Hr. 2^5 Erstes Blatt M. Jahrgang Mittwoch, Gttober 1928 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: Staniiuriam nioin iissc VrvS VN» Verlag! vrühl'sche UnIveUitStr-Bllch. and Steindruckeret B. Lange in Sietzen. Schristleitang und Seschästsftelle: Schulstratze l Umrahme von Anzeigen für die logesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.' für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig« Platzvorfchrist 20% mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen. Erschein« tüglitd.auher Sonntags and Frterlag». Beilagen: Gietzener Familtendlälter Heimat im Bild Die Scholle. Monats.Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Retchspfenntg für Trägev lohn, auch bei Nichterscheinen etnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 64 und 112. Anschrift für Drohtna«^ richten: Anzeiger Gietzen. Neuyork feiert die Zeppelinbesahung. Oer Triumphzug. Bon Zehntaufendea empfangen.— Eine Konfettifchlacht in den Straften Neuyorks. 2! euh 0 rk, 16. Olt. (TL1.) Während in Reu- York Zehntausend« von Menschen geduldig der Ankunft der Zeppelinmannschcift harrte, verlieh diese um 1.30 Uhr Lakehu rst rm Extra^ug und kam um 3.18 Uhr in Jersey-Stadt an. Unter nicht endenwollendem Jubel der Bevölkerung, die bis zum Hafen, wo das Aeuhorker Empfangsboot „W a c 0 n" bereitlag, Spalier bildet«, durchschritt die Zeppelin-Mannschaft die Bahnhofshalle, vor der eine Musikkapelle aufgestellt war, die beim Erscheinen Dr. Eckeners das Deutschlandlied spielen lieft. Unmittelbar nach Betreten des Gmpsangsbootes stieft es vom Ufer ab und durchkreuzte im Zickzack den Aeuhorker Hafen, während Flugzeuge in den Lüften kreisten und die fest- lich geschmückten Schisse ihre Sirenen ertönen Heften. Um 4 Uhr legte das Doot an der Battery an. Auch hier wurde die Zeppelin-Mannschaft von einer unzähligen Menschenmenge mit tosendem Beifall empfangen. Ueberall auf den Wolkenkratzern standen die Menschen dicht aneinandergedrängt und winkten den Bezwingern des Ozeans freudig zu. Dr. Eckener, sein Sohn, Admiral Mosfet und als Dertreter der Stadt Reuyork, Mr. Whalen, bestiegen ein Oluto und erreichten in langsamer Fahrt immer wieder vom ungeheueren Jubel der Bevölkerung begruftt, die City Hall. Berittene Polizei eröffnete die Parade, denen eine Kompagnie Marineinfanterie und eine Schwadron Kavallerie folgte. Di« Automobile mit den Ehrengästen bildeten den Schluft des festlichen Zuges. Während Dr. Eckener die Ehrenfront abschritt, spielt« die Kapelle ohne daft, wie sonst üblich, vorher die amerikanische Aationalhymn« erklungen wäre, das Deutschlandlied. Ueberall werden Fahnen in den Farben der Bereinigten Staaten und denen des Deutschen Deiches, worunter sich viele schwarzweiftrote befinden, geschwenkt. Don den TÄrlkenkratzern regnet es Konfetti und sich immer wieder nach allen Seiten verneigend, schreiten Dr. Eckener und seine Begleiter die grofte Freitreppe zur City Hall hinauf. Oer Empfang im Rathaus. Begrüßung durch Bürgermeister Me Kce. Dort wurden die Deutschen in den großen Empfangssaal geführt und von dem stellvertretenden Bürgermeister MeKee begrüßt. MeKe« hieß die unerschrockene Besatzung des „Graf Zeppe- lin" im Namen der Stadt willkommen und pries die bewunderungswürdige Leistung des Luftschiffs und feiner Führer mit beredten Worten. Er betonte die Bedeutung, die dem Flug im Hinblick auf die zu erwartende Entwicklung des transatlantischen Handelslustverkehrs zukomme und hob den Pionier- aeist des Unternehmens hervor, dessen Gelingen in so großem Maße deutschem Fleiß, deutscher Tüchtigkeit und Unerschrockenheit zuzuschreiben sei. Zum Schluß erklärte McKee, daß die Bürger Neuyorks glücklich und erfreut über das wohlbehaltene Eintreffen des „Graf Zeppelin" seien und sich stolz fühlten, einer solchen Heldenhaftigkeit ihren Tribut zollen zu dürfen. Auf toe Begrüßungsansprache antwortete Dr. Eckener m «ngckscher Sprache, daft er sich zu beginn der Fahrt darüber klar gewesen sei, daft das Luftschiff schlechtes Wetter haben werde und es eine schwere Probe bestehen müsse. Er habe aber trotzdem die Fahrt unternommen, um den Beweis für die Fahrttüchtig- feit des „Graf Zeppelin" auch bei ungünstigem Wetter Äu erbringen. Das Wetter sei dann auch schlecht gewesen, und man habe einem großen ümtoeg machen müssen, aber er glaube, daß das Luftschiff di« Probe gut bestanden habe. Das weitere Festprogramm. Einladung in das Weifte Haus. Aach dem Empfang im Rathaus unternahmen di« putschen Gäste eine Rundfahr t durch die Stadt. Sodann nahmen sie an einem Dan- feti teil, das der stellvertretende Bürgermeister McKee zu ihren Ehren gibt, und nach dem Bankett werden sie als Gäste der Stadt einer Theatervorstellung beiwohnen. Inzwischen haben die Straßenreiniger begonnen, die ungeheuren P a p i e r m a s s e n hinwegzuräumen, die während des Einzugs der Zeppelinbesatzung von den Fenstern und Dächern der Wolkenkratzer auf die Straften herniederrieselten. Roch immer hängen ungezählte Papierschlangen wie Eiszapfen von den hohen Häusern herab zum Zeichen dafür, daft Reuyork wieder einmal einen Festtag erlebt hat. Präsident Coolidge hat Dr. Eckener und ander« Herren der Besatzung des „Graf Zeppelin" für Freitag mittag zum Frühstück i m „W elften Hause" eingeladen. Begeisterungssturm der Reuyorker Presse. Reuyork, 16. Olt. (WTB.) Die Blatter widmen der Ankunft des „Graf Zeppelin" begeisterte Schilderungen, die mehrere Seiten in Anspruch nehmen. Diele Zeitungen in Reuyork, Washington und Philadelphia haben sieben Seiten über den Zeppelin herausgebracht, die be» rerts Bilder von der Fahrt enthalten. 3n den Reuyorker Blättern finden sich Lieberschriften wie: „Die ganze Stadt blickt hypnotisiert zum Luftschiff aus", „Coolidge tief beeindruckt durch den Zeppelinb:such", »Mi lionen jubcln d.r Triumph- sahrt zu". Die Aeußerungen von Passagieren, die sich in der Presse finden, bezeichnen die Fahrt als angenehm trotz der kleinen Aufregung des Samstags. Alle bekunden stolz, daß sie die erste Fahrt des Luftschiffes mitgemacht haben und preisen Dr. Eckener und seine Mannschaft. „Ren- york Times" bringt aus dem Munde eines Passagiers folgende Episode: Während des ganzen ersten Teils des Sonntags kämpften wir bei den Bermuda-Znseln mit den Gegenwinden. Wegen der Beschädigung der S'.abilisierungs'losse sonnten wir nicht mehr schnell fahren und wir Passagiere waren wegen des Wetters etwas besorgt, als Dr. Eckener plötzlich von der Brücke herunterkam, zu dem Kanarienvogel trat und ihn ruhig fütterte, worauf er in seine eigene Kabine ging. Wir atmeten leichter: denn wir wußten nun, daß in dem Augenblick, wo Dr. Eckener die Brücke verlieh, wir das s ch l i m m st e, koas das Wetter bringen konnte, hinter uns hatten. „Reuyork Times" begleitet ihre Berichte mit einem Leitartikel, der die Lieberschrift tragt „Der Lakehu rst, 16. Oft. (WTB.) Dr. Eckener und die Passagiere des Luftschiffes wurden von «ttva 50 amerikanischen Pressevertretern interviewt. Dr. Eckener gestand, daß er etwas müde fei, da er auf der ganzen Fahrt nur etwa acht Stunden Schlaf gehabt habe. Er äußerte sich dann über die Beschädigung der Stabil isierungsslvsse und erklärte, daß ein derartiger Defekt noch niemals auf einem Luftschiff eingetreten sei. Es werde auch wahrscheinlich sich nie wieder ereignen, daß man genötigt fein werde, mitten über &em Ozcan derartige Reparaturen vorzunehmen. Es fei ein Beweis für die Sicherheit des Luftschiffes, daß trotz des Zwischenfalles das Ziel der Fahrt glücklich erreicht worden sei. Flüssiger Betriebsstoff sei nur während der ersten 12 Stunden der Fahrt benutzt worden. Zur Frage der langen Fahrtdauer -erklärte Dr. Eckener schließlich, er hätte das Luftschiff gefährdet, wenn er sich lediglich von der Rücksicht auf die Einhaltung der programmäftigen Fahrtgeschwindigkeit hätte leiten lassen. Kommandant Rosendahl erklär!«, die anderen Pas agiere hätten sich angefi^ts des Kontrakts der Z pp lingcs.il csa t mi: eire.n amcr.kaniscken Rachrichten ihndika: sch i t- lich verpf.ichtet, vor Ablauf von acht Tagen nach der Landunz keine Rachri ch - ten über die Ereignisse des Flages bekannt'u- geben. Er glaube jedoch nicht, daß diese Derein- barung hindere, seine allgemeinen Eind.ü-e auf der Fahrt wiederzugeben. „Gras Z ppttin' sei ein gutes Luftschiff. Seiner An icht nach besitze es aber noch nicht die endgültigeSchiffs- größe, die für drn regelmäßigen Tran-o'ean- verkehr der Zukunft in Betracht iomme. Die Luftschiffe müßten immer grlßer w:rd.n, bis endlich di« leistungsfähigste Größe erreicht fei. Das Zerreißen des Gewebes der Backbordstabilisierungs- slosf« habe den „Gras Zeppelin" nicht gefährdet, sondern nur eine Verringerung der Geschwindigkeit zur Folge gehabt. K:mman- dant Rosendahl wurde dann von den Pres.cver- tretem gefragt, warum er das Marineamt drahtlos ersucht habe, Kreuzer zur Hilfelei- stung brrcit'uhalten. Er an to:riete, er habe es auf Ersuchen Eckeners getan. Zeder Kapitän, der auf die Sicherheit fe ner Pa sagte e bedacht sei, hätte an Dr. Eckeners Stelle dasselbe get an. Kaum 10 Min t.n spä er habe Dr. Eckener bereite fest st: l en können, daß der Schaden keineswegs schwer sei, und infolgedessen fei das Ersuchen wieder zurückgezogen worden. Auf der Fahrt habe kein Mangel anRah- rungsmitteln geherrscht. Es seien noch bei der Landung Borräte vorhanden gewesen. — Lady Drummond Hay erklärte, die Fahrt sei ungewöhnlich interessant gewesen. R emand an Bord sei krank geworden Als die Stabi i- sierungsflofse zerriß, sei man etwas auf gerüttelt worden, aber das sei auch alles gewesen. Die Beschädigung des Luftschiffs. Reuyork, 16. Ott (WTB.) Bei Tagesanbruch hakle man die erste günstige Gelegenheit zur Untersuchung des Sturmschadens des „Graf Zeppelin", hierbei zeigte es sich, in welch dramatischer Lage sich die 60 Personen an Bord befanden, bis die raschen heldenmütigen Ausbesserungen vorgenommen wurden. Der Sturm hatte offenbar durch ein zerbrochenes kleinstes Fenster zum Unterteil der Backbordflosse Zu- große Flug". Es heißt darin: Die Begeisterung, mit der die glückliche Ankunft des „Graf Zeppelin" begrüßt wurde und die private, sowie die amtliche Anerkennung des Kommandanten und des Zeppelins sind ebenso verdient, wie sie spontan sind. Der Flug ist ein weiterer Markstein für den großen Fortschritt im kommerziellen Flugwesen. „Graf Zeppelin" für Spanien gechartert? Reuyork, 16.O(t (BJIB.) Der spanische Oberst h e r r e r a, der wie bekannt, die Fahrt des „Gras Zeppelin" mitgemacht hat, erklärte, daß spanische Interessenten das Luftschiss „Graf Zeppelin" f ü r den Zeitraum von 2 Iahren mit Vorkaufsrecht gepachtet hätten, und zwar beabsichtige die spanische Luftfahrtgesellschaft Trons- aerea Lspanola, die einen handelsflug- dienst Spanien — Argentinien einzurichten plane, den „Gras Zeppelin" für diesen Dienst zu verwenden, bis sie eigene Schiffe gebaut habe. Oberst herrera erklärte, soweit er habe beobachten können, seien alle Passagiere von der J a b r t begeistert gewesen. Er glaube, daß das Luftschiff als Reise- und Verkehrsmittel bald populär werden würde. gang gewonnen. Er hatte ein Stück Stoff abgerissen, was ein Loch im Ausmaß von 15:7} Meter verursachte. Es mußte zunächst eine primitive Methode zur Vornahme vorläufiger Ausbesserungen angewandt werden. Mit Bett- decken wurde die Oefsnung, durch die der wind evtl. Zugang in das Schiffsinnere gefunden hätte, zugestopft. Rach den Ausbesserungsarbeiten blieb der Unterteil der Flosse unbedeckt. An der Verbindungsstelle der Flosse mit dem Schiffskörper verblieb eine Oeffnung. Von den Betten rour- den acht Decken genommen, zufammengenäht und damit eine provisorische wand errichtet. Bei dem Anblick der wunde an der Schiffsseite wird klar, weshalb die Geschwindigkeit seit dem Unfall sich verlangsamte, und es zeigt sich, wie umsichtig die Schiffsleitung gehandelt hat. Die Marinemannschaften fehlen heute Leitern an den Zeppelin, um die endgültigen Ausbesserungen vorzunehmen. Das Luftschiff, das übrigens, wie uns als seltsames Spiel des Zufalls aus unserem Leserkreis mitgeteilt wird, am 15. Oktober am gleichen Tage in Amerika gelandet ist, wie seinerzeit der Z. R. 3, die jetzige „Los Angeles", hat nach Ermittlungen der Friedrichshafener werft einschließlich der durch das Wetter bedingten Umwege, besonders vor der amerikanischen Küste, eine Gesamtslrecke von etwa 12 000 Kilometer zurückgelegt. Glückwünsche. Berlin, 16. Oft. (WB.) Der Reichspräsident hat auf den G.ückwunsch des Präsidenten Coolidge anläßlich der Ankunft des Luftschiffes „Graf Zeppelin" mit nachstehendem Telegramm geantwortet: „Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für die Glückwünsche und Anerkennung, die sie dem „Graf Zeppelin" und seiner Besatzung in so freundlicher Weise gezollt haben. Ramens des deutschen Volkes spreche ich gleichzeitig für d.e dem Luftschiff und seiner Besatzung gewährte glänzende AufnahmeundLIn- terstützung meinen aufrichtigsten Dank aus. Ich hoffe, daft mit diesem neuen Fortschritt in ber Luftfahrt die freundlichen Beziehungen, die zwischen dem großen amerikanische Volke und Deutschland bestehen, noch enger geknüpft werden. v. Hindenburg, deutscher Reichspräsident." König Gustaf von Schweden hat an den Reichspräsidenten anläftlich der Ankunft des Luftschiffes „Graf Zeppelin" nachstehendes Telegramm gerichtet: „Mit großer Freude erfahre ich die glückliche Ankunft des „Graf Zeppelin" in Amerika. Zu dieser bewunderungswürdigen und großartigen Tat deutscher Männer spreche ich 2hn«n meine wärmsten Glückwünsche avs. (g«8.) ©uftaf.“ ©er Herr Reichspräsident hat mit folgenden Worten geantwortet: „Eurer Majestät danke ich freudig bewegt _ für die gütigen Wünsch« aus Rnlaß des glücklich vollendeten Fluges des „Graf Zeppelin" und die warmen Worte der Anerkennung für die Leistungen seiner Besatzung. (gez.) Reichspräsident v. Hindenburg.“ Weitere Glückwünsche gingen ein von dem osterreichscheu Bundeskanzler Dr. Seipel, dem Senat der Freien Stadt Danzig, der H a p a g dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn und einer Reihe anderer Organisationen und Stadtverwaltungen. Oer reine Reib. Die französische Presse zur Zcppclinsahrt. Paris, 16. Oktober. (WB.) Zur Amerikafahrt des „Graf Zeppelin" schreibt das „Journal des Debüts": „Das war eine lange und mühselig e R e i s e für die, die das Luftschiff beförderte. Es hat sich zweifelsohne ungünstigen atmo- spbärischen Bedingungen gegenüber befunden, die allerdings nicht außergewöhnlich gewesen 3U sein scheinen. Die beiden Schiffe, die vorher die Fahrt unternahmen, hatten mehr Glück gehabt. Es wäre aber angesichts alles dessen, was man erfahren hat, eine große Leichtfertigkeit, etwa behaupten zu wollen, daß man an den lenkbaren Luftschiffen verzweifeln müsse". — Der „T e m p s" schreibt: „Die Reise des deutschen Luftschiffes muß unter den sportlichen Leistungen der internationalen Luftschiffahrt verzeichnet werden. Es ist eine sportliche Leistung, vor der man sich beugen muß, aber eine verfehlte Demonstration angesichts des verfolgten Zieles, nämlich hinsichtlich des Beweises der praktischen Nutzbarmachung des lenkbaren Luftschiffes als Handelsluftschiff." — Die „Libertö" sagt: „Die Fahrt des Zeppelin ist ein deutscher Sieg. So haben ihn auch die Deutsch-Amerikaner aufgefaßt. Ist es nicht überraschend, daß die Welt zehn Jahre nach dem Kriege ruhig dieser Wiedergeburt der deutschen Luftschifffahrt zusieht, dieser methodischen Anstren- aung, die Lust zu erobern? Auch die Amerikaner haben mit Deutschland Krieg geführt. Was würden sie zu einem Luftbombardement Neuyorks sagen, das eines Tages zweifellos nicht unmöglicher sein wird als das Luft- bombardement von London, das man vor dreißig Jahren auch für unmöglich gehalten hat?" Oie Räumungskonferenz. Frankreich erwartet eine deutsche Initiative. Paris, 16. Okt. (TU.) In unterrichteten Kreisen verlautet zu den bevorstehenden Besprechungen über D0$eit;ge Rheinlandräumung, daß die franzö- fische Regierung, die Deutschland die Jni- tiatlve übertragen habe, den Ort und den Zeitpunkt feftzulegen, wo und wann die Be- sprechungen der Finanzsachverständigen stattfinden sollte, bisher noch keine Mitteilung der deutschen Regierung über die Einberufung der Sachverständigenkonferenz erhalten habe. Es verlautet, daß die französische Regierung keine Einwande erheben würde, wenn als Konferenzort der Finanzsachverständigen London oorgeschlagen wurde. Bezüglich der Tagung über die Bildung des e st st e l l u n g s - und Verföhnungsaus- s ch u s s e s hoffe man, daß diese aus technischen Gründen nach Paris einberufen werde. Sobald bte französische Regierung von der deutschen Regier rung über Ort und Zeitpunkt unterrichtet sei, werde sie ihre Finanz-, Militär- und politischen Vertreter ernennen. Da bereits in Genf beschlossen sei, daß Stresemann im Dezember mit Briand und Chamberlain oder Lord Eushendun in Genf zusammentreffen werde, könne bei dieser Gelegenheit gleichzeitig über die Fragen der Reparationen und der vorzeitigen Rheinlandräumung verbandelt werden. Man nimmt in Paris an, daß die Arbeiten der beiden Konferenzen spätestens bis z u m 1. bzw. 15. November oufge- n 0 m m e n werden müßten, damit die auswärtigen Minister, die sich in Gens zusammenfinden würden, bereits einige Ergebnisse der Arbeiten in der Hand hätten, um ihre Unterredungen mit positiven Ergebnissen abzuschließen. Oer Fall Horan. Wie die britisch-französischen Geheimdokumente in die Presse kamen. Paris, 16. Okt. (WTB.) Das Außenministerium läßt durch die Havasagentur eine längere Auslassung zum Fall Horan verbreiten, die den Inhalt der protokollarischen Aussage enchält, die Horan bei seiner Vernehmung auf der Polizcipräfektur am 8. Oktober gemacht und unterzeichnet hat. Danach hat Horan erklärt, daß er den französischen Journalisten Deleplanque beauftragt habe, sich den Text des französisch- englischen Flottenkompromisses zu beschaffen, nachdem er selbst vergeblich versucht habe, ihn zu erhalten. Deleplanque sei eine Belohnung versprochen worden, deren Höhe nicht festgestellt werden konnte. Aber Deleplanque habe etwa 10 000 Francs erhofft. Deleplanque habe ihm dann durch den Konsul de Noblet die bekannten beiden Dokumente bezüglich des Flotten- kompromisses — den Text des Abkommens selbst nicht — beschafft, und Horan habe beide Dokumente Hearst bei seiner Anwesenheit in Paris vorge- (egt mit der Angabe, unter welchen U m- standen er sich diese beschafft habe. Hearst habe ihn beauftragt, die bekannte Zirkularnote dringend telegraphisch nach Amerika zu übermitteln und s 0 - Diel Aufsehen w i e möglich damit zu machen. Das „Journal" berichtet über die Art und Weise, r-r^.^*eJ’e^cn Geheimdokumente durch den französischen Journalisten Deleplanque kopiert wurden. Konsul de Noblet habe dem mit ihm befreundeten Journalisten Deleplanque erlaubt, in feinem Bureau die beiden in Frage kommenden Dokumente durchzulesen, ohne sich dabei Notizen zu machen. Aber Deleplanque habe beide Doku- Eckener über den Verlauf -er Fahri. Commander Rosendahl spricht über seine Eindrücke. W! <1 Oie Wetterlage. ar Eöfgr l Z ^-{Par/* ($ ©<5" o |U > in Witterun Ta- Bä®: Val An ö Äu/gewei sachschule Oie Ermäßigung der Fernsprechgebühren. Hamburg, 16. Ott. (WB.) Auf der Generalstreik in Lodz. Der Wettlauf mit den Radikalen. Streitgefahr in ganz Polen. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 17. Olt. Die Lodzer Textilarbeiter haben ihre Drohung, das gesamte wirtschaftliche Leben von Lodz stillzulegrn, wahr gemacht. Seit zwei Tagen liegen sämtliche Fabriken verödet da, es raucht lein Schornstein mehr, kein Aad dreht sich, die Stadt ist des Abends in tiefste Finsternis gehüllt. Lodz bietet also das Bild eines vollkommenen und restlos durchgeführten Generalstreiks. Die Lodzer Arbeits- kämpfe sind nun aber für den polnischen Staat von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Lodz be- t a g! ovilivvII v vnivu.i., u**'v “ '“l r»- ----—, Temperaturen nachts wieder in Gefrierpunktnähe, etvigle t bei ter im Lau große \ dis zmn 1. Oktob Luheslar valtung fchaft Pa mb der! Sew Zusammenbruch des kommunistischen Volksbegehrens. Lieberweisungssteuer unbegrenzt teilnehme n. Gerade dieses Problem wird im Aahmen der Regelung des Finanzausgleiches noch diesem Winter akut werden. U8TK1 ©ö . M mente an sich genommen und über Mittag - nach einigen Blättern sogar bis zum nächsten Morgen — behalten. De Noblet habe es unterlassen sich, bevor er wegging, davon zu überzeugen daß die Dokumente nicht seinen Schreibtisch verlassen hatten. Aus aller Welt. Trauer im Hause des Reichspräsidenten. Der Schwiegersohn des Reichspräsidenten, ß^.orat a. D. Dr. phil. Hans Joachim von Brockhufen-Justin, ist plötzlich in Reichenh ill an Herzs chlag verschi eben. Er wurde am 20. März 1869 zu Hannover geboren und vermählte sich 1902 mit Jrmingard von Dencckendorf und Hindenburg, dec ältesten Tochter des Reichspräsidenten. RnchZPräsi^ent v. Hindenburg hat dieses Trauersalles wegen seine für Mittwoch vorgesehene Reise nach Hannover zur Einweihung der Reitschule ausgegeben. Beisetzung der Opfer der Prager Linsturzkataslrophe. Unter Teilnahme von weit über 100 000 Menschen fand die feierliche Beisetzung von neun aus Prag stammenden Opfern der schweren Baukatastrophe statt, während der größte Teil der Leichen der verunglückten Bauarbeiter aus Kosten der Gemeinde nach ihrem Heimatort in Südbohmen befördert werden. Der Leichenzug nahm vom Prager Karlsplatz, wo In der Kapelle des Garnisonhospitals die Aufbahrung der Särge erfolgt war, seinen Ausgang. Hinter dem Leichenwagen schritten Vertreter aller Ministerien und öffentlichen Körperschaften, Abgeordnete und Senatoren, der Polizeipräsident, Vertreter der Gendarmerie und anderer Behörden. In den Straßen, die der Leichenzug passierte, waren die Geschäfte geschlossen. Don sämtlichen Kirchen ertönte Trauergeläut. Während des Zuges stießen die In geschlossener Gruppe marschierenden Arbeiter, unter denen sich viele Bergarbeiter aus Kladno befanden, Protestrufe aus und fangen das Lied der Arbeit. Aufsehen erregte eine Standarte, die neben der Abbildung einer gewaltigen Faust die Aufschrift: „Rache!" trug. Die Polizei, die um- fassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen hatte, fand keinerlei Anlaß zum Einschreiten. post und Reichsfinanzen. Die Früchte der Tariferhöhung.-Erhöhte Postabgaben. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 17. Okt. 3m Kampf gegen das Defizit des Reichshaushaltes werden im Aeichssinanz- Ministerium — wie wir an dieser Stelle schon ankündigen konnten — ernsthafte Erwägungen angestellt, die Abgaben der Post an die Reichsregierung zur Entlastung des Budgets zu erhöhen. Die Vorlage des Jahresberichts der Reichspost für das Geschäftsjahr 1927/28 hat gezeigt, daß die finanzielle Lage der Reichspost nach der Tariferhöhung außerordentlich günstig ist, ja, daß die Post sogar imstande war, ihre Kapitalaufwendungen für Reuinvestitionen in ungewöhnlich starkem Maße aus den laufenden Mitteln zu bestreiten. Unter diesen Umständen liegt es nahe, die schwierige Lage der Reichsfinanzen durch stärkere Abgaben der Reichspost etwas zu erleichtern, ohne gleichzeitig die Wirtschaft direkt neu zu belasten. Schon in dem letzten Etat wurde die Ablieferung der Post von bis dahin 70 Millionen Mark auf 10 0 W illionen Mark an daS Reich im Jahre heraufgesetzt. Wie wir hören, erwägt man jetzt, von der Reichspost eine Mehreinnahme von mindestens 50 Millionen Mark zu erlangen. Diese Entwicklung aber, und das darf man nicht vergessen, ist erst durch die Tariferhöhung der Reichspost im Herbst 1927 möglich geworden. In diesem Zusammenhang verlautet über die weitere Finanzpolitik des Ministers Dr. Hilfer- ding, daß er angesichts einer sparsamen Finanz- Wirtschaft im Interesse der Reparationspolilik dahingehende Maßnahmen treffen will, die verhindern sollen, daß die Länder an dem jährlich steigenden Mehraufkommen der Berlin, 17.OEL (prio.-XeL) Das kommunistische Volksbegehren gegen den Bau von Panzerkreuzern aller Art wurde am gestrigen Tage be- enbef, nachdem die Eintragungslisten 14 Tage lang im ganzen Deutschen Reich öffentlich ausgelegt waren. Obwohl die endgültigen Ziffern noch nicht vorliegen, kann man feststellen, daß die Kommunisten mit ihrem Volksbegehren einen völligen Mißerfolg erlitten haben. 3n Berlin, roo bas Eintragungsergebnis noch verhältnismäßig günstig ist, wurden bis zum Montagabend 345 786 Stimmen gezählt. Selbst, wenn man annimmt, daß die gestrigen Eintragungen fo zahlreich gewesen iab, daß die 400 000 überschritten wurden, wäre damit nicht mehr als etwa der vierte Teil des Volksbegehrens über die Enteignung der Jürftennermögen erzielt. • Wit dem Mute der Derzweiflung h?Ben die Kommunisten in den letzten Tagen gekämpft, um den Rest der ihnen zur Verfügung gestel.ten zweiwöchigen Frist für die Eintragung zum Volksbegehren gegen den Panzerkreuzer noch auszunutzen. Sie haben alle Mittel einer gewaltsamen Propaganda aurgenutzt. Aber es hat ihnen nichts geholfen. Sie find nicht entfernt imstande gewesen, dir verfassungsmäßig erforderliche Stimmenzahl von 10 Prozent der Wahlberechtigten, also rund 4,1 Millionen Wähler, auf die Deine zu bringen. Ihr Versuch endet also mit einem kläglichen Mißerfolg. Das ist einigermaßen überraschend gekommen, das Exempel schien doch von vornhe.ern ziemlich einleuchtend. Die Kommunisten h tten mehr als 31/2 Millionen Stimmen im Mai aufgebracht, sie'konnten auf die ft arte Erlegung innerhalb der SozialdsmolratifchLn Partei gegen den Panzerkreuzer rechnen, glaubten also annehmen zu dürfen, daß von dort her noch einige Millionen ihnen zuflirßen würden, so daß sie spielend die erforderliche Stimmenzrhl belämen, um dann im Reichstag die Hetze weiter treiben zu können. Und jetzt zeigt sich, daß sie nicht nur nichts von ben Sozialdenrokraten geerbt haben, daß gung des Verwaltungsrates der Deutschen Reichspost nahm die Vorlage über die Herabsetzung von Fernsprechgebühren eine bevorzugte Stellung ein. Der VerwaltungS- rat stimmte dem Vorschläge der Verwaltung zu, wonach vom 1. Januar 1929 ab die Bezahlung einer Miudrstzahl von Ortsgesprächen für jeden Hauptanschluß nicht mehr beansprucht wird. Jeder Teilnehmer hat also künftig nur ovicl Gespräche zu bezahlen, wie er wirklich ührt. Der Apparatebeitrag für die Her- tellung eines Hauptanschl isses wird von 80 auf 50 Mark herabgesetzt. Ebenso werden die Apparatebeiträge für Rebenanschlüsse und Zusaheinrichtungen ermäßigt. Weiter wurde eine Entschließung angenommen, wonach Teilnehmer, die ihre Anschlüsse infolge Gebührenerhöhung seit dem 1. Mai 1927 a b g c - meldet haben, keinen neuen Apparatbeitrag zahlen sollen, wenn sie ihren An- schluh binnen drei Monaten wieder an- m e Iben. Ferner brauchen die Gemeinden des flachen Landes bei der Einrichtung öffentlicher Fernsprech st ellen keinen Zuschuß für die erforderlichen Stellen mehr zu zahlen. Verschiedene Aenderungen der Postordnung fanden ebenfalls die Zustimmung des Verwaltungsrates. Oie Gieuerfordemngen deS'Reichslandbundes. Berlin, 17. Okt. (Priv.-Tel.) Wie wir erfahren, wird es nicht möglich sein, von feiten des Frnanznnn.steriums dem neuerlichen Ersuchen des Reichslandbundes um einen weiteren Steuererlaß für die Landwirtschaft zu entsprechen, zumal ja schon eine ganze Reihe von Erlassen bestehen, die der Steuerzahlung der Landwirtschaft auf das weitmöglichste entgegenkommen. Trotzdem wird die an das Ersuchen geknüpfte Begründung des Reichslandbundes doch Veranlassung geben, noch einmal im Prinzip die Finanzlage der Landwirtschaft zu überprüfen. Run ergibt die Statistik im Gegensatz zu den Angaben des Reichs- lcmdbundes, daß die diesjährige Ernte eine sehr gute Mittelernte ist. Es fragt sich nur, ob die so viel bessere Qualität der Ernte in diesem Jahre bei der außerordentlichen Preissenkung dem Landwirt wenigstensdasselbe, wenn nicht inehr einbringt, als die Ernte mit ihrer schlechten Qualität vom vorigen Jahr bei den damals weit höheren Preisen. Dieses Problem wird zur Zeit einer eingehenden Prüfung unterzogen. Benutzung der Polsterklasse durch die Schwerkriegsbeschädigten. Berlin, 17. Okt. Bisher war den Schwerkriegsbeschädigten mit den Fahrkarten 4. Klasse die Benutzung der 3. Fahr- klasse gestattet. Da die Reichsbahn mit dem 7. Oktober die Umste lang auf das Zoeillassen- system vorgenommen hat, so war der Reichstags- abg?ordnet: Hem Lr bei a Reihs. er ehr i Minister dahingehend vorfieiiig geworden, daß den Schwer- kriegsbrschädigten die Benutzung der Polsterklasse mit der Fahrkarte für Holzklasse gestattet werden mö'te. Run- mehr teilt dar Reichsverkch.sminister den Abg. Hemeter mit, daß er wegen des Anirages auf Aenderung der Bestimmungen über die Gewährung der Fahrpreisermäßigung für K.i gib fchi d gt: b ,ürtt> rt nb an die Deutsche R^ichsbcchngesellschaft, Haup.verwal- tung, herangetreten fei. sogar ihre eigenen Wähler Wassenskeck übten und daß sie froh sein können, wenn sie 50 Prozent der Stimmen schaffen, dre fte im Mar gehabt haben. Wie kommt das? Zum Teil find organisatorrsche Mangel maß- gebend gewesen. Der Ausbau der fommunii-t er,en Partei ist nicht annähernd stark genug gewesen, um in den 62 000 Gemeinden des Deutschen Reiches die Einzeichnungslisten nicht nur ausieccm, sondern auch propagandieren zu lassen, während auf der andern Seite die Disziplin der Sozialdemokraten sich ausgezeienet bewährt hat. Cs muß der s^ialdemokrati.chm Führung gelungen sein, alle Kanäle, die nach links f.ießen konnten, so gut wie restlos abzu- dichten. Frciiich um den Preis, daß ber <5 tr eit nun im eigenen Lager weiter geht, er hat sich in die Tiefe gefressen und wird den sozialistischen Ministern noch unangenchn genug werden. Aber davon haben die Kommunisten nichts. Indessen damit wäre nur erklärt, weshalb der erwartete Zuzug ausgeb!ieben ist. Esb.eibr immer noch die überraschende Tatsache, daß d i e kommunistischen Wähler selbst nicht mitgegangen find. Unb das ist ein Ergebnis, das über diesen Cinzelfa l hinaus Bedeutung hat. Es scheint, daß die Kommunisten in hohem Maße nur das Reservoir der allgemeinen Anzufriedenheit sind, daß ihnen bei den Wahlen Hunderttausende zuflosfen, die politisch oder wirtschaftlich verärgert find und ihrem Mißvergnügen durch die Abgabe eines radikalen Stimmzettels Ausdruck geben wol en, daß diese Schichten aber nicht daran denken, sich deswegen mit den kvmmunis.isch n Ideen zu identifizieren, sondern davon abrücken, sobald der Kommunismus einmal den Versuch macht, feine Theorie in die Praxis umzusetzen. Das ist eine erfreuliche Erkenntnis, sie bestätigt un ere bereits feit Jahren vertretene Auffa fung, daß der Kommunismus in Deutschland keine politische Bewegung, sondern nut eine wirtschaftliche Gefahr ist, und daß er in dem Augenblick zusammenbricht, wo es uns gelingt, Ar beit für alle Hungrigen zu schaffen. Oie Reform des Schlichtungswesens. Eine Konferenz im Rcichsarbeits- ministerium. Berlin, 17. Okt. (Priv.-Tel.) In einer Qäz- sprechung über die Reform des Schlichtungswesens im Reichsarbeitsimnistrnum wurde von der Arbeitgeberseite die Einsetzung einer Kommission angeregt, dw sich mit Reformen im Schlichtungswesen beschäftigen soll. Der Reichsarbeitsminister lehnte die Einsetzung einer solchen Kommission als unvereinbar mit den Ausgaben der K onf erenz ab, erflärte sich aber bereit, die Wunsche und Vorschläge der Arbeitgeber entgegenzunehmen und darüber mit ihnen und den Arbeitnehmern nötigenfalls weiterzuverhand.ln. Der Arbei'sm.ni- fter sprach sich auch gegen die Einführung eidlicher Vernehmungen vor den Schlichtungsausschüssen aus. Dagegen bezeichnete er die vom Gewerkschaftsri-ng erhobene Forderung der völligen äleberführung der amtlichen Schlichtungsorgane auf das Reich und die Beseitigung der Einschaltung der Länder als durchaus erstrebenswert. Am Schluß der Besprechung faßte der Reichsarbeitsminister ihr Ergebnis dahin zu- sammen, daß die Berechtigung und der Ruhen des Schlichtungswesens von allen Beteiligten in ber Aussprache eindeutig und uneingeschränkt anerkannt worden sei. Die Arbeitgeber hatten uneingeschränkt ihre Tarifwilligkeit zu erkennen gegeben. Sie hätten sich damck zu der in Artikel 165 der Reichsverfassung festgelegten gleichberechtigten Mitwirkung der Angestellten und Arbeiter bei der Regelung der Arbeitsbedingungen bekannt. Von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei der Wunsch nach möglichst direkter Beilegung von Ar- beitsstrcitigkeiten infreierVerstandigung oder durch tarifliche Schiedsgerichte geäußert worden. Durch diese tariflichen Schiedsgerichte hätten die Beteiligten die Möglichkeit, die amtlichen Schlichtungsorgane überhaupt auszuschalten. Die völlige Beseitigung der Verbindlichkeitserklärung sei nicht gefordert worden. Die Verbindlichkeitserllärung bilde auch gar nicht regelmäßig den Abschluß des Schlichtungsverfahrens, sondern sei eine Ausnahme. ilm einzelne vorhandene Mängel zu beseitigen wäre es vielleicht wünschenswert, den Begriff' „öffentliches Interesse" etwas schärfer zu fassen und strengere Voraussetzungen für ein Eingreifen der amtlichen Schlichtungsorgane von Amts Wegen festzulegen. Der Arbeitskonflikt in der nordwestdeutschen Eisenindustrie. Düssebdorf, 17. Okt. (Priv.-Tel.) 3m Lohalonflckt der nord-westdeutschen Eisen-Industrie ist nunmehr die Bestellung eines Schlichters durch das Reichsarbeitsnuniste- rium erfolgt, und zwar ist das Amt Dr. I ö ck e n- Köln übertragen worden. Die Parteien werden voraussichtlich schon in aller Kürze zu Verhandlungen geläden werden. Aus der Vertreter- konferenz des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurden die Maßnahmen ber Organisation und das Verhalten der Derhandlungsleiter gut- geheißen. Es wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, daß die Lage als überaus ernst anzusehen sei. Die Metallarbeiterverbände der nordwestlichen Gruppe werden die Arbeitszeitregelung zum nächsten Termin kündigen. herbergt in seinen Mauern das Gros aller polnischen industriellen ^Interneh- mungen, die plötzlich zum Feiern gezwungen werden, weil es zwischen den Textilfabriken und den Gewerkschaften wegen der Lohnstreitig- teiten zu einer Einigung nicht kommen konnte. Es sieht nun aber keineswegs so aus, als ob der Arbeitskonflikt rasch wieder beigelegt wird und das wirtschaftliche Leben wie früher ungestört seinen Fortgang nehmen kann. Die Textil- toarenf abrif anten erleiden durch den Ausstand keine besonderen Schäden, da sie gewaltige bisher unverkaufte Vorräte besitzen, die sie zunächst einmal abzustoßen versuchen werden. Aus der Arbeitnehmerseite sind aber die gemäßigten Sozialisten, die erst mit dem Wiedereinsetzen einer besseren Konjunktur losschlagen wollten, durch die Kommunisten zum Streik gedrängt worden. Sie müssen, um die Führung nicht zu verlieren, radikaler als die kommunistischen Gewerkschaftler auf treten, können sich unter diesen Umständen also auf keinerlei Lohnabkommen einlassen, die nicht hundertprozentig den gestellten Forderungen entsprechen. Den Quertreibereien der Kommunisten ist es auch zuzuschreiben, daß aus dem Textilarbeiterstreik ein Generalstreik wurde, der fast die gesamte polnische Industrie stillgelegt hat. In Warschau Dürfte ma.i von den Vorgängen in Lodz, dem Industriezentrum Polens, nicht sonderlich entzückt fein, zumal die Gefahr eines Generalstreiks für aanz Polen nicht von der Hand zu weisen ist, oer dann sofort Oberschlesien veröden lassen und den gesamten Verkehr, zum Stillstand bringen würde. Eine Generalstreikparole für ganz Polen wird sicherlich nicht ohne Erfolg bleiben, weil die niedrigen Lohnsätze schon seit langem eine starke Unzufriedenheit in der polnischen Arbeiterschaft ausgrlöst haben. Diesen Unmut der Arbeiterbevölkerung haben die Kommunisten bisher geschickt für sich auszu- beuten verstanden. W.nn sie in Lodz maßgebenden Einfluß zu gewinnen vermochten, dann liegt das unzweifelhaft an den in der Textilindustrie bisher gezahlten Löhnen, die so niedrig waren, daß die Polen sich in Europa Absatzmärkte für Textilwaren erobern konnten, die ihnen gar nicht zustanden. Senf in der Hauptsache trocken. Lufttemperaturen am 16. Oktober: mittags 9,2 Grad Celsius, abends —1,6 Grad Celsius, am 17. Oktober: morgens 2,2 Grad Celsius. Marlmum 9,4 Grad Celsius, Minimum — 2,4 Grad Celsius. — Erdtemperaturcn In 10 Zentimeter Tiefe am 16. Okt: abends 3,8 Grad Celsius: am 17. Oktober: morgens 2,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7% Stunden. westliche Winde. , _ Witterungsaussichten für Frei- : Zeitweise bewölkt, auch vielfach ausheiternd. Das Urteil gegen die pofTränber von Ohligs. In dem Prozeß gegen die beiden Posträuber von Ohligs, Hein und Lärm wurden die beiden Angeklagten wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes, Hein insbesondere wegen Körperverletzung mit Todei erfolg, z u je 15 Jahren Zuchthaus Denr.t:ilt Bei beiden wurde auf Stellung unter Polizeiaufsicht, bei Lärm ferner auf 10 Jahre Ehrverlust erkannt. Die in Koburg über Hem verhängte Zuchthausstrafe wurde in die obige Strafe ein- bezogen. In der UrtellZbegründung wird u. a. ausgesührt, daß beide die Tat in Ohligs m i t voller Ueberlegung ausgefüh.t hättenund- es außer Zweifel stehe, daß der tödliche Schuß von Hein stamme. Lediglich die Ansicht der Gerichte, daß hinter den Taten der Angeklagten ultra radikale Kreise stehen, hat das Gericht veranlaßt, von einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe abzusehen. Unfall im Zirkus, Busch. Bei einer Vorstellung im Zirkus Busch in Berlin ereignete sich ein Unfall. Bei Borführung einer neuen Nummer „D e r M a g n e t st e r n a m Z i r . k u s h i m m e l" durch zwei Artisten versagte plötzlich der Mechanismus. Infolgedessen konnte sich der eine Artist, dernurmitdenZähnenan einem von dem zweiten Artisten gehaltenen Bande hing, aus dieser schwierigen Lage nicht befreien. Man spannte chliefelich ein Sprungtuch aus, in das sich der Artist hineinfallen liefe. Er erlitt dabei eine Ge - Hirnerschütterung und wurde ins Krankenhaus gebracht. (Eine deutsche Forfchungsexpedttion in Chinesisch- Turkestan festgehalten. Die deutschen Forschungsreisenden Trinkler und D e t e r r a haben nach Erforschung des west- lichen Himalaya und Chinesisch-Turkestan Delhi erreicht. Eine aus 40 Ponys bestehende Karawane mit geologischen Funden, die unter Führung des Schweizer Expeditionsteilnehmers B 0 fe h a r d über Kaschgar und die transsibirische Eisenbahn nach Europa befördert werden sollte, ist in Kaschgar von den chinesischen De Hörden f e st g e h a 11 e n und wahrscheinlich b e - schlagnahmt worden. Die Forschungsreisenden haben sich an die deutsche Gesandtschaft in Peking mit der Bitte gewandt, sich bei der chinesischen Regierung für die Freigabe zu verwenden, da sonst die praktischen Ergebnisse der vierzehnmonatigen Forschungsarbeit verloren wären. Fast fünf Millionen Taucher auf der Kölner prefsa. Die Kölner „Prefsa" hat eine Gesamtbefucher- zahl von 4 928 874 erreicht. Der Schlutztag der „Prefsa", der Sonntag, hatte noch einmal alles auf die Deine gebracht. Besondere Veranstaltungen, ein Riefenfeuerwerk und das allgemeine Gesiihl: Zum letztenmal lockten rund 1 50 000 Besucher in die Ausstellung. Bereits am Vormittag war über die Hohenzollernbrücke eine wahre Völkerwanderung und am Abend waren die Straßen der Ausstellung voll wie noch nie. Auch am Samstag schon waren rund 70 000 Besucher im Gelände. Der von der Arbeitsgemeinschaft der Kölner Presse veranstaltete erste Kölner Prefsebali erfreute sich eines ausgezeichneten Besuches und nahm einen allgemein befriedigenden Verlauf. Wd' Hie ß 8- A sii-A u- S W- auf d-s besonne iMlM Sagt bes S-h°nd !er 2hW gebracht Svnntac winde s füge? »en ® 2(uf bem SwHe ' dtpa 20 tobt! Hit erster SchaM $le3u hiiüveiscr in den^ TvnchaU »esen ist beste bet slüge. temit ge Wnver W" weitere ü unserer L polizeit Heule sei« ®i 0Worxtnio$.0 neuer otoec«L e*oi*ig. eoeoeext. eRegt^ »Sthnec o tiraupei» ■ Neon K 6rwitter.©w Sd» HKNer Osi 'nlssioer Sudiuawen Q iturmecnei "ordwesl fcle Pfette fliegen mit dem winde Pie ocoen Stet.one« >tt»enden ia» Kn geben die Temperatur an Pie timen eeromde» Orw eit oieient® y InbehIeur- Schule Mascmnenoau Eltttro- tscnDltHocb-u. TitiOfD, Tonmoustne. Wert(n»l»ter.A6telleeee» Si.t-Kw-Lehrplinelrei. Billige Fische Schelllische, groß, o. K., PId. 49 PL Seelachs, groß, o. K., PId. 88 PL Brataohelllisoae.....PId. 28 PL Hch. Kalbfleisch Tel. 1685 89420 tags und SamSiagS 18.Oki^ vünktl.9Uhr, länger. Wo? sagt b. Boller. Bahnhossir. Die trauernden Hinterbliebenen i. d. N. Katharine Weber geb. Dorfeld. [Stellenangebote] Solvente Herren n. Barnen abuebauteBesmle finden durch den Besuch von Privaten tebr hoben BertlenfL Schrtstl. Angeb. um. 9144DQ.ti. 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Lebensjahre für immer von uns gegangen. w MM Tüchtige, branchekundige Verkäuferin auS hiesiger guter Familie mit guten Zeugnissen für sofort ob. später gesucht Julius Schulze / Kreuzplatz 9152 D la Apfelmus */i Dose Mk. 1.—, solange Vorrat reicht L.«,.G»E»ß MrMaße 4 Eingang ömggraben Lieferung frei HauS. 8971D Mod-Speisez-Beleuchhjrrg Beleoclitiin^sbausABmann Bismarckstrafie — Ecke Ludwigstra&e Donnerstag, den I^S.Ottober 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: eine Kriseurtoilette, 2 Warenschränke, drei AktenschrSnke, 1 Kassenschrank, 1 Motorrad, 1 emaiN. Herd, 2 Lüfetts, 1 kompl. LadenelnrichttMg, 2 große Wagen, drei Schreibtische, 2 Nähmaschinen, 1 Waschtisch, 1 Dett, 1 Sofa, 1 Damenfahrrad, 1 Chaiselongue, 600 Dachziegel, einen Kleiderschrank. 9154D Demi Gerichtsvollzieher in Gießen, Stelnstr. 13. rtemen — für alle Arten von Brüchen. 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Oktober 1928: a) bei der Firma Frih Tlowack in Giehen: Der Sitz der Firma ist nach Wetzlar verlegt, b) Bei der Firma Wilhelm Reuning in Allendorf an der Lumda: Dos Geschäft nebst Firma ist auf Wilhelm Reuning Witwe, Wilhelmine geb. Lotz, zu Allendorf a. d. Lumda übergegangen. Dem Karl Reuning von Allendorf a. d. Lumda ist Prokura erteilt, c) Bei der Firma Gießener Fahrrad- und Motorrad-Vertrieb, Rinsland, Dittmar & Co. in Giehen: Die Firma ist erloschen. Am 13. Oktober 1928: die Firma S. Rosenau in Gießen. Der Sitz der Firma ist von Wetzlar nach Gießen verlegt. Inhaber ist der Kaufmann Hermann Rosenthal in Wetzlar. Dem Kaufmann Hans Schönfeld in Gießen ist Prokura erteilt. Gießen, den 16. Oktober 1928. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Gemeindejagd. Samstag, den 20. Oktober 1928, nachmittags um 2 Uhr, wird die Gemelndejagd der Gemeinde Hattenrod auf sechs Jahre in zwei Teilen öffentlich verpachtet. Bürgermeisterei Hattenrod. Sehnhhan» Bär. | Kaufgesuche | Gebr.Ofen zu kaufe» gc ucht. Zu ex fr. t. d.GefchäflS- ,relle d.G.Anz. 07340 Für getragene Seueiillelliek zahlt höchste Preise L. Rosenzweig, Gletzev.Sellersw.58L Kaire genügt, ""a „Fischhaus" Marktstrane 14. Wer, braver Haushursche am liebsten v. Lande, sofort gesucht. yl80D medisinalärogerle Haus Hindenburg Ssltsrsweg 68 JL Jüngere, perlekle Sbljpislio für sofort ob. später gesucht. Schriftl. Angebote unter 91131) an ben Gieß. Anz. erbeten. Bcrtrauenövosten. JnelnLanbstäbtchen OberhessenS wird älteres, tüchtiges Fräulein auS guter, ehrlicher Familie, für Büfett unb Beblenung in meiner Gastwirtschaft mit nur gutem Publikum für sofort gesucht. Schriftliche Angeb. unter 9134D an den Gieß. Anzeig. Vei-miötungH '6N8. Brandl BNäeonee?2 Sonn. möbl. Zimmer, ■ nteKfiehe. TeL1085. Schön möbliertes Zimmer el. Licht, evtl. Tele- obonbenutzuna, au vermieten. 9145D I. M. Schulbof, Marktstrane 4. Hlöhi. 3immet zu vermieten 07327 Sandgasse 43. 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Nr.2§5 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, XI. ©höbet (928 ianbe(n und im Völ- milie im Unteri mit Revclvers> ZnhnhMKTelK Vereine Keller metzeln hundert in England zu früh geboren wurde. Und zwar handelt es sich hier um eine Zwje- spältigkeit, die weit über den abgeschliffenen, matten Sinn hinausgeht, den der heutige Sprachden Zarewitsch nach Tiumen und von da nach Iekaterinenburg, wo bezahlte Mörder — gebrauch mit den bedeutet hier eine Meine beste Freundin war indessen weder Tatjana noch Olga nach 2Inastasia, sondern Maria, die genau mein galtet hatte, und die auch die zärtlichste, die hingebendste und sentimentalste von allen vier war. Unter recht seltsamen ilm- ständen erfuhr ich, daß auch sie eine geheime, übrigens völlig harmlose Neigung zu einem jungen Offizer am Hofe hatte. Dies ist das Besondere daran: wie ein Mensch, den die Natur halbsertig, mihgeschaffen und verkrüppelt in die Welt entlieh und verstieh, dem satanischen Willen anheimfällt, sein inneres Wesen und all sein Sinnen und Trachten dieser verabscheuungswürdigen Gestalt anzupassen. (Cin- gangsmonolog.) Nichts von der ausgleichenden Gerechtigkeit, für die man gemeinhin in solchen Fällen Beweise vorzubringen pflegt. Richard ist anders. Wenn schon die Hunde ihn anbellen auf der Gasse, den Menschen um ihn soll das Lachen vergehen ob seiner kläglichen und verwahrlosten Gestalt: Blut und Tränen über sie! Und Blut und Tränen fliehen in diesem Schauspiel wie Wasser. Die Forderungen für die Aufführung sind aus dem Gesagten abzulerten. Sie begegnen sich mit den Ideen des Intendanten Dr. P r a s ch, der das Werk inszenierte... als ein Menschenspiel, nicht als ein Königsspiel, als eine Charakterballade. nicht als historische Chronik. 2m Sinne der sich zusehends durchsetzenden Auf'asung unserer Zeit, wie ein klassisches Stück für uns zu spielen sei. Also: einfach, lebendig, in großen Linien, auf die Innenarchitektur des dramatischen Gebäudes bedacht und auf seinen seelischen Grundriß. Der Negisseur hat sich hineinvertieft, eingewühlt in sein Stück, hat es abgetastet, durchgeknetet, gerafft und gestrafft. Er hat mit seinen Helfern Löffler und Keim einen gegliederten Spielraum geschaffen und einen sparsamen, schlichten, stilsicheren Rahmen um die Szene gezogen. Hohe gotische Bögen und Pfeiler, verhaltene Farben, rotes und fahles Licht wechselnd über der Szene. gebrauch mit dem Wort verbindet. Zwiespältigkeit maßlose und unüberbrückbare Ferner: wie dieser Höllenbraten in Menschengestalt eine schlechthin übermenschliche Gewalt über seine Umgebung gewinnt, über alle, die ihm nahestehen oder zu nahe kommen ... die berühmte Begegnung mit der trauernden Anna im Leichenzug — „ward je in solcher Saun' ein Weib gefreit?" — und die in späteren Szenen immer wieder durchbrechende suggestive Kraft, die von chm ausgeht und überspringt auf die andern, bis er endlich den Thron erkriechen kann: das ist etwas Ungeheuerliches und geht stellenweise über jede schauspielerische Kraft und Wandlungsfähigkeit hinaus. UüdeniMerE mefter) erteilt SÄ sollten. (Fortsetzung folgt.) Es ist viel gestrichen worden und hätte noch mehr gestrichen werden können. (Doch läßt sich darüber streiten.) Ganz vorzüglich, geschlossen und belebt, gerieten die Szenen des ersten Aktes, dann der Mord im Tower, der .y>of in Baynar. s- Schloß (Hl 7) und die eigenwillig behandelte, sehr eindrucksvolle Traumszene. Im ganzen wirkte der Schlußakt viel matter als die ersten Die Szene im Zelt war im Tempo verschleppt, der Ausklang (Richmond) abgehackt und von herkömmlicher Theatralik. (Ueberhaupt könnte in den Massenauftiitten manches geglättet und gedämpft werden) frühere Zuchthäusler und Kriegsgefangene — am 16. Juli kurz nach Mitternacht in einem die ganze kaiserliche Familie nieder- innere Kluft, ein qualvolles Gespaltensein in zwei seelische Hälften Gin Schweben zwischen zwei Welten Brandl sagt: „Man hat Richard einen Teufel genannt; er selber hätte nichts dagegen gehabt, doch fällt er aus Gottesfurcht." Ihm, den seine aufgeklärte Gottesferne und eisige Ironie weit über fern Jahrhundert hinauszuheben scheinen, hängt tiefinnerlich doch jenes Mittelalter an, dem er entwuchs. Die ungeheuren, drohenden Vorstellungen seiner Zeit — Jenseits, Weitende und letztes Gericht — Wersen ihn nieder, noch ehe er in der Entscheidungsschlacht fällt. Nach jenem Gcistertraum, der wie von drüben in seine blu überströmte W r lilfteft hereinbricht, an die er glauben möchte und sich klammern will. Endlich (um die Zauberformel zu sagen, die meistens vom Referenten verlangt wird): dieser König, oder dieser Mensch, lebt und erlebt die Tragödie der Leidenschaft. Der Leidenschaft zu sich selbst: er ist das blutige Widerspiel zu jenem lieblichen sagenhaften Narziß. Wie der in seine Schönheit vernarrt war, so erwuchs ihm aus seiner Häßli^eit ein Uebermaß des Lebensdranges, eine wilde und brünstige Sucht, da zu sein, groß zu werden, zu herrschen. Und diese Lebensgier überschlägt sich sofort und bewußt ins Verbrecherische, blendet ihn und verblendet ihn... bis ihm in jener letzten Nacht, im letzten Traum die Augen übermächtig und übersinnlich geöffnet werden. — Edelbert Gareis trug die Riftenvolle des Richard. Wie weit er ihn im Sinne unserer Ausführungen gestaltete, bleibe dahingestellt. Schließlich spielt jeder seinen Richard, Wegener so, Kortner so, — Gareis so: als eine Kreuzung zwischen Tartuffe und Mephisto. Eigenartig und interessant. Uebrigens hat er e.ne zu gute Figur für die Mißgeburt. Aber er packt sich einen Buckel auf, duckt sich und hinkt und bleibt gleichwohl, von bestechender körperlicher Beweglichkeit. Er unterstreicht das Schauspielerische, das schillernd Heuchlerische seines „Helden" und erreicht in der Szene vor der Krönung (III 7), wo er dies ausschöpfen kann, den stärksten Eindruck. Gut war die Maske, der bombastische Text bewälligt. obschon nicht überall mit voller Deutlichkeit. Im Schlußakt wurde auch er schwächer und äußerlicher. 2m ganzen jedoch: eine tüchtige Leistung, die sich auch an einer größeren Bühne hätte sehen lassen können. Weiter — worauf der bedeutende Anglist Alois Brandl aufmerksam gemacht hat —: König Richard der Dritte ist ein gespaltener Charakter — wie modern das klingt! — ein zwiespältiger Mensch... der zufällig im fünfzehnten Jahr- Während des ganzen Krieges hat sich die Kaiserin mit ihren Töchtern viel um das Wohlbefinden und die Verpflegung der Soldaten bekümmert und besonders für die Verwunderen gesorgt. Zweimal im Monat brachte ein Sonderzug, der den Namen „Alexandra Feodorowna-Zug" führte, Pakete, Kleider und Lebensrnittel an die Front, die die Kaiserin persönlich den gemeinen Soldaten an den gesährdetsten Stellen der Front zukommein lieh. Zu Ostern 1915 erhielt ich auf Grund einer Sondererlaubnis der Zarin Gelegenheit, in diesem Zuge mitzufahren und in Schwesterntracht bis zur österreichischen Front zu gelangen. Gleich nach meiner Rückkehr von dieser Reise, die mehrere Tage dauerte, eilte ich in meiner weihen Schwesterntracht, in die ich zum ersten Male gekleidet war, zu meinen Freundinnen, wobei ich ebenso sehr von dem Wunsch beseelt war, mich ihnen so zu zeigen als ihnen meine Reiseerlebnisse zu berichten. Beim Spaziergang im Park erzählte ich Maria: „Maschka, stelle dir vor, dah ich im Zuge einen reizenden jungen Leutnant getroffen habe, der den Bericht über die Reise und über die Verteilung abzufassen hatte. Wir haben natürlich viel miteinander geplaudert und er hat mir etwas den Hof gemacht." Maria wurde plötzlich rot. „Was hast du Waschka? Fühlst du dich nicht wohl?" „Nein, es ist nichts, erzähl' nur weiter. Was du sagst, interessiert mich sehr." „Also, das Feinste war, daß wir gerade am Oftertage antamen. In dem Dorfe in dem der Zug hielt, haben wir natürlich Ostern gefeiert. Ich war auch beim Gottesdienst und wie üblich, haben wir uns alle bei diesem Anlaß geküßt ..." „Hat er dich geküßt?" fragte sie. Ihre Augen schwammen plötzlich in Tränen. „Was hast du denn, Maria, kennst du ihn etwa auch?" „Aber natürlich, du Dummerchen. Es war doch Doris Alexandrowitsch. Mama hat ihn ja selbst ausgesucht. Seit drei Monaten war ich in ihn verliebt, und jetzt küßt er dich!" Arme Maria! Doris Alexandrowitsch ist inzwischen längst an der Front gefallen, und Maria ist mit ihren Eltern und ihren Schwestern zwei Jahre nach dieser Unterredung einem grausigen Mord zum Opfer gefallen. Ich habe mit ihr das letzte Mal wenige Tage vor dem Aufstand des 27. Februar gesprochen. Damals sagte sie mir: „Gibt es wirklich Leute, die so schlecht sind, daß sie die Abdankung meines Vaters verlangen, der pichts weiter im Sinn hat, als sich dem Wohle seines Landes zu widmen?" 2m Mai 1918 sah ich sie durch einen Zufall, der an ein Wunder grenzte, zum letztenmal, ohne indessen mit ihnen sprechen zu können. Zwischen Tobolsk und Tiumen begegnete unser Doot auf der Tura dem Dampfer „Ruß", an dessen Dord ich die drei ältesten Schwestern von Soldaten umgeben erblickte. Wir tauschten Zeichen aus. Dann entschwand der „Ruß" in der Ferne. Er brachte die vier Großfürstinnen und Der beste Sprecher des Abends war Walter Ebert-Grasso w. der den Buckingham untadelig spielte, obwohl er nach Ton uno Haltung zu eM und geradlinig wirkte für diese irrlich- ternde, schwankende Gestalt. Die schwerste Aufgabe hatte Trude Heß (Prinzes in Anna). Ihre große Szene wird immer unwahrscheinlich bleiben, ihre Rolle D.r anit etwas kaum Darzustellendes; sie tat das Möglichste. Die undankbarste Aufgabe — ohne Unterlaß zu jammern und Verfluchungen auszustoßen — hatte Lieselotte Fuhrmann als Klniginwitwe Margaretha; man hätte ihr noch etliche Kürzungen der Rolle bewilligen sollen. den ges- 9N<^ "vnen. tajOBtokr Drog*rieH«tü Hindesburg, Selters- weg 68»,Central-Drogerie SduMaf*1. Kaiser-Drogerie,Ub- denpl 5. KreorpUtr Drogerie, KreM ’ Copyright by United Press Association of America. Nachdruck, auch im Auszug, verboten. Durch Anna Wirubowa, die gemeinsame Freundin meines Vaters und der Zarin, habe ich zuerst die vier Großfürstinnen zu Beginn des 2ahres 19-10 kennen gelernt Olga war damals achtzehn, Tatjana sechzehn. Maria fünfzehn und Anastasia dreizehn Jahre alt Seit den Unruhen von 1905 wohnte die kai er.iche Familie fast ausschließlich in dem tle nen A e'anderpalast in Zarskoje Selo. In dem reizvollen Park dieser Re idenz. wo aus dunklem Grün die Spiegel von zahlreichen Teichen emporleuchteten, habe uh zumeist die jungen Prinzessinnen getroffen. Abgesehen von einnen Wagenfahr en und den Sommerreisen der kaiserlichen Famllie nach der Krim, nach Polen oder nach Finnland kamen die Prinzessinnen sehr selten heraus. Sie führten ein bürgerliches und, fast möchte man sagen, ein monotones Familienleben. Welcher Gegensatz zu dem unabhängigen Leben, das ich tm Herzen von Petersburg führte, in der Wohnung an der Gorochowaja-Strahe, wo täglich die Leute, manchmal bis zu zweihundert an einem Tage, ein- und ausströmten. Wit meiner Schwester und mit meinen jungen Freundinnen ging ich ins Kino, in dem Zirkus, ins Theater oder auf die Newa-Inseln..... All das war den jungen Großfürstinnen unbekannt. Man kann sich vorstellen, mit welcher Neugier die jungen Damen, die nur die Hofzeremonien und die Verpflichtungen der großen Welt kannten, mich nach den Vergnügungen meines freien Lebens ausfragten. Die hübscheste von ihnen war Tatjana, die zweite Tochter des Zaren. Sie hatte kastanienbraunes Haar und vereinte die großen melancholischen Augen ihrer Mutter mit dem per.önlichen Charme ihres Vaters. Sie war einschmeichelnd itnb kokett sowie empfänglicher als ihre Schwestern für die Huldigungen der jungen Of iziere, die in den Palast tarnen. Ich erinnere mich eines Anlas es. bei dem diese Koketterie und de: harmlose Flirt zu einer großen Verwirrung führten. Es war tm Jahre 1915, kurz nachdem Tatjana eine längere Krankheit überstanden hatte, obwohl wir schon siebzehn Jahre und zum Teil sogar noch älter waren, sprangen wir noch Sell wie ganz junge Mädclchen. An diesem Tage aber bildete die Anwesenheit von zwei jungen Mitgliedern des Pagenkvrps, die das Seil hielten und uns abwechselnd springen ließen, den Hauptreiz beim Spiel. Mir war aufgefallen, daß Tatjana seit ihrer Krankheit die Haare aufgesteckt in einer Art von griechischem Knoten trug, und daß die Haarfarbe etwas dunk ec geworden war. Indes en war ich weit davon entfernt, zu ahnen, was sich im nächsten Augenblicke Anträgen sollte. Einer der jungen Pagen machte Tatjana besonders stark den Hof, und die e wurde häufig rot, wenn sie mit ihm sprach. Beim Springen unterhielt sie sich lachend mit ihm und schien uns ganz verges en zu haben. „Achtung, da kommt Ioly". rief ich. als ich am Ende einer Allee den Heinen Hund des Großfürsten Alexei bemerkte, der sich gern an unsere Kleider hing. L-Lü» KZ •'s- SS? “"biriteti Gießener GtaVttheater. Shakespeare: „König Richard III." „Hier gibt es kein Gestern, kein Morgen, keine Uhr und keinen Kalender." Otto Ludwig. Ein Stück voll Blut und Wunden. Wit einem Helden inmitten seiner fünf Akte, der gar kein Held ist. Sondern ein Verbrecher, ein Scheusal, ein Schuft, Schon sein Dild hat nichts Strahlendes, nichts Königliches, nichts Heldisches. Er ist eine Kanaille, ganz einfach. Richard heißt die Ka- n-ai-lle. Eine Mißgeburt ist er, ein häßlicher, verwachsener, hinkender Teufel. Wenn er vor- übevgeht, bellen die Hunde ihn an. (So heißt es lxi Shakespeare. So sagt er von sich selbst.) Wan müßte eigentlich — späteren Besuchern sei dies auf jeden Fall ans Herz gelegt — zu- vor ein wenig englische Geschichte wiederholen. Die Kr-ege der Weißen und der Roten Rose wn> fcberauS verwickelten genealogischen Der» hätnisse ®>er edlen Häuser Vork und Lancaster, PbitacM^t und Tudor. Es erleichtert die Aufnahme des Stückes, wenn man nicht immerfort zurückblättern oder im Gedächtnis den verwandtschaftlichen Beziehungen nachgrübeln muh bis -ns drtte und vierte Glied und noch Weller. 2ln sich ist es nicht so wichtig (obwohl geschichtliche Kenntnisse stets gut und förderlich sind) —, alle Ereignisse und Gestalten im Kopf zu haben, gür Wertung und Wirkung des Schauspiels ist cs jedenfalls nicht entscheidend. Denn was an Bluttaten und Schrecknis sich in den paar Jahren zwischen 1483 und 1485 unter Richard, vormaligem Herzog von Gloster, in England begab, - tonn uns schlechterdings nicht mehr aufregen. Niemand kann das von uns verlangen. Wir haben politisch unsere eigenen Sorgen. Also stellen wir fest: auf die „history“ Shakespeares kommt es uns nicht mehr an. Nicht auf die Chronik, nicht auf die mittelalterliche Zeit, nicht auf das britische Reich. Sondern auf die menschliche Begebenheit, auf den zeitlosen Fall, auf den vom Nationalen losgelösten Charakter. Denn wir spielen lebendiges Theater. Und die Aktualität des lebendigen Theaters kommt nur selten einmal aus der Ge- • gentoart. Die fließt und wird vielleicht nach fünfzig Jahren reif für die Bühne. Die aktuellsten Stoffe liegen meist in weiter Vergangen- heit. Man muß sie lösen aus fremder Sprache, fremdem Kleid, fremder Umwelt ... auf daß sie ihre gegenwärtige und dauernde Gültigkeit erweisen. (Hier liegt der Schlüssel zum Regie- Problem.) ... Ein Held mit negativem Vorzeichen also; tim Schuft, ein Scheust, ein Vieh. Kein Wort W L1 General' Ätw Erinnerungen an jRafputin. Meine Freundinnen, die Großfürstinnen. - Das Leben am Zarenhofe. — Liebesfreud und -leid in Krieg und Frieden Eine letzte Begegnung auf dem Wege zum sibirischen Kerker. Don Maria Grigoriewna JRafpufin. damals ihr Land nur nicht verlassen! Dann wäre sie dem blutigen Gemetzel in Iekaterinenburg sicherlich entgangen, wo die ganze kaiserliche Fa- rgeschoh des Hauses von Ipatiew Schüssen niedergestreckt wurde..... Gleichmäßig gut: Arzdorfs Clarence in seiner traumverstörten, verzweifelten Angst, und die beiden ganz shale'pearisch g:fahten, grotesken Mördervagabunden (Goll und D a st 6). Tr. P r a s ch selbst erschien in der leidenschaftlich bewegten Cterbeszene König Eduards. Don den vielen übrigen: Koch, Haeser. Dolck und Jüngling. — Der Erfolg war stark und ehrlich erarbeitet Dr. Th. „Wir haben die Deutschen geschlagen; aber es bleibt uns noch übrig, sie zum Zahlen zu zwingen und sie für ihre Verbrechen zu Lande und zur See zu strafen. Sie hoffen, bei der Friedenskonferenz der Züchtigung zu entgehen. Unsre Regierung kann diese Ränke nur durchkreuzen, wenn sie beauftragt wird, die Rückgabe der deutschen Kolonien zu verweigern, England nach dem Kriege rein von Hunnen zu halten und dafür zu sorgen, daß sie sich nicht wieder auf unsre Kosten bereichern, indem sie unbeschränkt aus unferm Handel und unsrer Industrie Nutzen ziehen dürfen." (Wahlrede, Times, 9. Dezember 1918.) „Eine Schuld gibt es, die wir nicht löschen werden, nämlich die Deutschlands. Früher oder später wird es zahlen müssen. Es ist nicht nur Schuldner, sondern ein betrügerisch säumiger Schuldner. Deutschland als Nation hat keinen Anspruch auf unsere Teilnahme." (Rede in Tiverton, 23. Oktober 1923.) Gesunden W kräfhqeJtoü weMHwN«* Wer ist Lord Eushendun? So fragt die ,Kölnische Ztg." und weiß bann folgende für uns Deutsche besonders interessante Einzelheiten milluteilen: Seit dieser Mann an Stelle Lord Cecils England beim Völkerbund vertrete und nun auch für den erkrankten Chamberlain das Auswärtige Amt leite, begegne man dieser Frage allenthalben in England, sagt das bekannte, von E. D. Morel gegründete, neuerdings von Norman Angell herausgegebene Pazifistenblatt Foreign Affairs. Auch bei uns hört man jetzt häufig diese Frage, und die Antwort der englischen Zeitschrift, durch die wir erfahren, wes Geistes Kind dieser „glänzende Sekgpdant" des Herrn Briand ist, ist für uns Deutsche nicht weniger lehrreich als für die Engländer. Norman Angell schreibt: Lord Cushendun ist ein streitsüchtiger Ulstermann; im Unterhause ist er als Finsterling bekannt, und während des Kriegs hat er sich alle Mühe gegeben, in den Ruf eines Hunnenfressers zu kommen. Nach seinen Reden zu urteilen, hält er alle Ausländer für potentielle Verbrecher. „Der ist zu stark für ihn. (Dinge begeht er, Dinge begeben sich in diesem Stück, wie in vielen klassischen Stücken übrigens, welche man einem modernen Helden, einem zeitgenössischen Dichter kaum verzeihen würde und in der Tat auch meistens nicht verziehen hat. — Eine Feststellung, die wohl nicht ganz zur Sache gehört, aber vielleicht zum Nachdenken anregt.) Richard watet im Blut bis über die Knöchel. Ein Menschenleben gilt ihm nichts. Er kriecht, er klettert, er stampft über Leichen zum unrechtmäßigen Thron. Im fünften Akt erscheinen die von ihm Ermordeten als ein gräßlicher Geisterchor zwischen den seindlichen Heeren, zwischen Richards und Richmonds Zellen, diesen segnend, jenen in alle Ewigkeit verfluchend. Da tauchen auf: Prinz Eduard, König Heinrich VI., Clarence, Rivers, Grey, Vaughan, Hastings, die beiden jungen Prinzen, Prinzessin Anna und Duckingham. (Hoffentlich haben wir niemanden vergessen.) Ein gespenstiger Furienzug von antiker Schrecklichkeit. Und hier m dieser späten Szene offenbart sich vielleicht am klarsten der menschliche Fall des englischen Königs. in 'Bbont u MbeA ites# _ .„.Maoa n M SLlle SMS Ausländer hat überhaupt kein Recht und keine Befugnis, in unser Land zu kommen", sagte er vor einem Jahr oder zwei in einer Rede. Sein verrückter Deutschenhaß verleitete ihn, am 17. Juli 1922 den Lord Forres öffenllich zu beschuldigen, er habe im Kriege mit dem Feind Handel getrieben. Ein paar Tage darauf mußte er seine Beschuldigung zurücknehmen und Lord Forres um Verzeihung bitten. Wie er zu dem Land steht, mit dessen Vertreter er jetzt als Kollege very. kerbund Zusammenarbeiten muß, mögen einige bezeichnende Aeußerungen, die er während der letzten Jahre getan hat, zeigen: Aber Tatjana sah und hörte nichts als das Lächeln ihres Pagen. Plötzlich stieß sie einen Schrei aus und verlor das Gleichgewicht. Der Hund hatte seinen guten dicken Kopf mit den langen Ohren plötzlich vorgeschnellt und das in der Luft schwingende Seil geschnappt. Tatjana geriet mit dem Fuß in das Seil und fiel der Länge nach zu Doden. Der Fall war aber nicht das Schlimmste. Als sie stürzte, sahen wir zu unserem grenzenlosen Staunen, daß eine Perücke ihr in weitem Domen vom Kopf flog und in den Sand der Allee rollte, während Tatjana ihrem verdutzten Anbeter einen Kopf präsentierte, auf tem kurzes und dünnes Haar gerade wieder zu wachsen begann. Tatjana hat e Typhus gehabt und dabei in wenigen Wochen ihr ganzes wundervolles Haar verloren. Wir fanden nicht die Zeit, ihr zu Hilfe zu kommen. Mit einem Sah war sie aufgesprungen, hatte ihre unglückselige Perücke ergriffen und war schamrot weggelausen, verfolgt von Ioly. der als einziger die Schwere seiner Tat nicht begriffen hatte. — Außer seinem Hunde Ioly besaß der Zarewitsch noch einen kleinen Esel, Wan la mit Namen, der von dem Zirkus Cinizelli erworben war, und der in seiner Schlauheit ganz einzig dastand. Anastasia, die durchtriebenste und jüngste von den Prinzesfinnen, spielte im Park von Zarskoje Selo besonders gern mit ihm. Wir zielten nach ihm mit Schneebällen oder ließen ihn nach Süßigkeiten in unseren Ta chen suchen. Noch heute höre ich das laute Gelächter von Anastasia und das nervöse Lachen des Zarewitsch, wenn das Eselchen seine nasse Schnauze der Stelle näherte, wo wir das Zuckerstückchen sür ihn versteckt hatten. Dm ernstesten und fleißigsten war Olga, die älteste der vier Schwestern. Sie war eine große Dlondine mit einem sehr ausgesprochenen eigenwilligen Charakter und sehr lebendiger Intelligenz. Uns behandelte sie ein wenig als Kinder. Sie selbst hatte offenbar absolut keine Liebeleien im Kopf. Dagegen nahm sie während des Krieges ihre Rolle als Krankenschwester sehr ernst. Sie war so stolz darauf, Russin zu sein und so durchdrungen von der Schönheit und Größe ihres Landes, dah sie trotz des Drängens der kaiserlichen Minister sich im Jahre 1912 bestimmt weigerte, den Prinzen Carol von Rumänien zu heiraten, nur weil sie Rußland nicht verlassen wollte. Warum hat sie M)e$uclieJ ftt.udiL lethab«W'1* «« ftettaotne MW OÜ bö*ite $tei[e - «osenMlg, Mseiiersio.siL ne nenüfli, LI an kaufe» 111 gesucht. Kand.Gleb.Anz, yhiedenesj 11.5 WÜHL . .MW.. . .MW . .WKW HlW Mtt . SM . Ml HM.WM , . Molli» ?an'nadeu, Ma- jnnaiitn, Fleisch- lattQtringtialnt um). rilD Domfest in Mainz Nachdruck verboten. 19 Sortierung. Süden (Fortsetzung folgt) Sie da nicht tiefer in den ich brauche Wechsel. Nie „Warum sind gezogen?" „Nein, nein, auch gemeinsame Schädlingsbekämpfung in Anspruch genommen worden sei. 3n der gemeinsamen Versammlung der D ü n g e r - u nd A der bau- abteilung unter Vorsitz von Schurig Zeestow wurde Geheimer Forstrat Professor, Vater- Tharandt zum Ehrenmitglied der Dungerabtei- lung ernannt Geh. Reg.-Rat Pro,es or Dr. Falke-Leipzig sprach über .Pf-ege und Düngung von Höhenw.een und -werden Heber neuzeitliche Maßnahmen zur Forderung des Tabakbaues berichtete der Abtei ungsvor- vorsteher der Badischen Landwirt, chaftskammer in Karlsruhe. Ofer'andwirtschaftsrat M e i s- n e r, wobei er aus die geschichtliche Bedeutung Heidelbergs für den deutschen Tabakbau hrn- wies Hier sind nämlich bereits rm Sabre 1598 Tabakanbauversuche vorgenommen worben. Bei Erzeugung von guten Qualitäten und ueritcncmu- voller Zusammenarbeit aller beteiligten K:ei e werde auch der deutsche Tabakbau gute Aus- sichten haben. teien. r „ Im Namen der Kunst sprach Profesior Dr. Kautsch (Frankfurta.M.). Er zeigte, daß sich in den verschiedenen Formen des Mainzer Domes die Geschichte der Baukunst in den einzelnen Jahrhunderten widerspiegelt, und legte dar, daß die von den verschiedenen Zeiten aufgeführten Bauwerke nicht nur einen Wandel der Formen in den betreffenden Zeitperioden zeigten, sondern jeweils auch Zeugen eines besonderen Verhältnisses zur Welt, einer besonderen Religiosität sind. So ist der Mainzer Dom nicht nur ein gewaltiges Denkmal in der Geschichte der künstlerischen Form, sondern zugleich ein mächtiger Zeuge des religiösen Lebens im Mittelalter. Hierauf ergriff Staatsminister Kirnberger das Wort zur Festrede, in der er die Schönheit des Domes feierte und seine Bedeutung als Shmbbl des menschlichen Lebens unterstrich. Gebe Seil, so führte er aus, hat ihren Sinn: aber ganz verstehen können wir ihn nur, wenn wir im Geiste den Weg nochmals gehen, den -die Geschichte gegangen ist. Wer den Dom betritt und die Denkmäler geschichtskundig betrachtet, der muh erfüllt werden von dem Bewußtsein der Verbundenheit der aufeinanderfolgenden Geschlechter. Die Zeit, in der das religiöse Leben allen anderen Lebensgebieten gegenüber den Vorrang hatte, ist vergangen. Die Einheitlichkeit hat einer Differenziertheit Platz gemacht. Wir haben nicht nur religiöse Spaltungen erlebt, sondern nach und nach haben sich alle Lebensgebiete, Staat, Wirtschaft. Kultur, aus den gewohnten Zusammenhängen losgelöst. So steht auch di« Religion heute für sich allein und muß kämpfen um ihren Platz. An dem Rettungswerk des Mainzer Domes hat sich aber nicht nur jener Volksteil beteiligt, dem der Dom in engerem Sinne gehört, sondern das ganze deutsche Volk ohne Unterschied der Konfession. Das soll uns ein Beweis sein und ein Symbol, daß wir nie an der unzerstörbaren Gemeinschaft aller Deutschen zweifeln. Wir wollen vielmehr immer in unserer deutschen Rot den Blick erheben zu jenem schonen und ehrfurchtgebietenden Zeugen deutscher Einheit. Als zweites steht der Mainzer Dom in deutschen Landen, am deutschen Rhein erstanden, von heimischen Baumeistern erbaut, vor uns als Zeuge und Wächter deutschen Geistes und deutscher Sitte. Ein drittes noch soll er uns künden: Wie das Gottesreich echter Frömmigkeit keine nationalen Grenzen kennt, so soll er auch ein Wahrzeichen des wiedererwachenden, völkerverbin- de ndenund völkerversöhnenden Geistes sein. Auch hierfür war die Grundlage wankend geworden. Möge der Dom und die heutige Feier uns für ihre Erneuerung und WSR. Mainz, 16. Oft. Gestern abend nach Einbruch der Dunkelheit erstrahlte der West- türm im Licht der S ch e i n w e r f e r. Die Schönheit der architektonischen Formen des reich aut Fahnen und Wimpeln geschmückten Baues hob sich prächtig gegen den dunklen Rachthimmel ab und hinterließ einen unvergeßlichen Eindruck. Gegen 9 Uhr abends zogen in endloser Reihe d.e kathv'ischen Der.ine und Stabentenkorpora tonen mit Fackeln und Lampions nach dem Guten- bergplah. wo eine S e r e n a d e stattfand, bei der Oberbürgermeister Dr. K ü I b namens der Stadt Mainz die Ehrengäste, an ihrer Spitze Runtius P a c e l l i. Reichsminister von G u e r a r b, Staatspräsident Adelung und Finanzmintster Kirnberger, begrüßte. Auch hier dankte Run- tius Pacelli mit herzlichen Waren, die, von einer Lautsprecheranlage über den Platz Eingetragen, bei der dichtgedrängten Menschenmenge ein begeistertes Echo fanden. 3m Mittelpunkt der Festlichkeiten stand die Weihe der Altäre und das von Runtius Pacelli gehaltene Pontifikalamt. Hm 10 Hhr zogen die Kirchenfürsten in feierlichem Zuge unter dem Ehrengeleite der Vereine in den Dom ein. Wieder bildeten Tausende Spalier in den festlich geschmückten Straßen. Beim Einzug spielte das Domorchester die Bonifatiushymne von Frankenberg. Der Erzbischof von Freiburg und die Dichvfe von Fulda, Limburg. Speyer, Trier und Rottenburg, der französische Armeebischof und die Aebte von Maria-Laach. Metten und Ma- rienstadt nahmen zu beiden Seiten des Altares Platz. Als Vertreter der Reichsregierung wohnte dem Gottesdienste der Reichsminister für die besetzten Gebiete v. G u 6 r a r d bei, für die hessische Regierung Minister Dr. Kirnberger, sowie der hessische Gesandte in Berlin, Dr. Ruß. der Reichskommissar für die besetzten Gebiete Freiherr Langwerth v. Simmern, Graf Adelmann, Provinzialdirektor Hfingerund Oberbürgermeister Külb bei. Ferner erblickte man eine große Anzahl von Landtagsabgeordneten und höheren Beamten des Staates und der Stadtverwaltung. Die studentischen Körperschaften hatten in vollem Wichs auf den Stufen -um Westchor und die Deputationen der Vereine an den Seiten des Mittelschiffes Aufstellung genommen. Die weiten Hallen des großen Domes selbst waren von einer unzählbaren Menge dicht besetzt. Der Gottesdienst, der durch Sn» strumentalmusik des Domchores verschönt wurde, schloß mit einem Te Deum. Die Kirchen fürsten wurden sodann wieder ins bischöfliche Palais zurückgeleitet. Am Rachmittag versammelten sich die geistlichen und weltlichen Festgäste im Akademiesaal des Kurfürstlichen Stosses zu einer akademischen Feier. Domdekan May begrüßte die Erschienenen und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß heute ein Werk vollendet sei, um das wir seit Sahren gebangt und gesorgt haben. Er begrüßte insbesondere den Vertreter So. Heiligkeit desPapstes, Runtius P a c e l l i, die Bischöfe, an ihrer Spitze Geld W vom Himmel Vornan von paul Enderling. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. Dlinsky setzte sich auf einen Stuhl, der am Bett stand, blickte den Daliegenden eine Weile prüfend an upd sagte bann, wie enttäuscht: „Er ist es nicht" „’Rein", antwortete der andere schnell. ,Zch bin es nicht." „Was sind sie nicht?" „Wahrscheinlich nicht der, den Sie suchen", antwortete der Kranke, der sich sichtbar zur Haltung zwang. „Wie kommen Sie übrigens dazu, hier einzudringen? Wissen Sie nicht, daß das strafbar ist?" Blinsky hatte feine Worte gar nicht gehört. „Sie sind Herr Dekepper, nicht wahr?" Der andere nickte. „Und Sie liegen im Bett? Seit wann?" Dekepper richtete sich jäh auf. „Der Satan soll mich beißen, wenn ich Ihnen Rechenschaft schuldig bin. Wer sind Sie überhaupt?" „Bleiben Sie ruhig im Bett", befahl Blinsky streng. Er beugte sich dicht über Dekepper und sagte langsam: „Wer ich bin? Das ist sehr schnell gesagt. Ich bin der Verwalter des Geldes." „Des Geldes?" stammelte Dekepper. „Des Geldes? Sind Sie verrückt? Don welchem Geld reden Sie?" „Don dem in der Obern Flußstraße gestohlenen oder geraubten Geld — wie Sie wollen." Dekepper versuchte zu lachen, aber er gab den Versuch bald auf. Er faßte an seine Backe und jammerte: „Mein Zahn ... Sie sollten mir einen Zahnarzt holen ... Blinsky lieh ihn nicht aus den Augen. „Ich werde statt besten lieber die Polizei holen." Dekepper zuckte zusammen. Aber plötzlich schrie er den Einbringung an, dröhnend und gar nicht wie ein Kranker: „Scheren Sie sich hinaus. Sie sind ... Mitten im Satz war er aus dem Bett. Ader ehe er sich aufrichten konnte, hatte Blinsky ihn an der Brust gepackt. „Wo steckt das Gelb/ „Bebaure, das gnädige Fräulein ist nicht zu Hause", sagte der Diener. Er hielt die Hand an der Türklinke, als wolle er dem Besucher den Eingang versperren. Grotteck wollte ärgerlich umkehren, als eine tiefe Stimme herabgrollte: „Aber ich bin da." Er blickte empor. Ueber das Geländer des Balkons beugte sich die massige Gestalt Brodersens. „Darf ich kommen?" fragte er mit lebhaftem Gruß. Braderfen schwieg einen Augenblick, als wolle er sich erst vergegenwärtigen, wer der Besuch war. | „Herzlich willkommen!" donnerte er dann herunter. den Erzbischof von Freiburg, ReichSmimster von Gusrard. Staatspräsident Adelung usw. Er streifte dann kurz die Geschichte der Mainzer Kathedrale, die eng mit der Geschichte des deutschen Volkes verbunden sei, bis auf den heutigen Tag. RamenS des hessischen Staates sprach Staatspräsident Adelung Worte herzlicher ‘Begrünung und brachte die tiefe Anteilnahme der hessischen Regierung und des ganzen Hessenlandes an der Wiederherstellung des wundersamen Bau- denkmals zum Ausdruck. Aus uraltem deutschen Kulturboden stehend, so führte er aus, angesichts der stolzen Zeugen der Vergangenheit, unter dem Eindruck der ernsten, ernsten Gegenwart, die ge- rate ter Stadt Mainz und dem Hessenlande ihren Stempel auf das tiefste aufdrückt, find wir im Innersten bewegt von der Bedeutung des Tages, an dem der Wllle des ganzen deutschen Volkes o klar zum Ausdruck kommt, seine Kulturguter auch in schwerster Zeit zu erhallen. Gemeinsam sind die Gefühle, die heute alle Volkskreise bewegen und diese Gemeinsamkeit führt uns die innere Verbundenheit unseres gesamten Volkstums vor Augen, zeigt uns, wie wir uns über die Rot und die Gegensätze des Alltags erheben können in Liebe zur deutschen Kulturgemeinscha-ft, zur deutschen Ration. Als Vertreter ber Reichsregierung sprach der Reichsminister für bie besetzten Gebiete, von G u 6 r a r b. Der beutschen Reichsregierung, bes Deutschen Reichs unb bes gesamten beutschen Volkes herzlichste Glückwünsche heute entbieten zu können, bas ist mir eine liebe Ausgabe. Trotz ber Not ber Zeit hat auch bie Reichsregierung es für ihre vornehmste Aufgabe gehalten, beizutragen zur Wieberherstellung bes Domes, beizusteuern zur Erhaltung dieses uns von unseren Vätern überkommenen hehren beutschen Kunstwerks, besten religiöse unb geschichtliche Bebeutung weit hinausgeht über bie Mauern dieser Stabt Don Mainz ist in alter Zeit bas Christentum weit hinausgetragen worben in bie deutschen Lande. Für Jahrhunderte war der Mainzer Erzbischof der erste der deutschen Fürsten, des Reiches Erzkanzler. Ströme geistigen Lebens sind immer hinausgezogen von dieser Stadt. Ich erinnere nur an Ketteler, ben Grünber einer neuen sozialen Zeit. Die Geschicke ber Stabt Mainz wie bie bes Domes waren immer verbunden mit dem Geschick des Deutschen Reiches. Das hat sich gezeigt dis in die neueste Zett, die Zeit ber Not, wo keine Stabt bie Wirkung dieser ^Rot mehr verspürt hat als Mainz. Der Minister erinnerte daran, daß gemeinsame Arbeit ben Dom wieder gefestigt habe. So könne auch nur einträchtiges Zusammenwirken dem Deutschen Reich wieder eine bessere Zukunft sichern. Möge der entfesselte Dom ein Wahrzeichen sein und der Verkünder einer freien deutschen Zukunft. Hierauf sprach der Erzbischof von Freiburg seine Freude über bie gelöste Aufgabe aus und knüpfte ben Wunsch baran, ber roieberbefeftigte Dom, bei dessen Sicherung Staat unb Kirche, Reich unb Volk einträchtig zusammenarbeiteten, möge ein Wahrzeichen fein bafür, daß auch in Zukunft bie beiten Gewalten Kirche unb Staat zum Wohle des Volkes jebe in ihrem Bereich felbftänbig unb in ben Grenzgebieten mit einigenbem Opferwillen selbstlos zusammenftehen mögen. ger Dom vor dem oroyenoen uiue sei. Mit boppelter Liebe hänge ber ---- an ihm, um ben er solange gebangt habe streifte kurz bie tausenbjährige Geschichte dieses Bauwerks. Er feierte ben Dom als ben Ausbruck bes Gemeinschaftsgebankens ber Deutschen aller Stämme und Stände, aller Konfessionen und Par- , ist die Sonne so schön, als wenn sie nach einem Winter voll Schnee und Kälte einem wieder auf den Pelz brennt Das ist Lebenskunst, mein lieber junger Freund: bie Veränberung erhält frisch. Alles treibende Element beruht auf dem Wechsel, auf dem Rhythmus. Ohne chn keine rechte Melodie. Das werden Sie mir bestätigen können." Im Anschluß daran gab Oberbürgermeister Dr. Külb dem Stelze der Stabt Mainz in begeisterten Worten Ausdruck, daß ihr herrlicher, altehrwürdi- ier Dom vor dem drohenden Untergang gerettet Pi Mit hnnnelter Liebe hänge ber Mainaer jetzt . Auch er „Schießen? Nein. Man macht heutzutage so was ohne Lärm. Sehen Sie hier bas kleine Instrument? Es sieht wie ein Thermometer aus, nicht wahr? Aber es ist ein Inbikator." „Indikator?" stotterte ber andre. „Ja, ein Druck auf diesen kleinen Knopf genügt, um Sie durch einen elektrischen Schlag, einen kleinen Blitzschlag, für eine Welle unschädlich zu machen. Eine russische Ersindung. Na, wir werben sie hoffentlich nicht brauchen. Setzen Sie sich boch! Es plaubert sich bann angenehmer." Dekepper nahm gehorsam Platz. „Ich schwöre Ihnen, baß ich nichts weiß. Ich hab« das Gelb nicht, von bem sie ba reden." „Aber ber untere hat es, wie? Der, dem Sie es gaben, wie? Der große Unbekannte, wie?" Bei jedem „Wie? zuckte Dekepper zusammen. Er faßte an feine Backe. „Geben Sie mir wenigstens meine Zahntropfen drüben." „Bitte, bedienen sie sich selber." Dekepper schlich mit kläglichem Gesicht zum Tisch, nahm das kleine etikettierte Fläschchen unb entkorkte es. Mit zitternder Hand füllte er einige Tropfen in einen ÄaffelöffeL Als er bemerkte, bah fein Besucher ein Stuck frischer Tapete aufmerksam musterte, warf er sich auf ihn. Seine Faust schlug schwer auf den Kopf bes Quälers. Blinsky glitt vom Stuhl, riß sich mietet auf unb brückte an bem kleinen Instrument. Dekepper, ber zur Tür flüchtete, blieb plötzlich stehen. Seine Arme flogen in bie Höhe, ber Körper krümmte sich unb sank in sich zusammen wie ein leerer Sack. Der Angegriffene versuchte sich vergebens loszu- reißen. „Ich weiß nichts", stöhnte er, mit einem präsenten Blick bie Entfernung zur Tür messenb. „Versuchen Sie nicht zu entfliehen. Draußen tehen anbre. Es ist hier nicht wie im Mauer- gang." „Ich will ja gar nicht bavonlaufen. „Um so besser. Hören Sie mal ruhig zu. Es ist Gelb geraubt worben, unb Sie sollen uns wieder dazu verhelfen. Uns, sage ich. Denn bas Gelb gehört nicht mir, aber ich bin bafür verantwortlich. Es gehört einer großen Macht, verstehen Sie? Unb das ist bas Schlimme baran", wiederholte er drohend. „Das ist das Schlimme daran." „Ich verstehe", murmelte Dekepper, ihn verständnislos anblickend. „Gut. Wir kommen uns also schon etwas näher. Ihre Ausgabe ist nur, das Gelb wiederzubeschaffen. Ich sichere Ihnen Straffreiheit zu. Es wirb keine Anzeige gemacht werden. Wir werten sogar nicht einmal genau nachzählen. Nun?" „Ich weiß nicht, was Sie wollen ..." „Ueberkgen Sie sich alles ruhig. Wir haben ja Zeit." „Ich könnte Gelb gut brauchen", klagte Dekepper. „Ich bin ein armer Mann. Verarmt, mein Herr. Ich war nicht immer so schlecht bran. Abgebaut unb all mein Gelb auf ter Sparkasse ..." „Ganz recht. In ber Nähe ter Sparkasse geschah es. In Der Obern Flußstraße, nicht wahr?" „Obere Flußstraße?" „Es ist nicht weit von hier. Gar nicht weit, wenn man Auto fährt — unb bas taten sie ja wohl nachher, wie?" Dekeppers Augen irrten im Zimmer umher, und Blinsky folgte ihm mit den Augen aufmerksam. Als sie an bem eifernen Ofen hängenblieben, fragte er: „Ist es ba bnnnen?" „Sehen Sie boch selber nach." „Also dort nicht? Gut. Aber wo sonst?" Dekepper sprang einen Schritt zurück. .Wenn Sie nicht sofort gehen, schreie ich die Nachbarn zusammen." „Tun Sie das nicht. Ich warne Sie." Er öffnete seinen Mantel. „Wollen Sie mich morden?" Dekepper ging, die Hände ängstlich vor sich streckend, bis ans Fenster zurück. Festigung Bürge sein. Am Schluß brachte der Bischof von Mainz, Dr. Ludwig Maria Hugo, die ®e* fühle seines Dankes gegenüber allen denen zum Ausdruck, die im dem Gelingen des großen Werk^ mitgewirkt haben. Mit besonderem Danke gedachte er der tröstlichen Versicherung, die ihm bei der Einleitung des Hnterneymens im Reichsfinanzministerium in Berlin geworden sei, wo man ihm versichert habe: Geyen Sie ruhig nach Hause, wir werden den Mainzer Dom nicht versinken lassen. Er dankte den Führern des Werks, Professor Ruth. Professor Meißner. Charitas-Direktov Strempel u. a. für die selbstlos geleistete Arbeit, und richtete besondere Worcke der Mahnung cm die Jugend, nie die Wahrheit des Wortes zu vergessen: Wenn wir mit allen Kräften streben, wird Gott uns geben, was wir wollen. Gesangsvorträge des Mainzer Domchoves eröffneten und schlossen die Feier. Heute abend fand in der festlich geschmückten Stadthalle die Jestversammlung statt. Das Wappen des Runtius erstrahlte über dem Podium im Lichterglanz. Der Versammlung wohnten neben dem apostolischen RuntiuS „Herzlich, wie immer Herr Baron, ober wie man Sie anreten soll. Kommen Sie unb leisten Sie einem alten Mann Gesellschaft. Sie tun ein gutes Werk." Der Diener riß bie Tür auf. „Na also", meinte Grotteck lächelnd. „Warum nicht gleich?" Er warf ihm Hut und Mantel zu unb ging bie Treppe empor. Oben an ber Tür stand Si. Ihre Hunteaugen blickten ihn groß an. Aber sie schienen ih* nf au prüfen. Sie sahen durch ihn hindurch,^ über ihn hinweg. „Guten Tag, Si!" Er dachte an Surrmanns Schwärmerei unb nickte ihr vertraut zu. Sie neigte sich mit einer feierlidjen Gebürte unb huschte davon, ihm den Weg zeigend. Ob sie wohl sprechen kann, dachte er. Brotersen saß an einem Teetisch, ter für zwei gedeckt war. Es schien Grotteck als ein Zeichen dafür, baß Inge erwartet mürbe. „Nehmen Sie Platz, junger Freund, und entschul- dlgen Sie, daß ich Ihnen nicht entgegenkam. Alte Leute haben ihre Eigenheiten." Mtt dröhnendem Lachen preßte er ©rottetfs Hand. Trotz der Freundlichkeit des alten Herrn fühlte sich Grotteck bedrückt. Was sollte er mit ihm sprechen? Das einzige Thema, an bem ihm lag, durste hier nicht berührt werden — das fühlte er. „Herrlich wohnen Sie hier", begann er endlich den ten fristgebundenen und den verschiebbaren, gestatt.'n die letzteren am ehesten em: Mechamfre- runa. 3n tr2t öffentlichen Versammlung jur gor- Gerung der Dienenzucht behandle Dr. Eve n i u s ° Stettin die Frage: »Wie ist es möglich einen Bezirk faulbrutfrer zu machens 3n ter TVHnmmluna der O bst - und V) e i n b a u • ?bteUung stelle Lantesinsxek.or Pfeiffer- Darms' -- » t in Kinern »ertrag üte .D-t-t-bs- mir f-bat siche Fragen des lanbwiin.cha t ichen Obstbaues" >st. daß ein Uebergang zu geschlossenen Pflanzungen und zur Ausführung der wichtigsten Baumpfleaearteiten durch Baumwarter- kolonnen auch für die klemm und mi tleren Betriebe in Zukunft unerläßlich sei. Der jtocite Berichterstatter, Prof. Dr. Beckmann-Bonn, äußerte sich besonders über tee verschiedenen Zweige des Ausland- unb Jnlandobsthandels. Sn ter Aussprache teilte S ch e p p - Hertelberg mit, daß von der Stadt Heidelberg em Zusammenschluß ter Obst- und Gemüsezüchter erreicht unb | Er hoste, der Erste Minister werte nicht an- ' nehmen, daß wir, möge bas wünschenswert fein ober nicht, irgendeine Verpachtung hatten, Köln zu räumen. Nach seiner Meinung sei Deutschland nicht nur ein säumiger Schuldner, sondern auch ein betrügerischer Schuldner, und er glaube, daß ber Dawessche Bericht btefe Behauptung bestätigen werbe. (Unterhaus, 5. August 1924.) , ... Für jeden Deutschen ist es nützlich, S" wissen, wie ter Mann über uns benft, den Herr Baldwin 1922 als Unterstaatssekretär des Auswärtigen in fein Kabinett berief unb bem er neuerdings bie Leitung der auswärtigen Politik anvertraut hat. Herbstlagung der Deutschen Landwirtschastsgesellschast. WSR. Heidelb-erg. 15. Ott. Die Herbst- tagung der Deutschen Landwirt, schaftsgesellschast brachte m ten letzten Tagen ber vorigen Woche 21 Ausschuß - sihungen, die bei starker Dekelligung zu wichtigen Ergebnissen auf ten verschieden«ten Gebieten führten. Vier Sitzungen galten dem Weinbau, ter Rebenzüchtung, Rebcndungung und Rebenveredlung. Die Arbeitsgemeinschaft ces Sonderausschusses für 2te^zuchtung setz e tee Vorarbeiten für eine einheitliche Zachtbuchfuh- rung sowohl für K onen, tote für Sämlinge fort. Für die Anerkennung von Rebenschmtlh) z wurde eine voraufgegangene mehrjährige Selektion zur Dedingung gemacht. Auch bie Ergebnis^ der Reblaus-Anfä.ligteitsuntersuchuncen m ten st aal- liefen Retenprüfstecken Iphv en und ^ngel.mgen fanden starke Beachtung. Fragen ter Futterpflanzenzüchtung fanden eme ihrer De teutung entsprechende Würdigung, unb Swar auch vom Standpunkt ter Ausbildung ter Jauern ißfinc. Absahfragen unter dem Gesichtspunkt ter bäuerlichen Wirtscha t Beratung sp el en erne große Rolle und bildeten im Sonderausschuß für ten landwirtschaftlich-tQhnischen RuMunk, der sich für schnellste Bekanntgabe ter Marktpreis durch ten Rundfunk einsetzte, einen beteurenten Derhandlungsgegenstand. H. a. seien noch die Bestrebungen c rwähnt, das Zuchtziel beim Höhenfleckvieh einheitlicher zu gestalten. Cs ist ferner die Herausgabe eines gedruckten Rinderleistungsbuchs in Aussicht genommen. Der Untersuchungsausschuß für Schwei ne- leistungsprufungen befaßte sich mit den vorliegenten Entwürfen von Leitsätzen für die Durchführung d'.eser Olufgate. 3n ter Sitzung des Sonterausschus'eZ für bie Wertestelle tourte die Beschickung der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Mexiko in Aussicht genommen. Eine toichttee weitere Frage der Landarbeitsforschung to rte m ver,: ie- tenen Ausschüssen beraten und hierbei die We ter- enlwicklung der arbeitspstchrlogi chen #orfd)un» qen in Pommrih erörtert. Der Sonderausschuß für Sortenversuche stellte einen Plan der Prüfungsringe für verschiedene Fruchtarten auf und beschäftigte sich besonders mit den Ausgaben ter D. L. G. auf dem Gebiete des Kartoffel- sortenversuchswesens. Am Sonntag begann die Reihe der öffentlichen Dorträge mit ter gemeinsamen Versammlung ter Dünger- und Ackerbauabteilung. ES folgten die Versammlungen der Gerateabteilung der Obst- und Weinbauabteilung unb me Versammlungen zur Förderung ter Bienenzucht, der Landarbeit unb der Hauswirtschaft. 3n Der Versammlung ter G e r ä t e a b t e i lu n g sprach Gutsbesitzer Wachs- Winkel über .Die Anwendung unb Behandlung der Maschinen im bäuerliches Betrieb". Heber die maschinentechnllchen Hilfsmittel des Waisbaues sprach als erster Re e- rent Prosts or Dr. Georg Kühne- München, der atz Hand von Lichtbildern die Wirkungsweise^ wie die Mängel ter heute angewendeten Maschinen kennzeichnete. Ergänzend berichte e Landwirt- schastsrat Buß, der Güterdirellor ter Badischen Landwirtschastskammer, über Versuche mit ausländischen Maschinen. Die öffentliche Versammlung zur Förderung der Landarbeit wurde von Prosts or Dr. S e e d o r s - Göttingen mit einem Hinweis auf die Bedeutung unb das Wesen her Landarbeitsforschung eröffnet. 3m Mittelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag von Professor Dr. Ries Bonn über die Frage „Wie weit ist d.e Mechan sierung des bäuerllchen Betriebes wünschenswert und r n abel?" Don drei Arten der landwirtschaftlichen Arbeit: ten laufen» unb schämte sich bes banalen Anfangs. ,Ha, unten bie Stabt, bie hier nicht mitzureten hat, rings bie Gärten, eigens zur Verschönerung meiner Aussicht gepflanzt ... unb bie Sonne, vergessen Sie bie Sonne nicht. Sie steht sogar in meinem Kaufvertrag brin. Ich habe in meinem Leben nämlich so viel Sonne geschluckt, baß ich immer friere/ ySs «ei.*; tih?r. M-r Som®-” Ä*W in .™Qui»ertt den befrei. rrK. 'ZÄL Kr-L ’s® b-tEt J; SLr ZS-L JfaWül Kot $L. Dir habet i”Ä. ^dern 1 Leknsgebiet. ^Servohnl«, ' steht aixb tüt mu& impfen iß) aber nicht der Dvm m das ganz« *rfd)ieb der Betveis fein w der unzer. aller Deut- elmehr immer in erheben zu jenem ctugen deutscher *x Wainzer Dom Elchen Rhein er« Astern etbaul, vor 'ter beulfien ltte. 6in britW e das Taürsnich itwnalai SrcnM Wahrzeichen des »ilierverbin« ihnenden Tri- it dir Grundlage er Dom und di« Erneuerung und Ii'schos von $ugo, die ®e- allen beneit 31m bei großen DerÄ )rrrm Danie gr« sriheruna. die ihm änierneymens Im um in Berlin gesichert habe: Geyen r werden den rsinken lassen. ; Werls, Professor t Charitas-Direktov dfilos Mete 2r« Sorte der WR •beit des Dorier zu \m Kräften streben. )ir tvouen. izer Domchoves erstlich geschimuiten tuns tius erstrahlte über u. Der Deriamm' Äolischen Duntmi üronHH Sie und Men S. L Sie hm ein Putt Hut und Man!« P St A>n WSK ;$säJFJ Ä w 1 L das füh^ ^'Fich begonn en &A' IN wieder sM .st, meihj zile- J bemj" WCl ,e rechte/ l könne"' e h>l«t) die zur Weihe anwesenden Bischöfe. Reichs- mi Uster von & u e c a r & , ö.c.a sp.äs.den. '21 b c lung, Öinanzwinister Kirnberger, sowie die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden bei. 3n seiner Begrüßungsansprache gab Domkustos Dornlapitular Prof. Linhart seiner Freude darüber Ausdruck, daß nach vierjähriger ongestreugtsr und gefahrvoller Arbeit der Dom gerettet und sein Bestand auf Jahrhunderte hinaus gesichert sei. Auntius P a c e l l i gab feinem Dank Ausdruck für die ehrenvolle Begrüßung, die man ihm als Vertreter des Seifigen Stuhles habe zuteil werden lassen. Domkapitular Prälat Dr. Gröber (Freiburg) hielt sodann einen fesselnden und begeistert aufgenommenen Fe st Vortrag, in dem er einen kultur- und kunsthistorischen Rückblick auf die wechselvolle Geschichte des Mainzer Doms warf. Aach einem kurzen Schlußwort des Bischofs von Mainz, Dr. Hugo, brachte ein gemischter iif)or das Te Deum von Edgar Tinel zum Vortrag. Vach Schluß der Versammlung wurde bei Dombeleuchtung ein Viesenfeuer- werk auf dem Rhein abgebrannt. Das ^ettungswerk. Im Jahre 1924 wurde festgestellt, daß die Grundmauern des Mainzer Domes im Laufe her Jahrhunderte schwer gelitten hatten. Die pfähle, auf die die Fundamente des Domes nach dem Brand im 11. Jahrhundert gelegt wurden, 'waren auf weite Strecken angefault. Es stellte sich heraus, daß der Dom auf einer Länge von über IVyMeterhohl st and, ferner daß durch lieber« lastung die Gewölbe durch Risse bis zu 30 Zentimeter Breite völlig zerstört waren. Mit Hilfe einer Dombaulotterie und mit Unterstützung des Reiches und des Landes Hessen konnten die Mittel aufgebracht werden, um die kostspieligen S cherungsarbeiten durchzw |äf)ren. Der unermüdlichen und genialen Arbeit dss Professors Rüth (Darmstadt) ist es in erster Linie zu verdanken, daß der Dom völlig gesichert ist. Oberheffen. Oer Grünberger Gallusmarkt Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Z G r ü n b e r g , 17. Ott. Gestern abend wurde frr weithin bekannte und bedeutende Gallus- morkt mit einer Feier a u f dem Marktplätze eröffnet. Der Musikvsrein Grün- berg unter Leitung seines Dirigenten S ch i e tz e l brachte einige Musikstücke zu Gehör. Bürgermeister Jockel begrüßte dann in herzlichen Worten vom . ö'tzungssaale des Rathauses aus die zahlreichen Gäste und Bürger. Er führte etwa aus, daß der Gallusmarkt in früheren Jahren eine große Bedeutung gehabt habe. Er wies ferner auf die großen Hege im 17., 18. und 19. Jahrhundert hin, die ®rünbera stark in Mitleidenschaft zogen, und er« vähnte Die schrecklichen Auswirkungen des letzten ziwßen Weltkrieges. Auf die Entwicklung unserer otcbt haben diese Ereignisse wesentlichen Einfluß schabt. Grünberg, daß an einer der Hauptverkehrsstraßen von Rorddeutschlond nach Süddeutschland liege, hatte zu damaliger Zeit größere Bedeutung im deutschen Vaterlande als heute. Der Gallus- • mturt wurde im Jahre 1481 durch Kaiser Jrndrich III. gestiftet. Er wurde drei Tage vor und br.-i Tage nach Gallus gehalten. Er war der bebau» liiibfte Markt für die ganze Gegend. Heute wird er nur noch zwei Tage gehalten. Im Kriege hytte er cn Bedeutung sehr verloren, doch nach dem Kriege ging es wieder allmählich aufwärts. Der Bürger» meifter gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Gallus- mft wieder zu seinem alten Glanze erstehen und 01t Bedeutung gewinnen möge. Als Zeichen dafür, tag der Gallusmarkt eröffnet ist, ließ der Bürger« meifter vom oberen Rathausfenster die ©run» Berger Stadtfahne hissen. Rach einem weiteren Musikstück wurde die eindrucksvolle Feier be- tnbet. Der 21 u f t r i e b zum heutigen Viehmarkt bitt von 8 bis 9>6 Uhr statt. Es waren 626 kchweme, 29 Rinder, 17 Pferde am Markt. Der Warft war schon am frühen Morgen gut besucht, iinb es dürfte sich im Verlaufe eine rege Geschäfts- tilflteit entwickeln. Um 1 Uhr mittags findet ein Platzkonzert, «u »geführt von der Oberhessischen Orchestervereini- |ung unter Leitung ihres Musikdirigenten Horst Büöinger Verkehrsfragen. !! Büdingen, 16. Oktober. )n feiner jüngsten Sitzung hat berQemeinbe« tat zunächst über ben für Bübingen so wichtigen Junft „B 0 u eines Anschlußgleises vom kahnhof Bübingen nach dem Basalt» ti r f „D i st r i k t Ochsengemäul" beraten, t lat jedoch einen definitiven Beschluß über seine lüeUigung an der Erbauung dieses Industriegleises ivch nichl gefaßt. Die von der Stadt Büdingen ge- firberte Bürgschaft (Zins- und Abtragsgaran- für den Betrag von 550 000 Mark wird als die ^hrefien der Stadt weit übersteigend angesehen. C£. wird verlangt, daß die anderen Jnteresienten, üstesondere die Fürstlich-Vfenburgische Jtr maltun g als Inhaberin der Gemarkung ?uLinger-Wald und Besitzerin des für den Ausi ftiluö von Basaltsteinbrüchen in erster Linie in Be- tiacht kommenden Geländes, außer dem einzuwev- fmften Gelände (Werb etwa 20 000 Mark) sich ebenso mit einer Zins- und Abtragsgarantie beteili- gin. Darüber hinaus soll auch die B a s a l t st e i n » ;atfe U f d) a f t, die das einzige bis heute unmit» rfdhur interessierte Unternehmen darstellt, aufgefor- üitt werden, über die zu leistenden 150 000 Mark Irans weitere Sicherhellen für das Aufbringen ih Zinsen und Abtragungen zu leisten. 3m übrigen wurde im Zusammenhang mit der •tadje folgender Beschluß gefaßt: .Dem Oemeinberat wirb von der Niederschrift rrn 26. September L 3. Kenntnis gegeben. Weiter ari bis von bem Jngenieurbureau Schmitt 8- Hett ■Urtnffurt a. M.) vorgelegte überschlägliche Er- :wgrberechnung vom 3. d. M. vorgetragen. Semeinberat Dr. Weimer ist in biesem Punkte Äuskunftsperson anwesenb. I^ach ausgiebiger Debatte wurde beschloßen: l.Der Bürgermeister wird ersucht, zu einer in aller Kürze anzusetzenden Sitzung Vertreter der Minsterien des Innern, der Finanzen und für Arbeit und Wirtschaft und den Kreisdirektor des Kreises Bübingen einzuladen, um mit diesen die Möglichkeit einer baldigen Inangriffnahme des Bahnbaues Bü» dingen —Ober see men zu besprechen. 2- Mit der Führung weiterer Verhandlungen, zu den«, auch noch andere Sachverständige herangezogen werden sollen, wird die Finanzkommission beauftragt. Die We.terberaiuna soll sich vorzugsweise auf die bis jetzt nicht berührten Gebiete erstrecken, jedoch soll auch den anderen Vertragskontrahenten eröffnet werden, daß die lieber« nähme eines so großen Risikos durch die Stadt nicht ohne eine weitere Beteiligung derStan » desherrschaft unb der Firma Basalt- st e i n - G. m. d. H. erfolgen kann." Die von der Stadt Büdingen in Verbindung mit den umliegenden Landgemeinden aufgenommenen drei Autolinien Haden sich, im Gegensatz zu der von der Postverwaltiing projektierten Linie, sellher rentiert. Es kann mit einer Aufrechterhaltung auf die Dauer, mindestens aber solange, bis die Bahn Oberseemen—Bübingen—Hanau erbaut ist, gerechnet werben. LattvLretS Gietzen. Bg. Großen-Bus eck, 16. Okt. Gastwirt unb Metzgermeister August (verlach, Besitzer der Gastwirtschaft „Zum Schwan", feierte heute sein 25 j ährt g e s Geschäftsjubiläum. Der Gesangverein „Germania" feierte seinen Vereinswirt durch ein Ständchen, überreichte ihm ein Blumengebinde und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Auch von seinen übrigen zahlreichen Freunden wurden dem Jubilar reiche Ehrungen zuteil. ' Ettingshausen. 16. Oft. Unsere Kir - i chengemeinde feierte am Sonntag ein sel- j lenes Fest, Unser verehrter Pfarrer Vies wurde vor 25 Jahren in den Pfarrdienst hier ein» gewiesen. Da Pfarrer Vies am Vormittag in der vakanten Pfarrei Münster Dimst hatte und Dekan Schmidt von Grünberg für die Pfarrei Ettingshausen bestimmt war, konnten die Vorbereitungen fast bis zuletzt heimlich betrieben werden. Es brauchte nur der Festgottesdienst vom Vormittag auf den Vachmittag verlegt zu werden, da dann der Jubilar wieder aus der Pfarrei Münster zurück war. 3m Gottesdienst predigte Dekan Schmidt über das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden. Der Gesangverein trug unter Leitung von Lehrer Simon zwei prächtige eindrucksvolle Chöre vor. Vach dum Schluhgebet hielt Pfarrer Schick iim Anschluß an 2. Tim. 4,2—5 eine Ansprache, in der er die Bedeutung solch eines seltenen Tages im allgemeinen und hier im besonderen würdigte. Dann trug der Schülerchor unter Leitung von Lehrer Knoll das schöne Lied „Lobe den Herrn 0 meine Seele" mehrstimmig vor, und Lehrer Knoll brachte namens des Schulvorstandes Glückwünsche dar. Vachdem Präsident Ochper für den Gesangverein Konkordia und Kirchenvorsteher Walther namens des Kirchenvorstandes den Jubilar beglückwünscht hatten, überreichte Bürgermeister O p v e r im Auftrag der Gemeinde eine prachtvolle farbige Wiedergabe des Hos- mannschen zwölfjährigen 3esus unter den Schrift- gelehrten. Sichtlich ergriffen dankte der Jubilar für die unerwarteten Ehrungen. Dekan Schmidt, der absichtlich in der Predigt das Jubiläum nicht erwähnt hatte, wünschte noch namens des Dekanats Gottes Segen für des Jubilars weiteres Wirken mit seinen mannigfaltigen Gaben, und schloß die harmonisch verlaufene Feier mit dem Segen. Unter den Klängen „Harre meine Seele" leerte sich das dichtbesetzte, schön mit Blumen geschmückte Gotteshaus. Am Vachmittag erschien noch Superintendent Wagner. ein früherer Ortspfarrer von Ettingshausen, zur häuslichen Feier. Als es dunkelte, erklangen im Pfarrhof Posaunenklänge. Der Posaunen- chor der Gemeinschaft trug fünf wohl- geschulte Chöre vor uni) brachte auch mündlich seinen Glückwunsch dar, worauf der 3ubUar noch ein schönes Dankwort über das Leben und Wirken miteinander und füreinander sprach. Daß bei der von dem einträchtigen Leben von Pfarrer und Gemeinde Zeugnis ablegenden Feier auch verschiederlllich die große Arbeitslast, die sich Pfarrer Vies mit dem Erziehungsverein aufgeladen hat. erwähnt wurde, ist selbstverständlich. Lich, 16. Oft. Am Sonntag feierten die „Fünfziger" unseres Städtchens ein frohes Wiedersehen. Don nah und fern waren über 63 3ugendkameraden und -kamera- dinnen herbeigeeilt, um alte Erinnerungen auszutauschen. Die Feier wurde am Samstagabend durch ein geselliges Zusammensein im Stein- schen Saalbau eingeleitet. Die beiden, um das Gelingen der Feier besonders verdienten Vorsitzenden der Vereinigung. Beigeordneter 3 h- r i n g und Danlbeamter Schlotthauer. fanden im Verlauf des Festessens die rechten Worte, um die Bande der Freundschaft und Kameradschaft zu erneuern und zu festigen. Der Sonntag wurde durch einen gemeinsamen Kirchgang eröffnet. 3m Gottesdienst wirkte der Pofauneirchor mit, Stiftsdechant Kahn sprach im Anschluß an die altlirchliche Epistel des Tages über „neue Menschen", ll^ach dem Gottesdienst fand eine Trauer,eier auf dem Friedhof statt, bei der Herr Schlotthauer die Gedächtnisrede hielt. Auch hier wirkte der Posaunenchor mit Mit einer gemütlichen Vachfeier am Vachmittag in Steins Saalbau wurde das schöne Fest geschlossen. U Vodheim a. d. H 0rl0ff. 16. Oft. Am Sonntag wurde unser neuer Geistlicher, Pfarrer Kornmann, der seither in Frankfurt als 3ugendpfairer amtierte, in sein Amt feierlich eingeführt. Die Einführung fand im Vormittagsgottesdienst durch Dekan S c r i b a (Vidda) statt, der Gemeinde und Pfarrer gutes Einvernehmen und ersprießliche Zusammenarbell wünschte. Seine Antrittspred'.gt baute Pfarrer Kornmann auf das Schristwvrt Apostelgeschichte Kap. 4, V. 29, auf. Tie an dieser Stelle ausgesprochene greuingLii, mit der die ersten Christen das Wort GotteS verkündigten, will auch er bei feiner Wirksamkeit üben. 3n warmer, überzeugender Weise wußte er der Gemeinde eine wahre Feierstunde zu bereiten. Die erbauliche Wirkung wurde noch bestärkt durch die Mitwirkung des Männcrgcs'Ngvercins „Sängerkranz" Vodheim, der den Gottesdienst durch Vortrag eines Chores verschönte. Möge die Amtstätigkeit unseres neuen Geistlichen in gleicher Weise segensreich und wirkungsvoll sich gestalten, wie der gottesdienstliche Auftakt! — Die wirtschaftlichen Verhältnisse in heutiger Zeit zwingen besonders die Landwirtschaft, über alle möglichen Wege nachzusinnen, die den Detricb rentabler gestalten. Erstmalig versucht man hier, einem neuen Zweig des Feldbaues Eingang zu verschaffen: dem Erdbceranbau. Ein hiesiger Landwirt ist soeben daran, einen etwa li/2 Morgen großen Acker als Erdbeerplantage anzulegen. Vur bewährte Sorten älterer, sowie auch neuerer Züchtung kommen zur Anpflanzung. Es sind dies die Sorten: Späte von Leopoldshall, Deutsch-Evern. Votkäpple vom Schwabenland und Oberschlesien. Ein gutes Absatzgebiet ist bereits gesunden, so daß die Ventabilität gesichert erscheint. Auch der Hühnerzucht wendet man hier in letzter Zeit mehr 3nteresse zu. Etwa sieben bis acht Einwohner sind dazu übergegangen. nur noch Vassegeslügel zu züchten. Sie beabsichtigen, sich in Kürze dem Geflügelzucht- Verein Hungen anzuschliehen, um dadurch auch Ausstellungen beschicken zu können. Kreis Friedberg. WSR. B a d - R 0 u h e i m, 16. Okt. In einer der letzten Rächte wurden zwei hiesigen Einwohnern am Johannisberg 12 Hühner abgeschlachtet u n b g e st 0 h l e n. Die Diebe waren in die ein« gefriebigten Gärten eingestiegen unb hatten bie Hühnerställe erbrochen. Kreis Büdi. Zrn. * Tübingen, 16. Oft. 3n der Zeit vom 21. big 23. Oktober wird in Büdingen der nahezu schon seit 600 Fahren bestehende Gallus- markt auf einem vollständig neu errichteten Marktplatz abgehaften. Die große wirtschaftliche Bedeutung des Marftcs zeigt sich in den bis jetzt schon sehr reichlich eingegangenen Anmeldungen sowohl für die Beschickung des Pferde- und Vindaiehmarftes. als auch des Kram- und Schaubueenmarktes. Für den Schau- budenmarkt w rä cine Au otunnel ahn, eine Vaub- tierschau, Dö.kerschau, Hippodrom. Ctagenpano- rama und vieles andere Ausstellung nehmen. Montag, 22. Oktober, wird Pferdemaickt und am Dienstag, 23. Oktober, Pferde-, Rindvieh-, Schweine- und Krämermarkt abgehalten. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung von Händ- lerpserden, mit dem Rindviehmarft eine Vind- viehprämiierung verbunden. * Nidda, 17. Okt. Das kommende Winterhalbjahr der Gewerbeschule Nidda, bas am 29. Oktober seinen Anfang nimmt, bietet ben jungen Handwerkern, die sich eine gründliche theoretische Fachausbildung aneignen wollen, wieder beste Gelegenheit hierzu. Kein junoer Handwerker sollte sich diese Gelegenheit entgehen lassen, zumal das Semester in die geschäftsstille Zeit der Wintermonate fällt. Die Schule vermittelt ihren Schülern besonders die theoretischen Kenntnisse, welche ein Handwerker bei der Führung seines Geschäftes heute unbedingt beherrschen muß. Bei der Unter« richtserteilung erfahren die einzelnen Fachrichtungen weitestgehende Berücksichtigung, indem verwandte Berufe zu Fachabteilungen zusammengefaßt sind. Es bestehen Abteilungen für Baugewerbe, Maschinenschlosser, Elektro-Jnstallateure, Möbelschreiner sowie Weißbinder und Maler. Innerhalb der einzelnen Abteilungen wird des Schüler mit zeitgemäßen Konstruktionen und Formen, sowie mit den Gesichtspunkten der wirtschaftlichen Betriebsführung bekanntgemacht. Interessenten mögen bie heutige Anzeige beachten. △ Vidda, 15. Oft. Am Sonntagabend entstand im Kino hier im Gambrinussaale eine große Panik dadurch, daß ein kleines Stückchen Film in Brand geriet, was von einem Zuschauer beobachtet worden war. Plötzlich rief jemand von den mehr als 300 Besuchern „Feuer!" Sofort entstand ein furchtbares Gedränge nach den Ausgängen. Vur schwer gelang es einigen Besonnenen, die aufgeregte Menge zu beruhigen und ein schweres Unglück zu verhüten. * Kohden, 15. Oft. Der Land- und Gastwirt Heinrich Uhl III. hier verkaufte die kleinere von seinen beiden nebeneinanderstchendTn H 0 f r e i t e n an den Geflügel- und Butter- Händler Rudolf Orth aus Vidda für 7000 Mk. Der neue Besitzer will von hier aus sein Geschäft weiter betreiben. Kreis Schotten. f Gedern, 16. Oft. Das Bettlerunwesen hat in unserer Gegend geradezu überhand genommen. Aus diesem Grunde hat die hiesige Gemeindeverwaltung Wohl- sahrts scheine Herstellen lassen, die zum Preise von 5 Pf. auf der Bürgermeisterei an die Einwohner ausgegeben werden. Kommt ein Bettler, dann gibt man ihm einen derartigen Wohlfahrts schein, den er an amtlicher ©tdle eingelöst bekommt. Vachllager und Verköstigung können alsdann bezahlt werden. Daß dieser Weg für die Bettler nicht angenehm ist, beweist mitunter die Zurückweisung der Scheine mit der Bemerkung, daß man doch nichts damit an» sangen könne. — Auch in diesem Herbst findet, wie alljährlich, eine Sammlung von Kartoffeln und Gemüse usw. für daS hiesige Dezirkskranfenhaus statt. Da die Kar- toffekrnte in den einzelnen Dezirksgemeinden als gut bezeichnet werden kann, erwartet man, daß die Spenden reichlicher fließen als im Vorjahr. ch Aus dem Oberwald, 16. Oft. Diele Arbeiter aus ^unserem Gebiet, die sich im Sommer nur notdürftig von der Laift>wirftHaft nähren können und im Winter als Holzfäller tätig waren, haben nun eine Dauerbeschäf ti- gung im oberen Viddertale gesunden. Die Gegend von Gedern abwärts bis Ortenberg hat sich zu einem kleinen 3ndustriegebiet umgewandelt, in dem lohnende Beschäftigung geboten wird. Alittelpunkt ist das Hirzenhainer Eisenwerk, dessen De.'egschast sich sehr gesteigert hat. Aber auch die vielen Dasaltbrüche in Gedern, Merkensritz und Liß berg, sowie die Grabstein- geschäste, Kunststecnbetriece. Holz'ä'ereien, Bau- geschäfte und die Mühlenbauanstalt in Lißberg benötigen dauernd Arbeitskräste. Kreis Alsfeld. H Alsfeld, 16. Okt. Der hiesige Der- kehrs» und Derschönerungsverein hatte zum ersten Male wieder nach einer längeren Reihe von 3ahren einen Wettb ewerb im Fensterblumenschmuck veranstaltet. Bei der in der letzten Vorstandssihung erfolgten Wertung wurde festgestellt, daß der während der Kriegs- und Vachkriegszeit hier geschwundene Sinn für Fensterblumenschmuck wieder im Erwachen begriffen ist. Für Auszeichnungen kamen nach Ansicht der Kommission 63 Teilnehmer des Wettbewerbes in Frage. Es wurden 5 erste, 8 zweite, 12 dritte, 6 vierte, 9 fünfte Preise und 23 lobende Anerkennungen verteilt. Die Preise werden im kommenden Frühjahr in Gestalt von Blumenstöcken verabfolgt. Weiter befaßte sich der Dorstand mit den Derfehrsverhältnissen auf der Strecke Alsfeld —V ieberaula. Der neue Winterfahrplan weist sehr einschneidende Aenderungen im Gange der Züge zwischen Alsfeld und Viederaula auf, die teilweise eine Verschlechterung des Fahrplans bedeuten. Der Verein nahm hierzu eingehend Stellung, es sollen die angeführten Mißstände zwecks ^Abhilfe den zuständigen Stellen zur Kenntnis gebracht werden. Ferner wurde beschlossen, zwecks Prüfung, welche Anpflanzungen noch in der näheren älmgefcung der Staat vorgenommen werden sollen, einen Gemarkungsrundgang zu veranstalten. Weiter beschloß der Vorstand, sich mit einer Eingabe an die Stadtverwaltung zu wenden, in welcher diese ersucht wird, nach Ablauf der bestehenden Verträge ein weiteres Halten von Schafherden in der Gemarkung Alsfeld nicht mehr zuzulassen, da man zu der äleberzeugung gekommen ist, daß ohne diese Maßnahme ein Arbeiten auf dem Gebiete der Verschönerung in der LImgebung der Stadt nicht möglich ist. Starkenburg. WCV. Darmstadt, 16. Oft Ein seit zwei 3ahren von den Staat^anwaltschaf en in Darmstadt und Stuttgart gejuchter Verbrecher wurde jetzt auf dem Bahnhof in Worms durch einen Beamten der Bahnpolizei festgenom- m e n. Ein 23jähriger Bursche veriuchte am Ex- preßgutschafter auf falschen Vamen ein Paiet abzuheben. Bei der Festnahme wurden im De itz des Schwindlers vier falsche Ausweise gefunden. Vach längerem Leugnen gestand er verschiedene schwere Einbrüche ein. Außerdem hatte er im Lcrcher Wald cine Grpres.ung an einem Handwerkslmrscken begang n, den er unter Bedrohung mit einem Revolver zur Herausgabe seiner Barschaft von 10 Mk.. seines Sonntagsanzuges und seiner beiden goldenen Rin^e zwang. 3n feinem Besitz fand man ferner einen geladenen Armerrrvolver und einen scharfkantig geschlissenen Dolch. Lpd. Darmstadt. 16. Oft. 3n die Wohnung des Schulrats 5 af finger in der Heidelberger Straße drangen während dessen AbwesenhcLt Diebe mittels Vachschlüssel ein und stahlen eine größere Anzahl Schmucksachen, goldene Uhren, drei. Anzüge und sonstiges. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Rheinhessen. LPD. Mainz, 16. Okt. In ben letzten Tagen wurden hier in brei Kirchen bie Opfer ft öde erbrochen unb ihres Inhalts beraubt. Nunmehr ist es ber Polizei gelungen, ben Kirchenräuber in der Person eines 30jährigen Arbeiters aus Bayern zu ermitteln unb fest zunehmen. Er ist wegen Einbruchsbiebstahls mehrfach vorbestraft. Lpd. Oppenheim, 16. Okt. 3n der Vacht zum Sonntag erschlug nach vorauSgegangen• 6 Zylinder, gute Bergsteiger, au» bestem Material 1^1* ^cr des Kenners, neustes Modell, sofort liefer- Viyslvl bar in verschiedenen Preislagen den 16. Oktober 1928 Gießen ^vsutevbausLiung Sckulitrakre 5 Spezialität: Alle Kneivv- KsLWviiutev Für 1005Rm. ab Köln (einschlieblich Bahn, Dampfer, Hotels und Verpflegung) können Sie eine vierwöchige Vergnügungsreise nach AMERIKA und zurück machen mit gleichzeitiger Besichtigung von London und Pari» WHITE STAR LINIE Bebr. JuUmaun, Gießen, Bahnhotstr. 85, Tel. 1542 und Enge Schneller, Bfillngen A. HeUer’sohe Buchhandlung, Bahnhofstraße 5, Telephon 16 und Hermann Löb, Weinstube Naafs Bärten WaUtorstr.34,T.1520 Heute kommi wieder ein srischeö Fah la Tranbenmost -um Ausschank. ,tragen Sie Ihren Arzt, was eine Kur mttreinemTranben' most für Ihr Wohlbefinden bedeutet! Glas JC 0.40 einschl. 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Mstnlltz« 1 ter leb- im ;ett ff«* (8)4? des,§2 t S5Äg- un ui rneix Lx'S Mts 8TJS5 Ä- und mit einet * W Qrrf Ibltz te & «»a tei £* 5 NwTur,t 'eil i^'egt do A rensch « und NÜLunder dag' £ Ad, allem ihres in irogninbigen, entbunden fir Gestalt gewon « (leider ost gei uns scheint, b recht Schaeffer AborüirdiM i Dinge und Q Äwielichi zwis ieren Schicho - ^on gete’imni pWen regie öenö, ungreisöl Dlieöcrnten fart sich in den Tasten am toi und Unter El mehr als i Wische Aer «inschauen der °>e lchm Eren feine Gestalten mit de gehalten und ,?.n ebenbürtige inen & «ÄS •srS Nr 245 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Mittwoch, (7. Oktober 1928 Neue Romane und Novellen. — Klabund. Borgia. Roman einer Familie. 242 Seiten 8°. Phaidon-Derlag, Wien 1928. (434) — Lieser Roman, eine ter letzten Arbeiten des Frühverstorbenen, knüpft stilmäßig an frühere Erzählungen wieder an, etwa an die Histone „Pjotr". Hier ist Klabunds eigengeschaffene Form des impressionist.schen Kurzromans, die seiner stilistischen Diktion entspricht, und die eine Erzählung entstehen läßt, welch: man leicht, Seite um Geile, Kapitel um Kapitel, wie einen Unter» Haltungsroman im Fluge liest. Dann! soll nichts gegen die künstlerisch: Leistung des Buchs gesagt sein, im Gegenteil, es ist eine außerordentlich gute Arbeit, die sicherlich zum 'S. ft en und Stärksten gehört, was Klabund zci letems geschaffen hat, angesichts derer man fein allzu- srühes Scheiden doppelt schmerzlich betrauern muß, nachsinnend darüber, was von dieser ursprünglichen und vielseitigen Begabung uns noch hätte oeschieden sein können. Man kann, nach der Lektüre weniger kurzer Stunden, zunächst nur wiederholen, was in den ersten Krit ken des Buches schon betont wurde: daß es ergreifend sei, hier äu erleben, wie dieser in jungen Jahren unheilbar Kranke sich mit diesem Roman in eine der lebendigsten Epochen der beschichte xurüdgeträumt und sie in sprühenden, glühenden Farben wieder habe erstehen lassen: die Zeit der italienischen Renaissance, Zeit der unersättlich gesteigerten Lebensliebe, Prunkfreude und Machtgier, die stürmisch bewegten Ta;e der bor- aesischen Herrschaft in Italien. Die Geschichte von Dlück und Ende der berühmten und berüch.igten Dynastie Borgia wird in diesem Roman mit einer erstaunlichen Kraft visionärer Einführung und mit einer drama ischen Konzentration vor uns aufgebaut, die, wie ebenfalls mit Recht bemerkt wurde, nicht allen Schauspielen des Dichters im gleichen Maße innewohnt. 5Xe Gestalten des Papstes Alexanders VI., Cesares, Lukrezias, Savonarolas, Macchiavells, Karls VIII. von Frankreich und Michelangelos erstehen mit einer bewundernswert en Plastik und inneren Wahrhaftigkeit, als handelnde Personen der Historie gegen; inanterg führt, in einem Wirbel hemmungsloser, entfcsselter Leidenschaften oft schrecklich und erschreckend, aber immer im Menschlichen tief begründet und verwurzelt. Sicher scheint uns zu sein, daß viele beim Lesen dieses kleinen Romanes, von Tichterhänden geführt, tiifer und unmittelbarer ins Wesen einer fern abliegen den Zeit hineingesührt werden als durch manchen dicken historischen Wälzer. — Albrecht Schaeffer: Mitternacht, Zwölf Rovellen. 218 Seiten 8°. Im Insel-Derlag $11 Leipzig, 1928. (482) — Diese Erzählungen — »usammengeschiossen in einem Bande, welcher die früher erschienene Sammlung „Das Prisma" fortfuhrt — scheinen uns zum Wichtigsten und Reifsten zu gehören, was die gegenwärtige deutsche Prosa auszuwe-sen hat. Richt allein um ihrer äußeren Form, um des giasllaven und in sich ruhenden Sprachstils willen, der etwas von ali- meisteriicher Würde ausstrahlt..., sondern vor allem ihres inneren Gewichtes, der zeitlosen, untergründigen, seelischen Mächte wegen, tue hier entbunden sind und auf eine magische Weise Gestalt gewonnen haben. Magisch: nur mit diesem «leider ost genug mißbrauchten) Wort kann, wie uns scheint, die Kunstweise des Erzählers Alb- recht Schaeffer umschrieben werden. Er greift ins 2lbgründige und Wesenlose hinein und formt Dinge und Menschen, die in einem zitternden Zwielicht zwischen Diesseits und Ienseits stehen, deren Schicksal und deren Denken und Handeln von geheimnisvollen Kräften aus unbewußten Bezirken regiert w.rd. Eine Seelen-Kunst, schwe- benb, ungreifbar und dennoch klar, fern von der ierglicbcrnten Kühle jüngster Forschung, offenbart sich in dem, was Schaeffer berichtet. Ihm ist das Tasten am großen Geheimnis, am Unbewußten und Untergründigen im menschlichen Leben oiel mehr als eine modisch: Spielerei und zell- -tenössische Reugier: ihn trägt ein visionäres iluschauen der äußeren und wirklichen Dinge an die letzten Grenzen menschlicher Erkenntnis heran; leine Gestalten sind oft wie Traumfiguren und dennoch mit der Sicherheit eines Nachtwandlers iestgehalten und umrissen. (Kubin würde vielleicht ein ebenbürtiger Illustrator für diese Geschichten sein.) Und ihm gelingt alles, was er anfatzt. Unter seinen Händen wird die blutige Episode ms dem Bandenkrieg zwischen Weißgardisten und bvlschew k:n und die atemver setz ende Beschwörung eines Sensationsprozesses (der vor einiger Zeit ide Welt in Atem hielt) ebenso zum reinen Kunstwerk wie die Erzählung „Bom Fäßchen...“, bi« von Gottfried Keller stammen könnte, oder bi« sanften und weisen Legenden, die in den .Dorgenträumen" bereinigt sind. — Ein sehr sehr schönes, sehr wichtiges Buch. Ster Berlag hat es so würdig ausgestattet, wie es [einer Bedeutung entspricht. . ~ Der Zinsgroschen. Roman von Wil- ;»m Hegeler. In Ganzleinen gebunden 7 Mk. hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 36 und V«rlin-Leipzig (495). — Das Gesicht unserer (jeit, ihr Wirrsal und chr tüchtiges Streben wird ) er an einer Handvoll Menschen gezeigt, wie sie ms dem Schicksalsbecher der Rachkriegsjahre in buntem Wurf zusammenrolllen. Was diese Wenigen suchen oder was das Leben sie lehrt, ist in das Gleichnis vorn ..Zinsgrvschen" zusammen- kefaßt, so wie wir es heute verstehen: Gebt lern Alltag, was chm gebührt, aber laßt auch rer Seele ihr Teill So sinnvoll dies Gleichnis tan Ganzen untergelegt ist, der Hauptreiz des nomans liegt doch in der berückenden Wirklich- »it feiner Menschen, die von dem Dichter mit so ):s! Wärme und Humor erfüllt sind, daß sie ui$ zu Freunden werden, die wir ein Stuck Jeit begleiten, traurig, wenn sie wieder zurück- niuen in das Element, aus dem sie geschöpft Md. dec Gegenwart, deren Zukunft wir nicht dissen, deren Ziel aber im Streben dieser Men- !yen beschlossen liegt. — S i b y l l e n l u st. Roman. Von Wilhelm vpeher. Verlag Ullstein. Berlin. (387). — 9i<8 neue Werk von Wilhelm Speyer übt durch Schilderung seelischer Verwirrungen und ver- kangnisvoller Blutschuld auf den Leser einen Mhn, lange nachklingenden Einfluß aus. Un- tntrnuibar und folgerichtig zieht sich das Der- Für den Bücheriisch. hängnis über dieser ehemalig fürstlichen Familie zusammen und erst nach stärkster Erschütterung wird der Leser versöhnt entlassen. — Liebesfahrt zum Nordkap. Roman von Ludwig Dörfler. Gebunden 3,20 Mk., kartoniert 2Mk. Fallen-Derlag, Hamburg. (483) — In die erhabenen Naturdild.r, die eine Nord- kapfahrt eines deutschen Ozrandampfers zeigt, sind die Schicksale dreier Liebespaare geschickt J^J^ben, deren verschiedenes Wesen uns der Verfasser nicht ohne Reiz und F.inheit nahe- bringt. Bei allem Gleiten auf du: Oberfläche tritt doch d.e tiefere Absicht des Verfassers ter- Ull$ Mittel einer Erhöhung ^^sgefühls. iner Steigerung des mensch- lichen Geschlechts hinzustellen. Das neue Konversationslexikon. Rechtzeitig vor Weihnachten sind die ersten acht Bände der neuen, siebenten Qlu.t :ge von Meyers Lexikon*) erschienen. Ieder geistig Interessierte wird bi Je frohe Botschaft gerne hören. Diele w:rd:n sich noch daraus be, innen, wie es vor zwei Iahr.m um dis Lexikon stand. Damals lief durch di: Press: der ganzen Erde eine Notiz, „der Große Meyer sei tot", „die in Vorder, itung be indliche neue Auslage, für die das Material bis zum dritten Band: schon fertig b:arbeit.t sei tön e wegen Kapit l.nangels nicht erscheinen". Leid:r traf diefe Notiz im wesentlichen das Richtige: bi: Arbeite 1 mußten damals abgebroch:n Wernen. Eine deutsche Ueber- seezeitung rechnete Atoar aus daß „nur“ 320 000 Dollar zur Vollendung d:s Werles notwendig seien, und schrieb: .i.i d.utschameri'anischen Kreisen wird man darüber lächeln, daß an dem Fehlen eines so kleinen Kapitals ein so grosses Unternch.nen scheitern soll. . ." Die,es „Heine" Kapital war damals eben nicht auszutreiben. Denn was war zu jener Zeit ein Dollar, und wer konnte wissen, wie weit er noch steigen würdet Heute hat wohl jeder das Gefühl, daß die Periode der großen wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen e.ibgältij hinter uns liegt; jedermann h t den dringenden Wunsch, nun einen Ueb.rblick über den neuen Stand der Dinge zu gewinnen und b.n allen irgendwie auf- tauchenden Fragen einen sachlichen, zuverlässigen und doch unparteiischen Berater zur Hand zu haben. Gin solcher Führer ist der neue „Meyer" in seiner jetzigen Umgestaltung. Die Eigenart der siebenten Au lige test.hl zunächst rein äußerlich darin, daß sie nur 12 Bände, anstatt wie ihr: Vorgängerin 20, umfassen _ wird. Die Beschränkung ist erfreulich, weil sie auf die gesunkene Kiufkrait breitester Dolisschichten gebührend Rücksicht nimmt und weil die Darstellung der einzelnen Sachgebiete durch die straffere Zusamm'nsassung d s Stofes ganz zweifellos gewonnen h t. Wir konnten uns davon überzeugen, daß die Verringerung des Umfanges jedenfalls nicht auf Kosten der Vollständigkeit vorgenommen worden ist. Die Anzahl der Stichwörter und Derw:isungen scheint sogar noch erhöht worden zu fein; das ganze uBert soll deren etwa 162 000 enthalten und wild außerdem mit z hlreichen Textbildern, wosl- gelungenen, ansch ulich n Tafeln und neuzeitlichen Karten ausgestatt.t. Der neue „Meyer" toirb seine Ausgabe zw.isellos am besten in der Hand des Laien erfüllen, dem er über jedes Wissensgrbi.t sorill sagt, wie er braucht, um d.e vielfältigen Erscheinungen seiner Innen- und Außenwelt des privaten und des öffentlichen Lebens verjst.hen zu können. Er findet cingehenLe Darstellungen alles bissen, was die neue Zeit gebracht hat. So haben di: sozial wlitische Ge- sehgcbung, d S neu: Arbeit.recht die (S.ruiifen- scha ten d.r Technik und der N itureoissenschasten, bis hinab in die F.nnheiten der neuen Atom- theo i:n, ihren g bü;r:ntei Platz erhalt n. De' neue Geist, der mit der Psychologie in das Wirtschaftsleben, die Pädagogik, die Rechts- wisscnscha,t Einzug g h It:n hat kommt allmt- helben zum Ausdruck. Die leitenden Gesichts- punite für die Bearbeitung sind offensichtlich gegen früher andwe geworden, nicht nur der fachliche Inhalt, ten: alles getreu widerspiegelt, was die „neue Zeit' ausmacht, begründet Den Wert des neum „Meyer", bei der Bearbeitung der Artilel ist auch die spezifisch moderne, „so- zi. I sychologische" Betrachtungsweise wir sam ge- toefciL Und dieser Umstand ist es der für den tiefer Schürfenden die Be intzung 1 .3 Werkes reizvoll macht. Auf di: geschm.ickwli: und gediegene äußere Ausstattung des Wer.es sei noch besonders hingewllsen. *) Meyers Lexikon in 12 Bänden. Siebente, völlig neubearbeitete Anlage. Ueber 160 000 Artiiel und Verweisungen auj etwa 20 030 Spalten Text mit rund 5000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text; dazu etwa 610 besondere Dildei tafeln (darunter 96 farbig:) und 140 Kar- tenbdlagen, 40 Stadtpläne sowie 202 Text- und statistische Uebersichten. Ieder Band in Halbleder gebunden 30 Mark. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. (522). Schriften zur bildenden Kunst. — Gerhart Rodenwald t: D i e Kunst der Antike (Hellas und Rom). Propylaeen Verlag, Berlin SW 68, Ullsteinhaus. (388). — Als dritten Band der rühmlichst bekannten Pro- pyläenkunstaeschichte gibt Gerhart Rotenwaldt, der Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts, von seiner Dozententätigkeit an der Landesuniversität her hier noch bestens bekannt, die Kunst der Antike ganz wesentlich in einem außerordentlich umfangreichen, äußerst sorgfältig gesichteten und — wie es in dieser Sammlung selbstverständlich ist, hervorrageird wiedergegebenen Bildermaterial. Das Buch ist, wie das Gesamtwert überhaupt, ja für den gebildeten Laien in erster Linie bestimmt. Und mit diesem Publikum vor Augen kam es dem Verfasser vor allem darauf an, auf Kosten der Vollständigkeit und Systematik die wirklich großen Zeugnisse der antiken Kunst dem Leser im Bilde vor Augen zu führen und in dem kurzen, in seiner Prägnanz und Stilist.! gleich glänzenden Begleittext — auf etwa 90 Seiten Text entfallen fast 600 Seiten Bilder — die große Linie der Kunst von Hellas und Rom durch Markierung ihrer Gipfelpunkte herauszuaroeiten. Man darf sagen, daß dies dem Verfasser durchaus gelungen ist. Lektüre und anschauende Versenkung in dis monumentale Werk gewahren einen seltenen ästhetischen Genuß, darüber hinaus öffnen sie den Weg zum Verständnis der antiken Kunst und die Sehnsucht, die reine Welt von Hellas und Rom Auge in Auge zu schauen. — Kurt Gerstenberg: Hans Mult- scher. In der Sammlung „Deutsche Meister", herausgegeben von Karl Scheffler und Curt Glaser. 265 Seiten Groß 8° mit 125 Abladungen. Im Insel-Verlag zu Leipzig. (203) — Der namhafte Hallenser Kunsthistoriker hat mit dieser Vorbild ichen Monographie einen ungemein wertvollen Beitrag zur deutschen Kunstgeschichte, im befändern zur Geschichte der deutschen Plastik im 15. Iahrhundert geliefert. Seit etwa einem Dierteljahrhuntert beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem schwäbischen Bildhauer Hans Multscher und seinem Schaffen. Dem durchschnittlich gebUbeten Laien wird Multschers Werk kaum in etwa vertraut, sein Name vielleicht nicht einmal geläufig oder gar bekannt fein; aber er würde, wofern er überhaupt nur ein wenig Sinn und Blick für künstlerische Dinge hat, vermutlich überrascht, betrof en und ergriffen sein von der Kraft und der Lebensfülle auch nur einer einzigen Madonna, die aus Multschers Händen hervorqegangen ist. „Sein Name" — sagt der Verfasser — „wird künftig auch in der knappsten Uebersicht der deutschen Plastik des 15. Jahrhunderts nicht mehr fehlen dürfen. In der Zeit von etwa 1430 bis 1462 hat Deutschland keinen größeren Bildhauer besessen." Schon im Hinblick auf diese knappe und kaum widerlegbare Feststellung wird man das Werk Gerstentergs, abgesehen von seiner besonderen, rein wi senschaft- lichen Bedeutung, als ein so notwendiges wie willkommenes Dildungs- und kulturelles Aufklärungswerk einschätzen müssen insofern, als mit ihm einem großen Teil unseres Volkes die Kenntnis Hervorragenter tetenständiger Kunst- tentmäler wenigstens anschauungswei e vermittelt wird, von dmen die meisten Deutschen zuvor wohl nur eine sehr geringe Ahnung und Vorstellung gehabt haben. Das Bildermaterial, das Gerstenberg vorlegt, ist fast überwäl.igend, sowohl was die Füll: und Schönheit, wie die technische Vollkommenheit ter Reproduktionen betrifft. Bild reiht sich an Bild, systematisch und wohlüberlegt geordnet zu einem Gainen, zu einem imponierenden Eindruck vom künstlerischen Ge- samtschaffen Multschers, das immer aufs neue sowohl durch die kompositionelle Reife wie die geradezu modern anmutente Realistik seiner Fi- guren verblüfft und entzückt. Die innere Anordnung der Darstellung ist sehr einfach und uterzeu- gend: sie entspricht d:n drei umsangr.ichen Hauptwerken, auf denen Multschers heutige Schätzung beruht, und von denen jede wis.enschastiiche Ar- beii über ten Künstler immer wieder wird aus- gehen müssen, diese Werke sind: die Kargnische im Ulmer Münster; ter Wurzacher Altar (Derlin) und der Sterzinger Altar. Selbstverständlich sind auch die (noch weniger bekannten) Gemälde Mu tschers im gehörigen Zusammenhang textlich und mit vorzüglichen Abbildungen zur Geltung gekommen. Eine besondere wifsenschaft- liche Qua i ikation ter Multscher Monographie Gerstentergs ergibt sich aus tem von ihm erschloßenen und h er vorgelegten Maieiialzuwachs; „zahlreich: Merle aus Mu'tschers Werkstatt und Schule" — so bemerkt ter Verfasser selbst —. „die sich als Dogenstücke zwischen diese drei Pfeiler (ter Hauptwerke ei.ifügen las en, habe ich auf vielen Fahrten durch das württemtergische Oberland und durch Bayrisch-Schwaben kennengelernt, so daß allein schon durch dies bisher unbekannte Material eine neue Grundlage für die Multscher,rage gesch.-.f en worden ift“ — Die Anmerkungen (mit einschlägigen Quellen- und Literaturnachweisen) und ein Ortsregister runden das schöne und wertvolle Buch ab, das auch äußerlich jeder Bibliothek zur Zierte gereicht. — KurtHielscher: Oesterreich, Cante schaft und Baukunst. 304 Abbildungen in Kupfertiefdruck, Einleitung und Dildererläuterung von Dr. Rudolf Guby, Verlag Ernst Wasmuth 21.-®. Berlin W 8. Preis gebunden 26 Mk., m Halbleter 35 M?. (348) — So viel prächtige Bände uns nun Kurt Hielscher, der Meister der Kamera in freier Natur, auch schon im Rahmen der unvergleichlich schönen und instruktiven Bücherreihe des „Orbis Terrarum" geschenkt hat, immer wieder ist man aufs neue berauscht von dem unerhört feinen Gefühl, mit tem hier die richtigen Motive gesehen wurden und aus chnen herausgeholt wurde, was eben nur ein Künstler von Rang herauszuholen versteht. Die wundervolle Einheit von Natur und Kunst, wie sie in dieser Ebenbürtigkeit selten ein Land so bietet wie Oesterreich, kommt in diesen Bildern — wir denken etwa an Salzburg, an die alten Städte und festen Schlösser ter Wachau, an die Dome und Burgen am Donaustrand — außerordentlich eindringlich zur Wirkung. Ein von Iahr zu Iahr breiterer Strom deutscher Wallfahrer ergießt sich Sommer wie Winter ins österreichische Druder- land, an die Donau, nach Wien, der ehrwürdigen Kaiserstadt mit ihren Kunstschätzen, in die Berg» weit des Salzlammerguts, der Steiermark. Kärntens und Tirols, ihnen allen, denen Oesterreich Sehnsucht oder schon Erfüllung bedeutet, ist der neue Hielscher ein Quell freudigen Schauens, ein schönes Dokument deutsch-österreichischer Derbun- denheit. Drama und Lyrik. — Richard Dillinger: Das Perchtenspiel. Lanz- und Zauterspiel vom törichten Dauern, von der Windsbraut un) den Heiligen in einem A te. 67 Seiten 8°. 3m Insel- Derlag zu Leipzig. 1928. (372.) - Ein neuer Name in der deutschen Dramatik, und ein sehr meriwürdiges kleines Stück. Das Llbsonterliche und Llngewöhnliche liegt in der stili chm Mischung: das Ganze wirck wie eine Verbindung aus Max Mell und Karl Scho h:rr. Naturalismus und Symbolismus in einem Alte wnnder- lich verschwiitert; Legend? und ernsiha tes Volk?- stück zu gleichen Teilen gemischt. Wir llches u d Llnwir.lichcs läut d -.rch.i.ia d r. Bodeni'.ändiges und Märchenha tes treuzt sich zu einer Einheit, für welche auf dem Theater - denn das Spiel ist ja gewiß nicht nur als Lesestück gedacht — ein n u rD r eil u g i" g u dn wer en mü h: sehr schwierige, vi laicht fe;r dan.bi.e Au.ga e für den Reglfeur. i>er es hier mit Menseln aus Fleisch und Blut und mit vol.smylhvlogischen ©eiftgcftalten zu tun h it, mit Dauern und Perchten. Es gibt schöne (gute, Perchlen und .schieche") die wild und teufliich sind. Ormuzd u:iö Ahriman m der PH mtasie der Al>enbauern. Zwischen den schiechen _unb den schönen Geistern, unter ihrem b ld glückb i g: ihm, bald unseligen Eingrei en i s Menschlich-Däu -rische vollzieht sich Bild um Bild, das Schicksal der Irdischen Man kann es nicht gut erzählen, man muß lesen, hören und sehen. Und man mui willig fein und Phnntasie haben, wenn das Spiel vor einem anhebt mit seinen vielen Stirn:ien, feinem aus Himmel und Erde tönenden Chor: denn es begibt sich, so meint es der Dichter, in „einer nicht fernen, noch tountergläubigen, wundertätigen Zeit. — Friedrich Schnack: Das blaue ©ei ft erbau S. Gedichte. 119 <5 Len 8°. In Indanthvenlcmen 6 Mark. Verlag Jakob Hegner in Hellerau. 1924. (336) — Diese Sammlung gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten lyrischen Deröffentlichungen der letz.en Jahre; ein Merk, das inmitten einer unermeßlichen, unübersehbaren 5lut von lyrischen Büchern .n Deutschland und aller Welt seinen Wert bewahren wird kraft feiner Reife, seiner Eigenart und seines dichterischen Gewichts. Gedichte sind hier versammelt, aus einer unwirklichen Welt tes Traumes geboren, und eine Traumwelt aufrichtend, welcye manche Wirklichk il magisch überdauern wird. Friedrich, älterer Bruder des unfern Lesern besser bekannten An on Schnack, ist ein Zauberer des Wortes und der Sinne, ein vis 0- närer Gestalter und ein tief melodischer Musiker zugleich. Seine Gedichte sind von einer traumwandlerisch unbeirrten Kraft inne . en Erlebnisses, die man selbst da noch wird anerkennen müssen, wo man etwa feine Strophen rein ästhetisch nicht glaubt rechtfertigen zu können. Aber es gibt lyrische Gebilde in desem Buche — wir nennen etwa: „Zauberei", „Schneehühner In ter S adf, „Traumrcisclicd", „Dogeiwo k.", „Meers..h er". „Die Dorüterfchwcbend.", „Hausgeist', „Seelenwandlung" und „Zautersifche" —, von solcher Reinheit ter dichler.schen Linie, von solcher Klarheit ter Empfindung, so voll von Glanz und Atel ihrer Bllder, daß man, im Innersten an- gerührt, sein mitschwingendes Gefühl nur in die einfachsten Äußerungen zu kleiden vermag: dies ist schön; dies ist Wunder; dieser Mensch, der das geschrieben hat, schuf aus geheimnisvollen Gründen der menschlichen Seele ein vollendetes Kunstwerk. Gegenwartsfern und zeitlos, wird das „Blaue Geisterhaus" überall da genannt werten müssen, wo man das lyrische Edelgut unserer zerrissenen Gegenwart aus einer beängsti;end entfesselten Fülle des Geschaffenen auszulesen und zu sammeln bemüht ist. — Die verlegerische Ausstattung tes Dantes ist würdig und sehr gediegen. Aus fremden Liieraiuren. — Friedrich von Stendhal (Henri Dey le): Ar m a nce. Taschenausgabe auf Dünndruckausgabe im InscbDer'ag zu Leipzig.) (371). — In die reizvoll ausgestattete und von Arthur Schurig und Otto Freiherrn von Taube sorgfältig übertragene Ausgabe, die ter Insel- Derlag von den Werken tes großen französi,chm Romanziers veranstaltet, ist nun auch dieser erste Roman Stendhals, erstmalig ins Deutsche übersetzt, ausgenommen worden. Don einem Meister ter Sprache wird hier mit subtilster Ein ühlung in die psychologischen Bedingtheiten und der ost frappierenden, stets fesselnden Diktion, die ihm eigen, ein heikles Motiv, die Geschichte einer Liebe unter eigenartigen Voraussetzungen geschildert, zart, anmutig, erschütternd. — SigriöUnbfet: OlavAudunssohn auf Hestviken. 358 Seiten 8°. Geh. 5,25 Mk., geb. 7 Mk. Rütten und Loening, Verlag, Frankfurt a. M. (370.) — Zwei einander innig zugetane Menschen, gemartert vorn Bewußtsein ihrer Schuldbelatenheit, ringen um Glück und Ruhe. Mit weiblicher Feinfühlichkeit ist das Leben ter beiden und aller mit ihrem Schicksal verknüpften Gestalten gefchlltert, sind die vielfältigen und geheimnisvollen Wege der Seele bloßgelegt. Bei allem Ernst, ter aus tem schweren Geschick dieser Menschen strömt, ist das Buch reich an Hellen und frohen Bildern. — Gunnar Gunnarsson, Schiffe am Himmel. Roman. Preis in Leinen gebunden 10 Mk. Derlag von Albert Langen. München (498). — Durch seinen Islandroman „Die Leute auf Borg" ist Gunnar Gunnarsson sehr schnell berühmt geworden. Diese andere Well, die so nahe vor den Toren Europas liegt, konnte nur einer ihrer Söhne ganz unmittelbar schildern. Stärker fast noch liegt Unmittelbarkeit in den „Schiffen am Himmel"; lassen sie doch die Kind- hell des Dichters auf dieser Urwelt-Insel in einem zauberhaften Licht aufleuchten. Wir glauben alte Islands-Sagas zu erleben, wenn wir in diese weitverzweigte Sippe mit ihrer patriarchalischen Gastlichkeit untertauchen. Wir leben mit dem Dichter unter diesen Schafzüchtern, wir lieben seine Pferde und Hunte, wir machen den tagewellen Llmzug zu Pferd über Heide und reißende Ströme auf einen andern Hof mit. Dieses Kind hört das Gras wachsen, sieht Schiffe am Himmel segeln mit unirdischer Last, erlebt das Süßeste und das Blllerste mit seinen Wen- in Berlin, ik O'loder Berlin 133,75 134,-J Devisenmarkt Berlin—Frankfurt 286,5 81 12,13 s; 16? 152,25 138 30,13 148 148,25 215 150 Banknoten. 173,5 135,5 12.4 12 9,65 •24,5 288 210 187 292 168,75 169,5 135 Phutpp Hotzmann . Heidelberger (Semen! Eemeni Karlstadi 83a»6 4 Freitag Schpltdeis Tatzenhofa Lktwerke . . . Cet. Glanzftoss . , Dernberg .... 254 58 III 270.5 21 322,25 282 554 470 287,5 15'.25 186,5 teo.z: 148 136 Hl.6 :95.Z5 18?,25 <91.6 IhHJ. • '■3,26 170 60 •< I >4.75 106,25 190.5 82 50.75 111,98 81,56 6., 43 12.392 73,02 üUg Deundit lillcn'xitjn Vamburg-ülmerika Loket Hamb.-LÜdam Tampsich. -Pausa Dalnplichils •)?orDDeui(d)tr Lloyd r'lllg Deutsche Errditontt. . Barmet Bankverein Berlinei vandelsgcleUsch. Looimerj. und Privai-Bonk Darmll u NaNonalbank Deurschr Bant SktoniodSleieindioft «Int.. Dresdner Boni VNtreldkutlcke Erediwarck . Dlciallbant ...... «WXHtxmf ..... 4% Schweiz BundeSb.-Äul.. 4% CriterTeidiiid}t SoldNe.. . 4^!o% Lehm Lilberrie. . . 4% Ceftenctdi einheiil Site 1% Ungarijche (SulDtte 4% Ungarilche Staate v 1910 iy,% vesgl von 1*319 4% Ungariidit fironrntlp. 1% Zürt Zollonleihe o 1911 4% Türkhche Bagdadbahn-Anl., Serie l 4% oefrfil. Serie 11 4% Rumänen converi Nie Rumänen GaldonI oon 1918 29 j, 5 l?8.25 692,5 163.<6 170.7!, 134,75 8! Ul *V1 . 8 . 8 10 8 10 10 12 11 12 10 10 10 . 9 . 8 12 138 30.5 107 215 146,5 . 8 . 0 . 0 . 6 10 . 0 . 6 . C . 0 . 6 11 . 0 . 4 . k . 8 10 . 8 . 8 10 . k . 8 Wirtschaft. Deutschlands Anteil am russischen Außenhandel. West, und mit leidenschaftlichem Herzen klagt er den 'Duren an. den Bedränger der Deutschen in Sübwest, der als schlechter Treuhänder das übernationale Mandatsland rn se-.ne Gewalt zu bekommen sucht. . . — Indien unter britischer Herrschaft. Bon Prof. Dr. 3. Horowitz. (Handbuch der eng^cb-amer'.kanischrn Kultur, herausgegeben von W. Di'betius.) Geh. 4,80 Mk. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig. (438). — Indien stellt vielleicht das schwierigste und wichtigste von allen Problemen dar, ml denen die englische Welt- herr'chaft in unserer Zeit zu ringen hat. Das Merk von Horovih gibt einen ileberbJid über Indiens Geschichte vor dem Eindringen der Engländer, über Werden und Ausbreitung der bri- tuchen Herrschaft. Sich stetig verbreiternd und vertiefend, behandelt cs sodann Bevölkerung. Wirtschaft. Berwältung und erörtert eingehend die Fragen, die unmittelbar zur Lösung des heutigen Problems beizutragen bestimmt sind. 190,13 81,9 50,4 110,1 256,5 56 111,25 270,5 Datum: ... “7 ... io .... 8 ... 10 ... 15 ... 12 ... 18 Kunst und Wissenschaft. Eröffnung der 7. ReichvschulmiHkwoche in München. Die 7. Rcichsschulmusr?woche wurde am Montagvormittag im Auditorium maximum der älniversität München in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, u. a. auch aus Oesterreich und der Tschechoslowakei, mit Begrüßungsansprachen des Leiters des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Professors Ke st ende rg (Berlin), des bayerischen Kultusministers Golden« berg er, Staatssekretärs Dr. Lammers (namens des Reichsministers des Innern) und des Oberbürgermeisters von München, S ch a r n a g l, eröffnet. In den Ansprachen kam die Verbundenheit der deutschen Kultur in Deutschland und ui Oesterreich zum Ausdruck, auf die auch der Vertreter des österreichischen ^lntecrichtsministeriums, Professor K o b a l d, in einem auf der Tagung erstatteten Referat verwies. Ec betonte, daß es in der Kunst, die in Oesterreich und in Deutschland aus denselben Wurzeln komme, keine Grenzen, sondern nur ein deutsches Volk geben könne. 3,8 *.9 Die Vorbereitungen auf die End: Oktober Aussicht genommenen Handelsvertragsverhandlungen zwischm Deutschland and der 11. S. S. R. werfen ihre Schatten voraus. In der deutschen sowie in der sowletruisischen Pres.e wird bereits das T rrain sondiert. In der Hauptsache handelt es sich dabei um die Frage des A uhen Handels Monopols. Die Russen halten an dem Auhenhande smonopol als einem unverrückbaren Bestandt il des Wirt- stramon'Ac vkoren ■ Hollätivtlche Violen...... Stülierüfdje Violen...... Norwegische Noten . . . . Dcuisch^eslerr, ä 100 Kronen Rumänische Vloten...... Schwedische Violen ...... Schweizer Violen ...... 6 panische Noten ...... Tschechoslowakische Violen . . Ungarische Vioteo 18,5 । 87,25 i 118 137,5 □0.2 >07,5 I .'6,75 615 148 Zucker etwas gefragt und 1,25 o. H. fester. Auto- und Schiffahrtswerte waren gut behauptet. Deutsche Anleihen zogen weiter etwas an. Am Markte der Auslandrenten Ungarn erneut etwas schwächer. Im Verlaufe blieb die Stimmung lustlos, und das Ge° fdjäft schrumpfte weiter zusammen. Verschiedentlich bröckelten die Kurse erneut etwas ab. lieber die Kreise, die die Farben-Verkäufe in der letzten Zeit vorgenommen haben, herrscht immer noch Ungewißheit, angeblich soll das Angebot hauptsächlich aus holländischen Verkäufen herrühren. Weiterhin verstimmte die anhaltende Anspannung des Geldmarktes, an dem Tagesgeld zu 7,5 o. H. nur geringfügig leichter war. Am Devisenmarkt war die Mark weiter gebessert. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1990, "gegen Pfund 20,371, London gegen Kabel 4,8504, gegen Paris 124,20, gegen Mailand 92,60, gegen Madrid 30,03, gegen Holland 12,0975. Börse. B erlin, 17. Oktober. Abgesehen von den Spezialpapieren (Neubesitzanleihe und Warenhauswerte), eröffnete dis heutige Börse in überwiegend schwacher Haltuna. Die Aussperrung im Rheinland verstimmte, zumal die gestern bereits aufgetretenen Geldbefürchtungen anhielten. Kauforders außenstehender Kreise waren kaum vorhanden: im Gegenteil, es bestand von dieser Seite eher Verkaufsneigung. Die festen Neuyorker Börsen finden überhaupt keine Beachtung mehr, doch ist es bemerkenswert, daß auch die anderen europäischen Auslandbörsen eher nach'unten tendieren. Die gemeldete Sofina - Gesfürel - Gründung drückt sich in den Kursen der beteiligten Papiere nicht aus. Karstadt konnten im Zusammenhang mit den jetzt bekanntgewordenen Einzelheiten über die französische Gemeinschaftsgründung bei 212 v. H. Interesse erzielen. Laurahütte konnten 3,75 v. H. an» ziehen. Sonst waren meist nur Kursrückgänge festzustellen, die sich aber im allgemeinen im Rahmen von 1 bis 2 v. H. hielten. Polyphon waren mit 6,5 v. H., Glanzstoff mit 6 v. H., Schlesische Elektro-Gas mit 3,75 v. H. und Svenska mit 5 Mk. angeboten und gedrückt. Deutsche Anleihen ruhig. Neubesitzanleihe nach einem Anfangsgewinn von 0,5 v. H. im Verlaufe wieder nachgebend. Ausländer behauptet. Bosnier 0,25 bis 0,50 v. H. höher. Pfandbriefmarkt geschäftslos, Rentenpfandbriefe gefragt. Der Geldmarkt war unverändert angespannt. Tagesgeld war mit 6,5 v. H. bis 8,5 v. H. gesucht, Monatsgeld 8 bis 9 o. H., für Warenwechsel nannte man einen Satz non 6,90 bis 7 v. H. Im Verlaufe wurden die Kurse fast ohne Ausnahme weiter schwächer. Stärker rückgängig waren Polyphon, Reichsbank, Danatbank, Berliner Handelsgesellschaft, Kaliaktien, Zellstoff Waldhof und Ludwig Löwe. Ebenso lagen einige Werte mit Abschlägen bis zu 3 v. H. angeboten. Eine Ausnahme machten Deutsche Linoleum, die zeitweise 4 v. H. über Anfang umgingen. Frankfurter Getreidebörse. Fr-ankfurt a. M., 17. Ott. Bei etwas höheren Auslaadnokierungen war die Haltung am hiesigen Produktenmarkt stetig. Die Umsatztätig- Eeit beschränkte sich auf ein Minimum, wobei Weizen bevorzugt war. Futtermittel waren etwas stärker angeboten und neigten weiter zurSchwäche, so mußte sich Mais eine Preisreduzierung von 0,25 Mk. gesallen lassen. Auch Weizenkleie lag etwas niedriger. Am Mehlmarkt wurde der Preis für Roggen mehl erneut um 0,25 Mk. herabgesetzt. Im übrigen biteben d e Votierungen unverändert. Es wurden notiert: Weizen 23,63 bis 23,75; Aag- gen 22,75 bis 23: Sommergerste für Brauzwecke 25,50 bis 25,75; tnl. Hafer 23,25 bis 23,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,50 bis 21,75; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 34 bis 34,50; Aog- genmehl 30,50 bis 31,50; Weizenkleie 14,25; Rog- genkleie 14,75 Mark. Tendenz: stetig. schen und Tieren, weil er sie so sehr heben muß. Zum seligen Kinde kann man werden durch dieses Buch einer himmlischen Kindheit. Politik und Geschichte. — Germania Romana. Ein Bilder-Atlas Herauseegeben von derVömisch^Germanischrn Kommission^ des Deutschen Archäologischen Instituts. Zweite ertocikrte Auflage. IV.: i e Weihedenkmäler. Mit Erläuterungen von I Koepp. 66 Seiten 8° Text. Dazu ein Band Tafeln (XLVIII Seiten 8°). C. C. Buchners V.r- lag in Bamberg. 1928. (329.) — Die bekannte, unter der Obhut des vormals Frankfurter, je5t Gött'nger Archäologen Professor Dr. Friedrich Koepp stehende Publikation d:r R. G. K. des Deutschen Archäologischen Instituts wird mll den beiden vorliegende Heften, welche der Behandlung der Weihedenkmäler Vorbehalten ist, m dankenswerter Weis.' fortgeführt und erweitert. Der stattliche Tafelband vereinigt auf 58 grog- formatigen Seiten durchschnittlich 5 bis 6, ausnahmslos ganz vorzüglich reproduzierte Photographien der verschiedenartigsten, oorüxegeno plastisch-architektonischen Bruchstücke, die mit Sicherheit als Weihedekmäler anaesprochen werden können. Der Textband en hält neben einem fefjr aussühr'ichen Karalog zu den einzelnen Abbildungen (die ohne jede Textbeigabe erscheinen), sowie Literaturanwcisen einen gründlichen und gediegen fundierten Kommentar mit archäologischen, kultur- und religionsgeschichtlichen Ausblicken. Von den einzelnen Denkmälern dürfte vor allem die große Iuppitersäule in Main; (Tafel I bis V2), gesunden in den Jahren 1934/5, von besonderem Interesse für die Vorgeschichtsforschung unserer engeren Heimat sein. — Deutsche Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters. Von Professor Dr. Th. Mayer. In Sammlung Wis enschaft und Bildung Geb. 1,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (331) — Auch im Wirtschaftsleben und hier vielleicht mehr als in der Politik gilt der Sah, daß man aus der Vergangenheit am meisten lernen könne. Infolgdes.en darf die jetzt in der Sammlung „Wissenschaft und Bildung" erscheinende deutsche Wirtschaftsgeschichte aus der Feder des Prager Wirtschaftshistorikers auf stärkstes Interesse rechnen. Der Verfasser leote den Hauptwert darauf, die großen Ent- wicklungslinien und die treibenden Kräfte des Fortschritts zu kennzeichnen und Typen zu formen. die das Verständnis für die Vorgänge erleichtern. In erster Linie zeigt das Bändchen, wie sich die verschiedenen W rtscha tiformen auseinander entwickelt haben, wie fruchtbar die Verschiebung des Welthande s vom Mit'.elmeer nach dem Borden und dein fernen Westen und wie nachteilig die politischen Zustände auf das aufstrebende deutsche Wirtschaftsleben gewirkt haben. - Maenner .Ludwig: Deutschlands Wirtschaft und Liberalismus in der Krise von 1 879. Berlin, Deutsche Verlags- gesellschaft für Politik und Geschichte m. b. H. (Einzelschriften zur Politik und Geschichte. Preis steif drosch. 3,50 Mk.) (401). - Es gibt keine beut- sche Partei, die nicht zeitweise mit Bismarck hätte ihre Krast messen müssen, und wenn der Kamps mit den Konservativen, mit Zentrum und Sozialdemokratie in einem Remisspiel oder gar mit einem Siege der Partei endete, so hat sich der Liberalismus von seiner Biederlage erst langsam wieder erholt. Wie der Kanzler auch den Liberalismus, seinen getreuesten Helfer im Einheitskampfe, von sich stieß und in eine Stellung fast völliger Wehrlosigkeit hineinmanövrierte legt die Arbeit klar. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur des deutschen Liberalismus wird auf ihre Stärke und Schwäche hin untersucht und die auseinanderstrebenden Elemente der liberalen Wirtschaft und der liberalen Ideologie verfolgt. Von besonderem Reiz ist die Wechselwirkung zwischen Wirtschaft unb Parlament, wie benn überhaupt in ber Arbeit eine Anzahl uns heute so wichtiger Fragen beleuchtet wirb. — Hans Grimm: Die dreizehn Briese aus Deutsch-Südwest-Afrika. 1. bis 5. Tausenb. Preis geheftet 2 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (355). — Was in „Volk ohne Baum" ber Dichter begonnen, bas führt hier mit heißem Bemühen ber Politiker fort. Ein ganzes Jahr hat Hans Grimm Deutsch- Südwest-Afrika mit ber ihm eigenen Zähigke.t unb Gründlichkeit von neuem studiert und seine Beobachtungen in Briefen an deutsche Zeitungen festgelegt. Diese dreizehn Briefe sind in ber vorliegenben Broschüre vereint. Hans Grimm gibt ein eindringlich klares unb überzeugendes Bild von Lanb unb Leuten unb ihren wirtschaftlichen unb politischen Verhältnissen, mit rücksichtsloser Offenheit rechnet er ab mit allen Schwächen unb Torh:iien der Deutschen daheim unb in Süd- scha tssvstems b>5 Sowjetstaates, bas den einzig möglichen D:rbindungsweg mit dcm kapitalistischen Wirtschaftssystem barsteile, fest, während in Deutschland das Außenhandel Monopol als Hinter is der unmittelbaren Geschäftsb:zie,umen zwischen Lieferanten und Aonehm-rr betrachtet und darauf hingewiesen wird, daß es erforderlich ist, eine direkte Verbindung zwischen den Produzenten inb Konsumenten herzustellen. Wenn, ehe man sich überhaupt an den Verhandlungstisch seht, schon Hind rnisse infol e geg n ei i .er fa scher Einstellung und Ein chähung best:hen, so kann man sich unschwer ei.'.e Vorstellung davon machen, wie schwierig sich die Verhandlungen cesta.ten werden. Im beiderlei ren In e e,fe toäre deshalb zu wünschen, daß die wirtschaftlichen Fragen im Wirtschaftsver.ehr beider Länder mehr als bisher in cir.ec sachlich unbefangenen Form behandelt würde,i. _ Um ein Bild des Handelsverkehrs ber USSR. mit Deutschland zu geben, bringen wir nachstehend eine Uebersicht der hauptsächlichsten Ein- und Ausfuhrwaren beider Länder. Dabei ist zu berücksichtigen, daß in den Ziffern des deutschen Imports nach Rußland auch die Lieferungen aus dem Ga- rantiefrebit zum Ausdruck kommen, deren Anteil in den neun Monaten 1927/28 jedoch, nach fowjet- rusfjschen Berechnungen, höchstens aus 83 Mill. Rubel abzuschätzen ist bei einer Gesamteinfuhr von 194,4 Mill. Rubel, ober 419,9 Mill. Mark. In neun Monaten 1927/28 wäre damit die Gesamteinfuhr Deutschlands außerhalb des Garantiekredits mit 111 Mill. Rubel bereits eine Kleinigkeit höher als im gleichen Zeitraum 1926/27 (110,4 Mill. Rubel), obgleich in dieser Einfuhr bereits erhebliche Garantiekreditlieferungen figurieren. Auf Grund dieser sowjetrussischen Schätzungen ist also die Einfuhr aus Deutschland auch auf Grund der sog. normalen Geschäfte beträchtlich gestiegen. Im einzelnen betrug die deutsche Einfuhr nach Rußland in neun Monaten des Wirtschaftsjahres 1927/28 u. a. an Maschinen und Apparaten 45,1 (neun Monate 1926/27 25,5 Mill. Rubel = 68 v. H. der Gesamteinfuhr, an Stahl- unb Eisenwaren 24,8 (9,1) Mill. Rubel = 68 v. H., an Elektroeinrichtungen 23,7 (9,5) Mill. Rubel = 66 v. H., an Maschinenteilen 14,4 (5,8). = 61 v. H., an Metallen 9,6 (7,1) = 24 v. H., an optischen und feinmechanischen Instrumenten 8,9 (3,7) = 77 v. H., an Chemikalien 8,2 (6,0) = 68 u. H., an Farbstoffen und Farben 7,4 (4,8) = 81 v. H. In der russischen Ausfuhr nach Deutschland nehmen bem Werte nach Rauchwaren mit 38,2 (15,7) = 49 Prozent ben ersten Platz ein. Cs folgen Eier mit 19,9 (13,2) Mill. Rubel = 63 Prozent, Butter mit 4.7 (3,7) = 24 Prozent, Leuchtöl mit 4,4 (4,1) — 15 Prozent. Därme unb Magen mit 3,7 (3,5) — 46 Prozent, Kaviar mit 3,1 (1,6) = 74 Prozent, Hülsenfrüchte mit 2,9 (6,6) = 64 Prozent, Schmieröl mit 2.4 (2,8) — 36 Prozent, Geflügel mit 2,4 (0,6) — 22 Prozent, Tabak mit 2,5 (2.3) = 64 Prozent, Asbest mit 2,0 (1,2) = 86 Prozent, bearbeitetes Holz mit 4,0 (2,0) — 13 Prozent bes Anteils Deutschlands an der russischen Gesamtausfuhr in den neun Monaten bes Wirtschaftsjahres 1927/28. 1152,75 1186,75 186,75 148,25 136 141 295,5 187,5 291,0 169,25 163,75 169,5 207,5 134,25 305,75 J^clö ‘ 16,40 167,81 21,96 111,60 '■Hrier 16,‘Si’ 168.49 2.2.04 112,01 59,12 2,53 112,44 80,88 67.71 12,452 73,32 a. 2H. 125.25 : -81.5 560 170 15 .85.13 209 । Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben bie Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 Prozent. Lombardzinsftiß 8 Prozent. * Preußische Lanbes-Pfandbrief- a n st a l t, B e r l i n. Wie mitgeteilt wird, ist ber bei ber Anstall bis zum 10. Oktober zur Zeichnung aufgelegte Teilbetrag ber achtprozentigen reichsmünbel- sicheren Goldmarl-Pfandbriefe, Reihe XIII, voll gezeichnet worden. Auch der bisheriae Absatz der zum Verkauf gestellten achtprozentigen Goldmark-Kommu- nalobligationen, Reihe XIV, weist ein befriedigendes Ergebnis auf. * Dbcnmälbcr H a r t st c i n - I n d u ft r i e A.-G., Darmstadt. Zur Geschäftslage 1928 hört man, daß sich die Ersparnispolitik der Reichsbahn im letzten Jahre auch bei der Hartsteinindustrie, die bas Schottermaterial liefert, bemerkbar gemacht hat. Das laufende Geschäftsjahr ist bisher allgemein etwas ungünstiger gewesen, als die Vorjahre. Man erwartet indessen, daß die Reichsbahn im neuen Etatsjahr wieder umfangreichere Bestellungen tätigen wird, zu mal da sie in allen Erklärungen betont bat, daß die Sicherheit des Verkehrs, zu dessen Erfordernissen auch die Schotterung gehört, in erster Linie berücksichtigt werden soll. Die augenblicklichen Absatzhem- mungen in der Hartsteinindustrie dürften demnach vorübergehender Natur fein. Hinzu kommt, daß ber fteigenbe Automobilverkehr burch ben notmenbig geworbenen Ausbau ber Hauptchausseen bie Zukunft der Hartsteinindustrie aller Voraussicht nach sehr günstig beeinflussen wird. * Das neue Verwaltungsgebäude de't I.-G.-F ar o eni n du st ri e. In den näduften Tagen wird in Frankfurt a. M. mit den Arbeiten zur Errichtung des neuen Verwaltungsgebäudes der I.-G.-Farbenindustrie begonnen werden, nachdem jetzt der Vertrag mit Professor P oelzi g (Charlottenburg) abgeschlossen worden ist. Der Dan wird einen umbauten Raum von 180 000 Kubikmeter umfassen, die Bebengebäude von etwa 40 000 Kubikmeter. Unter Zugrundelegung eines Satzes von 45 Mk. für jeden umbauten Kubikmeter ist mit einem Kostenaufwand von ungefähr 10 Mill. Mk. zu rechnen Bei ungestörtem Fortgang der Bauarbeiten hofft die Verwaltung, das neue Gebäude in zwei Jahren beziehen zu können. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 17. Oktober. Tendenz: luftlos. — Bei anhaltender Drberlofigteit eröffnete die heutige Börse in außerordentlich stiller und l u st l o s e r Haltung. Die Umsatztätigkeit beschränkte sich auf ein Minimum, wobei das Angebot wieder überwog. Bei der herrschenden Unlust und Zurückhaltung ließ sich die Börse wieder nicht durch die fortgesetzten Kurssteigerungen des Neuyorker Marktes beeinflussen. Anderseits verursachten die Aussperrungen in der Rheinischen Textilindustrie verstärkte Unsicherheit. Vor allem war man verstimmt über das Angebot, das wieder in der Farbenaktie zutage trat, die 2,60 v. H. nied- driger eröffnete. Später hielt die Slbgabeneigung an, und der Kurs ging erneut um 1 v. H. zurück. Im übrigen traten bei uneinheitlicher Kursentwicklung überwiegend Abschwächungen von etwa 1 bis 2 v. H. ein. Stärker abgeschwächt waren in Reaktion auf die gestrigen Steigerungen Gesfürel, die 3,5 v.H. einbüßten. Von den anderen Elektrowerten gaben AEG. 0,75 v. H. und Siemens 1,5 v. H. nach, während Licht 8- Kraft behauptet blieben. 1 bis 1,5 v. H. schwächer eröffneten Commerzbank, Dresdener Bank, Gelsenkirchen, Mannesmann, Zellstoff Waldhof unb Karstadt. Kaufneigung bestand dagegen für Deutsche Linoleum, die 3 v. H. anziehen konnten. Llußerdem waren Süddeutsche Eine neue Kredi^altion. Wie die „Köln. Ztg." hört, soll eine neue E x - portkreditaktion unternommen werden, unb zwar in folgenber Form: Einige beutsche Privatbankhäuser haben gemeinsam mit der Reichskrebitgesell- schaft über einen größeren Wechselkredit mit einer amerikanischen Bankengruppe ein Abkommen getroffen. An dieser Krebitaktion sollen sich zunächst nur Firmen beteiligen, bie einen größeren Kredit beanspruchen (von 100 000 Mark aufwärts). Die Auswahl ber Firmen geschieht anbers, als bei ber allgemeinen Exportkrebitversicherung; sie wirb nämlich'über ben Deutschen Jnbustrie- unb Hanbelstag von ben Handelskammern vorgenommen werden. Da dieser Weg von vornherein eine gewisse Garantie für die Bonität ber in Frage kommenden Firmen bietet, so kann hierdurch das Risiko für das Reich, das die Garantie übernimmt, gemindert werden. Das Reich wird sich durch Rückversicherung bei Versicherungsgesellschaften decken. Was den Zinssatz des Wechselkredits angeht, so soll er sich auf nicht ganz 3 v. H. über ben amerikanischen Privatbiskont stellen. Gouverneur Strong f. Neuyork, 16. Oft. Gouverneur Strong von ber Neuyorker Dunbesreservebank, ber sich vor zehn Tagen einer Operation unterzogen hatte, ist heute in einem hiesigen Krankenhause gestorben. Frankfurt a. M Sajlufc-) l»UI)r- 16. 10. | 17. 10 Scllftoff Dalvhos . . . ßellftofi Slfdjaffcnburq . (Stjatloiteuburgec Walia Teslauei Gas . . . Daimler Motoren . . . Demag . . . « Avlcrmerke Kleva . . . CuBro. Loewe . . < Nat. Automobil . . . < Lrenklein A Koppel . < Leonhard Ttey . . < Backag-Megutn . . , , Franks. Maschine» . . < Griyner . . . . HeollgcnftaeBi . . » < Iungisans . . . . , Lechwerle. . . . « « ■ Mainkraftwerte . , . Miog . . • • , Nelayulmei . , . . Peters Union ... Gebr. Roeder . . . , , votgi 6 Haeffna . . , 6übb Zucker . . . . 3,2 26,6 26.1 — I 12,2 ; l>..| 11,8 24.2.'' 1 Sch utz ! An,ang Kurs | Kur>- 16. 10 | 17. 10. Froi:kkurt a. M Berlin Sd)lu8-| Kurs i 1-Uhr- Kur, Sch utz ’hniang R'ir, Kur» Datum 16 10. 17. 10 16 10. j 17 10. 6% Dt Reichsanleihe o 1027 Dt. Aul.-Ablöl.-Schuld mil An- 87..; — 87. s — Io>.-Rechien 50,8 — 50.9 50,9 TeSgl ohne tlueloi.-lHcditr 7% ßtanlf. Hyp.-Bl Goldps un 14 5 -- 14,85 13.9 14,9 kündbar bis 1032 56 21,975 10,576 1 22,015 i London. . . 40.3,8 2U.3B8 20,^7 20,337 Vieuuerf . . '.1955 1.4010 4,1955 4,2635 Ports.... 16,3b5 16.42) 16,.>85 10,42.) Schweiz . . Sva.iieu - 10.75 67 58 80,91 67-74 80,73 67,76 80,89 67,90 Japan . . . 1.924 1.946 1,926 0,5915 1,930 'liio de Ian ' 5015 0.5045 0,5035 Wien in D-» Ctft abqcfl Prag -8.94 12,,35 ■)9 06 12,45a 58,93 12,4,2 59,05 12,4)2 Belirad Budav'ft . 7.378 73.H 7,392 73,-8 7,3.1 73,14 7,385 73,28 Bul arten >,031 3.037 3,028 3,035 yntobon 18.68 18.9: 18,83 18,92 Tanrig 61.32 >1,18 81,52 81,48 Ronft .nttn 2,153 2,13. 2,133 2,137 rul-en >.425 5.43") o,42a 5,435 Tanava 1 1.1955 4,2035 4,195 4,203 Urn aa» - 4.266 4,274 4.266 4,2.2 Wro ■ I 20 87 40.91 20,8? 20,91 Berlm, 16. Oktober "leid töne Amertkaniiche VZotei..... 4,176 4J9ö Belgische Vtotcn ....... 58,18 58,42 Dänische Vtoren ....... 111.63 112.07 Enollsche Noten........ 20,325 20,405