Nr. <2 Erster Blatt 178. Jahrgang Samstag, 18 Zebruar 1928 Erscheint töghdj, taxier Sonntags anfc Feiertags. Beilagen; Siebener Famtliendlätter Heimat im Bild Die Scholle. HTonats«Bejngsprtis: 2 Reichsmark and 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanfchlüsse: 51, 54 and 112. Anschrift für Drahtnachrichten; Anzeiger 6ltftei* Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688. EMmrAnzeigcr General-Anzeiger für Oberheffen Vrvck vnd vrrlag: vrühl'sche UntoerfitäU-Butfr Mld Stetnönicterei B. ranze tn Sietzen. Zchriftlettung und Seschäftrftelle: Schlllstratze 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20°, mehr. Chefredakteur. Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein,- für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Dietzen. Liquidation. Die Koalition der Rechten ist zerbrochen. Wer noch In letzter Stund« vielleicht gehofft hatte, daß Vernunft und Einsicht über Parteirücksicht und Wahltakttk siegen würden, sah sich bald schmählich enttäuscht. Die auseinanderstrebenden Kräfte lähmten den Willen zur Gemeinschaft, zu aemeinsamer Arbeit. D.e Furcht, sich mit den bisherigen Bundesgenossen in der kommenden Wahlschlacht zu kompromitieren, hat gewiß das ihrige dazu beigetragen, das Bündnis vorzeitig zu lösen. An sich bestände kein Anlaß, den Gradgesängen zu lauschen, die nun die beteiligten Parteien am Scherbenhaufen der Koalition anstimmen, wenn nicht in diesen Klageliedern manches mitschwänge, was für unsere inner- politisch« Situation besonders charakteristisch und von grundsätzlicher Bedeutung wäre. Es ist selbstverständlich, daß die Parte en, der bisher nur mühsam gewahrten Rücksicht jetzt gänzlich ledig, mit Anschuldigungen und Vorwürfen übereinander hersallen. Leder sucht natürlich dem andern die Schuld für das Auseinanderbrechen der Koalition zuzuschieben und gleichzeitig seine eigene Stellung in den Augen der kritisch blickenden Wähler zu verbessern. Gewiß, eine fleckenlos weihe Weste mag keine Partei aus diesem Kampf davongetragen haben. Aber daß die lautesten Schreier noch lange nicht die unschuldigsten sind, dafür ist dieser nun abgebrochene Streit um das Rcichsschulgesetz ein erneuter Beweis. Mit einer Dialektik, die für den kommenden Wahlkampf allerlei erwarten laßt, suchen Zentrum und Deutschnationale die arme Bolkspac!ei nun vor dem Lande als den „schwarzen Mann" hinzustellen, dessen Hartnäckigkeit und böser Wille an allem Schuld sein sollen. Ganz so ist eS nun doch nicht, und es ist notwendig, dies heute schon klarzustellen, wo die Vorgänge noch in aller Gedächtnis sind, um kommenden Wahl- manörern von vornherein den Boden zu entziehen. Man beliebt es jetzt so hinzustellen, als ob die Koalition zwischen Deuischnalivnalen, Zentrum und Volkspartei ausschließlich zu dem Zweck geschaffen worden sei, das lange verheißene und niemals ernsthaft in Angriff genommene Schulgesetz zu schaffen. Wenn das Zentrum diesen Hintergedanken gehabt hat, als es vor etwas mehr als einem Lahre das Bündnis mit der Rechten einging, so ist das feine Privatsache. Weder in den vielumstiüttenen „Richtlinien", noch in der Regierungserklärung des Zentrumsreichskanzlers, nahm die Ankündigung eines Reichs- schulgesetzes einen irgendwie überragenden Platz ein, und wenn trotzdem das Zentrum heute das Gegenteil behaupten möchte und sich nun um den Preis dieser Koalition betrogen fühlt, so genügt es, darauf hinzuweisen, daß die Volkspartei von Anbeginn der Verharrdlungen, die zu dieser Koalition führten, an ihre besondere Stellung zu einem Vollsschulgeseh mit aller Deutlichkeit herausgeliellt hat. Aber das Zentrum wußte eben genau, daß ein Volksschulgesetz. welches auch nur annähernd seinen Wünschen entspräche, nur in diesem Bündnis mit der Rechten durchzusetzen war. Es wußte jedoch ebenfalls, daß die Volkspartei, wenn sie sich nicht selbst aufgeben wollte, sich allem widersetzen mußte, was sie nach ihrer liberalen Tradition als kulturpolitischen Rückschritt empfinden mußte. Zentrum und Deutschnationale waren sich in chrer Stellung zum Keudellschen Schulgesetzentwurf im wesentlichen einig. Sie waren gegenüber dem liberalen Koalitionsgenossen die weitaus stärkeren. So wußten sie schon vor einem Lahre, welcher Konfliktsstvff hier begraben lag, und mußten sich darüber klar fein, daß ein Problem, wie das Schulgesetz, nur mit aller Delikatesse angepackt werden konnte, wenn man hoffen wollte, es gemeinsam mit der Volkspartei zu lösen. Die Dolkspartei hat auch nicht versäumt, von Anfang an auf ihre eigenartige Sonderstellung in dieser Frage hinzuweisen und sich durch den Mund ihrer Vertreter im Reichskabinett für die künftigen Verhandlungen freie Hand vorbehalten. Wenn sie trotzdem mit größter Loyalität an dem Zustandekommen des Gesetzes im Bildungsausschuß mitgearbeitet hat und unter Aufopferung wichtiger Positionen nach einem Ausgleich gesucht hat, so mag man ihr hieraus gewiß viel eher den . Vorwurf allzu großer Nachgiebigkeit machen, als nun umgekehrt sie zum Sündenbock für das gescheiterte Schulgesetz zu stempeln. Wenn sie schließlich in der Frage der Simul - tanschulländer auf ihrem Standpunkt beharrte, auch auf die Gefahr hin, es angesichts der unnachgiebigen Haltung des Zentrums zum Bruch der Koalition kommen zu lassen, so wußte sie, daß hier ein Punkt war, an dem sie nicht rühren lassen durste, wenn sie nicht ihre ganze Vergangenheit verleugnen wollte. Hier bei uns im Südwesten Deutschlands haben wir in manchem Jahrzehnt die Segnungen der christlichen Simul- tanschule würdigen gelernt. Wir wissen, was es bedeutet, wenn unsere Lugend nicht schon von der ersten Vorschulklasse an nach Weltanschauung oder Konfession geschieden ist, sondern in friedlichem Rebeneinanderleben zu gegenseitigem Verstehen und zu Duldsamkeit gegenüber ftemden Auffassungen erzogen wird. Daß das Zentrum und die Bayrische Volkspartei die Zerschlagung der Simultanschule wünschten, um an ihre Stelle die Konsessionsschule zu setzen, ist immerhin begreiflich. Von der Haltung der Deutschncttio- nalen wird man dies, soweit wenigstens die Verhältnisse in den allen Simullanschulländern in Betracht kommen, nicht so leicht sagen können. Denn daß hier bei der Einführung der Kon- Die Festlegung des Notprogramms. Berlin, 17. Febr. (Privat-Lnsorm.) Ln später Abendstunde verlautet im Reichstag, daß Kabinett und Regierungsparteien sich über die Fragen des Liquidationsschädeng«fetze s und über die Hilfe für d i e Landwirtschaft im wesentlichen einig feien, während zu dem sozialen Programm des Kabinetts noch bisher unerfüllte Wünsche einzelner Parteien vorliegen. Lm einzelnen hat dieses Programm ungefähr folgendes Bild: 1. Das Liqmdationssch ädengesetz über das Reichsfinanzminister Dr. Köhler den Parteiführern berichtete, sieht eine ungefähre Anpassung der Staffelung der Sähe an die Vorschläge des Reichswirtschaftsrates vor. Der Härtefonds soll von zehn auf dreißig Millionen erhöht werden. Auch die Möglichkeit einer späteren Besserung wird durch das Gesetz nicht verschlossen. 2. DcS Ian: wirtschaftliche Silssprogramm besteht aus folgenden Maßnahmen: a) Zur Organisation des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch sollen ca. 30 Millionen Mark als Kredit zur Verfügung gestellt werden, um der starken Preisspanne zwischen Erzeugern und Verbrauchern ent» gegenzuwirlen. Roch der Art der beabsichtigten Aufbringung soll nur ein Teil dieser Summe als Belastung des Etats aufzufassen fein. b) Zur Sicherung der rationellen Fortführung und des Ausbaues der Betriebe werden ebenfalls 30 Millionen Mark in den Etat 1928 eingesetzt. Hierzu verlautet noch, daß das Zentrum die Einsetzung eines Ausschusses verlangt, der die Verteilung überwachen soll. c) Zur Verhütung des Riederbruchs der landwirtschaftlichen Kreditgenosse u s ch a f t e n sind 20 Millionen vorge ehen. d) Zur Hebung der Geflügelzucht werden in den Rachtragsetat 1927 und in den ordentlichen Etat 1928 je 500 000 Mark, zusammen also eine Million, eingesetzt. e) Der Reichsfinanzminister soll ermächtigt werden, inländische Kreditinstitute zur Hergabe von Krediten zu unterstützen, die den äl m s ch u l d u n g s t r a ns a k t i 0n en der Landwirtschaft dienen: die Regierung glaubt hierfür bei den Kreditinstituten i.n ganzen etwa 200 Millionen Mark mobil machen zu können. Der Etat würde durch diese Maßnahmen nicht belastet werden. f) Ratenweise Herabsetzung des Einfuhrkontingents für Gefrierfleisch. g) Veterinäre Maßnahmen zur Unterstützung der Viehzucht. h) Die Ausdehnung des Systems der Einfuhrscheine, auch auf Schweine und Schweinefleisch. 1) Der Rentenbanftreditanslatt soll die Möglich eit gege.eri werb n der Landwirtscha t direkte Kredite zu geben, die nicht erst über die Preußenkasse zu lausen brauchen. 3. Auf dem Gebiete her Sozialpolitik ist eine Erhöhung der Invalidenrenten in der Form vorgesehen, daß die Steigerungssätze vom l.Luli ab um 40 Prozent erhöht werden, das würde für jemand, der 29 Mk. bekommt, eine Erhöhung auf etwa 32.30 Mk. bedeuten, und eine Belastung des Etats für 1928 um 75 Millionen herbeisühcen. Der Gesamtmehrbedarf der Ausgaben gegenüber dem bisherigen Bedarf ist, nach dem augenblicklichen Stande, auf ungefähr 158 Millionen berechnet worden, so daß sich die Summe der für die Maßnahmen erforderlichen Kapitalien einschließlich der 200 Millionen 41m- schuldungskredite für die Landwirtschaft, deren Beschaffung die Regierung unterstützen wird, auf etwa 360 Millionen stellen. Der Anteil der dauernden Ausgaben des Programms beträgt 133 Millionen Mark. Rach den Erklärungen, die der Reichssinanzminister den Parteien abgegeben hat, will die Regierung die 158 Mil- fessionsschule der evangelische Volksteil neben der katholischen Bekenntnisschule und der sozialistischen Weltanschauungsschule den Kürzeren ziehen muh, bürste nach den Erfahrungen der letzten Lahre einleuchtend sein. Wie nun- auch das formale Ende dieses Schulkampfes verlaufen wird, fo wird das Zentrum doch seine kulturpolitischen Wünsche auf unbestimmte Zeit vertagen müssen. Wir haben hier früher schon den Standpunkt vertreten, daß das Scheitern des Reichsschulgesetzes nicht unbedingt den Bruch der Koalition und die Auflösung des Reichstags bedeuten müßte, daß vielmehr Ausgaben genug der Lösung harrten, um den Reichstag bis zum Zeitpunkt seines verfassungsmäßigen Auseinandergehens vollauf zu beschäftigen. Das Zentrum hat es jedoch anders für richtig be- befunden und die Koalition gelöst, um möglichst schnell aus der kompromittierenden Ehe mit den Deutschnationalen herauszukommen. Man macht eben Wahltaklk statt Staatspolitik und hätte womöglich alles im Stich gelassen, wenn nicht der Reichspräsident gewesen wäre. Schon seit Monaten schacherten die Parteien lustig um den für sie günstigsten Wahltermin, vergaßen dabei aber nur, daß die Auflösung des Reichstages eines der wenigen Rechte ist, das die Reichsverfassung dem Reichspräsidenten vor- lionen durch eine Erhöhung der Solleinnahmen hereinbekommen. Sie sind jetzt mit 1050 Millionen Mark angesehl. Der Reichssinanzminister rechnet mit einem Mehraufkom- men von 200 Millionen Mark. Ob dieses Programm, wie es vorstehend skizziert worden ist, nun genau so durchgeführt wird, das hängt natürlich von den Verhandlungen mit den Parteien ab, deren Beendigung man abwarten muh. Wie im Reichstag verlautet, wird das Kabinett Samstag, 10 Uhr, zusammentreten, um die weitere Entwicklung zu besprechen, nachdem Vizekanzler Hergt vorher noch einmal mit den Führern der demokratischen Fraktion Rücksprache genommen haben wird, um eine endgültige K.ärung darüber herbeizuführen, ob die Demokraten an ihrer Forderung auf Dur ch- führung des K l e i n r e n t n e r v e r s 0 r - gungsgesehes festhalten. Ln der allgemeinen Besprechung, die am Freitagabend zwischen Minister Hergt und den Demokraten stattsand, hatten diese erflärt, daß das ganze Arbeitsprogramm für sie erledigt sei, wenn die Regierungsparteien auf ihrem Standpunkt beharrten, daß das Kleinrentnerversorgungsgeseh nicht mehr in das Programm aufgenommen werde. Minister Hergt wird Herrn Koch nun die Frage vorlegen, ob seine Partei die Verantwortung für das Scheitern des Arbeits- Programms übernehmen wolle. 3m Reichstag hört man ziemlich allgemein die Auffassung, daß die Demokraten ihre Meinung nicht ändern werden. Sollte das aber doch der Fall sein, so würden die Regierungsparteien über die noch ungeklärten Punkte des Arbeitsprogramins weiter beraten, jedoch sind auch zwischen den Regierungsparteien selb st neue Schwierigkeiten ausgetaucht, insofern, als die Deutschnationalen es ablehnen, sich auf einen Termin für die Durchführung des Arbeits- Programms festlegen zu lassen, während auf der anderen Seite das Zentrum den 31. März für den Schlußtermin ansieht. Auch die Sozialdemokraten, die nach der sachlichen Seite hin den Regierungsparteien stark entgegengekommen sind, verlangen eine zeitliche Begrenzung. Außerdem ist unter den Regierungsparteien auch über das soziale Progranm noch keine Einigung erzielt. Alle diese Gesichtspunkte haben dazu geführt, daß die Situation im Reichstag sehr pessimistisch angeieben wird. Sollten die Verhandlungen scheitern, rechnet man mit einer Auflösung des Reichstags am Donnerstag kommender Woche. Für dielen Fall ist a l s Wahltermin der 2 5. März in Aussicht genommen. Während im Reich die oorgefd)riebene Frist für die Auflegung der Wählerlisten bei diesen Terminen eingehalten werden kann, würde der 25. März für die Wahlen zum Preußischen Landtag sehr ungünstig liegen, da in Preußen längere Fristen als im Reich vorgesehen sind. Wo MeiW die Reform des Wahlrechts? Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 18. Febr. Angesichts Ver bevorstehenden Reuwahlen darf man es bedauern, daß der zu Ende gehende Reichstag es versäumt hat, die von vielen Seiten geforderte Revision der Reichswahlordnung, bzw. des Wahlgesetzes noch in Angriff zu nehmen und so rechtzeitig durchzuführen, daß die nächsten Wahlen Den Volkswillen deutlicher zum Ausdruck bringen können als die früheren. Der württembergifche Landtag ist In dieser Beziehung unternehmender gewesen, denn er hat eben noch mit Zweidrittelmehrheit eine QlenDerung des Landtagwahlgefetzes, zunächst in erster Lesung angenommen, die wenigstens die Frage der Splitterbildung einer neuen Lösung entgegensührt. Dieses württembergische Gesetz ist allerdings sehr leicht zu machen gewesen, weil es auf einer schon vorher dort bestehenden Bestimmung aufbaut und mit einer einfachen Abänderung dieser früheren Bestimmung das gewünschte Ziel mit einiger Sicherheit erreicht. Bisher sind Wählervereinigungen bei den Wahlen unberücksichtigt geblieben, deren Bezirksvorschlagslisten in vier Wahlbezirken nicht mindestens */r Der Wahl- zahl erreichen. Letzt ist also diese Bestimmung dahin abgeändert, daß 1/4 der Wahlzahl für vier Vorschlagslisten zu den Wahlbezirken erforderlich ist. Lm Reichswahlgeseh kennt man eine solche quotenweise Festsetzung für die Vorschlagslisten nicht, sondern hier sind bestimmte Mindest- zahlen durch Unterschrift nachzuweisen, soweit sie nicht (wie bei den bestehenden großen Parteien) ohne weiteres als vorhanden angesehen werden dürfen. Paragraph 15 des Reichswahlgesetzes in feiner neuen Fassung vom 6. März 1924 bestimmt in dieser Hinsicht, daß mindestens 500 Wähler injedem Wahlkreise (also nicht in den kleineren Wahlbezirken) die Kreiswahlvorschläge unterzeichnen müssen, an deren Stelle 20 genügen, wenn diese glaubhaft machen, daß mindestens 500 Wähler Anhänger des Kreiswahlvorschlags oder eines andern, mit dem sich der Wahlvorschlag verbinden oder der sich ihm anschliehen will, sind. Das ist natürlich keine Sicherung gegen die Bildung von Splitterparteien, denn in einem ganzen Wahlkreise kann man z. D. auch 500 Anhänger für einen Wahlvorschlag der Schornsteinfeger oder der Zigarrenhändler aufbringen, und es könnte sogar, wie das bereits vorgekommen ist, ein einzelnes größeres Unternehmen durch Sammlung der Unterschriften innerhalb seines Betriebes eine Partei der „X-Fabrik", der „V-Gesellschaft" oder der „Z-CBanf“ begründen. Solchem Unfug aber muß vorgebeugt werden, und deshalb ist eine erheblich« Verschärfung der Bestimmungen über die Zulassung zu den Wahlvorschlägen unbedingt erforderlich. Das württembergifche Beispiel zeigt einen verhältnismäßig einfachen Weg, aber es gibt auch noch viele andere, über die man sich vor einigen Wochen im Reichstag den Kopf zerbrochen hat, ohne sich auf einen bestimmten Vorschlag einigen zu können. Dabei soll gewarnt werden vor einer Verschiebung der Frage auf das materielle Gebiet. Denn auch wenn man die Zulassung von Vorschlägen von der Zahlung einer gewissen Summe abhängig macht, die etwa als Kostenbeitrag für die Ausnahme in den amtlichen Stimmzettel gedacht ist, ja, gerade dann fordert man kapitalkräftige Einzel- persönlichkeiten oder Unternehmungen heraus, sch die Propagandawirkung einer solchen, unter Umständen gar nicht ernst gemeinten Kandidatur wirtschaftlich, gesell'cha t'.ich oder politisch zunutze zu machen, und bei dieser Rechnung dürfte der Stimmzettel zur Reichstagswahl gegenüber mancher gleich kostspieligen oder sogar kostspieligeren Propaganda mit üblichen Mitteln den Sieg davontragen. Dem Volksempfinden entspricht es, daß lediglich solche Persönlichkeiten und Gruppen als Bewerber um Parlamentsmandate zugelassen werden, die politisch für eine größere Volksschicht etwas bedeuten und sich auf Grund eigener politischer Arbeit wirkliche, überzeugte Anhänger bereits im voraus erworben haben. Das fordert die Würde des Parlaments, und deshalb gehört in das Rotprogramm von Rechts wegen auch noch die Revision unseres Wahlrechts. Ein neuer Wahlzettel. S e r I i n, 18. Febr. (Priv.-Tel.) Zwischen den großen Parteien des Reichstags und dem Reichsinnenministerium ist oereinbart worden, das Wahlgesetz dahin zu ändern, daß auf den neuen Wahl- ZCB behält. Und Herr von Hindenburg hat sich nicht gescheut, zur rechten Zeit sich in Erinnerung zu bringen. Sein Brief an den Reichskanzler weist die Parteien mit ruhiger Hand in ihre Schranken und zeigt die Aufgaben auf, Deren Lösung der Reichspräsident von diesem Reichstag noch erwartet. Das war erfreulich deutlich. Und auch im Parlament hat man diese Sprache verstanden. So fanden sich Reichskabinett, ehemalige Regierungsparteien und Opposition zusammen, um ein Rotproaramm aufzustellen, das alle die Ausgaben enthalten soll, Die vor der Auflösung des Reichstags noch zu erledigen find. Bis zur Stunde sind uns Einzelheiten dieses Programms noch nicht bekannt. Auch scheint es im Augenblick noch nicht festzustehen, ob sich aus allen maßgebenden Parteien eine Arbeitsgemeinschaft ad hoc zusammenfinden wird. Immerhin ist es doch erfreulich, daß man so viel Verantwortungsgefühl aufbringt, aus Dem großen Scherbenhaufen die noch einigermaßen heilen Stücke herauszusuchen. Roch einige Wochen sachlicher Arbeit werden auch, wie wir hoffen, die augenblickliche Rervosität in Politik und Wirtschaft dämpfen, so daß die Wahlen in nicht so überhitzter Atmosphäre stattsinden können, wie sie jetzt bei uns leider herrscht. Um den Wahltermin zu streiten erscheint uns solange müßig, als noch nicht feststeht, wie das Rotprogramm der Regierung aussieht. Zu seiner Durchführung möchten wir dem Kabinett wieder eine etwas größere Aktivität empfehlen, wie sie es sehr bedauerlicherweise in den letzten Monaten gezeigt hat. Das Wort vom „Dureau- vorsteher" Marx, das kürzlich ein Blatt der Rechten prägte, beleuchtet leider schlagend die Situation der letzten Wochen. Auch die Verhandlungen über das Reichsschulgesetz hätten unter einer geschickteren Führung durch das Kabinett zweifellos einen glücklicheren Verlauf nehmen können. Aber Herr v. K e u d e l l, der zuständige Ressortminister, Der sich vom ersten Tage Der Koalition an zum Sorgenkind des Reichskabinetts entwickelt hat, ließ die Zügel bedenllich schleifen und trat erst in einem Augenblick als Mittelsmann hervor, in dem nichts mehr zu retten war. Kein Wunder, wenn die Opvosttion dieses laissez «£>• als ein Zeichen dafür nahm, daß der Wille zu gemeinsamer Arbeit in den Reihen Der Regierungsparteien schon im Schwinden war. Wir möchten indessen hoffen, daß das Reichskabinett die Lnittattve, die es bei der Aufstellung des Rotprogramms nun endlich in letzter Stunde wieder an sich gerissen hat. bei Der Durchführung Der großen und bedeutsamen Ausgaben, die dem Reichstag bis zu seiner Auflösung noch obliegen, sich nur voll und ganz auswirken läßt. zettelnurdiebisherimReichrtagver- tretenen Partei« n kommen, daß aber für diejenigen Wähler, die eine andere Partei wählen wollen, ein freier Raum mit Einzeichnungskreis auf jedem Wahlzettel vorbehalten bleibt. Diese Wahlgesetzänderung kann natürlich nur noch zustande kommen, wenn der Reichstag noch fünf bis sechs Wochen zusammenbleibt und das Notprogramm erledigt. Eine neue Bauernpartei. Der Banernbundabgeordnete Lorsch löst sich von der deutschnationalen Fraktion. Berlin. 17. Febr. (WB.) Die Reichstags- abgeordneten Döbrich, Dorsch und Hanse haben sich im Reichstag zu einer selbständigen Parteigruppe unter dem Namen „Ehristlich - Nationale Bauernpartei" zusammen- geschloffen. Der neu gegründeten Partei ist auch der deutfchvöllische Neichstagsabg. Weiden- Höfer zuzurechnen. Die Bildung dieser neuen selbständigen Parteigruppe vollzog sich in Form eines Besuches der drei deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Dorsch. Hänsel und Döbrich bei dem Vorsitzenden der Deutschnationalen, dem Grafen Westarp. Die drei Abgeordneten waren übrigens nicht volle Mitglieder der deutschnationalen Fraktion, sondern sie gehörten ihr nur als Hospitanten an. Der Abgeordnete Döbrich vertritt den Wahlkreis XII (Thüringen). während der Abgeordnete Dorsch- Wölfersheim bekanntlich im Wahlkreis Hessen-Darm st adt gewählt ist. Beide Abgeordnete sind Landwirte von Beruf und a u f der Liste des Landbundes ursprünglich gewählt worden. 3n parlamentarischen Kreisen sieht man im allgemeinen in dieser Neugründung die Absicht, die bisher enge Verbindung zwischen den Landbundlisten und den Listen der Deutschnationalen Partei aufzulockern, ja sogar eine Bewegung, innerhalb der Bauernschaft der eine gewisse Tendenz gegen den Großgrundbesitz inncwohnt. Die Aktion der drei Abgeordneten, die zudem offiziell vom Reichslandbund mitgeteilt wird kann für die deutschnationale Fraktion von grundsätzlicher Bedeutung werden, da sie die schon lange ungeklärte Frage, die oftmals zu Mißverständnissen Anlaß gegeben hat, wie Deutschnationale Volkspartei und Landbund zueinander stehen, möglicherweise aufrollt. Dr. Köhlers Vorbilanz. Günstiger Stand der Reichseinnahmen Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 18. Febr. Der Reichsfinanzminister hat für den Januar und darüber hinaus für die ersten zehn Monate des laufenden Haushaltsjahres eine recht erfreuliche Bilanz ziehen können. Ium ersten Ma! ist in dem Jahre 1927/28 im Monat Januar die M i l l i a r d c n g re n ze überschritten worden. Es sind nicht weniger als 1008,1 Mill. Mk. vereinnahmt worden. Rechnet man noch die Ergebnisse der ersten zehn Monate zusammen, dann ist mit 7,3 Milliarden fast das Einnahmesoll des ganzen Etatsjahres, das 7,7 Milliar- den beträgt, erreicht. Ein Vergleich der Januareinnahmen mit denen des Vormonats ergibt nahezu eine Verdoppelung, deren Bedeutung allerdings erst auf das richtige Maß zurückgeschraubt wird, wenn man bedenkt, daß mit dem Beginn eines jeden Vierteljahres Vorauszahlungen für die Einkommen- und Körperfchaftsfteuer fällig sind und daß diesmal noch erhebliche Solleinnahmen, die bisher nicht berücksichtigt wurden, zur Verrechnung gelangten. Bei einem Abzug dieser Summen ergibt sich gegenüber dem Dezember ein wesentlicher Unterschied. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, daß unser Steuerapparat in zehn Monaten bereits die Beträge aus unserer Wirtschaft herausgeholt hat, die für das ganze Haushaltsjahr in Rechnung gesetzt worden sind. Die Steuerzahler sind ihren Verpflichtungen nachgekommen, allerdings unter schwer st en Opfern und unter Verzicht auf jegliche Kapitalbildung, oft sogar erst nach Uebernahme neuer Schulden. Mag vom Standpunkt des Finanzministers die Zehnmonatebilanz als glänzender Erfolg angesehen werden, so läßt es sich doch nicht bestreiten, daß ein etwas mäßigeres Steuertempo das rasche Abgleiten der Kon- juntturkurve noch für einige Zeit aufgehalten hätte. Die Folgen dieser Steuerpolitik des Reiches, zu der noch die der Länder und Gemeinden tritt, drücken sich am besten in dem neuerlichen Niedergang unserer Wirtschaft aus. ilm die Lusibarkeiisstener. Eine Eingabe der Filmindustrie. — Einwände des Städtebnndcs. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 18. Febr. Die Spitzenorganisation der deutschen Filmindustrie hatte sich in einem Telegramm an den Reichskanzler gewandt, in dem sie die Herbeiführung eines Kabinettsbefchlusses fordert, damit die Frage der L u st b a r k e i t s st e u e r noch im gegenwärtigen Reichstag vorgelegt werden könne. In der Begründung dieser Bitte heißt es, daß nach der Neuregelung dieser Frage vom Ende des JahreS 1926, nach der diese Steuer auf durchschnittlich 15 Prozent festgesetzt worden sei. sich dennoch keine Besserungen für die Filmindustrie erwieken hätten. Die Schaffung von Q u a l i t ä t s f i l m c n für Exportzwecke könne bei Bestand der Lustbarkeitssteuer nicht fortgesetzt werden. Der Reichskanzler hat dieses Telegramm unverzüglich der zuständigen Stelle im Reichsfinonzministcrium Angewiesen und dabei um dringliche Erledigung gebeten. Es läßt iid) natürlich noch nicht absehen, nach welcher Richtung hin eine Entscheidung fallen wird, zumal der R e i ch s st ä d t e b u n d sich mit Entschiedenheit gegen den von der Filmindustrie propagierten Abbau der Kinosteuer wendet, die das Kernstück der gemeindlichen Ber- gnügungssteuer bildet und deren Ausfall nur durch Erhebung anderer Steuern ausgeglichen werden könne. Eine Not des Films könne nach Auffassung des RcichSstädtebunbes auch in Anbetracht der starken Zunahme der Lichtspieltheater und der Sitzplätze nicht anerkannt werden. Auch würde, wie die Erfahrung gezeigt habe, eine weitere Steuerermäßigung weder dem Publikum noch der förderungswerten Kulturfilmproduktion 'zugute kommen. An Stelle eines Steuerabbaus wäre eine wirksame, den Kultur- und Lehrfilm mehr als bisher begünstigende Staffelung her Steuersätze zu fordern. Das Schicksal Südtirols. Erklärungen des österreichischen Bundeskanzlers über die Rechtslage. Wien, 17. Febr. (WB.) 2m Nationalrat gab Bundeskanzler Dr. Seipel eine ausführliche Darstellung über die Sach- und Rechtslage in Südtirol. 3n der Darstellung heißt es u. a.: Das Bundeskanzleramt hat in jedem einzelnen Falle die geeigneten Maßnahmen, soweit sie jeweils möglich waren, ergriffen und wird auch in Zukunft bestrebt fein, die Rechte und Interessen der Oesterreicher in allen Teilen Italiens in gleicher Weise nachdrücklich zu wahren und zu schützen. Was die Rechtslage anbelangt, ist folgendes hervorzuheben: 1. Der Umstand, daß in der Mantelnote zum Staatsvertrag von St. Germain ausdrücklich auf die Erklärungen des damaligen italienischen Ministerpräsidenten in der italienischen Kammer ü er die gegenüber den neuen italienischen Staatsbürger deutscher Nationalität in Aussicht genommene liberale Politik hingewiesen wird, berechtigt die Bundesregierung gewiß, auf die Nichteinhaltung der in diesen Erklärungen liegenden Zusagen zu verweisen. Denn dieser nachdrückliche Hinweis auf diese cteclarations trfcs nettes des Ministerpräsidenten ist von den alliierten und assortierten Hauptmächten im Zusammenhang mit der Weigerung, eine Aenderung der Grenzen im Sinne der österreichischen Vorstellungen zu erheben, unzweifelhaft aus dem Grunde erfolgt, die österreichische Friedensdelegation über das Schicksal der von ihrem Mutterlande getrennten Deutschen zu beruhigen. Dagegen kann nicht Übersehen werden, daß, solange ein allgemeiner Völkerrechts- grundsatz über die Rechte der nationalen Minderheiten nicht anerkannt ist, Italien in der Lage ist, sich darauf zu berufen, daß es sich hier um eine Frage über die Behandlung italienischer Staatsangehöriger durch ihre eigene Regierung handelt. Der zweite theoretisch mögliche Weg wäre, die Dölkerbundsversammlung unter Berufung auf Art. 19 der Satzung mit der Südtiroler Frage zu befassen. Dieser Weg ist derzeit wohl als ungangbar zu bezeichnen. Wir toilfen nämlich, daß von Italien das Heran- tragen dieser Frage an den Völkerbund als ein feindseliger A k t Oesterreichs betrachtet werden würde. Es erübrigt sich, noch auf die Möglichkeit einer Aenderung der geschilderten unbefriedigenden Rechtslage selbst einzu- gehen. Auch eine solche Möglichkeit besteht theo- retisch zu Recht. Die Bundesregierung könnte der Völkerbundsversammlung den Antrag vorlegen, die Bundesstaaten durch Beschluß aufzufordern, die in den Minderheitsschutzverträgen enthaltenen Verpflichtungen vertragsmäßig auf sich zu nehmen. Ein analoger Antrag einer nordischen Regierung ist aber vor zwei Jahren ergebnislos gebliebem Auch würde ein bloßer Beschluß _ der Versammlung, selbst wenn er zustande käme, für Italien nicht bindend sein, sondern hierzu bedürfte es einer internationalen Akte, z. B. eines Protokolls, das von Italien mit- unterzeichnet und ratifiziert werden müßte. Unter den geschilderten Umständen halte ich es nicht für angezeigt, eine diplomatische Aktion zu unternehmen. Die Bundesregierung muh sich darauf beschränken, der italienischen Regierung in aller Aufrichtigkeit zu sagen, daß die von unseren Vorstellungen über kulturelle Minderheitsrechte weit entfernte Behandlung der Deutschen südlich des Brenner sich der Entwicklung weitergehender freundschaftlicher und vertrauensvoller Beziehungen zwischen Oesterreich und Italien, die sonst so wünschenswert wären, als großes Hindernis in den Weg stellt. Der Kranhprozeß. Rechtsanwalt Frey übernimmt wieder die Verteidigung Berlin, 17. Febr. (WB.) Der Angeklagte Paul Krantz hat an Rechtsanwalt Dr. Frey aus dem Krankenhause einen Brief geschrieben, in dem er den Rechtsanwalt bittet, die Verteidigung wieder aufzunehmen und weiter für seinen Freispruch zu kämpfen. Sein ganzes Vertrauen gehöre Dr. Frey. Heute nachmittag fand zwischen Landgerichtsdirektor Dr. Dust und Rechtsanwalt Dr. Frey eine Besprechung statt, in der die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gütlich beigelegt! wurden. Dr. Frey hat daraufhin die Verteidigung des Angeklagten wieder übernommen. Nach der Feststellung des Gefundheitszustandes von Krantz, die morgen früh in Anwesenheit der Prozehbeteiligten im Augufte-Diktoria- Krankenhaus in Schöneberg vor sich geht, wird die Verhandlung, da Krantz nach Auskunft der Aerzte transport- und verhandlungsfähig fein dürfte, in Moabit fortgesetzt werden, wo sich Dr. Dust und Dr. Frey in öffentlicher Sitzung in entsprechenden Erklärungen äußern werden. Hierauf werden die weiteren Sachverständigen ihr Urteil abgeben, so daß am Montag bei programmäßigem Verlauf des Prozesses die Plädoyers beginnen können. Die SKttchtmigsverhandlungen in der mitteldeutschen Mtallindustrie. Berlin, 17. Febr. (WB.) In dorn Lohnftrcit der mitteldeutschen Metallindustrie sind die Schllch- tungsoerl)anidlungen, die heute i-m Reichsarbeits- minifterium begonnen haben, auf Samstag vertagt worden. In den Verbandlungen erklärten die Vertreter der Arbeitgeber, daß sie unter keinen Umständen über Örn Dreipsennig-Schiedsspruch hinausgehen könnten, da bereits in großem Umfange Aufträge rückgängig gemacht worden seien und eine weitergehende Lohnerhöhung von der Industrie nicht getragen werden könnte. Demgegenüber betonten die Arbeitnehmervertreter, daß der Dreipfennig-Schiedsspruch in keinem Verhältnis zu der aufgestellten Forderung einer Lohnerhöhung um 15 Pfennige stände und auch keineswegs der inzwischen eingetretenen Teuerung der Lebensbedürfnisse entspreche. Deutscher Reichstag. Berlin, 17. Febr. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichs- arbcitsministeriums beim Kapitel „Siedlungs- wesen" fortgesetzt. Abg. Rönneburg (Dem.) eine verständnisvolle Zusammenarbeit des Reiches und der Länder auf dem Gebiete des Siedlungs- wesens: das bisherige Ergebnis dieser Arbeit sei recht mager. In den letzten sieben Jahren sind jährlich nur5000Men scheu a>t gesiedelt worden, während in derselben Zeit allein die Provinz Ostpreußen 158 000 Menschen durch Abwanderung verloren hat. Der Redner empfiehlt eine Entschließung, in der u. a. gefordert wird, eine wesentliche Verringerung der Preisspanne zwischen dem Ankaufspreis des Sirdlungslandes durch die Siedlungsgesellschaften und dem Abgabepreis, den diese von den einzelnen Siedlern fordern, weiter die Aufnahme einer Auslandanleihe zur Zinssenkung für die Siedlungskredite. Es folgt die Beratung des Versorgungs- Wesens. Abg. Pas fehl (Soz.) bedauert die langsame Erledigung der Versorgungsanträge durch die ärztlichen Dienststellen, und wendet sich gegen den Plan einer Auslösung der Versorgungsämter und gegen eine Übertragung ihrer Aufgaben auf die Finanzämter. Abg Knoll (Ztr.) bezeichnet gleichfalls die Aufrechlerhaltung der Versorgungsämter als notwendig. Die Heilbehandlung müs'e noch ausgebaut werden. Be? der nun folgenden Abstimmung wird der sozialdemokratische Antrag auf Bereitstellung von 5 Millionen für Zinsverbilligung bei Baudarlehen bei Landarbeitersiedlungen mit 198 gegen 164 bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Dec Etat des Reichsarbeitsministers wirb im we entlichen nach den Vorschlägen des Haus- haltsausschusies angenommen. Ein deutschnatio- nalcr Antrag, der in der Novelle zum Be - tricsrätegeseh den Etnfluß der Gewerkschaften vermindern will, wird in namentlicher Abstimmung mit 263 gegen 129 bei 3 Enthaltungen abgelehnt. Der vom Ausschuß eingebrachte Gesetzentwurf wird angenommen, wonach 10 Millionen zur Gewährung von Zwischenkrediten für Kleinteohnungsbauten ausgeworfenwerden sollen. Dis Freigabsbill im amerikanischen Senat. Washington, 17. Febr. (WD.) Die Beratung der Freigabebill, die gestern vom Senat ausgenommen wurde, wurde durch eine Rede des Senators S m o o t eröffnet, in der er zunächst eindringlich darauf hinwieS, daß die Vorlage nunmehr endlich erledigt werden müsse, damit die Ansprüche der amerikanischen Bürger gegen die deutsche Regierung befriedigt, und daß so lange zurückgehaltene deutsche Privateigentum & u r ft cf g eg eben werden könne. Smoot führte folgende Zahlen an: Die Ansprüche amerikanischer Bürger betragen 191 700 000 Dollar, ungerechnet die Forderungen der Regierung der Vereinigten Staaten in Höhe von 62 200 000 Dollar, die die Fretgabebill zunächst unberücksichttgt läßt. Befriedigt werden nach der Vorlage sofort die von der gemischten Kommission anerkannten Ent- schädigungsforderungenfürTod oder Körperverletzung von Amerikanern in 885 Fällen mit insgesamt 4 Millionen Dollar, ferner alle amerikanischen Ansprüche unter 100 000 Dollar in 3046 Fällen mit insgesamt 29 Millionen Dollar, schließlich bei Fällen, in denen über 100 000 Dollar zugebilligt wurden, zunächst 100 000, der Rest ratenweise. Es handelt sich hierbei um 178 Fälle, von denen 16 noch unentschieden sind und um insgesamt etwa 158 Millionen Dollar. Diese Beträge dürsten b i s zum 1. September 1928 ausgezahlt sein. Die Vorlage fordert den Präsidenten auf, mit der deutschen Regierung über die Zulassung von verspätet angemeldeten Ansprüchen zu verhandeln. Es sind insgesamt etwa 5000 Fälle, in denen eine Nachfrist bis ; zum 1. 3uli 1928 gewährt werden soll. Das deutsche Privateigentum, das auf 200 Millionen Dollar geschätzt wird, soll bis auf 20 Prozent oder 40 Millionen Dollar sofort zurückgegeben werden. Bei Ansprüchen unter 2000 Dollar soll kein Abzug gemacht werden. Die Ansprüche der deutschen Reedereien und Pa- tentitzhaber sollen von einem amerikanischen Schiedsrichter festgestellt und bis zur Gesamthöhe von 100 Millionen Dollar befriedigt werden. Hiervon werden zunächst nur 50 Prozent der zugebilligten Beträge ausbezahlt, berJRcft ratenweise. Bedingung ist ferner, daß die Schiffe tatsächlich nur als Handelsschiffe, nicht als Hilfskreuzer । verwendet wurden. Der zur Zahlung dieser 50 Prozent erforderliche Betrag von 50 Millionen Dollar soll vom Schatzamt bereitgefteüt werden. Falls die Vorlage, die morgen weiter beraten wird, angenommen wird, werden nach obiger Berechnung zunächst etwa 210 Millionen Dollar oder über 800 Millionen Goldmark an deutsche Berechtigte zurückerstattet. Die Debatte über die Freigabebill erlitt nach Beendigung der Rede des Senators Smoot, der verschiedene Fragen anderer Senatoren beantwortete, eine längere Unterbrechung. Senator Smoot rechnet damit, daß man erst Samstag oder Montag zur Abstimmung gelangt, obwohl andere dringende Gesetzentwürfe nicht vorliegen, kann den Zeitpunkt der Abstimmung im gegenwärtigen Stadium niemand voraussagen. Aus aller Wett. Unwetter und Hochwasser im Vogtlande. Infolge der gewaltigen Regengüsse der letzten Zeit und des Witterungsumschlages ist die Elster rasch gestiegen, wodurch be onders das gewaltige Werk der Elster-Regulierung bei Chrieschwitz jum sechsten Male vom Hochwasser heimgesucht wird. Die Gewalt der Wasserfluten ist so stark, daß die Tank- dämme in zwei Teile von 15 und 40 Meter Breite ze r r i s s e n wurden und die Elster sich nun einen Weg in das neue, noch nicht fertig- gestellte Bett sucht. Der Schaden ist sehr groß. In der nächsten Umgebung hat der Sturm derart gewütet, daß die Waldungen zum Teil ein Trümmerfeld bilden. Bet Jockel- brach ein fünf Meter hoher Schornstein auf einem Dache zusammen und richtete schwerrn Schaden an. Bierabend beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hatte zu einem Bierabend geladen. Es waren u. a. erschienen die in Berlin weilenden Aeichsminister und preußischen Staatsminister, das Präsidium des preußischen Landtags, die Mitglieder des vorläufigen Reichswirtschaftsrats und des preußischen Staaisrats, die Staatssekretäre des Reichs und von Preußen, höhere Offiziere des Reichsheeres und der Reichsmarine, die Ministerialdirektoren der obersten Reichsbehörde, Vertreter von Spitzenorganisatio- nen sowie führende Persönlichkeiten aus Handel. Industrie, Wissenschaft und Kunst. Heber 7000 Mark Lohugelder geraubt. In Ternburg (Saale) wurde auf der vor der Stadt gelegenen Aue ein Raubüberfall verübt. Der Meister der Deutschen Solvay. Werke trug gerade die Lohngelder nach dem ihm unterstellten Steinbruch. Plötzlich trat ein hinter einem Pfeiler versteckter Mann vor ihn hin und drückte einen Revolver ab. Der Meister wurde glücklicherweise nur an der Wange verletzt, taumelte aber und. ließ dabei die Aktentasche mit 7000 Mark Lohngeldern fallen. Der Täter lief, nachdem er die Tasche an sich genommen hatte, der Stadt zu, wurde noch eine Strecke lang von dem Meister verfolgt, konnte dann aber unerkannt entkommen. Der hochwasserdieufi am Rhein eröffnet. Die Rheinstrombauverwaltung teilt amtlich mit, daß der Hochwasserdienst eröffnet worden ist. Für Koblenz, das Freitag früh einenWasser- stand von 5,15 hatte, wird für Samstag ein Pegelstand von 6 Meter erwartet. Die unterwegs befindlichen Hochwasserwellen des Mains und der Mosel werden für den Mittel- und Niederrhein nur ein langsames Steigen bringen. Fröste auf den Höhen bedingen ein weiteres Abfallen der seitlichen Zuflüsse des Rheins, abgesehen von dem rheinisch- toestfälischen Bergland, das erneut überregnet tft Wegen betrügerischen Bankrotts verhaftet. 3n München wurden die Inhaber eines Me- tallhüttenteerles wegen betrügerischen Bankrotts und Betruges festgenommen. Die Firma inserierte im Jahre 1927, obwohl schon läng ft ko n- kursreif, in einer außerbayerischen Tages- zeitung die Begebung von Betriebskapital an einwandfreie Unternehmungen gegen Vergabe von Akzepten in gleicher Höhe. Durch unbefugte Verwertung dieser Akzepte ohne Hingabe der versprochenen Darlehen wurde eine Anzahl Firmen und Banken um hohe Summen geschädigt. Die Passiven sollen die Akttven um mehr als eine Million Mark übersteigen. Grohseuer im Westerwald. In Ellar brach in einer Scheune ein Brand aus, der durch den starken Sturm sich bald auf zwei benachbarte massive Scheunen aus- dehnte. Nach angestrengter Tätigkeit der auf den Brandplatz herbeigeeilten elf Nachbarwehren gelang es, das Feuer, durch das ein Teil des Dorfes selb st stark bedroht war, auf seinen Herd zu beschränken. Mit den drei Scheunen, die fast vollständig niedergebrannt sind, wurden sämtliche (Srntejörrcäte ein ^Raub der Flammen. Die Wetterlage. Freitag, den 17Februar 1QZ& 7habends K \ —jjngo- ------ '—-^y — 8 •eichtet osi nassige» Südsüdwest stürmische* MordWtSl tie Piene (hegen mit aem winde Pie ceiden Stationen stenenoen l* len gecen die Temperatur ag. Pie unien veromden Orte mit gleiche» »u( Hcrresmveeu umaerechneten Luftdruck LrscLLervorauksagc. Im Bereich hohen Druckes hat bereits Bewölkungsabnahme eingesetzt. Dabei gingen die Temperaturen weiter zurück, jedoch nicht unter den Gefrierpunkt. Nur vorübergehend wird der Hochdruckein- fluß standhalten, denn das neue lief, das sich im Raume von Island ausaebreitet hat, wird auch wieder Einfluß auf unsere Wetterlage gewinnen. Wahrscheinlich dürfte im Laufe des morgigen Nachmittags wieder stärkere Bewölkung aufziehen und erneute Warmluft wird unter Temperaturanstieg später Niederschläge bringen. Wettervoraussage für Sonntag: Wollig mit Aufheiterung, trocken, später Dewöllungszunahme. milder und Neigung zu Niederschlägen. ' WitterungSaussichlen für Montag: Zeitweise trübes und regnerisches Wetter, milder. Lufttemperaturen am 17. Februar: mittags 6 Grad Eelsius, abends 1,3 Grad Celsius: am 18. bruar; morgens 2,3 Grad Celsius. Maximum 9,6 Grad Celsius, Minimum 0,4 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 17. Februar: abends 4,8 Grad Celsius: am 18. Februar: morgens 2,7 Grad Celsius. — Niederschläge: 4,9 Millimeter.- Sonnenscheindauer: 2 Stunden. Wintersport im Hogclsberg jHoherodskopfsi Wind: Nordwest: Wetter: dunstig: Schneehöhe: 18 Zentimeter: Beschaffenheit: pulverförmig und verweht: Temperatur: —4 Grad Celsius: Sportmöglich' feit: gut. Aus der Provinzialhauptstadt. Dietzen, den 18. Februar 1928. Oer Gamsiag und die Vorfreude. Hast du schon einmal eine Reise oder auch nur einen eintägigen Ausslug vorbereitet? War es nicht eine Freude, am Abend vorher, über Karten gebeugt, im Führer lesend, schon im voraus all das Schöne zu genießen, das der andere Tag bringen wird? Du lasest die Beschreibungen im Führer, du merktest dir die Stellen mit den zwei Sternchen. Reich wie ein König gingst du zu Bett. Llird am andern Morgen —z — ein ßanbtegen! Die Freude war zum Teufel, der Ausflug aber auch. Rur eins blieb dir unverkürzt: Die Dor freu de. Ist sie nicht auch etwas wert? — — Am Morgen wird den Kindern gesagt, datz es zum Mittagessen Pudding gibt, Schokolade- Pudding mit Schlagsahne. Wie leicht erscheinen thnen heute die Schulaufgaben I Wie fliegt die Fc^er! Jedes will zuerst fertig sein. Don weitem winkt der Pudding. Doch herrlich, diese Dor- freride, was? Wohl gibt es Eltern, die lieber Ueberraschungen bereiten. Aber sind die paar LleberraschungLsekunden so viel wert als die Stunden der Dorfreude?-- Und nun zur Hauptsache. Don allen Tagen der Woche ist mir der Samstag der liebste. Es ist der Tag der Dorsreude. Ich weih, dah viele Mitmenschen derselben Meinung sind. Samstag mittag ist in den meisten Betrieben Schluß der arbeitsreichen Woche. Man kann in aller Ruhe seine liegenbliebenen Arbeiten erledigen, und dann kommt sie hereingeflutet: Die Erwartung auf morgen! Kein anderer Tag der Woche birgt diese Erwartungen. Man kann morgen länget schlafen, man kann tun und lassen, was man will. Regnet es, so bleiben wir im Zimmer, scheint die Sonne, so pilgern wir hinaus. Was uns der Sonntag ist, oder was er uns nicht ist, das wurde uns hier an dieser Stelle schon erzählt. Besonders ergriffen war ich von den Ausführungen einer bedrängten Hausfrau, die sich kürzlich an einem Sams lag hier aussprach. Sie behauptet, für die Frau sei der Sonntag nur in der Theorie da. Sie sei am Sonntag nur ein Arbeitstier. Muh das so sein? Gibt es, liebe Hausfrau, nicht auch eine Dorfreude für dich? Willst du nicht einmal den Samstag dazu nehmen? O Gott, denkst du, aerobe der Samstag, der Putztaa, das soll ein freudiger Tag sein? Ra, so schlimm ist es ja nicht. Man muß ihn halt zu einem frohen Tag machen. Also, du backst am SarnStag Kuchen, natürlich. Das ist deine Arbeit, sicher. Aber wenn sie schön geraten, freust du dich ban.i nicht auf den Sonntag? Oder du machst a.ws im Hause blitzblank. Wenn du fertig bist, freust du dich dann nicht an dem tadellosen Anblick? Hnb wenn erst dein Mann ein Lob für alle Deine Mühe hat! ünö. deine Arbeit am Sonntag? Bereite sie am SamStag doch vor, richte Gemüse, Fleisch und Kartoffeln ufto. so vor, daß dann alles schnell erledigt ist. Dami hast du auch einen Sonntag. Das Mittagessen kommt etwas früher auf den Tisch, und der Rachmittqg ist frei. Wie selten kommt die Hausfrau zum Lesen eines Buches. Am Sonntag lieft meine Frau immer. So ein paar Stunden lassen sich schon herausschlagen. Oder fte spielt sich am Klavier ein Liedchen. DaS Abendessen kann am Sonntag — besonders, wenn es zum Rachmittaas- kasfee Kuchen gab — möglichst einfach fein. Ein Butterbrot mit kaltem Aufschnitt tut es doch auch. Ich meine, liebe Hausfrau, auch du könntest dir deinen Sonntag in der Praxis schön gestalten. Mich dich bei all deiner Qlroeit nicht auch der Gedanke durchwärmen: Geben ist seliger denn nehmen? And wenn dein Mann raucht, dann danke Gott und sei zufrieden, denn rauchende Ehemänner kommen am ersten über ein schlecht geratenes Mittagessen — und das gibt es doch auch einmal — hinweg. Dann stecken sie sich ihre Havanna (oder auch ihren Zehner, zweiter Sortierung) in Brand, und du hörst feinen Ton über die versalzene Suppe. Richt- raucher aber, o weh!-- Dein Vorschlag, Sonntags auch einmal in das Hotel zu gehen, ist schön und verlockend. Rur — etwas teuer, besonders, wenn man sechs ober sieben Kinder hat. Da meine ich — das gilt natürlich für den Sommer — lieber hinaus in Wald und Feld, einmal einen ganzen Sonntag im Walde zugebracht I Dann hast du, liebe Hausfrau, nicht nur Theorie, sondern auch Praxis, nicht wahr? Aber vergiß den Samstag nicht, den Tag der Vorfreude! L. Prof. Or. Wilhelm Velke. Wie wir erfahren, hat die Marburger Philosophische Fakultät unserem geschätzten Mitbürger, dem langjährigen Mainzer Dibliothetsdireltor Professor Dr. Wilhelm Velke, aus Anlaß seines goldenen Doktorjubiläums das Diplom erneuert. Die Fakultät bat dabei mit Anerlennung der hohen Verdienste gedacht, die sich der Jubilar als Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Duchdruckerkunst und der rheinischen Geschichte, sowie als Begründer des Gutenberg museums und der Guten- berggesellschaft erworben hat. Bei uns in Gießen werden viele, die diese Zeilen lesen, noch an andere Dinge beulen: an die erstaunliche Rüstigkeit, mit der der 74jährige an seinem wohlerworbenen Stammplatz im Lesesaal unserer ilniDerfitätäbibiiotßet tagaus tagein seine Forschungen fortseht, an die bis zur Selbstaufopferung gehende Hilfsbereitschaft, mit der er einem jeden seine große Erfahrung und fein vielseitiges Wissen zur Verfügung stellt, an die anima can- dida, das goldene Herz, das fein Falsch und (eine Feindschaft, sondern nur Teilnahme und Liebe kennt. Diesem seltenen, auch um Kirche und Armenpflege in Gießen verdienten Manne gelten herzlichste Glückwünsche zu seinem Ehrentage! mögen ihm noch viele Jahre segensreicher Wirksamkeit beschieden sein! Taten für Tonntag, 19. Februar. Sonnenaufgang 7.09 Uhr, Sonnenuntergang 17.20 Uhr. — Mondaufgang 6.38 Uhr, Monduntergang 14.44 Uhr. 1473: der Astronom Nikolaus Kopernikus in Thorn geboren (gestorben 1543); — 1731: Frau Rat Goethe (Goethes Mutter) in Frankfurt a. M. geboren (geb starben 1808); — 1745: der Physiker Alexander Volta in Como geboren (gestorben 1827); — 1859: der Astronom und Physiker Svante Arrhenius in Upsala geboren (gestorben 1927); — 1865: der Forschungs- reisende Sven Hedin in Stockholm geboren. Daten für Montag. 20. Februar. Sonnenaufgang 7.06 Uhr, Sonnenuntergang 17.23 Uhr. — Mondaufgang 7.13 Uhr, Monduntergang 15.30 Uhr.' 1790: Kaiser Joseph II. in Wien gestorben (geboren 1741); — 1810: die Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer und Pater Mayr erschossen (beide geboren 1767). Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: Gesangverein „Heiterkeit": 8 Uhr, „Liebigshöhe", Maskenball. — Ruderklub „Jjaffio": 8 Uhr, Turnhalle (Oswaldsaarten), Maskenball. — Artillerie-Verein: 8 Uhr, Gastwirtschaft Boller, Familienabend. — Kutscher-Verein. 8 Uhr, Saalbau Sauer, Maskenball. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sturmflut". — Astoria-Lichtspiele. „Die Fremdengaffe von Reuyork". — Tageskolender sürSonntag: Stadt- cheater: 6 Uhr, „Der Hexer" (Ende gegen 8.30 Uhr). — Kirchenkonzert: 8 Uhr, Johanneskirche. — Wiener Prater-Abend: 7 Uhr, Neue Aula der Universität; von 3 bis 6 Uhr Kinderfest. — Gesangverein „Frohsinn": 8 Uhr, (£ ’Vlk' >v^v Etn mein ematlltert. HERD fast neu. Gr. 1x0.60, Umstände halb.btllig au verkaufen. 01129 Frankfurter Str. 139. Wenig gebrauchter wrowi billig zu verk. 01306 Kroidorfer Str.20p. Sehr gut erh. weih. Merivegm «Brennabori kl. Format, l20^a.dE. 01K1 Wetzlarer Weg 89 I. 59iPI.SeiIs,Dtz../<2.25 P. BoKter, Breslau L. Ludwigstr. 20. 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Schwab selbst bekennt, daß ihm diese vortrefflichen Grundsätze nichts genutzt hätten ohne «ine Reihe unglaublicher Glücksumstände, und ein scharfer, aber unfreundlicher Kritiker wie Gustavus Myers fügt hinzu, daß eines der von ihm empfohlenen Mittel, nämlich die „Redlichkeit' dieses Milliardärs, ange- zweifelt werden muh. Richt aber die Tüchtigkeit und der Arbeitseifer. Sonst wäre es auch unverständlich, daß man es in zehn 3ahren von einem Wochengehalt von 30 Dollars zum Präsidenten des Stahltrusts und Compaonon Carnegies bringt. Freilich war die Stellung, in der Schwab mit wöchentlich 30 Dollars befahlt wurde, nicht die schlechteste, die er in seinem Leben innegehabt hat. Mit siebzehn 3ahren verdiente der junge Mann, der im 3ahre 1862 in einem pennsylvanischen Städtchen als Sohn deutscher Eltern geboren worden ist, als Grünkramhändler wöchentlich nur 21/2 Dollars, also zehn Mark, und es bedeutete einen großen Aufstieg, als er dann mit einem Tagelohn von einem Dollar als Arbeiter in die Edgar Thompsons Steel Works eintrat. Schon vorher hat er Carnegie fennen gelernt; dieser Millionär besah ein Sommerhaus in der Rähe des pennsylvanischen Ortes Loretto. und in derselben Gegend war Schwabs Vater Pferdehändler. Der junge Charles brachte dem 3n- bustriemagnaten häufig ein Pferd in sein Landhaus und lernte dabei den allmächtigen Car- negte persönlich kennen. Natürlich konnte er damals noch nicht daran denken, sein Mitarbeiter zu werden; doch ist ihm die 3ugend- dekanntschaft später außerordentlich nützlich geworden. 3n den Thornpson-Stahlwerken arbeitete Schwab unter dem Kapitän Bill 3 0 n e s, einem sehr tüchtigen Mann, der Charles zum Maschinenführer und Ingenieur ausbildete. Das stärkte das Selbstbewußtsein des jungen Burschen, der sich schon mit einundzwanzig 3ahren verheiratete. Bier 3ahre darauf wurde er C h e f- ingenieur des Stahlwerks. Bill 3ones war bei der Reparatur eines Hochofens mit einer Anzahl von Arbeitern ums Leben gekommen, und nun trat Charles M. Schwab an seine Stelle. 3m 3ahre 1897 wurde er dann Präsident aller Fabriken Carnegies und war mit den Geschäftsführern Cline und G-orvet) auch in die Panzerplattenskandale verwickelt, die gegen Ende des vorigen 3ahrhunderts in den Bereinigten Staaten ein ungeheures und berechtigtes Aussehen hervorriefen. Das schadete aber seinem Ansehen nichts. Andrew Carnegie nahm ihn als Teilhaber in seine Firma auf und verpflichtete Morgan, der im 3ahre 1901 Carnegies Werke für eine halbe Milliarde Dollars, also für zwei Milliarden Mark, gekauft hatte, Schwab zum Präsidenten des neugegründetenStahltrustszu machen. Dagegen konnte man nichts einwenden; denn unter der Leitung des Deutschamerikaners waren die Profite der Carnegie-Gesellschaft von fünf Millionen Dollars im Jahre 1895 auf ll1/» Millionen im 3ah re 1898 gestiegen, und im 3ahre 1900 hat das Unternehmen sogar 40 Millionen Dollars verdient. Man kann kaum aufzählen, welche Unternehmungen schon damals von Charles M. Schwab abhängig waren und sich seinen Anordnungen fügen mußten. Bei dem Berkaus der Carnegie- Gesellschaft an 3. P. Morgan erhielt Andrew Carnegie 305 Millionen Dollars, während die übrigen 200 Millionen unter die Teilhaber verteilt wurden; welche Summe Schwab von diesem Betrag erhalten hat, steht nicht fest; doch ist es sicher, daß er schon vor 25 3ahren ein größeres Bermögen als die reichsten Männer Deutschlands besessen hat. Aber dieser Mann, der so rasch zu Reichtum gelangt war. konnte sich auch leicht von seinem Geld trennen und gab eß mit vollen Händen aus. Er hat sich nicht nur in Reuyork ein Schloß gebaut, das Kunst- schähe im Werte von vier Millionen Dollar birgt, sondern hat auch ungeheure Summen im Spiel und für allerlei unsinnige Zwecke vergeudet. Nachdem die Carnegie-Gesellschaft an Morgan verkauft worden war. fuhr Schwab zunächst einmal auf seiner Luxusjacht nach Monte Carlo und faßte den lächerlichen Plan, dort die Spielbank zu sprengen. Rie ist bekannt geworden, wie riesige Summen er dort verloren hat. Es muß sich aber um Beträge gehandelt haben, die selbst amerikanischen Fi- nanzmagnaten in Schrecken versetzen können; sonst hätte Morgan wahrscheinlich nicht gekabelt, daß sein Stahltrustpräsident sofort nach Amerika zurückkommen, wenigstens aber zu spielen aufhören solle. Aber auch ohne Monte Carlo konnte Schwab Millionen verspielen; er spekulierte um gewaltige Summen, verdiente zuweilen, verlor öfter, und machte sich darüber weiter keine Sorgen. Nichts erinnerte bei diesem Mann an die puritanische Einfachheit, die den reicheren Carnegie auszeichnete. 3n Amerika kennt man zahllose Geschichten über sein zügelloses Privatleben, seine Derfchwendungssucht, seine unbeherrschte Hingabe an Vergnügungen jeder Art. Doch muh dieser Sohn eines Pferdehändlers eine eiserne Konstitution be ihen; nichts vermochte seine Schaffenskraft zu brechen, ihn von der größten seiner Leidenschaften zu befreien: Stahl zu machen, mehr Stahl und besferen Stahl als irgendeiner in der Welt. Es ist eine seltsame 3ronie des Schicksals, daß die von Schwab errichteten riesigen Stahlwerke in einem Ort stehen, der Bethlehem heißt. Eine fromme Gemeinde von Herrenhuter Brüdern hat das Städtchen vor mehr als hundert Jahren gegründet und ihm den alten biblischen Namen gegeben, weil sie hofften, daß von.dem neuen Bethlehem vielleicht eines Tages das Heil der Neuen Welt ausgehen würde. Rauchende Schlote, mächtige Fabriken, stampfende Maschinen, lange Arbeiterkolonnen — diese Bilder des modernen Bethlehem sind in der Tat das Symbol eines Bankee-Cvangeliums geworden; anders, wie es sich die frommen Herrenhuter Brüder gedacht haben, lautet der Glaubenssatz der neuen Söhne Bethlehems: Stahl und Geld zu machen. Dort in Bethlehem wurden riesige Panzerplatten geschmiedet. Geschütze gegossen. Granaten gedreht, die vor dem Krieg in der Hauptsache nach Rußland und Südamerika verkauft wurden, aber während des Weltkrieges auch nach Europa wanderten und dazu beitrugen, den Bereinigten Staaten und ihrem Stahlkönig Charles M. Schwab neue Bermögen zu schaffen, während die Welt verblutete. Es wäre aber unbillig, wollte man dem Milliardär daraus einen Borwurf machen. Er handelte wie jeder Kaufmann, verkaufte sein Kriegsmaterial jedem, der es bezahlen und abnehmen konnte, ohne sich darum zu kümmern, was nachher mit den Geschützen und Granaten geschah. Denn Schwab selbst ist ein friedlicher Mensch, bei allen s einen Schwächen gutmütig, musikliebend, ein Kunstkenner und ein guter Ge- Aufgaben und Ziele. Don Or. Rolf prasch. Mit den im folgenden wiedergegebenen Darlegungen kommt der neue Intendant des Gießener Etadttheaters, Dr. Rolf P r a s ch, unserer an ihn gerichteten Anregung nach, sich vor der Uebernahme seines neuen Amtes über di? Grundzüge seiner Auffassung von der künstlerischen und geschäftlichen Leitung eines Provinzthea- ters zu äußern; wir sind überzeugt, daß die Darlegungen Dr. Praschs, der in aller Kürze hier fein Amt antritt dem 3ntereje weiter, am Theater antcilnehmen- ben Kreise des Publikums begegnen werden. . Trotz der nun schon seit Jahren immer wiederkehrenden Behauptung von einer „Theetcrkrifis' ober der schon saft zur Legende gewordenen vorn „Niedergang des Theaters" knüpft sich an den Beginn jeder neuen Spielzeit und in noch weit höherem Maße an jeden Wechsel in der Leitung einer Bühne die Hoffnung, jetzt müsse bestimmt und unbedingt das umwälzend „Neue' geboren werden, und die ersehnte „Erstarkung" der immer mehr und mehr ins Wanken geratenen finanziellen Basis des Theaters folgen. Wie also ist Ihr Programm? Wie sind die Richtlinien Ihrer Aussassung von der künstlerischen und geschäftlichen Führung eines Prv- dinztheaters. von der Spielplangestaltung? u. cl mehr höre ich mich fragen. - Lassen Sie mich Ihnen hierauf in großen Zugen meine Antwort sagen, so wie, diese Fragen und ihre Lösung sowohl aus der allgemeinen Lage der Theater wie aus den besonderen Verhältnissen in Gießen sich mir darstellen. Es ist eine leider nicht wegzuleugnende Tat- fache, daß wir uns. ganz allgemein gesprochen, mitten in einer Krisis befinden, die zu den schwersten und ernstesten gehört, die das Theater je durchzumachen hatte und — noch zu überwinden hat. Die schlechten Kas'enrapporie und die ständig anwachsenden Zuschüsse von Staat und Gemeinden oder der weiter fortschreitende Abbau einzelner Fächer oder gar einer ganzen Kunstgattung, die Zusammenlegung mehrerer bisher selbständiger Bühnen ober gar deren Schließung, wie sie auch in unserer nächsten Nachbarschaft (Koblenz) drohte, sind ihre äußeren Merkmale, die sich auch für den weniger mit den Verhältnissen Vertrauten nicht allein auf die gegenwärtige schwierige Wirtschaftslage zurückführen lassen; die allgemeine Rat- und Planlosigkeit in der Gestaltung des Spielplans kommt ihrem Kern wesentlich näher, legt die Wurzeln dieser Krisis bloß. Jener „werbende Enthusiasmus", der beispielsweise heute den Sport so populär gemacht hat. weil er aus den Möglichkeiten deS Tages sich seine Propaganda schuf, er fehlt dem heutigen Theater und seiner Literatur ober ist in seinen Anfängen und tastenden Versuchen noch kaum spürbar. Es fehlen die Erregungsmomente, die das Publikum unserer Zeit sucht, die Spannung — sei sie erheiternd- erlösend oder ernsthaft- erschütternd —, auf die der moderne Mensch eingestellt ist, und die er auch von dem Theater und seinen Dramen verlangen kann, Unb in dieser unbedingten Anpassung an die Bedingungen und Erfordernisse unserer Zeit liegt die Zukunft des Theaters überhaupt beschlossen. Ausgabe und Ziel muh es daher fein, die Wege aufzuspüren, die zu neuem Lebensreichtum führen, „das Leben-Derheißende vom Unfruchtbaren, Schwächlichen zu sondern" (Julius Bab), kurz, den Rhythmus und den Inhalt unserer Darstellungszeit zu gestalten. Die Sehnsüchte des Publidtrns sind heutig. „Der Zuschauer muh fühlen, bah ihn die Bühnenvorgänge angehen' (Marcuse), und auch bie Lebendigmachung unserer Klassiker kann nur mit Mitteln ber Gegenwart, durch Annäherung an heutiges Empfinben, heutige Anschauungsbegriffe geschehen, soll der Zuschauer zu ihnen lebendiges Verhältnis finden. Das ist sehr wohl möglich, ohne sie zu vergewaltigen. im Gegenteil! Und mit bet Verwirklichung dieser Ausgaben, dieser Mission, die in bie Tiefe verstößt unb — wie jebe Entwicklung — ber Zeit bebarf, ist nicht zuletzt auch die strengste und durchgreifendste Funda- menäerung ber künstlerischen, schauspielerischen unb sprachlichen Ausbildungsgrundlagen der bar- sellschaster. In seinem Schloß in Reuyork gibt es eine Orgel, die den Eintretenden mit vollen Klängen begrüßt. Bei dem Stahlmagnaten verkehren Sängerinnen. Komponisten und Pianisten; denn daS Getöse der Stahlwerke hat ihn gegen die parieren Klänge der Musik nicht unempfindlich gemacht. Dieser ästhetische Sinn ist bei Schwab viel merkwürdiger als bei manchem anderen amerikanischen Milliardär, etwa bei Morgan, der ja aus einer reichen Familie stammt und eine entsprechend sorgfältige Erziehung genoflen hat. Niemals konnte aber bet Kunstsinn bei Schwab so weit gehen, daß ihm etwa seine Liebhabereien von der Verfolgung geschäftlicher Ziele ablenkten. Im Krieg hat er eine besondere Aktivität entfaltet; neben der Herstellung von Kriegsmaterial war er nämlich auch der Leiter großer, neugegrünbeter Schiffswerften, die die Verluste im unbeschränkten U-Dootkrieg durch schnelle Neubauten wettmachten. Wenn er jetzt nach Deutschland kommt, verfolgt er zweifellos neue geschäftliche Pläne, und bei der Kapitalmacht, über die Schwab verfügt, kann daS für große Teile der deutschen Wirtschaft sehr bedeutungsvoll werden. Vorläufig ist nur bekannt geworden, daß er die Krupp- Werke besuchen wird; doch wurde noch nichts darüber gesagt, ob diese Besichtigung geschäftliche Transaktionen mit Krupp zur Folge haben wird oder nur dazu dient, dem amerikanischen Fachmann eine Vorstellung von dem riesigen deutschen Unternehmen in Essen zu geben. । F. C. Dillinger. Der Fasztsmus und die Krise des modernen Giaaisgedankens. Don unserem römischen L-Korrespondenten.*) III. ©er Führer im (Staat. Je aufgeklärter die Demokratie, um so näher ist sie ber Reaktion: sie hat die Krise deS modernen Staates erkannt, die Ursachen seiner tödlichen Erkrankung in der Ueberspannung seiner eigenen Prinzipien gefunden und kehrt nun logischerweise zu ihrem Ausgangspunkt zurück, indem sie dort wieder anzuknupfen sucht, wo sie sich von dem alten, seinerzeit geköpften Staats- system losgelöst hatte: bei dem 21 u t 0 c i t ä gebauten. Biologisch betrachtet also eine Rückbildung, aber nicht mehr wie natürlich. Denn jede Unnatürlichkeit führt zur Umkehr, und unnatürlich war es, eine ber Gebundenheiten unseres Daseins leugnen zu wollen: bie Führergewalt. Der Mensch wird nicht nur in die Ungleichheit, dieses oberste Gesetz ber Schöpfung, sondern auch in ein Abhängigkeitsverhältnis hinein- geboren. Es verneinen, heißt über kurz ober lang in ebenso törichte Gedankengänge hineingetrieben werden, wie sie bei ber Geburt bes modernen Staates die Gleichheitsidee zeitigte, bie bas Straßburger Münster köpfen zu müssen glaubte, bamit es nicht länger übet den Durchschnitt hinausrage. Mit der Ueberheblichkeit, die das entwickeltste Lebewesen kennzeichnet, glaubten wir auf das Königinnentum im Bienen- und Ameisenstaat, auf das Führer- unb HäuptlingS- wesen ber Elefantenherden unb der Regerstämme herabblicken zu können, wir verstießen mit Wissen unb Willen gegen bas Naturgesetz, indem wir an Stelle des durch Qualität überlegenen Individuums bie Massenidee in ben Sattel setzten, im Glauben, reiten werde sie schon können. Es wat ein Irrglaube. Der spihenlose Staat der Masse liegt am Boden, das Majori- tätsprinzip ist umgefallen, wie es bei einer auf bie Spitze gestellten Pyramide nicht aus- bleiben konnte. Die aufgeklärten Demokraten rufen nach dem Führet. Mit ben gleichen Worten, man möchte fast sagen Urlauten. Politisch grundverschieden benfenbe Männer, wie der deutsche Professor Bonn, der Schweizer Delegierte beim Völkerbund Gonzaque be Rey - nolb, der italienische Justizminister Rocco, marschieren plötzlich in ber nämlichen Richtung, weil sie alle das Heil, bie Ueberwindung ber Krise von bem Abschütteln bes lebenden Leichnams, des durch bie Parteienherrschaft zu Tobe liberalisierten Staates erwarten. Unb was sie *) Vgl. die ersten beiden Aussätze in Nr. 30 und 36 des G. A. vom 4. unb 11. Februar 1928. fordern, mag daS ihnen vorfchwebende Reue in ben Einzelheiten auch noch stark verschieben sein, ist im Grunde doch sehr ähnlich bem Staatsge- bilbe, bas Mussolini wie ein erstes Modell geschafsen hat. Mussolini formte seinen Staat in einem Ausbruch ber Leibenschaft, wie Rousseau seinen Contrat social in einer Art von Rauschzustand niederschrieb. Er ist überzeugt davon, daß ber FaszismuS das zwanzigste Jahrhundert erfüllen wird, wie ber Liberalismus bas neunzehnte. Man mag übet eine solche Prophezeiung benfen, wie man will, jedenfalls stehen wir vor ber Tatsache, daß jene hunbertjährigen Prinzipien, auf denen die heutigen großen Demokratien — bie kleinen, haushaltartig führbaren Musterstaaten, wie bie Schweiz, entziehen sich einem Vergleich mit heterogenen Millionenmassen — wie auf Pfeilern ruhen, unter ben Faustschlägen eines einzigen Mannes zusainmenbrechen konnten. Das spricht nicht für eine robuste Gesundheit. In Italien setzte bie Fäulnis des Staatsgebälkes in bem Augenblicke ein. wo es ben Witterungseinflüssen ber sozialen Umschichtung, bet bie Parteien Dortreibenben Finanz- unb Wirtschaftskräfte, des durch unb durch vergifteten Wahlsystems preisgegeben war. Wohl kannte die Verfassung kein allmächtiges parlamentarisches System, ber Volksvertretung war nur eine beratende und mitarbeitende Tätigkeit eingeräumt. aber wie immer in solchen Kallen, gelang es bald Gruppen unb Personen, sich bes Parlaments als Mittel für die Beherrschung bes Staates zu bemächtigen. Keine Interessengruppe war stark genug, um allein zu regieren, aber jede besaß Einfluß genug, um zu verhindern, daß die andern anS Regieren kamen. Parteien, Presse unb Wirtschastsverbände bifbeten Staaten im Staate, so baß schließlich alle möglichen Kräfte inS Rad griffen, nur nicht dec Staat. Daher ein permanenter Krieg aller gegen alle, ein widerliches Paktieren und Feilschen um Ministersessel, ein Leerlauf ber Staatsmaschinerie, bei dem gerade für bie hochstreben- den Qlrbeitcrmaffen nicht mehr zu holen war, als ber ortsübliche Preis für eine Stimme. AIS schließlich gar das Listenwahlsystem ben Stellenschacher der „Volksvertreter" zur ersten Dür- gertugenb erhob unb bamit ber Jugenb ben Weg zur Teilnahme an ernster Staatsarbeit verbaute, muhte es zur Rebellion ber gesunden D 0 lkskräfte kommen — das Heranbrausen der Jugendwelle ist dem Sturm auf die Bastille vergleichbar. Und diese Giovinez-,a fand einrit Führer, der sie mit dem einzigen, was der Jugend imponiert, stellenden Künstler aufs engste verknüpft und Vorbedingung. Wohl kaum ein Mensch außerhalb der Praxis weiß, wie schwierig der Ausbau dieser kulturellen Seite des Theaters in heutiger Zeit ist, nie doppelt schwierig für die Bühne einer kleinen Universitätsstadt, die um so mehr als ihre finanziellen Mittel begrenzt sind, umso größere Verantwortung vor sich selbst fühlt. „In dieser Zeit der literarischen Richtungen ist das Repertoir weder nach klassischer noch nach moderner Dramatik einzurichten, sondern nach den Spielern, die man hat" (Diebold). Gießen — wie viele andere Bühnen — ist te mangels genügender Mittel nicht in Lage, sich Künstler von Rang und Namen leisten zu können, die nach jeder Richtung hin vollkommen sind. Hier ist es Aufgabe der Leitung. sich junger Talente zu versichern, sie zu entdecken und an den richtigen Platz zu stellen. Und gerade Gießen ist. wie kaum eine andere Stadt, dank seiner überaus günstigen geographischen Lage — umgeben von einem Kranz erster und zum Teil führender Bühnen (Frankfurt. Wiesbaden, Kassel, Köln usw.) — dank des hohen geistigen Niveaus seines Publikums und dank seines nach modernen Grundsätzen erbauten unb bühnentechnisch eingerichteten Theaters — welch eine Stadt von gleicher Größe hat Aehnliches aufzuweisen I —, gerade Gießen ist deshalb wie kaum eine andere Stadt dazu berufen, Bildungsstätte für junge Talente, für den schauspielerischen Nachwuchs zu fein. Sie für die Anforderungen einer stilreinen, gegenwartsfrohen Bühnenkunst zu erziehen, sie durch ständige, unermüdliche Disziplinierung zu einem e;n- hritlichen Ensemble zusainmenzuschwrißen, ist freilich schwerer, aber auch dankbarer als die Arbeit mit mehr oder weniger verbrauchten und im Konventionellen erstickten, schablonenhaften Routiniers. die eine Bühne nicht nur künstlerisch. sondern auch finanziell belasten, ja überlasten können. Jedes Unternehmen, fei es wirtschaftlicher oder kultureller Natur, basiert auf dem ihm zur Verfügung stehenden Betriebskapital. Rur wenn Einnahmen und Ausgaben, bei rationellster Anspannung aller Kräste, im Einklang stehen, ist eine gesunde Entwicklung des Ganzen garantiert. Die Einnahmequellen unseres Theaters finden in der Einwohnerzahl Gießens ihre natürliche Begrenzung. Sie zu erweitern ist bereits durch A b st e ch e r und Fremdenvorstellungen unternommen. Weiterer Ausbau dieser Unternehmungen, wozu di? Ausführungen an dieser Stelle (Nr. 260 des Gießener Anzeigers vom 5. Nov. 1927) die Richtung weisen, ist nctwendig und vorgesehen. Hinzu kommt schließlich die Subvention, welche die Stadt dem Unternehmen im Hinblick auf feinen erzieherischen, ideellen Wert überweist. Die Verbindung mit dem Kurtheater in Dad- Nauheim ermöglicht eine ganzjährige Spielzeit. Eine Einnahmequelle ist sie nicht, im Gegenteil, Wohl aber eine soziale — ideelle Notwendigkeit, bedeutete doch ihr Aufgeben daS Zurücksinken Gießens auf den Rang eines Acht- Monat-Theaters. Gerade unter diesen Gesichtspunkten Im Interesse des sozialen und künstlerischen Ganzen ist strengste Auswahl des darstellenden Personals nach seiner künstlerischen Qualität unb andererseits größte kaufmännische Ausnutzung des Theaterbetriebes unter engster Zusammenarbeit von Intendanz unb Verwaltung unumgängliche Notwendigkeit. soll der Voranschlag des Theateretats nicht überschritten, soll bie Verbindung mit Nauheim uns nicht verlorengehen, was einer nicht ernst genug zu nehmenden Krisis des gesamten Gießener TheateruntemehmenS gleichkäme. Diese drohenden Gefahren zu erkennen, bedeutet schon einen wichtigen Schritt vorwärts auf dem Wege, sie vollends zu überwinden. Mögen diese Ausführungen allen Lesern als Hinweis dessen dienen, was not tut. Jede Zukunft, auch die des TheaterS, basiert auf Erneuerung. Möge diese Erneuerung bald zur Vollendung reifen, unb mögen wir, um mit einem Wort Strindbergs zu schließen, bald , „ein freies Theater bekommen, wo man Freiheit zu allem hat, ausgenommen dazu, kein Talent zu haben und ein Dummkops oder ein Heuchler zu sein!" mit Idealenzue rfüHen und zu begeistern verstand. Einen Führer, der dann, nach siegreicher Revolution, nicht auf seinen Lorbeeren auszuruhen gewillt war, nicht in persönlicher Bereicherung seine Aufgabe sah. sondern nur ein einziges Ziel kannte und heute noch kennt: die Gröhe des Vaterlandes. Die Synthese zweier feindlicher Staatsauffassungen: .Der Staat bin ich!" „Ich bin der erste Diener meines Staates!". sie glückte Mussolini, und so schuf er den neuen Staat nach seinem Bilde. Seinem Charakter sind Halbheiten und Kompromisse fremd, die Gegner muhten sich also für ihn oder gegen ihn entscheiden. Sie taten das letztere und unterlagen infolgedessen, wie das Alter der Jugend erliegt. Der fasztstische Staat hat bei seiner Bildung nicht nur die Entwicklungsstufen des Staats- gedonkens, sondern auch die uralten sozialen Probleme durchlaufen, ja durchschlagen, so pro- jektilhaft war sein Aufstieg. Es fragt sich freilich, ob eine Schuhbahn elementare Gcsellschastsfragen regeln, ob man auf die Dauer Probleme lösen kann, indem man sie erschieht. Mussolini tötete sie. wie sie ihm wegsperrend entgegentraten; werden aber aus ihren Leichen nicht neue erstehen? Die Zeit muh es lehren. Der Hauptschlag galt dem Hauptgegner, dem parlamentarischen System. Als es starb, erkannte man sofort, daß die Parteien nur Schmarotzer gewesen waren: sie starben mit ihrem Wirt. Richt ohne sich noch in den letzten Zuckungen gegenseitig anzukeifen. Nachdem die Leichen aus dem Wege geräumt waren, verschmolzen Faszismus. Regierung und Führer zu einem einzigen unteilbaren Ganzen. Das Wählen kam jetzt an allen Orten und in allen Schichten auher Mode, die Gemeindeverwaltungen wurden aufgelöst und Präfekten, Podeste, an ihrer Stelle von Rom aus ernannt. Mussolini übernahm als Innenminister die Verwaltung des Staates. Wo der Stimmzettel Anfang einer Staatsgewalt ist, so erklärte er, da ist es auch bald zu Ende mit ihr und mit dem Staat. Jin bürgerlichen wie im militärischen Leben überwand er daher rasch die Gefahr eines Soldatenkaisertums, indem er dem Massenprinzip das Auswahl- prinzip entgegenstellte: Die Kräftigsten an die Ruder, die Treuesten ans Steuer, die Besten ans Kommando. Auslese, nicht Stimmvieh; Qualität, nicht Quantität. Vor allem kein Söld- n e r t u m, vor dessen Launen der Führer zittert. Die faszistische Prätorianergorde wird also in das königliche Heer eingegliedert, das dem Kriegs- Minister Mussolini untersteht, der nicht zu befürchten hat, mit dem Oberkommandi^renden der Schwarzhemden, Mussolini, in einen Kompetenzkonflikt zu geraten. Webgerecht flicht sich auf diese Weise auch die faszistische „Parte i", um den überlebten Ramen noch einmal zu gebrauchen, der militärischen Struktur des Staates ein: niemand kann sich jetzt mehr in sie „ein- schreiben", niemand in ihr mit Stimmenabgabe oder -enthaltung manövrieren. Es ist nicht mehr möglich, Foszist zu .werden", man wird dazu geboren. Muh als Cambino in die Keimzelle eintreten, die Kinderarmee, wächst als Halbwüchsiger in den Vortrupp, die Avantguordie, hinein und tritt dann in die eigentliche Kampfreihe über, den Kampsbund. Fascio di Combattimento, beim Ritterschlag den feierlichen Schwur ablegend: .Ich schwöre, die Befehle des Duce ohne Widerspruch ouszusühren und mit allen meinen Kräften und 'nötigenfalls mit meinem Blute der Sache der faszistischen Revolution zu dienen." Man zählt heute 9472 solche Sturmverbände mit rund einer Million Kriegern, dazu kommen die Frauengruppen, die Sanitäts- und Verpflegungsabteilungen. ilm diesen Kern der Staatsgewalt legen sich die sozialen, gleichfalls geköderten Ringe. Ein zentripetales System in dem Sinne, dah olle Kräfte nach dem faszistischen Mittelpunkt streben, zentrifugal aber wirkend in der Weise, dah es sich Gürtel um Gürtel erweitert, ähnlich, wie man die modernen Städte bauen will. Der Zahl nach übertrifft der gewerkschaftliche Ring den Kern des Kampfbundes um das Zwanzigfache: bei jeder Mobilisation der Faszisten marschieren zwanzig Millionen K5pfe, also genau die Hälfte des italienischen Volkes. Die soziale Frage. Mussolini glaubt sie damit gelöst zu haben. Um die soziale Frage zu lösen, muh man nur den Sozialismus vernichten. Dies die einfache Formel, die sich aus dem komplizierten Experiment ergeben hat. Mit der Magna Charta des neuen Italiens, der . Carta del lavoro, dem Gewerkschaftsgesetz, war der korporative Staat auf den Trümmern des demoliberalen errichtet. Mit dem Arbeitgebern und -nehmern auferlegten Zwangsfrieden, der weder Streik noch Aussperrung duldet, hatte Mussolini nicht nur die bisher sich bekriegenden, mindestens auseinanderstrebenden Produktionskräfte ausgeglichen, sondern sie. zu- sammcnge koppelt, dienstbar gemacht im Interesse des Staates, nichts gegen den Staat. Der Klassenkampf ist zu Ende, diese angeblich unbesiegbare Waffe des Sozialismus in die Pfluaschar des Arbeitsfriedens umgewandelt. In der Kuppel der riesigen Arbeitsstätte, die der faszistische Staat bildet, thront auf dem Richterstuhl der Minister der Gewerkschaften Mussolini. In seiner Hand laufen alle Fäden zusammen, er allein lenkt die Geschicke des Landes, im Innern wie in der Auhenpolitik. Wohl hat er, cum grano salis verstanden, eine Art Timo- kratic nach solonischem Muster aufgerichtet, ein Staatssystem, in dem der Bürger nicht nach der Kopfzahl seiner Partei, sondern: nach seinem Verdienste, hier nach seinem faszistischen W e r t e, eingeschäht wird, und einen Rat der Vierhundert an Stelle des Parlaments geschossen. eine Gewerkschafts - und Ständekammer von vierhundert Männern, die zum ^.eil ernannt, zum Teil von den dreizehn Wirt- schastsverbänden der Arbeitgeber und -nehmer vorgcschlagen und von Mussolini bestätigt werden. aber in Wahrheit regiert wie im damaligen Athen doch der Areopag, der faszistische G r o h r o t, mit Vollmachten so unbeschränkt, dah sie bis ins eheliche Schlafgemach des Bürgers reichen, dem die „demographische Peitsche" gegeben werden soll. Llnd dieser Führer im Staate, den man mit Cäsar und Napoleon, mit Sulla, Catilina und Rienzi verglichen hat. ohne ein kongruentes Bild gewinnen zu können, er siegte immer und überall über sämtliche Gegner ohne Ausnahme, mochten es Parteien. Klassen oder Weltanschauungen und Ideen sein, gewann die Getreideschlacht, die Lira- schlacht. die soziale Schlacht, eroberte feiner Nation eine ungeahnte auhenpolltische Machtstellung, die den politischen Schwerpunkt Europas nach Rom zu verschieben scheint. Mehr: er errang die Zustimmung, die fast mystische Verehrung des Volkes, er ist der Duce, über den, wie der Papst auSrief, Gott sichtbar seine Hand hält. Dennoch und gerade deshalb erhebt sich die Frage, ob eine so unerhörte Machtfülle, ob dieser durch grandiose Führerüberlegenheit entstandene, mit eruptiver Gewalt binnen einigen Icchren zusammengeschweißte und durch einen nahezu übermenschlichen Einzelwillen zulammengehaltene modernste Staat, der kein Beispiel in der Geschichte hat. von Bestand sein kann. Die Llebcrprüfung feiner Vorzüge und Schwächen sei einer Schlußbetrachtung Vorbehalten. Gieß« SiMparlanMi. • Gießen, 47. Februar 1928. Llnsere Stadtverordnetenversammlung hatte heute eine Rekordsitzung zu verzeichnen: sie erledigte nämlich die ganze Tagesordnung der öffentlichen Sitzung in ganzen fünf Minuten, und fand nach Erledigung einiger Anfragen des kommunistischen Stadtverordneten Kästner bereits nach gut 10 Minuten ihr Ende. Soweit man zurückdenken kann, hat unser Stadtparlament eine derartige Sitzung noch nicht erlebt. Allerdings waren auch die Tagesord- nungspunkle wenig bedeutungsvoll. Erwähnenswert wäre allenfalls der Beschluß, in der Stadt eine Anzahl Richtungstaseln aufzuftellen, die der glatten Abwicklung des Verkehrs förderlich sein werden, und schließlich noch die Genehmigung eines Kredits für die Anschaffung von Rasselweckern an Feuermeldern, durch die es hoffentlich möglich sein wird, die Aufmerksamkeit der Passanten auf solche Personen zu lenken, die den Feuermelder in Tätigkeit setzen. Vielleicht wird auf diese Weise der grobe Unfug des blinden Alarms unserer Feuerwache eingedämmt werden können. Sitzungsbericht. Anwesend: Oberbürgermeister Dr. Keller, die Bürgermeister Dr. Seib und Dr. Frey, die Beigeordneten. Dr. Hamm und Iustizrat Dr. Rosenberg, sowie 33 Stadtverordnete. Volkshochschule Gießen. Der Volkshochschule Gießen wird für das Rechnungsjahr 1927 ein städtischer Zuschuß von 1450 Mk. bewilligt mit der Maßgabe, das; der von 1200 Mk. auf 1450 Ml. erhöhte Beitrag nur für das Rechnungsjahr 1927 gilt. Beschaffung von Bordsteinen. Die Lieferung von 300 Meter Bordsteinen, Profil 22x26/30, wird zum Preise von 11,05 Mk. für den Meter, sowie die Lieferung von 300 Meter Bordsteinen, Profil 30x18/22, zum Preise von 10,10 Mk. für den Meter wird an die mindestsvrdernde Firma Vereinigte Odenwald- Granitwerke in Hevvenheim vergeben. 6redikbew!lligungen. Der zur Aufstellung von 30 Wegebezeich- nungsfchildern und 10 Ortstafeln erforderliche Kredit von 1500 Mk. wird bewilligt. Die Erhöhung und Befestigung des Bürgersteigs vor dem Grundstück Wolsstraße 7, Ecke Kaiserallee, wird beschlossen uni) der erforderlich« Kredit von 900 Mk. zur Verfügung gestellt. Der Einbau von zehn Rasselweckern in die Feuermelder wird genehmigt und der erforderliche Kredit von 700 Mk. bewilligt. Gewerbe- und Maschinenbauschule. Der Gewerbe- unö Maschineribauschule Gießen wird zur Deckung des beim Abschluß der Rechnung für 1926 verbliebenen Fehlbetrags in Höhe von 4415,66 Mk. ein unverzinsliches Darlehen in dieser Höhe bewilligt. Ab 1. April dieses Jahres geht die Gewerbe- und Maschinenbauschule auf die Stadt über, die Kostendeckung regelt sich dann nach den gesev- lichen Vorschriften. Anfragen an die Verwaltung. Stadtv. K ä st n e r (Komm.) richtet hierauf eine Reihe von Anfragen an die Stadtverwaltung, in denen er Auskunft wünscht über Fragen und Eingaben, die zum Tell schon im Sommer und Herbst vorigen Jahres gestellt bzw. eingereicht wurden, während er hinsichtlich aktueller Dinge Auskunft wünscht über die Gründe, die für die Einführung der Eintrittslarten zum Stadtverordneten-Sihungssaal bestimmend gewesen sind. Oberbürgern>eister Dr. Keller weist darauf hin, daß nach der Geschäftsordnung Anfragen 24 Stunden vorher bei der Stadtverwaltung eingereicht fein müssen, wenn auf Beantwortung in der Sitzung gerechnet werde. Die Verwaltung werde die Anfragen Kästners schriftlich beantworten. Schluß der ösfentlichen Sitzung. Oberheffen. Landkreis Gieszen. * Klein-Linden, 17. Febr. Der hiesige K r lege r v e r e i n veranstaltet am Samstag, 25. Februar, ein Militärkonzert, ausgesührt von der Kapelle des 1. (bessischen) Grenadierbataillons 15. Znf.- Regts. aus Gießen unter Leitung des Obermusikmeisters W. L ö b e r. Das Programm bringt Blasund Streichmusik und schließt mit dem großen Potpourri von 1870/71 von A. Saro. ltz Lollar, 18. Febr. Die kürzlich gebildeten Au s s ch ü s s e für die Vorbereitung des am 30. Juni, 1. und 2. Juli hier stattfindenden Gauturnfestes haben mit ihren Arbeiten begonnen. Als Festplatz wurde vom geschästs- führenden Ausschuß die sog. Festwiese gegen- Über dem Zimmcrge)chäst Nuhn bestimmt. Die Vergebung der Dcrgnügungsplähe wird nunmehr ausgeschrieben. Man beachte die heutige Anzeige. ' Lollar, 17. Febr. Dieser Tage hielt die Sängervereinigung im ..Schwanen" einen Familienabend ab. Zur Verschönerung des Abends wirkten Frau M a r k o f f, Marburg, (Tochter des Dirigenten Rohde), sowie der Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern, mit. Die musikalische Unterhaltung hatte die Kapelle L y n k e r übernommen. Auch Frl. Seipp, Lollar. hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt; sie siihrte einige mundartliche Zwiegespräche mit Georg Heß. Das reichhaltige Programm berei ete einige schöne Stunden. Frau Markoff erntete mit ihren schönen Liedern reichen Beifall und mußte sich zu einer Zugabe entschließen. Georg Heß verstand es außerordentlich, die Zuhörer durch seine in ober- hessischer Mundart vorgetragenen Gedichte zu fesseln. Jeder Vortrag löste bei den Zuhörern spontane Begeisterung aus. Georg Heß gab ebenfalls noch etliche Zugaben. Die Chöre wurden gut vorgetragen und sanden reichen Beifall. Der Besuch war zufriedenstellend. Rätsel-Ecke. Kreuzworträtsel. Don links nach rechts: 3. Badeort in Belgien; 8. marokkanisches Gebirge; 10. weiblicher Personenname; 12. Papstname; 14 Abschiedswort: 15. berühmter deutscher Kreuzer; 16. Aggregatzustand des Wassers; 17. Gartenhäuschen, 19. Geschäftsfreund; 21. Hersteller eines Gebäudes; 24. Genußmittel: 27. weiblicher Personenname; 31 Heilpflanze; 32. Ausschank; 34. Opernkomponist; 35 andere Bezeichnung für Oeffnung; 36. Teil des Wagens; 37. junges Haustier; 38. Stadt in Baden; 39. Stadt in Südtirol; 40. Zahl. Don o bze n nach unten: 1. Grenzgebirge; 2. Schlingpflanze; 3. biblische Person; 4. Stadt in Italien; 5. Göttin des Unheils; 6. Edelwild; 7. Blume; 9. weiblicher Personenname; 10. Frucht; 11. Verwandter; 13. feierliche Verficht rung; 18. militärischer Auftrag; 20. unkultivierter Baumbestand; 22. Eisenbahn-Knotenpunkt in Hessen- Nassau; 23: Roman von Georg Ebers; 24. Bin- dungsmittel beim Häuserbau; 25. wie 31, wagerecht; 26. französischer Marschall aus dem Weltkrieg; 28. Stadt im Hunsrück; 29. Bezeichnung für etwas; 30. weiblicher Personenname. 14 ZS zG -h 10 is Ti 3*t 40 TI 31 74 16 Silbenrätsel. Aus den 36 Silben: bat — be — den — de — de — dra — e — e — eb — ed — ef — erb — foe — go — har — in — küm — lau — ler — li — mel — mir — mund — nar — ne — ner — pi — pu — rat — re — roß — ru — se — fe — te — zis sind 14 Wörter mit folgenber Debeutung zu bilden: 1. englischer Schriftsteller; 2. Adelstitel; 3. afrikanische Münze; 4. Gewürz; 5. Teil der Zeitung; 6. Blume; 7. militärische Truppe; 8. Naturerscheinung; 9. erhaben ausgearbeitetes Bild; 10. orientalischer Fürst; 11. Fischfanggerät; 12. Industriestadt in Anhalt: 13. männlicher Personenname; 14. parlamentarischer Redekampf. — Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben die Anfangs- und Endbuch- staben, beidemal von vorn nach hinten gelesen, ein Sprichwort. Rösselsprung. Rätsel. im sind und ist's ihm wo! schwe reich noch blau ken stau auf 6 en ner ge ben schön kommt so gleich nend be S« btes hoch en von o die bet schd lüft nUfcf» ten et schau pen gel an send de Stet« und un von mal die gen nem schau doch ker dem vo St> tau lchvl et en Wenn ich bin, ist mein Bruder nicht, Niemals zusammen sind wir beiden; Sowie ich sterbe, kommt er an das Licht, Sowie ich aufersteh', muß er den Tod erleiden. Berwandlungsaufgabe. Pote — Tour — Reise — Peter — Profit — Talar — Sporn — Borke — Wiese. Aus jedem der vorstehenden Wörter ist durch Aendern eines Buchstabens ein neues Wort zu bilden, während die Buchstaben selbst, aneinandergereiht, einen Kalendertag im Februar ergeben. Berbindungsaufgave. ar — da — da — di — en — geh — in — le — hi — ma — mel — mer — rtum — pri — rock — san — sta — to — tio -- oa Aus vorstehenden zwanzig Silben sind acht Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. Klei- dungsstück; 2. von Philipp II. gegen England ausge- sandte Flotte; 3. andere Bezeichnung für Zahl; 4. asiatisches Reich; 5. Fußbekleidung; 6. Gestell; 7. kaufmännische Wertbezeichnung; 8. Blume. — Die Endbuchstaben dieser Wörter ergeben, miteinander Derbtmben, einen Kalenderabschnitt. Auflösungen. Scharade. Drautschatz. Vexierbild. Bild auf die linke Seite stellen, dann ist der Lappe an der rechten Seite, aus Strauch und Paketen gebildet, zu sehen. Kreuzworträtsel. ü|s E T R T ÖIR 1710 InIaIsI arafls ttöfflQQ T E. T_ E aaaBB lunar D A R Ql 01 8 M ai QBrana HOBGIB p E I Aapselrälsel. Span — Albe — Lot — Der» — Aga — Tor — Ode — Ring — Bur — Inn — Et» — Ru«. Salvatorbier. Rätsel. Schlemmer — schlimmer — Schlummer. ----- Ä Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redattioasttsch. Feinfühlig. Im Opernhaus sitzt zum erstenmal ein Fischer mit seiner Ehehälfte. Der „Freischütz" wird gegeben. Während der Wolfsschluchtszene, als Donner und Blitz sich ablösen, sagt der Seemann zu seiner Frau: »Dat Wedder halt' ich all lang in de Knochens" (Luft. Dl.) Unbegrenzte Möglichkeit. Meyer, au5 Amerika heimgekehrt, berichtet: .Riesig schnell geht dort das Bauen. Früh wurde der Grundstein zum Restaurant gelegt und abends flog der erste Gast wegen Zechprellerei hinaus^ CD Lollar, 17. Febr. Die gut besuchte Jahreshauptversammlung des Veteranen- und Kriegervereins fand dieser Tage im .Schwanen" statt. Der Jahresbericht zeigte eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten während des letzten Jahres. Besonderer Erwähnung wert ist, daß der Verein durch eine Mordnung von drei Kameraden, dazu zwei Iungmannen der Hassia-Iugend Lollar, am 2. Reichskriegertag in Berlin teilnahm. Hier erregte insbesondere die altehrwürdige Fahne des Vereins, aus dem Jahre 1742 stammend, lebhaftes Interesse. Unter etwa 6000 Fcchnen und Standarten, die im Stadion zur Ehrung des Ehrenvorsitzenden des Deichskriegerbundes „Kyff- häuser", des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, versammelt waren, war die hiesige Fahne die älteste. Mit Befriedigung konnte im Geschäftsbericht darauf hingewiefen werden, dah der Verein in diesem Jahre kein Mitglied durch den Tod verloren hat. Die Mitgliederzahl ist durch vier Neueintritte auf 132 gestiegen, darunter befinden sich sieben Ehrenmitglieder; zwei Altveteranen sind noch vorhanden. Der Kassenbericht schließt mit einem Barbestände von 184 Mark ab, was angesichts der Erbauung einer Schichstandanlage als gut zu bezeichnen tft. Am diesjährigen Dollstrauertag beteiligt sich der Verein in hergebrachter Weise durch Kirchgang und Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal. Am Nachmittag dieses Tages (4. März) wird auf Anregung des Vorstandes ein auswärtiger Herr über das zeitgemäße Thema .Voll ohne Raum" im Vereinslokal einen Vortrag halten. Dem Verein angeschlossen sind eine Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinterblie- denen und eine Hassia-Iuaendkameradschaft. Im übrigen beschäftigte sich Die Versammlung mit der Regelung interner Angelegenheiten. V Mainzlar, 17. Febr. Zur Zeit werden die Hausanschlüsse an unsere Kanalisation durchgeführt. Laut Beschluß der Gemeindevertretung wird sämtliches Abfallwasser in den Höfen der Anlieger abgefaßt. Dadurch erhält ein großer Teil ter Höfe einen oder mehrere Hofsinllasten, die für sie nicht unerhebliche Kosten bedeuten. Dennoch scheinen viele Unklarheiten über diefe Abfassung zu bestehen, denn zum Teil weigern sich etliche Anlieger, diese Arbeiten ausführen zu lassen. Nach dem zur Zeit auf bet Bürgermeisterei offenliegenden Ortsstatut ' muh der Anlieger diese Arbeiten ausführen lassen, es wird ihm aber, falls er sie nicht gleich durchführen läßt, vom Tage der Fertigstellung der gesamten Arbeiten ab gerechnet eine Frist von 12 Monaten gewährt, während der die Abfassung des gesamten Abfallwassers im Hofe hergestellt fein muß. Im Falle der Nichtaus- sührung innerhalb der gesetzten Frist ist die Gemeinde berechtigt, den Hofsinttaften Herstellen zu lassen und den Betrag von dem Anlieger zu erheben. Als Opfer der Kanalisation wird Wohl eine Anzahl schöner Lindenbäume in der Bahnhofstraße beseitigt werden müssen, doch ist zu hoffen, dah die Provinzial-Strahenverwaltung einige der Bäume direkt vor der Lumdabrücke stehen läßt. — L i ch, 17. gebt. Die neuzeitlich eingerichtete Brauerei Ihring-Melchivr wird neuerdings des öfteren zu Studienzwecken aufgesucht. Dieser Tage weilte die Oberprima der Bad-Nauheimer Oberrealschule unter Führung von Studienrat Dr. Decker hier, um den Betrieb und die Einrichtungen der Brauerei fennenxuternen. Die Schüler nahmen mit großem Interesse an der ihnen gern gewährten Führung durch den Betrieb teil und waren nach der lehrreichen Be.'ichtigung Gäste der Brauerei. gck. Großen-Buseck, 17. Febr. Die Frage der Errichtung eines Kriegerdenkmals in unserer Gemeinde ist nunmehr in ein neue- Stadium getreten. Gemeindevorstand, Kriegerverein und der Verein der Kriegsbeschädigten haben erneut gemeinsame Sitzungen abgehalten. Bereits nächsten Sonntag werden Beauftragte dieser Vereinigung eine Haussammlung vornehmen. Die Gemeinde stellt einen nennenswerten Betrag ihrerseits zur Verfügung. Auch vonseiten der Vereine hofft man Zuschüsse zu erhalten. Die vielumstritlene P'atzsrage und die Aus ührung des Ehrenmals sind allerdings immer noch nicht als endgültig entschieden anzusehen. Doch gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Einweihung noch in diesem Jahre vorgenominen werden kann. A L i ch, 17. Febr. In der jüngsten Sitzung des Stabtvorstanbes die unter Dorsitz des stellv. Bürgermeisters, Brauereibefitzer H. Heller IV. statifand, kamen folgende wesentliche Dunkle zur Beratung: Das Ueberlanbwerk Oberhessen in Friedberg beabsichtigt, das elektrische Ortsnetz im Gebiete der Hungener Straße zu erweitern, und ersucht die Stadt Lich, sich an btn entfttfyenben Kosten zv beMflgen. Nach (änderen Verhandlungen bemlUigte der Stobt- vorstand einen städtischen Zuschuß zu der Ortsnetzerweiterung in Höhe von 800 Mark. — Die Nebengebäude der Müllers chen Hofreite im Müllereck, und zwar ein Ueberbau, ein Wohn- Haus und ein Stallgebäude, müssen zum Zwecke der Eröffnung einer neuen Straße und Uebereig- nung von Geländezuschnltten an verschiedene Anlieger niedergelegt werden. Ein Versuch, diese iSe- bäubeteile ösfenUich auf Abbruch zu verkaufen, führte zu keinem Ergebnis. Der Stadtoorstand beschloß nunmehr, die Angelegenheit der Dau- kommission zum Zwecke der Besichtigung und Unterbreitung geeigneter Vorschläge zu übertragen. — In der neuangelegten Jahn st raße ist die Herstellung eines befestigten Fußsteiges dringendes Bedürfnis geworden. In Verbindung mit dieser Frage stehen Geländeerwerbsfragen. Die Baukommission hat mit einem Anlieger der Jahn- straße Vereinbarungen über den Erwerb von Stra- ßcngelände getroffen, die vom Stadtvorstand genehmigt wurden. 'Es soll nunmehr linksseitig ein einfacher Fußsteig angelegt und der Straßengraben an der Gießener Straße um einige Meter verlängert und überbrückt werden. — Auf Antrag des hiesigen Forstamtes wurde beschlossen, den hiesigen Forstbeamten bas im eigenen Haushalt benötigte Brennholz zu vier Fünfteln der jeweiligen Brennholztaxe aus der Hand abzugeben. Diese '.Regelung sott auch für bas Jahr 1929 Gültigkeit Haven. — Gelegentlich der Umpflasterung der Ortsdurchfahrt werben größere Menaen Großpsla- st e r ft e i n e frei. Die Lagerung oer Steine soll auf dem städtischen Marktplatz erfolgen. — Der freie Platz von dem Bahnübergang der Bahnhossstraße nach der Hungener und Hardtbergstraße befindet sich in der schlechten Jahreszeit in einem sehr üblen Zustand. Weder eine Beschotterung noch eine gründliche Reinigung ist imstande, diesen Zustand auf die Dauer .zu beseitigen. Der Gemeinderat trat einem Vorschlag des Vorsitzenden bei, diesen Platz in den nächsten Monaten gelegentlich der Umpflasterung der Ortsdurchfahrt mit K l e i n p f l a ft e ■ rung versehen zu lassen. 'reis Friedberg. * Friedberg, 17. Febr. Das Polytechnikum Friedberg hat den zweiten Flügen seines Neubaues vollendet und zu Beginn der Vorlesungen am 10. Januar in Betrieb Genommen. Dieser, dem ersten Flügel äußerlich gleiche Bau umfaßt ein Maschinen-, ein Meß- und ein Hochfrequenzlaboratocium, einen Hoch» spannungsraum, ein Fcinmeßlaboratorium. einen Batterieraum mit 165 Akkumulatoren, eine Dunkelkammer für photometrifche Hebungen, eine Auto- Garage mit Prüfstand, zwei Hörsäle mit 130 bzw. 60 Sitzplätzen, ein Dozenten- und ein As- fistentenzimmer, sowie eine mit den verschiedenartigsten Werkzeugmaschinen ausge'tattete Werkstatt (12x12 Meter). Das Maschinenlabvratorimn (20 <12 Meter- enthält 15 Prüfstände mit je 2—3 Maschinen bzw. Transformatoren und eine Hauptverteilungstasel mit 8 Feldern. Das Meß- laboratorium hat 15, das Hochfrequnzlaborato- rium 8 Prüfstände. Damit ist das Polytechnikum Friedberg in der Lage, seinen Studierenden eine allen Anforderungen entsprechende Ausbildung theoretischer und praktischer Art zu vermitteln. 00 Nieder-Florstadt, 17. Febr. Die Decke der Straße von Aieder-Florstadt nach Reichelsheim, die erst vor wenigen Jahren gebaut wurde, ist für den Verkehr nicht stark genug. Deshalb wurde die Straße bald nach chrer Fertigstellung für den Autoverkehr gesperrt. Nun fo(I sie nachträglich verstärkt werden. Aus diesem Grunde tagten die Reichelsheimer Gemeindevertretung und der hiesige Gemeinderat in einer gemeinsamen Sitzung unter dem Vorsitz von Kreisdirektor Gebhardt und beschlossen, die Straße so bald wie möglich zu walzen. Die Kosten von 1700 Mark sollen so verteilt werden, daß die Provinz 800 Mark übernimmt, und die restliche Summe als Darlehen an die Gemeinden gidt. Die Bauleitung hat die Provinz, die Arbeiten werden in Florstadt öfsentlich vergeben. Die Gemeinde Aieder-Florstadt liefert den Kleinschlag und Dasaltsplitt, 250 cbm davon hat die Firma Kessel (Reichelsheim) zu liefern. Die Sandlieferung übernimmt die Firma Aagel & Faust in Staden. Kreis Lauterbach. la. Lauterbach. 17. Febr. Die hiesige G c- nossenschaftsmolkerei Lauterbach — Fulda—Gersfeld ist als größte Molkerei in Deutschland bekannt. 3n den 80er Jahren wurde die Molkereigenossenschaft durch den Gutspächter Oekonomierat Backhaus gegründet und die Molkerei in der alten Burg zu Lauterbach eingerichtet. Aach etwa zwei Jahrzehnten wurde am Bahnhof ein Aeubau aufgeführt und mit Anschlußgeleise versehen. Seit ihrer Gründung hat sich die Molkerei als landwirtschaftliche Zentrale gut bewährt. Täglich werden 24 000 Liter Milch verarbeitet. Aus 20 Orten der Umgegend wird auf etwa 30 Wagen täglich die Milch angefahren. Aus größeren Orten kommen zwei, ja sogar drei Milchwagen. Außerdem führt die Bahn täglich aus dem Schliherland, aus Gersfeld und der Bebraer Gegend große Mengen Milch heran. Als wichtigster Teil der Milchverarbeitung gilt die Käserei. Als ein Zeichen gesunder Entwicklung muh der Umstand gewertet werden, daß die Molkerei die Geschäftsanteile der Genossen, die je 1000 Mark betragen, mit 10 0 Prozent auftoerten konnte. Starkenburg. WSA. Offenbach, 17. Febr. 3n der vergangenen Aacht wurde die Feuerwehr zweimal nach dem Hasen gerufen. Dort waren die Lagerhallen einer Kohlenfirma in Brand geraten. Als die Löichzüge erschienen, standen die Hallen in hellen Flammen. Durch Eingreifen der Feuerwehr mit zwei Auto- mobilsprihen wurde das Feuer nach zweistündiger Tätigkeit eingedämmt. Bei dem herrschenden starken Sturm hatte die Feuerwehr einen schweren Stand, die Ausbreitung des Feuers auf die angrenzenden Kohlenlager zu verhüten. Preußen. Kreis Wetzlar. ~ Vollnkirchen, 17. Febr. Bei der gestern Im hiesigen Gemeinde Wold stattgehabten H o l z - Versteigerung wurden folgende Preise erzielt: Eichenscheit und -knüppel 13 bis 16 Mk., Eichennutzholz (Küferholz) 28 bis 32 Mk., Eichen- stockholz 5 biS 9 Mk., Cichenschichtholz (2 Meter lang) 12 bis 15 Mk., Buchenscheit 20 bis 24 Mk., Duchenknüppel 16 bis 22 Mk. je Raummeter, Buchenwellen 21 bis 30 Mk. je 100 Stück, Kiesern- scheitholz (2 Meter lang) 3 bis 13 Mk., Kiesern- knüppel 9 bis 12 Mk. je Raummeter, Kiefernwellen 7 bis 12 Mk. je 100 Stück, Eichenstämme la- bis 2a-ÄL 24 bis 36 Mk., Kiefernstämme la- und Ib-Kl. 30 bis 40 Mk. je Festmeter, Fichtenstangen 1. Kl. 2 Mk. bis 4 Mk., 2. Kl. 1 bis 2 Mk. und 3. Kl. 0,40 bis 0,80 Mk. Die Preise sind zum Teil höher als die vorjährigen. Dillkreis. < Eisemroth, 17. Febr. An Stelle des seit dem 1. 3anuar d. 3. nach Barmen versetzten Pfarrers Merten wird Pfarrer W e r- ner zu Höchst a. M. die hiesige Pfarrstelle zum 1. April besetzen. LPD. Dillenburg, 17. Febr. 3m Wester- waldgebiet haben im Laufe des Freitag heftige Schneestürme getobt, so daß die höheren Gebirgszüge wieder in eine Weiße Schneedecke gehüllt s ind. Kreis Biedenkopf. # Holzhausen bei Gladenbach, 17. Febr. Hier hat sich unter dem Vorsitz von Pfarrer Trautmann ein Frauenverein gebildet, dem eine große Anzahl Frauen und Mädchen angehören. Nachdem der Vorstand gewählt war, wurde das Dors unter die Vorstandsmitglieder in Pflegschaften eingeteilt. Ebenso wurde die Einrichtung der demnächst zu gründenden Schwesternstation besprochen. Maingau. WSA. Frankfurt a. M., 17. Febr. Die Direktion der Straßenbahn hat unter künstlerischem Beirat eine Anzahl von Straßenbahnwagen mit neuem A n st r i ch versehen lasten, der in der Richtung möglichster Vereinfachung und damit auch erwünschter Aattonalisierung und Verbilligung der Herstellung von dem seitherigen Schema abweicht. Der Glfenbeinton deS Gesamtanstrichs wurde unverändert beibchalten, dagegen wurde auf die rote Liniierung der einzelnen Felder verzichtet und das schattierte Gold der seitlichen Ausschrift durch eine farbige klare Blockschrift erseht. — Der städtische Omnibusbetrieb in Frankfurt hat sich so gut eingeführt, daß sich die Aotwendigkeit einer erheblichen Erweiterung des Omnibusbetriebs ergeben hat. Zu den 43 vorhandenen Omnibussen sollen jetzt noch 20 Wagen im Gesamtbetrag von 540 000 Mark beschafft werden. Rundfunkprogramm deS Frankfurter EenderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Sonntag, 19. Februar. 8,30 bis 9,30: Morgenfeier. 11 bis 11,30: Die E'.ternstunde. 11,30 bis 12,30: Ein Gang durch eine große Brotfabrik. 12,30 bis 13,30: Konzert der Ungarischen Kapelle vom Cafs Rumpelmayer. 15 bis 16: Die Stunde der 3ugend. 16 bis 17,30: Konzert des Rundfunkorchesters: Karneva's-Operetten und Walzer. 17,30 bis 18: „Fasching in München", Vortrag von Friedrich Püh. 13 bis 19: Vortragszyklus „Gedanken zur Zeit", 2. Teil: 18 bis 18,30: „Mensch und Technik", Vortrag von Professor Dr. Matschoß: 18,30 bis 19: „Kritik der Technik", Vortrag von Dr. Busse. 19 bis 20: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Heitere Stunde", veranstaltet vonHerm Dr. Herbert Kranz und Herrn Peng. 20,30 bis 22,30: Konzert des Harmonieorchesters des Frankfurter Orchestervereins. Darauf bis 0,30: Tanzmusik. Montag, 20. Februar. 13 biS 15: Don Mainz: Der Mainzer Rosen- montagszug. 15,30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16,30 bis 17,45: Konzert des Rundfunkorchesters. Die Oper der Woche. 17,45 bis 18,05: Die Lesestunde. 18,30 bis 19: „Mittelalterliche Glasgemälde im Städelfchen Kunstinstitut", Vortrag von Dr. Oswald Götz, Assistent am Städelfchen Kunstinstitut. 19 bis 19,30: DieSchach- stunde. 19,30 biS 19,45: Englische Literaturproben. 19,45 bis 20,15: Englischer Sprachunterricht. 20,15: Don und nach Stuttgart: Gemeinsamer Rosenmontag-Abend der Sender Frankfurt und Stuttgart. Anschließend: Schallplatt en-Konzert „Fastnachts-Kehraus". Dienstag, 21. Februar. 12,30 bis 13,30: Von Kastel: Mittagsständchen der Kasteler Hauslapelle. 15,30 bis 16: Die Stunde her Jugend. 16,30 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 17,45 bis 18,05: Die Lesestunde. 18,30 bis 19: Funkhoch- schule: „Ansteckende Kinderkrankheiten", Vortrag von Dr. Lands- 19: Vom Frankfurter Opernhaus (nach Stuttgart): Der Zigeunerbaron, Operette in drei Akten von I. Schnitzler. (Rach einer Erzählung von M. Jolai.) Musik von Johann Strauß. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Mittwoch, 22. Februar. 13,30 bis 1430: Von Kassel: Mittagsständchen der Kasseler Hauskapelle. 15,30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16,30 bis 17,45: Konzert: Zrederic Ehopin (geb. 22. Februar 1810). 17,45 bis 18,05: Die Bücherstunde. 18,30 biS 19: „Der heilige Teufel Rasputin", Vortrag von Rens Fülöp-Miller. 19 bis 19,30: Hermann Kasack, Vortrag auS eigenen Werken. 19,30 biS 20: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 20 bis 20,15: Senckenberg-Viertelstunde: „Riesenwarane der Insel Komodo", Vortrag von Dr. Robert Mertens. 20,15 bis 21,15: Von Stuttgart: Sinfonie-Konzert. 21,15 bis 22,15: Von Stuttgart: Mutter und Kind. Berliner Börse. Berlin, 18. Febr. (WTB. Funkspruch.) Aachdem schon gestern nachmittag und im Frankfurter Abendveriehr die Tendenz als nachgebend zu bezeichnen war, ist es heute früh noch sehr still und auf dieser Basis etwa gehalten. Die Spekulation verhält sich reserviert. Regierungskrilis, Metallarbeiterverhandlungen, undurchsichtige Lage des Geldmarktes (heute erscheinender Reichs- bankauSweis) und die erst für Montag zu erwartende Abstimmung im amerikanischen Senat über die Freigabebill sind hemmende Momente. J.-G.-Farben 263 gesprochen. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London mit 124,02, Mailand 92,04, Madrid 28,80, London gegen Kabel 4,8755 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1913. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 19. Februar. Estomlhi. Slablkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr: 11: Kinderkirche für die Matthäusaemeinbc, Pfarrer Mahr: 5: Pfarrer Becker. — Johanneskirche. 9.30: Pfarrer 'Ausfeld: zugleich Militärgottesdienst: 11: Kinderkirche für die Iohannesgemetnbe, Pfarrer Ausfeld: 5: Pfarrer Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — wieseck. 9.45; 11: Kinderkirche. — Allen-Duseck. 10; 1. — Kirchberg. 10; Kirchberg; 1.30: Daubringen; 1.30: Lollar. — Lich. 10: Pfarrer Gerich (Bellersheim); 12.45: Kindergottesdienst; 2: Stiftspfarrer Schorlemmer. — Hausen-Garbenleich. Kirchenvstitation 9.30: Garbenteich; 1 30: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 10: Kinderkirche; 1: Predigt (Land. Borngösser, Gießen). Dienstag, den 21. Februar. Kirchberg. Abends 8.30 Uhr: Dibeistunde in Lollar. Mittwoch, den 22. Februar. Stadttirche. Abends 6 Uhr: 1. Passtonsandacht, Pfarrer Bccker. — Lich. Abends 8: Passionsandacht. Donnerstag, den 23. Februar. Kirchberg. Abends 8.30 Uhr: Bibelstunde in Daubringen. Katholische Gemeinden. Samstag, den 18. Februar. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 19. Februar. Sonntag Quinquagcflma. Gießen. 6.30 Uhr: Deichte; 7: Meße; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt: 11: Meße mit Predigt; 4.30: Versammlung der Iungfrauenkongrega- tion; 5.30: Christenlehre und sakramentalische Bru- derschaftsandacht. — (Brünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Messe mit Predigt. — Laubach. 10: Messe mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. Gießen. Am Aschermittwoch wird um 7 Uhr die geweihte Asche ausgeteikt. 9i:nFUhr geweihte Asche ausgeteilt. — Freitag abends 6.30 Uhr ist Fastenandacht. SonntacrSdietrst d.Rerzte «.Apotheken am 19.2.28 Dr. Menerhofs. Dr. Wolf. Pelikanapotheke. Zahnarzt: Dr. Metz. ‘D Berichtigung. In der Anzeige vom 17. 2. betr. 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Februar 1928 an die Bürgermeisterei Lich (Heften) einsenden, die auch nähere Auskunft über die Gehaltsverhältnisse usw. erteilt, persönliche Vorstellung nur auf Wunsch. Lich, den 2. Februar 1923. Hessische Bürgermeisterei Lich: i.D. Heinrich Heller IV. Gips-Mrth-tal Einzige ftanblefte, beiberfeitöglatteu.foioti oernienbunaöfäüifle, nur 7cm dtckeTrocken- tvanb, D. N. P.-Aitsitihrung nur durchs Mttinoöer L Mim Vabnftrahc 3. Fernsprecher 2463. Bei Gicht, I Jnhias, I Nerven-u. Kopfschmerz, Rheuma, | Grippe | Erkältungskrankheiten haben sirh Togal -Tabletten hervorragend bewährt rin Versuch überzeugt! (flciudit sofort in allen Orten fleißige strebsame Personen Aur Uebernadme einer 682 Trikolagen- und Slrumpfftrickerei auf unterer Fieminaitrickmaschine. Vetcbter und bober Berbienst. Günstige Bedingungen. Borkinntnisfe nttit er« forderlich. Prosveki gratis und uanko. 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Klasse 4 Stück rm 2b-Klas (Fichtenreis. 1900 St. Bohnenstangen Za-Klas ftichtenstämmc (Güteklasse N). 4a-Klas 4b-Klas an Kicfernstämmc Güteklasse St. Nutzholz-Versteigerung (Langholz und Abschnitte) Güteklasse N: Hainbuche 1. Klasse 24 Stück, 3,93 km 15 Stück, 3,44 km A. 1 139 Eichen I. Kl. St. Güteklasse 2. 162 (darunter über 100 Spalierpfosten von . .13,18 sm 5,41 km Stück, Stück, 1,37 km Stämme (Langholz) Güteklasse N: rm. Kiefer Waldei deS Lärchenstämmc fm Güteklasse St. 3a-Kla Kiefer in Reichsmark pro Fest. (Abschnitte) Güteklasse lb°Klas e 2 Stück, 2 Stück, 0,62 fm Derbslangen: 1. Klasse 56 Stück, 5,04 km Sorti. 1859 D Gemeindehaus: St. St. 2. Klasse 82 Stück, 3. Klasse 148 Stück, 600 1600 St. St. VIII. IX. X. Kie Kie er er se se 6,41 km 1,39 fm 710 160 1156 790 2350 1260 40 100 20 40 N. N. N. N. N. A. A. N. A. N. N. 16 2 Fichte Fichte Fichte 4. Kla 4. Kla 5. Kla 2. Kla 3. Kla l.Kla 2. Kla 3. Kla 4. Kla l.Kla 2. Kla 3. Kla e c e Forst- well. N. 43 N. 26 24 13 10 5 4 1 1 4. 6. 1 1 1 2 Ilb-Kl. Hl b. „ IV b. „ V- „ 1 51 86 77 20 1 7 6 17 10 66 4 Buchenstämme . . Kiefcrnstämme . . Fichtenstämme . . Weißtannenstämme Fichtenderbstangen . Eichennutzjcheit. 4,92 fm 4,44 fm . 9,88 . 0,62 . 2,40 2,43 . 8,65 . 6,00 . 3,61 . 0,12 8,07 fm 2,18 fm 6,9 13,3 2a-Klas 2b-Klas 3L'Klas 0,33 1,02 1,04 1,32 1b fm, Ib- II a. II b. Illa. III b. IVa. IV a. V. Hainbuche Hainbuche Eiche Eiche Eiche Eiche Linde Linde Linde Stück, 0,36 fm Stück, 12,51 fm Stück, 72,50 fm Stück, 17,40 fm Stück, 1,88 fm Stück, 0,46 fm A. 2 A. 13 A. 9 0,68 km 1,06 fm ’ N: 0,38 fm Zusammenkunft 9/2 Uhr Hess. Bürgermeisterei. D i l 1 e n b u r ger. . .11,10 fm - .35,77 „ Id-Kl II a- „ II b- „ Illa. „ HI b. „ IVa. „ Ula. „ HI b. ,, IVa. „ IV b- „ St. 3b = 3 fm, 3a 4 =4 fm, 4a 2 1,6 fm. — 1 fm, 2b 2 = 2 fm, 3b 6 4 fm. = 3,39 fm = 15,33 „ = 3,26 „ fang zu nehmen. Gießen, den 17. Februar 1928. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Rosenberg. Nutzholz-Versteigerung. Die Gemeinde Frankenbach verkauft am 27. Februar 1928 nachstehende 62 fm Eichen auf Ort und Stelle und 150 fm Fichten einschl. 2,87 fm Kiefer auf dem Scheit und Knüp. Rm. Nutzholz-Versteigerung. Die Gemeinde Alten-Buseck bringt Don- nerstag, den 23. Februar d. Js., vormit- tags von 9 Uhr ab folgendes Nutzholz aus ihren Waldungen zur Versteigerung. Zusammenkunft bei Distrikt Struth. Alten-Buseck, den 17. Februar 1928. Bürgermeisterei Alten-Buseck. 19070 Kreisstraße Lich—Hattenrod (Stadtwaldgrenze), Zusammenkunft 10 Uhr vormittag- Bahn- Unterführung Lich—Garbenteich Blindelochswiese: Albach—Hattenrod Kreisstraße Lich—Steinbach (am neuen Teich) Holzsnbmission. Die Gemeinde Geilshausen verkauft im Fuchsstrauch....... Mönchwald....... Höles-Schwarzwald- Birkenscheiter, Buchenknüppel, Eichenknüppel, Kirschbaum- und Lindenknüpp., Zusammenkunft Eingang Straße nach Oppershofen. 6 134,8 94,6 6 zum Mittwoch, dem 22. Februar 1928, nachmittags 1 Uhr, bei der Bürgermeisterei dahier mit entsprechender Aufschrift einzureichen. Die Bedingungen, welchen sich die Raufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, liegen bei uns offen und werden im Termin bekanntgegeben. Das Holz ist mit Rinde gemeßen. Man bittet, das Holz vorher anzufehen, da fpä- tere Reklamationen nicht berücksichtigt wer den Auskunft erteilt Förster Keil, Ettings Hausen. Rieder-Bessingen, den 15. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei. Steuernagel. bad). Staufenberg, den 16. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei. Meyer. 2 Stück, 0,92 fm 2 Stück, 1,46 fm Vuchenabschnilte: e, N, 2 Stück, 1,30 fm e, A, 1 Stück, 1,13 fm c, A, 1 Stück, 1,79 fm Brennholzversteigerungen Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen versteigert werden: 18846 a) Mittwoch, den 22. Februar, 1928 beginnend 9% Uhr, aus den Abt. 54 und 76 des Stadtwaldes, 5 St. = 11 fm. Abschnitte 91. 2b 4 St. --- 3 fm, 3 b 3 St. — 3 fm, 4b 1 St. — Abschnitte ft. 2a 2 St. -- 2 fm, 3a 2 St. — 5 fm, 4a 3 St. = verzeichnetes Holz: Elchenstamme: Klasse 3 9 Stück, 5,72 fm Klasse 4 9 Stück, 10,19 fm Klasse 5 5 Stück, 6,99 fm 5,89 fm 6,17 „ 11,02 „ 9,06 „ 9,89 „ 7,14 „ 6,30 „ 0,95 „ 1,57 „ 0,22 fm 19,18 „ 43,33 „ 55,32 „ 19,73 „ 0,46 „ 1,01 „ 12,29 „ 8,39 „ 0,69 „ 24 16 1 11 73 95 100 117 4 Die Solzversteigerungen der Fürstlichen Obersörsterei Lich Übersicht. 1670 Wellen 480 „ Zagdverpachlung. Donnerstag, den 23. Februar l nach, mittags um 5 Uhr, soll die der Gemeinde Ödenhausen zustehende Feld- und lvald- jagd aus weitere sechs Jahre im Bureau der Bürgermeisterei dahier verpachtet wer- den. 16270 Das gesamte Jagdgebiet umfaßt zirka 300 Hektar Feld und 100 Hektar Wald, und ist die Bahnstation der Strecke Gießen— Lollar—Grünberg in der Mitte des Jagdbezirks gelegen. Odenhausen, den 10. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei Odenhausen. R a ch t i g a l l. 1 63 190 28 2 2 14 2 Dienstag, den 21. Februar 1928, wird im Staufenberger Gemeindewald folgendes Nutzholz versteigert: 1858D 2a-Klasse 14 Stück, 2b-Klasse 2 Stück, Es dürfen nur Tiere aus unverseuchten Gemeinden der Kreise Gießen, Friedberg, Schotten und Büdingen aufgetrieben werden. Auftriebszeit vormittags von 9 bis 10 Uhr. Lich, den 6. Februar 1928. 15580 Hessische Bürgermeisterei Lich. I. B.: Heinrich Heller IV. stangen 7. und 8. Kl.). Zusammenkunft: Kreuzung Wannschneise—7. Schneise. b) Freitag, den 24. Februar 1928, beginnend 9/2 Uhr, aus den Abt. 126 und 127 des Stadtwaldes, Bezirk des Försters Arft: 26 rm Buchenscheiter, 2,2 m Länge) Eichen 3. Kl..... „ 4. „ • • • • „ 5....... se e e e e St. St Langholz ft. 2a 6 St. = 3 fm, 2b 11 = 11 fm, 3a 12 St. = 19 fm, N. N. N. N. N. N. Lärchenabschnitte: 3a-Klasse, N, 1 Stück, 0,49 fm Eichennuhscheiler: 3,2 rm (Küferholz) Angebote sind , „ . meter, getrennt nach Sortiment und Klassen, mit der Aufschrift Holzsubmission bis spätestens Samstag, den 25. 2. 1928, nachmittags 3% Uhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen. Die Eröffnung findet zur vorerwähnten Zeit au dem Rathaus statt. Mit der Einreichung Nuhreisig: Fichte 37 rm Uuhrollen: 2b fm, fm. St. Aspenreisia, Kiefernreisig, Fichtcnreisig, Buchenstöcke, Eichenstöcke, (Langholz) Güteklasse N: la-Klasse 99 Stück, 16,96 fm lb-Klasie 60 Stück, 19,66 fm Hainbuche, 1,25 m lang, 1,2 rm. Angebote sind, getrennt nach menten und Klassen pro Festmeter, bis Holzsubmission. Die Gemeinde Lang-Göns verkauft im Weye schriftlichen Angebots folgende Holz- sorttmente (Distrikt Heide): Kiefer Kiefer Stamme Kieker Kiefer Kiefer Kiefer Stämme Fichte Fichte Fichte Fichte Di. 21. 2. Mo. 27. 2. Di. 28. 2. Eschenstämme 1. u. 2. Kl. . Eichederbstangen 2. u. 3. Kl. Fichtederbstangen 1. Kl. 2. „ 3- „ Eschederbstangen 3. „ Güteklasse F: 2a-Klasse 1 Stück, 3a-Klafje 1 Stück, Fichtcnftämmc. ---- la-Kl. Fichte. Los I. Langholz 91. 2b 22 St. = 23 fm, 3a 16 St. = 25 fm, 3b 13 St. — 27 fm, 4a 6 St. ----- 14 fm. Wege schriftlichen Angebots nachstehend 18500 LoS II. Langholz 91. 2b 3 St. = 3 fm, 3a 7 --- 10 fm, 3b 3 St. ----- 6 fm, 4a 1 ----- 3 fm. Langholz ft. 3a 1 St. = 1 fm. Abschnitte 91. 2b 2 St. = 1 fm, 3a 1 - 0,3 fm. LoS III. Langholz 91. 2a 38 St. = 26 fm, 42 St. ----- 49 fm, 3a 30 St. = 63 3b 14 St. = 36 fm, 4a 2 St. - 8 Langholz ft. 1 b 2 St. = 1 fm, 2a 4 = 3 fm, 2b 1 St. = 1 fm. Abschnitte 91. la 3 St. = 0,3 fm, 8 St. = 1,2 fm, 2a 4 St. ----- 1,3 M-MMWlMlsleiMW im Kirch-Gönser Gemeindewald, Distrikte Ochsenharb, Heide und Struth. Nächsten Donnerslag, den 23. Februar, oll im hiesigen Gemeindewald folgendes Bau- und Nutzholz versteigert werden: Eichenstämme: 11 Stück, 20 bis 48 an Durchmesser, 4 bis 7 m lang, 4,88 fm. Lindenstämme: 1 Stück, 27 cm Durchmesser, 7 m lang, 0,40 fm. 17980 Lärchenstämme: 2 Stück, 31 bis 35 an Durchmesser, 6 bis 10 m lang, 1,41 fm. Kiefernstämme: 98 Stück, 20 bis 29 an Durchmesser, 6 bis 18 m lang, 56,56 fm. Kiefernstämme: 96 Stück, 30 bis 43 an Durchmesser, 5 bis 10 m lang, 85,01 fm (Schnittholz). Fichtenstämme: 159 Stück, 15 bis 31cm Durchmesser, 10 bis 21 m lang, 73 fm. Fichtenderbftangen: 53 Stück. Fichtenreisstangen: 850 Stück. Das im Distrikt Ochsenharb liegende Eichen- und Lärchenstammholz wird bei der Mittagspause versteigert. Nähere Auskunft erteilt Förster Ölern, Kirch-Gons. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr aus der Kreisstraße Pohl-Göns — Ebersgöns am Waldeingang. Hessische Bürgermeisterei. H a n a ck._ Licher Fastnachts-Mrki. Schaf-, Schweine- und Krämermarkt Montag, den 20. Februar 1928. Bei Beschickung des Biehmarktes sind die seuchenpolizeilichen Dorichriften zu beachten. Ursprungszeugnis für Züchter, Nachweis der Quarantäne für Händler. Bezirke der Förster Brück und Gcifel: 41,6 rm Buchenscheiter, 20,4 „ Eichenscheiter, 13,4 „ Buchenknüppel, 19,5 „ Eichenknüppel, Wellen Buchenreisig, „ Hainbuchcnreisig, „ Eichenreisig, Eichenreisig, 610 „ Linden- und Fichtenreisig, 9,8 rm Buchen-, Birken- u. Eichenstöcke. Zusammenkunft: Alter Steinbacher Weg — 11. Schneise. Die Nadelnutzholzversteigerung vom 13. Februar 1928 (Nr. 11) und die Brenn Holzversteigerungen vom 16. und 17. Februar 1928 (Nr. 13 und 14) wurden genehmigt. Die Abfuhrscheine sind bis spätestens 1. März 1928 in Emp- Reissiangen: 7. Klasse (Bohnenstangen) 1090 Stück Eichenstammholz fm: Kl. 1 — 1,07, Kl. 2 = 13,62, Kl. 3 = 8,67, Kl. 4 = 9,23, Kl. 6 — 3,88, Kl. 6 — 1,07; ftichtcnstämmc fm: Kl. la = 7,49, Kl. 1b = 37,42, fil. 2a = 37,24, SH. 2b = 30,29, Kl. 3a = 9,22, SH. 3b = 4,04;ftichtenftangen Stück: Kl. 1 =148, SH. 2 = 87, SH. 3 = 201; Nutzschcit = 23 rm. Kaufliebhaber können sich das Holz vor- | her ansehcn. Beginn der Versteigerung 110 Uhr vormittags auf dem Gemeindehaus. SB ad. Bürgermeister. Bekaunttnachnng Betr. Bcfreiungsanzeigen von der Bei- tragspflicht zur Arbeitslosenversicherung Aus Grund deS Artikels V der Verordnung zur Ausführung deS Gesetzes übet Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 29.9. 1927 — Reichs- gesetzt)!. I S. 312 — erlöschen am 31. Man 1928 alle auf Grund der 6. AuSführungs-- Verordnung zur Verordnung über Ei-- werbSlosenfürsorge vom 18. 1. 1926 — Reichsgesetzbl. 1 S. 693 — ausgesprocheneu Befreiungen von der Zahlung der Bce» träge zur Arbeitslosenversicherung. 2)”* die Versicherungsfreiheit über diesen Zeitpunkt hinaus in Anspruch genommen, i* ist die Anzeige bis 29. 2. 1928 bei den zv- ständigen Krankenkassen zu erneuern. Jn> besondere wird darauf hingewiesen, oc$ für Befreiungen aus Grund des § 71 Abs.ü des AVAVG., entgegen der früheren Bt- stimmungen, ein schriftlicher Arbeitsort« trag auf unbestimmte Zeit mit minbcfleiu 6monatlicher Kündigungsfrist VorauSsc.- zung für eine etwaige Versicherungssre^ heit ist. Bemerkt wird ferner, daß vom 1.4. 1928 ab Befreiungen alten Stu»., b. h. solche, die auf Grund der Bestimmungen übet Erwerbslosenfürsorge vom 16. - 1924 erteilt wurden, unwirksam werde:- Die für die Befreiungsanzeigen benötigten Formulare können unentgeltlich bei den zuständigen Ortskrankenkassen in ©mpfmg genommen werden. 1° , Befreiungsanzeigen auf Grund der dobgenannten Bestimmungen, welche nag dem 29. 2. 1928 eingehen, können ntO-t berücksichtigt werden. Arbeitsamt Wetzlar. 2b 5 St. = 3,3 fm, 3a 2 St. = 2,2 fm, 3b 2 St. = 2,6 fm, 4a 1 St. = 1,7 fm. Los IV. Langholz R. 2a 10 St. = 4,5 fm, 2b 15 St. = 9,4 fm, 3a 26 St. = 25 fm, 3b 7 St. = 11 fm, 4a 1 St. = 1,7 fm. Abschnitte N. 2a 68 St. = 16,6 fm, 2b 74 St. = 28 fm, 3a 26 St. = 14,5 fm, 3b 14 St. = 8 fm, 4a 4 St. = 3 fm, ferner ranne Langholz N. 2b 2 St. = 1,6 fm, 3 a 1 St. = 1,1 fm. Kiefer, LoS V. Langholz 91. 1b 2 St. = 0,62 fm, 2a 38 St. = 24,6 fm, 2b 57 St. = 63 fm, 3a 16 St. = 19 fm. Eiche, LoS VI. Langholz. Kl. 1 61 St. = 11 fm, Kl. 2 140 St. = 66 fm, Kl. 3 50 St. = 36 fm. LoS I lagert in Bilsteinshege, LoS II und III in den übrigen Distrikten des Försterbezirks KaulstoS, Los IV im Försterbezirk Breungeshain, Los V in Läuns- bach 17, Försterbezirk Schotten-Süd, Los VI in den Försterbezirken Schotten- Süd, Eichelsachsen und Burkhards. Angebote mit der Aufschrift „Submission" werden getrennt nach Losen, Holzart, Güte- und Stärkeklasscn erbeten bis Donnerstag, den 1. März 1928, norm. 10 Uhr, auf unser Amtszimmer. Nähere Auskunft erteilt die unterzeichnete Stelle. Schotten, den 16. Febr. 1928. I891D Hess. Forstamt Schotten. Holzversteigerung. Freitag, den 24. Februar 1928, vormittags 9 y2 Uhr, werden im Saale des GastwittS Gustav Borger, Londorf, aus den Freiherrlich von Nordeck zur Rabenaufchen Forstotten Eibfchenhain, Geiselstruth, Hain, Gebrannte Eiche, Dietrichswald, Mittelburgerfeif, Hainstruth, Sicklergeheeg, Rinnwege, Katzengeheeg, Am Sicflergraben, Kirchgeheeg und Steinberg versteigert: 1905 D Stammholz fm: Eiche Kl. 1 -= 0,74, Kl. 2 = 7,13, Kl. 3 = 0,84, Kl. 6 (Abschnitt) = 0,16; Hainbuche Kl. 4 — 0,25; Birke Kl. 1 = 0,16, Kl. 2 --- 0,35; Esche Kl. 1 --- 0,51, Kl. 2 ----- 0,11; Dcrbstangcn, Stück: Eiche Kl. 1=9: Fichte Kl. 1 = 304, Kl. 2 = 196; Reisslängen, Stück = 750; Nutzscheiter rm: Eiche 2 m Ig. --- 2, Fichte 3m Ig. = 3; Nutzknüppel rm: Eiche 2 m Ig. — 10, Fichte 3 m Ig. = 8; Nutzreisig rm: Fichte 6 m Ig. = 5,4; Fichte Schichthaufen 86. Scheiter rm: Buche Kl. 1 = 290, Kl. 2 = 9, Eiche = 92, Kirschbaum = 2, Aspe ---- 8, Kiefer Kl. 1=9, SH. 2 = 4, Fichte SH. 1=2, SH. 2 = 26; Knüppel: Buche Kl. 1 --- 267, Kl. 2 ---- 10, Eiche Kl. 1 --- 203, Kl. 2 = 8, Aspe SH. 1 = 10, Kl. 2 = 8, Birke Kl. 1=8, Kl. 2 = 4, Lärche = 12, Kiefer ----- 25; Knüppelreisig: Kiefer = 1, Fichte = 107; Reisig: Buche = 662, Eiche = 682, Fichte = 10, Aspe = 6; Stöcke: Buche = 56, Hainbuche = 2, Eiche = 57, Kiefer = 73, Fichte Kl. 1 = 37, Kl. 2 = 24. Zuerst wird versteigert das Holz auS den Forstorten Eibfchenhain,Geiselstruth, Hain, Steinberg, Gebrannte Eiche, Dietrichs- roalb unb Mittelburgerseif. Die mit roter Oelfarbe unterstrichenen Nummern kommen nicht zur Versteigerung. DaS Holz kann vorher besichtigt werden. Spätere Beanstandungen werden nicht angenommen. Nähere Auskunft erteilen die Herren Förster Wißner in Londorf, Kalberlah und Kornmann in Rüd- dingShausen. Londorf, den 16. Februar 1928. Hessisches Forstamt Rabenau. Löber. Nutzholzversteigerung Donnerstag, den 23., und Freitag, den 24. Februar d. 3., jedesmal vormittags am 9 Uhr anfangend, fallen im Nockenberger- Oppershosener INarkwalde versteigert werden: 1871V Cidien-A- und -N-Stämme 1. bis 6. Klaffe 415 Stück, 112 fm; Vuchen-A- und -N-Slämmc 3. bis 5. Klaffe 29 Stück, 27 km; Kicfem-A- und -N-Slämme 1. bis 5. Klaffe 37 Stück, 17 fm (dabei Abschnitte); Lärchen-A- und -N-Slämme 1. bis 3. Klasse 31 Stück, 18 fm (dabei Abschnitte); Cfdjcn-N-Stämme 2. und 3. Klasse 7 Stück, 3,40 fm ; Jidjlen-N-Slämmc 1. bis 3. Klasse 165 Stück, 43 fm; Derbstangen: Eiche 1. Klasse 10 Stück, 0,50 fm; Verbstangen: Fichte 1. bis 3. Klasse 96 6t., 4 fm; Reisslängen: Fichte 1. bis 4. Klasse 800 St., 5 fm; Nutzknüppet: Eiche 48 rm. Die Zusammenkunft ist am ersten Tage auf der Kreisstraße Oppershofen—Södel (am Eingang des Waldes), am zweiten Tage beim Pflanzgartenhäuschen, Distrikt Seegrund. Bemerkt wird, daß die Kiefern- flämme vorzugsweise am ersten Tage, und Sie Lärchenstämme am zweiten Tage zum Ausgebot gelangen. Oppershofen, den 17 Februar 1928. Markgegenfchreiber. ß a n g ft o r f. des Angebots unterwirft sich der Käufer den Verkaussbedingungen, welche bei uns eingefeben werden können. Man bittet, das Holz vorher anzufehen. Dasselbe wird aus Verlangen von Herrn Förster Bergk vorgezeigt. Etwaige spätere Reklamationen werden nicht berücksichtigt. 1878V Lang-GönS, den 17. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei. Romps. Holzmengen nach Schätzung Nutzholz Holzsnbmission. Donnerstag, den 23. Februar 1928, nachmittags 4 Uhr, werden aus den Waldungen der Gemeinde Treis a. d. Lumda nachfolgende Holzfortimente im Submissionswege vergeben: Eichcnstämme (Güteklasse N). 2. Klasse 41 Stück = 18,76 fm (Los 1 = 27 Stück = 13,10 fm „2=14 „ = 5,65 ) 3. Klasse 21 Stück = 14,72 fm 4. ,, 2 „ = 1,22 „ Güteklasse A. 3. Klasse 4 Stück = 2,97 fm Buchenstämme (Güteklasse N). 4. Klasse 1 Stück = 0,40 fm Güteklasse A. Das Holz ist ohne Rinde gemessen, an fahrbare Wege gerückt, unb das Nadelholz ist entrindet. Angebote sind, nach Klassen getrennt (Eichenstämme II. Kl. = zwei Lose), verschlossen, mit Aufschrift versehen, bis zum obigen Termin bei hiesiger Bürgermeisterei einzureichen. Angebote mit zusammengezogenen Klassen ober Vorbehalten unb Bemerkungen versehen, bleiben unberücksichtigt. 1862V Es wird empfohlen, daS Holz vorher zu besichtigen, da spätere Reklamationen nicht angenommen werden. Herr Förster Förster zu Allendorf a. d. Lumda zeigt auf Wunsch das Holz vor. Die BerkaufSbedingungen können auf hiesiger Bürgermeisterei eingesehen werden und werden bei dem Termin nochmals bekanntgegeben. TreiS a. d. Lumda, den 17. Februarl928. Hess. Bürgermeisterei TreiS a. d. Lumda. Holzsttbmission. Die Gemeinde Staufenberg vergibt im Wege schriftlichen Angebots folgende Holzsortimente: 1858D Fichtenstämme: la-Klasse 240 Stück, 42,94 fm lb°Klasse 145 Stück, 46,67 fm 2a-Klasse 10 Stück, 5,91 fm Das Holz ist mit Rinde gemessen, aber entrindet. Angebote sind bis zum Mittwoch, dem 22. Februar, nachmittags 2 Uhr, auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Bedingungen bekanntgegeben werden. Staufenberg, den 16. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei. Meyer. Fichlennuhreiser: 57 rm (für Wagner geeignet). Zusammenkunft vormittags 9J4 Uhr der Marburger Straße, obig der Tiefen- kiesernabschnitte: 2b-SHaf e, N, 3 Stück, 1,19 fm 3a-Klafse, N, 6 Stück, 2,42 fm 3b°Klasfe, N, 3 Stück, 1,65 fm *) Die im Langeberg vorgesehene Versteigerung muß aussallen; dafür kommen einige Hundett Forstwellen von dort in der Meilbach ungesehen zum Angebot Aenderungen Meiben vorbehalten. Die Holzmengen sind werft nur emgeschätzt. toauerc5 toitb burd) bie Wlle bdanxxWL Auskunft über dre Montags-Ver- steigerungen erteilt Förster Stein, Hattenrob, über die DienStagS-Versteigerungen Förster Heuser, Fasanene bei Lich, Fernruf Nr. 19 20 Fichtenstangen 60 Fichtenstangen (Bau- und Spalierholz) Fichtenabschnitte: e, N, 1 Stück, 0,37 fm „a-juu| e, N 2 Stück, 1,40 km 3b-SHaf e, N, 2 Stück, 1,71 fm e, A, 2 Stück, 2,32 fm e, A, 1 Stück, 1,33 fm 5. Klasse, A, 2 Stück, 3,72 fm Nächsten Mittwoch, den 22. dS. Mts., vormittags 9 Uhr anfangenb, kommen int Södler Gemeinbewald solgenbe Holz« Sortimente zur Versteigerung. 1890 D 310 St. Eichenstämme . . mit 130 fm 9 * 3,60 „ 6 „ 2,60 „ 2,60 „ Ib-Kla se 11 Stück, 3,31 fm 2a-Kla e 22 Stück, 10,51 fm 2b-Kla |e 8 Stück, fe 1 Stück, Lschenstämme: Klasse 2 7 Stück, 3,34 fm Angebote sind, getrennt nach Klassen, mit entsprechender Aufschrift bei der unterzeichneten Stelle bis Aum 22. d. M., nachmittags 3 Uhr, einzureichen, woselbst auch die Be- bingungen eingesehen werden können. Geilshausen, den 16. Februar 1928. Hessische Bürgermeisterei Geilshausen. _________Wagner.__________ Holzsttbmission. Die Gemeinde Niedcr-Vesfingen verkauft im Wege fchriftli ^en Angebots nachstehend verzeichnetes Holz: 1860V Stämme Lichenabschnitte: c, N, 5 Stück, 2,55 fm 3. Klas e, A, 4 Stück, 2,20 fm 4. Klas e, A, 3 Stück, 3,38 fm 6. Klas e, A, 1 Stück, 1,39 fm Bekanntmachung. Dir geben hiermit unseren Stromabnehmern bekannt, baß ab 1. Januar 1928 in unserem Versorgungsgebiet nur diejenigen Installateure zugelassen sind, welche im Besitz der grauen Ausweiskarte find. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß die grüne Ausweiskarte ihre Gültigkeit mit dem 31. Dezember 1927 verloren hat. Marburg, den 17. Februar 1928. ,88sv Elektrizitätswerk, Ucberlanbanloge und Straßenbahn der Stabt Marburg (Lahn). ^Nutzholz-Submission. Zu ben beim Hess. Staat üblichen Bedingungen werden submissionsweise ver- la-Klasse 33 Stück = 6,98 fm 1b- „ 108 --- 38,74 „ 2a- „ 34 -- 20,56 „ 2 b- „ 6 ff -- 6,07 „ 3 a- „ 1 ff = L41 „ 3b. „ 1 » 1,73 „ Nr. 42 Drittes Blatt Samstag, (8. Februar (928 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheben) Das neue physiologische Institut in Gießen. Ehrenpromotion des Kinanzministers Henrich. Am heutigen Samstag, 18. Februar, vormittag ist das neue Physiologische Institut der L a n d e s u n i v e r s i t ä t (Liehen, das dem Direktor Pro es or Dr. Bürker untersteht, in feierlicher Wei e eingeweiht worden. Lieber die Einweihungs e er werden wir in un erer Ausgabe von kommendem Montag berichten, für heute fei nur einiges über das neue Institutsgebäude selbst mitgeteilt. Wer die ganz unzulänglichen Verhältnisse gekannt hat, unter denen das Physiologische Institut bis vor wenigen Moncllen in dem staatlichen Gebäude in der Senclenbergstrahe arbeiten muhte, wird der Institutsleitung, allen ihren Mitarbei- lern und auch der Llniversität selbst beste Glückwünsche zu dem schönen neuen Heim aussprechen. In unmittelbarer Äachbar^cha't der Kliniken, an der Friedrichstrahe, erhebt sich der imponierende Bau, der dort unter der Leitung des Hessischen Hochbauamtes, vertreten durch Re- gierungsbaurat Kuhlmann, und in engstem Zusammenwirken mit dem Institutsdirektor Pros. Dr. Bürker entstanden ist. Nahezu fünf Ialxre gingen ins Land, bis der Dau zur Verfügung der Jnstitutsleitung ge teilt werden kann e. Am 28. Mä-.z 1922 fa d dec Neubau die Ge ehmigung des Landtages. Der er, e Spatenstich wurde am 18. September 1922 getan, in rascher Folge schritten dann die Arbeiten fort, bis sie durch die Llngunst der Zeitverhältnisse am 4. Dezember 1928 stillgclegt werden muhten. Erst am 8. Juli 1924 kam die Weiterarbeit wieder in Gang, und in nunmehr ununterbrochenem Scha fen gelang es, das Gebäude mit seiner Inneneinrichtung bis zu Anfang 1927 zu vollenden. Am 26. April 1927 konnte die erste Borlesung in dem neuen Heim stattsinden: am 7. Mai 1927 war der Llmzug des gesamten Instituts aus der Scnckenbergstrahe nach dem Neubau beendet. Sowohl in der baulichen Gestaltung wie auch in der Inneneinrichtung ist dieses Bauwerk als vorbildlich zu bezeichnen, jedenfalls bildet es eine Zierde unseres Klinikviertels und eine Augenweide jür jeden, der die wunderbaren Räume durchschreitet. Den Grundstock des gesamten Gebäudes bildet de fen Mittelteil, in dem sich der For- schungstrakt besindet. Daran reiht sich nach rechts hin der Rundbau mit der Llnterrichts- abteilung, auf der linken Seite befindet sich die Derwalkungsabteilung. Im Erdgeschoß ist die operativ-chirurgische Abteilung untergebracht, außerdem sind hier u. a. die erforderlichen Werkstätten. Im ersten Obergeschoß befindet sich die physikalische Abteilung, im zweiten Obergeschoß die chemische und ferner noch die anatomisch-histologische Abteilung. Das Dachgeschoß eirdlich beherbergt zwei dem physiologischen Institut verwandte Institute, und zwar das 2 n - stitut für experimentelle Pshcholo- g i e und das Institut für Körperkultur. Auf dem Dache befindet sich eine Plattform zum Studium der physiologischen Wirkung des Sonnenlichtes und anderer meteorologischer Faktoren: nebenbei bemerkt ist diese Plattform der höchste Punkt im Bereiche der Stadt Gießen, von dein aus man einen wunderbaren Rundblick über die Stadt und weithin in die Llmgegend genießt. In dem Gebäude ist auch zweier bedeutender Wissenschaftler in feiner Weife gedacht wordein im Treppenhaus vor dem Eingang zur physikalischen Abteilung im ersten Obergeschoß befindet sich nämlich eine Düste von Helmholz, im zweiten Obergeschoß am Eingang zur chemischen Abteilung eine Düste von Liebig. Ferner ist in diesem Zusammenhänge zu erwähnen, daß in dem Praktikumsraume für Biophysik und Biochemie im ersten Obergeschoß Bilder aller bedeutenden Männer der physiologischen Wissenschaft angebracht sind, um auch hier den Iün- gern dieser Wissenschaft als Mahner und Ansporn zum Nacheisern zu dienen. Sämtliche Räume zeichnen sich durch sehr gediegene raum- künstlerische, aber doch schlichte und darum besonders eindrucksvolle Gestaltung aus. Bei der Farbengebung wurden die Erfahrungen der phh- Es zogen drei Burschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe»Lörcher. 47. Fortsetzung. Nachdruck verboten Der Zug war nicht gerade überfüllt. Das Reisen war auch jetzt noch überaus erschwert, hatten die Elsässer die Vorsichtsmaßregeln der deutschen Behörden während des Krieges hier im Kriegsgebiet mit Empörung und Verdruß und Zorn über „diesen preußischen Drill und Bevormundung" empfunden, so sahen sie jetzt, daß es unter dem neuen französischen Regime nicht viel besser war. Nach der auf das genaueste durchgeführten Aufstellung vom zwölften Dezember über die Nationalität jedes im Gebiet des Elsaß sich aufhaltenden Bewohners war alles in drei Kategorien eingeteilt. Zn Altelfässcr, deren Großeltern schon yachweislich vor eintausendachthundertundsiebzig hier im Lande gesessen, in Jungelsässer und solche, die man kurzweg als „Boche" bezeichnete, weil sie nach eintausendachthundertundsiebzig über den Rhein herübergekommen waren, und die man in absehbarer Zeit samt und sonders wieder hinüberschob. Jede der drei Kategorien erhielt als Paß eine anders gefärbte Karte zum Ausweis, so daß jeder französische Beamte sofort darüber orientiert war, ob er eine Persönlichkeit erster, zweiter oder gar dritter Dualität vor sich hatte. Da den Boches das Reisen im Elsaß, selbst wenn es sich nur um eine Fahrt von einer Stadt zur andern handelte, sehr erschwert und möglichst verweigert wurde, und auch die Einwohner zweiter Klasse sehr genau hinsichtlich ihrer Reisen im Lande kontrolliert wurden, mären es eigentlich fast nur Inhaber der erstklassigen Karten, die die Eisenbahnzüge füllten. Ohne daß somit ein irgendwie begreiflicher Grund vorhanden gewesen wäre, und keinerlei Massenandrang die Abfertigung der Züge erschwerte, wurde die Zugoer- fpätung allmählich chronisch. Auch Raymond traf mit einer über halbstündigen Verspätung ein. Wenger erwartete ihn auf dem stillen, fast ländlich anmutenden Bahnhofe. Raymond entschuldigte fein verspätetes Eintreffen. Aber Wenger wehrte eine Entschuldigung lächelnd ab. „O, bei den Herren siologischen Wissenschaft angewandt, so daß man überall ein recht harmonisches und sein gestimmtes Bild vor sich hat. Der große Hörsaal ist gleichfalls nach neuzeitlichsten Gesichtspunkten ge- schafien worden und bietet in seiner Aufmachung einen außerordentlich erfreulichen Eindruck. Besonders hervorzuheben ist schließlich noch die Tatsache, daß die Institutsleitung in anerkennenswerter Weise Wert darauf legt, mit der Bürgerschaft in lebendigster Fühlungnahme zu stehen und zu diesem Zwecke im Erdgeschoß einen Ausstellungsraum geschaffen hat, ter aus dem Gebiete der Physiologie recht viel Interessantes und Belehrendes aufnehmen und dem Publikum an bestimmten Tagen stundenweise zur Besichtigung zugänglich sein soll. Auch unsere Stadt hat sich bei dieser Gelegenheit wiederum für die Einrichtungen der Llniversität sehr inte c f c . t gezeigt und ihre enge Derbundenheit mit der Universität durch eine Spende an das Physiologische Institut bei. ndet, die zur Apparat-Bereicherung des Instituts Der- wendung gesunder hat. Lieber die technischen und maschinellen Einrichtungen und Anlagen wäre im einzelnen folgendes zu sagen: Das Gebäude wird durch eine Warmwasserheizung erwärmt, deren steigende Rohrstränge in einem unter dem Erdgeschoß hinführenden Längskanal einzeln abstellbar sind. Der Hörsaaltrakt kann aus dem Betrieb für sich ausgeschaltet werden. Sämtliche Rohrleitungen, die Heizungszu- und »rüdlaufleitungen sowie die Rohre der eleitrischen Licht-, Stark- und Schwachstromanlagen, Gasleitungen, Was erzu- und -ableitungen, Telephon- und Klingelanlage wurden grundsätzlich auf Puh, d. h. sichtbar verlegt: ausgenommen hiervon sind die Wasserableitungen zweier Räume, wo besonders empfindliche, wissenschaftliche Llnter- suchungcn Störungen durch das Rieseln abflie- ßenden Wassers nicht vertragen, der Ausstellungsraum und das physikalische Praktikum. Für Gas, Wasser und Elektrizität ist eine Hauptzentrale geschaffen, in welcher die Llhrcn, Me fer, Zähler und Schalttafeln Aufstellung gefunden haben. Ein Auszug verbindet die vier Geschosse miteinander: Durch ihn werden Modelle, Apparate u. dgl. m. nach ihren Destimmungsräumen bzw. aus diesen heraus in die im Erdgeschoß liegenden Werkstätten befördert. Der Aufzug hat elektrischen Antrieb, Beleuchtung, Druckknopfsteuerung und Fahrtanzeiger. Seine Kabine bietet Platz für zwei Personen. Wie die vorgenannte Zentrale, so sind auch die Gasabzugsrohre aus den Abzugsschränken und Gashauben der Laboratorien des Forschungstraktes in vier Gruppen möglichst zentral zusammengelegt, sie führen in breiten geschiefer- ten Kaminen über Dach. Das Erdgeschoß enthält im mittleren Teil, dein Forschungstrakt, u. a. die Werkstätten, eingerichtet mit allen für Feinmechanik und Schreinerei erforderlichen Werkzeugen, Drehbänken mit elektrischem Antrieb, Werkbänken, Schmiede usw., einen Raum mit erschütterungsfreien Fundamenten für die Aufstellung der zu Feinmessungen aufzustellenden Galvanometer und einer eingebauten Dunkelkammer, einen in üblicher Art ausgeführten und entsprechend eingerichteten Operations- und Dorbereitungsraum, den Zen- trifugenraum und die vorerwähnte Zentrale. Der Kleiderablageraum im Hörsaaltrakt enthält Schränke für das Arbeitsgerät der Studierenden und Loiletteräume. Im Erdgeschoß des Hörsaaltraktes sind untergebracht der Ausstellungsraum, ein Assistentenzimmer. ein Heizerbad und Klosette. Reben der Kleiderablage führt eine Treppe hinunter zum Kessel- und Kols raum. Dabei befindet sich em eingebauter Aufbewahrungsraum für Materialien aus den technischen (Betrieben. Etwas erhöht über dem Erdgeschoß des Hör- saal- und Forschungstraktes liegt im Verwal- tungstrakt die Werrmeisterwohnung. im>*iini-rwnim ui ■■■ iibi twm— Franzosen kann man nicht auf Pünktlichkeit in der Abfertigung rechnen!" „Und dann diese Saloppheit in der Abfertigung! Diese Unsauberkeit in den Kupees!" pflichtete Raymond bei. Er deutete auf einen der Eisenbahnwagen: „Da steht es! Ueberall haben sie bereits auf jede Wagentür ihr „A. L." hingeteert. Alsace-Lorraine soll es heißen. Hier sagt der Volksmund bereits bissig „Alles lottert!" Alles wackelt, alles ist Los und wird nicht wiedr festgemacht, noch repariert. Alles geht taput!" „Und wenn du erst sehen müßtest, wie sie unsere herrliche Universität verkommen lassen! Das ganze neue Viertel von Kliniken, das sich hinter dem eigentlichen Unioersitätsgebäude im Lause der Jahrzehnte unter den Deutschen auf gebaut hat. O, laß dir von den Portiers der Kliniken und Itermaltern ein Liedchen über die neuen Herren Vorsingen, und wie die wertvollsten Einrichtungen verkommen ...!" Sie durchschritten das Städtchen, das mit seinen alten Stadttoren, den gewundenen Gassen und malerischen Häusern, mit den Vorbauten und Erkern und Hausmalereien an die mittelalterlichen Städte Schwabens und Bayerns lebhaft erinnerte. Die Straßen waren still. Der Tag begann sich zu neigen. Drinnen in den Häusern regten sich die Hände, um zum einziehenden Weihnachtsfest zu rüsten. Dann wurde die Umgebung ländlicher. Scheunen ragten neben spitzgiebeligen Bauernhäusern in malerischem Fachwerk im Charakter eines unleugbaren Wohlstandes auf. Ab und zu huschte ^in Bauernmädel in der malerischen Tracht und SctMpfhaube über die verschneite Dorfitraße zum Brunnen hinaus. Seit einigen Tagen breitete sich die erste Schneedecke über das Land. Mit weißem Haupte reckte sich unmittelbar vor den beiden Freunden der Odilien- berg auf. In schmaler dunkler Linie war von unten aus ein Teil des alten Frauenklosters zu St. Odilien sichtbar. Der frühe Wintertag ging zu Ende. Graue zarte Schatten kamen von den Berghohen rings und senkten sich über das Tal. Der Heiligabend flieg auf die Erde herab. Am Fuße einer Berghöhe gelegen, nahm das Landhaus den Gast auf. Breit und wuchtig und in geraden, schlichten Linien lag es da, mit breiten, hellen Fenstern, ein Teil des Daches mit Rosengerank In den Obergeschossen befinden sich u. a. die Laboratorien der Abteilungsvorstänte. anschließend an die Dorstandszimmer, die Schüler- laboratorien, große Arbeitsräume. Sammlungs- räume, Chemikalienräume, Derbrennungs caum, DibUothek, Afsistentenzimmer, sowie der kleine Hörsaal u. a. m. Don mehreren Raumverdunlelungsanlagm ist diejenige des großen Hörsaales mit elektrischem Antrieb versehen. Die Dorhänge der verschieden hohen Fenster werden mittels Druckknopfsteuerung bewegt, können in jeder beliebigen Lage angehalten werden und ermöglichen die gleichzeitige Derdunlelung von elf Fenstern von einer Stelle am Dorttagsiisch aus. Die Der- dunkelungsanlagen des kleinen Hörsaales und einiger anderer Räume müssen von Hand bedient werden. Der große, stühenfreie, durch zwei Geschosse hindurchgehende H ö r s a a l hat ein in Halbkreis- grundsorm ansteigen es Holzgeslühl mit 150 Klapp« und Reitsitzen und Schreibpulten Es ruht auf einem Cisenbetonunterbau, welcher seinerseits von zwei durch die Llntergeschosse hindurchgreifende Cisenbetonstühen getragen wird. Die unteren Stuhlreihen sind durch einen Tunnel unterbrochen, durch welchen der Projektionsapparat auf Gleisen durchgesahrcn teer', en kann. Der Rundgang hinter dem Gestühl ist mit einqebaiLe.i Schränken aus- genutzt. Auf die künstlerische Raurnwirlung dieses Saales ist besonderer Wert gelegt: die im Halbkreis angeordneten Deseuchtungskörper betonen die Halbkreisforrn des Raumes. D e Stirnwand trägt Schiebetafeln und einen mit dem neben« anliegenden Dorbereitungsraum in Derbindung stehenden Gasabzug. Davor steht der mit Gas- und Wasserleitungen versehene, z. T. fahrbare Laboratoriums- bzw. Dortragstisch. Notausgänge befinden sich auf den oberen Podesten. Während die drei Hauptgeschosse ausschließlich ter Physiologie, ihrer physikalischen und chemischen Abteilung dient, hat das ausgebaute Mansarddachgeschoh die Institute für Körperkultur und für experimentelle Psychologie aufgenommen. Für die Physiologie ist noch ein photographisches Atelier eingebaut, eingerichtet mit Dunkelkammern und Zubehör, Oberlicht und einem balkonarfigen Austritt. Die Mittellage der Korridore erfortetc in allen Geschossen Glasoberlichter in den Suren. Im Dachgeschoß kommen zur Erhellung noch Oberlichter aus Luxferprismen hinzu, welche, begehbar. sich dem zur Feuersicherheit auf das Kahlgebälk aufgebrachten Gipsestrich cinfügcn. Im Dachraum sind die Motoren für die Der- dunklungsanlage des Hörsaales und für den Auszug aufgestellt. Die Treppe des Derwaltunastraktes, welche bis zum KahlgeMk durchgesührt ist und eine Nottreppe im ^Ä^^ttrakt stellen die Verbindung zwischen diWRußersten Gebäudeflügeln im Innern des GebNwes her. Die Fußböden sind fast durchweg mit Linoleum oder Korklinoleum belegt, das Erdgeschoß hat Plattenbelag, ein Raum Parkett. AlMzminister öenrlch Ehrendoktor. Gelegentlich der heutigen Einweihung des neu» erbauten Physiologischen Instituts unserer Unioerfi» tat wurde der Finanzminister Konrad Henrich in Darmstadt, „der tatkräftige Förderer der Landes» Universität, der erkannt hat, daß Stillstand in den Wissenschaften Rückschritt bedeutet, und der daher trotz schwerer Bedrängnis des Hessenlandes die Mittel zum Neu- und Ausbau von Instituten und Kliniken der Medizinischen Fakultät bereitgestellt, und sich so auch als ein Freund der leidenden Menschheit erwiesen hat" ehrenhalber zum Doktor der Medizin ernannt. Geschichten ans aller Well. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I) Fasching in drei Erdteilen. (h) Konstantinopel. Zwischen Bagdad in Mesopotamien und Kairo in Aegypten verkehren regelmäßig Riesenflugzeuge, die nicht nur Post, sondern auch eine stattliche Anzahl von Passagieren zwischen diesen Städten Afrikas und Asiens hin uni) her tragen. Die Flugzeuge nehmen ihren Weg über die nordarabische Wüste, ein riesiges, fast unbewohntes, von verwitter.en schwarzen Lava- blöcken übersätes und nur an wenigen Stellen von Sandkämmen und Kalkfelsen durchzogenes Gebiet, in dem nur im sogenannten Winter wenige besonders arme Nomaden ihre kleinen Herten das spärliche Gras abweidtzn lassen. Nun geschah es dieser Tage, daß ein in Bagdad auf gestiegenes Flugzeug in dieser Wüste verschwand. Pünktlich war es aufgestiegen, die vorgeschriebene peinliche Kontrolle war richtig durchgesührt, und doch war und blieb das Flugzeug plötzlich wie vorn Erdboden oder vielmehr aus ter Luft verschwunden. In Kairo, wo man das Flugzeug erwartete, entstanden schlinmste Befürchtungen, und man schickte zwei Flugzeuge aus, um den verlorenen Riesenvogel zu suchen. Erfolglos vergingen Tage, auch von Bagdad sandte man Hilssapparate auf Suche aus, aber der Riese war und blieb verschwunden. Da endlich sah ein Flugapparat aus Bagdad mitten in der Wüste, abseits vom eigentlichen Flugweg, eine Anzahl schwarzer Nornadenzelte und in ihrer Mitte ein leuchtendes großes Etwas, das sich beim Näherkommen als das verschwundene Riesenflugzeug herausstellte. Flugs landete man und stellte fest, daß ter große Bruder des kleinen Luftjägers nur eine unwesentliche Panne hatte, die ihn zum Niedergehen zwang: der Benzin» behälter war leck geworden. Der Pilot war glatt gelandet und hatte das Glück, in die Nähe von Nomaden zu kommen, die die Passagiere freundlichst aufnahmen und die nicht einmal den Versuch einer Ausplünderung mach en. Letzt wurde das nötige Benzin herbe.geschasst und mit umsponnen. An einer Seite von einigen hohen alten Roßkastanien überschattet. Alle die zahlreichen No- senbüsche des Gartens standen geneigt und mit Hüllen umwickelt. Dürr die Zwmge der Büsche und Bäume. Nur in einer Ecke stand eine Tannen gruppe mit ihren charakteristischen Konturen und unveränderlichem ernsten Grün, und um ein Stückchen alter Mauerreste schlang der immergrüne Efeu seine tausendfältigen feinen Arme. Niemand begegnete den beiden Freunden, als sie in ter Vorhalle abgelegt und die Flucht von Zimmern betraten, die ter Vorderseite des Hauses zulag. Wenger liebte die Einsamkeit, er schätzte die Menschen im ganzen ziemlich tief ein. Nicht viele aus seinem Straßburger Bekanntenkreise konnten sich rühmen, Gast auf dem Landsitz von Wenger am Fuße des Dbilienberges gewesen zu sein. Die Dienstboten, die er sich mit Sorgfalt wählte, und nach Bewährung lange behielt, waren geschult, ihre Arbeit möglichst geräuschlos und ungesehen zu verrichten. Raymond blieb nach einigen Schritten überrascht stehen. Er war oft hier im Hause gewesen. So bemerkte er sofort die mancherlei Veränderungen, die im Laufe der letzten Woche vom Besitzer vorgenom- men waren. Eine ganze Zimmereinrichtung in wertvoller eichener Schnitzerei, aus der Renaissancezeit des Elsaß stammend, war vom Stadthaus aus Straßburg hierher gebracht worden. — Ich werde es einrichten, so wenig wie möglich in die Sta-dt hineinzufahren," erklärte Wenger und schritt mit seinen langsamen, großen, starken Schritten über die eichenen Bohlen des Fußbodens „es ist mir zuwider genug, all die französischen Käppis die Stra- ßen überfluten zu sehen, die Marseillaise mir an die Fensterscheiben hämmern zu hören und verfolgen zu müssen, wie der elsässische Geschäftsmann an die Wand gedrückt wird, weil zahlreiche Filialen von Firmen aus Paris mit ihrer Devise: „Chic de Paris!" ihre Köder auswerfen! Und bei ter ganzen lieblichen Anmaßung ter französischen Behörde stehe ich stündlich vor ter Möglichkeit: irgendeinen französischen Offizier mit mehr oder weniger legitimem Anhang zwangsweise in mein Stadthaus auszunehmen und ihm meine Zimmer zur Verfügung stellen zu müssen. Deshalb ziehe ich es vor, das Wertvollste meiner Einrichtung hier heraus zu nehmen, ehe es mir drinnen verdorben wird!" fast achttägiger Verspätung gelangte der Riesenvogel mit seinen Passagieren nach Kairo. Das ist ein gewiß romantisches Erlebnis, das aber heutzutage auch anderswo Vorkommen tonn. Die Geschichte aber hatte eine unerwartete Folge, nämlich den Verlust einer Wette, um deren Preis sich mancher gar nicht so Anspruchslose schon eine Existenz hätte schassen können: Miß T., eine bekannte Dame der Kairoer Gesellschaft, hatte nämlich gewettet, innerhalb von fünf Tagen in drei Erdteilen Fasching zu feiern, und am Abend des sechsten Tages wieder in Kairo auf einer Gesellschaft ihres eigenen Hauses die liebenswürdige Wirtin zu spielen. Alles war ihr geglückt. Von einem Masken'est in Kairo stieg sie, ohne das Kostüm abzulegen, in das Flugzeug nach Bagdad und machte eine, wie sie behauptete, ganz reizende diplomatische Festlichkeit in der Stadt Harun al Raschids mit. Von dort suchte und sand sie, Aum Teil mit privaten Flugzeugen, Anschluß über Angora nach Konstantinopel, um auf demselben Wege nach Bagdad zurückzukehren, von wo sie mit dem erwähnten, für mehrere Sage verschwundenen regelmäßigen Verkehrsflugzeug nach Afrika zurückeilte. Da passierte ihr das Mißgeschick ... Sie soll den Verlust der Wette nicht tragisch genommen haben, denn ihr hat die Freude der Nomaden über ihr K o st ü m großen Spaß gemacht. Die Nomaden meinten, lein europäisches Kleid habe ihnen gefallen, aber das Kostüm der schönen Dame entspreche ihrem Geschmack. Leider hat die Dame nicht angegeben, ob sie als Pierette, als Domino, als modernes Girl oder als Madame Pompadour gekleidet war. Schade, denn sonst hätte mancher tüchtige Kaufmann neue Exportmöglichkeiten für den innerarabischen Markt. Die Lache mit „Bor". (S) Prag. 2n der weiteren Umgebung von Sepl h-Schönau liegt, nur mit einer Lokalbahn zu erre.chen, der idyllische und doch industriell hochwichtige Ort Haida. Für die Glaserzeugung, der dort sogar ein Museum errichtet tour e. ist Haida besonders Er schritt durch das Zimmer und drehte an ter Wand den dunklen Knopf. Ein gedämpfter, freundlicher Schein fiel plötzlich aus den milchweißen Birnen, die das altertümliche „Leuchterweibchen", auf einem Geweih in ter Mitte des Raumes hängend, trug. Nun tauchten auch deutlicher die herrlichen alten Schnitzereien an den alten Möbeln auf, die man eben nur noch in ihren Konturen zu erkennen vermochte. Wenger schritt auf eine massive, vom Alter dunkelgebeizte Eichentruhe zu und schloß sie auf. Er hob einige Kleidungsstücke empor. „Wenn jetzt ter richtige Winter mit seiner Einsamkeit und Stille kommt, dann hole ich mir all die Trachten heraus, die ich mir im Lause der Jahre in den verschiedenen Dörfern gesammelt und gekauft habe! Jedes Stück ist echt!" Was alles breitete sich nicht vor Raymond aus! Die Spitzhaube der jungen unverheirateten Bäuerinnen mit einem pfirfichroten Bandjchlüpfchen, die ersten Hauben der Verheirateten, die unendlich weiten, in dichten Falten zusammengehaltenen starren Frauenröcke, die wogenden sußfreien pfirsichroten, mit Samtbändern am Saume geschmückten der Jungen. Die schön mit Füllern und Sammet bestickten dreieckigen „Vorstecks" über dem blüten- weißen selbstgesponnenen Blusenhemd. Und von den Männern die hohen engen schwarzen und grauen Zylinterhüte aus Urgroßmutters Zeiten, der lang« jchößige Sonntags-Mutzen mit seinen Reihen goldener Knöpfe. Und die flachen Dreimaster, kleidsam an einer Ecke hochgeklappt und mit einem Kokardenknopf gehallen. Eine kostbare echte Tracht, deren Schlauftappe in breiter, hellgeblümter Seidenschleife etwas Besonderes bot, hob Wenger jetzt empor und betrachtete sie stumm. „Kennst du das noch?" fragte er »en Freund. „Weißt du noch, wie Melusine dieses Kostüm auf dem Ballabend damals trug, als sie mit mir als Meßmaid den Zug eröffnete?" Er neigte sich zur Truhe herab und legte das Gewand mit der Haube langsam und sorgfältig wieder hinein: „Damals — ja, an jenem Abend hatte ich fest gehofft, sie würde mir die Möglichkeit zu einer Erklärung geben. Aber immer wieder entglitt sie mir." (Fortsetzung folgt) ausschlaggebend, nimmt es an Bedeutung fast mit Gablonz aus. Nur der deutsche Name störte die verantwortlichen Herren in Prag und so wandelten sie ihn in das — über den Wohllaut läßt sich streiten — tschechischer klingende Wort „B o r" um. Schon im alten Oesterreich sollte Haida zu Dor werden, doch hatten sich damals die Deutschen mit Erfolg dagegen gewehrt. Gibt es doch in Böhmen nicht weniger als acht Orte mit fern Damen Bor. Heute liegen die Di'ge im Hi Dick aus die Erfüllung tschechischer „Wünsche" aber anders, auch wenn Deutsche in der Prager Regierung sitzen. Haida wurde zu Dor und bleibt Dor. Da es nun aber eine t-chechifche Dorschrift gibt, nach der Ausland- seu'ungen aus der Tschechos.owakei den Damen des Ab endungso- c.' in ischech.so er Sprache tragen müi en, hat sich jetzt der typische Fall ereigne , daß e n Schweinehirt in Bor VI., dec einen Glassabrikanten im ehemaligen Haida (Dor II.) zum Name.isve.ier hat, plötzlich aus Berlin den Auftrag zur Lieferung von fünf Waggonladungen Kristatlwa- gen enthielt. ilnö einen solchen Auftrag konnte der atme Schweinehiert docch nicht erfüllen 1 — Es ist schon eine verzwickte Angelegenheit, die Sache mit Dor ... Turnen, Gpsri und Spiel. Zweite Olymp.sche Winterspiele in Gt. Moritz. St. Moritz , 17. Febr. (WB.) Die Nacht zum Freitag brachte einen weiteren Tempera tu rrückgang und damit den von allen Olympiateilnehmern ersehnten Frost, so daß die für Freitag angesetzten E i s h o ck e y s p i e l e absolviert werden konnten. 'Zum ersten Male griffen die Kanadier in die Spiele ein und gaben bei ihrem ersten Auftreten ein ausdrucksvolles Bild ihrer außerordentlichen Sp'.el- stärke. Die kanadische Mannschaft siegte über die Schweden, die mit einigen Ersatzleuten antreten mußten, 11:0. Das zweite Eishockeyspiel nm Freitag fiel der S^ch weizer Mannschaft zu, die nach sehr schönem Spiel, das übrigens auf beiden Seiten gut durchgeführt wurde, über die Engländer 4.0 siegte. Ebenfalls am Freitag wurde der 18=km -Lang- lauf ausgetragen, der von dem Norweger Grät- turnsb raten in der Zeit von 1.37:07 Std. vor Ole Hegge (Norwegen) (1.39:01) und Oedegaurd (Schweden) (1.40:11) gewonnen wurde. Die ver- harschsten Schnecverhältnisse stellten an die Teilnehmer, 75 an der Zahl, darunter 8 Deutsche, ziemlich hohe Anforderungen. Außerdem gab es zahlreiche Stürze. Die deutschen Teilnehmer kamen in folgender Reihen-folge an: Boek an 13. Stelle in 1.48:57, 18. Wahl in 1.55:00, 19. Hans Bauer 1.57:03, 28. Braun 2.03:52 Stunden. Den olympischen Sieg int Eiskunstläufen konnte der favorisierte Schwede Grafstroem vor Böckl (Wien) an sich reißen. Wirtschaft. Oie heutige Wirtschaffslage. Die Direction der Disconto-Gesell- -schäft schreibt u. a. in ihrem Bericht zur Wirtschaftslage: Entgegen vielfach geäußerten Auffassungen gewinnt es den Anschein, daß bei der heutigen inneren Verfassung der deutschen Wirtschaft doch allmählich wieder eine Konjunkturbewegung möglich ist. in der Wellenl erg und Wellental zeitlich weiter aus- einanderliegen, als es in den der Stabilisierung unmittelbar folgenden Llebergangsjahren der Fall war. Die Kräftigung, die ein nunmehr schon über Jahresfrist andauernder, von Rückschlägen verschont gebliebener Wirt chaftsaufsti-g gebracht hat. macht sich bemerkbar und erleichtert die Erhaltung der Konjunktur auf dem erreichten Niveau. Wenn auch eine weitergehende Steigerung des Aufschwungs an Öen Schwierigkeiten der Kapitalversorgung fch.i-- tert, die trotz einer gewissen Erleichterung am Geldmarkt unverändert fortbestehen, so muß bereits die Tatsache als hoher Gewinn gebucht werden, daß die Wirtschaftslage gegenüber den zweifellos vorhandenen Störungen eine so weitgehende Widerstandsfähigkeit an den Tag zu legen Dermag. Der Bericht geht sodann aus die ernsthaften Störungen ein, die die durch die Lohnbewegung bereits verursachten und noch zu erwartenden Wirkungen auf die Gestaltung der Produktionskosten und Preise bilden. Alle Anzeichen deuten darauf hin. daß weitere Kostensteigerungen nicht mehr durch Be- triebsrerbesserungen aufgefangen werden könnten, sondern ganz anders als bisher durch Preiszuschläge ausgeglichen werden müßten im Interesse der Rentabilität jedes verantwortlich geleiteten Llnternehmens. Das gilt vor allem für die zahlreichen deutschen Fertigindustrien, bei denen die Entlohnung für Arbeitsleistungen ein ausschlaggebendes Kostenelement ist und daher von ihrer Höhe der Preis des Enderzeugnisses weitgehend bestimmt wird. Es steht zu befürchten, daß durch Lohnkämpse eine starke Unruhe in das ganze Wirtschaftsleben getragen wird. Das Rezept, Lohnerhöhungen durch Preiszuschläge auszugleichen, ist, von allen andern Wirkungen ganz abgesehen, schon um deswillen nicht mehr brauchbar, weil seine Anwendung zur Untergrabung unterer internationalen Wettbewerbsfähigkeit führt. Eine Störung von nicht unerheblicher Wirkung auf die Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes ist die stoßartige Verschlechterung am Arbeitsmarkt. Es handelt sich bei der starken Zunahme der .Unterstützten von 750 000 Ende November aus 1,6 Millionen Mitte Januar weniger um eine rein wirtschaftliche Erscheinung, als um die Folge sozialpolitischer Maßnahmen. Denn Berufe, die früher mit winterlicher Arbeitslosigkeit als etwas unvermeidlichem rechneten, und sich darauf Durch Rücklagen oder auf andere Weise ein- richleten, greifen jetzt auf die Versicherung zurück, da das Gesetz vom Juli 1927 den Kreis der Unterstützungsberechtigten vom 1. Oktober ab erheblich erweitert hat und die Bedürftigkeits- Prüfung fortgefallen ist. Mitte Januar ist unter dem Einfluß der Witterungsverhältnisse- der Umschwung zur Besserung der Arbeit s in a r f 11 a g e cingeireten. Aufnahmefähig sind im wesentlichen wieder das Baugewerbe, die Industrie der Steine und Erden uni) die Landwirtschaft. Da jedoch die Kapitalknappheit auch bei den öffentlichen Unternehmungen eher zur Einschränkung ihrer Bauprogramme zwingt, wird man insgesamt dem Baumarkt keine allzu optimistische Prognose stellen können. In seiner Gesamtheit bleibt der inländische Kapitalmarkt weiterhin schlecht versorgt. Pfandbriefe und Aktien sind nur in kleineren Summen unlerzubringen. Der gute Erfolg der Reichsbahn-Emmission ist zum erheblichen Teil aus das Interesse des Auslandes zurückzuführen. Hinzu kommt eine starke Zurückhaltung, die sich das kapitalbesitzende Publikum im Zusammenhang mit der lustlosen Haltung der Effektenbörse auferlegt. Die Börse verharrte in einer Lethargie, aus der sie weder durch günstige noch durch ungünstige Nachrichten wirtschaftlicher oder politischer Art aufgerüttelt wurde. Cs ist ein gewisses Abwandern in die festverzinslichen Werte f-»stzustellen. Wann und in welchem Umfange die Dorfe ihre Fähigkeit toiebergetoiiint, Sammelbecken des anlagesuchenden Kapitals zu fein, hängr entscheidend von der Aufgabe der ablehnenden Haltung des Publikums ab, die heute mehr durch Stimmungsfaktoren, als durch sachliche Momente bedingt ist. Wochenbericht vom Sranffurfcr Effektenmarkt. In dieser Woche trat eine merkliche Besserung der allgemeinen Stimmung ein. Aus allen Marktgebieten konn.en sich ziemlich gleichmäßig Kursbesserungen durchsetzen, wenn auch das Geschäft im Vergleich zu der außerordentlichen Geschäftsstille ter vorangegangenen Wochen nur auf einigen Spezialgebieten einen wesentlich größeren Umfang annahm. Die Um- sahtätigkeit wickelte sich im großen und ganzen wieder nur innerhalb der Kulis e ab, während der Ordereingang von privater Seile bei den Danken nicht viel größer war, als an den Dortagen. Die Tatsache, daß sich trotzdem das Geschäft etwas lebhafter gestaltet und sich allgemein Kurserhöhungen durchsetzen konnten, ist zum Teil aus der börsentechnischen Situation erklärlich. Es dürsten nämlich, besonders in den Glanzstosf- und Zellstoifwerten, noch ziemlich umfangreiche Baisse- positonen bestanden haben, so daß die Spekulation täglich Deckungskäu^e vornehmen müß e, um diese Engagements abzubauen. Daneben dürften allerdings in einigen Papieren auch Meinungs- käuse vorgenommen worden fein, ferner wollte man hie und da bereits wieder kleinere Aus- landkäuse beobachten. Im Vordergrund deS Interesses stand wieder die Freigabeangelegenheit, und zwar war die Börse über ihre Weiterentwicklung recht optimistischer Auffassung: die Nachricht, daß in der Senatsberarung der, Freigabebill eine Verzögerung eintreten toerbc, blieb daher ohne wesentlichen Einfluß auf die Stimmung. Auch hinsichtlich der Beilegung des Konfliktes in der mitteldeutschen Metallindustrie und des Aussperrungsbeschlusses des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller war man in Börsenlreisen zuversichtlich gestimmt infolge des Entschlusses des Arbeitsministers, am Freitag in den Konflikt einzugreifen. Anregend wirkten außerdem günstige Kaliabsatzschätzungen für Februar und die deutsche Rekord-Roheisenerzeugung im Monat Ianuar, während das in dem Bericht der deutschen Maschinenbauanstalten erwähnte Nachlassen der Konjunktur wenig Beachtung fand. Ebenso blieb die durch das Scheitern der letzten Kompromißverhandlungen über das Reichsschul- geseh geschaffene prekäre innerpolitische Lage ohne merklichen Einfluß auf die Gestaltung der Tendenz. Günstig ausgenommen wurde andererseits das erwartete gute Zeichnungsergebnis auf die neuen Reichsbahnvvrzugs- a f t i € n. Gegen die vergangene Woche betrugen die Kursbesserungen durchschnittlich etwa 3 bis 6 Prozent. Lebhafter umgesetzt wurden neben den Freigabewerten I. G. Farben, die Elektroaktien, Kaliwerte und Zellstoffpapiere. Interesse zeigte sich ferner für die reinen Kohlenwerte, wie Rheinische Braunkohlen und Ilse Bergbau, die bis 13 Prozent gewannen. Auch Deutsche Erdöl und Rütgerswerle waren gefragt. Deutsche Anleihen konnten bei kleinsten Umsätzen geringfügig anziehen. Ausländische Renten lagen fast vollkommen ge''chäftslos. Am D e v i s enmartt lag die Mark zunächst gedrückt, später konnte der Markkurs jedoch wieder stärker anziehen. * Schneider & Hanau A.-G., Frankfurt a. M. Nach dem Bericht hatte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 1926/27 unter den widrigen allgemeinen Verhältnissen zu leiden gehabt, besonders unter der immer noch schwachen privaten Baubetätigung: im Auslande konnte nur sehr langsam wieder Boden gewonnen werden. Von dem Bruttogewinn von 330 000 (i. V. 500 000) Mk. kommen 280 000 (350 000) Unkosten, 90 000 (70 000) Mk. Steuern zum Abzug, so daß sich ein Verlust von 37 000 Mi. (i. 25. 43 000 Mk. Reingewinn, einschließlich des Vortrags aus dem Vorjahre wurden 85 000 Mk. vorgetragen) ergibt. Neben den Stammaktien bleiben daher diesmal auch die iechs. rozentigen Vorzugsa tien divi- dendetos. Der Verlust toirb aus dem Gewinnvortrag abgedeckt, der sich dadurch auf 48 000 Mark vermindert. Frankfurter Börse. Frankfurt a. 2)1., 18. Febr. Tendenz: freundlich. — Zum Wochenschluß verharrte die Börse in großer ende Bezugsrechtsabschlag von 35,25 v. H. zu berücksichtigen Heimische Anleihen still, Ausländer teil- weife fester, besonders Türken. Geld eher steifer Tagesgeld 5,5 bis 7 v. H., Monaksaeld 7 bis 85 v. H., Warenwechsel 6,63 v. H. Im Verlaufe lo.in- ten die Kurse Überwiegend 0,5 bis 1 ‘ö: H. anziehen, ohne daß das Geschäft an Umfang zunahm. Glanzstoff plus 4 v.H., Waldhof plus 1,5 v.H. Berliner ProSrrLtenIwr^. Berlin, 17. Febr. Die anhallende Besserung des Mehlgeschäftes und das nur knappe inländische Weizenangebot ließen die Aufwärtsbewegung der Preise am Produktenmarkt heute weitere Fortschritte machen, zumal auch von Chikago eine kräf. tige Hausse gemeldet wurde, deren Begründung allerdings mit einiger Skepsis aufgenommen wurde. Die Weizenpreise waren hier um 2 bis 3 Mark befestigt. Roggen ist aus der Provinz gleichfalls nur sehr spärlich angeboten, während die Mühlen rege Nachfage für gute und auch geringe Qualitäten bekunden. Das in nur geringem Umfange vorwiegende Material fand zu etwa 2 Mark höheren Preisen Aufnahme. Am Lieferungsmarkte erfolgten weiter in ftäferem Maße Deckungskäufe, die erneute Preissteigerungen im Rahmen von 2 bis 3,50 Mark für Weizen und von 1,50 bzw. 2 Mark für die vorderen Roggenfichten zur Folge hatten. Im Mehl- gefchäft hat sich die Besserung erhalten. Weizenmehl hat nunmehr lebhafteren Umsatz als Roggenmehl. Die Preise sind im allgemeinen um 25 bis 50 Pf erhöht. Hafer liegt weiter fest, das Angebot ist nur klein, angesichts der hohen Forderungen hält sich das Geschäft aber in engen Grenzen. Gerste in mittleren und guten Qualitäten gut gefragt. Es notierten (1000 kg): Weizen, märkischer (74,5d7. febr 168 219.5 Seürlenmattt Berlin—Frankfurt 0 6 8 8 10 8 8 10 6 (I 238.5 170,2. 1339 25 280 584 168 183,75 173.5 I 87 64,4 258 96.75 139 402 26.5 73 131.25 100,5 177.5 >152.65 118 101,5 96.25 99,5 238.5 169.65 149,5 101,1 43,9 133 187,75 144,6» 252 5 175 152 5 118.13 104,5 95,6 99.65 438 169.7o 149 101,65 i3.9 176,5 184,9 253 23 263,6 128.5 139.5 99 75 111 205,75 , 113 97 75 218 126.6 266 (68.13 185 171 219 126.5 266 154,4 155.5 193.25 181.5 -86 65 131 164.5 99,75 132.2a 143,5 132.75 188 144 233 75 122.25 Dividende an. — ReichSbankdiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. ■ 8 . 0 . 0 . 0 . If . 6 Essener S ctnkohle.....8 tielsenkrrchener f. •/» I 4 Harvener ..... 8 .5 . .8 . .5 6». 27,5 75,6 131 29,25 85.5 111 98.5 Bereinigte Ctablw- t. 9 3 Otaot Minen - ’ .7 .8 10 10 .6 10 10 . 8 10 . 7 16 8 ■ 9 0 .6 99.75 238 169,5 168,25 l 184,5 i 171 I 219.5 1126,13 1265 75 j 154.5 154.5 ------ 121,75 144 25 2L t£ Bergmann . . . , Elettr Lieferungen . llichi und firafi Helten i tiuill amne tief - Elekir Uincnx Hamb lLlcktr Werte Rhein Elrktr . . Schlei. Elektr. . . , Schütten . . . < Siemens 4 HalSke . , Irun radio . . , Labmever oft . . . Cbcrftbltf Eisend. Bcdari Lderlchles stokSwerte Phonu Bergbau f '/, I Rdeutliche Brauokoblen Rdetnucchl Riebett Wtoiitan .... Fran;oincoe -Jtoien..... Holländische Noten .... Italienische Noten...... Norwegische Noten..... Temsch-Testerr., L100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schwei,er Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . - Ungarische Noten . . SchnltdetL dayendoker. . 15 Cftrocrfe ■ ... 12 Ber tilanzstoff .....15 Bembcrg ....... g Wellston Walddof. . 12 Zellstoff Aschaffenburg . 10 lLharlotirnburger Wasser 7 ff aubsurt a. M Berlin Schlich. I-Uhr- 6-'r» 1 Kurs Sch ich ! An,ong $V'TS fi'.ir Datum: 17 2. ! 18 2. 17.2. 18 2. g.ankiuTt a. M Berlin Schluß ! 1-Uhr- Kurs 1 Kurv Sch.uh- Kurs Antang Kur Datum: 17. 2. 1 18. 2. 17. 2. ! 18. 2 chchuvd Hvljmann . , Seidelverarr Cement >• Gentern Sarlstadt . . s •ii'aoö 4 Kreitaa it 140 137.5 180 138,5 135,75 141.25 - — wC 16,538 16,-'98 168,30 163,9« 22,20 32.28 . 111,23 111,67 59.18 59.28 2,575 2,696 112,15 112.51 80.41 80.78 70,85 71.13 12.38 12,44 72 95 78.25 Schlich- l'Uhr- Schub- Anianq $tura Kurs Kur Datum: 17. 2. 18. 2. | 17 2. 18. 2. *!«. Dt Rrichsanteihe v 1927 Dl Anl Ablos Schuld mn 87.3 87.5 - Aueloi -Ncchlen 51,8 _ 52 52.1.1 DeSgl. ebne Ausl s -Wechten 7°/» ff ran fr wo dvi 16 ■ 16 15.9 unlundbar bis '932 V/j'io Vibeimache -Bank 98 5 — - ti'OU -Ho dvi W (4; (j) atg Boririegö-Ob. 81,25 — — — huanonen. nidiablbar 1932 81 — — _ 4'-. Tchweü BunoeSb.-Anl. 95,75 — 4°/« Oestereichlichc tioldrie - <.20°^ DefU-rr ,ch Sildcrrie — - 4,3 4 70 Leuerri-ich ein eiil Rte 4°/0 Ungarische tioldrie - — 25,13 _ 25,13 25,13 4°/o Ungarische Slaarsr. v 1910 — 24,9 •W. desgl von 1913 **Jo Ungarische Rronenrte 1.575 1,65 <’/ Turl Hollanlctbe 0 1911 4°/» Turl «agdadbabn-?lnl 13,2 — 13 — !-ne 1 4°/, dcSgl. Scrll 11 — 13,6 13,13 13,75 4° 0 Rumänen convcrl Rte 5,025 4‘/e° 0 Rumänen Äoldonl von 1913 16,5 — 16,65 — tlUa Leulichc titlcnbabn 4>/, Hombura-Amenla 'Cnki y vamd-Sudam Tamv sch d — _ 154,13 154,25 1'4,75 154.75 — -I । 211 Hansa Damps'chiff c 220 Norddeutscher ülovd L 157,5 157,75 157.25 167 ällfl Deutsche Crediianst. 10 — 141 144 Barm t Bankverein 10 146 — 146.6 . 146.25 Berliner Handei^geiellsch. 12 — — 272.75 472,25 Commerz, und Privat-Bk 11 177 177 177 176 >5 Tarnist. 11 Naiionalvank 12 231,5 232.5 .'32 5 Deuiiche Bonk 10 164 105 164,25 164 Diskonlo-tieiellschosi Ant 10 159 158 25 158,5 159 4 Dresdner Bank 10 160,5 160.25 IbO 5 160,13 Mnteldcuuche Crrditbank 0 — - 220’2.1 pierallbank ........8 — 127,25 l!t8 RelchSbank ...... 10 195 195 195 17. ffcbr 18 ffebr. Amtliche ticlö Noti.rung Brie Amtliche Notierung cÄcld 1 Briet _ 21miM Non 168,54 168.88 168,48 168,82 Bnen.'Airer 1,791 1,795 1,790 1,794 Brff.-Annv 58.28 58,40 58,255 58,375 Chrffliania 111,42 '11.64 111,31 111,69 Vovendagen 112,16 112,38 112,10 112,82 Stottbolm . 112,36 112,68 112,31 112,53 HclnngsorS. 10,545 10.565 10,54 10,56 Italien. . 22,18 22.22 22,18 22,22 London. . . 20.414 20,451 20,407 20,447 Reuuork . . 4,1880 4,1960 4,1855 4,1935 Paris. . . . Schweiz . . 16,46 16,50 16,445 16,485 80,57 60,73 80,52 80,68 Spanten . 10.88 71.02 70 88 71,02 1,967 Japan . . Rio de Jan Wien in D-- 1,965 1,969 1,963 0.503 0.605 9,503 0.505 CtfL abgell -8,98 59,10 j8,95 59.07 Prag . 12,413 12,433 12,407 12,427 Belgrad 7,359 7,373 7,357 7,367 Budapest. 73,17 73,81 73.16 73,30 3,031 19,47 Bul arten 3,027 3.033 3,025 ^iffabon 13,58 13,62 19,48 Danzig . 81,60 61,76 81,57 81,73 staust ntin- ',121 2,127 2,113 2.125 A ti.cn 5.544 5,574 5,586 Tanada 1,1785 4,1865 4,176 1,184 Urn uov 4.276 4,281 4,271 20,93 4.279 Utiro 20.938 20 978 20.97 Berlin. 17 ffcbr. | tield Brrei Ämcrilaniiche Noten..... 4,172 1,192 belgische 9loicu...... 58,18 58,42 Dänische Noten...... 111,93 1 j->'a7 Englische Noten ...... 20.377 20.457 «LOTTO Rauh irirkend — Jahrzehnte bewahrt CF M dann MD v--.' -J Einen preiswerten Posten 1912a Sämtliche Lindstrom-Fabrikate in reicher Auswahl bei: Buchhandlung Dr, Meyer, Seltersweg 89 /-----—> Zur HöölmliM Schwarze WollstoKe Lindener Samte sowie SeitaMe in grober Auswahl Nur erstklassige Qualitäten besonders preiswert L Benianl PHslraHe 16 1881a Teppiche - Läufer ohne Am. 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Donnerstag, 23.: 19.30 bis 22.30 Uhr: Kriemhilds Rache. Freitag, 24., 19.30 bis 22 Uhr: Schinderhannes. SamStag, 25., 20 bis 22 Uhr: Quintett. Sonntag, 26.', 20 bis 22.30 Uhr: Schinderhannes. Montag, 27., 19.30 bis 22 Uhr: Eelestina. Für die Herstellung guter Suppen gibt es viele Rezepte, keines aber ist einfacher und billiger als dieses: nimm MAG GP Suppen-Würfel 2luf diesem Wege würden nur die Dündnis- beziehungen früheren Stils, die Bündnissysteme, die Schühengrabenausstellung der Bündnissysteme vom Völkerbund legalisiert und insofern noch in ein ungleiches Verhältnis gebracht, als hinter die im Völkerbund stärkste Macht dann zu den schon vorhandenen Machtmitteln auch noch die M a ch t des Völkerbundes und seines Sanktionskrieges gefügt würde. Und, setzen wir hinzu, hinzugefügt werden soll. Denn es ist gerade die Absicht der Franzosen und ihrer Anhänger, auf solche Weise den Völkerbund dauernd zu einem Instrument ihrer politischen Wacht zu machen. Es wird jetzt in Gent, und es wird auch nach dem VölkerbundSrat in der Abrüstungskonferenz im Mürz nicht besonders viel herauskommen. Aber das entbindet uns nicht von der Pflicht, diese ganze Arleit unsererseits aufmerksam zu verfolgen und Deutschlands Interesse in ihr auf das schärfste zu vertreten, zusammen mit denen, die gleichen Sinnes und gleichen Willens sind. Wir sind nun einmal im Völkerbund! Man hüte sich, über den schönen Redensarten und den theoretischen Zänkereien von Genf die gewaltigen r e a l p o l i t i - schen Hintergründe zu verkennen oder zu unterschätzen, die dabei und dahinter im Spiele sind. Man hüte sich vor allem, zu unterschätzen, mit welchem Geschick und mit welchem Zielbewußtsein die f r a n z ö s i s ch e Politik es darauf anlegt, dieses.Völkerbundsinstrument ihrem Gedanken der dauernden Hegemonie über Europa dienstbar zu machen. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 15. Febr. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein 20jähriger junger Mensch, der sich wegen eines Straßenraubs zu verantworten hat. Im Mai vorigen Jahres verließ er sein Elternhaus, um angeblich in der Fremde Arbeit zu suchen, obwohl er zu Hause in der eigenen Landwirtschaft genügend Arbeit gehabt hätte, in Wirklichkeit ater, wie er später Augab, um auf der „Walze" ein sorgenfreies Leben zu führen. Einige Monate später kam er eines Abends als heruntergekommener Handwerksbursche auch nach Lauterbach. In der Rächt überfiel er dort in einem engen Seitenpfad einen friedlichen Bürger, der von einer Geselligkeit kam und sich aus dem Heimweg befand. Mit einem harten Gegenstand schlug er diesem plötzlich mehrmals in das Gesicht, so daß dieser bewußtlos zusammensiel. Alsdann beraubte er ihn der Schuhe und einiger Wertsachen. Während der Untersuchungshaft wurde der Angeklagte mehrere Wochen auf seinen Geisteszustand beobachtet. Der ärztliche Sachverständige schildert ihn als einen nicht toll» wertigen, degenerierten Menschen und befürwortet mit Rücksicht «tttf seinen Geisteszustand die Zubilligung mildernder Umstände. Unter Berücksichtigung dieser besonderen Verhältnisse verurteilte ihn da- Gericht zu 2 Jahren Gefängnis, während er bei Versagung mildernder Umstände, worauf das Gericht besonders hin- wies, zu einer Zuchthausstrafe von mindesten- 5 Jahren hätte verurteilt werden müssen. !.roeimal batten im Jayr» 1910 Vertreter der Frank- urter Eisenbahndirektion diese Gegend besucht und ich eingehend nocb den Verhältnissen erkundigt, worauf auf Vermessung der Bahr, geschritten wurde, die ergeben habe, daß große technische Schwierigkeiten nickst im Wege ständen und stärkere Steigun- «n als im Verhältnis 1:40 nicht oorkämen. Dl« lehr ergiebigen Eisenstein-, Kupfererz, und Schwer- spatlager, die früher stark abgebaut wurden, seien nur eingegatvgen, weil die weite Achsenfracht zur Bahn zu teuer komme. Vor allen Dingen kämen aber hier auch die großen Grünsteinorüche bei Bottenhorn und Steinperf in Betracht. Man habe schon 1910 berechnet, daß die täglichen Verfrachtungen allein der Grünstein- brüche etwa zehn Doppelwaggons betragen würden. Um diese Grünsteinindustrie zu möglichst großer Entfaltung zu bringen, um sie in erfolgreichen Wettbewerb mit den bis nach Frankfurt hin eingeführten schwedischen Dau- und Pflastersteinen treten zu lassen, würde der preußische Staat ein aan>z besonderes Interesse daran haben, ihr günstige Absatzbedingungen zu verschaffen, d. h. sie möglichst kurz und billig durch eine Dahn mit Gießen — Frankfurt- Darmstadt usw. zu verbinden. Das damals schon sehr rührige Bottenhorner Eisenbahnkomitee hat den gleichen Gedanken wie der Ar- tikelfchreiber im „Gießener Anzeiger" oom Juli 1911 vertreten. Leider konnten die lobenswerten Bemühungen damals keinen Erfolg für sich verbuchen. Dann kamen die Kriegsjahre, die Inflationszeit und schließlich die schwere wirtschaftliche Bedrängnis aus dem verlorenen Kriege, der Inflation und der Deflation, so daß bis beute noch dieses vielversprechende Projekt ein Wunsch geblieben ist, statt zur produktiven Tat für unsere Wirtschaft geworden zu sein. Wie das Bottenhorner Eisenbahnkomitee in einer Eingabe vom 12. Dezember 1913 an das damalige preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin hervorhob, bringt weder die Bahn Niederwalgern —Hartenrod, noch die Strecke Dillenburg — Biedenkopf jenem industriell wichtigen Gelände bei Bottenhorn, Steinperf usw. mit 45 abbaufähigen Grubenfeldern den erwünschten Erfolg. Beide Strecken sind von diesen Grubenfebdern zu weit entfernt, als daß es sich lohnt, die reichen Bodenschätze zu heben, um sie dann durch die überaus verteuerte Beförderung per Achse noch in annehmbarer Preisgestaltung an den Markt bringen zu können. Dieses Argument für eine neue Dahn durch jenes Bergbau-Neuland ist u. E. allein schon so schwerwiegend, daß es sowohl von den Regierungsbehörden, wie auch von der Reichsbahnverwaltung sehr ernstlich gewürdigt wer- den sollte: namentlich die Reichsbahn muß sich vergegenwärtigen, daß auch ihr Geschaftsunterneh- men durch einen neuen Betrieoszweig in dieser Gegend, der gute wirtschaftliche Aussichten bietet, nur aeroinnen kann. Daß zur Erschließung dieses Gebietes zunächst natürlich ein bestimmtes Kapital in- Die wirtschaftliche Not unseres Volkes zwingt uns zur Anspannung aller Kräfte und zur Ausnutzung jeder Möglichkeit des deutschen Bodens, die geeignet ist, dem Wiederaufbau unserer Wirtschaft zu dienen. Wer den Abschluß der deutschen Außenhandels- bilanz von 1927 [ich vergegenwärtigt, wird nicht tm unklaren darüber fein, daß es für uns eine lehr dringende Notwendigkeit ist, alle heimischen Kraftquellen zu mobilisieren, um die Einfuhr ausländischer Produkte soweit wie möglich herabzudrücken. Zur Erschließung dieser Kraftquellen sind aber ausreichende Verkehrs- Möglichkeiten eine sehr wesentliche Vorbedingung. Wo diese nicht gegeben ist, können selbst hochwertige Bodenschätze der Allgemeinheit nicht dienstbar gemacht werden, sehr zum Schaden der gesmn- ten Volkswirtschaft, wie auch Aum Nachteil des engeren Heimatgebietes. Eine solche Lage findet man im mittleren Teile des Kreises Biedenkopf vor, der von den Orten Hartenrod, Wommelshausen, Dernbach, Bottenhorn, Steinperf, Ober- und Nieder-Eisenhausen als Kernpunkt bestimmt wird. Hier ist ein Gebiet, das 45 abbau- fähige Grubenfelder auf weist, in denen Eisenstein, Kupfererz, Schwerspat und Grünstein gewonnen werden kann — wenn eine Bahn zum Abtransport dieser wichtigen Bodenschätze vorhanden ist. Bereits in den Jahren 1911 und 1913 ist der Gedanke, dieses wichtige Gebiet durch eine Bahnlinie unserer Volkswirtschaft nutzbar zu machen, eingehend verfolgt worden. Im Jahre 1911 plante man, dieses Gebiet durch die sog. Hinterland- b a h n dem Gießener Wirtschaftsbereich anzualie- man Ihn auch theoretisch ansieht, praktisch eine verzweifelte Ähnlichkeit mit den Bündnissen und Alllanzen alten Stils erhält. Erllärt doch Po- litis in seinem Bericht selber sogar Verträge wie die der Kleinen Entente oder ähnliche Kombinationen für durchaus verträglich mit dem Dölkerbund-pakt. Wir bestreiten aber durchaus, daß etwa die französischen Militärkonventionen oder der italienisch- albanische Vertrag dem Wortlaut und Gellt der Völkerbundspakte entsprächen. Und so will allerdings die französisch.slawische These der Herren Doncour, Denesch und Politis das Haus vestiert werden muß, braucht man als Selbstoer- ftändlichkeil hier wohl nur anzudeuten. Auch für die Reichsbabnoerwaltung gilt der Grundsatz, daß nur durch Kapitalanlagen neues Kapital gewonnen werden kann. Dom Standpunkt der Wirtschaft aus ist das Projekt einer Bahnverbindung zwischen Nieter-Eisenhausen und Harten- rod über Steinperf und Bottenhorn natürlich gleichfalls von großer Bedeutung, denn hier können nicht nur wichtige Rohmaterialien dein Schoße der Erde entnommen und als billigeres, inländisches Produkt der deutschen Bedarfsdeckung zugeführt werden, sondern es wird durch die Verwirklichung dieses Projektes mich möglich sein, eine ganze Anzahl Arbeitskräfte in jener Gegend, die heute im Siegerland und in Westfalen tätig sind, da sie auf der heimatlichen Scholle keine Existenzmöglichkeit finden, in ihrem Heimatgebies zu beschäftigen und dadurch für andere Arbeitskräfte im Hauptindustriegebiet Platz und Verdienst zu schaffen. Die an diesem Gebiet im Kreise Biedenkopf interessierten Wirtschastskreise haben für diese Sachlage schon vor dem Kriege volles Verständnis gezeigt, und sie stehen ihr auch heute noch in gleich verständnisvoller Weise gegenüber. Nur muß ihnen allerdings die Möglichkeit gegeben werden, ihrer Erkenntnis entsprechend auch handeln zu können, ohne dabei wirtschaftlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Und hier miete rum tritt die Bahn als Vorbedingung für diese Umschichtung auf dem Rohmaterialien- und dem Arbeitsmarkt in Erscheinung. Auch unter dem Gesichtswinkel des allgemeinen Dolkswohls ist in diesem Zusammen- hange ein Wort zu sagen. Es wird heute von regierenden Stellen, von namhaften Sozialpolitikern und bedeutenden Dolkshygienikern ständig beklagt, daß die Landflucht als Uebel der Neuzeit sich immer weiter ausbreitet. Auch in diesem Biedenkopfer Gebiet haben wir eine verbreitete Landflucht vor uns, die aber nichts anderes ist als Ausfluß einer wirtschaftlichen Zwangslage. Wenn man diesen Leuten, die jetzt gezwungenermaßen entweder die ganze Woche über oder noch länaer lediglich aus Verdiensdgründen von ihrer Familie fern weilen müssen, die Möglichkeit bieten würde, ein hinlängliches Auskcmunen m f der mit Bodenschätzen reich gefeaneten heimatlichen Scholle äu finden, so wäre in Olef em Bezirke die Landflucht mit einem Schlage beseitigt. Der Vorteil, der hiernach aus einem Dohndau zwischen Nieder - Ellenhausen und Hartenrod entstehen würde, wäre also in mehrfacher Auswirkung von größter Bedeutung: für unsere Gesamtwirt. schäft, für die Wirtschaftsbelebung in dem Bahnbiu- gebiet und auch für das Volks- und Familienleben in ten beteiligten Dörfern selbst. Allerdings wird die Finanzierung des Projektes unter den heutigen Verhältnissen nicht so einfach zu bewerk- stelligen fein. Daß die interessierten Gemeinden das zum Bahnbau erforderliche Gelände kostenlos zur Verfügung stellen werden, darf man als selbstverständlich wohl annehmen. Ob sie darüber hinaus auch in pekuniärer Hinsicht, oder durch Gestellung von Baumaterial noch weiteres für die erwünschte Bahn leisten können, werden sie sich zweifellos in sehr entgegerrfommenbem Sinne überlegen. Man darf wohl auch ohne weiteres als gegeben ansehen, daß die interessierte Industrie bereit sein wird, Opfer auf sich zu nehmen. Weiter kann wohl auch ter Kreis Dieben köpf bei einer solchen Aufwärtsentwicklung eines wichtigen Teiles feines Gebietes in finanzieller Hinsicht nicht ten Unbeteiligten spielen wollen. Letztlich wäre noch daran zu denken, daß auch der zuständige Kommunalver- band Wiesbaden es an aktiver Mitwirkung bei ter Finanzierung eines so bedeutungsvollen Unternehmens nicht fehlen lassen darf. Nimmt man alles dies zusammen, so kann wohl ohne allzu großen Optimismus der Ansicht Ausdruck gegeben werden, daß die Finanzierung des Projektes durchaus nicht so unmöglich sein dürfte, wie mancher es vielleicht auf den ersten Blick ansehen wird. Die Reichsbahn selbst wird ohne Bedenken bei der Verwirklichung dieses Dahnbauplanes etlvas weitherzig verfahren können, wenn sie sich vor Augen hält, daß die Schaffung dieser Bahnlinie doch eigentlich nichts anderes ist, als die e r st e E t a p p e ter in den Jahren 1911 und 1913 vergeblich ange- strebten Hinterlandbahn von Gießen nach Biedenkopf, nur mit dem Unterschied, daß jetzt der Dahnbau von ter nördlichen Seite her hi Angriff genommen würde unter Zuhilfenahme der Strecke Wallau—Dillenburg, von ter in Nieder-Eisenhausen die neue Dahn über Bottenhorn in Richtung Gießen abzweigen würde. Ferner wäre auch daran zu denken, daß später einmal nach der anderen, nördlichen Richtung hin die Weiterführung ter Dahn nach dem Edertal zu ins Auge zu fassen ist. Hoffentlich wird es bei großzügiger Haltung aller beteiligten Kreise, insbesondere aber ter Reichsbahnverwaltung, in nicht zu ferner Zeil möglich fein, dieses bedeutsame Projekt in die Tat umzu- setzen und damit unserer Wirtschaft neue, aufwärts« führende Produktionsmöglichkeiten zu erschließen. fffflr.49 1M1D embtrg) leer- agSZ.W mchsirckl 1927 und M mmtndrn mlitlDchoii Imimiopltn L litten ;br* der- a. Klient >. Zutritt and! gsrat. r. 192$ tagsüber- g werter eM mbircicheS 1870D Sicherheiisdebatte in Gens. Außenpolitische Umschau. Don Or. Otto Hochsch, o. prof. der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. X In Polen, in Frankreich, in Deutschland, in England, ist die Wahlbewegung, wenn auch die Wahltermine ganz verschiedenartig sind, schon in vollem Gange. Man achtet kaum auf die Arbeiten, die i n Gens am 20. Februar bestimmungsgemäß wieder beginnen, in der Zusammenkunft des Sicherheitskomrlees. Unb doch haben gerade wir allen Anlaß, auf die stille und zähe Arbeit, die dafür und dort im Sinne der anderen Seite getan wird, auf das schärfste zu achten! Man unterschätze nicht das gewiß Theoretische und Juristische, das in diesen Beratungen und Diskussior.en so vorwiegt. Denn es umhüllt sehr realpolitische Dinge, die Beziehungen der Mächte zueinander, realpolitische Gefahren öder je nachdem Vorteile. Darum ist es nötig, sich darüber klar zu sein, wie Deutschland dazu steht und welche Linien Deutschlands Vertreter in Gens einzuhalten haben. Wir halten es für richtig, daß nicht an beiden Stellen, im Sicherheitskomitee und in der Abrüstungskonferenz die Führung in einer Hand liegt, der des Grafen Bernstorfs, sondern daß für das Sicherheitskomitce, wie von vornherein notwendig war, ein besonderer deutscher Vertreter, der frühere Staatssekretär von S i m s o n , bestellt worden ist. Ratürlich arbeiten beide auf das engste zusammen, aber die Aufgaben find verschieden und besonders: Es ist ja gerade der springende Punkt und Deutschlands Hauptinteresse, die grundsätzliche Trennung der beiten Gebiete auf das schärfste zu betonen, wenn das auch durch die Verkoppelung von Sicherheitsfrage und Abrüstungskonferenz schwer gemacht worden ist. Denn nach wie vor bleibt Deutschlands Ausgangspunkt dec: Die allgemeine Abrüstung ist und muß zwingendeFolge der vollendeten besonderen AbrüstungDeutsch- lands sein. Das liegt urkundlich in den Zusagen der Beteiligten fest. Diese allgemeine Abrüstung kann und darf nur beraten werden von ter Grundlage der gegenwärtigen sogenannten Sicherheitsverhältnisse aus, wie sie in den bekannten Verträgen vorliegen. Das hat die Dölkerbundsversammlung von 1926 beschlossen und die von 1927 bestätigt. So weit also Deutschland in Frage kommt, sind die Sicherheitsgesichtspunkte völlig geordnet. Vielmehr, wenn jemand Sicherheitsformeln wollen und wünschen müßte, so ist es Deutschland und nicht irgend ein anderer Staat, wie Frankreich oder Polen oder sonst wer. Halten andere Staaten oder Staatengruppen aber die Sicherhsitsver- ihältnisse unter sich noch nicht für genügend befestigt, so steht selbstverständlich einer Erörterung nichts im Wege, an der sich Deutschland beteiligt und für Die nach deutscher Auffassung ein vortresfliches Muster ja gegeben ist: in jenen Schiedsverträgen, die Deutschland in Locarno mit den westlichen und östlichen Rachbarn Heschlosfen hat. ^leberhaupt: Ausgangspunkt für die Erörterung, die am 20. wieder ausgenommen wird, tann nur sein das Bestreben, den Frieden zu sichern und alle denkbaren Streitigkeiten, die zu einem Kriege führen könnten, von der Wurzel «uS unmöglich zu machen, und da nun einmal Streifigkeiten unvermeidlich sind, zu deren Aus- Irag den Schiedsgedanken, das System der Schiedsverträge, immer weiter auszugrstalten. Deutschland ist darin vorangegangen, eben mit seinen Schiedsverträgen, dem Vertrage ton Locarno, der Zeichnung der Fakultafivllausel, und ist zu weiterem bereit. Deutschland lehnt aber ab den französischen Standpunkt, der den Krieg dadurch verhüten will, daß man den Krieg vorbereitet, der den Sankfions- frieg als Ausgangspunkt nimmt, und von da aus erst an die AbrüstungSsrage Herangehen will. Das heißt, wie die deutschen Bemerkungen ganz richtig sagen, das Haus vom Dach aus bauen. Man kann nicht bestreiten, daß der deutsche Standpuntt logisch, in sich geschlossen, klar und bestimmt ist, und daß diefe Linien, die die deutsche Vertretung in Gens einzuhalten hat, tem deutschen Interesse ebenso en'.sprechen wie ter Rotwendigkeit, einen wirklich dauerhaften Arteten in Europa aufzubauen. Der englische Standpunkt ist nicht ganz so geschlossen, und vor allem nicht so positiv. Auch England sieht im Dchiedsgedanken das wesentliche zur Verhinderung von kriegerischen Zusammenstößen, und darin ten Ausgangspunkt für die ganze Erörterung in Genf. Aber England will zwar Verträge dieser Art weiterhin begrüßen, seinerseits aber weder Schritte noch irgendwelche Garantien für das weitere übernehmen. England lehnt für sich alles weitere ab, aus verständlicher Rücksicht auf seine Kolonien, aber damit kann man nicht weiter! Es entspricht bet ganzen schwierigen politischen Lage Englands, daß es in dieser Frage, der sogenannten „Organisation des dauerhaften Fr e- tens in Europa" seins volle Kraft nicht ein» sehen kann und daher auch nicht will. In ter DHeinlandfrage, nebenbei gesagt, merken wir ja Las gleiche! Die These Frankreichs und seiner Anhänger ist in dem Berichte dec Männer, die in Prag zusammen waren, und die Vorbereitung sür Die Genfer Beratung zu bearbeiten hatten, gleichfalls deutlich und scharf herausgearbeitet. Es find die Väter und Anhänger des Genfer Protokolls von 1924, aber sie sehen ein, daß es heute unmöglich ist, dieses Protokoll wieder zu beleben. Daher geht ihr Bestreben, intern sie von Abrüstung kaum sprechen und den Schiedsgedanken in den Hintergrund schieben, daraus hinaus, den regionalen SicherheitS- pa ft als Ausgangspunkt zu nehmen, ter, wie 1 Würfe/ für 2 Feller 73 Pf. apiiiiiiiiiwimiimm Total Ausverkauf! Mr noch kurze Zeit T883a 7665." Kaufmännische Ausbildung WELLBLECH BAUTEN ist erforderlich! Unterrichtsfächer: Buchführun; holung 1721D Neue Kurse Die Giefaen Herborn Gegründet 1914 1903a beginnen am 16. April! Vogtsdie Handelsschulen dauert unser Toias-Ausverkauf. — Decken Sie jetzt Zhren Bedarf für die nächsten Monate! — Oer in einem 40jährigen Bestehen begründete Zfiuf unseres Hauses bürgt Ihnen dafür, daß Sie auch jetzt nur beste Waren erhalten. — Wir gewähren: Ich Hage Telephon Das ist ein wundersam Zaubermittel! Nur echt zu haben in der Emmericher Waren-Expedition. 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