endlich fei noch auf die elektrischen Heilverfahren verwiesen, die sich ebenfalls der Hochfrequenz mit bestem Erfolge bedienen, lieben den Durch Funkenstrahlung elektrisierend wirkenden, vielfach im Handel befindlichen Hochfrequenz apparaten hat man insbesondere auch mit ganz kurzen Wellenlängen von nur zwei bl« drei Meter sehr günstige Erfahrungen gemacht. Man glaubt, daß diese Schwingungen — bei einer Wellenlänge von Drei Meter sind es hundert Millionen In Der Sekunde — im Körper chrerseits noch höhere Oberschwingungen au«- lösen. Die Die Zellen zu lebhafter Tätigkeit anregen. Die Hochs requenztechnik ist ein Kind unserer jüngsten Zeit; trotzdem sie also noch sozusagen in Den Kinder schuhen steckt, hat sie sich bereit- große Gebiete erobert und wird mit zunehmender Vervollkommnung zweifellos noch weitere bedeutende Fortschritte zeitigen. Schwimmende Inseln. Eine Betrachtung zum jüngsten Ozeanflug. Don O. Fulda. (Rachdruck verboten!) Die Hauptsorge, die wohl alle Deutschen während de- Fluge« deS Hauptmann- Köhl über Den Atlantischen Ozean hatten, war sicherlich Die: QDirD her Betriebsstoff reichen? Erst in zweiter Linie kam wohl Die Frage: Wie wird sich da- Wetter im Verlauf de- Fluges ändern, werden die Flieger auf hem Meere und na ment- sich gegen Ende ihre- Fluge- Wetter an!reffen, Da« ihrem Dorbaben günstig ist und es nicht vorzeitig zum Schellern bringt? Verstärkt tot rhen diese Sorgen dadurch, daß die ..Bremen" keine angelrclen worden sind, haben die Flieger jedesmal nur gerade noch mit dem letzten Faß Benzin ihr Ziel erreicht So kann kein wirtschaftliche« Unternehmen arbeiten. Für einen regelmäßigen Flugverkehr muß der Brennstoftvorrat an Bord mehr al« doppelt so hoch bemessen werden, damit Der Zielort oder mindestens ein Rothafen auch bei starkem ©egentoinh noch erreicht wird. Dies erfordert schon eine außerordentliche Vergrößerung Der Luftfahrzeuge. Soll aber eine so große Zahl von Fluggälien ober so viel Fracht mitgenommen werden, L atz die daraus erzielten öm- Eine verankerte schwimmende 3nfel al« Flugstützpunkt und Kabelverstärkungsamt. Sie stellt sich von selbst in die Windrichtung ein. weshalb auch der Leuchtturnt in dieser Richtung einen tropsenförmigen Querschnitt hat. Flugzeuge können auf der oberen Plattform. Wasserflugzeuge in dem vom Hufeisen ring 'schlosserten Hafen landen, in den auch hie Schisse einfahren. Die Die Insel mit Betriebs stoss für hie Werkstätten und zur Abgabe an Luftfahrzeuge sowie mit Lebensrnitteln für die Besatzung usw. versorgen. 0 o ° 0 0 0 0 o c 0 o 0 0 0 0 0 ) o 0 Fun kein richtung an Bord hatte, um Hilfe herbei- rufen zu können, und zwar lediglich au« Dem Grunde, weil an ihrer Stelle Betriebsstoff mitgenommen werden mußte. Ss ist nicht anzunehmen, daß in diesen Der- hältnissen in absehbarer Zeit ein Wandel eintreten wird, denn dazu chlen alle technischen ®runDIagcn. Wenn aber Der Einsatz so zahlreicher Menschenleben für diese Ozeansluge einen Sinn haben soll, so muß das Ziel selbstverständlich das sein, daß man einen Flugverkehr zwischen Europa und Amerika für zahlende Fahrgäste und eilige Fracht einrichien kann. Bei allen bi-herigen Flügen wäre aber für zahlende Fahrgäste wenigsten- bei Beginn her Fahrt keine genügende Hubkraft mehr geblieben. Obwohl die Flüge bei den günstigsten Witterungsaussichten nahmen Den Betrieb einträglich machen, fo müssen Riesenbauten entwickelt toerDen, für Deren Handhabung unD Die grundlegenden Erfahrungen vorläufig noch ganz fehlen. Viel besser toirb Der Ertrag, wenn man Di« Flugstrecke teilen kann: Hat man auch nur einen tzoischenlandeplatz, so kann man Die volle Hälfte De« Betriebsstossgewich'.s Durch Fahrgäste oder Fracht ersetzen. Ferner kann man Die auf kürzeren Strecken bewährten Flugzeugbauarten auch für Die Ozeanstrecke verwenden. unD schließlich paßt sich Die Fahrtdauer von Slützwrnkt zu Stützpunkt besser Der gegebenen n enschllchen Lei' n'-fähig- feit an. Der erste solche Zwi chnland flatz für den Verkehr zwischen Europa unD Rorda...< lta mutz im RorDatlantik Halbweg- zwischen Irland und ReusunDland angelegt werben. Dort ist Da- Meer aber etwa 3d» Meter tief Daher ist es au*- geschlosen ihn auf den Meeresbohen mit Pseüern ober Schür.nnqen zu gründen. Wohl aber kann man selbst bei Io großer Wafsertiese noch Schifte verankern, wie die» z.B aut der Forschung«- sahrt des deutschen BerrnellunqSfchlsses ..Meteor" wieder nachgewiesen worden ist. Der Zwllchen- landeplatz wird allo au» einem verankerten Schiffskörper bestehen müssen, ober bester au* einem riesigen verankerten Floß, das durch feine Größe allen Angri fen von Sturm und Wogen widersteht, ohne sich merklich zu bewegen Vorbilder da ür sind Die großen Schwimmdocks, die r schon in Längen von i 40 bis 50 Meter Breite gebaut worden find. Ohne irgendwelche flrur.D'anlldae Reuerung können ähnlich gebaute große Eilenkasten m beliebiger viabl und Anordnung aneinander gekoppelt werden. so Daß lie z. B. einen hufeisenförmigen 8asen einschiießen, dessen Wasserfläche auch bei türm noch ruhig bleibt, um den Wasserflugzeugen das R!edergehen zu ermöglichen. Alle weiteren Einrichiungen dieser schwimmen- ben Inseln, Die Flugzeug schuppen und Werkstätten, Tankanlagen und Krallwerke, Unterkunft-Häuser und Dampferanlegestellen. Leuchttürme und Funkstellen, sind leicht hinzuzuhenken und werden dem Erbauer (einerlei Schwierigkeiten machen. Es entsteht so eine schwimmende Stadt, die durch Schisse mit Betriebsstoffen unD allem Röttgen regelmäßig versorgt, zunächst nur dem Flugverkehr bient, aber auch bald für ander« Zwecke, z. V Fischerei, Telegraphie und QUcteorofogie, große Bedeutung gewinnen wird. Man kann z.B. Daran denken auf solchen schwimmenden Inseln Derstärkerämter für Fer isprechkabel «ht- zurichten, so daß Dann der jetzt noch ganz unmögliche Femsprechverkebr auf Kabeln zwischen Europa und Amerika möglich würde. Zwar wird lebe solche Insel Hunderte von Millionen kosten, doch verschwindet dieser Betrag gegenüber Den Werten, M« dermaleinst Im überseeischen Luftverkehr umgesetzl werden. Sicher ist zu erwarten, daß in zwanzig Jahren kein eiliger Geschäftsmann mehr hie sechs bii acht Tage langsamer Dampferfahrt für Die Fahrt nach Reuhork auftoenhen wird, wenn ihm das schnelle Flugzeug Die Reise über den Ozean in zwei zwölfstünbigen Flügen sicher ermöglicht. Unfen durch und drüber weg! Neue Bauwunder Tleuhorfd. Den TI. Büttner. Diesmal sind es keine Wolkenkratzer. ,Unten durch und Drüber weg', heiht mehr Denn je Die Devise Der amerikanischen Handelsmetropole. Auch bas moderne Heunorf schlägt sich immer heftiger mit dem Verkehr-Problem herum. Tret neue bemerkenswerte Bauwerke versuchen zur Lösung dieser Aufgaben beizutragen. Dor kurzem ist der größte aller bisher konstruierten unterirdischen und ..unterwässerigen" ^Verkehrswege, der Holland-Tunnel, zwischen Reuhork und Reu-Jersey unter den Hudson hindurch seiner Bestimmung übergeben worden. Als ausschließliche Automobil strafte verbindet «r die Insel Manhattan mit dem Festland der Vereinigten Staaten. Anstatt in endlosen Reihen vor den Eingängen zu 15 Fähren — die bisher den Wagenverkeyr zwischen beiden Stadtteilen vermittelten — „anzustehen". werden künftig rund 15 Millionen Kraftwagen und Lastautos im Jahr durch die Doppelröhreit des Holland-Tunnel- in wenigen Minuten von User zu Ufer gefangen. Zunächst auch noch ein paar weitere, natürlich echt amerikanische Zahlen: Die Baukosten des gewaltigen Werkes geltefen sich auf rund ^8 Millionen Dollar, Die von Den Heiden Anliegerstaaten Reuyork und Reu-Jersey aufgebracht mürben. Der Tunnel, her eine Länge von etwa brei Kilometer und eine Breite von 10 Meter in jeder Röhre hat. erforderte eine Bauzeit von 7 Jahren. Die Derkehrsstatistlker haben berechnet, daß die neue Autostraße stündlich von 3.0) Fahrzeugen passiert werden wird. Den Hauptanteil an dec Bauleitung hatte der verhältnismäßig junge Ingenieur Elissord M. Holland nach dem der Tunnel benannt wird. Er erhielt 1919 im Alter von 36 Jahren Den Bauauftrag, nachdem er sich bereits durch mehrere Tunnelanlagen Technische Rundschau. Bon Or. Franz Rittler. Eine Lage. In Die viele kommen und in Der sie sich gewiß alle gleich verhalten, wenn sie eS auch hinterdrein nicht eingestehrn. ist Die folgende: Der Wagen, tn dem wir fitzen, fährt in einer gebirgigen Gegend ober fonstwo. also auf hoher Klippe, am steilen Ufer eine« FluffeS bahin. An der Seit« der Straße der Abgrund, der Absturz Die Tiefe. Da« Wasser. Da entsteht ein banges Gefühl, eine Aengstlichkeit kommt über uns. Wird der Wagen nicht in Den Abgrund stürzen? Werden die Pferde keinen Seitensprung machen? Hat der Fahrer das Auto fest in der Hand? Wird der Omnibus nicht gleiten oder schleudern? Die Angst wächst, wenn ein anderes Gefährt entgegenkommt und wenn unser Wagen nach Der Seite des Abstürze« hin ausweichen muh. Sie wächst noch mehr, wenn die Begegnung in einer Kurve stattgesunden hat. Manche behaupten zwar, sie hätten gar keine Bangigkeit gefühlt. Einige Zwetsei gegenüber Dieser Erklärung mögen immerhin gerechtfertigt fein. Die psychischen Regungen des einzelnen waren auch solange gleichgültig, als es nur Pferdefuhrwerke gab. und als der Verkehr mit Kraftwagen ein geringer war. Jetzt hat sich Die Sachlage geändert. Da« Reisen im Auto nimmt immer weiteren Umfang an. Richt alle, die da am Steuer sitzen sind beulen Lagen gewachsen. Diele kommen aus dem Flachland, aus groben Stählen. Der Abgrund hat für sie etwas Schreckhaftes. Sie sind gewohnt, zwischen Häusermauern zu fahren. In dem Maße, wie Der Verkehr weiterhin wächst, wachsen die Möglichkeiten von Katastrophen. Der ängstlich Gewordene steuert bekanntlich geraDe dorthin, wohin er nicht kommen will. Er lenkt in Die Gefahr. Der er auszuweichen beabsichtigt. Angesichts dieser Umstände beginnt man neben den zahlreichen anderen Fragen. Die Die zukünftige DerkehrSstratze Darblctet. auch die zu erwägen, wie man an kriiilchen Stellen einen genügenden Schutz gegen Abstürze und sonstige Unfälle schaffen kann. Die alten Straßen haben entweder gar keine Schutzvorrichtung oder eine ungenügend, die noch aus der Zeit des Pferdefuhrwerks stammt, allo ein eisernes Geländer oder eine steinerne Mauer. Liefe würden von einem Auto, sie würden insbesondere von Omnibussen und Lastkraftwagen leicht durchbrochen werden. SS handelt sich allo darum, technische Einrichtungen zu schassen, die auch gegenüber schweren, mit Motorkrast gegen sie anstürmenden Gefährten genügenden Schatz dar- bieten. Eine derartige Einrichtung ist nun von feiten einer amerikanischen Strahenbanbehörde technisch aasgearbeitet und an der Kurve einer Gebirgsstraße ausgestellt worden. Sie stellt ein elastisches Pussersystem dar. da« in bezug auf seine Wirkung an Die Vorrichtungen erinnert, Die an Den Gleis nd.n mancher Dahn böse angebracht finD. Die technische Ausführung ist freilich eine andere. An der Außenseite der Kurve sind, in kurzen Abständen voneinander starke Detonblöcke in das Gestein verankert. Aus jeden dieser Betonblöcke ist ein eiserne- Fundament aufgeschraubt. Die Schrauben gehen bi- tief in bei Block hinein unb sind hier in mehrfacher Weise gesichert. Das Fundament endet in einem Lager auf dem ein zweiarmiger Hebel drehbar angebracht ist. Der untere kürzere Arm des Hechel« ragt schiel aufwärts nach hinten und ist durch eine starke Feder gestützt, die wiederum im Fundament verankert Ist. Der längere steht senkrecht nach oben, ist in feinem oberen Teil gegen Die Straße zu abgebogen und endigt hier wieder in einem Lager, in Dem sich abermals ein zweiarmiger Hebel dreht Diese oberen zweiarmigen Hebel stehen gleichfalls senlrecht, sind oben unb unten etwas gegen bie Straße zu abgebogen unb tragen oben sowohl wie unten je ein starkes Drahtseil. An brr Kurve zieht sich also ein Geländer entlang, da« zunächst durch zwei ft#rle Drahtseile gebildet wird. Die Seile können bei einem Anprall nicht reihen. Ganz gleich ob der Wagen Da* obere oder da- untere Seil berührt. Dai entsprechende ftebelcnbe weicht au«. Der Druck üb rtragt sich au» den senkrechten Hebel, der Die oberen Hebel hält Aber auch DM er weicht etwas aus. so baß der 'Druck schließlich durch Di: starke im Fundament verankerte Feder aufgenommen wird. Die beiden Drahtseile sind miteinander verbunden. Sie endigen in zwei Fundamenten. die sich am Anfang und an Ende des Geländers befinden. Hier ist eine Rolle angebracht. über die sie hinweglaufen. Druckt also ein Wagen gegen das untere Seil, so wird daS obere stärker gespannt und ungelehrt. Jeder Druck gegen eines dieser Seile löst allo einen Gegendruck im andern au« Führt her Wagen einen Stoß gegen das untere Seil, so wird er mit nahezu gleicher Kraft durch das sich spannende obere zurückgedrückt. Die Gewalt des Stoßes wird ausgehoben. Das geschieht nicht plötzlich, was unter Umftänben ein älm kippen bewirken würde, sondern, da das Hebelsystem und die Federn etwas nachgeben, in gedämpfter Welle. Außerdem wird jeder gegen irgendeine Stelle der beiden Drahtseile gifübrter Stoß über bie ganze Länge dieser Selle und damit auch über das ganze Hebelfyftem verteilt. Der einzelne Hebel unD d'e einzelne Feder werben dadurch verhältnismäßig wenig beansprucht. An Der Kurve, po Die Einrichtung versuchsweise angebracht ist, befinden sich über zwanzig Hebel unb Febern. Die also vereint einen Gegendruck gegen Den Wagen ausüben. Durch entsprechende Berechnung Der Hebelarme ist Dafür gesorgt, daß Dieser Gegendruck ein sehr wirksame, wird. Man hat bei den Versuche! Autos gegen Die Einrichtung fahren gelassen, die Den gehegten Erwartungen entsprach. DaS neuartige Sira .engelä. Der muß als gut durchdacht bezeichnet wer- en. Alle seine Telle sind aus sehr wiberstanrssüh'.gem Material ber» gestellt unb äußerst kräftig gehalten. Da« erfordert natürlich Kosten. Daß aber die Straße der Zukunft überhaupt teurer fein wird als Die von einst, ist selbslverstä idlich. Abgesehen ba.-on, daß sie mehr auSbalten muß, weroe-i auch sonst noch Anforderungen an sie gestellt, die man früher nicht kannte. Vor allem toll sie auch bei stärkstem Verlehr staubfrei fein. Zur Erzielung eine- staubfreien Fahren- sind nun schon bie mannigfachsten Vorschläge gemacht unb Versuche durchgZührt worben. Dabei hat man auch hie Ltraüenoberftäche mit Chlormag ellum bestreut. Lhlormagn.clium Ist ei' Körper, bn in starkem Maße Feuchtigkeit aus Der 2uft a zieht Jnfolge- beffen bleiet die 6tra1,eajede ständig feucht. Das aulgestreute Thlormagnesium kann aber leicht vom Regen wrggewaschen wcrdm. Darum hat man jetzt Sira en mit einer Lehm decke versehen. der Chlormagnesium unb Shlorkalzium, das gleichfalls leicht Waller anLieht, bei gemengt flnb. Beide tourl en mit dem 2ep'n netet Rach den bi« jetzt vorliege'den >^-crichU>aren bie Ernährungen riebe iftelleijnD Da ha« Chlor» Magnesium ein AdfallproduN, Der Äaltinbuftrie ist, mit dem man nicht recht lüveih, was man anfangen soll unb bas in g- rohen Mengen Mit Verfügung steht, fo ergibt , sich hi« vielleicht eine Art bet Verwendung sowohl für den Straßenbau wie für die Kal,iinbustrie ihre Vorteile hat. » dnen Damen gemacht hatte. Die Vollendung des großen Werkes hat er nicht mehr erlebt: er starb 1924 an den Folgen des ständigen Aufenthaltes tief unter der Erde und in der komprimierten Luft. Der Holland-Tunnel darf in jeder Beziehung als ein Meisterwerk modernster Technik gelten. Zwar bestehen bereits mehrere Derkehrstunnels, wie der Elb-Tunnel in Hamburg, diese igen von Dlackwarf und Rotherhithe in London und der Hafentunnel in Glasgow. Sie hoben indessen alle nicht die Ausdehnung und hatten nicht so schwierige Probleme zu lösen wie in diesem Fall. Handelt es sich doch hier um einen von der freien Luft abgeschlossenen Fahrweg, in dem eine ununterbrochene Kette von Maschinen ständig die schädlichsten Rauch- und Gasarten auspufft. Gerade diese größte Schwierigkeit, die Venti- lativnsfrage, hat eine geniale Lösung gefunden. Umfangreiche Studien und Experimente der ersten amerikanischen Chemiker' waren vorausgegangen. um den Grad der zu erwartenden Lustverschlechterung in dem Tunnel zu berechnen, die Wirkung der ausgestohenen Gase auf den menschlichen Organismus zu ermitteln usw. Dann errichtete man über dem Tunnel vier besondere Dentilationsgebäude. eins auf jeder Londseite und zwei aus den Wassern des Hudson hervorragend. um von hier aus die Luftreinigung in den Tunnelröhren zu ermöglichen. Diese sind zu diesem Zweck unterhalb und oberhalb der Fahrstraße als fortlaufende Lustkanäle ausge- bildet. 3n den unteren wird die reine Luft von den Maschinenhäusern aus hineingepreßt und dann durch zahlreiche kleine Oeffnungen in die eigentliche Fahrstraße geblasen, während die vergaste Luft durch zahlreiche Abzugswege in den oberen Kanal gelangt und aus diesem durch entsprechende Saugemaschinen, um es für den Laien verständlich auszudrücken, herausgezogen wird. Auf diese Weise herrscht mithin in jedem Tunnel an jeder Stelle eine unaufhörliche Luftströmung. die Rauch und Gas vertilgt. Auch in jeder anderen Beziehung ist selbstverständlich für die denkbar größte Sicherheit gesorgt. Jede Tunnelröhre ist natürlich Einbahnstraße: die rechte Seite ist den schweren und langsamer fahrenden Lastautos Vorbehalten, links davon bewegen sich die Personenwagen, die den ganzen Weg in etwa sechs Minuten zurücklegen. und an der linken Außenseite ist ein erhöhter Gang für die Verkehrspolizisten vorgesehen, die in Abständen von 150 Meter postiert sind. Das Tunnelinnere ist mit einem vollkommenen Signalsystem ausgerüstet: jeder Polizist kann von seinem Platz aus telephonisch alle Eveir- tualitäten nach außen hin melden. Bei Feuersgefahr stehen alle 40 Meter Löschapparate nach dem Schaumversahren, Sandkästen und Wasseranschluß bereit. 3m Falle einer Panne wird telephonisch ein besonders konstruiertes, vor- und rückwärts fahrendes und mit Hebekran ausgerüstetes Transportauto herbei gerufen, das das Hindernis in kürzester Zeit aufnimmt oder abschleppt. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und -schnelligkeit sind in beiden Stadttellen die Ein- und Ausfahrten auf ziemlich weit voneinander entfernten Plätzen angeordnet. 3n erster Linie erwartet man von dem neuen Llnterwasser- weg bedeutende wirtschaftliche Vortelle durch Frachtersparnisse und beschleunigten Güterumschlag. da nunmehr das stundenlange Warten der Lastwagen auf Abfertigung bzw. das langwierige Liebersetzen durch die Fähren wegfüllt. Fast noch großzügiger und phantastischer mutet ein Werk an, das sich zur Zeit im Dau befindet und etwas weiter nördlich „drüber weg" , die Derkehrsnöte beseitigen soll: die neue Hudson b r ü ck e. Sie hat die größte aller bisher gewagten Spannweiten, nämlich die ungestützte Strecke von 1100 Meter. Die beiden Drücken- pseiler. die etwas von den Ufern aus vorgeschoben sind, find je 200 Meter hoch, haben also ungefähr die neun- bis zehnfache Höhe unserer normalen Großstadthäuser! Der Verkehr vollzieht sich aus zwei übereinanderliegenden Stockwerken. Das obere bietet bequemen Platz für acht nebeneinander fahrende Automoblle und Fußwege an den beiden Außenseiten, während unten zunächst vier Eisenbahngeleise vorgesehen sind, . die aber noch vermehrt werden können. Amerikanische Verhältnisse! Die Gesamtkosten werden aus 75 Millionen Dollar veranschlagt. Von den gewaltigen Brückenkabeln besteht jedes aus 28 500 galvanisierten Stahldrähten, das hängende Gewicht beträgt 120 000 Tonnen. Interessant ist, daß man eine Schwingungsmöglichkeit von 3 bis 5 englischen Fuß vorgesehen hat: bei kaltem Wetter wird die Verkürzung der Stahltroksen etwa vier Fuß betragen, während bei Hitze eine gewisse Ausdehnung stattfindet, so daß nach der Schätzung der Sachverständigen der Mittelpunkt der Brücke an einem kalten Tage annähernd fünf Fuß höher liegen dürfte als an einem heißen. Daß auch bei der Verankerung einer derartigen Last auf beiden Landsetten enorme Gewichte eine Rolle spielen, kann hier nur an- gedeutet werden. Die Fertigstellung des ersten Brückentells ist im übrigen für das Jahr 1932 vorgesehen. Man wird dann also wieder eine neue „größte Brücke der Welt" haben! Bei dem dritten stleuyorker Bauwerk, von dem hier die Rede fein soll, handelt es sich um das im Entstehen begriffene neue Hauptverwaltungsgebäude einer der größten amerikanischen Eisenbahngesellschatten. der New York Cent« dl iines. Es bildet zwar zugleich einen neuen, 34stöckigen Wolkenkratzer, was sich eigentlich von selbst versteht: andererseits stellt es jedoch eine bisher beispiellose architektonische Reuerung dar. An der Vorderfront schluckt sozusagen das Riesengebäude den gesamten Wagen- und Fußgängerverkehr der Park Avenue durch vier große Torbogen in sich ein, um ihn an der Rückseite auf zwei Viadukten über das Straßenniveau hinweg nach Osten und Westen wieder von sich zu geben. Außerdem ist das eigenartige Bauwerk mit dem danebenliegenden Hauptbahnyof. dem Grand Central Terminal, durch eine große llebersührung verbunden, während die Eisenbahnzüge selbst unter dem Fundament des Verwaltungsgebäudes hinwegsahren. Also auch hier wieder das neue amerikanische Motto: „Unten durch und drüber weg!" Oie Auswertung von Kautionen. Von D5. Döising, Äürgermeister von Alsfeld. Die Frage, ob und inwieweit geleistete Kautionen aufzuwerten sind, ist auch heute noch von praktischer Bedeutung, da in vielen Fällen eine gütliche Regelung oder eine Entscheidung noch nicht getroffen ist. Viele derartige Anträge auf Aufwertung von Kautionen harren noch ihrer Erledigung, wobei bis zu einem gewissen Grade die Unkenntnis über die rechtliche Seite der Aufwertung von Kautionen mit schuld fein mag, da man nicht recht weih, wie man sich derartigen Anträgen gegenüber verhalten soll. Für die Praxis kommen hauptsächlich zwei Arten von Kautionen in Bettet, einmal die Dienstkaution im öffentlichen Interesse, z. B. die von den Gemeinde- und Sparkassenrechnem gestellten Kautionen und sodann die im privaten Wirtschaftsleben in Verträgen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Erfüllung gewisser Arbeiten und Lieferungen des Arbeitnehmers vereinbarten Kautionen. Bei der rechtlichen Beurteilung der Aufwertung dieser Kautionen ist zunächst allgemein davon aus^ugehen. daß die Kaution in der Regel, sofern sie nicht dem Empfänger zur freien Verfügung überlassen wurde und von diesem etwa als Betriebskapital verwendet worden ist, nicht unter die gesetzliche Aufwertung im Rahmen des Aufwertungs- gesehes fällt. sondern der freien Aufwertung unterliegt, die gemäß Paragraph 242 L. G. O. nach den Grundsätzen von Treu und Glauben zu erfolgen hat. Die Kaution ist demgemäß nicht als Vermögensanlage anzusehen, da der Zweck der Kaution in erster Linie das Interesse des Arbeitgebers, nicht des Hingehenden ist. Der Anspruch auf Aufwertung ist vielmehr aus einem gegenseitigen Vertrage herzu- letten, so daß die ganze Frage unter Heranziehung der besonderen gesetzlichen Vorschriften über die Sicherheitsleistungen (Paragraph 232 ff. B. G. B.) nach den aus Paragraph 242 B. G. B. sich erge&enben allgemeinen Rechtsgrundfähen nach Treu und Glauben zu behandeln ist. (Mügel. Kommentar zum Aufwertungsrecht. Paragraph 34 6.171; Warneyer-Koppe, die Aufwertungsgesetze, 3. Auflage 6. 213, 214; Aul- wertungsarchw 1926 Heft 3. Dr. Klein, die Aufwertung von Kautionen.) Vorschriften über die Berechnung der Geldentwertung oder über eine Höchstgrenze für die Aufwertung find nicht gegeben. wenngleich die den Durchführungsbestim- mungen zum Auswertungsgeseh beigefügte Gold- marttabelle für die Errechnung des inneren Wertes der hingegebenen Sicherheit, der im allgemeinen die Grenze der Aufwertung nach obenhin bilden dürfte, wichtige Anhaltspunkte gibt. Es fragt sich nun. wer im Verhältnis der Beteiligten zueinander den Entwertungsschaden zu tragen hat. Die Entscheidung hierüber hängt davon ab. auf Grund welchen Rechtsverhältnisses die Hinterlegung erfolgt ist. (Mügel a. a. O. S. 170.) Dabei ist von dem allgemeinen Grundsätze auszugehen, daß in erster Linie der Kautionsbesteller für die Entwertung der Kaution einzustehen hat. Ihm lag es ob, sich mit dem Empfänger wegen des Schuhes vor der Entwertung durch eine wertbeständige Anlage in Verbindung zu setzen; nur bei Verschulden des Empfängers erhält er einen Schadenersatzanspruch in Höhe der Aufwertung (s. Aufwertungsarchiv a. a. O. 79). Wem Geld zu Pfand- oder Sicherheitszwecken übergeben wird, der übernimmt freilich eine gewisse Sorgfaltspflicht, und diese wird verletzt, wenn der Empfänger des Geldes in Zeiten fortschreitender Markentwertung dasselbe nicht nach Kräften und unter Anwendung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der Entwertung entzieht, z. B. Devisen dafür gekauft oder Sachwerte dafür eingetaulcht hat. (Warneyer' Koppe a. a. O. 214.) Allerdings durste sich auch der Hinterleger nicht untätig verhalten, es sei denn, daß er mit der völligen Untätigfeit des Empfängers nicht habe rechnen können, sagt das Reichsgericht weiter. Ein Verschulden des Empfängers würde z. B. vorliegen, wenn er bestimmten, ihm gegebenen Anweisungen zuwiöerhandelte. sein Privatguthabcn von her Bant oder der Sparkasse abhob und wertbeständig anlegte, die Kautionen aber stehen ließ, oder wenn er z. 2. den Kautionsbesteller, der toertbeftänbige Anlage forderte, zurückwies. bzw. feine Einwilligung verweigerte. (Aufwertungsarchiv a. a. O. S. 79.) Dagegen wird man von einem Verschulden des Kautionsempfängers nicht sprechen können, wenn dieser die gestellte Kaution etwa bei einer Bank oder Sparkasse einlegte, oder dafür Kriegsanleche oder mündelsichere Wertpapiere kaufte. Der Kau- tionsempsänger hat hier so gehandelt, wie damals alle anständigen und verständigen Menschen zu handeln pflegten. In diesen Fällen besteht also ein Aufwertungsanspruch nur insoweit, als eine Aufwertung der Anlage überhaupt erfolgt. Die hier dargestellten allgemeinen Grundsätze finden sowohl dann Anwendung, wenn die Kaution durch Hingabe von Geld als auch dann, wenn sie durch Hinterlegung von Wertpapieren bestellt worden ist. In den Fällen, in denen eine Auswertung bei Kautionen begründet ist. schwankt diese nach her seitherigen Rechtsprechung des Reichsgerichts zwischen 15 und 75 Prozent. (Warneyer-Koppe a. a. O. 0. 214.) lieber das Maß der Aufwertung ist nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, von Fall zu Fall, zu entscheiden, unter Berücksichtigung her Verhältnisse der Parteien. Ein besonderer Fall liegt vor. wenn zwischen den Vertragsparteien die Anlegung der Kaution in bestimmter Wei s e vereinbart war. z. B. Einzahlung bei einer Dank oder Sparkasse. Zeichnung von Kriegsanleihen, Kauf anderer 'Wertpapiere, ober Aufbewahrung in bar. In diesem Falle besteht kein Aufwertungsanspruch des Destellers. Ein Verschulden des Empfängers kann hier in keinem Fall konstruiert werden. Die Kautionssumme folgt hier dem Schicksal der Sparguthaben, der Bank- guchaben, der Kriegsanleihe bzw. der angeschaff- ten Effekten. Der Hinterleger hat hier nur so weit einen Anspruch, als die Aufwertung der Anlage überhaupt erfolgt. (Aufwertungsarchiv a. a.O. S. 81 und 1927 Heft 2 S. 53.) Beson- berer Erwähnung bedarf noch der Fall, daß die Kaution dem Empfänger zUr freien Verfügung überlassen worben war und dieser sie in seinem Geschäft verwendet hat. ober der Fall, daß z. D. eine Gemeinde die von ihrem Rechner gestellte Kautton in ihrem Betrieb, z. B. zum Ankauf von Grundstücken, verwendet hat. Die Kaution gewinnt in diesen Fällen Darlehenscharakter, und sie unterliegt daher den AufwertungSbeMmrmm- gen über Darlehen, grundsätzlich ist sie hier voll auswertbar, denn sie nimmt in diesen Fällen an den Sachwerten des Empfängers teil, und soweit das Vermögen des Kauttonsempsängers erhalten geblieben ist. wird es grundsätzlich bei der vollen Aufwertung verbleiben (Mügel Kommentar a. a. O : Aufwertungsarchiv Heft 3 von 1926 S. 81). Bei Festsetzung der Höhe der 'Aufwertung der Kautton wird übrigens, wie das Oberlandgericht Düsseldorf in einer Entscheidung aussührt. nod) zu berücksichtigen fein, daß die Kauttonssumme bei Verbleib im Eigentum und Besitz des Bestellers ebenso der Entwertung anheimgefallen wäre wie bei dem Empfänger. Auch der 'Besteller würde sich in Verkennung des Wesens bet Inflation zunächst selbst untätig verhalten haben, so daß auch ein Rückgabeanspruch von vornherein schon insoweit eine Minderung erfährt. Was schließlich noch die Frage anbelangt, ob eine in uittoertcicm Gelbe zurückgezahlte Kautton noch nachträglich aufgewertet werden kann, so ist hierfür maßgebend die Tattache. daß die Vorschriften des Aufwertungsgesetzes über Aufwertung kraft Vorbehaltes ober Rückwirkung hier nicht anwendbar finb. Die Aufwertung richtet sich in diesem Falle ebenfalls nach allgemeinen Bestimmungen. Die Rückzahlung des Nennbeträge- der Kautton in Papiermark nach Eintritt der Entwertung stellt nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts trotz voroehalt'oser Annahme keine Erfüllung der geschuldeten Leistung bar. so daß der Kautionsbesteller unvollständige Erfüllung einwenden und Aufwertung verlangen kann. Zum Schluß noch einige Worte speziell über die Dienst kautionen der Gemeinberechner. Hier ist das Rechtsverhältnis hinsichtlich der Bestellung der Kaution im allgemeinen wohl so gewesen, daß das zuständige Kreisamt in einem besonderen Dekret an den Rechner über seine Ernennung zum Ausdruck gebracht bat. daß der Rechner zur Stellung einer Dienstkaution im Betrage von M. entweder in barem Gelde ober in mündelsicheren Wertpapieren ober in liegenden Gütern im hoppelten Taxationswert durch Eintragung einer Sicherungshypothek verpflichtet worden ist. Es ist also zwischen den Vertragsparteien die Anlegrrng der Kautton in bestimmter Weise vereinbart worden, d. h. mit Zustimmung des Gemeinberats und bes Rechners. Ist bies aber her Fall, so besteht nach den vorher gemachten Ausführungen kein Aufwertungsanspruch des Rechners, denn ein Verschulden des Kauttonsempsängers. d. h. der Gemeinde, kann hier in keinem Falle konstruiert werden. Die Kautionssumme — bar ober in Wertpapieren — folgt hier dem allgemeinen Schicksal der Sparkassenbücher, der Effekten usw. Der Rechner hat also nur insoweit einen Anspruch, als eine Aufwertung der Anlage überhaupt erfolgt. Anders liegt die Sache, wenn die Gemeinde, wie oben ausgeführt, die Kaution in ihrem Betrieb, etwa z. B. zum Ankauf von Grundstücken, verwendet hat. Alsdann unterliegt die Kaution der vollen Aufwertung. (6. obige Ausführungen.) Amtsgericht Wetzlar. Q Vergehen gegen das älmsatzsteuergesetz wurde einer Händlerin aus Lützellinden zur Last gelegt. Die Angellagte war durch Strafbescheid des Finanzamts Wetzlar mit 15 Mk. Geldstrafe belegt worden und hatte gerichtliche Entscheidung beantragt. Gelegentlich einer Revision auf dem Gießener Wochenmarkt hatte der Beamte bei her Angeklagten festgestellt, daß sie nicht alle zum Verkauf auSlicgenbe Butter — es fehlten 15 Pfund — in das Steuerheft eingetragen hatte. Sie bestreitet zwar eine absichtliche Handlung. sondern will keine Zeit zum Einträgen gehabt haben, da ihr die Butter erst kurz vor Erscheinen des Beamten übergeben worden sei. Diese Angaben wurden durch den Zeugen entkräftet, worauf das Gericht auf 2 0 Mark Geldstrafe, hilfsweise vier Sage Gefängnis erkannte. Die Staatsanwallschaft hatte 40 Mk. evtl, acht Tage Gefängnis beantragt Der Einspruch eines Bureaugehllsen aus Leihgestern gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Wetzlar, wonach ihm wegen Unterschlagung 50 Mk. Geldstrafe zudiktiert sind, wurde, da der Angeklagte dem Termin ohne Entfchul- bigung ferngeblieben war, k0stenfällig verworfen. £)ie gsmenen Berge. Vornan von Clara Diebig. Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. 41 Fortsetzung. Nachdruck verboten Mit halben, Leib hing Bre»nm zur Dachluke heraus, er konnte seinen Berg noch immer nicht sehen: da stieg er hinaus aufs Dach. Aber ob er auch noch höher hinaus kroch bis ganz zum Dachfirst, der Darmesberg liegt In der Biegung des Halbrunds, das die Mosel bei Porten nracht, er strengte oor- |jebens feine Augen an, er konnte den Berg nicht Lange stand er so, auf Zel-enspitzen gereckt, den Ann um den, ach, jetzt schon längst erkalteten Schornstein geschlungen. Drüben die Berge konnte er besser sehen, er sah auch Munden. Dort schien man überhaupt besser daran, nicht so tief im Wasser äu sein; das User war dort höher, und das Dors lag iDetter zurück. Das weiße Kirchlein auf dem Kloster- berg blickte tröstend herüber, das sah man hell schimmern durch allen Nebel. Da riß der Mann seine Jacke herunter, hob sie an seinem Arm wie an einer Stange, schwenke unb schwenkte sie. Riß auch fein Hemd sich über den Kops — Weiß sah man besser — schwenkte und schwenkte das abermals, wieder und wieder. Wind kam und blähte ferne Notflagge, und aus vollem Hatte frfwic er dazu: „Hä, holla! Hilf, zu Hilf!" Es hatte den Mann eine Angst überkommen, die so groß war, daß er laut schreien mußte; er märe sonst daran erstickt. — Gut, daß die Boemm so tapfer war. Wenn die Kmder.^-'- dann sagte sie: „Bah, wat seht ihr mmt der Schutzengel nit." „Kommt der im wa^ uns?" fragte der Hanni. 'N °Liwm sie chcnwte Seigtt er denn nicht schon an, daß er der Kinder gedachte? Man hätte cs nicht für möglich gehalten, aber gestern hatte eine Henne in das bißchen Stroh der alten Bettstelle ein Ei gelegt — bei de r Kälte und dem schlechten Futter! Heute lagen gar zwei darin. Die Kinder schlürften sie jubelnd aus. Auch Maria war ruhig. Es war ihr, als sei alle Qual jetzt von ihr genommen: sie rang mit nichts mehr — es tornrnt der Tag, cs gehl der Tag, es kommt wieder ein Tag und geht wieder ein Tag — iDCiut sie geduldig wartete, dann kam auch einstmals ein Tag wieder, wie sie in letzter Nacht einen geträumt hatte. Wunderbar erfrischt war sie danach erwacht. Sie war selber erstaunt, daß das lange Stehen unten im Wasser ihr nichts angetan hatte und"den anderen auch nicksts. Sie hatte sich gesorgt um die Mutter, die war doch nicht mehr jung, aber auch die war gesund. Gewiß, es war sck-limm, hier oben hungrig und kalt eingejperrt sitzen zu müssen, aber es gab doch noch Schlimmeres — ach, das mußte sie ja! Wie es dem Nettchen wohl geben mochte? Da stand auch sicher das Wasser. Und Herrn Dousemontt Der gute alte Monn! Weiteres dachte sie nicht. Stumm besorgte fie das wenige, was sie hier oben zu tun hatte, meist faß sie still und strickte ptrümpfe für die Brüder, aber wenn's niemand 'ah. strickte fie Wickelbänder. Wenn der Februar kam, dann würde es bald soweit fein. Ergeben neigte sie tief den Kopf. Der Peter und der Paul waren in steter Bcwe- gung. In die Dachluke hinein, aus der Dachluke heraus, hinauf aufs Dach, Umschau gehalten, gc* unnft mit selbstgefertigter Fahne, geschrien, gebrüllt. Empört schimpften fie auf die Pottcner: ivo war der Loesenich, wo der ^stor- Ware» denn alle ersoffen?! — Bis jetzt war kein Unglücksfall oorgetommen, er- tninfcm war keiner. Aber eine Wiege hatte man die Mosel herunlerkommon sehen, bte wurde dahin- geriffen unb wirbelnd gedreht. War ein Kind darin -■ 1"? Nem? Man hatte es nicht deutlich erkennen können, aber Entsetzen hatten alle, die da« sahen erfaßt. Jesus, Matta, gebt obacht auf eure Kmder! Und auf das Vieh. Denn Vieh wurde stündlich her, untergeschwemmt. Mit Schrcckensgeschre-i kündigten Peter imd Paul es jedesmal an ixwn Dache. ]ln- sörmlich aufgedunsen, seitlich liegend, den geblähten Bauch über Wasser, Rinder, Schafe unb Ziegen. Die graue Löwin schleppte den Fraß fort. Katzen und Hunde und Hähn und Hühner nahm sie auch mit — Hunger, sie hatte immer noch Hunger — fie fraß auch ein Pferd. Und zwischen Strohbündeln und Heuhaufen, zwischen Hausgerätschaften und Dachsparren, .^wischen Gartengattern und Weinikisten kam eine Hundehütte geschwwommen, darauf ein weißschwarzer Terrier, auf ängstlichen Pfoten hin- und her rennend und lmablässig laut bellend. Das war fast der traurigste Anblick. Gott sei Dank, daß man die Kuh noch in letzter Stunde zum Loesenich hinaufgebracht hatte. Aber vielleicht war die Gaste jetzt auch überschwemmt. Das Glöcklcin der Kirche bimmelte nicht — alles tot — alles tot Da kam doch Mutlosigkeit auch über die Frauen. ''Betet zu euern Schutzengeln, betet," flüsterte die Mutter und beugte sich über die Kinder. Sie hielt die heute im Bett, sie kamen ihr bleich und abgezehrt vor — lvaren die Kleinen krank? Sie fühlte die Hände an, die zur Seite geneigten Köpfe: hatten sie Fieber? „Wenn bat noch lang jo bleibt, krepieren wir aU," sagte finster der Vater. Der Mann l-attc immer unb immer wieder versucht, die Treppe hinunter» zukommen; er litt entsetzlichen Dürft, ebenso wie die anderen, vielleicht noch mehr, denn in ihm brannte eine Flamme, die ihn fast ausbranme: die Flamme verzehrender Angst. Sein Wein, sein Wein — wie mochte es unten im Keller jetzt aussehen?! Und oben im Berg? Ob viele Stöcke umgestürzt lagen, viel Schotter nachgerutscht war? Rücksichtslos watete er ins Master hinem: aber er mußte sich nur S.u bald überzeugen, wenn er nicht ertrinken wollte, sich nicht mit Absicht ertränken, hieß es: zurück. In stumpfer Resignation faß er heut auf dem Schemel: cs hatte auch keinen Zweck mehr, aus bei Dachluke ZU spähen, um Hilfe zu rufen, nichts als Wasser, Wasser überall. Es ging vielleicht auch schon längst kein Zug mehr, alle Orte rm Moseltttt waren über- schwemt, — wie hatte er nur denken können, daß von irgendwo Rettung käme?! Di« 'S remm wagte es, zu ihrem Mann hinzu« ge^en, ihm die Hand auf die Schulter Mi legen: ..Du llh glauben, bat Wasser sollt schon/' „Schon —?!" Er lachte ingrimmig. „Ei is noch nicht viel, wat et fällt, aber roetm et nur als anfängt mit fallen." Es war ein frommer Betrug, die Frau sah es, das Wasser ging noch nicht zurück, aber sie hoffte, ihm Mut ju machen und sich selber: wenn man nur glaubt, daß es fällt, so Hilst bas schon. Sie klammerte sich an biefen Mau» den. Mit zitternden Händen zündete fie ein Kerzchen an, sie stellte es vor das Marienbild an der Wand: es war die letzte Kerze, wenn die ausgebrannt war. dann sahen sie ganz im Dunkeln. Das elektrische Licht hatte gleich versagt, das war untergegangen wie Sonne und Mond und alle Sterne des Himmels. Und doch nahten jetzt die heiligen Nächte, in denen Wunder geschehen, Tiere sprechen und Ad- geschiedenen aus ihren Gräbern steigen, und das Kind in der Krippe lächelnd zu frommen fimbern sich neigt. Ach, das war der Mutter so hatt, daß sie den Kindern gar nichts bescheren konnte, keinen Pfefferkuchenreiter, kein Lebkuchenherz, nicht einmal ein paar Aepsel und Nüsse. Sie meinte heute, als sie sich nieberlegfe. Auch Tlaria weinte, als sie im Beu lag; heute nicht um sich, es war ihr so weh um die anderen. Wenn doch endlich, endlich Hilfe zu ihnen käme'. Aber ganz Pötten steckte wie sie im Wasser, man hätte vorn Dorf her feinen Laut. Still, unheimlich sttll, ganz enttetzlich still war es. So still ist cs, wenn nun im Grabe liegt — aber, ach nein, noch nicht sterben! Sie ttchtete sich zwischen den Kindern auf, sah DornuberßeneiQt, lehnenden Auges nach den, Fenster starrend. Wenn sie doch nur ein bißchen Morgenröte ähe. nur einen einzigen Ruf vernähme! Hilfe, Hilf«! Aber wer sollte sie bringen? Da taud)tc etwas im Fenster auf. Nichts war da zu sichen gar nichts, nur dunkle Leere, gähnende vnnftenns. aber sie sah doch etwas. Mit ihrem durch ben .hunger nicht mehr klaren Bewußtsein, mit ihren aufs äußerste überreizten Sinnen, wach im Schloten unb doch wie schlafeird im Wachen, sah, gewahrte fie, was andere nicht sahen. Ein Mann ftanb oorrn Fenster — stieß es auf, stieg herein — groß und stark — fie streckte die Arme nach ihm aus: der Farn ihnen zu Hilfe l (Fortsetzung folgt)