Ur. 15 (Elftes Blatt 178. Jahrgang Mittwoch, 18 Januar 1928 Erscheint tügllch.mch« Somitag» xnb Feiertag». Beilage«; (Lietzener FamUiendlätter Heimat im Bild Die Scholle moflats-Beyigsprets: 2 Reichsmark und 20 Reich-Pfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech an sch lüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten; Anzeiger Gieße«. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen vntck rind Verlag: vrühl'sche UiliverfilStZ'Vuch. vnd Zteindruckerei K Lange in Stehen. Schriftlettrmg und SeschSftrjteSe: ZchnUrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 °/0 mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen Zum Reichögrundungstage. Von Dr. Gustav Wolost, o. Professor der Geschichte an der Universität Gießen. Wie alljährlich gibt der Geburtstag des Deutschen Deichs Anlaß zum Rückblick und Ausblick. Der Blick nach rückwärts muh uns mit Wehmut aber auch mit Stolz erfüllen; der Trauer über die zerschlagene Gröhe vereint sich dos Dewußt- sein der gewaltigen Leistung, die dem Sturz vorhergegangen ist; kein anderer Staat, dürfen wir uns sagen, hätte das vollbringen können, waS das Deutsche Reich vollbracht hat. Und nicht nur im Kriege; auch in der vierzigjährigen Friedenszeit vorher hat es dem deutschen Volke die Dahn zur reichen Gntfaltung seiner Kraft geschaffen. Auf keinem Gebiete, mag man auf Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft oder Technik blicken, ist das deutsche Volk hinter anderen zurückgeblieben, viele hat es übertroffen, And wie der äußeren Riederlage haben die Grundlagen des Bis-' marckisch-Wilhelminischen Reichs auch den inne- . vn Stürmen zu trotzen vermocht. Richt neue Ideen und Kräfte, sondern das, was von den alten noch übrig war, hat einen Zusammenbruch wie in Ruhland verhindert und dem deutschen Volke Kraft und Mut zu neuem Aufstieg gereitet. Aber jede Zeit bringt neue Aufgaben, denen jeder Staat sich anpassen muß. Daher befinden auch wir uns jetzt in einer Periode, die nach neuen politischen Formen sucht: die Notwendigkeit der Um* und Weiterbildung der Reichsverfassung ist ja seit Jahren politisches Tagesgespräch, und jetzt, wo sie in dem Aufruf Luthers einen so lebhaften Ausdruck gefunden hat, werden Reich und Länder nach Wegen, das Problem zu lösen, suchen müssen. Keine Lösung könnte aber befriedigen, die allein von den Anschauungen und Erfordernissen der inneren Politik ausgingen, die Aufgaben des Staates werden nun einmal nach aller historischen Erfahrung in er" 'r Linie durch die auswärtige Politir besti. t. Man muh sich also erst über diese klar weroen, ehe man die Grundlinien für eine neue Reichs Verfassung Sieht. Zwei große Aufgaben stehen da für Deutschland im Vordergründe. Die erste tft, sich a l S politische Größe zu behaupten und zur Freiheit und Macht zurückzugelangen. Rur die eigne Kraft kann Deutschland dazu führen. Eiire Hoffnung auf den Völkerbund oder andere internationale Vereinigungen zu setzen, /wäre Selbstbetrug. Einstweilen haben der Völkerbund und alle internationalen Abmachungen den Zweck, die augenblickliche Lage der Dinge, also Deutschland in feiner Schwäche und Unfrei» heit zu erhalten; das ist für Briand so gut wie für Poincars, Chamberlain und Kellogg selbstverständliche Voraussetzung. Rur langsam kann bei den Nationen ein Umschwung im politischen Denken einsetzen, aber auch nur dann, wenn sie den unzerstörbaren Lebenswillen Deutschlands erkannt haben, wenn Deutschland in der Lage ist, nicht nur zu bitten, sondern auch zu bieten, zugleich Sympathie und Respekt einzuflößen. Es handelt sich da nicht allein um äußere Dinge; gerade auch wissenschaftliche und künstlerische Leistungen können in die Wagschale geworfen werden. Steigerung der Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten wird man also vor allem von der Reform der Reichsverfassung fordern müssen, d. h. die s a ch g e - mäßest e Verwendung aller in Staat und Volk ruhenden geistigen und materiellen Kräfte. Mit Notwendigkeit ergibt sich hieraus eine Verstärkung der Zentralgewalt, denn je größer die Einheitlichkeit, je geringer die inneren Reibungen, desto mehr Hande werden für fruchtbares Schaffen frei. Es ist das nicht etwa eine Zerstörung, sondern eine logische Fortsetzung des Werkes des Reichsgründers; Bismarck ist ja von der Vereinigung der auswärtigen Politik, der Wirtschaft und der Wehrkraft in der Reichsregierung ausgegangen, und nie hat er sein Werk als abgeschlossen betrachtet. Stets f;ing sein Streben dahin, die Reichsregierung inanziell zu kräftigen, ihr neue Pflichten zuzuweisen und dadurch ihre Bedeutung für die Nation zu steigern. Dieser Verstärkung der Zentrale mag parallel gehen der Ausbau der örtlichen und territorialen Selbstverwaltung mit gehobener Verantwortlichkeit der einzelnen Stellen: durch eine solche Fortbildung des Bundesstaats zum dezentralisierten Einheitsstaat wird nichts von den belebenden Kräften verloren gehen, die in der Verschiedenheit der örtlichen Eigenart und der verschiedenen Geschichte der einzelnen Landschaften liegen. Wohl aber können viele aus diesen Bedingungen hervorgehende Hemmungen dadurch wegfallen. Auf verschiedene Weise ist die Verstärkung der Zentrale denkbar. Man kann denken an die Vermehrung der Gewalt des Reichspräsidenten nach amerikanischem Muster, eventuell unter gleichzeitiger Verlängerung seiner Amtsdauer, um der Exekutive größere Selbständigkeit neben dem Reichstag und damit größere Stetigkeit zu verleihen. Man kann auch denken an eine Neugestaltung des Reichsrats, dessen Zusammensetzung vielleicht durch Aufnahme neuer Mitglieder aus der Selbstverwaltung und den einzelnen Berufszweigen zu ändern, und dessen Kompetenz dem Reichstage gegenüber zu erhöhen wäre. Auf diese Weise könnte eine stärkere Vertretung der Sachkenntnis auf allen Gebieten in der Gesetzgebung, ein Zurückdrängen des Derufspolitikertums und eine Hebung der Verantwortlichkeit im Reichs- Gute Fortschritte aus der Länderkonserenz. Ministerpräsident Braun zur Berfaffungsresorm. Berlin, 17. Jan. (Wolff.) Am ersten Tag der Berliner Länderkonferenz hielt nach dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held der Preußische Ministerpräsident Dr. Braun das zweite Korreferat, in dem er u. a. folgendes ausführte: Ich lege das Schwergewicht auf die staatspolitischen Verhältnisse, die meiner Meinung nach in dem alten Reich nur erträglich waren durch die Hegemonie Preußens und durch die Personalunion, die sich zwischen der preußischen Regierung, zwischen der preußischen Spitze und der Spitze der Reichsregierung ergaben. In Weimar wurde diese Grundlage verlassen. Geographisch ist schon ein reiner Föderativstaat unmöglich. Es ist ausgeschlossen, daß eine gleichberechtigte Föderation auf demokratischer Grundlage in der praktischen Ausführung bestehen kann, wenn der eine Teil fast 40 Millionen Einwohner und der andere Teil nur 40 000 umfaßt. Jedenfalls ist man in Weimar auf halbem Wege zum Einheitsstaat stehen geblieben, und aus dieser Halbheit ergibt sich die ganze Anhaltbar- k e i t des heutigen Zustandes. Den Ländern ist das Rückgrat jeder Staatshoheit, das heißt, die Finanz Hoheit, im wesentlichen genommen. Da liegt die Wurzel des ganzen Hebels. Solange unsere staatsrechtlichen Verhältnisse diesen unbefriedigenden, sagen wir einmal, fast labilen Zustand haben, solange werden wir auch nicht zu einer präzisen Regelung des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern gelangen können. Jetzt liegen die Dinge tatsächlich so, daß es eine Reihe von Ländern gibt, die zwar den Willen, aber nicht mehr d i e Kraft, die finanzielle Kraft haben, ihr eigenes staatliches Leven ausrechtzuephalten. Ich stehe auf dein Standpunkt, daß Reine Länder, die den Willen und die Kraft zur Eigenstaatlichkeit haben, wie Herr Ministerpräsident Held ganz richtig sagte, gegen ihren Willen nicht gezwungen werden können, ihre Eigenstaatlichkeit aufzugeben, und ich stehe auch n»cht an, hier zu erklären, daß die preußische Regierung, soweit ich sie beeinflussen kann, stets davon ausgegangen ist, daß wir durchaus keinen Zwang aus kleine Länder ausüben wollen, sich Preußen anzuschließen. Es wird jetzt so hingestellt, als ob Preußen seine Fangarme überallhin ausstrecke, um solche kleinen Länder zu verschlucken. Wir denken gar nicht daran. Jeder Anschluß eines Landes bedeutet für uns eine Vergrößerung der Lasten, um so mehr, als diese Länder auch noch mit gewissen Prätentionen zu uns kommen. Wie die Dinge heute liegen, bedeutet das Qlufgeßen jedes kleinen Landes, wenn die Reichsverfassung unverändert bleibt, für Preußen eine Einschränkung seines Einflusses im Reichsrat und demgemäß in der Reichspolitrk. Nun noch ein Wort zu dem Regierungsdualismus zwischen der Reichsregierung und der preußischen Regierung. Es unterliegt gar feinem Zweöfel, daß das kein erstreibenswerter Zustand ist. Ministerpräsident Held hat sich darauf bezogen, wie unangenehm oft das Bestreben der Reichsregierung, in Länöerkompetenzen einzugreifen, in den Ländern empfunden wird. Bis zu einem gewissen Teile des Weges gehe ich da mit ihm konform; da sind wir einig, aber ich komme zu anderen Schlußfolgerungen. Die Verhältnisse zeigen, daß der jetzige Aufbau, die jetzige Zweiteilung auf die Dauer nicht zu halten ist uub dazu führen muß, daß fortgesetzt auch die Reichsregierung bestrebt sein muß, s ich drarBßen eine Verwaltung zu schaffen. Das führt naturgemäß, da ja bei diesem Vorgehen Länderverwaltungen nicht beseitigt werden, zu einer Aufblähung der Reichsverwaltung und zu einem Dualismus, der letzten Endes nicht nur teuer ist, sondern für die Wirtschaft, für unser Volk, ganz außerordentlich schwerwiegende Folgen hat. Cs gibt für mich, da wir auf dem halben Wege nicht stehen bleiben Tonnen — darüber sind wir uns alle einig — nur ein weiteres Dorwärts- gehen. Daß im Einheitsstaat die Stammes* eigenheiten nicht hinreichend berücksichtigt werden könnten, ist einer der Einwände gegen eine größere Vereinheitlichung unseres innerstaatlichen Lebens. Da mochte ich doch nur darauf Hinweisen, diese angeblichen Stamm ewigen schäften haben bei der Abgrenzung dec deutsche-.» Länder ost nur eine ganz geringe, zum Teil gar feine Rolle gespielt. Als Napoleon seinerzeit eine gewisse Abgrenzung der inneren deutsche« Länder schuf, Hai er weder an Stammeseigen heiten noch an sonstige innerdeutsche fulturelle Belange gedacht, sondern nur daran: W i e schwäche ich Deutschland, unb wie verhindere ich, daß Deutschland zu einem einheitlichen Willen nach außen kommen kann. Ministerpräsident Vrvun sprach sich sodann gegen den Gedanken aus, Staaten, die iyre Selbständigkeit aufgeben wollen, $u Reichsländern zu machen und sie bem^mäß unmittelbar oom Reiche verwalten zu lassen. Was gegen diesen Vorschlag vorn MinisterpräsidÄiten Dr. Held gesagt worden sei, unterschreibe er "fast restlos. Ein derartiges Vorgehen würde den Zustand, wie wir chn heute haben und wie wir ihn für unhaltbar erachten, noch mehr komplizieren. Auch den Plan, das preußisch-deutsche Problem dadurch zu lösen, daß man Preußen in Provinzen auf- teilt, und sie als Reichs Provinzen unmittelbar vom Reich verwalten läßt, lehnte Braun ab, da er entweder zu eineri Vermehrung der Einzel- ftaaten oder zu etiner Entrechtung der nord- deutschen LeoölkerLng führen mürbe, die trotzdem in Sühdeutschland als Hegemonie Preußens emp- ftlnden werden tpürbc. Ein norddeutsches Rei chsland »Dürbe nach meiner besten lieber- zougung — solche Dinge haben wir in ihrer Aus- roirrung nicht in her Hand, sie sind zwangsläufig — zu einer Spaltung des Reiches in ein norddeutsches Reich und ein süddeutsches Reich führen. Ich sehe deswegen auch für die heutige Konferenz keinen anderen Afisrveg als ben, den der Bürgermeister Dr. Petersen oorgeschlagen hat, nämlich die Einsetzung ^ines Ausschusses, dem freilich eine gewisse Richtung vorgezeichnet werden muß. Der Weg, der in Weimar eingeschlagen worden ist, muß konsequent fortgesetzt werden, und da man nicht zu dqen zurückgehen kann, was 1914 war, sehe ich Lten Weg nur darin, daß das Reich weiter dve legislative Gewalt, die die Verfassung ihm gibt, restlos ausschöpft, gewiß langsam, aber Lsoch ganz systematisch und zielbewußt. Man muß sich aber weiter auch noch damit beschäftigen, wie eine Rechts- und Verwaltungsangleichung- unter den deutschen Ländern mehr verwirklicht werden kann. Das würde, ohne einen Einheitsstaat zu schaffen, doch wesentlich zu der mir üoqcßtoebenöen und als notwendig angesehenen Vereinheitlichung und Rationalisierung unseres ganzen öffentlichen, staatlichen Lebens beitragen. Was bnnn weiter geschieht, überlassen wir dem historgsch Werdenden. Dann wird die Sache schon zwangsläufig weitergehen. Wir wollen die Dinge so gehalten, daß alle Teile des deutschen Volkes, Aeichviel, in welchem Staatsverband sie leben, die größere Vereinheitlichung, die Rationalisierung unseres Staatslebens als berechtigt anerkennen. Dann ist eben ein Zwang nicht mehr nötig, mit dem sie sich abfinden müssen, sondern dann werden wir in Einmütigkeit die Formen unseres Staatslebens finden, die letzten Endes allen Volksgenossen frommt und die die Reichsgewalt und damit eben die Kraft des ganzen deutschen Volkes nach außen stärkt. Oie Diskussion. Der hessische Staatspräsident Nlrich spricht für den Einheitsstaat. In der Dormittagssitzung des Dienstag wurde bann in die Diskussion eingetreten, über deren Verlauf wir erfahren, daß der sächsische Ministerpräsident Held die Verbesserung und die Vereinfachung der Verwaltung für durchaus möglich bezeichnet. Auf der andere»» Seite toarnle er davor, immer vom Einheitsstaat zu reden, ohne sich darüber Har zu sein, daß nicht eine gewaltsame, sondern nur eine rußige und stetige Entwicklung ersprießlich sei. Der thüringische Staatspräsident. Dr. Leutheuser, sprach die Hoffnung aus, daß die Konferenz namentlich für die Heineren und mittleren Länder insofern zu einem Erfolg führen werde, als ihre Vertreter das ©e.üql mit nach Hause nehmen könnten, daß das Reich sich seiner Pflicht bewußt sei, auch seine schwächeren Glieder mit allen Kräften zu unterstützen. Auch Dr. Leutheuser trat für Vereinfachung unb Vereinheitlichung ein. betonte aber ebenfalls, baß dieser Weg nur überlegt unb schrittweise begangen werben könne. Der hessische Staatspräsident Ulrich unterstreicht, baß es kein Zurück geben könne xu dem was war. Die Politik bes Reiches unb der Länder müsse nach vorwärts geßen. Diese Notwendigkeit werde einfach durch die Tatsachen dikttert, daß wir uns erhalten müsset». Alrich fordert weiter, daß einzelne Derwaltungsgebiete allmählich immer mehr in die Hände des Reichs übergehen müßten. Gr erläuterte dies an dem Beispiel der Justizverwallung. Entgegen den Auffassungen vom b^enlraliflerten Einheitsstaat betonte er, daß der Einheitsstaat nicht ohne eine zentralistische Regierung bestehen könne. Schließlich bezeichnet er es als das not* wendige Ergebnis der Konferenz, daß eine Reihe von Mitgliedern bestimmt werden müsse, Vorschläge über daS auSzuarbeiten, was getan werde»» kann unb was getan werben muß, um zu befriebigenben Losungen zu kommen unb burch diese den Einheitsstaat vorzubereiten. — Staatspräsident R e m m e l e - Baden behandelte vor allem die Finanzfrage. Er warnte davor einen gefährliche»» Zentralismus unorganisch treiben zu lassen, ohne sich über die letzte»» Konsequenzen klar zu sein. Bei ben in dieser Konferenz zur Besprechung stehenden Fragen handle es sich, seiner Aeberzeugung nach, um die große Kardinalfrage: Aufgabe der Souveränität der Länder zugunsten derReichs- e i n h e i t. Er glaube nicht, baß biefe große Frage im Augenblick gelöst werben könne. Vielleicht sei ihre Lösung auch in Jahren nicht mög- l i ch, weil ihr historische unb andere Gegensätze im Wege ständen, die man durch Konferenzen nicht aus der Welt schaffen könne. Dagegen glaube er, daß in der Frage der Existenzfähig k e i t der Länder, auch in der Frage der sogenannten „Flurbereinigung" Fragen beständen, die zu losen seien, die man aber nicht lösen könne, wenn man sich nicht an dem Konferenztisch zusammensehe. Es liege im Interesse der Wohlfahrt unseres Vaterlandes, daß reiner Tisch gemacht werde, unb dazu fei seiner Ansicht nach Der Vorschlag bes Hamburger Bürgermeisters Dr. Petersen wohl geeignet, wenn auch nicht allzu viel Hoffnung darein gesetzt werben rate erreicht werden: Beschlüsse wie die Verwerfung der Marineersatzbauten wären bann weniger zu befürchten. Durch eine solche Verstärkung der Faktoren neben dem Reichstage, die eine wohltätige Beschränkung der Macht des von den täglich schwankenden Parteikombinationen abhängigen Parlamentes mit sich bringen würde, würde der Grundsatz der Volkssouveräni- tät, auf dem die Weimarer Verfassung ruht, nicht beeinträchtigt werden. Denn sowohl der Reichspräsident wie der Reichsrat würden unmittelbar oder mittelbar vom Volke be- ft e 111 werden. Wie man sich die Reichsreform im einzelnen auch vorstellen möge: ben Anfang wird man in der Zentrale machen und eine Umformung in den Ländern wird der zweite Schritt fein müssen; sie werden sich in ihrer Verwaltung den Bedürfnissen der Reichsgewalt anzupassen haben. Die zweite Aufgabe, die dem deutschen Volke obliegt, ist die Pflege feiner Beziehungen zu den Auslanddeutschen, zunächst zu O e st e r r e i ch. Nie darf die Reichspolitik aus dem Auge verlieren, daß es ihre Pflicht ist, nach der Vereinigung mit diesen alten Reichsgenossen zu streben. In ihrer augenblickliche»» Isolierung, in einem Kleinstaate zwischen übelwollenden Nachbaren, sind die Deutschen Oesterreichs der Gefahr der geistigen und materiellen Verkümmerung ausgesetzt. Wir müssen sie daher aus dieser Lage befreien und ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Wir sind auch als Nation nicht stark genug, um gleichgültig einen Zweig, der viele Früchte getragen hat und in Zukunft noch viele bringen kann, durch Abschnürung vom Hauptstamme verdorre»» zu lassen. Kein Glied där deutschen Nation ist in dem Wettkampf der nationalen Kulturen entbehrlich. Gewiß werden viele Schwierigkeiten bei einer politischen Vereinigung mit den Oesterreichern entstehen: Hindernisse politischer, sozialer, wirtschaftlicher und nicht zum wenigsten konfessioneller Natur. Aber sie sind zu überwinden; vor der Notwendigkeit, sechseinhalb Millionen Deutschen ein besseres Dasein zu verschaffen, müssen solche Bedenken zurücktreten: es ist Ehrenpflicht, die bedrängten Volksgenossen ihrer Not nicht zu überlassen. Auch dieser Anschlußgedanke ist nicht etwa gegen die Bismarcksche Tradition: nie hat Bismarck den großdeutschen Gedanken grundsätzlich abgelehjtt. Er hat vielmehr, sobald er Preußen auf dvn ihm gebührenden Platz gestellt hatte, ein enges Zusammengehen mit Oesterreich angestrebt und hätte am liebste»» sogar das Bündnis mit ihm durch die Gesetzgebung hüben und drüben genehmigen lassen, um es so tief in» Volksbewußtsein zu verankern. Die Pflege Des Anschlußgedankens wird ihre Wirkung weit.über Oesterreich hinaus erstrecken. Die zahlreichen Minderheiten von Deut- f eß en in Ländern, mit denen eine politische Vereinigung nicht möglich ist, werden in dH. Steigerung des Nationalgefühls, die hierin liegr® eine moralische Kräftigung für den ihnen auf- gezwungenen Kampf um nationale Selbstbehauptung finden. Das Gefühl der inneren Zusammengehörigkeit aller Deutschen, mögen sie auch räumlich noch so weit voneinander entfernt fein, wird wachsen, und das Erstarken unserer geistigen Kolonien wird auch für das Mutterland nicht ohne reiche Frucht bleiben Hier erwächst für jeden Deutschen schon heute eine große patriotische Pflicht. Es gilt durch Rat und Ta^ durch finanzielle Unterstützung wie durch Be- zeigung von Sympathie und Verständnis den deutschen Minoritäten draußen den schweren Da- seinskainpf zu erleichtern, an einigen Stellen sogar schwer bedrohte Inseln des Deutschtums zu retten. Für Private wie für Gemeinden und Staat ist hier ein reiches Feld der nationalen Wohltätigkeit im edelsten Sinne in großem und kleinem Maßstabe eröffnet. Auch dieser der deutschen Nation vom Geschick gesetzten Ausgabe wird die Reichsreform dienen. Je kräftiger die deutschen Institutionen sind, je stärker die Leistungsfähigkeit der Nation ist, desto mehr wird für die Brüder im Ausland geschehen können, desto stärker insbesondere werden die Oesterreicher sich angezogen fühlen und desto leichter in die »»euen Verhältnisse einleben. And je stärker die Zentrale, desto geringer die Gefahr, daß der Schwerpunkt durch die Vergrößerung des Reichs verschoben wird und schädliche Schwankungen hervorgerufen werden. Mag die Reichsreform in vieler Hinsicht Opfer von uns verlangen, mögen manche alte Gewohnheiten, manche ehrwürdige Einrichtungen an Bedeutung verlieren oder gar dahinfallen: das Opfer ist des Preises wert: es handelt sich um die Zukunft des deutschen Volkes innerhalb und außerhalb der Reichsgrenzen. könne, bah die erstrebenswerten Lösungen schnell gefunden würden. Die Reform der Ftnanzwirtschast. Dr.Höpkcr-AschoffüberdasEinsPruchsrecht des Finanzministers. Am Mittwochnachmittag wurde in der Länder- konferenz die Diskussion fortgesetzt. Man verlieh den ersten Punkt der Tagesordnung und ging zum Referat ,Maßnahmen zur Gewährleistung sparsamster FinanAwirtschaft" über, das der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff erstattete. Der Minister führte aus. daß die Etatsgesetze der Regierung in Deutschland eine andere Stellung gegenüber dem Parlament als in England und Frankreich haben. Sn Deutsch- ' land sei der größte Teil der Etatsausgaben zwangsläufig und auch ohne Bewilligung durch das Parlament möglich. Sn Deutschland bestehe ferner keine Verpflichtung der Regierung. die im Etat vorgesehenen Mittel wirklich a u s z u g e b e n. Sn England habe sich dagegen das Unterhaus eine wohltätige Selbstbeschränkung durch seine Geschäftsordnung auferlegt. durch die Festlegung, daß Anträge auf Mehrausgaben nur mit Zustimmung der Regierung ein gebracht werden können. Eine _ solche Bestimmung wäre auch im Reich und Ländern wünschenswert und ferner, daß das Parlament die Einnahmen im Etat nicht höher einst ellen dürfe als von d»r Regierung veranlagt. Ferner müsse durch die Geschäftsordnung zum Ausdruck gebracht werden, daß Anleihegesetzeickwürfe nicht als Snitiativanträge eingebracht werden dürfen. Dr. Höpker-Aschoff behandelte dann die Stellung des Finanzministers im Kabinett. Die Haushaltsordnung des Reiches führe die wichtige Vorschrift, daß der Reichsfinanzminister ein Einspruchsrecht beim Etat habe und nur in der zweiten Abstimmung könne der Reichsfinanzminister durch eine Mehrheit, der auch der Reichskanzler angehören muß, überstimmt werden. Sn Preußen liegt eine ähnliche Regelung vor. Die Stellung des Schah- konzlers in England ist noch weit stärker, aber Dr. Höpker-Aschoff glaubt nicht, daß die Stärke der Stellung des englischen Schatzkanz- lers für deutsche Verhältnisse maßgebend sein kann. Das liege in dem Zwang zur Koalitionsbildung in der rtschen Politik, und eine überragende Stellung des Finanzministers würde einer einzelnen Partei ein zu starkes Heberge- wicht geben. Der Reichssinanzminister habe ferner das Recht, die Ausgaben zu sperren, während der preußische Finanzminister nur 10 Prozent aller Ausgaben sperren dürfe. Für weitere Maßnahmen fei ein Kabinettsbeschluß notwendig. Sn dieser Beziehung sei eine Stärkung der Rechte auch der Landesfinanzminister wünschenswert. Hm ein weiteres Ansteigen der öffentlichen Haushalte zu verhindern, müßte die Bestimmung getroffen werden, daß EtatSerhöhungen gegenüber dem Vorjahre nur mit Zustimmung deS FinanzmtnisterS vorgenommen werden dürften. Der Referent warnt davor, dritte Stellen, etwa den Reichspräsidenten oder den Reichs- fparkommissar einzuschalten. Auch erklärte er sich gegen ein Einspruchsrecht des Reichsfinanz- ministers gegenüber den Ländern. Das sei eine unmögliche Ausgabe für den Reichssinanzminister. Der Minister behandelte dann die Finanzen der Gemeinden und führte aus, daß die Schranke, die die Beratungsstelle für Länder und Gemeinden sei, nicht noch weiter erhöht werden könne. Das Ergebnis der ersten Tage. Ein bedeutsamer Schritt zur Klärung. D e r l i n,' 17. San. (Priv.-Del.) Don unterrichteter Seite wird das bisherige Ergebnis der Beratungen, entgegen einigen pessimistischen Auslassungen Berliner Abendblätter, als durchaus nicht unbefriedigend bezeichnet. Cs wird betont, daß die morgige Verlautbarung ja zeigen werde, daß die Konferenz bereits eine Reihe von Fortschritten erzielt habe, die zu einer Klärung führen könne. Dabei handelt es sich bei dem ersten Punkte der Tagesordnung, der das Verhältnis zwischen Reich und Ländern zum Gegenstand hat, um die Einsetzung einer Kommission, die mit der praktischen Ausarbeitung von Vorschlägen zur Besserung dieses Verhältnisses beauftragt werden soll! Heber den Charakter und die Zusammensetzung dieses Ausschusses gingen die Meinungen der Konierenz bvSfyer allerdings auseinander. Rach dem Vorschläge des Hamburger Bürgermeisters Dr. Petersen soll dieser Ausschuß aus Sachverständigen gebildet werden, die unabhängig von den regte- rungsmähigen und parteipolitischen Snstanzen ein praktisches Gutachten auszuarbeiten hätten. Der sächsische Ministerpräsident Dr. Held hatte dann beantragt, daß diese Arbeit dem Der as- sungs aus schütz des Reichsrates übertragen toerce, und der bayrische Ministerpräsident Dr. Held schloß sich dieser Aussa.sung an. Bürz.rmeister Petersen hielt in dem Schlußwort zu seinem Referat jedoch seinen Vorschlag aujre^t. Schließlich machte der preußische Ministerpräsident Dr. Braun seinen Dermittlungsvorschlag. und dieser dürste jetzt wohl im Vordergründe stehen. Er geht dahin, daß tatsächlich der Verfassungsausschuh des Reichsrates Beauftragt wird, daß er aber das Recht hat, S a ch - verständ-igehinzuzuziehen, deren Teilnahme an den Arbeiten er für nützlich hält. Im übrigen ist aus den Schlußworten zu dem Thema des Verhältnisses von Reich und Ländern noch von Interesse, daß Ministerpräsident Held (München) auch vom bayrischen Standpunkt aus eine kraftvolle Stütze des Reiches als wünschenswert und notwendig bezeichnete, aber seine Auffassung geyen den Einheitsstaat irgendwelcher Form hineinpressen lassen. Im übrigen könnten nach feiner Auffassung auch viele Fragen, die von den Verfechtern des Einheitsstaates aufgeworfen wurden, geregelt werden, ohne daß der bundesstaatliche Charakter des Reiches davon be- rl'chrt werde. Bayern fei auf dieser Grundlage zu jeder möglichen Verständigung bereit. Aus dem Schlußwort des preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun ist noch bemerkenswert, daß er auf den Beschluß des preußischen Landtages von 191& hinwies, daß Preußen jederzeit bereit sei, in den Einheitsstaat aufzugehen, wenn auch alle anderen Länder sich dazu bereit erklären. Das sei auch heute noch der preußische Standpunkt. Zum Schluß führte Dr. Braun aus, daß die (Erörterung gen der Konferenz zu einer Klärung geführt hätten. I Man Hape festgesteltt, daß btt jetzig« Zustand nicht h a l t b a r fei. Das fei noch feiner Meinung ein Erfolg. Man werde ein gutes Stück weiterkommen und im übrigen würden die Verhältnisse von selbst zu einer BescPeunigung der Lösung beitragen. Bei dem zweiten Punkt der Tagesordnung, der Einführung von Sparmaßnahmen handelt es sich im wesentlichen um technische Fragen. Dabei wurde zum Beispiel über die Stärkung der Reichsregierung gegen parlamen- Eigene Drahtmeldung des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 18. San. Selten hat es im Zentrum ein solches Durcheinander gegeben, wie gegenwärtig. Der Zentrumsturm hat schon manchen <3türm überdauert, aber wenn man hört, wie der Orkan diesmal um das Gemäuer pfeift, dann kann man doch nachdenklich werden, ob er wirklich noch fest genug gefügt ist, um solche Angriffe aushalten zu können. Rach außen hin geht es mehr um den Kampf der Führer gegeneinander. Da war ursprünglich Herr Wirth, der sich nicht nur mit Marx, sondern auch mit Stegerwald h»rumschlug, da war schließlich ja auch der Herr v. P a.v e n und Herr Hermes, die sich beim linken Flügel unbeliebt machten, dann aber trat Herr von Guerard aus seiner Reserve heraus und griff den Reichskanzler ohne Ramensnennung recht heftig an; jetzt kommt zu allem Heberfluß eine Feindschaft zwischen dem Kanzler und Herrn Stegerwald, die so stark persönlich zugespitzt wird, daß kaum mehr ein Ausgleich möglich ist. Dabei sind diese Feindschaften nur Ausfluß der Meinungsverschiedenheiten, um die im Zentrum überhaupt gerungen wird und bei denen es letzten Endes um die eine Frage geht, wie die Partei sich im parlamentarischen Leben einstellen will. Herr Marx ist ein Vertreter der Mitte, des »Zentrums im Zentrum", er bat, wenn auch mit einigen Einschränkungen, sich schließlich zu dem Grundsatz bekannt, daß das Zentrum weder nach rechts noch nach links gehört, sondern daran mithelsen muh, daß eine verantwortliche Regierung da ist; woraus folgerichtig, ein ab- wechs elndes P aktieren mit den Deutschnationalen und mit den Sozialdemokraten sich ergibt Sn der Theorie wollen die anderen das auch, in der Sache aber will alles, was hinter Herrn Dr. Marx steht, nur die Koalition mit der Sozialdemokratie und empfindet das Zusammen- regieren mit den Deutschnationalen, das seit einem Sahr im Reich exerziert wird, als eine politische Hnmöglichkeit, weil die zarter besaiteten Gemüter des linken Flügels da nicht mit- machen und drohen, zu den sozialdemokratischen Gewerkschaften abzumarschieren. Das Merkwürdige ist, daß Stegerwald aus seiner ganzen Vergangenheit tn der Front gegen die Sozialdemokratie steht, also die Ge- dankengänge befürwortet, die Dr. Marx in die Tat umgesetzt hat, daß aber auch er sich jetzt verärgert zurückzieht, weil die Koalition unter der Zenkrumsführung eine Anzahl von Dummheiten gemacht hat, die in der Arbeiterschaft böses Blut machen mußten, vornehmlich die ungeschickte Art, wie die B e s o l d u n göre s o r m aufgezogen und durchgedrückt wurde. Herr Dr. Marx hat jeden Widerspruch in der eigenen Partei kräftig nieder gehalten, er hat auch die Gewerkschaftsführer gezwungen, aus Gründen der Disziplin sogar für die Defol- dungsreform zu stimmen, hat aber dem Faß den Boden ausgeschlagen durch einen nicht für die Oeffentlichkeit bestimmten Brief, worin er einige Hnfreundlichkeiten über Stegerwald sagte. Stegerwald reagiert darauf, indem er den stellvertretenden Vorsitz in der Zentrumsfraktion niedergelegt und so die Partei zwingt, eine Entscheidung um Marx zu treffen. Die Herren vorn Zentrum sind ja Meister in der Kunst des Ausbügelns, sie werden auch diesmal sich ehrlich Mühe geben,, den Konflikt aus der Welt zu schaffen. Aber ganz leicht ist es nicht. Hnd um so größer ist die Gefahr, daß das Zentrum, um aus diesen inneren Schwierigkeiten herauszukommen, das Schulgesetz und mit ihm die Koalition in die Luft sprengt. Marx und die christlichen Gewerkschaften. Gegen die Bcsoldungsrcform. Berlin, 17. San. (WB.) Der am 16. San. 1928 in Konigswinter am Rhein versammelte Erweiterte Vorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften befaßte sich u. a. auch mit den Auswirkungen der Besoldungsreform und nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Sm Wettlauf um die Wahlstimmen der Beamten ist im Reichstage eine Desoldungsvorlage verabsch edet worden, die das Deutsche Volk mit 1,5 Milliarden belastet. Die Führer der Christlichen Gewerk,chaft.n haben im Reichstage eine vorläufige Reuord- n u n gvorae sch lagen, die eine endgültige Lösung in Verbindung mit der Verwaltungsreform gebracht hätte, sofort aber eine Linderung der Rot breiter Massen und der trostlosen Lage der SnDalibenrentner her- beiführen sollte. Sie wurde größtenteils nicht beachtet. Weite Volksschichten teilen die Auffassung der Christlichen Gewerkschaften. Angesichts dieser Tatsache weist dec Vorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften entschieden die vom Reichskanzler kund- getane Auffassung zurück, daß der von den „Herrn Dr. Stegerwald und einigen Ge- werlschaftsselretären eingenomm.ne Standpunkt" dvrch Bewilligung der Besoldungsreform mit überwältigender Mehrzahl widerlegt sei. Diese Mehrheit findet keinerlei Stühe, wenn man sich bie aus unserer Gesamtlage sich ergebenden Rot- toen big leit verantwortungsbewußt vor Augen halte. Die Christlichen Gewerkschaften müssen sich nun erst recht g e s ch l o s s e n h i n t e r Stege r w a l d und die vom Reichskan ler genannten Gewerkscha tLse.retäre stellen. Sie feien ihnen für ihr entschiedenes und mutiges Auftreten dankbar. Klärungsversuche. Jufamntentritt des Reichsparteivorstandes. Berlin, 17. San. (Privatinformation.) Wie mir erfahren, ist der Reichsparteivorstand des Zentrums auf den 28. und der Reichspartei- ausschuh auf den 29. Sanuar nach Berlin eiw- tarische Einflüsse und die Stärkung der Stellung der Finanzminister gesprochen. Auch der bayrische Finanzminister Dr. Schmelzte erklärte sich mit dem Vorschläge des preußischen Finanzministers Dr. Höpker-Afchofs einverstanden, daß diese Fragen durch einen Ausschuß zur Losung gebracht werden sollen. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß dieser Ausschuß eingesetzt wird. berufen worden. Diese beiden höchsten Organe der Zentrumspartei werden sich in ihren Verhandlungen mit den Fragen beschäftigen, die dadurch besonders akut geworden sind, daß Ministerpräsident a. D. Stegerwald sein Amt als zweiter Vorsitzender der Reichstagsfraktion nieocrgelegt hat. Sn führenden Kreisen der Zentrumspartei äußert man# sich zu diesem Schritt des Herrn Stegerwald naturgemäß sehr zurückhaltend und erklärt, daß von einem eigentlichen Rücktritt noch nicht die Rede sein könne. Soviel ist allerdings sicher, daß Stegerwald von seinem Hrlaubs- aufenthalt in Süddeutschland an den Vorsitzenden der Reichstagsfraktion, Dr. v. Guerard, einen Brief gerichtet hat, in dem er seine Rücktrittsabfichten zum Ausdruck bringt. Ebenso steht fest, daß er die Funktionen seines Amtes solange nicht ausübt, als nicht eine Klärung der ganzen Angelegenheit erzielt ist. Von führender Zentrumsseite wird uns versichert, daß es selbstverständlich gelingen werde, irgendwie zu einer Lösung zu gelangen, die die Sntercffen der Gefamtpartei wahrt und zu einer Verständigung unter den Beteiligten führt. Dabei verhehlt man sich allerdings nicht, daß die überraschende Einberufung von Parteivorstand und Reichsausfchuh als Zeichen dafür angesehen werden muh, welche Bedeutung die Angelegenheit Stegerwald gewonnen hat. Rach Angabe aus Zentrumskreisen ist die Einberufung dieser beiden obersten Snstanzen dahin aufzufassen, daß die Partei selbst den größten Wert auf eine großzügige und restlose Klärung der schwebenden Fragen legt. Das Reichsschulgesetz. Der Kampf um die Simultanschule. Berlin. 17. San. (Priv.-Tel.) Zu den Verhandlungen über das Reichsschulgesetz schreibt die „D. Z. am Mittag", es sei eine ernste Wendung eingetreten, die das Schicksal des Schulgesetzes in Frage stelle. Es handele sich um den § 16a, der ausdrücklich festlegt, daß in allen den Gebieten des Reiches, wo bereits durch Gesetz oder Vereinbarung die Frage des Religionsunterrichtes geregelt sei, es bei dieser Regelung bleibe. Hierzu erfährt das WTD., daß der Deutschen Volkspartei hinsichtlich dieses § 16a, der auf Antrag der Deutschen Dolkspartei in das Gesetz ausgenommen wurde, in der Tat Bedenken gekommen seien, daß jedoch eine Kompromißlösung über diesen Paragraphen bereits auf dem Wege sei. Man versichert, daß die Lösung, für die bereits eine Vor- fühlungsnahme stattgefunden hat, voraussichtlich die Bedenken der Deutschen Dolkspartei erledigen wird. Die schwierigste Frage des Gesetzentwurfes bleibt weiter der § 20, der die Si^ multanschulländer befjanbelt. Für diese Frage wird in unterrichteten parlamentarischen Kreisen ein Ausweg noch nicht gesehen, da die Parteien mit Bezug auf diesen Paragraphen an ihren Auffassungen fest halten. Kommunalpolitik und presse. Präsident Mulert nennt Publizität das Lebenselement der deutschen Städte. Berlin, 18. San. (TH.) Auf einem Vortragsabend des Reichsverbandes der deutschen Presse im Saale des vorläufigen Reichswirt- schaZsrats sprach der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, über Kommunalpolitik und Presse. Er führte u. a. folgendes aus: „Publizität ist das Lebenselement der deutschen Städte, die Atmosphäre, in der allein sie wirklich leben können. Aus der Kritik entnehmen wir Anregungen und neue Smpulse für unsere Arbeit. Richt gegen die Kritik wenden wir uns, sondern gegen Hebertreibungen und gegen Verallgemeinerungen." Der Redner ging dann auf die kommunale Wirtschaftspolitik ein und führte dazu u. a. folgendes aus: „Heber die Höhe der kurzfristigen Verschuldung der deutschen Gemeinden sind seit einiger Zeit phantastische Zahlen im Hmlauf. Auf 1500, ja bis auf 2000 Millionen wurde die Höhe dieser kurzfristigen Kredite angegeben. Heute bin ich erfreulicherweise in der Lage, authentisches Material mitzulellen. Rach einer amtlichen Sta istik beträgt die kurzfristige Verschuldung für sämtliche von der Erhebung ergrifenen 59 Siädte über 80 000 Einwohner, deren Einwohnerzahl rund 16 Millionen beträgt, zusammen 525 Millionen Mark. Hiervon gehen noch 25 Millionen ab, deren Abdeckung innerhalb dieses Sahres ohne Aufnahme einer langfristigen Anleihe durch Grundstücks- verkäuse usw. erfolgt, so daß insgesamt rund 500 Millionen übrig bleiben. Hierbei handelt es sich mit Ausnahme von zwei Fällen mitt einem Gesamtbeträge von 17 Millionen durchweg um im Snlande aufgenommene Schulden." Zusammentritt -es hessischen Gtaatsgerichtshofes. Darmstadt, 17. San. (TH.) Das Hrteil des Staatsgerichtshofes in Leipzig ist heute mittag in Darmstadt eingetroffen. Es wurde sofort beschlossen, die Sitzung des hessischen Staatsgerichtshofes, in der über die Gültigkeit der hessischen Landtagswahlen vom 13. Rovember entsctzieden wird, auf den 30. Sanuar anzuberaumen. Die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes ist in Art. 50 Abs. 2 der Hessischen Verfassung festgelegt. Dort heißt es: „Der Staatsgerichtshof besteht aus dem Präsidenten des Oberlanaesgerichts als Vorsitzenden sowie aus vier Mitgliedern der K^I egialgerichte des Landes und acht Mitgliedern, die von dem Landtag aus seiner Mitte nach Verhältniswahl gewählt werden. Er wird für jede Landtagsdauer neu gewählt." Den acht Parlamentariern stehen also fünf Berufsrichter gegenüber. Zur Zuständigkeit des Staatsgerichtshofs gehört nach Artikel 50 der Hess. Verfassung u. a. die Erhebung von Anklagen gegen die Mitglieder des Gesamtministeriums, ferner entscheidet nach Artikel 7 der Geschäftsordnung für den Hessischen Landtag der Staatsgerichtshof, wenn eine Wahl angefochten oder streitig wird oder ein Abgeordneter das Recht der Mitgliedschaft verloren hat. Das Rähere über die Bildung des Staat?gerichts- hoss sowie das Verfahren vor ihm ist in dem Gesetz vom 13. Mai 1921 (Reg.-Bl. Rr. 11 S. 99) geregelt. Sm gegenwärtigen Landtag weist der Staatsgerichtshof folgende Mitglieder auf: Mitglieder des Landtags sind die Abgeordneten Kaul (Soz.), S u r m f e l s (Soz.), Ritzel (Soz.), Ruh (Ztr.), Schül (Ztr.), Dr. Müller (Hess. Landb.), Scholz (Dtsch. Vp.), Schreiber (Dem.). Als deren Stellvertreter stehen zur Verfügung die Abg. Lückel (Soz.), Rech- thien (Soz.), Weber (Soz.), Wesp (Ztr.), Gang (Zentr.), Glaser (Hess. Landbund), Dr. Keller (Dtsch. Vp.) und Reiber (Dem.). Mitglieder der Kollegialgerichte sind: Oberlandesgerichtsrat A l t e n ö o r f, Oberlandesgerichtsrat Dr. Mayer, Landgerichkspräsident Reuenhagen-Gießen und Oberlandesgerichtsrat Dr. Schneider. Deren Stellvertreter finb Oberlandesgerichtsrat Conradi, Oberlandesgerichtsrat Dr. Maurer, Landgerichtsdirektor Adolf Müller-Darmstadt und Oberlandesgerichtsrat Schnitzspahn. Präsident des Staatsgerichtshofs ist Oberlandesgerichtspräsident Dr. Stein. Die Wirtschaftslage. Geheimrat Hagen über die Konjunkturlage. Köln, 17. San. (WB.) Sn der Sitzung der Sndustrie- und Handelskammer in Köln erstattete Geheimrat Hagen den Bericht über das Wirtschaftsjahr 1927. Zu den Aussichten für das Sahr 1928 erklärte der Berichterstatter, daß sich für kurzfristige Termine Geldansammlungen in gewissem Hm- fange im neuen Sahre eingestellt hätten. Er empfehle aber, dieser Entspannung nicht allzusehr zu trauen, sondern auf dem Posten zu sein und sich rechtzeitig mit den notwendigen Geldmitteln zu versehen. Wie sich das Sahr 1928 weiter gestalten werde, fei noch nicht zu übersehen. Syn und die Wirtschaft beunruhige am meisten, daß die Sn- anspruchnahme der Wirtschaft für die Steuern unverändert groß sei. Hierin sehe er das eigentliche und ftarfe Hemm- n i s für Deutschland, da es bei solcher Steuerhöhe nicht möglich sei, zu einer SubstanZ- ansammlung zu kommen. Andererseits zeigten sich seit längerer Zeit Anzeichen dafür, daß sich eine Weltkonjunktur für den Ab - s a h bilden könne. Man solle sich also keiue.i schwarzseherischen Betrachtungen hingebe.:. H der 1c bachtung < l ermög'^chen Vor ichtsmahnahmen, namentlich auf finanziellem Gebote, sei seiner Meinung nach vielmehr eine erträgliche Wirtschaft im Sahre 1928 möglich. Die Anleiheaussichten. Paul Warburg über die Revision des Dawesplans. Neu y ork, 13. Ian. (MTB. Funkspruch.) iluf der Jahresversammlung der Aktionäre der International Acceptance Bank berührte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der bekannte Reunorker Bankier Paul Warburg, in feiner Rede aucy das Reparationsproblem. Unter Hinweis auf den letzten Bericht Parker Gilberts, der die Festsetzung der Gesamtschulden Deutschlands anregt, erklärte Warburg, die Bedeutung dieser Aeuherung könne nicht überschätzt werden. Es sei zu hoffen, daß der Zeitpunkt nicht fern sei, wo ein neuer Sach- verstandigen^plan ausgearbeitel und a l s endgültigeLosung angenommen werde. Es sei auf die Dauer verschwenderisch und verwerflich. die Unmöglichkeit en des Dawesplanes durch seine tatsächliche Ausführung zu beweisen. Zwar sei es Deutschlands Aufgabe, alles in seiner Wacht stehende zu tun. sich den Bestimmungen des Dawesplanes anzupassen, aber es sei doch die Frage, durch welches Wunder ein Exportüberschuß Deutschlands von 2,5 Milliarden Reichsmark bei einem Gefamkexport von 10 Milliarden Reichsmark für eine lange Reihe von Iahren angesichts der vorhandenen Zollsabranken erzielt werden solle. Ara Schluffe seiner Rede erklärte Warburg noch. daß. obwohl die Auflegung deutscher Aull e i h e n infolge der Gilbert-Rote vom 20. Oktober plötzlich aufgehört habe, es als sicher anzunehmen fei. daß der amerikanische Markt bald wieder Anleihen für produktive Zwecke offenslehen werde. Oie pariser Besprechungen Parker Gilberts. London, 18. Ian. (WTV. Funkfpruch.) Der Pariser Berichterstatter der „Morning Post" bezeichnet es als möglich, daß die Besprechungen des Generalagenten für Reparationen mit der französischen Regierung dazu führen werden, die endgültige Festsetzung der deutschen Verpflichtung nicht, wie früher angenommen wurde, in fünf oder zehn Jahren, sondern nach dem erstenoderzweitenIahrederZahluna der vollen Jahreszahl ungen durch Deutschland eintreten zu lassen. Die Verhandlungen seien zwar geheim, aber soviel man höre, fänden die Vorschläge Parker Gilberts nicht den Widerstand. den die früher von Frankreich an seinem Bericht geübte Kritik erwarten ließ. Die handelspolitische Ausgabe der Landwirtschaft. Nahrungsmittelimport und Erwerbslosigkeit. Magdeburg, 17. San. (WTV.) Auf der Provinzial-Landbundtagung in Magdeburg hielt heute der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Schiele, eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Smmer wieder habe ich auf die ehernen Zusammenhänge hingewiesen, die zwischen der Passivität unserer Handelsbilanz und der Arbeitslosigkeit bestehen. Dies zeigen auch die Crgeb»iise des Sahres 1927, das wir im ganzen als ein Sahr normaler Entwicklung an eh en dürfen. Die Handelsbilanz von 1927 verzeichnet beim Sndu- ftrieexport einen Ausfuhrüberschuß von etwa 130 Millionen Mark, denen bei den Rahrungs- mitteln ein Einfuhrüberschuß von mehr als 4 Milliarden gegenübersteht. Diesem Posten steht in der Handelsbilanz des letzten Sahres kein irgendwie nennenwerter Aktiv- Der WrerkonW in der Zenlnimsparlei. pvße« gegenüber. Niemand wird ernstlich daran glauben, daß wir neben den Daweslasten und neben der Verzinsung unserer Auslandschuld auch auf lange Jahre noch jährlich für vier Milliarden Lebensmittel im Ausland auf Kredit beziehen können. Wenn wir die schwersten Gefahren für unsere Volksernährung und die Sorge innerer Erschütterung vermeiden wollen, gibt es nur einen Weg. nämlich die Nahrungsmittel, di« wir jetzt.vom Ausland borgen, soweit wie möglich selbst zu erzeugen. Di« technischen Möglichkeiten für dies« Mehrerzeugung sind gegeben. Freilich wird die Landwirt- schäft diese Aufgabe nur lösen können, wenn ihre Ertragsfähigkeit mehr als bisher gesichert ist und sie durch eine Ordnung ihrer Schuldverhältnisfe von den gegenwärtigen nicht tragbaren Zinslasten befreit wird. Hierdurch würde zugleich die Schaffung zahlreicher neuer bodenständiger Arbeitsmöglichkeiten in einem Umfang gegeben sein, der die Arbeitslosigkeit im wesentlichen zum Verschwinden bringen und die Landwlrtscyaft damit von den gewaltigen Lasten befreien kann, die ihr jetzt auferlegt sind. Aus diesem großen und deutlichen Zusannnenhang ergeben sich die natürlichen Richtlinien nationaler Politik in afL.i Zweigen. Das Jahr 1927 war für die Landwirtschaft rm ganzen gesehen ein trübes Jahr. Es hat zu weiterer Abwanderung. zur Entsiedelung ge ührt. Um so eindrucksvoller find daher die r 3arnung£- signale an der Jahreswende: Sta- steigende Arbeitslosigkeit und eine geborgte Aahrungs- mitteleinfuhr von 4 Milliarden Mart. Besuch des deutschen Reichspräsidenten in Wien? W i e n, 18. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die „Volkszeitung" will erfahren haben, daß gleichzeitig mit Dr. Stresemann auch der deutsche Reichspräsident von Hindenburg den Entschluß gefaßt habe, während der Schubert-Feste der Stadt Wien einen Besuch abzustatten, der auf fünf Tage bemessen sei. Der Reichspräsident werde mit dem Bundespräsidenten Dr. H a i n i s ch und dem Bundeskanzler Dr. S e i p e l Zusammentreffen, doch werde sein Aufenthalt nur privaten Charakter haben. Der Reichspräsident werde voraussichtlich im Juli anläßlich des großen Säna.erbundesfestes in Wien weilen. Präsident Coolidge in Havanna. Begeisterter Empfang. Havanna, 16. Jan. (WTD.) Die Autofahrt deS Präsidenten C o o l i d g e mit Präsident M a ch a d o vom Palais zum Rationaltheater zur Eröffnung des Kongresses glich einer Triumphfahrt. Die Straßen waren dicht gefüllt mit Menschen, die vor Begeisterung die Hüte in die Luft warfen und ausriefen: „Viva ei PresidenteAls Coolidge von Machado dem Kongreß vorgestellt wurde, wurden ihm mehrere Minuten lang Kundgebungen bereitet, ehe er seine Ansprache beginnen konnte. Diese, in englischer Sprache gehalten, wurde wiederholt von dem Beifall der Abgeordneten, die aufstanden, unterbrochen. An der Feierlichkeit nahmen über 5000 Personen, darunter das diplomatische Korps und die Mitglieder der kubanischen Gesellschaft, teil. Frau Coolidge wurde am Theatereingang im Gedränge von ihrem Gatten getrennt, da die kubanischen Beamten sie nicht sofort erkannten und zurückzuhalten suchten. Präsident Coolidge hat sich dann in Begleitung Kelloggs und des Marinesekretärs Wilbur auf dem Kreuzer „Memphis" zur Rückreise nach Keywest eingeschifft. Er hofft, am Donnerstag wieder in Washington zu sein. Trotzki in die Verbannung gereist. Moskau, 17. Jan. (Prio.-Tel.) Trotzki ist am Montagabend in die Berbannung nach W j e r n g an der turtestanisch-chinesischen Grenze abgereist. Bei seiner Abreise sagte Trotzki, der den Humor des unerschütterten Mannes zeigte, zu den Journalisten: „Besuchen Sie mich in Wjerny!" Der Wahlterror in Ostoberschlesien. Kattowitz, 17. Jan. (TU.) Von polnischer Seite wird alles versucht, um die Deutschen bei den kommenden Sejm- und Senatswahlen auszuschalten. Nachdem mit dem gestrigen Sonntag die Frist für die Einlegung von Einsprüchen gegen die Aufstellung der Wahllisten abgelaufen ist, haben Tausende von Angehörigen der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien in allen Orten die Mitteilung erhalten, daß gegen ihre Ansührung in den Wahllisten Einspruch erhoben worden sei, da angeblich ihre polnische Staatsangehörigkeit bezwei- f e l t werde. In Bieschelschowitz haben z. B. fast 3000 Deutsche diese Mitteilung erhalten, in Ma» koschan über 300, in Bogutschüh mehrere Hundert und in Kattowitz und Königshütte ebenfalls mehrere Hundert. Diese Manöver sind offensichtlich von selten der polnischen Aufständischen planmäßig organisiert und sollen dazu dienen, eine Streichung von 10 000 Deutschen in den polnischen Wahllisten zu erreichen, denn, nachdem jetzt Einspruch gegen die Aufnahme in die Wahllisten eingelegt worden ist, müssen diese Deutschen Beweise für ihre polnische Staatsangehörigkeit auf» bringen. Naturgemäß sind diese Belege bei dem bekannten langsamen Arbeiten der polnischen Behörden kaum rechtzeitig aufzubringen, ganz abgesehen davon, daß dadurch, entgegen den gesetzlichen Bestimmungen den Deutschen unnötige Kosten durch Zahlung von Stempelgebühren usw. verursacht werden. Diese Maßnahmen sind um so unerhörter, als es sich bei den Einsprüchen in den meisten Fällen um Personen handelt, die jahrzehntelang, ja, feit ^ihrer Geburt in ein und demselben Ort in Ostoberschlesien wohnen und mit der Abtretung Oft» oberschlesiens ohne weiteres polni che Staatsbürger geworden sind. Neue Rüstungsverminderung in England. London, 17. Jan. (WTB.) Die Regierung hat beschlossen, eine weitere Einschränkung im Kreuzerbauprogramm vorzunehmen. Statt, wie beabsichtigt, im Jahve 1928/29 drei Kreuzer von 8000 Sonnen auf Stapel zu legen, sollen nur zwei auf Stapel gelegt werden. Es werden also drei Kreuzer von je 8000 Tonnen im laufenden Jahre bzw. 1928/29 auf Stapel gelegt werden, anstatt vier Kreuzer und zwei Kreuzer von je 10 000 Tonnen, die im Bauprogramm 1927/28 und 1928/29 vorgesehen waren. Es handelt sich um eine Ersparnis von 5.5 Millionen Pfund, di« sich allerdings auf eine Reihe von Jahren verteilen. Wie verlautet, ist im Heeresetat eine Ersparnis von nahezu 1 Million Pfund Sterling vorgesehen. Aus aller Welt. Verlegung der Kriegergräber auf den Spicherer höhen. Bei einer Besichtigung des Geländes auf den Spicherer Höhen durch Vorstandsmitglieder der Ortsgruppe Saarbrücken des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge ist festgestellt worden, daß sämtliche noch dort vorhandenen Kriegergräber (Einzelaräber und Massengräber) in der Zeit vom 2. bis 15. Jan. 1928 durch die französischen Militärbehörden aus - gehoben wurden. Die noch vorhandenen Knochenreste wurden eingefargt und in einem neu anzulegenden Friedhof b e i g e s e h t. Bei diesen Ausgrabungen wurden verschiedene noch sehr gut erhaltene Gegenstände vorgefunden ein Pfeifenlopf mit dem Bildnis des Prinzen Karl von Preußen, ein kleines Pfeifchen mit dem Bildnis des Kaisers Napoleon, eine Gedenkmünze aus dem Feldzug 1866 sowie, abgesehen von anderen wertvollen Gegenständen, in einem Grabe der Betrag von 150 Goldsranken, in einem anderen eine wohl erhaltene silberne Uhr, deren Zeiger auf 6.15 Uhr stehen geblieben waren. Wie totr weiter erfahren, sollen die Denkmäler, die auf den Spicherer Höhen von den einzelnen Regimentern errichtet wurden, a u f ihrem jetzigen Standort bleiben. Auch der im Jahre 1903 am Fuße des Spicherer Berges angelegte Friedhof wird in seiner jetzigen Gestaltung bestehen bleiben. Weitere Opfer der völklinger Explosion. Von den bei der Hochofenexplosion in Völklingen schwer verletzten Arbeitern sind inzwischen zwei weitere ihren Verletzungen erlegen, sodaß sich die Zahl der Toten aus neun erhöht. Der Komponist des Hindenburg-Marsches t- In Landau ist im 81. Lebensjahre der Musik- dirigent Alexander Löwe, dessen letztes Werk, der Hindenburg-Marsch, am 80. Geburtstag des Reichspräsidenten von vier Regimentskapellen in Berlin gespielt wurde, gestorben. Im Kriege 1870 71 machte er als Trompeter den Todesritt bei Mars la Tour mit. Lynchversuch in den vereinigten Staaten. In Flint (Michigan) sammelte sich nach der Verhaftung eines Mannes, der beschuldigt wird, ein fünfjähriges Mädchen entführt zuhaben, eine wütende Volksmenge von etwa 10 000 Personen vor dem Gefängnis und drohte, den Hältling zu lynchen. Die Gefängnisbehörden mußten ihre Zuflucht zu Tränengas nehmen, um die Menge zurückzudrängen, die schließlich durch Truppen zerstreut wurde. von einem Faß die Brust eingedrückt. In Kassel ereignete sich in der Brauerei Kropf in der Kölnischen Allee ein schwerer Unglücksfall. Der 45jährige Arbeiter Kramer war mit dem Abladen von Fässern beschäftigt, als ihm ein großes Faß auf die Brust fiel. Dem Unglücklichen wurde von der schweren Last der Brustkorb eingedrückt. Er verstarb aus dem Wege zum Krankenhaus. Oie ZliegerauSbildnng in Deutschland. Aus der großen Zahl der täglich einlaufenden Anfragen kann immer wieder festgestellt werden, daß die Möglichkeiten der Fliegerausbildung noch in weiten Kreisen unbekannt sind. Zunächst sei festgestellt, daß von den vielen Anfragen nur ein ganz geringer Prozentsatz berücksichtigt werden kann und daß deshalb nur solche jungen fieuie für eine fliegerische Ausbildung in Frage kommen, welche die hohen Anforderungen an ®e- sundheit, Charakter und Vorbildung erfüllen, da die Verantwortung des Flugzeugführers für seine Fluggäste und für sein Fluggerät sehr groß ist. Wer Sportflieger werden will, wende sich an den Deutschen Luftfahrtverband oder unmittelbar an eine zugelassene Fliegerschule. Besondere Vorbildung ist nicht erforderlich, doch geben einige Vereine des Deutschen Luftfahrtverbandes Gelegenheit, schon vor Beginn der praktischen Ausbildung sich Kenntnisse über viele Fragen der Luftfahrt zu erwerben. Die Ausbildung dauert normalerweise zwei bis drer Monate. Wer das Fliegen nur rein sportlich ausüben will, suche Anschluß an einen Lustfahrt- verein, der über eigene Flugzeug« verfügt, oder suche sich eine Schule aus, bei der er auch nach beendeter Ausbildung mit verhältnismäßig geringen Mitteln noch weiter fliegen kann. Bei Derufsfliegern sind zu unterscheiden: die Führer von kleineren Flugzeugen, die Sonder- uno Reklameflüge ausführen oder an Flugveranstaltungen teilnehmen wollen, sowie di« Führer für den Passagierluftverkehr. Erstere können ihre Ausbildung an allen in Deutschland zugelassenen Fliegerschulen durchmachen. Für die Ausbildung zum Derkehrsflieger ist bi« Deutsche Verkehrsfliegerschule in Berlin zuständig. Die Ausbildungszeit für di« Führer kleiner Flugzeuge kann auf etwa ein Jahr, die Ausbildung füü den Luftverkehr auf mindestens drei Jahre veranschlagt werden. Die Deutsche Derkehrsflieger- schule verlangt eine gute Schulbildung. Es empfiehlt sich, vor jedem weiteren Entschlüsse erjs einmal von diesen Stellen genaue Auskünfte einzuholen. Oie Wetterlage. ThPWnn den 17. Jan Vaiderjul tocun iBerdetn r Kieotnt rw. p ©WoJXen!o$.0 neuer o na'D oeaecei ® woixip. • Deaem eitegen * Schnee ä Graupein « Meoei K Ge^iiter.(§)Wind5tiiie ♦O' schf leichter Ost y massiger Sudsoflwesi q stürmischer "ordwcsl die Pfene fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichen! tut ««eresniveau umaereenneten Luftdruck Wc.Tcrvoraussagc. Der hohe Druck über Nordeuropa hat mxh weiter zugenommen und an Ausdehnung gewonnen. Eine Hochdruckbrücke erstreckt sich von dem spanischen Hoch über Frankreich und Deutschland nach dem nordeuropäischen hin. Gleichzeitig hat das kräftige isländische Tief sich südwärts über die britischen Inseln nusgedehnt. In Begleitung seiner Warmluft sind dort bereits verbreitete Niederschläge aufgetreten. Die neue Warmluftwelle wird auch unser Gebiet wieder überqueren, so daß für später milderes und regnerisches Wetter in Aussicht steht. Wettervoraussage für Donnerstag: Zunächst wolkiges Wetter, Temperaturen wenig verändert, später milder und Uebergang zu Niederschlägen. Witterungsaussichten für Freitag: Regnerisches und mildes Wetter wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 17. Januar: mittags 3,8 Grad Celsius, abends 3,3 Grad Celsius: am 18. Januar: morgens 3,6 Grad Celsius. Maximum 5,8 Grad Celsius, Minimum 2,4 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 17. Januar: abends 2,5 Grad Celsius; am 18. Januar: morgens 2 Grad Celsius. — Niederschläge 2,8 Millimeter. Reumütig zurück. Ich möchte nicht verfehlen, Ihnen gleichzeitig meine volle Zufriedenheit mit „Helipon“ auszufprechen. Ich habe die verschiedensten Haarwaschmittel probiert, bin aber immer reumütig zum „Helipon“ zurückgekehrt, weil es nicht die geringste Schürfe besitzt, das Haar sehr schön weich und locker macht und durch größte ©parfapifeit im Gebrauch äußerst billig ist. Ich empfehle „Helipon“, wo ich nur Gelegenheit dazu habe. — So schrieb Frau Dr. A. S. in K. — Wenn Damen mit Doktor-Würde so günstig über „Helipon“ Kopfwaschpulver urteilen, bann dürsten auch Sie die großen Borteile dieses einziaartigen Mittels sich zu Nutzen machen und künftig „Helipon“ bevorzugen. — Jedes Paket nur 30 Pf. Es gibt zwei Packungen, und zwar: Eine „Für langes Haar" mit zwei abgeteilten Bollwaschunaen und eine „Für Bubikopf" mit drei abgeteilten Waschungen. Diese eignet sich auch für Herren und Kinder sowie für Damen mit nicht zu langem Haar. 662 Die trauernden Hinterbliebenen: Gießen, Altenburg, den 18. Januar 1928. 628DI 635D Juli, Gießen (Landmannstraße 8). den 16. Januar 1928. 636D 0414 Marie Stohr geb. Lichtenfels Julius Stohr stud. rer. Albert Stohr Wilhelm Stohr Ria Stohr. 4-653immer Wohnung frei? Schnick. An- nebote unter u362 an den Gieß. Anz. erb. Langd, den 16. Januar 1928. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. Januar, nachmittags um 1 Uhr statt. M Hurooltstonalei erfahrener Gehilfe gewandt in kurz- u. Maschinenschrift, gesucht. Schrift!. Angebote nut Gebats- nnsor eben uni. 0388 an den Gieß. Linz. Im Namen der Hinterbliebenen: * Leonhard Kröcker. Heute nachmittag um 6 Uhr entschlief sanft und unerwartet nach kurzem Krankenlager unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Altbürgermeister Otto Meyer im 70. Lebensjahre. Die Einäscherung findet in der Stille statt. — Von Blumenspenden und Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. Januar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. In tiefer Trauer: Lina Nagel geb. Meyer und Familie Adolf Meyer und Familie Richard Meyer. spreche ich hiermit meinen Dank aus. Graf Eberhard von Schwerin Friedeihausen, den 18. Januar 1928. Junger MkkAiler flotter Zeichner, f. Architeklurbüro gesucht. Schrntl. Singel). m.Zengn. n. Skizzen n.574D an den Gieß. Anz. Auswärtige Wein- Jinvori-Z->r>na Nicht für hies. Platz ».Umgebung gut eingef. Vertreter in der Lebensmittel- Branche f.d.'Berkans von Südweinen tin Flaschen- und Faß- Wäret gegen Iwhe Provtfion.Schr.Ang. u.648Da. d.Gb.Anz. Wo wird zum 1. evtl, früher, Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meiner Großmutter, der Freifrau lulle von Nordeck zur Rabenau Montag abend 9 Uhr verschied sanft unsere liebe Mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Marie Lichten fels Wwe. geb. Metzger im Alter von 87 Jahren. vruckfachen aller Art SffiSJKSÄTR'M die vriihl'fche Universitäts-Druckerei, R. Lange, Stehen, Schulftr. 7 Statt besonderer Anzeige. Nach langem schweren Leiden entschlief sanft meine liebe Frau, unsere unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Frau Marie Kröcker geb. Magold im fast vollendeten 74. Lebensjahr. Gesucht für sofort SpratiJehr für Cvanifch. Schristl. Angeb mr. 634V n. d. Gieß.Anz. LViv warnen Gie IhrenÄewerbungen auf Anzeigen ohne jlamen g niste, Urkunden ob. wichtige Papiere fügen; Abschriften genügen zur Glnb llung v. Anstellungoverhand- unqen Oft ist umi der Auftraggeber unbekannt und in dlefenHällen können wir nichts tun für d. Wiedererlangung der Bewerbungsunterlagen Gießener Anzeiger 2 große Zimmer m.i LüchenraamivVaffei. GaS in. Extra-Zähl.i a.Zabeh., sj3alL cl.V, i. gut. Haufe, fonn.Vn. l.Südleii a.nurbefs. DauieiM ob. ktnderl. Ehev. z.vni.PrcköMk. Schr.Ang.m.Berufs- ang.u.0408 a.b.G.A. Dreistöckiges w® mit Bureau f. sofort ob. fpäicr zu oeim. Näb. b.H.BcnncrH. Schiller irr. 19. Osm | Mietgesuche ) Gut möbliertes Zimmer m ber Nabe der krank'. Str. gesucht. Schriftl. 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Februar d. 3., vor- mittags 11 Uhr, soll im Saale des Herrn Gastwirt Karl Schlörb, dahier, die Gemeindejagd Ruppertsburg auf weitere 9 Jahre verpachtet werden. Die Jagd umfaßt ca. 491 Hektar Wald- und ca. 598 Hektar Feldgelände und liegt an der Bahnstrecke Hungen—Laubach—Mücke. Die unterzeichnete Behörde erteilt auf Verlangen nähere Auskunft. 641D Ruppertsburg, den 17. Januar 1928. Hess. Bürgermeisterei Ruppertsburg. __Högy. Mil »um 1. Februar 28 2 rm Eichenscheiter, 48 rm C" Erste Möbelfabrik in Frankfurt bat von einem Kunden den 2!uf trag erhalten, ein neues nicht abgenommenes Renaissance Speisezimmer mtt reicher Schnitzerei, Nussbaum, antik behandelt, zum festen Aus- nahmevreis von 2500 Mk. zu verkaufen Ansragenan Rud. Mofse, Franko fnrt a. M., unter F. T. S. 375. ____ _ 640lbiitetumZusend. des Sterns an H. B., Mainz, Malnstr. 411. Freitag, 13. Januar, Auto-Anl- Kurbel zwischen Giessen und ■raufen verloren. Näheres O4u7 _Nordanlage 38. Das nachoeHeichnete mit Rinde gerne, sine Buchen-Stammholz soll auf dem Wege der Submission verkauft werden. Angebote sind verschlossen und mtt entsprechender Aufschrift versehen bis zum Mittwoch, dem 25. Januar 1928, vormittags 10 Uhr, bei uns einzureichen, woselbst auch die Bedingungen, denen sich die Käufer mit der Einreichung ihrer Gebote unterwerfen, eingesehen werden können. Das Holz ist vorher einzusehen, da spätere Reklamationen nicht angenommen werden. Auskunft erteilt die unterzeichnete Stelle und Förster Bornrnersheirn, Billingen. 652V Güteklasse A. 3. Kl. 2,81, 4. Kl. 31,33, 5. Kl. 20,52 und 6. Kl. 2,96 Festmeter. Güteklasse N. 3. Kl. 3,72 und 5. Kl. 2,04 Festmeter. Hungen, den 16. Januar 1928. Hess. Bürgermeisterei Hungen. Fe ndt. 1050.- 840.— | Kaufgesuche Für getragene AmIIk!« zahlt höchste Preise L. RoRenzweic Glesien, Sellersw. 5s I. Kane genügt. 38ia | Empfehlungen | AWe SersWe leöeiiöe 9atpf?n leüenoe Söileien Sßnöer 9Mle Sslm empfiehlt, nur beste Qualtiät 65oc ßamö. 3Wölg. A. Sodj. nadjfoiger MänSb. 15, Tel. 1612 Wir erhielten eine lose Ladung Porzellan-Feston-Geschirre von der Qualitätsfabrik Jaeger & Co., Marktredwitz, mit unwesentlichen kleinen Schönheitsfehlern. Es kosten u. a. solange Vorrat reicht: Teller, tief und flach, 40 Pf. / Dessertteller, 19 cm, 30 Pf. / Salatschüsseln, vier- ecAig, \on 0 i. an / Ovale Platten von 33 Pf. an / Saucieren mit Platte von su Pf. an / Ferner Terrinen, Ragoutscbüsseln usw. in allen Größen. Bitte die Auslagen zu beachten. Besichtigung ohne jeden Kaufzwang erwünscht. Lang & Wieder stein Marktstrabe 4 Brandoberndorf, den 18. Januar 1928. ______Der Bürgermeister. Stah l. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen für das Rj. 1928 liegt zur Einsicht der Beteiligten acht Tage lang auf dem Bureau des Unterzeichneten, Alicenstraße 2, offen. 637V Nur während dieser Frist können Einwendungen gegen den Inhalt des Voranschlags vorgebracht werden. Gießen, den 17. Januar 1928. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde Gießen. Louis Marcus. Einfätzen u. -Motiven, aus guten Stoffen o == 1 n°° fatoteil Preis M. 15.-u. -Ä. XJP Giefeen Ein Möbel-Sonderverkauf zu Preisen, deren Billigkeit Aufsehen erregt Aus zirka 200 KvMplSttSN ZlMMSsN haben wir | Verein? Bürger- Gesellschaft Samstag, 4. Sehr nur, im Katholischen BcreinSbauie IRasfenbaö. 623D Der Vorstand. Donnerstag, den 26. Januar d. vormittags 10 Uhr anfangend, werden im „Deutschen Haus", dahier, folgende gen Holz öffentlich verkauft: Distrikt 48, 49 (Weidenhain), 22a, Eickenscheiter, Eichen knüppel, 214 rm Buckenscheiter (Rollen), 596 rrn Buchenknüppel, 9500 Stücke Buchenwellen, 77OO Stücke la Buchen - Durchforstungs- wellen. GelegenbeitSkanf: VI, P.S.- gweitakt- Motorrad zu verkaufen. An- susehen Rodbcim ad. Bieber, Psarr- gasse Nr. 4, [0383 Ülut erhaltene WlWaslWe billig zu verkaufen »«».Wilbelmftr. 1 v. 1300.- 1150.— Brovinzial- Pflegeanttalt Sicher Strasse 74. Junges, braves Mädchen für vormittags gesucht. Wo? sagt die Geschäftsstelle des Giess. Anz. [0387 Suche für sofort ein MM nicht unter 17 F. Zwiebackfabrik Kaiser, •* Lang - Göns. 860.- 690.- Tücht.Merin nimmt noch Kunden an, auch Ausbessern in u. äusser d. Hause Schr. Angeb. u. 0400 a. d. Giess. Anz. erbet. VieSGeldzuverdienen! 9ßer beteiligt sich mit 5 bis 6 Mille stiller ob. tätiger Teilhaber an hohem gewinnbringendem Geschäft. 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Zur Entlastung der Finanzämter hat, wie der Hansa-Bund erfährt, der Reichsfinanzminister in einem besonderen Erlaß an die Präsidenten'der Landesfinanzämter gemäß § 12, Abs. 2, USt. AB. die nichtbuchführenden Amsahsteuer- pflichtigen, deren Gesamtumsatz einschließlich der etwa steuerfreien Umsätze im Kalenderjahr 1927 den Betrag von 1OOOO AM. nicht überschreitet, sowie die Llmsatzsteuerpslichtigen, die im Jahre 1927 Vorauszahlungen in gleicher Hobe wie für 1926 entrichtet haben, von der Abgabe der Umsatz st euererklärung befreit. Durch diese Bestimmung dürste also praktisch in erster Linie die Mehrzahl der kleinen Gewerbetreibenden von der Abgabe der Umsatzsteuererklärung befreit sein. Diesen Pflichtigen ist jedoch ein Amsahsteuer- erklärungsvordruck mit Fragebogen für Einkommen steuerzweckc zuzusenden, wenn dies zur Ermittlung des Einkommens erforderlich erscheint, oder wenn die geleisteten Vorauszahlungen für 1927 dem tatsächlichen Umsatz offenbar nicht entsprechen. Durch diese Anordnung dürfen einerseits größere Steuerbeträge nicht ausfallen, andererseits ist bei der Anwendung dieser Bestimmung von jeder kleinlichen Handhabung abzusehen. Soweit hiernach Umsahstcuercrtlärungs- vordrucke mit Fragebogen nicht zuzusenden sind, hat auch die Umsahsteuerveranlagung für 1927 zu unterbleiben. In den Fällen dagegen, in denen ein Steuerbescheid zu erteilen ist, ist von der Anforderung geringfügiger Abschlußzah- lungen stets abzusehen. Für 1927 hatte der Aeichssinanzminister ange- vrdnet, daß bei Steuerpflichtigen, deren Gesamtumsatz 10 000 AM. im Kalenderjahr 1926 nicht überstiegen hat, von weiterer Rachprüfung der Vorauszahlungen abzusehen ist, falls die Pflichtigen im Jahre 1927 Vorauszahlungen in gleicher Höhe wie für die entsprechenden Vierteljahre des Jahres 1926 entrichten, und daß in solchen Fällen von der Abgabe von Voranmeldungen abgesehen werden kann. Dieses Verfahren sollte versuchsweise für das Jahr 1927 gelten. Die Auffassung über die Beibehaltung des Verfahrens ist innerhalb der Verwaltung geteilt. Da die Auswirkung derzeit noch nicht übersehen werden kann, soll, wie der Hcmsw- Bund weiter erfährt, das Verfahren versuchsweise auch für die Umsatzsteuervorauszahlungen im Jahre 1928 beibehalten werden. Es gilt auch für die Steuerpflichtigen, deren Gesamtumsatz im Kalenderjahr 1927 10 000 AM. nicht überstiegen hat. Der Aeichssinanzminister ermächtigt jedoch die Landesfinanzämter, für ihren Bezirk von der Ausdehnung des Verfahrens auf Das Jahr 1928 abzusehen. Auch in diesem Falle hat aber eine Llmsatzsteuerveranlagung dieser Pflichtigen für 1927 nur im Aahmen der obigen Anordnung zu erfolgen. Oie Rotstandsakiion für die Hagelgeschädigten. Dem Landtag ist eine Aegierungsvorlage über die Aotstandsaktion für die Hagelgeschädigten zugegangen. Im ganzen haben hiernach die freiwilligen Spenden die Gießener Giavtiheater. Nikolaus Gogol: „Der Revisor". Als die Komödie des Kleinrussen Gogol in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschien, brach ein Sturm der Entrüstung los. Das Stüd sollte sofort von der Zensur verboten werden, da dies aber — wie man sagt: durch das Eingreisen einer höheren Gewalt — vor-, hindert wurde, und die Aufführung zustande kam, da wütete das Publikum gegen den Dichter und schrie, man müsse ihn als als einen Staatsfeind nach Sibirien bringen lassen. Wer weih, wie es Gogol gegangen wäre, wenn nicht der Zar in höchsteigener Person den mit Schadenfreude gemischten Humor aufgebracht hätte, die Hand über den Autor zu halten: der Kaiser soll selbst der Aufführung beigewohnt und hinterher gesagt haben: es bekommen alle in dieser Komödie ihr Teil und ich selber am meisten. Wenn das wahr ist, dann macht es dem Freimut des Herrn aller Reußen nur Ehre: man hat Beispiele dafür, daß Dichter von gleicher Offenheit wie Gogol bei ähnlichen Gelegenheiten sich minderen Humors an hoher und höchster Stelle zu erfreuen hatten. Die Komödie, die im Laufe der Jahre in den eisernen Bestand und das stehende Repertoire vieler und großer Bühnen übergegangen ist, kann als ein Spiegelbild der berühmten „russischen Zustände" vor dem Kriege gelten, und man darf ihn als Motto getrost jenes russischste aller russischen Sprichwörter voranstellen, das die tiefsinnige Weisheit verkündet: Auhland ist groß, der Himmel ist hoch und der Zar ist weit. Lind weil Auhland so groß und der Zar so weit ist, daß er nicht immer überall sein unö nach dem Aechten sehen kann, deshalb schickt er von Zeit zu Zeit einen Beamten aus, einen Ae- visor, der in dem oder jenem Gouvernement umherreist und nachschaut, wie es dort bestellt ist, ob das öffentliche Leben von den rknteren Beamten so verwaltet wird, daß der Zar in Petersburg seine Freude daran haben kann. Der Zar würde nur in seltenen Fällen Freude daran haben — sagt Gogol —, wenn er wüßte, wie es zugeht. Er weiß es aber nicht. Wenn nun in so einer kleinen Provinzstadt auf den Flügeln des Gerüchtes die Kunde ausgesprengt wird, daß ein Revisor kommt, dann herrscht Heulen und Zähneklappen, so weit man zu hören vermag. Denn da ist keiner, der eine reine Weste hätte, vom Gouverneur über den Schulrektor, den Kreisrichter, den Hospitalverwalter bis zu den unteren Polizeiorganen: nichts wie Schlamperei, Anfauberkeit, Bestechung, Bedrückung, Verwahr- losuna — Sodom und Gomorrha. , ____ Höhe von 67 000 Mark erreicht. Außerdem sind noch Raturalien gespendet worden, die von der Freien rheinhessischen Bauernschaft und vom Verband hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaf, ten gesammelt wurden. Der Geldbetrag der Sammlungen soll durch einen Staatszuschuh aus 130 000 Mark erhöht werden. Die aus diesem Fonds gewährten Beihilfen brauchen nicht zurückgezahlt zu werden. Ferner wird rwch ein Betrag von 130 000 Mark für Darlehen bereit- gestellt. Von 62 Gemarkungen, die Hagelschäden angemeldet hatten, wurden 38 von der Aotstandsaktion ausgeschlossen: auch sonst können nur die schwersten Fälle berücksichtigt werden. Die Rotstandsarbeit erstreckt sich in der Provinz Starkenburg auf die Gemarkungen: Bensheim, Lorsch, Zell: in der Porvinz Ahein- hessen: Essenheim, Hahnheim, Hamm, Rieder-Olm, Rieder-Saulheim. Ober-Saulheim. Osthofen, Schornsheim, Sörgenloch, Stadecken. Aden- heim, Zornheim: in der Provinz O b e r h e j s e n: Allmenrod, Eichelsachsen, Efchenrot, Heblos. Metz- los-Gehaag, Michelbach, Schotten, Sickendorf und Wingershausen. Mandolinen-Weitstpeii in Gießen Seit Jahren pflegt der Mandolinen - und Gitarrenverein »Reapolita Gießen die echte Volksmusik der Mandolinen- und Gitarreninstrumente auf konzertmä'chger Grundlage. Es ist noch nicht lange her, daß die Zupfmusik, die vornehmlich als Marschmusik von Wandervereinen, Jugendgruppen usw. ausgeübt wurde, ihren Weg zu jenen Vereinigungen fand, die ihr ein neues Gebiet erschlossen und ihr ganz andere Richtung gaben — nämlich — sich volksbildend auszuwirken. Der Gießener Verein „Reopolita" hat auf dem Gebiete der Zupfmusik sich einen guten Ramen zu sichern gewußt, und hat auf den Mandolinenwettstreiten in Dotzheim und Kiedrich sehr beachtenswerte Erfolge erzielt. Auf Grund dieser bahnbrechenden Arbeit und infolge seiner Leistungen hat es der Verein unternommen, vorbereitende Arbeiten zu einem Rationalen Mandolinen-Wettstrei in Gießen zu leisten. Einem Rundschreiven an befreundete Vereine zufolge erklärten 40 Vereine ihre Beteiligung. Allerdings erschienen zu dem am Sonntag stattgehabten Delegiertentag die Vertreter von nur knapp 20 Vereinen, während ein Teil der gemeldeten Vereine sich vom geschäftsführenden Ausschuß vertreten ließ. Zur Aussprache standen die vom veranstaltenden Verein ausgearbeiteten Bedingung n. Dieser Arbeit ist vor allem zu entnehmen, daß. obwohl die Bewegung an und für sich noch sehr jung ist, die Bedingungen sehr genau und bestimmt gehalten sind, um den landläufigen Auswüchsen von vornherein zu steuern. Rach einem schön zu Gehör gebrachten Chor des Mandolinen- und Gitarrenvereins „Reapolita", der aufs neue die hohe Leistungsfähigkeit des jungen Vereins unter seiner geschulten Leitung zeigte, begrüßte der 1. Vorsitzende die erschienenen Musikfreunde, und wies auf Zweck und Ziel des Delegiertentages hin. Die vorliegenden Bedingungen wurden als sehr gut ausgearbeitet anerkannt und ohne größere Aenderungen genehmigt. Lim auch Eiei* neren Vereinen, die spielerisch leistungsfähig sind, Gelegenheit zu geben, sich msit gleichwertigen Gegnern zu messen, tonnen solche ohne Rücksicht auf ihre Sptelerzahl in einer ihr beliebigen Klasse spielen. Der Meldeschluß ist auf Den 15. Februar festgesetzt worden. Gespielt wird in A-, D-. C- und D-Klasse: die drei ersten Klassen unterscheiden sich hinsichtlich der Spielerzahl, wenn nicht ein kleiner Verein von vorstehender Vergünstigung Gebrauch machen will. Die Klasse D ist eine Sonderklasse, in der noch außer Zupfinstrumenten.- die Violinen Zulassung finden. Folgende Instrumente sind zugelassen (A-, B-, E-Klasse): Mandolinen, Mandolen. Lind das Gerücht kommt: er ist da! Er sitzt schon im Gasthof seit 14 Tagen und bezahlt vor lauter Vornehmheit keinen Rubel, ein hoch- gestellter junger Herr aus Petersburg, der wird gewaltig aufräumen. Man muh zu ihm hin, ihn günstig stimmen, ihm Geld anbieten, ihm schmeicheln und Gutes erweisen und blauen Dunst vormachen,' wo man nur kann, das Llnheil abzuwenden. Die Pointe ist: es sitzt wirklich ein vornehmer Herr im Gasthof, aber es ist gar nicht der erwartete Revisor, sondern ein junger Windbeutel aus guter Familie, der sein Geld im Spiel verlor, und deshalb nicht nach Petersburg zurück kann. Dieser im übrigen unschuldige Mensch wird unversehens und eigentlich gegen seinen Willen in eine Betrüperrolle hineinaeschoben, sieht sich plötzlich von Ehrfurcht und schlotternder Angst umgeben, wird ins Haus des Gouverneurs ausgenommen, fürstlich bewirtet, pumpt der Reihe nach die Honorationen kräftig an, die hocherfreut sind, auf so billige Art davonzukommen, macht Frau und Töchterlein des Gouverneurs in sich verliebt und reist 'pls zukünftiger Schwiegersohn, mit tausend Segenswünschen und mit Schätzen reich beladen ab, als ihm das ganze Abenteuer nicht mehr geheuer scheint. Aber während die übrigen dem Gouverneur nebst Weib und Kind zur hohen Gnade und baldigen höheren Ehren gratulieren kommen, und männiglich sich händereibend freut, daß alles so vortrefflich vonstatten ging, da platzt wie eine Bombe der tüchtige Posthalter mit einer bösen Reuigkeit in die angeregte Gesellschaft: er hat nach gutem alten Brauch einen Brief des eben Abgereisten erbrochen, voll Sorge, er möchte doch LLebles an die „Oberen" in Petersburg gemeldet haben — während jener in diesem Brief nur einem Freunde die ergötzliche Schilderung seines unvermuteten Abenteuers zukommen läßt samt einer wenig schmeichelhaften Porträtierung der hier angetroffenen Spitzen der Behörden. Die haben sich samt Weib und Kind noch nicht von ihrer entsetzlichen Blamage erholt, als schon mit Donnerhall die zweite, noch schrecklichere Bombe abgeschossen wird mit der Meldung, daß inzwischen der Revisor eingetroffen sei und die Herren erwarte. And diesmal ist es der richtige. Worauf alsbald der Vorhang sich mitleidig über ein ansehnliches Häuflein Elend senkt. So ist diese Komödie. Man kann den Zensor verstehen, man kann die Empörung des Publikums verstehen, man kann sogar den Zaren verstehen, der d as Stück nicht verboten wissen wollte. Gogol erhielt, nicht ganz mit Anrecht, den Ehrennamen eines russischen Mvlü-vr, tote Mandoloncellv, Berde (Zupfbaß), Gitarren und Lauten: in der Sonderklasse aufjerbem noch Violine. Ausgeschlossen sind in allen Klassen: Zither, Glockenspiele. Blas- und Jazzinstrumen- te. Außer Geldpreisen sind L^rkunden vorgesehen. In sicherer Aussicht stehen Ehrenpreise, darunter ein Hauptehrenpreis des Volksstaates Hessen. Rach den bereits fest vorliegenden Meldungen ist mit einer guten Beteiligung zu rechnen. Es wird hier Gelegenheit sein, sich über die ganze Art der Bewegung ein Urteil bilden zu können, insbesondere ob und wie wert die Zupfmusik auf dem Wege ist, zur echte» Volksmusik zu werden, und ob sie in der Lage ist. eine große Masse in ihren Bann zu ziehen. Die Veranstaltung soll deshalb einen werbenden Charakter haben, und neben dem Wettstreit sollen darum größere Konzertveranstaltungen stattfinden, zu denen die auswärtigen Musikfreunde um ihre Anterstützung ersucht werden.- Als Tage der Veranstaltung kommen der 5. und 6. M a i in Betracht. Reben vielen kleinerem Vereinen werden sich beteiligen Vereine aus: Köln, Mainz. Fulda, Hanau, Hildesheim, Hannover, Mühlheim. Frankfurt a. M. Sicherem Einvernehmen nach wird die Beteiligung auf ungefähr 30 Vereine steigen. Wohliätigkeiiskonzert zum Besten der Friedens ^Frauenkirche in Frankfurt a.M. Eine andächtige und erfreulicherweise recht zahlreiche Zuhörerschaft folgte am Sonntagabend im Saale des Katholischen Vereinshauses Hierselbst mit gespannter Aufmerksamkeit, den Darbietungen der Ausführenden, Herrn Freund (Gießen) Klavier, und Herrn tarnst Schneider (Gießen) Cello. Herr Freund, der seines Augenlichts beraubt ist, zeigte sich als ein Musiker von großer innerer Qualität und erheblichem techntzchen Können. Die Beethoven-Sonate op. 14 Rr. 2 spielte er in einer Weise, die die tiefe innere Hingabe an das Werk bekundete. Zu einem noch größeren Erlebnis aber wurde das Andqnte „Aus meinem Tagebuch" von Reger, das tr in seiner ganzen Schönheit und Leidenschaft .vor den Zuhörern auszubreiten vermochte. Diie Wiedergabe der Rhapsodie O-Moll von Brahms stellte sich dem würdig an die Seite. Jede Einzelheit wurde klar und deutlich herausgehoben, .und alle die kleinen Teile verbanden sich organisch zu einem großen Ganzen von packender Wirkung. Daß Herr Freund ein Werk Regerst zu Gehör brachte, ist ihm besonders anzurechnen. Reger ist im Rahmen solcher Konzerte eigentlich nie zu hören, und es ist darum erfreulich, daß er an diesem Abend auch zu Worte kam.. Die Begleitung der Cello-Stücke lag bei Herrn Freund ebenfalls in besten Händen, und er verstand es, sich dem Vortrag des Solisten mit feinfühlender Empfindung anzupassen. Herr Ernst Schneider spielte zuerst eine Sonate von Valentin!. Setitiz warme und schöne Tongebung kam in dem Lartzp-Satz besonders zur Geltung, während der Schlußsatz sein großes technisches Können bewies- das aber, auch an den schwierigsten Stellen, stzrts Mittel zum Zweck blieb und nie zum SelbstMeck wurde. So wurde diese Sonate stilvoll und überzeugend wieder- gegeben. Das Andante auS der D-Dur* Suite für Cello allein war ebenfalls «ine sehr gute technische wie musikalische Leistung, ainb die folgende Gesangsszene von Kann, sowie das mit großem Können sehr sauber heraustgebrachte Perpetuum mobile von Frihenhagen, hielten sich auf gleicher Höhe mit den vorhergeheiMen Darbietungen. Jedenfalls Dürfen die Ausführenden den Abend als einen schönen Erfolg betrachten. Der Beifall war daher auch seGr herzlich. B. ■...... । ■ " I wrin ........ui in i denn in der Tat manche ferner Motive, manches in seiner Szenenführung französischen Vorbildern zu verdanken ist. GleichwiBl ist das Stück mehr als eine geschickte Rachagmung — es ist eine russische, allzurussische Komödie voll Gift und Galle, voll einer melancholischen ' Philosophie, voll bitterer Anklage unid voller Resignation: der Himmel ist hoch, und Der Zar ist weit. And was hat es wirklich schon, zu bedeuten, wenn in einer einzigen kleinen Provinzialstadt einmal ein Revisor unvorbereitet, und unvermutet erscheint? And wer bürgt .Dafür, daß er wirllich seines Amtes waltet und, nicht vielmehr gerade die überraschende Plötzlichkeit seines Besuches in seinem Sinne ausnutzt u|nd mit ebenso vollen Taschen und ebensovielen Segenswünschen heim- fährt nach Petersburg toie jener abgebrannte Hotelgast — und alles bUibt wie es zuvor war? Rußland ist ja so unendlich groß und so unermeßlich reich — gewepm. Heute ist es noch immer groß, aber vieles, ist ganz, ganz anders geworden. Es gibt feinen Zaren mehr und keine zaristische Revisoren, und eine russische Provinzstadt ist heute längft nicht mehr das, was es vor dem Kriege toac irfi alten Reich: die Sowjets sitzen heute nährv daran als der Zar, und Moskau liegt bedrohlicher in Reichweite als Petersburg. And die Gogols von heute werden von der Zensur verboten — wenn es welche geben sollte. And es würde auch keine noch so bittere Komödie werden, wenn einer den Mut, den Geist und den unbestechlichen Zugriff hätte, ein ähnliches Stück zu schreiben wie diesen „Revisor", der (nicht nur seines Kostüms wegen) historisch geworden ist, dew uns aber als Theaterstück wie als Kulturbild gleichermaßen bedeutsam bleiben wird. ■Unter Volcks Regie entfaltete sich ein bieder- meierliches Kleinstadtbildi von grotesker Lächerlichkeit: russisches Hinterland tat sich auf, umwölkt von einer bedrückenden Atmosphäre bürgerlich- provinzieller Verkommenheit: Enge, Angst, Reu- gier, Bosheit, kriecherische, Anterwürfigkeit, Frechheit und Aufgeblasenheft, hundert Verdorbenheiten und Laster spiegelten sich in jähem Wechsel auf den Gesichtern eiixec wahrhaft auserlesenen Gesellschaft betrogener Betrüger. Rur einige Hauptpersonen sollen genannt fein: Goll, der dicke Gouverneur und schuldbeladene Oberbonze eines vorbildlichen Gefneimwesens; 03 a ft 6, ein stutzerhafter Windhund, der sich mit liebenswürdiger Ronchalance in die ihm aufgedrängte Rolle eines gewaltigen Würdenträgers hoch- staplerisch hineinfand; Tannert, der maßlos verschlampte Pvstvrrwakter mit einer sehens- Datcn für Donnerstag, 19. Januar. Sonnenaufgang 7.56 Uhr, Sonnenuntergang 16.26 Uhr. Monduntergang 13.12 Uhr, Mondaufgang 6.07 llhr. — 1576: Der Schuhmacher und Poet Hans Sachs in Nürnberg gestorben (geboren 1494). — 1836: Generalfeldmarschall Graf oon Häseler aus Gut fiarnskop bei Wriesen geboren (gestorben 1919). Bornotizcn. — TageskalendersürMittwoch. Stadttheater 7.30 Uhr: „Nora" (Ende nach 22 Uhr). — Schweineoersicherungsoerein zu Gießen: 8.15 Uhr bei Klein (Brandgasse), Generaloersammlung. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „U 9". — Astoria- Lichtspiele: „Drei mal Dreizehn". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns getorieben: Die Zahl der wirklich guten Operetten ist bekanntlich eine beschränkte, und deshalb muß immer wieder auf alte, bewährte Werke zurückgegriffen werden. Nun ist es schon sehr lange her, daß hier keine Osfen-bachsche Operette mehr gegeben worden ist, und so ist des Meisters be- rmntestes Werk „Die schöne fielen a", auf Wunsch der hiesigen Bühnenleitung von unseren Gästen neu einftubiert worden. Die Vorstellung verdient besonderes Interesse, da in Frl. Rose Landwehr vorn Landestheater Darmstadt ein prominenter Gast für die Titelpartie gewonnen worden ,st. — „Fröhlicher Frih-Müller-Abend — (Nachdenkliches in heiterem Gewände)." Die Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband hat, wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, für einen Vortragsabend am morgigen Donnerstag im Kath. Vereinshaus Herrn Max K e h r i g-K o r n (Berlin) gewonnen. Man beachte die heutige Anzeige. — D i e Arbeitsgemeinschaft für Grenz-, Außen- und Kolonial- Deutsch t u m veranstaltet am nächsten Sonntag- nachmittag in der Reuen Aula eine Kundgebung, bei dec Dr. Fr. König über „Wir Deutsche in der Welt" sprechen wird. (Siehe Anzeige.) • •• Eine angenehme Rachricht für Automobikfahrer. Der Provinzialausschuh hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, daß in Friedberg auf Der Hauptdurchgangsstraße für den Autoverkehr, der Chaussee von Friedberg nach Dad-Rauheim, die östliche Baum- reihe entfernt werden soll. Damit wird ein starkes Verkehrshindernis — dieser Teil der Fahrbahn in Friedberg erwies sich immer mehr als zu schmal — beseitigt. ** Aus dem Gießener Standesamt s- r e g t ft e r. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Januar: 1. Januar: Karoline Euler, geb. Vogel, Hebamme, 79 Jahre, Goethe- straße 57; 4.: Karl Volz, Weißbinder, 64 Jahre, Frankfurter Straße 127; 5.: Margarete Junker, geb. Diehl, 41 Jahre, Am Kugelberg 57; 6.: Charlotte Schieferstein, geb. Jung, Witwe, 67 Jahre, Steinstraße 17, Anna Müller, geb. Lichtenstein, 33 Jahre, Am Kugelberg 73, Margareta Pfaff, geb. Barth, Witwe, 81 Jahre, Steinstraße 71; 8.: Emma Seipel, geb. Kamm, Witwe, 88 Jahre, Südanlage 20, Lina Fischbach, geb. Schultheiß, Witwe, 81 Jahre, Goethestrahe 35; 9.: Katharine Baumann, geb. Schmcmdt, 67 Jahre, Löberstraße 5, Jngeborg Bechtoldt, 1 Monat, Wilsonstraße 4; 10.: Freifrau Julie von Rordeck zur Rabenau, geb. von Wallenbera, Witwe, 85 Jahre, Bahnhofstraße 71, Emil Kliffmüller, ohne Beruf, 72 Jahre, Licher Straße 74; 12.: Elisabethe Keuscher, geb. Friedrich, 53 Jahre, Bahnhofstraße 34, Marie Weitzel, geb. Krausmüller, 64 Jahre. Goethestrahe 68; 14.: Sophie Jänz, geb. Hofstadt, 70 Jahre, Erdkauterweg 50, Richard Bernhard Wolf, Glasermeister, 68 Jahre, Bahnhofstraße 32. ** Autounfall. Am Montag nachmittag kurz vor 6 Ahr ereignete sich in der Grünbergerstraße zwischen Schützenhaus und 1. Schneise ein Auto-Anfall, dem um ein Haar ein Men- toerten Schnapsnase; Frau Jüngling, die neugierige, dumme, eitle und mannstolle Gouverneursgattin; Gesfers, Teleky und S ch u- bert, Drei dunkle Kavaliere; Gehre und Vo l ck, zwei geschwätzig-beflissene Gutsbesitzer. — Das Ensemblespiel ließ des öfteren zu wünschen übrig, und die Souffleuse war stellenweise reichlich laut. Sehr hübsch und stimmungsvoll die Dekorationen von Löffler. Das Publikum schien sich bestens zu unterhalten. Dr. Th. Oie größten Hunde. Der größte Hund der Welt soll nach der Behauptung seines Besitzers William Strothers von Los Angeles fein Hund Jlak sein, der eine Kreuzung des weißen Polarwolfshundes mit einem Schäferhund darstellt. Das riesige Tier wiegt 195 Pfund und mißt, wem, es auf seinen vier Füßen steht, bis zu den Schultern 34 Zoll. Wenn sich Jlak auf seine Hinterbeine erhebt, dann beträgt die Entfernung vom Boden bis zu den Spitzen seiner Ohren 6 Fuß 21 2 Zoll. Llber dieser Hund, der seinen Herrn in solcher Stellung weit überragt, hat einen Rebenbuhler in England, der ihn an Gröhe übertrifft. Es ist dies der Stolz der Bernhardinerzucht des Engländers ©. H. Herseh zu Walthamshire in England. Dieser riesige Bernhardiner, Goliath von Gath, mißt von der Rasenspitze bis zu den Hinterfüßen sieben Fuß. Wenn er auf seinen Hinterbeinen steht, so überragt er feinen Herrn, der über sechs Fuß groß ist, noch um einen vollen Kopf. Aber selbst diese beiden mächtigen Vertreter ihrer Rasse werden noch durch einen anderen Riesen des Hundegeschlechtes übertroffen. Das ift ein anderer Bernhardiner, namens „Maurpraf, der Stolz von James Mäher zu Raugatuk in Connecticut. Dieser Hund wiegt 225 Pfund und ist fast acht Fuß groß. Die Bernhardiner dürfen überhaupt den Anspruch daraus erheben, die größte Hunderasse der Welt zu sein. Diese berühmte Zucht des Klosters von St. Bernhard stammt ursprünglich von einer Kreuzung zwischen einer Schweizer Berg-Bulldogge und einer dänischen Bulldogge. Die großen dänischen Doggen sind überhaupt mächtige Tiere mit denen an Gröhe die russischen Barsoh- Hunde wetteifern, aber an Schwere bleiben diese Tiere hinter den Bernhardinern zurück. DaS Hundegeschlecht weist neben besonders großen auch besonders Heine Vertreter auf, und es gibt Terriers, die so winzig sind, daß sie sich leicht in den mächtigen Ohren JlakS oder Goliaths verbergen können. schenlrven zum Opfer gefallen wätt.> Der in dem ScheibenhauS der Militärschiehstande tn -er 1. Schneise wohnende frühere Feldwebel Renz fuhr mit seinem kleinen Handwagen aus der rechten Seite der Straße hart am Sommerweg, als sich ihm zwei Autos näherten, von denen eines von der Stadt kam, das andere nach der Stadt fuhr, letzteres mit grellem Licht, ohne abzublendcn. Der Fahrer des anderen Wagens wurde hierdurch derart geblendet, daß er erst im letzten Augenblick den Mann mit dem Handwagen bemerkte, und nun sofort mit aller Kraft bremste, wodurch zwar größeres Unheil verhütet, er aber nicht verhindern konnte, daß R. von hinten angefahren wurde, wobei der Handwagen in Trümmer ging, Renz auf die Straße geschleudert wurde und Quetschungen an Dein und Schultern erlitt. Der Fahrer des schuldlosen Wagens, Herr Haag, Geschäftsführer der Raifeisen-Filiale Gießen, brachte den Verletzten sofort in ärztliche Behandlung. " Zur Richtigstellung. 3n dem gestrigen Bericht über die Sitzung des Schwurgerichts Gießen vom 16. d. Mts., in welcher der Prozeß gegen Römer stattfand, ist fälschlich der Kaufmann Fr. Wilhelm Römer genannt worden. Richtig muh es heißen: der Kaufmann Ernst Wilhelm Römer. " Abgesagter Kursus. Der von dem Landesamt für das Bildungswesen vorgesehene Turnkursus für Turnlehrerinnen, der am Montag in Friedberg beginnen sollte, mußte wegen ungenügender Beteiligung abgesagt werden. Er soll voraussichtlich im kommenden Sommer stattfinden. •• Familienabend der Matthäus- gemeinde. Der alljährliche Gemeindeabend der Matthäusgemeinde fand am Sonntag im Cafs Leib statt und nahm einen hervorragenden Verlauf. Der Abend war, wie immer, vollkommen einheitlich aufgebaut und stand diesmal unter dem Generalnenner: „Treue". Pünktlich 19.30 ward begonnen, der große Saal war so überfüllt, daß leider viele mit einem Stehplatz an der Türe vorlieb nehmen, oder gar umkehren mußten. Ein Mozart-Quartett, sehr sein wiedergegeben von dem Streichquartett der 3ugendvereini- gung, bildete den Auftakt. Das zweite Stück des Streichquartetts, die Nachtmusik von Mozart, fand ebenso den verdienten Beifall der Hörer. Stadtorganist Heinz Simon sang im ersten Teil mit seiner weittragenden, schönen Stimme drei Lieder von Fr. Schubert und Curschmann. in bereitwilligster Weise hatte Musiklehrer Franz Bauer jun. den Klavierpart übernommen. 3m Auftrag der Männer- und Frauenvereinigung begrüßte deren Vorsitzender, Fort» bildungsschuliehrer W e h r h e i m, die Erschienenen und begründete die Veranstaltung solcher Abende, die die Gsmeindeglieder enge zusammen- schliehen, vor allem aber zum Dienst für Kirche und Gemeinde und zur Treue aufrufen wollen. Ihre Fortsetzung fanden diese Gedanken in der Ansprache, die der Gemeindepfarrer Mahr hielt, der von dem heiligen Geist einer wirklich lebendigen, rührigen Gemeinde sprach, vor allem aber dem Wort „Treue" seine Prägung gab: Treue i in Familie und Haus, Treue in Arbeit und Beruf, Treue dem ganzen Volk, Treue der Kirche unb der Gemeinde, Treue in allem unserem Gott, besonders dann, wenn wir gerade dunkle, uns unverständliche Weg« geführt werden. Den Höhepunkt des Abends brachte das Gudrunspiel. das diese Idee der Treue auf die Bretter barmen und irr ein dramatisches Gewand kleiden will: nur deshalb — so führt« in seiner einleitenden Rede Pfarrer Hertel als Leiter des Gesamtspiels aus — gibt die 3ugend dieses Spiel, keineswegs aber, um „Theater" zu spielen oder zu unterhalten. Einen mächtigen Auftakt fand das Spiel in dem gemeinsam stehend gesungenen Lied: „Wenn alle untreu werden". Das Sviel ward in der Bearbeitung von M. v. Gottschall von dem Spielkreis der Iugendver- eini g un g im D. D. 3. gegeben. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die 3ugendvereinigung sich ein besonderes Verdienst damit erworben hat, als sie die alten Heldensagen, leider gar nicht mehr dem größeren Teil unseres Volkes bekannt, wieder ausgräbt und zur Geltung bringt; sie schreitet so auf dem 1924 mit der Parsivalaufführung eingeschlagenem Weg bewußt weiter. Die Besetzung war für eine 3ugend- und Laienspielerschar, wie die der Matthäusgemeinde, gut, die Spieler haben sich durchgängig in ihre Rollen hervorragend eingelebt, einzelne besonders aufzuführen, geyt hier nicht an. Es zogen drei Äurschen wohl über den Mein .... Roman von Erica Grupe-Lorcher. 20 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Auch jetzt starrte sie an ihm vorbei ins Weite, den Blick halb erhoben, als schweife er über den zerborstenen alten Festungsturm hinweg. Da nahm Siet« wart den Mut, von dem zu sprechen, was ihn seit Monaten innerlich peinigte: „Meine Eltern schrieben mir, daß du dich in letzter Zeit so wenig bei ihnen sehen ließest, Melusine?" Ein leises Not stieg langsam in ihrem Gesichte auf und verbreitete sich. Sie antwortete nicht. Es gab ein langes, lastendes Schweigen. Endlich fragte er weiter: „Wie ist denn die Stimmung im ganzen in Straßburg? Ich meine, auch in euren, — in elsässischen Kreisen?" „Schlecht", gab sie zurück, ohne sich auch nur einen Moment besinnen zu müssen. „Die Kluft zwischen Seutschen und Einheimischen vergrößert sich ständig. Man versteht sich jetzt erst recht nicht mehr. Die El- sässer trauen den deutschen Waffen keine wirklichen Erfolge mehr zu. Und die Gruppe der Franzosen- köpfe unter ihnen — du weißt ja, daß ich durch meinen Cousin Alceste auch Einblick in deren Stimmung gewinne — wird immer größer und gibt die Parole aus: Wartet nur noch etwas! Dann werden wir belohnt! Es ist nur eine Frage der Zeit, daß Frankreich feine verlorenen Kinder von 1870 wiederholt!" Er gab keine Antwort. Aber sie sah, wie seine Rechte, die auf seinem einen Knie ruhte, sich zu fammenframpfte und so verharrte. Ihr Auge glitt über ihn hin, wie er, mit ver grämtem Ausdruck, plötzlich wie um Jahre gealtert, vor sich hinstarrte. Wo war der frohe, elegante, blühend gesunde junge Tänzer geblieben, der sie damals, vor vier Jahren, auf dem Dallfcst in jauchzender Lebenslust in seine Arme gerissen hatte? Abgemagert nach der kürzlichen schweren Verwundung. überanstrengt seit Jahr und Tag durch aufreibenden, unaufhörlichen Frontdienst, ernster geworden nach dem Einblick in so viel Grauenvolles, körperlich behindert durch Einbuße einer Hand —, konnte sie Di et wart wirklich noch so stiir- Der Rahmen war b«n ganzen Eharakter beS Spiels angepaht, d. h. Stilbühne (mit grünem, gerafften Vorhang), die nur zart die Konturen des Orts andeutete, Tanz, Musik und Gesang paßte sich ebenfalls völlig dem Ganzen an, — nordische Weisen —, Gewandung, Beleuchtung und Aufbau liehen nichts zu wünschen übrig. Die Durchführung dieses großen Spiels von vier Akten war nur einer straffen Regie möglich, die aufbauen konnte auf Treue und Dienstwilligkeit der Spielgemeinde. Langanhaltender Beifall lohnte die Jugend für alle Mühe. Dieser „Treueabend" soll nicht vergessen sein, wenn wir wieder in der Alltagsarbeit stehen. ** Eine Versammlung ehemaliger Pioniere fand, wie man uns berichtet, am Samstagabend in der Wirtschaft „Zum schwarzen Walfisch" statt. Der 1. Vorsitzende, Kam. Schleimer- Gießen, eröffnete die sehr gut besuchte Versammlung mit einer Ansprache, in der er den kameradschaftlichen Geist, der immer in den Pionier-Bataillonen geherrscht habe, feierte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß dieser Geist auch ferner unter den Kameraden vom „schwarzen Korps" lebendig bleibe. Der Vorsitzende des Gießener Kavallerie - Vereins überbrachte die Grüße seines Vereins mit dem Wunsche, daß allezeit zwischen den beiden Vereinigungen beste Kamerad!chaft bestehen bleiben möge. 3m übrigen war der Abend mit mannigfachen geselligen Darbietungen bestens ausgesüllt. ** Sie Maul- und Klauenseuche ist in Düdelsheim, Findörfer Hof, (Kreis Büdingen) ausgebrochen, in Stockheim (Kreis Büdingen) ist sie erloschen. Allgemeine Jubiläums-Geflügelschau in Lang-Göns. (.) Lang-Göns, 16. Jan. Der hiesige G e - flügel- und Kaninchen zu chtoerein hielt Samstag und Sonntag in der Turnhalle ferne „Allgemeine I u b i l ä u m s s ch a u" ab. Sie war ausgezeichnet beschickt, besonders stark auch aus der Umgegend (Lollar, Kirch-Göns, Marburg, Gr.-Linden ufw.). Der Besuch war sehr rege, besonders am Sonntagnachmittag, daß selbst in der großen Turnhalle starkes Gedränge herrschte. Nahezu 350 Nummern waren ausgestellt (nur Geflügel), darunter schönes und wertvolles Material. Als Preisrichter waren tätig: Herrn. Jäger (Ober-Hörgern), Menge! (Marburg), S ö d l e r (Nieder-Gemünden). Heber 40 Ehrenpreise waren gestiftet worden, tÄls Geld, teils Gegenstände, (darunter ein silbernes Kaffeeservice vom Finanzminister Henrich, der ein geborener Lang-Gönser ist). Die Verteilung der Preise. (Nur Ehren- und 1. Preise können hier angeführt werden.) 1. Abteilung. Groß- undW affe r g e s l ü ge l. Enten, wildfarbig, Beckel (Lollar) E.; Peking-Enten Spruck (Gr.-Linden) E. Stämme: Wyandottes, weiß, Zeiß (Holzheim) E.; Minorka, schwarz. May (Lang-Göns) E.; 2. Abteilung Hühner, einzeln. Langfhan, chwarz. Peter (Marburg) E.; Rohdeländer K. Stoll Lang-Göns) E.; Wyandottes, schwarz, W. Volk Gr.-Linden) E.; Wyandottes, weiß, 91. (9rünebaum (Lang-Göns) E.; Wyandottes, stlber, K. Elfe (Lich) 1. Pr.; Wyandottes, gelb, W. Müller (Ostheim) E.; Wyandottes, rebhuhnf., Heim'. Depvler I. (Kirch- Göns) E.; Minorka, schwarz, May (Lang-Göns) E.7 Spruck (Gr. Linden) E., Barnevelder, Bürgermeister Metzger (Röthges) E.; Einfachk. Italiener, rebhuhnf., Polizeioberleutnant Ester (Butzbach) E., (zweimal); Radetzky (Lich) 1. Pr.; Italiener, gelb, Walter (Gr.-Linden) 1. Pr.; Lenz (Kl.-Linden) (£.; Italiener, schwarz, Block (Bettenhausen) E.u.l.Pr.; Burk (Londorf) 1. Pr. u. E.; Rheinländer, schwarz, K. Heß IV (Gr.-Linden) E.; H. George (Gr.-Linden) E., (zweimal); Hamburger Schwarzlack W. Sommer- lad (Gr.-Linden) 1. Pr. undE.; Leghorn, weiß. A. Engel jun. (Hörnsheim) 1. Pr., Herrn. Engel (Hörnsheim) 1. Pr.; Brahma, hell, Wender (Großen- Linden) E. 3. Abteilung. Zwerge. Wyandottes, weiß, Eug. Schimpf (Ostheim) E.; Wyandottes, schwarz, W. Lich IV. (Londorf) E.; Wyandottes, rebhuhnf., I. Kolter (Bad-Nauheim) E.; Bantam, silber, H. Hofmut (Marburg) E.; Deutsche Zwerge, schwarz, Hch. Wagner (Lang-Göns) 1. Pr.; Antwerpener Bartzwerge. Joh. Dietz (Gr.-Linden) E.; Zwerg- langshan, schwarz K. Müller (Lang-Göns) E.: Zwergkämpfer, brrkenf., I. Kolter (Bad-Nauheim) E.; Zwergkämpfer, engl. goldh., Wilh. Reusch (Lang- Göns) 1. Pr.; Feders. Zwerge, blauporzellanf. mit misch, so leidenschaftlich — glücklich lieben, wie damals, in den Tagen ebener Pfade? Er zog sie an sich. „Liebste", sagte er dann zitternd, vor Leidenschatt, vor schmerzlicher Ahnung und sehnsüchtigem Hoffen. .^Liebst«! Das alles geht aber uns beide nichts an, nicht wahr? Wir stehen uns jetzt nicht als Elsässerin und als Deutscher gegenüber, zwischen deren Ansichten und Gefühlen eine Kluft aufwächst, sondern wir sind einzig zwei Menschen, die sich lieb haben! Und deren Liebe stark ist, und deren Zuneigung nur das Beste, das Wohl des andern will, nur die Vereinigung mit dem anderen ersehnt und sich keinen Deut um äußere Vorgänge und Meinungsverschiedenheit kümmert. Gelt?" Sie schwieg. Ließ sich statt einer Antwort die Lippen mit seinen Küssen versiegeln. — Aber er fühlte, wie sie seine Küsse diesesmal nicht xurüd- gab, und daß in ihren Gliedern nicht dieses köstliche Sichanfchmiegen lag wie einst, wenn er sie in seinen Armen hielt —! Blutübergossen erhob sie sich dann und sprang auf die Füße. Ihre einzige klare Empfindung in diesen Augenblicken mar, auf irgendeine schickliche, ihn nicht verletzende Ablenkung zu sinnen, damit er nicht weiter in sie bringen konnte; nicht mit Bitten, nicht mit Fragen, nicht mit Versprechen an die Zukunft. Deswegen riß sie nun ihre kostbare, kleine goldene Uhr aus dem Gürtel. „Müssen wir nicht ms Lazarett zurück, Dietwart? Ich möchte ja so gern heute vormittag Raymond etwas länger besuchen und sprechen." Er mußte ihr nach einem Blick auf seine Uhr recht geben. Aber während sie sich jetzt noch einige kleine Grashalme vom Rock klopfte und die Falten aus dem fein gerippten Covercoatstoff ftrid), schritt er über die Grasnarbe weiter vor- Mirts und meinte halb zurückgewandt: „Du solltest schnell noch den Ausblick hier genießen, Melusine. Gleich heute! Wer weiß, ob es morgen wieder so klares Wetter ist!" Weit dehnte sich der Boden Frankreichs vor ihnen aus. Zur Rechten zoaen sich Hügel und Wellen zur nahen Champagne hinab. Vor ihnen war flaches -and. Kornfelder wogten wie in flüssigem Golds, wenn der Sommerwind leise unter der Sonnenglut über ]te hmstrich. Rings tiefe, fast feierliche Stille, «rauste die Kr.egsfurie wirklich durch dieses Land? ■aber wenn der Südwind heraufkam, dann .zitterte Dari, Hch. Hofmann (Marburg) E.; Federf. Zwerge, porz. m. D., K. Müller (Lang-Göns) I. Pr. und E.; ohne Bart K. Müller (Lang-Göns) E. und I.Pr. He . Kröp er. Hs zweimal. 4. Abtlg. Tauben. Forellentaube L. Frank VI. (Lollar) 1. Pr.: Steigerkröpfer L. Lich (Langsdorf) E.; Brünner Kröpfer, weiß, W. Größer (Großen- Linden) E., O. Heß (Lang-Göns) 1. Pr.; Coburger Lerchen K. Stoll (Lang-Göns) 1. Pr.; Franz. Bag- ibetten, W. Ebel (Lang-Göns) E.; Elster-Tümmler, schwarz, Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr.; Reisebrieftauben, blau geh., Hch.B«iß (Holzheim) E.; Luchstauben, geschuppt, Helm. Müller (Lang-Göns) E.; He . Kröpfer, Tiger, R. Kaiser (Lang-Göns) E.; He . Kröp er, gelercht, Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr.; Hch. Wagner (Lang-Gons) E., R. Kaiser (Lang- Göns) E.; Hess. Kröpfer, blau, W. Schmidt (L.rng- Göns) E.; Hess. Kr., weiß, R. Kaiser (Lang-Göns) E. und 1. Pr.; Mohrenköpfe, K. Ulm (Lang- Göns) 1. Pr.; Flügeltauben, schwarz, O. Nuhn (Lollar) E.; Fl., blau, Nuhn (Lollar) E.; Fl., silber, Nuhn (Lollar) 1. Pr.; Eistauben, geschuppt, Nuhn (Lollar) 1. Preis. Den Preis für höchste Gesamtleistung erhielt Richard Kaiser (Lang-Göns). gelercht, (Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr. . Kr., chwarz, Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr. u. E. gelercht, Kaiser (Lang-GönS) 1. Pr. Landkreis Gießen. § Klein-Linden, 17. 3an. Am Sonntag hielt der hiesige Gesangverein „Hormon i e" seine ordentliche Generalversammlung ab, die gut besucht war. Eingeleitet wurde die Versammlung durch einen von den Sängern sehr gut vorgetragenen Chor. Sodann gab der zweite Vorsitzende, Aug. Klein, einen Rückblick über das verflossene Geschäftsjahr und brachte hierbei zum Ausdruck, daß der Verein in jeder Hinsicht glänzend dasteht. Die Rechnungsbücher wurden durch eine Kommission geprüft und für richtig befunden. Der Verein beabsichtigt, dieses 3ahr eine größere Rheintour zu unternehmen, zu welchem Zweck eine Reisekasse gegründet wurde, die bereits den ansehnlichen Betrag von etwa 250 Mk. enthält. Bei der Reuwahl des 'Vorstandes entspann sich eine kleine Debatte, und zwar deshalb, weil der seitherige erste Vorsitzende, Fritz 3ung, sein Amt vor einiger Zeit niedergelegt hat. Der Grund seines Rücktritts wurde jedläh von den Mitgliedern nicht anerkannt, und diese wählten ihren langjährigen ersten Vors.tzenden Fritz Jung ein- stimmig wieder zum Präsidenten. Die übrigen Vorstandsmitglieder sind in ihrem Amt verblieben. Rachdem der erste Vorsitzende dem Verein seinen Dank für das ihm entgegenge-, brachte Vertrauen ausgesprochen hatte, wurde die harmonisch verlaufene Generalversammlung mit dem Lied „Die Rheintreue" beschlossen. — Arn Samstagabend fand in der Wirtschaft „Zur Burg" eine Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr statt, die durch den Ehren- kommandanten Karl 3 u n g II. einberufen worden war. Es wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß die Führung bis zur nächsten Versammlung der zweite Kommandant Ferd. Schimmel übernimmt. Es soll später ein neuer Kommandant gewählt werden. + Lang-Göns, 17. 3art Der hiesige Kriegerverein hielt unter der Leitung seines Vorsitzenden, Oberbahnhossvorsteher Flach, seine Jahreshauptversammlung ab. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wieder- gewählt. DaS Bezirksfest des Hassia-Dezirks Butzbach-Bad Rauheim findet am 8. und 9. 3uti hier statt. Man erwartet dazu auch eine starke Beteiligung der Kriegervereine aus den benachbarten hessischen und preußischen Bezirken. Mit dem Fest soll gleichzeitig die Weihe einer neuen Dereinsfahne verbunden werden. Die Vorbereitungen sind begonnen worden. * Wieseck, 17. 3an. Dieser Tag; hielt die Stenographenvereinigung Gabels- berger und Damenabteilung Wieseck ihre Generalversammlung ab. Der 1. Vorsitzende erstattete einen ausführlichen Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Hieraus ist zu erwähnen, daß die Vereinigung durch die Betätigung einiger besonders eifriger Mitglieder mit den bei den Wettschreiben im verflossenen 3ahre erzielten Leistungen zufrieden fein kann. Hingegen ist zu bedauern, daß gerade die jüngeren Mitglieder, insbesondere die in der Lehre befindlichen, durch Unpünktlichkeit und Unregelmäßigkeit in dem Besuch der Stunden wenig 3nteresse für die beruflich doch wichtige Kurzschrift bekunden. Die Dorstandswahl ergab die aus weiter Ferne ein Kanonenschuß durch die warme, sonnendurchsättigte Luft. Und noch einer. Und abermals einer in regelmäßigen Zeitabständen. — Man kämpfte heute in der Gegend von Verdun. Dietwart war auf der halb abgestürzten Mauer noch um ein Stückchen emporgeklettert. Er legte die Hand über die Augen und meinte, als auch Melusine ihn nun erreicht hatte: „Schade, daß ich mein Fernglas nicht hier habe. Dann könntest du an einem so klaren Tage wie heute ganz in der Ferne die Türme der Kathedrale von Reims sehen. — Mit unbewaffneten Augen ist es nicht möglich." Schweigend tranken sie beide diese köstliche Sommerstille, den Anblick dieser friedlichen, reizvollen Sommerlandschaft. Etwas Milderndes, Versöhnendes wollte sich über sie beide senken und über alles, was verwundend im Gespräch eben aufgestiegen war. — Hinter ihnen schoß ein Schwarm von Schwalben im spitzen Keilflug unermüdlich in weitern Bogen um das noch stehende Gemäuer des alten Turmes. Ganz in der Nähe saß ein Schwcilb- chen, dick aufgeplustert vor Behaglichkeit, und zwitscherte und sang, als wenn in seinem Kehlchen ein Quell von Musik läge. „Sieh nur all die Schwalben, Dietwart!" Er wandte sich zurück. Zum ersten Male stand wieder ein Lächeln in seinem Gesicht. „O, Schwalben sind hier im Ort viele, viele. Als ich so schwer krank lag, haben sie mir immer durchs offene Fenster mit ihrem Gezwitscher die Zeit erhellt. Ich weiß nicht, ob auch anderswo die Schwalben so süß zwitschern können und so unermüdlich, wie gerade hier in Frankreich die Schwalben?" Das Zirpen und Zwitschern klang noch hinter ihnen her, von den fröhlichen Gassenjungen der Luft, die um den alten Turm stießen, während sie wieder aus der Ruine hinaus und das kleine krumme, winkelig-stille Gäßchen herabschritten. „Was die Schwalbe fang — was die Schwalbe sang!" — das Lied von Rückert fiel ihm ein. Und die weiteren Worte: „Ach wie liegt so weit, was mein einst mar!" — War es wirklich so? Lag das Glück, das fein war, schon so fern? Schritt es nicht mehr neben ihm jetzt daher? — — Ein wenig später, als sie zu Raymond ins Zimmer traten, gab cs ein erfreutes Begrüßen und Wiedersehen. Melusine blieb neben seinem Lager einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorsitzenden Otto Deibel. Schließlich wurde beschlossen. im März einen Anfänger- und Forp- bildungskursus in Einheitskurzfchrift zu beginnen. Es dürfte im 3nteresse der Eltern und Lehr- herren liegen, die jungen Leute zum Besuch dieser Kurse anzuhalren. t Lollar, 17.San. Das der Firma Da uster (Gießen) gehörige K l o p f w e r k an der Daubringer Straße hat seinen Betrieb seit Weihnachten ein« g e st e l l t. Wie man hort, soll die Stillegung nicht etwa auf mangelnde Aufträge zurückzuführen sein, sondern es seien die notwendigen Arbeitskräfte nicht vorhanden. Gegenwärtig ist eine Anzahl Arbeiter in dem ebenfalls der Firma gehörigen Ba- faltsteinbruch, am Lollarer Kopf gelegen, damit beschäftigt, die beim Vorwärtstreibcn des Bruches ttn Wege stehenden Schutt- und Geröllmassen, unter denen besonders große Mengen sog. fauler Steine sich befinden, wegzuschaffen. § Saubringen, 17. 3an. Am Sonntagnach- mittag fand hier in der Gastwirtschaft von Ludw. Weimer ein Vortrag von Landwirtschafts- assessor Dr. Bocher vom Landwirtschaftsamt Grünberg statt über „Düngungsfragen,--unter besonderer Berücksichtigung der Kall- und Kalidüngung". Der Vortrag war recht aut besucht. Dr. Böcher begründete zunächst die R iw ndig- feit des Düngens überhaupt und ging dann nach eingehenden Darlegungen über Behandlung und Verwendung des Stalldüngers zu den künstlichen Düngern über, wobei er die Frage des Kalk- und Kalidüngens besonders beleuchtete. Der Vortrag, der in allgemeinverständlicher Weise gehalten war, hat seinen Zweck nicht verfehlt; das ging aus der anschließenden, fast zweistündigen Aussprache sowie aus den vielen Anfragen, die an den Vortragenden gestellt wurden, hervor. Beigeordneter 3 a h r e s sprach den Dank der Versammlung aus. Z Treis a. d. Lda., 17. Jan. Im Herbst v. I. wurde die durch die Versetzung des Lehrers Eberle nach Lollar freigewordene dritte Lehrer stelle zur Reubesetzung ausgeschrieben. Man rechnete damals wegen der Lage unseres Ortes in der Rähe Gießens mit einer größeren Anzahl von Bewerbern für die Stelle; es find aber nur vier Meldungen eingegangen. Auf die Aufforderung des Kreisschulamtes, eventuelle Wünsche oder Bedenken bezüglich der Bewerber zu äußern, haben Gemeinderat und Schulvorstand beschlossen, die Entscheidung der Behörde zu überlassen. Die Stelle wird wohl zu Beginn d?s neuen Schuljahres wieder besetzt werden. — Rachdem bei Eintritt des starken Frostes die Arbeiten an dem Reubau der Z i g a r r en f a b r i k von Rinn & Eloos unterbrochen worden waren, hat man diese nun wieder ausgenommen. Man hofft, den Bau recht bald felttigstellen und den Fabrikbetrieb spätestens im Sommer eröffnen zu können. v. Londorf, 17. Jan. Unsere Gemeinde hat beschlossen, das etwa elf Morgen große W i e s enge l ä n b e rechts der Nordecker Straße — „Donau" genannt — zu einer Iungviehweide herzurichten. Mit den nötigen Arbeiten, Einzäunung ufro. soll alsbald begonnen werden, damit die Weide noch in diesem Jahre benutzt werden kann. Beltershain. 17.3an. Am Sonntagabend veranstaltete der hiesige Männer- gesangderein „Sängerkranz" Im Saale des Gastwirts Erb eine Abendunterhaltung, die aus unserem Orte und den benachbarten Dörfern sehr gut besucht war. Rach einigen vortrefflich gefangenen Chören begrüßte Präsident Dietz die Erschienenen. Zwei Theaterstücke und andere humoristische Darbietungen gelangten in flotter Weise zur Aufführung; um deren Einstudierung, wie auch um den gesanglichen Teil des Abends hat sich der Dirigent des Vereins. Lehrer M e i d t, sehr verdient gemacht. Den musikalischen Teil bestritt der Stangenröder Mufikverein in guter Weise. Ein flottes Tanzvergnügen bildete den Ausklang des schönen Abends. $ Grünberg, 17.3an. Die jüngste G e - meinderatssihung unter dem Vorsitz M Bürgermeisters 3 öckel erbrachte folgendes: Die Kanalisation und Wasserleitung für die verlängerte Bismarckstraße wird zurückgestellt, bis das Kulturbauamt in Gießen eine genaue Kostenberechnung vorgelegt hat. Die Auffüllung von 800 Kubikmeter Erde um das neuerrichtete Finanzamtsgebäude soll baldigst öffentlich ausgeschrieben werden. Das Pachtgeld für den an Pflasterer Rohn verpachteten Steinbruch wird für das Rech- stehen und neigte sich ihm, während sie seine Hand noch zwischen der ihren hielt, forschend entgegen. „Ich meine, Raymond, deine Augen sind heute nicht mehr von solch -verdächtigem Älanz wie gestern. Und deine Hände brennen nicht mehr so heiß!" "3ch glaube, dich hat das Herkommen deiner Schwester gesund gemacht, Raymond," scherzte Dietwart, „die Freude und — ihre Nähe." Der Kranke lächelte. Es lag trotz all der schweren Mattigkeit etwas fast Wohliges über ihn dahingebreitet. Dann ließ er die Hand von Melusine los und wandte den Kopf zur Seite. „Du magst recht haben, Dietwart. Aber ich bin mir ganz klar, daß das, was menschliche Hilfe mir an RetÜing gebracht hat, ich unserem prächtigen Chefarzt — und Ihnen zu danken habe, Schwester Wendula. Ja, Ihnen!' Die Schwester hatte beim Eintritt der beiden Besucher nach kurzer Begrüßung noch eilig einige Kleinigkeiten im Hintergrund des Jimmers geordnet und zurechtgelegt. Jetzt war sie im Begriffe gewesen, hinauszugehen, um nicht das Zusammensein der Geschwister zu stören. Als sie auf den Zuruf von Raymond etwas nach vorn kam, begegnete ihr Blick sich jetzt mit dem von Dietwart. Seine warme Herzlichkeit, die voller Ahnungslosigkeit war, schnitt ihr ins Herz. „Da hast du vollkommen recht, Raymond. Der Chefarzt selbst hat gesagt, seine Kunst und seine Anordnungen wären nichts gewesen, wenn Schwester Wendula nicht alles mit solcher Treue ausgeführt hätte." Da sie lächelnd abwehren wollte, begann Raymond sich fast zu ereifern. „Doch, Schwester, Wendula, so ist es! Jetzt, wo es mir wieder klarer um den Sinn wird, weiß ich, was für eine unsägliche mühsame Pflege Sie bei mir gehabt haben. Niemals kann ich Ihnen genug danken —" - „3d) tat doch nichts als meine Pflicht, Herr von Welzin! Und ich tat es gern. Wenn Sie jetzt diese schwere Krisis überstanden haben, ist es mein schön- „Wissen Sie auch, Schwester Wendula, wie erschöpft Sie auss.'hen?" Sie wandte auf Dietwarts Frage den Blick zu ihm, immer innerlich im Zwang einer starken Selbstbeherrschung. „Wann kommt denn endlich auch für Sie einmal der Urlaub? Alle Ihre Kolleginnen scheinen vor Ihnen öranju« kommen!" (Fortsetzung folgt.) WJÄSE °>ben bcs gu J1* 6e' en'°' «E ^ÄhS’S’0^' *4sS& !» '%S ? i« to&iin^ Hi««* tek1,"3«* fysgÄ ä*» fi ÄÄ ' Dank b«r Der. u, 9Merbjl ° r. Wng des öehreü gewordene dritte Setzung ousge- na^ wegen der Lage >e Tobens mit einer crbern für die Stelle; Angen eingegangen, des Kceisfchulamtes, edend-n beMich der m Temeinderat rind )ie Entscheidung der stelle wird wohl zu ahres wieder beseh, Eintritt des starken dem Neubau der i Ainn S tzloos n. ha, man diese nun * Hit den Bau rech! Fabrikbetrieb späte- zu können. nsere Gemeinde hat bt- rqen große Siefen. 'deckerTtraße- rJungotehweide i Arbeiten, Einzäunung erden, damit die Seite uerben kann. .Ian. Am Sonntag- hiesige Männer- e r k r a n z" itn Me lbendunterhaltung. die benachbarten Dörstn - einigen vsrtteG tte Präsident raterstücke und andnr . gelangten in flotter n deren Einstudierung, ichen Teil de? Abcr^ >r'ins. Lebrer Meldr ?cn musikalischen Seil Mufiköercin in gut« vergnügen hütete ter ends an. Die jmgste ® f unter dem Dvrsih I rbrachte solgendes: • Sasserleitungr raße wird zuruageM n Gießen eint Maw M Sie Aussul- Meterßtbe» ,amtsgebaude^ tzrieben werden. M Pflasterer wird sur ^ährendsie!"^ ielt, sorschend »E e Augen send heu ^ 7cht M.hr fo he.ß> das Herkommen s rt, WM„ ’S S > °>»B ™ - Mndnla- So, w Äp tf! «STm». * u9^ begü^ L, Doch, ^5,. Haler * < ^'Lnbtf m-ner i”ner^ifli ’p' rrlgj* UrI^ ein1”0! Ihnen ,n D°r nungsjahr 1926 uni) 1927 auf je 60 Dark festgesetzt. GS soll ein neuer Pachtvertrag für 1928 unter Regelung der Wegeverhaltnisse mit Rohn abgeschlossen werden. Das Drechen der Steine soll bis zur Regelung dieser Angelegenheit unterbleiben. -I- Grünberg, 17. San. Verschiedene interessierte Sjetren hatten am Samstagabend die Dereinsvorstände der verschiedenen Vereine Grünbergs in die Gastwirtschaft „Oberscholtes" zu einer Fastnachtsbesprechung eingeladen. 3n früheren Jahren 'wurden in unserer Stadt am Karnevalstage vielseitige „Rarren- possen" getrieben. 3m 3ahre 1910 wurde der letzte große Karnevcrlszug veranstaltet, der in seiner Mannigfaltigkeit und geschickten Zusammenstellung alles bisher in der Umgegend gebotene übertroffen haben soll. Man beabsichtigt, auch in diesem Jahre einen Karnevalszug zu veranstalten und hofft mit (Beteiligung der Vereine die Durchführung zu ermöglichen. Aus der Mitte der zahlreich besuchren Versammlung wurde ein vorbereitender Ausschuß gebildet. □ Muschenheim, 17. 3an. Die am Sonntagabend abgehiltene Abendunterhaltung zugunsten des Ev. Frauenvereins nahm einen schönen Verlauf. Pfarrer Doering begrüßte die zahlreichen Zuhörer, insbesondere die auswärtigen Gäste, und dankte den Mitwirkenden, die sich in selbstloser Weise in den Dienst einer guten Sache gestellt hatten. Die Glanznummer des Abends war das Bühnenstück „Mag auch die Liebe weinen" oder „Die Allwördens". Die Darsteller zeigten, daß sie den Sinn des Stückes voll erfaßt hatten; sie spielten durchweg gut Das Stück wurde sehr beifällig ausgenommen. Auch das Singspiel „Der Muller- Hans" hinterließ einen guten Eindruck. Herr Hammel (Rödgen) ergänzte das Programm durch einige Vorträge. Die Klavierbegleitung lag in den bewährten Händen des Lehrers Günther. □ Villingen, 17. Jan. Am 1. 3uli wird hier ein Sängerfest des „Wetter-Hor- lofs-Sängerbundes" stattfinden. Man trifft bereits die Vorbereitungen zu dieser Feier, die in großem Stil abgehalten werden wird. Kreis Friedberg. zJl Dad-Rauheim, 17. 3an. Um in dieser etwas „vortragsmüden" Zeit ein Zuviel an Veranstaltungen zu vermeiden, haben sich die hiesigen Ortsgruppen der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Deutschen Server- e i n S und des Vereins für das Deutschtum im Auslande zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschloffen. Diese sieht ihre Hauptaufgabe in der Veranstaltung von gemeinsamen Vorträgen, was nicht schwer fallen wird, da das Arbeitsfeld dieser Gruppen viel Gemeinsames hat. Die erste gemeinsame Veranstaltung der Vereinigung wird gleich zu einem bedeutenden Ereignis Tm Vortragsleben unserer Stadt fein. Denn es ist gelungen, Kapitän z. See Dr. Spieß, den berühmt gewordener! Leiter der Deutschen Atlantischen Expedition („Meteor"), zu einem Lichtbilöer- Vortrag über diese bedeutsame wissenschaftliche Forschungsfahrt für Mittwochabend zu gewinnen. Kreis Büdingen. 3 Nidda, 17. Jan. Der hiesige Z w e i g n e r = ein des V. H. C. hielt dieser Sage seine gut besuchte Jahreshauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht ging hervor, daß alle angesetzten Wanderungen im verflossenen Jahre durchgesührt wurden; die Teilnehmerzahl betrug 462, durchschnittlich 38. Bei dem bevorstehenden Wintervergnügen werden 23 Auszeichnungen zur Verteilung kommen. Die Kasse schließt mit einem kleinen Aleberschuß ab. Bei der Vorstandswahl wurden de bisherigen Mitglieder wi dergewählt. Die Ausschüsse zur Vorbereitung der am 2. und 3. Juni hier stattfindenden Jahreshauptversammlung des Gesamt-V. H. C. wurden gebildet, deren Arbeit wird alsbald ausgenommen. Der Kriegerverein veranstaltete am Lamstagabend sein Wintervergnügen, das • einen sehr schönen Verlauf nahm, Rach der Vegrühungsan prache des Vorsitzenden, der der gemeinsame Gesang des Deut chlandsliedes folgte, wurden die Besucher durch zwei flott gespielte 'Theaterstücke, treffliche Gesangsvorträge und andere gesellige Darbietungen in bester Weise un- lerhalten. Alle Darsteller leisteten Vorzügliches :unb sanden mit Recht allgemeine QlnerEennung. Auf Anregung des Bezirksvorstehers wurde eine 'Sammlung zu Gunsten der Kriegsbeschädigten, ^riegerhinterbliebenen, OIltDcteranen und sonnigen hilfsbedürftigen Kameraden veranstaltet, He den schönen Betrag von 45,05 Mark ergab. •Den Ausklang des ausgezeichirLten Abends bildete ein flottes TanzvergnügAr. # Anter-Widders heim, 17. Jan. Die klcither dem Radfahrerverein „Wanderlust" an» •gegliederte Gesangsabteilung hat sich int dergangenen Jahre von dem Mutterverein getrennt rund den Gesangverein „Eintracht" ge- vildet, der schon nahezu 30 aktive und ein Dutzend passive Mitglieder zählt. Am Sonntag veranstaltete er sein diesjähriges Wintervergnügen. °Als Hauptstück wurde ein Zweiakter gespielt. Saneben wurden noch mehrere Einzelvorträge vmd ein Theaterstück gegeben. Die Darsteller meisterten die Rollen in sehr guter Weise. Mehrere ausgezeichnet vorgetragene Chöre verschönten die Feier. Der Gesangverein stehl unter Leitung unseres Lehrers Hassinger und beabsichtigt, sich einem in hiesiger Gegend begehenden Sängerbund anzuschließen. — / — Lißberg , 17. Jan. Am Samstag •wurde der Förster und Kriegsveteran Hartmann von hier unter großer Beteiligung der piefigen und der benachbarten Gemeinden zur letzten Ruhe bestattet. Der Heimgegangene hat 50 Jahre lang im Forstamt Konrads- iorf als Förster Dienst getan und sich in dieser -3evt als ein Pflichtei riger Beamter erwiesen, •em in allen Bevölkerungskreisen größte Hochachtung entgegengebracht wurde. Er war Ve- fltran von 1870/71 und hat das hohe Aller t»n 81 Jahren erreicht. In der Grabrede des Drtsgeistlichen und in Rachrufen von Staats- wat Dr. W eber-Konradsdorf und der Vermieter der beiden Kriegervereine wurden die Verdienste des Verewigten gebübrenb gewürdigt. — Der Kriegerverein hielt gestern Hine diesjährige Generalversammlung ab. An Stelle des im vorigen Jahre verstorbenen Gastwirts Reinhard Ries wurde Förster Klipp- flein zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder behielten ihre CK ernt er. Kreis Schotten. X Schotten, 17. Jan. In der hessischen Kirchenverfassung ist in Gemeinden mit mehreren Buntes Allerlei. Die Vevölkerungsbeweg ung in den preußischen Großstädten. Die Preußische Statistische Korrespondenz teilt über die Zahl der CheschliHungen, Geburten und Sterbefälle in den preußischen Großstädten während des 3. Vierteljahres 1927 folgendes mit; Die Zunahme der Eheschließungen, die seit einiger Zeit wieder zu beachten ist, zeigte sich auch bei den Großstädten im 3. Vierteljahr 1927. Mit Ausnahme von Allona, Krefeld und Wiesbaden wiesen alle Großstädte in diesem Zeitraum eine größere Heiratshäufigkeit auf als im gleichen Vierteljahr 1926. Am meisten nahm sie in Magdeburg, Es en und Buer zu. Bei den Geburten setzte sich der seit längerer Zeit beobachtete Rückgang weiter fort. Fast in allen Städten war ein Geburtenrückgang gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zu verzeichnen. Im Mittel sämtlicher Großstädte betrug sie 17,78 v. T. gegenüber 18,79 v. T. und 21,17 v. T. im gleichen Vierteljahre 1926 und 1913. Am höchsten war die Geburtenziffer wieder in Buer (26,95 v. T), Hamborn (25,80 v. T.) und Oberhausen (23,47 v. T.), am niedrigsten wieder in Berlin (10,37 v. T.), in Krefeld (12,23 v. T.), in Frankfurt a. M. (12,46 v. T.) und Barmen (12,53 v. 'S.) — Die Sterblichkeit war etwas günstiger als im Vorjahre. Am höchsten war sie in Halle a. Saale mit 14,95 v. T. und in Königsberg in Pr. mit 14,75 v. T. — in beiden Städten offenbar beeinflußt durch die vielen Sterbefälle von Ortsfremden in den dortigen Llniversitätskliniken —, am niedrigsten dagegen in Harburg-Wilhelmsburg (8,11 v. T.), in Mühlheim a. d. Ruhr (8,25 v. T.) und in Barmen (8.55 v. T.) — Zu der günstigen Entwicklung der allgemeinen Sterblichkeit hat die verhältnismäßig geringe Säuglingssterblichkeit, die ihrerseits wieder eine Folge des Geburtenrückgangs ist, viel beigetragerr. Auf 100 Lebendgeborene entfielen im Mittel der Großstädte in der Berichtszeit nur 8 Säuglingssterbefälle gegenüber 9,3 im gleichen Viertel des Vorjahres und 16 im gleichen Viertel 1913. — Der mittlere Geburtenüberschuß (7,21 v. T.) war infolge des nicht urbedeuten» den Geburtenrückgangs etwas geringer als der des gleichen Zeitraums des Vorjahres (7,94 v. T.), ganz erheblich bleibt er jedoch hinter dem des gleichen Vierteljahres von 1913 (13 v. T.) zurück. Das Weiße haus als „Hölle". Präsident Coolidge mußte nach dem diesjährigen Reujahrsempfang im Weißen Haus die rechte Hand in einer Binde tragen, weil sie ihm von den zahlreichen Besuchern zu oft und zu energi'ch geschüttelt worden war. Sc > ist so eine der „Keinen Leiden", denen das Oberhaupt der Vereinigten Staaten unterworfen ist. Bei Präsidenten mit empfindlichen Heroen und Geweben wird die Entzündung der Handnerven infolge der vielen „Shake-Hands" geradezu zur „Berufskrankheit". So hat Coolidges Vorgänger Harding seinen Arm längere Zell in einem Verband tragen müssen. Daß man solche Beschädigungen als kein Vergnügen empfindet, ist begreiflich, und es ist Eoolidge nicht zu verdenken, wenn er sich einmal seine Hand gehörig ausruhen will und daher auf die neue Kandidatur für die Präsidentschaft verzichtet. Er soll einem Freunde gestanden haben, daß der Präsidentenberuf ein „Hundeleben" sei, und der temperamentvolle Roosevelt ging noch weiter, als er öffentlich erklärte, das Weiße Haus sei eine „Hölle". Während die Präsidenten anderer Staaten durch die Verfassung vor der unmittelbaren Berührung mit der großen Menge geschützt sind, ist der Herr des Weißen Hauses seinen 120 Millionen Untertanen rettungslos ausgeliefert. Er kann nicht mehr über sich selbst verfügen; er gehört vollständig der Oeffentlichkeit an und hat keine ruhige Minute mehr. Der französische Schriftsteller Stephane Lauzanne, der lange Zeit Gelegenheit hatte, das Leben im Weißen Haus zu beobachten, erzählt von diesen Schattenfellen des höchsten amerikanischen Amtes. Furchtbar find die Abordnungen, die alltäglich in Washington erscheinen, um dem Präsidenten ihre Aufwartung zu machen. Der unglückliche Staatslenker muß jedem dieser Bürger die Hand schütteln, und da der Patriotismus des Amerllaners groß ist, so legt er in den Händedruck feine ganze Liebe zum Vaterland. Roch schlimmer sind die eigentlichen Deputationen, in denen Beschwerden erhoben werden, und die gewöhnlich ein Abgeordneter ansührt. Da gibt es auch noch eine lange Rede, gibt es oft Klagen über Richtigkeiten, von denen der Präsident keine Ahnung hat. Da der Präsident in den Vereinigten Staaten eigentlich die ganze Regierung persönlich leitet, muh er auch überall sein Auge haben. Die Staatssekretäre sind nur ausführende Organe, die ihm verantwortlich sind. Wilson, der das schwierige Kunststück fertig brachte, selbst als Präsident sich die Menschen vom Leibe zu halten, verkehrte mit seinen Ministern fast nur schriftlich. und sein Staatssekretär des Auswärtigen Lansing sah ihn selbst in den aufregendsten Zeiten manchmal mehrere Wochen nicht. Harding dagegen, dem alles Papier verhaßt war, erledigte die Geschäfte mündlich. Eoolidge wendet beide Methoden an; aber er ist in der Unterhaltung ebenso knapp, wie seine schriftlichen Anweisungen kurz sind. Roosevell war groß in lakonischen Telegrammen. So depeschierte er einmal an Taft, als dieser Gouverneur der Philippinen war und zwei Monate lang nichts hatte von sich hören lassen, die Worte: „Wie geljtd?“ Rach zwölf Stunden erhielt er die Antwort: „Mir gehts gut, und ich bin gestern 12 Kilometer geritten.“ Da Taft der schwerste Mann der Republll ist und über 240 Pfund wiegt, so war Roosevelts Antwort begreiflich, die nur lautete: „Wie gehts dem Pferd?" Eine schreckliche Belästigung des Präsidenten ist das ewige Photographieren, sind die vielen Autogramme, die er unterzeichnen muß. die unzähligen Briefe, die er zu beantworten hat. Zweimal in der Woche, am Dienstag und am Freitag um 4 Uhr nachmittags, muß er dem Kreuzfeuer der Journalisten-Fragen standhaften. Jeder Journalist hat das Recht, eine Frage an ihn zu richten. Der Präsident sammelt selbst die Papiere, sieht sie durch, und äußert sich dann. Es ist selten, daß ein amerikanischer Präsident nach Ablauf des ersten Jahres seiner Amtstätigkeit nicht am Rande seiner Kräfte und Rerven ist. Mancher hält es nicht aus, wie Harding, der infolge der Anstrengungen starb. Aber auch bei widerstandskräftigeren Persönlichkeiten wird die Sehnsucht immer größer, nicht mehr zu empfangen, Hände zu schütteln, Autogramme zu unterzeichnen, den Photographen standzuhalten und unzählige Beschwerden und Bitten über sich ergehen zu lassen. So ist das Weiße Haus wirklich eine Art „Hölle", aber es gibt ja viele, die die Hölle dem Paradies vorziehen... Ein Kriegsbeschädigter als Lebensretter. 3n Weilheim fiel das fünf Jahre alte Kind des Kriegsbeschädigten Weber in die Weschnitz. Mehrere Zuschauer sahen hilflos zu, bis der kriegsbeschädigte Vater durch das Brüderchen des verunglückten Kmdes auf den Vorfall aufmerksam gemacht wurde und dieser, m i t einem künstlichen Bein belastet, das Kind vor dem Tode des Ertrinkens rettete. Der Jaü Jakubowski. Die Staatsanwaltschaft Neustrelitz hat den Rechtsanwall Dr. Brandt auf sein Ersuchen, die Wiederaufnahme des Verfahrens zu beantragen, dahin befchieden, daß sie nicht in der Lage fei, den gewünschten Antrag zu stellen. Dr. Brandt hat Beschwerde gegen den Bescheid beim mecklenburgischen Ministerium eingelegt. Der telephoniert am meisten? Rach der neuesten Weltzählung sind an Telephonsprechstellen vorhanden in Europa 7 479 700, das sind 26.9 Proz., in Amerika 18 654 000, das sind 67,1 Proz., in Afrika 170 500, dos sind 0,6 Proz., in Asien 906 500, das sind 3,3 Proz., in Australien 573 000, das sind 2,1 Proz. Ans j? 100 Einwohner entfallen Sprechstellen in Dänemark 9,2, Schweden 7,8, Ror- toegen 6,8, Schweiz 5, Deutschland 4,1,Großbritannien 3, Holland 2,9, Oesterreich 2,3, Belgien 2, Frankreich 1,8, Tschechoslowakei 0,9, Italien und Spanien je 0,5, Polen 0,4 und Rußland 0,1. Hinsichtlich der Dichte der Sprechstellen stehen demnach die drei nordischen Staaten an erster Stelle in Europa mit Dänemark, wo auf 11 Einwohner eine Sprechstelle trifft. Dänemark wird natürlich weit übertroffen von den Ve r. Staaten mit 14,8 Svrechstellen auf 100 Einwohner. Richt minder interessant ist die Verteilung der Sprechstellen auf die Großstädte. Hier steht bezüglich der Fernsprechdichte San Franzisko an der Spitze aller Städte, weil dort fast jeder Dritte eine Fernsprechstelle besitzt. Den amerikanischen Verhältnissen nähern sich nur Kopenhagen, wo jeder Sechste, Hamburg, wo jeder Reunte. ferner Berlin, wo jeder Zehnte sein Telephon besitzt. Pfarrern eine Aufteilung in örtliche Seelsorgebezirke vorgeschrieben. Das Landeskirchenamt versucht diese Teilung auch hier durchzuführen. Die Bürgerschaft, die mehr an der altüberlieferten Tradition hängt, kann sich mit dieser Reuerung nicht befreunden und bittet, es bei den altbewährten Zuständen (abwechselnde Amtswoche) zu belassen. Dieser Standpunkt kam auch in einer Kirchengemeindevertreterversammlung, die unter Le tung von Oberkirchenrat Wagner, Gießen, dem Superintendenten von Oberseiten, im Ra.haus stattfand, einmütig zum Ausdruck. Auch verschiedene andere strittige Fragen, die die beiden Psar-eien Schotten 1 und II betreffen, Beiträge der Kirchspielgemeinden, Untcrljalt'-ing der Pfarr'ebäude u. dgl. m., wurden besprochen. Das Landes- kirchenamt soll gebeten werden, diese Punkte bald zu klären und zu regeln. Kreis Alsfeld. r. Ober-Ohmen, 17.Jan. Lehrer Somme r l a d , der feit Kriegsende hier amtiert, scheidet demnächst von hier, um nach seinem neuen Wirkungskreis in Heusenstamm bei Offenbach überzusiedeln. Mit ihm verliert auch der Gesangverein „Sängerlust" seinen Dirigenten. •w Nieder-Gemünden , 17. Jan. Der Gesangverein „Eintracht" hielt dieser Tage seine ordentliche Generalversammlung ab. Dem Verein gehören gegenwärtig 69 Mitglieder an. Das verflossene Geschäftsjahr schließt mit einem Kassenüberschuß von 83 Mark ab. An Stelle zweier ausgeschiedener Vorstandsmitglieder wurden die Herren Ä a g e I und Fied -- le r in den Vorstand gewählt. Zwecks Anschaffung einer Fahne wurde ein Fahnenfonds gegründet, dem das gegentoärfg? Kessengukhaöen zugeführt wird; der Fonds soll rege gestärkt werden. Weiter wurde die Abhaltung eines Familienabends beschlcs en, der in Gerne'nschaft mit dem Kriegerverein am 11. Februar stattfinden soll. I. Altenburg, 17. Jan. Der hiesige Männergesangverein „Erheiterung" konnte am 15. Januar ds. Js. auf sein 60j äh - riges Bestehen zurückblicken. Eine aus diesem Anlaß einberufene Generalversammiung beschloß, diesen bedeutsamen Geburtstag des Vereins durch ein Jubiläumskonzert zu begehen, von weiteren Festlichkeiten aber Abstand zu nehmen. Der Verein gehört seit dem 7. Mai 1868 dem Schwalmtal-Sängerbrmd an; er hat in den langen Jahren seines Bestehens immer gute sangesbrüderliche Beziehungm zu dm benachbarten VerÄnen, darüber hinaus auch zu den Sängern von Lollar unterhalten. Chor- meister des Vereins ist zur Zeit Lehrer Zoll von Alsfeld. Giackenburg. WSN. Neu-Isenburg, 17. Jan. In der Nacht zum Montag wurde auf der Landstraße von Nen- Jsenburg nach Sprendlingen ein etwa 7 0 Jahre alter Mann namens W o l s r a u m aus Neu- Jsenburg von einem Auto überfahren und so schwer verletzt, daß er seinen Verletzungen bald darauf erlag. Der Autolenker fuhr, ohne sich um den Verletzten zu bekümmern, unerkannt davon. WSN. Mörfelden, 17. Jan. Beim lleberhol e n von zwei Holzfuhrwerken wurde im Walde auf der Landstraße Groß-Gerau—Frankfurt a. M. der neben seinen Pferden hergehende Fuhrmann Wilhelm Schaffner aus Groß-Gerau von einem Auto aus Frankfurt überfahren. Die Verletzungen waren tödlich. Die Aeffaur.erung des Mainzer Doms. WER. Mainz, 17.Jam. Zu der Meldung, daß die Restaurierungsarbeiten am Mainzer Dom ihrÄ: Vollendung entgegengingen, und daß wahrscheinlich zu Pfingsten der erste feierliche Gottesdienst stattfinden werde, berichtet das „Mainzer Journal", daß die zuständigen kirchlichen Behörden dieser Meldung völlig fern stehen. Die E rn e uerungsa rbtiteu werden voraussichtlich bis Pfingsten noch nicht so weit beendet sein, daß im Dom Gottesdienst gehallen werden kann; sie dürsten frühestens im Monat August zum Abschluß gelangen. Danach wird auch die Meldung von dem aus Anlaß der Wiedereröffnung des Domes für den 27. und 28. Mai in Aussicht genommenen Domfest mit historischem Festzug hinfällig. Rheinhessen. WER. Bingen. 17. Jan. Gestern abend versuchten gegen 11 Uhr drei b i s vier Einbrecher in das Haus der Eier- und Butter- Handlung Schneider in der Saßstraße einzubrechen. Sre wurden jedoch schon beim Einsteigen bemerkt und flüchteten auf das Dach des Rachbarhauses, von wo aus sie gegen die inzwischen erschienene Polizei Feuer gaben. Die Polizei erwiderte das Feuer, wodurch einer der Einbrecher, ein Lehrling aus dem benachbarten Dietersheim, getötet wurde. Einer der Flüchtlinge konnte noch verhaftet werden. Es handelt sich um einen Lehrling • aus Bingerbrück, der schon bei einem Einbruch in die Sakristei der Binger Pfarrkirche beteiligt war. Preußen. Kreis Wetzlar. WSN. Wetzlar, 17.Jan. Fabrikant Arthur Pfeiffer (Wetzlar), Inhaber der Physikalischen Werke, ist zum Mitglied des Fachbeirats für dön Industrie- und Ausfuhrhandel im Deutschen Industrie- und Handelstag gewählt. Stadt und Kreis. Wetzlar haben durch die Eigenart ihrer Industrien ein sehr wesentliches Interesse am Exporthandel. Kreis Biedenkopf. & Gladenbach, 17. Jan. Auf Antrag der Gemeinde Ammenhausen haben die Gemeindekörperschaften von Gladenbach und Ammenhausen beschlossen, di« beiden Gemeinden zu vereinigen und als eine Gemeinde unter dem Ramen „G l a d e n b a ch" weiterzuführen. Der Wille hierzu liegt schon seit Jahren vor. Die Einigung kam in 1927 zustande. Die Lage der beiden Gemeinden läßt sie, nachdem die Straße von Gladenbach nach Marburg bis an die Ortschaft Ammenhausen fast vollständig ausgebaut ist, als eine Gemeinde erscheinen. Allgemein wird es für beide Gemein den übel empfunden, daß nicht beide Te'lle, unter einer gemeinsamen Verwaltung stehend, gleichzeitig die Vorteile und Annehm- lichkettcn neuzeitllcher Einrichtungen genießen. Da es in Gladenbach an billigen Bauplätzen mangelt, solche zwischen den beiden Orten aber reichlich vorhanden sind, erscheint es auch als zweckmäßig, daß dieses Gebiet für die Bebauung er schloffen wird. Soweit wir in Erfahrung brachten, liegen die Verhandlungen nun bei der Aufsichtsbehörde. Hoffentlich kommt die Eingemeindung recht bald zustande. Dillkreis. bl. Eisemroth, 17. Jan. Auf der Grube „Wallenfels" verunglückte der Arbeiter Christian Hermann von Dottenhorndurch herab stürzende Gesteinsmassen derart schwer, daß er dem Krankenhaus zugeführt werden muhte. Oberwesterwalvkreis. D H ö h n, 17. Jan. Die Delegierten der dem Kreissängerbund des Oberwester- w a l d k r e i s e s angeschlossenen Gesangvereine tagten am Sonntagoormittag in Hachenburg. An Stelle des durch Krankheit verhinderten Hauptlehrers Sch e i d (Alpenrod) leitete der stellvertretende Vorsitzende des Bundes, Bürgermeister H e 1 s - per (Höhn), die Versammlung, in der von 32 Vereinen 21 vertreten waren. Von den wichtigsten Beschlüssen seien folgende hervorgehoben: Das diesjährige Kreisbundessingen findet an einem noch festzusetzenden Sonntag Ende August oder Anfang September in Höhn statt. Zur Wertung der Sangesleistungen werden zwei Preisrichter bestellt, die durch die Musikkommission, der auch die Aus- wähl der aufzugebenden Chöre obliegt, bestimmt werden. An Stelle des nach Dillenburg versetzten Lehrers Groß wurde Hauptlehrer Manns (Höhn) zum Bundesdirigenten gewähll. — Zu gleicher Zeit fand gestern in Erbach (Oberwesterwald) der D e - legiertentag für die Vereine statt, die sich anläßlich des 2 5jährigen Bestehens des dortigen Vereins an dem Gesang swett st reite am 3. Juni beteiligen wollen. Die 20 gemeldeten Vereine wurden in drei Klassen eingeteilt: zwei Landklassen und eine Klasse der nicht preisgekrönten Vereine. In jeder Landklasse singen sieben, in der letzteren sechs Vereine. Aus dem Oberwesterwaldkreis nehmen folgende Männergesangvereine an dem Wettstreite teil: Marienberg, Höhn, Nister, Kirburg, Müschenbach, Wahlrod, Langenbach, Lochum, Mudenbach, Unnau, Wied und Mündersbach. Maingsu. Lpd. Frankfurt a. M., 17. Jan. Der ledige Kaufmann Heinrich Koch, 24 Jahre alt, der bei eine hiesigen Firma etwa 20000 Mark unterschlagen hat, wurde von der Kriminalpolizei f e st- genommen. Er hatte das Geld in leichtsinniger Weise durchgebracht und war nur noch im Besitze eines kleinen Geldbetrages. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 17. Jan. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde heute unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Cramer gegen den Chauffeur Walter Fleck von Gießen wegen Meineids verhandelt. Die An läge vertrat Staatsanwalt Fischer; die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. Katz. Fleck wurde wegen Meineids zu 1 Jahr Zuchthaus, abzüglich 1 Monat Un er'u^ungs- haft und den gesetzlichen Rebenstra'en nerurtcilt. Das öffentlich verkündete Urteil ergab, daß F'cck als Zeuge in einem Alimentati.onsprozeß wifsent-' sich unwahre Angaben gemacht hatte Berliner Börse. Berlin, 18. Jan. (WTB. Funkspruch.) Bei völliger. Geschäftslosigkeit ist eine Tendenz im heutigen Frühverkehr noch nicht erkennbar. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 92,18, Madrid 28,52, London gegen Kabel 4,8755 bis 4,8760 und die Reichsmark gegen Kabel mit 4,1980. NJliwirmrfc bei Duften, Heiserkeit, r^&UUU Verschleimung §ap's echte SoSeurr Miaeral-Pastilleu. Arbeitsgemeinschaft für Grenz-, Anken- Sonntag, den 22. Januar 1928, nachmittags 5 Uhr, spricht in der Neuen Aula Dr. Fr. König über: Wir Deutsche in derWelt u. Kolonial-Deutschtum Eintritt 80 Pfennige, an der Abendkasse Mk. 1.00. Für Mitglieder, Schüler und Studenten 50 Pfennige. Bund der Kolonialfreunde / Kolonial-Gesellscbaft / Marineverein Deutscher Ostbund / Frauenverein v. Roten Kreuz für Deutsche 624 D (Grundfragen des deutschen Lebens der Gegenwart). TRIUHPHATO 620D sind ba! Karl Dietz und Frau Anni geb. Lyncker Köln, Äismarckstraße 49, den 16. Ianuar 1928. 0392 Sonnlag, den 22. Januar Grote MilitMonzerl MW / MK’ ä la I 411 41 mir a I tfilr a M ne ant4 k o.K. 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Ebensowenig ist diese Veranstaltung von uns unterstützt worden. Schriftlich ist wohl von einem beteiligten Unternehmer an uns herangetreten worden und wir haben, obwohl uns von dieser Seite große Versprechungen gemacht wurden, dieses Angebot überhaupt nicht beantwortet, da wir nach Kenntnis der Lage sofort das entstehende Fiasko vor- aussahen, was dann auch eingetreten ist. Wir weisen es deshalb nochmals von der Hand, uns in irgendeinen Zusammenhang mit der .Bunten Stadt" bringen Vortrag Donnerstag, den 19. Januar, abends 8 Uhr, im Gesangiaal deS Nealgvmua- sinmS, Ludwtgstratze. 0401 Eintritt frei. Referent: L. Schmoll awuag mniien 28. Jan 1928 4. WlfoW Hess. Diakonievereins 1891 Geldgewinne u. eine Prflmte Jeder int Volksbürger! - Jeder erscheine! über See / Verein für das Deutschtum im Ausland. Frauen Vortrag Die bekannte Hygiene - Schriftstellerin Frau Agnes Krügeloh, Köln, spricht am Freitag, dem 20. Januar, abends 8—10 Uhr, im aroken Saale des PalasttbeaterS,Liudeuplatr. Thema: tete,fcMteihnHeso*il Die Ehen ohne Liebe. — Unglückliches Ebeleben und wie eS erträglich zu gestalten ist. — Was mllffen die jungen Mädchen vor, von und während der Ebe wissen? Welche Mädchen werden geheiratet? — Warum find so viele Frauen unterleib^krank? — Blutarmut, Bleichsucht, Nervosttät und ihre Ursachen. — Worauf bat die Frau in den Wechseljahren zu achten? — Krebs, GcmütSversttmmung. — Warum werden so viele Frauen viel zu früh alt? Wie erhält und bewahrt man schöne Körpersormen? Natürliche erfolgreiche Beseitigung von iiber- mähiger Korvuleuznnd Magerkeit. — Anleitung aur fieberen Entfernung und Verhütung von Falten, Runzeln, Krühenfüfren sonstigen Schönheitsfehlern. — Ueber Haarausfall und ihre Ursache. Hur Frauen und Mttdchen über 16 Jahre Karten: 1 — (1.20 u. 1.50 M. num ), um jeder Dame Gelegenheit zu geben, stch diesen lehrreichen Vortrag anzubören, tägl. tm Vorverk. im Palasttheater sowie an der Abendkaste am Tage der Veranstaltung ab 7 Uhr. Da die Vorträge der Frau Agnes Krägeloh in sämtlichen gröberen Städten Deutschlands stets überfüllt find, empfiehlt es sich, die Karten möglichst im Vorverkauf zu besorgen. Die Vorträge der Fran Agnes Krägeloh sind nicht zu verwechseln mit anderen ähnlichen Veranstaltungen. So schreibt der Medizmalrat Dr. W.: »ES wäre sehr zu begrüfien. wenn die Schriftstellerin Agnes Krägeloh des öfteren der- artige Vorträge halten würde, die das Aligemetn- wohl angehen und lediglich der Gesundheit dienen. Der Vortrag — in überaus fitefienbet Sprache gesprochen — war außerordentlich belehrend und von hohem ethischen Wert". [627ss Wer daher diesen Bortrag nicht hört, hat vieles im Leden versäumt. Ginlah 7 Uhr! Beginn 8 Uhr! Ende 10 Uhr! MMItte M Mk Große Auswahl in neuen, eleg. Sachen zu verleihen. Alle übrigen Karnevalartikelsehrbillig.Wieder- Verkäufer zu Katalogpreisen. Oamen-Zrisiergefchäst 0334 Karnbach^Kaplansgaffe 22. (Nachdenkliches in heiterem Gewände) S220 Vortragender: Herr Max. Kehrig-Korn, Berlin. Ortsgruppe (Sieben / Abteilung Bildungswesen. Hotel Prinz Carl Morgen Donnerstag Melzelsifflpe Schweine aus eigener Mast Tüchtigem, soliden Metzger nicht unter 38 Jahren, ist Gelegenheit MMi. Handlingsguhilleii -VtM Donnerstag, den 19. Januar 1928, abds.81/* Uhr, im Kath.Vereinshause Frische WM sowie len. scroita und Sdiieien empfiehlt CGK1MM Bahnhofstrahe 59 Telephon 66. [650c JL Lospreis « Porto und Lblt6 nur 30Plg.,empfehlen A. mnfoeimann, ins Postsdiedkk. Frankfurt a. M. 16194 Hier bdi Staat!. Lotterie-Elnn. Flimm. Außerdem bet Tb. J. Adam, L Eifert, Konr. Emmerich, L Joost, Herrn. Kuhl, S. Loeb, Friseur Lotz, Ella Reuter Wwe., Wilhelm Sammler. Wilh.Weber. Zuckerkranke erhalt, wichtige Aufklärung kostenlos durch Fr. Löw,Walldorf Fl8(Hessen) In der, Kreisstadt Büdingen wird Donnerstag, 26.Ianuar 1928, liudr, auf dem Bureau des Notars Keil in Büdingen ein Geschäftshaus in bester Lage unter den tm Termin be- kanntgegebenen Bedingungen öffentlich versteigert. In dem Hause wurde eine alt- emgesührie Eiienbandluug betrieben; Warenlager kann evtl, übernommen werden. Näheres bei Rechtsanwalt Kock in 1 Büdingen (Hessen). 507D Kaiser s Brust-Caramelien mit den „3 Tannen**. Dieses seit 35 Jahren bewahrte Hustenmittel, köstlich schmeckend, darf über die Winterzeft bei Ihnen nicht fehlen 1 Dann werden Sie verschont sein von Husten, Heiserkeit, Katarrh, Verschleimung. Paket 40 Pf., Dose SO Pf. Zuhaben In Apoth., Drog. und wo Plakate sichtbar. Donnerstag, den ly.Zanuar 1928 nachmittags 2 Lhr versteigere ich im „Löwen", Aeuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 4 Sofas, 5 Vertikos, 4 Spiegel, vier Ginlegschweine, 2 fette Schweine, einen Regulator, 1 Kastenwagen, 4 Schreibtische, 1 Ladeneinrichtung, 32 kg Dosen- Konseroen Stangenspargel, 50 Flaschen Liköre, 2 Büfetts, 1 Friseurtoilette, zwei Warenschränke, eine Rähmaschine, eine Waschkommode, 1 Grammophon, 1 Eh- service, 1 Diwan mit 2 Sesteln, 1 Tisch. Gerichtsvollzieher in Gießen II Stetnstratze 13, Part. M4P Germanen-Oefen Der erstklassige irische Dauerbrandofen Tausendfach bewährt, empfiehlt EDGAR BORRMANN Eisenwaren, Werkzeuge, Giessen Nächsten Mittwoch, den 25. Januar, nachmittags 3 Uhr «w sollen aus der Äürgermeisterei zu Wieseck nachfolgende der Karl Reuter III. Witwe gehörende Grundstücke freiwillig versteigert werden: 1 Wiese auf der Landwehr, 2908 qm 1 Wiese in der Meewiese, 2828qm 1 Wiese am langen Zaun, 2720 qm Erste Internationale Bacern-Kiraes in sämtlichen Räumen der Turnhalle am Oswaldsgarten am 21. Januar 1928, abends 8" Uhr Delegierte und sonstige Teilnehmer, bekannte und unbekannte Bauern können ihre Reisepässe vom 17. Januar ab in folgenden Reisebureaus in Empfang nehmen: Jak. Friesieben, Bahnhofstraße, Äug. Gissel, Licherstraße, Fritz Linker, Ludwigstraße, Chr. Pfundt, Neuenweg, Rud. Rödiger, Walltorstraße. Alle Besucher wollen in Bauemtrachten erscheinen. 540D Die Kirmesbursch1 des „Radklub Germania“, Gießen, eeeeeeeeeeeeeeeeeeee©© 639D endi land. Äcker '• 3ünnar 1925. st-CarameLen 839D >3 Tannen11. bewlhrte Hustenmittel, du! Ober die Winteneli 1! Denn werden Sie »et- »ten, Heiterkeit, Kt- rschleimung. 1., Dote 80 Pf. r>;. und wo Plahte richtbar. »MaimM W2W 3ötoenu,Heuentwg dagegen Barzahlung: likvs, 4 Spiegel, vin 2 fette Schweine, einen istenvagen, 4 Schreib- irichtung, 32 kg$o|en« M^pargel, 50 Slawen i, 1 $rt|eurioiktte,?lDei eine Dähmaichine, eine 1 Grammophon, 1 mit 2 Sesseln, 1M Svollzieher inMtn ratze 13, pari, u? len-Oefen rische Dauerbraoiiofei bewährt, empfahlt e S s o M nicht am oult/iwÄ“ Thema- SZZ "SÄE "■SS"8!« ?n Äiaftibefi iSstic f/Ä? (tgn btt ga>< $ORRMANH ’erkzeuge, Gletiw ich, SenrS.ZaM W3W ® meisterei zu Dieses «tttLÄittpeZch"» ig verfieigerf tcerbtn: £an*,2908qni Klttviese,Mp -gtn 3aun^720qm ITt, 15 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fiir Dberhesfest) Mittwoch, 18. Januar 1928 Wirtschaft. • Erhöhung des Privatdiskonts. Der Privatdiskont ist gestern in Berlin für beide Eichten um */< $ro3- auf 61/s Proz. erhöht worden. * 10 Mill. Mk. 7proz. deutsche Kommunalanleihe von 1 92 8. Der Deutsche Sparkassen-- und Giroverbond hat die ministerielle Genehmigung erhalten, eine neue Jn- haberanleihe im Betrage von 50 Mill. Mark auszugeben. Die Preußische Staatsbant und die Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank, Berlin, legen einen Teilbetrag dieser Anleihe, und zwar 10 Mill. Mk. 7proz. deutsche Kommunalaoldanleihe von 1928, zum freihändigen Verkauf aus. Der Berkausspreis beträgt 92V- Proz. zuzüglich Stückzinsen vom 1. Januar 1928 ab bis zum Zahlungstage. - Konflikt im westdeutschen Eisenhandel. Die Westdeutsche Eisenhandel G. m. b. H. Düsseldorf, die fünf Firmen aus dem Rheinisch-Westfälischen Eisengroßhandel umfaßt, beschloß laut „Köln. Vollsztg.", Beschwerde gegen den Stahlwerksverband wegen Mihbrauchs der wirtschaftlichen Macht an den Reichswirt- schaftsminister abzusenden. Demnach ist es trotz der vielen Verhandlungen nicht gelungen, eine Einigung zu erzielen. * Wolf A.-G., Magdeburg. Die G.-V. der R. Wolf A.-G., Magdeburg, genehmigte die Abänderung des Jnteressengemeinschaftsvertra- ges mit der Heinrich Lanz A.-G.. Mannheim, und den Verschmelzungsvertrag mit der Maschinenfabrik Buckau A.-G.. Magdeburg. Die G.-V. der Maschinenfabrik Buckau A.-G., Magdeburg, stimmte gleichfakls dem Verschmelzungs- Verträge mit der R. Wolf A.-G. zu und beschloß. das Kapital von 6 auf 12 Millionen Mk. zu erhöhen. Die Finna wurde geändert in „Maschinenbau Buckau — R. Wolf 21.-®. in Magdeburg". Heber die Geschäftslage wurde mitgeteilt, daß der Auftragseingang nach wie vor zufriedenstellend sei, so daß sämtliche Abteilungen noch für eine Reihe von Monaten volle Beschäftigung hätten. * Rückgang der russischen Bleikäufe in Deutschland. Die russischen Bleikäufe, die bis Ende des vergangenen Jahres an den deutschen Märkten einen ziemlichen Umfang erreicht haben, sind seit Anfang Januar stark zurückgegangen. * L i n k e - H o f m a n n r W e r k e A.-G., Berlin. Die Gesellschaft bleibt wieder dividendenlos. Der nach Abschreibung von 895 176 Mk. (im Vorjahre 491888) verbleibende Reingewinn von 165 767 Mark (im Vorjahre 115 878) soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. * Preiserhöhung im Grobblechverband. In der gestrigen Hauptversammlung des Grobblechverbandes wurde beschlossen, den Grundpreis für Behälter-Bleche um 4,40 Mk. pro 1000 Kilogramm zu erhöhen. Der Martinsaus- preis wurde auf 8 Mk. festgesetzt. Der Eingang an Aufträgen sei befriedigend, ebenso gingen die Spezifikationen auf getätigte Abschlüsse lausend ein. Auch aus dem Auslande erfolgten Bestellungen für den Schiffsbau. Prestowerke A. G., Chemnitz. Die Verwaltung der Prestowerke 21. G., Chemnitz, hat bei dem sächsischen Wirtschaftsministerium einen Stillegungsantrag eingebracht. Der Vorstand hofft aber, von der beabsichtigten Stilllegung keinen Gebrauch machen zu müssen. Aufhebung der Beschlagnahme polnischer Wertpapiere. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung über die Aufhebung der Beschlagnahmung polnischer Wertpapiere. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 18. Jan. Tendenz erholt, im Verlaufe abgeschwächt. - An der heutigen Börse konnte sich die Stimmung merklich erholen. Das Geschäft war etwas lebhafter, als an den Vortagen. Das Privatpublikum beteiligt sich aber nicht reger am Geschäft, sondern hat im Gegenteil verschiedentlich wieder Verkaufsorders vorgelegt. Die Spekulation schritt jedoch in stärkerem Maße zu Deckungen, da in den letzten Sagen ziemlich viel Leerabgaben vorgenommcn worden fein sollen. Einen günstigen Eindruck machte vor allem der Reichsbankausweis, der eine Abnahme der Wechsel- und Lombard- Bestände um 305 Millionen Mark und eine Verringerung des Rotenumlaufes um 243 Millionen Mark brachte. Auch der Geldmarkt war ctwaS leichter. Die Rachfrage nach Tagesgeld ist zurückgegangen. Gegenüber den Kursen der gestrigen Abendbörse lagen bei der ersten Rv° tierung die Mehrzahl der Papiere um 1 bis 2 Proz erholt. In einigen Spezialwerten konnte sich lebhastes Geschäft entwickeln. Ramentlich Schiffahrtswerte blieben gefragt auf die Meldung, daß am Montag der Finanzausschuß des amerikanischen Senats die öffentliche Beratung über die Freigabebill aufnehmen will. Hapag gewannen 2,25, Rordd. Lloyd plus 3,5 Proz. Lebhaftere cklmsähe verzeichneten ferner Kaliaktien auf den guten Absatz Ende Januar. Kali Westeregeln bevorzugt und plus 1,5 Proz., auch Aschersleben plus 1,5 Proz. I. -G. - Farben blieben vernachlässigt und eröffneten nur gut behauptet. Am Elektromarkt lagen Siemens und Licht und Kraft je 2,5 Proz. fester, Lahmeher jedoch minus 1,75 Proz. Riedriger eröffneten noch Zellstoff Waldhof minus 1 Proz. und Wayß & Frey- tag minus 1,75 Proz. Autoaktien vernachlässigt und kaum verändert. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Tendenz wieder schwächer. Man beachtete die weiter verschlechterte Arbeitsmarktlage. J.-G.- Farben minus 2 Proz. besonders angeboten. Deutsche 2l n l e i h e n blieben behauptet. Ausländer eher etwas schwächer. Im weiteren Verlaufe blieb die Stimmung schwach. Die Spekulation schritt zu Abgaben, und die Kurse gaben 1 bis 3 Proz. nach. 2lm Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 6 Proz. Im Devisen- verkehr notierte die Reichsmark gegen Kabel 4,1962, gegen London 20,467. Paris gegen London 124,02, Mailand 92,20, Madrid 28,48. Bcrilttc. . 1 >» Dt ReichLanleihe v. 1927 St. Lnl Ab lös Schuld mit AuSlol -Rechten . Desal. ohne Auslos -Rechten ?/o ftranff. Hvp.-Ll. Gmdps unkündbar bis 1932 .... /, F < Mons eldcr........7 Oberschlei Eisend. Bedarf o Oberschlel. RokSwerke . .0 Phönir Bergbau f I 3 Rheinische Braunkohlen . to Roeinstohl ......o Ricbeck Montan. .....c Bereinigte Stahlw. f. ’/, 8 3 Otavt 'jJrtne.t . . . . i sh Kali Aschersleben . ■ • . . Io SaüüBefteregein . . 10 Kaliwerk EoUdettorth . . 12 3 ® Karben-Industrie 10 Dynamit Nobel ......o Echrideanstalt .....8 Goldschmidt..... . . 5 RütgerSwerke ....... .o Metallgesell'chafl.....10 lliS 180,75 218 272,5 153 184.25 281 170 99,5 133 191.5 226 123.5 - — 117.5 98 239 171.25 106 169 238 267 190,7. 113,25 93 181,25 1 170 220 5 124 274,5 153,5 184,25 286.5 168,25 99 134,75 139 I 124,75 154.5 117.25 82 99 239,5 175,5 152 106,25 170.5 178,13 276,25 191.5 113,75 94,75 182 169,5 182.13 177,9 217.5 125 273.5 148,75 154 25 181 183,<3 285.5 136.25 171 99,5 135 150,25 138.5 191,1.1 145,25 230,5 125,13 146 153,25 119,75 83 94.75 98,7 j 24', 173.75 153 166.5 42.13 L 243 267,75 131,5 114,5 94 1 169,5 I 181.5 177,65 218.25 123.75 274,25 152,75 182 183 286,25 166,25 99,5 133,75 148 139 191,5 144,75 231 124,9 144,75 153 116 83,5 94,13 98,13 239,5 172.5 154,75 42,4 171,5 179 241,25 267 130 113 9 93 5 — Frankfurt a.M 1 Berlin Berlin. 17. §an I (Yeld 'Brief Schlich i 1-Uhr- | Schtuh 1 iUnfana T-ran;öst>che Noren . . . Holländische Noten . . . 16,51 168.81 16,57 169.19 Äurs Kurs I Kurs 1 finr Italienische 9 , , 6 .31 — 197 30 197 Stockholm . Helsingfors. 112,71 10,557 112,93 10,577 112,68 10,558 112,90 10,578 Franks. Maschine» .... Griynor ..... . Heyligenstoedt 0 77 12. .5 75,5 77 127 — Italien. . . London. . . 22,185 20,-M3 22,225 20,483 22,18) 20,445 22,225 20,485 30 Wenn ort . . 1,1940 4,2020 4,1930 4,2010 stunghank _ 88,5 Paris.... Schwei, . . 16,485 16,525 16,485 16,525 Lcchwerke . . . » f . 126 _ 80,80 । 0,96 80,775 80,935 Mainkroftwerke ...... 8 120 _ __ Spanien . . 71 78 71,'. 2 71,55 <1.65 Miag ........ ,. . Nekarsulmer ........ 10 X 143,75 105.5 105.5 143 105 — Japan . . . >Nio de Jan. 1,967 0,505 1,971 0,507 1,963 0,505 1,967 0,507 PeterS Union ....... Webt. Roeder ....... 2‘oiöt & Haesmer .... Sndd Zocker...... ¥ 1" € 0 IM 5 149 173 142.75 . 1 1 13 114.75 180 145 Illi SB len In D - Oest. abaeft Prag .... Belzrad . . Budapest. . 59,09 12,425 7,388 73,795 59,21 12,445 7,402 73,435 59,08 12,428 7,385 73,30 59,20 12,445 7,399 73.40 Banfnoten. Bulgarien Viffabon . Dan,ig. . . .stonstontin. Athen. . . 3,027 20,48 81,74 2,180 5,594 3,033 20,52 3,027 20,48 3,033 20,52 81,88 2,181 Berlin. 17. Jan. I <>>el6 Brie, 2,184 5,006 01, <4 2,177 5.544 Ämerikanische 9toten. . . . 1,176 4 196 Belgische Noten..... Dänische Roten ...... Englische Noten...... 58,35 112,08 20.415 58,59 112,52 20,495 Canada Uruguay. . Cairo . . . 4.185 4,286 20,968 4,193 4,294 21,008 4,185 4,286 20,967 4,198 4,294 21,107 Zügen- und Hochschule. Schließlich haben auch die politischen Parteien durch die Gründung von parteipolitischen Studentengruppen die Verbindung zwischen Student und Politik herzustellen versucht, die Rechtsparteien ebenso wie die in der Mitte und auf der Linken. Für diese Art politischer Bildung stand die praktische Frage durchaus im Vordergrund: Wie bekommen die Parteien einen brauchbaren Rachwuchs? Im übrigen kann man nicht sagen, daß die Parteien aus besonders große Intensität des an die Studentenschaft weitergegebenen Wissens Wert gelegt hätten. Aus unserer Aufzählung der Träger politischer Bildung in der Studentenschaft geht schon hervor, daß ihre Art und ihr W e s e n von den einzelnen Gruppen völlig verschieden aufgefaßt wird. Die Hochschulen lassen es in der Hauptsache dabei bewenden, akademisches Wissen zu vermitteln, während politische Willensimpulse kaum irgendwie angeregt werden. Die Parteien auf der anderen Seite lassen nur den parteipolitischen Gesichtspunkt gelten, sie ziehen sich im wesentlichen spätere Vorsitzende in Par- tciortsgruppen und Landesverbänden heran. Die Studenten selbst wenden sich bald mehr nach der einen bald mehr nach der anderen Seite und gehen meist ihren eigenen Weg. Sie benutzen alle Bildungsmöglichkeiten, die ihnen die Hochschulstadt gibt, die der Parteien ebenso wie die der Hochschule, und bauen so an den Grundlagen einer Zukunftspolitik, einer „Politik der Jungen", in die sie nach und nach hinein- wachsen, um später selbst mit aktiv politisch zu handeln. Gewisse Ansätze zur politischen Tat der Jungen lassen sich bereits erkennen. Wir erinnern nur an die sogenannte „Grenzlandsarbeit", die von einer neuartigen Erfassung des Volksbegriffes ausgeht und auf das „dritte Reich", das großdeutsche Reich der Zukunft abzielt. Vielleicht daß man auch auf dem Gebiete der sozialen Frage von bestimmten neuen politischen Möglichkeiten sprechen kann, die sich aus der Perspektive der Jugend, der akademischen Jugend erkennen lassen. Die vielen Studenten, die sich in den letzten Jahren als Werkstudenten selbst ihr Brot verdienen muhten, haben sich trotz aller gegenteiligen Erfahrungen in vieler Beziehung als Bindemittel für die auseinanderstrebenden sozialen Schichten und Klassen bewährt. Aus diesen Reihen werden die Sozialpolitiker der Zukunft wachsen, denen es um das Wohl der Volksgesamtheit zu tun ist. Als Ergebnis wäre etwa festzuhalten: an vielen Stellen zugleich wird die Rotwendigkeit politischer Schulung der Deutschen Studentenschaft erkannt. Die eingeschlagenen Wege sind im einzelnen verschieden. Aus bestimmten Ansätzen läßt sich jedoch bei aller Verschiedenheit ein gemeinsames politisches Ziel erkennen, das oft nur gefühlsmäßig geahnt wird andererseits aber auch । durch politisches Handeln seiner Verwirklichung I langsam entgegenwächst, eben jenes „dritte Reich". Himmelskunde in -er Schule. Don Prof. Dr. Kirchberger. Ich hatte mein Abiturientenexamen gemacht, Doktor- und Staatsexamen in Mathematik und Raturwissenschaften mit Anstand erledigt, und doch waren mir nicht nur die allergeläufigsten, elementarsten Begriffe der Himmelskunde vollkommen böhmische Dörfer, sondern ich kannte auch mit Ausnahme des großen Bären nicht ein einziges Sternbild und hatte mit Wissen noch nicht einen einzigen Planeten gesehen. Als ich dann als Lehrer eine Schülergeneration bis zum Abiturientenexamen zu führen hatte, holte ich den Mangel meiner theoretischen Kenntnisse durch treffliche Bücher, vor allem Martens „Astronomische Erdkunde" bald nach, ich ließ von meinen Schülern die schönsten mathematischen Aufgaben rechnen, aber der Sternhimmel selber blieb mir und auch ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Bis ich dann eines Tages das Unwürdige dieses Zustandes einsah, mich gründlich schämte und mir darauf mit Hilfe von Sternkarten die Kenntnis der Sternbilder verschaffte, wodurch sich die Möglichkeit, die allnächtlichen Vorgänge am Himmel mit Verständnis zu verfolgen, von selbst ergab. Bald darauf versammelte ich an klaren Winterabenden Scharen von Schülern aller Altersstufen von Quarta an aufwärts um mich, die sich von mir gerne und mit Eifer die eben erst selbst erworbenen Kenntnisse weitergeben ließen. Aber nun erging es mir sehr merkwürdig. Ich hatte ganz ehrlich geglaubt, meine Unkenntnis, die ich sowohl als Schüler wie auch als Lehrer in besagtem Gegenstand aufgewiesen hatte, hätte einen mehr oder weniger starken Ausnahmefall dargestellt oder doch wenigstens das Aeußerste, was in dieser Richtung geleistet werben könne. Aber hieran sah ich mich leider schmählich getäuscht. Ratürlich will ich über den Unterricht der Mehrzahl meiner Kollegen in der Himmelskunde keinerlei Urteil abgeben, besonders nicht in der Oeffentlichkeit. Aber zu einer Feststellung fühle ich mich durch meine mehrjährigen Beobachtungen berechtigt; nämlich daß es ein törichter Wahn von mir gewesen ist, zu glauben, daß mein eigenes, früheres Richtwissen in der Himmelskunde nicht noch bei weitem Überboten werden könnte. Die Mehrzahl unserer Schüler bringt dieses Kunststück fertig. Denn ich habe doch schon als Kind, angeleitet allerdings von meiner Mutter, nicht von meinem Lehrer, wenigstens mit eigenen Augen gesehen, daß die Sonne durchaus nicht im Osten auf- und im Westen untergeht, sondern wie sich ihr Auf- und Untergang Tag für Tag um ein Stückchen verschiebt: aber die übergroße Mehrzahl unserer Schüler weiß das, falls sie es überhaupt weiß, nur aus Büchern. Man mache doch die Probe und frage eine beliebige Tertia, wie denn die alten Germanen es ohne Uhr und Kalender fertig gebracht hätten, ihre Weihnachtssonnenwende zur richtigen Zeit zu feiern. Das natürlich nur als Beispiel! Ist ein solcher Zustand zu rechtfertigen oder auch nur zu entschuldigen? Gewiß, die wichtigsten praktischen Geschenke, die der Himmel uns Menschen zu geben hatte, die Uhr, der Kalender und die Landkarte sind in jedermanns Hand, auch wenn er sich nie um die Art ihrer Entstehung gekümmert hat. Aber ist der unmittelbare praktische Ruhen der einzige Grund, der uns die Augen nach oben richten heißt? Ist uns Wallenstein erklärlich, wenn er vom Jupiter sagt: Mir deucht, wenn ich ihn sähe, wäre mir wohl so ganz fr*mb und unverständlich? Gewiß, der Anblick des nächtlichen bestirnten Himmels wirkt mächtig auch auf den, der sich nur dem ästhetischen Eindruck hingibt. Aber öfter und lieber wird der seine Blicks.aufs Himmelszelt richten, der die wichtigsten Sterne mit Rainen kennt, ihren täglichen und jährlichen Lauf verfolgen kann und sie wie liebe Bekannte grüßt! Run die Einwände! Gewiß ist die Abhängigkeit vom Wetter peinlich! Es ist nicht zu vermeiden, daß sich der Himmel einmal unerwarteter Weise bedeckt, und Lehrer und Schüler einen vergeblichen Weg gemacht haben. Und auf Verabredungen an einem bestimmten Wochen- politische Bildung unserer Studentenschaft. Von Dr. Siegfried Scharfe, Halle a. d. S. Wo früher von „staatsbürgerlicher Erziehung" gesprochen und ihre Rotwendigkeit für die gesamte deutsche Jugend betont wurde, heißt es heute „politische Bildung". Und tatsächlich hat sich der Inhalt der staatsbürgerlichen Erziehung, wie wir sie vor dem Kriege kannten, gewandelt, so daß die alte Bezeichnung heute nicht mehr zutreffend wäre. Seit der Einführung des Wahlrechts für die Zwanzigjährigen ist es nicht ausreichend. wenn unsere Jugend so erzogen wird, daß sie später als gute Staatsbürger ihre Pflicht tut. sie ist vielmehr in der Gegenwart in einem viel höheren Maße für den Gang des politischen Lebens selbst mitverantwortlich geworden als früher und muß deshalb rechtzeitig und sachgemäß darauf vorbereitet werden, daß sie ihre politische Aktivität später in der richtigen Weise in die Wagschale wirst. Die neue Aufgabe der politischen Bildung und Schulung ist von der Studentenschaft sofort erkannt worden. Man kann allerdings vorläufig nicht sagen, daß die praktischen Versuche, die bisher gemacht worden sind, sämtlich erfolgreich gewesen sind. Von den verschiedensten Seiten ging man an das Aufgabengebiet heran. Zunächst stellten sich die Hochschulen darauf ein. Der Rahmen der akademisch-politischen Fachvorlesungen, die schon immer für einen kleinen Kreis von Studenten der Rechts- und Staatswissenschaften gelesen wurden, wurde gesprengt, indem die meisten Hochschulen dazu übergingen, politische Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten, für die Gesamtstudentenschaft in ihrem Vorlesungsverzeichnis anzukündigen. So wurde etwa die Kriegsschuldfrage oder der Versailler Vertrag behandelt. Auch seminaristische Uebungen kamen gelegentlich zustande, oder es wurde im Anschluß an die einzelnen Vorträge debattiert. Roch häufiger ergriff die Studentenschaft selbst die Initiative. Das gilt in erster Linie von einzelnen Korporationen bzw. Korporationsverbänden. Ich nenne die Deutsche Burschenschaft, die Vereine Deutscher Studenten, die Deutsch-akademische Gildenschaft, die Deutsche Wehrschaft, ferner den Akademischen Turnbund, den Wingolf, aber auch die sogenannten „historischen" Korporationsverbändc erkennen immer mehr die Aufgabe, ihre Mitglieder politisch durchzubilden. In der Tat ist die studentische Gemeinschaft der Korporation durchaus geeignet, in der Studentenschaft politische Bildung zu verbreiten. Oft ist der dort erteilte politische Unter- richt ein Teil des herkömmlichen Fuxenunter- richtes und auf Vortrags- und Ausspracheabenden werden die in der Fuxenstunde gelegten Grundlagen vertieft und ausgebaut. In mehreren studentischen Verbänden gibt es bereits besondere politische Handbücher, die dem Unterricht zugrunde gelegt werden. Reben den Korporationen steht der Deutsche Hoch sch ul ring und die an den preußischen Hochschulen allerdings ihres amtlichen Charakters entkleidete Deutsche Studentenschaft, die beide auf ihrem Programm den Punkt „Politische Bildung" zu stehen haben. Der Hochschulring unterscheidet sich dadurch von der Studentenschaft, daß er politische Bildung auf unbedingt nationaler groh- deutscher Grundlage erstrebt, während die Studentenschaft sich nach Möglichkeit nicht richtungsmäßig festlegen will und wohl auch nicht kann, weil sie eine amtliche Einrichtung ist, der Hoch- fchulring dagegen ein Gesinnungsverbanb. Die Methode ist hier wie dort dieselbe. Schulungswochen, bei denen kleinere studentische Gruppen für einige Tage zusammengefaht werden, um sich politisch schulen zu lassen, und wieder Vorträge und Arbeitsgemeinschaften wie in den Korporationen. Ium Problem der sexuellen Erziehung. Don Prof. Or.phil. ei med. Erich Stern, Gießen. Der Verfasser äußert sich hier in gedrängter Lieberficht zu einem der brennendsten pädagogischen Gegenwartsprobleme; in seinem Buche „Dre Erziehung und die sexuelle Frage" *), auf das in diesem Zusammenhang hingewiesen sei, hat Prof. Stern, zusammen mit einer Reihe berufener Mitarbeiter, dem weitschichtigen Fragenkomplex eine ausführliche Untersuchung gewidmet. Die Erziehung bildet eine Einheit, in der jede Maßnahme die andere trägt und stützt, und in der jede Teilaufgabe nur aus dem Ganzen heraus verständlich wird. Wenn hier von sexueller Erziehung die Rede ist, so kann es sich also nicht um eine Erziehung handeln, die unabhängig vom Ganzen der Erziehung betrachtet werden könnte; vielmehr gilt gerade von der geschlechtlichen Erziehung, daß sie sich der erzieherischen Gesamtausgabe einordnen muh. Daher kann sich — es wird noch daraus zurückzukommen fein — geschlechtliche Erziehung auch nie in bloßer Aufklärung erschöpfen, besonders nicht in Aufklärung über die biologischen Vorgänge der Entwicklung; aber selbst, wenn wir den Begriff der Aufklärung weiter fassen: vom Wissen des Richtigen zum richtigen Handeln ist noch ein weiter Weg; und auf das rechte, das normgemäße Verhalten kommt es an. Damit aber erhebt sich die erste Frage: welches Handeln, welches Verhalten ist normgemäß? Ich habe diese Frage in meinem Beitrag zu dem von mir herausgegebenen Handbuch „Die *) Prof. Dr. E. Stern: Die Erziehung und die sexuelle Frage. Ein Lehr- und Handbuch der Sexualpädagogik. Unter Mitarbeit von Privatdozentin Dr. Charlotte Bühler (Wien); Universitätsprofessor Dr. Hubert Erhard (Dießen); Universitätsprofessor Dr. Ernst von Düring (Frankfurt a. M.); Dr. Heinrich Hoffmann, Assistent der Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Breslau); Dr. Hermann Rohleder (Leipzig); Universitätsprofessor Dr. Erich Stern (Gießen). 381 und XXX S. Abbildungen. Union Deutsche Verlagsgesellschaft Zweigniederlassung Berlin SW 19 Ganzleinen 14 Mk. 626 Erziehung und die sexuelle Frage" eingehender untersucht, wobei ich von der cm sich merkwürdigen Tatsache ausging, daß der Geschlechtstrieb der einzige Trieb ist, welcher eine sittliche Bewertung erfährt; mit der (Sexualität ist die sittliche Bewertung für unsere Auffassung so eng verbunden, daß wir sittlich oft geradezu als gleichbedeutend mit einem der Rorm entsprechenden sexuellen Verhalten setzen. Den Grund hierfür sehe ich vorwiegend in drei Momenten: Zunächst besitzt kein anderer Trieb die gleiche Macht wie der Geschlechtstrieb, keiner vermag den Menschen so sehr auszufüllen und von feiner „Bestimmung abzuziehen wie er. Zum zweiten ist der Geschlechtstrieb der einzige Trieb, der zu seiner Befriedigung auf eine andere Person angewiesen ist; wo nur die Befriedigung des Triebes gesucht wird, da würdigen wir den anderen Menschen zum Mittel, zur Sache herab, und dies ist nach Kant unsittlich. Und endlich drittens: Zweck des Triebes ist die Fortpflanzung, unmittelbares Ziel aber die Befriedigung; Ziel und Zweck fallen, im Gegensatz zu anderen Trieben, hier weit (für die allgemeine Betrachtung auch schon zeitlich) auseinander; was erstrebt wird, ist die Befriedigung, während der Zweck auszuschalten, zu umgehen versucht wird. Wenn wir den Trieb als sittlich oder unsittlich betrachten, so ist dies ungenau; denn gut oder böse kann lediglich der Wille, der Charakter genannt werden, und so gelten Beurteilung und Verurteilung nicht eigentlich der Geschlechtlichkeit, sondern dem Menschen, dem Charakter, dem Gesamtverhalten, von dem das sexuelle immer nur ein Teil ist. Cs besteht die Forderung, daß die aus dem Sexuellen stammenden Antriebe so gebildet werden, daß sie die Erreichung des allgemeinen Zieles der Erziehung nicht nur nicht hemmen und untergraben, sondern auch positiv fördern. Wo dieses Ziel liegt, kann hier nicht näher erörtert werden; daß wir die Ehe als die allein den sittlichen Forderungen entsprechende Form der Geschlechtsgemeinschaft an» sehen müssen, habe ich in meinem oben erwähnten Beitrag nachzuweisen versucht. Die Maßnahmen, welche einer sexuellen Erziehung dienen, sind mannigfaltig. Der Aufklärung wird immer eine wichtige Rolle zufallen. Ich unterscheide verschiedene Formen der Aufklärung; zunächst die biologische Aufklärung, welche die notwendigen Kenntnisse über Entwicklung, Zeugung und Geburt vermitteln soll; ihre Ausgabe ist es in erster Linie, eine reine und natürliche Einstellung zu den Tatsachen des Geschlechtslebens zu vermitteln und dcn Zögling soweit zu unterrichten, daß seine Phantasie sich mit ihnen nicht mehr beschäftigt; lügen muß das Vertrauen des Kindes zu den Eltern erschüttern. Die erste Aufklärung sollte zweifellos der Mutter zufallen; sie kann das Band zwischen Mutter und Kind noch enger knüpfen. Auch die Schule hat wichtige Ausgaben zu erfüllen: die gelegentliche ilntertoeifung im naturkundlichen Unterricht erscheint notwendig. Dabei muß die Aufklärung immer der kindlichen Fassungskraft angemessen fein. Als zweite Form der Aufklärung nenne ich die hygienische, welche sich an die älteren Zöglinge richtet, und die sie über die Gefahren vorzeitigen Geschlechtsverkehrs, über die Gefahren geschlechtlicher Betätigung und über die Geschlechtskrankheiten unterrichtet. Der Zögling muß wissen, welche Reize die Sexualität anregen und er sott sie meiden lernen. Hier liegen für die Fortbildungsschule sehr wichtige Aufgaben, die in enger Zusammenarbeit des Lehrers und des Arztes erfüllt werden müssen. Lind weiterhin nenne ich die realistische und die ethische Belehrung, welche ein offenes Wort über das wirkliche Leben, über die Wege, welche der Mensch geht, um zu einer Befriedigung des Triebes zu gelangen, wagt, welche die Zusammenhänge zwischen Sexualität und Verwahrlosung aufdeckt und insbesondere auch das Mädchen über die wahren Motive der Menschen aufklärt. Immer ist dabei dem Bilde des Seienden das Bild dessen gegenüberzustellen, was sein sott. Reben der Aufklärung spielen die h y g i e n i sch- diätetischen Maßnahmen eine wesentliche Rotte; ich denke hier an die Sorge für eine richtige Ernährung, welche Reize fernhält, an ausreichende Betätigung in frischer Luft, an Leibesübungen, kalte Bäder usw., vor allem aber an den Kampf gegen den Alkohol; daß zwischen Alkohol und geschlechtlicher Betätigung, Alkohol und Verführung, Alkohol und Geschlechtskrankheiten ein enger Zusammenhang besteht, wird kein Kundiger in Abrede stellen. Zu warnen ist vor einer llcbertreibung des Sports; diese schafft nicht nur Reize, sondern sie lenkt vor allem von geistigen Dingen ab, welche gegen das Triebleben ein Gegengewicht schaffen können. Ziel der hygienisch- diätetischen Maßnahmen ist die Ablenkung und das Hinauszögern der geschlechtlichen Entwicklung. das Abschwächen der sexuellen Reize. Daß die Iugendfreundschaften einer besonderen lleberwachung bedürfen, und daß die sexuelle Grundstimmung, die sich in manchen Iugendbünden regt, zur Kritik herausfordern muß, ist besonders zu betonen; über die Bedeu- tag kann man sich bei unserem Kllma, bei dem sternklarer Himmel die Ausnahme ist, nicht einlassen. Sollen wir uns dadurch abschrecken lassen? Sollte es uns nicht zu denken geben, daß nicht die fleißig und redlich unter ewig klarem Sternhimmel beobachtenden Araber den ersten kühnen und originellen Schritt über den großen Alexandriner P t o l e m ä u s hinaus taten, sondern der stille Frauenburger Domherr K o p e r n i k u s, der noch auf seinem Sterbelager darüber getrauert haben soll, daß ihm der trübe Himmel seiner heimatlichen Weichsellande nie den Anblick des Merkur gegönnt habe. Lind noch heutzutage marschiert auch in der Astronomie das Vaterland Keplers an der Spitze der Kulturländer, obwohl es weder mit dem riesigen Teleskopen der Amerikaner, noch mit dem wunderklaren Sternhimmel amerikanischer und italienischer Sternwarten., wetteifern kann. Auch für die Schülerbeobachtungen, die wir im Auge haben, sind Fernrohre und überhaupt Instrumente, wenn schon natürlich ganz erwünscht, keineswegs notwendig. Das bloße Auge ist das einzige Instrument, das die gleichzeittge Erfassung auch nur eines Sternbildes und dabei die gleichzeittge Benutzung durch eine Mehrheit von Beobachtern gestattet. Der Beobachtungsort I Ich gebe zu, daß ich hier besonders Glück hatte, da mir ein großer und hochgelegener Dachgarten zur Verfügung stand. Dieser Punkt kann, zumal in der helligkeitdurchfluteten Großstadt, einige Schwierigkeiten machen. Aber das muß ich doch feststellen, daß meine zahlreichen Schüler allesamt in Großstadtwohnungen, und meist recht bescheiden hausten, und daß trotzdem kein einziger von ihnen verhindert war, auch für sich allein das am Himmel zu beobachten, was er beobachten wollte. Richt einmal eigentliche Fachstudien des Lehrers sind erforderlich. Wer die charakteristischen Formen und die Ramen der Hauptsternbilder kennt, wer die Methode erfaßt hat, durch einfach geomettische Hilfslinien von bekannten zu unbekannten Sternbildern fortzuschreiten (denn auf Deuten mit dem Finger darf man sich nicht einlassen), der getraut sich immer an die Aufgabe heran! Das sei nicht nur Lehrern, sondern auch Vätern und Müttern gesagt. Es soll auch keiner fürchten, daß es ihm an Stoff fehlen könne, oder daß das bloße Aufzählen und Beschreiben von Sternbildern auf die Dauer eintönig sei! Der Himmel bietet immer etwas Reues I Bald beobachtet man das Fortschreiten des Tages oder der Iahvszeit, oder man unterscheidet verschiedene HelKglettsstusen, „Gröh n" der Sterne, bestimmt den Standort von Planeten in Sternbildern, lernt ihre Recht- ober Rückläufigkeit unterscheiden, vergleicht die Schnelligkeit der Venus oder des Mars mit der Langsamkeit Jupiters oder gar Saturns, der Mond, der ewig wechselnde, ist ein Kapitel für sich, auch das wirkliche Auszählen der Tage eines Mondumlaufs, oder der davon verschiedenen Periode von Vollmond zu Vollmond ist eine reizvolle Aufgabe, noch schwieriger ist die ungefähre Bestimmung der Stellung der untergegangenen Sonne. Sternschnuppen, die man bei stundenlanger Beobachtung fast immer sieht, oder der Wunderstem Algol mit seinen regelmäßigen Verfinsterungen kommen dazu — kurz, des Stoffs ist eher zu viel als zu wenig. Lind das stundenlange Hischauen des Himmels sttmmt das Gemüt zu wundersamer und lange nachwirkender Freude. Schließlich die Opfer an Zeit! Ohne die geht es natürlich nicht, und es kommt dazu, daß man, wie schon erwähnt» mit manchem an sich verdrießlichen Zeitverlust rechnen muh. Aber vier, längstens sechs Winterabende genügen durchaus, unsere Jugend so weit zu bringen, daß sie sich auch in einer größeren und schöneren Welt zu Hause fühlt, als die unsere. Sollten sie sich nicht erübrigen lassen? tung der Koedukation — ich habe dies näher begründet — für die sexuelle Erziehung denke ich nicht allzu hoch. Von ganz besonderer Bedeutung für die sexuelle Erziehung sehe ich den Kampf gegen den Schund und Schmutz in jeder Gestalt an, gegen die Schundliteratur, gegen die Schundfilme. gegen die seichten Possen und Theaterstücke, gegen die Auswüchse der Rellame usw. Aber man muh hier betonen, daß von Gesehen nicht alles erwartet werden kann, sondern daß das Wesentliche die Erziehung tun muh, indem sie das Interesse für wirkliche Kunst weckt und pflegt. Auch gegen die Darbietungen auf Meß- und Rummelplätzen, in Varietes und Sportpalästen gilt es Stellung zu nehmen; denn das Mtterleben der Ring- und Boxkämpfe hat mit sportlichem Interesse nichts mehr zu tun und wendet sich nur an das Sensationsbedürfnis. Das größte Hindernis der sexuellen Erziehung der Jugend ist aber das Verhalten der Erwachsenen; eine Leichtfertigkeit und Verantwortungslosigkeit hat heute weite Kreise ergriffen, die der Jugend nicht als Beispiel dienen kann; all das, was ihr als unsittlich hingestellt wird, sieht sie im Leben vielfach vor sich; und dadurch muß ihr Handeln selbst verwirrt werden. Daher ist am notwendigsten für eine sexuelle Erziehung die Erziehung der Erzieher — denn jeder einzelne hat, ob er will oder nicht, erzieherische Aufgaben zu erfüllen. Die Grundlage der sexuellen Erziehung ist aber — und hier mündet sie ein in die allgemeine Erziehung, von der sie selbst nur einen Teil darstellt — die Bildung desWillensund des Charakters: Selbstzucht, Verantwortlichkeit sich selbst und anderen gegenüber bildet die Grundlage des Verhaltens im Leben, auch des sexuellen Verhaltens, und insofern ist jede Erziehung zugleich sexuelle Erziehung. liniere Ausführungen geben nur eine Reihe von Sondermahnahmen, welche neben die allgemeine Erziehung treten müssen. Daß eine geschlechtliche Erziehung notwendig ist, kann kaum bezweifelt werden. Das Geschlechtliche bildet eine zu wesentliche Sphäre unseres Lebens, als daß die Erziehung an ihm vorübergehen dürfte, wie es so lange Zeit hindurch der Fall gewesen ist; in unserer Kultur, im öffentlichen Leben, im Schrifttum, in der Kunst, überall drängt sich das Sexuelle stark hervor, dadurch auch auf den jungen Menschen wirkend. Die Erziehung hat die Aufgabe, diesen Einflüssen entgegenzuarbeiten und zu einer richtigen Einschätzung des Sexuellen und zu einem normgemißen Verhalten zu erziehen.